«f. 257. Dienstag, de« 4. November 1890. 7. Jahrg. Berlinern Hrgan für die Interessen der Arbeiter. ,,. Das„Berliner Volksblatt" Meint täglich Morgen? außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnemenI?preiS für Berlin frei Hau? vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. ««nntag?- Nummer mit dem„Sonntag?-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. »,(Eingetragen in der PostzcitungZprcisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) 4� A....W i*' � f' f----- 1 � r— A«* C.• M � A.• Ii f Ä ♦♦ X....X i � � Kreuzband, täglich dmch die Erpedition, 2 Mark, für da? übrige Ausland für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 3 Mark pro Monat. Insertion sgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Verein?- und Versammlung?- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beutbstraße 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenominen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vonuittag? geöffnet. -« Lrrnsprrchrr: Amt VI. Zlr. 4106.«"•» Nedsülion: DeukhHrstze S.— Expedition: Venth�tvatze 3. NeVoluttonÄv. W> verschiedenen, sich sozialistisch nennenden Zeitungen Ä Auslands, welche sich dem Kultus der Phrase gewidmet Wen, wird von der deutschen Sozialdemokratie behauptet, r Mbe auf dem Halle'schen Parteitag die Revolution ver- � Met oder ihr abgeschworen— und habe sich aus einer �vlutionären in eine reformatorische Partei umgewandelt. ß. Ein deutscher Literat, der seinen„revolutionären" yarakter dadurch bethätigt. daß er in englischen Zeitungen n wüthendsten, jeden„Opportunismus" als Todsünde i Mdmarkenden Revolutionsradikalismus zur Schau stellt, ln Deutschland für Bourgeoisblätter schreibt, ist so 1%.den Vorwurf einigermaßen einzuschränken: in Be- .° Ms das Z i e l seien wir wohl revolutionär geblieben(wie in Bezug auf die Mittel dagegen hätten entschieden den revolutionären Standpunkt verlassen. ... Wenn wir uns mit solchem Gerede beschäftigen, so M'eht es nur, weil es endlich einmal an der Zeit ist, n». Mißbrauch, welcher von konfusen Köpfen mit dem «orte„Revolution" und„revolutionär" getrieben wird, . Anzutreten. Dieser Mißbrauch wurzelt in der durch ."d durch falschen Ansicht, daß der Begriff des Ge- »j? 1 t s a m e n von dem Begriff der Revolution L/U u trennen sei, daß die Gewaltsamkeit zum Wesen . Devolution gehöre, ja das eigentliche Wesen der Re- wn bilde. � Das ist grundfalsch. Die Gewalt an sich ist ein �' t i o n ä r e r und kultur widriger Faktor, der, RAr die Menschheit an Gesittung zunimmt, desto mehr » Mißkredit kommt, und auf den heut zu Tage die übe des Fortschritts und der Sozialdemokratie ihre Hoffnungen setzen. Die„Blut- und Eisenpolitik" J**. Bismarck ist sicherlich keine revolutionäre Politik, gleich Fürst Bismarck ein großer Revolutionär w i d e r f'J.l e n war. Wenn von den Revolutionen, welche die (0 Wchte verzeichnet, sich viele gewaltsam vollzogen haben. sto stch dafür andere ohne Gewalt, wenigstens ohne L Mische Kämpfe und Schlachten, vollzogen, wie z. B. L.1 d u st r i e l l e Revolution, welche den Klein- dl' Zerstört und den modernen Kapitalismus auf den erhoben hat. ,z..Das Wesen der Revolution ist nicht die gewaltsame, Ntoi ,ö'e.gründliche, radikale Beseitigung eines Zu- H ttner Staats- und Gesellschaftsordnung, und die cto hrung eines neuen Znstandes, einer neue n Gesellschaftsordnung, die den Bedürfnissen „Anforderungen der Menschen besser entspricht, als die schj�iich und radikal, d. h. mit der Wurzel be- Ne oder zu beseitigende Staats- und Gesellschafts- Feuilleton. ' tUtI««rbvt«,,.> 130 Nictoria. Roman von Minna Kautsky. seipx�r kleine Franzi hatte sich beim Herumbalgen mit %« Um ein Jahr älteren Vetter eine Bettle geschlagen Min., hinein Papa schluchzend entgegen, indeß der An- Hb, ,1""t lautem Schreien seine Mutter von seiner % Zu überzeugen suchte. Aber diese faßte ihn beun toj. Md beutelte ihn durch, ohne Schuld oder Nichtichuld ssl �»��uchen. Dann stürzte sie ans das Kleinste zu, das •Wils Cu gewickelt am Boden lag und jämmerlich schrie, t i Hunger, theils weil cS nicht liegen wollte. Sie � v11 Zulp, der trocken und ausgelutscht neben ihm % bf,H Ul. Eichorienabsnd, der am Herde stand, und Neckte �-lujunvuuuiuu, wci um.yii Kinde bis in den Hals hinein. So J1" griff sie hierhin und dorthin, als wollte sie Orb- /ffe,. qchen, ober ihre vor Zorn und Leid bebenden Hände i'fy, Jches nur noch mehr untereinander. Sic wuptc nicht l>ltz R that, sie schien blind.und taub und gefühllos CiSh'v ße umgab und sonst beschäftigte, und all ihr uMie� Denken war auf das Furchtbare gerichtet, das I UM bei M ihre Kinder hereinzubrechen drohte. So oft sie 1 Mrcm Manne vorüber kam, der aus einen Sefsel � I bc),"0 das Haupt gegen den Tisch senkte, druckte sie tackelnden Kops wiederholt auf den 3 steh, daß c» Im eminentesten Sinne des Wortes ist deshalb die Sozialdemokratie eine revolutionäre Partei, denn, im Gegensatz zu allen übrigen Parteien, die, wie verschieden sie sonst sein mögen, doch sämmtlich auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung stehen, erstrebt sie die gründliche Beseitigung dieser Gesellschafts- ordnung, d. h. des Kapitalismus, mit seinem Monopol der Arbeitsmittel in den Händen einer Klasse und mit seiner Ausbeutung und Knechtung der arbeitenden Klassen— und will sie diese gemeinschädliche Gesellschaftsordnung, welche die Interessen der ungeheuren Mehrheit des Volkes den Sonderinteressen einer winzigen Minorität opfert, gründlich und radikal d. h. mit der Wurzel beseitigen, und an Stelle der kapitalistischen die s o z i a l i st i s ch e Produktion ein richten, indem die Arbeitsmittel zu Gemeingut erhoben, und die Arbeit, unter Entfernung jeder Ausbeutungs- Möglichkeit, genossenschaftlich, im Geiste der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit organisirt wird. Daß dieses Streben ein revolutionäres ist, darüber kann ein Zweifel nicht obwalten, und wir selbst haben uns alle Zeit— bei gutein und schlechtem Wetter— offen und ehrlich als Revolutionäre bekannt. So viel über das Ziel. Und nun die Mittel! Allein kann es denn überhaupt„revolutionäre" Mittel geben? Was sind„revolutionäre" Mittel nach der Meinung und dem Geschmack jener„revolutionären" Kritikaster? Offenbar— wir können uns nichts anderes denken— das Hauen, Stechen, Schießen bei passender oder passend scheinender Gelegenheit. Aber wird denn das Hauen, Stechen und Schießen nicht von unseren reaktionären Feinden mit größtem Eifer eingeübt, um bei passender oder passend scheinender Gelegenheit mit Virtuosität an uns probirt zu werden? Wahrlich, wenn wir auf die„revolutionären" Mittel des Hauens, Stechens und Schießens angewiesen wären, dann stünde es schlecht um unsere Sache— sintemalen auf diesem Gebiet die Herren Reaktionäre uns weit „über" sind.„Mittel" als s o l ch e— das darf nicht außer Acht gelassen werden— sind weder revolutionär noch reaktionär. Es hat Zeiten gegeben, wo die Revo- lution zu gewaltsamen Mitteln greifen mußte, und der- artige Zeiten können auch wiederkehren; nothwendig ist es aber nicht, daß die Revolution gewaltsam und „blutig" verlaufe. Die Mittel, durch welche eine Partei ihr Ziel zu erreichen strebt, sind als solche gewisser- maßen neutral, farblos, sie erhalten ihren Charakter, ihre Farbe erst durch das zu erreichende gemeinsame Ziel. Auf das Ziel kommt fonach Alles an bei Beurtheilung dröhnte, während gleichzeitig ein Hagel von Schimpfworten auf ihn niederprasselte. Sie versicherte, sie würde ihm am liebsten alle Zähne in den Rachen schlagen und er könne sie dann verschlucken, das sei das Einzige, auf das er noch Anspruch machen könne. Morgen aber werde sie ihn sammt den Kindern hier einsperren und auf den Bau gehen. „Sie müssen mir Arbeit geben," kreischte sie,„sie müssen, und dann werden doch wenigstens die Kinder etwas zu essen haben." Und als der Huber ihr ihr rabiates Benehmen verwies, fuhr sie wüthcnd gegen ihn auf: Ob er glaube, daß die paar Gulden, die er ihr hinwerfe, ausreichend wären für die ganze Familie. Es sei heute Donnerstag und es sei nichts nichr im Hause,„nichts, nichts, nichts," rief sie,„also schweig!" Die kleine Pcpi trat ein. Tie Mutter hatte sie zum Bäcker geschickt, zu dem sie sich, ihrer Schulden ivegen, selbst nicht mehr getraute; das hungernde Kind sollte seine List aufbieten und zusehen, wie es sich Brot verschaffen könne. Die Kleine hielt das Laib fest an die Brust gepreßt. „Ich hab's doch kriegt!" rief sie triumphirend. Und jetzt stürzten alle Kinder mit Hellem Jubel darauf und auch die harten Züge der Mutter überflog ein glückliches Lächeln, als sie das Brot entgegennahm, um es auch sofort anzu- schneiden. Paul war mit seinem Knaben in sein Zimmcrchen ge- treten, das nebenan lag. Nachdem er sich selbst gereinigt, wusch er den Kleineu und kämmte ihm das blonde, seiden- weiche Haar. Er fand seinen Liebling blaß, die lieben Kinderaugen schienen nicht so fröhlich wie son't zu blicken. der Frage, ob eine Partei revolutionär ist oder nicht. Bei den Mitteln kommt es einzig und allein auf die Zweckmäßigkeit an. Und d i e Mittel sind die besten, welche am wirksanisten und schnellsten zum Ziele führen. Hier gelangen wir zur Frage der„Taktik", in die wir jetzt nicht eingehen wollen. Den„revolutionären" Herren Kritikastern sei zum Schlüsse nur noch bemerkt: mit„revolutionären" Phrasen wird kein Hund hinter dem Ofen hervorgelockt und auch nicht der angstmeierlichste unserer Feinde mehr ins Bocks- Horn gejagt. Die Sozialdemokratie keines Landes hat ihr revolutionäres Ziel klarer, schärfer und rückhaltloser definirt und proklamirt, als die deutsche. Die Sozial- demokratie keines Landes hat bis jetzt in der Wahl und der Benutzung der Mittel, welche zu dem revolutionären Ziel führen, sich tüchtiger gezeigt, als die deutsche. Und gerade die sich sozialistisch nennenden„revolutionären" Herren Kritikaster mit sammt ihrem Anhang haben bisher gar nichts geleistet und höchstens negative Er- folge zu verzeichnen. Die„revolutionäre" Tüchtigkeit mißt sich nicht nach der Phrase, sondern nach dem Handeln. Nicht Revolutionsphrasen, fondern Arbeit für die Ver- wirklichung des sozialdemokratischen Programms— das ist's, was uns n o t h t h u t. Jene Phrasen machen uns lächerlich, diese Arbeit bringt uns den Sieg. polikisckie Ucbevstihl. Di-„F-igh-it". mit welcher die„Germania" sich um unsere Frage nach„ihre m" Znkunftsstaat herumdrückt, ivird nur erreicht durch die Vorsicht, mit ivelcher der sonst so„täppische" Herr Eugen Richter, und die sonst doch nicht crade sehr ängstliche„Krenz-Zeitung" nm den„Zukunfts- taat" der Fortschrittler und Junker, wie die Katze um den eißen Brei gehen. Wir werden aber den Predigern des immlischen Paradieses und denen des i r d i- ch e n Manchester- und Fusel-Paradieses von jetzt ab keinen Augenblick Ruhe lassen. Sie sollen und müssen Farbe bekennen! Fort mit dem Vorhang, der Euer» Znkunftsstaat verhüllt! Auf dem Vorhang stehen hübsche, verlockende Dinge geschrieben, allein das ist blos die trüge- rische Schaalc des Paradiesapfels, der inwendig Fäulniß und Moder ist. Was insbesondere die„Germania" betrifft, so haben wir aus den Kreisen ihrer eigenen Leser zahlreiche Zuschriften erhalten, in denen bittere Klage ge- führt wird über die„hartnäckige Schweigsamkeit" des sonst so redseligen Blattes. Vier Artikel hat es bereits Mit unendlicher Zärtlichkeit befragte er ihn, ob ihm etwas fehle, und als der Knabe verneinte, gab er ihm ein Stück Obst und eine Semmel, die er ihm mitgebracht und freute sich, als er sah, mit welcher Wonne es der Kleine verzehrte. Er suchte in Ber Kommode nach einem frisch gewaschenen Hemdchen, nm es ihm anzuziehen, aber es fand sich nur ein einziges vor und dieses war zerrissen; unmuthig warf er es bei Seite. Nachdem er dem Knaben noch Mund und Händchen, die vom Obst feucht geivorden, sorgsam abgewischt,»ahm er ihn auf den Arm und trat durch eine Thür direkt in das winzige Vorgärtchen hinaus, das von einer lebenden Hecke umgeben war. Hier blühte und duftete es herrlich und er zeigte ihm, in seiner zärtlichen Art mit ihm plaudernd, die Pracht der Sonnenblumen und hob ihn empor, damit er an der hochstämmigen Rose rieche, die sein Papa selbst aus einer gewöhnlichen Heckenrose so schön veredelt. Als aber aus dem geöffneten Fenster noch immer die keifende Stimme der Schwester herausdrang, erregte es ihm die Nerve». Er öffnete das hölzerne Gartenthürche», das ein festes Schloß besaß, und trat gegen das Ufer hinaus. Er ging mit dem Kinde einige Male auf und ab und ließ sich dann auf der kleinen Bank nieder, die außer- halb des Gärtchcns, der Hausthür zunächst stand. Selbst ermüdet und überarbeitet, kam das ganze Miß- behagen einer solchen Existenz über ihn. Was nützte es ihm, daß er fleißig und intelligent war, daß er im Brote stand und zur Elite der Arbeiter gehörte; was nützte es ihm, daß er sich mannhaft gegen die Ungunst über den sozialdemokratischen Zukunftsstaat ge- bracht— heut wird der fünfte kommen— und noch kein Wort über den eigenen Znkunftsstaat. Das ist zn viel Bescheidenheit— Verzeihung, wie sagte doch die der „Germania"? zu viel der„Feigheit". Das' können wir nicht dulden! Heraus mit der Sprache! Wie beißt Euer Zu- knnftsstaat. Ihr Herren von der„Germania"— wie heißt er? Kein Verfteckenspielen! Euer Zukuuftsstaat oder das Leben! Wie heißt er, Paraguay oder Belgien? Verstehen Sie nicht? Paraguay oder Belgien? Ihr kneift aus? Ihr wollt uns cutschlüpfen? Geht nicht. Wir setzen Euch die Pistole auf die Brust, wir packen Euch am Kragen, wir lassen nicht von Euch— wir ringen Euch Euer Geheimniß ab: Paraguay oder Belgi en? Und Ihr Andern da, Sie Herr Richter, und Sie, Mann der„K r e u z- Z e i t u n g", zeigt Eueren„Zu- kunftsstaat"! Verkrachte Handwerker, verkrachte Krämer— zu Grunde gerichteter Mittelstand— ist d a s Ihr Zukunfts- staat, Herr Richter? Ja oder Nein? Und künstliche Brot- und F'leischtheuerung, der Korn- und Fleischwucher im Großen organisirt— unter obligatem Geschimpf auf die„Juden", die ihn blos kleinlich, blos im Kleinen betrieben— und Schnaps- Monopol der biederen Junker— Abschaffung der Freizügigkeit, Anheftung der Leibeigenen an die Schotte, Prügelstrafe für Jeden, der nicht die Segnungen des Junkerparadieses begreift, und nicht einsehen kann, daß eS dem ganzen Volke gut geht, wenn der Junker sich niästet— ist das Euer Zukunftsstaat, Ihr Herreu von der„Kreuz-Zeitung", Ja oder Nein? Freilich mit solchen Zukunftsstaaten können w i r nicht aufwarten, wir armen Sozialdemokraten.„Zukunfts- staaten"? Aber das Alles ist ja schon dagewesen. Euer„Zukunftsstaat", Ihr lieben Leutchen, ist ja gar kein Zukunstsstaat— sondern verkrachter Ver- gangenheits staat. Ihr habt keinen Z u kn uft s- staat, weil Ihr keine Zukunft habt. Wir Sozialdemo- traten sind die einzigen, die einen Zukunftsstaat haben, denn uns gehört die Zukunft. Und wer an unseren Zukunftsstaat die Hand legt, der bekommt einen Klaps. Uanäs otk! Hände fort! A» die Adresse der ,, Germania" richtet einer unserer Leser folgenden Brief: Die Schimpfwörter, welche die„Germania" auf die„feigen" Sozialdemokraten herabgoß, wird das plötzlich so wenig behaglich und gutmüthig gewordene Zentrumsorgan nunmehr auch sich selbst augedeihen lassen müssen. Denn auch die„Germania" drückt sich mannhaft um die Frage, wie ihr Zukunftsnaat aus- fleht.„Ja, aber wollen wir denn den heutigen Staat, die heutige Gesellschaft umstürzen?" fragt das Blatt, indem es die Auffor- derung des„Berliner Volksblattes", den katholischen Zukunfts- staat zu schildern, ablehnt. Nein, der Ultramontanismus will nicht umstürzen, sondern„Staat und Gesellschaft erhalten und nur, wo es noth thut, die bessernde Hand anlegen". O welche Sanstnmth! Kein Wässerchen wollen die Herren trüben, nicht einmal, um darin ein wenig zu fischen? Und darum ruft der heilige Vater in Rom alle Tage Zeter und Mordio; darum in den Katholikenversammlungen diese stürmischen Klagen — tant de bruit pour une omelette!(so viel Lärm um einen Pfannkuchen!). Nun, wir sind der Ansicht, daß die Anhänger des verehrten Kollegen Windthorst durchaus nicht so unwichtige Resörmchen, so bescheidene Flickarbeit zu verrichten trachten. Nein, ihr Geschrei entspricht genau dem Quantum Wolle, vielleicht ist es gar noch zu leise. Der Ultramontanismus strebt eine Revolution an, die umso ungeheurer und unge- heuerlicher ist, als sie sich der geschichtlichen Entwickelung entgegen- bäumt; er will eine blutige Reaktion, und jedes R ü ck w ä r t s ist wahnsinnig- frevlerischer Um- stürz. Der Ultramontanismus will die geistigen Errungen- schaften, welche die Führer der Menschheit seit dem 16. Jahrhunoert in heißen Kämpfen uns ersicgt haben, vernichten, revolutionär vernichten; er will die Geister wieder knechten, den Staat der Kirche unterjochen. Ist das nichts? Die Sozialdemokraten sind auf diesem, dem wichtigsten Gebiete des Weltlebens, nichts weniger als umstürzlerisch, sie bauen viel- niehr auf alten» gesicherte»» Grund und„legen nur,»vo es Roth thut, die bessernde Hand an." Das Neue, das die Sozialdemo- kratie erstrebt, betrifft nur eine Seite des Daseins, den Besitz; sie kämpft für eine Reform, meinetwegen auch Revolution des Besitzwesens, indem sie den» Zuge der sozialen Entivickelung folgt, vorauseilt. Fürwahr, es ist»»ngemein bezeichnend, daß diese geist- lichen und geistigen Frowinen, deren Reich doch eigentlich nicht von dieser Welt ist, den— nach ihrer Lehre— nichtigen irdischen Besitz für so etivas Unantastbares erachten, an dem zu rütteln Frevel, Gotteslästerung ist. Mit den Seelen aber, dein Göttlichen in» Menschen, dürfen sie schalten und walten, nach der Verhälwiffe wehrte, er wurde dennoch immer tiefer herab- gedrückt. Sein Schwager, senie Schwester waren dem Lunlpen- Proletariat verfallen und sie zogen ihn mit in die Unordnung und die Miserabilität. Aber konnte er sie mit ihren Kindern in dieser ärgsten Roth verlassen? Er mußte Geduld habe»», bis es wieder besser mit ihnen würde. In» Allgemeinen bleibt es für die Wohlsituirlln stets ein Räthsel, von was diese arinen Leute leben, die Wochen und Monate oft erwerblos find, Familie haben und täglich essen müssen. „Diese Leute bringen sich schon durch," heißt es ge- »vöhnlich. Allerdings, aber aus Kosten ihrer Brüder, die dieser Noth, die sie täglich vor Augen haben, ihr Mitgefühl nicht entziehen können. Welch' ausopfernde Hingebung u»»d Selbstlosigkeit hier helfend eingreift, ahnen die Wenigsten. Nur dieser»Vahren Brüderlichkeit verdanken Taufende und Hunderttausende, daß sie noch leben, aber sie nivellirt zugleich auf eine entsetzliche Weise und»nacht Alle gleich elend. Paul empfand das Elend in seiner ganzen Bitter- keit, und»venn er bisher die Kraft hatte, uin»venigstens sorglos zu scheinen, so schien sie ihn» jetzt zu versagen. Eine Art Ekel bemächtigte sich seiner. War das noch ein Heim zu nennen, ,vo Schmutz und Unordnung herrschte und Zank und Streit? Und gilt die Familie in dieser Verivahrlosung noch als ein sittliches Fundament der Ge- scllschaft? Neil», auch hier muß sich endlich Alles lösen, Alles auseinander fallen. Er drückte seilten Knaben nur noch inniger an sein Herz, das mit einem Male heftiger zu schlagen begann. Aus dem Garten des Sattlers drang Gesang herüber. Es»var eine helle fröhliche Mädchenstimme, sie sang wie eine Lerche, so frisch und sorglos in den Tag hinein. Die drückt kein Leid und keine Sorge, dachte er, und es überkam ihn unsägliche Bitterkeit. Der Kleine horchte ebensalls.„Mili h— ingt," sagte er, den Vater belehrend. Dieser nickte, während er nach dem jenseits des Flusses gelegenen Garten sah. Sie mußte da drüben mit einer Arbeit beschäftigt sein, aber sie blieb Wunsch und Willkür— das ist nicht so verhängnißschwer, so eine niedliche Revolutionirung in diesem Sinne, das ist ein staatstreuer, gesellschafts- und militärfroinmev Spaß— in majorem dei gloriam— zur großen Ehre Gottes! Wunderbar, höchst wunderbar,»vie diese idealistischen Himmelsspieler das irdische Gut achten, die»»»»sterbliche Seele aber allen Ver- geivattiguilgen ruhig und gelassen überantlvorten! Besitz- reform- Verbrechen, Seele nreform- Kinder- spiel, das ist die unschätzbare Erkenntniß, die»vir aus den Kampfartikeln der„Germania" über die Denkart der Ultra- montanen geivinnen. W o steckt da der„Materialismus? Bei uns oder bei j e n e n? Uon alle»» Seiten konttnen Kerichte über Verstimm- lnngen, in denen die D e l e g i r t e n zum Parteitag ihren Wählern über denselben referirten. Die angenommenen Resolutionen drücken ausnahmslos die vollste Ucber- eillstiinmung mit den Beschlüssen des Parteitages aus, so daß wir von Mittheilungen über die einzelnen Versamm- lungen absehen. Daß die Gegner, deren„geistige Waffen" im Schimpfen und Lügen bestehen, trotzdem von„Spaltulig" zil reden fortfahren, versteht sich von selbst. Nun, ihnen macht's Spaß und uns thut's keinen Schaden. AnfnterKsam mache»» mir darauf, daß offenbar ein Plan besteht, über die Arbeiterbewegung, liamentlich die deutsche, verleumderische und sensationelle Nachrichten zu verbreiten— in ivelcher Absicht, das ist mit den Händen zu greifen. Unsere Leser werden gut thun, alles, was die gegllerischen Blätter über sozialdemo- kratische Versammlungen u. s. w. bringen, mit kritischem Mißtrauen zu betrachten. So findet sich z. B. in der„Kreuz- Zeitung" nachstehendes Telegramm: „Biebrich, I.November.(Privat-Telegramm.) Gestern Abend war hier eine sozialistische Versammlung aufgelöst,»veil der Redner Fleisch n»ann aufreizend sprach und auf die Frage des die Versammlung überivachenden Bürgermeisters Wolff, ob er mit seinen Ausführungen die Anwesenden etiva gegen die Behörde aufwiegeln wolle, mit ja antivortete." Der Unsinn liegt hier so auf der Hand, daß Jeder es sofort merkt. Allein in dem Unsinn ist Methode. Aus der Autifemiten-Kude. Die letzte Nummer der „Deutsch-sozialen Blätter" enthält folgendes„Eingesandt": Sehr geehrter Herr Dr. Lieb-(Juden-)Knecht! In den Protokollen der sozialistischen Zeitungen über Ihren Parteitag in Halle ersehe ich zu meinem Erstaitnen, daß Sie meiner gedenken, und zivar— über 40 Jahre retrospektif.— Der protokollarische Passus lautet: „Zum Schluß äußerte noch Abg. Liebknecht: Es ist mir von gegnerischer Seite der Borivurf gemacht»vorden, daß ich gestern Abend nicht über die Gestaltung des sozialdemokratischen Z»lkunftsstaate3 gesprochen habe. Als ich im Jahre 1649 in die Schiveiz kam, da wurde zivischen Weitling, dem jetzt verrückt gewordenen Antisemiten Wilhelm Marr u. A. die Frage ausgeivorfen,»ver»m sozialdemokratischen Zukunftsstaate die Stiefel putzen werde»c. Ich glaubte, daß heute derartige einfältige Fragen nicht mehr ausgeivorfen»verden könnten." Gestatten Sie»nir zuerst, Ihnen zu danken, daß Sie mich für„verrückt" erklären und mich kulturhistorisch in ein Tollhaus bringen, wo ich mich in der guten Gesellschaft eines Diodorius, Cicero, Tacitus, Seneca, Suetonius, Rutilius Nanlatianus, Luther, Fichte, Kant, Herder, Friedrich des Großen, Schiller, Goethe, Napoleon I., Schopenhauer, Richard Wagner und zahllosen anderen Geistes- Heroen befinde,»velche— si parva licet componere magnis!— in der Judenfrage genau so dachten, wie ich un- bedeutendes kleines Licht! Im übrigen erlauben Sie wohl, daß ich Ihre Chronologie der sozialistischen Beivegung richtig stelle. Ich bin schon im Jahre 1845 aus der ganzen Schweiz polizeilich ausgewiesen»vorden, kann also mit»»»einem Freund Weitling,—»velcher Kommunist, aber als Mei,sch eine gute, ehrliche Seele»var,— im Jahre 1849 nicht mehr polemisirt haben über die Schablone der Neugestaltung der Gesellschaft, — in welchen» Punkte ich übrigens gegen die soziale System- macherei Weitling, Cabet(„voyage en Icarie" sc.) ganz Ihren heutigen Standpunkt theilte, Herr Lieb-(Juden)-Knecht. Seit 1845»nieder in Deutschland, machte ich das tolle Jahr 1848 mit allen idealistischen Schwärmereien der Jugendbegeiste- r»lng»nit und--- half, für den„besonderen Volksstamm" die Kastanien aus dein Feuer holen»»»d half die Gesellschaft zu einer politischen und sozialpolitischen Do- m ä n e der Juden mache»». Für diese» Jrrthum thue ich jetzt Buße, und zivar mit der ganzen Zähigkeit und Energie meines Naturells.— I ch stehe der sozialistischen Beivegung nicht feindlich gegen- über, aber ich»vill nicht, daß diese sozialistische Bewegung von hinter den dichten Büschen seinen Blicken verborgen. Er sah sie dennoch vor sich in ihrer blühenden Jugend, sgesund und kräftig, rührig und heiter. Wie lange ist es her, dachte er seufzend, so konnten auch wir Arbeiter noch auf ein solches Mädchen Anspruch erheben, auf ein reines un- schuldiges Geschöpf mit dem eivigen Lachen auf den rosigen Lippen, das auch als Frau noch tanzte und sang, das, wenn der Mann von der Arbeit ermüdet nach Hause kam, ihm die runden Arme um den Hals legte, ihn herzte und küßte, wohk auch in sorglicher Geschäftigkeit sich um ihn mühte. Und wenn sie Kinder hatte, so schien sie ein Kind»nit ihnen zu sein, voll reizenden Muthivillens, und doch schon ganz ihrer neuen mütterlichen Freuden und Sorgen hingegeben. Sein Weib war nicht so gewesen. Ein Reif war auf ihre erste Blüthe gefallen, u»ld hatte sie versengt. Sie war ein Fabrikmädchen, gut und sanft, aber sie Idar krank und herabgekommen, noch che sie ihr erstes Kind geboren hatte. Aber er erinnerte sich seiner Mutter als eines hübschen kräftigen Weibes, und erinnerte sich seiner Schivester, die auch so frisch ivie eine Rose gewesen, üppig und strotzend vor Gesundheit, und jetzt— welch ein Leben, welch ein Loos hat eine Arbeiterfrau! Die Sängerin schwieg einen Augenblick, aber gleich dar- auf begann sie von Neuem, muthwilliger noch und heraus- fordernder. Wußte sie, daß er sie hörte? Ente unendliche Sehnsucht brannte in seinem Herzen auf, jene Sehnsucht nach Glück und Freude, jene noch tiefere Sehnsucht nach dein Weibe. Er schüttelte sich. „Und so müssen wir uns denn Alles nehmen lassen, Alles!? Sind»vir nicht auch zur Freude geboren, bestimmt zu genießen und Genuß zn verschaffen? In kräftiger Jugend ein blühendes Weib zn besitzen, um gefunde"Kinder zu zeugen, die einst unser Alter behaglich machen!? Aber gleich einer Anmaßung wird dieser Wunsch bc- trachtet, gleich einer Unsittlichkeit; es ziemt sich nicht, so viele Proletarier in die Welt zu setzen. Bon uns verlangt man Enthaltsamkeit, Enthaltsamkeit in Allem, auch in der den Juden»vieder„eskomptirt" wird, wie die politische&'• »vegung des„tollen Jahres" 1848. Den sozialistischen Sirenen-Gesängen der asiatischen„Ratte- sänger von Hameln" kann ich nicht folgen, wie ich ihnen" leider— politisch ,1848 gefolgt bin!— Den» jüdischen ,,Zwische»»ha»del" in der Politik und Sozialismus beuge ich mich nicht»vieder. Kann diese miserable Gesellschaft nicht ohne Asiaten besiet »verde»», so mag sie bleiben,»vie sie ist, oder zu Grunde geh� Das sagt Ihnen der„alte Revolutio>»är", der„Alte oo« Berge",»vie man mich oft genannt hat.—.. Ich empfehle Ihnen die leichte und bequeme Lektüre des „Antisemiien-Katechismus". Es»väre ja zuviel verlangt, bei den„Geschäfts- SoM demokraten" an deren Bildung die Zumuthung kulwrwiffe»' schaftlicher Reminiszenzen zu stellen!