Fr. 26t Sonnabend, den 8. November 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. scheint fSftR* cm..Berliner Volksblatt" Jnsertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin Sw., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -« Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4106.«■» MedÄlKkion: Veukh�traße S. Sxpedikion: VeukhÜrMe 3. Vorn heiligen LluMond. Kai militärische Bureaukratie, die in Rußland regiert, unt- � behaglich eingerichtet. Ihr barbarisches Regiment, am,.'.man wegen eines unbedeutenden Zeitungsartikels den f c�"'mle Zeit nach Sibirien„v e r s ch i ck t" wer- lies, märe in keinem anderen Lande Europa's wog- ein» �4� einmal in der Türkei. Die Türkei hat wenigstens m mideren Staatsmann hervorgebracht, nämlich Mid h at f« J a> die russischen Staatsmänner sind nur über- Kem K o s a ck e n. Aber als solche wissen sie die ai• 3U handhaben und ihr Regiment durch den Schrecken di/i%u erhalten. Die begüterten Klassen sind unter rei» Regiment vollständig korrumpirt worden; sie be- enXvn sich und wälzen sich in Ausschweisungen. Sie von es mit Bestechung. Die Mittelklassen sind beit unerhörten Servilismns angefressen; die Ar- firf, t F"ler denen ohne Zweifel viele tüchtige Elemente >leb?"den, haben sich noch nicht im Klassenbewußtsein JMiden und die Bauern vegetiren dahin unter einem enN- kcr sie stumpfsinnig macht. Was ihnen Wl � nh noch übrig geblieben, das nimmt ihnen der Pope meg, und wenn sie zum Militär einberufen pa°en' dann sind sie glücklich, denn trotz der elenden Ber- bess � nnd brutalen Behandlung haben sie es da noch m* a/g daheim. Wenn sie vollends in den Krieg ziehen fw.'Ms Beute hoffen dürfen— was kann es für sie Er- mücheres geben? tunc�üsi Qn diesen Zuständen alle Versuche einer Besse- �„ Leitern mußten, ist begreiflich und ebenso begreiflich jedem verunglückten Ausstande erfolgende Steige- "üf x Drucks. In einein Lande, wo die Besserung liikojf Wege organischer Entwickelung als eine Umnög- blickt �fäeint, haben die an Allein verzweiselnden Unter- °ber i, Mr gewaltsamen Erhebung sich entschlossen, Sl�* v. diese Bewegungen gingen zu Grunde an der der �'ltigkeit der Massen. Bon den D e k a b r i st e n »nX„ smsigei' bis zu den„Nihilisten" der siebziger diefelh re�r Jahre haben alle Revolutionäre in Nußland siati-*®rfahvil"9 gemacht. Die militärische Bureau- ' m�che die öffentliche Gewalt in der Hand hat, Ijch.,, auch vortrefflich auf die Fälschung der ösfent- schwör Emling. Politische Verbrecher und Ber- tiyx Murben wie gemeine Mörder irnd Diebe behandelt io«.„f."1 Publikum als solche vorgeführt. Man har es �bracht, daß es eine öffentliche Meinung nur für P.ebt, daß die herrschende Gewalt eine solche braucht. J�eiß, was die russische Polizei aus dem Begriff verbolw.i Feuillekott. ls.i Nirtoria. Roman von Minna K a u t s k y. dUzewor?� hatte Hut und Mantille ihrer Kammerjungfer |J�e �|vTX Utlb""~~"~-r•• Wlt «EU. %l8 Wg�as hast Du? Du bist nur doch m) »MLs ließ sich, wie erschöpft, in ein Fauteuil trat vor den Spiegel, um ihren abzunehme» und ihre Stirnlöckchen zu kam sie gegen iUl' öv*'tv*v""... andere»*'en' baß dieser Oswaldt nicht besser *... EU?« wir denn eigentlich, was dürfen wir vor- übe�ie schölte. Hanna tonlös. i'g»! rnÜ M in d-z z°nl°u!l ih- �ach in ein ausgelassenes Lachen aus....... „Nihilismus" gemacht hat. Sie begreift darunter alle Opposition von zahmen Konstitutionellen bis zum Re- publikaner und Sozialdemokraten. Wie aber gewisse Krankheiten nur dann geheilt wer- den können, wenn sie ihren Höhepunkt überschritten haben, so auch mit der Brutalität des russischen Regieruugs- systems und mit der sklavischen Unterwürfigkeit des russischen Volkes. Die Greuelthaten der herrschenden Bureaukratie müssen auch das kälteste Blut nach und nach in Wallung bringen. Daß in nicht ganz einem Jahr- zehnt 270 000 Juden aus Rußland, d. h. aus ihrer Hei- math, aus ihrem Besitz und ihrem Erwerb vertrieben worden sind, Juden, die nicht etwa als„Wucherer", son- dein meistens als fleißige Handwerker und Ackerbauer lhätig waren, scheint die Nerven der Russen weiter nicht alterirt zu haben, so wenig sie sich über die massenhaften Verbannungen gerade der besten und geistig regsamsten Volkselemente alterirt haben. Wenn die langen, traurigen Züge der Verbannten mit ihren Schergen durch die Städte kommen, so sammelt man für sie, ohne zu bedenken, daß damit nur die Schergen bereichert werden, die jede Ge- legenheit benutzen, die Gefangenen zu berauben und zu be- trügen. Weiter denkt man nicht! O dies Heer der Ver- bannten in Sibirien! Es ist der Kern der russischen Be- völkerung, ihre Auslese an G e i st und Bildung! Die Tage des gegenwärtigen Regiments wären gezählt, wenn diese Auslese zurückkehren könnte. Aber sie kann nicht; in Sibirien schmachten noch die polnischen Re- volutionäre von 1831, soweit sie noch leben; neben den jüngsten„nihilistischen" Verschwörern! Aber das herrschende Regiment thut sein Möglichstes, wenn auch wider seinen Willen, um die Gleichgiltigkeit aus den Gemüthern der breiten Masse zu tilgen. Der Zorn über die Brutalitäten der herrschenden Gewalten be- ginnt weithin aufzuflammen im russischen Reich. Um russische Nerven zu erregen, waren starke Reizmittel noth- wendig; die Behörden haben sich beeilt, sie anzuwenden. In Warschau wurde ein Wachtmeister todt ausgefunden und drei russische Einjährig-Freiwillige wurden beschuldigt, ihn ermordet zu haben. Sie wurden vor ein Militär- genäst gestellt und nach einem ächt russischen Verfahren kurzer Hand zum Tode verurtheilt und erschossen. Man muß sich kaum Mühe gegeben haben, die Sache nur auch einigermaßen zu untersuchen, denn schon nach wenigen Tagen stellte sich heraus, daß die Drei unschuldig er- schössen waren. Nun, das mag in Rußland vorkommen, ohne daß ein Hahn danach kräht. Aber einer der Er- schossenen war der Sohn eines hochangesehenen und stein- reichen Kaufherrn, und da war es natürlich eine besondere Sache, kkm einen schuldlos ermordeten Proletarier hätte lich zeigen. Hier genügt übrigens der gewöhnliche Frauen- witz, um alles zu erratheu." Hanna behielt die Augen gesenkt und wickelte die seide- neu Schleifen ihres Kleides unaufhörlich über ihre zitternden Finger. „Und wenn Du Recht hättest und sich alles so verhielt, und wenn er nun wirklich eine—" Sie hielt stockend inne, Silvia aber rückte der Schwester noch näher, daß sich ihre Knie berührten. „Es ist ganz klar," sagte sie leise in jenem hastigen, tief erregten Ton, den Frauen in ihren vertraulichen Mit- theilungen so häufig anschlagen und der im Grunde nur das große, gegenseitige Interesse vcrräth, das sie in allen Dingen, die ihr Geschlecht betreffen, an einander nehmen, „er hat eine Geliebte, es muß ein junges und natürlich wird es auch ein hübsches Mädchen sein, das er soutenirt." Hanna machte eine unwillkürliche Gebcrde des Wider- willens. „Abscheulich! Und wenn ich ihn nun zur Rechenschaft zöge V" „Er wird leugnen, Alles leugnen; leugnen, selbst wenn Tu ihm die Beweise dafür brächtest, denn dieses Leugnen ist für sie ein Gebot der Wohlanständigkeit, es ist ihre letzte Rücksicht für uns." „Daun werde ich unser Verhältniß lösen!" Silvia sah die Schwester mit großen Augen fast er- schrocken au, dann faßte sie ihre Hände und streichelte sie, als wolle sie sie damit beschwichtigen. „Hanna, was fällt Dir ein, das ist unmöglich! Nein, so darfst Tu die Sache nicht auffassen. Du darfst sie nicht zu schwer nehmen!" „Nicht zu schwer, eine solche Nichtswürdigkeit?" man höchstens mit den Achseln gezuckt. Aber da die mörderische Brutalität des herrschenden Systems auch in die„besten" Familien hineingreift und sich ihre Opfer holt, so ist nun die Entrüstung allgemein. Man sagt, der Zar wolle den Vater des Erschossenen durch ein eigenhändiges Schreiben trösten. Als ob damit die Gräuel einer solchen Justiz gutgemacht wären! Man bedenke nur, daß in Rußland jene Gouverneure allmächtig sind, von denen jüngst einer, der General B a r a n o w, einen Bittsteller als„Attentate r" verhaften ließ, blos um sich interessant zu machen. Es geht, ivie man sagt, ein Sturm des Unwillens durch ganz Rußland. Die Partei, welche das herrschende militärisch-bureaukratische System in Rußland stürzen würde, wäre dieWohlthäterin Rußlands und Europas; sie würde den Alpdruck der Kriegsgefahr von uns nehmen. Leider giebt es bei uns„schmutzige West- Kalmücken genug, die im Kosackenthum den Hort ihrer finsteren Bestrebungen sehen. Novreppoxidettjen. Kukarest, 4. November. Die Agitation für die Kommunal- wählen ist gegenwärtig in der Hauptstadt uno in dem übrigen Lande eine äußerst erbitterte, zumal sich auch die A r b e i l.- partei trotz aller Lockungen und trotz aller Gewaltmittel nicht davon abhalten ließ, mit eigenen Kandidaten selbststündig in den Wahlkampf einzutreten. Diese Wahlen sind für die nächste Ent- wickelung der inneren Politik des Landes von größter Bedeutung. Zuerst wählt Bukarest, und wer hier den Sieg davonträgt, hat für die nacheinander in den Provinzen stattfindenden Wahlen einen wesentlichen Vorsprung. Diejenige Partei aber, welche durch die Gemeindewahlcn die städtischen Körperschaften in ihre Gewalt bringt, ist dann auch in der Lage, bei den daraus- folgenden Kammerwahlen für sich die Vortheile herauszuschlagen; demnach wird ein etwaiger Sieg der Arbeiter bei dieser Ge- legenheit der gesammten sozialistischen Bewegung zum Nutzen ge- reichen. Von größerem Interesse für das Ausland wird von der hiesigen Wahlkampagne wohl nnr ein Umstand fein, welcher dem Oberbürgermeister von Bukarest, Herrn Pake Protopo- pesku, vielleicht einen„E h r e n p l a tz" unter allen Förderern der amtlichen Wahlbeeinflussung erbringen dürfte. Dieser Herr, der für seine eigene werthe Person und seinen ziemlich ausgedehnten Anhang von den bevorstehenden Wahlen das Allerschlimmste be- f rchtele, organisirte unter der Führung st r e b s a m e r P o l i z e i b e a m t e n B a n d e n in der Stärke von dreißig bis fünfzig Individuen, welche, mit Revolvern und Knitteln ausgerüstet, die Wähler Massen terrorisiren sollten. Zuerst wies das Gemeindeoberhaupt diesen seinen wür- digcn Kämpen die Versammlungen der Sozialisten als Thätigkeits- seid an und ertheilte ihnen den Austrag, die Arbeiter„um jeden Preis" von dem Besuche dieser Versammlungen abzuhalten. Das wurde in der Weise versucht, daß sich die Mitglieder der Bande „Warum nicht gar. Ich versichere Dir, wenn alle jungen Damen auf eine solche Veranlassung hin ihr Verhältniß zu einem Manne lösen wollten, müßten wir alle als alte Jungfern sterben." Hanna schüttelte abwehrend den Kopf, ihre Mundwinkel zuckten schmerzhaft. „Ich kann Deine Anschauung nicht theilen, ich finde es zu empörend! Dieser Mann wirbt um meine Hand, er er- hält sie, und damit Alles, was Glück heißt. Ich bin es, die ihn über die gemeinen Sorgen des Lebens hinwegheben und es ihm ermöglichen wird, seiner Kunst zu leben und sich einen Namen zu machen. Und ich gebe mich ihm selbst in meiner Jugend und Reinheit, und dieser Mann erröthet nicht, das Einzige, das von ihm gefordert wird, das Einzige, das er mir versprochen hat, sein Herz, an eine Dirne zu verschenken?" Silvia behielt diesen vehementen Ausbruch gegenüber ihr überlegenes Lächeln. „Kind, die Männer wollen dies ganz anders aufgefaßt wissen, sie behaupten eben, sie gäben solchen Mädchen nicht ihr Herz, wir dürften dies deshalb als keinen Treubruch auschen. O," ihr Ton wurde herber, ironischer,„sie sagen es ganz ohne Scheu ihren jungen Frauen selbst, daß Männern gewisse Freiheiten erlaubt sein müßten, weil sie ihrer nicht cntrathen könnten." „Ah, sie behaupten das?" rief Hanna.„Mit welchem Recht? Sind sie anders organisirt, wie wir? Haben wir nicht ebenfalls Blut und Nerven, wie sie, und Jugend- gluth?" Aber als hätte sie bereits zu viel gesagt, unterbrach sie sich und warf in schauivolter Erregung beide Hände vor ihr Gesicht, es darin bergend. theilten; zur Hälfte nahmen sie an verschiedenen Punkten der Straße Aufstellung, um hier mit den Passanten oder den Versammlungsbesuchern Streit und Prügeleien anzufangen, wodurch die ganze Versammlung vor der Oeffentlichkeit dislre- ditirt werden sollte, ditirt werden sollte, zur Hälfte gingen die Polizeiagcnten in den Saal, spielten sich theiliveise als A n a r ch i st e n auf und brach- ten'es schließlich dahin, daß die Versammlung im allgemeinen Tumult erstickt wurde. Natürlich erschienen dann sofort die „regulären Polizeibeamten", schritten im Interesse der öffentlichen Ordnung ein und verhafteten meist die Führer der Arbeiterpartei, um sie dann niehrero Tage im Arrest zu behalten. Die Re- gierungspresse erging sich dazu in sittlicher Entrüstung über diese angeblichen Skandalszenen bei den Sozialisten, trotzdem diese sofort mit der größten Bestimmtheit behaupteten, daß jene In- dividuen von der Polizei bezahlte Agenten seien. Die bürgerliche Oppositionspresse unterstützte diese Anklagen der Sozialdemokraten, aber gleichwohl verhielt sich die große Masse der Bevölkerung noch immer ungläubig, da man dem Bürgermeister derartige Streiche nicht zutraute, obgleich diese Störungen der Arbeiter- Versammlungen drei Wochen lang mit immer größerer Brutalität in Szene gesetzt wurden. Die Partei sah sich zuletzt genöthigt, ihre öffentlichen Versammlungen einzustellen und nur noch geschlossene Zusammenkünfte ihrer Mitglieder zu veranstalten. Durch diesen Triumph ermuthigt, entsandte Herr Pake seine Prügelagenten nunmehr gegen die liberale Partei, d. h. gegen die bürgerliche Opposition. Dieser wurden zunächst zwei Versamm- lungen gesprengt; bei einer derselben wurde das Versammlungs- lokal demolirt, um dadurch alle Besitzer größerer Lokale davon abzuschrecken, ferner ihre Lokalitäten für jene Partei herzugeben. Als diese aber dennoch eine dritte Versammlung einberief, wur- den die Banden in einer Stärke von mindestens 80 Personen aufgeboten, um jeden Menschen, der zur Versammlung wollte, durch Prügel fortzutreiben. Hierbei Hingen die Agenten soweit, den Teputirten Palladi mit zweien seiner Parteifreunde mit Stöcken zu schlagen, doch gelang es diesmal den herbeieilenden Parteigenossen, zwei der Agenten zu entwaffnen, ihnen die Hände zu binden und sie in einer Droschke nach der Polizei- direltion zu bringen, wo sie als die etatmäßigen Polizeibeamten F i d o t und I s p a s entlarvt wurden. Viele der Versamm- lungstheilnehmer aber hatten gesehen, wie einige Minuten vor dem Ueberfalle diese Beamten mit dem Polizeipräselten Maresiu konferirt und also von diesem ihr« Weisungen empfangen hatten. Nun kam es natürlich zu einem gewaltigen Skandalprozeß, wobei nicht weniger als 250 Advokaten dem Teputirten Palladi ihren Rechtsbeistand anboten und jene „Beamten", die nicht einmal vor Gericht zu erscheinen wagten, zu sechs Monaten Gefängniß verurtheilt. Jedenfalls ist durch diesen Urtheilsspruch der Sieg der Opposition in Bukarest für die Gemeindemahlen gesichert, wobei hoffentlich auch die A r b e i t e r p a r t e i, die noch weit mehr als Herr Palladi und dessen Freunde von dieser„Sicherheitsbehörde" zu leiden ge- habt hat, einer nennenswerthen Zahl ihrer Kandidaten die Man- date erringen wird. Volikisthe Ltebrvstiftt. Berlin, den 7. November. Die Reise des russtschrn Thronfolger» nach Wien wird mit dem üblichen Trompetengeschmetter von der Hof- presse als„Bürgschaft des Friedens" gepriesen. Wenn der Friede solcher Bürgschaften bedarf, dann muß es ver- teufelt schlecht um ihn bestellt sein. Geradezu lächerlich ist es, von der„Friedensliebe Rußlands" zu rede». Rußland — wir reden da natürlich nicht vom russischen Volk, das ebenso wie jedes andere Volk den Frieden wünscht— daS z a r i s ch e Rußland ist ein Erobererstaat, und hält genau so lange Frieden, als es nicht Krieg führen kann, ohne die Gewißheit, sich Niederlagen zu holen.— Dee R e i ch s s ch u l d ist in beständigen! Wachsen. Der Etat der R e i!ch s s ch u l d für 1891/92, welcher soeben dem Bundesrath zugegangen ist, schließt in den fort- dauernden Ausgaben mit 53 861 500 M. gegen 46 622 500 M. ab; es stellt sich somit ein Mehrerfordern iß von 7 239 000 M. heraus. An einmaligen ordentlichen Ausgaben werden zur Einlösung des am 1. April fälligen Zinsscheines der 4prozentigen und der am 1. April und 1. Oktober verzinslichen 3d'sprozentigen Reichsschuld 10 242 500 M. gefordert. Von fortdauernden Ausgaben werden 110 000 M. für die Verwaltung der Reichsschuld verwendet; auf die Verzinsung der letzteren entfallen 53 751 500 M. und zwar 18 000 000 M. für die 4prozentige Reichsschuld, 24 185 000 M. für die 3V2prozentige Reichsschuld, 10 417 500 M. für die 3prozentige Reichsschuld. Der Rest von 1 149 000 M. wird zur Verzinsung der zur Deckung einmaliger Ausgaben durch Ausgabe von Schatzanweisungen, sowie der zur vorüber- gehenden Verstärkung des ordentlichen Betriebsfonds der Silvia aber, wie nliterfaßt von dieser Leidenschaftlichkeit. sprang empor, und sich dicht an sie heranschmiegend, umfing sie mit ihren Armen. „Das fühlst Du auch. Du, die ich immer für so kalt hielt, für so unempfindlich V! Du liebst also?!" „Nein, nein, nein!" rief Hanna in ernenter Heftigkeit, „ich liebe ihn nicht! O, er war mir so gleichgiltig, aber ich wollte nicht länger Mädchen sein. Ich trennte mich von ihm ohne Bedanern, ohne Sehnsucht, ihn wiederzu- sehen—" Sie stockte plötzlich. „Und jetzt, als Du ihn wiedersahst?" forschte Silvia. „Er ist ein Anderer geworden!" tonlos löste sichs von Hanna's Lippen, als spräche sie zu sich selbst. „Nicht wahr, Oswaldt ist interessanter, männlicher, selbstbewußter." „Ich weiß es nicht." „Du liebst ihn?" „Nein, sage ich, nein! Ich liebte einmal, ich war so jung damals, wahr und innig. Ich forderte das Gleiche, eine Neigung, die sich über Alles hinwegsetzt, Alles zu schlichten. Alles zu ebnen vermag. Ein schönes, großes Gefühl wollte ich erwecken, weil ich fühlte, daß ich es zu erwidern vermöchte. Ich fand mich getäuscht. Die Neigung, die ich einflößte, ivar von jener dürftigen Art, die bei der ersten Schwierigkeit erlischt. O, wie mich das traf, demüthigte, vereiste! Und nun—" „Jetzt verstehe ich Dich, Hanua." „Nein, glaube nicht, daß eine neue Liebe so über- mächtig rasch emporblüht; was sich da regte, als ich ihn wiedersah, war so zart noch, es hätte müssen sorg- sam gepflegt werden, ängstlich gehütet— ich gebe es preis!" „Hanna,»mser Argwohn ist vielleicht unbegründet, be- ruhige Dich, o, dres Alles thut mir jetzt so leid. Aber wenn Du ihn liebst, dann—" Hanna hielt sich die Ohren zu. „Ich will nichts weiter davon hören. Ich glaube nicht mehr an Liebe; was diesen Namen trägt, ist eine Lüge.