Dr. 354. Frettag, den 31. Oktober 1890. y. Jahrg. IrrlinerDolbslilalt. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. .r,.. Das„Berliner Volksblatt" .'ajemt täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonuementspreis für Berlin frei Sn». u® vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. nniagg-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Vostabonnement.3,30 Mark pro Quartal. if..(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, T. Nachtrag.) -"kr Kreuzband, täglich durch die Erpedition, für Deutschland und Oestcrreich-Ungarn 3 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Sonn- und �cittagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet, -• Fernsprecher: Amt VI. Zlr. 410«.--- Nedaktion: VvnkhptrÄtze 3.— Expedikion: VenthstvA�ze 3. Aboillleiiltllts-AlllilkN. Für den Monat Uovember eröffnen wir ein neues Abonne- m<11t auf das „Bnlim BiimMt" Hit dem ..Sonnkagsblakt" J Gratisbeilage. «berliner Volksblatt" ist auf dem Parteitag zu Halle P öentralorgan der sozialdemokratischen ist es er'�r' worden. Die Aufgabe des„Berliner Volksblatt" gj]. �aher, in möglichst wirksamer Form den Willen und die ju mui,9 der gesammten sozialdemokratischen Partei Deutschlands w"�druck zu bringen. Es ist deshalb Pflicht eines Jede», (jatiVh Ct dem Druck des Kapitalismus seufzt, das sozialdemo- Hit• 6 �)r9nn Zu lesen und dasselbe durch sein Abonnement zu dir Nur durch die sozialdemokratische Presse kann �Arbeiter über Wesen und Werth der kapitalistischen � uktionsweise aufgeklärt werden, und in der sozialdemokratischen lich� ßnbet er die Mittel und Wege angegeben, die ihn schließ- au§ den Fesseln erlösen und ihn einer freien und glück- Zukunft entgegen führen werden. lih,. den aufgeklärten und zielbewußten Arbeiter bedarf es hl f*®or�e' um ihn auf die Nothwendigkeit der Unterstützung In i�ialdemokratischen Presse aufmerksam zu machen. Er gehört f Vierer Partei und liest unsere Presse. �. ber Pflicht dieses aufgeklärten und zielbewußten Theils der � cker ist es, unsere Ideen und Anschauungen auch in die �*r»och im Banne der Reaktion und des schlimmsten aller � j des Fortschritts, des Jndifferentismns, stehenden Massen �vgen. Das geschieht aber am Besten, wenn überall, in s«,j �eskreisen, in der Werkstatt und wo sonst noch, auf die kinokralische Presse hingewiesen, für sie geworben wird. sozialdemokratische Arbeiterblatt Berlins muß das ge- �ogan der Reichshauptstadt sein! vl»,.». Abonprmentaprri« beträgt frei ins Kons für das Hö',,.7)°«-l,ahr 3 Morst 30 Pf., monatlich 1 Morst 10 Pf.. Il,ch 38 Pf. Htn�'l'kbungen werden von sämmtlichen Zeitungsspediteuren �"genommen. außerhalb nehme» sä mm tli ch e Postanstalten Be- Zahi,,„„ für die Monate November und Dezember gegen >.vo die Bergarbeiterstunmeil in Betracht koiim�Ui��. -u. oruhjahr eine Bergarbeiter-Deputatioii a"' /r sich Mn gesetzlichen Achtstundentag für etwas gewundenes„Bin nickt dafuf st o n e, der noch ihre Anfrage, wie leute stelle, ein allerdings zur Antwort gab, hat am vorigen Donnerstag in einer Versag �MWMinen Wählern in West Calder bei- Edinburgh eck. .......» lung vor seinen.. daß falls die Bergarbeiter in ihrer......., für den gesetzlichen Achtstundentag erklärten, er sich � entschließen könne, für ihn Stellung zu nehmen. rief sich, und das ist sehr bezeichnend, auf die OT *.»V|" v|--'U'--/----* r---- l.. daß,„obwohl wir angeben, unsere Fabrikgesetzgebnng sel�rm � die Frauen- und namentlich Kinderarbeit"gerichtet, und i Buchstaben nach auch der Fall, sie sich thatsächlich a» ans die Arbeit d e r M ä n n e r erstreckt". ti( s dte Atiret t öermtanner e r u r e a t. Damit zerriß Herr Gladstone eine Fiktion, an der bi-0 gerade liberalerseits streng festgehalten wurde. Leugnete auch nicht die Thatsache, die Herr Gladstone da ermähnt, die nachgerade jedes Kind kennt, so weigerte man sich doch,, Konsequenzen ans derselben zu ziehen und, was die von, Staat erlassener Gesetze war, offiziell als etwas n"5/; denn als eine Art unabwendbares Naturereigniß zu behandln Vielleicht noch wichtiger als Eladstone's Zusage, ist suche, daß der geschäftliche Leiter der liberalen Partei, deck steh er des liberalen Wahl-„Kaukus", Herr Schnadhorst.�ßch � den gesetzlichen Achtstundentag für Bergarbeiter ausgesprochen Auch Tory-Abgeordnete haben ihn bereits akzeptirt. sie stehen in ihrer Partei noch sehr vereinzelt da. Die /, vative Partei als solche ist heute viel mehr Kapitalistenparte � die liberale. Die 306 konservativen Abgeordneten, die du � letzten Wahl ins Parlament kamen, vertraten nicht wenige' � 323 Aktiengesellschaften. Das Organ der Konservative», jjj. „Standard", nimmt denn auch der neuen Richtung i» d» � beiterbewegung gegenüber die denkbar feindseligste Haltu»3 Selbst die„Times", dieses Erzkapitalistenblatt, wird von# übertrumpft. u, j» Das hat sich namentlich bei den Konflikten gezeigt, � � der letzten Zeit auf den Londoner Docks, wie überhaupt � mit dem See-Transportwesen verknüpften Geschäftszweigen• espielt haben. Ich habe schon in einem früheren Brief aß auf den Docks nicht Alles so geht, wie es gehen ft'ltc, J ~ �» V»/» V /.|V»VYY. V*- y V■|. JIM daß fortgesetzt Reibungen, nicht nur zwischen den Arbeiter» � v___....... f___ v_____........____ v________ r.f' v... Art vi l'.? den Schisfsherrcii, sondern auch zwischen den verschiedenen® 0 gruppen stattfänden. Obwohl diese Reibungen nun d». nichts Pienes sind, sondsrn zu allen Zeiten stattgefunden wurden sie doch systematisch der Docker-Union zur Last geleg P außerdem in tendenziöser Weise übertrieben. Das Streve y Docker- und ähnlicher Vereine, alle in ihrem Arbeitszweig � schüftigten Arbeiter in ihre Organisationen zu bringen,'�0 läufig die einzige Möglichkeit bietet, geordnete Zustände unv geregelten Betrieb auf den Docks, im Schiffsverkehr:c. 5"\ wird als„unerträgliche Tyrannei" gebrandmarkt und zu regeln aufgefordert, die cs ermöglichen, die„freie Arbeit">./ herzustellen/ Ich brauche in diesem Blatt nicht erst zu J p welchen Sinn das Wort„freie" in dieser Verbindung p Man möchte die alten Zustände wieder haben, � •) Cr ist Mimchaber estirr groben Spinnerei beiM-�t und zwar, was als Kuriosum hier Mitgetheckt sei, deck _____ o-:*..... w.-*---- deren Leitern bis Engels gehörte. üvutiv; i/ivv muytiycui[vi; �'..hl Ende der sechziger Jahre Fri« Draußen plätscherte noch immer der Regen und � prasselnd gegen das Dach, hier innen blieb es ga»» Ter Poldl stand schier verdutzt; er getraute stck. mehr zu sagen und zu fragen— wer hätte auch b/ daß die kleine Franzel so heftig auffahren und so I geben und wehren könne! frei und faul, ,,Fa, da das I W hast Dn's, uu?::„jn;.. Tugenden im Menschen," dachte er, während er nick- v mehr' Respekt, aber in unverringerter Zärtlichkeit' hinübcrblinzelte. � Da ging di,e Thür auf und Oswaldt trat her ch»! lag etwas ungemein Fröhliches und Entschiedenes 1. Gesichte und in seiner Stimme._. tP Er bat den Pecher, zum Nachtessen zu bleu" � f demselben wolle er mit ihm nach Kallenbach gehen, nächsten Morgen nach Neustadt zu fahren.<. tsj „Ich habe Mehreres zu besorgen, das ich brau-Ach ich gehe sobald nicht fort, ich bleibe noch durch �.P hier," sagte er munter zu Frau Hufnagel geivcndet, � Ii eingetreten war, und über diese Absicht vergnügt � j nickte; dann warf er einen raschen Blick seitivärtv Franzel.,- az d»' Er hätte doch sehen mögen, ob sie evcnfall» erfreut war. ,�5 Sie aber hatte jden Krug vom Tisch genonnnen hinaiisgeeilt.' cht Niemand hatte gesehen, was diese Nachricht Wirkung auf sie übte. Dreizehntes Kapitel. wbA Die Umgestaltungen, welche Field vornehmen dem die Fabrik mit allen dazu gehörigen Gruu" seinen Besitz gekommen war, waren so einschn� daß der kleine Ort eine ganz veränderte Py � erhielt. Die Arbeiten waren eingestellt und die R oern Versprechen entlassen, daß sie, sobald. der f intPnOV r»1l?.-YcMYrMY»*YY.Y*«.. I( �..'L. tri Till«' wieder aufgenommen ivürde, alle Berücksichtig"� 1 0titen. (Fortsetzung folgt.) Arbeiter an den Dockthoren nm einen Hungerlohn zerlumpten Kleider vom Leibe risse». fortwährend >a»che» daraus gerichtete Pliiue auf. Tie„Times" trän- i»e» bereits von einer großen Föderation aller Schiffs- Herren und Doclvcrivaltrmgen im vereinigten Königreich, °>e mit einem gewaltigen Schlage ausholen und den gesammten Tocker-, Heizer- und Matrosen-Unionen den Garaus machen wird — nur um die„Freiheit der Arbeit" wieder herzustellen. Leider über steht dem schönen Plan die Thalsache entgegen, daß der Schlag zwar vielleicht die Unionen, jedenfalls aber den Handel Englands schwer treffen und ihm tiefe Wunden schlagen würde. An dem Problem, diese Wirkung zu vermeiden, Ist bisher seine Ausführung gescheitert; daß der gute Wille zu mncr Realisirnug vorhanden ist, unterliegt gar keinem Zweifel. chorläusig unterhält man sich mit kleine» Guerillakriegen. So hat vorige Woche die Direktion der London- und St. Eatharine- �.ocks den Arbeitern angekündigt, daß sie vom:!. November ab ws_ vor Jahresfrist— nach dem großen Streik— abgeschlossene Abkommen als nicht mehr bestehend be- trachtet und sich von da ab sreie Verfügung vor- behält. Auf anderen Docks wirbt man„sreie" Arbeiter an, die in Massen zu haben sind, sobald die Arbeiten ans dem Lande nusgehörl haben. Und, wie gesagt, die unionislische und tonservative Presse,„Times" und„Standard" voran, machen für oll diese Maßnahmen Stimmung, als wollten sie es um jeden preis zu gewaltsamen Zusammenstößen treiben. Nichts ist daher hoffnungsloser, als das Bestreben der Kon- servativen, Gladstone's Homernle dadurch in Mißkredit zu bringen, baß sie erklären, die englischen Arbeiter hätten kein Interesse daran, sie verlangten nach Reformen für sich und nicht nach ge- stsgeberischen Maßregeln im Interesse der irischen Mittelklassen. Selbstverständlich werden sich die englischen Ardeiter nicht dazu verleiten lassen, nm der Jrländer willen auf ihre Klassen- Forderungen zu verzichten, aber noch weniger werden sie sich sür eine Partei engagirm, die die Mißwirthschaft in Irland ver- ewigen will und in England den Arbeitern nur Steine statt >rtt bietet. Ihr Kampfruf ist zur Zeit, wie Michel Dawitt 'N der„Labour World" ganz richtig sagt: Achtflündengesch und vomerule. VolikiMie Ltel»evst>l»f. cin Sachse,, sind die O r d n u n g s p a r t c i e n auf als; lerc§ gcistiges Und sittliches Niveau herabgesunken, flm. einem anderen deutschen Land, was seine Er- 'ing in den hochentwickelten wirthschaftlichcn Verhältnissen n, m. �udet, deren demokratische tind sozialistische Konsc- inb% ,UIT wn beschränkten oder egoistischen Sonder- .dienenden Nienschen geleugnet werdeil können. i'bfc Stand der sächsischen Ordmingsparteien drückt in< jjpet Presse aus, die an Gemeinheit und Bornirtheit Btlv � Belämpfung des Gegners ihres Gleicheit nicht hat. "o. tstoweii heute nur zwei kleine Beispiele herausgreifen. Das sT.'p�ger Tageblatt" warf neulich, unter dem üblichen Ge- ®Lt? den Sozialdemokraten vors, sie hätten bei den �Loinisse und Durchstechereien gemacht. Darüber _"F?iihler" zur Rede gestellt, sucht heute das„Tageblatt" v.»"�inrlich wieder unter obligatem Geschimpfe— seine .. � dadurch zu„beweisen", daß bei den letzten Reichs- Stichwahlen Sozialdemokraten für fortschrittliche �nvidaten gestimmt hätten. Das„Tageblatt" weiß also .. enbar nicht, ivas„Kompromisse" oder„Durchstechereien" nit'f?,llleich es, als Organ der nationalliberalen Partei, kL ,4�" Praktiken doch wahrhaftig genug zu thun ge- %, Beiläufig erinnert das Gebahren des„Leipziger Ctt die Fabel vom Fuchs und den Trauben. Hs, d s i st notorisch, daß die National- ji-r stlcw bei den Reichstagswahlen um die Stimmen Sozialdemokraten gebuhlt, und hier und da(z. B. in • b m e n, dem jetzt in Nürnberg befindlichen Redak- 7' Oeh m e gegenüber)|"| . i'f che Stimmen handlichst W '-7 Auf gleicher Höhe wie das„Leipziger Tageblatt", '®e9t sich, die„Leipz. Ztg.", das Organ der Antisemiten und �Int!. auch der sächsischen Regierung. Dieses würdige Dn»f.�steibt in seiner letzten?iummer unter einem Re- �ahlk e��� n�r dieMontagsversammlung im G. Berliner Wq[>" fst soll— nach Liebknecht— der jetzige Staat all- »nd l lu sozialdemokratischcn Staat„hineinwachsen" sein»«ch soll er wieder„mit einem Schlage" hergestellt s»nd'° denn unter unseren Arbeitern keiner so viel ge- svril-i�'S�Lstand, um die ununterbrochene Reihe von Wider- kmftvl UnÖ Sophistereien, womit dieser Mann der„Wissen- -% sie regalirt, zu durchblicken?"- Aeb».""'an, von dem Inhalt dieser Bemerkung ab- .'?» einem roheren Ton von einen, politischen sten Geld für s o z i a l d e in o- geboten," W" „Durchstechereien" zu also selber die treiben versucht MKLMU %%%& W Mjtot........ vi-.».!-......■ S11 ihr»n� �� istlicher Reporterberichte nicht kennt, wollen rifi-)cv�e�eu' aber selbst ans dem ihr vorliegenden sti sich ganz leicht ersehen, was Lieb- '.Ä' k 1,1 orr.,; eines politischen Umschwungs die Ar- . � i.z t mit einein Schlage" werden könnte. Rächlei» das ####! mm zur Schau getragenen Opttmismus. In merkwürdiger Neberetnftimmnng befinden wir uns mit dem Schlußsatz des Ricsenartikcls: Ter nationale und liberale Gedanke ist im deutschen Volke noch mächtig und lebendig, er wird nicht durch eine einzelne Wahl aus der Bahn geworfen; er wird seinen Weg wieder finden und ihn mit Eifer und Beharrlichkeit verfolgen; er muß ihn finden, denn das deutsche Volk bedarf der nationalen und liberalen Gedanken zu seiner weiteren gedeihlichen und glücklichen Entwickelung, welche Aufgaben ihm das Geschick auch stellen mag." Ganz recht. Und weil daS deutsche Volk der„natio- nalen" und„liberalen" Gedanken bedarf, deshalb wird es mit den letzten Resten des Nationalliberalisiiins, der die Negation jedes„nationalen" und„liberalen" Gedankens ist, gründlichst aufräumen. Kerrn Richter scheint es nicht angenehm zu sein, wenn er an seine n Zukunftsstaat erinnert wird. Er antwortet uns heute: „Während Herr Liebknecht auch jetzt noch nicht dazu gelangt ist, im„Berliner Volksblatt" an irgend einem Punkte den Nach- weis zu führen, daß die Darstellungen in den Aufsätzen von Engen Richter über die Irrlehren der Sozialdemokratie irgend- wie widersprechen demjenigen, was mit logischer Nothwendigkeit anS dem anerkannten Programm der sozialdemokratischen Partei folgt, höhnt das„Berk. Volksblatt", daß Herr Engen Richter und dessen Unglücksgefährten vor 30 Jahren den freihändlerischen und sreikonknrrenzlichen Zukunftsstaat des Manchesterthums so verlockend ausmalten, und hinternach durch die Entwicklung der Dinge so grausam desavonirt worden sind. Vielleicht nimmt sich einer unserer Leser einmal die Mühe, uns das zuknnfts- staatliche Schlaraffenland wieder auszugraben, welches den deutschen Bürgern und Arbeitern seiner Zeit von den Herren Eugen Richter und Konsorten verheißen worden ist, und die Verheißung mit der Erfüllung zu vergleichen. Jeden- falls haben wir keine Lust, uns so zu blamiren, wie Herr Eugen Richter weiland mit seinem„Zukunftsstaat."— Uns ist nicht bekannt, daß Herr Engen Züchter und Konsorten vor 30 Jahren oder zu einer anderen Zeit irgend ein derartiges Bild eines Zukunftsstaates ge- zeichnet hätten, wie es der Phantasie des Herrn Liebknecht vorschwebt. Tie Ausgrabungsversuche des Herrn Liebknecht werden deshalb vergeblich sein. Im Uebrigen kann niemand leugnen, daß auf Grundlage der heutigen Gesellschaftsordnung die Welt und auch die Arbeiterwelt seit SO Jahren ein, ganz außerordentliches Stück fortgeschritten ist. Sie würde noch mehr fortgeschritten sein, wenn die Entwicklung der Sozialdemokratie nicht ans die gewerblichen Unternehmungen viellach hemmend und zerstörend eingewirkt hätte und die Spaltung des Bürger- thums durch die Sozialdemokratie allen denen in die Hände ge- arbeitet hätte, welche darauf ausgehen, Sonderinteresten des Großkapitals und des Großgrundbesitzes durch die Staatsgewalt zu fördern.— Herr Liebknecht spottet hier über die Freihändler. Will denn Hcrr'Liebknecht nicht selbst den Freihandel" Ist er ein Schutzzöllner, ober was sollen diese Redensarten eigentlich bedeuten?"