Nr. 855. Sonnabend, de» 1. Uovember 1800. 7. Jahrg. iia> ße» de»> U". eri» Hall irlin bl.*- reien Seil rke», aein' utb' ei«? ch°b' # frag« 5 SerlUrNKMi. �rgcin füf bic �ufcrc�ctt bct JltBcitct. und Veuamml' SS in der Expedition, Berlin 8 Jnsertionsgebuhr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags m der Exp-___ Beuthstrahe 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur. ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Erpcdition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3 7 Uhr Nachmittags, a Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -, Lrrnlprcrher: Amt vi. Ur. 4100.«- Vedsktion: DeukhflvoOe A.— Expedition: VeukhPtvntzv 3. and- Vervkeigenopfett I der Text der Parteiorganisation, wie sie in Halle int �"�de, nebst dem Parteiprogramm in großer Auflage »rucke fertig gestellt ist, theilen wir den Genossen mit. daß S°N'sationZtexte und Programme für 80 Pfg. pro 100 Exem- « � Porto durch die Expedition des„Berliner «Nsblatt". Berlin 8W., Beuthstraße 3, zu be- "9(1% sind. Anstellungen sind direkt dahin oder an I. Auer, Katzbach st raße 9. 8"chten. ®en Betrag bitten wir in Briefmarken einzusenden. -o-rlin, go. Oktober 1890. •• ®,n Parteigenossen hiermit zur Notiz, daß die regelmäßigen 3tin.n®en des Parteivorstandes Dienstag und Freitag jede stattfinden. «» Protokoll über die Uerhandlunge» des Partei- Halle befindet sich bereits im Druck. Nach einem vor- Wf" Überschlag wird dasselbe ca. 12 Druckbogen stark. Der U, wird voraussichtlich 25—30 Pfg. netto, 40 Pfg. ord. Htagen. wUm die Höhe der Auflage annähernd feststellen zu können, � � die Genoffen allerwärts ersucht, so bald als möglich ihre gen zu machen, welche an die Expedition des p T 1—-—--——'*• /-«ttv rv-i___,< r> ff;?«ti elb« ilck« oM Fl» niij Z« h i vi«. V s««s> nä rictl1' Vl,tner Volksblatt«. Berlin SW., Beuthstr. 3, Änö- Auer, Berlin SW., Katzbachstr. 9, zu richten sind. etlin, 31. Oktober. Die Parteileitung. Ikslien vo-r von Lvsehlen. M a i l a n d, 28. Oktober 1890. ttfofof �euwahlen zum Parlament sind also nach endlich d. Auflösung der Kammer auf den 23. November festgesetzt. Hiitoi,0 Ua� �em heute geltenden Wahlgesetz die Haupt- � o"ß für die Wahlberechtigung(passives Wahlrecht) 's Hq... f. e n- und S ch r e i b e n k ö n n c n ist, so niuß � bi f 0011 Werth sein, die Statistik Italiens Hauptbedingung, in welcher zugleich der gegen» �gei,"üturzustand des Laildes sich spiegelt, zu be- Jbtf) ip� dem letzterschieneueu offiziellen statistischen Jahr- FSJ' 1888), welches uils für die hier in Betracht � en Verhältnisse das Ägebniß der letzten Volks- ,. Feuilleton. '(«H"Ndo'-n.f-- .28 f I 5� 5 i Nictoria. �omftn von Minna K a u t s k y. <'U.Mba» der Lokalitäten und ein sich, anschließender T sofort in Angriff genommen. A jjg hla sollte in der That wieder leistungsfähig gc- Gdi. n' uni den Sieg über ihre Konkurrenten davonzu- darüber� �nute furchtbar hart, und die Gerüchte, »Z.- enhst.. Schwange waren, die, man wußte nicht dtl?11 baiiAi">id sich mit Schnelligkeit verbreiteten, „eMen. rtf), angethan, die Leute noch mehr zu beun- lUeß, die neuen Maschinen, die nun an- lj» isibiofeif fvüteu, würden allein arbeilen und an Gc- hh�välstx v öüe§ bisher Dagewesene übertreffen. Mehr als �ie»?in Arbeiter würde dadurch erspart, und wenn kk%br J vergrößert werden sollte, so würde dennoch 1 Arbeiter eine bleibende Verminderung er- ffA�rr nahmen diese Hiobsposten mit trüber und «Kfkltc Zn.�bung entgegen. Sie fühlten, daß sie nicht die stkzp: ju.Ä besaßen, um sich vor den Wcchselfällen ihrer �!d. Und r Sie waren aus das Pflaster geworfen, �hj'ichts sJubststenjIo§ auf eine Zeit hinaus und konnten Hp* I)0fftp;".c§ thun, als abwarten und hoffen. Und dc>vv.,. Üch, hoffte, daß er den Sieg über einen Gc- «ragen würee, der in diesem schrecklichen Kampf Zählung vom 31. Dezember 1881 vorfuhrt, waren zu dieserZeit im ganzen Königreich Italien Analphabeten, das ist: Bewohner, welche weder lesen noch schreiben konnten, gerechnet vom 6. Lebensjahre aufwärts 61,94 pCt., und zwar von der männlichen Bevölkerung 54,56 pCt., von der weiblichen 69,32 pCt. In dem Lebensalter vom 20. bis zum 25. Jahre, wo die Wahlberechtigung beginnt, waren Ende 1881 Analphabeten: 54,40 p®t. (männliche 47,05 pCt., weibliche 61,63 pCt.). In den höheren Lebensjahren, für welche die Neugestaltung Italiens seit 1859 ihre Wirkung verliert, wird das Ver- hältniß merklich ungünstiger. So gab es Ende 1881 im Alter vom 30. bis zum 35. Lebensjahre 61,06 pCt. Analphabeten(männliche 51,74, weibliche 70,14), vom 40. bis zum 45. Lebensjahre 66,54 pCt.(männliche 56,77, weibliche 76,22), vom 50. bis zum 55. Jahre 70,58 p@t. (männliche 60,54, weibliche 80,42). Wenn wir den stetigen, doch leider in viel zu geringem Maße steigenden Fortschritt der elementaren Schulbildung für die letzten 9 Jahre seit der jüngsten Volkszählung mit in Betracht ziehen, so können wir wohl für die erwachsenen Analphabeten am 23. November 1890 die Durchschnittszahl annehmen, welche das 20. bis 25. Lebensjahr am Ende 1881 ergab, das waren 54,40 pCt. (davon männlich 47,05). Immerhin wird diese Ziffer etwas zu günstig ausfallen, wenn wir erwägen, daß der Gesammtdurchschnitt der Analphabeten vom 6. Lebensjahr aufwärts 61,94 pCt. betrug, davon männliche 54,56 pCt. Bleiben wir aber bei der günstigen Zahl, so werden also am 23. November 1890 von je hundert dem Alter nach wahlberechtigten Italienern allgemein 47,05 als Analphabeten von der Wahl ausgeschlossen sein. Das Verhältniß vertheilt sich nach den Einzelgebieten, den früheren Staaten Italiens, in sehr merkbar verschie- dener Weise und erst aus den Ziffern dieser Vertheilung erhalten wir einen klaren Ueberblick und Einblick in den Kulturzustand des heutigen Italiens. An der Spitze der Kultur in Italien marschirt Piemont. Dort waren Ende 1881 im Lebensalter von 20 z u 25 Jahren Analphabeten 19,90 pCt., davon männliche nur 16,66, weibliche 23,09. Demnächst kommt die Lombardei mit 26,58 pCt. Analphabeten, davon männliche 25,19, weibliche 27,96. Dann folgt L i g u r i e n(Genua, Porto Maurizio) mit 30,50 pEt., davon männliche 25,74, weibliche 35,09. In einem bedeutenden Abstand tiefer folgt Venezien mit 44,40 pCt., davon männliche 32,96, weibliche 56,04. Demnächst T o s c a n a mit 50,99 pCt. Analphabeten, davon 43,30 männliche und 58,43 weibliche. Dann R o m mit 52,41 pCt. und zwar männliche 46,38, weibliche nm's Dasein schwächlicher organisirt war, oder in schlimmeren äußeren Verhältnissen steh befano. Einige waren bei den Erdarbeiten angestellt worden, Andere dachten daran, nach Wien zu gehen, aber es war ein weiter Weg dahin, und man hörte von nichts, als den zahl- reichen Entlassungen, die auch dort auf allen Gebieten der industriellen Thätigkcit stattfanden. Tanscndc und Abertausende lauerten dort gleich ihnen gierig auf Arbeit und Erwerb, und die neuen Eindringlinge durften nicht Höffen, glücklicher zu sein. Die Weiber und älteren Kinder dieser Arbeitslosen drängten sich nun als Tagelöhner zum Bau heran, wo sie auch, da sie mit dem geringsten Lohn vorlieb nahmen, nach Möglichkeit Berücksichtigung fanden. Und so tonnte man denn die Männer beim Herde treffen, ihre Kleinsten beaufsichtigend, indes; ihre Weiber und halbwüchsigen Jungen auf den hohen Gerüsten hin und her gingen, schwere Lasten tragend. In der Nähe des Bauplatzes war eine fliegende Schenke errichtet worden, es wurde dort nur Branntwein ausgeschenkt, und sie war von Arbeitern und Nichtarbeitern stark be- sucht. Einige hundert Schritte weiter aufwärts, am Rande des Föhrenwaldes, der nach Aarenberg führte, stand eine Pechhütte. Das niedere hohe Ziegeldach derselben lugte aus einer Gruppe von Bäumen hervor, und ein dicker Qualm, der dem schwarzen Rauchfange entstieg, zeigte an, daß man daselbst mit dem Versieden' und Dcstittiren des Peches be- schäftigt war. Der weite, fast ebene Platz vor der Hütte wurde eben- falls zur Manipulation verwendet, hier thürinten sich Barri- laden von Fässern hoch empor, dazwischen einige Holzstöße 60,13. Wir nähern uns jetzt bereits der Durchschnitts- zahl des ganzen Landes und diese wird dargestellt durch die E m i l i a(Bologna, Ferrara, Modena, Parma, Ravenna) mit 54,19 pCt. und zwar männliche 47,05 (somit genau der Durchschnitt für das ganze Land) tznd weibliche 61,46. Wir kommen nun über den Durchschnitt der Unbildung in Italien und gelangen sehr bald zu er- schreckend hohen Ziffern. Es folgt Parugia-Umbrien mit 66,59 pCt. und zwar 56,78 männliche und 76,59 weibliche, sodann die M a r k e n(Ancona, Pesaro, Macerata) mit 66,74 pCt. und zwar männliche 56,74, weibliche 75,77. Demnächst Cannzanien(Neapel, Benevent, Caßerta) mit 69,50 pCt., und zwar männliche 60,20, weibliche 78,54. Nun kommt, also noch vor Sizilien und dem ganzen Süden Italiens, die Insel Sardinien mit 74,92 pCt. und zwar männliche 67,26, weibliche 82,91 pCt. Sodann die Abruzzen mit 76,33 pCt. und zwar männliche 64,18, weibliche 86,70. Es folgt Apulien mit 76,95 pCt. und zwar männliche 70,16, weibliche 83,49. Als vorletztes Gebiet Italiens erscheint die Insel Sizilien, das Geburtsland Crispi's, mit 77,38 pCt. Analphabeten und zwar männliche 69,14, weibliche 85,41. Endlich schließt die Reihe das Land am Golf von Tarent, die B a s i l i c a t a, mit 82,68 pCt. und zwar männliche 74,03, weibliche 90,12. Obwohl dieser Kulturzustand in Italien seine Haupt- wurzeln hat in der früheren Knechtung und Zerrissenheit des Landes, bevor es zum Einheitsstaat wurde, so klagen diese Zahlen doch auch laut genug die seitherigen und ganz besonders die gegenwärtige Regierung an, für welche Afrika und die Panzerschiffe so viel Sorgen in Anspruch nehmen, daß für die elementarste Bildung der Volksmassen keine oder ganz unzureichende Mittel übrig bleiben. Dies ist ein anderer gricko cki dolore(Schmerzensschrei) Italiens, und er verdient im Inland und Ausland gehört zu werden. „Man spricht: Zahlen regieren die Welt. Jedenfalls zeigen sie, wie die Welt regiert wird." Kriefe aus Frankreich. Paris, den 27. Oktober. Ter Nationalkongreß der Arbeiterparlei, welcher am 11. und 12. Oktober in Lille tagte, gehört zu den wichtigsten, welche in Frank- reich seit den Tagen des Marseiller Kongresses(1878) stattgefunden haben. Organisirt durch die sogen.„Kollektivisten" oder„Marxisten", war er nur den Parteigruppen und den Gewerkschaften geöffnel.welche sich zu ihrem Programm bekennen. Und obgleich die als Kongreß- ort erwählte Stadt durchaus keine zentrale Lage hat, so waren doch 223 Gruppen und Gewerkschaften aus 97 Gemeinden durch und Haufen von Tauucnreisig, das bereits roth und zu- sammengetrocknet war. Ein weiter offener Vorbau, unter dem ein tiefer Schatten lag, zeigte rauchende kupferne Kessel, in denen der heiße Bodensatz des destillirten Pechs, das Kolophonium, zum Auskühlen sich befand. Hinter diesem Vorbau führte eine cisenbcschlagene Thür in die Sicderei mit ihren Oesen und Retorten. Darin arbeiteten zwei Männer und die Hitze daselbst mochte wohl einen ansehnlichen Grad erreicht haben. Aber unter der schönen Baumgruppe, die dicht an die Pechhütte heranreichte, breitete sich ein angenehmer Schatten aus. Hier ruhte auf einem Abladeschragen, über den ein Brett gelegt' war, der Pecher Poldl. Er hatte den alten Filzhut unter seinen Kopf geschoben und schlief. Die erfrischende Luft, die vom Walde her wehte, strich über sein Gesicht, und er empfand in diesem trägen Halbschlummer die erquickende Einwirkung desselben. Zwei Arbeiter, ehemalige Spinner, kamen des Weges, sie wohnten über dem Walde drüben und waren gekommen, um nach irgend einer Arbeit sich umzusehen. Sie hatten nichts gefunden. Sie setzten sich auf die Holzbank vor der Pecherci und schluckten den starken harzigen Qualm, den das siedende Pech verbreitete. Es hieß, es sei gut für die Lunge, und sie waren Beide nicht stark auf der Brust. Anton, der Jüngere, zog seine Pfeife und einen kleinen Tabaksbeutel hervor, und begann sie zu stopfen und an- 71 Delegirte vertreten. Von den hnuptsäck)lichsten mögen Lyon, Marseille, Celte, Poris, Montluyon, Troyes, St. Quentin, Calais, Neims, Calais, Bcauvais, Ronbaix ec. erwähnt sein. Unter den Telegirten befand sich ein Deputirter, ein Generalrath, zwei Bezirksräthe und sieben Gemeinderäthe. Dies dürfte genüge», um ein Bild über den seit einigen Jahren gewonnenen Boden zn ermöglichen. Der Kongreß hatte einen doppelten Zweck: Einmal handelte es sich darum, die Kräfte der Arbeiterpartei zu zentralisircn, in- dem man zwischen den verschiedenen Bereinigungen regelmäßige und dauernde Verbindungen herstellte, Verbindungen, die that- sächlich seit sechs Jahren ausgehoben waren. Der letzte National- kongreß hatte 1889 stattgefunden, und seit 1885 gab es keinen Nationalrath mehr. Dann galt es, zu bestimmen, welcher Gebrauch, sofort oder unter gewissen gegebenen Umständen von der Kraft der so reorganisirten und geeinten Arbeiterpartei gemacht werden solle. Und diese beiden Fragen, welche die ganze Tagesordnung bildeten, sind in der besten Weise und nnt einer Einstimmig- keit erledigt worden, die uns gestattet, Gutes von der Zukunft zu erwarten. Das Generalreglement— oder der Organisationsplan— welcher angenommen wurde, gewährt den lokalen Gruppen die größte Freiheit. Sie dürfen sich in jeder beliebigen Form organisiren, politisch korporativ oder als bloße Verbindung. Aber einerseits müssen die Mitglieder dieser Gruppen das Programm und das Reglement der Partei anerkennen, und anderseits muffen die Gruppen mit dem Nationalrath durch einen zu diesem Zwecke ernannten Sekretär verbunden sein, dessen Er- nennung dem Nationalrath angezeigt werden muß. Der Nationalrath wird durch den jährlich zusammentretenden Kongreß gewählt. Er besteht aus 7 Mitgliedern, worunter ein .Sekretär für das Innere, einer für das Aeußere, und ein Kassirer. Die für das Jahr 1890/91 erwählten Mitglieder sind Camescasse, Crepin, Dereure, Ferroul, Gucsde, Lafargue, Quesnel. Der Nationalrath„wacht über die Ausführung die Be- schlüsse des Nationalkongresses und ergreift alle Maßregeln, welche die Umstände erfordern können, und ist dafür dem nächsten Kongreß verantwortlich". Was die Hilfsquellen anbetrifft, über die er verfügt, so setzen sie sich folgendermaßen zusammen: 1) aus einem Beitrag von 5 Centimes für jedes Mitglied pro Monat(ausgenommen sind die Gewerkschaften, welche diesen Einzelbeitrag durch eine monatliche Gesammtzahlung nicht unter 1 Ft. ersetzen dürfen); L) aus einer Mitgliedskarte, die für 10 Centimes gelöst wird und die jedes Mitglied sich alljährlich zu verschaffen verpflichtet ist; 3. Aus dem Programm und Reglement der Partei, die gleichfalls obligatorisch und zum Preise von 10 Cts. zu haben sind. Stets war es der Mangel an Fonds, den unsere Partei am meisten empfand und zwar infolge der Schwierigkeit, auch die mäßigsten Beiträge einzutreiben. So bereit, wie unsere Arbeiter stets waren, beim Ausbruch eines Streiks oder beim Beginn des Wahlkampfes freiwillig Beiträge zu zeichnen(ungefähr L00 000Frkß. allein für den Streik in Tecazeville), so entschieden haben sie sich stets geweigert, regelmüßige monatliche Beiträge zu zahlen. Es ist aber Grund zu der Hoffnung vorhanden, daß wir diesmal glücklicher sein werden. Der Kongreß von Lille hat sich mit den Wahlen beschäftigt, um„alle Gruppen und Mitglieder der Partei daran zu erinnern, daß es ihre Pflicht ist, bei allen Wahlen auf dem Boden des Klassenkampfes zu verweilen und mit dem Parteiprogramm in die Schlachtlinie zu rücken." Die Hauptpunkte dieses Programms wurden in London von Marx, Engels. Guesde und Lafargue verfaßt und lauten wie folgt: In Erwägung, „daß die Befreiung der produktiven Klasse die aller mensch- lichen Wesen ohne Unterschied des Geschlechts und der Raffe ist; „daß die Produzenten nicht eher frei sein werden, als bis sie im Besitz der Produktionsmittel(Grund und Boden, Berg- werke, Fahrzeuge, Banken, Kredit».) sind; „daß es nur zwei Formen giebt, unter denen die Pro- duktionsmittel ihnen gehören können: 1. die Form des individuellen Besitzes, welche niemals voll- ständig bestanden hat, und die durch den industriellen Fortschritt immer mehr und mehr verdrängt wird; die kollektive Form, deren materielle und geistige Elemente durch die Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft selbst geschaffen sind. '„daß dieser Uebergang der Produktionsmittel in den Gemeinbesitz nur hervorgehen kann aus der revolutionären Thätigkcit der als selbstständige politische Partei organisirten Klasse, des Proletariats; „daß eine solche Organisation mit allen dem Proletariat zu Gebote stehenden Mitteln angestrebt werden muß, inbegriffen das allgemeine Stimmrecht, das so aus einem Mittel der Prellerei, das es bisher gewesen, zu einem Mittel der Emanzipation wird; haben sich die sozialistischen Arbeiter Frankreichs entschlossen, indem sie sich als Ziel ihrer Bestrebungen die politische und 2. was das zu bedeuten habe, und er hielt ihm in gutmüthiger Regung den Beutel hin.„Stopf Dir auch eine." „Dank, hast ja selber nichts d'rin." „Für eine thät's g'rad noch reichen." Prokop schien einen Augenblick unschlüssig, dann schüt- telte er den Kopf.