Fr. 848. Freitag, den 24. Oktober 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Volks blatt" � ,, Mwit täglich Morgens auher nach Sonn- und Festtagen. AbonnemcntspreiS für Berlm frei N Haus vierteljährlich 3.30 Mark, monalliil, 1.10 Mark, wöchentlich 23 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. �nntagz- Nummer mit dem..SonmagS-Blatt" 10 Pf. Postabonncmcnt 3,30 Mark pro Quartal. n..(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) "Mer Kreuzband, täglich durch die Erpedition, für Deutlchland und Oesterreich-Uiigam 2 Ulark, für das übrige Ausland ü Mark pro Monat. KM.?-«»: Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -, Fernsprecher: Amt VI. Zlr. 4100. i- Nedstükion: VenthstvaHv 2,— Expedition: DcukhÜvotze 3. Die NoveUe ,'»»» Kmukeuuersichrrnugs GrsriZ III. für das System ist auch die Aeuderung. uiiä■ö'e§§.57 und 58 erleiden sollen. Wir können ...."'cht versagen zur besseren Charakterisirung die Be- nvitng dieser Aenderungen hier wiederzugeben. Also: i'frtsr?men vielfach Streitigkeiten über das Versicherungs- \ �-oor'. denen es sich nicht um die Kassen- son>'chast einzelner versicherluigspflichtiger Personen, um die Frage handelt, ob die in bestimmten Ge- ib n�-igen oder Betriebsarten beschäftigten Personen, in ftahi �unnutheit nach den Bestimmungen der Kassen- � Uten der einen oder der anderen Kasse angehören, oder �•fzelne Betriebe zu dem emen oder anderen Ge- ��weige, für welche verschiedene Kassen bestehen, zu s; � Obwohl in diesem Falle die b e t h e i l i g t e n v e r- z Y u u n g s p f l i ch t i g e n P e r s o n e n u n d deren h"" e i t g e b e r i n d e r N e g e l kein Interesse Q. �n haben, ob sie der einen oder dgz°ere n Kasse zugewiesen werden, so bietet doch zur Erledigung dieser Streitigkeiten nur £ co--»- r- f..- C. � A@ 03 A*«. , l'V vvv*; j v vi/ vivjvv � j lm| 58 vorgesehenen Weg. über das bestehende Ber- YUngsverhältnin durch ein Berfahre» zwischen der Kasse Ij*•.....— my»/'** f--------- fP- S r»»virtQj gestellt worden,' däß ein zwischen" 2 Kassen entstehender ..,.' �, /r»/ rr Ol.. P______' ind v''ö;'w�lVMUMip UUVU| ein �..ei|Ui;tcti uti ovu(| eine«, n..ei�.eIneu Nersicherungspflichtigen beziehungsweise Arbeitgeber eine Entscheidung herbeizuführen. eswj� ist neuerlich durch reichsgerichtliches Erkenntniß 'tl'Pif V* eyuiUCH, VII jj CHI jjivijvyvn—' uvvvf|v»» !r. darüber, ob eine bestimmte Klasse von Personen bei 8(ae k" ober der anderen Kasse zu versicher» sei, im lusi« � Prozesses vor den ordentlichen Gerichten zum zg ug gebracht werden kann. Allein abgesehen davon, lesen Im lassen nicht gezwungen werden können, zu beschreiten, und es in der Hand haben, durch 1 ein/ � des Tin§ 58 vorgesehenen Weges die Arbeitgeber •elcw'r..�itperfahren über eine Frage zu nöthigen, an er Ls j'n Interesse haben, eignen sich Streitigkeiten nfriim �en Art nicht zuni Austrage durch richterliches rtlwil, � zumal die Entscheidung zumeist von der Be- � ng gewerbetechnischer Fragen abhängt. in.�/�Streitigkeiten, bei denen es sich der Regel nach kranfr Deklaration der über die Organisation der iuwui« � heruug durch die Kassenstatnten getroffenen Be- Uräi handelt, werden vielmehr am zweckmäßigsten una ki�- h�de entschieden, welche für die Genehnii- �eninn!/ organisatorischen Bestiinmungen zuständig ist. »JqclJ empfiehlt sich die Aufnahme des§ 57», welcher 121 ----- JcutHrtcm. g Uirtoria. �_ Roman von Minna K a u t s k y. MV»«" /Ä�Dich schämen, so jung und so verdorben— N dafür LT Du scheinst ein s�ind und man möchte ,,!�lhafle c> schlagen- ja wahrlich schlagen, für diese �xvs&st ' heti!» u oift nichts nutz— laß Dich nicht mehr vor mir "Sebiißt e ihm, und seine Augen hatten alle Klarheit U»M �ntsckn�.��empörte ihn, aber war das nicht zugleich Und ,!!/d, �e Grundstimmung seines Zornes, brach die Entscheidung dieser Streitigkeiten der höheren Ver- waltungsbehörde zuweist und dagegen nur die Beschwerde an die Zentralbehörde zuläßt." Da haben wir die Bescheerung! Also so zweckmäßig ist dieses bureaukratische System, daß sich verschiedene Kassen um die Arbeiter streiten, welche ihnen angehören sollen; es müssen erst kostspielige und langwierige Prozesse geführt werden, um zu entscheiden, in welche Kasse Ar- beiter gezivängt werden sollen. Statt nun aber eine freiere Regelung dieses Systems anzubahnen, wird es noch bureaukratischer hergerichtet, in- dein einfach die Entscheidung durch die ordentlichen Ge- richte vollständig ausgeschlossen und an deren Stelle die Entscheidung durch die höheren Behörden gesetzt werden soll.— „Auch die Bestimmungen über das Verfahren in Einzelstreitigkeiten, wie es zur Zeit im§ 58 geregelt ist, hat sich als abänderungsbedürftig er- wiesen," heißt es in der Begründung.? Natürlich, haben doch mehrere Ortskassen in dem Kampfe mit freien Hilfs- kassen sich verschiedene„Schlappen" bei den ordentlichen Gerichten weggeholt, und wahrscheinlich deshalb muß auch in diesen Fällen die Entscheidung durch die ordentliche» Gerichte fallen und an ihre Stelle das V e r w a l t u n g s- S t r e i t v e r s a h r e n gesetzt werden, welches seinerzeit schon von der Reichstags- Kommission verworfen wurde, „weil dasselbe, wie es in den einzelnen Bundesländern gestaltet sei, eine zu große Verzögerung der Entscheidung zur Folge haben würde." Das genirt aber unsere„Sozial-Poiitische- Gesetzcntivurfs- Macher" nur wenig. In einer langathniigen Begründung suchen sie die jetzige„fehlerhafte 5kompetenz- Bestimmung" zu be- weisen und der Kommission Oberflächlichkeit unterzuschieben. Damit ist die Sache abgethan, über die Folgen setzt man sich mit gewohnter Eleganz hinweg. Wissen diese.Herren nicht, daß auch die Streitigkeiten, welche aus Anlaß der Bestimmungen in§ 5 Absatz 9 und 10 des Unfallversichc- rungs-Gesetzes entstehen, nach§ 58 Absatz 1 des Krankenversicherungs-Gesetzes entschieden werden? Handelt es sich hier nicht um rein privatrechtliche Entschädigungsansprüche? Und doch heißt es in der Begründung:„Es ist nicht ab- zusehen, weshalb über rein privatrechtliche Ansprüche eines Versicherten, sobald sie von dem Versicherlen auf die Krankenkasse übergegangen sind, nicht mehr von dem ordent- lichen Richter, sondern' von dem Verwaltungsrichter ent- schieden werden soll." Jedenfalls werden sie bei der Rovelle zum Unfallversicheruugs- Gesetz Veranlassung nehmen, diesen Lapsus zu korrigiren. Aber nichts destoweniger haben die Versicherten ein Interesse daran, daß alle Streitigkeiten der gedachten Art schuldiges Gesicht sie doch damals im Schlafe hatte. Aber in täglicher Berührung mit diesem Weibe, ihrer Taute, konnte ihre Reinheit nicht von Dauer sein. Welche Erniedrigung selbst noch iil dieser Niedrigkeit, welche moralische und physische Verkommenheit! Sic sprach sich in Altem aus, ivas er im Hause dieses Weibes gesehen. Gemeinsam mit dem Geliebten und der Nichte bewohnte sie eine Stube und das junge Fabrikmädchcn sah sich ge- zwungen, die Nächte ans der härtesten und nngesundesten Lagerstatt zuzubringen, weil es das Zimmer mit dem unsauberen Paar nicht länger thcilen mochte. Welch ein Abgrund that sich da auf! Ekel erfüllte ihn! Und nun, als drängte es ihn, davon loszukommen, schweifte seine Phantasie in jene Kreise, in denen er in den letzten Jahren gelebt, in die er sich hineingcwöhnt hatte. Wie waren jene Mädchen gehütet, ivie sorglich bewahrt, damit kein rauher Hauch sie derühre. Nichts von des Lebens Feindlichkeiten in ihren Umkreis dringe! Welch ein Kontrast! UeberscincruNg und Verweichlichung schien ihm nun fast, ,vas er dort kennen gelernt. Jene wußten nichts von dem grausamen Kampf ums Dasein, Diese da erlag ihm in ihrer Jügendblüthc. Er hatte sich ivicder erhoben, und nachdem er gesenkten Hauptes einige Schritte gethan, wandte er sich entschlossen der Stelle zu, wo er das Mädchen verlassen hatte. Sie war verschwunden. War es ihr also doch nur um den Bettel zn thun? Nun ja, hatte sie nicht gesagt, sie habe Hunger? Er spürte in dem Augenblick selbst eine leichte An- wandlnng davon nild begriff, daß es etivaS Entsetzliches sei, aEses dringendste Bcdürfniß der menschlichen Natur nicht befriedigen zu können. Hunger, Hunger! Er mußte Ursache von den ordentlichen Gerichten und nicht im Wege des Verwaltungs-Streitverfahrens entschieden werden. Damit haben wir die wichtigsten Benachtheiligungen, welche für die Mitglieder der Zwangskassen, zum Theil auch der freien Kassen, in Aussicht genommen sind, so ziemlich alle Revue passiren lassen; ehe wir aber zur Be- leuchtung der vornehmlich die freien Kassen in ihrem Be- stehen gefährdenden Bestimmungen übergehen, wollen wir uns vorerst noch mit einigen Bestimmungen allgemeiner Natur beschäftigen. Da ist zunächst der Zusatz, den§ 33 erhalten soll, beachtenswerth. Derselbe lautet:„Wird zur Aufrecht- erhaltung oder Wiederherstellung der Leistungsfähigkeit einer Kasse eine schleunige Vermehrung ihrer Einnahmen oder Verminderung ihrer Ausgaben erforderlich, so kann die höhere Verwaltungs-Be Hörde, vor- beh altlich des vorstehend vorgeschriebenen Verfahrens, eine sofortige vorläufige Erhöhung der Beiträge oder Herab- setzullg der Lei st nn gen, letztere bis zur gesetzlichen Mindestleistung, verfüge n. Gegen diese Verfügung ist die Beschwerde an die Zentralbehörde zulässig. Dieselbe hat keine aufschiebende W i r k u n g." Diese Maßregel wird in folgender Weise begründet:„Der§ 33 schreibt für die Erhöhung der Beiträge und für die Minderung der Kassen- leistungeil ein Verfahren vor, dessen Erledigung oft er- hebliche Zeit in Anspruch nimmt. Wie die bis- herige Erfahrung gelehrt hat, kommen aber vielfach Fälle vor, in denen nur durch eine schleunige A u s f ü h- r u n g der Maßregel dem gänzlichen Verfalle einer 5kasse vorgebeugt werden k a n n.(Ein rührendes Geständuiß!) Das öffentliche Interesse(soll wohl heißen das Interesse der bureau- Akratischen Sozialreform?) und dasjenige der Kassen fordere daher, daß in dringenden Fällen vorläufige Maßregeln zur Erhaltung der Leistungsfähigkeit einer Kasse ergriffen wer- den können. Nach dem Inhalt der Bestimmung, welche zu dem Ende als neuer Absatz dem§ 33 hinzugefügt werden soll, hat in jedem Falle, in welchem eine Erhöhung der Beiträge oder eine Minderung der Kassenleistung onrch die höhere Verwaltungsbehörde vorläufig angeordnet wird, hinterher das in den ersten 3 Absätzen vorgeschrie- bene Verfahren stattzufinden, nach dessen Beendigung das Ergebniß desselben an die Stelle der vorläufig getroffenen Anordnung tritt, sofern diese nicht etwa schon vorher wieder aufgehoben sein sollte." Das heißt mit anderen Worten, die Vertretung der Kasse darf allergnädigst der von der höheren Verwaltungsbehörde vorläufig ge- und Antrieb werden für das Niedrigste, wenn nur damit die Möglichkeit gegeben war, ihn zn stillen. Er bückte sich, um einen blinkenden Gegenstand vom Boden anfzuhebeni Es ivar der Doppelgulden, den er vorher der Frauzel zugeworfen. Wie, sie hatte ihn nicht genommen? aus Empfindlich- keit etwa? Ein zorniger Aerger wallte in ihm auf, der die Be- schämung niederhielt. Sie hatte Hunger, und es dünkte ihm, als hätte ein hungernder Mensch nicht das Recht, empfindlich zn sein, und dieses Mädchen da wohl am wenigsten. 'Aber ivas sie gethan, sie that's aus Hunger, auS Hunger! rief es in ihm, weißt Dn, was das bedeutet, aus Hunger!? Er ging rasch den Weg entlang, den sie genommen haben mußte, und sah sich nach allen Seiten nach ihr um, konnte sie aber nicht entdecken. Als er ans einer dichten Baumgruppe herausgetreten, konnte er ein Stück WegeS übersehen, aber keine Spur von dem Mädchen. Er ging immer vorwärts. Jetzt blieb er stehen und horchte. Er hatte ein kaum Hörbares ver- nommcn, aber es verricth ihm, daß etwas Lebendes in der Nähe sei, Er vermochte es nicht zu entdecken. Er ging einige Schritte zurück und spähte, dann that er einen Satz seitwärts in das hohe Gras hinein. Da lag sie am Boden unter einer grünen Hülle, die sie fast vollständig verdeckte. Sie hatte mit den Händen die Gräser und Blumen ausgerauft und sich damit die Brust, die Schultern, das Gesicht verdeckt, sich Mund und Ohren damit gestopft, als wolle sie nichts mehr hören und sehen, nichts fühlen und empfinden mehr von dieser Welt. Selbst begraben hatte sie sich unter einem Blumen- I troffenen Anordnung ihre Zusthnmung ertheilen, thiit sie dies jedoch nicht, so vollzieht die höhere Verivaltungs- behörde ihrerseits die erforderliche Abänderung des Kassen- statnts von Aintswegen mit rechtsverbindlicher Wirkung, und damit wird die vorläufige Anordnung zur dauernden, ob die Betheiligten dieses wollen oder nicht. Hierbei ist auch noch die in Aussicht genommene Aenderung des§ 47 in Betracht zu ziehen, wonach ferner hin eine Erhöhung der Beiträge der Versicherten auf mehr als drei Prozent des durchschnittlichen Tagelohnes durch einfachen Majoritätsbeschluß herbei- geführt werden kann, während zur Zeit eine Erhöhung über 3 pCt. nicht eintreten kann, wenn nur ein Beitragspflichtiger Widerspruch dagegen erhebt! Fürwahr, alle diese Bestimmungen liefern den Be- weis, daß diese bureaukratische Krankenversicherung bereits vor dein Bankerott steht und nur durch außerordentliche bureaukratische Maßregeln noch eine Zeit lang aufrecht erhalten werden kann. Noch ein paar mal— Influenza und—„es geht der schöne Kram entzwei." Was bleibt denn jetzt schon von den vielgepriesenen Wohlthaten übrig? Nicht viel mehr als freie ärztliche Behandlung und Medizin zc. für arbeitsfähige Kranke und die Behandlung in einem Kranken Hanse für Arbeitsunfähige während 13 Wochen! Was nützen demgegenüber alle gestatteten Erweiterungen der Kassenleistungen? Es nützt gar nichts, auf dem Papier alle n, öglichen Vortheile für die Arbeiter zu dekretiren, wenn zu ihrer Er- füllung keine MiBtel vorhanden sind. Das Bedürfniß, das ärztlich be s ch ein igte Be- d ü r f n i ß z. B. zu einer m e h r w ö ä) e n t l i ch e n Er- h o l u n g besteht für jeden Menschen, ganz besonders aber für so schwer und unter so ungünstigen Verhältnissen Arbeitende, wie dies bei der Mehrzahl der Kassen- Mitglieder der Fall ist. Legt man durch Gesetz die Kosten für solche Erholung den Krankenkassen auf und wird der Anspruch darauf wirklich zahlreich erhoben, so kann die Kasse eben nicht bestehen. Hier wie auch bei der Frage des sogenannten Simulantenthums ist e i n Punkt von wesentlichster Bedeutung, nämlich: wie sich die große Mehrzahl der Mitglieder zu einer Kasse stellt. Entweder die Arbeiter sehen in der Krankenkasse etwas bnreau- kratisches, ihnen wesentlich fremdes— dann suchen sie aus ihr herauszuziehen, was nur irgend wöglich ist. Oder sie betrachten die Kasse als einen Verein, an dessen Gedeihen sie ein dringendes unmittelbares Interesse haben, dann werden sie ihre Ansprüche auf das Nothwendigste beschränken, auf die vorhandenen Mittel Rücksicht nehuien und ganz von selbst eine sehr scharfe Kontrole ausüben. Die erste Auffassung muß bei den Zwangskassen Platz greifen, je mehr dieselben mit bureau- kratischem Beiwerk versehen werden, die zweite Auffassung findet sich hauptsächlich bei den freien Kassen, in welchen sich auch sonst einander nahestehende, nach gegenseitiger Achtung strebende Genossen zusammenfinden. U n t e r solchen Umständen muß den freien Kassen die Zukunft gehören, wenn auch augenblicklich ihr Horizont wieder um- d ü st e r t, wenn der„Schatte n" noch mehr auf sie gelagert wird! In der That: werden die Bestimmungen des Ent- wurfs Gesetz, so wird den freien Hilfstässen, welche von der Zwangsversichernng befreien wollen, die Existenz in einer Weise erschwert, zu welcher in Anbetracht der langjährigen, segensreichen Wirksamkeit dieser Kassen gewiß' kein Grund vorhanden ist. Vorrespondenzeu. Mailand, den 21. Oktober 1390. Leider hat der Con- gresso operaio di Milano, der so vielversprechend mit Hügel, aber der kleine Körper zuckte darunter in nervösen Krämpfen. Er blieb vor ihr stehen und rief sie an. � Sie fuhr zusammen, aber sie veränderte ihre Stellung nicht. Da warf er ungeduldig das Gras bei Seite, faßte sie um den Leib, hob sie empor und sah ihr ins Gesicht. Es war blaß und entstellt, die Haare, aus denen das blaue Band gerissen war, waren gelöst und vcrivirrt, und Thräuen stürzten aus den entzündeten Augen. Sie vermied seineu Blick. Die Scham war über sie gekommen, jene jungfräuliche Scham, die bisher in dieser jungen Brust, in der noch kein Verlangen aufgestürmt, geschlummert hatte, und die sie nun so heftig anfiel, daß sie darunter zu vergehen glaubte. Einen Moment ruhte sie in seinen Armen, dann stieß sie ihn hinweg, mit einer Kraft, deren er sie nicht für fähig gehalten, und stürzte vorwärts, ohne sich nach ihm umzusehen. Er sah ihr nach mit einiger Bestürzung, Einen Moment dachte er daran, ihr zu folgen, dann aber zuckte er die Achseln. Was willst Tu mit ihr? Sie um Verzeihung bitten? weshalb? oder sie trösten? Sie braucht dich nicht. Oder wolltest du abermals die Rechte ihres Andreas usurpire»? Er lachte laut auf, und