|r. 860. Freitag, den y. Itduemürr 1890, y. K-chrg. MmMtoMl Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Das..Berliner Volksblatt" � "nniagZ- Nummer mit dem„Sonntags-Blatts 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. K(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1390 unter Nr. 892, Nachtrags »ter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Dcutichland und Oeiterreich-Ungarn 2 Warb, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. I n s e r t i o n s g e b tt h r beträgt für die 5 gespaltene Petiizeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen_ 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße- 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, au Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -• Fernsprecher: Amt VI. Zlr. 4100.«- Vedskkion: VeukhptvSlße A.— Ezepvditton: VeukhÜvAlHe 3. Den �ulruntksstKeiks lilänuctu fcgii«ö�e§ Mißgeschick widerfahren. Mit wunderbarer Wno r 111,0 � chinesischer Tapferkeit und Kriegs- im' Wtten sie das Zukunftsstaats-Fragegeheul gegen .angestimmt, um uns nach mongolischer Kriegssitte ?. t>en hollischen Lärm in die Flucht zu jagen; nachdem , J.7 ober davon überzeugt, daß diese chinesische Taktik uns L Ästige Barbaren" nur zu einer Lachsalve, nicht aber Mon, hx�te' � ihnen die an sich ganz richtige Idee iich in zwei Heerhaufen zu theilen, uns an "Zanken zu packen und wie zwischen zwei Mühl- " lU zermalmen. loiif-h' �ethan. Sie trennten sich, die zwei Heer- fcJA'vurden richtig sormirt, und mit wolkenzerreißendem ging es zum Angriff. . er— und nun beginnt das Pech— wenn unsere l»it Verzeihung unsere Zukunftsstaatsmänner es „jj sins rothborstigen Barbaren— wir wollten sagen * ä.iNothen Umstürzlern" zu thun haben, dann ergeht stets, wie den„blinden Hessen",— aus lauter »VH. Wil„V.1IIVVI........ j Alb �t kneifen sie die Augen zu und stürmen blind M"kni kampfmuthigen Stier ans das rothe Tuch— 0»: die rothe Fahne. Mb l � Füchten mit geschlossenen Augen hat seine «. namentlich wenn die bösen„geistigen M' dabei geführt werden sollen. Genug— das Verhängniß erfüllte sich, das Unver- % geschah. Den Feind sahen sie sich nicht an— ,Jtüvmen sie aus uns ein, blind stürzen sie über den %i' r' ktttch hauen sie auf den Feind, der natürlich k J Wcht—, hauen, hauen, hauen drauf los, bis zuletzt, "�nd nicht davon laufen will, sie endlich die Augen tuid sehen— was? Daß sie nicht den Feind, Anöb s �'geuen Kameraden des anderen Heerhanfens s � und von ihnen auch redlich vermöbelt oo ttun die erstaunte Frage: wie war das möglich? %'ii, war's möglich? Sie haben es nicht entdeckt— Öto j��athborstigen Barbaren haben ein mitleidiges "fiio"1)eu' und so tritt denn aus den Reihen der Mien"'-�e t>em tollen Quidproquo mit vergnügten L ii 11 zuschauten, ein besonders weichherziger Geselle an im glucklichen heran und löst ihnen das Räthsel, zwar �Ofor, Äukunftsstaats, aber doch ihrer fürchterlichen M» �""d Selbstabprügelung:„Ihr begreift nicht, Ihr Mr Burschen? Blickt dorthin nach Euren Fahnen! was auf ihnen steht! Seht Ihr's?(Und die 'Mow., Feuilleton. (33 Uictoria. g, Vornan von Minna K a u t s k y. Me, L1" schr einfaches Kleid, aber die schlanke t.Mii, hnf, lchwalc Halsausschnitt, der zarte Busen ver- ll. Ptosen, ,sür ein junges Mädchen bestinimt war von 1 wi'oiw".' nian unmuthig und geschmackvoll zu � noJlH Damen zufrieden?" fragte der Konfektionär, sagtet iri''LL"'cht recht wohl b« der Sache war. kW ...•Po( ""tsi mehr ausznsinden. Er mußte �chdenss.5 g°uomme» haben.._ CjAbic irfj-ch ging er den Weg wieder zurück. Wer Ah. tbt„„.-l neu Damen, die in so vertraulicher Wege von »»i.11. As �.- hatten? Er befand sich wieder vor dem Äh.!!%eii..Aktionärs und bemerkte, daß die Equipage P�ner 111', gnade vor der Thür hielt. Eben kam ein zJst hna Ü Ancm Karton heraus. T TiL.'L�uipagc Field?" fragte er. w Ab-iahte. ' Ali J 1 sn den Wagen gelegt werden, die Damen Mdl kL/ich mitzunehmen." 9attc die Worte gehört und sie hatten ihm Alles C5 löivX' 4'vvVt«vvVv w»- Silvia,. uolltominen entsprechen, ich danke Ihnen," 'le bei,.,'', mendete sich, um weitere Aufträge, ihre iwNold Ii"6' zu gebe». unk."'-' ihn„t. 8CV war indes; dem Freunde nachgeeilt, ver- ----- Zerschlagenen schauen hin, und die verdutzten Gesichter ziehen sich in unnatürliche Länge.)— „Seht doch was auf dieser Fahne steht, und was auf jene r. „Hier Z w a n g s st a a t, Despotismus, Kasernen- sozialismus,— Terrorismus— Arbeitssklave werden, Maul halten, die„Führer" füttern,— das ist der sozial- demokratische Zukunftsstaat. „Dort anarchistischer F r e i h e i t s st a a t — alles auseinander laufend, ein tolles Wettrennen um die settesten Bissen. Niemand dem Anderen etwas gönnend, allgemeiner Streik gegen das„Stiefelputzen" und sonstige „abstoßende Arbeiten", allgemeines Tohu Wobohu im „Freiheitsstall, bewohnt von Gleichheitseseln"— kurz das wildeste Chaos, das ist der sozialdemokratische Zu- kunftsstaat". „Seht Ihr nun?— oder habt Ihr die Augen nur um nicht zu sehen?— merkt Ihr nun, warum Ihr Euch gegenseitig zerdroschen und zerprügelt habt, zu unserem, der Sozialdemokraten, riesigem Gaudium? Merkt Ihr, oder merkt Ihr nicht, daß Ihr Euere Kanonen gegen einander gerichtet, und daß Ihr mit Eueren„geistigen Waffen" Euch gegenseitig auf die Schädel geklopft habt? Begreift Ihr, oder begreift Ihr nicht, daß Euer sozialdemo- kratischer Z w a n g s st ä a t Euren sozialdemokratischen anarchischen F r e i h e i t s st a a t t o d t s ch l ä g t, und dieser jenen? „Ihr merkt's? Nein? tant pis poux vous— um so schlimmer für Euch! Daun blamirt und prügelt Euch lustig weiter! Lebt wohl!"— Wir wollen uns nicht so ganz kurzer Hand von den armen Zukunftsstaats-Männern abwenden. Wir haben noch ein paar freundschaftliche Worte an sie zu richten. Also es ist so schwierig, Leute zu finden, welche„die gesähr- liehen, unangenehmen, ekelhasten Arbeiten" im„Zukunsts- staat" verrichten? Nun, wir kennen keine gefährlichere, unangenehmere und ekelhaftere Arbeit als die K r a n k e n- pflege. Wohlan— hat es im G e g e n w a r t s- st a a t jemals an Krankenpflegern und Krankenpflegerinnen gefehlt? Und wird die Krankenpflege nicht zu n e u n Zehntel n(wir rechnen hier natürlich die Krankenpflege in den Familien mit) freiwillig und mit Freuden verrichtet? Glaubt man, daß die Menschen im„Zukünftsstaat", wo der Egoismus und die gemeinen Instinkte keine Nahrung finden, egoistischer und gemeiner sein werden als jetzt? Und jetzt zum Schluß ganz ernsthaft die Frage nach dem Z u k u n s t s st a a t unserer Feind e. Die „Germania" sucht sich um die heikle Frage herum- zudrücken, indem sie meint, alle übrigen Parteien stünden auf aufgeklärt. Das war also Field's Wagen und die beiden Hübschen waren seine Töchter, die Töchter des reichen Mannes, der Oswaldt protegirt. Ter Lakai hatte das Päckchen in den Wagen gelegt. „Ist das Alles, was meine Herrschaft eingekauft hat?" fragte er mit einer gewissen Spaßhaftigkcit. „Bewahre, wir kommen heute noch mit dem Wagen zu Ihnen." „Ich dachte es wohl; nun, wenn Ihre Firma nur einen Theil der Lieferungen für die Ausstattung bekommt, so kann sie sich gratnliren; die wird glänzend, sage ich Ihnen." „Wen hcirathet denn Fräulein Field? Ist's auch ein Baron?" „O nein, die Hanna nimmt sich einen Maler, aber cificn berühmten." „Wie heißt er denn?" „Eugen Qswaldt, er ist gerade vorhin ans Ihrem Laden getreten. Nun, was starrt mich denn der Bauern- lümmel so au?" sagte er, indem er mit einem hochmüthig zurechtweisenden Blick sich von dem Pecher abwendete, der wie versteinert dicht vor ihm stehen geblieben war. Leopold murmelte etwas zwischen seinen Lippen und ging weiter. Was er da gehört, erregte ihm das Innerste; unglaublich däuchte es ihm, und doch zweifelte er keinen Augenblick daran. Oswaldt war Bräutigam. Er hcirathete dieses schöne, reiche Mädchen, die behaglichste Existenz war ihm damit ge- liefert. Dies war bestimmt, seit Langem schon, und doch hatte er es ihm verschwiegen— warum? warum? In dieser rauhen Männerbrust brannte es heiß auf, in Zorn und Mitleid, in Kummer und heimlichem dem Boden der heutigen Gesellschaft und hätten dem- zufolge keinen Zukunftsstaat, wie die Sozialdemokraten. Das sind jedoch faule Fische. Unter Zukunftsstaat, soweit das Wort überhaupt einen Sinn hat, verstehen wir das Staatsideal, den I d e a l st a a t. Für Parteien, die auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung stehen, muß es aber selbstverständlich weit leichter sein als für uns, ihr Staatsideal und ihren Jdealstaat in festen Umrissen hinzuzeichnen. Darum keine Ausflüchte, Ihr Zukunftsstaatsmänner. Heraus mit Euerem Zukunftsstaat! Movrespclttdenjen. Kirl, 5. November. Sozialdemokratischer W ah 1- s i e g. Bei der gestrigen Stadtverordnetemvahl siegten die beiden Sozialdemokraten mit großer Majorität über die Kandidaten der vereinigten bürgerlichen Parteien. Es wurden von 2537 Wählern, in Summa 5070 Stimmen abgegeben. Von diesen erhielten: Sozialist: Geschäftsreisender St. Heinzel 1391 Stimmen. Sozialist: Maurer F. Brothahn 1384 Stimmen. Kartell: Schiffsrehder, Geheim. Kommerzienrath Sartori 114-1 Stimmen. Kartell: Gewerbeschuldirektor Ahrens 1147 Stimmen. Bei der vorjährigen Wahl, an der sich die Sozialisten zum ersten Male betheiligten, wurden für die Sozialisten ca. 600 und für die vereinigten bürgerlichenParteien ca. 1100 Stimmen abgegeben. Es haben sich' somit die sozialistischen Stimmen mehr wie verdoppelt, während die vereinigten Gegner trotz der größten Anstrengungen keinen Zuwachs an Stimmen zu verzeichnen haben. Obgleich schon bei der vorjährigen Wahl sich alle Wähler darüber einig waren, daß ein Wahllokal nicht mehr im Stande sei, die Wähler zu fassen, so war dennoch vom Magistrat die Wahlhandlung auch in diesem Jahre nur in einem Lokale arangirt. Der Andrang war deshalb ein so enormer, daß nicht nur das geräumige Lokal der„Harmonie" während der ganzen Dauer der Wahlzeit(Morgens 11 bis Nachmittags 3 Uhr) in wahrem Sinne des Wortes vollgepfropft war,«sondern die Wähler standen auch auf der Straße und warteten, dicht ge- drängt, bis sie eingelassen wurden. Punkt 3 Uhr wurde das Lokal geschlossen, so daß viele Wähler, hauptsächlich Arbeiter, ihre Stimmen nicht haben abgeben können. Am heutigen Tage sollten weitere zwei Stadtverordnete gewählt werden. Der Sieg hatte so ermuthigend auf die Arbeiter gewirkt, daß sie schon beim Beginn der Wahlzeit in einerZahlvon ca. 1000-Personen vor dem Lokale vertreten waren. Hierdurch fühlte sich der Bürger- meister veranlaßt, folgenden Beschluß des Magistrats bekannt zu geben: „Die Stadtverordnetenwahl wird wegen Unzulänglichkeit der lokalen Einrichtungen, sowie behufs Verlängerung der bekannt ge- machten Wahlzeit für heute ausgesetzt. Der neue Wahltermin wird ordnungsmäßig bekannt ge- macht. Kiel, den 5. November 1890. Ter Magistrat. Fuchs, Oberbürgermeister." Durch diese Bekanntgebung wurden die Massen in große Hoffen.„Franzel!" war das Wort, das sich auf seine bebenden Lippen drängte, und„was wird sie dazu sagen, was wird sie dazu sagen?" der immer wiederkehrende Refrain. Er rannte vorwärts, Oswaldt's Wohnung entgegen. Poldl war in den letzten Wochen immer häufiger nach dem einsamen Hause des Hegers gekommen. Der alternde Mann wollte sich's nicht eingestehen, was ihn dahinzog, aber es war unleugbar/ daß es ihn glücklich machte, wenn er mit der Franzel zusammen sein konnte. lieber das Mädel war etwas Unbeschreibliches gekommen, das sich ihrer ganzen Umgebung mitthcilen wollte. Alles er- hellend und beglückend. Wie sie jetzt zu lachen verstand, so laut, aus vollem Herzen, zu singen, zu scherzen! Es war ein Zauber, der Alle mitriß, ein Ausdruck innerster Lebensfreudig- keit, und Jeder fühlte, daß er mitgehöre zu diesem Glück, mit daran Theil habe. Der Pecher Poldl war bald furchtbar eifersüchtig auf diesen seinen Antheil und wollte ihn redlich nützen. Die Witterung hatte sich geändert, sie war kühl und unbeständig geworden, im Walde gab es für ihn nichts zu thun und auch Oswaldt war nun häufig an das Zimmer ge- fesselt, und so fanden sie sich denn entweder in dem großen Wohnzimmer des Hegers oder in Oswaldt's Dachstube zu- sammen. Oswaldt malte die Franzel. Sie freute sich un- säglich darüber, lachte und— kritisirte. Es war ein reizender Mnthwille in ihr, sie begann ihre Macht zu fühlen und zn üben. Der Kops war ziemlich weit gediehen, es fehlte nur noch an dem Beiwerk.' Es war an dem Tage von Oswaldt's Rückkehr nach Wien gewesen, als der Pecher früh am Nach- Aufregung versetzt. Es wurden von den in ihrer Arbeitszeit Ge schädigten bittere Vorwürfe gegen de» Magistrat laut, daß dieser Beschluß nicht am vorherigen Tage gefaßt und in der gestrigen großen Versammlung bekannt gegeben sei. Man trennte sich schließlich in der größten Duldung und mit dem Gelöbniß, an dem späteren Wahltage wieder vollzählig zur Stelle zu sein. Volitifche Nebevsrchk. Berlin, den G. November. Das Plenum de» Reichstags wird, nach Aeußerungen, die Herr von Levetzoiv gegenüber Mitgliedern der Arbeiter- schutz-Komission gemacht hat, zum 27. d. M. berufen werden. Jedenfalls besteht diese Absicht jetzt, es könnte aber noch ein Aufschub eintreten, wenn die Debatten des preußischen Landtags über die sogenannten„großen" Reformgesetze un- gewöhnliche Dimensionen annehmen sollten. Dem Herrenhaus steht ein besonderer Genuß be- vor; wenn das Friedrichsruher Preßbureau nicht flunkert, so will der Ex-Reichskauzlcr seinen Sitz dort einnehmeil und in die Debatte eintreten. Nun— ins Herrenhaus gehörter: der Todte zu den Tobten. Der Bundesrath, so lautet eine offiziöse Notiz, wird morgen Nachmittag eine Plenarsitzung abhalten. In derselben werden die in den letzten Tagen eingegangenen Vorlagen über den Nachweis des Nichtvorhandenseins von Farbenblindheit für die Zulassung als Seeschiffer und See- stcuermann auf deutschen Kauffahrteischiffen; über die Gesetz- entwürfe über Vereinigung Helgolands mit dem Deutschen Reich; Abänderung des Patentgesetzes; über den Schlitz von Gebrauchsmustern; die Uebersicht der Ausgaben und Ein- nahmen der Landesverwaltung von Elsaß- Lothringen für 1889/90, sowie über Ergänzung und Abänderung des Eisen- bahnbetriebs-Reglements an die Ausschüsse verwiesen werden. Von besonderer Wichtigkeit erscheint der mündliche Bericht des Ausschusses für Handel und Verkehr über die Anträge Sachsens und Bayerns, betreffend die Einfuhr von Rind- vieh aus Oesterreich-Ungarn nebst dazu gehörigen Anträgen n. s. IV. Wir wollen sehen, welches Schicksal die letztgenannten Anträge haben werden. Gehen sie durch, so wird Herr Lucius seinen Abschied nehmen müssen. Oder richtiger: er w ü r d e es müssen, wenn wir so etwas wie parlamentarisches Regiment hätten. Der Etat der Einnahmen des Reichs aus Zöllen und Verbrauchssteuern für das Jahr 1891/92, der jetzt dem Bundesrath zligegangen ist, „steht— wie dieselbe offfziöse Korrespondenz mittheilt— mit den düsteren Prophezeiungen eines Theils der Presse nicht recht im Einklang. Nach dem im Reichsschatzamt aus- gestellten Voranschlag würden die Reichseinnahmen nicht nur keinen Rückgang zeigen, sondern den Etat des laufenden Jahres noch um rund 42 Mill. Mark übersteigen. Da nun das nächste Etatsjahr nicht mehr wie das laufende ein Defizit von 20 Mill. Mark zu decken hat, so ergiebt sich schon daraus ein Mehr gegen den laufenden Etat von 62 Millionen. Die Mehreinnahmen im Etat der Zölle und Verbrauchssteuern entfallen fast ausschließlich aus die Zölle, die Zlickersteuer und die Brausteuer. Bei den Zöllen ist eine Zunahme des Ertrags um über 29 Millionen, bei der Zuckersteuer um über 11 Millionen und bei der Braustcuer um 1,3 Mill. Mark vorgesehen. Bei der Branntweinsteuer ist dagegen eine Mindereinnahme von etwa 3/4 Mill. Mark in Anschlag gebracht, so daß die Hoff- liung des Finanzministers v. Scholz, daß endlich auch diese Steuer eine stärkere Steigerung des Ertrages bringen werde, sich nicht erfüllt hat." Nun— auf derartige Zusammenstellungeu ist gar Nichts zu geben. Die Engländer nennen das: Gookivg the accounts— die Rechnungen zurechtkochen. Aua Frank r e i ch kommen gleich günstige Zusammen- stellungen und in Frankreich sind die allgemeinen Erwerbsverhältnisse thatsächlich ebenso schlecht wie bei uns. Wie's in Afrika gemacht wird, das verräth der be- kannte Afrikaforscher und Kolonialschwärmer C u r t T'ö p p e n im„Hannover'schen Kourier". Er schreibt aus L a m u und erzählt, was ihm über die jüngsten Vorgänge in Witu von Fumo Bakari, dem„Sultan" jenes Landes, persönlich mitgetheilt worden ist. Und das ist aller- dings höchst interessant. Der Sultan erzählte: mittage in die zum Atelier umgeschaffene Dachstube des Malers trat. Er traf Oswaldt vor der Staffelei, Franzel in einiger Entfernung ans einem Schemel. Sie hatte ihre letzte Sitzung.. Sie trug ein weißes, städtisches Kleid, in dem sie dem Poldl durchaus fremd- artig erschien. Er ärgerte sich, weil sie so fräuleinhaft darin aussah. Er trat hinter den Maler, um das Bild mit dem Modell zu vergleichen, aber seine Augen blieben unverwandt an dem Letzteren hangen. Oswaldt legte plötzlich Pinsel und Palette weg und stand auf. „Das Haar ist mir noch immer nicht recht", sagte er kopfschüttelnd.