Nr. 845. Dienstag, den 81. Oktober 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. MWMMWM ----- Fernsprecher: Amt VI. zlr. 4106.-- Nednkkion: SeuthÜvatzr 2.— Expedikion: VeuthWvntze 3. 'ereinignngsfreiheit, wie ste sein sollte.') ein s|�W'on heißt Vereinigung. Daß allen Staatsbürgern , stecht der Vereinigung zusteht, ist schon im Grundgesetze „-preußischen Staates ausgesprochen. Artikel 30 der glichen Verfassung lautet: „Alle Preußen haben das Recht sich zu solchen Zwecken, welche den Strafgesetzen nicht zuwiverlanfen, rn Gesellschaften zu vereinigen". fofr, tau� daß das Recht der Vereinigung in die Ver- Girwl? aufgenommen ist, ergiebt sich, daß dasselbe als ein indrecht.aller Staatsbürger zu betrachten ist und geachtet fiew Wusse, von dem ebenso gut Arbeiter wie Rentiers, etm! wie Fürsten Gebrauch machen können, wenn sie nicht a w>t der Art und Weise dieser Rechtsausiibnng ins ftf?. allgemein gütigen Strafgesetze kommen. aem»- Liebt im sogenannten modernen Rechtsstaate kein all- z»... wes Gesetz, welches das Streben eines Atenschen nach ,'ssrnng seiner Lebenslage mit Strafe bedrohte. Die Arbeiter »...-len sich also bei der Gründung ihrer Fachvereine, Ge- „-...'haften u. s. w. aus die Verfassung berufen. Freilich w* es in Preußen auch noch ein Gesetz vom 11. März k.,;'[welches den schönen Zweck hat, den„Mißbrauch" der u wnimlungs- und Vereinsfreiheit zu verhüten. Dieses Ge- ZW�Hält aber gleichfalls keine Bestimmung, durch welche he» N liüngen zu dem angegebeuen Zwecke als Mißbrauch -dereinsfreiheit erklärt und etwa verboten würden. »Us 9i®c� vom 11. März 1850 hat es hauptsächlich Kel?» Sammlungen abgesehen, in welchen„öffentliche Au- iin? �»lten" erörtert werden sollen und auf Vereine, welche � �Mwirkung auf öffentliche Angelegenheiten bezwecken. L, �flchc Versammlungen sind durch das Gesetz der Pflicht t Anzeige bei der Ortspolizeibehörde und deren Beaussich- V«! unterworfen und den bezüglichen Vereinen ist außer- "och verboten, mit einander in Verbindung zu treten. Iiiiv. Polizeiaufsicht, der diese Vereine und Vcrsamm- ,,5» unterstellt sind, ist nun freier Staatsbürger entschieden lies.« 8'. Außerdem aber hat die Erfahrung gelehrt, daß !!W., Bestimmung eine unerschöpfliche Quelle polizeilicher mrachtigungen der Versanimlungs- und Vereinsfreiheit Die Organe der Polizei sind in den meisten Fällen gar �Wträchtigünäen der Versammlnngs- und"Ver"einsfreiheit I is. Die Organe der Polizei sind in den meistcn Fallen gar .Ht oder nur ungenügend besähigt, zu beurtheüe», ob durch m den fraglichen Versammlungen zu Tage tretenden f�ie kann sich darin irren, und alle sind in Zweifels- 'e setzt die Nothwendigkeit des Fortfalls aller »>»nn-„.. ond Versammlungssreiheit beschränkenden Bestiin- eppoen,., heorcrisch auseinander. Tie praktische Frage, ob es schneide, Scgemvärtig in der Gesetzgebung die Materie anzu- k ef'?ni,3 unberührt. Unser Parteitag hat die Frage ourch Uebergang zur Tagesordnung Über den Antrag " �'0 verneint. Die Redaktion. Zseuillekon. verboten. flv Uictoria. Roman von Minna K a n t s k y. �erlaf.�.ff er sich an den Luxus gewöhnt und das '»»S Fipfj! danach beherrschte ihn, und so sagte er nach, {1U fiüf.f.fjhw, in der letzten Zeit so oft vorgesagt hatte: von ag,'!" könne nur inmitten des Reichthnms, umgeben vspri»kn Schönen, das er vermitteln soll, wahrhaft �?v>värts s ck. und Verdienstvolles schaffen und sich chk„MX Ja, dem Künstler ist der Reichthuni ei tonnt, das Leben selbst. Er wollte ihn haben, V? r"«'mmer missen! Riffen. � Attisch hatte er nach einem zweiten Blatte ge- "etwfts01.sin Feuilleton,„Künstlcrleben" betitelt. Er Mildert näher zu und fand sich selbst darin ge- f r.'livftöe i sll Wirken und seine Erfolge, seine neuen ichaft seine Beziehungen zu der Cröme der Ge- .wurde mitgetheilt, daß er Wien verlassen, nm schmeichelhaften Einladung des Fürsten «uf seine Güter in Böhmen Folge zu leisten. Keßler Artikel war gut gemacht, er schilderte den jungen in»"tzeii s isen geniale Leistungen in den letzten Ans- e!fa>it allgemeine Bewunderung erregten, in durchaus wenn auch etwas phantastischer Weise. fällen geneigt, lieber sich übereifrig zu erweisen, als lässig zu erscheinen;— und daß der Uebereifer den Beamten nicht schadet, hat ebenfalls die Erfahrung zur Genüge gelehrt. Uebcr die Versammlungen, welche sich mit öffentlichen An- gelegenheiten befassen, mögen sie nun von Vereinen oder Einzelpersonen einberufen werden, schwebt also stets das Damoklesschwert polizeilicher Verhinderung, so daß von einer Freiheit des sich Versammelns und Vereinens schon deswegen im Ernst nicht mehr geredet werden kann. Durch die Bestimmung, daß Vereine, welche eine Einwirkmig auf öffentliche Angelegenheiten bezwecken, nicht mit einander in Verbindung treten dürfen, ist vollends die verfassungs- mäßig garantirtc Freiheit der Vereinigung für politische Vereine aufgehoben. Ter Hauptzweck politischer Vereine wird stets die Ein- Wirkung auf öffentliche Angelegenheiten sein, und derjenige Staatsanwalt, welcher in der von solchen Vereinen gepflegten politischen Belehrung z. B. den Zweck der Einwirkung auf die öffentliche Angelegenheit der Rcichstagswahl entdecken möchte, würde schließlich gar nicht unrecht haben. Vereine, welche Einwirkung auf öffentliche Angelegen- Helten bezwecken, gehören nun aber in Staaten, in welchen die Bürger durch das allgemeine Wahlrecht einen Antheil an der Gesetzgebung haben, unzweifelhaft zu den aller- wichtigsten. Und auch die Vereinigungen der Arbeiter zur Verbesserung ihrer Lebenslage haben das dringendste Interesse daran, auf öffentliche Angelegenheiten einzuwirken, z. B. die Gesetzgebung z. B. in sozialrcsormatorischcr Weise zu beeinflussen u. s. w., sie haben, um das in recht ausgiebigem Maße zu Z bewirken, auch das lebhafteste Interesse mit ein- ander über den ganzen Staat hin in Verbindung zu treten. Ten Arbeitern ist durch das mehrerwähnte Mißbrauch- gesetz auch der allerbcscheidenste Gebrauch der verfassungs- mäßigen Vereiniguugsfreihcit nach der Richtung der Wahrung dieser ihrer dringenden Interessen hin verwehrt. Angesichts dieser schwerwiegenden Beschränkungen des Vercinigungsrechtes sollte man nun gar nicht glauben, daß unbeschränkte Vcrcinigungsfreihcit als politische Nothwcndig- feit in der Theorie bereits seit deni griechisch-römischen Alterthnme von Staatswegen anerkannt war und daß sie auch in der Praxis unserer historischen Vergangenheit stets da vor Polizeiaufsicht und Gesctzesschmälerung bewahrt ge- blieben, wo in der That Kulturstaaten bestanden haben, die nicht zu selbstsüchtigen Zwecken von Seiten der Besitzenden und Herrschenden in rücksichtslosester Weise ausgebeutet wurden. Ebenso wie der Staat auf und aus uralten Menschen- vereinen erwuchs, so blieb er zu allen vorgeschichtlichen und geschichtlichen Zeiten ans tausendfältig ineinander ver- schlnngenen Vereinigungen zusammengesetzt. Familie und Verwandtschaft, Erwerbs- und Besitzvereinigungcn, Religions- gesellschaftcn, Kriegs- und Friedensbünde, Land- und Reichs- standschaften:c. sind die Quadern des Staatsfnndamcnts und zugleich der Boden, aus dem all' unsere Rechte und Ge- setze erwachsen sind. Aus immer neuen Vereinigungen er- Oswaldt sah ungemein geschmeichelt anS und fast ein wenig erstaunt über seine eigene künstlerische Bedeutung. „Wenn ich nur nicht wüßte, wie das gemacht wird," sagte er humorvoll zu sich selbst.„Field kann es wahrhaftig nicht erwarten, mich berühmt zu sehen. Nun ja, da ich schon nach wenigen Monaten sein Schwiegersohn sein werde, so kann er nicht darauf rechnen, daß ich bis dahin durch meine eigene Kraft allein jene Stellung einnehme, die er wünschen mag. Ob Dergleichen überhaupt durch eigene Kraft allein zu erreichen ist? Sein hübsches Gesicht nahm einen nachdenklichen Aus- druck an, dann aber sagte er lustig und mit der vollen Sorg- losigkeit des Künstlers. „Ei, ich überlasse ihm das, er soll seinen Schwiegersohn nur schnell zum berühmten Mann machen, er darf sich diesen Luxus gestatten, wie jeden andern!" Er sah zum Fenster hinaus und begann zu pfeifen, laut und ungenirt, wie er es in der letzten Zeit nicht mehr gewagt hatte. ES war ein thaufrischer, Heller Morgen. Er überblickte die sonnbeglänzte Landschaft und sah nach den bewaldeten Hügeln, wo auf einer Höhe ein stolzer, einst mächtiger Bau, nun eine Ruine, Aarenbcrg, sich erhob. Und seine Augen verfolgten weiter hinaus durch einen Thaleinschnitt die schönlinigen Berge. Dort lag ein einsames Thal, die Enge, das in einem llesscl endigte, von dem die Felsen kühn zu ansehnlicher Höhe emporstiegen, und aus dessen äußerstem Winkel ein kleines stilles Wässerchen entgegen- blinkt._. Mit jener vorstellenden Kraft, die jeder schöpferische Geist besitzt, ließ er dies Bild in all' seinem poetischen Zauber vor sich erstehen. wachsen immer neue Kulturfortschritte hervor, je freier diese Vereinigungen sind, je zwangloser sie sich den Bedürfnissen gemäß bilden und, entwickeln können, desto niehr und desto besser vermögen sie ihrem Zweck zu entsprechen, ihre Aus- gaben zu erfüllen,— desto rascher wird das Tempo des ans ihnen erblühenden Kulturfortschritts. Die Vereinigung hat den Menschen zum Herrn und Meister aller seiner Mit- thiere und der gesammten ihn umgebenden Natur gemacht; sie ist eine unerschöpflich sprudelnde Quelle von Bildung und Wohlstand, von Wissen-und Gesittung, von Lebens- genuß und Macht. Bei knlturfortschreitenden Völkern hat sich, soweit die Leuchte unserer Kultur-Geschichtsforschung reicht, immerdar ein ameisenartig reges Vereinigungsleben bcmerklich und geltend gemacht— wo aber der Trieb zur Vereinigung schwächer ward, und er auf unüberwindliche Hindernisse stieß, da versanken entweder die Völker im Sumpfe Jahrtausende langen Kulturstillstandcs und grauenvollsten, die Menschen wieder verthierenden Volkselends, oder es bröckelte der Staat auseinander und es erlosch die Kultur, mochte sie auch schon erstaunlich weit vorgeschritten sein und aus den verschiedensten Gebieten des menfchlichen Schaffens groß- artige und herrliche Werke hervorgebracht haben, wie in Egypten. Wie aber im Individuum dem Gemeinsinn in der Selbstsucht sein stärkster Gegner lebt, so hat in der Ge- schichte die Bethätigung des Gemeinsinnes durch freie Ver- einigling ihren Todfeind gefunden im Despotismus und allem, was ihm verwandt und unterthan ist. Die zu selbstsüchtiger Ausbeutung der Beherrschten ent- schlossencn Herrscher und die sie umgebenden hohen und niederen Bcoientenseelen, sind zu allen Zeiten die Feinde der Vcreinigungsfreiheit und damit die Vater und Pfleger des Völkerelcnds und Sittenverderbes gewesen. Und Die- jenigen, welche im Interesse der Menschheit wider Despoten und Ausbeutern, wider Elend, Knechtung und Sithenrohheit im Kampfe gestanden, haben immer zugleich und in erlter Linie gestritten für die Freiheit des Sichvereinens. Die großartige Verfassung, welche das höchstkultivirte Volk des Alterthums— das Volk der Athener— sich 600 Jahre vor Christi Geburt gegeben,— die Verfassung des Solon,— hat bereits die Freiheit, Vereine zu bilden, und die Giltigkeit der Selbstgesetzgebung dieser Vereine den Staatsbürgern zugesichert. Dasselbe geschah für das mächtigste Kulturvolk des klassischen Alterthums, für die Römer, ums Jahr 400 v. Chr. durch deren erste schriftlich festgestellte Gesetzgebung,— durch das sogenannte Zwölftafel-Gesctz,— das allezeit die Grund- läge römischen Rechtslebcns geblieben ist. Erst unter dcnKaisern, nachdem die welterobernde Römer- rcpnblik infolge unaufhörlicher Kriege, entsetzlicher Partei- kämpfe und grausamster Sklavcnansbeutung zu Grunde gegangen war, wurden Gesetze erlassen gegen den angeblichen Mißbrauch der Vereinsfreiheit; und hauptsächlich mit Hilfe dieser Gesetze wurde die haarsträubende Aussaugung und Seit der Stunde, wo er es zum erstenmal erblickt, war es ihm nie völlig aus dem Gedächtuiß entschwunden, und er hatte sich's zugeschworen, baldigst wiederzukommen, um diesen romantischen Winkel auf die Leinwand zu bannen. Seitdem waren sieben Jahre vergangen und heute war ihm die Zeit abermals kurz zugemessen. Die Journale hatten ihn bereits nach Böhmen abmarschiren lassen und er wurde in der That vom Fürsten erwartet. Unmuthig stampfte er mit dem Fuße auf. Das fruchtbare Flachland dort dünkte ihm entsetzlich, und die Einladung des Fürsten, über die Viele so entzückt gewesen, erhielt das Drückende eines Befehls. Sein Blick streifte den Stuhl, auf dem sein Werkzeug noch zusammengebunden lag, und jetzt war er mit einem Satze dabei und begann es auseinander zu nehmen und Alles nrechtzulegcn. Bald darauf hatte er das Haus verlassen, bepackt mit seinem Malergeräthe, wie in jenen Tagen, wo er, ein armer Schüler der Akademie, hier seine ersten Studien nach der Natur gemacht. Und wie er so in den sonnigen Morgen dahin schritt, kam ihm auch wieder die jugendlich sorglose Stimmung zurück, deren er sich damals erfreute. Er schritt rasch ans, und pfiff vor sich hin. Er hatte die Absicht, den weiten Weg nach der Enge anzutreten, nachdem er aber zehn Minuten im Sonnenschein gewandelt war, mußte er inne- halten, nm seine Stirne zu trocknen. Er fand die Hitze ganz ungewöhnlich, und war überdies so lächerlich beladen. Herr Oswaldt war doch etwas bequem geworden und jeder physischen Anstrengnng entwöhnt. Er hielt gerade vor einem Häuschen, das an dieser mit Weinreben besetzten An- höhe stand, und hoffte hier Jemand zn finden, der ihm Schirm, Feldsesscl und Staffelei nachtragen sollte. Er Verknechtung der Provinzialen aufrecht erhalten,— also der ganzen Bevölkerung des Weltreichs, mit Ausnahme des ein arbeitsloses Staatsschmarotzerthum führenden Pöbels der Hauptstädte Rom und Konstantinopel. _ Trotzdem kam die für das. römische Volk durch die Gesetzgebung der zwölf Tafeln begründete Vcrcinsfreiheit im Prinzip noch in die unter dem Despotismus Justinians (um 530 nach Christi) zusammengetragene Rcchtsquellen- sammlnng des Corpus juris, welches die völlig unbeschränkte Freiheit aller Sozictätsverträge für vorübergehende wie für lebenslängliche Privatgesellschaften aller Art anerkannt und nur solche selbstgesetzgebcrischen Vereinsbestimmungen für ungiltig erklärt, welche die Freiheit und das selbstständige Recht des Vereinsgenossen beseitigen durch die Aufhebung des Rechts, ans dem Vereine auszutreten, oder durch die Verpflichtung, seinen Willen jedem Mehrheitsbeschluß zu unterwerfen. Bei den germanischen Völkern war das vollkommen unbeschränkte Vereinigungsrecht mit vollgiltiger Vereins- autouomie das vornehmste Recht aller Freien, und im Prinzip behielt dieses Recht auch das ganze Mittelalter hin- durch in Deutschland seine Geltung. Wie aber unter dein vereinigten ungeheuren Drucke Staat und Kirche, von Feudalismus und Katholizismus, die altgermauische Volksfreiheit erstarb und die hoffnuugs- und kraftvollen Keime eines gesunden Kulturlebens erstarrten, so erlosch im Mittelalter der Trieb nach freien und Vereinigungen mehr und mehr, bis er in' den Volizeistaaten und-Staatchen des mit Hunderten von Landesvätern nicht gesegneten, sondern gestraften Deutsch- lands nach dem 30jährige« Kriege vollständig vernichtet ward. In den sogenannten konstitutioilellen Staaten Europas halten die Anhänger des Bestehenden überall auch heute noch Gesetze gegen den Mißbrauch der Versammlungs- und Ver- einsfreiheit und polizeiliche Versammlungs- und Vereins- Überwachung und Bevormundung für uöthig. In unseren politisch und wirthschastlich iniposantestcn Staaten— in England und den Vereinigten Staaten von Nordamerika aber hat sich schon viele Menschenalter hindurch vollkommene Versammlungs- und Vereinsfreiheit als sicherste Grundlage modernen, unserer Kulturhöhe wenigstens einigermaßen ent- sprechenden Staatslebens bewährt. Da nun gegenwärtig kein Mensch mehr Lust haben wird, sich durch die Behauptung zu blamiren, das deutsche Volk stände an politischer Reife und moralischer Zuverlässig- kcit hinter dem englischen und dem nordamerikanischen zurück, so ergiebt sich als durchaus unbestreitbar, daß weder vom Standpunkte der Theorie noch von dem der Praxis ehrlicher und verständiger Weise irgend etwas gegen völlige Vereins- und Versammlungsfreiheit einzuwenden ist. Versammlungs- und VereinSfreihcit sollte und müßte also bei uns künftighin nicht blos in dem Glasschranke der Verfassung als Schaustück prangen, das im gewöhnlichen Leben nicht in Gebrauch genommen wird,— sondern sie sollte und müßte für alle Staatsangehörigen und für immer praktische Geltung gewinnen. Die Verfassung des Deutschen Reichs vom 16. April 1871 unterstellt im 4. Artikel auch das Versammlungs- und Vereinsrecht der Reichs-Gesetzgebung. Dem entsprechend ist es Pflicht der Reichs-Gcsetzgebcr, jetzt— nach fast 20 jährigem Bestände des Rcichs-Grundgesetzes— endlich die unwürdigen Fesseln zu lösen, welche die verschiedenen, den Geist und die Geistlosigkeit der metternich'schen Epoche anwendenden Vereinsgesetze deutscher Landes-Gesetzgebungen dem Ver- sammlungs- und Vereinigungsrechte zugelegt haben. Die am 28. März 1849 von der deutschen National- Versammlung beschlossene Verfassung des deutschen Reichs enthält in dem VIII. Artikel(§ 161, 162) ihres VI., van den Grundrechten des deutschen Volkes handelnden Ab- schnitts folgende Bestimmungen: „Die Deutschen haben das Recht, sich friedlich und ohne Waffen zu versammeln; einer besonderen Erlaubniß dazu bedarf es nicht. „Die Deutschen haben das Recht, Vereine zu bilden. Dieses Recht soll durch keine vorbeugende Maßregel beschränkt werden." Diese Bestimmungen sollten dem Artikel 3 der jetzt geltenden Reichsverfassung einverleibt werden und könnten etwa s o lauten: öffnete die Thür und befand sich in einem dunklen Flur, der von dem verschiedenartigsten Gerümpel angefüllt war. Ein scharfer Geruch von Lauge und Seife machte sich be- merkbar, und als er jetzt über ein Holzgefäß stolperte, das mit ausgewundenen Wäschestücken angefüllt war, konnte er über den Berus, der hier geübt ward, nicht länger im Un- klaren sein. Er befand sich bei einer Wäscherin und sah sich nach ihr um. Links führte eine weitoffenstehende Thür in ein Zimmer, in dem die größtmöglichste Unordnung herrschte, wie er sich auf den ersten Blick überzeugen konnte. Auf einem Tisch stand das verschiedenartigste Geschirr und Ge- räthe wirr durcheinander, auf den Stühlen und selbst auf dem Boden lagen Kleidungsstücke und allerlei Lappen unordentlich hingeworfen, die Beinkleider eines Mannes, die Röcke und Schürzen einer Frau. Die Betten waren noch nicht gemacht und in den durchwühlten farbigen Polstern hatte sich eine große Katze behaglich niedergelassen, die den Fremdling mit leuchtenden illngen ansah. Sonst machte sich nichts Lebendes bemerkbar. Oswaldt hatte dieses wenig einladende Interieur rasch verlassen, und als er wieder in den dunklen Flur trat, be- merkte er, daß eine kleine Thür, die nach dem Hofe führte, nur angelehnt war und einen breiten Streifen Sonnenlicht hereinließ, in den die Schatten eines draußen befindlichen Gebüsches unruhig hineiuspielten. Osivaldt stand unent- schlössen, sollte er da hinaus oder den Rückzug antreten? Schon wollte er sich für das Letztere entscheiden, da be- rührte ein leiser Ton, der wie ein Seufzer klang, sein Ohr. Rasch wendete er sich um. Was war das, woher kam das? Niemand war zu sehen, und jetzt abermals ein kurz heraus- gestoßener Ton der Klage. Er bemerkte eine niedere Kommode mit Schubladen und darauf einen Gegenstand in dunkle Tücher gewickelt. Es schien eine Gestalt darunter zu stecken, und in der That, ein kleiner zierlich geformter Fuß hob sich jetzt daraus hervor und wurde bis zum Knöchel sichtbar. Neugierig trat er näher. Die Formen dieses Körpers waren nicht zu unter- scheiden und der Kopf war in die Tücher hineingewühlt. Die kleine Person schien zu schlafen. Aber warum suchte „Alle Deutschen haben das Recht, sich friedlich und ohne Waffen zu versammeln. „Alle Deutschen haben das Recht, Vereine zu bilden. „Die Vereine können miteinander in Verbindung treten. „Einer besonderen Erlaubniß oder einer Anzeige bei einer Behörde bedarf es in keinem Falle." Diese Bestimmungen wären einzuschieben zwischen den ersten und zweiten Absatz des Artikel 3, so daß die Be stiimnung des zweiten Passus auch für sie gilt. Dieser hätte alsdann mit nur ganz unbedeutender for- mcller Aenderung seines gegenwärtigen Wortlauts etwa folgendermaßen zu lauten: „Kein Deutscher darf in der Ausübung vorstehend er- wähnter Befugnisse durch irgend eine Behörde behindert werden." Damit sielen ohne weiteres die niit einander um die Palme des reaktionärsten Inhalts wetteifernden Vereinsgesetze von Preußen, Bayern, Sachsen, Württemberg, Baden u. s. w., und die Polizei hätte, wie sich gebührt, in Versammlungen und Vereinen fortan gar nichts mehr zu suchen. Damit sie aber in die süße Gewohnheit des Bevor- mundens und Becinträchtigens der Staatsbürger bei deren Ausübung ihrer verfassungsmäßigen Grundrechte nicht so leicht zurückfalle, brauchte nur ein kleiner Znsatz den Reichs- Strafgesetzen einverleibt werden. Etwa als Znsatz zu§ 341, der also beginnt: „Ein Beamter, welcher vorsätzlich, ohne hierzu berechtigt zu sein, eine Verhaftung oder vorläufige Ergreifung und Festnahme oder Zwangsgestellung vornimmt oder vornehmen Hier könnte eingeschoben werden: „Ein Beamter ferner, der eine Versammlung oder einen Verein in der Ausübung ihrer verfassungsmäßigen Rechte stört, ohne hierzu durch gesetzlich strafbare Handlungen der Versammelt«« oder der Vereinsgenossen' berechtigt zu sein.