Nr. 851. Niraftag. den 88. Oktober 1890. V.HKchrx. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. .Berliner Volksblatt" Wlt täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei 'Haus vierleljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,1"»--------~r- scheint" II!- 5$auä vierteljährlich 3.30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. sonntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. Um(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) nxer Smijliand, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungarn _ 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. ,...... Jnsertionsgebühr betragt für die Sgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereine- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW.. Beuthstrage 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittaas und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -• Fernsprecher: Amt VI.|lr, 4106.,- Nedsktion: VeukhflvaHe 3.— Expedikion: VeuthlZvAtze 3. Die Novelle zum KranKenverftchernngs-Gesetz. V. eie»? n?estiimnui!g, wonach die freien Kassen fernerhin "falls freien Arzt und Medizin gewähren sollen, wenn „i-f,,00'1, der Zwangsversicherung befreien wollen, wird Letf, �ein damit begründet, daß der Ersatz für diese bJ„u?Mu niedrig sei, sondern auch mit dem Hinweis daß el• i»allgemein als eine der wohlthätigsten Wirkungen des R.i� avsrsichernngs-Gesetzes anerkannt wird, daß die ärztliche ..sang auch in solchen Kreisen der Arbeiterbevölkerung W\ 0 eintrete, in denen sie bisher infolge der Mittellosig- ber Gleichgiltigkeit der Nächstbetheiligten nur im Inkn sxj �°�falle und folgeweise meistens zu spät einge- ..Trifft denn aber Letzteres bei den Mitgliedern der w.» HDkassen zu? Wissen denn die Herren vom e j n Tische nicht, daß jedes Mitglied sofort es»A F* 8** n Anspruch nehme n muß, wenn auf die Kassenleistungen Anspruch machen will? itnä. also die freien Kassen nicht auch dafür, daß L? dieser Zweck des Gesetzes erreicht wird? Und haben bei Asrreil noch nichts von der Abneigung gehört, welche . vielen Leuten gegen die„Zwangsärzte" vorhanden ist? uli.r uicht gerade der Umstand, daß den meisten Mit- Ü, ei'n der freien Kassen die Wahl des Arztes freigestellt � dls ein wesentlicher Vorzug der freien Kassen aner- (A- Man braucht deshalb gar nicht in Betracht zu Zu, daß viele freie Kassen, trotzdem sie die vor- Cm en d�ei Viertel des ortsüblichen Tagelohnes an L,"Wd gewähren, ihren Mitgliedern außerdem auf � Aßen noch freien Arzt stellen, daß eine große Anzahl gtbi! Wieder freier Kassen noch einer zweiten Kasse an- njfi lei1' die freien Arzt und Medizin liefert, und daß an L-, Orten Vereinigungen der Mitglieder freier Kassen foien filr n)c�e den Zweck verfolgen, ihren Mitgliedern Im. �rzt oder freie Medizin, oder beides zusammen zu shr k sreien Kassen sorgen nach jeder Richtung hin vas Wohl ihrer Mitglieder, und man sollte ihnen r- auch keine Leistungen aufbürden, welche die Mit- ? sder selbst nicht einmal wollen, die aber den Bestand o!*"'gen Kassen, die sich über weite Bezirke erstrecken, Wfden, zum Mindesten aber sehr ungleiche Ans- ei, Hungen für die gleichen Beiträge und sonnt 3«! ungerechte Behandlung der Mitglieder herbeiführen. Abneigung vieler Aerzte gegen die Krankenkassen fi* A", entlich aegen die freien, ist ja bekannt es läszt deshalb mit Sicherheit erwarten, daß dieselben, vor- JantUlcUnt. ttt4»«boten.] 124 Victoria. Roman von Minna K a u t s k y. «"tst�Aatte zu kritzeln begonnen und unter seiner Hand belle nA«in lauschiger Winkel, ein Wässerchen,«ber dem Lirbt � aufleuchteten, ein üppig sprossendes User, lrc.,nJ"«d Schatten, meisterhaft vertheilt, die Partien billig einfache Anmuth des Baumschlags zur Empfiu- Kvrte �U" Es ivar ein Gedicht voll Herzenspoe,.e, dte Arosa � die er darunter schrieb, athmeten die nnchtcriiste A �Uer kurzen Einleitung hieß es: Aletlsss l recht froh, es ist schön hier und ich habe gutes 'r.-a.Un daher fortwährend arbeite». In den uachitcn %%%&.chÄ.mw°»S u/««recht?" 1 nua gelangte er zu dem in all seinen Briefen zngsweise in kleineren Orten, außerordentlich hohe Forderungen stellen und damit die Kassen in unerhörter Weise belasten werden. Und noch Eins! Wenn doch die Nnentbehrlichkeit der Gewährung freier ärztlicher Behandlung so sehr betont wird, warum wird dann der V e r s i ch e r u n g s z w a n g nicht il n b e d i n g t auf die l a n d- u n d s o r st- iv i r t h s ch a s t l i ch e n Arbeiter ausgedehnt? Warum bleibt es hier auch fernerhin dem Ermessen der Gemeinden überlassen, ob sie den Zwang einführen wollen oder nicht? Hier mangelt es gerade in erster Linie und in den meisten Fällen an der �rechtzeitigen ärztlichen Hilfe, aber nicht bei den Mitgliedern der freien Kassen, und doch heißt es in der amtlichen Begründung des ursprünglichen Gesetzentwnrfes„die nachbarliche und Familienhilse durch ein System von Krankenkassen zu vedrängen, dürfte nicht erwünscht und um der moralischen Wirkungen willen nicht unbedenklich erscheinen"! Gehen wir nun zu einem anderen Abänderungs- Vorschlag über, der sich speziell nur gegen die freien Kassen richtet. Bisher sind die Mitglieder der freien Kassen, welche den Bestimmungen des§ 75 entsprechen, ohne Weiteres von der Zugehörigkeit zu einer Zwangskasse ent- bunden, sie brauchen auch von den Unternehmern nicht angemeldet zu werden. Das soll in Zukunft anders werden. Nach der in Aussicht genommenen Aenderung des § 49 soll fernerhin der Arbeitgeber verpflichtet sein, a u ch die Mitglieder der freien Kassen zur Z w a n g s v e r s i ch e r u n g a n z u m e l d e ,i, und diese Mitglieder sollen nur auf ihren Antrag von der Zwangsversicherung be- freit sein. Mit der Anmeldung ist gleichzeitig der Befreiungsgrund anzugeben; auch muß d e r N a ch iv e i s d e s B e f r e i u n g s- g r u n d e s erbracht werden. Die Meldungsmaßregel wird damit begründet, daß zahlreiche Fälle vorkommen, in denen die Unter- nehmer die Meldung unterlassen, obwohl sie nach dem Gesetz, weil in Wirklichkeit keine Befreiung vorliegt, dazu verpflichtet sind. Dadurch setzen sich dieselben der Gefahr ans, nicht nur der in§ 81 angedrohten Strafe zu verfallen, sondern auch von der in§ 50 vorgesehenen Ersatzpflicht betroffen zu werden. Auch könnten dadurch Viele nicht zu Beiträgen für die Zwangskasfen heran- gezogen werden, obwohl die Letzteren im Erkrankungs- falle Unterstützung leisten müssen. Daneben habe die gegenwärtige Bestimmung die Folge gehabt, daß die Arbeitgeber vielfach, um nur der mit der Anmeldung und Abmeldung verbundenen Mühewaltung überhoben zu sein, gleichlalitenden Schluß:„Doch nun lebe wohl, ich weiß nichts mehr, alles Uedrige mündlich." Er koilvertirte den Brief mit dem behaglichen Gefühl, eine schwierige Ausgabe glücklich gelöst zu haben, und be- gab sich zu Bett. Ter Traum aber, der tückische Geselle, setzte nicht etwa diese ehrbare philiströse Kauserie mit seiner Braut fort, sondern er gaukelte ihm das Bild eines mit Blumen geschmückten, schwebenden Mädchens vor, das er bei der Hand faßte und mit dem er nun selbst durch herrliche Laudschafteu über Seen und Berge dahin schivebte. Er fühlte nicht mehr das physische Gewicht seines Körpers, er hatte die selige Empfindung des Flicgens, bis er durch das Gefühl eines jähen Falles und heftigen An- pralles erwachte, um bald darauf wieder einzuschlafen. Die diesen Ereignissen folgende Woche verfloß unseren Frenndeu nur allzu rasch. Frau Hufnagel hatte ihre»olle Nüstigkcit wieder er- langt und tonnte die Franzcl leichrtich entbehren. Oswaldt hingegen wußte täglich neue Gründe geltend zu machen, die es dringend uothwendig erscheinen ließen, daß Franzcl ihn schon des Morgens nach seinen nun häufig wechselnden Standorten begleitete. Bon Wien waren Weine und Konserven gekommen, fügte man zu diesen Behelfen ein frisch zubereitetes Gericht, so war ein wohlschmeckendes Mittagessen fertig. Dieses eine Gericht konnte nur au Ort und Stelle be- reitet werden, und Oswaldt wollte darin die Franzel unter- weisen. Er versicherte, sich darauf vorzüglich zu verstehen, und es war in der That so. Die Franzel lernte von ihm die rasche und schmackhafte Zubereitung der verschiedensten Steaks und gedämpften Gc- fiügels, und zugleich, wie man ein solches, ofr ans mehreren Arbeiter nur unter der Bedingung an- nehmen, daß sie einer der im§ 75 b e- beitreten und dadurch des Gesetzes zuwider- aus die Arbeiter aus- zeichneten Kasse einen d e r A b s i ch t laufenden Druck üben. Darin liegt also des Pudels Kern? Diese Fürsorge für die Arbeiter, damit auf dieselben kein ungerechtfertigter Druck ausgeübt werden kann, ist wirklich rührend! Sollten nicht etwa der dritte Theil des Beitrages, den der Unternehmer aus eigenen Mitteln zur Zwangskasse leisten muß und die fortwährenden Scherereien, denen er ausgesetzt ist, einen weit größeren„Anreiz" auf ihn ausüben, daß er seine Arbeiter lieber in einer freien, statt in einer Zwangskasse sieht, als die Mühewaltung der An- und Abmeldung? Der Hauptgrund bleibt also nach wie vor bestehen. Allein hier glaubt man ein Loch entdeckt zu haben, durch welches Mancher den bureaukratischen Scherereien entschlüpft, flugs muß es zugestopft werden. Wir sind gewiß für Maß- regeln, die bezwecken, daß auf die freie Entschließung des Arbeiters kein ungerechtfertigter Druck ausgeübt wird, aber diese Methode erscheint uns doch einer Dr. Eisen- barth-Kur verzweifelt ähnlich zu sehen. Und weiter: vor uns liegt ein hektographirtes Formular, welches folgenden Wortlaut hat: „Hiermit verpflichte ich mich innerhalb 8 Tagen ans der Zentral-Krankenkasse für Metallarbeiter(ist eingeschrieben), welche ihren Sitz in Hamburg hat, auszutreten. Cassel, 8. Januar 1885. Dieser"Schein ist spätestens am 16. er. mit Unterschrift versehen beim Portier abzugeben. An den Schmied N. N." Vor uns liegt weiter ein gedrucktes Formular folgenden Inhalts: „Der N. N.(Wir lassen selbstverständlich die Namen ab- sichtlich weg. Am», der Vers.) ist vorläufig angestellt als Zu« schläger unter der Bedingung: 1. daß derselbe vom Fadrikarzt als gesund befunden wird, 2. daß derselbe innerhalb einer Woche den Nachweis erbringt daß er nicht mehr Mitglied der Metallarbeiter- Kasse Han»- bürg ist. Rothenditmold, den 10. April 1885. Casseler Waggon-Fabrik. Wegemann, Harkort u. Co." Diese beiden Beispiele mögen genügen; wir könnten noch Hunderte Fälle nachweisen aus den verschiedensten freien Kassen, in denen auf die Mitglieder derselben, sowie auf die Kassen selbst, durch die Unternehmer„ein der Absicht des Gesetzes zuwiderlaufender Druck ausgeübt wurde". Wir suchen aber in der Novelle vergebens nach einer Bestimmung, welche diesem Druck entgegenwirkt. Oder soll Alles erlaubt sein, was die freien Kassen schädigt und Alles verboten werden, was denselben von Vortheil sein könnte? Gängen zusammengesetztes Mittagessen auf das Appetitlichste servire. Sie begriff Alles überaus rasch. Ein bemooster Stein war der Tisch, der, mit Blech- büchsen und Tellerchen garuirt, die wieder mit srischgepflückten Blumen umkränzt wurden, einen Anblick gewährte, i)ti einen Gourmand hätte reizen können. Der Wein, schon vorher in der nahen Quelle gekühlt, bot, mit Wasser gemischt, das herrlichste, erfrischendste Getränk. Die jungen Leute setzten sich einander gegenüber und aßen in heiterster Ungenirtheit mit dem besten Appetit. Auch ihm gegenüber war das Wesen der Franzel nun völlig verändert, die scheue Zaghaftigkeit war ver- schwunden. Das Wohlivollen und fast zärtliche Interesse, das ihr Oswaldt entgegenbrachte, verliehen ihr ein nie gekanntes Gefühl der Sicherheit. Sie fühle sich freier, wagte um sich zu schauen, zu fragen, zu denken. Er war ihr Freund; hatte er es nicht selbst gesagt? Sie glaubte, sie fühlte, daß er es wirklich war. Und was bisher erstarrt, wie unter einem Banne gelegen, begann unter diesem erwärmenden Strahl sich zu regen und zu entsaltcu. Mit der Entwicklung ihrer geistigen Fähigkeiten ging ihre physische Hand in Hand. Die Luft, die Sonne, die ringsum Alles so üppig er- blühen ließ, zauberte Rosen auf ihre früher so blassen Wangen, die voller wurden, ivie ihre ganze Gestalt, und ihre einst so heisere Stimme erhielt in dieser reinen gesunden Lnfr bezaubernden Wohlklang. Und nun erst der famose Antrag auf Befreiung! Auch dieser wird mit der Fürsorge für die Arbeiter be- gründet. Es heißt da: „Nach der Fassung der§§4, 19 Absatz 2, 63 Absatz 1 würde anzunehmen fein, daß für Mitglieder von Hilfskassen, wenn sie in eine Beschäftigung eintreten, vermöge welcher sie einer Zwangskasse angehören würden, nicht nur die Vcrpflich- tung, sondern auch das Recht hierzu in Wegfall kommt, daß sie also derselben, auch wenn sie wollen, nicht angehören können." Weiter:„Ta es weder dem Interesse der Zwangskassen noch demjenigen der Versicherungspflichtigen entspricht, denjenigen, welche einer freien Hilfskasse angehören, die Möglichkeit einer Zwangskasse anzugehören zu entziehen, so wird eS sich empfehlen, das Verhältniß so zu regeln, daß die Ausschließung der Mitglieder freier Hilfskassen...nur auf i h r e n A n- trag eintritt." Also lediglich die Sorge um das Wohl der Arbeiter hat auch diese Bestiinmung diktirt. Aber wo in„All- Deutschland" sind die Versicherungspflichtigen von den Zwangskassen zurückgewiesen worden? Uns sind der- artige Fälle nicht bekannt. Wohl aber solche, in denen den Mitgliedern freier Kassen die Betheiliguug an der Zwangskasse recht gerne gestattet, aber— auch das vom Unternehmer zu leistende Drittel der Beiträge am Lohn in Abzug gebracht wurde, weil— nun weil diese Mitglieder ja nur freiwillig der Zwangskasse angehörten! Der dieserhalb gegen das große Stahlwerk in Osnabrück geführte Prozeß dürfte noch in Erinnerung sein, und hierbei hat aus- drücklich das Landgericht Osnabrück in der Berufungs- instanz entschieden, daß nach den zur Zeit giltigen Be- stimmungen des Gesetzes die Versicherungspflichtigen un- bedingt auch das Recht haben, der Kasse anzugehören, welcher sie auf Grund ihrer Beschäftigung angehören müßten, wenn sie nicht durch anderweite Versicherung von der Verpflichtung entbunden sind, und daß auch im Falle der Ausübung dieses Rechtes die Pflichten und Rechte des Versicherten, sowie des Unternehmers die gleichen sind, als wenn der Versicherte verpflichtet ist, der Kasse anzugehören. Warum wird nun erst durch juristische Winkelzüge ein Hinderniß konstruirt, das in Wirklichkeit gar nicht vorhanden ist? Geschieht es des- halb, um damit die beabsichtigte Aenderung als nothwendig zur Beseitigung dieses„Hinder- nisses" erscheinen zu lassen? Das stellt die mit der Novelle verfolgte Absicht erst in das rechte Licht. Man rechnet darauf, und zwar nicht mit Unrecht, daß durch die beabsichtigte Aenderung in nicht allzu ferner Zeit die große Mehrzahl der Mitglieder freier Kassen den Zwangskassen einverleibt sein wird. Würde diese Bestinimung des Ent- wurses Gesetz, so würde die Folge die sein, daß vielleicht in hundert Fällen neunzig Mal von den rechtsunkundigen Arbeitern der vorgesehene Antrag auf Befreiung von der Zugehörigkeit zur Zwangskasse versäumt wird und da- durch die Zwangsversicherung ohne Weiteres eintritt. In vielen Fällen werden den Versicherten die Mittel fehlen zur Aufrechterhaltung der Doppelversicherung, und die Folge wird das Ausscheiden aus der freien Kasse sein, weil eben der Austritt aus der Zwangsversicherung zu sehr erschwert ist. Aber nicht allein, daß die Befreiung nur auf An- trag eintritt,— diese Bestimmung könnten sich die Arbeiter allenfalls noch gefallen lassen, wenn der Antrag jederzeit gestellt werden könnte, und die Entlassung aus der Zwangsversicherung sofort erfolgen müßte, nachdem auch der Befreinngsgrund nachgewiesen und wenn serner der Antrag so lange nicht erneuert zu werden brauchte, als das Mitglied von der freien Kasse nicht als aus- geschieden gemeldet ist—, also nicht allein, daß die Be- freiung von der Zwangsversicherung nur auf Antrag eintritt, sondern der Antrag muß auch gleichzeitig mit der Anmeldung gestellt und gleichzeitig muß auch der Befreiungs- grund augegeben werden. Die Anmeldung, welche nach der Novelle künftighin in jedem Falle erfolgen soll, muß aber gesetzlich spätestens am dritten Tage nach Beginn der Be- chäftigung erfolgen; wird also bei dieser Anmeldung ver- säumt, den Antrag zu stellen und den Befreiniigsgrund an- zugeben, so kann späterhin die Befreiung nicht mehr ein- treten, selbst wenn zur Zeit der Anmeldung das Recht auf Befreiung bestanden hat. Die Sache wird aber um so 'chmieriger, als die Anmeldung von dem Unternehmer zu geschehen hat, der Antrag auf Befreiung aber von dem Versicherten gestellt werden niuß. Wer das Verhältniß zwischen Arbeiter und Unternehmer kennt, wie.es zur Zeit in den meisten Fällen besteht, der wird auch die Schwierig- eit begreifen, die für den Arbeiter besteht, den Antrag auf Befreiung in der beabsichtigten Form geltend zu machen. Aber selbst in den Fällen, in denen ein Einvernehmen zwischen Arbeiter und Unternehmer über diesen Punkt zu Stande kommt, sind noch nicht alle Schwierigkeiten über- wunden; denn der Befreiungsgrund muß auch achgewiesen werden. Nach erfolgter Anmeldung wird voraussichtlich der Angemeldete, der die Befreiung beantragt hat, eine Vorladung erhalten, vor der Melde- elle oder dem Kassenvorstande zu erscheinen, um den Nach- weis des Befreiungsgrundes zu erbringen. „Bis zur Erbringung des Nachweises des Befreiungsgrundes können für die an- gemeldete Person die fälligen Beiträge von der Gemeinde-Krankenversicherung oder Orts-Krankenkasse vorläufig erhoben wer- d e n."§ 49a. Diese Maßregel wird für manchen Arbeiter den Ver- ust eines halben, sogar auch eines ganzen Tagelohns zur Folge haben, und aus diesem Grunde wird die Er- bringung des Nachweises und damit auch die Befreiung von der Zwangsversicherung unterbleiben, selbst in vielen Fällen, in denen der Antrag richtig und rechtzeitig gestellt wurde. Sie war wie eine Blume, die traurig im Schatten ge- standen, und die nun der Morgen geküßt. Oswaldt nahm als Künstler den Duft dieser erwachenden Lieblichkeit in sich auf, ohne sich davon Rechenschaft zu geben. So wie sie war, gehörte sie mit zu den Reizen dieser unbe- rührten Natur, schien Eins mit dieser selbst, und garnicht von ihr zu trennen. Aber die Aenßerungen ihres Intellekts setzten ihn häufig genug in Erstaunen. Ehe sie des Morgens die Bereitung des Mahles in An- spruch nahm, saß sie neben ihm, bewegte leise den Fächer, aus langen Farren gebildet, sah aufmerksam aus seine'Arbeit und verfolgte die Pinselsührung. Ihre Glieder ruhten ans in seligem Nichtsthun, aber ihre Sinne waren in Thätigkeit, sie beobachtete und verglich. Sie blickte in die sonnedurchlenchtete Landschaft und über den kleinen grünen See, der so ruhig und friedlich zu ihren Füßen lag. Kein Lüftchen kräuselte seine Oberfläche, und wie rn einem Spiegel sah sie darin die Landschaft zum zweiten Male. Sah darin die dunklen Tannen des Uferrandes, die bewaldeten Vorhügel und weiter zurück das hoch und steil sich thürmende Gebirge, dessen stark zerklüftete Formen durch die zartblünlichen Schatten sich zeichneten. Plastischer noch trat ihr das Bild in dem Wasserspiegel entgegen, dnftloser und daher deutlicher in Form und Farbe, und wenn sie dann aus die Leinwand blickte, sah sie das Bild zuin dritten Male. Ihr Auge gewann Verständniß für die richtigen Ver- Hältnisse, fiir Formen und Farben, und als er sie einmal scherzhaft fragte, sie möge ihm doch den Zeichenfehler sagen, den er begangen, und dem er soeben erst aus die Spur gekommen sei, verstand sie ihn sofort, und zeigte ihm den selben. „Sie sieht perspektivisch richtig!" rief er ganz frappirt. „aber das ist unglaublich!" Sie erklärte ihm, daß das Spiegelbild im Wasser sie über das Richtige belehrt habe, dort treffen diese Linien des Ge- biraes zusammen, auf seinem Bilde nicht. Das sei doch ganz einfach. Pomifrlio Mebsvfichk. De» Znkunftoftaatler» haben wir eine gute Nach- richt mitzutheilen, bei der ihnen das Herz vor Freude auf- jauchzen wird. B e l l a m y, der berühmte Verfasser des Zukunftsstaat-Romans: Looldng bokward— ein Rückblick aus dem Jahre 2000— hat sich der alten Weiber männ- lichen und weiblichen Geschlechrs erbarmt, welche durchaus nach Art der Frauen des Blaubart, in alle verschlossenen Stuben und Stübchen des Zukunftsstaats hineingucken wollen — er hat in der Oktobernummer der„nationalistischen" Monatsschrift„Forum" haarklein auseinandergesetzt, wie man es machen kann, um in den famosen Znkunftsstaat zu gelangen, und wie der„Uebergang" seiner Ansicht nach am zweckmäßigsten bewerkstelligt wird. Der Verfasser— wir folgen hier, da der Originalartikcl uns nicht vorliegt, einem Resümee der„N.-N- Vlksztg.", alsoBellamy erklärt in den Einleitungsworten,„er wolle eine kurze Darlegung einige jener Maßnahmen praktischer Gesetzgebung unterbreiten, welche von den Nationalisten als erste Schritte zur Ver- wirklichung ihres Ideals eines„vollständigen industriellen Partnership-Systems" gefordert werden." Danach folgt Nachstehendes als eine allgemeine Bezeichnung für die von den Nationalisten vorgeschlagene Politik: „Allmälig fortschreitende Nationalisirnng und Municipali- sirung(staatliche und gemeindliche Organisation) von öffentlichen Dienstleistungen und Jndustriebranchen, und gleichzeitige Or- ganisirung der Angestellten, auf einer Basis garantirter Rechte, als Zweige des Zivildienstes.(Bellamy hat bekanntlich die Arbeit in seinen: Zuknnftsstaat nach Muster der deutschen Armeeorganisation eingerichtet. Red. d. Volksbl.) Fort setznng dieses Prozesses, bis die gänzliche Umwandlung bewerk stelligt sein wird. Daß Bellamy nunmehr dazu gelangt ist, eine Organisation der Arbeit im kommenden Gemeinwesen als Grundlage des ganzen nationalistischen Systems in Aussicht zu nehmen, das geht in zweifelloser Deutlichkeit ans einem weiteren Passus hervor, den wir unten folgend zitiren werden. Zunächst werden in der Darlegung die einzelnen Forderungen in Bezug auf die erstrebte Nationalisirnng und Munizipali- sirung von Verkehrseinrichtungen und Jndustriebranchen vor- geführt und in Kürze erläutert. Naiionalisirt werden sollen vor Allem die Telegraphen- und Telephonanstalten; ferner die Packet-Expreßeinrichtungen. Zugleich soll die Nation über das I ganze Eisenbahnwesen die„Kontrole" übernehmen, womit nur die Oberleitung und Beaufsichtigung gemeint ist. 0° weiteren Verlause aber soll dann allmälig auch das 6#' thumsrecht auf die Eisenbahnen von den Kompagnien auf W Nation übergehen. Ebenso sollen die Kohlenbergwerke vorer? unter die Kontrole der Nation gestellt und später deren Eigs" thum werden. Endlich, so heißt es da, agitiren ff Nationalisten überall für Uebernahme seitens der 3W zipalitäten von allen lokalen öffentlichen Dienstleistung� wie Passagier- Beförderung(Straßen- und Hochbahn!