„Ich glaube, wenn es weiter stcrab gegen den Nacken fiele, würde der Hals in seiner Weichheit weit besser hervortreten.— Nein, lassen Sie— thun Sie nichts, Franzel,— ich muß das einmal selbst ordnen." Er war an sie herangetreten und ohne weitere Umstände begann er die Nadeln aus ihrem Haar zu nehmen. Sie wollte es ihm wehreu, als er aber mit einiger Ungeduld bat, sie möge doch ruhig halten, blieb sie still und senkte nur ein wenig den Kopf. Bald hing das weiche, glänzende Haar in zwei Zöpfen bis zur Taille herab, und er versuchte nun, dasselbe zu arraugiren. Sie blieb in statuenhafter Ruhe, sie rührte und regte sich nicht. Aber dem Poldl schien es, als ob die Hand des Malers in absichtlicher Verzögerung nicht fertig werden könnte. „Was thust denn?" rief er zornig,„wirst ihr doch die Haare nicht völlig aufmachen, wirst sie doch nicht kraupig malen ivollen, wie eine Hex'." Aber die Flechten waren in der That gelöst und nun zauste er das Haar und ließ die einzelnen Partien durch- einander flattern. „So— so— so— wie dicht— wie schön!" rief er, indeß seine Finger immer tiefer in dem herrlichen bernstein- farbigen Gewoge sich verirrten. Aber plötzlich warf er es zurück, und sie unter's Kinn fassend, hob er den gesenkten Kops und sah ihr in's Gesicht. „Zuerst kamen Herr Knntzel und Herr Häßler nach Witu, ich empfing sie freundlich und machte ihnen Haschima. Herr Küntzel verlangte von mir seine Schamba und seine Leute. Ich erwiderte ihm, daß ich ihm niemals Land verkauft hätte und daß ich einen Brief von ihm besäße, worin abgemacht ist, daß ich meine ihm damals gegebenen Leute im fungu nanc(?) de vorigen Jahres zurücknehmen dürfte. Herr Küntzel bestand darauf, seine Leute zurück zn erhalten, was ich ihm jedoch ver weigerte, und bat ihn, überhaupt fortzugehen und sich lieber in Mombafsa niederzulassen, wohin ihn ja die Engländer ein- geladen hätten. Hierauf gingen die Herren nach Mkonumbi zurück und ich sandte den Befehl dorthin, ihnen keine Nahrungs- mittel zu verkaufen; als ich aber hörte, daß sie mit Gewalt vorgehen wollten, sandte ich Homari Madi nach Mkonumbi und ließ gleichzeitig sagen, man sollte Küntzel in Mkonumbi keine Hindernisse in den Weg legen, nur sollte Niemand land- einwärts reisen. Herr Küntzel sandte doch sechs seiner Leute nach einer Stelle rn der Nähe des Waldes, wo sie sich an- bauen sollten. Als ich dies erfuhr, sandte ich Soldaten und ließ die Herren nebst ihren Sachen holen. Dieselben kamen ohne Widerstand, ich wies ihnen ein Haus an, schickte ihnen einen Hammel und Reis und wir lebten im besten Ein- vernehmen. Als ich hörte, daß Herr Küntzel käme, hielt ich es für gerathen, ihnen die Waffen abzunehmen, um eventuell Blutvergießen zu vermeiden, da ich weiß, daß Küntzel nicht seinen vollen Verstand besitzt. Homari Madi beauftragte ich, Küntzel beim Eintritt in die Stadt zn entwaffnen. Homari sagte, daß er wohl wüßte, daß Küntzel zu Allem s ä h i g i st, er nehme es aber auf sich, ihn zu beruhigen. Als Küntzel kam, war er sehr böse, daß seine Herren keine Waffen hatten. Ich sagte ihm, daß ich an den englischen Konsul geschrieben hätte und er möchte doch die Antwort abwarten. Abends schickte ich Herrn Küntzel eine Lampe, welche er zurückwies mit der Bs- merkung, daß er nichts von mir haben wollte. Am nächsten Morgen fing Herr Küntzel an zu schimpfen und zu fluchen in den schwersten Ausdrücken und sagte mehrere Male, daß er zum Schlagen fertig sei, ich sollte mich nur auch fertig machen. Meine Soldaten waren wüthend und wollten mit Herrn Küntzel anbinden. Ich verhinderte dies und sagte, daß ich mir nichts aus den Schimpfereien mache. Da kam Homari Madi und sagte, Küntzel wollte durchaus nicht mehr länger warten, sondern ver- langte abzuziehen. Ich sandte Homari zurück und ließ Küntzel sagen, er möge ruhig abziehen, wenn er nicht auf den Brief des englischen Konsuls warten wollte. Homari war gerade an der Ecke beim Steinhaus, da hörte er bereits schießen. Herr Küntzel war ans Thor gegangen und wollte den Balken wegschieben, da sagte Mussa, der Thorhüter, daß er von mir keine Erlaubniß zum Oeffnen hätte und erst fragen wollte. Küntzel schoß ihn nieder nnd da entspann sich der Kampf. Ich versuchte noch zwei Mal, meine Leute zurück- zuhalten, aber es war unmöglich. Vier Europäer fielen am Thor, die anderen vier kämpften im Laufen. Küntzel siel zuletzt und bat um Frieden und wollte zu mir gebracht werden. Die Soldaten forderten ihn auf, seine Waffe wegzuwerfen, was er auch that. Als sie ihn ausheben wollten, starb er. Ein Euro- päer scheint entkommen zu sein. Mir thut der Fall sehr leid, aber es war nicht zu verhindern. Ich bin überzeugt, daß ohneKüntzel Alles in Ruhe und Frieden abgegangen war e." Das ist nun freilich ein einseitiger Bericht. Aber, ab- gesehen davon, daß, wie alle glaubwürdigen europäischen Reisenden erzählen, die„Wilden" lange nicht so verlogen sind, als die„zivilisirten" Menschen, stimmt das, was der Sultan von Witu betreffs Küntzel's sagt, genau mit dem überein, was der deutsche General-Konsul über denselben gesagt hat. Ist aber diese Schilderung wahr, so ist es eine abscheuliche Heuchelei, die Abschlachtung der Deutschen in Witu einen„Deutschen m o r d" zu nennen. Die Deutschen wären dann an dem Schicksal, welches sie betroffen hat, selber Schuld gewesen. Deutsche Insti» und Rechtsgleichheit. In Sachsen wird jeder Versuch der Arbeiter, dem Boykott der Unter- nehmer nnd Militärbehörden einen Schutz- und T r u tz- Boykott der Arbeiter entgegenzusetzen, unnachsichtig, und zwar durch alle Instanzen, als grober Unfug angesehen und bestraft— während der Boykott der Unternehmer nnd Militärbehörden die allerhöchste Sanktion hat. Wir theilten erst vor einigen Tagen nüt, wie das sächsische Ober-Landesgericht, also die oberste Instanz für Sachsen, diesen Standpunkt zu rechtfertigen gesucht und selbst eingenommen hat— so daß also in Sachsen der etablirte(festgestellte) Rcchtsstandpunkt in dieser Frage der ist: der Boykott ist gesetzlich und er ist ungesetzlich. Er ist gesetzlich, wenn er gegen, und n n g e s e tz l i ch, wenn er von den Sozialdemokraten oder Arbeitern geübt wird. Es war von dunkler Gluth überzogen, die ihr die Haut bis unter das Haar färbte und nach dem Halse zu in ein feines Rosenroth überging. Einen Augenblick lang sahen sie sich in die Augen, als aber der Poldl mit seinem schweren Schritt auf sie zukam, trat Oswald hinweg und begann unter seinen Farbentuben zu kramen. Die Franzel blieb auf ihrem Schemel. Sie hatte eine der großen Nadeln, mit denen sie ihr Haar aufzustecken pflegte, vom Boden aufgenommen, und sah nun mit einem stillverklärten Lächeln auf diese Nadel hernieder, sie hin- und herbiegend, ohne zu wissen, was sie sah, noch was sie that. Der Poldl aber fühlte sein Herz sich aufbäumen in Weh, er begriff Alles und wußte, wie es mir ihr stand. Da brach die Nadel unter ihren Fingern entzwei. Sie schreckte ans, wie aus einem Traum erwachend, sah auf die beiden Männer und lief hinaus. Am nächsten Morgen hatte Oswaldt das einsanie Haus verlassen nnd war nach Wien zurückgekehrt. Aber auch der Pecher ließ sich nicht sehen. Er suchte sich einzureden, daß Alles gut und recht sei, wie es gekommen, daß es nicht besser sein könnte. Der Oswaldt und die Franzel paßten so gut zusammen, daß es eine Sünde wäre, sie zu trennen, sagte er sich. Die müssen sich lieb haben, es sei ganz natürlich, und die könnten wohl gar nicht mehr ohne einander leben. Aber nichtsdestoweniger kam ihm sein eigenes Leben jetzt so leer, so inhaltslos vor, daß diesen bis dahin so glück- lichen Menschen plötzlicher Ueberdruß anwandelte. Er ging wortlos umher und Essen und Trinken wollte ihm nicht mehr schmecken. Dagegen begann er zu philosophiren, das sicherste Zeichen einer schlechten Verdauung und gestörten Wohlbefindens. Er war endlich nach Wien gegangen, um sich diesem Znstande zu entreißen und auf andere Gedanken zu kommen. Sein Sinn war nun in der That gewendet. Mit geballten Fäusten rannte er dahin, hier und da einen zornigen Laut, einem Fluche gleich herausstoßend. Der Schurke, er besaß eine reiche Braut und hatte mit der armen Franzel nur ein nichtswürdiges Spiel getrieben. Man nennt das im Klassenstaat:„Gleichheit vor dm � oder Rechtsgleichheit". /L. Allein auch in den verschiedenen deutschen Vaterlämj«» herrscht eine vollkommen verschiedene Rechtsprechung, ö? Beispiel in Preußen haben die Gerichte in allen � herigen Boykottprozessen gegen Arbeiter freigesproihs Wir theilten schon mehrere derartige Fälle mit, und I" wird ein neuer gemeldet. Also in Sachse n strafbar, in Preußen Und das nach demselben Strafgesetzbuch! Haben Herren Richter und auch die Herren Staatsrcgierer W einmal die Frage vorgelegt, welche Gedanken deraniz Widersprüche und Ungleichheiten der Rechtspflege in P■ denkenden Kopf hervorbringen müssen? ZnmnizsstrtfttHche«. Wenn die Negersklaven es ihren schwimmenden Särgen— wie man die Sklave"' nannte— es gar nicht mehr aushalten konnten, öffneten sie sich die sogenannte„Pforte des Lebens sagten diesem christlichen Diesseits Lebewohl um ins tische Jenseits zu gelangen. So schlugen sie den Sita» Händlern ein Schnippchen, die nichts mehr fürchteten, die Selbstniord-Epidemie. Etwas Aehnliches finden ivü in den Ländern, wo das patriarchalische Regiment se> Thron ausgeschlagen hat und die Menschen wider ihren A-" beglückt, und bübick, an die Scholle fesselt, damit he I i' dß* IIIÜ beglückt, und hübsch an die Scholle fesselt, oam» i icklich machen können. Leider begreifen es nicht, wie glücklich sie sind,— ohne von sozialdemokraül /Z �—„t,„i.i.... f««»» Hin ifiVÖV PdQC äl find sie mit ihr» Sage � wenig zufrieden, wie weiland die Negersklaven, dene nach Patriarchaten Begriffen auch ausgezeichnet gm 9 71 und sie suchen dem irdischen Paradies zu entrinnen, indem sie das Diesseits mit dem Jenseits, sonveu alte Welt mit der neuen vertauschen, unter glücklichen in thatsächlicher Leibeigenschaft schwelg..J Ünterthanen des„Väterchens" inPerersbnr g und 1 junkerlichen Gesinnungsgenossen im östlichen P r e u? ist zwar nicht die Selbstmord- aber die Auswa � r n n g s e p i d e m i e ausgebrochen, imd nun c? 1 verfluchten Kerle, die nicht nach Väterchens und»ichl ß der väterlicher Junker, sondern nach eigener Fasiou i werden wollen, ihrem Glück nicht entrinnen lassen und sie fein fürsorglich in demparad Junker- und Zaren-Zwangstaat festzuhalten. Ta wir denn seit einiger Zeit gar erbauliche Din»- Jagden a n f A n s w a n d e r er— genau nach dem jj, der Jagden ans Negers klaven,— und von einem förmlichen�.j zng gegen die Lluswanderungs-Agenten. Das Versayr im Zaren- rmd im Junkerparadies so vollständig 0 � daß man oft nicht weiß, ob die gemeldeten Jagd- mio�z zngs-Abenteuer in Rußland oder in Deutsch � passiren— eine Verwechslung, die Einem ohnehin passiren kann.— Die Verwandtschaft unserer Junter chaft niit der Zarenwirthschaft hat sich wieder einmal M ällig offenbart, und wir bekommen bei dieser Geleg � einen prächtigen Blick in den Z n k u n s t s st a« reu;. Zeitung."„ Die belgischen Massendemonstrationen sind am ftÄ tag und Montag— also den 9. und 10. d. M. st'13 u den Maffenumzügen haben schon Vereine rganisationen mit weit über 200 000 Mitgliedern Betheiligung angesagt. del In den Uereinigten Staaten war der_ S t e jW Demokraten noch vollständiger als es Aiisai# Ein Telegramm aus New-Iork vom heutigen Vorn theilt über das Resultat folgendes mit: „Die Demokraten gewannen Kongreßfitze in ut1 Michigan, Pennsylvanien, Kansas,t Nebraska, Minneso wählten die Gouverneure von Wisconsin und Pennw sowie angeblich auch die Gouverneure von Michigan, J' und Miimesota, während die Republikaner den Gou � und zwei für Tenncssee erwählten. gegenüber erklärte Eleveland, das unu wuytcuv mc t/icy uumunet w.»-. � von Kalifornien, den Bizegouverneur von Pennsylvan Kongreßmitglied für Nord-Carolina, eines für Sud- — 1�,.—_ Einem yn, K1 LI_______■■ J■ I..... erfreuliche Res» V Wahlen lege die Pflicht der Demokraten dar, an v.ueir wendigen Revision des Tarifs festzuhalten, auf ein*on' jjj J' Zurückgehen der Nahrungsinittelpreise hinzuwirken, zl« Aufstellung eines weisen Tarifs, welcher vernünftig sorderungen der Regierung entspricht, zu erreichen. V Nach einer Schätzung der„Evening-Post" wurden mokraten in der neuen Kammer eine Majorität von Das Resultat der Wahl Mac-Kinley's sei noch\ haben. Aber er wollte den Elenden zur Rede stellen, er � ah, er wußte nicht recht, was er thun würde, aber( � es nicht erwarten, vor ihn hinzutreten, um seinen seine Verachtung ihm kund zu geben.! Wie seine Brust arbeitete, wie seine Fäuste Er fand sich in den Straßen indeß nicht sofort ßß und ging kreuz und quer, nur durch Fragen eno Ziel erreichend.., rfiji# Als er an der Wohnungsthnr des Maler- w öffnete ein Diener, der ihm bedeutete, daß der gnao fcü nicht zu Hause, sondern zum Diner gefahren sei-* ,1# Pecher aber eintreten wollte, mit dem Bedeuten, 0 hier auf ihn warten, schlug ihm der Diener lachend vor der Nase zu., Zweites Kapitel.�% ns? Die Töchter Field's fuhren über die Ringst�. Hause. Hanna lehnte sich in die Kissen zurjm P mit einer vornehm gleichgiltigen Miene vor sich v gwf antwortete nicht auf die scherzhaft hingeworfene!,„ßc kungen ihrer Schwester, die in ihrer Lebhaftigkeit> Seiten guckte.. ülil�' Eine Equipage fuhr dicht an ihnen vorüber; ei schlanker Mann saß darin, der sie grüßte.