1 le ein W, Ur. S32 Koimtagi, de» 5. Oktober 1890. f. Jahrg. »pen itt itmpeffl K.$'i 0 Tf H, ei nn neuste .if lerlinerHolfeWi. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. äff NU Das„Berliner Volksblatt" rai-er Erscheint täglich Morgens auker nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei lität e»>Mn'Z Haus vierteljährlich.3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 3 Pf. a 5 �Sonntags-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnemcnt 3,30 Mark pro Quartal. ueutaq.(Eingetragen in der Postzeiiungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) «f. Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Dcntschland und Oesterrcich-Ungarn � � 3 Utafit, für das übrige Ausland 3 Klartt pro Monat. Insertion sgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. 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Ich finde darin in einem »ki Uiu�lrtikel, gezeichnet Paul Ernst, folgende Stelle: tränen»'„Und wenn Engels jetzt unsre Opposition als„Stullen. identenrevolte" bezeichnet, so bitte ich ihn, doch zu zeigen, iss» k"3 wir andere Anschauungen vertreten haben, als er und Marx selbst, und wenn ich unsere parlamentarische Sozial- emokratie als theilweise sehr kleinbürgerlichen Charakters argestellt habe, so braucht Engels sich nur anzusehen, as er 1887 im Vorwort zu seiner Wohnungsfrage ge- hrieben hat." Mein Verkehr mit deutschen Schriftstellern- hat mich on seit Jahren mit gar verwunderlichen Erfahrungen Es scheint aber, er soll noch angenehmer werden. i. bei ÄMch soll Herrn Paul Ernst sagen, wo„wir" andere An- chauungen vertreten haben u. s. w. Nun, was die„Wir", ie neulich so großmächtig aufgetretenne und so kleinmüthig bgetretene„Opposition" betrifft, die ich als Literaten- Inb Studentenrevolte bezeichnet, können wir's kurz machen: __ ziemlich in jedem Artikel, den sie vom Stapel gelassen. irereVA Was aber Herrn Ernst selbst betrifft, so brauche ich Boyenstein das gar nicht mehr zu sagen. Ich habe es ihm znossep chänilich schon vor vier Monaten gesagt, und muß nun iarninMvohl oder Übel das Publikum mit dieser meiner„Ernst"- rren-Gefsichen Korrespondenz belästigen. Am 31. Mai d. I. schrieb mir Herr Ernst aus örbersdorf, Herr Hermann Bahr werfe ihm in der„Freien ühne" vor, er wende die Marx'sche Methode der Gc- hichtsauffassung in Beziehung auf die nordische Frauen- ewegung unrichtig an, und da möchte ich ihm„in ein ar Zeilen mittheilen, ob meine Ansicht der von Marx tspricht oder nicht, und mir außerdem den Gebrauch des riefes gegen Bahr gestatten." Darauf antwortete ich am 5. Juni, in seinen Streit it Herrn Bahr könne ich mich nicht mischen. Die .nordische Frauenbewegung" sei mir total unbekannt. Dann uhv ich fort: „Was Ihren Versuch angeht, Me Sache materialistisch u behandeln, so muß ich vor Allem sagen, daß die | Materialistische Methode in ihr Gegentheil umschlägt, nn nicht als Leitfaden beim historischen Studium be- �""delt wird, sondern �als ferlige Schablone, wonach man schneidet. Und aottbiM die historischen Thatsachen zurecht nftr. 1°knn Herr Bahr Sie auf diesem Holziveg zu ertappen ««»'..glaubt, so scheint er mir einen kleinen Schatten von Recht 1% sich V haben. acher nijS Quergt' JicitUlefou. chweriF"""'"'«-»b°«.n.1 t5 iet,. sep- 1 c. 51,& Uictoria. Roman von Minna K a n t s k y. verm. Aber jetzt stieß sie plötzlich einen Schrei ans. Sie empfand die Nähe eines anderen Wesens und führte -ach demselben eilten Schlag, der die beruhigende Gewißheit möbl. ü/b, daß Blnt und Kraft wieder in ihre Arme zurückgekehrt __ �. �fber die Heftigkeit der Bewegung ließ sie zugleich ihren ,il viris�'wn Standpunkt verlieren. Sie schivaitkte lind fiel ins Wasser, »- as über jie zusammenschlug. — Sojort fühlte sie sich gehalten und einen Augenblick, viel- wirv acht nur eine Sekunde lang, blieb sie ermattet und kraftlos, ____ �nz der Wonne hingegeben, sich auszuruhen. i...! Dann aber entriß sie sich ihrem Retter mit einem Ans- Jlllllll ifc der Entrüsulng und entfernte sich von ihm. Das Wasser littags'ächte ihr weit über die Hüsten hinauf, als sie jetzt festen __ Eisigen Boden unter sich suhlte. >einetn�„ Der Schwimmer hatte sich ebenfalls ans seine Füße ge- -rden f'Mt. Er witßte sehr gut, ivcn er vor sich hatte und bemerkte im NeWch, wie die Augen des Biädchens mit dem Ausdruck des rg*ft#' 3wfien Zornes ihm entgegenblitzten. „Sie sind' ein Unverschämter/ rief sie mit halb erstickter -- �7»tlmme. Erhalte ein übermüthiges Lachen. III jl',,„Weshalb? Doch nicht, weil ich Sie gehalten, nachdem l'|5ie ungeschickt ins Waster geplumpst sind Y" „Sie fassen ganz Norwegen und Alles was dort ge- schieht, zusammen unter die eine Kategorie: Spießbürger- thum und schieben dann diesem norwegischen Spießbürger- thum unbedenklich Ihre Anschauung vom deutschen Spießbürgerthum unter. Da stellen sich nun zwei Thatsachen quer in den Weg." „Erstens: als in ganz Europa der Sieg über Napoleon sich als Sieg der Reaktion über die Revolution darstellte und nur in ihrem französischen Vaterland die Revolution noch soviel Angst einflößte, um der rückkehrenden Legitimität eine bürgerlich-liberale Verfassung abzunöthigen, da fand Norwegen die Gelegenheit, sich eine Verfassung zu geben, weit dentokratischer, als irgend eine gleichzeitige in Europa. „Und zweitens hat Norwegen in den letzten 20 Jahren einen literarischen Aufschwung erlebt, wie ihn außer Ruß- land kein einziges Land gleichzeitig aufweisen kann. Spieß- bürger oder nicht, die Leute leisten weit mehr als die andern und prägen ihren Stempel auch anderen Literaturen auf, nicht zum mindesten der deutschen. „Diese Thatsachen machen es in meinen Augen nöthig, das norwegische„Spießbürgerthum" einigermaßen auf seine Besonderheiten zu untersuchen. „Und da werden Sie wahrscheinlich finden, daß ein sehr iveseutlicher Unterschied zu Tage tritt. In Deutsch- land ist das Spießbürgerthum Frucht einer gescheiterten Revolution, einer nnterbrochnen, zurückgedrängten Ent- wicklung, und hat seinen eigeuthümlichen, abnorm aus- gebildeten Charakter der Feigheit, Bornirtheit, Hilflosigkeit und Unfähigkeit zu jeder Initiative erhalten durch den 30jährigen Krieg und die ihm folgende Zeit— wo gerade fast alle anderen großen Völker sich rasch emporschwangen. Dieser Charakter ist ihm geblieben, auch als die historische Bewegung Deutschland wieder ergriff; er war stark genug, sich auch allen andern deutschen Gesellschaftsklassen mehr oder minder als allgemein deutscher Typus aufzudrücken, bis endlich unsere Arbeiterklasse diese engen Schranken durchbrach. Die deutschen Arbeiter sind gerade darin am ärgsten „vaterlandslos", daß sie die spießbürgerliche deutsche Bornirtheit total abgeschüttelt haben. „Das deutsche Spießbürgerthum ist also keine normale historische Phase, sondern eine auf die Spitze getriebene Karikatur, ein Stück Degeneration, grade wie der polnische Jude die Karikatur des Juden ist. Der englische, fran- zvsische%. Kleinbürger steht keineswegs mit dem deutschen aus gleichem Niveau. „In Norwegen dagegen ist Kleinbauernthum und Kleinbürgerthum, mit einer geringen Beimischung von Mittelbürgerthum— wie es etwa in England und Frank- reich im 17. Jahrhundert bestand— seit mehreren Jayr- „Was haben Sie hier zu thun?" „Dieselbe Frage könnte ich an Sie richten." „Das ist eine Gemeinheit." Sie war außer sich, sie wußte offenbar nicht, was sie sagte. Er kicherte höhnisch.„Was schreien Sie denn so, ich thue Ihnen ja nichts, oder wünschen Sie noch weitere Zeugen V „Ich will—" „Pst!" machte er, in übertriebener Weise zur Ruhe mahnend. Unwillkürlich und trotz ihres Zornes dämpfte sie ihre Stimme zu einem Flüstern herab:„Ich will, daß Sic sich sofort entfernen, damit ich ans dem Wasser steigen kann." „Mit dem größten Vergnügen; nur eine Frage noch, Fräulein Mili." „Ich habe nichts mit Ihnen—" fuhr sie auf. „Pst, pst!" „Ich verbiete es Ihnen, sich über mich lustig zu machen." „O, wie könnte ich das wagen, ich, ein ordinärer Kerl und Fräulein Mili, die mir stets so erhaben vorkommt, aber dieses Zusammentreffen im kühlen Grunde kann ich doch auch, bei Gott, nicht tragisch nehmen." „Ich will ans dem Waffer." „Ich auch. Meiner Sccl, mir. ist's gerade, als ob es zu sieden beginne. Das macht Ihr heißer Zorn, Fräulein Mili. Das Wasser um Sie herum ist— Feuer, Feuer! Ha, das brennt; und ich habe immer gedacht, Sic waren ei« eisU?ltcr Marmelstein. Ja, ja, ich gehe schon, das heißt, ich schwimme.",. Er that einen Schritt zurück und blieb wieder stehen. Hunderten der Normalzustand der Gesellschaft. Hier ist nicht die Rede von gewaltsamem Zurückwerfen in veraltete Zustände durch eine gescheiterte große Bewegung und einen 30jährigen Krieg. Das Land ist durch Jsolirung und Naturbedingungen zurückgeblieben, aber sein Zustand ist vollständig seinen Produktionsbedingungen angemessen und daher normal. Erst ganz neuerdings kommt ein ganz klein wenig große Industrie sporadisch ins Land, aber für den stärkste« Hebel der Kapitalkonzentration, die Börse, ist kein Raum. Und dann wirkt konservirend grade die ge- waltige Ausdehnung des Seehandels. Denn während überall andersivo der Dampf die Segelschiffe verdrängt, dehnt Norwegen seine Segelschifffahrt enorm aus, und hat, wo nicht die größte, sicher die zweitgrößte Segelflotte der Welt, meist im Besitz kleiner und mittlerer Rheder, wie in England, sage um 1720. Aber doch ist damit Bewegung in die alte stockende Existenz gekommen, und diese Bewegung drückt sich auch aus im literarischen Auf- schwung. „Der norwegische Bauer war nie leibeigen, und das giebt der ganzen Entivicklung, ähnlich wie in Kastilien, einen ganz anderen Hintergrund. Der norwegische Klein- bürger ist der Sohn des freien Bauern und ist unter diesen Umständen ein Mann gegenüber dem verkommenen deutschen Spießer. Und was auch die Fehler z. B. der Jbsen'schen Dramen sein mögen, sie spiegeln uns eine zwar kleine und mittelbürgerliche, aber von der deutschen himmelweit verschiedene Welt wieder, eine Welt, worin die Leute noch Charakter haben, und Initiative, und selbstständig, wenn auch nach auswärtigen Begriffen oft absonderlich, handeln. So etwas'ziehe ich vor, gründlich kennen zu lernen, ehe ich aburtheile." Hier habe ich also Herrn Ernst, wenn auch in Höf- licher Form, aber darum nicht minder klar und bestimmt gesagt,„wo", nämlich in dem mir von ihm selbst einge- sandten Artikel der„Freien Bühne". Wenn ich ihm aus- einandersetze, daß er die Marx'sche Auffassungsweise als reine Schablone gebraucht, wonach er sich die historischen Thatsachen zurecht schneidet, so ist das gerade ein Exempel voil dem„starken Mißverständniß" derselben Auffassungs- weise, das ich den Herren vorwarf. Und wenn ich ihm dann an seinem eigenen Beispiel, Norwegen, nachweise, daß seine auf Norwegen angewandte Schablone des Spieß- bürgerthums nach deutschem Muster den geschichtlichen Thatsachen ins Gesicht schlägt, so belege ich ihm damit im Voraus und an seiner eigenen Person, die jeneil Herrn ebenfalls vorgeworfene„grobe Uubekänntschaft mit den jedesmal entscheidenden historischen Thatsachen." Und nuil betrachte mau sich die zimperliche Sittsamkeit, womit Herr Ernst sich stellt wie die Unschuld vom „Richtig, die eine Frage noch, warum sind Sie denn nicht früher herausgestiegen, Fräulein Mili?" Sein To» wurde flüsternder, vertraulicher.„Ich habe Ihnen doch hübsch Zeit dazu gelassen, ich dächte, ich hätte mich lange genug nl respektvoller Entfernung gehalten, aber Sie ge- ruhten, mich immer näher kommen zu lassen— immer näher heran— und als sie endlich wie ein Sturmwind alle Zweige ineinander rüttelten, geschah das auch, um unbemerkt zu bleiben?" Ihre Augen hatten sich erweitert wie im Schreck.„Sie glauben doch nicht, daß ich—« sie konnte nicht weiter, ihre Brust hob sich krampfhaft und sie brach in ein lautes Schluchzen ans. Er stand vor ihr, betroffen, unbeweglich das Mädchen anstarrend, das so, vehrlos dastand, die Hände vor die iveinenden Augen geschlagen, dann sagte er in einem tiefen Ton, der reuig klang, trotz seiner Rauhheit: „Ich glaube nichts, als daß ich ein dummer Kerl gewesen bi«; meinetivegen nennen Sie mich auch einen miserablen, weitn es Ihnen Freude macht, aber verzeihen Sic mir." Als sie aufblickte, war er verschwunden, verschlungen von der rauschenden Fluth. Sie blieb, ohne sich zu rühren, die Augen nach dem Wasser gerichtet. Er mußte doch wieder auftauchen, doch wieder zum Vorschein kommen? Aber sie sah nichts— sie vernahm nichts, als das Klopfen ihres eigenen unruhigen Herzens. Endlich weit unten, unter der Brücke fast, erschien etwas Dunkles über dem mondbeglänzten Wasserspiegel. Sie athmete auf. Bis dahin war er unter dem Wasser geschwommen, es Lande, die in Berlin auf der Straße vom ersten besten gräflichen Lumpazius behandelt wird, als war' sie„so eine"! Wie die gekränkte Tugend tritt er vor mich, vier Monate nach obigem Brief: ich soll ihm sagen„wo"? Herr Ernst scheint nur zwei literarische Gemüthsphasen zu Hadem Erst, fährt er los mit einer Lieckheit und Zuversichtlichkeit, als sei wirklich etwas anderes dahinter, als Wind; und wenn dann die Leute sich ihrer Haut wehren, dann hat er nichts gesagt und klagt über schnöde Miß- achtung seiner reinen Gefühle. Gekränkte Tugend in seinem Brief an mich, worin er jammert, Herr Bahr habe ihn „ganz unglaublich unverschämt behandelt"! Verletzte Un- schuld in seiner Antwort au mich, wo er ganz naiv fragt, wo? während er dies seit vier Monaten wissen muß. Verkannte schöne Seele in der„Magdeburger Volksstimme", wo er den alten Bremer, der ihn: verdienter Maßen auf die Finger geklopft, auch fragt: wo? Und immer fragt der Seufzer: wo? Immer, wo? Will Herr Ernst noch weiter wissen, wo?— Nun, z. B. in dem Artikel der„Volks-Tribüne" über„die Ge- fahren des Marxismus", wo er ohne Weiteres die ver- schrobene Behauptung des Metaphysikers Dühring sich aneignet, als mache sich bei Marx die Geschichte ganz auto- matisch ohne Zuthun der(sie doch machenden)'Menschen, und als würden diese Menschen von den ökonomischen Verhältnissen(die doch selbst Menschenwerk sind!) als pure Schachfiguren ausspielt. Einem Mann, der die Verdrehung der Marx'schen Theorie durch einen Gegner wie Dühring mit dieser Theorie selbst zusammen zu werfen im Stande ist, dem möge ein anderer Helsen— ich gebe es auf. Und nun erlasse man mir die Antwort auf jedes weitere„wo?" Herr Ernst ist von einer solchen Frucht- barkeit, die Artikel gehen ihm mit einer solchen Behendig- keit ab, daß man überall auf sie stößt. Und denkt man, man sei endlich damit zu Ende, so meldet er sich noch als Verfasser von diesem und jenem Anonymen. Da kann unsereiner nicht mit und wird versucht, zu wünschen, Herr Ernst möge sich etwas verschreiben lassen. Weiter heißt es:„Wenn ich unsere parlamentarische Sozialdemokratie als theilweise sehr kleinbürgerlichen Charakters dargestellt habe, so braucht Engels" u. s. w. Theilweise sehr kleinbürgerlich? In dem Artikel der„Sächs. Arb. Ztg." der mich zur Erwideruug zwang, heißt es, der kleinbürgerlich-parlamentarische Sozialismus sei jetzt in Deutschland in der M a j o r i t ä t. Und davon, sagte ich, sei mir nichts bekannt. Jetzt will Herr Ernst nur die Behauptung vertreten, die Fraktion sei„theilweise" sehr kleinbürgerlich. Wieder die verkannte schöne Seele, der die böse Welt allerlei Schandthaten andichtet. Wer hat denn je bestritten, daß in der Fraktion nicht nur, sondern auch in der ganzen Partei, die kleinbürgerliche Richtung ebenfalls vertreten ist? Einen rechten und einen linken Flügel hat jede Partei, und daß der rechte Flügel der Sozialdemokratie kleinbürgerlicher Art ist, liegt in der Natur der Sache. Wenn's weiter nichts ist, wozu dann all der Lärm? Mit dieser alten Ge- schichte rechnen wir seit Jahren, aber von da ist es noch ein gut Stück bis zu einer kleinbürgerlichen Majorität in der Fraktion oder gar der Partei. Wenn diese Gefahr drohen sollte, dann wird man nicht aus die Warnungsrufe dieser sonderbaren getreuen Eckarte warten. Einstweilen hat der frische fröhliche Proletarierkampf gegen das Sozialistengesetz und die rapide ökonomische Entwick- lung diesem kleinbürgerlichen Element mehr und mehr Boden, Luft und Licht entzogen, während das proletarische Element sich immer übermächtiger entwickelt. Eins aber kann ich Herrn Paul Ernst noch zum Schluß verrathen: Weit gefährlicher für die Partei als eine kleinbürgerliche Fraktion, die man doch bei der nächsten Wahl in die Rumpelkammer werfen kann, ist eine Klique vorlauter Literaten und Studenten, besonders wenn diese nicht im Stande sind, die einfachsten Dinge mit Augen zu war eine Thorheit— aber, nun ja, sie konnte nun un- behelligt und ungesehen aus dem Wasser steigen. Drittes Kapitel. Die Glocke des alten Kirchthurms begann das Mittags- geläute. In der Baumwollgarnfabrik Victoria von Konrad Riehl herrschte noch immer eine rege, mannigfaltige Thätigkcit. Die Schwungräder der Dampfmaschine arbeiteten un- verdrossen und setzten durch zahlreiche Transmissionen die verschiedenen Maschinen in Bewegung, welche der kom- plizirte Prozeß der Garngewiunung bedingt. Die Kratz- Maschinen funktionirten kreischend in doppelter Bewegung. Hierbei wären ausschließlich Männer beschäftigt. Bei den Doublirmaschinen und Streckern, wo die, zu einem kon- sistenten Baude vereinigten Fasern, in Bänder gethcilt und durch fortschreitende Dehnung die uöthige Feinheit erhalten, standen nur Mädchen in Verwendung. In einem großen Saale waren die Spinnmaschinen aufgestellt. Hier wirbelten die Spindeln in dem rasenden Tempo von 8000 Touren in der Minute um ihre eigene Achse, und die Streckwerke gingen vor- und rückwärts, die Spulen abivickelnd, bis das feinste Garn gewonnen war. i Hier arbeiteten Männer und Knaben, die letzteren als Andreher. Welch eine Summe von Arbeit, welche Bewegung, durch geheimnisvolle Kräfte vollführt! Und wie das pfeift und surrt und quiekt und poltert! Aber all dieser ohrzerreißende Lärm wird noch über- tönt durch den Opener*), dem die Arbeiter selbst den Spitznamen„der Wollteufel" gegeben haben. Es ist die Vor- bereitungsmaschine, welche mit dem Rohmaterial zu mäni- puliren hat, und die noch konsistente Masse durch eine große eiserne Walze, welche in 3000 Umdrehungen in der Minute dagegen stößt, buchstäblich in Fetzen reißt. Was nicht Faser ist, ivird ausgeschieden; die schwereren Körperchen fallen zu Boden, die Staubtheile aber wirbeln heraus und erfüllen den Raum. *) Oeffner. sehen, und bei Beurtheilung einer ökonomischen oder politischen Sachlage weder das relative Gewicht der vor liegenden Thatsachen noch die Stärke der ins Spiel kommenden Kräfte unbefangen abzuwägen, und die daher der Partei eine total verrückte Taktik aufnöthigen wollen, wie sie namentlich die Herren Bruno Wille und Teistler, und in geringerem Maß auch Herr Ernst, ans Licht ge- bracht haben. Und noch gefährlicher wird diese Klique, wenn sie sich zu einer gegenseitigen Assekuranzgesellschaft zusammenthut und alle Mittel der organisirten Reklame in Bewegung setzt, um ihre Mitglieder in die Redaktionssessel der Parteiblätter zu schmuggeln und vermittelst der Partei- presse die Partei zu beherrschen. Vor zwölf Jahren hat uns das Sozialistengesetz von dieser schon damals herein- brechenden Gefahr gerettet. Jetzt, wo dies Gesetz fällt, ist sie wieder da. Und dies wird auch wohl dem Herrn Paul Ernst klar machen, weshalb ich mich mit Händen und Füßen dagegen wehre, daß man mich mit den Elementen einer solchen Klique identifizirt. London, 1. Oktober 1890. Friedrich Engels. polikililie Meberstchk. Die katholische Kirche macht fieberhaft eifrig in sozialer Frage— ein Beweis, daß sie sonst keine guten Geschäfte macht. Nach dem Lütticher Kongreß die Fuldaer Bischofskonferenz. Aus letzterer wurde ein„Hirten- schreiben" angefertigt, welches die bekannten, tausend Mal gehörten Phrasen, kaleidoskopisch durcheinander geschüttelt, den Gläubigen in die Ohren träufelt. Es ist das alte Eia-popeia. Ter Hauptgrund aller sozialen Uebel liegt nicht in äußeren Uniständen, sondern in der inneren Beschaffen- heit des Menschen, in dem Mangel richtiger Grundsätze— mit anderen Worten: der G l a u b e fehlt; wird die Welt zum richtigen Glauben gebracht und in den Stall der allein selig machenden Kirche zurückgeführt, dann ist die soziale Frage gelöst. Spaßes halber seien noch einige Pröbcheu mitgetheilt: „Man steuere jener entfesselten Habgier und Genußsucht, welche die Völker entnervt; man erfülle die Herzen der Arbeit- geber mit Gerechtigkeit, Billigkeit und Wohlwollen; man flöße den Arbeitern Arbeitsamkeit, Geduld, Genügsamkeit, Sparsamkeit, Bescheidenheit ein; man bewahre sie vor Unsittlichkeit und Unmäßigkeit; man schütze die Jugend vor Entartung, man schaffe ein sitten- reines und zufriedenes Familienleben,— und die soziale Frage, wie gefahrdrohend nnd schwierig sie sein mag, wird ihre Schärfe verlieren; ja, es wird auch zugleich die wesentliche Grundbedingung zur Verbesserung der äußeren Verhältnisse und Einrichtungen gegeben sein; die ersehnte Besserung derselben wird durch den freien und guten Willen beider Theile und ohne gewaltsame Umwälzungen eintreten." . Die guten Leutchen vergessen blos zu sagen, wie Jemand, der nicht genug hat zu einem menschenwürdigen Leben, die Tugenden der Genügsamkeit, Sparsamkeit nnd Zufriedenheit üben soll, und wie ein glückliches„Familien- leben" zu