-- Ich quitlire also dankend für die Zensur, daß Sie mich ty „verrückt" erklären,»veil ich Kant, Fichte, Herder»md die zack' losen Geistesheroen aller Völker und aller Zeiten höher steK als—— den Konfektions-Juden Singer und Konsorten der „Alliance israslite", die den sozialdemokratischen„Zlvische�' Handel" heute betreiben. Im Uebrigen— sans raneune! Hamburg- Barmbeck. Ihr W. Marr. Das Sachliche des vorstehenden„Eingesandt" T unbestreitbar richtig. Der Passus des von Marr zitirle» Kougreßberichtes enthält aber verschiedenes Unrichtige' Liebknecht kam nicht 1849 in die Schweiz, sondern fdP 1847(vor dem Sonderbundskrieg), und er sagte auch wchb daß Weitling und Marr 1849 die Frage vom StiefelvO Probleni aufgeworfen hätten, sondern daß in den, von W»' Helm Marr sehr gut beschriebeilen Kämpfen zwischen I u n JT deutschen und Kommunisten(Weitlingianern) zu AN sang der 40er Jahre— Kämpfen, deren Nachspiele un Nachzuckungen er noch erlebt—, der„Zukunstsstaat" em große Rolle gespielt habe, daß derselbe aber vom.Donns' der 1848er Februarrevoltion verscheucht worden sei,*>! er sich nach 42 Jahren wieder in den Redaktion� stuben der reaktionären Parteien als Helfer in der A"1 eingefunden habe. Marr hat also keine Ursache, sich über Liebknecht Z beklagen, und vielleicht erzählt er den Zukunstsstaat Musikanten von Anno 1890, wie ihre Vorgänger von Ann? Dazumal abgefertigt wurden, obgleich sie noch immep-ttw»' gescheidter»varen, als die Epigonen von heute, denen° eigenen verkrachten Zukunftsstaaten als Bleigewicht den— ohnehin lahmen— Flügeln hängen. Den Zukunstsstaat»- Darren schreibt der bekannt� Dr. S i g l folgendes ins Stammbuch:. »Das„Fremdenblatt"(welches den Richter'schen SchwlNs. »»itgeinacht hatte) thut sehr verwundert, d. h. ist sehr erd�' daß die sozialistischen Führer ihr Ziel, den Zustand, den anstreben, ihren„Zukunstsstaat" nicht näher bezeichnen, sich begnügen, zu erklären, ihr Ziel„nur auf gesetzt!??, Wege" erreichen zu wollen.— In unserer raschlebigen 0' wäre auch das ohne Schwindel zu sagen zu viel langt. Wer kann wissen,»vie die Dinge in Europa V, morgen oder übermorgen gestaltet haben werden? Von» Gestaltung der Dinge hängt auch der sozialisttsche„3"%, staat" wie alles andere ab. Und können denn die„ p a t k L, tischen" Führer ihrZiel„näher bezeichnen"? Wir meinen: eO die herkömmlichen schivindelhaften Programme und sprechungen ins Blaue hinein. Niemand kann sagen,»oas motz!. ist, und so kann auch Niemand sagen,»vas er morgen»volle», � anstreben»vird.— Um übrigens den Leuten einen ew.» Schrecken vor dem sozialistischen Teufel einzuflößen, stelle „Patrioten" als neuestes Dogma auf, daß man„sich n»l� —■-.......7.c...„"iL\*n er fl V«• � W VJ«.»v» MM|, V M»»» /M V, 1 rm den Preis des Bruches mit dem Christenthum, ja wU � imh mit tßhßr �Wptinirm den(SoiiflldClUöJ � I ieick., nicht erst lang un, Christenthum und Religion; er schlief einfach der Partei an, von der er Hilfe und Besserung 9 Bisher hoffte er so»vas von den„Patrioten"; aber Hoffnung hat sich als eitel erwiesen. Jede zu Grunve richtete Existenz vermehrt einfach die Partei der friedenen und diese Partei deckt sich zur Zeit so »nit der sozialdemokratischen. Daher das ungeheure der sozialdemokratischen Partei, die schon bei den' v Wahlen 100 000 Stimmen mehr hatte als das ganze 3«»%/ jeder Verlust des Zentrums mehrt ihre Zahl, und je duck.� das Zentrum für gewisse Tinge ins Zeug geht, desto g werden seine Verluste sein."—, j Stimmt! Die Zuklmstsstaats-Narren scheinen unheilbar— sie lassen sich auslachen und merken nicht, � lächerlich sie sich machen. Nun— wir beneiden 1,S Liebe! Und so hätten wir denn Alles zil unterdrücke»,.�, eine Quelle der Freude ist und den Menschen zum Me»i macht.". gjf Er hatte das Kind, das herab wollte, um int®■« zu spielen, auf den Boden gesetzt, und lehnte den 9 Kopf gegen die Mauer zurück. � Und»vieder lauschte er der süßen Stimme, und'„,3 stürmischer jagte sein Blut durch die Adern. Er liebt Hingebung, voll heißen Verlangens. Er wollte sich® länger verhehlen, ach, er wußte es schon lange...<* Der Gesang brach plötzlich ab und ließ ihn Er bemerkte Meister Brandhofer, der mit einem Fremden, kleinen, schäbig aussehenden Mann, den Garten durch!,>,■ Dieser betrachtete Alles, maß die Fläche aus und bck � Bäume. Paul wußte, was das zu bedeuten habe, v", p' ein Käufer für Haus und Garten. Ter Sattler»nutz Eigenihum veräußern, er konnte es nicht mehr halte». Es war ein fast freudiges Aufleuchten in Paul's Ü™ sie sind ruinirt, sie sinken ins Pcoanarm» yuinv, hebt sich Keiner mehr. Hatte Mili noch ein Recht, M Auch diese da werden nicht mehr zu den Besitzenden. ........."'' ls Proletariat hinab,»%# c mehr. Hat ihn zil stellen?. r. Er sah jetzt das Mädchen aus dem Gebüsch, 5'. C1' Brunnen überschattete, hervortreten, nachdem der V»' dem Fremden von der anderen Seite sich demselben 0°, i-, Offenbar suchte sie sich vor den Beiden zu Verbergs j Anzug war nicht so nett und geordnet,»vie gewöhnt reinigte mit Sand und Bürste die Holzgefäße und dabei nicht finden lassen. � Sie huschte über die Wiese und warf einen ch Blick nach dem Ufer; als sie Hllber bemerkte, ntach�FßF Kehrt und trachtete abermals hinter die schützende» zu kommen. „Natiirlich, auch mir»vill sie sich ,mr aufgeputzt A die Gans," murmelte er zwischen den Zähnen. mitunter, ich hasse sie mehr, als ich sie liebe." Ab-V Augen verfolgten gleichwohl jede ihrer Bewegungen, W mußten eine magnetische Kraft besitzen, denn in de»' y blick, wo sie ihm hinter den Bäumen verschwind� W glückliche Naturattlage. Napoleon sagte bei Waterloo: »Eigentlich hätte ich gesiegt, aber die verwünschten Engländer wollen nicht einsehen, daß sie geschlagen sind." Auch unsere Zu- wNslGaats-Narren merken nicht, daß sie geschlagen sind. Muich, die Engländer siegten, und die Herren Zukunfts- Itaats-Narren holen sich blos Niederlagen. Uebrigens hat ihr Zukunftsstaats-Fragen-Konzert auch eine icht nützliche Seite. Da unsere Herren Gegner nämlich mit aller Kraft ihrer Lungen die Frage nach dem sozialdemo- panschen Zukunftsstaat hinausschreien, so können wir ihre «tarke ganz genau messen, ivie man die Stärke des Windes JJlu einem Anemometer, zu Deutsch Windmesser mißt. Und Wind ist's ja auch! Die Frage der Vroportioualgesetzgebung ist nun auch ,m schweizerischen Kanton Basel gestellt. Unser Genosse Wullschleger stellte im dortigen Groß- Wh einen bezüglichen Antrag, der jedoch noch nicht durch- sm1"®,. lLrrsassungskommission erklärte sich in ihrer Majorität gegen das Proportionalsystem, das schließlich auch verworfen ward. Ueber das„Votum" Wullschleger's in der Debatte sagen die„Baseler Nachrichten": „Herr E. Wullschleger berührt zuerst die prinzipielle Seite o«r Frage. Er findet, daß die Gegner der Proportional- Vertretung in einem Jrrthum sich befinden, indem sie Wahle» und Abstimmungen zusammen vermengen und in einen Tiegel werfen. Bei den letzteren ist allerdings die Mehrheit König, vi» den erfteren soll nach dem üblichen Sprachgebrauch dem Aiahler die Freiheit des Wählens gelassen werden, damit der Lanze Volkswille zur Darstellung komme. Redner findet, daß die Gegner bei der Bekämpfung der Proportionalvertretung Vieles auf die Spitze getrieben haben. Die Freunde des neuen Ver- «ahrens find aufs Eis geführt worden, indem sie veranlaßt wurden, vor dem Entscheid des Nathes einen Entwurf auszu- arbeiten, der in der Folge zu doktrinär und steif ausfiel und den Gegnern viele Angriffspunkte bot. Was die Verständlich- keil des Verfahrens betrifft, so ist dieselbe sehr leicht zu ver- Ulltteln. Dem Volk darf doch mehr Intelligenz und Denk- mhigkeit zugesprochen werden. Das Billigkeitsgeffihl ist nicht so allgemein, als angenommen worden. Die Konzessionen werden meistens nur zum Scheine gemacht. Das heutige Wahl- system ist für diejenigen am günstigsten, welche es verstehen, allen Wassern zu segeln. Wir haben gegenwärtig nicht nur Zwei, sondern mehrere größere Parteien, wie z. B. in Basel, wp w� bald drei gleich große Parteien haben. Dem Redner graut vor den Umtrieben, die bald unter dem jetzigen System überhand nehmen werden. ,■„Mit den AusHilfsanträgen kann sich der Redner nicht «Ittunden, die linsitirte Stimmabgabe ist nichts als die Privi- Jegirnng der Mehrheit. Jede Partei, sei sie groß oder klein, hat ein Recht auf verhältnißmäßige Vertretung; der Patriotis- wus ist nicht von der Größe der Partei abhängig. Jedes Wahlgesetz und-Verfahren ist in seiner Art Technik; dies ist mso kein Grund zur Bekämpfung des neuen Systems. Der Redner zöge den Vorschlag Kern der heutigen Vorlage vor; er würde die gemeinsamen Kandidaten fallen lassen. Jede . Partei solle ihre Vertrauensmänner selbst wählen können. Ter Parteikampf ist wohlthätig, so lange er ein sachlicher ist. Diese . Sachlichkeit wird gewahrt durch die Proportionalvertretung. Piese wird die Theilnahme am Wahlakte fördern und günstig «uf die politische Sitte wirken. Der Redner stimmt für den Minderheitsantrag." Nun— ans den ersten Hieb fällt kein Baum. Und °as Proportionalsystem, als das einzig vernünftige und �rechte Wahlsystem wird allgemein eingeführt werden, so- Mo, die Staatsmacht nicht mehr in den Händen einer Mischenden Klasse ist, welche ein Interesse daran hat, den swlkswillen nicht zum Ausdruck und nicht zur Geltung gelangen zu lassen. Das R,p»rtoir unserer Ziinftler. Wir entnehmen der iuz- Zeitung" folgendes aus den Verhandlungen des deutschen Seiler-Verbandstages, der eben jetzt in Berlin abge- ten wird:„Die weiteren Verhandlungen des V. deutschen eiler-Verbaudstages führten zunächst zu dem Auftrage an den .erstand, die zur Errichtung einer Fachschule nöthigen Schritte w chun und dahin zu wirke», daß die Lehrlinge auch an solchen Listen geprüft werden können, wo keine Innungen sind. Sodann j>vrde der Vorstand mit Absendung einer etneuten Petition an Reichskanzler im Hinblick auf die bisher stets vergeblich er- lwdte Beschränkung des das stehende Handwerk schädigende bewerbe beaustragt, die Einrichtung eines Arbeitsnach- mÜi*>ür Gesellen beschlossen und eine Petition festgestellt, in eicher der Vorstand den Bundesrath bitten soll, die Ungleich-� >». zwischen den Frachtsätzen für Einzelngut und Wagen- �ungsgut möglichst zu beseitigen. Ter Vorstand soll diese '"" zur Kenntniß aller Handwerkerverbände bringen, daimt . anschließen können. Endlich wurde die Kinder- für das Seilergewerbe als„unentbehr- »e 9t ��te sie sich plötzlich und vollständig nach ihm um, und ."W einen marlerschütternden Schrei aus. Johve entblößten Arme streckten sich, als wollten sie etwas Wassel Uni> m't i,em Ausdruck des Entsetzens stürzt sie dem -Lllber— Huber daS Kind!!" den � sich empor. Seine Augen suchen den Lrebling, Jl"eben sich wähnte, er' ist verschwunden; aber ihre Jetten haben ihm verrathen, wo er ihn zn suchen habe � und jetzt vernimmt er auch schon seinen halber, lickteii ei ans dem Wasser. kh der nächsten Sekunde hatte er sein Kind er- ge�das die einherschießenden Wellen bereits mit sich fort- Livn�.bielt es empor. Sein Gesichtchen war blaß, die aber. bläulich, die Alhembcwegungen schienen unterbrochen, p lichfl»erettet, ist ihm erhalten! Aber die gräßliche Mog- statten«n r � es zu verlieren— 1 Es durchschüttelte den trawn.-�'N wie im Fieber, und seine Brust hob ncki unter U haften Stößen. Fitzbes11'�..�ppcn zitterten, als er sie an den Mund des jetzt druckte, um seinen Atheni ihm einzuhauchen. Und et,Därn, cr rs an sein Herz, um seine kalten Glieder zu iühlte e"--®r rieb ihm Rücken und Schenkel, und ,al� und tioneg � das Leben in diesem kleinen Körper seme Funk- Ü nick» stand �bis an die Knie im Wasser, er wußte '�Uienz � hob er seine Angen und begegnete denen (cbt' nicht wahr?" fragte sie, auch sie war ja!" und er lachte unter hervorstürzenden msmmm &«J5J äs; m r- ßiug hier in einem krampfhaften Schluchzen (Fortsetzung folgt.) l i ch", und eine n n b e d i n g t e S o n n t a g s- u d N a ch t- ruhe f ü r u n d u r ch f u h r b a r erklärt, worauf mit einem Hoch auf den Kaiser geschlossen wurde." Es spukt sogar in den Hy, roden. Unser Parteiorgan, der in H a n n o v e r erscheinende„V o l k s w i l! e", berichtet in seiner Str. 28 vom 2. November folgenden ergötzlichen Vorfall ans H a m e l n. Tie Welt geht unter! So wenigstens werden fromme Gemüthcr denken, denn in einer Sitzung der Bezirks- synode Gr. Bcrkel-Hameln ist etwas ganz Schreckliches vassirt! Senator Junge- Hameln fragte nämlich wegen folgender Un- that an: „Nach der letzten Neichstags-Stichwahl sei das Gerücht auf- getaucht, welches auch noch heute bestehe, daß Herr v. Klenke- Hämelschenburg, Mitglied der Bezirks- und der Landessn.ns.dc und ihrer Ausschüsse, vor dieser Stichwahl für die Wah' es Kandidaten der Sozialdemokraten gewirkt habe. Zur Beruhigung der Gemeindemitgliedcr möge genannter Herr sich darüber er- klären, ob er, wie das Gerücht behaupte, direkt oder indirekt für den Sozialdemokraten thätig gewesen sei. Pastor Richter-Aerzen erwiderte hierauf, ob denn das etwas so Schreckliches sei, wenn Herr v. Klenke für einen Sozialdemokraten gewirkt habe? Noch andere Herren wollten überhaupt die Sache nicht zur Sprache gebracht sehen und bestritten dem Senator Junge die Berechtigung dazu. Ein Vertreter des Konsistoriums erklärte jedoch, daß an der Berechtigung, solche Angelegenheiten in der Synode zur Sprache zu bringen, nickt gezweifelt iverden könne. Herr v. Klenke erklärte hierauf, daß er bei der letzten Stichwahl nicht selbst gewählt habe; als er aber von anderen Wählern ge- fragt sei, wem sie ihre Stimme geben sollte», habe er ihnen gc- antwortet:„Wollt Ihr wählen, dann mögt Ihr bedenken, daß Ihr selbstverständlich keinen nationalliberalen Landesvcrräthcr wählen könnt; wenn Ihr wählen wollt, dann wählt einen So- zialdemokraten."— Pastor Thießen- Hameln stellt nunmehr den Antrag, weil Herr von Klenke nach semein eigenen Zugeftändniß für die Wahl eines Sozialdemokraten thätig gewesen und damit sein Gelöbniß beim Eintritt in die Landessynode verletzt habe, den genannten Herrn von der Synode auszuschließen. Der An- trag wurde gegen 5 Stimmen abgelehnt. Die Stellung des Ministers für Fandwirthfchaft, Lucius, gilt jür erschüttert. Nun, so lange die agrarische Brot- und Fleischvertheuernngs-Politik noch in Mode ist, wird auch Herr Lucius wohl im Amt bleiben. Und für einen U m- s ch w u n g in dieser Richtung sprechen bis jetzt nur fromme Wünsche. Mit dem Inkrafttrete« des InimUditiita- und Altersverstchernngs Gesetzes wird de» Reichs-PostanstaUen neben der Auszahlung der Invaliden- und Altersrenten auch der Vertrieb von Marken zur Entrichtung der Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-Beiträge obliegen. Der Verbrauch an solchen Marken ist für das erste Jahr im Gebiete der Reichs- Postverwaltnng auf 600 Millionen Stück veranschlagt. Um bei dem erweiterten Betrieb die nothwendige Ordnung und Sicherheit in dem Kassengeschäft der Postanstalten aufrecht zu erhalten, hat— wie wir hören— die Reichs- Post- verivaltung in Erwägung genommen, ob: nicht neben gewissen Sorten von Wechsel- Stempelzeichen und Marken zur Entrichtung der statistischen Gebühr auch einige Sorten von Post-Werthzeichen in Wegfall kommen können. Als solche sollen zunächst die gestempelten Briefumschläge und die gestempel- ten Streifbänder in Betracht gezogen sein. Zur Beibehaltung der gestempelten Briefumschläge scheint thatsächlich ein Bedürsniß nicht mehr vorzuliegen, da der Verbrauch davon nach den ange- stellten Ermittelungen von Jahr zu Jahr zurückgeht. In der Zeit von 1886 bis 1889 hat sich der Absatz bei den Reichs-Post- anstalten von rund 2 900 000 auf rund 2 300 000 Stück ermäßigt. Dieser Absatz ist in der That gegenüber der von Jahr zu Jahr steigenden Zahl der im Reichs-Postgcbiet zur Einliesernng kommenden Briefe, welche im Jahre 1889 rund 776 000 000 betrug, als sehr gering zu bezeichnen; entfallen doch auf je 1000 Briefe nur etwa 6 gestempelte Briefuinsckiläge. Auch die gestempelten Streif- bändet haben bei den breiteren Schichten des Publikums keinen besonderen Eingang gefunden, wie dies der nur sehr mäßige Ab- sah der Postverivaltung an Streifbändern am besten beweist. Man wird danach nicht in Abrede stellen können, daß die Her- stcllung und der Vertrieb von Briefumschlägen und Streifbändern seitens der Reichs-Postverivaltung ohne Beeinträchtigung beson- derer Interessen des Publikums eingestellt und lediglich der Pri- vat-Jndnstrie überlassen werden kann. Mie der sozialdemokratische Inkunstsstaat aussirtzt? Mit dieser Frage setzt uns gegenwärtig die gegnerische Presse die Pistole auf die Brust: La bourso ou la vis! Gebt uns ein genaues Bild eures Zulunstsstaates oder wir sprechen dem Sozialismus das Leben ab. Es ist besonders die Zentrumspresse, welche höhnisch auf die Aeußerung Liebknecht's auf dem Halle'schen Parteitag hinweist, der es ablehnte, sich ans Detailmalerei des Zukunstsslaates ein- zulassen und alle derartigen Versuche als unwissenschaftlich be- zeichnete. Leider können wir uns hierin allerdings mit der katholischen Klerisei nicht messen, welche den himmlischen Zukunftsstaat, auf den sie ihre Gläubigen vertröstet, in Predigten» erbaulichen Büchern und bildlichen Darstellungen vis aus die kleinsten Einzelzüge auszumalen versteht, ohne daß sie jemals von einem Insassen dieses ihres Zukunslsstaatcs Lügen gestraft wurde. Gewiß wäre es höchst unwissenschaftlich, ja geradezu kindisch, Angefichts der rastlosen Umwälzung und Umgestaltung der Lebens- bcdingungcn, Einrichtungen und Zustände sich heute schon auszu- malen, wie man im Znknnftsstaat sich räuspert und spuckt, wie man speist, sich kleidet u. s. s. Eine einzige neue Erfindung könnte solche ZukimftSgemälde über den Haufen werfen. „Rast nicht die Welt in allen Strömen fort?" ruft Faust und die politischen Vorgänge der jüngsten Zeit dürften, dächten wir, besonders geeignet sein, diese Erwägung zu rechtfertigen. Wer hätte wohl im vorigen Jahre ein Bild des gegenwärtigen Jahres ausgemalt, ohne den Fürsten Bismarck als Reichskanzler, ohne das Sozialistengesetz und mit einem Halle'schen Partei- tag?— In der Enthaltsamkeit, welche die Sozialdemokratie bezüglich der Znkunstsmusik sich auferlegt, tjeweist sie daher ihre Berstän- digkeit, beweist sie, daß der Vorwurf der Schwärmerei und Uto- pistcrei, den man ihr zu machen so gern geneigt ist, sie eben nicht trifft. Wenn nun aber die Gegner triumphiren:„Ha, seht; die Sozialdemokraten wissen selber nicht, wohin sie steuern", so be- weisen sie damit blos ihre eigene geistige Impotenz. Denn die großartigen Vorzüge eines sozialistischen Gemeinwesens vor dem kapitalistischen sind uns schon heute klar erkennbar, und nicht blos durch logische Räsonnements allein, sondern durch greifbare That- fachen, ganz besonders durch die Großproduktion, deren Ueber- gewicht über das ehemalige Handwerk infolge der Konzentration von Theilarbeitern Jedermann klar vor Augen liegt. Das meint ja Friedrich Engels, wenn er betont, der Sozialismus ist nicht in den Köpfen zu erfinden, sondern in den Thatsachen zu ent- decken. Was man im sozialistischen Volksstaat essen wird, lassen wir dahingestellt sein; aber daß Jeder satt werden wird, das be- Haupte« wir fest. Wie die Wohnungen einst eingerichtet sein wer- den, in welchen! Stil man die Häuser bauen, wie die Anlage der Städte beschaffen sein wird, darüber zerbrechen wir uns nnscrn Kopf nicht, aber das wissen wir gewiß, daß jeder Mensch und jede Familie eine gesunde, geräumige, freundliche Wohnung, ein trauliches Heim haben wird. Wie viele Stunden Jeder taglich zu arbeiten hat, das schon heute zu berechnen, halten wir für ein müßiges, thörichtes Unterfangen; denn das hängt von Faktoren ab, die wir heute unmöglich übersehen können, und zudem revolutionirt die technische Fortentwickelnng der Produktionsweise nnaufhörlich. Dessen aber sind wir sicher, daß im sozialistischen Volksstaat die menschliche Arbeit nicht wie heutzutage durch ihr | ucvcrmaß die Gesundheit untergraben oder schädigen, die geistige ! Beschäftigung verhindern oder beeinträchtigen wird, sondern daß Jedermann ncben der ihm obliegende» gesellschaftlichen Arbeit noch Zeit und Muße genug haben'wird, der Wissen- schaft, Kunst. Natur sich zu widmen und seinen LieblingSbeschäf- ligungcn sich hinzugeben. Zukunstsideale sind wohl in ihren Grundzügen, nicht aber in ihren Spezialzügen klar erkennbar. Wenn also gegnerischerftits— so in einer angesehenen Korre- spondeuz des ultramontanen„Deutschen Bolksblatts" neuesten Datums— gesagt wird:„Noch niemals hat es eine Partei ge- gebe», die sich darauf beschränkte, den Massen, die sie aufwühlte, kaltlächelnd zu erkläre»: Was wir wollen, das wissen wir eigent- lich selbst nicht", so ist das mit Verlaub ein recht albernes Ge- rede. Was wir wollen, das wissen wir sehr genau: Wir wollen, daß Jeder arbeite, aber auch Jeder seinen vollen Antheil am Er- trag der Arbeit empfange. Wir wollen, daß die Produktions- mittel nicht Monopol Einzelner und die Andern von diesen in sklavischer Abhängigkeit bleiben sollen, sondern daß die Produk- tionsmittel der Gesellschaft, d. h. allen gemeinschaftlich gehören sollen und damit auch die Produkte. Wir wollen, daß der Krieg Aller gegen Alle aufhören und die Menschen, statt einander wirth- schaftlich zu zerfleischen, mit einander verbunden seien, der Ge- sellschaftskörper ein einheitliches, organisch gegliedertes Ganze sei, wo jedes Glied, indem es für das Ganze wirkt, zugleich für sich selbst wirkt. Auf die Frage, wie der sozialistische Staat aussieht, können wir daher getrost antworten:„Wir wissen, daß er sich zum kapi- talistischen Klassenstaat verhält wie ein fruchtbares, üppiges Ge- lände zu sterilem, ödem Haideland, wie der Ueberfluß zum Mangel, wie die Kultur zur Barbarei." An» Gberlchlesirn wird im Anschlüsse an die bereits ae- meldeten Maßregeln— erneute Ausweisung polnisch- russi- scher Arbeiter und Arbeiterinnen und Abordnung von Soldaten zur Aushilfe bei der Rübenernte der„Volks-Ztg." geschrieben: Von den Ausweisungen der polnischen Elemente bekommen unsere oberschlesischen Agrarier nicht viel zu spüren, aber um so fühlbarer wird der dadurch entsteyende Arbeitermangel für die Industrie werden. Im Plesser Kreise werden eine Menge Ziege- leien, die Polen beschäftigen, jetzt ganz, und gar zum Stillstand kommen, lind erst die oberschlesischen Steinkohlengruben! Gerade jetzt, wo der Winter und damit ein großer Kohlenkonsum beginnt, wird sich der Arbeitermangel um so fühlbarer machen, als infolge des Mai-Arbeiterstreiks im vorigen Jahre die Gesammtproduktion, welche immerhin 15 745 292 Tonnen k 1000 Kilogramm betrug, einen Ausfall erlitten hat, der in diesem Winter wett zu machen ist. Die ans Maurern, Zimmerleuten, Ziegelstreichern zc. sich rekrutirenden Winter- Grubenarbeiter vermögen den Aussall der ausgewiesenen fleißigen Arbeiter nicht zu ersetzen, zumal erstere erst im November, nach Beendigung der Bausaison, in den Gruben Beschäftigung nehmen. Eine seltsame Ueberwachung mußte sich am Freitage eine Volksversammlung in O e d e r a n(Sachsen) gefallen lassen. Ein wohlbeleibter Herr plazirte sich an den für den überwachen- den Beamten reservirten Tisch und diktirte manche von dem Re- ferenteii gesprochenen Sätze dem Wachtmeister; auch wollte er diesen anscheinend bestimmen, den Redner zu maßregeln. Einigemal unterbrach er ihn auch selbst, indem er die höchst geistreiche Be- merkung fallen ließ:„Nicht persönlich werden!" Wer war nun der Herr? Weder der Bürgermeister, noch ein Stadtrath, sondern — ein Chenillekabrikant, bekannt durch die„hohen" LLyne die er zahlt— für Chenilledecken pro Meter 17 Pf.,— wobei sich ein Wochenlohn bis zu 5 M. erzielen läßt. Beiläufig sind Vorgänge wie dieser in dem„gemüthlichen" Sachsen keineswegs selten. Tie Herren Bourgeois haben die Natur des Klasscnstaates so gut erfaßt, daß sie die Behörden als ihre Werkzeuge und sich selbst als die eigentlichen Herrscher betrachten und dementsprechend auch handeln. Bei Wahle» z. B. ist es in Sachsen— wie übrigens auch anderwärts, freilich nicht so all- gemein— ganz gebrauchlich, baß die Herrn Bourgeois sich neben die Wahlurne setzen, und ihre Arbeiter genau im Auge behalten und auf jeden Stimmzettel sorgfältig Acht geben. Die Wahl- prüfungs-Kommission des Reichslags hat sich oft schon mit diesen Praktiken zu beschäftigen gehabt. Und es wäre sehr gut, wenn einmal ernsthafte Maßregeln gegen solch abscheulichen Unfug er- griffen würden. Den Herren Bourgeois muß begreiflich gemacht werden, daß sie nicht über dem Gesetz stehen— Kochum, den 1. November. Heute Nachmittag fand auf der Delegirtenversammlung des alten Bergarbeiter-Verbandes die Bor- standswahl statt. Für das Amt des ersten Vorsitzenden sielen im ersten Wahlgange auf den bisherigen Vorsitzenden Schröter.69, Sieael-Dorstseld 67, Bauer(gemäßigt) 51 Stimmen. Im zweiten Wahlgange wurde Schröter zum ersten, Siegel zum zweiten Vor- sitzenden gewählt. Auch Schröder-Dortniund wurde in den Vor- stand gewählt. 199 Delcgirte waren anwesend. Ueber die Verhandlungen verlautet noch nichts bestimmtes. Was der Telegraph meldet, ist ebenso konfus als tendenziös. Telegraphisch erfahren wir, daß der in seinem eigenen Lande 1866 depossebirte Herzog von Nassau nun wieder ein richtiger Herzog geworden ist, nämlich von Luxemburg; ferner daß in Irland( T i p p e r a r y) ein irischer Abgeordneter, O'Brien, zu einem Tag Gefängniß verartheilt worden ist. weil er in einer Gerichtsverhandlung einen der Zeugen photo- graphirte. Die auswärtige Politik schlummert vollständig. Seit Fürst Bismarck nicht mehr seine Kaltwasserstraklen losläßt, verlaufen die Dinge viel friedlicher und ruhiger. Lang- wciliger würden wir sagen, ivenn die Völker mcht doch so viel Arbeit hätte». Ans der Schweiz wurden ein paar kleine„Putsche" gemeldet, indeß es stellte sich bald heraus, daß der Telegraph wieder einmal gelogen hatte. Es handelte sich blos um einige Wahlkrawalle, die auch nicht annähernd so schlimm waren, wie die Skandale, welche die deutschen O r d n u n g s p a r t e i e n bei jeder Wahl in Szene zn setzen belieben. In Kern hielt gestern die schweizerische sozial- demokratische Partei einen Parteitag ab. Es wurde be- schloffen, gegen das Auslieferungsgesetz, falls dasselbe vom Nationalrath in der vom Ständerath beschlossenen Form an- genommen werden sollte, das Referendum zn ergreifen. Ebenso wurde beschloffen, gegen die in Vorbereitung befindliche Novelle zum BundeSstrasrecht das Referendum zu ergreifen. Endlich soll von den eidgenössischen Rüthen ein Gesetz verlangt werden gegen die Beschränkung des Vcreinsrechtes der Arbeiter seitens der Aroeitgeber. In der Schwei? arbeitet die Sozialdemokratie tüchtig— wie überall. Ans Bern schreibt man z. B.: Die 26 Gewerkschaften, Arbeiterinnen- und Arbeitervereine der Stadt Bern. haben ein„ S t a d t b e r n i s ch e s Zl r b e i t e r s e k r e t a r i a t" gegründet. Ihr Programm und ihre Statuten lauten: I. In Betracht ziehend, daß unsere weitere Entwickeln»» zur Starke und Selbstständigkeit auf dem Gebiete des sozialen Lebens eine organisirte Fühlung aller Arbciterverbindnngen unter einander und eine solidarische Arbeit nach einem einheitlichen Programm ersordert. gründen wir mit vereinigten Kräfte» ein uns'Allen dienendes„Arbeitersekretariat". ist von' Betracht ziehend, daß unser Vorwärtsgehen abhängig 1. der mtmevischcn Stärke der organisirteu Arbeiterschaft, 2. der Intelligenz unserer Masse. 