— Ja, den Freihandel wollen wir allerdings, aber wir sind keine„ F r e i h ä u d l e r" im Sinne des Manchester- thums. Und will Herr Richter etwa bestreiten, daß e r und seine Genossen vor Einführung der Gewerbe- freiheit den Handwerkern und sonstigen kleinen Leuten Milch und Honig in Aussicht gestellt haben, wenn einmal„das freie Spiel der Kräfte"„die Harmonie der Interessen" herbeigeführt und, mit Schulze-Delitzsch'scher Selbst- Hilfe allen Mühseligen und Beladenen den unerschöpflichen Schutz des laissez faire laissez aller erschlossen haben werde? Es ist allerdings anders gekommen. Der R i ch t e r' s ch c Z u k u n f t s st a a t hat sich so miserabel bewährt, daß die Handwerker und sonstigeil kleinen Leute schaarenweise den agrarisch-zünftlerischen Kurpfuschern in die Arme gelaufen sind. Dabei mnnkelt Herr Richter freilich etwas von„Spaltung des Bürgerthums durch die Sozial- demokratie", aber er wird doch wirklich nicht im Ernst behaupten ivollen, die Sozialdemokratie— mag er sonst von ihr denken, was er will— sei Schuld an dem Bankrott des M a n ch e st e r t h u m s? Wenn Herr Richter übrigens vergessen haben sollte, was er und seine Genossen weiland über den Manchester- l i ch e n Z n: k u n f t s st a a t geredet und geschrieben haben, dann schlage er nur die erste beste Zcitungssmnmlung aus den 60er Jahren auf— er wird in jeder I tummer die schönste ZukiliiftS- und Zukunstsstaats-Btusik finden. Die„Germania" beginnt heute eine Reihe von Ar- tikeln über den„ s o z i a l d e m akratischen Zukunsts- staat". Wenn sie fertig sind, werden wir sie uns ansehen. Nun haben aber auch wir eine Frage an die„Gcrniania". Wie sieht ihr„ Z n k u n f t s st a a t" aus? Heißt der katholische Zuknnstsstaat Paraguay, oder heißt er Belgien? Oder wie sonst soll er gestaltet sein? Und wie steht's im Zukunftssiaat der„Germania" mit der Kirche? Und wie mit der Schule? U. A. w. g. Dir Gisrrne ZUaokr. Sollte es noch Jemand geben, der sich nicht klar darüber ist, wer ein Interesse daran hat, das Eeheimniß der„Eisernen Maske" zu lüften, der lcse den heutigen Leitartikel der„Kreuz-Zeitnng". Die Schuppen werden ihm von den Augen fallen. Daß das einstige Organ der G ö d s ch e und O h m den K a in p s gegen den Spitzet nnö die Spitzelei einen„unwürdigen Zustand" nennt, kann uns— beiläufig— wohl heiter stimmen, aber nicht wundern. Genosse de Pacpe, einer der Hauptvorkämpser des Sozialismus in Belgien, ist, wie nns mitgetheilt wird, in Eaiincs— Sndfrankreich—, wohin er sich zur Kräftigung seiner Gesundheit begeben hatte, von einem Ncrvenschlag betroffen worden, der das Schlimmste befürchten läßt.— Schon ans dem internationalen Arbeitcrkongrcfi in Paris war de Paepe sehr leidend. Die Freud? des ehrlichen Rlannes. Mit der„Deutschen Volkswirthsch. Korr." sind tri: ausnahmsweise einmal sehr cin- verstanden. Dieses Organ der großindustrisllen Fronde veräbt nämlich an dem„Racker von Staat", der„die Industrie belasten" will, eine kleine Rache, indem es de»„Arbeiterschntz in Staatsbetrieben" beleuchtet und eine ganze Menge interessanter Einzel- heilen über die Mangelhaftigkeit der Arbeitersürsorge im Etaatc- detriebe ausplaudert. Die Thalsache, daß die staatlichen Betriebe gelegentlich mit Gehältern und Löhnen arbeiten, welche der Privatindnstrie schwere Vorwürfe zuziehen würden, könne nicht geleugnet werde». Das Blatt erinnert an die im Landtage mit- getheilte Szene, wo ein zur Ersorschnng der Sachlage ins wcst- sälische Streikgebiet gesandter höherer Beamter von einem Ar- Leiter, der ihm gesagt, er verdiene täglich 2,25 Mark, ans die ent- rüstete Frage„bei ivelcher Zeche?" die verdrießliche Antwort erhielt: Ich bin Bremser bei der Staals-Eiscubahn! Auch bezüglich der Behandlung der Arbciier habe man alle Ur- fache, anzunehmen, daß z. B. die Aracitersptrre, deren vorübergehende Anmcnd ng 1880 in Ruhr'Kohlcngebiet eine so unglaubliche Hochftnth sittlicher Entrüstung in Be- amtenkreisen erregte und zu kaum glaubliche» Drohungen Veranlassung gab, an gewissen staatlichen Betrieben bis aus diesen Tag in einer Form bestehe, die eben nur bei Selbstkoutrole möglich sei. Neuerdings mache eine am 20. Oktober stattgehabte Verhandlung vor dem Geschworenengericht zu Dortmund viel Aussehen; dieselbe zeige, daß sogar der Reichs- post-Fiskus in Sachen der Lohnzahlung und der Behandlung seiner Leute noch nicht völlig in das Stadium der Muster- austalteu eingetreten zu sein scheine. Ein Landbriesträger, der seit 1883 im Postdienst war, hat sich voriges Jahr eine Unter- schlagung von 120 M. zu Schulden kommen lassen, die er mit einer Reihe anderer Unterschlagungen deckte. Als er abgefaßt wurde, hatte er alle bis aus zwei nach und nach ersetzt und diese wurden aus seiner Kaution bezahlt. Schaden hatte also Niemand gelitten. Ter Mann wurde zu IVs Jahren Gefängniß ver- urtheilt. Staatsanwalt und Geschworene beurthcilten sein Ver- gehen so milde wie irgend möglich, denn allseitig wurde an- erkannt, daß er mir aus bitterer Roth gefehlt. Ter Mann, der sich sonst stets gut geführt, hatte Frau und sechs Kinder und ein jährliches Einkommen von sechshundert Mark(sie). Im letzten Jahr, also nach sechsjähriger Dienstzeit, hatte man ihm dazu 72 M. Mohnungsgeld- Zuschuß gegeben! Dieses Urtheil und seine Begründung schließe einen schweren Vorwurf für den Post- siskus in sich. Man kann sich in der That nur aufs Wärmste dem Schlußsatz der„D. Volksw. Korr." anschließen:„Solchen, Erscheinungen ans den verschiedensten Gebieten der Staats- Verwaltung gegenüber erscheint der Anspruch derselben auf Aus- schluß von den Kontrolen und Maßregeln zu Gunsten des Arbeiterschntzes, mit denen die Privatindustrie bedroht wird, allermindestens etwas verfrüht." Der Kettelfack für das Disuiarckideullmal soll zu der Hoffnung berechtigen, mit der Zeit einen Inhalt von einer Million Mark zu erreichen; die Bismärcker verkünden es bereits triumphi- rend. Wir können, bemerkt die„Schw. Tgw." hierzu, nur unser uugeheucheltes Vedaueru aussprechen über das schöne Geld, das zu einem solch' unnützen Zweck vergeudet wird. Ein Denkmal für Bismarck! Hat sich dieser große Staatsmann nicht das dauer- hafteste Denkmal gesetzt in dem Herzen des deutschen Volkes?— Unvergeßlich wird er den Männern sein, welchen er während der letzten zwölf Jahre so zuvorkommend für Wohnungsveränderungen sorgte, nämlich ans einem Belagernngsgebiet in das andere;»u- vergeßlich wird er ferner denjenigen sein, denen er seine Zuvor- kommenheit auf andere Weise bekundete, indem er ihnen die sicherste Wohnung der Welt, nämlich das Gefängniß, verschaffte, und ihre Zahl ist innerhalb der letzten zwölf Jahre ordentlich achtungs- gebietcnd geworden; unvergeßlich endlich wird er sein den Millionen deutscher Staatsbürger, denen er die Ehre anthat, eigens für sie ein segensreiches Gesetz zu schaffen, um sie nämlich besser zur Aeußeruug ihrer Herzenswünsche zu ermuntern. Nein, das danerhasteste Denkmal hat Bismarck sich selbst gesetzt innerhalb der letzten zwölf Jahre; es ist bleibend, dieses Denkmal, Sturm und Wetter können ihm nichts anhaben, denn es sitzt tief drinnen in dem Herzen des Volkes. Und wenn einmal daS noch zu erbauende steinerne Denkmal, zu dem jetzt seine dankbaren Getreuen auS dem Bürgerthum so opfermuthig beisteuern, von der anstürmenden neuen Zeit spurlos vom Erdboden hinweggefegt sein wird, dann wird sie noch lange fortlebe», die zornige Er- innerung an den zwölfjährigen Despotismus, an das Schandgesetz, das in nnvcrwischbaren Zügen einen Namen trägt: den Namen Bismarck. Das Sozialistengesetz ist das Bismarckdenkmal im Herzen des Proletariats. Es wird sicherlich das des Bürger- thums überdauern. Es geht vorwärts. Die„Münch. Allg. Ztg." veröffent- licht eine Korrespondenz„Vom Rhein", in der beweglich Klage über die großen Erfolge der sozialdemokratischen Agitation in der Pfalz geführt wird. Die Westpfalz sei ihr ganz verfallen, und auch in der Ostpfalz mache sie dedeutende Fortschritte:„Als natürliche Sammelpunkte bieten sich den Sozialisten am Rhein- user die modernen Fabrikstädte Mannheim und Ludwigshasen. Hier und zwar besonders in letzterer Stadt wird ihnen auf Grund der fluktuirenden Arbeiterbevölkerung die Arbeit leicht. Bei der letzten ReichLtagswahl(20. Februar) standen zu Ludwigshafen zirka 2300 Sozialisten den 2600 Stimmen sämmtlicher andern Parteien gegenüber. Um ihren» 5tandidaten Ehrhardt den Sieg zu verschaffen— es kam zur Stichwahl zwischen ihm und Dr. Clemm—, entfalteten die Sozialisten eine großartige Agi- tation. Bis in die kleinsten Ortschaften im Gebirge hinter Grün- stadt sandten sie ihre gewandten Agitatoren, von den rheinischen Ortschasten natürlich ganz abgesehen: dort sind ihre Stamm- quartiere! Uud der Erfolg dieser ausgebreiteten und intensiven Agitationsarbcit war überraschend. Hinten in den Bergen liegt ein einsames Walddorf, wo Ackerer und Waldarbeiter wohnen.. Hier kannte man bis zum Februar 1890 nur den Gegensatz zwischen liberal und ultramontan— das Dorf ist koniessiouell gemischt. Nun aber kamen die Agitatoren vom Rhein, und ihrer angestrengten Arbeit von 2—3 Tagen, bei der weder Worte noch Mittel gescheut wurden, gelang es, ein volles Drittel der Wähler als neue„Genossen" ihren Fahnen zuzuführen. Aehultch ging es damals in anderen weltentrückten Oert- chen zu, von den Dörfern gar nicht zu reden, die an einer Bahn oder an einer lebhaften Straße liegen. So war die Zttbeit im Westen des Wahlkreises. Nach Norven zu arbeiteten die Genossen Ehrhardts in ähnlicher Weise von Frankenthal aus, wo das Aerhältniß zwischen den Nichtsozialisten und Sozialisten sich wie 2: 1 stellt. Nach Süden zu sinvet die Kreis-Hanptstadt Speyer einen festen Angelpunkt der revolutionären Bcierebuugen. Hier stellt sich das Verhältniß zwischen Richtsozialisten zu Sozia- listen bereits wie 8:1. So ist der Wahlkreis Speyer- Franken- thal von allen Seiten her nach bestimmtem Plan in Angriff ge- nommen...." In diesem Tone wird weiter berichtet. Als einziges Mittel gegen die Sozialdemokratie weiß der Verfasser der Korrespondenz nur die Gründung von(Talmi-) Arbeiter- Bildungsvereinen zu empfehlen. Nun, damit werben unsere wackeren Pfälzer Freunde auch noch fertig zu werden verstehen. Eine Steeitfritgr. Die„Post" behauptet, durch die Er- nennilng des Oberbürgermeisters von Posen, Müller, zum Justitiar der Rcichsbauk sei das Mandat zum Reichstag nicht erloschen, da die Reichsbank-Bemnten nicht im Dienste des Reichs, sondern im Dienste der Reichsbank ständen. Die Frage, ob daS Mandat erloschen ist oder nicht, wird der Prüfung der Geschäftsordnungs- kommission des Reichstags unterliegen. Unsere Parckeigenossen in Württemberg und in Baden und den Reichslanden halten im nächsten Monat zwei Landes- Versammlungen, die eine am 2. November in Stnttgan, die andere am 23. November in Offeyburg, ab. Die Tagesordnung für die Württembergische Landesversammlung lnutet: „1. Bericht vom Parteilag in Halle, mit besonderer Berücksichtigung des Parteiprogramms. Referent Herr Ksir-l Kloß; 2. Gründung einer Lande-organisation. Referent Herr Dietrich; 3. Unsere Parteipresse. Sieierent Herr Reichstags-Abgcordneter Dich; 4. Tie geplante Verwallnngsresorin. Referent Herr Schrift- slellcr I. Stern. 5. Verschiedenes." Der 2. badische Arbeitertag soll folgende Tagesordnuna er- ledigen: „1. Rückblick ans die Parteithätigkcit seit dem letzten Arbeiter- tag. Referent Hansler-Diannheint. 2. Die Partei organisntion am Grund der Beschlufie ,n Halle. Referent DrceSbäch-Ma»»- heim 3. Unsere Presse. 4. D>e Wahlen zum Landtag. Referent Guttenstein-Karlsriche. ck-te Stellung der Sozialdemokraten in den Gemeindeverwaltungen. Referent Ltdolf Gcck-Oifenburg. 6. Wahl einer ReoiffonSkonnmssion für die Ausgaben bei der letzten Reichetagswcchl. 7, Antrüge aus der Mitte der Ver- sammliipg," . Wir wünschen den sieideii Landesversammlungen, die ein e:. ireullches Zeichen stw die Rührigkeit unserer süddeutschen Paria- genogen find, vollen Erfolg. � � Eine Droxfie-rinüg Diestetweg«.„Tic soziale.: Fragen sind die Hauptfragen dieser und der kommenden Zeit. :.rer ge log, nicht der, der sie unterdrückt, ist der Held des Jahr- Hunderts, teni anderer." Dn* Zusammentritt des Reichstag««. Wie die„Nat.- Ztg." gehört hat. ist der Wiederzusaminentrilt des Reichstags- Plenums einstiveilen für den LS. November in Aussicht genommen. Mit Bezug darauf schreibt man dem Blatte:„Zu den Gründen, welche einer zu langen Hinausschiebung des Wiederzusammentritts des Reichstags entgegenstehen, gesellt sich die Rücksicht auf Anträge ans dem Hause und auf Petitionen. Der Präsident des Reichs- tages würde sich unter Umständen Vorwürfen aussetzen, wenn er von der Befugniß, die nächste Sitzung nach seinem Ermessen an- zusetzen, für einen über den 18. November weit hinaus liegenden Termin Gebrauch machte." Auf«ine souderliaro Kestimmung des Jnvaliditäts-Ver- sicherungsgcsetzes macht die„Freis. Ztg." aufmerksam. Es hau- delt sich um diejenigen Personen, welche am l. Januar 1891 bei dem Inkrafttreten des Gesetzes das TO. Lebensjahr bereits überschritten haben. Sind dieselben schon vor dem I. Januar invalide gewesen, so erhalten sie keine Pension, obwohl sie alsdann be- sonders bedürftig sein würden. Stehen die Betreffenden aber zu- fällig am I. Januar 1891 noch in einem Arbeitsverhältniß und könnten bescheinigen, das: sie auch in solchen Arbeitsverhältnissen in den Jahren 1888, 1889 und 1890 gestanden haben, so treten diese Personen sofort in den Bezug der Altersrente, welche, je nach dem bisherigen Lohn der Betreffenden, 114,70 bis 140,55 M. jährlich beträgt. Um aber diesen Anspruch geltend machen zu können, ist es nothwcndig, daß für die betreffenden Per- sonen mindestens noch während einer Woche nach dem I.Januar 1891 ein Versicherungsbeitrag nach Maßgabe des neuen Gesetzes bezahlt ist. Die Betreffenden müssen also sich eine Quittungs- karte verschaffen und der betreffende Unternehmer hat für die- selben mindestens für eine Woche Quittungsmarken einzukleben, welche je nach dein Lohnsatze 14,20, 24 oder 30 Pf. betragen. Diese Bestimmungen sind von großer Bedeutung. Es giebt in Deutschland ca. 1 200 000 Personen im Alter von über 70 Jahren. Darunter stehen sicherlich mehrere Hunderttausende l? Red. des „B. V.") noch in einem versicherungspflichtigen'Arbeitsverhältniß als Lohnarbeiter, Gesellen, Dienstboten, Handlungsgehilfen, über- Haupt als Arbeiter mit einem Einkommen von nicht über 2000 M. Wie soll es nun möglich sein, allen in dieser Frage Jnteressirten auch nur die Bedeutung und die Tragweite dieser verzwickten Bestimmungen klar zn machen. Wer aber nicht im Stande ist, sich die Bescheinigung über das dreijährige Arbeits- verhältniß zu verschaffen, oder wer nicht nach dem 1. Januar noch mindestens eine Marke für sich einkleben läßt, der geht der Ansprüche auf Altersrente verlustig. Mops«nd IgrI. Ein Freund schreibt uns: Die Gegen- partei kommt mir vor wie ein Mops, der sich am Igel die Schnauze und die Pfoten gestochen hat, jetzt aber bei Seite steht und auf eine Gelegenheit lauert, wo dieser stachliche Bursche seinen Kopf wieder hervorsteckt, um ihn dort zu packen, dabei aber doch nicht weiß, wie er es ani Geschicktesten ansangen soll, ohne sich von Neuem Wehe zu thun. Jedenfalls wird nichts Gutes gegen die Sozialdemokratie geplant.— Der Mops stimmt, der Igel nur im Punkte der Stacheln. Ein« brachtenvWcrtli« Kundgebung, betreffend die Frage des K o a l i l i o n s r e ch t s, ist die der Bielefelder Han- delskammer. Dieselbe beschloß in ihrer Sitzung vom 24. d. M. ii. A. die Streichung deszenigen Paragraphen der Gewerbeordnungs-Novelle zn beantragen, welcher Denjenigen mit Ge- fängniß bestrast wissen will, der öffentlich Arbeiter zur wider- rechtlichen Einstellung der Arbeit oder Arbeitgeber zur widerrecht- lichen Entlassung von Arbeitern auffordert. Einmüthig war man der Ansicht, daß eine solche Bestimmung das gesammte Koalitions- recht in Frage stelle» würde.