— O, ich wollte nur, ich wäre vierzig Jahre alt und Alles wäre vorüber!" Reichshauptkasse aufgenommenen Mittel gefordert. Das Mehr der Forderung für 1891/92 gegen 1890/91— 7 239 000 M.— setzt sich ans Mindcrforderungen für die Verwaltung— 18 500 M.— und Verzinsung— 3 160 000 M. zusammen 3 178 500 M.— und einer erstmaligen Forderung für die Verzinsung der Zprozentigen Rcichsschuld— 10 417 500 M.— zusammen.— Zun« Arbeiterschnffgeseff. Das„Archiv für Gesetzgebung und Statistik" veröffentlicht in seinein so eben erschienenen Doppelhefte— wir folge» hier, da uns das Heft noch nicht zu- gegangen ist, der„Vossischen Zeitung"— zivei auf die gegen- wärtig dem Reichstage vorliegende Gewerbe Novelle bezüg- liche wissenschaftliche Aufsätze. Der erste rührt von dem Münchener Dozenten Dr. Theodor L ö w e n f e l d her und behau- delt K o n t r a k t b r u ch und K o a l i t i o n s r e ch t. Wir ent- nehmen diesem gediegenen Aufsatze folgende Schlußworte: „Es dürfte keinem Zweifel unterliegen, daß der Arbeitgeber- schütz der Novelle in einem schädlichen Widerspruch zur positiven Sozialpolitik steht, welche die Novelle in ihren Bestimmungen über Arbeiterschutzrecht inauguriren will. Bor allein aber verletzt der Entwurf eine und zwar die er sie Aufgabe des Gesetz- g e b e r s. Der Gesetzgeber soll nicht über den Wolken thronen, aber er soll auf einer.höheren Warte stehen als auf der Zinne der Partei. Wie vor seinem Werk, dem Gesetz, alle gleich sein sollen, so soll sein Werk auch selbst für alle gleich sein, nicht blas im äußerlichen Wort, sondern nach der inneren gleichmäßigen Gcrech- tigkeit. Wo die Schuld des Einen, des Mächtigen und des Reichen, straflos bleibt oder nur gering geahndet wird, die Schuld des Schwachen und Armen über alles Maß hinaus; wo den Mächtigen gestattet wird, straflos gerade dasjenige Recht unter den Fuß zu treten, das zum Schutze der Schwachen gegen sie bestimmt ist, während jedes Hinausgehen der letzteren über die R e ch t s a u s ü b u n g strenger als gemeine Ver- brecher bestraft wird: da können wir zene erste Aufgabe des Ge- setzgebers nicht erfüllt sehen. Wir können dies um so weniger, wenn das Recht, welches in so mangelhafter und parteiischer Weise geschützt wird, derjenigen Aufgabe dienen soll, welche derselbe Ge- setzgeber als eine der höchsten und nothwendigsten Pflichten des Staates und der Gesellschaft betrachtet." Der zweite Aufsatz rührt von dem(durch seine treffliche Arbeit über die Mülhauser Fabrikzustände rühmlich bekannten) Freiburger Professor Heinrich Herkner her und behandelt den Entwurf des Gesetzes über die Abänderung der Gewerbeordnung sehr ausführlich unter sachlicher Beurtheilung der Anträge und Auslassungen der Parteien. Gerade gegenwärtig, da die Kom- Mission des Reichstages ihre Arbeiten wieder aufgenommen hat, kommt dieser Aufsatz höchst zeitgemäß. Auch Herkner übt besonders an den Bestimmungen über den Kontraktbruch wie an jener ganzen Reihe von Vorschriften, welche man als„A r b e i t e r- trutz" bezeichnet hat, scharfe Kritik und meint gegenüber den drakonischen Strafbestimmungen gegen Arbeiter, zum Glück scheine von der Unannehmbarkeit dieser Vorschläge so ziemlich der ganze Reichstag mit Ausnahme der äußerste» Rechten durchdrungen zu sein. Er erinnert an Schmoller's Bemerkung, die ganze Be- ivegung für Kontraktbruchs- Strafe sei eine vorübergehende reaktionäre Philistersiimmuug, die eigentlich am liebsten die ganze Freizügigkeit und Koalitionsfreiheit wieder beseitigen würde, und er schließt mit folgenden Worten: „Nicht durch Strafparagraphen wird die Arbeiterbewegung in ein ruhiges gesetzliches Fahrwasser gelenkt. Wie uns die"Er- fahrung deutlich lehrt, vermag nur die Ausbildung tüchtiger Arbeiterorganisationen Ausschreitungen, sei es nun, daß sie im Bruche des Arbeitsvertrages, sei es, daß sie in Drohungen, körper- lichen Zwang u. s. w. bestehen, endgiltig zu bannen. Die Aufgabe einer von großen Gesichtspunkten getragenen und nach friedlicher Lösung der sozialen Frage ringenden Politik wird deshalb nur darin bestehen können, daß man die Entwickelung von Fach- verbänden der Arbeiter fördert und ihnen die nothwendigen ge- setzlichen Grundlagen für eine gedeihliche Entfaltung gewährt. Daß die vorliegende Novelle noch nicht entfernt alles daS enthält, was durch die kaiserlichen Erlaffe in Aussicht gestellt worden ist, bedarf wohl keines weiteren Stachweises. Hoffentlich sind die weiteren Entwürfe zur Ausführung des kaiserlichen Programms, die wir noch zu erwarten haben, bereits durchaus frei von dem unseligen Zwiespalte, der den vorliegenden Entwurf beherrscht, und athinen durchaus den Geist einer großen neuen Zeit."- Dem Vernehmen nach, lautet eine offiziöse Notiz, werden auch im Reichshaushalts-Etat für 1891/92 einige Positionen zur Errichtung von Molinhäusern für in den Reichs-Ver- waltnngsbetrieben beschäftigte Arbeiter ausgeworfen sein. U. absott zu diesem Zwecke eine beträchtliche Summe in den Marineetat eingestellt sein, um solche Wohnhäuser in Friedrichsort am Eingang des Kieler Hasens erbauen zu können. Nun, wenn die Wohnhäuser wohnlich sind, und das Bewohnen nicht mit Freiheitsbeschränkungen verbunden, dann ist das ein ganz gutes Werk, wenn nicht, nicht. Und vor Die junge Frau schlug entsetzt die Hände zusammen. Vierzig Jahre! Mein Gott, das müßte entsetzlich sein; vierzig Jahre, das möchte ich gar nicht erleben! Was haben wir Frauen mit vierzig Jahren denn auch noch auf dieser Welt zu thun?! Nein, alles Glück für uns liegt vor dieser Zeit." Und dann wieder die Schwester um- halsend, fuhr sie fort:„Armes Kind, Du kennst noch nicht das Glück und möchtest ihm entsagen?" Hanna nahm die Hände von dem erblaßten Antlitz und sah die Schwester durchdringend mit ernsten Augen an. „Du nennst mich arm, bist Tn reich? Hast Du das Glück kennen gelernt? Geh', Du hast Dich für ewig einer Lüge vermählt." „Für ewig!* Silvia's Lippen stammelten es nach, indeß sie unter einem leichten Frösteln zusammenfuhr, dann sagte sie langsam, ohne aufzusehen:„Sollte nicht einmal ein Tag kommen, wo— man nicht länger zu heucheln vermag, Ivo man wieder ivahr wird, wenigstens gegen sich selbst— um sich selbst wieder zurückzunehmen? Aber freilich, bis dahin—" ihr Mund verzog sich zu einem eigenthümlichen Lächeln,„nun, die Verachtung brennt allmälig Alles zu Asche, alles Empfinden, alles Lieben, aber wenn ans der Asche phönixglcich eine— neue Liebe eniporsteigt, dann— dann, Hanna, beginnt auch ein neues Leben!" Sie erhob sich und that einige Schritte im Zimmer hin und her. Die Jungfer kam herein und blieb an der Thür stehen. „Was giebt's?" fragte Silvia. „Herr—" „Ich empfange Niemand!" unterbrach sie Hanna rasch. �„Gnädiges Fräulein, es ist Herr Osivaldt." Tie Schwestern tauschten einen Blick der Frage und Nnent- schlossenheit. Hanna trat hierauf an den Schreibtisch, um hastig einige Zeilen auf eine Karte zu kritzeln, die sie konvertirte und dem Mädchen übergab, das sich damit entfernte. (Fortsetzung folgt.) Allem hat der„Arbeitgeber Staat" seine Arbeiter so lliviii lyvic VW �-«-v vvv vvvzvv vv vwvvvvv �, u bezahlen, daß sie auch ein menschenwürdiges Dafe/ führen können.— Die deutsche Rcptilpresse— wir müssen den Ausdrri wieder aufuchmen, denn die n i ch t-„anständigen Leute< welche weiland für den Exkanzler schrieben und Deutschtom in üblen Geruch brachten, treiben auch jetzt, nachdem ir Kanzler e x geworden ist, das Berieselungsgeschäft fort" nur daß sie nicht mehr im Solde der Regierung stehen, was insofern ein Bortheil und Fortschritt ist, m- sie nun wenigstens Deutschland und die deutsche Regien«1!! nicht niehr kompromittircn, sondern nur ihre eigene bärmlichkeit zur Schau tragen und die ihrer Hintermänner Wer diese sind, darüber vielleicht ein andermal— Se' nug, die Reptilien sind noch an der Arbeit, und es ist um schmutzige Arbeit, die sie verrichten. Die blödsinnig gemeinen Artikel gegen die Sozialdemokratie, mit denen en Theil der deutschen Presse in den letzten Wochen üben schwemmt ward, entstammen zu neun Zehnteln dem Kloakeg systein, welches die Domäne dieser Gesellen ist. Auch o> Verhetzungen gegen Frankreich, die hier und da wieder ver- sucht werden, sind Reptilarbeit. Jetzt muß der ungezogene Brief herhalten, den ei« französischer Chauvinist, Namens Laur, an de« Feldmarschall Moltke zu dessen Geburtstag F schrieben hat, nachdem einem Schimpftelegramm die»n nähme verweigert worden war. Dieser Laur ist einer o" verkommensten unter der boulangistischen Sippe und oveu- drein in Frankreich eine lächerliche Person. Und der Junges streich eines derartigen Individuums, das vermuthlich vo" -— � �_______ cn�trilßll jivtiuj tuics» vwuwvyv-u uvivtvuiuu� vuv irgend einem der auf Skandal spekulirenden Herrn Pwj, und Kronprätendenten dafür bezahlt ist soll als Beivej. gelten, daß Frankreich von Haß gegen Deutichland sei itnh cmjiichtsjbeiife als an den Revanchckrieg. |t:i uuu uu mu/i» tu» uu vcu'7 st/r ist, daß die Sympathien für Deutschland in Frankreich�bestau� zunehmen, daß die französischen Politiker, Journaltsten � Gelehrten, welche Deutschland im Laufe dieses- Jahre» � gelegentlich der Arbeiterschutz- Konferenz, des Ilerztetag' u. s. w.— besucht haben, in der Presse ihres Lande» � Deutschen im Allgemeinen und die Berliner im Besonde nicht genug loben können; und daß speziell Moltke sich Frankreich allgemeiner Achtung erfreut, welche auch» legentlich seines letzten Geburtstages zum Ausdruck t Die Franzosen haben etwas Ritterliches und sie greifen, daß es ihnen zu höherer Ehre Qj-reMj die Größe ihres Besiegers anzuerkennen, als K zu leugnen. Und was in Frankreich an Moltke besonv 6� iciiyiitu. uuu iuu» tu �ytuiuiciu; uu wtvtwv v-|- anerkannt wird, ist, daß er sich ivährend des Krieges«J mals einer Grausamkeit oder Rohheit schuldig gemacht-r' — und in dieser Beziehung wird zwischen ihm und schiedenen Anderen eine sehr scharfe Grenzlinie per- arw�en Jnnoeren eine wyv icyarse csrenzttn»- Moltke hat die Beilegten stets n, enschlich und stets achtuug' voll behandelt, und das ist ihm in Frankreich nicht � 5X>{ gesfen.— Ter Stöcker soll nun doch gegangen werden. Gerücht tritt mit einer solchen Hartnäckigkeit auf, daß wi* � wähnen müssen, so unbedeutend auch die Persönlichkeit jndenhetzerischeu Pfaffen an sich ist. Aber als A u s w u w' als S y m p t 0 m verrotteter, fauler Zustände hat. Mann unstreitig seinen Platz in der Zeitgeschichte—%% auch keinen beneidenswerthen. Daß er ein Bismarck'schen Politik war, die ihn freilich vor der Oe�-,� lichkeit zu verleugnen genöthigt war, das unterliegt keinen verständigen Menschen dem leisesten Zweifel.� � VVUUU vwjiviuvtyvu„vvv»w|vv;vu vv»»i ein solcher Mensch, dessen ganze Thätigkeit ein Hohn tsi � christliche Liebe und Wahrhaftigkeit, Jahrzehnte lang Stellung eines Hofpredigers bekleiden konnte, das tsi � Anomalie, die sich nur aus der Atmosphäre ,{I Aera Bismarck erklären läßt. Da die Männer � neuesten Aera, wenn auch„der Kurs der alte" vf � doch eine entschiedene Abneigung gegen kompromutn Elemente verrathen haben, so erscheint es ganz neu« daß sie auch das Bedürfniß empfinden, sich einen& �< vom Hals zu schaffen. Der Umstand, daß die Hess tJLß, Regierung sich neuerdings ziemlich scharf gegen den semitismus gewandt hat, konnte nur, in Verbindung � der Entlassung des Stöcker, die Vermuthung aufkow§ lassen, die neueste Aera wolle sich den A n t i s e m i t l s«& von den Rockschößen schütteln, undmit Nachdruck gegen,-jjl gemeinschädlichen Hetz- Demagogen einschreiten. haben wir jedoch nicht den geringsten positiven Lu n den weitesten Kreisen der sogenannten maßgev � schichten wird der Antisemitismus gehätschelt, weil m l(l demselben einen Blitzableiter gegen die Sozialdemokrat blickt, und weil man glaubt, durch Preisgeben des J1 scheu Kapitalisten und Ausbeuter den Kapital: s ,, und die christlichen Kapitalisten und � beuter z u retten. Diese Anschauung und St:«" welche Hand in Hand. geht mit � eine��t Abneigung gegen eine ernsthafte sozialrefor... Politik, wird aber schwerlich so rasch beseitigt»verde(( iiv»S S*vitnr intr Sov Qfnfirfif Srtto■ Jjft/ und darum sind wir der Ansicht, daß der Stöcker, "' �- von der Bildfläche versch�> wirklich als Hofprediger als Hetzagitator eine um wird.— so größere Thätigkeit en tfal- Uebrigens sind die Antisemiten u n t e r s l'Lst' "____,____<____ rs*(S:tX4*'frh£- die Hunde und Katzen. So bringt das Stöcker'sche„ heute folgende Jeremiade aus Siegen, der HaUfR des Stöcker'schen Wahlkreises: Siegen. Im Wahlbezirk des Herrn Hofprediger � zu Mornshausen a. d. S.(Kreis Biedenkopf), fand ain Sv« l- den 2. November d I., eine antisemitische V o l r s � fammlun g statt. Auf der Tribüne erschien als Re&«W Reichstags-Avgeordnete Dr. Böcke l. Er sprach über o''.,/ gaben und Ziele der Antisemitenpartei, ihre Stellung ä«*®, V durchdrungen von schwülstigen LobesbqeugunKen gegens�Phl»� „Reichsherold" empfahl. Nun, das ist ja so recht Dr. - und einem Mann, der nichts Besseres zu bieten veriyaiäyfl zecht man schon gern nach dem Sprichwort:„Niemand wie er hat." Aber eines ist Dr. B ö ck e l nicht z« hat." Aber eines ist Dr. Böcke! nicht 8»"J»ii und verdient, festgenagelt und weiteren, christlichen # V*»~'|| ij'--—-'—"/-- i-----/ ,, 1. fTlJ. kannt gegeben zu werden. Dr. B öckel betreibt uan». besagte Versammlung gelehrt, im Wahlkreise d e s � v i ä«« Ä-**■.c_„___ er*"»_..,... tl.,,1/ LMKWBWiZß des Böckel'schen Antisemitismus im Marburger kennt diese traurige, jedes wahrhaft christliue Gemüth ver letzende KamPfesweise schon lange. Doch den christlich-gesinnten Männern im Wahlkreise des Herrn Hosprediger Stöcker möchte ich zurufen: Seid auf der Wacht, denn es kommt einer, dem wenig heilig ist, der sich große Mühe giebt, den guten Namen Eures treuen Abgeordneten in den Staub zu ziehen und Euer Ver- trauen zu ihm zu erschüttern Nun— wir können nur wünschen, daß dieser Bockel und dieser Stöcker das Beispiel der bekannten zwei Löwen nachahmen, von denen die„Fliegenden Blätter" einst sagten: Zwei Löwen gingen einst selband In einem Wald spazohren— Da haben sie von Wuth entbrannt Einander aufgezohren. Vielleicht könnten sie auch nach Afrika gehen und den »schwarzen Brüdern" das Aufzehrungsgeschäft überlassen.— Helgoland soll nicht„Reichsland" werden, wie Elsaß Lothringen, wo man in der Reichsländelei ein Haar gefunden hat, sondern direkt Preußen einverleibt werden. Daß dies das Einfachste und Natürlichste ist, wird Nie nicmd in Abrede stellen, allein es erheben sich„staatsrecht- "che Bedenken". Hoffentlich werden sie von den Gneisten, »die Alles beweisen können", bald überwunden. Die paar Ouadratruthen Land sind eS wahrhaftig nicht wcrth, daß man viel Wesens um sie macht— was uns dagegen sehr mterefsirt, das sind die Millionen und Dutzende von Mil- llonen, die man für Kriegszwecke sauf diesen paar Quadrat- tuthcn Kreidefelsen verbauen will— einerlei, ob sie »preußisch" oder„reichsländisch" sind.— Der Sieg der Sozialdemokraten bei den Stadtvcr- ordneten-Wahlen in Kiel wird von der gegnerischen Presse w. allen Tonarten erörtert. Daß sie ihn möglichst zu ver- uemern suchen, überrascht uns nicht bei ihrer bekannten Vogelstrauß-Politik, welche die Augen hartnäckig gegen die Thatsachen verschließt. Nur die„Kreuz- Zeitung" gesteht chAich ein, daß sie sich sehr beklemmt fühlt. Sie seufzt: „Was nun im Prinzip den Wahlkampf betrifft,� der hier ausgekämpft wird, so läßt sich nicht verkennen, daß er eine Ishr ernste Seite hat und seine Folgen tiefgreifend werden können. Ist die Sozialdemokratie erst einmal in das Stadt- verordneten-Kolleginm eingedrungen, so ist es nicht unmöglich, daß sie in absehbarer Zeil die Mehrheit, erlangen wird;, ja es üt wahrscheinlich, daß sie dieses Ziel in drei bis vier Jahren "reicht. Die Folgen einer sozialdemokratischen Stadtverordneten- Mehrheit seien hier nicht weiter ausgemalt. So viel aber steht Jj-st, daß sie für die Entwickelung'unseres städtischen �>�mein wesens verhäng nipvoll werden könnte." und überall f. Nicht dem„Gemeinwesen", fondern höchstens dem licht- Treiben Solcher, die ber der bisherigen Ordnung » j* Dchge gute Geschäfte machten. Die Sozialdemokraten sitzen ln. Hunderten von Gemeindevertretungen, yaoen sie gut gewirkt, und wo sie Korruption fanden, tüchtig Usgeräumt. Kein ehrlicher Mensch hat Ursache es zu Dauern, wmu Sozialdemokraten an der Genieindeverwaltung nehmen. Huf �>ev kn Kiel wiegt über und über die Schlappe «s, welche wir in Hraunschmeig erlitten haben, und welche �kuf zufällige Umstände zurückzufübren ist, die eib mer späteren Wahl keine Rolle mehr spielen werden.— m Das Vordringe» unserer Genossen entlockt den Gegnern Angstrufe über Angstrufe. Erläßt da z. B. der "hessische Bauernverein" nachstehenden Auf-— ""r wollten sagen Angstruf: ,„Achtung! Vereinsgenossen! Gebt Acht auf Euere schlimmsten Aemde— die Sozialdemokraten. Gegen unfern Bauernstand, cv 3 festeste Bollwerk des Staates, gegen unsere Religion, unsere tfaimlie, unser Eigenthum wollen sie ihren Zerstörungs-Feldzug beginnen. Wohlan! Den uns aufgedrungenen Kampf müssen nnv wollen wir mit männlicher Zuversicht, aber auch mit tstger Umsicht aufnehmen und durchkämpfen. Auf die Führer Ss3 Bauernvereins könnt Ihr bei diesem Kampfe sicher zählen! ß tum berichtet es ihnen sofort, sobald jener Landschaden in �urem Dorf einbrechen will, um mit seinen verderblichen und tflhmvitzigen Lehren Euch zu bethören und zu vergiften. Euere �ftemssührer werden auf Eueren Ruf alsbald auf dem Plan ichemen und den Feind die Lust verleiden, ein zweites Mal °" Euch einzufallen." § in den Schädeln aussehen muß. Nun, die fe»° okraten werden schon einige Spinnweben heraus- L n und einige Lichtstrahlen hineinbringen.