—" Und nun könnte fortgefahren werden, wie im§ 341 ---'~ cichrift'* des weiteren zu lesen ist:——„wird nach Vorschrift des § 239(im 18. Abschnitt, der die Verbrechen und Vergehen wider die persönliche Freiheit behandelt), jedoch mindestens mit Gefängniß von drei Wochen, bestraft." Nolikikwe Aobevstöhk. Der Erfolg unseres Parteitages war so rein und Zweifels- ohne, daß wir es nicht nöthig haben, ihn festzustellen. Und da wir es nicht anders erwartet, so können wir uns auch Jubel- ausbräche ersparen. Wenn etwas im Stande wäre, unseren Triumph zu erhöhen, so ist dies der Eindruck, welchen de: Kongreß auf unsere Gegner gemacht hat. Mit geringen Aus- nahmen sind sie riesig verdutzt, und bekunden durch ihre rath- lose Wuth, die sich entweder in hirnlosein Geschimpfe oder zynischen Denunziationen äußert, die Großartigkeit deS Verlaufs, welchen das deutsche Arbeiterparlament ge- nomnien hat. Der Wiener Cramwny-Ktrrik. Den offiziellen Telegrammen ist zu entnehmen, daß gestern, Sonntag, die Pferdebahn in Wien gar nicht verkehren konnte. Das läßt darauf schließen, daß die Behörden gewitzigt durch die Vor- änge des letzten Frühjahrs diesmal nicht die gewöhnliche Zraxis bei. Handhabung des Koalitionsrechtcs angewendet, d. h. nicht mit Säbelhieben die Bediensteten zur Arbeit ge- zwungen haben. Wenn diese Haltung der Behörden, die ja die einzig vernünftige und gesetzliche ist, vorhält, so dürfte die Gesellschaft schweren Stand haben. Die Bediensteten sind heute sehr gut organisirt und werden dem Verrath aus den eigenen Reihe« nicht zum Opfer fallen. Größer ist freilich die Gefahr, daß die Tausende von Arbeis- oseu, welche heute die öffentliche Aufmerksamkeit in so hohem Grade aus sich ziehen, die Sympathien des Publikums den Streikenden gegenüber verringern. Zudem ist der Streitpunkt nicht eine einfache, leicht verständliche Lohnforderung, sondern es handelt sich hier um eine„Dienstordnung" abzu- wehren, welche allerdings ein ausnehmend starkes Stück von Ausbeuterfrcchhcit darstellt. Die Bediensteten sollen einen nach der Dauer der Dienst- zeit steigenden Lohn erhalten, aber es wird nicht gesagt, nach welcher Anzahl von Jahren das Vorrücken eintritt, so sie sich keinen geeigneteren Platz dazu aus. Auf dem bloßen Holze lag sie, die Füße gegen die Brust heraufgezogen und bei jeder Bewegung in Gefahr, herunterzufallen; und da schlief sie so in den hellen Morgen hinein, unbekümmert um die Unordnung und die angefangene Arbeit um sie herum. Es schien ihm etwas Rührendes in dieser Trägheit zu liegen. Jetzt wurde die etwas geöffnete Hinterthür vollständig aufgestoßen und die Wäscherin kam herein. Die Wäscher-Lise sah noch weniger verführerisch aus, als es sonst ihre Gewohnheit war. Das Haar war ungc- kämmt und die gestern gebrannten Löckchen standen heute in widerwilligen Krümnmngen nach allen Seiten vom Kopfe ab, die Röcke waren herausgenommen, die Hemdärmel zurück- beschlagen, und die von Nässe triefende Schürze reichte fast bis zn den Holzschuhen hinab. Mit den aufgeweichten Händen, deren Haut sich in unzählige weiße Runzeln legte, griff sie nach einem leeren 5iorbe, und wollte damit wieder hinaus, als eine Bewegung Oswaldt's sie nach seiner Seite blicken ließ. „Jesus, Maria und Josef!" schrie sie auf und ließ den Korb fallen. Oswaldt trat auf sie zu und entschuldigte sich wegen seines Eintritts. „Nein, wie ich erschrocken bin," sagte sie, dem feinen schmucken Herrn kokett zulächelnd,„wenn mau mich stechen thät, ich glaub', ich thät' keinen Tropfen Blut geben." Er sagte ihr, daß er einen Träger wünsche. „Jesus, wenn nur nicht Waschtag wär, ich ging gleich selber mit dem gnädigen Herrn." Er hielt wie in Abwehr die Hand vor.„Bewahre, ist kein Kind hier?" Sie hüpfte in Verschämtheit einen Schritt zurück:„Aber gnädiger Herr, was glauben's denn, woher denn? ich Hab' nie ein Kind g'habt." Er mußte lachen, das Weib wirkte zu drollig; dann bezeichnete er mit dem Finger den dunklen Gegenstand auf der Komniode.„Was ist's mit der da? aber sehen sie, sie be- wegt sich, sie wird herabfallen." Er trat näher. daß diese Hauptforderung nur scheinbar erfüllt wird. D« Statthalterei hat den Betrug einfach nicht gemerkt>w die Dienstordnung bestätigt. Eben so wenig? ihr aufgefallen,.daß dieselbe einen Maulkorb-Pa� graphen i unerhörtester Art enthält, der den arinK Tramwaysklaven bei Strafe der Entlassung"?• bietet, über ihre Lage irgend etwas verlauten zu lassen, st auch nur mit Unberufenen darüber zu sprechen. Diese w stimmung vor Allem ist es, welche den Streik veranlaß hat, ist aber zugleich diejenige, von deren.einschneiden� Wichtigkeit sich auch die Behörden am schwersten überzeug» lassen. Man hat in Oesterreich kein Verständniß dafür, W der Maulkorb eine unwürdige Einrichtung sei.--, Natürlich spricht man schon wieder von„Hetzern, welche den Unfrieden von außen hereingetragen. Das üs natürlich erlogen. Die Arbeiterpartei hat ihre Pm gethan, sie hat die Tramwayleute organisirt, hat sie,")" ganz unbehilslich waren, über ihr Recht aufgeklärt aber zum Streik gerathen hat sie nicht, und zwa einfach deshalb nicht, weil sich in dieser Sachs durch klug und energisch geführte Verhandlungen Manche erreichen ließ, und weil andererseits die schon beruht» furchtbare Arbeitslosigkeit in Wien den Ausgang zweip Haft macht.„ Wenn es zum Streik dennoch gekommen, trägt g«'- allein die Direktion der Tramivaygesellschaft die Verans wortung, welche blinde, sofortige Unter w e r f u n g verlaugte... Hingegen ist es ganz allein das Verdienst der so,»' listischen Arbeiterbewegung, wenn dieser Streik ruhig un ohne Blutvergießen verlaufen wird, wenn die Provokation� der Polizei,(in welche, wie berichtet wird,'oie„stärksten- ausgedienten Unteroffiziere eingereiht wurden) erfolgls bleiben. Die Pferdebahnleute, die vor einem Jahre unklarer, aufgeregter Haufe von Menschen waren, sind hcu ein wohlorganisirter Körper, der möglicherweise unterliege wird, wenn die Verhältnisse ungünstig sind, der sich ab' weder in feiger Flucht auflösen, noch durch aussichtslose-he ziveifluugsakte die Bevölkerung in Schrecken versetzen w"• Diesmal wird den Dragonern und Husaren keine � legenheit gegeben werden, ihre Tapferkeit an Wehrlosen i üben, wie das Ostern 1889 der Fall war. Freilich sind Remisen militärisch besetzt, die iltegimenter in den Kaserne kousignirt, aber— das verfängt nicht mehr, die Leute bleu'' ruhig und lassen sich selbst durch die aufreizendste Thätigle der Polizei nicht zur„Störung der öffentlichen Rilhe Ordnung" verleiten. Bleibt es dabei, wie wir hoffen wird wieder ein Stück mehr von der schweren Arbeit schehen sein, welche die Arbeiter Oesterreichs ausiven� müssen, um die hohen k. k. Behörden zur Achtung des setzes und Respektirimg des Koalitionsrechtes zu erziehen. Eine» KoqKottbrkchlnß gegen den Halle'schen„Gens» Anzeiger" hat eine von 2000 Personen besuchte sozialdemokrauu Versammlung in Halle gefaßt, indem sie erklärte:„Die Ann«! den verpflichten sich, von jetzt an weder auf das Blatt zu ai niren, noch in den Geschäften zu kaufen oder in den Lokale» i verkehren, welche in dieser Zeitung inseriren und dieselbe» � Der„Halle'sche General-Anzeiger" ist bekanntlich das sa»� Blatt, dessen Chefredakteur den traurigen Muth besaß, von si- „geheimen" Konferenz zu faseln, die in seinem Beisein(!) JiriJrL, den Führern der deutschen Sozialdemokratie und den auswar»«. Gästen des Parteitags in einem Hotel in Halle stattge«»� haben sollte. Singer bezeichnete diese Denunziation verd»»... Maßen als eine."verleumderische Lüge". Daß auch Halle'schen Arbeiter dem Blatt zu Leibe rücken würden, selbstverständlich. Wie die Zrntrumoleute de» sozialistischen 6%*% fange» wollen! lieber dieses Thema schreibt Dr. S>g> i( „Bayer. Vaterland":„Die Zentrumsblätter sehen nicht � Besorgnis} der sozialistischen Agitation in ihren e i g« 11 Krautgärten und Kartoffelfeldern entgegen, denn, meinen s», Agitatoren gebieten unter allen Umständen über eine tun Suada und einen guten Vorrath von Schlagwörtern, iva» den Zentrnmslenten leider meist, ja in der Regel,»ich* Fall ist. Sie rathen deshalb, in einer rein sozs dem o k r a t i s ch e n Versammlung zu schweigen, um mit 'sei»' Unbehilflichkeit nicht„ein unwürdiges Schauspiel zum Ergj). der ungläubigen Masse zu bieten", was ziemlich klug ist, diese Sozialdemokraten grausam genug wären, so einen Zentr>!. apostel erbärmlich„aufsitzen" zu lassen und ihm rednerisch ÜL; sagen„die Haut über den Kopf zu ziehen". Wo aber in" Gegend ein sozialdemokratischer Agitator„noch wenig oder keine Gesinnungsgenossen" habe, da, meinen die Zentrumsb» Lisi stemmte beide Arme in die Hüfte und stieß el Ruf des Unwillens aus. „Jetzt hat die Franzel richtig die Fabrik versäun«- Sie hatte sie pünktlich aufgeweckt und tüchtig gesch�, dann war sie zum Bach gegangen und hatte reine Zeck»s, gefunden, sich nach ihr umzusehen, und so war das 1° pflichtvergessene Ding wieder eingeschlafen. Sie wollte auf sie los, Oswaldt hielt sie zurück., „Das Mädchen hat doch nicht die ganze Nacht hier schlafen?", „Ach, die schläft einmal da und einmal dort, ihr grad' einfällt." „Und weshalb?".„,{1 „Aus purem Eigensinn. Sie hat bei uns im ihr Bett, aber ivenn der Meinige manchmal spaßhaft' na ja— die Männer— man hat keine Ruh' vor ihn". � da nimmt's ihr Polster und läuft hinaus; meinet» � wenn's ihr da lieber ist!" �, Auch Oswaldt war es, als müsse er rasch h� kommen. Es war ein Pesthauch von Elend und Vcrko»» hcit, was ihm da entgcgcnwehtc. „Ich kann jeder Hilfe entbehren," sagte er, die nach seim Werkzeug ausstreckend. Sie aber wehrte ab.. „Aber warum nicht gar, das wär' nicht übel— nur, die Franzel hat, Zeit, in die Fabrik Jommt sie™ nimmer." „Nein, ich danke." � „Aber gnädiger Herr, Sie werden dem armen � doch was verdienen lassen— Sie lächelte so zudringlich; er ging rasch geg"' Thür.— „Sie soll es mir nachbringen," sagte er kurz. „Wohin denn, gnädiger Herr?" „Nach dem Hofe der Ruine Aarenberg." Er nicht mehr Lust, nach der Enge zn gehen.. Er nahm seinen Malkasten auf und entfernte fi� s kurzem Gruß, ohne einen Blick nach der Schläferin zn»„ die erwacht war und sich aufgesetzt hatte, und, noch' - »wäre es unklug und unverantwortlich", nicht Helden- »'üthig tapfer den Sozialdemokraten an- und niederzuschreien. Mw sisemen aber, i m in e r wird's Koch nicht klug sein, sich mit den Sozialdemokraten einzulassen, denn diese haben meistens Haare ?i!l den Zähnen und mehr Grütze in» Kopf schlagencr"'■ Ü'' 1 SMRÄSEr», als so ein»nbe- für den soziale Tinge gemeiniglich ........ Woher sollten sie's auch haben!„Rede- .gewandten und sachkundigen" Zentrumsleuten aber geben d,c sontruu»sblätter auch gleich gute Rathschläge,»vie sie eS anfangen louen, den sozialdemokratischen Teufel mis ihren Kartoffelfeldern »mb resp. Jagdgründcn zu vertreiben: sie dürfen sich ja nicht»n Wissenschaftliche und historische Auseinandersetzungen einladen (denn da»väre ihnen besagter Teufel bedeutend„über"!), sondern sie müßten„vor Allein ihn zum Aussprechen seiner letzten •oiele und Gedanken uöthigen." Ja,»renn den arme»» Zeutruiiisleuten nur auch das rechte— und genügend viel �.Weihiv asser zur Verfügung steht, mit den» sie den Teusel .nothigen" können!„In gläubigen Arbeiterkreisen»vürde es am weiften Eindruck machen",»venu der sozialdemokratische Teusel »m der Religionsfrage seine Karten offen aufdecken muß." Ter wird sieb nnm eifrigen Herrn Kaplan schön katechisircn lasten! l'sbt wan den Teusel hier aus allen Verstecken heraus und keine Hinterhältigkeit und keine JloSkeln gelten, so ist »°k°.\ � verloren." Ja»venu l nänilich wenn die an- 2-.., �"."Arbeiterkreise" bombenfest gläubig sind und der sich zum Beichten„treiben" läßt!„Aber auch zur unft über die letzten wirthschaft�'>'| schwer umrfjn falls Ijjm io n«) icN„ivtiueu ckuekunft über die letzten wirthschaftlrchcn Ziele seiner Partei musie der Teufel gezwungen werden. Dann»verde es»»cht w'V-i schwer sein, den(„gläubigen"!) Zuhörern klar zu wachen, daß man es hier mit Utopien zu thun hat, jeden- mlls aber diese Ziele nur durch Anivendung von G e- wa l t u n d Unrecht z»» e r r e i ch e n sind." Ntan sieht, dao «entrumsrezept, den sozialdemokratischen Teufel zu bannen, zu zwinge», aus den» Versteck hinauszutreiben und zu fangen, ist un- gemein einfach und— uaiv: der Teufel braucht sich nur mngen ic. zu lasse»». Dann hat man ihn. Wenn er nun aber sich nicht fangen»c. lassen will? Es giebt zwar im Lied und »in Sprichwort— auch d»i in tue Teufel; bei den Sozialdemo- "aten aber dürste es schiver sein, so dumme Teufel zu finden, wie dies Zentrumsrezept annimmt und voraussetzt»md»vir wrchten sehr, daß,»venu ein eifriger und hitzköpfiger Kaplan sich »>»t einem, nicht einmal sehr geriebenen Sozialdemokraten nach ®P»gem Rezept in eine Diskussion einläßt, um i h n auf's Eis zu nchren, der Herr Kaplan sehr viel eher mit dem Eis nähere Pekanntschasr machen»vird als der„Soci"; denn es steht ge- �rieben, daß die Kinder der Finsterniß gemeiniglich bedeutend k Mi f«jv»»«vvv vvv y vniv Uk vvvvikivkiu n»1 die Kinder des Lichts— natürlich in»veltlichen Manne tu Friedrichornli weiß ein rühr- L"'vL" t)CV blltc� Muff AAV Tin .»»______ die Bismarckpresse läuft, gar schöne Zu melden! Zur Probe theilen»vir einige davon»nit: b.WWWWWMW Auf der Station weit. fls>oben 9 schwarze Soldaten am Malariasieber. Zivei »näbi°-vodesfälle unter denselben waren daselbst infolge über- ulw�V, Opiumgennsses zu beklagen. In Lindi starb ein üwanestscher Soldat an Malaria. berc, � Hanmbnch, der fortschrittliche Landrath aus Sonne- Vnn!>.- öuii» ersten Bürgermeister von Tanzig gewählt»vordcn. ist. wvo Banmbach, der die Hausindustrie so inbrünstig verehrt, ���feineii�Parteigenossei» endlich untergebracht»vorden. Man ch�'��Tücher gehüllt, mit großen, schlaftntnkenen Augen ß�pDerWeg zur Ruine ging steil aufwärts. Nach einer da?». Stunde durchschritt Oswaldt das weite Echloßthor, JBbvo. Ue Thür mehr hatte, und fand sich zivischen der äußeren ünd n?�or und einen» Thurm ohne Dach, der vielfache Risse fein,» o zeigte. Ein starker Sturm, meinte»nau, müsse ««n Zusammensturz herbeiführe». sich r, ging unbekümmert daran vorüber und befand atv»u bcui weiten Hofe mit reichen Fassaden. Mm n ein Fürsteilban ans der Babeuberger Zeit, der rvin..°?'. Sünzlichm Verfalle preisgegeben»var. Durch die das fti'„ Fenster guckt jetzt das Blau des Himmels, und nltc dessen abgebröckelter Amvurf hie und da die wacht, �„«lerer hervortreten ließ, war von Schlinggc- Wo in■ Hier, knapp an der marmonen Schivelle, ivuch,™>'ze Cäulcn den schöngcrnndetei» Bogen trugen, Michs onr. �»' � setzte sich auf einen moosbeivachseucn "sgaiin die Leinwand vor sich ans deit Knien haltend, �'cht,»» zeichnen. Die Sonne hatte bald den Fleck er- �rde„. � dem er saß und die Hitze begann, ihm fühlbar zu d« Diück, der steigenden Temperatur»vltrde der Schivaru» „ iei». ei,1 und(Stechfliegen immer dichter und sie gebcr- "», L zudringlicher. Er brannte eine Zigarre N'g>0x 5°urch den Ranch zu verscheuchen und zeichnete j(r ueir,, OS..., 1..ch Vi.Z�s Sna„Iis die Vvtw%rrs � 4 he ein,« � berührte ihn jenes Etwas, das uns die anderen Wesens verräth; er wandte sich um und wird nun bald sehen, ob oe» Mannesmuth, der die schönen Seelen des Dentschsreisinns ziert, gerade so wasserdicht ist,»vie der des Edlen von Forckenbeck,»velcher seinen» Posten zu Liebe Pferde- bckhnanfchlüsse versäumt»nid Wahlkreise opfert. Die Gvosigrundbesister haben einen guten Magen. Die- selben Herren,»velche bei jeder Gelegenheit so sehr über die„Be- gehrlichkeit der Arbeiter" raisonnircn, sind keinesivegL blöde,»venu cs gilt, für sich einen Vortheil herauszuschlagen. So wird in Bezug auf die Abschätzung der bei den Manövern verursachten Flurschäden der„Breslaner Morgenzeitung" aus Jauer gemeldet: „Während kleinere Guts- und Stellbesitzer,»velche von der kleinsten Beschädigung verhältnißmäßig»veit härter betroffen »vcrden als große Grundbesitzer, behnss Vermeidung von Weit- länfigkeiten die Schäden entweder gar nicht oder doch sehr niedrig angemeldet hatten, sind die Forderungen bei größeren Grundbesitzern ganz enorme, so daß die Kommission»vescntliche Abstriche macht. So sind Schäden bis zur Höhe von 12—20 000 M. von Einzelnen angemeldet »vorden, eine Höhe, die selbst das versteuerte jährliche Einkommen derselben übersteigt. Die Abschätzungs-Komm.ssion soll diesmal jedoch dem Appetite der Herren Großgrundbesitzer nicht ganz entsprochen haben; sie hat recht»vcsentliche Abstriche an den bescheidenen Forderungen derselben vorgenommen. In einzelnen Fällen wnrde» die Forderungen um mehr als die Hälfte vermindert." Die Entsagung predigt man den Arbeitern, die Junker stillen sich die unergründlich tiefen Taschen. Schwarze Liste»» sind eine der Waffen, welche daS Unter- nehincrthnm, edel»vie cs ist, gegen die rebellischen Arbeiter an- »vendet, um sie im Zaume zu halten und die„Rädelsführer" brotlos zn machen. Exckutirt durch den Hunger sollen die Frevler »vcrden,»velche die Roth ihrer Genossen zn lindern versuchen. Der Hannoversche„Voikswille" verössenUicht folgende bcmerkens- werthe Verrufserklärung des in Glasarbeiter-Kreisen»vohlbekannten Glasbarons Heye in Nienburg: M i t t h e i l u n g von H. Heize Glasfabrik, Nienburg a. d. Weser, den 9. Oktober 1890. Telegramm-Adresse: Glasfabrik. Nienburgwcser. Dem Glasmacher Karl Echlesicr An die Mitglieder der Vereinigung deutscher Flaschensabriken. M habe ich heute gekündigt. Derselbe sammelt Abonnenten für das seit 1. Oktober in Hannover erscheinende sozialdemokratische Blatt„Volkswille". Hochachtend. Der Herr Koinmerzienrath, der nach dem berühmten Muster des Judustriepapstes Stumm die geistige Diät„seiner" Arbeiter wie es ihm paßt regulirt, ist bis heute noch keinen» der scharf- ängigen öffentlichen Ankläger in die Hände gefallen. Das ist natürlich ein neckischer Zufall. Hier hat die Justiz Gelegenheit, mit unerbittlicher Thatkraft einzuschreiten. Ist kein Staatsanwalt für solche Verrufscrkläriingen da? Dir fortschrritrndc Verarmung der l>reit«»r Rlaffru »vird künstlich durch die Zölle, welche auf nothlveudigc Lebens- mittel gelegt sind, und durch Einfuhrverbote noch befördert und verschärst."Im Nürnberger Gemeindekollegium gab jüngst R oih Scharrcr über den Rückgang des F l e i s ch v c r- brauchs in dieser großen Industriestadt eine Zusammenstellung, nach, velcher dahier verzehrt wurden(das Jahr von» 1. Juli bis 30. Juni gerechnet): Stück Ochsen Kühe Rinder„ Kälber„ Schafe„ Schweine„ Pferde Eingeführte Fleisch- und Wurst »vaarcii, Zentner 1688 12 670 1 873 989 35 471 26 889 72 920 387 1889 12 062 2 880 843 30 082 24 323 67 098 583 Abnahme beziv. Zunahme — 668 + 993 — 144 —5389 —2566 — 5S22 + 146 7 522 8 296+ 774 Anstatt also eine der Zunahme der Bevölkerung entsprechende Zunahme des Fleischverbrauchs zu haben, zeige sich, so fährt Rath Scharrer fort, eine erhebliche Abnahme,»vobei noch besonders anfsalleud sei die Verschiebung der Zahlen von den besseren Jlcischsvrlen zn den minderwerthigen, zu Kuh- und Pferdefleisch, bei»velch letzteren der Verbranch sich gesteigert habe. Zu den brilanuteu Stenermogetm»» i» Dochum, bei denen die nalionalliberalen Gentleman von den Ultramontancn, »nid die»iltraiiiontanen Tugendbolde»viedernn» von jenen entlarvt »vurden,»vird eine charakteristische Geschichte nachgetragen. Tie„Westfäl. Volksztg." theilt nämlich mit, die königtiche Re- gierung habe den hiesige»» Einschätzungskonnnissionei» zuerst g e- r a t h e>», dann aber dieselben au»gefordert, gegen den Redakteur Fusangcl wegen seiner bekanuten Artikel über die o ch>» m e r E t e n e r v c r h ä l t n i s s e Strafantrag zn stellen. Demgegenüber konstatirt das Blatt, daß dem Redakteur, trotzdem die Berjährungssrist für die erivähnten Artikel demnächst abläuft, bisher in dieser'Angelegenheit eine Vorladung vor den» Unter- suchungsrichter n i ch t zugegangen. Fnsangel, der die gerichtliche Klarstellung seiner'Angaben»vünscht, fragt,»variim»vird denn sah da» Mädchen„nt dem Malergeräth einige Schritte hinter sich stehen. Unbeweglich und still,»vie traumverloren, stand sie da. Es war der flüchtigste Blick, den er ans die kleine in häßlichen Kattun gekleidete Gestalt»varf:„Sie sind da und melden sich nicht," rief er ärgerlich, indem er aufsprang. „Ich habe Sie mit Ungeduld erwartet. Geben Sie doch, ich bin schon halb gebraten." Er nahm ihr den großen, weißen Schirm aus der Hand, schob den Stock. auseinander, so daß er eine beträchtliche Länge erhielt, und stieß ihn mit dem spitzen Dorn in die Erde. Das schirmende Dach»var hergestellt. Er bemühte sich hierauf, den Stein, aus dem er gesessen, bei Seite zu schieben, und den Feldscsscl an dieselbe Stelle zn setzen, und begann»nit dem Aufstellen der kleinen Staffelei. Er nahm die ineinander geschobenen Theile auseinander und befestigte sie mit Schrauben. Er hatte dies Alles rasch und geschickt bciverk- stclligt, ohne aufzusehen. Jetzt entnahm er seinem Malkasten die Palette und begann die Farben aufzusetzen, da bemerkte er das Mädchen, da? er völlig vergessen, und erinnerte sich, daß er cs noch nicht bezahlt hatte. „Ja, so," sagte er, und griff in die Tasche, erivischte einen Silbcrgnlden und reichte ihn ihr hin. „Da haben Sie, mein Kind, ich danke schön." Franzel stotterte etwas, das er nicht verstand. „Nehmen Sie nur," sagte er ungeduldig,„cs ist schon güt." Er hielt einen Bündel Pinsel in der linken Hand und schob den Daumen in das Loch der Palette, suchte dann mit der Rechten einen dickleibigen Pinsel aus, und tauchte ihn in die blauen Töne. Er mußte zuerst die Lust anlegen und das Geschäft nahm seine ganze Aufmerksamkeit in Anspruch. Als er mit dem Vcrtrciver arbeitete, ivandtc er sich einmal zufällig um, und geivahrie zn seinem Erstaunen, daß das Mädchen noch iiiiiner da war, und sich hinter ihm auf einen Stein gc- setzt hatte. Er nahm die fast ausgerauchte Zigarre aus dem Mund. (Fortsetzung folgt.) der Strafantrag nicht von der vorgesetzten Behörde gestellt? Bis zun» St. Nimmerleinstag»vird der Kämpe des Jentrums »varten können; die den Staat beträgenden Schacher können sick nicht reinwaschen. Iii» Uebrigen gilt hier,»vie bei so r anderen Fehden zwischen den bürgerlichen Parteien das Hei» Wort,„daß sie alle beide stinken".. Ein Mnriulnt Arbeitstag soll demnächst eingefü�� den. Wo? Natürlich doch im Lande der„Sozialrefor Oben", in der Heiinath der praktischen Christen und patrios.