m [1900i M. utend IM. 40. MAS3. y. Oktober t8&0. ?. Hchry. :ns! MmrMMkt ave! Hrgan für die Interessen der Arbeiter. m, ero en. .oU&- Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei jn'S Haus vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. ponntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. bi>(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Rr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Insertion sgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlung- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -*•'-» Fernsprecher: Amt VI. Kr. 4100.,- :i-t tu fcP T b.en Geldbeutel geht und zaghast Halt macht, sobald '. I pekuniäre Verluste erleiden oder befürchten muß. Wenn ♦ 1« ,C Svanzofen im Stande wären, dm betrübten Krämer- yU* Men die Vortheile wieder zu verschaffen, welche durch die llar Kinley-Bill verloren gehen werden, so würde man nt einem Mal die überraschende Entdeckung machen, daß „Er bf et na" gar nicht so unliebenswürdig ist. »WsUehin hat wohl Niemand jemals im Ernste geglaubt, aß Frankreich wirklich das„wilde Sand"' fei, als ♦>elches die Pindter und Pintergenossen dasselbe im Dienste Fürsten Bismarck darstellten. hümüÄ T�ir würden es als eine gute Wirkung der nord- „sobfMerikanischen Zollpolitik ansehen. müssen, wenn zwischen »eutschland und Frankreich ein besseres und versöhnlicheres erhältniß angebahnt würde. Man kann sich auch wohl ijnken, daß die Noch in diesem Fall fertig bringen könnte, as sonst für unmöglich gehalten wird.' Aber wir sind zch nicht so weit und wenn heute von einem wirth- h a f t l i ch e n Zusammengeh e n Deutschlands mit rankreich gesprochen wird, so scheint uns das noch in eitem Feld zu liegen. Dank der Politik des Fürsten Bis- arck nach innen und nach außen, von der jetzt nachgerade edermann klar werden muß, daß sie nichts weniger als zenial" war. Das Märchen vom„Herkules es Jahrhunderts" wird nur noch von kleinen Indern, vielleicht auch von alten Weibern geglaubt; für nkende Männer ist es ohne alle Bedeutung. H, I Die Bismarck'sche Zollpolitik hat den Anstoß zu den Maßregeln der Nordamerikaner gegeben. Zu Gunsten der jgrarter und Großgrundbesitzer begann man den wirth- poftuchen Krieg mit Nordamerika; wir mußten unser jtot und unser Fleisch und noch vieles Andere, was ir vom Ausland hätten spottbillig haben können, teurer bezahlen, um der„nothleidenden Landwirth- sjast", den armen Magnaten und Rittergutsbesitzern, �emlletmi. ichdruck verboten.! [0 Uirtorm. Roman von Minna K a u t s k y. Die Wolle ist eben gar empfindlich gegen den leisesten ihre seinen Härchen sträuben sich dann wie im empor und fangen zu flattern an, und die ./.JMB f#"8, T hMuiK �u>\beV�n' �ißen unaufhörlich." Die Wolle liebt Dunst .. Warme, und die Arbeiter'haben sich schließlich an tea Dciuperntur gewöhnt, die die eines Treibhauses ist und ir ui lmmerivnhrendcr Transpiratioil erhalt. Die dunstige, bemt� klemmende Schwüle, die feltc Luft, die mit dem Geruch iaich"j»?'1 �chiuciß und ranzigem Ocl erfüllt ist, wurde in dieser lofse" pmmer Mittagsstunde schier unerträglich. ' Ji* 4 �bei'"nmcr noch wirbeln die Spindeln, drehen sich die [ffi|Xdder der Maschinen, immer noch surrt und dröhnt es in V V y n Ohren, und immer noch starren all diese blassen Gesichter nnpfsinnig ans die rasende Arbeit, jede dieser blitzartigen eioegungen verfolgend. Aber in dem Maße als der Prozeß »rwärts schreitet und die Produzenten ermattet und erschöpft , k-.ihre Lungen schwerer athmcn, in dem Maße, als O I, p|le Menschen immer häßlicher erscheinen unter dem Schmutz, r steh nnf ihnen ablagert, geht das Produkt gereinigt tzchönhet"� präsentirt sich - r i�n�ich leutetc auch hier Ü Augenblicke standen B."3 cgsiveS in blendender Weiße und die Mittagsglocke, wie durch einen und im Zauber- aufzuhelfen, und nun kommen bei dieser Noth die Nord- Amerikaner und schließen die Grenze ab, so daß Tausende von deutschen Arbeitern brotlos werden. Hunderte von Geschäften den Betrieb einstellen müssen, denn ein guter Theil unserer Industrie arbeitet ja nur für den Export nach Nordamerika. Ja, ja, die Zollpolitik war sehr„genial", die zur Lebensmittelvertheuerung, Geschäftsstockung und Arbeits- losigkeit führen konnte! Hilfesuchend sehen sich die deutschen Geschäftsleute nach den Franzosen um. Man klammert sich in der Noth an den Strohhalm; die Franzosen haben ja die gleichen Interessen. Mit ihnen vereistt könnte man sich die prekäre Lage vielleicht einigermaßen erleichtern, ein stärkeres Gegen- gewicht gegen die brutale Zollpolitik der Aankee's bilden. Man fühlt jetzt, was es heißt, rücksichtslos sein, wie man es selbst in der Blüthezeit der Schutzzöllnerei gewesen. Aber da steht man ja wieder trostlos vor den Spuren der „genialen" Politik des Mannes von Friedrichsruh. Die äußere Politik desselben pflegte sonst sogar Eugen Richter zu verherrlichen, der mit seinem vielgerühmten „Scharfblick" nicht zu erkennen vermochte, daß äußere und innere Politik organisch zusammenhängen. Endlich wird man enttäuscht. Man sieht ein, die Franzosen, denen man zwei Provinzen und fünf Milliarden abge- nommen hat, hätten vom Sieger g r o ß m ü t h i g be- handelt werden müssen, wenn man sie versöhnen wollte. Der Besiegte verschmerzt seine Verluste immer sehr schwer und der Sieger sollte es leichter haben, großmüthig zu sein. Aber was haben wir gesehen? Von den säbelrasselnden Phrasen der Chauvinisten wollen wir nicht reden, denn wir legen ihnen keine be- sondere Bedeutung bei, wenn auch eine Zeitlang jedes „patriotische" Bürgermeisterlein und Dorfschulmeisterlein die Franzosenfresserei gewohnheitsmäßig trieb. Jenseits der Vogescn war es ja ähnlich. Aber man erinnere sich doch, wie manchmal, nach unserer unmaßgeblichen Meinung ohne den hinreichenden Anlaß, ein„k a l t e r W a s s e r- strahl" nach» Paris gesandt wurde, worüber das ganze „patriotische" Zeitungsgeschwister in unbändigen Jubel aus- brach und die„energische und kräftige Politik" des leitenden Staatsmannes bis in den Himmel erhob. Betrübt blieben nur die ganz wilden„Patrioten", denen„die kalten Wasser- strahlen nicht dick genug sein mochten. Dann stellte man sich der großen Weltausstellung zu Paris gegenüber auf den ablehnenden Standpunkt. Wiewohl die deutschen In- dustriellen bereuten, der Bismarck'schen Politik gefolgt zu sein, als sie die Erfolge der Ausstellung sahen, glaubte man noch immer an die„Genialität" dieser Staatskunst und es wurde kein allzu scharfer Makel laut. Als dann schlag alle Maschinen still und die Arbeiter waren hinweg- Männer und Weiber bekleideten sich rasch und ver- ließen die Fabriklokalitäten, die sofort auf die Dauer einer Stunde gesperrt ivurden. Diejenigen, welche in der Nähe der Fabrik in den daselbst errichteten Arbeitshäusern wohnten, gingen nach Hause, aber weitaus die Mehrzahl wohnte, der Billigkeit halber, in entlegenen Ortschaften, und diese waren gezwungen, ihr Mittagsmahl im Freien einzunehmen, gleich- viel, ob die Sonne heiß hernieder brannte, oder ob Schnee und Regen vom Himmel fiel. In dieser Jahreszeit bot die Kastauienallee, die dicht an der Fabrik vorbeiführte, den angenehmsten Ruheplatz. In ihrem Schatten waren eine Anzahl Bänke für die Bequemlichkeit der Sommergäste aufgestellt, die nun von den herausstürzenden Fabrikmädchcn rasch okknpirt wurden. Und immer drängten neue Massen aus dem Thore, welche von dein daselbst aufgestellten Portier genau ge- mustert ivurden. Es sind zumeist junge Leute. Das Menschenmaterial nützt sich rasch ab und wird rasch ersetzt. Vier junge Mädchen kamen im Laufe daher; auch sie wollten noch eine Bank erreichen, aber da hieß es flink sein. Drei von ihnen kämen zugleich an und ließen sich gleich- zeitig darauf fallen, in ein wahres Siegesgehenl aus- brechend. „Erwischt, erwischt!" riefen sie in Glückseligkeit. Ein hübschgewachsenes blasses Mädchen, mit lebhaften, ja etwas stechenden schwarzen Augen und dunklem Haar, das ihr in einer dichten Franse weit in die Stirne herein siel und ihr Gesicht noch kecklichcr erscheinen ließ, hatte eine Ecke erobert. Sie hieß Marie, wurde aber allgemein ihrer die Maßregel des Paßzwanges an der elsaß-lothringischen Franzosen nicht ein, so leicht- zu einem „versöhn- wünschen muß, der deutschen Ge- etn Grenze getroffen wurde, welche die erbittern mußte, sah man auch noch daß es nicht klug war, die Franzosen hin zu reizen. Nunmehr, da man „wirthschaftlichen Zusammengehen" licheres Verhältniß" zn Frankreich fällt eS wie Schuppen von den Augen schäftsleute. Wir glauben nicht, daß das Zusammengehen mit Frankreich bedeutende Erfolge gegen das mächtige Nord- Amerika erzielen könnte. Aber zwei Dinge gehen aus alledem mit Sicherheit hervor: Die Bismarck'sche Zoll- Politik ist auf immet verurtheilt, genau wie das System der„kalten Wasserstrahlen", das die Annäherung zwischen Frankreich und Deutschland so sehr erschwer� und die Kluft erweitert hat, welche die Annexion geschaffen. Wenn den deutschen Philistern die Bismarck'sche Politik immer noch als ein Wunder von Staatskunst er- scheint, geschieht's ihnen schon recht; wir können ihnen nicht helfen! Movvespmtdimze«. London, den 3. Oktober 1890. Die berühmteste, wenn auch nicht die größte der neuen Gewerkschaften hält gegenwärtig ihren ersten Jahreskongreß ab. Seit Dienstag tagt in den Assembly Rooms in Mile-End der Kongreß der Docker-GewerK- Cchaft. Gegen 60 Delegirte vertreten ungefähr ebenso viel Tausend zahlende Mitglieder. Eine stattliche Zahl, wenn man bedenkt, wie jung die Gewerkschaft ist, und daß das Feuer der ersten Begeisterung bereits die Probe sehr harter Kämpfe zu be- stehen hatte. Die Dockerunion hat allerdings das Glück, daß sich die Presse mit besonderer Vorliebe mit ihr befaßt und die un- bedeutendste ihrer Aktionen ausführlich berichtet, sie ist vom vorigen Jahre her im gewissen Sinne das Hätschelkind der „öffentlichen Meinung", aber diese Gunst hat sich ihr nicht durch- gängig als vortheilhast eriviesen. Verschiedene der gleichzeitig mit ihr entstandenen Gewerkschaften, für die die Presse weniger eifrige Reklame machte, weisen noch größere Mitglieder- zahlen auf. So die Gewerkschaft der Gasarbeiter und gemischten Gewerbe, die es bereits auf hunderttausend Mitglieder gebracht hat. Es wäre nur zu wünschen, daß die deutschen Arbeiter sich das Beispiel ihrer englischen Kollegen zu Herzen nehmen und mit demselben Eifer, wie den Kampf für ihre politischen Rechte, das Werk ihrer Organisation für den ökonomischen tkämpf betreiben würden. Das Eine thun und das Andere nicht lassen, muß ebenso ihre Devise sein, wie sie glücklicherweise immer mehr die der englischen Arbeiter wird. In diesem Sinne war auch die Ansprache des Präsidenten Tom Mann an den Kongreß gehalten. Was die bis jetzt ge- faßten Beschlüsse anbetrifft, so zeigen sie, daß das all- gemeine Bestreben dahin geht, zunächst die Organisation finanziell möglichst zu kräftigen, ehe man sich auf größere Kämpfe einläßt. So wurde der Vorschlag, in Hin- unverwüstlichen Lustigkeit und Ausgelassenheit wegen die fesche Mirzel genannt. „Da kommt Keine mehr her!" rief sie. Und indem sie einer Vierten, die, laugsamer als die klebrigen, herankeuchte, eine Rase drehte, sang sie, in stark österreichischem Dialekt ein Vicrzciliges improvisirend: „Der Dalk kommt immer z'letzt Die Sperrsitz san schon b'setzt Und von uns Frauenzimmer Da rührt sich keine nimmer!" Das dumme Mädchen, das vor ihr stand, sah aus, als ob es weinen wollte; „Ich kann nicht so laufen, aber desivegen könnt Ihr mir doch Platz macheu." „Na meinetwegen, rucken wir z'samm'," sagte die Mirzel gutmüthig.„Die Pepi, der Zwirnsfaden, braucht so nur zwei Zentimeter. Also druck Dich herein, Du Krischperl, und jetzt her mit dem Essen!" All diesen Arbeitern war das Mittagbrot zugetragen worden und man konnte sie nun alle ans der Straße in Gruppen gelagert finden. Hier war es die Mutter, die das Essen in einem Korbe gebracht hatte, dort die Schwester oder die Gattin, und sie setzten sich neben ihre Angehörigen auf den mit dünnem Gras bewachsenen Rain und reichten ihnen den Topf mit Suppe, den Löffel, das Brot, und sahen still, aber aufmerksam zu, wie diese das Essen gierig verschlangen. Nur mitunter war ein zweites Gericht vorhanden. Es bestand aus Kartoffeln mit Fleischstücken oder einem Gemüse. Wenn der Mann seine Zufriedenheit aussprach, dann V blick auf den großen Dockersireik in Australien keines der von dort kommenden Schiffe auszuladen, einstimmig nach kurzer De- batte fallen gclasseiu Eine sehr interessante Debatte erhob sich über den früher von mir mitgetheilteu Plan, das ganze Verladungswerk auf den Londoner Docks direkt in genossenschaftlichen Betrieb zu übernehmen. Bezeichnender Weise fand er gerade von Seiten der Londoner Delegirten lebhaften Widerspruch. Derselbe richtete sich jedoch keineswegs gegen das Prinzip der genossenschaftlichen Arbeit, sondern gegen seine Anwendung unter Verhältnissen, bei denen es seine Spitze mehr gegen andere Arbeiterkategorien als gegen die Kapitalisten richten würde. Neben den Pflichten, die sie als Mit- glieder der gleichenUnion gegen einander hätten, führte T.Macarthy, eines der verdientesten Mitglieder der Union, aus, hätten sie auch andern Gewerkschaften Beistand zu leisten, und er fürchte, daß wenn sie mit Kaufleuten oder Schiffsherren direkte Kontrakte ab- schlössen, und zwischen jenen und anderen Arbeiterkategorien (Matrosen, Heizer zc.) Konflikte ausbrächen, sie auf Grund solcher Kontrakte eines Tages genöthigt sein könnten, den ersteren, ihren Arbeiterbrüdern entgegen zu arbeiten. Ein sehr gerechtfertigtes Bedenken, das seinem Urheber alle Ehre macht. Ein anderer Einwand Macarthy's ging dahin, daß, wenn sie einmal sich für den genossenschaftlichen Betrieb ent- schlössen, sie die Arbeiten nicht alsSubkontraktoren derDockkömpagnie übernehmen, sondern direkt mit den Schiffsherren abzuschließen hätten. Schließlich wurde eine Kongreßresolution angenommen, die sich im Prinzip für die Zivcckmäßigkeit der genossenschaft- lichen Arbeit erklärt, aber sorgfältige Prüfung des Durchführnngs- modus empfiehlt. Von den Beschlüssen des dritten Tages ist der bemerkens- wertheste, daß für die nächsten zwölf Monate eine Extrasteuer von zusammen einen, Pfund pro Mann. erhoben iverden soll, um den Kriegssonds, der durch allerhand Streiks sehr erschöpft ist, auf einen gesunden Stand zu bringen. Ein anderer Gewerkschaftskongreß, der größeres Interesse beanspruchen darf, ist der am 7. Oktober in Belfast>zusan»nen- tretende Jahreskongreß der Uereinigten Gewerkschaft der GisettdastnangesteUten. Der Kongreß ist deshalb interessant, weil auf ihm die Frage der alten und neuen Gewerk- schaften in einer neuen Gestalt zur Erörterung kommen wird. Die genannte Organisation ist nämlich eine„alte", die fast nur noch das beschauliche Leben eines Unterstützuiigsvereins führte, als im vorigen Jahre neben ihr die„Allgemeine Gewerkschaft der Eisenbahnarbeiter" gegründet wurde und binnen kurzer Zeit die Mitgliederzahl jener um mehr als das Doppelte überflügelte. Wie leicht begreiflich, herrschte in der ersten Zeit heftiger Kampf zwischen beiden Organisationen, deren verschiedener Charakter durch ihre Namen treffend bezeichnet war: hier die kämpfende Organisation der A r b e i t e r, dort die nichr beschauliche de?