„Laß mich gehen,'s taugt mir so nicht, mein Beuschel ist hin." Der Anton bestand nicht weiter darauf, er steckte den Rest seines Tabaks wieder ein und schmauchte in absicht- licher Zurückhaltung langsam weiter. Man hörte nur das Zischen des Pechs in den Kesseln der Siederei und die fernher tönenden Geräusche der Ar- beiter auf dem Bauplatze, sowie das Dröhnen des Hammers aus der Sensenfabrik. Jetzt wendete sich der Poldl auf seinem harten Lager um und lenkte die Aufmerksamkeit der Beiden auf.sich. „Dort schläft Einer." „Das ist der Poldl." „Der Faullenzer, der hat Zeiten!" „So gute Zeiten hätten wir ja jetzt auch." Prokop lachte bitter auf. „Das schon, aber dabei nichts im Magen, der aber hat grad' sein Pech verkauft und hat Geld im Beutel." „Es wird nicht viel sein," beruhigte der Schmauchende. „G'wiß nöt, aber es ist doch was Sicheres, auf das er rechnen kann. Unser Herrgott läßt die Sonn' alle Tage aufgehen, und wenn Einer nur ein Stückerl Grund und Boden sein nennt, wie der Pecher, so kommt's ihm zu Gute." „Und dann ist der allein, hat nicht Weib und Kind." „Drum ist er auch alleweil so kreuzfidel, dem hängt der Himmel noch voller Geigen, und der Kerl musizirt und jubilirt nur so in den Tag hinein, das ist's, was mich am meisten gift." Prokop spuckte aus, wie im Grimm. „Na, na, es muß doch einmal auch für uns wieder besser werden," tröstete Anton. „Ja, besser, wie denn besser? Da müßten wir nur die Sakramentsmaschinen alle miteinander zerschlagen, dann vielleicht." „Glaubst, das geht, und das nutzt was? Die Maschinen ökonomische Expropriation der kapitalistischen Klasse und die Rückkehr aller Produktionsmittel in den Besitz der Gesammtheit setzen mit folgenden unmittelbar anzustrebenden Forderungen in die Wahlbcwegung als Mittel der Organisation und des Kampfes-einzutreten." Tie Reformvorschläge, sormnlirt in 17 Artikeln, verlangen in politischer Beziehung völlige Preß-, Vereins- und Versammlungs- sreiheit; Unterdrückung de? Kullnsbn.dgets und Rückgabe des beweglichen und unbeweglichen Eigenthnms religiöser Körper- schasten an die Nation; Unterdrückung der Staatsschuld'), Ab- schaffung der stehenden Heere und die allgemeine Bewaffnung des Volkes; die Gemeinde als Herrin ihrer Verwaltung und Polizei. In ökonomischer Beziehnng wird dagegen gefordert: Ein Ruhetag jede Woche, Verkürzung der täglichen'Arbeitszeit auf 8 Stunden für Erwachsene, und Verbot der industriellen Arbeit bei Kindern unter 14 Jahren; einen gesetzlichen Minimal- lohn; gesetzliches Verbot für Unternehmer, ausländische Arbeiter zu Löhnen zu beschäftigen, die niedriger sind, als die der französischen Arbeiter; gleicher Lohn bei gleicher Arbeit für die Llrbeiter beider Geschlechter; Uebertragnng der Fürsorge für Kinder(Erziehung und Unterhalt), Greise und Invaliden der Ar- beit an die Gesellschaft; Haftpflicht der Unternehmer für die Folgen von Unglücksfällen, garanlirt durch eine Kaution, die der Unternehmer bei einer Arbeiterkasse zu deponircn hat; Heran- ziehung der Arbeiter bei der Festsetzung von besonderen Fabriks- oder Werkstättenordnungen, Unterdrückung der Geldbußen und Lohnabzüge; Nichtigkeitserklärung aller Verträge, durch welche Eisenbahnen, Bergwerke-e. veräußert worden sind. Abschaffung aller indirekten Stenern und Verwandlung aller direkten Steuern in eine progressive Steuer ans alle Einkommen über 8000 Franks. Dieses an die Mauer» geheftete und von den Kandidaten der Arbeiterpartei unterzeichnete Programm hatte zur Folge, daß Delory Ende August mit 1500 Stimmen zum Bezirksrath in Lille und daß Delelaze kurz darauf in Calais mit 2800 Stimmen zum Generalrath gewählt wurde. Noch andere Resolutionen wurden vom Kongreß an- genommen: Tie eine„fordert die Parteimitglieder ans, sich in die Nr- beiter-Schiedsgcrichle ihrer Korporation einschreiben zn lassen, um dort die sozialistische Idee zu verbreiten und Anhänger des Pro- gramms und der Politik der Partei zn werben." Die andere richtet sich gegen die Anarchisten, und ist ganz analog der von der deutschen Sozialdemokratie ans ihrem Kongreß in Wyden gefaßten. Eine dritte weist jedes Projekt eines Generalstreiks der Ar- beiter der verschiedenen Industriezweige als eine.gcfährliche Illusion zurück, fordert aber die Föderationen, Gruppen und Mitglieder der Partei auf, mit all' ihren Kräften den internationalen"Streik der Bergarbeiter zu unterstützen, wenn die letzteren ihn ans ihrem inter-iationnlen Kongreß zu Paris im nächsten Frühjahr beschließen sollten. Der Kongreß hat sich, nach Villigulig der Einberufung des nächsten ii>teri>atio»alen Kongresses für 1691 nach Paris» in Be- treff des 1. Mai 1891 folgenvermaßen entschieden: „Es ist nöthig, die internationale Manifepation von 1890 zu Gunsten des gesetzlichen Achtstundentages am 1. Mai 1891 zu wiederhole». „Es ist nöthig, den Beschluß des Internationalen Kongresses zu Paris in Betreff der den verschiedenen Gemeinden und Gegen- den gelassenen Freiheit, die Manifestation ihren lokalen Verhält- niffen anzupassen und sie so gut wie möglich zu organisiren, auf- recht zn erhalten. „Zugleich fordert der Kongreß die der Partei angehörigen Gemeinde-, Bezirks- und Generalräthe auf, dem Fest der Arbeit am 1. Mai die Kredite zu übertragen, welche für das Fest der Bourgeoisie am 14. Juli ausgesetzt sind. „lieberall, wo es möglich sein wird, müssen die Organisationen der Arbeiter und Sozialisren in großen öffentlichen Versailimlungen zur Wahl von Kandidaten für den gesetzgebenden Körper i» Paris schreiten. „Ueberall, wo es möglich ist, sollen die Arbeiter gleichmäßig am 2. Mai selbstständig den achtstündigen Arbeitstag zur That- fache machen, indem sie jeden Tag nach Beendigung der acht- stündigen Arbeit die Werkstätte verlassen. „Die Agitation für die Manifestation am 1. Mai muß spätestens in den ersten Tagen des April beginnen. Geführt muß sie werden mit Hilfe von öpentlichen Versammlungen, Lokal- und Regionalkongresten und jedem anderen Mittel, das im Stande ist, die Geister für diesen großen Att internationaler Solidarität vorzubereiten." Jules Guesde. Avbevstchl. Ulan sott den Frind nicht«nterschatzen— ist eine vortreffliche alte Regel, durch deren Mißachtung unsere Feinde sich schon so viel Schaden und uns so viel Nutzen *) Auf dem Kongreß von Noanne 1882 hinzugefügt. kannst nimmer ausrotten. Ja, wie sie noch unausg'wachsen und unbeholfen waren, da hcitt' man sie verbieten sollen, aber was willst denn jetzt machen? Und zerschlägst Du die eine, so stellen sie morgen schon eine andere dafür auf, und gleich eine verbesserte obendrein. D'rum können wir armen Teufel nur auf Arbeit rechnen, so laug unsere Händ' billiger sind, als so eine abermalige Verbesserung an der Maschin'." „So ist's, wie willst denn aber auf die Dauer mit einer Maschiu' konkurrireu, die nix frißt, die nur Wasser braucht und Kohlen?" „Und jetzt denken's d'ran, wie sie auch die Kraft billiger herstellen könnten, aber wenn's das giebt, dann war's schon ganz ans mit uns." Der Prokop ließ den Kopf tiefer sinken.„Meinetwegen, mir ist's schon Alles EinS." „Was, Alles Eins!" rief Anton, deffen Pfeife aus- gebrannt war nud dessen Stimmung sich sofort verbitterte. „Das kann uns nicht Alles Eins sein, wo thäten wir sonst hinkommen." „Wo wir hinkommen? das siehst ja, wo wir hin- komineu—" Prokop schlug ein heiseres Lachen auf, dem ein Husten- anfall folgte, der sich nicht sofort beruhigte. Anton ließ ihn husten und kaute au seinem Mundstück iveiter, er kannte diese Anfälle. Aber einige Spinner, die vorüber kamen, trateil herzu und fragten, was ihm fehle. „Wir reden von den neuen Maschinen, und da hat er sich halt dran vcrknzt," versetzte der Anton gelassen. „Die sind keine Ärotbröscl," lachte Matthias, einer der Jüngeren,„die werden wir nicht sobald hinunter würgen." „Hast schon von den Maschinen g'hört, die die Victoria jetzt kriegen soll?" fragte ein Anderer.„Jede hat 10 000 Spindeln, Du, das ist was Spießiges!" „Und jede Spindel 12 000 Umdrehungen in der Mi- nute, da muß Einer so schivindlich werden, daß mau meint, die ganze Welt dreht sich schneller, und wir mit ihr." „Und wenn da eine Spindelepidemie ausbricht, wär's auch kein Wunder," rief eine sonore Stimme, mit keckem Humor dazwischen. zugefügt haben,— aber man soll auch den Feind über schätzen, und dieses Fehlers haben wir uns gemacht, als wir in unserem gestrigen Leitartikel s Meinung aussprachen, unsere Gegner hätten gemerkt, M sie sich mit ihrer ivnnderpfifsigen Frage nach dem M1. demokratischen„Zukunftsstaat" nur lächerlich machen. M hatten die Intelligenz unserer Gegner doch etwas zu � uns� hatten die Intelligenz unserer Gegner doch laxirt. Gleich gestern— gerade als ob wir für optimistische Auffassung hätten bestraft werden sollen platzte ein wahrer Wolkenbruch von„Zukunftstank' Artikeln aus dem ordnnngsparteilichen Himmel und der Guß dauert noch immer fort. Sobald er zu Lf ist und die Wasser sich einigermaßen verlaufen HM werden wir sehen, ob irgend etwas Greif- und Fu#y�' zurückgeblieben ist. Wenn ja, dann werden wir es uust Lesern gewissenhast auftischen. Wenn nein, dann weck wir wenigstens das negative Resultat konstatiren.. Der Umstand, daß der Platzregen oder Wolkcnbv mit solcher fast militärischen Präzision eintrat, legte u die Frage nahe, ob nicht irgend eine stramme Organstan vorhanden sein müsse, welche derartige journalistische Mail' Operationen veranstaltet und leitet. Und wir mußten Frage mit Ja! beantworten. Unsere Nachforschung blieben auch nicht erfolglos. Das Zukunftsstaats- Kon� erinnert lebhaft an die Kaltwasserstrahl-, Krießinsichtf l andere Radau-Konzerte, die weiland von der Bismarcks' Reptilpresse exekutirt wurden. Wo sind diese /tf, tilien nun hingekommen? Sie können doch nicht aP 6 storbcn oder verduftet sein, und daß sie zu einem ehrlwö Erwerb gegriffen hätten, ist von vornherein ausgeschlo?' Sie leben also noch— wenn nicht alle, doch die wen. und sie suchen das alte Handwerk auf eigene ck& auszuüben— wie weiland die L a n z k n e ch t e, wen" nach einem Krieg entlassen waren, in Trupps Zusann» ,. blieben und als Freibeuter das Land durchzogen. so— das war das Ergebniß unserer Nachforschungen� inachen es jetzt die entlassenen Preßlanzknechte— sie �. ihre alteOrganisation noch beibehalten, betreiben in der ordnungspartcilichen Presse— und nav>. lich auch in den Kreisblättern—, die früher ihre Domäne war, das Reptilhandwerk privatim weiter. ist ihnen geholfen, und auch dieser Presse, die andnns' vollständig ohne„geistigen" Proviant wäre. So wäre � das Geheimniß entschleiert. Ter Zukunftsstaats-Wolkenv, gelöst, und da nun jeder Mensch, der sonst nichts weiß, � weiß, wie die soziale Frage gelöst und die Sozialdenwl � mausetodt gemacht wird, so sind wir auf eine st� Sintfluth gesaßt. Zum Glück sitzen wir im Trocknen. � Bei dieser Gelegenheit fällt uns ein, daß ww � „Kreuz-Zeitung" noch nicht nach ihrem„Zw" Lj staat" gefragt haben. Vielleicht giebt sie uns eine Am — wir sind gern zu Gegendiensten bereit. Zunächst.«zi uns lieb zu erfahren, wie viel Liter Kartoffelschnaps im agrarisch-junkerlichen Znkunftsff� von jedem Leibeigenen(denn der normale, ideale � ff than" muß doch ein Leibeigener sein) täglich getrunken, den? Und wie viel Groschen müssen von jedem BisffU und Fleisch, den der Leibeigene zn sich nimmt, an de» digen Herrn Junker gezahlt werden? Hoffentlich dr», die„Kreuz-Zeitung" nicht um die Frage nach i h t e w- j kunftsstaat" herum, wie die„Germania" und dck ,v| sinnige Zeitung" es bisher gethan haben. Die Angst vor dem sozialdemokratischen# in den„dunklen Erdtheil" der Zcntrumsleute hat d'* Germania" ganz aus dem Häuschen gebr�� �ibr m zustand wird erschreckend illustrirt durch Anfangssätze ihrer letzten Leitartikel. die Titel Man hör« in den Nr. 251 Nr. 250:„D i e Feigheit Sozialdemokratie zc. �-r.-ei steckenspielcn der s o zi a ld em o r ratlIA Führer geht schon nicht mehr gut �% !reise�,( an. ®°8ifl - F einigermaßen den(Schleier lüften, denn der Ruf H e u Qj Feiglinge u. s. w. schallt ihnen zu kräftig«. reine Korportagenroman-Stil. Nr. 252 bringt eno» „Sozialdemokratischen Zukunftsstaat" Nr. I(au!),'JL von dessen, sicherlich sehr gut eingerichteten Heilanstau,. Nervenkranke wir die bedauernswerthe Patientin lassen wollen. Daß gute Evntoi» bei dem heutigen Produkt! ew„Fluch für den Landwirth" sind, ist eine ö Thatsache, welche die Gemeinschädlichkeit des I Alle sahen sich nach dem Sprecher um.-.laf Es war der Pecher Poldl, der sich auf seinem herumgedreht, und nun, auf dem Bauche liegend, ba*,# auf die aufgestützten Hände gelegt, ein Bild bchag Trägheit bot. Ein allaemeincs Hallob hegrühte ihn. „Das ist ja der Pcchcr— und immer gut i alleweil fidel, gelt?— Willst uns vielleicht was auslast — Jetzt hätten wir ja Zeit zum Hetzmachen, zuw fein!" So erscholl es in der Runde, in rasch uacha 0 herausgestoßencn Sätzen, und es lag ein schneidet ton in dieser Heiterkeit, die die des Pecher's persistn Der Kreis hatte sich ansehnlich vergrößert.... f Es war sieben Uhr, in der Sensenfabrik hw m Feierabend gemacht, und mehrere Schmiede, darunl � Huber, befanden sich unter den vorüberkommenden-'/ Der Poldl aber hatte sich rittlings auf seinen gesetzt, und umherblickend, zwinkerte er in seiner pr J Weise mit den Augen „Schimpft's doch nicht alleweil auf die d-- Spm»--»na können's recht sein. Du bist ein freier Mcmn"UD �chte' Sünden und Gelüste unterlegt, das ist ja �'n-"�ab � deutschen Kapitalistenblätter in das Horn �—• die„begehrlichen", und aus das versteht sich ebenfalls %«« igfclsHÄ '"lolgendem Schluß: Erachtens nach sollte man die SauSindustrie. gerad.'.,, kn solchen Gewerben, die der Gesundheit nicht SabrikMÜ�ich und welche die Konkurrenz mit der UNterst'�'gkeit ertragen können, nach allen Richtungen hin tz Unö fördern. Denn unstreitig ist der s i t t l i ch e Zustand der Hausindustriellen weit günstiger, als der der Fabrikarbeiter Ter innigere Familienzusammenhang bei den Hallsindiistriellcn verfehlt seine» guten Einfluß nicht. Die Kinder stehen länger iiuter der tilussicht der Eltern, die Mädchen insbesondere länger unter dem Schutze der Familie, in der sie auch die Arbeitszeit zubringen. Gerade die Verschiedenheit von Arbeitsart und Wohnung birgt für die Sittlichkeit der in den Fabriken beschäftigten Mädchen die größten Gefahren. Der Hansindnstnelle hat wenigstens eine Hcimath, ein kleines Häuschen, ein Gärtchen, ein Stück Land, und dieser Besitz, so ärmlich er auch sein mag, ist der größte Schuh' gegen das Eindringen der verderblichen Ideen der Sozialdemo- k r a t i e. Man sollte deshalb danach trachten, den Arbeitern der Hausindustrio nicht nur diese Heimaih zu erhalten, sondern die Hausindustrie selbst stets kräftiger sich entfalten zu lassen, damit sich wieder mehr Arbeiter ihr zuwendeten und selbstständige, kleine Besitzer würden. Wie man in der Landwirthschaft kleine Bauerngüter schaffen will, so soll man in der Industrie kleine Fabriken hervorrufen, der Widerstand der Arbeiterschaft gegen die Sozialdemokratie erhielte dadurch eine Stärkung." Dieses„man", welches die Bauerngüter schaffen will und jenes„man", das die kleinen Fabriken hervorrufen sollte, ist köstlich. Der Artikel zeigt so recht die gänzliche Unfähigkeit unserer nationalliberalen Sozialpolitiker, den Gang der Entwick- IllNg unserer Produktion zu begreifen und läßt deutlich erkennen, wie sehr es ihnen darauf ankommt, sich recht viele an die Scholle gefesselte Arbeiter zu schaffen, deren Ausbeutung leichter ist, als die der jetzigen Proletarier. Weiter hat ja die ganze Lamcn- tation keinen Worth. Daß der Hansindnstrielle meistens noch schlimiNer ausgebeutet wird als der Fabrikarbeiter, ist bekannt; ebenso bekannt ist aber auch, daß er im Durchschnitt noch viel schlechter steht, als der letztere. Die sittlichen Tirnden des Jour- »als sind lediglich als dekorative Znthaten zu betrachten. Die Hauptsache ist, daß der Hausindustrielle ein besseres Ansbeutungs- objekt ist. Deshalb plädiren die Herren Sozialreformer aus dem nationnlliberale» Lager für die Begünstigung der Hausindustrie. Toll gen» ort»«» ist das„Leipziger'Tageblatt". Es bringt heute eine» Leitartikel, betitelt„Die Sozialdemokratie ohne F ü h r u n g", begründet die„Führerlosigkeit" mit der tansivurstiade, die irgend ein Reporter unter dem Namen: ozialdemokratische Versammlung im 3. Berliner Reichstags- Wahlkreis, veröffentlicht hat, prophezeit der Sozialdemokratie den nahenden Untergang, weil sie— kein Programm habe, und keins zu machen im Stanve sei, und apostrophirt Liebknecht mit fol- genden Kraftproben: „Giebt es etwas Unmenschlicheres als die Vernichtung des Antoritätsglaubens? Wie wäre es, Herr Lievkneckst, wenn Ihre Genossen mit Ihnen den Anfang machten und die von Ihnen gelehrte Theorie von der Nichtigkeit des Autoritätsglaubens in die Praxis zu übersetzen? Was bliebe dann von Ihren Reden und Zeitungsartikeln übrig, als verfälschte Luft und Makulatur?" Nicht übel das, nicht wahr? Nun, der Stil ist der Mensch, und das„Leipz. Tngebl." ist das vornehmste und einflußreichste Organ des Nationalliberalismus in Sachsen. Hatten wir Un- recht, von der Verrohung des sächsischen Kartellvolkes zu sprechen? •Uedev die bevorllehende U«ichstags-Mohl i» Würz- l«»pg schreibt die„Frank. Tagespost": Einen lustigen Kanvidaten haben die Schwarzen in der Person des Metzgers Neckermann aufgestellt. Derselbe hat die Annahme der Kanvibatur von der Zustimmung seiner Frau abhängig gemacht und es verfügte sich deshalb eine Deputation der schwarzen Gendarmerie zur Frau Mctzgermeisterin, um ihr kund und zu wissen zu thnn, daß ihrem Gemahl die Ehre zu Theil werben soll, die tlniversitälsstadt Würzdurg im Reichstag zu vertreten. Die biedere Frau, welche die Fähigkeiten ihres Gatten wahrscheinlich besser zu beurtheile» weiß, als die Führer der schwarzen Garde, ertheilte die Erlaubnis! nicht. Erst als eine zweite Deputation vorsprach und daS Gesuch»och dringlicher iviederholte, willigte die Frau ein, unter der Bedingung, daß ihr Mann keine Rebe zu hallen hat und nach Berlin nur dann braucht, wenn er von seiüem Geschäft abkommen kau». Und auf dieser Grundlage ivurde dann auch das Geschäft mit der Frau abgeschlossen. So entstand die Kandidatur des Zentrums für den Wahlkreis Wurzbnrg.— In Heidingefeld hielt die Aolkspnrtei am Sonntag Vormittag eine zahlreich besuchte Versammlung ab, in der Herr Köhl ans Würzburg reserirte. Als Herr Köhl die Kandidatur Kröber's in Vorschlag brachte, erscholl wie aus einem Munde der Ruf:„Unser Kandidat.heißt Segitz," so daß der Vorsitzende es unterließ, über die Kandidatur des Herrn Kröber abstimmen zu lassen. Im Großen und Ganzen ist die Situation für die Sozial- demokratie günstig, verfrüht aber wäre es, daraus schon bestimmte Schlüsse zu ziehe». ES darf hier nicht der Maßstab angelegt werden wie in anderen Wahlkreise», der Einfluß der Geistlichkeit ist noch zu groß, es>vird eines harten Kampfes bedürfen, die Hochburg des Ultramontanismus zu nehmen. Wird sie aber gestürmt, so sind es die Sozialdemokraten, vor welchen der mäch- tige Gegner die Waffen strecken wird." (BewrrKIchnxtlichrv. Ter in Hamburg erscheinende„Ar- beiter" bringt eine Zusammenstellung der Geiverkschaften und ihrer Presse. Danach stud zentrnlisirl die Bäcker, Barviere, Bergarbeiter, Bildhauer, Böttcher, Buchbinder, Buchdrucker, Bürste»- macher, Dachdecker, Drechsler, Fabrikarbeiter, Fabrikarbeiterinnen, Gärtner, Glaser, Glasarbeiter, Goldarbeitcr, Graveare, Hafen- arbeiter, Handschuhmacher, Holzarbeiter, Hutmacher, Korbmacher, Kürschner, Kupferschmiede, Lohgerber, Maier, Mechaniker, Müller, Plätterinnen, Sattler, Schiffer, Schiffsziinmerer, Schlosser, Schmiede, Schneider und Schneiderinnen, Schriftgießer, Schuh- macher, Steiubriigger, Steindrucker, Steinuieyen, Stellmacher, Tabakarbeiter und Tadakarbeiterinncn, Tapezirer, Tischler, Ver- golber, Weißgerbcr, Werftarbeiter, Zigarreusorlirer, Zicgler und Zimmerer. Nicht zcntralisirt sind die Bauarbeiter, Stuckateure, Maurer, Textilarbeiter, Töpfer und Metallarbeiter. Gewerkschafts- organe erscheinen in Altenburz(Hutmacher, Weißgcrber, Mühlen- arbeiter),'Arnstadt(Handschuhmacher), Berti»(Bildhauer, Fahrer, Dachdecker, Maler und Vcrgolder, Bäcker, Hausdiener und Fabrikarbeiter, Böttcher, Pantinenmacher), Braänschweig(Ver- einsblatt für Maurer, Töpfer, Steinmetzen und Stuckateure), Burgstädt(Textilarbeiter), Gotha(Schuhmacher), Hamburg (Tischler und Korbmacher, Maurer, Schiffer.