schaffen ist, wenn der Mann durch übermäßige Arbeit abgerackert, die Frau in die Fabrik oder zu sonstiger Arbeit außer dem Hause getrieben wird, und die Kinder unter den elendesten Verhältnissen aufwachsen? Mit hübschen Redensarten ist da nichts genutzt, hier gilt es politische Maßregeln durchführen und höchst materiell Hand anlegen. Etwas Neues, nnd sogar überraschend Neues, finden wir übrigens doch in dem Hirtenschreiben— nämlich die Mittheilung, daß die soziale Frage schon ein- m a l g e l ö st w a r. Es wird uns gesagt: „Ter übernatürliche Christenglaube hat in seinem Bereiche die furchtbarste soziale Frage zu einer Zeit gelöst, in welcher das Christcnthum, mitten in einer es verfolgenden heidnischen Well und unter dem Drucke des heidnischen Rechtes auf die äußere Umwandlung der Tinge noch keinen Einfluß üben konnte. Er gab den Aermsten, dem Sklaven, der Sklavin, das Bennißtsein ihrer natürlichen Menschenwürde und ihrer übernatürlichen Christen- würde, daß sie nämlich Kinder Gottes und Ebenbilder Christi seien; und dieses Bewußtsein machte sie stark, lieber den Marter- tod zu erdulden, als den Glauben zu verleugnen oder die Der Wollteufel vollbringt seine Arbeit unter einem ent- setzkichen Getöse. Es ist ein ununterbrochenes metallisches Jneinanderdröhncn von unheimlicher Kraft und Stärke, es ist eine ewige Melodie, die die Nerven ertödtet. Aber die Maschine hat keine Nerven, sie arbeitet weiter, arbeitet unaufhörlich, Tag und Nacht, in steter Gleichmäßig- keit und Akkuratesse, und fordert nichts, als die aufmerk- samste Aufsicht und Bedienung. Der einundzwanzigjährige Andreas hatte den Dienst bei dem„Opcncr". Cr entnahm dem mit Eisenreifen umgür- tcten Batten die ungereinigte graue schmutzige Baumwolle und stopfte den Wolltcnfel damit voll, der diese zerreißt und vom Schmutz und allen fremdartigen Bestandtheilen reinigt. Der graugelbe Schmutz, der durch den enormen Luft- druck dem Opcner entwirbelt, liegt aus seinen Kleidern, die nichts mehr von ihrer ursprünglichen Farbe zeigen, er über- deckt sein feuchtes Gesicht und rinnt zum Theil wieder mit dem Schweiß herunter. Eine noch dichtere Schicht dieser Unreinlichkeiten bedeckt seine Haare und den dünnen röth- lichen Flaum, der seinem Kinn entsproßte. Wie nahe er herzutrat und sich vorbeugte, so daß man vermeinte, er müsse mitgerissen und zermalmt werden! Aber er hantirte ruhig und sicher und selbst das Getöse hatte seine Wirkung auf ihn verloren, er war taub geworden. Das unaufhörliche Dröhnen hatte seine Ohrennerven ertödtet. Wie er sie haßte, diese Maschine, den Wolltenfel, der ihm alle Lebensfreude geraubt hatte, der ihn in einen Zustand versetzt, der ihn wehrlos dem Gespött preisgiebt, und ihn als einen Unzu- rechnuugsfähigen erscheinen läßt. Und er, in dessen Brust es jünglingshaft sich regte, nach Freude und Freiheit ver- langend, er mußte sein Knecht sein, er mußte es füttern, daS gefräßige Ungeheuer, den langen Tag hindurch, es schmieren und säubern und jede Sorgfalt ihm weihen. Und wenn er auch den Höllenlärm nicht hörte, so empfand er ihn doch in jedem Nerv. Der Boden bebte und zitterte unaufhörlich unter der Erschütterung und diese theiltx sich seinem Körper mit und dem ganzen Raum, und setzte sich weiter und weiter fort... Dem Saal, in dem der Opener Tugend zu verletzen. Dieser Glaube gab dem Arbeitet Hochschätzung seines Standes, der ihm nun nicht mehr aK' von grausamen Göttern, vom unerbittlichen Schicksal oder is die ungerechte Gewalt der Mächtigen und Reichen auferl? Fluch, sondern als der Stand des Sohnes Gottes erschien,' auf Erden nicht Genuß, sondern harte Arbeit, nicht Reicht sonderu Armuth, nicht das Herrschen, sondern das Diene», den Gehorsam bis zum Tode am Kreuze sich erwählt? Dieser Glaube wandelte aber auch die Herzen der Reichen? der Herren um und bestimmte sie, in den Armen und denn Herrschaft Unterworfenen Ebenbilder ihres Herrn und ErlW ihre Brüder in Christo zu erblicken und sie demgemäß zu ach* Au lieben und zu behandeln." So das„Hirtenschreiben". Wir glauben einige Geschichtskenntniß zu haben,' innern uns aber nicht, jemals von einer Zeit gelesen. haben, die der obigen Schilderung entspricht. Die Verst' des Hirtenschreibens können doch unmöglich an die M mischen Lehren und Praktiken der sogenannten Ur ch rifi> gedacht haben, denn besagte Personen waren nicht* Rebellen gegen die weltliche O b r i g k es sondern auch Kommunisten der schlimmst' Sorte. j Und solche Menschen will man uns doch nicht j Muster hinstellen. Oder doch? Wenn nicht, dann ver»» man uns wenigstens, wo und wann die soziale Frage* mal durch das Christcnthum gelöst war. Durch nuftre ueuliche Doti?, daß die Opposition t Unternehmer-Organe gegen den Arbeiterschutz-Ges> entwurf der Regierung nicht ernst zu nehmen> da derselbe den Unternehmern die denkbar größten l geständnisse mache, sollte nach dem„Leipziger Tagebl» und anderen Kartellblättern der Entschluß unserer Frakff besagtes Gesetz im.Reichstag zu verwerfen,! gekündigt werden. Nun, mit solchen Leuten, die sols Zeug schreiben, läßt sich nicht streiten. Wie kann die stf demokratische Fraktion sich über Annahme oder Ablehns eines Gesetzes schlüssig gemacht haben, über dessen M und Inhalt noch nichts entschieden ist? Das Eine köi» wir allerdings sagen: das Gesetz wird von uns verwek werden, wenn die reaktionären Bestimmungen des? wurfs, namentlich die gegen das Koalitionsrecht, nichs all gebracht und andere wesentliche Punkte(Festsetzung Arbeitszeit u. f. w.) nicht im Interesse der Arbeiter gere! werden. Wir wollen ein Arbeiterschutz-Gesetz, nicht Unternehme rschutz-Gesetz. Das Ulärcheu von der„Theilerei" ist nachg� so lächerlich geworden, daß bei der letzten Wahl sogal den entferntesten Dörfern kaum mehr die Rede davon � Nur hie und da an der russischen Grenze tauchte es und wann aus dem Nebel vorsündfluthlicher AnschauU» auf. Aber, wie wir nachgerade erfahren, giebt es au» Berlin e i n Großmütterchen, welches an das Altiv«? märchen glaubt; und besagtes Großmütterchen ist männl" Geschlechts und heißt Eugen Richter. Der g? Finanzvirtuose Eugen, dem leider das ABC der NaW Ökonomie noch zu den böhmischen Dörfern gehört, hat sff den Sozialismus todtgerechnet. Er berechnet näfl» „wie viel nach einer streng k o m m u n i st i s ch e n T h e i l* alles Privateigenthums in Preußen auf den einzelnen"j kommen würde." Nach seiner Jiechnung ergiebt sich ein sammteinkommen aller Privaten für Preußen von 8424 DM' Mark. Die Zahl der Personen, welche als Haushallin vorstände oder Einzelne ein selbstständiges EmkoinW# Preußen beziehen, beträgt 10 Millionen. Hieraus w« folgen, daß, wenn in Preußen alles Einkommen in einen» geworfen wird' und das Gesammteinkommen gleichmäßig theilt wird unter allen Haushaltungen und jetzigen Empfuff eines selbstständigen Einkommens, das jährliche Einkoii» sich auf nur 842 M. belaufen würde. Der große Euge». merkt dazu: Ein Jahreseinkommen von 842 M. würde unter der sozialdemokratischen Weltordnung nach derExpropv des gesammten Privatvermögens nach sozialistischer Recht' weise herauskommen, d. h. mit anderen Worten, unter der 1 demokratischen Weltordnung würden bei gleicher VertheiluNl Einkommens die sozialdemokratischen Arbeiter in den städten, den jetzigen Hauptsitzen der Sozialdemokratie,- weg ein geringeres Einkommen erhalten, als nj Zeit unter dem Ausbeutungssystem beziehen; denn ein einkommen von 842 M. ergiebt noch nicht einmal einen-s lohn von 3 M. Die- Maurergesellen in Berlin aber? wochenlang gestreikt, weil ihnen ein Tagelohn von 5% gering war. Diese Maurergesellen würden also beispiff' unter der sozialdemokratischen Weltordnung noch 2 M. W stand, war ein Halbstock aufgesetzt, der nur einen d# Bretterboden hatte. Da oben befanden sich die Hasplerm Die Haspelmaschinen waren nicht schwer und Haspleriniten, meist ganz junge Mädchen, waren leichter, der Boden trug sie. So konnte eine ganz, fchriftswidrige Anordnung seit Jahren bestehen, ohne.' dies zu einer Klage Veranlassung gegeben. Diese? d» sich schwingende Boden, war in immerwährender Vibttfj und den Mädchen, die darauf standen, zitterten thatsa» die Beine. Die kleine Franzel hatte hier ihren Platz, und ihr M Körper litt bedenklich unter den Erschütterungen und Getöse, das so deutlich von unten heraufdrang. WaV ihrer langen Arbeitszeit ist sie auf einen Platz geban»' ist ihr verboten, ihn zu wechseln, oder sich auch nur zusetzen. Und sie regulirt die Bewegungen des Rades. setzt die Spindeln auf, eine nach der andern, mit de» ivandtcn Fingern rasch die Fäden andrehend.. Es ist die Arbeit eines Automaten, immer die!» Handgriffe, dieselbe Bewegung, welche dieselben Muska Anspruch nimmt. Sie vollzieht ihre Arbeit mit hocherhobenen Arnii». keinen Stützpunkt haben, in stark vorgebeuter Haltung- j Augen haben ja dies wirbelnde Spiel zu verfolgen, ist. es nicht eine Sekunde außer Acht lassen, nicht nacl),. nicht nach unten hin, und sie hat außerdem genau die ik zu zählen, die in ein Gebinde kommen. Die Mädchen die da in einer Reihe nebeneinander stehen, sind aust Leichteste bekleidet. Sie tragen einen dünnen Rock, der,' bis an die Knöchel reicht und die nackten Füße dar sehen läßt, darüber eine große Schürze, die nach unte». fest zurückgebunden ist. Der Oberkörper ist nur mit« Hemde bekleidet, das die Eine oder die Andere ein wenig über die Schultern herabfallen läßt-., ist so heiß nnd der Zutritt von frischer Luft so ziemW geschlossen, da kein einziges dieser großen Fenster zum»» eingerichtet war. (Fortsetzung folgt.) bot» von ihrem jetzigen Einkommen einbüßen. Gewinnen würden dnbei nicht die Arbeiter in den großen Städten und den Mittelpunkten der Industrie, sondern nur die Arbeiter und Tagelöhner auf dem Lande und in kleineren Orten. Und wegen 200 M. mehr oder weniger jährlich für den Durchschnitt der Bevölkerung Räuber und Mörder, Umsturz aller bestehenden Ordnung!" O guter Eugen! Du kennst doch das Studenten- liedchen: Geh Du nur immer hin, Wo Du gewesen hast, Und binde Deinen Gaul An einen dürren Ast."? Hu gehörst ja in ein Museum für Antiquitäten, oder gar für Petrefakte. Also wahrhaftig Du, der Du mitten in der Weltstadt Berlin lebst, glaubst auch an das Ammen- märchcn, das unseren Bauern längst„zu dumm" geworden ist? Ob Du das Einkommen richtig berechnet hast, wollen wir dahingestellt sein lassen, und Dir blos dreierlei bemerken, was Du für Deine späteren Sozialistentödtungs-Artikel Dir hinter's Ohr schreiben kannst: 1. daß 80 Prozent der Bevölkerung, also die immense Majorität, sich bei der von Dir berechneten „Thcilerci" verbessern würden; 2. daß die Sozialdemokraten nicht daran denken, die Zersplitterung der von D i r verthcidigtcn und verherrlichten Produktionsart aufrecht zu erhalten; und 3. endlich, daß sich mit 842 M. für eine Familie bei vernünftiger g e u o s s e u s ch a f t l i ch c r W i r l h s ch a f t sehr wohl leben läßt, jedenfalls bei Weitem besser als jetzt, wo der Arbeiter die Kapitalisten reich zu macheu hat. Und außerdem ist das Gesammteiukommen von Herrn Eugen Richter viel zu niedrig berechnet. Doch davon reden wir ein ander Mal. Au» dem Lande de» Ztiiimchenkastkeea erfährt man spaßige Geschichten. Tie sächsischen Ordnungsmeier national- liberaler und konservativer Observanz predigen den 5ireuzzug gegen die böse Sozialdemokratie. Sic notmen das„Kampf mit geistigen Waffen". Im konservativen Zentralorgan(dem„Baterland") kreischt der hysterische Jnnker Friesen, Staat und Gesellschaft wären verloren, wenn die Welt nicht— so gescheidt würde, wie der Herr von Friesen zu sein geruhen. Und die Nationalliberalen habe» ein M a n i fe st erlassen, in welchem sie sich Kourage ein- hurrahen.„Die Sozialdemokraten haben sich nicht gebessert", heißt es in dem Schriftstück— und merkwürdigerweise haben die Ordnungsmeier da einmal nicht gelogen.„Ist mit der Sozialdemokratie zu paktiren?" fragt sich der Ordnungsmeier, der die Schnurre verfaßt, und mit wilder Geberde,—■ wer zählt die Döbbgen, in denen er sich äutch comago(holländischen MittH) angetrunken hat? beantwortet er die Frage: „Nein! Mit der Sozialdemokratie, wie sie ist und geworden ist, giebt es keine Aussöhnung, keinen Frieden, sondern nur einen Kampf auf Leben und Tod! Aber diese Sozialdemokratie und unser braver Arbeiter- stand sind zwei verschiedene Dinge und müssen streng von einander getrennt werden. Jene muß man sowohl»ach ihren letzten Zielen als auch ihren: ganzen Gebahren auso Slenßerste bekämpfen; diesen muß man bei der bestehenden Gesellschaftsordnung festzuhalten oder dafür wieder zu ge- Winnen suchen, indem man die Unvollkommenheiten und Härten, welche dieser Gesellschaftsordnung(wie allem Menschlichen) anhaften und welche, wo nicht ausschließlich, so doch vorzugsweise auf den unbemittelteren Theil der Bevölkerung drücken, im Wege der Sozialreformen so weit als immer möglich beseitigt oder doch lindert. In diesen: Sinne allein können jene kaiserlichen Worte zu Breslau verstanden und zur That gemacht werden u. f.:v.». s. w." Und so gehts fort. Eiherrjesses! Eiherrjesses!„Kampf auf Leben und Tod!" Nachbarin, Euer Fläschchen!— unser Ordnungsmann fällt in Ohnmacht ob seiner eigenen KHHnheit. Kampf auf Leben und Tod! Ei, das ist Sie ja gar»ich scheine!— (fiit Hpaüuogcl hat die Nachricht verbreitet, der Exkanzlcr hätte zur Zeit, wo er noch nicht Ex war, einmal den S t ö ck e r ausweisen wollen. Natürlich ist ihm das nie eingefallen. Er brauchte den Stöcker, wenn er ihn auch öffentlich vcr- leugnete, wie man das schlechten Bekanntschaften gegeniiber zu thun pflegt. Aber wenn auch beide Ehrenmänner einander hie und da in die Haare gcriethen, so vertrugen sie sich doch nach dem bekannten Sprichwort bald wieder. Es waren zwei schöne Seelen, die zusammen gehörten. Hätte Fürst Bismarck den Stöcker los sein wollen, so würde er ihn nicht ausgewiesen, son- der» einfach seines Amtes entsetzt haben, wozu es unter den: ersten Kaiser Wilhelm nur eines Federstriches bedurft hätte. Tie betreffende Lüge ist nichts anderes als eine Reklame für den Stöcker, der sich bekanntlich auf das Geschäft sehr gut versteht. Angst vor der Kozialdrmoüratie ist es, wenn das Alters- und Jnvaliden-Bersicherungsgesetz nicht, wie von einer Handelskammer unter dem Beifall freifinniger und national- liberaler Blätter angeregt war, auf die lange Bank geschoben wird. Die ultramontane„Germania" erklärt ganz offen, das Gesetz dürfe dem Reichstage jetzt nicht zur nochmaligen Erörterung vorgelegt werden:„Voraussichtlich würde durch eine solche Er- örterung der Sozialdemokratie nur eine neue Handhabe geboten werden, sich über die„reaktionäre Masse" zu ereifern."— Es ist den MehrheitSparteien im Reichstage wahrlich nicht zu verdenken, wenn sie einer Debatte über eine so arge Mißgeburt, wie das Alters- und Jnvaliden-Verficherungsgesey es ist, lieber aus dem Wege gehen wollen. Die sozialdemokratischen Reichstags- Abgeordneten wurden es sicherlich nicht unterlassen, dieses traurige Beispiel beschränkter und bureaukratischer Gefetzmacherei, diese„Krönung der Sozialresorm", die dem Arbeiter fingerhutweise wiedergeben will, was ihm scheffelweise genommen ist, wiederum einer scharfen Beleuchtung zu unterziehen. Und die Väter so verkrüppelter und unglücklicher Kinder haben allen Grund das Licht zu scheuen.-- Am 15. November soll die Verordnung erscheinen, welche als Termin für die Einführung des Gesetzes den 1. Januar löbl bestimmt. Llirwissrnlieit. Der„Hamb. Korresp." läßt sich aus Berlin schreiben, das Sozialistengesetz sei in den letzten Monaten so lax l Handlungen konnten das sehr ruhig thun, konnten eZ während beS ganzen Sozialistengesetzes wagen, denn von ssiinmtlichen Schriften von Marx war nur das„kommunistische Manifest" verboten. Das„Kapital" war niemals verboten. Nur die österreichische Negierung untersagte einmal seine Ner- breitung; die deutsche Regierung aber hat die Dummheit nicht begangen, dieses ernste, wissenschaftliche Werk, aus dem so und so viele staatlich angestellte Professoren„schöpfen", zu ver- bieten. „KozialdmaKvatische Lüge" nennt die„Freis. Ztg." die von einen: Sozialdemokraten in einer Berliner Versammlung gemachte Aeußerung, daß sich in B i e l e f e l d eine Liga aller Parteien gebildet habe, deren Vorstand auch 4 Freisinnige angehörten. Es ist nun Thatsache, daß die Namen dieser 4 Frei- sinnigen von de»: in Bielefeld erscheinenden national-liberalen Blatt veröffentlicht worden sind, ohne daß in den: in Bielefeld herausgegebenen freisinnigen Blatt eine ablehnende Erklärung jener in den Vorstand Gewählten erschien. Auf diese Thatsache gestützt, griff die in Bielefeld erscheinende sozialdemokratische „Bolkswacht" die Freisinnigen an und verhöhnte sie wegen des von ihnen mit eineiwStöckerianer reinsten Wassers abgeschlossenen Bündnisses; der geistige Vater jener„sozialen Ver- e i n i g u n g"(so nennt sich die Bielefelder„Ordiuings-Liga") ist nämlich ein Pastor Jskraut, ein Agent der inneren Mission. Erst nachdem mehrere Tage feit Gründung der„sozialen Vereinigung" verstrichen waren, legre der in Bielefeld erscheinende freisinnige„Wächter" Protest dagegen ein, daß Anhänger seiner Partei zu der Jskraut'schcn Liga gehörten; dabei stellte sich der„Wächter" so an, als ob die Theilnahme von Freisinnigen an jene Ver- einignng eine Erfindung der„Volkswacht" gewesen wäre, während es offenkundige Thatsache ist, daß die Namen der in den Vorstand gewählten Freisinnigen im hiesigen liberalen Blatte veröffentlicht wurden, ohne daß der„Wächter" hiergegen protostirte. Wenn dann die„Freis. Ztg." weiter schreibt:„Das Viele- selber sozialdemokratische Organ, die„Volkswacht" gesteht in seiner Nummer von: 30. September selbst ein, daß„die hiesige freisinnige Partei jede Verbindung mit der reaktionär-orthodoxen Gesellschaft Stöcker'schen Schlages weit von sich weist",— so ist die„Freis. Ztg." über die Bielefelder„Volkswacht", einfach falsch unterrichtet worden. Der„Volkswacht" ist es gar nicht ein- gefallen, den Bielefelder Freisinnigen ein derartig schmeichelhaftes Zevgniß auszustellen; sie hat vielmehr nurbemerkt, der„Wächter" behaupte, daß die freisinnige Partei jene Verbindung weit von sich weise! Die„Volkswacht" kennt die freisinnigen Mannesseelen hinlänglich genau, um zu wissen, daß ein solches Bündniß für Freisinnige nicht so etwas unerhörtes wäre; das haben mannig- fache Stichwahlen doch mehr als einmal bewiesen. Uirdrigrr hänge»: In- der„Leipziger Ztg." lesen wir: „Von: darbenden Arbeite r. Bei einer Berliner sozial- demokratischen Festlichkeit ging es jüngst hoch her. Ein wahres Auktionsfieber hatte, so schreibt ein„Genosse", die Gesellschaft ergriffen. An einem einzigen Tische wurden für amerikanische Auktionen, die alle für„nwhlthätige" Privat- oder vielmehr Parteizwecke abgehalten wurden, 120 M. eingenommen. So brachte ein Lassallebild 44 M.; ein„Berliner Volksblatt" 17 M.; ein Paar Strumpfbänder brachten 5,71 M.; eine Zigarrenspitze erzielte 43 M. und ein Lassallebild mit Fahne 16,70 M. Außerdem aber wurde auch an vielen anderen Tischen„auktionirt" und das Alles wie gesagt zur„Bethätigung des SolidaritätSgefühls". Es ist bereits initgetheill, daß der allergrößte Theil der Änktions- erträge ohne besonderen Quittnngsnachweis den unbekannten „Nothleidenden", für welche gesammelt worden war, übergeben worden ist, und wenn in allen Nummern des„Berliner Volksblattes" von den hilfreichen Auktionatoren Rechnungslegung ver- langt wird, so ist das jedenfalls unberechtigte Neugier; denn wer erzählt gerne davon, welchen:„Nothleidenden" er durch das Er- gevniß einer Auktion auf die Beine geholfen?"— Glaubt man denn, daß auch nur e i n Arbeiter diese erbärmlichen Verlern::- düngen glaubt? Die Sozialdemokratie steht rein da. Millionen- diebe, wie die Jerusalem und Winckelmann, hat sie in ihren Reihen nicht. Die brauen„Kriegrrvereinler". Nach Ablauf des Sozialistengesetzes fordert daS Präsidium deS gesammten Brau::- schweigischen Landwehrverbandes die Kriegervereine des Landes aui, unbekuininert um den etwaigen Vorwurf, daß in den Vereinen Politik getrieben würde,:»it Strenge darau; zu halten, daß offene wie verkappte Sozialdeinokraten weder in die Bereine aufgenommen, noch in denselben, wenn sie bereits darin vorhanden, weiterhin geduldet würden.