— Dieser Beschluß sticht vortheil- hast ab von den Beschlüssen anderer Handelskammern, welche sich in reaktionären Vorschlägen auf Beseitigung der Koalitionsfreiheit zu überbieten suchen. Der Neichstago-Abgeordnet« für den Mahlkrei« Schlochau- Flatau(7. Marienwerder), Ober-Regierungsrath Dr. Scheffer, hat sein Mandat niedergelegt. Kaiserslautern. Eine im Saalban zn Kaiserslautern von ca. 1100 Personen besuchte Versammlung der sozialdemokratischen Partei hat iii einer Resolution einen von einem Berichterstatter der„Frankfurter Zeitung" über Dr. Rüdt veröffentlichten be- leidigenden Artikel entschieden zurückgewiesen. Großbritaiinie«. Der Rath des Vereins der Bergleute von Dork- shire beschloß, alles aufzubieten, um die Einfährung des acht- stündigen Arbeitstages auf gesetzlichem Wege zn erzielen. Sobald dieses jedoch nicht vor dem 11. Mai 1891 geschehen ist, so wollen sie die Arbeit niederlegen und die Achtstunden-Arbeit durch ihren Gewerkverein erzwingen. In den Schuhfabriken Birminghams ist ein Streit wegen der Lohnsätze für gewisse Arten Arbeit ausgebrochen. Liverpool dürfte nicht zum Ausgangspunkt des bevor- stehenden großen Kampfes zwischen dem Gewerkverein und den Rhedern gewählt werden. Der Verein der Seeleute und Heizer ist in Liverpool schwach, und eine große Anzahl regelmäßig von den Tampfschifffahrts- Gesellschaften beschäftigter Arbeiter hat sich nicht denr Gewerkverein angeschlossen. Außerdem aber treten viele in den Verein ein, zahlen kein Mitgliedsgeld, mache» aber von ihren Karten, wenn es ihnen paßt, Gebranch. Vor einiger Zeit ersuchten die Beamten des Verbandes der Seeleute und Heizer die Rheder, an Bord jedes Gewcrkvereins-Schiffes steigen zu dürfen, um nachzusehen. Das Gesuch wurde abgelehnt. In einem Interview mit einem Vertreter des„Standard" verbreitete sich Tom Mann, der Sekretär des Docker- Gewerkvereins, über die augenblickliche Lage, indem er die taltung des Vereins in der jetzigen Kontroverse warm vertheidigte. ieder Schiffseigner, Dockdirektoren noch Speicherbesitzer, sagte er, haben sich über uns als Beamte oder als Exekutive irgendwie zu beklagen. Wo unbillige Forderungen von den Arbeitern gestellt wurden, haben wir ohne Zögern getadelt und unseren Einfluß mehr oder minder zu Gunsten der Brotherrn aufgewandt. Wir sind jetzt in keinem Sinne des Wortes die Angreifenden, noch wünschen wir es zu sein. Kommt das Schlimmste zum Schlimmsten— wenn die Dockgesellschaften vorsätzlich uns verweigern, zu einer befriedigenden Abmachung zu gelangen— so daß wir mit Würde nichts anderes thun können, als zu kämpfen, dann sind wir sicherlich zum Kampfe vorbereitet und werden m denselben eintreten, so ernst auch die Folgen sein dürften. Aber wir haben guten Grund, zu glauben, daß ein ernster Konflikt nicht nöthig sein wird. Unter- Handlungen freundschaftlicher Natur sind seit Monaten zwischen den Dockgesellschaften und uns im Gange. Im Juli, als die Gesellschaften klagten, daß die Arbeit in verschiedenen Abthei- lungen nicht befriedigend sei, antworteten wir, daß wir unser bestes thun, uni alles auf gehörigen Fuß zu bringen und daß die beste Lösung unserer Ansicht nach die amtliche Anerkennung des Vereins seitens der Dockgesellschaft sei, und daß die Vereinler die Arbeit des Löschens auf kooperativer Basis annehmen sollten. Diese Mittheilung wurde günstig aufgenommen und mehrere Unterredungen fanden zwischen der Dockgesellschaft und unseren Beamten statt. Unser Vorschlag bedeutete Beseitigung der Ga- rantie von 6 d und 8 d die Stunde, und die Majorität der Mit- glieder war entschieden dagegen, aber der vernünftige Theil be- günstigte ihn. Er hat seitvenr allmälig eine günstigere Aufnahme gefunden, so daß jetzt die große Mehrheit ein kooperatives System begünstigt. Ich habe jetzt der Dockgesellschaft praktische Vorschläge gemacht und eine Unterredung mit ihren Vertretern verlangt. Wir glauben nicht, daß die Gesellschaft einen ernsten Angriff auf unsere Interessen plant und werden es nicht glauben, bis sie den Krieg erklärt. Jedenfalls nehmen wir eine starke Haltung ein, denn wir sind ehrlich gegen die Gesellschaft und die Arbeiter verfahren. Ueber die Ereignis�e�im Danton Freiburg wird der„Berner Ztg." berichtet:„Gestern Abend beabsichtigten die Liberalen, eine Protestversammlung gegen die Wahl des Ultra- montanen Python in den Nationalrath abzuhalten. DaS liberale Komitee rieth Angesichts der erregten Stimmung beider Parteien ab. Die Versammlung unterblieb. Trotzdem ließ aber die Regie- rung theils mit Stöcken, theils mit Gewehren bewaffnete Banden ultramontaner Bauern, von fanatischen Pfaffen an- geführt, in die Stadt kommen und die 4. Kompagnie des Bataillons 17 aufbieten. Tie Kompagnie wurde von Zivilisten angeführt. Im ganzen befanden sich etwa tausend Bewaffnete, Bauern, Militärs und Gendarmen, in der Stadt. Die bewaffneten und zum Theil betrunkenen Bauern provozirten die Bevölkerung, schössen mit Revolvern und Gewehren in den Straßen. Die Liberalen bewaffneten sich darauf ebenfalls mit Revolvern. Eine Anzahl junger Liberaler(Turner) zerstreuten eine von einem Pfaffen angeführte Bande von Bauer». Einige Gassenjungen warfen Steine gegen die Gendarmerie. Diese warf mit Steinen zurück und verwundete mehrere Personen. Python gab von der Hauptwache aus der Gendarmerie Befehl, zu feuern. Glücklicherweise wurde der Befehl nicht befolgt, sonst wäre großes Blutvergießen die Folge gewesen." Aehnliches wird auch aus Murten ini Kanton Freiburg gemeldet. Die letzten Nachrichten melden, daß in T essin nunmehr vollständige Ruhe herrscht. Der Bundeskommissar Kuenzli hat daher das 42. Bataillon entlassen, lieber die am Montag in Lugano stattgehabten Vorgänge wird derselbe heute eine» aus- führlichen Bericht an die Bundesregierung einsenden. Auch in Fttiburg ist die Ruhe vollständig wiederhergestellt, seitdem 3")« Kompognik» regulärer Truppen dort eingerückt sind. Rußland. lieber die polnische Emigration nach B r a> l l l e» bringen Warschauer Blätter nähere Details. Darnach sind Wf dem Wahne, drüben in Brasilien das Paradies zu finden, MV nur Proletarier, sondern auch Grundeigenthümer wie von einer Krankheit erfaßt. Ganze Dörfer sind verlassen, überall verkamst man sein Hab und Gut für Spottpreise und verläßt seine HeinuW offen oder heimlich, lieberall macht sich die herrschende UnjF friedenheit in dem Entschlüsse zur Auswanderung Luft. Lohnarbeiter klagt über geringe Löhne, der Bauer über Steuern, die nicht selten den ganzen Ertrag seines thums verschlingen. Aber auch das geistige Elend ist nicht 0*' ringer, das gewissenlosen Auswanderungsagenten zum Mu» dient, ihre Opfer auszubeuten. Bei den Chikanen, die unle Väterchens Szepter namentlich die Römisch-Katholiken zu ertragen haben, war es den Agenten ein leichtes, den Fanatismus bei d« Masse zu erwecken, die Unwissenheit leistete ihm Vorschub."N' zählig sind die Fabeln, die man über das Wunderland erfunden. So erzählt nian sich in manchen Gegenden, die europäilche» Fürsten hätten das Land Brasilien dem Papst zum Eigen thnw übergeben, der nun alle gläubigen Katholiken dahin bcrm� Man denke sich nur die Wirkung dieser Fabel ans die fanaliw' Gemüther und man ivird begreifen, wie ohnmächtig alle Anstrengungen sind, unr den Strom der Auswanderung aufzuhallen. Die Auswanderer schenken keinen vernünftigen Vorstellungen hör und entwickeln, wenn sich z. B. der Gutsherr und der Lw-" pfaffe bemühen, die Emigranten zurückzuhalten, die übrigens mal unrichtige Bauernlogik, daß es dem Gutsherrn daran liegt, I>e' Armuth bei sich zu behalten, damit sie bei ihm für Hungerloyn arbeiteten, und der Pfaffe hätte seit jeher auf Seite des Herrn gestanden. Die größte Unwissenheit ist bei vielen nicht»nnde der Grund zur Auswanderung. So kursirt die Fabel,> Brasilien läge das Gold und Silber wie die'Steine auf dcw Felde, die Emigranten bekämen Acker, so viel sie wollten,»o dort wäre es nach allen heiligen Orten sehr nahe, so z. B. nac? Jerusalem nur 10 Meilen! Und wenn der„heilige Vater> Rom Messe liest, so hört man in Brasilien die Kirchengloae> Roms! Der beste Damm gegen die Auswanderung wäre zweifellos: Ausklärung, die solche Wahnvorstellungen unnwgu« machen würde. Aber die Aufklärung des Volkes in wie ganz Rußland ist das Privilegium der RegieruV- deren Interesse es ist, sich in dieser Aufklärung über die E'� prägung aller Furcht vor Gott und Zar zu beschränken. Versuche der Intelligenz, selbst mit der strengster Zensur uinw liegenden Literatur Aufklärung zu verbreiten, scheitern an oe traurigen Faktum, daß der Staat keine Sorge dafür trägt, das Volk lesen und schreiben lernen könnte. Wehe dem aber, o den Weg mündlicher Agitation wählen wollte, er wird sofort o- Volksaufwiegler unschädlich gemacht.— Und so sieht denn />» politisch geknebelte Nation Tausende ihrer Mitglieder eine Schicksal entgegengehen, das nichts anderes bedeutet, w»' kauni aufgehobene Sklaverei der Neger in Brasilien zu Nach dem„Kurjer warszawski" sind allein in zwei turen im laufenden Jahre 3500 Schiffskarten für 175 000 A" verkauft worden.<. Dasselbe Blatt soll bereits einen Spezialkorrespondenten Brasilien entsandt haben, welcher über die Lage der polnist? Emigranten genaue Erhebungen anzustellen hat.., Dem Treiben der Agenten steht nunmehr auch die Regier» k nicht mehr müßig gegenüber. Drei Agenten sollen bereits dingl gemacht worden sein. Griechenland. Wie schon gemeldet, ist D e l y a n n i s mit der Neubild»' des griechischen Ministeriums beauftragt words, Delyannis war bereits bis 188« Ministerpräsident. Er%% damals zurücktreten, weil er Skandal mit der Türkei und WS lich allen europäischen Großmächten provozirt hatte. HofW' wird er jetzt nicht allzu viel Gelegenheit erhalten, seinen Ed» 1 vinismus und seine Rempelsucht zu beweisen und die®a' Politik interessanter zu machen, als sie glücklicherweise in � letzten Zeit war. Afrika../ —••- zidinn? den C Sansibar, den 29. Oktober. Der englische Fremantle hat die Stadt Witu gestern erobert und sodann niedergebrannt. Tlseater. Freitag, den 31. Oktober. Eperichatt«. Mignou. Kchaujpirlhaus. Don Carlos. Lrsstng-Ttieatet'. Das zweite Gesicht. Berliner Theater. Mein neuer Hut. Der Veilchenfresser. Deutsches Theater. DaS Winter- Märchen. Lriedrich-Milhelmstädt. Theater. Boccaccio. Mallner- Theater. Ter Bauerndoktor. Pension Schöller. Restdenz-Thrater. Ferröol. Diktoria- Theairr. Die Million. Kellealliance- Theater. Mamsell' Nitouche. Ostend- Theater. Zimmermann's Senc. Thomas- Theater. Der Raub der Sabincrinnen. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kanfmann'o Uarietö. Große Spe- zialitäten-Vorstelluug. Theater der Reichohallcn. Große Spezialitäten-Vorstcllung. Eonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'« Uarivts. Große Spezialitäten-Vorstellung. Allbüpleiit Buggenliagen am Moritzplatz. Täglich; SMF* Grosses Conccrt. Direktion A. Rödmann. Dienstag und Freilag: Walzer-Abend. FntriSa Wochentags 10 Pfg., l-illllcC Sonn- und Festtags 25 Pfg. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. Tie oberen Säle bleiben bis auf Weiteres wegen Renovirung geschlossen. «41 F. Müller. Zur pünktlichen Besorgung deS„Ber- IinerVolksblatt",„Berl. Volks-Tribüne", „Wahrer Jakob" und Zeitschriften ein- pfiehlt sich die Zeitungs-Spedition von Lohn, Frankfurter Allee 135.[1721 Circus Renz. Karlstraße. Freitag, den 31. Oktober: H Einlass k'/e Uhr. Anfang 7 Uhr.» Große Vorstellung. Aus deni reichhaltigen Programm wird besonders hervorgehoben: Königs- Quadrille, geritten von 8 Damen und 8 Herren. Jfagar, Blumenpferd, vor- geführt von Frl. Oceana Renz. Sechs Gladiatoren. Mr. I. F. Clarke, phäno- menaler Reitkünstler. Horaz u. Mercur, Fuchshengste, zusammen vorgeführt von Herrn Ernst Renz(Enkel). Ter welt- berühmte Luftgymnastiker Mr. RodgerS. Trepido, geritten v. Frl. Oceana Renz. 3 Athleten zu Pferde von den Gebrüdern Briatore. Auftreten der Damen Ge- fchwifter Fräuleins Meers, Gierach und Zephora. Mr. Burnell Fillis, Salto- mortales auf ungesatteltem Pferde.— Komische Intermezzo von sämmtlichen Clowns. Täglich Vorstellung mit abwechseln- dem Programm. Sonntag: A Uov- stellunge» um 4 Uhr(1 Kind frei) und um T'/ä Uhr. E. Renz, Direktor. Castan's Pauopticnni.� Entree 50 Ufg., Kinder 35 Pfg. |V. 0 Uhr Morgens� bis 10 Uhr Abends. 'Vorstellung �Vonn. llVa u. 12Vs Uhr. �Nachm. v.4>/z-S>/eUhr rstimbl. eine Vorstellung. �Ertra-Entree 30 Pfg. Kinder frei. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Freitag, den 31. Oktober, Abend« V'.'j Uhr: Gr. Elite-Vorstellung. B' sonders hervorzuheben: Etagen- Caronsfel mit 25 in Freiheit dress. Vollblutpferden, vorgeführt von Herrn Mar S ch u m a n it. Doppel-Trapez, Geschw. 8 c o ii. Gastspiel des unübertrefflichen Monocyclisien Mr. Alex. S c uri. Aufforderung zum Tanz, Ballet- Einlage. Grand Batemde amoricain mit Doppel- Saltomortales von Mr. A ch i l l e?. Auftreten- der Reitkünft- lerinnen Btiß Victoria und Fräul. Helene G e r a r d. Familie Leon, Jkarische Spiele. 3W Original-Clown Dnrofl."HML Schulpferd Troubadour, geritten von Fräulein W i l m a. Grand Quadrille Cloohes de Corneville, geritten von 6 Damen und 0 Herren. Zanzibar, arabischer Schininiel'yengst, in Freiheit vorgeführt von Herrn E r n st S ch u- m n ii it. Sonntag: 3 PovsteUmigen, um 4 und 7'/3 Uhr.(4 Uhr; 1 Kind frei.) Passage-Panoptieuin. Unter den Linden 22 23.[742g LebensgM In der Deutschen Hut- Manufaltur, Rosenthalerstr. 54, w. mod. Herrenhüte von 2 Mark an verkauft. 1718 panorame». Dioramen. Ethnographische Saininluugen. Ztalienische Uolksfänger. Enträe 50 Pf.| Geöffnet von 10 bis 9 Uhr. Frdl. möbl. Zimmer od. Schläfst, z. verm. a. 1 od. 2 H. b. Gen. Sommerfeld, Holzmarktstr.«6, H. v. 2 Tr.(1703 iKraweilHeBitthnlktv V/ Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Ouartett-Säager», ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zn Ver- gnügungen und Bersammlunaen. 703 F. Sodtke. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alcxander- straße 27c. Margarethe Steinow, Lieder- u. Walzersängerin. Ann! Carelli, Kostüm-Soubrette. Herr Rosee, Gesangs-Humorist. Adolf Gödicke, Mimiker, Slimmen- Jmitator und Charakter-Komiker. Familie Blumenfeld, Parterre- Potpourri, Drahtseil, Tanz. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5Vä Uhr. Entree Wochentags it. Sonntags 30 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf._ pastage 1 T». 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ad. Kaiser-Panorama. Ml Hervorrag. Sehenswürdigkeit der Residenz. Nur heute: V. Cykl.: Frld»«g 1870/71. Diese Woche: Helgolniid. Uebergabc. Ankunft des Kaisers. Feldgottesdiensi:c. Pcrfailles. Trianon. St. Denis. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Meyer's, Brockhans' Lexica, Bücher, Bibliotheken kauft ,..— nemann, Koch st r. 58, 1.[1047 -DUUjet, A. Hannemann, jwum,-. i Das gr. Lager Berlins Atttir-Itoltr. 3?,H.p. SinktiMjfijÄS ?___ 4.. m__ r*.<~i i ir ort___ Ti.. S. Heine Chausseestr. 14.. 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Stadtuerord»lete«-Versammln»g. «itzung o o m Donnerstag, den 30. Oktober. un> Vorsteher, Stadtv. Dr. Stryck, eröffnet die Sitzung D». Tie Einführung der neugewählten Stadtverordneren ®ti)"ee 1' e ni e unö Pincussohn erfolgt in der üblichen Nach Eintritt in die Tagesordnung wird eine Anzahl Rech- K-m�ache» dechargirt und von einigen Notatenbeantwortnngen emanlß genommen. ~rr, m 6 a K der Oberfreiarchenbriicke(vor dem �ichschen Thore) wird beschlossen. ktii�p Nerkanf der Baulichkeiten auf dem städtischen Grund- �Trmpelherrenstr. 20 zum Abbruch wird genehmigt. J�aNage, betreffend die Erwerbung des von den Grund- ftms"lexanverstr. 51/52 zur Verbreiterung der Prenzlauer- wiest forderlichen Terrains wird an einen Ausschuß ver- Zum Neubau eines Komtorgebäudes auf dem ebf«fl v Kohlenplatze vor dem Stralauer Thor wird genehmigt, KrJ» t Pf �kt zum Neubau eines Kohlenschuppens auf dem if.uhuus-Grilndstiicke am Urban. > n, f'e Vorlage, betreffend die Anstellung eines StrtL m n..® t o b t- 58 tut in f p ef t or§ und eines zweiten ei»-..