„ 3%#. Silvia nickte und erröthete. Sie fuhr mit ihrem# tuch gegen ihr Gesicht, als wolle sie etwas hinwegw' neigte sich hierauf lächelnd ihrer Schwester entgcgci. nci' „Ist es nicht ein sonderbarer Zufall, daß!0 es Edward überall begegnen?" c ,, wy Hanna zuckte die Achseln. Die Baronin stm*1 hat L „Er kommt auch heute zum Diner. Mo%? tK wahrlich in Seine Herrlichkeit verliebt und er M � L falls gefesselt." Sie hatte ein kurzes Lachen,„yidlU vermittelt ans dem ausgelassensten Ton in den» übergehend:„Der arme Lix, er ist Kours gesetzt und ist doch Atamas Allergetre � � wesen; ich finde Mama schrecklich unbeständig..a lachte sie. st1'1 Einige Minuten später betraten sie Hann Salon. (Fortsetzung folgt.) I doch werde bestimmt versichert, daß derselbe mit einer kleinen Majorität geschlagen sei." Und ein etwas späteres Telegramm besagt: „Nach den bis jetzt vorliegenden Nachrichten würden die Demokraten eine Majorität von über 100 Stimmen im nächsten Kongreß haben. Die„New-Aork Times" schätzt die demokra- bsche Majorität auf 151, die„Sun" sogar auf ICO." _ Das wäre allerdings eine riesige Majorität, aber man darf sich drum doch nicht allzu sanguinischen Hoffnungen bezüglich der Kinley- Bill hingeben. Auch die' Demo- 'raten sind zum größten Theil schutzzöllnerisch gesinnt, und eine wesentliche Milderung des Tarifs wird also kaum zu erwarten sein. * a Ueueste Zlachrichte». Aus Trieft wird heute tele- graphirt: „Im Garten des hiesigen Bahnhofs, wo sich das Denkmal zum Gedächtniß an die fünfhundcrtjährige Zusammengehörigkeit �.riests mit Oesterreich befindet, platzte gestern eine Petarde, ohiie Schaden anzurichten." Wird wohl ein gewöhnlicher Schwärmer gewesen sein. -alle der Telegraph sich nur mit solchen Kindereien ab- geben kann. Die griechisch-katholischen G e i st l i ch e n ? der Türkei scheinen sich über das Mißgeschick ihres Streiks mcht trösten zu können— sie entwickeln, verschiedenen Nach- richten zufolge, eine fieberhaft agitatorische Thätigkeit, um uusregung im Land zu erzeugen, und— die russischen Rubel, ie chm zufließen, auch ehrlich zu verdienen. Auch in A r- 11 e tu c n wird von russischen Agenten tüchtig oder„luftig" ewuhlt, wie der verflossene Bismarck- Spitzel Wohlgemuth I'cWauszudrücken beliebte. m..?uch einem Telegramm aus Wien scheint der deutsche m�chbkanzler nicht nach Wien kommen, sondern auf der / treffe in Kufstein mit dem österreichischen Kanzler zu- samnwntreffcn zu wollen. ,„ Wenn die Reaktions-Diplomaten, die das Gras wachsen ?°ben, hinter diesem Nicht reisen in die Kaiserstadt au m~0UQU nur keinen tiefen, die Weltintcressen berührenden «rund entdecken!- Wf �rvischen ist der russische Thronfolger glücklich rr angekommen. Ob ein ganzes Armeekorps, oder gar wie bei seinem Vater, entlang der Eisenbahn auf- ü.i rüt worden sind, um den Sohn des Zaren vor den lebesbeweiseu seiner künftigen Unterthanen zu beschützen, W f � Mbt der sonst so gesprächige Telegraph keinen Auf- l Mtz. Und das ist doch eigentlich das Interessanteste bei 1 ganzen Geschichte. Ss �beitcrsäinü-Kommil'sion. Tie Berathung wird bei L'® u. ff.(Trucksystem) fortgesetzt; die Abgg. Bebel, " buhr und Singer beantragen die Gewerbetreibenden verpflichten, die Löhne in Reichswährung zu berechnen und f*11-"�zuzahlen; Abzüge, welche nicht auf gesetzlichen Vor- .'ten beruhen, sollen verboten sein. Als Lohntag soll der Frei- "'S gelten. Abg. Schmidt- Elberfeld beantragt, daß Stoffe oder Zu- a e»:c., welche den Arbeitern zur Herstellung der Waare unter Rechnung übergeben werden, bei der Lohnzahlung zum gleichen i>ie, wie bei der Uebergabe zurückberechnet werden müssen. fiifi rJX 91lefercnt Abg. v. Stumm verbreitet sich aus- di- m"�nAich in Rücksicht auf die Grenzbevölkerung, über j ��bwendigkeit, die Löhne in Reichswährung zu berechnen; .. äu9 auf die Lieferung von Stoffen tu s. w. zum Selbst- I enpreis hat der Referent Bedenken, indem er ausführt, daß Zuschläge für Fracht- und Lagerkosten z. B. gestattet sein "ußten. Das Amendement Schmidt scheint dem Referenten nicht Eignet, die vorhandenen Uebelstände zu beseitigen. dem m t'0n i3en Sozialdemokraten gestellte Antrag wird von m. Referenten bekämpft; derselbe würde nach seiner Ansicht zur stu Stücklohnes führen und dies sei nicht erwünscht. d°r?ag�� kommend empfiehlt der Referent die Regierungs- vorl�� Schmidt berichtet über die zu diesem Paragraphen �t Agenden Petitionen und geht dann zur Vertheidigung seines (0 ra0eg über; der Redner führt aus, daß es nur darauf an- der fann' bei der Ablieferung denselben Preis zu berechnen, £ llebergabe der Stoffe jc. verabredet worden ist. er Regierungskommissar Geh. Rath Loh- daß v bertheidigt die Vorlage der Regierung und weist nach, Hilm 16 gegenwärtigen Verhältnisse die Einfügung der Bestim- §e 8' baß die Lieferung von Stoffen, Zuthaten, Wohnung, dür-/�"g f- w. nur zu Selbstkostenpreisen angerechnet werden nvthwendig gemacht haben. die h'� Aebnw spricht gegen das Amendement Schmidt, welches ** Besserung bedürftigen Fälle nicht erschöpfen würde. dieser er9 � � e»leint, daß der Antrag Bebel und Genossen an % Q»ich' passend sei; Redner will einen ähnlichen Antrag L0j,""et Stelle einbringen, glaubt aber, daß eine wöchentliche "b un9 im Handwerk unthunlich sei. Antra 9'® a r*»' a n" wünscht ebenfalls den sozialdemokratischen Loh» 9 bei diesem Paragraph auszuscheiden, da hier nicht von Aedn/'g' sondern nur vom Trucksystem die Rede ist; der J giaubt, daß der Antrag Schmidt das Bedürfniß deckt. zu ber t' 0" S' 11»'»' beantragt, die Selbstkosten im Durchschnitt &u«r, u,lb unter die dahingehenden Lieferungen auch die »g aufzunehmen. N>i»» ü Ai ö l l e r wünscht, daß die Unternehmer etwaigen Ge- Arbejt�� ben Lieferungen an die Arbeiter im Interesse der r verwenden müssen. Loh», g' Bebel begründet die Nothwendigkeit wöchentlicher Wna x g' welche in Rücksicht auf die materielle und moralische der%9 b" Arbeiterklasse durchaus nothwendig ist; ebenso weist H ntr»ach, daß ein ausdrückliches Verbot erlassen iverden ftiNiUl»� b(» Unfug, der jetzt herrscht, Lohnabzüge zur Auf- Ausist uon Kautionen u. s. w. zu machen; auch darf nach Ivette» � Redners der Sonnabend als Lohntag nicht beibehalten Aeiz?' �e-ug auf das Trucksystem schildert der Redner unter i'ünh; 9"n® zahlreicher Beispiele das Unwesen und die Miß- iveff' welche durch das jetzt im Schwünge befindliche Kantinen- Tj/�°�erufen werden._ vass»»"'Zierungsvorlage erscheint dem Redner besser als die Schmidt'schen Amendements. Abg. Kleist-Retzow beantragt bei Lieferung von Land- Nutzung die Berechnung der ortsüblichen Kauf-, Mieths- und Pachtpreise zu gestatten. Regierungskommissar Geh. Rath Wilhelms glaubt, daß der Antrag Schmidt die bestehenden Mißverhältnisse nicht beseitigen würde; der Redner behauptet, daß die acht- tägige Löhnungssrist im Großen und Ganzen bereits heut vorherrscht, bestreitet jedoch, daß es zweckmäßig sei, die achttägige Zahlungsfrist gesetzlich festzulegen; auch die Bestimmung eines bestimmten Tages als Lohntag erscheint dem Liedner unzweck- mäßig. Die Fälle, welche Bebel angeführt, fallen nicht unter die Be- stimmungen des Truckparagraphen, weil dieser nicht den Verkauf von Lebensmitteln, sondern nur das Kreditiren derselben verbiete. Regierungsvertreter Geh. Rath Königs hält es im Interesse der Arbeitgeber für nothwendig, denselben Abzüge vom Lohn zu gestatten, weil sie sich dadurch vor wirthschaftlichen Nachtheilen schützen können. Abg. Klemm ergeht sich in juristischen Ausführungen über die Zulässigkeit von Lohnabzügen. Abg. Hirsch empfiehlt zwar die wöchentliche Lohnzahlung als erwünscht, will jedoch keine gesetzliche Regelung dieser Be- stimmung; ebensowenig kann Redner dem Freitag als Lohnzahlung zustimmen, diese Verhältnisse müssen auf dem Wege freier Vereinbarung geregelt werden. Abg. Möller tritt für die Akkordlöhne als eine wirth- schaftliche Nothwendigkeit ein; Redner hält im Interesse der Unternehmer sowohl wie der Arbeiter die 14 tägige Lohnzahlung für geboten und erwünscht; zum Trucksystem übergehend, empfiehlt der Redner seinen Antrag, nach welchem der Nutzen der Arbeit- geber im Interesse der Arbeiter verwendet werden muß.« Abg. v. Kleist-Retzow bezeichnet die Regierungsvorlage als zweckentsprechend und glaubt, daß dieselbe nur einiger kleiner Verbesserungen bedürfe; dazu rechnet er den von ihm gestellten Antrag, den er im Interesse der Landwirthschaft für noth- wendig erklärt. Abg. Schmidt polemisirt gegen den Antrag Möller, empfiehlt dagegen den Antrag Kleist-Retzow; dem Theil des so- zialdemokratischen Antrages, welcher Abzüge verbietet, stimmt Redner zu. Dagegen erklärt er sich gegen gesetzliche Festlegung der wöchentlichen Lohnzahlung und empfiehlt in längeren Aus- führungen seinen Antrag. Der Minister sowohl wie der Regierungskommissar Geh. Rath Wilhelmi vertheidigen die Regierungsvorlage, welche nach Ansicht der Redner die beste Garantie gegen die bestehenden Mißbräuche giebt.--- Abg. Singer erklärt sich gegen den Antrag Schmidt. Der- selbe sei unausführbar. Redner thut dies an einer Reihe von Beispielen aus dem praktischen Leben dar, wonach wohl der Unternehmer in die Lage kommt, einen höheren Preis, als ihm die Stoffe oder Zuthaten kosten, von den Arbeitern herauszupressen, da eine Berechnung, was von den gelieferten Zuthaten auf das bestimmte Stück Waare komme, nicht ftatffinde. Tie Vorlage treffe hier weit mehr als der Antrag Schmidt das Richtige. Redner wendet sich dann gegen die Ausführungen, die gegen den von Bebel und Genossen gestelltenAntrag erhoben wurden. Von Manchesterthum sei hier gar keine Rede, es handele sich darum, zu verhindern, daß der Unternehmer mit Einrichtungen prahle, die thatsächlich der Arbeiter bezahlen muß. Auch handele eö sich hier nicht um prinzipielle Entscheidungen über das beste Lohnsystem, sondern darum, daß der Arbeiter überhaupt den Lohn wöchentlich erhalte, den er verdient habe. Man muß verlangen, daß jeder Unter- nehmer diejenigen Einrichtungen treffe, die ihn in die Lage setzen, dem Arbeiter den verdienten Lohn auszuzahlen, von der Gnade des Unternehmers und seiner Beamten dürfe der Arbeiter nicht abhängig bleiben. Des Weiteren spricht der Redner sich für die Lohnzahlung am Freitag aus und gegen das Amendement Kleist als überflüssig, ja möglicherweise schäd- (ich. Ebenso halte er das Amendement Stumm für keine Ver- besserung. Daß Abzüge verboten werden, halte er für nöthig, damit der Gesetzgeber und der Arbeiter wisse, woran er sei, und damit der Arbeiter nicht geschädigt werde. Der Arbeitgeber sei wie jeder Andere, der Klage führen müsse, auf de» Zivilweg zu verweisen. Abg. Hitze tritt den Ausführungen Singer's bezüglich der wöchentlichen Lohnzahlung vollkommen bei und empfiehlt, den Sonnabend als Lohntag z» verbieten. Abg. Bebel tritt den Ausführungen des Regierungs- Vertreters bezüglich des Kantinenwesens entgegen; dadurch daß die Unternehmer die Lieferung von Lebensmitteln übernehmen, werden die Kleingewerbetreibenden geschädigt und die Arbeiter noch extra ausgebeutet. Redner wendet sich gegen den Antrag Möller, bei welcher Gelegenheit er die sogenannten Wohlfahrts- einrichtuugcn geißelt und eine Anzahl von Arbeits- und Fabriks- ordnungen zum Vortrag bringt, welche eine sklavische Abhängig- keit der Arbeiter von den Unternehmern bedingen. Abg. Schmidt hält das System des Akkordlohnes für richtig und empfiehlt nochmals seinen Antrag. Reg.-Komm. Geh. Rath Hoff mann hält beiden bestehenden Verhältnissen Abzüge für Kantionsbildung u. s. w. für zulässig und führt aus, daß augenblicklich nur das Kre- ditiren von Maaren verboten sei, das Reichsgericht habe sich noch nicht mit dieser Frage beschäftigt. Der Redner bekämpft den sozialdemokratischen Antrag, in welchem er eine Venachtheili- gung der Unternehmer erblickt. Abg. Möller empfiehlt seinen Antrag, den er nur gestellt hat, um dem Unternehmer die Möglichkeit zu geben, etwaigen Gewinn auS der Lieferung von Stoffen u. s. w. zu Gunsten der Arbeiter verwenden zu können. Abg. Hirsch will Lieferung von Arzneien verboten haben, weil diese durch das Krankenkassengesetz genügend gewährleistet sei; außerdem wendet sich Redner gegen die Ausführungen Bebels und Singers, welche nach seiner Ansicht die Feststellung des ganzen Arbeitsvertrages dem Staate überlasse» wollen, was Redner für ein Unglück für die Gesellschaft halten würde. Abg. Bebel weist die Hirsch'scheu Ausführungen und An- griffe zurück und betont nochmals die Nothwendigkeit, Abzüge bei Lohnzahlungen zu verbieten. Nach Schluß der Diskussion nimmt der Referent Abg. v. Stumm das Wort, um die Regierungsvorlage und das von ihm und vom Abg. v. Kleist gestellte Amendement zu empfehlen. Dagegen spricht er sich gegen das Amendement Schmidt aus, weil dasselbe unausführbar sei und außerdem durch die Regie- rungsvorlage gedeckt werde. Der sozialdemokratische Antrag sei unannehmbar, weil er zur Aufhebung des Tagelohnes führen müsse; auch die Bestimmung des Freitages als Lohntag sei unmöglich, weil die thatsächlichen Verhältnisse dies unausführbar machen. Der Korreferent Abg. Molkenbuhr widerlegt die Ausführungen des Abg. v. Stumm und beantragt die Ablehnung- der Amendements Stumm, Schmidt, Kleist-Retzow und Möller, während er den sozialdemokratischen Antrag anzunehmen beantragt. Bei der Abstimmung wird der sozialdemokratische Antrag, dessen zweiter Satz, zum Zweck schärferer Fassung, vorläufig zurückgezogen wird, gegen C Stimmen abgelehnt. Absatz 1 des§ 115 der Regierungsvorlage wird ange- nomine». Bei Absatz 2 des§ 113 wird der Antrag Schmidt gegen 22 Stimmen abgelehnt. Auf Antrag Stumm wird„Beleuchtung" in die von den Arbeitgebern zu liefernden Gegenstände eingeschaltet; das zweite Amendement Stumm dem Worte„Selbstkostenpreis" das Wort „durchschnittlich" voran zu setzen, wird mit 14 gegen 11 Stimmen angenommen. Das Amendement von Kleist-Retzow wird angenommen (Landnutzung zu ortsüblichen Mieths- und Pachtpreisen zu gewähren). Amendement Möller wird abgelehnt. Bei der Gesammtabstimmung wird der so gefaßt«§ 115 angenommen. § 116 wird ohne Debatte angenommen. Die Diskussion wendet sich zum§ UV. Hierzu beantragen Bebel und Genossen: die Heranziehung der Arbeiter zu Beiträgen für sogen. Wohlfahrtseinrichtungen zu verbieten. Referent Abg. von Stumm ersucht diesen Antrag abzu- lehnen. Abg. Bebel begründet den Antrag und weist durch Bei- spiele nach, welcher Mißbrauch mit den Wohlsahrtseinrichtungen verbunden ist und wie dieselben meist die wirthschaftliche Ab- hängigkeit der Arbeiter erhöhen. Abg. Hirsch wendet sich ebenfalls gegen den Zwang, Bei- träge für Wohlsahrtseinrichtungen zu erheben, wünscht aber freie Vereinbarung in dieser Beziehung und kann daher für ein Ver- bot solcher Abziige nicht stimmen. Geh.