�Werst- und Hafen- arbeiter, Wagenbauer, Kupierschmiede, Schmiede, Barbiere, Schlosser und Maschinenbauer, Drechsler, Lohgerber, Gärtner, Goldarbeitcr, Mechaniker, Bauarbeiter, Schneider und Schnei- derinnen. Ziegler. Schiffsziinmerer, Zimmerer, Kürschner, Holz- sägcr), Leipzig(Tabakarbeitcr und Tabakarbeiterinnen, Buch- drucker), Löbtau(Glasarbeiter), Nürnberg(Metallarbeiter), Schkeuditz(Steindrucker), Stuttgart(Buchbinder), Wiesbaden (Glaser), Zwickau(Bergarbeiter). Di« Deriei-md»»!., ist die Hanptwaffe der Gegner gegen die Sozialdemokraten und selbstverständlich sind die in erper Reihe fechtenden Genossen diesen schmählichen Angriffen am meisten ausgesetzt, so da» manchmal ein Erempel statuirt werden muß. So hat der Reichs- und Landtags- Abgeordnete Jost in Mainz gegen eine Anzahl dortiger und auswärtiger Zeitungen Strafantrag wegen verleumderischer Beleidigung gestellt, weil diese Zeitungen vor einigen Tagen eine Notiz veröffentlicht haben des Inhalts, daß demnächst in Mainz vor der Zivil- kainmer ein Prozeß zur Verhandlung komme» würde, durch welchen man glaube, sowohl Herrn Jost, als auch andere Führer der Mainzer Sozialdemokraten politisch unmöglich machen zu können. In der Behauptung der sreikouservativen„Post", daS Mandat des bisherigen Oder-Bürgermeisters Müller sei infolge seiner Ernennung zum Mitglieds des Reichsbank- Direktoriums nicht erloschen, weil die Reichsbank-Beainten nicht im Dienste des Reiches, sondern im Dienste der Lieichsbank stehen, mithin die Annahme einer Stelle im Reichsbank-Direktorium nicht gleich- bedeutend sei mit der iin'Artikel 21 der Reichsverfassnng vor- gesehenen Annahme eines besoldeten Reichsamtes durch ein Mit- glied deS Reichstages, bemerkt die„Magdeb. Ztg.": Diese Be- hauptnng ist durchaus unzutreffend, sie könnte höchstens diskutabel sein, wenn es sich um ein anderes Amt innerhalb der Ver- waltung der Reichsbank handelte. Die„parlamentarischen Kreise", welche sie angeblich aufgestellt haben(die„Post" hatte sich auf sie berufen)—„parlamentarische Kreise" giebt es übrigens zur Zeit gar nicht—, scheinen mit dem Reichshanshalts-Etat wenig vertraut zu sein. In jedem Etatsgcsetze lautet§ 2:„Der diesem Gesetze als weitere Anlage beigefügte Vesoldungsetat für das Reichsbank-Direktorium für die Zeit vom I.April.... bis 31. März.... wird ans...... M. festgesetzt", und dem- entsprechend bewilligt auch der Reichstag in jedem.Jahre die Ge- hälter des Präsidenten, des Vize-Präsidenten und der sieben Mit- glieder des Reichsbank-Direktorinms. Die letzteren bezichen ein Gehalt vonDOOO— 15 OOO M., sowie 1500 M. Miethsentschädigung. Das Amt eines Mitgliedes des Direktoriums der Reichsbank ist hiernach in der Thal ein besoldetes Reichsamt, dessen Uebernahme durch einen Reichstags-Abgeordneten den Verlust von Sitz und Stimme bedingt." Die„Mehlmandrrungen." Ans Oberschlesien, 29. Okt., wird der„Voss. Ztg." geschrieben: Im Kreise Pleß haben gegen- wärtig die Mehlivandernngen eine so große Ausdehnung wie noch nie zuvor genommen. Alltäglich kann man Hunderte von Leuten mit 0 Pfd. steuerfreiem Mehl beladen auf den Grenz-. wegen zwischen Oesterreich und Preußen antreffen. Jenseits der Grenze kosten 6 Pfd. Mehl 58 Pf. lind diesseits müssen für das- selbe Quantum und dieselbe Onalitnt 90 Pf. bezahlt werden. Und wie mit dem Mehl, so verhält eS sich mit dem Speck. In Oesterreich zahlt man für ein Pfund geräucherten Speck 55 Pf., auf preußischem Boden dagegen eine Mark. Sogar Fleischer und Bäcker decken vielfach ihren eigenen Hausbedarf an Speck und Mehl aus den österreichischen Grcnzorten. Eine Mahnung war, wie s. Z. gemeldet, dem Amts- gerichtsrath Alexander in Königsberg i. Pr. ertheilt worden, weil Herr Alexander im freisinnigen Wahlverein gegen die jüngste Militärvorlage Stellung genommen hatte. Hiergegen hatte Herr Alexander die Disziplinaruntersuchung beantragt. Wie jetzt die „Königsberger Hartung'sche Zeitung" meldet, wurde Herr Alexander am Donnerstag vom Disziplinarsenat deS Ober-Landesgerichts von den» ihm zur Last gelegten Dienstvergehen frei- gesprochen'und die ihm ertheilte Mahnung aufgehoben. Sächsisches. Aus Dresden wird geschrieben: In einem Boykottprozesse, welcher unlängst die Leipziger Gerichtshöfe beschäftigte, hatte kurzlich das hiesige Oberlandes- gericht in letzter Instanz ein Urtheil zu fällen. Es handelte sich dabei um die Thalsache, daß der Vorsitzende einer Arbeiterver- sammlung, welche f. Z. in dem Dorfe Dölitz bei Leipzig statt- fand, u. a. einen ihm übergebenen Zettel verlesen halte, auf dem etwa folgendes geschrieben stand:„In der Nähe des Gasthofes zum Reiter wohnt ein Kaufmann, der durchaus nicht arbeiter- freundlich gesinnt ist. Deshalb sollte der Arbeiter lieber bei an- deren lausen, welche die entgegengesetzte Richtung vertreten." Das Schöffengericht erblickte hierin einen groben Unfug und ver- urtheilte den Vorsitzenden jener Versammlung zu 8 Tagen Hast, denn durch die Verlesung jenes Zettels seien die in der Versamm- lung anwesenden Nichtsozialdemokraten in ihrem Rechtsgefühl be- unruhigt worden, auch habe der Angeklagte durch sein Vorgehen zweifellos den öffentlichen Frieden gestört nnd Aergernih erregt. Das Landgericht bestätigte später dieses Urtheil, und auch das Oberlandesgericht hat sich nunmehr derselben Auffassung an- geschlossen. Das idar zu erwarten, denn, wenn auch die sächsischen Richter, der Absicht nach ganz„unabhängige" Leute sein mögen, so ist die ganze polittsche Athmosphäre im Lande des Blümchenkaffees so mit den„giftigen Reaktionsgasen durchsetzt, daß sich nur ein ganz kräftiger und gesunder Charakter dem korrumpiren- den Einfluß dieser faulen Dünste entziehen kann.— Und in einer Korrespondenz aus Stollberg(Erzgebirge) lesen wir: In welcher Weise Behörden und Militärvereine. neuerdings Hand in Hand zu gehen scheinen, um die Schäslein von den Böcken zu sondern, lehrt folgender Brief: S t o l l b e r g, den 8./10. 90. Herrn Bau m! In einer Zuschrift vom Stadtrath zu Stollberg wurde uns mitgetheilt, daß Sie Mitglied des Wahlver-� eins zu Slollberg sind. Somit hätten Sie nach% 7 des Bereinsstatuts des Militärvereins I auszuscheiden. Sollte jedoch ein Jrrthum vorliege», müßten Sie eS der Polizei melden, damit Sie aus der Mitgliedsliste des Wahlvereins gestrichen würden. Eine Zuschrift wegen Sie von dem Vorsteher kommt ebenfalls an den Stadtrath. I. A.: Matthes, d. Z. Schrtstführer des Militärvereins I. Jetzt möchten wir schon wissen, wie der Stadtrath dazu(je- kommen ist, dem Militärvereine Nachricht zu geben von der Mit- tzliedschaft des Herrn Baum beim Wahlvereine. Ueberaus reizend ist auch das Verlange», Baum solle der Polizei anzeigen, daß er nicht zum Wahlverein gehöre. Das heißt natürlich nichts anders, als Baum solle aus dem Wahlverein austreten und dies snbmisscst der hohen Polizei melden. Wir haben's im lieben Sachsen wirk- lich herrlich weit gebracht. Aua Urisse wird der„Volkszeitung" gemeldet:„Wegen Maugels landwirthschaftlicher Arbeiter wurde ein Kommando des 63. Infanterieregiments zur Rübenernte nach Soppau entsandt." — Tie Verwendung von Militär zu solchen Zivecken ist durchaus ungehörig. Es handelt sich bei einer solchen Maßregel um nichts, als um eine dem„freien" Arbeiter bereitete unzulässige Kon- kurrenz. DeiUl daß Arbeiter überhaupt nicht zu erlangen ge- ivesen wären, wird bei der herrschenden Arbeitslosigkeit nicht geglaubt werde». Nur höhere Löhne wollen die Agrarier nicht Vahle». In Krastlien sind soeben die Wahlen für die konstt- tuirende Versammlung in aller Ruhe vor sich gegangen und haben mit einem glünzeiiden Sieg der Republikaner geendigt. Der„Rrichonnseiger" veristsentlicht eine Anweisung der Minister des Innern und für Handel und Gewerbe, betreffend das Verfahren bei der A'u s st e ll u n g und dem U in- t a u s ch, s o w i e bei der Erneuerung(Ersetzung) von Quitt un gs karten(88 101 ff. des Gesetzes, betreffend die I n v a l i d i t ä t s- und A l t e r s- V e r s i ch e r u n g, vom 22. Juni 1889, Reichs-Gesetzbl. S. 97). Wir werden die Anweisung in den nächsten Tagen unseren Lesern in besonderer Beilage mutheilen. Dänemark. ... Kopenhagen. 28. Oktober. Björnstjerne Björnson hat kürzlich eine Unterhaltung mit einem Mitarbeiter von Politiken" gehabt, worüber das Blatt u. A. berichtet:„Die Zeil ist nicht mehr fern, sagt Björnson, wo der Friedensgedanke die einzige Frage sein wird, die G.ltigke.t in der Welt erhält. Niemals ist MMRSSi SWoeszU«.'»- wt».• 11 i n l.1' Präsident des Geweikvereins der Docker der Dockers, doch hat die Verhandlung zu keinem Resultat ge führt, doch sollen dem„Daily Chronicle" zufolge die Aussichten auf ein Arrangement ziemlich gut sein. Die Dockdirektoren setzten jedoch ihre Vorbereitungen auf einen Kampf fort. Die jüngsten von der Gasgescllschaft unweit des Albert und Victoria Docks errichteten Kasernen sollen im Nothfalle der Dockgesell- schaft zur Behausung ihrer Arbeiter zur Verfügung gestellt werden, falls sie Nichtvcreinler anstellt. Die Füherer des Dock- arbeiter-Vereins stellen es in Abrede, daß die Lage des Vereins erschüttert ist, er sei finanziell und an Mitgliederzahl stärker, als seit Monaten. Der Verein zögere, die Herausforderung der Dockgesellschaften anzunehmen und suchte auf dem Wege der Ver- söhnung zu einein Ausgleich zu gelangen, so daß im Falle eines Kampfes der Dockgcsellschaft die Schuld dafür zufalle. London, 31. Oktober. Der Antrag auf Auslieferung des Schweizers Castioni gelangt am 4. November vor der Queen's Bench zur Verhandlung. Frankreich. Paris, 30. Oktober. Deputirtenkammer. In Fortsetzung der Berathung des Budgets wirft Pilletan der Regierung vor, daß sie trotz gegentheiliger Versprechungen neue Steuern schaffen wolle und fordert Ersparungen und Reformen. Wenn sich die Regierung zu letzteren nicht verstehen würde, würde sie die Elm- §ung der Republikaner unmöglich machen.(Beifall auf der inken.) Ministerpräsident Freycinet erwiderte, alle nur mög- lichen Ersparungen seien gemacht, eine neuerliche Prüfung des Budgets würde kein praktisches Resultat ergeben und nur die nothwendige Forderung der provisorischen Zwölftel herbeiführen, welche die Kammer mit Recht vermeiden wolle.(Beifall.) Gaillard(radikal) brachte einen Antrag ein, wonach die Regierung aufgefordert wird, einen Gesetzentwurf betreffend eine Reform der Steuerveranlagung im demokratischen Sinne vorzu- legen. Deroillt-de beantragte die Rückverweisung des Budgets an die Budgetkommission. Finanzministcr Rouvier bekämpfte die Rückverweisung, die mit 845 gegen 33 Stimmen abgelehnt wird. Der Antrag Gaillard wurde mit 356 gegen 41 Stimmen angenommen. Die Rechte enthielt sich der Abstimmung. Hierauf wurde die allgemeine Berathung geschlossen und mit 356 gegen 34 Stimmen die Einzelberathung des Budgets angenommen. Paris, 30. Oktober. Der Gerichtshof von Ipern ver- urtheilte den Marquis de Mores wegen seines auf belgischem Gebiete stattgehabten Duells mit dem Deputirten Dreyfus zu 400 Frcs. Geldstrafe. R«ßla»d. Wir haben gestern einen längeren Bericht über die mas sen- hafte Auswanderung russischer, namentlich aber polnischer Bauern nach Brasilien gebracht. Die Maß- regeln, welche die Regierung dagegen angeordnet hat, entsprechen einem Land, das mit der Knute und Sibirien regirt wird. So meldet man der„Voss. Ztg." „Russische Bauern, welche sich den ihnen unerträglich ge- wordenen heimischen Zuständen durch die Auswanderung nach Brasilien entziehen wollten, wurden durch die russischen Behörden znriickgehalten und hatten an der westpreußischen Grenze im Kreise Nicszawa einen Zusammenstoß mit der Grenzwache, bei welchem mehrere Personen getödtet oder verwundet wurden. Nunmehr geht uns schon wieder folgende Mittheilung zu: „Bei dein Versuch einer größeren Zahl von Personen, welche nach Brasilien auswanoern wollten, unter dem Schutze der Nacht auf preußisches Gebiet überzutreten, wurden bei Slupce an der posenschen Grenze vier Personen von der russischen Grenz- wache niedergeschossen. Ob man die Bauern, welche sich durch Heimathsliebe auszeichnen und die Scholle, auf der sie geboren sind, schwerlich ohne dringende Noch verlassen, durch Pulver und Blei zur Zufrieden- heit zurückführen wird, ist mindestens zweifelhaft. Bei der Zähigkeit der russischen Landleute ist aber noch weniger an- zunehmen, daß der einmal lebendig gewordene Wandertrieb sich durch die Gewaltthätigkeit der Behörden alsbald werde ausrotten lassen. Die letzten Nachrichten aus Warschau melden, daß die Aus- Wanderung nach Brasilien trotz strenger Bewachung der Grenzen immer größere Dimensionen annehme. Amerika. Ueber die Konvention der Fabrikinspek- toren Nordamerikas, welche letzthin in New-Iork stattfand, berichtet die dortige„Volks-Zeitung": „Von der Institution des Fabrikinspektorats hier im Lande hört man mit seltenen Ausnahmen fast ausschließlich, wenn sie selbst dafür sorgen, daß die Presse ihr Licht nicht unter den Scheffel stellt und das geschieht nur bei ganz bestimmten Ge- legenheiten: Wenn sie ihre Jahresberichte liefern, die sich meist nur in vagen Allgemeinheiten bewegen und hinsichtlich aller pofi- tiven Angaben höchst dürftig sind; wenn sie durch gelegentliche Inspektionsreisen von sich reden machen und wenn sie, wie jetzt, ihre nationale Jahreskonvention abhalten. Von einer wirklich praktischen Thätigkeit im Sinne ihrer Hauptaufgabe: strikte Durchführung der bestehenden Arbeiterschutz-Gesetze und Fabrik- Vorschriften, vernimmt man nur selten etwas. Theils mag daran wohl das Unzureichende der ihnen zugewiesenen Vollmachten schuld sein, theils die Ohnmacht gegenüber dem politisch und finanziell einflußreichen Fabrikantenthum, theils der Mangel an einem guten Willen, im Interesse der Arbeiter thätig zu sein, oder der vorhandene gute Wille den— Unternehmern gegenüber.% all' das nicht der Fall— unsere Gerichtshöfe würden ja leer, so unaufhörlich müßte es Klagesälle regnen gegen die losen Uebertreter der allereinfachsten Gesetzesvorschristen. „Auf der hier tagenden Konvention verstehen es die HerrM sich ein sehr fachwiffenschaftliches Air zu geben. Aus dem_ öffentlichten„Programm" des Kongresses haben die Leser ersetz� daß da eine ganze Reihe von an sich gewiß außerordentlich Witt essanten„in's Fach" schlagenden Vorträgen gehalten wird. die erdrückende Mehrheit der dort besprochenen Themata bewu gerade, daß unsere Fabrikinspcktoren sich mit großer EinselUgw auf die rein technische Seite ihres Berufes werfen und o ökonomische Seite auf das allerstiefinütterlichsle vernachlässig«' ja nicht einmal Verständniß für den Zusammenhang.Zww diesen beiden Theilen ihrer Aufgabe beweisen. Die Annal), liegt sehr nahe, daß sie sich vor der Nothwendigkeit scheuem" ökonomischem Gebiet dem 5kapitalismus in seinen wessnllicyi' Existenzsragen zu nahe zu treten. Sie machen sich damit, benw oder unbewußt, ihre Aufgabe sehr leicht und für Diejenigen,> derentwillen die ganze Institution überhaupt ins Leben 0' gerufen wurde, so gut ivie ganz werthlos. „Was die Vorträge irgend an interessanten Daten, und Thatsachen zu Tage fördern, findet der Leser in unfe Berichten, auf deren Inhalt wir wohl noch Gelegenheit find' ausführlicher zurückzukommen. An Vorträgen von ökonomisch- Interesse sind nur zwei zu nennen: Ueber die Verkürzung° Arbeitszeit und über die Kinderarbeit unter einem ge«W Altersgange. In beiden Fällen ist die große Zaghaftigkeit. merkenswerth, mit denen die Fragen behandelt werden.» allgemeinen Tendenz, in welcher sich zur Zeit die Arbeitersch Strömung bewegt, können sich natürlich auch unsere Mdr inspektoren nicht entziehen. Aber das ist alles so matt und krc>>. los angefaßt, daß man sieht, jene Männer schivimmen nur I eben mit dem Strome mit. Wäre es anders, die Achtstund frage, welche jetzt die ganze Arbeiterwelt passionirt, hatte nuch diese»«„Hohen Rathe" mit angespannter Energie zur Debatte g stellt iverden müssen. Abgesehen von den weiblichen Inspektoren die als„neue Besen" etwas lebendiger kehren, ist der Geist ganzen Konvention in der farblosen, phrasenhaften Rede Vorsitzenden Wade ziemlich deutlich wiedergespiegelt." New-Iork, 81. Oktober. Der Postmeister von New-Ml giebt bekannt, daß die Kongreßakte, nach welcher die Lotten. fachen von der Postbeförderung ausgeschlossen seien, sich auch die Zeitungen erstrecke, welche Lotterieannonzen enthielten. gerichtliche Beamte im Postbureau entschied dahin, haß Gesetz sich ebenfalls auf Annonzen, betreffend die Prämiensch-' europäischer Regierungen beziehe. Theater. Sonnabend, den I.November. Opernhaus. Oberon, König der Elfen. Kchanfpirlhaus. Colberg. zeffing- Theater. Der Traum ein Leben. KerUner Theater. Der Bernhar- diner. Deutsches Theater. Das verlorene Paradies. Lriedrich-Miihelmjtädt. Theater. Der arme Jonathan. MaJIuer• Theater. Der Bauern- doktor. Pension Schöller. Krstdenz-Theater. Familie Mouli- nard. Kiktoria- Theater. Die Million. Kelleallianre- Theater. Mamsell' Nitouche. Ostend» Theater. Zimmermann's Lene. Thomas- Theater. Defizit. Das Jahrmarktsfest zil Plundersweilern. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans.. Kanfmaun's Variötö. Große Spe- zialitäten-Vorftellung. Theater der ReichohaUeir. Große Spezialitäten-Vorstellung. Eoneordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'« Uariötö. Große Spezialitäten-Vorftellung._ Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexanderstraß e 27c. Fpanka Scholz, Kostüm-Soubrette. Geschw. Wildcnfcls, Gesangs- Duettiste». Richard Gersdorf, Sächsischer Gesangs-Humorist. Adolf Gödicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charakter-Komiker. Truppe Blumenfeld, Parterre- Gymnastiker, Ballet und Tanzseil- künstlcr. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5V2 Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags SO Pf. 60 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Passage-Panopticum. Unter den Linden 22/23.[742| LebenWße MWMtll. Nanorameir. Dioramei«. Ethnographische Sammlungen. Italirnische Aotllssängrr. Entree 50 Pf. Geöffnet von 10 bis 0 Uhr. Vastage 1 Tr. 9 Uhr M. b. 10 Uhr Ab. Kaiser-Panorama. �Hervorrag. Sehenswürdigkeit der Residenz. Nur heute: V. Cykl.! F-ldzng 18:0/71. Diese Woche: Helgoland. Uebergabe. Ankunft des Kaisers. Feldgottesdienst:c. Versailles. Trianon. St. Denis. Eine Reise 20 Pf., Kind nur 10 Pf. Abonnement 1 M. Circus Renz. j Karlstraße. onnabend, den 1. Uouember. Einlass 6V2 Uhr. Anfang 7 Uhr.» Zum 1. Male: MzepLs Wniiiiimg oder: Dir Rache de» Graf Rottofo. Große historische Pantomime mit Ballet in 4 Abtheilungen, arrangirt und inszenirt vom Direktor E. Renz. Kostüme und Requisiten vollständig neu und auf das Prachtvollste angefertigt. In der 1. 