« u. f. w.), Beleuchtung, Heizung, Wasserlieferung und den gleichen. Das also wären die„ersten Schritte" zum poßtivk» Nationalismus. Gleich nach Auszählung und Begründung dieser Forderungen kommt der Verfasser zurück auf jenen bereis- hervorgehobenen neuen Punkt seines Programms, betreffend die Organisation der Arbeiter bei Anhandnahme des Nation� lisirungswcrkes, und hierüber äußert er sich nun in folgenden, jedenfalls sehr beachtenswerthen Worten:, „Auf die Organisirung der Angestellten von nationalinrten i und munizipalisirten Anstalten(ssrvicos) habe ich hingewiPn als auf einen Vorgang, der sich unmittelbar zugleich mit Ued« nähme der Kontrole über dieselben vollziehen soll. Die Art w Organisation dieses industriellen Zivildienstes ist vo» vitaler Bedeutung für den Nationalisirungsplan, nicht% wegen der Rechte, die damit den Angestellten Aaranla werde», sondern auch deshalb, weil hierdurch Einschüchtert- und Beeinflussung der Angestellten durch die Regierung P politische Zwecke verhindert wird(trat by its effect to Prers?, their intimidation or control for political purposes by tv govemment). Bei Nationalisirnng oder Munizipalifirimg eines Geschäftsunternehmens würden die in demselben beM. tigten Angestellten„in Corpore" mit herüber in den offff lichen Dienst genommen. Die Force würde dann fW'L, z, Grade eingetheilt werden, und ihr Bestand würde ausschlie?'� durch Aufnahmen in den untersten Grad aufrecht erha» werden, mit darauffolgenden Beförderungen. Die Zufflff,■ würde beschränkt sein auf solche Personen, deren Eigenschaj' gewissen vorgeschriebenen Tauglichkeits-Bedingungen entsprech' welch' letztere den zu erfüllenden Pflichten angemessen sind. �. wähl für vakante Stellen würde rnnerhalb kompetenter Ka» daten getroffen und zwar nicht durch Ernennung, sondern* weder durch das Loos oder in der Reihenfolge der_ gelaufenen Gesuche. Beförderung würde eine Sache des sein, nicht der Gunst, begründet auf Verdienst, wie eingetcag� in Verbindung mit einer gewissen Länge der Dienstdauer u« auf Nachweis der Qualifikation für den höheren Rang,-u Angestellter sollte anders als wegen besonderer Ursache e» lassen werden, und erst nach Anhörung desselben durch ein% parteiisches Tribunal, welches für diesen Zweck eingesetzt, Hierbei bliebe der Betriebsleitung das Recht vorbeham. Untergeordnete zu suspendiren, sowie auch sonst volle Konfl über dieThätigkeitderForce auszuüben. Unterstützung inUngm», und Krankheitsfällen, sowie imAlter, wäregarantirt; VerlustbU! Anspruchs würde nur als Folge schlechten Verhaltens eintte> Es wird von den Nationalisten vorgeschlagen, diesen radu».. und allein wirksamen Plan für Zivildienst-Reform unverzug> "' f'' �— 4: itiuwi j � desH� Sv auf alle existirenden nationalen, staatlichen und Dienstabtheilungen in Anwendung zu bringen." Soweit die positiven Hauptpunkte im Programm des p' Bellamy. Hinzuzufügen ist noch, daß derselbe annimmt. würde die Zahl der mit Ausführung dieser Vor�" „öffentlichen Dienst" ausgenommenen Arbeiter sich am Millionen belaufen. Dies wäre also der Anfang des P«, nalisirungs- und Munizipalisirungs- Prozesses. Im wird in diesem Plane noch bemerkt, daß die sollte, zunächst nur für b,a B-°°> dann beginnen Freilich, sehr einfach," mernte er,„aber wie viele Maler machen perspektivische Fehler und erkennen sie tue? Von diesem Tage an fragte er sie oster um rhre Met- nuna Ihre Beobachtnngsgabe und chr Anempstndungs- Vermögen standen ihm bald außer Zwersel. Aber es machte ihm eben so viel Freude und belustigte &Ä Äl SÄSÄS'IÄ "'�Sie horchte begierig auf, aber hier und da zeigte sie sich nickt völlig befriedigt von fernen Ausemandersetzungen Lb wagte ihre Mcimmg banibec auszusprechen. Eine gewisse Schelmerei, die tn chr gelegen, brach nun Et hatte ihr 0(W, molk et gehe», er muffe % � es müsse so sein, aber im Herbst werde er wiederkommen, bis dahin müsse sie hier bleiben. Aber er war doch nicht gegangen, und sagte am Der�Tag war ungewöhnlich heiß, die Schwüle begann UMKMD mittage gehörten dem Bübchen. Die Staffelei, auf der eine ziemlrch wert vorgeschrittene MSUM der Angehörigen dieser' National- und MuffÄ 1 Industrien und überhaupt des ganzen öffentlichen troduktions- und Distributions- Etablissemente zu erwrb lese Letzteren würden ihre Produkte resp. ihre verthernf � Dienstleistungen strikte zum Kostenpreise und mit 0#% Garantie gegen Fälschung und Betrug darbieten. Ten< öffentlichen Dienste thätigen Arbeitern würden Kreditanweist"«., auf die„nationalen Stores"(Waarenlager) auf Rechnung � ihnen zukommenden„Remuneration" ausgestellt, und U jeweilen für einen, nach ihrem Belieben großen oder � Theil des Guthabens. Daneben würden Privatetablisse>� fortfahren, wie heute für Profit zu produziren und distribu', „Wie lange würde es dauern und die Kreditanweisu?� der Regierung auf die nationalen Stores würden mit Prämium(Aufgeld) über Gold gekaust werden?!" Ta schließt der Plan und mit demselben der Artikel des V* Bellamy wie folgt: U „Mit einem bedeutenden Theile der Arbeiter des im öffentlichen Dienste; mit einem System von landwirthl� licher und Fabrikationsproduklion für den Bedarf des � gehörigen des öffentlichen Dienstes; mit einem allumsam� Distnbutionssystem, und mit einem Substitut für Gel» geführt: da würde die Vervollständigung des national-koa"� tiven Organismus, mit der Inanspruchnahme von j? lerstung von Allen und Garanlirung der Existenz für Alle, dem Fliegenwedel, wie er sie scherzend nannte, Soeben war sie ihm hinter den Bäumen entschwunden- g- Sie aber hatte ihren Korb wieder auf den Bov � stellt, um sich einen Farren zu pflücken und ihn als mit sich zu nehmen. In dem Augenblick kam eine Böcke und Ziegen die Wände herab, von dem noch � � Höhe befindlichen Hirtenjungen getrieben. Die ck,/ wollte sie mittelst ihres soeben erivorbenen Schient � ihrer Seite scheuchen, aber die Thiers mißverstände � Wink und versuchten das entgegengehaltene Grüuze haschen und zu fressen.> Das machte ihr Spaß, aber sie sah sich bat/ umringt, und der Kreis schloß sich immer eng sie. Auch ein ganz junges Böckchen kam herzu, und v es den Andern nachzumachen, und seine breite StftN- � ihre Beine zu drücken. Sie fand es gar zu herzig, � es empor und behielt es in ihren Atmen, zu liebkosen. Das schien aber der Mutter Ziege n# � fallen, sie erhob sich auf den Hinterbeinen und r d dem Mädchen empor, um fein Junges mit dem' herunter zu zerren. Die Franzel wich lachend ztftN Junge, als wollte sie es vertheidigen, nur noch ftlt�„ 1' drückend. Aber nun wendeten sich alle Thiere 0�� und sie sah sich gegen die Felswand gedrängt. Jetzt g kannte sie die Gefahr,„Oswaldt, Oswaldt!" rief b- g klang der Ruf in dieser Waldeinsamkeit, und hallte ihn wieder.... et'■l Dieser sprang herbei. Mit einem Blick Hütt."j Situation erfaßt und er schrie ihr zu, das Junge y in'1 lassen. Sie gehorchte, aber es war zu spät. Hörnern, einen rauhen, zornigen Ton ausstoßend großer Bock gegen sie herangestttrzt., Sie konnte nicht seitwärts, konnte nicht zurua. empfing sie ihn mit vorgehaltenen Händen. ,j,t j Aber in diesem Moment hatte ihn Osw� /h rückwärts bei den Hörnern erfaßt und zu Boden&' und jetzt knallte auch die Peitsche des Hirten unter hinein—, der Kampf war sofort zu Ende. (Fortsetzung folgt.) eine Frage der Zeit sein. Wahrscheinlich würde dazu nur sehr knrze Zeit nöthig sein, denn es ist anzunehmen, daß die erste er- folgreiche Nationalisirung einer wichtigen Industrie die weiteren Schritte des Prozesses in großem Maße beschleunigen wurde, durch den Anschauungsunterricht der Vortheile, welche das ueue System den bctheiligten Arbeitern und auch dem Gemein- wesen im Ganzen gewährt." Soweit Herr Bellamy: Wollen unsere Zukunftsstaatler genaueren Ausschlus!, so mögen sie sich an dessen Adresse wenden. Zur Vcrnnttliwg sind wir gerne bereit. Wenn sw dann nicht befriedigt werden, so kennen wir Jemand, der noch mindestens ein Dutzend Pläne auf Lager hat. Sieht schließlich der Zukunfsstaat in Wirklichkeit anders aus, als ans dem Papier, so können wir eben nicht helfen, und ivenn Herr Bellamy oder wer sonst durch die That- sachen dementirt wird, so kann er sich mit de marmen Enge n � sch t e r und dessen Unglücksgefährten trösten, die vor dreißig Jahren den freihäiidlerischen und sreikonkurrenzlicheir 6 ufünnfs staat des Manch ester thn ms so ver- lockend ausnialteii, und hmternach durch die Entwicklung der �uige so grausam desavouirt worden sind._ Vielleicht nimmt sich einer unserer Leser einmal die Muhe, lliiö das zuknnftsstaatliche Schlaraffenland wieder aus- Zugraben, welches den deutschen Bürgern und Arbeitern seinerzeit von den Herren Eugen Richter und Konsorten verheißen worden ist, und die Verheißung mit der Erfüllung Zu vergleichen. Jedenfalls haben wir keine Lust uns so zu vlainiren, wie Herr Engen Richter weiland mit s e i n e ni »Znkunftsstaat." . Spaßig. Der zum Glück von den Pariser Arbeitern gesagte P o s s i b i l i st e n- H ä u p t l i n g Bronsse JfW in dem„Parti Ouvrier", den er vorläufig noch in der Zand hat, einen Artikel mit der Neberschrift„Hur r ah Berlin!" veröffentlichen, in dem es u. A. heißt: Aus Berlin kommt uns eine erhebende Nachricht: Werner, von Vollmar und 20 Andere haben auf dem Halle'schen Kongreß gegen die zäsaristischen Neigungen der Bebel und �wbknecht protestirt, welche die soziale Revolution in der Halste Europas aufzuhalten drohten. Berlin er- hebt sich mit der Partei der jungen Sozialisten l°er„Jungen") und proklamirt gleich uns die inter- von der Allmacht einiger aufwerfen, und die 'iationale Föderation, befreit' p wählten, welche sich zu Leitern«iqirrc ZWMHS wirft, die freilich "-vnctn unv Herren" in Pari; soziale Reform umgewandelt wird. Daß gerade die Reste des französischen Posftbil.s deutsche„Opposition" für sich beanspruchen, ist ubu ncich verschiedenen Richtungen hin interessant. smus übrigens 1-- D............... I-"-------------- Y ,n große Aufregung gerathen, weil ihnen xar ordre de {Wufü befohlen worden ist, alle sich zur Aufnahme melden- jn Reserveoffiziere unbesehen aufzunehmen und sich von Men ans ihre politische Führung hin überwachen zn lassen. I1- Herren tzteserveoffiziere sollen— an wen? das ver- Aweigt des Sängers Höflichkeit— regelmäßig Bericht er- statten und dabei namentlich auf sozialdemokratische Ein- �nglinge ein Auge haben— im Interesse der Purl- Mon, d. h. Reinigung von unpassenden Elementen. Wahr- "a"l0, unsere Geaner sind von rübrendcr Nacbstenlicbe— Unsere auv Halle a. S. gemeldet wird, sind die Kriegervereine VZie ,�rgi,-r meinen es doch gar gilt mit uns von �unsere Gegner sind von rührender Nächstenliebe so eifwi"p�ktlschem Christenthum" durchdrungen, daß sie stn».°uf die Purifikatlon der Sozialdemokratie bedacht % k 1 sollte auch aus unserer Partei werden, wenn sie i'. et. chauvinistischen Vereinsspielerei ergeben wollte! �pfeiU� Hurrahduslern und den sonstigen unklaren (iitu,?/'«Auflösung der Sozialdemokratie" wird wieder SloTv»f angekündigt und zwar von der„Nationalliberalen fflrn'mr Und der Anlaß? Die Nixdorfcr Verwirk Die Opposition macht reißende Fortschritte und bann vr- Majorität bald verschlungen haben, und es finis Poloniae— das Ende der Sozialdemo- st»s„!Ixte �a' sssuii wir wünschen nichts Besseres, als Mm,»! r Js..0�61" anderthalb Jahrzehnte laug so hübsch -kod�e aufzulösen", wie gegenwärtig. Die nationalliberalen lyej.-.�audidaten scheinen bei den mittelalterlichen Hexen- z» t,"l die Schule gegangen zu sein und dem Glauben 8ft6 r,,®.en' s'c könnten das eigene Leven dadurch verläiigern, Äider u Anderen tödten— ivenigsteNs ans dem Papier. de�.-.stud sie jedoch keine Hexenmeister und ist die Sozial- atie gegen allen derartigen Zauber gefeit. auz ö'n'' �ach einer Miltheilung des„Leipziger Tageblatt" CUijq knn auf Grund von„Jnsorinationen an zuständiger auZiyz a'itgetheilt worden, daß Neue vor etwa Jahresfrist einer "och(,r-I9en Irrenanstalt überwiesen wurde. Ob er sich dort ist..Iwbet, oder einer anderen Strafanstalt übergeben worden von � � kann nichts mitgetheilt werden." Die erste Nachricht S°fu»d- /"'Ug-" Erkrankung Neve's also ihre Bestätigung schreibt t, ��öufig haben wir nicht, wie des„Leipz. Tagebl." sondern die Nachricht der Erkrankung sei unrichtig, skeptjs� ,ln§ der gegentheiligen Meldung gegenüber durchaus M"«fallen. Red. d.«.«).. die hilf-kasscnfeiudlichen Best in Sie k�Ut!?a5'scheinend-n"'W?�''�"�......- Mfen D-, �ein" bri preise" entnehmen, voiit dortigen in der �sschlands in 11 �rvorrageiidste» kaufmännischen Hilfs- S in"�'"glichen«"t5m(auf a-seht worden. Dieselbe gipfelt --- � Bitte an den hohen Reichstag": mindestens --«............... äf ston bei welcher er versichert sein will, weshalb würden vie Unterzeichneten jene Wl8 frei Ausdehnung des Versicherungszwanges auf sämmtliche Handlungs- gehilfen begrüßen, wenn nicht durch andere Bestimmungen der Novelle die freie Kassenwahl sehr wesentlich beeinträchtigt werden sollte. Im§ 7b der Novelle ist die neue Bestimmung getroffen, daß Mitglieder freier Hilfskassen trotz dieser ihrer Mitgliedschaft, durch welche sie doch für ihre Versicherung gegen Krankheitsfülle gesorgt haben, nochmals in jedem Falle kraft ihrer bloßen Be- schäftigung als Handlungsgehilfen Mitglieder der Gemeinde- Krankenversicherung oder einer anderen.nach Maßgabe des Ge- setze» errichteten Krankenkasse werden und bleiben, solange sie nicht einen förmlichen Antrag auf Vcfrciung gestellt haben. In dieser Bestimmung sehen die Unterzeichneten einen Versuch, die Handlungsgehilfen nicht mehr blos zur Versicherung überhaupt, sondern zum, wenn auch nur vorläufigen, Eintritt in eine Zwangskasse zu nöthigen, das mit dem Prinzip der freien Kassen- wähl nicht mehr vereinbar ist. In der Praxis wird nämlich sehr oft aus der vorläufigen Mitgliedschaft bei der Zwangskassc eine endgiltige deshalb werden, weil die Veitrüge zur Zwangs- lasse durch den Prinzipal vom Gehalt abgezogen und abgeführt, die Beiträge zur freien Kasse aber freiwillig bezahlt werden müssen. Bei der wenn auch nur vorläufigen, zwangsweisen Zuweisung des Gehilfen an eine Zwangskasse wird es dem Gehjlfen schwer werden, daneben noch den Beitrag an die freie Kasse regelmäßig weiter zu zahlen. Die freie Kasse muß dann sehr bald den Aus- schluß des Säumigeu aussprechen und derselbe ist somit durch einen direkten gesetzlichen Eingriff aus einem freien Kassen- Mitglied ein Zwangskassenmitglied geworden. An ein langes Weiterbestehen der freien Kassen ist unter diesen Umständen nicht mehr zn denken... Auch durch die neuen Bestimmungen der Novelle, daß die freien Kassen statt einer bloßen(aber höheren) Baarleistung im Krankheitsfalle künftig Krankengeld- und außerdem noch. freien Arzt und freie Medizin liefern sollen, sowie daß sie ihre Krankengelder ver- schieden bemessen sollen, je nachdem ihre Mitglieder an Orten mit höheren oder niedrigeren Taglohnsätzen wohnen oder er- kranken, wird die Verwaltung derjenigen freien'Kasten wescntlick erschwert, welche ihre Mitglieder über größere Gebiete zerstreut haben, wie die Unterzeichneten. Da die Baarleistnngen der freien Kassen nach Ausweis der letzten Statistik pro Kopf ihrer Mit- glieder immer noch höher sind, als die Leistungen der Zwangs- lassen, da die völlige Versiiglingsfreiheit über die Krankenunter- stlltzung doch auch ihre Berechtigung hat, namentlich bei höher- stehenden Gehilfen, wie den kaufmännischen Angestellten, und da die Zusammenfassung vieler Versicherungsbedürftiger in großen nationalen Kassen doch auch erhöhte Sicherheiten für die Ver- sicherung bietet, so liegen diese neuen Bestimmungen ebenfalls nicht im Interesse der freien Hilfskassen und der Krankenversiche- rung überhaupt." Was nun? Der„Reichsanzeiger" veröffentlicht einen amt- lichen Bericht über die ungünstige Kartoffelernte, worinnen es zum Schluß heißt:„Bedauerlicher Weise lauten fast allgemein un- günstig die Mittheilungen über den Stand der 5kartoffeln und die bisherige Ernte. Die anhaltend nasse-Witterung hat zumal in den östlichen, hauptsächlich Kartoffelbau treibenden Provinzen sehr nachtheilig aus die Entwickelung der Kartoffeln eingewirkt, so daß besonders auf schwerem Boden und in Niederungen der Ertrag sehr verringert wird und oft weit hinter einer Mittelernte zurück- bleibt. Vielfach ist Fänlniß eingetreten, oder es sind die Knollen im Wachsthum gehindert worden."— Ziehen wir die Steigerung der Brot- und Fleischprcise und sonstiger Lebensmittel, die niedrigen Löhne und die Arbeitslosigkeit in Betracht, so kann sich Jeder ein Bild von dem machen, was dem armen Mann bevorsteht. Wit werden ja sehen, wie sich der Reichstag zn unserem Antrag stellen wird, die Zölle auf Lebensmittel aufzuheben. Zuchthaus-Wenn. Die Rathschkäge der Gegner an die Arbeiter, wie diese sich das Leben erträglicher gestalten sollen, sind meist so läppischer Natur, daß sie kaum der Würdigung werth sind. Sie bewegen sich fast ausnahmslos in dem Rahmen der bestehenden Einkommens- und Existenzverhältnisse und er- theilen Lehren, wie der Arbeiter sein Einkommen— wenn er üderhaupl eins hat— besser verwende» könne. Auf demselben Boden bewegt sich eine Schrift„Wie ernährt sich der Arbeiter?", die ein Herr Otto Rademann herausgegeben hat. Dieselbe knüpft an die bekannten Arbeiterbudgets an, welche das freie Hochstift zu Frankfurt a. M. herausgegeben hat, und deren wir vor einiger Zeit Erwähnung thaten. Bekanntlich ist in jener Broschüre die Lebensweise von drei verschiedenen Arbeiter- samilien in Frankfurt a. M. eingehend ermittelt worden. In der genannten Broschüre stellt nun der Verfasser fest, daß in diesen Arbeiterfamilien, beispielsweise in derFamtlieA., nur 94027 Gramm Eiweiß, 68 535 Gramm Fett, 535 341 Gramm Kohlehydrate verzehrt worden seien, das sei für eine vollständige tägliche Ernährung von Mann, Frau und Kindern zu wenig: 51 973 Gramm Eiweiß, 4465 Gramm Feit, 103 40!» Gramm Kohlehydrate. Der Verfasser stellt nun selbst Kuchenzettel auf für diese Familie und kommt zn dem Schluß, daß auf Grund dieser Probe-Küchcnzettel eS für die Arbeiterfamilie möglich sei, eine normale Ernährung sich zu verschaffen und dabei noch 87,52 M. an 541,22 M. zn sparen, welche der Familie bei der ungcnügen- den Ernährungsweise die Nahrungsmittel im Laufe eines Jahres gekostet haben. Denselben Beiveis führt der Verfasser bei dem zweiten Budget des Arbeiters B. in einer chemischen Fabrik, welches jene Broschüre deS deutschen Hochstifts mitgetheilt hat. Das Gesammtergebniß der Berechnung geht dahin, daß der Ar- beiter unrationell lebe, sich und seine Familie nnzu- reichend ernähre, unvortheilhafle Speisen wähle und die in diesen enthaltenen Nährstoffe zu hoch bezahle. Man müsse in den Ar- beiterfamilien größere Kenntnisse verbreiten über das verschiedene Mnß des Nährstoffes in den Speisen, so z. B., daß ein Kilo Linsen sechsmal so viel Nährstoffe, als ein Kilo Kartoffeln e»t- halte, oder daß man für 1 M. Stockfisch ebenso viele Nähr- werthe erhalle, als für 4 M. Rindsieisch. Ganz besonders empfiehlt der Verfasser den Bezug von billigen Scesischcn, und de» Bezug von Mogermilch an Stelle der Vollmilch, von Sauer- milch oder Quark sowie von amerikanischem Schweinefett zum Ausgleich für den Ausfall an Milchfett in der Magermilch. Es würde sich empfehlen, Linsen, Bohnen u n d E r b s e n i m Großen halbgar leichter verdaulich zu machen, d a n n»v i e d e r zu trocken und i n V e r k a u f s st e l I e n d e n A r b e i t« r n zugänglich zu ni a ch e n. Jetzt sei für Arbeiterfamilien die Zubereitung solcher Hülsenfrüchte schwierig wegen des erforderlichen längeren Kochens und des dadurch ent- stehenden größeren Aufwandes an Heizungsmitteln. Der Schreiber hätte nur noch anfügen sollen: und wegen des größeren Zeitnufwaudes, dann hätte er uns sein Herz ganz ent- deckt. Wenn die Arbeiter die Linsen, Bohnen w. schon halbgar gekocht kaufen können, spart die Proletariersran ja die Zeit am Kochen und kann diese der Fabrikarbeit widmen. Das würde ein Grund mehr sein, die längere Mittagspause der verheiratheten Arbeiterinnen aus der Gewerbeordnungs-Novelle auszumerzen. Mit einem Rechenexempel, das eines Eugen Richter würdig ist und daher diesen auch ganz begeistert hat, löst der Verfasser wiederum die soziale Frage. Ter Arbeiter esse nur immer tüchtig Linsen und Stockfisch, genieße Mager- milch st a t t Vollmilch, ersetze den fehlenden Fettgehalt durch amerikanisches S ch>v e i n e s ch m a l z und er ist aller Sorge» des Lebens enthoben. Daß cr die Linsen:c. schon halbgckocht erhält, ist noch ein Seperatvortheil. Und mit solchen Vorschlägen glaubt man wirklich noch Ar- beiter zu fangen? Wahrlich diese Wölfe in Schafspelze», die als „Arbeitersrennde" umgehen, sie haben nichts gelernt und scheinen nichts lernen zu wollen. Wenn eS ihnen ernst ist, den Arbeitern helfen zu»vollen, dann mögen sie einmal ihren Klassengenossen den Vorschlag mache», etwas mehr Linsen und Stockfisch zu essen statt Wildpret, Geflügeln, Hummern, Steinbutt und Austern, amerikanisches Schmalz statt Kaviar und Magermilch zu trinken an Stelle von Sekt und Rothspohn. Die dadurch gemachten Ersparnisse könnten sie ja dann den Arbeitern zu Gute kommen lassen. Uebrigens ist das Eingeständniß»verthvoll, daß der Ar- beiter heute nur noch existiren kann, ivenn er seinen Küchenzettel aus das Menu des Zuchthauses einrichtet, Aus München, 24. Oktober, wird der„Franks. Ztg." geschrieben: Der sensationelle Soldaten-Mißhaudlnngsfall in Regens- bürg,»vo der Dreijährigfreiivillige Reng, ein anerkannt braver Mensch und ordentlicher Soldat, von einem Gefreiten, der ihn schon längere Zeit zu»naltraitiren pflegte, mit dem Geipehrkolben derart auf den Kopf geschlagen»vurde, daß Reng mehrere Tage beivußtlos war und dann ins Irrenhaus verbracht»verde» mußte, hat gestern vor dem Militärunlergericht in Regensburg dahin Ab- schluß gefunden, daß der Gefreite Holzner zu 3 Monaten und 3 Tagen Gefängniß verurtheilt wurde. Ein Vizefeldwebel und ein Unteroffizier der Kompagnie, die dem Gebahreu de» Holzner nicht Einhalt gethan, erhielten der eine 5 Tage mittleren, der andere 3 Tage gelinden Arrest. Man braucht zum Vergleiche nicht zu fragen,»velche Strafe den unglücklichen Reng getroffen hätte,»venn er den Gefreiten mit dem Kolben geschlagen hätte. Aber gesetzt, der arme Reng hätte einen Mitsoldaten, einen„Ge- meinen", so behandelt,»vie es ihm der Gefreite gethan. Wäre dann Reng»vohl mit dreiunddreißig Tagen Gefängniß davon- gekommen?? Recht interessant ist auch die Höhe der Strafe der Unteroffiziere, ivenn man dagegen hält,»vie es jüngst einem Sol- daten erging, der von seinem Unterossizier ein paar kräftige, ein Ohrenleiven" herbeiführende Ohrfeigen erhielt und, nachdem die Sache anhängig»vurde, vom Regimeutskomlnando 3 Tage Mittel- arrest diktirt bekam,»veil er den Vorgang aus Scheu vor dem bekannten Meldungsverfahren und aus Scheu vor den Unter- Offizieren nicht gemeldet hatte. Man vergleiche da und dort das Strafinaß mit der Stärke positiven Verschuldens. Dänisches. Den dänischen Schriftstellern Holger Drachlnann und Schandorph»vurde' die Abhaltung von literarischen Vor- lesungen in Flensburg und Hadersleben polizeilich verboten.