-Rath Königs spricht gegen den Antrag Bebel und Genossen und führt aus, daß auch in der Schweiz solche Beiträge bei Vereinbarungen zwischen Unternehmern und Arbeitern ge- stattet sind. Abg. Bebel wendet sich nochmals dagegen, daß die Ar- beiter zu Beiträgen für solche Einrichtungen gezwungen werden können. Abg. Hitze empfiehlt die Regierungsvorlage und wünscht bei der Berathung über Fabrikordnungen jKautelen gegen Mißbrauch in dieser Beziehung zu schaffen. Abg. Möller erklärt sich für Zwangsbeiträge zu Fabrik- Sparkassen. Abg. Singer führt aus, daß Zwangsbeiträge für Wohlfahrts- einrichtungen nur dazu dienen, dem Unternehmerthum einen billigen Ruhm zu schaffen und ihm Gelegenheit geben, sich auf Kosten der Arbeiter zu glorifiziren; außerdem werden die auf Kosten der Lebenshaltung der Arbeiter erzwungenen Sparbeträge benutzt, um die Löhne noch mehr herabzudrücken. Referent Abg. von Stumm bekämpft den sozialdemo- kratischen Antrag, obgleich er den Ansichten Singer's über Fabrik- sparkaffen sehr nahe steht. Korreferent Abg. Molkenbuhr widerlegt die gegen den sozialdemokratischen Antrag erhobenen Bedenken. Bei der Abstimmung wird der Antrag Bebel und Ge- nossen gegen drei Stimmen abgelehnt und§ 117 in der Fassung der Regierungsvorlage mit großer Majorität an- genommen. § 118 wird unverändert angenommen. § 119: Referent v. S t u m m empfiehlt die Annahme und wird derselbe mit großer Majorität angenommen. Zu unserem gestrigen Bericht haben wir nachzutragen, daß der Abg. Dr. Hirsch zwar die Ausdehnung des Gesetzes auf die Hausindustrie wünscht, aber dafür ein besonderes Gesetz haben will und zu diesem Zweck die Vornahme von Erhebungen be- antragt hat. Nächste Sitzung morgen Vormittag 10 Uhr. Die Hilfsarbeiter im Kaiserlichen Ktatistischen Amt klagen schon feit Jahren über die Willkür und schlechte Be- Handlung seitens ihrer Vorgesetzten. Ein Hilfsarbeiter, welcher die Uebergriffe eines Sekretärs Z. zurümvies, wurde einfach für betrunken erklärt; 2 Sekretäre nahmen das an- gebliche Faktum auf ihren Diensteid, 10 Hilfsarbeiter, welche mit Recht das Gegentheil bekundeten, hießen unglaubwürdig, weil nicht Beamte. Im April 1889 wurde der Gemäß- regelte übergangen; erst im April 1890 wird er sixirt, aber nicht vereidigt, damit er wenigstens nicht die Steuer- ermäßigung zu beanspruchen hat. Bei der bevorstehenden Anstellung wird er wieder übergangen werden. Auf Be- fragen erhält er die Autwort:„Ja, der Fall Z. ist Schuld daran." Seine Bitte um abermaliges Gehör zur Richtigstellung des Thatbestandes wird vom Direktor, welcher erst kürzlich Jemand, dessen Aussage sich nicht mit der eines vereidigten Militäranwärters deckte, ohne Weiteres als Lügner bezeichnet, kurzer Hand zurückgewiesen; und Z. verhöhnt ihn als rechtlos. Wie kann er sich rehabilitiren? Andere Hilfsarbeiter erhielten im August vom Direktor die Zuschrift, daß ihnen eine Zulage von 5 pEt. bewilligt ist, adressirt an den ständigen Hilfsarbeiter N.; unterschreiben mit Fug und Recht als solche seitdem ihre Quittung, aber ein schneidiger Kalkulator hat neuerdings Vieren die Berechtigung als ständiger zu zeichnen gestrichen, die. Leute also auf eigene Faust wieder degradirt. Wer hat eigentlich im statistischen Amt zu verfügen, der Direktor oder die Sekretäre? Falscher Verdacht. Tie„Krenz-Zeitung" schreibt: „In Kiel haben die Sozialdemokraten bei den Stadt- verordnetenwahlen(vermuthlich in der dritten Klasse) mit einer Mehrheit vo» etwa 200 Stimmen gefugt. Das Beispiel von Mannheim hat also Nachfolge gefunden. Was uns bei dieser Wahl auffällt, wenn wir heute auch noch kein endgiltiges Urtheil abgeben wollen, ist der Umstand, daß der eine der unterlegenen anti- sozialdemokratischen Kandidaten, Konsul Sartori, wenn wir nicht irre», bisher stets als Führer der „Konservativen," soll ivohl heißen der Freikonservativen in Kiel genannt worden ist. Die Bermuthung— mehr ist es nicht — scheint also nicht ganz fern zu liege», daß die Sozial- demokraten nicht ganz aus eigener Kraft gesiegt haben, sondern daß ihnen andere Leute zu Hilfe gekommen sein mögen, die sich der Sache nach mit den„Singerschcn" fast in ziemlicher Uebereinstimmuna befinden, wenn sie ihnen persönlich auch nichts weniger als„grün" sein dürften. „Vielleicht sieht sich ein mit den Kieler Verhältnissen näher vertrauter Gesinnungsgenosse hierdurch veranlaßt, Ausklärung zu geben." Die„Stöcker'schen" der„Kreuz-Zeitung" mögen sich be- ruhigen— wir wissen zwar auch nicht, weß Geistes Kind der genannte Turchfallskandidat mit dem undentschen Namen ist, aber das wissen wir, daß in Kiel der D e n ts ch fr e i- s i n n(Hänel'scher Observanz) unser Hanptgegner ist, den wir beiläufig bei der uächsten Reichstagswahl aus dem Sattel zu heben haben. Was nun die„Vermuthung" eines Wahlkonipromisses betrifft, so sind bisher allerdings bei den meisten, wenn nicht bei allen Wahleil Kompromisse abgeschlossen, jedoch nie von oder mit Sozialdemokraten, sondern zwischen den Freisinnigen— oder„Singer'schen", wie die„Kreuz-Zeitung" sie mehr originell als geistreich neimt— und den Stö cker- schen. Will die„Kreuz-Zeitung" den Kompromißlern zu Leib gehen, so halte sie zunächst Musterung in den eigenen Reihen. Schöne Patrone muß es in Magdeburg geben. Lesen wir da im dortigen Parteiorgan: „Der Chefredakteur der„Magdeb. Volksstimme" speiste mit seiner Frau und einem bekannten Mitarbeiter der„Volksstimme" zu Mittag gewöhnlich in der Restauration zu den„drei Kaisern." Neulich kam der Wirth in das Redaktionszimmer und verbat sich ihren ferneren Besuch aus Rücksicht auf die andere» - Gäste, die natürlich den gegnerischen Kreisen angehören." Wie jammervoll muß es mit dem Geistes- und Bildung-- zustand von Menschen bestellt sein, die sich politische» Gegnern gegenüber so„unter aller Kanaille" betragen können! Kein Neger in Kanierun würde so unanständig sein und— so bodenlos feig. Diese Burschen glaubest offenbar, ihr Leben oder ihre Gesundheit schwebte in Gefahr, wenn sie mit einem Sozialdemokraten ani Tisch zusammen- sitzen. Oder fürchten sie gar, sie könnten dann zuni„Kamps mit geistigen Waffen" gezwungen werden?— Für die Leute dieses Schlages freilich die fürchterlichste Aussicht.— Druistfohler-Serichtigung. In der gestrigen Notiz gegen das Bennigsen-Organ muß es natürlich„krassesten Jgn o r a n z heißen, statt krassester Jgnorirung. Theater. Freitag, den 7. November. Gpernhauo. Keine Vorstellung. Schanspirlhan». Die zärtlichen Ver- wandten. Lrsstng-Thrater. Sodom's Ende. frrlincr Theater. Kea». eutsches Theater. Die Hauben- lerche. Friedrich-Milhelmstädt. Theater. Geschloffen. Mallnrr- Theater. Der Bauern- doltor. Pension Schöller. Nestdens-Sheater.- Familie Mouli- nard. UiKtoria- Theater. Die Million. tfetlralliancr- Theater. Mamsell' Nitouche. Ostend- Theater. Der Sandmann aus der Friedenstraße. Thomas-Theater. Der Wetterfrosch. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kansmann's pariets. Große Spe- zialitäten-Vorstelluug. Theater der ReichshäUrn. Große Spezialitäteii-Vorstellung. Eonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter s pariotö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andres«, Alexanderstraße 27c. Franks Scholz, Kostüm-Soubrette. Geschw. Wildenfels, Gesangs- Duetlisten. Richard Gersdorf, Sächsischer Gesangs-Humorist. Adolf Gödicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charakter-Komiker. Truppe Blumenfeld, Parterre- Gymnastiker. Ballet und Tanzseil- künstler. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 30 Pf. Rf> Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf; 50 (Stflilifewent Buggenliagen am Moritzpiatz. _ Täglich: MF* Grosses Concert. Direktion A. Rödman». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. PnfrwA Wochentags 10 Mg., Hill II Cc gönn- und Festtags 25 Pfg. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Älusschank von Patzeuhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641 F. Müller. süratweilHeBierjalle« \uß Kommandanteustr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Tuartett Sängern, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n s t l e h e n. Wochentags: Frei-Concerf. Sonntags Entree 20 Pf. 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Trepido, geritten von Frl. Oceana Renz. Austreten der Reit- künstlerinnen Frls. Lillie u. Rosa Meers, Natalie u.Zephora. Miß Zelina Zampa, Luftgymnastikerin. 3 Athleten zu Pferde von Herren Gebr. Briatore. Mr. Burnell Fillis als Saltomortales- Reiter auf ungcsatteltem Pferde. MllzepM's Moimioiü. Große historische Pantomime mit Ballet in 4 Abth. arraugirt u. infzenirt vom Direktor E. Renz. Morgen Vorstellung. E. Renz, Direktor. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Freitag, den 7. November, Abend» r/s Uhr: Grosse Brillant Vorstellung. Besonders hervorzuheben: Elagen-Caronsseincin Freiheit dress. mit ww Tollblutpferden vorgeführt von Herrn Max Schumann. Familie Leon, 5 Personen, ikarische Spiele. Mr. Achilles, als Jockey. Vier- fache Schul-Quadrille von 4 Herren. Der Cäsar-Ritt mit 12 Pferden, geritten von 4 Damen und 4 Herren. Reitkünstler Gebr. Morelli. Thomas Leon als Salto- mortal-Reiter. Das Schulpferd„Albert", geritten von Frl. Adele Schumann. MM* Original-Clown Dnroff.*UMK Equilibristin Miß Elly Footit. Reil- künstlerin Mlle.Vinella. Parforce-Reiter Herr Hesse. Ksmische Entree's sämmt- licher Clowns. Morgen: Große Gala- Vorstellung. I.Auftreten des besten Jockey-Reiters der Welt, Mr. Arsens Loyal. Sonntag: S Norftellungen, um 4 und V/2 Uhr.(4 Uhr: 1 Kind frei.) Castan's Panopticmn. Entree 50 Ufg«, Kinder 35 Pfg. |V. 9 Uhr Morgens� bis 10 Uhr Abends. Vorstellung i. U'/s it. 121/3 Uhr. it. v.4'/z-9VzUhr! stündl. eine Vorstellung.! �Ertra-Entree 30 Pfg. Kinder frei. GesAstsljllas 8. Heine Chansseestr. 14. Die schönsten Mjjttklcker inrä-Wen für Mädchen jeden Alters, soivie Morgenrölke, Unterrölke, Trikottnillen iL Blonsen, auch im Einzelverkauf sehr billig! Maaßbcftellungen u. Reparaturen werden prompt erledigt! Normal-Untcrkleider und Triko- tagen für Herren, Damen und Kinder. Strümpfe, Socken, Hand- schuhe-c. 8. Heine. em- 611 Allen Freunden und Genossen pfehle mein Tabak- nnb Cigarren-lKejlbast Skalitzerstrasse 66. Otto Jahns. Dr. Hocsch, Homöopath. Arzt, Artilleriestr. 27. 8-10, 5-7, Sonnt. 8-10. Dem Genossen Kretzer zum 33. Wiegenfeste ein donnerndes Hoch, daß die ganze Solmsstraße ivackelt. Jule, 1000 Thlr. ist zwar schönes Geld! 8. F. 178 Frau Louise Wallroth zum heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch, daß die ganze Rheinsbergerstraße wackelt und auf der Judenwiese„die rothe Fahne" weht! Lieschen verstehste? 180 Unserm Freund und altbewährten Genossen Gustav Reise zu Reinickendorf zu seinem 50. Geburtstag die besten Glückwünsche. 188 Die Genosien. Unserm Freunde und Lieferanten Julius Lindenbaum zu seinem 33. Wiegenfeste ein donnerndes Hoch, daß seine sämmtlichen Paletots und Anzüge vor Freude in der Frank- surterstraße aus der Promenade tanzen. 187] Mehrere Freunde. Unserm Genossen, dem Tischler Julius Kretzer, zu seinem heutigen Wiegenfeste die herzlichsten Glückivünsche. Jute, dann laß die Humpen frisch voll pumpen:c. 179 Die trockenen Dochte. Verbaab btMerZmmrlevte. Sonntag, 9. November, Vormittags 10 Ve Uhr: Versammlung Mariannrn Strasie Ur. 31 33. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Peus über: „Arbeit und Besitz und ihre Ehre." 2. Verschiedenes. 169 Gäste willkommen. Ilm zahlreiches Erscheinen bittet Der Torstand. Orts-Krankenkasse der Strumpfwirker. Montag, 17. November, Abds. 8 Uhr, Vrbentt.GeverklvtrMmlillig in Feindt's Lokal, Weinstraße 11. Tagesordnung: 1. Festsetzung der Vergütung des Kassenführers und die Höhe der von demselben zu stellenden Kaution. 2. Wahl des Vorstandes für das Jahr 1801. 3. Wahl des Rechnungs- Prüfungsausschusses für das Jahr 1890.' 4. Verschiedenes. Die Kassenmitglieder und Arbeitgeber werden nach§ 44 des Statuts hierzu eingeladen. 124 der Kupferschmiede Kerlin» am Sonnabend, 8. November, Abds. 9 Uhr. in den„A r ni i n- H a l l e n", Kommandanten- Kträsie Ur. 30, Tagesordnung: 1. Bortrag des Schriftstellers Herrn Pens über:„Die sogenannte Zutunftskaserne." 2. Ab- rechnung der Streikkasse vom 7. Juli bis 5. November. 3. Bericht der Reoi- soren. 4. Neuwahl der Streikkassen- Kommission. 5. Verschiedenes. 173 Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Ilm zahlreiches Erscheinen ersucht Der Einbernier. Iehlendorf. Sonntag, den 9. November, Nachmittags 4 Uhr: Grosse Volks-Versammlung für Männer und Frauen in Aichncr's Höhr, Alsenstrasie. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Wilschke- Berlin über„Volks- bildung und moderne Arbeiterbewegung. 2. Diskussion.—- Nach der Versammlung gemütbliches Beisammensein. Zu recht zahlreichem Erscheinen ladet ein 191 Der Einbernier. Nur fl Nlark. Klagen, Eingaben, Rath in Prozessen, Einziehung von Forderungen. 131 Pollak, jetzt Georgenkirchstr. 24 11, Großartige Auswahl. 10.Krrnaurrstr.10. Atze Äfentöijc KechmlW i>er soMemkr. Pttteipop W II. Berliner Wshttreists am Freitag, den 7. November, Abends 8 Uhr. im.Saale der Berliner Bockbier-Brauerei am Tempelhoferberg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl eines Vertrauensmannes für den II. Berliner Reichstags-Wahlkreis. 4. Verschiedenes. Die Parteigenossen werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. 1� Der Einberufer. Große öffentliche Versammlung der Stemmetzen u'"'"" Imgege nd am Freitag, den 7. Nov., Abends 8 Uhr, in Müller'« Salon, Johannis- Strasse No. 20. Tages-Ordnung:. 1. Die heutige Wirthschaftsweise und ihre Einwirkung auf Handwerle und Arbeiter. Referent: Regierungsbaumeister a. D. K e ß l e r. 2. Stellungnahme zur Gewerkfchafts-Konserenz. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Ginberufer. Maler. Combinirte Versammlung der Filialen Berlins am Sonnabend, d. 8. Nov., Abends 8 Uhr, bei Beyer, Alle Jakobsir. 83- Tages- Ordnung:... 1. Rechenschaftsbericht des Vorstandes über seine bisherige Thätig'�u- 2. Unsere Fachschule. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Dereins-Uorstand. I. A.: W. Schweitzer.___ Fachverein der Tischler für den Westen und Halleschen Thor Bezirk Sonntag, den 9. November, Vorm. lO'/e Uhr,_ MF" in Habel'» Kranerei, Kergmanuftrasie Ur. 5—0: Versammlung. Tages-Ordnung; 1. Vortrag des Herrn Krause über Chemie mit®Ü' perimenten. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.. Da auch der Parteitag zu Halle die Nothivendigkeit der Gewerkscha!'� Organisation ausdrücklich betont hat, so werden hiermit alle dem Verein fernstehenden Kollegen besonders ersucht, in dieser Versammlung zu erschen» und sich dem Verein anzuschließen! 166 Der Kevollmächtigte. Maurer 1 Grosse öffentl Versammlung mit Sonntag, den 9. d. M., Vorm. 10'/- Uhr, in Orschel's Salon, Sebastianstrasse No. 39* Tages-Ordnung: h sje 1. Das Verhalten der Berliner Maurer zu ihrer Organisation!»»o Beschlüsse des Parteitages in Halle. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.. Wir bitten die Kollegen, in dieser Versammlung recht zahlreich ersche' zu wollen.— NB. Etivaige Monitas über die letzte Abrechnung vom@6" fonds werden in dieser Versammlung entgegengenommen. 167 Ter Einberufer: Carl Weiße, Teglerftr. 27. Freie VereimgiiW her Vliilurbeiter Berlins. Am Sonntag, d. 9. Nov., Vormittags 11 Uhr, in Scheffer s Salon, Inselstrasse Iß" ÜP Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes und Fra gekäst Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Eröffnung präzise 11 Uhr. Der Dorsta»�' muS Alle diejenigen Mitglieder, welche laut Beschluß der Generalversainn � vom 27. Mai d. I. mit der Exrrasteuer für die Monate Juni, Juli,-l September noch im Rückstände sind, werden hiermit aufgefordert, ihren pflichtungen nachzukomnien, widrigenfalls dieselben nicht mehr als vollberew Mitglieder anerkannt werden. 