„A n- gestellten". Er hatte jedoch die gute Wirkung, daß allmälig die„Angestellten" inne wurden, daß sie eigentlich auch nichts sind als Arbeiter, daß auch in die alte Union wieder Kampf- lust einzog. Weiter aber hatte die„neue" nichts gewollt und so hat sie der Leitung der alten den Vorschlag gemacht, einen Kartellvertrag zu schließen, und dieser Vorschlag soll auf dein bevor- stehenden Kongreß zur Berathung kommen. Es unterliegt auch keinem Zweifel, daß er Annahme finden wird. Daß der itongreß in B e l f a st, d. h. in einer irischen Stadt stattfinden wird, ist auch ein bemerkenswerthes Zeichen der Zeit; vor einem Jahr hatte die Gewerkschaft erst eine Sektion in Jr- land, diesmal werden neun irische Plätze auf dem Kongreß ver- treten sein, die Hauptstadt Irlands, Dublin, durch zivei Delegirte. Ueberhaupt gewinnt die Arbeiterbewegung immer mehr an Boden in Irland. Tie obenerwähnte Gewerkschaft der Gas-:c. Arbeiter gründet eine irische Sektion nach der andern und hat bereits eine Reihe bemerkenswerther Siege auf irischem Boden errungen; so neulich erst für die zu ihr gehörenden Brauarbeiter der berühmtei, Brauereifirma Edw. Guinneß. In Dublin soll auch unter de» Arbeitern große Neigung vorherrschen, bei der nächsten Parlamentswahl eigene Kandidaten aufzustellen, da man von der parlamentarischen Thä- tigkeit der Parnelliten nichts weniger als erbaut ist. Obund ivicviel mitalledem die Herausgabe einer neuen Arbeiter- zeitung„The Fabouv World"(Die Arbeiterwelt) durch Michael Davitt zu thun hat, vermag ich nicht anzugebe». Davitt hat stets einen freieren und demokratischeren Standpunkt eingenommen, als das Gros der irischen Abgeordnete», die in ihrer Mehrheit nicht ininder verstockte Bourgeois sind, als die reaktiv- närsten der englischen Tories. Im Gegensatz zu ihnen, das heißt noch ehe sie den Bund mit den Gladstonianern schloffen, ist er lebhaft dafür eingetreten, die Sache Irlands mit der der englische» Demokratie zu vereinigen. Andererseits hat er jedoch stets im cntschei- denden Moment sich derDisziplin der irischenPartei unterworfen. Es ist also wohl möglich, daß von dieser Seite ein Theil der Mittel zur Gründung der„Labour-World" herrühren. Diese müssen nicht unbeträchtlich sein, denn das Blatt ist im Stil der großen Londoner Wochenblätter gehalten— ja, es über- bietet dieselben beinahe noch an Reichhaltigkeit. Tie ersten Nummern sollen sich auch glänzend verkaust haben; man spricht von mehr als 150 000 Exemplaren. Das ökonomische Programm Davitts geht nicht über das des bekannten Bodenreformers glitt ein gutes, glückliches Lächeln über die Zuge des Weibes; sonst ivechselten sie kaum einige Worte. Die Fabrikmädchen hingegen, die während der Arbeit unter dem Getöse der Maschinen gezwungen waren, ihr Mundwerk stille zu halten, plauderten jetzt während des Essens. Die Mädchengruppe auf der Vauk war die lebhafteste. Während sie ihre Suppe löffelten, stießen sie sich gegenseitig an, anfänglich aus Muthwillen, dann ein bischen ans Bos- heit, bis sie schließlich in Streit geriethen und die Beschul- digutigen immer lauter wurden. �, Da fuhr die Mirzel in ihrer drastischen Weise da- zwischen: „Wird's ös bald ruhig sein? Zieht's Eure Ellbogen ein, Kreitztausenddonnerwetter, Jetzt eßt's und rauft's Euch später!" Das Vierzcilige wurde belacht und der Friede war wieder hergestellt. t„. Ihnen zunächst, die Füße im Straßengraben, den Kops gegen den Stamm der Kastanie gelehnt, hatte sich eine unscheinbare Mädchcugestalt gelagert, es war die Franzel. Obwohl alle diese jungen Geschöpfe von gelber krank- hafter Gesichtsfarbe waren, erschien doch keine so blaß lvie sie, und keine zeigte eine ähnliche physische Ermattung, die sich in völliger Apathie kundgab. Der Lärm, der ewige furchtbare Lärm tönte ihr noch immer in den Ohren, und all ihre Gedanken sind wie zerrissen, die Tenkkraft selbst er- scheint geschwächt, zerrüttet. Ihr gegenüber, mit den Füßen die ihrigen berührend, aber im Staub der Straße sitzend, befand sich der taube Andreas. Er, der von Allen mit Spott überhäuft ward, hatte in der Franzel ein Wesen ae- sunden, daß sich mit ihm einließ und es nicht wagte, sich über ihn zu stellen. Die Franzel war aber auch ein so armseliges Ding. Das Elend verband sie mit ihm und die Familienlosigkeit. Andreas war beschäftigt, mit einem langen Messer, das er stets bei sich trug, bald ein Stück Speck, bald ein Stück Brot herabzuschneiden und zu verzehren. Er aß gierig. Bon Zeit zu Zeit streifte sein Blick die Flürschheim hinaus, doch hält sich das Blatt dem Sozialismus und der Arbeiterbewegung gegenüber durchaus sympathisch. Ein Leit- artikel in der zweiten Nummer desselben ist an die Adresse der Liberalen gerichtet und fordert dieselben auf, entschieden Stellung zu den Arbeiterforderungen zu nehmen, da ein rein politisches Programm die Massen nicht länger befriedigen könne. „Die politische Situation", heißt es am Schluß,„ist heute ähnlich der vor fünfzig Jahre», als die Energie der Reformbewegung von 1832 verausgabt war und die Chartistenbewegung sich von dem Bourgeoisliberalismus abwandte. Der Unterschied ist nur, daß unsere heutigen Chartisten das Wahlrecht" haben und ent- schlössen sind, von ihn: Gebrauch zu machen. Wir würden es freudig begrüßen, wenn diese Stimmen für eine demokratische Selbstverwaltung Irlands und politische Reformen in England abgegeben würden, aber die Leiter der Arbeiterbewegung werden, und zwar mit Recht, eine entsprechende Gegenleistung verlangen. Sind die Leiter der liberalen Partei gewillt, freiwillig die Konsequenzen dieser Thatsachen zu ziehen?" Zu etlichen Konzessionen wird man sich wohl oder übel ent- schließen müssen, zumal die irische Frage allein nicht mehr die rechte Zugkraft ausübt. Die Brutalitaten, welche die Äalfour'sche Polizei erst jüngst wieder in Tipperrary aufgeführt, stoßen auf allgemeine Verurtheilung, erregen aber nicht diezenige Sensation, welche die Jrländer brauchten, um einen Entrüstungssturm in Szene zu setzen. In gewissem Sinne schwächt Davitt selbst ihren Eindruck ab durch die Veröffentlichung von Enthüllungen über das Treiben der Polizeiagenten der liberalen Regierung in den achtziger Jahren. Hochinteressant ist der Nachweis, daß ein gewisser M'Dermott im Jahre 1883 mit dem Geld, das ihm der britische Generalkonsul in New-Iork gab und mit Wissen des Generalkonsuls selb st, Dynamitattentate an- stiftete. Einen Orden hat der schuftige Lockspitzel allerdings nicht erhalten. Die Liberalen haben um so mehr Grund, sich fleißiger mit der Arbeitersrage zu beschäftigen, als, wie die heutige„Daily Chronikle" mittheilt, die Regierung des Herrn Salisbury ver- schiedeneGesetzesvorlagcn behufs Er weiterungder Fabrik- g e s e tz g e b u n g vorbereitet. Dieselben sollen namentlich gegen das Schwitzsystem gerichtet sei». Ferner sei auch eine erheb- liche Ver in ehr nn g der Fabrikinspektoren in Aussicht genommen. Kurz, was die bessere Einsicht nicht thut, werden wohl die Gebote der Konkurrenz bewirken. Einen sehr guten Eindruck hat es hier gemacht, daß die in Hamburg engagirten Matrosen, die nach Sonthhampton gebracht iverden sollten, um die Stellen der dortigen Streiker einzunehmen, sofort, als sie vom Stand der Sache erfuhren, Kehrtum machten. Die internationale Solidarität der Arbeiter stoßt zwar hier im Prinzip ans größere Sympathie als je, aber in der Praxis können sich die Arbeiter der Befürchtungen vor der Schmutz- Konkurrenz der fremden Arbeiter schwer entschlagen. Die wackeren Hamburger haben sich um die Zerstörung eingewurzelter Vor- urtheile wohl verdient gemacht. DsltkipHe Aelrevstchlk. Mie sehr die materielle» Interesse» die politische Parteistellung beeinflussen, das hat sich jüngst in Wien bei den Wahlen zum ö st e r r e i ch i s ch e n Landtag wieder einmal recht deutlich gezeigt. Die Liberalen sind dort unterlegen und die reaktionären Antisemiten haben ge- siegt, weil das„liberale" Klcinbürgerthum in hellen Haufen zu den Letzteren übergelaufen ist.„Das kleine Gewerbe und das niedere Beamtenthum— wird der„Volks-Ztg." aus Wien geschrieben— erwarten von dem Siege der Anti- liberalen(Judenhetzer) Rettung aus ihrer ökonomischen N o t h l a g e, und die antilibcralen Führer versprechen das Blaue vom Himmel herunter." Und da wurde denn der bürgerliche Liberalismus in die Ecke geworfen. Recht dumm von den Leutchen, daß sie die Versprechungen der Stöckcrlinge glaubten, allein sie sind nicht dummer als die hunderttausende deutscher Handwerker, die den Ackermännern auf den Leim gegangen sind. Jeden- falls ist aber roieder einmal bewiesen, daß die wirthschaft- lichen Interessen das politische Leben regieren, und daß die Partcibildung eine Jnteressensrage ist. Die Sozialdemokratie, welche die politischen Formen prin- zipiell nur als den Ausdruck der ökonomischen Zu- stände betrachtet, hat nie eine andere Auffassung gb- habt und deshalb hat sie stets die Dinge im Ganzen auch weit richtiger benrtheilt als unsere Gegner, die ihre Wünsche für Wahrheit nehmen, und statt auf Thatsachen hin Schlüsse zu bauen, ins Blaue hinein kannegießern. Mit den „geistigen Waffen" unserer Gegner ist's eben auf allen Gebieten schlecht bestellt. Franzel und er brnmnite dann etwas in sich hinein. Jetzt hielt er ihr sein letztes Stück Speck entgegen: „Nimm, diese alte Hyäne läßt Dich wieder warten." Ihre Hand zuckte, der Muskel war begehrlich, aber sie schüttelte verneinend den Kopf und wie in Ermattung die Augen schließend, lehnte sie sich wieder zurück. Jetzt wandte sich die Mirzel nach ihr um. „He, was ist's denn mit Deiner säubern Tant', daß die Dir heute kein Essen bringt?" „Sie wird noch kommen," antwortete eine dünne Stimme. „Gott geb's, daß Du's erlebst," scherzte die Mirzel, aber dann, mit wirklicher Theilnahme sie betrachtend:„Sag', was fehlt Dir denn, mein Kind, daß Du gar so miserabel aus- schaust?" Franzel sah die Frageriu einen Augenblick mit einem fast stumpfsinnigen Ausdruck an, dann sagte sie langsam: „Der Kopf ist mir so schwindlich— und die Glieder thun mir weh— sonst fehlt mir nichts." „Sonst nichts?" parodirtc die Mirzel. „Das kennen wir Alle— jawohl— daran muß man sich gewöhnen," riefen die Mädchen im Chor. „Und sie ist doch auch keine Heurige mehr," versicherte die dünne Pepi mit ihrer lnngensüchtigcn Stimme,„aber die wird sich nie an die Fabrik gewöhnen, das sieht man schon." „Wer gewöhnt sich denn d'ran?" lachte die Mirzel und fügte dann kalt mit schrecklichem Cynismus hinzu;„Wenn sich erst Eine d'ran gewöhnt hat, dann giebt's gleich d'rauf den Geist auf." Durch die Allee konnte man jetzt eine kleine hagere Frauensperson in großer Eilfertigkeit herankommen sehen. Es war die erwartete Taute, die Wäscher-Lisi.Z Sie kam, die Hüsten heftig schwingend, in kleinen zappeln- den Schritten. Ihr Acnßcrcs hatte nichts Verlockendes, und doch verrieth Alles darin eine selbstgefällige Koketterie. Um sich vor der Sonne zu schützen, hatte sie einen alten ver- bogenen Schirm mit unzähligen Nähten aufgespannt. Ihr langgezogener Kopf erschien darunter unbedeckt. Sie ver- schmähte ein Tuch, es Hütte ihrer Schönheit Eintrag gcthan und den großen Zwirnzops verdeckt, der in zahlreichen wo das S o z i a l i st e n g e s e tz a ui zur Erhöh» Am Tag, Kraft trat, trat der neue Gesetzentwyrf., der Präsenzstärke des Heeres i n Kraft. Der!• tober ist also ein doppelter Gedenktag. Die seit NW umgehenden Gerüchte, daß die Stellung des Kriegsmiw! V e r d y du V e r n o i s, der in der Budgetkommisß»' offenherzig war, erschüttert sei, haben gestern ihre gung erhalten. Herr Verdy ist entlassen und C lieutenant von Kaltenborn-Stachler an Stelle getreten. Vorläufig weiß man noch nicht,«I Entlassung des alten Kriegsministers deshalb cy ist, weil er— wie die Fortschrittler behaupten � Freund der zweijährigen Dienstzeit sei, oder— wie unheilbar optimistischen Fortschrittler ebenfalls behaupß weil er zu hohe Militärforderungen gestellt habe. wollen uns den Kopf nicht zerbrechen, es erscheint uns gewiß, daß dieser Ministerwechsel keine Erleichterung für Volk bedeutet, sondern das Gegentheil. Der Militär« wird durch sein eigenes Wesen zu immer größeren S» rungen und Uebertreibungen gedrängt— er muß sojl voranschreiten, bis die Völker zur Vernunft kommen n"' an seiner eigenen Gemeinschädlichkeit-scheitert. „Die Spaltung", oder der„Splitt" der deutsche»� zialdemokratie ist eine vollendete Thatsache in den a in k k a n i s ch e n Zeitungen, welche jetzt in Teutsq eintreffen. Vor 4 oder 5 Wochen wurde die„Spall» von den Bourgeois-Skribenten in die neue Welt expck und jetzt wird sie von dort zurückexportirt. Gar erbtf lesen sich die Grabschriften, die uns da gesetzt, die Grabt» die uns da gehalten werden. Nun— todt Gesagte I nach dem bekannten Sprichwort ganz besonders lange. wir haben deshalb unseren doppelten Spaß.— Sirnrrweichnng. Die ordnungsparteiliche Presse im rüstet über die Sympathie-Adressen, welche den deutschen Ssj demokraten anläßlich des 1. Oktober von Sozialisten des' landes zugesandt worden sind; sie— die Vertreterin des l» nationalen und vaterlandslosen Kapitals, das jeden W blick bereit ist, dem Landesfeind zu dienen und das 9 land zu verrathen oder im Stich zu lassen,(wie wck 1870 mit der deutschen Reichsanleihe!)— sie erblickt ls einen Beweis„internationaler Gesinnung," die aus Landesverrath abzielt, zum mindesten aus unbewuvl Das ist nicht übertrieben, sondern die reine la< Wahrheit. Ter Erguß schließt nämlich nnt den Worten: II „Während die deutsche Sozialdemokratie mit bbj! Fanatismus gegen die Grundvesten der vaterländ» Institutionen Sturm zu laufen sich anschickt, s e h e n>1 ausländischen Genossen weiter, und! treffen schon im Geiste ihre Vorbei tun ge ii,, s i ch seiner Zeit an dem von deutschen Sozialdemokratie ihnen deckten Tische niederzulassen.— Es ist � ein. schönes Ding uni den Beifall des Auslandes, der deutschen Sozialdemokraten für ihren„Triumph" H 1. Oktober zu Theil wird!" j g Also die englischen, französischen, belgischen, beul! it. s. w. Sozialisten sind nicht gleich uns im Kamp!« � der Bourgeoisie, sondern sie sind die Handlanger B 0: Werkzeuge der Bourgeoisie, und wollen in ds � Interesse, mit Hilfe der deutschen Sozialdenws rn, die deutsche Industrie zu Grunde richten! Man sieht, dies!" glücklichen Ordnungsparteien haben vor Angst da» „Hallucinationcn bekommen." Vom Wiederlegen kann|J S nicht die Rede sein— hier hat der Irrenarzt sprechen., H Gine gute Draphrti» ist die„Leipziger Zeitung™ Ii! Organ der sächsischen Regierung. In ihrer Nummer 28. Dezember vorigen Jahres schloß sie in einem LeMs gsiß über die R e v o l u t i o n in Brasilien mit den Ä»- „Also Bürgerkrieg auf der einen, I s o l i r* auf der anderen Seite, das sind die nächsten Folgen, � Gr die Machthaber in Rio von der Verwirklichung ihrer geizigen Pläne zu erwarten haben. Um des Landes seiner Bewohner willen muß man deshalb wünschen- i sie rechtzeitig von denselben abgeben werden." Die Prophezeiung der„Leipziger Zeitung" h«" ebenso wenig verwirklicht, wie ihr frommer Wunsch�! Bewohner sind nicht von der republikanischen ReW abgegangen, ein Bürgerkrieg ist nicht ausgebrochen, u»» 0 I d grauen Äe�! Mte Nüanzen von blond und braun ihr Haupt uniringelte. ihr Hals war entblößt und ein schwarzes Bündchen einer blechernen Henkelmünze legte sich knapp darübjto etwas hervortretende Schilddrüse pressend und an entwicklung hindernd. Die Person zeigte eine ungejs liche Beweglichkeit in jedem Muskel ihres Gesichtes jedem Gliede ihres Körpers. Ihre grauen Pck blinzelten schalkhaft und den großen Mund schlitzt» � Lächeln bis zu den Ohren, in dem sich Sinnlichken Selbstbehagen ausdruckten. J Sie war erhitzt und athemlos, als sie der Franst. Korb, der das Mittagbrot enthielt, überreichte. J Andreas empfing sie mit einem derben Scheltivms\ Sie hatte für ihn nur eine Grimasse voll höh» Verachtung, und zu Franzel gewendet, bemerkte sie: j „Sitzt er schon wieder neben Dir! Daß Du Dw- Brillen unterstehst. Dein Essen mit ihm zu theileu, mit dein fchw blickte über die Schulter nach ihm zurück, damit er loiir �eksl sie von ihm spreche und lautlos den großen Mund bcW»° kamen die Worte„tauber Wollteusel" gleichsam sichtb»' � Ausdruck. t Scheid Der Bursche fuhr wüthend auf und streckte die g»(prü Faust ihr entgegen. Der Spitzname, der ihn mit den> � Scheid stand seines Hasses identisizirte, war für ihn die f# Beleidigung.__ J eine Katze mit einem Sprung». Sie retirirte wie den Graben, aber sie kam hierbei aus dem Regen. Traufe, indem die Mirzel sie beim Schürzenband»»» und fest hielt. Und nun legte das keckliche Mädche» Entrüstung keine Zügel an und eine Fluth der M Neu! das Bi mir? Hab' ich mich vielleicht nicht getummelt? Körper ist ja kein trockener Faden mehr. Ich sch?7j g'wiß nicht bei der Arbeit, aber glauben's denn,% ge* nur die Franzel allein zu versorgen? Der MeiiNs, auch sein Sachen haben, und der Manu geht vor, � denn ich sag halt, entweder man hat einen Mann% hat keinen."(Forsetzung pB Republik Brasilien ist von allen Negierungen, deren Frennd- schaft für das Land von Bedeutung ist, anerkannt worden, also n i ch t isokirt. Wer die politischen Dinge sich so zurecht legt, wie es ihm paßt, statt den Ursachen und dem Wesen nachzuforschen, der kommt zu solchen lächerlich schiefen Beurtheilungen. Leute dieser Art nennt man Kannegießer oder Bierbank- Politiker. Spaßig. In einem Rundschreiben an die Vertrauens- männer der nationalliberalen Partei in Berlin(siehe „Börsenzeitung" vom 23. September) heißt es zum 1. Oktober: „Keine Partei wird von der Sozialdemokratie in gleichem Maße gefürchtet und gehaßt wie die nationallibcrale."