wunderte sich nur, daß er den Namen dieses Burschen behalten hatte. Aber mit dieser Erinnerung war auch ein gut Theil seiner Aufregung und Beunruhigung geschwunden und er kehrte nach dein See und zu seiner Arbeit zurück. Er hatte mit der Frau des Hegers abgemacht, daß sie ihm das Mittagessen hierher bringen sollte, aber es war zivischen zwei und drei Uhr des Nachmittags und sie kam nicht. Er fand es sonderbar, daß diese Leute, die er gut be- zahlte, und die ihm versprochen hatten, auf's Beste für ihn zu sorgen, schon am zweiten Tage seines Hierseins ihren Verpflichtungen nicht nachkamen. Um fünf sollte der Mann ihn aufsuchen und das Malergeräth nach Hanse schaffen. Aber er verspürte nachgerade einen so lebhaften Annahme deZ im letzten Bericht gemeldeten BeschlusseZ begann, die Erwartungen schwer getäuscht, welche alle überzeugten So- zialisten und besten Freunde der Arbeiterfache Italiens hegen mußten. Es ist im Fortgange der späteren Verhandlungen— sie dauerten bis gestern Abend— bei denen in leidenschaftlichen, überstürzten und ungeordneten Debatten die kaum über- brückte Zwietracht zwischen dem Consolato operaio und den übrigen sozialistischen und anarchistischen Gruppen wieder aufloderte, der erste so erfreuliche Beschluß durch- kreuzt und vernichtet worden. Dies geschah durch Annahme eines Vorbehaltes, wonach alle diejenigen Vertreter, die sich— zum ersten Male— zur Antheilnahme an den politischen Wahlen entschieden hatten, es als ihr Recht und als einzig rathsam ver- kündeten, bei der Wahl weiße, unbeschriebene Zettel abzugeben, somit die beschlossene Ausübung des Wahlrechtes zur Kundgebung eines leeren passiven Widerstandes herabzndrücken. Die Schuld für diesen unüberlegten Beschluß, der heute den deutschen Arbeiterkreisen kaum glaublich erscheinen wird, muß dem Mangel an planvollem Vorgehen, an jeder Erfahrung im politischen Kampf und dem wild und berechnungslos vorwärtsstürmende» Geist und Charakter zugeschrieben werden, der hier nicht nur die sozinl-revolutionären anarchistischen Gruppen kennzeichnet, sondern auch bei einem sehr großen Theil der Arbeiter des Fascio operaio [Partito operaio italiano] noch immer überwiegt. Was nach solchem Beschluß vorauszusehen war, geschah. Das Consolato operaio erklärte durch diese Ent- scheidung den zuerst geschlossenen Einiguugsvertrag für thatsächlich gebrochen und zog seine sänuntlichen Vertreter vom Kongresse zurück. In der gestrigen(den 20.) Abends stattgehabten Schlußsitzung des Kongresses, die einen trümmerhaften, traurigen Anblick bot, kehrte Alles auf den Standpunkt vor dem Kongresse zurück. Zu verkennen ist nicht, daß das Consolato operaio den so bequem gegebenen Anlaß sehr schnell ergriff, den früheren entschiedenen Schritt vorivärts wieder zurück zu thun. Nach Annahme des ersten Beschlusses hatten maßgebende Persönlichkeiten der bürgerlichen radikalen Demsfeatle dem Consolato nicht wenig die Hölle heiß gemacht über das Schreckliche, was er, ohne es zu wissen, gethan: Er sei durch Aufnahme des sozialistischen Programms der Arbeiter vom Partito operaio italiano blut- roth revolutionär geworden und ausgesprochener Feind jeder friedlichen Entwickelung, Hütte sich mit den Anarchisten aus eine Stufe gestellt, und was der Schreckmittel mehr waren. WietraurigimlnerderaugenblicklicheAusgangbicsesEinigungs- Versuches erscheint, die Neberzengung kann nicht mehr aus den Kopsen und Herzen großer Slrbeitermassen Italiens genommen werden, daß die Erkämpsung politischer Macht das beste praktische Mittel zur Erreichung des ökonomischen Zieles ist. Diese Wahrheit wird, wenn nicht Alles trügt, auf dem gegenwärtig zu Ravenna tagen- den sozialistischen Kongreß zum Durchbruch kommen. Ter glän- zende Verlauf und Erfolg des sozialdemokratischen Kongresses zu Halle, dessen mächtiger Eindruck in allen Gesellschaftsschichten Italiens nachhaltig zu wirken beginnt, wird das Seinige dazu beitragen. NoltkipHe Uovevftchk. In ri«m» teitartihrl über den Kallrscheu Parteitag bemerkt die„Frankfurter Zeitung", der Organisationsplan, wie er gegen den Vorschlag der Fraktion vom Kongreß an- genommen ivorden sei, bereiten der„Diktatur der Fraktion", ein Ende. Wer den Artikel der„Frankfurter Zeitung" liest, muß den Eindruck gewinnen, die Fraktion habe sich durch ihren Organisationsvorschlag„die Diktatur" sichern wollen, und sei durch den Kongreß daran gehindert worden. Eine solche Auffassung bekundet eine völlige Unkenntniß unserer Partciveryältnisse. Die Diktatur, welche der Fraktion durch das Sozialistengesetz aufgezwungen wurde, hat mit dem 1. Oktober ihrEnde erreicht, und ivir kennen kein Mitglied der Fraktion, welches dies nicht begriffen hätte. Der Vorschlag, die Fraktion mit der Kontrole der Parteileitung zn betrauen, hatte eine reine f o r m a l e Bedeutung und wurde gemacht, weil die Mehrheit der Fraktion der Ansicht mar, in anderer Form lasse sich die Kontrole, ohne Konflikt mit den deutschen Vereinsgesetzen nicht durchführen. Auf dem Kongreß hat man— und zwar in vollem Einklang mit der Fraktion— den Beschluß gefaßt, es mit einer anderen Form zu Prokuren. Gelingt der Ver- such, dann gut; gelingt er nicht, so ivird man vermuthlich wohl oder übel auf den ursprünglichen Fraktionsvorschlag zurückkommen müssen. Für die Parteileitung ist es absolut gleichgiltig, ob wir die eine oder andere Form der Kontrole haben. Von Diktatur kann in keinem Falle die Rede sein, und da bei Parteien wie bei Staaten auf die Regicrnngs- form nichts ankommt, wohl aber Alles auf den Geist Hunger, daß er beschloß, früher aufzubrechen, um das gast- Uche Dach zu erreichen. Er packte also Alles zusammen, und den Malkasten am Rücken, Staffelei und Schirm in der Hand, trat er den Rück- weg an. Tie Sonne brannte nock immer heiß hernieder, und mit jeder Minute wuchs die Mühsal, die er sich auf- erlegt, wurde sein Magen rebellischer und stieg seine Ge- reiztheit. Schnaubend und keuchend vor Zorn und unge- wohutcr Anstrengung langte er vor dem Hanse an, und mit einer lauten Verwünschung warf er Malkasten, Sessel und Staffelei auf die Bank vor dem Hause, daß es polterte und klirrte. Der Heger selbst, ein großer, kräftiger Mann mit einem wcttcrgebräunten, gutmüthigen Gesicht, erschien hieraus in der Thür. Mit dein Ausdruck des höchsten Mißvergnügens trat ihm der Maler entgegen. Was sich in ihm an Aerger anf- gehäuft, ivollte sich entladen, der Große aber lächelte ihm frohlockend zu und bedeutete ihm mit emporgehobenem Zeige- fingcr, nur hübsch ruhig zu sein und sich zu besänftigen. Osivaldt war von dieser unverkennbaren Heiterkeit be- troffen. „Was giebt's denn da zn lachen?" fragte er erbost. „Eh, schon wissen!" uiciute der Michael, indem er seinen großen Mund zu einem stummen Lachen so weit öffnete, daß das mächtige Gebiß sichtbar wurde, und als Oswaldt keineswegs wie ein Wisseuder drein sah, stieß er kurz heraus: „A Bna is!" „Aha!" machte Oswaldt, dem plötzlich ein Licht ausging, «Ihre Frau hat also—?" Michael nickte und schüttelte dabei den ganzen Körper. „Ja ja,— gut ist's gangen— nix is g'schehn— alles vorüber." „Das ist ja prächtig." Oswaldt reichte ihm die Hand. Sein Zorn ivar plötzlich gebändigt, und er sprach und trat nun ebenfalls entsprechend leise ans;„jetzt begreife ich auch, warum Sie mich so ganz vergessen haben. Der biedere Michael zog die breiten Schultern aus- drucksvoll, wie zum Zeichen des Bedauerns, in die Höhe. -»>?! und den Inhalt des Gemeinwesens, so wird die P».....- jetzt genau ebenso vor sich geh», als wenn der Orgamsar� entwnrf in seiner ursprünglichen Fassung angenoM worden wäre. t J Kurz, in der ganzen Sache hat es sich, wie das W Monatelang vor dem Kongreß von Mitgliedern der Fr«"' in Volksversammlungen und Zeitungsartikeln klipp und', ausgesprochen worden ist, einzig um eine Form- und mäßigkeitsfrage, in keinerlei Art um eine Macht- � Prinzipienfrage gebandelt. In einer demokratischen wie der nnsrigen, kann— außer in Kriegszeiten und* nahmezuständen— eine Diktatur nicht bestehen, balgereieu, wie sie in anderen Parteien, z. B. der schrittspartei, stattgeftinden haben, sind in der W demokratie unmöglich., I»!eo(Bursdr*), allen unseren Lesern wohl beka»? ivird künftig an dem„Berk. Volksblatt" mitarbeiten,>' regelmäßige Berichte über die französische Arbeiterbewegu- schicken. Gleich Ferro«! wird er wegen seiner Anwesen? I in Halle von der französischen Bourgeoispresse heftig o"-, griffen.— Die Chauvinisten nehuien es ihm und Ferro sehr übel, daß sie sich so scharf gegen den russischen Zan»"'..' ausgesprochen haben; und andere Bourgeoisreaktionare fürchten, daß es Guesde und Genossen gelingen möge,% französischen Proletariat eine ebenso geschlossene Organist»» und eine ebenso wirksame Taktik zu geben, wie die deuijV Sozialdemokratie sie besitzt. � Von der äußeren Erscheinung Gnesde's bringt ei», j. verschiedenen Zeitungen abgedrucktes Feuilleton der„Ff' Zeitung" eine sehr ungenaue ja unrichtige Beschreib'® „Er soll ein kleiner, engbrüstiger, schmächtiger Mann" rj ist aber in Wirklichkeit weit über MiKelgröße.% Feuilletonisten der„Frankfurter Zeitung" ist das Mißge®' passirt, Guesde mit dessen und unserem Freund D One r c y zu verwechseln— dem ehemaligen Redakteurs „Cri du Peuvle", so lange derselbe ein Arbeiterorgan® Daß weder Guesde noch Duc-Quercy jemals vom BoulaÄ. „sich haben blenden lassen", wie der nämliche Feuilleto»'? meint, das versteht sich für Jeden, der beide kennt, einst'' ———»——-»— uPtW mm selbst. Das Märchen vom Boulangismus der franzöM' Sozialdemokraten wurde seinerzeit von den fraiizösist. Regierungs-Demokraten und Possibilisten in Umlauf gE und von der„Frankfurter Zeitung" nach Kräften kolpefst Daß man ein Gegner der opportunistischen Bourgf' republik sein kann, ohne in den monarchistisch-legitimist'I® � den Horizont Politiker. zleve. Leider dieser Opportunitäts- und Gelegen? Gefangenen, die zur Arbeit angehalten werden, meistens irgend einem Privatunternehmer und dessen Werkfühff sabr beickiränktem Maße verkehren, wurde Neve. der Ti sehr beschränktem Maße verkehren, wurde Neve, der ist, hermetisch von allem Menschenverkehr abgeschWÜ Jedenfalls nagte dies an ihm, und trug dazu bei, seine Haus sehr kräftige Gesundheit zn untergraben. Er bez- zu kränkeln, gerreth zeitweilig in hochgradige'- regilug, und mußte im Herbst des vorigen in das Lazareth des Zuchthauses zu Halle geschafft wer, Dort lag er drei bis vier Wochen, und wurde als unheilbar irrsinnig nach Berlin transportirt. Also wieder ein Opfer des S o z i a l i st e n g e s e„ Gehörte Neve auch nicht zu unserer Partei, und war- auch mit Männern verbunden, die— zum Theil ans' weniger als lauteren Motiven— unsere Partei nach"fl.. zu schädigen bemüht wareil, so ist doch die Reinheit st Charakters, seine absolute Selbstlosigkeit und seine eij Energie stets von uns anerkannt worden. Daß man e: solchen Mann zu Zuchthaus.verurtheilen konnte, nach dem Gesetz nur für ehrlose Handlungen ffstL ist,— das ist eins jener Denkmäler, welche die deull Justiz unter dem Einfluß der„erzieherischen Wir'ufL des Sozialistengesetzes" sich errichtet hat— aere xerenw — ein Denkmal dauernder als von Erz. � Nachschrift. In letzter Minute wird uns'st, mitgctheilt, die Nachrichten betreffend Neve seien''' 1 richtig, der Gefangene befinde sich im Gegentheu *) Sprich: schälst gähd. „Ja, da kann man nix machen— bin nöt mehr kommen— mei Weib— das war a Remasuri!— st? o im Wald g'west— nix g'wußt davon— da holt im#. kleine Rothköpfige— ich lauf in' Ort um die— eh, mL wissen— wir sind grad noch z'recht kommen zum ct' Schrei." Er holte tief Athem, wie erschöpft. „Nun, ich gratulire, mein lieber Michael!" „O bitt', ist gern g'schehen." „Ihr erster Bub, nicht wahr?" „'s Erste überhaupt", seine Augen leuchteten voll sst'st Glückes,„a bisscrl klein ist's ausg'fallen— aber da" man nix machen." „Und Ihre Fran befindet sich wohl?" „Soso,— im Bett ist's halt noch." „'Natürlich, und— die Franzel?" „Heißt's Franzel? so— Hab noch nicht Zeit geh" sie zu fragen." „Ist sie wieder fort?" „O nein, die muß jetzt da bleiben— ist grad' kommen— g'schickc's klcin's Dingerl das." „Hat sie zu essen bekommen?" „I moan's— die hat ein Appetit— is halt jung— da kann mau nix machen— sie wollt' wieder � — aber für uns war's Hilf in der Roth— und ich? so schön beten, sie soll uns bleiben— und da—" � „Und da ist sie also Eure Hansgenossin jetzt? Äber will Euch unter diesen Umständen nicht zur Last fallen, mir nur schnell etwas zu essen, dann will ich meinen B" schnüren." J Ter Michael aber wollte davon nichts wisse" versicherte, der Herr werde Alles bekommen, wie l gehöre._. � „Morgen bleib ich zu Haus— da schwing ich.*! Kochlöffel— übermorgen— wird die Meiuige schon st;> beisammen sein." Er bat ihn, nur in sein Oberstiibcist kommen, da stehe das Essen schon bereit. (Fortsetzung folgt.) L�ichungsiveise wohl uub fei gegenwärtig in der Verwal- fuugsschrciberci des Zuchthauses zn Halle beschäftigt. Es Ilcht mm Behauptung wider Behauptung. Betreffs der oben 'wtgetheilten Taten können wir nur versichern, das; sie durchaus zuverlässiger Quelle entstammen. Werden die �Hörden nicht sprechen? _ Dev Antisemit hat— so theilten wir schon mit— den -b o l k s p a r t e i l e r gesch)lagen— bei der Landtagswaht Zu Besigheim in Württemberg. Ta der geschlagene„Volks- parteiler der„Staatsmann" seiner Fraktion ist und der sieg- reiche Antisemit wie zum Hohn auch noch Es sich heißt, 1° herrscht große Traner in( Zchwäbischs-Trosa's Hallen. Und !su Grunde genommen ist dieser Llusgang doch etwas sehr natürliches. Tie Antisemiten beuten in rafsinirtester Weise du sozialen Mißstände, oder richtiger die Massennnznfrieden- heit mit den sozialen Zuständen aus, und eine Partei, die M sozialem Gebiet, trotz einiger sozialistisch angehauchter Phrasen, so naiv und hilflos ist, wie die Vollspartei, kann « selbstverständlich mit den Temagogenknnsten der geriebenen, mit allen Hunden gehetzten Antisemiten 'ucht aufnehmen. Diese sozialen Quacksalber können nur durch einen echten uns rechten Arzt beseitigt werden, der wirklich will, was sie den Leichtgläubigen 'Hix vorschwindeln, und der ihre Schwindeleien auch ans- decken kann: Gegen Antisemiten helfen nur Sozialdemo- "Uten. Ueberall wo der Antisemit Anhang findet, ist ein guter Boden für die Sozialdemokratie und jedem antisemi- tischen Agitator sollte sich ein sozialdemokratischer an die Johlen heften. Uuseru schwäbischen Genossen empfehlen wir Besigheim und den Ess i ch. Kant unter de» Propheten. Einen warmgeschriebenen zsttikel für hnmanen oder sagen wir lieber uienschenwür- oigcn Strafvollzug politischen Verbrechern, namentlich peeßsüudern gegenüber finden wir heute in der„ltreuz- Mtung". Der Verfasser der beilänstg feine„guten Gründe W, sagt: „„Human" ist der Strafvollzug bekanutlich. Neuerdings m aus Juristenkreise», ja selbst von Gefäugnipbeamten über die Z" gute Behandlung der Gefangenen geklagt worden, weil pe Zu Llückinllcu verleite. Die Cinzelhast ist allerdings eine sthirere Strafe, wenn sie länger dauert. Aber gerade die Itamingäste der Gefängnisse, die Vagabunden, genießen zumeist "nie Einzelhaft. Diese pädagogisch sehr wirksame_ Strafe wendet man vorwiegend gegen die zu längeren Strafen per- urtheilten Leute an. Doch dies nebenbei. Im allgemeinen haben es die Gefangenen, welche man als Verbrecher bezeichnen wuß, in den Gefängnissen sehr gut; Prügelstrafe gicbt es nicht; o>e Kost ist für den einfachen Mann sehr genießbar, und wenn or einige Wochen„sitzt", kann er sich aus seinem„Arbeitsver- dienst-Anlheit" Wurst, Hering, Bier, Tabak anschaffe». Für de» �iichtverbrecher, wie den vcrurtheilten lliedaktcur, ist die Gesang- mßstrase hart. Da er meistens zu kürzeren Strafen vernrtheiit )U' genießt er nicht die Vergünstigung, sich die Kost zu ver- °°sseru, ißt also schlechter, als der Spitzbube nebenan, der seine fünf bis sechs Wochen herum hat!! Morgens eine Mehlsuppe, die mir als das Entsetzlichste im Gesangmß- Küchenzettel erschienen ist. mit trockenem Brot; Mittags eine Suppe von Hulsciisrüchten oder Reis mit Brot; dreimal in rse Woche giebt es dazu ein winziges Stückchen gekochtes Schweine- oder Riild fleisch; Abends Rcissuppe mit Talg, dazu Brot. Vc.Ua tont! Selbstbeschäftigung wird auf Griliid des Reglements abgelehnt. Selbstbeköstigung, Licht. Befreiung von °.er Verpflichtiing, seine Zelle n. s. ,v. selbst z>i roimgen, �rennung von den übrigen Gefangenen bei der„Beu cganz nn Freien" kann genehmigt werden und wird wob! fast iiiuuer genehmigt. Wenn es aber cmem Gesängnißvorstehcr gefällt, mefe Vergünstigilngen zu versagen, hat er die Ata cht dazu, sann also den Berurtheilten zwinge», mit seiner Nummer an °er Brust in der Reihe der Verbrecher ans dein G-fängmphose »u Marschiren. Das Recht, Besuche zu empfangen, wird ab- gelehnt, rnie sind ans Reklamation an den Minister zwei Be- suche in neun Tage» gestattet. Brieflicher Verkehr unterliegt der Durchsicht des Direklors, ist übrigeus in jedem einzelnen Falle von der Genehmigung des Direktors abhängig." Sehr wahr. Und von oppositionellen Zeitungen WH hundertmal gesagt. Der Artikel schließt: „Für den Mann der besseren Stände können sechs Monate Gefängniß ruinirend sein. Jedenfalls treffen sie ihn schlimmer, als den Gewohnheitsverbrecher das Zucht- Haus, als den„schweren" Dieb aus der einfachsten Volks- klaffe seine zwei Jahre. Wie überhaupt größere Unterschiede und Abstufungen in der Behandlung der Ge- lange»«» eine Forderung der Gerechtigkeit sind, so I ollleii vor allem für die politische» Gefangenen die oocn genannten Vergünstigungen und eine bessere Kost oder das Recht, auf eigene Kosten sich zu. verpflegen, allgemein zn- gestanden werden. Eine Verfügung des �ustizniinisters, welche das„Reglement" dahin abänderte, ist em dringen- des Bedürsniß."