171 Der Dorstand. Krrder'sche Derlagahandluiig, Freiburg im Breisgau. Soeben ist erschienen und durch alle Buchhandlungen zu bezieht' Der Sozialismus. Eine llnterjnllinng seiner ßniiiüliip u. Znrchsnhrbgrkeit' Bon Victor Cathrein S. J, Jwrite«>»» r r ä» d e r t r Auflage. 8". i\ III u. 1 IG 3.) 1,20 M. Verantivortlicher Redakteur: Kurt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Klar Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Kirr«» eine Beilage zum Berliner Nr. A«0. Freitag, den 7. November 1890, 7, Jahrg. Krlefe aus Italien/) Mailand, den 3. November 1890. I, n Abends endete nach zweitägiger Sitzung ein hier zu- �mmenberufener Kongreß des Arbeiterbnndes: Partito e r a i 0_ i t a, 1 i a n o, umfassend 130 Arbeitervereinigungen, j,: ,"011 105 anwesenden Mitgliedern vertreten waren. Es gelang Ii* Kongreß, in welchem also das der radikalen bürg er- ü n' e n Demokraten sich zuneigende Element des Consol a t o Slplti a' 0 milanese fehlte,«der Leser erinnert sich, daß ein >mt-. �lzungsversuch mißglückt ist), die auch diesmal wiederholt .'"''ommeiven Störungen und Durchkreuzungen von Beschlüssen . anarchistischer Vertreter fern zu halten oder zu besiegen. g r geben die endgiltig gefaßten Beschlüsse in ihrem wesentlichen i~ mit einigen Bemerkungen zum Schluß— im Nachfolgen- den wieder Tagesordnung: . 1. Nothwendigkeit, den Bund Partito operaio itahano auf alleinigen Grundlage des Widerstandes zu organisiren. Beschluß. % Der Widerstand gegen die Kapitalisten ist das kennzeichnende �srknial der Organisation des Bundes Partito operaio itahano, Txl nur durch diesen Widerstand die Arbeiter ihre Stellung als Ausgebeutete verbessern können.— Die Streiks sind die materielle Kundgebung dieses Widerstandes auf den, ökonomischen Gebiete. i« Hser siegreichen Durchführung müssen alle Zlnstrengungen der enosseu des Bundes vereinigt sein. Alle Sektionen des Bundes bu° daher für die Streiks und ihre Opfer zur gegen- ICitlno /*.. r. i———■- f| y- d• o'" ftiii?! verpflichtet und sie werden die Organisation dieser 'NNstung in ihre Statuten aufnehmen. Können die Zlrbeitsbörse n�) ein wichtiges und i-�i�uswerthes Ziel für den Bund Partito operaio lano sein V Beschluß. „ Vorausgesetzt und in Rücksicht darauf, daß die Arbeitsborse» , schließlich bestimmt sind, die Interessen der Arbeit und der Arbeiter gegen das Kapital wahrzunehmen und zu schlitzen, dap °en diese Einrichtung nichts anderes als der Arbeilsmarkt sein "»n und seiii soll, erkennt der Kongreß an: z. Tie Arbeitsbörsen können ein wichtiges nnd erstrebenswerthes d>el für den Bund Partito operaio itahano werden, wenn sie ? sich alle Formen(Gattungen) der Arbeiter-Organisationen l?M»ieln und vereinen, nnd er beschließt, krästig in eine Agitation ""zutreten, ilin Arbeiterbörsen in Italien zn begründen und zn "'»ehren... « j-dM'S. Arbeitstag und die allgemeine Kund- Beschluß. liitjii Anbetracht, daß der achtstündige Arbeitstag, ohne Ver- hu»- � heute bestehenden Lohnes, zunächst deii Eintritt großer, iiiib o �beitsloser und immer mehr verelendeter Massen in Arbeit »"u nothwendigen Folge haben muß, daß die hierdurch hib s �üftigung der Arbeiterklasse wiederum der Industrie oL, f 11 Handel beleben muß, der heute durch die chronischen Hz.Wwährenden Krisen infolge der Ueberproduktion bei ll,12 Mundiger Arbeitszeit versumpft und versandet, „ occh ferner die Verkürzung der Arbeitsstunden auf täglich HL stunden die ganze Arbeiterklasse intellektuell und moralisch 'ie ihr die so nothwendige Zeit giebt zur Erziehung und L ch'9 und es ihr so möglich macht, mit Bewußtsein an |" M WWWM der großen sozialen Probleme unserer Zeit mit- srrner diese Forderung auch von der Wissenschaft der �iaiigt wj �i'""�i)eitspflege aufgestellt und als unabiveislich i>eni Brief aus„Italien(Italien vor den Wahlen" Nr. 255 fe!."ner Volk-blatt" am 1. November muß es im 2. Absatz kei,: »i>b"�.die Hauptbedingung für die Wahlberechtigung(aktives ! z„ h j Wahlrecht) das Lesen und Schreiben- f'Iat l die zu gründende Arbeitsbörse in Mailand * m späterer Bericht. . Tlxeskev. iten„..ug Theater. Sodom's Ende. Drama in fünf Lz r- Hamann Sudermann. ist ein unerbittlicher und ein gerechter An- • w Pkaidoyer war glänzend, beweiskräftig, überzeugend. Awül Geschichtsperiode zur Rüste geht, die Luft gewittcr- Amm,, x' un®"lle Gemüther, auch die verhärtesten, die Zutttw;«„!f mahnenden Verhängnisses durchzittert, dann fliegen ftiirf.. uf«, welche die Katastrophe verkündige», dann werden ri.e�en' wie„Sodom's Ende". Der Dichter, der solch 'Hubert Ü Anklageschrift wider das Bestehende in die Well Ab fe:T1'.bat etwas verspürt vom Wehen der kommenden Zeil, As. dnz Dhr vernahm den wuchtigen Schritt des Schick i A/rbon'.Aetiicr Rücksichtslosigkeit die alten abgelegte» Formen Balten„..Ablagen wird, um neue Bildungeit, um lebenskräftige AAflnclie h,,;.'V')'. bie schaltenhafte Satire, welche an der t» r Zwar»iemals den Kern des Wesens herausschält ijApvttet Alei Schäden und Mißstände bloslegt und kvA F0'rn�°;lr sich mit ihnen als den unvcrmeid- g.AMUin aan?chsm ungen einer an sich recht angenehmen i.,'»e, in.rT Das war eine Abrechnung mit der Bour- -i.Anen- � mit unbarmherziger Genauigkeit die Zahlen- das Ü. wejs'"Mirt und das vernichtende Fazit ungescheut zu «In?obesurtnei!n, dieses Fazit auch den endgiltigen Bankerott. low �rech, Heil bedeutet, vor dessen Vollzug kein Privileg, kein em!S?Nde» schützt. Wenn durch irgend einen Zufall de» wAW w«.�� chtern alle Geschichtsurkunden über unsere Zeit di»� ein fs,,Aeii außer dem Germinal und Sodoms Ende, so hjeii Sgru. Met der Geschichtsschreibung wohl im Stande, aus Ostn f,il.en ein Skelett der Vergangenheit in kräftigen >» x�efchj�AAllen. Sudermann liefert einen Beitrag zur Ünt/ Heust! besitzenden Klasse, welcher deren ganze Position W["chtinn Beleuchtung rückt, und das Endergebniß seiner Sii;' tÄ gipfelt darin, daß diese Klasse ihre Zeit erfüllet i'im ,? der nv c ms innerste Mark vermorscht, unfähig zur Zbtern �°ben, weltbewegenden Kulturfragen iliid somit reif bebj�e«rlw sei. O�aenT;""1"� des Poeten, daß die sozialen Lebens- "iffen eMet s? �"?thwendig bestimmen, daß die Politik und »»b mwutjc, Achse in den ihr eigenen wirthschaftlichen Verhalt- fpst baß der Einzelne unter den, Einfluß der Moral A b>. iefite» m!5 Kaste handelt, und daß die Einzelschuld in "de, � flefeiiri�AMbe nur eine Kollektivschuld ist,— diese Einsicht ---'-—«-——-p,,» nrtfn bqZ°Mchaktl�»"«------.. ®l|rct)fcf,%-n Zusammenhänge hebt Sudermann hoch �lchnitt-maß der bürgerlichen Dichtung hinaus und daß endlich diese Verkürzung des Arbeitstages ein, wenn auch indirektes Mittel seiil kann, zur Ver- gesellschaftung der Arbeitsinstrumente, ein Ziel, Ivel- ches die Arbeiter nie aufhören dürfen, mit allen ihren Kräften zu erstreben�— denn die Arbeitsinstrumente, die Maschinen, sollen eine Erleichterung der Mühen für den Arbeiter sein, nicht wie heute ein Mittel der Ausbeutung des Arbeiters und des Ge- ivinnstes für den Besitzer der Maschinen; sie sollen, an Stelle, daß sie heute dazu dienen, den Arbeiter brotlos zu machen, die ganze Klasse der Arbeiter zu einem höheren Kulturzustand erheben, was nur geschehen kann, wenn sie Eigenthum der organisirten Gesell- schaft werden, erklärt der Bund Partito operaio, daß die Nothwendigkeit solcher Umgestaltung den Arbeitern als organistrte Klasse besonders nachdrücklich vor Augen zu halten sei nnd beschließt: Der erste Mai soll ein Festtag sein für die Arbeiter der ganzen Welt. Alle Einzelvereine des Bundes Partito operaio itahano werden daher diesen Tag als Festtag feiern in einer Weise, die des Rechtes der Arbeiter auf Bildung und Freiheit würdig ist. 4. Praktische Mittel, um die Organisation des Bundes Partito operaio italiano unter den Landarbeitern auszubreiten und zu entwickeln. Beschluß. Ter Kongreß erklärt: Wo immer möglich sollen in den Einzelgliedern des Bundes besondere Abtheilungen zum Zweck' der Propaganda unter den Landarbeitern gebildet werden. Zu diesem Behuf wird von jedem Einzelverein ein besonderer Bei- trag festgesetzt, um unter den Landarbeitern für die Ausbreitung der Grundsätze des Bundes eifrig thätig zn sein, Anhänger, Freunde und Mitkämpfer zu werben. Auch die Frauen frage«(welche für die Landarbeiter der Lombardei eine besonders wichtige Bedeutung hat) soll der Gegenstand steter Bemühung und öffentlicher VerHand lungen sein. 5. Die Kooperativ-Genossenschaften und ihr Berhättniß zu dem Bunde Partito operaio italiano. B e s ch l n ß. Ter Kongreß, welcher davon ausgeht, daß die Arbeiter- bcwegung als Befreierin der Arbeiterklasse in allen Dingen wesentlich einen antikapitalistischen Charakter haben muß, erklärt: Die Kooperativ-Genossenschaften können thatsächlich immer nur eine u n v o l l k o in m e n e Anwendung der Grundsätze einer wahren Arbeiter-Genossenschast bilden. Denn sie können sich nie gänzlich von den kapitalistischen Formen befreien, welche das SyMm des Vorrechtes jedem Handels- oder Jndnstrie-Unternehmen heutzutage nothwendig auferlegt. Weil aber der Kongreß in den Kooperativ- Genossen- schaften die Bemühung tvürdigt und wohl anerkennt, sich der Herrschast des individuellen Kapitals zu entziehen, giebt er die folgenden Bedingungen an, unter denen diese Genossen- schaften der Arbeiterbewegung von Nutzen sein können. I. Die K o n s u m- Genossenschaften dürfen keinen irgendwie spekulativen Charakter haben, sondern einfach Einrichtungen zum Austausch von Waaren für die Genossen sein. II. Tie Produktiv- Genossenschaften haben das kapi- talistische System der Dividenden abzuschaffen. Alle in diesen Genossenschaften beschäftigten Arbeiter müssen als Antheilhaber betrachtet werden nnd als solche in gleichem Maße mit den übrigen Beitragenden an allen Vortheilen des Unternehmens 'Anrecht haben. III. Alle Kooperativ-Genossenschaften haben ihre Zugehörig- keit und ihre Antheilnahme an der Arbeiterbewegung durch Gewährung ihrer Lokale sowie durch Beiträge zu bethätigen. IV. Insbesondere müssen sie den Opfern von Streiks ihre Hilfe gewähren. V. Sie müssen auch theoretisch, soviel sie vermögen, durch Vorträge, Veröffentlichungen nnd Erklärungen ihre Gegnerschaft gegen das kapitalistische System kund thun. VI. Alle diejenigen Kooperativ- Genossenschaften, die darauf angelegt sind, ihr eigenes Kapital zu vermehren, müssen wenig- stens eifrig bestrebt sein, zugleich die Zahl der Genossen zu ver- verlieh ihm die Kraft, nicht etwa ein landesübliches Sittendrania, sondern ein wahrhaft soziales Drama zu schreiben. Ter junge, hochbegabte Künstler, der in die Netze einer großbürgerlichen Sirene verstrickt wird nnd der, angefressen von der Verderbniß, die alle Glieder dieser Gruppe ergriffen hat, elend zn Grunde geht und die, welche ihm am theuersten sind, mit sich in den Abgrund hineinreißt, ist ein markanter Typus, den unser Dichter mit scharfem Auge erfaßt und in packender Lebendigkeit abgeschildert hat. Haltlos schwankt er, be- trogen um seine Ideale und seiner Schaffenskrast beraubt, von Entschluß zu Entschluß, von der Schwäche zum Verbrechen, nnd da, wo er rein zu handeln gedenkt, verwandelt sich krast der nirchtbaren Gewalt, die seilt Sein und Denken beherrscht, alles zum Gemeinen. Für ihn giebt es kein edles Wollen mehr, und was so scheint, ist nur das Leuchten der Verwesung. Durch alle Ritzen und Poren dringt unaufhaltsam der Anstecküngsstosf. er ergreist das unschuldige Mädchen und er verwirrt eine liebende Mutter, er verwüstet alles, was in sein Bereich kommt, er zer- setzt die Gewissen und zerstört altgewohnte Ideen, er ivirkt mit imgeschwächter Krast, bis die Auslösung des sieche» Gesellschasts- körpers sich vollzogen hat. Der Ehebruch wird zur gesellschast- liehen Institution, und die herrschenden Klassen, Erpächterinnen und Schutzpatroninnen der ins Gedrä« ge kommenden Sitt- lichkeit, ergänzen die Käuflichkeit der Frau durch die Prostitution des Mannes, und schaffen die Gestalt des hoinrne sovitenu, der männlichen Dirne, dieses neue Jnventarstück kapitalistischen Familienglücks, dessen heiligen Frieden das verruchte Proletariat.gefährdet. Mit festen Strichen zeichnet Sudermann die gräuliche Herrschaft des unterdrückten Weibes im Reiche der Bourgeoisie, des Weibes, das die„Feinen und Reichen" zwar nicht emanzipiren, aber zur vergötterten Haremssklavin machen, die mit Juwelen und Herzen, mit Menschenwürde und Menschenglück ihr schnödes Spiel treibt. Was für Vertreter der oberen Zehntausend zeigt uns Sudermann! Zügellose Genußsucht, schale Blasirtheit, hoffnungsloser Zu- sammenbruch einer Weltanschauung, welche den Stempel der Ge- meinheit an der Stirn trägt, das sind die kennzeichnenden Merk- male, die uns unverhüllt entgegen treten;„Bestien" und „Hallunken", das ist der Fünftelsast, zu welchem der Held seine Erfahrung über sich nnd seine Klassengenossen destillirt. Der Pessimismus, der sich keine Illusionen über den Stand der Dinge macht, entbricht sich nicht, auch das klein- bürgerliche Idyll, so rührend es erscheinen mag, zu zer- stören: der Grund, auf welchem es ruht, ist unterivühlt, und die erste beste Flattermine irgend einer gewissenlosen Kokette sprengt es jählings in die Luft. Diese alten Janikow's, die sich für ihren Liebling placken und mühen, sind ein kollektiver Vater Goriot, dessen tragisches Geschick der Meister der Seelenmalerei, Balzac, so ergreifend uns erzählt hat. mehren, um so die Grundsätze der gesellschaftlichen Theilhaber- schaft zu fördern und nicht das Prinzip des kapitalistischen Einzel- besitzes zur Herrschaft kommen zu lassen. VII. Alle Angestellten, Beamte, Verwalter und Direktoren von Kooperativ-Genossenschaften müssen Arbeiter sein. Zum Schluß wird das Zentralkomitee des Bundes Partito operaio italiano mit seinem vorläufigen Sitz in'Alessandria von der Versammlung bestätigt. Der Kongreß zeichnete sich sehr vortheilhaft vor früheren durch Ordnung und würdige Haltung bei kurzen Debatten, durch Ernst und Ruhe aus. Es war,' als ob der Eindruck des deutschen Parteikongresses zu Halle überraschend sichtbar seine Wirkung aus- übte. So gelang es auch, wie erwähnt, lei "-..