— Wer lacht da? Was diese Angstmeier sich doch einbilden. Aber nein— es ist schlaue Berechnung. Sie schieben Anderen Angst unter, um sich die eigene Angst etwas zu vertreiben. Di« Herren Wildbergrr und Dt«r>»rr erleben die Freude, von der Bourgeoispresse als Mustersozialdemokraten paradirt zu werden. Wir sind nicht weichherzig genug, uni die Herren ob der ihnen zu Theil gewordenen Ehre zu be- mitleiden,— wir überlassen sie ruhig ihrem Schiasal. Und wir kennen„das politische Handwerk" zu gut, um uns über den P e r s o n e n k u l t u s, den die Reaktionsprcsse mit diesen grimmigen Feinden des Personcnkultus treibt, zu wundern oder gar zu entrüsten;— im Gcgentheil wir haben unsere Freude daran—, allein wenn die Bourgcoisblätter den Expektorationen der genannten Herren noch eigene Lügen hinzufügen, so muß ihnen unter Uniständen aus die Finger geklopft werden. Schreibt da z. B. die„Magdeb. Zeitnng" vom vorigen Sonnabend im Anschluß an die Werner-Wildbergereien: „Jedenfalls war es klug, daß die ursprünglich beabsichtigte Oeffentlichkcit der Kongreßverhandlungelt später ivieder aufgegeben worden ist, denn es wird viel schmutzige Wäsche zu Tage kommen, die man doch nicht gern vor Jedermann sehen läßt." Natürlich hat„Niemand daran gedacht, die Oesfenb lichkeit der Kongreßverhandlungen wieder aufzuheben. Die selbe ist einfach selbstverständlich. Unsere„Partei" hat keine„schmutzige Wäsche", wie die Partei der Millionen- spitzbuben Jerusalem und Winkelmann u. s. w. Leute mit „schmutziger Wäsche", die sich zu uns verirren,„fliegen hinan s." Di« Ieluite» miisten»uvitrft! rief der bekannte Zentrums mann Dr. Bachem in einer Kathohkenversammlnng zu Köln, die am letzten Sonntag dort im„Piusbau" stattfand. Und weshalb?: „Man rufe GO— 100 Jesuiten nach Köln zurück und die nächste ReichStagswaHl wird zeigen, daß nicht die Hälfte der heute abgegebenen Stimmen sich auf den sozial demokratischen Kandidaten vereinigen werden." Das wäre ja ein Grund, der selbst die jesuitenfresserische „Köln. Ztg." veranlassen könnte, die Zuräckbernsung der Jksuiten zu betreiben. Oder glaubt Herr Bachem, der kleine Schäker, etwa selber gar nicht an seinen Grund? . Vortrefflich unterrichtet ist der Gewährsmann der„Köln. Zeitung", dem das Blatt seine famosen, voi» uns bereits ge- würdigten„Enthüllungen" über die Vorgeschichte der Aushebung des Sozialistengesetzes verdankt. Dieser Gewährsmann, der, wie die„Köln. Zeitung" stolz versichert,„in der Lage ist, den That- bestand genau festzustellen", theilt der staunenden Welt mit, der vorige Reichstag sei aufgelöst worden, und damit sei das vor- läustge Scheitern des Sozialistengesetzes herbeigeführt worden! Bekanntlich ist der Reichstag aber gar nicht aufgelöst worden! Nach diesem kleinen Jrrthum läßt sich der Werth der ganzen „Enthüllungen" beurtheilen. In ti«b«vollrr Kesorgniß hat der Regierungspräsident zu Breslau, der Schweidnitzer„"Täglichen Rundschau" zufolge, nachstehende Verfügung an die Laudräthe gerichtet: „Mit dem am l. Oktober d. I. erfolgenden Außerkrafttreten des Gesetzes gegen die gemeingefährlichen Bestrebungen der Sozial- demokratie vom 21. Oktober 1878 erlischt auch die RechtSbe- ständigkeit der ans Grund dieses Gesetzes erlassenen Verbote von Druckschriften. Denn es tritt mit diesem Zeitpunkte der§ 1 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 wieder in Kraft, welcher verordnet:„Die Freiheit der Presse unterliegt nur den- jenigen Beschränkungen, welche durch das gegenwärtige Gesetz vor- geschrieben oder zugelassen sind." Mit dieser Bestimmung würde die weitere Ausrechterhaltung der erwähnten Verbote unvereinbar sein. Nach dem 1. Oktober d. I. wird hiernach ein Einschreiten gegen ehemals verbotene Druckschriften, wie der Minister des Innern im Einverständniß mit dem Justizminister hierher zu erkennen gegeben hat, nur unter den allgemeinen gesetzlichen Voraussetzungen und ohne Rücksicht ans das frühere Verbot statt- finden können. Dagegen unterliegt es keinem Bedenken, daß die aus Grund der mehrerwähnten Verbote ausgeführten Beschlag- nahmen als ihrer Zeil gesetzmäßig vollzogen von der erst vom 1. Oktober d. I. an eintretenden Unwirksamkeit der Verbote nicht berührt werden, und daß daher die Freigabe der in Beschlag genommenen Eremplare von Druckschriften nicht gefordert werden rl1]"''f1 e gesetzlichen Voraussetzungen einer polizeilichen Be- fchlagnahme von Drucksachen enthält der§ 23 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874." cv§cvr Präsident ist auf einem argen Holzwege. Mit dem Fall des Sozialistengesetzes fallen auch feine Wirkungen fort. Die bisher beschlagnahmten Schriften müssen also wieder heraus gegeben werden. Das wäre, wenn man es nicht freiwillig thut, durch Klage zu erzivingen. Wir kommen übrigens auf die Auge- legeiiheit noch zurück. 787 311 Mark— siebenmalhundert siebenundachtzigtausend zweihundertundelf Mark— sind für das Berliner Bisniarck- Denkmal bisher zusammen geschnorrt worden. . Pllr machen einen Vorschlag zur Güte: statt das schöne Geld in Marmor zu vcrmvbel», schenke man es dem Gefeierten. Er hat für eine solche Ehre das zarteste Verständniß, und uns — nun uns bleibt die„Verschönerung" eines öffentlichen Platzes Verpnlvrrt. Wie aus Magdeburg gemeldet wird, belaufen sich die Kosten der Schießversuche des Grusonwerkes einschließlich c er Bewirthung der zahlreichen deutschen und fremden Offiziere auf rund 800 000 M.— Es handelt sich bei diesen Versuchen darum, die Zerstörungskraft neuer Mordwaffen zu prüfen. Für z" haben'•'Umanc Zwecke ist in unserem Kulturstaate immer Geld jP.*'?ahl d»r Fridiragrnden zun» erst«» Glitobr»'. I.f!.»Franks. Ztg.", ist„och kleiner, als man erwarten durste; man könnte glauben, es würde eine Slrmesündcrleiche zu Grabe getragen. An der Spitze des armseligen Kondukts schreitet !ms mächtigem Trauerflor die„Kölnerin", die sich in der Rolle de» Klageiveibes wohlzusühlen scheint. Ihr Jammer gilt dem Todten und den Lebenden zugleich, denn sie hat diesen Tobten stets„hochgehalten", für die Lebenden aber, die sich von gleicher Hochhaltung plötzlich zum Gegentheil bekehrt haben, »st ihr Gefühl ein anderes.„Es zerrüttet," klagt sie,„die besten und ehrenwerthesten Seiten der Parteien, wenn Grundsätze, um welche lange gekämpft worden ist, preisgegeben werden, wenn -«anner, welche den Patrioten in sturmdurchtobten Tagen voran- geleuchtet habe», in den Staub getreten werde». Freilich giebt es wandlungs fähige und wanlelmüthige Staturen, welche den Wichten der königStreuen Gesinnung nicht nachzukommen vcr nieinen, wenn sie nicht jeden scheel ansehen, der sich nicht als Gegner alles dessen«inschwören läßt, was sie noch vor etwas mehr als keiner Anzweiflung fähig betrachtet Einst als einem halben Jahre..... haben. Aber Niemand wird auf den barocken Einfall koinmen, ich auf Schilfrohr stützen zu wollen." Die so Gekennzeichneten bilden die Mehrheit der nationalliberalen Partei, die sich mit diesem Konterfei von der Hand der treuen Bannerträgerin abzu- Inden suchen mag, denn uns geht es nichts au,»venu sich Zelt- genossen im fremden Lager verklagen. Eiu«, Krgräbittszfeir« d«o SozinUstengesetz«» veran- stalteten am Sonntag die Genossen Lörrachs und Basels. Fol- gendes Telegramm wurde an W. Liebknecht gesandt: „Lörrach, G. Oktober. Vereinigte Genossen Lörrachs und Basels entbieten dem Führer der deutschen Sozialdemokratie Gruß und Handschlag aus Anlaß des gestrigen Festes." Alt« u»«d Ii«**« Aera. In der„Offenbacher Abendzeitung" lesen wir: Der Schluß der„alten Aera" war für uns eine � ausfuchllng und der Beginn der„neuen Aera" war wieder eine aussuchung, mit der wir gestern bedacht wurden. Es wurde nach dem Manuskript eines Artikels aus dem Monat August gesucht. Gefunden wurde natürlich nichts! Di«»ii»pol«»»nischeii polizeigisech«, die im„deutschen" Elsaß-Lothringen noch immer in Kraft sind, müssen jetzt dort als Ersatz für das Sozialistengesetz herhalten. So ivurde auf Grund dieser aus der Zeit schlimmster Präsektenwirthschaft herrührenden Bestimmungen zwei in Straßburg für den 1. Oktober ge- planten sozialistischen Versammlungen, bei denen es sich um die Wahl von Delegirten nach Halle und Gründung eines großen Arbeitervereins handelte, die Genehmigung versagt. In M ü l- hausen hatte dagegen am l. Oktober eine sehr zahlreich besuchte Bolksversammlung stattgefunden, wobei der Abgeordnete Hickel und der Schuhmacher Hang(ein Badenser) zu Delegirten für den Parteitag in Halle geivählt wurden, mit dem Auftrage, treu und fest zu den alten bewährten Parteiführern Bebel und Liebknecht zu halten und denselben den besonderen Dank der Mülhanser Arbeiterpartei auszusprechen. Sächstsch-Kobni'gif'ches. Der Redakteur deS freistiinigen „Koburger Tageblattes" ist angeklagt worden ivegen Majestäts- beleidigung— nicht etwa des regierenden Herzogs Ernst, sondern des Prinzen Ferdinand von Bulgarien. Die Anklage stützt sich auf§ 97 des Strafgesetzbuchs, welcher die Beleidigung eines Mit- gliedes des landesherrlichen Hauses seines Staates ahndet. Da die koburgische Familie so ziemlich mit allen Fürstenthümern Europas verwandt ist, so kann nach dieser Auslegung in Sachsen- Koburg jede Beleidigung eines außerdeutschen Fürsten und Prinzen als Btajestätsbelsidiguug geahndet werden. Kochum, 5. Oktober. Die hent« hier im Schützenhof tagende sozialdemokratische Volksversammlung war von über 5000 Personen besucht. Nach einer Rede des Abgeordneten Förster(Ham- bürg) wurde folgende Resolution angenommen: Die Bersammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Redners cinverstanden und macht den Jdeengang seiner Rede zu dem ihrigen. Die an- ivesenden Sozialdemokraten geloben, die Herrschaft der reaktionären Parteien im Kohlenrevier zu brechen"und das Bolliverk des Kapitalismus zu stürzen. Sie versprechen, nicht eher ruhen zu wollen, bis alle Arbeiter unter der siegreiche» Fahne des Sozialismus marschircn, es koste, was es wolle. Den Arbeitern gehört die Zukunft trotz alledem. Die Führer der Bergarbeiter waren bei der Versammlung ebenfalls anwesend. Wog«» Walilfälschung sind von der Strafkammer i» Koburg ein Beisitzer bei der Reichstaaswahl in Rabenäussig- Melchersberg im Lkreise Sonneberg, ein Zimmermann H. und ei» Gastwirth H. als Anstifter des erster«» zu 2 bezw. 1 Woche Ge- fängniß verurtheilt worden. Dieselben hatten vor Beginn der Wahl, wie dem„Berliner Tageblatt" geschrieben wird, mehrere Stimmzettel in die Urne gelegt, um—„einem etwaige» Mangel an Stimmen vorzubeugen, wenn vielleicht manche Wähler nicht kommen würden." Beim Schluß des Wahlgeschästes fand sich denn auch die Bescheerung. 65 Mann hatten nach Ausweis der Liste gewählt, aber 70 Stimmzettel waren in der Urne. B Driejr». Die Parteiversammlung des Wahlkreises Frank- fürt n. O. I.-Friedeberg-Arnswalde wählte als ihren Vertreter zum Parteikongreß in Halle den Genossen Tischler R. Millarg als Delegirten des Reichstags-Wahlkreises Friedcberg-Arnswalde. . Schlirnditz, den 5. Oktober. In öffentlicher Versammlung wurden heute die Genosse» Hoffmann, Zigarrenarbeiter in Merse- bürg; O. Schmidt, Maurer in Querfurt und C. Müller, Stein- drucker in Schkeuditz, als Dclegirte zum Parteitag nach Halle gewählt. Schweiz; Mit einer sehr knappen Majorität sind die T c s s i n e r Liberalen Sieger geblieben. Wie uns ein Telegramm aus Bern vom 6. Oktober meldet, wurde bei der gestrigen Volks- abstinimltng im Kanton Tessin die Sievision der Kautonalverfassuiig mit 11 928 gegen 11 834 Stinunen beschlossen. Bern, 6. Oktober. Bei der Volksabstimmung im Kanton Tessin wurde mit großer Mehrheit beschlossen, daß die Revision der Verfassung nicht durch den großen Rath, sondern durch einen besonderen Verfassungsrath vorzunehmen sei. Grotzbritain»!ett. London, 4. Okt., Abends. Castioni, der bei den Unruhen i» Bellinzona den Staatsrath Rossi niedergeschossen haben soll, wurde das Nachts kraft des Äluslieferungs- Auftrages der schweizerische» Vundesreglerung in seinem eignen Hause in der Londoner Vorstadt Chelsea, wo er seit vielen Jahren ein Bild- Haueratelier hatte, von zwei Detektives gefangen genommen. Ein Berhastsbesehl war gegen ihn schon vor zwei Wochen aus- gefertigt, blieb aber unausgeführt, weil Castioni sich versteckt hielt. Nächtlicher Weile wurde nun sein Haus umzingelt, und die DetektiveS drangen alsdann ein, obgleich Castioni'S Tochter angab, ihr Vater wäre abwesend, sein Aufenthalt ihr unbekannt. Castioni wurde in einem Gartenhäuschen vorgefunden, umgeben von vielen politischen Parteigenossen. Anfangs schienen sie Widerstand leisten zu wollen, aber Castioni ging ividerstandsloS mit. In seinem Schlafzimmer fanden die Polizisten ei» paar Hundert Gewehre. Das Verhör wird nächsten Sonn- abend fortgesetzt werden. Inzwischen bleibt Castioni gefangen, dafjcde Bürgschaft abgelehnt wurde. Castioni's Verthcidiger ivird die Auslieferung bekämpfen, da es sich um eine politische That handle. London, 6. Oktober. Der Massenausstand der Hochofen- Arbeiter Schottlands hat am Sonnabend begonnen. Von 78 Hochöfen sind nur noch 6 im Betriebe. Die Zahl der Feiernden wird auf nahezu 6000(?) geschätzt. Tie Eiscuproduktion Schottlands dürfte, wenn der Ausstand andauert, um etwa 5000 Tonnen wöchentlich geschmälert werden. Frm» kreich. Paris, 6. Oktober. Bei der gestrigen Deputirtemvahl in Rambouillet erhielt Graf Caramann(konstitutioneller Republi- kaner) 5343 Stimmen; Via»(Republikaner) erhielt 5747 Stimmen und Jouveneel(radikaler Republikaner) 2346 St. Es ist somit Stichwahl erforderlich. P a r i s, 5. Oktober. In einer Versammlung von 1200 Wählern wurde beschlossen den boulangistischenDeputirtenLaur aufzufordern, sein Mandat niederzulegen. Lyon, 5. Oktober. Die Appretirer der Seidenfabrikanten verlangten eine Stegelnug des Tarifs und den zehnstündigen Ar- beitstag, widrigenfalls sie am 1. November die Arbeit einstellen würden. Calais, 6. Oktober. Gestern wurde hier Delecluse, Führer der streikenden Tüllarbeiter, zum Generalrath gewählt. Der Gegenkandidat der gemäßigten Republikaner war ein Tüll- fabrikant. St. E t i e n n e, 6. Oktober. Die Direktoren der Bergwerke weisen die Forderungen der Bergleute zurück. Den früheren Er- klärungen der Bergleute zufolge müßte demnach heute der Streik ausbrechen. In der gestrigen Bersammlung wurde indeß be- schlössen, den Streik bis zum Zusammentritt des Pariser Kongresses im Avril 1891 zu verschieben. Paris, 4. Oktober. Nach einem Telegramm des Admirals Cnverville an den Marineminister ist mit dem Könige von Dahomey Frieden geschloffen und die Blokadc aufgehoben worden. Die bezügliche Vereinbarung ist unter Vorbehalt der Genehmigung der französischen Regierung unterzeichnet und bestimmt, daß der Besitz von Kotonu und das Protektorat über Porto Novo in Zu- kunft respektirt werden würden. Alle früheren Verträge bleiben in Kraft. Selglen. Brüssel, 4. Oktober. Der Streik in Charleroi dauert fort und gewinnt an Ausdehnung. 500 weitere Arbeiter sind den Ausständigen beigetreten. Auch sie verlangen Lohnerhöhung. Spanien. Madrid, 5. Oktober. Im Hospital zur Barcelona kamen fünf choleraartige Erkrankungen, davon zwei mit tödtlichem Aus- gange, vor. Vortngal. Lissabon, 6. Oktober. Es herrschen hier widersprechend« Gerüchte über das Resultat der Verhandlungen seitens Martens Ferraro betreffs Bildung des Kabinets. Indessen wird versichert, derselbe werde dem Könige morgen die Liste des neuen Kabinets überreichen. Amerika. N e w- J o r k, 5. Oktober. Der neue Zoll« t a r i f ist in vergangener Mitternacht in Kraft getreten. Afrika. Der deutsche Generalkonsul in Sansibar hat einer Weisung des Auswärtigen Anits entsprechend den deutschen Rcichsangehörigen Meuschel, dem es bei den jüngste» Vorgängen in Witu zu entrinnen gelang, einvernommen. Nach telegraphischer Mittheilung des Generalkonsuls hat Meuschel im Wesentlichen folgendes ausgesagt: Seitens des Sultans ist vor Ertheilung der Erlaubniß zur Ansiedlung von Künzel verlaugt worden, daß er ein Schreiben des englischen Konsuls in Lamu vorlege. Da Künzel diesem Verlangen nicht nachkam, sondern ohne Weiteres mit den Arbeiten begann, ließ der Sultan die Deutschen nach Witu führen und dort unterbringen. Als Künzel und Genossen am zweiten Tage den Versuch unternahmen, gewaltsam aus Witu auszubrechen, wurde ein Theil derselben innerhalb, die Uebrigen außerhalb der Stadt getödtet. Darüber, wer mit der Anwendung von Waffen begonnen, vermochte Meuschel keine Auskunft zu geben. Der Sultan ließ Herrn Töppen herbeirufen, der aber erst nach dem Blutbad in Witu eintraf. Erklärung. In der Nummer vom 6. Oktober bringt das„Berliner Volks- blatt" einen Aufsah von Friedrich Engels, betitelt:„Antwort an Herrn Paul Ernst". In demselben gebraucht Engels die triumphirende Redensart, die„Opposition sei kleinmüthig abgetreten", überhaupt habe die Opposition nur in einer„Studenten- und Literaten- revolte" bestanden. Am Schlüsse seines Aussatzes aber spricht der Verfasser gar von einer„Klique vorlauter Literaten und Studenten", welche sich zusammengethan hätten zu einer„gegen- seitigen Assekuranzgesellschast", die„alle Mittel der organisirten Reklame in Bewegung setzte, um ihre Mitglieder in die Redaktionssessel der Parteiblätter zu schmuggeln und vermittelst der Parteipresse die Partei zu beherrschen."— Obwohl Engels es unterläßt, den Lesern zu verrathen, welche Leute diese„Klique" bilden, nennt er doch im Zusammenhange mit der angeführten Aeußerung die Namen Paul Ernst, Teistler und Bruno Wille. Es scheint also, als seien die vorgebrachten schweren Verdächtigungen auch gegen mich gerichtet. Deshalb sehe ich mich geuöthigt, zunächst an die Oberleitung des„Berliner Volksblattes" die Frage zu richten, wie sie dazu kommt, einen derartig persönlichen Angriff an Hervorraaenden Stelle zu veröffentlichen,— nachdem doch die bekannte Volks- Versammlung dem ganzen persönlichen Zwiste Ruhe geboten und jedenfalls mir den Mund geschlossen hat. Herrn Engels in London aber erwidere ich auf seinen öffent- lichen Angriff Folgendes: 1. Wenn die von mir befürwortete Taktik eine„ver- rückte" ist, so muß mit diesem Ausdruck auch die alte Taktik der Sozialdemokratie, sowie die von mehreren Mit- gliedern des Pariser Kongresses(z. B. Nieuwenhuis) empfohlene und damals sachlich dislutirte Taktik bezeichnet, werden. 