- Tugendbolde. Man triumphire nicht zu früh! Das z a r i s- Rußland plant diese Reform. Bei uns begnügt man sw daniit, für den„Kontraktbruch" erkleckliche„Bußen" zu Gunsten der Kapitalisten zu fordern. Halt! noch eins geschieht: das Koalitionsrecht»vird vernichtet. Als Entschädigung»vird die Reichstags-Mehrheit uns vielleicht die ungeschmälzte, breite Bettel- suppe kleinlicher Reförmchen, die nicht Fisch und nicht Fleisch sind, serviren. Wir kennen uusere Pappenheimer. Eilt D fasten streik— das ist das neueste, ivas in dieser Abtheilung des sozialpolitischen Gebiets zu Tag gefördert»vorden ist. Mit Polizei streiks und Soldaten streiks haben die Engländer unsere Zeitgeschichte bereichert— die Ehre, den ersten Pfaffen streik gezüchtet zu haben, gebührt den Türken, die gar nicht so versumpft sind,»vie man gewöhnlich meint. Die „Kirche", d. h. die griechisch-christliche,»velche im Orient stets die Wühl e r a r b e i t für die russische Diplomatie besorgt hat, ist mit der Pforte ans irgend einem, an sich gleichgiltigen Grund, in Konstilt gekommen— die türkische Regierung will nicht nach der Pfeife der Pfaffen tanzen, und so haben die letzter» denn als letztes Pressionsmittel zun» Streik ge- griffen, gerade als ob sie Arbeiter wären, und haben die'Arbeit in den Kirchen eingestellt, die nun sämmtlich leer stehen. Die bösen Türken sehen sich die leeren Kirchen»nit teuflischem Behagen an, und scheinen für den Staat keine schlimmen Wirkungen zu befürchten. Nach einem ziemlich be- stimmt auftretenden Gerücht soll sich der Sultan an die deutsche Reichsregiernng mit oer Bitte geivandt haben. ihm mitzutheilen,»vie man in Deutschland, das bekanntlich an der Spitze der Zivilisation marschirt, mit Streik- brüderi» und-Hetzern verfahre. Wenn das sich be- stätigen sollte, und die deutsche Regierung die ge- »vünschte Auskunft ertheilt, dann dürften»vir das interessante Schauspiel erleben, daß an» goldenen Horn die Priester der griechisch-katholischen Kirche, von Polizisten flankirt, ins Gefängniß abgeführt, dort der ZwangSphotographie unterivorfen, und hier- ans erst ins Verbrecheralbum und dann„ins Loch" gesteckt wer- den, bis sie mürbe geworden sind. Den Vortheil bei diesem seltsamen Konflikt hat jedenfalls das P u b I i k»» in,»reiches die Kirche schwänzen kann, ohne sich einer „Sünde" schuldig zu machen. Die„neue Aeva". Das„W. T.-B." meldet aus Frank- fürt a. Nt. unterm 20. Oktober:„Der Redakteur des sozial- demokratischen Blattes„Die Volksstimme", Hoch, ist wegen Ver- öffeutlichung von Artikeln,»velche Majestätsbeleidignngen ent-i halten und auf die Verächtlichmachnng staatlicher Einrichtungen hinausgehen, verhaftet»vorden."— Die Angabe,»voraus die An- klage sich stützt, bleibt abzuwarten. Ebenso»venig sagt das offiziöse Telegramm, aus»reichem Grunde die Untersuchungshaft verhängt wurde. Die Machtposteuinstrnlltio». Unter dieser Spitzmarke schreivt die ultramontane„Kölnische Volks-Zeitung": Der„Reichs- Anzeiger" befaßt sich fleißig mit der Richtigstellung von Nach- richten; man kann aber nicht behaupten, daß er in der Auswahk' seiner Dementis immer glücklich»väre. Vor einigen Wochen er- schoß ein Militärposten vei dem Zentralaefängniß in Kottbus eine Person,»velche auf bisher unaufgeklärte Weise in den Gefängniß- Hof gelangt war und auf den»viederholten Zunif des Postens nicht stehen blieb. Die Berliner„Börsen-Zeitung" meldete bald darauf, der Kaiser habe dem Kriegsmimfterinm sein Bedauern über den Vorfall ausgesprochen und dem dringenden Wunsch Aus- druck gegeben, daß derlei peinliche Zwischenfälle in Zukunft ver- mieden»vürden. Die Nachricht machte die Runde durch die Presse und wurde vielfach geglaubt, obwohl der ziveite Theil die Erfindung vermutheil ließ; denn das Kriegsministerium kaiin zur Vermeidung solcher Vorkommnisse nichts sthun, so lange die bis- herige Jnsiruktion besteht und es unvernünftige Leute giebt, »velche den militärischen Anruf unbeachtet lassen. Die Nachricht machte jedenfalls einen guten Eindruck; man schöpfte die Hoffnung,»velche auch die„Börsen-Zeitung" aussprach, daß die betreffende militärische Instruktion dem- nächst»vohl geändert werde. Dieser Hoffnung macht nun der „Neichs-Anzeiger" anscheinend ein Ende, indem er erklärt, der Kaiser habe eine soche Aeußerung nicht gethan. Damit ist freilich die'Angelegenheit noch nicht erledigt. Vor einiger Zeit wurde auch in Verlin ein betrunkener Mann von einem Wachtposten erschossen. Ter Vorfall wurde von sozialdemokratischer Seite benutzt zu einem Antrag in der hiesigen Stadtverordneten- Ver- sammlung, wonach das Kriegsministerium den Wachtposten den Gebrauch der Schießwaffe untersagen solle. Der Antrag wurde durch eine motivirte Tagesordnung erledigt, in»velcher die Stadt- verordneten- Versammlung ihre Unzuständigkeit zu einer solchen Beschlußfassung betonte. Das»var ein verdrießlicher Ausweg, da ziveisellos die große Mehrheit der Berliner Bevölkerung die Re- formbedürftigkeit jener militärischen Instruktion anerkennt und »n Uebrigen auch sattsam bekannt ist, daß die städtischen Be- Hörden oder 5iörpcrschasten sich nicht iininer so ängstlich in den Grenzen ihrer Befugnisse halten. Der Antrag»vird nunmehr im Reichstag wiederholt»verde»», und die Antragsteller»verde»» sich darauf berufen können, daß in anderen Staaten, sogar in einigen deutschen Bundesstaaten, die Befugnisse der Wachtposten sehr »vescntlich eingeschränkt sind. Schon mit Rücksicht auf die Schwerhörigkeit oder Taubheit vieler Personen bedarf die In- l.ruktion dringend einer Aenderung. Bis dahin»vird das Dementi des„Reichs- Anzeigers" viel böses Blut machen. Er hätte lieber dcmentiren sollen, daß der Militäretat um 20 Millionen Mark erhöht»vird." Eine erschrecktetide Statistik veröffentlicht das Landes- MedizinalkoUegium. Während nämlich in Sachsen im Durch- schnitt die Zahl der an der Lungenschivindsucht Gestorbenen 6 vCt. beträgt, steigt diese Ziffer»in Waldheimer Zuchthause auf 65,63 pCt. Auch die sächsischen Irrenanstalten haben beträchtlich höhere Ziffern als der Durchschnitt besagt. Aus Stuttgart schreibt man: Das sozialdemokratische La»dlagsivahl-5kon>itee in Besigheim fordert ans Grand des Be- schlnsse- der Verlrnuensinänner-Versanunlnng alle Gesinnungs- genossen ans, bei der Ctichivahl für Herrn Paizer zn stimmen, „um so zu verhindern, daß das Wahlergebnis! für die Lebens- langlichkeit und andere reaktionäre Zivccke ausgebeutet werden". Eilt f»»>'stfches Sndget. Eine Depesche aus Petersburg vom 19. d. M. meldet: „Nach dem von dem Koutroleur des Reichs dem ReichSrath vorgelegten Bericht über die Rechnungen des Budgets für daS Jahr 1889»veisen die ordentlichen Einnahmen im Vergleich zu dem Voranschlag einen U e b e r s ch u ß von 61 572 000 Rubel und die außerordentlichen Einnahmen einen solchen von 53 520 000 Rubel auf. Die ordentlichen'Ausgaben haben eine Ersparnis! von 3 074 000 Rubel und die außerordentlichen Ausgaben einen Mehrbedarf von 70 751 000 Rubel ergeben. Die G e i a in in t- einnähme n von 1869 überschreiten demnach die Ge- samiiltailSgaveil»nn 47 843 000 Rubel." Glückliches Rußland! Schade nur. daß alle russischen Budget?, seit es überhaupt r»,stsche Budgets giebt, riesige Ucberschüsse dar- b>ete"- auf dem Papier, und in W i r k l i ch k e, t mit De- sizitS abschließen, der russische Staat ist lhalsächlich bankrut. — trotz oder infolge der mächtigen Ueberfchüsse. die er jedes Jahr an; dem Papier abwirft. Es ist dies wenigstens eine angenehme Form des Bankruts. Aus Huenos-Atzres wird telgraphirt, daß eine große Volks- Versaiinnliliig beschlosfen hat, daß die neue Regierung verpflichtet fc"- cn Expräsidenten Calmann tu Anklagestand zu ver- ' der Exdiktator sich sehr viele Vergehen und Ver- brechen gegen das öffentliche Wohl hat zu Schulden kouniien 'Ifen, so ist die Sache etwas bedenklich für ihn. Vielleicht cr- •)«« wir nächstens, das; er ausgerissen ist. In der neuen Welt man gegen gestürzte Staatsmänner nicht so nachsichtig, wie in C Gvoßbritanniett. , Ter Voritand des Geiverkvereins englischer Heizer in Hoch- . �ten(blast furnacemcn) hat ein Manifest erlassen an alle ßk- werkvereine, um sie zur Unterstützung der ausgesperrten sch o t ti- scheu Ersen arb ei ter aufzufordern, 700 9 st. wöchentlich mb erfordernd,. Das Aktenstück führt aus, daß die von den schottischen Berussgenossen gestellten Forderungen seit 20 Jahre.'. ui England gewährt worden sind, daß die schottischen Hochöfen- Beptzer die Anrusnng eines Schiedsgerichts und die.Vcrinittelung IL des Geiverkvereins abgelehnt haben; daß in Schottland die Arbeit unter imgünstigere» Verhältnissen gethan ,mv! IN England und die Löhne niedriger sind, was ans den englischen Eisemnarkt ungünstig einwirkt. Thatsächlich seien die schottischen Preise maßgebend im Eisenmarlt von Cleveland und� druckten� die Löhne herab. Auch hätten die schottischen Huttenbeptzer sich geweigert, sich den englischen in der Reduktion der Produktion von Roheisen um I2Vs pCt. anzu- Ichliejien, was eine allgemeine Verkürzung der Arbeitslöhne und die Anhäufung von Eisenvorräthen zum Nachtheil des Handels zur Folge gehabt hatte.— Der Vorstand der Gruben- arbeit er in Durham hat beschlossen, eine sofortige Lohn- erhohung von 20 pCt. zu verlange»; das Gesuch ist dem Verband der Grubenbesitzer bereits eingesandt worden.— Der Stadt- r a t h v o n C a r d i f f hat vor einigen Monaten den Beschluß gefaßt, nur solchen Unternehmern Kontrakte zu geben, welche ihren Arbeitern die im Handwerk üblichen Lohne bezahlen. Als jungst der Beleuchtungs-Ausschuß für die Lieserungcu von Lampe» uut ewer Firma kontrahirte. welche im Ruf steht, daß sie zu niedrige Arbeitslöhne bezahlt, weigerte sich der Stadtrath, den Kontrakt zu billigen, bevor die Lvhnungsverhältnisse in der be- -reffenden Firma aufgeklärt sind. Diese Thatsache beleuchtet vor- trefflich den blöden Widerstand, den die kompakte liberale Mehr- heit der Berliner Stadtverordneten-Versaminlung gegen die jüngst von unseren Leuten erhobene gleiche Forderung geleistet haben. Die Prosttwuth«nd die erstaunliche Einsichtslosigkeit der„hoch- gebildeten- deutichfreisinnigen Bourgeois, welche die Sessel im Rotheu Hause drücken, werden aber doch einmal den Kürzeren fordern den Andrang der Massen, die ihr gutes Recht Die Differenzen zwischen der Rh cd er ei Allan and Hill und den Lastträgern in d en A l b ert Docks 1- r0,u d 0 u sind nun, wie der„Franks. Ztg." geschrieben wird, ganzlich beigelegt. Gestern hatte Tom Macarthy, der Sekretär der Londoner Dockarbeiter, eine Besprechung mit Hill, einem Partner der Firma; das Ergebniß ist sehr befriedigend aus- gefallen, denn in Zukunft werden die Dockarbeiter das Laden und Ausladen der Schiffe dieser Linie in Akkord übernehmen. Die Bezahlung geschieht nicht mehr pro Stunde, somit verschwindet der Vorwurf der Trödler; die Firma zahlt je nach Ladung 1 Sh. oder 1.4 Sh, pro Tonne, die Dockarbeiter ihrerseits zahlen für den Gebrauch der hydraulischen Krahne» und sonstigen der Dock- gescllschast gehörigen Maschinen; um die Arbeit zu fördern, zahlt d>e F>rina i Penny pro Tonne extra, sobald die tägliche Arbeit 800 Tonnen übersteigt, und nach Beendigung der Arbeit wird der Ueberschuß zu gleichen Theilen unter die Lastträger vertheilt. Die Kornladungen werden zu denselben Raten wie bisher unternommen und wenn Differenzen entstehen, wird ein Sachkundiger ent- sche-den; doch fahren in der Zwischenzeit die Lastträger mit der Arbeit fort. Damit wird der Anfang gemacht mit der von den Leitern der Union angestrebten kooperativen Bcwirth- schaftun g der Docks. Der einzige Mangel an dieser Ab- machung ist, daß die Arbeiter täglich, statt wöchentlich ihre Löhne- erhalten.— In Limerick(Irland) ist der Streik der Dock- arbeiter beendet. Die Schiffseigner haben die Forderungen ihrer Leute gewährt, da die Verzögerung der Ausladung ihnen zu große Dockgebühren zugezogen hätte.— In P l y m o u t h wird ein Aus- stand der Dockarbeiter befürchtet. k.v..»kreich. Die Grubengesellschaft von C a r v i n hat 30 Grubenarbeitern, welche als die„Anstifter des Streis" ange- sehen werden, ihre Arbeitsbücher zugestellt und Arbeiter von aus- ivärts angeworben; unter den Grubenarbeitern herrscht infolge- dessen große Ausregung. Die Grubenbarone brutalisiren die Arbeiter allerorten, im rheimsch-westsälische» Steinkohlenrevier so gut wie in den mährischen Domänen der Rothschild und Guttinann, in Schlesien so gut wie in Belgien und Frankreich. Dem„Matin" zufolge wird der Kriegsminister Frcycinet demnächst einen Gesetzentivurf betreffs Auflassung der westlichen Ringwälle von Paris in der Kammer ein- bringen. Paris, 20. Oktober. Bei den gestrigen Ersatzwahlen zur Teputirtenkammer in Confolens wurde Babaud Lacroze(Republi- kaner) mit 9762 St. gewählt, Daigneplates(kons.) erhielt 4300 St. In Rambouillet wurde der Republikaner Vian mit 7545 St. gewählt, der Gegenkandidat Graf Caraman(liberaler Republikaner) erhielt 7081 St. Im„wilden Lande" Frankreich finden ver- nünstiger Weise die Wahlen stets an einem Sonntage statt. Und diese Einrichtung wurde unter Napoleon III. geschaffen. Bei uns hütet man sich mit mimosenhafter Empsindlichkeit vor der so nothwendigen Reform. Der Streik der Arbeiter der Glasflaschen- Fabrik in Fraismarais bei Douai ist beendet; man hofft, daß nunmehr der Streik der Glasstaschen-Arbeiter des Nordens über- Haupt bald beigelegt werden würde. Paris, �20. Oktober. Marcial Jacob, der am 14. Juli auf den Präsidenten Carnot einen Revolverschuß abfeuerte, ist gestern freigelassen worden. Die Aerzte stellten fest, daß er irr- sinnig sei. Paris, 20. Oktober. Teputirtenkammer. Vor Eröffnung der Sitzung waren die Wandelgänge sehr belebt. Die aus den Departements zurückgekehrten Deputirten theilten einander die von dort mitgebrachten Eindrücke mit, welche zumeist darin überstimmten, daß das Land nach Ruhe verlange. Finanzminister Rouvier brachte den Entwurf über die Be- steuerung der pharmazeutischen Spezialmittel ein, Freycinet legte einen Gesetzentwurf über die den Familien der Reservisten im Falle einer Mobilmachung zu gewährenden Unterstützung, sowie einen Gesetzentwurf betreffend die Spionage vor. Kelglen. Ueber die Genreinderaths-Wahlen, die am 19. Oktober stattgefunden, haben in Assel, Antwerpen, Gent, Löwen und Vilverde die Liberalen gesiegt. In Brüssel wurden 16 von den Liberalen aufgestellte Kandidaten im ersten Wahl- gang mit großer Majorität gewählt. Stichwahlen haben statt- zufinden zwischen 2 Sozialisten und 1 Progressisten einerseits und 3 Liberalen andererseits. Die Kandidaten der Un- abhängigen sind bei der Wahl unterlegen. In Lacken, Ander- lecht, Saint Gillet, Molembcek, Saint Josse und Schaerebeek siegten die mit den Arbeitern verbündeten Liberalen, in Etterbrek die Katholiken. Italien. Rom, 20. Oktober. Wie mehrere Zeitungen wissen wollen- hätte der König gestern das Dekret über die Auslösung der Kammer unterzeichnet. Die Wahlen wären auf den 16. November, die Stichwahlen auf den 23. November anberaumt. Unßland. Dem„Daily Chron." wird gemeldet, es verlautete in Warschau, der Zar sei auf der Rückreise nach Petersburg aus dem westlichen Rußland der Gegenstand eines neuen Attentats gewesen. Als der kaiserliche Zug in einer kleinen Station unweit Grodno hielt, soll ein Reisender auf ihn ge- schössen haben, ohne ihn zu treffen. Eine Bestätigung des Ge- üchts steht noch aus. Amerika. Ueber ein Nachspiel der Revolution in Argen- tinien wird aus Buenos Ayres telegraphisch gemeldet: Gestern fand eine zahlreich besuchte Versammlung statt, welche eine � solntion annahm, in der beantragt wird, den ehemaligen W sidenten Juarez Celman sowie die Anhänger desselben>rV Jntrigirens in Anklagezustand zu versetzen. Es herrscht vollsta»«'- Ruhe._ Soziale MeverflÄzk. Die»och ans der„guten alten Zeit" stamme»' Organisation der„fremden Zimmergesellen" wird am 19. d. in'Magdeburg auch einen Kongreß abhalten. Abänderung vorschlüge zu den einzelnen Punkten ihrer Organisation wer»' die Tagesordnung bilden. Der modernen Arbeiterbewegung werden die fremden Znnmw gesellen sich wohl noch nicht anschließen, aber es scheint doch, � auch der Zunftzopf dieser Organisation nicht mehr ganz v. hängt. Bisher ist an dem Programm, oder wie die Orga». sation der fremden Zimmergesellen es nennt, am„Handweri- gebrauch und der Gewohnheit" noch nicht gerüttelt worden. Versmnmlungim. Eine öffentliche Uolksversammlnng für Frauen u»d Männer tagte am Montag, den 13. d. M., im Lokal der Au>0' brauerei Moabit, in welcher der Stadtv. Vogtherr über den A» tritt aus der Landeskirche referirte. Herr Vogtherr führte Wir dürfen dem Kampfe gegen das Pfaffenthum nicht 8'% giltig gegenüber stehen, denn wir haben ein sehr lebhai. Interesse daran, daß die heutige Menschheit so m'i' geklärt wird, um mit dem ganzen Mummenschanz i brechen, und daß der jetzige Schulunterricht nn? mehr mit dem konfessionellen Geiste und dem modern Glaubensdusel vergiftet werde, sondern wir müßten n aller Energie gegen den Autoritätsglauben Front mache», dieses könne nur dadurch geschehen, daß alle aufgeklarl Menschen, ob arm oder reich, ob jung oder alt, der Kirche e Rücken kehrten; denn jeder aufgeklärte und denkende Mensch 1 stets nur auf sich selbst angewiesen und kann sich nicht auf a Hilfe einer Gottheit verlassen, von welcher er noch"ich- gesehen und welche sich auch noch nie bemerkbar gemM habe. Wenn man auch Tage und Nächte lang vi» würde, so würde man doch schließlich verhungern. Dar» müßten die Eltern vor allen Dingen dafür sorgen, daß Kinder nicht schon von Jugend auf mit diesem unnöthigen terial vollgestopft würden. Dieses kann aber nur durch» Austritt aus der Kirche geschehen, da dadurch den Kindern% Religionsunterricht entzogen werden kann. Lebhafter Bei lohnte den Redner für seinen Vortrag. Hierauf entspann uj eine lebhafte Debatte, an welcher sich als erster Redner Riesch, Prediger in Moabit, betheiligte. Derselbe versuchte». Ausführungen des Referenten entgegenzutreten und die seiner Meinung verführten Schafe ihrem Hirten wieder zuzufuh». Der Prediger machte mit seinen Ausführungen jedoch ein klägli® Fiasko. Nachdem noch verschiedene Redner iin Sinne des � Referenten gesprochen hatten, versuchte Herr Bernstein, Prein». lieutenant a. D-, die Scharte, die dem Herrn Prediger geschmsL worden war, wieder auszuwetzen. Dies gelang ihm aber m« Ein Herr Tifchendörfer wollte beweisen, daß die Sozialdew kraten es feien, welche durch Agitation gegen die Kirche Zucht und Sittenlosigkeit, die in allen Gesellschastslre«! herrsche, hervorgerufen haben. Dieses wurde aber® Herrn Vogtherr gründlich widerlegt. Gerade die H#L Gesellschaftsklassen ziehen die Zucht- und Sittenlosig�, groß. Gerade in diesen Schichten der Gesellschaft, � sich stets immer so gerne als die Stützen von Thron und 2b. aufspielen, wird oie Prostitution am meisten genährt und 8' gezogen.„ Nachdem noch ein Antrag, eine Glückwunsch- Adresse a den Parteitag nach Halle zu senden und den Ueberschuß° Tellersammlung den streikenden Tabakarbeitern zu Eschwege 1 übersenden, angenommen worden war, schloß der Vorsitzende gut besuchte Versammlung mit einem dreifachen Hoch aus Sozialdemokratie. Theater. Dienstag, den 21. Oktober. Gpernhauo. Der Troubadour. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. Lefstng-Theater. Im Spiegel. Deutsches Theater. Die Hauben- lerche. Kerlinrv Theater. Die Jungfrau von Orleans. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Großvaters Operetten. Hierauf: Puppenfee. Mallner- Theater. Der Bauerndoktor. Pension Schüller. Restdeuz-Theater. Ferreol. Diktoria- Theater. Die Million. Kellealliaure-Theater. Meinjunger Mann. Gstend- Theater. Zimmermann's Lene. Thomas» Theater. Der Raub der Sabinerinnen. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kuvgerliches Schauspielhaus. Kyritz-Pyritz. Kaufmann s Uariötö. Große Epe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Urichshallen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Eonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gedr. Uichter's Uariötö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Mintergarte». Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27 c. Margarethe Steinaiv, Lieder- u. Walzersängerin. Ann! Carelii, Kostüm-Soubrette. Herr Rosee, Gesangs-Humorist. Adolf GSdictce, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charakter-Komiker. Familie Blumenfeld, Parterre- nourri, Drahtseil, Tanz. nfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 6Va Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags SO Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Allen Genossen u. Bekannten empfehle mein reichhaltiges Lager Cigarren, Cigaretten und Tabake in abgelagerter Waare. 1264 A. Born, Friedensir. 93. Circns Renz. Karlstraße. Dienstag, den Ml. Vktoder 1890, Abend 7 ühr: Brikick Mßckillg mit neuem Programm. Unter Anderem: Gvoat steeplo chase mit 8 englischen in Freiheit dressirten Springoferdec. Originaldressur von Herrn Frair: Renz. Auftreten d. phänomenalen Reitkünstlers Mr. John Clarke."WA Wiener Gigerl-Quadrille, geritten v. 16 Damen. en do la rose, fantasio eqaestre SW Mr. Rodgors TB® in seinen nie (»vor gesehenen Evolutionen an Lust- äpparaten. Austreten der vorzüglichsten Reitkünstlerinncn u. Reitkünsilcr. Agat, arabischer Vollblut-Schimmelhengst, in Freiheit dressirt und vorgeführt vor Herrn Franz Ron?. Debüt des Schul. reiters Mr. Gabörel jc. Morgen, Mittivoch, Abends 7 Uhr Gala-Festuorstrllung. E. Rens. Direktor. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Dirnstag, dr» Äl. Vlitodrr: Abends 71/2 Uhr: Große Me-VorWtilg. Zum ersten Male.' N"« für Kerlin! DaS Etagen- � w in Freiheit C a r ouffel, ol_ dressirten dargestellt /..l Vollblut- mit Pferden von Herrn M. Schumann. 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Müller. iKrativeilHeBierhallell Vy Kommanöanfeustr. 77—79. Täglich: Grosses Ooncert mit Euarrett-Siingrrn. ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 Fi. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. 703 F. Sodtke. GWstslMs S. Heine Chausseestr. 14. Die schönsten 741 AllMMr uiii)-IM für Mädchen jeden Alters, sowie Morgeinöske, Uiiierrölke, Trikottoilleu u. Blouseu, auch im Einzelverkauf sehr billig! Maaßbestellungenu. Reparaturen werden prompt erledigt! Normal-Unterkleider und Triko- tagen für Herren, Damen und Kinder. Strümpfe, Socken, Hand- schuhe:c. GeslWhlllls S. Heine. Hiermit nehme ich die Beleidigung gegen Herrn Kerstan, der Slreikkarte :. legen, zurück.[1338] Schwenk. Castan's Panoptlciun. Entree 50 Dfg., Kinder 35 Rfg. V. 9 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends. 'Vorstellung llVe u. 12Va Uhr. Nachm. v. 4V2-9 Vs Uhr � stündl. eine Vorstellung. Ertra-Entree 30 Pfg. Kinder frei. Passage-Panopticum. Unter den Linden 22/23.[742J Lebeiisgroye Panoramen. Zioramen. Ethnographische . Sammlungen. Italienische Pollissänger. Entree 50 Pf.| Geöffnet von 10 bis 9 Uhr. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab . Kaiser. Panorama. 'Hervorrag. Sehenswürdigkeit der Residenz. Zum ersten Male: Neu: Krlgolaud. Uebergabe. Ankunst des Kaisers. Feldgottesdienst zc. Zweite Reise durch Portugal. Zum ersten Male: Marokko mit Einzug des Sultans in Tanger. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement l M. Allen Parteigenossen empfehle mein uiii) VliirW Mrlckl. Aug. Insinger, Krautstr. 48, part. Ein großes Vereinszimmer ist noch einige Tage frei. 1313 Unseren Freunden Emil gen. Schlemm-Emil und Gtto genannt Hammelbeenressirer zu w» beutigen Geburtstage ein 99mal donnf des Hoch. Sollten sie den Görl'?. Bahnhof umstürzen— ob's dabei w trocken abgehen?