«»Hiß yuii cm"�cycimmp. ä/wuu vnv........ wurden sie zwei Sterne erblicken; wenn der oberste Stern eimge Minuten lang angesehen wäre, müßte das Auge plötzlich auf dti> anderen Stern gelenkt werden, dann würde"sofort„das Gottes" erscheinen. Und während die neugierig gemachten LeB das Kouvert öffneten und die Sterne firirten, verschwand du Sendbotin unter höflichen Verbeugungen, und mit ihr schwanden einige neue Stiefel im Werthe von 30 M., wie sich später herausstellte. Und zu derselben Zeit offerirte in den geg� -...... t v in' ju.. Äftetet IflVitV Qir vvfc|v»vviv' ,rf. rj)r überliegenden Geschäftslokalen� dasselbe ein � Mann, der wahrscheinlich der Vater des Mädchens war den letzt die Polizei ebenfalls fahndet.'Allem Ansche"' nach ist es eine ganze Familie, die aus diese Weise Leichtgläubige zu prellen versucht. ,..Auf welche Weise die bürgerlichen Zeitungen, und heerin sind be>onders die der Deutsch„Freisinnigen" Partei groß ihre Niederionen zu verdecken suchen, wie sie bei einem Rückgarg ihre Niederlagen zu verdecken suchen, wie sie bei einem Ructg'» gegenüber der Sozialdemokratie allerhand Entschuldigungsgru vorbringen, erhellt deutlich aus einer Notiz, welche die„ Ztg." anläßlick) des Sieges der Genossen H e i n Z tf und Brodhahn in Kiel bei den dortigen Stadtverordnete»' Wahlen bringt. Ihr„eigener Drahtbericht" lautet: „Infolge der mangelhaften Veranstaltungen, daß»ber 8000 Wähler in einem Lokal in der Zeit von 4 Stunden wähle» sollten, siegten bei den Stadtverordneten-Wahlen die Sozi»'' demotraten Heinzel und Brodhahn, welche 1391 und 1384 Stimme» erhielten gegen 1144 und 1147, welche auf Satori und Direktor Ahrens fielen." Was nun zunächst die Unzulänglichkeit des Wahllokals un° die Kürze der Wahlzeit anbetrifft, so fragen wir das Fortschritt?' organ, ob es denn nicht seine eigene Partei ist, die hieran?' Hauptschuld trägt. Ob aber im anderen Fat'e das Resultat!» die Vertreter der„Ordnung" günstiger ausgefallen mär- das ist eine Frage, die wir ganz entschieden mit beantworten müssen. Erstens, haben unsere Genossen einen I großen Vorsprung, daß die Herren Freisinnigen bei einer längere Dauer des Wahlakts sehr angestrengt hätten arbeiten müssen,»i» Cäov.im'Vhl'flf.Y'o« iirtvt föfTttinmiofi im2■nrtrfijiifnmttlßn. durch Heranschleppen von Stimmvieh uns nachzukommen, w1"" aber glauben wir, daß wohl hauptsächlich Anhänger unsere» Partei es gewesen sein dürsten. die durch die Unzulanglidp >,«.? Onr„rs ho,- iriis.thmi,, cm-iMrerfita nehtnDert ivurd des Lokals an der Ausübung ihres Wahlrechts gehindert wurov» Unstreitig würden tausende von Araeitern bei einer Ausdehn»»» der Wahlzeit erst Gelegenheit finden, am Wahltisch zu erschein?' denen dieses jetzt nicht möglich ist. Ter behäbige Bourgeois ---------- tr v— n— rvitff«..— forft.• gegen' bürff/ wohl ln ben Mtenstea �aeff nnhinbertleW,.,; den vier Stunden wählen zu gehen. Und aus diesen«r l rekrutiren sich doch wohl in den größeren Städten fast ausfcy..� T z sii» frZ4-", 4« av««a*** unö«Rcition• sich die„Stützen von Eigenthum", yamme uno vcauuu.„ loeiß ia auch die alte Tante ganz gut, es ist ihr auch mit"»� Abänderung des Wahlsyftems schwerlich ernst. Ihre obige Ae»? riing ,st einfach nur als ein Ausfluß ihres Unmuths über b Nieverlage zu betrachten. Sollte sie aber wirklich für eint anderung des Wahlzensus eintreten wollen, wir werden die Er» sein, welche ihr hierzu die Hand bieten.(S. unsere Korresp°n°'" aus Kiel.). Die Lokalkommissto» von Tempelhof macht Folge»° bekannt: Arbeiterblätter liegen nur aus: Bei den Restaurateuren Wiegandt, Ringbahnstraße, muh:) So#«*'- ""• Müller, Berlinerstr. 41. damck sich weigern, ihre Säle herzugeben, dekannt'zu geben Genossen sich darnach richten können: Nieke, Berlinerstraße. Trinkaus, Birkenwäldchen. T e i ch e r t, Berlinerstraße. T i l l m a n n, Berlinerstraße. Der sogenannte Köpnicker Aufruhrprozeß, & bereits im Oktober zur Verhandlung gelangen sollte, aber»* � werden mußte, wird nunmehr am 24. November und den 1 *«■ ers». C._____ trXr+ilIlW Ivecven mupic, lUitu uuumcy», um Ätt. vtvucmvct w ,p. den Tagen zur Verhandlung gelangen. Tie hauptsächlich Erledigung dieses umfangreichen Prozesses angesetzte äußerer � liche Periode des Schwurgerichts am Landgericht Ii. zwar bereits am 17. d. M., da jedoch noch andere sp»»7Lchl Sachen vorliegen, so werden diese zuerst zur Verhandlung g»» damit für den Köpnicker Prozeß, dessen längere oder»» ugi Tauer vorher nicht mit Sicherheit abzumessen ist, der» � f—--- f. x /ta C", SvamTaT U/«v* Spielraum bleibt. Es sind für denselben fünf Sitzung�us») p Aussicht genommen, doch kann es sein, daß derselbe bere>� zwei_obci drei Tagen zu Ende kommt.„,a(» v.~ I j U------—.......,.,- nip Die Hrleidiguugsklage des Pfarrers Mitte <—-"—-"- K— f—f. � v.a /7t— 1 J. 4-�•«.. � Ar'1 jg, den Hofprediger Stücker, welche die Gerichte und dle � -•/ � r„.-/..—. d f i f j* i t. f_. fl r II VV»l«V'f I t-'k V v—/* v V»»-,-�.v-.. U»'" lichkeit schon so häufig beschäftigt hat, hat heute durd> eine' � >>Dn an ßht/mho nof Verg� den größten Schwierigkeiten zu Stande gekommenen Vergl. ..........'■. � Verhandlung f°>.>dj% ehrliche-, Begrabniß gefunden. Tie---------------,____._ Schöffengericht unter Vorptz des Amtsrichters Felisch I'.l- beide Parteien, der Pfarrer Witte und der Hosprediaer©1° rft1 waren persönlich zur Stelle, mit ihnen ihre Amvalte s a? Es handelt fich um einen von der .Aas Volk vom 16. Februar 1889 veröffentlichten Artikel A — �.... v ,1', Witte'sche» Haupt- und Staatsaktion",, in welchem dem Z- Witte der Vorwurf gemacht worden, daß er nicht ehtmy„ü, Stöcker verfahren sei,.es wurde von„Witte'schen Klatlfj) „vorher beabsichtigtem Spiel" u. vgl. gesprochen. Der Vo „——---------------------o o-.r---,---- machte von Anfang an Vergleichsvorschluge; dieselben"r# jedoch zurückgestellt, da beide Parteien ein Juteresse data» y alle Vorgänge, die auf das feindselige Verhältniß der Kik Amtsbrüder Bezug haben, noch einmal in ihrer historisch»».,11» ....."-----••••"*-----.-.»rOtD»1:,;! v v v v*• u• rj v w■','■*-/.........—• v v i rti*Dv' ,1' Wickelung klargestellt zu sehen. Es war dies eine äußere mühsel'ße und zeitrönbende Ausgabe, in welch« sprechende Auffassung von den Dingen und gerichtlichen u[t, r.. e.• j. v____ t._____ i___ ot.___-.." welche seit dem bekannten Prozeß Stöcker-Bäcker und dann% Urtheile desselben erwähnten streitigen Brief Stöckcr's n» jZit - die Erscheinung getreten sind, wiederholt recht einander platzte. Alle diese Angelegenheiten sind 1° jf' und auch so wenig erquicklich, daß wir über diesen 0«%� der Verhandlung hinweggehen können.— Bezüglich p»*. f., nirten Artikels selbst ist lolgeudes zu erwähne». Ps?»,.�i» L hatte erst durch die Verhandlungen vor dem Konstst»:.,ö fahren, daß Hosprediger Stöcker der Verfasser des At* ,fch: sein diesbezüglicher Strafantrag wurde aber von der.»' unter den» Gesichtspunkte der Verjährung, ansch«'» Aenderungen an dem Artikel vorgenoinmen habe un��l oder schriftlich dem Pfarrer Witte den Vorwurf Wj � V .....--- t habe. wolle», daß er ein falsckies Zengniß abgelegt. kriminirten Artikel habe er sich nur gegen die„infame, und schamlose Presse" wehren wollen, welche aus- Wltte'schen Broschüren ein wahres Kesseltreiben auf ihn crossnet h?be. Im übrigen müsse er sich darüber wundern, daß hier wegen °mer einzigen Beleidigung Anilage erhoben worden sei, wahrend Pfarrer Witte in seinen Broschüren Hunderte von Beleidigungen Ssgen ihn geschleudert habe.— Pfarrer Witte erwiderte, daß buser Artikel nur das Glied eines ganzen Systems sei, welches 's darauf abgesehen hatte, ihm seinen ehrlichen Namen zu nehmen und es so hinzustellen. daß er in doloser Weise die T'nge verdunkelt und im Widerspruch mit seiner Eidespflicht den Gerichtshof absichtlich irregeführt habe. Das konnte und durfte er sich nicht gefallen lassen und deshalb habe er die Bro- Küren verfaßt.— Regierungsassessor Raetzell erhob aus wrund dieser beiden Broschüren die Widerklage und dieselben Wteu zur Verlesung gebracht werden müssen, wenn nicht die �ergleichsverhandlungen von Neuem begonnen Hütte. Pfarrer jWtte sträubte sich erst energisch gegen einen Vergleich, auch nach- b'm ihm der Vorsitzende vorgeführt, daß vielleicht die Sache so ablaufen könnte, daß seine Klage als verjährt erfolglos bliebe, er dagegen wegen der Broschüren verurtheilt würde. Pfarrer Witte Mlärte sich schließlich zu einen, Vergleiche bereit, wenn Stötter alle Dinge widerrufen würde, die in dem Artikel stehe», dagegen uerwahrl sich wieder Hofprediger Stöcker und verlangte, daß Witte den gesammten beleidigenden Inhalt seiner Broschüren zurück- nehme. Nach einen längeren Hin und Wider, drohten die -oergleichsverhandlungen an der Kosten frage zu scheitern, aber dieser Stein des Anstoßes wurde dadurch beseitigt, daß schließlich— beide Vertheidiger vortraten und steh zur persönlichen Uebernahme der gerichtlichen Kosten bereit erklärten. Darauf hin kam endlich folgender Vergleich zu Stande:„Verde Parteien erklären, daß in den gesannnten zwischen ihnen vor der 7-efsentlichkeit stattgehabten Auseinandersetzungen Keinen von 'hucn die Absicht inne gewohnt hat, die Person des Gegners krankend anzugreifen, daß es sich vielmehr nnr um Zwrstigkeiten sachlicher Art gehandelt hat. Es wird beiderseits auf gerichtliche Persvlgnng etwaiger gefallener Beleidignngen verzichtet und Klage und Widerklage zurückgenommen." ?Ii» kU—li J —..... v v«••>>•> v v i» i-«u i a'(imi««» an"11' juegeu ganz gleicher Betrügereien vor der dritten Strafkammer des •«-(mbgerichts I. In diesen Fällen war noch eine dritte An- geklagte, die unverehelicbte Henriette Barann, betheiligt. war dies ein junges Mädchen, ivelcheS von den beiden Mit- angeklagten in eine von den beiden letzteren ausgestatteten Wob- nung gesetzt worden ivar. Da die Barann polnisch sprach, hielten die Angeklagten es für angemessen, eine Anzeige zu veröffentlichen, wonach eine„junge Polin" schleunigst ihr werthvolles Mobiliar zu Spottpreisen veräußern müsse. Es meldete, i sich Käufer in Menge, am ein Geschäft zum Abschluß, so sahen_ die Käufer luh betrogen. Eine Frau, welche das für fie so unvor- cheilhafte Geschäft rückgängig gemacht haben wollte, wurde von der ArmoN"«!«.—— cmitt.— VT-------«"-t----- .-- I,v„|, �vwv*t f«VMfcVW VV.. Angeklagten Ludwig unter Mißhandlungen zur Wohnung ?.'ransgetrieben. Der Angeklagte Bensch behauptete, daß die vor- "�Senden Fälle ihn nichts angingen und daß die Ludwig diese �'schäste für eigene Rechnung gemacht hätte. Ter Gerichtshof Veit in den vorliegenden Fällen nur die Angeklagten Ludwig 3 sm �arrann für schuldig, die Erster« wurde z» 1 Jahr „ 0 n« t e n, die Letztere zu 3 Monaten G c f ä n g n i ß " u r t h e i l t. feiten Ivar ein Schöffengericht in der Lage, ein so sj,'5 Urtheil zu fällen, wie gestern die 83. Abtheilung. Aus .»f.'lntersuchnngshaft wurde der L3jährige Friedrich G i e s e vor- shluyrt, der durch eine unerhörte Rohheit ein Menschenleben in bt, m gebracht hatte. Der Angeklagte wurde eines Abends von �? Partier Salzmann dabei ertappt, als er den Hof des Hauses, 'iafes von letzteren, verwaltet wurde, verunreinigte. Von dem ir», S? bur Rede gestellt, griff Giese diesen thätlich an. Die Ehe- l% Salzmann, welche ein kleines Kind aus de», Arme trug und .. fachst ihrer Niederkunft entgegensah, trat zwischen die Strei- .um sie zu trennen. Der Angeklagte wandte steh L5?n die Frau, ergriff sie und warf sie hierauf mit Gewalt zu Boden. Frau Salzmann ist durch «�' Mißhandlung in große Gefahr gerathen. Das herbeieilende iv'.fskum wurde gegen den Thäter dermaßen empört, daß es ihm »nachß eine harte Lynchjustiz angedeihen ließ und ihn dann zur Gi"7? brachte. Ter Gerichtshof ahndete die Rohheit mit einer ' t a n g n j ß st x n f e von L Jahren G Monaten. bei, Urbergviffe eines Sicherheitsbeamten han- vo??'n'luer Anklage wegen 5törpervciletzung, die gestern ß-�,. der vierten Strafkammer des Landgerichs 1 gegen den Srii-il Pächter W.Makrntzkizur Verhandlung gelaugte. Der r�.bmachermeister L ehmann, der von demAngeklagtcn eine höchst ©nl"-e')n"btuiig erlitten hat, gab folgende Darstellung von dem t�.�'rhalte: In der Nacht zum 17. März sei er mit zwei Be- anbo durch die Bülowstraße gegangen. Hinter ihnen gingen - ihnen völlig unbekannte Personen, welche lauten Lärm „e..?�.Bald darauf kam infolge dessen der Angeklagte herbei- der m>-?ie Ruhestörer zogen es vor, die Flucht zu ergreifen und n.-,, Pachter mochte wohl in dem Jrrthum befangen sein, daß btnn nn k>nd seine Begleiter zu derselben Gesellschaft gehörten, forb- n ergriff einen von ihnen, den er auf- sei»» m m't zur Wache zu folgen. Lehmann sprach or>« Verwunderung darüber aus. worauf der Er- bemjilt fich plötzlich losriß und die Flucht ergriff. Jetzt clei,?.- Ate der Angeklagte sich des Zeugen Lehmann, den er Zur Zupackte, daß ihm der Kragen zerriß und seine Kravatte der«�dr fiel. Lehmann verlangte eine schonendere Behandlung, h.,.. Achter zog aber die Nothpfeife, ein zweiter Wächter eilte k-��und nun zog Lehmann es vor, gutwillig zu folgen. Auf biö s.unklen Flur, der zur Polizeiwache führte,' wurde Lehmann er n r°f>ue jede Veranlassung von dem Angeklagten geschlagen, aitp.t versucht wieder zu schlagen, wurde daran aber von dem him„ff Angeklagten sind den herbeieilenden Schutzleuten ver- 'rr. Der Annekkira»-« b->t»> hmhei oenifen:„Der Kerl will den Schutz- »>it d?' A,".. Angeklagte habe dabei genifen:„Di leutx., siechen!" Ter Zeuge sei darauf mit..„ von m,,. �f'ppe hinaufgegangen und nun sei der Angeklagte de»,-»neoer auf ihn losgestürzt und habe ihn mehrfach mit ürztkin-. 5. Üsgen das Treppengeländer gestoßen. Nach dem �ps M h�t Lehmann eine klaffende Wunde an. Hinter- »es(M® �er Angeklagte bestritt, daß er der Augreffer ge- funce» fkch vrelmehr nur im Zustande der NotHweHr ve- Anaekri. /»ahrend die Zeugen bei ihrer ersten Vernehmung den ei»e»Pen belastet haben, gaben sie in der Hauptverhandlung der dfstiudcrung ihrer Wahrnehmungen dahin, als könne durch»9e fich durch Stolpern auf der Treppe und m.:,' Gegenschlagen des Kopfes gegen einen Treppen- b>e Wunde zugezogen haben. Ter Staatsanwalt ß-Lana»n f'.chd' daß der Angeklagte vielleicht allzu energisch«or- Mite fcp„'i.1?"d eine Rüge seitens seiner Behörde verdiene, er Naufk;1 Sachverhalt aber nicht für genügend aufgeklärt, um 'shetlh v->Vne Verurtheilung beantragen zu können, er stelle fvar Freisprechung au heim.(Natürlich!) Der Gerichtshof Mit-,,!r Ansicht, daß der Angeklagte feine Befugnisse über- Kreppe• u"d. daß mindestens der letzte Angriff auf der unmotivirter gewesen, es wurde deshalb auf eine öS:! afe von 50 Bt. erkannt. erneuten Kritrng für den Segr» der K». ostle» 1J J1'"*"? lieferte gestern der Ausgang einer Anklage f'ttvanM �fchchsuvö und Hehlerei, welche gegen den Kanfmai», lösten».�'rber und Fräulein Amalie Kurfürst vorder " � Gaskammer Berliner Landgerichts I verhandelt wurde. '— e otrroß; 'äenfrf.-1 vom Schöffengericht wegen Unterschlagung eines lu je.7'Vves, letztere wegen Ansichbriugens desselben(Hehlerei) i,,. Woche Gefängniß verurtheilt worden. Beide hatten irkint d- I. an einem Sonnabend Abend mit diversen f? in einem Lokale befunden. Beim Fortgehen vermißte lAnen Regenschirm, und da es gerade regnete, nahm er einen dort stehenden Dameuschirm an sich und überließ denselben der Mitangeklagten, seiner Braut, zur einstweiligen Benutzung bis zum Wiederaustausch der Schirme. Der mitgenommene Schirm gehörte aber einer Dame, welche sich nicht in der Gesellschaft der Angeklagten befunden hat. Da er in das Lokal nicht zurück- gebracht wurde, ließ dieselbe durch die Kriminalpolizei Recherchen nach ihrem Schirm anstellen, welcher demnächst bei Fräulein Kurfürst gefunden wurde. Das Schöffengericht hat bei dieser Sachlage angenommen, daß Kerber die Absicht hatte, den mit- genommenen Schirm für sich zu behalten, sowie daß die An- geklagte Kurfürst beim Empfang dieses Damenschirms wissen mußte, daß ihr BräutigamD denselben durch eine strafbare Hand- lung erlangt hat.