— Wir glauben kaum, daß jetzt,:vo sich die Kriegervereine sich als reaktionäre Werkzeuge entpuppt haben, noch irgend ein Sozialdeinokrat Lust empfinden wird, ihnen bei- zutreten. Anders steht es mit den bisherigen Mitgliedern der Kriegervereine, die Sozialdemokraten sind. Sie bleiben ver- muthlich auch nicht wegen der Uniformen, Fahnen und Leichen- paraden in den Vereinen, sondern weil sie durch langjährige Bcitragsleistnngen sehr reale Rechte an den Unterstützungskassen der Kriegervereine erworben haben. Und ihnen würden wir rathe», sofort klagbar zu werden, wenn sie ihrer politischen Gesinnung wegen ihrer Rechte beraubt werden sollten. Mit Docht macht die„Frank. Tagesp." darauf aufmerksam daß mit dem Aufhören des Sozialistengesetzes die Veriolguugeu der Sozialdemokratie sich eher steigern, als vermindern werden. Es heißt zun: Schluß eines längeren Artikels:„Ohne zu be- fürchten, schließlich der Schwarzseherei überführt zu werden, glauben wir schon heule voraussagen zu können, daß das„gemeine Recht" von uns sogar höhere und mehr Opfer verlangen wird, als wir sie unter dem Ausnahmezustand zu bringen hatte». Die Polizei greift ja brutal zu, aber auf jene Zwirns, äden juristischer Finesse, welche in den Gerichtsstuben gesponnen werden, versteht sie sich nicht. Gerade aber mit diesen Zwirnsfäden werden wir in nächster Zeit wieder zu rechnen haben, und wir möchten deshalb die heutige Nummer unseres Blattes, als die erste nach dem Ver- schwinden des Ausnahmegesetzes, nicht ins Land gehen lassen, ohne an die Genossen und Leser die Mahnung zn richten, sich über de» Stand der Dinge nicht zu täuschen und besonders in ihren öffentlichen Aeußerungen doppelt vorsichtig zusein. Manches Wort, das unter der Herrschaft des Sozialistengesetzes nur zu einer Auflösung der Versammlung geführt hat, wird jetzt in die Untersuchungshaft und auf die Anklagebank führen. Und: Wehe Denen, die sich dort erst befinden I" Eo grht schon los. Karlsruhe, 1. Okt. Die beiden letzten Nummern des sozialdemokratischen„Südwestdeutschen Volksbl." wurden auf Veranlassung der Staatsanwallschaft be- schlagnahmt, weil die eine Nummer einen früheren Artikel des „Soz." und die heutige Stummer, die roth umrändert erschien, das Freiligrath'sche Gedicht„Freie Presse" enthielt. Die Anklagen stützen sich auf§ 130(„Aufreizung:c."). An» Waldenburg in Schlrstrn, 1. Oktober, wird der „Franks. Ztg." geschrieben: Der Bergarbeitertag in Halle hat ferne Wirkung zunächst in einer Maßregel geäußert, welche von der Seite der Unternehmer ausgegangen ist. Ter Delegirte Berg- mann Wilhelm Reichelt in Altenessen, welcher seit etwa 20 Jahren auf der Segengottesgrube anfährt, wurde bei seiner Zurückkunft unter der Begründung, daß man ihn nicht mehr brauche, gekündigt. Ter„Schles. Geb.-Curier", der sonst nicht leicht wider oie Berg- Herren aufzutreten wagt, ist der Meinung, daß durch Maßnahmen, wie die mitgetheilte, Sozialdemokraten geschaffen werden; es sei wirklich nicht zu billigen, daß die Regierung derartigen Maß- regeln so gleichgiltig zuschaue. Gegenwärtig bereisen der Ober- Berghauptmann Dr. Huyssen und der Berghauptmann Ottilien mit den betreffenden Departementsrütheu des Ober-Bergamts Breslau das niederfchlesische Bergrevier, um die auf den Staats- und Privatwerkeu bestehenden Wohlfahrtseinrichtungen kennen zu lernen. Das oberschlesische Revier ist von den Herren vom 25. bis 20. September bereist worden. Sollte in diesen 5 Tagen wirklich alles Bcachteuswerthe im gesammteu oberschlesische» Montan bezirk gesehen worden sein? Andernfalls würde diese Steife aber einen Zweck doch wohl nicht gehabt haben. Mmmno, 8. Oktober. Zum 1. Oktober war für hier eine Völlsvcrsammlung anberaumt, in welcher der ReichStags-Slbgeord- nete W. Stolle über den vorgeschlagenen Organifations-Entwurs der sozialdemokratischen Partei rescrirte; gteichzeitig sollte ein Delcgirler zum Parteitag gewählt werden. Diese Versammlung wurde aber, bevor die Wahl vorgenommen werden konnte, von dem überwachenden Polizeibeamten auf Grund des§ 9 des fachst Vereinsgesetzes ausgelöst. Ter„Grund" hierzu war folgender Als Skolle sein Referat beende: hatte, ging man zur Spezial- diskussion der einzelnen Punkte über. Nachdem man bis zn den drei letzten Slbschnitten des Organifations- Entwurfs angelangt war, machte ein Redner den Vorschlag, daß man die Ticinssto» abbrechen möge, um die Wahl des Delegirleu vorzunehmen. Der Vorsitzende ließ hierüber abstimmen und die große Majorität war für Fortsetzung der Debatte. Hierauf erhielt ein Redner das Wort, welcher oben genannten Vorschlag— trotzdem derselbe von der Versammlung schon abgelehnt war— immer wieder empfahl und schließlich von: Vorsitzenden zur Sache gerufen werden mußte. Als er zur Sache nicht überging, mußte ihm haß Wort entzogen werden. Diesem fügte er sich nicht sogleich und so erfolgte die Auflösung. Wir sind nun infolge dessen genöthigl, unsere Ver- treter in anderer Weise zu wählen. Es findet hierzu nächsten Sonntag eine Vertrauensmänner-Versammlung des 17. sächsischen Reichstags-Wahlkreis es statt. Gvoßbritannien. London,"den 1. Oktober. Der Kongreß der Dock- a r b e i t e r beschloß, vermittelst erhöhter Beiträge und einer Kopfsteuer von einem Pfund pro Mitglied einen Kriegsfonds von 60 000 Pfund anzusammeln, um den unvermeidlichen Kampf mit dem Rheder-Ring ausfechten zu können. Der P e r s e v e r a n c e- V e r e i n der Zimmerleute und Schreiner hat sich von seiner Zugehörigkeit zun: Londoner Gewcrk- rath losgesagt, weil die Delegaten des Letzteren auf dem Liver- pooler Gewerkvereins-Kongreß für den gesetzlichen achtstündigen Arbeitstag gestimint haben und der Verein überzeugt ist, daß sich eine solche Normirung für sein Handwerk mcht eignet.— Dieser bedauerliche Beschluß wird den' siegreichen Fortgang der englischen Achtstunden-Bewegung nicht aufzuhalten vermögen. Der neugegründete Verein der Milchfuhrleute und Michträgcr brachte gestern seine Beschwerden auf einer Ver- sammlung in Nottinghill in die Oeffentlichkeit. Die Löhne, so hieß es, seien so medrig, daß ein Milchmann keine Familie ernähren könne. Die Forderung geht auf 6 Penny Lohn für die Stunde. Tipperar y, 3. Oktober. Während der heutigen Ver- Handlung gegen die verhafteten parnellitischen Abgeordneten machte der Advokat Harrington eine Bemerkung, welche der Gerichtshof als eine Beleidigung ausfaßte. Als Harrington sich weigerte, die- selbe zurückzunehmen, entzog ihm der Gerichtshof das Wort, worauf Harrington die Vertheidigung niederlegte und den Saal verließ. Da die Angeklagten und das Publikum ihn: Beifall spendeten, ließ der Gerichtshof den Saal sofort räumen und hob die Sitzung, welche durchweg einen stürmischen Verlauf genommen hatte, auf. Ncwcastle, 4. Oktober. Gegen 1000 Arbeiter der Arm- strong'schen Waffenfabrik in Elswick sind in eine Streikbewegung eingetreten. AuS London, 8. Oktober, Abends, meldet uns ein Tele- grauun deS„Herold": Eine ungewöhnliche Bewegung zeigte sich heute Morgen in Chatam, als 700 Mann Truppen, worunter 600 Seesoldaten, bei Zuweisung ihrer Ausrüstung, sowie von je zwanzig scharfen Patronen, de:: Befehl erhielten, sich marschfertig zn halten und nach Woolwich zu marschiren. Es hieß allgemein, die Regierung hätte diese Truppensendung befohlen, um die Gas- fabriken in Beckton, wo die größte englische Gasgesellschaft 11 000 Arbeiter beschäftigt, bei eventueller Werkeinstellung zu schützen. Dies wurde später in Abrede gestellt, immerhin sind aber die Beziehungen zwischen der Direktion der Gasfabriken und ihren Arbeitern sehr unfreundlich. Die Direktion glaubt, daß die Arbeiter streiken wollen, weshalb die Gesellschaft bereits Schuppen errichten läßt, um etwa anzuwerbende freiwillige Ar- beiter bei einer Werkeinstellung unterzubringen. Die Arbeiter der Gasfabriken leugnen die Absicht eines Ausstandes, erheben aber solche Ansprüche, deren Bewilligung thatsächlich der Direktion der Gassabriken jedwede Kontrole entziehen würde. Die Direktion erklärte deshalb heute Nachmittag einer Arbeiterdeputation, daß derartige Ansprüche unmöglich Berücksichtigung finden könnten. Die aiqgernfenen Truppen blieben Nachmittags noch bewaffnet in Chatam.— Wir halten die Nachricht nicht für recht glaublich, da es der englischen Praxis gerade nicht entspricht, Soldaten gegen Streikende, geschweige denn gegen Streiken-Wollende zu verwenden. Frankreich. Paris, 3. Okt. Wegen der iu Aden herrschenden Cholera ist für alle dortigen Herkünste in den Häsen Frankreichs und Algeriens Quarantäne angeordnet� Nach Telegrammen aus Aleppo ist auch dort die Cholera auf- getreten. Vom Mittwoch werden 40 Erkrankungen und 28 Todesfälle gemeldet. Die Einwohner flüchten. Kelgien. Zstgarrenarbeiter-Kongreß in Antwerpen Nachdem die Zigarrenarbeiter Erfurts, Basels, Stockholms, Christkanias, Luxemburgs und Philadelphias de»: internationalen Zigarrenarbeiter- Kongresse telegrapisch ihre Zustimmung auL- gesprochen hatten, berichteten die einzelnen Delegirten über dir Lage der Zigarrenarbeiter in den verschiedenen Ländern. In der zweiten S:tzung kamen die Belgier, Holländer und Engländer zun: Worte. Ihren Mittheilungen ist folgendes zn entnehmen: Holland hat einen Nationalbund mit 23 Abtheilungen und 1200 Mitgliedern, 10 Hilfskassen mit 1420 Mitgliedern. Die Zahl der Zigarrenarbeiter betrügt 3500, wozu 1226 Sortirer und Ver- packer, Weiber und Kinder hinzutreten. Die Löhne sind sehr ver- schieden: 1000 Zigarren werden mit 8 bis 10 Gulden bezahlt; durchschnittlich verdienen die Zigarrenarbeiter 8 Gulden. Jeder Arbeiter bezahlt wöchentlich 15 Centimes an das Syndikat.— Belgien hat einen 1000 Mitglieder umfassenden Bund und Ar- beiterverbände in Brüssel, Lüttich, Antwerpen, Gent, Löwen, Turnhout und Esschen. Für den Bund werden wöchentlich 3 Centimes. für die Hilfskassen 25 Centimes bis 1,25 Frks. gezahlt.— Die englischen Zigarrenarbeiter sind fest organisirt; ihr Wochenlohn beträgt 28 d:s 30 Schilling; die Arbeitszeit bei sechs Wochentagen 48 Stunden. Der Bund hat 1242 Mitglieder, deren jedes wöchentlich einen Schilling einzahlt. Bei dem Stillstande der Fabriken werden 9 bis 6 Schilling wöchentlich gezahlt, bei Ausständen für die ersten 13 Wochen 15 Schilling, für die fol- genden 6 Schilling. In ganz England giebt es nur 50 Arbeiter, welche nicht dem Syndikate i(Fachverein) angehören.(Bravo!) l- ßer den Zigarrenarbeiteri: giebt es in dieser Branche 5000 Frauen mit einem durchschnittlichen Wochenlohne von 15 Schilling und 5000 weibliche Lehrlinge. Eie Ersteren haben eigene Syndikate, besonders in London, wo 709 Arbeiterinnen sich zu einem Syndikate verbunden haben. Rußlattd. D:e Judenverfolgung w ü t h e t in Rußland mit solcher Erbitterung und Unmenschlichkeit— schreibt der Berichterstatter des„Daily Telegraph"— als ob das proskribirte Volk Verbrecher und die Behörden Wilde wären. Jetzt hat der Minister des Innern ein neues Gesetz vorbereitet, welches sich dem Anschein nach nur gegen die in Rußland lebenden Ausländer richtet, in Wirklichkeit aber seine Spitze gegen eine zahlreiche Klasse von Juden kehrt. Nach diesem Gesetze werden alle auö Rußland ausgewiesenen Ausländer, deren Regierung sie nicht als Unterthanen anerkannt, ohne Untersuchung und sonstige Förm- lichkeiten nach Sibirien deportirt werden, um im Gouvernement Toinsk oder Tobolsk den Rest ihres Lebens zu verbringen. Es ist. eine Thatsache, daß es in Rußland eine Menge Juden giebt, welche nicht aus eigener Schuld, sondern wegen der Umnensch- lichkeit der russischen Regierung zu der Klasse von Ausländern gehören. S:e wurden von Rußland übernommen, als Rumänien Beßarabien abtrat. Ihnen gehörte das Land, auf dem mehrere Generationen von ihnen gelebt hatten. Die russische Regierung hat das Land expropriirr, die Leute vertriebe», sich aber ge- weigert, sie zn uaturalisirem Auch die rumänische Regierung weigert sich, sie als Unterthanen anzuerkennen. Sie leben jetzt von der Hand in den Mund in Odessa, Kishineff, Kieff und anderen siidrnssischen Städten. Einige von ihnen haben einiger- maßen gesellschaftliche Stellungen, die Mehrzahl aber befindet sich in großer Armuth. Theater. Sonntag, den 5. Oktober Vpernhans. Der Prophet. Montag: Tristan und Isolde. Hchanspielhaus. Othello, der Mohr von Venedig. Montag: Die Piccolomini. KorUnrr Thcatrr. Rosenkranz und Güldenstern. Montag: Kenn. Deutsches Theater. Die Hauben- lerche. Montag: Faust's Tod. Lessing-Khratrr. Das ziveite Gesicht. Montag: Dieselbe Vorstellung. erirdrich-MUHrlmstiidt. Theater. Die Fledermaus. Die Pnppenfee. Mdntag: Dieselbe Vorstellung. MaUnrr- Theater. Aus der Kou- lissenwelt. Montag: Dieselbe Vorstellung. Restdenz-Theater. Ferreol. Montag: Dieselbe Vorstellung. Viktoria- Theater. Die Million. Montag: Dieselbe Vorstellung. KelleaUianre-Thrater. Meinjunger Mann. Montag: Dieselbe Vorstellung. Gstend-Theatrr. Der Glöckner von Notre-Dame. Montag: Der stolze Heinrich. Thomas-Theater. Der Raub der Sabinerinnen. Montag: Dieselbe Vorstellung. Adolph Crnst-Theater. Unsere Don Juans. Montag r Dtesetk Vorstellung. Kaufmann» kartete. Grosse Spe ztatttäten-Vorstellung. Theater der Vrichshallrn. Grohe Speziatitäten-V orst ellung. Toncordia. Grohe Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'» Vartätt. Grope Spezialitäten-Vorstellung. Mintergarte». Grohe Spezialitäten- Vorstellung. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Sonntag, den». Oktober, Zitli pfit Mßellünp. Die eine um 4 Uhr. Die ziveite um TVa Uhr. Beide Vorstellungen mitausgewähltem Programm. In beiden Vorstellungen Auftreten des Original-Clowns Duroff. In der ersten Vorstellung kann jeder Besucher ein Kind gratis mitbringen. Montag, den 6. Oktober, Abds. TVa Uhr: Grosse Vorstellung mit ausgewähltem Programm. Zum ersten Male: Mr. und Mrs. Brown auf Reisen, sehr komische Szene. Zum ersten Male: Barre fixe oder Pro- duktionen am stehenden Reck von Gc- brüder Gerctti. Zum ersten Male: vierfache Fahrschule geritten von Frl. Schumann. Foottit und Herren M. und E. Schumann. Zum"ersten Male: Clown Tanti mit seiner Großmutter zu Pferde. Neues Entree von Clown Dnroff. Außerdem Auftreten der besten Ar- tistcn, sowohl Damen wie Herren. Passage-Panopticiim. Unter den Linden 22/23.[742 ÜrtniSple MtzWM. Panoramen. Dioramen. Ethnographische Sammlungen. Italirnische Rolkssängrr. Entree 50 Pf. Geöffnet von 10 bis 0 Uhr. Achtung Die ausgewiesenen Genossen, welche am 1. Oktober nach Berlin zurückge- kehrt, werden ersucht. Sonntag, Nachmittag 4 Uhr, im Restaurant Niemetschek, Skalitzer- strasse 18„Zum lustigen Stiefel" zu einem gemüthlichen Bei- sammensein sich zu versammeln. 879 Mehrere Genosse». Achtung S Kildhaner! Große öffentliche tfensa m m i u ng am 6. Oktober, Abends SVe Uhr, in Sanssouci. Das Nähere durch Säulenanschlag am Montag. 842 Die Kommission. Finstemalder. Heute, Sonntag, zum Frühschoppen antreten, im„Wirthshaus zum goldenen Krug", K e s s e l st r. 38. 878 Maler ff Nloriizplatz den 11. Oktober 1890 j Am Sonnabend, 2m Stiftungs-Fest des Ngem. ArbeliemM �7 Vereins siiiilmtl. Bernssziveige Berlins und Umgegend. 55 Während der Kaffcepause: komische Vorträge. JÖSSF" Kassen-Eröffnung 7 Uhr.— Anfang 8 Uhr. Um recht zahlreiche Betheiligung bittet Das Vergnügungs- Komitee. Billets für Herren 50 Pf., für Damen 25 Pf., sind in allen mit Plakat! belegten Geschäften und bei folgenden Damen zu haben: Frau Stocldl Koppenstraße 35, vorn 1 Tr.; Frau Siegemnnd, Pücklerstr. 61; Fräul. Jal Breslauerstr. 29; Frl. Nakonzer, Mariannenstr. 30, vorn 4 Tr.; Frau Hnb* Wrangelstr. 31; Frl. Sachs, Kl. Markusstr. 10. de 5 Große öffentl. Arbeiterinnen- Bersammlultg-sterm am Dienstag, den 7. Oktober, Abends SVa Uhr, i Wohlgi im Lokale der Aktien- Sranerei ,, Friedrichshain". rtalen L Tages- Ordnung:, 1.„Rechte und Pflichten der Frauen und ihre künftige Stellungnahnuseme R 2. Diskussion. Äsammlu 3. Wahl einer Delegirten zum Parteitag in Halle. Ref.: Frau ta Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. I Sache I änner haben Zutritt. Die Einberuferin. z"ns 91 �Schluß Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexander straße 27c. Klargareihe Steinow/ Lieder- Sl*o Ijarffintfrvin. Mnni ff oft»im HerrConcert. Direktion A. Nödmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Wochentags 10 Pfg., ILllli cc gönn- und Festtags 25 Pfg. Bei ungünstiger Witterung in den unteren gtestaurationsräumen. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhoser Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis aus Weiteres wegen Zienovirung geschlossen. 641 F. Bl iiiler. iKrttmilHeBitthallev VV Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Goncert mit Ounrtett-Känaern, ausgeführt von dem Muflk- Direktor H. San ftleben. Wochentags: Frei-Coneert. Sonntags Untre o 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. 703 F. Sodtke. Castan's Fanopticum. Entree 50 Pf., Kinder 25 Pf. Von 9 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abds, Amazonen-Corps. 23 Amazonen, 10 Krieger aus Dahomey. Vorstellungen Vormittags HVa und 12>/z Uhr, Nachmittags von d'/e— gVa Uhr stündl. eine Vorstellung. Extra-Entree 80 Pf. Kinder frei. P Tanz-Institut, r. riclotll} Dresdenerstr. 10. EinneuerLehrkursus f. Damen u. Herren beg. Sonntag, 5. 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Tages-Ordnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Innere Angelegenheiten. 3. Statutenberathung. 880 QuittungSbuch legitimirt. Der Vorstand. Grosse Versammlung W FchuermlS für Schlosser iL MschiiienbllNrbeiter Berlins und Umgegend am Montag, 6. Oktober, Ab. SVa Uhr, in Behlitz Salon, Bergstr. 12. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn M. Baginski, über: Die Ursachen der Armuth. 2. Diskussion. 3. Ausnahme neuer Mit- glieder und Entrichtung der Beiträge. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste haben Zutritt. 882 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der V o x st a n d. Ethische Gesellschaft. Sonntag, den 5. Okt., Abends 8 Uhr, in den ArminhaUen, Kommandanten- straße 20: Vortrag wird in der Ver- sammlung bekannt gemacht. 887 Referent Herr Pilus. Nachher gesellige Unterhaltung und Tanz. Gäste, Damen u. Herren ivillk. Freie Vereinigung der Graveiue und Ciseleure. Uersammlung am Montag, den 6. Oktober, Abends 9 Uhr, im Vereinslokal Tresdenerstraße 45. Tages-Ordnung: 885 1. Geschäftliches. 2. Vorlesung über: gleise durch den Weltenraum. 3. Dis- kussion. 4. Verschiedenes.— Der Arbritonachmris befindet sich daselbst Abends Va9— 10 Uhr. Der Vorstand. Sonntag, den 12. Okt., Vorm. 10 Uhr: Aiisjerord.Gtiitrlilversliuiiilliliiß der 916 Delegirten der Ortskrankenkasse der Weber und verw. Gewerbe zu Berlin(Arbeitgeber und Mitglieder) in I o e l s oberen Saal, Andreasstr. 21. Tages-Ordnung: Erhöhung der Beiträge oder Ver- Minderung der Kassenleist, mge». Der Vorstand: W. E o n r a d, H. W a g n e r, Vorsitzender. Schriftführer. 1. Der Werth der i Berussstati'sttt. �Referent" Herr W. Sehweite p* �0.m\lJMUon zur Aufnahme der Statistik. 6. Bericht über die Unterhandlungen der Kontobuch-Arbeiter. Große öffentliche Versammlung ÄS tctcfafJbdtcw SBer(itt& it. ///NgMständi t I 34 beffc arin gi Vezug a iiollege hätte ni lich kein beiten n Eällen i tadt n wenn er bet v sführi "beit g 'ondern am Montag, drn 0.©ht., Abend» SVa Uhr, In„Hoffmann's Fest- Sälen", Oranienstraste 180. Tages-Ordnung: Äcifnipf 1. Bericht der Lohntarif-Kommission. Referent: Kollege k. Schuld �„. r- 2. Diskussion. f 3. Nachwahl der Tarif-Kommission. i � 1 4. Verschiedenes. I Zahlreiches Erscheinen erwünscht._ Der Einberufer: E. Macher� stc Große öffentliche Versammlung. der Tabak- Arbeiter und-Arbeiterinnen Bed%*n.[ei am Dienstag, den 7. Oktober, Abends SVe Uhr, nnen Ge Im Saale der Kätzow' scheu Hrauerei, Vor dem Prenzlauer Thor-. Tages-Ordnung: � Mcittl; Vttsmmlllllg der Mövelpolirer Verl. u.lW£ am Montag, den 0.©ht., Abends TVa|Iljr, ge: Im Lokale de» Herrn Bolzmann, Andreaostraste 26. am, mei Tages-Ordnung: Petenten 1. Berichterstattung vom internationalen Kongreß zu Antwerpen. 2.� Ausschluß der Kollegen zu Eschwege. 3. Abrechnung" der Kommission pro Quartal er. 4. Verschiedenes. Die Kommission. Möbelpolirer zu einer Gesammtorganisation Internehi ten Arbeiter. Referent: K. Millarg. 2. DiskosZeiten hc 1. Wie stellen sich die in der Holzbranche beschäftigten_ 3. Bericht der Revisoren über die Abrechnung vom Streik der Möbelpo>st:reichen 4. Verschiedenes. st, mit e Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Einberufer: B. Scliulz-jie Beobi Grosse Versammlung � d. Fachvereins d. Steinmetze, am Sonntag, den 5. Oktober, Vorm. 10 Uhr, in n. i ch imr morgene OeignmüHer's Salon, Alte Jakobstraße Nr. Der Vorstand. Fachverein der Tisch lr den oo er iv Die Lipfel i vrunde c üSr Grosse Versammlung am Dirnstag, den 7. Oktobr», Abends SVa|tlji-, jeuteud> im Saale des Seren Ioöl(früher Heller), Andreasstraste Dr.'» gehö: - Tages-Ordnung: lesers de 1. Vortrag des Herrn Julius Türk über„Hexenprozesse". 2. fjcht dar kussion. 3. Wie stellen sich die Kollege» der Werkstatt von Groschkus,■ bergerstraße 25, zur Organisation? 4. Verschiedenes und Fragekasten. wäre sehr erwünscht, daß die Kollegen von Groschkus vollzählig am PlatzU �. Gäste sehr willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Der Bevollmächtigte� � Üf" Versammlung"MZ l'Vj Smins tu Äii[innig Iii fsnimii» im. am Montag, den». d.M., Abends SVa JJIjr, L.. .-- kitte un 905 KS » Biiltaii) Kl giitiiiiiiu üi Montag, den(5. d. M., Abends SVa_ in den„Armin-Hallen", Kommandanten-Straste Ho. äO. Tages-Ordnung: iluhltcht Das sozialdemokratische Programm. Referent Herr Albert �.'plodirt, bach. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen bittet sozic Oer Vorstand� Fette der Unterstützungsvereiii d. Maurer d. Westen Berfe�®' Mitglieder- Versammlung am Montag, den 6. Oktober er., Abends 8 Uhr, egen, bc im Lokale Königshof, Bülowstr. 37. i4efnu Tages-Ordnung: X. Abrechnung vom 3. Quartal 1890, Berichterstattung der Reo'! Uttd 2. Mahl des gcsammten Vorstandes.>trd_ 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Aorstand- y Verantwortlicher Redakteur: Curt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Hadiilg in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Hierzu zwei imt \\l Nr. 232. Konntag, den 5. Oktober 1890. 