— Drachmann und Schandorph sind hervorragende dänische Schrift- steller. Laudsberg a. d. W., 27. Oktober. Bei der im Wahlkreis Landsberg-Soldin stattgehabten Ersatzivahl für den Reichstag sind bisher gezählt: für Kammergerichts-Rath Schröder(deutsch- freis.) 8605, für Dietz von Bayer(kons.) 6624 und für Werau (Soz.) 228 Stimnien. Aus 10 Wahlkreisen steht das Resultat noch aus. Uordhaus«». Am 25. Oktober fai»d hier eine Volks- versainmlnng statt, in der die Delegirten des Kreises für den Parteitag zu Halle, Th. Glocke-Berlm u»id Gentzel-Nordhausen, Bericht über die Verhandlungen des Parteitages gaben. Die Parteigenossen nahmen den Bericht beifällig entgegen und die Versammlung beschloß, mit allen Kräften für die Durchführung der auf dem Parteitag gefaßten Beschlüsse einzutreten. Am Sonntag, den 26. d. M-, veranstaltete der_ sozialdemokratische Wahlverein ein sozialistisches Faniilie>»fest. Es »var das erste,»vie in einer kurzen Ansprache einer der ältesten Genossen' anführte,»velches seit 14 Jahren stattfand, da auch in Nordhausen die kräftig aufblülMde Ar- beiterbewegung bei Einführung des Sozialistengesetzes niedcrge- morsen wurde. Der Saal»var mit rothen Fahnen geschmackvoll dekorirt. Die Bilder von Marx und Lassalle prangten über der Tribüne. Schilder mit Inschriften,»velche Forderungen unseres Programms enthielten,»varen überall a»»gebracht. Das Fest selbst verlief in schönster Harmonie. Bei der Kaffeepause hielt Genosse Th. Glocke eine kurze Ansprache. Frankfurt a. M., 27. Oktober. Der»vegen Majestäts- beleidigung verhaftete Redakteur des sozialdemokratischen Blattes „Volksstimme", Hoch, ist gegen eine Kaution von 3000 M. in Freiheit gesetzt»vorden.— Die erste Meldung, die schon vor einigen Tagen von der Haftentlassung zu berichten wußte, war also vorzeitig. Stuttgart, den 24. Oktober. Die Sozialdemokratie hat auf 2. November eine Landesversaminlung ausgeschrieben, in der außer Bericht über den Kongreß in Halle und Referaten über die Parteipresse und Verwaltungsreform nainentlich die Gründung einer Landesorganisation zur Sprache kominen soll, uin die Prin- zipien der Sozialdeinokratie verbreiten lind den reaktionären Be- strebungen aller anderen Parteien»nit Nachdruck entgegenivirken zn können. Aua Karlsruhe wird der„Mannh. Volksst." berichtet: Eine Beschlagnahme folgt auf die andere. Gestern Abend»vurde aberinals i>» der Expedition des„Sädivestdeuischen Volkblattes" gehaussncht und die Nummern 129, 130 und 131 konfiszirt auf Grund des§ 6 des Preßgesetzes, weil kein Drucker angegeben »var. Es ist dies eine Fahrlässigkeit, die nicht passiren sollte, aber doch dein Drucker leicht vorkommen kann. Eines aber ist merkwürdig: wir haben schon oft nationalliberale Blätter zu lesen bekomme»», wo keine Drucksirma verzeichnet war, hörten aber nie, daß dieselben infolge dessen konfiszirt»vurden und hier bei dem sozialdemokratischen Blatte»vird»nit ga»izen Strenge des Gesetzes verfahren. Au» Posen»vird geschrieben: Die ans dem Parteitage zu Halle angekündigte polnisch-sozialdemokratische Zeitung hat unter den bürgerlichen polnischen Kreisen große Aufregung hervorgerufen. Sämmtliche polnischen Zeitungen veröffentlichen Aufrufe,»vodurch die polnischen Arveiter vor dieser Zeitung ge»varnt und ihnen als beste Gegenagitation die Gründung polnisch-katholischer Ber- eine cinpfohlen»vird. Diese Gegenagitation soll sich hauptsächlich auf die Orte und Städte in Deutschland, wo sich Polen nieder- gelassen haben, erstrecken. Gestevreich- Ungar». Endlich ist eS,»vie miser Wiener Bruderorgan die„Arbeiter- Zeitung" mittheilt, gelungen, ein A r b e i t e r b l a t t i n s l o v e- n i s ch e r Sprache zu gründen. Die„Delavsky list"(Arbeiter- Zeitung) erscheint zweimal monatlich in Triestffeit 2. Oktober; als veranpvortlicher Redakteur zeichnet Ludivig Sadnik, als Herausgeber Thoinas Torkar; Redaktion und Administration: Trieft, via Solitario 8. Preis: jährlich 1 st. 20 kr., vierteljährig 30 kr.; einzelne Exemplare 4 Kreuzer. Schon die ziveite Nummer »rnirde konfiszirt, und zwar bezeichnender Weise»vegen Ueber- setzung eines in Wien unbeanstandet in der„Sozialden'wkratischen Monatsschrift" erschienenen Aussatzes von K. ÄautSky:„Die Kohlengruben und ihre Arbeiter". Die Ausgabe einer zweiten Ausgabe,»nit Weglasstmg der beanstandeten Stellen,»vurde über- dies veriveigert, obivohl das sonst in ganz Oesterreich gestaltet ist. Man null offenbar unsere slovenischen Genossen unter einen Ausnahmszustand drückendster Art stellen. Wurde doch ein zivei- makiger Versuch, das Blatt in Laibach herauszugebe», dadurch verhindert, daß die Behörde den Genossen Sadnik für unfähig erklärte, die Redaktion zu führen, trotzdem das Preßacsetz kein Wort von einem„Befähigungsnachiveis" enthält. Es»vird der ganzen Energie und Zähigkeit der slovenischen Genossen bedürfen, durchzusetzen, daß auch ihnen gegenüber das Gesetz zur Amvcndimg komme. Gvotzitvitlunnsu. Ter englische R h e d e r e i b u n d hat bekanntlich den Fordernnge» der Arbeiter gegenüber die Drohung ausgesprochen, Wne Geh»,,« ans dem SWeh»; zurückzuziehen. Nachdem«3 eine Ze" lang den Anscyem gehabt hat. als sei es dem Rhedereib.md »nit dieser radiialen aber ebenso gefährlichen Maßregel nicht Ernst und nachdem er selbst m der„Times" bekannt gemacht, die Drohung staimne gar nicht von ihm, sondern irgend ein Svaß- vogel habe sich diesen Scherz erlaubt, theilt die„Times" neuer- PJty" r Gber) zur Bestätigung ihrer ursprünglichen Nach- ctav. i'1 �legramm und einen Brief mit,»velche von der .roderaaon a»»hre verschiedenen Ziveige im ganzen Lande-A>»- saiig» dieser Woche gesandt»vorden sind. Da» Telegramm »orderte dre lokalen Zweige aus, eine Distriktversamiiilung eiuzu- berusei», u'n C'"«®ntjwhung aller Schiffe aus dem Verkehr, welche in Kurze möglich sei, zu erörtern. Der Brief bestätigte das Tele- gramm und bezeichnete tmnn als Zweck dieses Gesuches die Er langung zuverlässiger Information für den Exekutivrath über die Gesinnung eines jeden Distrikts in Betreff dieser wichtigen An- gelegenheit. Dann heißt es weiter: Der Schritt ist von der höchsten Wichtigkeit und nur nach reiflichster Erwägung zu thun. Gleichzeitig wird es infolge eines speziellen Anlasses heute klar, daß er in naher Zukunft zu er- folgen haben dürfte, und die Föderation muß vorbereitet sei», einen solchen Stand einzunehmen, daß sie wirksam der Föderation aller Gewerke gegen freie Arbeit, die schon theilweise durchgeführt ist, gewachsen ist. Zu dem Ende habe ich Sie zu ersuchen, sofort Schritte zur Vervollkommnung der Organisation Ihres Distrikts zu thun, so daß, wenn die Exekutive es wünschenswerth erachtet, das Signal zu geben, jeder Hasen im gleichen Augenblicke zur Unterstützung des allgemeinen Planes zu handeln bereit ist. Tie Sache ist so dringend, daß dieses Gesuch jeden Augenblick er- lassen werden könnte, und Sie werden selbstverständlich die Roth- wendigkeit, prompt und wirksam handeln zu können, zu würdigen wissen. Vom Hauptquartier der Föderation sind die Schiffsrheder durch Rundschreiben angewiesen, in allen Charters folgende Be- stimmung einzuschalten:„Das Schiff ist nicht verantwortlich zu halten für irgend welchen Verlust, Schadeu oder Verzug, der un- mittelbar oder mittelbar durch Streiks, Arbeitssperren, Arbeits- unruhen Arbeitsziviste oder sonst etwas, das im Hinblicke oder zur Förderung solcher geschieht, verursacht wird oder entsteht, gleichviel, ob die Schiffseigner daran Theil nehmen oder nicht." Natürlich handelt es sich zunächst nur um Schreckschüsse. Die Arbeiter bereiten sich indessen für den Fall vor, daß die Drohung der Rheder wirklich ausgeführt werden sollte. Es wird zu dem Ende in erster Linie eine Föderation der sämmtlichen Gewerkvereine angestrebt, die mittelbar oder unmittelbar mit der Schiffsahrtsindustrie zusammenhängen, und in diese sind auch Kohlenschiffer und Träger, sowie Gasarbeiter begriffen. Man glaubt, daß die Föderation drei Millionen Arbeiter umfassen iverde, Geldvorräthe werden schon angesammelt. Die Dockers sind bemüht, einen Kriegsfonds von«0 000 Pfd. Sterling zu sammeln. Der Matrosenvcrein will durch eine Spezialsteuer von 10 Sh. pro Mann 30 000 Pfd. ausbringen, die zu den 30 000 Pfd. kommen würden, die die Union bereits als Ueberschuß der gewöhnlichen Einnahmen besitzt. Untersuchungsrichter wtember bei Gordola Schweix. Bern, 25. Oktober. Der eidgenössisi hat eine Untersuchung wegen der am 11. September und Sola geschehenen Zerschneidung der Telegraphendrähte an- geordnet.—„Liberia" und andere ultramontane Tesstner Blätter führen neuerdings eine sehr heftige Sprache gegen die Bundes- behörde: die eidgenössische Justiz habe alle Scham verloren; wolle man denn Tessin um jeden Preis los werden? Ueber einen„Putsch", der von Seiten der konservativen Oppositionspartei(„Bolkspartei") im Oberargau(Kanton Bern) in den ersten Tagen nach dem Aufstand im Tessin gegen den Bundesrath vorbereitet gewesen sein soll, veröffentlicht die „Berner Ztg." unterm 23. Oktober folgendes Telegramm: „Ein Extrablatt des Berner Landboten theilt eine Erklärung des Bundesraths Droz mit, welche der Redaktion auf ihr An- suchen zugegangen ist. Nach derselben hat ein achtbarer Ober- Aargauer Bürger, Mitglied des Komitees der konservativen Berner Volkspartei, Bundesrath Droz über die infolge der Tessiner Angelegenheit in Kreisen der Volkspartei im Ober Aargau herrschende erregte Stimmung Mittheilungen gemacht. Eine geheime Sitzung habe stattgefunden, ein Ausruhr sei vor- bereitet gewesen und man habe nur auf das Losungswort zum Losschlagen gewartet. Bundesrath Droz habe von diesen Mit- theilungen Bundespräsident Ruchonnet, Bundesrath Hauser, Chef des Militärdepartements, und dem Bernischen Polizei- uns Militärdirektor Stockmar Kenntniß gegeben." Damit sind die jüngsten Gerüchte von Berner konservativen Putschgelüsten be- stätigt. Ueber den Ausfall der Nationalraths- Wahlen liegt vorläufig nur folgendes Telegramm des„W. T.-B." vor, das gleichzeitig über den Ausfall der Volksabstimmung über das Kranken- und Unfallversicherungs-Gesetz berichtet: Bern, 27. Oktober. Bei der gestrigen Volksabstimmung ist die Revision der Bundesverfassung behufs Einführung der staatlichen Unfall- und Krankenversicherung, soweit bis jetzt zu ersehen, mit großer Mehrheit angenommen worden. Nach der bisher bekannten Zählung sind 227 086 Stimmen dafür und 72 947 Stimmen dagegen abgegeben, von 22 Kantonen haben 21Vs für, der Halbkanton Appenzell und Jnnerrhoden dagegen gestimmt.— Das Ergebniß der Nationalralhswahlen ist noch nicht vollständig bekannt. Die sozialdemokratische Partei ist in Zürich und Bern unterlegen und kommt in Basel Stadt zur Stichwahl. Die Bernische konservative Volkspartei ist vollständig unterlegen. Die Freisinnigen haben ihrer bisherigen Zahl gegen- über 4 Stimmen gewonnen. So weit bis jetzt bekannt, sind 6 Stichwahlen erforderlich, unter den Gewählten befinden sich 23 Neugewählte. Portugal. Er st das Geschäft, dann das Vergnügen. Der „Pester Lloyd" schreibt:„Die Regierung von Portugal hat mit der Anerkennung der brasilianischen Republik den Anfang gemacht und die Regierung von England ist ihr auf diesem Wege gefolgt. Portugal als das Stammland der entthronten brasilianischen Kaiserfamilie, hätte wohl die meiste Veran- lassung gehabt, mit der Anerkennung der auf revolutionärem Wege begründeten brasilianischen Republik zu zögern und England ist sonst just auch nicht rasch zur Hand, einer revolutionären Staatenumwälzung das Siegel seiner Anerkennung aufzudrücken. Wenn die beiden Staaten in diesem Falle sich ziemlich rasch zur Sanktion und Legitimirung einer ihnen gewiß nicht sympathischen Umwälzung bereit gefunden haben, so waren für sie gewiß in erster Reihe geschäftliche Rücksichten maßgebend. Portugal und England treiben ziemlich ausgedehnten Handel mit Brasilien und es schien den Regierungen beider Länder wahrscheinlich nicht an- geniessen, um ihrer politischen Bedenken willen die kommerziellen Interessen ihrer Länder zu gefährden. Dem Beispiele Portugals und Englands werden sich wohl bald Frankreich und Holland und alle anderen europäischen Staaten, die im Handelsverkehr mit Brasilien zu verlieren oder zu gewinnen haben, anschließen." — Im Laufe der Geschichte war es immer„das Geschält", die jeweilige materielle Nothwendigkeit, welche den Lauf der politischen Ereignisse dirigirte. Und wie sich gegen den oben erwähnten Fall das schönste legitimistische Gemüth vergebens sträubt, so wird sich auch das schönste kapitalistische Gemüth vergebens da- gegen auflehnen, wenn das heutige System abgewirthschaftet haben wird und andere politischen Einrichtungen an Stelle der gegenwärtigen treten müssen. Rußland. Seit dem 1. Oktober ist in den Gouvernements Wolh?� nie», Podolien und Kiew den Deutschen untersagt noch irgend eine» Morgen Land anzukaufen, desgleichen wurde» die von den Deutschen begründeten bäuerlichen Borsch ußkasse» unter Sequester gestellt. s KalKanliinder. Rumänien. Eine wahrhast skandalöse Auslieferung eim- Rußland seitens der rumänischen PelG russischen Unterthans an.........._________ r. wird soeben bekannt. Der ausgelieferte Russe, Namens Simowsb- war nihilistischer Umtriebe verdächtig, insbesondere der The"' nähme an dem„Eisenbahnunfall" von Borki, der von russischer Seite amtlich immer noch als zufälliges Unglück hingestellt wird, während im Geheimen nach den Anstiftern gesucht wird* Simowski fand es gerathen, sich auf rumänischeni Gebiet, u»? zwar in Orosteana, niederzulassen. Die Russen verdroß es, w der„Nihilist" entwischt war, da aber das Verlangen auf Au-° lieferung des Flüchtigen russischerseits nicht gestellt werden konnst, so griff man zu dem Rubel. Es fanden sich zwei Kreaturen, du für 2000 Rubel bereit waren, einen möglicher Weise schuldigen Mann zu vernichten; der eine war ein rumänischer Beaniter, ein Unter-Präfekt, Namens Rosin. Simowski wurde beschuldigt, Pferdeschmuggel zu betreiben, und auf Grund diew Anklage erließ der genannte Unter-Präfekt einen Verhaftsbeseh" Man schleppte den Gefangenen an das Ufer des Pruth, also a" die Grenze. Und nun setzte eine russische Abtheilung Gendarmerie über den Fluß und hob auf rumämfchem Gebiete Simoivski auf Er ist in Odessa gehängt worden. Und welche Antwort gab Du rumänische Regierung auf diese offenbare Verletzung ihres Grenzgebietes und auf die Handlungsweise ihres Unter-Präfekte"- Keine andere, als daß man den Unter-Präfekten einfach seM" Amtes enthob. Athen, 27. Oktober. Bei den gestrigen Wahlen zur putirtenkammer hat in einein Theile des Peloponnes und auf oe> Cycladischen Inseln die Opposition gesiegt; ä.is den übrige" Distrikten fehlen die Wahlresultate noch gänzlich, das Gesawm" Wahlergebniß läßt sich daher noch nicht übersehen. Die Athen wählte 7 ministerielle und 8 oppositionelle Kandidaten. Belgrad, 26. Oktober. Infolge der jüngsten Einfa" der Arnauten überschritten 20 Bauern aus dem Dorfe Truovic» die türkische Grenze, geriethen mit den Arnauten ins gemenge und nahmen denselben 50 Stück Kleinvieh iveg..*!. Regierung mißbilligte die stattgehabte Selbsthilfe und ordn« eine strenge Untersuchung sowie die Aufstellung eines GreM' kordons an. Anstralien.. Sydney, 25. Oktober. Der allgemeine Streik ist als f' endet zu betrachten. Eine große Anzahl Seeleute suchen u ihre Wiederausnahme nach. Die vereinigten Bergleute' Newcastle richteten ein Schreiben an die Besitzer der Kohlenbers werke und bitten uni Wiederaufnahme der Arbeit ohne Beding""9' Die Grubenarbeiter der anderen Bergwerke sind in der gst'a)'. Weise thätig. Die Gruben von Wallsend werden die Arbeit � Mittwoch wieder aufnehmen und nimmt man an, daß auch' Anderen am Donnerstag folgen werden. Theater. Dienstag, den 28. O k t o b e r. Gpernha««. Othello. Schauspietsta«». Der geheime Agent. Krfstug-Tliratev. Die Ehre. Berliner Theater. Kean. Deutsches Theater. Der Pfarrer von Kirchfeld. Friedrich-Milhetmstädt. Theater. Boccaccio. MaUuer- Theater. Der Bauerndoktor. Pension Schöller. Uesidenz-Theater. Ferröol. Kiktoria- Theater. Die Million. KeUeaUianre-Theater. Im neuen Berlin. Gstend- Theater. Zimmermann's Seite. Thomas- Theater. Defizit. Zum Schluß: Das Jahrmarktsfest zu Plundersweilern. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kaufmann'» Variotö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Reichshalle«. Große Spezialitäten-Vorstellung. Eoneordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Uichter's UariStö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wiuteraartr». Große Spezialitäten- Borstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alexander- straße 27c. Margarethe Steinow, Lieder- it. Walzersängerin. Ann! Carelli, Kostüm-Soubrette. Herr Rosee, Gesangs-Humorist. Adolf Gtfdicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charakter-Komiker. Familie Blumenfeld, Parterre- Potpourri, Drahtseil, Tanz. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5V2 Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 80 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf _ 20 und 30 Pf.__ GeMHaus S. Heine Chausseestr. 14. 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Täglich große Vorstellung Abends 7 Uhr mit stets wechselndem Programm. An Sonn- u. Festtagen 2 Vorstellungen. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Dienstag, den 38. Gktober: Abend» 7'/s Uhr: Brillit-BorßellM. Vom Programm wird besonders her- vorgehoben: Zum 1. Male: Alexander Scnri als Kunstschütze. Sensation!! Jkarische Spiele. Familie Leon. Origi- ual-Clown Duroff mit neuen Thieren und Entree's. 12 Hengste in Freiheit dressirt und vorgeführt von M. Schu- mann. Damen-Hurdle-Race mit eng- tischen Vollblutpferden, geritten von 14 Damen. Auftreten der Drahtseil- künstlerin Frl. Elise Brose. Thomas Leon, Saltomortal- Reiter. Römische Spiele, ausgeführt auf 4 Pferden von 3l. Schumann. Auftreten sämmtlicher Clowns. Alles Nähere durch Anschlag- säulen und Programme. Passage-Panopticuin. Unter den Linden 22/23.[7421 Lebensgroße WchöWttll.j Panoramen. Dioramen. Ethnographische Sammlungen. Italienische Uolkssänger. Entree 50 Pf. Geöffnet von 10 bis 9 Uhr. 70 Cent, breite Atlasse in all. Farben f. Kerrenschueider Preiswerth. = in all. Farben von .,0 Pfennige. P. Kochmann, Alte Jakobstr. 86. EtMißenlent Buggenhagen Moritzplatzi Täglich: Grosses Concert. Direktion A. Rod man». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. FnirAO Wochentags 10 Flg., Eillli Cr gönn- und Festtags 25 Pfg. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Die oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. F. Müller. 641 iKrotVeilHe Vierhalle« V/ Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Guartett-Siingern, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 Ft. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. 703 F. Sodtke. Castan's Panopticnm. Entree 60 pfg., Kinder 35 pfg. V. 9 Uhr Morgens� bis 10 Uhr Abends. Vorstellung Zorm. HVa u. 12V2 Uhr. it. 0.41/2-91/2 Uhrj " stündl. eine Vorstellung� �Ertra-Entree 30 pfg. Kinder frei.' Passage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. . Kaiser-Panorama. Hervorrag. Sehenswürdigkeit der Residenz. Nur heute: V. Cykl.; Feiding 1870/71. Diese Woche: Krlgäland. Uebergabe. Ankunft des Kaisers. Feldgottesdienst:c. Versailles. Trianon. St. Denis. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. am hiesigen Platze bekanntlich Grösttr Auswahl. Garantirt sicher brennende Tabake. Streng reelle Bedienung; billigste Preise! Sämmtliche im Handel besindl. Rohtabake sind am Lager. A. Goldschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt.[746 für Sozialdemokratischer Wahlverein den 2. Berl. Reichstags- Wahlkreis Donnerstag, den 30. Gktober, Abend» SV« Uhr, in Keller» Koffäger, Hasenhaide: Grosse Versammlung. � Tages-Ordnung: 1. Vortrag über: Nationalreichthum und lbin Gerisch. 2. Diskussion. 3. Verschieb I. 3eri Aldi iges- armuth. Referent: und Fragekasten. Mitglieder werden aufgenommen. 1635 Gäste haben Zutritt. ?cr Vorstands m Oeffentliche Versammlung sämmtlicher, ,« graphische« Gemrbe beschastigte« Arbeiter v. Arbeiten«� als da sind: Knchdrucker, Schriftgiesier, Knchbinder, m Kontobncharbeiter, Kteindrucker«. Lithographen, Stereotyp»«� am Mittwoch, den 29. Oktober, Abends 9 Uhr, im Köhmischen Krauhause, Landsberger Allee 11—13 Tages-Ordnung:. 1. Wie gedenken die im graphischen Gewerbe beschäftigten Arbeite� Arbeiterinnen die Verkürzung der Arbeitszeit anzustreben V 2. Verschiß 1648 Der Einberufet Große öffentliche Versammlung< Bauhandwerker Verlias nnb IW# am Donnerstag, d. 30. Gktober, Abend» 8 Uhr, in io&l's Salon, Andreasstrasse Tages-Ordnung: o. 21. _1. Referat über:„Die Aufgaben der Berliner Streik-Kontr�ol�ui�� mit besonderer Berücksichtigung des Streiks der Töpfer Berlins. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. _ Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Der Einberufef�-� Verstand der Schneider u. Schneiderin� In Am Mittwoch, den Feuerstein'' 29. Oktober, Abends SVi Uhr, No. s Lokal, Alte Jakobstrasse Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Stadtv. Herrn Z u b e i l über und Armuth. Uni zahlreiches Erscheinen ersucht Die GrtsnerwaltnQOt. 75: krasje öfcntl. AersaimiilW 7y �: icii i..tx....... w c*i 1.* t...4< .-Ol der Tertil-Arsteiter und-Arsteiterinl� in B als Weber, Wirker, Posamentirer, Hücker, Färbet am Mittwoch, den 29. Oktober, Abends 8 Ul# uss' Salon, Grosse Frankfurter■ Strasse Tages-Ordnung:„ 1. Die Textilarbeiterbewegung und die Konferenz in Kottbus.-~ jstf®; und Wahl der Delegirten. 