— über%»�teuzzeitung" bringt wieder einen kräftigen Artikel Mitnci" U M f u n 9..ba; Gsts-rprovinzen. Die„Kreuz- 4ei*.% W Recht, es ist schmachvoll, wie von russischer ®ntrinv. vorgegangen wird» allein was nützt die grinimigste tri.,t....„----- sie nicht mit dem Entschluß der T hat M? hu-Ucht, Vis,?, derb»� 9, wenn sie nicht mit dem Entfchliist der Dyal nickt t)f? Und das deutsche Juukerorgan denkt doch inst Entferntesten daran, daß die deutsche Regieruiig t»ssjs�Icn�"�khen einnial ein ernsthaftes Wort rede. Tic W* e��rung ist ja der„Kreuzzeitinig" politisches Ideal. Betrachtung zu ziehen, daß die gege» politische Lage Europas ein kräftiges Vorgehen Ach.. sttußlaud überaus erschwert. Es darf nicht außer Lothrin werden, daß, seit die Annexion von Elsaß- stfclim™" zwischen Deutschland nnd Frankreich einen Stggt?°".,3""kapfel geworfen hat und infolge dessen beide eiipo' J'ch gezwungen sehen, ihre ganze Kraft gegen „der Zu wenden, der Barbarenstaat Rußland als 'veit Dritte" eine Machtstellung erlangt hat, die der das wirkliche Maß seiner Kräfte hinausragt. wst 0(',.bcn"Lyoner Anarchisten" verhält es sich, wie Hälse, f vermutheten. Es sind ein paar junge Schrei- »»ter. 18—20 Jahren, die etwas Radau verübt und haben"Ä�ihreri scheu Reden" Polizisten zu prügeln versucht -Ulf xip ZchUN, früher hätte man solche Bürschchen einfach lasse,,"tauche geführt und dort ihren Rausch ausschlafen KL/ beute giebt's Leute,' 'tthistp. ,/ und so werden die ökwacht.— iWaufÜ Budgetdebatte!! der französischen Kammer stobt ff glatt. Die Zollpolitik der Regierung runap,! f'uen nennensivertheu Widerstand; und die For- " De n r /ut den riesigen Militäretat werden durchgehen, weil «Usgj lchland noch mehr für Militärzwecke ir�Unit und weil Frankreich doch dem Morte d e r a n d e r e n Mächte folgen muß." 5>e Regierungsvertreters). Immer das alte Spiel: -f(Qn,'H611 rüsten weil wir rüsten, und>vir, iveil die �ovien es thnn. Die„Schraube ohne Ende".— 1 �Vrzog von Nassau ist in Luremburg als Regent e b imf�u worden. Da der König von Holland dem N°a Mchvint, ivird der„Regent" bald regierender lein_ ein Titel, den er seit 1866, wo er kd,„ffs von der preußischen Regierung depostedirt hat führen dürfen. die das„rothc Gespenst' grünen Jungen zu„Au- Die Niederlage der Republikaner und Schutz- zöllner in den Vereinigte» Staaten wird fast von der gesammten Presse des In- und Auslandes als der Nagel zum Sarge der Kinley-Bill betrachtet. Wir können nur unsere Warnung vor allzu sanguinischer Auf- sassung der Dinge wiederholen. ** Veueste Aachrichten, lieber die Kricgsbudget-Debatte der französischen Kammer giebt ein Telegramm nach- stehende, uns Deutsche besonders interessirende Einzelheiten aus der Rede des Berichterstatters: Der Berichterstatter Cochery erklärte, es seien alle nur möglichen Ersparnisse vorgenvmmen worden. Wenn man das französische Budget mit dem deutschen vergleiche, so müsse man zugeben,*' man in Frankreich für die entsprechenden Posten 1U; llionen mehr ausgebe als in Deutschland, im Ganzen ölv Millionen gegen 500 Millionen. Das seien die ordentlichen Ausgaben. Allein für die a u ß e r o r d e n t- lichen Ausgaben im Jahre 1891 würde in Frankreich das Budget 208, in Deutschland dagegen 825 Millionen betragen. In der Vermehrung des Effektivbestandes seiner Armee folge Frankreich nur dem Bei- spiele der Nachbar-Nationen. Frankreich wisse, daß der Friede nothwendig sei, aber es werde kein Opfer scheuen, um seine Existenz und seine Würde zu wahren. Es sei�iorauszusehen, daß in einigen Jahren dem Lande weitere 50*OMioiie» zur Unterhaltung seiner militärischen Macht aufgebürdet würden, allein die Kammer werde sicher nichts unterlassen wollen, was für deren moralische und materielle Größe nothwendig sei. Nun, in Deutschland ivird man uns nachweisen, daß die Franzosen mehr ausgeben. Ein Telegramni aus Herbesthal meldet, daß der französische Gesandte auf der Rückfahrt von Paris an der Grenze mit den deutschen Grenz-Zollbeamten eine Differenz gehabt hat, weil dieselben sein Gepäck revidiren wollten. Der Gesandte protestirte und mußte, da er sich nicht ausweisen konnte, ohne Gepäck nach Berlin Weiterreisen.'Jedenfalls liegt ein Mißvcrständuiß vor. Das Gepäck von Gesandten ist nach dem Völkerrecht zollfrei. Inwieweit die betreffenden Zollbeamten eine Schuld trifft, das wird sich bald heraus- stellen. Bedeutimg hat die Sache natürlich nicht. es mit sich bringt, daß die Ar- der'Arbeit sich reinigen, müssen getrennte Ankleide- und Wasch- Arbeiterschnk-Kommisston. Die§§ 120 a bis 120 e der Regierungsvorlage enthalten die Bestimmungen über die zum Schutze gegen Gefahren für Leben und Gesundheit der Arbeiter zu treffenden Einrichtungen. Zur Orientirung der Leser lassen wir die betreffenden Para- graphen der Vorlage hier folgen: § 120a.(Neu.) Die Gewerbeunternehmer sind verpffichtet, die Arbeitsräume, Betriebsvorrichtungen, Maschinen und Gerälhschasten so einzu- richten und zu unterhalten und den Betrieb so zu regeln, daß die Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit soweit geschützt sind, wie es die Natur des Betriebes gestattet. Insbesondere ist für genügendes Licht, ausreichenden Luft- räum und Luftwechsel, Beseitigung des bei dem Betriebe entstehen- den Standes, der dabei entwickelten Dünste und Gase, sowie der dabei entstehenden Abfälle Sorge zu tragen. Ebenso sind diejenigen Vorrichtungen herzustellen, welche zum Schutze der Arbeiter gegen gefährliche Berührungen mit Maschinen und Maschinentheilen oder gegen andere in der Natur der Betriebsstätte oder des Betriebes liegende Gefahren, nament- lich auch gegen die Gefahren, welche aus Fabrikbränden erwachsen können, erforderlich sind. Endlich sind diejenigen Vorschriften über die Ordnung des Betriebes und das Verhalten der Arbeiter zu erlassen, welche zur Sicherung eines gefahrlosen Betriebes erforderlich sind. § 120b.(N e u.) Die Gewerbeunternehmer sind verpflichtet, diejenigen Ein- richtungen zu treffen und zu unterhalten und diejenigen Vor- schriften über das Verhalten der Arbeiter zu erlassen, welche er- forderlich sind, um die Aufrechterhaltung der guten Sitten und des Anstandes zu sichern. Insbesondere muß, soweit es die Natur des Betriebes zu- läßt, bei der Arbeit die Trennung der Geschlechter durchgeführt werden. In Anlagen, deren Betrieb beiter sich umkleiden und nach ausreichende, nach Geschlechtern räume vorhanden sein. Die Bedürfnißanstalten müssen so eingerichtet sein, daß sie ür die Zahl der Arbeiter ausreichen, daß den Anforderungen der Gesundheitspflege entsprochen wird und daß ihre Benutzung ohne Verletzung von Sitte und Anstand erfolgen kann. § 120c. Gewerbeunternehmer, welche Arbeiter unter achtzehn Jahren beschäftigen, sind verpflichtet, bei der Einrichtung der Betriebsstätte und bei dergiegelung desBe- triebes diejenigen besonderen Rücksichten auf Gesundheit und Sittlichkeit zu nehmen, welche durch das Alter dieser Arbeiter geboten sind. tz 120(1.(Neu.) Die zuständigen Polizeibehörden sind befugt, im Wege der Verfügung für einzelne Aulagen die Ausführung derjenigen Maß- nahmen anzuordnen, ivelche zur Durchführung der in§§ 120a bis 120c enthaltenen Grundsätze erforderlich nnd nach der Be- schaffenheik der Anlage ausführbar erscheinen. Sie können an- ordnen, daß den Arbeitern zur Einnahme von Mahlzeiten außer- halb der Arbeitsraume angemessene, in der kalten Jahreszeit ge- heizte Räume unentgeltlich zur Verfügung gestellt werden. Soweit die angeordneien Maßregeln nicht die Beseitigung einer dringenden, das Leben oder die Gesundheit bedrohenden Gefahr bezwecken, muß für die Ausführung eine angemessene Frist gelassen werden. Den bei Erlaß dieses Gesetzes bereits bestehenden Anlagen gegenüber können, so lange nicht eine Erweiterung oder ein Um- bau eintritt, nur Älnsorderungen gestellt werden, welche zur Be- seitigung erheblicher, das Leben, die Gesundheit oder die Sittlich- keit der Arbeiter gefährdender Mißstände erforderlich oder ohne unverhältnißmäßige Auswendungen ausführbar erscheinen. Gegen die Verfügung der Polizeibehörde steht dein Gewerbe- Unternehmer binnen zwei Wochen die Beschwerde an die höhere Verwaltungsbehörde zu. § l20e.(Neu.) Durch Beschluß des Bundesraths können Vorschriften darüber erlassen werden, welchen Anforderungen in bestimmten Arten von Anlagen zur Durchführung der in den§§ 120a bis 120c enthaltenen Grundsätze zu genügen ist. Soweit solche Vorschriften durch Beschluß des Bundesraths nicht erlassen sind, können dieselben durch Anordnung der Landes- Zentralbehörden oder durch Polizeiverordunngen der zum Erlasse solcher berechtigten Behörden unter Beachtung des§ 81 des Unfallversichernngs-Gesetzes vom 6. Juli 1884(Reichs-Gesetzblatt ~ 69) erlassen werde». Durch Beschluß des Bundesraths kann für solche Gewerbe, in welchen durch übermäßige Dauer der täglichen Arbeitezeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet wird, die Dauer der zulässigen täglichen Arbeitszeit und der zu gewährenden Pausen vor- geschrieben werden. Die durch Beschluß des Bundesraths erlassenen Vorschriften ind durch das Reichs-Gesetzblatt zu veröffentlichen. Die Berathung setzt bei§ 120 a ein. Abg. Möller beantragt eine die Reg. schwächende Fassung des 8 1-0 a. Abg. Hitze beantragt, den Verussgenossenschaf fugniß zum Erlaß von Vorschriften den Schutz der betreffend einzuräumen. Abg. von K l e i st- R e tz o w hat einen dem Hitze'schen ähnlichen Antrag gestellt. Der Referent Abg. v. Stumm empfiehlt die Regierung?- vorläge und spricht sich gegen das Amendement Möller aus, welches die Fassung der Regisrungsvorlage verschlechtere. Abg. Schmidt referirt über die zu diesem Paragraphen ein- gegangenen Petitionen, wobei er namentlich die heut einge- gangene Petition des Verbandes Berliner Metall-Jndustrieller bespricht. Abg. Möller vertheidigt seine Amendements, indem er ausführt, daß die Schutzeinrichtungen nur getroffen werden sollen in- soweit es der Betrieb ohne unverhältnißmäßige» Aufwand ge- stattet. Reg.-Komm. Geh. Rath L o h m a n n hält die Regierungs- vorläge den Verhältnissen entsprechend. Abg. Möller will bestimmen, daß„thunlichste" Sicherung eines gefahrlosen Betriebes vorgeschrieben sind. Abg. Singer spricht sich sehr energisch gegen die fort- währenden Abschwächungsversuche aus und bittet das Amendement abzulehnen. Der Minister tritt diesen Ausführungen bei und betont, daß es sich ja hierbei nur um den Erlaß von Vorschriften handle. Abg. Klemm will ebenfalls den Antrag Möller abgelehnt haben, weil derselbe geeignet sei, das Gesetz abzuschwächen. Abg. Dr. Böttcher empfiehlt den Möller'schen Antrag, weil derselbe die Bedenken der Unternehmer zu beseitigen ge' eignet sei, ohne die Wirkungen des Gesetzes zu beeinträchtigen. Abg. Bebel wendet sich gegen den Autrag Möller, den er als eine Verschlechterung der Vorlage bezeichnet. Abg. Dr. Hirsch bezeichnet die jetzt zur Berathung stehen- den Paragraphen als den besten Theil der Vorlage und wird gegen den Antrag stimmen. Abg. Möller tritt nochmals für seinen Antrag ein und giebt dabei selbst zu, daß er eine Abschwächung des Gesetzes enthalte. Abg. Singer nagelt dieses Zugeständniß fest und hält gerade deshalb die Ablehnung des Antrages für nothwendig. Abg. Dr. Böttcher zieht den Antrag Möller zurück, der, um die Kommission zu einer definitiven Stellungnahme in dieser Frage zu veranlassen, von deni Abg. Singer aufgenommen wird. Der Antrag wird hierauf einstimmig abgelehnt. Bei der Abstimmung wird§ 120a in der Fassung der Re- gierungsvorlage einstimmig angenommen. Die Diskussion über§ 120b wird eröffnet. Hierzu beantragt Abg. M ö l l e r die vorgeschriebene Trennung der Geschlechter bei der Arbeit, welche die Vorlage, soweit es die Natur des Betriebes Zuläßt, einführen will,„thunlichst zu berücksichtigen".; ebenso beantragt erdieWasch- undAnkleideräume für be Geschlechter nicht getrennt zu beschließen, sondern nur zu& stimmen, daß diese Räume nur nach Geschlechtern getrennt benutzt werden müssen. Der Referent Abg: v. Stumm empfiehlt die Regierungs- vorläge anzunehmen. Korreferent Molkenbuhr führt aus, daß in Rücksicht auf die Sittlichkeit die Trennung der Geschlechter bei der Arbeit nicht nothwendig sei, daß im Gegentheil eher Rohheiten u. s. w. durch die Anwesenheit beider Geschlechter in demselben Arbeits- räum vermieden werden. Abg. Schmidt referirt über die eingegangenen Petitionen und kommt zu dem Schluß, die Regierungsvorlage zu empfehlen. Abg. Hitze empfiehlt dringend die gemeinsame Arbeit der Geschlechter in einem Raum soweit als irgend möglich zu ver- hindern; ebenso tritt der Redner dafür ein, getrennte Wasch- und Ankleideräume einzuführen. Abg. Möller erklärt die Trennung der Geschlechter wäh- rend des Gewerbebetriebes für undurchführbar und wünscht, daß die Wasch- und Ankleide- Räume nur getrennt benutzt zu werden brauchen. Abg. v. Stumm ist dagegen, den Unternehmern die Ver- pflichtung aufzuerlegen, für die männlichen Arbeiter Wasch- und Ankleideräume einzurichten; er findet, daß die Vorlage allen An- sprächen, welche man zu stellen berechtigt ist, vollständig genügt und empfiehlt deren Annahme. Abg. Letocha verlaugt die obligatorische Einrichtung von Waschräumen; der Redner beleuchtet namentlich die Verhältnisse der oberschlesischen Bergarbeiter, welche solche Vorrichtungen durchaus nothwendig machen. Der Minister v. Berlepsch vertheidigt die Regierungsvor- läge; der Redner bemerkt jedoch, daß er kein Bedenken dagegen habe, die Bestimmung, bezüglich der Trennung der Geschlechter bei der Arbeit,— weil dieselbe noch nicht ganz aufgeklärt und spruchreif sei— nur fakultativ zu machen. Der Abg. Schmidt stellt hierauf ein diesbezügliches Amendement. Abg. Bebel tritt dafür ein, kein Verbot des Zusammen- arbeitens der Geschlechter zu erlassen; der Redner weist darauf hin, daß die heutigen Verhältnisse eine solche Bestimmung un- durchführbar machen und daß außerdem Anstand und Sittlichkeit nur gewinnen können, wenn Männer und Frauen gemeinsame Arbeitsräume haben. Dagegen verlangt der Redner strenge und ausgiebige Vor- schriften, um die Reinigung nach der Arbeit zu ermöglichen und bekämpft sehr lebhaft die Ausführungen des Abg. v. Stumm, welcher in einer vor Verlassen der Arbeitsstätte erfolgte» Reini- gung einen Anreiz zum Wirthshausbesuch sieht. Abg. von K l e i st- R e tz o w tritt für die Regierungsvorlage ein und bittet dabei das Amendement Schmidt anzunehmen. Abg. Hitze wünscht gegen die Ausführungen Bebel's die Regierungsvorlage aufrecht zu erhalten, welche die in Rück- ficht auf Sitte nnd Anstand nothwendigen Bestimmungen enthalte; der Redner wendet sich gegen das Amendeineut Schmidt. A&g. Schmidt vertheidigt seineu Antrag und erklärt sich e prinzipielle Trennung der Geschlechter beim Gewerbe- -wieb. Abg. Dr. Böttcher erklärt sich für unveränderte Annahme der Regierungsvorlage, weil der Antrag Schmidt den vom Redner gewünschten Effekt beseitigen würde. Abg. v. P f e t t e n vertheidigt die Einrichtung der baye- rischen Landwirthschaft gegen die Behauptungen Bebel's und hält die Bestimmungen der Vorlage unter den gegebenen Verhältnissen für die beste Lösung. Abg. Molkenbuhr führt unter Beibringung zahlreicher Beispiele aus, daß das Zusammenarbeiten beider Geschlechter eine Verbesserung des Tones und der Umgangsformen herbei- führe, während ein solches Verbot vielen, namentlich den kleineren Unternehmern, Schaden zufüge und außerdem den Ausschluß des einen oder des anderen Theiles der Arbeiter zur Folge haben werde. Abg. v. Kleist- Re ff ow beantragt die Einschiebung einer Bestimmung, wonach das Zusammenarbeiten beider Geschlechter gestattet werden soll, ivenu die Forderungen des Anstandes er- füllt sind. Abg. Singer weist einige Behauptungen des Abg. v. Kleist- Retzow, wonach die Sozialdemokraten sich zu Vertretern unsitt- licher Anschauungen machen, sehr entschieden zurück, dabei vom Vorsitzenden unterbrochen, erklärt sich Redner gegen den Absatz 2 der Regierungsvorlage. Der Referent S t u m m resümirt die Diskussion und empfiehlt die Regierungsvorlage. Korreferent Molkenbuhr beantragt Absatz 2 der Vorlage abzulehnen, dagegen den übrigen Theil anzunehmen. Bei der Abstimmung wird unter Ablehnung des Antrages Möller der Absatz 2 der Vorlage nach den Anträgen Schmidt, v. Kleist- Retzow angenommen. Bei der Gesammtabstimmung wird der so amendirte§ 120b mit großer Majorität angenommen. § 120 c wird ohne Debatte angenommen. § 120 d wird zur Berathung gestellt. Hierzu beantragen Bebel u. Gen.: Die Anordnungen der Polizeibehörden müssen im Einvcrständniß mit den zuständigen Aufsichtsbeamten erlassen werden. Abg. v. Stumm beantragt in Beschwerdefällen, wo es sich um Mitglieder von Verussgenossenschaften handelt, den Vorstand der Genossenschast vor etwaiger Zurückweisung der Beschwerde gutachtlich zu höre». Abg. W ö l l m e r beantragt, vor Erlaß der Anordnungen sollen die Unternehmer und die rm Betriebe bestehenden ständigen Arbeiter-Ausschüsse gehört werden. Abg. Möller beantragt, die Verfügungen und Anordnungen nur im Einverständnisse mit dem betr. Genofsenschastsvorstande zuzulassen. Referent Abg. von Stumm beantragt, unter Ablehnung aller Amendements die Regierungsvorlage anzunehmen und empfiehlt nur die Berücksichtigung seines Antrages. Korreferent Molkenbuhr spricht sich fiir Ablehnung aller »mendements, mit Ausnahme des von sozialdemokratischer Seite gestellten, aus, indem er darauf hinweist, wie nothwendig die Errichtung von Arbeiterkammern sei. Abg. Bebel begründet die Nothwendigkeit, die Fabrik- ..apektoren mit der Aufgabe zu betrauen, die hier der Polizei zugewiesen wird; jedenfalls dürfe man der Polizei allein nicht das Recht geben, so einschneidende Bestimniungen zu erlassen; Redner erklärt die übrigen Anträge für unzulänglich und bekämpft namentlich diejenigen Anträge, welche die Befugnisse der Berufs- genossenschaften vermehren. Abg. Hitze erklärt sich gegen alle Amendements, weil die- selben die Initiative und Thätigkeit der Polizeibehörde zu hemmen geeignet sind und erklärt sich namentlich dagegen, den Berufs- genossenschaften auf diese Bestimmungen Einfluß zu gewähren; der Antrag Bebel und Gen. erreicht nach Ansicht des Redners nicht den gewollten Zweck. Abg. Schmidt berichtet über die zu diesem Paragraphen eingegangenen Petitionen. Reg.