— % Bravo! Und wie erklärt sich das„Krenzzeitungs"- �'"der? Sehr natürlich, wie alle anderen Wunder. ivf? Herrn Verfasser ist es nämlich passirt, daß er i wer wegen irgend eines unbewußt verübten.hreß- �g-hens neun Tage— man denke, ganze neun •— hat brummen müssen, an welche neun �.age er Us..ohne ein gewisses Schaudern zurückdenken kann. �Engländer hatten doch recht, als ffc wünschten, em Eik o s müsse auf der Eisenbahn verunglücken, damit ver MWSSSM «SM» in.�'Atigstrllnug. In den Versammlungen der letzten-vage. e.»;,, von den von hier nach Halle zum Parteitag g-mmu.. MWUZM MMMM MMMZ ' daß die Fraktion„ruppiger" austrete. Für den Parteitag in Halle war die Angelegenheit mit der Rüge des Vorsitzenden und dem Widerruf des Redners erledigt und es scheint uns iveuig angebracht, auf ein in der Hitze des Gefechtes gebrauchtes Wort, das der Redner selbst als ungesprochen angesehen habeil will, immer wieder zurück zu kommen. Au keinen Fall aber ist es zulässig, den Parteitag in seiner Gestimmt- heit für die zufällige Aeußerung eines Einzelnen verantwortlich zu machen. In hies, gen»md auswärtigen Klätter» kursirt die Notiz, daß dem neugeivählten Vorstand der sozialdemokratische» Partei auch der„aus der Schweiz ausgewiesene Schriftsetzer Richard Fischer augehöre." Daß Fischer der Parteileitung angehört, ist richtig, daß er aus der Schweiz ausgewiesen ivorde» sei, ist die Erfindung irgend eines Reporters. Fischerist 1878 ans Grund des gewesenen„Kleinen" aus Berlin aus- gewiesen worden, später aber ist ihm dieses Malheur nirgends mehr, weder im In- noch Auslände, passirt. Das hiestge„Hevi. Tageblatt" wetteifert mit der„Frei- nsinigcn Zeitung" in Wadenkneiferei. Nun— zum Beißen fehlen die Zähne. Uebrigens hat der Monitenr des Herrn Masse eine Entdeckung gemacht, die wir der Welt nicht vorenthalten dürfen — nämlich ein nnsehlbares Mittel gegen die Sozialdemokratie— „unfehlbar" sind sie ja alle. Gleich sämmtlichon großen und genialen Entdeckungen ist das Mittel höchst einfach— man muß den Sozialdemokraten j e d c n T a g die F r a g e vorlegen: wie sieht d er Z n k u n f t s st a a t a ns? Die Sozialdemokratie ist außer Stand, die pfiffige Frage zu beantworten und stürzt sich in den Abgrund gleich der griechischen Sphynx, deren Ge- heimniß von dein schlauen Oedipus durchschaut wurde. Apropos, aus einer sehr zuverlässigen Quelle erfahren wir, daß Herr Eugen Richter stiller Mitarbeiter des„Verl. Tagebl." geworden sei. Tie Nachricht erscheint bei genauer Prüfung durchaus glaubhaft. Was das„Verl. Tagebl." über Sozialdemokratie schreibt, trägt so unverkennbar das Gepräge Engen Richter'schcn Geistes und Wissens, daß es von Eugen Richter ge- schrieben sein m u ß, falls dieser keinen Doppelgänger hat. Und es giebt doch nur eine» nusehlbaren Freihandels-Papst- „Die eiserne Zttnokr" soll durchaus gelüftet iverden— nach Meinung gewisser Leute, welche Grund habe», die eiserne Maske zu fürchte» oder— kenne» zu lerne». Jetzt schreiben etliche Polizeiblätter, die„eiserne Maske sei mit einem bestimmten, leicht zu machenden Abgeordneten identisch". Ter„leicht zn er- raiheute Abgeordnete" erinnert sehr lebhaft au den„ivohl- bekannten" Herr», der den Paletot oder Hut vertauscht oder c»t- führt hat.„Jntercffaute Enthüllungen" werden für die nächste Zeit in Aussicht gestellt. Wir fürchten, es giebt statt der„inter- essanten Enthüllungen" nur lange Nasen. Der Hcrrfnrth'sche Ertah thut seine Wirkung. In Landsbcrg a. d. W. wurde am Mittwoch eine Wähleroersanun- lung, i» welcher Oberbürgermeister Meydam dem sozial- demokratischen Kandidaten, Maurer Wernau aus Berlin, ent- gegen getreten war, wegen angeblichen Tumultes im„Interesse der öffentlichen Ordnung" polizeilich geschlossen. Die„Kreuzzeitung" hält die genossenschaftlich- fozialisti- scheu(!) Bestrebungen der italienischen Arbeiter den„sozialdemokratischen Doktrinären anderer Länder" als Spiegel vor, und er- wähnt ihre neueren Versuche, Ackerbaukolonien nach genossen- chaftlichen Prinzipien zu begründen. Ebenfalls nimmt sie ans den Versuch der Mailänder Sozialisten Bezug, welche eine Arbciterkauuner gründen wollen, Statuten bereits entworfen und mit dem Begehren einer jährlichen Subvention von 43 000 Lire dem Mnnizipakrath zur Bestätigung eingereicht habe. Diese Arbeiterkammer soll„die gesetzliche und allein gütige Vertretung der Zlrbeiterschast Mailands darstellen, deren Mitglieder durch direkte Wahl aller Arbeitervereine zu bestimmen sind. Tie Kammer oll em Gewerbe-Schiedsgericht in Verbindung mit den BeHürden und den Unternehme S-K den orgauistreii,»e soll v>c Befolgung der Arbeiter-Schuhge>».. uberwaa.)«» und alle weitere» Fragen, die das Wohl Oer arbeitenden Klassen betreffen, zn regeln suchen. Der Arbeitsnachweis, die Jnsormatione» über alle Lohn- und Arbeitsbedingunge», die Oberleitung über die von den Arbeitern gebildeten Genossenschaften, all diese Punkte sollen der Arbeiter- kammer zur Regelung überwiesen werden." Tie bürgerliche» Parteien, läßt sich die„Kreuzztg." berichten, stehen diesem Unternehme» durchaus sympathisch gegenüber. Das darf man wohl glauben, wenn es den Versuch gilt, mit 45103 Lire die soziale Frage zu lösen. Ob aber die bürgerliche» Parteien dem Versuch noch sympathisch gegenüber stehen iverden,>ven» diese Arbeiteriammer in einem konkreten Falle ivirllich als Ver- treter der Arbeiterintercssen austritt, kann nur dieZukunst lehren. Und wenn man sich an entsprechender Stelle ebensowenig tun diese Arbeiterkammer belmmuerl, wie in Deutschland um die Bergarbeiter- Ausschüsse, deren Einsetzung ebenfalls von der „Kreuzzeitnug" als eine so weise sozialpolitische Maßregel ver- kündigt worden ist und die sich letzter Tage aus guten Gründen aufgelöst haben, so werden die italieiiischea Arbeiter zn der»äm- lichen Einsicht gekommen sein, ivie die dciitsche». Haben die Mailänder Arbeiter jetzt noch keinesivcgs jede Verbindung mit den gemäßigteren Parteien verloren, ivie die„Krenzzeitung" rühmend hervorhebt, so wird es später im nämlichen Grade wie in andern Ländern der Fall sein. Damit ist jedoch keineswegs gesagt, daß die'Arbeiterkammer unter den gegebenen Umständen für die Arbeiter nichts zn leisten im Stande iväre, im Gegentheil, nur soll man sich darüber im klaren sein, daß die soziale Frage weder mit diesem noch mit einem andere»„bürgerlichen" Mittel gelöst werden kann.— Einrn �UiU ffintev die Konliffe» dentsch-frtistunigev Ktlahiinacherer gewährt folgendes Geschichtchen, das auch die Gerichte bereits beschäftigt hat. Als sich im letzten Winter der sreisinnige Bauecngntsbeützer Wisser in Windischholzhausen anschickte, das ReichslagS-Maudat sstir Jena zu erobern, eugagirte er als b e z ah l t e n Agitator den iriiher in Eisenach, jetzt in Altenbnrg wohnhaften ehemaligen iveimarischen Landtags-Abgeordneten Jungheinrich. Am 8. Februar kam zwischen Juugheinrich und Wiffer ein schriftlicher Per- irag zustande, in welchem der letztere dem. erstcren für Reisespesen die feste Summe von 230 M. und für den Fall deS Wahlsieges eine„anständige E x t r a g r a t i f i k a t i o n" zusicherte. Alsbald zog Jungheiurich auf die'Agitation, erhielt auch innerhalb 14 Tagen in drei Raten die für den Reiseauf- wand ftipulirten 230 M., während nach Wissers Wahl die Ans- Zahlung der Extragratifikation verweigert winde. Schon bald nach dem 20. Februar erfolgte zwischen beiden Kontrahenten dieserhalb ein in der heftigsten Sprache gehaltener Briefwechsel, der zu einer Klage gegen Wiffer auf Bezahlung von noch 800 M. führte. Ter klägcrischc Anwalt beantragte die kostenpflichtige Vcrnrtheilung WisserS, dabei auf vorhandene zahlreiche Briese über die stattgehabten A g i t n t i o n s m a n ö v c r ver- weisend,„deren öffentliche Bekanntgabe nicht im Interesse WisserS und der denselben unterstützt habenden Partei liegen köiine." Ter Beklagte stellte den Gegenantrag, nicht allein die Klage abzniveisen, sondern auch den Kläger in die'Rückzahlung der erhaltenen 230 M. zu verurtheileu. Zur Begründimg verlas Wisser ein bogcnlaugeS, mit den ärgsten Jnvektiven angefülltes Schristslück. ES hieß darin u. A., der Agitator habe seine über- nounnenen Verpflichtnugen schlecht oder gar nicht erfüllt. Anstatt sich eines Wagens zu bedienen sei er nur zu Fuß gewandert, (wohl um mit kluger Finanzpo. tik zu sparen" Red.) habe auch nicht, ivie vereinbart, alle Ortschaften und Gehöfte deS Kreises (über 200) in den zehn Tagen besucht, sondern nur elwa 40. Juugheinrich habe nach dem 20. Februar einen neuen Vertrag behufs weiterer Gelderlaugimg abschließe» wollen und in Jena öffentlich geäußert,„wer e t>v a s w e r d c u w o l l e, müsse gehörig gerupft werden", lieber Jungheinrichs Persönlichkeit habe er erst nach der Hauptwahl Informationen erhall ten. Das Gericht beschloß die Vorentscheidung am 25. d. Vits- zn publizieren.— Die beiden Ehrenmänner sind einander werth- So kommen denlschsreisinnige Wahlen zu Staude. Dach drr„Zllagdrbnrgcr Zeitung" verlautet aus guter Quelle, daß der Zusammentritt des Reichstages bis Anfang Dezember hinausgeschoben werden solle. In den Kreisen der Mitglieder des Landtages rechne man mit ziemlicher Sicherheit darauf, daß dem Abgeordnetenhause Zeit gelassen werde, die ersten Lesungen der Reforingcsetze zn vollenden, che die Plenar- sitzungen des Reichstags wieder beginnen. Thatsächlich habe das Plenum deö Reichstages zunächst keine dringenden Geschäfte, und die Kommission für das Arbeiter-Schntzgesetz könne nnterdessen ihre Berathungen ohne Nebereilung zu Ende bringen. Das Letztere soll vor Neujahr nicht zn erwarten sein.— Wir würden die Hinansschiebung der Plenarsitzungen des Reichstages für ganz vernünftig halten. Zur Ucchtsprrchnng der Strafkammer in Gera wird von dort Folgendes initgetheilt: Vor knnzem hat, wie berichtet, die Strafkammer den Redakteur des„Geraer Tagebl." wegen Beleidigung vernrtheiit aus Anlaß des Ausdrucks„grobe Lügen". Vor anderthalb Jahren Halle dasselbe Gericht in fast derselben Znsaininensetzimg den Oberbürgermeister in Gera von der Be- Uidigunasklage freigesprochen, obgleich derselbe den Ausdruck „freche Lüge" gebraucht hatte, und zwar gegen denselben Redakteur, der fetzt Beklagter war. Damals ivurde der Oberbürgermeister reigesprocheu, weil er dem„Geracr Tagebl." einige nebensächliche Unrichtigkeiten nachgewiesen hatte. Diesmal wurde der Redakteur verurtheilt, obwohl der Kläger Stieb selbst thatsächliche Unwahr- heilen in seiner Behauptung zugegeben hatte. Snttlittgr», den 23. Oktober. Bei der gestrigen Stichwahl eines'Abgeordneten für den hiesigen Wahlkreis zum württem- bergischeu Landtage wurde der Drechsler Siorz(Demokrat) mit 2360 Stimmen gewählt. Stadtschultheiß Storz(natlib) erhielt 1843 Stimmen. Gesterveich-Ungckrtt. Dem Magistrat in Wien kam es nur darauf an, daß die Tramway-?liigestellteu ihren Dienst wieder aufnahmen. Das übrige, Intervention und„wohlwollende" Prüfung ihrer Be- 'chivcrdeu crgiebt sich dann bei der bekannten Wiener Gemüthlich- ieit von selbst. So meldet das„W. T.-B.":„Den von ein- ander abweichenden Zeitungsmelduugen gegenüber stellt die „Wiener Abendpost" fest, daß der Statthalter den durch die Ab- geordneten Schneider und Pcrnerstorfer befürworteten Empfang der Trainivau-Bediensteten abgelehnt habe unter dem Hinweis auf die bereits abgegebene Erklärimg, daß die Regierung vor Wieder- Herstellung des vollen Tramwayverkehrs keine Intervention über- nehme. Ans direktes Befragen der beiden Abgeordneten habe der Statthalter erklärt, je rascher durch das Aufgeben des Streikes die Autorität der Behörden anerkannt werde, eine um so 'chnellere und wohlwollendere Prüfung der Wünsche der Tramway- Bediensteten von Seiten der Regierung sei zu erwarten. Der„Politischen Korresp." zufolge hat der Statthalter keine Zusage betreffs Einberufung einer neuen Enquete zur Prüfung der Wünsche der Tramivay-Bediensteten gemacht." Grotzbvitck»»»ie«. DaS„W. T. B." melvet: E c e l e s(Lancashire). Bei der gestrigen Ersatzwahl eines Parlamentsmitgliedes an Sielle des verstorbenen Konservativen Egerton wurde Roby(Gladstonianer) mit 4901 Stimmen gewählt. Der Konservative Egerton, ein Oheim des verstorbenen Deputirten, erhielt 4696 Stimmen.— Der Gewählte hat sichi den Bergletiten gegenüber ans den achtstündigen Arbeitstag ver-- pflichtet, was sein Gegner abgelehnt hatte. Dies entschiev die Wahl. Mr.!)!oby ist nicht aß Vertrauensmann der Sozialisten denn als Anhänger Gladstone'S gewählt worden, der sich be- kaimtlich um eine deutliche Erklärung über den Achtstundentag in seiner gewohnten Weise herumzudrücken sucht. Fra»» Kreich. Bo»lang er hält sich noch nicht für todt, sondern macht den Versuch, sich den neueren Angriffen gegenüber zn recht- fertigen. Das„XlX. Eibele" wird morgen eine Erklärung des „großen Generals" veröffentlichen, in welcher derselbe die gegen ihn in den„Gonlisyes du Boulangisme" gebrachte» Beschuldigungen zn widerlegen beabsichtigt. Boulanger behauptet,- er habe nicht von den Subsidien des National-Komitees gelebt, im Gegentheil, er habe seine ganzen Ersparnisse im Betrage von tO 000 Franks eingebüßt, welche Summe ihm übrig geblieben wäre, nachdem er die Schulden seines VaterS bezahlt habe. Bei seinem Austritt aus der'Armee habe Dillon ihm die nöthige Summe angeboten, den politische» Feldzug zu unter- nehmen. Von verschiedenen Seiten habe er außerdem nn- gefähr 260 000 Franks erhalten, und von dem Buchhändler Rouff 100 000 Franks für ein Buch, betitelt„Die deutsche Invasion". Seine persönlichen Ausgaben für seinen Haushalt und sein Sekretariat hätten sich jährlich auf 73 000 Franks be- laufen, die ersten Kosten für seine Wahl auf 25 000 Franks.' Sein siebenmonatlicher Aufenthalt in Brüssel und London habe 10 000 Franks pro Monat gekostet. 