Nr. S46. Mittwoch, bttt A3. Oktober 1890, 7. Jahrg. Mm Organ für die Interessen der Arbeiter. Jnsertionsgebühr beträgt für die S gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS« Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachinittaas in der Expedition, Berlin SW., Beuthitrasc 3, foivie von allen Annoncen-Bureallr, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 0 Uhr Vormittags geöffnet. -• Lernsprechrr: Amt VI. Ur. 4100.»- Nedaktion: VenthfirAßo 2.— Expedikion: 3» Die Itourllc ,»»' KranKenverstchernngs Grseh. «Wer I. Seilt, M in Deutschland mit allen Erscheinungen jähr � � wollte, der würde sich schon im ersten Viertel- iu Tode ärgern. Nein, so dumm war ich nie; ich Diät gehalten. Ich sah nur immer auf den SuiA t Erscheinungen, aus den breiten Grund, der Gattungen und tausend Arten und Spielarten Ri a er Früchte trägt. Wäre nun auch eine Erschei- G,..�.°°rübergegangen, was änderte das, so lange der »om geblieben? D i e Früchte, die ein Baum im ichh». 7�re getragen, trägt er freilich in diesem Jahre »itd i e§'st die nämliche Art, es ist die alte Wurzel, HjM alte Stamm, und alte Klagen brauchen darum Jl Zurückgenommen zu werden." sickt k'ese Worte B ö r n e' s wurden wir bei Durch- lehh' Lovelle zum Krankenversicherungs-Gesetz recht LJ/st erinnert. Wenn auch der„eiserne Kanzler" Ii»,| seinem„schneidigen Sozialistengesetz" vor nicht l&tiwl zum„alten Eisen" gelegt wurden— der gerieben, es ist die alte Wurzel und der alte s' welchem die neuesten Früchte zur Berbesse- s>»o k-"sozialreformatorischen Gesetzgebung" gewachsen sseil? i ist derselbe Bureaukrätismus, der aus jeder Pro?.r�oorleuchtet, der schon früher den lammfrommen �.lMor Lujo Brentano zu dem Ausspruch Ver- g g t"u,19 gab, daß die Verquickung der S o z i a l g e s e tz- «lih-.�9 wit dem Bureau kratisnius keine Wirkung haben könne, als den Arbeitern einen einzuflößen. tio» Veuta1'0 hat in diesem Falle unzweifelhaft das Rich- jjv n Ar«« t? /v»•**" d''"•"••*'• fonbe. kffeo. Nicht allein in den llreisen der Arbeiter, auch bei vielen Unternehmern, namentlich den so- Zeqen b- 1»deinen" Handwerkern, ist ein tiefer Widerwille iuVe man möchte feist sagen ungeheuerlichen— ""i'eaufvnVi.-.r~"".'"vvv"' ,"'1'"Öl" "erfdimi, Einrichtungen vorhanden, wenngleich nicht Nehn,�s_9eu werden soll, daß der Widerwille in den Unter- »Is L.e,ien zum Theil ganz anderen Motiven entspringt, oen Arbeitern. Widern, Us ober der Meinung sein sollte, daß diesem sich Q.. m der Novelle Rechnung getragen ist, der irrt �stiinnin. nicht nur alle bureaukratischen .�Uer Gesetze geblieben, sondern noch eine Reihe � li>-!,, �esugt. Warum auch nicht? Ist man doch in NitchU,%" Kreisen von der Vortrefflichkeit der„sozial- %!ife Maßnahmen" so sehr überzeugt, daß beispiels- «Berliner Politischen Nachrichten" schon im No- ----- Uictoria. Roman von Minna K a u t s k y. ■l|ie"°ch etwas?". v"echt warten, um die Sachen wieder himinter cht sie leise mit einer heiseren Stimnie, die . Er klang. ?0rte>, Me=„Nein, mein Kind, da müßten sie lange 2»tb wichoJI1106 soeben erst an und denke nicht daran, Kdc. bie if Er unterbrach sich, um eme am glasen-!!, iH � Hand gestochen und sein Blut sog, e-»sä syiaf"..ÄÄ �eSen,'L kiese verdammten Fliegen mich nur in Ruhe »Und unJ"Rauch vertreibt sie nicht—" �»ii. soll ich wiederkommen?" sohlte ein»» r?e,n Kind- ich baute", sagte er nervös; »Bitte d»"k im Halse. MKIZW? nb rieb sich nun den Hals, die St.rne, die � herfallen blutdürstigen Bestien da meuchlerisch über l'nd da soll ich malen!" vember 1886 schreiben konnten:„Während nach Einführung des Kranken- und Unfallversicherungs- Gesetzes die Sozialdemokraten sich den Anschein gaben, als ob diese Einrichtungen ohne Belang für die Interessen der Arbeiter wären und von diesen mit großer Gleichgiltigkeit auf- genommen würden, stellt es sich nunmehr, nachdem die Gesetze längere Zeit in Kraft sind, als unzweifelhaft her- aus, daß die Arbeiter die Vortheile dieser für sie ge- schaffenen Institutionen wohl zu schätzen wissen. Wer Gelegenheit hat, mit Arbeitern zu verkehren und Veran- lassung nimmt, ihre Ansichten über diese Wohlsahrts- eiurichtungen zu hören, der wird in den allermeisten Fällen sich überzeugen, daß von ihnen der Werth der Versicherungs- Gesetze völlig gewürdigt wird." Also, wozu von der betretenen Bahn ab- weichen?„Hat auch noch nicht jeder Arbeiter sein Huhn im Topse", so weiß er doch den Werth der Ver sicherungs-Gesetze völlig zu würdigen und wird sich gewiß freuen, wenn der bureaukratische Zopf, der diesen Gesetzen anhängt, noch ein Stück länger wird. Betrachten wir das zur Zeit giltige Kranken- versicherungs-Gesetz näher, so finden wir, daß dasselbe, eingetheilt in 88 Paragraphen, in 41 derselben eine Einwirkung der Behörden zuläßt. Nach§ 2 bedürfen die Vorschriften einer Gemeinde über die weitere Ausdehnung des Versicherungszwanges der Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde; nach § 8 setzt letztere den ortsüblichen Tagelohn fest; nach§ 9 muß ihr ein Rechnungsabschluß über die Gemeinde- Krankenversicherung eingereicht werden; nach§ 10 können nur mit ihrer Genehmigung die Beiträge bis zu 2 pCt erhöht werden und sie kann die Herabsetzung der Beiträge verfügen, wenn den in Absatz 3 vorgeschriebenen Maßnahmen seitens der Gemeinde nicht Rechnung getragen wird. Nach§ 12 kann die höhere Verwaltungsbehörde die Vereinigung mehrerer Gemeinden zu gemeinsamer Ver- sicherung anordnen und auch die Beschlüsse mehrerer Ge- meinden betreffs gemeinsamer Versicherung bedürfen ihrer Genehmigung. Nach§ 13 kann sie ebenfalls unter einer bestimmten Voraussetzung die Vereinigung mehrerer Ge meinden zu gemeinsamer Versicherung anordnen, sie kann ferner anordnen, daß der weitere Kommunalverband in die Stelle der einzelnen Gemeinden zu treten hat, sie hat serner die erforderlichen Vorschriften über die Verwaltung zu erlassen. Nach§ 14 kann die höhere Verwaltungsbehörde die Vereinigung auflösen und in diesem Falle' über die Vertheilung eines etwa vorhandenen Reservefonds Bestimmung treffen. Nach§ 16 entscheidet sie, Die Franzel war erschreckt zurückgesprungen, sie retirirte rasch noch weiter, als gälte es sich selbst in Sicherheit zu bringen. Er bemerkte es und brach in ein herzliches Lachen aus.„Fürchten Sie sich nicht— ich—" er zuckte—„thue Ihnen nichts— gewiß nicht— Sie müssen freilich denken, das muß ein Wütherisch sein, der über einen Mückenstich so aufgebracht werden kann— nun, ich habe gelegentlich auch sanfte Augenblicke." Es kam ungemein liebenswürdig heraus, und schon hatte er sich wieder gesetzt und den Pinsel in die Hand ge- nonuncn. Aber die kleinen Blutsauger hatten Geschmack an ihm gefunden und ivollten ihn nicht aufgeben. Sie umschwärmten ihn immer dichter. „Sehen Sie, mein Kind, ein Maler ist hilflos, hilflos wie ein Kind, diesen Vamvyren gegenüber!" In komischer Vcrzweislnng saß er da, in einer Hand die Palette, m der anderen den Pinsel, in dem er gerade die rechte Mischung hatte. In dem Augenblick setzte sich eine Mücke kecklich auf seine Nase. Er schüttelte mit dem Kopfe, er stampfte mit dem Fnße, es beirrte sie durchaus nicht. Aber schon hatte die Franzel ein langstieliges Gras, ein Büschel des ivehenden Frauenhaares ans dem Boden gerissen und es über seinem Kopfe schwingend verscheuchte sie das Thierchen. Es war ein dankbarer Blick, den er ihr schenkte. „Das lasse ich mir gefallen, ein solcher Fächer wäre höchst zweckmäßig." „Wenn Sie erlauben, so will ich mich dahersetzen und ihn führen, Sie iverden dann Ruhe haben." wenn gegen die Einrichtung einer gemeinsamen Ortskasse Widerspruch erhoben wird. Nach§ 17 kann sie die Ge- meinde verpflichten, Ortskassen zu errichten, nach§ 18 kann sie die Errichtung einer Ortskasse gestatten und nach § 24 bedarf das Kassenstatut ihrer Genehmigung. Nach § 30 hat die höhere Verwaltungsbehörde vor der Geneh- migung des Statuts eine sachverständige Prüfung herbei- zuführen, wenn Zweifel über die richtige Bemessung der Beiträge entstehen; nach§ 33 hat sie die Beschlußfassung anzuordnen oder selbst die erforderliche Abänderung des Statuts zu vollziehen, wenn die Vertretung der Kasse den in diesem Paragraphen getroffenen Bestimmungen nicht nachkommt. Nach§ 35 ist zur Legitimation des Vor- standes eine Bescheinigung der Aufsichtsbehörde erforder- (ich; nach§34 und§37 wird die erstmalige Wahl, sowie spätere Wahlen, bei denen ein Vorstand nicht vorhanden ist, von einem Vertreter der Aufsichtsbehörde geleitet; nach § 39 ernennt letztere den Vorstand oder die Vertreter zur Generalversammlung, wenn die Wahlen von den Mit- gliedern verweigert werden. Nach§ 40 sind Werthpapiere bei der Aussichtsbehörde oder nach deren Anweisung ver- wahrlich niederzulegen. Nach§ 41 ist die Kasse ver- pflichtet, in den vorgeschriebenen Fristen und nach den vorgeschriebenen Formularen Uebersichten über die Mit- glieder u. s. w., sowie einen Rechnungsabschluß der Auf- sichtsbehörde einzureichen, auch ist die höhere Verwaltungs- behörde befugt, über Art und Form der Rechnungs- führung Vorschriften zu erlassen. Nach§ 42 können Verivaltungsbeamte, welche verfügbare Gelder der Kasse in ihrem Nutzen verwenden, unbeschadet der strasrecht- lichen Verfolgung, durch die Aufsichsbehörde angehalten werden, das in ihrem Nutzen verwendete Geld zu ver- zinsen. Nach§ 43 kann die höhere Verwaltungs- behörde die Errichtung gemeinsamer Orts-Krankenkassen für einzelne Theile ihres Verwaltungsbezirks anordnen, auch bedürfen die Beschlüsse mehrerer Gemeinden zwecks Einrichtung gemeinsamer Ortskassen ihrer Genehmigung. Nach§ 44 wird die Aufsicht über die Kassen von den Gemeindebehörden, sowie von den höheren Verwaltungs- behörden und von den seitens der Landesregierungen zu bestimmenden Behörden wahrgenommen. Durch§ 45 sind der Aufsichtsbehörde die weitgehendsten Befugnisse über die Kassen eingeräumt. Nach§ 46 bedarf das Statut eines Verbandes mehrerer Kassen der Genehmigung der höheren Verwaltungsbehörde; nach§ 47 kann sie Orts- kassen schließen oder auflösen, auch hat sie Entscheidung über die Zuwendung des verbleibenden Vermögens zu treffen. Nach§ 48 stehen ihr die gleichen Befugnisse unter anderen Voraussetzungen zu. Nach§ 49 kann die Aufsichtsbehörde eine gemeinsame Meldestelle errichten. „Sie sind sehr gütig, aber es wird Sie ermüden und langweilen." Sie schüttelte lebhaft den Kopf. „O nein, es ist so still hier und so schön." „So, empfinden Sie das?" „Es thnt mir wohl," sagte sie einfach. Sie pflückte mit Auswahl noch einige dieser silberhaarigen wehenden Büschel, band sie zusammen und sich seitwärts von ihm ins Gras setzend, begann sie ihr Geschäft. „Es ist ganz recht so," nickte er zufrieden,„hüten Sie sich nur, meiner Staffelei allzunahe zu kommen, mein —" er brachte das Fräulem nicht heraus,„wie heißen Sie denn?" „Franzel." „Richtig; wir haben uns ja gestern schon gesehen, nicht wahr? und wollten eben miteinander tanzen, als — wer war denn dieser Bursche, der so störend dazwischen trat?" „Der Andreas." „So so, der Andreas. Er scheint höllisch eifersüchtig zu sein?" Er schielte von der Seite nach ihr hm. Sie dänchte ihm ein Kind uiid er wollte doch sehe», wie sie sich dazu verhielt. Aber das junge Gesicht behielt seinen schlaffen, nichtssagenden Ausdruck.„Aber wo ist er denn heute, dieser— Andreas?" „Er arbeitet in der Fabrik, wie ich, der wird sich wundern, daß ich heute nicht hingekommen bin, aber ich war so müde, ach so sehr! ich konnte Morgens mich nicht erheben, und bin wieder eingeschlafen. So habe ich die Fabrikstunde versäumt, und darum war ich frei und konnte herauskommen— ich war noch uic hier oben." Sie sprach die'letzten Worte fast verschämt, es war wie ein Bekenntniß § 54 bestimmt wieder eine Genehmigung durch die höhere Verwaltungsbehörde. Nach§ 58 werden Streitige teilen betreffs Leistung von Beiträgen zc. durch die Aufsichtsbehörde entschieden. Nach§ 60 können Betriebsunternehmer durch die höhere Verwaltungsbehörde zur Er- richtung von Betriebskassen verpflichtet werden; nach Z 61 kann sie unter bestimmten Voraussetzungen die Errichtung von Betriebskassen anordnen oder gestatten; nach§ 62 setzt sie die Beiträge fest, welche Betriebsunternehmer zu leisten haben, wenn sie die Verpflichtung zur Errichtung einer Betriebs-Krankenkasse innerhalb der von der höheren Verwaltungsbehörde bestimmten Frist nicht nachkommen. Nach§ 66 ist die Aufsichtsbehörde befugt, Ansprüche, welche der Kasse gegen den Betriebsunternehmer erwachsen, geltend zu machen. Nach§ 67 kann die Aufsichtsbehörde unter bestimmten Voraussetzungen die Verwaltung der Kasse übernehmen und sind ihr dann das Kassenvermögen, die Bücher jc. auszuliefern. Nach§ 68 kann die höhere Verwaltungsbehörde unter bestimmten Voraussetzungen die Kasse auflösen; nach§ 69 kann sie die Errichtung von Bau-Krankenkassen anordnen; nach§ 70 kann sie die Uebertragung der dem Bauherrn obliegenden Verpflichtung gestatten und nach§ 72 stehen ihr wieder eine Reihe Be- fugnisse den Bau-Krankenkassen gegenüber zu. Nach§76 kann die Aufsichtsbehörde anordnen, daß das Ausscheiden von Mitgliedern bei den gemeinsamen Meldestellen zu erfolgen hat. Nach§ 85 vollzieht die höhere Verwaltungsbehörde die Abänderung der Statuten solcher Kassen, die sich den Bestimmungen des Gesetzes anzupassen haben, aber die Aenderung nicht selbst herbeiführen und nach§ 86 hat sie verschiedene Anordnungen bezüglich der daselbst näher be- zeichneten Kassen zu treffen. Wir haben diesen, wie wir selbst gerne zugeben wollen, ziemlich lairgweiligen Extrakt nur gemacht um ad oculos zu demonstriren, wie üppig der Bureaukratismus in dem Krankenversicherungs-Gesetz ins Kraut geschossen ist. Rechnet man dazu noch die übrigen für die Kassen bindenden Bestimmungen des Gesetzes, von denen in keiner Weise abgewichen werden darf, so muß selbst dem Blödesten einleuchten, daß von einem Selbstbestimmungs- recht der Betheiligten kaum mehr die Rede sein kann, sondern daß allgemein der Grundsatz durchgeführt ist„Und folgst Du nicht willig, so brauch ich Gewalt", um mit dem„Erlkönig" zu reden. Wer nun aber der Meinung war, jener Bestinimungen seien mehr als zu viel, um die Krankenversicherung durchzuführen, der wird sich bitter ge- täuscht sehen, wenn er sich die geplante Novelle etwas näher ansieht. Wir wollen der Kürze halber nicht wie vorstehend jede einzelne Einwirkung, welche den Behörden noch durch die Novelle eingeräumt werden soll, näher an- führen, es genügt zu konstatiren, daß dies in den§§ 3, 5, 6, 18, 19, 24, 26, 33, 46, 47, 48, 49, 57, 58, 67, 73 und 76, also in 17 Paragraphen weiter in Aussicht genommen ist und— um nichts halb zu thun— sind auch die Strafvorschriften vermehrt. Was nun die Abänderungs-Vorschläge anlangt, so ist zunächst zu konstatiren, dasj dieselben in einigen Bezieh- ungen einen V o r t h e i l für die Versicherten be- zwecken. So soll fernerhin der Bezug des Krankengeldes nicht mehr mit dem Ablauf der 13. Woche nach Beginn der Krankheit enden, sondern