-Komm. Geh. Rath Loh mann führt aus, daß die Vor- schriften des§ 120d bereits bestehen und daß daher keine neue Einrichtung beabsichtigt sei; der Antrag Bebel u. Gen. sei mehr ein Hemmniß für die Polizei; die übrigen Amendements seien unnöthig; der Redner spricht als Ansicht der Regierung aus, daß den Fabrikinspektoren polizeiliche Befugniß zustehe. Abg. W ö l l m e r vertheidigt sein Amendement, welches ein Gegengewicht für die Polizei bilde, diese Behörde durch fach- verständige Gutachten unterstütze und die Möglichkeit gewährt, auch die Arbeiter zu hören. Abg. Klemm glaubt, daß die Befürchtungen gegenüber der Thätigkeit der Polizeibehörden unbegründet sind,»msomehr, als ein späterer Paragraph die Fabrikinspektoren mit der Beaus- sichtigung dieser Thätigkeit beauftragt. Der Minister von Berlepsch erklärt, daß die Polizei- behörden Instruktionen erhalten werden, wonach sie technische Eingriffe in den Gewerbebetrieb erst nach Anhörung der Fabrik- Aufsichtsbeamtcn vorzunehmen haben; die Berussgenossenschaften sind nach Ansicht des Redners nicht zur Mitwirkung an diesem Gesetz geeignet; der Minister verwahrt die Polizei gegen die Vor- würfe der Trägheit sowohl als des llebereisers. Abg. v. Kleist- Retzow glaubt doch die Berussgenossen- schast mit eingreifen zu lassen und erklärt sich unter-Zurück- ziehung seines Amendements für den Atztrag des Abgeordneten v. Stumm. Abg. Hähnle beklagt die Ueberlastung, welche die soziale Gesetzgebung den Polizeibehörden zuweist und verlangt, die Fabrikinspektoren mit dieser Ausgabe zu betrauen; die Gewerbetreibenden werden auch eyer geneigt sein, mit den Fabrikinspekioren zu verhandeln, als sie auf die Anordnungen der Polizei ein- gehen. Abg. Möller zieht zu Gunsten des Antrages v. Stumm sein Amendement zurück, wünscht aber wenigstens in der Be- schwerdeinstanz den Einfluß der Berussgenossenschaften aufrecht zu erhalten; die übrigen Anträge bittet Redner abzulehnen. Abg. Bebel erklärt, daß die Diskussion ihn von der Nothwendigkeit der Verschärfung des sozialdemokratischen An- lrages überzeugt habe; nach seiner Ansicht ist die Polizei gar nicht befähigt, diese Aufgabe zu erfüllen und müsse man die Fabrikinspektoren mit den von dem§ 120d verlangten Anordnungen beauftragen; Redner kündigt einen dahin- gehenden Antrag an und bekämpft die Hereinziehung der Berufs- genossenschaften, welche als Richter in eigener Sache austreten, und ihre materiellen Interessen maßgebend sein lassen würden. Abg. Dr. Hirsch erklärt sich gegen den Antrag v. Stumm. welcher einseitig die Unternehmer hören will. Abg. W ö l l m e r zieht seinen Antrag zurück, indem er sich vorbehält bei der zweiten Berathung aus die Angelegenheit zurück zukommen. Die Diskussion wird geschlossen; der Referent Abg. v. Stumm glaubt nach dem Gange der Berathung neben der Regierungs- vorläge nur sein Amendement empfehlen zu können, welches wenigstens in der Rekursinstänz den Bernfsgenossenschaften den ihnen gebührenden Einfluß sichert. Korreferent Abg. Molkenbuhr spricht sich für Ablehnung des Stumm'schen Antrages aus, weil die Berufsgenossenschaften mit diesem Gesetz nichts zu thun haben und die Arbeiter davor bewahrt werden müssen, noch mehr wie bisher dem Einfluß dieser Unternehmer�Bertretungen unterstellt zu werden; der sozial- demolratische�ilntrag überweise den Fabrikinspektoren, als den allein sachverständigen Beurtheilern, die von dem Gesetz ge- wollten Anordnungen, und das sei im Interesse der Arbeiter allein richlig, denn die Polizei sei nicht die geeignete Behörde, um den Arbeitern den nothwendigen Schutz zu garantiren. Bei der Abstimmung wird§ 120 d der Vorlage unter Ab- lehnung des sozialdemokratischen Antrages(dafür stimmen die Sozialdemokraten und Hähnle von der Volkspartei) und unter Annahme des Amendements v. Stumm angenommen. Nächste Sitzung Morgen Votmittag 10 Uhr. Wiirttembrrgischer Parteitag. Vorigen Sonntag fand in Stuttgart eine außer von Stuttgart und den umliegenden Bezirken von 68 Orten durch 138 Delegirte beschickter Parteitag der württembergischen Sozialdemokraten statt, der sich mit de» Beschlüssen des Halle'schen Parteitages vollständig einverstanden erklärte und die folgenden Satzungen der sozialdemokratischen Partei in Württemberg annahm: Organisation der Sozialdemokraten Württembergs. § 1. Diejenigen Arbeiter- und anderen Vereine Württem- bergs, welche sich zum sozialdemokratischen Programm bekennen, trete,: als Mitgliedschaften zu einer Landesorganisation zu- sammen. Die örtlichen Mitgliedschaften führen den Namen:„Sozial- demokratischer Verein..."(folgt der Name). § 2. Zweck der Landesorganisation ist, die Grundsätze der Sozialdemokratie durch Wort und Schrift zu verbreiten, sowie die Wahlen zum Reichstag, Landtag und zu den Gemeindevertretungen zu organisiren und zu leiten. § 3. Der Sitz der Landesorganisation ist Stuttgart. Generalversammlung. § 4, Jedes Jahr findet eine ordentliche Ge>ieral-(Landes-) Versammlung statt, welche vier Wochen zuvor unter Bekannt- gäbe der Tagesordnung durch die„Schwäbische Tagwacht" einzu- berufen ist. Die Generalversammlung wählt das Bureau zur Leitung der Versammlung aus ihrer Mitte. § 5. Die Mitgliedschaften werden auf der Generalversamm- lung durch Delegirte vertreten. Keine Mitgliedschaft darf mehr als drei Delegirte entsenden. Dte sozialdemokratischen Reichstags- und Landtags-Abgeord- neten und-Kandidaten sind auf der Landesversammlung stimm- berechtigt, das Gleiche gilt von dem Landesvorstand und je einem Redakteur und Erpedienten des Parteiorgans; bei allen Ange- legenheiten, die die Letzteren persönlich betreffen. haben sie nur eine berathende Stimme. Die Kosten der Vertretung auf der Generalversammlung tragen die betreffenden Mitgliedschaften. In Ausnahmefällen jedoch können die Kosten der Delegation von der Landeskasse ge- tragen werden; hierüber entscheidet der Vorstand. § 6. Tie Geralversammlung prüft die Mandate der Tele- girte», nimmt den Rechenschaftsbericht des Vorstandes entgegen und wählt den Vorstand, sowie drei Kassenrevisoren. Die Generalversammlung ernennt außerden« einen Vertrauens- mann der Parteigenossen Württembergs. § 7. Eine außerordentliche Generalversammlung kann von dem Vorstand einberufen werden, wenn sie von 10 größeren Mitgliedschaften beantragt wird. Vor st a n d. § 8. DieMitgliedschaften wählen durch die Generalversammlung zum Zweck der Leitung der Parteigeschäste einen Landesvorstand, bestehend aus fünf Personen und zwar dem Vorsitzenden, Kassirer, Schriftführer und zwei Beisitzern. Die Abstimmung ist eine geheime; die einfache Majorität entscheidet. § 9. Der Vorsitzende leitet die Geschäfte der Landes- organisation. Dem Kassirer liegt die Erledigung der Kassengeschäfte ob. Jedes Jahr hat derselve einen Kaffendericht,� der von den drei Revisoren vorher geprüft sein muß, aus der Gereralversammlung abzulegen. Dem Vorstand steht das Recht zu, zederzeit eine Revision der Kasse vorzunehmen. Der Schriftführer hat in allen Sitzungen Protokoll zuführen und die Korrespondenz, soweit dieselbe vom Vorsitzenden ihm zu- gewiesen wird, zu erledigen. Beiträge. § 10. Pro Monat und Mitglied haben die Mitgliedschaften 10 Pfennige an den Vorsitzenden abzuliefern. Bei außerordent- lichen Verhältnissen können Mitgliedschaften vorübergehend ganz oder theilweise von den Beiträgen entbunden werden. Die Eni- scheidung trifft der Vorstand. O r g a n. § 11. Tie„Schwäbische Tagwacht" wird als Organ der sozialdemokratischen Partei anerkannt. Dem Vorstand liegt die Aussicht über die prinzipielle Hallung des Parteiorgans ob- Die Wahl des Parteivorsiandes und der Revisoren ergab folgendes Resultat: Vorsitzender: Vehr, 104 Stimmen. Kassirer: Leickhardt. 91 Stimmen. Schriftführer: Agster, 101 Stimmen. Beisitzer: Sperka, 87 Stimmen, Würzbach, 57 Stimmen. Revisoren: Glaser- Eannstatt, 78 Stimmen, Epple-Feuerbach, 58 Stimmen. Junge- Eßlinqe», 43 Stimmen. Die übrigen Stimmen zer>pl,tterten sich. Abgegeben wurden 100 Stimmzettel. Sodann erfolgt die Wahl des Vertrauensmannes; durch Akklamalion wird Tietz einstimmig gewählt. Ter Vorsitzende Herr Dietz schließt die Versammlung mit den Worten:„Wir habe» nunmehr eine neue Organisation für Wärt- lemberg geschaffen. Sorgen wir dafür, daß unsere Satzungen nicht todte Buchstaben bleiben, und in immer weitere Kreise ge- tragen werden. Herr Richter will durchaus, daß wir seine„Irrlehren" widerlegen. Ebensogut kann er von uns verlangen, daß wir die K n a a k'sehe Theorie von der Umdrehung der Sonne um die Erde widerlegen. Herr N i ch t e r ist ein nationalöko- nomischer Knaak und scheint vergessen zu haben, daß vor dreißig Jahren ein gewisser Lassalle gelebt hat, � der das, ivas Herr Richter seine„Irrlehren" nennt, sich?«l den Sezirtisch nahm und so zerschnitt und zerfetzte, daß diese „Irrlehren" für die wissenschaftliche Welt abgethan sind Sollte es Herrn Richter einmal gelingen, eine neue Irrlehre zu entdecken, so thun wir ihm vielleichl den Gefallen, sie auf unfern Sezirtisch zu nehmen. W dein fossilen Zeug, das er jetzt auflischt, können wir unsere Zeit nicht vergeuden. Hat Herr Richter denn wirklich nie etwas von Faucher, Prince Smith, Schulze- D e l i tz s ch und den übrigen Aposteln des Manchesterthums gehört, die alle„Irrlehren", mit denen er heute Hausiren geht, schon vor dreißig Jahren und mehr auf den Marn brachten und zwar zum Theil in weit schönerer Form und viel geistreicher. Zum Beispiel F a u ch e r war ein wahrer Tausendsasa. Er löste die soziale Frage im Handumdrehen, wie ein richtiger Hexenmeister, und er hatte sogar verschiedene geniale Ideen, die Herr Richter noch gar nicht zu kennen scheint. So entsinnen" wir uns noch eines Vortrages, der uns seiner Zeit besonderen Spaß machte- nachdem Herr Faucher die ganze— später eingefrorene und in dem Richter'schen Münchhausen-Jagdhorn als„Irrlehren wieder aufgethaute— Litanei des Heiligen Manchester her- untergeleiert und mit feurigen Worten die Herrlichkeiten des freihändlerischen Zukunftsstaats ausgemalt hatte, kam er plötzlich auf die„Lösung der sozialen Frage* J" sprechen und theilte der angenehm überraschten Ver- sammlung mit, er habe die Lösung, eine unfehlbare Lösung entdeckt, die aller Roth der Arbeiter ein Ende machen werde. Und er veröffentlichte sofort auch sein Rezept—" lautete: e i n e U h r und ein Thermometer. Das ist kein Spaß und es war auch Herrn Fauchen kein Spaß. Hat jeder Arbeiter diese beiden Wunderartikel, — arbeitet er nach der Uhr und mit dem Thermometer zur Seite, der ihn vor den Gefahren der Ueberheizung bewahrt, dann gelangt jeder Arbeiter zu Wohlstand und Ge- stlndheit. Für den Rest sorgt der�Heilige Manchester. Herr Richter thäte doch gut, die Reden und Schriften de» Herrn Faucher auszugraben. Vielleicht findet er noch ähnliche Perlen für eine neue Auflage der„Irrlehren des Soziale Mevserstchke die Hilfearbeiter der Hehörden. Wiederholt ist in letzter Zeit in der unabhängigen Presse auf die bei den verschiedenen Behörden beschäftigten Äureau-HilK •■■-- en worden, wesha* >en Handarbeiter» den Betrieben, nicht mit den Federarbeitern in den Bureaus arbeiter hingewiesen und die Frage aufgewors« sich die neuere Reichs-Gesetzgebung nur mit o UP» III UCU blieben denn die Proletarier der Fe Ich meine, die Antwort liegt doch 1.� schäftigt. Ja weßhalb bisher unberücksichtigt? �a> meine, oie Aniworr ueg, w», nahe! Wem verdanken es denn die Handarbeiter, daß man i« um ihre Interessen kümmert und wenigstens den Verl i macht, ihre berechtigten Wünsche zu erfüllen? Doch einzig» allein ihrer vortrefflichen Organisation und der energische»*>. tretung ihrer Interessen im Reichstag. Und so lange Hilfsarbeiter nicht den Muth haben, sich zu organiffren � ihrer Ueberzeugung offen Ausdruck zu geben, werden sie»'« erreichen als vielleicht nach weiteren 10 Jahren eine abernia v Aufbesserung ihrer kümmerlichen Diäten um 5 pCt. Was I die Handarbeiter durch ihre Organisation und die Energie'vV Führer für eine Macht! Auch die 125 000 Proletarier der vielfach durch Bildung und Redegewandtheit ausgezelchu' könnten eine Macht repräsentiren, die nicht zu unterschätzen>v»' Und was hindert sie daran? Die Furcht und die Ueve Hebung. Sie haben nicht den Muth sich zu organisiren � :6 rck ihre Ueberzeugung zu äußern und halten sich in jener subaltec» Dünkelhaftigkeit, die sich schließlich auch des letzten Schreiber- bemächtigt, doch für etwas besseres als den Handarbeiter� Hierdurch drücken sie sich selbst zu Menschen zweiter Klasse he � — Sie liebäugeln einerseits mit den Beamten, die krack ihnen durch lebenslängliche Anstellung und Vereidigung gew�. Uebergeivichts die Bureau-Hilfsarbeiter als recht- und ivillei Maschinen betrachten; andererseits aber halten sie sich für besck1- � Leute, die iveniassens stets den Mutb batten. ibre UeberreugUNg ö Leute, die ivenigstens stets den Muth hatten, ihre Neberzeugun„. Ausdruck zu bringen und mit Energie gegen unwürdige Behanv»'� -u vrotestlren.— Woblan denn.Hilfsarbeiter, legt F»*J. organisationeil an! -Arbeiter- Durch eigene achtjährige Dienstzeit iin Kaiserlich Stntistsi� Amt und auf Grund zahlreichen bet mir eingegangenen M»� � »»»» V QV« V** v>v<7 vv» V,,,Ö Ö D IJpV bin ich zu der Ansicht gelangt, daß die gegenwärtige Stellung � Hilfsarbeiters bei Behörden nothwendiger Weise zum Selvi»»� oder Wahnsinn, ,venn nicht gar zum Verbreche» Seit 3 Jahren unausgesetzt thätig, mit Hilfe»nabhang � Zeitungen und Abgeordneter unsere trostlose Lage zu habe ich die feste Ueberzeugung gewonnen, daß nur dre® demokratie uns einen wirklichen Schutz gewährt,"ripr � die Angstmeier, welche ein böses Gewissen haben, von den f«.X* mm i � �———— �—--- � � �~*---- r 1, lichen Endzielen und vom Zukunstsstaat schweieln, k-jW haben; uns schreckt das nicht. Wir wollen ein menschenw» � Dasein und das allen ihren Anhängern zu verschaffen, schönste Ziel der Sozialdemokratie._. Auch für die nächste Etatsberathung haben die HerttU��sta und Liebknecht mir eine energische Vertretung unserer �- zugesagt, und daß sie Wort halten werden, steht außer v �tl Etwaige Organisationsvorschläge oder für die nächi" berathiing verwerthbares Material erbitte ich umgehend. Hochachtungsvoll Richard H ej» f' Wilmersdorf v. Berlin Wilhelms-Aue 113, Nrivfkttfie» drv � «ck Anfragen bitten wir die«bonnemenig- Quittung betjuiüg'»- Antwort wird nicht«Nheilt...,�>iß �, G.«. 100. Wir wissen nicht, in welchem Verh«!-�� zu Ihren, Prinzipale stehen, ob Handlungsgehilse, 0' tlj)Ot''v Arbeiter:c. Wir können daher� Ihre Frage nicht bea■ Giirtiherbah,. links? Ta"der"Leyte"v?n de,% -r.. � �" s,-Orr vtv ovyn? VJ#V ohne Hinterlassung von Eltern, Kindern oder Geschwl storben in, so sind nach hiesigem Recht nur die Geschw 1 chj, PVl'iort Ol—.- t».**——.-«-x.-i.•*.. stlO eisten Grades(die Linie B; erbberechtigt, nicht auch 1) A Y1 1, 0 v l f... 1 mA.____ r- 1 i Ti.._____ r.• 1 1** i____-) P» _______ IM........"•■"'hiefe1* von verstorbenen Geschwistern, selbst wenn die Eltern ebenfalls vorverstoroeu sind..__.„xi 0» w H. 5. Ihnen ist leider nicht zu helfen. Der Ret_ Reichs-Versicherungsaml war nur zulassig innerhalb v. his.> seil Zustellung des Urtheils des Schiedsgerichts. Letzie gj( eine Belehriing über die Rekurssrist nicht zu enthalten.. sonach rechtskräftig abgewiesen. Ungrrrchtiglirit. Eine Unterschlagung liegt ,,6«� ebenso wenig ein strafbarer Betrug. Sie können nur llipiftof ä-f 1• .....„________ r~«! OTTO Meister beim Amtsgericht auf Auszahlung Ihre»- NA-»-- in' �' �-o. Februar � in Kraft und wird sogar vielfach zu Straffestsetzungen» Stff wie �Sie. schon aus dem Ihnen zugestellten gedruckte»> ersehen können. Verantwortlicher Redakteur: Nurt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Sading in Berlin 8W., Beuthstraße 2. Hier»»» zwei 1. Beilage zum Berliner Nr. Atzl. Sounabeud, den 8. November 1890. ?. Jahrg. Anarchistisches". rlofft.®a,l§ Most gehört, gleich anderen Leuten, zu den ver- beul» Tagesgrößen, und ivas er sagt hat ebensowenig zu be- W, l n''e das, was andere Verflossene sagen,„die nichts zu tk-n? �aben." Allein für das wahre Verständniß und die Beur- mim. iß Lewisser verschiedener Vorkommnisse in Deutschland ist es lunn v tö* nicht ganz ohne Werth, was er über die Entwicke- g und den Stand unserer Partei in der letzten Nummer seiner Wpi!'l, schreibt, und da, was er schreibt, auch sehr spaßig zu J"'Ih so bringen wir es nachstehend zum Abdruck. Es ist ein '»ng-r Artikel und lautet also: i!ine neue Fortschrittspartei— so möchten wir die deutsche So- der n/i™ tie nennen; und wer die jüngsten Vorgänge innerhalb n,n°i'ierdewegung Teutschlands aufmerksamer verfolgte, wird treff« t!l}i'!en, daß wir damit nur den Nagel auf den Kopf dieN'i®.n§ uns wirklich wundert, ist nur der Umstand, daß sns.�.eigötzen nicht selber längst den Vorschlag machten, ihren »u Kötzschen Rückschritt mit der offiziellen Firma„Fortschritt" K n?? s"' freilich, wenn man die Fortschrittspartei der s°?lklktsperiode" mit der jetzigen parlamentarischen Naldemokratie Grillenberger-Liebknecht'scher Spielart sorg- ».„vergleicht, mag»msere Bezeichnung noch ein wenig zu hoch Unbf �schoinen; aber man braucht ja nicht so weit zurückzugehen on sich damit begnügen, bei seinem Vergleich an den nach- . sechziger Fortschritt in voller Verlumpungs-Entwickelung ' bann s�'ugt sicherlich kein Unterschied mehr in die «uopifrl � zunächst zu beachten, unter welchen Bedingungen nxLstäKmlich seitens der Regierung das Ausnahmegesetz fallen dj-sll�s. churde, Liebknecht und Komplizen könnten sicherlich in «an--?'ulicht interessante Geschichten erzählen. Und obwohl die «efirt äie nur abgemogelt und im Dunkel der Geheimkabinette '0 beweist das ganze Gebahren dieser Leute doch forpri, 8�ch' baß nur nach bestimmten verrätherischen Ver- dabp» 5"' und schurkischen Pakte», welche dieselben gegeben "lvlgt ch eingegangen sind, die Kassirung des Sozialistengesetzes M.