200 000 Franks feien für -Unterstützungen von K'oiniteemitgliedern, für die Presse und für Wahlagitationen verausgabt. Er habe die Subsidien der Herzogin d'Uzes und des Baron de Mackan nicht in Anspruch genommen und erwarte jetzt, daß diejenigen, die ihn verbannt und angellagt hätten, seinem Beispiele folgen und Ausklärungen über ihre Finanzverhältnisse, zur Zeit wo sie zur Macht ge- längten, geben und nachweisen würden, wie hoch sich ihre Aus- gaben beliefeu und auf welche Weise sie sich bereichert hätten. Boulanger erklärt ferner, er habe seine Pension, die 100 000 Franks des Buchhändlers, sowie das Anerbieten von 1 Million Franks für Vorlesnnge» in den Vereinigten Staaten geopfert, um seinen letzten Wahlkampf zu unternehmen. Der Entwurf des allgemeinen Zolltarifs soll am Freitag oder Sonnabend an die Zlbgeordneten vcrtheilt iverden. Außer den bereits genannten Erzeugnissen werden auch Leinsamen und Hanf zollfrei sein. Getreide, lebendes Vieh und Fleisch vom geschiach- teten Vieh werden nur in dem Maximckltarif enthalten sein; andere landivirthschaftliche Erzeugnisse können in dem Minimal- tarif stehen. Paris, 23. Oktober. Der Munizipalrath hat eine Reso- lutio» zu Gunsten des Erlasses einer Amnestie für alle Streik- vergehen und solche gegen das Preß- und Versammlungsgesetz angenommen. Spckttie». Madrid, 22. Oktober. Ans den Provinzen werden 17 Cholera» Erkrankungen und 4 Todesfälle gemeldet. Einige verdächtige Fälle in Mureia verursachten dort eine Panik. In Barcelona soll der Gesundheitszustand sich verschlechtern. Rußland. Petersburg, 22. Oktober. Der Prozeß gegen Marie Gnnzburg und Genossen, welche angeblich die �cclranensleute der in Paris s. Z. vernrtheilten Nihilisten waren, ist ans den 4. November festgesetzt. Zu der besonderen Session deS Senats, vor der dieser Prozeß verhandelt wird, sind als ständische Ver- treter der Peter burger GouverncmcutS-Adelsmarschall und das Ntoskaner Stadty.mpt berufen worden. Durch diese Berusnngen wird das Urtheil dieses Gerichtshofes nicht gerechter werden. An dir Töpkrr Kerlin» und Umgegend! Kollegen. wie Euch bekannt ist, besteht in Berlin der„Verein zur Regelung der geiverblichen Verhältnisse der Töpfer" schon 2 Jahre und V der Vorstand uneniwegt benu'cht, denselben groß und starl zus machen. Tnchdcm ist cS ihm bis jetzt noch nicht gelungen, dem' Verein die zu geben, welche er haben müßte. Von zirka 3000 Kollege, g-chört demselben erst eine ganz tleine Zlnzahl als Mitglieder an. Kollegen, Ihr seht doch, wie sich das Großkapital mit den Unternehmern vereinigt, um uns Alles das zu nehmen, was wir durch langjährigen Kainpf und Entbehrungen errungen haben. Denkt Ihr, daß wir von den Arbeitgebern etwas zu erwarten haben, die selbst, wollen sie ihre Existenz behaupten, durch die kapitatislische Produktionsweise bestimmt werden, die Löhne zu drucken und die Arbeitszeit zu verlängern? Und selbst wenn sie darin vom Kapitalisten nicht abhängig wären, dürsten ivir uns dem Wahne hingeben, daß sie ardcitersreundlich genug wären, unsere Lage aus eigenem Antriebe zu verbessern? Niemals! Was kümmert sich der Arbeitgeber darum, ob der Arbeiter von feinem Lohne lebe» kann? Er betrachtet ihn nur als nutzbringendes Subjekt, welches, wenn ausgenutzt, einfach der Noth und dem Elend preisgegeben wird. Ein Jeder unter uns weiß, daß der Einzelne wenig vermag, hingegen die Gesammtheit Alles! Wer also seine Lage erkannt hat und nicht will, daß die Lohndruckerei noch größere Diinen- sionen annehme, wer nicht wi>, daß er das willenlose Spielzeug der Unternehmer werde, welch. s bei schwerer Arbeit mit seiner Familie am Hungertuchc nagt, dessen heiligste Pflicht ist es, sich der bestehenden Organisation anzuschließen. Nur durch eine starke Organisation ist es möglich, den Mißständen in unserem Gewerbe erfolgreich entgegenzutreten, und die feindlichen Bestrebungen der Meisterverbände und Innungen, die dahin gehen, den Arbeiter mundtodt und rechtlos zu mache», zu ver- Nichten. Kollegen! Der Verein ist bestrebt, allen jenen Bestrebuuczen der Unternehmer entgegenzutreten, doch scheiterte ein jedes dies- bezügliche Unternehmen an dem JndifscrentismuS jener Kollegen, welche dem Verein fernstehen. Und was ist die Ursache dieses Jndifferentisinusses? Das seblende Erkenntniß der eigenen Klassenlage. DieS erkennend, ist der Verein bemüht, durch Vor- träge in den Versammlungen sowohl, als durch eine reichhaltige Bibliothek, die jedem Mitglieoe zugänglich ist, Verständnis; siir die heutigen wirthschaftlichen Verhältnisse beizubringen. Ferner ist der Verein bemüht, durch bedeutenden Geldauswand, sowie durch die thätige Unterstützung opferwilliger Kollegen den Arbeitsnachweis so zu organisiren, daß er den gesannnten Kollegen Berlins zum Nutzen gereicht. Auch gewährt der Verein neben Rechtsschutz in gewerblichen Streitigkeiten, Unterstützung jedem Mitglied?, sobald dasselbe im Kainpf gegen die Arbeilgeber, um Verbesserung der Lohn- oder Arbeitsbedingungen, gemaßregelt ist. Ferner gewährt der Verein jedem Mitgliede in Krankheitsfällen bei Erwerbs- Unfähigkeit wöchentliche Unterstützung. Dies beweist, daß eine Organisation, mag sie noch so klein sein, im Stande ist, im Interesse und zum Nutzen ihrer Mit- glieder zu wirken. Wieviel mehr könnte dies eine Organisation, welche sämmtliche Angebörige des Gewerkes umfaßt? Erst dann, wenn alle Kollegen organisirt und vom Solidaritätsgefühl durch- drungen sind, werden wir in der Lage sein, unsere Ideale zu verwirklichen. Darum auf Kollegen, schaart Euch um die Orga- nisation der Töpfer, fürchte sich Niemand, dem Verein beizutreten, er ist mit dem früheren Fachverein absolut nicht identisch. Es kann keine Behörde unseren jetzigen Verein als Fortsetzung des früheren betrachten. Lasset allen Hader und Zank und stellt den Arbeitgebern die Macht der Organisation gegen- über, indem Ihr Alle den; Verein zur Regelung der gewerblichen Verhältnisse der TLpser Berlins und Umzege» beitretet. Sonntag, den 26. Oktober, Vormittags IOV2 Iii) findet in Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 77—70, en ordentliche Generalversammlung statt, zu welcher ganz besonda einladet Der Vorstand. Die Zahlstellen befinden sich bei d< terren: Heindorf, Langestraße 70, Nürnberg, Anklamersiraße-f illenberg, Neinickendorferstr. 58, Viel, Birkenstr. 24, Grafnnde Ziethen- und Schwerinstraßen-Ecke, ferner im Arbeitsnachwt! Tresdenerstr. 116, in Nixdorf bei 5iu»imer, Bcrlinerstraße, außc dem bei Kuhlmey, Rofenstraße 30. Mitglieder werden in jedl Zahlstelle aufgenommen. Marnnng. In englischen Blättern lesen wir, daß di Herrn Wornberger, Jmporter von ausländischen Vieh,> Deptford— England— all ihre Arbeiter, die der Unio> (Gewerkschaft) angehören, entlassen haben, um sie zum Austri! aus der Union zu zwingen,— und daß sie deutsche Ar beiter aus Hamburg zu importiren beabsichtigen. Kei deutscher Arbeiter, der die Sachlage kennt und Solidaritätsgefüh hat, wird sich zu diesen; schändlichen Kampf von Unternehmer gegen die organisirten Arbeiter gebrauchen lassen. Unser Hamburger Genossen werden dafür sorgen, daß da Spiel der Herrn Wornberger, die ihrem Namen Deutsche sind und offenbar die deutschen Unternehmerpraktiker in England einfuhren wollen, gründlich vereitelt wird. Theater. Freitag, den 24. Oktober. Gpernhans. Der Waffenschmied. Kchanspirthans. Nathan der Weise. Lefstng- Thraker. Das zweite Gesicht. Dentschrs Thraker. Das Winter- märchen. Hrrliner Theater. Hamlet. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Großvaters Operetten. Hierauf: Nuppenfee. Wai'ner- Theater. Der Bauern- wktor. Pension Schöller. Neftdenz-Theater. Ferröol. Uiktoria- Theater. Die Million. Kelleallianre-Thcater. Meinjunger Mann. vstrnd» Theater. Zimmermann's Lene. Thomas- Theater. Der Raub der Sabinerinnen. Zum Schluß: Das Jahrmarktssest zu Plunders- weilern. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Hiirgerlichrs Schauspielhaus, Kyritz-Pyritz. Kaufmann s Uariöte. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Ueichshallen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Eourordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'» Uariötö. Große Sverialitäten-Mm-sMi».,.? Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andres«, Alexanderstraße 27 c. Margarethe Steinow, Lieder- u. Walzersängerin. Ann! Cai eil!, Kostüm-Soubrette. Herr Rosöe, Gesangs-Humorist. Adolf Gödicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charakter-5?o>niker. Familie Blumenfeld, Parterre- Potpourri, Drahtseil, Tanz. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags öVa Uhr. Zntrce Wochentags u. Sonntags 30 Pf. 0 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf _ 20 und 30 Pf. StttMIffweilt Buggenhagen am Moritzplatz. Täglich: Grosses Concert."MlK Direktion A. Rödmann. lienftag und Freitag: Walzer-Abend. nh'uu Wochentags 10 Ptg., ililict soim- und Festtags 25 Pfg. roßer Frühstücks- und. Mittagstisch. Spezial-Olusschank von Patzenhoser Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die"oberen Säle bleiben bis aus 1 eiteres wegen Renovirung geschlossen. V; 1 F. Müller. i trstweilHeMerhalleil v" Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Gnartett-Sängern, ausgeführt von de»; Mnsik- Direktor H. S a n s t l e b e n. Wochentags: Frei-Conccrt. Sonntags Entree 20 Pf. Empfehle mich zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- «p'iigungen und Versammlungen. i F. Sodtke. ?»sfagc 1 Tr.»Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. � Hervorrag. Sehenswürdigkeit der Residenz. Zum ersten Male: Neu: Helgoland, llebergabe. Ankunft des Kaisers. Feldgottesdienst w. Zweite Reise durch Zlortugat. Zum ersten Male: fsttamltho mit Einzug des Sultans in Tanger. dir Reise 20 Pf.. Kind nur Abonnement 1 M. 10 Pf. Circns Renz. Karlstraße. Freitag, den S-4. Oktober, Abends 7 Uhr: Grche Extrll-BorßMag mit besonders gewähltem Programm. U. Ä.: 6 irländische Jagdpferde (Original-Dressur) in Freiheit dressirt und vorgeführt von Herrn Franz Renz. D. phänomenale Reitkunstler Mr. Clarke. Die amerikanische Lnltknnstlerin Miss Zelina Zampa. Auftretcn der berühmten Künstlerfamilie Briatore.— Schulquadrille geritten von 8 Herren mit 8 der vorzüglichst dressirten Schul- pferden. Auftreten der hervorragendsten Reitliinstlerinnen und Reitkunstler.— Walküren-Manöver, geritten v. 16 Damen, it. s. w. u. s. w. Allwöchentlich Abends 7 Uhr: Große Vorstellung mit neuem Programm.— Konntag, den 26. Oktober: 2 große Vorstellungen um 4 und 7Ve Uhr. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Freitag, den 34. Oktober, Abends 7Vt Uhr: Gr. Gala-Vorstellung. Besonders hervorgehoben wird i Zum ersten Mal: M TsiN'j. Von Carl Maria von Weber. Ballet, komponirt vom Balletmeister Herrn A. Kihlberg, ausgeführt von den Solotänzerinnen: Fräul. Wulff, Rosa Gerard, Schubert, Kasa- l 0 f s k i und dem gesammten Corps de ballet. Sp-»ialist- ti'dtm%nocycT mar Großer Erfolg::-MB 12 Rapphengste in Freiheil dressirt und vorgeführt von Herrn M. Schumann. Dreifache Spring-Fahrschule. Der be- rühmte Clown Duroff. Sonntag, den 26. Oktober: 2 große Vorstellungen um 4 und 7Vs Uhr. Passage-Panopticum. Unter den Linden 22/23.(742 Lebensgroße MWguren. Pauornme». Dioramen. Ethnographische Sammlungen. Italienische Volkssänger. Entree 50 Pf. Geöffnet von 10 bis 9 Uhr. Castan's Panopticnm Entrve 50 Pfg., Kinder 35 Vfg. |V. 0 Uhr Morgen bis 10 Uhr Zlbends. �Vorstollnng rBorm. UVa n. 12V2 Uhr. 1. u.lVe-O'/äUhr flünbl. eine Vorstellung. Ertra-Etttree 30 Pfg Kinder frei. liotirannr Goldschmidt, JlüljlUÜIll Spandanerbrlicke 6, am hiesigen Platze bekanntlich Gröfftc Auswahl. Garaiitirt stchcr breunende Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befindl. lliohtabake sind am Lager. A. Goldschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt.[746 j Unserm Freund Gustav Schuster zu seinem heutigen Geburtstage die herz- lichsten Glückwünsche. 1459 Die Skatbrüder vom Gartenplatz. Unserm Genoffen Richard Haudschke zu seinem 24. Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch. 1440 C. P. A. K. H. B. L. K. P. Sch. M. L. Richard, wir singen Dir ein Lied. Danksagung. Allen Freunden und Verwandten, welche meinem lieben Manne, unserem Sohne und Bruder Robert Krümmel die letzte Ehre erwiesen haben, sowie seinen Kollengen sagen wir unseren tief- gefühltesten Dank. 1448 Die trauernden Hinterbliebenen. Rohrleger! Helfer! Sonntag, 26. Oktober, Vorm. lOVa Uhr, Versammlung bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75. Tagesordnung: 1. Anträge zur Generalversammlung. 2. Verschiedenes und Fragekasten. Oer Vorstand. NB. Wir sind gezwungen auf§ 5 des Statuts aufmerksam zu machen. Vereinsbäckereien in Deutschland. Eingetr. Genossenschaft' hränkter Haftpflicht. Dienstag, oen 4. N 0 v e m b e r, Nachmittags 4Vs Uhr, CenM-VerjaMllltlg bei Nürnberg, Schönhauser Allee 28. Tagesordnung: Auslösung der Ge- nossenschaft. 1460 Ernst Pleifter, Geschäftsführer, Koloniestraße 20. Robert Nürnberg, Kassirer, Schönhauser Allee 26. Äerei» zur Buhruug iier Znterejseu kr üluvierarbeittr und verwandten Kerufsgenoste». Sonnabend, 25. Oktober, Abends 8 Uhr: Versammlung in Minners Salon, Rosenthalerstr. 1 1/12. Tagesordnung: 1, Vortrag. 1464 2. Vereinsangelegeuheiien. 3. Verschiedenes. Zahlreiches und pünktliches Erscheinen erwünscht Der Dorstaitd. Friedrichshagen. Arbeiter- Bildungs- Verein. Versammlung! Sonnabend, d. 25. Okt., Abds. 8 Uhr, im Saale d.Hrn. C.Conrad, Fr.edrichstr. 134. Vortrag. Gäste willkommen. 1439 Der Vorstand. Arbeiter-isesllNlz-Verei« „Norddeutsciie Schleife" Sonnabend, den 25. Oktob., Abb. 8 Uhr, in„Süd-Ost", Waldemarstr. 75. Bml-«.ZHrllmM-Kssztrt wozu Freunde und Gönner freundlichst eingeladen werden. Billets zu 25 Pf. sind zu haben bei A. Siebert, Engel- Ufer 9, G. Osthorst, Waldemarstr. 65a, 0. Rasche, Mariannenstr. 34, und im Restaurant Pohlandt, Naunynstr. 83. Arbeiter- Buchhandlung R. Baginski Dresdenerstraffe Dr. 53/53, (City-Paffage, Laden 14) empfiehlt: Sind wir Sozialdemokraten 7 60 Df. Sozialdemokrat. Liederbuch. 50 Pf. Die Schriften aus dem Verlage von D i e tz in Stuttgart und S ch a b e l i tz in Zürich. Kolporteure erhalten hohen Rabatt. Dr. Hoesch, Homöopath. Arzt, Artilleriestr. 27. 8-10, 5-7, Sonnt. 8-10. Fachverein der Tischler Mittwoch, den 29. Oktober, Abends 8Va Uhr, in Orschel's Salon, Sebastianstr. 39 Genepal-Versammlungs Sonnabend, den 25. Oktober, in den Räumen der Brauere „Friedrichshain"(früher Lips): Tanz- Kränzchen Billets find zum Preise von 00 Pf. für Herreu und 30 Pf- Damen bei folgenden Herren zu haben: 13fi. Miele, Adalbertstr. 9, vorn 4 Tr.; Haberland, Reichenbergerstraße vorn 2 Tr.; Hoffmann, Straußbergerstr. 36," Hof 4 Tr.; Rambow, Dieffenba� straße 70, vorn 2 Tr. bei Mehnke; Potengoivski, Zossenerstr. 40, Hos Pat'(' Witte. Jnvalidenstr. 21, vorn 2 Tr.; Lenz, Dieffenbachstr. 67, vorn 1 Tr. v Walther; Recke, Frobenstr. 8, Hof 3 Tr. bei Schirmer; Boian, Wienerstr. vorn 4 Tr.; Meyer, Jnvalidenstr. 87, Hof 2 Tr.: A. Schmidt, GriiN' Weg 105; I. Theurich, Chausseestr. 76, vorn 4 Tr.; Mahling, Dresden« straße 120, vorn 1 Tr. links; Rosenfeld(Weißensee), Langhansstr. 100; Eru Peters, Treskowstr. 29a; R. Häusler, Schnlstr. 51; Glocke, Lausitzerstraße vorn 3 Tr.; Wiedeman», Weudenstraße 2, vorn 4 Tr.; Mende, Wienerstr. st' vorn 2 Tr.; H. Schmidt, Zossenerstraße 36, vorn 4 Tr. bei Wicdeholz; 5C'' Stallfchreiberstraße 43a; Mo inen, Kreuzbergstraße 9, Quergeb. 3 Tr.- Äpsi' Sebastianstrape 27—28(Möbelhandlung); Franz, Chorinerstraße 18; Friedenstraße 89, Hof 3 Tr.; Koblenzer, Adalbertstraße 96, Hof 1 Tr.; V lWeißensee), Charlottenburgerstraße 156; Gürtler(Weißensee), Röhlkestroße sowie auf sämmtliche» Zahlstellen. Oer Vorstand« Allgem. Metallarbeiter-Verein Berlins und Umjegend.,_ Sonntag, d. 26. Oktob., Vorm. lOVe Uhr,' in ht ordd. Brauerei, Chauffeestr� General-Versäitimlungo„ TageS-Ordnung: 1. Kassenbericht und Bericht der Revisor 2. Bericht des Arbeitsnachweises. 3. Bericht der Kommissionen und Reuw? derselben, spez. der Bibliothek-Kommission. 4. Abrechnung vom Sommer! l 5. Antrag des Vorstandes auf Herausgabe eines gedruckten Rechenschastsbertch. 6. Verschiedenes und Fragekasten.; Der wichtigen und umfangreichen Tagesordnung halber ist es Pflicht Mitglieder zahlreich und pünktlich zu erscheinen. Der Porstauo-. Die Zahlstellen des Vereins befinden sich im Norden beim Kassirer G-.®0'' Wicsenstr. 29a, Querg. III; in der Destillation von Schayer, Brunnenstr.. im Restaurant von Kleina«, Gartenstr. 171; im Restaurant von Jung'' Bernauerstr. 103; im Restaurant von Kerber, Neue Hochstr. 30; im Restauust von Dillenberg, Neinickendorferstr. 64; im Restaurant von Gleinert, Riuu. straße 174, Ging. Fennstr.; im Restaurant von Engel, Antonstr. 1. iL Charlottenburg und Moabit beim Hilfskassirer Riefe, Waldstr. 43; im Restanr»�. von Viel, Birkenstr. 24; im Restaurant von Krause, Charlottenburg, Spree st'. Für Tegel-Reinickendorf beim Hilfskassirer Dnchateau, Reinickendorf, Gel fchafts-Straße 5. Im Süden beim Kassirer O. Klein, Kottbuser Damm im Restaurant von Hense, Prinzen- u. Gilschinerstr.-Ecke; im Restaurant v Föllner, Kottbuser Platz; im Restaurant v. Grande, Heinrichs Platz; in» Restaur> von Eimecke, Köpnickerstr. 130; im Restaurant von Ziemer, Cuvryftr. Iv! g Restaurant v. Hasel, Barutherstr. 6; im Restaurant v. Böhl. RüdersdorferM.. im Restaurant v. Tempel, Breslauerstr. 27; im Zigarrengeschäft von G. SV Kottbuser Platz; im Zigarrengeschäst v. Kräker, Wasserthorstr. 20; bei Ott, T',' bachstr. 38, bei Bartelt, Flottweltstr. 5. Für Rixdorf im Restaurant voll �st/ Rixdorf, Jägerstr. 24; beim Hilfskassirer H. Born. Neu Britz. Wederstr. o Die Mitglieder, welche mit ihren Beiträge» rcstire», iverden auffltf0* L ihren Verpflichtungen nachzukommen. Bei so niedrigen Beiträgen, wie sie L Allgem. Met.-Arb.-Verein erhebt, ist es unbedingt nothwendtg, daß diese>°' pünktlich entrichtet werden. Oeffentl. Volks-VersanimlanS für StralauoRummelsburg undUmgege*� Sonntag, den 26. Oktob., Vorm. lOVe Uhr, i. d. Gräfl. Roischach'schen Bra# zu Stralaci. T a g e s- O r d n u n g: I. Bericht der Delegirten vom Parteitag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.,, Zur Deckung der Unkosten Entree nach Belieben.— Um pünktliche». zahlreiches Erscheinen ersucht__ DerEinberu�!> MSbert Auerbach. Kattliufer Paium 7(nahe der Kottbuser Krücke). � Schuhe und Stiefel für Herren, Damen, Kinder. � Spezialitlit: Herren ftiefel» �0«»d»»f � Groffe Auswahl i» Filzschuhe» und Filspantoffrlu.--- Preisgekrönt! Sicherheit s Löihlantp� Patent Dr. Paquelin Für Benzin undLigr ■HM Beste Löthlampe.-i In jeder Position zu benutzen.— Minimalbitz" � , 1200° Ccls.— Keine Explosionsgefahr.— Uuentbc' � für Klempner, Kupferschmiede, Mechaniker, Boh> sowie Metallarbeiter aller Art.— Sehr geeignet zum Bandsäge- 4� C. Coerg& Co., r. MB. Nicht zu verwechseln mit ähnlichen Systemen, ji Prospekte gratis und franco,'— Verantwortlicher Redakteur: Curt Pauke in Berlin. Druck und Verlag von Mar Oadiug in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Hierzu eine Feilall�' zum Nr. 348. Freitag, den Z4. Oktober 1890. 