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Müller. s�ratmilHe Bierh. allen Kommandanteustr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Enartrtt Sängcrn, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b c n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntag? Entree 20 Pf. Empfehle auch zugleich 3 Billards, 3 Kegelbahnen und eine» Saal zu Ver- gnügungeil und Versammlungen. 703 F. Sodtke. Castan's Panopticnm.� Entree 50 Vfg., Kinder 35 jJfy. V. 9 Uhr Morgens� bis 10 Uhr Abends. 'Vorstellung 'Vorm. HVa u. 12i/ä Uhr. ''Nachm. u.dVa-OVaUHi 'stündl. eine Vorstellung. ra-Entree 30 pfg. Kinder frei. »Andrraostr. 33,H.p. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Konnabend, den 1. Uovember, Abends 7V8 Khr: Grosse Kala Vorstellung. Hervorzuheben: Etagen-Caroussel mit 25 Vollblutpferden von Herrn Max Schumann vorgeführt.(Original- Dressur.) Gastspiel des Monocyclisten Mr. S c u r i. Mr. Achilles, Jockey. Tandem mit 4 Schulpferden von Herrn E r n st Schumann. Grand pas de trois. Miß Victoria, Rosa und trn. Max. Komisch. Entree d. beliebten low» T a n t i. 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Diskussion. 4.« schiedenes und Fragekasten.... Sämmtliche Former werden ersucht, pünktlich und zahlreich zu ersckew 1759 Oer Einberufe«*". -79. Rixdorf! Rixdor� Große öffentliche Versammlung filrlter u. Fram her sreie« Gemeinde s. Rirßors».W am Sonnabend, den 1. Uovember, Abends priiz. SVo Uhr, in der Nene» Welt, Hafenhaidc. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. V ö l k e l(Magdeburg) u � Halbes und ganzes Freidenkerthum in Verbindung mit Sozialismus. 2.„ kussio». 3. Fragckasten.— Frauen und Männer iverden ersucht, zahlrei�� erscheinen. Der Herr Abgeordnete Liebknecht ist zu dieser Versammlung eingel« 1787 Der Vorstand. I. A.: H. Teuert, Lesfingftr. � Abrechnung vom Generalstreik der Schrauben- und Fagondreher vom 15, April bi» 15. Juli. und Berufsgenoi Berlins Einnahme: Auf Listen gesammelt.. Allgem. Metallarb.-Verein. Fachvexein d. Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dampf-Armaturen... Fachvcrein der Tischler.. Fachverein der Graveure und Ziseleure.... Fachverein ,der Kistenmachcr Fachverein der Wäsche- Zuschneider..... Fachverein der Vergolder. „ gewerblichen Hilfsarbeiter..... Fachverein der Steinträger „„ Feilen Hauer Unterstützungsbund der Hut- macher....... 2 Tellersammlungcn der Arbeiter von Bcernlann.. 1 Tellcrsamlg. d. Zimmerer 2 Tellcrsamnilung. Siemens und Halske..... 1 Tellers, der Eisenbahnarb. 2 Raten der Schriftsetzer. Tischlerwerkstatt Peters.. Von Herrn A. Jünger.. Vom Rauchklub„Kops oben" Ohne Liften...... Für Marken des Streikfonds der Schraubendreher.. Vom Fachv. der Schrauben- dreher ausgenommen.. M. 4764 100 30 75 10 30 50 50 30 20 25 Pf- 70 100— 26 41 32 7 11 10 5 5 2 IG 50 323— 721 09 Summa 0535 49 Ausgabe: Streikunterstützungen gezahlt für 13 Wochen.... Extraunterstützungen und Miethszuschüsse..., Reiseunterstützungen,,, Für Porto...... „ Drucksachen..., „ Agitationsunkosten.. „ Rechtsschutz.. Für die so zahlreiche Untcrst�� sagen wir allen Gebern unser» Der Vorstand des Faclivcrc'"� d. Mctallsclirauben-, Facom'1'01 nud Bernfsgenosscn BerÜ118' H. Hirsch. G. Eisenblätter* E. Voigtländer. Revidirt und für richtig befi»'� Dir Urvifouen: � R. Fioker. E. Magnus. A. Sau# Verantwortlicher Redakteur: Kurt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Ular Kubiug in Berlin SW., Beuthstraße 2. Kirr?« zwei Kr" 1. Beilage zum Nr. SFF. Sonnabend, den 1. Uonember 1890. Jahrg. Loltnles. („.rA'* d«r Industrie ist das neue Losuiigsivort, uJSr J%r Eugen Richter in seiner Nachtausgabe für die fort- �rcffe ausgegeben hat, und pflichtschuldigst wird dieses \\iir la,m oHcn Tonarten von seinen Trabanten geblasen. Wie Imni der Sachkenntnis! und der Selbstschützimg des frei- n',®CI' rfichms nicht anderes erwarten, wird dabei wieder das ä«tublichste in der Verdrehung der Thatsachen geleistet. da-*>err Achter behauptet, die deutsche Industrie werde durch y,..- Zlrbeitcrschutzgesetz, durch die Alters- und Invaliden- 75''velche später eine jährliche Beitragslast von aus die Arbeitgeber und Arbeiter wälzen A»!,..'"Ermäßig belastet und müsse unter der Last dieser neuen ' �»Zungen zusammenbreche». Joit-n ��cher Weise die Industrie durch die bisherigen '.. bie ihr aus der sozialpolitischen Gesetzgebung . Igebuidet" wurden, in ihren Erträgnissen gelitten hat, T.j*-we.,t nachfolgende kleine Tabelle, in welcher die der indusir'ellen Unternehmungen verschiedener drei letzten Geschäftsjahre einfach gegenüber MsÄZsrrMW «rpencr..... >b°r»ia-"''' Wort, t-Prt., Bergwerk f-'ttihiitte. KUfs"";:;; °�che" � Maschinenfabrik. '; (ti.-"!«)« lÄaÄw::: ????: ••• ::: ;: i:; All.'',. Davensberg.... vSrt Elektrizitätswerke.. ""etei Friedrichshain.... -sajulthcifl..... ft"5ti>evg=i8rnuerci••• � dstuhlfabrik„Schönhcrr" Liste macht keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Es sind die markantesten Fälle etwa herausgegriffen, um zu Cr11, daß sich die Industrie seit dem Erlast der sogenannten Wgesetze nicht nur nicht in Verfall befindet, sondern einen Mwuug von ungeahnter Ausdehnung angenommen hat, son- Ifc's find nur einige der allgemein bekannteren größeren Aktien- Aasten. th, moderne Gesetzgebung hat der Großindustrie, die sich in slw"geführten Beispielen verkörpert, in weitem Maße ihren L, �'gedeihen lassen, und nicht zum Geringsten dieser Für- Staates für die Großindustrie ist es zuzuschreibe», dast ■W. llch in einer fortschreitenden Entwickeluug befindet. Dieie W*'mun9 wollen die Herren Kohlenbarone vom Schlage der Stumm,~ Baare' u. s. w. natürlich nicht wahr ihre Engherzigkeit gegenüber den berechtigten der Arbeiter alsdann in die richtige Beleuchtung und daher finden wir mit systeinatischer »n den diesen Herren zur Verfügung stehende» �v.�Ucrn" die Sachlage zweier der wichtigsten Jndilstrien >>i>sz""°es. der Kohlen- und Eisenindustrie, in aufsalleud par- '-weise pessimistisch geschildert. bsese Schilderungen hereinzufallen, war dem gropen fcK E �(ti Eugen vorbehalten, so daß derselbe bereits von üL.ÄicM.,? träumt, welchen die Industrie entgcgcuschreite. 'i.�- sowie r,r° r5 Befindet sich die Industrie Rheinland-West- id.».tech».�-bersÄilesiens noch immer für die Unternehmer i» Eoidp,,,|e0neE» Lage. Die nackten Zahlen beweisen dies eines der größten Werke, ver- "N?- z. B., Daten Wilhelmshüle, der Märkisch-Wesr,älische % Jrt,v..ÄÄS A g°>" g"sind"""•*"... i, I mmwm �oKÄlesten M Gesellschaft habe die ganze WfüÜWS J»?«m o-onne noch einen recht schönen (h>'- >Ä!fÄ' Miiln,»<»!->» E"'K W.«■ ist köstlich. Weil eine gerechtere Bertheilung der Lasten, d. h. die Entlastung der kleinen Gewerbelreibcnden zu Ungunsten der kapitalkräftigen Großgewerke projektirt ist, die doch weit cher in der Lage sind, den Ausfall von etwa 5 bis 0 Millionen Mark auszubringen, deshalb steht der Ruin der Gesannntindustric bevor. Gegenüber der glänzenden und progressiv aufstrebenden Groß- industrie sind die Slufwendungen für das Wohl der Arbeiter geradezu kläglich und die Leistungen, welche der Industrie durch das Arbeiterschutzgesetz auferlegt werden, eine Ironie, eine Anklage gegen die schrankenlose Willkür imd den Mißbrauch der Herr- fchenden Klassen gegen die Arbeiter, wie sie schärfer nicht gedacht werden kann. Daß trotzdem die Großindustriellen alle ihre Kräfte mobil machen, gegen Arbeiterschutz und gegen Arbeiterorganisationen, ist bei diesen Leuten ja erklärlich. Allein, Eugen Richter, der das Wasser auf die Mühlen der Schlotjunker und Kohlenbarone treibt und dabei die ältesten Prinzipien des Freisinns opfert, das ist ein stimmungsvolles Zukunftsbild. !Uit welchen Ueitliinkiglteitrn diejenigen Arbeitet zu kämpfen haben, welche sich der fraglichen Segnungen des Arbeiter- und Jnvaliden-SchutzgesetzeZ versichern wollen oder müssen, lehrt die Erzählung eines Maurers. Derselbe war aufgefordert wor- de», die Bescheinigungen der Arbeitgeber herbeizuschaffen, bei denen er von« Jahre lböu bis 189(1 gearbeitet hatte. Der Mann begab sich zu einem der Meister und trug demselben sein Anliegen vor. Die Antwort lautete:„Na, Sie haben ja doch Ihr Kranken- kassen-Buch. Da steht es ja schon, daß Sie bei mir gearbeitet haben!" Nach langem Steden füllte der Arbeitgeber endlich das Formular aus. Zum Glück hatte der durch Erfahrung gewitzigte Maurer sich einige Dutzend Formulare selbst gekauft; denn die Herren Ardeitgeber besitzen dieselven in den meisten Fällen nicht. Mit dem ausgefertigten und mit der Namensunterschrift des Meisters versehenen Bogen begab sich nun der Maurer zum Polizeibureau, um die polizeiliche Bescheinigung zu erhalten. Allein der Wachtnieister erklärte, daß er die nachgesuchte Be- scheinigung nur dann geben könne, wenn der Meister seine Unter- fchrist persönlich auf dem Bureau leiste. Dem Bittsteller blieb also nichts übrig, als sich nochmals zu dem Arbeitgeber zu ver- fügen. Dieser wollte sich durchaus nicht bequemen, mit zur Polizeiivache zu gehen. Er glaubte genug zu thun, wenn er seineni ehemaligen Arbeiter noch eine Bescheinigung über die Echtheit seiner Unterschrift und eine Visitenkarte mitgebe. Ob- gleich die Sache dem Maurer vier Stunden Zeit gekostet hat, ist derselbe heute noch nicht im Besitze der noth- wendigen polizeilichen Bescheinigung. Dieselben Umstände mußte der Mann bereits acht Mal erdulden.— Wenn man bedenkt, daß im Zeitraum von 5 Jahren ein Maurer bei fast CO Meistern thütig gewesen sein kann, dann kann man sich einen Schluß daraus ziehen, mit wie vielen Zeit- und Geld- Verlusten die Segnungen des„33Vb Pfg."-Gesetzes verknüpft sind. Auf Robert K o ch'o bahn brechende Forschungen sind gcgeinvartig die Blicfe der Welt mit Spannung gerichtet. So dürsteu denn gerade jetzt einige Mitihcilungen aus dem Leben des Meisters der Wissenschaft am Platze sein. Robert Koch steht im blühendsten Manncsalter; er ist am 11. Dezember 184d zu Klausthal geboren. Seine Studien machte er von lLCü— CC in Göttingen. Tann liest er sich in Langenhagen bei Hannover iind bald darauf zu Rackwitz in Posen als Arzt nieder. Von 1872—1880 war er Physikns zu Wollstein im Kreise Bomst und trat in dem bekannten Prozeß Speichert als Sachverständiger auf. In dieser Zeit begann er seine epochemachenden baktcrio- logischen Forschungen über Wundinfektion, Septicamie und Milz- brand. Infolge dieser Arbeiten wurde Robert Koch 1880 als ordentliches Mitglied des Reichsgesundheitsauits nach Berlin berufen. Hier stellte er neben iveiteren Arbeiten über den Milz- brand(Entgegnung auf einen Vortrag von Pastenr) auch Untersuchungen ü.er die Natur und Ursache der Tuberkulose an und entdeckte dabei als Krankheitserreger die Tubcrkelbazillen. Zum Geheimen Rcgicrungsrnth ernannt, ivurdc er im Jahre 1683 als Leiter der deutschen Eholerakommission nach Egypten und Indien gesandt; eine Frucht dieser Forschungsreise war die Ent- deckung des Kommabazillus, welcher von Koch als der eigentliche Träger des Eholeragi-tes angesehen wird. Bei seiner öiückkehr nach Dculschiand wurde der Forscher 1884 durch eine Dotation von hundertlavsend Mark ausgezeichnet. DaS folgende Jahr brachte ihm die Ernennung zum ordentlichen Professor, Geheimen Medizinalralh und Tirckror des neue» hygienischen Instituts. Aus seiner Schule sind die hervorragendücn Bakteriologen wie Molsi Hügel, Löffler, Gnfsky, Karl Frankel und Andere hervor- gegangen, ivelche sammtlich ordentliche Lehrstühle für Hygiene an preußische» Universitäten einnehmen. Nachdem Robert Koch die Ursache der Schivindsucht und die Lebensbedingungen des Tuberkel- bazillus sestgestellt hatte, ist er nun darangegangen, diese» Krank- heitserreger zu bckampjen. Die er en Mutheilniige» über diese Versuche machte er bekanntlich aus dem Berliner Aerztekongreß, dessen größere Bedeutung vielleicht in diese» kurzen, verhcißungs- vollen Sätzen liegen wird.— A ff Anregung von Professor Robert Koch hat StabSarzt Dr. Hobcin Versuche darüber an- gestellt, ob die zu Unterkleidern zur Verwendung kommenden Zeugsiofse beim Tragen auf fder Haut einen wesei. tliche» Unter- schied zeigen in der Fähigkeit, Mikroorganismen in sich auf- zunehme» und welche Eigenschaften es sind, die diese Fähigkeilen vergrößern oder verkleinern. Tr. Hobein berichtet jetzt über seine Ergebnisse in der Zeitschrist für Hygiene. Das Flanell enthält hier- nach sehr viel mehr Keime als die übrige» Stope infolge seiner rauhen Oberfläche und seiner Ticke. Tie Trikotstoffe enthalten dem- nächst die meiste» Keime: ihre Oberfläche ist ziemlich rauh, die ein- zelnc» Fäden sind locker gesponnen, i» ihrer Ticke kommen sie dem Flanell nahe. Tann folgt in der Zahl der Keime der dünne Wollstoff. Er ist viel dünner als die eben genannten Stoffe, dafür sind seine Fäden a.er besonders lose gesponnen, und seine Oberfläche erscheint rauher, als die der Trikoo.offe. Am wenigsten Keiinftoffe enthält der leinene und baumwollene Hemdenstoff; beide zeigen fest gesponnene Fäden und glatte Oberfläche. Für die Praxis lehren die Bersuche nicht viel Neues, aber sie be- weisen,»ws man bisher als �richtig angenommen hat. Mit Sicherheit hat sich ferner nach anderer Richtung aus de» Beobachtungen ergeben, daß unter gewöhnlichen Bedingungen eine Vermehrung der 5ici»!e durch Wachsthum in der Kleidung nicht stattfindet. Eine außergewöhnliche Vermehrung durch Wachsthum auf der Haut und wohl auch in einem Zeug st off tritt nur dann ei», wenn durch geiniudcrte Vcrdunstuug Haut und Kleidung längere Zeit feucht gehalten wird. Zchuk? orgru Frostbeulen. VcreilS mehrfach Hai der Winter, der gestrenge Herr, fei» Nahen in recht frostiger Weise angekündigt, und unsere Nasen- und Fingerspitzen zeigen uns das Sinken der Temperatur uichr minder schnell und sicher an, wie t ie schlanke» Quecksilbersüiilen vor uusereu Fenstern. Gar Mancher ist sogar in der wenig bencidenswerthe» Lage, noch ein anderes Kennzeichen zu besitzen, welches zuverlässiger als alle Lanbsröschc und— Hühneraugen auf die begtiinende Wintersaison hinweist. Das sind die sogenannten Froslbeuleu au einzeliieu Hautstellcu. Obgleich sie zu den Ersricrunge» leichteren Grabes gezählt werde», verursachen sie doch, wie mancher von unseren Lesern an sich selbst erfahren haben wird, recht unangenehme Beschwerden, die»m so lästiger sind, als sie sich eine Reihe von Jahre» hindurch fast regelmäßig ivieder einzustelleil pflegen. Vorzugsweise neigen die den Einwirkungen der Kälte am meisten ausgesetzten Körpertheile, Nase, Ohren, Hände und Füße zu Erfrierungen. Hier befördern ungünstige, durch die größere Entfernung oom Herzen bedingte Zirkulatiönsverhältnisse das Zllstandekomnicn der Erfrierung, zu- mal wenn auch von außen her, beispielsweise durch enges Schuh- werk, hemmend auf die Zirkulation eingewirkt wird. Zuerst treten eigeuthümlich verfärbte, blaurothe Flecken auf, welche, be- sonders bei Erivörinung der erfrorereu Theile, Sitz eineS sehr leb- haften Breunens uiid Juckens oder selbst schmcrzhaster Empfindungeil sind. Nach und nach bilden sich, wenn nicht bald eingeschritten wird, eine Art knotenartiger Verhärtungen, die Frost- beulen, heraus, welche an den Geleukstelleu und zwischen den Fingern häufig tiefe Risse zeigen oder eine geschwürige Beschaffenheit an- nehmen. Solche Frostbeulen entstehen bei Personen, welche dazu disponiren, zumal bei jugendlichen und bei bleichsüchtigen, blut- armen, schon bei ganz mäßigen Kältegraden. Handelt es sich um eine beginnende Erfrierung, also nm jene oben geschilderte Röthung, so reibe man zur Reguliruyg der stockenden Zirkulation die betreffenden Theile, Nase und Ohren, tüchtig mit Schnee ab oder tauche Hände resp. Füße in heißes, mit Essig(zwei bis drei Eßlöffel) angesänerteS Wasser. Auch Einreibuugen mit Petroleum, Glycerin, Vaseline, Lanolin und ähnlichen fettigen und öligen Stoffen werden als zweckmäßig empsohleu. In ansgesprocheneren Graden wende mau sich an den Arzt. Von besonderer Beden- tung ist es stets, diesen lästigen Zuständen zur rechten Zeit in wirksamer Weise vorzubellgen. Tragen engen Schuhwerks, allzu leichte Bekleidung, häusiges Hantiren mit kaltem Wasser oder sonst reizenden Flüssigkeiten, maugclha.tes Abtrocknen der be-, näßten Haut— alles dies sollte so viel als möglich vermieden werden. Der schwierigste Dahubrtriel' auf der Strecke zwischen Berlin und Potsdam ist jetzt uu streitig in und bei Zehlendorf, und es bedarf der gauzeu Umsicht des Betriebspersonals, um den Verkehr in richtiger Weise zu leiten. Während vor und hinter Zehlendors die Zahl der fahrbaren Geleise mindestens vier beträgt, liegen augenblicklich auf Station Zehlendorf nur zwei Geleise, auf welchen der ganze, umfangreiche Verkehr der Stamm- bahn, wie der Wannseebahn bewältigt werden muß. Denn f. r ge- nannte Station handelt eS sich um eine Verlegiing des ganzen Ver- kehrs nach der rechte» Seite, um auf der linken vollkommen un- gehindert die n othweiidigen Erd- und Unterführungsarbeiten beginnen zn können. Dadurch hat der Bahnübergang zwischen der Haupt- und Teltowerstraße eine Berbreiterung um das Doppelte erfahren müssen,»nd es hat einige Mühe gekostet, bis die beiden weit von einander entfernten Barrieren richtig und gleichmäßig funktionirten, Länger als sonst müssen jetzt die Passanten der sehr verkcbrs- reichen Uebergangsstraße an der heruntergelassenen Barriere warten, aber dies kleine Uebel muß mit in den Kauf genoinmen werden, wenn Gefahren verhütet, verde» sollen. Was den Bahn- betrieb noch bedeutend erschwert, sind die vielen Extrazüge, die während der Dauer des kaiserlichen Hoflagcrs in Potsdam zwischen den beiden Resideuzen zu verkehren pstegen. „Sodonio Ende", das neue Theaterstück von Suder- man», ist vom Polizeipräsidium freigegeben ivorden und wird voraussichtlich nach Vornahme einiger Aeuderungen seitens des Autors im„Lessing-Theater" am 5. November zur Aufführung gelangen. Rrbev eine verhängnistvolle,.Wahrsagung" weiß erne hiesige Korrespondenz Folgen.es zu berichten: Vor einigen Tagen war plötzlich eine junge Dame, ein Fräulein T. aus der Blucherstraß« vcrschivunden. Sie war froh und munter aus der elterlichen Wohnung fortgegaugen und nicht mehr nach Hause zurückgekehrt. Die aufs Höchste besorgten Angehörigen nahmen die Hilfe der Polizei in Anspruch, und