2. Die �.Opposition" gegen geivisse Tendenzen der Fraktion ist ohne zede Verabredung und planmäßige Vorbereitung ganz spontan aus der Masse entstanden, darf also nicht als Studenten- und Literatenrevolte bezeichnet werden. 3. So weit diese Opposition in mir Äertretung fand, ist sie nicht kleinmüthig abgetreten. Ich bin vielmehr des- wegen verstummt, weil mir der Mund geschlossen worden ist, und ganz besonders deswegen, weil ich Angesichts der Mittel, welche gegen mich ins Feld geführt wurde», nur das Schweigen der Verachtung fand. 4. Paul Ernst und�ichZ haben zwar früher, als Ernst noch nicht Genosse ivar, mit einander intim verkehrt, jedoch als sozialdemokratische Schriftsteller— weit entfernt, verbündet zu sein— häufig in scharfem Kampfe gestanden, sich jedenfalls niemals gelobt oder protegirt. 5. Herr» Teistler habe ich bisher weder persönlich noch auch brieflich kennen gelernt. 6. Sollten endlich von Engels die Herren Müller und Kampfmeyer mit mir in Verbindung gebracht werde», so erkläre ich, daß ich erst lange nach entbrannter„Revolte", nämlich in der Volksversammlung bei Lips, als Bebel sprach, diese Herreu kennen gelernt habe, und zwar— leider— ganz flüchtig und nur für die kurze Zeit einiger. Stunden. Mit welchem Rechte also spricht Engels von einer„Klique" und„gegenseitigen Assekuranzgesellschast" u. s. w, und zwar in Bezug auf mich, der ich doch gerade aufgetreten bin gegen ein Kliqnenwese», welches seine„Mitglieder in die Redaktions- scssel der Parteiblätter zu schmuggeln" sticht,„um mittelst der Parteipresse die Partei zu beherrschen"? Ich fordere von Herrn Engels die Beweise für seine Verdächtigung oder wenigstens— zu weiterer Klarstellung— die Angabe seiner Gewährsleute. Friedrichshage», 5. Oktober 1890. Bruno Wille. •• Die Redaktion des„Berliner Volksblatt" hat die vorstehende Erklärung des Herrn Wille unverändert zum Abdruck gebracht, weil sie das unbeschränkte Recht der Vertheidigung anerkennt, und insbesondere Herrn Wille nicht Gelegenheit geben wollte, sich als Märtyrer des Rechtes der freien Meimuigsäußerung auszuspielen. Ein Urthcil über seine Erklärung sprechen»vir nicht aus— das wäre Zeitverschwendung—, zweierlei aber müssen»vir dem Herrn Wille sagen, erstens daß»vir ihm keine Rechenschaft schuldig sind und zweitens daß der Ernst'sche Artikel, den Engels abfertigt, erst nach der„bekannten Volksversammlung" veröffentlicht war. Was die Schl»ß-„Forderung" des Herrn Wille angeht, so sei ihm bemerkt, daß Engels unseres Erachtens gar keinen Grund hat, sich»veiter mit ihm zu befassen, und daß Herrn Wille und Genossen das Nöthige in Halle besorgt»verden»vird. Die Redaktion des„B. V.". Theater. Dienstag, den 7. Oktober. Gpernhaus. Das Nachtlager von Granada. Das schlecht bewachte Mädchen. A ch mjpielstaus. Wallcnstein's Tod. Srrliiter Tlieater. Die Räuber. tsches Theater. Die Hauben- lerche. r? mg- Theater. Der Fall Cle- menceau. lsdrich-Milhetmstädt. Theater. Die Fledermaus. Die Puppenfee. Utter» Theater. Der Bauerndoktor. Pension Schöllcr. tdens-Theater. Ferreol. . toria- Theater. Die Million. � leallianre-Theater. Meinjunger Mann. ir>i e»�. Theater. Der stolze Hein- rich. »maa» Theater. Die Stroh- wittwe. " otf h Ernst-Theater. Unsere Don Juans. »ftnann's Uariötö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. <>eater der ZZeichshalle». Große Spezialitäten-Vorst ellung. 4-nrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. l>>cdr. Richter'» Uariötö. Große Spezialitätcn-Vorstellung. IC intergartr». Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. cektion: C. Andreas, Alcxander- straße 27c. i-argarethe Steinow, Lieder- u. LZalzersängerin. ' mi Careili, Kostüm-Soubrette. Jäerr Rosec, Gesangs-Humorist. lolf Gödicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charakter-Komiker. - amilie Blumcnfcld, Parterre- Potpourri, Drahtseil, Tanz. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags SVs Uhr. ■ ntree Wochentags«. Sonntags 30 Pf. OD Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. tMijMllt Buggenhagen am Moriizplatz. Täglich; Grosses Garten-Concert. Direktion A. Rüdmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. nfrPA Wochentags 10 Pfg., Uv/ fiAfin-«nH PAcffonc! Ot* D Sonn- und Festtags 23 Pfg. iei ungünstiger Witterung in den unteren Restaurationsräumen. 'Iroßer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Pahenhoser Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Leiteres wegen Renovirung geschlossen. 41 F. mUller. MratweilHeBierhilllett Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Goncert mit Euartett-Sänger», msgeführt von dem Musik- Direktor H. San ftlcben. Wochentags: Frei-Concerf. Sonntags Entree 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ber- gnügungen und Versainmlungen. 703 F. Sodtke. Passage-Panopticum. Unter den Linden 22/23.[742 Lebeusgrsße WaWgllreli.j Panoramen. «orame». Ethnographische Sammlungen. Italienische Uolllssängcr. Enlree SO Pf. Geöffnet von 10 bis 9 Uhr. pastage 1 Tr. 9 Uhr M. b. lü Uhr Ab. Kaiser-Panorama. �Hervorrag. Sehenswürdigkeit der Residenz. Zum ersten Male: Neu: Helgoland. Nebergabe. Ankunft des Kaisers. Feldgottesdienst:c. Zweite Reise durch Portugal. 1. Cykl. Pariser Meltansstellung. Eine Reise 20 Pf., Kinh nur 10 Pf. Abonnement 1 M. WMMsjtt lm%, 0en.:„Diefidele Uagelstiste", Berlin N., Elsasserstraße 73. gegenüber der Bergstraße. Rendez-vous aller lebenslustigen Herren. Brömmels, Radaubrüder und Quasselfritzen haben keinen Ein- tritt. Kapellmeister: R. Blank. Gesang: Lucia Moor. H. Schnitze(mit'n tz), Plansch-Apotheker. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Dirnstag, de» 7.(Oktober, Slbends 71/3 Uhr: Grosse brillante Vorstellung. Erstes Auftreten des berühmten Luft- künstlers Mr. Melas in seinen staunen- erregten Leistungen. Spezialität:„Frl. Brose". 12 Hengste, in Freiheit dressirt. Bolero andalouse, geritten von Frl. Adele und Herrn E. Schumann. Spezialität Famil. Leon, 6 Personen. Urkomische Clown Duroff. Außerdem Auftreten der besten Ar- listen, sowohl Damen wie Herren. Castan's Panopticum. Entree 50 pfg., Kinder 35 V. 9 Uhr Morgens, bis 10 Uhr Abends. Vor Stellung �Vorm. IIV2 u. I2V2 Uhr. 'Nachm. ü.4V2-91/2Uhr eine Vorstellung. Ertra-Entree 30 pfg. Kinder frei. Kuchhandümg von R. Bagiaiski Dresdenersir. 52—53(City-Passage). Vorräthig, bisher verboten gewesen: Engels, pmwäOung der Wissenschaft 2 Mf. In einigen Tagen zu haben: Bebel, Die Frau 2 Mf. sowie Sozialdemokratisch. Liederbuch 0,50 Mf. Ferner sind jetzt sämmtliche, bisher verboten gewesenen Schriften aus dem Verlage von J. Schabelitz in Zürich(Gedichte von Herwegh, Henckell, Stern, Makay K.) zu haben in der 947 Arbeiter-BllchhlludlNg von Rs Bagiaiski. WiWlMs S. Heine Chansseestr. 14. Die schönsten 741 MttMer mli»-ZllSe« für Mädchen jeden Alters, sowie Morgenrölke, Merrölke, Trikottailleil 11. Bloilsen, auch im Einzelverkauf sehr billig! Maaßbestellungen u. Reparaturen werden prompt erledigt! Normal-Unterkleider und Triko- tagen für Herren, Damen und Kinder. Strumpfe, Socken, Hand- schuhe ec. WWlllls 8. Heine. 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Allen Freunden und Bekannten hiermit die traurige Nachricht, daß meine liehe Frau, unsere gute Mutter am Sonntag, den 5. ds. früh 9 Uhr nach vierwöchigem schweren Leiden und hartem Todeskampf zur ewigen Ruhe übergegangen ist. 921 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 3.'d. M., Nach- mittags 5 Uhr, von der Leichen- Halle des Neuen Jakobikirchhofs in Rixdorf aus statt. Um stilles Beileid bittet Carl Heinrich, Schneider, nebst Kindern, Kommandantenstraße 41. T odes- Anzeige. Allen Freunden und Bekannten die traurige Mittheilung, daß meine liebe Frau Auguste Neumann, geb. Dornbusch, am 4. Oktober sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet Mitt- woch, den 8. Oktober, Nachm. 4 Uhr, von der Leichenhalle des Neuen Jakobi-Kirchhofs statt. 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Schleif-, Polier- und Beynächsten ratur-Werkstatt v. R. Ha®T Messerschmied, N, Weinbergsweg Verantwortlicher Redakteur: Cnrt KaaKc in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Kirr»« eine Keilas r'"V icg» las 1(1 Ii i en» Beilage zum Berliner Bolksblatt. Ur. 233. Dienstag, de» V. Oktober 1893. V. Jahrg. Üit* [31 Der sozialistische Inlmnstsstaat. oai II. Die Industrie zieht die Bevölkerung in große Städte und ,e e» andere Zentren zusammen. Krupp in Essen beschäftigt gegen :3i.S 20 000 Arbeiter. Die Grand Magacins du Louvre verköstigen i ist einige Tausend von Angestellten aus einer Küche und geben ihnen ungl zugleich Logis. Die Riesenfarmen Dalrymple's re. bestellen Kom- p 1 plexe vom Umfang eines Dutzend unserer Landgemeinden in einer j Wirthschast. Und in dieser großartigen und allgemeinen Um- atioq gestaltung aller ökonomischen und sozialen Verhältnisse, zugleich nn» auch in einer Zeit, wo der Staat selbst seine Stellung zun» Er- muH werbsleben allmälig anders nehmen will, verlangt man vom » Sozialismus das Bild seines Zukunftsstaates, fix und fertig und ht'»" alle Details ausgeführt. Als»venu sich der sozialistisdie Klo» Staat nicht seinerseits selbst den jeweiligen Verhältnissen entsteh sprechend ebenfalls weiter entivickcln sollte! Als wenn die So- eaujl zia listen nicht wissen würden, daß die Gesetzgebung eine einfache ! Machtsrage ist, und daß sie vorläufig nicht daran denken können, icch# ihre Ziele zu verwirklichen. Gegenwärtig will ja der Staat unter mdejJ der Voraussetzung des Fortbestandes unserer kapitalistischen l. Os Wirthschaftsweise auf dem Wege der Sozialpolitik die sogen, soziale mch« Frage lösen. Wir»vollen von der Beurtheilung seiner bisherigen »f deß Maßregeln, wie Getreide- und Viehzölle:e. ganz absehen, und »vüdj nur daraus himveisen, daß inan schon für die Durchführung des tehtch Alters- und Jnvaliditätsgesetzes den bureaukratischen Apparat jjjeuj eines hierarchischen Beamtenthums,»vie es in Teutschland her- He« gebracht ist, für durchaus unfähig und unzureichend ansieht. Der ir» U Freiherr von Stein hat bekanntlich den Tag herbeigewünscht,»vo Jesu» dir Bureaukratie ihrerseits ebenfalls(nicht blos der preußische che 9 Militärzopf vor 1806) ihr Jena erleben würde. Die Sozial- 1 Politik,»venn sie ernsthast durchgeführt»verde»» soll, giebt der if Zfll Bureaukratie Gelegenheit, dieses Jena zu erleben. Wenn in der „ei? Schal die soziale Frage auf dem Wege der Sozialpolitik und mit sen(U"rn Mitteln einer Beamtenhierarchie gelöst»verde»» soll, deren untere Glieder, die mit dem Volk hauptsächlich in Berührung eren kommen, von» Kaliber ausgedienter Unteroffiziere älterer und ; pfll euerer Provenienz sind, die oberen aber sich aus Hof-, Geheim- Sr W stch?, anderen Rüthen zusammensetzen, alle zusainmeii aber eine iov- f?�den, die sich von»„Volk" sorgfältig abschließt und allen n«�"nkel einer bevorrechteten Klasse an oen Tag legt, so sind diese an»>>Berhaltnlfse nicht geeignet, der Zukunft unserer Sozialpolitik eine besonders glänzende Perspektive zu stellen. önlidl Selbst»venn für die Arbeiter die möglichste Erhöhung der »lieveULebenshaltung ein ausreichender Schutz der Arbeit und Ver- tzerw�stchurung gegen Krankheit, Invalidität und Arbeitslosigkeit erzielt rteie» werden könnte, so»vürde sich doch unter der Voraussetzung einer bureaukratischen Reglemenlirung aller dieser Verhältnisse und der 7 all Angelegenheiten zivischen Unternehmer und Arbeiter das Ganze ten. eine große Spinne ausnehmen, die sich mit ihren langen �aßArmen und Beinen über ein ganzes Butterbrot hin ausdehnt. jj Lothar Bucher, der sozialistische Apostat und spätere Partei- Zoliz«ugänger Bismarcl's, schreibt in seinem vielbesprochenen Buch über ziesej�dei» englische» Parlamentarismus, nad)den> er den bureaukrati- cheu Beamtenstaat mehr als einmal als einen Polypen bezeichnet iat:„Es klingt sehr schön, daß der Beamte über den Parteien stehen soll und in einem Lande ohne politisches Leben vermag er Beamtenstand in der That eine solche Stellung zu behaupten nd durch Unparteilichkeit im Konflikt gesellschaftlicher Interessen das Vertrauen Aller zu geivinneu. Aber dieser Stand der Un- schuld, einmal verloren, kommt nie»vieder. Eine Beamtenkaste die einmal Partei genommen, bleibt in den Zlngen der Genen- ■xarte» eine Feindin oder ein Werkzeug, das Jeden» dient, der de» 'r>N gefaßt hat. Eli» Amt vom„Staate" und ein Mandat vom °lke sind unverträglich, wo Staat und Volk auseinander falle» nd nichts beschleunigt dieses Auseinanderfallen mehr, als die infuhruiig einer Bureaukratie." Und»i» Bezug auf die nordamerikanischen Verhältnisse sagt runst?� � sozial-konser»»tive Rudolf Meiier in seinen» neuen Buch: aroßi»vi»nstatten- und andere Wirthschaftsgesetze", Pag. 152.„Man Hälj?arf behaupten, es gebe keine Freiheit ohne Seligovernement � Selbstvcrivaltilng), denn der bureaukratische Beamte wird sich ner G>?m?,H�rn dessen macheu, dessen Diener er sein sollte, des zu ver- nerV v ,?"®0l£e§-— Sclfgovernement ist ohne feste und»vohl- geordnete ökonomische Lage eines starken Prozentsatzes des Volkes zA-Mudenkbar." Wohlan, die Sozialdemokratie erstrebt diese feste und»vohl- r- bkoi»on>ische Lage„eines großen Prozentsatzes des ,' lie, erstrebt insbesondere das Selfgovernement, eines der �(ualismuS so schnöde verleugnet hat und c;,l! Augeiiblick zu verlangen bereit ist,»vie es sich um die -?'neä Portheils und der Herrschast über die eiltzlose» Volksklaisen handelt. DaS Wort Brentano's von dein ,'.l Purlange» der Arbeiter, ihre Angelegenheiten und ihr ler�erhaltiuß zuin Arbeitgeber selbst zu ordnen, ist bekannt, aber s»ii fe.1 Pessimismus, daß inan diesem Verlangen an maßgebender �.1 C ir L£el»e Rechnung tragen»verde, ist nur zu begründet. '�L��°len der Bureaukratie ist die Bevormundung; sie»vachst mit ül2ei" Bevormundung und erstarkt mit einer noch stärkeren Bevor- ) Verwundung. . Man darf»rengierig sein, und es ist in der That ein interessantes päiaiispiel, wie das deutsche Reich auf dem Wege der Sozial- -�r»..! und mit dem Apparat eines bureaukratisch geordneten peamtenstandes die soziale Frage, insoiveit man sie anerkennt, zu Itl /sten unternehmen»vill. Es»st fürivahr ein großer Trumpf, , le#uii der Staat damit ausspielt, und es frägt sich, ob es gelingt, oll t«r. horten Nacken der um ihr Interesse organistrten Bourgeoisie st» beugen, oder ob der Versuch mißlingen und der bureaukratisch tr. b�öanistrte Beamtenstaat seine Unfähigkeit zur Lösung der sozialen —i-�jb-nge dokuliientiren»verde. Einen Mitteliveg des bloßen modus zeflnWvendi oder eines schivächlichen Kompromisses giebt es nicht, afle'(�mSstJn8 auf die Dauer nicht, denn unanshaltsam»verde»„die n n c'h�'boneu" der organisirten Arbeiterschaft nachdrängen, die Zzv'»ngriffslrnie des großen Sturinlaufs»vird nur ein Stück nach e»lUsorn geschoben»vorden sein. Die Anhänger der Sozialdemokratie haben die Genugthuung, !,>»iveise zu schützen und für dasselbe im Namen der Arbeit als Schöpferin alles Reichthums eine höhere Lebenshaltung, namentlich auch eine bessere Ausbildung der intellektuellen und sittlichen Anlagen zu verlangen. Alsdann »vird die Arbeiterklasse,»vird das Proletariat befähigt und würdig sein, die große Mission des Trägers einer neuen Weltordnung zu ubernehmen,»velche ihr die Weltgeschichte vorbehalten hat. TQklQlvS. Zum Fall Lindau. Wir haben heute den seltenen Fall zu verzeichnen, daß»vir uns mit der„Krcuz-Ztg.", die in Bezug auf den Fall Lindau zu den vereinzelten Blättern Berlins gehört, die den Muth einer eigenen Meinung besitzen und diese Meinung auch ariszusprechen»vagen, in Ilebereinstimmung befinden. Die„Kreuz- Ztg." schreibt zun, Fall Lindau: „Vor einigen Tagen' hat Dr. Fr. Mehring eine kleine Schrift erscheinen lassen,»velche die»vesentlichen Momente dieser seit Wochen viel besprochenen Angelegenheit übersichtlich zusammen- faßt. Bis jetzt sieht es aber nicht so aus, als ob die reichshaupt- städtischen Blätter, in» großen und ganzen genommen, das Sch>vei- gen brechen»vollten,»velches sie seil Veröffentlichung des„ehren- gerichtlichen" Urtheiles der„Berliner Presse", d. h. seit bald Moiiatsfrist, beobachtet haben. Nichts kann für die»vahre Natur der Beziehungen,»vie sie zivischen den meisten Tagesblättern der Residenz und ihren Leserkreise» bestehe», charakteristischer sein, als das. Während Berlin, wie gesagt, seit Wochen kaum von etwas anderem spricht, als von den»„Fall Lindau", thun die Berliner Zeitungen, als habe es etivas derartiges nie gegebei», und das Publikum nimmt das ruhig hin. Weshalb?»veil es in seinen Zeitungen nicht mehr den Rathgeber und Urtheilsfinder