7. Jahrg. FreiUnßland. ,, Die ärgsten Feinde der freien Meinungsäußerung, die scheinbar rücksichtslosesten Verächter der öffentlichen Meinung, l®®6» zu alleil Zeiten großen Werth darauf gelegt, dieselbe rstentliche Meinung für ihre Absichten und in ihrem Sinne ausspielen zu können. Man iveiß, ivclchcn Eifer selbst die brutalsten Gewaltmenschen, ein Napoleon, ein Bismarck, trotz ihrer ausgesprochenen Vorliebe für den„letzten Grnnd ber Könige" auf die Bearbeitung der öffentlichen Meinung verwendet haben. Und wer die Dinge objektiv betrachtet, wird leicht einsehen, daß hinter der scheinbaren Inkonsequenz sine ganz richtige Berechnung steckte. Von der Befriedigung ihrer persönlichen Eitelkeit ganz abgesehen, handelten die Nanner der„Blut- und Eisen"-Politit als kluge Real- Politiker, wen» sie es sich, bezw. die ihnen zur Verfügung Itehenden Staatskasscit ein Gehöriges kosten ließe», Stimmung >ur sich und ihre jeweilige» Ziele zu machen. So widmet denn auch die despotischste aller Regie- vungen, die russische, der Bearbeitung der öffentlichen Mei- tiiiug, als einem der wichtigste» Zweige ihrer Diplomatie, ernen Eifer, der vor keinem Mittel, keinem Opfer zurück- schreckt. Der sprüchwörtlich gewordene„Rubel auf Reisen" Hat, neben der Anstiftung von allerhand Krakehl in den Reihen der Gegner Rußlands, die spezielle Mission, überall öffentliche Meinung für die Zwecke des Zarenthums svwoht in der inner» als auch der äußern Politik zu beein- stussen. Wie er es verstanden hat, das Zarenthnm heut als bru Hüter der Ordnung, als den Schutzengel aller bestehen- brn Regierungen, morgen als den Hort der Freiheit, vs® Retter aller, Unterdrückten, hinzustellen, braucht mer nicht des Weiteren ausgeführt zu werden._ Früherer Leistungen auf diesei» Gebiet nicht zn gedenken, sei nur an Rußlands Krenzzug in der Presse Europas zn Gunsten der zoefreinng der schmählich unterdrückten Bulgaren erinnert, bem dann— als die befreiten Bulgaren so frei waren, wirklich frei sei» zu wollen— der Verleumdungsfeldzug ßsflen alle bulgarischen Patrioten folgte, die sich weigerten, die Werkzeuge des Zaren zn sein. Es liegt aber w der Natur der Sache, namentlich seitdem' die russische �iploinatie Oesterreich und das mit diesem verbündete Deutschland— beides Monarchien— zu Gegnern und die stanzösische Republik zum stillschweigenden Alliirtcn hat, vhß Rußland vor Allem gern in die Rolle des Befreiers der Volker anfmarschirt._.. _ Leider steht dem die blutige lliiterdrückungspolitik, die � rm eigenen Lande befolgt, recht unbequem im Wege, zw �uinmc der Blntzcuqen gegen die Legende vour Bcsreierzarcn i" ersticken, die als„Nihilismus" bezeichnete Opposition wnndtodt zn machen, selbst diejenigen, die sich durch die stlucht den Verfolgungen der zarischen Henker entzogen, noch Ivnseits der Grenze unter die Fuchtel der russischen Rcgre- zu stellen, ist daher seit Langein das eifrige Bestreben selben. Immer wieder wurden zn diesem Behufe Ver- Ue gemacht, die auswärtigen Regierungen, so sehr man hfh aicch sanft mit ihnen in den Haaren lag, zu solidarischem Ergehen gegen die„Nihilisten", insbesondere zn Aus- wferiingsverträgcn im Sinne Rußlands zu bewegen. . Die russische Diplomatie verfährt dabei nach dem Grund- Ll»Haben wir erst einmal den kleinen Finger, so habe» wir auch bald die ganze Hand." Wer sich stverhaupt erst mit ihr komproinittirt hat, dem dl% schon für spätere Fälle nnd stärkere Zuinuthungen Mund gestopft. v Daß sie für so edle Zwecke seiner Zeit beim Vater der Mschen Ausnahmegesetze, bei dem Manne, der nach cigeuem Mandniß 1878 auf der Berliner Konferenz sich und das ruj chu vertretene Deutschland zur Rolle des freiwilligen Uchastsfüdrers der zarischen Interessen erniedrigte daß sw wi vSlneiii Bismarck ailf die größte Bercitwilligkelt.stoßen ein�' Niemand überraschen können. Es ist nicht dw Ä®! Schmach, die dieser„nationale Heros' ans den J«tichen vtauien gehäuft. Auch Oesterreich gegenüber war dl» Äöabe eine leichte. Schwieriger dagegen stand eS niit Kwn und konnte daher in dieser Richtung unmöglich seine WbfiSSMWW mm. r ÖQher ii;Afen-i>n3 schlechte Beispiel gegeben? Und war c�Ngen, Q 6111 Gebot der Selbsterhaltniig für alle Regie- s s°e>l sjc-°'"einsam gegen die Versmwörerpartcien, wie die- hfw der m"? uennen niögen, vorzugehen, die die Sicher- i5/®wirteii so schnöde mit Füßen treten? So Aschen% Agenten des Zaren, und der durch die k?wßer fcfiil.- kolossale Aufregung versetzte englische schciitenäeit,ve�e 0nt sossv abgeneigt, ihnen Ge- �Enthüllungen, die Michael Davitt gerade x, acb�. World" erscheinen läßt, geht hervor, daß Mittefl" /UOhmt Beamte der englischen Regierung nx. für iii>- den irischen Dynamitern das nothige — m--rj.---- i. Df) i ««Ml Pfchk �cht �'ttr>eye1i waren uuv«.■ C.0,lM/z Uhr stattete Frau G. auf Wunsch ihres Gatten dem Schwager in der Chausseestraße einen Besuch ab, und kehrte um 8 Uhr Abends naa, Hause zurück. Der Eintretenden antwortete auf ihr Riffen zunächst Niemand; als sie in das zweite Zimmer trat, traf sie die achtjährige Dorothea, die ihr erzählte, daß Papa und den Geschwistern unwohl wäre und sie sich alle aiffS Bett im Erkerzimmer, das als Schlasraum diente, gelegt hätte». Frau G. zündete schnell Licht an und trat in den Schlasraum. Hier bot sich ihr ein enffehlicher Anblick; neben dem 12jährigeu Sohn Hermann lag der Vater auf seinem Bette mit verzerrte» Gesichts- zügcn, an; einei» zweiten Bette lag der älteste Knabe mit seiner «chwester Paula, alle 4 Personen waren tobt! Sofort wurde von der alarmirten Polizei zu dem in der Boppstraße wohnenden Dr. Schott geschickt, welcher nur noch den vor IVa Stunden ein- Se'�etciieu-ioö der 4 Personen konstatiren konnte. Dorothea er- §«? laluli'"einend folgendes: Der Vater habe gegen VsO Uhr rj,• L,?,1,1.1'501/1 Vonbons und Marzipan gegeben, ans welche eine Fluyigkeit ans einem Fläschchen geträufelt, und habe auch selbst von diesen Bonbons gegessen. Ihr, der Dorothea, hatten die Bonbons so bitter geschnieckt, wie nach bitteren Mandeln, so daß sie die Vonbons ansgespieen. Zluch Ernst hätten sie nicht geschmeckt, er habe sie aber doch hinunter- geschluckt; Ernst habe bald über Lahmwerden der Beine geklagt und sich aufS Bett gelegt, während Papa die Paula auf den Slrm nahm, weil sie über Unwohlsein geklagt. Sie sei nun init dem kleinen Hans nach dein Nachbarzimmer gegangen und dort habe sich dieser bald übergeben. Dann habe Papa und die Brüder laut geschrieen. Auf die Frage, was ihnen fehle, hätten sie nicht geantwortet. Dann sei es im Erkerzimmer still ge- worden, nur manchmal habe sie noch ein leises Stöhnen gehört. Sie aber sei im Nebenzimmer geblieben, weil sie sich gefürchtet, und habe dann mit ihrer Puppe gespielt. Den» jüngsten Knaben Hans ist das Leben nur dadurch erhalten geblieben, dasi die Gist- theile beim Erbrechen wieder herausgekommen; Hans sowohl, wie Dorothea wurden nach dem Krankenhause am Urban geschafft und dürften schon wieder von da entlassen sein. Die 4 Leichen wurden noch in der Nacht nach dem Leichenschauhanse geschafft. Das Gist, das noch nicht bestimmt festgestellt werden konnte, scheint aus bitteren Mandcltropsen bestanden zu haben.(Blau- säure V). In dem Kefinden der Elfe Schuuf war vorgestern Nachwittag eine Wendung zum Besseren eingetreten. Das vierjährige Kind, welches im Aniang jede Nahrung verweigerte, welches nicht schluckte, als ihm die Zähne zwecks Einflößung von Flüssigkeit geöffnet wurden, nahm ain 20. d. Mts. aus einer mit einem Saugpfropfen versehenen Flasche Milch zu sich und war vor- gestern soweit vorgeschritten, daß es Milch, Suppen, Wein und Eigelb mit Zucker aus einer blechernen Tasse trank. Zum großen Theil schlaft es, erwacht aber etwa alle zwei Stunden und öffnet dann den Mund zum Zeichen, daß es nach Nahrung verlangt. Die Sprache hat sich noch nicht wieder eingestellt, auch scheint das Kind, wenn es wacht und trinkt, noch Niemand zu erkennen. Die behandelnden Aerzte waren vorgestern nicht ohne Hoffnung, das Leven der Kleinen erhalten zu können, geben aber der Be- fürchtung Raum, daß dann die rechte Seite des Körpers wenigstens zunächst gelähmt sein werde. Von den verstorbenen Mitgliedern der Familie Scharf soll noch keins beerdigt worden sein. Sturz au» der vierte» Etage. Die Frau eines in der Bergiiraße wohnenden Brunnen- Baumeisters S., welche bereits längere Zeit an Schwer, nuth gelitten haben soll, stürzte sich vor- gestern Aocnd aus den» Fenster ihrer in der vierten Etage be- legcnen Wohnung auf den gepflasterten Hof. Die Unglückliche wurde unmittelbar darauf nach einem Krankenhause geschafft, da sie noch Lebenszeichen verrieth, verstarb jedoch unmittelbar darauf nach ihrer Einlicserung. Schwere Srandwuude» erlitt vorgestern Abend der in der Urbanstraße wohnhaste Zimmermann Bretsch. Bon der Pferde- bahn-Gesellschast werden auf dem Hermannplatz neue Schienen gelegt, wobei auch die Nacht hindura) gearbeitet wird. Zur Be- leuchtung werden Gasätherflammen benutzt. Ar. hatte nun das Unglück, eine dieser Lampen umzurennen, wobei dieselbe explodirte und deren Inhalt die Kleidung des Mannes in Brand setzte. Einer Feuersäule gleich lief er hilserufend umher, während das Publikum scheu zurückwich. Erst als B. zusammenbrach, kam ein Mann hinzu, der mit seinem Ueberzieher die Flamme erstickte. B. wurde»ach der Sanitätswache in der Adalbcrtstraße gebracht, wo seine Wunden verbunden wurden. Giu Selbstmordversuch hat sich vorgestern Abend in dem tause Borsigstraße 23 zugetragen. Hier wohnt 4 Treppen hoch die amilie Gerlach. Die Schwester der Frau G., eine Frau Kaffert, Erschien gegen Abend bei ihr zum Besuch, anscheinend in er- regtem Gemüthszustande. Schon nach kurzem Verweilen suchte sie die Klosetstnbe ans. Kaum hatte sie dieselbe betreten, als Frau G. plötzlich einen lauten Ausschrei und fast unmittelbar darauf einen dumpsen Fall vernahm. Böses ahnend, eilte sie an die Thür zur Klosetstube, ängstlich den Namen ihrer Schwester rufend. Vergebens wartete sie auf eine Antwort. Als sie die Thür hieraus gewaltsam öffnete, wurde es ihr zur Gewißheit, daß sich lhre Schwester durch das schmale Fenster gezwängt haben mußte. Die schwer Verletzte wurde nach der Charitee geschafft. Den Grund zu der unseligen That wollen Einige in ehelichen Zwistigkeiten, Andere in einem plötzlichen Wahnsinnsausbrnch erblicken. Frau K. hinterläßt ihrem Mann ein erst halbjähriges Kind. Ihr Zustand ist hoffnungslos. Durchbrenner. Am 20. d. M. Nachmittags ist der bei der Diskontogesellschaft angestellt gewesene frühere Landwirth Ludwig Wilde entflohen, nachdem er vorher Werthpapiere in bedeutender Höhe gestohlen hatte. Wilde war in der letzten Zeit damit beauf- tragt, die eingesandten jetzt konvertirten Oprozentigen rumänischen Staatsobligationen zu registriren. Bisher fehlt ein Betrag von 103 500 Fr., darunter die Nrn. 242 761/70, 259 921/30, 261 361/70, 266 431/40, 277 091/100 über je 5000 Fr. Es ist nicht unwahr- scheinlich, daß der Verlust ein»och viel höherer ist. Mit Wilde zusammen ist auch besten I9jähriger Sohn Max verschwunden. Wilde hatte früher ein Speditionsgeschäft in Jllowo an der rufst- fchen Grenze, bcirieb seit etwa zwei Jahren in Berlin ein Butter- geschäst und fand Anfangs d. I. Anstellung bei der Diskonto- gesellschaft. Wilde hat neun Kinder, von denen die jüngsten in dein Alter von 4 bis 14 Jahren stehen. Ein Sohn, 25 Jahr alt, ist Arbeiter bei der Hamburger Bahn und noch im Elternhause; der älteste befindet sah seit zwei Jahren in Amerika als Schiffs- bautechniker. Zwei Töchter stehen hier im Dienst. Weder die Kinder, noch die Ehefrau, geborene Julie Fischer, wollen über den Verbleib des Vaters und des Max Wilde etwas wissen. Max soll mit seinem Bruder Paul am 20. d. M. in der Stadt umher- gegangen und dann in der Universitätsstraße plötzlich verschwunden sein. Der Ehemann ist, wie gewöhnlich, um 12Va Uhr Mittags zum Essen gekommen und angeblich dann wieder in sein Bureau, Behrenstraße 43/44, zurückgekehrt. Er ist am 15. Dezember 1833 in Mohruugen geboren, 1,78 Mir. groß, hat graumelirtes Haar und ebensolchen Vollbart, ist kräftig und breitschulterig und trug einen gesprenkelten langen Sommerüberzieher. Max Wiloe, welcher früher in einer Bierwirthschaft der Scharnhorststraße und dann in einem Speditionsgeschäft in der Blnmenstraße thatig war, ist am 11. Juli 1871 in Osterode O./Pr. geboren, 1,70 Mtr. groß, dunkelblond, schlank, trug dunkelblaues Jacket und Ueberzieher, sowie einen dunkelgrauen, weichen Filzhut. Ans die Ergreifung der Flüchtlinge ist eine Belohnung von 1000 M. ausgesetzt worden. Man vermuthet, daß die Papiere verkaust sind, da dies gegen- wärlig um so unauffälliger geschehen kann, weil bei dem bevor- stehenden Umtausch der Sprozentigen gegen 4prozentige rumänische Obligationen diejenigen, welche dies nicht wollen, ihre Papiere rerka ffen. ilolizrilmsicht. Am 21. d. M. Nachmittags wurde der Schloffer Nehls in der Wellblechsaerik von Brust& Co., Schönhauser Allee Nr. 66/67, bei Prüfung einer im Gange befindlichen Wellblechmaschine, infolge eines Fehltritts, von dem Riemen der Transmission erfaßt uno um die Riemenscheibe geschleudert. Er erlitt hierbei eine Verletzung am Hinterkopse, sowie eine Quetschung der Brust und des Kreuzes und mußte nach der Charitee gebracht werden.— Abends fuhren die Bootsmänner Giese, Borgmann und Rieper, anscheinend nicht ganz nüchtern, ans einem Handkahn von den Zelten nach ihrem am Lehrter Güter-Bahnhof liegenden Kahn. Hierbei fielen Giese und Rieper ins Wasser, ersterer rettete sich durch Schwimmen, während letzterer seitdem verschwunden ist und vermuthlich den Tod im Wasser gesunden hat.— Am 22. d. M. Morgens wurde der Bauwächter Müller in einem Zimmer des Neubaues Triststraße 1 nebcn einem kleinen Koaksofen liegend todt aufgefunden. Nach ärztlichem Gutachten ist er durch Kohlen- dunst erstickt.— Vormittags wurde ein Mann an der Ecke Unter denLinden und Neue Wilhelmstraße von einem Geschäftswagen über- fahren und am Unterschenkel so schwer verletzt, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit siel ein Maler von einem im Flur des Hauses Herwarthstraße 6 aufgestellten, etwa SVi Meter hohen Bockgerüst herab und erlitt an- scheinend schwere innere Verletzungen.— Nachmittags stürzte auf dem Neubau Neue Königstraße 30 der Maurer Griesche etwa 15 Meter hoch herab und verstarb ans der Stelle infolge der erlittenen schweren Verletzungen.— Zu derselben Zeit sprang eine Frau ans dem Fenster ihrer im vierten Stock des Hauses Bergstraße 17 belegenen Wohnung auf den Hos hinab und erlitt so schwere Verletzungen, daß sie nach der Charitee gebracht werden mußte.— Nachmittags vergiftete der frühere Oekonom Gast in seiner Wohnung, Jahnstr. 1, sich und seine 5 Kinder im Alter von 13, 11, 9, 3 und 2 Jahren. Zwei der Kinder, die von 9 und 2 Jahren, hatten das ihnen vom Vater gereichte vergiftete Marzipan wieder von sich gegeben und befinden sich jetzt außer Lebensgesahr. Vermögensverfall scheint die Beran- lassung zur That gegeben zu haben.— Abends siel ein Mann vor dem Hause Charlottenstr. 69 beim Abspringen von einem in der Fahrt befindlichen Pserdebahnwagen zur Erde und erlitt eine schwere Verletzung am Bein, so daß er nach der Charitee ge- bracht werden mußte.— Im Laufe des Tages fanden vier Brände statt. Tlzeoker. Thomiis-Theater.