diese konnte bald den Eltern bestimmte, wenn auch tiefschmerzliche Kunde über den Verbleib der jungen Dame geben. In die Wohuung einer vielbesragten„Wahr- sageriu" ivar die Polizei mit der Meldung gerufen worden, daß daselbst ein junges Mädchen von einer plötzlichen Ohnmacht befallen worden wäre, aus welcher man es, aller Bemühungen ungeachtet, bisher nicht zu erivecken vermocht hätte, so daß es scheine, als ob die Fremde bereits todt wäre. Leider hatte der Schein diesmal nicht getrügt. Mit den Beamten zugleich war auch ein Arzt in der Behausung der Sibylle erschienen, und dessen Urtheil lautete schon nach kurzer Untersuchung:„Todt, infolge eines Herz- schlage-." Da sich bei der Verstorbenen nichts vorfand, was über ihre Persönlichkeit Aufschluß geben konnte, so nahm sich der Leiche zunächst die Polizei an, bis durch das Nachforschen der Angehörigen es sich ergab, wen man in der Wohnung der Kartenlegerin entseelt ausgefiindcn. Mit dieser ward sogleich ein Verhör angestellt, und auS demselben ergab es sich fast unzweiselhaft, daß das nn- glückliche Mädchen ein Opfer der Spannung ans das zu Hörende und der Erregung über das Gehörte geivorden ivar. Die„weise Iran" leuffkiete nicht, daß die Katastrophe in dem Momente ein- getreten sei, als sie die Befragende über die wenig verheißungsvolle Lage des„Koeur-Künig" aufgeklärt und ihr gesagt have, daß der Mann ihres Herzens nichts von ihr iviffen wolle. Als man der Wahrsagerin daraus vorhielt, welches Unglück höchst ivahrscheinlich diese Erklärung angerichtet, meinte sie ganz naiv, das: sie doch keine Schuld daran trage, iveliu die Karten nun doch einmal so gelegen hätten; sie habe ja mir verkündet, was in ihnen stehe, sie gehöre eben nicht zu jenen Frauen, welche den Leuten für ihre Mark zu Munde redeten. Die Staatsanwalt. schuft hat gegen die Wahrsagerin das Strafverfahren eingeleitet. Devcp eine»»'chmerrn Unglücksfall in Reinickendorf, wobei leider ein blühendes junges Menschenleben vernichtet wurde, geht uns folgender Bericht zu. Drei Knabe» auS Reinickendorf und zwar zwei Söhne des Zimmer», eisters B. und ein Sohn deS Maurers R. hatten sich nach den sogenannten Granateubergen, den an der Grenze Berlins imd des obigen Borortes l-elegeueii Sandhügelu begeben, um für die Eltern weißen Saud zu holen. Die Kinder hatten sich nach einer etwa 1 m. tiefen Gnibc begeben, welche derartig ausgeschachtet war, daß der obere Rand über der Erdivand an» Boden etwa 2 m hervorragte. Während nun die drei Kinder- emsig gruben, stürzte plötzlich ein großer Theil dcr Einwand ein»nd verschüttete den älteren zivölfjähriaeu Herrmann B. und den kleinen achtjährige» R. völliq, während der jüngere 10 Jahre alte Karl B. noch mit dem Kopf aus der Erd- viertelstündlicher Arbeit, tS�abeiTm��M�nRchm Lage z» befreien, doch waren alle drei Verschütteten bereits ohne Be- zr.rnckznrn.cn, wahrend bei dem Zwölfjährigen Herrmann B. nur Erch.liingstoi) ko»stat>rt werdcil konnte. Auch Mar R. ist so schivcr verletzt, inj! es fraglich ist, ob derselbe am Leben wird erhalten werdcil können. blldgrenze von Spandau, hinter der Train-Kaserne belegenen Schanklokal mehrere Personen von dem Van der Charlotten- burger Rieselfelder bei Gatow aus. Darunter befand sich auch ein gewisser Pohlmann, welcher, wie die anderen, den verdienten Wochenlohn bei sich führte. Alle sprachen fleißig dem Branntwein Z", und als Pohlmann sich auf den Heimweg machte, war er etwas angetrunken. Nachdem er die Wirthschaft verlassen hatte, ent- sernten sich auch zwei andere Gäste. In der Nacht darauf wurde Pohlmann, bewußtlos in einer Blutlache liegend, an- getroffen. Er wurde nach dem Krankenhause geschafft, wo er heute noch ist, ohne die Besinnung wieder erlangt zu haben. Die inzwischen angestellten Stachforschungen' haben zu folgendem Er- gebniß geführt: Die beiden Personen, welche gleich nach Pohl- mann das Schanklokal verließen, haben sich auf der Potsdamer Chaussee wieder zu ihm gesellt. Plötzlich sind sie über ihn hergefallen und haben ihn zu Boden geschlagen. Nachdem sie ihn so lange mit Messern bearbeitet, daß sie annehmen konnten, er sei todt, schleppten sie ihn auf daS Feld und durchsuchten zunächst die Taschen, wobei sie den Wochenlohn erbeutete». Dann zogen sie ihm Stiefel und Strümpfe aus, welche sie sich gleichfalls aneigneten. Als sie sahen, daß ihr Opfer sich noch rührte, traten sie mit den Stiefelabsätzen auf seinen Kopf herum; das Gesicht des Beraubten ist infoge dessen förmlich breitgedrllckt. Einer der Thäter, ein vielfach bestrafter Mensch, konnte verhaftet werden, der andere hat sich aus dem Staube gemacht. Ein anderer schwerer Raub- anfall ist vor einigen Tagen auf der von Spandan nach Staaken führenden Chaussee vorgekommen. Der 72 Jahre alte Arbeiter Döring, der im königlichen Proviantamt beschäftigt ist, wurde Abends auf dem Heimweg von einem Unbekannten nieder- geschlagen, in den Chausseegraben geschleppt und dort beraubt; der Wegelagerer nahm ihm seine Schnupftabaksdose, sein Messer und seine Baarschaft, die aus einer Mark bestand. Döring wurde später aufgefunden und nach Hause geschafft, wo er sich mittler- weise wieder erholt hat. poliseibericht. Am 29. v. M. fiel der Dachdecker Ankersen vom Dach des vierstöckigen Hauses Melanchthonstr. 16 auf den Sof hinab und erlitt eine Quetschung der Brust, Verletzungen im esicht und an den Händen, sowie innere Verletzungen. Er wurde nach dem Krankenhause in Moabit gebracht.— Am 30. v. M. Mittags wurde ein vierjähriger Knabe vor dem Hause Linien- straße 27 von einer Kutsche überfahren und erlitt so schwere Quetschungen an den Beinen, daß er nach dem Jüdischen Kränken- hause gebracht werden mußte.— Abends gerieth ein achtjähriger Knabe vor dem Hause Hollmannstr. 23 unter die Räder einer Droschke und erlitt einen Bruch des Unterschenkels.— Im Lause des Tages fanden vier kleinere Brände statt. Daß den grWohnheitsmäßige» Verbrecher» auch die größte Freundschaft nicht heilig, zeigt folgender Fall, welcher gestern vor der I. Strafkammer gegen den Fischer Albert Kellermann vcrhandelt wurde. Der Angeklagte verbüßte in Plötzensee zusammen mit dem Tischler Gilbert eine Gefängniß- strafe und das tägliche Beisammensein unter gleichen Zwangs- Verhältnissen hatte eine intime Freundschaft zwischen Beiden be- gründet. Kellermann war der erste, welcher wieder in die Frei- heit zurückkehrte und bei seinem Scheiden aus der Strafanstalt hatte er seinem Freunde Gillert versprochen, denselben feierlichst aus Plötzensee abzuholen, wenn erst auch ihm die Stunde der Freiheit geschlagen haben würde. Er hielt auch sein Wort, schwindelte aber gleich bei der Feier des Wiedersehens dem Freunde die Hälfte des Ueberverdienstes ab, welchen derselbe aus der Strafanstalt mitbekommen hatte. Er schwindelte demselben dabei vor, daß er der Sohn eines Gutsbesitzers und das Geld bei ihm ganz sicher sei; er bewog ihn auch, seinen Koffer mit Kleidungsstücken und sonstigen Habseligkeiten bei ihm auf- zubewahren, bis er Stellung und Wohnung gefunden haben würde. Der vertrauensselige Gillert ist aber schnöde hintergangen worden. Das Geld hat er nicht zurückbekommen und den Koffer hat der Angeklagte erbrochen und den gcsammten Inhalt verkauft oder versetzt.— Der Gerichtshof hielt für diesen Vertrauens- bruch eine dreijährige Zuchthausstrafe für angemessen. Diebstahl oder Wißbegierde? Das war die Frage, welche gestern der Beruiüngskammer des hiesigen Landgerichts I vorlag. Ein in der Oranienstraße 62 an einem dortigen Laden angebrachter Chokoladenautomat wurde mit Hilfe von Bleistücken, die in die Geldöffnung gesteckt wurden, so häufig bestohlcn, daß das GeschästSperfonal ein wachsames Auge auf den Automaten hätte. Eines Tages hörte eine Verkäuferin ein verdächtiges Gc- rausch und bemerkte, wie von der Straße aus ein Arm nach dem Chokoladenspender hinüberlangte. Sie eilte zum Laden hinaus und sah einen schnell sich entfernenden Mann, welcher sich mehr- fach scheu umsah. Derselbe achtete aber nicht auf das Winken des Mädchens, nahm vielmehr, als er sich verfolgt sah, ein noch schnelleres Tempo an und in dem Augenblick, wo er an der Ecke der Kommandantenstraße gestellt wurde, warf er eine Anzahl runder Vleistücke von sich. Der Mann wurde von einem Schutz- mann als der Schlossermeister Hermann Schubert festgestellt und hatte demnächst unter der Anklage des Diebstahls vor dem Schöffengericht zu erscheinen. Er stellte sich dem letzteren als Fabrikant meck>anischer Automaten vor, der selbst eine große Reihe von Geschäften mit derartigen Apparaten ver- sorge und bestritt ganz entschieden jede diebische Ab- ficht. Er habe, wie er behauptete, in letzter Zeit von den Inhabern seiner Apparate soviel runde Bleistücke in An- rechnung erhalten, daß er ein dringendes Interesse daran gehabt habe, zu probiren, ob auch andere Apparate auf solche Bleistückc reagiren. Nur um seine diesbezügliche Wißbegierde habe er dem betreffenden Automaten durch Hineinwerfen des Bleistückes in Bewegung gesetzt. Das Schösseugericht fand diese Erklärung so wenig glaubhaft, daß es den Angeklagten wegen Diebstahls zu einer Woche Gefängniß verurtheilte, indem es annahm, daß der Angeklagte danach gestrebt habe, die Verluste an den eigenen Automaten auf die von ihm beliebte Weife wieder ein- zubringen.— In der gestrigen Verhandlung vor der BerufungS- kammer versicherte der Angeklagte, daß er nur ein Opfer seiner Kopflosigkeit geworden, welche in dem Augenblick begonnen habe, wo er sich verfolgt sah. Die 5. Strafkammer hielt das ganze Verfahren des Angeklagten zwar für außerordentlich bedenklich, da derselbe aber völlig unbescholten und in der That selbst Fabn- kaut solcher Automaten ist, so ließ der Gerichtshof doch die Mög- lichkeit offen, daß die Erklärung des Angeklagten auf Wahrheit beruht und erkannte deshalb auf Freisprechung. � Eine in psychologischer Hinsicht interessante Verhandlung fand gestern vor der ersten Strafkammer des Landgerichts l. statt. Im Dezember vorigen Jahres trieben P a l e t o t m a r d e r in den hiesigen Kaffee's und Restaurants in außerordentlich um- sangreicher Weise ihr Unwesen, innerhalb kurzer Zeit gelangten nicht weniger als 15 solcher Diebstähle zur Anzeige. Am Neu- jahrs-Abend gelang es, zwei der Diebe im Kaffee Bauer aus der That zu ertappen. Die Thäter waren junge Leute, der 2-ljährige Buchhalter Rauprich und der 20jährige Handlungc- kommis Pius Krusche. Beide waren in einem hiesigen an- gesehenen Handlungshause angestellt, bezogen auskömmliches Gc- halt und hatten bisher keinerlei Grund zur Klage gegeben. Raup- rich gestand sofort ein, in siebenzehn Fällen gestohlen zu haben, er führte die Kriminalbeamten nach dem Boden des Hauses,>n nelchem er und Krusche bedicnstet waren und zeigte 'hnen eine vernagelte Kiste, in welcher sich alle gestohlenen Gegen- stände befinden sollten und thatsächlich auch befanden. Sämmt- iiche gestohlene Ueberzieher kamen zunl Vorschein und außerdem noch Regenschirme, Stöcke und andere Gegenstände, welche ent- wendet ivorden waren. Ueber den Beweggrund ihres gemein- gefährlichen Treibens befragt, gaben die Thäter sonderbare Ant- worten. Rauprich gab an, er habe die Diebstähle mit großer Dreistigkeit und sozusagen vor den Augen der Bestohlenen aus- geführt, um verhaltet zu werden, er habe Feinds, die ihm nach dein Leben trachteten und halte er sich daher nur unter dem ilil mittelbaren Schutz der Polizei für gesichert. Eine Nutersuchung auf seinen Geisteszustand hat denn auch ergeben, daß er an Ver solgungswahn leidet, daö Verfahren hat gegen ihn eingestellt werden müssen. Es hatte sich herausgestellt, daß noch ein dritter junger Mann, der Handlungskommis Neu- mann, bei zwei Diebstählen betheiligt gewesen war, dieser hatte neben Krusche im Monat Mai auf der Anklagebank Platz zu nehmen. Krusche gab im damaligen Termine ebenfalls höchst sonderbare Antworten. Was ihn zu den Dieb- stählen bewogen, wußte er nicht anzugeben, selbst gebrauchen wölkte er die gestohlenen Sachen nicht und ebensowenig habe er daran gedacht, dieselben zu verkaufen. Rauprich habe ihn ver- führt und eine unwiderstehliche innere Macht habe ihn dazu gebracht, die Diebstähle auszuführen. Ter Gerichtshof beschloß, auch den Angeklagten auf seinen Geisteszustand untersuchen zu lassen. DieS ist während einer Reihe von Monaten in der Charitee geschehen. Im gestrigen Termine begutachtete der Ober- arzt Dr. Boedeker, daß Krusche zweifellos nicht bei gesunden Sinnen gewesen, als er die, jeden Beweggrundes entbehrenden Diebstähle beging. 5irusche habe ganz unter dem Einflüsse des in hohen: Grade an Versolgungswol'n leidenden Rauprich ge- standen, der unausgesetzte Verkehr mit dem Letzteren habe zuletzt auch in ihm Wahnvorstellungen erzeugt und ihn dazu getrieben, dessen Handlungen nachzuahmen.— Der Angeklagte Neumann erklärte, daß er zufällig am Neujahrstage niit Krusche und Rauprich zusammengetroffen sei und den Letzteren erst an diesem Tage kennen gelernt habe. Sie hätten zusammen ein Lokal besucht, wo Rauprich sich schon höchst auffällig benommen habe-. Derselbe habe sich eine in einem' unverschlossenen Schrank hängende Boa, die der Kellnerin gehörte, unter den Rock geknöpft und sie trotz seines Vorhaltens,' er möge dergleichen Scherze unterlassen, davon gegangen. Auf der Straße hätten sie ihn wieder ge- troffen und nun habe Rauprich sonderbare Reden geführt, woraus er, Neumann, habe schließen müssen, daß es sich doch um ernste Diebstähle handele. Im Cafe Bauer habe Rauprich denn auch einen Dieb- stahl begangen, wobei er ertappt wurde und alle drei seien zur Wache gebracht worden. Der Staaatsanwalt beantragte die Freisprechung beider An- geklagten, gegen Krusche auf Grund des ärztlichen Gutachtens, gegen Neumann, weil seine Theilnahme nicht erwiesen sei. Der Gerichtshof erkannte nach diesem Antrage. Zur Vorsicht bei dem Einkauf und Genutz a» Dfeffer- gnrken mahnt eine Verhandlung, welche gestern die dritte vtraf- kammer des Landgerichts I beschädigte. Die Grünkramhändler Schröder' scheu Eheleute waren des Vergehens gegen das Nahrungsmittel-Gesetz beschuldigt. Sie hatten Pfeffergurken ver- kauft, welche der Gerichtschemiker Dr. Bischofs als mit giftiger "arbe gefärbt erkannte. Tie Angeklagten gaben an, daß sie die iurken aus zweiter Hand bezogen hätten, eine.Engroshändlerin Zickert habe sie ihnen geliefert. Die Letztere beziehe wiederum ihre Waare von dem Fabrikanten Carl Belasch aus Lübbenau. Dr. Bischoff erklärte, daß es eine schwer aus- rottbare Unsitte der Lübbenauer Fabrikanten sei, den Gurken durch essigsaures Kupferoxyd eine lebhast grüne Farbe zu ver- leihen. Zu diesem Zwecke werde Essig in ei em kupfernen Kessel gekocht und der kupferhnltige Essig über die Gurken gegossen. Die Untersuchung habe ergeben, daß jede Gurke etwa ein Centigramm Grünspahn enthalten habe. Ter medizinische Sachverstandige, Sanitätsrath Dr. Mittenzweig, begutachtete, daß der Genuß dieser Gurken Gesundheitsstörungen hervorrufen könnte. Da die An- geklagten behaupteten, daß sie bei Frau Zickert extra gsstfreie Gurken bestellt hätten, so beschloß der Gerichtshof, zum nächsten Termine die Lieferantin, sowie den Fabrikanten Carl Belasch aus Lübbenau zu laden. Gin Spezialist auf dem Gebiete des Betruges ist der Arbeiter" August Brandenburg, ein vielfach vorbestrastcr Mensch, welcher sich zu einen: wirklichen Prestidizitateur herausgebildet hat und eine unglaubliche Finger>ertigkeit bei Ausübung seiner kleinen Scherze offenbart. Er pflegt in Zigarren laden, Schank- wirthschasien ec. zu erscheinen und zordert für einen oder mehrere Groschen Maaren, worauf er ein Dreimarkstück auf den Laden- tisch legt. Zählt ihm dann der Verkäufer das überschießende Geld auf den Ladentisch, so passirt es fast regelmäßig, daß Branden- bürg sofort darauf ausinerksau: macht, daß ein Jrrthum vorliege, indem zweifellos statt eines 50 Pfennigstücks ein Zehnpfennigstuck mit untergelaufen sei. Die Verkäufer wissen zwar fast immer ganz genau, daß sie sich nicht vergriffen hatten, Angesichts der Unschuldsmiene des Käufers halten sie dann aber doch einen Jrrthum nicht für ausgeschlossen und zahlen die angeblich noch sehlenden 40 Pf. nach. Brandenburg arbeitet schon fast ein Jahrzehnt auf diesen: Felde und kehrt immer wieder dazu zurück, so- bald er seine Strafen abgebüßt. Auch gestern stand er wieder wegen zwei solcher Fälle vor der ersten Strafkammer des Land- gerrchts I und wurde aufs Neue zu zwei Jahren Zucht- Haus und 300 Mk. Geldbuße, evcnt. noch 30 Tage Zuchthaus verurthcilt. Gins die weitesten Hveise iutercssirende Entj'cheidnng fällte am 30. d. M. das hiesige Schöffengericht in einer Sache "—73. Bei Sommer bei welchem die Oessentlichkeit ausgeschlossen war. Der Schankwirth Emil Böhl, Frankfurter Allee 74, hatte von den bei ihm verkehrenden Malern mehrere Billcts zun: Der- kauf an Freunde und Bekannte erhalten. Die Nachfrage nach diesen Billets war an den Tagen vor den: Feste keine besonders starke; nur an dem Festabend, einem Sonnabend, war die Nach- frage lebhafter, und da das Geschäft an diesen: Tage besonders stark war, so war es unmöglich zu kontroliren, von welcher Seite Billets verlangt wurden. Es hatte unter Anderen sich eine Dame ein Billet gekauft, welche nicht Eiligeres zu thun halte, als den erfolgten Kauf der Polizei zu denunziren, welche nunmehr gegen den Restanrateur Rosctze ein Strafmandat in Höhe von 6 Mark erließ, weil in- folge des Billctverkaufs der Ausschluß der Oessentlichkeit nicht ge- wahrt wurde. Wohlgcmcrkt also: der Schankwirth Böhl verkauft die von den Malern erhaltenen Billets und zufällig an eine fremde Person und der Schankwirth Rosche, in desjei: Lokal das Vergnügen stattfand, erhält die Strafe, weil er nach Ausspruch des Richters sich darum belümmern muß, wer daS Vergnügen bei ihm mitmacht, bczw. au: welche Art der Billctvcrtrieb geschieht. Selbstverständlich will sich der Restanrateur Rosche bei dieser Entscheidung nicht beruhigen, sondern Berufung einlegen. Wir werden seinerzeit über den weiteren Verlauf der Sache berichten. Die höchst loyale Haltung der hiesigen Gastwirth- er. Vereine verhinderr nicht, daß auf ihre Mitglieoer bei jeder Gelegenheit die ganze Schärfe der gesetzlichen Vorschriften und Polizei- Verordnungen angewandt wird. Soziale MevovstTzt. � An die Ulanrrr dcu Drsvinz Srandenbnrg! Kollege», wie Ihr wißt, hat der sozialdcmokratiscbe Parteitag, welcher vom 12.