7. Jahrg. Sl Die Petition der Kerliner Manrer vor den itockinl Iii. Jam Hubert S'< Berliner Stadtverordneten. ii. 48a: 8* isIujlV Heti zu- u Vere» d. ser. Auf die Ausführungen des Stadtverordneten Singer, die wir . gestern an dieser Stelle veröffentlichten, mußte der Stadtverordnete Wohlgemuth, seines Zeichens Baumeister, im Interesse des libc- ralen Schlendrians folgendes erwidern: Stadtv. W o h l g e m u t h: Herr Kollege Singer begann >nah»rl! seine Rede damit, daß er meinte, durch das Lachen aus der Ver- 8* sainmlung sei das Schicksal der Vorlage schon entschieden. So- u Ihr* weit ich das Lachen verstanden habe, hat es sich weniger aus die I Sache bezogen, als auf die Ucbertreibungen und darauf, daß die n. uns heute noch vorgelesene Petition der Maurergesellen zum --- Z Schluß von dem großen Elend spricht, welches bei ihnen herrscht. �"e Übertreibungen bestimmen mich als Fachmann, inich 1 111 durchaus gegen das Eingehen auf die Petition auszusprechen. . 48a; Meine Herren! Was sind das für Herren, die ihren Stand so weit heruntersetzen, daß sie selber behaupten, daß sie Pfuscharbeit treiben! Es heißt hier: Wir könnten aber leicht zeigen, wie diese scheinbare Billigkeit nur auf Kosten der Güte der Ausführung erzielt wird. Es ist eine in den Kreisen der ausführenden Maurer ganz bekannte Thatsache, daß bei diesen Bauten in der Regel ganz elende Pfuscharbeit geliefert wird. Ich glaube, vielleicht wäre iin Petitionsausschuß die Sache zu besserer Aufklärung geführt worden, wenn ein Fachmann [barin gewesen; der Herr Referent hätte sich dann vorsichtiger in ßBezug auf den Versuch bei Privatunternehmern ausgedrückt, Herr i' Kollege Suiger hätte nicht an das Referat anknüpfen können und hätte nicht von Unterakkordanten gesprochen. Es giebt gewöhn- Ilich keine Unterakkordanten im Maurergewerbe, sondern die Ar- »betten werden meist im Tagelohn vergeben und in den seltensten Fällen im Akkord. Der Maurermeister übernimmt auch von der ckadt nur Maurerarbeiten, keine Lieferung von Materialien, und s.,JPSnn ct nun Gesellen in Tagelohn nimmt— und dieser Tage- stceder f lohn richtet sich ja in den letzten Jahren nach den Forderungen im___/ der Gesellen— ;(Sehr richtig!) i oann pflegt er auch zu verlangen, daß die Gesellen ihre Schuldig- vt/töil L.ch1"'' und ich behaupte, baß ich gerade der Vertreter der UllVp anstandigen, ordentlichen Gesellen bin, wenn ich direkt diejenigen Ausführungen zurückweise, wonach die Gesellen angeblich Pfusch- arbeit geliefert haben. Nicht die Meister trifft die Schuld, sondern die Gesellen allein, und ich glaube, schon an dieseni einen lud»' gezeigt zu haben, wie außerordentlich leichtfertig diese ' gl Petition ist. Es heißt dann weiter: Sollte man diese unsere Angaben ernstlich in Abrede cherv stellen, so würden wir uns freilich veranlaßt sehe», dafür -- zu sorgen, daß in kommenden Fällen die Thatsachen an die Oeffenllichkeit gezogen werden. Nun, meine Herren, ich glaube, wir werden den Herren Pe- !tr,.jlllt°n.en sehr dankbar sei», wenn sie uns überall die Thatsachen mittheilen. Wir meinen, daß sie da sich und uns gleichinäßig einen Gefallen thun können. Und wenn es zuletzt heißt: Welch' ein Druck durch die Unternehmer, die zu Preisen der Mindestsordernden die Arbeiten übernommen haben, aus die Arbeiter ausgeübt wird, brauchen wir nicht weiter zu erwähnen. Diese Petition ist gerade durch die so scharf zu Tage tretende Bedrückung der Ar- beiter durch die Unternehmer bei städtischen Bauten hervor- gerufen,— ,....... weine Herren, Sie werden sich doch klar machen und die Petenten selber werden es erkennen, daß von einein Druck der ckion Unternehmer auf die Gesellen nicht die Rede sein kann. In gute» kiiskusß'Zeiten haben die Geselle» jedesmal durch Streiks das erreicht und belpoll?erreichen können, was sie erreicht haben. Ich gebe vollkommen Ach mit einer gewissen Berechtigung. Aber andererseits habe ich :hulz�,m( Beobachtung gemacht, daß z. B. in den jetzigen schlechten ». Z. nun, Izef SonnkergsMomverei. II. C. Wir schreiben heute bereits den Fünften— und noch immer steht die Welt. Der Bäckerlehrling trägt des Morgens seine Backwaaren aus, und viele Stunden später �Kgeht der wirkliche Geheimrath in sein Bureau, die Pferde- ' ahn fährt immer noch, und an jeder Straßenecke steht ein utzmann und paßt auf, daß er niemals da zu finden ist, o er wirklich gebraucht wird. Tie weisesten Politiker schütteln ihre sturmbeivegtcn ipfel und können immer noch nicht begreifen, aus welchem Grunde eigentlich die Revolution, die für den Zweiten dieses ���cRonats programmmäßig augekündigt war, immer noch nicht "�Min Szene geht. Die politischen Prophezeiungen verlieren be- deutend au Werth, wenn sie niemals in Erfüllung gehen, und |U*. 9W_ gehört mehr als das scharfe Urtheilsvermögcn eines �Lesers der„Kölnischen Zeitung" dazu, wenn man heute noch '. 2.'dicht davon überzeugt ist, daß die Sozialdemokratie rathlos us' fcot der Neugestaltung der Dinge steht. Das Verhalten der Sozialisten entbehrt allerdings jeder verständigen Richtschnur; sogar die Brigade, die man zu ihrem Privatvergnügen nach ite.®evttu zitirt hatte, um einen Ersatz für den zu entbehrenden _______ Einblick der Gardctruppen zu schaffen, hat Berlin längst ver- Ä fassen, ohne daß— außer einem einzigen Mädchen— Jemand E wiel Notiz von ihren anderweitigen Hebungen genommen 11(1111(l|ätte. Und immer noch steht Berlin mit seinem Rathhans in der jjg. Mitte und den rings herumliegenden Häusern.— Außer einer Glühlichtlampe ist Bemerkenswerthes überhaupt noch mcht vi /t�xplodirt, und auch dieses Vorkommniß ist noch nicht einmal ruf sozialistische Umtriebe mit Sicherheit zurückzuführen. . Die Feuerwehr mag sich daher vorläufig immer noch ruhig der Einübung und weiteren Ausbildung des„lang- »„..fMmen Schrittes" beschäftigen, und der Branddirektor darf U ungestört über das Verhältniß des kleinen Fingers zur Posennaht tiefsinnige Versuche und Betrachtungen anstellen: 's scheint augenblicklich noch nicht die Befürchwng nahe zu regen, daß ihm der eine oder andere böse Sozialdemokrat ras Hanptdepot in der Lindenstraße über dem Kopf au- iündet. R-vis� Und doch sollen— wie uns glaubwürdig versichert wird— viele ehrenhafte Staatsbürger mit dem Plan umge- ind-> lhr, Zeiten in dem Maurerhandwerk, die Maurermeister im Großen und Ganzen koulant genug waren und nicht den Preis zu weit heruntergedrückt habe». Ich meine also, dieses Drücken ist in einer großen Stadt wie Berlin nicht vorhanden und kann auch nicht vorhanden sein, wenn wir sehen, daß naturgemäß durch Angebot und Nachfrage auch dieser Preis sich regeln muß. Der Petitions- Ausschuß— und daran hat Herr Kollege Singer angeknüpft— hat gemeint, daß bei Privaten das möglicherweise durchgeführt werden kann als Probe. Ja, ich sagte schon, wenn ein Techniker im Ausschuß gewesen wäre, so hätte derselbe dem Petitions-Aus- schuß mitgctheilt, daß das bei Privaten immer der Fall ist. Der Privatmaurermeistcr übergiebt die Arbeit entweder in Tagclohn oder einer ganzen Arbcitergruppe in Akkord. Das ist so sehr der Fall, daß es nur für kleine Verhältnisse paßt, für große absolut nicht. Ich selber habe Gelegenheit gehabt, es in meiner Praxis durchzumachen, was diese großen Regiearbeiten bedeuten. Der preußische Staat hat in früheren Zeiten bei Eisenbahnbauten die großen Erdarbeiten gewöhnlich so hergestellt, daß er sie in Regie übergab, nämlich derart, daß er eine ganze größere Arbeit einer sogenannten Schachtgenossenschast-überwies. Nun, meine Herren, in diesen Schachtgenosscnschaften standen die Leute gewöhn- sich schlechter als beim eigentlichen Unternehmer und zwar aus dem sehr einfachen Grunde, weil, wie die Erfahrung ja allgemein lehrte, die Leute, die sich in Rangstellung und Bildung ziemlich gleich sind, sich gegenseitig häusig kräftiger drücken als diejenigen es ihren Untergebenen gegenüber thun, welche ein gewisses Gefühl ihrer Verantwortlichkeit gegenüber dem Einzelnen haben. Die Versuche sind dort regelrecht so ausgefallen, daß diejenigen Theile von Eisenbahnen, die unter Regie aus- geführt wurden, bedeutend theurer gekommen sind als die seitens der Unternehmer ausgeführten. Das ist auch vollkommen be- rechtigt, denn es ist naturgemäß, daß ein die Regiebauten führen- der junger Bauführer, der noch sehr wenig Kenntniß von den ganzen Verhältnissen hat, sehr viel anordnen wird und zwar sehr viel schlechte Dinge anordnen wird, weil nämlich der Rath älterer Leute ihm nicht zur Seite steht. Wenn wir das thun wollten, was die Petition verlangt, wenn wir also erst allgemein die einzelnen Maurerarbeiten und ähnliche Arbeiten den Arbeitern direkt übergeben wollten, dann wäre es naturgemäß, daß wir Meister anstellen und ich nehme an, daß Kollege Singer das meint. Ich nehme nicht an, daß wir für diese Arbeiten nur Bau- führer und Baumeister anstellen, denn diese haben einen anderen Bil- dungsgang; sie haben studirt und erst durch die Praxis werden sie sich die Erfahrung aneignen, die sich ein praktischer Maurer schoninseiner Jugend auf der Baustelle erwirbt. Wir müssen also eine große Zahl von Maurermeistern anstellen, und da meine ich, es wird Ihnen klar sein, daß diese Meister, die ja mit den Privatarbeiten genug zu thun haben, nicht geneigt sein werden, bei der Stadt zubilligen Gehaltspreisen einzutreten. Sie werden naturgemäß ihrem Ge- werbe nachgehen. Die submittirenden Meister haben in sich eine so große Summe von Erfahrungen, daß sie der Bauverwaltung sehr nothwendig sind» und es wäre thöricht, wenn man statt solcher alten Meister junge Leute engagiren wollte, weil die praktische Handhabung am besten von den alten Meistern gewahrt wird. Sie sehen ja bei jedem vielbeschäftigten Baunieistcr schon, daß er sich wohl hüte» wird, die Maurer- und Zimmerarbeiten allein auszuführen. Er wird sehr vergnügt sein, wenn er tüchtige Maurer- und Zimmermeister hat, mit denen er seine Erfahrungen austauschen kann. Herr Kollege Singer hat auch eine wichtige Sache vergessen. Er hat vergesse», daß, wenn wir solche Maurermeister anstellen oder Bauführer und Meister anstelle», die Verantwortlichkeit für die Ausführung direkt die Stadtverwaltung trifft. Wir haben schon bei dem Unfall am Siechenhaus gesehen, welchen Staub das aufgewirbelt hat, und Sie werden daraus auch erkennen, mit welcher Sorgsamkeit Kr Unfallgenossenschaft hinterher ist, um den Schuldigen ausfindig zu machen,— und mit Recht. Es ist daher falsch, eine große Uebertreibung seitens der Petenten, wenn sie sagen, der Maurer- und Zimmermeister ist nur Geschäftsmann. Zeigen Sie mir doch einen Alan», der eine Arbeit übernehmen wirb, bei welcher er fortwährend den Staatsanwalt vor sich sehen muß und nicht in technischer Beziehung sehr vorsichtig sein wird. Nein, jeder einzelne Maurer- und Zinnnermeister wird sich hüten, das nur geschäftlich zu betreiben; er wird hingehen und wird im Gefühl seiner Verantwortlichkeit dafür sorge», daß gangen sein, Berlin noch rechtzeitig Zu verlassen, weil sie dem ruhestörenden Lärm, der der Tradition gemäß meisten- thcils mit einer Revolution verbunden ist, gern ans dem Wege gegangen wären. Der Graf Kleist suchte zunächst, um seine Nerven vor Störrnlgcn zu bewahren, eine Privatheil- anstalt auf— aber der Abschluß von der Oesscutlichkeit schien kein absolut hermetischer zu sein, so daß man sich seiner annahm, und ihm eine möblirte Zelle im Moabiter Untersuchungsgefängniß einräumte. Maßgebende Kreise sollen nicht ohne Grund der Meinung gewesen sein, daß der zarte Gesundheitszustand Seiner Gräflichen Gnaden hier noch ani besten vor dem Ansturm und den Zudringlich- kciten des gemeinen Volkes geschützt werden könne. Es ivar daher auch nur recht und billig, daß die Nachricht von dem Selbstmordversuch des Grafen sofort in der bündigsten Weise deinentirt wurde, denn*es hätte kein günstiges Licht auf die vornehme Gesinnung der Gefängnißverwaltung geworfen, wenn im Publikum der Glaube die Oberhand gewonnen hätte, daß man im-Nntcrsnchungsgefängniß nicht einmal soviel für die Unterhaltung und Zerstreuung eines wirklichen Grafen thun könne, daß ein so bemitleideusiverther Aristo- krat sich nicht vor gewöhnlicher, plebejischer Langeweile an den Hosenträgern höchsteigenhändig aufzuknüpfen braucht. Doch Berlin steht noch immer, obgleich Herr von Pntt- kamer während der kritischen Tage in unseren Mauern gea weilt haben soll. Wettererprobte Politiker der freisinnigen Partei wollten seine Bartkotclettes Unter den Linden und in der Wilhelmstraße haben flattern sehen— und es erhob sich denn auch gleich ein Geschrei wie von den römischen Säuglingen, wenn ihnen zugerufen wurde, daß Hannibal vor den Thoren sei. Die Freisinnigen hatten doch von den Kanonen des Exministers gar nichts zu fürchten— Herr von Puttkamer wird in seinen alten Tagen, nachdem er sich für alle Zeiten zur Ruhe gesetzt hat, doch nicht diese Mord- instrumente für freisinnige Spatzen laden; und bei der Jagd auf Rothwild hat der Kanonenmaun sich als ein so schlechter Waidmann erwiesen, daß aus dem Jäger der Gejagte wurde. Das Beste au ihm war noch sein Jägerlatein. Berlin ist unter der Hochfluth des Sozialismus immernoch nicht vernichtet worden, obwohl die Heilsarmee ihren siegreichen Einzug in unsere Mauern gehalten hat. Wie die Ansichten vom Leben in den ver- schiedenen Armeen doch verschieden sind? Im ehe- Unfälle nicht vorkommen. Alle Unfälle aber, die vorkommen könnten, würden, wenn wir den Petenten folgten, selbstverständlich der Stadt zur Last fallen. Herr Kollege Singer hat dann über das Submissionswesen gesprochen. Er hat denjenigen Kern, der in gewissem Sinne als berechtigt wohl anzuerkennen wäre, herausgeschält, um auf Grund dieses Kerns seinen Antrag zu vertheidigen. Ich erkenne an, daß das Submissionswesen, wonach nur der Mindestfordernde akzeptirt wird, seine großen Schattenseiten hat. Ich erkenne au, daß es sehr viel besser wäre, wenn wir irgend einen anderen Weg finden könnten. Aber das Submissionswesen ist in der That der„Stein der Weisen" und schon seit zehn, zwanzig Jahren bemühten sich Staat und Stadt, herauszufinden, wie sie es machen können, ohne daß sie bei der Akzeptirnng des Mindestfordernden eine schlechte Arbeit bekommen. Will Herr Singer das Submissionswesen speziell geordnet haben, dann würde ich vorziehen, eine Resolution zu beantragen, wonach die städtische Baudeputation aufgefordert wird, energisch für die Regelung des Submissionswesens ein- zutreten. Ich werde das mit Vergnügen unterschreiben, wenn ich auch weiß, daß wieder viele Jahre darüber hingehen werden und daß wahrscheinlich wieder nichts herauskommen wird. Indessen Jever wird damit den ernsten Willen zeigen und wir werden ver- suchen, was dabei herauskommt. Herr Kollege Singer hat dann auf den Gemeinderath von Paris und London exemplifizirt. Ich konnte nicht voraussetzen, daß Herr Singer das vorbringen würde, und konnte mich nicht informiren; aber ich will zugeben, daß dort vielleicht für die Arbeiter bestimmte Vorschriften bestehen. Wir haben jetzt ja durch die Reichsgesetze theiliveise auch dergleichen. Herr Singer wird mir aber doch zugeben, daß in Paris sowohl ivie ist London bei Staat und Stadt es ebenso ist wie hier. Auch wir haben eine Menge von Arbeitern, die wir direkt auf unseren städtischen Werken besolden. Es ist nur die Frage, ob das, was Kollege Singer ausführt, sich speziell darauf bezieht, daß große Arbeiten, die dort in Entreprise gegeben werden, den Arbeitergruppen direkt übergeben werden. Ich kann es kaum glauben, soweit ich die Organisation der Behörden in Paris und namentlich in London kenne. Ich kann nicht annehmen, daß dort eine große Zahl von Maurer- und Zimmermeistern in städtischem Dienste ist. Ich möchte bitten, den Antrag Singer gerade mit Rücksicht darauf, daß er sich auf die Petition stützt, nicht anzunehmen. Hätte Herr Singer einen Antrag gestellt, worin er gesagt hätte, daß er bitte, eine Bcrathung über die Reform des städtischen Bauwesens eintreten zu lassen, �ann hätte ich mir das auch noch gefallen lassen. Aber auf Grund dieser Petition, die auch nicht das geringste thatsächliche Material bietet, können wir nicht vor- gehen. Nehmen Sie auf Grund dieser Petition den Ausschuß- antrag nicht an, oder nehmen Sie den Antrag Singer an, so wird damit dokumentirt, daß diese Petition theilweise richtig ist und daß sie den Anlaß gegeben hat, eine Reform des Bauwesens Herbeizuführen. Gegenüber den Zitaten, die ich gemacht habe, können Sie das in der That nicht. Sie können es noch viel weniger gegenüber den Forderungen, welche die Petenten stellen. Sagen Sie doch klipp und klar: die Petition stellt keine andere Forde- rung als die der sozialistischen Stadt. (Sehr richtig!) Wir sollen nichts Anderes thun, als die Stadt sozialisiren. Nun, so weit sind wir noch lange nicht. Und selbst, wenn Herr Singer sich auf einen Herrn beruft, welcher der liberalen Partei angehört, der aber noch nicht in der Stadtvertretung drin ist', so, meine ich, haben wir in der Versammlung die Pflicht, zu prüfen, ob die Stadtverwaltung auf diese Bahn ge- lenkt werden kann. Da meine ich, sollten wir bei dem ersten Schritt entschieden Nein sagen. Ich bitte Sie, den Ausschußantrag anzunehmen und den Antrag Singer abzulehnen. (Lebhaftes Bravo.) Der Stadtverordnete Singer führte hierauf den„liberalen" Baumeister in folgender Weise ab: Ich habe mich zum Wort gemeldet, um dem Herrn Kollegen Wohlgemuth zunächst auf eine Frage Autwort zu geben. Herr Wohlgemuth hat bezweifelt, ob die Bestimmung, die ich bezüglich des Pariser Gemeinderaths zum Vortrag gebracht habe, sich auf Bauten dezieht, wie wir solche hier herstellen, und die künftig in städtischer Regie ausgeführt werden sollen. Erlauben Sie mir, Ihnen dazu folgendes mitzutheilen: maligen Kolosseum vermählten sich zwei Hauptleute des Heilsheeres unter Absingung gottgefälliger Gesänge— als in Potsdam ein Hauptmann Aehnliches versuchte, war man so gefällig, ihm die Zeit zu lassen, daß er unter ZuHilfe- »ahme von Gift dieses irdische Jammerthal verlassen und zur großen Armee abmarschiren konnte. Eines schickt sich eben nicht für Alle, und die Heilsarmee scheint den Vorzug zu besitzen, daß die militärische Charge nicht unbedingt an das Geschlecht gebunden ist. Sonst hört man nur wenig von den Kriegsthateu dieser Gottesstreiter; nur für einen Tag war für die Angehörigen der Heilsarmee und Alle, die es noch werden wollen, die Parole ausgegeben, daß man sich aller alkoholischen Getränke enthalten und sich sogar seine Zigarre versagen sollte. Es ging aus dem Tages- bcschl nicht mit Sicherheit hervor, zu welchem Zweck man dieses Ansinnen stellte: aber wahrscheinlich fehlte wohl in den höheren Regionen der Sold, und das gesparte Geld sollte diesem unwürdigen Zustand ein Ende machen. Man sieht, es ist hier wie überall— zum Kriegführen gehört dreimal Geld, und auch die Gottesstreiter können nicht allein von biblischer Nahrung leben. Die Sparsam- kcit ist eine feine bürgerliche Tugend, aber in militärischen Dingen hat sie keinen Sinn. Auch Herr Egbert Müller ist noch nicht so weit, sich von den Himmelsbewohnern aus der vierten Dimension Vorschüsse zahlen lassen zu können. Der regelrechte Verkehr nüt der Geisterwelt ist gewiß noch nicht vollständig geregelt, wenn das aber erst der Fall ist wird Herr Müller entschie- den ungeahnten Zuspruch finden. Von Leuten, die sich ivirk- lich zu Gespenstern passen, ist uns eidentlich nur die ominöse Persönlichkeit des Herrn„Aujust mit der kalten Hand" be- kannt, und auch dieser nur dem Nameik nach. Es hätte gerade sein müssen, daß Herr Stöcker vor einigen Jahren wirklich aus Grund des Sozialistengesetzes ausgewiesen wor- den wäre— der wäre natürlich ebenfalls als ruhelos� Ge- spenst durch die Laude gewandelt, ruhelos, wie der ewige Jude, mit dem er sich übrigens hätte assoziircn können. So hat auch die hohe Politik bisweilen ihre gute Laune— weshalb sollte nicht auch ein Hos- und Dom- Prediger ein Opfer der sozialen Verhältnisse werden können? Doch wozu der Zeitungsstreit— die feudale Krähe hackt der klerikalen die Augen nimmer aus.