* Ihre Naß liebenden Freunds. Unserm Kollegen, dem Rundmach� August Mirlert. ,j, zu seinem heutigen Wiegenfeste ein o. mal donnerndes Hoch. Aujust geh 110 Hause und laß Dir kämmen. 1344 Die Kollegen«� Unserm Freunde und Genossen August Mielert � zu seinem 38. Geburtstage ein donnern Hoch, daß die Weißbierkruken" armen Gustav vor Freude wackeln- C. R. 0. A. H. R. E. B. ll*L Unserm Freunde und Genossen Robert Lempert in Steglitz nt seinem heutigen Wiegenfeste ein e'A mal donnerndes Hoch! 1 Robert merkste nischt?_____- Die gegen den Steinsetzer$rn.Tht**L Bartsch, Kastanien Allee 42, nn-ä, sprochene Beleidigung nehme ich v.., mit zurück und erkläre denselben> «inen Ehrenmann. Emst Sehn-11 1362 Steinsetzer-�. „ 15 Marl Elegante Winter-Paletots. 13 M. Eleg. dachet- Anzüge. 20 M. Elegante Roch Anzüge. 30 M. Hochelcg. Kammg.-AnzüS9' 7 M. Gediegene Stoffhosen. 15 M. Eleg. Winter-Paletots. 4 M. Bunte und weisse Weste0, 4M. Elegante Knaben-Anzüge« 1,50 M. Knaben-Stoffhosen. 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Kranke ernähren s�'�le warum sollten wir uns nicht auch elektrisch dabei nicht blos an das elektrische Kochen, ist d»? chat>Schlich schon in Verlin ein elektrisch gebratenes Huhn, (to„?�kiner Elektrizitätsges ellschast zubereitet hatte, ihren den Tisch gesetzt worden. Nichts geringeres, als die .'steche Erzeugung von Lebensmitteln steht jetzt ans dem Pro- rastlos vorwärts dringenden und in ihren Zielen }. v kühnen Elektrotechnik. Sie ist nicht mehr ans blinde Ver- Zufälle angewiesen. Wir dürfen der Elektrotechnik lnn abverlangen, was wir brauchen, was wir von ihr er- Zu können hoffen und nach einigein Sträuben pflegt sie ja sin? Wünsche ganz oder theilweise zu erfüllen. Heule Z �)udeß einige ziemlich fweitgehcnde Ansprüche, mit denen j��Zvrfcher an die aus einem schier uuerschöpilichen Füllhorn herantrct'/u� spendende, geheimnißinnwobene Elektrizität j- vorerwähnte Professor Thomson hielt in dem nach 1,°? kcnannten Thomson- Klub einen Vortrag, in welchem er Wwa* nuf drei Aufgaben der Elektrotechnik hinwies. Tie erste n,.?> e Ausmerzung der nicht leuchtenden Strahlen kiti«, elektrischen Licht. Gelingt diese, so wird damit die chkkruft des elektrischen Lichtes bedeutend gesteigert, oder, was �°, �eutc>id ist, sein Preis derart ermäßigt, daß die anderen �chkungsarten den Wettbewerb aufgebe» müssen. I! rt, Aw Zweite große Ausgabe bezeichnete Thomson die kü">t- wi.» Darstellung der pflanzlichen Nahrun d.„ kel mit Hilfe der Elektrizität, bczw. der dieselben erzer. di- �?°blseilen Wasserkräfte; der elektrische Strom werde dereinst Nu�'ndstoffe zwingen, sich zu kombiniren, wie sie es bei den lAonzen thun. Sic dritte große Ausgabe wäre die Ersetzung der b„J" pskr afl durch Elektrizität beim Eisen- b etri e b. Thomson meint, daß die Elektromotoren die ?>ung einer Geschwindigkeit von 160 Kilometern, ja bei ge- w-f. a Verstärkung des Oberbaues und Verbesserung des Signal- 2.!e»s von 240 Kilometern in der Stunde ermöglichen werden. !»�?kuson weist hierbei besonders darauf hin, daß der Elektro- clor j ich fortwährend dreht und sogenannte tobte Punkte nicht Weist, während die Lokomotive zahlreiche sogenannte recipro- SHichtf pa�S aufweist, d. h. Theile, die sich in einer f"* R . mit den �höchsten Geschwindigkeiten unverträglich sind. " lieht— mit Kleinigkeiten giebt sich Mr. Thomson nicht ab gs- erzeugen- dann stillstehen und gleich welche-• Ii** M'z neu ist ja das Bemühen, die Stahrungsmittel künst- Ank»? Grundstoffen herzustellen, nicht und so ganz ohne vier ,,on Erfolgen ist es nicht geblieben. Als vor noch nicht dem H�chren ans der Berliner Naturforscher-Acrsaninilung von lourt kannten Werner Siemens der Ausspruch gethan etnm>.es könne, wenn auch in ferner Zeit, ein Kohlehydrat, wie teanM 55 �Traubenzucker und später die ihm so nahe ver- iie �Stärke einmal künstlich zusammengesetzt werde», womit da vglichkeit gegeben wäre,„Brot aus Steinen zu machen", ».iti� v knefe Ausführungen vielfach als Utopien mit einem ein ipsvjJlleii Achselzucken entgegengenonnnen. Inzwischen hat licb»u- Ichkoge(Emil Eise l er) den Traubenzucker thatsäch- barer» � hergestellt und damit einen Verstoß von unabsch- Neil» ��öwcite vollzogen. Immerhin wird es noch, eine gute Sode,, mlÜ1"' ehe ivir uns an elektrisch erzeugtem Gemüse er- dcr!»„>. öahin wird es gut sein, die bewährte alte Methode ahruugsmittcl-Prodnktion nicht zu vernachlässigen. selb«'«■ k'Koht." Die Kohl-Ernte von den städtischen Riesel- wan-m gegenwärtig eingebracht. Große, hochbcladcne Leiter- Sau.yk w%e» das Gemüse»ach dcr Stadt, wo es meist in den s»,d'�h'-Falmken verarbeitet wird. Die einzelnen Kohlköpfe den /�.ungewöhnlich groß, doch wird behauptet, daß der auf der stä- sche» Rieselfeldern gezogene Kohl wasserhaltiger sei, als 'J anderem Boden gewachsene. Auffallend bei den vielen mgea, die mit Kohl zur Stadt kommen, ist es, daß bebaimt J1 Weißkohl beladen»nd. Vor Jahren wurde bereits nickr n> Ltothkohl sich zum Anbau auf den Rieselfeldern bestätige �'ö»e. Es scheint, als ob sich dies in der Folge bel!nn',5»�i«l* Kommisston von Frirdrichohaorn girbt Aerst!„" bast wieder zivei weitere Lokale den Arveitern zur oonT"? stehen: i. Herr Rausch, Waldkater, 2. die �lättcr nnz k?, Wtlheluistr. 76. Daselbst liegen Restauration die lllrbeiter- � Freie DoiKsdiLhue. lJc Ausführung:„Stützen der Gesellschaft." �olksbüü.�� Theatervorstellung, welche dcr Verein Freie Theater ,,f.. 0'J' ketzteu Sonntag Nachmittag im Ostend- ?ie nickck �"stUltete, gestaltete sich zu einem großen und, chtbaren Ersolg���� uachhaltigen, für die Zukunft sondern Erfolge nicht nur des aufgeführten Stückes dienen will k>er Sache selbst, welcher der Verein Ernst�'rder Vorstellung beigewohnt, und den andächtigen Deobgck-.w gespannte, vcrständnißvolle Anfmcrksamkeit füllten}' kvelche in dem bis auf den letzten Platz gc- Zweifeln er herrschten, dcr wird nun nicht niehr daran �ürfn'ia � dieses Publikum in dcr That ein B e- e Probl-,.. nach her großen, modernen Kunst fühlt, welche e unserer Zeit zu gestalten ringt. Ktrafo muß sei. Thee- und Erbauungsabende sind nun auch für die Angestellten der Großen Berliner Pferde-Eisenbahn- Aktiengesellschaft ins Leben gerufen worden. Der erste dieser Abende hat, wie gemeldet wird, in dem Pavillon des Garten- Hauses des Grundstücks Schwedterstraße 85, stattgefunden. Der kleine Saal war gedrängt voll von Besuchern, zumeist Beamten der Pferdebahn, Schaffnern und Kutschern, an die ein Missionar eine längere religiöse Ansprache hielt.— Weitere„Thee- und Er- bauungsabende" sollen folgen(wie wir hören, hat bereits ein zweiter stattgefunden), und sollen außerdem solche noch in dcr Kapelle"in der Boyenstraße abgehalten werden.— Die „Straßenbahn", Internationales Organ für Straßenbahnen, hatte nun in einer ihrer Nummern sich erkühnt, an diese„Thee- und Erbanungsabende" einige kritische Betrachtungen zu knüpfen. Dieser Kühnheit folgte die Strafe ans dein Fuße, denn die Direk- tion der„Großen Berliner Pserdc-Eisenbahn-Akticngesellschaft" schrieb unterin 14. d. Mts. der Redaktion dcr„Straßenbahn": „Die Haltung, welche Sie seit einiger Zeit in Ihrem Blatte gegen unsere Gesellschaft angenoinmen haben, bestimmt uns zu dem ergebenen Ersuchen, uns dasselbe nicht mehr zuzilsenden. gez. v. Kühlcwein."— Hierzu bemerkt nun die Redaktion der „Straßenbahn":„Wir werden hiernach auf den Bezug der drei Exemplare unser s Blatte?, welche die genannte Gesellschaft für ihre Aufsichtsräthe, ihre Direktion und ihre zirka 1500 Angestellten abonnirt hat, für die Zukunft verzichten müssen. Viel- leicht werden wir auch noch den Schmerz erleben, daß uns die Aunonze, betreffend die Velriebseinnahmen, welche monatlich 4 M. bis 4,50 M. kostet, entzogen wird. Anscheinend hängt diese„Ver- fügung" der Direktion mit dem in unserer vorigen Nummer cnt- haltenen Artikel:„Thceabende mit Andachtsübungen für Pferde- bahnbeamte" zusammen, in welchem wir die Einrichtung dieser, an die Posaunenchöre des Klingel- Bolle erinnernden Ver- anstaltungcn bei der genannten Akliengesellschast zu kritisiren unS erlaubt haben."— Man sieht, dcr„Fall Lindau" macht Schule! Künstig wird es wohl noch heißen: Wer kritisirt, wird arretirt. Der Schlächtermeister Uohrbrrii, welcher am LZ. Sep- tember durch den geisteskranken Schlosser Görisch mittelst eiue� Revolvers schwer verwundet wurde, ist dank der sorgsamsten Bc- Handlung und Pflege jetzt so weit hergestellt, daß er schon in dieser Woche ans der llinversitätsklinik als gebeilt entlassen wer- den kann. Hinsichtlich der nicht unbedeutenden Kosten, welche die Heilung erfördert hat, wird sich, wie eine Lokalkorrespondenz schreibt, möglicherweise noch ein Prozeß wegen der Regreßpflicht entwickeln, da Görisch erwiesenermaßen aus Dalldorf, wo er inter- nirt war, als nicht geheilt entlassen, und das Attentat zudem auf offener Straße verübt war. Der Ersatzanspruch würde sich gegen die Stadt richten. Die Uachforschnngen btv Kriminalpolizei»ach dem Zinrnerumster Milhelm Schaaf erstrecken sich, da derselbe immer noch nicht aufgefunden werden konnte, überall hin, und nian suchte namentlich bei den Angehörigen nähere Anhaltepnnkte. Schaaf hat, wie nunmehr in Erfahrung gebracht worden ist, im Ganzen vier Brüder. Ernst, Bernhard und Albert leben in alle a. S. und befinden sich als Zicgeleibesitzer bezw. in dcr Ziegelei Angestellte in außerordentlich guten Verhältnissen. Der vierte Bruder Reinhold ist Landwirth und wohnt jetzt in Thü- ringen bei seiner Familie, nachdem er früher eine Zeit lang von derselben getrennt gelebt haben soll. Wilhelm Schaaf war seit 1871 in Berlin, soll sich aber vorher als Ingenieur in Ru'Nänie.l arfgchalten haben. Sobald der Kriminalkommissar Kühne über diesen Aufenthalt deutliche Nachweise in Händen haben wird, werden die Nachsnchungen sich voraussichtlich auch dorthin richten, da wenigstens die Möglichkeit nicht ausgeschlossen ist, daß Schaaf noch unter den Lebenden weilt. Wie übrigens die Schwiegereltern, die Heim'schcn Eheleute, bekunden, soll Wilhelm Schaaf, so ruhig und gntmüthig er auch im großen Ganzen sich gezeigt haben mag, doch öfter ein gereiztes Wesen zur Schau getragen habe» und ans geringfügiger Veranlassung sehr erregt gewesen sein. Das Haus, mit dem Bauplatz in Reinickendorf hatte Schaaf von einem in Berlin wohnhasten Fabrikbesitzer Wcns erworben, an welchen dasselbe wohl zurückfallen wird, da diescin gegenüber Schuldverbindlich- leiten von Seiten Schaas's bestehen. Die gerichtsärztliche Unter- suchung der Leichen von Anna, Margarelhe und Friedrich Schaaf hat gestern stattgehabt, während diejenige des jüngsten Knaben schon am Sonnabend erfolgt ist. Von anderer Seite wird hierzu noch gemeldet: In dcr Schaas'schcn Mordsache gelangt die Kriminalpolizei mehr und mehr zu dcr Uebcrzeugung, daß die furchtbare That in einem Wahnsinnsanfalle vollführt worden sei. Aus den verschiedenen Verhören hat sich ergeben, daß Schaaf am Donnerstag Abend schwerlich irgend welchen Mordgedanken mit sich herumgetragen habe. Am Mittwoch hatte er das neue Komtoir in der Pank- straße gemiethet und neu eingerichtet, und am Donnerstag Nach- mittag hat er fleißig in dem neuen Bureau gearbeitet. Am Abend war er in fröhlicher Stimmung, da es ihm gelungen war, eine dränge>de Geldschuld zu erledigen. Auch freute er sich, mit der Familie am folgenden Tage nach Reinickendorf übersiedeln zu können, und mehrmals sprach er der Frau Wiesner seine Be- samkeit dcr Ideale, die sie verbindet und auf einander anweist. Die Aufführung der„Stützen der Gesellschaft" am vorigen Sonntag ist daher in mehr als einer Beziehung epochemachend. Sie führte viele zum ersten Male zn einem Dichter, sie führte auch einen Dichter zu einem Volke. Denn nicht das Publikum des „Deutschen Theaters" ist das geborene für Ibsen— wohl- gemerkt für den Ibsen bis zur„Wildente"— das versteht ihn nur intellektuell". Das Publikum, das ihm am Sonntag im Ostendtheater zujubelte, versteht ihn mit dem Herzen, es ist im Stande sich ihin wirklich hinzugeben, weil es dem Ernste des revolutionären Dichters einen eigenen, revolu- tionären Ernst entgegen bringt. So war denn die Wahl dieses ersten Stückes eine überaus glückliche. Es kann hier weder Aufgabe sein den Inhalt desselben zu erzählen, noch eine eigentliche Kritik darüber zu schreiben. Atag nian literarisch und speziell vom naturalistischen Standpunkte manches an dem Stücke auszusetzen haben— es bleibt immer die hervorragende Leistung eines großen Dichters, und es genügt, zu konstatiren, daß sein „streitbares Pathos", wie Georg Brandes es nennt, den leb- haftesten Widerhall in den Herzen der Hörer erweckte. Und dieser„streitbare Pathos" wirkt deshalb so stark, weil es nicht in bewußte, rschvnrednerischcr Deklamation— etwa wie in dem meiner Meinung nach nicht ganz geglückten Prolog, der der Vorstellung voranging— sondern in dcr Handlung selbst und durch dieselbe, scheinbar nugeivollt her- vortritt und uns angreift. Nicht große Worte—„Thatsachcn friedignng über das neue Heim aus. Ein Zank am Abend oder in dcr Nacht hat zwischen den Gatten nicht stattgefunden. Ob- wohl die Polizei annimmt, daß Schaaf nicht mehr unter den Lebenden weilt, werden die Nachforschungen in verdächtigen Lokalen sortgesetzt. Erplodirt ist am Sonnabend gegen 8 Uhr Morgens beim Pichen auf dem Hose der Kaiserbrauerei zu Charlotteuburg ein Stückfaß, welches über 50 Tonnen Inhalt bergen konnte. Die Detonation war eine überaus starke und wurden durch den ge- waltige» Luftdruck Fensterscheiben in den umliegenden Gebäuden eingedrückt. Die fortgeschleuderten Hölzer zertrümmerten das Dach eines Pferdestalles und demolirten in dem Keller eines Nachbarhauses eine Stubenthür. Der am Fasse hantirende Böttcher wurde ca. 20 Schritte weit durch die Luft geworfen, erlitt jedoch merkwürdiger Weise keinerlei Verletzungen, lieber die Ursache der Explosion, die vorläufig noch ganz unerklärlich ist, konnte noch nichts Näheres sestgeftelll werden. Dach einer bahnamtlichen Mittheilung ist am Sonn- abend auf Bahnhof Grunewald ein Eisenbahnunfall vorgekommen, der einem Heizer das Leben kostete. Vormittags um 8 Uhr 51 Min. ist ein von Charlotteuburg kommender Leerivagenzug bei der Einfahrt in den Wagenrevisiousschuppen aus Bahnhof Grunewald in einer kurz vor dem Schuppen gelegenen Weiche mit einem Ronairzug zusammengestoßen, und zwar wurde der dritte Wagen des Leerzuges von der Maschine des Rangirzuges seitlich erfaßt und hierdurch der vierte und fünfte Wagen des ersteren Zuges zusammen geschoben. Hierbei wurde dcr im fünften Wagen des Zuges befindliche Heizer Winter, welcher sich aus dienstlicher Ver- anlassung nach Grunewald begeben mußte, so schwer verletzt, daß er bereits bei dein Herausnehmen aus den Wagentrümmern verstarb. Von den Betriebsmitteln wurden zivei Wagen stark und die Maschine des Rangirzuges unerheblich beschädigt. Der Betrieb erlitt keine Störung. Eine gefnhrdvohrnde Zelluloiderplosto» führte heute Mittag die Feuerwehr nach dem am Moritzplatz belegenen Grund- stück Oranienstr. 151, einen» Hause, das in deir letzten 4 Jahren schon fünf Mal der Schauplatz von Bränden geivesen ist. Das Parterre des Seitenflügels gehört zu der bekannten Mosols'schen Restauration, dessen Hauptlokal sich in» Nebenhause befindet. Unter den Restaurati onsrämnen liegt ein großer Lagerkeller, der sich bis unter den Hof fortsetzt. In diesem Keller hatte die Album- und Patent-Elfenbeinfabrik von Jean Füssig ihre Abfälle lagern. Patcntelfcnbein ist eine neuerdings namentlich zu Schirm- griffen vlelfach benutzte Masse aus Zelluloid. Da die Keller- luken nicht»nit Glas, sondern nur mit einem Eisengitter ver- schloffen sind, so ist es wahrscheinlich, daß ein brennender Zigarrenstuinmel in eine der Kellerluken gefallen ist und die Zelluloidabfälle zur Entzündung und Explosion gebracht hat. Ein furchtbarer Krach allarmirte die Hausbewohner, unmittelbar darauf drang dichter Rauch aus dem Keller. Da die vier oberen Etagen außer der Fässig'schen Fabrik Tischlereien und dergl. ent- halten,»var die Gefahr eine große, doch gelang es der Feuer- »vehr, das Feuer zu lokalisiren. Der Angriff»var freilich ein un- gemein schwerer, da soivohl dcr geivaltige Krach,»vie auch der penetrante Kampfergeruch des Zelluloids die Feuerivehr stark be- lästigte. Erst gegen 2 Uhr konnten die letzten Mannschaften der Feuerivehr dt, Brandstelle verlassen. Drr Gerichtsvollzieher M., der nach hiesigen Blättern seit einigen Tagen hier vermißt wurde, ist am Donnerstag in dcr Nähe deS Knnersdorfer Exerzierplatzes bei Frankfurt a. O. als Leiche aufgefunden»vorden. Alls Berlin verschwunden ist ferner seit Dienstag voriger Woche der Arbeiter Ernst Herzog, welcher sich an jenem Tage Abends aus seiner in der Dresdeuerstraßi 15 gelegenen Wohnung entfernt hat und nicht wieder zurückgekehrt ist. Der Vermißte ist 43 Jahre alt, von untersetzter Figur, mit schivarzem Haar, schwarzem Schnurrbart und dunkelbraunen Augen. Er trug einen dunklen Rock, dunkle enge Beinkleider und eine Mütze. Nach Angabe der Angehörigen hat H. sich in einem Anfalle von Geistesstörung entsernr. Auf den» Grund strich Ditterstv. 77/78, dasselbe, in welchem vor ungefähr Jahressrist infolge der Explosion einer Petroleumlampe daS Leben eines jungen Mädchens vernichtet wurde, entstand vorgestern Abend ein Schadenfeuer, das bei der gefährlichen Nachbarschaft und dem Inhalt der Gebäude unbedingt große Dimensionen angenommen hätte, wenn es nicht der Feuer- ivchr gclnngeil wäre, nach außerordentlich anstrengender Arbeit das Feuer auf seinen Herd zu beschränken. Auf den beiden Höfen dieses Grundstücks befinden sich ausgedehnte Komptoir-, Lager- und Fabrikräume. In dem Dachgeschoß de? zivciten Quer- gebäudes lagerte», außer einer größeren Anzahl Bretter, Kisten und Emballagen, eine bedeutende Quantität Lumpen, und wahrscheinlich ist der Selbstentzündung der letzteren die Entstehung deS Brandes zuzuschreiben. Kurz nach sechseinviertel Uhr wurde auf dem Polizciburcau in der Neuenburgerstr. 8„Großseuer" gemeldet, und gleich darauf rasselten dcr neunte und dcr elfte Löschzug heran. Von zivei Seiten aus und mit Hilfe der großen Maschinenlciter, die sich vortrefflich bewährte, wurde vom Dache des fünfstöckigen Gebäudes ans das Feuer angegriffen, das helle Garben gen Himmel sandte und so große Gluty und dichten. Rauch entwickelte, daß die Mannschaften mit dem Brandhelm beweisen". Die gesunde Kraft des Dichters verkörpert seine Ideen und ans dcr Verkörperung, aus den menschlichen Gestalten und Schicksale», für die wir durch das Theater- stück intercssirt, verde», leiten wir uns unbewußt die Ideen des Dichters wieder ab. Und dadurch, daß dies uubcivußt, gleichsam ohne daß wir es bemerken, geschieht, wird die Wirkung dcr dichterischen Ideen ans uns nur verstärkt: dieselben gehen uns gleichsam direkt in Fleisch und Blut über.— Die schauspielerische Darstellung des Stückes war— lvcnn wir von der Leistung des Herrn Samst, als Konsul Bcrnick absehen— eine überraschend gute. Frau Becker- Mclidoff gab die Lona Hessel mit scharfer, gelungener Charakterisirnng, Herr Will, wenn auch in dcr Komik viel- leicht etwas übertreibend, brachte den nervösen Onkel Hilmar recht wirkungsvoll heraus: trefflich, vor allem beim ersten Auftreten, war Herr Haak als Auner. Das Hauptverdicust au dem Gelingen der Aufführung gebührt aber ivohl dem Regisseur, Herrn Cord Hachmann, der auch am Ende des Stückes mit Recht durch Hervorrufe ausgezcichlict wurde. Es war hin und wieder deutlich genug zu spüren, daß die Schwierigkeiten, welche er zu überwinden gehabt hat, keine geringen gewesen sind: nmsomehr ist das von ihm Ge- leistete dankbar anzuerkennen. Alles in Allem: ein glücklicher und— was mehr ist— verheißungsvoller Tag! Dcr Verein Freie Volksbühne hat seine innere Berechtigung durch die That erwiesen. Otto Erich. ril mu�en' foft zweistündiger Löschungsarbeit ver en,er Handdruck- und einer Dampsspritze mit drei Schlauchen war das Feuer unterdrückt, und der gegen neun Uhr anruckende siebente konnte mit den Anfräunnmgsarbeiten be- r®ie dem Dachgeschoß des vom Feuer ergriffenen Hause!- lagernden Vorrathe sind vollständig vernichtet, ferner hat die unter dein Brandherde befindliche Wäschefabrik von Scheibler durch oie bedeutenden Wassermassen großen Schaden erlitten. Da .das Feuer zu einer Zeit ausbrach, zu der die meisten Fabriken schueßcu, hatten sich, augelockt durch den weithin sichtbaren Feuerscheui, sowie in der Ritter- ivie in der Alexandriiienstraße schnell Vichts Menschcninasscn angesammelt, die die freie Entsal- tung der Feuerwehr arg zu gefährden drohte», und nur dem energischeii und zugleich taktvollen Vorgehen des Polizeilieuteuants Friedrich i|t es zu danken, daß größere Störungen der Arbeit der �euerivehr verhindert wurden. Zirkus Rrnz. Die Eröffnungs- Vorstellung der Saison hatte am Sonnabend die weiten Räume des Nenz'schcn Zirkus gefüllt und nahm dieselbe einen glänzenden Verlauf. Es sind wiederum ausgezeichnete Künstler, die die Direktion den Berlinern vorfuhrt, und waS das Pferdcmaterial betrifft, so ist dasselbe bekanntermaßen ein großartiges und mustergiltiges. Den Glanz- punkt des Abends bildete das Austrete» des Reitkänstlers llltr. John Fr. Clarke; seine Leistungen grenzen ans Wunder- bare und werden mit einer Eleganz und Sicherheit ausgeführt, die in Erstaunen sehen. Der ihm gespendete frenetische Beifall war ein wohlverdienter. Rächstdem verdient hervorgehoben zu werden die Vorführung der 6 irländischen Jagdpferde durch Herrn Fr. Renz, dessen Original-Dressur brillante Erfolge an den ö Pferden gezeitigt hat. Von malerischer Wirkung durch die Pracht der Kostüme sind die zu gleicher Zeit gerittenen vier hoheii Schulen der Herren Gaberel, Ernst Renz, Alfred und Albert. Mr. Burnell Fillis glänzte durch Vor- und Rückwärts- Saltomortales auf ungesatteltein Pferde. Ausgezeichnet sind die Leistungen der drei Clowns Gebr. Briatore und der Parsorce- reiterin Mlle. Aböle. Mr. Rodgers brillirt als Luftgymnastiker an von ihm neu erfundenen Apparaten. Fräulein Clotilde Hager zeigte sich als unübertreffliche Schulreiterin. Es würde zu weit führen, alles Gebotene hier anzuführen: die Vor- stellung trug durch ihre Vielseitigkeit jedem Geschmack Rechnung und spendete das Publikum reichen Beifall. Für heitere Stimmung sorgen die Clowns und von diesen zumeist der „Original-August." polizribericht. Am 16. d. M. Bormittags stürzte der Ar- beiter Kirscht auf den» Neubau Görlitzerstraße 5 beim Steinc- tragen von einem 3—4 Meter hohen Gerüst, erlitt dabei einen Bruch der Halswirbclsäule und verstarb ain folgenden Tage im Krankenhause Bethanien.