„�bknecht entblödete sich ja z, B. nicht, schon vor einigen Nabin. p Reichstag öffentlich zu sagen: Heben sie das Aus- ein«? an- � uuf— und der„Sozialdemokrat" ist nicht mehr. Solch' vpnti.i mit dem Zaunpfnhl konnte man im Olymp nicht miß- --l.I.ehen. Das Weitere spielte sich hinter den Koulissen ab. es dann regierungsseitig rechts— mehr rechts— bcrl'!1"'ehr rechts! Und die edlen Seelen(Liebknecht, Grillen- ..SoiWx"'te parirten herrlich O s a>»?..eu'okrat" wurde nicht nur ###### hellen. nnJJ.v--------- halb£ u am entlich aber jedes Symptom von Anarchismus inner- mit n»?urtei im Keime zu ersticken und außerhalb derselben adbtp ll>Rizei um die Wette zu bekämpfen. Und— man be- sch?j.,?as wohl!— als Anarchist bezeichnen die neuen Fort- in f.:„ �(ben, der auch nur ein Fünkchen revolutionären Feuers in" �ust vermutheu läßt. Temn„ solchen Preis konnte man seitens der kaiserlichen sstoffifuß?". ben rückschreitenden Fortschreitern schon eine Art Gtnönr*- gewähren, welche es Denen, die sich ihrer erfreuen, tzun,?,- im Sumpfe zu wate» und ein ewiges Qua-Qua vom mlaflen, Achtstundentag und Jnvalidenschutz zu gurgeln. Siin�R'Ut aber ja kein Kontraktrruch seitens der Herren vom hat.p'8 Fortschritt und der fortschrittlichen Mäßigung passire, dx,. Offenbar die Regierung zur Bedingung gemacht, daß schon Tinn» Hebung des Sozialistengesetzes die Dinge im angedeuteten Hij.v* Leinixt und gefixt werden. Und auch diese ihre Ordre itio n.isto'ntst befolgt, wie Jeder sehen kann, der keine n sitzen 1 ch e n Stiefelabsatz auf den Augendeckeln sozialdemokratische, resp. fortschrittliche Reichstags- »ich, fünfjährigen Mandaten in der Tasche!!—) tritt den fti-i-ir? unch unten hin auf, wie ein Kardinalkollegium bieten„Aen Laien gegenüber, sondern sie suchtauch Alles aufzu- ' Qcl) oben hin nicht den geringsten Anstoß zu erregen. _ Die Heilung der Liebe. �' u Z n k n n f t s b i l d v 0 n P a ,l l F 0 n ch e r*) � Sick'----- m# � blast und abgemagert: "�as haben Sie, mein Freund. �in "Hch bin verliebt." macht nichts." tft Meli Äntn' Sie krank?" GK? .Äik"d° � ich forr? Abeo1® Wesen, das ich anbete, von mir ver- Hotel mit der Front nach dem Park „Tas�", ich fliege." 'fniftlfii,. v®1Ue c'e,s Pompes Funebres zn verkaufen �"berttansend Franks für eine Kaprize aus- blätter eingeschmuggelt werden könnten.__ Wie in Bezug auf die Presse, wird es auch in jeder anderen Hinsicht gehalten. Die Fraktion ist a l l e s— die Partei ist N u l l. Die schüchterneren Kicker werden, wie ehedem die alt- fortschrittlichen Kreisrichter, nach Strafstationen, d. h. an solche Orte versetzt, wo es nur ganz koschere(Partei-) Unter- thanen giebt, oder man stellt sie unter der Drohung der Absetzung kalt, wie zum Beispiel Herr Schippe! verspürt haben dürste. Lautere Opponenten vom Schlage der Wille, Müller, Werner sc. werden in Fallen gelockt, verbebelt und verpöbelt, per„Masse" abgethan oder sonstwie an die Wand gedrückt, resp. exmittirt. Jedem ehrlichen Revolutionär, der in dieser Hinsicht bisher noch mit zugeknöpften Augen umher gelaufen sein sollte, werden hoffentlich die moralischen Massakres, welche die fortschrittliche Fraktion zu Dresden, Magdeburg, Berlin:c. wider ihre Gegner inszenirte, einige Sehkraft verliehen und auch die nöthige Eni- rüstung beigebracht haben. Da wurde mittelst Einlaßkarten eine willfährige Horde zu- sammengepackt, welche die Bäuerlein mit den Reisigbündeln bei der Ketzerverbrennung spielten, dort wendete man einen anderen Trick an, den Opponenten von vornherein das Spiel zu ver- derben. Am schamlosesten aber ist man in Berlin mit den Letzteren umgesprungen. In dieser Stadt scheint zwar einerseits der radikale Flügel der Partei seinen Hauptsitz zn haben, aber andererseits hat es da auch offenbar die Fraktion verstanden, sich ein so zahl- reiches Mameluckenthum großzuziehen, wie es wohl kaum je zu- vor irgend eine Parteiaristokratie fertig gebracht hat. Man denke! An einem Wochentage machen Tausende von Arbeitern theils Mittags, theils Nachmittags Uhr Feier- abend— blos um, einem dementsprechenden Befehle der Fraktion nachzukommen, eine Versammlungshalle, in welcher Abends seitens der Fraktion mit ihren Gegnern abgerechnet werden soll, mehrere Stunden zuvor besetzen und so den Letzteren den Zu- gang versperren zu können!-- Andere schämen sich nicht, ans der Straße umher zu lungern bis der große Bebel kommt, um g*y hinter dessen Equipage herzutraben— der Mann scheint es jetzt sehr nobel zu geben— und unaufhörlich Hurrah! zu brüllen!'VE Endlich im Saale— die reinste Affenkomödie! Ein Be- klatschen jeden Gemeinplatzes, jeder Unverschämtheit, jeder Sophisterei, wenn sie von Bebel ausgesprochen werden; ein indianerartiges Geheul, wenn dessen Gegner, Wille, spricht — ein Geheul, das um so sinnbetäubender angestimmt wird, je verständiger, logischer und prinzipgemäßer Wille sich ausläßt! Dann das Zerren an der ResolutionS-Guillotine, als ob der helle Wahnsinn seine Orgien feierte. Pfui Teufel! Die Erziehung der Fraktion hat herrlich gewirkt. Das ist ja noch immer jener Ostrazismus, wie er schon in den Vvlksvcrsamm- hingen der alten Griechen so stinkende Blüthen getrieben hat, daß man beim Betrachten derselben einen wahren Ekel ob der ganzen Menschheit empfindet! Nach diesen Vorgängen vermag man sich ein ungefähres Bild davon zu machen, von welcher Qualität die Versammlungen sein werden, in denen die Delegaten zum Haller Kongreß ihre Jndossirung finden(aufgestellt werden sie sicherlich seitens der Fraktions- Maschinerie). Der ganze Kongreß wird nichts weiter sein, als ein Konventikel von oben herab behufs Komödien- spiels herangezogener Zeloten und Ja- Brüder. Nur wenige Opponenten werden im Stande sein, allen �ntriguen ungeachtet, Mandate und Einlaß zu erlangen. Sie v 1 mit Engelszungen reden; ihre Vorschläge mögen der gesunde aschenverstand selber sein; ihre Anklagen wider die Prinzipal. oerber und Kompro- mißler mögen wie Keulenschläge hernieder sausen,— man wird sie verlachen, anbrüllen, parlamentarisch m e u ch e l n. Wir kennen das!—— Und— offen gestanden!— es sollte uns einen brennenden Schmerz bereiten, wenn es anders käme. Es wäre ein wahrer Skandal, wenn sich Diejenigen, welche den MutH hatten, gegen die Tyrannei der Fraktion das Banner der zugeben, die Sie nach vierzehn Tagen satt haben, kommen Sie herauf zn mir. Das kostet Ihnen zehn Franks und in einer halben Stunde sind Sie kurirt." Halb widerstrebend folgen Sie dem Doktor Laurent. Er heißt Sie in einem bequemen Lehnsessel Platz nehmen und ihm scharf in die Augen sehen. Infolge Ihrer nervösen Abspannung dauert es nicht lange, bis Sie einschlafen und der Hypnotiseur triumphirt. Jetzt beginnt er den Gegen- stand Ihrer Liebe„herunter zn reißen". „Sie halten, mein Freund, Ihre Angelina für die ent- zückendstc und ehrenhafteste Person der Welt. Das ist ein Jrrthum. Sic schielt, hat falsche Zähne und trägt einen Zopf aus chinesischen Haaren. Sic ist mager wie ein Bahn- Hofs- Droschkcnpferd und haßt Sie. Wenn Sie Ihr Pferd und Wagen schenken, wird sie sich beeilen, mit ihrem 5kutscher eine Liebelei anzufangen, und wenn Sie ihr ein Hotel kaufen, so wird sie, einmal im Besitze desselben, Sie bei Ihrem ersten Besuche durch ihren eigentlichen Liebhaber die Treppe hin- unter werfen lassen. Sie glauben sie rein, wie die Sarah Bernhardt in der Jungfrau von Orleans, ich sage Ihnen aber, Sie sind auf der Liste ihrer Liebhaber bereits der Ein- hunderrvierundsiebenzigste." Wären Sic wach, so würden sie sich selbstverständlich auf den Doktor stürzen und ihn zu erdrosseln versuchen. So aber schlafen Sic und stehen vollständig unter dem Willen dcS Hypnotiseurs. Jedes seiner Worte gräbt sich unauslösch- lich in Ihre Gehirnmaterie. Nun fragt er Sie in Ihrem Schlafe und Sic antworten: „Wie ist Angelina?" „Sie ist mager wie ein Bahnhofs-Droschkenpferd." „Ihre Augen?" „Sie schielt zum Davonlaufen." „Jh» Zähne?" „Falsch." „Ihre Haare?" ,F#H/ „Gut. Und wen liebt Sie?" „Ihren zukünftigen Kutscher." „Bon wem wird sie Sic die Treppe hinabwerfen lassen?", „Bon ihrem gegenwärtigen Liebhaber." „Welches ist-Ihre Nummer auf der Liste ihrer Lieb- Haber?" Rebellion zu erheben, durch heuchlerische Redensarten oder Schein- konzessionen dupiren ließen und die Hand zum Frieden reichten— Elementen gegenüber, die man auf Tod und Leben bekämpfen muß, wenn man der Sache der sozialen Revolution ergeben ist. Jetzt, wo es so weit kommen mußte, daß selbst ein Bebel, den man im In- und Ausland, und lange Zeit mit gutem Grunde, als den ehrenhaftesten und prinzipiell am weitesten ent- wickelten Sozialdemokraten gehalten hat, sich nicht entblödete, für seinen Mitpapst L i e b k n e ch t alle schmutzige Arbeit zu ver- richten, den Großinquisitor und Ketzer-Schmorbrater zu spielen, ja für jede Hundsfötterei, Lumperei und sonstige Parteiversauung einzutreten, darf man wohl annehmen, daß jener Demagogenring (genannt Reichstags-Fraktion), welcher gegenwärtig die sozialdemo- kralische Partei, resp. neue Fortschrittsblase, förmlich feudalistisch oder per Hierarchie beherrscht, durch und durch verrottet und besserungsunsähig geworden ist. Da hilft kein Nörgeln, kein Argumentiren und dergleichen mehr. Da muß weiter gegangen werden. Die Rebellen haben sich abzusondern von den Waschlappisten, wenn nicht Alle schließlich total vermichelt werden wollen. Deshalb ist es unser sehnlichster Wunsch, daß die Opponenten nur zu dem Zwecke nach Halle gehen— so weit das bei den zuvor gekenn- zeichneten Verhältnissen überhaupt möglich ist—, um der„fortschrittlichen" Sippschaft den Kampf bis aufs Messer anzukündigen, sich vom Heerhaufen der gedankenlosen Parteiklepper loszusagen und eine neue— ausgesprochen revolutionäre und a n a r ch i st i s ch e Partei zu formen. Ein guter Anfang ist ja bereits gemacht. Die erste Anarchisten-Versammlung hat sich in Berlin abgespielt. Dies ist eine Thatsache, welche erst in späterer Zeit voll und ganz gewürdigt werden wird. Da hilft kein Vertuschen, kein Verkleinern, kein Spott und kein Gezeter. Andererseits aber sollte diese Initiative der Berliner Genossen voll und ganz von allen Jenen gewürdigt werden, welche sich nicht länger vom Konsulat Bebel-Liebknecht willenlos regieren lassen wollen, die sich des zentralistischen Parteijoches zu entschlagen gedenken, denen der Wahlschwindel nachgerade ein Gräuel ge- worden ist, und die begriffen haben, daß das deutsche Proletariat seine Emanzipations-Bestrebungen nicht von Erfolg gekrönt sehen könne, wenn es auch nach einem Parteileben von nahezu 30 Jahren, statt sich endlich ganz bedeutend prinzipiell sortzuent- wickeln, intellektuell„nach rückwärts konzentrirt", resp. ini Urnebel eines dunklen und mehr als fraglichen„Fortschritts" verschwindet. M u t h! rufen wir den Genossen und Denen zu, welche reif sind, solche zu werden. Jetzt ist der Moment gekommen, wo die Anarchisten in Deutschland sich zu zeigen haben. Sie müssen heraustreten an die Oeffentlichkeit, um so durch das gute Beispiel jene Zaghaftigkeit der deutschen Arbeiter zu brechen, derenthalben sich dieselben bis jetzt vom Anarchismus ferngehalten haben, ob- wohl sie schon längst zu Tausenden damit sympathisirten. Jene aber, welche das Ausnahmegesetz in die„Fremde" trieb, sollten nicht lange mehr säumen und zurückkehren, um Propaganda zu machen. Der Schreiber Dieses betont das mit blutendem Herzen, denn ihm ist leider die Theilnahme an einem solchen Umkehren(ä la Marat) vorerst nicht vergönnt, indem ja auch das„gemeine Recht" sein Kerbholz voll geschnitten hat. Wer, wie wir, verflucht ist, von dem Ueberschreiten der deutschen Grenzen abzustehen, sollte sich aber wenigstens denselben so viel wie möglich nähern, um immerhin an den Kämpfen der Genossen in Teutschland mit Rath und That einen mehr oder weniger direkten Antheil nehmen zn können. Dabei braucht sich Keiner zu verhehlen, daß ein großer Opfer- muth und eine zähe Ausdauer erheischt fein werden, das Feld für den Anarchismus in Deutschland vollends zu erobern, so günstig an und für sich hierfür momentan die Gelegenheit gegeben ist. Der Hauptfeind ist im Lager der modernen Fortschrittspartei zu suchen. Die Grillenberger, Liebknecht, Auer und Konsorten haben es längst bewiesen, daß sie vor Nichts— selbst nicht vor der direkten Denunziation— zurückschrecken, wenn es gilt, irgend welchen Anarchisten in den Weg zu treten. Diese Bande syste- matischer Abwiegler hat überhaupt den Anarchisten offenbar den Krieg erklärt— wie gesagt, um sich eine so milde Behandlung seitens der Regierung zu verdienen. Wenn daher die Anarchisten agressiv gegen diese Sipp- schaft vorgehen, so handeln sie nur naturgemäß. Auf der „Nr. 174." „Sehen Sie, der Heilungsprozcß ist auf dein besten Wege. Wenn Sic nun aufwachen, so befehle ich Ihnen, Angelina zu vergessen. Statt Ihre'Aktien zu verkaufen, werden Sie einen Bittern im Cafe Americain trinken und dann bei Tortoni zu Mittag essen. Dann gehen Sie in die Varietes zu„Monsieur Betsy" und schließlich legen Sie sich schlafen. Angelina wird Ihnen als Vampyr im Traume erscheinen und versuchen, Sie in die Arme zu schließen. Sie stoßen sie zurück, die Erscheinung verschwindet, und am anderen Morgen stehen Sie so frisch und gesund auf, wie zuvor..." So schreitet die Welt vorwärts. Der selige Hippokrates schrieb noch: Heilmittel gegen die Liebe sind, der Hunger, die Zeit oder der Strick. Der Doktor Laurent fügt zu den Dreien den Hypnotismus und es scheint, daß seine Methode erfolgreich ist, denn er hat, wie uns das obige Beispiel zeigt, schon Leute kurirt, die toll waren vor Liebe. Die- jenigen, die in Zukunft noch an gebrochenem Herzen sterben, verdienen nicht das geringste Mitleid, da eine einzige hypnotische Sitzung schon genügt, um selbst die eingewurzeltste Leidenschaft auszurotten. Und wenn erst diese neue Heil- Methode zur allgemeinen Einführung gelangt, dann wird sich in unserem ganzen Leben ein bemerkenswerther Um- schwung vollziehen, der am empfindlichsten vielleicht das Theater trifft. Alle Stücke, deren Angelpunkt eine große Leidenschaft, ein Ehebruch oder sonst eine Liebesgcschichte ist, werden vor dem in Laurentischer Behandlung geweseneu Publikum wirkungslos bleiben, weil demselben ganz nnver- ständlich bleibt, weshalb die Leute da droben von diesen heilbaren Empfindungen so großes Wesen machen. Tie Theater werden an der allgemeinen Theilnahmslosigkeit des Publikums langsam zu Grunde gehen, und dieses wird zu seiner einzigen Zerstreuung nur noch die Lektüre der großen Asfichen haben, die da lauten: Kein Liebesweh mehr! Ter Dr. Emil Laurent heilt in einer Sitzung: Sehnsucht, Träume, Seeleüleerc, die Neigung, den Mond alizuschivärmen, Thränenkriscu, Nerveunusälle, Schlaflosigkeit, Eifersucht und VitriolismuS. ganzen Linie sollten sie es sich demgemäß zur Hauptaufgabe machen, den deutschen Arbeitern zu zeigen, welch' eme Entwickelung die Sozialdemagogokratie vom Revolutionarismus zur FortschriUlerei durchgemacht, wie schändlich dieselbe ihre eigenen Prinzipien von ehedem mit Füßen tritt, und daß sie die ganze Partei der Qualität vollends zu Grunde richten wird, wenn man ihrem Treiben nicht energisch entgegen tritt. Anderer- seits sollte auch gezeigt werden, daß das ganze sozialdemokratische Programm, mit oder ohne Verstümmelung, überhaupt total unzu- länglich geworden ist und durch anarchistische Grundsätze, die populär vorgetragen werden müssen, zu ersetzen sei. Das ganze Land sollte mit dementsprechcnden Flugblättern überschüttet, kreuz und quer von anarchistischen Propagandisten durchzogen werden. Man muß das Eisen schmieden, wenn es glüht! Genossen, wo Ihr Euch immer befinoen möget, helfet mit, Teutschland zu erobern! Nieder niit der„sozialdemokratischen" Fortschrittspartei! Es lebe die Anarchie! Also Herr Hans Most. Es fehlte nur noch sein Zeugniß, um die Richtigkeit der Haltung zu beweisen, welche die deutsche Sozialdemokratie ein- genommen und für welche der Halle'sche Kongreß sich so gut wie einstimmig ausgesprochen hat. Unsere ordnungspartcilichen Feinde, die dem Halleschen Kongreß seine„Zahmheit" und„Mäßigung" vorwarfen, werden nicht sehr erbaut davon sein, daß sie sich mit Herrn Hans Most in derselben Galeere befinden. Und andere Leute werden beim Anblick des Most'schen Unsinns ausrufen:„Gott behüte mich vor meinem Freunde." Herr Puttkamer aber, der einst im Reichstage sagte:„Die Anarchisten find mir lieber, wie die Sozialdemokraten!" wird schmunzelnd bei sich denken:„Ich war doch nicht so ganz Polizei- widrig— klug. Weitere Nutzanwendungen mache ein Jeder sich selbst. Loitnles. Itndj dem von der Krrliner Maschinenbau-Aktie»- geseUfchaft vormals L. Schartzkopf veröffentlichten Geschäfts- berichte über das Betriebsjahr 1889/90 hat dieselbe einen Umsatz von 8 239 607 M. gehabt. Der Bruttogewinn aus dieser Summe beziffert sich auf 2 724 494 M. Nach Abrechnung von 1 338 758 M. für Generalkosten und 191 726 M. für Abschreibungen kommt eine Dividende von 1 056 000 M. zur Verlheilung; es erhalten die alten Aktien 16 pCt. und die jungen Aktien(auf ein halbes Jahr) 8 pCt. Daß die Aktionäre mit diesem Abschlüsse zufrieden sein wer- den, ist selbstverständlich, denn wenn Jemand, der im Befitze von 100 M. ist und diese in einem Geschäfte angelegt, für welches er nicht die geringste Thätigkeit zu entfalten hat, nach Ablauf eines Jahres 20 Mark als Zinsen und Gewinnantheil erhält, ohne daß sein angelegtes Kapital durch Abnutzung eine Minderung erleidet, so wird er den Leitern der Fabrik seine volle Anerkennung zollen müssen. Es ist indeß mit der Zufriedenheit, von welcher der Aktionär erfüllt worden ist, nicht allein gethan; anderen Leuten steht das Recht zu, eigentlich richtiger gesagt, sie haben die Pflicht, Betrachtungen über diese Art des Einkommeus