— In der Berufungsinstanz versicherte der Au- geklagte Kerber, daß er den Schirm lediglich deshalb nicht gleich zurückgetauscht habe, weil er mit seinen Bekannten Anfangs April wieder zusammentreffen mußte, wo diese Angelegenheit recht gut noch erledigt werden konnte. Es wurde in der That auch er- wiesen, daß sein Schirm von diesen mitgenommen worden war. Der G e r i ch s h 0 f schenkte den Angeklagten vollen Glauben und erkannte auf deren Freisprechung. verfattttttluttgen. Die freie»» Hilfsknlfen. Eine zahlreich besuchte Versammlung von Mitgliedern der freien eingeschriebenen Hilfskassen tagte am Mittwoch Älbend unter Vorsitz der Herren Kuhntke, Schindler und Müller, dem derzeitigen Vorstande der hiesigen Kommission der freien ein- geschriebenen Hilfskassen. Die Versammlung war zu dem Zweck einberufen»vorden, Stellung gegen den im vorigen Monat her- ausgekommenen Entwurf einer Novelle zum Krankenkassen-Gesetz. ivelches den freien Hilfskassen schwere Nachtheile bringt, Stellung zu nehmen. Herr Redakteur Schütte hatte dazu das Referat übernommen und führte etwa folgendes aus: Mit dem Krankenkassen-Gesetz vom 15. Juni 1880 ist nicht nur ein Kassenzwang, sondern es sind auch Zwangskassen geschaffen»vorden. Vieles in diesem Gesetze entspricht weder den Wünschen der Zwangskassen-Vorstände, noch denjenigen der freien Hilfskassen. Es»vurde bald laut, daß die Regierung eine Ab- anderung beabsichtige,»m,»vie Herr von Bötticher einmal er klärte, Licht und Schatten auf Ortskassen und freie HilfSkassen gleichmäßig zu vertheilen. Jetzt erst ist die Novelle heraus- gekonimen und man könnte sie das„Mädchen aus der Fremde" nennen, die„jedem etwas bringt". Leider hat sie nicht viel Gutes gebracht. Die Novelle enthält eine Anzahl derartig drakonischer Bestimmungen gegen die freien Kassen, daß wir sie nicht mit Stillschweigen übergehen können.— Ich habe dabei vornehmlich die§§ 49 a, 49 b, 50, 75 a und 75 b im Auge. Diese Paragraphen enthalten Bestimmungen, welche, falls sie zum Gesetz erhoben würden, den freien Kassen bald den Garaus machen würden.§ 49 a fordert von den Vor- ständen der freien Hilfskassen, daß sie das Ausscheiden ihrer Mit- glieder bei einer Strafe bis zu 800 M. innerhalb 8 Tagen dem Vorstande der Ortskasse melden und dabei den Ausenthalts- und Beschäftigungsort des ausgeschiedenen Mitgliedes angeben. Letzteres ist geradezu ein Ding der Unmöglichkeit. Gegen Ein- rihrung dieser Bestimurung müssen wir uns ivehren.§ 50 besagt: Unterläßt die freie Hilfskasse die Anmeldung des ausgeschiedenen Mitgliedes bei der Ortskaffe, so ist sie verpflichtet, im Falle einer Krankheit alle für das ausgeschiedene Mitglied entstan- denen Kosten der Ortskasse zu ersetzen. Die freie Hilfskasse oll hier in Fällen zahlen, wo sie gar keine Beiträge mehr er- hält? das entspricht nicht dem Gerechtigkeitsgefühl. Beide Para- graphen sind nur dazu da, den Ortskassen auf die Beine zu helfe».§ 75 bestimmt, daß Personen nur dann von der Zu- geHörigkeit zu den Zwangskassen befreit sein sollen, auch»venn sie Mitglieder freier Kassen sind, wenn sie rechtzeitig einen dahin- gehenden Antrag bei der Ortskasse stellen. Der indifferente Arbeiter wird solche Anträge nicht stellen. Die freien Kassen werden an Mitglieder-Schivindsucht zu Grunde gehen. Wir müssen auch hiergegen protestiren und unseren Vertretern im Reichstage zeigen,»velche Anträge sie zu stellen haben. §§ 75 a und b machen die Genehmigung von Statuten, die Entscheidung von Streitigkeiten bei lokalen Kassen von der Landeszentralbehörde, bei Kassen, welche über das Gebiet eines Bundesstaates hinausgehen, vom Reichskanzler abhängig. Wir »vollen zur endgiltigen Regelung von Streitigkeiten zwischen freien und Zwangskasscn ein Steichs-Kranlenkassen-Aint eingeführt 'ehe», in der Art,»vie das Reichs-Bersicherungs-Amt in Unfall- ächen bereits besteht. Redner hat seine Ausführungen in olgcnde Resolution zusammengefaßt und bittet um deren An- nähme. „Tie heutige, am 5. November 1890, im Joöl'schcn Saale zu Berlin tagende öffentliche Bersamnilung der Mitglieder freier eingeschriebener und auf Grund landesrechtlicher Vorschriften er- richteter Hilfskassen protestirt gegen die Einführung der in dem Entwurf eines Gesetzes über die Abänderung des Gesetzes, betr. die Krankenversicherung der Arbeiter vom 15. Juni 1880, enthaltenen, der freien Entivickelung und Bewegungsfreiheit der freien eingeschriebenen Hilfskassen entgegenstehenden Bestimmungen. Sie protestirt insbesondere gegen Einfuhrung von Bestimmungen, wie solche in den§§ 49a, 49 b, 50, 75, 75a und 75b des Entwurfs enthalten sind und soweit sie den Hilfskassen und deren Mitgliedern Pflichten auferlegen, welche dieselben zu erfüllen eincstheils nicht in der Lage sind, anderentheils mit der vom Herrn Minister v. Bötticher seinerzeit gegebenen„klassischen" Erklärung, daß durch eine Resorm des Gesetzes„Licht unv Schatten" zwischen den Zwangskassen einerseits und de» freien Hilfskassen andererseits gleichmäßiger vertheilt»verde» solle, in direktem Wider- spruch stehen und nichts anderes, als nnr unnöthige Belästigungen lür die freien Hilfskassen in sich schließen. Die Versammlung er- klärt sich im Prinzip mit den Beschlüssen des am 14., 15. und 16. November 1886 zu Gera abgehaltenen Kongresses freier ein- geschriebener Hilfskassen, soweit solche mckst bereits veraltet und mit den seither gesammelten praktischen Erfahrungen in Wider- pruch stehen, einverstanden und beauftragt das Bureau der heutigen Versammlung— den Vorstand der Kommission freier eingeschriebener Hilst lassen zu Berlin— in diesem Sinne be- 'timmte Anträge zu formnlire» und diese dem demnächst in Berlin stattfindenden Kongreß freier Hilfskassen als Material zu unter- breiten. Im Falle der geplante Kongreß nicht zu Stande kommen sollte, die so formulirten Anträge aber einer demnächst einzu- berusenden öffentlichen Versammlung von Mitgliedern freier Hilss- lassen zur Beschlußfassung vorzulegen, um dieselben eventuell dem deutschen Reichstage zu übermittel». Inder äußerst lebhaft, aber stets sachlich gehaltenen Diskussion nahm zunächst Herr Menzel das Wort. Ter Zweck der Novelle ist unverständlich. Jeder sucht sich seinen Vorthcil am besten zu wahren und den findet er heute entschieden bei den freien Kassen. Ich bin deshalb gegen jede Beschränkung der freien Hilfskassen und empfehle die Resolution Schütte zur Annahme. Tischler C a r a d. Das einzige Gute an der Novelle ist die Einbeziehung der Angehörigen des Kanfmannsstandes in den Kasseuzwang. Ter Kausmann ist heute eben so gut Arbeiter,»vie jeder Tischler, das Proletariat im Kausmannsslande ist häufig noch größer als in anderen Ständen. Licht und Schatten sino in dem Entwurf nicht gleichmäßig vertheilt, denn die Innungen sind»vieder bevorzugt worden. Der Kongreß freier Hilfskassen ist mit Freuden zu begrüßen, ein Protest desselben wird auch nicht ungehörig verhallen. Ein großer Nebelstand im Ent- »vnrf ist der, daß fortan Streitigleiten nicht mehr im Gerichts- sondern nur im Verwaltungswege geschlichtet»oexoe» sollen.— Redner hält die Resolution Schütte nicht für erschöpfend und beantragt zur Ergänzung»er- selben die folgende: „Die heute, am 6. November 1890 in Joel's Salon zahlreich besuchte öffeuiliche Versammlung von Mitgliedern der sreien Hilfskassen erklärt im Einverständniß mit den Aussühnmgen des stieferenten, Herrn Redakteur Schütte, und nach eingehender Debatte: 1. Daß der von der Reichsregicrung eingebrachte Entwurf zur Abänderung des Gesetzes, betreffend die Krankenversicherung der Arbeiter im allgemeinen wenig Ersprießliches für die zu ver- sichernden Arbeiter enthält und als eine Verschlechterung gegen das bestehende Gesetz zu betrachten ist, 2. daß die freien Hilfskassen und besonders die Zentralkassen, »venu der Entwurf Gesetz werden sollte, in ihrem Weiterbestehen gefährdet»md das weitere segensreiche Wirken dieser Kassen ge- radezn zur Unmöglichkeit gemacht werden»vürde; 3. daß die im Entwurf in Aussicht genommene vollständige Bureaukratisirung des gesammten Kranken-Versichernngs»vesens den Mitgliedern das Interesse an der Verwaltung gänzlich verleiden, der weitgehendsten Ausbeutung der Kassen durch indiffe- rente Mitglieder Vorschub leisten und somit eine enorme Steige- rung der Beiträge herbeiführen würde. Die Versammlung erwartet, daß der demnächst stattfindende Kongreß der freien Hilfskassen einen festen Zusammenschluß aller freien Hilssrassen herbeiführen, energisch gegen die bezüglichen Bestimmungen des Entwurfs Stellung nehmen und den» Reichs- tage die Wünsche der in einer so großen Zahl durch die freien Hilfskassen versicherten Arbeiter in geeigneter Weise zur Kenntniß bringen»vird. Herr A h l f e l d geißelte die Mißstände der Ortskassen und meint, es sei Pflicht der zielbewußten Arbeiterschaft, die sreien Hilfskassen ausrecht zu erhalten. Klempner E n g l e r richtete an die Mitglieder der Orts- lassen die Bitte, aus denselben auszutreten und sich den freien Hilfskassen anzuschließen»md dadurch einen Protest gegen die Novelle zu erheben. Herr B u d e r: Die Ortskassen sind gut für indifferente Arbeiter, die Regierung sollte keinen Druck auf die freien Kassen ausüben. Wir müssen in Zukunft danach trachten, daß uns das bischen Licht, ivelches die ireien Kassen noch haben, nicht ge- nommen wird. Tie Bestimmungen des§ 49 züchtet das Tenunziaiitenthnm und stellt die Arbeiter noch mehr unter die Aufsicht der Polizei. Goldarbeiter Holtkamp immdert sich, daß in der Novelle nicht den freien Kassen das Recht beschränkt»vird, eine Alters- grenze unv arztliche Untersuchung vor der Aufnahme als Be- dingung zu stellen. Habe man doch in Erfurt deshalb die Zu- geHörigkeit zu einer freien Kasse als nicht ausreichend für die Befreiung von dem Zivange der Ortskasse beizutreten erklärt. Bei der heutigen Trangsalirung der sreien Kassen sei ein Reichs- Krankeu-Versichernngeaint zwingende Nothwendigkeit geworden. Herr H e i d e m a n n: Ich halte die Älbänderungs- Para- graphen für ein richtiges Kind des Zunstzopfes. Die Wander- lontrole,»vie sie§ 49b destimmt, kann nur dem Kopfe eines Zunft- meisters entsprungen sein. Wenn die 900 000 Mitglieder der sreien Kassen protestiren, so wird das schon Erfolg haben. Herr Dietrich: Ich glaubte die Novelle längst begraben; jedenfalls hat der große Begräbnißtag am 80. September dieses Kind gezeitigt. Von den Kassengeldern darf nichts genommen werden. Soll nun der Verwalter eine Strafe aus Privalmitteln bezahlen? Schon aus diesem Grunde ist der Entwurf völlig zu verwerfe». Wir»vollen einen Massenaustritt aus den Ortskassen inszentren, das»vird ein noch besserer Protest sein als es die beiden Resolutionen sind. Herr Frische beantragt, beide Resolutionen zu ver- schmelzen, in 14 Tagen eine neue Bersammtung einzuberufen und zu derselben mehrere Reichstags-Abgeordnere einzuladen. Er bat, alle etwaigen Anträge zu dem Entwurf an den Bor- sitzenden der Kommission freier Hilfskassen, Herrn Kuhntke, O b e r w a s s c r st r. 6, gelangen zu lassen. Herr Sander ist wohl für die Resolutionen, verspricht sich aber von einer Petition an den Reichstag keinen Erfolg. Redner schlägt vor, zu dem Kongresse einen mit der Materie vollständig vertrauten sozialdemokratischen Reichstags-Aogeordncten einzuladen und diesen für die Vertretung der gefaßten Beschlüsse im Parlament zu gewinnen.» Nachdem die Herren Carow, Engler, Hoppe und Schütte gegen den Antrag Feische gesprochen, wird dieser mit allen gegen eine Stimme abgelehnt. Die beiden Resolutionen»verde» ein- stimmig angenommen. Damit erfolgte der Schluß der Versammlung. Eine öffcutlichc A-rjämiulung sämmtlicher in den Glace- und Kartonpapier-Fabriken Berlins und Unigegend beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen tagte am 5. d. M. unter Vorsitz des Herrn A e i e r. Tie von Arbeitern und Arbeiterinnen gut be- suchte Versammlung hörte zunächst einen anregenden Vortrag des Herrn Fritz O e l z e über das Thema:„Der Normal- a r b c i t s t a g und seine Bedeutung." In kräftigen Um- rissen zeichnete der Bortragende die heulige privatkapitalistische Produktionsweise mit ihren unausbleiblichen Konsequenzen, die das industrielle Proletariat zum Anhängsel der Maschinen herab- drückt, und legte dar, daß eine zeitgemäße Verkürzung der Arbeitszeit für jeden zielbewußten Arbeiter geboten sei und ei» Normalarbeitstag für die Arbeiterorganisationen als zu erstrebendes Ziel hingestellt werden müsse. Die Einführung eines NormalarbeilvtageS(zum Beispiel 10 Stunden) würde allerdings große Umwälzungen hervor bringen, würde viel zum Ruine des Kleinkapitattsinus und Kleimneisier- thums beitragen, weshalb derselbe in diesem die erbiltersten Gegner finde. Für die Arbeiterschaft dagegen sei der gesetzliche Normal-Arbeitstag von»vcittragendster Beoeutuug. Wenn auch durch eine Regelung und Verkürzung der Arbeitszeit die in- dustrielle Reservearmee nicht beseitigt werbe, so»verde doch da- durch die allgemeine Lage der Arbeiterschaft gehoben und es werde ermöglicht, die Arbeiterorganisatlonen auszubauen l»nd dieselbe,» dem Kapitale entgegenziyrellen. Jeder zielbewußte Ar- beiter müsse sich die Verkürzung der Arbeitszeil zur selbsteigenen Aufgab: machen und aus Ueberzengung auf einen auf aus- gedchntcre Arbeitszeit basireiidcn Viehrverdienst bei„Saison- arbeit" zu Glu.sten der hungernden Arbcitsbrüdcr verzichten. Das Ziel der Arbeiterorganisationen müsse serner sein, die heutige privatkapitalistische Produktionsweise umzuwandeln in eine genosseuschastliche(gesellschaftliche). Dem Vortragenden zollte die Versammlung lebhafte.» Beifall. In der folgenden leb- hasten und ausgedehnten Diskussion sprachen die Herren. >i n t h e r, H ü b e n t h a l, Feldmann, Jahn und zum Schlüsse der R e f e r e n 1. Alle Liedner beleuchteten die heutige» sozialen und politischen Verhältnisse und belonten namentlich die Nolhiveudigkeit der Organisation der Arbeitcrinnc».— Unter Verschiedenem»u, rre auch die Frage aufgeworfen, ob es nicht an- gebracht erscheine, den bevorflchenden Gewerkschaftskongreß eben- falls durch Dclegirte zu»efchicken. Dieser Gedanke fand allge- meinen Anklang. Frau Habicht trat mit großer Wärme dafür ein, daß auch mindestens si ine Vertreierin der Arbeiterinnen zum Geweikschaftskongreffe delegirt werden möge, da die Zusamnien- geHörigkeit von Arbeitern und Arbeiterinnen»mbeslrilten sei. Die Wahl wurde auch»inverzüglich vollzogen und wurden Frau Habicht und Herr Bei er delegirt. Die Diätensrage wird eine spätere Lösung finden. Es»vltrben noch verschiedene gewerk- schaftliche Angelegenheiten besprochen»md erst»n später Nacht- stunde gingen die Versammelten mit einem Hoch auf die inter- nationale Arbeiterbcivegnng auseinander. Eine öffentliche Drechslrrveefa,,,,,»!«»,»» fand am 3. November unter Vorsitz des Kollegen Dost statt. Herr Tb Glocke referirte über den Parteitag und seine Bedeutung für die Gewerkschaften. Er setzt in eingehender Weise auseinander, wie die Organisationen sich gebildet haben und gab einen Abriß ihrer Geschichte. Nachdem das Sozialistengesetz gefallen ist,, verde» ,ich die Organisationen etwas anders gestatten müssen. Redner beleuchtet die bez. Verhandlungen aus de», Parteitag und schloß sein Referat mu einem warme» Appell an die Arbeiter, sich der Organisation anzuschließen und so vereint für die berech- ligten Forderungen deö Proletariats zu kämpfen.