erst mit Ablauf der 13. Woche nach Beginn des Krankengeld-Bezuges. Stach der zur Zeit noch giltigen Bestimmung des§ 6 konnte der Fall ein- treten, daß ein Erkrankter überhaupt kein Krankengeld be- kam, er brauchte nur 13 Wochen krank, aber nicht arbeits- unfähig zu sein, so erhielt er eben nur für diese Zeit freien Arzt und Medizin und trat nach dieser Zeit Arbeits- Unfähigkeit ein, so war jeder weitere Unterstützungsanspruch erloschen, während fernerhin in allen Fällen der Arbeits- Unfähigkeit für 13 Wochen Krankengeld nebst freiem Arzt und Medizin geleistet werden soll, auch wenn letzteres schon eine längere Zeit gewährt wurde. Freier Arzt und Medizin ihrer Glückseligkeit. Ihn ließ diese Zutraulichkeit unberührt, er hatte sich in seine Arbeit vertieft und fragte nicht weiter. Sie schwieg nun ebenfalls. Aber sie versah ihr Amt getreulich, sie wehte und fächerte mit ihrem Pflanzenwedel und scheuchte alle Mücken hinweg. Er konnte ruhig arbeiten und ungestört. Die Sonne hatte den Zenith erreicht, die Hitze war enorm und das Gemäuer strahlte all die auf- genommene Gluth wieder zurück. Der Thau, der so reich- lich auf dem blumigen Grasboden gelegen, war längst aus- gesogen, nur einen feinen Dunst zurücklassend, der nun in der heißen Luft darüber hinzitterte. Und diese heiße träge Luft ließ die Zweige des Hollunders unbewegt und selbst die langstieligen Gräser neigten sich nur wie im Traume einander zu. Eine geraume Zeit war vergangen. Jetzt ließ Oswaldt die Palette sinken, er hatte genug— und auch die Mücken waren wieder gekommen. Die Kleine ermüdete, sie hatte schon lange hindurch den Fächer nicht mehr bewegt. Er erhob sich und sah sich nach ihr um. Sie war aus den Grasboden hingesunken und schlief. Ein spöttisches Lächeln umznckte seinen Mund. „Die schläft also immer und zu jeder Tageszeit," dachte er. Was sollte er nun mit ihr anfangen? Sollte er sie wecken oder hier lassen und fortgehen? Er begann seine Geräthschaften zusammen zn packen. Als er einen zweiten Blick nach dem Mädchen warf, blieben seine Augen gefesselt an ihr hangen. Das Kopftuch hatte sich gelöst und war nach rückwärts ge- fallen und eine Fülle rothblondcn Haares, auf das die Sonne ihre goldigsten Lichter warf, umwogte in breiten lockigen Partien das zarte Gesicht. „Das ist prächtig," sagte er in unwillkürlicher Be- wundernng,„das ist eine Farbe, wie sie das ganze Cinque cento nicht herrlicher besessen. Er beugte sich näher gegen sie herab. Da schlug sie die Augen auf und ohne ihre Stellung zu verändern, sah sie ihn an mit einem großen, traumhafteil Blick. Nie hatte sie in so schöne milde Augen gesehen, ihr ivar, als blicke sie in den Himmel. sind überhaupt auf unbeschränkte Zeit zu gewähren, wenn diese Leistung nicht durch Krankengeld-Bezug unterbrochen wird.— Nach§ 20 soll für die Berechnung des Sterbegeldes nicht mehr der ortsübliche Tagelohn, sondern der durch- schnittliche Tagelohn oes Versicherten maßgebend sein, auch soll das Sterbegeld bezahlt werden, wenn ein Mitglied vor Ablauf eines Jahres nach Beendigung des Kranken- geld-Bezuges stirbt, falls die Arbeitsunfähigkeit bis zum Tode fortgedauert hat und letzterer infolge derselben Krank- heit eingetreten ist. Gehörte der Verstorbene noch kein Jahr der Kasse an, so ist die Zeit der Mitgliedschaft maß- gebend. Ferner soll den Kassen gestattet sein, ihre Leistungen weiter auszudehnen, als sie bisher berechtigt waren. So soll das Krankengeld auch für die ersten drei Tage der Erwerbsunfähigkeit, sowie für Sonn- und Festtage gewährt werden können. Für die Dauer eines Jahres vom Be- ginn der Krankenunterstützung ab soll Fürsorge für Re- konvaleszenten gewährt werden können. Auch die Wöch- nerinnen- Unterstützung soll bis zu 6 Wochen ausgedehnt werden können. Nach§ 26 sollen fernerhin Kassenmitglieder, welche behufs Erfüllung ihrer militärischen Dienstpflicht oder wegen periodisch wiederkehrender zeitweiliger Einstellung des Betriebes ausscheiden, ohne weiteres wieder in ihre vollen Rechte eintreten, wenn sie in eine Beschäftigung zu- rücktreten, vermöge welcher sie wieder Mitglieder derselben Kasse werden. Diesen Vergünstigungen, soweit sie überhaupt in Kraft treten werden, stehen aber sehr erhebliche Beschränkungen gegenüber, die in einein zweiten Artikel besprochen werden sollen. An die Parteigenossen! Durch den Parteitag in Halle a. d. S. zur Leitung der Partei berufen, hat sich die unterzeichnete Parteileitung, entsprechend der Bestimmung des§ 13 al. III des Organisationsstatuts, konstituirt. In Bezug auf die geschäftliche Behandlung der Partei- angelegenheiten sind folgende Beschlüsse gefaßt: Das Bureau des Parteivorstandes befindet sich: Herlin SV., Kntzbachstr. 9, I. Alle für die Parteileitung bestimmten Zuschriften und Einsendungen sind an diese Adresse,, und zwar bis auf Weiteres an den mitunterzeichneten Genossen I. Auer zu richten. Alle für Parteizwecke bestimmte Geldsendungen sind an den Parteikassirer: August Krbel, Krrliu V., Groß-Görschenstr. 22 a. zu adressiren. B eschwerden, die sich gegen die Parteileitung oder deren Geschäftsführung richten, sind an den Genossen August I a k o b- y, Herliu Ii., Höchst r. 33, Hof III. zu senden. Indem wir die Genossen allerorts ersuchen, im Interesse einer raschen und pünktlichen Erledigung der Parteigeschäfte, sich genau an die vorstehend aufgeführte Eintheilung zu halten, warnen wir ganz besonders davor, daß politische Vereine oder deren Vertreter mit der Parteileitung in Verbindung zu treten versuchen. Jeder derartige Versuch könnte zu Prozessen wegen Verletzung der vereinsgesetzlichen Bestim- mungen und eventuell zur Schließung der betreffenden Vereine und der Parteiorganisation führen. Diese Warnung gilt besonders auch für jene, sich zu unseren Parteigrundsätzen bekennenden Vereine, welche ihren Eitz in Ländern haben, die entweder gar kein Vereinsgesetz kennen, oder Erst nachdem er sich bewegte, fuhr sie cnipor, der Wirk- lichkeit wieder zurückgegeben. Rasch suchte sie ihr Tuch wieder über den Kopf zu schlagen? „Warum thun Sie das?" fragte er mißbilligend,„Ihre Haare sind so schön, die sollten Sie nicht verstecken." Lautlos starrte sie ihn an. „Bringen Sie mir das Alles nach Wimmer's Gasthof, ich gehe rascher," sagte er, nachdem er seinen Malkasten um- gehängt.„Adieu!" Sie sah ihm nach, bis er hinter dem Thurm verschwun den war.— Zehntes Kapitel. Am folgenden Morgen war die Franzel in die Fabrik gegangen und weinend zurückgekommen. Sie war entlassen worden. In der Spinnerei begann man das Personal zu reduziren und sie war unter den Ersten, die von dieser Maß- regel betroffen wurden. Zitternd vor Angst und Aufregung war sie nach Haus gekonnneu und fand ihre Tante in einer noch weit auf- geregtcren Gemüthsstimmuug. Ihr Geliebter hatte sie treulos verlassen; sie hatte soeben einen Zettel erhalten, worin er ihr dies anzeigte. Er war nach Wien gefahren und, der Elende! hatte das bischen Geld, das die Lisi sich mühsam zusammengespart und in einem Socken verwahrt hielt, mit- genommen. Ihre Wuth war grenzenlos. Als jetzt die neue Hiobspost von Franzels Entlassung dazu kam, versetzte sie der Kleinen eine schallende Ohrfeige. Damit aber war ihre Kraft zu Ende, ihr Zorn keiner Stei- gerung mehr fähig, und weinend und wie gebrochen sank sie ans einen Stuhl. „Jesus, ist das ein Leben!— ich Hab' die Höll' mit ihm g'habt— und jetzt ist er fort, o mein Gott, mein Gott! ich bin verlassen und Hab' das Mädel auch noch am Hals." Sie raufte sich in Verzweiflung das Haar. Die Franzel saß still und verschüchtert in einem Winkel — sie wäre am liebsten gestorben. Es kam ihr vor, als hätte sie kein Recht zu leben; und wovon auch, wovon? Sie wußte es nicht. Am Abend sah die Lisel den Herrn Oswaldt vorüber- gehen. Ein stämmiger Bursche trug ihm sein Gepäck nach. wo das letztere doch die Bestimmung nicht enthält, daß poli»� Vereine nicht mit einander in Verbindung treten dürfen. Wenn auch für letztere Vereine leine Gefahr aus ih's' Verkehr mit der Parteileitung erwachsen könnte, so würde st doch letztere eines Verstoßes gegen die Bestimmungen preußischen Vereinsgcsetzes schuldig machen, wenn sie stW Verkehr pflegte. Es muß deshalb jeder derartige Verkehr allen Umständen unterbleiben. Die Verbindung zwischen der Parteileitung und den eW�| Wahlkreisen und Orten wird ausschließlich durch die trauensmänner(siehe die§§ 3—5 der Organisation) werden. Wir fordern deshalb die Genossen der einzelnen Orte oW Wahlkreise aus, die Wahl der Vertrauensmänner� öffentlichen Versammlungen möglichst umgehend vorzunehin� Die gewählten Vertrauensmänner aber werden ersucht, ihre nn*: nauen Adressen schleunigst an das Parteibureau, der Adresse:. J. Auer, Kerlin SV., K a tz b a ch st r a ß e 9/ einzusenden. Parteigenossen! Nach zwölfjährigem schweren Ringen Kämpfen, und nachdem wir eine Periode der Verfolgungen dur? gemacht haben, wie sie in der Geschichte der moderinf politischen Parteien wohl beispiellos dastehen dürste, uns wieder möglich gemacht, uns gleich bürgerlichen Parteien zu organisiren. Der Partes in Halle hat demzufolge eine Organisationsform g�ch�T die nach allgemeiner Ueberzeugung einerseits den ParteibelW nissen genügt, andererseits aber der durch die deutsche Vttü*- gesehgebung geschaffenen Zwangslage gebührende Rechnung � W Tie während der schweren Kampfesjahre, welche wir hinter haben, so oft und glänzend bewiesene Parteidisziplin der Gen- bietet die Garantie dafür, daß sie auch in Zuk»". und unter den veränderten Verhältnissen immer B- das Parteiinteresse als die Richtschnur für ihr Handeln 0 m lassen werden, so daß es einer besonderen Aufforderung unst:� seits nicht bedarf. Das große Ziel, dem wir alle vereint entgegen strebest, nur erreicht werden, wenn wir alle unermüdlich und in t r e» � ampfgenossenschaft dafür eintreten. Jeder an f" Posten und mit dem Aufgebote aller ihm zu Gebote# Kräfte, wollen wir vereint die Befreiung des Proletariats� den Fesseln der Lohnsklaverei, der politischen und geistigen vormundung erkämpfen. � Die Erfolge der Vergangenheit verbürgen uns � Sieg in der Zukunft. Die Parteileitung verspricht � Genossen, Alles, was an ihr liegt, zu thun, um den Triumph s Proletariats, welcher der Triumph der Kultur ist, herbei zu Wir alle haben die heilige Pflicht, durch unermüdliche AgÜ � und Verbreitung unserer Grundsätze dafür zu sorgen, daß Sieg möglichst bald errungen werde. Jeder Parteigenosse I* Agitator und Organisator für unsere Sache! Hoch die Sozialdemokratie! Berlin, 21. Oktober 1800. Für die Parteileitung: August Bebel, Kasflrer. Den Hartrigenossen diene zur Nachricht, daß der-„ über die Verhandlungen des Parteitages in Halle a. S.**"0� rasch fertig gestellt und noch im Laufe des November zur � sendung gelangen soll. Sobald der Umfang des Berichts � damit der Herstellungspreis desselben feststeht, wird der preis, der die Selbstkosten nicht überschreiten soll, bekannt 0�' Die Derwaltungen der parteibliitter werden von ihren Organen je ein Exemplar an das Bureau der Sie wollte ihn sprechen und eilte ihm nach, die gingen aber so rasch, daß sie sie nicht mehr erreichen r � So wartete Sie denn auf die Rückkehr des gnädigen H ä Es war schon dunkel, als der Bursche allein zurückka" hielt ihn an und forschte ihn aus. Da erfuhr sie,< Maler nach der Enge gegangen und sich beim Michn nagcl, dem Heger, einquartirt habe. Die Lisi sah M täuscht aus..,,"1 Am nächsten Morgen schickte sie daS junge iA abermals in die Fabrik. Sie solle nur schön bcktei, Herr Direktor werde sich dann vielleicht erweichen m Es war neun Uhr, als die Franzel wieder kam Gesicht hatte einen völlig stumpfsinnigen Ausdruck,' abgewiesen worden. Und wieder setzte sie sich in den dunkelsten V Vorhauses und wickelte sich, trotz der Hitze, in Tücher, als fröstelte sie., halici;:| Die Lisi ging mehrmals an ihr vorüber, das KlNv sie. Die Franzel hatte heute noch nichts und gef*6* mitfl wie nichts gegessen, aber sie konnte ihr nicht helfen, begann sich die Idee in ihr festzusetzen, daß die öLw# sehr gut für sich sorgen könne, sobald sie nur wolle, 1$ sie zur Einsicht gelange, daß es nichts Anderes für si ßij das wollte sie ihr nun begreiflich machen. Als sie e» Stöhnen vernahm, fragte sie, ob ihr etivas fehle., „Mir ist so schlecht im Magen," sagte die KleN>' „Natürlich, weil Du nichts darin Hast." ,. Sie überlegte eine Weile, dann holte sie aus e:» schlossenen Schrank eine Flasche sammt Gläschen. Sie schenkte ein und stürzte ein Gläschen Hinni»«' füllte sie es abermals und reichte es der Franzel lst1' „Trink, das wird Dir gut thun." Z�.- Franzel langte voller Gier danach. Sie that einen jji setzte ab, schüttelte sich, und stürzte dann den lMsi hinunter. Lisi lachte hell ans.- „Da lebt man wieder auf, gelt? Das erpn Herz und wenn es Einem noch so weh thäte.". ,j([5 Sie relagirte sich mit einem zweiten Gläschen. ,1p benemiete sie dem scheu verlangenden �> absetzte, begegnete jungen Mädchens. (Fortsetzung fol0t> ihli° irde Cit � solch» • uoi» A *4 4 leitimg: I, Auer, Berlin SW., Kcchbachstr. 