anzustellen. Angenommen der Durchschnittslohn eines Arbeiters der genannten Aktiengesellschaft be- trage pro Woche 20 M., so wird der Mann, welcher 100 M. zu dem Aktienkapitale beigetragen hat, eine Woche ohne jedwede Thätig- keit hinbringen können und doch ebenso gut oder gar noch besser als ein Arbeiter leben können, da an seine Kraft keine An- fordertmg wie an die des Arbeiters gestellt wird. Hat nun gar Jemand das Glück gehabt, in den Besitz von 100 mal 52 M. gekommen zu sein und diese Summe zum Aktienkapitale eingezahlt zu haben, so ist er im Stande, aus dem jährlichen Ertrage der winzigen Summe von 5200 M. als Faullenzer ein ziemlich behagliches Leben führen zu können. Em solcher Mensch gleicht allzu sehr einer Drohne, er genießt, ohne zu arbeiten, hat aber den Vorzug vor der Drohne, daß er nicht, wenn der Herbst kommt, gelobtet wird, sondern als wohlangesehener Mann im Staate und der Stadt dem Arbeiter gegenüber sich einer an- gesehenen Stellung zu erfreuen hat. Herr Eugen Richter hat in seiner letzten großen Rede von einer„Belastung der Industrie" durch die jetzige Sozialpolitik gesprochen. Daß dies eine Unwahrheit ist, wird wohl ziemlich Jedermann wissen, und wenn eine Aktiengesellschaft, wie die in Rede stehende, an Zinsen und Dividende 20 pCt. zahlen kann, so gleicht die ihr zugefügte Belastung etwa der eines Menschen, auf welchen sich eine Mücke gesetzt hat. Bis jetzt ist es noch Niemandem gelungen, die Berechtigung unseres heutigen Wirthschaftssystems und der aus ihm ent- springenden Gesellschaftsordnung vernunftgemäß nachzuweisen. Man ist nicht über Phrasen und unbegründete Behauptungen hinausgekommen. Selbst ein Mann, der von gewissen Kreisen als Nationalheld gefeiert wird und der in seinem Wappen den Wahlspruch führt:„Erst wägen, dann wagen", hat sich nicht ge- scheut, im Reichstage von der„Begehrlichkeit" der ,_..... der Arbeiter zu sprechen. Da es zetzt keinen Krieg giebt, bei welchem etwas zu wagen ist, so möchte es angemessen sein, wenn er seinen Wahl- spruch in:„Erst wägen, dann sagen", änderte. Wie ist es denn aber in Wahrheit mit der Begehrlichkeit der Arbeiter bestellt? ist doch eine Frage, um die man so ohne Weiteres nicht herumzukommen vermag. Es wird als ein großer Fortschritt zu betrachten sein, wenn die sämmtliche Arbeiterschaft erst begehrlich geworden sein wird. Daß sie ein Recht hat, es zu sein, beweist schon allein der erwähnte hohe Gewinn. Auf der einen Seite die alles schaffende Zlrbeit, auf der anderen ein Leben voller Genuß ohne Thätigkeit schend, müßte dem Arbeiter jedes Verständniß für das richtige Verhältniß des Menschen zum Menschen abgehen, wenn er nicht mit allen geeig- ueten Mitteln eine Aenderung des jetzigen Zustandes herbeizu- führen suchen sollte. Die Vertheidiger der heutigen Produktionsweise stützen die Berechtigung derselben auf den Besitz der Produktionsmittel, die sich in der Hand der Unternehmer befinden. Es sind aber Ma- schinen, Rohmaterial und Betriebskapital tobte Dinge, welche, ohne benutzt zu werden, an ihrem Werths verlieren, und so wie sie erst durch Arbeit hervorgebracht worden sind, können sie auch wiederum nur durch die Arbeit zur Schaffung neuer Weiche Verwendung finden. Es ist kaum denkbar, daß den Unternehmern die Einsicht abgehen sollte, um die Gerechtigkeit des Bestrebens der Arbeiter zur Verbesserung ihrer Lage nicht anzuerkennen, aber lange Ge- wohnheit und die dem Unternehmerthum anerzogene Gering- schätzung des Arbeiterstandes verbunden mit einer unerschöpf- lichen Genußsucht haben den sittlichen Begriff des Werthes der Arbeit dermaßen herabgedrückt, daß jede Hoffnung auf ein Ent- gegenkommen der Unternehmer längst geschwunden ist. Wenn aber nicht alle Anzeichen trügen, so ist der Zeitpunkt nicht mehr fern, wo es sich abermals bewahrheiten wird, daß die Verhält- nisse mächtiger sind, als der Wille der Menschen. KrsteUte Arbeit war der Reklame-Artikel der„Staats- bürger Zeitung" vom 4. November d. Js. das Jubiläum des kaiserlichen Hoslieferanten Röhlich betreffend. Zur Richtigstellung über den„erquickenden Lichtblick" unserer durch die böse„Sozial- demokratie" getrübten Zeitverhäktniffe wird uns Folgendes getheilt. �ym April d. I. war in der Röhlich'schen Fabrik eine Bewegung ,m Gange zur Erreichung der neunstündigen Arbeitszeit re,p. be, ferer Lohnverhältniffe und Erhöhung der Atkordpreise um 20 pCt. Nachdem der„humane Herr" von einer längeren Ver- gnügungsreise aus Italien zurückgekehrt war, konnte er aber seinen abgerackerten Arbeitern keine volle Stunde Muße gönnen, sondern bewilligte nur Ve Stunde, 10 pCt. Va Thaler Lohnzulage, aber nicht an Alle. Den Delegirten hatte er Tags zuvor erklärt, daß er die jungen Elemente„herausschmeißen" würde, ivenn es zum Streik käme. Da die'Arbeiter der genannten Fabrik nur zu „murren" wagen, wenn es der Chef nicht hört, waren sie damit zufrieden, obgleich sie nur einen Theil von dem zurück erhielten, was ihnen Jahre lang in Form von Abzügen abgezwackt wor den war. Im vorigen Monat breitete sich nun die Bewegung unter den Vergoldern zur Erringung der neunstündigen Arbeitszeit wieder aus und es erhielt auch Herr Röhlich von der Kommission ein Zirkular zugeschickt. Anstatt nun die halbe Stunde noch zu be- willigen, wurde durch die Werkführer ein Zirkular zur Unter- schrift herumgeschickt, worin der„humane Herr" behauptete, daß er den Forderungen der Kommission bereits im Frühjahr nach gekommen wäre. In der ganzen Fabrik hatten nur drei Mann den Muth, das Schriftstück nicht zu unterschreiben, dafür wurden sie auch sofort hinausgemaßregelt, trotzdem sie schon längere Zeit im Geschäft thätig waren und sich in ihrer Arbeit und ihrem Betragen nichts hatten zu Schulden kommen lassen. Ter Streik ist zu Gunsten der Gehilfen in dieser Woche entschieden worden, damit richtet sich die Handlungsweise des Herrn Hoflieferanten von selbst. Was die„großen Geschenke" anbelangt, die der Herr in Höhe von über 10 000 M. an seine Arbeiter vertheilt hat, so ist das ja ihr erarbeitetes Geld und sie sind bei dieser„Theilerei" immer noch die Dummen!" Jeden- falls legen die Geschenke und das große Fest Zeugniß ab davon, wieviel dxm Fabrikanten das Geschäft einbringt und wie hoch sein„Entbehrungslohn" ist. Selbst die bisher gut gesinnte Konrgeoisie fängt an, die soziale Reform, die vom 1. Janur 1891 nun faktisch ihre sogenannte Krone erhält, auf besondere Weise zu verspotten. Allerdings, man muß gestehen, daß es einen bedeutenden Auf- wand von Scharfsinn erforderte, um einen bureaukratische» Apparat von der Schwerfälligkeit zu konstruiren, wie er in dem Folgenden geschildert wird. Außer den thatsächlichen Aus- stellungen, die wir an dem Jnvaliditäts- und Altersversicherungs- Gesetz zu machen habe», versteht es aber die moderne Sozialreform vorzüglich, sich Jedermann— ob Arbeiter oder Unternehmer— gleich lästig zu machen. Die Bourgeoispresse fürchtet bereits für die Ruhe Derjenigen, die sie mit dem poetischen Namen„Haus- vater" bezeichnet, und die„Dtsch. Verkehrs-Ztg." schilderi die Leiden eines bürgerlichen Hausvaters so anschautich, daß es sich wohl verlohnt, auch hier darauf zurückzukommen. Versicherungspflichtig sind bekanntlich alle Personen, welche als Arbeiter, Gehilsen, Gesellen, Lehrlinge oder Dien st boten gegen Lohn oder Gehalt beschäftigt werden und das 16. Lebensjahr überschritten haben. Also nicht nur alle Dienstmädchen, Köchinnen, Knechte müssen versichert werden, sondern auch alle Bonnen, Kindergärtnerinnen, ferner die Aus- befferin, die Plätterin, die Wasch- und die Reinmacherei, sobald das Entgelt für die Dienstleistungen aller dieser Personen nicht nur in freier Station besteht. Versichert wird mit Hilfe von „Quittungskarten" und„Beitragsmarken"; man klebt eine Bei- tragsmarke auf die Quittungskarte auf und wenn die letztere gefüllt ist, liefert man dieselbe ab. Zu allererst hat also jeder Hausvater dafür zu sorgen, daß jeder, der in seinem Hausstand versicherungspflichtig ist, eine Quittungskarte erhält. Man schickt, sobald der 1. Januar naht, zur Polizei und sagt dem Dienstboten, er solle sich eine Quittungskarte geben lassen. Dabei wird man gut thun, ihm irgend etwas Amtliches, das Dienstbuch und dergleichen, mitzugeben, woraus der Geburtstag zu ersehen ist. Der Dienstbote oder Arbeits- mann erhält dann eine zweiblätterige Karte aus gelbem Kartonpapier, um ein Geringes größer, als die Doppel-Postkarten. Auf der ersten Seite stehen der Stempel der Behörde und die Personalien der Person, sür welche die Karte ausgestellt ist. Tie zweite und dritte Seite enthalten 52 numerirte Felder für die Marken. Die vierte Seite trägt den Abdruck dreier, bei der Ver- wendung der Quittungskarten besonders zu beachtenden Bestim- mungen. Für die Ausstellung solcher Ouittungskarten hat der Versicherungspflichtige Nichts zu zahlen, sollte ein Arbeiter oder Dienstbote tn der Beschaffung solcher Karte säumig sein, so hat der Hausherr für ihn eine zu besorgen, woraus etwa 5 oder 10 Pf. Kosten entstehen werden, welche beim Lohn abgezogen werden können. Aus die zweite und dritte Seite der Karte muß nun der Hausvater sür sein Personal die Beitragsmarken aufkleben und zwar jedesmal bei der Lohnzahlung. Taraus folgt, daß man Jeden, der Lohn fordert, fragt: Haben Sie Ihre Quittungskarte da? Wenn nicht— so besorgen Sie dieselbe! Ist sie glücklich zur Stelle, so kann das Auskleben be- ginnen— vorausgesetzt, daß man die„Beitragsmarken" hat. Mit solchen muß sich also der Hausherr oder die Hausfrau vor der Lohnzahlung ausrüsten. Diese Beitragsmarken, welche in vier Abstufungen zu 14, 20, 24 und 30 Pfennigen zu haben sind, wer- den von den Postanstalten seilgehalten. Diese Marken enthalten u. a. auch den Namen der Verstcherunasanstalt, von welcher sie aus- gegeben werden und jede Postanstalt hält die Marken nur derjenigen Versicherungsanstalt zum Verkauf, in deren Bezirk sie liegt. Der Hausvater darf nur die Marken derjenigen Versicherungsanstalt verwenden, in deren Bezirk sein Hauswesen sich befindet. Wer nffojz. B. innerhalb des Weich- bildes von Berlin wohnt, muß seine Marken bei einer innerhalb des Weichbildes gelegenen Stadt-Postanstalt kaufen; wer dagegen zu Charlottenburg oder Schöneberg gehört, kann diese Marken nicht brauchen, wenn er auch zum Bestellbezirk einer im städti- scheu Weichbild belegenen Postanstalt gehört: er muß Marken der Versicherungsanstall der Provinz Brandenburg— nicht der Stadt Berlin— haben und diese bekommt er nur bei Post- anstalten außerhalb des städtischen Weichbildes.— Der Hausvater wird nun aber im Zweifel sein, welche der vier Sorten von Marken er zu kaufen hat. Das hängt von der„Lohnklasse" ab, in welche der Dienstbote oder Arbeiter gehört. Nach dem Gesetze giebt es nämlich vier Lohnklassen, in welche die Versicherten nach der Höhe ihres Arbeits- Verdienstes vertheilt sind. Zur Lohuklasse I gehören die Personen mit einem Jahres-Arbeitsverdieust bis zu 850 M.; zur Lohnklaffe II diejenigen von 351 bis 550 M., wer jährlich 550 bis 850 M. verdient, gehört zur III, wessen Verdienst über 850 M. hinausgeht, zur IV Lohnklasse. Um dies zu berechnen, ist nur solgendes.nöthig: hat man Arbeiter, die einer Krankenkasse an- gehören, so nimmt man den Tagesbetrag des Lohnes, von welchem die Krankenkassenbeiträge berechnet werden, multiziplirt ihn mit 300 und hat die Lohnklasse. Bei den übrigen, insbesondere bei bei Dienstboten und den auf einzelne Tage im Hause beschäftigten Personen kommt es nur darauf an, wie hoch allgemein der von der höheren Verwaltungsbehörde festgesetzte ortsübliche Tagelohn ist: das 300sache ergiebt die Lohnklasse. In Berlin ist der ortsüblche Tagelohn gewöhnlicher Tagearbeiter festgesetzt: für er- wachsene(über 16 Jahre alte) männliche Arbeiter auf 2,40 M., weibliche 1,50 M., für jugendliche männliche Arbeiter auf 1,30 M., weibliche 1 M. In Berlin gehört also ein erwachsenes Dienstmädchen oder eine Näherin, welche nicht Mitglied einer Krankenkasse sind, der U. L o h n k l a s s e, ein Kinder- mädchen unter 16 Jahren der 1. Lohnklasse an, während ein Tagelöhner, der im Garten arbeitet, oder ein Diener in der III. Lohnklaffe zu versichern sind. Für die I. Lohnklasie braucht man hiernach eine Marke von 14 Pf., für Lohnklaffe II. eine solche von 20 Pf., für Lohnklasse>11. eine solche von 24 Pf. und für Lohnklasse IV. eine Marke von 80 Pf. Für jede Woche der Beschäftigung ist eine Marke einzukleben und zwar bei der Lohnzahlung. Bekommt Jemand für einen längeren Zeitraum Lohn, so sind bei der Lohnzahlung so viele Marken auf die Karten zu kleben, als er Wochen gearbeitet hat. Nun kommt es vor, daß Jemand, z. B. eine Nähmamsell, nicht die ganze Woche an derselben Stelle beschäftig! ist. Dann hat Derjenige die Marke einzukleben, bei welchem der Versicherte zuerst arbeitet. Wer also eine Näherin am Montag befchäA .-tri. e".. v*...... nm. r..•____ i______ n.~.» zahlt für die ganze Woche; nimmt man sie an einem späten» Tage der Woche, so muß man sich bei der Lohnzahlung een gewissern, ob sie bereits für die laufeude Woche eine Marke a»l Ich»--»«-*" «z s s, m.................................. gab, daß die Nummer mit einem Gewinn im Werthe von. 50 M. gezogen worden war. Das Loos wurde nmijch� ------»wtvtw«vut. Ä/w»»vuvvv r'ff.a Sgttrt zur Hebung des Gewinnes übersandt und traf derselbe� auch nach einigen Tage» in Gestalt eines � Kilo I'. ug Mch pakets ein, wofür 1,25 M. zu zahlen waren. Davon nähme für Emballage(bestehend aus einem 40 Pf., 70 Pf. Porto und 15 Pf. Abtragegebuhren. wurde das Paket geöffnet und— ein Karton mrt � un; und Kouverts— zu Tage gefördert. Dieselben( _.cut----™- k" - JJU �IV|V*vv.. lye- gefahren Werth von 50 Pf. und kosten den gluckuchen � winnern nun in Summa, mit Loos, Gewinnliste, Porto u-p� 2,75— ß# ist nnnmofimim hnfc mnf»r ein atOBCt �9 n!urf(' 7# anzunehmen, daß wohl ein großer-, Publikums an der genannten, s. Z. mit großer Reklame v breiteten Lotterie betheiligt ist, von denen die meisten wohl u Haupt nichts gewonnen haben. Dieselben sind also immer noj bester weggekommen, als unsere glücklichen Gewinner.— 3?®' snü-j kennzeichnen diese Zeilen das gegenwärtig besonder» u handnehmende Lotterieunwesen und mögen sie dazu dienen, o derartigen modernen Spekulationen reicher Nimmersatts, öeite» des Publikums überhaupt keine Beachtung gesttst werden mögen. .5'' Sandstciufnyage des Kunstgewerbe- gtckavlära't. Eingangsrampe angebrachten Sandstein-Figuren seit längerer tjfi m einem auffälligen Zustande. Die gauze Ssadsteinfläche'st w" einer dichten grünen Moosschicht überwuchert, die an einzelne'' wie Plüsch schillert. Bei der völlig grünen Kappe, welche Os" Kops der Figur des Kunstschmiedes bedeckt, ist die dadurch M") vorgerufene Illusion ganz wohl erträglich; recht unangettchw aber wirkt dieser Grund, wenn man die Gesichtszüge 0" beiden Figuren beobachtet; hier macht der stellenweise uno seichte grünliche Moosüberzug einen unheimlichen un. ledenfalls keinen angenehmen Eindruck und der Beschauer ist«e>' sucht, die Verstümmelung der rechten Hand des Zeichners in O1� scnnmenhang mit dieser mattgrünen Gesichtsfarbe zu bringen,>v> sie den Medizinern als eine der sichersten Verivesungs- Ersche>- nungen bei Leichen wohlbekannt ist. Hebt nian die Moosff'v vorsichtig von dem Steine ab. so zeigt sich, daß dieser unter � pflanzlichen Hülle morsch an seiner Oberfläche ist und d'-m leichtes Schaben dort pulverisirt werden kann. Aehnliche E»' scheinungen werden auch von anderen öffentlichen bäuden gemeldet, so zum Beispiel von der National- Galen- wo die großen Sandsteinflächen, die zur Außenbekleidung � —=----- n-x fm.ifo(KHhnhen gelitte» «KNiM» Anlagen in der Umgebung dieser Gebäude der Moos-Sam die Sandsteine geweht wird, sich hier an der rauhen Ode i @n': festfetzt und entwickelt. Nasses, milves Wewer i»>-»»-. Wickelung des Mooses ganz besonders günstig, während som»iPs trockenes Wetter mit lebhafter Luftbewegung die Moosvilv»»� wieder zerstört. Die Besehädigung, welche der Sandstein dM« diese Moosbildungen erleidet, hat die Bauverständigen veranta?'' auf geeignete Maßnahmen hiergegen Bedacht zu nehmen. Gin rigenthiimiicher UorfaU ereignete sich, wie die ßh� lottenburger„N. Zeit" berichtet, am Dienstag auf der Stadtbahn- Abends 9 Uhr bestiegen mehrere Herreii einen Stadtbahnzug»»' Bahnhof Börse, um nach Westend zu fahren, als plötzlich-JT. Z"g war kaum ausgefahren— ein Mann ohne Kopsbedeck� wahrend der Fahrt in das Koupee hineingestürzt kam und r ~ R-merk»»S «vvev/vwtv vvv(J v»y*"..------- v....... U-i w auffallend benahm. Als einer der Passagiere die Bemerr>"-° machte, es sei wohl sehr gefährlich, während des Fahrens Koupee zu verlassen und in ein anderes einzusteigen, sprang d' � unheimliche Gast auf und sagte:„Meine Herren, Sie Hab*» U v»,» aw» ti4\ fmt V�mifrnfpMr bßC � �4. darüber gar nicht zu bekümmern, ich bin Kontrolenr der s bahn und bitte um Ihre Billets." Natürlich ivurde er ausgel � da mit einem Male gebürdete sich der Fremde wie rasend nn wollte einem der Paffagiere zu Leibe gehen. Da er Hiera" � hindert wurde, suehte der Eindringling das Weite � die Thür, und das gelang ihm auch, denn � einem Nu war er aufs Trittbrett getreten und � auf demselben entlang, um nach kurzer Zeil wieder 4, dasselbe Koupee zurückzukehren. Endlich auf Bahnhof„F*ie � straße" angelangt, verlangten die Herren die G»lftr' � des Eindringlings durch den Thürschließer, aber derselbe erar? � die Situation sür nicht so gefährlich, schlug die Thür Zw � fort ging# nach„Lehrter Bahnhof". Auf dieser Strecke wueo Situation immer gefährlicher, so daß die Passagiere laut ui» V„ riefen. Nun verließ der Fremde wieder das Koupee und r j die Trittbretter bis zur Maschine entlang, während b» W. gerade in den„Lehrter Bahnhof" einlief. Hier ivurde treffende festgenommen, und der Bahnpolizei übergeben, tvop�z. die Ueberfallenen als Zeugen des Vorsalles vernommen w" Den leibhaftigen Teufel zu sehen, glaubten dieser einige in der Forst bei Potsdam befindliche Frauen," jot* russiger Schornsteinfeger auf hohem Dreirade an ihnf" i» übersauste. Der Betreffende arbeitet bei einem Meip der Umgegend, welcher verschiedene Dörfer zu seinem bezirk zahlt. Abermals Ist ein schweres Derkehrsunglulff.xge» Steglitz zu berichten. Als am Donnerstag Vormittag 9 Uhr der Wagen Nr. 6 von der Dampf-Straßenbahn? seiner Fahrt Steglitz-Berlin über die Theilstrecke traße" hinweg war, mußte der Maschinist WafferdaMpl.