(Lebhafter Beifall.) Ehe dann in die Diskussion eingetreten wurde, ehrte die Ver- sammlung auf Veranlassung des Vorsitzenden das Andenken des Genossen Baumgarten durch Erheben von den Plätzen. An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen Dost, Bille und Plagens im Sinne des Referenten. Hierauf erstattete Kollege Plagens Bericht über die Abrechnung der Hainburger Sammlung. Sie wurde von den Revisoren jür richtig befunden und der Lohn- komission Deckarge ertheilt.— Kollege Hildebrand besprach den Streik in Rathenow. Derselbe ist noch iticht beigelgt und noch immer thut Unterstützung Roth. Redner nannte dann auch noch den Grund des Perlmutterstreiks und berichtete, daß der Fabrikant, Herr Hinze, sich unter den heutigen guten Verhältnissen gemüßigt gefühlt hat, bei einigen Arbeiten einen Lohnabzug von 20 pCt. eintreten zu lassen. Es befinden sich 25 Perlmutterarbeiter schon drei Wochen im Streik. Hildebrand ermahnte die Kollegen, ihr Solidaritäts- gefuhl zu beweisen und recht rege zu sammeln. Die Listen seien ja auch von der Berliner Streik- Kontrolkoinmission sank- tionirt worden. Es wurde hieraus eine Resolution ein- stimmig angenommen, welche sich mit dem Vorgehen der Porlmntterarbeiter einverstanden erklärt und sich verpflichtet, die- selben moralisch und pekuniär zu unterstützen. Koll. Lutz machte noch bekannt, daß in nächster Woche die Versammlungen der Berliner Ortsverwaltungen staltfinden und in jeder ein wissen- schaftlicher Vortrag auf der Tagesordnung steht. Er ersucht die Kollegen, der Worte des Herrn Referenten zu gedenken und recht zahlreich zu erscheinen. Es ivurde dann noch ein Antrag an- genommen, der Berliner Streik- Kontrolkommission 20 M. zn überweisen. Aufruf an alle Saugevbrüder im Westen Berlin» und in Schöneberg. Genossen! Unter dem Drucke des Sozialistengesetzes ist es in den Gesangvereinen zn einer Ver- sumpfung gekommen, die oft sogar hemmend auf die Entwickelung der Gewerkschaftsbewegung eingewirkt hat. Die Mitglieder be- sagter Vereine glaubten durch Diskussionen über Knallbonbons und dergleichen mehr ihr Bedürfniß nach Vereinigung befriedigt zn haben, so daß sie es nicht für nöthig erachteten, Fachvereinen anzugehören. Auch auf die geistige Entwickelung war in diesen Kreisen unter dem Maulkorbgesetz wenig oder garnicht einzuwirken möglich. So kam es denn, daß man 0|t von seinwollenden Genossen mordspatriotische Lieder singen hörte. Auch die Programme zu Konzerten und dergleichen strotzten von Geschmacklosigkeiten. Bei Saalinhabern, die nicht ihren Saal zn Arbeiterversamm- lungen hergeben, hielt man Vergnügungen ab, trotz öffent- licher Volksversammlungs- Beschlüsse. So ist. Alles in Allem gesagt, viel gegen das Solidaritätsgefühl der Arbeiter verstoßen worden. Zur Beseitigung aller dieser Mißstände ist kürzlich ein Arbeiter-Sängerbund gegründet worden, dem sich alle Gesang- rereine, die sich mit seinen Bestrebungen solidarisch erklären, an- schließen müßten. Leider ist das bei uns im Westen und in Schöneberg von fast gar keinem Vereine geschehe». Und deshalb sahen sich mehrere?RitgIieder dieser Vereine veranlaßt, ans- zutreten und einen neuen Verein ins Leben zn rufen. In dieser Angelegenheit hat bereits eine Besprechung stattgefunden, die das Resultat ergab, daß ein provisorischer Vorstand gewählt wurde, der die einleitenden Schritte zu unternehmen hat. Wir appelliren nun an das Solidaritätsgefühl aller Sangesbrüder, tretet ans den versumpften Vereinen aus, kommt alle am Freitag, den 7. d. M., Abends 8 Uhr, nach der Bülowstr. 59, Restaurant Hämnierle, zur Besprechung über Konstituirung eines Arbeiter-Gesangvereins für den Westen Berlins und Schöneberg! Die Beauftragte». I. A.: Earl Minkley, Goltzstr. 20, r. S. IV I. Sanitätvvrrein. Am Mittwoch, den 29. Oktober, fand eine öffentliche Versammlung des Sanitätsvereins statt, in welcher Herr Dr. Cohn einen Vortrag über öffentliche Gesundheitspflege der Stadt Berlin hielt und Herr Schmidt über: Wie versichert sich der Arbeiter und seine Familie am besten in Krankheitsfällen? sprach. In der Diskussion führten mehrere Redner Beispiele von schlechten Wohnungen und Äerkstellen an. Co herrschen auch in den Fab rikräumen der Industrie- Hallen, Mariannenstr. 31—32, schlimme Zustände. Herr Schmidt" wies daraus hin, wie der Sanitätsverein es sich zur Aufgabe gemacht habe, seinen Mit- gliedern für den monatlichen Beitrag von 25 Pf. unentgeltlichen ärztlichen Beistand zu verschaffen. Auch werden Spezial- Aerzte zur Verfügung gestellt. Es ist deshalb Pflicht eines jeden Ar- beiters, dem Verein beizutreten. Der Beitrag beträgt für Er- wachsen? 0,25 M. pro Monat, für Kinder unter 2 Jahren 20 Pf., von 2—15 Jahren 10 Pf. Cine öffentliche Sattlervrrsammlung tagte am 3. November unter Vorsitz des Kollegen Bombin. Herr Hilde- brandt hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrag über: Tie wirthschastliche Lage und die daraus entstehenden Verhältnisse. An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen Bombin, Weiß und Hausner im Sinne des Referenten. Es wurde folgende Resolution angenommen: Die Sattlerversammlung erklärt sich mit dem Referenten einverstanden und verpflichtet sich, mit allen Mitteln dahin zu wirken, daß unsere Organisation erstarkt, um so einen Druck auf das Unternehmerthuni zu Gunsten der Arbeiter auszuüben." Kollege Bobin brachte die Beschlüffe der Berliner Streik- Kontrolkommission zur Sprache und ersucht die Anwesenden, falls ihnen Listen zur Unterstützung der streikenden Perlmutter- und Barockarbeiterinnen vorgelegt werden, es an kräftiger Unterstützung nicht fehlen zu lassen. Auch auf den Boykott gegen den Schlächtermeister Sagert, gentral-Markthalle, Stand X, und den Schlächtermeister Kehrberg, derbergerstr. 36, wurde aufmerksam gemacht. Nachdem noch aus die nächste öffentliche Sattlerversammlung, welche am Mittwoch, den 12. November, bei Säger, Grüner Weg, stattfindet, hin- gewiesen worden, schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf das fernere Gedeihen der Organisation. Die Potsdamer PartriKeuofls«»» wählten am 28. v. M. in einer öffentlichen Versammlnng, die unter Vorsitz des Genossen Krause stattfand, den Goldarbeiter Hoburg einstimmig zum Ver- trauensmann des Kreises. Von einer formellen Organisation wurde Abstand genominen. Das Hauptaugenmerk soll bei der Agitation auf die Verbreitung billiger und guter Parteischristen gerichtet werden. Folgende Resolution ivurde noch angenommen: „Die Versammlung erklärt den Teutschfreisinnigen auf die in den „Potsd. Nachr." veröffentlichte Versammlungsanzeige des deutsch- freisinnigen Arbeiterbildungs- Vereins mit der Tagesordnung: „Demokratie und Sozialdemokratie" nicht eher mit ihnen zu dis- kuliren, bis sie eine öffentliche Volksversammlung einberufen und jedem einzelnen Redner ohne Unterschied der Partei freie Dis- kussion und unbeschränkte Redezeit gestattet haben." össrxtlichr ziertaminluna der sozialdemolratischen Parteigenossen des zwetlen Berliner NeichSiags-Wahlkreises am Freitag, den 7. November, Abends s Uhr, im-aale der Verl.ner Boclbier-Brauerei am Tsnipeihoferberg, GroK« öSentlichc ziersaniiulung der soziaidemotratischen Parteigenossen des vierte» Berliner NeiilisragS-WahIkreises siir den Süd-Lften am Freilag, den?. November, Abends s Uhr, in Uebel S Lokal, Naunnnstr. 27. Nrrrinig»ng der Drechsler Deutschland«, OrlSverwaltung I. Per- sammlung am Tonntag, den 9. November, Bormitlags io Uhr, in Tahm S Klubhaus, Annenstr. io. Tagesordnung: 1. Äeschäslliches. s. Vortrag deS Herrn Dr. Lütgenau über: Darwinismus und Sozialismus. Diskussion. 4. Verschiedenes und Fraaekasten. Pünktliches und zahlreiches Erscheinen der MUalieder erwünscht. Gäste haben Zutritt. Gleichzeitig werde» die Bevoll- machtigten der Ortsverwaltungen um sofortige Zusendung der Adressen von den Bibliotheks-Kommissions-Mirgltedern ersucht. 5»r Anterelseuverri» dir Ailirniuachrr feiert sein SUftungSsest am Sonnabend, den S.November, im Elysium, Landsberger-Allee SS— 4l. Beginnt mit Konzert und humoristischen Vorträgen, unterbrochen mit Gesang des Gesangvereins Echo 2. Nachher Ball. Entrse: Herren so Pf., Damen 30 Pf. BillelS sind zu haben: Bei Leichnih, Markusftr. 25, im Lokale bei Merten, Reichen bergerstr. 29, Tschernig, Luisen-Ufer 3». Freireligiös»«Zenirind», Rosenthalerstr. 33. Tonnlag, de» S, Novem- der, Vormiilags io Uhr, Bortrag des Herrn H. Peus über:„Was ist'S mit dem sogsnannlcn religiöse» Bedürfniß." Gäste sehr willkommen. Außerdem stndet ein Besuch der Urania um 9'i Uhr Vormiilags stall. AUgemeine Kranken-«n» Sterbekassr der Metallarbeiter Eingeschriebene Ar. oo) Sonnlag, den 9. November, Vormittags io)t Uhr; Außerordem»- Generalversammlung i» de» Zenlral-Festsälen Oranienftr. iso...» Roller schrr Stenographen-Zierein„Nord Berlin", Abends 8,, üiü- S, 'ahtäf Vorstellung und Tanzlränzchen, im Etablifsenient Eiskeller. Fese- und viskutirktub». Freilag.„Karl Marx", zlbends 9 KrWf' lommen. Kerliner Sängerbund Berlins und Umgegend'Abends»tchr, UedM». stunde, Austiahme von Mitgliedern. Männer-Gesangverei»»Tolieii, W«SW» -----— Of 23 W S ch rn Brunnenstr. oo wci— wciwuyJRRR*" o, 23 pr. Weinstr. Ii.-„Kais er' sch er M änn erchor', Schönhauser Aue-, Nürnberg.— Gesangverein„W i e d c r h a l l", Söpnillerstr. lbl bei Gesangverein„E« nie r a l d a'y Große Fzankfurterstr. 18 ja Uhr).-�m�� Gesangverein„H o ... f f n u ii g", Friesrichsberg, Friedrich Karlsir. ll bei Gesang-, Turn- und gesellige Vereinr. Freitag. Arbeiter-Gesang „Wilhelm Sceger'sche Liedertafel", Abends o Uhr W �, Reichenbergerstraße 83, Nebungsstunde, Aufnahms neuer Mitalted.i» 4Y4— u �4—..-— ft\.. r 1 m � Om � i 0 f Ol/ i III cket-i., Fichtestr. 29. Nach der Tihung Tanz. Gäste willkommen.—„ verein„B e i l ch e n". Sitzung mit Damen von 9% Uhr ab, Adalbertstr. 3» J». Lulow. Gäste willkommen.— Verein ehem. Schüler der 38- meinde-Schule, Sitzung, Abends 9 Uhr, im Grand Restaurant blume"(Jnh, Otto Noll), NndreaSstr, s. Gäste willkommen, Depeflhrn. 6. November.(Privattelez."anun des»Berliner ............,. ei der hei t'-en Reichstags- Nachwahl»vure Neckermann(Zentrum) mit l-o Stimmen Mehrheit gewählt. dev NovAkkion. «et Anfragen bitten wir die Abonnemenls-Quiltung beizusüge». Briests Antwort wird nicht erthetlt.. Bitte. Briefe in Parteiangelegenheite», welche mich»ich persönlich betreffe», bilte ich nicht an mich, sondern an Her� Auer, Katzbachsir. 9, zu schicken, dein ich sie doch zusenden wup- Durch das'Adressiren an mich geht bloS Zeit verloren, und wiri mir unnütze Arbeit verursacht. W. Liebknecht. Atter Abonnent it. 5. Aus Ihren Angaben läßt$ nicht ersehen, daß das Mädchen irgend welche Rechte gegen ö geltend machen kann. Lassen Sie es ruhig ans die Klage kommen. ,. Schönholzerstr. Wer aus der Landeskirche � tritt, ist für die Zeit von einem Jahre noch zur Zahlung Kirchensteuer verpflichtet, von da ab nicht mehr., Zwei Mettendr. Wir können das Wort, um dessen 3%',, iveffe es sich handelt, leider nicht entziffern. Zu mündlicher Aur knnft sind wir bereit. Briefkafteit der Grpedition. Zeutral-Kranitenkalfe der Tischler. Ihre Ann«# betr.„Große Wohlthätigkeits-Matinee" bedauern wir nicht weil. aufnehmen zu können, da das Lokal„Kaufmann's Variete" der Lokalliste der Berliner Lokalkommission fehlt. _ W. Malteu, AmSerdam. 5 Exemplare des ProEk»� kosten inkl. Porto 2,50 Wl. Bei Einsendung des Betrages erhalte" S,e sofort nach Erscheinen. Grosse Versammlung In jiMemIrMtil lotttipoitu in 1. 9nli«n au» Freitag, den 7. Aov., Abend» 8 Uhr, im Fokale de» Herr»» Maq, Br«thstrakr SS, 1 Tr. Tag es-Ordnung: l'J> 1. Die Stellung des Vertrauensmannes und Wahl desselben. Referent;: Herr Flatow. 2. Wie heben wir den Wahlverein? 8. Verschiedenes. V Der Einberufer. Verein zur Wahrung der Interessen der Klavierarbeiter u. verw. Bemfsg. Am Sonnabend, d. 8. November, Abends 8% Uhr, in Minner's Lokal, Rosenthalerstraße Nr. 11— 12: Mitglieder- Versammlung für den Norden. Tages-Ordnung: 1. Vortrag: Auf dem Arbeitsmnrkte. 2. Vereinsangelegenheit. Nene Mitglieder werden aufgenommen. 175 Der Vorstand. Mitglieder- Versammlung der Wascheznschneider u. verw. Äernfsg. am Sonnabend, den 8. November, Abends präe. 9 I hr, im Saale der Brauerei Pfefferberg, Schönhauser Allee. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk über„Frauenbesreiung". 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches und Verschiedenes. Herr Möhring ist eingeladen und hat fei» Erscheine» zugesagt.— Bei der Wichtigkeit der Tagesordnung ersucht um zahlreiches Erscheinen Der Vorstand. I. A.: H. Grashold. 185 Große öffentliche Versammlnng siimmtlicher Stuekatewre Berlins und llmflfgcni) nm Sonntag, de» 9. d.|M., Vorm. 101 s Uhr, in Deigtnilller's Salon, Alte Jakobstrasse Mo. 48a. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Stellungnahme zn der am IG. November stattfindenden Gewerkschaftskonserenz. 3. Wie verhalten sich die Stuckateure gegenüber dem Berglasen der Fenster auf den Neubauten. 4. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung halber wird ersucht, recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen. 183 Dir V-rtraue»»ir»tr. Genossen empfehle mein Hutgeschäst. Führe nur Hiite mit Arbeiter- Kontrolmarken deutscher Hntmacher.— Bitte genau auf Firma zu achten: Köpenickerstraße 120, nahe der Adalbertstraße.-380 Ipp*" Adolph Kehr.""WW % Albert Auerbachs Kottbnser Damm 7 tnahe der Kottbnsrr Bruck»). Schuhe und Stiefel(ür Herren, Damen, K i n d e�. ' Herrenstiefel, genagelt und auf Rand Große Auswahl in Fil?schuhen und Filipantoffel«._ Achtung Bauarbeiter! Diejenigen Kameraden, welche noch im Besitz von Kongreß-Listen oder solcher vom Hamburger Streik(herausgegeben von der Agitationskommission der Bau- und gewerblichen Hilfsarbeiter Hamburg) sind, werden dringend ersucht, dieselben an die Vertrauensmänner abzuliefern, widrigenfalls Ver- ö s f e n t l i ch u n g der Inhaber erfolgt. Im Auftrage der Berliner Vertrauensmänner 172 W. G a ß m a n n, Exerzierstr. 4b._ An Geldbeträgen zur Deckung der Unkosten fiir die Streik- Kontrol- Kommissto« eingegangen: 1. Neberschnß d.Wiedemann 9,40 M. 2. Buchdrucker durch Staber- nack....... 30,—„ 3. Vergolder..... 19,40„ 4. Feilenhauer durch Post. 5,20„ 5. I. E. Pfaff d. Täterow 11,—„ 6. Bildhauer durch Wegeuer 20,—„ 7. Töpfer durch Krause.. 10,—„ 8. Holzbearbeittingsmaschin. ' Arbeiter..... 20,—„ 9. Tellersammlung... 15,—„ 10. Oeffentl. Versammlung d. Lederarbeiter.... 9,05„ II. Chirurgische Branche d. Schmädicke.... 9,40„ 12. Oeffentl. Tapezirer- Aer- sanimlungd.Friedineier 7,25„ 13. Agitations-Kommission d. Graveure it. Ziselelire 5,—„ Weitere Geldsendungen sind zu richten an E. Wilschke,[SAV.. Katzbachstr. 1. Alle Berichtigungen über Geldsen- düngen sind dorthin zu wende», und finden die öffentlichen Abrechnungen im Berliner Volksblatt" statt. 194 Im Tuchgeschäft jetzt Lranienßr. Uli, I. Herren- und Knaben Anzüge, Paletots, sowie Damenkleider etc. Aus Wunsch auch gegen Theiliahlunge». 4 ) f.d.„Berk. Volksbl."so>v. .........*'( f. sämmtl. Zeit. b. Kotz- Annahme) leb, Straußbergerstr. 7a. Meyer's Lexicon suche zu kaufen, A. Saner. 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