3. Der Gewerkschaftskongreß in Berlin..: �5:1', der Delegirten von der Berliner-Streik-Kontrolkommission und Bell Es ist Pflicht aller Textilarbeiter und-Arbeiterinnen, in der lung zu erscheine»._ _ Du» Agitationokomitee der Textilarbeiter Drutschl�-�st-" Achtung Töpfer! ,, � Verantwortlicher Redakteur: Kurt KaaKe in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW, Beuthstraße" Hier?» in»** lur 1. Beilage zum Nr. AZl. Dienstag, den 28. Oktober 1890. 7. Jahrg. TolrQles. . Sit Sonraroio-ZUoral des..berliner Tng-b!att«s". °es Leltorgans der Lindau-Kliquc. hal wieder einmal ein glänzen- tj0 Zeugniß abgelegt. Zum polizeilichen Verbot des Sildermann- lchen Dramas:„Sodom's Ende", schreibt das Blatt unter Anderem lolgendes: Nttennnliz etlichen Standpunkt seinen könnten, wurden im Residenz-Theater °'sher unbedenklich gestattet, und-'ne vor- � e h ni e Bühne wie das L e ss i ng- T h e a t e r ist schwerlich ?üiii angethan, der Annahme Vorschub zu leisten, als sollten aus hr pornographische Kunststücke versucht werden. Es ist daher zn -°llen, daß das Polizeipräsidium, wenn es das„Milieu er- IW, in welchem Sudermann's Schauspiel aufgeführt werden soll, Ilm t e bedenklich er f"h"b o'Ä*»njauifwi niiige|ui;ii weiueii juu, Do?«»? i iU ,rr Freigabe des Stückes bewogen findet." »WSAKWNW ' � � �< cr\, n*----- o l)der ob an der Moral des besagten Publikums mehr zu verderben ist. n. Sl. w. g. $n ü n b« itg o Ich m j nö c l a» der Kerliner Körse. -------.......... or—f-- rascher Folge drangen die Ltatastrophen aufeinander, welche aattlich auf die Gründungsära des Jahres 1389 ihren Ursprung sUrucksühren und das verwerfliche und widerwärtige �.reiben gewinnsüchtiger Individuen auf das Krasseste beleuchten. J°ch sind die skandalösen Vorgänge aus dem Gubener Hut- in Aller Gedächtniß, bei welchem eine solche Summe be- sMzerischer Manipulationen der Gründer einer neuen Aktien- Mellschaft ans Tageslicht gefördert wurde, wie sie selbft in den .ttrusenen 7()er Gründungsjahren in gleicher Anhäufung schmer- ?> zu finden sein dürste, und wieder hat sich die Ceffcnthchkeu ,. riner Reihe weiterer Enthüllungen aus diesem Gebiete zu !°>chäftigen. Es scheint. als wenn das neue Aktiengesetz, von !>.!'«'an sich eine gründliche Beseitigung der Mißstände ,», ,. ltenwesen versprochen hatte, beinahe das Gegentheck .au dem bewirkt, was es bezwecke» sollte. Angepchts »V lObf t*------'--w w v«».. �'t'l v »eb>n° ackannt werdenden Thatsache» kann man nur an- leichtfertiger�-"� Publikum vor allzu soltte- luur.>- Ausbeutung einiger Grundungsjobber finden 'die?''tch das qn. Gesetz nicht gewährt werden kann, während ind-n. �terseits eher die Manipulationen der Gründer deckt, wj„.? die große Masse des Publikums in eine Sicherheil °.s HC'"cht vorhanden ist. dnks.. 1 Gubener Affaire ist die Betrugsaffaire der Eppcn- Tir-,. Industrie- Akliengesellschast gefolgt, bei welcher die beiden lin>s> en— zugleich die Vorbesitzer des Unternehmens— wüh- il,,,°°s ersten Jahres ihrer Thätigkeit das ihnen anvertraute hg� �a�hmen um die Summe von über 400 000 M. bestohlen nuj m unl) damit flüchtig wurden. Da diese Aktien s. Zt. lediglich d� riner zchnprozentigen fünfjährigen Dividenoengarantie iiQ,, io L rhreniverthen Direktoren, mit dem unverschämten Agio s° VEt. d. h. zu 148 pCt. an den Mann gebracht wurden, Wip �t sich nunmehr die Große der Enttäuschung für die >,°"ze.chner von selbst; denn selbstredend sind die Aktien, die >&,' menige Tage vor Bekanntgebung des Betrugssalles du-,>. fanden, heute unverkäuflich. Dieser Fall ist so recht "faend für die frivole Art der Gründungsjobbcr, welche sich iL"od) so verschwindelte Personen heranmachen, wenn daraus ein Vortheil erblühen kann. Man sollte niemen, das Hanpterforderniß für die Gründung eines Unter- aus Aktien müsse unbedingte Makellosigkeit des Charakters Personen sein, von welchen man die Gründungsobjekte Selen." zumal dieselben ja fast stets von den Vorbesitzern weiter '-üer,- werden. Ten Gründern aber kommt es weniger auf die ist �uuenswürdigkeil der Leiter solcher Etablissements an. Ihnen u,,, H nur um die einmalige Ausbeutung des Publikums zu thn», sah � Eu'heimsung des Emissionsprofits; und zwar im Gegen- cum,'' den„großen Gründern" der haute ilnance, welche freilich sind Solidarität der von ihnen patronisirten Objekte bedacht Rur aber diese dann auf Jahr und Jahr hinaus als mil- -luh ansehen und dementsprechend behandeln. dritte Fall endlich, die Gründung der Aktiengesellschaft »m Pffa bietet einen tiefen Einblick in die Gewissenlosigkeit, (tze eufl cl)ie Aktienkreirung gehandhabt wird. Auch für diese �mcyast, mit der man zahrelang von Haus zu Haus Hausiren Milk verboten.) Meine Amerilmsahrt. WWW WWWM AM WW ging, um einen Gründer zu finden, der den Prospekt mit seinem Namen decken sollte, hat sich schließlich ein mnthiger Mann ge- funden, der dieEmitirung derAktien besorgte. Die Gesellschaft, ivelche auf einem absolut werthlosen Patent beruhte, das übrigens sofortnach Gründung angefochten wurde, ist wohl das fragwürdigste, das die neuere Geschichte der Aktiengründung kennt. Nm eine hohe Dividende zahlen zu können, auf Grund deren man die Aktien an den Markt bringen konnte, wurde nämlich eine belgische Aktien- gesellschaft gegründet, die von der Patent-Seel-Gesellschaft das Patentrecht für Belgien erwerben mußte. Den Preis hierfür er- legte die Gesellschaft nicht etwa in baarem Gelbe, nein, in ihren eigenen Aktien, und diese Aktien, die in der ganzen Welt nicht zn verwerthen waren, stellte die Seel-Gesellschaft zu einem ganz fiktiven, imaginären Werth in ihre Bilanz als Aktivnm ein. Da- durch konnte eine sog. Paradebilanz geschaffen werden, welche es ermöglichte, daß man 12V2 pCt. Dividende vertheilte und auf Grund hierauf bei einem Kurse von 150, später sogar 180 pCt. Käufer für diesen zweifelhaften Werth fand. Wenige Wochen später fielen die Aktien auf 48 pCt. und nunmehr steht das Unternehmen, wie ein Communiquä der Verwaltung dieser Tage kundthut, vor dem Zusammenbruch, falls sich die betrogenen Zlklionäre nicht schnellstens zn neuen Opfern entschließen. Diese drei Beispiele schon lassen erkennen, welch' eine Summe von Elend über eine große Anzahl von Personen hereingebrochen sein muß— und das Alles, damit sich zwei, drei gewissenlose Börsen- jobber bereichern können. Zweifellos giebt es neben den an- geführten noch eine große Anzahl anderer Gesellschaften, welche sich zwar noch über Wasser halten, aber aus ähnlich schwankender Grundlage errichtet sind, denn jetzt bereits weist der Kurszettel eine ganze Reihe von Aktien ueugegründeter Unternehmungen auf, die 50 bis 80 pCt. unter dem Emissionskurs stehen und bis' derjenigen Dividende für das zweite Geschäftsjahr ver- theilten, die sie für das erste Betriebsjahr erbrachten. Wer den Verlockungen der Gründer damals gefolgt ist, hat heute große Einbußen zu beklagen. Jeder Emission geht bekanntlich eine eingehende Prüfung seitens der Korporation der„Sachverständigen- Kommission" der Berliner Fondsbörse voraus, von deren Votum es abhängig ist, ob das Unternehmen gegründet werden darf oder nicht. In An- betracht der trüben Erfahrungen während der letzten Gründungs- Aera, ist wohl die Frage nahe gelegt. Sollte die Sachverständigen-Kommission, als die einzige In- stanz, ivelche über die Rechtlichkeit bei Gründungssachen zu wachen hat, wirklich nicht die Mängel gesehen haben, welche den vorge- nannten Gesellschaften anhafteten? Entweder die Mitglieder dieser Korporation sind selbst an den betreffenden Gründungen interessirt— und dieses ist bei der Zusammensetzung genannter Behörde aus ehrenwcrthen Kaufleuten wohl ausgeschlossen— oder die Mitglieder derselben verstehen nichts von der Sache, über die sie zu entscheiden haben. Jedenfalls zeigen die geschilderten Vor- gänge, wie leicht es skrupellosen Jobbern gemacht wird, weite Kreise der Bevölkerung auszusaugen. Uebrr krankhafte Störunge» des Schlafes hat ein englischer Nervenarzt, Dr. W ei r- Mitchell, langjährige Be- obachtungen gemacht und kürzlich seine Ersahrungen veröffentlicht, die auch in den Kreisen deutscher Aerzte mit großem Interesse aufgenommen worden sind. Die Störungen im Schlafe, welche von gewissen nervenleidenden Patienten an sich und von Anderen beobachtet worden, sind sehr zahlreich. Eine Anzahl dieser Störungen ist ziemlich bekannt, daS Alpdrücken, das nächtliche Auf- schrecken der Kinder, Nachtwandeln und dergl. Besonders sind es zwei Perioden des Schlafes, in welchen diese letzteren Erscheinungen zur Beobachtung gelangen. Zunächst die Perioden, welche dem eigentlichen Schlafe vorangeht. In dieser Periode vollzieht sich das gradweise Abstumpfen der Sinne. Die andere Periode ist die zwischen dem festen Schlaf und dem Erwachen liegende, das heißt derZeitraum, welcher das gradweise Erwachen unserer geistigen Fähigkeiten umfaßt. Was die erste Periode anlangt, so ist aus früheren Untersuchungen bekannt, daß sich in diesem Stadium gewisse Formen von Geistesstörungen zuweilen ausbilden. Vor- wiegend seelische Zustände, welche im wachen Zustande unter- drückt sind, werden um so heftiger zur Empfindung kommen, je weiter die Schlafsucht reicht.(Der Schaaf'sche Familienmord läßt auf das Vorhandensein eines solchen Gemüthszustandes schließen. Die Red.) Solche Erscheinungen werden zuweilen bei Personen beobachtet, welche erst Jahre darauf auch im wachen Znstande in irgend welche Geistesstörung versallen. Aber auch andere nervöse Personen, die sonst gesund bleiben, leiden oft während des Vorschlafftadiums an Llnfällen von Angst, Schrecken, Auffassen irgend welcher schrecklichen Ereignisse. Alle diese Erscheinungen komen in demselben Moment zur Entwickelung, in welchem der Eintritt des festen Schlafes erfolgt und sind zu- interessen, in rein persönlichen Bestrebungen hat ihren Blick weder geschärft noch erweitert. Sie sind nicht freier geworden, weil sie in einem freien Lande leben, wie sie sich einbilden. Sie sind die alten Spießbürger geblieben, deren enger Gesichtskreis sie Menschen und Verhältnisse nicht anders beurtheilen läßt, als säßen sie in einem verlorenen Winkel des Deutschlands, das sie nicht genug schmähen können. Wenn es indessen gilt. Feste zu feiern und Adressen an hochstehende Persönlichkeiten zu senden, so sind sie eS, die sich auf ihre deutsche Angehörigkeit besinnen und deren Mund überfließt von deutschnationaler Gesinnung. Eine kleine Gruppe Berliner Philister, die sich an einer Ecke der Tafel zusammengefunden, erregt durch ihr spezifisches Berliner- thum— ihre geräuschvolle Heiterkeit, ihre absprechende Kritik und ihr beneidenswerrheS Selbstgefühl allgemeine Aufmerksamkeit. Sie sprechen ohne die geringste Sachkenntniß über Alles und Jedes, tadeln grundsätzlich AUeS, den unglücklichen steward, der sie bei Tische bedient und dem sie das Leben herzlich sauer machen, ebensowohl, wie jedes Gericht, das ihnen vorgesetzt wird und von welchem sie dessen ungeachtet große Quantitäten zu sich nehmen. Sie ist eine>„Naturheilkünstlerin", die nach Amerika geht, um dort in möglichst kurzer Zeit ein Diplom zu erwerben. Sie hat keine Ahnung von der Medizin. Aber das hindert sie nicht, mit der unbefangensten Sicherheit ihr Urtheil in medizi- nischen Dingen abzugeben.„Manuelle Geschicklichkeit" ist der Haupttrumpf, den sie. so oft es irgend angeht, ausspielt und die „symptomatische Behandlung der Patienten" die Quintessenz ihres Naturheilverfahrens und ihr Stolz.— Er nennt sich Herr Direktor und ist, wenn man ihn hört, ein Universalgenie. Ein kleiner Mannheimer, ein hochausgeschossener siebzehn- jähriger Junge, der nach Pittsburg geht, und den der Gedanke an seine in der Heimath zurückgebliebene Mutter stets weich stimmt, ist ohne sein Verschulden in diese Gesellschaft geratheu. In den ersten Tagen imponirt ihm das kecke Auftreten des selbst- gefälligen Völkchens. Aber bald kommt er dahinter, daß es mit dem Wissen und Können der biederen Spreeathener nicht weit her ist. An dem anderen Ende der Tafel sitzt eine hübsche, dunkel- äugige Frau mit zwei blonden Kindern. Sie lebt in New-Aork und hat ihre Kinder den in Karlsbnd lebenden Großeltern zeigen wollen. Nun ist sie auf der Heimreise begriffen. Sie hat gewaltig unter der Seekrankheit zu leiden, die, seitdem wir Southampton weilen von so heftiger Einwirkung auf den Geist, daß ein un- mittelbares, jähes Erwachen erfolgt und darauf eine längere Periode der Schlaflosigkeht eintritt. Solche Anfälle können, wenn sie häufiger auftreten, auf das Gemüth dauernd ein- wirken und so den Charakter einer wirklichenjGeisteskrankheit an- nehmen, bei welchen namentlich Neigungen zum Mord sich geltend machen. So beobachtete Dr. W.-Bi. einen an Epilepsie Leidenden, welcher nach kurzer ärztlicher Behandlung im Vorschlafstadium an Mordgedanken litt; er sah sich selbst, wie er seine Kinder tödtete und dies be- wirkte eine so heftige Erregung, daß er darüber er- wachte. Kurze Zeit darauf brach bei ihm im wachen Zustande ein derartiger Anfall aus.— Es werden dann noch eine ganze Reihe anderer krankhafter Empfindungen beschrieben, die nament- lich kurz vor dem Erwachen sich bei nervenleidenden Personen einzustellen pflegen. Hierher gehören namentlich die Gefühle, als ob ganze Gliedmaßen gelähmt sind, eine Empfindung, die sich namentlich als Folge übermäßigen Ranchens als sogenannte Nikotinvergiftung herausstellt und nach dem Erwachen bald zu verschwinden pflegt. Eine andere Art der Störung im Schlafe ist die ebenfalls bei starkem Rauchen sich einstellende Empfindung während des Einschlafens, als ob derselbe plötzlich einen heftigen Schlag gegen den Kopf erhielte, und dieser Schlag ist von einem starken Geräusch, wie von einem Pistolenschuß begleitet; zuweilen kommen dabei auch Lichterscheinungen und Gerüche zur Wahr- nehmung. In anderen Fällen beobachten die Leidenden, wie unter einem beängstigenden Gefühl eine Druckempfindung von den Füßen bis zum Kopfe aufsteigt. In diesen Fällen können die Leidenden die unangenehme Wirkung der Empfindung verhindern, indem sie sich im Bette umdrehen, die Augen offnen und also den be- gonnenen Verlauf der Empfindung unterbrechen. Bedenklicher sind die Fälle, wo während des Schlafes vollständige Veitstanz- und ähnliche Erscheinungen von Nervenkrankheiten eintreten, da diese Vorboten wirklicher Erkrankungen zu sein pflegen und schleunige ärztliche Behandlung erfordern. 3«r Llrifchverihrnernng. Bekanntlich herrscht in Süd- deulschland eine große Unzufriedenheit über die hohen Fleisch- preise. Man ist dort wie hier der Ansicht, daß die Einfuhr fremden Viehes nur im Interesse der Agrarier erschwert und ver- hindert wird. Die Regierung Bayerns hat es deshalb für rath- sam gehalten, dem Vol'kswillen Rechnung zu tragen und deshalb bei dem Bundcsrathe den Antrag eingebracht, die Einfuhr aus- ländischen Viehes unter geeigneten Vorsichtsmaßregeln gegen Einschleppnng von Viehkrankheiten zu gestatten. Badens und Sachsens Regierung haben den Antrag unterstützt. Dadurch ist die preußische Regierung genöthigt worden, ihrerseits Stellung zu dem Antrage zu nehmen. In der deshalb statt- gcfundcnen Bcrathung des Staatsministeriums hat sich dasselbe nicht zu einigen vermocht. In dem Landwirthschaftsminister Lucius, der selbst Großgrundbesitzer ist, hat die Aufrecht- erhaltung der Grenzsperre einen warmen Vertheidiger ge- funden, der durch das Reichs-Gesundheitsamt lebhaft unterstützt worden ist. Der Vertreter desselben hat be- sonders hervorgehoben, daß die ansteckenden Viehkrank- heiten durch die Viehtreiber u. f. w. eingeschleppt werden könnten. Viele sachverständige Personen sind aber der Meinung, daß Maul- und Klauenseuche, Perlsucht, Rothlauf u. f. w. immer heimische Viehkrankheiten gewesen seien, und daß das Reichs- Gesundheitsamt sich im Jrrthum befinde mit seiner Annahme, daß diese Krankheiten nur von dem Auslande herüberkämen. Diese Behauptung findet eine sehr beweiskräftige Unterstützung in der bekannten Thatsache, daß vor etwa sechs Jahren unter dem Reh und Hochwild des Grunewaldes, des Brieselangs und der benachbarten Forsten der Milzbrand ausgebrochen war, der große Verwüstungen unter dem Wildstande anrichtete. Wünschenswerth dürfte es sein, daß dem Landwirthschafts- minister wie den Mitgliedern des Reichs-Gesundheitsamts diese Thatsache ins Gedächtniß zurückgerufen würde. Russisches und ungarisches Wild sind nicht imponirt worden und da demgemäß auch keine Wildvieh-Treiber die genannten Wälder betreten hatten, so dürfte die Bitte an Herrn v. Lucius und das Reichs- Gesundheitsamt gerechtfertigt sein, in diesem Falle die Ansteckung nachzuweisen. Messen Mahnung in Kerlin fa gelegen ist. daß er die Thätigkeit der Kahnschiffcr und deren Bootsleute täglich be- obachten kann, wird sich überzeugen, daß es kaum einen Beruf giebt, welcher derartig die Körperkraft eines Menschen vom frühen Morgen bis zum späten Abend in Anspruch nimmt, wie die Kahnschifferei. Der Großbetrieb hat in diesem Gewerbe, obgleich dasselbe von. ihm nicht verschont geblieben ist, keine so um- gestaltenden Veränderungen herbeigeführt, wie es überall sonst verlassen, unter den Passagieren, zumal den weiblichen, furchtbare Opfer heischt. Aber die Kleinen springen den ganzen Tag munter auf dem Verdeck herum und sitzen schon eine geraume Zeit, bevor die Tischglocke ertönt, erwartungsvoll an der Tasel. Sie haben immer Hunger. Und die Mutter erzählt, daß die Kinder sie des Nachts häufig wecken und behaupten, es habe bereits zum Früh- stück geklingelt. Der kleine zweijährige Willy beschreibt, wenn er die Gabel zum Munde führt, immer einen großen Kreis um Mund, Nase und Augen, und sein hübsches Gesichtchen, das bei den Blahlzeiten immer sehr ernsthaft dreinblickt, so schelmssch die blauen Augen sonst auch blitzen können, trägt nach jeder Mahl- zeit die schönsten unzweideutigen Spuren seiner gastronomischen Heldeuthaten. Er ist der Liebling Aller. Alle Welt beschenkt, verwöhnt ihn. Und während rings um ihn her Alles bleich und still in den Sessel gelehnt sitzt und melancholischen Betrachtungen über die Schwäche und Unzulänglichkeit der menschlichen Natur nach- hängt, sitzt er vergnügt inmitten seiner Spielsachen oder voll- führt, sowie die Musik ertönt, die wildeste» Kriegstänze. So lange wir in der Nordsee und in dem Kanal blieben, war mit wenigen Ausnahmen Alles gesund und in heiterster Stimmung. Wir hatten die weißen Klippen Dover's zu unserer Rechten gesehen. Die Insel Wight war einem prächtigen Pano- rama gleich, mit ihren saftigen Wiesen und ihren inmitten üppigen Baumschmucks gelegenen eleganten Häusern an uns vorüber ge- zogen. In Southampton hatte der Dampfer uns neue Passagiere zugeführt. Aber kaum hatten wir die offene See erreicht, so änderte sich das Bild. Unser Schiff glich einem Lazareth. Die Speisesäle waren verödet, aus allen Ecken und Enden hörte man verdächtige Geräusche, sah man bleiche, entstellte Gesichter. Die stewardesses hatten alle Hände voll zu thun, um den Anforde- rungen zu genügen, die von allen Seiten an sie gestellt wur- den. Das trübste Bild boten natürlich die Zwischendecks-Passagiere. Zu 800 in einen engen Raum zusammen gedrängt, die Lust schwer und dick, erfüllt von den Ausdünstungen einer so großen Menschenmenge; ohne jeden Komfort ungenügend ernährt— die Nahrung der Zwischendeckspassagiere besteht aus Bohnen- und Erbsensuppe, Brot w. Zweimal in der Woche erhalten sie Fleisch. Man darf nicht vergessen, daß die meisten Passagiere sich während der Reise so elend fühlen, daß sie nicht im Stande sind, so schwer verdauliche Nahrung zu sich zu nehmen, während das Bedürsniß nach kräftiger, leicht verdaulicher und anregender Kost, sowie der Fall gewesen ist. Der früher sehr lohnende Frachtfuhrwerks- betrieb, welcher dein gleichen Zwecke der Güterbeförderung, wie die Schifferei gedient hat, ist durch das Großkapital, welches die Dampskrast in seinen Dienst genommen und durch diese den Bau von Eisenbahnen ermöglicht hat, erdrückt worden. Die Tanipf- Maschine hat zwar bei der Flußschifffahrt ebenfalls Anwendung gefunden, aber doch nicht vermocht, den Betrieb durch Menschen- kraft gänzlich zu verdrängen. Es sind zwar Flußschiffe, welche iveitere Reisen machen und werlhvollere Güter, wie etiva Meyl, Getreide u. s. w., mit Dampfmaschine» versehen werden, doch scheint sich diese Einrichtung wohl deshalb nicht bewährt zu haben, weil der Laderaum des Schiffes beschränkt wird und ein höheren Lohn als ein Boots- mann beanspruchender Maschinenführcr erforderlich ist. Man ist deshalb zur Schlippschifffahrt übergegangen, sie bietet den Bor- theil, daß der Schiffsführer je nach seinem Vortheile Segel oder Menschenkraft benutzen und bei der Thalfahrt die Strömung vertuenden kann. Neben diesem Schifffahrtsbetriebe geht der für Berlin min- destens ebenso wichtige und wahrscheinlich umfangreichere einher, der die Stadt mit Brenn- und Baumaterialien, Obst und Kar- toffeln versorgt. Er hat bis jetzt der sonst Alles umgestaltenden Zeil widerstanden, der Bau der Schiffe hat eben so wenig eine Aenderung erfahren, wie die Fortbewege nigsart. Wie es der Großvater gemacht hat, macht eS der Enkel ebenfalls. Ist kein Wind, so muß das Fahrzeug mittelst Ruderstaugen vorwärts be- wegt werden. Diese Arbeit ist schwer, weil die ganze Kraft des Mannes während der unendlich langen Arbeitszeit, die nur durch eine Mittagspause eine Unterbrechung erfährt, eingesetzt werden muß. Es ist ein trostloses Leben, das diese Kahnschiffer führen, in- mitten des regen Lebens in der Großstadt ist ihr Horizont von dem Borde ihres Kahnes begrenzt. Gesagt soll damit nicht sein, daß ihre Lebenshaltung auf niedrigster Stufe stehe, sie und ihre Familien- gliedcr, welche für gewöhnlich auch auf dem Kahne wohnen, sind genügend gekleidet und die Ernährung ist hinreichend. Aber erlangt wird diese Befriedigung der physischen Bedürfnisse nur durch den Verzicht auf alle Genüsse, welche den wahren Werth des Menschenlebens ausmachen. Dadurch allein ist es ihnen bisher möglich geblieben, im Kampfe gegen die Maschine Sieger zu bleiben, sie arbeiten billiger als diese, denn sonst würden der Ziegeleibesitzer, der Waldeigenthümer, der Holzeigenthümer sich jedenfalls des Dampfschiffes zum Transporte ihrer Produkte be- dienen. Wenn das Fortbewegen des Kahns vermittelst Ruderstangen, wie schon erwähnt, eine sehr schwere Arbeit ist, so wird sie doch durch das Ausladen, dem das Einladen wohl gleichstehen mag, noch übertroffen. Mit der Morgendämmerung beginnt diese Arbeit, welche nach Unterbrechung durch