— Am 17. d. M. Abends gerieth der Tischler Weber in der Bautischlerei Großgörschenstraße 18 mit der Hand in eine im Gange befindliche Kehlmaschine. Es wurde ihm der Daumen und drei Finger der linken Hand abgerissen.— Am 18. d. M. Nachmittags wurde eine Frau in ihrer Wohnung der Müllerstraße erhängt vorgefunden.— Abends ließ sich ein Mann im Börsengebäude auf dem Zentral-Viehhof einschließen, um in der Nacht daselbst einen Diebstahl auszuführen. Er wurde jedoch bemerkt, sprang, um zu entkommen, aus einem Fenster des ersten Stockes und verletzte sich dabei derart an den Beinen, daß er festgenommen werden konnte.— Als um dieselbe Zeit der Ar- beiter Huhn wegen ungebührlichen Benehmens aus dem Schank- lokal Pappelallee 24 hinausgeworfen wurde, zerschlug er mit der rechten Hand eine Glasscheibe der Eiugangsthür, durch deren Scherben ihm die Pulsader zerschnitten wurde, so daß er auf der Sanitütswache verbunden und nach dem St. Hedwigs- Kraukenhause gebracht werden mußte.— Am 18. d. M. Nachmittags wurde ein siebenjähriges Mädchen vor dein Hause Ncuenburgerstraße 26 von einem Geschästswagen überfahren und an beiden Beinen verletzt.— Abends sprang ein unbekannter Mann von der Ebertsbrücke in die Spree und ertrank.— Am 19. d. M. Morgens wurde im Spreekanal, gegenüber dem Hause Fricdrichsgracht 32, die Leiche eines unbekannten, etwa sechszehn- jährigen jungen Mannes angeschwemmt.— Als Vormittags bei dem Neubau eines hydraulischen Aufzuges auf dem Potsdamer Jnncnbahnhofe ein etwa 14 Zentner schwerer eiserner Zylinder mittelst Flaschenzuges heruntergelassen wurde, zerriß ein Tau, der Zylinder fiel herab und traf den untenstehenden Arbeiter Leh- wald, so daß derselbe einen Schädelbruch erlitt und auf der Stelle verstarb.— Nachmittags versuchte ein Mann in seiner Wohnung, in der Schwedterstraße, sich mittelst Sublimatlösung zu vergiften. Er wurde auf ärztliche Anordnung nach den» Krankenhause gebracht.— Abends wurde ein wegen Bettclns nach der Wache des 16. Polizeireviers gebrachter obdachloser Arbeiter in der Arrestzelle erhängt vorgesunden.— Am 18. und 19. d. M. fanden sechs kleinere Feuer statt. Gerirs»ks-Zeikung. leicht ma» zu einer Anklage wegen versuchter Erprrffillng kommen kann, ivenn man bei Geltendmachung vermeintlicher Ansprüche nicht die nöthige Vorsicht beobachtet, bewies eine Verhandlung, die gestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Bei der Wittwe W. hat der Post- assistent S. ein Jahr lang als Chambregarnist gewohnt. Während der beiden letzten Monate hatte er sich ein Pianino angeschafft, wofür die Vermicthcrin bei seinem Auszuge 3 Mark Standgeld verlangte. Der Postassistcnt wies diese Forderung als eine durchaus unberechtigte zurück und verwies seine Wirthin auf den Klageweg. Die Letztere erwiderte ihm in einem Schreiben, daß sie wegen einer solchen Kleinigkeit nicht nach dem Gericht laufen wollte, sie fügte aber die Drohung hinzu, daß sie bei der vorgesetzten Be- Hörde des Postbeamten Anzeige machen würde, wenn ihre For- derung nicht innerhalb einer bestimmten Frist beglichen würde. tierin erblickte die Anklagebehörde eine versuchte Erpressung. ie Angeklage wollte ihr Recht an der Forderung daraus her- leiten, daß sie, um dem Pianino Platz zu verschaffen, andere Möbel hatte uinstellen lassen müssen, außerdem sei ihr durch das Abwischen und Neinhalten deS Pianinos eine Mühwaltung auferlegt worden, welche beim Einzüge des Micthers nicht vorgesehen war. Der Staatsanwalt hielt die An- klage aufrecht und beantragte die zulässig niedrigste Strafe, eine Woche Gefänguiß. Der Gerichtshof glaubte aber der bisher lln- bescholtcnen, daß sie von der Rechtmäßigkeit ihrer Forderung überzeugt gewesen und fällte daher ein freisprechendes Urthcil. zlnreello Wechsel Tra»snktio»ett in fünf Fälle» wurden dem Kaufmann Karl Kendczierski zur Last gelegt, welcher gestern wegen Urkundenfälschung und Betrugs vor der ersten Straf- kammer des Landgerichts I stand. Die Angelegenheit hat derzeit ein besonderes Aufsehen erregt, weil der Angeklagte Vorsitzender eines Bezirksvereins ist. Im März v. I. trat der Pianoforte-Fabrikant Jdingcr, welcher ebenfalls Bezirksvercins- Mitglied ist, an den Angeklagten mit der Bitte heran, derselbe möge ihm gegen ein Llkzept 100 M. beschaffen. Der Angeklagte versprach, versuchen zu wollen, ob die Genossenschaftsbank des Stralauer Stadtviertels einen Wechsel von Jdinger über hundert Mark diskontircn würde. Jdinger übergab ihm darauf ein Blanko-Akzept. Nach einiger Zeit thcilte der An- geklagte dem Jdinger mit, daß die Bank einen Wechsel von ihm nur diskouriren wolle, wenn andere Wechselverpflich- tungen, die der Angeklagte bei ihr hatte, mit in den neuen Wechsel hineingezogen würden. Jdinger gab seine Zustimmung und wurde das von ihm gegebene Blanko-Akzept von dem Angeklagten darauf über 317 M. ausgestellt. Jdingcr hat bei seiner polizeilichen Vernehmung nun erklärt, daß er irgend welche Valuta für sein Akzept nicht erhalten hat und daß er in hohem Grade überrascht war, als ihm am Versalltage ein Wechsel über 317 M. präsentirt wurde. Er hat, als er den- selben nicht einzulösen vermochte, drei andere kleinere Wechsel gegeben. Im Verhandlungstermine lautete die Aussage des Zeugen Jdinger wesentlich anders. Er gab an, daß er einen Hundertmarkschein von dem Angeklagten erhalten und daß der Letztere auch von einem größeren Wechsel über etwa 300 M. gesprochen habe. Auch sei der Angeklagte seinen Verpflichtungen, insoweit er bei den Wechseln betheiligt war, rechtzeitig nach- gekommen. Somit fiel dieser Punkt der Anklage in Nichts zusammen und der Beschuldigte behauptete, daß auch die übrigen falschen Vorspiegelungen, die er bei den späteren drei Wechseln gemacht haben sollte, nur auf Jrrthümer und Mißverständnisse zurück- zuführen seien, die dem etwas verwirrten und wenig geschäfts- gewandten Zeugen zuzuschreiben seien. Nach längerer VerHand- lung erkannte der Gerichtshof auch auf völlige Freisprechung des Angeklagten. Ei» ammkanischor Zachltaplrr, der Kaufmann John George V y l e, der gestern der 93. Abtheilung des Schöffengerichts vorgeführt wurde, macht den Gerichten viel zu schassen. Vyle muß im Frühjahr 1888 nach Europa gekommen sein, um hier Betrügereien aus- zuführen, im Herbste des genannten Jahres wurde er in Lands- berg a. d. W. ergriffen und wegen einer ganzen Anzahl Schwin- delcicn zu drei Jahren Gefänguiß verurtheilt. Inzwischen waren in Berlin eine Reihe Geschäftsleute durch einen Schwindler ge- prellt worden, dessen Personenbeschreibung auf Vyle genau paßte, er wurde nach Berlin geführt und von zwei der Geschädigten mit voller Bestimmtheit wiedererkannt. Der Betrüger pflegte einen Laden zu betreten, eine Kleinigkeit bis zu 50 Pfennig Werth zu kaufen und ein Zwanzig-Markftück in Zahlung zu geben. In der Regel erhielt er ein Zchn-Markstück und den Rest in Silber darauf heraus. Das Erstere steckte er ein, zählte bedächtig, als kenne er die Münzsorten nicht recht, das übrige Geld und wenn er sah, daß der Verkäufer bereits mit anderen Kunden beschäftigt war, bat er ihn, ihm anstatt des Silbergeldes doch ein Zehn- Markstück zu geben. Der Verkäufer war gern dazu bereit, er entnahm der Kasse eine Zehn- Markstück und legte es dem Fremden hin, in der Erwartung, daß dieser das Silbergeld aufgezählt hatte. Dieser hatte es damit aber nicht o eilig, das Goldstück nahm er sofort, dann zählte er aber so lange an dem Silbergelde, daß der vielbeschäftigte Verkäufer die Geduld verlor und einstweilen wieder andere Kunden bediente. Wandte der Kaufmann sich dann wieder dem Fremden zu, so hatte dieser das Geld aufgezählt, blieb aber in wartender Haltung tehen, nachdem der Verkäufer das Silbergeld eiugestrichen. Der Fremde bat um das eingewechselte Goldstück und bestritt mitsolcherSichcrheit und Entschiedenheit, daß er es bereits erhalten hatte, daß der Kaufmann schwankend wurde und ihm noch ein Goldstück gab. Der Angeklagte bestritt, daß er mit dem Betrüger identisch ein könne, da er sich zu jener Zeit in Amerika befunden habe. Es hat höchst zeitraubender und umständlicher Ermittelungen bedurft, um uach dieser Richtung Klarheit zu schaffen. Das Gericht gelangte zu der Ueberzeugung, daß der Angeklagte doch der Thäter sei und belegte ihn wegen der beiden Fälle mit einer Zusatzstrafe von 4 Monaten Gefänguiß. Soziale Mevevflchk. vom Achtung l Schmiede! Laut Beschluß der Versammlung 7. d. M. sind die Sammellisten:„Zur Deckung der Kosten unserer Delegirten auf dem deutschen Schmiedetag zu Halle a.S." für einen jeden Kollegen bis zum 15. Noveniber d. I. bei H. Hoffmann, Kaiserstr. 4, zur Einsicht ausgelegt. A» alle Arbeiter-Ärganisatiouen Deutschlands. Die Arbeiter-Kontrolmarkc und ihre Bedeutung als modernes Kamps- mittel. In den Arbeiterkämpfen der Vergangenheit und Gegenwart ist bislange der Streik das einzige Hilfsmittel gewesen, für die arbeitende Klasse eine Besserung ihrer Lebenslage herbeizuführen, oder eine weitere Herabdrückung zu verhindern. Es ist sattsani bekannt, welche furchtbare Waffe der Streik bedeutet, indem sie zumeist denjenigen am schwersten verwundet, der sie führt. Durch den Streik, also durch die Verweigerung der Arbeits- kraft, sucht man Einfluß zu gewinnen auf die Produktion. Die hochentwickelte maschinelle Technik wirft tagtäglich durch Erfindung neuer Maschinen, Verbesserung der alten, massenhaft Arbeitskräfte, namentlich der sogenannten gelernten, auf das Pflaster und gestattet dem Unternehmer die Verwendung jeder beliebigen Arbeitskraft, wodurch die Produktion von dem Willen der Arbeiter fast unabhängig gemacht wird. Hierauf wird es auch den immer mehr um sich greisenden Unternehmer-Koalitionen möglich gemacht, den Erfolg jedweden Streiks von vornherein illusorisch zu niachen. Kommt noch hinzu, wie es leider der Fall des Oestcren ist, daß dem Unternehmer bei Streiks in rückhaltloser Weise die Unterstützung der Behörde zu Theil wird, so kann man mit Sicherheit darauf rechnen, daß auch der berechtigste und bestorganisirteste Streik nur Niederlagen und Wunden bringen wird. Es ist daher nothwendig, daß man die alte Kampsweise verläßt, bezw. sie nur gebraucht, wo sich ein anderes Hillsmittel nicht anwenden läßt. Durch das System der Arbeiter-Kontrolmarken erlaugt man Einfluß auf den Konsum, d. h. auf die Absatzgebiete der Fabri- kanten und damit auch auf die Produktion. Die groß- artige Macht, welche die arbeitende Klasse als Konsument besitzt, muß in Anwendung gebracht werden und zwar dadurch, daß die aufgeklärte und zielbewußte Arbeiterschaft nur Waaren konsumirt, welche i» geeigneter Weise gckennzeich- net sind. Welche Macht die arbeitende Klaffe als Konsument besitzt, lehrt uns das indirekte Steuersystem. Diese Macht in geeigneter Weise bei den gewerkschaftlichen Kämpfen ins Feld zu führen, fordert die veränderte Taktik unserer Gegner, fordert die Erkennt- niß, daß der Streik zumeist nichts mehr helfen kann, als unzeit- gemäß in die Rüstkammer gehört. Zwar ist es richtig, daß das System der Arbeiter-Kontrol- marke sich nicht aus alle Gewerkschaften ausdehnen läßt, daß es vielmehr noch verschiedene geben wird, die zum Streik als Waffe greifen müssen. Aber es durfte auch Jedem einleuchten, daß diejenigen Gewerkschaften, welche durch Unterstützung der Masse das neue Hilfsmittel in Auwendung bringen konnten, die streikenden Gewerkschaften materiell viel thatkrästiger unterstützen können, unterstützen müssen, also dadurch die Kampsesfähigkeit derselben bedeutend erhöhl wird. Es könnte nun eingewendet werden, daß die Waaren durch das Markensystem bedeutend verthcuert würden. Darauf ist zu erwidern, daß ein Gruud zur Bertheuerung nicht vorhanden ist. Es dürfte auch einleuchten, daß eS weit besser ist, für ein Stück Maare einmal etwas inehr zu zahlen, als auf der einen Seite seine streikenden Arbeiter zu unterstützen, namentlich wenn man bestimmt weiß, daß den Arbeitern der betreffenden Branche dadurch geholien wird, was beim Streik leider selten der Fall ist. Das Markensystem wird seitens der unterzeichneten Kommission, welche in einer öffentlichen Versammlung der Ar- beiter und Arbeiterinnen der Hutbranche Berlins, unter Zu- stimmung der Arbeiter dieser Branche ganz Deutschlands, ge- wählt wurde, in folgender Weise durchgeführt. Die Kommission gicbt die Marken nur an Fabrikanten aus und nur an solche, welche die vorläufig sestgese.zte neunstündige Arbeitszeit eingeführt haben und angemessene» Lohn bezahlen. Tie Fabrikanlen er- halten nur so viel, als sie für ihre wöchentliche Produktion ge- brauchen. Die Fabrikanten übernehmen die Verpflichtung, die Marken nur für ihr eigenes Fabrikat zu verwende». Die Marken müssen eingeklebt werden, dürfen nicht lose mit den Hüten an Detail-Geschästsinhaber versandt werden. Marken, die an Seidenhut- Fabrikanten abgegeben werden, tragen mit Rothdruck die Auf- schuft„Nur für Zylinderhüte", damit keine Unterschiebung stattfinden kann. Außerdem trägt die Marke ein für die Kommission W %% bricht, dem werden die Marken entzogen, ebenso dewMN welcher auf seine Arbeiter einen unberechtigten Druck aus° Das System wird sich durch die Praxis und Erfahrung crw-"» und verbessern lassen und ist so für eine ganze Menge schatten verwendbar. Das ganze System aber stützt sich auf Solidaritütsgeaihl der zielbewußten, aufgeklärten Arbeiter, dieses ist die Durchführung unmöglich. Die Hutindustrie ist geeignetste, um das System auf seinen Werth, seine Durchzuhrvan keit zu prüfen. Das Produkt der maschinellen Großproduktion Hutindustrie ist nur für die große Masse, für die Arbeiter als»' nehmer, berechnet, die Arbeiter liefern den Großindustriellen U" Aktiengesellschasten die Geschäftsüberschüsse und Dividenden: 14*' 18 pCt. Der Einfluß kann infolge dessen ein bedeutender!e>n> Einmal in einer Industrie mit Erfolg durchgeführt, wird sich ffff System auch auf andere übertragen lassen, und wir sagen mq zu viel, bei thatkrästiger Unterstützung seitens der zielbewuß n- aufgeklärten Arbeiterschaft wird die Arbeiter-Kontrolmarke, die,-- kleine Stückchen Papier, das vornehmste Kampfmittel bilden" der modernen gewerkschaftlichen Arbeiterbewegung. Berlin, im Oktober 1890. Die Arbeiter-Kontrolkommission deutscher Hutmacher.. Um das Markensystem in Mißkredit zu bringen, wird sette"» einzelner Detail- Geschäftsinhaber der Markenhut um eine Mm und noch mehr theurer angeboten, als derselbe Hut ohne Diarm da die Marke nur 1 Pf. kostet, so wird Jeder diese Handlung' weise nach ihrem Werth bemessen können und derartige Geschal' Wir bitten die Herren Vorstände, das Flugblatt in Mitgliederversammlungen zur Sprache zu bringen. I» der Kuchdrurkerri von Krckrr& Horuvrrg, Blücherstraße 35, wurden sämmtliche Setzer und Maschinenmeil». (U n t e r st ü tz lin g s v e r e i n s- M i t g l i e d e r) entlassen, we dieselben Einspruch erhoben hatten gegen Einstellung einer uoe- mäßigen Anzahl von Lehrlingen. Vor dem 1. Oktober war daselvst beschäftigt: 11 Gehilfen, 5 Setzerlehrlinge, 3 Druaf f lehrlinge; nach dem I.Oktober kamen noch 2 Setzer- und 2-Ufr schineumeister-Lehrlinge dazu, also im Ganzen 7 Setzer- 1 5 Maschinenmeister-Lehrlinge bei 5 Maschinen und 2 Mafchin»' meistern. Beim hiesigen Schiedsgericht der Buchdrucker, wtMs aus Prinzipalen und Gehilfen zusammengesetzt ist, hat der Fat»' Herr Hübsch, die seiner Zeit gegebene schriftliche Anerkennung allgemeinen deutschen Buchdruclertarifs zurückgezogen und e»lwf am Sonnabend die Vereinsmitglieder, um von jetzt ab Nichtverein s-Mitglieder einzustellen. Die Druckeren! damit zu einer Lehrlingszucht-Anstalt geworden, welche a Oeffentlichkeit genannt werden muß. Wie die jungen Leute" als Buchdrucker„ausgebildet" werden sollen, ist unerfindlich...� Eltern mögen hiervon Notiz nehmen. Die weiblichen H11'9 arbeiter an den Maschinen erklärten sich mit den gemaßrege«?. Vereinsmitglievern solidariicb und leaten ebenfalls die Arvi' nieder. solidarisch und legten ebenfalls die VevfÄmtttltmgen. Am 17. d. Ms. tagte-ine öffentliche U-rfamml»'''? der Töpfer Kerlins und Almgegend in Feuerstein's Scuo. Alte Jakobstr. 75. Die Versammlung war verhältnißmäpig 0 besucht. Aus der Tagesordnung stand: Tie Arbeitseinstellung züglich der Fensterfrage. Ter Vorsitzende, Kollege Jakobey,, vrterte den Zweck der Versammlung, es könne sich nicht uns darum handeln, in eine große Besprechung über die FensterM einzutreten, die Töpfer Berlins haben diesen für sie so wichOÖ Gegenstand eingehend schon früher erörtert und sindju dem 0' � Entschluß gekommen, vom 15. d. Vits ab auf solchen Bauten zu arbeiten, wo die Fenster nicht verglast sind; es handele l demnach nur noch darum, zu untersuchen, wie weit die Kolleg dem am 9. September d. I. gefaßten Beschluß nachgeko»>n>., sind. Der Vertrauensmann, Kollege Thieme, hat zur rechten Z* bereits vier Wochen vor dem 15. Oktober, nachstehe' � Zuschrift an die Töpfermeister Berlins und Unigcge.� ergehen lassen; dieselbe lautet: Geehrter Herr! ff werden von diesem Beschluß hierdurch in Kennlniß mit dem Hinweis, daß die Töpsergesellen nur in Bezug aus'L Gesundheit zu vorstehendem Beschluß gelangt sind und richten.' an Sie die Bitte, uns in unserem Vorgehen insofern unterstütz� zu wolle», indem Sie die Bauherren, mit welchen Sie ÖC'1 sind, Bauverträge abzuschließen, auf unseren Beschluß aufmeul... machen und gleichzeitig ersuchen, bis zu obigem Datum Fenster verglasen zu lassen. Indem wir die uns erlauben, � diesen Beschluß in mehreren Exemplaren zugehen zu lassen, b«i Sie in der Lage sind, denselben rechtzeitig den betreffenden w" Herren unterbreiten zu können, zeichnet Achtungsvoll.,, I. 31.: Karl Thieme, Töpse� In der Diskussion sprachen zahlreiche Redner, fast säm">l für Jnnehaltnng des am 9. September gefaßten Beschlusses.*, Diskussion ergab ferner, daß es mit der Verglasung der auf den Vauren recht traurig aussieht. Zahlreiche Anträge, sich mit dem Verlauf der Arbeitseinstellung befaßten, mußte» Verhältnisse ivegen zurückgesetzt werden. Folgende Resol» wurde mit großer Majoritäi angenommen:„Die heutige A- sammluiig erklärt, bis aus wetteres an dem gefaßten sestzuhalren, deiijeuigc» Kollegen, welche vor dem 15. Ott» � unfertige Arbeit zu flehen hatten, wird gestattet, dieselbe z» enden, dagegen sind neue Stücke dort nicht anzufangen, � Fenster nicht verglast sind." Kollegen, haltet den Besch!»»' r die aiigenommeue Resolution ausrecht, und erscheint alle'» heutigen Versammlung.. Vir Freie Uereiurgultg der Arbeiter und Arbuteri»» der Posameiitenbranche Berlins hielt am 14. Oktober in ue.« stein's Salon eine gut besuchte Mitglieder- Versammlung»»-& welcher auch viele Gäste erschienen ivaren. Der erste Pui»» ,, Tagesordnung betraf statistische Erhebungen, welche von des Vorstandes eingeleitet worden waren und worüber Bj*', erstattet werden sollte. Jedoch waren von den ausgegast, Fragebogen erst die Hälfte eingelaufen, so daß noch kein Bild gegeben werden konnte, und wurde daher dieser zur nächsten Versammlung vertagt. Kollege G. Berger erst»».. hierauf Namens der Kommission Bericht über die Beschall. � eines anderen Slrbeitsnachiveis-Lokales und wurde nach de»-', führungen Bergers besch losten, den Arbeitsnachweis in»»ystH Zeit»ach Bcuthstr. 8 zu verlegen. Ein Antrag der dem chema/'S� Fachverein li, zur Auflösung desselben angehörenden Mitg'iJPz, sie gegen Ueoernahme ihrer Bibliothek im Werths von 199 und des sonstigen Inventar? nhni> ifUnMiroihon-ih in die» Vereinigung aufzunehmen, wurve von oer-veriammr»"» akzeplirr, sondern einem Jeden neu Eintretenden anHeim gküchj auch Eintrittsgeld zu entrichten. Die Versammlung nahm!ste jje Kenntniß von dem Jnslebentreten einer Fachzeitung für � Posamentenindustrie, welche in Dresden erscheint und den essen der Arbeitgeber diene» soll. Um nun eventuellen Angrul�. auf die Gehilfen, die in diesem Organ der Jnnungsmeister ohne Einschreibegeld in die wurde von der Versammlung» ich! incistu v'-fj leicht gemacht iverden könnten, sofort"entgegentreten zu können hur sonstigen Information, wurde beschloisen, ein Exemplar Zeitung auf Vereinskosten zu abonuiren. Hierauf wurde Wahl einer Kommission für den Arbcitsuachiveis gcfustl'.'H, Die Kollegen G. Berger, Mosch, Kiltz, Nitschel, Müller tt,.%,( und Gucker wurden gewählt, während der bisherige Biblis? ,.z des Fachvereins, Kollege Berger,�als solcher der Freien Verein'� � bestätigt wurde.— Im weireren Verlaus der Diskussion bk' Kollege C. Hoffmann den Ausruf der Offenbacher Kollcgj'h.. e „Textilarbeiier" betr, Anbahnung eines Kongresses zur Grü». einer Zentralisation zur Verlesimg. Verschiedene Kollegen fP'"' M darüber sympathisch«!•?, nur wurde hervorgehoben, das; man Uli Einberufung des i?ongccises bis zu dein, nächste Ostern statt- I'ndend«,, Texti!arbeiter-5tongrene vertagen und dann init diesem wremigt beratheu invge. Im Uebrigen tonnte die Vereinigung zu dieser Frage weiter feine Stellung nehmen, um nicht etwa mit dein xcreinegeseh in Kollision zu gerathen.— Stachdcin noch euuge Jrcgen von allgeincinem Interesse zur Sprache gebracht worden iraren, seblok der Vorkilreuda Nie Ne�an'nilll,:,, III» ll tli,,- üieiuivur: Kolt. Krause. Redner führte nngeyahr folgendes aus: Zlus dem Kongrest erstattete 5t oll. Vock-tliottza Gericht über die Thätigkeil des Strcik-Schiedsgcrichts.(Nähere-- stehe Bericht im„Bolkoblatt" ans Weipensels in voriger Woche.) Hieraus wurde 5toll. Bock entlastet und derselbe als Vorsthcnder des Schiedsgerichts wiedergewählt. Vctrcjss der Organisation wurde ein Antrag angeuomnie», welcher die Zrntralnal'.o» sur die einzig richtige ssornr crltärt. Ein'Antrag, loclcher besagt, nur solche Streiks zu unterstütze» seien, welche vom Schiede- bricht genehmigt sind, wurde ebenfalls augeuommc». Ferner wurde beschlossen, die'Agitation unter den in der Schuh-»ud Echäftebranche beschäftigten'Arbeiterinnen mit dein größten Elser Zu belrcibcn und dieselben zum Eintritt in den Verein deutscher Schuhmacher zu bewegen. Ein'Antrag von Krause-Berlin, die Arbeiterinnen ans Zweclinäßigkeitsgründ c» erst lokal zu organi- streu, wurde abgelehnt.'Auch erklärte sich der Kongreß gegen die «cstrastii'g des sogenannten tdontrakkbrnches und gegen oic «vjialreform der Regierung.