-" aschreibers bei der städtischen Feuersozietät führt zu stop mngeren Debatte, die mit dem Beschlüsse endigt, die Vor- »otlstßt vertagen, bis das neue Reglement der Feuersozietät der � Notlage, betreffend den Ankauf eines Grundstücks an eiiip»«>,?haust ratze zu Gemeindeschulzwecken wird an .Ausschuß verwiesen, ebenso die Vorlage, betreffend den ttipini. r f es an der Danzigerstaße belegenen Grundstücks zu Ge- noeschulzivecken. IRoqlr" der Votlage, betreffend den Jahresabschluß pro April 90 der städtischen Gasanstalten tadelt ißenfn f, verordneter Tempel die hohen Koakspreise, die beim lietw?� kleinerer Quantitäten genommen würden. Verzichte man e auf die hohen Neberschüsse, die der Abschluß aufweise! D-r Abschluß wird genehmigt. iil ÜJS6 Rechnungen werden dem Ausschuß überwiesen. Damit °'L Tagesordnung erschöpft. Schluß GV. Uhr. »s folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Loltnles. der Zeit es erlaubt, wer Genuß an der Betrachtung Herrlichkeiten, welche Gewerbe und Kunst hervorzaubern, >,, kl, und außerdem mit der Fähigkeit begabt ist, Lustschlösser stli-, bie für kurze Zeit über des Lebens Misere hinweg- fl» dem ist ein Spaziergang Unter den Linden und in der ppgerstraße anzurathen. her s mmt man von der Schloßbrücke von deren rechter Seite »1«»° ltößt man zunächst auf das Zeughaus, welches man gern Zj.,1" Zeichen der niedrigen Kulturstufe, auf welcher sogenannte «,L, fheldey noch heute stehen, unbeachtet lassen mag, soser» hm!?chonde Kindergestalten auf den Ketten sich schaukeln. Mit Wo, ch dein Zeughause anschließenden Kastanienwäldchen und ? Reuen Wache schließt der militärische Theil der Unter den Hh vb, man kommt in die Region der Wissenschast und liegt ein gewisser Zauber in den beiden Wörtern �bsenschnft und Kunst"; man erwartet, daß nicht allein die k' denen sie gepflegt werden, deren Würde entsprechen, g�j N, daß auch diejenigen, welche sich der hohen Aufgabe L vstfet haben, eine angemessene Haltung bewahren. Damit stnf cht gesagt sein, daß etwa verlangt»verde, eine strenge oder pstsche Miene anzunehmen, es läßt sich sehr wohl an- hnj llener Ernst niit jugendlicher Munterkeit vereinigen.— Das sin, kksitätsgebüude mit ven Statuen der beiden Humboldsts macht ist" kecht angenehmen Eindruck; man bleibt stehen und betrachtet kz. ohlgefällig. Da öffnet sich die Pforte des einen Eeitensiügels— Hin efi kliva 11 Uhr Vormittags— und heraus treten Studenten. d>ei�?.kkuf dem Vorhofe zu ergehen. Sie ordnen sich zwei- und vorJ ihig und schreiten, nicht unähnlich höheren Töchtern aus Sstsi* en hiesigen Penstonaten, in affektirter Haltung auf dem stetpn umher. Jeder Trupp trägt andersfarbige Mützen, ver- »on? sind alle Farben. Lächerlich ist an dem Aufzuge Alles chtyli Forin der Mützen bis zum Gruße und Gegengruße eines die an?" versprengten Buntbemützten, den, die Trupps begegnen; s» n/siutze wird mit eine», gewissen Schwünge abgenonimen und zu ,, l.Zur Erde geführt, daß wenig davon fehlt, um den Boden >tabr°n■ eu. Und diese jungen Leute sind berufen, nach wenige» Qchl?" m den Staatsdienst zu treten, um später als Richter und d, Räthe an der Regierung theilzunehmen. Müssen Einem soll M sonderbare Gedanken durch den Kopf zichen? Uebrigens sitz».• 5' verschwiegen werde», daß ein großer Theil der Studenten lache von diese» Narrheiten hält.- Das folgende ein- ihre �Nuide ist die Akademie, bemerkenswerth an ihr ist, dap ist nlT vfe,te Zu Pferdeställen eingerichtet ist. Ueberschreitet man «n s der Akademie begrenzte Universitätsstraße, so kommt man sich?! de Roin. Man kann dort an dem angenehmen Anblick KÄf'f Zu sehen, wie wohl reiche Leute ein leckeres fester,, sich schmecken lassen.— Ju den Schau- lh-ur' �des Juwelierladens Friedberg's Sohne l.egen l>!i>in° Schmucksachen aus. Kostbare Kolliers von Perlen, %%%...... \Ob(i, ,.L.und ein junger Braches mit funkelnden Brillanten, Smaragden sind ausgelegt. Ein junges ein junger Mann stehen vor dem �kbeiter, voche,>vie würde sie sich freuen, aber er'st ein �•UttoU r. Hinter der Glasscheibe eines Bchikierladens sind lfgt■ f"ldfchetne, Aktien und Papiergeld, Lotterieloose ausge- Seit n�VUlitze genommen werthloses Zeug, das in spaterer stege» m. Tachpappc verarbeitet die Wohnung von Bmstenvieh al', ÖGlll oiyiaS nn VrttltS.(XU-? l'C|1 CIX im K lslNbiß eines feinen Restaurants,.______ .... Küche ein angenehmer Bratengeruch hervor- #### ACM Weit, »ng k" europäischer die neuesten Diplomatie; nach dem Titel anderer Bücher ist in denselben die segensreiche Thätigkeit des verflossenen großen Kanzlers dargestellt, damit jwir erfahren, wie groß der Verlust ist, den das deutsche Volk durch seine Kaltstellung erleidet. In passender Reihenfolge schließt sich der Buch- Handlung ein Laden mit schön ausgeführten Lederarbeiten, die den verschiedensten Zivecken dienen sollen, an. Der vollendete Geschmack und die saubere Ausführung sind auch bei diesen Arbeiten zu bewundern. Jetzt nehmen wir von Unter den Linden Abschied und wenden uns durch die Wilhelmstraße der Leipzigerstraße zu. Jeder Laden in derselben übt seine Anziehungskraft auf die Passanten und bannt sie mindestens einige Minuten an seine Schaufenster. In einem derselben sind prächtig vergoldete und bemalte Porzellane ausgestellt; diese Tassen, Teller, Schüsseln und das dazu gehörige Silberzeug, welches dem Publikum in anderen Läden zum Kaufe angeboten wird, müssen einer herrschaftlichen Tafel einen Glanz verleihen, der von dem oft geschilderten orientalischen LuxuS nicht übertroffen wird. Ein anderer Laden bietet die verschiedensten Leckereien dar, von Chokoladen, Gebacken, Marzipan in den ver- schiedensteu Formen ist eine Auswahl geboten, die der ver- wöhntesten Zunge Befriedigung gewähren wird. Künstliche Blumen, kaum von natürlichen zu unterscheiden, haben den nächsten Laden in einen Garten verwandelt, man muß die Geschicklichkeit bewunder», mit der die Natur nach- geahmt worden ist. Schade nur, daß die Anfertigung dieser künstlichen Blumen durch den eingeathmeten Staub der ver- wendeten Farben die Gesundheit der Arbeiterinnen untergrübt. Kostbare seidene Stoffe zieren die Schausenster eines folgenden Ladens: eine Equipage mit gallonirteni Diener fährt vor; ihr entsteigen zwei Damen, vermuthlich Mutter und Tochter, um prachtvolle Seidenzeuge für die Gesellschaftstoilette auszuwählen. Vor dem Schaufenster aber steht eine Arbeiterin im leichten Kattunkleide, das verschnürte Packet verräth, daß sie eine Näherin ist; wie es fchien, hatte sie einen Blick auf die in dem Laden ge- tretene junge Dame geworfen, der ihr gesagt hat, sie habe einen Vergleich mit ihr nicht zu scheuen, aber freilich Kattun und Seide' Die Arbeiterin geht gedankenvoll weiter.— Rauhe Luft weht durch die Straßen, der Winter verkündet seinen Einzug. Wer Geld genug hat, braucht ihn nicht zu fürchten, bietet doch der Laden, vor dem er steht, die schönsten Pelzsachen zum Kauf. Die Selle der ganzen Thierwelt sind hier vertreten, der Zobel aus ibirie», dessen Nennung schon schaudern macht, der Bär, der Fuchs, Marter und Iltis und noch viele andere sind zu den verschiedenartigsten Pelzsachen verarbeitet, sie wärmen und schmücken zugleich.— Feine Spitzen, kostbare Stickereien, Erzeugnisse geschickter und fleißiger Frauen- Hände, bietet ein folgender Laden zum Kauf. Diese duftigen Spitzen erfreuen selbst einen Mann; wenn er aber des Elends und der Roth gedenkt, die trotz allen Fleißes die ständigen Gäste in der Wohnung dieser Arbeiterinnen sind, so mag er wohl mit einem Fluch auf den Lippen sich von dein Laden wenden. Es folgt eine reizende Pnppenäusstellnng, von der Puppe im Braut- kleide bis zur kleinste» Schrei- und Badepuppe sind alle Ab- stufungen vertreten. Mama wird von ihrem Töchterchen fest- gehalten, sie muß vor dem Schausenster stehen bleibe», denn die Kleine muß doch eine Auswahl treffen und ihre Wünsche äußern, und vielleicht findet Mama auch noch einigen Wohlgefallen an den Puppen. An die armen Thüringerinnen, die sie anfertigen, denkt kaum Jemand. Unter diesem Beschauen sind wir unvermerkt zum Dönhoffsplatz gekommen, etwas ermüdet lassen wir uns auf einer Bank nieder, wir überdenken das Geschehene und fragen uns: ist es gerecht, daß all' daS Schöne, welches wir gesehen, nur einem einzigen Theile des Volkes zu Gute kommt? Wir beantworten uns unsere Frage mit Nein und meinen, alle Menschen haben gleiches Recht auf alle Genüsse. Da mit einem Male lassen wir den Blick über den Tönhoffsplatz schweifen und gewahren, daß Stühle aufgestellt sind, deren Benutzung Geld kostet. Wir statten im Innersten dem Magistrate unseren Tank ab dafür, daß er uns ad ocuIus demonstrirt hat, daß es zweierlei Menschen giebt: solche, für die eine Bank gut genug ist, und solche, die einen Stuhl haben müssen. Den Innnngsbrüdrrtt, die sich und andern gern vorreden, daß sie berufen seien, oas Handwerk zu heben, bringen wir zur Er.auung eine Kritik, die sie sicherlich meist von dieser Seite aus so erwartet hätten. Ein nationalliberales Blatt, der„Rhein. Kurier", schreibt nämlich: „So blieben denn die Innungen auf das eigentliche Klein- gewerbe beschränkt und sie fristen bis jetzt nur ein recht kümmer- liches Dasein. Oder ivas haben denn die Innungen für sich, durch eigene Kraft, bis jetzt zu Stande gebracht? Wo und wie haben sie denn das Handwerk gehoben? Die Hebung des Lehr- lingsivesens, sagt man, ist doch ihr Verdienst! Die Innungen be- nutzen allerdings vorhandene Fortbildungs- und Gewerbeschulen, nur wenige Innungen leisten aber selbst etwas Wesentliches im Schulwesen. Die Lehrlingsprüfungen aber muß man mit an- sehen, um ihren Werth oder eigentlich ihre Werthlosigkeit zu er- kennen. Rasiren und Haarschneiden haben wohl auch vor den Jnnnngsprüsungen die Lehrlinge gelernt und zum Fegen eines Kamins würden ivohl auch ohne Jnnungszwang vier Jahre Lehrzeit genügen. Ein Geselle, der keinen Schuh machen kann, hat auch vorher keine Arbeit gesunden. Mit diesen geringen Erfolgen und Leistungen der Innungen aber stehen die Anforoerungen an die Mitglieder nicht in rechtem Verhältnisse. In der Regel wird der größte Theil der Beiträge zu verschieden großen Verbänden nach Berlin geschickt oder als Reisestipendium für einen Delegirten zu irgend einem Kongresse oder-Tage verwendet und wenn gar kei» Verbandstag zu beschicken ist, so giebt eS ein Ehrengeschenk für den nm die Sache der Innung so hochverdienten Herrn Ober- meister. Der denkende Handwerker fragt sich dann: Ja, was leistet mir denn die Innung für meine Beiträge? Die Antwort ist leicht gegebe», er erklärt seinen Austritt. Nachdem er dann noch ein halbes Jahr weitere Beiträge bezahlt hat, wird er frei, wenn die Innung nicht noch„besondere Beiträge unigelegt" hat, sonst muß er a..ch diese noch zahlen. Daher hören ivir jetzt überall davon, daß die Beiträge zivangsweise beigelrieben werben müssen. Das sind die Ursachen, weshalb dieser Feuereifer für die Innungen so rasch wieder erkaltete. Von einzelnen wird das Leben noch künstlich aufrecht erhalten, aber die Zeit ist nicht mehr ferne, der Tag ist bereits absehbar, an dem die„neuen" Innungen zu dem Geivesenen gehören werden und das Handwerk wird dann ans diese Beivegang als einen großen Jrrthum zurück- blicken." Grgrnübrr der ziemlich bestimmt ansgetrrteiien Meldung von dem angeblich durch Prof. poliert Kach schon gelösten Problem der Heilbarkeit der Lungenschwindsucht nehme» die Fachblätter noch eine abwartende Stellung ein. Die heute erschienene„Deutsche Mediz. Wochenschr." erwähnt die schon bekannte Aeußerung von Prof. Leyden hinsichtlich der Be- gründung von Schwindsuchtshospitäler» in folgender Form:„Da der internationale Kongreß den Eindruck gebracht hat, daß die Therapie(Behandlung) der Luiigenschwindsuckst sich vor einer ganz neue», unerwartet glücklichen Epoche befindet, so hielt die Kommission es für geboten, zunächst die Initiative für-dieses Unternehmen hinauszuschieben, um zu sehen, ob und in welcher Weise dasselbe sich unter den neuen Verhältnissen noch bewähren werde oder anders gestaltet werden müsse." Prof. Leyden ist Direktor der Abtheilung des Charitee- Krankenhauses, an welchem Prof. Koch seine bahnbrechenden Versuche am mensch- lichen Körper erprobt. Aber daß diese an Bedeutsamkeit fast un- vergleichlichen Versuche noch nicht abgeschlossen sein können, darauf deutet die in den letzten Tagen erfolgte Beurlaubung des Forschers vom Halten der Vorlesungen, die erst jetzt ihren An- fang nehmen.— Wir schließen hieran folgende Mittheilungen, die der„Pos. Ztg." aus Berlin zugegangen sind:„DieKoch'schen Versuche sind, nachdem sie monatelang an Thieren erfolgreich unternommen worden waren, in größerem Umfange in der Chariteestation, die dem Professor Senator unterstellt ist, gemacht worden. Es sind Kranke aller Schwindsuchtsgrade, zumeist aber solche in den ersten Stadien der Lungentuberkulose, dem neuen Heilverfahren unterworfen worden. Die Ergebnisse sind derartig befriedigend, daß Koch es für an der Zeit gehalten hat, wenigstens die Thatsache der erzielten Heilerfolge selber mittheilen zu lassen. Daß der so überaus vorsichtige Gelehrte sich zu diesem Schritt entschloffen hat, ist ein Moment, welches bei der Beurtheilung der ganzen Angelegenheit sehr wesentlich mitspricht. Denn auch die Aerzte sind zunächst darauf angewiesen, sich an die spärlichen Angaben zu halten, mit denen der Forscher der Theil- »ahme der ganzen Welt an seinen Untersuchungen entgegen- gekommen ist. Koch persönlich soll vor übertriebenen Erwartungen gewarnt haben. Er hält es für absolut nothwendig, daß die Er- gebnisse seiner Methode erst noch der Kontrole durch eine längere Praxis unterworfen werden. Das Geheimniß seines Mittels ist so streng gewahrt geblieben, daß vielleicht nicht zehn Personen von den noch Monate lang währenden Untersuchungen etwas wußten. Das Heilmittel selbst aber besteht in einem Impfstoff, der aus abgeschwächten Tuberkelkulturen in Verbindung mit einer gewissen Metalllösung gefunden wurde. Eine Aehnlichkeit mit der Kuhpsckenlymphe ist also vorhanden, aber der Unterschied besteht darin, daß die Kuhpockenlymphe in den gesunden Körper gebracht wird, während Koch den bereits von den Tuberkelbazillen ergriffenen Körper impft. Größer also als die Analogie zur Pockenimpfung ist die zu den Pasteur'fchen Versuchen mit der Milzbrand- und der Hundswuthimpfung. Die Mißerfolge der beiden Pasteur'schen Berfahrungsweisen, über die heute wohl kein Streit mehr ist, läßt die medizinischen Autoritäten auch der Koch'schen Methode mit begreiflichen Zweifeln gegenüberstehen, mit Zweifeln, die Koch selber am wenigsten verübeln wird. Denn in dieser Sache kommt Alles auf die Praxis an. Uebrigens muß darauf hingewiesen werden,»daß die Schutzpocken-Jmpfung zuweilen mit Erfolg auch bei Organismen stattgefunden hat, die bereits von den echten Pocken ergriffen waren. Unser ausgezeichneter Gewährsmann kann selber drei solcher Fälle in seiner zwanzigjährigen Praxis verzeichnen. Immer aber ivar in diesen Fällen die Krankheit in den allerersten Stadien. Koch hat auch seine nächsten Freunde gebeten, auf, vettere Mittheilungen über die von ihm gefundene Methode für jetzt zu verzichten. Er will seine Untersuchungen und ihr Ergebnis als Ganzes veröffentlichen, und er wird zu diesem Zweck, sobald ihm der Zeitpunkt gekommen erscheint, wahr- scheinlich die Fornr eines mit Demonstration verbundenen Vor- trags in der medizinischen Gesellschaft wählen. Die Anfänge der Äerufsfenerwehr in Kerlin liegen nur etwa 50 Jahre zurück, indem es der Brand der Stadt Ham- barg war(1642), der den ersten Anstoß gab, das ganze alte System des Feuer-Löschwesens über den Hansen zu werfen. Auf Grund der alten Feuerordnungen von 1618, 1672 und 1691 hatte sich die Pflichtfeuerwehr zu einem tüchtigen Organismus ausgebildet, der im vorigen Jahrhundert in Verfall gerieth, als 1742 die Leitung der Bürger bei den Bränden und Nebungen polizeilichen Aufsehern übertragen wurde. Die Regle- ments und Anweisungen von 1782 und 1792 erwiesen sich even so wenig wie die späteren ausreichend, um auf Grund derselbei» mit den Feuerherren und Ober- Spritzenkommiffarien im Brand- fall durchgreifend zu wirken. Die Strafandrohung für Jeden, der bei Feuerruf nicht Folge leistete, gab doch keine Gewähr, daß die nöthige Mannschaft mit tüchtigem Material rechtzeitig zur Stelle war. Als nun 1848 das Polizeipräsidium zur Ver- besserung des Feuerlöschwesens sich auf einige geringe Ver- mehrungen des Materials und der Mannschaften beschränkte, ging auf Grund eines freimüthigen Gutachtens des Stadt-Bau- raths Langerhans der Magistrat weit entschiedener vor und er- klärte sich u. A. zur Anstellung eines Branddirektors emd eines Brandmeisters bereit, wenn das Präsidium sich dazu verstehe, die Verwaltung des Feuerlöschwesens ausschließlich der Stadt zu überlassen.