9 1, einzn- fenben. Zur Vereinfnchnng dürste es dienen/ wenn dort, wo es ang.mgig ist, Ueberweisnnz dnrch die Post ftattstndet. politische Aebevstchk. Uichp Welche der den nnz-ihligen Kliithen Aerger unserer Feinde über de» KlSdfinn», l>»»� rr-~V linieret �-euiue nuet den außerordent- pi.,.e'L des Parteikongresses zu Tage gefördert hat, ist s, der wunderbarsten des Märchen,„die Fraktion" sei in �rganisationsfrage von der„Opposition"„unter Ä Vollmar's" aufs Haupt geschlagen worden. Als Bollmar nicht selbst zur Fraktion gehört, und als ob die S attwn sich nicht ans freien Stücken zu Modifikationen des ? �dmsationsentivurfs bereit erklärt hätte! Bei dem Organi- ! wni-entivurf handelte es sich überhaupt weder um si„�tpien» noch um Machtsragen, sondern r,"J 1 9 um Ziveckmäßigkeitsfragen. Die gegentheilige Bc- w. r l'ng war eine von unseren Feinden ausgeheckte Lüge, -m 9� nicht cmf ein Atom von Thatsächlichkeit stützte. m'-Machtverhältnisse, so weit von solchen innerhalb der Parte» die Rede sein kann, sind nach Annahme der Modi- L?..uen,. genau dieselben, welche sie bei Annahme des . uprunglichen Entwurfs gewesen waren— die„Fraktion" ' genau dieselbe Stellung— der Unterschied ist rein r attischer und formeller Natur, wie jeder in Organisations- lagen einigermaßen Bewanderte ans den ersten Blick sieht. Ins- sondere die B e r l i n e r Genossen, welche Gelegenheit hatten, ... angehenden Vorträge Liebknecht's und S i n g e r' s ver den Organisationsentwurf zu hören, sind in der Lage die Fraktion sich genau so verhalten hat, wie r JJ beiden Rednern Monate vorher in Anssicht gc- > at war— und wie es für jeden Borurtheilslosen von �rn herein selbstverständlich war. %�}lv 8Uohnu»evf»i»ge. Ter„Neichsanzeiger" bringt folgende A,..'I�urch die Presse ging dieser Tage die von dem„Görlitzer ftJ.J®?1 gebrachte Mittheilung von einem dem Minister für . und Gewerbe vorliegenden Plan der Errichtung einer «.tJ'6 iterkolonie in Lichtenberg bei Berlin, in welcher b n"c uuderen gemeinnützigen öffentlichen Bauten 4000 Wo h n- j®* für kleine Beamte und Arbeiter errichtet werden sollen. " lag die Voraussetzung eines hypothekarischen « tsbarlehens zu 3 Prozent, um welches der Minister inO wurde, zu Grunde. Diese Mittheilung war .... Bemerkung eingeleitet, daß die preußische Staats- ».."'jung infolge dieser Anregung sich nun ernstlich mit bsschäftige �"dnhäuser für die Arbeiter zu schaffen, und Q lu Aede stehende Plan, welcher ohne jegliche Anregung d». rSdue Vorwissen der Regierung aufgestellt worden, ist in kirnid i kürzlich— am 10. Oktober— dem Minister für &,.y und Gewerbe vorgelegt worden. Dem Einsender, einem As Mesitzer, ist indessen, wie wir vernehmen, unter dem n ktober erwidert worden, daß der Minister zwar„jedes . �Ushmen mit Freude begrüße, welches dem Mangel gesunder .,a billiger Arbeilerwohnungen abHelsen will, daß er aber, . gesehen von dem Mangel entsprechender Fonds, grundsätzlich ablehnen müsse, Baugesellschaitcn durch direkte Beihilfen oder w pPlUNfl hypothekarischer Darlehen aus Staatsmilteln zu sjl Dützen." Ter Minister hege vielmehr„keinen Zweifel, daß ii»rK Berlin genügender Kapitalreichthum und Gemeinsinn finden mtii611' Uln ohne Staalshihe Baugesellschasten ins Leben zurufen, ba� Wvhnungsuolh in ivirksamer Weise abhelfen und sich «Mit einem mäßigen Geivinn begnügen". bab vi k>ars hieran die weitere Bemerkung geknüpft werden, m,,. ow Beschäftigung mit der MohnungSirage im Kreise der »>.?.. aog»icht erst auf jene Anregung hin erfolgt ist, daß viel- ain- Wochen über die Berliner Wohnungsverhältnisse und �atziaen Bauunternehmungen Erhebungen angestellt sind, ch�mit jenem Projekt in keinem Zusammenhang stehen." m Wir ersehen aus Obigem, daß der Minister für Handel und ij./�be sich mit der Wohnungsfrage„beschäftigt". Der Minister alz Gondel und Gewerbe ist bekanntlich Herr M i q u e l, wel ist bekanntlich Herr M i q u e l, welcher i Frankfurt sich lebhast für diese Frage yui. Daß durch Beschaffung besserer Wohnungen zwar lan. geschaffen werden kann, jedoch sür die Lösung der i ffalen Frage nichts gethan wird, weiß natürlich Niemand besser Herr Miquel, der seinen Marx studirt hat. cm, q m aufferordcntlichcr zlcrut'ogeuossenschaftotaa tmpet November in Berlin statt. Auf denffelven soll rn erster che die Frage der Abänderung der Ilnfallvcrsicherungs-Gcsetze, 'welcher die Anträge der sozialdemokratischen Fraktion die'An- yrJJ8, gegeben haben, einer Berathung unterzogen werden. Ferner „.. ei dieser Gelegenheit der Verband der Berufsgenossenschasten bii.L �ellung zu ver Gewerbegesetz- Novelle nehmen, soweit ... ch die letztere die Ailfgaben der Genossenschaften betroffen WWW Qualität der— m/t!■ fiesetzten Kampagne der„geinigen Bekämpfung" handelt, welche in der Jnristensprache als Ui» Vn&��m'ge» ,____ A.L IHMjüugllchen Mitteln" bezeichnet werde». ü'cht wo» wJk ,7,dsser>n der Behandlung seines Gegenstandes loisnchljn.p. Äkspunkten ausgeht, welche eine Beurtheilung der '.o.on eine n,', Verhultiiisse und Verschiebungen im Erwerbsleben h»i»ich- Roheren Standpunkt a.S ermöglicht, darf man bei «?"ß(itirte Zurechnen, aber wo es sich um zahleumäßig "lorilät �Psochen handelt, sollte man in Rücksicht auf die aS?ii£fe(«n l.cv nilf diesem Gebiete in Anspruch nimmt, •chfser»!! dürfen, daß er nicht statistisch ermittelte alsda,.,...�"gleichung heranzieht, die überhaupt nicht „'we». u>it»och weiterem Material verglichen werden ßiiverbe"jwohneni darf man nicht 18Ve im Handels- I�der» vange Personen gegenüberstellen(ZensuS von 1892), rclfo»eii f.,,"f'6 entweder heißen: auf 1000 erwerbsthät.ge L0"6", o w.uen f0""d so viele im Handelsgewerde thätige Per- 96Werbx st.,/,.ssuf 1000 Einwohner kamen ISVa im Handcls- m Es(io,,>',la"di9) thätige Personen mit ihren Angehörigen. „wchwejg x s?ch aber für Herrn Richter um de» statistische» ?6tbe V."?,- die Zahl der Arbeitskräfte, welche das Handels- ivr'W'"spruch nimmt, gar nicht so bedeutend ist", und zu ireili'i.'hör die Gegenüberstellung der Zahlen 1000 und it. Est» ,, ch6''. besser geeignet. ,"''ei der sonaldemoliratifthrn Arbeiter- w deßimni?'?,"» find«' am 7. und 8. Dezember an einem noch JJchiinn Orte Ungarns statt. Die Einladung zu dem der m- ü0n den Redaktionen der„Arbeiter-Wochenchromk" "liiick- P�ava" in Budapest aus und hat folgenden _„Arbelker!.Genossen! Als nach den folgenschweren Ereignissen im Jahre 1866 die langjährige Unterdrückung schwand und mit der staatlichen Selbstständigkeit Ungarns das öffentliche Leben immer reger wurde, betrat auch die Arbeiterklasse den Boden selbstständig-ösfentlicher Thätigkeit und organisirte sich als sozial- demokratische Arbeiterpartei. Die Jahrhunderte alte revolutionäre Tradition des ungarischen Volkes, welche aus der in den Jahren 18-18 und 1849 vollzogenen Umwälzung neue Nahrung zog, be- wirkte, daß die sozialistischen Ideen auch nach unserem HoimathS- lande ihren Siegeslauf nahmen und hier willige Aufnahme fanden. Die überraschenden Erfolge der Arbeiterbewegung zu Ende der sechsziger Jahre weckten überschwengliche Hoffnungen. Doch bald zeigte es sich, daß der Kampf der Sozialdemokratie gegen die herrschenden Parteien, gerade so wie in anderen Ländern, auch bei uns ein schwerer sein, und daß es zähen Ausharrens und einer strammen Organisation bedürfen werde, um den Verlockungen und Angriffen von allen Seiten zu widerstehen. Es wurden im Laufe der letzten Dezennien gegnerischerseits wiederholt die verschiedenartigsten Versuche gemacht, die Entwicklung der Arbeiterbewegung zu hemmen, deren Fortschreiten zu unter- drücken; es siel so manches Opfer; die Vernichtung der Be- wcgung scheiterte, so oft sie auch in der Folgezeit versucht wurde. So ist die Geschichte der ungarländischen Arbeiterpartei die- selbe, wie die Geschichte des Proletariats aller Länder: Hundert Mal geschlagen, aber nie besiegt! Freilich sollte die innere Entwickelung der ungarländischen Sozialdemokratie nicht so ungestört ihren Fortgang nehmen. Die absichtliche Hemmung der geistigen Entwickelung, welche seit jeher die Völker der ungarischen Länder getroffen, erschwerte jeden Fortschritt. Eine weitere Ursache war— und das ist ein Hauptmoment — daß die kapitalistische Entfaltung und Ausnützung der Pro- duktivkräfte, die Entwickelung der Industrie, durch vielseitiges staatliches Eingreifen gefördert, zwar in riesenschnellem Fort- schreiten begriffen, aber ungleichmäßig und im Aerhältniß zu andern Staaten noch wesentlich zurückgeblieben war. Zu den Verschiedenheiten des Volkscharakters, welche die vielsprachigen ungarischen Länder bieten, komme» so noch die Gegensätze der ökonomischen Verlältnisse, welche nebe» Bezirken mit moderner Industrie auf höchster Stufe, Gegenden mit ganz rückständigen, primitiven Wirthschastsformen aufweisen. Unter so schwierigen Vcchältnissen mußte die eigenthümlich ungarischeMethodederAuwendungundHandhabung der oft mangel- hasten und lückenhaften Gesetze— von denen es im Auslände heißt, daß sie im großen Ganzen liberal wären, im Nothfalle jedoch von den Behörden mit„gesunder Willkür" gepaart würden— die natürliche Entwicklung der Arbeiterbewegung um so stärker beein- flussen. Die Arbeiterbewegung hatte aber auch unter eigenen Fehlern zu leiden. Persönliche Zwistigkeiten, Meinüugsverschiedeuheit über die bei einzelnen Frage» zu beobachtende Taktik, nicht selten vorkommende Unklarheiten, der oft in falsche Bahnen geleitete Thatendrang Einzelner, wurden Anlaß überflüssigen und schädlichen Streites, der auch noch durch Personenkultus, den gefährlichsten Feind aller sachlichen Erfolge verschärst und verbittert wurde. So wurde das Fortschreiten der Partei gehemmt, ihre Thätig- keit gelähmt. 'Aber was die rücksichtslose Gewalt der Gegner nicht ver- mochte, konnte auch eigenes Verschulden nicht z» Stande bringen. Die aus ökonomischen Verhältnissen erwachsende und aus diesen unbezwingliche 5irast schöpsende proletarische Bewegung, hat wie immer und überall, so auch in Ungarn Beides überwunden. Die lange Jahre anhaltende Apathie und Unthätigkeit der Arbeiterklasse hat ausgehört; die nur zu lange Zeit andauernde Gleichgiltigkeit der eigenen Lebenslage gegenüber hat in weiten Kreisen der einzig richtigen Erkenntmß Platz gemacht, daß nur die Arbeiter, und nur diese allein berufen sein können, für Verbesserung ihrer KlassenlageIund für ihre Emanzipation aus ökonomischen Fesseln einzutreten. In dieser Zeit versammelte sich im Lause des vergangeneu Jahres der Internationale Slrbeiterkongreß zu Paris. Die hier gefaßten Resolutionen nahmen die letzten Spuren des Bannes von den ungarländischen Arbeitern; die Kunde vom Feiertage der Arbeit verbreitete sich mit der Rapidität eines elementaren Ereignisses, bis in das letzte Städtchen, bis in die letzte Gemeinde, bis zum letzten Weiler. Der allgemeinen Begeisterung entsprach die Ausführung. Tie herrschende Gesellschaft bekam die dröhnenden Schritte der heranmarschirendeu Arbeiterbataillone zu hören— unsere Arbeitsbrüder haben die erste Feuerprobe bestanden; trotz der vielen künstlichen Hindernisse haben ihre Disziplin und ihre Organisation sich glänzend bewährt. Unter Einwirkung dieses für die ungarischen Länder mäch- tigen Ereignisses wurden immer dringlichere Wünsche laut, es möge den Arbeitern der ungarischen Länder, dem klassenbewußten Proletariat Ungarns Gelegenheit geboten werden, ihre gemein- samen Interesse», Wünsche und Bestrebungen kenneu zu lernen, die, selben zu besprechen und zu einer Reihe von wichtigen Fragen Stellung zu nehmen. Genossen! Wir laden Euch ein, das zu thun!... Ueber die Köpfe der herrschenden, im Chauvinismus das Möglichste leistenden Klasse» hinweg, werden sich die Arbeiter offen und ehrlich einander die Bruderhand reichen, Ziel und Taktik der Partei klar und unzweideutig feftstetlen. Genossen! Indem wir diese Einladung an Euch richten, sind wir über- zeugt, ein Werk zu unternehmen, das geeignet ist, der Arbeiter- parlei wesentlich zu nütze», ihre Thätigkeit wirksamer zu machen, ihre Kampfeszuversicht neu zu belebe». Findet Euch zahlreich ein und nichts möge Euer Herz er- füllen als der teste Entschluß, eine unzertrennlich kämpfende Schaar von Brüdern zu bilden, die nicht ruhen und rasten werden, bis unsere heilige Sache gesiegt hat und das große Ziel erreicht ist: Die Emanzipation der Arbeiter- klasse. Blicken wir nicht zurück, schauen wir vorwärts! Wir wissen, daß wir die Befreiung nur unserer eigenen Kraft, der Arbeiter- klaffe selbst, werden verdanke» können, aber nur dann, wenn sie einträchlig zusammensteht, lieben wir die Solidarität, die Brüderlichkeit in unseren Reihen; dann wird uns der Sieg Frei- heil und Gleichheit bringen." Wir wünschen der ungarischen Sozialdemokratie aus ganzem Herzen Glück und Erfolg zu ihrem Vorhaben. Möge der Partei- mg die hohen Hoffnungen verwirklichen, die unsere ungarischen Brüder auf ih» setzen; möge er ihren Reihen wieder die Ge- schlossenheit und innere Stärke verleihen, die zur Erfüllung ihrer großen Mission unbedingt erforderlich ist. ,,ä*f betrügen und stehle»,«nd nennen ra Handel und Wandel." Zur Hamburger Spiritus- Zolldeiraudation, welche, wie seiner Zeit berichtet, von reichen schlesischen Spiritus- Händlern ausgeführt worden ist, berichtet die„Breslauer Zeitung" über den gegenwärtige» Stand der Untersuchung, die nur sehr langsam fortschreitet: Ein Jollenführer, den man im Verdacht hatte, bei dem Schmuggel bctheiligt gewesen zu sein, mußte, nach- dem er kurze Zeit in Untersuchungshast gesessen hatte, wieder ent- lassen werden.. Vor kurzem sollen zwei Ewerführer verhastet ivor- den sein, aber auch deren Schuld scheint nicht mit Sicherheit fest- zustehen, dem, unterm 13. d. M. hat die Zollbehörde die Beloh- nung für die Entdeckung der Ewerführer, welche die Schicken mit dem geschmuggelten Sprit über die Zollgreuze geleitet hatten, von tausend auf zehntausend Mark erhöhl. Die weiteren Ermitte- jungen über die Quantität des eingeschmuggelte»- Spiritus habe» ergeben, daß der Schmuggel einen größere» Umfang hatte, als ursprünglich angenommen wurde. Es sind nämlich in der Zeit vom 3. April 1889 bis zum 26. März 1890 insgcsammt 523 Fässer Sprit über die Zollgrenze geschafft worden. Der Landtag ist zum 12. November einberufen. Iteue. In der Berliner„Volks-Zeitung" finden wir nach- stehendes Telegramm: „Halle, 20. Oktbr.(Priv.-Telegr.) Der anarchistische Agitator, Tischler Johann Neve, wurde bekanntlich vor vier Jahren in Belgien wegen anarchistischer Umtriebe verhastet, an Teutschland ausgeliefert und„ach fast ein- jähriger Untersuchung vom Reichsgericht zu fünfzehn Jahren Zuchthaus verurlheilt. Einige Delegirte des Sozialistenkongresses, die Neve von früher kannten, wollten ihn hier im Zuchlhause besuchen. Dort erhielten sie den Bescheid, daß Neve schon seit einem Jahre irrsinnig und nach Berlin überführt worden sei." Wir haben keine direkte Nachricht bekommen und halten deshalb noch die Hoffnung für nicht ausgeschlossen, daß die Nachricht sich als falsch erweisen möge. Daß Neve's Gesund- heitszustand ein sehr schlimmer, hatten wir schon früher erfahren. Eine Verurtheilung zu 15 Jahren Zuchthaus ist freilich«ine Verurtheilung zum Tode— wenn nicht zum leiblichen, doch zum geistigen. Neve, der sich die Achtung auch der Gegner erworden, ist bekanntlich von falschen Genossen der Polizei in die Hände geliefert worden. Dwickau. Ein seltsamer Prozeß, der in mehr als einer Beziehung sür die gegenwärtigen Verhältnisse charakteristisch ist, spielte sich am 10. d. M. vor der 3. Strafkammer des hiesigen Landgerichts ab. Angeklagt— und zwar der Religionsschmähnng — war Richard Erth, Lagerhalter und Verkäufer im Konsum- verein sür Schneeberg(Erzgebirge) und Umgegend. Derselbe hatte unterm 19. I. li im Wahlverein zu Schneeberg im Gasthof Air grünen Laube" einen Vortrag gehalten über die vier Worte: „ cklaube, Wunder, Wissen, Macht," wodurch sich der über- wachende Herr Wachtmeister Otto Friedrich in seinem religiösen Gefühl gekränkt gefühlt haben wollte. Infolge dessen erhielt Herr Erth eine Vorladung zum Herrn Bürgermeister v. Woydt, welcher ihm eröffnete, daß Klage gegen ihn erhoben würde, wo- bei er ihm die Hölle tüchtig heiß machte. Erth ließ sich aber nicht einschüchtern und bezog sich auf Dr. Rüdt und Dr. Specht; doch diese Namen konnten dem Herrn Bürgermeister nicht im- poniren und er meinte, auch diesen Herren würde noch ein Halt geboten werden. Erth dagegen erklärte ihm rniid heraus, daß weder er noch ein Anderer im Stande sei, das Zeitenrad ans- zuhalten und der Wissenschaft wie dem ForschungSdrange ein Halt zu bieten. Als die Anklageschrift bei Erth eingegangen war, trug sich noch ein kleiner Zwischenfall zu, welcher verdient, der Oeffentlichkeit unterbreitet zu werden. Es waren ihm drei Tage Frist gestellt zur Ueberlegung, ob er eine Voruntersuchung be- antragen wolle oder nicht und wandte sich derselbe brieflich an Herrn Liedknecht, Leipzig, um eine Auskunst darüber bittend. Diesen Brief hat Frau Erth eigenhändig in einem bei Kaufmann Bon befestigten Post- Briefkaffen eingeworfen. Wer beschreibt unserm Erth sein Erstaunen, als er statt Antwort von Herrn Liebknecht folgenden in Schneeberg aufgegebenen Brief erhielt: Geehrter Herr! Ihr an Herrn Liebknecht gerichteter Brief ist mir auf wunderbare Weise in die Hände gespielt worden; wie— sage ich Ihnen nicht. Ich habe geglaubt, Ihnen keinen größeren Gefallen zu erzeugen, als wenn ich denselben Herrn Wachtmeister Otto Friedrich behändige. Ich gebe Ihnen den Rath, lesen Sie mehr in der Bibel und verdrehen Sie die Worte nicht, thun Sie Buße und verbüßen Sie Ihre wohlverdiente Strafe. N. s. h. Die Adresse trug noch den Vermerk: Nacheiferer Lieb- kn echt's, unterzeichnet von derselben Hand mit den Worten: Ihr geistiger Förderer. Diese sonderoare Wanderung des wichtigen Briefes, der auf der Rückseite den Namen des Absenders trug, ließ tief blicken. Genosse Erth hat das Original dem Herrn Postdirektor behändigt und auch dem Herrn Amtsanwalt zur Untersuchung übergeben. Bis heute ist aver noch nichts ermittelt. Zurückkehrend zu der Anklage fand sich auch da etwas Auffälliges, was der Aufklärung bedarf. In der Klage war ein gewisser Expedient Herr Falke als Belastungszeuge angegeben. der den Vortrag mit angehört haben sollte. In der Hauptverhandluug, die unter Ausschluß der Oeffentlichkeit stattfand, konnte sich doch der Herr Wachtmeister nicht besinnen, denselben in der Versammlung gesehen zu haben, nachdem Herr Falke unter Eid erklärt hatte, auch nicht in der Versammlung gewesen zu sein. Alle geladenen Zeugen, mit Ausschluß des Wachtmeiflers, sagten zu Gunsten des Angeklagten aus und so war das Resultat der eingehenden Verhandlung kostenlose Freisprechung. Die Anklage vertrat Herr Staatsanwall Pohl; die Verlheidigung führte Herr Rechtsanwalt G. Hofmann in Leipzig, wie gewöhnlich, ausgezeichnet.