3- dem geschlossene» politischen Anstreten. überhaupt der einheitlichen Arbeit nachJnnen und nach Außen bestimmen wir, neben der geschäftlichen Förderung aller unserer gemeinsamen Angelegenheiten im Allgemeine», folgende 4 Zweige als Arbeitsgebiet unseres Sekretariats: ») Organisation der Maßnahmen zum Zwecke der Bildung neuer Gewerkschaften und Arbeiterverbindungen und zum Zwecke des Wachsthums und Gedeihens der schon existirenden. Organisation der Verbreitung des allgemeinen Wissens und speziell des Verständnisses des modernen ökonomischen und politischen Lebens und der weltbewegenden Idee der Sozialdemokratie. c) Organisation des geschlossenen Auftretens in allen , Wahl- und anderen politischen und gewerkschaftlichen Angelegenheiten. el>S>-. zur Streik-Kontrolkommifsion des Arbeiterinnen-Vereins. 3. Die Vorlage � Lohntarifs. 4. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten: TellersammU-»»' Der wichtigen Tagesordnung wegen wird um zahlreiches Erscheine» 8. beten. Die Lohntarrf-Kommifstau. _. Achtung!__ Gr. öffentliche Versammlung r sämmtlicher in den,' Glace- n. Cartonpapier Fabriken Berlins n. ümgegen0 beschäftigten Arbeiter n. Arbeiterinnen am Ulittwoch, den 6. November 1890, Abends 8 Uhr, in Scheffer'« 1 Jnselstraße Nr. 10.(, Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Fritz O e l z e:„Der Nor"' arbeitstag und seine Bedeutung." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. � Arbeiter und Arbeiterinnen! Es ist Ehrensache, in dieser Versamm-»-� welche für uns Alle von großer Wichtigkeit ist, zahlreich und pünktlich erscheinen. Der Einbrrnfer, Adolf Hübenthal. Central-Vereiu der Hus- iL CeMstsdiem Berlins.. Dienstag, den 4. November, Abends 0 Uhr, in Deigmiiller's Alte Aakobstrake 48a; Ausserordentliche Generalversammlung. Tages-Ordnung: � 1. Vortrag des Rechtsanwalts Herrn Wolf gang Heine: g gesetzlichen Bestimmungen über die Stellung des gewerblichen Arbeiter». � besonderer Berücksichtigung der Stellung des Hausdieners." 2. idiskun sj 3. Mittheilungen und Ausnahme neuer Mitglieder, sowie Ausgabe der B-u zum Familienfest am 9. November. 4. Wahl der Rechtsschutz- Komm'» 5. Verschiedenes und Fragekasten., Das Erscheinen sämmtlicher Mitglieder ist erwünscht. Gäste haben Zutn-' 99 Der Vorstand Fach verein der Tischler Ionnerstag, den 6. November, Abends 8Vs Uhr, im L okale„Süd-Ost", Waldemar st raße N r. 75 Versammlung. Tages-Ordnung:. v,/, 1. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau:„Das eherne Lohof/' ff, 2. Diskussion. 3. Nochmals die Zustände in der Möbelfabrik von P> Referent: Kollege Ahrens. 4. Verschiedenes u. Fragekasten., w. Tie Kollegen von P f a f f find hiermit zu der Versammlung einge'» 20 Der Uevollmächtigtr�— Fachwerein der Tischler Wü)' Am Dienstag, den 4. November, Abends 8 Uhr, bei Joel(früher Keller), Andreasstraße Nr. 21(oberer Saal) Große versammlnng..„ Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wie stellen wir beabsichtiglen lOproz. Lohnreduzirung der Werkstatt von Krüger, v-' straße 44? 4. Verschiedenes und Fragekaste». Aufnahme neuer Mitglieder. Um rege Betheiligung bittet 07__ Der Meittr-MWsmmi sör Weißenstt mii UsWni� Am Dienstag, den 4. Uovembrr, Abend« 8- 3 Uhr, im Sa"' �_ Aerrn D-rnein, Königs-Ehanstee:,.,a. Außerordentliche Mitglieder- Bersammliu� Tages-Ordnung: �nell� I.Vortrag des Hern, A. Hein dorf über:„Kervfskrano�F. ihre naturgemäße Urilnng''. 2. Diskussion. 3. Vereinsang : a) Bericht der Revisoren über„unsere Kassenverhältuisse" tP ~...- 4. Verschiedenes und Fragekasten. Erscheinen ersucht Der V-rstan� Heiken: a) Bericht Wahl eineS ersten Kassirers.___________________ Mitgliedskarte legitimirt.— Um zahlreiches Hierzu zwei Keilad� Verantwortlicher Redakteur: Curt Vaake in Berlin. Druck und Verlag von Ular Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. 1 Kr. ä57. Dienstag, den 4. November 1890. 7. Jahrg. Deber Personenknltns. .— eb. Es>vird heutzutage sehr viel wider den Personenk iltu� »�schrieben und geeifert, ohne daß man sich eigentlich die Muhe "Mint, zu erklären, waS man unter dem Begriff„Personenkultus "gentlich versieht. Tas Wort ist zu einem Aller, velts-Schlagivort geworden, das die meisten anwenden, wo es ihnen in den Kram SBK heute für die, morgen für jene Sache, und das auf dieie �eise jeder bestimmten Bedeutung verlustig geht, außer der, dap " etwas ungemein Verwerfliches bezeichnet oder bezeichnen soll. S»lch' ein unbestimmtes Schlagwort hat stets schon deshalb ' sehr Bedenkliches, weil es sich zu jedem Mißbrauch dar- etwa. dielet. schädlich?� f-Ib'1 gules.Tiug, wenn falsch angewendet. Muouchct wirken kann, als das U-bel' das bekämpft weiden soll. mmmmm dliudliugs den Einordnungen ->v-> den Anordnungen des Führers. Man verliert den "M"! für das Wirken und Walten der in der Masse thätigen "nd von ihr.............. M di- fklichW: : zu entwickelnden Kräfte. Das Auge wird getrübt einseitige Beschäftigung mit der bevorzugten Per- tu Verdienst, gegen den Personeukultus in diesem Sinne bJ,-. Stögen zu sein, gebührt den Denkern und geistigen III t(ITH �«*3 l, tYX � � � 3 löiiu des heutigen Bürgerthums. Der Kampf, den das »...üirthuin seinerzeit auf ökonomischem und politischem Gebiet ueUt" Einrichtungen aus der Feudalzeit führte, spiegelte sich 9ri,l®. ch�der als ein Kampf gegen den Begriff der dn.n. t". Zunächst der Autorität der Einrichtungen, ffiw n�er auch der Autorität der Personen. Er !wf religiösem Gebiet zum Rationalismus und Atheismus, wI Awsophischein zum Materialismus und schließlich in der ;..,Mchtswissenschast zum sogenannten Objektivismus. Die„ob- «i ti' �chichtsschreidiiug seifu kann als der letzte Ausläufer dieser !n"Mn Bewegung aufgefaßt werden. Einer ihrer glänzendsten >» E x � der berühmte Verfasser der Geschichte der Zivilisation st„"Tu'w"0 im neunzehnten Jahrhundert, Thomas Buckle. K, Mr zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts hat wiederum eine iiiiß- 11 stattgefunden, ans deren Wie und Warum hier nicht k�nzelnen eingegangen werden kann, die( ; aber in der veränderten des zur Herrschast gelangten Bürgerthums ihre natürliche P'ung findet. fn*. der„objektiven" Geschichtsschreibung, die viel- iiifAk Mit der materialistischen Geschichtsauffassung ver- bis-„worden ist, wird der Kampf gegen die„Autorität" ist w � rubersten Konsequenz getrieben und— übertrieben. Alles - Produkt der objektiven Verhältnisse, mechanisch wirkender Ä-?,"Gesetze.". Das bewußte Eingreisen in das Walten diese y.>'che, i,, den Gang der objektiven Verhältnisse ist zwecklos, j ton','iV vsang ver«ujeiiiucu-orlyut«»„r i|i oiutuiuv, ju �'lieber. Die Masse ist Alles, der Einzelne Nichts. Es ist die üljMM des Manchesterlhums auf das gauze Leben der Gesellschaft "ragen. wissen wir, daß die Manchester-Toktrin nicht das letzte i!)re"w'ffchltcheii Wissens und Erkeuntniß ist. Wir erkennen hr i Berechtigung an. sind jedoch weit entfernt davon, »t.-""dingte Geltung zuzusprechen. Als maßgebende Doktrin nv�ute überwunden. ��-»igstens aus ökonomischem Gebiet. Geistig stehen jedoch tz? Viele, so sehr sie sich sonst über sie es haben dünken, unter Bann. In erster Reihe-----'•; h an'anu dieselben als die k-s Vianchefterthums bezeichnen. Alle der bürgerlichen Sturm- �ein �hueu wieder. Jndeß sind es nicht die Anärchiste» «Sch' auf welche dieselben ihren Zauber ausübe», es gilt dies Wn«enn. aurh in geringerem Grade, von allen übrigen radi- ni*. Parteien. Auch die Sozialdemokratie hat sich vielfach noch Infi m 0,n ihnen frei gemacht. Tas zeigt u. A. gerade der kritik- gebrauch des Wortes„Personenkultus" ie A n a r ch i st e n. ußerste Orthodoxie Schlagworte, alle und Drangperiodc ß..'—------------------. iiltideä"; bil V«r[ptieit, ist der persönliche Einfluß etwas Gleich- m der Menschheitsgeschichte? Wen» wir ihre großen py,».—.---- I 7DIV--/"-.........-> O f- betrachten, so sind wir geneigt, die Frage zu bejahen. Ttzesker. ba,>k»n,'!..5rsstng-Thrater. Der Traum ein Leben, dies ge- i» de,« i dramatische Märchen, das Grillparzer als Gegenstück % e ber,ihmten Drama des Calderon geschaffen hat, wurde Mdien?„°ud im Lessing- Theater mit so großem wiewohl- �fslich» Verfolge aufgeführt. Die Jnszenirung war eine vor- Mi«, r», ,, Darstellung eine harmonisch abgerundete. Herr t»d bnä o ,e �en Rttstan, und er spielte ihn gut: solche Rollen fo war M�benselement dieses nervösen, feurigen Künstlers, und jprach Jr w>n Wunder, daß er den Absichten des Dichters ent- aiing,j„M w>n Anderer. Tie seelischen Kämpfe des ehrgeizigen ?oih.n,,,??' der Schritt für Schritt dem Abgrund mit Natur- M Un"8'e,t zugeführt wird, bis sein Geschick sich erfüllt, ivur- bijeich,..," Kaiuz ergreifend veranschaulicht. Ein ans- ojt,.Ier Zanqa war der vielgewandte Herr Klein, ' wahre Proteusnatur, den Grafen Traft, den "lleres-g.M"nd de» Negersklave» des Märchens uns de» M"nd glaubhaft zu machen weiß. Ter Zanga stellt "d � � große Ansprüche. Die Mischung des Burlesken "»d zu?'!stfl*u in diesem Charakter birgt der Gefahren genug, W V.schs'tsrt der Schauspieler, indem er das eine Mou.ent S uüb«"' rernachlSssigtz"'Ädols Klein's ii-i't'un et»ä.?M'ge Gulnare. Herr Stngeman» hätte den Bcr i)eii der 6% lefc Furcht nicht begreifen konnte. E» i't das flott �feiten Maiigen, Fafner und ähnlicher zoolvgilcher Iliige- ll)g,..m>rcht'«.Durchgängig das Gegenlheil des gewollten Esiekls, % ist/' Hnterkeit hervorzurufen. Was auch eine Art Ka- vor M �heater. Als am Sonnabend Zlbend der Bor- �ob,° iuiu sM(winen Bühne des 5tunsttenipels i» der Blunien- Tz.""' ab" Male fiel, da gab wohl die Klaque ihre ublrchen Mü___"»v*; w öv,v. � � v, Jff YWWWW > JJ* sah das sogenannte Stammpublikum des Residenz '"»r. ahne Zoten und im Residenz-Theater— so "ach nrcht dagewesen! Ans sie vermögen die Einzelnen nichts oder so gut wie nichts. Der größte Despot, der mächtigste Autokrat ist ein ohnmächtiger Zwerg gegenüber den materiellenAaktoren.den ökonomischen Gesetzen, welche die Entwickelung der Völler bestimmen. Aber die Menschen leben nicht blos von Jahrtausend zu Jahrtausend, von Epoche zu Epoche, von Generation zu Generation. Sie leben von Jahr zu Jahr, von Tag z» Tag, und sie haben ein Interesse an dem, was von Jahr zu Jahr, von Tag zu Tag geschieht. Und im Bezug hierauf sind die individuellen Faktoren, ist das persönliche Eingreifen von großem Einfluß. Das ist so augenfällig, daß es keiner weitere» Begründung bedarf. Wir brauchen gar nicht auf die großen Bewegungen und Aktionen zu exemplisiziren, jeder Tag zeigt das an tausend kleinen Beispielen. Nehme» wir ein Beispiel aus dem uns naheliegenden Gebiet der Arbeiterbewegung, sagen wir einen Streik. Obwohl die objektiven Faktoren in jedeiil einzelnen Falle gegeben sind, wieviel kommt auf die Umsicht und Energie an, mit der er ge- leitet wird! Oder nehmen wir die politische Agitation. Wie oft haben wir nicht schon gesehen, daß in gewissen Ortschaften, wo alle objektiven Vorbedingungen einer sozialistischen Bewegung ge- geben waren, der Sozialismus doch nicht Boden fassen wollte, bis eines Tages der richtige Agitator, bezw. Organisator sich niederließ und die Soldaten des proletarischen Besreiungskampses so zu sagen aus dem Boden stampfte. Wäre es nicht der höchste Doktrinarismus, zu läugneti, daß hier die persönlichen Eigenschaften einen großen, ivenn auch natürlich nicht den ans- schließlicheu Antheil am Erfolg trugen:' Wenn es aber nicht gleichgiltig ist, was die Einzelnen thun oder lassen, so kann es unmöglich falsch sein, das Ver- dienst da, wo es wirklich vorhanden ist, auch anzuerkennen. Wir brauchen deshalb noch keine Erfolgsanbeter und Menschen- vergötterer zu sein. Es Handell sich nur darum, uns nicht selbst zu belügen. Und das geschieht nicht nur dadurch, daß man, wie es ehedem der Fall war. Einzelnen übermenschliche Fähigkeiten und Leistungen andichtet, sondern auch dadurch, daß man den Menschen eine Gleichheit der Anlagen und Fähigkeiten substituirt, die thatsächlich nicht vorhanden ist, daß man den Werth der persönlichen Tüchtigkeit, von Wissen und Talent, aus doktrinäre» Rücksichten negirt. In Nr. 248 des„Verl Volksbl." wird ein in der„Magdeb. Voltsstimme" erschienenes Eingesandt zitirt, das sich mit großein Eiser gegen den„Kultus" wendet, der„sowohl in unserer Literatur wie im politischen Leben mit der Person Atarx's be- trieben wird." Anlaß zu seiner Philippika boteir dem Verfasser des Eingesandt die von Paul Lafargue in der„Neueil Zeit" veröffentlichten persönlichen Erinnerungell an Kart Marx und speziell der Satz darin, wo es von Marx' Arbeitszimmer heißt,„dieses Zimmer ist historisch und man muß es kennen, will man in das Marx'sche Geistesleben von seiner intimen Seite ein- dringen." Wir glauben kaum, daß Lafargue auf den Ausdruck „historisch" besonderen Werth legt, obwohl mau den Ort, in dem ein bedeutendes Geisteswerk vollendet worden ist, immerhin ebenso gut historisch nennen kann, wie etwa den, wo z. B. eine Schlacht geschlagen wurde. Im klebrigen läßt Lafargue gar keinen Zweifel, warum er das Zimmer besonders erivähnt. Die ganzen, dem Zitirten folgenden Sätze sind der Schilderung gewidmet, wie Marx in jenem Zimmer und wie er überhaupt gearbeitet. Das zu wissen, ist aber keineswegs gleichgiltig. Es lehrt uns nicht nur den Menschen Marx näher kennen, der ja doch schließlich keine alltägliche Erscheinung Ivar, sondern es lehrt uns auch sein Werk besser ivürdige», dessen säkulare Bedeutung der Verfasser des Eingesandt selbst nicht zu leugnen versucht. Daß es das Werk eines Denkers ersten Ranges ist, diesem Eindruck kann sich Niemand entziehen, der das„Kapital" liest. Wer aber außerdem weiß, mit welcher peinlichen Geivissenhaftigkeit Marx gearbeitet hat, der wird das Buch doch noch mit anderen Augen studireit und mancher Stelle, über die er sonst hiniveg- gegangen wäre, sorgfältige Beachtung schenken. Dies nur beiläufig. Es fällt uns nicht ein, zu leugnen, daß die Anerkennung der Tüchtigkeit und des Verdienstes auch in einen widerlichen und schädlichen Kultus ausarten kann, schädlich namentlich insosern, als er, wir wiederholen, geeignet ist, dem Streben nach Selbstständigkeit im Denken und Handeln Abbruch z>! thun. Das thul aber auch das entgegengesetzte Extrem, das natnrnothwendig zum Kultus der an- Allerdings war die Sache harmlos— von den wenigen Pikanteriea abgesehen, konnte die„Familie Monlinard" in jedem Daiiienpensionat ausgeführt iverde», ohne daß erst ein Schutzmann sein kunstkritisches Urlheil> hätte abzugeben brauchen. Der Schwank ist toll genug, aber entkleidet nian ihn alles seines Beiwerks, so bleibt schließlich doch nur ein ganz winziger Kern übrig, der eigentlich nicht ausreichen sollte, um daS Publikum durch drei Akte hindurch durch allerlei Mätzchen hinzlihalteu. Der vorliegende französische Schwank erinnert in seiner Grundidee lebhaft an die alte Berliner Posse. Der reichgewordene Senshändler— oder Fabrikant, wie er sich lieber nennen hört— könnte, ins Berlinische übersetzt, sehr gut der Budiker sein, der sich vom Hausknecht bis zum Hausbesitzer„emporgearbeitet". Alle die kleinen liehen Schwächen und Aufgeblasenheiten finden dem französischen Philister wieder— sogar die Y_ f._ Z—.. L. n Or> 4» f 1*.... L'........— und klein- wir bei Frau, die als mehrfache Atillionäriu immer noch nicht das Scheuern und Putzen lassen kann. Ter Schwank, d. h. die Verwechselungen desselben, sind auf einem Druckfehler aufgebaut: eine Idee, die gerade nicht durch den Reiz besonderer Neuheit auffällt, lieber diese Harmlosigkeit versteht der Autor jedoch außerordentlich glücklich hinwegzutäuschen, er versetzt uns in einen Trubel dex Situativuskoinik, aus dem man erst bei Schluß des Stuckes wieder herauskommt. Gespielt ivnrde sehr gut. Herr Pausa fand für seine» breiten, selbstgefälligen Humor einc gliicküche Verwendung, nebe» ihm ist vornehmlich Herr Reicher, als der saloppe, ironische Flaneur des Pariser Boulevards zu nennen. Von den Damen fiel besonders Josesine«Pagay auf. Die übrigen mitivirkenden Künstler waren vollständig auf der Höhe der Situation. Dem Schwank ging ein Einakter voran— über den man am Liebsten schweigt. GrdnuKen splittert Tie Liebe ist t ic Köchin des Le'benS; sie macht es erst fchmack- Haft, aber ß.e versalzt es auch o.t. Wenn ein reicher Schasskopf eine noch reichere Gaus heirathet,— so nennt man das eine Bernunstheirath. Fässer und Menschen werden hoch gestellt, wenn's auf die Neige geht. ") Gedankensplitter. Gesammelt aus den„Flie- »den Blättern". 2. Theil. München. Braun und g e Schneider. maßenden Unwissenheit und Unfähigkeit führt. Und wenn er nicht in einen Dogmatismus ausartet, ist der siultuS des Genies') immer noch das kleinere Uebel. Denn es liegt in ihm etwas geistig Anregendes und Erhebendes, während die scheinbar radikale Gleichmacherei nur zu oft der Deckmantel ist der Oberflächlichkeit und Denkfaulheit. Sln die Stelle des Personeukultus tritt ein noch schlimmerer Kultus der hohlen Phrase. Wer selbst arbeitet und sich geistig zu vervollkommne» sucht, der wird den Leistungen der großen Denker und Vorkämpfer des Menschengeschlechts nur neidlose Anerkennung und Bewunderung entgegenbringen. Hinter dem Geschrei über den Personenkultus steckt aber sehr oft nur die Eitelkeit des verkannten Genies, das heißt der mit den Ansprüchen des Genies auftretenden Mittel- Mäßigkeit. Wir können uns der Geistesriesen, die uns die Bahn gezeigt, freuen, ohne deshalb uns selbst zu zwerghafter Kleinlich- keil zu erniedrige». Nrmmrmrriles. Die sozialdemokratische Fraktion der Stadtverord- neten hat folgenden Antrag eingebracht: „Die Stadtverordneten-Versammlung wolle beschließen, den Magistrat zu ersuchen: Vorkehrungen dahin zu treffen, daß die für die Gemeindeschüler nothwendigeu Lehrmittel auf Kosten der Stadt beschafft und den Schülern vom I.April 1891 ab unentgeltlich verabfolgt werden und die hierzu er- forderlichen Mittel in den Etat pro 1891/1892 einzustellen. Berlin, den l. November 1890. Stadthagen, Gnadt, H e i n d o r s, Herz- leldt. Klein, Singer, Tempel, Vogtherr, Z u b e i l. Uolmles. Mi? Kourgeoio sich zu helfen Wissen. Wie der„Kon- fektionär", eine Zeitschrist, ivelche den Geschäftsgang der Be- kleidungsindustrie in ihrem ganzen Umfange bespricht und deren Interessen wahrzunehmen sucht, mitthcilt, hat die hiesige Kleider- stoff-Firma Max Manasse». Ko. ihre Zahlungen eingestellt. Sie schlägt ihren Gläubigern einen gütliche» Bergleich in der Art vor, daß sie Jedein derselben die Hälfte seiner Forderung unter der Beving mg zahlt, daß er sich jeden weiteren Anspruchs an die Firma begebe. Wenn dis Gläubiger diesen Vorschlag annehmen, woran schon deshalb nicht zu zweifeln ist, weil die erheblichen Kosten, welche bei der Durchführung des 5konknrsverfahrcns ent- stehen, es ungewiß lassen, ob die Forderungen bis zur Hälfte ge- deckt werde», so hat die zahlungsunfähige Firma kein schlechtes Geschäft gemacht; sie ist schuldenfrei geworden, und kann wieder so lange weiter handeln, wie sie Kredit hat, hört er ans, so sucht man sich abermals init seinen Gläubigern zu einigen. Ober- flächlich betrachte! scheint das Akkordiren, das auch bei eröffnetem Konkurse gesetzlich init Zustimmung des Konkursrichters gestattet ist, beiden, dem Schuldner soivohl ivie dem Gläubiger, vortheil- hast zu sein, weil Ersterer im Stande bleibt, sein Geschäft weiter zu führen und dieser einen größeren Theil seiner Forderung als bei der Durchführung deS Konkurses erhält. Prüft man jedoch das Akkordirungssystem genau, so ergiebt sich, daß es in den meisten Fällen iveiter nichts ist, als eine Vorschubleistung kauf- männischen Leichtsinnes und der Spekulationswnth. Der Satz,„die Menge muß es bringen", ist gang und gäbe, ivenn aber an dem Einzelnen nichts verdient wird, ge- *) Natürlich wird hier nicht an das sogenannte„Genie" ge- dacht, welches sich in Verbrechen wie Massenmord, Eroberung, Unterdrückung, Ausbeutung u. s. w. äußert. Red. des„Berliner Volksblatt". Mancher weiß beim Besteigen der Tribüne nicht, w a s e r lagen will, und beim Verlaffen nicht, was er gesagt hat. Das größte Spielhonorar beziehen die Komödianten des Lebens und nicht die der Bühne. Das Schulgeld des Lebens heißt Zeit und Gesundheit. muß dann Wer für die Menschheit gekämpft meistens für sich selber fechten. Um ein guter Vorgesetzter zu sein, braucht man blos eine Anzahl tüchtiger Untergebener. Gute Vorsätze, welche man im Unglück faßt, gleichen den Knoten im Taschentuch: Man vergißt nur zu bald, weshalb sie gemacht waren. Eine Frau, die ihren Mann schlecht behandelt, macht zehn alte Jungfern. Wie glücklich würde Mancher leben, wenn er sich um anderer Leute Sache so wenig kümmerte, wie um seine eigene. Es giebt Menschen, welche vom Schicksal nicht zermalmt, aber fortwährend gezupft werde». Argwohn ist ein großer Dichter. Ter Vater der Schauspielkunst ist das Genie. Man kennt aber auch die Mutter— sie heißt Reklame. Es ist sonderbar, daß die schmutzigsten Geschäfte oft den größten Reingewinn abwerfen. Das Raubthier zeigt seine Natur, wenn es Blut, der Mensch, wenn er Geld sieht. Kinder und Völker denken immer nur an die letzten Schläge. Die Reue, die Feuerspritzen und die guten Gedanken kommen meist zu spat. Jeder ist sein eigener Pechfabrikant. Die schivache Seite des Kopfes wird Herz genannt. ort zu halten, besteht Ein guter Theil der Kunst, sein darin, es selten zu geben. Die Erde ist ein Bahnzug, in welcher Mancher I. Kl. fährt, der eigentlich ans dem Schub befördert werden sollte. Wiege und Snrg, „die Welt bedeuten"/ das sind die Bretter, welche wirklich schieht eZ auch nicht bei der Menge. Das Ganze läuft auf. Preisdrnckerei hinaus, unter welcher der Arbeiter am meisten zu leiden hat, ihm wird der Lohn verweigert, denn der Kaufmann will leben und zwar sehr gut. Daß aber das Akkordiren gestattet ist, und unter gewissen Bedingungen vom Konkursrichrer diejenigen Gläubiger, welche sich weigern, dem vorgeschlagenen Akkorde beizutreten, dazu gezwungen werden können, ist eine Bevorzugung der Bourgeoisie, die sich überall in unserer Gesetzgebung geltend macht. Der Kleimneister und der Arbeiter werden bis an die Grenze des Nothwendigsten ge- pfändet, für sie giebt es weder Konkursverfahren noch ein Akkordiren. Es haben ferner nach Angabe desselben Blattes die Trikot- strma Albert Königsberger, die Plüsch- und Wollenwaarcu-Firnm Dacge und Ury Hierselbst ihre Zahlungen ebenfalls eingestellt, jede dieser Beiden mit mehr als 100 000 M. Schulden. Als Hauptgläubiger werden andere hiesige Geschäftshäuser bezeichnet. Mögen diese sehen, wie ste zurechtkommen, gehts nicht anders, so stellen auch sie die Zahlung ebenfalls ein. Groß ist das Unglück, wie vorstehend gezeigt, nicht, sie fallen dabei jedenfalls auf die Beine, wer am schlimmsten dabei fährt, sind namentlich bei der Trikotfirma die zahlreichen Arbeiterinnen. Als vor einigen Jahren die Trikotkonfektion in Aufnahme kam und die von Trikotstoff angefertigten Kleidungsstücke, wie Taillen, Kinder- kleidchen u. f. w., wegen ihrer Anschmiegsamkeit in der Frauen- rvelt sehr beliebt wurden, wendeten sich viele Kaufleute diesem aufblühenden Geschäftszweige zu. Man hätte glauben sollen, daß anfänglich den Arbeiterinnen, welche sich dieser Branche zuwandten, gute Löhne ge- zahlt werden würden. Die Kaufleute kannten aber die Situation zu gut, sie setzten so niedrige Preise fest, zu denen sich doch genug Arbeiterinnen anboten, daß die Trikot- näheret eine der wenigst lohnende Näharbeit wurde, und zwar hauptsächlich als Folge der auch in diesen Arbeitszweig sofort eingreifenden Hausindustrie,' deren verderbliche Folgen sich in diesem Fache recht auffallend gezeigt haben. Es eignen sich nämlich weder die Wheeler- und Wilson-, noch die Sin'ger-Näh- Maschine zur Verarbeitung des Trikotstoffes wegen seiner Elastizität. Die Nähinaschinen-Tcchnik beseitigte durch Erfinvung der sogenannten„Ringschiffchen- Maschine" sehr bald diese» Uebelstand. Diese Maschinen nähen schneller, und was die Hauptsache ist, die erforderliche Spannung läßt sich leicht reguliren. Als sich erst einige Arbeiterinne» solche Maschinen beschafft hatten, mußten nothgedrnngen andere folgen. Das Abzahlungssystem erleichtert solche Beschaffungen, aber verurtheilt die Käuferin auch zu vielmonatlicher Entbehrung, um die aus- bedungene Abzahlung pünktlich leisten zu können. Jetzt, nachdem die Trikotbekleidung etwas aus der Mode gekommen ist, sind Hunderte dieser Maschinenart für den Augenblick unvcrwendbar. Dieser Vorgang wiederholt sich fortwährend, jede neue Mode bedingt beinahe eine besondere Maschinenart, und da die Kon- sektion mit verschwindend wenigen Ausnahmen als Hausindustrie betrieben wird, so leidet der Arbeiterstand allein unter den Folgen der wechselnden Moden. Die von den Freihändlern hochgepriesene Hausindustrie verelendet nur den Arbeiterstand, während sie dem Großkausmann zu bedeutendem Nutzen gereicht. Air kleine Elise Schaaf, welche sich, wie bekannt, in der Charitee befindet, ist munter und guter Dinge. Sie wird von Tag zu Tag theilnehmendcr. Die Wunde ist trocken und nahezu geheilt, und die Aerzte haben im Hinblick auf den günstigen Ver- lauf ihre Genehmigung dazu ertheilt, daß das Kind sein Bett verlassen darf. Die Sprache indessen hat sich immer noch nicht wieder eingestellt. Je mehr aber das Kind in den Besitz seiner geistigen Kräfte zurückkehrt, desto mehr nehmen die Aerzte darauf Bedacht, die Erinnerung an die frühere Zeit fernzuhalten. Aus diesem Grunde werden Personen, welche der Kleinen bekannt sind bezw. mit denen sie vor ihrer Krankheit verkehrt hat, als Besuch durchaus nicht zugelassen. Die unverehelichte Marie Knetter, welche am 20. September d. I. im Thiergarten von ihrem Bräutigam, dem Zuschneider Eesticki unvermuthet einen Revolverschuß in die rechte Wange erhielt, befindet sich, wie die„Voss. Ztg." melden kann, gleichfalls noch in der Charitee. Sie bringt den Tag über bereits außerhalb des Lagers zu und sieht, da die Wunde bereits vollständig geheilt ist, ihrer nahen Entlassung entgegen. Allerdings steckt das Geschoß noch im Kopf und kann, da die Aerzte die Stelle nicht genau kennen, auch noch nicht herausgeholt werden. Auch ist noch eine Lähmung der rechten Gesichtsseite vorhanden, welche namentlich beim Sprechen und Schlucken hinderlich wird. Eesticki ist in der Abtheilung für Geisteskranke untergebracht worden. Die ärztlichen Beobachtungen haben zu der Annahme geführt, daß wohl eine geistige Störung vorhanden sein könnte. Soziale Frage und Uegetarivmuv. Auch die Vegetarier beschäftigen sich mit der sozialen Frage. Einzelne Vertreter des Vegetarismus erklären in ihren Schriften, daß die allgemeine Annahme der Pflanzenkost die größte soziale Reform sein würde, da es möglich sei, als Vegetarier mit 50 Pf. täglich seine ganze Nahrung zu bestreiten und dennoch gesund und glücklich zu sei». Sie erwarten, daß Arinuth und Verbrechen zu neun Zehnteln aus der Welt verschwinden werden, wenn erst alle Menschen zu Anhängern des Vegetarismus geworden sind. Manche glauben übrigens, daß dies in nicht zu ferner Zeit wirklich eintreten werde. Sie weisen mit Genugthuung auf