(1846.) Das Ministerinm ivar im Prinzip da- mit einverstanden, verlangte aber, daß dem Polizeipräsidenten jederzeit das Recht zustehen solle, bei Löschmaßregeln im Jnter- esse der öffentlichen Sicherheit einzugreisen. Die hierüber sich er- gebende Meinungsverschiedenheit konnte nicht ausgeglichen iver- den, und so bestimmte der Minister Westphalen 1851 nach fünfjährigen vergeblichen Verhandlungen, daß das Feuerlöschwesen nach den Wünschen der Kommune geändert und sofort durch- geführt werde, aber endgiltig dem königl. Polizeipräsidio verbleibe. Seabell wurde der Organisator der heutigen Feuerwehr. Gigenthui«»nd Ztächitentiebe bestehe» dnecks die christliche ilrligio»—, so sagte am Mittwoch Abend Pastor- Görke von der Markuskirche in einer Versammlung des frei- sinnigen Bezirksvereins„Nord-Ost". Als ob zwei so grundver- schiede»« Dinge eine Nächstenliebe und Streben nach Eigenthum, d. h. Selbstsucht, überhaupt neben einander bestehe» könnten. Der Herr Pastor fühlte sich durch die antichristtiche Beivegung beunruhigt und suchte»un die christliche Kirche als Beschützerin des Eigenthums gegen die sozialdemokratischen„Theiler" hinzu- stellen, um wenigstens die Bourgeoisie zurückzugewinnen. Die Bourgeoisie ist zwar der Kirche nicht weniger entfremdet, als das Proletariat, aber der Appell an die Lieve zum Geldsack wird seine Wirkung wahrscheinlich auch diesmal nicht verfehlen. Ueber den Oienosten Harklinnis, der bekanntlich wegen der Verbreitung eines Flug, tattes eine Gefängnißstrafe von zivei Jahren neun Monaten vervüßt, werden in der bürgerlichen Preffe allerlei unrichtige Nachrichten verbreitet. Zur Richtigstellung diene folgendes: Die Strafzeit des Genossen K. läuft ai» 8. Mai 1891 ab. Karklinnis ist geistig absolut intakt geblieben, sodaß auch nur von einer zeitweiligen geistigen Störung absolut keine Rede seilt kann. Genosse K. ivird in Plötzensee augenblick- lieh mit Tischlerarbeiten beschäftigt. Diese Miltheilungen gehen uns von durchaus zuverlässiger Seite zu. Eine Ansfwhrnng von„Sodoin's Ende" von Sudermann soll,-nach einer Berliner Mittheilmig in den„Manch. Neuesten Nachr.", wahrscheinlich schon am konunenden Sonnabend statt- finden vor eingeladenen Gästen.„Zu den Geladenen werden außer de» Bühnenvorständen, Redakteureii, Kritikern:c. Berlins, auch die Bühaenleiter und namhafteren Theaterkritiker ans de» größeren Proviuzstädten, sowie ans Wien gehören. Das Stück soll zunächst nicht im Buchhandel erscheinen. Bestätigt wird uns, daß es in dem Drama einige scharfe Streiflichter auf das Börsen- treiben giebt. Personen, die der Generalprobe am Tage des Er- lasse» des Polizeiverbots beigeivohnt haben, schildern den Ein- druck,_ de» sie von der Vorstellung empfingen, als einen uiige- wöhnlich tiefen und nachhaltigen. Bestätigt ivird uns ferner, daß Herr von Richthofen gegenüber dem Direktor deZ Lessing- Theaters erklärt hat, das Stück und die ganze moderne Richtung seien einfach unmoralisch, und er ivolle gegen solches Treiben Front machen." Zwci jttgeildHche Diebe wurden gestern Vormittag in der Lützowstraße von einem Postbeamten dabei beobachtet, wie sie sich an einem Schaukasten zu schaffen machten. Ter Beamte ergriff den einen der Knaben, während der andere floh und erst später festgenommen werden konnte. Man fand bei ihnen Bleisoldaten, Pulverwagen und dergleichen Spielzeug mehr. Die Diebe sind 12 jährige Schüler. Es hat sich herausgestellt, daß sie in Ver- bindung mit einem dritten gleichalterigen Knaben in verschiedenen Stadtgegendcn förmliche Raubzüge unternommen habe», bei denen sie ein ganz außerordentliches Geschick ini Oefsnen der Schau- kästen bewiesen. Gestohlen haben sie meist Spielsachen, die sie auf dem Boden versteckten, um sie zu gelegener Zeit hervorzu- holen; aber auch andere Sachen wurden nicht verschmäht, und es handelt sich im Ganzen um bedeutende Objekte. Durch einen Revolvrrschuß versuchte vorgestern Nachmittag ein Mann in den mittleren Jahren seinem Leben im Thiergarten ein Ende zu machen. Ter Unbekannte hatte sich einen Schuß in die Stirne beigebracht und gab noch Lebens- zeichen von sich. Er wurde mittelst Droschke nach einem Krankenhause geschäfft, wo er bald das Bewußtsein wieder erlangte und seinen Namen anzugeben vermochte. Er will zu der verzweifelten That durch Familienzwistigkeiten veranlaßt worden sein. Sein Zustand giebt Hoffnung auf Wiederherstellung. Das Defindeu btv Irlrinr» Elfe Kchaaf läßt von Tag zu Tag weitere Fortschritte zur Besserung erkennen. Das Be- wußtsein ist vollständig zurückgekehrt; das Auge ist klar; die Wunde verursacht keine Schmerzen. Das Kind sitzt den Tag über ausrecht in seinem Bett, nimmt Speisen und Getränke selbst- ständig zu sich uud spielt mit einer Puppe u. s. w. Auch die rechte Seite des Körpers scheint die anfänglich zu Tage getretene Lähmung zu verlieren, das Kind reicht die rechte Hand aus Ver- langen und gebraucht auch den rechten Arm zum Essen und Spielen. Nur mit der Sprache geht es uoch nicht recht. Wenn man irgend eine Frage stellt, so antwortet die Kleine mit„Ja" oder„Nein" und lacht gewöhnlich dabei. Ein weiteres Wort hervorzubringen, ist sie uoch nicht fähig, nicht einmal ihren Namen vermag sie auszusprechen. Eine Erinnerung an die Zeit vor seiner Verletzung, sowie an die näheren Umstände scheint dem Kjnde zu fehlen; wenigstens hat es durch nichts ein Verlangen nach den Eltern oder Geschwistern kundgegeben. Jede Frage, welche eine Erinnerung an die Vergangenheit wachrufen könnte, wird natürlich sorgfältig vermieden. Die brutalrn Kvzessc, deren sich Graf Kleist v. Loß schuldig gemacht, werden voraussichtlich schon im November zur Verhandlung vor der Strafkammer kommen. Die Anklage ist bereits erhoben, sie lautet, wie vorauszusehen war, auf quali- sizirte Körperverletzung in mehreren Fällen, ein Vergehen, das # 223a des Straf-Gesetzbuches mit Gesängniß nicht unter zwei Monaten bedroht. Die Zahl der Zeugen, unter denen sich auch die verletzten Restaurateure Albers und Emberg befinden, soll dem Vernehmen nach ungefähr vierundzwanzig betragen. Eine Hauptrolle werden in dem Prozeß die Aerzte spielen, von denen ein halbes Dutzend geladen werden dürste. Eine wichtige Rolle werden natürlich die Gutachten über die Zurechnungsfähigkeit des Grafen Kleist spielen. Auf eine räthselhafte Dersönlichkeit hat die Erfurter Polizeiverwaltung die Aufmerksamkeit der hiesigen Kriminal- polizei gelenkt. In Erfurt hielt sich in der letzten Zeit, ohne polizeilich gemeldet zu sein, ein„vornehmer" Herr auf, der sich unter dem Namen eines Grafen Alexander Jgnatieff aus Moskau in einer Bürgersamilie eingemiethel hatte. Er gab an, in Moskau Oberst uud Regiments- Kommandeur gewesen zu sein. Er sei ein Pathenkind Alexanders II. und habe mit den« regie- renden Kaiser Alexander III. zusammen studirt. In Berlin habe er einige Jahre der russischen Botschaft als Attache angehört. Infolge von Jntriguen iei seine Familie aus Rußland verbannt, und er selbst habe mehrere Jahre im Gefängniß zu Tobolsk zu- bringen müssen. Endlich sei es gelungen, zu entkommen und auf beschwerlicher Flucht preußischen Boden zu erreichen. Leider hätten ihn Verbannung und Flucht den Rest seines Vermögens gekostet, nachdem schon vor 9 Jahren ein Bruder mit 17 Millionen nach Manila geflüchtet. Diese etwas romantische Erzählung würde wahrscheinlich auf Niemand einen besonderen Eindruck gemacht haben, wenn nicht zugleich ihr Urheber den Eindruck eines wissenschaftlich uud gesellschautich sehr gebildeten Mannes gemacht hätte, der zwar nur gebrochen deutsch, aber ganz geläufig englisch, französisch, italienisch und russisch spricht. In Erfurt scheint sich der Herr, soweit bis jetzt bekannt geworden ist, nichts haben zu Schulden kommen lassen; dagegen gelangte soeben aus Leipzig eine Mittheilung hierher, die den angeblichen Grafen nicht in dem besten Lichte erscheinen läßt. Eine Persönlichkeit, deren Beschreibung ganz genau auf den Grafen Alexander Jgnatieff paßt, miethete sich bei einer Postbeamten-Wittwe ein und wußte durch sein außerordentlich gewandtes Benehmen seine Wirthin so für sich zu gewinnen, daß sie ihm nicht nur das Quartier ohne Anzahlung überließ, sondern auch noch ein Darlehn von 200 M. gewährte. Mit diesen 200 M. entfernte sich der Herr Graf indem er erllärte, nach Berlin reisen zu wollen. Bisher hat er die Rück- kehr vergessen, und es ist nicht ausgeschlossen, daß er hier in Berlin eine Gaprolle zu geben versuchen wird. Gin gefährlicher' Räuber ist der Kriminalpolizei wieder in die Hände gefallen, nachdem er vor kaum einigen Wochen erst das Zuchthaus verlassen. In einer Nacht des September d. Js. wurde an der Fennbrücke der Arbeiter Z. von einer Frauens- person veranlaßt, ein Stück Weges mit ihr zu gehen. Plötzlich wurde der nichts ahnende Z. von vier Männern umringt, von denen ihm eiiwr ins Gesicht schlug, ihn zu Boden riß uud seiner Zylinderuhr beraubte. Ter also Mißhandelte und Ausgeplünderte sah sich den Räuber genau an, und in der Hoffnung, denselben in der Gegend seiner That noch einmal zu begegnen, setzte er sich mit einem Kriminal-Schutzmanu in Verbindung, mit welchem er häufiger die Gegend abstreifte. In der letztvergangenen Nacht ging nun wirklich die Hoffnung des Beraubten in Erfüllung. Er traf an der Fennbrücke eine verdächtige Gestalt, in der er alsbald den Räuber wieder erkannte. Der Kriminal- Schutzmann nahm den Verdächtigen fest und man fand sogar bei ihm die geraubte Uhr uoch vor. Der Räuber ist der„Arbeiter" Stürmer, der wegen Diebstahls acht Mal und wegen Raubes ein Mal mit acht Jahren Zuchthaus vorbestraft ist. Ei» ganz frecher Diebstahl ist ain 19. d. M. in einem Hause der Prenzlauer Allee verübt worden. Eine Frau S. stand daselbst iil ihrer Küche und hielt, da sie im Begriffe stand, für ihre Kinder Abendbrot zu holen, das Portemonnaie in der Hand. Plötzlich wurde die Kirchenthür aufgestoßen, ein wildfremder Mensch trat in die Küche ein und griff nach dem Portemonnaie der Frau S. Diese war aber nicht gesonnen, ihr Eigenthum ohne Werteres preiszugeben, sondern hielt die Börse wacker fest. So gelang es dem frechen Diebe nur, ein Paar Goldstücke zu erwischen, mit dene» er die Flucht ergriff. Aber auch mit der Flucht hatte er wenig Glück. Auf dem Korridor irrte er sich in der Thür. Statt der Ausgangsthür faßte er die verschlossene Thür der Flurv.achbarin der Frau S. und verlor mit den ver- geblichen Versuchen, diese zu öffnen, so viel Zeit, daß Frau S. sich von ihrer Bestürzung gänzlich erholen und die Verfolgung des Diebes ausnehmen konnte. Letzterer wurde in der Wadzeck- straße ergriffen. Oeirr Dr. Jakobloh n, Spezialarzt für Augenkrankheiten, hat seit lmrzem Gneisenaufrraße 104 eine Poliklinik eröffnet, in der er täglich von 12—1 Uhr Mittags für Unbemittelte unent- geltlich vrdiniren wird. Z)oi»s«ibericht. In der Nacht zum 29. d. M. sprang ein Mädchen nahe der Bärwaldbrücke vom Kohlen-User in den Land- ,vel�r-Kanal und ertrank.— Am 29. d. M. Vormittags wurden ein Mann im Hause Stralauerplatz 1—2 und Mittags ein Mädchen auf dem Boden des Hauses Kurfürstenstraße 34 erhängt vorgefunden.— Nachmittags gingen am Kottbuser Ufer beim Umspannen zwei Pferde durch und überrannten nahe der Lausitzer- straße den Arbeiter Elsner, wobei dieser an der linken Seite und an der Schulter durch Huftritte bedeutend verletzt wurde.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann vor dem Hause Lindenstraße loO von einem in schneller Fahrt befindlichen Geschäftswagen ersaßt und niedergestoßen und erlitt außer einer Kopfwunde anscheinend innere Verletzungen.— Abends und in der Nacht zum 30. d. M. fanden drei kleinere Brände statt. Im Drozeff gegen die" RoUkntfchrr, der sich am Dienstag bis zum späten Abend hinzog, beantragte der Staats- anwalt� gegen die drei am meisten belasteten Eingeklagten Friedrich, Schmidt und Scholz zehn, bezw. acht und fünf Jahre Znchthans. Die Gesammtsnmme der vom Staatsanwalt be- antragten Strafen betrug 20 Jahre Zuchthaus und 33 Jahre Gefängniß. Das Erkenntniß lautete weit milder wie folgt: Schätz drei Jahre, Dahin?, Rückbrodt, Jsmer zwei Jahre, Deubrich ein Jahr zehn Monate, Scholz, Hohnemann und Schmidt ein Jahr, Prentke, Menzel 9 Monate, Knhse, Stender, Riegel, Maslomski 0 Monate, Nösler 3 Monate Gefängniß. Nur den Angeklagten Friedrich traf eine Zuchthausstrafe und zwar in Höhe von drei Jahren sechs Monaten, die Angeklagten Meinke, Wendt, Fischer und die Wittwe Benefeld wurden frei- gesprochen. ,,Sir hat sich nichts dabei gedacht!" Die Haus- besitzerin Vogel, eine in„guten Vermögensverhältnissen" lebende Frau, war vom Schöffengericht wegen Diebstahls zu einer Ge- fängnißstrafe von einem Tage verurtheilt worden. Im Mai dieses Jahres wurde die Sorauerstraße, in welcher das Haus der Frau Vogel liegt, neu gepflastert. Mehrere Anwohner haben be- merkt, daß die Angeklagte am Abende des Himmelfahrtstages mehrere Male ihr Hans verließ und sich von den auf dem Damme aufgestapelten Steinen jedes Mal einen aneignete, den sie nach dem Hofe schleppte. Hier wurden von der Kriminalpolizei drei solcher Steine gefunden, die einen Werth von SO Pfennigen hatten. Im Termin vor dem Schöffengerichte behauptete die An- geklagte trotz der bestimmten Aussage der einwandssreien Zeugen, daß sie das Opfer einer Personenverwechselung geworden sein müsse, sie wies auf ihre günstige Vermögenslage und darauf hin, daß die Steine fast werthlos seien. Das Schöffengericht stützte sich auf die Thatsache, daß selbst reiche Leute aus Geiz zu Dieben geworden sind und sprach es deshalb die Verurtheilung aus. Vor der Berufungsinstanz räumte die Angeklagte die That ein, sie bestritt aber, daß sie die Steine sich habe aneignen wollen. Sie habe sich bei dem Fortschleppen der Steine„nichts gedacht". Der Gerichtshof gewann aber ebenfalls die Ueberzeugung von ihrer Schuld und bestätigte das erste Urtheil. Halle, 27. Oktober. Die Strafkammer des hiesigen Land- gerichts behandelte heute in einer Boykottsache. Angeklagt waren der Vergolder Hoffmann, bei der letzten Reichstags-Wahl in Meißenfels-Zeitz Kandidat der sozialdemokratischen Partei, und Redakteur Heinisch vom„Wähler" in Leipzig, Beide Dissidenten, Heinisch gegenwärtig in Zwickau in Strafhast wegen Preß- Vergehens. Die Anklage lautete auf Beleidigung, Preß- vergehen und groben Unfug. Geboykottet waren durch eine Bekanntmachung im„Wähler" zwei Wirthe in Schkeuoitz, Müller und Helm(„Deutsches Haus"). Bezüglich Helm's lag indeß in der betreffende Annonce ein Jrrthum insofern vor, als gesagt war, Helm, Inhaber des„Deut- scheu Hauses" in Halle. Der Besitzer des gleichnamigen Halle'schcn Gasthauses heißt aber Friedrich. Der Staatsanwall erachtete nach den vielen Urtheilen sächsischer Gerichte Beleidigung und Unfug für erwiesen, beantragte aber, da die Sache milde an- zusehen sei, nur je 20 M. Geldstrafe resp. 4 Tage Hast. Die Vertheidigung bestritt, daß im Boykott die bezüglichen Vergehen vorliegen. In Plauen sei er förmlich organisirt gewesen und straflos geblieben, ebenso auch in Erfurt und Berlin. Auch sei hierbei auf die Boykotterklärungen verschiedener Militär- Verwaltungen hinzuweisen, die ihren Mannschaften den Besuch verschiedener Gastwirthschasten:c. verbieten. Der