eine mehrstündige Pause, erst längst, nach dem die letzten Strahlen der Sonne untergegan- gen sind, ihr Ende erreicht. Bei diesem Ausladen nimmt man wieder wahr, wie systematisch die Schiffer die geringste Ver- besserung al weisen. Ihre Karren sind ein Hohn auf die Technik der Schiebkarren, sie sind so konstruirt, daß der Druck der schweren Ladung, welche auf der ansteigenden Bahn gekarrt werden muß, da das Schiff tiefer als der Abladeplatz liegt, gänzlich auf den Schultern des Karrenden ruht. Bezeichnend für die Abneigung, für jede Verbesserung ist die Antwort eines Schiffers, der Mauersteine geladen hatte, und dessen Mütze ver- rieth, daß er Pionier gewesen ist. Aufmerksam auf die unzweck- mäßige Konstruktion seiner Karre gemacht und darauf hingewiesen, daß er als ehemaliger Pionier doch so viel Kenntniß sich erworben haben müsse, um eine ziveckmäßigere Karre herzustellen, erwiderte er, daß er die Mangelhaztigkeit derselben sehr wohl kenne, es aber durchaus nicht im Interesse des Geschäftes liege, eine Ver- besserung, weil sie ein Herabdrllcken des Frachtlohnes zur Folge haben würde, vorzunehmen. Das ist der Fatalismus von Leuten, die zufrieden sind, wenn sie sich nur tüchtig quälen dürfen, und in diesem etwas absonderlichen Vergnügen werden sie sicher so lange nicht gestört werden, bis sich deni Verfrachter zur Ver- sendung seiner Materialien keine billigere Gelegenheit bietet. . Es fällt übrigens schon jetzt vielen Kahnschiffern schwer, so viel von ihrem Verdienste zurückzulegen, um für den abgenutzten alten Kahn einen neuen beschaffe» zu können; wem es nicht ge- lingt, der steigt zum Bootsmann herab. Dieser Sommer ist für das Gewerbe nicht lohnend gewesen, die geringe Baulust hat die Nach- frage nach Baumaterialien sehr vermindert und infolgedessen sind die Frachtlöhne gefallen. Aus diesen Wahrnehmungen aus dem Leben und Treiben der Schiffer wird aber wiederum erwiesen, daß die Verkürzung der Arbeitszeit die hauptsächlichste Forderung der Arbeiter in der Gegenwart bleiben muß. Dem geplagten Kahnschiffer ist das Denken überhaupt beinahe unmöglich, die Karre schnell vollladen, fortschieben und abladen ist das Einzige, auf das er seinen Sinn zu richten hat, und mit dem Feierabend hat die Müdigkeit einen wichen Grad erreicht, daß an eine Geistesthätigkeit nicht mehr zu >enken ist. Zudem bringt es sein Gewerbe mit sich, daß er während der für ihn günstigen Geschäftszeit nur aus den Umgang mit seiner Familie und seinen beiden Bootsmännern angewiesen ist, eine Lektüre ist ihm während der Fahrt unzugänglich._ Jetzt nehmen sich zwar seiner die Christlich-Sozialen in dieser Hinsicht an, aber chr langweiliges Gebrämmele wird den ohnehin schon müden Mann nur noch schneller in den Schlaf bringen. Die rastlos fortschreitende Erkenntniß der Natur und die K nach Früchten infolge des ausgiebigen WasscrvcrlusteS ein sehr lebhaftes ist. Dabei zahlen die Zwischeudeckspassagiere für ihre miserablen Plätze relativ die höchsten Preise, wenn man ihre Lebenshaltung auf dem Schiffe z. B. mit derjenigen der ersten Kajütspassagiere vergleicht. Die Kabinen, vor Sillcm aber der Salon der ersten Kazüte ist mit verschwenderischem Luxus aus- gestattet und der tägliche Küchenzettel weist die seltensten Deli- katcssen auf. Die Angestellten der Lloyddampfer erhalten eine ziemlich ge- ringe Besoldung, die sie die Trinkgelder Seitens der Passagiere geradezu als eine Nothwendigkeit betrachten läßt. Stewards und stewardss erhalten 85 M. monatliches Gehalt. Dabei tragen sie die Verantwortung für das ihrer Obhut anvertraute Glas und Porzellan und haben für jeden etwa entstehenden Schaden ein- zuspringen. Sogar den Schaden, welchen ein Sturm unter den Tischgeräthschaflen anrichtet, haben sie zu tragen. Und die Ver- waltung berechnet den armen Teufeln so ungeheuerliche Preise für das nichts weniger als kostbare Material, daß es nicht weiter verwunderlich ist, wenn die Stimmung derselben eine gereizte und erbitterte ist. Eine Ausnahmestellung nehmen die musikalischen Stewards ein, eine merkwürdige Spielart, die sich hart auf der Grenzlinie desKomischen bewegt. Die musikalischen Ktswards gehöre», 6 Mann hoch, der Bedienung der zweiten Kajüte an. Sie haben, wie alle ihre Leidensgefährten, die Kabinen der Reisenden zu reinigen, bei Tisch aufzuivarten und gleichzeitig Musik zu machen. Jeden Vor- mittag um 10 Uhr wird musizirt. Außerdem vollziehen sich Ab- fahrt und Ankunft der Dampfer unter den Klängen der Musik; der Sonntag wirb feierlich durch einen Choral eingeleitet; ein befreundetes Schiff, mit welchem wir unterwegs zusammentreffen, mit Musik begrüßt und Aehnliches mehr. Die armen Kerle haben von früh bis spät zu thun und keine Zeit, Proben abzuhalten, so daß sie Alles vom Blatte spielen müssen, was ihr musikalisches Gewissen einigermaßen belastet. Dafür geht am Tage vor der jedesnialigen Ankunft de-Z Schiffes eine Liste herum unter den Passagieren und die gezeichneten Gelder werden unter die Musiker vertheilt, so daß sie sich bei Weitem besser stehen als die übrigen Stewards. Als wir einige Tage auf offener See waren, schlug das Wetter um. Wir hatten zwei Tage lang Sturm. Brüllend brausten die Wogen heran und ergossen sich in breiten Sturz- wellen und in seinem Sprühregen über die auf dem Verdeck Verwerthung ihrer Kräfte wird auch hier Wandel schaffen und aus dein stumpfsinnigen Arbeitssklaven einen freien und glück- liehen Menschen machen. iMic schamlos die Ueekauferinuett von manchen Ge- schäftsleuten ausgebeutet werden, dafür liefern die Zustände in einem hiesigen Strickgarn- und Strumpfwaarengeschäft einen an- schaulichen Beweis. Die Lehrmädchen müssen das erste halbe Jahr hindurch umsonst arbeiten, trotzdem sie bereits nach 14 Tagen dieselbe Arbeit wie die ausgelernten Verkäuferinnen er- halten und auch nach kurzer Zeit zur Zufriedenheit verrichten. Nach Ablauf des halßen Jahres bekommen sie ein Gehalt von monatlich 25 M., welches im günstigsten Falle nach jedem weiteren Halbjahr um 5 M. steigt. Da ein Auskommen bei einem solchen Gehalt unmöglich ist, so nimmt der Chef nur Mädchen, welche bei ihren Eltern wohnen, ein Verfahren, welches übrigens viele Geschäftsleute befolgen, indem sie den Vorwand gebrauchen, daß sie nur bei solchen Mädchen die Garantie hätten, keine Prostituirte in ihr Geschäft zu bekommen. Die Arbeitszeit dauert von%8 oder 8 Uhr Morgens bis Vs9 oder s/49 Uhr Abends, in der hohen Saison sogar bis VdO oder noch später. Die Mittagspause be- trägt IVe Stunden inkl. Weg. Am Sonntag wird von 3—10 und von 12—2 verkauft. Von 10— 12, wo der Laden geschlossen bleibt, müssen die Verkäuferinnen ausräumen. In einem anderen Geschäft derselben Branche müssen die Lehrmädchen, die dort übrigens, um sie für ihre jämmerliche Lage wenigstens einiger- maßen zu entschädigen,„Lehrdamen" titulirt werden, in den Stunden, in welchen geringer Verkehr ist. Staub wischen, Lampen putzen, die Ladentische waschen, das Komtoir des Ehefs reinigen u. f. w. An Gehalt werden ihnen 10 Mark monatlich gezahlt. Für die Ueberstunden in der hohen Saison wird sogar den fest angestellten Verkäuferinnen nichts vergütet. Das Weih- nachtsgeschenk, welches selten mehr als die Hälfte des Monats- geholtes beträgt, wird als Entschädigung angesehen. Die alle 3 Wochen bewrlligte Sonntagsruhe wird unter allen möglichen Vorwänden verkürzt oder ganz entzogen. Aehnlich liegen die Verhältnisse in den meisten Geschäften aller Branchen. Wie sich unter diesen Umständen die Verkäuferinnen gegenüber der Arbeiter- und Arbeiterinnenbewegung immer noch gleichgiltig verhalten können, ist unbegreiflich. Sie halten sich aus einem völlig unberechtigten Stolz für etwas Besseres als Fabrik- arbeiterinnen, indem sie vergessen, daß sie in Bezug auf Be- zahlung und Behandlung fast nichts vor ihnen voraus haben. Welche unbillige Forderungen zuweilen an die Beamten öffentlicher Verkehrsinstitute gestellt werden dafür liefert eine Be- schwerde einen drastischen Beweis, welche kürzlich der hiesigen Omnibus-Aktiengesellschaft zugegangen ist. Stieg da neulich ein jungerZHerr, wie sich später herausgestellt hat, ein Kaufmann Rosenthal, in einen Omnibus. Er mochte das Gefährt wohl für ein behagliches Vogelbauer angesehen haben, denn kaum hatte er sich gesetzt, da pfiff er wie ein Schäfer. Der Kondukteur unter- sagte ihm höfiich aber bestimmt das Pfeifen, Herr Rosenthal meinte aber:„Zeigen Sie mir die Fahrordnung, ich will'mal sehen, ob das darin steht, daß man nicht pfeizen darf!" Der Kondukteur erwiderte:„Ich zeige Ihnen die Fahrordnung nicht, ich ersuche Sie aber, das Pfeifen zu unterlassen! Herr Rosenthal kehrte sich nicht daran und pfiff weiter, bis er von dem Kon- dukteur zum Verlassen des Wagens genöthigt wurde. Jetzt wurde er wild und drohte:„Ich iverde mich beschweren bei der Direktion!" und er hielt Wort. Die Direktion erhielt eine ful- minante Beschwerde, da aber die angestellten Recherchen ganz genau die obige Tarstellung ergaben, so wurde der Beschwerde natürlich keine Folge gegeben. Die Heilung der Lungenschwindsucht nach Robert Koch's Ergebnissen scheint nun doch in Aussicht zu stehen. In der letzten Sitzung des Vereins für innere Medizin erklärte nämlich Professor Leyden in Bezug auf die Errichtung von Heilanstalten für Lungenkranke in Berlin, daß die Angelegenheit zwar durch Besprechung der von den verschiedenen Gesellschaften ernannten Delegirten einen regen Fortgang genommen habe, aber angesichts der entscheidenden und ungeahnt glücklichen Wendung, welche die Therapie(Behandlung) der Lungenschwindsucht gegenwärtig zu nehmen verspreche, gedenke man zunächst auf praktische Schritte in der Sache zu verzichten. Daß Grwitteverscheinnttge» nichtnothwendig aus besonders hochtemperirter Lust resultiren, konnte man vorgestern erfahren, als im Laufe des Vormittags aus dichtem Gewölk am nördlichen Himmel wiederholt, wenn auch schwächere Blitze zuckten, denen entsprechend starker Tonner folgte. Kurz nach 1 Nhr vernahm man dann unter starkem Regen noch zwei heftigere Donnerschläge, worauf der Regen nachließ und der Himmel sich völlig klärte. Ein Todesfall an Influenza ist hier den statistischen Berichten zufolge in der Woche vom 5. bis 11. Oktober vorgekommen. Vermißt wird seit dem letzten Donnerstag(23. Oktober) ein Knabe von 11 Jahren. Derselbe heißt Fritz Kreimeier, isi schlank Sewachseu und trägt braune Hose, ein graues Winterjaquet, eine hwarze Plüschmütze und Schaftstiefeln. Als körperliches Merk- mal hat er auf der rechten Seite des Halses zwei Warzen. Der Knabe wurde noch am Sonnabend nachher gesehen, wie er die Schulmappe im Hausgang seiner Wohnung ablegte und sich dann wieder entkernte. Man vermuthet, daß er sich bettelnd umhertreibt und die Nacht auf Dachböden zubringt. Es wird gebeten, den Stehenden, daß Alle eilends bineinflüchten mußten in die ge- schlossenen Räume. Fern am Horizonte tauchten verdächtige helle Streifen auf. Es war ein schauerlich schöner Anblick, so weit die Blicke reichen, nichts als das, aufgeregte Meer, das grollend und tobend, mit gewaltiger, wilder Energie, gleichsam auf uns einzustürmen scheint, die wir hingerissen, mit einem Gefühl wollüstigen Grausens und stummer, hilfloser Bewun- derung dieser elementaren Gewalt gegenüberstehen. Kurze Kom- mandorufe der Offiziere ertönten; die Mannschaften kletterten mit erstaunlicher Sicherheit auf den dünnen eisernen Stangen der Brüstung herum, zogen die Segel ein, befestigten die Taue. Auf dem Treppenflur und in den Salons saßen und lagen die Passagiere dicht zusammengedrängt. Das Lachen war ver- stummt. Je weiter der Abend vorrückte, um so gedrückter wurde die Stimmung. Tie Meisten fühlten sich schlecht und hätten gern ihre Kabinen aufgesucht, wenn nicht die Furcht vor dem Alleinsein sie zurückgehalten hätte. Ein menschenfreundlicher, älterer Herr, der die Reffe schon wieder- holt zurückgelegt, brachte es nicht über sich, seine üherlegene Er- fahrung für sich zu behalten.„Es sieht bös aus," sagte er mit einem ermuthigenden Lächeln,„zumal es stockfinster ist und wir gerade in der Nähe der Sandbänke sind, an denen vor wenigen Jahren der Dampfer— und dabei nannte er eine» Namen, den ich vergessen— scheiterte." Ich war in meine Koje gegangen und hatte mich niederge- legt, da ich mich in horizontaler Lage verhältnißmäßig am wohlsten fühlte. Das Schiff schwankte entsetzlich. Alles polterte durcheinander. Ich flog von einer Seite des Bettes zur anderen. Aus der Nebenkajüte erklang Stöhnen und krampfhaftes Schluchzen. Die Nacht war schon ziemlich weit vorgerückt. Mein Mann, der die ganze Zeit über oben gewesen, kam herunter. Im selben Augenblick ertönte ein überlautes, langezogcnes, knirschen- des Geräusch, das immer stärker anschwoll. Wir lauschten mit angehaltenem Athem. Mein erster Gedanke war: Wir sind auf eine Sandbank gerathen. Aus den Nebenkabinen stürzten einige Damen hervor in weißem Nachtgewand, nur den Regen- mantel übergeworfen, mit bleichen, erschrockenen Gesichtern.„Was ist geschehen?"— Mein Mann eilte hinauf, um nachzufragen. Es dünkte uns eine Ewigkeit, bis er zurüclkai». Inzwischen wurden allerlei Vermuthungen laut.„An der Maschine ist etwas ge- brachen."—„Wir fahren ja gar nicht mehr, wir sitzen fest."— „Was auch geschehen sein mag, wir bekommen doch nicht die Knaben seiner Mutter, Frau Kreimeier, Falkensteinstraße 2, � zuzuführen... *—•»----...9 i)iC jöl' Wc llrhunij eines Menschen aus Lebensgefahr, ßsi c'11. Wunder glauben läßt, geschah Sonnabend Abends 7 /2 Uhr in der Rosenthalerstraße. Ein Pferdebahnwagen lf der Linie Bruniienstraße-Kreuzberg war eben vom Rosenthal« Tho« abgegangen und Mr m fcharsem Markte zu. Kurz nach der Kreuzung mit der Linienstraße... zwei Arbeiter trotz der Warnsignale des Kutschers in kurzer b* fernung vor den Köpfen der Pferde das Geleise überschrei-� Ter eine sprang im letzten Augenblicke zurück, während der a»' dere von den Pferden auf den vom feuchten Wetter schlüpfnSst Boden geworfen wurde und unter einem allgemeinen AufsaF der Umstehenden unter den Pferden verschwand. Der KutsjjJJ versuchte mit dem Aufgebot aller Kräfte die Pferde zurückzuhaui» und den Wagen zu bremsen, konnte es aber nicht verhindech daß der vollbesetzte Wagen weiter rollte und über den W' glücklichen hinwegging, denselben noch ungefähr eine Stre»' von 2—3 Metern weiterschleifend. Alles hielt den Mann r verloren und eine lautlose Stille verbreitete sich unter den M' reichen Zuschauern, die sich in der um diese Zeit außerordenu� stark belebten Gegend in einem Augenblick versammelt h«% Unterdessen war ein in der Gegend wohnender bekannter W —•■-••'-i v......,w teiB Wagens und den'Hinterbeinen der Pferde hervor und begrub die Herbeieilenden mit den Worten:„Ach, das olle Jebimmel« Nach einer oberflächlichen Besichtigung schien der Mann Ausnahme einiger Risse in seiner Kleidung vollkommen unvw sehrt ju sein. Die Leiche des Zimmermeisters Schaaf. des Mordet- zeiuer Familie, welcher so lange von der Polizei gesucht, ist, mitgetheilt wird, gestern Morgen gegen 9 Uhr von Beamten Kriminalpolizei gesunden worden. Auf Befehl des Grase» Pückler, Chef der Kriminalpolizei, wurden gestern in Stunde noch einmal der Grunewald und die darin befinduche Seen von Polizeimannschasten abgesucht. Im Halensee trieb b Leiche eines Mannes, welche sofort einige Beamte mit einsv Boote an das User brachten. Die Untersuchung des Todts» förderte ein Portemonnaie mit etwas Geld, eine silberne u? und eine Postkarte, an den Zimmermeister Schaaf adressirtz i Tage. Das hiesige Polizeipräsidium wurde telegraphisch dem Funde benachrichtigt und berief sofort einige Personen, in dem früher von Schaaf bewohnten Hause Wohnung ha"*?: nach der Fundstätte, welche die Identität des Selbstmörders i"' dem Langgesuchten mit aller Sicherheit feststellten. In«in«* Schneiderwerkstatt Kaiserstraße 41>»««» am Mittwoch Nachmittag gegen 5 Uhr Tuchreste durch die einwirkung des OfenS, auf welchem dieselben lagen, in Enzündung� je' zii stand versetzt worden. Die Feuerwehr kam nicht mehr Eingreifen. Seydelstr.il wurde Abends in der 11. Stunde der In eines im Erdgeschoß des linken Seitengebäudes belegenen S zimmers zum wesentlichsten Theil von der Zerstörung einen Brand betroffen, dessen Entstehungsursache angeblich w einem zu nahe an eine Portiere gestellten Licht hervorgerul sein soll. Außer dem Mobiliarschaden sind auch nicht unbeträG liche Jmmobiliarschäden an Fenstern, Schaldecke und Thüren a gerichtet worden; eine nach deni im angrenzenden Quergeba», liegenden Glaslager führende Thür war vollständig durch br�Z so daß die Flammen auch in letzterem bereits Regale und Verpackungen ergriffen hatten. Die Dämpfung konnte noch TL einer kleinen Handspritze und mit Eimern bewerkstelligt wew* Vor Ankunft der Feilerwehr hatte man bereits mehrere Fr«! und Kinder vermittelst Anstellleiter über ein in Höhe der eri Etage belegenes flaches Dach herabgeholt. Der letzte®t»., Reinickendorferstr. 69 wurde von zwei Feuerwehrmännern unterdrückt, welche auf dem Nachhausewege von Theaterwacheh.. vor 12 Uhr Nachts dort vorbeipcffsirten. Brandobjekt w«.„ /■*-«- T'-_ 4.___'— y....... w am. AM»».. Y* L i olzkasten mit Heizmaterial, der vor der Feuerungsthür Kochmaschine stand. Zu einer rrhekenden Feier gestaltete sich das Tanzkri� chen, das, veranstaltet vom Fachverein der Tischler, am ff gangenen Sonnabend in„Lips' Brauerei" stattfand und das nnv ottitv npmiffa fwrfrtrtfrh*» Oiehpiifimn für hiß JBcrlitiet gangenen Sonnadenv in„Pips' ivrauerei" fralliano uno u*.% gar eine gewisse historische Bedeutung für die Berliner Tisttr hatte. Zum ersten Male seit 12 Jahren halte» die Kollegen eine Ausgewiesene unter sich; verbannt durch das Sozialistengel» ivar auch sie ihrem Wirkungskreise entrissen, bis mit dem � gräbniß des Ausnahmegesetzes ihre Wiederkehr erfolgen koN'Ms D>e große rothe Fahne der Tischler. Ein Vermächtniß des Sozialistengesetze zum Opfer gefallenen„Allgeineinen Tisch» '"''" die Zeit ihrer Verbann?? (Schreiner)- Vereins", hatte sie aus A,».»]»...„v»....... q—...p— das sie unter manchen Fährlichkeiten erreicht hatte, und jetzt HU sie wieder kühn voranschreiten dem Geist der Zeit. Gar nianZ, ' ten emp stehen. In einem Dorfe in der Mark zubringen w' #5 sie wieder kühn voranschrelten dem Geist ver Zeit. Gar alte Kämpe blickte begeistert zur guten Bekannten empor mit 0% stillen Versprechen, weiter treu zu ihr zu stehen. In km, warmen Worten ivies Kollege Wiedemann auf die Bedem» hin, welche dies Ereigniß für die Tischler habe, die Kollege«» mahnend, fest zur Fahne zu stehen. Jubelnd stimmten die tL, theilnehmer ein in das Hoch auf den Fachverein, und von der ,, geisterung getragen, durchbrausten bei Musikbegleitung die der Marseillaise den weiten Saal. Noch bis zum Morgen gnügte sich Alt und Jung Wahrheit zu hören, es sei denn, daß dringende Gefahr vorl»� — Und der Lärm hielt immer noch an. Endlich kam mein zurück.„Es ist nichts. Es ist nur der Sturm der so heul" Es dauerte lange, che wir uns beruhigten. An war in dieser Nacht nicht zu denken. Mit einem der Erlösung begrüßten wir den heraufdämmernden Und mit müden, übernächtigten Gesichtern saßen„i lagen wir anderen Tages auf dem Verdeck.Li freuten uns, soweit dies uns bei unserer körpet» V Heruntergekommenheit überhaupt möglich war, der�verh«� mäßigen Ruhe, Tage klärte sich welck das! e uns dieser Tag brachte. Die Zetter auf. Und je niehr wir uns New'! näherten, um so Heller und heiterer sah es um uns un» uns aus., ßck Die Einfahrt in den New-Iorker Hafen war sehr scho«' des leichten Nebels, der uns umgab. Die breite, glänzende& M, fläche, durchschnitten und belebt von zahllosen zierlichen, "'S* amerikanischen Segelbooten. Dazwischen ein und der Dampfer, dessen bunte Wimpel lustig im Winde flattcrm � beiden Seiten die Befestigungen, Wälle und Thürme zwischen grüne Rasenflächen und Hügel. Ernst und k bewacht die Statue der Freiheit hocherhobenen Armes den Nun sind wir bereits auf dem Hudson. Von allen Seite« � Auge und Ohr gleichmäßig in Anspruch genommen. Die sw'-,,/ keuchenden Atheuiziige der fen-y's(Fähren), welche Fi#-J und Fuhrwerke, ja ganze Güterzüge von einem ZI anderen übersetzen, ertönen neben dem schrillen Pfiff der D«.»� Inmitten dieser hunderte von Dampfern, Booten und vs von denen es auf dem Flusse wimmelt, rücken ivir nur Schritt für Schritt, vor. An der Landungsbrücke des»..st deutschen Lloyd" stehen zählreiche Menschen. Sie ivehen>' Taschentüchern. Und auch auf unserem Dampfer wird es 1«° r Die junge Frau aus New-Iork hält ihren blonden Kna" ff Arm und nickt und winkt strahlenden Auges ihrem Ein großer, untersetzter Mann ist schwerfällig auf die«r geklettert und schreit aus Leibeskräften Hurrah. Wir sind am Ziele. Noch ein letztes Martyrium unser, bevor wir das gelobte Land betreten— die Zollr- Nun ist auch dies überstanden. Und nun— Glückauf' neuen Welt! 1 «««SfÄ, Am 24. d. Mts. Abends fiel der Bäcker Schönholzerstrnße 5 wohnhaft, die ans rtX* Ss» �" C.'! t».- w aueioeimann, waionyoizcrfirape s wohnhaft, die aus lemir Parterrewohnung nach dem Hausflur führenden Stufen M'ab und schlug mit dem Kopfe auf dem asphaltirten Flur,>o jtoß er einen Schädelbruch erlitt, infolge dessen er am folgenden me verstarb.— Arn 25. d. M. Morgens wurde in der Woh- wnig der unverehelichten Kilian, Straße 16 Nr. 4, in einem •Netfeiorbe unter alten Kleidern versteckt, die Leiche eines neu- geborenen Kindes vorgefunden. Die Kilian hatte das Kind kurz i»vor geboren und anscheinend vorsätzlich mittelst eines Strumpfes erwürgt.— Nachmittags wurde ein Mann vor dem Hause �uppinerstraße 5 vom Blutsturz befallen und verstarb auf der stelle.— Zu derselben Zeit siel eine Frau im Hause Alexan- ermenstraße 33 infolge Ausgleitens von der Treppe und erlitt °?bei einen Bruch des Handgelenks.— Um dieselbe Zeit lief ein �erjähriges Mädchen iir der Alexanderstraße vor dem Polizei- �'enstgebäud- beim Ncberschreiten des Fahrdammes gegen einen >» der Fahrt befindlichen Break und wurde Übersahren, erlitt ledoch nur eine unbedeutende Verletzung am Kopfe und konnte wnen Eltern zugeführt werden.- Am 26. d. M. Morgens '»urde ein Mann auf der Treppe des Hauses Görlitzerstraße 40 irhangt vorgefunden.