die immer mehr zunehmende Verbreitung des Vegetarismus hin, die ja allerdings durch den Umstand bestätigt zu werden scheint, daß kürzlich in Berlin bereits das 9. vegetarische Speisehaus eröffnet worden ist. Aber das beweist weniger für die fortschreitende Verbreitung des Vegetarismus als für die fortschreitende Verarmung der besitzlosen Klassen. Die Gäste der vegetarischen Speise- Häuser sind keineswegs alle überzeugte Vegetarier, sondern vielfach junge Kausleute, niedere Beamte u. s. w., die aus Sparsamkeitsrücksichten dort essen; denn billiger kann man dort allerdings essen als anderswo, namentlich seitdem die Fleisch- preise so gestiegen sind. Aber daß man in den vegetarischen Speisehäusern mehr magere als wohlgenährte Gestalten sieht, spricht nicht gerade für die Wirksamkeit der Pslanzenkost. Die Vegetarier haben gewiß'die besten Absichten, aber die soziale Frage wird von ihnen ebenso wenig gelöst werden, wie von all den Quacksalbern, welche das Loos deS Proletariers erträglicher machen wollen, ohne die besitzenden Klassen in ihren» Vortheil zu schmälern. Nur einS haben die Vegetarier vor den anderen „Sozialreformern" voraus. Sic machen das Experiment, das sie den Proletariern empfehlen, zii allererst an sich selbst. Dadurch unterscheiden sie sich vorthcilhaft von jenen„Volksfreunden", welche irgend eine„vernünftigere" Ernährungsweise ausklügeln und dann dem Volk bcispielsiveise Stockfisch und Magermilch als außerordentlich nahrhaft anpreisen, während sie selbst� sich nach wie vor mit Fasanen, Trüffeln und Champagner behelfen. Wir erhaltr« folgend-» Hchreiden: In der 1. Bei- läge Nr. 255 des„Berliner Volksblatt" lese ich von den Weit- länsigkeiten, welche ein Maurer ivegen den Bescheinigungen in Betreff des Alters- und Invaliden- Versicherungsgesetzes gehabt hat. Mir ist es genau so ergangen. Auf dem Polizeibureau Nr. 1 schickte man mich zurück mit dem Bemerken, der Meister solle selbst kommen. Der betreffende Meister hat das auch nach langer Zeit gethan. Auf mehreren anderen Polizeibureaus hat man mir die Bescheinigung abgenommen und mich für einige Tage später bestellt, um unterdessen die Unterschrist des Arbeitgebers zu re- kognosziren. Auf diese Weise bin ich jetzt im Besitze aller Be- scheinigungen. Nun bin ich der Meinung, daß das zuletzt be- merkte Verfahren der Polizei das bessere ist und möchte hieran für andere Arbeiter den Rath beifügen, falls es dein Einen oder Anderen passiren sollte, daß man ihn aus dem Polizeibureau kurzweg abweist, sich an das Präsidium zu wenden mit der Bitte, ihm zur Beglaubigung des:e. Scheines zu verhelfen. Ich glaube, das würde zur Folge haben, daß eine allgemeine Vorschrift er- lassen würde, wie diese Sache von dem Bureauvorstand zu be- handeln sei. Zur Richtigstellung wird uns vom Leseklub Heine in Ripdorf mitgetheilt, daß unsere Notiz in Bezug auf den Verbleib des Geldes, welches bei den amerikanischen Auktionen in Friedrichs- Hagen gesammelt wurde, im„Berliner Volksblatt" s. Z. eine irr- thümliche Aliffassung gestanden hatte. Dem Leseklub Heine in Rixdorf sind ans den amerikanischen Auktionen niemals Gelder zugegangen, der Klub kann daher für die Verwendung der Beträge in keiner Weise verantwortlich gemacht werden. Der Wae Kinley-KiU, welche für unsere Industrie ver- hängnißvoll ist und, wie gewöhnlich, den Arbeiterstand am härtesten trifft, widmet der„Konfektionär" nochmals eine Be- sprechung. Er schreibt, den Export betreffend: „daß die deutsche Industrie— wie frühere Erfahrungen lehren— durch Steigerung ihrer technischen Leistungs- fähigkeit und Mannigfaltigkeit vielfach im Stande sein wird, die Wirkung der höheren Zölle aufzuheben. Sie wird in diesem Bestreben durch die im Gefolge der höheren Zölle innerhalb der Vereinigten Staaten gesteigerten Preise der Produktionsmittel, sowie durch die Einseitigkeit der dortigen Produktionsweise unterstützt." Der Sinn dieses langen Satzes läuft darauf hinaus, daß an den Arbeiter höhere Anforderungen zu stellen seien, sei es nun in geringerem Lohne, in höherer Leistung durch Ver- längerung der Arbeitszeit oder größerer Aufwendung von Körper- kraft. Mag immerhin die Maschinerie vervollkommnet iverden, so wird wiederum der Arbeiter Derjenige sein, der den Schaden auszugleichen hat. llebrigens darf man überzeugt sein, daß auch ohne die vorstehende Aeußcrung des„Konfektonär" unsere Fabrikanten nicht säumen würden, wie gewünscht, zu handeln. Auf der Krandstelle in der Neuen Friedrich- st r a ß e 47 sind erst in der vorletzten Nacht um 2 Uhr die Auf- räumungsarbeiten beendet worden; noch immer aber ist eine Brandwache(ein Ober-Fcuermann und vier Mann) auf der Stätte des verheerenden Brandes anwesend, da immer noch Ge- fahr vorhanden ist, daß hier oder da Flammen wieder aufgehen werden. Die Reste der im Speicher aufgestapelten Waaren sind nach dem Berliner Lagerhof in der Brunnenstraße geschafft wor- den. Gestern Abend um Vs7 Uhr wurde dorthin ein Zug der Feuerwehr gerufen, da die Hanfvorräthe sich überhitzt hatten und Selbstentzündung drohte. Auch dieser Brand hätte übrigens, wie der Öfsiziosus der Feuerwehr schreibt, bei einem Haar recht ver- hängnißvoll werden können. Als Branddirektor Stüde erschien, wurde ihm vom Direktor Bodstein versichert, daß im linken Seitenflügel„keinerlei Gefahr" vorhanden sei. Direktor Stüde richlete daher sein ganzes Augenmerk auf den brennenden Speicher und begab sich zu diesem Zweck nach dem dahinter belegenen Garten. Erst hier wurde ihm dann mitgetheilt, daß vom Speicher aus Holzthüren nach dem Treppenhaus des Flügels gingen und daß hier thaffächlich Menschenleben in Gefahr schwebten. Der Bau des Speichers soll überhaupt in keiner Weise den An- .orderungen der Feuersicherheit entsprochen haben; die einzige Treppe des Speichers soll eine schmale Holzstiege gewesen sein. Durch eine» Ginbruchsdieb stahl war gestern Nacht das in dem Stadtbahnbogen am Zwirngraben belegene Zigarren- geschäft von Paede bedroht, dasselbe, in welchem vor einigen Wochen am hellen Tage ein Attentat auf die allein anwesende Nichte des Inhabers versucht und die Ladenkasse größtentheils geraubt worden ist. Gestern Nacht gegen 1 Uhr hörte Herr P. ein sich mehrfach wiederholendes Klinken an der Thür zu einer Wohnung und später auch an der Ladenthür. Sofort aus dem Bett springend, gewahrte er nun einen Menschen, der sich an den Scheiben des Schaufensters zu schaffen machte. Schnell bewaffnete sich P. mit einem Revolver, als ihm ein Klirren der Scheiben auch schon belehrte, daß er es mit einem Ein- brecher zu thun hatte. Schnell entschlossen, gab er nun zwei Schüsse auf den Letzteren ab, die jedoch nicht getroffen zu haben scheinen, denn der Dieb nahm schleunigst die Flucht. Die durch die Schüsse herbeigeeilte Polizei nahm zwar die Ver- olgung desselben sofort ans, leider aber ohne Erfolg. In diesem Falle schien es der nächtliche Besucher auf die im Geschäft vor- handenen Weine abgesehen zu haben, von denen einige gute Marken im Schaufenster ausgestellt waren.— Ein weiterer Einbruchs- diebstahl, der eine Stunde vorher den im Nachbarbogen der Stadtbahn domilizirten amerikanischen Verkaufshallcn gelte» sollte und zu welchem sich der Dieb mit einer Leiter versehen, bereits am Ort eingefunden und an die Arbeit gemacht hatte, wurde durch die Aufmerksamkeit eines in der Nähe bediensteten Bahn- Wärters verhindert. Hier versuchte der Dieb, sich von der den Nachbar-Grundstücken in der Neuen Friedrichstraße zu gelegenen Seite der Stadtbahn aus in den Besitz der erheblichen Fleisch- vorräthe zu setzen, als er durch das Anrufen des Bahnwärters verscheucht wurde. Vermuthlich hat man es hier mit einem und demselben Gauner zu thun. Selbstmord? Gestern Vormittag um 7 Uhr ist in der ver- längerten Schwedterstraßc die Leiche des 30 Jahre alten Bureaugehilfen M. mit einem Schuß in der rechten Schläfe aufgefunden worden. Obgleich der Umstand, daß die Waffe nicht Hai entdeckt werden können, auf ei» Verbrechen schließen läßt, so nimmt die Kriminalpolizei bis auf Weiteres einen Selbstmord an, weil bei der Leiche in einer Rocktasche Patronen und auch ein Porte- monnaie mit Geld vorgesunden wurden. Der Kriminalpolizei ist der unter seinen Genoffen als „Langer August" bekannte Einbrecher R. in die Hände gefallen. Bei ihm wurden eine goldene Herren-Remontoir-Ankeruhr mit Messingkuvette und der Nummer 197 102, sowie eine silberne Remontoir hr mit silberner Kuvette, goldener, vierreihiger Kette und der Nummer 4570 vorgefunden. Beide Gegenstände sind un- zweifelhaft gestohlen, die Eigenthümer aber haben bisher nicht er- mittelt werden können. Wir mollrn unsere Wribrr tauschen, wir wollen wackere — Schlächtermeister sein. Das Tagesgespräch in Spandau bildet seit einer Woche das Verschwinden eines Großschlächtermeisters und der Frau eines anderen Schlächtermeisters. Ersterer hat alles Vaargeld, was er nur irgend auf Kredit oder sonst wie erlangen konnte, zusammengerafft und ist, etwa im Besitz von 15 000 M., seit Sonntag verduftet. Zu derselben Zeit entfernte sich aus Spandau die Gattin eines benachbarten Schlächtermeisters, welche etiva 0000 M. und einige Bettstücke mitnahm. Beide müssen chon längere Zeit in intimem Verkehr miteinander gestanden haben. Das Ziel ihrer Flucht ist,>vie jetzt bekannt geworden, Amerika. Tie verlassene Gattin und der betrogene Schlächter- mcister sollen inzwischen auch schon aneinander Gefallen gefunden haben, so daß späterhin eine Verbindung derselben nicht aus- geschlossen erscheint. Zie Lokalkommisstoi�uo» Schönebrrg macht diejenige» Lokale bekannt, welche ihre Säle den Arbeitern nicht zu Ver- sammlung hergeben: Restaurant zum Helm, Wied's Lindenpark, Heckendors's Salon, Kuckenburg's Schwarzer Adler, Sarre's Birkenwäldchen; sämmtliche Lokale befinden sich in der Haupt- straße in Schöneberg. Nun bleibt uns noch die Schloßbrauerei. Da dieselbe Aktienunternehmen ist, und der Direktor der Brauerei die Räumlichkeiten den Arbeitern zur Verfügung gestellt hat, wir aber bei jeder Versammlung erst Auseinandersetzungen mit dem Pächter der Brauerei haben, so standen>vir uns bei der Ver- 'ammlung des Arbeitervereins zu Schöneberg am 20. Oktober .chroff gegenüber. Hier ließ Herr Pötzhold sein Licht über die Sozialdemokratie leuchten. Er kam auf die Dekoration vom 4. Oktober zu sprechen und äußerte: die rothe Farbe sei eine „Lumpenfarbe". Es wurde ein Antrag angenommen, die Schloßbrauerei so lange zu meiden, bis der Pächter die Beleidigung gegen die Sozialdemokratie zurücknimmt. Wir glauben im Interesse aller Genossen gehandelt zu haben und hoffen auf die Solidarität der Arbeiterschaft rechnen zu können. Polizribrvicht. Am 1. d. M. Nachmittags wurde eine Frau in ihrer Wohnung, in der Saarbrückerstraße, erhängt vor- gefunden.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann beim Ueber- schreiten des Fahrdammes an der Ecke der Fenn- und Müller- straße von einer in starkem Trabe daherkommenden Equipage üb»' fahren und hierdurch am linken Oberarm bedeutend verletzt." Nachmittags fiel der Kutscher Müller in der Perlebergersiw als er während der Fahrt einem Pferde die Decke abnehmen von seinem beladenen Arbeitswagen, wurde eine Strecke mitgeschlch und erlitt dabei außer einigen Hautabschürfungen im Gesicht anstp nendauchinnereVerletzungen. Er wurde nach derChariteegebrachk" Um dieselbe Zeit wurde ein vierjähriger Knabe im Thiergarten n»! dem Fußweg gegenüber der Hildebrandt'schen Privatstraße ve» einem durchgegangenen Reitpferde überrannt und durch em«» Huftritt über dem rechten Auge bedeutend verletzt. Nach'» lcgung eines Nothverbandes wurde er nach der elterlichen AW nung gebracht.— Abends wurde ein Mann in seiner WohnuG in der Kruppstraße, im Bette liebend todt aufgefunden. Zweifeüss liegt Selbstmord durch Vergiftung vor.— Zu derselbe» M wurde ein Mann, im Thorweg des Hauses Schwedterstrap Nr. 257 sitzend, mit aufgeschnittenen Pulsadern aufgefunden � nach dem Krankenhause Friedrichshain gebracht.— Sli» 2. d. Morgens wurde ein Mann in seiner Wohnung, in Köpnickerstraße, erhängt vorgefunden.— Nachmittags brachte der obdachlose Arbeiter Plesch seiner getrei»» von ihm lebenden Ehefrau in deren Wohnung, Neue H# straße 45, aus Eifersucht mittelst eines Küchenmeffers einen EM in die Brust bei. Ter Thäter wurde verhaftet.— Zu derselbe� Zeit sprang ein Mann gegenüber dein Grundstück Kottbust' Ufer 37 in den Landwehrkanal, wurde jedoch, anscheinend ohn° Schaden genommen zu haben, aus dem Wasser gezogen und na? seiner Wohnung gebracht.— In der Nacht zum 3. d. M. en» stand vor dem Hause Linienstraße 43 eine Schlägerei, bei welche ei» Schlächter durch den Maurer Kühn am Kopfe bedeutend ver- letzt wurde.— Ain 1. und 2. d. M. Nachmittags fanden vier kleinere Brände statt.' Gevichks Z« der Frage, wie die durch§ 9 des Wahlgesetzes, für das deutsche Reich vom 31. Mai 1869 festgesetzte Oeffentlich'ff der Wahlhandlung aufzufassen ist, nahm gestern der Strafseaa des Kanimergerichrs in der Revisionsinstanz anläßlich eines loa' kreten Falles Stellung. Der Landrath Stubenrauch hatte nämlich in einem blatt des Kreisblatts für Teltow vom 27. Februar cr. e>a Bekanntmachung erlassen, ivorin er die Wahlvorsteher auffordere jede Person, die nicht im Wahlbezirk wahlberechtigt fei, M,, auszuweisen. Als nun der Maurer Karl Müller aus Berlin als JJ. oekandter des sotialdemokratikcben Kentralwablkomittees der PWF* .............|............. W liehe Beweisaufnahme festgestellt ivorden, von dem als 2SsL' Vorsteher thätigen Bürgermeister Schottmllller wiederholt vergr' lieh zum Verlassen des Wahllokals aufgefordert, vom P.oI,L sergeant Hoff mit Gewalt entfernt, dann auf Geheiß° 2C. Schottmüller festgenommen und endlich durch das Schöll', gericht zu Trebbin wegen Hausfriedensbruchs und Widerstav zu zehn Mark Geldsttafe eventuell zwei Tagen Gesängniß ce u r t h e i l t. lM Die Straflammer des Landgerichts Berlin II aber sprach'k auf seine Berufung am 10. Juli cr. unter folgender rung frei:.-,x „Der erste Richter legt den§ 9, de» in seinem% maßgebenden Absatz 1 lautet: „Die Wahlhandlung, sowie die Ermittelung des ergebnisses sind öffentlich" gesandter des sozialdemokratischen Zentralwahlkomittees der enge''; Wahl zum Reichstage am 1. März cr. in einem Zimmer des RathhoA zu Trebbin beiwohnen wollte, wurde er, wie durch die �| �||-----"-y zu eng aus, wenn er diese Oeffentlichkeit nur auf die � 6(( berechtigten des betreffenden Wahlkreises bezieht. 90" Z Gesetzgeber den Begriff der Oeffentlichkeit verstanden wissen erhellt aus den seinerzeit über das Wahlgesetz im Reichstag' K pflogenen Verhandlungen. Der erste Absatz des§ 10 des EM (§ 9 des Gesetzes) ist nämlich in der Fassung angenotf„ worden, wie dieselbe von dem Abg. Lasier beantragt»ff gp war. Der Bundeskommissar von Putttamer bemerkte be'.. rathung dieses Antrages, daß er voraussetze, die lichkeit sei hier in Bezug auf die Wahlberechtigten gemetM ü nicht als Oeffentlichkeit im gewöhnlichen Sinne zu verstehe� daß etwa auch Frauen und liinder zugelassen werden IMg Lasker erwiderte hierauf, daß er allerdings die Oeffentl� meine, welche im Allgemeinen bei den Wahlen für die-d-, berechtigten bestehe, welche Alle Zutritt hätten.— Hierauf die Lasker'sche Fassung angenommen, und es kann HM.vi keinem Zweifel unterliegen, daß Oeffentlichkeit im des fraglichen Gesetzes allerdings nicht ein der z weiter Begriff ist, wie er sich im Wege einer rein wörii � Auslegung ergiebt, daß darunter aber ein beschrm»� Personenkreis als der aller wahlberechtigten Deutschen uichrj,, standen werden darf. Diese Auffassung ist auch allein ß�i fertigt, wenn man auf den Zweck des§ 9 sieht, wonach eben((, Kontrole für eine gesetzmäßige Ausübung der Reichswahl' � möglicht werden soll. Dann muß aber diese Kontrole inchin.hl- den Wahlberechtigten des betr. Wahlkreises, sondern alle»~ � berechtigten schlechthin zustehe», in deren allgemeinem+ j» intercsse nicht minder ein gesetzentsprechendes Wahlverfah�,« einem fremden wie in dein eigenen Wahlkreise liegt,.�u auch die Wahlen der Abgeordneten nicht etwa>» jjp Listenskrutinium, sondern in örtlich abgegrenzte» zirken erfolgen, so sind die Gewählten doch uich' lreter der Bewohner dieses Kreises allein,'iwi6' des gcsamniiten Volkes.(Art. 29 der R eichsv erfassu n gl mehr haben alle Wähler zum Reichstage ein dringendes 3%�' daran, sich von der Ordnungsmäßigkeil aller Wahlen unterrichten zu können. Eben deshalb ist auch die Oeff'ÄM' der Wahlen gewährleistet. Die Ausleguiigl des.~ M richtet?, weiche durch seine Erörterungen und Verguw � einzelner Sätze und Wörter des Wahlreglemeuts Wahlgesetzes nicht gestützt wird, konnte daher nicht als erachtet werden und ermangelt übrigens einer konsequenten sührung. De iui beschränkt man einmal den Begriff der Oeff'e»' � st des§ 9 auf d-ie Wahlberechtigten des betreffenden Wahlkron wird man dadmrch zu der weiteren Beschränkung auf � betreffenden Wahllokalen zugewiesenen Wahlberechtigten da kein Grund vorliegt, die in einem fremden Wahllokal jii ligten nicht ebenso als Nnbetheiligte auszuschließen, wtt. pi einem fremden Wahlkreise wahlberechtigten Personen. Angeklagte ein in Berlin wahlberechtigter Deutscher ist, M itf' der erste Richter als erwiesen angesehen, und es kon»,]' sonach die Befugniß zum Verweilen im Wahllos' rf lange nicht angesprochen werden, als er sich t' gemessener Weise verhielt. Daß das Gegenth" ,# —<-ri i-_ o_ W.— ein-----»o. Fall gewesen,_ erhellt aus der Beweisaufnahn>c konnte aber auch aus dem Grunde nicht erfolgen, weil ver y aufnähme nicht festgestellt ist." ß» achfeit jua weit � ausgelegt habe und daß � d>e� saffung des_ Schösse ngenchts die zutreffende sei- hinauszuweisen, von dem er etwa annehmen könne, daß Ungehörigkeiten zu befürchten sind, was dem WahlvorM� sei' s"*123 des Stz.-G.-B. verletzt. Wenn dem �(6 stände das Hansrecht zustehe, so sei er auch berechtig. abgesehen von der poätischcn Parteistellung des Angellab JWjJ) nahegelegt war, daß letzterer nicht auf dem ordnungs- «attgeu Wege, sondern vom Bureau des Bürgernieisters aus ms Wahllokal betreten hatte. Ferner sei§ 113 verletzt uuöeritnnb durch Gewalt), indem der Berufungsrichter eine gegen den Beamten gerichtete Thatigkeit vor- müt e'ne fö�e aber in deni„Sichwidersetzen" nicht N' Diese Feststellungen lassen zweifelhaft erscheinen, ob der �erufungsrichter nicht den Begriff des§ 113.mit Gewalt" verrannt habe. Ter Vertreter der Ober-Staatsanwaltschaft schloß sich jedoch Audienztermin vor dem Kammergericht nicht der Ansicht des '-chonengerichts und der Revisionsschrift des Staatsanwaltschaft «n. daß der Zutritt nur den Angehörigen des Wahlkreises »sien siehe, sondern hielt die Auffassung des Landgerichts, daß IM) ein Wahlberechtigten der Zutritt zum Wahllokal misiehe, für zutreffend. Er betonte nur, daß der Vorsteher das tlf.e'1'cr genauen Prüfung habe, ob Jemand wahlberechtigt nü''"'d forderte die Zurückweisung der Sache, um festzustellen, o ber Angeklagte nicht vielleicht wegen mangelnder Legitimation Mausgewiesen worden sei. Der Vertheidiger des Angeklagten, Rechtsanwalt Wolfgang ri.!rnl1,im*,!rfPra<� diesem Antrage, weil in zwei Instanzen UN- m f�isgestellt worden, daß Müller nur deshalb, weil er Wahlkreise nicht angehörte, aus dem Wahllokal verwiesen iil* n,ar- Uebrigen seien die Älrgumente des Vorder- Mters durchaus zutreffend. Wenn, wie hier der Fall, der �et Majorität des Hauses(Lasker) und der Vertreter . Bundesraths über Sinn und Tragweite eines im Gesetz an- gewandten Ausdrucks übereinstinnuen, so müsse man diesen Sinn M, als den von den beiden gesetzgebenden Faktoren gewollten «Miauen. Eine derart festgestellte Bedeutung sei für die �Mtschreibung maßgebend, wenn anders sie nicht das Recht in «nspruch nehme, sich an Stelle des Gesetzgebers, ja über sie °' s�sten. In der Möglichkeit der Kontrole, in dem dadurch »weckten öffentlichen Bewußtsein, daß bei gehöriger Aufmerksam- uad Kontrole aller Parteien eine Unregelmäßigkeit un- möglich wird, liege der Werth der Oeffentlichkeit der Wahl, und ?e Eriveckung dieses Bewußtseins sei der Zweck des§ 9. Räch- sin Redner in seinem Plaidoyer noch eindringlich auf die t?Meren Gefahren hingewiesen, welche für die Wahlfreiheit ent- neyen müßten, wenn die Anschauungen der Revisionsschrist durch- vrlngen Ivürden, beantragte er Zurückiveisung der Revision. Das Kanimergericht, welches bereits am 27. Oktober m die Verhandlung der Sache eingetreten war, die Publikation aer Entscheidung aber auf den 8. November hinausgeschoben hatte, verkündete heilte dahin: im.. Der Begriff der Oeffentlichkeit bezieht sich nicht nur auf die Gabler des betreffenden Wahlkreises, sondern überhaupt auf alle Wahlberechtigte» des Deutschen Reiches, welche eben alle ein gleich erhebliches Interesse an dem ordnungsmäßigen Ausfall der 'wähl haben. In diesem Sinne hat sich der Bundeskommissar Puttkamer nicht nur bei der vom Vorderrichter in Bezug ge- oannenen Berathung des Wahlgesetzes im Einverständniß mit ,.M Abgeordneten Lasker, sondern später noch deutlicher gegen- «a vbem Abgeordneten Försterling ausgesprochen, welcher U. darüber beschwert hatte, daß ihm in einem anderen Wahlkreise der Zutritt zur Wahlurne verwehrt worden l», und dabei die Frage an den Bundeskommissar richtete, wie « m"1 dieser Beziehung künftig gehalten werden solle. Herr - Puttkamer äußerte sich hierauf nach dem stenographischen Be- yht dahin, es sei selbstverständlich, daß alle Wahlberechtigten bei Wahl Zutritt hätten. Dieser Ansicht ist auch von keiner �»te wiedersprochen worden.— Der Wahlvorsteher Schottmüller �ar daher nicht befugt gewesen, den Angeklagten hinauszuwcisen, >nd ebensowenig war der betr. Polizeibeamte zu dessen gewalt- Mir Entfernung berechtigt gewesen. Ter Vorderrichter hat Mher ohne Rechtsirrthum auf Freisprechung von der «plage des Hausfriedensbruchs und Widerstand erkannt. Die �'ugniß eines Wahlvorstehers zur Hinausweisung einer Person ' dem Wahllokal ergiebt sich snur dann, wenn dieselbe nicht «aylberechtigt ist, oder sich unangemessen benimmt, und schließlich uch wegen beschränkten Raumes. � Die völlige Freisprechung des Angeklagten konnte aber gleich- ?dhl noch nicht erfolgen, weil derselbe damals auch wegen ruhe- aarenden Lärms festgenommen worden war. Behufs weiterer uMtellung hierüber wird die Sache nochmals in die Instanz «uritckv erwiesen. Ginrr der Edelsten. Unter Ausschluß der Oeffentlichkeit tfn« llestern vor der dritten Strafkammer des Landgerichts I J1* Anklage wegen Kuppelei gegen die unverehelichte Marie finSj.? stdin und den Grafen Karl v. Seydeivitz ver- handelt. Aus der Urtheilsverkündigung ging hervor, daß der -."ichtshof beide Angeschuldigte im Sinne der Anklage für über- erachtet und dafür auf eine Gesängnißstrafe von je einer erkannt hatte. Abschied der Schwiegermuttcv nach einem Besuche w dein Schwiegersohne, den» Schlächtermeister Gustav * a» e i st e r durch ein fatales, damit verknüpftes Ereigniß nii?» Zeit im Gedächtniß bleiben. Burmeister ließ es sich Niii e?�ai«n, seine Schwiegermutter ain Nachmittage des 17. Juni L,, Schein eigenen Gefährt nach dem Bahnhof zu bringen. Auf toafi''azigen Sitz nahmen seine Schiviegermutter und seine da- Braut Platz, Burmeister hockte hinter den Damen auf ffistn vPff*1 und behielt das Gepäck im Auge. Seine Braut »in,, b>e Zügel und wie die Augenzeugen bekundeten, hielt sie m,* bkdeiltende Fahrgeschwindigkeit inne. Sie mäßigte dieselbe sn? t,,aIZ sie in der Gollnowstraße durch eine schmale Lücke >»00», � hatte, die von einem Hundewagen und einem Kohlen- siiuf,' gebildet wurde. Ihr Magen streifte einen mit Wasser ge- Ichllla ottich, der aus dem Hundewagen stand, das Gesäß etiea an und ergoß seinen Inhalt, Wasser nebst lsi. y, Pfd. Aale ans das Pflaster. Der Fischhändler befürch- er ft.s? die Führerin des Schlächterwagens davonfahren würde, Lein!1, v h"lb dem Pferde in die Zügel. Nun nahm Burmeister Piii'U y Peitsche aus den Händen seiner Braut und suchte das sich„s.. Ich Peitschenhiebe-anzutreiben. Der Fischhändler hielt »«m m'e't"ud ließ sich mitschleifeii. Nun sprang Burmeister Boden ergriff de» Fischhändler und schleuderte ihn zu »«n sprang wseder auf den Wagen»md fuhr schnell da- Er iiTr M gingen dem Fischhändler die Räder über die Beine. gestern sechd Tage arbeitsunsähig gewesen. Burmeistcr stand »°n lÄ'ä«« gegen ihn auf und forderte einen Schade.iersatz Mrdc>, i Nachdem der Thatbestand wie vorstehend festgestellt Älochpn �antragte der Staatsanwalt gegen dew Angeklagten drei Mrnck..?�""S''iß. Der Gerichtshof hielt diese S rase nicht für Den» tWtiyl sondern erkannte auf vier WochenG es an g n l ß. soll der Angeklagte außerdem eine Enschadlgungs- »0N 70 M. zahlen. UelterMzk. WWW nehmerthum setzt dieser jungen Organisation alle nur erdenklichen Schwierigkeiten in den Weg, um ihr Aufblühen zu verhindern. Zum Beweise dafür diene Folgendes: Der Fleisch- und Leber- Händler Sagert, Zentral Markthalle, Verkaufs- stand 10, entließ seinen Gesellen Karl Aurin, weil derselbe in einer öffentlichen Versammlung für die Interessen seiner Kollegen eingetreten ist und im Weiteren die niedrigen Löhne, sowie die erbärmlichen S ch l a f r ä u in e und die u n nl e n s ch- lich lange Arbeitszeit erwähnt hatte. Sagert bezeichnet Aurin als einen tüchtigen Gesellen.— Ferner brachte es der Schlächtermeister Kehrberg, Oder- b e r g e r st r. 37, fertig, sich an einen Gesellen, welcher Mitglied des jungen Fachvereins ist, zu vergreifen und ihn zu beschimpfen, weil er dem Fachverein angehört. Er äußerte dabei, daß der Geselle, ivenn er nur ein wenig Verstand Hütte, zu solchen Sachen seine Hand nicht bieten würde und daß er ihn, falls er seinem Kollegen noch einmal ein Flugblatt geben sollte, welches die Versammlung der Mitglieder des Fachvereins anzeigt, er dann unter den Block werfen würde, mit dem zugesetzten Kraftausdrucke:„So sind wir!" Die Delcgirten der Schlächtergesellen Berlins zur Ber- liner Streik-Kontrolkommission sahen sich nun genölhigt, die Sache der Berliner Streik-Kontrolkommission vorzutragen. Dieselbe ver- hängte aus den angeführten Gründen den Boykott über beide Geschäfte. Hiervon ersuchen wir die Arbeiterschaft Berlins Kenntniß zu nehmen. Aufruf an alle Hilfsarbeiter Eharlotteuburgs und Umgegend. Arbeiter, Genossen! Allerorts regen sich unsere Arbeitsgenossen, welche ein Handwerk gelernt haben, um ver- nnttelst einer straffen Organisation eine Besserstellung ihrer Lage zu erreichen. In allen Berufen bricht sich die Erkenntniß Bah», daß die Gewerkschaftsorganisation eine unbedingte Nothwendig- keit ist, und so sehen wir, daß nach dem Druck des Zlusnahme- gesetzes, der so lange Jahre jede freie Regung, jedes freie Wort verbannte, die Massen der Arbeiter niederhielt, gewichen ist, alle Organisationen der gelernten Arbeiter erfreulicherweise erstarken und ihrem Zweck, den Berufsgenosse» die Schäden im Gewerk, die ganze Jämmerlichkeit ihrer wirthschastlichen Lage klar zu machen und ihnen durch Aufklärung Mittel nnd Wege an die Hand zu geben, andere, bessere Zustände herbeizuführen, nachkommen. Wie aber, Hilfsarbeiter, Fabrikarbeiter, Landarbeiter, wie steht es denn mit uns? Haben wir bessere Zustände als die- jenigeu Arbeiter, welche ein Handwerk erlernt haben? Mit Nichten! Wir, deren Reihen stündlich durch die infolge der wirthschastlichen oder besser unwirthschaftlichen Verhältnisse auf die Landstraße geworfenen Brüder vermehrt werden, wir, die wir durch eine schrankenlose Arbeitszeit in geistige und physische Ver- sumpfung gerathen sind, wir hätten alle Ursache, das Versäumte nachzuholen und diesen Zuständen ein energisches Halt zuzurufen! Das aber Genossen wird nur möglich an der Hand einer Organisation, der sich anzuschließen Pflicht eines jeden Land-, Fabrik- oder gewerblichen Hilfsarbeiters sein müßte. Arbeiter! Genossen! Im Juni dieses Jahres ist der erste Kongreß der deutschen Fabrik-, Land- und gewerblichen Hilfsarbeiter in Han- nover abgehalten worden. Ans allen Theilen Deutschlands sind unsere Berufsgenossen zusammengekommen und haben einen Äer- band gegründet in der Erwartung, daß jeder deutsche Hilfsar- beiter mithelfen wird, eine Organisation zu schaffen, mit deren Hilfe es möglich wird, wenigstens in Etwas den traurigen Zu- ständen abzuhelfen. In 23 Städten sind Filialen gegründet wor- den; in ebenso vielen sind die Vorarbeiten im Gange. Arbeiter Charlottenburgs! Thun auch wir unsere Pflicht und organisiren wir uns. Legen»vir nicht die Hände in den Schooß und sehen wir nicht müßig zu, wie eine kleine wackere Schaar unserer Arbeitsgcnossen sich für uns ab- müht; treten wir ein in den Kampf für Menschenrecht. Wir sind es uns, unserer Familie und unseren Mitmenschen schuldig. Arbeiter Charlottenburgs! Wer mich in meinem Vorhaben, hier eine Zahlstelle des Verbandes der Fabrik-, Land- und gewerblichen Hilfsarbeiter Deutschlands zu begründen, unterstützen will, den bitte ich, mir seine Adresse mitzutheilen, damit recht bald eine Versammlung einberufen iverden kann. Mit Arbeitergrnß: Paul Nebatz, Charlottenburg, Krummestr. 