— „Im November 1888 erhielt die genannte Kommission — das ist die Kommission des Pariser Gemeinderath?, welche das städtische Bauwesen überwacht— eine Be- schwerde von der Gewerkschaft der Erd- und Fundament- arbeiter, daß beim Bau einer städtischen Schule die vor- geschriebenen Arbeitsbedingungen nicht eingehalten und dazu noch schlechte Arbeiten geliefert werden. Die An- gelegenheit wurde sofort in Untersuchung gezogen, drei Delegirte der sich beschwerenden Gewerkschaft wurden eben- falls dazu berufen. Die Klage der Gewerkschaft bestätigte sich vollständig. Die Kommission berichtete an den Ge- meinderath und dieser beschloß am 15. März 1889, die Verwaltung einzuladen, daß sie den gefaßten Beschlüssen strengstens Nachachtung verschaffe". Sie sehen daraus, daß in Paris die Einrichtung, von der ich ge- sprachen habe, auf alle städtischen Bauten Anwendung findet, also auch auf die Bauten, von denen Herr 5�ollege Wohlgemuth es bezweifelt hat. Was nun seine Schlußausführungen anbelangt, daß mit der Annahme unseres Antrags der sozialistische Staat eingeführt würde, so berührt es mich etwas komisch und eigenthümlich, wenn der Kollege Wohlgemuth darin ein zwingendes Motiv sieht, sich unserem Antrag gegnerisch gegenüberzustellen. Meine Herren! Es handelt sich nicht um die Einführung des sczialistischcn Staats, sondern darum, Uebelstände, welche dieMajorieät unserer Mitbürger, die Arbeiterklasse, schädigen, zu beseitigen, Uebel- stände, die aus Klasseninteresse, und zwar im Interesse der be- sitzenden Klasse konservirt werden. Da Herr Kollege Wohl- gemuth in seinen Ausführungen diesen Standpunkt eingenommen hat, so muß ich ihm allerdings sage», daß mich der Umstand, daß Mit Annahme unseres Antrages der kommunale Sozialismus etablirt werde» könnte, daß es ein Schritt zur Errichtung des sozialistischen Staats sein könnte, von meinem Standpunkt aus gar nicht zurückschreckt. (Heiterkeit.) Aber wie behandeln Sie denn solche wirthschaftliche Fragen? Sie lehnen es ab, indem Sie mit Rücksicht auf eine vielleicht später einmal eintretende Entwicklung sich unserem Antra" gegnerisch gegenüberstellen, Schädlichkeiten und Uebelstände, die von Ihnen selbst anerkannt werden, und die, ohne den Boden der heutigen Staats- und Gesellschaftsordnung auch nur anzutasten, abzuändern eine Kleieigkeit ist, zu be- seitigeu. Sie verweigern in starrer Festhallung der Manchester- lichen Prinzipien all und jede Forderung der weiteren Bevölke- rung; das stimmt allerdings sehr wenig mit den Reden überein, welche die Vertreter der liberalen Partei im Reichstag in letzter Zeit zu halten gewohnt sind. Das stimmt sehr wenig mit der Auffassung, die Ihre Gesinnungsgenossen im Reichstag zum Aus- druck bringen, die wiederholt erklärt haben, auch sie wären der Ueberzeugung, daß eine Besserung in der wirthschaftliche» Lage der Arbeiter herbeigeführt werden müsse. Hier bietet sich nun eine Gelegenheit, wo Sie das, was die Herren lheoretisch zugeben, zur Wahrheit machen können; hier können Sie zeigen, daß cs Ihnen mit Ihren Versicherungen Ernst ist. Hier können Sie Hand anlegen, zu untersuchen, welche Uebelstände vorhanden und wie die- selben zu beseitigen sind. Diese sozialen Pflichten kann man nicht von sich abwälzen, indem man sagt, die vorgeschlagenen Ein- richtungen führen zum sozialistischen Staat. Der sozialistische Staat kommt nicht deshalb, weil wir— die Sozialdemokraten — ihn wollen, und er bleibt deshalb nicht aus, weil Sie ihn nicht haben wollen; die sozialistische Organisation der Gesellschaft muh geschaffen werden, weil sie ein nothwendiges Produkt der ökonomischen Entwickclung ist. Sie, meine Herren, können es weder fördern, noch verhindern. Aber wenn Sie— namentlich vor den Wahlen— immer erklären, wirthschaftliche Verbesserungen für die Arbeiterklasse einführen zu wollen, dann haben Sie keinen Grund und kein Recht, sich des Schreckgespenstes des sozialistischen Staates zu bedienen, um eine so winzige Forde- rung, wie die jetzt zur Diskussion stehende, deren Erfüllung an den heutigen Gesellschastsverhältnissen nicht ein Atom ändert, ab- zulehnen. Auf die Gründe, die Herr Kollege Wohlgeinuth in dem ersten Theil seiner Rede angeführt hat, will ich des längeren nicht ein- gehen. Ich erkläre, daß ich den Standpunkt nicht begreife, um eines Wortes oder Satzes willen, welches der Herr Kollege Wohl- gemuth nicht für gerechtfertigt oder für übertrieben hält, die Petition abzulehnen. Meine Herren! Sie reden von der lieber- treibung in den Ausdrücken dieser Petition. Ach, wenn Sie doch nur einige Jahrzehnte zurückdenken wollen, und sich an die Schriftstücke, die seitens der liberalen Partei damals in die Welt gesandt worden sind, erinnern möchten, da werden Sie bombastische Ausdrücke und Beurtheilungen über das Reaktions- system finden, gegen welche die Ausdrücke in der vorliegenden Petition das reine Kinderspiel sind. Dazu sitzen wir aber auch nicht in diesem Saal, um eine Sache, die wir für berechtigt halten, nur deshalb abzulehnen, weil die Form, in der sie vorgebracht wird, uns nicht gefällt. Das ist ein Standpunkt, den ich der Stadtverordneten-Versammlung«on Berlin nicht imputire, und den auch, wie ich glaube, nicht alle Mitglieder dieser Versamm- lang vertreten. Das ist der schlechteste Grund, aus dem der Herr.Kollege seine Abneigung gegen die berechtigten Forderungen der Petenten geltend machen konnte. Und was er uns erzählt hat von den übermüthigen Maurergesellen— was er da vor- geträgen hat davon, daß heute nicht die Unternehmer es sind, welche die Gesellen drücken, sondern umgekehrt— das sieht wie ein Ei dem andern ähnlich jener Fabel von dem champagner- trinkenden Maurergesellen, der in einer Droschke erster Klasse durch die Stadt gefahren ist, (Sehr richtig!) eine Fabel, die in den Zeiten der Grnnderjahre durch die Welt gegangen ist. Zugegeben dein Kollegen, der begeistert sein„sehr rich tig" ruft, er soll einen Maurergesellen haben Champagner trinken, oder in einer Droschke erster Klasse fahren sehen. Was beweist das V Doch höchstens, daß irgend ein Maurer in dieser Weise seffi Geld verbraucht hat, aber es giebt doch kein Recht, dem ganzen Stand Lüderlichkeit und Schleinnierci zu insininren, zu behaupten, daß er unwirthschaftlich ist und über die berechtigten Ansprüche hinaus- lebt. Das sind Gründe, mit denen man doch nicht kommen sollte, namentlich sind es keine Gründe, die im Stande sind, sachlich be- rechtigte Forderungen zu widerlege». Ich kann Sie nur wiederholt dringend bitten, die Petition nicht a limine abzuweisen, und wenn nicht mehr aus der Be- rathung der gemischten Deputation herauskommen sollte, als eine Besserung desjenigen, was Herr Kollege Wohlgemuth mit mir als verbesseru>!gsbedürstig hinstellt, eine Reform des Submifsions- wesens, so würde das auch die Einsetzung einer gemischten Deputation Werth sein. Wenn der Herr Kollege von seinem Standpunkt als Mitglied der Bauverwaltnng gesprochen hat, so mag er ja mit den be- stehenden Verhältnissen zufrieden sein; es beweist aber nicht die nolywendigkeit, die Sache ruhen.zu lassen. Wenn in einer gemischten Deputation in eingehender Berathung die Nothwen- bigfeit einer Reform festgestellt wird, wenn die gemischte Depu- tation zu der A fassnng kommt, dein Magistrat Äenderungen in Bezug ans das r bmissionswesen vorzuschlagen, dann, glaubeich, wird die Arbeit dieser gemischten Deputation doch sehr werthvoll gewesen sein, für die Stadt jedenfalls werthvoller, als die Ar- Veiten, welche die gemischte Deputation leisten wird, zu deren Einsetzung der Magistrat Sie heute auf- gefordert hat, und welche eine Huldigung für den Grasen o. Moltke vorbereiten soll. Aus aue dem, was in dieser Frage ausgeführt worden ist, habe ich keinen Grund gegen die Äe- rechtig, mg unseres Antrages finden können. Ich habe nur aus der Rede des Herrn Kollegen Wohlgemuth den Widerwillen heraus- gehört. Reformen eintreten zu lassen, wodurch vielleicht die kapitalistische» Interessen der herrschenden Klassen zum Nachtheil berührt werden. Das ist nicht berechtigt, und ich wiederhole, Sie thun unserer Stadt einen guten Dienst, wenn Sie sich nicht auf den Standpunkt stellen, wie ihn Herr Kollege Wohlgemuth Ihnen empfiehlt, sondern wenn Sie unseren Antrag annehmen und damit in die Prüfung einer Frage eintreten, welche sehr wichtig ist, die weite Kreise unserer Bevölkerung betrifft und deren Erörterung, wie ich glaube, ergeben wird, eine verbesserte wirth- schaftliche Lage derjenigen Mitbürger, die ich trotz der Mitthei- lung des Herrn Kollegen Wohlgemuth- für mindestens ebenso fleißig, ebenso ehrenwerth und ebenso gemeinnützig halte, wie jede andere Bevölkerungsklasse unserer Stadt.(Bravo!) Im Sinne der liberalen Majorität sprachen dann noch die Herren Scheiding, Dr. Langerhans, noch einmal Herr Wohlgemuth und Herr Reichnow. Das Ergebniß der oratorischen Musterleistungen war, daß die Versammlung den Antrag des Stadtv. Singer ablehnte und nach dem Antrage des Ausschusses beschloß, über die Petition zur Tagesordnung über zu gehen. Gerade aus dieser Verhandlung sah man wieder, welcher Geist der Intoleranz und der Beschränktheit die sogen, liberale Majorität der Berliner Stadtvertretung beherrscht. Diese In- toleranz und Beschränkheit wird höchstens durch den Servilismus übertroffen, den das philiströse Bürgerthum Berlins vor allem hegt, was einen rothen Militärkragen trägt. Im nächsten Jahre aber wird die sozialdemokratische Arbeiterschaft Berlins wieder mit dem Bürgerthum in die Schranken treten, und da wird es sich hoffentlich zeigen, welche Früchte das überaus arbeiterfrennd- liche Auftreten der Bourgeoisie gezeitigt hat. Lokmles. Lelefrüchte»um 1,(Oktober. Die Regierungen, welche die Freiheit der Rede unterdrücken, weil die Wahrheiten, du sie verbreiten, ihnen lästig sind, machen es wie die Kinder, welche die Augen schließen, um nicht gesehen zu werde». Fruchtloses Bemühen! Wo das lebendige Wort gefürchtet wird, da bringt auch dessen Tod der unruhigen Seele keinen Frieden. Tie Geister der ermordeten Gedanken ängstigen den argwöhnischen Ver- folger, der sie erschlug, nicht minder, als diese selbst im Leben es gethan." (Börne, die Freiheit der Presse in Bayern.) „Keine große politische Bewegung, keine große Reform weder in der Gesetzgebung noch in der Ausübung ist je in irgend einem L mde ursprünglich von seiner Regierung ausgegangen. Die ersten, d e solche Schritte vorgeschlagen, sind ohne Ausnahme kühne und geistreiche Denker gewesen, die den Mißbrauch erkannten, auf- deckten und das Mittel dagegen angaben. Aber lange, nachdem dies gethan ist, fahren selbst die auf- geklärtesten Regierungen fort, den Mißbrauch ausrecht zu erhalten und das Mittel dagegen zu verwerfen. Endlich, wenn die Um- stände günstig sind, wird der Druck von außen so stark, daß die Regierung nachgeben muß; und wenn die Reform gemacht ist, so wird von dem Volke erwartet, daß es die Weisheit serner Re- gierung bewundern soll, die dies Alles gethan." (Buckle, Geschichte der Zivilisation.) „Das Gewissen!... In unserem Dasein ist überhaupt davon nichts zu sehen, außer vielleicht das Gewissen der öffentlichen Meinung und das Strafgesetz." (Tolstoi.) „So hoch nicht acht' ich ein Gebot von Menschen, Daß ich ihm mehr gehorchte, als dem hohen Unwandelbaren, ungeschriebenen,.> Der Götter, die von heute nicht und gestern, Die ewig sind."— (Sophokles, 450 vor Chr.) „Man muß lachen über die Albernheit Derjenigen, die, im Besitze der Macht, auch das Gedächtniß der Folgezeit glauben auslöschen zu können. Im Gegentheil, wenn die freien Geister verfolgt und bestraft werden, steigt ihr Ansehen, und die mit solcher Strenge Verfahrenden bringen nicht nur dem Verfolgten Ansehen und Ruhm, sondern sich selbst Schande zu Wege. „Wir habe» gelesen, daß dem Aurelianus Rusticus seine Lobschrist auf Phraseodatus und dem Herennius Senecio eine solche aus Priscus Hebridius das Leben gekostet»hat. Und nicht nur gegen die Verfasser, auch gegen ihre Schriften hat man ge- wüthet: Henkershand hat die Werke dieser edelsten Geisler auf offenem Markte verbrannt. In jener Flamme wähnte man wohl das Urtheil des römischen Volkes, seine Freiheit und das Gedächtniß der Geschichte zu vertilgen. Gleichzeitig wurden auch die Lehrer der Philosophie verjagt, und jedes wissenschaftliche Streben war verbannt, damit nur ja nirgends mehr etwas Gutes sich blicken lasse. Wahrlich die höchste Langmuth haben wir bewiesen! Wir sahen die Knechtschaft auf dem Gipfel, da uns von der Geheimpolizei sogar der Gedanken- austausch. verboten war. Ja, das Gedächtniß selbst hätten wir mit der Sprache verloren, wenn Vergessen ebenso in unserer Macht stünde wie Schweigen." (P. Cornelius Tacitus nach der Regierung des Domitian, 97 n. Ehr.) „Für solche Zeit bist Du gevoren, in welcher es den Geist zu stählen frommt durch Beispiele der Standhaftigkeit." (Phraseodatus letzte Worte vor seiner Hin- richtung an Priscus Hebridius.) „Nichts ist im Stande, eine Herrschaft, die sich auf Furcht gründet, dauerhast zu machen. Für jede Macht ist Furcht eine schleckitc Schildwache." In den Angelegenheiten der Staaten wird oft durch die Art von Ungerechtigkeit gesündigt, daß man durch spitzfindige Auslegung des Buchstabens den Sinn der Gesetze verdreht. Bon dieser redet das Sprichwort, welches sagt, daß das höchste Recht das höchste Unrecht sei."* „Der ist kein wahrer Staatsmann, der seinen Gegnern durch falsche Beschuldigungen den Haß des Volkes aufzubürden sucht. So dachte auch Platon: daß der wahre Staatsmann diejenigen nicht für Feinde des Staates halten dürfe, die dem Staate aus eine andere Weise, als er selbst, geHolsen wissen wollen." „Gesetzt auch, daß durch die Uebermacht eines Einzigen die Gefahr auf eine Zeitlang unterdrückt, die Stimmen der Freiheit zum Schweigen gebracht worden, so wacht diese doch endlich wieder auf und äußert sich entweder durch gewisse Handlungen des Volkes, die als Urtheile desselben über seine Beherrscher an- gesehen werden könne», oder durch die Stimmen, die es an den Wahltagen wider den Willen desselben erlheilt. Denn der Enthusiasmus der Freiheit wirkt heftiger, wenn sie eine Zeit lang verloren gegangen, als wenn sie unjjestört geblieben ist." (Cicero.) „Sie machten die Wahrheit zum Aergeraiß. Da geschah das Aergerniß und die Wahrheit ertönte lauter." (St. Augustin.) „Man Hetze, daß die Freiheit unterdrückt und die Menschen so geknebelt werden könnten, daß sie nur nach Vorschrift der Staatsgewalt einen Laut von sich geben, so wird cs doch nie ge- schehen, daß sie auch nur das denken, was diese will.— Auch daran ist nicht zu denken, daß Alle so sprechen, wie es vor- geschrieben ist; vieluiehr werden die Blenschen(und zwar gerade die Guten, die Rechtlichen, dic Frciheillicbenden) desto hartnäckiger darauf bestehe». Gesetze gegen Meinungen treffen nur die Frei- sinnigen und verlottern nur die Ehrlichen, weshalb sie nur mit großer Gefahr für den Staat ausrecht erhalten werden,''ftich sind solche Gesetze überhaupt ohne Nutzen, denn wer die von denselben verbotenen Ansichten gehorchen." für wahr hält, kann ihnen (Spinoza.) „Jede Partei als solche hat Anspruch auf Freiheit. J mag unbeschadet des Rechtes nur widerlegt, nicht aber un» drückt werden, lieber eine Lehre, zu welcher sich Millionen W virter Menschen bekennen, kann nur Vermessenheit die Acht o» sprechen."(Rotteck.) j „Eine große Gemeinschaft von Menschen zu verfolgen v- zu bestrafen, es zu versuchen, Meinungen auszurotten, welche? dem Zustande der Gesellschaft entspringen und selbst ein Zei# der wunderbaren und wuchernden Fruchtbarkeit des menschlich Geistes sind, dies zu thun ist nicht nur eine der verderblich� sondern auch eine der thörichsten Handlungen, die man sich# vorstellen kann."(Buckle.). „Der Regent hat kein Recht, über die Meinungen der Vürzs Es ist Wahnsinn, anzunehmen, daß Menschen zu einem Jhck gleichen sagten: wir erheben Dich über uns, weil wir ge» Deine Sklaven sein möchten. Du bist Herr über unsere Gedanke» (Friedrich 11.) „Die Presse hemmen, heißt die Nation gröblich beleidig» ihr das Lesen gewisser Schriften untersagen, heißt sie für ei» Sklaven oder blödsinnig erklären."(HelvetiuÄ m „Eine denen in's aßregelte Schrift"ist ein Funke der Wahrheit,* cht fliegt, die ihn auszutreten suchen."(Miltoiw „Der Rede setzen wolltet ihr die Schranke, Einkerkern Schrift und Wort— Umsonst! Es wälzt sich jeder Gluthgedank» Bacchantisch und unsterblich fort! Umsonst, Verstockte, tadelt ihr das Neue, i mtn 61 Allmächtig herrscht die Zeit; 1 9 und Zwar eine schöne Tugend ist die Treue,, nicht i Doch schöner ist Gerechtigkeit!"(PlateiW Seitdem die austöndige»» Leute in der Nedakt'' der..Uolks-Zeitung" unterdrückt und hinausgemaßregelt I» kommen bei dem Blatt die Kapitalisienkrallen und die instink» Abneigung gegen die Sozialdemokratie und Alles, was mit' zusammenhängt, zum Durchbruch. Die Lindau- Anbeter sch� jetzt ganz ohne Scham nach Oben— ein Zeichen dafür, daß* Blatt, welches bisher das Banner der politischen Demokratie> entwegt hochgehalten hatte, anfängt, vorder Kapitalisten� zu katzenbuckeln. Das beste Mittel, um sich bei den Fi»» Parvenüs einzuschmeicheln, ist, daß man eine heilige Abneig' gegen das Proletariat und dessen Vertreter zur Schau tck Auf Lügen und Entstellungen kommt es dabei bekanntlich»' an. So findet sich in dem ehemals demokratischen Blatt W N gestrigen Nummer folgende Niedertracht: das W „Tölke, der bekannte sozialdemokratische Agitator« schrieb, am 1. Oktober in Dortmund in einer Versammlung' früh i Geschichte erzählt, wie 1863 in Berlin durch sozialvef' kratischen Einbruch unter seiner Führung die Versa«» 9 g lungen anderer Parteien gesprengt worden seien un» �nessc dadurch dazu gekommen sei, daß nur die sozialdemokrat«! das on Partei in Berlin noch in öffentlichen Versammlung»««, sich h, Worte kommen konnte. Tölke erzählte dann ausfüh» ,lle(het die Geschichte der Sprengung der Konzerthausversann»«� im November 1838, welche von der Forttschritsparle«« vlelbt s berufen war. Die Versammlung war auf 11 Uhr» Hochstr mittags angesetzt, die Sozialdemokraten aber hatten Fj jj morgens 8 Uhr in hellen Hausen verschiedene Theile'„„h � Versammlungslokals besetzt. Dann sei cs durch die* Zncfetd suche der Sozialdemokraten, den Vorsitz zu erlangen,»» schwor. angeblich in der Mehrheit waren, zum Skandal> Abend kommen, die Polizei habe sich außerhalb der% der Nä saminlung neutral verhalten. Er habe als vo» j abschiet Mehrheit gewählt den Vorfitz übernehmen>»»? schonen Der Wirth habe ihn aufgefordert, das Lokal zu verlas Markus da das Komitee der Fortschrittspartei dasselbe gemiethe» z», aber habe den Wirth bedeutet, daß er sich schleunigst t», gest fernen solle, andernfalls würde er, Tölke, von seinem H? einer! recht, welches ihm durch die Wahl der Versammlung ,']■ Möbel, tragen sei, gegen den Wirth Gebrauch machen. Dabei»! ein üb, er seineu Stock, der ihm von Arbeitern geschenkt un» daß n, schon 1865 in Iserlohn eine gewisse Bedeutung erla«) erschien neben sich gelegt: der Stock sei zuerst etwas kurz gc«� inzwisö tv tilUKU) UU| UKW A-lim yKlujiuycji, vup vv uutu; Versammlung krachte und der Wirth jammerte, er Mn gelang die ganzen Tische entzivci. Da sei Stille im Saal i und du getreten und nun habe er seinen Vortrag beginnen«»»' die Zu kaum habe er cs aber bis zu den Worten:„Meine H»«� einer SO gebracht, so sei auss Neue ein furchtbarer Skandal daher a standen, infolge dessen er seinen Stock in die HaN»l gebrachi nommen und nach verschiedenen Stellen des Saales tstif geschlag habe, ivas zur Folge hatte, daß die Schreihälse flsij endlich nicht unsanft hinausgeworfen wurden, worauf die» eindring sammlung ihren ungestörten Fortgang habe nehmen kön» Rettung Wir brauchen unsere Leser auf die versteckte Perstdie, � Rer Pe: diesen Zeilen liegt, nicht besonders aufmerksam zu mach»»„achten daß die thaffächlichen Angaben in gemein tendenziöser Weis» 1 drennen stellt sind, weiß übrigens Jeder, der sich nur einigermaßen 1(ßz, die politischen Verhältnisse der damaligen Zeit gekümmert' bei well Es verschlägt auch nichts, daß dieselbe Korrespondenz in j U01) schiedenen bürgerlichen Zeitungen Eingang gefunden hat; al� deschäfti bemerkenswerthes Zeichen der Vorgänge, die sich hinter welches Koulissen der bürgerlichen Demokratie Berlins abspielen,* stürzte, aber der Umstand aufgefaßt werden, daß der Artikel auch! �4!"