sieht, sonder»» lediglich den„Briefträger", den Nachrichtensammler, der als solcher„neutral" ist und einen nichts angeht. Allerdings muß man zugeben, daß die Mehring'sche Schrift, wenn sie die Tagespresse auch nicht unmittelbar angreist, ja sich ii» dieser Hinsicht der größten Zilrückhaltung befleißigt, doch Ver- Hältnisse derührt,»velche diese Presse vom Standpunkte der Interessen aller Art, persönlicher»vie materieller, für„Tobu" gelte», ein„noli ine längere" darstelle», wie es kaum ein ziveites giebt. Das ist einmal das Theater in»»veitesten Sinne des Wortes, sodann aber die Körperschaft, welcher die Mehrzahl der Berliner Publizisten angehören, der„Verein der Berliner Presse".' Wir, die»vir zu,n Theater nur ganz äußerliche Beziehungen habe»», zu den»„Verein der Berliner Presse" aber gar keine unter- halten,»vir sehen umgekehrt gerade darin, daß Dr. Fr. Mehring die erivähnten Zustände in den jireis seiner Besprechung zieht, eine »veit stärkere Aufforderung, der Sache näher zu treten, als sie eine rein persönliche Auffassung bieten könnte. Die Personen, so „berühmt" sie theiliveise sind und so»veuig Grund»vir habe», manche von ihnen mit besonderem Wohlivollen anzusehen, stehen für uns in z, veiter Reihe, aus dein einfachen Grunde,»veil»vir nach unserer Kenntniß der Berliner Dinge nicht der Ansicht sind, daß mit dem Verschivinden des einen oder anderen an den Zu- ständen selber viel geändert oder gar gebessert»verde»» wird. Paul Lindau und seine„Freunde" haben den Literatur- und Theaterring, dessen Treiben Dr. Fr. Mehring so anschaulich schildert, in der That nicht geschaffen, sondern nur während einer Reihe von Jahren mit eiserner Faust beherrscht. Einmal— das Wann lassen»vir dahin gestellt—»vird die Stunde kommen,»vo diese Faust erschlafft, dann aber werden andere in der treffliche» Schule gebildete Leute da sein, um in die Lücke zu springen, den Platz einzunehme», nad) dem sie schon lange ungeduldig blickten. Also,»vas ist uns Heknba? was kann sie n,ts sein? So wenig als Herakles nad) den Namen der einzelnen Häupter fragte,»vclckie er der Hydra abhieb, kümmern»vir uns um die Personen, welckie uns die Mehring'sche Schrift vorführt. Sie lassen uns völlig kühl; sind uns schon jetzt das Nichts, zu den» sie, aller„Be- rühmtheit" des Tages ungeachtet, zurückkehren»verde». Als Träger typischer Zustände verdiene» sie bei alledem beachtet zu»verde». In diesem Sinne hat sich Dr. Mehring ei» »idzt geringes Verdienst erivorben, indem er das Verhalten der „Lindaugruppe" in» EinMuen erörtert und dabei,»vie uns vor- konliueil will, überzeugen? nachiveist, daß das Urtheil des Vor- standes der Berliner Presse,»velcher Lindau bekanntlich für „makellos" erklärt, in allen Stücke» unzutreffend ist. Nainentlich gilt das von der mit ansdzeinend umviderleglichen Belegen be- »viesenen Thatsache, daß kein„Boykott" stattgefunden habe, daß nickzts geschehen sei, um der Rad,e Lindau's an seiner ehemaligen Freundin Vorschub zu leisten. Einiges bleibt ja unaufgeklärt,»vie Tr. Mehring übrigens selber zugiebt; in der Hauptsache aber kann kein Zweifel bestehen, daß nichts iinterlassen»vorden ist, um Frl. v. Sckiabelsky im buchstäblichsten Sinne den„Brotkorb so hoch zu hängen", daß sie ihn nickst mehr erreiche» konnte. Nickst minder scheint uns der Beiveis gelungen, daß die an- geblich schon 1887 beendete„dramaturgische" Thätigkeit Lindau's für das„Deutsche Theater" thatsächlich fortgedauert habe und von Frl. v. Schabelsky in seinen. Austrage ausgeübt worden ist. Dr. Mehring führt schlagend aus, daß der Brief des Direktors L'Arronge vom I.Oktober 1S8T| das eben so»venig zu»vider- legen vermag, als der des Direktors Barney vom 2. September 1800— dem Tage des ehrengerichtlichen Urtheils— gegen den „Boykott" spricht, den» Frl. v. Schabelsky zum Opfer gefallen ist. Mit den» blos Formellen— das sieht ein jeder— ist in solche» Dingen nichts gethan. Wenn man sich gleichwohl damit begnügt, »vie es der Vorstand des„Vereins der Berliner Presse" gethan, so giebt man zu, daß man Straußenpolitik treibe, weil man keinen anderen Ausiveg sieht. Wie das vom Standpunkt des „gentleinan" zu beurtheilen ist, das brauchen wir nicht besonders zu erläutern. Für uns saßt sich in diesen» Ausdrucke alles Nothivendige zusammen;»vir verzichten deshalb gern auf die Slnivendlnig stärkerer Bezeichnungen, zu denen man sich angesichts der von Dr. Mehring angeführten und belegten Thatsache» allerdings ver- sucht fühlen muß. Insbesondere so weit es sich um das Verhalte» jener Theaterkritiker handelt, die sich vo» P.Lindau zuerst als„Zuckerbrot" und dann als„Peitsche" benutzen lassen, ohne daß auch nur einem von ihnen ei» Funke ritterlichen Sinnes sagte, daß ein schutzloses Weib, auch ein gefallenes, nicht zu Tode gehetzt werden darf! Und diese Gesellschaft darf in den Theatern von Berlin das große Wort führen und daS„Wetter" inachen für die jungen Talente, die nach oben drängen!" In der ArtiUrrirwerkstatt in Spandan hatte sich vor einigen Tagen ein Vorfall ereignet, der in der bürgerlichen Presse natürlich viel„Aussehen" erregte. In der dortigen Tischlernverk- stätte fanden sortgesetzte Lohnreduzirungen statt. Daß dadurch die Laune der dort beschäftigten Tischler gerade keine rosigere »vnrde,»vird Jeder begreifen. Die Arbeiter petitionirten um einen menschemvürdigen Lohn— und die Folge davon schien zu sein, daß ein Betriebsführer, die„Schneidigkeit solcher Herren ist ja bekannt, den Plan faßte, die Löhne noch mehr herabzusetzen. Als dieser Betriebsführer eines Morgens durch die Tischler- »verkstatt ging, soll nun das Unerhörte geschehen sein, daß freie Arbeiter ihren, Unwillen gegen ein solches Vorgehen in verständ- licher Weise Luft machten. Einer soll sogar mit einem Stück Holz nach dem geheiligten Haupt des Herrn Betriebsführers geivorfen haben. Natürlich wurde sofort die ganze Reihe der Arbeiter, von denen der Wurf aus- gegangen sein sollte, entlassen und sie konnten noch froh sein, daß sie von den militärischen Vorgesetzten nicht noch vor ein Kriegsgericht gestellt wurden. Daß sich unter den Arbeitern fast nur Familienväter befanden, die der Werkstatt schon über 20 Jahre angehörten, trug nur dazu bei, daß das Exempel, »velches»vegen der durchbrochenen Disziplin statuirt»verde»» mußte, ein um so nachhaltigeres würde. Schließlich war der Arbeiter, der das Stück Holz geivorfen hatte, so anständig, sich selbst zu melden, damit seine Kameraden nicht seinetwegen leiden sollten. Die Direktion stellte die Anderen»vieder ein, und tiefer Friede lagert nun wieder über die Artilleriewerkstatt in Spandau. Zu«»neu» gehörigen Krn»va>l kam es»»» der letzten Sitzung des spiritistischen Vereins„Psyche". Zunächst hielt Herr Dr. Egbert Müller einen Vortrag über„Diesteriveg und den Spiritisinns". Der Zusammenhang zivischen dem berühmten Pädagogen und dem Spiritismus blieb völlig unklar. Dagegen bemühte sich der Vortragende, das leuchtende Bild des berühmten Schulmannes möglichst zu verdunkeln, so daß ein Spötter»»»cht mit Unrecht bemerkte, Dr. Müller habe aus Diesterweg einen Düsteriveg gemacht. Als ein Gast in Bezug auf die mitgetheilten verschiedenartigen Manifestationen des Geistes von Heinrich Heine fragte, ob Jemand gleichzeitig an zivei Orten, also in Berlin und ii» Dalldorf sein könne, sprach Herr Dr. Müller über Köhler- Unglauben und» Bauernverstand der Jnterpellirenden, angeeifert durch Zwischenrufe seiner gläubige» Anhänger. Da die Gäste sich eine derartige Behandlung energisch verbaten, trat der offizielle „Rausschmeißer" der„Psyche" in Aktion, und es erhob sich schließ- lich ein unbeschreiblicher Tumult. Ein Polizeilieutenant erschien anf der Bildfläche, jedoch zogen die Amvesenden es größtentheils vor, freiivillig das Lokal zu räumen. Nach der Sezession dieser Ungläubigen eröffnete der Vorsitzende den zurückgebliebenen Ge- treuen, daß der Verein„Psyche" von ium ab keine öffentlichen Sitzungen abhalten»verde, da die Stadt Berlin für den Spiritismus noch nicht reif sei. Hoffentlich wird sich die Reichshauptstadt zu trösten wissen. Auf dem Potsdamer Kahnhof erhalten die in der Aus- führiing begriffenen neuen Kopfstationen aller vier Geleisenden der Ring- und Wannenseebahn Prellböcke von einer Konstruktion, »vie dieselbe bisher auf deutschen Bahnen noch nicht zur Amven- dung gekommen ist. Es sind sogenannte Wasser-Prellböcke, die bisher vorzugsiveise auf englischen Bahnen, und zwar besonders in Liverpool, Manchester und London mit großem Erfolg benutzt »vorden sind. Diese Puffer-Einrichtung beruht hauptsächlich darin, daß die Pufferstangen beim Eindringen in die Zylinder eine ihren» Inhalt gleiche Wassermenge verdrängen. Der Abfluß dieses durch das Anfahren gegen den Puffer unter Druck gesetzten Wassers»vird dadurch bewirkt, daß beide Zylinder»nit einem Hosenrohr verbunden sind, in»velchem ein Feder- ventil angebracht ist, das sich selbstthätig beim Ein- dringen der Pufferstangen in die Zylinder— bei etwa drei Atmosphären Ueberdruck— öffnet und beim Still- stand der Kolben schließt. Die auf dem Potsdamer Bahnhofe zur Verivcnvung kommenden Wasserpnffer,»velche 2,50 Meter lange Kolbemvege erhalten, sollen die Vorzüge der beiden besten Systeme dieser Art, und zwar des Webb'schen und des Langtey- scheu in sich vereinen. Das Webb'sche ist insofern ungemein vor- theilhast, als bei demselben an Stelle des durch Einfrieren un- brauchbar»verdenden Wassers das nur schwer gefrierende Glycerin, welches zudein noch eine Zusammendrückbarkeit von 4 bis 5 pCt. besitzt, treten kann. Bei», Anfahren der Wagen gegen diese Puffer erfolgt bei»veitein nicht der starke Anprall wie bei de» gewöhnlichen Federpnffern— die Hemmung erfolgt»ur allmälig und in verhältnißniäßig sanfter Weise. Der heftige S)!»ck,»velcher jetzt in vielen Fällen das Finale einer Eisenbahn- fahrt bildet und bei zahlreichen Reisenden in unliebsamem An- denken steht,»vird also in Zukunft bei jenen Endgeleisen des Potsdamer Bahnhofes fortfallen. Beivähren sich die neuen Puffer, so sollen dieselben auch auf zahlreichen anderen Kops- slationen unserer Staatsbahnen znr Anwendung gelangen. Ei» rigr»artige» Kerliner Herbstild bietet gegeinvärtig die Hasenhaide. Nachdem noch der 1. Oktober zahlreiche Gäste nach den Sommerlokalen gelockt hatte, verursachte der plötzliche Witterungsumschlag eine so unvermittelte Oede in den sonst so belebten Wirthschasten, daß sich deren Besitzer noch immer nicht recht in diese neue Situation schicken zu können scheinen. Noch immer stolziren trotz Wirbclivind il»d Regenschauer die befrackten Kellner unter den stark entlaubten Bäumen umher, während in anderen Gartenlokalen die Tische und Stühle zusammengetragen und in den Hallen zur Ausbcivahrung während des Winters untergebracht werde». Einen recht trostlosen Anblick bietet das sogenannte Budcnviertel. Hier hat der heftige Wind der letzten Tage bedeutende Verivüstungen angerichtet und die Budenbesitzer scheinen nicht mehr geneigt zu sein, die Beschädigungen beseitigen zu lassen. Wie das verunglückte Gestell eines riesigen Regenschirms ragt das vom Winde seiner Leine- »vanddecke entkleidete Dach eines Karoussels aus den Bäumen einer Gastivirtschaft hervor,»vährend ein anderes große Löcher in der sonst erhaltenen Dachleimvand zeigt. Die meisten Buden und ihre Sehcnsivürdigkeiten haben von dem un- günstigen Wetter der letzten Tage so bedeutend gelitten, daß ihr Abbruch bereits begonnen ist. Auch die kleinen Verkausshäuschen, die längs der Straße auf dem Grund und Boden der großen Lokale entstanden sind und von denen aus Getränke und Genuß- mittel an die auf der Straße Vorübergehenden verkaust wurden, sind geschlossen; vielleicht, daß ein freundliches Sontagsivetter. »venu es zahlreiche Spaziergänger in jene Gegend lockt, auch diese kleinen und bequem angelegten Häuschen noch einmal öffnet. Zur gegemvärtigcn Physiognomie der Gegend passen einigermaßen die Leichenzüge, die sich gegeinvärtig besonders zahlreich nach den Kirchhöfen an der Britzer Chaussee hinaus bewegen. Stuf dem Rückwege von dort kehrt das Leichengefolge zum größten Theilin den Räumen der Brauereien ein, die für den Winter eingerichtet sind. Hier wird dann das bekannte„stille Glas" getrunken; manchmal werden es auch mehrere. Anliisiliiff der Krn>»dllntnst»'oplie i» der Frirdrich- ll raste ninunt zur Frage der ersten ärztlichen Hilfe und des Rettungsivesens heute auch die Berliner klinische Wochenschrift das Wort. Gefordert wird hier vor allem eine feste Orgam- satio».„All die Stelle der verschiedenen privaten WohlthätigkeitS- Institute muß eine vollkommen einheitlich geleitete Zentralstelle treten. Nimmt die Stadt in Verbindung mit dem Polizei- Präsidium die Sache in die Hand, so läßt sich auf den vorhandenen Grundlagen leicht weiterbauen. Die Errichtung und Verwaltung der Sanitätswachen ist von einer Zentrale aus leicht so zu leiten, daß dieselben genau dein Bedürfniß angepaßt werden und bei Tage und Nacht wesentlich als Sammelstation für Krankenhäuser dienen. Aus den bisher freiwilligen ärztlichen Vereinigungen wäre ein der Pariser„Assistance" nachgebildetes offizielles Institut zu ent- wickeln, namentlich getragen durch die finanzielle Garantie der Stadtkasse, die uns allerdings zu einer fruchtbaren Entivickelung unentbehrlich scheint. Endlich aber wäre— und vielleicht müßte hier am schnellsten eingesetzt werden— für eine möglichste Ver- mehrung der dem öffentlichen Interesse dienenden Tragen und ckiüderbahren zu sorgen, die sowohl an belebteren Punkten der Stadt, wie auf allen Polizei-Bureaus, Feuerwachen zu finden sein müssen und die gewiß mit ebenso viel Vertrauen dem Publikum anheimgestellt iverden dürfen, wie die Rettungsbälle und Boote. Die„erste Hilfe" wird ja in den allermeisten Fällen am besten darin bestehen, daß die Verunglückten so schnell als möglich dem Krankenhause zugeführt werden und daß die Droschken hierfür nur ein sehr zweifelhafter, oft geradezu schädlicher Roth- behelf sind, ist allgemein anerkannt. Unseres Erachtens ist es Sache der Stadt, hier einzutreten, wo es sich um eine Angelegen- heit der kommunalen Wohlfahrt handelt. Und sie spitzt sich wesent- lich zu einer Geldfrage zu, an der auf keinen Fall die Sache scheltern darf." Der junge Mensch, welcher sich für den Regierungs-Bau- fuhrer und Reservelientenant Kreper ausgab und als solcher längere Zeit hindurch in Gasthäusern dadurch Schwindeleien ver- übte, daß er unter dem Vorgeben, in Geldverlegenheit zu sein, Kellner und Zapfer um Darlchne von je 10 M. ansprach, für welche er unechte Trauringe hinterlegte und dann verschwand, hat sich, nachdem er durch die Kriminalpolizei vergeblicy gesucht worden ist, jetzt freiwillig gestellt. Es ist der Techniker, nicht Rcgierungs-Bauführer und auch nicht Rcservelieutenant, Kreyer, welcher nunmehr in Untersuchungshaft genommen ist. Falsches Geld wilrde, wie die„Post" berichtet, dieser Tage in dem Hause Nr. 17 der Oderbergerslraße gefunden. Dasselbe befand sich rn einem Beutel, welcher unter einem Dachsparren versteckt war. Die Münzen, Ein-, Zwei- und Drei-Markstückc waren noch unfertig und noch nicht geeignet, in den Verkehr ge- bracht zu werden. Zleber den Uebrrfnll eines Schankloltals durch eine Horde junger Bursche berichtet ein Berichterstatter folgendes: Ain Sonnabend Abend gegen 10 Uhr betraten zivci etwa zivanzig- jährige Burschen das in der Marienburgerstraße 31a belegene L.'sche Schanklokal und begaben sich nach dem Hinterzimmer des aus zwei Räumen bestehenden Restaurants. Da sie dort durch unflärhiges Benehmen die Gäste belästigten, wies der Wirth einen derselben hinaus, während dessen Begleiter im Lokal verblieb. Da ertönte auf der Straße ein schriller Pfiff und gleich darauf stürmte eine Liotte von 12 bis 15, im Alter von 17—21 Jahren stehenden Burschen in das Lokal und schlug auf die. Gäste ein. Nur mit Mühe gelang es, die Bande aus dem Lokal zu treiben, wobei der Rädelsführer derselben, in welchem man später den zwanzigjährigen Bartlei erkannte, zurück- gehalten wurde. Die aus dem Lokal Vertriebenen er- öffneten nun ein Bombardement auf die im Restaurant Verweilenden, zertrümmerten das Schaufenster und die Glasthür. Plötzlich ertönte draußen der Ruf:„Dort hängt noch ein Lampe", und im nächsten Augenblick flog ein Stein gegen die in der Mitte des Lokals angebrachte Petroleumlampe, beben Inhalt explodirte und den Raum in Brand setzte. Nur den energischen Bemühungen der Gäste gelang es, trotz des fortgesetzten Bombardements von draußen, die Flamme zu ersticken. Inzwischen war Polizei ein- getroffen, bei deren Annäherung die Burschen die Flucht ergriffen, während der im Lokal festgehaltene B. nach der Polizeiwache überführt wurde. Hier nannte derselbe die Namen seiner Ge- nossen, unter denen sich Söhne„achtbarer" Bürger befinden. Im Laufe des gestrigen Tages hatte die Kriminalpolizei bereits 10 derselben verhaftet. Wie festgestellt, war der Ueberfall ein ge- planter. Eine moderne Robinsonade