—(Die Genossen in Schneeberg werden wohltyun, die Sache mit der Vrie�unter- schlagung noch näher zu untersuchen. Da Liebknecht damals keinen Brief von Erth erhielt, so ist auch die Möglichkeit einer Briesverwechselung durch falsche Kouver-, tirung ausgeschlossen.— Tie Schneeverger Polizei hat offenvar Beziedungen mit Personen, welche im Stande sind, der Post anvertraute Briese mit— interessanten Adressen an die Polizei auszuliefern. In kleineren Städten, wo die Beziehungen der Leute zu einander innigere sind und die Grenzlinien zwischen privaten und amtlichen Handlungen sich leichter ver- wischen, sind derartige Praktiken mit geringerer Schwierigkeit durchzuführen. Jedenfalls bitten wir die Genoffen in Schnee-, berg und Umgegend, genaue Nachforschungen anzustellen und, uns das Resulrat mitzutheilen. Unter der Herrschast des' Sozialistengesetzes war, wie Liebknecht sich einmal im Reichstag ausorüate, diePost der Polizei etwas zunahege- kommen. Red. d.„B. V.") Eine Spionrngrschichte wird schon wieder aus Belforti berichtet. Danach wurde daselbst am Sonnabend ein gewisser Dietrich und dessen Schwester verhaftet, die der Spionage de- schuldigt werden. Diettich, ein alter Marinesoldat war Kasernen- Inspektor. Stahl, ein Architekt, der preußischer Unteroisizier ist, sollte angeblich mit der Schwester Dietrichs verlobt sein uua machte derselben häufig Besuche. Man fand bei Dietrich zahl- reiche Pläne, die sw, aus die Bels orter Festungswerke beziehen.� Stahl wohnte in Beifort in demselven Hotel wie der Spion, Bonnet uud man bringt deshalb die beiden Vorgänge in Ver- bindung. Die letzten Meldungen ergeben, daß Stahl in Paris ist, wo man bei demselben ein Packer mit verschiedenen Papieren gefunden hat. Agitation in Elfnff-Lothringe». Ein Telegramm meldet uns aus Straßburg i. E., 21. Oktober: In Arbeiterkreisen wird die Absenoung einer Petition an den Reichstag um uiv- schaffung der sranzösischen Preß- und Vereinsgesetzgebung geplant. In ganz Elsaß-Lothringen sollen Unterschriften gesammetl werden. Die Entschädigung fiir den Sultan von Sanstdar von 4 Millionen Mark soll, wie den„Hamburger Nachrichten" ge- meldet wird, im Verwaltungswege ausgebracht werden, so daß ein Reichsgesetz zu diesem Zweck erübrige.— Die„Freis. Ztg." meint mit Recht, daß es von großein Interesse wäre, den Ver» w a l t u n g s w e g kennen zu lernen, ans dem sich diese 4 Mil- lionen Mark aufdringen lassen. Eine« Keitrag zu den Sicherheitosuständeu in dem Hinterlande des dentsch-ostafrikanische» Küstengebiets bringt eine Nachricht der„Times", nach welcher eine Karawane, die 3ci0Last- thiere mit sich führte, in Ugogo beraubt und völlig vernichtet ist. Ugogo ist die Landschaft, welche an Usagara grenzt, wo die letzte deutsche Station an dem Knotenpunkte Mpwapwa errichtet ist. Nach Versicherungen in der Kolauialpresse sollte die Straße von Tabora bis zur Küste für Karawanen gegenwärtig völlig gesichert sein. Der oben gemeldete Vorgang zeigt, welcher Wmh solchen Versicherungen beizumessen ist. Gesterveich-Uttgav». Der Tramm aystreik in SB: e n steht auf demselben Fleck. Die Direktion hat nicht nachgegeben, und die Ausständigen halten ihre Fahne hoch. Tie Hauptgefahr, die ihnen droht, besteht, wie mir schon gestern an anderer Stelle hervorgehoben haben, darin, daß es der Direktion gelingt, aus der geivaltigeu industriellen Reservearmee, die gegenwärtig in Wien vorhanden ist, Ersatz für sie zu schaffen. Daraufhin sind die Anstrengungen der Direktion gerichtet, und es läßt sich noch nicht absehen, ob sie von Erfolg begleitet sind. Die Mittheilungen des„W. T.-B." sind mit großer Vorsicht aufzunehmen. Es steht natürlich aus Seiten des Geldsackes und glaubt bereits versichern zu können, daß der Betrieb der Pferdebahn am Mittwoch wieder in vollem Umfange mit neu eingestelltem Personal werde aufgenommen werden können. Dieser„Hoffnung" steht aber die von demselben Bureau mitgetheilte Thatsache gegenüber, daß die Direktion den„Unterwerfungstermin" ür die Streikenden von Neuem hinausgeschoben hat. Wer ich bis Dienstag Abend zur Wiederaufnahme der Arbeit >ereit erklärt, wird in Gnaden angenommen. Diese Ver- längerung der Frist ist natürlich nicht aus Humanität er- folgt, sondern weil es mit dem Ersatzpersonal wohl noch windig aussehen mag. Wien, 21. Oktober. Die Vertrauensmänner der streikenden Tramwaparbeiter beschlossen gestern Abend auszuharren und den Dienst nur anzutreten, wenn die Dienstordnung abgeändert werde. W i en, 21. Oktober. Landtag. Tie Abgeordneten Schneider und Genossen verlangten in einer Interpellation die Sequestriruug der Traiuivay und forderten mit dem Hinweis darauf, daß die Gefahr blutiger Konflikte naheliege, die dringliche Berathung, welche von der Mehrheit abgelehnt wurde. Abgeordneter Fuß und Genossen brachten hierauf eine Interpellation ein, in welcher die Verstaatlichung der Tramway begehrt wird. Großbritannien. London, 20. Oktober. Die englische Regierung benach- 'richtigte die Vertreter der auswärtigen Mächte, daß die brasi- lianische Republik anerkannt und den englischen Schiffen den Befehl ertheilt habe, die Flagge der brasilianischen Republik zu grüßen. London, 20. Oktober. Ter schweizerische Unterthan Castioni, welcher der Ermordung des Tessiner Staatsrathes Rossi beschuldigt ist, erschien heute neuerlich vor dem Zucht-Polizei- geeichte. Der Advokat des Beschuldigten zeigte die Absicht an, die schweizer Regierung zum Zeugniß aufzufordern, daß es sich in diesem Falle um ein polirisches Verbrechen handle. Sollte aber das Gericht das Verbrechen für ein nicht politisches erklären, so würde der Beschuldigte beweisen, daß er nicht der Thnter sei. Der Anwalt der schweizer Regierung, Woodhall, behielt sich vor, einen Zeugen dafür namhaft zu machen, daß Castioni die That begangen habe. Hierauf wurde die Verhandlung neuerlich, und zwar auf acht Tage, vertagt. Zu einer die Gegensätze auf die Spitze treibenden Maßregel hat sich, wenn die„Times" recht berichtet ist, der neugebildete britische Rhederverein entschlossen. Er hat einen Vorschlag ange- nommen, welcher dahin geht, sämmtliche Handelsschiffe Englands zu einem zeitweiligen allgemeinen Schiffsahrtsslillstand zu veran- lassen, um den Widerstand der Arbeiter- und Matrosenvereine zu brechen. Kommt dieser Entschluß wirklich zur Ausführung, so entbrennt ein Kampf auf Leben und Tod zwischen zwei ungefähr gleichstarken Ringern, bei dem der Ausgang und die Folgen noch nicht abzusehen sind. Frankreich. Paris, 20. Oktober. Depulirtenkammer. Der Handelsminister brachte einen Gesetzentwurf betreffend den all- gemeinen Zolltarif ein. Derselbe umfaßt 721 Nummern und ist in zwei Tarife eingetheilt, in einen Maximaltarif, der dazu dienen wird, die Beziehungen Frankreichs mit denjenigen Mächten zu regeln, die keine kommerziellen Äortheile einräumen, und in einen Minimaltarif, der für diejenigen Staaten bestimmt ist, die mit Frankreich Begünstigungsverträge abschließen. Die landwirthschaftliche» Erzeugnisse kommen ausschließlich in dem Maximaltarif vor, woraus hervorgeht, daß sie außerhalb jeden Abkommens mit den fremden Mächten bleiben werden. Was die Rohstoffe betrifft, suchte der Minister diejenigen fest- zustellen, welche den größeren Industrien unumgänglich nöthig wären; für diese sollte die Befreiung von jedem Zolle ver- länger! werden. Unter diesen Artikeln befinden sich Roh- seide, rohe Häute, Wolle, Baumwolle und Früchte. Im Verlaufe der Sitzung verlangte G o n s s o t(Boulangist) die Regierung morgen über die Maßregeln zu interpelliren, welche sie gegen die boulangistische Agitation zu ergreifen beabsichtige. Die Kammer beschloß die sofortige Verhandlung dieser Jnter- pellation. Goussot begehrte hierauf die Einleitung gerichtlicher Verfolgung gegen seine Partei, damit die Thatsachen aufgeklärt würden. Minister Constans erwiderte, es handle sich um Akte, welche bereits durch den Staatsgerichtshof und durch die über- wiegende Mehrheit aller Franzosen vernrtheilt seien. Die Regie- rung werde keine neuen Schritte unternehmen, welche nur den- jenigen nützen würden, die sie begehren. Wenn neue strafbare Versuche unternommen würden, werde die Regierung wissen, was sie zu thun habe.(Döroulede(Boulangist) erwibcrte mit heftigen Ausfällen gegen den Minister, worauf ihm der Präsident die Zensur ertheilte. Unter anhallendem Lärm der Boulangisten wurde schließlich die einfache Tagesordnung an- genommen. Die Dringlichkeit für den Antrag Hubbard, betreffend die Wahl des Senats durch das allgemeine Stimmrecht, wurde abgelehnt.— Der Beginn der Budgetdebatte wurde auf Donnerstag festgesetzt. Pack schlägt sich. Wie uns ein Telegramm meldet, sind in der gestrigen Kammsrfitzung in Paris zwei Deputine— ein Boulangist, der Hausnarr DeroiüeP- ein gambetistischer Geschäftspolitiker, der beri'W Reinach, einander in die Haare gerathen, und wollen I' duellireu. Nun, mögen sie es thun. Da sie leider«u'" die Luft ein Loch schießeil werden, so wird auch der Z w c> Theil des bekannten Sprichworts, das„verträgt sich" legentlich bei ihnen einzutreffen. � Und hier nur eine Frag,: wie ist es zu erklären, f I die Franzosen, ivelche doch für geistreich gelten wollen, H welche die hübsche Entdeckung gemacht haben, daß Lächerliche tobtet"— wie können sie an diesem kindW Duellirunfug noch festhalten? Kein Tag, der nicht,. � Frankreich die Nachricht von irgend einem„polisisv Duell" brächte._ Zum Glück grassirt übrigens diese Manie nur»A den sogenannten gebildeten Klassen. Die französilVi Arbeiter lachen natürlich über die verrückte -v V V V w» V V«WV4/VI»»»VVV»-» V*» v«.y»vvvv �» v--------------- thorheit. Freilich, mit dem Lachen allein ist's nicht„ � da das Lächerliche auch in Frankreich nicht mehr tödt«. J Die französischen Arbeiter sollten es machen, wie IüCs. ihre Urgroßväter zu Anfang der französischen RevoluN ivelche die duellwüthigen Anhänger des ancien regime t I alten Bourboneuwirthschaft), wenn dieselben den Vertrel der neuen Ideen gegenüber ihre Fechtkunststücke M wollten, sans fa�on am Kragen packten, und in dem»s. des Palais Royal-Gartens so lange— badeten, bis Herrchen die Lust am Duellireu vergangen war. � ähnliche Prozedur wäre auch jetzt vielleicht zu empfehlt' Holland. In Holland scheint mau sich zur Einsetzung?. Regentschaft entschließen zu wollen. Der König ist w#, seine erhabenen Berusspflichten: unter eine Anzahl.® Schriftstücken täglich die Unterschrift zu setzen, zu erfüll Infolge dessen stocken die Ernennungen, Äeförvcriing u. s. id., und das will sich Bureaukratie und Bourgeo nicht länger gefallen lassen. So wird in kurzem au. des Schattenkönigs der Schattenregent treten, der bekaiuu schon einmal die Ehre hatte, von weißgekleideten sraueu feierlich empsangeu und als kommender Kc grüßt zu werben. Damals wurde der todtgesagte aber noch einmal gesund. Kelgien. Nach dem bis jetzt vorliegenben Ergebniß der Komm»» i wählen scheint eine merkliche Veränderung des Pesitzsi�w nicht eingetreten zu sein; jede der beiden Parten, die udN � wie die katholischen, rechnet sich den Sieg zu.— Die Komm« � wähl ist ebenso wie die Wahl zur Depulirtenkammer eine r, Komödie. Das belgische Volk hat mit beiden nichts zu schall� Theater. Mittwoch, den 22. Oktober. Gperuhaus. Der Freischütz. Kchau spielhaus. Don Carlos. Lrsstng-Theater. Das zweite Ge- ficht. Deutsches Theater. Faust's Tod. KerUner Theater. Der Veilchen- fresser. Friedrlch-Milhelmstädt. Theater. Großvaters Operetten. Hierauf: Puppenfee. Wallner- Theater. Der Bauern- doktor. Pension Schöller. Destdenz-Theater. Ferreol. Viktoria» Theater. Die Million. Delleallianre-Theater. Meinjunger Mann. Vstend- Theater. Zimmermann's Lene. Thomas» Theater. Defizit. Zum Schluß: Das Jahrmarktsfest zu Plnndersweilern. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Küraerlicheo Schauspielhaus. Ktzritz-Pyritz. Kaufmann'» Uariöts. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Nrichshallen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Tonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gedr. Richter's Uaristü. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wintergarteu. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Barten. Direktion: C. Andress, Alexander- straße 27c. Margarethe Steinow, Lieder- u. Walzersängerin. Ann! Carelli, Kostüm-Soubrette. Herr Rosee, Gesangs-Humorist. 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HVa u. 12Ve Uhr. .v.4V>-SVeUhr �stündl. eine Vorstellung.� �Ertra-Enträe 30 Pfg. Kinder frei. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Mittwoch, de» 33. Glrtober: Abends 71/2 Uhr: Große Irlßnntc VorjlellW. Zum ersten Mal in Herlin! SÄT Unübertroffen!-HWU Das Etagen- � � in Freiheit C a r ouss el, b>. dressirten dargestellt /..l Vollblut- mit fw" Pferden von Herrn M. Schumann. Gastauftre ten des weltberühmten Monoeycliit und ktonzertist Herrn Alerander Senri. Urkomische Klown D u r o f f. Schulquadrille, geritten mit 4 Rapphengslen von den Herren Gebr. Schumann u. A g i u m o f f. Außer- dem Auftreten der besten Reiter und Reiterinnen. Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigkeit der Residenz. Zum ersten Male: Neu: Helgoland. Uebergabe. Ankunft des Kaisers. Feldgottesdienst:c. Zweite Reise durch Portugal. V»»Ff JL xy Zum ersten Male: Maroltlio mit Einzug des Sultans in Tanger. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. 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Achtung, Töpfer' Die Streik-Kommisston der Töpfer hat laut Heschl«� � össenttichen Versammlung vom 31. Oktober ihr Kurean Dreoar strnste 116, im Restaurant Gründet, und habe» stch dort aUe, jenigen Kollegen, welche zur Zeit streiken, behufs Koutroie, Empfangnahme der Streikkarten von heute(33. Gktober), Morgens 8Vs bis 13 Uhr, sowie Uachiuittaga von 3 bis 5 meiden. Die Streik-Kommission der Töpfer Berlins. Wüg! WsHMeiiÄ' Donnerstags den2S.Oktob., Abd. 7 Uhr, in berßamhrlnns-Branerel, allaR"' 9�" offenfliche Vei«samniliiA0f Gaste willkommen. 1383 Ijer Einberufe� Verein z. Regelung d. gewerbl. Verhältnis� der Töpfer Berlins u. Umgegend. J Sonntag, d. 26. Oktob., Vorm. lOVallhr, in Gratweil's Bierhallen, Kommanda» stroße 77—79. tzellMl-Versminliing. Tagesordnung: 1. Bericht des Vorstandes. 2. Bericht des Kasb �! 3. Wahl des Gesammt-Vorstandes und der Nechtsschutz-Kommission.«.-tu der Arbeitsvermittler. 5. Verschiedene Vereinsangelegenheiten.. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Vorsts« i, NB. Bei der Reichhaltigkeit und Wichtigkeit der Tagesordnung die Mitglieder ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Kollegen, sich vor der Versammlung als Mitglieder aufnehmen lassen, haben Stimw� Grosse öffentliche Arbeiterinnen- Versammlung Mittwoch, den 22. Oktob., Abds. 8V: Uhr, im Böhm. Brauhans, Landsberger Tages-Ordnung: 1. Bericht der Delegirtin vom Parteitag in Halle. Ref. Frau Ihrer(*>' 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Männer haben Zutritt. Zur Deckung der Unkosten findet eine T sammlung statt. Die Einbernferi»: Frau Mathilde Hofstetten, T>eckl> l Allgem. Metallarbeiter-Y erein Berlins u. Umgeg6� Mittivoch, den 22. Oktober, Abd. SVa Uhr, in Rixdorf, Barta's Salon, S3erfl"r- (kleiner Saal). UersaMMttMg. ut Tages-Ordnung: �...„rücii 1, Vortrag über:„Nationalreichthum und Stationalarmuth". 2. TneU st 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekaste». Gäste haben Zutritt. Um recht regen Besuch wird gebeten.» Der Vorsts Achtung! 1» Achte"« Fachverein d. Steindrncker u. Lithograph� 5. Stistmtgs Fest r.?„m �___#________•_»» rn Grosser humoristischer� Herren-Abend Bidets sind zu haben beim Kollegen Friedewaldt, Oppclneritr. L mmmsmm Verantwortlicher Redakteur: Curt Danke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. ,1 Beilage zum Berliner Bolksb Nr. 34«. Mittwoch, de» A3. Oktober 1890. 7. Jahrg. Vowefpondenjett. .. MaUand, 16. Oktober. Die Arbeiterorganisationen Mailands yselten am vorigen Sonntag ihren ersten vorbereitenden Kongreß lur die bevorstehenden Wahlen ab. Auf demselben wurde ein gemeinsames Partei- Programm für die Arbeiterpartei und die Malistische Liga aufgestellt, mit welchem diese beiden in den Sahlkamps einzutreten beabsichtigen. Da aber, wie schon früher wn**.» 1-- erste italienische berichtet, am 19. Oktober in Raven,,« der er,, e>ra,len,,cye jpozialistenkongresi zusammentreten wird, so ivird voraussichtlich ras von den Mailänder Genossen angenommene Programm auch für die Gesammtpartei Geltung erlangen und somit die Ichon so lange gewünschte definitive Konstituirung der allgemeinen Arbeiterpartei Italiens zur Folge haben. Das Programm um- laßt folge» De Punkte: ... 1- Das allgemeine Stimmrecht ist in allen Fällen durchzu- mhren, wo Bevollmächtiate des Staates oder der Gemeinde zu «nennen sind. � v 2. Ten Mitgliedern der Volksvertretung ist vollständige Indemnität zu garantiren. damit das Repräsentativamt den An- gehörigen jeder Bevölkerungsklasse zugänglich wird. B. Das Versammlungsrecht ist zu gewähren für Zusammen- sauste jeder Art, gleichviel in welcher Lokalität oder an bsteut- bchen Plätzen. Abzuschaffen sind die Einrichtungen der bchord «chen Verivarnungen. der gerichtlichen Anweisung eines bestliinnten Wohnortes, die politische Polizei und alle geheimen Fonds. _ 4. Allen Gemeinden ist vollständige Autonomie und das oiecht der Vereinigung nntereinauder zu gewähren' ebenso soll lede Gemeinde das Recht haben, ihre Wahlsyndikate selbst zu «nennen. ... ö. Volle Verantwortlichkeit der Minister und aller öffent- uchen Beamten. . B. Als erforderlich wird erklärt ein Gesetz über die Zuläsiig- tut der Ehescheidung, und der staatlichen Fürsorge für verlassene «lnder. Um ein Aeguivalent für die Verpstichtungen der Mutter i, finden, ist auch die Nachforschuug nach der Vaterschast gesetz- * iu regeln. .., 7. Ter Jugenduntcrricht soll von der Volksschule an bis zur Universität durchaus unentgeltlich sein, der Clementarunterricht «« von jeder Aussicht der Kirche und für siins Jahre obli »nwrisch; ebenso ist überall der Turnunterricht einzusühren. . B. Für alle Lehrer und Lehrerinne» ist das jährliche Minimal- tmionimen in den ländlichen Kommunen aus WO Lire, i i den I�ölifcbcil Öltf IUiO OJv» hen aus 1100 Lire festzusetzen. b. Mit allen bestehenden technischen Lehranstalten sind um "Ugeltliche Fortbildungsschulen für Handwerker zu verbinden. v. 10. Das öffentliche Submissionswesen ist derart zu verändern, die privaten Spekulanten und Zwischenhändler zurückgewiesen s?«den und an deren Stellen die Produktiv-Genoffenschasten der urleiter zu bevorzugen sind. In jedem Falle aber soll der lur v' /°bald er irgend eine Arbeit vcrgiebts dem Unternehmer �öahlung eines vorgeschriebenen, mit den Arbeiterausschiissen Abarten Minimallohnes verpflichten. il. Die Arbeit in den Gefängnissen darf der freien Arbeit Konkurrenz bereiten; es ist deshalb die industrielle Ge- ö'stßwbeit gänzlich zu beseitigen und den Arrestanten Be- imzi,.'öung in t er Landwirthschast, besonders durch Urbarmachung "�bauten Landes, zu gewähren. A- Abschaffung aller Staatsmonopole. zusod.. gesetzmäßige Arbeitstag ist auf 8 Stunden fest- 'it e-»; jedem Arbeiter männlichen und weiblichen Geschlechts ß Ruhe in jeder Woche, zu garantiren. Zur Ueber- «veinie� Gesetzes sind in allen Gemeinden Ausschüsse zu im. 4;,%r Minimallohn ist gesetzlich zu bestimmen für in Arbeiter in Stadt und Land, gleichviel, ob sie sind oder in staatlichen Betrieben angestellt Ijch' Höhe des MinimallohneS ist jährlich von den ordent- �setzen retungen der Arbeiter(den Strbeiterkammern) fest- Arb-!?' gleiche Arbeit ist der gleiche Lohn festzusetzen für beiderlei Geschlechts. (w,«für alle Erwerbszweige sind durchaus unabhängige Ver- �nsniannerkollegien zu wähle». der R:' 5«enge Anwendung der bestehenden Gesetze bezüglich frt�i�isirbeit; weitere' Beslinnnunge» zur Regelung der fällst Äoll« Verantwortlichkeit der Unternehmer bei Unglücks- « Arbeiter ncgen ungenügender Schutzvorrichtungen. von«"beschränkte Koatitionssreihcit der Arbeiter neben chii.., Neutralität der staatlichen Behörden bei Arbeits- den �./Ben. Tcr Regicrung soll es nicht mehr erlaubt sein, S'- 0 te ."!>->iungin. Tcr Regicrung soll' ns"J'rteitgebttn bei ausgebrochenen----- "mee als Arbeiter zur Versügung zn llellcn 2a. Alllnälige Abschaffung aller direkten es nicht mehr Streiks Atannschasten der diiu"' �el envinittel und die wichtigsten B (ivst« Beste.. erung der großen Vermögen und lA�itslleuer. Abschaffuiig der stehenden Heere. und indirekten Ab- Bedarfsartikel, dafür Einführung einer , 3«, rolsnlcss. d'ern�« 3utC Sllfswk'pit« bei amtliche» Krhördr». .!""keit auf tl.,55011 unö mehrfach die öffentliche Auf- b'e' gelenkt beklagenswerthe Lage der Hil,sarbeiler bei Qb,' /ei ibvct darauf hingewiesen worden, daß diese .......• earbeitcr Singer. zum Schluß Weber im Eulen- er sich im Reichs- KÄ1!1® Ei n a"., lnl®"er9'e angenomnien, war der KKvWMes«« s« fe«.'« nan» U9? v? mit 1,60 M. darbt oder mit B.flä egal.--------—„rfnft.t sjch aber wie Ks' c>wt. jn■"«uiugsoerg wil i.öu mc. kuiv.----- KA-MW-ffW eingeschäht, die sie voll zahlen müssen. Die Vergünstigung der Beamten haben sie nicht; Reklamationen bleiben ohne Erfolg; der Weg der Klage ist wegen der Mittellosigkeit und der Gefahr täglicher 5lü»digilng ausgeschlossen. Da die Brief- fachen, welche sie zu vertragen haben, als abschlägig beschiedene Steuerreklamationen, Schulstrafen, Exekutionsanzeigen und Androhungen k. dem Empfänger unangenehm sind, läßt er seinen Unwillen nur zu häufig am Boten aus; beleidigende Aeußerungcn, ja sogar thätliche Angriffs sind nicht selten. Würde es sich um einen Beamten handeln, so wäre man sofort mit Strafanträgen wegen Beamtenbeleidigung im Dienst bereit. Während der Beamte jährlich 4—6 Wochen Urlaub mit fort- lausendem Gehalt, im Krankheitsfalle sogar Extraurlaub und Extrazuschüsse erhält, hat der Magistrats-Briefträger, dessen an- strengende Thätigkeit Treppe auf, Treppe ab, bei Wind und Wetter, Schnee und Hitze, bei einer 15—16 st ü n d i g e n Ar- beitszeit nur zu leicht Krankheit zur Folge hat, bisweilen erst jahrelang zu pctitioniren, ehe nian ihn nachträglich bei einer Kasse untcrbringt, welche ihm täglich„1,25 Mark" gewährt. Viele Bureau-Hilfsarbeiter und Kanzlisten erreichen auch das nicht einmal. Vor kurzem fand man an den Litfaß-Säulen auf großen rothen Plakaten die Aufforderung an die Arbeitgeber, bei Strafe von 30 M. innerhalb 8 Tagen alle bei ihnen beschäftigten Arbeiter zur Versicherung bei einer Kasse anzumelden.— Wollen die Behörden, in deren Dienst unzählige Hilfsarbeiter stehen, nicht auch endlich damit ansangen, das elende Dasein dieser Leute menschenwürdiger zu gestalten? Der Anschluß der Htihableiter an die Gas- und Utafferleitungen wird nunmehr in ein ferneres Stadium der Erörterung treten. Bisher hat diese wichtige Frage nur Privat- vereine beschäftigt; das Ergebniß dieser privaten Ermittelunge» und Besprechungen ging im Wesentlichen dahin, daß von de» Bau- und Eleklrizitätetechnikern die Nothwendigkeit und Durch- sührbarkeit der Anschlüsse ebenso entschieven befürwortet wurde, wie die Gas- und Wafferleitungs-Technikcr diese Anschlüsse als gefährlich und für das Leitungsnetz schädlich bekänipfen. Bor längerer Zeit wurde in Berlin eine besondere Kommission unter dem Vorsitz des bekannten Meteorologen Professor Dr. Bazold eingesetzl, um an der Hand etwa vorkomniender Blitzschläge zu prüfen, ob eine Gemhr für die Leitungsröhren aus dem Anschluß der Blitzableitungen anzunehmen sei. Allein die Erörterungen dieser Kommission haben bisher eine Klärung in dieser Frage nicht zu bewirken vermocht, denn sobald die Folgen eines Blitzschlages genauer untersucht wurden, haben die Wasserleitungs- Techniker stets mit ebenso großem Scharfsinn die Gefahren des Anschlusses der Blitzableiter in dem gegebenen Falle darzulegen gewußt, wie die Anhänger des Anschlusses die Gefahrlosigkeit desselben als criviesen erachteten. In größeren Städten soll nun, wie die Elektrotechniker annehmen, die Blitzgefahr mit der Aus- dehnung des bebauten Gebietes wachsen; auch die Richtigkeit dieser Annahme findet Widerspruch bei den Wasserleitungs- technikern. Da unter solchen Umständen an eine Verständigung der gegnerischen Sachverständigen über diese Frage nicht zu denke» ist, so wollen die Elektrotechniker die Entscheidung der Staats- und eventuell auch der Reichsbehörden anrufen, damit diese ein maßgebendes Wort in der Sache sprechen. In diesem Sinne wird gegenwärtig für eine Petition an den Reichstag und an den preußischen Landtag unter den Berliner Bau- und Elektrizitäts- Interessenten agitirt. Aber auch hier mache» sich Bedenke» gegen eine solche Petition geltend, da man an vielen Stellen den posi- liven Beweis für die Unschädlichkeit der mehrerwähnten Anschlüsse nicht für erbracht erachtet. Die Rndrrsdorfcr Kalkwerke befinden sich bekanntlich zum Theil in königlichem und zum Theil in städtischem Besitz. Man sollte daher erwarten, daß die an jenen Werken beschäftigten Arbeiter einen einigermaßen genügenden Lohn erhalten. Dies ist aber nicht der Fall. Die Lohnvcrhältnisse müssen sogar als recht traurige dezeichnet werden. Bisher betrug der Schichtlohn 2 M. 35 Ps. Diese geringe Summe ist aber von der Verwaltung der Werke noch als zu hoch befunden worden; denn seit dem 1. Okt. wird für vie Schicht nur noch 2 M. 10 Pf. bezahlt. Die Arbeiter müssen also eine für ihre Verhältnisse recht empfindliche Einbuße erleiden. Selbst Leute, die bereits länger als 15 Jahre an den Werken augestellt sind und Gelegenheit gehabt haben, bei schweren Unfällen ihre Thätigkeit zu beweisen, sind von der Lohnherab- setzung betroffen worden, welche um so unbegründeter erscheint, da allgemein bekannt ist, daß aus den Rüdersdorjer Kalkwerken ein vorzüglicher Verdienst gezogen wird. Aus einen» uns vor- liegenden Lohnzettel geht hervor, daß die Arbeiter infolge des geringen Einkommens gezwungen sind, so hohe Vorschüsse zu cnt- nehmen, daß sie am Schlüsse des Monats kaum noch einige Mark erhalten können. Wo soll da eine Freude am Leben und an der Arbeit herkommen? Die RrttungsbäUe, welche an den Geländern der Brücken augebracht sind, scheinen sich in einem traurigen Zustande zu bc- since». Am vergangeneu Freitag gegen 8 Uhr Abends stürzte von der Oberbaumbrucke ein Mann ins Wasser. Mehrere Per- sonen beeilten sich, den an der Brücke angebrachten Rettungsball zu lösen. Dieses gelang jedoch erst nach langen, zeitraubenden Anstrengungen, da der Ball gar zu fest am Getänder angebunden war. Aber auch jetzt war es nicht möglich, den Rettungsball zu benutze», denn der an demselben besei>igte Strick war kaum zu entrollen und envies sich infolge des langen Hängens als so steif, daß er nicht ausgeworfen werben konnte. Zwar wurde in aller Eile ein Rettung�kahn flott gemacht, doch gelang es nicht mehr, die ins Wasser gestürzte Person zu retten. Mögen diese Zeilen dazu Anlaß geben, daß von nun ab die Rettungsbälle von Zeit zu Zeit über ihre Verwendbarkeit untersucht weroen. Die Obduktion der beiden am Freitag verstorbenen Schaaf- schen Kinder Margarethe und Fritz bat vorgestern Nachmittag in der Leichenhalle stattgesunden. Das Ergebniß derselben bei den ge- mordeten Kinder» ergab das überraschende Resultat, daß der un- menschliche Vater den Kindern erst mit der stumpfen Seite des Beils einen schwachen Hieb an der rechten Seite des Kopses ver- setzte, welcher nur eine ganz leichte Verletzung an der Schläfe verursacht hat; hiernach muß sich der Knabe aufgerichtet haben und dann erhielt das bedauernswerthe Kind einen wuchtigen, seitlings geführten Hieb an der rechten Seite des Kopses, so baß die Schneide aus eine Länge von 5 cm den Schädel durchbrach und etwa einen Zoll tief ins Gehirn eindrang.