— Am 23. und in der Nacht zum 26. d. M. fimben fünf kleinere Brände statt. o In Sachen des am 13. Oktober vom Schwurgericht am Landgericht II zum Tode verurtheilten Mörders, des Schmiede- Wellen Karl Schiniedecke aus Motzen, hat der Bertheidiger das �echtSuiittel der Revision beim Reichsgericht eingelegt. Der Ber- im- Per stützt sich anscheinend darauf, daß das Opfer des Mörders, Töpfermeister Kalkmann, nicht unmittelbar unter der Hand des Mörders, sondern erst mehrere Stunden später an den erlittenen Verletzungen verstorben ist und folgert daraus, daß der -rhaler nicht wegen Mordes, sondern nur wegen Körperverletzung w>t tödtlichem Erfolac hätte vcrurthcilt werden dürfen. Mit wrlchcrn Uafsincmrnt bisweilen vorgegangen wird, am die vorgeschriebene Untersuchung des von auswärts ein- ' eine Verhandlung, die �führten c,:'..«aiiaaziermeiper will ch'tchen iSyeieuie waren vom ?ryoisengerichte wegen Betruges zu je 90 M. und wegen der cv.�Wrtung zu je 5 M. verurtheilt worden. Ein städtischer et.wchschau- Beamter hatte im Laden der Angeklagten zwei dekeulen beschlagnahmt, die nicht vorschriftsmäßig gestempelt Der Stempel II. L. 3.(Untersuchungs-Station 8) befand sich dak den Keulen. Bei näherer Besichtigung stellte sich heraus, ,1 f., wan die Netzhaut von zwei anderen Keulen, die hi?i!®r �stempelt waren, in etwa Thalergröße abgetrennt und auf lirfii t agnahmteii Stücke geklebt hatte. Durch die Ungeschick- T?»« T Hüters war der Stempel verkehrt aufgeklebt ivorden. Ci-n?örklagten behaupteten dagegen, daß der Abdruck des x.'Wels durch engeS Zusammenliegen niit anderem Fleisch her- im P,«cht worden sei. In zweiter Instanz wurde zwar eben- '°ls festgestellt erachtet, daß die geschilderte Manipulation �rgenominen worden sei, die Angeklagten wurden aber doch iw,.?etruges freigesprochen, da angenommen wurde, daß sie au» Bequemlichkeit gehandelt hätten. ..�...lichkeit gehandelt hätten. die elf!"* Auktage mrgrn Ichwcver zlvbnndenfälschung, scm>> ," der erste» Strafkammer des Landgerichts I. statt- beimJPl)"' längere Zeit in Anspruch. Ter auf der Anklagebank Cef*$e Fabrikant für Gas- und Wasscr-Anlagcn, Richard A.i,., Haase, hatte für den Töpfermeister Louis Meyer die nöiv übernommen, die für dessen Neubau, Weidenweg 34, in»? ��n. Meyer hielt die versprochenen Zahlungen nicht jh»,' weshalb der Angeklagte ihn zu bewegen wußte, ne Forderung zu zediren, die Meyer von dem llila- Q? Nortel aus Ofenlieferungen hatte. Wie die An- .Rauptet, hat Haase die Zessions-Urkunde, welche ur- ircis-- QUf siebenhundert Mark kantete, unberechtigter- lein.»P siebenzehnhundcrt umgeändert. Ter Angeklagte beslritt lr.. Schuld. Er habe ungefähr zwei Drittel ber ihm über- -? Arbeiten fertig gehabt, als er erfuhr, daß Meyer ver- W. i0§ f" und sein ganzes Hab und Gut seiner Frau zedirt W habe deshalb eines Morgens erklärt, daß er nicht �.s-r arbeiten würde, ivenn ihm nicht wenigstens für die bisher «Wandene Schuld Sicherheit gegeben würde. Um dieser «i 5"-"g den gehörigen Stachdruck zn geben, habe '«ni« Arbeiter mit einem Wagen voll Material nach '«in g-TÄ Meyer geschickt, aber dabei angeordnet, daß abgeladen werden solle, bevor er hierzu die Erlaubniß forw" Als Meyer auf dem Bau erschienen sei, habe er seine wegen Sichcrstellnng wiederholt. Nach längerem ■ zu i?,?",�ube Meyer sich bereit erklärt, eine Zession über 700 M. Schönschreiben und nun habe der Angeklagte, der sich mit Slj�. Wwterial versehen hatte, das Schriftstück aufgesetzt. Als -kvn.N-P anschickte, zu unterschreiben, habe derselbe in höhnischem "'»n:»Na, mehr giebt es ja doch nicht, ich habe ja nichts." »oii,»,.„ e der Angeklagte das Schriststück wieder an sich ge- ftutf,*/1 und erklärt, daß er nunmehr sein ganzes Er ln Höhe von 1700 Mark sicher gestellt wissen wolle. stab.n deshatb vor die Zahl 700 eine 1 gesetzt und mit Buch- Äe»en,\e-®!otte«siebenzehn Hundert" hinzugeschrieben. Von Antert-s.""" die Verhandlungen mit Meyer wegen der sich ckMUsi begonnen und erst nach drei Stunden habe derselbe Ux,,. W bequemt, die Zession zu unterschreiben. Der Zeuge "oiter«,"'nc ganz andere Darstellung deS Sachverhalts. Mit Atark, siümmtheil blieb er dabei, daß von siebenzehnhunderl stiick, die Rede gewesen sei und daß er nur ein Schrift- tr»q nterzeichnel have, welches am Kopfe die Zahl»700" �n Buchstaben sei diese Summe nicht wiederholt hiiiej».....uud müsse der Angeklagte diese Worte später geiian».' haben.— Der Werksührer Zahn, der bei dem An- dem Diensten stand, bekundete, daß der Letztere ihm an ~ Vi'� frClrtTJ/Jf,„ �'XUJ* V, Vv7l�«IW«V/»'»•P-- y---.'- y Ziehen h!?lnJMoyüzn die Zession gezeigt habe, er habe deutlich Aletster' über den Betrag von 1700 M. lautete. Der ?«n soll, u 2«sagt, daß die Arbeit nicht eher aufgenommen wer- oß Sufi«.'n,01 das Schriftstück von Meyer unterzeichnet worden Bück vabe der Angeklagte ihm das nnterzcichncte Schrift- chlüss», Jr- Ende März habe der Angeklagte an Meyer die !>B'"sef)en �sgebe», womit die übernommene Sttbcit als beendet Aieyer Der"~''''''' Angeklagte habe bei dieser Gelegenheit zu P.ff" Pöge doch dafür sorgen, daß Oertel �Zespon einlöst. Meyer habe dieS Versprechen ge- i7�"pteten noch zwei andere Zeugen mit Bestimmtheit rn.y%,(Q die Zession schon vor der Unterschrift über J�nupt�'blieb der Zeuge Meyer bei der gegentheiligen iw11 dahm„u Der Gerichtschemiker Dr. Bischof gab sein Gut- sei' daß die Tinte, die zu dem Schriftstück beinitzt des«'aatsauwnk? gewesen sei... keü"geklao»�!. � g e r beantragte darauf die Freliprechung Tr A°scheiikt. P dem Zeugen Meyer nicht volle Glaubwürdig- ttkn'ein s,-?erde» könne. Der Bertheidiger, Rechtsanwalt 'wie s, sich diesem Antrage an �und der Gerichtshof �stx''dt m?*- ll'gen den Genosse» SijKi-r Fran? Äff"-% l enthalt°'nes Vereins zu Weißensce ausgesprochen haben iusi>?apita'»".gewesen sein: 1. Die Arbeiter seien die Sklaven Bourgeoisie nur ein Jahr. In einer 4. inkrimi- nirten Aeußerung würde, wenn sie in der behaupteten Form ge- fallen wäre, nicht Klassenanreizung, sondern der Versuch gelegen haben,„die Verfassung des Deutschen Reiches und des preußischen Staates gewaltsam zn ändern"(§ 81 des R.-Str.-G.-B.); nach seiner eigenen Behauptung hatte Berndt dagegen nur theoretisch den Satz ausgesprochen, daß es innerhalb der sozialistischen Gesellschaft keine Monarchie geben könne. Zu dem zweiten Satze berief sich Berndt auf den Ausspruch des Professors Hansen:„Durch einen gewaltsamen Expropriations- Prozeß sind daher zum großen Theil die Rittergüter der jetzigen preußischen Monarchie gebildet worden." Wie in dem ersten und vollends dem dritten Satze eine Klassenaufrcizung gesunden werden kann, ist schwer einzusehen. Der Angeschuldigte verwahrt sich endlich noch dagegen, in einem ausreizenden Tone gesprochen zu haben. In der Voruntersuchung erfolgte eine Zeugenvernehmung und Beschlagnahme des Protokollbuches, deren Ergebniß die Ein- stellung des Verfahrens ist. Eine aus Grund eines Berichts des- selben überwachenden Beamten erhobene Anklage wegen Bismarck- beleidigung gegen einen anderen Redner ist ebenfalls zurückgenommen werden. Drr Strnfjsienat des Komm rege richte verhandelte gestern in der Revisionsinstanz die erste der zahlreichen Anklagen, welche auf Grund des Sozialistengesetzes gegen Bertheiler von Wahl- flugblättcrn bei der letzten Reichstags-Wahl erhoben ivorden sind. Zunächst war der Jnstrumentenmacher Hinze angeklagt, weil er am 9. Februar er. Wahlflugblätter ohne polizeiliche Erlaubniß vertheilt hatte. In erster Instanz zu einer Geldstrafe von 5 M. verurtheilt, wurde er in der Berufungsinstanz von der 4. Straf- kammer des Landgerichts I unter folgender Ausfllhruiig frei- gesprochen:„H. bedurfte der polizeilichen Genehmigung nicht, denn Absatz 3 und 4 des§ 43 der Gewerbeordnung bestimint, daß zn der gewerbsmäßigen wie zu der nichtgewerbsmäßigen Vertheilung von Stimmzetteln und Druckschriften zn Wahlzweckcn bei der Wahl zu gesetzgebenden Körperfchasten eine polizeiliche Erlaubniß in der Zeit von der amtlichen Bekanntmachung des Wahltages bis zur Beendigung des Wahlaktes nicht erforderlich ist. Hiernach folgt, daß entgegenstehende spezielle Gesetze, namentlich auch § 28 Nr. 2 des Sozialistengesetzes, soweit es sich um Verbreitung von Druckschriften und Wahlzetteln in der bezeichneten Zeit handelt, durch Abthcilung 3 und 4 der Gewerbeordnung als aufgehoben anzu- scheu sind. Dieser Auffassung entspricht auch die mit Bezug auf den Staats-Ministerialbeschlnß vom 26. September 1889 ergangene Bekanntmachung des Polizeipräsidii vom 26. September 1889, in in welchem es am Schlüsse heißt:„Die Bestimmungen des§ 43 der Gewerbeordnung bleiben hierdurch unberührt." Für das Staatsministerium lag angesichts dieses Rechtsstandes ein Anlaß garnicht vor, des§ 43 a. a. O. zu erwähnen. Wenn diese Er- wähnung in der Bekanntmachung des Polizeipräsidiums geschieht, so hat diese offenbar nur den Charakter einer Gesetzeserläute- rnng, welche bezweckt, einerseits einer irrigen Anwendung der polizeilichen Bekanntmachung seitens der nachgeordneten Organe der Polizeibehörde zn bgegncn, anderseits die bei den Wahlen betheiligten Parteien zur Vermeidung von Miß- Verständnissen und Zweifeln darauf hinzuwiesen, daß es in der fraglichen Zeit und für die fraglichen Zwecke einer polizeilichen Erlaubniß nicht bedarf." Gegen diese Entscheidung legte die Staatsanwaltschaft Revision unter der Ausführung ein, daß der§ 28 des Sozialistengesetzes durch die Gewerbeordnung nicht aufgehoben sei, da das Sozialistengesetz eben ein Spezialgesetz gewesen sei, welches durch allgemeine Gesotzesbestimmungen nicht als aufgehoben er- achtet werden könne. Die Ober-Staatsanwaltschaft(St.-A. Thiele- inann) schloß sich dieser Anschauung an, erachtete es aber zunächst für nothwendig, die Vorfrage zn erledigen, ob das Sozialisten- gesetz jetzt noch, nachdem es am 1. Oktober erloschen, überhaupt zur Anwendung zu bringen ist. Diese Frage sei, so wurde unter Hinweis ans ein bezügliches Reichsgerichts- Erkenntniß und mehrere Entscheidungen des früheren Obertribunals ausgeführt, unbedingt zn bejahe». Bei Gesetzen mit bestimmter Dauer könne§ 2 Abs. 2 des Strafgesetzbuchs, welches bei Gesetzes- ändernngen die Anwendung der milderen Praxis an- ordnet, eben nicht Platz greisen. Hier handle es sich auch gar nicht um etwaige Verschiedenheilen in Gesetzen, und könne daher nach alledem der Grundsatz„nuila poena. sine lege" nicht in Anwendung kommen. Da die Entscheidung des Vorder- richters den Thatbestand völlig klarstelle, so könne der Senat sofort die Strafe normiren, bezüglich deren der niedrigste Satz mit l M. angemessen erscheine.— Ter Senat erkannte hierauf tedig- lich deswegen auf Zurückweisung der Revision, weil das Polizei- Präsidium in der erwähnten Bekanntmachung selbst gesagt habe, daß§ 43 der Gewerbeordnung unberührt bleibe. Hiernach war also eine polizeiliche Erlabuniß zu der betr. Mahizettel-Verthei- lung nicht erforderlich. Mag nun auch das Polizeipräsidium nicht zur Interpretation eines Staatsministerial-Beschlusses befugt ge- wesen sein, so hat der Angeklagte in Hinsicht auf jene Bekannt- machung doch bona ticke gehandelt und steht ihm§ 93 des Strafgesetz-Buches zur Seite.— Im übrigen aber befand sich der Senat in voller Uebereinstimmung mit den Ausführungen der Staats- resp. Ober-Staatsanwaltschaft.— Aus dem vorerwähn- ten Grunde allein wurde auch der zweite des gleichen Vergehens angeklagte Arbeiter vom Dop srcigesprochcn. Die Gründung eines niederschlesischen Bergarbeiter-Ver- bandes wurde am Mittwoch auf einer allgemeinen Bergarbeiter- Versammlung in Waldenburg beschlossen. Ans Gberschlesien, 23. Oktober. In Bälde wird der Arbeiterausschuß der fiskalischen Königin Luisengrube zu Zabrze Gelegenheit haben, von seiner Fähigkeit, ein wirksamer Faktor in dem Verhältniß zwischen Unternehmer- und Arbeiterthunl zu werden, ein gewichtiges Pröbchen abzulegen. Die Verkrauens- männer der Belegschaft genannter Grube haben eine Anzahl von Punkten, an deren Erledigung de» Arbeitern gelegen, dem Be- tricbsführcr dieser Grube schriftlich mitgctheilt, damit sie auf die Tagesordnung der nächsten Konferenz des Arbeiterausschusses ge- setzt werde». Um folgende Punkte handelt es sich hierbei: 1. Dnuer der Schicht(acht Stunden). 2. Schichtlohn und dessen Siegelung für die einzelnen Klassen der Arbeiter.(Für Schichten dein, „Rauben", verde» 4 M. und Holz als Zugade, für sog. Herrschast- liche Schichten beim Verhauen ebenfalls 4M. verlangt, ferner soll geregelt werden der Lohn für Schichten an schwachen Orten, vor Pfeiler und auf Streckenbetrieb; die monatliche Prämie soll dann ausbezahlt werden, wenn alle Schichten mit Slusnahine einer, bis zwei verfahren wurden.) 3. Zahl der zn fördernden Wagen. 4. Arbeitsordnung(Strafen, Entlassung). Bersäumniß von Schichten.(Keine Bestrafung deS'Arbeiters, wenn er drei Schichten wegen Krankheit oder anderer wichtiger Angelegenheiten versäumt hat.) Befugnisse der Aufseher.(Die Ausseher sollen nur den Schleppern, den Häuern dagegen nur die Ober- häuer und Sleiger zu befehlen haben.) In der Arbeits- ordnung soll festgestellt werden, daß die Grnbenverwaltung für die Reparatur der Pulverbüchsen, das Schärfen der Aexte und Sägen, die Heranschaffung von Lehm zum Zlusfüttern der Schießlöcher, sowie dafür Sorge tragen solle, daß im Herbeischaffen des Pulvers Erleichterungen erfolgten und die Bohrer nicht mehr nach Hanse mitgenommen werden müßten. Endlich wünschen die Arbeiter, daß ihnen jahrlich 2 Raummeter Brennholz zugestanden würden. 5, Erhaltung der Kräfte und des Lebens der Arbeiter. (Errichtung von Badeanstalten, gute Wetterführung, Herbei- schaffung von Wasser in Kannen.) Schließlich wünschen sich die Arbeiter eine bessere Behandlung seitens Vorgesetzter. Sozisks NsböMÄxf.' Die Zentralvorstäude sowie Gewerkschafts- und Streik- kommissionen und die kombinirten Vorstandskommissionen Deutsch- lands werden gebeten, je eine Adresse eines Vertrauensmannes an A. Taeterow, Berlin W., Mauerst r. 9, unverzüglich einzusenden.— Es handelt sich um die am 16. November in Berlin abzuhaltende Gewerkschastskonferenz. Offizielle Ein- ladungen werden nicht erlassen; es ist daher Pflicht der be- theiligten Gewerkschaften dem hier geäußerten Wunsche unmittel- bar Folge zu leisten. Gewerkschaften, die sich nicht melden, können nicht berücksichtigt werden. Sämmtliche Arbeiterblätter, sowie die Organe der Fach- und Gewerkschaftsorganisationen iverden um schleunigen Abdruck ge- beten. Zimmerer Berlins! Schon lange war unser Bestreben, eine einheitliche Organisation, soweit es die Gesetze erlauben, unter den Zimmerleuten Deutschlands herbei zu führen. Zu diesem Zweck fand zu Ostern in Gotha ein Kongreß der Zimmerer Deutschlands statt. Zwar kam auf diesem Kongreß die Einigung der Lokal- und Zentralorganisationen noch nicht zn Stande, aber doch war der Anfang gemacht. Der Verband deutscher Zimmer- leute hielt nun Pfingsten in Frankfurt a. M. seine General- versammlung ab. Auf dieser Generalversammlung wurde ein Statut ausgearbeitet und angenommen, welches es jedem Zimmer- mann ermöglicht, sich dem Verband der deutschen Zimmerer anzuschließen. Am 12. Oktober fand nun in Halle a. S. die Konferenz der Freien Vereinigung der Zimmerer Deutschlands statt, wo untenstehende Resolution angenommen wurde. Nun, Zimmerer Berlins, ist es auch unsere heiligste Pflicht, daß wir kann für Mann uns dem Verband anschließen, ganz besonders, da auch auf unserem Parteitag eine Resolution angenommen worden ist, sich in möglichst großen Zentralverbänden zn ver- einigen. Darum, Kameraden, schließe jeder sich der gewerkschaft- lichen Organisation an, damit wir unser Dasein erleichtern können und dereinst unsere Nachkommen nicht unter dem Joch der Unternehmer und Kapitalisten zu leiden haben, wie wir.— Um weiteres zu besprechen, erscheint Mann für Mann Montag, den 3. November, in der Versammlung in Fenerstein's Saal, Alte Jakobstr. 73. Mit kameradschaftlichem Gruß Heinrich Ortland, Steglitzerstr. 58. Konferenz der Freien Vereinigung d e r Z i m in e r e r Deutschlands. Sonntag, den 12. Oktober, fand in Halle a. S. die Kon- ferenz statt. Die Konferenz nahm folgende Resolution und Antrag an: Resolution. „Die heute, am 12. Oktober 1890, in Halle a. S. ver- sammelten Zimmerer erkennen an, daß sich eine einheit- liche Organisation der Zimmerer Deutschlands augenblick- lich nicht anders herstellen läßt, als auf Grund des neuen Statuts des Verbandes deutscher Zimmerer, weil die Vor- gange dieses Jahres deutlich bewiesen haben, daß die größte Mehrzahl der organisirten Zimmerer Deutschlands keine anders Organisation will. Da die äußeren Zustände sich so gestalten, daß eine einheitliche Organisation der Zimmerer Deutschlands noth- wendig ist, verpflichten sich die anwesenden Zimmerer, an ihren Wohnorten dafür einzutreten, daß sich die Zimmerer auf Grund der Verbandsstatuten, wo nicht gesetzliche Maß- regeln diesen Willen vereiteln, oraanisiren. Wo letzteres der Fall ist, verpflichten sich die Anwesenden, die weit- gehendste Solidarität mit dem Verbände anzustreben und ausrecht zu erhalten." Antrag: „Da die auf dem Kongreß zn Hall? 1889 eingesetzte Geschäftsleitung nunmehr entbehrlich ist, sprechen die An- wesenden den Wunsch aus, daß sich dieselbe auflöst, das noch vorhandene Geld der Unterstützungskasse des Ver- bandes deutscher Zimmerer überweist, die anderen Uten- silien jedoch den Leipziger Zimmerlenten zu örtlicher Be- »utznng überläßt." Ans Grund der Beschlüsse der Konferenz zu Halle a. S., den 12. Oktober 1390, stellen wir unsere Thätigkeit als Ge- schäftsleitung der Freien Vereinigung der Zimmerer Deutsch- lands ein. Wir fordern alle unsere Freunde ans, auf der neugeschaffenen Grundlage des Verbandes deutscher Zimmerer den Kamps der Arbeiter weiter zn führen. Wir versprechen in dem neuen Rahmen zu arbeiten, wie es unsere Kräfte gestatten, auf dem Standpunkt des Kongresses zu Halle a. S. 1890 stehend:„Der Kongreß reicht einem zeden um bessere Lohn- und Arbeitsbedin- gungen kämpfenden Zimmerer im Geiste die Bruderhand", und rufen wir allen Zimmerern Deutschlands zu: Reichen wir uns auch in der That die Bruderhand, denn es ist an der Zeit, dem übermäthigen tluteknehmerthum einen Damm entgegenzusetzen. Lasset uns in Zukunft zusammen stehen, bis der Sieg errungen ist, der schon unseren Vorkämpfern als Ideal vorschwebte. „Arbeitend leben oder kämpfend den Tod!" sei unser aller Parole für die Zukunft. A. V r i n g m a n n. A. H e m p e l Halle a. S., 13. Oktober 1890. verkatninlunsen. Kniiaidimolmatischer Kest-»ttd JiiöluitirUUtb„j-vtiljfil". Dienstag, de» 28. C'tobcr, titbenss Uhr, im Restaurant Zubeil, Naunstraße so: Tiyung mit Damen. Tagesordnung: l. Borlesung. 2. Distussion. 5. Sr- gänzungswahl des Borstandes.». Verschiedenes. Gaste sind willtommen. Ueroi» der Ktrmpurr KivUn» und Umgegend. Dienstag, 28. Oltober, Abends s Uhr, große Versammlung im Lokals Ko»iashof, Büloivstr. 87. Kapeiirrr. Große öffentliche Versammlung am Millivoch, den 29. Oktober, bei Feuerstein, Alle Iakobstraße 75. «öpfeu clistariottrnburgs und Umgegend. Große vssentliche Bersanim- lung am Dienstag, den 2s. Oktober, Abends a Uhr. Harbirr- und Friirurgehitsen. Mittwoch, den 29. Oktober, Abends 10 Uhr: Herren-Abend, Rosonlhalsrstr. 89. Gäste willkomme». Koiialdemokraiischrr Scfr- und Iiokntirlilnb„Zuternationalr." Mittwoch, den 29. Oktober, Abends 8%| Uhr, bei Oelze, Kl. Andreasstraße 19, Sitzung. Gäste haben gutritt. 3. Urichstags-Wuylkrri«. Große öfssnlliche Versammlung der sozial- demolratlschen Parteigenossen am Dienstag, den 2g. Oktober, Abends 6% Uhr, bei Deigmnller, Alte Jakobstr. eaa. SoiialdriuoKrntischrr Waylverri» des 4. Kevlinrr Neichstags- Mahlkreil«». Große Versammlung am Dienstag, den 28. Oktober, Abends a Uhr, im.Letal Joel(fr. Keller), Andreasflr. 8t. voiialdrinotirati icher Wahtvsrrin für drn 6. Kerliiirr Nrichstago- Maylßrri». Generak-Verfammlung am Dienstag, den 28. Oktober, Abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Seeseldl, Grenadierstr. 88. AIls<»»i!>lr Krbritcrin»«»«>rroii> stimmt! ichorKerufszmrig» Hrrlius und Umgegend, Filiale>. Moabit. Große Versammlung am Dienstag, den 28. Oktober, Abends 8% Uhr, im Lokal des Herrn Jlges, WilSnacierstr.«8. Fabrikarb«itrri»»eu. Große öffsnUlch» Versammlung am Ttenftag, den 28. Oktober, Abends s;; Uhr, in Uebsl's Calo», Raunyiiflr. 27. Mii»»sr>»>d Fraueu. Große öffentliche Versammlung am Mittwoch, den 29. Oktober, Abends s% Uhr, in den Zenlral-Feslsäleii, Räunynsir. 27. I'cvein der Kurvet ktrPprr, Stepperinnen und verwandte» Berufs- genossen. Milgliederversammlung am Mittwoch, den 2». Oktober, AbendS 8 Uhr. bei Boljmann, AndreaZstr. 28. Tagesordnung: I. Vortrag des Herrn S. Türk über: H-renprozesse. 2. Diskussion, s, Statulenverfassung. 4. Wahl des desinttiven Vorstände«. 5. Verschiedene« und Fragelasien. Ausnahme neuer Mitglied:er. Um zahlreiches Grschcincii wird crsuchr. Soiialdemaßratischer Zlaitatiausuerri»„LassaUe", Dienstag, den 28. Ollober d. I., Abends 8 Uhr, Ekalitzsrftraße 102, bei Haupt. Gäste habe» Zutritt. Krohr i-ffeuiliche z>«lUavrr>'ai,r»,lu»g für Männer und Frauen am DienNag, den 28. Oktober, Abends 8 Uhr, im großen Saale der Braueret „FriedrichShalu". «roßr öffeutliiiir Uolßsurpsammlmig für Männer und Frauen in» ö venia am Tlensiag, de» 28. Oktober, Abends s Uhr. Achtung! Der UntersiützungSoerein der Maurer des Westens Berlins feiert am Sonnabend, den 1. Rovsmber, im Etablissement KönigShos Büloir» siraße 37, sein 3. SltflungSfesl. Grofie öffentlich« Persammlung der Tamenmäiilel- Schneider, svmie In der Her�e»!»nd Trilolagen-Branche deschästiglen Arbeiter»nd Ardeile- rinnen am Dienstaj,, de» is. Oktober, Abends llhr, in den Zentral-Fest- fiilen, Oranienstrasje iso. Grojje öffentliche Nersainmlung der Taltler und Berufsgenossen Berlins und Umgegend am Dienstag, den SS. Oktober, Abend-% Uhr, bei«Snadt, Brunnenstr. 39. Zierein der t« der Schüftebranche beschäftigte» Arbeiterinnen. Der Verein feiert am Sonnabend, den i. November, sein i. Stiftungsfest im Elystum, Landsberger Allee 33—41, unter gütiger Mitwirkung des Gesang- Vereins„Deutsche Liedertafel". Achtung! Brecholer! Die Versammlung bei Feuerstein, Alto Jakobstr. 7?, findet heule nicht statt.