Boykott sei nur ein Mittel, die Gleichberechtigung der sozialdemokratischen Partei mit anderen Bevölkerungskreisen zu erzwingen. Der Gerichtshof erkannte aus nichtschuldig. Zunächst sei eine Beleidigung in der betreffenden Bekanntmachung nicht zu erblicke», ferner sei be- züglich Helm's der Strafantrag nicht von der zuständigen Person (dem Besitzer des„Deutschen Hauses" in Halle) gestellt, und grober Unfug liege nicht vor, da dieser voraussetze, daß das Publikum belästigt worden sei, während hier nur 2 Personen, die be- treffenden Wirthe, in Frage kämen, die selbstverständlich lein „Publikum" seien. Soziale MevevstÄzk. Achtung! Drrgoldrr Drutschlanda I Seit dem 27. d. M. befinden sich die Barockrahmen-Vergolder im Streik; wir fordern alle Rahmenvergolder auf, Berlin zu meiden. Alle arbeiterfreund- lichen Blätter werden um Abdruck gebeten. VevtÄmittUmge«. Do» dem Reichstago-At>geordnrten Raul Singer erhalten wir folgendes Schreiben: Werthe Redaktion! Unter der Spitzmarke: E i n N a ch- p i e l z u m sozialdemokratischen Kongreß bringen Sie in Ihrer heutigen Nummer den Bericht über eine Ver- sammlung sozialdemokratischer Wähler des dritten Berliner Reichstags-Wahlkreiscs, in welcher u. A. der Genosse Tischler Winter gesagt haben soll„... Bebel ist von Rohmann nur ausgefordert worden über den der Partei zugefallenen Höchberg- fonds in Höhe von 30 000 M. Rechnung zu legen, wenigstens war Rohmann beauftragt nur über diesen Fonds die Liechnungs- legung zu fordern..." Andere Blätter berichten über Winter's Ausführungen, daß gesagt habe: Höchberg hätte den„Berliner Genossen" eine testamentarische Zuwendung von„30 000 M." gemacht und ich sei von Höchberg zum„Testamentsvollstrecker" ernannt worden. Wie nun auch die Winter'schen Aeußerungen wörtlich ge- lautet haben mögen, bezüglich des Höchberg'schen Vermächt- nisses entsprechen sie nicht dem wirklichen Thatbestand, und, in genauer Kenntniß des Sachverhalts glaube ich ver- p sichtet zu sein, eine authentische Klarstellung desselben zu geben. Unser verstorbener Parteigenosse Höchberg hat weder den „Berliner Genossen" noch der„Partei" eine Zuwendung gemacht; weder war in der bezüglichen Testamentsvollstreckung eine bestimmte Summe bezeichnet, noch war ich in derselben zum„Testaments- Vollstrecker" ernannt. Höchberg hat mir persönlich einen Theil seines— beiläufig bemerkt, von den Gegnern enorm überschätzten— Nachlasses, zn Unterstützungszwecken vermacht. Der Betrag, welcher weit hinter der von Winter genan«� Summe zuriickblieb, ist mir nach langen und mühsamen Verlier- lungen ailsgehändigt worden und hat die testamentarisch stD' setzte Verwendung gesunden. Zur Rechnungslegung über die Summe war formell wand verpflichtet; jBebel oder die„Partei", welche das � mächtmß garnichts anging, waren gewiß nicht dazu berufen;� ich einer Anzahl von Parteigenossen die bestimmungsgemäße� wendung meines„Erbtheils" nachgewiesen habe, ist selbst"1' ständlich. Berlin, 30. Oktober 1890. Paul Singer. In Ke»ug ans nnsirrrn Ärricht über die vorgestrige sammlung im 3. Wahlkreis theilt uns Tischler Winter niil daß es ihm gar nicht eingefallen ist, Bebel irgendwie m'F greisen; er hat im Gegentheil aufgefordert, alle Persönlichkeits und Gehäsfigkeiten bei Seite zu lassen und mit vereinter Kraß für die gemeinsame Sache zu wirken. Wir bringen diese Berichtig»� mit Vergnügen und können bei dieser Gelegenheit die Beineckaaz nicht unterdrücken, daß die Berichterstattung über sozialsnnokratischi Versammlungen sehr häufig tendenziös- sensationell zugestutzt ist, soweit sie von Berichterstattern erfolgt, die zugleich für bürgei' liche Blätter thätig sind, und darauf berechnet scheint, die Beo liner Parteibewegung in ein falsches und schiefes Licht ä" stellen. Mit Hilfe der Genossen werden wir bemüht sein, nach dieser Richtung hin gründliche Remedur zu schaffen. Red- d� Verl. Volksbl.". etwa 8000 Härkergejellen sprach gestern Nach' Vor etwa 8000 Kiickerg-ftlle«..... mittag um 3 Uhr Abg. A u g u st B e b e l über die Frage: i Bäckereiarbeitern noth?" Die Versammlung fand w großen Saale der Berliner Bockbrauerei statt und war Redakteur der Bäckerzeitung, Herrn E. Pfeiffer, einberufen n11- wurde auch von ihm eröffnet. Herr Pfeiffer begrüßt die Ver' sammelten und spricht seine Freude über den zahlreichen BeW aus; zugleich macht er die Mittheilung, daß die Leiter übrigen Gewerkschaften größtentheils im Saale anwesend W" Bei der Bureauwahl wird Pfeiffer zum Vorsitzenden gewäh"' Abg. Bebel, dem zunächst das Wort ertheilt wird, führt aus: Er habe die Absicht gehabt, sich aus MW, an Zeit nicht in die Berliner GeiverkschastsbeweguW einzulassen, er habe jedoch mit den Bäckern«J» Ausnahme gemacht, weil er erkannt habe, daß es,"1"' der ganzen Welt giebt, die sich ia' Arbeiterklaffe in trauriger Lage wie die Bäckereiarbeiter befänden. Es sei"F richtig, jeder Arbeiter werde so schlecht bezahlt und behandelt, F er es verdiene und es sich gefallen läßt, im Bäckergewerbe jeo� treffe dieser Satz nicht völlig zu. Durch verwandtschaftliche '---—«•». AM J--- 4m£m." t% AMAM Ziehungen dafür interessirt, habe er schon in früheren Jahren Grauen die Verhältnisse im Bäckereigewerbe wahrgenommen,. habe dann später speziell das Bäckergewerbe studirt und d" gefunden, daß eS gerade hier Zustände giebt, die allen menW lichen Begriffen Hohn sprechen. Zusammen mit dem Vorsitzen Ihres Verbandes, fuhr Redner fort, habe ich einige tausend FW bogen ausgeschickt; auf Grund der Antworten habe ich eine �. schüre geschrieben, in welcher die Trostlosigkeit der Lage im Bacte gewerbe klar zum Ausdruck gelaugt....■ Die Berichte aus den verschiedensten Theilen des stimmen wunderbar in den meisten Punkten überein und so 9'%) ich, das Bild, welches die in meiner Statistik aufgeführten � Bäckereien bieten, paßt auf die Lage in ganz Deutschland. Zustände sind vielfach gewiß noch schlechter; denn es ist eiW ,, Erfahrungssatz, gerade oer am schlechtesten bezahlte Arbeiter 3 am wenigsten Auskunft über seine Verhältnisse. Die Mißi'F, im Bäckergewerbe liegen vornehmlich in der langen Arbeit?!� den schlechten Arbeits- und Wohnräumen und in der Lehrb�s züchterei. Sehen wir uns die Arbeitszeit an und wir M,, daß gerade die Bäcker am längsten arbeilen müssen. Nach"F.» Statistik haben 23 pCt. der Betriebe nur 12 Stunden und we� Arbeitszeit, dabei sind nur 4 pCt. mit 10 stündiger ArbeE-iu 48 pCt. der Bettiebe arbeiten 13—15 St., 29 pEt. 16—21 j täglich. Im Ganzen arbeiten also 73 pCt. der Betriebe 1'» 20 Stunden täglich. Dabei sind die zahlreichen Heberst:», nicht mit eingerechnet, welche Feiertage, Messen, Märkte � Volksfeste nur zu häufig nothwendig machen. Die phFyi Anstrengungen des Bäckereiarbeiters sind bei ganz ungenügende: menschenunwürdigen, sanitären Zustände» derartig große, dap� Gewerbe bald eine Degeneration eintreten würde, käme> � immer noch frischer Zuzug vom Lande. Die Sonntags arb�A im Bäckereigewerbe Regel und sie dauert oft länger, als die j« tags-Arbeit. Diese Zustände sind bei uns ebensowenig,'v' England und Amerika, wo absolute Sonntagsruhe h("L,: nöthig. Es ist nun bei Ihnen die irrthümliche Meinung„jl breitet, daß, wenn sie auf Verkürzung der Arben?»� dringen, in gleichem Maße der Lohn zurückgehen würde. K. si das durchaus nicht der Fall; gerade je kürzer die ArbeitsZ* den einzelnen Gewerbszweigen ist, desto höher ist der F.,: Vergleichen Sie nur den Lohn eines Schriftsetzers bei 9stun � Arbeitszeit mit demjenigen eines Bäckers. Dazu ko>:>>>" � unwürdige Behandlung. Wer wird schlechter behandelt ,|ft seinem Unternehmer, als gerade der' Bäcker? Der Bäckerewrr- wird nicht als Geselle angesehen, sondern als Knecht. Da» � bildet noch häufig die Anrede. Gegen solche Zustände/.� Sie nur durch eine Vereinigung ankämpfen. Die Mei!"' darin vorangegangen, sie haben sich im Germeniaverba»" � andere Verbände organisirt. Ich wundere mich iWs. � heutigen zahlreichen Besuch, er ze:gt mir, daß das Jnteretz� der Bewegung doch stärker geworben ist, und ich freue m,w.»(t über, weiß ich doch, daß Sie durch den Besuch �ii Versammlung den Schlaf entbehren müssen, daß Sie yierhss�p der Arbeit gekommen und von hier aus zur Arbeit gehen,-o jn kommt hierauf aus den schlechten Zustand der Arbeitsräu»' �.j sprechen und meint: Was für andere Gewerbe nicht taug'�si ist für die Bäckereien gerade gut genug; die meisten der statte» liegen im Soutcrain, von genügendem Licht und tf Kjs Lust ist keine Rede; noch schlimmer sieht es mit de» � A räumen in Bezug auf Licht, Lnst und besonders Reinlichke». Da giebt es Schlasräume, die von dem Schweine- und F„(1 stall begrenzt werden; die Bettwäsche gleicht. Kohlensäcken; sie wird womöglich nur alle Vierte j gewechselt. Ein weiterer Hauptübelstand bildet ds« gst Handlung der Lehrlinge; die Lehrlinge müssen häufig»o*■' als die Gehilfen arbeiten und werden noch zum Au � der Waare benutzt: Die Innungen, welche sich brüste»-, �i, Lehrlinge in Gottesfurcht und frommer Sitte zn etj jW züchten die Lehrlinge in schändlichster Weise und kürnn'F ,# blutwenig um die Gesundheit der ihnen anvertrauten P�' Daß diese Zustände verbesserungs- und resorinbedürftig 3„..'iF jeder ein. Tie Bäckereiarbeiler müssen sich endlich crM» sie müssen sich organisiren in einem Verbände über ganz Z» land und dabei dem Beispiel der Meister folgen. � auf den guten Willen der Meister warten, so können S:e. Ihr Lebensende darauf warten. Wachen Sie ans der. j((ii ans, agitiren Sie i:� allen Werkstätten und mache:: - ST alles Heil in der Ver ,ir in den Versammlungen und i? Sie müssen vor allem■Ofei«!', sehr gegen klar machen, daß liegt. Doch nicht blos müssen sie agitiren, werkschaslsorgan unterstützen mehr wie bisher..Nehmen ein Beispiel an den Bergarbeitern, d:e haben zetzt eu mit 27 000 Abonnenten; Ihre Zeitung zählt nicht so iflc. Nichts ist leichter, als mit Hilfe der Organisation einen •Irbeitsnachmeis zn errichten. Sie können dann die 5, l", ja ,, M., welche Sie dem Kommissionär zahlen, sparen und die Unternehmer zwingen, Ihren Arbeitsnachweis zn benutzen. -ßenn Sie wollen, so giebt es überhaupt nichts, waS nicht durchführen können. Bessere Wohnungen, Ver- ;uriNiig der Arbeitszeit, bessere liost, die häufig sehr Zlecht ist. Haben Sie Ihre Organisation, so werden Ihre Wunsche an der richtigen Stelle vernommen und erfüllt werden. -Ue Regierung hat die Pflicht, da? Bäckergewerbe der polizeilichen 'toutrole zu unterwerfen; es müssen Inspektoren für die einzelnen weiverbszweige angestellt werden. Es ist durchaus uothwendig, seitens der Behörden die Schlasräume. welche den hygienischen llstsprüchen nicht genügen, geschlossen werden; es ist uothwendig, "üb baupolizeiliche Verordnungen für das ganze Reich erlassen werden, welche Bestimmungen für Neubauten in dieser Hinsicht ent- 'lauen. Mögen dadurch auch einzelne Meister zu Grunde gehen, der Allgemeinheit wird es nur Nutzen bringen. ~,e Länge der Arbeitszeit must gesetzlich geregelt, � Lehrlingszüchterei gesetzlich gesteuert werden. Bei der �nmmung, die gegenwärtig in den leitenden Kreisen in -o-zug auf Arbeiterschutz- Gesetzgebung herrscht, wird Vieles zn er- reichen sein. Aber es ist unbedingt uothwendig, daß die Arbeiter "st Theil mit dazu helfen. Wollen Sie als Menschen leben, so uuisseu Sie sich vor allem als Arbeitsbrüder an einander schließen.— Nicht endenwollender Beifall war die Antwort auf aiefe Worte.— Herr Pfeiffer schlug vor, eine halbstündige Pause tintreten zu lassen, damit den Versanunlungsbesucheru Gelegen- ben geboten wäre, sich als. Verbandsmitglieder und Abonnenten des Verbandsorgaus melden zu können. Sie Versammlung erklärte sich damit einverstanden und es erfolgen zahlreiche Anmeldungen. . In der Diskussion nahmen die Herren Schlüter, Gütschow, vange, Nikoff, Machlowski und der Vorsitzende Pfeiffer das Wort. Ple Redner erklären sich mit den Ausführungen des Referenten elutiow�___. e..-----' ..-------- M—,.........""I-"—" tinverstanden und fordern zu eifriger Agitation für den Verband ans- Gütschow, ein Russe, schildert die russischen Verhältniste un Gewerbe und behauptet, sie seien besser als die deutschen. Mach- lewsti. ein Schlächter, spricht von den Verhältniffen im Schlächter- Bewerbe, die ebenso schlecht wie im Bäckergewerb� lägen. Der M gegründete Verband werde hoffentlich auch hier Wandel schaffen. Es wurden folgende Resolutionen angenommen. 1. Tie heute am 30. Ottober in der Bockbrauerei tagende Versammlung der Bäckereiarbeiter Berlins erklärt sich mit den Abführungen des Referenten, Herrn Reichtags-Abgeordneten A.Bebel, einrerstande» und beschließt: In Erwägung, daß unsere �age eine traurige ist und unsere Löhne und Arbeitszeit rn keinem Verhältnis stehen; ferner, daß durch die unmenschlich lange �kitszeit imcher'mehr nnb mehr&url,mranf#,; ��en mW *■.- �—--- J f f---'.- �-f.... fi. �Wichen Versumpsung fuhrt uud bah Jamiiieuledru in Zukunft dadurch gefährdet ist, beschließt die Heutige Versammlung. Mann s»r Mann dem Verbände der Bäcker und Berufsgenossen bei- »a'reten„nd nach besten Kräften für denselben zu "flitiren, damit derselbe auch menschenwürdige Zustande unter den Bückereiarbeitern schaffen kann. Ebenso deschl'eßt die Versammlung, mit aller Energie k�Fachblattes zu' 1 aller sorgen und für die Verbreitung allen zu Gebote flehenden M;""Urfmuucs zu lorgeu uno Ulli auen zu tNenote pe utein für die Verbreitung der Arbeiterpresse einzutreten. aB s®'6 heute am 30. Oktober in der Bockbrauerei tagende J'. u'uche Versammlung der Bäcker Berlins erkennt aus den in Führungen des Referenten die vollständige Einsicht desselben "User Gewerk. Dieselbe erklärt ferner, daß nur etwas erzielt fjch kann, ivenn sich rille einer festen Organisation anließen. Es ist darauf hinzuweisen, daß die Beschlüsse des ii Nationalen Kongresses in allererster Linie hoch zu halten >v: der Reichstag ist zu ersuchen, dieselben zum Gesetz z» ,j-- der tchebeu. 3tn t3' Versammlung beschließt, das früher Jsttationskonütee zu beauftragen, Bons anfertigen gewählte zu lassen b-w selb, V kefer Bons andern Personen solche übermitteln. Das- Iiyfg Ä.??? für fehlende allein verantwortlich. Die Versainin- 'Recht rT tirci Revisoren, welche zu jeder Zeit und Stunde das lenftolirc' ben �onCl§ lon:,ie die Geschäfte des Komitees zu Pfeiffer drückt den Wunsch aus. daß die nächste Ver- och J.P'�seder so gut besucht sein möge und schließt mit einem ..J""1 die Llrbeiterbewegung aller Länder und die Bäcker- m., in Teutschland. Unter fortwährenden Hochrufen auf entfernten sich die Versammelten. �"hlrrich besuchte-ficutliche Fabrik- ffebel dt?.?�': Nersaiumlung fand am 28. d. M. im 4tQU y?-""-atnt in Der Naunynslraße unter dem Vorsitz der -toax...,' r c et statt. Der große Saal war überfüllt. Auf der tzöp,,� dnung stand:„Die Zustände in der Velvetfabrik in der Llchttc �A'raße. Referentin: Frau Gnbela. Die Referentin siraß-'»Wenn man sich das schöne Haus in der KLpmcker- Auhe„setzte, so meine man, es Herrsche darin Wohlsein, sich und r.. 3Il®dcn. Dem sei nicht so. Auch dort quälen 'itLn m-ri, eJl Hunderte von Proletariern, hauptsächlich weib- �°ntinn-.„� cksts; auch diese Fabrik liefert, wie alle anderen, ihr Fabrik ü Prostitution. Rednerin geht nun auf die in der sin H'�lchenden Mängel über, dieselben scharf beleuchtend. fchästi..?ulen II und III, in welchen zirka CO Personen be krvei,-,. v. �finden sich fünf bis sechs Klosets ohne Deckel, und Ein,»»,.'e ohnhin schon schlechte Luft noch mehr. daß Lüftung fmDet nicht statt. Es ist sonst Sitte Fabrik-,,"eirathete Frauen etwas vor Mittag die Ereile,, Klaffen können, um ihrem Manne das Essen zu '2 llbr'd.5� Frau, die dies thun wollte und D Minuten vor Straf, Fabrik verließ, wurden am Sonnabend 10 Pfennige Hauben„ c abgezogen.