— Margarethe Sch. hatte zwei Hiebe mit der stumpfen Seite der Axt gegen die linke Schläfe resp. gegen den Schädel erhalten, wodurch die Schädel- decke eingedrückt worden ist. Andere Verletzungen waren nicht vorhanden. Tie Obduktion der ältesten Tochter Anna findet heute Nachmittag statt. Zum Kchaaf'schr» Mord liegen heute folgende Mit- theilungen vor: Die Ehefrau Schaaf ist gestern Nachmittag i/O Uhr in der Charitee gestorben, ohne das Bewußtsein wieder erlangt zu haben. Von den unglücklichen Opfern befindet sich also nur noch die kleine Elsa am Leben, deren Tod ebenfalls jede Minute erwartet wird. Von dem Mörder fehlt auch jetzt noch jede Spur, lieber die Familieubeziehungen der Schaas'schen Ehe- leute erfährt man, daß ihr Verhältniß zu den Schwiegereltern, dem Rentier Heyne'schen Ehepaar nicht das beste>var. Schaaf hätte von Heyne öfter Geld geliehen, ohne dasselbe zu der be- stimmten Zeit zurückzugeben. Es kam infolge dessen zu einem Prozeß, der die Beziehungen derartig trübte, daß z. B. die Schwiegereltern von der Geburt des jüngsten Kindes, des zuerst ermordeten Karl, erst nachträglich und zufällig durch dritte Per- sonen erfuhren. Von anderer Seite wird uns noch geschrieben: Auf Antrag der Schwiegereltern des Schaaf ist Rechtsanwalt Dr. Roscnstock von Amtswegen zum Pfleger über das Gesammt- vermögen ernannt worden. Das Vermögen besteht_ aus dem Zimmerplatz, werthvollen Gerüsten und zahlreichen Forderungen und Außenständen, soivie aus einem Grundstück, auf ivelches Schaaf eine Baaranzahlüng geleistet hat. Diesen Werthen stehen jedoch Schulden gegenüber, die das vorhandene Vermögen erheblich übersteigen. Aus diesem Grunde würden die Erben schwerlich geneigt sein, die Erbschaft anzutreten, falls das Ableben des Schaaf, welches allgemein vermulhet wird, bestätigt werden sollte. In diesem Falle wird der Rechtsanwalt Dr. Roseustock zum Erbschaftspfleger ernannt werden. Jedenfalls wird Dr. Rosenstock zunächst eine öffentliche Auffor- derung an sämmtliche Personen, welche an Schaaf noch Forderungen haben, richten, damit sich alle Gläubiger melden und entweder eine gütliche Einigung möglich wird oder der Konkurs angemeldet werden kann. Ueber den Auf- enthalt oder das Schicksal des Schaaf ist noch nichts ermittelt. Gestern wurde in der Jungfernhaide eine gründliche Durch- suchung vorgenommen, welche jedoch, wie alle bisherigen Be- mühuugen, erfolglos blieb. Die Mittheilungen, welche über Frau Schaaf verbreitet worden, nach denen die unglückliche Frau eine religiöse Schwärmerin gewesen sein soll, entbehren jeder Begründung. Vielmehr dürste das Gegentheil zutreffend sein. Am Tage vor dem Morde wurde die Tauswäsche für das jüngste Kind in der Schaas'schen Wohnung abgegeben. Frau Schaaf gab diese Wäsche einer Nachbarin in Verwahrung, da es bei ihr wie sie sagte, des bevorstehenden Umzugs wegen etwas schmutzig sei. Das Abendessen hat die Familie am Abend vor der That noch gemeinschaftlich und, wie der Augenschein ergab, in größter Eintracht eingenommen. Die Stühle standen noch am Sonnabend, als Dr. Rosenstock die Wohnung betrat, um den Tisch herum, und auf dem Tische befanden sich»och die Reste der Abendmahlzeit, Brot, Käse:c., sowie eine Flasche mit einem Rest billigen Weiß- weins sowie auch mehrere Weißbier-Flaschen. Die Bekundungen kluger Nachbarinnen, welche das schreckliche Ereigniß schon vorher ganz genau gewußt haben, weil die Betheiligten vorher schon ganz bestimmte Aeußerungen gethan haben sollen, sind mit sehr großer Vorsicht auszunehmen. Solche Zeuginnen sind fast bei jedem Morde epidemisch. Die einzige Aeußerung des Schaaf, welche amtlich hat konstatirt werden können, besteht darin, daß Schaaf einem Tapezierer gegenüber geäußert hat:„Wenn Sie mich pfänden lassen, nehme ich mir das Leben!" Daß daraus indessen nicht die Absicht des Mordes hergeleitet werden kann, steht fest. Voraussichtlich hat diese Absicht auch niemals bei Schaaf vorgelegen, der Mord ist vielmehr jedenfalls die That des plötzlichen Wahnsinns gewesen. Schaaf scheint bei seiner Flucht nichts mitgenommen zu haben, selbst seine silberne Taschenuhr wurde am Thatort aufgefunden. Gestern Morgen hatte sich der Kriminalkommissarius Kühne infolge einer an die hiesige Kriminalpolizei gerichteten Drahtnachricht, daß in Plötzensee eine Wafferleiche aufgefunden worden sei, behufs Besichtigung derselben dorthin begeben. Die Annahme aber, daß es diejenige des Zimmermeisters Schaaf sein könne, hat sich nicht bestätigt, lieber das Verhältniß der Schaas- schen Eheleute zu den Eltern bezw. Schwiegereltern Heine wird der„Voss. Ztg." mitgetheilt, daß beide Familien seit einiger Zeit nicht besonders einträchtig mit einander gelebt haben. Die Ver- anlassung hierzu war der Umstand, daß Heine seinem Schivieger- söhn mehrfach Geld geliehen hatte, dasselbe aber, als er es zum Studium der Medizin für seinen Sohn benöthigte, nicht zurück- erlangen konnte und den Weg der Klage einschlagen mußte. Selbst Frau Schaaf soll sich von ihren Eltern ferngehalten haben, so daß diese von der Geburt ihres jüngsten Enkels Karl erst nach mehreren Wochen durch fremde Leute Kenntniß erhalten haben. Mit einer tödttichen Kchußwunde am Kopf wurde am vorgestrigen Nachmittag der in der Lottumstraße wohnende Maschinennäher Martin L. in die Charitee gebracht, in welcher er wenige Stunden nach seiner Einlieferung verstarb. Der Mann hatte sich in der in der Brunnenstraße belegenen Fabrik, in welcher er beschäftigt war, aus einem Revolver eine Kugel in den Kopf gefeuert, nachdem er kurz vorher seinen Arbeitskollegen erklärt hatte, daß er seines Lebens überdrüssig sei. Keim Angeln ertrunken. Der Schneider Hille aus Berlin hatte sich am Montag Nachmittag mit zwei Freunden nach den Treptower Wiesen begeben, um daselbst zu angeln. Die drei Personen hatten zu diesem Zweck auf einem in der Spree lagernden Floß Platz genommen. Auf den glatten Balken glitt Hille plötz- Uch aus, stürzte ins Wasser und gerieth sofort unter das Floß- holz, so daß die von seinen beiden Genossen unverweilt ange- stellten Rettungsversuche fruchtlos bliebe». Die Leiche des er- trunkenen Hille ist noch nicht gesunden worden. Auf die Ergreifung des Nechnungofnhrers Peter Eouper, welcher nach Unterschlagung einer bedeutenden Geld- summe ans Edinburg flüchtig ist, haben die dortigen Behörden eine Belohnung von 2000 M. ausgesetzt. Es wird angenommen� daß Couper das Schiff, auf welchem er nach dem Kap der guten Hoffnung zu reisen beabsichtigte, Ende August in Madeira ver- lassen und sich dann anderswohin gewandt habe. Der Gesuchte ist 40 Jahre alt, von mittlerem Körperbau, mit breiten Schultern, hat gesunde Gesichtsfarbe, helle Augen, eisengraues Haar und trug einen am Kinn ausrasirten Barr. Durch Prberfatjren grtödtrt. Ein etwa elfjähriger lin- bekannter Knabe, welcher gestern Abend in der Rosenthalerslraße einem vorüber;nhrenden Löschzuge der Feuerwehr nachblickte, wurde von einem herankommenden Privatsuhriverk niedergerissen und überfahren. Passanten hoben den besinnungslosen und blick- überströmten Knaben vom Pflaster auf und brachten ihn nach der nächsten Polizeiwache, von wo aus die Ueberführung des Verunglückten nach einem Krankenhause bewirkt wurde. Dort vcrniochte man jedoch nur den inz, vischen eingetretenen Tod des Knaben festzustellen.— Der Knabe war in dem Anblick des unter Fackellicht dahinrasselnden Löschtrains so vertieft, daß er die wiederholten lauten Zurufe des Kutschers der heranrollenden Equipage nicht wahrnahm. Ungewöhnlich zeitig scheint sich in diesem -d IN tcr cnnstellen zu wollen, den» in der vergangenen stacht hat er mit einem ziemlich empfindlichen Frost seinen Ein- zug gehalten. Bei- Grad unter Null halte sich aus den Wasser- ,n?ln Rinnsteinen jc. 1 bis 2 mm starke Eisschicht gebildet, welche den warmenden Sonnenstrahlen bis in die 1 pateren Vormittagssttlnden hinein widerstand. Nm 20. d. M. Vormittags gerieth ein Mann vor dem Hause Relnickendorferstraße Nr. 43 A in der airunfenheit unter einen Bierwagen und wurde durch die unter dem Wagen hangenden Tonnen so schwer verletzt, daß der Tod sofort eintrat.— Zu derselben Zeit versuchte im Thiergarten, nahe dem großen Spielplätze, eine Frau sich zu tödten, indem sie Mann vor dein scheinend infolge schwere Verletzung sührung»ach der sich die Pulsader der linken Hand inittelst eines Brotmessers öffnete. Sie wurde vom Blutverlust geschwächt, aber noch lebend nach der Charitee gebracht.— Mittags brachte ein Seidcnwirker an seiner Arbeitestelle, in der Brunnenstraße, sich zwei Revolverschnsse in den Kopf bei, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Nachmittags siel ein Grundstück Neue Roßstraße Nr. 2 an der Trunkenheit nieder und erlitt eine am Hinterkopfe, so daß seine Ueber Charitee erforderlich wurde.— Abends wurde ein 1! jähriger Knabe vor dem Hause Lothringer- straße37 von einem Arbeitswagen überfahren und dabei so schwer verletzt, daß er ans dem Wege zur Charitee verstarb. Nach den Aussagen von Zeugen ist der Knabe in das langsam fahrende Fuhrwerk hineingelaufen.— Zu derselben Zeit fuhr der Kutscher Lehman» mit seinem Arbeitsfuhrwerk aus Unachtsamkeit an der Ecke der Kastanieu-Allee und der Schwedterstraße auf den wegei Umpflastcrung aufgerissenen Straßentheil, siel dabei vom Wagen und erlitt einen Bruck) der Lendcnwirbelsäule, so daß er nach dem Lazarus-Krankenhause gebracht werden mußte.— In der Nacht zum 21. d. M. wurde der Schachtmeister Zimmermann vor dem Hause Große Frankfurtcrstr. 8 von einem anderen Mann durch Messerstiche im Gesicht bedeutend verletzt.— Am 20. d. M und in der Nacht zum 21. d. M. fanden 4 Brände statt. Gevitfikss-Beitrmg. Der Zigarrrnliiindtcr Johannes Kobbr, jener Verfertiger der vielbesprochenen„ M o a b i t e r Menschen falle", der wegen Brandstiftung zu langjähriger Zuchthaus- strafe vcrurtheilt wurde, hat vom Zuchthause zu Sonnenburg aus ein langes Schriftstück an seinen Vertheidiger, den Rechtsanwalt Silberstein, gerichtet, in welchem er demselben interessante Mit- theilungen macht, die dazu dienen sollen, ein Wiederaufnahme- Verfahren zu erwirken. Bobbe gicbt an der Hand einer bei- gefügten Zeichnung an, wo er bedeutende Schätze verborgen haben will. Er behauptet ferner, daß die Fallthür in seinem Laden nicht vor, sondern unter dem Ladentisch sich befunden hat, so daß sie Tags über nicht zu sehen war. Sollte es zu einer noch- maligen Verhandlung im Wege des Wiederaufnahme-Verfahrens kommen, so dürste Bobbe mit interessanten Enthüllungen hervor- treten. Uo» der Findigkeit der Post. Wegen Beleidigung der kaiserlichen Postvcrwaltung und eines Briefträgers stand gestern der Handlunaskommis Paul Sasse vor der vierten Straf- kammer des Landgerichts I. Der Angeklagte war am I.April cr. vom Hause Linienstr. 122 nach dem Nebenhause verzogen und deshalb verspätete sich die Bestellung einer an ihn gerichteten Postkarte um 24 Stunden. Er richtete eine geharnischte Be- Sjwerde an die Postdirektion, in welcher er den Briefträger der ummelei beschuldigte. Die beigefügte Postkarte bat er sich zurück, um den gekauften Reklamehandel, betreffend die Findigkeit der Postbeamten, gebührend in der Presse beleuchten zu können. Er erhielt den Bescheid, daß der betr. Briefträger an zener Verzögerung keine Schuld trage, da seine Erkundigung bei dem Vtzewirth nach der Wohnung des Adressaten am ersten Tage ebenfalls so erfolglos gewesen, wie die angestellte Anfrage bei dem Meldeamt. Der Angeklagte erwiderte der Postbchörde in einem Schreiben, welches, wie der Vorsitzende des Gerichtshofes sich ausdrückte, in einem so lächerlich hochtrabenden Ton gehalten war, daß man fast an der Zurechnungsfähigkeit des Schreibers zweifeln konnte.!„Jch muß mein Mißfallen aussprechen", begann der Brief des jugendlichen Schreibers, der sich dann noch in einigen beleidigenven Aeußerungen erging und schließlich von der Post eine Entschädigung von 6 M. 50 Pf. verlangte, da er um diesen Betrag durch die Verspätung der Postrarte gebracht worden sei. In der Unterschrift nannte der Angeklagte sich Sasse, um sich dadurch ein größeres Ansehen zu geben. Die fragliche Karte stammte von seiner Schwester, die ihn bat, sie gelegentlich ihrer Durchreise auf dem Bahnhofe zu begrüßen. Der Angeklagte begründete seinen Anspruch auf Entschädigung dadurch, daß er seine Schwester um eine Unterstützung hatte angehen wollen. Der Staatsanwalt beantragte eine Geldstrafe von 100 M. cv. 20 Tage Gefängniß, und der Gerichtshof sah sich bei der maßlosen Ueber- Hebung, die in dem Gebahren des Angeklagten lag, nicht ver- anlaßt, das Strafmaß zu ermäßigen, sondern erkannte nach dem Antrage. Auf»in»»igruthümliche Art ist der Schläcktergeselle Albert Thielemann zu einer Anklage wegen Hehlerei ge- kommen, die gestern vor der dritten Strafkammer des Land- gerichts I gegen ihn verhandelt wurde. Am Schützenfest-Sonntage stand der Angeklagte unter jenein dichten Menschenhaufen, der rn der Nähe der Schloßbrücke Aufstellung genommen hatte, um den Festzng zu sehen. Er fühlte sich an der rechten Seile wieder- holt angestoßen, blickte hin und sah eine Hand, die ihm ein Portemonnaie zureichte. Thielcmann nahm es, und steckte es schmunzelnd ein. Mit einem Male hatte er keine Zeit mehr, das Eintreffen des Zuges abzuwarten, er wandte sich zum Gehen. Da fühlte er sich plötzlich von starker Hand am Kragen gepackt. Es war ein Kriminalbeamter, der das Manöver mit dem Porte- monnaie beobachtet hatte und den Ergriffenen für den Theilnehmer einer Taschendiebeebande hielt, der im vorliegenden Falle die Rolle übernommen hatte, den eigentlichen Dieb zu decken und die Beute in Sicherheit zu bringen. Thielemann beiheuerte seine Un- schuld und es hat sich auch nicht nachweisen lasten, daß er mit Taschendieben in Verbindung stand, denn es ist nicht möglich ge- wesen, einen seiner Helfershelfer zu entdecken. Es blieb nur die Annahme übrig, daß der Taschendieb sich in dem Gedränge in der Person seines Gehil.en geirrt und einem gänzlich Unbelhei- (igten das Portemonnaie zugefieckt hat. Thielemann wurde übrigens wegen eines an Raub grenzenden Diebstahls gesucht. Einer auf der Sttaße gehenden Frau, die ihr Portemonnaie in der Hand trug, entriß er dasselbe im Vorübergehen mit kühnem Griff und rannte davon. Das Gericht belegte den mehrfach Bor- bestraften wegen beider Strasthaten mit anderthalb Jahren Zuchthaus. Apbeikerbetuegung. In Fripzig hat am 14. d. M. eine von 600 Personen besuchte Tischlerversammlung, zu der auch die Pianoforte- Arbeiter, Rahmenkrdpfer, Regulator-, Parquet- und Etni-Tischler, Anschläger und sämmtliche in den Wertzeug- und Zollstab- fabriken beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen eingeladen worden waren, in einer Resolutton die bestehenden kleinen Branchenvereine der Tischler für unzureichend erklärt und das Versammlungsbureau beauftragt, bis zum 1. Januar 1891 einen Verein zu bilden, dem jeder Tischler und Arbeiter verwandter Berufe beitreten könne. In die zur Beobachtung der Lohn- und Arbeitsverhältnisse bereits bestehende Tarif- und Beschwerde- Kommisiion der Tischler wurden 8 Angehörige der Nebenzweige des Gewerbes als Mitglieder gewählt. Weiterhin beschäftigte sich die Versammlung mit dem von der Leipziger Tischler- innung eingeführten Institut des Arbeitsscheins, den der Meister dein abgehenden Gehilfen aushändigt und ohne dessen Vorweis kein Gehilse bei einem Jnnungsmeister Arbeit findet. Der vorgerückten Zeit halbe? wurde diese Angelegenheil und andere die Innung betreffende Fragen einer nächsten Versammlung vor- behalten.