— Neserent erklärt sich in seinen serucreir'Aussi hrungeu gegen eine Aentralorganisation, da dieselbe �sr Behörde viel mehr Angriffspunkte biete, als eine Lokalorganisation. •chirch letztere könne mau viel leichter und energischer agitiren. Ebenso erklärt sich Redner gegen die Forderungen, die Frauen st"» Eintritt in den Verein"deutscher Schuhmacher zu bewegen, co dieselben viel leichter in einen Lokal- resp. Brancheoerci» zu Ziehen seien. Tie Hauptsache sei es doch immerhin, die Frauen Überhaupt erst zu organisiren. ES komme ja gar nicht darauf au, daß alle Arbeiter nach ein und demselben Statut orgamsirt Kien, sonder» daß dieselben von dem Geist der Solidarität innigst durchdrangen sind. Stach längerer Diskussion wurde folgende Resolution angenommen:„Die heute in Hoffmann's Festsälen lazende ösfenttichc Schuhmacher- Versammlung erhebt Protest gegen den Beschluß des altgemeineu deutschen Schuhmacherkon- Messes und beschließt, an der bestehenden Lokalorganisatiou se,t- tzali-n zu wollen; auch erklärt sich die Versammlung gegen das ston dem Kongreß eingesetzte Schiedsgericht, weil sie der Ansicht sitz daß eine Person, welche am Orte.nicht anwesend 'st. und infolge dessen die Verhältnisse nicht genau kennt, durch- Nus �-—-- � «uö nicht im Staude sein kann, bei Streiks ein entscheidendes Urtheil zu fällen.— Zum 3. Punkt der Tagesordnung erstatten btz Telcgirten der Berliner Streik-Kontrolkoinmission Bericht, rem eine längere Debatte folgte. Ein Antrag, die Telcgirten der "Wlmer Streik-Kontrolkommission von ihren gebundenen Man- d->ten zu entheben uud dieselben mit einem freien Mandat auszn- 'usten, wurde abgelehnt. Nach einigen weiteren Bemerkungen «solate der Schluß der Versammlung.. .. Der Uercin deutscher Schnli»iache? hielt seine Mit» gliederversauunlung am?.>!ontag in Schest'er's Salon, Jnselstr. lch sisi' folgender Tagesordnung ab: I.Vortrag des Kollegen Ben! über:„Tie Entwictlung der wirthschastlichen Verhältnisse in Teutschland." 2. Diskussion. 3. Wahl eines Kassirers. 4. Ver- Ichiedenes. 5. Fragekasten. Da der Referent wegen Erkrankung nicht erscheinen konnte, so wird zum dritten Pmitt: Wahl eines «Wlftvpfa �....... � � � �sstrets, geschritten. Gewählt wurde Kollege Lau. Zum vierten tiunkt„Verschiedenes"(heilte der Vorsitzende der Versammlung n°ch mit, daß Kollege König als Telegirter Berlins ans der Generalversammlung zu Meißensels mandatlos gemacht worden n Tas Mandat hätte man dem Kollegen Fischer zu Frank- si'" a. O. übertragen. Der Vorsitzende spricht sein Be- nuern hierüber aus. Kollege König habe thatkrüftig für "lere gerechte Sache gewirkt. Dem Vorstand zu Stürnberg war ,,, bekannt, daß Kollege König Vorstandsniitglied der Filiale .7"l>'i ist. GS wäre deshalb Pflicht gewesen, wenn gegenjwn K legen etwas vorlaa, seinen Slnsschlup zu sam�i erwarict, daß die Wähler König's bewirken. Ter Vor- auf der nächsten Vor- u,-- fceiiievtt sodann: Heute findet eine öffentliche Schuhmacher- �'sauimlung siait, in welcher Kollege Krause über den Muhmacher- Kongreß Bericht erstattet. In einer öyent- shen Versammlung wurde jedoch der Beschluß gefaßt, .,!C'en Kongreß nicht zu deschirlen; wenn mm aber otzbem die Zuschneider und Stepperinnen den Kollege» Krause .Ahlten, so hatte er auch nur vor seinen Wählern und nicht m -v"?'.össenllichen Schuhmacher- Versammlung berichten so->o"- h,. cM fe' auch ferner nicht, daß Kollege Krause von Seiten (.L�ouiioigcmifation beauftragt wurde, die Berliner Kollegen. vi»""gegriffen würden, zu vertheidigen. Wenn die Berliner .�stllegen dieser Gefahr ausgesetzt waren, so hätte man nnbed»igt ' ctue Vertretung sorge» müssen. Von Seiten des Veream e er huhmacher hat nian sich vor dem Beschlüsse gefürchtet, troz- c>.i q.» verschiedenen Seiten eine Beschickung angeregt wurde. Ko.lege ' bezeichnet es als einen S:yact>z»g. Stach Erledigung uoch "»wesentlichen Angelegenheit schloß der Vorsitzende dieVer- mii'uiluno. Mi. 130. Stuf der S'nnt-.-.rtrSmmrt nnnv: N.. r Mitveil Iii uCU 12. 2. Dls- ordnung er- -'e führte hvoße iao O"orüt C" im o1""—-(i--i"-—,- �erluiiitt iin�..> ber �.agesordntliig siai-n: Der Streik st'sfion, a m.�sibrik von Paul Hintze, Lütierstr. 12. 'st ein s..st°Nch'ede»es. Zum 1. Punkt der Tageäordi sibeiter genannter Firma das Wort. Dcrselb M nasfc ä Ä&IS&& fix bitii'. st sich i'rr�rT'lr r''>0 M. hcrznstellei!. Da aber der '•tivi'' bcflirib Jt l v f,levmif einzugehen und von Seiten der .. e,5rebiij;,..... wurde, dieser geplante Abzug könne weitere ÄKA«. '»erstl»ach"echtanurhiueii, daß diese Affaire keine bösen des flotten damals, nügender 'Arbei!'. bie'Ärü!�" hatte"_ Derselbe''erklärte geärLüet haben. Sesclw-.�°r. b-'e hl«n eu! kleiner Posten von den Klammerknäpfen tznbÄ'vahrscl eü!'5. Arbeiten zu machen bekam. Dies "ls �ante,,-u deshalb, ivcil der'Artikel doch wohl dem st'««»,"'direkt--, wurde. Ein solches Vcrsnhrcn kann man fenii,•, Ters-n. ijugeständniß von Seilen des Fabrikanten be- w ein o.ste'be mußte also eingesehen habe», wie ungerecht- %.%! nitn hir'ff3'v"re. JHuii s°V«orrijuf Istw" n-.chme Jahre in der Fabrik beschäftigten I" Uli/''wc!i ei-, 0|Dli,r' warum, ivenn ohnehin schon wenig zu ein'"werer eingestellt werde, was doch linvercinbar »kgebeiicn Versprechen, erklärte der Fabrikant, daß er eiiien Arbeiter einstellen könne, wann es ihm belieb-', denn, darüber lehalie er sich des Selbsibestimnuliigsrechi vor. Im Uebrigeu möchten die Arbeit-r doch die Klainmerknöpsc machen. — Ohne das Selbstbestimmiingsrecht des Fabrikanten antasten zu wollen, erschien das ganze Spiel desselben doch als ci» zu Durchsichtiges, um nicht durchschaut zu werden. Als nun bei einer nochmalige» Nücisprache» u lc:u Fabrikanten um Abhilfe der Mißverhältnisse gcbcieu wurde, uiid als einzige Antwort ein höhnisches Lachen erfolgte, legten alle Arbeiter, zllsaininen 24 Mann, die Arbeit nieder. In der Diskussion wurden noch recht erbauliche Ver- Hältnisse dieser Werkstatt ans Tageslicht gefördert. Nach kurzer Berathuug wurde sodann von der Versammlung die Sache der Ausstehenden durch'Annahme einer Resolution zu der ihrigen gemacht, uud den Streikenden bis zur endgiltigeu Beilegung des 'Ausstandes eine kräftige Unterstützung in Aussicht gestellt. Nachdem die Versammlung von den Forderungen der Streikenden Kenntntß genommen hatte, und diese durch ans der S.AiUe der Versammlung eingereichte Anträge ergänzt worden waren, wählte man eine aus Streikenden und Ricbtstreilendcn bestehen-e linier- handlungskommissio», welcher ein Mitglied der Berliner Slrcil- Konlrolkouimission beigesellt wurde. Es wurde noch bekannt ae- gebe», daß Listen zur Unterstützung der Streikenden in den de- kannten Zahlstellen der Drechsler zu haben sind, woselbst auch die gesammelten Gelder in Empfang genommen werde». Mit war- nie», die Kräftigung der bestehenden Organisation betreffenden Worten wurde die Versammlung geschlossen. sammlung und gab dem ersten Kassirer Herrn Ad. Adler zu seinem Liassenbericht das Wort. Derselbe ergab einen Bestand von 205,73 M. Ties wurde von den Revisoren bestätigt und dem Kassirer Decharge ertheilk. Dann wurde zur Ergänzung-- wähl des Vorstandes geschritten, so daß der jetzige Vorstand sich aus folgenden Herren zusammensetzt: 1. Vorsitzender: Ed. Kresft, Fruchtstr. 59; 2.„ C. Klein, Buchholzerstr. 4; l. Schriftführer: C. Jagow, Velsorlerstr. 16; 2.„ P. Salzwedel, Klosterstr. 63; 1. Kassirer: A. Ponten, Brunnenslr. 93; 2.„ V. Schunke, Zionskirchstr. 11; Ordner: I. Beckmann, Wadzeckstr. 21; G. Adler, Brüctensir. 9; M. Schoene, Lothringerstr. 60; Revisoren: Baumann, Adler und Frl. Kolbe. Gine Ulitglirdrr-Z.kers'iiMinlutig des Fachvereins s ä m in t l i ch e r an H o l z b e a r b e i t n n g s- M a s ch i n e n beschäftigten Arbeiter tagte am Montag Abend im Ver- einshaus Süd-Ost, Waldemarstraße 75. Auf der Tagesordnung stand: I. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau über die volkswirlh- schastlicheu Wirkungen des Achtstunden-Tages. 2. Diskussion. 3. Bericht der Kommission der Pfaff'schen Möbelfabrik über die Akkordarbeit in der betreffenden Fabrik. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Da der Referent nicht erschienen war, wurde über die ersten beiden Punkte hinweggegangen und zum dritten Punkt der Tages- ordnung:„Bericht der Kommission der Pfaff'schen Möbelfabrik" geschritten. Hierzu erhielt.Kollege R. Schmidt das Wort. Der- selbe erklärte, daß in der Pfaff'schen Fabrik die alten Prozentsätze geblieben sind, und daß die Arbeiter jetzt bei dem heutigen Lohnakkord ganz gut ständen. Infolge dessen haben die Arbeiter den Streik ziirückgezogeii.sollte aber demselben die direkteAkkordarbeit nnsgedrängt werden, so würden sie sofort die Arbeit niederlegen. Hieraus verlas der Vorsitzende den Lohntaris der C. Pfaff'schen Fabrik, welcher von der Versammlung mit großer Heiterkeit ans- genommen wurde. Kollege E. Stein legte der geivählten Koni- missiou zur Last, daß sie direkt gegen die Resolution gehandelt hatte, Kollege Friedrich gab den Kollegen zu bedenken, daß die Akkordarbeit durchaus verwerflich ist; denn das ginge daraus hervor, weil der Herr Koinnierzienrath Psafs seinen'Arbeitern nicht die geringe Forderung von 1,50 Marl bewilligt hat. Im Akkord aber, da konnte er 5— 7 Mark bewilligen. Er wird wohl dies auch nicht auf die Dauer geben, sondern er wird sehen, wie er immer mehr seine Arbeiter ausbeiiten kaiin. Zum Punkt„Verschiedenes" führte K'ollege W. Wolf an, wie die Arbeitsgeber bei Slrbeiksnachivciseii vorgehen. Tieselben lassen Plakate in allen Werkstätten aushängen. Er stellt den Antrag, daß mich die Arbeitnehmer Arbeitsnachweis- Plakate in allen Werkstätten verbreiten. Dcr Vorsitzende(heilte noch mit, daß in der Fabrik von Fritz Kroschel, Küstriner Platz 9, die Kollegen die Arbeit niedergelegt haben. Tie Kollegen Weiß, Wihlandt, Wilhelm berichten, daß sie des Montags eine Stunde weniger arbeiten wollten, was ihnen aber von Herrn Kroschel nicht bewilligt worden ist. Daher haben sie die Arbeit nieder- gelegt. Der Zuzug ist streng fern zu halten. Kollege Fechner llagt über den Arbeitsnachweis. Es hätten mehrere Arbeitgeber nach Arbeitern gefragt, dieselben mußten aber ohne Arbeiter nach Hause gehen. Mit dreimaligem Hoch ans die internationale Ar- beilerbeiveguiig wurde die Versanimluug geschloffen. Dresden, 18. Oktober. Am 12.' Oktober tagte im großen Saale des Trianon eine öffentliche Klempnervcrsaininlung mit folgender Tagesordnung: 1. Streikabrechnung und Wahl von Revisoren. 2. Unsere Organisation vor lind nach dem Streik. 3. Wahl einer Lohnkomiiiission. 4. Wahl der Telegirtcn zur Streik- Kontrolkommission.— Zu Punkt 1 legte die Kommisston glechnnng über die Streikgelder ab und wlirden drei Revisoren gewählt, und zwar die Kollegen Matthe?, Schröder und Weißbach. Es wurden dieselben l causlragt, in einer dazu einberlifeiien Ver- sammlung die Abrechnung zu bringen. Als Neserent zu Punkt 2 war Herr Selchow ans Berlin erschienen. Er gab zunächst einen llebervlick über Organisa. ionen im Allgemeinen und ihrer Unter- drückniig in dcr Dauer des Sozialistengesetzes, er zeigteferner dieWich- tigkcit der Fachvereine und den Kampf der herrschenden Klaffen gegen dieselben. Leider war es uns nicht vergönnt, seine treffenden Ans- fühnmgen bis zu Ende zu hören, denn, als Referent die Frauen- und Kinderarbeit berührte und ein Beispiel der Kindersterblichkeit in freien uiid belagerten Jestungen bracr.te, wurde ihm zu seiner und unserer Ueberraschung das Wort entzogen, und zwar auf die Dauer der ganzen Versammlung, ebenso erging es einem Kollegen, dcr seiner Verwunderung darüter Ausdruck gab. Somit iniißte zum 3. Punkt der Tage-ordnung geschritten werden und wurden, nachdem ein Kollege die Handhabung des Markensystems kenn- zeichnete, folgende Herren in die Lohiikouimission gewählt: Capelle, Oestreich, Braun, Lickart und Schefflcr. Ebenso zu Punkt 4 die Kollegen Capelle und Richter.— Der Einsender hat leider nicht angegeben, wer den betreffenden Ltednern eigentlich daS Wort entzogen hat. Red. Kran!!kn.ztnt-!i.-ftStz,mg»i,uild vre Schneid«. Dlmslag, den ai.Ott., Abends% iche, Wersan-.inluna tn dm„Armüchallen", LouimandaMmflr. eo. »in zahle-. chcS Evlch-in-n wnd erfuchl. jach««.« rntmullichev>» dr» Glaf,«. n»d Ka-t-npapier-Fabsilien l>»fchiist>0i"> Arom««»d Aebeiterinneu, MN.ilied-e-Vsrsainmlnng ain Dl-nflaz. d.n ei. Cftob-r, Abend« S Uhr, tn Scheff.e'« Salon, Jnfelstr. 10. (Last- wUitommcv. Viereinisv.nci deutscher Maler, SaNiirev, Anstreicher und verwandter Bi'nlSgeiWII-n...U-ital« i, W. Ttcnsta?, den 21. Oltoboe, Slbcnds 8 Uhr, im N-staurant„KHnigShof", Stülow str. 37,(Leniralversammlung. Vi roll«»IfJJitUchc KrrsaninUnng fiin.n.tticher ZI«hrl-acr und Helfer Berlin»»nd �».yeizend mit Dienstag, d-n 21. C lieber. Abend« a Uhr. im Lokal-».") Herrn g-uerstein, Sitte Halodstr. 75. «lafergefeUfchast zierli»«»»d jlmoegend. Unsere nächste Mital.ed-r- versanimlung stndn ain Dlonstaz, d-n il. Oliober, Slbends ax Uhr, bei Seuev- (.ein(unterer Saal). Alts Hakotiftrabe statt. Näheres heute blc Anfchlarn läulen... --achverein der z-derarl-eiier. Dienstaa. den-l. Okt.. Abend« sx Uhr in d-n„Zentral- a-estun-n", Oranienstr. wo: Keneral-Bersammluna., vauverer» Kertrnrr Kildhaxer. Ti-nstag. dm 2:. Lklob-r cr.. Abend« S Uhr, Mitglieder-tderfammlang der«rankenkaffe. Tagesordnung: I.Wahl eines Nevtfors. 2. E t e I l u n g n a h IN e zu dem K v n g r e b d e r s r o t« n H i l s« k a l l« n e v e n t. Wahl eine« D e l e z t r t c n. Um« Uhr: Sihung d.« Lere!,.?. Tagesordnung: SLI..t'x' atbr ig. g.Ueiilr-lv« u:: vir klttche« Erlche.ucn is: dringend noth'.cii.dig. verband dentf-h-r ziinmertente(Lakolo-'tand..chonebe-gi, z-nstag, den 21. Qllober, SibcndS a Uhr, irers.rr.imlv.tg tn dcr Schlof.orau-rei Schöne- Hera, Haupistrahc so— vr. Sicue Mitglieder werden üufger.omu-cn. Um zahl- reiche« Erscheinen ivlrd gcb.'ten. Svlialdeinolirati scher Serniegh. Aiinstaz d-'.l 21. Oktober. Abends s Uhr,".ersammlnag hei Herrn Otto h.nle, Zorstcr- strafic es. Säue haben Zutritt, neue ANtgiiedir we.den aufgenommen. oZrad» äksentliche Ardeilerinnrn ivrrfaiiiinlnng. Miltwcch, den 22. Oktober, Slbead« dX Uhr. t>:> Söhnitfcheu ArauhauS. Landsberger SIliee. Tagesordnung: i. Lericht der DelerUrUn ooiu ipartritag II! Halle. Äeferenl.a: gna»(ihrer. 2. DiSlufsio». 3. Berfchiedeue«, Zur Deauili dir U"k>stm Tellenammlung. Männer haben Zutritt. Gefangverein Cinislieit(sc:;(Dirigent Harlmann). Dienstog, den 21. Oktober, Abend«'■< Uhr, im Aesianrant Laenimstr. 16. Achtnuy! giir die Parteigenossen de« S. s>crltner LlcichZtagswahltteisiZ finde! am S'iltiwoch den rr. Cllobcr, Abend« 8 Uhr, im Saale der Slraueiei jiönigstadk. Schönhauser Silier 10 u. u, eine öfseniliche versammluntt i.att. TaaeSordnuna: i. Iserichterftalkung über den Parteitag tn Halle, i Di« lufsio». verschiedene«. Jn-ri grvhe öffentlich« zzietirllartxlter-verfnminlnnxrn. I. am Tiennaa. den rt. Okt., iSlbend« S'-Jllf)r, im v-reinohaus„Stibosh', Waldemar- i. raste?.>. am'.AUtwoch, de» 22. Oktober, Slbend« Uhr, in bei Nord- duti«;»!?rc«;vci, bhaniieestraße 6«. s o 1 i aide n- 0 Ii rat i scher Aaitnti»»«vr> r!>e Auffalle. D.enstaz, den ei. Oktöber Abend««Uhr, SkaNherstraße 102 bei Haupt, Versammlung. (Sn! c habe.! Zntrtll. Uerband berliner plvitier» und!?erns>igenoss«!>. Olltllvsch, d.n 22. Oliober, Zlbend«» Uhr, Krausenstrage lo, SZersaminluug mit Frauen. Lor- t ag de« egerrn Pen«, Cand. der Philosophie, über:„Haus und OeffenkitchkeU". Znni Schmst:(beselitge Zusainmenkunsi. st„Aeaeie". Dienstag, d-n 21. Okiober, Abend« o Uhr, im Nestaurant Lehmann, Äauniinstr. et, Cihttng. Tie Mitglieder wilden t.> sucht, pünktlich zu evschentei!. iiiäsie sehr willkommen. Ooynldeinoiirati Icher Lese- nnd Kiriiutiriiiub„Zlnternattvna!«". Mittwoch dtn 22. Oktober, Abend« 8i; Uhr, bei Oelze, Kleine Andrea« slr. i>>, Ethutig. Eläsie haben Zutritt. An, Sonniibend, den Uli. Giitober, veranstaltet der(Zcsaugverein„vor- beerkranz" im„Böhmischen Brauhaus", Landsberger Allee?!r. n— IZ, ein nnjtuinjchcn. «sachvrrrin der idifchier. Sonnabend, den 25. Oktober, tn den lstänuim der Braueret„Friedrichöhatn"(früher Lip«): Tanzlränzchen. �nistverein siiniintlicher NN tZblibenrbritnnoa- NInfchinen tirfchät- l!at?» Arbeiter. Montag, den 27. Oktober, Abend« 8� Uhr, bei Feuerstein, Sitte Fakobstr.<6: Eeneral-Beesannulung. Krfang-. Sur::- und gefeitige Nerein, am Dienstag. Eesangperein Vouvardia"(Alännerchor) Abend« s Uhr im Nestauran»„Teutonias Bei- sortorstratze l W'-.............. rant Schulz,| a Uhr in Neukamst_. verein„Echo II" Abends i) Uhr im biestaurani Drillhose, Rosenthalerstr. 11—12. —(üefanjoereln„Sängerhain" Abend« o Uhr im Resiauranl Katser-Franj- (Zrenndterplah 7.— Eesangveretn„Bruderherz" Uedunässtunde Slbends von ab—:>h Ubr. Aufnahme neuer Mitglieder.— Desanaveretn„Hosstiunz SSIoobit" Abend« 8% Uhr itßilänaderflr.«3 im Restaurant Stile«.— Männer- gesangverein„Htlarikao" Abends« Uhr im vieslaurant W. Gteist, Prinzen- SUlee so.— Eesangperein„Felicitas" Slbends o Uhr im Restaurant Nebeltn, bangestr. 108.— Männergesangvereni„Olmnpia" Sibonds 9 Uhr im RestauraiU cserih, Brinzensir. loa.— Männergssaiigveretn„Accordia" Abb«, o Uhr bei SUelck, SUeranderstr. 81.— Gesangverein„Ludwig'scher Männerchor" Abend« o Uhr Lindenslr. loa bei Poppe, Ucbung«stu»de. Gäste find willkommen.— Männergesangverein„StedeSsreihcii" Abend« 8% Uhr im Restaurant Henke, Alumenstr. 38.—„Deutsche Liedertafel, Dirigent R. Masch inskr) Abend«»Uhr UebungSsiunde im Restaurant Taeger, Grüner'Weg 29,— Männergesangverein„Alke Linde" Abend« 8%— io% Uhr Int Restanrant Johns, Mariannen- siraße 19.— Gesangverein„Btelbtreu", UebungSsttnide'Müllerstrate? bei Pohl.— Zilherkinb„Amphlon" Sibend« o Uhr in Triebet« Restaurant, Hoher Steiuweg lö.— Turnverein„Froh und Frei"(Ptännerabkheiluug) Abend« 8X Uhr, Bergstr. 57.— Berliner Turngenossenschasl(Fünfte Männer- abtheiiinigl Abend« o Uhr tn der slädlischen Turnhalle, iwasserthorstr. si.— Turnveiein„HasenhaiSe" tMännerabiheilung Abend« 8 Uhr, Diestenbach» straße«u— oi.— Verein ehemaliger Schüler der 37. Eemeindeschuis Abend« o Uhr im Resiauranl»inner, Köpnlckerstr. 08.— Arendl'scher Slenographen- verein„Apollodnnd" SlbendS 8h Uhr Brunnenslr. 129».— Arendl'scher Tleno- araphenverein Abend« 8X Uhr im Resiauranl„Zum eisernen Kreuz", Liuden- straße 7t.— Deutscher verein Slreudlst'cher Stenographen Abend« 8� Uhr in Raubet'« Restanrant Arunncnstr. 120-,— Berein„Rae" Abend« 8% Uhr im Stestautaut Elhe. Alexandrinenstr. 00.— Nnterhaltnngivorein„Harmonie" SlbendS 8 Uhr, ttifctirohnflv. soll, tili Resiauranl von Liebe.— Bergnüguug«- verein„Mollig" Sibend« 0 Uhr im Resiauranl Reinicle, GipSslraße 3, seden Dienstag nach dem 1. nnd 15,— Zitherklub„AuiphionL Abend« 0 Uhr im „München er Hos" Spandanerslr. ir— 12.— Rauchkiub„giilki Wränget" Abend« a Uhr bei Herschled, SlbalbeAstr. 4.— Rauchklub„Portorito", Sibend« 0 Uhr. Manieustclstraße 110 bei(Sreioling.— Ranchkiub„Deutsche Flagge" Sibend« 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangelslr. 11.— Rauchklub ,fFriedrich«ha>n" Sibend« 0 Uhr im Restaurant Zi-pping, Landsbergerstr. noe.— Ranchkiub „Lustige Sit über" Slbcndä s1, Uhr bei Grothe, Fürstenberaerstr. 2.— Bet- gnüzungsverein„Flöhtichkeii", Grüner Weg 20. Große Gcsellschaslssiunde, verdundeu mil Borwägen. Gäste willkommen. Gnkrce frei.— Tambour- Verein„Sebnu" 0 Huna Abend« 8% ubr Grüner Weg 0—10.— Tambourverei» „Etnigkeil macht stark", ge rundet 1880 ilebmigSstnnde Abends 9 Uhr im Restaurant Hahn. t5lsasser„r. 57.— Musik- Dtllettanlenoerein„Animo". Slbends U— 11 Uhr, bei Trntks, Sleichenbergerstr. 83. Slnsnahme neuer Mikgiieber.—„Bergnügungsverein Schwarz- Weiß- Roth" jeden Dymsiag Abend 0 Uhr bei Feuerstein, Sllle Jakobstraße. Gäste willkommen.— Sozial- dcmolratifcher Lese- tmb Dtskutir-Beretn„Henvegh". Sibend« 8 Uhr im Lokale de« Herrn Oito Linke, Forsterstraße«6.— Sirbeitergesangverein„Vorwärts". Sibend« von 0—11 Uhr im Restaurant Schmidt, Wiangelstraße teil Uebung«- stunde.— Bergnügungsverein„Hand in Hand", Sitzung Abends 0 Uhr, im Restaurant Schröder, Saarbrua.rstr.«7. Slnsnahme neuer Mitglieder.— Rauchllnb„Sorgenfrei" Slbends 0 Uhr bei Wullle, FriedrichSbergerstr. 20. Slnsnahme neuer Mitglieder.— Bergnügungsverein„Lustige is" Sibsnde 9 Uhr im Restauranl Stlbrechi, Slnuenftraße 9.— Gesangverein„FideUtat", Sibend« 9 Uhr, bei Kummer, Ackerslr. 13. Literarisches. ..Kandleriiic»» des msnschlich««» Miss««»»" betitelt sich ein Werk, das in der vom Verlage von Bruno Geiser in Breslau hcrausgegebenen„V 0 l k s b i b l i 0 t h e k" zu er- scheinen begonnen hat. Dasselbe soll die Quintessenzen aller Wissenschaften in sich vereinigen und alle beim Lesen von Zeitungen, Broschüren und Büchern jeglicher Zlrt auftauchenden Fragen in knappster allgemelnverftändlichsier Weise beantworten. Die Redaktion beabsichtigt, die Fälle des Nebensächlichen nur kurz zu berühren, und alles Veraltete und Unbedeutende in Geschichte, Geographie, Jieligion, Philosophie it. s. w. beiseite zu lassen, um den dadurch gewonnenen Raum zu verwerthen siir eine eingehendere Behandlung aller wichtigeren Gegenstände aus venjenigcn Wissensgebieten, über die belehrt zu werden in dringendstem Interesse des Volkes liegt. Demgemäß ivird das Handlerikon vorzugsweise über Sozial- polilik, Verfassung, Gesetz und Recht, Staats«, Proviuzial- nnd Gcil'.eindeverwnltnng, moderne Geschichte, Natnririsieilschasten Technologie, insbesondere Maschinenkunde und Elektrotechnik, Gesiindheitslehre und Heilknuve in etwa 20 000 Artikeln und Notizen Belehrung eickheilen und soll sich dabei als vollkommen vornrlheilslos»nd absolut frei von allen unwissenschaftlichen, religiösen, politische» oder moralischen Vor- aussetzungeil bewähren. Es wird imgesähr 60 Lieferungen ä ein Vogen stark erscheinen, welche in 3 Bände», denen zahlreiche Illustrationen beigegeben werden sollen, zlisammengefaßt iverden, und pro Lieferung nicht mehr als 10 Pf. losten. Wir ivünscheii diesem gemeinnützigen linternehmen einen recht großen Leserkreis. Depeschen. (yckolffö Telegraplieu-Kurrau.) Miel», 20. Oktober. Die Direktion der Tramway ver- lungerte die Frist zur Wiederaufnahme der Arbeit bis niorgeu Zlbend. Diejenigen Bediensieten, welche bis dahin die Arbeit nicht wieder aufnehineu, werden entlassen. Da neue Arbeitskräste engagirt werden, dürste der Tramwayverkehr am Mittivoch wieder begiliuen. Loildon, 20. Oktober. Wie das„Router'sche Bureau" ans Sidney meldet, habe die Koilferenz der Ossiziere der Handels- marille mit den Rhedern, von der man die Bee»digu»g deS Sireikes erwariete, zu keinem Resultat geführt. Die Marineoffiziere weigerten sich, sich von den Gewerlschastsvereinen zurück- zuziehen, was die Rheder als Bedingung der Unterhandlungen verlangt hatten. WIW in Cl/avlotlenbnrg. iinLMe Bislnnchöhe,��. Dienstafl, den 21. Oktober, Abends 9 Uhr: Tages-Ordnung: 1361 I. Berich terstottnng vom Parteitag. Ilefcrent: W. Werner-Berlin. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Der Cinbernser. Große öffentii�xe Versammlung der TÄ-pfer Kerlins nnd Unsgegend. Dienstag, den 21. Oktober, Vorm. GVe Ubr, bei Joül, Andreasstr. 21,(früher Keller.) Tages-Ordnung: 1360 1. Bericht über das Ergebnis der Arbeitseinstellung in Betreff der Fenstersrage. 2. Weitere Stellungnahme und Wahl einer Kommission zur Regelung und Durchführung der Beschlüsse. Um zahlreiches Erscheinen der Kollegen zu dieser Versammlung ersucht der Einberufer C. Tliieme, Ruppinerstr. 3. Freie Vereinigung d Jamenmäntel-Schneider (Büglcr, Sleppcs* und Zuschneider) und Arbeätermnen d. B8k!eid.-Indusirie Berlins. Mittwoch, den 22. Oktober, Abends 8 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75: Glesse Tages-Ordnung: 1369 1. Abrechnung vom Stiftungsfest und liassenbericht. 2. Wahl eines Vergnügungs-Komitees. 8. Vortrag, Rcferentin Frl. Wabnitz. 4. Diskussion. 5. Verschiedenes u. Fragekasten. Gäste haben Zutritt. Der Vorstand. Die Mitglieder, welche mit dem 1. Oktober die Wohnung gewechselt haben. inzusenden werden ersucht, die Adresse an den Kassirer, Emil Erben, Fürbringerstr. 5, v. II wn oder aber dies in der Versainmlung dem Kassirer bekannt zu geben. Achtung Die Buchdruckerci und Kontobücher» Fabrik von Jul. Rosenthal W. t Fronau) ist gesperrt. Zuzug für Buchbinder, Buchdrucker und Arbeiterinnen ist fern zu halten. 1367 (I »illtttMletöts! WillterMletots! Glesse PostenS i Stück 13) 15, 18, 30-36 Mir.. AM" auch»ach Maa» billig angefertigt. Kein Laden. Adalbert Stier, Kein Laden. I.Mge 70. Kommandantenstr. 70, 1. Eilige. Dettfedern. 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Neumann.[1371 Da ich nach 12 jähriger Verbannung wieder die 1357 P latterei» welche ich früher mit großem Erfolge betrieben, nun wieder fortzusetzen ge- denke, so bitte ich mich in meinem Unter- nehmen unterstützen zu wollen. Frau Emil Bastig, Kottbnser Uf-r 61, 2. Hof 1 Tr. Fadiverein der» Tsschiea«- Heute, Dienstag, d. 2t. Oktober, Abends 8% Uhr, in Man'o Restaurant, (Heydrich) Bcnth-Straße Nr. 22: Vorstands-Siiznng. Vereiv zurRchW kt Zllterejs.d.Btti.KWpsttbeittr. Mittwoch, den 22. Oktob.,?lbd. S'/s Uhr, bei Kolzinann, Andreasstr. 26. Ordentiicha General» Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2, Vierteljährliche Abrechnung, 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen der Mitglieder erwünscht. 1362 Der Vorstand. IWWiiiiiiß kl! SliMtWen der Lohnllommlfsion der PacljUtboküleott Berlins. Einnahme...... 102,18 M. Ausgabe....... 78,20„ Uebcrschnß 23,98 M. Die Revisoren: 1350 G. Gabriel O. Vogel. 50 Mark Belohnung erhält derjenige, welcher mir den oder die Thäler nachweisen kann, welche in der Nacht vom 15. bis 16. Oktober Schuh- waaren durch Einbruch bei mir entwendet haben. A. Heulelder, Schuhmachermstr., 1347 Hermann-Platz 3. Zur Beruhigung derjenigen Kollege», welche im Unklaren sein sollten, theile ich hierdurch mit, daß ich seit auch 2 Jahren Abonnent des„Berl. Volksblatt" bin. §cm!iaiiii Lücke, Nostizstrasse 48, Parterre. 1353 SKST Achtung I-Ms 1365 Allen Parteigenossen, sowie meiner werthen Nachbarschaft empfehle mein Bürsten-«. Pinselgescliäft A. Leue, ISürstenninch., Nosiizstr. 16. Ein Vereinszimmer ist einige Tage in der Woche zu verg. Rheinsbergerstr. 73. Gangbare Restauration(Ecke) sof. zu verkaufen Fruchtstraße 1—2. 2 gangbare Geschäfte, Cigarren, BIoM und Vorkost, billig zu verkaufen. 1196] Dickmann, Stephan ftr. 88. fö8ai*tin SCBein, 2225 Ahrinachrr, 25 Neue Hochstr. 25 empfiehlt sein Lager aller Arten Wlllllj-(illk! Tllslheil-llhtt!!. 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Broschirt M. 2,—. Gebunden M. 2,50. Charles Fourier, sein Leben und seine Theorien. Von August Bebel. Brosch. M. 2,—. Geb. M. 2,50. Das moderne Elend nnd die moderne üeber- VÖlkenmg. Zur Erkeimtniß unserer sozialen Entwickelung. Von Max Schippel. Brosch. M. 1,50. Geb. M. 2,—. Die Philosophie Spinoza s. Von i. Stern(mit Spinoza'? Porträt). Geb. M. 1,60. Die französische Revolntion. Von wiiheim Bios. Gebunden in Prachtband ä Exemplar M. 5,50. Broschirt in Heften a 20 Pf. Dazu Einbanddecken ä M. L Die Geschichte der Erde. Von r. Bommen. Gebunden in Prachtband ä Exemplar M. 5,90. Broschirt in 22 Heften a 20 Pf. Dazu Einbanddecken a M. l- Berliner Arbeiter-Bibliothek. Von«lax schippei. Scvtc I. Heft i: Ein sozialistischer Roman.(Ein Riickblick. Von Bellanw-I Hefte: Der Nüven der Gewerlschasten. Von Max Schippel. Hest»:»a lrbciterinncn- und Frauensrage der Gegenivart. Bon Clara Zell in sPariS). ?est 4: Ter Sozialismus in Frankreich seit der Pariser Kommune. Von :ffip Zelttn-Paris f. Heft 6: Eharatlertöpf- aus der französischen Zlrbciter- eweguna. Von Ossip Zeilin-Paris f. Heft 8: Die Hausindustrie in Teulich- k.—-v»—» Ä*ff t• t n f pt* iitrfe öauer.-sjoi» land. Von Paul Kampssinencr-s-nf. Heft 7: Jnnler und Bauer. Paul Kampffmeyer-Eenf. Heft 8: Tie ivirlhschastlichen Umwälzungen un° die Entwilkeiuna der Soziaidemokraiie. Von Max Schippel. Heft o: Die Marx'sche Werihlheorie. Bon Paul Fischer-London. Heft 10: Die Sozialdemokratie und der Deutsche Reichstag. Heft ll: Die soziale Frage auf dem Lande, I nnd II. Von Paul Kampffmencr-Eenf und Heft i»: Die®J- beiterschug-Ecsehgebung. Bon Paul Ernst-Berlin. Serie kl. Heft m Der Mythus von der Begründung d-S Deutschen Reiches. Von Hans Muller- Rostock. Heft S! Die antis-milisch- Bewegung. Von Serhard Krause. Heft 8- Soziale Frage und Bodenverftaatlichung. Von Konrad Schmidt. Heft*■ Die deutschen Arbeiter und daS GewerbegerichtS-Sesetz. Von Mar Schwpv- Seft 5—8: Zur Entwickelungsgeschichte deS Kapitalismus in Dsuischlanv. on Paul Kampfsnieyer.— Preis pro H-st 16 und 20 Pf. Einbanddecken zu Serie l a so Pf. Serie i geb. M. 2,58. Die Arbeiterinnen-Bewegung Berlins.«onA. Bergen. a Heft 30 Pf. Ferdinand Lassalle, eine Geben## zu seinem 25jährigen Todestag. Bon Max Kegel, a 50 Pf. Gesetz der Alters- u. Invaliditäts- V ersichernng. Bon A. Bebel und P. Singer. Preis cartonnirt M. 0,50. Gesetz, betreffend die Gewerbegerichte. i6 Seite«. 10 Pf. Lichtstrahlen der Poesie. Gedichtsammlung von Ma* Kegel. Jllustrirt von O. E. Lau. Elegant geb. M. 8,50 Liebknecht, W., Volks-Fremdwörlerbuch. Sechst« Auflage. Gebunden M. 3.—, broschirt in 12 Heften a 20 Pf- Dazu Einbanddecken a 30 Pf. —„—, Robert Blum und seine Zeit. s. Auflage. Broschirt in 6 Heften a 25 Pf. Dazu Einbanddecke a 35 Pf. —, Ein Blick in die Neue Welt. Elegant gebd«. M. 3.-. —, Protokoll des Internationalen Arbeiter- Kongresses ZU Paris. Deutsche Uebersetzung. 140 S. 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M. 0,75. Wilde Blnmen. Gedichtsammlung von Adolph Lepp. Broschirt M. 2,-. Dr. Zadek und Dr. Blaschko, Kurzer Rathgeber zur Erhaltung der Gesundheit etc. 20 s-ite«- Preis 10 Pf. Größere Partien billiger. Der Neue Welt-Kalender pro 1391. Preis so Pf. Verantwortlicher Redakteur: Curt Vaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin LW., Beuthstraüe 2. 2 Nr. 345. Dienstag, den 21. Oktober 1890. Jahrg. 5: �r zehnte Degionalkongrest der Pariser Posstdilisten. (Fortsetzung und Schluß.) Reibereien zwischen beiden Lagern begannen schon an- PUch der Stadlraths-Wahlcn, wo verschiedene Gruppen bei den chwahlen die possibilistischcn iiandidaturen nicht zurückziehen, - Söll« nicht mit Empfehlung der bürgerlich anti- ,nüfc'�Ächen Regierungskandidaturcn zurückziehen wollten, ayreud Brousie, Lavy, die letzteres forderten, darauf verwiesen, » p"Vjn die Republikaner unterstützen müsse, weil man nur nio.f r'nCtt'>e'in ersten Wahlgange in den und jenen Stadt- Sims i"~~ rc0 Ne gerade selbst gewählt worden— gesiegt habe. on da an ward die Forderung einer Taktik, die sich auf das Prinz, p des Klassenkampfes gründet und frei von allen Kon- im»en""b Kompromissen mit den bürgerlichen Parteien bleibt, Jr'J* allgemeiner und energischer in dem posstbilistischcn Lager yoden. besonders war es der Setzer illllemane, der für diese Forderung, soivie auch für eine jkouzentration aller sozialistischen raste eintrat. Dafür ward er allerdings verdächtigt, ein Agent ,°nMn's zu sein, und als die Gruppe der Aktionäre, denen das ,on Alleniane herausgegebene Tageblatt„Lo Parti Ouvrier" gc- S,"' l|m ihre Aufnahme in die Partei nachsuchte, forderten iiof-0U Strohmänner eine genaue Enquete über das Blatt, s Jtch dieser doch bei seinem ersten Erscheinen mit Enthusias- bn., �ient hatte, obgleich es offenes Geheimniß war, daß emals der Reptilienfonds die Heraurgabe desselben ermöglichte. k. euerhin ward Allemane's Haltung durch den Neid des nicht be- riedigten Appetits gegen den befriedigten Appetit erklärt. Wenn i"ch bedenkt, daß der Mann früher zu den treucsleu Rachbeteru ß'r Nachtreteru Brusse's gehört, daß er mit Begeisterung im dcetliemus gemacht. Mühe ohne Ehre gehabt, so scheint die -oernnithnng ,us Schwarze zu treffen. Aber bei der Unmöglich- ,' Herz und Nieren der Politiker und Politikasten zu prüfen, d. x � f'd) on der Thatsache genügen lassen, daß Alemane eine urchaus berechtigte Opposition gegen die„Erwählten" und ihre führte � � Proletariats verhängnißvolle Taktik erhabend iv. Ter Streit nahm heftigere Formen an, als durch Chabert's yW ein Sitz im Stadtralh frei ward, den die Possibilisien be- oupteten. Die Vakanz führte unter den obwaltenden Ver- joitniijen zii einer Doppelkandidatur. Das Nationalkomitee, i. Porteiausschuß, dem alle„Erwählten" nicht nur dn? beratheuder, fondern auch entscheidender Stimme angehören, folglich die Kompromißtaktik vertritt, stellte die Kandidatur »>es ihrer Schildknappen Andre- Gely's auf. Tie Opposition „ogcgen, vertreten durch das alte Wahlkomitee Ehabert's, erklärte M sür die Kandidatur Allemane's. Tie betreffende Gruppe Mte sich„ach Ehabert's Wahl als Wohlfahrtsausschuß kou- ülunren wollen, su jedoch auf Zureden der Broussisten aufgelöst >nd war man ro.. Neuem zusammengetreten. Aus Zlllemane's 'ooth suchte sie jetzt abermals um Aufnahme in die Partei nach, �ard vom Nationalkomitce— aus leicht begreiflichen Gründen � abgewiesen, hingegen von der Union Föderative, d. h. der Miguctenversammlung aller Pariser Gruppen, zugelassen. Das mtionalkomitee beruft sich auf diesen Umstand, um das Bor- der Gruppe und Allemane's als unkorrekt'zu verurtheilen auf der, von etlichen Organisationen des Eombat unter- Putzten Kandidatur Andre-Gbly zu beharren. Das ins Feld »führte Bedenken über die unregelmäßige Existenz und Partei- Zugehörigkeit der Gruppe, welche Alleniane unterhält, erscheint .„konsequent und als bloßer Vorwand: das Nationalkomitee hat «'ow betreffende Organisation als Wahlkomilce Chabert's ruhig lunktioniren lassen. m..Ruf einen Appell seitens der Anhänger Allemane's an das v anm'alkomitee und die Union Föderative fand im Stadtviertel . Combat eine Wahlversammlung der streitenden Gruppen dn» i" der sich die Majorität der Anwesenden für die Kandi- »„rAllemane erklärte. Dieser selbst erklärte ausdrücklich, sei»? tln.' 11 zurückziehen zu wolle», sobald Audre-G�ly das Gleiche .'«und man sich über eine dritte Person als Einiguuge- lun schlüssig mache. Trotz des Entscheids der Versaunn- § und Allemane's Erklärung, die ganz geeignet, jeden Streit g. uesertigen, ward vom Nationalkomitee die Kandidatur Audre- «nh uoch wie vor ausrecht erhalten. Dies machte böses Blut, i»«.». Haltung des Natioualkomitees ward um so übler ver- dei- da sie sich im Gegensatz zu der gehätschelten Autonomie tb/ni ppeu und der Entscheidung der Union Föderative be- Ta die Stadtraths- Wahl im Combat noch nicht aus- tan?.?», so ist auch die Frage der possibilistischen Doppel- bidalur noch schwebend. Streitigkeiten wurde weiterer Zündstoff durch die Ein- w u'ung des X. Nationalkongresses der Partei nach Chütellerault ist' hl.J4' Oktober) zugeführt. In einer früheren Korrespondenz Mit m? dargelegt, daß das Nationalkomitee diesen Kongreß im m �ß gegen das Parteireglement— nicht 3 Monate vn.ss.�aus, nicht in Ausführung eines Parteibeschlusses und nach unnm �huufl der Gruppen— einberufen. Ter Grund seiner °""gbweise war durchsichtig genug: die Opposition sollte tonnt., ianier todtgeschlage» werden, damit man weiter mogeln QUA v f dem Nationalkongreß sollte unter anderen Fragen AutL v Parteidisziplin behandelt werden, welche auch auf w m�. der Gruppen auf der Tagesordnung des Regionalkougresses ooii x Land. Es handelte sich nun sür die Broussisten darum, dnii.it L Rationalkongreß vor dem Regionalkongreß siattsände, richt., Pariser Telegirten kein gegen die bisherige Taktik ge- Gea-nv Mandat mitbringen konnten, weiter, daß ersiercr in einer fläud.» tac' K0 keine oder nicht viel alte Organ, satiouc» be- Mona"''oard von den'AUemauislen durchschaut. dem Sin„t! v"h""ge". den Kongreß zu Ehütellerault bis nach 10 tefdiii!-,1'! des Regionalkoi gresses zu verschieben, scheiterten, o«rsam»'- si die Pariser Union fsd.rntive in einer Plenar- K.Chs' « iiplin ,,üv'%»vz...,.............. �..D----- m„_ y erüei-- Fragen der Theorie zu scheiden und vor der Hand �irde» f! behandeln. Gerade als diese Streitfragen debattirl 'chö HautiK.. der Abgeordnete Joffrin, einer der Hauptoertreter JLel«l«' sim, Broujse'schcr Taktik. Selbst ehrlich, aber ebenso , telfl, ooivissend war er wie eine Marionette am Faden . c» dieOr ffitcifeit von Brousie gelenkt und geleitet der Erwählten zusammen- die Pariser Union fed-rative in einer Pienar- T. Chäteffp'9, chren Regionalkongreß trotzdem vor dem Parteitag *MpIin>ut abzuhatten, seine Tage. Ordnung in Fragen der "''--•* rtvih nnr ber.�Sonb t.- dieser Eitelkeit von Brousse gelenkt -m volksthü.nliches Austreten. seine PoPular.tät waren ftirtn ließe., te!ler. Schon in den beim Begräbniß gehaltenen iu sn Ecu hii x feindseligen Strömungen unterscherdeu, noch »tmart,.« Opposition in der Versammlung zu Tage, welche ue zu Ebren des Verstorbenen von den Allemanisten ein- berufen und abgehalten ward. Alle Redner waren trotz des Lobes, daß sie Joffrin widerfahren ließen, darin einig, daß es hohe Zeit sei, eine streng sozialistische, kompromißfreie Taktik zu bethätigen. Diese Sprache war nicht dazu augethan, die„Erwählten" anzumuthen. Sic, die von der Autonomie der Gruppen schwärmen, sobald sie sich als Fußschemel für ihre politischen Klettergelüste erweist, brachten im Nationalkomitee ein Tadelsvotum gegen die Gruppe, welche die Versammlung organisirt, zu Stande. Natürlich ward der dadurch verschärfte Konflikt noch bitterer und tiefer mit Rücksicht auf die einzuheimsende politische Erbschaft Joffrin's. Die Broussisten planen eine Kandidatur Lavy's, der wegen seines den bürgerlichen Parteien geleisteten Diensten ein gut Theil bürgerlicher Stimmen erhalten könnte, so daß es mit deren Hilfe vielleicht wieder einen „praktischen Erfolg"— wenigstens für Herrn Lavy gäbe. Die Allemanisten hingegen denken daran, den Volkssänger Clement, Mitglied der Kommune aufzustellen, der sich vom Kadettismus freigehalten, durch Organisation der Föderation der Ardennen großes Verdienst erworben hat und ein politisch anständiger Mann ist, der aus keinen Kompromiß mit bürgerlichen Parteien eingehen würde. Die verschienen, bei den hier angedenten Gelegenheiten be rührten Streitsragen kristallisirteu sich schließlich im Kampfe sür oder gegen den'Artikel 9 des Parteiprogramms, welches den Gruppen in Wahlsragen ihre Autonomie läßt, sie unabhängig von der Partei disziplin macht. Er lautet:„Das Recht der Abberufung eines Mandatars sieht dem Komitee zu, welches dessen Kandidatur auf- gestellt hat, nachdem dieses in öffentlicher Versammlung die Wähler befragt." Dieser'Artikel, welcher die„Erwählten" nur vor ihrem lokalen Wahlkomitee, resp. den Wählern, nicht aber vor der Partei verantwortlich und abberufbar machte, hatte alle Kompromisse der possibilistischen Kandidaren mit den bürgerlichen Parteien ermöglicht. Keiner einheitlichen, streng prinzipiellen Partcidisziplin unterworfen, nur von lokalen Interessen und Rücksichten geleitet, hatten sich stets Gruppen gefunden, die bereit gewesen, Kandidaturen von Possibilisten aufzustellen, welche auf Kompromisse mit der Bourgeoisie eingingen. Die betreffenden Kandidaten gingen dann nicht auf Grund des Parteiprogramms, sondern eines besonderen Wahlprogramms in den Wahlkampf, das so zugesiutzt und verwässert war, daß es den„meisten Erfolg möglich machte", d. h. möglichst viel bürgerliche Stimmen er- halten konnte. Mit deren Hilfe einmal erst in eine öffentliche Körperschaft gekommen, ließen es sich die„Erwählten" angelegen sein, vor allem ihre persönliche Beliebtheit bei ihrer Wählermasse zu pflegen, indem sie z. B. im Stadtrath für die betr. Viertel Miethsunterstützungen, Verbesserungen des Schulwesens, der Straßen:c. beantragten und durchsetzten. Anträge dieser Natur, welche die Gunst der Wählermasse durch Zuwendung kleiner prak- tischer Vortheile sicherte, v.bsorbirten die Thätigkeit der possibi- lislischen Erwählten so ru-t wie ausschließlich, drängten die agi- tatorische Seite ihres Wirkens in der Vertrauensstellung durchaus in den Hintergrund. Tie„praktischen Erfolge" profitirten znnächsten den„Erwählten" selbst, dann deren Wühler, die Partei ging aber dabei so gut wie leer aus, obgleich sich die betreffenden Personen offiziell als die Vertreter und Erwählten der Partei gerirten. Eine Kontrole und Tisziplinirung der„Erwählten" seitens der Partei war unmöglich, diese waren sür ihre Haltung nicht ihr, nur ihren, aus den verschiedensten politischen Elementen zusammengewürfelten Wählern verantwortlich, nicht die Partei, nur die Wähler konnten eine Niederlegung des Mandats fordern. Sollte eine proletarische Taktik auf Grund des sozialistischen Pro- gramms befolgt werde», so durste sich die Autonomie der Gruppen nicht länger im Gegensatz zum Parteiprogramm, zum Partei- interesse bethätigen. Mit einer Umänderung des Artikel 9 war folglich der streberischen Kompromißlerei ehrgeiziger : der Hals gebrochen. Ter Artikel 9 ward somit zum Mittelpunkt der Angriffe seitens der'Allemanisten und der Ver- theidigung seitens der Broussisten. Um ihn drehten sich die Debatten dcs zehnten Regionalkongresses zu Paris, wie auch im entrum der Verhandlungen des zehnten Stationalkongresses zu hütellerault steht. � Der Regionalkongreß der Pariser Gruppen war, nachdem eine Spaltung seines'Arbeitsprogamms in einen die Disziplin nnd einen die Theorie behandelnden Theil und eine Vertagung des letzteren beschlossen, sür den 3., 4. und 5. Oktober angesetzt ivorden. Da jedoch an den genannten Tagen der Saal nicht frei war, so wurden die Frage» der Tagesordnung bereits am 1., 2. und 3. Oktober in geschlossenen Sitzungen debattirt, Sonntag, den 5. Oktober gelangten in öffentlicher Versammlung die Be- schlüsse zur Verlesung und Abstimmung. Die Presse halte zu den geschlossenen Sitzungen keinen Zutritt, und die Verhandlungen ollten so wenig publik werden, daß der„Parti Ouvrier" keinen Bericht über dieselben bringt. Den folgenden Mitlheilungen liegt der im„Temps" veröffentlichte Bericht zu Grunde. Auf der Tagesordnung standen folgende drei Fragen: I. Genaue Festsetzung der Machtbefugnisse seitens der Gruppen der Stadtviertel, der Wahlkomitecs der Arrondiffements und des Föderalkomitecs(Vertretung der Pariser Gruppen) in Wahl- fachen. 2. Regelung der Stellung seitens der Erwählten und Kan- didaten der Partei, Regelung der Verpflichtungen, welche sie cgen die Union scderative in Betreff der Mandatniedcrlegung, subsidien:c. zu erfüllen haben, Regelung der Rolle der Erwählten im Stadlrath. 