(Siehe Tonnerstag-Jnscrat). Vollachlilnb. Duftige Sriider'. Nestaurant Liewald, Mariannenstr. m. werden aufgenommen. jede» Mittwoch, Abends 9% Uhr, im Gäste willkommen. Neue Btitglteder Arbritonachiuei» fiir Bauarbeiter. Gegründet vom Bauarbeiler-Verein der Noscnthaler Vorstadt. Reglement. Der Arbeitsnachweis geschieht für jeden Bauarbeiter unentgeltlich. Ter ArbeirSnach.veis ist aevffnet für Zlrbeit- nehmer Morgens von 7 bis« Uhr, Abends von 7 bis u Uhr, Sonntags von 8 bis 10 Uhr VorniitlägS. Arbeitgeber erhalten zu jeder Tageszeit Auskunft. Arbeitnehmer haben Stand, Namen und Wohnung genau anzugeben. Wer zwei Kalendertage hintereinander sich nicht gemeldet hat, wird als in Arbeit fleheitd betrachtet. Ter Verwalter des Arbeitsnachweises ist verpflichtet, Arbeitnehmer in obsnbcnannten Sprechstunden Einsicht in die Bücher der Arbeitgeber, wie ltlibeitnehincr nehmen zu lassen. Tie Verthcilung der vor- handencn Arbeit geschieht aus Wunsch und gegenseitiger Vereinbarung. Wer wieder in Arbeit tritt, hat dieses sofort zu melden; felvtgcs kann auch schrift- lich geschehen. Schriftlich zur Arbeit bestellt wird nur Derjenige, welcher eine mit seiner genauen Adresse versehene Postkarte, Parletfahrltarte oder Brief im Arbeitsnachweis zurüllläht. Ter Arbeitsnachweis besindel sich: Elisabclh- tlrchslr. 8. jSjrvcrfiJaal. Die Redaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit Raum dafür abzu- geben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Verfügung; sie verivahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identisizirt zu iverdsn. In der letzten Sonntagsnuminer dieses Blattes ist ein Ein- gesandt enthalten, unterzeichnet„Int Austrage der geistigen und thätigen Kräfte" des hiesigen Lokalverbandes, H. Ortland und H. Knüpser. Hierzu haben ivir zu bemerken, daß durch gasscn- bubcnhafte Schimpfereien keine Thatsachen megzuleugnen sind. DaS Einfachste wäre doch, die Herren widerlegten das von uns Angeführte; aber leider sind sie dazu nicht im Stande. Nun soll ihnen das rüpelhafte Schimpfen helfen, für uns ist dies aber ein Beweis, daß wir einen wunden Punkt getroffen haben, und unsere Ausführungen vollständig zutreffend sind. Die Schreib- weise der Herren Ortland und Knüpfer zeigt uns ferner, daß sie die Lehrzeit bei Jäckel sehr gut benutzt haben, und sie sich Mühe geben, ihren Lehrmeister zu übertreffen. Im Uebrigen ist die Angelegenheit für uns hiermit erledigt, indem wir nicht die nöthige Zeit, noch die erforderliche Schulung besitzen, um die Polemik in dem Tone, wie derselbe von den„geistigen und thätigen Elementen" beliebt wird, fortzusetzen; stehen aber den Herrn zu sachlicher Auseinandersetzung in jeder Zimmerer- Versammlung zur Verfügung. Der Vorstand der Freien Vereinigung der Zimmerer Berlins. I. A.: Hugo Lehmann. VviefkÄfsken dev Nedaktion« Bei Anfragen bitten wir die«bonnenientS-Quittung beizufügen. Brieflich Antwort wird nicht ertheilt. A. S. Kirdorf. Die betreffende Musikalienhandlung be- findet sich in der Friedrichstraße zwischen Unter den Linden um der Mittelstraße auf der linken Seite. Maibanm. 1. Wir glauben, es ist der Rechtsanwa Michaelis, Ecke Markgrasen- und Besselstraße, doch wissen»f das nicht genau. 2. Sie müssen angeben, was für einen 3mW' kontrakts-Bruch Sie eigentlich meinen.. A.(ß. 38. Der Betreffende kann hier Heirathen. 2. Mädchen hat unter keinen Umständen Anspruch auf Alimeni, auch nicht, wenn ihr die Ehe versprochen war. Die bloß mun� liehe Ertheilung eines Rathes, die angegebene Strafthat zu"l' gehen, ist straffrei. Schlafbnrfche. Das Aufschließen des Hauses gehört jU den amtlichen Pflichten des Nachtwächters. Er ist also ügt, diese Thätigkeit von der Zahlung einer Vergütung abhang g zu machen. 300 JS, Sie wollen einen Arbeitskollegen dadurch schädige», daß Sie den Wegfall einer ihm zustehenden Unfallrente zu />. wirken wünschen. Wir müssen es ablehnen, Ihnen für solche Nacheakt Nalhschläge zu ertheilen.,... 90, Behördliche Taxen für Hebammen bestehen mcht p Berlin.. Alter Abonnent Klnmenstr. Zu mündlicher Auskui'l sind wir bereit. iiichl Kreit BerckigW Maurer BeHins und Umgegend Am Donnerstag, den 30. Oktober, Abends 8 Uhr, bei Krdastianstraße 39: Ordentliche Äersmnmlnngc. zes-Ordnung: l. Vortrag des Hrn. Keßler, Regierungsbaumeister a. D., OrscM's, 1638 Tag über; Die Arbeitsbörse in Paris. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes u. Fragekasten Mitglieder werden aufgenommen. Kollegen, die Tagesordnung verspricht sehr interessant zu werden, wir bitten deshalb um zahlreichen Besuch. NB. Sgiumtliche Kollegen, welche Protokolle vom 7. Deutschen Maurer- Kongreß zum Vertrieb unter den Kollegen erhalten haben, bitten wir, Sonntag, den 2. November, Bormittags, bei Kuhlmep, Rosenstr. 30, Ecke Neue Friedrich- straße, behufs Abrechnung erscheinen zu wollen. Der Vorstand. Allgmeiüe Kranken- nnii Tterbekasse her deutslsjen Irechöler und dcrcir Derufffgenosten. Ging. HUfsKastV Ur. 86, Die Mitglieder-Versammlungen sämmtlicher Berliner Verwaltungsstellen finden an folgende» Tagen statt. Herzirir A.: Sonntag, 2. November, Vormittags 11 Uhr, bei Bolzmann, Andreasstraße 26.— Kcnrk B.: Sonntag, 2. November, Vormittags 11 Uhr, bei Doberstein, Mariannenstraße 31/32.—-OenvU C.: Mittwoch, 29. Oktober, Abends öV» Uhr, bei Schlestger, Schleiermacherstraße 8.— Krzirü D.: Sonntag, 2. November, Vormittags 11 Uhr, bei Gnadt, Brunnensträße 33.— Kirdorf: Sonntag, 2. November, Vormittags 11 Uhr, bei Papke, Ziethensir. 71. Die Tagesordnung in sämmtliche» Versammlungen lautet: 1. Geschäftliches. 2. Vierteljährlicher Kassenbericht. 3. Ersatzwahl des Vorstandes. 4. Ver- schiedenes.— Die Zahlstellen, in denen des Sonnabends, Abends von 8 bis 10 Uhr, Beiträge entgegen genommen und neue Mitglieder bis zum 45. Lebensjahre aufgenommen werden, befinden sich: Für den Bezirk A.: Naunynstraße 73, bei Winzer; Langeftrabe 34, bei Giersch.— Bezirk B.: Reichenbergerstraße 16, bei Pätzold; Skalitzerstr. 65.— Bezirk CT: Zossener- straße 35, bei Falke; Stallschreiberstraße 41/42, bei Schwanz.— Bezirk D.; Elasasser- und Kleine Hamburgerstraßen-Ecke, bei Dämchen; Gollnow- und Weinftraßen-Ecke, bei Redlich.— Kirdorf: bei W. Flemming, Berlinerstr. 81, 3 Treppen, und R. Enders, Ziethenstraße 26, 1 Treppe. 1629 Achtung! Achtung! An die Arbeiter Berlins! 2 große öjsentliche Vechminliillp für Mwm nuii grauen am Mittwoch, den 39. Oktober, Abends 8V, Uhr, A) in Säger s Salon, Grüner Meg 39, Tages-Ordnung: 1. Medizinischer Vortrag des Herrn Dr. Goldmann. 2. In welcher Weise versichert sich der Arbeiter bei 5trankheitsfällen? 3. Diskussion. B) in Gründer s Salon, Schwerinstr. 13. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr.«7 Colin über öffentliche Gesundheitspflege. 2. In welcher Weise versichert sich der Arbeiter in Krankheits- fällen? 8. Diskussion. 1636 Tellersammlung findet in beiden Versammlungen nicht statt. Es laden zu diesen Versammlungen ein Die Einberufee. Felix Uppenheim, Rosenthalerstrasse 11—12. Erstes». ältestes Kpezial-Gefchäft für Mantel und Costnme im Norden Berlins. Bitte genau auf Firma n. Hausnummer zu achten. Geschäftsprinzip: Kleiner Unken bei großem Umsatz. Kerbst-Wäntel verkaufe ich jetzt der vorgerückten Saison wegen zw halben Dreisen; z. 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Arzt, Artilleriestr. 27. 8-10, 5-7, Sonnt. 8-10. ArbeitNarkt. Tüchtige Buchbinder, speziell für Kovirbücher- und BiblorhapteS- Fabri- kation nach Neu-Ruppin gesucht. Meldungen von 1—-8 Uhr bei A. Brand und Eichstädt, Berlin SW., Linden- straße 47, Hof part._ 1630 Stockarbeiter, . chniber, bei dauernder, gut lohnender 'lrbeit sucht die Schirmstockfabrik, Grimma i. S. 1631 Eine Anlegerin für die Steindruck- schnellpresse verlangt Naunynstr. 33. Ein erfahrener und gut empfohlener Buchhalter sucht Beschäftigung auf Stunden oder Tage gegen bescheidenes Honorar. Zu erfragen in der Exped. dieser Zeitung, Beuthstr. 2._ 1032 Ein Schneider bittet die Genossen um Arbeit, auch Reparaturen. Froben- straste 35, 4 Tr. r. bei Lange. 1650 Danksagung. Allen Denen, welche unfern liebe Vater u. Schwiegervater, den Web' Joseph Kubisch zur letzten Ruhe begleiteten, in% sondere fühlen wir uns veraniap Vereins, sowie dem Gesangvere Deutsche Buche und allen Freund und Bekannten für die reich Blumenspenden unfern innig� Dank auszusprechen. Die trauernden Kinder Zlltereisellverei« her MB Charlottenburgs.- Mittwoch, 29. Oktober, Abends s° Große BersammlM n Bismarckshöhe, Wilmersdorfes Tagesordnung:.wd 1. Vortrag des Herrn Karl Pir®' Die Frauenbewegung. i# 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste, Damen und Herren, U' Berussbranche haben Zutritt, llw. reichen Besuch bittet Der VorbH� Zelltral-Araskek-v. Sterbet her Tischler a. Grrtliche Urrwaltnng Mittwoch, 29. Oktober, Abends 8 3 Mglieher-VersMlW,> in„Süd-Gst", Maldemarstr. Tagesordnung:. 1. Abrechnung vom 3. Qunrr � 2. Vortrag über: Nutzen un? theile des Unfall- und Alter» Jnvaliden-Versicherungsges ehe--- 3. Diskussion. 4. Wahl eines Schriftführers. 6. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Es.P.?V eines jeden Mitgliedes, in dttst sammlung zu erscheinen..„e, 1632 Die Grtsvrrmatt«� Die Beleidigung gegen Herrn nehme hierdurch zurück. G. Arln�/ Echt$»|tni»i(t=!Bitr,S' Gvorabr� in Fässern von 16 Litern oder Verantwortlicher Redakteur: Cuvt Laak« in Berlin. Druck und Verlag von Mar Babing in Berlin SW., Beuthstraße — 25 große oder � ür 3 M.— empfiehlt. Gustav Hering N., Berliner Lagerhof, Gebälw� 2. Nr. 351, Dienstag, den 38. Oktober 1890. ?. Jahrg. Gerichts Rettung. ��racit Kefördrr«»g einrr Diphtheritis» Kra»tk«tt v.5 dem städtischen Krankenhause im Friedrichshain war gegen Droschkenkutscher Heinrich Müller eine Strafe von 10 M. ent. 2 Tagen Hast durch polizeiliches Mandat verhängt. Ter Wiene erhob Widerspruch, und bekundete im Termin vor der • Abtheilung des Berliner Schöffengerichts Frau L., welche den �"geklagten als Kutscher angenommen hatte, daß sie ans dessen »rage nach der Krankheit der Kinder diese als leichte Hals- "chmdmig bezeichnet habe. Dem Antrage des Amtsanwalts jtjJPr�henÖ erkannte der Gerichtshof auf Freisprechung des An- in Finer fatalen Lage befand sich gestern ein Zeuge, der einer Anklage wegen wissentlichen Meineids vernommen wurde, J Legen die unverehelichte Helene C a r l l verhandelt wurde. den Polizeisekretär Hirsch schwebte in diesem Frühjahre gv. Disziplinarverfahren wegen unmoralischen Lebenswandels. .»»>it der Sache betraute Regierungsastessor ließ die An- g-Uagte eidlich vernehmen, wobei dieselbe bestritt, daß H. zu ihr " llllldli f CD a«• a!« � a.»—— Ti*- f.. f— CY\— jt-.."D.... r.f d. . v________________ 1----—"H ÜJ"•-/- 5" unlauteren Beziehungen gestanden habe. Noch an demselben jj�ge ging die Angeklagte zu einem Rechtsanwalt, dem sie ge- B"d, daß sie einen Meineid geleistet habe, und nun um seinen vtath bat. Der Rechtsanwalt reichte sofort einen Widerruf der .......«i/v* t/K.u.jivimii'ut.i vciusic juiuu. cuicu uvt Üblichen Aussage bei der betreffenden Behörde ein. Gegen die �.arll wurde trotzdem Anklage wegen wissentlichen Meineides er- yoben. Im gestrigen Termine hatte der Polizeisekretär als Zeuge Zu erscheinen. Zur Verwunderung des Gerichtshofes bestritt der jo�ge, daß sein Berhältniß zur Angeklagten strafbarer Natur ge- "�sen und wiederholt erklärte er sich bereit, dies zu beeiden. r~ Als der Staatsanwalt ihn darauf aufmerksam machte, °uß ihm mit ziemlicher Sicherheit dann ein Meineid nachgewiesen werden würde, gab der Zeuge die Möglichkeit zu, daß er sich in 's fraglichen Weise vergangen habe, jeooch sei es ihm nicht mehr erinnerlich. Als dann der Vorsitzende ihn auf das wenig Glaub- würdige dieser Aussage hinwies und ihm bedeutete, er möge lieber y'u Zeugniß verweigern, wozu er in solchem Falle berechtigt sei, "Uarle der Zeuge, von diesem Rechte Gebrauch machen zu wollen. Tie Geschworenen sprachen dann die Angeklagte Carll ,» wissentlichen Meineides für schuldig, aber mit den Milde- rungsgründen, daß die Angeklagte sich durch eine wahrheits- getreue Aussage selbst einer strafbaren Handlung bezichtigt hätte und daß ste den geleisteten Meineid innerhalb 24 Stunden wider- fUfen hatte. Der Gerichtshof verurtheilte die Angeklagte zu Tagen Gefängniß. Ei»» Uitriolattriitat a»,o»rrschinäliter Lieb« gelangte «sttern zur K-nntniß der IV. Straskammer des Landgerichts 1. Jsj'f der Anklagebank befand sich die 20 jährige Näherin A n n a rfurie Tethle, welche der schweren Körperverletzung be- huldigt war. Es»var die alte Geschichte, welche die An- »wagte, von häufigem Schluchzen unterbrochen, den» Richter- Mgium vortrug. Bor 6 Jahren war sie die Hansgenossin des »wlchaltrigen Buchhalters Rudolf Wolle geworden und bald , rauf zu ihm in ein Berhältniß getreten, welches ihrer Ueber- Mung nach mit einer Heirath enden mußte. Sie ist zwei Mal ."utter geworden, es ist aber nur der im März v. I. geborene �nabl .e am Leben geblieben. Damals habe ihr Bräutigam an ?ren in der Provinz lebenden Vater, einen ehrbaren Zimmer- "ann, einen rührenden Brief geschrieben, um ihn ivegen des un- lauteren Verhältnisses zu versöhnen und dabei versprochen, daß er -Leryaitnipes»u versöhnen und dabei versprochen, daß er ,ii tp streben werde, einen eigenen Heerd zu gründen, um heirathen ij� annen. Im März er. darauf habe sie erfahren, daß Wolle wlk einer jungen Tanie ans den„besseren" Ständen ,1.uch verlobt habe. Ihre Annäherungsversuche wurden zurück- »lese» und da habe das Rnchegefühl in ihr die Oberhand ge- fcr ow erfuhr, daß Wolle am Abende des 26. Mai in Wallung feiner zukünftigen Echiviegereltern in Moabit sein stak-r uni>'ll�te"'»l ihm eine Begegnung herbeizuführen. Sie Sthm-v nuf'?er Straße in Begleitung seiner Braut und deren Wim''®fe wandte sich an Wolle mit der Frage, wie er dazu in i« �ncr Dame spazieren zu gehen. Der Angeredete habe g«, �Lwerfendem Tone zu den erschrcttten Damen cineAeußerung sti%,.e ihre weibliche Ehre auf's Tiefste verletzen mußte, und der!. r I.fwen Begleiterinnen vorüber gegangen, iltun sei in ihr flliiruÜ!� Entschluß gereift, den sie am 30. Mai zur Ans- tau.'t..fachte. Sie habe sich bei einem Drogisten Oleum ge- u>n h. sich damit an dem erwähnten Abend nach Moabit begeben, sei»»» Treulosen aufzulauern. Dieser habe die Wohnung »stolm S8rc,Ut gegen 11 Uhr verlassen, sie sei ihm Istak® und an der Ecke der Dreisc- und Pritzwalker- Ter c>. � sie ihm die ätzende Flüssigkeit ins Gesicht geschleudert. gen,.�,3e Wolle bestritt, daß er der Angeklagten je ein ernst- tann, v Heirathsv ersprechen gegeben habe, auch könne dieselbe � CCtVCln l SaP» nv fit» hfljvrttflkMt llllivbp- Dev ein ihr»'°°ran gedacht haben, daß er sie heirathen würde. D SeurLr gerichtete Brief sei auch nur ein Aiisjlnß p. C 1 � t AA... r»» nm f � CVf.. ä«#1«*4«. .m, Attentat so sckwere Äerlenunäen davon getragen, daß er Gesicht fos Der an gewesen und auf den Wunsch der Augeklagten ge- »m den Vater zu besänftigen. Der Zeuge hat durch wfvrt bn'p n s°.schwere Verletzungen davon getragen, daß {stgl nnrf, f�'ckeiihaiis hat aussuchen müssen. Sein "Pchtiindm'v warben und sein Sehvermögen ist noch nicht s'der r,i*i'�Wder hergestellt»vorden. Ter Gerichtshof nahm 3 die„ ß das Leben des Zeugen gefährdet gewesen oder IiaatsanmÄ-"g cine dauernde fei. Nach dem Antrage des i da s e„"sts wlirde_bie Angeklagte zu einer Gefängniß- von sechs Monaten �'"r rafftnitt« Kahnhofsdiebi,, zu einer vcrurtheilt. die unverehelichte "Vi»"« mz-d-,... ch t h a n s nprnxtficift Die Angeklagte, Ivclche be- »'-"»'"Ä. WM, �ierS'i a ar? veruvtheilt. KKMWW die a en beschnei werden, da eine Zeugin ans Rybnik in Ober- sie n»..., geworden sei. Am 30. März war sie auf der »nit%%;»',.................. jf.»J,che Frau l""4 Hannover reisen»volle. Die hatte sie dann aufgefordert, sich während des % r,*?,0tte sie schon"»vährend � sich überrede» lassen. eit bewachen. Tie mancherlei Kreuz- l)atte° chr Beglester' sie �»mch der Hedivigskirche �Nal'"»egeb»,, a. gerade Abend- Gottesdienst stattfand,»hr einer Viertelstlinde»vieder hinaustrat,»var»hr Be- gleiter verschwunden und als sie sich mit Roth und Mühe nach dem Bahnhofe hingefragt,»var die„freundliche Frau" sannnt dem ihr anvertrauten Gepäck, das die sämmtlichcn Habseligkeiten der Reisenden enthielt, verschwunden. Die Aermste war Berliner Bauerfängern in die Finger gefallen»»»»d halte laun» soviel Geld, um nach der Heimath zurückkehren zu können. Die Angeklagte bestritt entschieden, daß sie in diesem Falle die Thäterin sei und hatte das Glück, daß die Zeugin sie nicht mit derjenigen Bestimmt- heit»viederzuerkcnnen vermochte, welche der Gerichtshof zu ihrer Ucberführung für nothivendig hielt. Sie»nußte deshalb frei- gesprochen»verde». SsztQle Melrevstchk. An die Sattler und Kernfsgenoffe» Sertins und Al,»»gege»»d. Kollegen, Arbeiter! Wie nothivendig es ist, unsere Organisation zu kräftigen,»miß Jeden» klar sein. Die überaus traurigen Verhältnisse, in denen»vir»ins befinden, können nur durch den Zusammenschluß aller Kollegen, durch energisches und ziclbeivnßtes Käinpfen gebessert»verde«. Ein Blick auf die besser organisirten Arbeiterschaften nnd deren Erfolge genügt, um uns einen Ansporn zu geben. Die oft übermäßig lange Arbeitszeit und die uiizulängliche Bezahlung sind die Hauptursachen,»ves- halb die Sattler»e. sich bis jetzt nicht heben konnten. Die Orga- nisationen sind zu schivach, un» erfolgreich einzmvirken. Deshalb muß ein Jeder von»»»»§ so viel in seinen Kräften steht, dafür»virken, daß»vir erstarken und ein Bolliverk bilden, an den» alles scheitert. Die am 23. September d. I. ge- »vählte Agitalions-Koinmission hat es sich zur Aufgabe geinacht, für die Kräftigung der Organisation zu»virken und werden jetzt, in regelmäßigen Zivischenräumen von vier Wochen, in jedem Stadttheil Versan»u»lu»ge» abhalten, die es einem jeden 5koUegen ermöglichen, sich an der Organisation zu betheiligen. An alle ausgeklärten Kollegen richten»vir deshalb den dringenden Appell, alle ihre Mitarbeiter zn veranlasse», diese Versaininlung zu be- suchen. Alle arbeitslosen Kollegen»verde»» ersucht, sich nach dem alleinigen Arbeitsnachiveis, Tresdenerstr. 110, zu bemühen. Die Agitations-Kommission. I. A.: R. Bombin, Admiralstr. 15. VevlÄttttnlunizen. Eine gut besuchte Uersnmmluttg des All gemeine,» Arbeiterinneuurrrins tagte an, Montag, den- 20. Oktober im großen Saale der Reischach'schen Brauerei zu Stralau. Herr Türk referirte über„Frauenbefreiung". Referent»vies in seinem interessanten Vortrag durch ei» großes Zahlenmaterial nach, daß die heutigen»virthschaftlichen Verhältnisse es bedingen, daß die Frau immer mehr und»nehr zur industriellen Arbeit herangezogen»vird. Er meinte:„Wir»vollen die Frau auch durchaus nicht daraus verdrängen, sondern»vir»vollen vielinehr, »veil die Frau ebenso gut,»vie der Mann ihre Kraft der Gesellschaft widmen muß, daß sie dn»»n auch die gleichen Rechte und den gleichen Lohn»vie der Mann erhalten soll." Zun» Schluß forderte der Referent die anivesendeu Frauen auf, sich dein„AUgeineinen Arveiterinnen- verein" anzuschließen, denn mir dadurch, daß sie sich vereinigen, können sie ihre Lage verbessern. Zur Diskussion sprachen Frau Vierten, Frau Scherzer und Herr Petersdorf im Sinne des Referenten. Zum Punkt„Verschiedenes" machte Frau Scherzer bekannt, daß im Laufe dieser Woche eine öffentliche Versaininlung betreffs der Zustände in der Velvetiabrik stattfinden»vürde. Herr Petersdorf theilte mit, daß man die Arbeiterinnen der Velvet- fabrik zivingt, auf ihre politischen Rechte zu verzichte»», indem man durch Plakate in den Fabrikräumen den Arbeiterinneu untersagt, Versammlungen zubesuchen,»vidrigensalls siesofort entlassen»verde». Er forderte die Arbeiterinnen aus, durch solche schlechten Mittel sich nicht einschüchtern zu lassen, sondern fest an der Sache zu halten. Ferner forderte er die Ainvesenden auf, ehe die Ver- saininlung geschlossen wird, sich zu Ehren unseres bewährten Ge- nossen Baumgarten,»velcher auf dein Kongreß der deutschen Sozialdemokratie verschieden ist, zu erheben.(Geschieht.) Die Vorsitzende machte zun» Schluß bekannt, daß am drittfolgenden Sonntag die nächste Arbeiterinnen-Versammlung hier stattfinden »vird und ersuchte die Amvesenden, recht zahlreich in dieser Ver- saininlung zu erscheinen. Darauf schloß um 11 Uhr die gut ver- laufene Versaininlung. Freie Uereinignug aller in der chirurgischen Kr,»»«che beschiistigten Persoiirir. Eine Generalversaminlung fand am Dienstag, bei Zemter, Münzstr. 11, statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Quartalsabrechnung. 2. Der Arbeitsnachweis. 3. Verschiedenes. Unser Kassenbcstand»var am 30. September d. I. 190,75 M. Zun» ziveiten Punkt wurde von» Vorsitzende» auf die Vortheile,»velche ein Arbeitsnachiveis, geführt durch die Arbeiter, bietet, hingeiviesen. Es»vurden demgemäß folgende zivei Anträge angenommen:„Stelle den Antrag, sofort einen Arbeitsnachiveis einzurichten und sämmtliche Meister unserer Branche davon in Kenntniß zu setzen und einen Stahl- Jnstruinentenmacher und einen Gürtler unserer Branche mit den» Arbeitsnachiveis zu be- traue». Geivählt»vnrde Kollege Scharnke für die Stahlbranche und Kollege Bodin für die Dreher, Drechsler nnd Gürtler. Ersterer ist z»» sprechen bei Windler, Dorotheenstr. 3, Letzterer »vohnt Zionskirchstr. 11. Beide dankten der Versamnilnng für das entgegengebrachte Vertrauen nnd baten dringend darum, nur durch den Arbeitsnachiveis Arbeit zu suche», damit derselbe nicht illusorisch»verde. Unter„Verschiedenes" theilte ein Kasseler Kollege die näheren Umstände mit,»velche bei den» dortigen Streik,»velcher ja nicht ganz geivonnen ist, geivaltet Huben. In erster Linie trägt der Gürtler Stabenoiv die Schuld, da derselbe, trotz Aufforderung, nicht nach Kassel zu kommen, doch in der streikenden Fabrik Arbeit genominen hat.— Folgende Meister, welche durch die Billigkeit ihrer Waaren den Arbeitern keinen anständigen Lohn geben können,»vurden nanihaft gemacht: Junge, Melchiorstr., Rangenve, Kommandantenstr.,»nid Bräse in Potsdam. In Bezug auf unser Stiftungsfest,»velches»vie bisher auch in» nächsten Jahre gefeiert»verde» soll, wurden 0 Personen als Vergnügungskomitee geivählt. 9 Personen ließen sich in den letzten 4 Wochen anfnehuien, 8 schieden aus. Uereiniguug der Drechsler Deutl'chlnuds. Die Oktober-Versa»»»,lunge>» standen unter den» Zeichen der Älb- rechnnngen, Voisitandsberichte und der Urabstimmung über den Zeitpunkt der nächsten Generalversammlung. Vorträge boten die Ortsverivaltungen 1 und III. In letzterer sprach Drechslermeister Mnttutat über„Krankenkasse»". In klarer Weise führte er den Zuhörern die einzelnen Krankcnlassen vor, geißelte in scharfen Worten den neuen Enlivnrf nnd schloß»nit einem»varmen Appell zum Beitritt in die freien Hilfskassen auffordernd. Lauter Bei- fall lohnte den, Redner für seinen zeitgemäßen Bortrag. In Orts- vcrivaltung I sprach Herr Bruns über„Nutzen der Geiverk- schaftcn nach den» Sozialistengesetz". Der Referent»vies nach,»vie letzt in allen Kreisen ein Wettstreit entbrannt sei»vegen Lösung der sozialen Frage, die Meinungen hierüber aber ganz verschieden seien. Die Lösung der sozialen Frage bediiige aber dieAushebung der Lohnsklaverei. Er führte dann aus,»vie diewenigen Arbeiterorganisationen 1878 unterdrückt»vurden oder sich selbst auslösten,»vie sie denn von Neuen» gegründet»vurden und die organisirten Arbeiter die Indifferenten darauf aufmerksam machen mußten, daß an der Magenfrage das heutige Wirthschafts- systein Schuld sei und daß der Hanptnachdruck auf die Gesetz- gebung zu legen sei. Daß eine freiere Bewegung nach Aushebung des Sozialistengesetzes nicht stattfinden könne, beiveise der Herr- surth'sche Erlaß. Ter Referent schloß mit den Worten, daß das heutige Wirthschastssifftem sich selbst zu Grunde richte, aber Pflicht eines jeden zielbewußten Arbeiters sei es, mitzuarbeiten, daß dieses beschleunigt»verde.