(Pfui!) Nicht mal ein Ofen ist vor wärmen' welchem die Arbeiterinnen ihren Gerstenkaffee ""Befann. w- Wenn die Arbeiterin am Mittwoch mit dem abend n?Swn, an cht fertig ist, erhält sie dies am Sonn- r0 tfshijfi/v bezahlt. Allerdings gab eS ja einen sogenannten dies,, noh»'H'st derselbe jetzt auch eingeschränkt worden. Auch stetig i|. ql"Floren, wenn die Arbeit am Sonnabrnd noch nicht Arsten Lehrlinge(Mädchen und Frauen) erhalten in der "i Arhoif tWoche gar nichts, sondern erst wenn das Stück, welches Prejz e,t Haben, fertig geschnitten ist, den dafür gezahlt werdenden Zwei zn""" 12 Mark. Meistens wird das Stück in Mark o"°ch nicht fertig. Ist es fertig, so werden Meißen Kaution, sowie die Strafgelder, welche für das "erden w!-., Stechen von Löchern, für Messerabbrechen-c. gezahlt !'>-ibt jh Me». abgezogen. Mit dem Uebrigbleibendeu zu leben, >aiit, jji' überlassen; weit iverden sie damit nicht kommen. 'Unter b"ße wird darüber erhoben, daß die alten Arbeiterinnen ,ffstte bi.vJ?eten zurückgesetzt werden. Jetzt, nachdem sich , ffie» das jahrelange Arbeiten in dem verderb- bleiben ,'cu'b die Schwindsucht oder ein Unter- i°- A'?»: W?über'öffden Hilfsarbeiter und der Meister den Arbetterinnen nennen..�Herren, und gerade die ersterett»mchten die Ar- m.'' tnit"'s Genossinnen anerkennen, für sie eintreten; und sie tz?!5ntmii,?,°'"en Redensarten regaliren. Nach der vorigen w« �.schaffen worden. Es ist zu hoffen, attai diese &•; »t«f*nnen"ift.bekommen. Der Verdienst beträgt bei den ohne die abgezogenen Strafgelder. Manche Arbeiterin kommt blos auf C M. Mit einem solchen Verdienst müsse man ja der Prostitution am heim fallen. Rednerin fordert alle anwesenden Velvet- arbeiterinnen, sowie überhaupt alle Fabrikarbeiterinnen ans, sich dem Allgemeinen Arbeiterinnenverein anzuschließen; damit noch mehr derartige Schäden, sowie eS hier geschehen, Der Oeffentlichkeit übergeben werben können.(Stürmischer Beifall.) An der nun folgenden lebhaften Diskusston betheiligten sich mehrere Redner und Rednerinnen. Von einer derselben wurde die Richtigkeit des von der Fratt Gnbela Gesagten bestätigt. Eine früher in der betreffenden Fabrik beschäftigt gewesene Fratt geht mit den Meistern der Fabrik scharf in? Gericht. Sie'giebt, oft, durch die Mißfalls- bezengungen der Versammlung unterbrochen, eine ganze Kollektion der scheußlichsten Schimpsworte, welche einige der Meister gegenüber den Arbeiterinnen gebrauchen, wieder/ Bezeichnend für die Rohheit eines der Herren ist, daß derselbe auf die Klagen von Arbeiterinnen hin äußerte: Wenn ihr etwas z u fressen haben wollt, so st i p p t c tt ch ei n e S chripp e in das Wasser des Schleif st ein s." Eine andere Rednerin, Frau Fahren wald, fordert die Männer auf, sich um die Organisationen der Frauen verdient zu macheu und nicht, wie ein ihr bekannter sozialdemokratischer Stadverordneter zn sagen: „Meine Frau gehört in das Hans, nicht in die Versammlung". Diese Aeußernugsei zu bedauern. Nach Schluß der Debatte über diesen Punkt der Tagesordnung wurde ein Antrag angenommen dahin gehend, daß sich die anwesenden Arbeiterinnen der Velvetfabrik verpflichten, dem„Allgemeinen Arbeiterinnnenverein" anzuschließen, sich mit den Ausführungen der Referentin voll und ganz einverstanden erklärend. Ebenso wurde beschlossen, eine fünfgliederige Korn- Mission zu wählen, welche einen Lohntarif für die in der Velvet- fabrik beschäftigten Arbeiterinnen auszuarbeiten und denselben in einer in 14 Tagen stattfindenden Versammlung zur eveut. Annahme vorzulegen hat. In diese Kommission wurden gewählt die Damen Frau Reisewitz, Frau Schwertfeaer, Fräulein Großer, Frau Kntschera und Fräulein Klingart. Ebenso wurde noch eine Agitationskommission ge- ivählt, bestehend aus Frau Viereck, Herrn Müller, Frau P r o ch n o w, Frau Scherzer und Fräule isti B e i e r.— Eine lebhafte Debatte rief noch der dritte Punkt der Tagesordnung:„Wo bleiben die Strafgelder?" hervor. Es wurde dem Fabrikanten das Recht abgesprochen, selbstständig über die Strafgelder zu verfügen. Der Fabrikant behaupte, er ver- wende diese Gelder zu Unterstützungen an seine Arbeiterinnen. Thatsächlich haben solche ja auch Unterstützungen von ca. 10 M. erhalten; dieselben hätten das Geld aber wieder in Raten ab- geben müssen. Tie Angaben des Fabrikanten übersteigen auch die thatsächlicheu Unterstützungen um ein beträchtliches; derselbe behauptet, 40 bis 50 Mark gezahlt zu haben.(Zwischenruf: Lüg e.)— Frau Gnbela, welche diese Ausführungen machte, erklärt weiter, daß sie sich mit Dem Fabrikanten vor dem Schieds- richter, vor den sie geladen, iveil sie behauptet haben sollte, der Besitzer der Fabrik bereichere sich an den Strafgeldern seiner Arbeiterinnen, dahin geeinigt habe, daß ein gerichtlicher Bücher- revisvr die Bücher des Etablissements prüfe, um die Unrichtig- oder Richtigkeit der Angaben des Besitzers zn prüfen. Hierbei werde wohl auch die horrend große Zahl der Strafgelder mal festgestellt werden. Der Meister Nitsche habe erklärt, sie, Frau Gnbela, bereichere sich mit Den Geldern der Arbeiterinnen; sie weise diese elende Verleumdung zurück.— Hierauf wurde folgende Resolution angenommen:„In Erwägung, daß Fratt Gubela voll«üb ganz ihre Schuldigkeit gethan hat, stellen wir derselben ein Vertrauensvotum aus und erklären die Behauptung Nitsche's für eine Verleumdung unserer Sache und iveisen sie aus das Entschiedenste zurück."— Die amvesenden Meister ergriffen, trotz mehrmaliger'Aufforderung nicht das Wort zur Wider- legung. Mit einem Hoch auf die Bewegung ging die Versamm- lttng auseinander. Eine von ru. 3000 Personen besuchte öffentliche persatumlung sämmtlicher im graphischen Gewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen, als da sind: Buch- Drucker, Schriftgießer, Buchbinder, Kontobuch- Arbeiter, Steindrucker und Lithographen, S t e r e ot y p e tt r e it. f. w., fand am 29. Oktober im Böh- Jn das Bureau wurden gewählt: Lithograph Preuß, Buch- Hilfsarbeiterin Bien. Auf „Dl. Wie gedenken die im graphischen Gewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen die Verkürzung der Arbeitszeit anzustreben? 2. Verschiedenes. Als erster Re- serent zum ersten Punkt der Tagesordnung sprach der Stein- drucker Sillier:„Ein erfreuliches Zeichen für die für die Zukunft in Aussicht genommene Taktik der graphischen Arbeiter sei der imposante Besuch der Versammlung. Redner geht dann auf die Nothwendigkeit der Verkürzung der Arbeitszeit ein, die- selbe nachweisend und in trefflicher Weise die Behauptung einer bestimmten Klasse von Menschen, die Verkürzung der Arbeitszeit bringe einen geringeren Verdienst mit sich, ividerlegend. Die Ver- kürznng der Arbeitszeit könne nur allgemein nutzbringend für die 'Arbeiterschaft wirken; schon durch die dadurch bedingte Ver- ringerung des Vagabundenthums; die hiermit in Zusammenhang stehende Verringerung des Ueberangebots von Arbeitskräften; die physische und geistige Hebung des'Arbeiterstandes u. s. s.— die Arbeitszeit in den in Betracht kommenden Branchen, Buch- brucker, Buchbinder jc. beträgt zur Zeit lO, SVs, 9 Vi Stunde», auch schon weniger(vereinzelt). Doch hierbei bleibt es; tritt eine bessere Geschäftszeit ein, so wird über Feierabend gearbeitet. Dies wird übermäßig ausgenutzt. Ter Fabrikant will sich für die betreffende Zeit keinen größeren Raum iniethen; er spart so etwas. Der Staat als solcher, ber gerade das größte Jntereye an der Nicht- Verkümmerung der Arbeiterklasse hat; unterstützt die Unternehmer in ihren Umtrieben gegen die Arbeiterfchoit, sei es Direkt oder indirekt durch Nichtahndung ihrer Verstöße gegen das Gesetz. Redner verliest das Statut eines in Dresden seinen Sitz habenden Unteriiehnierverbandes, aus welchem hervorgehe, daß der Verein vermittelst des Geheimbnnds- Paragraphen gefaßt werden könne. Hier unterstützt der Staat indirekt, indem er dies nicht thnt. Ein Ausnahmegesetz ist beseitigt; jeder Arbeitgeber- Verband mit seinen krassen, gegen die Arbetterschast gerichteten Bestimmungen bildet ein neues. Trete man dem mit einer kompakt organisirten Arbeitermaffe entgegen. Das Kapital vereinigt sich, trotz der innerhalb seiner existirenden Interessengegensätze, gegen die Arbeiterklasse, iveil es diese als seinen gemeinsamen Feind betrachtet; treten wir dein vereinigt als Arbeiter ent- gegen, lassen wir in Diesem Kampfe gegen das Kapital unseren Charakter als Steindrucker, Buchdrucker, Buchbinder, Hilfsarbeiter und-Arbeiterin ic. fallen und kämpfen als eine intrefsitte Masse gegen unfern gemeinsamen Feind l" (Stürmischer Beifall). Hierauf ergriff Buchdrucker Schmitt das Wort. Derselbe berührt die Kämpfe, welche die Buchdrucker im letzten Jahrzehnt geführt.'Aus diesen habe man gelernt, daß zur Erringung von etwas Positiven ein Zusammen- kämpfen aller im graphischen Gewerbe beschäftigten Personen nöthig ist. Die Buchdrucker haben in diesem Jahre insoweit einen Sieg errungen, als viele Firmen, die ihn bisher nicht be- zahlt, den Tarif bewilligt haben. Die Arbeitszeit müsse für alle in einem Etablissement zusammen Arbeitenden eine gleiche sein; der Fabrikant berufe sich immer auf diejenigen,(so auf die Buchbinder), welche länger arbeiten, wenn z. B. die Buchdrucker eine Stunde weniger Arbeitszeit verlangen tvürden. Ein einheitliches Vorgehen sei zum ersten Male beim Streik der Arbeiter und Arbeiterinnen der Firma Roseuthal versucht worden. ES haben allerdings nach einigen Tagen verschiedene Buchbinder wieder angefangen; es waren aber nnorganisirte. Dies zeige wieder die Nothwendigkeit einer festen Vereinigung. Die im graphischen Gewerbe beschäftigten Personen sind wohl alle orgamsirt, aber nicht geuügeud. Dies müsse beherzigt iverden. (Lebhafter Beifall.) An der Diskusston betheiligten sich die Herrn mischen Brauhause statt. Buchbinder Jost, drucker Wachs und der Tagesordnung stand: Rose, Steinschleifer; P. S ch n e! d e r, Buchbinder; P. Jahn, Lederarbeiter; S ch i m a n s k y; Li im in i ch', Hilfsarbeiter; P r e n ß, Lithograph; Seidel, Lithographie-Steinsch leiser; Silberberg und Sperber, Schriftsetzer; Eichhorn und F r l. B i e it. Von allen Seiten wurde die dringende Nothwendigkeit einer ein- heitlichen, kurzen Arbeitszeit für die im graphischen Gewerbe beschäftigten Personen anerkannt, sowie Der Wunsch ausgedrückt, daß die besser sitnirten Arbeiter, den vielen von ihnen noch anhaftenden Eigendünkel fallen lassen mögen und daß hauptsächlich die Gleichberechtigung der Arbeiterinnen anerkannt werden müsse; die Männer sollten bestrebt sein, deren Organisa- tionen zu nnterstützen und sich nicht ihnen entgegenstellen. Folgende Resolution wurde mt genommen:„Die heute im „Böhmischen Brauhause" tagende von ca. 2000 Personen besuchte öffentliche Versammlung der im graphischen Gewerbe beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hält die Verbesserung ihrer Arbeits- und Lohnverhältnisse für unbedingt nothwcndig und fordert als durchgreifendes Mittel dazu die Verkürzung der täglichen Arbeits- zeit auf acht Stunden(erklusive der Pausen) und eine den Be- dürfnissen der Arbeiter' und Arbeiterinnen entsprechende Fest- setzung der Lohnsätze.— Zur Durchführung dieser Forderungen hält es die Versammlung für uothwendig: l.„Da ein erfolgreiches Vorgehen nur innerhalb geschlossener Organisationen möglich ist, daß alle noch nicht organisirten Arbeiter und Arbeiterinnen sich vereinigen, bezw. sich einer schon bestehenden Vereinigung an- schließen;— 2. daß die anwesenden Personen unter ihren Berttss- genossen die Vorbereitungen zur Durchführung obiger Forde- rungen treffen, damit zu der gegebenen Zeit sämmtliche Arbeiter und Arbeiterinnen für dieselben eintreten."— Weiter wurde beschlossen, in einer nächsten Versammlung eine Agitationskommission, in welcher die verschiedenen Branchen enthalten sind, zu wühlen. Die Versammlung gab außerdem einem Wunsche dahingehend Ausdruck, eine würdigere Behandlung der Arbeiterinnen seitens vieler männlicher Arbeiter anzustreben. Dir Frrio Pcvriniguug de? Kartättardoiter tagte am Montag, den 27. Oktober, bei Säger, Grüner Weg 29, mit der Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten.— Als Referent war Herr Dr. L ü t g e n a n erschienen; das Thema lautete:„Das eherne Lohngesetz". Referent führte aus: Liebknecht habe in Halle dem ehernen Lohngesetz die wissenschaftliche Genauigkeit abgesprochen. Daraus machten die Gegner: Liebtnecht habe das Gesetz als eine„nnbcgreisliche Ver- irrung" Lassalle's preisgegeben, die Führer hätten die Arbeiter- klaffe 23 Jahre lang mit einem total falschen Gesetz an der Nase herumgeführt u. dergl. Es verlohne sich daher, die wirklichen Mängel der Theorie vom ehernen Lohngesetz einmal aufzudecken. Tie Minimalgrenze des Lohnes liege noch niedriger, als das eherne Lohngesetz angiebt. Ganze Gruppen von Ar- b eitern(Weber) können nicht Heirathen, wenn die Frau nicht mitverdient.— Für die Hausindustrie modifizirt sich das Lohngesetz dahin, daß die Mitarbeit von Frau und Kind für die Feststellung des Lohnes des Mannes in Betracht gezogen wird und den Lohn entsprechend senkt; das giebt selbst die offizielle Sozialökonomie schon zu. In seltenen Fällen liege auch die Maximalgrenze höher, als Ricardo angiebt. Wenn dem ehernen Lohngesetz zufolge der Lohn sich nach dem bescheidensten Lebensanspruch richte, so richte sich doch auch umgekehrt der LebenSanspruch nach dem Loh». Der Arbeiter hat seinen Anspruch an die Ernährung und ans Leben so zu ermäßigen, daß er mit dem Lohn auskommt. Die Wissenschaft habe festgestellt, wie Rinder und Schweine gefüttert werden müssen, je nach dem be- sondereu Zweck, aber sie habe noch nicht festgestellt, tvie der Mensch ernährt iverden müsse, etwa um die normale Lebens- dauer zu erreichen. Durch diese Umkehrung werde aus dem national- ökonomischen Gesetz ein physiologisches. Die Herrschaft von Angebot und Nachfrage bei dem Preise der Waare Arbeit könne aber eingeschränkt werden durch die Organisation der Arbeiter, durch Einfluß auf die Gesetzgebung, überhaupt durch bewußtes Eingreisen in die wirthschaftliche Ent- wickelung. Denn es sei wichtig, auch für die größeren Ziel« des Sozialismus, daß wir den Gesetzen der ökonomischen Entwickelung auf die Spur gekommen sind; wenn wir diese Gesetze auch nicht beseitigen können, so können wir doch ihrer Anwendung die Richtung geben, wie das Gleiche bei den physikalischen Gesetzen der Fall ist. Referent legte weiter noch dar, daß seitens des heutigen Staats ein Minimallohn nichts nützen würde, daß aber eine erhebliche Arbeitszeitverkürzung die industrielle Reservearmee verringere und damit auch den uachtheiltgen Einfluß der letzteren auf die Lohnhöhe vermindern werde. Zuletzt gab Redner noch, die Verbesserung der Einkommen nach Abschaffung des LohnsysteinS betreffend, eine Kritik des Richterschen„Theilungs"-KünftMckchens, das er unter großer Heiterkeit der Versammlung gründlich widerlegte. Ein Antrag, welcher besagte, den Vortrag nicht durch eine Tis- kusston abzuschwächen, Ivurde angenommen. Unter Verschiedenem wurden die neun Werkstellen bekannt gemacht, welche vom Vor- stand des Vereins schriftlich zu dieser Versammlung eingeladen waren; erschienen waren: von Jacobson 4 Kollegen, Steinberg 8, Sennet 2, Karfunkelstein keiner, Lieyß keiner, Perlstein keiner, Adam 1, Plaut 1, Fieberkorn 1; es ist dieses wieder ein Beweis, wie wenig der Geist derjemgen Kollegen, welche trotz aller Mühen sich zu nichts verstehen können, aufgeklärt ist. Viele drehen der Organisation den Rücken, die Roth wird sie schon einmal dazu bringen, daß sie wieder einen Zufluchtsort suchen. Weiter wurde vom Vergnügungskomite bekannt gemacht, daß unser nächstes Vergnügen am 1. März 1891 bei Joel, früher Keller (Andreasstraße), stattstndet. Ein Antrag, welcher besagte, daß nur zuverlässigen.Kollegen der Billetvertrieb zu übergeben sei und daß in der nächsten darauf folgenden Vereinsversammliing die Abrechnung erfolgen muß, wurde einstimmig angenommen. Der Vorsitzende machte noch aufmerksam auf den in nächster Zeit statt- findenden Gewerkschaftskongreß und wird behufs Stellungnahme dazu eine öffentliche Versammlung stattfinden. Mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie schloß der Vorsitzende die Versammlung um 12 Uhr. In dem Deesainmiungsbovicht hsv Fr eien Ver einigung der Maurer vom 28. d. Mts. in der 2. Betlage ist ein Schreib- fehler vorhanden. Es heißt da:„Es wurde noch die neue Adresse von Jul. Wernau angegeben." Es muß statt Jul. Wernau Herrn. Krieg heißen. Wentau wohnt nach wie vor Zionslirchplatz 2. Köpenick, den 29. Oktober. Am 28. Oktober fand Hierselbst in kilem's Hotel eine von 1500 Personen, darunter viele Frauen, besuchte Versammlung, unter Leitung der Genossen Rautinann, Einfinger und Jwelker statt. Genosse Werner(Berlin) erstattete Bericht über die Verhandlungen des Parteitages. Nach dem Rejerat ergriff in der Ttskussion zunä-chst Metzner(Berlin) das Wort, der dem Referenten den Vorwurf machte, daß et seine sonen vorliegenden Materials behauptet Redner, daß die Eni- larvung der„Eisernen Maske", die der Partei große Dienste geleistet, besonders auch bei dem Glberselder Prozeß, nur im Interesse der Polizei liege. Krüger(Rixdors) verlangt absolute Freiheit der Diskusston. Werner wendet sich scharf gegen Metzner uud verwahrt sich de- sonders gegen den Vorwurf, daß mit Dem Antrag Ihrer der Polizei Material geliefert werden solle. Die Enthüllung der „Eisernen Maske" habe Niemand verlangt; dieselbe habe weder die Elberfelder Spitzel entlarvt, noch deren Thätigkeit verhindert. Eine Resolution, die sich mit den Ausführunaeu des Referenten einverstanden erklärt, wurde mit alten gegen 20 Stimmen an- genoinmen, und die Versammlung, nach Erledigung einiger lokalen Angelegenheiten, mit einem Hoch aus die internationale Sozial- demokratie geschloffen. tiroft* syrnitichr Wf rramuiti.m.i Ici* Jiu' SJrtlliiev Streit- KontvolfcmwIifUm am den fli. Ott*«-,«bendö Nhv, in T.v muUer'i Salon, Alle(Jotobjtv.