„Defizit" von. Rosen,„Das Jahr- marktsfest von Plundersweilern" nach Göthe, bearbeitet von Pohl. Das Rosen'sche Stück gehört zu dem Genre der harmlosen Lustspiele, harmlos in Entwicklung und Figuren. Da eines wie das andere so wenig wie möglich mit dem Leben zu thun hat und so auch nicht ein Schatten von Verdacht auf den Autor fallen kann, als muthe er dem Publikum zu, sich über seine eigenen Thorheiten und Schwächen zu verlustiren. Wer ist der Held des Stücks? Der Held? Ja, das ist so eine Sache! Möchte man da wie der unglückselige Schweine- bratenliebhaber mit tiefnachdcnklicher Miene antworten. Der Held des Stückes ist eigentlich kein Held, sondern ein toller Ein- fall, kurz das„Defizit". Damit dieser Held auch leibhastig wirk- sam werde, hat er zu seinem Vertreter einen jungen Kassenbeamten ernannt, der dann die Fahne des Defizits hochhält und mit Hilfe des Autors die Köpfe, wenigstens die nöthigen, so nach seinem Wunsche verwirrt, daß er schließlich wohl sein lebendiges rosiges Tesizitchen in die Arme schließen darf. Ter Ganz des Stückes ist kurz folgender: Eine angesehene Firma Krause ist durch Fallissements um ihr ganzes Vermögen gekommen. Leider sind um die Zeit, da dies geschieht, die Kamn erraths- Wahlen, zu denen Krause aufgestellt ist. Aber Lutter, sein Hauptgläubiger, möchte auch gern einmal mit Kammerraths- Schritten wandeln und hetzt, um Krausen das Mandat abzutreiben, die ganze Gläubigerschaar gegen ihn, sodaß nur die Auswahl zu bleiben scheint: entweder bezahlt die Frau Krause's mit ihrem Vermögen und die Familie bleibt mittellos oder die Firma fallirt. Schon ist das Erste beschlossen, als plötz- lich ein zunger Mann, Otto Frank, früher Pflegesohn im jetzt unglücklichen Hause, auftaucht und vermittelst seiner praktischen Erfahrungen als Finanzbeamter das Unglück von seinen früheren Wohlthälern abzuwenden verspricht. Das berühmte Defizit erscheint und beginnt durch seinen Vertreter die Familie Krause zu segnen. Frank weist Lnttern unwiderleglich nach: Ein gesundes Defizit ist auch ein Kapital! Fordern Sie Ihre Schulden ein, bekommen Sie nichts, denn Frau Krause behält ihr Vermögen! Lassen Sie uns das Geld noch und geben Sie gar noch mehr, so ist Aussicht auf Befferung unserer Lage i m somit auch Ihrer Aussichten als Gläubiger. Also unsere Interessen laufen zusammen. Lutter muß sich natürlich trotz allen Sträubens als besiegt geben, muß sogar auf Drängen seines bösen Geistes die verhaßte Familie Krause zu sich ein- laden, warum hat ihm auch der Autor nicht mehr Verstandes- krast gegeben? Nun ist alles im Geleise und gleitet die gewöhnliche glatte Bahn bis zum Ende: Frank verliebt sich in Lutter's Tochter, nachdem vorher aus der Salonpuppe mit seinem Beistande ein lebenssrischer Schmetterling herausgeschlüpst ist. Krause, zum Kammcrrath gewählt, tritt das Ehrenamt an. Lutter tritt ab; Lutter, selig, stolpert über seine Eitelkeit und fällt, und während er wehrlos daliegt, gieot er sein Jawort zu Adda's Wahl und wir errathen leicht, auch zu der Wahl seines Sohnes, zumal dieser ja bereits erklärt hatte, auch ohne Vaters Konsens von seiner geliebten Emma, Krause's Tochter, nicht zu lassen. Gespielt wurde im Ganzen flott und gut.'Der Schwere- nöther und Allerweltskerl, Otto Frank, wurde von Herr» Jarno mit der nöthigen übcrmüthigcn, überlegenen Laune und Beweg- lichkeit dargestellt. Er wupke all die ergötzlichen Wandlungen, die Frank durch seine Genialität hervorbringt, wirksam und glaubwürdig darzustellen und hatte so die Mitspielenden wie das Publikum unterm Hut. Nur klang sein Organ beim lauten Sprechen zuweilen etwas unangenehm. Die Rolle des alten Lutter hatte Herr Thomas übernommen und führte sie in den kritischen, wichtigen Momenten zweifellos recht gut durch. Doch wollte es beim ersten Auftrete» erscheinen, als dachte er schon trotz der derzeitigen Feindschaft mit Krause's an die spätere freundliche Lösung und Freundschaft und lächle manchmal über sich selbst, wie er in solchen Zorn ausbrechen und sich schämen könne. Der Fehler liegt zum guten Theil mit im Stück. Es ist eines von jenen, die von Anfang an ganz auf die Lösung hinarbeitet und zugestutzt sind. Die urkomischen Szenen der letzten Akte, die Wahlrede, die Migräne waren vorzüglich. Auch vermied er das, waS im 1. Akt zweifellos etwas störend wirkte: zu rasches und undeutliches Sprechen! Als dritte Hauptrolle ist Addachen zu nennen, eine recht ab- gerundete Leistung des Frl. Hocke. Anfangs das gelangweilte, gezierte junge Dämchen, das Letztere so ungeschickt wie möglich, die ihrer Natur nicht entsprechend; dann infolge der freien Worte des Zukünftigen plötzlich in sich gehend, findet sie sich selbst, wirst all' den aufgezwungenen Tand von sich und wird zum frischesten, graziösesten Mägdelein— freilich zum Heirathen noch etwas sehr jugendlich! Die Emma, das Fräulein Alberti, war eine sympathische Er- scheinung; wenn das Spiel manchmal nicht lebendig genug war, so muß man wohl mehr dem Dichter Vorwürfe machen. Zu erwähnen sind noch der joviale Krause des Herrn Schindler, seine liebevolle Gemahlin von Martha Eörnig dargestellt. Die alle Hohlheit einer Salondame und das Gift eines Hausdrachens verkörpernde Schwägerin Lutters, der treue Geliebte Emil, der biedere alte Peter wurden gebührend vertreten durch Marie Cor- dach resp. Fritz Burmester resp. Robert Guthery. Auch die anderen Rollen waren zufriedenstellend. Wer im ersten Stück noch nicht genügend gelacht hatte, für den war im zweiten noch Gelegenheit geboten. Goethe entwirst in seiner genialen satyrischcn Jugendposse einen Jahrmarkt der früheren Zeit, mit seinem tollen, bunten Durcheinander.— Der Zuschauer wird von einer Szene zur andere» gerissen und hatte kaum Zeit, sich zu besinnen, daß er da nicht über Leute und Szenen lacht, die er im Leben kennen gelernt hat, sondern zum guten Theil über Typen der früheren Zeit. Durch die Bearbeitung des Herren Pohl ist Manches weg- gefallen, ivas für das Stück nicht ohne Wichtigkeit ist. Die In- szenirnng ist vortrefflich und es dürste dieses Stück, wie auch das zuerst aufgeführte, eine gute Zugkraft ausüben. Ob man nun viel mit nach Hause bringt oder nicht; man hat einmal tüchtig gelacht! L. Gevichks�Zettung. ..Gi« imfauiigtrr Windhund!" würde Onkel Bräsig aufgerufen haben, wenn ihm die Abenteuer des„Oekonomikers" Georg Wild in Berlin bekannt geworden wären. Herr Wild ist eins westprenßische Abart der„Fritz Triddelfitze", welcher im 1 dieses Jahres die heimathlichen Ochsen und Kkühe zu vcrlaff und auf Geheiß seines Vaters eine geschäftliche Mission in Vm» zu erfüllen hatte. Der erste Ausflug eines so jungen„«topl» hopfers" nach der flleichshanptstadt ist im Leben desselben nat# lich ein Ereignis; und Herr Wild hatte sich vorgenommen, scn>» Einzug in Berlin als kleiner Schwerenöther zu halten. Er h» den Festtags- Gchrock mit der engen Wespentaille n* dem Spinde, bearbeitete den Ort, wo demnächst vm' leicht einmal ein Schnurrbart erblühen wird, mit zwei Tascher bürsten, zog sich den Scheitel bis tief in das Genick und als% am 6. Mai früh hier auf dem Schlesischen Bahnhofe anlang' da strahlte aus seinen Augen eine Selbstzufriedenheit, als wou er fragen:„Was kostet Berlin?" Die Siegeszuversicht ist jungen Provinzialen aber sehr schnell abhanden gekommen und hat zu den heimathlichen Ochsen und Kühen eine Erinnerung« die Reichshauptstadt heimgebracht, die nicht zu den schonst seines Lebens gehören dürfte. Nach vollbrachter Arbeit erschien o- provinzielle„Elenbild der Gottheit" im Orpheum und sturste 1 dort mit jugendlichem Elan in den Strudel. Die daselbst«' dem Becher der Lebenslust schlürfenden Damen hatten nnt oe ihnen eigenen feinen Instinkt sofort entdeckt, daß es sich 1. einen jungen„Goldonkel" aus der Provinz handelte und> die Mücken um das flackernde Licht, so gruppirten sie sich L Handumdrehen um denALand-Gigerl, ausZdessen Tisch blau n rothköpsige Weinflaschen in immer größerer Anzahl_ M sammelten. Auf den Rheinwein und den Margaur sOig perlender Champagner und der Oberkellner schmunzelte wenig, als der feine Herr immer noch eine Flasche'' stellte. Aber ach! Just im schönsten Moment war der Tra« auch zu End'! Gegen 5 Uhr Morgens nahte sich der Ose' kellner mit dem schönsten Bückling, überreichte dem prachstg. Gast eine kleine Nota über 126 Mark und war sehr pem»Z überrascht, als ihm der Neichshauptstadt-Burninler als lbezahlu» eine silberne Cylinderuhr in die Hand drücken wollte und nn dem Siegel der Verschwiegenheit' verrieth, daß er nicht cw Nickel mehr besitze, da er sein letztes Zwailstgniarkstiick" Damen für Biskuits geopfert habe. Da in Geldsachen die ßp müthlichkeit fast immer aufhört, so wurde auch hier Situation sehr bald ungemüthlich: der lockere Proviuz>r wurde etwas unsanft an die frische Luft beforden und marschirte in Begleitung zweier Kellner dem nächst Polizeiburcau zu. Unterwegs machte er noch die Dum« heit, zu entfliehen und nun war sein Schicksal besiegelt: er>vui von der Polizei nach dem Untersuchungsgefängniß übergesikv und von dort aus gelangte bald ein jämmerlicher Klagebries deni väterlichen Gute, in welchem den besorgten Eltern berl«. ivurde, daß der Herr Sohn wegen Zechprellerei verhaftet Zwar sandte der Vater— ein-sehr wohlhabender Gutsbesitzer den Betrag der Schuld sofort nach Berlin, er konnte aber da> nicht vermeiden, daß sein Sohn nach vierzehntägiger l""'' suchungshast vom Schöffengericht wegen Betruges J 14 Tagen Gefängniß verurtheilt wurde. Die Berufung kammer hatte aber mehr Verständniß für die Bedürfnis eines Bourgeoissöhnchcns, und nahm an, daß derselbe wohl Ast die Absicht des Betruges gehabt und während des ZechgelaSs: in holder Frauen Mitte das Gleichgewicht seiner Sinne>»?» verloren habe. Der Eingeklagte wurde freigesprochen. Als eiW» Erinnerung an jenen schönen Abend hat er in seiner Rocktaiw eine— Einladung zum nächsten Elite-Ball mit heimgebracy wenn er diese Reliquie betrachtet, wird er wahrscheinlich den � Koupletvers wiederholen:„Ach Berlin, ach Berlin ist'ne gotlnce Stadt, wenn das nöth'ge kleine Geld man dazu hat!"„ Das Schwurgericht des Landgerichts I hatte sich 0cst mit einer Anklagesache zu beschäftigen, welche einen beineru■ werthen Beitrag zum Kapitel der„kleinen Ursachen» großen Wirkungen" lieferte. Der aus der Anklagev' befindliche Schneidermeister Christoph jR ö h r i ch sollte st eines wissentlichen Meineides schuldig gemacht ho j Dem Magistratsbeamten Kirschbaum war eine deutsche weiblichen Geschlechts entlaufen und seine Nachforschungen 11 derselben waren vergeblich. Nach längerer Zeit erfuhr er,„ die Hündin in dem Besitze des Angeklagten sein solle, der« Hund gleicher Rasse besaß. Als er sich zu Röhrich begab, nrny Eigenthum zurückzufordern, wurde ihm die Mittheilung, das„ Hündin inzwischen Mutterfr uden genossen und drei ck w hatte. Da die Hündin ihren früheren Herrn aber nichi. sonders freudig begrüßte, verweigerte Röhrich die Herausgabe bestand darauf, daß Kirschbaum sein Eigenthumsrecht a widerlegbar nachzuweisen habe. Es kam zu einem Zivupr r. in welchem viele Termine stattfanden und viele Zeuge» � nommen wurden und der damit endete, daß dem Kläger � Hündin zugesprochen wurde. Nun entstand ein zweiter f s' wegen der Höhe der Futterkosten und dann ein dritter der drei jungen Hunde, auf welche Hirschbaum ebenfalls Achp � machte. Röhrich, der früher erklärr hatte, daß"die Hündi» Junge weiblichen und einen männlichen Geschlechts geworfen N � trat nun mit der Behauptung auf, daß der letztere inzw> siffi verendet sei und auf Verlangen deS Klägers Kirschbaum � er einen dahingehenden Eid. Dieser Eid soll ein wiffe»�; falscher sein. Tie Anklagebehörde hat ermittelt, daß z»>- des letzten Prozesses ein junger Hund von Röhrich verkauft i.� den ist und die Annahme, daß dieser mit dem todtgesagten identisch ist, gewann dadurch an Boden, weil der Angeklagt � Vorverfahren sich hartnäckig weigerte, den Käufer zu tie> Röhrich behauptete in der gestrigen Verhandlung, daß jener verr»� Hund seinem Sohne, dem stuck, zur. Röhrich aus Frankfurt o-g mitgebracht worden sei und der Vertheidiger, Rechman � Masse, hatte einen umfangreichen Zeugenapparat aufgeboten, � diese Behauptung zu bestätigen. Es kam nur zur Berneyn einiger weniger Zeugen, da so viele Widersprüche und un � heiten bei den Aussagen zu Tage traten, daß der Stacusa».z Werner die Vertagung beantragte. Es sollen noch einfstt). � Ermittelungen nach der Herstammung des angeblich zugesan Hundes angestellt werden. Auch hatte Röhrich im Ter.,� die Adresse des Käufers genannt und sollen sowohl der inzwff � erwachsene Hund wie dessen Eltern von Sachverständige» sichtigt werden.. gch Inr Vorsicht bei der Eidesleistung mahnte eine � Handlung, welche gestern vor der zweiten Strafkammer des � gerichtsl gegen den 63jührigen Bäckcrmeiner Karl Anton l�> fand, der des fahrlässigen Meineides beschuldigt war. Der � geklagte hatte im Februar d. I. in einer Betrngssache gefl*» � Ehepaar als Zeuge aufzutreten. Die damaligen Angefl™.,, sollten ihn durch Vorspiegelung falscher Thatsachcn zur i", gewährung bewogen und dadurch geschädigt haben. Vo» Vorsitzenden des Gerichtshofes darüber befragt, seit welcher �- feine Geschäftsverbindung mit dem betreffenden Ehepaare» � fangen habe, gab der Angeklagte das Jahr 1866 an. 3». /,« Berusungsinstanz mußte der als Zeuge vernommene 3l»3eI, einräumen, daß er sich geirrt habe, indem 1.�-: Ehepaar schon seit 1884 seinen Bedarf an waare bei ihm gedeckt hatte. Die Frage über die böse � wi des Ehepaares wurde dadurch wesentlich verschoben, es rtt. ein freisprechendes Urtheil, wogegen Anton wegen fahrlost � Meineides unter 3lnklage gestellt wurde. Der Beschuldigte> � zu seiner Entlastung nur anzuführen, daß er sich in_y.& Jrrthum befunden habe und an Gedächtnißschwäche leide. F anwalt Benedix machte geltend, daß der Angeklagte, der S'. st* habe, daß er gedüchtnißschwach sei, niu so vorsichtiger"C Eidesleistung hätte sein müssen. Eine Fahrlässigkeit liege allen Umständen vor und beantrage er hierfür drei Tag sängniß. Ter Gerichtshof erkannte nach dem Antrage. Ein Schwindler, der es hauptsächlich darauf»bß W hatte, die P i a n i n o f a b r i k a n t e n zu schädigen, stand 0. uf in der Person des Lithographen Ludwig Pohl vor der 1.f1 Strafkammer des Landgerichts I. Der bereits zweimal Eigenthumsvergehen vorbestrafte Angeklagte hatte es i» 1 jvvii[)jnl)ve verstanden, den Fabrikanten Müller um ein thenereZ •�uutino zn betrügen. Kaum im Besitze desselben versilberte er s-' und versuchte sofort, von einem anderen Fabrikanten ein In- IMluient zu erhalten. Dieser Versuch mißlang und nun zog der 'Angeklagte es vor, Berlin heimlich zu verlassen. Er voandte sich ___* v» aCxmm« rt!— f-j.i— c\i �— Anstalt sein sollte und eine derselben fügte er einem schreiben bei, welches er an den Pianoforte-Fabrikanten Emmer sn Magdeburg richtete und in welchem er um schleunige Ueber- sendung eines Piaiunos im Werths von 800 M. bat. Er versprach Zahlung zu leisten, sobald er sich von der Güte des PiamuoS überzeugt haben würde. Der Magdeburger Fabrikant ging zu fernem Glück nicht auf den Leim, er zog es vor, vorher nach Hamburg zu reisen, um sich nach dem Älustraggeber zu erkundigen und überzeugte sich sofort, daß er es mit einem Betrüger zu thuu hatte. Pohl wurde bereits von der Berliner Behörde gesuait und zurücktransportirt. Tie gestrige Verhandlung endete mit seiner Verurtheilnng zn zwei Jahren Gefangniß und zive>iahr>gem Ehrverlust. Soziale UelreMchk. h gcvltno! Kollegen! Von jetzt ab nehmen außer entg' en- �rn folgende Kollegen sreiivillige Geldsamnilungen m-cf'X6%: Huppkc, kassirt Sonnabends Rüdersdorserstr. 8 bei Sonntags in seiner Wohnung, Große Franksurterstr. 03, Hos 2 Tr.. Vormittags von 0-11 Uhr. c,,,."den: Kappel, Sonnabends bei Scheper, Gneisenau- und , ch eiermachersiraßen-E-ke. Sonntags in der Wohnung, Arndt- «n' 2 Vormittags von 0—11 Uhr. „„k"D. e st c»: Kurtz, Sonnabends bei Grasunder, Schwerin- Ä'ethenstraßen-Ecke, Sonntags in der Wohnung, Kulmstr. 25, vormittags von 0— 11 Uhr. e;"} 0 r d e u: Dams, Sonnabends bei Nosenthal, Metzerstr. 28, in der Wohnung, Tresckoivstr. 15, vorn 3 Tr., Vor- uuttags von 0-11 Uhr. m.t,. �dding- Moabit: Witte, Soiinabends bei Holzbächcr, mathenowerstr. 80, Sonntags in der Wohnung. Straße 06 Nr. 2, Montags bei Barth, Gerichtstr. 19. m Zentrum: Kienast. Sonnabends Abend und Sonntags ».�uuttag im Verkehrslokal, bei Knhlmey, Rosenstr. 30, Ecke "'e Friedrichstraße. ?8e»' Wiederum appelliren wir an Euren Opsermuth. ein für Eure Sache. Wie weit Euer Solidaritätsgefühl W.- Lisl, sollt Ihr auch jetzt»viedcr zu beweisen Gelegenheit ski.».�eht unsre wackeren Brüder, die Töpfer, sie sind ivi0 1 Teöct'u einen Streik gedrängt worden, es liegt in Eurer m;;«,' Kollegen zum Siege zu verhelfen, wenn Ihr alle ein- W für dieselben in die Schranken tretet. Maurer Berlins, thut Eure Schuldigkeit! Julius Wernau, Zionskirchplatz 2. Dovfeiiumlmtgeu. toar�f- Vartrigeirossett dro S. zirichstagswahtlireises braue-. Mitwoch Abend in den großen Saal der Berliner Bock- ■CVCI einaeladou worden, um dort den Bendit der Deleairten Über"ii- �"'seladcn worden, lim dort den Bericht der Delegirten " oie Verhandlungen des Parteitages in Halle entgegen- f.�hnie». Es waren etwa 1000 Man» erschiene». 1. Vor- Pi»!n'vurde der Einbcruscr, Tischler Moni», 2. Vorsitzender r�ltte' Schriftführer Herr Müller. der zuerst das Wort nahm, sprach von dem Ein- > r";. den er in Halle gewonnen, kam dann auf die Fraktions J» in Sachen der Feier des 1. Mai und das Verhalten en und bemerkte hierbei, daß gegen erliiier Genossen, sondern auch viele aus machen oi di.kMwahle>, zu svrei te», �'4* nur die Soeniuev vsci I., »' �"ch* gewesen seien. Er zog darauf gegen de» Delegirten sei,, ö» Felde, dem er vorwarf, sein Mandat nicht im Sinne SRUkr Wähler ausgeübt zu haben. Berndt hätte von scincii ein. m" �ie Weisung erhalte», den Genosse», Abg. Grillenberger, 'nugc zu crthcilen, stattt dessen habe er sich auf dem Partei- 0ffen auf die Seite Grillenbergcrs gestellt. Als ihn die 5ur Rede gestellt hätten, habe er, Berndt, geäußert, i», eek�iÄ �e habe er daran nicht gedacht.— Genosse Werner hätte «W-. nianövriren sollen, Werner ist aber eine Statur, die Eam» � heraussagt.(Heftiger Widerspruch in eincin Theile des bthv" � Zersetze nian sich doch in seine Lage, von allen Seiten Sck>» � iit'h'" manchmal ein ungeschickter'Ausdruck' entschlüpft. M»» mcht alles gut heißen, wnS Werner aetha», andererseits der m als Genossen betrachten; er ist immer im Interesse w�Aei thätig gewesen. Werner hat zudem d"� mnrortb-ii. scha?.? Halle gegen die Berliner hatte, bleich als wir Berk»'' f vmuuJVCVr�— SH»-*|V»niUiv v...» V....."II'' �elcw thätig gewesen. Werner hat zudem das Vorurtheil, schab»? Halle gegen die Berliner hatte, bedeutend gc- träte» Gleich als wir Berliner am ersten Tage den Saal de- „»»' wurden wir von einigen Delegirten aus kleinen Städten iijj.