— Die Zigarrensortirer beschlossen der„Lpz. Ztg." zu- folge an demselben Tage, dem Verband deutscher Zigarrensortirer in Hamburg als Einzelmitglieder beizutreten und den Verkehr mit dem Verband durch einen Vertrauensmann vermitteln zu laffen, da die Errichtung einer Zahlstelle polizeilich untersagt worden sei.— Eine von 250 Personen besuchte Versammlung der Lithographen und Steindrucker beschloß, dem auf Einführung der achtstüdigen Arbeitszeit und eine entsprechende Lohnerhöhung gerichteten Beschlüsse der Ver-sammlung der graphischen Arbeiter vom 23. September beizutreten und zur Vorbereitung der hierzu etwa nothwendigen Arbeitseinstellung einen Fonds anzusammeln, zu dem die Gehilfen 25 Pf., die Hilfsarbeiter und-Arbeiterinnen 10 Pf. wöchentlich beisteuern sollen. Maldenburg, 20. Oktober. Bergmann Hertmann aus Altwasser, welcher nach seiner Rückkehr von dem deutschen Bergarbeitertage zu Halle seitens der Bergverwaltung sofort die Abkehr erhielt, beruft jetzt an verschiedenen Orten des Reviers allgemeine Bergarbeiter-Versammlungcn ein, da er auch seines Postens als Knappschasts-Aeltester entsetzt werden soll; eine Neu wähl ist seitens der Behörde bereits ausgeschrieben worden. Nach dem Wortlaut des Knappschafts-Statuts verliert nämlich derjenige Bergmann dieses Amt, welcher seine Arbeit aufgiebt. Darum hält Herrmann, der ja die Arbeit nicht freiwillig niederlegte, seine Maßregelung für statutenwidrig. Tre bisher in dieser Affäre einberufenen Versammlungen nahmen nun einstimmig eine Reso- lution an, dahin lautend, daß die Knappen in vorliegendem Falle von der Nothwendigkeit einer Neuwahl durchaus nicht überzeugt seien. Diese an den Knappschaftsvorstand gerichteten Resolutionen blieben aber bis heute unbeantwortet. Erweisen sich dieselben als erfolglos, so wird bei dem königlichen Obcr-Bergamt Beschwerde erhoben und vorerst eine Umarbeitung des Knappschafts-Statuts beantragt werden. Sozinls Arbevstchk. für die Kekantttutitchttttg eingeschriebenen, sowie die auf Grund landesrechtlicher Vorschriften errichteten Hilfskassen. In Verfolg des Aufrufs zur Beschickung eines Kongresses der freien Krankenkassen macht die unterzeichnete Kommission bekannt, daß der Kongreß innerhalb acht Tagen nach dem nächsten Zw sammentritt des deutschen Reichstags(der wahrscheinlich an 18. November erfolgt) in Berlin eröffnet wird! Die genaue An- gäbe des Tages der Eröffnung wird den Delegirten zur rechten Zeit mitgethcilt. Die Vorstände aller freien Krankenkassen werden deshalb auf gefordert, den Entwurf zur Abänderung des Krankenversicherung� Gesetzes in öffentlichen oder Mitgliederversammlungen zur Diskussion zu stellen, damit die Mitglieder Stellung zu demselben nehmen und ihre Ansicht über denselben durch Anträge, welche dem Kongreß zu unterbreiten sind, kund geben können. Alle Anträge, welche der Kommission rechtzeitig zugehen, werden den Delegirten gedruckt vorgelegt. Jede Kasse hat nur ein Mandat auszustellen, auch dann, wenn dieselbe mehrere Delegirte sendet; Mandatformulare sind von der Kommission zu fordern. Die gcwähtten Delegirten müssen sobald wie möglich bei der Kommission angemeldet werden, damit rechtzeitig für die nöthigen Quartiere gesorgt werden kann. Alle auf den Kongreß bezügliche Anfragen, Anmeldungen, Anträge u. s. w. sind zu richten an L. I. Levinson in Altona, Blücherstr. 21. Durch denselben ist auch das Kranken-Versichcrungs- gesetz, dem der neue Entwurf gegenübergesetzt ist, nebst der Be- gründung desselben, zum Preise von SO Pf. das Stück franko zu beziehen. Die Kommission: G. B l u m e. C. D e i s i n g e r. L. I. Levinson. Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden gebeten, diese Be- kanntmachung, wenn möglich, an hervorragender Stelle zum Ab- druck zu bringen. An die Arlieiterschaft Deutschlands! Genossen! Ge- nossinnen! Nach dem Borbilde der Fabrikanten- Koalitionen in Hamburg, Leipzig und anderwärts suchen nun auch die Fabrikanten der Tabak- und Zigarrenbranche die Organisation der Tabak- rbeiter— den Untersrützungsverein dentjcher Tabakarbeiter— u sprengen. Ter erste Versuch zu diesem Zweck wird jetzt in Eschweae in Hessen gemacht. Die dortigen Zigarren-Arbeiter und-Arbeiterinnen stellten kürzlich in Anbetracht ihrer ungünstigen Lage und sogar von den Fabrikanten selb st dazu auf- gefordert, welcke ein Entgegenkommen versprachen, die Forde- rung einer Lohnerhöhung von 5—7 pCt., eine gewiß höchst be- scheiden? Forderung. Diese Forderung wurde aber nicht nur zu- rückgewiesen, sondern den Arbeitern seitens der Fabrikanten die Gegenforderung gestellt, die Mitgliedschaft des Unterstützungs- Vereins deutscher Tabakarbeiter aufzugeven. Denjenigen, welche den Austritt aus dem Verein unterließen, wurde mit Arbeits- aussperrung gedroht. Die orgamsirten Arbeiter Eschweges wiesen diese unwürdige Forderung zurück, woraus die Fabrikanten brutalerweise ihre Drohung verwirklichten und ca. 250 Arbeiter und Arbeiterinnen auf die Straße setzten. Genossen! Genossinnen! Gelingt den Fabrikanten Eschweges der Streich gegen die Organisation der Tabakarb eile r, so werden die Fabrikanten anderer Orte sofort diese nt Beispiel folgen und dieOrganisation in ganz Deutschland zu zertrümmern suchen. Darum wenden wir, die Unterzeichneten, uns im Namen der auf dem Parteitag der Sozialdemokratie n Halle anwesenden 50 Delegirten der Tabak- und Z i g arr enü r a n ch e an Euch und fordern Euch auf, uns im Kampfe unserer Organisation zu unterstützen. Ten Konsumvereinen, welche in Geschäftsverbindung mit den gegen uns streitenden Fabrikanten stehen, geben wir hierdurch ebenfalls von der Sachlage Kenntniß. Wir hoffen nicht vergeblich an das Sottdaritätsaefühl aller Arbeiter zu appelliren. Wie Ihr, Arbeiter Tcutfchlands, den rivolen Kampf gegen die Hamburger Arbeiter abgeschlagen habt, o werdet Ihr uns Eure Hilfe in diesem Kampfe gegen unsere Organisation nicht versagen. Agitirt zu unseren Gunsten, 'ammeltBeiträge, die, je eher und reichlicher sie „«fließen, den K a m p f verkürzen und erleichtern. Die Fabrikanten suchten sich Eschwege als erstes Feld des Kampfes aus, weil sie hoffen, infolge der dort herrschenden ungünstigen Lage, die Arbeiter zu besiegen. Um die Unterstützung für d,c Aus. gesperrten gerecht und ordnungsmäßig regeln zu können, bitten wir. sämmtliche Beiträge an den Hauplkasstrer des Unterstützungs- Vereins deutscher Tabakarbeiter, den Kollegen Nieder- Welland. Bremen, Lessingstr. 17, mit Angabe des Zweckes zu übermitteln. Bertram-Hannover. Frau Blohm-Hambura. I. Bruhns-Breme», bnhr-Altona. Neudeck-Brand-nburg. Etolz-Liegnih._ Die gesammte Arbeiterpresse wird um Abdruck ersucht. Dcvin»»ttttltt»rge»r. Der Fachverrin der Gas». Masser-, Heizungsrohr- und Berufsgenossen hielt am Sonntag seine'regelmäßige Mitgliederversamiiilung in Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75, ab. Die Tagesordnung lautete: I.Vortrag des Herrn iHohl- wegler über„Privateigenthum". 2. Diskussion. 3. Besprechung über das Wintervergnügen. 4. Verschiedenes und Fragekaste». Zu Punkt 1 erhielt Herr Hohlwegler das Wort und schildert«, ivie und auf welche Weise die besitzenden Klassen zu ihrem Eigt»° thum gekommen. Es werde zwar immer gesagt, das Eigenthiw sei von Gott eingesetzt, wenn man sich aber das ganze Gebahre? der kapitalistischen Gesellschaft bettachtet, so wird man finden, da? dieselbe nur durch Lug und Trug, durch Abzwackung an dei» rechtlich verdienten Lohne der Arbeiter, zu ihrem Cigenthum» welches rechtmäßig der gefammten Gesellschaft gehörte, gekommen st- Täglich sieht man, in welcher Weise dieLohndrückerei des Unternehme�' thums vor sich geht, wie die Arbeitskraft des einzelnen Arbeiters aus- genutzt und ausgebeutet wird, wie eine jede technische Erneue rung an Maschinen tausende von Kräften brotlos macht, sie au! die Straße wirst und ihrem Elend überläßt, und dieses nur deswegen, um auf schleunigstem Wege zu Reichthum zu gelangen und sich auf Kosten des Arbeiters ein behagliches Leben zu verschaffen. Redner schilderte ferner die Entstehung des landwcrthschaftlichen Eigenthums, wie die Vorfahren unseres Junkerthums, als Rand' rittcr:c. geplündert, und sich auf diese Weise in Besitz von Lau- dereien, welches jetzt als ein von Gott eingesetztes Eigenthum be zeichnet wird, gesetzt haben.. Das Kapital nutzt und beutet Alles aus, was nur irgend profitabel ist. Dies Wissenschast ist Monopol der Kapn talistenklasse, die Gesetzgebung hat das Kapital in Be- schlag genommen; die Gymnasien, welche durch Steuern unterstützt werden, werden vom Kapital ausgenutzt. Ter Dam daß man hierzu Steuern entrichtet, besteht darin, daß man dem Arbeiter auf alle nur mögliche Art zu knechten und zu knebeln sucht. 30 Millionen müssen hungern und darben, nur damit eine kleine Minderheit ihren Lüsten sröhnen und Orgien seiern kann. Diese jetzigen Zustände sind auf die Dauer unhaltbar, es ist dn- her die Pflicht eines jeden Einzelnen, dahin zu streben und i» arbeiten, dap die Umgestaltung der heutigen Gesellschaft in ei»e sozialistische beschleunigt werde. Darum ist es nothwendig, da? ein jeder Arbeiter einer gewerkschaftlichen Organisation angehöre, um sich zu bilden, sich selbst in derselben aufzuklären und>» immer weiteren Schichten der Bevölkerung diese Ausklärung r verbreiten. Nur durch Zusammenbruch des jetzigen Systems um Sozialisiruug des ganzen Produktionssystems kann eine Aende rung des Privateigenthums stattfinden. Lebhafter Beifall wurm dem Herrn Referenten für seinen anregenden Vorttag zu Them An der hierauf stattgefundenen Diskussion betheiligte sich Kollege Reckner und nachdem der Referent.. Zu Punkt 3, Besprechung über das Wintervergnügen de? Vereins, kand eine länaere Debatte statt, da aber in den äBintw monaten O,'CCJ.pfctUjuiity uutfc vuv fand eine längere Debatte statt, da aber in den Winttt' fast sämmtliche passende Lokalitäten, welche den Arbeiter" �—----.----- Slj.n'-' ffiee einem zu politischen und gewerkschaftlichen Versammlungen zur fügung stehen, bereits vergeben sind, wurde beantragt, von- Wlntervergnügen Abstand zu nehmen und gegen eine Stimme angenommen._ v. Nach Erledigung des Fragekastens machte der Vorsitze'� auf die am 20. Oktober stattfindende Versammlung aufmertsam und schloß mit einem Hoch auf die internattonale, völkerbesrettno» Sozialdemokratie die Versammlung. Am 6. Oktober hielt der Fachverein der Töpfer Charlotte' burgs seine Mitgliederversammlung ab. Auf der Tagesordmm» stand: 1. Aufnahme von Mitgliedern. 2. Vierteljahrsbericht. 8.®fv trag;„Was lehren uns die Unternehmerkoalittonen der Neuzeu. Referent Herr Pirch. 4. Vereinsangelegenheiten. Zum ersten Pm der Tagesordnung melden sich vier Kollegen. Auegeschlossen w> F. Grund wegen restirender Beiträge. Zum zweiten Punkt c Tagesordnung verliest der Kassirer den Vierteljahresbericht« Fachvereins, Kasse; hierauf den �Bericht der Wander- stützungskasse. Die Revisoren bestätigten die Btcht? keit und die Versammlung ertheilt dem Kassirer EntlastM'? Hierauf wird die Arbeitsnachweis- Kommission geb»o olgende Kollegen werden auf Ve Jahr gewählt: Herrn. rovst, G. Schulz, Mischur und Sandig., Hierauf erhielt Herr Pirch zu seinem Vortrag das Derselbe führte der Versammlung mehrere Fabrikate., Vereinigungen wie den Ring der Walzeisenwerke, den Sticke'! verband und andere vor. Der Redner zeigte, wie dieselben° Grund ihrer Vereinigung den Arbeiter zu drücken suchen und c Preis der Maare auf irgend eine beliebige Höhe zu bringe» � Stande sind, ohne daß durch dieses„Judiehöhebringeick, n Preises dem Arbeiter auch nur eine kleine Verbesserung zu. würde. Im Gegentheil wird der Lohn manchmal hsfL, noch verringert. Ter Verband sucht auch die zeit zu regeln. Wie diese Regelung der Arbeitszeit», vor sich geht, ergiebt sich daraus, daß die Arve' 12, 13 und auch 14 Stunden arbeiten müssen. Das nennt n. Regelung der Arbeitszeit im Sinne der Unternehmer. Rcttj� DWSWWM-- Ferner berührte Redner den Hamburger Ausstand. E? desselben und erzählte, wie von be leuchtete die Kampfesart-----------....------ des Kapitals mit Hilfe der Polizei die Ausständigen mtt» x s..?_ � eTn;*frtf« ftirißd(*. nur denkbar niedrigen Mitteln bekämpft wurden.' Alles prallte an der Einigkeit der Arbeiter ab. Ter Vorttag lehrt daß die Unternehmer den Arbeiter immer mehr, bis zur nievr'ßff'. ffitiif» hsr.ihhn'irfMi mnllpn fn hnft dersts. m gesellschaftlichen Stufe herabdrllcken wollen, so daß schließlich noch schlechter als ein Sklave dasteht. Daher wir geschlossen gegen das Kapital kämpfen und für die w � Verbreitung und Aufklärung der arbeitenden Klasse sorg � Reicher Beifall belohnte den Redner. Diskussion fand rncy»'„c Folgende von Kollege Rüguer gestellte Resolution gelang Annahme:_,, Die heutige, am 5. Oktober in der Gambrinusvra � tagende Mitgliederversammlung des Fachvereins der Charlotteiiburgs erklärt sich mit den Ausführungen des Res voll und ganz einverstanden und verpflichtet sich, n"t a pz Gebote stehenden gesetzlichen Mitteln für die weiteste Verb der Aufklärung Sorge tragen zu wollen. Schließlich wiro noch der Fensterfrag» Erwähnung S ,dl und beschließen die Kollegen nach dem 20. Oktober n'ckr ohne verglaste Fenster zu arbeiten._ ,n Hiera s schloß der Vorsitzende mit einem dreimalige auf die Arbeiterorganisation die gutbesuchte Versammlung. M Arbeiter- Sängerbund Berlins und llrngegeiw. Sonntag, den 19. Okiober, fand in May's Festsäten, gck sttaße 22, die konstituirende Versaminlung statt, zu welch«. tretet von 74 Gesangvereineu Berlins und Umgegend«tt wäre». Die Leitung der Versammlung wurde der �.{stj Berathungskommission übertragen und wurde nach � Tiskussion das von der Kommission entworfene Sin einigen redaktto»ellen Aenderuuge» angenommen. 40 mit nahezu 1000 Mitgliedern erklärten sofort den Peitt ck B»»de, während die Vertreter der übrigen 34 Vereine# stimmte Erklärung noch nicht abgeben konnten. Der° sammlung leitende Genosse forderte diejenigen Saiigesvrnve- � auf dem Standpunkt der modernen Arbelterbeivegiiiig stev � P" solchen Vereinen bezw. Sangerdundeu, welche den? Arbeitersache feindlich oder gleichgiltig gegenüberstehe», �,-0 bleiben und nöthigeufalls aus denselben auszutreten. Außerve beschlossen der Kommission die provisorische Leitung be* jin- zu übertragen und die stattfindenden Versammlungen schußsitzungen im„Berliner Volksblatt" und in der» Volkstribüne" durch Annouze bekannt zu geben. Mit de. „Ein Sohn des Volkes" und einem dreimaligen.„ibj. Gedeihen des neugegründelen Bundes wurde die Bersi'.) geschloffen. Ter§ 1, Zweck und Ziel des Bundes, lau» siF,, Bund verfolgt den Zweck, die Arvetter-Gesangvereuie große» Ganzen zu vereinigen und in Gemeinschaft 8'*r..id"1'-,!' lieben Inhalts zu beschaffen und einzuüben. Beitritt«*' ,«»1� und Anfragen sind bis auf Weiteres an Fritz Korlnin, strape 70; Neumann. Brunnens, raße 101, und Fr- Langestraße 17. 