19, H. r. l Tr. Vevfitttttnlttngen. I» wrlchrr Stiiumung sich der deutschfreisinnige General- gewaltige Eugen Richter befindet, kann man am besten nach seiner„Freisinnigen Zeitung" beurtheilen. Wie groß muß seine Wuth über den Anschluß der Handlungsgehilsen an die Arbeiter- bewegnng und an die sozialdemokratische Partei sein! Anders ist es doch kaum zu verstehen, wenn die„Freisinnige Zeitung", statt objektiv über die imposante sozialdemokratische Handlungsgehilfen-Versammlung auf dem Bock zu berichten, in ihrer bekannten gehässigen Weise von einer sozialden» akratische n Spektakelversammlung spricht. Um seine Leser zu täuschen und bei seinen gedankenlosen Parteigängern den Anschein zu erwecken, als ob diese Ver- sammlung überhaupt nur von Arbeitern und nicht von Handlungs- gehilsen besucht gewesen sei, kommen die dreistesten Taschenspieler- liiinste in dem Bericht der„Freisinnigen Ztg." zur Geltung. Zur Steuer der Wahrheit möchten wir darauf hiniveisen, daß in der Versammlung unter ca. 1000 Anwesenden kaum 30 Handarbeiter zugegen gewesen sind; und wir wollen dem braven Herrn Richter auch gern verrathen, daß in dieser und in früheren sozial- demokratischen Handlungsgehilfen-Versamm- l u n g e n sich sehr viele frühere Anhänger des Frei- sinns in die Mitgliederliste der sozialdemokratischen „Freien Vereinigung der Kaufleute" haben ein- schreiben lassen. Es wird auch unter den Kaufleuten Licht, Herr Richter, und es ist Ihr Recht, darüber wüthend zu sein. Jir Kern an erstattete am Montag, den 27. Oktober Genosse Schibolsky einer Parteiversammlung Bericht über den Kongreß zu Halle. In der Debatte tauchte der frühere Reichstagskandidat des Kreises, der Schuhmacherineister Arndt, mit seinem Schild- knappen Kleber wieder einmal auf. Während Arndt die Partei der Verschwendung von Arbeitergroscheu zu bezichtigen sich er- dreistete und seinem früheren Verhalten in ihr das beste Lob aus- stellte, tobte Kleber über die aus dem Kongreß hervorgetretene Absicht, den Lassalle'scheu Vorschlag sallen zu lasse». Er be- hauptete, daß man dadurch den Arbeitern die wahren Ziele der Sozialdemokratie verschweigen wolle; ihm scheine es, als wolle man zum Bauern sagen: Gieb Dein Eigenthum her, oder ich schieße Dich über den Haufen! Nur von den von Lassalle vorgeschlagenen Produktiv-Assoziationen sei das Heil für die Arbeiter zu erwarten.— Die beider Ehrenmänner sielen aber mit ihrem edlen Versuch, die Partei, der sie früher selber angehört haben, verächtlich und lächer- lich zu machen, glänzend ab. Die Bernauer Arbeiter kennen sie eben zu gründlich. Neber Arndt sind sie sich schon längst im Klare»; es war nicht einmal nöthig, daß er am vorigen Sonntag beim„mchstreuen" Molkekommers eine Rede hielt; das Urtheil über ihn stand schon vorher fest.— Nachdem die Diskussion ge- schloffen, schritt mau zur Wahl eines Vertrauensmannes für Bernau. Genosse Schöoer, Brüderstr. 142, wurde gewählt. Bei Punkt 3.„Verschiedenes", mußte die Versammlung um einer Aus- lösung vorzubeugen, vom Vorsitzenden geschlossen werden, da der wackere Kleber Tumult provozirte. Zohaunisthal. In einer Volksversammlung, die hier am Sonntag, den 26. Oktober, Nachmittags, stattfand, sprach Herr Türk über Herenprozessc. Sodann kam die Lokalsrage zur Sprache. Ter Wirth H e n n e b e r g in Johannisthal giebt seineu Saal zu Arbeiterversammlungen nicht mehr her.(Achtung!) Herr Ulrich in Niederschönweide legt seinen Gästen noch immer den „Lokal-Anzeiger" und nicht das„Berliner Volksblatt" vor.— Schließlich wählte man eine Lokalkommission, bestehend aus den Genossen Dolch, Locke und Mielenz. An die Versammlung schloß sich ein gemüthliches Beisammensein. Eine öffentliche, sehr stark besuchte Versammlung der Tapezirer fand am 29. Oktober unter Vorsitz des Kollegen t artig statt. Kollege Colbrunn führte in kurzen Zügen die hätigkeit des Arbeitsnachweise-Bureaus vor. Man konnte daraus die Ueberzeugung gewinnen, daß das Bureau den Verhältnissen ent- sprechend florirt. Dem Koll. Colbrunn wurde Decharge ertheilt. So- dann erhielt Kollege Hartig das Wort: Schon lange war es der Berliner Gehilfenschaft bekannt, daß neben dem von der Allge- meinheit auf Grund des Kongreßbeschlusses in Cassel begründeten Bureaus, ein von einem Privatmann, Herrn Sander, gegründetes Vüreau in der Seydelstraße besteht. Es macht dem allgemeinen Bureau in der Schützenstraße Konkurrenz. Wir mußten uns sagen, daß ein derartiger Zustand auf die Dauer nicht haltbar ist und suchten nun den Inhaber zu bewegen, das Bureau aufzugeben. Leider ohne Erfolg. Mittlerwelle ist das Bureau angeblich in die Hände eines Herrn Schöpe übergegangen. Es wurde nun in einer öffentlichen Versammlung eine Kommission ge- wählt, welche mit dem Inhaber verhandeln sollte. Von der Kommission wurden alle nur denkbaren Zugeständnisse gemacht, doch konnte kein Resultat erzielt werden, weil Herr Schöpe mit einem Mal sagte, das Bureau gehöre ihm nicht allein, da wären noch zwei Herren, die Theilnehmer wäre», und die sich dazu nicht verstehen würden, das Bureau aufzugeben. Was in unseren Kräften stand, haben wir gethan, um eine Einigung zu erzielen. Wir müssen nun auf irgend eine andere Weise suchen die Angelegenheit ins Reine zu bringen.(Bravo.) Herr Schöpe: Er würde ja das Bureau aufgeben, aber da wären sofort Leute, die das iveiter in die Hand nehnieu würden. Oft von der Heiterkeit der Versammlung unterbrochen, suchte Herr Schöpe klar zu machen, daß durch Gemüthlich- keit mehr zu erreichen sei, als durch ernste Unterhandlungen. Die Kollegen Freiwaldt, Äiester und Feder gingen mit Herrn Schöpe sehr scharf ins Gericht und führten ihm vor Augen, daß durch seine Wankelmüthigkeit der Allgemeinheit der größte Schaden zugefügt wird, daß die Zersplitterung der Kräfte eintritt, wenn zivei Arbeitsnachweise-Bureaus nebeneinander existiren. Herr Schöpe bemerkt noch, daß er dazu nichts thun kann und weist immer wieder auf die Hintermänner zurück. Es wurde hier- auf folgende Resolution mit allen gegen 5 Stimmen angenommen: „Die heute den 29. Oktober bei Feuerstein tagende öffentliche- Tapczirerversammlung beschließt, daß durch ihre Delegirten bei der Berliner Streik- Kontrollkommission beantragt wird, den Streik betreffs der beiden Arbeitsnachiveise- Bureaus, also zwischen dem von der Allgemeinheit be- gründeten Bureau in der Schützenstraße und dem Prinzipal- burean in der Seydelstraße zu untersuchen, eine Einigung herbei- zuführen und uns auch mit allen Mitteln zu unterstützen eventuell den Boykott über das Lokal in der Seydelstraße und den Arbeitsnachweis zu verhängen."— Nach Erledigung dieser Angelegenheit gab Kollege Biester ein anschauliches Bild des Jnnungswesens. Derselbe führt treffend aus, daß die Innung Bestimmungen, welche für das Mittelalter wohl paßten, noch heutzutage verwirklichen wolle. Reicher Beifall lohnte den Redner.— In der Diskussion sprachen die Kollegen Staudinger, Feder, Freiwaldt nnd Grässel. Alle ver- urtheilen das Vorgehen der Innung und fordern zur Organisation auf. Wenn wir gut organisirt sind, so müssen die Pläne der Herren Jnnungsmeister scheitern.— Koll. Raut fordert zum Ein- tritt in die Zentral-Organisation auf. Es wurde folgende Re- solution einstimmig angenommen:„Die heutige öffentliche Tapezirer-Versammlung beschließt, den Kollegen keine» Zwang aufzuerlegen, welcher Organisation sie angehören wollen. Die erste Pflicht eines jeden Kollegen ist, sich zu organisiren." Mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung schloß der Vorsitzende die Versammlung. Eine von ca. 300 Personen besuchte öffentliche Sildhanerversammlung tagte am Sonntag, den 26. Oktober, Vormittags bei Orschel, unter Vorsitz der Kollegen Prüfer, Boy und Barduhn. Herr Dr. Lütgenau hielt einen beifällig aufge- nommenen Vortrag über„Unsere wirthschaftliche Lage." An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen Dupont und Schneider. Beim zweiten Punkt der Tagesordnung schildert Kollege Koswig unsere augenblickliche Lage und ersucht die Kollege», sich zu äußern, wie sie sich zu den Werkstattsperren stellen. Hierüber ent- spann sich eine lange Debatte, in welcher sich sämmtliche Redner dafür aussprachen, über Werkstätten, in denen unsere Forderungen nicht erfüllt seien, die Sperre aufrecht zu erhalten. Es ivurde auch ein entsprechender Antrag angenommen. Kollege Plage r setzte hierauf auseinander, aus welchen Gründen er sein Amt niedergelegt habe. Er wurde jedoch mit ca. 60 Stimmen wiedergewählt. In, Verschiedenen legten die Koll. Prüfer und Kuhnert ihr Amt als Kommissionsmitglieder nieder. Kollege Prüfer äußert, daß in der nächsten öffentlichen Versammlung zwei Komnnssions- Mitglieder zu wählen wären und ersucht, diese Wahl vor- zubereiten. An die Arbeiterinnen Kerlin«! Wiederholt schon ist an Euch der Appell gerichtet worden. Euch in sämmtlichen Branchen zu organisiren, um so, ivenn auch getrennt marschirend, vereint zu schlagen. Wie nothwendig die Organisation, beweist Euch wieder das Schicksal der Sammetschneiderinnen. Was vor- auszusehen war, ist eingetroffen: die Maßregelung Derjenigen hat stattgesunden, die sich dazu hergaben, für die Besserslellung der Arbeitsbedingungen Aller einzutreten. Das sollte Euch einen Fingerzeig geben. Wir haben die unabweisbare Pflicht, entschieden Front gegen die Profitwuth des Kapitals zu machen. Erscheint Alle am Dienstag Abend in der Versammlung Andreasstr. 21. Um die Aufnahme folgender Kerichtignng ersucht uns Frau Gubela: In der Beilage des„Berliner Volksblatts" Nr. 254 findet sich ein Jrrthum und zwar soll es nicht heißen, ich hätte nnch mit dem Fabrikanten dahin geeinigt, daß ein Bücherrevisor die Sache prüfe» solle, sondern ich habe es auf das aller- entschiedenste zurückgewiesen, daß die von dem Fabrikanten angegebenen Worte nicht von mir gebraucht sind. Das kann durch die Zeugeii bestätigt werden. Herr Rechtsanwalt Reiche hat die Revision der Bücher betreffs der Strafgelder beantragt. Po» Herrn Tischler Winter erhalten wir folgende Be- richtigung: Erlauben Sie mir einige Richtigstellungen zu dem „objektiven" Bericht des Herrn Friedländer. Ich habe in der Versammlung des 3. Wahlkreises in, Anfang meiner Rede mich gegen die Bemerkung des Herrn Schulz(Wo wohnen Sie?) ge- ivandt und erklärt, daß ich auch nicht im Kreise wohne, aber seit Jahren Hierselbst wirthschaftlich thätig bin und auch bei politischen Angelegenheiten mitgearbeitet habe; deshalb glaube ich das Recht zu haben, hier zu sprechen. Ebenso wie mir geht es noch vielen Anderen. Herrn Friedländers Bericht lautet wesentlich anders. Ich erwähnte dann die Angelegenheit des Rechnunglegens. Ich gab zu, daß mir ein Fall bekannt sei, ,vo die Fraktion aufgefordert sei, dieS zu thun. jedoch in bedingter Form(Hochberg). Eine Sleußerung Ewald's, daß ich Bebel der Unwahrheit beschuldigt hätte, habe ich gleich dort richtig gestellt. Meine Ausführung am Schluß„Man solle alle Gehässigkeiten und Spitzfindigkeiten(Wo wohnen sie? Lnmpen u. dcrgl.), wie dieselben am Ansang der Versammlung vorgekommen sind, bei Seite lassen. bezogen fich doch nicht auf den Genossen Bebel, wie Herr Fried- lander mich ,n seine», Bericht sagen läßt. Nachdem die Reso- lution angcnomnien und Schluß in der Debatte eingetreten war, machte Herr Kohlhardt die Bemerkung in Betreff der Opponenten. Jl*'- r« auch nicht richtig; denn die Bemerkung„im lustigen -tiefet kam aus der Mitte der Versammlung, Die Versamm- lung mißbilligte dies sofort und nahm Schluß in der Sache an, so daß eine Gegenrede nicht stattfinden konnte. Herr Fried- länder stellt in seinem Bericht dies so hin, als wäre die Sleilße- rung in der Debatte gefallen und Niemand hätte widersprochen. (Gewiß sehr objektiv.) In Betreff des Schreiben Rohmann's gebe ich zu, daß auch eine andere Person die Vermittelnng übernommen haben kann. F. Winter, Manteuffelstr. 6. Von Herr» Gsear Krohm erhalten wir folgendes Schreiben: Herr Redakteur! Aus die mich beleidigende Ausführung des Artikel Ihrer letzten Donnerstag-Nummer des„Berl. Volksblatt", welcher beginnt:„Wir erhalten folgendes Schreiben" und mit„Paul Müller" unterzeichnet ist, geht für jeden vernünftig Denkenden, welcher der betreffenden Versammlung beiwohnte, zur Genüge hervor, daß das Auffassungsvermögen des Schreibers jenes Artikels ein derartiges ist, daß ich von einer BeleidigungS- klage Abstand nehme, da sich nicht der Jurist sondern höchstens noch der Mediziner mit jenem Herren zu befassen haben wird. Oscar Krohm. Wir unsererseits finden, daß Herr Krohm doch besser daran thäte, in beschaulicher Stille über"sich nachzudenken, als daß er Leute, die nur von ihrem Recht der freien Meinungsäußerung Gebrauch machen, in dieser unqualifizirbaren Weise anrempelt. .Im zweiten Wahlkreis wird man sich die oben stehenden Worte des Herrn Krohm wohl merken. Lach»»»,» der Kifchlcr für de» Bezirk Nixdorf und Umgegend. Mittwoch, de» 3. November, Abends sij Uhr, in Barta'S Salon, Bergstraße isv (kleiner Saal): Versammlung. Achtung! Aist-nmachcr! Sonnabend, den s. November, im„Eltistum", Landsberger Allee 39—41: s. Stiftungsfest des JntereffenvereinS der Kisten- und«offermacher, bestehend ln Konzerr, Auftreten des Gesangvereins Echo II und Ball. Mrol)« öffentlich» U-rfanimlong fäinmtlicher in der Firmenfchilver- Branche vefchäftigten Arbeiter am Tienstag, den«. November, Abends s Uhr, in Scheffer'S Salon. Jnfelftr. lü. Zr»trai-Kv>,»n»n- und st»»bek»ff« der Sabakarbelter Dentfch- tands. Verwaltungsstelle Berlin r. Dienstag, den 4. November, Abends a\ Uhr, bei fflnadt, Brunnenstr. 38: Mitgliederversammlung. Ztnterftnchungsbnnd der fiaiesdiener Kerlen», Bureau und Stellen- Nachweis: 0. Neue(Brünftr. 10, i Dr., von 8—1 und 3—0 Uhr. Ferufprech- Anfchluß Amt I, Nr. 810. Dienstag, den 4, November, Abends 9 Uhr: Große Mitgliederversammlung bei Feuerstein, Alte Jalobstr. 73, i Dr. Arbeile rinne» verein tur Knmnielsblirg und Umgegend. Dienstag, den i. November, Abends s)i Uhr: Beneral-Verfammlung bei Weigel, Tiirr- schmidt- und Eötheftraßen-Eite, Kerliner G»N«vlrth»g»Inlfen. Dienstag, den 4, November, Nachmittags 3% Uhr: Große öffentliche Versammlung der Angestellten im Gastwirths- gewerbe(Männer und Frauen) im großen Saale der Arminhallen, Komman- dantenstraße so. Dagesordnuna: i. Das Verhalten der Berliner Kellnerschast gegenüber den anderen GewerbSgehilfen und Arbeiter. Referent W. Werner, s. Diskussion. 3. Ersahwahl zweier Delegtrten zur Ttreik-Kontrolkommtsston. Referent Kollege Eberl. 4. Verschiedenes. Soiialdemokrotlschrr Agitationsverein Lasi'aUe. Dienstag, den 4. November, Abends 8 Uhr, Skaliherstraße 9fr. 102 bei Haupt. Gäste haben Zutritt. Ssiiatdemokratifcher Wahlverein des G. Kerliner Reichstags- Wnhlkreiles. Keneralversannnlung am Dienstag, den 4. November, Abends 8% Uhr, im Lokale der Norddeutschen Brauerei, Chausseeslr. 38. Grohe Reesauiinlung de» faijald-molieatifchkn Wahloeeeino für Teltow-vi harloftenbnry am Dienstag, den 4. November er., Abends s Uhr, in der GofeBranerei zu Eharloitenburg, Wallstr. 40. Ganverein Kerliner Kiidhanrr. Dienstag, den 4. 9!ovember, Abends 8 Uhr, Generalversammlung bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 73. Dagesordnung: I. Bortrag des Herrn Türk„Tis französtfche Revolution", s. Geschäftliches. (Antrag auf Herabsetzung des Lolalbeiirages). 3. Verschiedenes. Kchöneberg. Diensing, den 4. November, Abends 8 Uhr, hält der Ver- band deutscher Zimmerer,„Lokalverband Schvnederg", seine regelmäßige Mitgliederversammlung in der Schöneberger Schloßbranerei ab. Neue Milglieder werden ausgenommen. Große öffentliche Rrrsammtung kammtlicher Mitglieder»in- gefchrlebcner Iilssliaffen am Mittwoch, den 3. November er., Abends 8 Uhr, in Joei's Salon(früher Keller), Andreasstr. si. Ein»euer gründlicher R»t«rrichtsgang In der Arendv'fchen Stenographie beginnt am Mittwoch Abend S Uhr, unter Leitung des Stenographen Clausen tin Restaurant Seidclsir. io. Diese Kurse, welche unentgeltlich erlheilt werden, erfreuen sich einer großen Beliebtheit, da den Thcilnehmern nach dem Kursus Gelegenheit geboten wird, sich weiter auszubilden. Allgemeine Kranken-»nd Sierdekaffc der NletaUardeiter(E.H. 29 Hamburg) Dienstag, den 4. November, Abends 9 Uhr, Münzstr. Ii bei Zemter, Versammlung der Ortsbeamlen. Zentral- Kranken- und Sterdrknffr der Sifchlrr. Sonniag, den 9. November, Vonnillags 12 Uhr: Große Wohllhäligkeits-Malinee in Kauf- mann's Variete(am Alerandcrplatz), Konzerl und Auftreten sämmtlicher Spezialitäten. Arrangtn von Alitgliedern zum Besten unserer Invaliden.— Kasfenvssnung n Uhr. Fachverein der Sapeiirer. Dienstag, den 4. 9>ovember er., Abends s% Uhr, bei Feuerstein, Alle Jakobstr 73, Versammlung. Allgemeiner jUetaUardeiter-hlerein Kerlin# und slmgegend Große Versammlung am Dienstag, den 4 November, Abends% Uhr, in lieber« Salon, Naunynstr. 27. Das I Stiftungsfest der Freien Nerriiiigung der Konflent» ftndet am Sonnabend, den 8. November, Abends s Uhr, in Deiamnller's Salon, Alte Jakobstr. 48 a, stall. Zentral- Kranken- und Sterdekastr de» Krntkchen Henefelder- Knnde»(E. H.) Venv.-Stelle Berlin. Heute Abends 8 Uhr, im Restaurant Zemter, Münzstr. li: Mitglieder- und Verwaltungs-Bersammlung. Zages- ordnnng: Anschluß anden Hilfstassen-Be-band. Uerein srldstftändiger Zahnkünstlrr der provln! Krandendnrg— Kerlin. Außerordentliche Generalversammlung am Dienstag, den 4. No- vemder, Punli 8 Uhr Abends, in den Atademtschen Bierhnllen, Hegelvlatz i. Tagesordnung: i. Porlage und Beschlußfassung über ein neues Vereins- statut. 2. lieber verschiedene antiseptische Füllungsmethoden. Referent Soll. Ritter. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Beretnsangelegenheiten. S. Frage- kästen. Filiale Kertin 3 der Allgemeinen Kranken- und Sterbekasis der Metall- arbeiter zu Hainburg. Sonnabend den 8. November sind die Zahlstellen des stattsindenden Familien-Kränzchens wegen um 9 Uhr, geschlossen. Billets belni Bevollmächllgten. Ardelter-Sängerdnnd Berlins und Umgegend, Abends 9 Uhr, UebungS- stunde, Ausnahme von Mitgliedern, Sesangverein„Lerche", Brunnenstr. 119 bei Zimmermann.— Gesangverein„Steineiche"(Böttcher, Lichtenberger- straße 21 bei Heise.— Gesangverein„Norddeutsche Schleife", Restaurant Kaiser Franz Grenadierplatz 7.— Eefangoerein„A I l e g r o", Slalitzer- straße 142 bei Greifer.- Gesangverein„O l>> in p i a", Prinzenstraße 100 bei Genh.— Gesangverein„Kreuzberg". Tempeihofer-Ufer 13 bei Krany.— «esangveretn„Fid e l it as", Ackerstraße 13 bei Kummer.—„Moabit er Lieder läse l", Wilhelmshavnerstr. 23 bei Brosch.— Gesangverein„M ai- I ö ck ch e n". Höchste. 32 a bei Wiike.— Männerchor„T iid-L st", Köpnilier raße 191 bei Folge. Fest-»nd Zliskntlrklnds.„Herweg(/'. Abends 8% Uhr im Lokale P Herrn Otto Linie, Forfterstr. 43, Gäste willkommen.—„Hu mantllld- Abends 6 z Uhr im Lokale des Herrn Steuer, Weinstraße 22. Gäste kommen.., Gesang-, Turn- und gefellige Rereine. Prioat-Theateroereii:„Acacu' Abends o Uhr, im Restaurant Lehmann, Naunynstr. 44. Gäste willlomiilE — Verein ehmaliger S7er, Abends 9 Uhr, im Königstadt-Kaflno, Holzmam straße 72.— Berein ehemaliger Buhrmeister'scher Tanzschiiler, Abends 9) K'" Sitzung mit Tarnen ini Restaurant Andreasstr. 3. Galle willkommen. Vriefkstflen vev Äedakkion. Bei Anfragen bitlen wir die Abonnements-Quittung beizufügen. Briests Antwort wird nicht ertheilt. Jolianues Schnlf, Sattler in Straßburg, Steinstraße Nr. � bittet Herrn Alb. W u r b s in Rixdorf um Antwort. A. Frirdrichsffagr». Ihr Bericht ist uns nicht F gegangen. V. D.. Willibald Aleriskr. Die Länge Ihres Berich- stand in keinem Berhältniß zur Wichtigkeit der in demselben em- haltene» Thatsachen. Wir glauben, den von Ihnen vertretene» Bestrebungen hinlänglich zu genügen, wenn wir Ihre Versaww- lungsankündiglingen bringen. F. H. 30. Wir können Ihnen Ihre Frage leider nicht bk- antworten. Wenden Sie sich an das Landwehr-Bezirkskomniando- I. W. 1. Sie müssen zur standesamtlichen Anmeldu»g Ihren Taufschein und die Sterbeurkuiiden Ihrer beiden Eller» mitbringe».-. Ihre Braut bedarf der Sterbeurkunde des Pater» und der Einwilligungserklärung der Mutter unter Beglaubigung der Uliterschrift. 3. Bevor die Eheschließung stattfiudeit ko»», muß die Bekanntmachung des Aufgebots mindestens zwei Wachs» aushänge». Zwischen der Anmeldung und dem Trauienni» müssen also ca. drei Wochen liegen. 4. Die Sterbeurkundr» müssen Sie von dem Standesbeamten in Königsberg beschaff»- M. K., Mrangelstiahe. Der Mann muß für den Unttt' halt seiner bei ihm lebenden Frau, auch für etwaige Kunos"» sorgen. Thut er dies nicht, so kann die Frau ihn darauf verklagen und sogar Lohnarrest ausbringen. - beziehen durch den Verl S bes ,, Volksfreund" in Nsteub«eS (Baden).* Pekanntmachuust. Wir kommen für Schulden Tochter Bertha Linke nicht auf. 103 n-rn, aohnic und FTW" Herrn. Allen denjenigen Gewerlschasten, w�, noch Forderungen an Herrn P'e* ai, den früherenLokalinhaberMeinß��ii haben, ersuche ich, der ich von v Pietsch das Lokal übernommen» � sich in dieser Sache an mich zu Fritz Steuer� i 95 Allen Freunden und Nachricht, daß ich Neue Strasse 17 ein. hii Weiss- u. Bairisch-BicH®.3 eröffnet habe. Kalte und warme vr.W. zu jeder Tageszeit. Sonnabend:� Ausschieben. Gustav Wachho*> --- K > Allen Freunden und Bekannte � ergebene Anzeige, daß ich Weder» ein Weiss- und Bairtsch-Bier-Lo%%l öffnet habe. Um gefl. Zuspruch � Albert Jürgens, Wederstr�> ------ vJu Empfehle allen Freunden u« nossen mein j..). Bairisch-Bier-W* Schum*0® Weiss- oud R. Handke vorin. p- 29, Hamburg, Filiale 7. —-—' Hierdurch die ergebene AnzeiS, �schick) Meherstr. 28. Hof, einen Slei' Derkauf eröffnet habe.. � 106 Otto Lange. Weber, � Ein Dereinsnmmer ist 5» verS�zS bei Adolf Laege, Fürbringerstr�� Zs-sD im zu cm. Rixdorf, Prinz Hanv>e.— -SSSÄÄN'G Preis 7 M.' Dr. Hoesch, Homöopath- �"1 Artilleriestr. 27. 8-10, 5-7, Bundes-DirigOt�« Berlins und Dmgegend gesuch'- tauten wollen Adressen an Fr. Langestraße 17, 3 Tr., senden-. Im Auftrage des Bundes-A»sl _ D i e K o m m i s s Schlosser auf Geldschränke Neue Schönhauserstr. 14. Verantwortlicher Redakteur: Curt Kaako in Berlin. Druck und Verlag von Was- Kading-.n Berlin S\V\, Beuthstraße 2, Haldestr. Steinnuffkuopf-Fraiser Siegel& Co Ä-Tv-r'- r. 237. Dienstag, den 4. November 1890. 7. Jahrg. Anweisung J�effKb das Versahren bei der Ausstellung dem Um lausch, sowie bei der Erneuerung GuV � un g) von Quittungskarten(§§ 101 ff. des or.J'Mi, betreffend die Jnvaliditäts- und Nersversi cherung, vom 22. Q-uni 1989, Reichs- G e s e tz b l. S. 97). Vom 17. Oktober 1890. , m Einleitung. üns Ö.r§ 101 des Gesetzes, betreffend die Jnvaliditäts- g �Versicherung vom 22. Juni 1339(Reichs- Gesetzbl. g' erfolgt� für die bei den Versicherungsanstalten(§§ 41 ff. irh-P'l versicherten Personen die Entrichtung der Beiträge der d?n und der Versicherten durch Einkleben eines entsprechen- .�träges von Marken in eine jQuittungskarte des Tns Formular dieser Quittungskarten ist durch des Bnndesraths vom 14. Juni 1890(„Reichs-Zlnzeiger" '-z?��öesetzt worden. "Ausstellung der Ouittungskarten erfolgt durch die ans ®cfetzc§ bezeichneten amtlichen Stellen(§§ 103, 105, ..yibfatz i, 113 Nr. I. 125 Absatz 3 a. a. O.)*) Zuständig be5 3)C'e""Se Stelle, in deren Bezirk sich die Arbeitsstätte befindet, oder sofern der Versicherte eine dauernde „„s��atte nicht hat, diejenige Stelle, in deren Bezirk er sich t. I)alt. Tjese Stellen sind zur Ausstellung verpflichtet. 2*.°" bü Versiehe WDWDW aber auch die für den Betriebssitz oder "es-i>er>ia)erten zuständige Stelle. Die Ausstellung m j S'' soweit es sich um die Vorbereitung der Inkraftsetzung des »II k m handelt, von Amtswegen, im liebrigen in der Regel !,'" n t r a g. Sieben dem Versicherten, seinem gesetzlichen Ver- vder Bevollmächtigleu ist auch der Arbeitgeber auf Aus- ... wvci Bevollmächtigten ist auch der Arbeitgeber aus..... Mur.g einer Quittungskarte für denselben anzutragen berechtigt 'berzl. Zjffee 3Sb\ sosern der Versicherle selbst bis- k".? solche anzuschaffen(§ 101 fc»rB" ,o;iiei- üöd,), sofern "�""�afstn hat, sich eine �Lbesonde� Zuverlässigkeit des Slntragftellers, wie häufig aus- ür die Nichtigkeit derjenigen Angaben bieten, lelÄa'V'T."- bes beantragten Arbeitgebers, ."ujende Gewäbr- °>e siir tu. m.:5: ,..Bei treiben: lur die Ausstellung der Starte von Bedeutung sind. ieib �em Bcrfahrcu sind folgende Verrichtungen zu unter- A. d i e SluSstellung der ersten Quittungs- karte, � der Umtausch von Quittungskarten. die Erneuerung(Ersetzung) von Quittung s- karten. * Die AuosteUung der ersten NnittnngsKarte. » Voraussetzungen. sick" Atzssiellung der ersten Quittungskarte handelt es im, 1,3!!?.. �eu Eintritt des Inhabers der letzteren in die fft.«uditäts- und Altersversicherung nach Tllaßgabe des Ge- 22. Juni 1889, soweit diese Versicherung bei einer ��""gsanstalt(§ 41 a. a. O.) stattfindet. Denjenigen !>!,!, a.'velche diesen Versicherungsanstalten nicht angehören, »tll tnrpt* i O<• � 1%�» 14*»»••• Enen. MWWWWWWWWW» lUnfjAM». tt v"—•~ i•—— i--- j—--------!'••»»»*• % lhrer Versicherungspflicht durch Zugehörigkeit zu eine »tii, Achdesrath zur selbstständigen Durchführung der Jnvaliditäts 'in., chrsversicheruug ziigelasscnen b es o n ch tu ng genügen(§§ 5 und 7 a. a. 2, t' welche aus ihren Antrag von der Versicherungs- !? befreit worden sind(§ 4 Absatz 3 a. a. O.), wird da- gfl! Quittungskarte nicht ausgestellt. yK anderen Personen muß der Ausstellung der Karte eine deren Kassen- O.), sowie denjenigen «tem 9. der Legitimation des Empfängers vorangehen. d'Pniiung hat sich zunächst aus die«.........." *»ti,%"f zu erstrecken.