�"'pelt". Werner soll Geschäjtssozialist sein, er ist es ßenolf.n der„VolkS-Tribüne" haben ihm die Partei- demnt»?.?.�lb übertrage», weil der frühere Drucker kein Sozial- Zusti,«,'t- Wir sollten in Halle zu dem Urtheil unsere hab»„.'0 gegeben haben, bevor wir es kannten: Dagegen SStt».- Sf naturlich Front gemacht. Mit dem Nrtheil gegen halte»-ml" mw Berliner nicht einverstanden gewesen; wir h'f'iflteU mfe vor hoch. Redner ging hierauf auf die --Die�sie" bleiben. Klein brach infolge dessen ab und schloß: die i müsse jetzt endlich begraben werden, wenn anders SSilffb,! wachsen und gedeihen solle." Der zweite Referent tu.'V'e, gub darauf in objektiver und sachlicher Meise ein Bild ' MM seine Stellung zn den fall der Zuhörer dar. lebhast über die den Berlinern »..... w-C �"vaten Verhältnisse Wcrnc'r's in den letzten mifecifuhi e Beklagte sich jedoch'"kiw«»n», d§.»«.Behandlung. weise.!n». lp>nnt sich hierauf eine längere Diskussion, die theil- Äir woll« lehr erregten und persönlichen Charakter annimmt. �ebciitro,." i,uä derselben mir folgendes hervorheben: Der Herr ergrejs»,, Krohm fühlte sich veranlaßt, ebenfalls daö Wort zu sagte: P°>ii'eis»!„°.D.elegirte sind in ihren Berichten über den Punkt ]T$IV VII vyivu SüCllu;iv*»— «eleflirtV»0»"5 hinweggegangen. Ich wundere mich, daß auch der •Soiinik" darüber mr Tnnpftnrhriinin uberaegangen ist. Der 6oiiMk"'a9 darüber zur�Tagesordnung übergegangen ist. i.�imideniokrat" hat mich als Polizeispion denunzirt. Seine hat mich als Polizeispion auch das Material haben, die Beweise, deren verlange." "leint,." tt Krohm; er sprang seinem Leidensgefährten bei ngung'"' KAMM? verleumderische Versuche der gegnerischen Presse. Darauf verliest Redner die vom Kongreß angenommene Organisation der Partei, deren Inhalt bekannt ist. Da sich Niemand von den Delegirten weiter zum Wort meldet, wird in die Diskussion eingetreten. Zuerst verliest_ der Vorsitzende die vom Genossen Miller eingebrachte Siesolutiou, welche lautet:„Die heutige sozial- demolratische Volksversammlung des 5. Berliner Reichstagswahl- krcises erkennt den Organisatioiisentwurf an, sie tadelt aber das Vorgehen der Delegirten ans dem Kongreß zn Halle und spricht dem Genossen Werner für sein mannhaft entschiedenes Auftreten ihre volle Anerkennung aus und verwahrt sich allen Ernstes vor solchen Delegirten, die ans unsere Kosten reisen und sich dadurch bereichern." Herr Kendziora weist die Bezeichnung der Oppo- sition als einer„sogenannten" zurück, sie sei eine thatsächliche. Männer wie von Kollmar, Zubeil, ganz besonders Werner hätten diese Ansicht mit hohem Mnthe auf dem Parteitag in Halle vertreten. Was den Genossen Werner betreffe, so erklärt Redner sich voll- ständig aus Seite Werner's stehend. Herr Neukranz schließt sich dem Vorredner an und fuhrt dann deS Weitereu aus, es sei schandbar, daß so viele Berliner Dclegirte den Genossen Werner schändlich verlassen, auch heute seien viele hier; Auerbach, Thierbach a. A., thäten aber nicht den Mund auf. Manch einer sei als Mann der Opposition gewählt und habe doch in Halle kein Wort gewagt. Herr Miller wendet sich gegen die Delegirten des 5. Wahlkreises, die nur eine Steife auf Parteiunkosten hätten machen wollen, und anstatt als Männer der Opposition ans- zutreten, sich als Hurrah- Kanaille der ländlichen Delegaten ge- brauchen ließen. Herr Fritz Berndt verwahrt sich gegen die Ausführungen des Vorredners. Er habe nicht gesprochen, weil er seine Kraft als Redner für zn nnbedentend gehalten, auch habe es Werner dadurch, daß er persönlich gc- worden, theilweise unmöglich gemacht, ihm zu folgen. Im klebrigen hätten sich die Berliner Delegirten nicht gescheut, selbst gegen- über einer erdrückenden Majorität ihren oppositionellen Stand- punkt zn vertreten. Herr Auerbach erklärt, daß die zeitlichen und räumlichen Verhältnisse es nicht gestattet hätten, daß er und andere Berliner Dclegirte häufiger und energischer ihre Meinung ausgesprochen hätten. Zu einer Werner'schen Leib-Opposition lasse er sich nicht gebrauchen.„Seine persönlichen Angelegeiiheiten gehen mich nichts an, ich bin dafür und habe es auch dort ausgesprochen, daß es unsere Pflicht sein müsse, den Klassenstaat mit allen wirksamen gesetzlichen und ungesetzlichen Mitteln zu be- kämpfen. Ferner habe ich dem Abgeordneten Liebknecht gegenüber betont, daß dem Volke die Gesetzgebung vorbehalten bleiben müsse, da den Berufs-Richtern die direkte Beziehung zum Volke fehle. Ferner bin ich für das Recht der Frau an der Arbeit und an der Wahl eingetreten. Auch an den betreffenden Anträgen habe ich mich betheiligt. Leider sind dieselben nicht mehr dort er- ledigt, sondern dem Parteivorstand zur Entscheidung überwiesen. Besonders ist unser 5. Wahlkreis mit einem Antrag zu Gunsteii des ländlichen Proletariats eingetreten." Auch Magdeburger und Hamburger Vertreter hätten einen oppositionellen Stand- punkt" eingenommen, dies widerlege am besten Diejenigen, welche von einer„Berliner Kliqne" reden. Des Weiteren ermahnt Redner zur Enthaltung bei Stichwahlen.„So haben wir in Halle gehandelt, ob es Recht war, mögen Sie entscheiden."(Beifall!) Herr Burg erklärt sich mit Herrn Kendziora gleicher Meinung. Die Frage der Opposition sei keine Personen-, sondern eine Prinzipienfrage. „Wenn Werner's Schicksal mich treffen sollte, auch ich würde nicht aufhören, für die Opposition einzutreten. Ich bin und bleibe Sozialdemokrat, aber ich glaube, wir sind nicht dazu da, daß wir unseren Führern nachlaufen, sondern unsere Führer müssen der Partei dienen". Ferner erhebt der Redner Einspruch dagegen, gegenüber den„Jungen" die„Alten" anszuspiele». Ferner habe sich die Kommission gegen Werner um nebensächliche Dinge, aber nicht um die Prinzipieiifragen bekümmert. In der Frage der Stichwahl schließt sich Redner Herrn Auerbach an.„Wir haben abweichende Meinungen zn kritisiren, aber uns nicht gegen die Person zn wenden."(Beifall.) Herr Thierbach erklärt, daß Genosse Werner durch sein Slustretcn selbst jede Opposition effektiv un- möglich gemacht habe. Im Uedrigen schließt er sich ganz dem Genossen Auerbach an und bestätigt das vollständig richtige Vor- gehen der Berliner Delegirten.'Aber alle haben das Streben gehabt, die Einigkeit in der Partei aufrecht zn erhalten.(Großer Beifall.) Kritik zn üben sei recht, aber Werner könne man leider in einzelnen Punkten auch Unwahrheit vorwerfen. Die Kommission, die über Werner berathcn, habe vollständig im Interesse der Partei objektiv gehandelt. Zum Schluß empsichlt er der Partei, den inneren Kampf zn meiden und Einigkeit M..... Ter Vorsitzende verliest darauf eine inhaltlich mit der Miller'scken der Meinung, daß die Opposition auch in Berlin Erbitterung hervor- Zwischenrufe.) Das Recht der freien Kritik sei nie bestritten worden, aber wir müssen hauptsächlich Disziplin halten. Unsere Führer haben nns gut geleilet. Nörgeln sei leicht, besser machen schwer. Man könne wohl mit den Bc- schlüssen des Parteitages einverstanden sein. Herr Lamprecht ist der'Ansicht, man wolle in der Versammlung hier die Opposition zu Boden drücke». Redner sucht den Genosse» Werner von dem Vor- ivurf der Unwahrheit zu reinigen, und ist der Meinung, daß die Delegirten wohl mehr hätten leisten könne». Nach einigen persönlichen Bemerkungen stellt Herr Fischer den Antrag, die Resolution fallen zn lassen und zu warten, bis der Bericht der Neuner-Kommisston über den Genossen Werner erschienen ist, dann sei Zeit zn einem Vertraueiisvotnm für denselben. Der Antrag wirb angenommen. Grofio Ardriterinneu- Urrjammlung. Frau Ihrer reserirte am Mittwoch in einer von Männern und Frauen stark besuchten Versammlung, die im Saale des Böhmischen Brau- Hauses unter Leitung~ der Fran v. Hofstetten stattfand. Tie Rednerin führte aus, daß die Bestrevnngen der Frauen leider noch im eigenen Lager falsch aufgefaßt werden. Daher sei es an der Zeit, noch einmal einen Abriß über die Frauenbewegung zn geben. Das Austauchen derselben entspringt dem Drange nach einer berechtigte» Freiheit. Die neuen Ideen, welche die Frauen beherrsche», müssen über alte Bornrtheile siegen. Allerdings findet unser Streben nur bei der Arbeiterklasse Anklang; da diese ebenso nach Freiheit kämpft, wie wir es thnn müsse». Derjenige ist aber noch lange nicht frei, der satt zu essen hat. Das Wohlleben hat die Reichen geistig träge gemacht, deshalb können und wolle» sie die Frauenbewegung nicht verstehen. Nicht nur für die Gleichberechtigung auf wirthschastlichem, sondern auch auf politischem Gebiete müssen die Frauen kämpfen. Dieselben haben ein Recht dazu; denn in vielen Jndustriebezirken besteht fast die Hilfe der Ar- beitenden aus Frauen. In Plauen kommen aus hundert Arbeiter 47 Frauen, in Gera 34, in Berlin-Charlottenblirg 25. Genug Pflichten haben die Frauen, sie ivollen deshalb auch gleiche Rechte haben. Selbst Disraeli, der berühmte englische Münster, erklärte ans eine Petition, welche 11 000 Frauen im Jahre 1606 an ihn sandte, daß die Fordernngen der Frauen berechtigt sind. Auch in Deutschland ist bereits seit Jahren eine Frauenbewegung im Gange; aber diese Bewegung wird nur von den Damen der „oberen Zehntausend" gesördcrl, deren Bestreben nur darin besteht, Zulaß zum Universitätsstudinm zu erhalten. Selbstredend ist auch dieses Verlangen berechtigt, aber die wirklichen Arbeiterinnen , nüffen mehr verlangen. Zunächst müssen wir die Hilfe der Männer in Anspruch nehmen. Es ist dies ein Anruf der Schwächeren an die Hilfe der Stärkeren. Zivar heißt es in dem Gesetz, dap zeder Bürger gleichberechtigt ist und seine Meinung frei ansiprecheii darf; aber dochffind die Freiheiten und Rechte der Franc» sehr beschränkt. Jetzt aber wollen die Frauen nicht mehr auf die ihnen znkominenden Rechte Verzicht leisten. Das Gesicht Mensch zn sein und der Verstand macht sich auch bei ihnen fÄ"«N? arbeitet und manchen Säumigen zur Urne geschickt. Wir zn halten.(Beifall.) Resolution, die sich deckt. Herr Jost ist in ganz Deutschland, aeruseii habe.(Lebhaste werden weiter dazu beitragen, daß solche Männer in den Reichs- tag gewählt werden, die für die Rechte der Menschheit kämpfen. Obgleich die Frauen infolge des Sozialistengesetzes bisher eine größere Agitation nicht veranstalten konnten, sind doch bereits einige Erfolge zn verzeichne». So sind z. B. die Zigarrenmacher dafür eingetreten, daß ihre Kolleginnen gleiche Löhne,' wie sie selbst, erhalte». Vor allem muß das Vereinsgesetz bekämpft iverden. Es»inst darauf hingearbeitet werden, daß das„geeinte" Deutschland auch ein für ganz Deutschland geltendes Vereinsrecht habe. In einem Staate dürfen die Frauen Ver- samnilungen besuchen, in anderen Ländern und Ländchen lautet das Gesetz: Politische Vereine dürfen keine Frauen, Schüler und Lehrlinge aufnehme». Wir werden also als unmündig betrachtet. Bereits früher bestand in Berlin ein großer Frauenverein. Doch bald hieß eS, daß die Mitglieder des Vereins gegen das Gesetz sündigen, indem sie Politik treiben.'Allerdings wußten die Herren vom Gericht nicht, ivo die Polikik bei uns angefangen und aufgehört hat, aber ivir wurden verurtheilt. Wenn die Frauen gutes Essen bereiten und für ein gemüthliches Heim sorgen, damit die Männer weniger ins Wirthshans gehen, so ist das schließlich auch Politik.(Heiterkeit.) Stur in der Theorie ist den Frauen und den Arbeiter» Gleichberechtigung zu Theil ge- worden. Jetzt werden die Frauen noch als Waare betrachtet, die Jeder, der Geld hat, kaufen kann.(Sehr richtig.) Man gewöhnt die Frauen an Abhängigkeit, aber nicht an logisches Denken. Sagte ja doch selbst ein Volksvertreter in Halle und noch da'zn ein Pädagoge:„Ja, eine bessere, Mädchencrziehnng können wir jetzt nicht herbeischaffen!" Vor allem muß für einen vernünftigen Lesestoff für Mädchen gesorgt werden. Vor Kurzem sagte ein Ge- uosse, daß er gern seinen Töchtern gute Lektüre verschaffen möchte. ivcnii er mir wüßt«, woher er sie nehmen sollte. Das Beste wäre,»venu man eine Frauenzeitung ins Leben rufen würde, welche in angemessener Form die Tagessragen behkindeln« soll.'Auch der Landmann ist nicht im Stande, die Artikel izn verstehen, die von den meisten Zeitungen gebracht iverden. Was man von einzelnen Landleuten und Frauen verlangt, kann man doch nicht von allen verlangen. In Halle sagte ein Delegirter: „Bei der Weiberbewegniig kommt doch nichts weiter heraus, als Klatschversammlungen". Ist bei den Männern das Lasier izes Klatschens weniger verbreitet? Das Klatschen ist eine Schwäche und die Proletarierbewcgung muß mithelfen, dieselbe zu beseitig�». Die Frauen konimen auch mit ihren Forderungen nicht 25 Jahre zu früh. Die Frauen ivollen nicht als sogenannte Ideale geltey. In Arbeiiersaniilien gleichen die Frauen mehr den Lastthieren, als den Idealen. Man wirft de» Frauen vor, daß sie unpraktisch sind. Nun, eS giebt so manchen Professor, der vor lauter Gelehrsamkeit und Zerstreutheit das Leben vergißt. Durch Ansklärung wird die Frau nicht die sogenannte„gelehrte Dame" iverden. Ucbrigens ivird es apich in den spätesten Zeiten jedem dummen Hans möglich sein, eine dumme Grete zn erhalten.(Große Heiterkeit.) Die Sozialisten, die Männer, welche der für Aufklärung kämpfenden Partei an- gehören, unterstützen die Beivegung der Frauen. In Halle waren 5 Vertreterinnen der Frauen anwesend. Dieselben wurden von den männlichen Delegirten nicht zurückgewiesen. In dem Programm, ivelches in Halle angenommen ivorden ist, heißt es jetzt, daß jede Person, ivelche die Partei unterstützt, als Parteigenosse zu betrachten ist. Ferner besagt eine Be- stimniinig, daß in Orten, in denen Frauen mehr bereits als Delegirte zum Kongreß worden sind, solche in eigenen Frauen- Versammlungen gewählt werde» können. Eine Hauptaufgabe der Frauen muß es sein, daß ei» die Gesundheit und die Sittlichkeit „aller Arbeiter" förderndes Gesetz geschaffen wird. Die lieber- ivachuiig der Frauenarbeit in den Fabriken muß durch weibliche Beamte erfolgen. Was die heutige„bessere" Gesellschaft über die Sittlichkeit der Arbeiterinnen denkt, wissen>vir alle. Wenn die Anhänger dieser„gebildeten" Gesellschaft wirklich selbst sittlich sind, dann müssen sie die Forderungen der Frauen bewilligen. Jetzt thnn dies aber nur die Sozialdemokraten. Die Frauen verlangen keine Vorrechte, son- der» nur Gleichberechtigiing.(Beifall.) Die Rednerin erivähnt sodann eines Begrüßungsschreibens der Frauen ans Amsterdam, welches beweist, daß auch in anderen Ländern die Bewegung im Gange ist. Frau Ihrer schließt ihren Bortrag mit den Worten: „Das Losungswort der Frauen muß es sein, die volle Gleich- berechtigung mit dem männlichen Geschlecht zu fordern."(Stür- »lischer Beifall.) Herr Lichtenhain hält es für richtig, daß sich die Frauen mit Politik beschäftiaeu, da sie es, sind, in deren Hand die Er- ziehung der Kinder liegt. Schon den Kindern muß es eingeimpft werden, daß sie einst für die Befreiung der Menschheit kämpfen sollen. Ferner wünscht Redner, daß die Fraüen nicht in Fach- vereinen ihre Kräfte zersplittern, sondern ihre Agitation zentrali- siren sollen. Jede persönliche Streitigkeit müffe aber in den Fraueiiversamnilungen vermieden werden, da nur durch Eintracht etwas erreicht werden kann.(Beifall.) Fran Kolbe erklärte sich mit den Ausführungen der Referentin nicht einverstanden. Stach ihrer Meinung ist die Frau znr Knechtschaft geboren und hat nur zn arbeiten und zu beten. Die hnmoristisch sein sollenden, osi an die Grenzen deS Anstands streifenden Bemerkungen der Rednerin wurden von den Zuhörern mit Hohnlachen aufgenommen. Die Vorsitzende sah sich genöthigt, die Rednerin oft zur Ordnung zn rufen. Fran I h r e r trat den Ansichten der Frau Kolbe ent- gegen und führte aus, daß das Gesetz wohl bestimmt habe, daß eine Wöchnerin 0 Wochen vor und 6 Wochen nach einer Entbindnng nicht arbeite» dürfe, wovon aber die Frau während der Zeil leben soll, darüber sagt das Gesetz nichts. (Beifall.) Fräulein Bader tritt für die Gleichberechtigung der Frauen ein. Die Finger der Arbeiterinnen iverden ebenso gut von den Maschinen abgequetscht, wie die der Männer. Die Kapitalisten erkennen schon lange die Gleichberechtigung der Frauen an. Sie nützen nur deren Bedürfnißlosigkeitaus. Was die Zeitungen nnbetrisft, ist die Rednerin der Ansicht, daß das„Berliner Volksblatt" so volksthümlich redigirt wird, daß jeder Frau die darin enthaltenen Artikel verstehen könne. Bo» einer Frmienzeitmig könne deshalb abgesehen werden.(Lebhafter Beifall.) Herr L ö s ch k e fordert auf, den Wissensdrang der Frauen zu förder». Herr Klose meint, daß die Frauemvelt am besten durch die Frauen selbst gefördert werden kann. Ans die Ausführungen der Frau Kolbe möge man nicht erst eingehe», dieselbe habe sich selbst gerichtet.(Beifall.) Fran Ihrer: Selbstredend muß die Beivegung von den Frauen ausgehe», aber warum sollen wir nicht die Hilfe der Männer in Anspruch nehmen? Fräulein W a b n i tz steht ganz aus dem Standpunkt der Fran Ihrer. Rednerin erzählt, wie kirchliche Kreise über die Bewegung denken.