— 18. Oktober d. I. in Halle a. S. stattgefunden bat, eine Resolution angenonimen, nach welcher jeden:'Arbeiter und Partei- genossen dringend empföhle» wird, sich seiner Gewerlschafts- organisation anzuschließen. Nach dieser Parole muß es nun unsere Aufgabe sein, energischer den» je die Agitation»nser den indifferenten Kollegen zu betreiben, um sie der Organisation zu- zuführen. Wir erbieten uns deshalb, thatkräftig mit helfen zu wollen, da. wo es an rednerischen Kräften ruaugett. Alle Zuschriften richte man deshalb an meine Adresse. mit allcS planmäßig ansgeführt werden kann, bitte ich,»10 sich un: Besorgung eines Referenten handelt, mich davon v») zeilig benachrichtigen zu wollen. Alles was in unseren K»!■ steht. Euch in jeder Weise zu unterstützen, daS soll geschehen. Mit sozialdemolratischen: Gruß Carl Weiße, Berlin N., Tegelerstraße Devsttttttnlunqetr. Ein, Vonsnininlnng den fnzinldrmoiinniifchi» Vereins des 6. Kerliner Reichstags- Wahlkreises ns am Donnerstag in Lehmann's Lokal, Schwedterstraße.� AA Tagesordnung stand: Vortrag des Herrn Wilh. Schweitzer»' „Christenthum und Sozialismus", Diskussisn, Verschiedenes. Fragekastei:. Redner kennzeichnet die Religion als den Auel der jeweiligen ökonomischen Verhältnisse und beleuchtete dann, Entstehung des Christenthums und weist feine Kulturfemblw) nach. Hierbei erinnerte er an hervorragende Männer, welche Bann des Christenthums durch die Wissenschaft sprengten, Copernicus, Galliläi, Giordano Bruno. Redner befürworte Einführung des Darwinismus in den Schecken. Doch d:c heu� morsche Gesellschaft fürchtet eben diese Lehrmittel, weil Damoklesschwert der Wissenschaft Altäre und Throne zerttüninn' wird. Wir wollen uns um das Banner der Wissenschaft scha» und kämpfen für Wahrheit, Freiheit und Gerechtigkeit, d?« eine andere Freiheit, als die der mit Blut getränkten Freiheltsw Ä Darum wollen wir agitiren für wahre Freiheit, für wahre rechtigkeit. Dann wird aller Aberglauben zu Schanden wer In der Diskussioir sprachen ein Rektor Schuhmacher uno Missions-Supermtendent Merenzky. Jene Herren wünschten alles Gute. Doch sollten wir n:cht vergessen, daß wir Troi Leben brauchten und hier könne man sich in Gottes Allmacht e lichen Trost verschaffen. Herr Schweitzer widerlegte jene Y«, in tröstender Weise, wonach einer von Ihnen der Versawm � den guten Rath ertheilte, so wie Herr Schweitzer zu lernen. � hätte derselbe sich an: Tage diese Kenntnisse erwerben sondern die Nacht müßte er dazu verwandt haben. Es i» dann folgende Resolution angenommen:_ o „Die heutige Versammlung erklärt sich mit den fiihrungen des Referenten einverstanden und beschul?- Zukunft in demselben Sinne aufklärend zu wirken.„ Der Boykott über die Adler-Brauerei, welcher in der vergans � Versammlung beschlossen wurde, wurde hochgehalten, o» Oekonom von„Weimann's Volksgarten":n unwürdrger � seinen Saal verweigert mit dem Bemerken:„Es sei ihm S ob Vereine bei ihm verkehren oder nicht." Eine Generalversammlnug de» Allgemeinen arbeiter- Vereins fand am Sonntag, den 26. Oktober, u,, mittags lO'/s Uhr, in der Norddeutschen Brauerei mit smfl � Tagesordnung statt: 1. Kassenbericht und Bericht der R#M 2. Bericht vom Arbeitsnachweis. 3. Bericht der Komwm j, und Neuwahl derselben. 4. Bericht der Statuten-Beraw., kommission. 5. Antrag des Vorstandes auf Herausgabe druckten Rechenschaftsberichts. 6. Verschiedenes. Da be: Li nung der Versammlung der erste Kassirer noch nicht ani. war, erstattete Kollege Gerisch den Bericht von: Arbcitsnaä!. Er schickte zunächst voraus, daß infolge der unguis Zeitverhältnisse. Leben trat, und unter Resultat vielleicht nicht wohl erwarten mögen, doch sei es immerhin noch ein M'Ap» stellendes und verspricht für die Zukunft sich noch mehr zu Arbeitsuchende haben sich während dieses ersten Halbjahrs, tz 1500 einschreiben lassen; davon gehörten dem A. 1009 Kollegen, 133 gehörten hiesigen Vereinen, 107 waren W und gehörten auswärtigen Vereine» an, 251 waren unOftbJjsjP Verlangt wurden während dieser Zeit 584 Personen gleich 63 pCt. der Stellen konnten des unter denen der Arbeitsnachwels � dem Druck des 1. M-. so günstiges sei, als viele doch sei es immerhin noch ein zuss„.� «gj oo uti vöiuuvh konnten besetzt werden. � eingerichteten und längere Zeit bestehenden Arbeitsnachwey Durchschnittsmaß 66 pCt. beträgt, so hat unser ArbeUsiw das Dnrchschnittsmaß erreicht. Nicht mit einbegriffen'f Zahlen sind diejenigen, welche indirekt mit Hilfe von Kolleg � durch persönliche Bemühungen untergebracht sind, deren � falls eine beträchtliche ist und noch größer sein könnte, we/ Kollegen es sich noch mehr angelegen sein ließen, I J sie vermögen, offene Stellen in den größeren Fabriken e: 4 beitsnachweis mitzutheilen. Trotzdem die Fabrikanten � eigenen Arbeitsnachweis haben, so läßt sich doch schon p daß sie dadurch keinen Einfluß auf die Arbeiterbewegung� üben können, jedoch würde man demselben»och viel w> u!k begegnen können, wenn dem einen einzigen Arbeitsnachw. Fabrikanten ein einziger Arbeitsnachweis der MetaU. ff gegenüber stände. Aber gerade in dieser Hinsicht tritt» p splitterung unter den Metallarbeitern" so recht J11�' vielleicht werde aber in nächster Zeit gerade hierin geschaffen werden. Ferner bezeichnet Redner es als sein W« Streben, den Arbeitsnachweis zu einem Zenttalbureau de»«- zu macheu, welches auch auf dem Ktongreß zu W dringendes Bedürsniß anerkannt sei. In der darauf 1 ausgedehnten Diskussion erklärten sich fast sämmckich* mit der jetzigen Form und Verwaltung des Arbeits»« völlig einverstanden und wurde eine Resolution»»Spitts welche sich mit der bisherigen Thätigkeit des Arbeits« znsrieden erklärt. Ferner wurden den: Kollegen lLerisct? lich zweimal 2'/, Stunden, während der vorgescv � Arbeitszeit zur Ausübung eines ihm übertragenen. � Amtes zur Verfügung gestellt. Kollege Gerisch erbot Zcitaussall durch tägliches Früheröffnei: und SpätersäR. Bureaus auszugleictzcn. Hierauf erstattete Kollege*.• Kassenbericht für die Monate Juli, August und Septenw Gesammteinnahme pro Quartal.. 2244,56 Ausgabe.......... 2072,80 Mithin bleibt Bestand am I.Oktober 171,76 Unter den Ausgaben befindet sich ein Posten vo» für die Gemaßregelte:: des 1. Mai und ein solcher von..r an die Redaktion des„Echo" für die Hamburger.(�iFi 5 Hamburger Listen eingekommene.Geld ist an s>, trauensmann der Metallarbeiter gesandt worden.) Aus�J der Revisoren crlhcilt die Versammlung dem Kassirer Sodann erstattet Kollege Hetz den Ber:cht der Fach' j deren Thätigkeit sich hauptsächlich auf die Ausarbc' � f Statistik konzcntrirte, welche in nächster Zeit herauZgsö Z den kann. Ferner beschäftigte sich die Kommission»:>: deckung der Mißstände in den größeren Fabriken auch einige Streikaugclcgeuheitcu ihre Intervention Ueber die Bibliothek-Kommission erstattet Kollege v Abwesenheit des Obmanns den Bericht. Aus dewss 7s»> hervor, daß der Obmann Bauer die Interessen des Vett'■' geschädigt hat. Von trage von 45,50 M, Händer und. ist_ anzunehmen, den eingelaufenen Strafgelder» � befinden sich noch 32,75 Nä ßck. mehmerr. hnfi pr htpfß f fordernng sich nicht gemeldet hat.' In letzter Stunde Kollegen Klein mitgetheilt, daß er eines Fußleidens f hindert sei, welches jedoch nicht auf Wahrheit beruh« fehlen 4 Bücher gänzlich und 10 sind seit langer Zeck*..<' und wohl kaum mehr zu erlange». Mehrere Kollege» Entrüstung über die Handlungsweise des Bauer stellte Kollege Micthe den Antrag, diesen Fall der% .Kommission zu übertragen, welche event. strafte«' ck folaimg zu veranlasse» hat. Kollege Bauer, ein*#»%, treffenden, bestätigte, daß derselbe keineswegs#«0 spricht fern tiefes Bedauern über dieses Borkow" und Bittet die Versammlung von einer strafrechtlichen Verfolgung seines Bruders Abstand zu nehmen, da er resp. die Familie -»euer, welche mit dem p. Bauer ebenfalls auf gespanntem Fuße lebt, sich verpflichten würde, nöthigensalls die Forderung zu be- gleichen. _ Es wird dem Kollegen Bauer Berücksichtigung seines Wunsches zugesagt. Kollege Klein giebt hierauf den Bericht der ulechtsschutz-Kommission, welche int verflossenen Jahre 40 Klagen erledigt hat, von denen 34 zu unfern Gunsten ausgefallen sind. Ferner mußte eine ziemlich große Anzahl Fälle zurückgewiesen werden, weil ste von vornherein aussichtslos waren, so daß die �echtsschutz-Kommission eine ziemlich große Arbeit zu überwältigen jitmmy yiuijc-itutn zu uVcv.vu.i.av.. B.Ä�niß entstanden sind, ebenfalls Rechtsschutz zu gewähren, . lulirt und bis zur nächsten außerordentlichen Generalver- �»»inliing verschoben. Nachdem der Vorsitzende den ausscheidenden �.�wasstonenntgliedern seinen Tank ausgesprochen hatte, wurde Zur Neuwahl derselben geschritten. In die Fachkommission wsirden gewählt die Kollegen: Berlin, Bethke, Gebert, Lorenz, Aialinoively, Neumann, Papendick, F. Reinthal, Roscnlhal, ftaehr, Echäwe. Thierbach, Vogelgesang, Werth. In die Bibliothek- lommission: Beyer, Friedrich, Herrmann, Hobein, Knecht, �chnndt, B«tz, Wegener, Werte; in die Rechtsschutz-Kommission: Gutheit, Nuolaus und G. Rcinthal. Der 4. Punkt: Bericht der Statuten- berathungs-Kommission, wurde zur außerordentlichen General- velsainmluug verschoben. Der Antrag des Vorstandes a»f Heraus- gäbe eines gedruckten Rechenschaftsberichts in Flugblattform, welcher zur Agitation dienen und die Leistungen des Vereins, welche von mancher Seite stets herabgesetzt und bestritten werden, w rechte Beleuchtung bringen soll, wurde angenommen. Unter ..Verschiedenes" fragte Kollege Micthe den 1. Vorsitzenden, wen er damit gemeint habe, als er in der vorige» General- bersaininlung bei Berichterstattung vom Siemens'schen Streik, in Na,..». c-»•...-■--| % 1........ V"wnujici-iiiuiuiiy üvui«cicmcns?(ujeu vsiicu, in auf seine(Redners) Kritisirungen gesagt habe: es hätte» leine paar hundert Mark"""' ge ehlt, wie anderswo. Kollege Hart- s'wcht kann sich dieser Aeußerung nicht entsinnen, sollte er sie ,,«!?» gebraucht haben, so habe er nur im Allgemeinen gesprochen "? keinen speziellen Fall gemeint. Kollege Gcrisch machte sodann ns das am 15. November stattfindende erste Stiftungsfest auf- m l am, auf dem unser verehrter Freund, Kollege Segitz aus "rnberg, die Festrede hält, das somit zu einem genußreichen �werden verspricht. Hierauf erfolgte dann Schluß der Ver- t.n. öffentliche Uerfammlung der Lackirer Kerlins am 27. Oktober in Teigmüller's Salon mit folgender Tages- "aung; i. Rechenschaftsbericht der Agitationskommission. 2. Ab- chnung vom 1. Mai. 8. Diskussion. 4. Verschiedenes. Ins «««0» wurden gewühlt die Kollegen C. Müller, F. Müller und «ttckel. Zum 1. Punkt nahm Kollege Rautheuhaus das Wort. i anderem legte er klar, daß die Kommission jetzt nicht mehr o" blande wäre, noch weiter zu agitiren; da seiner Zeit eine emmission von 3 Mitgliedern gewählt wurde und jetzt nur noch er davon in Thätigkeit find, die anderen Mitglieder sind zurück- §ii-r' b>aher wäre es nicht mehr möglich, noch weiter in dieser d�etze zu agitiren. Er führte weiter an, daß es nur an der Uneinigkeit er Kollegen liegt, um etwas Gutes zu erreichen. Er richtete einen .�.fweu Apell an die Versammlung, daß sich die Kollegen doch alle .Achließen mögen an den Verein der Filiale IV der Vereinigung er deutschen Maler, Lackirer und Anstreicher, da doch in diesem herein schon viel Gutes geschaffen worden ist. Redner fährte ,/ller an, daß der Verein schon seit seinem kurzen Bestehe» Mark Unterstützung an Ausgesperrte und Gemaßregelte »Wen hätte. Er meinte, der alte Fachverein der Laclirer könnte arm nichts Positives schaffen, er wäre seiner Ansicht nach nur fwch ein Vergnügungsverein. Daher empfahl er nochmals den Wem der Filiale IV. Die Kollegen Warnte und E. Müller sprachen sich in demselben Sinne aus. Zum zweiten Punkt theilte Kollege Arndt die Abrechnung vom 1. Mai mit. Es waren auf Sammellisten eingekommen 84,80 Mark. Davon find an Unter- «wung für Gemaßregelte 73,30 Mark verausgabt. Kollege v-, Müller stellte den Antrag, daß zur Abrechnung noch Revisoren sollten gewählt werden, welche zur ch>chsten öffentlichen Versammlung den Bericht abgeben sollten. Antrag wurde einstimmig angenommen. Es wurden dazu rswahlt die Kollegen Ullrich und Kolastnsky. Kollege Waricke bellte den Antrag, einen Vertrauensmann zu wählen, welcher mmmtliche öffentliche Angelegenheiten der Lackirer zu erledigen We; dieser Antrag wurde abgelehnt, es entspann sich darüber «me lebhafte Debatte. Zum Schluß führte Kollege Rauthcnhaus ."ch an, daß sich verschiedene zielbewußte Kollegen schon ent- ms"■' da doch die Versammlung gleich aus wäre. Da nichts �'chtiges weiter vorlag, schloß der Vorsitzende die Versammlung »m Ii 1/3 Uhr. Lelirltursn« der Kerliuer Arbeiter n«id Arbei- '-''""u juv ersten Hilfe bei Unglnckvfällen(männliche Abti>. s l'"' erste» Hilfe de S tnl m� ta9te am Montag, dl Alte Jakobstraße Nr. 75. .... �„. den 27. Oktober, in Feuerstein's Qv. Bttin7pf„ v �r,a�• 75- öum ersten Punkt legte Herr «? Schulern Fragen vor über den in der leyten �chrere Vortrag:„Der Kreislauf des Blutes". Hirzen hns mr!i �sgten an den lebensgroßen Figuren, wie vom Zurück«nn'i'nen Lauf in den Körper, dann in das Herz dort rn die Lungen nimmt. Hierdurch wird Ver- - �--r'iJL l'X' Innung der Gewebe" Wärme und Lebensthätigkeit� erzeiigt. Ab« 1,0#« p vf 1 trh+n** TY� //«ywyivj»..........---- "d in der L Ä f. aü* Theilnehmer, recht bei der Sache zu bleiben ktzuuen J Versammlung sämmtliche Fragen beantworten anweseiwm. �".praktischen Uebung zeigte Herr Dr. Bernstein iL".?a>len,>vie nian die erste Hilse zu leisten im '' Während Herr Dr. Guthmann mit den Schülern Stande lÄK re Verbände übte. In Vereinsangelegenheiten theilte Pp'Üthlich-- daß am Sonntag, den 14. Dezember er., ein p'dtzinifc!!.(Damen und Herren), verbunden mit iff- s wiffenschaitlichem Vortrag stattfindet in demselben wäblt iut Wahl eines Schriftführers wurde Herr Adolph ge- Fraa.» T�dem der leitende Arzt noch einige an ihn gerichtete n'r Versa,,,a,�°rtkt hatte, schloß der Vorsitzende um HVs Uhr !■ 19 oin in mS nnt dem Bemerken, daß die nächste Versamm- und._•'iovember er. stattfindet, wozu Gäste willkommen "'d Seeut«�"w" dev OIng., Maffer-Heizunaorohr leger u'�aßiae t f �ieIt am iwonntag, de» 26. Oktober, seine , ingcäovh, Ö€Vuerfnn,nlfttl,a 1,1 Feuerstein's Salon ab. *"»».,.,.3 p[ist war folgende: 1. Anträge zur General- ° r�agesordL,, Verschiedenes und Fragekasten. Vor Eintritt in Äe» und L 3 wurde das Protokoll der letzten Versammlung ..........-......««-Uhinimn dp« «MKASWMS MMZ« An., well mmmm ""��"»utenberachungS-Komnnii.J-■*—- r „ Iffchen gcsammte Statut einer Durchberathung | 2 Vuiikt der - im-.-,.».... mlf hje am g Rovbr !l«ßd�e'''o?de fl"°?dieMitgUedc'r auf Re' amS.Novbr. ai,f die Si» r Generalversammlung aufmerksam und Versanmilung um 2 Uhr Nachmittags. Die Freie Dereinigung der Maurer Ä.rlius«nd Umgegend versammelte sich am 30. d. S'i. in OrschelS Salon. Regierungsbaumeister Keßler sprach über die Arbeits- börse in Paris. Einige Mltlheilnngen darüber dürsten von weiterem Interesse sein. Schon im Jahre 1791 wurde in Frankreich das Projekt der Errichtung einer Zlrbeitsbörse angeregt, nach Art sonstiger„Börsen" zur Vermittelung des Verkaufs der Waare Arbeitskraft. Unter den Stürnien der Revolution ghtju dies Projekt wieder zu Grunde. Später wurde dieser Gedanke wieder aufgenommen, doch erst in neuester Zeit verwirklicht. Beschlossen ist die Errichtung einer Zentralbörle und sogenannier Annexe. Gegenwärtig besteht in Paris auf Kosten der Stadt ein Annex, in dem ca. 140 Vereine ihre Bureaus haben. Tie Zeutralarbeits- börse ist im Bau begriffen. Die Organisation resp. Verwaltung dieser Arbeitsbörsen wurde vom Vortragenäen in eingehender Weise geschildert. Die Arbeitsbörse fungirt jetzt 3 Jahre, unenb- geltlich, um der Ausbeutung der Kommissionäre entgegenzuwirken und l)attrotzihrergegenwärtigenUnzuläuglichkeitineinei!iJahre84765M. Vermittelungsgebühr erspart. Redner schi' schilderte in kurzen Zügen auch das Wesen der französischen Arbeiterbewegung und empfahl, den Franzosen nachzueifern und dahin zu streben, daß auch bei uns derartige Einrichtungen geschaffen werden.— Von einer Tis- kussion über den Vortrag wurde im Interesse der nachfolgenden Gegenstände Abstand genommen.— Zur Unterstützung der streikenden Töpfer beantragte der Vorstand die Bewilligung der Summe von 600 M. Tie gewünschte Bewilligung erfolgte. Des Weiteren beantragte der Vorstand die Ueberweisung von 500 M. zur'Agitation an die Kommission für die Oeffentlichkeit. Die Versammlung beschloß dem Autrage gemäß. Ferner beantragte der Vorstand die Bewilligung von 50 M. zur Erweiterung der Vereins Abliothek. Der Autrag wurde genehmigt. Ein Unter- slütznngsgesuch wurde durch Bewilligung von 20 M. erledigt. Das Unlerstütziingswesen wurde ein für alle Mal dem Aus- schusse überwiesen. Ein Antrag, betreffend die Einführung des„Grundstein", wurde bis nach Erledigung des Maurerprozesses vertagt. Eine recht gut besuchte Uerfammlung des AUge- meinen Arbeiterin nenvereius fämmtlicher Berufszweige Berlins und Umgegend tagte am Dienstag, den 28. Oktober, im Lokale des Herrn Jlgcs, Wilsnackerstr. 68. Zu dieser Versammlung hatten Herren und Damen als Gäste Zutritt. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Herrn Türk über:„Hexen- Prozesse". Referent hielt in dreiviertelst ndiger Rede einen von der Versammlung sehr beifällig ausgenommenen Vortrag. Bevor Redner seinen Vortrag begann, ersuchte die Bevollmächtigte die Versammelten, sich zu Ehren des auf dem Parteitag vom Tode ereilten Delegirten Baumgarten von den Plätzen zu erheben, was auch geschah. Hierauf ersuchte die Bevollmächtigte noch, für fach- liches Parlamentiren einzutreten, und den Kongreßbeschluß,„die Arbeiterinnenrewegung zu unterstützen", hoch zu halten. Eine gutbesnchte Versammlung des Fachvereius für Schloffer und Maschinenbau-Arbeiter Berlins und Umgegend fand am Montag, den 27. Oktober, bei Feuerstein statt. Da Herr Werner am Erscheinen verhindert, nahm Herr Link das Wort über Arbeiterorganisationen und Unternehmerverbände. Er führte aus, daß die eigentliche Organisation auf den von Lassalle ge- gründeten Arbeiterverein zurückzuführen sei. Als die Arbeiter in den 60 er Jahren das Koalitionsrecht erhielten, wurden die be- rüchligten Unternehmerverbände gegründet, deren Deutschland die stattliche Zahl von 95 aufzuweisen hat, gegen 75 in Amerika. Als jedoch im Jahre 1878 das Sozialistengesetz geschaffen wurde, bekamen die Organisationen einen be- beutenden Schlag, denn 17 Zentralverbünde und 63 Lokalvereine wurden wegen geheimer Verbindung aufgelöst. Doch die Vereine erholten sich nach und nach und bereits nach der 1887 er Faschings- wähl kamen viele neue Vereine aufmarschirt. Da die Bereins- bewegung eine Vorschule der politischen Bewegung ist und ferner da nur durch ein festes Zusammenhalten etwas geschaffen werden kann, muß es eines Jeden heiligste Pflicht sein, sich seiner Organisation anzuschließen; die doch nur Befreiung der Arbeit vom Drucke des Kapitals will. Ferner wurden noch die Unternehmer- verbände an das Licht gezogen und an Beispielen klargelegt, daß sich die Herren gar nicht scheuen, nach verbotenen Mitteln zu greifen, um den Arbeiter z» unterdrücken. Hierzu wird sich nicht ein Staatsanwalt finden, der gegen diese Herren den Strafantrag stellt. Kollege Pirch sprach in der Diskussion nochmals von den Unternehmerverbänden und cra tet es für die moralische Pflicht eines Jeden, die indifferenten Massen, welche uns gegenüber, ichen, aufzuklären und zur Organisation heranzuholen. Aufnehmen ließen sich 12 Kollegen. Bei Verschiedenem wurde der Werkstatt von Puls und ebenso der von Gossen(Alte Jakobstraße) betreffs der Moltkefeier einige Aufmerksamkeit zu Theil. In ersterer Werkstatt mußten die daselbst Beschäftigten durch Namens- Unterschrift bekennen, daß sie sich am Fackelzug betheiligen. 