wird in Folgendem aus Spandau berichtet: Zwei arme Korbmacherfamilien, welche in Berlin in der Rosenstraße wohnen, schickten anfangs September ihre noch schulpflichtigen Söhne mit Weidenkiepen nach Spandau, um dieselben zu verkaufen. Die Knaben, darunter zwei Brüder von noch nicht zwölf Jahre», setzten die Waare auch ab und machten sich Abends mit dem Erlös ans den Heimweg. Unter- wegs, am Spandauer Schifffahrtskanal, machte der eine die Wahrnehmung, daß er seine aus wenigen Mark bestehende Baar- schast verloren habe. Unter diesen Umständen fürchtete er sich nach Hause zu gehen, und die armen Kinder beschlossen, sich in der nahe gelegenen Jungfcrnhaide ein Asyl zu suchen._ Hier haben die 5inaben nun thatsächlich vier Wochen gelebt, meist von Rüben und Kartoffeln sich ernährend. In einer Erdhöhle war während der Nacht ihr Aufenthalt. Am Sonnabend traf der Haselhorster Gendarm die völlig verwahrlosten Kinder, und durch Vermittelung der Spandauer und Berliner Polizei wurden dieselben wieder zu ihren Eltern gebracht.,_ Eine Erplosto» von Spirituodämpfe» verursachte Sonn- abend Abend in der achten Stunde einen Brand in der Groß- destillation von Schwendy, auf dem Hofe des Hauses Rosenthaler- straße 67, in dessen Vorderräumeu parterre sich der Detailverkanf der Firma befindet. In dem im Hinterhause liegenden Keller waren Nachmittags der Kellermeister Hahn und der Kutscher Albert mit dem Abfüllen von Spiritus beschäftigt; dieselben hatten sich hierbei verspätet und schließlich das Gas angezündet. Mit der Blase, in der der Spiritus rektifizirt wird, kam hierbei der Kellermeister in die Nähe der Gasflamme; durch diese Unvorsichtigkeit erfolgte die Explosion des Spiritus. Das Feuer konnte in den Kellerränmen glücklicherweise nicht um sich greifen, die beiden Arbeiter aber erlitten an Kopf und Händen sehr schwere Brandwunden. Die sofort herbeigeeilte Feuerwehr legte Roth- verbände an, und die beiden Verletzten wurden mittelst Droschke nach dem nahegelegenen St. Hedwigs- Krankenhaus überführt. Das Feuer, welches die ganze Nachbarschaft alarmirt hatte, wurde in kurzer Zeit erstickt. Wie im St. Hedwigs- Krankenhause mit- getheilt wird, hofft man die beiden Verletzten durch sorgsame Pflege wieder vollständig herzustellen._,, Uoti;t»«ch verlöre». Am 4, Oktober, Abends, wurde bei dem Kominers zur Feier. der Rii cfkehr der Ausgewiesenen ein Notizbuch in einen falschen Ueberzieher gesteckt. In dem Notiz- buch war u. A. ein Brief enthalten, der die Adresse„Emil Dastig, Berlin, Kottbuserufer 50, trug. Der ehrliche Finder wird ge- beten, das Notizbuch bei Gottsried Schulz, Admiralstraße 40a, abzugeben.„._ Mrgrn Rnterschlasnng ist ein Kaufmann Wolf ,n Hast gebracht, welcher seinen Gesellschafter um nicht unbeträchtliche Summen geschädigt hat. W., so berichten hiesige Blätter, betrieb mit dem Kaufmann K. gemeinschaftlich mehrere Jahre hindurch ein Buttergeschäft. Bei der Auflösung deL Geschäftes und Aufstellung der Inventur stellte es sich heraus, daß W. Beträge in der Gesanunthöhe von 24 000 Mark von Kunden eingezogen hat, ohne das Geld an die Gesellschaftskasse abzuliefern. Da W. bei seinem Gesellschafter ein Guthaben von 10 000 Mark hatte, so ist der erstere um 14 000 Mark, die W. in seinem eigenen Stutzen verbrauchte, geschädigt. Einen gleich großen Betrag hat W. außerdem„zur Bestreitung seines Unterhalts" aus der Geschäfts- kaffe entnommen, das Geld jedoch größtentheils mit lüderlichen Frauenzimmern durchgebracht... I„ dem A»finde» des Schlächtemelsters Ennl Rohrbeck, welcher bekanntlich vor zwei Wochen von einem Irrsinnigen durch Revolverschüsse schwer verwundet worden ist, ist die Besserung eine so entschiedene und andauernde, daß die behandelnden Aerzte in der königlichen Klinik die Lebensgefahr nunmehr für ausge- schloffen erachten. Die Finger des verletzten Armes vermag der Patient schon recht leidlich zu bewegen— ein erfreulicher Beweis dafür, daß die Sehnen intakt geblieben sind. Eine Lungen- blutung ist seit mehreren Tagen nicht mehr aufgetreten— kurz, der Patient, welchem seit einiger Zeit feste Speisen gereicht werden, fühlt sich so wohl, daß er mehrfach das Verlangen geäußert hat, in sein Heim zurückzukehren. Daran ist jedoch vor der Hand noch nicht zu denken, da Herr Rohrbeck die sorgfältige Pflege und die wohlthuende Ruhe des Krankenhauses noch nicht entbehren kann. Uebrigens ist es dem Kranken gestattet, die Besuche seiner Angehörigen nach wie vor zu empfangen, neuerdings auch die seines— Barbiers. Der hirstgen Kritttinalpvlizei ist von der Münchener Sicherheitsöehörde ein Mann signalifirt worden, der sich des Mädchenhandels, insbesondere der Verschleppung von Mädchen im Alter von 16— 17 Jahren ins Ausland dringend verdächtig gemacht hat. Er hat i» München, wo er sich Schröder nannte, zwei Mädchen jenes Alters in ein Weinrestaurant geführt und dieselben unter dem Versprechen, daß er ihnen Uhren und seine Kleider geben werde, nach Paris zu verschicken versucht, woselbst sie im Hause Nr. 46 der rns des mattrins Aufnahme finden sollten. Die Berliner Polizeibehörde ist insbesondere deshalb ans den Mann aufmerksam gemacht worden, weil derselbe nach seiner Abreise aus Berlin, aus dem hiesigen Hotel„Kaiserhof" an jene Mädchen Briefe hat gelangen lassen, welche sich auf deren Ver- schleppung nach Paris beziehen.— Es scheint somit, daß dieser Mann den Mädchenhandel im großen Maßstabe betreibt und zu diesem Zwecke aller Herren Länder bereist. Es ist ein unter- setzter kräftiger Mann von etwa 35 Jahren mit schwarzem Haupt- haar und schwarzem Schnurrbart; das Deutsche spricht er mit fremdem Akzent. Do» der Dantpfstraffendah» zermalmt. Ueber ein schweres Unglück, das sich am'Sonnabend in Schöneberg ereignete, theilt das Berliner Dampfstraßen- Konsortium Folgendes mit: Als am 4. d. M. 11 Uhr 40 Min..der vom Nollendorfplatz nach Steglitz verkehrende Dampfstraßenbahnzug aus der Akazien- straße in die Schöneberger Hauptstraße einbog und sich der Halte- stelle am Schwarzen Adler näherte, bewegte sich der mit einer Dienstmütze gekennzeichnete Werkstattsarbeiter Knape aus Steglitz im Geleise und verließ dasselbe trotz des sofortigen Zurufs und Klingelns seitens des Maschinenführers nicht. Obwohl der Ma- schinenführer und der Schaffner des Zuges sofort die Bremsen in Bewegung setzten, konnte ein Unglück nicht mehr verhütet werden. Der Mann wurde von der Maschine ersaßt und getödtet. Nach dem Zeugniß unbetheiligter Privatpersonen hat dieser Vorfall den Eindruck gemacht, als habe der Verunglückte den Tod gesucht. Der Getödtete lebte von seiner in Breslau wohnenden Frau ge- trennt und hat Kinder nicht hinterlassen. Den Maschinisten trifft nach den übereinstimmenden Angaben vieler einwandssreier Zeugen keine Schuld. Der Zug wurde, als der Mann von der Maschine aus bemerkt worden, ans eine Distanz von 2 Metern zum Stehen gebracht. Fachschule für Schuhiuacher zn Kerli«. Am Sonntag, den 12. Oktober, beginnt der Winterkursus in den Fachklassen der Fachschule, im Schulhause, Albrechtstr. 16, und findet der Unter- rieht an jedem Sonntag von 9—12 Uhr Vormittags und an jedem Dienstag Abend von 7— 10 Uhr in der Aula obengenannter Schule statt. Meldungen zur Aufnahme finden an jedem Unter- richtstage im Schulhause oder bei Herrn L. Schumann, Wörther- straße 57, statt. Achtnirg. Den Berliner Genossen zur Kenntniß, daß in Wilhelmsberg und Neu-Hohen-Schönhansen keine Säle zu Ver- sammlungen zu haben sind. Die Gastwirthe„müssen immer erst mit dem Amtsvorsteher sprechen". Weiter muß das Vorgehen des Gastwirths Schiele, Schloß Hohen-Schönhausen, gekennzeichnet werten. Am 8. September erklärte derselbe seinen Saal zu Ver- sammlungen zu geben. Am 9. September aber gab Herr Schiele oen Bescheid, er gebe seinen Saal dazu nicht her, es fällt mir garnicht ein. Herr Schiele bestritt aufs entschiedenste, je eine andere Erklärung gethan zu haben. Die erste Erklärung ist unter Zeugengegenwarl geschehen. Jeder zielbewußte Arbeiter wird wissen, wie man solche Wirthe zu ivürdigen hat. Di» Lokal'Konrinissto» von T»»»t»»lhof sieht sich ver- anlaßt, folgendes den Genossen bekannt zu machen: Das„Berliner Volksblatt liegt nur aus: Bei den Restaurateuren Wirgandt, Ringbahnstraße, „„„ G. Tube, Dorfstr. 29, „„„ Gerth, Dorfstr. 10, „„„ Wesen berg, Schöneberger Weg 1, „„„ Müller, Berlinerstr. 41. Außerdem haben s ä m m t l i ch e Saalinhaber ver- weigert, ihre Säle zu Arbeiter-Versammlunge» herzugeben. R e st a u r a t e u r N i e k e, welcher früher sein Lokal zu Versammlungen hergegeben, erklärt:„Er würde, wenn Arbeiter- Versammlungen bei ihm abgehalten würden, sofort das Militär verlieren." Restaurateur Trinkaus, Birkenwüldchen, erklärt: „Er fühle sich nicht veranlaßt, seinen Saal herzugeben, weil er nicht einsähe, weshalb Andere, bei denen Juden und Juden- genossen verkehrten, ihre Säle auch nicht hergegeben hätten. Genossen von Berlin und hauptsächlich Tempel Hofs, die es in erster Linie angeht, zeigt diesen Miten, daß ihr als Arbeiter, und zwar als zielbewußte, auch wißk, was ihr zu thun habt. Erschwert uns den Kampf in dieser für uns Zllle so wichtigen Angelegenheit nicht. Verkehrt nur in solchen Lokalen, in denen Arbeiterblätter ausliegen. polis»ib»richt. Am 3. d. Mts. Nachmittags wurde vor dem Hause Posenerstr. 14 eine Frau und ihr zweijähriger Sohn von einem Geschäftswagen Übersahren. Die Frau erlitt hierbei einen Bruch der rechten Kniescheibe und das Kind eine Verletzung am Kopfe.— Am 4. d. Mts. Morgens wurde ein Mann im Keller des Neubaues Stepbanstr. 44 mit einem Schuß in der Brust, den er sich augenscheinlich mittelst Revolvers selbst beigebracht hat, todt aufgefunden.— Vormittags fiel ein Schiffer hinler dem eingezäunten Theil der Moltkebrücke in eine ausgeschachtete Grube und zog sich eine stark blutende Verletzung am Kopfe zu. Er wurde nach seinem in der Nähe haltenden Kahn gebracht.— Zu derselben Zeit wurde ein unbekannter, etwa 33 Jahre alter Mann im Thiergarten, in der Nähe des Försterhauses, erhängt vorge- sunden.— Nachmittags fand in der Destillation von Schmidt, Rosenthalerstraße 67, eine Explosion von Spiritusdämpfen statt, welche sich, vermuthlich infolge der Unvorsichtigkeit eines Arbeiters, entzimdet hatten. Hierbei wurde der Arbeiter Hahn im Gesicht und am Arm durch Brandwunden schwer und der Arbeiter Hammernick im Gesicht leicht verletzt. Beide wurden nach dem St. Hedwigs-Krankenhause gebracht.— Abends wurde der einen Handwagen ziehende Arbeiter Scheiwe vor dem Hause Chaussee- srraße 86 von einer Droschke überfahren und am linken Knie derartig verletzt, daß er nach seiner Wohnung gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit gerieth vor dem Hause Potsdamer- straße 25 eine Frau unter die Räder eines Omnibus und erlitt eine schwere Verletzung der linken Hand und einen Bruch des linken Unterschenkels. Sie wurde nach dem Elisabeth-Kranken- Hause gebracht.— Arn 4. d. M. Vormittags entstand im ersten Stock des Hauses Kruppstr. 5 in einer dunklen Kammer Feuer. Durch den im Treppenhause aussteigenden Qualm geriethen im vierten Stock zwei Frauen und zwei Kinder in Gefahr und mußten durch die Feuerwehr mittelst Hackenleiter gerettet werde». In der Nacht zum 5. d. M. wurde ein Mann an der Ecke der Jüden- und Stralauerstraße von mehreren unbekannten Männern in böswilliger Absicht angerannt und bei dem dadurch herbei- geführten Wortwechsel durch mehrere Messerstiche verletzt. Am5. d.M. Morgens brannte eine Tischlerei im Hanse Weberstraße 3.— An demselben Tage Abends drangen fünf bei dem Absuhrunternehmer Fickert, Schönhauser Allee Nr. 100, beschäftigte Kutscher in die Schankwirthschaft von Albrecht, Schönhauser Allee Nr. 103, und zertrümmerten, nachdem sie von dem Wirth und den an- ivesenden Gästen aus dein Lokal entfernt worden waren, durch Steinwürse einen Theil der Fensterscheiben und Laternen. Bei der Entfernung der Ruhestörer wurde der Kutscher Malusch von dem Wirth durch Revolverschüsse in den Rücken verletzt, so daß er nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht werden muhte; außerdem erlitt ein Gast eine leichte Kopfverletzung. Den angestellt! Ermittelungen zusolge ist der Ueberfall dadurch hervorgerw worden, daß der Wirth einem der Kutscher seines rohen 9 nehmens wegen den Aufenthalt im Lokal untersagt hatte.% Thäter, mit Ausnahme von Matusch, sind zur Haft gebret worden.— In der Nacht zum 6. d. M. entstand vor dem H» Neue Königstr. 4 eine Schlägerei, bei welcher der Wirker hausen einem anderen Mann 5 Messerstiche im Gesicht, an> Hand und im Rücken beibrachte.— Abends fanden zwei M Brände statt. (ßevirhks-JäJeikmiA. Ei» schwerer Unglücksfall, der sich an einem Märztsi dieses Jahres in der Maschinenfabrik von Frister u. RoßmO ereignete, gelangte gestern zur Kenntniß der I. Strafkammer� Landgerichts I. In der genannten Fabrik werden auch mit» Stanzen Patronenhülsen angefertigt. Die kleine Maschine w»? von den beiden Arbeiterinnen Ottilie Leute! und M cf Schulz bedient. Die Letztere hatte die Hülse aus der OefM zu nehmen und in einen danebenstehenden Korb zu werfen, l kommt bisweilen vor, daß eine Hülse mißräth und muß' Maschine dann für kurze Zeit außer Thätigkeit gesetzt»! den, um die mißlungene Hülse aus dem Stanzenloch zu entfernt Dies war auch an jenem Märztage der Fall. Die Le» setzte die Maschine außer Betrieb, worauf die Schulz die entfernte. Gleich darauf erfolgte ein markerschütternder Sc� die Leutel hatte nicht gesehen, daß ihre Mitarbeiterin ihren kle» Finger noch in der Stanzenöffnung hielt, die wieder in Gangs setzte Maschine trieb die Stanze wieder in die Oeffnung?! durchbohrte den Finger der Schulz vollständig. Das Unglück» Mädchen wird zeitlebens in dem Gebrauch der Hand behinv sein. Tie Arbeiterin Leutel wurde wegen fahrlässiger Körst Verletzung unter Anklage gestellt und in der gestrigen Verha» lung ihre Unachtsamkeit außer Frage gestellt. Der Gerichts» belegte die Angeklagte mit 14 Tagen G e f ä n g n i ß. Zun» dritte» Male wegen derselben Strafthat wird! demnächst vor derselben Strafkammer ein vor Jahresfrist 15 Jahren Zuchthaus verurtheilter Verbrecher zu r antworten haben. Am 13. Februar v. I. wurden zwei Zier» des hiesigen Verbrecheralbums der„Arbeiter" Karl Lehma' mit dem Spitznamen„Tute" und der Zigarrenmacher H*' mann Fri tsche, mit dem Spitznamen„der kleine Osfiz' wegen vielfacher Eindnichsdiebstähle, die in der Gegend Roon-, Bismarckstraße, des Kronprinzenusers x, verübt wur zu je 15 Jahren Zuchthaus verurtheilt. Beide Angeklagte alte Einbrecher, die schon viele Jahre zusammen in Zuchthär zugebracht haben und nach Ansicht der Kriminalpolizei auch verwegene» Einbrüche gemeinschaftlich ausgeführt haben. Die Pol kam zu dieser Ueberzeugung ans Grund der sorgsamsten Beobachte die sie den beiden Verbrechern angedeihen ließ. Indessen handelte sich nur um Indizien und da der Vertheidiger! Fritsch e, Rechtsanwalt Dr. Bon k, dieselben nicht für< reichend erachtete, so legte er das Rechtsmittel der Revision� welches aber als verspätet zurückgewiesen wurde. Der Ve diger wies nach, daß an der Nichtinnehaltung der Frist ein thnm der Gerichtsschreiberei Schuld hatte, er erkämpfte, Wiedereinsetzung in den vorigen Stand und eine nochmalige» Handlung der ganzenAngelegenheit, die jedoch dasselbe Resultat m Nunmehr legte der Vertheidiger wiederum das Rechtsmittel� Revision ein und das Reichsgericht hat die Sache zu einer neuten Beweisaufnahme an die Strafkammer zurückgewiesen. 1 Sdritfckie wird deshalb näckiktens wiederum auf der Anklage- Uereinogef»tz J Strafe Fritsche wird deshalb nächstens wiederum auf der Anklag! erscheinen. M»g»n V»vg»h»ns geg»» das 11. März 1850 und Uebertretung des§ 360 Nr. 9 bnches hatte sich gestern der Hntinacher Hermann Kruse". vier anderen Fachgenossen vor der fünften Strafkammer Landgerichts 1 zu verantworten.— Der in Altenburg Fr „Unterstützungsverein deutscher Hutmacher", welcher nach Statut vom 12. August 1880 hauptsächlich die VerficherunZ� Vereinsmitglieder gegen Arbeitslosigkeit verfolgt, hatte in»p den Altenb einen Zweigverein gegründet, dessen Vorstand die fünf] geklagten bilden. Das Polizeipräsidium hielt den Altenbr' Hauptverein für eine Versicherungsanstalt und Fr" deshalb den Vorstand des hiesigen Vereins auf, diej Preußen erforderliche Genehmigung nachzusuchen. Der A? burger Hauptverein erließ nunmehr ein neues Statut,'vt! die zu zahlenden Unterstützungen, unter Ausschließung eines? baren Rechts darauf, in das Ermessen des VereinsvorM stellte und die bisherigen Bestimmungen über die Reguliruns Unterstützungskonsenses fortließ. Zugleich wurde aber ein, ment für die Unterstützung deutscher Hutmacher" erlassen.. neue Statut wurde nun zwar dem Polizeipräsidium emg#" nicht aber auch jenes Reglement. Als das Präsidium nntck Hand den Inhalt des letzteren erfuhr, forderte es die Angekl« nochmals auf, die staatliche Genehmigung für den Verein zusuchen. Infolge dieser Aufforderung wurde abermals neues Statut des Altenburger Vereins erlassen, welches. Unterstützungen lediglich in das Befinden des Vorsta? stellt. Daneben wurden aber in einer Vorstandssitzung„Beschs über die zu gewährenden Unterstützungen gefaßt, die vom l.OA 1889 ab bis auf Weiteres gelten sollten. Dies Statut is> am 18. Oktober dem Polizeipräsidium eingereicht w4 während dieses der Meinung ist, daß es spätestens drei» nach dem 1. Oktober hätte geschehen müssen. Das Schöffenfl* hatte mit dem Polizeipräsidium den Verein für eine sicher ungsanst alt" angesehen, die sie, den gesetzlichen' flimmunaen zuwider, ohne Genehmigung der Staatsbehörde richtet hätten. Sie wurden deshalb zu je 10 M. Geldbußt wegen Uebertretung des Vereinsgesetzes,(weil sieFls Vorstands glieder eines Verein?, der die Einwirkung auf öffentliche Angfir heilen bezweckt, der Statuten nicht innerhalb 3 Tage zur Kenntnis Ortspolizeibehörde gebracht haben) zu je 15 M. Geldbuße nrtheilt.