�1 Ißhßn �nrrf» nfRüftAo Afior f/rff rterniiMifofß oflt' 1 1-- v--- o--—- f— I 1"1--- 11—««All#** 4/ geben. Durch das plötzliche, aber fast geräuschlose Hera �{I,p der Dampffvolken wurde das Gespann eines von Be'' � gegenfahrenden, mit Stucktheilen beladenen Wagens der � � Wennich, Friedenstraße 91, scheu und sprang,'"dem. schwere Fuhrwerk mit sich riß, gegen die Elchenbaum' vom Chauffee-Fahrdamm. DerKulscher sprang, dieLeme tn„>> vom Wagen und suchte mit kräftigem Ruck sein G l gW pariren. Er stand nun zwischen seinem Wagen und ve zi> der Dampfstraßenbahn. Da riß ihm die Leine und er Sturz, so unglücklich, daß die Räder des Dampff rap ,z- Wagens über seine Beine hinweg rollten und das li»' zermalmten, das rechte zerknickten. Ein Kutscher von� � ep'., 1 W•tivtxttitv»)/ V~' V gv%»»nfcwv»». v>v»» ÜVH»|V�W—-_,, scheu Brauerei schaffte den Unglücklichen nach dem o nahen Hauses, während fem Fuhrwerk dem Huveo Gasthof zugeführt wurde. Dann benachrichtigte man � sowie de» Brotherrn des Schwerverletzten von denM� 1. ,v.vvv vwi*�4V4«/v»v»» vv;v'jiil Ereigniß, welche nach Möglichkeit fchnell herbei; 11 Uhr erst konnte der bedaucrnswerthe Mann— CV uyi er» luiimt v«t iivvuuein&iueitqe ilnuui,—'.n der Gollnowstraße 5 und Dennewitzstraße 19 kleinere «tanbe statt.■■■ Gevirhks Leitung. Der Aufstand in Gdcrbrrg. Folgende Krähwinkelei wrrd u»» berichtet: Vor der Strafkammer des Landgerichts zu Cbers- �olde fand am Donnerstag eine Verhandlung statt, welcher bort in St «tauen und halberwachsene Kinder aus dem Stadtchen Oderberg, welche des Aufruhrs beschuldigt waren. Die Verhandlung ergab « Senden Sachverhalt: Am 31. Mai d. I.. einem Sonnabende. l«bten Abends(! Uhr die Spritzen probirt werden. Unter den «utch Magistratsboten zur Bedienung der Spritzen geladenen . ntin befanden sich einige Neulinge. Diese blieben bei Beginn Arbeit unthätig stehen, da sie nicht wußten, welcher Spritze ue angehörten. Ais der Zug sich nach der Oder hin bewegte, ! kie Neulinge demselben. Unterwegs kam dann dw-«.nch- 'cht, daß die neuen Mannschaften der Spritze 1 zuertheilt seien. 5°r Arbeiter Ernst Rau, welcher auch zu den Neulingen geHorte. „Welches ist denn die Spritze Nr. 1?" In diesem Augenblick wurde er von hinten— seiner Behauptung nach iSCut rief Nr. 1?" In diesem mS.~ an die Schulter gesaßt und geschüttelt. Es in I, ,c Bürgermeister Sieg, der ihn fragte, ob er nicht wisse, !_'oelcher Spritze er gehöre. Rau verbat sich entschieden, daß -..„ougesaßt werde, woraus der Bürgermeister dem in der Nähe x-. glichen Polizeidiener Klinsk den Befehl ertheilte:„Führen z,'°. den Mann bis morgen früh 9 Uhr ab." Rau folgte dem ?."ieidiener gutwillig bis vor's Rathhaus, hier erklärte er aber, 3W m l'ch, wegen einer solchen Bagatelle nicht einsperren lasse. i./.Pollzeidiener faßte den Widerstrebenden an die Brust, um tns Rathhaus hineinzuziehen. Ran stemmte sich aber mit den ini�ü 2egen den Erdboden. Nun schlug der Beamte .u dem Säbel auf ihn ein und brachte ihm eine blutende s?bfwunde bei. Das umstehende Publikum äußerte hierüber i inen Unwillen und überredete Rau, doch lieber gutwillig zu > igen. Rau gab seinen Widerstand auf und folgte dem Polizei- ,°nerms Rathhaus. Er wurde hier noch in gröblichster Weise » Mißhandelt. Das Ereigniß hatte in der kleinen Stadt eine be- in m d« Aufregung hervorgerufen. Das Publikum sammelte sich i'�tuppen und besprach die Angelegenheit, wobei es zu laute» heftigen Reden kam. Dies gab wieder Veranlassung zu SC" Arretirungen. Die Aufregung wuchs und endlich hielt der Äs? Burgermeister es für nothwendig, die Feuerwehr zu alarmiren. ', bie Feuersignale ertönten, eilte alles auf die Straße, ilir'A."°ch den Häusern befand. Die Aufregung erreichte Höhegrad, es wurden viele Personen, die der Aufforderung stolizei. sich zu entfernen, nicht sofort Folge leisteten, notirt. „ �Ueßlich ivurde das Publikum von der Feuerwehr mit Wasser- l ahlen überschüttet und dies Mittel zeigte sich wirksam, denn in »anz kurzer Zeit war der Aufruhr beendet, mehr lachend als «Wort flüchtete das Publikum in die Wohnungen. Inzwischen Knü �ct Bürgermeister die Lage wohl für sehr bedrohlich ge- ,» m �en, denn um 10 Uhr traf von ihm beim Landrathsamte t-., Angermünde folgende Depesche ein,„Aufstand in Oderberg, viste." Diese Drathmeldung brachte auch Angermünde in Auf- k®UlJ9- Aus Veranlassung des Landraths wurden 2 Kompagnien , t dortigen Garnison alarmirt, mit scharfen Patronen ver- und unter Leitung eines Majors nach dem Bahnhofe ge- i yrl. Aber, o weh! Von Angermünde nach Oderberg besteht Jr.«'he Sekundärbahn, die bei Nachtzeiten nicht befahren irv, die Bahnhossverwaltnng wies darauf hin, daß der Zug auf J* nichterleuchteten Strecke bei jedem Uebergange Gefahr laufe. un wurde beschlossen, die Truppen per Axe nach Oder- "S zu befördern, das Beschaffen der dazu nöthigen Wagen muß �jj'tece Stunden in Anspruch nehmen. Den Landrath litt es j.S' banger, er eilte in einem vierspännigen Wagen voraus, um n«,. Uberberg zu sein. Als er dort gegen 3 Uhr Morgens ...Begleitung eines Gendarmerie-Oberwachtmeisters eintraf, über- «r sich, daß ganz Oderberg— im tiefsten Schlafe lag. Das s„,,w"lche Nachspiel hatte ein der Sachlage entsprechendes Re- T'0b Der Vertheidiger der Angeklagten, Rechts- Anwalt iOtnt, u aus Berlin, führte aus, daß eigentlich die ganze» «ßnahmen der Behörden an den Unruhen schuld seien. bar.,,»>» tien 30 Angeklagten wurden 20 völlig freigesprochen, arru?. auch der Arbeiter Rau, der den ganzen Tumult ver- wiirt? Wen sollte, die übrig bleibenden vier Angeklagten tnhlt v*" i? fünf Tagen Gesängniß verurlheilt. So m» �„Aufstand zu Oderberg". x.-,,»Bwhthaftig, die hier geschilderten amtlichen Personen: der �"Bürgermeister, der schneidige Landrath, der Major mit >chlak»»?°�N!Znie auf dem Leiterwagen, um die Nachtruhe Echzpp��Burger zu stören, das sind herzerquickende Typen aus NevfQnrmlungezr. kreis5'°. Parteigen oss�'de" d�t?en �Berliner Reichstags-Wahl- &aae x. � Nch«m Donnerstag Abend versammelt, um zur manna Organisation Stellung und die Wahl eines Vertrauens- Anficht y Wa* war Tischler Wiebemann. Der Re erent ,st der #####:= ein 5 � könnten dann Bezirksvereine gebildet werden «tapste�""athstehcnder Resolution zum Ausdruck gebracht und ■■ �®tün bei!' der in der Diskussion zuerst das Wort ergriff, meint, es sei nicht nothwendig, einen zentralisirlen Verein zu gründen. Ein jeder Wahlkreis habe für sich zu thun und wisse am besten, was ihm Roth thue. Die einzelnen Wahl- vereine könnten ja Vertrauensmänner wählen und diese dürften sich ja von Gesetzes wegen mit den Vertrauensmännern der anderen Vereine über wichtige Angelegenheiten in Verbindung setzen. Herr Glocke ist im Prinzip für Zentralisation, doch gebe er zu bedenken, ob den einzelnen Filialvereinen nicht doch Schwierigkeiten von der Polizei bereitet werden könnten, indem sie als selbstständige Vereine angesehen würden. Wenn man sich jedoch für die Gründung einer örtlichen Organisation entscheiden und für den 3. Wahlkreis einen Wahlverein gründe, so müsse man bei Wahlen ein besonderes Wahlkomitee wählen. Nach lebhaftem Für und Wider wird der Vorschlag des Herrn Glocke angenommen, eine Kommission von 3 Mitgliedern zu ernennen, welche mit den übrigen Kreisen zu berathen hat, ob eine zentralisirte oder örtliche Organisation geschaffen werden soll mit dem Zusätze, daß diese Kommission später eine große öffent- liche Versammlung einzuberufen habe, in der die Genossen aus allen 6 Kreisen über die Form der Organisation endgiltig zu ent- scheiden hätten. Bei der Wahl dieser Kommission kam es nun zu einer mehr als rstündigen Debatte. Seitens einiger Genossen aus dem 8. Wahlkreis wurde die Frage angeregt, ob es nicht zweckmäßig sei, nur solche Genossen in diese Kommission zu wählen, welche auch thatsächlich im 3, Wahlkreise wohnen. Das hielten jedoch die Genossen aus andern Wahlkreisen, welche bei der letzten Wahl die Agitation im 3. Kreise mitbesorgt hatten, für „partikularistisch". Schließlich behielt die erstere die Mehrheit, in die Kommission ivurden Börner, Gründet und Fritz gewählt. Die Versammlung schritt darauf zur Wahl des Vertrauens- mannes. Es wurde zunächst beschlossen, einen Vertrauensmann und einen Stellvertreter zu wählen. Vorgeschlagen wurden Fritz als Vertrauensmann und Börner und Schweitzer als Stell- Vertreter. Nach längerer Debatte war die Mehrheit der Ver- sammlung für Fritz als Vertranensmann und Börner als Stell- Vertreter; Genosse Schweitzer blieb in der Minorität. Der Schluß der Versammlung erfolgte erst um 2 Uhr Nachts. IV. WnhlKrris(Gst-n). Die Genossen aus dem Osten des 4. Berliner Reichstags- Wahlkreises versammelten sich am Donnerstag Abend unter Vorsitz des Genossen Scholz, um die Wahl von Vertrauensmännern vor- zunehmen. Das einleitende Referat hatte Stadtverordneter Hein- dorf übernommen, der etwa Folgendes ausführte: Es käme heute nur darauf an, festzustellen, welche Stellung die Vertrauens- männer einzunehmen hätten. Im Jahre 1875 habe Staatsanwall Tessendors den Richtern zugerufen:„Zerstören wir die Organi- sation der Sozialdemokratie, und sie wird aufhören." Trotzdem sich die Angerufenen getreulich nach diesem Ausspruch richteten, vermochte man die Sozialdemokratie nicht auszuroden; sie habe im Gegcntheil einen immer größeren Aufschwung genommen. Die Verfolgungen, welche die Partei zu eroulden gehabt habe, haben mitveranlaßt, daß sich Lassalleaner und Eisenacher ver- einigten. Dieser Vorgang trug wiederum dazu bei, daß die Bourgeoisie mit immer scheeleren Augen dieses selbstständige ein- müthige Vorgehen betrachtet habe. Redner erläutert, wie der durch seine Steuerpolitik in die Enge getriebene Reichskanzler sich den Schuß eines Idioten zu Nutzen gemacht habe, um das Proletariat mit dem Sozialistengesetz zu knebeln. Das Sozialisten- gesetz sei besiegt, und den Genossen sei es wiederum zur Ausgabe geworden, eine neue Organisation zu gründen, eine Organisation, die vorsichtig geschaffen werden muß, um nicht in den Maschen des Vereinsgesetzes hängen zu bleiben. Redner erörtert, wie man dazu gekommen wäre, den 4. Wahlkreis in Osten und Südosten zu theilen, und die Wahlen von Vertrauensmännern ge- trennt vorzunehmen. Es sei dies nothwendig geworden, weil das Reichsgericht erkannt habe, daß eine in einer öffent- lichen Versammlung gewählte Kommission sehr wohl als Verein angesehen werden könne, wenn sich dieselbe mit öffent- lichen Angelegenheiten beschäftigt; ferner sei vom Reichsgericht für Recht erkannt, daß drei Personen schon einen Verein bilden können. Deshalb sei es rathsam, den 4. Wahlkreis in zwei Theile zu zerlegen und die Wahlen getrennt vorzunehmen. Die Vertrauensmänner müßten ein Glied in der Kette bilden zwischen Parteigenossen und Parteileitung; ihre Aufgabe müsse sein, überall hin ihr Augenmerk zu richten, wo für eine Verbreitung der Ideen der Sozialdemokratie gewirkt werden könne. Sie haben geeignete agitatorische 5t'räste heranzuziehen; sie haben Sorge zu tragen, daß den Parteigenossen zwar das Recht der freien Kritik gewahrt werde, daß aber Zerwürfnisse, wie wir sie in der letzten Zeit gehabt, nicht mehr vorkommen dürsten. Referent bittet noch, vorsichtig bei der Wahl zu sein. In der Diskussion, an bef sich mehrere Genossen betheiligen, hebt Weisels hervor, man müsse bei der Agitation unter den Indifferenten nicht immer die Prinzipiensrage voranstellen, sondern mehr die praktischen For- derungen; dadurch sei die große Masse zu wecken, die dann auch Prinzipien zugängig gemacht werden könne.— In seinem Schlußwort hebt Genosse Heindors nochmals hervor, daß man sich strenge im Rahmen des Vereinsgesetzes zu halten habe; man müsse sich auf den Standpunkt des Genossen Auer stellen, und in dieser Beziehung das schwärzeste sehen. Vor allen Dingen müsse die Einigkeit der Partei von den Vertrauensmännern gefördert werden. Die Versammlung schritt nunmehr zur Wahl der Vertrauens- männer, welche durch Stimmzettel erfolgte. Vorgeschlagen wurden die Genossen Höhne, Heindors, Wenzels, Tempel, Klose, Diedrich, Bcrnelt, Wilke, von denen Diedrich und Wilke ablehnten, Berndl lehnte ab, da er in baldiger Zeit eine längere Gefängnißstrahe antreten müsse. Es erhielten Stii.Imen: Heindorf 202, Weugels 122, Höhne 116, Tempel 78, Klose 34, mehrere waren ungiltig. Ge- ivählt waren demnach Heindors und Wenzels. Die Gewählten gaben die Erklärung ab, nach besten Kräften thätig zu sein und ihr Amt gewissenhaft versehen zu wollen. Nachsolgende Reso- lution wurde hierauf einstimmig angenommen: „Die heutige Versammlung der sozialdemokratischen Parteigenossen beschließt: Von allen Versammlungen, welche die Partei betreffende Fragen erörtern sollen, ist den Ver- trauensleuten Mittheilung zu machen, bczw. ist die Ein- berusung solcher Versammlungen von den Vertrauensleute» zu bewirken." Zu„Verschiedenem" ersucht Kollege Ebert die Versammelten, die junge Organisation der Gastwirthsgehilfen nach Kräften unter- stützen zu wollen. Mit einem Hoch auf die internationale Sozial- demokratie schloß der Vorsitzende die Versammlung. Krchstrr Wahlkreis. Am Donnerstag'Abend hatten sich die Parteigenoffen des sechsten Wahlkreises sehr zahlreich unter Vorsitz des Genossen Wernau zusammen gefunden. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Regierungsbaumeisters a. D. Keßler. Im Hinblick auf den Hauptzweck, welcher die Genoffen zusammen- geführt hatte, besprach Keßler die aus dem Parteitag geschaffene Neuorganisation. Nach Fall des Sozialistengesetzes, so führte Redner aus, fiel dem ersten Parteitag, der nach dreizehn Jahren wieder auf deutschem Boden tagen konnte, die Aufgabe zu, der Partei eine neue Organisation zu geben. Das Band, das uns bis dahin zusammen gehalten habe und auch weiter zusammen- halten iverde, sei ein inneres gewesen, doch mußten wir nun auch für eine äußere Form Sorge tragen. In Ermangelung eines ein- heitlichen Reichs-Vereinsgesetzes sei diese Arbeil sehr erschwert ivorden. Die Fraktion hatte einen Entwurf vorgeschlagen, welcher sich im Wesentlichen mit dem vom Jahre 1ö75 deckte. Ter Vortragende geht näherauf den ursprünglichen Organisation?- entwurf ein. Seiner Fassung sei das Vereinsrecht der verschiedenen Staaten,! unter ihnen auch das Preußens, hindernd jn den Weg getreten. Er schildert dann die Beschränkungen der politischen Parteien in ihrer freien Bewegung durch die Gesetze, sowie die verschiedenartigsten Auslegungen der Gesetze seitens der Richter. Er legi den Anwesenden klar, was das Vereinsgesetz unter einem Verein, einer Versammlung und einer Partei verstehe. Gegen den ersten Paragraphen des Fraktionsentwurfs, Parteigenosse sei Jeder, welcher sich zum Parteiprogramm bekenne und die Partei dauernd materiell unterstütze, seien von vielen Seiten Einwände geltend gemacht worden. Man habe sich schließlich darüber geeinigt, denselben so zu formuliren, Parteigenosse sei Jeder, der die Grundsätze der Partei anerkenne und dieselbe dauernd unterstütze. Man sei hierbei von der Ansicht ausgegangen, daß unser Parteiprogramm nichts Feststehendes sei, daß es kein Dogma werden dürfe, daß überdies dasselbe in einigen Punkten veraltet, in anderen reformbedürftig sei, zum Beispiel müßte der Satz, welcher das eherne Lohngesetz enthalte, und die Forderung der Produktivgenossenschaften in einem neu ausgearbeiteten Pro- gramm fortbleiben. Dagegen müsse Jeder unsere Grundprinzipien anerkennen und wer dieses thue, der sei unser Parteigenosse. (Beifall.) Es sei Jeder Parteigenosse, den die Genossen in seinem Kreise oder Orte als solchen anerkennen, auch hätten nur diese die Befugniß über die Zugehörigkeit eines Jeden zur Partei zu bestimmen, dabei wären ver Parteivorstand und der Parteitag die Berufungsinstanze». Betreffs der dauernden Unterstützung sei nicht näher angegeben, welcher Art dieselbe sein solle, man sei von der Ansicht ausgegangen, daß es Pflicht jedes Genossen sei, die Partei mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln und Kräften zu unter- stützen. Große Opposition habe vor dem Parteitag gegen die Bestimmung des Entwurfs geherrscht, nach welcher der Fraktion die Aufsicht über die Presse eingeräumt wurde. Diese Bedenken wurden aber in Halle durch die bündigsten Erklärungen, wie die Aussicht gehandhabt werden solle, vollständig beseitigt. Er habe auch zu dieser Opposition gehört, da er geglaubt hätte, die Auf- ficht solle so wie in Dresden und Magdeburg geschehen. Nach den abgegebenen Erklärungen und Versicherungen sei er bald in der glücklichen Lage gewesen, seine Opposition in diesem Punkt aufzugeben. In der Kommission hätte man sich vorher schnell darüber einigen können. Redner bespricht dann an der Hand des Vereinsgesetzes die Bildung des Parteivorstandes und der Vertrauensmänner. Es sei durch Organisation eine großeParteigeschaffen.welche eine Geschäfts- leitung von zwölf Personen besitze. Zu dieser Leitung treten die in den einzelnen Kreisen gewählten Vertrauensmänner hinzu. Den Letzteren falle die Ausgabe zu, das Bindeglied zwischen dem Parteivorstand und den Parteigenossen zu bilden. Die Fraktion sei ganz richtiger Weise aus der Berechnung fortgelassen, denn sie sei etwas sehr Unbestimmtes. Sie könne wachsen, es sei aber auch nicht die Möglichkeit ausgeschlossen, daß sie durch irgend welche Ereignisse einmal zurückgehen könne. Wir würden ebenso stark bleiben, selbst wenn wir keine Vertretung in der Kammer hätten, obgleich eine starke Vertretung der Partei daselbst für alles weniger als ein Fehler anzusehen sei. Bei dem Punkt, der das Parteiorgan betraf, wären wohl die größten Wider- spräche vorhanden gewesen. Zunächst waren Meinungs- Verschiedenheiten darüber, ob der Parteileitung ein Tageblatt oder eine Wochenschrist zur Verfügung gestellt werden sollte. Dann wurde vielfach gegen die Wahl des„Berliner Volksbiatt" protestirt. Es sei dieses zum großen TheUe auf eine merkbare Unzufriedenheit der Genossen in der Provinz gegen die Berliner Genoffen zurück zu führen. Er habe diese Mißstimmung stets für ungerechtfertigt gehalten. Schließlich habe man sich doch für das„Verl. Volksblatt" entschlossen. Es liege nun die Ausgabe vor, eine äußere Organisation zu schaffen, zu diesem Behuse müßte die Versammlung heute Vertrauensmänner ivählen. Er hoffe, daß wir mit dieser Organisation weiter fortschreiten wer- den, ebenso wie wir es bis dahin ohne eine solche gethan haben. Denn bei uns sei es nicht die Form, die uns zusammen halte, sondern der Geist.