(Lebhafter Beifall.) Aus den Abrechnungen nnd Berichten des Vorstandes ist zu bemerken, daß in allen geklagt»vird über die Lauheit der Mit- glieder; ja fast in allen Zahlstellen ist die Mitgliederzahl zurück- gegangen. Die Ortsverivaltungen I. und IV. ehrten den in Halle verstorbenen Delegirten Baumgarten durch Erheben von den Sitzen. Bei der Urabstimmung kau» es in den einzelnen Orts- verivaltungeir zu lebhafter Diskussion. Säinintliche Mitglieder stellten sich jedoch auf den Standpunkt der koinbinirten Mit- gliederversanunlung von» 12. Oktober und stimmten unter Protest: für Ostern. Die Ortsverwaltungen IL, III., IV. nahmen eine ziemlich gleichlautende Resolution ai»,»velche lautet: Die Mitgliederversainniliing der Ortsverwaltung pro- testirt gegen die Mitzählung der nicht abstimmenden Zahl- stellen und sieht darin eine grobe Verletzung des demo-, kratischen Prinzips, ferner gegen jede Extrasteuer»md schließt sich der Resolution der konibinirten Mitglieder- versaininlung von» 12. Oktober an. Unter„Verschiedenes"»väre zu bemerken, daß der Rechts- schütz- Kominission in Ortsverivaltnng I. 5 Fälle überwiesen ivare», ivovon 1 verloren, 2 von der Kommission fallen gelassen und 2 geivonnen»vurden zu Gunsten der Mitglieder. Bekannt gegeben»vnrde noch, daß die nächste öffentliche Bersainmlung am 23. Oktober bei Feuerstein stattfindet. Möge im November- Bericht ein besserer Besuch der einzelnei» Ortsverwaltungen zu melden fein. Eine Uerlrtiuiuluug de» Fachuererus der Lithographie-Steinschleifer und Berufsgenossen zu Berlin tagte am 21. Oktober in, Saale des Herrn Feindt(früher Bobert), Wein- straße 11, mit der Tagesordnung: 1. Kassenbericht. 2. Vortrag des Herrn Pirch über„Frauenemanzipation". 8. Innere Vereins- angelegenheit. 4. Verschiedenes.— Der Vorsitzende Herr F. Rose eröffnete die Versaininlung um 9Ve Uhr»tnd ertherlte Kollegen Rohmann das Wort zuin Kassenbericht,»velcher nach allen Aus- gaben der letzten Monats noch 30 M. Bestand betrug. Dem Kassirer»vnrde Decharge ertheilt. Hierauf ergriff Herr Pirch das Wort zum Referat. Selbiger hob in seinem Vortrage be- sonders hervor, daß die Frau von Alters her die Sklavin des Mannes gewesen, ganz gleich, in»velcher Form,»veil sie die schivächere Person war, und daß erst die Sozialdemokratie für die Gleichberechtigung der Frau eintrete. Wir Alle seien ver- pflichtet, daran mit zu arbeiten. Der Redner erntete reichen Beifall. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Haupt, Seidel und F. Rose iin Sinne des Referenten. Hierauf erhielt Letzterer das Schlußivort. Zu„Innere Vereinsangelegenheiten" wurde be- schloffen, unser nächstes Stiftungsfest ain 24. Jan. in Sternecker's Bürgersälen, Dresdencrstr. 90, zu feiern. Besondere Ein- ladungen per Postkarte»verden nicht mehr geschickt. Die Ver- sammlungen finden jeden Dienstag nach dem 15. eines jeden Monats bei Herrn Feindt(früher Bobert), Weinstr. 11, statt. Freie Uereiniguug der Maurer Kerl»»«» u»»d Umgegend. Eine ordentliche Mitglieder-Versainmlung fand ain 10. Oktober in Orschcl's Salon statt. Die Tagesordnung lautete: 1. Vortrag über„Kapital und Arbeit". Referent Julius Apelt. 2. Diskussion. 3. Fragekasten. Ehe zum ersten Punkt der Tages- ordnung geschritten»vurde, verlas der Vorsitzende der Versamm- liing, Wilhelin Kerstan, eine Depesche. Sie lautete folgender- maßen: „Ein Hoch und Gruß per elektrischen» Blitz, Sendet Euer Jubilar»md der alte Fritz." Hierauf hielt der Referent den sehr lehrreichen Vortrag, dem die Mitglieder mit der größten Spannung zuhörten. Die Diskussion»var sehr lebhaft. Es sprachen die Kollegen Scheel, Hupke, Krieg und Gröppler. Unter„Verschiedenes" machte Kollege Krieg bekannt, daß das Mitglied Ernst Deisemann am Blutsturz gestorben ist. Redner stellt den Antrag, die Unkosten für den Kranz aus der Vereinskasse zu decken. Dieser Antrag »vurde angenominen. Zu Ehren des Verstorbenen erhoben sich die Mitglieder von ihren Plätzen. Herr Pfeil stellt den Antrag, ein Glückivunschtelegramn» an den Hallenser Parteikongreß zu senden. Die Versammlung beschloß demgemäß. Der Vorsitzende macht noch bekannt,»vo Sammelgelder abgeliefert »verde» können. Dahins kassirt Sonnabend, Abends von 8 bis 10 Uhr Diedenhofer- und Treskoivstraßen-Ecke bei Schmidt. Sonntags in seiner Wohnilng Treskoivstr. 15, 3 Tr. August Witte kassirt Sonnabend, Abends von 8—10 Uhr Rathenower- straße 80 bei Holzbccher; Montags bei Barth, Gerichtsstraße 19. ES wurden noch die neue Adresse von Jul."Wernau angegeben. Sie ist jetzt Franseckistr. 12, Hof, Quergeb. 2 Tr. Die Krausten- u>»d Sterbest,»!fe der Kerliuer Haus- dieuer(E. H. 61) hielt am 17. d. M. ihre ordentliche General- versaminlung ab. Nach Genehmigung des Protokolls der letzten Versammlung theilte der Vorsitzende zu Punkt 1 mit, daß der Kollege Flainm in» Monat August gestorben sei. Die Versammlung äußerte ihre Theilnahme durch Erheben von den Plätzen. Auf Geschäftsordnungs- Antrag des Kollege» Grauer wurde Punkt 3 der Tagesordnung,»velcher eine Statutenänderung in 'Aussicht nahm. abgesetzt und beschlossen. diese Aenderung erst dann vorzunehmen, wenn die veröffentlichte Novelle zum Kranken- lassen-Gcseh Kraft erlangt habe. Zu Punkt 2 verlas der Kassirer den Vierteljahrsbericht, »velcher sich folgendermaßen stellte: Gesainmteiiiiiahme 28 010,48 Mark, Ausgabe 5731,21 Mark, das Vermögen der Kasse betrug demnach 22 879,27 M. Dem Vorstande»vnrde Decharge ertheilt. Punkt 4, Wahl eines definitiven Krankenkontrolenrs,»vurde auf'Antrag Karl Arndt ebenfalls abgesetzt und beschlossen, diese Wahl bis zur Nemvahl des Vorstandes,»velche im Januar statt- findet, zn vertagen. lieber Punkt 5, Verlegung des Kassenlokals, wurde zur Tages- ordnung übergegangen, da die Motivirung als nicht genügend begründet erschieß Diese Sache kam jedoch unter den» Punkt„Verschiedenes" noch einmal zur Sprache und erregte eine lebhaste Debatte. In» weiteren Verlauf der Versaininlung kam folgende Reso- lution Grauer zur Annahme: „Tic heutige ordentliche Generalversammlung der Kranken- »md sterbekaffe der Berliner Hausdiener(E. H. Ol) erklärt die Besillnmttngen der Novelle zum Reichsgesetz, betreffend die Kränken- Verstcherung der Arbeiter, soweit die eingeschriebenen Hilsskassen »n Betracht kommen, als solche, die geeignet sind, die ohnehin recht fühlbare Zurücksetzung dieser Kassen alle» anderen zugelasse- nen Kassen gegenüber zur Unerträglichkeit zu steigern. 1. Wir bestreiten entschieden, daß die Mitglieder der ein- geschriebenen Hilfskassen dadurch, das, ihnen die Wahl der Aerzte und die Beschaffung der Medikamente freigestellt wird, den Mit- gliedern der Zmangskassen gegenüber schlechter stehen; eine geeignete Rundfrage bei den Mitgliedern dieser Kassen wird unsere Behauptung bestätige». Wir behaupten, daß die Mitglieder der eingeschriebenen Hilfskassen ärztliche Hilfe, ivcil es ihnen freigestellt ist, den Arzt ihres Vertrauens zu konsultiren und ohne ärztliches Attest kein Krankengeld verabfolgt wird, weit früher in Anspruch zu nehmen und so den Interessen der öffentlichen Ge- sundhcitspflege gerecht werden, als die Mitglieder derZivangs- kassen, die ja doch zum größten Theile nur wider Willen Kassen- Mitglieder sind. Im Weiteren bestreiten wir, daß die von den eingeschriebenen Hilfskassen geleisteten und gesetzlich vorgeschriebenen Baar-Unter- stützungcn, die in den meisten Fällen das gesetzlich geforderte um ein bedeutendes übersteigen und im besonderen auf eine weit längere, oft vierfache Zeit als vorgeschrieben, gewährt werden, nicht aus- reichen soll zur Deckung von Arzt und Arzneikosten. Das Gegen- theil wäre leicht nachzuweisen. � 2. Das Krankengeld nicht mehr nach dem Durchschnittslohn desjenigen Ortes, an welchem die Kasse ihren Sitz hat, berechnen zu dürfen, muß als eine, jeden hallvaren Grundes entbehrende Erschwerung der Lebensfähigkeit und Entwickelung der Kassen und als eine Benachtheiliguug der Mitglieder derselben bezeichnet werden, um so mehr, als fast alle zentralisirlen Kassen ihren Sitz in größeren Jndustrieorten, wo höhere Löhne, als auf dem flachen Lanoe gezahlt werden, haben. _ Die heutige Generalversammlung erwartet, daß der Vorstand geeignete Schratte thun wird, geeigneten Ortes und zur geeigneten Zeit die hier ausgesprochene Ansicht der Mitglieder zu vertreten und den maßgebenoen Behörden hiervon Lliittheilung machen wird. Außerdem wurde beschlossen, in dem Lokal Neue Grünstraße Nr. 28 keine Versammlungen mehr abzuhalten, weil dem Fach- verein der Schlächtergesellen das Lokal verweigert wurde. Für den bevorstehenden Kongreß aller Hilfskassen wurden die Herren Kuhntke und Grauer und Segebrechr als Ersatzmann gewählt. Nachdem dann noch einige interne Angelegenheiten, sowie der Fragekasten erledigt, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Der Perband der Pergolder, Goldkeisten Arbeiter und Kernfsgenosse» �Filiale Berlin) hielt am Montag, den 20. Oktober, in Scheffer's Salon seine Versammlung mit folgender Tagesordnung ab: I. Vortrag des Herrn Böhl über„Arbeits- nachweise". 2. Statistik. 3. Kassenbericht. 4. Unterstützungssrage. 4. Verschiedenes. Vor Eintritt in die Tagesordnung macht der Vorsitzende bekannt, daß unser treues Mitglied W. Pflug verstorben ist und fordert die Anwesenden aus, zu Ehren des Ver- storbenen sich von den Plätzen zu erheben.(Geschieht.) Zuni ersten Punkt weist Kollege Böhl in kurzen sachlichen Worten die Vortheile eines Arbeitsnachweises nach und legt der Versammlung ein von ihm ausgearbeitetes Arbeitsnachiveissiatut zur Diskussion vcr, welches nach kurzer Debatte einer Kommission von 7 Per- sonen zugewiesen wird, die bis zur nächsten Versammlung Bericht erstatten soll. Zum zweiten Punkt verliest Kollege Ramlow den Bericht von den eingelaufenen Fragebogen. Das Resultat ist ein sehr mangelhaftes, da von 800 ausgegebenen Fragebogen nur 320 ausgefüllt waren; von diesen waren 297 im Verbände. Zum 3. Punkt verliest der Kassirer den Kassenbericht vom letzte» Quartal, welcher eine Ein- nähme von 415,40 M. crgiebt. Alter Bestand 93,59 M., macht Gesammteinnahme: 508,98 M. Dem steht eine Gestimmt- Ausgabe von 530,18 M. gegenüber, bleibt mithin ein Defizit von 21,20 M. Die Revisoren bestätigten die Richtigkeit der Kasse. Dem Kassirer Meyer wurde Decharge ertheilt. Zum 4. Punkt entstand eine längere lebhafte Debatte, welche mit einem Antrag endete, daß jedes durchreisende Mitglied für 2 Tage pro Tag 1 M. Unterstützung erhält. Unter„Verschiedenes" wurde ein An- trag angenommen, eine Matinee zu veranstalten. Ferner führte Kollege Behrendt Klage über die Kollegen der Adolf Werb meister'schen Werkstelle, welche sich eine» Abzug pro 100 Fuß von 80 Pf. ans 30 Pf. gefallen ließen. Dieses Verhalten wurde von sämmtlichen nachfolgenden Rednern scharf perurtheilt. Der Uerband der Möbelpolirer Hcrlins m»d|fm- gegend hielt am Montag, den 20. Oktober, im Lokale des Herrn Bolzmann, Zlndrcasstr. 20, seine ordentliche Generalversammlung ab. Die Tagesordnung lautete: i. Vierteljahresbericht. 2. Anträge event. Ausschluß eines Mitgliedes. 3. Wahl der Vorstands- und Kommissions-Mitglieder. 4. Verschiedenes. Zu Punkt 1 erstattete der Kassirer Bericht. Die Einnahmen betrugen 237,50 M., hierzu 91,08 M. vom 2. Quartal, Summa 328,58 M. Die Ausgabe» 208,12 M., bleibt Bestand 120,40 M. Die Einnahmen der Fachkommission vom 2. Quartal betrugen 74,00 M., vom 3. Quartal 48,30 M., Summa 122,"0 M. Die Ausgabe 94,35 M. von den freiwillig n Beiträgen zum Unterstützungsfonds. Derselbe hatte im zweiten Quartal 17,02 M. Einnahmen, im dritten Quartal 0,55 M., Ausgabe keine. Bestand 17,75 M. Ter Darlehnsfonds hatte eine Ausgabe von 187 M., bleibt 07 M. Bestand. In der Abrechming des Kassirers war ein kleiner Jrrthum unter- lausen und wurde deshalb den Revisoren zur nochmaligen Nach- Prüfung überwiesen. Da die Revisoren im weiteren Bücher und Gelder in Ordnung gefunden haben, wird den Kassirern Decharge ertheilt. Des weiteren machte der Vorsitzende der Fach- kommission Mittheilungen über den Arbeits- Nachweis, welcher seit vier Jahren eine stete Zunahme zu ver- zeichnen hat. Damit war der Punkt erledigt. Zum zweiten Punkt stellt der Vorsitzende den Antrag, einen Generalfonds zu bilde», worin sämmtliche Gelder für die Fachkommission fließen sollen; derselbe wird ohne Debatte angenommen. Ein Antrag Nehrlich, Ausschluß des Kollegen Strauch betreffend, ruft eine lebhaste Debatte hervor. Zur Annahme gelangt folgender Antrag:„Die Versammlung spricht ihr Bedauern über die Handlungsweise des Kollegen Strauch aus und erwartet, daß er in Zukunft zu keinen ähnlichen Klagen mehr Anlaß geben werde." Damit ist dieser Fall erledigt. Weiter liegt ein Antrag vor, Geldentschädigung zweier Kommissionsmitglieder am 1. Mai betreffend. Ter Antrag besagt, die Versamnilung wolle dieses für recht anerkennen. Derselbe wird jedoch abgelehnt und müssen die beiden Kollegen den Betrag zurückerstatten. Ein weiterer Antrag verlangt, daß der Streikkassirer sämmtliches Material an den Kassirer der Fachkommission abliefern solle, findet einstimmige Annahme und wird dadurch zugleich die Streik- kommission aufgelöst. Punkt 3 wird aus eine in allernächster Zeit einzuberufende außerordentliche Generalversammlung vertagt. Da seit einiger Zeit mehrfach Polirer nach Stettin verlangt wurden und verschiedenartige Gerüchts in Umlauf sind, so liegt ein Antrag vor, die Sache der Fachkommission zur Untersuchung zu übergeben. Der Antrag wurde angenommen. Unter„Ver- schiedenes" wurden einige Begehren um Rechtsschutz gewährt, so der Streikkommission, welche unter Anklage gestellt ist, sich gegen die §§ 152 und 153 der R.-Gewerbe-Ord. und§ 74 des R.-Str.-G vergangen zu haben. Der Vorsitzende bringt dann noch einen Brief zur Verlesung, welchen er von Herrn Karl Lindner, Wasserthorstr. 30, erhalten hat, worin dieser mitlheilt, daß er Herrn Weber gerichtlich belangen werde wegen falscher Anschul- digung. Nach der Anzeige, daß die nächste Versammlung bei Gnadt am Montag, den 27. d. M., Abends 8 Uhr, mit dem Vortrag des Herrn Zubeil über„Kasernen und Ferienkolonien" stattfindet, schließt der Vorsitzende di. Versammlung um IVe Uhr. Arvritrrverri« von Eöpenick. In der monatlichen Versammlung des Arbeitervereins fand die Kassenabrechnung statt. Nachdem die Wahl zweier Revisoren stattgcsunden, erhielt Herr Hübsch(Berlin) daS Wort, um über„die Thätigkeit der Partei während des Sozialistengesetzes" zu referiren. Das Referat, welches sich auch mit dem Parteitage zu Halle beschästigle, wurde großem Beifall aufgenommen. Nach der Diskussion wurde Resolution, betreffend das Verhalten der Mehrheit des Paw tageS in Sachen Werner's, beantragt. Dieselbe führte zu em lebhaften Debatte, wurde aber doch mit großer Mehrheit M, nommen(gegen 5 Stimmen) und dem Parteitage telegrapy M übermittelt. «rakr offmtlidi« zteesammlung der vrlegirtri, zur Berliner --Ml..................>°»-> o-bendS sy. Uhr, i» i. Ter Streit der Pst. R-f-«"!' tr Gewus Kontroltommisston c»ii Treilag, den si. Ollober, Abends e�Uhr. müller's Salo», Alle Jatobstr�4Sa. Tagesordnung: i. Ter Etre »ntttarbeiter. Referent: Herr Hildebrandt. 2. Ter Töpferfireit. C. Thiente. 3. Boytottanträge der Schlachter. 4. Telegirtenwahl zur fchafts-Konferenz. 5. Verschieoenes. Punkt» Uhr: Verlesung der P—i liste. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. Zcntral-Hrankr»- und Kegriidnihliakle für Lraue» und tu Teutscksland. iE. H. 20 in Osfenbach, Verwaltungsstelle Berlin l.), v° ,, Versammlung am Mittwoch, den 23. Oktober, Abends Uhr, bei«, Tresdeuerstr. 10, i Tr., bei Kkoth. Tagesordnung: t. Vortrag des v Dr. Kollwitz. 2. Abrechnung vom 3. Quartal 1890. 3. Verschiedenes.„j, Krkaug-. Turn- und gefrUigr yrrrinr am Dienstag. Gesang»„ „Sutenbecg" Abends 6% Uhr im Restaurant Quandt, Etralauerstrahe 4' (Sefangverein„Alpenglühen" Abends o Uhr im Restaurant �ildebrandt. ftraße 97.— Schäferllcher„Gesangverein der Elfer" Abends 9 Uhr bei und Krüger, Stalitzerstr. 126, Gesangs— � Männergesangverein"®a, �oet«» ._""""'-~"— ig/C] klllv Abends 9 Uhr int Restarant Firk, Kottbuserstraße 22. Bouvardia"(Miinnerchor) Abends s Uhr im Restaurant..Teutonia. forterstraste is.— Männergesangverein„Steinnelke" Abends 9 Uhr im„z rant Schulz, Stettinersiratze 66—57.— Gesangverein„Harmonie»»,. 8 Uhr in Reulam's Bierhaus, Große Franksurterstr. 49.— Mannergei�, verein„Echo U" Abends 9 Uhr im Restaurant Drillhose, Rosenthalerstr.>. — Gesangverein„Sängerhain" Abends 9 Uhr im Restaurant Kaiser.», Grenadierplatz 7.— Gesangverein„Bruderherz" Uebungsstunde Abeno» � 9X— 11% Uhr. Aufnahme neuer Mitglieder.— Gesangverein„©»» tr Moabit" Abends 8% Uhr Wilsnackerftr.«3 im Restaurant �Ilges.— Gleist, Prinje"' Rebel� gesangverein„Hilaritas" Abends s Uhr im Restaurant Allee@9.— Gesangverein Langestr. 108.— Männerg Gerth. Prinzenstr. 106.— Männergesangverein„Accordia" üwd�» � bei Weick, Alexanderstr. 31.— Gesangverein.�udwigllcher Männerchot«»„ 9 Uhr Lindenstr. loa bei Poppe, Uebungsstunde. Gäste sind willkonn»-„ Männergesangverein„Liedessreiheit" Abends 8.� Uhr im Resianrant V � Blumenstr. 38.—„Deutsche Liedertafel, Dirigent R. Maschinsly Abends Uebungsstunde im Restaurant Saeger, Grüner Weg»..— Mannergn. verein„Alte Linde" Abends 8%— io% Uhr im Restaurant Johns, Mlirian straße 19.— Gesangverein„Bleibtreu", Uebungsstunde Müllerstraße � Pohl.— Zitherklub„Amphion" Abends 9 Uhr in Triebels Restau Hoher Steinweg is.— Turnverein„Froh und Frei"mnerabth° Abends 8\ Uhr, Bergsir. 57.— Berliner Turngenossenschatt lFunste ü!»„ abtheilung) Abends 8 Uhr in der städtischen Turnhalle, Wafserthmsti- Turnverein„Hasenhaide"(Männerabtheilung Zlbends 8 Ubr, Tiell-!. straße 60—61.— Berein ehemaliger Schüler der 37. Gemeindeschule 9 Uhr im Restaurant Kinner, Kopnickerstr. 08.— Arendt'scher Stenogiw 0! verein„Apollobund" Abends 8%. Uhr Brunnensir. 129a.— Arendt scher« graphenverein Abends 8% Uhr im Restaurant„Zum eisernen Krem ubr>' straße 71.— Deutscher Verein Arendt'scher Stenographen Abends 8» p. Randel'S Restaurant Brunnenstr. 129».— Verein„Roe" Abends Sit sw>, Restaurant Eltze, Alexandrinenstr. 99.— Unterhaltungsverein % Abends» Uhr, Eisenbahnstr. 361!, im Restaurant von Liebe.— Bergnuv' verein„Mollig" Abends 9 Uhr im Restaurant Reinicke, Gipsstraße* Dienstag nach dem 1. und 15.— Zithertlub„Amphion" Abends»«, „Münchener Hos" Spandauerstr. 11—12.— Rauchklub„Zum Wränget" 8 Uhr bei Herschleb, Ädalbertstr. 4.— Rauchklub„Portoriko", Abends Manteuffelnraße 119 bei Grewling.— Rauchklub„Deutsche ttnioc• 8 Uhr im Restaurant Händler, Wrangelstr. n.— Rauchklub ,.Frie»"äi � Abends o Uhr im Restaurant Kipping, Landsbergerstr. iioa.— Rmf Kt „Lustige Brüder" Abends»X Uhr bei Grothe, gnüguugSverein„Fröhlichkeit", Grüner Weg 29. verbunden mit Vorträge». Gäste willkommen. Ät�g m............... wmm verein„Sedan" S tzung Abends 8% Uhr Grüner Weg 9—10.— Tamboii i« „Einigkeit macht stark",_ gegründet 1:88 �Uebungsstunde �-wend� 9 Restaurant Hahn, Elsassersir. 57. Abend« s!9— ii Uhr, bei Drucks, Reichenbergerstr. 83. Ausnahme sgl ""------------ Schwarz- Weiß- Roth" teden Mitglieder.—„Bergnügunasverein.._ Abend 9 Uhr bei Feuerstein, Alte Jakobstraße. Gäste willkommen. T"jy-, demokratischer Lese- und Diskutir-Berein„Herwegh". Abends 8 Uhr m-gp des Serrn Otto Linke. Forsterstraße 45.— Arbeitergesangverein Abends von 9—ii Uhr im Restaurant Schmidt, Wrängelsiraße 141: i> _ iltav-rtYstlrtsettACfiOi-oir» AnnX Ovrtrih" KitTtlNll 9 WL./ stunde.— Vergnügungsverein„Hand in Hand", Sitzung Abend» ----"■■ Saarbrückerstr. 47. Ausnahme»euer Mitglü w Restaurant Schröder, WWWWWWW............-„n. Rauchklub„Sorgensrei" Abends 9 Uhr bei Wuttke, FriediichSbergerstr.! "der.— Bergnügungsverein„Lustige 13" i flichc ch'sj «°ni Nstt. Ie« ie er °biva drück ff Ulli «ie nähme neuer Mitglieder.—..................,—-„-, im Restaurant Albrecht, Annenstraße 9.— Gesangverein„Fidelitas, 9 Uhr, bei Kummer, Ackerstr. 13. fiiv Frauen und Männer Abends 3 Uhr, im grossen „Friedrichshain'1. am Dienstag, den 28. Oktober, Saale der Brauerei Tagesordnung: 1. Was bedeutet:„Religion ist Privatsache? Heinr. Peus. 2. Diskussion. Der wichtigen Tagesordnung halber bittet recht zahlreich zu erscheinen 1558 Der Einberufer. Referent Große ösfentliche d. sozialdmokr. ParteigenoM 1 3. Verl. ReichstG-WMkr. Dienstag, den 23. Oktober, Abends 6i,'2 Uhr, bei Deijjmüller, Alte Jakobstr. 48a. Tages-Ordnnng: 1. Bericht der Delegirten vom Parteitag zu Halle. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 1024_ Der Ginberufer. Grosse Versammlung des Sozialdemokratischen Malzloereins des 4. Kerliner Reichstags-Maljlkreises. Dienstag, den 28. Oktober, Abends 8 Uhr, im Lokal J o 8 I(früher Keller), Andreasstr. 21. Tages-Ordnnng: 1. Vortrag. 3. Vereinsangelegenheiten. 2. Diskussion. 4. Verschiedenes und Fragen. Gäste haben Zutritt.— Neue Mitglieder werden Aufgenommen 1595 Der Vorstand. Kachoerew der Tischler. Mittwoch, den 29. Oktober, Abends S'/e Uhr, in Orschel's Salon, Sebastianstr* 39# General- Versammlung. Tages-Ordnung: �.,.._ 1. Kassenbericht des Rendanten. Bericht des Vorstandes. Bericht des Arbeitsvermittlers. Bericht der Werkstatt-Kontrolkommisston. 2. Ersatzwahlen des Vorstandes. 3. Wie stellen sich die Mitglieder zur Aufhebung der Extra- beitrüge? 4. Vereinsangelegenheiten. Anträge. Verschiedenes. Ausschulst des Mitgliedes John. Mitgliedsbuch legitimirt. 1654 Der Vorstand. St?£|tUs|HVtttt$ bester Qualität, geruchlos, Politurspiritns, sehr hochgrädig. 92-96 pCk. Spiritus mit Holzaeist denaturirt, ca. 90 pCt., liefert zu sehr billigen Preisen frei ins Haus und nach auswärts bahnfrei hier Die Krennspiritus-Fadrlk Hermann Meyer& Co., Deriin, Medom straße(Berliner Lagerhof>_ (71 eigener Fabrik. 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