8 Tr.. zu richten. ItVil s ,lu>'1 l"'** Hiifsliass«»!» Strli». Mitt- lila»? l?' Oltobcv, SlbjntiS 0 U hr: SicSc£iUu»,i bei stoclfisch, Fischil- Sttn.i.!,,"aeäorbniinn: l. Mltlhetlung«». 2. Sleridjt Ober die Apelheten- flub 3- BerschledtiieS. TSmmlUch« WWßtiebee Bev Hoimntlfion 'iJuHit'8tl1 �gesorBnuiig wegen ganz crgedenst eingeladen. Gaste »-Vstimig nllti' i» der Schuliwaarenbranchc beschäftigten ArbeUenmie» Äfie'id» ol.V,t»»y der Lreireligiöse» Genieindc b>»,!?.>?!!- ba» 21. Oktober, wurde der Antrag ans Aendernng des Namen oinr?!?.' Gesellschaft" in zweiter Berathung mit zwei Drittel Majorität >°g«lehm und ist damit endgiltig gefallen. ' Gesangvrrei»..Zporwört»". Mittwoch, den 22. Oktober, % Uhr, im vtestaurant Nürnberg, Schönhauser Allee 29. 1'"b NIatirnng der ZnirreNe» der Kerlincr Knopforbeiier. Cid' mS' i" Dllober, Abends 8% Uhr, bei Bolzmann, Andreasslraste 26: r"Me Generalversammlung. #nh a,fr!f"Peinigung der Nninenmöniel- Schneider(Angler, Stepper niorf, x!?ne'>iv' und Arbeiterinnen der BelleidungS-Jnduslrie Berlins. Mitt- �nsminnl Dltober, Abends 8 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 76: Droste öffentliche Ucvsammlmtg aller chauodiener, Packer»»d 7,.***** M rt ta* � Sv* n/% f",'** e.*' rx....---- «Ite , �jt: Aug. Kuhntke. 3. liStufflon und Perschiedenes. l%b„n!a Z>i»I»>tir-Rl»d„Seine"(Rixdorfj. Donnerstag, den 23. Okt., ,« Uhr, Seneral- Versammlung, Tagesordnung: 1. Vorstandswahl. eid u!."s. Pst'cht eines jeden Mitgliedes ist es, der wichtigen Tages- 1 halber zu erscheinen.— Sonnabend, den 2». November er., findet das ��uuütgsfest statt, ivozu all« Freunde und Bekannten hiermit eingeladen .st?kg.°?>!�'mc,'u'ati scher Lese- und Disltntir- Kind..pniversu»»". Ks,," Mittwoch Abends 8X Uhr, im Lokale Hämmerle, Bülowstraste so:„Bor- J'1"- B und«DiStusslo!.".--------------W-------•• willkommen. Männer» . Garteil- Nestaurant ibends 8% Uhr im — u».,.....„„- Gesangverein„Männerchor Linde">W>�> tibenS� Naunhnstraste 70.— Männergesangverein„Sangesfreude" .S''ens," ncl ,rv"u Restaurant Musehold, Landsbergerslr. 31.— Gesangverein hUBnmnl ,?f 8: Uhr im Restaurant»eneclc, Droste Hamburgerstr. 10.— udendg Jnt??.1® o™,�"'ss11� jeden Mittwoch nach dem Ersten im Monat, 'scher Ge- lÜllkln,""1—•fc'v'iv/| w* Aetam'frt« Ab-ndu 9 Uhr im Restaurant Wenek, Blumenstraste 46.— Gesang- *- HiugungSuereiii„Kreuzstdel" im Restaurant Toberstein, Mariannen- uppert'sche Sängervereinigung jeden Mittwoch nach dem Ersten im oeius g Uhr Im Restaurant Heise, Lichteubergcrftr. 21.—„Seeger' jigDcretu" orr*—-.—*-... K?i3ir32: Sihung" Nach der Sihung Tan,. Vorträge-e. Gaste, durch MKieder eingeführt, willkommen.- Gesangverein„Steinnelke, Uebung»- At�de von 0-1 1 Uhr bei Müller, Gartenstiaste 63.— Gesangverein„Phönix. Z'fangstunde o Uhr Steininehstr. 76.— Vergnügungsverein„Immer lustig. IZH jeden Mittwoch, Abends o Uhr, bei Bartels, Slottwellstr. s. Gaste 9. U,°MNI-N.- Geselliger Klub„Proletariat" tagt ,edeu Piittwoch Abend im »kale des Herrn Lorenz, Koppenslraste 43e. Gaste willkommen.— Zitherklub !i?il nDci(chen", Brürkenstr. 2. Aufnahme»euer Mitglieder.— Dameiizither- 18 willkommen Derittisilzkes. in �5�"» ül'er Ulüuchr und Soldnten. Adolf Stahr theilt und Jena" das nachstehende Fragment ans Lessing's Gespräch über Mönche und Soldaten. äjsuet Sprecher A und B unterhalten sick). n,.-.. man nicht erschrecken, wenn man bedenkt, daß wir '"ihr Mönche haben als Soldaten?- ®töiiche �>U f0neit» daß es mehr Soldaten giebt, als �: Nein, nein! Mehr Mönche als Soldaten. „y= Erschrecken? Warnin nicht ebenso wohl erschrecken, daß Lii»v U'bhr Sckldatcn giebt, als Mönche? In dem und jenem fid'n von Europa magst Du Recht haben. Aber in Europa Pi, upt? Wenn der Landmann seine Saat von Schnecken und vernichtet sieht was ist ihm dabei das Schrecklichste?— @_,st"er Schnecken mehr sind als der Mause? Oder dap es der Miecken oder der Mäuse so viele giebt? � A.: Das verstehe ich nicht. B.: Weil Du nicht verstehen willst.— Was sind denn Soldaten? A.: Soldaten sind Beschützer des Staats. B.: Und Mönchs sind Beschützer der Kirche. A.: Mit eurer Kirche! B.: Mit eurem Staate! A.: Träumst Du?— Der Staat! der Staat! Das Glück, welches der Staat jedem einzelnen Gliede in diesem Leben gewährt. B.: Die Seligkeit, welche die Kirche jedem Menschen nach diesem Leben verheißt. A.: Verheißt! B.: Gimpel!——— Hierzu bemerkt A. Stahr:„Steckt nicht in diesen ivenigen, wie in Marmor gehauenen Zeilen ivirkich ein politischer Nathan, und mit ihm die ganze Weisheit unserer modernsten Zeit? — Zunächst dieser prägnante Parallelisnius, der Mönche und Schnecken, der Soldaten und Mäuse, beide die Saaten des Land- mannes vernichtend, beide zehrend am Wohlstande und Vermögen der Gesellschaft.— Mönche die Stütze der Kirche, Soldaten die Stütze des Staates, Kirche und Staat in ihrem Wesen dasselbe: der Staat die politische Kirche, die Kirche der geistliche Staat.— Das Glück, das der Staat„jedem einzelnen Gliede" in diesem Leben gewährt, gerade so reell als die Selig- keit, weiche die Kirche jedem Menschen nach diesem Leben vcr- heißt! Fürwahr! Dieser Lessing ist ein Vorläufer des„staats- feindlichen" Sozialismus, so gewiß, wie er der Vater der freien Gemeinden ist. Heißt es nicht alles sagen, was man gegen den Staat sagen kann, wenn man, wie hier Lessing thut, den blauen Dunst, der von der Kirchs verheißenen jenseitigen Selig- keit, dem Glücke gleichstellt, welches der von SM- baten gestützte und beschützte Staat jedem Einzel- neu seiner Angehörigen, besonders den fabrikarbeitenden und tagelöhnernden Proletariern in diesem Leben gewährt?— Lessing nennt denjenigen einen Günpcl, der das nicht einsieht— oder nicht einsehen will, denn er hat seinen A. stark im Verdacht, daß er sich dümmer stellt, als er ist. Es wird erlaubt sein, in Lessina's Namen diese Bezeichnung für die zu wiederhole», die hundert Jahre nach Lessing noch nicht so klug geworden sind, zu begreifen, was Lessing gemeint hat! Erst mit dem stürzenden Mönchthum wird der geistliche Des- potismus der Kirche fallen, erst mit der Vernichtung des Soldaten- thunis der weltliche Despotismus des absoluten Staates. Ter humane Lessing, der Dichter des„Nathan", sagt es, und Amerika mag uns Bürge sein, daß seine Prophezeiung sich er- füllen wird." SKrrechsttQl. Di« Redaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soiveit Raum dafür abzu- geben ist, dem Pnblikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Verfügung; sie venvahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identisizirt zu werden. In Nr. 235 des„Berliner Volksbl." vom 9. Oktober 1890 schreibt Herr Vranburgcr aus Friedrichsfelde, daß er nicht wählen konnte, daß derselbe von Genossen verleumdet, und daß dieselben aus persönlichem Haß Unwahrheiten verbreiten. Zur Richtigstellung folgendes: 1. WaS das Wählen anbetrifft, so hat der Herr Branburger selbst zu Genoffen erklärt, daß er nicht wähle» darf. 2. Die Verleumdungen nnd Unwahrheiten bestehen unserer Ansicht nach nur bei dem betreffenden Herrn, wir halten es nicht der Mühe werth, über denselben zu sprechen, sprechen nur dann, wenn uns Jemand um Auskunft über den Herrn befragt. Was das Verhalten dem Herrn gegenüber betrifft, so diene Nach- stehendes zur Aufklärung: Wir Sozialdemokraten von Friedrichs- selbe können den Herrn nicht als Parteigenossen anerkennen. Beweis:, 1. Derselbe erklärt uns für verrückt, weil wir über Lokaltzl die Sperre verhängt haben, und derselbe verkehrt in den be- treffenden Lokalen, erklärt sogar zu den betreffenden Wirthen: „da Die(Sozialdem.) nicht»i'chr bei Ihnen verkehren, so bin ich von nun an Ihr Stammgast. 2. Er hat zu einem Genossen erklärt, der nach Friedrichs- selbe zog:„Wenn Sie erst in deren Hände sind, dann sind Sie verloren." 3. Ist derselbe bei keiner Gelegenheit für die Partei zu haben weder bei Flugblätter und Stiinmzettcl vertheile», kleben u. s. w. 4. Der uns in einem öffentlichen Lokale als Aufwiegler be- zeichnet. 0. Ter einen ehrlichen und rechtschaffenen Genoffen als den größten Lumpen erklärt. 0. Der bei jeder Gelegenheit gegen uns arbeitet. Vorstehendes der wahre Sachverhalt und wir werden nicht eher den Herrn Branburger als Genossen auerkennen, bis der- selbe uns dlirch seine Handlungen bewiesen hat, daß derselbe ein ehrlicher, überzeugter Sozialdemokrat ist. Achtungsvoll I. A.: W. B a u in, Friedrichsselde Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Ouiilung beizufügen. Antwort wird nicht ertheilt. Brieflich Auf vielfache Anfrage» theilen wir mit, daß Genosse Singer merktäglich Vormittags von 3—10 und Sonntags den ganzen Vormittag in seiner Wohnung, Lindenstraße Nr. 44, zu sprechen ist. Kei nnferer Erpedition trifft täglich von der Post eine Kreuzbandsendung als„unbestellbar zurück" ein, adressirt au „Frau Elisabeth Wilhelm, Gernheim a. Rhein bei Darmstadt, Hessen, Lndivigstr.", welche scheinbar von einem Abonnenten dahin gesandt wird. Wir bitten denselben, die Nietoursendungcn abzuholen. A. K. Am 2. Oktober eingesandtes Sammelgeld für Greiz, 7,23 M., ist noch am selben Tage dorthin per Postanweisung abgesandt worden.; 666. Der Skat zählt beim Schaskopf- Solo gegen den Spieler für die beiden Gegner. Deucfifteu. (■Ulolffo Telegraplien-Kureau.) Wien, 21. Oktober. Der Streik der Tramway-Bediensteten ist beendet; die Streikenden ließen durch den Sieichstags-Abgeordneteu Pernerstorser um 8 Uhr Abends der Tramway-Direktion die Er- klärung zukommen, daß sie morgen den Dienst auf allen Linien wieder aufnehmen, sie verlangen jedoch eine Revision der neuen Dienstordnung. In der heutigen Sitzung des Gemeinderaths beantragte Lueger, die Stadtvertretung möge den Bediensteten der Tramway ihre Zustimmung zu deren Verhalten kundgeben. Der Gemeinderath lehnte diesen Antrag ab. Der Antrag Metzler's, der Gemcinderath möge über die Tramway-Gesellschaft für die drei Streiktage einen Kautionsverlust von 180 000 Gulden verhängen, wurde der Rcchtssektion überwiese». Varis, 21. Oktober. Der neue Gesetzentwurf über die Spionage, welcher bei der Deputirtenkammer gestern eingebracht ivurde, tritt an Stelle des Gesetzes vom Jahre 1866, das nicht für vollständig genug angesehen wurde. Durch den neuen Eni- wurf werden die Strafen gegen Agenten nnd Militär- und Zivil- behörden, welche für die nationale Bertheidigung wichtige Doku- mente ausliefern, verschärft. Calais, 21. Oktober. Die Hauptversammlung der streiken- den Tüllarbeiter, in welcher etwa 2000 Personen anivesend waren, ermächtigte Delegirte, mit den Arbeitgebern auf der Grundlage einer Lohnerhöhung zu verhandeln. strnig reelle «§ I Eigene Merk statten: Berlin N., Berlin SO., Berlin 0.. GOeßrck IL MeHrch l Gr. FrltOirtttstche 760 fe Etwaige Beschwerden wolle das Publikum gefälligst im Hauptgeschäft, Chausseestraße 24a, anbringen. Soeben erschien: � ii©ft m» fA. Dr. W. Zimmeriuann's Njfr IMer Merckieg. � Jllustrirte Volksausgabe. herausgegeben von Wilhelm Bios. Wiederverkäufer erhalten Rabatt. "k Whre Zlltöb Kr. III. äiiÄJa" durch die Expedition Im Tuchgeschä« jetzt Amenitr. Üb, l "ÄerPaKoC; fowie Damenkleliler etc. Spiegel und f Polsterwaareii.S eigener Gr. Lager, bill. Preise.] Fabrik. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hof parterre. Theilzahlung nach Uebereintunft. Das neueste Anschneide- System für die gesammte Damen- Schneiderei wonach ein Jeder ohne jegliches Zeichnen- talent tadellos sitzende Garderobe ansertige» kann, lehrt innerhalb 8 Tagen (auch in Abendkursen) gründlich unter Garantie für 15 Mark 1082 i. Paul Müller, Ziminerstr. 53, III, Achtung I Kein Laden. Nur eigene Fabrikation, 25 Zigarren 1 Mark. Garantie rein aineriranischer Tabake. Rippentabak 2 Pfd. 60 Psg. 234 H. F. 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Um pünktliches und zahlreiches Erscheinen ersucht Der Eiubcrufer. _ Zur Dcckiing der Unkosten findet Tellcrsammlung statt. soziaidessi�ici«» WepsammSwng her Genoisen des II. Berliner Reilljstngs-Wnhlkreises. Mittwoch, d. 22. Oktob, Zlbd. 8 Uhr. im groß. Saale d. Bcrl. Bockbrauerei, Tempel- hoser Berg. Tages-Ordnung: 1. B> �-• 1. Berichterstattung der Delegirten vom Parteitag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. m zahlrei 1387 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Ei»l>«r»fer. Sozialdeinnkr. Wnhlnerein d. VI. Verl. Reilhstngs-Wahlkreises. Donnerstag, d. 23. Oktob., Abd.8VsUhr, i. Saale d. �rn. Lehmann, Sch>vedtersir.24. Ui�osse ¥eg«sammguB?g. Tages-Ordnung: 1400 1. Vortrag des Hrn. W. Schweizer:„Christenthum und Sozialismus." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fraaekasten. Güsie sehr willkommen. Aufnahme neuer Mitglieder. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt.— Zu recht zahlreichem Besuch ladet em___ Der Vorstand. Oestentl. Uersammwng der PilrtcigenWn des V. Berliner Reißstngs-Wchlkreises. Mittwoch, den 22. Oktob., Abds. 8 Uhr. im Saale der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 10—11. Tages-Ordnung: 1403 1. Berichterstattung über den Parteitag in Halle. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Der Einberufer. OeffentEiehe Uersanfimiung sämmtlicher lolz- u. Bretterträger Berlins. Donnerstag, den 23. Oktober, Abd.8Uhr, in den Zenlral-Festsälen, Oranienstr. 180. Tages-Ordnung: 1. Der bevorstehende Gewcrkschasts-Kongreß. Referent: Stadtv. Hr. Fritz Zubeil. 2. Wahl der Delegirten. 3. Verschiedenes. 1409 Zur Deckung der Unkosten Entree nach Belieben. Um zahlreiches Er- scheinen ersucht W. Kchönstein. Achtung, Gastwirthe! Verein z. Wahrung der Interessen der Gast- und Schankwirthe Berlins u.Umgegend. Freitag, d. 24. Oktob., Nachm. 4Vs Uhr, beim Kollegen Gründel, Tresdenerstr. 116. ©ei�ei�ai-Mei�saiiiBiiBung. Tages-Ordnung: I. Aufnahme neuer Mitglieder. 2. Ersatzwahl des Vorstandes. 3. Kassenbericht. 4. Antrag des Vorstandes und Vereinsangelegenheiten. 2. Verschiedenes und Fragekastcn. Um zahlreiches Erscheinen ersucht im Interesse der Tagesordnung Der Dorstand. RExdorf. Grosse Volks-Versammlung. Donnerstag, den 23. Oktober, im Lokal des Herrn Niesegk, Bergstr. 129. Tages-Ordnung: 1408 1. Berichterstattung der Delegirten üb. d. Parteitag in Halle. 2. Diskussion. Ersuche um zahlreiche Bclhciligung der Genossen. Der Einberufer. Wegen gänzlicher Auflösung unseres seit 15 Jahren bestehenden Teppich-, Gardinen-, Leinen- und KanmwoUruaaren- I Geschäfts um Umwandlung in ein Speziai- Geschäft für Damen- Kleiderstoffe und Mantel I Usüstandiger Ansverkanf nachstehender Artikel: Großes Lager Teppiche in allen neuen Geweben und sämmtlichen Größen. Gewöhnliche Zimmer- I größe: 5 M., 0 M., 8 M., 10 M.. 15 M. Salongröße: 10 M., 15 M., 20 M., 25 M., 30 M. Großes Lager Gardinen, das Fenster: 2 M., 3 M., 4 M., 8 M.» 10 M., 15 M. 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