«'«" der„demokratischen"„Volksztg." aufgenommen wurde.' Mühe", haben keinen Grnnd, dein Blatte Rathschläge für sein stPV schwere Fortkommen zu ertheilen; so viel aber ist geiviß, daß die �$|»«« ihrer Theaterseuilletons wegen wahrscheinlich von Nieina» bisher gehalten wurde und auch iit Zukunft nicht bracht. «verde» wird., A« Fiasko nichts als Fiasko. Unter dieser Spitzmar� halten wir von dem Genossen Jacobey folgendes Schreibe» j Arn 27. September, Morgens 8 Uhr, als ich voin Stadt�ber zive« ä Hof Zoologischer Garten kommend meine Arbeitsstätte in der � Franz h straße aussuchen wollte, wurde ich in der Nähe des Kurs«'� Mi dammes von einem Manne um Feuer gebeten, welches ihn' � bereitwilligst gewährt wurde. Der mir völlig fremde Man»«ff, mich auf einmal so recht vertraulich an und sagte:„Könne» Zentral-! uns heute Abend vielleicht mal sprechen?" Ich sah ihn verwfW�" Som an und fragte, um was eS sich handelt,«vorauf derselbe»��leblatzch" „Um«vaS es sich handelt, sei Nebensache; ich sollte ihm e»�Tram»> bestimmte Zusage machen." Ich glaubte, einen Menschen r"' gn zu haben, den man geivöhnlich als Jünger eines bekannten straße 8, Herrn bezeichnet; sein ganzes Auftreten, sein krankhaftes, �nentgel« jtohlenes Aussehen veraulaßten mich zu diesein Gedanke»-, alle Fälle wollte ich ihn kuriren und sagte zu. Nun mach� der Mann Vorschläge von Zeit und Ort. Mit der Zeit wurden wir uns einig— Abends 10% bis 11 Uhr. Den Ort konnte er schwerer bestimmen, erst Bad- und Uferslrahen-Ecke, dann Adler- Brauerei, schließlich Nordbahnbrücke auf der Seite, wo die Zigarrenbude steht. Hierauf fügte er hinzu:„Das ist ja ihre Gegend, na, wir kennen uns nicht, adieu Jacobey." Die letzten Worte waren kaum hörbar. Mir war es klar, ich hatte mit einem Spitzel zw thun und zwar mit einem Prachtexeurplar von Tölpelhaftigkeit. Als ich am Abend mehrere Freunde und Ge- nossen traf, erzählte ich mein Erlebniß, sie waren sofort bereit, die Sache zu untersuchen. Sie begaben sich nach der genannten Stelle und trafen hier einen vielgenannten Kriminal-Wachlmeister und einen Kriminal-Kommissarius vor. Dieselben wurden von einem Genossen erkannt und den anderen Genossen unter Nennung ihrer Namen vorgestellt, worauf die Beamten beschämt die Pferdebahn aufsuchten. Ein Spitzel, bestimmt der- selbe von frühmorgens, gerieth mit einigen Genossen bei seiner Verduftung nach dein Nordbahnhof in Kollision und verschwand, nachdem er das Hinderniß passirt hatte, in der Dunkelheit. Unter großer Heiterkeit entfernten wir uns. Was die Leutchen geplant halten, ist nicht zu vcr- stehen, denn bereits um 8 Uhr Abends wurde meine neunjährige Tochter vor der Hausthür angehalten, und gründlich nach mir aus- gefragt, und zivar von zwei Männern. Da das Resultat ein negatives war, flüsterte der Eine dem Andern etwas ins Ohp, worauf beide verschwanden. Es gehört übrigens schon etwas dazu, Schulkinder in solcher Weise zu belästigen. Es ist das übrigens schon häufiger dagewesen, sogar bei einein 6 jährigen Kind von mir. Am andern Morgen, am 28. Septb., erhielt ich nun einen Brief. Derselbe ist ain 27. Sept., Abends zwischen ö und 10 Uhr in den Briefkasten gesteckt, und ich hätte denselben nicht erhalten, wenn die Begegnung an der Nordbahn vor S UHr stattgefunden halte. Der Brief lautet: Geehrter Herr Jacobey! Da es mir jetzt nicht möglich, Gelegenheit zu finden, um mit Ihnen über eine gewisse Angelegenheit zu sprechen, so» bitte ich, mir gefälligst eine Zu- sammenkunft zu gestatten. Sollten Sie geneigt sein, mit mir zu arbeiten, und sich einen Nebenerwerb zu schaffen, so bitte ich, am 29. d. M. an der Mauer vom Borsig-Park, dicht an der Brücke, mit Kreide dieses Zeichen anzuschreiben. Ich werde dann dos. Andere veranlassen. In ver Hoffnung auf freundliches Entgegen- kommen grüßt Ein Ihnen wohlgesonnener Freund. Nette Freundschaft, alle Achtung!!! Dieser Brief ist wiederum das Werk«(»eg Spitzels, gleichviel in welcher Absicht derselbe ge- schrieben ist. Und nun noch Eins. Der Spitzel vom Sonnabend früh, die Belästigung meiner Tochter Abends 8 Uhr, die Begegnung auf der Nordbahn-Brücke Abends lOVe Uhr und der Briefschreiber, das Alles konimt von einer Seite. Denn obgleich das ominöse Zeichen an der betreffenden Stelle gemacht ist, hat sich bis heute das Individuum mit dem Nebenerwerb nicht ge- meldet. Also besser aufpassen, immer besser aufpassen, sonst bleibt's dabei: Fiasko, nichts als Fiasko. A. Jacobey. Töpfer. Hochstraße 33, Hof 11. . Gymnasiast Erwin Kondick, IG Jahre alt, groß und schlank, mit blondem, kurzem Haar, bekleidet mit grauem Jacketanzug, dunkelblauem(Knick-) Filzhut, Schnürschuhen, schwarz- weiß gestreistem Weslenshlips, hat sich Freitag gegen Abend aus Scham über Nichtversetzung heimlich entfernt und in der Nähe des Potsdamer Bahnhofes von einem Freunde ver- abschiedet. Die bekümmerten Eltern bitten, ihn eventuell schonend anzuhalten und sofort Nachricht zu geben an Bondick, Markusstr. 46. Ktn- Wrnfchrnirlirii gerettet l Bei einer Feucrsbrunst, die gester» in der Mittagszeit im Hause Kruppstraße Nr. 5 in einer Wohnung in der ersten Etage zum Ausbruch kam und Möbel, Bücher, Hausgeräth u. f. w. vernichtete, entwickelte sich ein überaus starker Qualm, der sich im Hause derartig verbreitete, daß nach kurzer Zeit das Treppenhaus nicht mehr passirbar erschien. Tie Hausbewohner hatten sich aus den oberen Etagen inzwischen in Sicherheit gebracht und nur zwei Frauen und zwei Kinder waren noch zurückgeblieben, deren jämmerliches Hilsegeschrei das Gebäude erfüllte. Mit der alten Bravour stürmten nun mehrere Feuerwehrleute die verqualmte Treppe hinauf, und es gelang ihnen auch, zwei Frauen und eines der Kinder zu erreichen und durch den sengenden Qualm glücklich und heil wieder über dw Treppe, hinunterschafsen. Das zweite Kind dagegen war in einer Wohnung der vierten Etage eingeschloffen, es mußte ihm ......„i daher«nf anderem Wege, auf dem„Weg durchs Fenster" Rettung ' Gebracht werden. Hakenleitern wurden von Etage zu Etage ein- lies G v Geschlagen, bis die an ihnen emporklimmenden Feuerwehrmänner lise ,0* endlich das betreffende Fenster erreichten und u> die Wohnung f die eindringen konnten, aus welcher sie den bedrohten Knaben am enkdi»" Rettluigsapparat auf die Straße hinabließen, so baß nun alle zie, dü ssier Personen glücklich geborgen waren. Gleichzeitig wurde auch wache» dem an sich nicht allzu bedeutenden Feuer ei» Ende gemacht, s nachdem eine Handruckspritze genügende Wassermengen in die Weis � brennende Wohnung geschleudert hatte. maßen rutlrlilicher Unglücksfall, der Einsturz einer Treppe, Ninert' bei welchem leider zivei Personen schwer verletzt find, ereignete ,» in uch vorgestern Nachmittag gegen 4 Uhr in dem Hause Potsdamer- ...!.aße 31. Tort waren Arbeiter»nt dem Abbruch des Hauses ,.' f beschäftigt und eben dabei, das zweite Stockivcrk abzulegen, in hinter i welches eine fteiiierne Treppe mündete, als dieselbe plötzlich um- ielen, �stürzte, zivei darauf stehende Männer mitriß und unter den auch! Trümmer» begrub. Unter den bis in den Keller hinabgestürzten ,_v,# Trümmern wurden die beiden Verunglückten nach unsäglicher r virf und Arbeit aufgefunden. Ter eine derselben(R.) hatte n o � schwere Verletzungen am idopfe erlitten, sowie einen Bruch des die 3C m*,rn �eins davougetragen, der andere(Sch.) ist am Kopf, Uierna"', und rechten Arm vcrivundct. Beide wurden in fast t aev�kb�acht'' Zustande nach dem Elisabeth- Krankenhans ge- ..m �ufgefuuden haben sich in Reinickendorf, wie der dortige itzmarst Amtsvorsteher der hiesigen Kriminalpolizei inittheilt, zwei un- ccibe»! uekannte Knaben, welche die Namen und Wohnorte ihrer Eltern ' htJrlch �anzugeben vermögen. Der eine der kleinen Verirrten ist sechs, ig �er Weite erst drei Jahre alt. Die Eltern des Einen, welcher n der u» Franz heißen will, solle» hier in der Müllersiraße wohnen. Kurfhuf. Mi, sehr der gegenwärtig herrschende Kturm den s ihn> Wstenbahnverkehr erschwert, geht unter Anderem aus der That- Man» Neetze hervor, daß der ostpreußische Viehzug, welcher regelmäßig uer Nacht vom Freitag zum Sonnabend auf dem hiesigen »an» ,v»�um Sonnabend Vormittag um 9'/2 Uhr, also mit 8% stündiger . erivi�, erspätung eintraf. Die Ursache dieser erheblichen Verspätung ist ...ß'c� Guch der gewaltige Sturm gewesen, gegen welchen der starke >:,> �.�.ram nur mit schwerer Mühe anzukämpfen vermochte. 'en o*tv VoUlilinik von Prof. Dr. Litte», Dorothecn- ten a uraße 8, werden innerlich Kranke wochentäglich von 12—2 Uhr zastes,.unentgeltlich behandelt. anke»-, mach� Im Gstrn und Nordoste» des-4. Kerlinrr Reichstags- Wahtkreifes nehmen folgende Genossen gelesene Arbeiterblälter zur Verbreitung in den Provinzen entgegen: Gustav Tempel, Breslauerstr. 27, Wilhelm Lock, Friedrichsbergerstr. 5, Otto Heindorf, Langestr. 70. Fritz Rockendorff, Posenerstr. 5. Heinrich Hoffmann, Kaiserstr. 4, Robert Berg er, Gr. Frankflirterstr. 92, H. I., Emil Vöhl, Frankfurter Allee 74, Otto Zabel, Frankfurter Allee 90. Oskar Weinberg, Elisabethstr. 10. Carl Müller, Krautstr. 35, II. r., Adolf Scholtz, Landsberger Allee 144, H. III. Die Genossen werden gebeten, ihre Blätter in möglichst sauberem Zustande abzuliefern. Abholungen können nicht mehr erfolgen. polizeibericht. Am 3. d. Mts. Morgens wurde ein Ar- beiter vor dem Hause Stallstr. 42 von einem Arbeitswagen über- fahren und am Kopfe und rechten Bein bedeutend verletzt, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann in der Thllrnische des Hauses Münzstr. 10 mit e> er, wie später festgestellt wurde, durch Zerreißung einer Krampfader am linken Bein entstandenen, stark blutenden Wunde bewußtlos aufgefunden und»ach der Universitäts-Klinik gebracht. — Vormittags wurde eine 61 fährige Frau in ihrer Wohnung in der Nostizsiraße erhängt vorgesunden.— Nachmittags stürzte beim Abruch des Hauses Potsdamerstr. 31 im zweiten Stock die steinere Haupttreppe zusammen, so daß die dort beschäftigten Arbeiter Radi und Schubel in den Keller hinabsielc». Ersterer erlitt, außer schweren 5kopfverletzu»gen, einen Beinbruch und Letzterer nicht unbedeutende Verletzungen im Gesicht, im Rücken und nn rechten Arm. Beide wurde» nach dem Elisabeth-Kranken- Hause gebracht. Abends fanden drei kleinere Brände statt. Dir Wirker und Wirkerin»»« Kerlius hielten am 21. April d. I. eine zahlreich besuchte Versammlung ab, in welcher die Feier des ersten Mai besprochen wer- den sollte. Ällle Redner und Rednerinnen traten dafür ein, daß an jenem Tage die Arbeit ruhen solle und dasselbe that der Weber Neuhaus, der auch die Nednerbühne bestieg. Er führte u. A. aus, daß am 90. Geburtstage Kaiser Wilhelm's I. sowie bei der Begräbnißseier des Kaifers die Arbeitgeber ohne Weiteres ihre Werkstätten geschlossen hätten. TieS Hütten die Arbeiter sich gefallen lassen müssen und jetzt wollten sie einen gleichen Kontraktbruch begehen, wenn es ein solcher sei, indem sie für den I. Mai die Arbeit einstellten. In dieser Bemerkung erblickte die Staatsanwaltschaft eine Auf- forderung zur Verletzung der Gesetze und erhob gegen Neuhaus eine Anklage, welche gestern vor der vierten Slraskammer des Landgerichts I gegen ihn zur Verhandlung gelangte. Der Angeklagte gab zu, die beanstandete Aeußerung gethan zu haben, er bestritt aber, daß er etwas Strafbares begangen. Wäh- read der Staatsanwalt zwei Monate Gesängniß beantragte, be- ließ der Gerichtshof es bei einer Geldstrafe von 50 M. Un- zweiselhast sei es etwas Gesetzwidriges, wenn man offen zum Kontraktbruche auffordere und nur die Unwissenheit und die bis- herige Unbescholtenheit sei dem Angeklagten zu Gute gekommen. Für die Inhaber von Lotterirgeschäften dürfte die Thatsache von Interesse sein, daß die Staatsanwaltschaft nicht nur gegen diese einschreitet, falls sie des Vertriebes verbotener auswärtiger Loose verdächtig sind, sondern auch gegen deren junge Leute und sonstige Angestellte, welche sich durch Verabfolgung der Loose an dem Vergehen betheiligten. Ein solcher Fall lag gestern der 83. Abtheilung des Schöffengerichts vor. In dem Komtoir der Wittwe Fr. wurde eines Tages seitens der Polizei nach verbotenen auswärtigen Loosen geforscht und eine große Anzahl sächsischer und brannschweigischer Loose gefunden. Mit denselben wurde auch ein Buch in blauem Umschlag beschlagnahmt, welches em Verzeichniß der Mitspielenden enthielt. Die Beamten setzten chre Nachforschungen fort und als sie sich dann zum Gehen wandten, war das blaue Buch von der Stelle, an der die Beamten es hin- gelegt, verschwunden. Man fand es unter dem Tische, auf dem es gelegen. Im Begriffe, die Straße zu betreten, bemerkte der Beamte, daß es regnete, er ging deshalb in das Büreau zurück lind ersuchte den Kommis Bl., ihm das Buch einzuwickeln. Der Bitte wurde Folge geleistet. Nach zwei Stunden, während das Fr.ffche.Kointoir der Mittagpause wegen geschlossen worden war, erschien der Beamte wieder. Er behauptete, daß ihm das er- wähnte blaue Buch während des Einwickelns böswilliger Weise lungetauscht worden sei und verlangte die Herausgabe des. richtigen Buches. Der Kommis Bl. bestritt, daß er wissentlich den Umtausch bewirkt habe, sollte ein solcher durch ihn geschehen sein, so sei es auf seine Befangenheit und Angst wegen des Erscheinens der Polizei zurückzuführe». Aber auch das richtige beschlagnahmte Buch könne er nicht mehr herausgeben, denn einem früheren Befehle seiner Prinzipalin, alle überflüssigen Papiere zu verbrenne», habe sein Kollege, der Kommis Gr., inzwischen Folge geleistet und unter denselben müsse sich auch das verhängnißvolle Buch befunden haben. So ist die Polizei um die Liste einer Menge Personen gekommen, ivelche sonst zur Verantivortung gezogen worden wären. Die Anklagebehörde glaubte aber ebenso wenig an' ein versehentliches Umtauschen des Buches, wie an ein Verbrennen desselben; gegen die beiden Kommis Bl. und Gr. wurde Anklage wegen Verstrickung, bezw. Vernichtung einer amtlich beschlagnahmten Sache erhoben und diese Anklage mit derjenigen gegen die Wwe. Fr. wegen Lotterievergehens und gegen den Kommis Gr. wegen Beihilfe dazu, verbunden. Der Handel mit auswärtigen Loosen wurde seitens der Betheiligten ohne Weiteres zugegeben, dagegen bestritten die beide» Kommis, daß sie das blaue Buch wissentlich bei Seite geschafft hätten. Ter Staatsanwalt hielt sie auch nach dieser Richtung hin für überführt und bcan- tragte hierfür je 4 Wochen Gesängniß. Wege» des Lotierievergehees beantragte er gegen die Wwe. Fr. 300 M., wegen der Beihilfe gegen den Angeklagten Gr. 50 M. Geldstrafe. Der Gerichtshof hielt die Verstrickung nicht für hinreichend er- wiesen und erkannte dieserhalb' auf Freisprechung, gegen die An- geklagte Fr. wurde ans 150 M. Geldstrafe und gegen Gr. auf 30 M. wegen des Lotterievergehens erkannt. Außerdem wurde die Einziehung der beschlagnahmten Loose verfügt. DevfmmttUmsim. öfftnIUch« t>«rt.,»»ttl»>!g säinmtlicher an HolzbeacbeitunaZ' Maschinen beschafligtcn Arbeiter, am Montag, den o. Oktober, Abends% Uhr, im Lokal«önigsbanr,(Lr. Frantsurterslr. in. Zimmerleute Ärriino. Versammlung des Verbandes am Montag, den g. Oktober, Abend Uhr, i» F-uersl-in's Lokal, Alte Jakobstr. 75. Uerein>»r Mahrung der Interesse» der Klnuierarbcitrr und«er wandter Berussgenossen. Bersammiung am Montag, den e. Oktober, AbendS 8 Uhr, in Teigmiilter's Salon, Alle Jakobstr.«8a. Fachverein der Aibnuiarbriter. Gencral-Bersammlnng am Montag, den 8. Oktober, Abends«% Uhr, in den Zenlral- Festsälen, Oranien strafte 180. Kranti«»-»»d Sterbekasse de» Uereiua der Kutscher;» Kerli» svom Jahre 1878) E. H. 78. Montag, den u. Okiober, AbendS« Uhr. cheneral- Versannnlung pro 3. Quartal istto, in Lammer's itlubhauS, itoinmandanlen- ftraße 72. Tagesordnung: Protokoll. Wahl eines s. Borsihenden pr. isin— U2 Tcsgl. eines Ausschußmitgliedes. Wahl der Kranlenbesucher pr. 1801. Biertel- jahrSbertcht. Verschiedenes. Aerzteangelezenheit. Der wichtigen Tages- ordnnng ivege» wird um zahlreich- Belheiligung ersucht. Zur Sulgeaeunahme von Beirag wird der Rendant von Abends%8 Uhr anwesend sein. zirrein zur Ulahrnng der Interessen der Schuhmacher. Versammlung am Montag, den 6. Oktober, Abends 8% Uhr, in den Arinwhalls», lkoinmandantenstr. so. Tagesordnung: Ta« sozialdemokratische Programm. Res.' beer Auerbach. Dtslusston. Verschiedenes. «roße»ssenttiche Uersammlnug der Schmied« Zertin«. Dienstag, den 7. Ollober, AbendS 8 Uhr. in Aehlih' Salon, B-rgstr. vi, Taaesordnnng: I. Rechnungslegung über die gesammelten Gelder zur Deckung der Uuloitcn für die Delegirten vom Schmiedetag in Halle. 2. Wie stellen wir uns der Vereinigung der Schmiede Deutschlands gegenüber? s. Verschiedenes. GeseUiger K-rri»„pegina". Zweck: Pflege lehrreicher Vortrüge und Geselliglett. Herren, nicht unter 20, Damen nicht unter 17 Jahren, als Mrt- glieder erwünscht. SchrtfNiche Meldungen erbeten an Himburg, AlteJalobstr. 62. Bersittslolol: Arminhallcn, ilommandanlenftr. 20. Schuhmacher Riedort» und zlmg-bung. Große öffentliche Bersamiu- luug am Montag, den«. Ottober, Abends 8% Uhr, bei Hoffmann in Nixdorf, Vergsir. 133. Tagesordnung: i. Die Lage der Schuhmacher und ihre Oraani- saiion, Referent C. Beul. 2. Dislussion. 3. Gründung einer Zahlstelle des..Vereins deutscher Schuhmacher",«. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Mübelpolirer Berlins und zlmg-gend. Oeffentliche Versammlung am Montag, den«. Ottober, Abends 7X Uhr, im Lolale des Herrn Volzman», Andreasstr. 26. Tagesordnung: i. Wie stellen sich die Möbelpolirer zu einer Gesammtorganisatton aller in der Holzbranche beschäftigten Arbeiter. 2. Dis- kussion. 3. Bericht der Revisoren über den Streit der Möbelpollrer. 4. Ver- schiedcnes. Uni zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Der perri» rrliner Portiers und Per»t«ge»oss«n hält am Montag, den 6. Ottober, Ao.nds 9 Uhr, Markgrasensir. 87, bei Weigt, seine General- Versammlung. Tagesordnung: RechnungSleguna des Kassirers. Bericht vom Etistungsfest. Anträge des Vorstande«. Neuwahl des Vorstandes, Neuwahl der Revisoren, des Jestkomitees und des Ehrcnralhs. Fragelasten. Gs ist Pflicht eines jeden Mitgliedes zu erscheinen. Fehrknrlno der Berliner Arbeiter»»d Arbeiterinnen znr ersten Kilse bei zlngliiitiskällen, weibliche Slblheilung. Montag, den c. Oktober, Abends 8� Uhr, in Feuerstein's Lolal, Sllte Jakobstr. 76. 1. Vortrag des Herrn Dr. Bernstein. 2. UebungSstunde. 3. Verschiedenes. Sämmlliche Berliner Arbcilerinncn werden ersucht, sich dem Verein anzuschließen. Rur Damen haben Zutritt.— Montag, den 13. Oktober, findet der ftursuS der männlichen Ab- tyeilung ebendaselbst statt, wo nur Herren Zutritt habe». Dir Kranken-»nd Kegräbnihkasse siir die Mitglieder de» Uereina „Kriiderschast" E. H. 77 nimmt männliche Personen im Alter von 18—60 Jahren als Aiitglieder aus, ohne Unterschied des Standes, und gewährt bei einem monatlichen Beitrag von i M., sechsmonatliche Unterstühung pro Woche 7,20 M., beim Ableben 75 M. Sterbegeld. Die hlufnahme stndet in der heute stattsindenden General-Versammlung im Verelnslolale„Arminhallcn", Kam- mandanenftr. 20, von 6—8 Uhr Abends, sowie dllrch den Kassirer Joh. Hinz, Orantenstr. 81—82(Thüringer Keller) statt. Jentrat-Perein der Kau«»nd SZeschäftsdiener Berlin». Große Mitglieder- Versammlung am Dienstag, den 7. Ottober, Abend« 0 Uhr, bei Deigmüller, Alte Jakobstr.«sa. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Heinr. Pens über:„I. I. Rousseau". 2, Dislussion. 3. Mttthetlungen und Aufnahme neuer Mitglieder sowie Ausgabe der Billcts zum Famtliensest am 9. November.«. Verschiedenes und Fragekasten, Die Mitglieder werden ge- beten, recht zahlreich zu erscheinen. Kollege», welche Mitglieder werden wollen, haben Zutritt. Fachverein der Lithograph»» ,» Kerlin. Dienstag, den 7. Oktober, Abengs präc. 8 Uhr, im oberen Saal? des Restaurants Feuerstetn, Alte Jalob- straße 76, General-Versammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftliche« und Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Jahresbericht, erstattet vom Vorsitzenden. ?. Rechnungslegung und Bericht der Sassenreviforen.«. Vorstands- und Revisorenwahl. 6. Anträge, Statutenänderungen betreffend. 6. Verschiedenes. Achtung! Drechsler! Große Öffentliche Versammlung aller Bernfs- genofsen am Dienstag, den 7. Oktober, Abend« 8 Uhr, in May'« Feftsälen, Beuthstr. 22. Tagesordnung: 1. Der Rathenoiver Streit und seine Aedsulung für Berlin. 2. Distussto». a. Bericht der Delegirten der Berliner Streik-' kontrol-Kommisfion. 4. Verschiedenes. VviefkÄsken dev MvdÄlition. Bei Anfragen bitten wir die Abonncments-Quittung beizufügen. Brieflich. Antwort wird nicht ertheilt. Nochmals„Abkonimandirt". Einem,„der aern Alles genau wissen will", geben wir nachstehende Antwort Grillen- b e r g e r' s(„Frank. Tagespost" vom �2. Oktober) hiermit zu lesen. Also: „Abkommandirt! Das Sozialistengesetz ist zn Ende, der „Kampf mit geistigen Waffen" gegen die Sozialdemokratie beginnt, und die„freisinnige" Partei, die gegen die Arbeiterbewegung stets am gehässigsten anstretende und mit den perfidesten Mitteln kämpfende Partei, steht in vorderster Linie in diesem Kampf— mit den eben gekennzeichneten Mitteln. Am vergangenen Montag fand in Berlin im dritten Wahlkreise eine„deutschfreisinnige" Versammlung statt, in welcher der Reichstagsabg. Mnnckel eine Rede hielt und im Verlaufe derselben behauptete, in der Reichstags- session 1884/85 habe gelegentlich der Dampfersubventions- Berathung von Seite der sozialdemokratischen Fraktion eine Ab- kommandirung von Mitgliedern dieser Fraktion stattgefunden, um die Annahme der australischen Dampferlinie zu ermöglichen, nach außen hin aber dadurch, daß die Anwesenden gegen die Linie stimmten, den Schein der Opposition zn erwecken. Schon während des jüngsten Wahlkampfes wurde diese perfide Verdächtigung der sozialdemokratischen Partei von„freisinnigen" Rednern und in der „freisinnigen" Presse wiederholt aufgetischt, in den sozialdemo- kratischen Versammlungen aber entsprechend klargelegt. Sinn kann man allerdings von Blättern vom Schlage des„Fränk. Kurier" und auch der Richter'schen„Freisinnigen" erwarten, daß sie solche Lügen trotz aller Nichtigstellungen kaltblütig weiter kolpor- tiren; daß aber ein Mann wie Mnnckel, den doch schon seine gesellschaftliche Stellung veranlassen sollte, es mit der Wahrheit etwas genauer zu nehmen,— auch wenn es sich»in einen verhaßten Gegner handelt,— sich dazu hergiebt, eine solche Beschul- digung in öffentlicher Versammlung auszusprechen, nicht Anderes gegen die Sozialdemokratie vorzubringen weiß, ist ein arges Armuthszeugniß für die„freisinnige" Partei. In Wahrheit lag die Sache, um die es sich handelt, so: In der Reichstagssitzung vom IG.Biürz 1885 wurde die Subvention der australischen Dampfer- linie mit 170 gegen 159 Stimmen bewilligt. Von den Sozialiften fehlten in jener Sitzung 11 Man», und Herr Engen Richter, der scharfsinnige Rechner, hat nun herausgebracht, daß diese 11 Mann absichtlich fehlten, um die Annahme des Gesetzentwurfes zu er- möglichen, daß der Fraktionsvorstand also allwissend war und ganz genau wußte, daß es ganz genau auf 11 Stimmen ankommen ivcrde. Nun waren aber von den Fehlenden drei beurlaubt (Kräcker, welcher schwer krank war. Hasenclever und Bollmar) und einer(Kayser, gleichfalls wegen Krank- heit) enschnldigt. Unentschuldigt fehlte» sieben(Bebel, Geiser. Harm, Heine, Pfannkuch, Rüdiger, Schumacher), welche sämmtlich am Sonnabend— die Abstimnuing war an einem Montag— nach Hause gereist waren, um dringende geschäftliche Angelegenheiten zu erledigen, was sie um so sicherer thun zu können glaubten, als allgemein angenommen wurde, die Ab- stimnkung werde erst am Dienstag stattsinde». Daß diese Mon- tagssitzung fast acht Stunden dauern werde(von 11—6% Uhr), um die Abstimmung unter alten Umständen noch herbeizuführen und die Vorlage durchzudrücken, konnte vorher Niemand wissen. MitNein stimmteil die sämmtlichen anwesenden Sozialisten: Auer, Blos, Bock, Dietz, Frohme, Grillenberger, Liebknecht, Meister, Sabor, Singer, Stolle, Viereck, Wiemer. Die fehlenden 7 aber, die nach der fortschrittlichen Angabe„abkommandirt" hätten sein können, waren nicht im Stande, das Stimmresultat zu ändern und damit fällt auch die alberne Beschuldigung, die Sozialdemo- kraten seien schuld an der Bewilligung der in Frage kommenden Summe». Von den andern Parteien fehlen zusammen 59, davon_ unentschuldigt 26,„Freisinnige" fehlten 7, wovon gleichfalls einige krank waren. Welche Abgeschmackt- heit es ist, auch von Bebel, der bekanntlich von Anfang an zu deil allerschärfsten Gegnern der ganzen Dampfersubvention gehört hatte, zu behaupten, er habe sich„abkommandiren" lassen, um der Vorlage znr Annahme zu verHelsen, bedarf keiner weiteren Erwähnung. Die ganze Geschichte von der„sozialdemokratischen Abkommandirung" ist eben nichts weiter, wie ganz gemeiner „freisinniger" Hnmbug!" Nun aber genug. Die neueste Lüge des Herrn Eugen Richter verdient nicht einmal die Ehre des Briefkastens. F, D. 1864, Wenn Sie Bürgen stellen können, gewährt Ihnen der Vorsckußverein Ihres Bezirks das Darlchn. Auf eine Beleihung der Wirthschaft dürfte sich ein solcher Verein nicht ein- lasse», höchstens ei» Privatmann. H. H. Wirnrrstv. 