— Hiergegen legten sowohl der Staatsanwalt, Angeklagten Berufung ein.— Ersterer rügte, daß das Schi> geeicht wegen w i s s e n t l i ch e r Einreichung falscher freigesprochen hatte und beantragte je acht Tage Gefäm R.-A. Freudenthal hielt dagegen eine Freisprechung M boten, da der Verein keine Versicherungsanstalt ist, indefl Mitglieder einen klagbaren Rechtsanspruch nicht erworbe». da ferner es sich hier auch nicht um einen Verein handelt,"ch eine Einwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezweckt., Berufungsgericht war derselben Ansicht und erkannt« ans° sprechung der Angeklagten. Meg»n»inrs zirnrlich raffinirte» Krtrugrs stand ir der Maurermeister Carl Adalbert Eberl vor der 2. Strafkai»»� Landgerichts 1. Der Beschuldigte hatte mehrfach seine AkzelfL dem Rentier Terzmeier diskontirt erhalten. Der Letztere e» ihm eines TageS, daß er umfangreichere Geschäfte mit ihn1, machen könne, jedoch wolle er ihm gegen ein Akzept ein« geklagte Forderung über 1200 M.' an den Agenten®„ dorf zediren. Eberl ging darauf ein. Er brachte in ErM, daß Sternsdorf sich als Geldvermittler für Kavaliere ernäh'. schrieb ihm deshalb, daß er nicht abgeneigt sei, einigt Wechsel zu kaufen. Sternsdorf stellte sich bei ihm ein und»« zählte der Angeklagte ihm, daß er aus einer Erbschaft flüssiges Geld habe. Sternsdorf nannte dem Angeklagt� Namen Derjenigen von denen er beauftragt sei, Wechstst je 500 Mf. diskontiren zu lassen und Ebert erklärte, sich Akzeptanten erkundigen zu wollen. Nach mehreren Unterre»? erklärte Ebert sich bereit, drei dieser Wechsel für iiiöfsisi 1410 Ml. zu nehmen, er ersuchte Sternsdors, sein VermiOp, Giro auf die Wechsel durchzusetzen und eine Quittung zu inzwischen wolle er das Geld aus dem Nebenzimmer, Sternsdorf kam dem Wunsche nach, Ebert nahm die Wechr S erat" ross( ,nte« •en die Quittung an sich, aber anstatt des versprochenen baaren Geldes legte er dem verblüfften Sternsdorf die rechtskräftigen Erkenntnisse vor, wonach der Letztere zur Zahlung von 1200 Mk. an Terzmeier verurtheilt worden war. Vergebens machte Sternsdorf ihn darauf aufmerksam, daß die Wechsel noch Eiaenthum der Akzeptanten seien und daß seine Schuld an Terzmeier ebenfalls aus einem Vermittelungsgiro stamme, für welches keiner der Geldgeber ihn hastbar zu machen pflege; Ebert wollte sich auf nichts einlassen, sondern hat die Wechsel behalten. Der Präsident ging auch mit dem Zeugen Terzmeier arg ins Gericht, er bedeutete ihm, daß er eigentlich ebenfalls auf die Anklagebank ge- höre. Ebert wurde zu vier Monaten Gefängniß und 600 M. Geldstrafe verurtheilt. DieHebeamme m»d geprüfte Keildienerin Frau Johanna Knauer, geb. Lose, aus Kalkberge Rüdersdorf wurde ain Sonn- abend von der ersten Strafkammer am Landgericht 11 wegen fahrlässiger Tödtung zu einem Monate Gefängniß verurtheilt. Am liäe» 20. April hatte die Angeklagte die Frau des Schiffers Orthmann SÄ auf dessen Kahne von einem Knaben entbunden, der noch an dein- selben Tage an Verblutung starb. Nach dem Gutachten des — Kreisphyfikus Dr. Philipp war der Tod des Kindes darauf zurück- | zuführen, daß sich der Verband der Nabelschnur gelöst hatte, fjH woran lediglich die Fahrlässigkeit der Angeklagten schuld sein S&W mußte. Der Staatsanwalt beantragte nur eine Woche Gefängniß. « Der Gerichtshof erkannte aber deshalb auf einen Monat, weil die •i Eingeklagte den Thatsachen zuwider das Kind als Frühgeburt und nicht lebensfähig darzustellen und die Schuld mff einen dritten zu schieben versucht hatte, obwohl sie der Vorsitzende eindringlich darauf hingewiesen hatte, daß sie nur bei einem offenen Geständniß eine milde Beurtheilung ihres Verschuldens zu gewärtigen habe. Krandenbnrg a. H., 4. Oktober. Ist Werkstattsperre grober Unfug? Am 8. Mai beschloß eine öffentliche Tischlerversammlung die Sperre über die Tischlerwerkstätle der Tischlermeister Wehrhahn& Barthelemens. Hierin sah die kgl. Staatsanwaltschaft einen groben Unfug und erhob deswegen gegen den Tischler Eckardt, den Vorsitzenden jener Versammlung, und den früheren Redakteur Wankelinuth, welcher den Bericht über diese Versammlung ver- öffentlicht hat, die Anklage. Ter Amtsanwalt betonte in der heutigen Verhandlung, daß infolge des Vorgehens der Arbeiter am 1. Mai die Oesfentlichkeit sehr beunruhigt war und dieses durch den Sperrbeschluß noch mehr gesteigert wurde. Er beantragte eine Woche Haft gegen jeden der Angeklagten. Ter Vertheidiger, Herr Rechtsanwalt Freuden- thal-Berlin führte folgendes ans: Die Rede des Herrn Staatsanwalts erinnere an die Begriffsbestimmung, welche das frühere Witzblatt der„Kladderadatsch" gegeben. Diese ging nämlich dahin,„Was man nicht definiren kann. Sieht man als groben Unfug an!" Die rechtliche Definition des groben Unfugs liege darin, daß die öffentliche Ordnung des Publikums und nicht einzelner Personen gestört wurde. Dieses träfe hier nicht zu, da die Sperre sich nnr gegen bestimmte Tischlermeister richte. Im Uebrigen wäre im vorliegenden Falle von einer Befugniß des § 152 der Gewerbeordnung Gebrauch gemacht und wein bei einer bestimmten Handlung eine Befugniß zur Seite stehe, der , kann einen Unfug nicht begehen. Aus diesen Gründen bean- tragte der Vertheidiger die Freisprechung, auf ivelche der Gerichts- Spe- Hof erkannte, indem er den Thatbestand des groben Unfugs nicht ,50. als vorliegend erachtet. fkiff' m miSS w Pf- änse- % K Sozierlo McbevPirkjk. Roß' An die geiteuljaufv Keriino und Umgegend. Hervor gerufen durch die wirthschaftliche Lage der arbeitenden'Klasse, hatten auch wir in unserer Branche, eine größere Anzahl Streiks in den verschiedenen Orten in diesem Jahre zu verzeichnen. Ob- wohl nun noch nicht die Wunden derselben vernarbt sind, so sind V mir schon wieder in der Lage, von einem Abwehrstreik in Hamburg- . au l �Mna zuberichteu, welcher von einem frivole», profitwüthigen Unter- > JJl-t nehmerthum heraufbeschworen worden ist. Der Sachverhalt ist fol- ,0. gender: Mitte September sind von den Unternehmern sämmtliche " Vorstandsmitglieder, sowie der Vertrauensmann Kretschinar ge- I kündigt, dagegen von den übrigen Kollegen der Austritt aus „st-'f. dem Verein verlangt worden. Wir ersehen daraus, daß nach dem System Wörmann ivciter gehamburgert wird. Ferner wurde ttem verlangt, daß der Arbeitsnachweis„nur" in„ihren" Händen a,iS' nutzbnngend wäre. Die Hamburger Kollegen glaubten nun ihre Rechte als Mensch und Arbeiter zu vertreten, indem sie lieber me Kündigung annahmen, um die Organisation ausrecht zu er- halten und in,olge dessen nun auf unsere Hilfe rechnen. Zuzug rst daher streng fern zu halten. Unser Vertrauensmann Goldbach-Leipzig hat das Vorgehen derselben voll und ganz gebilligt, eS sind nun seit dem 27. September 15 Mann im Streik; was dieses für unsere kleine Branche nach den schweren Kämpfen besagen will, weift ein Jeder unter Cuch. Darum Kollegen, benutzt die von unserem Vertrauensmann "— 1 am 1. Oktober ausgegebenen Karten für den Unterstützungssonds II pH un� Isthl' die sreiwilligen Beiträge, welche von jetzt au auf 10 Pf, nv' pro Woche reduzirt sind betheiligt Euch ohne Ausnahme Alle — A tdenn viel wenig ist auch ein Viel), auf daß wir unfern ißO* V rudern thatkraftig Helsen können. Kollegen bedenkt, wenn wir stet� nur für unfern direkten Vortheil eintreten wollen und be- denfe« unsere Genossen nicht, so können wir nie vorwärts kommen, wir muffen uns ohne Unterschied als Arbeiter gegenseitig beistehen, nur dann sind wir im Stande, dem Kapital eine» * a"1ü? �?!2.''e'nesen weil man glaubt, dieselben seien weniger widerstandsfähig, aber zeigt, daß die Unternehmer sich gründlich ...J habe», zeigt, daß wir auf der Höhe der Zeit stehen, lllßl.'vw wisten, wie und wo wir unser Utecht als zielbewußte "- Arbeitet zu wahren haben. Es ist zu bedauern, daß wir immer noch Werkstätte» zu ver zeichnen haben, welche sich von Allem ausschließen. Freiwillige steUtage� nehme» enlgcgen j O. Melchior, Neue Hochstr. g« iÄ ing' 17, S uideß i; K« #5 Will). Nest, Kleine'Markusstr. 22' und' C. Grom' Lübecker sttaße 46. An die Kanardeitev Kerstins«nd Umgegend Kameraden, der Hamburger Streik ist beendet. Die Wunden welche derselbe geschlagen, sind noch nicht vernarbt. Wenn es uns vergönnt war, thatkräfttg für dieselbe» einzutreten, so dürfen wir trotzdem nicht denken, Aues gethan zu haben. Tie Zeit wird lehren, daß man, sobald sich die Gelegenheit hierzu bietet, von Seiten des vereinigten Unternehmerthums alles daran setzen wird. Hi ai|d) unsere schon so traurige Lage noch zu verschlechtern, resp. lm,iCe Organisation zu sprenge». Darum, Kameraden, die Ihr plilsach der Organisation interessenlos gegenübersteht, schließt ch derselben an. Beweist durch die Thal, daß Ihr gewillt UA s-rd. die vom zweiten Kongreß der Bau- und gewerbliche» Hilst- arbeitet in Hannover gefaßte» Beschlüsse auch durchzuslihreu. Hierzu ist hauptsächlich uöthig, daß thatkräflig für Umsatz der Agitationsmarken eingetreten wird.— Um den Vertrauensleuten einiges zu erleichter», ist es mibe dingte Pflicht der kiolonnenführer, auch ihrerseits ihre mit arbeitenden Kameraden zum Ankauf von Marken zu veranlassen Rur dann wird es möglich sein, etwas Ersprießliches für die ge sammte Bauarbeiterschaft zu leisten. Gleichzeitig ersuchen wir alle Diejenigen, welche noch im Lefitz von Kongreßlisten oder Protokollen sind, dieselben an die Vertrauensmänner oder spätestens bis Sonntag, den 12. d. M., von 10—12 bei Schmidt, Wallstr. 65, abzugebe». Auch werden me noch vom Hamburger Streik ausstehenden Sammellisten dort in Empfang genommen. I. A.: W. Gaßmann, Exerzierstr. 4 b. Streik in der Julius Uoseiithal' scheu Kontobücher- tubrik und Buchdruckerei, Alexandrinenstr. 97. Am Montag üh legten sämmtliche Zl r b e i t e r und Arbeite- innen die Arbeit nieder wegen Einführung i n e r einheitlichen neunstündige.» Arbeitszeit. Alle Verhandlungen waren erfolglos und wurden in ganz 'chroffer Weise seitens des Inhabers, Leopold Gronau, zurück- gewiesen. Vetheiligt an diesem Streik sind: 6 Setzer, 2 Maschinenmeister, 3 Lehrlinge, 4 Arbeiter, 7 Punktirerinnen, 19 Buchbinder und 22 Arbeiterinnen. Sämmtlich daran betheiligte Branchen werden ersucht den Zuzug fernzuhalten. Maurer Kerstins! Mit dem Fall des Sozialistengesetzes hat auch in Berlin unter den Maurern eine neue Organisation in öffentlichen Angelegenheiten stattgefunden. Wie Ihr Alle wißt, wurden von der Generalversammlung, die in der Andreas- traße bei Joöl stattfand, drei Kollegen gewählt, um die Jnter- eisen der Berliner Maurer in der Oeffentlichkeit zu vertreten. Wir richten nun die dringende Bitte an unsere Kollegen, uns zur Seite zu stehen, nicht zu erlahmen in unserem gerechten Kampfe gegen das Unternehmerthum. Wir richten nun die dringende Bitte an sämmtliche Maurer Verlins, sich in Allem, was in der Oeffentlichkeit vorkommt, an die Leute zu wenden, denen sie ihr Vertrauen geschenkt haben. Mit kameradschaftlichem Gruß Weiße. Gerke. Hauick. Alle Briefe und Zusendungen, die die Oeffentlichkeit der Berliner Maurer betreffen, sind zu richten an Maurer Karl Weiße, Tegelerstr. 27, III. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck dieses Aufrufs gebeten. Die'Ettern(NomLnder), welche gewillt sind, ihre Söhne Lederarbeiter werden zu lassen, werden hiermit darauf aufmerksam gemacht, daß es sich der Fachverein der Lederarbeiter zur Auf- gäbe gestellt hat, ihnen in Betreff der Lehrstellen Auskunft zu ertheilen, um der in diesem Gewerbe eingerissenen Lehrlingsaus- beutnng einen Damm entgegen zu setzen. Zur unentgeltliche» Auskniiftsertheilung ist gern bereit der Arbeitsnachweis der Leder arbeiter, Louisen-Ufer 22 bei Sperling. Geöffnet Wochentags Abends von 3— OVs Uhr und Sonntags von 10— ll'/a Uhr. Aufruf an(nuuntlichr Kollegen und Arbeiter de» In- und Auslandes. Kollegen und Arbeiter! In Nach- tehendem wollen wir einen Situationsbericht der ausgesperrten Glasarbeiter zu Bergedorf, Ottensen und Flensburg geben: An den genannten Orten befinden sich die Glasarbeiter seit dem 5. Juli d. I. im Ausstand, weil sie sich das gesetztlich gewähr leistete Koalitionsrecht seitens der Fabrikanten nicht wollten rauben lassen. Es ist bis jetzt nicht die geringste Aenderung in der Situation zu verzeichnen; es ist noch kein Zuzug zu verzeichnen, während andererseits aber die Ansgesperrten auch nirgends Arbeit bekommen innerhalb Deutschlands. Da nun die Sammlungen 'ür die Hamburger Ausgesperrten vom„Hamb. Echo" eingestellt 'ind, so wird die Situation für uns mit jedem Tage kritischer. Als man vom„Hamburger Echo" die Sammlungen für die Ans- gesperrten einstellte, ist man wohl der Meinung gewesen, daß die Hamburger Gewerke die noch vorhandenen Ausgesperrten würden allein erhalten können. Dies ist nach den gegenwärtigen Ver hältnissen jedoch nicht möglich, denn erstens ist die Zahl der Ans- gesperrten noch eine verhältnißmäßig große, und andererseits sind die meisten Hamburger Gewerke durch die diesjährigen Ausstände derart erschöpft, daß von namhafter Unterstützung nicht die Rede 'ein kann. Wir ivenden unS daher an die gesammte Arbeiter chaft mit der Bitte, uns in diesem uns ausgezwungenen Kampfe nach 5iräften zu unterstützen. Wenn das Unternehmerthum in dem Kampf gegen das Koalitionsrecht der Arbeiter siegt, so ist der Kamp' in diesem Jahre nicht abgeschlossen. Im Gegentheili Man wird die Unterdrückung und Bevormundung der Arbeiter mit frischen Kräften fortsetzen. Was wir von dem Unternehmer thum zu erwarten haben, wenn wir demselben auf Gnade oder Ungnade uns ergeben müssen, wissen wir. Wir werden daher in diesem Kamps unsere volle Schuldigkeit thun im Vertrauen auf die Sympathie der gesammten Arbeiterschaft. Von der Unter stützung der Arbeiterschaft hängt unser Sieg ab. An den vor erwähnten Orten befinden sich noch zirka 35u Mann in der Aus 'perrung. Die Mehrzahl sind Familienväter. Unterstützung thut dringend Roth. Mit kollegialischem Gruß: Die ausgesperrten Glasarbeiter. Sendungen sind zu richten an Glasarbeiter Hermann Halwas. per Adr.; Herrn Alwin Schmidt, Lande Markt Nr. 4 bei Berge dorf; ebenso nehmen Sendungen entgegen die Redaktionen des „Der Fachgenoffe" in Löbtau bei Dresden und„Der Glaser" in Wiesbaden. Alle arbeitersreundlichen Blätter werden um Abdruck ge beten. Uotsdarn. Es sind noch folgende Gelder für die ans geschlossen gewesenen Tabakarbeiter Potsdams zu quittiren Tischlerverband Potsdam, Ueberschuß vom Vergnügen 30,90 M., Männer- und Frauenversammlung in Ahrens' Brauerei, Moabit, durch Seichter 11,23 M.; bei einer amerikanischen Auktion bei Feuerherdt, Potsdam, Zimmerstr. 2, 12 M.; Extraeinnahme Namenlos 8,82 M. Die Gesammt-Einnahme an sreiwilligen Gellern beträgt: Einnahme 260,45 M. Ausgabe 210,97„ Ueberschuß 49,48 M. Der Ueberschuß wird zu gleichnamigen Angelegenheiten ver wendet iverdeii.'Allen Gebern im Namen der Tabakarbeiter Potsdams herzlichen Dank. Franz Klebig. Otto Göritz. Martin Hoppes. Julius U l b r i ch, Waldemarstr. 6. Iu Lnchciiwaldc legten 100 Weber und Weberinnen der mechanischen Tuchfabrik von Müller(Aktiengesellschast) die Arbeit nieder, weil ihnen ein Lohnabzug von l,2o M. pro Woche ge macht werden sollte. Ter Durchschnittsverdienst war bisher 10,80 M. die Woche. Ties scheint den Herren noch zu viel sein, trotzdem die Firma im vorigen Jahre eine» Reinertrag von 289 000 M. erzielt hatte. Wir überlassen dieses Vorgehen der Beurtheilung aller denkenden Arbeiter und appelliren an deren Solidaritätsgefühl, indem wir bitten, den Zuzug fern zu halten und uns nach Kräften zu unterstützen. Die Kommission. Sllle Gelder und Zuschriften sind zu richten an Richard Kalow, Forst, str. 1. B A 1» i belangt, nahm die Generalversammlung sogar eine Resolution an, welche besagt, daß Streiks, die eine Verkürzung der Arbeits- zeit bezwecken, in der Unterstützung berücksichtigt werden sollen.