«Sa. Za�c-. üiUiuug; i. Ter Su-elt der Perl nuittarbeitcr, Referent i Herr Htldebrcsidi. r. Der TSpferlireU. Ref.'renn ?AL,viuf"• SoijfottautvüflC der Tchlachtir. 4. Telegirteiiivahl zur Eiewerk- schaftS-Ko»,cr-nz.-. Verschiedene.?. Punlt 9 Uhr: Verlesung der Präsenz- liste. Nm zahlreiche? brichcmen ivird ersuche. AUgenirin« Ornnlic»- U!,d SterUKnsU der deutschen D»-ch«l«r und j..»r»ssgr„o,r»,i iE. A. go) Verwaltuiigds-eUe Verli» A, Mitgliederversamm- l,"Ug am Sonulch,. den 9. l'ivveindsr, Vormiilag, II Uhr, dei Volzmann, .lndreasstr. no. Tu« sardnung: i. Vierteljährlicher Kassenbericht.•>. Ergänzungswahl de? Voiuandes. g. Wahl der Kraulenbesucher. 4. Verschic- de»-?,«erscheinen ist Pflicht. Li»chv»rri!, drr ztletallschraud«»-. Faco»dr«her und Berl.ns. Eonntag, den 2. November, Vormittags präzise Ii Uhr: General- persaminlung. Tagesordnung: i. Abrechnung oom Generalstreik. 2. Diskusston. a. Neuwahl des Äesaninitvorstandes. 4. Bericht über die eingegangenen Gelder Kollege Voigt, o. Verschiedenes. Um zahl- zur Unlerslühnng für Nechtsfchuh reiches.Erscheinen wird ersucht. Nlöbrlpolircr K-rlino„!,d zlmgegcnd. Sonnabend, den I. November, Abends s Uhr, smdel bei Volzmann, AndreaSstr. 20, eine grosie öffentliche Versammlung mit Samen statt. Tagesordnung; 1. Vortrag des Herrn Julius Türk Uber: urail-nb-fr-inng. 2. TtSkussioil. 3. Verschiedenes. Nachher ge- »uithllches Bclsammensctn. Frcircligiöfr Brmrindr, Nosenlhalerstr. 39. Sonnlag, den 2. November, Vormittags in Uhr.«ortrag de? Herrn Dr. Völlel über:„Tie Propheten." Gaste sehr ivilllouime». Sonnldrmoliratil'chrv Lefr- und yisllutirstlnb Heine. Sitzung am Sonnabend, den 1. November, im Lokale des Herrn Zechlin, Hornstraße 11. Gäste haben Zutritt. Männer»n» Frauen. Große öfsenlliche Versammlung am Sonntag, den 2. November, Adeild« 0 Uhr, in den Zentral-Festsälen, Oranienstr. im. Tagesordnung: 1. Vortrag de? Herrn Dr. Lülgsnau, über: Das eherne Lohn- gcsetz. S. Diskussion, s. Verschiedenes. Nach der Versammlung geselliges Beisammensein. Soiinldemokratischer Tele- ,»,d D>s>,utirkl»l>„Süden". Heule ?!bcnd 0 Uhr, im VereinSlolal bei Herrn Schwarzkopf, Skalttzerstr. II. Vor- lesung und Diskussion. Aufnahme neuer Mitglieder. Achtung! Der Verein aller in der S ch ä f l c s a b r i r a t i 0 n b c s ch ä f- tiglen Ar better tu neu feiert heute Sonnabend, sein 1. Stiftungsfest im Elysiuni, Landsberger Allee 39—4!. Recht rege Betheiligung erwünscht. .Achtung! Der gesellige V e re i n H 0 ffn u» g, welchem seit ijährigem Bestehen ans Grund polizeilicher Maßnahmen während des Sozialistengesetzes e» nicht gestattet war, irgend ein größeres Vergnügen zu arrangiren, seiert am Sonnabend, den 1. November, im Böhmischen Brauhaufe, Landsberger Allee il—is, sein 4. Stiftungsfest. Arbritrr-Siingrrbund Berlin» und Umgegend. Sonntag, den 2. November, Vormittags n!s Uhr, Ansschutzsttzung in den Arminhallcn(oberer Eaalj, Äommandantenstraße 20. itzung bei Tel«- und PisKntirßlnb„Wahrlteit". Jeden Donnerstag Bruno Feige, Marknssttaße 31. Gäste willkommen. G-sang-, Turn- und gesellige Uerrinr am Freitag. Kaiscr'scher Männergefangver-tn Abends 9 Uhr im Restauranr Tamm, Schönhauser blllee 29.— Gesangverein„Pansebeurel" Abends h Uhr im Restaurant Hensel, Älerandrinensir.>-.—„Licderlascl derMaler und verwandter Berussgenosfen" Abend» 9 Uhr im Restaurant Kleine. Brandenburgstr. so.— Buchbinder- Männerchor Abends 9,'s Uhr bei Feuerstein, Alte Jakobsstr."».— Gesangverein „Flöter'scheS Doppelguartetl" Abends 9 Uhr im Restaurant Musehold. Lands- vergerslr. Si.— Gesangverein„Fortschritt" Abends a Uhr im Restaurant Blumcnslr. 40.— Gesangverein„Echo 1972" Abends 9 Uhr Oranienslraße 36. Neue Mitglleder werden ausgenommen.— Gesangverein„Osstan" Abends » Uhr, Dresdenerstr. 9° bei Gnftavus.— Huppert'sche Sänger-Bereinigung „Harmonie" Abends 0 Uhr bei ütiest, Weberstr. 17.— Gesangverein„Sänger- Hain" Abends 9 Uhr Adalberlstr. 21.— Liedertafel des Jachvereins der Stein- träger Berlins Abend« 8 Uhr Große Hamdurgsrstr. 4 Uebungsstundc.— Gefangverein„Ohnesorgs" Zlbcnds 0 Uhr, Restaurant Rcyer, Alle Jakobstr.»s. — Gesangverein„Widerhall" Abend? 9 Uhr bei Herrn Boge, Köpilickersir.>9?. — Gesangverein„Lorbeerkranz" 9% Uhr Restaurant Weinstr. Ii.— Arbeiter- Gesangverein„Nord" Uebungsstnndc Abends 8,� Uhr im Restaurant Gnadh Brnniienftr. 3S. Sliinmbcgabte auch passive Mitglieder werden aufgenonimen. erein„Collegia" Abends von 0— Ii Uhr bei Schufter, Oranienstr. 9. — Gesangverein.......... WWWMW — Poigt'fcher T ilettanten-Orchefterverein, Uebuugsstuiido von sr— ii Uhr Abends im Lonisenstädtischen Klubhaus, Annenstr. 16, 1 Tr.— Berliner Turngcnossenschaft(3. Männerabthe.lung» Abends s'i Uhr in der städtischen Turnhalle, Wasserthorsir.»>.— Turnverein„Hasenhaide"(Männerabtheilnng) Ab. 9 Uhr Tieffcnbachftr. so— SI.— Turnverein„Froh II. Frei"(Männcrabth.) Abends 8% Uhr Bergstraße 59.— Wissenschaftlicher Verein für Roller'sche Stenographie Abends 9% Uhr im Restaurant Ziethen, Dorotheenstr. 31. Uliler, ' UebungSstunde.— Allaemeiner Areuds'scher Stenographenverein- c,»r. 2. �1/ a... od>.-*�.'...«.,4-. Ablheilung„Vorwärts". Abends 8% Uhr im Restaurant Kol!, Mariannen- platz 11.— ArendS'scher Slenographenvereiu„Apollobund" Abends 8 Uhr, im Restaurant Setzdelstr. 3*— Bcrcm ehemaliger Dr. Docbbeltnscher Schüler Abends 9 Uhr im Restaur. Krebs, Friedrichslr. 209.— Zilhcrvereui„Alpenveilchen" Abends 8H Uhr im Restaurant„Wahlstan" Bellealliancestr. 89,— Rauchtluv„Westend" Abends 9 Uhr im Hohenzollerngarien Stegi-tzerslr. 27.— Rauchklub„Weichsel- blalt" Abends RH Uhr im Restaurant Slalitzerslr. 147-.— Rauchllub„Ohne Zwang" Abends 8h Uhr im Reslauranl W. Späth Weinstr. 29.— Verein ehemaliger Schüler der 22. Gemeindeschulc Abends 9 Uhr im Reslauranl Schröder, Sleglitzerstraße IS.— Sozialdemotraitscher Lese- und DiStuiirllub Laftallc, Abends 8h Uhr Adalbertstraße 9 bei Schneider. Gäste durch Mitglieder tonnen eingeführt werden.— Sozialdemotratischer Lese- und Dislurirllub Vorwärts Abends 8% Uhr in Poland's Lokal, Stauntznslr. 83. Sitzung. Gäste können durch Mitglieder eingeführt werden.— Männerchor der„Berliner Mechaniker" Abends 0 Uhr im Restaurant Krüger, Franzstr. 9.— Lesetlub „Karl Marx" Abends von 9— Ii Uhr dei Tchönseld, Mariendorferstr. 10. „Mlisierzeichner-Berband Deutschlands" Abends 8h Uhr. Zum Schultheiß Landsbergerstr 73.— Berein ehemaliger Schüler der 39. Gemeindeschule Re stauranr„Kornblume", AndreaSstr.:, Anfang 9 Uhr.— Geselliger Berein „Immergrün". Sitzung, Adalberlstr. 21 bei Roll, Anfang 9 Uhr. Gaste will- tommen.— Verein ehemaliger Schüler der 39. Eemcindcschule Reslauranl „Kornblume", Andreasstraße 3, Sitzung 0 Uhr.— Arbeitergesangvereiu„Hoffnung" in Friedrichsberg bei Lippe, Friedrich Karlsir. Ii, NbendS 9h Uhr. Tie Redaklion geben ist, dem ellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit Raum dafür abzu- bltkum zur Besprechung von Angel-genheiten allgemeinen stellt t Publti Berfül Interesses zur Verfügung; sie� verwahrl sich aber gleichzeitig dagegen, mildem Inhalt desselben ldenttfizlrt zu werden Ju dein Bericht über die Volksversammlung des 6. Berliner Reichstags-Wahlkreises, welche am Montag im Kolberger Salon, Kolbergerstr. 23, stattgefunden, hat sich in Betreff meiner eine Unrichtigkeit eingeschlichen, welche ich nicht umhin kann zu be- richtigen. Ich habe den Sprechsaal nicht direkt Waschfaß genannt, habe auch nicht beantragt, daß derselbe aus dem„Berliner Volks- blatt" entfernt werde; mein Antrag lautete vielmehr:„Die heutige Versammlung des:c. spricht ihr Bedauern darüber aus, daß der Sprechsaal im„Verl. Volksblatt" immerfort als Waschfaß benutzt wird; mögen Diejenigen, die schmutzige Wäsche zu waschen haben, sachliche Ausführnugeu aber nicht bringen können, sondern durchaus das Persönlichwerden und das Schimpfen lieben, dies unter sich abmachen oder wenigstens an anderer Stelle, nicht aber die den Zänkereien fernstehenden Genossen fort- während damit belästigen: auch bringt es»A Partei nur in Mißkredit." Ich Halle es sogar für sehr wichw daß der Sprechsaal den Genossen bleibt, nur meine ich, unnützen persönlichen Reibereien braucht er nicht wohl kluges» zu werden, mid wollt« ich deshalb in meine», Antrage nur° das Taktgefühl der Genosseii appellire». Auf die Worte des� nossen Liebknecht hin, daß alles geregelt werden würde, zog" meinen Antrag zurück, kann jedoch nicht zugeben, daß mein' trag so entstellt wird, wie in dem Berichte. Hochachtungsvoll Richard R'o d r i a n, Gerichtstr. 33. Vvieflmsteu dvv Briefllt Bei Ansrazen bitten wir die Abouncmsnls-QuitttlNg beizufügen. Annvort wird nicht crtheilt. Die Hrrreu Gombert, Kutzia und Uorisch. sämmM Delegirte des Weimarer Metallarbeiter-Kongresses, werden SP beten ihre Adressen bei A. Gerisch, Wallstr. 7. 8, abzugeben. Der Tischler Gottlieb Kriiger, Wasserthorftr. 5� M aufgefordert, die noch rückständige Sammelliste für die tagswahl abzuliefern. Frl. H. W. Zimmermann& Ramich, Französischesir.z M. in|T. Gegen den Uebergang der gesammten t oh j listischen Presse in Parteieigenthum sind so viele und�znm groß� Theil berechtigte Einwendungen erhoben worden, daß es Parteitage nicht darauf ankommen konnte, sie alle besonders z diskntiren. Der Antrag wurde darum fast ohne Debatte so g wie einstimmig abgelehnt.. A. H., Dresdenerstr. 16. Fragen Sie bei dem per selber an! p. HtrUmach, Udsstr. Das können wir nicht wissen. Don Kerrn Paul Grnst, der soeben aus der Görbersdorf, wo er keine Zeitung zu Gesicht bekam, nach»er zurückgekehrt ist, erhalten wie nachstehende Besichtigung: ,, „In Bezug auf die Brieflasten-Notiz des„Berliner Volksb»- den Widerspruch betreffend zwischen dem Artikel der„F*e: Bühne"„Frauenfrage und Geschlechtsfrage" und dem im„-ö*' Bolksbl." abgedruckten Brief von Engels, habe ich zu bemerie- daß der fragliche Passus, Engels habe geschrieben,»daß nie Auffassung der Marx'schen sehr nahe komme" nicht von w' sondern von dem Redakteur des Blattes herrührt, welcher me» Artikel auf ca. ein Drittel zusammenstrich und jenen Satz emjcy. Ich selbst habe nicht die geringste Veranlassung dazu gegeben,' habe sogar den betreffenden Brief von Engels in den m F"- stehenden Stellen der Redaktion abschriftlich mitgetheilt. Berlin, 30. Oktober 1890. Paul Ernst A'He öMilHe KttWinlW für Männer und Frauen SM Lonnisg, Äen 2. Nov., Abends 6 Uhr, in den Central- Festsälen, Oranienstrasse 180. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Tr. Lütgenau über:„Das eherne Lohngesetz". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Räch der Versammlung: Geselliges Beisammensein. 1710 Die Keauftragten. Fachverein der Steinmetzen. Sonntag, den 2. November, Vorm. 10 Uhr, in Deigmülier's Salon, Alte Jakobstrasse No. 48a: 1705 Gr. CemMtMmlW. Der Dorstond. GeffentUche D rechst er ver l ammlnng Montag, den 3. Nov., Abends S Uhr, Armin-Hallen, Kommandantenstraße 20. in den T a g e s- O r d n n n g: 1. Ter Parteitag und seine Bedeutung für die Gewerkschaften. Referent: T h. G l o ck e. 2. Diskussion. 3. Abrechnung der Hamburger Sammlung. 4. Stellung gegen den von der Innung zu ernennenden Gesellenansschuß. 5, Der Streik der Perlmnttarbeiter. 0. Verschiedenes. 1714 Alle Berufsgenossen sind eingeladen. H. Lutz, Kottbuser Damm 21. Acht ifentlidje MMersmilW für Friedenau, Steglitz u. Umgegend am Sonnabend, den 1. November er., Abends 8 Uhr, im Kurhans-Restaurant zu Friedenau. Tages-Oednnng: 1. Berichterstattung über de» Parteitag zu Halle a. Z. (Reserent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) schiedenes.— Zur Deckung der Unkosten Entree nach Belieben. zahlreiche Betheiligung ersucht Diskussion. 3. Ver- 1711 Um Der Einberufer. 168. Oranienstraße 168. Hosen I wm: Hosen Mk. 5,00 7,00 0,00 5,50 I fürSttttll nnd Meilst&en Alters, gvöstt? AUSwUhl und nur neueste Muster»n wirltlichen Engrospreisen. l Als besonders preiswerlh empfehlen: Dose v. wollenem Forster Zwirnbnrkskiu» praktisch f. de» tägl. Gebrauch, in schönen Melange», Qual. k.\ solide „ B.( und „ Cj dauerhaft Hose von metirtem Gsteviot, kräftig und fest...... 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Oktober, Nachmittags 2 Uhr, vom Leichenschauhause aus beerdigt wird. Um zahlreiche Betheilignng bittet 1708 Der Vorstand. Ach-Iung! Uerlmuttarbeiter! Ter Streik der Firma P. Hiujr, Ritterstr. 12, dauert unverändert fort. Zuzug fernzuhalten. 1710 Die Streikenden. Spar-Verein„Blühe". > o n n t a g, den 2. November und Dmgegend. 1707 Hierzu sind sämmtliche Mitglieder und Freunde herzlich eingeladen. Treff- Punkt: Morgens 8 Uhr im Vereinslokal, Admiralstr. 34; um SVä Uhr, bei Mütze, Bor dem Stralauer Thor 13; Nachzügler um 9 Uhr, bei Kupfer, Rummels- bürg, Hauptstraße. Der Vorstand. Verein der Sattler und Fachgenosseu. Am Sonnabend, den 1. November, Abends 9 Uhr, bei Reger, Alte Jakobsiraße 83: Hepsammlung. Tages-Ordnung: 1.„Die sogenannte Zuknnstskaserne." Referent: Pens. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreichen Besuch erwartet. 1699 Der Vorstand. ms Fachvereio der« Pu t z e i*. Sonntag, 2. November, Vormittags 11 Diu: Mitglither-KersanmlW in den Bnrgersälen, Dresdenerstr. 96. Tagesordnung: 1. Vorlage des rcvidirten Statuten- Entwurfs und Beralhung desselben. 2. Vereinsaiigelegenheiten. 3. Berschiedencs. 1700 Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen bittet Der Vorstand. Heute, Freitag, den 31. Oktober, im Restaurant Stocktisch, Fischerstrasse Nr. 41: Sitzung des Leseklubs„Freie Kritik." Freunde willkommen. I. A.: Franz Feldmann, Neue Friedrichstr. 92, 2 Tr.[1712 Gvorahriin in Fässern von 16 Litern an und in Flaschen— 25 große oder 30 kleine für 3 M.— empfiehlt 1565 Gustav Hering, N., Berliner Lagerhos, Gebäude Nr.Z. Genossen empfehle mein Hutgeschäft. Führe nur Hüte mit Apbrst', Kontrolmarken deutscher Hutmacher.— Bitte genau auf achten: Köpenickerstraße 126, nahe der Adalbertstraße. Adolph Kehr. Albert Auerbach. 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Eingang.. Gerichlsstr. 19, v. 4 T. b. Ronin>5� Frdl. Schlafstelle Oranienstr. 171, v. b. e 4 Tr :rT� ans Pappel ahmen fabnk vo»' Heise in Hannover. »ei %ci Uie�ii Ss& Schwari-Dolirer verlangt die Naht k -Site Vergolder, Farbigmacher H. Olisohke, Pappel-Allee 32a Schneiderges. verl. Spiro, Kröge' m Verantwortlicher Redakteur: Guft Kaake in Berlin. Druck und Berlag von Mar Fading in Berlin SW., Benthstraße 2.