°b die Person, Identität der Person, tu rr,.rrar.., JIFv« �«|0n, auf deren Slamen die .l-dei»il'Vitfhch buicnigc ist, für welche sie aus- .Nio�d...Für dieie Prüfling genügen die üblichen Legiti- chweise. Sodann ist zu prüfen, ob diese Person ist/ nach" Maßgabe des Gesetzes" vom 22. Juni 1839� in L i"Gerung einzutreten. In dieser Beziehung kommt Folgen- ch Betracht: foni» eine Quittungskarte darf erstmalig nur für solche Per- ausgestellt werden, welche ch das IG. Lebensjahr vollendet haben und 2- nicht bereits als dauernd erwerbsunfähig anzusehen iß diesem Sinne als dauernd erwerbsunfähig anzusehen »Il�er' auch"denstistgen'�Persi onen.�welche den vorstehenden 5) bieli werden, daß sie entweder: che»n. m°"�uigen Kategorien von Personen gehören, für £ AU Xo»,:' V*■" H V 4/( K*\KI• V.vr»V.,---- b st v".ffchgen Personen, welchen das Gesetz das Recht zur > t ch e r u u g eingeräumt hat. L,, 4. o V e r s i ch e r u n g s p s l ich t. der Versicherungspflicht unterliegen, so im%®{f«6e§ i,«. diesen Zwang nicht auf die im§ 2 1 des Mnchneten Personen ausgedehnt hat. lediglich die ».Msen, 5i.,st?!'f4tzes angeführten Personen(Arbeiter, Gesellen, tn!»ud �"95' Dienstboten, BetriebSbeamte. Handlungs- «d. S-eschif-,H°ndlungslehrli»ge, Personen der Schiffsbesatzung Q.. D.�taturalbeAuac. nicht aber die ausschließliche Ge- d Lehrij,,"' ,�9 Ten in'Apotheken beschäftigten Ge- ') AncP" des Reichs und der Bundes- besonderer örtlicher Polizei- KWMWZ W-WZMMW BMMSWZ staaten, den mit Pensionsberechtigung an angestellten Beamten von Kommunalverbäuden, sowie den Personell des Soldaten- standes, welche dienstlich als'Arbeiter beschäftigt werden, darf eine Quittungskarte nicht ausgestellt werden(§ l Ziffer 2 bezw.§ 4 Absatz 1 a. a. O.) Selb st Versicherung. 5. Zu b) So weit der Bundesrath die Versicherungspflicht gemäß§ 2 des Gesetzes nicht auf die daselbst bezeichneten Per- sonen ausgedehnt hat, sind diese Personell unter der Voraus- setznng zur S e l b st v e r s i ch e r u n g berechtigt, daß sie zur Zeit der Ausstellt! ng der Karte das 40. Lebensjahr noch nicht voll- endet haben. Dagegen sind alle übrigen der Versicherungspflicht nicht unterliegenden Personen voll dem Siecht zur Selbstversiche- rung ausgeschlossen(§ 8 des Gesetzes). Hiernach darf Personen, welche nicht versicherungspflichtig sind, eine erste Quittungskarte nur dann ausgestellt werden, wenn dieselben: 1. das 40. Lebensjahr noch nicht vollendet haben, 2. nicht dauernd erwerbsunfähig im Sinne des§ 4 Absatz 2 a. ct. O. sind, und wenn sie außerdem entweder 3. Betriebsunternehmer sind, welche nicht regelmäßig wenig- stens einen Lohnarbeiter beschäftigen, d.h. gewöhnlich allein, ohne bezahlte Gehilfen arbeiten, oder wenn sie 4. Hausgewerbetreibende sind. Hausgewerbetreibende sind solche selbstständige Geiverbetreibende, welche in eigenen Be- triebsstätteu im'Austrage und für Rechnung anderer Ge- werbetreibendell mit der Herstellung oder Bearbeitung geiverblicher Erzeugnisse beschäftigt werden. Dabei macht es keinen llnterschied, ob diese Personen sich die Roh- oder Hilfsstoffe selbst beschaffen oder ob sie dieselben geliefert er- halten, ob sie vorübergehend für eigene Rechnung arbeiten, oder nicht. Ebensowenig lvird die Berechtigung Hausgewerbe- treibender zur Selbstversicherung dadurch ausgeschlossen, daß sie einen oder eine größere Zahl von Lohnarbeitern beschäftigen. Zl il f k l ü r u n g des Sachverhalts. G. Thatsachen, welche sich hiernach ans das Siecht zum Ein- tritt in die Versicherung und demgemäß zum Empfange einer ersten Quittungskarte beziehen, hat die um'Ausstellung der Karte ersuchte Stelle zu berücksichtige», soweit sie ihr amtlich bekannt sind. Im Uebrigen ist die Stelle zwar berechtigt, aber nicht verpflichtet, von Amtsivegen weitere, das Vorhandensein solcher Thatsachen betreffende Ermittelungen anzustellen. Soweit der- artige Ermittelungen vorgenoillinea werden, sind sie ans dem kürzesten Wege unter thunlichstcr Vermeidung von Weiterungen und Koste» zu veranlasseit. Nach Maßgabe ihrer amtlichen Kenntnis: oder nach dem Ergebniß ihrer Ermittelungen hat sich die'Ausgabestelle darüber schlüssig zu machen, ob sie die Quittungskarte ausstellen oder die Ausstellung ablehnen will. Dabei ist grundsätzlich t h u n- l i ch st e s Entgegenkommen zn bethätigen. Bleibt dem- gemäß die Zulässigkeit der'Ausstellung zweiselhast, und lasse» sich die Zweifel nicht alsbald teseitigen, so ist die Ausstellung der Karte nicht zn versagen; dabei ist jedoch der für den Bc- zlrk der ausstelleiideii Stelle zuständigen Versicherungsanstalt oder dem nächste» Vertraneusuian» oder Beamten derselben von den Umständen, welche den Zweifel begründen, Mittheilung zu machen. Wird die Ausstellung der Karte abgelehnt, so ist dies dem Antragsteller mit der Eröffnung initzutheilen, daß ihm binnen zwei Wochen nach Empfang der Mittheilung die Beschwerde an die der ablehnenden Stelle unmittelbar vorgesetzte Dienstbehörde zusteht(§ 106 a. a. Q). Soll die Karte ausgestellt werden, so ist ein Formular der Quittungskarte, wie dasselbe vom Bnndesralh festgestellt worden ist, auf der Zl u ß e n f e i t e in der aus dem beigefügten Muster ersichtliche» Weise auszufüllen. Hierbei ist nach'Maßgabe der nachstehenden Vorschriften zu verfahren. Ausfüllung des Formulars. 7. Neben dem am Kopfe der Karte befindlichen Vermerk „Versicherungsanstalt" ist der Slame derjenigen Versicherungsanstalt einzutragen, in deren Bezirk der Sitz des Betriebes, in welchem der Inhaber der Quittungskarte beschäftigt wird, de- legen ist. Sosern jedoch dieser Betrievssitz nicht ii» Julande liegt, oder sofern die Beschäftigung überhaupt nicht in einem„Betriebe" stattfindet(dies ist z. B. der Fall bei Dienstboten znr persönlichen Dicnstleistnng), entscheidet der im Jnlande belegene B e- schästigungsort(die Betriebsstätte, der Arbeitsort,§ 41 Absatz 3 a. a. O.). Bei den Personen der Schiffsbesatzung beut- scher Seefahrzcnge bestimmt sich die zuständige Versicherungsanstalt nach dem Heimathhafen des Schiffs(§ 136 Abs. l o. a. O.). Der Wohnort des Versicherten ist nicht entscheidend. Sodann ist d:e Bezeichnung der die Quittungskarte aus- stellenden Stelle(z. B.„die'Ansgabestelle in Burghausen",„der Amtsvorsteher in Schöueberg") und das Datum der Ausgabe (Ausstellung) einzutragen. Der Unterschrift deS ausstellenden Beamten bedarf es nicht. Neben diese Eintragungen ist rechts oben an der durch den Vordruck bezeichneten Stelle der Stempel der ausstellenden Stelle abzudrucken. Unter das Datum ist ein Vermerk über die Giliigkeitsdauer der Karte zu setzen. Stach tz 104 des Gesetzes verliert die Starte ihre Giltigkeit, wenn sie nicht bis zum Schlüsse deS dritten Jahres, welches dem am Kopfe der Karte verzeichneten Jahre folgt, zum Umtausche eingereicht ivordeu ist. Eine im Jahre 1891 ausgestellte Karte verliert deuigemäß ihre Giltigkeit mit dem Ablause deS Jahres 1394. Man findet also dasjenige Jahr, welches an der in Rede stehenden Stelle einzutrage» ist, dadurch, daß man dem Jahre, in welch ein die Ausstellung erfolgt, die Zahl 3 hinzuzählt. Die Qmttungskarte erhält darauf eine Nuimuer. Diese Nummer richtet sich nicht etwa nach der Zahl und Reihenfolge sämmtlicher von der betreffenden Stelle ausgestellter Quittungs- karten verschiedener Inhaber, sondern ausschließlich nach der Zahl und der Reihenfolge der Qnittnngskarten desjenigen Versichertet:, für welchen die betreffende Quittungskarte ausgestellt wird. Die erste Quittungskarte eines jeden Inhabers erhält also die Nr. 1, während demnächst die zehnte Karte desselben Inhabers die Nr. 10 erhalten wird u. s. w. Sodann sind Bor- und Zuname, Berufsstellung, Geburtsort und Geburtszeit de: Inhabers einzutragen. Bei Feststellung der- selben ist zur Unterscheidnug deS Versicherten, �von änderet: Personen besondere Sorgsalt geboten. Bei Angabe der„Berufs- stellung" ist neben der aUgcmciuen Bezeichnung„'Arbeiter",„Gchilte" „Geselle" u. s. w. thunlichst auch der besondere Berufs- zweig, in welchem der Versicherte bei Ausstellung der Karte beschäftigt ist, einzutragen, z. V.„laiidivirthschaftlichrr Arbeiter", „Schloffergeselle" u. s. w.; bei denjenigen Personen, welche Haus- gewerbetreioende oder Betnebsunternehmer sind und von dem Stecht der Selbstversicherung Gebrauch machen(vergl. Ziffer 51, ist dies Verhältnis: etwa in folgender Weise:„Schlosser(Betriebs- Unternehmer)",„Weber(Hauegewerbetreiben der)" ersichtlich zn machen. Im Uebrigen ist zu beachten, daß Eintragungen oder Vermerke, ivelche durch das Gesetz nicht vorgesehen sind, unzulässig und strafbar sind(tztz 108, 151 a. a. D.s. Insbesondere darf die Person des Arbeitgebers niemals in die Karte eingetragen werden. Die Eintragungen sollen handschriftlich erfolgen, doch ist es zulässig, die Bezeichnung der ausstellenden Stelle und bei der erstmalige!:'Ausstellung von Quittungskarten auch die Be- Zeichnung der Versicherungsanstalt am Kopfe der Karte durch Druck oder durch Verwendung eines Stempels zu bewirken. 8. In die Innenseite der Quittungskarte, insbesondere in den für die'Aufrechnung der Quittungskarte bestimmten Vordruck sind Eintragungen nicht schon bei der'Ausstellung dieser Karte, sondern erst dann zn machen, wenn dieselbe zum Umtausch eingereicht ist (vergl. unten Ziffer 15 ff.). Mitwirkung der Arbeitgeber. 9. Insbesondere bei der erstmaligen, die Inkraftsetzung des Gesetzes vorbereitenden Ausstellung von Quittungskarten kann die Mitwirkung zuverlässiger'Arbeitgeber derart in Anspruch genommen werden, daß denselben mit ihrer Zustimmung die Aus- füllung des Vordrucks, soweit er sich auf die Personalien ihrer Betriebsbeamteu, Arbeiter, Dienstboten u. s. w. bezieht, sowie die demnächstige Aushändigung der Quittungskarten an die Ver- sicherten überlasten wird. Dem pflichtmäßigen Ermeffen der ausstellenden Stelle bleibt es überlassen, zu erwägen, inwieweit derartige Eintragungen einer besonderen Prüfung bedürfen. Jedenfalls aber ist die Berechtigung zum Eintritt in die Versicherung von dem ausstellenden Beamten festzustellen; derselbe hat auch die'Ausfüllung der übrigen Theile des Vor- drucks sowie die Stempelung der Karte selbst zu bewirken. Zustellung._ 10. Nachdem die Karte solchergestalt ausgefüllt ist, wird sie dem Versicherten zugestellt. Sofern dies nicht durch unmittelbare Aushändigung oder durch Vermittelung zuverlässiger Arbeitgeber geschehen kann, ist die Zustellung durch Boten oder durch die Post oder anderweit, jedenfalls aber dergestalt zu bewirken, daß dem Versicherten baare'Auslagen daraus nicht erwachsen. Letzteres findet keine Anivendung, wenn der Versicherte es unter- lassen hat, einer Ladung zur Empfangnahme der Karte Folge zu leisten. B. Der Umtausch der Quittungskarte. Allgemeines. 11. Bei dem Umtausch einer Quittungskarte handelt es sich um die Fortsetzung der Versicherung des Inhabers der Karte. Der Umtausch findet der Regel nach erst dann statt, wenn die für die Einklebung von Marken bestimmten Felder der Quittungskarte gefüllt sind oder die Giltigkeit der Quittungs- karte erloschen ist(§ 104 a. a. Q). Aus seine Kosten darf jedoch der Versicherte jederzeit die'Ausstellung einer neuen Quittungs- karte gegen Rückgabe der älteren Karte beanspruchen(§ 102 Absatz 2 ct. a. Q) Bei dem Umtausch der Quittungskarte sind folgende Ge- schäfte zn unterscheiden: a) die'Ausstellung der neuen Karte; b) die Aufrechnung der alten Karte; c) die Ausstellung der Bescheinigung übet die aus der Ausrechnung sich ergebenden Endzahlen; et) die Einsendung der u bergebenen Karte an die zuständige V e r s i ch e r u n g s a n st a l t. Zu») Zeitpunkt. 12. Die Aus st ellungder neuen Quittungskarte erfolgt der Regel nach nur gegen Slnckgabe der älteren Karte und Zug un, Zug mit dieser Rückgabe. Im Interesse der Be- theiligten, insbesondere um zn verhüten, daß die Verwendung von Marken infolge unzureichenden Raumes aus der alten Karte eine unerwünschte Unterbrechung erfahre, darf jedoch Versicherten, ivelche in einem ständigen Arbeits- oder Dienstverhältniß stehen, schon vor Uebergabe der alten Karte eine neue Karte ausgestellt tverden, sofern dabei die ältere Quittungskarte vorgelegt wird und nach den Umständen die Annahme mißbräuchlicher Verwendung der neuen Karte ausgeschlossen ist. Damit ferner nicht die mit dem Umtausch der Quittungs- karte verbundenen Geschäfte auf einzelne Tage(Anfang, Mitte oder Ende des Monats) in unerwünschter Weise sich zusammen- drängen, können in solchen Bezirken, wo die örtlichen Ver- Hältnisse dies erwünscht erscheinen lassen, insbesondere für die in einem ständigen Arbeits- oder Dienstverhältnisse stehenden Versicherten, zum regelmäßigen Umtausch der Karten be- stimmte Tage im Voraus festgesetzt werden. Die Reihenfolge der Tage kann nach dem Anfangsbuchstaben des Namens des Versicherten oder nach anderen Gesichtspunkten geregelt werden. Derartige Bestimmungen sind durch bleibenden Slushang an der Geschäftsstelle, sowie anderweit nach Ortsgebranch zur öffentlichen Kenntniß zu bringen. Verfahren. 13. Die Atisstellung der neuen Starte erfolgt nach den für die Ausstellung der ersten Karte oben unter A(Ziffer 6 bis 10) erörterten Siegeln, jedoch mit solgendeu Maßgaben: et) Die'Ausstellung der neuen Quittungskarte darf in der Siegel nicht von einer besonderen Feststellung, ob zur Zeit eine Bersichcrungspflicht oder das Recht zur Selbstversicherung besteht, abhängig gemacht werden. Vielmehr hat im Allgemeinen Jeder, welchem eine Quittungskarte einmal ausgestellt worden ist, das Siecht, den Umtausch derselben zu verlangen, und mir in solchen Fällen ist der Umtausch ausiiahntsiveise zu versagen, wenn die Ausgabestelle die pflichtmäßige Ueberzeugung gewinnt. daß der Inhaber zum Eintritt in die Versicherung bisher nicht berechtigt gewesen ist(Ziffer 3 bis 5). b) Ferner ist in die Rubrik„Versichernngsanstalt" nicht diejenige Versichernngsanstalt, in deren Bezirk der Versicherte zur Zeit der Ausstellung der uenen Karte beschäftigt ist, sondern die- jenige Versicherungsanstalt einzutragen, welche auf der ersten Quittungskarte des Versicherten verzeichnet war. Als diese gilt diejenige Versicherungsanstalt, welche auf der der Sin in- m e r n a ch n ä ch st vorhergehe u d e n Karte, also in der Siegel aus der zum Umtausch übergebenen Karte verzeichnet ist, sosern sich als erste Versicherungsanstalt nicht eine bestimmte andere ergiebt(tz 102 a. a. O.).») 14. Die neue Quittungskarte erhält als Nummer diejenige Zahl. welche aus die Zahl der für den Versicherten zuletzt «uMellten. Karte, soweit dieselbe zu ermitteln ist, folgt. Enthalt diqe bei,ptelswct,e dte Zahl 3, so ist die neue Karte mit der Nummer 4 zu bezeichnen. Als„Berufsstellung" ist, *) A n in c r! u n g. Dies ist um deswillen geboten, weil alle Qnittnngskarten desselben Inhabers bei einer und derselben Versicherungsanstalt, und zwar bei derjenigen, für welche die erste Quittungskarte deS Versicherten ausgestellt worden war, gesammelt und aufbewahrt werden sollen(tz 107 Absatz l in Verbindung mit§ 102 Absatz 1 a. a. O.), damit bei Anträgen aus Bewilligung von Renten jederzeit sämmtliche Quittungs- karten dessclven Inhabers ohne Schwierigkeit eingesehen werden können. wie sich aus dem Vordruck crgiebt, diejeuige Berufsstellung cinzutraffcu, welche der Inhaber zur Zeit der Ausstellung der neuen Quittungskarte bekleidet, auch wenn auf der früheren Quittungskarte eine andere Berufsstellung angegeben war. Der- artige Verschiedenheiten werden sich z. B. dann ergeben, wenn aus Lehrlingen Gesellen geworden sind, ein anderes Gewerbe bc- gönnen worden ist u. s. w. Zu b) Zeitpunkt. 15. Die Aufrechnung der zurückgegebenen Karte soll in der lllegel in unmittelbarem Anschlust an deren Rückgabe ersolgcn. Sosern dies wegen Ueberhäufung mit Ge- schäften oder aus anderen erheblichen Gründen nicht geschehen kann, ist die Aufrechnung doch spätestens innerhalb einer Woche nach der Rückgabe zu bewirken. Quittungskarten, welche erst nach dem Schlüsse des dritten auf das am Kopf der Karte verzeichnete Jahr folgenden Jahres zum Umtausch eingereicht werden und dadurch ungiltig geworden sind, werden nur dann aufgereckinet, wenn der In- Haber nachweist, dast der Vorstand der sür den Beschnftigungsort zuständigen Versicherungsanstalt die fortdauernde Giltigkeit der Karte anerkannt hat(§ 101 a. ct. O.). Die Aufrechnung erfolgt auf der Innenseite der zurückgegebenen Q u i t t u n g s k a r t e an der durch den Vordruck bezeichneten Stelle? eine Uebertragung dieser Ausrech- nung in die neuausgestellte Quittungskarte ist unstatthaft. Dabei ist Folgendes zu beachten. A u f r e ch n u n g der Marken. 16. Die in die auszurechnende Karte eingeklebten Marken sind ohne Rücksicht darauf, ob sie auf verschiedene Vcrsicherungs- anstalten lauten, lediglich nach L o h n k l a s s e n zusammen- zurechnen; das Zahlenergebnis! ist sür jede Lohnklasse getrennt in die für die betreffende Lohuklasse bestimmte Rubrik der Tabelle einzutragen. Die in die Quittungskarle eingeklebten Doppelmarken(Marken der Lohnklasse 11 und Zusatzmarken des Reichs) sind hierbei nicht besonders zu berücksichtigen, son- dern als Marken der Lohnklasse II zu behandeln und mit den übrigen in die Quittungskarte eingeklebten Marlen der Lohn- .klasse 11 in e i n e r Summe einzutragen. Krankheiten und militärische Dienleistungen. 17. Außerdem sind an der das. r angegebenen besonderen Stelle bescheinigte Krankheiten und militärische Dienstleistungen, soweit sie für die Zeit zwischen dem Ausstellungstage der zurückgegebenen und dem Ausstellungstage der neu ausgestellten Quittungskarte nachgewiesen werden und nach den in Ziffer 19 ff. angegebenen Gesichtspunkten zu berück- sichtigen sind, nach dem Datum des Beginns und der Beendigung der einzelnen Krankheit oder militärischen Dienstleistung zu ver- merken. Die Einrechnung dieser Zeilen in die Zahl der ordent- lichen Beitragsivochen sowie die Zusammenrechnung der Dauer der einzelnen Krankheitsfälle oder militärischen Dienstleistungen ist bei Aufrechnung der Karte nicht zulässig'). Reicht der Vordruck sür Krankheitszeiten um deswillen nicht aus, weil mehr als fünf Krankheitsfälle einzutragen sind, so können unter entsprechender handschriftlicher Aenderung des Vordrucks auch die für militä- rische Dienstleistungen bestimmten Rubriken, soweit diese für die letzteren nicht verwendet zu werden brauchen, zur Eintragung von Krankheitsfällen benutzt werden. Dasselbe gilt sür den um- gekehrte» Fall. 18. Zum Nachweise einer Krankheit genügt die Bescheinigung des Vorstandes derjenigen Orts-, Betriebs- (Fabrik-), Bau- oder Jnnungs-Krankenkasse, derjenigen Knapp- schasstskasse, eingeschriebenen oder auf Grund landesrechtlicher Vorschriften errichteten Hilfskasse, beziehungsweise derjenigen Ge- meiude-Krankenversicheruiig oder landesrechtlichen Einrichtung ähnlicher Art, welcher der Versicherte angehört hat(§§ 18 Absatz 1, 135 a. a. O.). Für diejenige Zeit, welche über die Dauer der von den.betreffenden Kasse» zu gewährenden Krankenunter- stiitzung hinausreicht, sowie für diejenigen Personen, welche einer derartigen Kasse nicht angehört haben, genügt die Bescheinigung der Gemeindebehörde(§ 18 Absatz 1 a. a. O.). Auch können sür die in Reichs- und Staatsbetrieben beschäftigten Personen die Bescheinigungen über die Krankheit durch die vorgesetzte Dienst- behörde ausgestellt werden(§ 18 Absatz 2 a. a. Q). Die Beibringung sonstiger Nachweise(z.V. ärztlicher Atteste, Zeugnisse von Krankenhäusern über die Krankheit u. s. w.) ist jedoch nicht ausgeschlossen. Der N a ch iv e i s geleisteter Militärdien st e erfolgt durch Vorlegung der Militärpapiere(§ 18 Absatz 3 a. a. O.). Voraussetzungen der Eintragung von Krank- Heiken u. s. w. 19. Die Dauer von Krankheitsfällen und militärischen Dienst- leistungen ist nun aber nicht in a l l e n F ä l l e n als Beitrags- zeit anzurechnen und demgemäß bei Ausrechnung der Quittungs- karte einzurechnen. Die Anrechnung hat vielmehr verschiedene Voraussetzungen(§ 17 a. a. O.). Entgiltig wird darüber, ob diese Voraussetzungen vorliegen, zwar erst bei deinnächstiger Bewilligung von Renten entschieden. Für die Aufrechnung der Quittungskarle aber hat schon vorher die auf- rechnende Stelle zu prüfen, ob Krankheiten und militärische Dienstleistungen anrechnungsfähig erscheinen; je nach dem Er- gebniß dieser Prüfung ist etue derartige Zeil bei der Ausrechnung der Quittungskarten zu berücksichtigen oder deren Berückstchliguug abzulehnen. Bei dieser Prüfung müssen diejenigen Thatsachen berücksichtigt werden, welche der ausrechnenden Stelle amtlich bekannt sind oder aus den vorgelegten Bescheinigungen und Urkunden sich ergeben. Sind die Bescheinigungen von den Vorständen der vorsteheno be- zeichneten 5trankenkasscn oder Gemeinden von staatlichen oder kommunalen Dienstbehörden oder von Militärbehörden ausgestellt, so ist die aufrechnende Stelle zur Anstellung weiterer Erwitte- jungen über die in Betracht kommenden Thatsachen. zur Beheb- ung etwaiger Zweifel zwar berechtigt, aber nicht verpflichtet. Handelt es sich dagegen um sonstige Bescheinigungen, so ist die aufrechnende Stelle verpflichtet, etwaige Zweifel wegen der An- rechnungsfähigkeit durch amtliche Feststellung der in Betracht kommenden Thatsachen aufzuklären. 20. Die Eintragung einer Krankheit bei der Ausrechnung der Quittungskarte ist demgemäß zu versagen: a) wenn keine Bescheinigungen oder sonstige nach dem Er- messen der aufrechnenden Stelle ausreichende Nachiveise beigebracht werden(Ziffer 17 Absatz 2); b) wenn sich ergiebt, daß die Krankheit eine Erwerbsunfähig- keit überhaupt nicht oder nur eine Erwerbsunfähigkeit von weniger als sieben aus einander folgenden Tagen verursacht hat; c) wenn sich ergiebt, daß der Erkrankte sich die Krankheit vorsätzlich oder bei Begehung eines durch strafgerichtliches llrtheil festgestellten Verbrechens, durch schulvhafte Be- theiligung bei Schlägereien oder Raushandeln, durch Trunk- fülligkeit oder durch geschlechtliche Ausschweifungen zuge- zogen hat; ä) wenn es sich um Krankheitsfälle bei Selb st ver- sicherten oder während der f r e i w i l l i g e n F o r t s e tz u n g eines Versicherungsverhältnisses handelt; *) A n m e r k u n g. Bei der späteren Bemessung der Reuten ist zwar die Daner der bescheinigten Krankheiten und militärischen Dienstleistungen als Beitragszeit in Anrechnung zu bringen, ohne daß für diese Zeit Beiträge entrichtet wären; die Einrechnung dieser Zeiten in die Zahl der ordentlichen Beitragsivochen i;r jedoch nicht Sache der aufrechnenden Stelle. Die letztere hat vielmehr die Zahl der aus den eingeklebten Marken sich ergebenden Beitragswochen in den verschiedenen Lohnklassen ausschließlich nach che» wirklich beigebrachten Marken zu berechnen, die Dauer der bescheinigten Krankheiten und der militärischen Dienstleistungen (aber getrennt anzusetzen. c) wenn sich ergiebt, daß der Inhaber der Quittungskarte vor Beginn der Krankheit eine die B e r s i ch e r n n g s- Pflicht begründende Beschäftigung überhaupt nicht oder nur vorübergehend gehabt hat; f) wenn sich ergiebt, daß der Erkrankte durch die Krankheit nicht verhindert worden ist, seine die Ver- sicherungspflicht begründende Beschäftigung f v r t z n s e tz e n. Hierhin gehört auch der Fall, das: für die Dauer der Krank- heit wegen Fortsetzung des die Versicherungspflicht begründenden Arbeits- oder Dienstverhältnisses Beitragsmarken entrichtet worden sind. Ferner ist bei Krankheiten, welche ununterbrochen länger als ein Jahr gewährt haben, die über diesen Zeitraum hinausrcichcnde Dauer der Krankheit als Beitragszeit nicht an- zurechnen, also auch nicht einzutragen. 21. Tie Eintragung einer militärischen Dienst- l e i st n n g bei Ausrechnung einer Quittungskarte ist zu ver- sagen: a) wenn zum Nachweise der Dienstleisiung keine Militär- papiere vorgelegt worden sind(Ziffer 17 Absatz l); b) wenn es sich um militärische Dienstleistungen handelt, die nicht zur Erfüllung der Wehrpflicht stattgefunden haben; für die Dauer von Mobilmachungs- oder 5iriegszeiten kommen jedoch auch solche Militärdienste in Anrechnung, die nicht zur Erfüllung der Wehrpflicht, sondern freiwillig geleistet worden sind; c) wenn es sich um militärische Dienstleistungen von Selbst- versicherten oder während der freiwilligen Fort- s e tz u n g eines Versicherungsverhältnisses handelt; d) wenn sich ergiebt, daß der Inhaber der Quittungskarte vor Beginn der militärischen Dienstleistung eine die Ver- sicherungspflicht begründende Beschäftigung überhaupt nicht oder nur vorübergehend gehabt hat. 22. In allen anderen Fällen sind die Zeiten einer Krank- heit oder militärischen Dienstleistung bei der Ausrechnung der Quittungskarte zu berücksichtigen. Dies hat a u ch dann zu geschehen, wenn über die Anrechnnugssähigkeit derartiger Zeiten Zweifel verbleiben, deren alsbaldige Behebung nicht gelingt. Tagegen hat die ausrechnende Stelle beim Vorliegen solcher Zweifel, ebenso aber auch dann, ivcnn die Anrechnung von ihr versagt worden ist, dem Versicherten einerseits sowie andererseits der für ihren Bezirk zuständigen Versicherungsanstalt oder dem Vertrauensmann oder einem Beamten der letzteren von den ermittelten Thatsachen und den obwaltenden Bedenken mit dem Anheimstellen Mittheilung zu machen, für die Zwecke der demnächstigen Feststellung von Renten die etwa erforderlich erscheinenden anderiveiten Feststelinngen herbei- zuführen. Die Kosten der angestellten besonderen Ermittelungen sowie der Mittheilungen an die Versicherungsanstalt hat die letztere zu ersehen(§ 141 des Gesetzes), sosern dieselben nicht nach allgemeinen Grundsätzen anderen Betheiligten zur Last fällen. 23. Sofern die aufrechnende Stelle Grund zu der Annahme hat, daß bei der Aufrechnung militärische Dienstleistungen oder Krankheitsfälle zu berücksichtigen sind, so hat sie dem Inhaber der Quittungskarte, sofern derselbe deren Anrechnung nicht selbst beantragt hat, die Beibringung der erforderlichen Nachweise von Nintswegen zu empfehlen und die Aufrechnung einstweilen auszusetzen. 24. Unter die Aufrechnung hat die ausrechnende Stelle den Ort und das Datum, sowie ihre dienstliche Bezeichnung(z. B. der Magistrat in Bromberg) zu setzen; der Unterschrift des auf- rechnenden Beamten bedarf es nicht. Neben die Bezeichnung der ausrechnenden Stelle ist deren Stempel abzudrucken. Zu c) Bescheinigung über das Ergebniß der A u f r e ch n u n g. 25. lieber das Ergebnis; der Aufrechnung ist dem Inhaber der Quittungskarte eine Bescheinigung zu ertheileu, welche die aus der' Ausrechnung sich ergebenden Endzahlen wiedergiebt. Für diese Bescheinigung wird das in der Anlage mitgetheilte Formular, welches der Ausrechnungstabelle in der Qmltungs- karte entspricht, empfohlen. Tie Bescheinigung ist in unmittelbarem Anschluß an die Aufrechnung auszustellen und Demjenigen, auf dessen Namen die aufgerechnete Quittungskarte lautet, oder seinem Beauf- tragten zuzustellen. Sofern die Zustellung nicht durch uumittel- bare Aushändigung erfolgen kann, ist sie durch Boten oder durch die Post mittelst eingeschriebenen Brieses(§ 139 a. a. O.) oder anderweit, jedenfalls aber dergestalt zu bewirken, daß dem Versicherten keine baaren Auslagen daraus erwachsen, die Thatsache der Zustellung aber aklenmäßig nachgewiesen werden kann. Wenn der Versicherte es unterlassen hat, einer Ladung zur Empfangnahme der Bescheinigung Folge zu leisten, so kann die Ziistelinng der Bescheinigung ans seine Kosten erfolgen. Einspruch gegen den Inhalt derVescheinigung. 