1. Das Pferdefleisch ist geringwerthiger; das prozentuale Verhältnis! könnnen wir Ihnen nicht angebe». 2. Gewiß müßte Ihnen aus der Unfallversicherung Entschädigung werden. Gvüudrrschwiudel. Warum nennen Sie nicht Ihren Name»? Solange Sie anonym bleiben, können Ihre Angaben keine Beachtung finden. Fl. Aug. Dem Vertriebe steht nichts mehr ich Wege. Sozia ld emokratis ch er Wahlv erein des VI. Berliner Reichstags- Wahlkreises am Dienstag, den 7. Oktober er., Abends 8Vs Uhr, int Kaale der �Norddeutschen Krnnerei� � — � f(ßijattljtjcftvitfjft 58* Grosse WersaBtimiuiig. Tgges-Ordnung: 1. Vortrag deZ Herrn Bölsche. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten.— Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste ivillkommeu. 90g _ Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Der Vorstand. Grosse Mersammlong des Fachs, der Former ---- Sonntag, den 5. Oktbr., Vorm. II s Uhr, im Lokale Orscbel's Salon, Sebastian- Strasse Nr. 39. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Christeller über:„Tie erste Hilfe bei Verletzungen." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 4. Fragekasten.— In Anbetracht des hochwichtigen Vortrages werden die Kollegen ersucht, recht whl- reich und pünktlich zu erscheinen. 891 Achtung l##" Achtung! Grosse öftemUche Versammlung öer Allhmcher RPorss Umg. am Montag, den 6. d. hl., Abends""" in Hoffmann's Salon, Berg. Strasse Mr. 81 2 Uhr, 133 in Rinsdorf. . m- r,. g e s- O r d II u n g: .. t. D,e Lage der Schuhmacher und ihre Organisation. Referent Herr Bcnk. 2. Dlskussio». 8. Gründung einer Zahlstelle des Vereins deutscher -chuhmacher. 4. Verschiedenes.— Zur Deckung der Tageskosten findet eine Tellersammlung statt. Jedermann hat Zutritt. Der Einberufer. Alflgenia l�ietaEiarEseäter-Wereisi Krrlius und Umgegend. Große U e r s a ni in l n it g am Dienstag, den 7. Oktober. Abends SVa Uhr. in„UebeN's SaBonC£, Naunynstraße Nr. 27. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Hrn Sündermann über:„Jedem der volle Ertrag seiner Arbeit".«— Eine Utopie? 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. t. Verschiedenes und Fragekaste». 904 _ Um recht regen Besuch wird gebeten. Der Vorstand. Wntliche Irchsler- KtrMililullß in Dienstag, den 7. Oktober, Abds. 8 Uhr, lay's Festsälen", Reuth- Strasse No. 22,'ME Tages-Ordnung: 1. Der Rathenower Streik und seine Bedeutung für Berlin. 2. Dis- kussion. 3. Bericht der Delegirten der Berliner Streik-Kontroltommission. 4. Verschiedenes. 910 Alle Berufsgenossen sind eingeladen. ßäe LoiiGikommission. �rche öfcntlilc Vechmlilllg sämmtlicher an nolzbearbeitimgs-Mascliineii beschäftigten Arbeiter im Montag, den 6. Oktober. Abends •tVe Uhr. im Lokal Königsbank, Große Frankfurterstraße 1 17. Tagesordnung: 1. Bericht der Tele- rten der Berliner Streik-Kontrol- : Immission. 2. Diskussion. 3. Ver- hiedenes.— Zu dieser Versammlung nd die Kollegen der I. C. Pfaff'schen töbelfabrik speziell eingeladen. Auch lachen wir die Kollegen aus dem torden auf diese Versammlung be- anders aufmerksam. Zur Deckung der �'.»kosten findet eine Tellersammlung !>att. 817 I. A. i E. Stein, Friedenstraße 79. WilWe VersMollllug sämmtlicher WergoWer (spez.Barockrahmeuvergolder) Vergolder ininen u.Bfg. 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Oktober, an welchen der Köpenicker Aufruhr- und Mordprozeß zur Verhandlung gelangt, gehen in überaus großer Zahl ein, ohne daß auch nur die geringste Aussicht auf Berück- sichtigung vorhanden ist. Die Verhandlungen finden im kleinen Schwurgerichtssaals statt, welcher vor den Tribünen nicht soviel Raum bietet, um die 80 geladenen Zeugen plaziren zu können. Da jedoch auf jeden Fall für die Zeugen Platz reservirt werden muß, so wird der größte Theil des Zuhörerraums zur Aufnahme der Zeugen dienen müssen, was zur Folge hat, daß nicht mehr wie etwa zwanzig Karten für Zuhörer verabfolgt werden können. — Das nennt man ja wohl ein„öffentliches" Verfahren? Vom Vorstände des Vereins der berliner Buchdrucker und Schriftgiester werden wir ersucht, nachstehende Zuschrift zum Abdruck zu bringen: „In der Beleidigungsklage Schmitt kontra Vaake wurde vom Rechtsanwalt Tallert als Beweis dafür, daß Herr Schmitt seine Gesinnung gegen persönliche Vortheile wechsele, ausgeführt, daß, als in der„Berliner Zeitung" eine Niederlegung der Arbeit statt- gefunden, Schmitt als Vorsitzender des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgießer eine öffentliche Erklärung erlassen und darin Herrn Ullstein des Wortbruchs beschuldigt, am Tage nachher aber eine direkt entgegengesetzte Erklärung über das Verhalten des Herrn Ullstein veröffentlicht und zwar, weil er sich inzwischen als Metteur bei Herrn Ullstein gemeldet habe. Als Zeugen hier- für hat Rechtsanwalt Tallert vor Gericht den Prokuristen der „Berliner Zeitung", Herrn Vinte, genannt. Da es für den Vor- stand von größter Wichtigkeit ist, diesen Fall klarzustellen, wurde eine Kominissio» beauftragt, mit Herrn Vinte Rücksprache zu nehmen. Herr Vinte erklärte, daß er mit Herrn Schmitt während und auch nach der Verhandlung weder über ein Engagement noch sonst irgend etwas gesprochen habe. Die Verhandlungen wurden ausschließlich mit den Herren Ullstein geführt, welche im An- sthluß an den Bericht über diese Gerichtsverhandlung folgende Erklärung abgaben:«Es ist unwahr, daß Herr Schmitt stch zwischen den beiden Veröffentlichungen als Metteur m unserer Offizin gemeldet hat. In den Verhandlungen mit Herrn Sch. ist kein Wort von Seiten desselben gefallen, welches darauf schließen ließ, daß er aus die Stelle eines Metteurs rechnete, welche übrigens zu der Zeit, als er sich zur Abgabe der qu. Er- klarung bereit erklärte, gar uicht frei war; ebensowenig ist ihm gegenüber eine Aeußerung gelhan, welche bei ihm die Hoffnung auf eine solche Anstellung hätte erwecken können. Ein oder zwei Tage später wurde allerdings von einem Setzer unserer Offizin ein Kouvert überreicht, welches zwei Zeugnisse des Herrn Sch. enthielt; dasselbe wurde nebst seinem Inhalt dem Uebcrbringer umgehend zurückgestellt." Bezüglich des letzten Passus haben wir noch hinzuzufügen, daß— nach Beilegung des Konflikts— die Kollege» der„Berliner Zeitung" wünschten, daß je. Sch. sich als Metteur melden möchte, was dieser nach vielem Zureden in der Weise that, daß er seine Zeugnisse einem Kollegen übergab, der dieselben dem Herrn Ullstein übermittelte." 26 9 lintö M Die MongrUiaftigsteit der bestellenden Fabrilts- Inspektion wird uns wieder einmal durch Mitthcilungen be- wiesen, die uns über die Ausbeutung jugendlicher Arbeitskräfte in Glasfabriken gemacht werden. Es besteht bekanntlich in Teutschland ein Schutzgesetz für jugendliche Arbeiter, dessen hauptsächliche Bestimmungen sich in tolgendem zusammenfassen lassen:„Jugendliche Arbeiter dürfen onntags nicht beschäftigt werden, ihre Arbeitszeit darf wöchent- . lich nicht über 60 Stunden dauern." In den Glasfabriken der imö'' Mark, der Lausitz, in Niederschlesieu und Sachsen scheint von iiw diesen Bestimmungen absolut nichts bekannt zu sei», denn die tgM Unternehmer betragen sich so, als ob für sie wenigstens das attfZs besetz überhaupt nicht' eristire. Ja, man kommt angesichts der trostlosen Zustände, die m Bezug auf die jugendlichen Arbeiter — herrschen, auf den Gedanken, als ob es in Deutschland überhaupt | keine Fabrikinspektoren gäbe, die dafür bezahlt werden und darauf J achten sollen, daß die geringfügigen Bestimmungen über den Ar- :t j betterschntz, zu denen sich die moderne Sozialreform aufgeschwungen »25 hat, auch gehalten werden. In den meisten Fabriken ist es an der Tagesordnung, daß die jugendlichen Arbeiter auch Sonntags beschästigt werde». In !rkan Fabriken sind sie täglich länger als 10 Stunden i beschäftigt. Wenn auch in manchen Fabriken die Ar- *3 bettszeit nominell auf 10 Stunden festgesetzt ist, so 7 ist das eben nur eine papierene Bestimmung, weil die jugendlichen Arbeiter vor Beginn der eigentlichen Arbeitszeit, während der Pausen, als auch nach Schluß der Arbeit, die verschieden- :."v"""1"UUt*=a)iut3 oer Arven, die ver>cyleoen- artigsten, oft sehr anstrengenden Dienstleistungen verrichten inüsse». L�hort das Reinigen der Werkstellen, Zurechtlegen der 'luovrioilrta VfO A ff mw rvv.f, 7.»-. a.'. v• r.» O•. rC 0 —«.w.ivjvu vvv'zuremurgr»» vvi Werkzeuge, Wasser herbeischaffen, die Bedienung der Feuerungen, Ausleeren, Abliefern u. drgl. m. '.m Man kann daher ganz gut sagen, daß sich die Arbeitszert der 1! jugendlichen Arbeiter in de» hier in Rede stehenden Fabriken auf ff, täglich 12 bis 13 Stunden beläust. Rechnet mau die Sonntags- vi.' f0 lt�t-'äßt die wöchentliche Arbeitszeit mindestens ..«uik Stunden. Wie es mit der Kontrole der Arbeits- und «ä-sZ. �Wie es._.......................... et. f. Krankenkassenbucher sowie sonstiger Listen steht, kann man sich "-P4tGh(»bem denken. Tie Glasfabriken, in denen die ge- et|t.schilderten Uebelstände voriviegend herrschen, liegen in Ehar- ' w»�"�'«���enick, Finkenherd bei Frankfurt a. O., Halbau, R* Mjnü rj"'™'ei'nu' Bunzlau, Schelsurt, Penzig, Weißwasser, st.n� leiü Muskau, Jamlitz bei Liebenrosa, Seuitenberg, Megro- 3; L®lU'chei:' Großtäsch'en, Bersdorf, Kamenz, Schwegnitz, 2�-«tlchosswerder, Dewitz. ,,u mit fTet'st übrigens bereit, die obigen Mittheilnngen l wlt setnem Namen zu decken ___/ i Uc�otn® kcr brukschc« Alnustglaser. Voin Verbands- � s»r j. Ftunksurt a. M.>var zum 21. September ein außer- .ordentucher Verbaudstag nach Hannover einberufen. Ter Zweck cht# war hauptsächlich der, den Ver''..... Verband zu stürzen iind Anschluß an «S Z ----& den Auftrag erhielten, die formelle 04l«"rtesS8erUn) gewählt, die......................... 1$ g � des Anschlusses an den Rahmmacher-Verband zu erledigen. .0>)Um Schluß der Äerdandlun— �---*— o--- 1»—<- Anititiirt«m,.„„a I■«'»•»». � ,», w-»vvvv.»»-»» l""- V'* ailj � Achtung. Stockarbeitet. Wir erhalten aus London die Warnung, daß Niemand einen Kontrakt nach dorthin abschließt. »tg?.,) 3» London steht augenblicklich ein Streik bevor. Eine Londoner S'rma, H. Howe! u. Komp., hat einen Agenten nach Deutschland =L Seschickt, um deutsche Arbeiter nach London zu locken. Die beut- hen Arbeiter sollen�die dortigen zivei Genossenschaften, die gegen 1500 Mitglieder zählen, sprenge». Der Grund des Streiks ist in einer schamlosen Verwendung der Kinderarbeit zu suchen. Sämmtliche Arbeiterzeitungen werden uin Abdruck gebeten. £>»rlammlnngen. Ciue gut besuchte Vtitglieder-Versnuimluug des Fach- Vereins der Tapezirer Berlins tagte am 23. September d. I. bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Max Baginski über: Die Ursachen der Armuth. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. 4. Frage- kästen. Nachdem das Protokoll von der vorhergegangenen Ver- sammlung verlesen und kein Widerspruch erhoben, erhielt Herr Baginski zu seinem Vortrag das Wort, der mit sehr großem Beifall aufgenommen wurde. An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen Kkatt, Biester, Freiwald, Heitsch. Kollege Klatt richtete eine Frage an den Referenten: Ist es unbedingt nothwendig, daß es Soldaten giebt? Es giebt doch Menschen, die es für einen wahren Segen halten, daß es Soldaten giebt; da sie meinen, wenn es keine solche geben würde, dann würden noch mehr Menschen keine Gelegenheit haben, Brot zu verdienen. terr Baginski beantwortete die Frage ungefähr in folgender leise: Es ist ja Thatsache, daß man solchen alten Weiberquatsch sehr oft hören muß, es ist eben ein Stand, der auch noch nicht eine Spur an Werth schafft, die Arbeitslosigkeit dadurch abzuschaffen, ist ein ungeheurer Unsinn.(Moltkesystem.) Das Militär ist weiter nichts als ein großer Schaden für uns. Kollege Freiwald spricht sich dahin aus: Es sehe aus, als wenn die Tapezirer, wenn man den Besuch der Versanunlung sieht, gerade so thun, als befänden sie sich in einem paradiesischen Leben. Anzunehmen wäre doch, daß gerade die Tapezirer, die doch in die Wohnungen der oberen Zehntausend hineinkommen, Ivo sie ganz gewiß den Unterschied sehen müssen, welcher zwischen Arm und Reich vorhanden ist und daher das Denk- vermögen etwas angefeuert werden müsse, um einsehen zu können, daß Organisation sehr noth thut. Es fand eine Pause statt, um neue Mitglieder aufzunehmen und Billets zum Stiftungsfest, welches am 4. Oktobcr'bci Buggenhagen, Moritzplatz, stattfindet in E'' Empfang zu nehmen. 3. Punkt: Vereins- angelegenheiten. Es wurde Stellung zu der Bemerkung, welche unter dem Bericht deS Fachvereins der Tapezirer Berlins war, genommen. Es wurde die Redaktion der„Tapezirer Zeitung" scharf kritisirt, und beschlossen, eine Berichtigung in der Zeitung aufnehmen zu lassen; der Vorsitzende verlas eine solche— dieselbe wurde einstimmig angenommen,— welche in der allernächsten Nummer aufzunehmen ist. Hierzu wurde eine Resolution von den Kollegen Freiwald und Feder eingereicht, welche einstimmig angenommen; dieselbe lautet folgendermaßen: Die heutige"Versammlung des Fachvercins der Tapezirer Berlins erklärt, daß sie unter keinen Umständen auf das Recht des freien Meinungsaustausches verzichten. Die Redaktion der„Tapezirer-Zeitung" ist geradezu verpflichtet, die Lokal- organisation der Berliner Tapezirer zum Worte kommen zu lassen, da es die einzige Organisation der Tapezirer in Deutsch- land ist, welche auf einein andern Standpunkt steht; sollte man mit denselben Mitteln kämpfen, wie im alten Organ, so iverden wir den» ganz entschieden entgegen treten. Wenn das Schieds- gericht in Elberfeld den Grundsatz aufstellt, daß man berechtigt ist, einen Kongreß anzulügen und das noch zu loben, und das Schiedsgericht dokumentirt, daß man General- Versammlungen anlügen darf und von sämmtliche« Filialen unterstützt wird, so hat die gesannnte Organisation anerkannt, daß Lüge und Betrug erlaubt ist, ivenn sich irgend eine Person damit decken kann. Sollte die Redaktion uns das Wort ab- schneiden, so werden wir in den Arbeiterblättern unsere Sache verbreiten und auf unser unabhängiges Organ verzichten. Stach- dem der reichhaltige Fragckasten erledigt war, schloß der Vor- sitzende die Versammlung. Eine öfikrntlicho Urrsaminlung der Schukmacher fand am 20. September bei Feuerstein statt. Auf der Tagesordnung stand: Vortrag des Herrn Werner, Diskussion und Bericht- erstattung der Delegirten der Berliner Streik- Kontrolkommission. Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Herr Werner unterwarf die heutige Gesellschaft einer scharfen Kritik. ES werde, uin die lohndrückende Reservearmee zu beseitigen, die Verkürzung der Arbeitszeit und gesetzliche Regelung derselben an- gestrebt. Wenn die Verkürzung der Arbeitszeit irgend wo er- rungen sei, sehe man. daß eine Verbesserung der Arbeitsinstrumente das Einstelle» von mehr Arbeitskräften ivieder verhindere. Der Referent kommt dann noch auf alle anderen Versuche der Arbeiterschaft, sich in dieser Gesellschaft bessere Lebens- bedingunaen zu erringen, zu spreche». Er ist der Mei- nung, daß durch die sogenannten Errungenschaften im Allgemeinen nur eine Verschiebung der Verhältnisse stattfinde, aber keine ncnnensiverthe Verbesserung derselben. Diese werde nur durch die Verivirklichung deS Endziels der Sozialdemokratie geschaffen. An der Diskussion betheitigten sich die Herren R. Ba- ginski, Krause, I, Klinger, Prietz, Niederau«:, Fischer und Schulze. Hierauf wurde)olge»de Resolution angenommen:„Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verpflichten sich die Anwesenden, mtt aller Kraft für die Verwirklichung des Ziels der Sozialdemokratie zu wirken." Der Stepper Krause wurde von der Versammlung be- austragt, die Schuhmacher Berlins, wenn dieselben auf dem nächstens stattfindenden Kongreß angerempelt werden sollten, dort zu vertheidigen. Der 3. Punkt der Tagesordnung wurde von derselben abgesetzt. Der Vrrei» der Klempner Berlin« und Umgegend hielt ain Mittivoch, den 24. September, in Spandau im Hotel zum goldenen Stern eine Versanunlung ab mit folgender Tages- ordnung: 1. Vortrag des Kollegen Bräuer:„Der Kampf zwischen Kapital und Arbeit." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nachdem das Protokoll der letzten Versammlung verlesen ivnr, ertheilte der Vorsitzende Kollegen Brauer das Wort. Derselbe erntete für seinen beifällig ausgeuommeneu Vortrag lebhasten Beifall. In der Diskussion führte Kollege Weber aus, wie die Kapitalisten Trusts und Ringe bilden, um die Arbeiter zu drücken und daß es nöthig ist, daß die Arbeiter sich.fester organisiren und der Arbeitsnachweis in den Hände» der Arbeiter liegt, denn so lange man seine Arbeitskraft den Kapitalisten anbietet, ist an die Besser- stellung unserer Lage nicht zu denken. Beim dritten Punkt, Ver- schiedcnes, führte Kollege Ellendt an, daß er im„Spandauer Tageblatt" einen Artikel,„Ter Vorfall auf dem Pionier- Übungsplatz" gelesen habe, in dem unter Anderem stehe, der Er- schossene habe denPosten vorher thätlich angegriffen. Derselbe erklärte dieses als eine Fälschung der Thatsache und führte den Kollege» vor Augen, wie die Kapitalisteublätter Vorfälle, die in den Arbeiter- kreisen vorkommen, zu ihren Gunsten ausbeuten. ES wurde folgende Resolution, nachdem die Kollegen Becker und Müller dafür gesprochen halten, von der Versammlung angenommen. Die Versammlung beschließt:„Da die meisten Zeitungen und besonders der„Berliner Lokalanzeiger" nur die Interessen der Besitzenden verfolgen, so sieht die Versammlung im„Berliner Volksblatt" ein Organ, welches die Arbeiterinteressen hochhält und beschließt, für die weiteste Verbreitung dieses Blattes zu srgen und den„Lokalanzeiger", welcher geistig werthlos ist gänzlich zu ignoriren. Eine öffentliche gntbrfnchte Uevfammlung ver Kurbelstepper und Stepperinnen tagte am Sonnabend im Lokale des Herrn Bolzmann, Andreasstr. 26, unter Leitung der Herren Prillwitz, Heideck und Fräulein Brandt. Zum ersten Punkt der Tagesordnung hielt Herr Türk einen mit Beifall auf- genommenen Vortrag über„Poesie und moderne Arbeiter- bewegung". Eine Diskussion knüpfte sich an den Vortrag nicht. Unter Verschiedenem legte Herr Prillwitz den Anivesenden die Nothwendigkeit der gewerkschaftlichen Organisation klar und forderte die Arbeiterinnen auf, eine Organisation zu gründen und sich gleich den Arbeiterinnen anderer Branchen der modernen Arbeiterbewegung anzuschließen. Herr Mandoivsky, Arbeitgeber, erkennt die Nothwendigkeit zur Gründung eines Fach- Vereins| der Kurbelstepperinnen uicht an. Zur Gründung eines Vergnügnngsvereins oder einer Untersttitzungskasse würde auch er seine Zustimmung geben. aber ein Fachverein rege nur die Gemüther auf. Herr Boges, Arbeitgeber, fordert die An- ivesenden auf, einen Verein zu gründen, damit sie mit dem Arbeitgeber Hand in Hand gehen können. Die Herren Brasch, Prillwitz, Schade fertigten die Herren in gehöriger Weife ab, währenddessen sich Herr Mandowsky schleunigst entfernte. Endlich' wurde beschlossen, so schnell wie möglich eine neue Versammlung einzuberufen, in welcher endgiltig die Gründung eines Vereins vorgenommen werden soll. Eine öffentlichr Uerfammlung der Kutscher nuv Ver Im Fuhrwesen beschäftigten Arbeiter und Arbeitrrfeanrn war zum Sonntag, den 21. September, in Feuersteins Salon ein- berufen mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn G. Link. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nach Wahl der Herren Hettke, Adler und Lindenheim ins Bureau, erhielt der Referent' terr Link das Wort zu seinem Vortrag. Derselbe hatte das Heina:„Die Ursachen der Armuth" gewählt. Redner führte etwa folgendes aus: Zwei der wichtigsten Faktoren in den heutigen Tagesfragen bilden einerseits die stetig fortschreitende Maschinentechnik und die damit verbundene kapitalistische Groß- Produktion; andererseits die stetig zunehmende Arbeits- losigkeit der breiten Massen des Volkes und die damit verbundene ungenügende Ernährungsiveise der arbeitenden Bevölkerung, oder die immer größere Kreise erfassende §rmuth. Sagt der Arbeiter jedoch dieses, dann ist die heutige esellschaft gleich dabei, zu sagen, es wäre noch niemals so schön und herrlich gewesen, der Arbeiter hätte es noch niemals so gut gehabt; wo hätte es denn srüherjeine Sozialreform(die Unfall-, Alters- und Invalidenversicherung) gegeben? Während man auf' der einen Seite sagt, es ist alles gut und schön im Staate Däne- mark, widerspricht man sich, indem man zugiebt, daß thatsächlich Armuth herrscht. Denn die sogenannte Sozialreform der Re- gierung beweist es doch. Nun sagt man freilich dem Arbeiter, es sei von jeher so gewesen, es hat immer Anne und. Reiche gegeben. Ein Theil der herrschenden Klassen will nun die Armuth beseitigen, indem sie den Arbeiter zum Kirchen- besuch anspornen und durch religiöse Quacksalbereien dem, Arbeiter beibringen will, er ist zum Dulden und Entsagen ans der Erde durch Gottes Rath bestimmt, jedoch im Jenseits' wird er für Alles entschädigt werden. Ein anderer Theil wiederum will durch Wohlthätigkeitsanstalten, Volksküchen und Suppen- anstalten das Elend beseitigen. Nun, meine Herren, ich setze' voraus, daß Sie ebenso wenig an solche Ammenmärchen glauben.' Giebt man zu, daß thatsächlich grenzenloses Elend unter der arbeitenden Bevölkerung herrscht, und will man helfen, so solle man an der Wurzel anfangen und auf die Schäden' der heutigen Gesellschaft nicht derartige Pflästerchen legen. wollen. Meine Herren und Damen, will man die Armuth beseitigen, dann muß nian die Ursachen derselben kenne« lernen. Es ist falsch, wenn behauptet wird. Arme und: Reiche hat es von jeher gegeben. Die moderne Wissenschaft lehrt uns gerade das Gegentheil. Die ersten Menschen lebten im reinsten Kommunismus, Grund und Boden war Gemeindeeigenthum, oder wurde gemeinsam bebaut und ebenso der Stutzen daraus genossen.: Sie unterstützten sich gegenseitig im Kampfe gegen die Natur.' Gegensähe existirten eben nicht. Aus diesen kommunistischen Pro- duttionsverhältnissen entwickelten sich solche mit Privateigenthum.' Redner weist dann treffend nach, daß die letzten Ursachen der Volksarmuth im Privateigenthum zu suchen sind. In der Dis- kussion sprachen die Herren Lindenheim(Fabrikarbeiter) und Zimmerer I. Schmidt, Grabrnvsky im Sinne des Referenten, ebenso Frau Gubela, welche, wie der Referent, lebhaften Beifall ernten. Nach einem zündenden Schlußwort des Referenten nahm die Versammlung folgende, vom Kollegen Jahnke gestellte Resolution einstimmig an:„Die heute in Feuerstein's Salon tagende öffentliche Versammlung der Kutscher, Fuhrarbeiier und deren Frauen erklärt stch mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz einverstanden und wird mit alten ihr zu Gebote stehenden Mitteln für die Organisation der Kutscher Berlins und Umgegend wirken und verpflichtet sich. Mann für Mann der freien Vereinigung der Kutscher und aller im Fuhrwesen beschäs- tigtcn Arbeiter beizutreten, um dort durch Aufklärung über unsere tfvf A-Clf»vv» IC»«IT � i t---!*-••. i'- Klassenlage belehrt und in wirthschaftlicher wie in politischer Be- zichnng herangebildet zu werden." Nachdem noch einige interne pvfohint tiirtjyn frfiTnG Spv cw+WP'* Sachen erledigt waren, schloß der Vorsitzende, Kollege Hettke, die gut besuchte Versammlung mit einem dreifachen Hoch aus die internationale Arbeiterbewegung. Eine öffentliche Korbmacher-Verfammlung tagte am 29. September d. I. bei Roll, Adalbertstr. 21, mit der Tagesordnung: Krankenkassen-Angelegenheit. Bon allen Seiten wiro die Nothwendigkeit der Gründung resp. Eintritt in eine freie Hilfskasse betont. Ungefähr 40 Kollegen gaben sofort ihre Unterschrift zum Austritt aus der Ortskasse. Nach sehr langer Debatte, in welcher die lokale wie zentrale Hilfskasse empfohlen wurde, gelangte schließlich ein Antrag, der Zeitzer 5korbmachcr-Krankenkaffe beizutreten, mit geringer Mazorität zur Annahme. Um in Unterhandlung mit Zeitz zu treten, wurden 5 Mann zn einer Kommission gewählt, und zwar die Herren Barts, Wilhelm Schulz, Grundmann, Jungmckel und Hannig. Eine Uerfammlung vea Vereins ver Lilffchulf- arbeiter Berlins und Umgegend tagte am Montag, den 20. September, im Lokale Münstr. 11. Tagesordnung: l. Vortrag des Herrn Mehner über:„Die Ausstände vor, während und nach dem Sozialistengesetz." 2. Diskussion. 3. Bericht des Kollegen Jäschke über:„Unsere Lage." 4. Verschiedenes. Da Herr Mehner nicht erschienen war, so sprach Herr Litfin Über das Thema. Derselbe legte unter Beifall in einstündigcr Rede die Bedeutung desselben klar. In der Diskussion sprachen sich mehrere Kollegen im Sinne des Referenten anS. Zu Punkt 3 berichtete Kollege Jäschke über: Unsere Lage und schilderte dieselbe folgendermaßen: Alle Gewerkschaften beschäftigen sich mit der Lohnfrage und Ber- kürzung der Arbeitszeit und wie Sie wissen, hat auch unsere Lohnkommission einen Tarif ausgearbeitet und an Euch, Kollegen, imtb es alsdann liegen, dieser Forderung Geltung zu verschasten. Seit Ihr gewiltt in gewisser Hinsicht Eure Lebenslage und die Eurer Familien in absehbarer yeit zu verbessern zum Wohle der Allgemeinheit, so legt alle Schlaffheit "ud allen Jndifferentismus bei Seite. Kehrt Euch nicht an klein- Uche Nörgeleie», sondern agitirt mit ganzer Kraft und Energie. Unter„Verschiedenes" kam ein Antrag einstimmig zur Annahme: „Beantrage, daß eine Bibliothek auf Vereinskosten ge- gründet wird, um den Kollegen Aufklärung zu verschaffen." Es wurden vorläufig 80 M. aus der Vereinskasse zu obigem Zwecke bewilligt. Die Kollegen Lange und Jäschke wurden als Bibliothekare ge- wählt. Den Arbeitsnachweis unterzog man einer Kritik und wurden zu demselben zwei Kollegen,"Hoffmann und Radke, an '......'~' oählt,'" Stelle von Petsch und Westerburg gewählt, da die zwei letzteren Kollegen ihr Amt vollständig vernachlässigt hatten. Ferner wurden die Fabriken Herms, Gräf und Kaspareck kritisirt. Diese Fabrikanten wollen es zetzt den Hamburgern nachmachen, indem sie jeden Arbeiter fragen, ob er dem Verein angehört, und wenn er dem- selben angehört, er keine Arbeit bekommen kann. In erster Linie smelt Herr Gräf die Hauptrolle in dieser Sache. Unsere Kollegen sehen daraus so recht, wie nothwendig eine Organisation ist, damit man diesen Herren zeigen kann, daß sie mit ihrem Vor- zehcn der heutigen Arbeiterschaft nicht gewachsen sind. Darum ordern wir unsere Kollegen auf, alle dem Verein beizutreten, oamit auch das Elend in unserem Gewerbe verringert werde. Schließlich wurde noch beschlossen, nur Hüte mit Kontrolmarken zu kaufen. Der Vorsitzende machte noch ganz besonders auf das erste Stiftungsfest aufmerksam, welches am 23. Oktober im Elysium stattfindet und theilte mit, daß am 27. Oktober eine Generalversammlung anberaumt werden wird. Hierauf schloß er d»e Versammlung. I'-s oiw 22. September abgellaikeueir Uersamm- lnng des Vrrbandca�-eutschrr Korbmacher(F. B� wurden Ausschusses die Herren Hense und Glöckner zur Ergänzung des____... �...... gewählt, zum stellvertretenden Vorsitzenden"der Filiale Herr Fuchs. Betreffs der Zeitzer Korbmacher-Krankenkasse berichtet Herr Jungnickel, daß er Zuschriften aus verschiedenen Orten er- halten habe, woraus hervorgeht, daß in dem einen Orte Kollegen aufgenommen worden, ohne ärztliche Untersuchung, während im anderen Ort die Untersuchung stattfinden mußte. Die Versamm- lung gelangt zu dem Resultat, daß eine Versammlung noch vor dem 30. September einzuberufen sei, um einen Klassenaustritt aus der Ortskasse zu ermöglichen und wird dieselbe auf den 2S. September festgesetzt. Herr Kühl erklärt sich zur Verbreitung des Verbandsorgans bereit und die Versammlung ist damit einverstanden. Der Arbeitsnachweis befindet sich bei Jungnickel, Wienerstr.� 11. Vereinsversammlung jeden Montag nach dem Ib. eines jeden Monats. �Gine Versammlnna des Fnchvrrrinv für Schlosser und Wafchwonbau-Arbritrr Krrtin» und Umgrgrnd fand S!" FcDn'a0' den 29. September, bei Feuerstein statt. Herr Dr. Lütgenau, als Referent, sprach sich über das Programm der Sozialdemokratie aus. An der Diskussion bctheiligte sich Kollege Prrch, welcher mit den Ausführungen der Frauenfrage des Pro- grammes von Dr. Lütgenau sich nicht ganz einverstanden erklärte. Zur Aufnahme meldeten sich drei Kollegen. Unter Verschiedenes wurde zunächst eine Resolution vorgelesen, betreffs des „Berliner Lokal-Anzeiger", die aber nicht zur Abstimmung gelangte, weil dieselbe schon einmal von der Fachvereinsversamm- lung angenommen worden ist. Nachdem Kollege Pirch über das nachlässige Erscheinen der„Metallarbeiter-Ze'itung" gesprochen harte, machte Kollege Briest, Naunynstr. 22, auf das Abonnement der„Metallarbeiter-Zeitung" aufmerksam, welche er gern ent- gegen nimmt. Kollegen, es ist unsere moralische Pflicht, daß wir diese Zeitung, welche auf dem Kongreß als Fachorgan publizirt worden, recht zahlreich mit Abonnements unterstützen. Betreffs der von Herrn Dittrich aus Hamburg gegründeten Leitung, wurde den 5tollegen zur Pflicht gemacht, streng nach den longrepbeschlüsien zu handeln. Der erste Kassirer Fritz Herbst wohnt jetzt Ritterstr. 116, 2 Tr. bei Milde. Da keine Fragen eingelaufen, forderte der Vorsitzende die Anwesenden auf, sich recht zahlreich an den Arbeitersesten zu bctheiligen und schloß mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie die Versammlung. „Die Versammlung erklärt ihr Einverständnis mit den Be- schlüssen des Kongresses vom 21. bis 23. September in Erfurt und verpflichten sich die Kollegen, die Beschlüsse des Kongresses in jeder Weise zu unterstützen. Zum Vertrauensmann für die Berliner Sollegen wurde Kollege Schwahn gewählt. Daraus gab Kollege Zack den Bericht der Agitationskommission für Berlin und wurden die Kollegen Tieke und Kleinschmidt als Revisoren für die Abrechnung betreffend, den Ausstand am 1. Mai, gewählt. Unter Verschiedenem gelangte noch folgende Resolution zur An- nähme. Die Versammlung erklärt sich damit einverstanden, nur solche Lokalitäten zu besuchen, welche: von der Lokalkommission den Arbeiter» empfohlen werden und bedauert es, das Lokal Königstadt-Kasino zu ihrer Versammlung benutzt zu haben. Darauf schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung. Eine ötfrntliche Versammlung des Vereins gewerblicher Hilfsarbeiter tagte am 25. September in der Gräflich Reischach'schen Brauerei in Stralau. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag des Herrn Sündermann über das Thema:„Jedem der volle Ertrag seiner Arbeit." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Referent erntete nach seinem dreimertelstündigen Vortrage reichen Beifall. In der Diskussion sprachen die Herren Geschke und Schmidt. Letzterer forderte die Anwesenden auf, sich doch besser an den Versammlungen zu betheiligen, sowie die gleich- giltigen Kollegen zu ermuntern. Der dritte Punkt, Verschiedenes, konnte nicht erledigt werden, weil der in Stralau funktionirende Ortsvorstchcr vorher wissen wollte, was gesprochen werden sollte. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem drei- fachen Hoch auf die zielbewußte Arbeiterschaft. Herr Kväkcr ersucht uns zu berichtigen, daß er nicht ge- sagt hat, Wildberger habe in einer Versammlung zwei Genossen emißhaNdclt, sondern daß diese Mißhandlung nach Schluß einer Versammlung, in welcher Wildberger referirte, in einem anderen Lokal seitens Wildberger's erfolgt sei. Kerichtigung drs Kerichtes über die Festuerfamm- lung im 3. Mahlbreis vom 30. September. Nicht der Vor- stand des Wahlvereins hat die Versammlung einberufen. Es giebt keinen Wahlverein im 3. Wahlkreis. Das Fest war von einigen Parteigenossen arrangirt. Auch bei diesem Fest wurde eine rothe Fahne gehißt, als Genosse Auerbach am Schluß seiner Festrede ein Hoch auf die internationale revolutionäre Sozial- demokratie ausbrachte. Grfang-, Turn->»»!> gestUig» ptreinc etc. am Montag: Gesang- verein„Sängerlust" Abends 9 Uhr im Restaurant Landsbergerslrafie so. Liedertafel der Maler und Franz-Grenadier-Platz Nr. zcsangverein„Weiße Slofe'., trage 10.— Männcrgesangvercin„Eintracht I" Abends 9 Uhr Köpniclev trage es im Restaurant.— Gesangverein„Echo 167%" Abends u Uhr Oraniew ftraßc 100.—„Deutsche Liedertafel" Abend« 9 Uhr, Orantenstraße Ivo.— Gesangverein„Myrthcublätter" Ucbungsst. Alte Schönhauserstr.«s b. Malzahn.— Mnnncrgesangoerein„Senefelder". Uebungsstunde Abends 9 Uhr in Atinner's Restaurant, Rosenthalerstr. 11—19. Aufnahme neuer, auch passiver, Mitglieder.— Berctn Berliner Theaterfreunde Abends 9% Uhr bei Lülow, Admtralstr. SS.— -in„Ztck-»MMWM»WM»M» |t. und K. e.%~ M marstslr. 72.— Ahrcnds'scher Stenographenveretn„Apollobund" Abends s% Uhr Thurmstraße 81(Moabit).— Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Steno- graphte Abends sX Uhr im Münchener BräuhauS, Neue Friedrichftr. I, Unter- _ lSfrttflTllFl SVJrtrrtfffi" ßV llfir ftlirft SM llav/efefif v in rtchts- und Uebungsstunde.— Slalklub„Ramsch", s% Uhr, Fürstenbergerstr. 10. Gäste willkommen.— Rauchklub„NordsterM in Susans Lokal Frankfurter Hilles 174, Frtedrichsbsrg.— Rauchklub„Hellblau" Abends 9 Uhr EkalUzsr straße 143.— Verein ehemaliger Schüler der 42. Gemeindefchule Abends 9 Uhr bei Kloth, Tresdenerstr. 10.— Zitherklub„Waldrose" Abends%9 Uhr. Uebungsstunde bei Schneider, Albertstr. s. Dirigent: Wogener. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen.—„Friedrichs Verein"(ehemalige Zöglinge des große» Friedrichs- Waisenhauses der Stadt Berlin) Abends 8% Utir be! Bormann, Ohmgafse 2.— Unterhaltungsklub Schiller Abends s Uhr im Restaurant Giesel, Trlststraßs 41.— Vergnügungsvercin„Frcundestreue" Abends 8% Uhr im Restaurant Prsttß, Prinzenstr. 97. Gäste willkommen.— '„Goldene Quaste" Abends s Uhr, Restauralion Barnimstr.»1. Rauchklub Gäste willkommen. dev Mevockkion. Brieflich Eine öffentliche Verfammlung der Graveure Ziseleure tagte am 29. September im Königstadt-Kasino und „»»WWW WWW unter der Leitung des Kollegen Bommer. Auf der Tagesordnung stand: 1. Bericht der Delegirten vom Kongreß. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Vertrauensmannes. 4. Bericht der Berliner Agitations- kommissiou. 5. Verschiedenes. Zum Punkt 1 der Tagesordnung geben die 4 Delegirten Kollegen Guttmann, Schimansky, Uhrbach und Zack sich gegenseitig ergänzend die Berichte über die Be- rathungen und Beschlüsse des Kongresses und verweisen nament- lich auf das in kürzester Zeit zu veröffentlichende Kongreßprotokoll. An diese Berichte schloß sich eine rege Diskussion, die in folgen- der Resolution, die einstimmig angenommen wurde, gipfelte: Bei Ausragen bitten wir die Abonnements-Quiltung beizufügen. Antwort wird nicht ertheilt. Sprechstundeu der Redaktio«: 12 bis 1 Uhr,«Va bis 7Va Uhr. Mir bitteu im Intereffe riues geordnete» Geschäftsganges«ufere Leser und Genoffeu dringend »m genaue Keachtung u»serer Sprechstunden. Unr in A n v n a h m e f ä t l e» wären wir bereif außerhalb der angegebenen Ktnnde» Auskunft zu rrtheilen. A. H. 2-1. Stellen Sie unter Einreichung Ihrer Gebnrts, Urkunde den Naturalis ationsantrag beim Polizeipräsidium. Der Antrag muß bewilligt werden. Abonnent Uannynstr. Am verbreitetsten ist jetzt das stenographische System von Neu-Stolze. UogeUeim. Wird aus dick eingekochtem Leinöl hergestellt. — Wir haben von dem Vorfall ja Notiz genommen. 1. Sie bewegt sich weiter. 2. 1805. K. 25. Zu mündlicher Auskunft sind wir bereit £. V« Das wissen wir nicht. K. A. Köpenick. Welchen Hausfrauenverein meinei Virchstr. 21. Ja. U. K. Ii. 13/11. 120 000. M. K. Lazarethgehilfe. Der Rechtsweg ist für P Pensionsansprüche uuzitlässig. Da Sie schon alle anderen Fi# vergeblich angerufen haben, giebt es für Sie daher kein? mehr, nin eine Pension zu erhalten. Treuer Abonnent. 1. Wir können in keiner von Aeußerungen eine strafbare Beleidigung erblicken.— 2. Mutter ist zur Zahlung jener Geschästsschnlden nur verpj wenn das Geschäft nachweislich für ihre Rechnung, wenn' auf den Namen ihrer Tochter geführt worden ist. Fandeskirche. 1. Der Austritt aus der Landeskirl? schon vor zurückgelegtem 21. Lebensjahre zulässig. Da das» über den Austritt aus der Kirche über das erforderliche L« alter keine Vorschriften enthält, so muß nach§ 84 A. L.-R./ Tit. 2 das vollendete 14. Lebensjahr genügen.— 2. Es ist hiesigen Amtsgericht I schriftlich der Antrag auf Ansehung. Termins zur Entgegennahme der Austrittserklärung zu P — 3. Nein. Landsberger Allee. Wer bei der Gewerbedeputatio» seinem Anspruch ganz oder theilweise abgewiesen ist, kann b>> 10 Tagen den Rechtsweg beschreiten. In dieser Frist muß förmliche Klage dem Gerichte eingereicht werden. Hotmade. Der Kaufmann darf die 2,90 M. nicht* Forderungen gegen Ihre Eltern zurückbehalten. Zur Klagt rechtigt ist Ihre Schwester; nur wenn dieselbe, als sie die ff« Bier holte, sich dem Kaufmann gegenüber als Ihre Beaust» zu erkennen gegeben hat, können Sie selbst klagen. H. H. 09. Nach Ihrer eigenen Schilderung habest nicht bei Unterzeichnung des Versicherungsvertrages, sonder« später dem Agenten gesagt, daß Sie bis nach dem L& warten wollten. Sie haben daher hierauf keinen Anspruch dern müssen die Prämie Kchlen. Lassen Sie es nicht auf de« zeß ankonimen, der Ihnen nur unnütze Kosten bereiten würS> G. J., Handelstraffr. 1. Dem Lehrmeister steht den Lehrling das väterliche Züchtigungsrecht zu. 2. Ebe stattet die noch in Kraft stehende Gesindeordnung der Hei geringe Thätlichkeiten gegen das Gesinde. Letzteres darf' Herrschaft nur widersetzen, wenn das Leben oder die Ge durch Mißhandlungen in gegenwärtige und unvermeidliche geräth.„„ M. Sch. 11. Sie können Ihren Schwiegervater auf Za? F"re der 450 M. bei dem Landgericht seines Wohnsitzes verkll Sie bedürfen dazu eines bei diesem Gerichte zugelassenest' 0ei!- waltes. 1'""er R. R. 51. Wenn Jemand, der einem Anderen schuldet, der Frau desselben, welche dieser verlassen hat, daS' zahlt, so kann er dies seinem Gläubiger anrechnen. Cr bck' also die Klage nicht zu scheuen. V M. 100. 1. Die gesetzlichen Anwaltsgebühren fül' Beleidigungsprivatklagesache betragen für jede Instanz 1'. 24 M. Doch werden meist höhere Honorare vereinbart. 2.'' wenn Sie einen Anwalt annehmen, müssen Sie persönlich( Einreichung der Klage den Sllhnetermin vor dem Schiedsff Leben wahrnehmen. Außerdem wird für den gerichtlichen Termi« stcher ausnahmslos das persönliche Erscheinen der Parteien'werd> geordnet. burea Alter Abonnent. Die erste Anmeldung ist aN Ange Magistrat, die zweite an das Polizeipräsidium zu richten., Pucklerstr. 8. Ihre Anfrage ist unvollständig. Zum Arme licher Auskunft sind wir bereit. i G. M. Doppenstraffe. Machen Sie auf dem Polizem gängc Anzeige von dem Vorhandensein übermäßigen Ungeziefers. den beantragen Sie Untersuchung Ihrer Stube durch den Btk scheu physikus. Von dessen Ausspruch hängt es ab, ob Sie die? hat: nung als gesundheitsgefährlich verlassen können. Anderwfteheii nehmen Sie die Hilfe eines Kammerjägers in Anspruch.■ der H sund! - das S der« o 0* 9 Ü\l andi 20 0i einix SUgll Plexi Wir gesta auch werk Sozi m c Stai sprec ziali Mab ihre der Wirt % nur Sitte: eines gebri Frei! die S Mili polit Kaste Dünl »> schult VevtniHckxtes. fc Hivschbrrg, 2. Oktober. Auf dem Kamm des Riesenge� ist heute Schneefall eingetreten. üZ nnb 1 Mürzburg, 3. Oktober. Der Reichstags- Abgeordnet«, >r(Zentr.) ist heute Nacht 1 Uhr am Schlaafluß aesto# P"'" r-M IIV tJ. XUllVVCt. Stöhr(Zentr.) ist heute Nacht Vest, 2. Oktober. Nach hier eingegangenen ästetdung''., die Gemeinde Kistelek bei Szegedin von einer Feuersbrunst% Xr.' gesucht worden, welche bei dem herrschenden Orkan große? t'�.. dehnung annahm. Nach Privattelegrammen soll die Hälstt iFl Ortes eingeäschert sein. Montc-au-tes-Mines, 8. Oktober. Infolge einer K«? b explosion wurden 3 Arbeiter, darunter 2 tödtlich, verwm S zwischen Kanonier- Central-Keihhans Ansverkanf, 72, Iiigerstr. 73,( Institut für Gelegenheitskäufe, einzig in seiner Art in Berlin. 20000 fielst ölte iini) neue Herbst- Ulli) WliitttMletck Ulli) Aiizöge in mu KliNingörn Ulli) Änkskin Pi'ilcht-ExeWllire Manerstrasse pari. Ideal ■Tjcden Knaben- it. Burschen-Anzüge, Röcke, Hosen, Kaiser-Mäntel, Pelze, Joppen, Schlafröcke, goldene u.'silberne Herren- u. Damen-Uhren, Ketten, Ringe, Alles für die Hälfte des Werthes. Die Verw«'' Sichei besttzl: glühe, Berhä der P Stelle Nefpen Knaben-Garderoben. Berlin N. Eigene Werk statten Berlin SO. Berlin 0. 760 :a> WWeeWe Etwaige Beschwerden wolle das Publikum gefälligst im Hauptgeschäft, t, anbringen. Chausseestraße \äun reelle VckenW. Allen Genossen und Freunden— ich hierdurch mit, daß ich„ Das Eigarrengeschäft am 1. O'tzbcr nach der Manteuffelstraße 9 verl»n>und, v. ReBMiokßiscw _ Manteuffelstr. 112 a. �Politik cam eu Döineii-Tlbneiiierei M. (Methode Kuhn) lehrt nach s, lichem System bis zur vollstä".,,..,• Ausbildung für 20 M.[!ju 1,61 j. P. Müller, Zimmerstr.sMgam ribet'viv' Vom I. Oktober an befind� �ivsn, mein Schuhwaaren-LaBe«" Waldemarstrasse worauf ich meine Freunde und.®01'"! D kannte aufmerksam mache.- Gr. Auo«»-chl. Urrlle Kedir-'stwoh Ernst GrossmannJau's �Wittel 831 Tabak Größte Auswahl, billigste P«%otütü ' Q. Elkhnyson, i D Cigarrcnspitzen mit Stere«.�. Bildern von Sozialdemokraten. � � Sntiuii Max Samuel|r., Kaiser-Wilhelmstr. 38, am Neuen Qr( Möbel-, Spiegel-«. PolsterWaaren-Magazin.»« SO» 5. Ueichenkergerstraße 5. S0. Kalser-Wuhelmstr. 38, am vieuen-�j lyg. üerolrf reden ustän le ha zum K Äe der ka: