Ur. 335. Donnerstag, de« 9. Oktober 1890. y. Jahrg. Organ für die Znierefsen d- Arbeiter. e# gen* ie- � etc. liww* ir, hör.) Das„Berliner Bolksblatt" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei in's HauS vierteljährlich 3.30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem..Sonntags-Blatt" 10 Pf. Vostabonnement 3.30 Mark pro Quartal. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 392, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 3 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die Sgespaltene Pctitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS» Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Erpedition, Berlin SW., Beulhltraße 3, sowie von allen Annonccn-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentageir bis 1 Uhr Mittags und, von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -« Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4100.«■> T?rd0lltkion: Veukhüvertze 2.— Expedikron: 3. Es urirfc Ernst «ift der Bekämpfung der Sozialdemokratie. Um jeden Preis soll uns der Garaus gemacht werden. Ueberall ver- sucht man, die übrigen Klassen gegen die Arbeiter aufzu- Hetzen und reaktionäre Organisationen gegen die Sozial- demokratie zu gründen. Derartige Gründungen tragen— !. gleich anderen Gründungen— meistens einen geschäfts- Mar»- mäßigen Charakter, wie z. B. diejenige, deren Prospektus uns soeben für unser Raritäteukabinet übersandt worden jist. Das Ding sieht ganz reputirlich aus und wunderbar harmlos, hat aber den Schalk hinter ihm. Es ist ein Doppel-Ouartblatt bedruckten, tadellos weißen und elegant satinirten Papiers, dessen Gefährlichkeit jedoch sofort durch die Mahnung Vertraulich!, welche uns an der Spitze der ersten Seite rechts und links, gleich zwei grimmigen Thorwächtern entgegenstarrt, dem Schauenden verrathen wird. Das corpus delicti ist so interessant, daß wir es unseren Lesern nicht vorenthalten können. Der Text des bedruckten Doppel-Quartblattes lautet wie folgi�: „Datum des Poststempels. Aufruf. Hochgeehrter Herr! Sozialdemokratische Agitatoren verkündeten in Ver- Sammlungen und Blättern, daß sie nach Ablauf des ozialistengesetzes durch neue Zeitungen, Flugblätter, Volks- ersammlungen u. s. w. mehr wie je Propaganda für ihre äst umstürzlerischen Zwecke machen wollen. W\< Wie weit es hierin bisher schon gekommen, bedarf Pi-keiuer Klarlegung. Eine die gesammte Industrie mehr uud Gänstmehr bedrohende Waffe ist in den Händen der Umsturz- L,»Partei die„Streikbewegung" geworden, die in England 4 weitesten gediehen, in Deutschland sich einer ähnlichen Entwickelung nähert. tspM Von den Führern der Umsturzpartei wird in den Ar- N. Meiterkreisen systematisch eine mehr und mehr steigende Ve- �"Süehrlichkeit geweckt,— jedes Ansehen, jede Autorität, jede Religiosität und jeder Patriotismus werden cynisch unter- in R"®aben, um die in solcher Weise verblendete Menge V. �evolutionäre» Zwecken dienstbar zu machen. zur'6p Auch auf dem Lande findet an vielen Orten bereits an...üu geheimer Vertrieb sozialdemokratischer Schriften statt, idarbe> lud hier uud da Haben die vor' nichts zurückbebenden 10-- Volksverführer schon versucht, das Gift ihrer Irrlehren « die Armee zu tragen. Ueberall wird erkannt, daß hier etwas geschehen muß, pen�tud hier uud da haben sich auch Industrielle zu Schutz- Femttetcm. "äbvutf verboten.! fÄ, Ä verbänden zusammengefunden. Diese Verbände sind zu- nächst aber nur eine Abwehr gegen die immer höher fluthende Bewegung der Streiks, und noch fehlte es bisher an einem Verbände deutsch erStaatsbürger, welcher sich die Aufgabe stellte: d i e destruktiven Tendenzen und mit ihnen die sich mehr und mehr steigernde Begehrlichkeit der Anhänger der Sozialdemokratie zu be- kämpfen. � Allen zivilisirten Staaten droht die Gefahr des inneren Zerfalles. Durch die Streiks sind Lebensmittel und die nothwendigsten Verbrauchsgegenstände jedesmal höher im Preise gestiegen und werden durch dieselbe Ursache auch ferner mehr und mehr im Preise steigen. Das kleine und mittlere Beamtenthum, der kleine und mittlere Bürger- stand werden sich durch diese Vertheueruug schließlich einem Nothstande gegenüber sehen, der die unberechenbarsten Folgen haben muß. Hier kann die Staatsregierung allein nicht helfen, und so haben denn auch die Worte Sr. Majestät des Kaisers und Königs, welche Allerhöchstdersflbe in Breslau sprach, den weitesten Widerhall gefunden. Se. Majestät sagten bekanntlich: „Ich knüpfe hieran den Wunsch, daß dieses gute Beispiel, welches die Provinz gegeben hat, ohne Unterschied der Parteien und Konfessionen von allen Theilen meines Staates befolgt werde, daß unsere Bürger endlich aus dem Schlummer erwachen mögen, in �deni sie sich so lange gewiegt haben, und nicht bloß dem Staat und seinen Organen die Be- kämpfung der umwälzenden Elemente überlassen, sondern selbst mit Hand anlegen. Ich habe die Ueberzeugung, daß, wenn die Provinz beharrt ans dem jetzigen Wege, es nicht nur der Provinz, sondern auch meinem ganzen Lande gelingen wird, iviederherzustellen die Achtung vor der Kirche, den Respekt vor dem Gesetz und den unbedingten Gehorsam gegen die Krone und deren Träger. Eingedenk dieser kaiserlichen Worte und in Erwägung des vorher Gesagten hat sich in Berlin der Verein zur Bekämpfung der zersetzenden Bestrebungen der Sozialdemokratie gebildet. Das Ziel des Vereins soll erstrebt werden durch Ver- trieb und Verthcilung zu diesem Zwecke geschickt ver- s a ß t e r Schriften in jederlei Gestalt, sowie durch alle sonst geeigneten Mittel, welche die entsprechende Belehrung der Massen und Warnung vor dem Gifte v o l k s v e r f ü h r e n d e r Tendenzen zu Uictoria. Roman von Minna K a u t s k y. Konräd Riehl aber versicherte, daß er einein so kühneu .[lufie nicht gewachsen sei. Er wolle überdies seine Arbeiter („„iiisticht unglücklicher machen, als sie ohnedies schon seien. , rücke'' Worauf der Finanzier lächelnd erwiderte, er hätte nn'tlWnrecht, eine Chanze nicht zu benutzen, die sich ihm dar- aete, die ihn retten könne und die morgen ein Anderer be- „pamMtzen wird. ■ AmioL."Al561 lassen Sic das Alles meine Sorge sein; gebe» ma' mi1' Vollmachten, willigen Sie in die Liquidation iiierbr i lch werde alles arraugiren." Aber Konrad Riehl wies Anerbieten trotzig ab. Er wollte von diesem Manne llcs oder iiichts. Nachdem er ihm die Tochter verweigert, .„.dollte er ihm nichts zu danken haben, auch nicht die eigene Ä. zistRettnug. Er ging. Am Nachmittag suchte er Hanna ans. kkk�Hie schien ihm verändert. Der Vater halte ihr wohl alles Sarle�xsngt, und er hatte nun das Gefühl, als löse sie sich von DflMhm ab, als zöge sie sich leise von ihm zurück. Sie hatte "echt. Was konnte er dieseni verwöhnten, im fürstlichen »xus erzogenen Mädchen noch bieten? Oder hätte er wirk- ch glauben können, Hanna würde unter allen Umständen m angehören wollen? Nein, nichts berechtigte ihn dazu. , a§ Opfer wäre auch so groß gewesen, daß er es nicht ein- I, pal hätte annehmen dürfen. Gedchmüthigt, verbittert, aufs �jWefste verletzt, zog er sich wieder nach seiner ländlichen Be- Atzung zurück. rkt. In der letzten Zeit hatte er inmitten seines großen Park einen Villenbau begonnen. Künstlerisch und luxuriös ans- gestattet, wie es seinem gebildeten Geschmack cut- sprach, sollte es ein wahres Kon Eetiro werden, das der Lärm der Fabrik, nicht erreichte. Mehrere reizende, mit einer gewissen Koketterie eingerichtete Zimmer verriethen all die zärtlichen und kühnen Hofs- nnngen, mit denen er sich getragen. Jetzt wurde der fast vollendete Bau in seinen Einzelheiten umgeändert. Er sollte einen andern Geist erhalten, einen andern Charakter. Es sollte eine Art Museum werden für seine Kunstschätze und er wollte sich mit denselben einschließen, um von der Welt nichts mehr zu hören und zu sehen. Und wieder überließ er jede geschäftliche Thätigkcit seinen Beamten und verlaugte nur Geld, Geld für die Ans- stattnug und Ausschmückung seiner Villa, die ihm einzig am Herzen lag. Aber es kam der Tag, ivo er seine fälligen Verbindlichkeiten nicht mehr erfüllen konnte. Das Liqnidationsvcrfahrcn wurde eingeleitet. Riehl erschien es fast wie eine Erlösung. Er konnte hoffen, immer noch einen Thcil seines Vermögens sich zu erhalten und er wurde so von einer Last befreit, deren er sich sonst nicht zu entledigen gewußt. Au diesem Morgen hatte er einen Brief des Bankiers Field erhalten, der ihn zu sich lud. Er hätte ihm günstige Propositioucn zu machen, schrieb er, die seine Lage wesentlich erleichtern könnten. Riehl hatte anfänglich überlegt und gezögert, jetzt war er entschlossen. Es war nicht Großmuth, was den Finanzmann antrieb, ihm die Hand zu reichen, es war die Aussicht auf ein vortheilhaftcs Geschäft. Gut, er sollte es machen. Er hatte seinen Wagen bestellt, um zur Station zu fahren Der Diener kam in diesem Augenblick und meldete, erreichen vermögen. Theils vom Geschäftsführer des Vereins, theils auch von anderer Seite(auf Kosten und Anregung des Vereins) sollen zuvörderst geeignete Schriften in Volks- und Arbeiterkreisen verbreitet werden. Einer von den Wegen, welche solche Verbreitung ermöglichen, ist in der unlängst er« schienenen Broschüre:„Sozialde»' kratie und Volksliteratur" (von Carl Wald in Berlin) i sicher angegeben. Der Verfasser regt die Schaffung chriften an, welche der sozialdemokratischen Volksverdn b entgegenzuarbeiten ver» mögen, und legt klar, wie die,elben beschaffen sein müssen und auf welchem Wege sie Eingang in die betreffenden Kreise finden können. Eine Anzahl bedeutender Männer haben, unter warmer Anerkennung dieser Ziele, dem Verfasser besagter Schrift brieflich ihre vollste Zustimmung ausgesprochen. So unter Anderen: Der Herr General-Feldmarschall Gras Moltke, der Herr General Bronsart von Schellendorf, Kommandeur des I. Armeekorps, die Herren Staatsnünister Dr. Miguel, von Puttkamer, weiland von Könneritz(Sachsen), von Krosigk(Dessau), Dr. Stichling(Weimar) u. s. w. Ferner der Herr Erzbischof von Trier, die Herren Geheimen Kommerzienräthe Friedrich Krupp, Haltsemann, Dr. jur. Hamlnacher u. s. iv. u. s. w. Nach erfolgter Konstituirung des Vereins zur Be- kämpfung destruktiver Tendenzen wurde von demselben der Beschluß gefaßt, eine größere Anzahl von Vertretern der staatserhaltenden und patriotisch gesinnten Bürgerschaft zum Beitritt einzuladen und dann Sr. Majestät dem Kaiser und König eine Adresse unter Namhaftmachung sämmtlicher Mitglieder zu überreichen, um so darzuthun, daß der Mahnung Sr. Majestät von den Mitgliedern unseres Vereins nach besten Kräfren Folge gegeben werden soll. Unser Verein bittet nun auch Sie, hochgeehrter Herr, um Ihre geschätzte Mitgliedschaft. Es ist uns versichert worden, daß es Ihnen gegenüber nicht einmal des Hin- weises auf den Ernst der Situation, auf das rapide An- wachsen der Sozialdemokratie und die immer weiter dringende Verbreitung der verderblichen Tendenzen derselben bedürfen würde, sondern daß Sie freudigen Herzens jedem gemein- nützigen Werke, schon um seiner Gemeinnützigkeit willen, Ihre vollste Theilnahnre zuzuwenden pflegen. Der Jahresbeitrag ist auf M. 20,— festgesetzt und an den milunterzeichneten Geschäftsführer des Vereins, Herrn Carl Wald, Berlin SW., Lindenstraße 9 gleichzeitig mit der Beitrittserklärung einzusenden. daß derselbe bereit sei. Zugleich überbrachte er einen Brief in ziemlich großem Format. Konrad besah ihn, er war von Field. Er öffnete das Kouvert. und entnahm eine Karte. Sie enthielt eine Ver- lobuugsauzeige. Herr und Frau Field brachten hiermit die Verlobung ihrer Tochter Hanna mit dem akademischen Maler Eugen Oswaldt zur allgemeinen Keuutniß. Konrad hielt das Blatt in den Händen und sein Auge starrte nnverivandt darauf, als stände er vor einem Räthsel. Oswaldt— Oswaldt, flüsterten seine Lippen— und Hanna! Es ist nicht möglich! Daun verzog sich sein MunS zu einem höhnischen Lächeln. Er gedachte einer jener glänzenden Soireen im Hause Field und eines jungen nnscheinbareu Menschen, der ihm daselbst als Maler Oswaldt vorgestellt worden war. Er sah ihn vor sich mit dem schlecht sitzenden schwarzen Rock und den schlechten Manieren, der an einem Abend tausend Ungeschicklichkeiten beging, oder in die Fensterecke eines Salons sich zurückzog, von wo er das Treiben mit glcichgiltigen Blicken beobachtete uud dabei leise vor sich hin pfiff. Wie oft hatte Hanna und er über diesen Oswaldt gelacht, wie oft hatte sie selbst ihn in seiner Einfalt un- barmherzig preisgegeben, und nun hatte sie eingewilligt, seine Gattin zu werden. Aber war es denn möglich? Und was hatte Field dazu vermocht, seinen Liebling einem Künstler zu geben, dessen vornehmster Gönner er selbst war, dessen, allerdiirgs vielversprechendes Talent sich erst zu ent- wickeln begann, der heute also weder Vermögen, noch Ruf besaß? Und doch war es geschehen, hier stand es ja deutlich, sie waren verlobt! Seine innere Bewegung hatte ihn vorwärts getrieben. _ Die auf ein Jahr lautende Mitgliedskarte u. s. w., sowie fortlaufende Berichte werden Ihnen pünktlich zugehen, ebenso wie Sie Ort und Zeit unserer Versammlungen regel- mäßig angezeigt erhalten. Mit vorzüglichster Hochachtung Der V o r st a n d. Im Auftrage: Chefredakteur Carl Wald.— Fabrikbesitzer Julius Heß. Verlin SW., Lindenstr. 9. Berlin SO., Bethanienufer 6. Vorsitzende. Zum Zwecke möglichst schneller Verbreitung und euer- gischer Beförderung der Interessen des Vereins werden Anmeldungen zur Mitgliedschaft baldigst erbeten." Dies das Corpus delicti! Die Herren Gründer sehen, daß wir ihrem Wunsche„möglichst schneller Verbreitung" zuvorkommendst entsprochen haben. Indem wir dem Herrn „Chefredakteur Carl Wald" ein recht gutes Geschäft wünschen— uamentlich'massenhaftenAbsatzseiner„Broschüre" in den Kreisen derer, die nicht alle werden— verabschieden wir uns für heute von den Herren Gründern. Sollte ihr „Verein" ins Leben treten und sich uns bemerklich machen, dann sprechen wir uns vielleicht wieder. _ Und nun ein Wort mit der„Leipziger Zt g.", die in ihrer vorgestrigen Nummer einen langen Artikel„Zum sozialdemokratischen Programm" bringt. Das Wort Pro- gramm wird von der„Leipziger Zeitung" in Anführungs- zeichen geseht— offenbar, weil sie die Sozialdemokraten mit ihren sächsischen Blümchen-Konservativen verwechselt, für welche ein Programm allerdings ein böhmisches Dorf ist. Die„Leipziger Zeitung" ärgert sich wieder einmal über uiis, weil wir ihr die Geheimnisse des Zukunfts- staats nicht verrathen wollen. Sie meint: „Jahrzehnte lang hat man den Arbeitern vorgeredet, daß der sozialistische Staat s ch o n j e tz t möglich sei. Jahr- zehnte lang haben die Arbeitermassen schwere Geldopfer getragen,_ weil man ihnen versprach, daß sie die Frucht dieser Opfer im sozialistischen Staat selbst noch ernten würden. Da auf einmal kommen die Herren Parteiführer und erklären: wie jener Staat aussehen werde und wann seine Zeit gekommen sei, könne jetzt noch kein Mensch sagen. Voraussichtlich könne es sich noch um Hunderte von Jahren handeln. Denn so lange dauerte es bekanntlich, bis die „Tpvannei der Zunftmeister" dem Zeitalter der„Dampf- Maschinen, Eisenbahnen, Telegraphen, den Hilfsmitteln der modernen Chemie und Technik" wich. Ja selbst ob dieser sozialdemokratische Staat überhaupt jemals kommen werde, muß den Gläubigen zweifelhaft werden. Denn daß_ einmal das Zeitalter der„Telegraphen, Dampfmaschinen, Eisenbahnen" anbrechen werde, haben im Zeitalter der„Zunfttyrannei" bekannt- lich auch die Weitblickendsten nicht geahnt und vor- auszusagen gewagt. Auf die bloße Möglichkeit hin, daß in der Technik wieder einmal eine große, bahnbrechende Umwälzung eintritt, von der kein Mensch weiß, ob sie jemals kommen und wie sie aussehen wird, auf diese Möglichkeit hin bildet man eine Partei und muthet man dem Arbeiter zu, seine Sparpfennige an die Kasse der- selben abzuliefern? Wo man es auch anfaßt, dieses Hirngespinn st, seine Tollheit ist so offenbar, daß sie am Ende auch noch dem einfachsten Arbeiter einleuchten wird." So die„Leipziger Zeitung". Also„m a n hat den Arbeitern Jahrzehnte lang vorgeredet, daß der sozialistische Staat schon jetzt möglich sei." Wer ist„m a n"? Niemand anders als die„Leipziger Zeitung" und ihres Glei-chen— sicherlich kein Sozialist. Das Organ der sächsischen Regierung ist da auf seine eigenen Lügen hineingefallen. N i e hat ein Sozial- dentokrat daran gedacht, solchen Unsinn zu versprechen— nie würde ein Sozialdemokrat solchen Unsinn geglaubt haben, wenn er ihm versprochen worden wäre. Uebrigens mag die„Leipziger Zeitung" sich trösten, Jetzt ließ er sich, als gehorchte er einer plötzlichen Schwäche, auf einer Gartenbank nieder. Was Hanna wollte, das würde sie durchsetzen, er traute es ihr wohl zu. Sie liebte ihn also und verlangte nichts als Gegenliebe? Ungläubig schüttelte er den Kopf. Nein, er konnte sich das stolze, vielverlangende Mädchen nicht so genügsam denken. Oder gefiel sich ihr Stolz eben darin, einen Mann, nein, einen Sklaven zu haben, der ihr alles verdanken sollte, um dafür in ewiger Anbetung zu ihr auf- zusehen? Er will es erfahren. Er ist im Begriff, Ficld auszusuchen, er wird sie sehen, und ihn, und alles andere er- rathcn. Er erhob sich und ging rasch den breiten Kiesweg ent- lang der Villa z Einige Minuten später rollte der Wagen durch das rückwärtige Thor des Parkes der Bahnstation entgegen. Als er daselbst anlangte, wurde soeben ein herein- kommender Zug jignalisirt. Nach Ankunft desselben dauerte es noch einige Minuten, ehe der nach Wien verkehrende abging. Er mar zu früh gekommen. Am Perron befanden sich eine Anzahl Personen, dar- unter Frau Brandhofer und ihre Tochter, sie erivarteten Brandhofer junior, den künftigen Professor. Der Alte, voll übler Laune, wai/ nicht mitgekommen. Der Zug pustete heran und hielt. „Dort ist er, dort," rief Mili,„er ist dritter Klasse ge- fahren." „Das hätte er nicht thuu sollen," meinte die Mutter, fast genirt.„Das paßt doch nicht mehr für seine jetzige Stellung." Ein blonder, junger Mann, dessen unbedeutendes Ge- ficht durch die Brille, die auf seiner Nase saß, eine gewisse Wichtigkeit erhielt, sprang ab und kam ihnen mit einem glücklichen Lächeln entgegen. Er wurde von den Beiden abwechselnd auf das Heftigste umarmt und geküßt und wie im Triumph dem Ausgange entgegen gedrängt. „Aber Dein Gepäck?" fragte die Mutter in großer Aufgeregtheit,„gieb mir nur rasch den Schein, Rudi." — wir wollen mit unserem Zukuuftsstaat nicht warten, bis eine neue Revolution in der Technik eintritt. Schon deshalb nicht, weil es keiner neuen Revolution bedarf, sintemalen wir mitten in der Revolution drin sind— auf technischem wie auch auf anderem Gebiete. Ja, die Revolution ist schon da, welche uns— sicher zu früh für die„Leipziger Zeitung" und ihres Gleichen— in den Zukunftsstaat führen wird. „Das Völkchen merkt den Teufel nicht, Und wenn er sie beim Kragen hätf." Novvefpondcttjen. Mailand, 5. Oktober 1890. Das Consolato operaio cki M i 1 a n o, welches gestern dem Kongreß zu Halle eine Adresse zu senden beschloß, ist eine Gruppirung verschiedener Arbeitervereine, jedoch nicht ausgesprochenen sozialistischen Charakters. Ihr Vertreter ist der Parlamentsabgeordnete für Mailand: Antonio Masfi, der als republikanisch gesinnter, bürgerlich radikaler Demokrat gilt. um so mehr ist es heroorzuheben und bedeutsam, daß dieser Vertreter der bürgerlichen Demokratie durch die Gewalt der be- geisterten Stimmung, die unter den Arbeitern Italiens für die deutsche Sozialdemokratie herrscht, gezwungen ist, dem von ihm geleiteten Verein diese sehr bemerkenswerthe Adresse vorzuschlagen. Es zeugt diese Thatsache aber außer von dem mächtig gesteigerten Solidaritätsgefühl der Arbeiter aller Nationen, immer- hin auch von einer freieren und kühneren Gesinnung der italienischen bürgerlichen Demokratie, als sie jemals dem deutschen demokratischen Bürgerthum innegewohnt hat. Unmöglich sich vorzustellen, daß auch der radikalste, republikanisch sich geberdende Volksparteiler Süddeutschlands einen von ihm geleiteten Verein eine selbst abgeschwächt ähnliche Adresse nach England— von Frankreich zu schweigen— oder nach Italien senden läßt. Hier ist die Adresse in deutscher Ueoersetzuug: Arbeits- und Kampfgenossen! Der Feudalismus, die Priesterherrschaft und die Bourgeoisie — das heißt die Vergangenheit— hielten die Völker durch künstliche Schlagbäume, durch Vorurtheile und durch gegenseitigen Haß getrennt, der vierte Stand— das heißt die Zukunft— reißt jene Schlagbäume nieder und überwindet Vorurtheile und Haß, und bewirkt, daß der Herzschlag des Proletariers des Einzellaudes zum universalen Herzschlag wird. So sehen wir, daß die moralischen Errungenschaften der kühnen Sozialdemokratie Deutschlands ein Erbgut werden der Arbeiter der ganzen Erde; so sehen wir, wie der Erinnerungstag des Falles des Gesetzes gegen die deutschen Sozialisten sich als ein politisches Weltereignis! darstellt und wie das Echo des Kon- gresses zu Halle als Lösungswort wiedertönt überall dort, wo der Kampf zwischen Vergangenheit und Zukunft, zwischen Vor- rechten und Gerechtigkeit entbrannt ist. Das unterzeichnete Konsulat, als Vertreter der demokratischen Arbeiterschaft Mailands, sendet der Sozialdemokratie Deutsch- lands, welche zu Halle jene Errungenschasten mit Nachdruck bestätigt, die sie ausschließlich ihrer eigenen Energie verdankt, den Gruß der Brüderlichkeit als Pfand der Solidarität und als Aus- druck des Wunsches zu ferneren Siegen. (Folgen die Unterschristen.) Ztottkisihe Mebvrstrhk. Der Widerspenstige Tvdte— le mors ricalcutrant, wie die Franzosen den todten Mann von Friedrichsruhs nennen— giebt sich die erdenklichste Mühe, der Welt weiß zu machen, nicht e r sei es gewesen, der aus der Verewigung des ungemilderteu Sozialistengesetzes bestaudeu habe. Er scheint Äugst zu bekommen vor dem UrtheU der Nachwelt, die allerdings mit den Urhebern des Sozialistengesetzes streng ins Gericht gehen wird. Und vor allen mit dem Haupt- schuldigen: dem Fürsten Bismarck. Das Telegramm, welches dieser unmittelbar nach dem Knall des Hödel-Terzerols ins Ministerium schickte:„Ausnah m e- gesetz gegen die Soziali st en!" zeigt, daß es sich bei Einbringung des Sozialistengesetzes um einen langer Hand vorbereiteten Plan handelte, zu dessen Ausführung nur eine Gelegenheit erwartet wurde. Und welches die A b s i ch t e n des Fürsten Bismarck waren, das ist später von ihm selbst offen eingestanden worden: er wollte durch Jnszenirmtg des rotheit Gespenstes und durch die Veranstaltung von Neuwahlen mitten in der Weißglüh- „Ich habe nur Handgepäck mitgenommen," versetzte Rudi etwas kleinlaut, fügte aber sogleich mit Emphase hinzu:„Ich konnte doch nicht Alles mitschleppen, meine übrigen Sachen sind— deponirt." „Natürlich, natürlich," versetzte die gutmüthige Frau, ihn und sich selbst beruhigend. Emilie hatte einen examinirenden Blick ans die äußerst schäbige Kleidung ihres Bruders geworfen, konnte sich's denken, was es mit diesem Depot für ei.e Bewandtniß habe und das dämpfte ihre Freude. Sie hatte sich vorgenommen, mit dem Bruder Staat zu machen und nun kam er ihr so-- Die Mutter aber hängte sich fest an den Arm ihres Sohnes. Sie war glücklich. Und sie sah so befriedigt und stolz um sich, und grüßte die Bekannten mit jenem bedeutsamen Lächeln, das den Neid herausfordern möchte, weil man sich unendlich bevorzugt fühlt. Slit diesem Nachmittag ging in Kaltenbach das geflügelte Wort von Mund zu Mund: Braudhofer's Professor ist an- gekommen. Ein zweiter junger Mann hatte den Zug verlassen und erwartete sein Gepäck. Er war schlank und gut gewachsen, wenn auch etwas unter Mittelgröße und zeigte in seinem Aeußern ein Gemisch von Nonchalance und Geschniegcltheit, von natürlicher Anmnth und angewöhnter Eleganz. Seine Hantfarbe war brünett, das dunkle Haar in die Stirne geschnitten, sorgfaltig abgetheilt und gebrannt; das schwarze Schnurr- Kärtchen endete in einem weichen Schwung. Er trug eine echte Sommerkleidnng neuester Faqon, ja, in Schnitt und Ausführung von übertriebener Eleganz, wie sie von Bekleidnngskünstlern solchen Personen, die in der Mode sind, gerne angefertigt und oft aufgedrängt wird. Er war stark parfürmirt, so daß. er eine eigene Atmosphäre um sich verbreitete. Der junge Mann sah indcß mit frischen fröhlichen Augen um sich, wie Einer, der Bekanntes, ihm Lieb- gewordenes nach längerer Entfernung wieder sieht. Plötzlich schien er von einem bestimmten Gegenstand ge fesselt. Er lüftete grüßend den Hut. Riehl dankte. Die beiden Herren näherten sich einander langsam. setzes offen zugeben. Einfälle nicht früher blühte und Bismarck ihr Treppenwitz uns Professor Delbrück, Hitze des Sozialisteuschreckens die O p p o s ili niederwerfen, welche im Reichstag die MW hatte, und sich wieder fest in den Sattel schwingen.�' Sozialisten wurden also den Machtinteressen des FM Bismarck geopfert, der sich in seiner Hausmeierschaft bcd» sah. Und daß dieses schwere Verbrechen ans egoisw politischer Berechnung, der kalten Staatsr« zu Liebe verübt ward, das verdoppelt noch die Schuld' Fürsten Bismarck, dem es nie wieder gelingen wird, sich 1 zu waschen. Die Sefstnee Uevolutio» ist zu Ende. Am ro% Sonntag— in freien Staaten wählt man meist Soiwl für Kundgebungen des Volkswillens— fand die allgeUs Volksabstimmung statt, und das Resultat war: die k a l e n siegten mit einer allerdings kleinen Minderheit>s die Klerikalen. Die Radikalen dürfen jetzt nur nicht in■ Eehler ihrer Gegner verfallen und nun ihrerseits diese d indig mundtodt machen. Der Grund des letzten Ausbr- lag bekanntlich darin, daß die Klerikalen, welche bei' vorletzten Wahl die Majorität erlangt hatten, ihren Geg* weder in der Regierung noch in der Gesetzgebung den- ringsten Platz und Einfluß einräumten. Würden die kalen es jetzt ebenso machen, so wäre über kurz oder» der Ausbruch einer neuen Revolution sicher. Das* nünftigste wäre die Abschaffung des bisherigen Wählst!» und die Einführung der P r o p o r t i o n a l w welche jeder Partei die ihrem Zahlenverhältniß entsprev Vertretung gewährt. In der Schweiz ist die Proportil» wähl bereits in mehreren Kantonen z. B. in N e u e n b» eingeführt, und in anderen z. B. Genf ist man darait einzuführen. 1 Späte Einsicht. Jetzt, wo das Sozialistengestz gests kommen Stimmen über Stimmen aus dem Lager u»! Gegner, welche die Schädlichkeit und Verwerflichkeit der Schade, daß die Herren ihre> gehabt haben, als das Gesetz noch Reichskanzler war. Jetzt' nur ein Lächeln abnöthigen. der freikonservative Redakteur „Preußischen Jahrbücher", gehört jetzt zu denen, die todten Gesetz noch feierlich den Abschied geben. Gleich« plädirt er aber auch für eine„von großen Gesichtszug getragene Behandlung der Sozialdemokratie. Nur« kleinlichen Polizeimaßregeln! ruft er, am allerwenigst' Bezug auf die Versammlungs- und Redefreiheit. Mit boten und Auflösungen von Versammlungen thue ma», den Agitatoren einen Gefallen. Sie wissen, daß keine< Reden eine solche Erbitterung in den Massen ist rufen kann, als das Polizeigebot, das freie B flst' (dieses Wort hatte man lange nicht m Kartellbst gelesen) zwingt, auf Ausübung eines politischen zu verzichten." Ja, Professor Delbrück findet es i natürlich", daß diese Verbote zu„Tumulten" führten' den vielbeklagten Tumulten, die jahrelang ein so vo» liches Beweismaterial für die Nothwendigkeit des Sozial' gesetzes lieferten! Auch daß dieses Gesetz„eine tt lächerliche wie beschämende Ängstmeierei" unter best! scheu Bürgerthum erzeugt habe, giebt Herr Delbru» Damit aber unsere Freude über den neugewonnenen' kämpser keine ungetrübte ist, verkündet Herr Delbrück! Schluß, daß wenn die Agitation wirklich von Neuest Siedehitze von 1878 erreichen sollte, ein neues S»l li st engesetz gegeben werden müsse, daß sie uieverst Das ist so ungefähr dasselbe Lied, das die freikonsest „Post" auch schon gesungen. Der edle Wunsch steckt dast die Sozialdemokratie möge sich durch die wiedergeivst Freiheit zu den Thorheiten hinreißen lassen,� zu best Die Spitzel und agents provocateurs des verflossenen 2T nicht zn verleiten vermochten. Eitle Hoffnung! �Die s! ohren unserer Gegner sind auch durch eine macchiavellk' Maske nicht zu verbergen. Die Mahlversammlungen zum Kongreß i>»' haben nun überall stattgefunden. Wir können die Berichs hierüber in den Parteiblättern vorliegen, ihrer großen wegen nicht zum Abdruck bringen, und müssen uns auf die stellung beschränken, daß, so weit wir sehen, in allen diesig sammlungen der Organisations- Entwurf der Fraktion est in allen Punkten oder mit unbedeulenden Abänderung� nehmigt worden ist. Von der berühmten„Spaltung" der 6' demokratie war natürlich nirgendwo etwas zu merken. „Herr Oswaldt, ich bin erstaunt, Sie hier zu f und allein?".i „Wie Sie sehen, Herr Riehl, allein und verst' scherzte der Andere. j Riehl bemerkte, daß er soeben die Nachricht von f Verlobung mit Fräulein Ficld erhalten und stattete! Glückwunsch ab. Oswald dankte kühl mit verbindlichen Worten.. Riehl betrachtete ihn mit einiger Verwunderung-, sehr hatte sich dieser Oswaldt verändert, seit er strt| gesehen; alles Linkische war abgestreift und er hatte, das Aussehen und die Allüren eines vornehmen Dust genommen, und so hatte er sich denn in der kürzeste jenen Kreisen angepaßt, in denen er hinfort verkehre»| Hatte dies Hanna dewirkt? War die Liebe seiNM Meisterin gewesen? Der Gedanke irritirte ihn. „Ich stehe ini Begriffe, nach Wien zu fahre», 4 erwartet mich; treffe ich auch die Damen daselbst?" 1 „Gewiß, Frau Ficld wird mit ihren Töchte� ihrem Schwiegersohn erst morgen nach Amsterdam „Nach Amsterdam?", Oswaldt hatte ein feines Lächeln. Eine Mala ist in Aussicht genommen, natürlich nur für die-( Hierauf erfolgt ein kurzer Aufenthalt in Englast' denke, sie gehen nach der Jsle of Wight.", „Werden Sie die Damen nicht dahin begleiten- „Leider nicht," Oswaldt machte eine Grimasst-, folge einer Einladung des Fürsten Schwand«»»>' Güter in Böhmen; ich soll dort einige Jnteriest j nehmen, einige Studien ans dem Wildpark macststj„. weiß ich— au fin, nichts, was mich reizt, nichts,'st* 1 e Künstler befriedigen könnte. Außerdem wird st'% Gesellschaft, die sich dort versammelt, sehr in lLr nehmen, mehr als mir lieb ist, aber Ficld bestand j ich müsse' es annehmen— nun ja, es knüpfen sich'.. fache Vortheile daran, und so ließ ich mich bestiiiu»* ff � s Der junge Manu brachte dies Alles 2__ nonchalanten Tone vor, der seine Gleichgiltigkeit d sollte. (Fortsetzung folgt.) rj 4 & Auch die Liste der Delcgirten wird erst auf dem Parteitag genau festzustellen sein. Im Folgenden geji'en wir daS Wahl- resultat aus denjenigen Orten, aus denen es uns bisher be- kannt ist: Magdeburg: Klees, Adolf Schultze, Bremer; V. schleswigholsteinischer Wahlkreis: Kluß-Elmshorn und Kellermann-Jtzehoe; VII. schleswig-holsteinischer Wahlkreis: Heinzel Kiel, Lienau-Neu- Münster und Pittack-Nendsburg' Bremen: Zigarrenarbeiter Kcrrl; Bant: Paul Hug; Geestemünde. Redakteur Watermann; Krefeld: Karl Wesch; Köln: Lücke, Werner und Franz Baum; Elberfeld: Redakteur Grimpe und Tischler Gewehr; Solingen: Leven jr.; Atena- Iserlohn: Feilenhauer W. Hoppe; Herford: Josef Zwiener-Bielefeld; Bielefeld: Slomke; Halle a. S.: Grothe, Kaulich und Krüger; XVIII. sächsischer Wahlkreis: Schmidi- Zwickau, Colditz-Crimmitschau und Vogel-Marienthal; Mainz: Abg. Jöst und Schuhmacher Konrad; München: Birk. Goeschel, Urban, Goetzensberger, Vollmar und Schmidt; Lübeck: Schwarh und Pape; Osnabrück: Weber Schräder; Lüneburg: Tapezmr Kretschmer; Nordhausen i. Thür.: Glocke-Berlin und A. Gentzcl- Nordhausen; Königsberg: Tischler Lorenz; Nürnberg: Grillen- berger, Eitzinger und Breder; Fürth: Mechaniker Beck; Kaisers- lautern: Dr. Riidt; Karlsruhe: Rechtsanwalt Guttenstein und Photograph Volderaucr; Mannheim: Dreesbach, Hänsler, Thieß; Wiesbaden: Emil Fleischmann und Liebknecht; Hamburg I.: Schweer, Dubben, Lüttjens; II.: Stengele, Gottschalk, Hilmer; III.: Schwarz, Baumgarten, Meyer; Altona: Molkenbuhr; XIX. hannöverscher Wahlkreis: Jensen-Stade; VIII. hannöverscher Wahlkreis: Becker-Linden, Sittig und Potthast-Hannovcr; Offenbach: I. Orb; Freiburg i. Br.: Schuhmacher Haug; Würz- bürg: Segitz-Fürth und Ullrich-Heidingsfeld; Stettin: Fritz Herbert; Randow-Greifenhagen: Borkmann-Grabow; Lahr: .Dr. Stirbt; Frankfurt a. O.: Faber undBehrend; Wriezen a.D.: Salomon; Forst i. L.: Karl Urban. Drüben wie hüben und hübest wie drüben. Auf dem Pariser Kongreß entspann sich ein Streit darüber, die Bourgeoisie welches Lands wohl die schlechteste sei. Jeder glaubte in seinein Land die schlechteste zu haben, bis Lieb- tnecht den Streit dadurch schlichtete, daß er unter allseitigem Beifall erklärte: Jedes Land hat die schlechteste Bourgeoisie— die Bourgeoisie ist sich überall gleich. Und das dürste wohl stimmen. So meldeten wir dieser Tage, wie deutsche Bourgcoisblätter uns Landesverrath vor- warfen, weil uns ausländische Sozialisten zum 1. Oktober vegliickivüuscht hatten. Und heute lesen- wir in einem Pariser Bonrgeoisblatt, dem„Temps", die französisch c n Sozialisten, die uns deutsche beglückwünscht, hätten dw Interessen ihres Landes verrathen. Man sieht, nicht blas die deutschen Bourgeois leiden an Hirnerweichung.— (Sin sentimentaler Fälscher.„Durch die Bourgeois-" und sonstige Reaktionspresse geht nachstehende, dem„Schwäbischen Merkur", einem der berüchtigsten Kartellblätter ent- nvinmene Rühr-Rotiz mit der wehmüthigen Inschrift„Einst und Jetzt": „In unserer Jugend Tagen, da ein einiges deutsches Vaterland noch ein bloßes Gedankendiug, bei besseren und schwungvolleren Naturen ein Gegenstand der Sehnsucht und Hoffnung war, da begeisterten wir uns für jenes bekannte Lied von Tingelstedt„Die Verbannten", in welchem der Dichter 6 dunkle Ehrenmänner, und zwar einen Russen, eine» Spanier, einen Griechen, einen Schweizer, einen polnischen Inden und einen Deutschen, in irgend einer Schenke zusammentreffen und ihr. Schicksal erzählen läßt. Alle sind aus ihrem Vaterland vertrieben und jeder beschließt die Erzählung seines Abenteuerlebens mit einem Fluch auf sein Vaterland, , bis die Reihe des Erzählens an den Deutschen kommt, dem die Spießgesellen zurufen:„Komm' Deutscher, nimm Dein Glas zur Hand und thue, wie wir thaten, ruf Zeler aus Dein Vater- laiw, das Land, das Dich verrathen!" Der Deutsche aber ruft mit hocht.rhobe»er Stimme:„Das wolle Gott im Himmel nicht, daß Solches je geschehe! Nein, er mit deutscher Zunge spricht, ruft Teutschland niemals wehe! Und wenn ich sie, die mich verstieß, nie wiedersehen werde, mein letzt' Gebet und Wort bleibt dies: Gott schütz' die deutsche Erde!"— Mit schmerzlicher Wehmuth haben wir uns dieses herrlichen Liedes erinnert, als wir in den Berichten über die Feier der Aufhebung des Sozialistengesetzes, die in verschiedenen Berliner Lokalen' von den Sozialdemokraten zum Theil mit„Hissen einer rothen Fahne" veranstaltet wurde, lasen, daß in einem dieser Lokale der Gesang deZ sogenannten WeberliedeS mit tausendstimmigem Beifall und Jubel aufgenommen worden sei, dessen Schlußresrain lautet: „Teutschland, wir iveben Dein Leichentuch, wir weben hinein den ziviesachen Fluch!" Als Deutschland noch keine Nation war, sondern ein machtloses, in sich zerrissenes, den Spott der Nationen herausforderndes Gebilde, da hieß es:„Atem letzt' Gebet und Wort bleibt dies: Gott schütz' die deutsche Erde!" ,? iv,'' � lvir endlich und endlich nach langem Hoffen und giingens eine geachtete Nation geworden sind, da bringen es Burger des Deutschen Reiches fertig, zu singen:„Deutsch- laiw, wir weben dein Leichentuch und weben hinein deii zwiefachen Fluch!", und die das singen, werden von Tausenden bejubelt! Es ist ein Anblick, der die bittersten Empfindungen erregt, und dieser Eindruck verschärft sich bei der Erwägung, daß ein Franzose oder ein Engländer so etivas doch niemals fertig, bringen würde, geschweige eine aus Tausenden begehende französische oder eugliche Versammlung. Das Bitterste indessen ist der Gedanke, daß wir uns sagen müssen: Die so gesungen haben und Diejenigen, die Beifall geklatscht haben, s>nd doch meist nur bethörte Leute aus den Volksschichten, denen eine selbstständige Einsicht in politische Verhältnisse mangelt; aber was soll man von Denen denken, die, als Führer anderer Parteien, es fertig bringen, mit den Leitern solcher Vrrsamm- lungen politische Bündnisse zu schließen?" Tics der weinerliche, vielleicht auch h A m .................—, wciuselige Erguß. -wer ihn liest und einem patriotischen Kartellbruder auf 3 stbqrt glaubt, mnß denken: Das sind doch schreckliche Kerle, diese Sozialdemokraten, die ihr Vaterland verfluchen. stder aber einem patriotischen Kartellbruder nicht aufs Wort glaubt, der sagt sich: da muß irgend etwas nicht ganz richtig sein. Und so ist eS denn auch. Eine Katze kann das Mausen, ein Kartellbrnder das Lügen und Fälschen nicht lässen. Ter Refrain des herrlichen Webcrliedcs von Heine heißt nur im ersten Verse: „Detttschland wir weben dein Leichentuch". Im Schlußvers lautet der, den Inhalt des Liedes z u s a ni m e n s a s s e n d c Refrain: «Alt- Deutschland, wir weben dein Leicheiltuch, Wir weben hinein den dreifachen*) Fluch, Wir weben, tvir weben." A l t- Deutschland und Deutschland ist aber ein Himmel- tveiter Unterschied. Und heute heißt Ällt-Dcntschland das Deutschland des Sozialistengesetzes, das Deutsch- *) Nicht„zweifachen", wie der fälschende Kartellbrnder zitirt land der Bismarck, P u t t k a m e r, I h r i n g- M a h- low und Konsorten, das Deutschland der Brot- und F l e i s ch v e r t h e u r e r, das Deutschland der Kartell- b r ü der— kurz, das Deutschland derjenigen Parteien und derjenigen Praktiken, von denen unser Vaterland aufs Grund- lichste zu befreien die heiligste Pflicht jedes wahren Pa- triotcn ist. Kurz, die larmopante Käscnotiz läuft auf eine niederträchtige Fälschung hinaus. Unsere Feinde nennen das„Kampf mit geistigen Waffen!— Die„DationaMberale Korrespondenz" bemüht sich in einein spaltenlangen Artikel den Nachweis zn liefern, daß die Beseitigung des Sozialistengesetzes den Nationalliberalen sehr angenehm sei. Daß die gesammte nationalliberale Presse bis zum letzten Augenblick um die Erneuerung des Sozialistengesetzes bettelte und für den Fall der Beseitigung die sürchterlichsten Dinge ankündigte, war natürlich bloße V e r st e l l u n g.— AU' die dummen Lügen, mit denen man die Sozialdemo- kratie in den siebenziger Jahren bekämpfte, werden jetzt wieder hervorgeholt. Eine der beliebtesten Erfindungen, die das Herz jedes Kleinbürgers erfreute, war damals auch die Behanptnng, den sozialdemokratischen Arbeitern fehle es an Opfermuth; dramatisch wurde geschildert, wenn sich bei einer Tellersammlung jeder Versammlungsbesucher zu drücken suche, so daß schließlich das Siesnltat ein Hosenknopf oder ein falscher„Dreier" war. Diesen Witz verstand der Philister; war er doch so recht auf seine eigene Schäbigkeit und kknickerei zugeschnitten. Inzwischen ist daS Sozialistengesetz vorüber gegangen, und die iinvergleich- lichen Opfer, die während dieser Zeit von den Genossen überall gebracht wurde», waren so offenbar, daß sie auch von den Gegnern nicht mehr in Abrede gestellt werde» konnten. Und da kommt das„Berliner Tagebl." und erzählt seinen Lesern, in Guben hätte eine Veisammlung zur Wahl eines Delegirten nach Halle stattgefunden uno da— doch lassen wir das Blatt den an- geblichen Vorgang selber schildern:„.... kam der Kostenpunkt zur Sprache, und es wurde beschlossen, eine Tellersammlung zu veranstalten, um die in Höhe ron 40 M. bewilligten Reisekosten aufzubringen. Kaum begann aber der Teller die Runde zu .macyen, da wurde es lichter und lichter im Saal, und von den ursvnuglich zugegen gewesenen 140 Sozialdemokraten waren nur »och etwa 40 anwesend, so daß wahrscheinlich Herr Berndl(das ist der Name des gewählten Delegirten), wenn er sein Licht vor den Koryphäen des Parteitages leuchten lassen will, dies auf eigene Kosten wird thun müssen.— Die ganze Geschichte ist na- türlich erlogen, aber das„Berliner Tagebl." mag wohl wissen, was es seinen Lesern alles bieten darf. Der Dlinister deo Innern, Herr Hrrrfnrth und der Eisenbahuminister, Herr v on Maybach sollen wackeln. Als Nachfolger des Ersteren wird Herr v. K ö l l e r genannt, weiland Polizeidirektor von Frankfurt(mit Miguel als Bürgermeister), jetzt Unterstaatssekretär für Elsaß-Lothringen. Vorläusig handelt es sich nur noch um Gerüchte; daß Herr Herrfurth sich durch seinen famose» Erlaß in Widerspruch mit den kaiserlichen Erlassen gesetzt hat, ist noch kein Grund für seine Entfernung aus dem Amt. Herr v. Köster paßt allerdings in die„neueste Aera" und würde sich auch mit Herrn Hinzpeter, der eine Denkschrift gegen die Kohlenbarone ausgearbeitet haben soll, recht gut ver- tragen. Don dem Keff. Ober- Deaieruirgsratff v. Zedlitz- Aeultit ch hatte die„Saale-Ztg." behauptet, er sei an den„Verl. Polit. Nachr." des bekannten Schweinburg sehr stark finanziell betheiligt. Daraufhin hat Herr v. Zedlitz der„Franks. Ztg.", welche diese Nachricht übernommen hatte, folgende Berichtigung geschickt:„Ich bin weder als Kompagnon an der Korrespondenz „Berl. Pol. Nachr." betheiligt, noch stehe ich zn derselben überhaupt in geschäftlichen Beziehungen und insbesondere nicht in solchen, aus welchen mir eine erhebliche Einnahme erwüchse."— Man kann der Berichtigung entnehme», daß Herr V.Zedlitz zwar keine erheblichen, aber doch immerhin Einnahmen aus den„Berk. Polit. Nachr." gehabt hat, und es wäre da sehr interessant, zu erfahren, aus welchen Diensten diese Einnahmen hervorgegangen sind.— Eine Roggenschwünze scheint auf der Berliner Getreide- bürse im Gange zn sein. Man berichtet der„Kreuzztg." darüber: „An der Berliner Börse hört man jetzt nur allein davon sprechen, daß Herr Joseph H. und die Herren Marens und David K., sehr reiche Leute, die nur durch Getreidespeknlation ihr Geld verdient habe», ungeheure Quantitäten Roggen für Oktober gckanst haben und sich durch notariellen Vertrag bei hohen Konventionalstrafen verpflichtet haben, daß Einer ohne den Andern nichts von dem Onantum verkaufen darf, daniit die Preise auch nicht einen Pfennig billiger iverde». Ein gleiches Manöver hatten diese Leute schon im Monat August gemacht."— Die„Krzztg." bringt die Vornamen der Speknlanten natürlich nur deshalb, weil sie jüdisch klingen. Sie sollte doch eigentlich wissen, daß in der Heimath dieser„Schwänze"- und Ringbildungen. in Amerika, die iröminsten Christen die Anführer dieser kapitalistischen Raubzüge sind. Und hat sie die Namen der„christlichen" Firmen ver- gessen, die den Magdeburger Zuckerring geschlossen und die letzte große Hamburger„Kaffeeschwänze" versucht haben? Di» letzt» vor rinigen Eugen nollzogrn» Lundtugo- watzt in den nirdreöstcrreichi setzen Städten hat abermals ein gewaltiges illnwachse» des Antisemitismus, insbesondere in Wien, gebracht. Das klerikal- antisemitische„Vaterland" jubelt und die dentsch-liberale Presse trauert im Sack und in der Asche. Von zehn Wahlbezirken sind fünf im ersten Ansturm von den Antisemiten erobert worden, in einem sechsten hat eine Stachwahl zu entscheiden, und es ist ein weiterer Sieg der Antisemiten nicht ausgeschlossen, da die Cchönerer'scken Deutschnationalen den Ausschlag geben. Feste Burgen des Liberalismus in Wien sind nur die Leopoldstadt und die Jnnciistadl; in letztere freilich hat früher bereits der Klerikal- Antisemitismus Bresche ge- schössen. Es begreift sich daher) daß die liberalen Blätter eine trübe Zukunft prognostiziren. Ein solches Resnlta� war nur möglich, iveck die große Masse Arbeiter von der Wahl ausgeschlossen ist. DaS Wahlrecht ist nämlich an einen Zensus von 5 Guide» gebunden. Der Liberalismus hat sich total ab- geivirthschastet, der politisch verbohrte Kleinbürger segelt im Schlepptau des Antisemitismus, er sieht in den Juden die Wurzel alles Nebels. Mit bitterem Hohn schreibt unser Bruder- blatt, die„Wiener Arb.-Ztg.", am Tage vor der Wahl:„Die politisch rei cn Bürger gehen morgen zur Wahl. Sie haben so- eben ihre Reise glänzend bewiese», indem sie ihre politischen Dis- knssiouen mit Argumenten führten, die von rohesten Schimpf- worten bis zn Hinauswürfen und Messerstiche» an- stiegen. Und dieser Pöbel in Seidenhnten und mit Schmeer- bauchen hält sich für einzig bernsen, für das Volk Politik zu machen.„Es ist eine Schande, ein Liberaler zn sei» ," rusen die Eiucii,„es ist eine Schande, Anti- semit zn sein," schreien die Andern. Und wirklich ist weder cas Eine noch das Andere auch nur im Geringsten ehrenvoll— Tie Arbeiterschaft sieht mit verschränkten Armen zn und wartet ruhig, biS die wüste Prügelei ein Ende habe nnv man endlich finden wird, es sei Zeil, auch die anstandigen Leute mitreden zn lassen. Wir haben das Gefühl, als ob eigentlich allen Bethel- ligten ihre Situation unheiinlich zn werden anfange; sie fühlen sich nicht mehr recht ivohl bei ihrem k. k. ausschließlichen Privi- legiilin ans die„politische Reife". Und sie haben guten Grund dazu."— Noch etwas ist interessant. Während unsere national- liberale Presse, die wackere„Kölnische Zeitung" voran, nach dem Aussall der letzten deutsche» Wahlen Tiraden gegen das allgemeine Wahlrecht losläßt und diese„rohe Gleichmacherei" aus der Welt geschafft wissen will, kommen die liberalen Wiener Blätter zu den umgekehrten Schlüssen. Die„Neue Freie Presse' schreibt im ersten Zorn über den Wahlansfall:„Muß sich nicht mit ver- doppeltem Nachdruck die Frage erhehen, welcher vernünstige Grund dafür fpricht, daß man bei der Erweiterung des Wahlrechts bei dem Fünfgulden-Zensus stehen geblieben ist V Wenn in der Aus- Übung des Landtags- und Reichsrathswahlrechts kein Unterschied mehr anerkannt wird zwischen dem Fünfgulden-Mann und dem Höchstbesteuerten des ersten Wahlkörpers, warum besteht dieser Unterschied noch zwischen dem Fünfgulden-Mailn und Demjenigen, der weniger oder gar keine direkte Steuer zahlt?" Ja, warum? Wer macht denn die Gesetze? Sicherlich ist die Arbeiterbevölkerung, die heute noch politisch rechtlos ist, durchweg politisch viel reifer, als wie die Fünfgulden-Männer, und allzu lange wird man wohl auch in Oesterreich das allgemeine Wahlrecht nicht mehr ver- weigern können.' Ob aber dann den Schnlerzen der liberalen Großbourgeoisie abgeholfen wird? Wir glauben kaum. Die Antisemiten werden sie dann wohl los werden, aber an deren Stelle werden die klassenbewußten Vertreter des Proletariats im Parlament Platz nehmen, und in den Augen der Bourgeoisie ist das doch weiter nichts, als den Teufel durch Beelzebub ausge- trieben. „Uebevschätzung de« Grotzbeteiebes" wirft Herr Eugen Richter der Sozialdemokratie vor. Für ihn ist es ein Märchen, daß der Kleinbetrieb durch den Großbetrieb verdrängt wird. Beweis: In Deutschland giebt es 3 046 007 landwirthschaftliche Betriebe mit 5 576 765 unselbstiländigen Arbeiter», es kommen also ans den Betrieb durchschnittlich noch nicht 2 Arbeiter. Daß von den 3 Millionen Betriebe» der überaus größte Theil nur Zwergwirthschasten sind, deren Inhaber theilweise selbst noch für den Großbetrieb arbeiten, und daß der größte Theil der unselbst- ständigen Arbeiter sich auf die geringe Anzahl der Großbetriebe verthcilt, daß die Kleinbetriebe nur einen geringen Prozentsatz des Grund und Bodens beivirthschaften, das mitzuthetlen paßt nicht in de» Kram des Herrn Richter. Der Landwirlhschast ist vollauf geholfen, wenn nur die Fideikommisse und Majorate a»f- gehoben werden. Noch toller springt Herr Richter mit der Statistik betreffs Handel und Industrie um.„In gewissem Grade" läßt er das Vorwiegende der Großindustrie nur gelten im Bergbau, der Metallverarbeitung, der Maschinenfabrikation und der Textil- industrie, also nur in den Hauptindustrien. Auch hier springt er mit statistischen Zahlen eigenthümlich herum. Es gab im Jahre 1882 in Deutschland 3 005 457 industrielle Hauptbetriebe, in denen 7 340 798 Personen beschäftigt waren, also durchschnittlich im Be- triebe nur 2i/g Personen. Es gab überhaupt nur 97163 in- dustrielle Hauptbetriebe, in denen mehr als 5 Personen beschäftigt waren. Er verschweigt aber, wie viel Arbeiter auf diese, und wie viel auf jene fast 3 Millionen Kleinbetriebe fallen, so wie, daß von diesen die überwiegend große Mehrzahl ohne Gehilfen oder mit höchstens einem Lehrling arbeiten; endlich daß ein großer Theil der Kleinbetriebe, wie beispielsweise Weber, nur für den Großbetrieb arbeitet. Einen Beweis dafür, daß auch im Handel der Kleinbetrieb nicht vom Großbetrieb verdrängt wird, sieht er in dem stetigen Wachsen der Kleinbetriebe. Die hunderttausende kleine Höker, Flaschen- bierhändler» Grünkräiner u. s. w., die meistens nur eine kümmerliche Existenz fristen, sieht er als ein Emporblühen des Kleinhandels an, während in Wirklichkeit nur die Noth, die Arbeitslosigkeit so viele Tausende dazu treiben, im Kleinhandel, in der Hökerei eine nothdürftige Existenz zu suchen, die innner schwieriger wird, je größer die Zahl Derer wird, die diesen Ver- zweiflungsausweg suchen. Freilich für Eugen Richter wäre selbst die Zahl der Kinder, welche mit Streichhölzern und Blumen- sträußchen handeln, ein Zeichen der Blüthe deS Kleinhandels. Er würde sie der geringen Zahl der Großhändler entgegenstellen und daraus demonstriren, daß diese ja nur von geringer Be- deutimg seien, wenn auch nur ein einziger von ihnen einen größeren Umsatz macht, wie tausende von Jenen. Wahrlich, es ist fchon Vieles auf dem Gebiete des Unsinns im Kampfe mit der Sozialdemokratie geleistet worden, aber es wird noch weit überboten durch die Leistungen der Eugen Richter- schen Unwissenheit. Und das nennt er„geistige Waffen", mit denen er die Sozialdemokratie überwinden will! Doch nicht reaktionär aenng sind dem Kleinmeister- und Unternehmerthum die in der Gewerbeordnungs-Novelle der Re- gierung vorgeschlagenen, gegen die Arbeiter gerichteten Straf- bestimmungeii. So hat ein Gewerbekammertag folgenden Antrag der Geiverbekammer Hamburg angenommen:„Der Gewerbe- kammertag erkennt die Aenderungen und Zusätze, welche§ 153 der Gewerbeordnung nach dem Entwurf erhalten soll, als Ver- besserungen an, hält es jedoch für wünschenswerth, daß noch eine weitere Ergänzung belgefügt iverde, nämlich: In Absatz 1 wird hinter„Drohungen" eingeschaltet„durch Belästigungen". Sodann soll ein neuer Absatz eingesägt werden, welcher lautet: Als Be- lästigung im Sinne dieses Gesetzes gilt: Das Wegnehmen oder Verstecken von Kleidern oder Werkzeugen oder sonstigen Ge- brauchsgegenständen, die Behinderung in dem Gebrauch von Werkzeuge», das Nachgehen von Straße zu Straße, sowie die Aufstellung von Posten in der Nähe der Arbeitsstätte oder anderer Lokale."— Wenn schon, denn schon. Warum haben die wackeren Beschützer der armen, von den unbotmäßigen Arbeitern arg bedrückten Handwerksmeister und Unternehmer denn nicht gleich verlangt, daß den Streikenden überhaupt verboten wird, sich auf der Straße sehen zu lassen. Nur immer lustig vor- wärts und nicht auf halbem Wege stehen geblieben. Je toller, je besser. Gin Gliickt, daß„Er" dem Vaterlande erhalten geblieben ist,„Er", Bill Bismarck, der große Sohn des großen Vaters! Welchen Verlust Deutschland erlitten hätte, wenn auch„Er", wie sein Bruder Herbert den Dienst qnittirt und der undankbaren Mitwelt den Stücken gekehrt hätte, läßt sich so recht erst ermessen, ivenn man die Rede liest, die„Er" als Regierungspräsident von Hannover in einem sogenannten Arbeiterverein dort beim Stiftungsfest gehalten hat. Er sagte da in diesem Verein, den Bennigsen protegirt und Koinmerzienräthe mit lausenden von Mark beschenke», werde der Arbeiter geehrt, bei den Sozial- demokraten aber als Sklave angesehen.— Welche Entdeckung! Wenn„Er" das sagt, werden wir wohl einpacken müssen. Gnter Dnttz. Herr Patzig, der Generalsekretär der national- liberalen Partei, hat längst in einer nationalliberalen Versamm- lung seinen Parteigenossen in Bezug auf Unterstätzung der Presse einen praktischen Stach gegeben. Es solle jeder Parteimann stets eine Postkarte in der Tasche tragen und, wenn er was erfährt, sofort niederschreiben und der befreundeten Zeitung senden. Auch solle man in Stestaurationen, Gasthöfen n. f. w. auf die Haltung eines Blattes seiner eigenen Partei dringen und eventuell nur solche Wirthshüuser besuchen, wo auch ein solches Blatt gehalten wird.— Von unseren Parteigenossen wird dieser gute Staitz längst befolgt. Der Lohn der„Tngend". Aus Mainz, 6. Oktober, wird gemeldet: Das Gouvernement hat den Militürpcrsonen der hie- (igen Garnison das Halten»nd Lesen der früher unter sozial- demokratischer Flagge' segelnden„Mainzer Stachrichten" wieder gestattet.— Der Verleger diese?,„inilitärsrommen" Blattes glaubte bekanntlich ein besseres Geschäft zu mache», wenn er die sozial- demokratische Stednktio» entfernte. Wenn er sich nur nicht ver- rechnet hat! Der Deichstitgs-Mohlkreio Miirtknrg ist durch de» bereits gemeldeten Tod deS Abg. Ctöhr(Zentrum) erledigt. In den bevorstehenden Wahlkampf wird die Sozialdemokratie mit voller Kraft eintreten. Dieselbe hat gute Chance» deS Erfolges. Bei den letzte» Wahlen fielen im erstell Wahlgang 6107 Stimmen auf das Zentrum, 4615 ans den sozialdemokratischen, 2542 auf einen demokratischen und je einige hundert Stimmen auf einen konservativen und nationalliberalen Kandidaten. In der Stich- wähl wurde Stöhr mit 7930 Stimmen geivählt, sein sozialdcmo- kratischer Gegenkandidat erhielt 6720. Der Wahlkreis war früher schon demokratisch, meist aber klerikal vertreten. A Die HunKerpeitfche. Der angebliche Tumult in Sprottau hat, wie der„Volksztg." telegraphisch gemeldet wird, die(alle?) Fabrikbesitzer veranlaßt, die Arbeiter unter Androhung gesetz- mäßiger Entlassung zum Austritt aus dem sozialdemokratischen Verein aufzufordern.— Die niedrigste Gesinnung gehört dazu, eine» Menschen seiner politischen Meinung wegen zu maßregeln. beider ist diese Gesinnung nicht so selten unter dem deutschen Unternehmerthum. Harte Ktrafe. Aus Dortmund, 8. Oktober, meldet ein , elegramm des„W. T. B.":„Der„Rhein.-Westf. Ztg." zufolge 'wurde der Redakteur der„Tremonia", Lambert Lensing, wegen Beleidigung des Geh. Bergraths Bunge, beziehungsweise des hiesigen Oberbergamts durch die Broschüre'„Der große Bergarbeiterstreik" in der heutigen Sitzung der Strafkammer zu einer sefängnißstrase von drei Monaten verurtheilt. Aus Hameln schreibt man uns: Am letzten Sonntag war .s uns vergönnt, das„Redncrtalent" des Fabrikdirektors Dr. Zittmann aus Hildesheim in einem Vortrage über das Alters- md Jnvaliditätsgesetz kennen zu lernen. Es hatten sich setwa 00 Personen eingefunden. Der Anfang seiner Rede war, daß r der Sozialdemokratie vorwarf, sie würde dem Gesetze Steine i den Weg legen; Redner ging dann näher auf das Gesetz ein nd kam schließlich zu dem Schluß, daß der Arbeiter mit der tente, die das Gesetz giebt, ein„behagliches Leben" führen > önne. Aus dem Vortrage leuchtete eine gewisse Aengstlichkeit nd Unsicherheit heraus, ob dies am Redner oder am Gesetz übst gelegen, mag dahingestellt bleiben. Von unserer Seite bat um ums Wort, erhielt es aber natürlich nicht, denn uns zu nderlegen sind sie nicht mehr fähig. Sollten das vielleicht ihre listigen Waffen sein, womit sie uns bekämpfen wollen? Miesbaden, 4. Oktober. Auf Beschluß der hiesigen Straf- lammer wurde die Schließung verschiedener Fachvereine aufge- 'oben und die Mitglieder dieser Vereine, die unter Anklage .estellt waren, außer Verfolgung gesetzt. Es waren dieses: 4 Schriftsetzer, 1 Glasermeister, 4 Glasergesellen, 4 Schreinerzesellen, 2 Schuhmachcrgesellen, 1 Schneidermeister, 3 Schneidergesellen und 5 Maurergesellen von hier und 1 Maurermeister von Biebrich-Mosbach. In Sachsen wird lustig auf Grund des Vereinsgesetzes weiter verboten. So meldet man uns aus Zwickau vom 7. d. M., daß eine Versanimlung mit der Tagesordnung: 1. Rückblick über das Sozialistengesetz. 2. Der Organisations- Entwurf der sozialdemo- kratilchen Partei— Referent Herr Wilhelm Stolle— vom Rathe der Stadt Zwickau auf Grund des§ 5 des Gesetzes über das Vereins- und Versammlungsrecht vom 22. November 1850 verlöten worden ist.— Liest man solche Verbote, so begreift man nicht, weshalb man in Sachsen überhaupt das Sozialistengesetz ebraucht hat. Zum Gvganisations- Entwurf bringt das„Königsberger Volksblatt" ein„Eingesandt", dessen Verfasser, ein bewährter Ge- nosse, uns um Abdruck bittet. Das„Eingesandt" lautet: Der von der Reichstags- Fraktion ausgearbeitete Organi- fations- Entwurf ist von der überwiegenden Majorität der Ge- »offen als den derzeitigen Verhältnissen entsprechend befunden worden. Im Großen und Ganzen habe ich an demselben ebenfalls nichts auszusetzen; nur in einigen, relativ nebensächlichen Punkten dürfte im Entwurf eine Verbesserung resp. Ergänzung in Er- wägung zu ziehen sein und wünsche ich daher, daß die nach- stehenden Vorschläge auf dem Parteikongreß zur Diskussion ge- bracht werden. 1. Der§ 8 bestimmt, daß kein Wahlkreis mehr als 3 Dele- girte zum Parteikongreß entsenden darf. Diese Bestimmung ist mehrfach angefochten worden, indem angeführt wurde, daß dabei die Stadtbevökkerung zu kurz komme. Ohne die Berechtigung dieses Einwandes näher zu untersuchen, mache ich nun den Vor- schlag, daß Wahlkreise mit weniger als 10 000 Stimmen nur 1 Delegirten, mit 10 000 bis 20 000 Stimmen nicht mehr als 2 Delcgirte und mit über 20 000 Stimmen nicht mehr als 3 Delegirte zum Parteikongreß entsenden dürfen. Dadurch wird selbst den Wahlkreisen mit der kleinsten Stimmenzahl Gelegenheit gegebe», auf dem Parteikongreß ihre An- ficht ebenfalls zur Geltung zu bringen und den Zentren unserer Bewegung wird der gewissermaßen doch berechtigte Einwand, eine ihrer großen Stimmenzahl nicht entsprechende Vertretung zu finden, abgeschnitten. 2. Jin§ 12 fehlt die Bestimmung der Amtsdauer des Partei- Vorstandes. Ter§ 9 sagt zwar, daß die Wahl des Partei- Vorstandes Aufgabe des alljährlich zusammentretenden Partei- kongresses sein soll; daraus geht jedoch noch nicht zur Evidenz hervor, daß auch der Parteivorstand alljährlich gewählt werden soll. Um nun jedem Zweifel vorzubeugen, dürfte es jedenfalls rathsam er- scheinen, im§ 12 klipp und klar zu bestimmen, daß die Wahl des Parteivorftandes auf ein Jahr erfolgt. 3. Der§ 19 bestimmt, daß das künftige Zentralorgan den Titel„Vorwärts, Berliner Volksblatt, Zentralorgan der soc. Partei D." führen soll. Da nun ein zwingender Grund für die Beibehaltung der alten Bezeichnung„Berliner Volksblatt" in dem neuen Zentralorgan„Vorwärts" nicht vorliegt, andererseits aber der Titel in der vorgeschlagenen Fassung unleugbar sehr schwerfällig ist, so dürfte es zweckmäßig sein, den Passus„Berliner Volksblatt" zu streichen und das Blatt einfach:„Vorwärts", Zentralorgan der soc. Partei D. zu benennen, damit das Auge des Lesers nicht täglich durch den schwerfälligen Titelkopf des Blattes beleidigt wird. G. K. Schweix. Bern, 8. Oktober. Der gestern. aus dem Tessin hier ein- getroffene Bundeskommissar Künzli wird heute dem Bundesrathe mündlich Bericht erstatten über die Thunlichkeit der sofortigen Wiedereinsetzung der Regierung, über die Fortdauer des Kommissariats und der Okkupation sowie über das zukünftige Verhältniß des Kommissars gegenüber der Regierung. Die In- fanteriebataillone Nr. 33 und 39 werden heute aus Tessin zurückkehren und morgen hier entlassen werden. Die Bataillone Nr. 40 und 46 sowie ein Kavallerieregiment verbleiben noch daselbst. Seit gestern beräth der Ständerath über die Tessiner Angelegen- heit. Die Minderheit des Ausschusses bestreitet dem Bundesrath das Recht zur Suspendirung einer Kantonsregierung. Basel, 6. Oktober. Die Versammlung, welche die deutsche sozialdemokratische Mitgliedschaft bei Anlaß der Aushebung des Sozialistengesetzes auf Mittwoch Abend in den Safransaal einbe- rufen hatte, war, wie uns mitgetheilt wird— wir selbst konnten leioer derselben nicht beiwohnen, da wir den gleichzeitig statt- findenden Vortrag Flürscheim's anhörten— zahlreich besucht. Genosse Fran?ois Martin referirte unter Beifall. In der Versammlung kamen auch die jüngst wider die alten, bewahrten Führer der Partei in Deutschland erhobenen Vor- würfe zur Sprache. Es führte dies zur einstimmigen Annahme der folgenden, von den deutschen Genossen in Zürich unlängst ge- faßten Resolution: „In Erwägung, daß bei den letzthin stattgehabten bedauer- lichen Lluseinandersetzungen in der sozialdemokratischen Partei die Genossen Bebel und Auer als ungerechtfertigt Angegriffene erscheinen und sie die berechtigten Grenzen der Vertheidigung gegen die maßlosen Vorwürfe ihrer Gegner in keiner Weise über- schritten haben; „in Erwägung ferner, daß die der sozialdemokratischen Fraktion geinachten Vorwürfe der Korruption und der Herrsch- sucht durch nichts erwiesen und innerlich haltlos sind; „in Erwägung endlich, daß diese Angriffe geeignet sind, das Parteiinteresse zu schädigen und den Machinationen der Re- aktionäre und der Polizei, bewußt oder unbewußt, Vorschub zu leisten; „aus diesen Gründen spricht die heutige Versammlung der Deutschen Sozialisten der Parteileitung der deutschen Sozial- demokratie ihr unerschüttertes Vertrauen aus, weist die gegen sie und ihre Mitglieder gerichteten Vorwürfe entschieden zurück und erwartet zuversichtlich, daß in Zukunft derartige Vorkommnisse vermieden werden." Dänemark. Kopenhagen, den 5. Oktober. Arbeitern, welche auf den Staatswerkstätten beschäftigt sein wollten, soll dem„Sozial- demokrat" zufolge unmittelbar nach den Wahlmännerwahlen der Nachweis darüber abverlangt worden sein, ob sie Mitglieder eines Rechten-Vercins wären, in welchem Falle sie nur Arbeit erhalten könnten. Infolgedessen habe sich eine Deputation mit Herrn Hurop an der Spitze zum Marineminister Ravn begeben, um zu erfahren, ob diese Forderung mit seinem Einverständniß gestellt worden sei. Der Minister habe erklärt, daß dies ohne sein Wissen und Wollen geschehen, und er habe versprochen, daß derartige Nachfrage ferner nicht mehr erfolge. Dagegen sei er nicht damit einverstanden gewesen, Mitgliedern von Fachvereinen sreien und gleichen Zutritt zur Arbeit in den Staatswerkstätten zu gewähren. Großbritannien. Die Arbeiterbewegung i» England schreitet rüstig vorwärts und aus allen Theilen des Königreiches treffen Mel- düngen über neue Vereinsbildungcn und Jnteressenkoalitionen ein. Der seit einiger Zeit in London in Bildung begriffene Kürschner- Gewerkverein hat sich unter dem Titel:„Journeymen Furriers' London Trade Union" konstituirt. Der Verein bezweckt, zur Unterstützung, unter gewissen Bedingungen, seiner arbeitslosen oder streikenden Mitglieder und zum Schutze und allgemeinen Nutzen des Gewerbes Gelder aufzubringen. Der Verwaltungs- rath besteht aus 17 Mitgliedern, einschließlich Präsident, Vize- Präsident, einem englischen und einem auswärtigen Sekretär, einem Schatzmeister und zwölf Beisitzenden, zur Hälfte Engländer, zur Hälfte Ausländer. Ter erste Jahreskongreß der neugevildeten Verbandes der britischen Dock-, Werften- und Userarbeiter brachte am Sonnabend seine Arbeiten zum Abschluß. Einer der zuletzt gefaßten Beschlüsse richtete sich gegen die Heran- ziehung ausländischer Arbeitskräfte als Ersatz für heimische 'Arbeiter im Falle von Ausständen. Die Delegirten 1 wurden angewiesen, jeden möglichen Druck auf lokalen Parlamentsmitglieder auszuüben, um die Anna! eines Gesetzes zu fördern, welches die Inanspruchnahme frei Arbeitskräfte für obenerwähnten Zweck verbietet. Nach lai. Erörterung entschied der Kongreß, daß der achtstündige Arber tag auf die Arbeit in den Docks nicht anwendbar sei, aber dm seinen Entschluß aus, daß System der 48stündigen Arbeitszeit� Woche zu sichern, wo es nur möglich sei. J If»» In mehreren in verschiedenen Theilen Londons abgehalten» Cr'** Arbeiterversammlungen wurde es von den Redn»« scharf gerügt, daß die Regierung sich so schnell bereit gesund» der Verwaltung der Gas Light and Coke Company, welche* Ausbruch eines Ausstandes unter ihrem Arbeiterpersonal JJ fürchtet, militärischen Schutz angedeihen zu lassen. Es n-a° nicht die Pflicht der Regierung, Militär und Polizei gegen* beiter in Arbeitsstreitigkeiten zu verwenden und sie würde im handeln, sich künftighin in Arbeiterfragen neutral zu verhalten. Die Kohlenbergwers-Besitzer von Northumberland beschloß in einer am 4. d. M. in Newcastle abgehaltenen Konferenz, Löhne ihrer Arbeiter um weitere IVc pCt. zu erhöhen, was dem großen Ausstand in 1881 eine Gesammterhöhung von ö0 ausmacht. London, 7. Oktober. Eine Depesche aus Glasgow mel daß der Streik der Hochofenarbeiter noch fortdauere und» keine Aussicht auf eine Lösung vorhanden sei. Die Eisenhäni beginnen zu verkaufen, um die gegenwärtige Lage auszunut>>' wodurch eine Preisreduktion herbeigeführt wurde.— 6000 Bckl■ arbeiter in Fifeshire beschlossen zu streiken, wenn ihnen die flf � forderte Lohnerhöhung von 15 pCt. nicht bewilligt werde.*■ Daß wenigstens eine schwere Nothlage in vor der Thür steht, beginnen Vertreter der englischen yte«..-* jy 0 u r a allmälig zuzugeben. Man meldet der„Voss. Ztg.": Land 8. Oktober. Kriegsminister Stanhope hielt gestern in Horncal" eine Ansprache an eine konservative Ärbeiterversammlung. Verlause derselben sagte er, die Hungersnoth in Irland bef nur in der Einbildungskrafr der parnellitischen Führer. Hungersnoth könne keine Rede sein, aber in vielen Bezs Irlands stehe man allerdings vor einem großen fürchterlr Mißrathen der Kartoffelernte. Die Regierung würde jedoch j zur Bewältigung des drohenden Nothstandes erforderlichen H>. maßregeln ergreifen und den ärmeren Bezirken, deren örw Hilfsquellen erschöpft werden dürfte, würde die Reichskasse ui die Arme greifen. Der tragen. Stutze d Behaupt kommt Vortheil Einrichte tungen, würoe; m 0 n a 1 t h u m, Stütze t fi? Paris, 8. Oktobtt. Der B o u I a n g i st Mermeix-istzirl, s. er sich v hat. Di spielen z Stellung Bourgeoi der Vom besitzende liehe Wo alle polii Da hat und letzter Zeit viel genannt als Verfasser der im„Figaro" erschienewvortheils „Kulissen des Boulangismus", ist an der Verwundung, welch* eine rat am 15. September im Duell mit Dumonteil erhielt, gestern Abchveil dat gestorben. Bürgerstt Spanien...�tritt� ti-' Madrid, 8. Oktober. In Barcelona sind vorgesi�"'ie 10 Cholerafülle konstatirt worden, von denen 2 einen tödtlich?.. reuen Verlauf nahmen. Gestern sind 2 Fälle vorgekommen. jihren scha Amerika. Wie unsicher die politischen Verhältnisse Argentinien noch immer sind, geht aus folgender Der des„Reuterschen Bureaus" aus Buenos- Ayres vom 7. O hervor, welche die Kopflosigkeit der Regierung deutlich ve „Gestern Abend herrschte hier eine fast panikartige Erreg �gleichmö kaum ber «und empi 1 Die ugestimn ienst mi Die infolge der Nachricht, daß eine neue Revolution ausgebt"mg gef, sei. Die Truppen wurden aufgeboten, Kavallerie parroull�ece1',,! � durch die Straßen und die Polizei hielt sich bewaffnet mit �.®le. wehren bereit. Truppenverstärkungen, darunter Artillerie, 01 den herbeigerufen und trafen heute hier ein. Admiral Bor>rZBz>e>..'- übernahm den Oberbefehl über die Flotte, deren Schiffe zum Gefecht gemacht wurden. Zahlreiche Deputirte und?etet. C toren blieben während der ganzen Nacht im Hause des Präside�ei seinei Letzterer und der Minister des Innern, General Roca, stvuMgrariert durch den Kriegsminister zur Sicherung ihrer Person in macheu. Kasernen geleitet. Schließlich wurden die alarmirenden% Tie richten darauf zurückgeführt, daß einige Sergeanten zwei»impathis garnisonirende Regimenter aufzuwiegeln versucht hatten. H'kZUeihen früh herrschte überall Ruhe." V°°Die AttstraUe«.,.i o l o n i Melbourne, 7. Oktober. Infolge des Ausstandes'>en Gros Bergarbeiter erschöpfen die hiesigen Hüttenwerke den W Die: vorrath. Viele Hüttenarbeiter sind bereits entlassen. Ein meinde A gemeiner Stillstand des Betriebes ist zu gewärtigen. heil sein __ �»imvit sii Die Etprditionc» sämmtlicher Darteiblätter wr�ange, ali gebeten, mährrnb des Parteitages einige Eremps�rorestirt ihrer Zeitung regelmässig an die Adresse des PakHerrschaft tagrs nach Halle a. S. zn senden. wotestirt Der Fralrtionsnorstand.'s Bleut Theater. Donnerstag, den 9. Oktober. Eprrnhans. Lohengrin. Kchanfpielhans. Geschichte Gott- sriedens von Bcrlichingen mit der eisernen Hand. Berliner Theater. Eva. Deutsches Theater. Die Hauben- lerche. Kesstng-Theater. Im Spiegel. Friedrich-Wilhelinftädt. Theater. Die Fledermaus. Die Puppenfee. Mallnrr- Theater. Der Bauerndoktor. Pension Schöller. Restdens-Theater. Ferreol. Uiktaria- Theater. Die Million. Aelleallianre-Thrater. Meinjunger Mann. Vstend-Theafer. Othello, der Mohr von Venedig. Thomas- Theater. Die Stroh- wittwe. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kanfmann'o Uarietö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Krichshallen. Große Spezialitäteu-Vorst ellung. Tonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Dichter'« Dariöte. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr'Ab. Kaiser-Panorama. ''Hervorrag. Sehenswürdigkeit der Residenz. Zum ersten Male: Neu: Helgoland. Uebcrgabe. Ankunft des Kaisers. Feldgottesdienst zc. '• Zweite Reise durch Portugal. 1. Cykl. pariser Meltansstrllnng. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. mmmmrnrfwmmtiiiriiilmmi',™ Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Donnerstag, den t>.(Oktober, 'Abends 7V2 Uhr: Gr. Extra Vorstellung. Mr. und Mrs. Brown auf Reisen. Urkomische Szene. Spezialität: Frl. Brose. Schulquadrille, gcr. in. 4 Rapp- Hengsten von 3 Gebr. Schumann und Herrn Agiumoff. Miniatur- Jockey Alfred Leon. Clown Duroff in. neuen Niiminern. Austreten der Reiterinnen Frl. Wilma, Helene, Gerard und Mrs. Victoria Schumann. Musikal. Clowns Gebr. Geretti. Sonntag 2 Vorstellungen, 4 und 8 Uhr. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alcxander- straße 27c. Margarethe Steinow, Lieder- u. Walzersängerin. Anni Carelli, Kostüm-Soubrette. Herr Rosee, Gesangs-Humorist. Adolf Gödicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charakter-Komiker. Familie Blumenfcld, Parterre- Potpourri, Drahtseil, Tanz. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags S'/a Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 30 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. QimllfilW Goldschmidt, illUljUlülU Spandauerbrücke 6, am hiesigen Platze bekanntlich Grösste Auswahl. Earantirt stchcv brrnnriide Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindl. Rohtabake sind am Lager. A. Goldachmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke's che« Markt.[746 1 Castan's Panopticnm. Entree 50 pfg., Kinder 35 pfg V. 9 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends. Torstellung Vorm. IIV2 u. 12V» Uhr. Nachm. v.4VL-9V2Uhr stündl. eine Vorstellung. Ertra-Entree 30 pfg. qp Kinder frei. Passage-Panopticum. 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Dann kommt das Junkerthum, das vornehmlich die zu seinem Vortheil dienenden und nach dieser Seite auch bewährten alten Einrichtungen von Privilegien vertheidigt, alte Einrich- tungen, ohne deren Erhaltung angeblich die Monarchie erschüttert würbe; das Junkerthum stützt also in besonderem Maße den Am anarchischen Staat. Dann kommt das Kleinbürger- 3 t h u m, organisirt in den Innungen, das sich in der Rolle als > Stütze des konservativen Staates gefällt und bei jeder Z Gelegenheit mit großem Geschrei sich den Regierungen zum be- ] liebigen Gebrauche anbietet. Auch das Kleinbau er nthum u ist von dem Bewußtsein erfüllt, eine kräftige und solide Stütze Ades Staates zu sein. Tie hauptsächlichste Stütze des modernen Staates ist die �Bourgeoisie. Sie betrachtet sich als die Schöpferin und 0 Trägerin des Jndustrialismus, auf dem der moderne Staat beruht, cuUnd ver ihm das besondere Gepräge, das er trägt und durch welches �er sich vom antiken und feudalen Staate unterscheidet, verliehen hat. Die Bourgeoisie verlangt daher, im Staate die erste Geige spielen zu dürfen, ihn beherrschen zu können, lind da sie diese Stellung in der That einnimmt, so ist der Staat von heute der Bourgeois-, der kapitalistische oder Klassenstaat. Die Wohlfahrt der Bourgeoisie ist der Brennpunkt, in den, alle Interessen der besitzenden Klassen zusammentreffen; das soziale und wirthschaft- liehe Wohlergehen der Bourgeoisie ist die ausgleichende Kraft, die lalle politischen Gegensätze der Besitzenden versöhnt. U Da die Bourgeoisie die Klinke der Gesetzgebung in Händen ihat und sie ihre Interessen mit denen der Staaiswohlfahrt idcnti- Mfizirt, so weiß sie der besonderen Wahrnehmung ihres Klassen- echvortheils stets eine höhere Weihe zu geben. Sie protestirt gegen je'eine rationelle u n d ergiebige E i n k o m m e n st e u e r, .bt>weil dadurch die besitzenden und staatserhaltcnden Kreise des Bürgerstandes in ungerechter und schwerer Weise belastet und da- durch die Liebe zum Staate erschüttert werden würde. Dagegen lWr'itt sie mit Begeisterung für die fortwährende Steigerung der �»direkte» Steuern in allen Formen ein, der indirekten Steuern, die nach Phren schamlos fälschenden Behauptungen alleTheile dcrBcvölkerung „gleichmäßig" tressen, in That und Wahrheit aber die Besitzenden kaum berühren, dagegen aber die Nichtbesitzendcn in erheblicher >'und empfindlicher Weise drücken. pest Die Bourgeoisie hat der dreijährigen D i e n st z e i t xMhgestimmt, für ihre Söhne jedoch den Einjährigen Freiwilligen- -räfldienst mit Anspruch auf Offizicrspatente ausbedungen. ch>i> Die Bourgeoisie bewilligt in der Regel alle von der Regie- -aMUng geforderten Mehrausgaben, läßt dieselben jedoch durch die �»Steuern der großen Volksmassen bezahlen. it@ Die Bourgeoisie mit dem Junkerthnm schwärmt für die Jnsti- «tution des stehenden Heeres, weil er uüt seinen zahlreichen oiCOfsizicri- und militärischen Beamtenstellen eine reichliche und 5 mngenehme Versorgungeanstalt für die männlichen Sprößlinge Stielet. Sie schwärmt für den Militarismus überhaupt, weil er ,eHei seinen großen finanziellen Aufwänden der Industrie und dem zukAgrarierthum reichliche Gelegenheit darbietet, gute Geschäfte zu in machen. W Tie Bourgeoisie steht der Desizitwirthschaft des Staates ei sympathisch gegenüber, weil sie bei der Aufnahme von staatlichen HtAnleihen etivas„verdienen" kann, und weil außerdem die Ztaat'.obligationcn für Rentiers eine sichere Kapitalsanlage sind. I Die Bourgeoisie hat eine die Gesammtheit betastende k o I o n i a lp o l it i k inaugurirt, die sehr kostspielig, aber»ur >es>en Großkaufleuten und Schiffsrhedern von Nutzen ist. loh' Die Bourgeoisie perhorreszirt in Staat, Provinz und Ge in meinde Alles, was sie irgendwie belasten und ihr nicht von Bor- heil sein könnte. Was mit ihren Interessen kollidirt, daS be- sümpft sie; sie achtet die Gesetze nur insoweit, als sie ihr keinen Machlheil bringen; sie achtet die gesetzlichen Rechte Anderer�iur so '•Singe, als sie selbst davon nicht berührt wird. Das KapitalistAsthum >p*»olestirt gegen jede Gesetzgebung, die ihre soziale und politische »»Merrschastsslellung schmälern und beeinträchtigen könnte. Sie »rotesiirt daher auch gegen jede S o z i a l r e; o r m, die mehr jr, lls Blendwerk sein will; sie protestirt gegen jede Besserstellung �er Loge der arbeitenden Klassen, weil sie eine -�nnbuße an sozialer Macht und eine Verkürzung '�-hres Profits fürchtet. Sie ist Gegnerin aller politischen �sjlechte anderer Theile der Nation, wenn dieselben .f'n einer Schwächung ihrer Machtstellung führen. So strebt «ach Eskamotirung des allgemeinen Wohlrechts, �ach �eschneldung der Vereins- und Versammlungsrechte, der zSreßsreihcit, des Koalitionsrechts der Arbeiter— Rechte, die sie Velbst jedoch nach wie vor in unverkürztem Maße besitzen und süben will. Ter Bourgeois, der Kapitalist, ist also nur ein guter und hyaler Bürger, er ist nur patriotisch und ein treuer Unterthan j nncs Monarchen und der Obrigkeit, wenn sein Wille geschieht, .Jfcn» seine Interessen wahrgenommen und seine Wohlfahrt ' ßk'ö'dert werden. Im anderen Falle wird er ohne Bedenken zum Ü-? e �' 6" und er rebellirt gegen Behörde, gegen Landesherrn !>ck> offener und versteckter, in rücksichtsloser und diplomatischer lorm. Und sein Anwalt, der ökonomische Julian im hinter- A ommer'schen Walde, droht gegenüber den Begehrlichleiten der eil' lrbeiter und den neuen Strömungen mit einem wirthschastlichen ' j» lreikdes Kapitals— alsomit offener Rebellion, hinterder nicht erst die stg»ydra der Revolution lauert, sondern die diese revolutionäre «ydra gleich selbst ist. _ Das ist der Kapitalist als Bürger. Seine Devise und zu- �ieich seine Ueberzengung ist: Der Staat, die Nation, e° � Volk bin ich! llnd diesen für die Wohlfahrt des ge- 'M'nten Volkes so unheilvollen Grundsatz hat die deutsche ourgeoipe seit mehr als zwei Jahrzehnten in der Gesetzgebung 73, 1 und das ganze politische Leben damit zu erfüllen e. iTc*. S hoch an der Zeit, daß diese krasse Klassenherr- ' mt gebrochen und die übermiithige und grenzenlos arrogante *1 ourgeoiste in die gebührenden Schranken zurückgewiesen wird. . he ie Bekampjung des Klassenstaates hat begonnen, und sie wird rr mit einem vollständigen Siege beendet werden können. Die ozialoemokratie wird sich jn diesem Kampfe weder durch das luthgeheul und Gewinsel noch durch die Verleumdungen der stöllig ausgearteten Gegner beirren lassen, sondern unentwegt wie hi-sher so auch für alle Zukunft der Arbeit ihr volles, unver- rztes Recht zu erkämpfen suchen. t UoltQleS. »kßi» Mort gegen Polizeiinnkregrln" betitelt der frei- flnige Reichstags-Abgeordnete Rechtsanwalt Kaufsmann ein eben von ihm herausgegebenes Schriftchen, welches das Vereins- ht behandelt. Kanffmann erörtert den Gegenstand in vortreff- licher Weise und ohne daß der besondere Parteistandpunkt des Verfassers sehr zum Ausdruck kommt. Mit der Sachkenntniß und Urtheilsschärfe des Juristen kritisirt er den Zug der Zeit, gegen alle sich zeigenden Schäden der Gesellschaft nach Straf- gesetzen und Polizeimaßregeln zu rufen. Es wird geklagt über die Verschuldung kleiner Leute, der Beamten u. s. w.— flugs macht man ein Strafgesetz gegen den Wucher. Man klagt über minder- werthige und verfälschte Nahrungsmittel— flugs macht man Strafgesetze betreffend den Verkehr mit Nahrungsmitteln; aber derselbe Gesetzgeber verthcuert die Nahrungsmittel, ohne zu be- rücksichtigen, daß gerade die ärmeren Klassen durch die theuren, ihnen unerschwiugiichen Preise guter Maare zum Ankauf minderwerthiger Lebensmittel genöthigt werden. Das ganze öffentliche Leben sucht man mit zahllosen Polizeivcrord- nungen zu regeln. Der Verfasser giebl alsdann einen Abriß der Geschichte des Vereins- und Versammlungsrechts. Die Einthcilung der Vereine durch das preußische Vereins- und das verflossene Sozialistengesetz war folgende: 1. harmlose Vereine, welche sich nicht mit öffentlichen Angelegenheiten beschäftigen; 2. nicht Harm- lose Vereine, nach§ 2 des Vereinsgesetzes; 3. bösartige Vereine, das sind die politischen Vereine im Sinne deS§ 8 des Vereinsgesetzes; 4. ganz bösartige Vereine nach§ 1 des Sozialistengesetzes, dessen langen Satz der Polizeimensch kurz dahin verstand: alle sozialdemokratischen Vereine. Kauffmann erörtert nun die besonderen Beschränkungen der öffentliche Angelegenheiten behau- delnden und besonders der politischen Vereine und weist überzeugend nach, daß diese Beschränkungen einestheils unnütz und unberechtigt, anderentheils von schädlicher Wirkung sind. Die Statuten ein- reichung ist selbst vom polizeilichen Standpunkt betrachtet höchstens eine überflüssige Last. Die Vorschrift, daß die Mitgliederverzeich- nisse eingereicht werden müssen, trägt den denunziatorischen Stempel auf der Stirn; sie giebt die bequeme Handhabe, Leute in abhängiger Stellung zu maßregeln. Scharf zu verurtheilen sind Beleidigungsklagen auf Grund polizeilicher Versammlung»- berichte; wenn der Hörer gewöhnt ist, die kriminellen Seiten im menschlichen Thun und Treiben herauszufinden und demgemäß nur die sogenannten Kraftstellen, Schlagworte n. dergl. notirt, so liest sich ein solcher Bericht oft wie ein Gedicht, bei dem man nur die Hauptwörter und die Reime vorliest. Weiterdauer oder Auf- lösung einer Versammlung sollte allein von dem Leiter der Ver- sammlung abhängen. Kauffmann hegt den— sehr frommen— Wunsch, die Behörden möchten einen Versuch mit der Freigabe der Versammlungen machen und von der Entsendung von Auf- sichtsbeamten Abstand nehmen; eine solche Praxis würde ohne Aendcrung des Gesetzes herbeigeführt werden können, da ja das Gesetz nur eine Vefugniß der Ortspolizei zur Ent- sendung von Beamten, nicht eine Verpflichtung hierzu feststellt. In England und Amerika, wo die Vcrsainmlungspolizei in den Händen des Vorstandes liegt, sind die großartigsten Massenversamm- lungen in vollkommenster Ordnung verlaufen. Durch das Verbot politischer Frauenvereine ist nach der reichsgcrichtlichen Definition des Begriffes„Politik" auch jede gewerbliche Vereinigung von Frauen unterdrückt. Der Verfasser plädirt schließlich beredt im Interesse der Gerechtigkeit für die Streichung der sämmtlichen sog. Vereinsgesetze, nicht blas deS Sozialistengesetze», d. h. für volle Versammlung»- und Vereinssrciheit. Mit Recht Kinder und Schüler mag man überwachen, Verbrecher unter Polizeiaufsicht stellen, aber zielbewußter Männer ist es völlig unwürdig, sich bei ihren Berathungcn von Polizeiorgauen ibeaussichtigen zu lassen, und nicht am Gängelbande der Polizei gelangt ein Volk zu den Höhen der Kultur. Am Schluß des Büchleins findet sich ein Kapitel „Das Vereinsivesen in vermögensrechtlicher Beziehung", worin es getadelt wird, daß der Entwurf des bürgerlichen Gesetzbuchs nicht durch den alten Zopf der behördlichen Verleihung von Korporationsrechten einen kräftigen Schnitt macht; übrigens er- wartet der Verfasser das Zustandekommen des bürgerlichen Gesetz- buches nicht vor Jahrzehnten. Das? in unserem Uollrsschulwesen keineswegs Alles so gut und schön ist, wie es vielfach dargestellt wird und daß andere Städte der deutschen Reichshauptstadt auf diesem Gebiete mit Erfolg Konkurrenz machen, ja, daß sogar das Ausland uns in verschiedenen Punkten, welche das Vcrhältniß der Schüler zur Schule betreffen, schon über ist, haben wir früher bereits mehr- fach betont. Es scheint aber auch, als ob in der bisher so viel gerühmten inneren Schuleinrichtung Manches fanler ist, als man bisher vielleicht geglaubt hat. Ein Präparanden- Lehrer Kruse veröffentlicht soeben einen Aussatz gegen die Lernbücher, die er als einen Krebsschaden des Schulunterrichts bezeichnet. Neberall sollen die Lernbücher das ersetzen, was eigentlich der Lehrer leisten soll. Wohin wir blicken, schreibt Kr., überall tritt die Bedeutung des Lehrers gegen die des Lernbuches zurück. Des„Schulmeisters" Thätigkeit besieht eigentlich nur iin Schule halten, das heißt darin, für die Aufrechterhaltung der Ordnung zu sorgen, aus den Büchern zum Auswendiglernen aufzugeben, das Aus- wcndiggelernte abzuhören und mit dem Lebcnswecker, „Bakel" genannt, dem Auswendiglernen den nöthigcn Stachdruck zu geben. Der„Schulmeister" verrichtet nur die Dienste eines Handlangers und beaufsichtigenden Polizisten. Pestalozzi war be- strebt, statt des Wortes die Sache, statt des todten Büches das lebendige Wort und die begeisterte Person des Lehrers zu setzen. Aber mie weit ist es diesem Manne gelungen, seine Reform- bestrebungen durchzuführen? Kr. verweist dann auf diejenigen Schulmeister, die noch in unserem Jahrhundert neben dem Schulehalten ihr ehrsames Ge- werbe trieben oder Körbe flochten und Besen banden. Er ist selbst ein ganzes Jahr lang Schüler eines solchen Lehrers gewesen und giebt ein ergötzliches Bild von diesem Schulehalter. Nachdem am Morgen zur Andacht ein ganzes Kirchenlied gesungen und daraus die herkömmlichen Gebete abgeleiert worden ivaren, begann die erste Stunde mit Lesen. Während die erste Abtheilung in der Bibel las, wobei Jeder einen Vers, mochte er kurz oder lang sein, abzuwickeln hatte, trieben die anderen Abtheilungen, die noch im sogenannten Evangelien-Buche, im Gcsangbnche oder in der Hahncnfibel steckten, ihre Allotria. Darauf folgte nacheinander das Lesen der 2., 3. und 4. Abtheilung, während die nicht lesenden älteren Schüler nach den vom Lehrer besorgten Vorschriften im Schreibhefte schrieben. Wer soviel geschrieben hatte, wie seine Eltern und deren Vermögensverhältnisse ge- statteten, griff zum Landeskatechismus und lernte auswendig. Nach der Pause begann das mechanische Rechnen. Dabei war> jeder Schüler ganz allein auf sich angewiesen, wenn nicht ein? etwas fortgeschrittener Nachbar sich seiner annahm, denn der Schulehalter saß wie ein König auf seinem Kathederthrone und h sorgte für Ruhe und Ordnung. Wer nicht rechnen lernen wollte n oder durste, lernte auch jetzt seinen Katechismus auswendig. So r. gings am Montage, am Dienstag und an allen Wochen-- tagen, nur daß an dem gefürchteten Sonnabend statt" des Lesens das Verhören des Auswendiggelernten mit, der obligaten Prügeln stattfand. Der Winter brachte insofern eine Abwechselung, als sich am Nachmittag von 1—4 Uhr das Manöver vom Vormittage wiederholte. j, Das geschilderte Schulehalten habe zwar— so versichert Kr. — aufgehört, nicht aber der Mißbrauch der Lernbücher und die, mechanische Aneignung eines todten Gedächtnißlrams nach den- selben. Unsere älteren Leser werden vielleicht in der hier gegebenen Schilderung Manches finden, was an die eigene Schulzeit lebhaft, erinnert. Mancher wird es schmerzlich empfinden, daß ein schöner Theil der zum Lernen geeigneten Zeit mit ziemlich werth- losem Gedächtnißkram verbracht wurde. Die Bedenken, welche Kruse gegen die Lernbücher vorbringt, deren gänzliche Beseitigung aus dem Unterricht er fordert, scheinen nicht ganz unbegründet und die Frage wohl einer Prüfung bedürftig. Jndeß, das„hoch- entwickelte" Schulwesen schlaft einstweilen auf seinen Lorbeere»! Zur Krheizung gairzcr Stadttheile sind in»eurer Zeit hauptsächlich in Nordamerika Versuche angestellt; man hat dort die Beheizung ganzer Häuserviertel von einer Zentralstelle aus zu bewirken versucht und damit recht gute Erfolge erzielt. Nament- lich sind Anlagen für Dampfheizung in New-Pork so sorgfältig nnd ziveckmäßig durchgeführt worden, daß man in Anbetracht der günstigen Erfahrungen und namentlich auch wegen der erheblich geringeren Kosten für die Heizung selbst eine weitere Verbreitung erwarten darf. Neuerdings ist man nun noch weiter be- müht, nicht allein die Heizung, sondern auch die Versorgung mit frischer Luft, sei es im erwärmten, sei es im abgekühlten Zustande für einzelne, räumlich nicht allzuweit ausgedehnte Stadttheile von einer Zentralstelle aus zu bewirken. Daß für enggebaute, gewerbereiche Städte, in denen die von Außen entnommene Luft sich in gesundheit- licher Beziehung in der Regel nicht zur Versorgung von Wohn- und Arbeitsräumen eignet, eine zentrale Lustverrheilungs-Leitung günstige Erfolge in'Aussicht stellt, ist nicht zu bezweifeln. Frei- lich bleibe» noch einige technische Schwierigkeiten zu beseitigen, die namentlich die Verlegung größerer Luftleitungen innerhalb der Straßenkörper und die Erhaltung gleichmäßiger Temperaturen ohne übermäßigen Kostenaufwand betreffen. Eine derartige Unternehmer-Gesellschast, deren Projekte und theilweise Ein- richtnngen bereit» die Aufmerksamkeit der Vertreter fremder Staaten erregt haben, ist in Washington ins Leben getrete» und dort thätig. Sie beabsichtigte ursprünglich, Städte bis zu 50 000 Einwohnern von einer stelle aus zu versorgen. Es stellten sich jedoch bei der praktischen Einrichtung solcher Anlagen mancherlei Schwierigkeiten heraus und es ergab sich als nothig, die Ausdehnung des einzelnen Röhrennetzes auf(. höchstens einen Kilometer Länge zu beschränken und bei besonders dichter Bebauung in Geschäftsgegenden für jedes Häuser- geviert eine eigene Betriebsstelleßanzulegen. Der Grundgedanke des Systems, nach seinem Erfinder Timby- System genannt, ist folgender: An der Zentralstelle befinden sich die entsprechend großen Dampf- oder Heißwasserkessel, durchweiche die Haupt-Lustleilnng in geschlossenen Röhren hindurchgeführt wird und einen Theil der erzeugten Wärme in sich ausnimmt. In diesen Luftröhren befindet sich ein Dampfrohr, das mit einem Rücklaussrohr versehen ist, von dem großen Dampskessel also aus- geht und wieder zu demselben zurückführt. Hierdurch wird eine gleichmäßige Temperatur in alle» Theilen des großen Luftrohres erzeugt. Diese stets gleichmäßig erwärmte Luft wird mittelst einer Gebläse-Borrichtung in die Nebenleitungen und von dort in die zu versorgenden Räume getrieben. Durch Meß- Vorrichtungen an den Abzweigestellen wird die Menge der in den einzelnen Räumen verbrauchten Wärme festgestellt. Der Betrieb der Dampfleitung erfolgt durch niedrig gespannte Dämpfe, so daß Explosionsgefahr vermieden wird. Auch gegen die Längenveränderungen der Röhren sind Ausgleichsvorrich- tungen eingeschaltet. Das ins Erdreich eingebettete Hauptluftrohr wird durch zweckmüßige Umhüllung gegen Wärmeverluste geschützt. Jn gleicher Weise wie diese Leitungen zur Uebertragung er- wärmter Lust benutzt werden, sollen dieselben in der heißen Jahreszeit auch zur Leitung eines durch Kältemischungen künstlich gekühlten Luftstromes dienen. Die Idee dieser ganzen Anlage ist ungemein einleuchtend. Allein was nützen alle diese Fortschritte in der Technik der großen Menge des Volkes? Wie viel Zeit wird vergehe», ehe die kalten, ungesunden Wohnungen der Arbeiterviertel auf diese Weise ge- heizt und gelüftet iverden? Aua Anlast der schon wieder vorgekommenen Todtnng eine» Mannes durch den Schuß eines Wachpostens geht uns von einem Leser des„Berliner Volksblattes" solgende Mittheilung zu: Ich stand in den Jahren 1833 und 34 als Soldat im 33. Regimente in Saarlouis. Wegen der Nähe der französtschen Grenze, der französischen Revolution von 1830 und der in Frankreich immer noch herrschenden unruhigen Stimmung waren die Infanterie- Regimenter, welche die Besatzungen von Saar- louis, Mainz und Luxemburg bildeten, auf Kriegsstärke gebracht worden. Dcmuugeachtel wurde es nicht für nöthig gehalten, die Wachposten mit scharfen Patronen zu versehen, sie konnten also auch keine» sich ihnen Nähernden todtschießen. Es ist mir während meiner Dienstzeit überhaupt kein Fall von einem Konflikte zwischen irgend einem Bürger und Wachposten zur Kcnntniß gekommen: lieber solche Lappalie, wie Verunreinigung einer Mauer wegen eines nicht unaufschiebbareit Bedürfnisses, wurde hinweggesehen, es würde auch keinem Wachposten einge- fallen sein, etwa deshalb einen Menschen mit dem Bayonuet niederzustechen, dasselbe hätte nur'zur Verthiidigung gebraucht werden dürfen. Jn den Glacis der Außenwerke wurde häusig von den Bewohnern der»ächstgelegene» Dörfer Gras geschnitten und entwendet. Wenn die Patrouillen der Wache im Fort„Rauch", bei welchem der Grasdiebstahl am häusigsten vorkam, einen solchen Bösewicht ertappten, so riefen sie ihm Halt zu. Gewöhnlich rieß er aus und ließ die Kiepe im Stich. Man lies ihm nach, faßte man ihn nicht, so schadete eS nichts, anderen Falles wurde er nach der Wache gebracht, diese schickte ihn dann unter Beivachnng von zwei Mann an die gerichtliche Behörde in der Stadt. Damit war die Sache nach ihrer militärischen Seite hin erledigt. Jetzt ivird wahrscheinlich nach solchem Ausreißer scharf geschossen iverden, es kann ihm dann passiren, daß er wegen des geringen Werthes des Grases, vielleicht 10 Pf., zum Krüppel gemacht oder gar getödtet wird. . Vorschriften, die dem Posten in solchen Fällen, wie den an- geführten, das Schießen zur Pflicht machen, sind inhuman, sie sind auch unklug, weil sie zu einer Erbitterung zwischen Zivil und Militär beitragen und die Negierung gewiß die Verpflichtung ijüt, ein freundschaftliches Verhältniß zwischen Beiden zu be- günstigen. Und wohl Mancher von denen, der Jemanden, wenn auch seiner Instruktion gemäß, erschossen hat, wird später bittere Reue empfinde» und vielleicht während seines Lebens sich über diese That Votwürfe inachen. Darum gebe man den Wachposten keine Patronen. Die GristevKranIUiritett und der Tabattoaennis. Ein namhafter schwedischer Arzt, Dr. N. G. 5tjelberg(Upsala) ver- öffentlicht über die nach andauerndem Tabaksmißbrauch cnt- stehende Geisteskrankheit, die sog. Nikotinpsychose, eine Studie, welche die Beachtung aller Raucher verdient. Wir theilen aus derselben Folgende� mit: Das Nikotin ist der wichtigste chemische Bestandtheil der westindischen Pflanze Nicotiana Tabacura; es ist in reinem Zustande eine farblose, leicht lös- liehe Flüssigkeit von starkem Geruch nach Tabak und sehr scharfem, brennenden Geschmack. Im Virginiatabak soll die Menge des Nikotins am größten sein. Für den menschlichen Körper ist das Nikotin eines der stärksten Giste und es steht daher in seinen verderblichen Wirkungen auf denselben hinter dem Alkohol nicht zurück. Bei der gegenwärtigen Zunahme der Geisteskrankheiten spielt der Tabaksgenuß eine hervorragende Nolle. Tie Wirkung des Tabaks ist von der des Nikotins nur dem Grade nach verschieden. Nach den neuesten Versuchen des Prof. Schroff in Wien sind die Einwirkungen des Nikotins auf den gesunden Körper folgende: In Gaben von 1—3 Milligr. genommen bewirkt das Nikotin anfangs eine scharfe, brennende Empfindung auf der Zunge und im Schlünde, mit gesteigertem Speichelfluß, Empfindung von Wärme i>n Magen, in den Gliedmaßen und im ganzen Körper. Bald nachher tritt Kopfweh ein, dann Schwindel, Schläsrigkeit, trübes Gesicht und schwaches Gehör, be- schleunigte und erschwerte Athmung. Nach einer halben bis drei Viertel Stunden folgt eine Empfindung außerordentlicher Cr- schlafsung und Schwäche, das Gesicht erbleicht, der ganze Körper fühlt sich kalt wie Eis an, und es stellen sich Anfälle von Ohn- macht und Erbrechen ein. Die Erscheinungen steigern sich zeit- weise bis zum Zittern und zu chronischen Krämpfen der Athmungs- Muskeln. Nach drei Stunden fangen die Er>cheir.nngen an nach- zulassen, aber die Nachwirkmigeii dauern noch einige Tage an. Das sind die furchtbaren Wirkungen dieses Giftes in Gaben von 1 bis 3 Milligramm. Da nun gegenwärtig der jährliche Nikotinertrag der ganzen Erde auf t 200 000 Kilogramm uild die Zall der Tabakraucher auf etiva 800 Millionen geschäht wird, so ergiebt sich, daß jeder derselben im Durch- schnitt jährlich iVa Gramm Nikotin oder täglich 4 Milligramm verbraucht. Daß der menschliche Körper solch große Mengen zu ertragen vermag, erklärt sich aus der bekannten Eigenschast unseres Organismus, sich schädlichen Angewöhnungen anpassen zu können. Tie erste Begegnung mit dem Gifte des Tabaks wird immer vom Zentral-Nervensystem als eine schmerzhafte und unangenehme empfunden, und es gehört immer eine gewisse Gewalt gegen die Natur dazu, um sie wiederholen zu können. Wenn die Warnung des angegriffenen Nervensystems nicht beachtet wird und die Ver- suche mit der nothwendigen Beharrlichkeit sortgesetzt werden, dann vergeht allmülig das wiorige Gefühl und der gewohnte Reiz er- scheint bald unentbehrlich. Die Sehnsucht nach erneutem Genuß ist bei dem Tabakraucher so groß wie bei dem Schnapstrinker und dem Morphinisten. Die Einwirkung des Tabaks ist sehr verschieden nicht nur bei verschiedenen Gattungen von Tabak, sondern auch bei der verschiedenen Verwendung. Beim Rauchen können nur die Zertheilungsstoffe, die dem Rauchen folgen, wirken. Es sind jedoch mehrere Fälle nicht nur von nervöser Ueber- reizung, sondern auch von ausgebildeter Psychose insolge über- mäßigen Tabakrauchens bekannt. Daß auch durch zu reichlichen Gebrauch des Tabaks zum Schnupfen psychische Krankheit-- «rscheinungen hervorgerufen werden können, davon hat Kjelberg mehrmals Gelegenheit gehabt, sich zu überzeugen. Die größte Gefahr bringt indessen der Gebrauch des Tabaks zum Käuen. Die gewöhnliche Form für diese Verwendung ist der Rollentabak, wovon allerdings kleinere Gaben, ohne psychische Nebel hervor- zurufen, genommen werden können. Steigt aber der tägliche Ge- nuß über 10 bis 12 Gramm echten und guten Tabaks, dann wird leicht der pathologische Boden betreten und die Sensation fängt an abnorm zu iverden. Noch leichter verwirklicht sich dieser Uebergang, wenn der pulverisirte Schnupftabak zum Kauen ver- wendet wird. In den letzten Jahrzehnte» hat der Gebrauch von Schnupftabak zum Kauen sich in mehreren Gegenden des Nordens, besonders unter den Seeleuten, Fabrikarbeitern u. a.»>. sehr verbreitet. Unseres Wissens ist in Deutschland solcher Gebrauch des Schnupftabaks noch nicht bekannt geworden; da es jedoch nicht unmöglich erscheint, daß er, bisher unbeachtet, doch vor- Händen ist, so möge zur Warnung hier kurz das Krankheilsbild wiedergegeben werde», das Kjelberg von der so entstandenen Nikolmpsychose entwirft, zumal da sie sich ja mit der insolge übermäßigen Tabakrauchens entstehenden Geisteskrankheit deckt. Tie Nlkotinpsychose ist eine wahre primäre Geisteskrankheit mit sehr bepimmten Erscheinungen und regelmäßigem Verlauf. Der allgemeine Charakter derscloen ist ein peinliches Gefühl der Schwäche und des Unvermögens nebst früh eintretenden Hall»- zinationen und Wahnideen und selbstmörderischen Neigungen. Die Krankheit hat ein Vorstadium, dem drei unter einander ver- schiedene eigentliche Krankheitsstadien folgen. Im Vorstadium fühlt der Kranke sich univohl, er zeigt sich unruhig, schläft wenig, hat keine Lust zu den gewöhnlichen Beschäftigungen, er ist geneigt zu trüben Griweleien und geplagt von Herzklopsen und unge- wöhnlicher Angst. Dieser Zustand dauert IVs bis 3 Monate. Dann tritt die Psychose ein. Ter Kranke wird zunächst von leb- hasten Halluzinationen ersaßt, die ihn ganz in Anspruch nehmen. Er hört Stimme», sieht überall Personen von bestimmtem Ge- präge um sich, er hat das Gefühl, als ob etwas Fremdes in seinem Körper wäre. Tie Stimmung ist dauernd getrübt, der Kranke sucht Ruhe und Einsamkeit, zuweilen hat er Selbst- mordgedanken. Er spricht wenig, aber mit klarem Verständnis, doch niemals, ohne aufgefordert zu werden. Stach sechs bis sieben Monaten tritt die Krankheit in das zweite Stadium: die Stimmung hebt sich und man findet den Kranken mit früh- licher Miene über seine Wahrnehmungen sprechen. Er erzählt von dem Besuche von Engeln, hat den Himmel, aber auch die bösen Geisler gesehen. Er spricht und singt leise für sich selbst ohne U»terdrechu'..g, seine Bewegungen werden kräftiger und unruhig. Dieser Zustand tritt in Perioden von 2 bis 4 Wochen Dauer auf und wird durch Zwischenräume unterbrochen, in denen der Zustand des ersten Stadiums vorherrscht. Wenn nach diesem zweiteil Krankheitsstadiums nicht die Genesuiig beginnt so geht es altmälig in das dritte Stadium über. Die Perioden erhöhter Stimmung schivinden nach und nach, das Gemüth bleibt ruhig, aber reizbar, die Auffassung ist sehr beschränkt. Die Halluzina- tioue» dauern fort und der Kranke sinkt nllmälig in einen>»stand allgemeiner physischer Schwäche, während der körperliche Zustand so bleibt, daß der Kranke für die Arbeit nicht ganz unbrauchbar ,vird. Eine Heilung von der Nikotinpsychose ist nur in den beiden ersten Stadien der Krankheit möglich. Die Behandlung ersordert vor Allem gänzliche Entziehung des Tabaks, die man jedoch allmälig durchführen kann. Tann sind kräftige Diät, viel Bewegung in frischer Lust und Gebrauch von Mineralwässern zu empfehlen. Die Uegnlirungsarbeiten i« der verlangertettIn»»«». straffe nehmen bei der überaus geringen Anzahl der beschäftigten Arbeiter einen so schleppenden Fortgang, daß deren Ende sich auch noch nicht im euheriilesien absehen läßt. Tos Psörtnerhäuschen, welches an dem lediglich für die Person des Kriegsimniflers vor- geiehenen Eingang zum Kriegsministerium einen Platz findet, hat sich noch immer nicht ans dem Grunde über dem Erdboden er- hoben, und bevor die Mauern, die zu beiden Seiten der Straße gezogen werden, bis zu der vorgeschriebenen Hohe, die derjenigen der alten Stadtmauer gleichkommen soll, aufgeführt fern werden. wird wohl der Winter seinen Einzug gehalten haben und der Weiterführnng der Arbeiten ein kategorisches! Halt ge- bieten. Da man zudem, ehe die Asphaltirung des Fahrdammes und die Pflasterung der Bürgersicige in Angriff genommen werden soll, abwarten will, bis sich die 1,80 Meter betragenden Ausschüttungen gesackt haben, ist, wie man mittheilt, gar nicht daran zu denken, daß im nächsten Früh- jähr die Straße auch für den Wagenverkehr eröffnet werden wird; vor Mitte Sommer nächsten Jahres ist hierauf nicht zu rechnen! Die Passage durch die Straße ist jetzt bei dem andauernden Regenwetter eine mehr als beschwerliche, fast unmögliche. Es wäre dringend zu wünschen, daß, da nun einmal der Fußgänger- verkehr freigegeben worden ist, für denselben auch insofern Sorge gelragen würde, daß die Schmutz- und Wasserpfützen, welche sich zwischen den zahlreichen Massen von angefahrenen Mauersteinen gebildet haben, durch die sich der Passant hindurchwinden muß, ivenigstcns oberflächlich befestigt würden. Das Kerliner Aquarium ist in den Besitz höchst inter- essanler afrikanischer Fische gelangt. Sie stammen aus ßene- gambien und wurden von dem Kaufmann Jezler in Bathurst an Herrn Dr. Burckhardt, Assistent des Professors Dr. Hertwig hier- selbst, geschickt. Es sind dies Schlammfische, Dolo oder Molch- fische, Protopteros annectens, welche im ganzen Mittel- und Jnner-Afrika vorkommen. Der Molchfisch gehört zu den Lungen- fischen, welche man als Verbindungsglieder zwischen Amphibien und Fischen ansehen kann. Der Bau ist der der Fische, ihre Athinnugsthätigkeit gleicht derjenigen der Lurche. Während der trockenen Jahreszeit baut sich der Fisch in dem eintrocknenden Schlamm ein förmliches Nest, in welchem er sich einkapselt. Ter eingekapselte Fisch, umgeben von dem eingetrockneten Schlamin, ist wiederholt nach Europa gelangt. Herr Dr. Burckhardt erhielt in den letzten Tagen 27 Stück großer Lehmstücke mit den ein- gekapselten Fischen. Wird der in dem schlafähnlichen Zustande befindliche Fisch in Waffer gesetzt, so wird er allmälig lebendig, die Umhüllung erweicht und nach Verlauf einer Stunde ist er vollständig munter und rege geworden. Die Gestalt dieser Thiers ist aalartig. An Stelle der Flo en befinden sich lange fadenarkige Fortsätze mit strahlenartigem Randsaum. Die inter- essanten Thiers befinden sich in einem Becken neben der Voliere bei einer Temperatur von 25Q C. CM« vevivrtcs Kind ward gestern Vormittag auf dem Fahrdamm der Gerhardtstrare zu Moabit von spielenden Kindern entdeckt und dem in der Werflstraße belegenen Bureau des dortigen Polizeireviers zugeführt. Ter kleine etwa zweijährige Findling, gegen dessen Einlieferung bei der Polizei ein anderes kleines Mädchen mit lautem Gefühlsausbruch vor dem Revierbureau thränen ci en Widerspruch erhob, war von der rauhen Herbstlust halb erstarrt, sodaß er kaum die Lippen zu bewegen vermochte. Der Telegraph arbeitete inzwischen und einige Stunden später erschien ber-ils die geängstigte Mutter, um den verlorenen Sohn nieker in E npfang zu»eh» en. Ter Knabe war seinen in der Li neb»rge- raße wohnhaften Eltern in einem unbewachten Augen- blick entschlüpft. Ei» dvohrnder Unglücksfall, bei dem ein Kindesleben in ernster Gefahr schwebte, ist vorgestern Mittag wie durch ein Wun- der verhütet worden. Bei der Einfahrt eines hochbeladenen Roll- wagens in den Anhalter Güterbahnhof in der Möckernstraße löste sich plötzUcy die Kette los, durchweiche die schwere eisenbeschlngene Leiter festgehalten wurde, und diese fiel mit Donnergepolter nach hinten ans den Straßendamm nieder in demselben Augenblick, als ein ca. 5 jähriger Knabe unmittelbar hinter dem Wagen vorüber- ging. Die Leiter fiel jedoch so glücklich dem Kind üben den Kopf, daß dieses plötzlich zwischen ihr stand und erst zu Fall kam, als ihm, da der Wagen in voller Fahrt befindlich war, durch die beide Leiterwangen verbindende Quersiange die Beine unter dem Leibe forlgezogen wurden. Heulend und schreiend, weil er ein nnsreiwilliges Schmutzvad bekommen hatte, aber ohne ernstere Verletzungen als Hantabschärsungen erlitten zu haben, erhob sich der Knabe wieder. Ein mit dem Zuchthaus bereits bekannter Heiratho- schwindlrr, der Kaufmann Willert, ist vorgestern durch die Kriminalpolizei in Haft genommen worden. Cr pflegt sein „Handwerk" in der Weise zu betreiben, daß er unter falschem Namen mit Dienstmädchen Liebesverhältnisse anknüpft und ihnen dann allmälig ihre Sparkassenbücher ablockt. Dies geschieht meistens dadurch, daß Willert vorgiebt, für den Augenblick einiger Baarmittel nothwendig zu bedürsen, seine russischen Werthpapiere aber aus dem Grunde nicht umsetzen zu können, weil sie gerade einen niedrigen Börsenwerth haben. Sobald er in den Besitz der Sparkassenbücher gelangt ist, hat die Liebschaft ihr Ende erreicht. Drr taubstumme Schuhmacher Ziemer begegnete in der Nacht zum 5. d. Mls. in der Schulzendorferstraße einem ihm unbekannten Hausdiener, welchem er durch Zeichen zu verstehen gab, daß er wissen möchte, wie spät es sei. Als nun der Haus- biener seine Uhr hervorholte, nahm Z. dieselbe in die Hand, um anscheinend das Zifferblatt genau sehen zu können. Plötzlich riß Z. die Uhr von der Kelle IoS und entfloh damit die menschen- teere Straße entlang nach dem Weddingplatz zu. Der Be- stohlene folgte ihm und veranlaßte durch sein fortgesetztes Geschrei einen Nachtwächter, den Dieb anzuhalten und fest- zunehmen. In der Uähe von Kiefenthal(an der Stettiner Bah») ist am letzten Sonntag ein Mordanschlag und glaub an der Botenfrau Tittmann verübt worden. Ein etwa 22 jähriger Mensch, der sich den Kopf mit einem Kartoffelsack verhüllt hatte, gesellte sich, wie die„Biescnth. Post" berichtet, ans dem Wege von Malchow nach Biesenthal zu der Frau, knüpfte zuerst ein Gespräch an und schlug sie dann hinterrücks mit einem Feldstein nieder. Um die Frau ain Schreien zu verhindern, schütte ihr der Unmensch den Mund voll Sand und kleiner Steine, dann warf er sich auf die Unglückliche und ver- setzte ihr mit dem Stein noch mehrere Schläge ans den Kopf. Tie Frau verlor die Besinnung, der Räuber glaubte sie todt, nahm ihr aus der Rocktasche das für Backwaare einkassirte Geld im Betrage von 9 M. 15 Pf., erhob sich dann schnell, warf den mit E. W. bezeichneten Sack fort und eilte davon. Trotz der schweren Verlegungen erholte sich die Frau langsam und schleppte sich mühsam zur Statt. Ter flüchtig gewordene Thätcr scheint ein vielchch bestra ter Mensch zu sein, der zur Kolonie Biesenthal gehört und schon seit längerer Zeit bald in Berlin, wo er eine Braut hat, bald in der N»he von Biesenthal, in Wäldern und auf der Landstraße sich umhertreibt. Bekleieet war der Bursche mit einer dunkelbraunen Hose mit hellbraunen Streifen und mit einem hellgrauen Jacket. Man vernu.thet, daß er sich hier in Berlin verborgen hält. Die Kammelliste 983 für die Kongreßdelegirten nach Halle ist dem Unterzeichneten verloren gegangen. C. Rohrmann, Thaer- straße 45. In Wirklicher Festeostimmmtg verlief das vom Gesanq- verein Gemüthlichkeit am 4. d. M., in Kliem's Volksgarten in der Hasenhaide, zur Feier der Heimgekehrten veranstaltete Ball- fest, rerbunden mit Gesangvortragen. Nachdem der Gesangverein mit dem Liedc„Zu Heilerin Fest verbunden", und„Ein Sohn deL Volkes" die Feier eröffnet hatte, hielt der Vorsitzende des Vereins Herr A. Buchholz eine kurze aber erliste Anrede, in welcher derselbe knndgav, weshalb dieses Fest veranstaltet worden. Mit einein Hoch auf die Heimgekehrten wurde die Rede geschlonen. Von den Heimgekehrten war der seit dein Jahre 1884 aus gewiesene Herr Jakobs anwesend, welcher dann in einer längeren Rede im Namen der Heimgelehrten dankte. Auch er schloß mit einem Hoch ans die internationale Sozialdemokratie. Beinerkens- iverth ist noch, daß bei einer amerikanischen Auktion ein Bild Lassalle's den ansehnlichen Betrag von 27,29 Mark, und ein Blumenkörbchen den Betrag von 21,85 Mark erzielten. Hieraus unterhielt sich noch die Gesellschaft bis zum>rühen Morgen. Die Reinickettdorfev Lokitlkommisston berichtet- daß folgende Wirthe ihre Lokale unentgeltlich zu Versnminl? hergeben: Gördes, Waldschlößchen, Waldstraße; Marks, TI Chanssee,„Zum Feuerwerker"; Böttcher's Seeschlößchen, D straße 1—2; Lüdicke, Amendestr. 1; Budewitz, Hausotter?. Benike, Nordbahnstr. 1. Alle etwaigen Unregelmäßigkeiten c man an die Unterzeichneten berichten: F. Schäfer, PaH Allee 41; A. Thal, Provinzstr. 107; R. Duchateau, Geselll« straße 5; daselbst sind auch Sammelftellen für gelesene A# blätter. J Dolizeibericht. Am 7. d. M. Morgens wurde ein A in seiner Wohnung, in der Oderbergerstraße, erhängt vorgest» — Vormittags versuchte ein Mann in seiner Wohnung, Kirchbachstraße, sich durch einen Revolverschuß in den M# tödten. Er wurde noch lebend nach der Eharitee gebram Mittags stürzte sich ein 71 Jahre alter Almosenempfängerff muthlich in einem Anfalle von Geistesstörung, aus dem« fenster im 4. Stock des Hauses Kottbuserstr. 18 auf den Hof» und verstarb auf der Stelle infolge der erlittenen schweren letzungen.— Abends wurde eine 80 Jahre alte Frau vor Hause Blücherstr. 7 von einem Geschästswagen überfahren- erlitt anscheinend schwere innere Verletzungen, so daß s»! dem Krankenhause am Urban gebracht werden mußte.— Zu der� Zeit erschoß sich ein unbekannter, etwa 23 Jahre alter H auf einer Bank am Mariannenplatz mittelst Revolvers. 7. d. M. Abends und in der Nacht zum 6. d. M. fanden- kleinere Brände statt. Theokev. Im Mallirertheater ging vorgestern eine sogenanntes „Pension Schöllcr" von Karl Laufs, über die Bretter. �\ ist absurd und roh, wie es sich für ein Stück, welches Herren Damen der Bourgeoisie in aügenchme Stimmung verscW gebührt. Ein alter Herr,'-ein Provinziale natürlich, will Iß Neffen die Mittel zu einer Geschäftsgründ-. ng vorschießen, j der Bedingung, daß ihm dieser die Gelegenheit verschafft, J Jrrenball zu besuchen. Ter Neffe führt ihn in eine Fa« Pension. Hier findet sich allerdings eine ganze Anzahl» Idioten vor, wie man sie in solchen Instituten wohl finden. Das Spiel war nicht so munter, wie man es sonst bei M gewöhnt ist, auch Herr Schweighoier entsprach kaum de» Wartungen, bie man in ihn gesetzt hatte. Thomas-Thratcr. Die Strohwittwe. Posse(?) inj' von Misch und Jakoby, gelangte gestern zur ersten An ff»! und halte das Haus in allen Räumen gestillt. Der Tu? Stückes ließ mehr erwarten, als geboten wurde, obgleich mff leugnen ist, daß sich die Verfasser redliche Mühe gegeben». an Situationskomik, guten und schlechte» Witzen das Me»! möglichste zu leisten. Da letztere überwiegen, so ist es erkt» daß die Novität über einen mäßigen Achtung: e folg nicht hi» kam— trotz des Bemühens einer mehr als üoererfrigen C>> Gespielt wurde, abgesehen von einigen zu starken Auftrag»" recht brav. Daß htv Kerlinrr Kode» für vertrauensselige ProR sehr gefährlich ist,' da die wackeren Landleute hier sehr le» Opfer von Gauner» und Betrügern werden, ist längst B und die vielen, diese Thatsachen illustrirenden Gerichtsofl..uuytuu lungen beweisen, daß in dieser Bezieh ng die Dummen nwfl für die werden. Wie oft ist mcht schon den hier ankommende» M kcliln>>->n warnend zugerufen worden, all' den dienstwilligen Leuten»! sich auf den Bahnhöfen an sie herandrängen, nicht zu trm umsonst, die Fliegen gehen immer wieder ans den Leinr-s» da eineL Tages ein Handwerker aus der Provinz mit einer! voll Geld hier an,' um am nächsten Tage wieder n'O reisen und flugs war auch ein freundlicher Manu an seine» welcher sich erbot, den Proviazialen in Berlin herumzus Letzterer war gntmüthig genug, die Offerte anzn» und studirte an der Seite des freundlichen Fuhrers die G, nisse von Berlin. So kamen sie auch in ein Restaurant, nahm d> Gerstensa't durch zarte Hand kredenzt wird, oder, wie es>». aus meh sinnigen Sprüchlein heißt:„Die Kellnerin, die gute Seele» l werden wie Rebekka die Kamcele." In diesem Falle war die v, allen Di der That eine gute Seele, denn sie rührte die Raivctät d* und t verdorbenen Provinziale», welcher Jedermann erzählte, 1 eine Summe von 110 M. bei sich trage. Die Keunerin S mit allem Nachdruck den Fremdling darauf aufmerksam, in Berlin nicht vorsichtig genug sein könne und»»»'S niemals mit Leuten, welche man nicht kenne und welche sich, fertig an die Fersen heften, Bier- und Weinreisen unter»! dürfe. Ihr Wort verhallte jedoch spurlos und als die W»- einmal ziyallig in das Zimmer sah, wo der naive Wl seinem Begleiter zechte, da bemerkie sie, daß der Erste» eingenickt, der Letzlere dagegen völlig unsichtbar geworoe» Nichts Gutes ahnend, weckte sie den Schläfer und dieser zu seinem Entse.�eu feststellen, daß mit seinem Begleiter"tb Portemonnaie mit den vielgepriesenen 110 M. verschivundss daß da System Stelle s« wegzula foroert werden daß die ma»»'s auigesor agiliren einige F sammlui Am Wunderbarer Weise gelang e?, des Durchgängers wieder ß'' und ijc zu werden und dersetve stand gestern in der Person des G'« flegnid i dohners G elaschke vor der fünften Strafkammer hieflgr», folgende gerichts 1. Er bestritt zwar, daß er sich das Geld des licheu V Provinzlers angeeignet, die Zeugenaussagen ließen jedoch. 4. Bersck Zweifel darüber, daß er diese Art von Leicyenstedderei au-i so ließ t hatte und so verurthcilte ihn der Gerichtshof zu drei Mo» lungver Gefängniß. j der Tag Eine Anklage mcgrn Maiostätobrlridigung.'- yochznha gestern die 3. Strafkammer des Landgerichts 1. besä!' fchwerde richtete sich gegen den Redakteur der„Berliner Zeitung",. A'itr Franz W i ß b e r g e r. Die„Berliner Zeitung" bespff dieses einem Leitartikel das Duellunivesen und beklagte es, daß ch wssen, wisse Aneneniinng des Duellunfugs in unserer Geseyge.'U»sUWahl eii Wenn diesem Uuiuge mit der ganzen Strenge der Gesell? vom Ko! entgegen getreten ivürde, würde schon viel gewonnen', hack und letter aber trete dieser Praxis das schönste Recyt der Stt'£l!,( Vereins Begnadigungsrecht, entgegen. Fast Jeder, der wegen T'-sj Zugesagt, urtheilt werde, wisse jeyt schon im Voraus, daß er»Woer ziffc gnadigt würde inid dadurch iverde die Rechtsprechung iM Ochsten Die Begnadigung sollte sich auf Ausnahmeiälle beschrän»� ovrechnu Besten aber wäre es, die§§ 201— 210, welche vom Duell ß»»oeil dre ans dem Strafgesetzbuch ganz zu streichen.— Der Staats cem£m» sah in diesen Ausführungen eine AtajcftätsbeleivlgiNiss er dem Träger der Krone indirekt den Jk}- mache, durch allzu reichliche Anwendung des Begua�Mimge f rechts das Diielllinwesen zu fördern niid die liehen Urtheile zu einer Farce zu machen. Der � v Ein anivalt beantragte acht Monate Gefängniß.— ,.»*»»»*'A' anwalt Munttel führte dagegen aus, daß der Artikel e>»i Dagcsorc objektive und berechtigte Kritik bestehender Mißstände sei- Meiverkscl fache sei es, daß bei Berurtheilungen wegen Duells 2 gnadigniigsrecht viel häusiger Platz greift als anderswo u»» Q Abrech jektive Anssührnng, daß diese Praxis ivoht oder übel J unwescn befördern müsse, könne uninöglich als Majestätsbcl- jH- Herho würde lein Bedenken trage»-..ss' Vorsil ausgelegt werden. Er Artikel dem Kaiser selbst vorzulegen und er sei überze>--.xc-"»r>l zu dieser selbst sich nicht beleidigt sühlen dürste. Abg. La«�.™».ereins der Schlächtergesellcn erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten voll und ganz einverstanden und beschließt, auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung weiter fortznschreitcn.— R e s o- lution 2. Die heule, Sonntag den 5. Ottober in May's Festsälen tagende ordentliche Generalversammlung der Schlächter- gesellen Berlins und Umgegend beschließt, bei der Berliner Streik- Kontrolkommission zu beantragen, den Boykott über das Geschäft des Leber- und Fleischhändlers Sagert, Zen tral-Markt- Halle, Stand 10, sowie über dasfinige des Schlächter- meisters Kehrberg, Ode r berger st rape 87, zu verhängen und verpflichten sich die Mitglieder des Jachvereins, falls der Boykott über genannte Geschäfte verhängt wird, voll und ganz für die Ausführung desselben einzutreten, da nur durch ge- schlossenes, energisches Vorgehen die Lage der Schlächtergesellen gebessert werden kann. Mit einem Hoch auf den Fachverein schloß der Vorsitzende die Versammlung. Eine gut besuchte Versammlung de» Verein» zur Mahrung der Interejs-n der Schuhmacher fand am Montag, den 6. Oktober, in den Arminhallen statt. Ten ersten Punkt der Tagesordnung bildete ein Vortrag des Herrn A.'Auerbach:„Uever das Programm der Sozialdemokratie", welcher mit Beifall aufgenommen wurde. Redner widerlegte zu Anfang vortrefflich die Lügen eines freisinnigen Flugblattes und nahm dann Punkt für Punkt unseres Programms durch und stieß auf mehre Sätze, welche auf dem Parteitage wohl abgeändert »verde» dürften. Redner schloß mit de» Worten, daß man vor allen Dingen den Wählern unser Prograimn klar machen müßte, und diese z» zielbewußten Arbeitern heranzubilden und daß dann bald der Tag kommen»verde, der das jetzige Sristein beseitigt und Friede, Freiheit und Gerechtigkeit an dessen Stelle setzt. In der Diek».ssion wurde betont, daß die Religion »vegzulal�en, aber an dessen Stelle die konfessionslose Schule ge- fordert wird>md daß im Programm alle Fremdwörter vermieden »verde» möchten. Unter Verschiedenem»vurde bekannt gegeben. daß die nächste öffentliche Versmnmlung am 13. d. M. in Hoff- mann's Festsälen, Oranienstr. 180, stattfinden»verde und»vurde auigesordert, für das Vergnügen zum 10. Oktober tüchtig zu agitire» und die Beiträge baldigst zu entrichten. Nachdem noch einige Fragen beant>vorlet»varen, schloß der Vorst: ende die Ver- sam,ulung. An» 6. Ghtobrr hielt die Freie Urveitiigung der Ki>»r- , und gewerbliche« Kilfoarbcitcr für Schö..ederg und Uin- @5 gegend ihre Mitgliederversammlung in der„Schloß�rauerei" mit i»«' solgender Tagesordnung ab: 1. Beschlußsasfung über die monat- e-' lichen Versammlungen. 2. Vereinsangclegcnheite». 3. Diskussion. äf J 4. Verschievcnes. Da der erste Voruyende nicht anwesend war, »# so ließ der ziveite Vorsitzende das Protokoll der letzten Versa»»»- j r lung verlesen, welches angenommen»vurde. Zun» ersten Punkt . der Tagesordnung»vurde beschlossen, die Beschlüsse von» 17. Juli J hochzuhalten. In Vereineangelegenheiten kamen so schivere Be 'I f'ch« Pf fii »'S % fch»verde» gegen den ersten Vorsitzenden zur Sprache, daß olgen- der Antrag augenoliunen»vurde: Am Sonntag, den 19. Oktober dieses Jahres eine Generalversaiitmlung stattfinden zu lassen, welche zum ersten P»»ikt der Tagesordnung Wahl eines erste» Vorsitzenden hat. Gestellt»var dieser Antrag von» Kollegen Klinge und serner motivirt von den Kollegen Staut- hack und Nimmich. Kollege Gröbke nahm den Rechtsschutz de-- Vereins in Anspruch»vegen Maßregelung. Es»vurde»hin auch zugesagt, daß»i» den nächsten Tagen die Schiedskonullisfion dar- ä- über zusammentreten soll. Sodann»vurde zugesagt, daß in der nächste» ordentlichen Mitgliederversamml.»g die erste Vereins- abrechnung erfolgen soll,»vas nur deshalb noch nicht geschah, weil die Filialen von Friedenau und Steglitz»och nicht mit n-l» dem Hauptlassirer abgerechnet hätten. Unter Verschiedene»!»vurde »»t der Ausruf von W. Gorsniann im„Arbeiter" verlesen und zu tem- iSlL' n ffn"nc')en die Kollegen Klinge, Behrendt und MarasaL. ,o«Kli..ge forderte zun» größeren Abo..»e»»e»t auf„Ter Arbeiter" §,a»lf. Darauf schloß der Vorsttzende die Versaniinlun % feine öfscutlichr y«v|'nmiiiliiti|) der Elabaltarbriter . l-«nd»Albriterinne« fand mn 8. d. Mts. stall mit folgen» er c!»fTagesoroin.ng: 1. Vortrag des Herrn Th. Glocke über die i�Geiverkschaftsbcivegung vor, während und nach dem Sozialisten esetz. 2. Schlußabrechnung der Lohnüberwachmigs-Konimission Abrechnung der jetzigen" Kominission. 4. Verschiedenes. Zur Leitung der Versammlung»vurden die Herren Buir»), Börner und ß- Herholz gewählt. Vor Eintritt in die Tagesordnung ersucht Cü Herholz gewühlt. Vor Eintritt in die Tages der Vorsitzeude, die Versaunnlung möge sich recht rege an den San»»» 2. Punkt(»veil nicht auf der Tagesordnung stehend) monirt, eS könne dem Beainten doch gleich sein, ob der Gegenstand jetzt oder bei„Verschiedenes" käme, kommen»verde er ja doch. � Man»volle dem Potsdamer Kollegen nur Gelegenheit geben, seinen Vortrag Tüher zu halten, damit derselbe noch rechtzeitig nach Potsdam ahren könne. Der Veainte war schließlich damit ein- verstanden, daß der Bericht(über die Aussperrung der Pots- damer Kollegen) gleich gehalten werde und erhielt hierauf Kollege Kiesel das Worll. Derselbe stattete den Dank der Potsdamer Kollegen ab für die materielle Hilfe der Berliner .Kollegen, ebenso überbrachte er den Gruß der dortigen Kollegen. Ferner führte Redner aus, wie die Kämpfe i> Potsdam, die zum Siege der dortigen Kollegen führten, stattgefunden hatten und erbat sich ein Vertrauensvotuin, daß sie richtig gehandelt Hütten. Herr Otto erividerte, daß es dessen nicht be- dürfe, indein die Potsdamer AuSspernnig von der Vereinsleitung des Unterstütznngsvereins als Vereinssache erklärt»vorden»väre und darin das Vertrauensvotuin liege. Herr Börner führte an, daß der Geist der Potsdamer Kollegen ein vorzüglicher sei, beispielsivcise seien nur sechs Abripper und Packmacher und nur ein Zigarrenarbeiter nicht in dem Verein und»vünschte Redner, daß in Berlin auch ein solcher Geist herrsche, dann »vürde»»»an auch bedeutend bessere Erfolge erzielen könne». Außerdem ersuchte Redner, sich reger an der Organisation zu be- theiligen, denn die alte Garde fehlt fast gänzlich, sie sollten Alle, Man» für Mann an der Geiverkschastsbeivegung Theil Nehinen. Zum Punkt Abrechnung erhält Herr G. Schröder das Wort und verliest derselbe die verschiedcneu'Postcn der Abrechnung(spezielle Abrechnung erfolgt in»„Gelverkschaster"). Herr Dcchand konstatirt die Richtigkeit derselben. Herr Motes gab hierauf eine z»vei- »nonatliche Abrechnung der jetzigen Kominission. Bein» Punkt Verschiedenes theilt der Vorsitzende mit, daß eine Resolution eingegangen sei folgenden Inhalts: Resolution:„Die heutige Versammlung mißbilligt das Verfahren derjenigen Parteigenossen, »vclche Inhaber von Zigarrenhandlungen, Schankgeschäften und dergleichen sind,»velche ihre Zigarren zu Schleuderpreisen beziehen, indem dadurch die Tabakarbeiter eine-theils und auderntheils das rauchende Publik»»»»» schivcr geschädigt »verde». Die Versammlung spricht die Erivartnng aus, daß obengenannte Genossen in Zukunft ihre Zigarren,»velche »e beispielsiveise für-r 5 Pf. verkaufen, nicht unter 35 M., und die zu G Pf. nicht unter 42 M. per Mille beziehen, indem diese Preise es überhaupt nur ermöglichen, einen an- nähernd anständigen Lohn zu zahlen. Die Bersaminlung ist der Ueberzeugnng, daß»»»t diesen» Nutzen jeder Handler zufrieden ein kann, gleichzeitig vcrurtheill die heutige Versammlung nament- lich das Gebahren derjenige» Zigarrenaroeiter,»velche uuter den» Deckmantel der Parteiangehörigkeil minderwerthige Waare theils zu Spottpreisen, theils zu sehr hoije» Preisen a» den Mann zu bringen »che» und namentlich die Schankivirthe damit überschiveminen. Kollege Witzle tritt sehr aitsführlich und»nit Wärme dafür ein und erläuterte,»vie nothivendig es sei, die Genossen darauf aufmerksam zu mache», daß ihnen für ihr Geld nicht solcher Schund geboten »vürde. Sollte tiefes nock» nichts nützen, sehe man sich in die Zwangslage verletzt, schärfer vorzugehen und ersucht Redner des- halb, die Resolution anzunehmen. Hierauf erfolgte einstimmig Annahme derselben. Schluß 1 Uhr Nachts. Der Fnchlierrin der Former tagte an» Sonntag, den 5. Ottober, in Orschel's Salon, Sebastian»»-. 39, mit folgender Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Christeller über:„Die erste Hilfe bei Verletzungen." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Die Versammlung folgte den Ausführungen des Herrn lliesercnten»nit großen» Jnlerejfe,»vas die vielfachen, an demselben gerichteten Fragen beiviesen, die derselbe beantivortete. Die An- »vesenden dankten für den lehrreichen Vortrag durch Erheben von den Sitzen. Diskussion wurde abgelehnt. Unter„Verschiedenes"»vurdebe- kannt gemacht, daß das Siistungsfest erft an» 6. Dezember statt- »ndet in dem Böhmischen Brauhause, Landsberger'Allee 11 bis. 13, und wurden die Kollegen aufgefordert, sich recht rege»nit den» Billetverkauf zu befassen. Billets find zu haben bei den Kassirern, außerden» bei Kollege Herburg, Friedrichsbergerstr. 14, 3 Tit.; Petzelt, Prinz Eugenslr. 1, 3 Tr.; Jahnke, Gerichtstr. 61, 3 Tr.; Steinmetz, Straße 66a Nr, 19 und Schnarchendorff, Rixdorf, Knesebeckstr. 12, 2 Tr. Ein Kollege erklärte,»vie er auf dem Kontrolburealts in der Gartenstraße behandelt»mlrde. Nachdem er l3/4 Stunden gewartet, srug man ihn,»veil er einen älteren Entlassnngsschein vorlegte, ob er seitdem nicht gearbeitet?»vas derselbe bejahte. Man sagte: da sind Sie ein glücklicher Mensch, daß Sie es so lange aushalten können, koininen Sie nur später'mal»vieder mit 'ran, jetzt haben»vir für Sie nichts." Ein anderer Kollege kain am 23. September vom Militär- los und ging später ebenfalls nach der Kontrole der Fabrikanten, er erhielt bis heute keine Arbeit. Als er abgefertigt, frug er, »vas e».- schuldig»väre, da sagte»»»an ihn», zahlen sie 40 Pf., »veil Sie vom Militär komme». Ter Mann dachte geiviß, der Kollege hat in der Ferienkolonie viel gespart. Man sieht,»vir haben es nicht mit einem Arbeitsnachiveis, sondern einfach mit eine»»»„Gestndevermiethungs-Konttoir" zu thun. Die Mitthei- lungen»varen oft recht inlerefsante. Es wurde ausgeführt, daß nur der Jndifferentismus der Berliner Former Schuld ist, sonst könnte nicht eine Hand voll Unternehmer tausende von Arbeitern in der Weise behandeln. Es ist die höchste Zeit, daß Jeder sich ausrafft und mit arbeitet, daß dieses, des Arbeiters umvürdige Institut aus der Welt geschafft»vird. Wir sehen ja, eS besteht bei den Kapitalisten ein Ausnahmegesetz, welches unerbittlich seine Opfer fordert, Opfer,»reiche»vohl einer besseren Sache»vürdig wären. Darum ist es unsere Pnicht, die Kollegen aus ihren» Dusel auszurütteln, daß»vir geschlossen Front machen können, und energisch ein Halt gebieten. Daun»verde» Geheime und Nichtgeheime Kommcrzienrüthe, denen Fortuna an der Wiege gelächelt, es sich»vohl überlege» »»nd den Arbeiter nicht zum Knecht degradiren. Aufvnf an alle in der Textilbranche be schäftigtei» Arbeiter und Arbeiter-» nnei» der Provinz Brandenburg. Arbeiter und Arbeiterinnen! Um die auf den zu Oster» in Apolda stattgcfnndenen Wirker- longreß und Teztilarbeiter-Delegirtentag gefaßten Beschlüsse znr Ansführung zu bringen, ist es nöthig, eine» Telcgirtentag der Textilarbeiter und'Arbeiterin»«» der Provinz Brandenburg ab- zuhalten. Als vorläufige Tagesordnung schlagen»vir vor: 1. Tie wirthschastliche Lage der Textilarbeiter und Arbeiterinnen. 2. Tie zukicnflige Organisation. 3. Agitation. 4. Tie Fachpresfe. 5. Stell»' gnahme zum Tezlilarbeiterlougreß. 6. Spezielle Antrüge der Delegirten. D e rs eib e s in d e t Sonntag, den 0, November, im Konzerthause W o b u s a hier, von Vormittags 11 Uhr n n st a t t. Die Delegirten sind in öffentlichen V e r s a>» m 1 u>» gen zu>v ä h 1 e n. Wo dies nicht möglich sein sollte, genügt die Zahl von 10 Unter- schritten. Aus den Fachvereinen heraus darf leine Delegirten- »vahl erfolgen, da sonst die betreffenden Vereinigui.gen poltzei- liche Maßnahmen zu geivärligen haben. Die gedrückte Lage der Teztilarbeiler und Aroeiterini.en erfordert eine rege Theilnahme zu diesen nichtigen Verhandlungen. Ergreift die Gelegenheit zur geuieiiisainen Verbesserung Eurer Lebenslage. Wir rufen Euch ein herzliches Willkonnnen zu! Kottbus, den 5. Oktober 1890, Das Komitee. I. A.: Rudolph Scbiemenz, Sandoiv 187, V ertraue. smann der Textilarbeiter Kottbus. Das Agitatious- koinitee der Arbeitererinnen. I. A.: Frau Pauline Nelson. Ll vic'OC4.|iijmiuuuy j'.uj ikuji ityc uu wh wvimm- .ii.l«mgeu zur Bestreitung der Konen des Delegirten zum internationalen � rft�ai.'��r-Kongreß in Antwerpen betheiligen. Hierauf hielt Hcrr -c!e feinen mit Beifall aufgenommenen Bortrag. Der Vor- iislis• fettet im Namen der Versammlung den» Referenten seinen *» nn 2- Punkt nahm Herr Otto zur Geschästsordnung .zLvas Wort und»vundert sich, daß der über>vachende Beanite den ih- z»»r«inl-»u»o der yrcchslev z>eutl-chl>u>t>o. N»-tsr>«»-i»altni»z«>» 1—7, Konivcn.rte M.tgli«d«r-Veriaunnlui>i», Eomuag, Um»a. Oltobor, jijovnUUagL 10 Uhr, in TclfiinüUcv'ä Eaton, Alts Zatobfw-.«Sa. Tagesordnung:>. Die Nolhivendi lecl unserer diesjährigen Ecneralversaminlung. Referent: irollege Lüh. 2. D.Slussion. 3. Bei icht und Wahl des Arb.-ilsvermlltlerS.«. Wer sch.edenes.— Erscheinen sännntt.cher M.tglteder crsocderl.ch. Nächste Ber- saminlung der Ortsverwallung»: Eonntag, den tv. Oktober. Weiteres tu» Annoncenthcll. Lrsr- und Disliutirlilnb..JlnUioimt«". Donnerstag, den s. Oktober, AbendS 8X Uhr, bei Wullke, NrcedrichLdergerstrajje 2«. fflrifie haben Zutritt. Soiialdemokratil-cher- Wohluerein für den 1. K-rliner Neichotaa«- Mahlbrei«. Versammlung am Donnerstag, den 0. Oktober, Abends i. Nh., in den Aemwhalle», jiounnandantenstr. 20.„...,* Socialdemobratifchcr Mahlver-in für de» 3. s-rlinrr Relchotags- Mahlbreis. Große Versammlung am Donnerstag, den g. Oktober»S!>o, Abends 6% Uhr, im Restaurant„KönigShof". Bülowstraße.. Aliaeinrinrr Arbeiterinnrn- jler-tin lammtlicher Kerufslw»»»« Scrtina und Zlmocarr.d iFiliale I Moabit). Große Versammlung am Donnerstag, den s. Oktober, Abends e Uhr, im Lokale des Herrn Jlges, WilSnackerftr.«3.._ !>er Herein t>>r R«S«>u»g der ge>ver-bliche» zierhaltnrsse der Töpfer Kertin»»nd jlingegcnd feiert am II. Oliober im großen Saale der„Brauerei Frtedrichshain", vormals L.ps(am Köutgsthor) sein zweites �Honlitdruiobrati scher Lese- und viobutir- Kind Freiheit. Sitzung am Donnerstag, de» 9. Oktober er., Abends 9 Uhr, bei Genosse Zubeu, Naunynftr. Sb, zu welcher Damen Zutritt haben. Freie z>erri»io»ng der Kanfleilte am Donnerstag, den 9. Oktober, Abends 8% Uhr, VorstandSsttzung im Restaurant Zubell, Naimynstr. 8». fcr iocsellige vi lud Hoffnung tagt jeden Donnerstag bel Krugcr, rankfnrterstr. 89. Gäste, durch Mitglteder eingcsührt, willlommen. Obiger Klub arrangtrt am Sonnabend, den II. Oktober, elnen UnterhallungS- Abend verbunden mit Vortrag des Herrn Dr. Zadek. Nach dem Vortrag Kränzchen. Einlaßkarten zum Preise von so Pf. inll. Tanz sind bei G. Bester, Pallisadenstr. 23, 2 Tr. zu haben. Das Vergnügen stnder im Vtktorla-Pari, Frankfurlcr Allee statt. Wozu Freunde, Genossen und deren Damen freundlich eingeladen werden. Lnchvrrri» der Kernmacher>l»d verivandte» Kernfogenoiien Berlins und Umgegend. Durch Beschlutz in der Versammlung vom«. Otlbr. wurde der Antrag behufs Aenderung deS Titels vom Verein clnstiinintg a>>- genommen. Der Verein heißt fortan:„Freie Bereinigung sämmtllcher in Eisen- und Mctallaießereicn beschäfligten Arbeiter Berlins und Umgegend. ..Soiialdrniobratischcr Lese- nnd Zlivliutirbiub„Zntcrnntionalr". Gencralsitzung ain Donnerstag, de»». Oktober, Abends 8 Uhr, Kleine Andreasstraße 19 bei Oelze. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen wird ersucht. privat- Theater-GesrUschaft Koffnung. Sitzung jeden Donnerstag, Abends ajj Uhr, im Berljner Klub-Haus(Krebs), Ohmgassi 2.— Gäste willkommen. lScsclliger perein„N»ff»»»g". Donnerstag, den 9. Oktober, AbendS 9 Uhr. Versammlung bel Kieseweiter. Weberstr.»o. Töpfer Hrrtino nnd Zlmgegend. Oesfentliche Versammlung ain Donnerstag, den o. Oktober, AbendS 7% Uhr, im Saale der Bötzow'schen Bralierci am Prenzlauer Thor. Freie perrinignng der Äalvanisenre und Kerufsgenosse» pirrlin» nnd Umgegend. Gencral-Bersammlung am Donnerstag, den o. Oktober, Abends 8% Uhr, in Feuerstetn'S Lokal, Alle Jakohslr. 73. prreinignng der derltsil,»» Maler und verivnndter Kerufsgenoffen lFtlialc 3 Nord). General- Versammlung ain Donnerstag, den 9. Ollober, AbendS 8 Uhr, Brnnnenstr. 38. per Arbrit»»achn>rio drr Klavirrarbriter bestndet sich Naunljnstr. 78, im Restaurant Winzer. Die Adressenausgabe findet an Wochentagen Abende von 8— 9/s Uhr und Sonntags Vorm. von»o— nü Uhr an Mitglieder wie an Nichtmitglirder unentgeltlich statt. Ebenso ist die Btblioihek Sonntags Vorm. vo» 9%— n Uhr und Millwochs von Abends 8—9% Uhr geöffnet. Kvnnlun- und Krgröbnitzkaff« de» perei»« fammtlicher Kerufa- litassr», Verivaltungsstclle Berlin i. Sonnabend, den»». Okiober, Abends 8 Uhr, Blumenstraße 78, bei Wollschläger, Tagesordnung: Kassenbericht, An- träge, EeschäflltcheS. ISvnnhtn- und pegräbnitzkaße de« Uerein« f»»»ntlichrr pcrus«- klaffen, Verwaltungstclle Berlin 2. Versammlung, Sonnabend, den 9. Oktober, SlbcndS 8 Uhr, bei LoSkoiv, Prinzensir. 79(Gartenzimmer).— Nach dem; Sitzung des Vereins„Frcundschaftsbund". ES ist Pflicht eines jeden Mit- gliedeS zu erscheinen. Gäste willlommen.„. Pankow- tlirdrr-Kchönhanfr». Genossen,»velckie sich für Gründung eines Lese-, Dtstuttr- oder Btldungsverems intercsstren,»Verden zu einer Be- sprechung am Sonntag, den 12. Oktober, Abends 7 Uhr, beim Gastivirlh Borchard, Pankow, Schulzeslraße, etngeladeii und wird um zahlreiches Ci- schetnen gebeten. E. Bilz. Die Redaktion stellt die Benutzung deS Sprechsaals, soweit Raum dafür abzu» eben ist, dem Publttum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen ..................-ichzeitig dagegen, mit dem ZnteresseS zur Bersüguna; st- verwahrt sich aber glci<.. Inhalt desselben tdentistztrt zu werden. Von der Direklion der„Philharmonie" erhalten»vir folgendes Schreiben: In Nr. 222 Ihrer geschätzten Zeitung voin Mittwoch, den 24. v. M., befindet sich ein Vericht über eine in„Jordan's Salon" am 19. cr. stattgehabte allgemeine Gewerkschasts-Versannnlnng, in welcher n. A. die Anfrage gestellt wurde, ob die Buch- drucker die Philharmonie zu ihrer Matinee gewählt hätten.— Bei dieser Gelegenheit sind von verschiedenen Rednern über die Philharmonie resp. deren Besitzer Bemerkungen gemacht worden, »velche der Wahrheit nicht entsprechen, und erlauben sich deshalb die ergebenst unterzeichneten Besitzer der Philharmonie die Bitte, nachstehende Berichtigung in Ihrem geschätzten Blatt aufnehmen lassen zu»vollen. I. Herr Robert Schmidt behauptet: Der Besitzer der Philharinonie habe sich ausgelassen,„wohin es führen sollte, wenn heute der Kaiser und morgen Äebel die Tribüne betreten»vürde."— Es bedarf»vohl la»»»» der Versicherung, daß diese oder eine ähnliche Aeußerung nie von einein der unterzeichneten gemacht»vorden ist.— 2. Derselbe Redner behauptet: „Daß die Klavierarbciter s. Z. die Philharmonie rückgängig gemacht haben»ii.d heute gehen außer den Buchdruckern noch die Hausdiener und Kutscher hin."— Hierzu bemerke»»vir, daß der Vorstand der Klavierarbeiter im vorigen Jahr, nachdem der Kontrakt fest abgeschlossen war, uns ersuchte, ihn seines Kontralies zu entbinden nnd uns als Entschädigung hierfür 150 M. anbot. Da»vir jedoch e» sichre», daß die Unterstützungskasse des Vereins diesen Vetrag zahlen mußte und somit der Kasse statt eines erhofften Gewinnes noch Verlust erwachsen würde, haben »vir sreiivillig aus die Entschädigung verzichtet und die Klavier- arbeiter sreiivillig ihrer Verpflichtung entbunden. Ferner gehen außer den Hausdienern nicht nur die Buchdrucker und Kutscher nach der Philharmonie, sondern es haben außerdem sestbelegt die Gürllcr und es würden die Klavierarbeiter, die Metallaroeiter, die Buchbinder u. s. w. ihre Feslltchkeiten in diesem Winter bei uns abhalten, wenn wir nicht bereits für den ganzen Winter be- setzt gewesen wären und den betreffenden Vereinen also passende Abende znr Verfügung hätten stellen können. Tie Gründe dafür, daß die Vereine ihre Festlichkeiten in dcr Philharmonie veranstalten, sind einzig und allein ökonomischer Natur, da die betreffenden Kassen bei den Festlichkeiten in unserem Etablissement stets einen erheblichen Ueberschuß erzielen und es hat sich gerade im letzten Jahre ergeben, daß der Ausfall dieser Feste auch einen Aussall für die Kassen bedeutet. 3. Herr Gerisch„begreift die Buchdrucker überhaupt nicht, wie sie sich koniilen so graulich machen lassen."„Auch die Metall- -j*-'-— j dem schon angeführten Grunde die Phil- arbelter haben auS Harmonie gemieden."— Wir bemerten hierzu, daß der Bcööll- mächtigte der Metallarbeiter, Herr Knuth, im August bei uns war, um die Philharmonie entweder für Sollnabend den 24. Januar oder Sonnabend den 7. Februar zu belegen. Ter letztere war bereits fest vergeben, den 24. Januar halleu wir für die Buchdrucker reservirt. Infolge dessen mußten ivir die Buch- drucker ersuche», sich schnell zu entscheiden, ob sie den Tag fest nehmen wollen. Als die zusagende Antwort eintraf, benach- richtigten wi» davon unter deui 26. August schrisilich Hrn. P. Knuth und konnten ihm leider nur noch den 10. Januar zur Bersiigung stellen, welcher den Metallarbeitern aber nicht geeignet erschien. 4. Herr Herzhoff behauptet,„daß die Phithar»iionie Eigen- thum der Brauerei Friedrichshain ist". Wir erklären hiermit, daß diese Behauptung auf Unwahrheit beruht und daß die cr- gebenst Unterzeichneten die einzigen Besitzer und Direktoren des Etablissements„Philharmonie" sind. Wir»vürde» Ihnen sehr zu Tank verpflichtet sein, wenn Sie diese Zeilen in die nächste Nnnuner Ihres geschätzten Blattes all, nehinen wollen und zeichnen Hochachtungsvoll ergebenst Die Direktion der Philharmonie. L. Sacerdoti. S. Landeker. In Erivägnng, daß die„Berliner Scblächter-Jmumg" den Mitgliedern des„Fachvereins der Schlächtergeselleu Berlins und Umgegend" den Zutritt zu dem Gewerkshause, Neue Grünsir. 28, früher Jordan jetzt Hernug, durch Plakatanschlag, unter Hinweis darauf, daß Zuwiderhandelnde wegen Haus« fr i e d e n s b rm ch zur Anzeige gebracht»verde», untersagt hat, erlauben wir uns darauf aufmerksam zu machen, daß Arbeiter- Versammlungen dort nicht mehr st a t t f i n d e n dürfte it. Wir sehen uns zn diesem Schritt deshalb veranlaßt. weil trotz des Umstandes, daß die Lokalkommission dieses o! a l aus d e r L i st e g e st r i ch e n h a t, dort doch noch Hausdiener zc. Versammlungen abhalten wollen. Wir machen daher alle Gewerkschaften auf den Beß Lokalkommiksion nochmals aufmerksam und erwarten ini der Sache, daß derartige Maßnahmen respektirt werden. Mit genossenschaftlichem Gruß I. A.: S ch w a r tz e, Oderbergerstr. 45. hluß der Interesse Um mich von den falschen Berichten, welche immer noch fort- ährend hier breitgetreten werden, behufs der Geldersammlung für den Tischler Biene, zu rechtfertigen, diene Jedem hiermit zur gefälligen Kenntnißnahme, daß ich das Geld, welches bei Spindler gesammelt und die Summe von 25 M. ergeben hat. mit Zu- stimmung des p. Biene schon im Mai der Frau Budach, deren Mann heute noch in Untersuchungshaft ist. übergeben habe. Kietz bei Köpenick, den 7. Oktober 1890. Albert Bock. ** Ich, Unterzeichneter, wohne in Friedrichsfelde bei Berlin und rbeite in Berlin als Tischler. Früher betrieb ich noch einen Hausirhandel nebenbei. Zur Zeit vor der Hauptwahl der Reichstags-Abgeordneten hatten es einige Genossen übernommen, die Listen einsehen zu wolle», und hatte ich dieselben ersucht, ebenfalls meinen Namen it nachzusehen. Es wurde mir gesagt, ich wäre eingetragen. Wls ich jedoch wählen wollte, war ich nicht eingetragen, und als h an dem Abend in dem Lokale war, wo das Resultat ver- kündigt wurde, srug ich einen Genossen, warum man mir nicht gesagt hätte, daß ich nicht eingetragen wäre, sondern das Gegen- theil. Ich bekam die Erwiderung, daß ich überhaupt nicht wühlen dürfte, denn ich hätte einen Gewerbeschein als Armenunter- stützung gehabt. Daß dies nicht wahr ist, kann ich durch meine Papiere beweisen. Es entstand dabei ein Wortwechsel und werde ich nun von den betreffenden Genossen in Friedrichsselde und Berlin fortwährend verläumdet. Das ganze ist nur ein persönlicher Haß und beruhen alle dies: Berläumdungen auf Unwahrheit. G. Brau burger. VviefltÄsten dev Nednkkron. Bit Anfragen bitten wir die Abonneinents-Qnittnng beizufügen. Brieflich Antwort wird nicht ertheilt. Spvechstuude» der Uedaktion: 13 bis 1 Uhr, GVe bis 7Vs Uhr. Wir bitten im Interesse eines geordneten Grschäftsgongrs unsere Leser und Genossen dringend um genaue Krachtung unserer Kprechstnnden. Kur in Ausnahmefälle» mären mir bereit außerhalb der angegebenen Stunde« Ausstnnft zu rrthrilen. S. K. 34. Wenn die Miethe für ein Jahr oder die etwa verabredete kürzere Miethsdauer mehr als 150 M. beträgt,_ so brauchen Sie in Ermangelung eines schriftlichen Kontraktes nicht zu zahlen. Zlnderenfalls wäre jedenfalls Ihre Ehefrau zur Zahlung verpflichtet. U. 100. 1. P. it. W. 1. Wenden Sie sich an das Kuratorium� städtischen Waisenanstalt. 2. Die Eisblase, welche die Krau lasse Ihnen geliefert hat, müssen Sie nach gemachtem Geb»« zurückgeben. I U. I. A. I. Ihr Gedicht ist leider nicht druckreif.> nehmen indessen den guten Willen für die That. L. D. Die Nummer ist damals verboten worden und» mehr zu haben. J Kaufmann. L. Brcntano's Arbeitergilden. Den Prevo fahren Sie in jeder Buchhandlung; er wird zirka 12 betragen. II Deziefilhen. Tuchsai� (Woiffa Telegvaphen-Kureau.) Aachen, 8. Oktober. In einer der hiesigen legten heute 35 Weber die Arbeit nieder. Uaris, 8. Oktober. Die Lage in Carvin, wo 1000 w arbeitet die Arbeit eingestellt haben, hat sich verschlimmert.' Streikenden bedrohen die arbeitenden Bergleute; von Lille k Kavallerieabtheilungen zur Ausrechterhaltung der Ruhe abgegaak In Valenciennes haben 300 Glasarbeiter die Arbeit eingefc Uem Uorst, 8. Oktober. Heute Nachmittag hat eine fw Pulverexplosion bei Wilmington(Delaware) stattgefunden.■ Personen sind getödtet und 20 verwundet worden. Sännü Gebäude der Stachbarschast wurden beschädigt. Fachverem der Tischler. im 22 Heute, Donnerstag, Abends S'/e Uhr May's Restaurant, Bcuth-Strasse Mo. Nk" Vorstands-Sitzung. Morgen, Freitag, de» 10. Glttoder, Abends BVa Uhr, in May's Sälen, Seuth-Straße Ao. 33: il@r MersammSaang.*-HSi Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Die Kedeutnug der Großbetriebe für«ufere cht megung. 3. Diskussion. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Zu Punkt 3 der Sagesordnung iss es nothmendig, daß die stollegen der Fabriken von I. C. pfaff, Frrd. Uoigts und Gebr. Weinemann nnmrfrnd sind» mir laden diefelbe» hierzu freund- ichst ein. Sonnabend, den 25. Oktober, in den Räumen der Brauerei „FHedHchshain"(früher Lips): Tanz- Kränzchen. Billets hierzu sind auf allen Zahlstellen des Vereins, sowie bei folgenden Herren zu haben: Miele, Adalbertslr. 9, vorn 4 Tr.; Haberland, Reichenbergerstraße 161, vorn 2 Tr.; Hoffmann, Straußbergerstr. 36, Hof 4 Tr.; Rambow, Admiral- straße 15, vorn 3 Tr. bei Mehnke; Potengowski, Zoffenerstr. 40, Hof park.; Witte, Jnvalidenstr. 21, vorn 2 Tr.; Lenz, Dieffenbachstr. 67, vorn 1 Tr. bei Palter: Recke, Frobenstr. 8, Hof 3 Tr. bei Schirmer; Boian, Wienerstr. 30, orn 4 Tr.; Meyer, Jnvalidenstr. 87, Hof 2 Tr.; A. Schmidt, Grüner Teg 105; I. Theurich, Ehausseestr. 76, vorn 4 Tr.; Mahling, Dresdener- raße 120, vorn 1 Tr. links: Rosenfeld(Weißensee), Langhansstr. 100; Ernst ' leters, Treskowstr. 29a; K. Häusler, Schulstr. 51; Glocke, Lausitzerstraße 52, ■ orn 3 Tr.; Wiedemann, Wendenstraße 2, vorn 4 Tr.; Menke, Wienerstr. 37, vorn 2 Tr.; Schmidt, Fürbringerstr. 25, Hof 1 Tr.; Fest, Stallschreiberstraße Nr. 43a; Monien, Kreuzbergstr. 0, Quergeb. 3 Tr.; Apelt, Sebastianstraße Nr. 27—28; Hein(Neu-Weißensee), Pistoriusstr. 145; Franz, Chorinerstr. 18; Bogasch, Friedenstr. 87, Hof 3 Tr. 973 Offenbacher Frauenkasse Memaltllngsß.111 Nord) "Hg im Sonntag, den i2'. Oktober ds. Js., Nachmittags 4 Uhr, bei Gnadt, Brunnen- Strasse Mo. 38. Tages-Ordnung: 1. Vierteljährlicher Kassenbericht. 2. Ergänzungswahl des Vorstandes. Freireligiöse Gemeinde. Am Sonnabend, den 18. Oktober er., Abends 8'/- Uhr, findet in „IHlays Fest'sälen", Beuthstraße 18— 21, das erste Familien- Kränzchen statt, zu welchem Mitglieder und Freunde freundlichst eingeladen werden Eintrittskarten a 50 Pf. sind bei W. Rubenow, Brunnenstraße 105; R. Tamm, Hussiten straße 6; E. Vogtherr, Landsbergerstraße 64; C. Pütter, Gerichts straße 28; 0. Kräker, Wasserthorstraße 20; und Th. Metzner, Nannynstraße 72, zu haben. 978 Das Comitee. Große öKentliche WNersltMllW für Männer und Frauen am Freitag, den 10. d. M., Abends 8 Uhr, in Bismarckshöhe, Wilmersdorf erstrasse 39 zu Charlottenburg. Tages-Ordnung: I. Austritt aus der Landeskirche. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um recht zahlreichen Besuch bittet 932 Der Einberufer. Hamburg- Araertkanisehe Postdampfsehiffahpt Hamburg-New York Southamyton anlaufend Oceaniahrt«- 7 Tage. Ausserdem regelmässige Postdampfer-Verbindung zwischen Hamburg— Westindien. Hamburg— Havana. Hamburg— Mexico. , Harre— Newyork. Stettin— Newyork. • Hamburg— Baltimore iähere Auskunft ertheilt; Wilh. Mahler, Berlin N., Invalidenstrasse 121 33 und August Langer, Berlin, Platz vor dem Neuen Thor 3 Kronken- v. CterbMe des Verms d. Formr Sonntag, den 12. Okt, Vorm. 11 Uhr, im Lokale Gipsstrasse 3: 986 Außerordentliche General- Yersammlung. Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht. 2. 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Seit Jahren ist es in der Schweiz wiederholt vorgekommen, daß despotisch und brutal veranlagle »Brotgeber" die Arbeiter maßregelten, sobald sie sich in eine gewerkschaftliche oder politische Organisation(Grütliverein ic.) vereinigen wollten. Wir erlebten da vor zwei Jahren den großen Uhrenarbciter-Streik in Selzach, der ca. 6000 Franks kostete, den Zigarren arbeite r-Streik in Ober- vynenthal, der wenigstens die gleiche Summe kostete, es war diese'Angelegenheit mit im Spiele beim Oberburger Gießer- strerk und in den letzten Tagen ist von der Direktion der st a ur ni g a r n- S p i n n e r e i in S ch a f f h a u s e ii Auflösung der von ihren Arbeitern gegründeten Gewerkschaft„Kammgarn" gefordert worden. Vor einigen Monaten wurden sogar in L u z e r n die Mitglieder des alten Typographenbundes von den Prinzipalen aufgefordert, aus diesem Verein aus- zutreten, freilich ohne Erfolg. Das sind jedoch nur einige wenige Falle, die zu langwierigen Arbeitseinstellungeu führten; jene Falle dagegen, wo die Arbeiter zu wenig Klassenbewußtsei», Energie und Mannerstolz besaßen, um dem unverschämten Werbungen Widerstand zu leisten, sondern gleich die Flinte muth- los ins Korn warfen, dürften nach Dutzenden zahlen. Die vor einigen Monaten in Hamburg begründete Unternehmer- Koalition und ihr Kampf gegen die verhaßten Fachvereine hat auch die Aufmerksamkeit der schweizerischen Arbeiter erregt und die organisirten Genossen in Basel veranlaßt, die Einberufnng eines Gewerks chafts-Kongresses in Vorschlag zu . bringen, der sich speziell init der Sicherung des Koalitionsrechtes und der Arbeiter gegen die frechen Ausschreitungen der Kapita- tev listen befassen sollte. Eine schweizerische Arbeiterschaft hat in . Anbetracht der Thatsache, daß in diesem Jahre schon eine ganze HM Reihe verschiedener Kongresse stattgefunden, sich dem Vorschlage 2 1. gegenüber im Allgemeinen ablehnend verhalten und es dürfte in I: j diesem Jahre aus keinen Fall mehr zu einer solchen Konserenz 2' kommen. Dagegen hat die Anregung die gute Folge gehabt, daß sich die Arbeiterpresse und die Arbeiterorganisation mehr als vor- ief] her mit dieser Frage beschäftigen. So wird im„Grütlianer" „Die Bundesverfassung garantirt uns freilich das Ii 0,50' dazu bemerkt £jeo(! seitens der Gegner der Arbeiterbewegung nicht zu? d e st r a f t w e r d e n kann, ist uns mit dieser bloßen l im r&i Ä .3-l «ranti e nicht geholfen� Die Entwicklung der Dinge macht e- besetz zu schaffen, das jeden Koalltronsrecht strenge bestraft. eines solchen Gesetzes läßt sich gut begründen. nothwendig, e i n 2l n g r i f f a u f's .. Die Forderung �,.,- i-v r-.......... Wir haben häufig schon betont, daß das schweizerische'Arbeitervolk alle seine Forde- rangen auf ges etzlichem Wege geltend machen und verwirklichen will. Um so mehr hat die Arbeiterschaft sicherlich ein Anrecht darauf, daß man sie im Gebrauch der verfassungs- mäßigen und gesetzlichen Rechte nicht hindere, was ganz be- sonders in Bezug auf solche Rechte gilt, deren Benutzung einem __ große» Theile unseres Volkes Schutz bieten sollte gegen Aus- beutung und Unrecht, welchen Zweck das Koalitionsrecht ja hat. -me«. Genügt nun die bloße Garanlie dieses Rechts nicht, so hat tj der Staat im allgemeinen Rechts- und Wohlfahrtsinteresse zur »Garantie noch den nachdrücklichen Schutz zu fügen. Anderen- __ ,J falls macht er sich zum Mitschuldigen, wenn das von ihm in der urM�rrfassni'.g ausgesprochene und gewährleistete Vereinsrecht von „(M, stdem beliebigen Geldprotzen und Schloljunker verhöhn t, in a l t r ä t i r t und über den Haufen geworfen , s,e> werden darf. ai«M solche Arbeiteraufstände ein Ding der Unmöglichkeit bleiben ii"' lu'" wird ein Gesetz gefordert, IflklH lu Frankreich geschaffen worden. •iuH Aus Anlaß des Erlöschens des •»ii g e s e tz e s hielten die deutschen Sozialisten in mehreren Orten, fo in St. Gallen, Zürich, Wiuterthur, Genf, Basel:c. Zu- inA�saininenkünfte ab, wobei das Ereigniß besprochen und der Sieg ber Sozialdemokratie über ihre Feinde gefeiert wurde. Zluch die Presse widmet dem Ereigniß angemessene Betrachtungen, wobei is HA, verschiedene Reminiszenzen und die Wohlgemuth's-Affäre ic. ins � G�ä�htnch�uruckgerafen werden. Man begrüßt allseitig den Fall .�°n Parteikongreß in Halle a. S. wird Genosse Beck, Zürich, als D e l e g i r t e r besuchen. wie es in jüngster Zeit Sozialisten- Soziols Molrerstchk. im.Moißenfels, 7. Oktober. Zur Ergänzung meines gestrigen Gerichtes habe ich vorerst noch vorauszuschicken, daß der Kongreß in seine Geschäftsordnung den achtstündigen Arbeits- tag aufnahm und diese Arbeitszeit von 8— 12 Uhr Vormittags und von 2—6 Uhr Nachmittags strikte einhielt. Ferner sei bemerkt, daß zum ersten Male auf eine m Schuh- ; a cher-Kongresf e eine'Arbeiterin als Dele- flirte erschien u n d zwar i st es Frau Martha R o h r l a ck aus D r e s d e n. Die Verhandlungen bestanden von gestern Mittag bis heute Mittag in der G e u e r a l d i s k u s s i o n über die zukünftige Gestaltung der Organisation der deutschen Schuhmacher. Aus der Debatte ist hervorzuheben, daß alle Redner, deren mehr als •i'ii f sprachen, sich einmülhig für zentralistische Vereinigung aus- I l U Ipracheu und diese Organisationsform als bei den Schuhmachern ,ii r.7 Su bewährt erklärten. Den vereinzelten Bestrebungen, die cher u l namentlich bei den in der Schäftebranche beschäftigten und lhütiZ, z>"u Theil auch bei den Fabrikarbeitern hier und da geltend elel�" �= wurde energisch entgegengetreten und betont, daß ange- in bs' stchl» des-Zusammenschlusses der Uulernehmer in unserer Branche, urbd« ber Fabrikanteiiringe, wie ein solcher vor einigen Monaten im ggfliL Rcaingau erlebt, und der allgemeinen Unternehmcr-Koalitionen. nasllZ lvW ste in Hamburg und anderen Orten vor einigen Monaten . gebildet worden, der engste Zusammenschluß aller in der Schuh niWM macherei beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen ein Gebot der 1,. Nothwendigkeit und Selbsterhaltung sei. 'J l. f(. Gs wurde denn auch in diesem Sinne Beschluß gefaßt. itre»O??� ber Frage des S ch i e d s r l ch t e r- A m t e s, wie es s�Wslsher unter Leitung des Herrn Bock in Gotha bestanden, ui.fJ st!111®« beschlossen, es wie bisher zu belassen und wurde neuer i, SSf dings Herr Bock als solcher bestätigt. ' yafy Für die zukünftige Organisation der deutschen Schuhmacher J b>e nächsten Ausgaben, welche dieselben verfolgen sollen, otlr r01-.,6" solgeude Punkte in einer einstimmig angenommenen Re- rL� solution festgestellt: In Erwägung, daß die Roth und das Elend unter den Schuhmachern übergroß ist, erzeugt durch übermäßig lange Arbeitszeit und kargen Lohn, welcher kaum hinreicht, das nackte Leben zu fristen, daß diese Thatsache nicht nur nicht bestritten werden kann, sondern selbst auf einem Züuftlertage anerkannt werden mußte, indem ein Obermeister die Beköstigung und Woh- nungsverhültnisse der Gefangenen als für die Schuhmacher be- neidenswerth erscheinen ließ, verpflichten sich die Delegirten des Schuhmacherkongresses in Wcißenfels, mit allen gesetzlichen Mitteln die Beseitigung dieser traurigen Verhältnisse an- zustreben. Als Mittel, dieses Ziel zu erreichen, betrachten dieselben in erster Linie eine einheitliche zentralisirte Organi- sation, welche alle in der Schuhindustrie und dem Schuhmacher- gewerbe thätigen Arbeiter und Arbeiterinnen in sich vereinigt. Die Aufgaben, welche die Organisation zu erfüllen hat, be- stehen in der Zusammenfassung aller Kräfte in der Schuhmacher- bewegung, in der Verbreitung von Wissen und Aufklärung und in der Stärkung des Klassenbewußtseins der Schuhmacher. Die Organisation stellt als nächste und wichtigste Forderung folgende auf: 1. Die Erringung eines gesetzlichen Maximal-Arbeits- tages. Da jedoch bei dem Widerstand des Unternehmerthums gegen diese Forderung noch längere Zeit vergehen dürfte, ehe diese Forderung zum Gesetz erhoben, so hat die Organisation unausgesetzt den Kampf für verkürzte regel- mäßige Arbeitszeit zu führen. 2. Gänzliche Abschaffung der Sonntagsarbeit. S. Dahin zu wirken, daß die Arbeitgeber für ihre sämmtlichen Arbeiter Werkstätten einzurichten haben, wo- durch die den Arbeitern so nachtheilige Hausindustrie be- festigt wird. Die Hausindustrie ist eine der schlimmsten Auswüchse unseres Gewerbes und eine Quelle bitterer Leiden für die Arbeiter, sie ist eine der Hauptursachen der niedrigen Löhne und der langen Arbeitszeit der Schuhmacher. 4. Stellung sämintlicher Zubehörartikel, wie Garn, Wachs, Seide ic. durch die Unternehmer. 5. Einführung eines Minimal- Lohntarifs und Ab- schaffung der Akkordarbeit. Ferner wurde beschlossen, einen Streikfonds in der Weise zu bilden, daß Marken zu 5 bis 50 Pf. von der Zentralstelle in Gotha ausgegeben ußd der Betrag hierfür wieder dahin ein- geliefert werden solle. Es sollen nur solche Streiks unterstützt werden, die vom Schiedsgericht im„Sckmhinacher-Fachblatt" als bewilligt bekanntgegeben werden. Der Kongreß spricht sein Be- dauern darüber aus, wenn Kollegen streiken, ohne vom Schieds- gerichte die Bewilligung dazu erhalten zu haben. Alle ge- sammelten Gelder sind an den Unterstützungssonds nach Gotha zu senden und keine anderen Sammelliften, als solche, die vom Schiedsgerichte ausgehen, anzunehmen. Auf den Bericht deS Offenbacher Delegirten, daß die Fabrikanten des Btaingaues Entlassungsscheine in verschiedener Form und mit Zeichen versehen, den Slr- bestem einhändigen und daß eine bezugliche Klage bei Gericht den Erfolg hatte, daß der betreffende Fabrikant ver- urtheitt wurde, ein korrektes und geschriebenes Zengnist dem Ar- bester auszustellen. In Anbetracht dieses Vorkommnisses, das den Schluß zuläßt, daß die Fabrikanten eine bezügliche Verein- barung getroffen, beschließt der Kongreß,„um diesem Unfug entgegenzutreten und ihn zu beseitigen, die Kollegen Deutschlands zu verpflichten, überhaupt keine Entlassungsscheine mehr anzu- nehmen". Der Kongreß beschließt ferner,„es solle dahin gewirkt werden, daß ein einheitliches Vereins- und Versammlungsgesetz für das ganze Deutsche Reich geschaffen werde". Betrefft' des Zusammenschlusses(Kartell ic.) der verschiedenen Branchen-Organisationen wird beschlossen, diese Frage dem nächstens stattfindenden allgemeinen deutschen Gemerkschafts- longresse zur Erledigung zu überlassen.— Als Vertreter der Schuhmacher auf diesem Kongreß werden die Herren I. Siebert-Ztürnberg und Bock-Gotha gewählt. Zum Schlüsse werden noch folgende zwei Resolutionen ein- stimmig angenommen: Resolution. Der Schuhmacherkongreß in Weißen- sels erklärt, daß die von der Reichsregierung in Angriff genommene bureaukratische Sozialresorm den Arbeitern in keiner Weise genügt und ihre berechtigten Wünsche befriedigt. Die Schuhmacher verlangen, daß eine wirkliche, volkslhümliche Sozialreiorm nur unter Mitwirkung der Arbeiter selvst sich entwickeln kann. Der Schuhmactierkongreß erblickt dagegen in den von der sozialdemokratischen Fraktion bei dem Reichstage eingereichten Arbeiterschutz-Geselzeutwurf den Anfang einer gerechten und volksthümlichcn Sozialre orm. Ter Schuhmacherkongreß proteftirt entschieden gegen die in der Gewerbeardnungs-Novetle enthaltene Bestrafung des KontraktbrucheS, sowie gegen die rigorose Bestrafung der Streikleiter. Der Schuhmacherkongreß erblickt in diesen Bestim- mungen, wenn sie Gesetzen kraft erlangen, eine vollständige Vernichtung des Koalitionsrechtes der Arbeiter zu Gunsten des Unternehmerthums. Damit war der Kongreß am Schlüsse seiner Arbeiten ange- langt und Herr Siebert hielt eine begeisternde Schluß' rede, in welcher er mit Befriedigung die Fort' schritte, welche die Schuhmacherbewcgung in den letzten Jahren gemacht, konslatirte und unter Hinweis aus die immer mächtiger werdende Unternehmerschaft, auf ihre Koalitionen und ihre Bestrebungen, die Arbeiterorganisationen zu zerstören, die Kollegen anfforu erte, alle Zwietracht zu vermeiden und unsere Kräfte nicht zu schwächen. Er wünscht, daß die Agitation in immer größerem Umsauge unter den Schuhmachern betrieben und nach und nach alle noch fernstehenden Kollegen zu unserer Or- ganisation herangezogen werde». Er hebt die hohe Bedeutung der gewerkschastlichen" Organisation und ihre Thütigkeit zur Er- kenntniß der kapitalistischen Produktionsweise und ihrer für die Arbeiterschaft so empfindlichen, drückenden Schädigungen hervor, die nur endlich werden beseitigt werben können, wenn die Pro- duktion auf genossenschaftlicher Grundlage organisirt sein werde. Mit dem Wunsche, daß der Kongreß zum Ausgangspunkte eines neuen und großen Atyschwunges der deutschen Schuhmacher' bewegung werden möge, schließt er mit einem begeisternden drei' fachen Hoch auf dieselbe, in daS alle Aimeseude» mit einstimmten. Nach der Schlußrede wurde der Kongreß um 6 Uhr geschlossen. Während der Verhandlungen waren vier Be- grüßungS-Telegramme eingelaufen. VovMmnrlunJöeu. Der Urrbaud der Möbelpolirer Krrliiis und|f«t- gegend hielt am Montag, den 22. September, in Volzmann's Lokal, Andreasstr. 26, seine Versammlung ab. Die Tagesordnung war: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Geschäftliches. 