� Eine öffentliche gut besuchte Uevsammlun» für Männer n»t> Frauen tagte am Sonntag, den 28, September, in den Zentral-Festsälen, Oranienstraße 180. Auf der Tagesordnung stand:„Vortrag des Herrn M. Baginski über„Die Ursachen der Armuth." Diskussion und Verschiedenes." Rebner erörterte in seinem längeren, mit reichem Beifall aufgenommenen Vortrage die bestehenden jilassengegensätze, zu dem Schlüsse gelangend, daß nur die vollständige Sozialisirung der Gesellschaft die Ursachen der Armuth verschwinden machen könne.— An der daraus folgenden Diskussion, ivelche einen sehr lebhaften Charakter an- nahm, betheiligten sich die Herren: Geffrois, John, Löschte, Blum, Röhden, Sündermann, Tschernig, Grundmann und Frau Gubela. Nach einem kurzen Schlußivort des Referenten kam die Versamm- lung zu Punkt Verschiedenes." Znnächst gelangte folgende Re- olntivn zur einstimmigen Annahme:„Die heute in den Zentral- Festsälen tagende Versammlung erklärt sich mit de» Ausführungen des Referenten einverstanden und ist der Meinung, daß die Ar- muth der arbeitenden Klassen nur durch eine Sozialisirung der Gesellschaft aus der Welt geschafft werden kann." Ein Antrag, den Ueberschuß der Tellersammlung den Greizer Webern zu über- � weisen, gelangte ebenfalls zur Annahme. Nachdem Herr Geffrois noch die Stellungnahme der Kellner zur Arbeiterbewegung berührt hatte,, schloß der Vorsitzende die Versammlung.— Der Ueberschuß der Tellersammlung ergab 14,40 M. und ist den Greizer Webern bereits uberwiesen. Eins öffentliche Uerfaminlung für Männer und Frauen tagte am Sonntag, de» 5. Oktober, Abends 6 Uhr, in den Zentral-Festsälen", Oranienstraße 180, unter dem Vorsitz der Herren Fr icke, Eicke und W e i d n e r. Auf der Tagesordnung tand I. Vortrag des Herr Dr. Lütgen au über„Die heutige Situation und das Vereinsgesetz", 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Ter Referent besprach in äußerst sachgemäßer Weise das heute geltende Vereins- und Versammlungsrecht; dasselbe strotzt von Widersprüchen und Konfusionen. An der nun folgenden Tis-; kussion, welche eine sehr lebhafte war, betheiligten sich die Herren Löschte, Sündermann, F r i ck e, Geffrois, Tschernig, G r n n d m a n n, L i t f i n und Frau Kolbe.— Nach einem kurzen Schlußwort des Herrn Dr. Lütge na» trat die Versanunlung in den dritten Punkt,„Verschiedenes" ein. Ein Antrag, in welchem das Bureau beaustragt wurde, an den folgen-■ den Sonntagen ähnliche Versammlungen einzuberufen, wurde an- genommen, lieber eine Resolution, betreffend den Austritt ans der Landeskirche, wurde nach längeren Ausführungen der Herren Dr. Lütgen au, Litfin und Löschte zur Tagesordnung übergegangen. Sodann schloß der Borsitzende die Versammlung, nach welcher ein geselliges Beisammensein die Theilnehmer bis 'pät in die Nacht hinein festhielt. Knrg. Eine Volksversammlung, welche die Räume des Schützenhauses bis auf den letzten Platz füllte, fand am Sonnabend, den 4. Oktober, hier für die beiden Kreise Jerichow I und II statt. Herr Th. Glocke-Berlin referirte über„Unser Programm und der Parteitag in Halle". Die Versammlung nahm die Ausführungen mit Beifall entgegen. Nach kurzer Diskussion delegirte die Versammlung die Herren Th. Glocke-Berlin und E. Katurbe zum Parteitag zu Halle. Zentral-Urrrin der Ha»«- n»d Geschäftsdienrr Hertt»«.uiflkass» d»r Kchuhrnach»?«ud KirnsO- genösse» Krriino(E. H. Rr. 27). General-Versammlung am Montag, den 20. Ollober, Abend» vjj Uhr, Fischerstr. 26. Kachrrgef-Uen Herlin» und Nmgcgend am Dienstag, den 7. Oliober, NachinlNags 8 Uhr,»t Sanssouci, Konbuserstrafte ta: Grobe General-Ber- sammluug. Nr.rbelflepPrr und Stepperinii«». Große öffentliche Versammlung am Dienstag, den 7. Ottober, Abends ssj Uhr, tit Joel'S Salon,«ndreas- siraßs 21. zterfaninilung des fojiatdemokratifch«» U.>al,t»»r«ina für den ersten Berliner Sieichötags-Wahllrois am Donnerstag, den 0. Oktober, Abends 8% Uhr in den Arinathallen, Komutandanisnsir. 20. Tagesordnung: 1. Geschäfts- und Kassenbericht des Vorstandes. 2. Wahl des gesammten Vor- sttradeS. 8. Vortrag über Anarchismus und Sozialismus. Reserent Mar BagiuSli. 4. DiSlussio». 6. Verschiedenes. HZanuerri» Krrliner Kiidtzauer. Dienstag, den 7. Oliober, AbendZ sM Uhr bei Herrn Seßner, Annenstr. to. Bibliothelabend, Geschäftliches und Verschiedenes. £es«Ii>»l> Humanität. Versammlung am Mittwoch, den 8. Oktober, AbeudS 8% Uhr, im Lokals des Herrn Schmidt, Friedrichsbergerstr. 19. Gäste willlommen. chrsfcntlich» Drechsler- zierfanimlnng am Dienstag, den 7. Oktober, Abends 8 Uhr, iu Mag'S Fesisalen, Veulystr. 22. (St« ff» öffentlich« Kersauiniluna der Eadakarbeit«» nnd-Ztr- driteri»»«» Merlin» am Dtenstag, den 7. Ollober, Abends 8fj Uhr, im Saale der Vötzoiv'schen Braueret, Vor dem Prenzlauer Thor. Sotialdrinokratischer Wahwerei» de» I. Krrliner N«ich«tag»- Waßlllreiffa a»t Dienstag, de» 7. Oliober, Abend« 8% Uhr, im Saale der Rvrddeulschen Brauerei, Chausseestr. 68: Große Versammlung. »it»ri»,>»»- ZUcrfamml»»« am Dienstag, den 7. Oktober, Abends 8% Uhr, im Lokale der Rkltan-Vrauerei Friedrlchsiiat». z-ntralneeei» tzr» pano- nnd GrUhäfiodi,»«»$»vliua. Dienstag, den 7. Oktober, Abends 0 Uhr, bei Deiginäller, Alle Jakobstr. 4Sa Mtlglieder- vcrsainmlimg. Aulierordrntlich» ssenefalurrfammlung der Delegirken der Orts- krankeukaffe der Weber und verwandten Gewerbe zu Berlin(Arbeitgeber und Mitglieder) am Sonntag, den 12. Oktober, Vormittags to Uhr, IN Joel'« oberen Saal, Andreasstr. 2t. Die Redattlon stellt die Betintzung des Sprechsaals, soweit Raum dasür ab,u- geben ist, dem Publikunt zur Besprechung von Angelegenhetten allgemeinen Jnleresses zur Verfügung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt h-sselben ldentisizirt zu werden. Den Genossen Berlins theile ich hierdurch mit, daß die von mir nnch Kirchhain gesandten 163 M. 63 Pf. von der Lassalle- Feier in Friedrichshagen von folgenden Genossen übergeben sind: 1. Von Kaiser für daS Bild Lassalles Grab.. 20.10 M. 2.„ König„ ein Paar Strnmpfenbänder, 5,71 M. 3.„ Fromm für eine Riesen-Kartoffel...—,97 M. 4.„ Scholz für einen Lassalle-Sinnspruch.. 147,25 M. Gesammtsumme. 174,03 M. Davon gingen ab. 10,40 M. 163.66 M. Diese Summe sandte ich laut Postschein am 2. September nach Kirchhain. Es ist auch von den Kirchhainer Genossen oben angegebene detaillirte Rechnung an das„Berliner Volksblatt" gesandt worden. Ich machte, nachdem ich die Quittung gelesen hatte, darauf aufmerksam, daß es den Genossen Berlins nicht genügt, wenn die Summen nicht einzeln aufgeführt werden. Dadurch wären die Artikel im„Sprecbsaal" überflüssig geworden. Die an mich übergebenen Gelder habe ich richtig abgesandt. Achtungsvoll ' Karl Scholz, Wrangelstr. 32. > Geehrte Redaktion! . S" b" Rr. 231 von Herrn Ritschke unterzeichneten Sprech- saal-Rotiz finden wir, daß von Herrn Rohrbach nach pcrsön- llcher Angabe die für ein Lassallebud durch amcMkanische Auktion eingenommenen U M. durch den Leseklub„Heine" nach Kirchhain abgesandt sein sollen. » � Wir erklären hiermit, daß der in Berlin domizilirende Lese- klub„Heine" keine diesbezüglichen Gelder empfangen und folglich auch keine nach dorthin abgesandt hat. Zu bemerken sei aber noch, daß in Rixdorf ein gleichnamiger Klub besteht. Achtungsvoll Wilh. Müller, Bergmannstr. 96, I. A. des Leseklub„Heine". Das städtische Grundstück zur Errichtung einer Markthalle auf dem Gesundbrunnen(Grünthalerstraße) ist auf dem Wege der Submission an den Unternehmer Herrn Antebach, Koppenstr. 2. behufs Ausschachtung übergeben. Als die Arbeit begann, und die Arbeiter ca. 6 Stunden gearbeitet hatten, sagte der Herr Unter- nehmer zu emem seiner Leute:„Arbeiten Sie nur etivas fleißiger, ich gebe 2ö P f. Stundenloh n". Sämmtliche Leute legten die Arbeit wegen dieses Hungerlohnes nieder. Dieses erwiderte Herr Antebach mit den Worten:„Dann nehme ich mir Pollacken, die arbeiten gerne dafür". Der Bizewirth des betreffenden Grundstucks erzählte nlir, daß Herr Antebach nicht»iehr Lohn Eben könne, weil er die Arbeit zu billig angenommen hat, pro uadratmeter 1 M. Frage nun hiermit die Herren Stadt- verordneten, welche am 25. September die Petition der Maurer betreffs des Submissionswesens verlachten, ob sie wirklich nicht einsehen, daß das Submissionswesen auf Kosten der Arbeitermassen dem Unternehmer die Ausbeutung begünstigt. Oder halten die f erren Stadtverordneten einen Wochenlohn von 15 M. für einen amilienvater, welcher in Berlin seine Abgaben bezahlt, für aus- reichend? Paul Gäbler, Arbeiter, Büschingstr. 25. Bezugnehmend auf die Sprechsaalnotiz in Nr. 225 dieses Blattes: Die gelegentlich des Ausfluges des Arbeitervereins für Cöpenick und Umgegend am 31. August in der Nähe des Müggel- schlößchens veranstaltete amerikanische Auktion zweier eingerahmter Bilder(Lassalle mit der Fahne und Fraktionsbild) und einer Kiste ergab einen Reinertrag von 76,60 M., von denen 25,50 M. durch die Expedition des„Berl. Volksbl." den Greizer Webern, dieselbe Summe den Tabakarbeitern Potsdams(quittirt im „Berl. Volksbl." Mitte September) und 25,60 M. den Kichhainer Weißgerbern am 3. September überwiesen worden. Joh. Rautmann, Cöpenick. Vvtcflmflstt dev Medelktion. Bit Antragen btllen wir die AbonnemenlZ-Ouitlung beizufügen. Anuvorl wird nicht ertheilt. Brieflich Herr Paul Ernst schrieb in Heft 21 der„Freien Bühne" (Berlin, den 25. Juni 1890) zu Anfang eines Ärtikelchens über „Frauenfrage und Geschlechtsfrage": „Die Entgegnung Herrn Bahr's«uf ineinen Aufsatz„Zur Frauenfrage" würde ich sofort beantwortet haben. Allein, da er so kühn die Ansicht, wie sie Marx über die Sache gehabt hätte, der Ansicht der„Marxisten" gegenüberstellte, so wollte ich mir zunächst die Freude bereiten,„und so was lasse ich mir nicht leicht entgehen", Engels, den überlebenden Mitarbeiter von Marx, zit befragen, wie Marx wirklich über die Sache gedacht hat. Engels war so freundlich, mir in einem ausführlichen Brief z u bestätigen, daß meine Auffassung der Marx- s ch e n sehr nahe kommt, wünschte jedoch seinen Brief nicht veröffentlicht zu sehen, um nicht in eine Polemik mit Herrn Bahr, den er sehr furchet, verwickelt zu werden." Die Leser des Absertigungsschreidens von Engels in unserer letzten Nummer wissen nun, wie„sehr nahe" die Ernst'sche s» n s-rlf Auffassung„der Marx'schen" kommt. Und Engels wr wenig darüber erstaunt sein, daß er Herrn Bahr„sehr Bisher hatte er es nicht fertig gebracht, das Gruseln zu* Die Lohnkommifsto» der Weißgerber z« K ersucht uns um die Mittheilung, daß sie 8 Mark. 30 durch den Schankwirth Herrn Rennthaler aus Beri halten hat. H. H. Wette. War bisher demokratisch. N« I- H. 7. Wir haben von Ihnen kein Geiw halten— konnten uns infolge dessen auch darüber nich> scheiden. G. T. Meißettsee. Ihre Angelegenheit ist dur« vater Natur und eignet sich nicht zur öffentlichen Besp F. M. Maler. Dem Buchstaben des Gesetzes nach Polizeibeamten im Recht—> ob die Handlungsweise aber# lich war, das ist eine andere Frage. A. S. MiiUerstr. 8, Die persönlichen Beschuldig» die Sie gegen die betreffende Persönlichkeit richten, scheine» jeden Grundes zu entbehren. Bringen Sie, wenn es Jh>» nothwendig erscheint, die Angelegenheit in Ihrem Verett Sprache. 1 0). St. 3. 1. Klosterstraße 36. 2. Wenn die jähr» Miethe 150 M. beträgt, nein, wenn mehr ja. Lnrstrnstraße 11. Die Zeitung soll erst noch erschein Ruhla. Hat in der Nummer vom 22, September geftl» Wir sind übrigens Leidensgefährten. Zwei Wrttrndr. Es giebt mehr Frauen als MW Deutschland. Arndtstraße. Lorenz. Nach wie vor mit„sch» Patronen. F. H. 19, Ein rein geselliger Rauchklub braucht 1 polizeilich angemeldet zu werden. R. M. Es besteht kein Gesetz, welches den Familie» gezogener Reservisten eine Unterstützung gewährt. W. Stock. Das Projekt tauchte allerdings schon b Zeit vor dem Sozialistengesetz auf; ob aber gerade 1873,# wir nicht. §, S. Es ist nicht recht klar, welche Anwaltskosttf Ihnen gefordert werden. Zu mündlicher Auskunst F bereit. S Son |l«t =3 tag Achtung! Arbeiter! In der Hnchdruckcrri und Kontobnchfabrik von JuHus Rosenthai(Inli. L. Gronau) Alexandrineiistraße 97, hat gestern sämmtliches Personal, wie Kuchdrucker, Snchbinder, Hilfs arbetter und Hilfsarbritrrinnrn, wegen Berkiirzllllg her Arbeitszeit bie Arbeit ei Zuzug ist fern zu halten 925 lei* Vorstand Oer Vorstand bis Vereins der Berliner Buchdrucker I des Fachvereins der in Buchbindereien ...... erw.B............~"m und Schriftgießer. u. verw. Betrieben beschäftigten Arbeiter. Grosse ö�entBiche ÄMMnalMbler-AersmiillW am Mittwoch, den 8. Oktober, Abends 8 Uhr, (■mLokale„Sanssouci", Kottbuserstrasse Mo. 4a. Tages-Ordnung: 1. Die Sanitätswachen und die Feuerwehr. 2. Die Petition der Maurer. 3. Diskusston. Referenten: Herr Schuhmachermstr. Metzner und Herr Kaufm. Flatow. Die Stadtverordneten der Sozialdemokratie sind alle dazu eingeladen. 939 Der Einberufer: Grnndrl. Fachverein der TischSer(jnr bei! Well umi) HMell Wrbezirk). Am Mittwoch, den 8. Oktober, Abends 81 e Uhr, im Lokal Königshof, Bülourstrasse 37—40 s WF Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: I. Vortrag des Herrn Bruns über:„Bodenbesitzreform und Sozialis- Mus. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Die Mitglieder und alle dem Verein noch fernstehenden Kollegen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen, damit die» Versammlung nicht wieder wegen zu schwachen Besuchs muß geschlossen werden._[926] Der Bevollmächtigte. Oeffentiiche WersammUung der Zimmerleute Derlius, Ein strammer Sozialdemokrat ist an- gekommen. L. Reiß, Fricdrichsberg. Die Verlobung meines Sohnes Gustav Hahn mit Franziska Fischer vom 26. September erkläre ich für un- giltig, da es ohne meine Zustimmung geschah. 933 Fr. Hahn, Restaurateur, Jahnstraße Nr. 3. Die Verdächtigung, welche ich gegen Herrn Schulz, Mittenwalderstraße 13, zu anderen Miethern im Hanse ge- spräche», nehme ich hiermit zurück. 929 Frau Mrotzek, Mittenwalderstr. Nr. 13. 935 Achtung! Am Sonnabend, den 6. September, ist auf dem Stiftungsfest des Sozial- demokratischen Lese- u. Diskutiervereins Herwegb ein Notenbuch des Gesangvereins Arion, betitelt:„Die Palme", verloren gegange». Der ehrliche Finder wird dringend gebeten, selbiges im Vereinslokale, Forsterstr. 45 b. O. Lincke, abzugeben. Der Vorstand. Zentral-Kranken- u. Sterbe- kasse der Maler zc. (E. H. Nr. 71. Sitz Hamburg.) Filiale S. und Sozi keine liefere 'S CQ Winter-Paletots Leseklub Humanität. 932 Versammlung am Mittwoch, den 8. Oktober, Abends 8Vz Uhr, im Lokale des Herrn Schmidt, Fricdrichsberg er- Strasse 19. Gäste willkommen. well am Mlttwoc e auf dem Boden der lokalen Organisation stehen, den 8. Oktober, Abends, in Behlitz' Salon, Bergstrasse No. 12. Tagesordnung: Konserenz der Vertrauensmänner zu Halle. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 940 Der Einberuser: Julius Durowki. Sozialdemokratischer Wahlverein des 6. Berliner Reichstags- Wahlkreises. Dienstag, den 7. Giltober, Abends 8V2 Uhr, Im Kante der Uorddentsche» Dranerri, Ehausseestraße Ur. 58: Grosse Wersammlwog. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn 18. Eaginski über:„Sozialismus und Anarchismus". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragckasten. 923 Gäste sehr willkommen. Ausnahme neuer Mitglieder. Zur Deckung der Unkosten sindct eine Tcllersammlung statt. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Oer Vorstand. Wntliche IreWr- WmmluMß _ am Dienstag, den 7. Oktober, Abds. 8 Uhr, in„May's Festsälen", Beuth- Strasse Ho. 22. Tages-Ordnung: 1. Der Rathenower Streik und seine Bedeutung für Berlin. 2. Dis kussion. 3. Bericht der Delegirten der Berliner Slreik-Kontrolkommissio». 4. Verschiedenes. 910 Alle Berufsgenossen sind eingeladen. Die Lohnkominissiona Fachverein der Tischler (für den Osten). Crosse Mersammlwog am Dienstag, den 7. Glrtober, Abends 8V: Uhr. im Saale des Herrn Jost(friiher Ketlrr), Andveasftraß- Jtr.■il. 906 Der Bevollmächtigte. Ueste v.3�e—5Meter spottbillig. |EuiÜ Leffevre, Granirnstr. 138,| Proben franko! [744 -Anzeige. geehrten Kunden ergebenste Anzeige: Wegen Aus- des Vizewirths Manteuffel Geschäfts Hierdurch meinen die ergetr"1" miethung straße 82 habe ich meinen Jungbier Verkauf nach nebenan Nr. 83 verlegt und bitte das mir geschenkte Vertrauen auch fernerhin bewahren zu wollen. 945 Hochachtungsvoll Henriette Freitag, Manteuffelstr. 83. Rohtllbllk A. Goldschmidt, Spandauerbrücke 6, am hiesigen Platze bekanntlich Größte Auswahl. Garailtirt sicher brenuellde Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel besindl. Rohtabake sind am Lager. A. Goldschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt.[746 ftiur I Mark Klagen, Eingaben, Rath in Prozessen, Einziehung von Forderungen.[772 Pollak, jetzt Georgenkirchstr. 24 11 Iither-Uuterr.It.NolcsI,Gartenstr.l5g 3 J» o o in allen Farben, elegant sitzend, gut gearbeitet.. 1 Baruch(vormals Adler& BarucWi 143. Oranienstraße 143, zwischen Moritzplatz und Brandenburg st raß� Feste Preise. 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Lindstädt, SS* gWiJttPt. 34, p«t. Verantwortlicher Redakteur: Curt Kaakr in Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SW., Beuthstrahe 2.