3. Propagandamittcl vom sozialistischen und Wahlstand- punkte aus. Wie der Sekretär der Union föderative konstatirte, war der zehnte Regionalkongreß der schwach beschicktesie aller bisher statt- gefundenen Parteitage der Possibilisten. Zwar waren Delegirte fast sämmtlicher Pariser Gruppen anwesend, allein dieselben mithin auch kein Stiunnrecht besaßen. Zn Präsidenten der Sitzungen, in den Geschüftsausschuß, sowie in die beiden Kommissionen, von denen die eine mit Klassisizirung der ein- gereichten Anträge, die andere mit Ausarbeitung von Beschlüssen auf Grund dieser Anträge beauftragt war, wurden Allemanisten gewählt, ein charakteristisches Anzeichen sür den Geist, der den Kongreß beherrschte. Schon in der ersten Sitzung kam es nach den üblichen For- malitäten zu einem Scharmützel über die Rolle der Union fsdo- rative und der Autonomie der Gruppen in Wahlangclegcnheiten. Ter Stadlrath Lavy griff ziemlich hitzig die„Anmaßungen" der Pariser Gruppen an, welche die von den Lokalkomirees auf- gestellten Kandidaturen prüfen, billigen oder zurückweisen und Erwählte zur Demission zwingen wollten. Durch'Ausübung einer derartigen Diktatur lalle man in die boulangistische Tra- dilion, und die Wähler würden sich tür den Kaudidaten der Union föderative bedanken, wie sie sich sür die Bonlaugers be- dankt hätten. Seitens der Opposition wara geltend, gemacht, daß es sich bei Wahlkampagnen nicht blas um Erreichung eines Mandats, sondern um Propaganda der sozialistischen Doktrinen handle. Die Kandidaten muhten deehatb mir dem Programm der Partei, unter der Kontrole und Disziplin der Partei in den Kampf treten und dieser verantwortlich sein, damit die Thätigkeit der Erwählten in erster Linie der Partei zu Gute käme. Die Verhandlungen der folgenden Sitzungen drehten sich der Hauptsache nach um das gleiche Thema: Parteidisziplin oder Autonomie der Gruppen. Von der Opposition ward ganz richtig darauf hingewiesen, daß die jetzige Autonomie der Gruppen nur eine scheinbare sei, daß die„Erwählten", nachdem sie sich eine „Wahlkrcis-Popularität" gesichert, thatsächlich eine Diktatur über die Partei ausüben, dieser eine unsozialistische Taktik ausnöthigen. Besonders hart ward Brousse angegriffen, der— wie übrigens noch andere„Erwählte"— nicht einmal der Mühe werth gehalten, dein Kongreß beizuwohnen, was sehr übel vermerkt ward. Hinter der zarten Skrupolosität, mit der er sich zum Vertheidiger der Rechte der politisch so gemischten Wählermasse der Partei gegenüber aufwerfe, hieß es, verstecke sich nur die eigen- nützige Absicht, freie Hand zu allen Kompromissen zu haben. Als er noch Anarchist gewesen, habe er es sich weit weniger an- gelegen sein lassen, das freie Stimmrecht zu respektiren, damals habe er dasselbe überhaupt gar nicht anerkannt. Eine vom Ab- geordneten Dumay, von den Stadträthen Brousse, Reties, Berthaut, Prudent-Deroillers, Lavy, Caumcau(nur Stadtrath Faillct hatte nicht unterzeichnet) unterzeichnete Protestation, in der eine Modifikation des Artikels 9 als ein„unehrliches und rückschrittliches Ziel" bezeichnet ward, welche die Partei in der Gegenwart entehren und die Wahl ihrer Kandidaten in der Zukunft unmöglich machen werde, erregte große Erbitterung und veranlaßte ein Tadelsvotum gegen die betreffenden Erwählten. Stadtrath Faillet, der einzige„Erwählte", welcher der Opposition angehört, führte aus, daß das bürgerliche Element, wenn es an der Arbeiterbewegung Theil genommen, oft zum Schaden der- selben, selten zu ihrer Größe thätig gewesen. Nicht die Vall«s und Millivre hätten die Größe der Kommune ausgemacht, sondern Lente wie der Buchbinder Varlin, der Ziseleur Theig und Tausende unbekannter und ungenannter Arbeiter. Wenn sich Leute aus den Reihen der Bourgeoisie der Arbeiterpartei an- schließen, so dürfen sie nicht daran denken, ein Uebergewicht ausüben' und die Partei beherrschen zu wollen. Er beantrage deshalb die Absetzung des aktuellen und Wahl eines neuen Nationalkomitees, das Verbot der Wahlallianz seitens der Parteikandidaten mit irgend welchen bürgerlichen Parteien, und Berbot, daß die Er- wählten der Partei dem Ausschuß öffentlicher Körperschaften an- gehören. Ungemein stürmisch verlief die öffentliche Schlußsitzung vom Oktober, in welcher die Beschlüsse des Kongresses zur Verlesung und Abstimmung gelangten. Das„Proletariat" hatte in seiner Nummer vom 4. Oktober einen Artikel von Lavy„Aristokratischer Sozialismus" und einen von Brousse„Diktatur und Freiheit" gebracht. Beide'Artikel machten sich in oberflächlichster und ver- letzendster Weise über einen Antrag der Gruppe Cliguancourt, die Abschaffung des Artikel 9 und Einführung einer strammen Partei- disziplin, lustig nnd schmeichelten in niedrigster Weise der Wähler- masse. Mit jesuitischer Kasuistik warfen sich Lavy und Brousse' zu Vertheidigcrn der armen bedrohten Unschuld der Wähler ans, welche durch die„Vormundschaft eines Komitees, gegen das Drakon ein Schlappschwanz war", politisch ver- gemaltigt werden solle. Die Ausstellung der Kandidaturen, das Geld der Erwählten, daS Recht, deren Demission zu fordern, solle der Union föderative gehören, die Wähler würden dadurch zu bloßen Wahlmaschinen herabgewürdigt, die die Mühe, aber keine Rechte besäßen. Der höhnische Ton und die perfide Beweis- führung beider'Artikel hatten Oel in das Feuer der Opposition gegossen, und so platzten in der letzten Sitzung die Geister be- sonders heftig aufeinander. Auf Lavy's'Antrag hin ivard über Modifikation des Artikels 9 durch namentlichen Aufruf der Gruppen abgestimmt. 51 Gruppen gegen 18 erklärten sich für Abschaffung des Artikels 9 und Einführung einer Reihe von Bestimmungen, kraft deren die Union föderative in Wahlsachen eine Kontrole ausübt. (Siehe die Beschlüsse.) Der Kongreß entschied darauf zu Lavy's Entsetzen und Entrüstung, daß die Modifikation des'Reglements rückwirkende Kraft besitzen solle, so daß die neuen Bestimmungen auch bereits auf die schon in Körperschaften gewählten Partei-. Mitglieder anzuwenden seien. Es gelangte darauf noch eine 'Reihe weiterer Beschlüsse und„Wünsche" zur Slnnahmc, und der Kongreß sprach ein Tadelsvotum gegen Brousse»nd Lavy als Verfasser der erwähnten Artikel aus. Ganz besonders bedeutsam ist jedoch der auf Antrag der Gruppe dcs 10. Arrondiffements aillet) angenommene Beschluß, Brousse aus der a r t e i a u s z u s ch l i e ß e n, falls er nicht bis zum 9. Oktober (Eröffnung des Nationalkongresses zu Chütellerault) sein Aint als Stadtrath niedergelegt habe. Lavy's Antrag, ihn hinsichtlich dieses Beschlusses mit seinem Freund Brousse, dessen Ideen er theile, zu solidarisiren, ward„einstweilen" abgelehnt. Der Krug geht solange zn Wasser, bis er bricht, gilt endlich einmal von Herrn Brousse. Dieser hat den Krug seines Streberthums solange an dem trüben Bächlein des Vcrraths, der Kompromisse, der niederträchtigsten Jntriguen gegen alle korrekt denkenden und handelnden Führer der französischen Arbeiterschaft gefüllt, daß eine Stunde endlich schlagen mußte. Charakteristisch aber ist es— man ist fast versucht, es die Nemesis der Thatsachen zu nennen— daß sie anläßlich derselben Frage schlägt, die er seiner- zeit in seinen Ränken gegen Guesde, Lafargue?c. zum Vorivaud nahm, diese Leute, deren Talent sein vtichttalent in den Schatten stellte, deren prinzipielle Haltung seinen Mogeleien hinderlich war, aus der Partei heranszubugstren. Wie in den theoretischen Fragen, so haben die Verhältniffc auch in Sache» der Partei- disziplin der von den 5kolleklivisten vertretenen Auf assung Recht gegeben. In den Köpfen der ehemaligen Gegner hat sich— wie die erhobene Opposition gegen Brousse und seine Taktik beweist— ein Umschwung angebahnt, der sich zu Nutz und Frommen der französischen Arbeiterbewegung um so schneller und entscheidender vollziehen muß, je vollständiger die possibilistische Partei mit ihrer bisherigen Taktik, einem Gemisch von'Anarchie- »ins und Moderautismns bricht. Tie Beschlüsse des Regional- kongresse?, die Modifikation des Partcircglemcnts und Brousse's Person betreffend, sind deshalb nicht nur wichtig an und für sich. sondern auch als Symptom. Zu bedauern ist nur, daß sich die Possibilisten nicht früher von Brousse, ihrem bösen Genie, befreit: sie wären dann schon längst leine Possibilisten mehr, und es stände besser um die französische Arbeiterbcivcgung. Tie vom Kongreß angenommenen Beschlüsse über die drei Fragen der Tagesordnung stellen sich ihrem Wesen nach lolgt: wie cstehcn, doch muß jede derselben mindestens 15 Mitglieder haben. Konflikte zwischen Gruppen bei Ausstellung von Kandidaturen werden durch die Union föderativ im Interesse der Parket entschieden. acl 9. Die Union föderative billigt die von Parteigruppen ». s. iv. aufgestellten Kandidaturen. Sie besitzt das Recht, eine Akandatniederlcgung der Erwählten zu veranlasse». Erst nachdem das Föderalkomitee die Demission en blanc eines Kandidaten erhalten, kann diestr seine Kandidatur aufftellen. Ter Artikel 9 ist abgeschafft. Die Gemeinderathe:c. der Partei dürfen nicht dem Ausschuß der Stadt- und Generalräthe ze. angehöre». Die Er- wählten hängen in Lokalsragen von den Gruppen, die sie ver- treten, in Sachen der polittschen Propaganda und der allgemeinen Taktik von der Union föderative ab. Die durchaus gleichlauteu- den Demissionen an blanc müssen nur bei der Union sedörative deponirt werden,-welche auch die Subsidie» der Erwählten ein- pfängt. Sämmtliche von der Union federatlve beschlossenen Anträge müsse» von den Erwühlten binnen eines Monats in den betreffende» Körperschaften eingereicht werden. Die aus der Initiative der Erwählten hervorgegangenen Anträge muffen von diesen kollektiv unterzeichnet sein. Kein'Angehöriger einer anderen Partei darf seine Unterschrift beifügen. Bei Stichwahlen sollen die Parteikandidaturen einfach und jede Empfehlung eines Kandi- daten anderer Parteien zuruefgezoge» werden. Tie Union fede- rative kann gegen einen Erwählten nur ein Tadelsvotuin oder die Deinission beschließen,»achdein ein Dringlichkeitsantrag gestellt und die Frage der Prüfung der Gruppen überwiesen ivorden. aä 3. Jede Gruppe, welche einen Vertreter in össentlichcn Körpersckzaftcn hat, kann einen Wohlfahrtsausschuß ernennen, der dessen Haltung überivacht und ihm ein lokales Arbeilerprogramm stellt. Der Gruppe steht Jnterventionsrecht bei'Anträgen von lokalem oder politischein Interesse zu. Es wird eine besondere Propagandakasse gegründet, Organisation von Konferenzen, Ver- sammlunge», Gründung von Gruppen, Verthcilung von Broschüren und Zeitlingen:c. Strenges Verbot, daß die Parteiblättcr unter- einander poleinisiren. In der Form von„Wünschen" erklärte sich der Kongreß: Für eine neue und proportionellere Organisation des Nationalkoniilecs, in dem je 13 Gruppen durch 2, 30 Gruppen durch 4 Telegirte jc. vertreten sein sollten.— Der Kongreß zu Chütellerault möge sich durch Ucbcrgang zur Tagesordnung den Manövern widersetze», die Beschlüsse des vorliegenden Kon- gresses zu annulliren.— Ein Erwählter der Partei solle sich erst um ein neueS Mandat bewerben, nachdem er das bis dahin inne- gehabte niedergelegt.— Recht der Union föderative zu jeder Zeit die Niederlegung irgendwelcher Parteifunktiou zu fordern.— Verpflichtung der Erwählten, den Berathungen des Nationalkomitees beizuwohnen, ohne jedes Stimmrecht zu besitzen — Veröffentlichung vierteljähriger Rechenschaftsberichte seitens des Nationalkomitees über seine Arbeiten, Einnahmen und Aus- gaben.— Proklamirung des„Parti Ouvrier" als tägliches Organ der Partei, mit eventueller Beibehaltung des„Proletariat" als Wochenblatt für den offiziellen Theil.— Regeln über Er- Haltung und Uebergabe des Parteiarchivs.— Verbot, daß sich die Erwählten duelliren.— Auf dem Kongreß zu Ehütellerault haben nur Delcgirte von Gruppe», die mindestens seit 3 Monaten bestehen, Stimmrecht.— Die Telegirtcn des Nationalkomitees und des Föderativ-Komitees haben nur berathende, nicht ent- scheidende Stimme. Ter Kongreß nahm serner— ein hoch charakteristisches Zeichen— eine Adresse an die in Halle tagenden deutschen Sozialdemokraten— die von Brousse und seiner Klique best- gehaßte und bestvcrleumdcte aller Parteien an, die fan anderer Stelle im Wortlaut zu finden ist. Alles in Allem bezeichnet der zehnte Regionalkongreß von Paris eine ganze bedeutende und bedeutsame Wendling in dem Parteileben der Possibilistcn. Die nächste Zukunft schon wird zeigen, ob die Führer der Opposition nur den Stachel unbefriedigter Appetite im Leibe sitzen haben, oder ob sie in Erkenntuiß der begangenen Fehler zum Besten der Arbeitersache handeln. So wird sich zeigen, ob Allemane, der bis dato eine der festesten Stützeil der alten Taktik gewesen, bloß der Angeführte oder Mitschuldiger war. Auf alle Fälle stehen an der Spitze der Opposition neben Allemane Leute, die wie Faillet und Clement wohl Vertrauen in den Ernst ihrer Ueber- zeugungen beanspruchen dürfen. Schließlich heißt es auch von den hauptsächlichsten Trägern der Opposition: sie gehen voran, damit es aussieht, als ob sie führen, aber in Wirklichkeit werden sie durch den Marsch der Massen vorwärts gedrängt. Tie Arbeiterbewegung identifizirt sich aller Orten immer mehr und ausgesprochener mit der sozialistischen Bewegung, ihr Programin, ihre Taktik gruppirt das gesammte Proletariat und macht alle Possibilistelei und Kompronußlerei unmöglich. Diese Thalfache gelangte auch, wenn auch mit nebensächlichen und persönlichen Momenten verquickt auf dem Possibilistenkongreß zu Paris zum Ausdruck. Fraglich bleibt noch, ob der Nationalkongreß zu Chütellerault die Pariser Beschlüsse billigen oder ob hier die Brousse'sche Jntrigue nochmals trinmphiren wird. In diesem Falle ivürde schwerlich von einer Unterwerfung der Pariser Gruppen die Rede sein, es stände jedenfalls eine Spaltung wie zu St. Etienne(1882) zu erwarten. So oder so muß die Situation der streng sozialistischen Rich- tung der französischen Arbeiterbewegung zu Gute kommen. Nimmt es die Opposition mit ihrer Aufgabe ernst, so wird es, wenn wohl zunächst auch nicht zu einer Vereinigung mit den Kollek- twisten, so doch zu einer parallelen Handlung mit denselben kommen. Brousse würde wohl zunächst, von einem Bruchtheih der Pariser und den neugegründeten provinzialen Gruppen unterstützt, weiterzumvgeln suchen, bis er ganz ins Lager der Bourgeoisie gc- warfen werden wird. Auf alle Fälle ist sein verhängnißvoller Einfluß in Paris gebrochen und die Weiterentwickelung der hie- sigen Arbeiterbewegung wird sich damit immer mehr im sozialistischen Sinne vollziehen. Die vom Kongreß zu Chütellerault vorliegenden Nachrichten bestätigen die obigen Vermuthungen. Brousse und sein? Klique hat das Manöver praktizirt, das ihm in St. Etienne geglückt. Die Mandate oppositioneller Delegirten wurden von einer zu- sammengepankten Majorität beanstandet. In der Folge zogen sich die Vertreter der Föderation der Ardennen und vieler Pariser Gruppen zurück. Die Spaltung der Partei ist also perselt. Ausführlicher Bericht über de» Kongreß folgt in den nächsten Tagen. jDctTammlunacu. Dir auIZrrordr»tlicheG<»»rral»»rrsam»»l«»g dcpPrrie» Urveinigung drv Piinmcrcr Kcvlins, welche am 14. Oktober in Nehlitz Salon, Bergstr. 12, tagte, beschäftigte sich mit der Stellungnahme zu den Beschlüssen der Generalversammlung der Zimmerer Berlins vom 24. September er. und nahm nach ein- gehender Dislussion folgende lliesolution und'Anträge ein- stimmig an: Die heute den 14, Oktober 1800 tagende Generalversammlung der„Freien Vereinigung der Zimmercr Berlins und Umggeend" beschließt:„In Erwägung, daß durch das gehässige und jedes auf Einigkeit hinzielendes Bestreben entbehrendes Vorgehen der Leiter und Redner des hiesigen Lokalverbandes, wie dasselbe in den Generalversanimlungen der Berliner Zimmerer am 10. und 24. September er. zu Tage getreten ist, in welchen dieselben sich nicht gescheut haben, eine Avstimmnng(32 gegen 22 Stimmen) zu provoziren, durch welche es möglich werden sollte, eine erhebliche Minderheit der Berliner Zimmerer, welche daS System Jäckel und Konsorten als ein der Allgemeinheit schädliches erkannt und verurtheilt hat, mundtodt zu machen und die Leitung der Berliner Zlmmererbeivegnng wieder in die Hände der- jenigen Personen überantwortet wurde, welche moralisch mit veranlivortlich für die Handlungsweise Jäckels und durch ihre IVsjährige Thätigkeit, welche Sie gemcinschasllich mit Jäckel stir die Berliner Zimmerer und den Lokalverband Berlin als Vor- standsbeamte, Revisoren, Beauftragte w. entwickelt haben, bewiesen ist, daß Sie unfähig sind, eine Bewegung zu leiten, sonst hätte ein solch Vorkommniß, wie der Fall Jäckel, nicht vorkommen können und dürfen und durch die jetzige Agilationsweise in den Gesellen-Ausschußsitzungen und in den Versanimlnngen ist ferner bewiesen, daß das System Jäckel»och das herrschende ist und die Korrumpirnng der Masse von Seiten dieser Herren in krasser Weise gefördert und gepflegt wird. Aus diesen Gründen ist es der Mitgliedschaft der„Freien Vereinigung" unmöglich, jemals Vertrauen zu einer Körperschaft zu gewinne», wo derartige Ele- mente als die geistigen und thätigen Kräfte sungiren. In fernerer Erwägung, daß die Miethe», die Steuern, die Lebensmittelpreise, sowie alle zum menschlichen Be- dürsniß gehörigen Artikel eine immer mehr steigende Tendenz aufweisen, tvährend im direkten Gegensatz die Arbeitgeber statt dieLöhne dem Verhältnis; angemessen zu erhöhen den geringen Verdienst immer mehr und mehr erniedrige» und sogar einzelne freche und schamlose Arbeitgeber einen Stundenlohn von 43 Pf. und noch niedriger, statt 60 Pf. zahlen. In weiterer Beachtung, daß durch eine rein geivcrkschastliche Bewegung, welche sich nur mit Selbsthilfe mit'Ausschluß der Staatshilfe Helsen will, unmöglich waS erreicht werden kann. Die Aufgabe derjenigen Organisation aber, welche auf dem Boden der heutigen Arbeiterbewegung stehe, muß es sein, einen Druck auf die Gesetzgebung auszuüben, daß Gesetze geschaffen werden, welche den Arbeitern die Gleichberechtigung, sowie eine sichere Existenz garantiren, folgedessen ist die GewerkschastSbeive- gung nicht von der politischen zu trennen. In weiterer Erwägung, daß es eine der Hauptaufgaben unseres Vereins sei» muß, die Kameraden in der Umgegend von Berlin zu einer Organisation heranzuziehen und dieseiben zu ge- treuen Kämpfern für unsere Sache heranzubilden. Infolge veffen steht sich die Mitgliedschaft der„Freien Vereinigung" veranlaßt, selbstständig vorzugchen und den Kämpf mir unseren Aus- beutern und Gegnern aufzunehmen und beschließt demnach: Ter§ 5 des Statuts fällt fort und erhält folgende Fassung Mitglied kann jeder in Berlin und 43 Kilometer im Umkreise wohnende Zinimerer werden n. s. w. Im§ 8 den Satz:„in de» verschiedenen Stadttheilen" zu streichen und dafür zu seyen:„in den verschiedenen Städten innerhalb 45 Kilometer im Umkreise von Berlin." Im§ 12 folgenden Zusatz:„Sollten zur Leitung der Ge- schäfte 5 Personen nicht mehr ausreichen, so müssen auf Antrag des Vorstandes 3 bis 5 Ersatzpcrsonen des Vorstandes gewählt werde»., Um die Agitation kräftiger zu entfalten, beschließt die Ver- sammlung: 1. Einen Unterstützungssoud(Rescrvesond) zu gründen. 2. Jedes Mitglied hat hierzu einen wöchentlichen Beitrag von 25 Pf. zu entrichten; der monatliche Extrabeitrag fällt fort. 3. Als Quittung erhält ein Jeder, der Beiträge leistet(ob Mitglied oder nicht), eine Quittungskarte mit den nöthigen Wochenrubriken versehen, in welcher eine Marke für die erfolgte Zahlung zu kleben ist. Tie Qittungskarte erhält den Titel- köpf:„Reservefond der Berliner Zimmerleute"(Lokale Organi- sation). 4. Ueber die Verwendung der Gelder hat der Vorstand event. die Versammlung zu bestimmen, jedoch dürfe» dieselben nur zu Unterstützungen bei Streiks und zur Agitation verivendet werden. 5. Für Verwaltung und Ausgabe der Marken wird ei» Hilss- Kassirer gewählt. Terselbe Hai die eingehenden Gelder jeden Monat an de» Kassirer abzuliefern und ist hierüber ein eiz� Konto zu führen. � 6. Der Kassirer und Hilfskassirer ist verpflichtet, eine Stunde vor Beginn einer jeden Versammlung zu erschuf Der Hilfskassirer muß den Borstandssitzungen beiwohnen und M ----->.„ 68- kassirer 0,75 Pf. Entschädigung. 7. DieZahlungen beginnen mit Sonnabend, den 18. Oktober � und sind die'Marken und Karten bei dem Kassirer P' Schulz, Neue Hochstr. 27 und bei dem Hilfskassirer Herme"- Goede, Adolphstr, 3, v. l Tr. in Empfang zu nehmen. 8. Der Vorstand wird beauftragt, in einer der nächsten Ben sammlunge» einen Organisations- und Agitationsentivurf 11111 besonderer Berücksichtigung der Umgegend Berlins zu entwerst"- 0. Jedes Mitglied niy*. vi. ist moralisch verpflichtet, mit allen, st zu Gebole stehenden Mitteln seine Kameraden zu dem Pkw" heranzuziehen und für rege Belheiligung a» den Sanunlun� zum Reservefonds zu agitiren. Eine llombinirte ülitgliedervevsammlnug der"st' rinigung der Drechsler Dentschlando, Orlsvenvaltung I—'r; Berlin. tagte am Sonntag, den 12. Oktober, in Teigumuer- Saal, Alte Jakobstr. 43a. Tie Tagesordnung lautete: i- ä. Nothwendigkeit unserer diesjährigen Generalversammlung. Rst' Kollege Lutz. 2. Diskussion. 3. Bericht und Wahl des Arbeit-' Vermittlers. 4. Verschiedenes und Fragekasten.... Eröffnung der Sitzung a/ill Uhr. Das Bureau bilden o Herren Thoß, Holz und Schwarze. Zum ersten Punkt resew1 Kollege Lutz. In seinen'Ausführungen klagte er besonders illj ein zu selbstständiges Vorgehen deS Hamburger Hauptvorstano� dessen voreiliges Vertreibe» der Agitationsmarken und der"stj schwebenden Zeitungssrage. Ferner kritisirte bet Referent Art der Verwaltung der Delegirlengelder. Bei der folge»"* Diskussion schloffen sich die Kollegen Pindrix>», Böttcher zum größten Theil den Klage» des RefeveM an und betonte» besonders die ivahrscheinliche Unmöglichkeit, Generalversammlung überhaupt abhalten zu könne», da ,c Delegirtcnfonds zu schwach sei. 5kollege Hildebrandt vertheistv" den Hamburger Hauptvorstand mit Ausnahme einiger berech»!!» Klagen und suchte das Verhalte» des Ausschusses in dieser als korrekt darzustellen, und dafür zu agitiren, daß die Gene»1,! versaininlung erst zu Ostern stattfinde. Hierauf wurde folgest »om Kollegen Lutz eingebrachte Resolution mit allen gegen bw Stimmen angenommen: i Die am 12. Oktober tagende kombinirte Mitglieder Versammlung des V. D. D. legt entschieden Protest das diktatorische Borgehe» des.Hauptvorstandes in Beb™ der Zeitungsfrage und'Agitationsweise ein, empfiehlt ds. Ortsverwaltnungen Berlins bei der Urabstimmung Mg zu stimmen, daß die Generalversammlung zu Ostern Pfj findet und hofft, daß bis zu dieser Zeit Klärung H Kaffenverhältnisse betreffs der Telegirtensteuer stwst funden hat. 1 Zum dritten Punkt der Tagesordnung gab Koll. HildebrE als Arbeitsvermittlcr den Rechenschaftsbericht vom 1. August � 1. Oktober. 150 Stellen wurden vermittelt. Dies zeigt im'1 gemeinen einen erfreulichen Aufschwung. 21 Kollege» waren anderen Orte» zugereist. _ Zum Punkt„Verschiedenes" gab ein Vertreter des gnügungskoinitees einen Bericht über den veraanaenen Sow"�, nachtsball. Von dem ca. 97 M. betragenden Ueberschnß»st% 50 M. für die Bibliothek und der Rest dem Komitee beiv'M Hierauf weist Koll. Thiem auf den in der Perlmuttiverl! von Hinze infolge von Lohnabzügen ausgebrochenen Streu Tie Versammlung beschließt, dem von Koll. Hildebrandt gel»» Antrag beizustimmen. Der Antrag lautete:.. d>l „Die Bereinigung der Drechsler Deutschlands erklärt Angelegenheit Hinze für die ihre und verpflichtet sich, energ für die Streikenden einzutreten."„il Koll. Plagens wies nochmals auf die ausständigen Rathen» � hin und bitter um rege Unterstützung derselben. Schluß� err» Reyer, Alte'Jakobstraße 83, unter Vorsitz der Eine öffentliche Nersainmlnng der Meta-i«,- p(j Berlins und Umgegend tagte am 13. Oktober im Lokale, " err» Reyer, Alte Jakobstraße 83, unter Vorsitz der Kowii „orschel, Franz und Roth mit folgender Tagesordnung: 1-«t trag des Herrn Link. 2. Diskussion. 8. Berichterstattung„ Delegirten der Streik-Kontrolkommissiou. 4. Stellungnahme Gewerkschastskongreß. 5. Verschiedenes. Herr Link sprach Gesellschasts- und Privateigenlhum und erntete den Beisa», Versammlung. An der Diskussion betheiligten sich die Roth, Schwarz, Nehden, Scheer und Knüppel und wurde.1.. gende vom Kollege» Schivarz eingebrachte Resolution einst"» angenommen: tt „In der heute, am 13. Oktober, im Lokale des-vA Reyer tagende öffentliche Versammlung der MetallWJSi erklären alle Anwesenden dem Fachverein der M" schleifer beizutreten."„„t Zum 3. Punkt berichten die Kollegen Schwarz j, Niemctscheck über de» Geschäftsgang der Berliner Streik-Ko>', kommission. Ueber Punkt 4 wurde zur Tagesordnung% gegangen und folgender vom Kollegen Knüppel eingebrachter traa einstimmig angenommen: Das heutige Bureau%„g lagen eine neue Versammlung einzuberufen und als der Tagesordnung zu setzen:„Wie stellen wir uns zum G( � ». r... � r. Ojj------ w-..-**- r---- i-*i____? v.■..iu+Ol'Ilö --—--------(j-■ //„ � U,,, Q chastekongreß?" Mit einem dreifachen Hoch auf die inteu »ale Arbeiterbewegung wurde die Versammlung geschlosse»' Preisgekrönt E Sicherheits-LöthBampe. 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