26. Gegen den Inhalt der Bescheinigung steht nach§ 106 des Gesetzes dem Versicherten binnen zwei Wochen nach deren Aushändigung der Einspruch ßii. Der Einspruch ist unter Vorlegung der Bescheinigung bei derjenigen Steile zu erheben, welche die Quittungskarte ausgerechnet und die Bescheinigung ausgestellt hat; dieselbe Steile hat auch über den Einspruch zu befinden. Das Versahren über den Einspruch ist an besondere Formen nicht gebunden. Wird der Einspruch als begründet anerkannt, so ist die Ausrechnung und die Bescheinigung entsprechend zu be- richtigen. Die Zurückweisinig des Einspruchs ist dem Ein- sprechenden mitzntheilen. Ties kann mündlich oder durch Zu- fertigling eines schriftlichen Bescheides geschehen, ans dessen Zu- slellnng die obigen Vorschrfften über die Zustellung der Be- scheiniguiig Anwendung finden. Sind der Entscheidung förmliche Beweiserhebungen vorangegangen, so ist dem Einsprechenden ans seinen Antrag und seine Kosten Abschrist der Beweisverhand- jungen zu ertheileu. Rekurs. 27. Gegen die(völlige oder lheiliveise) Zurückweisung des Einspruchs findet binnen zwei Wochen nach Miltheilimg der Entscheidung unter Vorlegung der Bescheinigung und des auf den Einspruch etiva ertheilten(■christlichen Bescheides Rekurs an die der bescheinigenven Stelle unmittelbar vorgesetzte Dienstbehörde statt. Der Rekurs kann sowohl bei dieser, als auch bei der Stelle, gegen deren Bescheid sich der Rekurs richtet, eingelegt werden. Das Versahren über den Rekurs ist an besondere Formen nicht gebunden. Die in demselben ergangene Entscheidung ist endgiltig(§ 106 a. a. O.). Wird der Rekurs als begriiudet anerkannt/ so ist die Ausrechnung und die Bescheinigung nöthigenfalls auf einem besonderen mit derselben zu verbindenden Blatt Papier, mit farbiger Tinte entsprechend zu berichtigen. Die Entscheidung ist dem Beschwerdeführer unter Rückgabe der etwa berichtigten Bescheinigung mitzntheilen, die auf- gerechnete Quittungskarte aber der ausrechnenden Stelle zurück- zugeben. Kosten des Verfahrens. 23. Aus dem Einspruch sollen dem Versicherten in der Regel keine Kosten erwachsen. Tie über den Einspruch entscheidende Stelle ist jedoch befugt, demselben solche Kosten des Verfahrens zur Last zu legen, welche durch unbegründete An- trüge desselben veranlaßt worden sind; indessen soll dieS mir dann geschehen, wenn die Annahme begründet erscheint, daß der Versicherte sich der Grundlosigkeit seiner Anträge bewußt ge- wesen ist. Zu den vorstehend bezeichneten Kosten gehören auch PortoauSlagen. Die Auferlegung von Kosten ist zu begründen. Dieselbe kann mit dem gegen den Einspruch zugelassenen Rekurs angefochten werden. Aus die Kosten des Rekursoerfahrens(W* die allgemeinen Regeln über die Kosten der Beschwerden in Wen ivaltnngsangelegeiiheiten Anwendung. Zu cl) Einsendung der Q u i t t u n g s k a r t e n n. s. w. 29. Die abgegeveiic» Onittungskarlen sind sorgfällig zuvewahren und spätestens in Zeiträumen von drei zu dw Monaren a n die B e r s i ch c r u n g s a n st a j t des Bezirks, welchem die ausrechnende Stelle ihren Sitz hat, zu über- senden. Dabei ist auf thunlichste Ersparung von Kosten und demgeuiäß auf die gleichzeitige Uebcrsendung einer größeren A»- iah/ von Karten Bedacht zu nehmen. Etwaigen Wünschen ber Versicherungsanstalt wegen Einhaltung kürzerer Einsendung-' tenmne ist zu entsprechen. Vor Ablauf der Einspruchs- be- ziehungswcise der Rekurssrist und, sofern Einspruch beziehungs- weise Rekurs eingelegt ist, vor Erledigung desselben ist die be- treffende Karte nicht abzusenden." 30. Auf Antrag des betreffenden Versicherten oder sei»» Arbeitgebers haben die Ausgabestellen mit einer Ouittungekarie zugleich die in§§ 156 ff.,§ 161 a. a. O. bezeichneten Be- scheinig un gen und Nachweise über Beschäftigungen und KraukheitSzeiten(vergl. Ziffer 17) des betreffenden Ber- sicherlen, welche in d i e Z e i t v o r d e m I n k r a f t tr e te» des Gesetzes fallen, anzunehmen und mit der Quittnngb- karte an die Versicherungsanstalt des Bezirks Behufs Weile/ sendung und Aufbewahrung bei derjenigen Versicherung-' anstalt, an welche die betreffende Quittungskarte abzugeben zu übersenden. Dabei sind die einzelnen Quittungskarten mit de» für den betreffenden Inhaber ausgestellten Nachweisen derart zn verbinden, daß die Zusammengehörigkeit sofort ersichtlich wwb, auch ist zur Wahrung der letzteren aus den Nachweisen b>e Nummer der Quittungskarte und der Name der Versicherung- anstalt, für welche sie ausgestellt sind, anziigebeii. Das Gleich* gilt in Ansehung derjenigen Bescheinigungen, welche nach§; Absatz 2 des Gesetzes solchen Personen auszustellen sind, die au» einer vom Bundesrath zur Durchführung des Jnvaliditäts-»g Altersversicherung zugelassenen besonderen Kaffeneinrichtung aus- scheiden. Militärpapiere sind in der Regel nicht anzunehmen» ■PPÜPÜ weil dieselben auch zu anderen Zwecken gs MW dem werden und aus deren etwaiger Rückforderung ans ben> Gewahrsam der Versicherungs- Anstalten Kosten und Weu ternngen entstehen würden., Die mit der Slusstellung und dem Umtausch von Quittung/ karten betrauten Stellen haben in geeigneter Weise darauf hi%g wirken, daß von den Bersicherten jene Nachweise und»e- scheinigungen behufs sicherer Ailfbeivahrung bei den Versicherung� anstallen abgegeben werden. v. Die Erneuerung(Ersetzuug) von �uittnugskartt»' Begriff. 31. Hat der Inhaber seine Quittungskarte verlor*'' oder ist die Quittungskarte ganz oder theilweise zerstör oder aus einem anderen Grunde als wegen Füllung mit B« tragsmarken zur weiteren Verwendung unbrauchbar£*' worden, so ist der Inhaber berechtigt, die«>»..»- Quittungskarte durch eine neue Quittungskarte zu beansprum, (§ 105 o. a. O.). Bei dieser Erneuerung sind in die neue y" tungskarte„die bis zum Verlust der Karte entrichteten 0*"% soweit dieselben nachweisbar geleistet worden sind, in beglaubig' Form zu übertragen"(§ 105 des Gesetzes). Für das/„ fahren muß zwischen der Außenseite und der Innenseite der»» unterschieden werden. Verfahren., 32. a) Die Außenseite erhält genau die 21» schriften der al/en Karte, soweit dieselben Nachweis� dM sind, also auch die Nummer derselben. Oben am Karte oder an einer andern, den genügenden bietenden Stelle ihrer Außenseite ist(handschristlich Ausdrücken eines Stempels) der Vermerk„Erneuert an dem für den Stempel bestimmten Platze ist der iÜ derjenigen Stelle abzudrucken, welche die Erneuerung vornlM"g)' auch wenn das frühere Exemplar von einer anderen �'*� ausgestellt gewesen ist. Einer Bezeichnung der erneue/'-� Stelle oder der Unterschrift des erneuernden Beamten bedau nicht. j 33. b) In die Innenseite der Karte ist auf de» p Aufnahme von Marken bestimmten Feldern, oben link» 5 ginnend, mit thnnlichster Raumersparniß einzutragen, w)* � Marken in der ersetzten Quittungskarte nachweislich für � einzelnen Lohnklassen und Versicherungsanstalten rnch».� waren. Doppelmarken sind hierbei besonders aufzuführen. U ebertrag ung der in der alten Karte nachgewiesenen träge soll in der ans dem nachfolgenden Beispiel sich ergebe» Meise geschehen. Bei Erneuerung der Karte übertragen: 10 M. II. V. A. Königreich Sachsen. 3„ III.„„ Provinz Brandenburg. 2 D.M.„„„ Schlesien. (Bezeichnung der übertragenden Stelle) (llnterschrist), Dabei bedeuten die Abkürzungen D.M.„Doppeluia/ V. A.„Versicherungsanstalt", die römischen Ziffern(I,}1/„(ii IV) die Lohnklassen. die arabischen Ziffern die Anzahl Marlen, welche aus der betreffenden Lohnklasse und Versichern anstalt beigebracht waren. Dieser Vermerk soll von b*»'.zc» tragenden Beamten durch seine llnterschrist beglaubigt Eine Entfernung der auf der unbrauchbar geivorvencn Qui'' ,ii karte vorhandenen Marken und deren anderiveile Einkleb»'-> die neue Karte ist unstatthaft. 34. Ter Nachweis des Inhalts der zu erne»**' Karte ist Sache des Inhabers. Ist diese Karte ga»l(C theilweise noch vorhanden, so ist deren Inhalt soweit* j„- -• � mm.•-.«Tl>•,. in die neue Kart* I tennbar ist, ohne weitere Prüfung zutragen. Im Itctaiaen bedarf es eines glaubhaften weises. Zu einem glaubhaften Nachweis ist in der Rc? Vorlegung der Lohiiisteu des Arbeitgebers ober eine»»»*%.', Auskunft des Arbeitgebers oder der Mitarbeiter deS Verl»» für ausreichend zu«achten. 35. Die erneuerte Karte ist dem Versicherten, seinem g.stt, tragten oder Vertreter auszuhändigen. War die' älteres welche durch die neue ersetzt ist, ganz oder theilweise noM Händen, so ist dieselbe von der Ausgabestelle einzubehass*',.�> mit dem Vermerk„noch Erneuerung einbehalten" oder>m' rf ähnlichen Vermerk und dem Stempel der erneuernden versehen. Die Anshcsrdignng der neuen Karte soll nach Zug um Zug n.it der ilebergabe der alten Karte 0»N Rechtsmittel..■„uC 30. Nach§ 100 de:. Gesetzes ist der Versicherte befugt, b zwei Wochen nach Ans läudigung der neuen Quittungskari* W den Inhalt der lleb«trag!iiig E i n sp r u ch zu erheben- � dem Einspruch und dem weitere» Versahren gilt daS,, f" (Ziffer 20 bis 28) über den Einspruch gegen oen Inhalt 5 � scheiniguiig gesagt ist. Nach Ablauf der Einspruchs- beztey weise R e r u r S frist, eventuell nach Beendigung des Einst beziehungsweise Rekiirs?erfahrenL ist die alte Karte der ff Bezirk der erneuerndeir Stelle zuständigen Versicherung'-' einzusenden(Ziffer 29). Besondere Fülle. n/ 37. Eine Erneuerung der Kurte findet, abgesehen D Fällen des§ 105 de? Gesetzes, noch statt:, a) wenn die Karte wegen einer unzulässigen Ei»'" Seitens einer Behörde i-igehallen wird(§ 103 Absatz 1»• b) wenn im Falle des§ 125 die untere Berivalmng/ an Stelle der Vernichtung der irrthümlich beigebrachten /st I* die Einziehung der Quittungskarte und die tlebertrag»' Inhalts derselben auf eine neue Karte anordnet. die Behörde zur Ausstellung von Karten nicht berechtigt, F hat sie wegen Ausstellung der neuen Karte eine zuständige stelle zu ersuchen. Wegen des Versahrens gilt das oben Bemerkte. Zchlnfzbcstimmnngr». Kostenfreiheit. ,38. Die Ausstellung, der Umtausch und die Erneuerung der �luittungskarte sowie die Erlheilung der Bescheinigung erfolgen toften- und gebührenfrei. . Tie Kosten der Quittungskarten trägt die Versicherungs- »nstalt, in deren Bezirk die mit der Ausstellung und dem Mtausch der Karten betraute Stelle ihren Sitz hat(§ 101 nchrtz 3 o. et. O.). Nur in zwei Füllen hat die Ausgabe- Me für die Ausstellung einer Quittungskarte von den Bc- chnligten Kosten zu beanspruchen, welche letzteren auf 5 Pfennig IW jede Karte festgesetzt werden, nämlich dann: . a) wenn der Versicherte, bevor seine Karte mit mindestens w Marken gefüllt oder die Giltigkeit der Karte gemäß§ 104 des Metzes erloschen ist, die Ausstellung einer neuen Quittungskarte flogen Rückgabe der älteren Karte beantragt(§ 102 Absatz 2. a- a. O.); Ii) wenn die Ausstellung der Karte um desnnllen, weil der Versicherte selbst die rechtzeitige Beschaffung einer Karte zu Unrecht unterlassen hat, von dem Arbeitgeber beantragt tvird(§ 101 des Gesetzes). Ist dagegen der'Arbeitgeber bei einem'Antrage auf Attsstellung einer Quittungskarte als frei- williger Geschäftsführer oder als Beauftragter des Versichertet. anzusehen, wie dies z. B. dann der Fall ist, wenn Unternehmer größerer Betriebe für ihre sämnitlichen Arbeiter die Anschaffung der Qutttungskartcn übernommen haben, so sind Kosten nicht zu fordern. Im Zweifelsfall hat der Umtausch der Karte kostenfrei zu erfolgen. Deutlichkeit der Eintragungen. 39. Alle Eintragungen sind deutlich und ohne Itasuren mit einer Tinte zu bewirken, welche weder verbleicht, noch verivischt oder abdruckt. Unentbehrliche Korrekturen dürfen nur durch ein- faches Durchstreichen bewirkt werden. Vermeidung von Gängen u. s. w. 40. Bei allen mit der Ausstellung, dein Umtausch und der Erneuerung von Quittungsbüchern zusammenhäugenden Geschäften ist darauf zu achten, daß dem Versicherten wiederholte zeit- ranbettde Gänge und sonstige Weiterungen erspart bleiben. Vorrath von Quittungskarten. 41. Den Ausgabestelle wird von der für ihren Bezirk zu- ständigen Versicheruugsänstalt die erforderliche Anzahl von Formularen zu Qutttungskarten kostenlos zur Verfügung gestellt werden. Die spätere Ergänzung des Vorraths hat die Ausgabestelle bei der Versicherungsanstalt rechtzeitig zu be- antragen'; dabei sind die für Quittungskarten von den Be- theiligten erhobenen Beträge(§§ 101 Absatz 1 und 102 Absatz 2 ct. a. O., vergl. vorstehend unter 38) zu verrechnen. 42. Ergiebt sich bei der Aufrechnung oder Erneuerung von Quittungsrarten Grund zu der Annahme, daß von den Bethei- ligten zu Unrecht unterlassen ivorden sei, Marken in Vorschrift?- mäßiger Beschaffenheit und in zureichender Höhe zu rerweudeu, so hat die Ausgabestelle die Berichtigung nach Maßgabe des § 127 a. a. O. herbeizuführen. TiSlTQlOS. ..Urber die Milch, ihre Erfahren und deren Abwehr veröffentlicht die„D. G.- Z." eine umfangreiche populür-wissen- Ichafiliche'Abhandlung, aus welcher ein kurzes Resümee von zzuteresse, besonders für die Laienwelt, sein dürfte. Aus den in Jjer gedachten Abhandlung gemachten Darlegungen geht hervor, . i!&!,e gewöhnliche Milch des täglichen Verbrauchs unter leicht und häufig eintretenden Umständen giftige Eigenschaften erlangen «Mit, auf deren verderbliche Wirkungen in weiten Gebieten man �'st in neuesten Zeiten aufmerksam geworden ist. Diese Erkennt- |U|5 ließ es alsbald als eine der dringendsten Aufgaben der Aaturwissenschast und Heilkunde erscheinen, den tvohlbekannten Eefahren mit den ihrer besonderen Wesenheit jeweilig entsprechen- den Vorkehrung?- und Heilmitteln entgegenzutreten. Die Ge- Zähren der Milch lassen sich in drei große'Abtheilungen zusainmen- ichfeu und zwar 1. Bildung giftiger Stoffe von der Gattung der Ptomakne oder Leichengifte in einer noch nicht aufgeklärten Weise; 2. Uebertragnng der tut Milchthier vorhandenen kkrankheiten, insbesondere der Schwindsucht oder Tuberkulose, auf den Menschen; 8. Verbreitung anderer Krankheiten, insbesondere der Seuchen, wie Nervenfieber, Scharlach, Cholera u. s. w., durch die mikroskopisch kleinen Keime derselben, die in der Milch einen ausgezeichneten Nährboden finden. . Daß die Milch, sowie die aus ihr bereiteten Nahrungsmittel, wte Käse, Jee-Cream it. dgl., wenn verkehrt behandelt, ein starkes wtst, vielleicht auch mehrere, entwickeln kann, hat die vor wenigen ssahren ersolate Entdeckuna des Turotoricons oder Tnrotorius ['cht und ebenso seine'Anwesenheit kaum dem Geruch enthüllt soll schwach ähnlich dem Wurstgift riechen), scheint besonders '«cht zu entstehen, wenn die Milch nicht sofort abgekühlt und gehalten, vielleicht gar noch tu der Hitze stundenlang stansportirt wird. Mau vermuthet, daß von der Wärme ihrer Entwickelung lebhaft begünstigte Bakterien, deren freilich noch unbekannt ist, im Laufe ihrer rasch vor M gehenden Wachsthumsthätigkeil den Stoff in besonders großer Menge abscheiden, darin in konzentriter Gestalt die Macht eines lodtlichen Giftes erlangen kann. . Aus dem wahrscheinlichen Ursprung des Tprotoxicons geht lesort hervor, daß zur Verhütung seiner Bildung außer den all- gemeinen Regeln für Bchandlug der Milch ganz besonders darauf gefeheu werden muß, daß diese alsbald ihrer natürlichen Wärme geraubt, sowie keiner dauernde» küiistlichen Wärme, die das eLachsthum irgend welcher der zahlreichen und allgegenwärtigen 'lnnen Lebewesen(Mikroben, Bakterien, Bazillen) begünstigen : Mn, ausgesetzt tvird. Sicherlich ist bei den vielen Jce Cream- �ergiftungett, die in neueren Zeiten gemeldet werden, gegen diese »Mache Vorschrift gefehlt woioen! Tie unmittelbarste, umfassendste und dabei hinterlistigste sIsstwirknng der Milch ist diejenige, die ans Uebertragnng der in chvern natürlichen Zustand in ihr verborgenen Krankheitskeimc zuspringt, sobald sie ohne Zuthat menschlicher Einsicht gebraucht Md. Es klingt sehr schön:„Milch, warm von der Kuh!" und Mancher, ja Viele, haben sich von der Vorstellung berückeu lassen, Zß sie mit dieser Flüssigkeit sich eine Art Lebenselixir ein- 'wße». Wie manche Mutter glaubt heute noch, daß sie damit Mein gebrechlichen Kinde zu Gesundheit und Kraft verhelfen Mu. Fast Niemand fragt aber: Milch von welcher Kuh V und 5° eh liegt in dieser Frage die Frage von Leben oder Tod oder doch Halbleben und Halbtod verborgen. Wenn es wahr ist— M es kann kaum noch bezweifelt werden— daß ein bedeuten- Dheil aller Milchkühe schwindsüchtig ist; wenn es weiter bahr ist, daß die Schwindsucht, wie Robert Koch's große '"Nckeckung lehrt, wesentlich das Werk des unendlich kleinen Lebe- oesens„Tuberkel-Bazillus" ist, und wenn es wahr ist, daß die gewöhnliche Milch ein sehr geeignetes Mittel zur Ueberführung dieser �iederbenskeime in den Körper des Menschen ist, so ist es klar, CUlfr hom fV.rftiofo Vtnv ohiP rrtthin iÜ. MeHcvbe.t, aste diejenigen Thiers aus der Milchwirthschaft aus- °''l«.eid.ut, die nach bekannten'Anzeichen„Perlsucht" haben oder M Grund wissenschaftlichen Dafürhaltens im Verdacht der Tuber- w|e stehe». Leioer ist ihre Zahl Legion. di» zweite, der Allgemeinheit zugängliche, einigermaßen ra- tale Maßregel gegen die Gefahren der Milch— nachdem diese «P. Euter der Kuh und die unkontrolirbarett Hände der Ver- «Ufer verlassen hat— besteht im Kochen derselben, d. h. in der Aufwendung der ebenso zerstörenden wie schaffenden Naturkraft �ome geg,.» die den menschlichen Organismus anfeindenden �oewesen. Hierbei ist jedoch nicht zu vergessen, daß nicht alle s"Me.t nothwendigerweise durch Siedehitze zu Grunde gehen; '°w>e. daß selost die gekochte Milch, wenn wieder der Lttjl aus- aeleßtz ein Tummelplatz der Bakterieuwelt werden kamt. di» dritte Hauptmaßregel gegen die Gefahren der Milch ist i!«"berste Reinlichkeit von A bis Z, vom Ktihsta.l etttgefattgen jur Verkanfskammer und dem Milchtopf der Hansfrau. � wäre schwer zu sagen, welche von den dre� angeführten iü''Aömaßregeln gegen die Gefahren der Milch die wichtigste n«' öhre Vereinigung allein kann möglichst Stcherhett bieten " kem.nn der Menschheit fressendes Uebet., licka�'o Zlntersagung der Vermiethnng von Etttresol-Raum- d�'len. tvelche in einzelnen Polizeirevieren mit großer Strenge itwM%i wird, hat nach einem kürzlich zu Gunsten der Ver- ei';ul«m vom Ober-Verwaltungsgericht entschiedenea Proze„e Hz!., Lanze Anzahl solcher Verwaltnngs-Streitsacheit zur Folge ge- de».„ölt dem erwähnten Einzelfalle hatte der Gertchtshof sich »n' Uriheii des Polizeiphysiktts, daß die Iiäunte zum Bewohnen dz�'gnet seien, nicht angeschlossen. Es war nachgetmesen worden. ztw'? der Entresol-Wohnnng bis vor wenigen Fahren funfund- Jahre lang die Eltern der Hattsbefttzentt ge- öon halten, dort nie krank gewesen und im Alter d-.g"der neunzig Jahren gestorben waren. Wenn nun auch a™ �«el den Miethern oftmals gleichschwer empfundene.Naß- 'venn die weitere Benutzung eines zu emer gioßereit <5&& sind in der letzten Zeit mehrere vorgekommen. Wenn Entresol- Räume zu einer besonderen Wohnung von einer den neueren polizeilichen Anforderungeu nicht genügenden Höhe eingerichtet sind und trotzdem in einem Einzelfalle als Wohnung zugelassen worden, so hofft man in den Kreisen der hiesigen Hausbesitzer es als geltenden Grundsatz der Verwaltung durchsetzen zu können, daß die Etttersol-Räume, wenn dieselben gemeittsaitt mit anderen Wohnräumen, als deren Nebeugelasse ver- miethet worden sind, wegen ungenügender Höhe nicht beanstandet werden sollen. Nach dieser Richtung hin soll eine Entscheidung des Ober-Verwaltnugsgertchts in den jetzt schwebenden sogenannten Entersol-Prozeffen herbeigeführt werden. Dv. A. HIaf'chko's Poliklinik f ü r H a n t- K r a n k- heilen, K ö p n i ck e r st r a ß e N r. 102 1 T r., ist während des Winterseinesters täglich(außer Sonntags) für K a s s e tt- M i l- glieder von 12—1, für Unbemittelte von 1—2 Uhr geöffnet. Eine Kourgroispflanze. Um die Frage, ob sogenannter „moralischer Irrsinn" vorliegt, handelte es sich in einer Anklage, ivelche gestern gegen den Kaufmann Hugo Dankberg vor der zweiten Strafkammer hiesigen Landgerichts I verhandelt wurde. Der aus wohlhabender Familie stammende und mit Glücksaütern gesegnete Angeklagte ist ein bodenlos leichtsinniger Mensch, welcher den Gerichten und seiner Familie schon viel zu schaffen gemacht hat und jetzt nun vor dem Zuchthaus oder dem Irren- haus steht. Der zur Verschwendung neigende Mensch, welcher gern den„Elegant" spielt und zeitweise auch als„Herr von Dankberg" aufzutreten liebt, ist wegen Diebstahls und mehrere: Extravaganzen schon vierntal vorbestraft. Seine militärische Ttenstzeit bei den Gardedragonern schloß mit seiner Versetzung in die zweite Klasse oes Soldatenstandes ab, er verübte dann, trotzdem er sich verheirathete, allerlei dummc Streiche, so daß ihm in der Person des Jnstizraths Lütkemüller ein Vor- nttmd gestellt wurde, welcher ihm alle drei Tage eine be- stimmt begrenzte Summe als Unterhalt auszuzahlen hatte. Der moralisch völlig haltlose Mensch ging dann vorüber- gehend auch nach Amerika, kehrte aber wieder hierher zurück und begann daS alte leichtsinnige Leben, bei welchem er mitunter das Mein und Dein verwechselte. Vor Kurzem schien es so, als wollte der Zlngellagte ein neues Leben ansangen, denn er nahm eine Stelle als Lagerist in einem Breslauer Handlungshause an, bald jedoch war er wieder in Berlin und seine Familie hielt es für das Zweckmäßigste, ihn mit List in die Dr. Edel'sche Irren- anstalt zu Eharlottenburg zu locken, dort auf Grund eines älteren Attestes des verstorbenen Geh. Itaths Wolfs festhalten zu lassen. Dankberg gefiel es dort ausgezeichnet und er schien gar keine Lust zu haben, die Anstalt zu verlassen— bis er eines Tages ent- flohen war und dein Direktor in einem höflichen Briefe anzeigte, daß er nicht daran dächte, zurückzukehren. Er lebte dann wieder einen vergnügten Tag, machte n. A. den Ball des Medi- zinischen Kongreffes im Wintergarten mit und begrüßte die Familie des Sanitätsraths Dr. Edel auf das Liebenswürdigste. Bald nachher aber befand er sich in Unter- suchttttgshast, weil er eines Tages in einem Juwelierladen, an- geblich zum Zweck des Ankaufs von Ringen, erschienen war und dabei einen Brillantring von ziemlich bedeutendem Werths gestohlen hatte.— In dem gestrigen Termine vertrat Sanitätsrah Tr. Edel die Anficht, daß der Angeklagte dem sogenannten „moralischen Irrsinn" verfallen sei und als unheilbar gelten müsse, so daß sich seine dauernde Uebersührnng in eine Irren- anstalt empfehle. Der Angeklagte selbst gab nur zu, daß er nicht genügende Energie des Willens besitze, aber keineswegs verrückt sei. Er wünsche, so erklärte er. Jedermann, geistig und körperlich so gesund zu sein, wie er selbst. Auch sein Vertheidiger Rechts- amvalt Dr. Rich. Wolfs bekämpfte das Gutachten des Dr. Edel und führte ans, daß es sich bei dem Angeklagten nur NM einen unverantwortlich leichtsinnigen Menschen handele. Dieser Sin- ficht war auch der Staatsanwalt und der Gerichtshof, welcher den Angeklagten zu nenn Monaten G e f ä n g n i ß ver- urtheille. Eine Anlilagr tvrgeit versuchten Keti ngv wurde gestern vor der 93. Abtheilung des Schöffengerichts gegen den Buch- Handlungs-Reisenden Oskar Weyer verhandelt. Der Angeklagte sucht für eine hiesige Buchhandlung Abonnenten auf Meyer's oder Brockhans' Ltonversettions- Lexikon. Im Monate April begab er sich nach dem Terrain des Stettiner Bahnhofes, wo er von einer Weichenstellerbnde zur anderen ging und den daselbst beschäftigten Beamten seine Anstellungen machte. Er hat drei Hilfs-Weichen- steiler bewogen, sich durch Namensunterschrift zur Abnahme je eines Werkes zu verpflichten, soll dieS aber durch falsche Bor- spiegelnngen bewerkstelligt haben. Wie die Zeugen übereinstim- menv bekundeten, haben sie sich zunächst entschieden ablehnend verhalten, als sie erfuhren, daß eS sich um ein Werk von 17 Bänden zum Preise von 153 M. handele. Keiner der Zeugen hatte je etwas von einem Konversations-Lexikon gehört. Der Angeklagte erklärte ihnen daher den Werth uno den Nutzen eines solchen Werks und betonte besonders, daß sie sich mit Hilfe des- selben eine bessere SteUuiig verschaffen könnteii. Da das Gehalt eines Htlfs-Weichenstellers zu der Ausgabe von 153 M. für solchen Zweck in einem argen Mipoerhältiiiß steht, so blieben die Leute standhaft und alle Ueberredungekünste des außerordentlich sprach- gewandten Reisenden schienen vergedeus zu sein. Da lies) einer der Hilss- Weichensteller die Aeußerung fallen, daß sich darüber sprecyeu ließe, wenn es sich um drei oder vier Bünde handele, dann würden sie wohl eine Abschlagszahlung von monatlich drei Mark erschwingen löitnett. Sofort ging der Angeklagte darauf ein. Er erwiderte, daß inatt sehr gut drei bis vier Bände beziehen könne, die gleichfalls ein abgeschlossenes Werk bildeten und endlich gelang es ihm auch, den einen der Hilss- Weichen- steller zur BesieUnng von drei Bänden zu beivegen. Nun hatte er bei dessen beiden Kollegen leichteres Spiel, auch sie bestellten je drei Bände durch Nnterschrist ihres Natnetts auf eittent Zettel, den der Angeklagte ihnen vorlegte und den die vertrauensseligen Besteller nicht erst durchlasen. Bald darauf erhielten die Zeugen die Bücher zu- gesandt, aber gleichzeitig eine Rechnung, woraus sie ersahen, daß sie zur Abnahme aller 17 Bände vervsttchtet sein sollten. Da sie serner sahen, daß sie nur einen Theil des Werkes in drei Bänden hatten, so schickten sie die Bücher zurück und theilten der Firma mit, welches Abkommen sie mit ihrem Reisenden getroffen hätten. Es wurde ihnen der Bescheid, daß die Firma sich auf nichts ein- lassen könne, durch ihre Unterschrift hätten sie sich zur Abnahme des ganzen Werkes verpflichtet. Jetzt machten die Bedrängten bei der Staatsanwaltschaft Anzeige. Im Termin bestritt der Angeklagte alle Angaben der Hilfs-Weichensteller, der Gerichtshof hielt aber mit dem Staatsanwalt denselben nicht nur des ver- suchten, sondern des vollendeten Betruges für überführt und er- kannte ans 2 Monate und 2 Wochen Gefängniß. Zwei viel vu'/Vrechrnde yevivtitv des heranwachsenden Berbrecherthums sind die Brüder Hugo und Adolf Cohn, welche sich gestern vor der II. Strafkammer wegen zahlloser Taschendieb st ähle zu verantworten hatten. Die beiden noch ganz jugendlichen Menschen hatten sich zu der Begehung von Taschendiebstählen in der Art verbunden, daß Hugo die Entdeckungsreisen in die Taschen anderer Leute anstellte und Adolf ihm dabei die Deckung gewährte. Ihr Operationsfeld waren vorzugsweise die Bahnhöfe und die Markthalle in der Andreasstraße; ihre Spuren waren aber auch sonst überall da zu stttden, wo„etwas los" war: bei Paraden, beim Stralauer Fischzuge ic. ec. Die Polizei hatte ein wachsames Augs auf die beiden Jungen; es gelang aber nur, 20 Fälle des vollendeten Diebstahls sestzustellen. Die Zahl der Diebstahlsversuche, welche die überwachenden Polizeibeamten beobachteten, ist Legion; namentlich scheinen sich die beiden Langsinger aus Vorliebe solche Herren als Versuchsobjekte ausgewählt zu haben, welche Uhr- Chatelaines trugen.