12 Kollegen unterschrieben nicht, als aber mit Entlassung gedroht wurde, hatte nur einer den Math, seine Unterschrift zu verweigern. Bei Gossen wurde den Kollegen erlaubt, eine halbe Stunde früher Feierabend zu machen, diese Zeit wurde mit bezahlt, weil sich (nach Herrn Gossen seiner Meinung) doch ein Jeder an dem Fackelzug bethciligen wollte!!? Vor Schluß würbe noch auf unser diesjähriges Weihnachtsvcrgnügen aufmerksam gemacht. Der Fachverritt der Marmor- nnd Granitarbeiter tagte am 19. Oktober in Deigmüller's Lokal mit folgender Tages- orvnuna: I. Vierteljahresbericht. 2. Ermäßigung der monatlichen Beiträge. 3. Regelung des Arbeitsnachweises. 4. Dis- kussion über die Pflichten der Vertrauensleute. 5. Verschiedenes. Die Einnahme des letzten Vierteljahres betrug 110,71 M., die Ausgabe inkl. eines Defizits von 12,40 M. vom vorigen Quartal belies sich auf 88,05 M,, mithin blieb ein Bestand von 22,66 M. Die Revisoren bestätigten die Richtigkeit dieser Abrechnung. Ter zweite Punkt fand seine Erledigung dadurch, daß die Monats- beitrüge von 50 Ps. aus 30 Pf. herabgesetzt wurden. Die Reduzirung der Beiträge erschien um so eher möglich, als auf Antrag des Vorstandes die demselben allmonatlich aus der Vereinskasse gewährten Entschädigungen in Zukunft wegsallen und da, laut Beschluß voriger Versammlung, wirklich hilfs- bedürftige Mitglieder des Vereins nicht mehr aus der Kasse, sondern durch freiwillige Sammlungen unterstützt werden sollen. Die Regelung des Arbeitsnachweises erfolgte dadurch, daß Kollege Zickerr, der dies Amt früher verwaltete, versprach, nach wie vor, demselben unparteiisch vorzustehen, was die Ver- sammlung akzeptirle. Kollege Zickert wohnt Saarbrückerstr. SO. Es ist Pflicht eines jeden, außer Arbeit stehenben Kollegen sich an obengenannte'Adresse zu wenden und das Mandern von Wcrkstebe zu Werkstelle ganz zu unterlassen. Der 4. Punkt zeitigte eine lebhaste Diskussion. Es wurde hervorgehoben, daß als Veltraneneleute nur sotchc Kollegen fungiren können, die auch in vollem Muße das Vertraue» ihrer Mitarbeiter besitzen. Sei mitunter ein Mißgriff gcthan worden, so müsse diesem wieder- abgeholfen werden. Als die wichtigsten Obliegenheiten der Ver- traueusmänner wurden besonders betont: die Entfaltung einer unablässigen und energischen Agitation unter den, der Organisa- tion noch fernstehenden Kollegen, sowie die Erhebung der wöchent- lichcn Beiträge zum Geueralfonds. Unter„Verschiedenes" er- läuterte Kollege Strop den Nutzen einer Statistik; es wurde be- schlössen, diesen Punkt in einer der nächsten Versammlungen auf die Tagesordnung zu setzen. Am 6. November findet in dem- selben Lokal eine öffentliche Versammlung statt. Im Verein dee Einsetzer(Tischler) hielt am 19. Oktober vor einer zahlreich besuchten Versammlung Herr Jost einen mit großem Beifall aufgenommenen Bortrag über die Entbehrungs- frage, in welchem er eingehend das Falsche an der so oft wieder- v*.— CY1. f. 3..—_»•-'-- W y* i- holten Behauptung nachwies, daß es dein Arbeiter gut geht, es den Arbeitgeber gut geht. Zwar lebe der Kapitalist in ver- - y x.—;-i rx—. s?_____ cx'i'.,,. � bv'n, daß sich Alle zu einem Ganzen zusammen schließen, um sich zu dem verdienten Rechte zu verhelfen. Es ist Pflicht jedes ein- zelnen Einsetzers, sich einer Vereinigung anzuschließen. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Schmidt und Natusch, die- selben erklärten sich nnt den Ausführungen des Referenten ein- verstanden. Es wird hierauf folgende Resolution verlesen und einstimmig angenommen: Die heutige Mitgliederversammlung der Einsetzer(Tischler)� Berlins und Umgegend verpflichtet sich, in Zukunft treu zur Organisation zu halten und sucht danach hin- zustreben, daß in Zukünst durch Gesetz der richtige Arbeitsverdienst den Arbeitern gewährt wird. Vo» dem Kerichterstatter, der uns über die am letzten Dienstag im dritten Wahlkreise stattgehabte Versammlung be- richtet hat, geht uns folgendes Schreiben zu:„Ich muß ent- schieden Verivahruna einlegen, daß ich meine Berichte über sozialdemokratische Versammlungen„tendenziös- sensationell" zu- stutze. Wer meine Thätigkeit kennt und ohne Voreingenommen- heit zu urtheilen vermag, wird mir das Zeugniß nicht versagen können, daß ich mich bei Abfassung meiner Berichte stets der größten Objektivität befleißigt habe. Diesen Grundsatz befolgte ich auch, als ich über die Rede des Herrn Winter berichtete. Daß ich demselben nichts Anderes tn den Mund gelegt habe, als was er thatsächlich geäußert hat, wird jeder Verfammlnngsbesucher bezeugen. Daß Herr Winter Herrn Bebel angegriffen hat, geht ja auch aus der Rede des Herrn Ewald hervor. Es ist ja möglich, daß es Herrn Winter später leid gethan hat, Herrn Bebel angegriffen zu haben; er hat sich auch am Schlüsse der Versammlung noch zu einer Erklärung genöthigt gesehen. Wenn ein Redner in der Erregung eine Bemerkung macht, die ihm nachher leid thut, dann wäre es doch besser, wenn er sich sofort mit dem betroffenden Berichterstatter in Verbindung setzte, anstatt letzteren nachher öffentlich der Unwahrheit zu zeihen. (Wir bringen die Erklärung des Berichterstatters unver- ändert, halten aber unsere allgemeinen Bemerkungen, die wir über das Berichterstattnngswesen zu machen gezwungen waren, vollkommen aufrecht. Res.) Herr A. Uohmann, Friedrichstr. 154, ersucht uns um die Mittheilung, daß er mit dem Abg. Bebel noch nie in irgend einem persönlichen oder schriftlichen Verkehr gestanden hat, und daß er daher auch Herrn Bebel nicht aufgefordert haben kann, über irgend etwas Rechnung zu legen. Veof)« öff«»tlich» Uolksvertamuiluna für Friedenau, Steglitz und Um- gegend am Sonnabend, den l. November er.. Abend» s Uhr, im Kurhaus- Reftanrant zu Friedenau. Hparverein„giühe". Sonntag, den 8. November: Herrenpartt« nach Sadowa und Umgegend. tlerriu drr Hattirr und Fachgenossen. Am Sonnabend, den 1. Roer, Abend»« Uhr, bei Meyer, Alle Jakobstr. es: Versammlung. Lachverein der Putzer. Sonnlag, den 8. November, Vormittag» Ii Uhr: Mttglteder-Verfammlung tn den Bürgersälen, Dresdenerslr. ss. Croß« Nersanimiung der Aioreinigung der Schmiede Deutschland» stelle Berlin). Tagesordnung: i. Kapitalismus und Sozialismus. Referent M. BaginSIy. 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 3. Quartal.«. Ausnahme neuer Mitglieder, e. Verschiedene» und Fragekasien. Büste haben Zutritt. Stzattzlnb Ramsch", gegründet I. Oktober is»o. Heben Sonnabend, Abend« 9 Uhr: Sitzung tn Willy Schmidt'« Restaurant, WrangststraKe i«i. Benoffen sind freundltchst eingeladen. Freie Nrrrinignng drr Damenmantel-Schnrider(Bugler, Slipper und Zuschneider) und Arbeiterinnen der Bekletdunas-Jndustrie Berlin». Brohe Versammlung am Dienstag, den t. November, Abend«»X Uhr, in Branoetl'S Bierhallen, Kommandantenstr. 77—79. Perein dor Maschinisten«nd Heiler. Sonntag, den 2. November, Nachmitiaqs o Uhr, Neue Jakobstr. 2«— 23, Versammlung. Tagesordnung: Vortrag über die erste Hilfeleistung bei Unglürksfallen. Aufnahme neuer Mitglieder. Mäste willkommen. tgrost» öffentlich» Uersammlung für Männer und Frauen am Sonn- lag, den 2. November er., Abends o Uhr, tn den Zentral-Festsälen, Oranten- strabe I?l>. Lnchverein der Steinmetzen. Sonntag, den 2. November, Vormittag» 10 Uhr, in Telgmüller'S Salon. Alte Jakobstratze Nr.«z a: Broß« General- Versammlung. «effeutliche Dr»ch»I«rv»rsan>ml:»rg am Montag, den 3. November er., Abend« 8 Uhr, in den Armin-Hallen, Kommandantenstr. 20. Gesang-, Turn- nnd gesellige Pereine am Sonnabend: Besang- verein„Harmonia" Abend« s Uhr, im Restaurant, Alte Jakobstr. 3».— Männergesangverein„Treue" Abends 9 Uhr im Restaurant AndreaSstr.».— Männergesangverein„Grata" Abend« 9% Uhr bei SchläwiSe, Kleine Kurstr. 1. — Männergesangverein„Scnefelder", Restaurant Zemter, Alünzstr. 11, 9 Uhr Uebunasslunde, Ausnahme neuer Mitglieder.— Besangverein„Harmonia" Abends o Uhr im Restaurant Lehmann, Kurfürstenstr. 31, Eesangslunde.— Lübeck'scher Turnverein(I. Lehrltngs-Abtheilung) Abend« 8 Uhr Elisabeth- siratze c,7—«8.— Turnverein„Weddtng", Pantftratze 0, Männerablhetlung von 8%— 10% Uhr Abends: desgl.>. LehrlingSabtheilung 00» 8 bis 10 Uhr Abend«. — Arends'sche Stenographenklasse de«„Berliner Handwerkervereins" Abend» svx/v s�»vnv.j<.n�v;viniv»|| v wvv v«v v» vv � Wb« zu v ♦««/Wik w 8% Uhr Sophlensir. 15.— Theater- und Vergnügungsveretns„Tarttas" Abend» 8 Uhr im Loutsenstädtischen Bterhause, Admtralstr. ss.— Theater- und Ver- gnügungsaesellschaft„Treue" Abends 8% Uhr inBobert's Vallsalon, Weinstr. 11. — Privat-Theatergesellschasl Schneealöclchen", Abends 9 Uhr in Vetttns Bterhaus Veleranenstr. 10.— Beselligkeitsklub„Lustig" Abends 9\ Uhr im Restaurant Weichelt, Taubenstr. 45.— Verein der Taubenfreunde Abends 8% Uhr im Restaurant Hillmann, Manteufselstr. es.— Däntscher Verein„Freya" Abend« 9 Uhr im Restaurant Poppe, Lindensir. los.— Verein der Württemberger Abends 8% Uhr bei Vaihinger, Dorolheenftr. 84.— Verein ehem. Schüler der 84. Gemeind-schule Abends l> Uhr im Restaurant, Koppenstr. 68.— Verein ehem. M. E. Lulher'scher Schüler, Abends ox Uhr, im Restaurant Bormann. Ohmgafse 2.— Rauchklub„Portorico" Abends 9 Uhr bis u Uhr Köpnicler- stratze 157 bei Schulz,— Rauchklub„Qualm" Abends 8 Uhr in: Restaurant Tamm, Schönhauser Allee 28.— Tambourverein„Scdan" Sitzung Abends 9 Uhr, Erüncr Weg 9— 10, Aufnahme neuer Mitglieder.— Tam- bourverein„Herz Innig", Abend» 8 Uhr, Sitzung im Restaurant Straß- burgerstratze 0, Dirigent und Vorsitzender Fritz Langant.— Tambourveretn „Eintgtetl macht starr", gegründet 1880, Dtriaent zur Zeil H. Kämting, Aus- nahm« neuer Mitglicder Abends s Uhr tm Restaurant Hahn, Elsasserstr. 67 — Tambourveretn„Felsenfest", Sitzung 8% Uhr, Weitzenburgerstratz« 64, Dirigent und Vorsitzender: A.Friese. Ausnahme neuer Mitglieder.— Ver- gnügungsveretn„Luftige Seelen", Abend? 9 Uhr im Restaurant Schuster, Oranienstratze s.- Vergnügungsverein„Hospicia", Kleine Augustratze 14, Abends 9 Uhr.— Leseklub der Zeltgeister, Abend« 9 Uhr. Wolltnerstratze 9. Eäste willkommen.— Vergnügungsverein„Blitckauf," Sitzung 8% Uhr bei Schwarz, Restaurant, Veirf�Älften dev VeimMimu Bei Ansragen bitten wir die Abonnements-Quittung betzusügen. Brieflich Antwort wird nicht erlheilt. G. Fttch«, Horten bct_ Roermond(Holland). Kreu�- band- Sibon'nenten müssen infolge des tägsichen Portos 3 (für Ausland) pro Monat zahlen. Die von Ihnen in Vergleich gezogene Adresse ist jedoch nicht bei uns, sondern bei der dortigen Postanftalt abonnirt, wo also außer dem Abonuementbetrag 3,30 M. pro Quartal kein Porto, sondern nur Bestellgebühr in Frage komnit. Wir verweisen unsere auswärtigen?lbon- » e n t e n, welche nach dieser Richtung sich reklamirend an uns wandten, aus obige Notiz. Die Expedition. M. v. St.. Lrirdl'erg. Die Ansichten Hertzkos decken sich zwar mit deujenigen der Partei in vielen Bezichungett nicht, doch kann die Lektüre des von Ihnen genannten Buches immerhin empsohlen werden. Ein eudgiltiges und abschließendes Urtheil über H. ist nicht abzugeben, da er selbst sich noch aus dem„Werde- gang"' befindet., lieber die Volksbibliothek des ges. m. W. bedauern wir, Ihnen keine nähere Ausknnst in der von Ihnen gewünschten Art geben zu können. Die„Verl. Volks-Tribüne" betr. wenden Sie sich an die Siedaktion selbst(Elisabethufer 55). Ginbrtst. Eavet.-Arb.Di« Redaktion des„Hamburger Echo", Theatersir. 44 in Hamburg, wird Ihnen Musterfiatuten zur Aus- wähl übersenden. Gderi'rrg. Alexanderstr. 50. Die Revision kann bei dem Kammergericht eingereicht werde». Unterschrist eines Rechtsanwalts jedenfalls vorzuziehen. Verbreitung des„Sozialdemokrat" ist nicht straffällig. Mcmclrrstr. 51. Seit 4>/3 Jahren. W. Lochstr. 3Z. Wer hat Ihnen solche Narrheiten in den Kopf geseht? Papst P. VIII. tebte in diesem Jahrhundert. Man fabelte früher von einer Päpstin Johanna, die im X. Jahr hundert gelebt haben soll. Doch ist diese Sage seit Döllinger's Buch„Papstfabeln" allgemein ausgegeben worden. I. Hnrlie, Ritdorf. Bedauerliches Versehen. cht-ndtU'g. Dr. H. Nur der„Peuple"(Brüssel) zu er- wahnen. Abonnenientspreis ist uns nicht bekannt. Ganverein Berlin. Bildhauer. Dienstag, den 4. November 1890, Abends V19 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75: � 175o GeBieB«al-¥eB«saBiimiuiig. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk: Französische Revolution. 2. Geschäftliches(Antrag.�Herabsetzung des Lokalbeitrages). 3. Verschiedenes. Kommers-BillctS sind heute(Sonnabend) zu haben Aunensir. IG und so weit der Vorrath reicht Dienstag bei Feuerstein und beim Kassirer Kühling, Oranienstr. 204, 3 Tr.__ Der Norftand. Verein der Einsetzer(lijdjlfr) Berlins und Umgegend. Am Sonntag, d. 2. Nov., Vorm. 11 Uhr, Nene Friedriehstr. 44: Grosse MersaitinraBung. Tages-Ordnuug: 1. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau. 2. Verschiedenes. 3. Fragekasten.— Neue Mitglieder werden aufgenommen. Kollegen als Gäste sind willkommen. Der wichtigen Tages-Ordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, zu erscheinen. Der Vorstand. 1751 f�iöEbelpoiirerS Heute, Sonnabend, Abends 9 Uhr, hei Bolzmann, Andreasstr. 26: Oeffentliche Mersammlung mit Damen. Vortrag des Herrn Türk über Fraucnbefreiung. Nachher Tanz und humoristische Vorträge. Entree wird nicht erhoben. Der Vortrag beginnt um VelO Uhr.— Zahlreiches Erscheinen erwünscht. 1733 Rod. Weber. Größt össeiltliche Mmimlmn für Manner nnd Frauen am Sonntag, den 2. Nov., Abends 6 Uhr, in den Central-Festsälen, Oranienstrasse 180. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau über:„Das eherne Lohngesetz". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein. 1710_ Die Keauftragteu. Grosse öffentliche sozialdemokr« Versammlung Der ßciiofen lies Merbarnmer Kreises am Sonntag, den 2. November, Mittags 12 � Uhr, im Sternecker-Bal ehampßtre-Weissensee. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Stadthagr». 2. Wahl eines Vertrauensmannes für den Wahlkreis Niederbarnim. 3. Dis- kussion. 4. Verschiedenes.— Tellersammlung findet statt. 1747 _ Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einberufer. Wmein kt Schllichter- Gesellen Berlins und Umgegend. Sonntag, 2. Nov., Nachm. 4�2 Uhr, in May's Festsälen, Beuthstr. 20-21: MF" Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Gewerkschaftlicher Vortrag des Herrn W i c d em an n. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten. 1734 Kollegen! Es ist Eure Pflicht, in dieser Versammlung Mann für Mann zu erscheinen. Der Vorstand. Gr. offeniBiche Versammlung für Frnnen nnd Männer am Sonntag, den 2. November, Nachmittags 2'/- Uhr, ggy in Lehmann s Salon, Schwedterstrasse 23. Tgfii Tages-Ordnung: 1. Die Volksschule in Frankreich. Referent: Herr Pöus. 2. Diskussion. 3. Verschiedene?. Um zahlreichen Besuch bittet 1740 Der Ginberufer: Dant Heitmann. Freie Vereinigung der Zimmerleute Berlins. Versammlung am Montag, den 3. November, Abends Sw Uhr, in Wilke's Salon, Hochstraße 32a. Tages-Ordnung: 1. Die nnrtlitchaftliche Vmwälznng nnd die Koziaidrinoftratie. Referent: A. Anerbach. 2. Diskussion. 3. Verschiedeues und Fragekasten. Gäste willsioinmen. Jeder Zimmerer hat Zutritt. Pflicht eines jeden Mitgliedes ist es, zu erscheinen._ 1741_ Der Korstand._ Fachverein der Tischler Meißellsee). Am Montag» den 3. November 1890, Abends SVe Uhr, in Kleb» Lokal, Röhlke- und Charlottenburgerstr.-Ecke: Versammlung. Tages-Ordnung: 1753 1. Die Gewerkschafts-Bewegung vor und nach dem Sozialistengesetz. Ref.: Herr Bruns. 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheit. 4. Verschiedenes. Um rege Betheiligung bittet Der Kroostmächtigte. Die DroßmWW m H- Siewert, Berlin 0., Thaerstrasse 62, nahe d. Frankfurter Allee, empfiehlt außer fämmtlichen Apotheken waaren besonders den schönsten weißen DorGchletoerthran, welcher seines milden Geschmackes nnd der vorzügl. Wirkung sehr beliebt ist! 1 Fl. 50 Pf. it. 1 M., pro Pfund 80 Pf.; eine besondere Kinderseife, welche sich auch vortrefflich zum Waschen von Wunden eignet, da diese absolut keine reizenden Stoffe enthält, 1 Stück 25 Pf-, 1 Pfund 75 Pf.; den ff. med. Tokeyer und die vorzügl. Roth» und Weissweine, und besonders ihre bereits zur allgemeinen Beliebtheit gelangten Spezialitäten: Kräutermagenbitter, welcher infolge seiner Zusammensetzung aus den besten Kräutern u. Wurzeln ein wohlthuendes, kräftiges Hausmittel ist! Originalflasche 2 M. 1416 Nuserm Kollegen n. Genossen Albert Kork, zu seinem heut. Wiegenfeste ein dreimal dornt. Hoch, daß die ganze Bude wackelt it. Albert an Händen it. Beinen zappelt. A.K. G.B. G.R. F.A. Fachverein der Albumarbeiter. Somitag, den Ä. November, Mittags 12 Uhr: Gem'MttsmmlW in den Centrai-Festsälen, Gratiirnstralse 180. Da weitgehende Anträge des Vor- standes vorliegen, werden die Mitglieder ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. 1730 Der Vorstand. I. A.: Lanx. Sefcntlide Äersmmlvllg der Feilenhauer Kerlins nnd Umgegend am Montag, 3. November, Abends 8 Uhr, bei Keller, Kergstraste Ztr. 68. T a g e s o r d n si n g: 1. Vortrag. Referent: Herr 0. Thier bach. 2. Jahresbericht über den Unter- stützungs-Fonds. 3. Die Gewerkschafts- Konfercnz in Berlin, event. Wahl von Delegirten. 4. Der Streik in Hamburg- Altona. 5 Verschiedenes.- Um recht rege Vetheiligung und pünkt- liches Erscheinen ersucht 1732_ Der Ginberufer. CeM-KMen-«.SterbeW der Tischler u. s. w. G ertliche Verwaltung Kerlin H. Sonntag, den 2. November, Vormittags 11 Uhr: Mitglieder-Versammlung im Skalitzer Garten, Skalitzerstr. 54, (Eingang 2. Hof, Garten links). T a g e s o r.d n u n g: 1731 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Wahl eines Revisors und eines Beitragsammlers. 