4. Verschiedenes. Zum ersten Punkt hatte sich Herr Wilh. Werner bereit erklärt, das Referat zu übernehmen. Derselbe war jedoch nicht erschienen, denn derselbe hatte in Köpenick ebenfalls zugesagt; er hat es jedoch nicht der Mühe für werth gehalten, dem Vor- sitzenden irgend welchen Bescheid zukommen zu lassen. So mußte denn in aller Eile für Ersatz gesorgt werden. Es war denn auch Herr I. Henke bereit, das Referat zu übernehmen. Derselbe sprach über:„Ist unsere Spezialorganisation der allgemeinen ge- werkschaftlichen Bewegung von Nutzen? wenn nicht, welcher Organi- sation schließen wir uns an?" Herr Henke entledigte sich seiner Aufgabe in zusriedenstellender Weise und erntete lebhaften Beifall dafür. Er führte unter anderem die Entstehung der gewerkschaft- lichen Fachorganisationen in den 60er Jahren an, gedachte hierbei auch unseres Vorkämpfers Ferd. Lassalle, wie sich seine Ideen Bahn gebrochen haben, unterzog die Hirsch-Duncker'schen Gewerk- vereine einer herben Kritik, ebenso kritisirte er die Stützen des Staates, die Herren der Innungen mit ihren Zöpfen, kam sodann auf den in diesem Jahre hier stattgefundenen Jnnungstag zu sprechen, verlas einige Punkte von der hierzu aufgestellten Tages- ordnung und unterzog diesen einer eingehenden Kritik. Ferner berührt er die Beschlüsse des Pariser Kongresses, ebenso das Vor- gehen des Ringes der Holzindustriellen. Es müßte den letzteren ein Damm entgegengesetzt werden, welches aber wohl am besten durch Zentralisation zu bewerkstelligen ist. Redner will aber die Spezialorganisation beibehalten wissen. Unsere diesjährige Lohnbewegung hat es gezeigt, von welchem Nutzen dieselbe war. Es können auch die indifferenten Kollegen besser aufgeklärt und so der Sozialdemokratie zugeführt werden. Hieran schloß sich eine längere Debatte, in welcher sich zuerst der Vorsitzende in längerer Ausführung voll und ganz mit dem Nefe- reisten einverstanden erklärte. Redner verlas eine von ihm ein- gebrachte Resolution folgenden Wortlauts:„Die heut bei Bolz- mann tagende Versammlung des Verbandes der Möbelpolirer Berlins und Umgegend erkennt sich mit den Ausführungen des Referenten vollständig einverstanden. Die Versammlung erklärt, daß gegenüber den Arbeitgeher- Koalitionen alle Arbeiter ver- pflichtet sind, sich stramm zu. organisiren, und er- wartet die Versammlung, daß der nächste Gewerk- scha ts- Kongreß den Branchenvereinen die Wege weist, welche sie zu gehen haben, um eine Gesammtorgani- sation aller Arbeiter herbeizuführen, in welcher den ein- zelnen Branchen freie Bewegung gelassen wird, � die noch Indifferenten ihres Berufes zur Orgauisalion heranzuziehen und somit auch ihr Theil beitragen zu können, die Maße der Sozial- demokraten zu vermehren." Im weiteren betheiligten sich die Kollegen Lederhause, Franke, Thum, Reuter und Fähse und sprachen in demselben Sinne. Nach einem Schlußwort des Referenten wurde die Resolution einstiminig an- genommen. Zu Punkt 3„Geschäftliches" weist der Vorsitzende auf das Gebahren eines Kollegen hin, der in der Tischlerwerk- statt deS Herrn Lade, Köpnickerstr. 160, arbeitet. Derselbe bietet sich an, Sonntags und nach Feierabend zu arbeiten. Unsere Er- rungenschaften werden hierdurch illusorisch gemacht. Der Vor- sitzende stellt hierzu folgenden Antrag:„Wenn die Arbeitszeit der Polirer bei Herrn Lade wieder überschritten, legen die orga- niflrten Kollegen und Berufsgenossen die Arbeit nieder. Für die Unterstützung tritt der Verband der Möbelpolirer Berlins und Umgegend ein." Die Kollegen Scholz, Reuter, Gräber und Thum, letzterer Tischler bei Herrn Lade, sprachen sich im Sinne des An- träges aus. Herr Thum versicherte aus Ehrenwort, dafür in der Werkstatt wirken zu wollen. Dieser Antrag wird ebenfalls cinstiinmig angenommen. Ein Antrag des Kollegen Lederhause, die angeführten Sätze auf Kosten des Vereins an den Säulen an- schlagen zu lassen, wird angenommen und der Vorstand de- auftragt, dieses in geeigneter Form der Oeffentlichkeit zur Kenntniß zu bringen. Hierauf wird als zweiter Bibliothekar Kollege Beer gewählt. Es wird dann zu Punkt 4„Verschiedenes" geschritten. Auf eine Anfrage, betreffs der Annonze über den Londoner Streik, erklärt der Vorsitzende, keine Mittheilung er- halten zu haben und in dieser Sache nichts zu veranlassen, bis er etwas näheres hierüber weiß. Betreffs des Stijtungs- festes erklärt Kollege Gräber, daß dasselbe am 22. November bei Joel, Andreasstraße 21 stattfindet. Der Antrag Franke, dem Arbeitsvermittler, Herrn Henke, Beitragsmarken und Mitgliedsbücher zu übergeben, damit derselbe solche auszustellen resp. bei restirenden Mitgliedern Beiträge einkleben kann, wird angenommen. Kollege Reuter empfiehlt dann noch die Broschüre „Schutz gegen Gefahr für Krankheit." Dieselbe ist in den Zahl- stellen für 10 Pf. zu haben. Mit einem Hoch auf die inter- nationale revolutionäre sozialdemokratische Arbeiterpartei schloß der Vorsitzende dann die Versammlung. Muht rinrr Drlrgirtrn zum fozialdruwlirntif'chen Kongreß. Behufs Wahl einer Delegirten zum sozialdemokra- tischen Kongreß war zu Dienstag Abend nach dem großen Saale der Lips'schen Brauerei(am Friedrichshain) eine Arbeiterinnen-Ver- saininluna berufen. Dieselbe war jedoch, vielleicht aus Anlast des heftigen Regens, von kaum 300 Personen besucht. Sie bestand aus Männern, zumeist dem Arbeiterstaude angehörig: die weit- �iils größte Zahl der Frauen bestand aus noch sehr jugendlichen Arbeiterinnen. Nachdem Frau von Hoffstetten, Gattin deS vor einigen Jahren verstorbenen Berichterpatters von Hoffsletten, zur ersten, Frau Leuschnerxzur zweiten.Vorsitzenden und Frl. Gräbert zur Schriftführerin gewählt worden waren, sprach Frau Apotheker Ihrer über die Nothwendigkeit, daß auch die Berliner Arbeite- rinnen auf dem sozialdemokratischen Kongreß durch eine Delegirte vertreten seien. Es sei nur bedauerlich, daß die gegenwärtige Ver- saniinluug so schwach besucht sei. Die Frauen habe» eben noch bedeu- tend mehr unter dem Ausnahmegesetz gelitten als die Männer. Hoffentlich werbe es jetzt tinter der sogenannten neuen Aera besser werden. Die heutige Gesellschaftsordnung lege den Frauen und Mädchen dieselben Pflichten auf wie deu Mannern, schließe sie aber von allen Rechten aus. Selbst Männer, die in den vordersten Reihen der modernen Arbeiterbewegung stehen, wollen den Frauen volle Gleicht erechtigkeit nicht zugestehen. Erst auf dem internationalen Arbeiterkongreß zu Paris sei diese Gleichberechtigung zugestanden worden. Man sage: Die Frau gehöre in's Haus, man vergesse nur dabei, daß die heutige Produkttonsweise die Frau auS i ein Hause treibe. Die Frauen müssen deshalb ihre Stimme erheben und volle Gleichberechtigung mit den Männern forder». Die Frau müsse gleich dem Manne die Gesetze beobachten, Steuern zahlen, sich und ihre Kinder oftmals selbststänbig ernähren, als- dann habe sie auch zu fordern, daß sie bei allen öffentlichen Wahlen wahlberechtigt und wählbar sei.(Beifall). All' die alten überlebten Zopfreligionen wenden sich ja in erster Reihe an die Frauen, weil die am ehesten zur Verbreitung beitragen. Mögen die Arbeiterinnen, die ja mit den alten Religionen gebrochen, zur Verbreitung der Religion der allge- meinen Menschenliebe beitragen. Es sei Zeit, daß die Arbeiterinnen sich nun endlich offen und ehrlich als Sozialdemo- kratinnen bekennen.(Lebhafter Beifall.) Die sozialdemokratischen Abgeordneten waren bisher die einzigen, die im Reichstage für die Gleichberechtigung der Frauen eingetreten seien. Wie drin- gend nothwendig es sei, daß mich die Frauen im Reichstage ver- treten seien, beweise das bürgerliche Gesetzbuch, das jetzt den trop; Reichstag beschäftigen werde. Pflicht der Frauen wäre es z. B. gegen das in dein bürgerlichen Gesehbuch enthaltene Eherecht Ein- sprach zu erheben. Die Frau»verde dabei geradezu entwürdigt. Man mache ja den Sozialdemokraten den Vorwurf, daß sie die Ehe und die Familie aufheben wolle. Nun die Ehe der Bour- geoisie sei nichts weniger als eine moralische Institution. Die- selbe sei doch zumeist nur eine sogenannte Versorgungsanstalt; rn dieser Beziehung sehe es mit der Ehe unter den Arbeitern doch noch besser aus. Und was die Familie anlangt, so habe gerade die kapitalistische Produktionsweise das Familienleben der Arbeiter vernichtet. Die Frauenarbeit dürfe nicht verboten werden, denn die Frau habe dieselbe Berechtigung zum Leben wie der Mann, allein die Frauen müssen sich in Fachvereinen u. s. w. gleich den Männern organisiren, damit sie in der Lage seien, den gleichen Lohn wie die Männer zu fordern. Die allgemeine Arbeiterbewegung werde durch die Antheilnahme der Frauen nur gefördert werde». Allein die Frauen müssen ihre Sache selbst in die Hand nehmen; denn wie die Befreiung der Arbeiterklasse nur durch diese selbst geschehen könne, so werde die Befreiung der Frauen von der Be- vormundung, geistigen Knechtschaft und Ausbeutung in jeder Form nur durch die Frauen selbst erfolgen. Deshalb sei es er- forderlich, daß die Frauen nicht müde werden, die volle Gleich- berechtignng mit den Männern zu fordern und daß sie auch eine eigene Delegirte zu dem Kongreß nach Halle entsenden. Es sei hohe Zeit, daß bei den Frauen und Mädchen des Proletariats die Furcht vor dem rothen Lappen ein Ende nehme.(Stürmischer, lang anhaltender Beifall.)— Buchdrucker Ehrlich: Er sei im Allgemeinen mit der Referentin einverstanden, die Arbeiterinnen dürfen sich aber nicht einbilden, daß sie sich im sozialdemokratischen äukunftsstaat in seidenen Kissen werden wiegen können.(Große nruhe.)— Kaufmann Lichtenhain pflichtete der Referentin in allen Punkten bei.— Schneider Pfeiffer: Es sei noth- wendig, daß in den Arbeiterfamilien nicht mehr Schund- romane, sondern nur Arbeiterzeitungen gelesen iverden.— Nachdem noch Frau Schunime und Frau v. Hoffstetten im Sinne der Referenten gesprochen, wurden Fran Jhrer� Frau v. Hoffstetten, Fran Schlimme und Frau Ehrlich als Dclegirtiiinen für den sozialdemokratischen Kongreß vorgeschlagen. Es wurde einstimmig Frau Ihrer gewählt und beschloffen: noch eine Versammlung einzuberufen, in der, wenn nngänglich, eine zweite Delegirte gewählt werden solle. Das Bureau wurde mit der Ausbring ng der Diäten für die Delegirte beanstrngt.— Dr. med. Bernstein forderte noch auf, dem von ihm geleiteten Lehrkursns der Arbeiterinnen für die erste Hilfe in Unglücksfällen beizutreten. Erste Vorsitzende dieses Kursus sei Frau v. Hoffstetten, zweite Vorsitzende Frau Apotheker Ihrer. Die Einschreibegebühr betrage 25 Pf., der monatliche Beitrag 10 Pf. Nersammlnng der Freien Uerrinignng der Graveure und Ziseleure am Montag, den 6. Oklover. Tagesordnung: 1. Geschäftliches, 2. Vorlesung über:„Eine Reise in den Welten- räum", 3. Diskussion, 4. Verschiedenes.— Im ersten Punkt theilt der Vorsitzende mit, daß ihm auf seine eingelegte Beschwerde betreffs der Auflösung der letzten Versammlung der Bescheid zu- gekommen ist, daß diese ungerechtfertigter Weise ausgelöst worden ist und der Beamte mit„entsprechender Weisung versehen»vorden ist". Alsdann wird an Stelle des aus dem Vorstand aus- scheidenden ersten Schriftführers, Kollege Zech gewählt. Kollege Bommer erledigt hierauf de» ziveiten Punkt in höchst geschickter Weise. An der Diskussion betheiligen sich die Kollegen Schimanski, Urbach und Blühmke. Im letzten Punkt macht Kollege Bommer auf den Ausflug nach Osdorf zur Besichtigung der Rieselfelder am Sonntag, den 12. Oktober, Vormittags VälO Uhr, Treffpunkt Hallcjches Thor, aufmerksam, des Weiteren der Vorsitzende ebenso auf den Kommers a>n 22. November in Sanssouci. Eine öst'rniliche Versammlung drr Knrbrlstepper und Strpprrinne» fand am 7. Oktober im oberen Joöl'schen Saale unter dem Vorsitz der Herren Böhn, Riese und des Fräulein Mack statt. Herr Hübsch hielt einen Vortrag über „den Zweck und Nutzen der Arbeiterorganisationen." Derselbe wurde mit großem Beifall aufgenommen. Redner unterwarf das Unternehmerthum unserer Zeit einer scharfen Kritik. Dasselbe habe sich nicht gescheut, das uns gesetzlich gesicherte Vereinigungs- recht durch ungesetzliche Machinationen illusorisch machen zu wollen. Redner legt dann in längeren Ausführungen den Nutzen der Organisation klar. Wenn die Organisationen voll und ganz ihren Zweck entsprechen sollen, so müsse man die Arbeiterinnen zum Anschluß an dieselben bewegen. Hier sei vieles nachzuholen. Auch die Kurbelstepper und Stepperinnen müßten sich zusammen vereinigen; sei auch der Lohn im Verhältniß zil dem in vielen anderen Er- werbszweigen bezahlten noch nicht der schlechteste. In unserer Zeit der großen'Arbeitslosigkeit sei jeder gezwungen, ivelcher in seinem bisherigen Arbeitszwcig überzählig, in einem anderen, welcher noch als„gut" zu bezeichnen ist, nach Beschäftigung zu suchen. So sei es auch mit der Knrbelsteppcrei der Fall. Das Arbeiten in dieser Branche sei jetzt noch einigermaßen rcntirbar, in nicht allzuferner- Zeit wird das aber kaum inchr der Fall sein, da das immer größer werdende'Angebot von Arbeitskrästen die Tendenz in sich trage, den Lohn der Arbeitenden zu ver- ringern. Redner erinnert an die Ruudstuhlbranche, in welcher der Lohn seit einigen Jahren rapide gefallen sei.— An der äußerst animirten Diskussion betheiligten sich die Herren Herr mann, Schade, Schröder, Boge, Hcidick, sowie Frau G u b e l a und Frau B a u m a n». Bon sümmtlichen Rednern und Rednerinnen wurde in ihren beifällig ansgenominenen Aus- führungen die Nothwendigkeit der Organisation betont. Es wurde ein Antrag einstimmig angenommen, einen Verein der Kurbelstepper, Stepperinnen und verwandter Be- rufsgenossen zu gründen. Ebenso wurde ein Antrag an genommen, eine Kommission zu wählen, welche die uöthigen Vorarbeiten(Statulenberathung w.) zu verrichten habe. In diese Kommission ivurdeil geivählt: Die Damen Banmann, Brandt und Mark, sowie die Herren Böhn und Burisch. Nacks/ dein der Vorsitzende der Versammlung bekannt gemacht, daß die öffentliche Versaiinnlung, in welcher der Statutenentwurs vor- gelegt werden solle, am Mittwoch, den 15. d. M., bei Bolzmann, in der Andreasstr. 20, stattfindet, wurde die Versammlung mit einem dreimalige» Hoch auf die internationale Sozialdemokratie geschlossen. Der Verband deutscher Ziminrrleute, Lokalverband Berlin, hielt am Montag, den 6. d. Akts., im Feucrslein'schen Lokal eine Versammlung mit solgender Tagesordnung ab: 1. Vortrag des Herrn Wildberger über Ludwig Börne. 2. Ver- schiedencs und Fragekasten. Nach Eröffnung der Versammlung theilte der Vorsitzende mit, daß Herr Wildberger brieflich mitgetheill hat, daß er krankheitshalber verhindert ist, das zu heute anberaumte Referat zu halten, und wurde somit zum 2. Punkt geschritten. Hier iviiroe ein Antrag angenommen: Weil der Lokalverband Berlin dieses Jahr noch kein Vergnügen gehabt hat, ein Sylvestervergnügen zu veranstalten. Hierzu wurde ein Vergnügungskomitee, bestehend ans fünf Personen, den Kaineradcn Both, Schmidt, Schulz, Pagsi und Weichmann, gewählt. Ferner wurde an Stelle des abgereiste» Kameraden Schuhmann als 2. Kontroleur Kamerad Rosenheimer gewählt. Ferner wurde beschlossen, zur Deckung des Defizits der Lokalkasse so viel Zehnpfennig-Ältarken drucken zulassen, als Schulden vorhanden find und dieselben in Vertrieb zu setzen Dem kranken Mitgliede Ranmann ivurden 20 M. Unterstützung bewilligt. Herr Wolter forderte noch diejenige», welche noch im Besitz von Sammelliste» sind, auf, dieselben an seine Adresse, Verl. Göbenstr. 5, abzuliefern. Darauf wurde noch der Fragekastcn erledigt. Hierauf erfolgt Schluß der Versammlung. Der Veerin?nv Vlahrung devIntcrejse» dcvLachivrr allev Krancheir Berlins und Umgegend hielt am Sonntag, de: 5. Oktober, in Wollschläger's Salon, Blumenstraße 78, sein Mitgliederversammlung ab mit der Tagesordnung: 1. Vortrag Zur Charakteristik der Geiverkschastsorganisation, mit besondere Berücksichtigung des Arbeiterprinzips. Referent: Herr C. Hübsch 2. Diskussion. 3. Bericht der Arbeitsnachweis- Kommission. 4. Verschiedenes. Der Vortrag wurde mit großem Interesse auf- genommen und erntete der Vortragende den Dank der Versamm- liiiig. An der Diskussion belheiligte sich noch Kollege Schüßler. Hierauf erstattete Kollege Wilhelm Lieske Bericht über den Arbeits- Nachweis(Sommerhalbjahr). Es ließen sich im Ganzen einschreiben 183 Gehilsen, davon 46 Vereinsmitglieder und 137 Nichtvereinsmitglieder. Die Zahl der Meister, welche Gehilsen verlangten, betrug 133, davon 40 nach außerhalb. Besetzt wurden im Ganzen 63 Stellen. Der Grund hierfür, daß nicht mehr Stellen besetzt worden sind, bestand darin, daß die Nachfrage nach Stellen nicht eine so große gewesen ist. Alsdann wurde zur Neuwahl der Kommission geschritten. Aus der Wahl gingen als gewählt hervor die Kollegen: Schlosser, Max Lieske, Wilhelm Lieske, Kretschiner, Schowanitz, Kremnitz, Schichlitzka, Korneck und als Ersatzmitglied Kollege Peppler. Im Punkt Verschiedenes richtete Kollege Schüßler noch einen warmen Appell an die Kollegen, fest zu unserer Fahne zu halten, um der- einst geschlossen unsere Ziele zu erringen. Hierauf schloß der Vor- itzende die vom besten Geiste beseelte Versammlung. Bei Anfragen bitten wir die Abonneinents-Quittung beizusügen. Brieflich Antwort wird nicht ertheilt. C. K. Moabit. Sie oder Ihre Ehefrau können zweifellos ivcgeil Beleidigung klagen. Zuvor müßte die Frau, welche jene Acußerung gethan hat, vor den Schiedsmann geladen werden. Vviefknptotl Vvv VeÄÄkkion. Wir müßten zunächst K. K. Rrichenbergerstr. Miethskontrakt einsehen. Genosse. Berklagen Sie Ihren Schuldner und Sie, daß Ihnen Geld durch die Post zugegangen ist. klagte muß alsdann den Beweis für die behauptete Zal erbringen. 1 V, Dom. Trauzeuge kann Jeder sein, der das 21. U> jähr vollendet hat. A. K. 1. Seit Ablauf des Sozialistengesetzes beste! Verbot des Waffentragens nicht mehr; das Schießen ist' sofern es nicht an einem bewohnten oder von Menschen best Orte geschieht, oder darin nicht etwa ein Jagdvergehen Man kann also auf dem Felde nach Krähen schieß 2. Die Verbreitung einer verboten gewesenen Druckschrift>1 sich nicht strafbar, wenn nicht die Schrift selbst einen straft Inhalt, z. B. eine Majestätsbeleidigung enthält. Uannifnstr. Ein Vater muß für die von seinem>>>>- jährigen Sohne zur Bestreitung der nothioendigen Bedürfnis machten Schulden aufkommen. Bei einem Anzug ko»M, also darauf an, ob der Sohn denselben dringend gebraucht H. M. Beantragen Sie schriftlich beim Amtsgericht D Ansetzung eines iTcrmines zum Austritt aus der Landest Die Einwilligung Ihres Vaters ist, sosern Sie über 14• alt sind, nicht erforderlich. A. F. 6. Sie werden sich zur Auseinandersetzung Arscheint Ii Anwalts bedienen müssen. Das Auseinandersetzungs-Pratsn's HauS würden Sie wohl auf dem Vormundschaftsgerichte eiajtzonntags- können. 1(C 2. Zichilug der 1. Klasse 183. Kiiuigl. Preuss. Lotterie. Sitliniifl vom 8. Oktober 13D0, BormittagZ. Siiit bii Uitiuiniic übet OO At-ut iiub btü oeictiieuocii NitMM-r» >» Priteniinve deiqesiigb iObue viewiibr.) 10 83 175 409 72 70 513 20 21 50 015 41 55 805 92 1047 54 129 [1001 93 244 394 400 8/ 010 719 89 981 ÜIOI 203 361 500 007 792 800 915 2003 37 175 229 302 513 I2UÜ1 055 927 4191 224 77 310 43 73 83 423 78 711 1 89 8U0 29 11001 09 962 3 09 99 130 201 454 809 915 22 «000 101 11001 230 4 8 470 88 574 750 884 7313(100) 18 20 413 18 38 941 8062 225 418 99 002 83 93 724 914 9180 90 411 00» 32 59(1001 89 729 37 45 1O096 274 337 4 2 89 480(2001 81 550 93 704 10 11 80 99 904 1 1058 147 91 203 80 315 407 552(1001 015 734 11001 80(1501 917 28 154020 59 111)0] 215 353 752 917 1.3014 205 0. 0(HO 724(lüOl 93 870 1 4140 73 303 0 503 051 8-0 15054 Gl(2001 94 123 218 19 11001 40 421 07 578 92 050 844 58 924 25>«048 146 77 207 92 550 809 18 99 913 25 17057 313 405 44 73 580 704 93 901 65 07 1*100 093 787[1001 88 931 10003 102 230 426 1100] 543 071(1501 '40001 215 318 529 HO"! 623 09 743 856 943 21000 99 150 236 63 317 074 75 809 944 53«iOOl 130 243 431 79 552 808 30 02 95 953 ä 14122(20 20 53>3 99 633 39[1501 40 58 70 97 7.1 83 817«41,83 93 244 304 436 49(10)1 71 941«31.81»81(1501 667 705[1001««447 500 20 69 024 97 87" 71«7079 147 2.30 4 6 382 411 18 863 28112 11 83 95 204 344 490 514 711 82? 91 922 55«0122 32 49 73 78 234 3 0 405 686 034 Ol 728 78 »»333 40 Ol 11001 401 502 14 678 707 18 49 835(1031 961»1034 36 352 409 088 838 924»«090 106(1001 215 318 498 625 710 38 870 ,4(1001 85 903»»102 28 248 302 4,5 577 822 87 967 84 3 4»17 34 122 ,1001 28(1001 35 227 305 70 453 533 11501 04> 03 73 758 942 71 99 35009 72 78 195 300 07 8 1 900 48 90 11501»0031 57 93 90 154 422 528 834 94.3»7121580 955 3*091 165 314 499 595 877 926 73 34)041 71 230 60 324 34 418 00 530[2001 703 40(20 400 24 95 797 820 41029 61 123 218 321 447 67 70 761 4« 248 81 409 55) 897 941 43273. 0! 420 97 891 952 4 4>59 154 238 488 527 059 71 45155 2 90 4>1 71 02? 727 65 877 40Ü36 143. 04 514 24 04 74 897 921 lloü] 470.0 110 03 280.315[1001 610 742 93 874 915 08(1001 4*034 11001 39) 97 453 022 80 833 70 4 9131 524 000 38 5«0(0 20 80 118 774 886 908 92 51137 63 208 42 78 84 491 510 56 715 38 5«ü98 140 243 11001 87 304 444 84 620 40 53 89 11501 724 921 75 53038 153 58 272 92 93 377 016 732 50 52 902 70 83 540,0 94 207 15 92 13001 431 88 052 818 21 63 11501 9(3 73 55000 44 6. 77 93 112 18 3, 82 85 252 62 510 0,6 978 50045 299 305 53 470 545 52 90 6.30 803 43 95 57085 105 218 395 550 722 25 832 946 5*195 2"3 25 Oll 4 0 850 9.2 6 9033 30(2001 353 58 4oü 501 71 652 70 UUo] 97 721 37 110.,] 40 07 «« 10 2, 170 208 357 78 452 53 590 760 868 69«1111 51 99 337 431 67 543 04 90 098.42 970«4003 9 34 5 94 134 319 59 444 514 (1501 09 610 31(5001 48 85 898 925.87« 3040 59 101 14 3. 86(1001 347 403 11001 63 550 074 932«4041 257 524 77 743[100] 882«5090 185 '. 0 21-, 29 377 87 9- 415 502 638(2001 4> 49 747 804 99. 00,80 98 114 43 45 630 48 91 92 739.200]«70,9 173 271 42? 75 514 81 8, 0.84 87 705 21 29«*121 78 311 429 679 71. 21 992 99«i»00? 15 05 113 281 95[1001 004 2,?"4 13 909 10 70021 113 40 04 291 325 412 83 802 16 81 934 71093 236 51 324 (1001 430 7,87 701 837 911 31 7«026 30 09 137 229 305 35 72 672 73 742 70 871 912 44 50 73204 11501 8? 544 013 922 7400Ü 29 190 253 11501 071.-09 923 73180 213 40 50 98 524 33 622 69 914 37 7 6003 0 24 247 79 340 94 413 82 95 938 11001 7:008 82 87 174 359 79 80 419 690 879 902 23 7*309 537 70 6)4 787 856 78 7«123 11501 57 59 292 305 495 50, O.iG 09 85 838 59 917 *«017 19 301 050 99 772*1032 354 55 66 428[1001 66 534 92 681 75 778 820 64*«»50 118 205 70 320 829 909*3021 161 303 91 0-5 713 3 i 827 80 93 951 74»405? 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