(Lebhafter Beifall.) Fran Gnb ein lobt die Thätigkeit der Frau Ihrer»nd ist für kräftige Agitation. Zwei Resolutionen gelangen zur Annahme. Die erste be- sagt, daß die Bersauunlung beschließt, die Agitation zu unter- stützen. Die zweite Resolution drückt den Dank der Bersammluna für die Thätigkeit der Fran Ihrer ans. Nachdem»och die Damen Bader. Chaim, Gnbela, Hofstetten. Ihrer, Klost und Wahnitz in cm Agitationskomitee gewählt ivorden waren und Frau Ihrer eine mit großein Beifall anfgenom- inene Schlußrede gehalten hatte, wurde die Versammlung mit einem begeisterte» Hoch auf die Sozialdemokratie geschloffen. Krrir Urreiuignug drv Zritnugs-Sprditrnre und Urr- fcrtnfei'. In der Bcriaminlnng, die am Montag, den 20. d.M., Nachmittags bei May. Bcnthstraße 22, stattfand, war der Haupt- punkt der Tagesordnung: Die unregelmäßige Ausgabe einiger Zeitungen. Hauptsächlich wurde gegen die„Volks-Zeitnng" Klage gcsiihrt beschlossen, bei der Direktion einziikonunen, daß die Fei- tnng Morgens 4 Uhr znr Ausgabe gelange. Auch, daß"das „Berliner Volksblnrt" ain 1. Oktnber so spät erschienen war, wurde heftig kritisirt, iirdcin bemerkt wurde, daft gerade dieses Blatt als Organ der Arbeiterpartei auf die Zeitungsfrauen Rücksicht zu nehmen habe, die doch sich nicht nur vom ZeitungStragen ernähren, sondern noch andere Be- schäftigung haben und folglich nicht bis Mittag sich dieser Thätig- keit widmen können. Auch gebe daS Publikum nicht der Expedition, sondern den Spediteuren, Verkäufern und Austrägern die Schuld. Es wurde beantragt, die Expedition zu veranlassen, daß bei einem späteren Erscheinen der Zeitung dem Publikum am Tage vorher oder nachher die Ursache kund gegeben werde. Schluß der Versammlung war halb fünf Uhr Nachmittags. Der Grund, daß das„Berliner Volksblatt" am 1. Oktober ctwaS später erschien, lag darin, das; die Redaktion es für ihre Pflicht hielt, von sämmtlichen Versammlungen und Feierlichkeiten, die in der Nacht stattfanden, am Morgen des I. Oktober den Lesern Kenntnis: zu gebe». Tie Ausnahme und Drucklegung der Reden hielt das gefammte Personal bis in die frühen Morgen- stunden beschäftigt. Hiervon ist den Herren Zeitungsspeditenren übrigens von Seiten unserer Expedition rechtzeitig Mittheilung gemacht worden. Eine ötfrnttichc Perlinutt-Arbritev- yci-fitmutlimy tagte am 20. d. M. unter Vorsitz des Kollege» Thieiu in Sahm's Klubhaus, Annenftr. IC. Auf der Tagesordnung stand.- 1. Das Koalitionsrecht der Arbeiter. 2. Diskussion. 3. Der Streik der Firma Paul Hinze. 4. Verschiedenes.— Zum I. Punkt sprach Herr Stabernack. Er wies in eingehender Weise nach, daß durch die Entivickelnng der Produktion die herrschende Klasse gezwungen wurde, den Arbeitern das Recht der Vereinigung zur Erlangung besserer Lohn- und Arbeitsbedingiliigen zuzugestehen. Im Weiteren führte Referent aus, das: die heutige Gesetzgebung versucht, den Arbeitern dieses Recht illusorisch zu machen, besonders die Vorkomnlnisse während des letzten Hamburger Streiks kriti- sirend.— Nachdem Herr Stabernack noch auf den jetzt schwebenden Streik in unserer Branche hingewiesen, schloß derselbe mit kräftigein Appell an die Anwesenden, von ihrem Koalitionsrecht den weitesten Gebrauch zu machen und in den Werkstätten für die Organisation zu agitiren. Allgemeiner Bei- fall lohnte den Redner. Nach kurzer Diskussion im Sinne der Ausführungen des Referenten wurde folgende Resolution angenommen: „Die heute, den 20. Oktober tagende öffentliche Perlmutt- Arbcitcrversammluug erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und erwartet, daß der Reichstag und die Bundesregierung keinerlei Einschränkungen des Koalilions- rechts ihre Zustimmung gebe und ersucht die sozialdemokratischen Reichstags-Abgeordncten energisch für weitere Ausdehnung und Schutz des Koalitionsrechts einzutreten." Aus dem Bericht über den Streik der Firma Hinze ist hervor- znhebeu, daß die versuchten Verhandlungen gescheitert sind und der Fabrikant in keine weiteren Verhandlungen �eintreten kann, da er keine Arbeiter hat, denn die streikenden Arbeiter seien entlassen. Allem Anschein nach will der Herr abwarten, ob er keine Streikbrecher heranziehen kann. Nach den Versicherungen der Arbeiter wird Alles gcthan werden, um dieses zu vereiteln. Ein Antrag, die Hohe der zu zahlenden Beiträge zum Streikfond festzusetzen, wurde abgelehnt und es Jedem überlassen, nach Kräften beizusteuern. Folgende Resolution wurde angenommen: „Die heutige öffentliche Versammlung der Perlmuttarbeiter erklärt sich mit den streikenden Kollegen der Firma Paul Hinze solidarisch und verpflichtet sich, inoralisch und pekuniär für die- selben einzutreten. Sie hofft aber auf ein muthigcs Ausharren der Kollegen bis zur Bewilligung ihrer Forderungen." Unter„Verschiedenes" schilderte ein Kollege aus Nieder- Schönhausen den Ueberfall einer Anzahl Perlmutlarbeiter, die auf einem Ausflug waren, in Blankenburg, welcher unter Führung des Ortsschulzen stattfand. Diese Mittheilung rief aUgemcine Entrüstung hervor und wurde der Vorgang in scharfer Weise verurtheilt, und die Hoffnung ausgesprochen, daß der betreffende Ressortminister Sorge tragen werde, das; den so schwer Miß- handelten und schwer Verletzten die entsprechende Genugthuung werde. Mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung schloß der Vorsitzende die gut besuchte Versammlung. Zahlstellen sind folgende: Ritterslr. 112 bei Schmidt, Mariannenplatz 13 bei Strohmeier, sowie in sämmtlichen Zahl- stellen der Vereinigung der Drechsler Deutschlands. Eine Gencvalveesammlntto der Maler, Filiale SW. Berlin, tagte ain IG. d. M. bei Poppe, Lmdenstr. log. Tages- ordnung: 1. Kassenbericht. 2. Wahl eines Revisors. 3. Wanderunterstützung. 4. Verschiedenes. 5. Fragelasten.— Der Kassenbericht wurde für richtig befunden. Als Revisor wurde Gurlitt einstimmig gewählt. Zum Mitglied der Fachschul- Kommission Kollege Otten.— Im 3. Punkt wurde die Unterstützung auf 20 Pf. festgesetzt.— Unter„Verschiedenes" machte der Vorsitzende auf die in Aussicht stehenden statistischen Fragebogen aufmerksam; dieselben seien so gut wie möglich auszufüllen. Tie Statistik sei eine der besten Waffen in unseren: Kampse. Den Tabakarbcitern (Eschwege) wurde ans der Streikkasse eine Rate von 10 Mark bewilligt. In Betreff der Arbeitsvcrniittelung wurde der Bevoll- mächtigte aufgefordert, feine loinbinirte Aorstandsversammlnug in kürzester Zeit, verbunden mit den Mitgliedern der Ueberwachungs- kommission, einzuberufen. Eine Ncrlammlnng des Lachverrius der Kiirste»- und Muselnrachev Kertin« und Umgegend tagte an: Sonntag, den 19. Oktober, bei Feuerstein. Herr M. Bagiuski hielt einen Vortrag über volksmirthschastliche"Entwickelung. Reicher Beifall lohnte den Referenten. Hierauf sprach Kollege Siegmund im Sinne des Referenten und" gab Mittheiluugeu über das russische Uralgebiet. Er erzählte, wie eS den dortigen Bewohnern ergangen ist, als sie auf ihren: Gebiet Eisenerz fanden. Dann entspann sich eine längere Debatte über Zentral- und lokale Organisation. Lindeinann stellt den Antrag, darüber nicht weiter zu verhandeln, sondern erst abzuwarten, bis der Gewerkschasts- kongreß stattgefunden hat. Auf diesem würde die Sache der Organisation mehr ausgeklärt werden. Der Antrag wurde angenommen. Zwei Kollegen, die in Roth gerathen sind, er- hielten je 8 Mark aus der Kasse bewilligt. An: 9. November er. findet das Stiftungsfest statt und sind die Billets bei de» Komitee» Mitgliedern zu haben. fitirtlioiüre E«>n»i»dr, RosciNhalerflr. es. Soniuag, den 25. Oktober, BormiltagS 10 Uhr.:. Vortrag des Herrn W. Bölfchs über:„Tie Natur als ErbauungSqnclle". 2. Vortrag des Herrn<55. Vogthcrr. AndrcaSstr. 21, über: „Tie Vcstrsbnngen der Freireligiösen Gemeinde". Säfte sehr willkommen. Groste offeuiliriie Per Mininiuno der soziaidemokraMchen Parteigenossen des 4. Berliner Steichötags-Wahllreises. Freilag, den 24. Oktober, Abends 8 Nhr, im Böhmiscben Brauhaus, Landsberger Allee II—:z. «Zrofte üflrentlidic iitrlumniluim der Töpfer Berlins und Uuigegend. Freitag, den:i. Oktober, Abends o Uhr, im«aale des Herrn Joel, Andreas- ftrafte 21. xeseiliub Karl War». Heule Freitag, Abends s Uhr, Sitzung bei«ck)ön- seid, Marlendorferstr.:o. Gaste haben Jntrtlt. Sonnlag finde: öffenrlicher Vortrag in der Borlbranerei stau. ttentral-Kr-aniien->>«d KegräbniKstago der- Buchdindr-.- und vir- ivandler SefchäflSzweige tBerwaltung Kerlin). Sonnabend, den 2:. Oktober, Abends t-;: Nhr, in Map-s Festsälen(früher Hetzdrich), Beuthfir. zur Feier des ltfährigcn BefiehsiiS der staffe: Großes Instrumenta!- und Vokal-Kon.rert nebst Ball, auZnefnhrl von der Kapelle des Musikdirektors Herrn Opitz und des Gesangvereins Maiglöckchen. zirrein der Filifchnl,-.Arbeiter Herliiis und zlmgrsend. Sonnabend, den 20. Oktober er., Abends 8 Uhr: 1. Sliflungsfest, verbunden mit Gesangs humoristischen Vorlrägen, im Glysiuln, Landsberger Hilles 38—41. Freie Nrreinigung der Lohgerber und Lederiurichkee Herlin». Sonntag, den 25. Oktober, Vorm. 10 Nhr: General-Bersaniinlung bei Felndr, Weinftraße tl. Fachverri» der ffifchUr. Tte Zahlstellen befinden sich in den folgenden Lokalen: 1. Friedrichsbergerstr. 20 bei Schmidt, 2. Skalitzerstr. 107 bei Kunsl- mann, s. Belleallianeeplatz v bei Hilscher,>. ZionSktrchplatz 11 bei Hohn, c. Cchiciermacher- und Gneifenaustraben-Ecke bei Scheuer. 0. St-tnmetzstr. ü? bei Lindow, 7. Tresdcncrstraße 110, s. Lübecker- und Thnrmsiraße»- Eck« bei Jahnke, 0. Langestraße 70 bei HeinSorf, 10. Nixdorf, Bergstr. 7, bei Tufchsk, it. Fennsir.ea vciKrüger, 12. Görltyer- und Sorauerstraßen-Gcke, Id. Weißen sei: Völker- und Gharlotlenflraben-Ecke bei ftiebS, u Beiforlerftraßs und Eck: Prenzlauer Allee, IS. Gesundbrunnen, Srünlhalerilraße 55 bei Preuß. Ter Arb.'NSnachweiS befindet sich Wallstrabe 7—8 und ist von 7 Uhr AiorgenS bis 7 Uhr Abends, mit Ausnahme der Mitlagsfinnden von 12—2 Uhr, geöffnet. Tie ArbeitSvermiUIung geschieht unentgeltlich. Literarisches. „Hiud wir �ozialdemplirnteu Offenbar in Analogie zu Hartmann'S„Sind wir noch Christen?" ans der Zeit des Kulturkampfes nennt sich eine kleine soeben erschienene anonyme Schrift: Sind ivir Sozialdemokraten? und wendet sich„an die Gebildeten unserer Tage".(Berlin 1890, Verlag von Carl Wiesenthal. Preis 60 Pfg.) Unter den Gebildeten versteht der Verfasser„alle diejenigen, die im Gegensatz zur materiellen Produktion geistig produziren. Es ist der Gelehrtenstaud im iveitefteu Umfange dieses Begriffes, die Kopfarbeiter, mit einem Worte, dicjeuigcu, die als Erzieher und Lehrer wirken, die Lehrer an den Volksschulen und den höheren UnlerrichtSaiistalten, die Professoren und Geistlichen, die- jenigen, welche als Richter und Äerivaltungsbcamte thätig sind, die Aerzte und Naturforscher, die Vertreter der Kunst und Wissen- schalt und endlich das große Heer derjenigen, ivclche mit der Presse in Verbindung stehen, die Jonrnalisten, Schriftsteller und Redakteare.(S. 8.) „Es ist dem Stande, der die geistige Bildung vertritt, natür- lich, daß er sich vor Allein der geistige» Interessen und des geistigen Fortschritts annimmt." Bei der Frage, ob er sich der Sozialdemolratie zuwenden wolle, bedürfe es einer genaueren Prü- fung, wie lveit sich die Anforderungen der Kultur, deren Ber- tretung der Natur gemäß den: gebildeten Stande zufalle, mit denen der Sozialdemokratie decken, eventuell wie weit sie sich ent- gegenstellen. Ter Verfasser findet nun, daß die geistigen Interessen von der Sozialdemokratie mit großer Rücksichtslosigkeit behandelt wür- den(S. 18). Er durchgehl zun: Zwecke, dieses im Einzelnen nach- zuweisen, das sozialdemokratische Programm und findet, daß da, Ivo von der Arbeit, als der Quelle alles ReichthimiS und aller Kultur gesprochen wird, eigentlich mir von materieller Arbeit die Rede sei.— In Bezug ans Kunst und Wissen- sehnst sei es schädlich, ja verderblieh, von„nutzbringender Arbeit" zu rede». Respekt vor der Kunst, Respekt vor der Wissenschaft, das es, was die gebildete Klasse voni Proletariat fordern 11»"; Neben der materiellen habe auch die geistige Arbeit AufnahiiU' Programm zu finden, die Sozialdemokratie müsse auch als 0- treteriu derselben auftreten.(S. 30.) Es kommt uns nicht darauf an, eine eingehende Beiprechits der Schrift zu geben. Es darf anerkannt werde», daß c. Sozialdemokratie eine vorurtheilslosere Würdigung gefunden J)-- als sonst bei den„Gebildeten unserer Tage" der Fall ist und� Lektüre kann auch den Arbeitern empfohlen werden. Was �- Vorwurf betrifft, als behandle die Sozialdemokratie die geiM!' Interessen mit großer Rücksichtslosigkeit, so hat man sich wohl? vergegenwärtigen, waS alles unter diesen„geistigen Jnterclst»! was als„Wissenschaft und Kunst" mitläuft, und uamentlich � die Wissenschaft selbst nicht mit ihren offiziösen � tretern zusammengeworfen und ideulifizirt werden. Em 3sv' Theil dessen, was als Wissenschast und Gelehrsamkeit angefiA wird, hat schon für die Gegenwart keine aktuelle Bedeutung noch viel weniger für die Zukunft, fördert die Kultur nicht, u der Sozialismus hat wirklich keine Veranlassung, sich zum| walt ihrer Vertreter zu machen. Eine Wissenschaft serner, 0- eine„geistige Arbeit", die blos Contemplation ist, und ohne tz-' Rücksicht ans ein Resultat lediglich ihrer selbst willen betttck- wird, kann ebenso gut wie die Religion als Privatsache ertl» Der Sozialismus ist gewiß der erste, der die Wissensch� die„geistige Arbeit" ehrt, wie er überhaupt jede Arbeit, ms 0 Schöpferin alles Reichthiims und aller Kultur ehrt. Zur Tiiw führuug seiner Ziele bedarf er der Wissenschaft-und der Nischen) Kunst, zu seiner weiteren Entwicklung setzt er nw mannigfache Fortschritte der Kunst und Wissenscha t voraus.„ Wenn die„gebildeten Stände", die Vertreter der Wisse gelernt haben werden, sich als Arbeiter zu betrachten, als Proletar» der Feder und des Grabstichels, wenn sie das Schielen mr oben aufgegeben haben und überzeugte Sozialdeinokratei: ge:vor«° sind, dann werden sie vermöge ihrer Zahl und ihres moralisch'- Einflusses ihre Interessen ebenfalls geltend zu machen im Stan sein. Vis jetzt hat die Sozialdemokratie keine Veranlassung habt, auf diese„Gebildeten unserer Tage" besondere Rücksicht i nehmen. Dezresihen. (MalsiT 0 Telrgraphen-Kureau.) Kerti», 23. Oktober. Die Zusammenkunst zwischen.�| Reichskanzler General v. Eapriv: und Herr» Crispi 1>" zwischen dem 5. bis 9. November in Mailand statt. Ans � 1 Reise dorthin wird der Reichskanzler München berühren. Rostock, 23. Oktober. I» einem Dampfbagger explom. heute ein Kesselrohr. Ein Maschinist und ein Heizer wure„ schwer verbrüht und starben im Lause des Nachmittags; ä1 Arbeiter find leicht verletzt...... Mit», 23. Oktober. Nach hier eingegangenen Nachrich■ fand in Klagenfurt an: 21. d. M., Morgens 7Vs Uhr, ein P. Sekunden dauerndes Erdbeben statt, ebenso gestern Nachm» 2 Uhr in Plcvlje(Vosnien). Heute Vormittag lOVe Uhr»1«' in Domanowic(Bosnien) drei starke vier Sekunden aichal»' Erdstöße verspürt, denen zwei schwächere, zwei Sekunden währe» folgten. Vviefkafien dev Nedsktion i.ii» Bei Rnfrageu bitten wir die AbonnementS-Ouittung beizufügen. Bri Antwor: wird nicht ertheitt. E. L. LO. Wiederholen Sie Ihre Anfrage.«j ?. 100. Sie können die Blätter ruhig beziehen, � übrigens auch während des Sozialistengesetzes unverboten n»»: Ruwisttnd. Jeder ist zu ersetzen.' A. II.. Admiralstr.. Besten Dank für Ihre Mitcheit'"18' sie wird gelegentlich verivendet werden. � 60 M. 90 Vf. durch Herrn Schuhmacher Gustav bürg in Berlin, Neue Königsstr. 83 dankend erhalten. Die kommission der Weißgerber zu Kirchhain.„x fl. Berufe» Sic sich bei Gericht auf amtliche Auskunft« Ober-Postdircktion zun: Beweise dafür, daß die 6 M. m•»' dj Ihrem Gläubiger laut vorzutragencer Quittung ausgWO worden sind. Schlimmstenfalls schieben Sie Ihrem Gegner v über den Eid zu. Srtnljm. 1. Es ist kein Scheidungsgrund, wenn der. A � oder die Frau aus der Laudeskirche austritt. 2. Wenn Sie Zahlung für die Photographien verklagt werde», so müP' gerichtlicher Sachverständiger über die Brauchbarkeil fder graphien vernommen werden, und von dessen Gutachten � oer Ausgang des Prozesses abhängen. Wenn Sie ihrer nicht ganz gewiß sind, so rathen wir, sich so gut alS möglm) dem Photographeu zu einigeu. Heine Chaasseestr. 14. Die schönsten 741 Anilttkleider ii#-Zackeu für Mädchen jeden Alters, sowie Morgenröcke, Unterröcke, Trikottnillen n. Blouseu, auch im Einzelverkauf sehr billig! Maaßbestellungen u. Reparaturen werden prompt. erledigt! Normal-Unterkleider und Triko- tagen für Herren, Damen und Kinder. Strümpfe, Socken, Hand- schuhe w. S. Heine. Frische Hajen SÄ«ttchlltiM, Mist. Oderbruch. Fettgänse Psd. 65 Pf., auch ausgen. u. getheilt, Leber, Liesen u. Klein. Frisch. Wild pfundw. w.sämmtl. Geflügelt. größt.AuSwahl empfiehlt«» Wild-». Etftügel-qdlg.. 1468 S. HicbaelkircbBtr. 5. Spiegel nnd f Polsterwaaren.S eigener Gr. Lager, bill. Preise.g Fabrik. 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