3.Verschiedene Kassen- Angelegenheiten.— Mitgliedsbuch legi- timtrt. Es ist Pflicht eines jeden Mit- gliedes, in dieser Versammlung zu er- scheinen. Die Orts-Verwaltung. Wntlichc BechMlW der Vergolder (spec. Baroekrahmen-Vergolder) Vergolderinnen n. Berufsg. am Sonntag, den 2. Uovrmber, Vormittags 10 Uhr, in Sichm'« Klubhaus, Annenstr. 16. Tagesordnung: I. Streikangelegenheit der Rahmen- vergolder. 2. Die Lohnabzüge bei Adolf Werkmeister. 3. Verschiedenes. 1762 Das Erscheinen sämmtlicher Rahmen- vergolder ist dringend nothwendig. Die Kollegen der Adolf Werkmeister'schen Fabrik sind hierzu speziell eingeladen Die Lohn- und Agitations-Kommission Zentral-Kranken- u.Sterbekasse der Tischler n. s. in. Oertliche Verwaltung Berlin F. Sonntag, 2. November, Vorm. 11 Uhr, Mitgliederversammlung bei Cnadt, Brunuenstr. 33. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Wahl eines Beitragssammlers. 3. Verschiedenes. 1761 Mitgliedsbuch legitimirt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Die Grtsvermaltung. Verband deutscher Zinunerleute. Lolialverband Kerlin. Montag, den 3. November, Abends 8 Uhr: Versammlung bei Feuerstein, Alte Jakobstrasse 75. Tagesordnung: 1. Abrechnung vom 3. Quartal. 2. Vortrag und Verschiedenes. Wegen wichtiger Angelegenheiten er- suchen wir jedes Mitglied zu erscheinen. 1739 Der Korstaud. Metallglanzlack mit Farbe, in 1 Stunde hart trocknend, ist im Winter wie im Sommer streichbar! 1 Pfd 80 Pf. Anerkennungss chreiben liegen bereit! Allen Freunden und Genossen zur Nachricht, daß ichGlisabethstraße 65, ide Waßmannstraße, eine Destillation röffnet habe.„Berl. Volksbl." liegt aus. 709 R. GrQtzmann. Nur 1 üffiarks Klagen, Eingaben, Rath in Prozessen, Einziehung von Forderungen. 1727 Pollak, jetzt Georgenkirchstr. 24 11. Bitte lese» Sie! Jedem, der billig und reell kaufen tvill, empfehle mein reichhalt. Lager in Winter-Ualetots, Rock- und Jaquet-Anzügen, einzelnen Röcken, Jaquets, Hosen und Westen, Stiefeln, Hüten, Betten, Wäsche, Uhren, Reise- und Holzkoffern etc., sowie Tamen-Manteln und Kleidern. Alles in alt und neu! Kaufe sämmt- liche Sachen auf Auktionen und von Leihämtern, auch sind verfallene Pfänder dabei, daher die enorm billigen Preise. A. Wergien, Schneidermrister.(Gegründet 1874.) 127. Skalitzerstr. 127. Bitte sehr, recht genau auf Namen und Hausnummer zu achten. 2347 Soeben erschien Die Mue Zeit. Revue des geistigen und öffentlichen Lebens."#* Heft 5. Die„Neue Zeit" gelangt jeden Sonnabend friih zur Ausgabe. Preis pro Heft 20 Pfg, Zu beziehen durch die Expedition, Beuthstraße Nr. 3. MF" Vilicdrroerliäiifer crljnltr» Vabatt."■"ß!s Hut-Fabrik Kluchrrstraste 11, vis-ä-vis der Hl. Kreuz-Kirche. Wilhelm Böhm. Sämmtliche Hüte mit Kontrolmarken. Großes Lager in Schirmen. Reellste Bedienung.__ Siimintliche Hüte mit Kontrolmarko bei Rud. Beisse, Chausteestr. 70 (an der Ponte)._ SUrh-htl-m t Meine sämmtlichen 16.Kerna«erstr� linWi'ga"� 3 kl. Wostunngen mit Klose» Wasserl., 50—56 Thlr., per sof. od.l� zu vm. Rixdorf, Prinz Hanojeryst�. ff, E. Schläfst, z. verm. Weberstr- � 3 Tr. bei Buttgereit. Ifit Fr. Schläfst, f. 2 anst. H. bea- z. verm. Göhler. Eine sreundl. Schläfst, bei Koo'� Falkensteinstr. 12 v. 3 Tr.____ Stube zum 1. Nov. straße 90, H. 4 Tr. Eine Schlafstelle, sep. Eingang- P l ö g e r, Oranienstr. 206. fiC Wt! 6ä«|t! fleisch. Gänseklein it. Le°$ pfundweis, bei Schultz, Wiesens� In#!. lindet dauernde Stellung bei 0 0 Lohn in einer Schraubenfabrik, cß Reflektanten, welche längere%„dst Werkzeugmacher i. der Schrauben� thätig waren, wollen Zeugnim schriflen) unter Angabe der 0% ni' anspräche einsenden unter G. Mar Gerstmann's Annoncen-� Friedrichstr. 125. ___._ E. chirnrg.Instrumentenutt'.� tüchtig in Schleifereien, wird i verlangt Gebr. Wilkci( Plauen i. Bogtl., FürsteObH Reise wird vergütet.___ Kuchkindergehilfrn a. Ge'0'",'! arbeit suchen Elassen u. i Koinmandantenstr. 36._ }£& Verantwortlicher Redakteur:«nrt Laak« in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kading in Berlin 8W., Beuthstraße. 2. Gesangs-Dirigent, nbern.noch.... (Dienstag) Zldr. u. Chiffre 2. Post« I 2, Nr. 355. Sommlirud, den 1. Uovember 1890. y. Iichrg. Nvlrelkerbetvegung. . Kaarbrncken, 29. Oktober. Die soeben durch zivei von ve» Mitgliedern gewählte Revisoren vollzogene Priijung de� K a ff e des R echtsschutz-Vereins der Bergleute ttficio; Einnahme im Jahre 1890,. 19 105,36 M. Säldovortrag von 1889... 2 000,00„ Summa, 21 105,36 M. Die Ausgaben betrugen: Vereins- Angelegenheiten(Eni- schädigungeu, Drucksachen ec. 6 829,25 M. Genchtskosten...... 6197,00„ , Summa. 12 526,25 M. 10°aß sich ein Ueberschuß von 8578,27 M. ergiebt. Soziole Ltebtevftcht. ,. Aufruf an alle Inder Firme» schildcrbranchc beschnf- «Sir» Arbeiter. Kollegen! Mitarbeiter! Schon zu'vieder- Wten Malen ist an Euch der Ruf ergangen: Organistrt Euch. schließt Euch Lille, Mann snn Mann, der bestehenden Verenngung Tieselbe ist bestrebt, durch belehrende misscnschastliche und sreerischaftlichc Vortrüge in ihren Versammlungen ausklärend zu wirken und— mit Hintenansegung aller persönlichen Vortheue r sür die Interessen der Gesammtheit einzutreten, was aber e uur geschehen, wenn sich alle in unserer Branche arbeitenden �ilegen, ohne Ausnahme, derselben anschließen, wie dw Erfah- Euch dieses deutlich vor Augen geführt haben durste. Kollegen! Mitarbeiter! Wohin wir blicken, überall ein Ringen j?1.Arbeiter nach besserer Lebensstellung. Durch alle Gewerd iMsten geht der frische Hauch des beginnenden Lenzes. Die '�Menden Strahlen der Sonne des Lichts und der Crkenntmß K��ugen selbst die finstersten Regionen und bringen üppige beainn-» �«5' während zarte Knospen sich herrlich zu entfalten besinnen. Ter Samen," welcher in schweren Zeiten Mniren der Arbeit ausgestreut wurde, fängt an die ersehnten Feuchte zu tragen. Endlich sind die Ketten, welche zirka zwölf M die deutsche Arbeiterschaft fesselten, gesprengt worden: .�Ausnahmegesetz ist gefallen! So traurig wie selne Herrschast, '»ruhmlos war sein Ende; aber ein Jeder, dem das Prinzip "gleiches Reckt für Alte" mehr als eine tönende Phrase ist, °lh»iet erst jetzt wieder erleichtert ans und voll froher Hoffnung �rschiren die Arbe'' von den ! �zinmer zeper yauen pe zu oen iynen tieo ge- »..��»en Vereinigungen und arbeiten mit zähem Muth an dem eiteren Ausbau derselbe». Und nun, Kollegen und Mitarbeiter, .steht es angesichts der begeisterten Stinpnung, welche jetzt .. rvv f■ i j-•——" dt« 0.... W vti ucacin««»'--tiHt'UUiig, iusiu;e jegl 'e denkende Arbeiterwelt beherrscht, in unsere»» Berufe e Leider 2"ochmals leider sind wir gezwungen, ein Fernstehen vieler Pflegen dem Verein gegenüber konstatiren zn müssen. Kollegen! sterbe iter! Fehlt E..ch der moralische Atuth, um Euch au,- ??affen? Habt Ihr nicht mehr ein paar Pfennige übrig, die % dem Verein hingeben könnt und welche Euch ui noch ™Hevem Maße durch festes Zusammengehen wieder zufließen Men oder habt Ihr eine Verbessern, ig Eurer Lage nicht mehr a-a Eschau, seht Euch andere Arbciterkategorien an. sucht die gründe, weshalb dieselben besser gestellt sind. Ihr werdet sie nur S**»starken Vereinigung" finden... iz. Kollegen! Mitarbeiter! Endlich wird es einmal Zeit, daß Euren Gleichmuth bei Seite werft! Nicht wenn Ihr .''Hände in den Schooß legt, ivird nnscre Lage gebesicrt werden, !>«»»."ur durch Aufraffen aus dem lethargischen Schla,. der C*.lele befangen hält; durch Entfaltung der ganzen Macht. Ich Mitwirkung aller Kollegen kann und wird dies ge- die Macht in Händen, wenn Ihr nur einig � Kollegen und Mitarbeiter, erfüllt Eure Pflicht, gewillt �urer Familie schuldig seid, und zeigt, daß st'n, evirf,.;'.1'?" der Ausbefserung Eurer Lage mit thätig z» M, deshalb Alle recht pünktlich zn der am Dienstag, Ne X0*» cr., Abends 8 Uhr, in Scheffers Salon, Insel- c Fir>n'°,!k�.. Abenden öffentlichen Versammlung sämmtlicher in !!Ung..'Ichilder- Branche beschäftigten Arbeiter. Tages-Orb- Ul»...---• JüDrrrrtrt ho2 OiiiimoroyS Osorvtl Ällftrt Pnftnirtlltt i'ihßVJ. Ertrag des Zinunerers Herrn Hugo Lehmann über: �stdenla � Organisationen.— 2 Diskussion.— 3. Ver- �otbernfv kollegialischem Gruß I. A.: O. K e r k a», '"«rpraße 67. Hh* # b. Asls Gerechter, Zt% Spandauer- u � Strasse 36—37, % 50 DovsQnrttrlmrgen. Der Urrband der Möbeipolirrr Keriins und Um gcgrnd hielt am Montag, den 27. d. M., im Norden, Brunnen straße 38 bei Gnadt, eine Versammlung ab. Tie Tagesordnung war: 1. Vortrag des Stadtverordneten Herrn Zubeil:„Ueber Kasernen und Ferienkolonien." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. — Herr Zubeil war leider nicht erschienen, was allgemein bedauert wurde. So wurde deun Punkt 1 und 2 fallen gelassen und zn Punkt 3„Verschiedenes" geschritten und darin einige Nebelstände der Nothmann'schen Fabrik zur Sprache gebracht, worüber sich eine längere Debatte entspann. Unterdessen ivar eine Resolution eingegangen, welche folgendermaßen lautet i„Der heute in Gnadt's Salon versammelte Ver- band der Möbelpolirer spricht sein Bedanern aus über das Ausbleiben des Herrn Zubeil.— Geißler." Dieselbe wurde einstimmig angenommen. Ein Geschäftsordnungs- Antrag des Herr» Goldberg, die Diskussion über den angesagten Vortrag zu eröffne» wird ebenfalls angenommen und entschädigte Herr Goldberg die Versnminelteil einigermaßen. Der Vorsitzende machte dann noch bekannt, daß am Sonnabend, den l.Novbr., Abends eine öffentliche Versammlung mit Damen bei Bolzmann, Andreas- straße 26 mit dem Vortrag des Herrn I. Türk„über Frauen- besreiung" stattfindet, und ivelcher sich ein geselliges Beisammen- sein anschließen soll; und daß Montag, den 3. November, ebendaselbst eine außerordentliche Generalversammlung stattfinden werde. Die Versammlung wurde um 11 Uhr geschlossen. Eine öst'euUichc Uolkc-vc. summlniig, besonders berechnet für die Berliner Schlächtergesellcn, tagte am 29. d. M. unter Vorsitz des Herrn S a ß m a n n im Ioöl'schen Saale, Andreasstraße 21, und erörterte folgende Tagesordnung:„Die Bewegung der Berliner Schlacht er gesellen und die Stellung der Berliner Arbeiterschaft ihr gegen übe r. Referent war Herr Albert Auerbach. Der- selbe begrüßte es mit Freuden, daß die Schlächtergesellen endlich auch in der Arena der allgemeinen modernen Arbeiterbeivegung erschienen seien.„Spät kommt Ihr, doch ihr kommt!" könne man auch hier mit dem Dichter rufen; doch besser spät als gar nicht. Die Richtigkeit, ja die Nothwendigkeit des Beschlusses und Entschlusses der Berliner Schlächtergesellen, sich der allgemeinen modernen Arbeiterbewegung anzuschließen, veranschaulichte der Vortragende in ausführlichster Weise, die ganzen heutigen Zeit- Verhältnisse klarlegend und die besonderen Verhältnisse der Ver- liner Schlächiergesellen erörternd und beweisend, daß die heutige unwürdige Lage der Schlächlergesellen hauptsächlich auf den Um- stand zurückzuführen sei, daß die Schlächtergesellen bisher in Ver- kennung ihrer eigenen Interessen abseits von der allgemeinen Ar- beiterbeiveguiig gestanden. Jetzt sei es an ihnen, zn beweisen, daß es ihnen mit den gefaßten Beschlüssen Ernst und sie gewillt seien, Schulter an Schulter mit den übrigen Arbeitern gegen den Kapitalismus und alle den Arbeitern feindlichen Elemente zn kämpfen. Würden sie dieses durch die That beweisen, dann würden auch die Berliner Schlächtergeselleu der ivirksamsten Unterstützung ihrer Bewegung seitens der Berliner Arbeiterschaft sicher sei». Die allgemeinen Ziele der Arbeiterbewegung besprechend, wies Redner daraufhin, daß das Endziel derselben der sozialistische Zukunstsstaat fei und daß die Reformen, die in und von dem heutigen Klassenstaate zu erwarten seien, die Arbeiterschaft nur fähiger machen sollen, dieses glückselige Endziel zu erkämpfen. Redner ermahnte die Schlächtergesellen weiter, sich als Arbeiter, als Sozialdemokraten zu erkennen, sich zu organisiren, sich aufzuklären, der Arbeiter- presse sich zuzuwenden, das Versäumte nachzuholen und treue Söhne des Volkes, treue Söhne der Arbeit zu werden. (Rauschender Beifall.) Korreferent war Schlächtergeselle Herr S ch>v a r tz. Derselbe behandelte in hervorragender Weise die Organisationsfrage. Der Fachverein der Berliner Schlächter- gesellen sei in kurzer Zeit so gewachse», daß die Berliner Ar- beiterschast mit Stolz auf die junge Organisation blicken könne. Doch bedauerte Redner, daß die Engros- Schlächtergeselleu bis- her dem Fachverein so fern geblieben seien, obgleich deren Lage womöglich noch schlechter sei, als diejenige der Laden-Schlächter- gesellen. Infolge dessen richtete Redner besonders an diese Kate- gorie einen ivarmen Appell, den Egoismus und sal" fahren zu lasse», ihre eigenen Interesse» zn erkenne» übrigen Arbeitern gleichfalls zu verbrüdern und sich der Be- wegung der Laden-Schlächlergesellen anzuschließen, dem Fach- vereine beizutreten.(Großer Beifall.)— Herr B l u m e n s ch e i n (Schlächtergeselle) erkannte den bisherigen Jndifferentismus der wchlächtergesellen an, wies aber zum Zeichen und Beweise dafür, daß die Schlächtergesellen anö ihrem Jndifferentismus erwach: seien, ans das' kräftige Emporblühen des Fachvereins hin und richtete demzufolge einen dringend»» Appell au die Berliner falschen Dünkel neu, sich milden Arbeiterschaft, den Schlächtergesellen erforderlichen Falles die nothwendige Unterstützung nicht zu versagen, zugleich die Ver- sicheruug abgebend, daß die Berliner Schlächtergesellen sich dieser Unterstützung würdig und für dieselbe später dankbar beweisen werden.(Beifall.) Herr Schlüter(Bäcker) ivarute die Schlächter vor Allem vor Selbstüberhebung und Ueberschätzung ihrer Kräfte. Sie dürften nicht glauben, daß sie nun bereis„zielbewußte" Arbeiter seien. Dazu gehöre mehr, dazu genüge nicht allein die. gewerkschaftliche Organisation, sonder» vielmehr auch die politische Aufklärung. Nur ans diese Weise sei zum Ziele zn gelangen. (Bravo!)— Herr Engel(Meister) ermahnte die Schlächter- gesellen sich auch der guten Stunden zu erinnern, die sie verleben. (Gelächter.) Ter Meister esse ein viel schwereres Brot(Oho!), habe unter den heutige» Verhältnissen noch mehr zu leiden, als die Gesellen.(Au-Rpfe, Schluß!) Das Kapital ruhe nicht in den Händen der Engros-Schlächter, sondern in den Händen der Juden! Diesen entgegenzuarbeiten legte Redner den Schlächtergesellen ans Herz. Wenn die Schlächtergesellcn ins sozialdemokratische Lager übergingen, den sozialdemokratischen Märchen des Herrn Auerbach glaubend, so würden sie den Arbeiter gleich gestellt werden. Aber Arbeiter und Schlächtergeselle sei doch zweierlei. (Quatsch! Unruhe.) Herr E n g l e r: Die Sozialdemokratie wolle das Kapital bekämpfen, doch wie sie es wolle, gehe es nicht. Die Sozialdemokratie poche auf die Gewalt und das ginge nicht.(Lachen.) Die Schlächtergesellen müßten nur fleißig lerneu.(Stürmisches Gelächter. Unruhe.) An der Spitze der Sozialdemokratie ständen größtentheils Millionäre als Führer.(Pfeifen, Schlnßrufe, Lachen.)— Dem Redner wird das Wort entzogen, was aber getadelt wird.— Herr Keslinke(Vorsitzender des Fachvereiiis) schloß sich de» Ausführungen des Referenten voll und ganz an und beleuchtete seinerseits ebenfalls die Verhältnisse im Schlächtergewerbe. Bei einer Lohnzahlung von 5 bis 7 M. pro Woche würde» die Ge- sellen zum Diebstahl gedrängt. Er empfahl dringend den An- schluß an den Fachverein.(Beifall.) Dem Vorredner schloß sich Herr Dalle in längeren Ausführungen an und ermahnte nament- lieh auch die Engros-Schlächtergesellen, die Pioniere der Schlächter- gesellen-Bewegung zu werden, wie es ihnen eigentlich zukomme. Iii der weiteren Debatte, die sich vorwiegend im Rahmen der Ausführungen der Referenten bewegte, wurde verschiedentlich Ge- legenheit genommen, die Gegner zu widerlegen, was in nachdrück- licher Weise auch Genosse Auerbach in seinem zündenden Schlußworte besorgte, und wurde hierin vom Genossen S ch w a r tz trefflich unterstützt. Zur einstimmigen Annahme gelangte solaende Resolution:„Die heute bei Jost tagende öffentliche Volksver- sammkung erklärt sich mit den Ausführungen der beiden Referenten durchaus einverstanden und verspricht, mit allen Kräften daraus hinzuwirken, daß alle Schlächtergesellen Berlins dem Fachvereine beitreten."— Als eine charakteristische Illustration zu den im Schlächtergewerbe herrschenden Zuständen, wie seitens der Meister- schast deren physische wie wirthschastliche Ueberlegenheit den Ge- sellen gegenüber ausgenutzt, verde, machte der Vorsitzende bekannt, daß der Schlächtermeister Falk iAlerandrinenstraße) z. B. sich dritten Personen gegenüber gerühmt habe, daß von ihm noch kein Geselle fortgegangen, der nicht von ihm durchgeprügelt worden sei(!). Nachdem noch Herr Schlüter vor den JünglingS-Vereinen gewarnt hatte, welche wohl nun, nachdem die Schlächtergesellen auch in die Arbeiter- bewegung eingetreten seien, besondere Bei- und Er- bauungs- Versammlungen für ihr Gewerbe, gleichwie für die Angehörigen anderer Berufe einrichten würden, um die Schlächtergesellen ins Schlepptau der konservativen Partei zu bekommen, wurde das Versammlungsbureau beauftragt, in 14 Tagen nochmals eine Volksversammlung mit der gleichen Tagesordnung einzuberufen, um das Interesse der Berliner Arbeiterschaft an der Bewegung der Berliner Schlächtergesellen mehr zn wecken, damit es mehr zum Ausdrucke gelange, als es in dieser Versammlung der Fall gewesen sei.— Die nächste Fach- Vereins- Versammlung findet am Sonntag, den 2. November, Nachmittags 4 Uhr, im May'schen Lokale, Beuthstr. 20, statt.— Mit brausenden Hochrufen auf die allgemeine internationale Arbeiterbewegung gingen die Versammelten auseinander. Vviefkapten vor Medakkion. M. M. Falk-nsteinstr. l. 89 000. 2.100 000. In Betreff «■rage 3 können wir nicht Auskunft geben. M. Donnert. Ist uns nicht bekannt. K. fl. Fragen Sie in dem Laden mit elektrischen Appa- Z?t.en Oranienburgerstraße, zwischen der Post und Friedrichstrane, nach. Ä* �»lz. Mr. 9. Wenden Sie sich an Martin Segitz, Furth(Bayern). M\ Gereihter, Spanfiauer- Strasse 36-37, NM verkauft auch in seinen Filialen: Potsdamer- Str. 57— 58, Reinickendorfer Str. 63, Oranien»Str. La, I» Engros preise». Mter-MM m 11 M. an, AeWte Aaziige„ 14 KttckMjM Hill) Paletots slhoil„ 3,30 Egp eigene Fabrik. Eestellungsn nach Haass werden in oigonor Werkstatt elegant und sauber angefertigt. // ff Spandauer- Strasse 36«37. •••■i Kochstr. 56,1.[1647 820 nahe der Reuen Konigst■ ''• J ww-W W V-w � V1 WV«»* Größte Auswahl, billigste Preise. 831 0. Blkkayseu, Miinzstr. 10, Ich habe keine Filialen und stehe mit ähnlich laiitenden Firmen in keinerlei Beziehung. 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