— Der Gerichtshof hielt eine energische Strafe gegen die beiden Spitzbuben für angemessen.— Aus diesem Gesichtspunkte wurde Hugo Cohn zu drei Jahren, Adolf Cohn zu zwei Jahren sechs Monaten Ge- fängniß verurtheilt.,.. Zwei alte ZioUidiebe, welche gemeinschaftlich zu arbeiten pflegen und auch gemeinsam so manches Jahr im Zuchthause zu- gebracht haben, standen gestern in den Personen der Arbeiter Albert R i e d i g e r und August Engel wieder einmal wegen eines Rollwagen-Diebstahls vor der IV. Strafkammer hiesigen Landgerichts 1. Die beiden Kumpane hatten zuletzt gemeinschast- lich 4 Jahre Zuchthaus in Brandenburg abgemacht und haben nach ihrer Freilassung im Mai d. I. sofort wieder ihr altes Ge- werbe aufgenommen. Am 25. Juli hielt ein Rollwagen der Firma Jacob und Valentin vor einem Hause der Alten Jakob- straße. Als der Kutscher den Wagen ans kurze Zeit verlassen hatte, erschien der Angeklagte R i e d i g e r mit Papieren, wie sie die Rollkutscher zu führen pflegen, verglich die Signaturen der Kolli und hob dann einen Ballen mit Tuch im Werthe von ca. 400 Mark auf den Rücken und verschwand mit seinem Begleiter in einem Nachbarhause. Eine Frau hatte aber das Manöver be- merkt und es gelang, den Riediger sofort zu verhaften, obgleich derselbe den Ballen von sich warf und zu entfliehen versuchte. Sein Begleiter entkam und als Engel erst zwei Tage darauf zur Haft gebracht wurde, bestritt derselbe energisch jedwede Schuld tind bequemte sich auch gestern erst im letzten Augenblick zu einem Gestättdniß. Der Gerichtshof schickte die beiden Sozien abermals aus je 5 Jahre ins Zuchthaus. VevN»»»n»rlunNen. Kerlinev Streik-Kontrolkommissto». Eine Versammlung der Delegirten der Berliner Streik- Kontrolkommission fand am Freitag Abend unter Vorsitz des Herrn Täteroiv stait. Die Verlesung der Präseitzliste ergab die Anwesenheit von 131 Delegirten. Zum ersten Punkt der Tagesordnung: Der Perlmutter- arbeiter-Streik berichtet Drechsler Hildebrandt: Der Streik bei der Firma Hintze sei gerechtfertigt. Hätten die Arbeiter nicht gegen den Lohnabzug von 20 pCt. Front gemacht, so wären die Fabrikanten überall dem Beispiele ker Firma gefolgt und der Streit wäre dann auf der ganzen Linie entbrannt. Die eigene Gewerkschast sei durch mehrere Streiks in ihrer Branche, die sie unterstützen mußte, nicht in der Lage, die 25 streikenden Perlmutter- arbeiter dauernd über Wasser zu halten. Er beantrage den Streik für gerechtfertigt zA erachten. Pfeiffer(Bäcker) und Hohlwegler (Maler) halten es für schwer, so schnell für genügende Unter- stütznug zu sorgen; sie bedauern, daß die Kommission nicht einen Fonds zur Verfügung habe. Täteroiv(Schneider) hält die Unter- stützungsfrage nicht für so schwierig, es seien große Gewerkschaften da, die die Mittel besitzen, um dem ersten Nothstande abzuhelfen. — Hierauf gelangte folgende Resolution zur Annahme:„Die heutige Versammlung der Berliner Streik-Kontrolkomtnission sieht den Streik der Perlmutterarbeiter der Firma Hintze für gerecht an und empfiehlt den Gewerkschaften, je nach Kräften ihr Solidaritätsgesühl zu beweisen."— Auch ein hierzu gestelltes Amendement wurde einstimmig angenommen und die Sammel- liste der Drechsler durch die Berliner Streik-Kontrolkommission sanktionirt. Zum 2. Punkt der Tagesordnung, der Tüpferstreik, erhält das Wort der Referent Töpfer T h i e nt e. Der Stand des AnSstandes sei ein äußerst günstiger; es sei auch wohl kein Streik so gerechtfertigt, als der der Töpfer, die ihre Gesundheit schützen wollten. Dreiviertel der Kranken seines GewerkeS leide an Nheumettismus und Lungenschwindsucht. Seit drei Jahren schon schwebe die Frage der Fensterverglasung; aber nur einige hnmatte Unteritehmer hätten in den ersten zwei Jahren dem Wunsche der Arbeiter entsprochen. Bis zum 15. Oktober d. I. sollten in allen Bauten, wo Töpfer arbeiten, die Fenster verglast sein. Wie aber jede Forderung der Arbeiter vom Unternehmer- thnm als Slninaßung ztirückgewiesen wird, so sei es auch den Töpfern ergangen. 129 Kollegen seien des- halt> gezwtttigett gewesen, die'Arbeit niederzulegen.— Durch den Arbeitsnachweis sei eS aber möglich geworden, einen großen Theil alsbald wieder in Arbeit zu dringen. Die übrigen mußten aber sofort unterstützt werden. Redner bittet die übrigen Bauhandiverker, den Töpfern etwas mehr Sympathie entgegen- zubringet:.— Nach längerer Diskussion kam nachstehende Reso- lution zur Annahme:„In Erwägung, daß die Forderung der Töpfer Berlins und Umgegend auf Berg lasung der Fenster auf den N e n b a n t e n gerechtferiigt ist, beschließt die Berliner Stretk-Kontrolkotnmission den Gewerkschasten zu empsehlen, die Töpfer bei der Durchführung dieser Forderung mit allen Mitteln zu unterstützen." Eine längere Diskussion rief die Verhandlung über den Streik der Barockvergolder hervor. Ter Arcksiand ist nach Aussage deS Ausschusses nicht rechtzeitig gemeldet. Ter Delcgirte der Bergolder legt die Ursachen des Lohnkampfes dar und ersucht die Berliner Streik-Kontrolkonnnission, ihn für gerechtfertigt zu erklären. Glocke(Nichtdelegirter) erklärt sein Erscheinen aus seine», Interesse a» den Fortgang der Arbeiten der Koiiimission. Er erachte die Geschäftsführung nicht für ganz richtig. Jede Geiverkschast müsse einen Ausstand 8—14 Tage vorher der Kommission anzeigen; mit der einfachen, nachträglichen Beivilligung komme sie sonst ans eine schiefe Ebene. Sie ist dazu vorhanden, vorher zu untersuchen, ob ein Streik gerechtfertigt ist. F olgende Resolution gelangte hierauf zur Annahme: „Die heutige Versammlung ersieht aus den Ausführungen der Barockvergolder und Aergolder, das; die Forderung der Barockvergolder im Hinblick auf den Stand der Organisation und der Zeilkonjunktur richtig gestellt ist; darum verpflichten sich die sämmtlichcn Gemcrkschaften Berlins, energisch für die Barock- vergolder a n s u a h»i L w e i s e materiell und moralisch einzutreten. Jedoch ist die Sammlung der Barockvergolder durch die Berliner Strcik-Kontcolkoinmission zu sanktioniren." Beim nächsten Punkt der Tagesordnung begründet der De- ..i.-<—-t. y.r. i /—v.'...— ....,.... welchen ihre junge Organisation zu kanipfen habe. Die Vertreter der Gewerkschaften mögen den Antrag annehmen, um dadurch weitere Mapregelungen gegen Mitglieder der Organisation zu verhüten. Räch kurzer Diskussion, in welcher Wilschke(Maurer) Vorsicht bei Verhängung von Boy- kotts empfiehlt, gelangt der Antrag zur Annahme. Er lautete: „Beantrage bei der Berliner Streik-Kvntrolkominission die Boy- kottirung des Geschäfts des Leber- und Fleischhändlers Sager t, Zenlral-Marklhalle, Berkaufsstand Nr. 10, sowie des Geschäftes des Schlächtermeisters 5k e h r b e r g, Oderbergerslrape 37." Die Frage eines Delegirten, ob auch der Borsitzende eines gewerschastlichen Vereins Tele girier der Berliner Streik-Kontrol- kommission sein könne, beantwortet der Vorsitzende: Auch Vor- standsmitglieder von Vereinen können der Berliner Streik-Kontrol- kommission angehören, wenn dieselben nicht in Vereins- sondern in öffentlicher Versammlung gewählt sind. Zum letzten Punkt der Tagesordnung: Wahl von Vertretern zur bevorstehenden Gewerrschaftskonserenz werden gewählt: Wernau(Maurer) Vombin �Sattler). Folgende Anträge, aus der Mitte der Versammlung gestellt, gelangten nach kurzer Diskussion zur Annahme: 1.„In Anbetracht, das, der Zimmerer Herr Ortlandt von dem Zimmerer Herrn Lehmann in der Presse beschuldigt wird, die Unterschlagung des Zimmerers Jäckcl vertuscht oder verhekm- licht zu haben, beantrage ich, eine Kommission von drei Personen zu wählen, welche das Material zu prüfen und der gesammten Arbeiterschaft das Resultat zu unterbreiten hat und zwar durch die Presse."— Einem Wunsche, keine Bauhandwerker in diese Kommission zu wählen, wurde stattgegeben. Gewählt wurden: Bruns(Tischler), Trittewitz(Mechaniker), Augustin(Hulmacher). 2.„Stelle den Antrag, dap die drei Resolutionen, welche Bezug nehmen auf die Berliner Streik-Kontrolkommission und welche ihr zur Richtschnur dienen, vervielfältigt und jedem Delegirten eingehändigt werden." 3.„Die heulige w. Versammlung bedauert das Nichterscheinen eines Vertreters des„Berliner Volksblatt" und fordert Abhilfe." (Für Abhilfe ist gesorgt, lieber die Verhandlungen der Berliner Streik-Kontrclkomniissiou wird regelmäßig durch einen Beauf- tragten in unserem Blatte berichtet werden. Die Redaktion.) Ebert(Kellner) beantragt ferner, innerhalb 14 Tagen abermals eine Versammlung der 5kommission einzuberufen, da die Kellner wichtige Anträge zu stellen hätten.— Auch dies wird angenommen. Eine weitere Resolution, in welcher das Vorgehen der Buch- druckcr bezüglich der Philharmonie getadelt wird, wird zur nächsten Versammlung zurückgestellt. An dir Utnum' Krrlin« m,d Umgrgeud. Zu Schutz und Trutz! Das ist das Motto, welches heute— ob ausgesprochen oder wicht— jeder fachgenossenschastlichen Arbeiter-Organisation, die auf der Höhe ihrer Aufgabe steht, als Richtschnur dient: zu Schutz und Trutz: zur Bertheidigung und zum Widerstand. Kollegen! Nach Kräften haben wir versucht. Euch begreiflich zu machen, daß die Freie Vereinigung der Maurer Berlins und Umgegend diesen Wahlspruch auf ihre Fahne geschrieben hat, aber wie soll ihm Geltung verschafft werden, wenn Ihr Euch dieser Vereinigung fernhaltet? Wir müssen vereinigt unsere wirthschaft- lichen, politischen rmd sozialen Interessen vertheidigen, wir müssen dem Drucke deS Unternehmcrthums gemeinsam Widerstand leisten. Die Freie Vereinigung soll eine Kampf- Organi- salion sein, zur Erzielnng besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen Kollegen i Es ist Thatsache: die Zustände nehmen hier in Berlin in unserem Gewerbe einen immer schliinmeren Charakrer an. Die Unternehmer lauern auf Eure Schwäche, benutzen Eure Zer- sahrenheit, um Euch schlimmer denn je auszubeuten. Wie ein willenloser Gegenstand muß sich unter solchen Verhällnissen der Einzelne alles gefallen lassen, was ihn kränkt und seine Ehre verletzt. Hatten wir Dank unserer Agitation den Stundenlohn bis auf ö0 Pfennig gebracht, so ist durch die Uneinigkeit, welche unter uns herrscht, es wirklich wieder so weit gekommen, daß wir heute wieder mit 32 Ve bis höchstens 55 Pf., im seltensten Falle höher, vorlieb nehmen müssen. Run frage sich ein jeder selbst,>vo die Ursache liegt. Ja, das konnten wir voLaus sagen: es wird noch schlimmer werden, wenn Ihr nicht bald zur Einsicht kommt. Schlimm genug ist es, daß Ihr den Verleumdern und Denunzianten— welche genügend unter den Maurern Berlins vertreten sind— eher Euer Ohr leiht, als Männern, welche Euch die Situation, in welcher wir nns befinden, klar zu machen suchen. Geradezu unbegreiflich ist es, wie Arbeiter, bei denen man voraussetzen kann, daß sie sich ihrer Klassenlage klar bewußt sind, eine so kühle, gleichgiltige Haltung ihrer Organisation gegenüber einnehmen können. Ist denn der wirthschasttiche Kampf iveniger ernst, als der politische Kamps, welchen die deutschen Arbeiter, die deutsche Sozialdemokratie zum Ruhm des Proletariats aller Länder geführt hat? Haben nicht auch die Berliner Maurer im hohen Maße an diesem 5kainps theilgenominen, an dem Kampfe welcher keinen Stillstand kennt, bei welchem es keinen Frieden giebt? Und Ihr, die Ihr Euch mit Stolz zu dieser kämpfenden Partei zählt, hier im sozialen Kampfe wollt Ihr gleich- giltig bleibe»; hier, wo der ökonomische Druck so schwer aus Jeden lastet, hier wollt Ihr den Muth zum weilereu Kampfe verlieren? Kollegen! Wir haben die Zuversicht: Ihr werdet die Beschlüsse des Sozialdemokratischen Parteitages zu würdigen wissen. Wohlaif, dort ist einen feden Parteigenossen empfohlen worden, sich seiuer Gewerkschaftsorgamsatlon an- zuschließen. Kollegen! Wir fordern Euch auf diesem Beschluß nachzukommen. Aufnahme von Mitgliedern, sowie Eutgegennahme von Bei- trägen erfolgt in nachstehenden Zahlstellen: Norden: Jeden Sonnabend bei tztürnberg, Anklamerstr. 49, sowie Montags bei Holzbächer, Rathenowstr. 89. Osten: Sonnabends bei Schmidt, Skalitzerstr. 61, sowie Montags bei Krause, Küftriner-Platz 10. Süden: Sonnabends bei Zechlin, Hornstr. 11. Westen: Sonnabends und Montags bei Böhland, Bülowstr. 52. Geschästsstunden: Abends von b— 10 Uhr. Auch nehmen die Hilfskassirer sreiivillige Beiträge zum Reservefonds entgegen. Der Vorsiand: I. A.: I u l i u s Wernau, Zionskirchplatz, 2, 3 Tr. Air Fulirlierrr» niitrv fiAr. Folgendes: Ter Vorstand der Berufsgenosseuschäst hat den Ve schluß gefaßt, ans Kosten der Genossenschaft ein allgemeines Krankenhaus z» errichten, um dem„Simulautenthum" entgegenzuwirken, und hat hierzu die Villa des Herrn Scharfenberg in Nordend(Schönhausen) zum Preis von 75 10)— SO 000 M oder gegen eine jährliche Miethe von 4500—5000 M in Aussicht ge- uoinmeii. Herr Scharfenberg ist nebenbei erster Vorsitzender der Fuhrwerks�Berufsgenossenschast.(!) schaft ein solches Krankenhaus' errichtet. Und da glaube ich mck Nein autworte» zu müsseu. Ganz abge- sehen davon, daß durch Errichtung eines derartigen Instituts aufgetaucht, als wenn es sich um wer weiß was handelte. Hier sind weder die Delegirten der verschiedenen Sektionen gcsraat worden, noch die Mitglieder der Sektion 4(Berlin). Eigenthümlich ist girten und Mitglieder unternonimeue» Schritt z» versagen. Ter Vorstand hat nicht das Recht, in solchen wichtigen Fragen eigen- mächtig zu handeln.(Beifall.)— Fuhrhcrr Schulz, Telegirter: Er sei ebenso erstauur gewesen, wie die meiste» der hier Ver- sammelten, als er gehört habe, daß mit dem 1. Januar 1691 ein solches Institut ins Leben treten soll. Er sei nach reiflicher Erwägung aber zu der Ueberzeugung gekommen, daß die Errichtung eines solchen Kraurenhauses eine Roth- wendigkeit für die Berufsgenossenschaflen sei.— Nicht allein, daß sie jährlich eine enorme Summe, die sie sonst für Renten zu zahlen, hätte sparen können, für ihn komme Haupt- sächlich in Betracht, daß es sich um eine gute Sache fiir die Arbeiter handele, und er bitte, die gute Sache nicht mit der Person Scharfenberg zu verquicken.— Hierauf spricht der Bureauvorsteher der Fuhrwerks- Berufsgenoffenschaft, Ah'.!h..t, ebenfalls für die Errichtung des Instituts und versucht durch Zahlen nachzu- weisen, wie viel Geld die Genossenschaft dadurch sparen wird. — Fuhrherr Schröck) protestirt dagegen: Der Vorstand sei nicht berechtigt, über die Köpfe der Mitglieder hinweg solche Beschlüsse zu fassen; überhaupt sei das ganze Unternehmen für die Arbeiter gleich Null. Man solle dem Ar- bciter humaner entgegen kommen, sich mehr mit ihm beschäftigen, für seine Wohlfahrt mehr Sorge tragen. Das ist besser, als wie derartiges Institut.— Doktor Schütz: Gerade darin zeige sich die Humanität der Unternehmer, daß sie die Er- richtnng eines solchen Rekonvaleszenten-Kranlenhauses herbei- führen wollten. Die jetzigen Krankenanstalten seien unzulänglich. Es liege nicht immer an den Unfällen, sondern häusig an der Nachbehandlung. Es sprachen noch die Fuhrherren Langner, Lohmaun, Werner, Sroch gegen baS Projekt, die Berufsgenoffenschaft habe keine Ursache, Herrn Scharfenberg ein Grundstück für 75 000 Mark abzukaufen, Las er für 45 000 Mark gekauft habe. Der Scktionsvorsitzende Bech von der Sektion 4 fühlte sich im Gegensatz hierzu veranlaßt, für die Errichtung des Instituts einzutreten. Ueber die Arbeiter erlaubte er sich sotgenves Urtheil zu fällen: Gerade im Fuhrwerksbernse gäbe es ganz gemein- gefährliche Elenuule unter den Arbeiter», welche geradezu darauf ausgehen, den Unternehmer zu ruinire». So wie nur ein Unfall passirt, sind sie gleich niil der Klage zur Hand, und die heutigen Gowerbesctziedsgerichte stehen ftclS auf Seiten der Arbeiter(Ei, ei!) Tie Berussgen ossenschast muß dann zahlen. Durch frühzeitigen und übermäßig«« Genuß von Branntwein und un- regelmäßiger Lebensweise werden sie arbeitsscheu und sind fast froh, wenn ein Unfall passirt, da sie dann ja nicht mehr zu arbeiten brauchen. Natürlich erntete der Herr Beifall für seine Ausführungen. (Wir möchten dein Herrn Beck den Rath gebe», erstens de«? Kutschern einen anständigen Lohn zu zahlen, damit sie mit ihrer Familie ein ordentliches Auskommen habe», zweitens eine geregelte 'Arbeitszeit einzuführen. Verschwindet die übermäßige Ausbeutung, dann wird der Arbeiter widerstandsfähiger werden und die Un- fälle sich verminder». Red.) Erwähnt sei noch, daß der Kutscher Brunsch sich zum Wort gemeldet hatte, das Wort auf Beschluß der Versammlung nicht erhielt, weil er lein Fuhrherr sei. Hierauf wurde eine Rcsolntioii mit allen gegen drei Stimmen angenommen, welche das Projekt der Herren Scharfenberg und Genossen ver- wirst. hatte Schümm« lauf deS Slreiks der Barockrahmen-Vergolder entgegen zunehmen. Den Bericht gab Herr Schüller. Nach demselben hat die Streikkommission, nachdem am Sonntag, den 20. Oktober der Streik endgiliig beschlossen worden, dies und die Forderungen der Bergolder nochmals dem„Verein der selbständigen Vergoldcr Berlins" mitgetheilt, woraus von diesem geantwortet wurde, die Meister würden a» dem den Gehihen gemachten Angebot festhalten(9Vestündige'Arbeit. zeit sc.), aber die llstündige Arbeitszeit und die anderen Forderungen der Gehilteit nicht bewilligen. Es batten bewilligt die Firmen Lehmann, Tieke, Thuns- dorf, Stolpe, Heier, Steim, Wendl und Roliius. Die fünf Letztgenannten haben ihre Unterschrift iviedcr zurückgezogen. Im ganzen streiken noch 28 verheiratheie Kollegen mit ca. 2b Kindern, und 43 ledige. An der nun folgenden lebhasten Debatte betheitigten sich die Herren Schneider, H ö v f n e r, Schum nie, Meier, U l e o p h a s, K r a h in e r, S p ä t h e, Branden- bürg. Walk, Schüller, N i e b erg a l l, Jakob, Mehring und H a r» i s ch. Das Verhallen einiger Fabrikanten ihren Kollegech und den Arbeitern gegenüber wurde einer inißbilligenden Kririk unterworfen. So hak der eine Ehef einer Firma einen Vergolder zum Arbeiten bei sich zu aniiuire» gesucht. Als derselbe aus die Bedingungen, R/estiiiidige Arbeitszeit sc. nicht eingehen wollte, sagte der Fabrikant:„Sie können sich j a n o ch S t r e i k g e l d holen, wenn Sie bei mir 9Vs Stunde» täglich mit einer Lohnzulage von wöchentlich 1,50 Mark arbeiten ivoile»; die Zeit dazu gebe ich Ihnen frei." Eine andere Firma will ihre Arveiter zu Leu von den Gehilfen geforderten Be- dingungen arbeiten lassen; die Oeffentlichkeit mäste aber glauben, es geschehe zu den alten Bcduigiinge», damit sie, die Meister, mit ihre» 5dollegen nicht in Konflitk kommen. Herr H ö p f n e r setzte auseinander, weshalb bei dem Fabrikanten Stolpe, der sein Wort nicht gehalten habe, säiinntliche Gehilfen die Arbeit niedergelegt hätten.(Bravo.) Tie Aclißerling eines der Redner, an Stelle der Streikenden träten Lehrlinge und Burschen und stellten dadurch den Erfolg des Streiks in Frage, wurde von anderer Seite mit Hinweis auf die in den betreffenden Werkstuben Herr- schenden Verhältnisse zurückgewiesen. Da jetzt die Saison sei, müßten die Meisler bald beivilligeu, um ihre» Nerpstichtungeu nachkommen zu können.— Es wurde beschlossen, daß das Mandat der Berliner Streik- 5koutrolkomiuission als ein ganz ungebundenes zu betrachten sei, damik dieselbe in ihren Unterhandlungen mit den Nieislern nicht behindert werde. Ebenso wurde beschlossen, daß die Koinmission de» Fabrikanten nochmals die Forderungen unterbreiten und dieselben zum Ver- handeln mit ihr auffordern solle; au den Forderungen sei sefizu- halten.— Zum 2. Punkt der Tagesordnung wurden die in der Adolf Werkmeister'schen Fabrik eristirenden Verhältnisse einer Kritik unterzogen. ES handelte sich hier um in letzter Zeit �vorgenommene Loynreduktione». Raa) den Ausführung«» der Redner ist der Akkordpreis für eine bestiininte Leiste nach und Doch genug Olli nach von 85 Pf. ans 30 Pf. herabgesetzt worden. Die Arbeits haoen sich das ruhig gefallen lassen. Ihre Pflicht wäre e- 9'- »efeti, sich an den Verband zu wenden. Allerdings brauche� �ie bclrefteiue Arbeit nicht so gut gemacht zu werden, UJCiugsitsi. wuvcc ne Reduktion so motivirt; in letzter Zeil ist aber 'Arveit zurückgegeben worden, weil sie nicht gut nusgeial.en sei. Tie Herabsetzung der Preise ist Koflen der Durebschnittsarbeiter geschehen. Diese verdiene» p? •iag laum drei Mark mit dieser Arbeit; das sei viel zu wenig bei einer Arbeit, bei der der Körper durch die Verarbeitung vCl\ Biet vergiftet werbe. Folgende Resolution wurde angenommen- „Die Versamnilung fordert die Arbeiter der Werkmeister ichsi' Fabrik ans. gegen die dort existirendeu Verhältnisse, sowie gegen Die �.ohnreduktioneu Front zu machen."— Herr Gerndt macht bekanm, vap die Berliner Streik-Kontrolkommission beschlossen, den<>«- goidcin die Herausgabe von Listen zu überlassen; doch»inne diese von der Berliner Streik- Kontrolkoniiuission abgestempe» [ei.n- Z"'stcit gelangen im Streikdureau,©chiQi»8str;„' be- Kopnick zur Ausgabe. Herr Mehring fordert dazu auf, vo» ihm Marten für liuterstütznugsgelder zum Vertrieb zu über- ''«---i-- 1 0D| nehmen. Seine Wohnung befindet sich Wrangelstr. 132 l.% Drr Fachverrin drr KchlächtrrgrseUr« Kerl»?» Usngrgrnd versammelte sich am Sonntag, den 2. d. Ack-,; mittags. Die Versammlung hörte in erster Linie einen ge> schastlichen Bortrag des Herrn Wiedemann. Derselbe. merkte, daß die Entwickelung der Maschinentechnik auch aus. Schlächtergewerbe ihren Einfluß ausüben werde, gleichime fw � andere» Gebieten revolutionireud eimvirke, d. h. dap"lei auch hier immer mehr Arbeitskräste überflüssig und brotlos mm würde. Redner zeigte, daß gerade die gelernten Arbeitet. sogenannten Handwerker, immer mehr den Boden unter Füße» verlieren und zu Bedienungsmannschaste» der Masch.' Cll cotVäP/X« rtit III Besitz der langt, so Verhältnisse selbe müsse die den Wären die Maschinen von Anfang an oi Allgemeinheit und nicht in den Einzelner M würden heute nicht so elende iviahschchusiv für die arbeitende Bevölkerung herrsche», daher darnach trachten, die Maschinen und jom Luktionsmittcl in ihren Besitz zu bekommen Da von keiner Seite verrummerl iveroe,(o jcieii t-ie mfviut vtiumup«, u«|»v- � Kraft vertrauend, den Kampf gegen die heutige Produktion»??™ aufzunehmen. Zu diesem Zwecke organisiren sich die Arbeilc. Tie am gedrücktest dastehenden Gewerkschaften hätten hierzu o erste Pflicht, und zu diesen Gewerkschaften gehört auch die d> Scbläcbter. Tn erster Linie aelte es hier, eine Verkürzung nur um andererseits Zeit zu geAusse Or- der Arbeitszeit zu erstreben, zu vermindern und wieder Menschen zu werden. Referent empfahl' zum den Schlächtergeselleu dringend den Ausbau ihrer ganisation und forderte sie' auf, für dieselbe nach K zu agitiren.(Großer Beifall.) In der Diskussion zeigte H* Gaßmann das Eingreifen der Maschinentechnik W..� Schlächtergewerbe. Da sind Stopfmaschinen(Spitzen) 1« sogar Dampfmaschinen(Motoren), ivelche menschliche Arw™; fräste überflüssig machen. Im Schlächtergeivcrbe herrsche no/ eine Arbeitszeit von täglich 18 Stunden. Andere Gewerkschasi� bedeutend kürzere Arbeitszeit erkämpf��, hätten sich schon eine ocotuieuu uujcie»iiueiirjcu i'"'— rj Hilfe ihrer Organisationen. Die Organisation der Schlackst™ gesellen sei zwar noch sehr jung, doch stehe hinter dieser die 9' sammte'Arbeiterschaft. Er beantragte folgende gtesolution:»0 der'Aussperrung der Mitglieder des Fachvereins der Schlaack™ gesellen Berlins und Umgegend aus dein Gewerkshause erbii» gesellen„| diese eine Kampfesweise, welche keines humanen würdig ist. Die Mitglieder des Fachvereins v sich, die indifferenten Kollegen aufzuklären, dieselben.{ Fachvereine zuzuführen und dahin zu ivirken, daß säinw"� chlüchtergeseUeu Berlins das Gewerkshaus, sowie das TanZi"™" Neue Grünstr. 28, meiden. In dem eben gedachten Borge?'.. legt die Berliner Schlächterinnung klar, daß sie nicht gewillt»>' die Fesseln zu lösen, welche die Gesellen drücken; daß ste"? gewillt ist, den Gesellen ein befferes menschenivürdigeres*»1 zu gewähren. Dieses Vorgehen lehrt die Gesellen wieder, da?> einzig und allein nur durch sich selbst zum siege gelangen koni>' Der Fachrerein erwartet, daß die Geschäfte der belr. Jnnungsuwu welche die obige Bekanntmachiliig unterzeichnet haben, von der Ave»- schast gemieden werden."— Im Anschlüsse an die'Ausführungen Referenten kritisirten l ie Herren V l um enschein, Keßl 1 � j sich'mit den Ausführungen des Referenten einverstanden kennt, daß die Schlächtergesellen, da die moderne Maschinente immer mehr auch in das Schlächtergewerbe eingreift, nur o»l � Boden der modernen Arbeiterbewegung eine Verbesserung. In; Lage erreichen lönnen." Die Ausnahme neuer Mitglieder in der zu diesem Zwecke stattgehabten Pause und halt« ein erfreuliches Ergebniß. Hierauf wurde der Punkt„Verseht«�) verhandelt, und hierzu würde den Kollegen dringend ans P A gelegt, im Vedürsnißfalle sich des ArbeilsnachweiseS de» o si Vereins zu bedienen, welcher sich ebenso gesund entwicke.e, � der Fachverein und immer leistungsfähiger werde. Auch �" 4 das bevorstehende Vergnügen tu Erinnerung gebracht,»kC veranstaltet werde, um die Kollegen im Kollegenkreise nach � � physischer Arbeit auch einige frohe und genußreiche StunD* � bereiten. Nachdem noch sonstige Vereinsangelegenheiten worden waren, schloß der Vorsitzende die Versammlung sil} Jutie» dreisacheu Hoch auf das fernere Wachsen, Blühen und G™ des Fachvereins der Schlächtergesellen Berlins und Umgkg™ rp Charlotteuburg. Eine nach„Bismarckshöhe" am tober für Mitglieder, Frauen und Gäste«mbernfene Versam» � des Jntercjscnvereins der Maurer war leider sehr schivaul� sucht. Der Vorsitzende, Herr Wilde, sprach darüber, so>we � den Jndisferentismus der Kollegen sein Bedauern aus. � ci- rescrirte Herr Pirch über„die Frauenbewegung". Red» � mahnte zum Schluß namentlich die anwesenden Frauen,)"•. ro' hiesigen Arbeiterinnen-Verein kräftig zu agitiren. Nachdem' � Diskussion mehrere Redner gesprochen, schloß der Vorsitze»'.-.x,, Versanimliiiig mit einem dreifachen Hoch auf das bessere G™ des Bereius. Vviefkttflvlr dev � Bei«ulrilgen bilic» ivi: hl««bomiemeiilS-Quitlimz bcijusugcn. 1 SimiDott wird nichl«rlheil!... hl) C. 100. Die Strafverfolgung des St. wegen DieA' g- verjährt in 5 Jahren. Wenn bis dahin der Staatsanw'"'.�ii, liche Kenntnis von dem Diebstahl erhält, so muß er einsnK gr ohne daß eS eine? sörinlichen Strasantrages Seitens schädigten bedarf. Daß der Schade durch die Eltern des ist, schließt die Bestrafung nicht aus, würde aber auf das maaß von Einfluß sein. Wenn der Schade nachweislich ü,ih betrug als 300 Mark, so kann N. auch jetzt noch in A'-'' genommen werden. Diese Klage verjährt in 3 Jahren.. 0 H. K. Ihre Anfrage läßt den Sachverhalt nicht r erlennen, daß nns eine Äeantivortung möglich wäre. ,,,j4im F. Ter Prediger hat das Recht, eine nicht>'' getraute Frau als Tranzciigin zurückzuweisen.-.lickst" Gnlali« AI. Der Mann hastet nicht für die od'™ Schulden der Frau. W. Kolbe 33. Wir wissen es nicht. H. Kch. 900. Sie haben recht. Die Zahl der abgeg sozialistischen Stimmen f 1 427 000) übersteigt die Sti»"1 joC der nächst größten politische» Partei(des Zentriliiis)"in 100 000. HO«, E. Kevrman». Ter Spieler, der vorzeitig 6�� verliert. ««rantwortticher Redakteur:««et Kaasi« in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW.. Beuthstraße 2.