(Reicher Beifall.) Auf Vorschlag des Vor- sitzenden wird vorläufig von einer Diskussion süber den Vortrag abgesehen, damit zuerst die Vertrauensmänner-Wahlen vollzogen werden können. Genosse Jacobey bringt die Wahl von 4 Vertrauensmännern in Vorschlag. Nach längerer Debatte wurden dem Antrage Jacobey entsprochen und folgende vier Genossen gewählt: Marten, Schwabe, Fischer, Grasnick. Der Vorsitzende begrüßte diese Wahlen und gab der Versammlung die Vorsicherung, daß sie keine Unwürdigen gewählt Hütten, sondern Männer, welche genügende Garantie böten, daß sie das Interesse der Partei mit allen Kräften wahren würden. Es war ein Antrag eingelausen, über die Adlerbrauerei d e n B o y k o t t z u verhängen, bis der dieser Brauerei ge- hörende Weimann'sche Volksgarten seinen Saal den Arbeitern wieder zur Verfügung stelle. Trotz der Einwendung einiger Ge- »offen, diesen Fall erst der Berliner Streik-Kontrollkommission zur Prüfung zu überweisen, wurde der Antrag doch in der Er- wägung, daß der sechste Wahlverein vor einigen Tagen es bereits beschlossen hatte, einstimmig angenommen. Die Ver- sammlung verpflichtete sich ferner noch, bei dem Leberwaaren- Händler Sagert, Zentralmarkthalle Stand 10, und bei dem Schlächtermeister Kehrberg, Oderbergerstraße 37, in Zukunft keine. Einkäufe zu machen. AUgemii«» Krnnl,»»-«»d Ht«rbekaß- dir ZM«taUard»it>r.(Sing. HUfslaffe 29, Harnburg.) Milgltederversammlung am Sonnabend, den v. No» vember, Abends% Uhr, im Lokal des Herrn FUile, Berastr. 39. tliisch»?ul'ch>r»idrr und verrv. Berufsgenossen. Mitgliederoersammlung' onnabend, den 8. November er., Abends präzise 9 Uhr, im Saale der Brauerei Psessrrd?.„ Schönhauser Allee. iUitlci-. Komoinirte Versammlung der Filialen Berlins am Sonnabend, den«. Nov., Abends s Uhr, bei Neuer, Alte Jacobstraße ss. Kupserrchnriri-e Herl,»». Große öffentliche Bersammlung am Sonn- abend, den s. November er., Abends 9 Uhr, in den Arminhallen, Komman- dantenslr. ev. prrriir>>rr Mnhrnng der Interessen der Klavierarbeiter und ver- rvandicr Bcrufsgenosselr. Am Soimabend, den 8. November, Abends sr Uhr, in Minner'S Lolai, btosenthaierstr. 11—12; Mitgiieder-Bersamminng für den Norden. An die Stuchateure und Kerufsgenosse» Kerlin» und zlmgegrnd. Wer von Ena) der in der Eegenwarl sich vollziehenden Kamps des Kapital» gegen die freie'inischiießnng der Arbeitskraft der Arbeilerschafl beobachtet und deren Traniv.'.te e.r-nm, der muß die Pflicht In sich fühlen, milzuwirken, daß der Kampf si-greich auf Seiten der Arbeiter Heilanden ivird. Kollegen! Unser Berns zw.ii|.t imS, unter recht ungünstigen«erMtntssen den Kampf innS Dasein zn sinnen.— Nicht nur, daß der Ort unserer Dhätigkeit so bc- schassen ist, daß III sere Gesundheit ruinirt ivird, daß Ivir entweder in offenen, fenfteafcfen, falte;!, feuchten, vor Wind und Weiler meist nicht gefchühlen Räumen oder in Werkstätten, meist Kellerräumen, in dickstäubiger, dumpstger, stickiger Luft, bei ungenügender Ventilation unser schweres Tagewerk ausüben müssen, wir Hab«.! auch unter dem Drucke der großen Konturrenz, die UNS immer größere aareu fremder, NN tüchtiger Elemente in unsere Reihen treibt, schwer zu eiven, so daß die Armee der ArbeilSlosei, immer größer wird; wir sehen wer bei der mangeihasten Rückficht aus gut und sicher ge- baute Rüstungen.utndiich unser Leben auf'« Spiel; un« ist obendrein die schwere Veraulwo.tiichreir für solide ArbeULauSführung ausgezwangt; wir sind bei sehr zwei'eihasier Earantie des Arbeit»- und LohnverhailnisseS immer der Willkür des r'.usiraggeverS ausgesetzt u. f. 1V. Werden wir unier solchen Berhäiinissen gc ugeud entschädigt r Sind nicht unsere Meister frisch am Werk, Aktor» und Loime auf das Niedrigste herabzudrücken?— Oder sind clivo unsere Bedürfnisse geringere geworden, daß wir auch bei geringem Ver- dienst die Anforderungen der heutigen theuren Lebensweise rechiiich erfüllen können? Kollegen! Laßt Euch da« Alle« wieder einmal ins Gedächtniß rufen und laßt Euch ntifriittclu au« Eurer GeisteSträgheit und Eieichgiiliq- teil, die— wenn Ihr Euch nicht mahnen laßt— sich schwer an Euch und Eurer Familie räazen wird! Und wir haben die Krasi, wenn wir ernstlich rmm StydmkHt« Krvli»« uub Z»i»gc�»d. Oiv»6e öfftnlltche Btrsaiamluxg am Sonliraa, diu o. Jfocetnbcv, BormiNags 10V Uhr, in Deigmüllcr's Salon, rille gatobttv. 48a, Waurrr!(livcfje offenaidjc Versammlang am Sonntag, den 9. d, M,, Bormittags ioi( Uhr, in Orschel's Salon, Sebastianstr. 39. Freie Percinigüng der Haliarblitrr Serlin». Am Sonnlag, den 9. November, Vormittags n Uhr, in Scheffer's Salon, Jnselstr. 10: Mitglieder-Versammlung, Fachverein der Tischler sür den Westen und Halleschen Zhor-Bezirk, Sonntag, den 9. November, Vorm, 10% Uhr, in Habel'S Brauerei, Bergmann- straste Nr, 5—8: Versammlung. Verein»ir Wnlirung der Zitiere sse» der Fachirer. Versammlung am Sonntag, de» o. November. Vormittags iv Uhr, bei Wollschlstger, Blumen- sirahe 78, Tagesordnung:>. Vortrag, r. TIslussion. 3, lZuartalSadrechnung, 4. BemdiedeneS, Ethisch: veseilschaft. Sonntag, den 9. November, Abends 7'» Uhr, in Arminhallen, Kommandanienftr,:0, Bo-Irag des Heren H. Leus, über:„Die freie Siebe". Nachher gesellige Unlerhaltung und Tanz. Säfte Damen und Herren willkommen, Verband deutscher Aimmerleute. Sonntag, den 9, November, Vor- mittags 10% Uhr: Versammlung Marianuenstr. 31—33, Zehlendoef. Sonntag, den 9. November, Nachmittags 4 Uhr. Große Volls-Berfammlnng für Mnnner und Frauen in Aichner's Höhe, Alsensiraße. Allgemeine Zentral-Kranken- und ZterbeKaffe der Vlietallarbeiter, Filiale 4,sa straße 3t bei Musehotv. vesaug-. Tarn- und gelrltige Vereine. Sonnabend. Gesangv.'iein du Offendacher„S ä n g e r s r a n Deutscher Hos, Sittlauerflr. Nr. 15, Ucbun) stund: um 9 Uhr. Gäste Ivillkommen. Berliner Tu rng en o ssen s.üa ft. c. MännerAbih-.ilung.%% i9— in Uhr.— L ü b e tt' s ch e r Turnverei it. Die i. Lehrlingsabcheshs- turnt Abends 8— 10 Uhr. Der Tnrn>'aai b slndee sich siönizüädtisches«0"' nastum, Tlisabelhstraße 57— os. Skalklub„R a m s ch", gegrimdet I. Okiober 1899. Abends 9 Uhr,-7184° in Willy Schmidt'» Restaurant, Wranrelstr. 141. Genossen sind freund11®. eingeladen.— m* f? n i rh nr r a*neeaiöd#% im Lokal Bei ,P r i v a t- T h e a t e- Gr sellschafr Sch n eeglöttq � g r aph e n- V trT'n�S�ü d'- We' ft's'cVi i n". Abends Uhr, im R-st-u«®' Körner, Baruthersiraße i, Umerricht und Uebung. Theater. So n n a b e n d, den 8. Si o v e m b e r. Gpernlsaus. Die Meistersinger von Nürnberg. Kchauspiclhau». Ter Kaufmann von Venedig. trsfinz-Theater. Sodom» Ende. lrriiner Tlfeater. Tie Jungfrau von Orkans. DgAtscheo Tlicater. Das verlorene Paradies. Frirdrich-Miilfeimkädt. Ttzeater. Königsgardist. Sonne und Erde. Mailner- Theater. Der Bauerndoktor. Pension Schöller. Nestdenf-Theatcr. Familie Mouli- nard. Viktoria- Theater. Die Million. KelleaUianre- Theater. Mamsell' Nitouche. Oftend- Theater. Der Sandmann aus der Friedenstraße. Thomas-Theater'. Der Wetterfrosch. Adolph Grnst- Theater. Unsere Don Juans. Kaufmantt's Narietö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Vrichshalle«. Große Spezialitäten-Borslellung. Conrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'» Uariott. Große Spezialitätcn-Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexander- straße 27c, Franka Scholz, Kostüm-Soubrette. Geschw. Wildenfels, Gesangs- Duettisten. Richard Gersdorf, Sächsischer Gesangs-Humorist. Adolf Gödicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Eharnkter-Komiker. Truppe Blumcnfeld, Parterre- Gymnastiker, Ballet und Tanzseil- künstler. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5V2 Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 30 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf _ 20 und 30 Pf. MllMent Buggenhagen am Moritzplatz. _ Täglich: MT* Grosses Concert. Direktion A. Rod«, nun. Dienstag und Freilag: Valzer-Abend. tlnWß Wochentags 10 Flg., üiilllrc sonu- und Festtags 25 Fig. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641 F. Müller. tÄratmilWBierhsllen Kommandantenstr. 77—79. Tc(ich: Grosses öoncert mit Onartett Äängrr«, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S all f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 PI. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gniigungen und Versammlungen. 703 F. Sodtke. Passage-Paiiopticum. Unter den Linden 22 23.[742| Lebttlssrche WchsWtt«. Vauovame»,. Äioramen. Ethnographische Sammlungen. Italienische Volkssängr,'. Entree 50 Pf. Geöffnet von 10 bis 9 Uhr. Castan's Pauoptieuw, Entree 50 Vffl.» Kinder SS Vfg, |®. 9 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends. jr.gr � ��Vorslollnng Vorm. W/t u. r-y � jr 12V2 Uhr. ttnchm, c. 4V2-9 VaUht stündl. eine Vorstellung . s�-�Ertra-Entrfte 30 Vfg. dT Kinder frei Circus Renz. Karl straße. Sonnabend, den 8. Aovember, Abends 7 Uhr: Zum 1. Male: Deutsche Turner. Große nationale Pantomime vom Hof- Balletmeister A. Siems, inszenirt vom Direktor E. Renz. Musik von A. Cahu- bley. Dekorationen, Kostüme, Requisiten, Wagen aus das Prachtvollste. Außerdem: 0 irländische Jagdpferde, zusammen dressirt und vorgeführt von Herrn Fr. Renz. Colmar, geritten von räul. Clotilde Hager. Auftreten der Damen Frls. Zelina Zampa, Adele, Frida und Briatore, der Herren 4 Gebr. Briatore, Clarke, B.Fillis, sowie sämmt- licher Clowns. Morgen Sonntag Ä Vorstellungen um 4|thr(I Kind frei) Ma?eppa's erdannung, um TVa Uhr Deutsche «rner. __ E. Renz, Direktor. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. So»mabend, den S. November, Abends 71/3 Uhr: Grosse Extra Vorstellung. Hervorzuheben: Erstes Auftreten de? anerkannt besten Jockey- Reiters der Well Mr. Arsen e Loyal. Tandem mit 4 Schulpferden, geritten v. Herrn Ernst. Auftreten der Reitkünstler Panacki, Rizea und Thomas Leon. Das Schul- pserd Eklipse, geritten von Frl. Ada. Spring-Potpouri sämmtlicher Clowns. Etagen-Caroussel mit 23 Freiheitspferden, vorgeführt von Herrn Max Schumann. Doppcl-Trapez Geschw. Leon. Original- Clown Durow. Halifax, in Freiheit vorgeführt von Herrn Ernst Schumann. Parsorce- Reiterin Fränl. Paula. Statische Spiele, Familie Leon. Pas de 1 rois. Miß Viktoria, Rosa und Herrn Max Schumann,:c. Sonntag: S Vorstellungen, um 4 und V/2 Uhr.(4 Uhr: 1 Kind frei.)__ A. Scheffer's Tllllj-Jsßitvt, Fnsetstr. 10, Sonntag, 9. November, iachmittags 4 Uhr, beginnt ein neuer Kursus für Anfänger.__ 233 Herren-«. Knaben- Kihhüte""Ä8"""1, Ferdinand Henke, Dennowitzstr. 1, Ecke Stegliyerstraße. MP" Uhren"WU weiden billig reparirt bei M. Wender,«"�nXl:40' Kein Laden, man achte auf Haus- nummer 40. 214 B Kanarienvögel! Q Die schönsten Hohlroller vers. u. Garantie leb. Ankunft E. Gosslau, Kirchhain i. L. Preisl. sr. 218 Unserem Kollegen Maurer Fritz Röhlke zu seinem heutigen Geburtslage ein donnerndes Hoch, so dröhnend, als die Damvforgel bei Sternecker, dann zittert die Hasenhaide gewiß. Schneidiger Fritze, was sagst dazu? Wir denke», Tn hast verstanden. ___ Seine Kollegen vom Kau. UDem Genossen W. Anders zuseinem 3l. Wiegensoste ein dreimal donnerndes Hoch, daß die ganze Görlitzer- und Lübbenerstraße wackelt. 230 Von M. D. W. Dietrich. Kranken- und Begräbnisskasse der Berliner Gürtler und Bronzeare. (Ging. Hilfskasse 60.) 232 Die Beerdigung des mit 5. November verstorbenen Mitgliedes, Gürtler Hermann Kraege, findet am Sonntag, den 9. November, Nachmittags 3 Uhr, von der Leichen- halle des alten LouisenkirchhofeZ,Berg- mannstraße, aus statt. Um rege Be- t Heiligung bittet Der Vorstand. Danksagung. Für die Theilnahme bei der Be- erdigung meines unvergeßlichen Mannes, sage ich allen Freunden, Bekannten und dem Gesangverein„Unverzagt" meinen besten Tank. 225 Tie trauernde Wittwe Elise Arnhold geb Roll. __32®- Kachn. der Tischler. �Hente, Abends 3>.2 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakob-Straße 75(Garten 1. Thür rechts): Die Kollegen der Krüger, Friedenstr. 44, eingeladen. 227 Werkstatt von werden hierzu Mstzer Zahlstelle Friedriehsberg. Generalversammlung am Sonntag, den 9. November er., Vormittags 10 Uhr, bei Weigel, Rummelsburg, Thürschmidtstraße. Tagesordnung: Stellungnahme zum diesjähr. Ver- bandstag. Diskussion. Wahl der Tele- girten. Verschiedenes. 220 Das Erscheinen aller Mitglieder ist dringend erforderlich. Mitgliedsbuch legitimirt. Der DrvoUmächtigtr. Zur Gründung eines Arbeiter Gesang Vereins in Adlershof werben die Genossen, welche gewillt sind demselben beizutreten, ersucht, sich Sonntag, den 9. d. M., Vorm. 10 Uhr, im„Genossenschafts- Wirthshaus" zu melden. 213 R. Baumeyer Rind- u. Schweinesdilüchter SW., Fjirbrmgerstrshr 13 SW. Reelle Maare. Billige preise. Fachver'em des* TSschSer Wnj. Am 10. November, Abends 8 Uhr, im Böhmische« Brauhause, Landsberger Allee 11— 13,(großer Saal): Große Dersnmmlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Welches sind die Ur- fachen von mangelhaft besuchten Versammlungen? 4. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen der Werkstatt von Hübner, Blumenstraße 33, ganz besonders eingeladen. 236 Der Bevollmächtigte. (Mm). im der TischieB* Montag, den 10. November, Abends 8Vs Uhr, „ M 0 a b i t e r C a s i n 0", Wilsnackerstraße Nr. 68: Crosse Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Baumann: Die kapitalistische Produktionsweise. 2. Diskussion. 3. Gewerkschaftliches. 4. Verschiedenes und Fragekaste». Neue Mitglieder werden aufgenommen.— Sämmtliche Kollegen sind zu dieser Versammlung eingeladen. Um rege Betheilignng bittet_ Der Bevollmächtigt,. 228 Verein der Eisen- und Metalldreher Berlins und Umgegend. Sonntag, den 9. November, Vormittags UVa Uhr, im Lokale„Süd-Hift" Waldemarftr. 75: Grosse Versammlung. Tages-Ordnung: 161 1. Tie Bedeutung des Parteitages für die Gewerkschaftsbewegung. Ref.: Th. Glocke. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden ausgenommen Um zahlreiches Erscheinen ersucht-"----*- Der Vorstand. Gr. öffentL Volksvemmmlmij) am Dienstag, den 11. November, Abends 8Vs Uhr, im Saale der Aktien-Branerei Moabit(Abrends Brauerei). Tages- Ordnung:_.... 1. Vortrag über Endziele der Sozialdemokratie. 2. Diskussion.&-be. schiedenes... Zu dieser Versammlung werden die sreistunigen Herren Tr. Pachmw, Rechtsamvalt Dr. Goldstein, Rechtsanivalt Tr. Flatau brieflich eingeladen. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.' Um zahlreiches Erscheinen ersucht' Der Einberufe». Ache öjstllW Btrslümlmg sämmtlicher anEolzbearbeitungs- Maschin# beschäftigten Arbeiter am Sonntag, den 9. November, Vorm. 10 Uhr, in Säger's Fostob Grüner Weg 29. Tages-Ordnung: I. Wie stellen wir uns zu dem Streik in der Werkst von Fritz Kroschel, Küstriner Platz 9??. Verschiedenes und Fragekasten. Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 205__ Die Merkstatt-Kontrolhommil'lio«� Arbeiter- EiSdufags�ereBBi svr Honnabend, den S. Aovember, in Barka's Halo»���� General-Dersammlnng. Tagesordnung:...„ J-i 1. Ergänzungswahl des Vorstandes. 2. Statutenänderung. 3. Berschi*®� _ Um zahlreiches Erscheinen ersucht_ Per Vor.iawg;— Vereinigung der Drechsler Dentschländs Grtsverwattung Berlin. November- Versammlungen.. Zahlstelle I: Sonntag, den 9. Novbr., Vorm. 10 Uhr, bei Kehn Annenstraße 16. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau. ,.,r Zahlstelle II: Dienstag, den II. Novbr., Abends 8'/» Uhr, bei Schesl Jnselstraße 10. 1,? Zahlstelle III: Montag, den 10. Novbr..?lbend§ 8'« Uhr, 6«»fl" m ann, Andreasstraße 26. Vortrag des Herrn Franz B e r n d t., Zahlstelle IT: Dienstag, den 11. Novbr., AbendS 84 ä Uhr, bei G n a Brunnenstraße 38. Vortrag des Kollegen Lutz. Zahlstelle VI: Montag, den 10. Novbr., Abends 842 Uhr, bei 3em M Münzstraße II. Vortrag des Kollegen Lutz. Um zahlreichen Besuch bitten Die Bevollmächtigten;— Bildhauer! Am Mittwoch, den 12. er., Abends 842 Uhr, findet eine öffentliche Versammlung der Kildhank» in den Arminhallen, Kvmmandantenstraße 20, statt. tige GetverstchaftSorgaw�i Referent: Kollege P. Dupont. 2. Wahl eines Delegirten Tagesordnung: 1. Unsere zukünftige auf ��r�om�lCT $lf Freie Btteichug der ßramre«ad Ziselestt veranstaltet zur Kommers Feier des 7. Stiftungsfeste® 15(Herren-Abend) am Sonnabend, den ÄÄ.- Abends 84'2 Uhr, in den Festräumen von Sanosouri, Kottbuserstraße��,,- E ittee 50 Vf. Sämmtlicke Kolleoen und Beruksomioüeit sind fi'9unbOu)L/w UZMZZWMW heute Abend im Bereinslokal angenommen.______— vöttWJtf Achtung Töpfer! � Die Sperre über den 4La:t Spener- und Lüneburgerstraßen-Ecke,. der Töpfenneister Perd. Krause die Töpferarbeiten ausführt, ist �° Pt<" da sich Herr Krause mit den Kollegen, welche bei ihm arbeiten,»ber geeinigt hat. I. A.: C. Th.c««"� Mache die Kollegen nochmals daraus aufmerksam, daß vom!*?-., uU ,. den 8. d. Mts. ab unsere gewerkschaftliche Angelegeuheit wieder R i bei Kuhlmey geregelt wird, dort sind auch die Legitimationskarten uü« Streikunterslützung in Empfang zu nehmen. 217 et Evorabräu. vom Laß k Glas 10 Vf."»® sowie vorzügliches Weißbier empstehlt Bruno Feige, Bertr. Marknsstraße 81, an der Frankfurterstraße. Vereinszimmer mit Klavier.„Volks- blatt" und„Tribüne" liegen aus. Allen Freunden und Genossen die ergebene Anzeige, daß ich Schönhauser Allee Nr. SÖ ein 235 Restaurant mit Saal, welcher sich zu Versammlungen(sür ca. 400 Personen) eignet, eröffnet habe. Vcreinszimmer stets zur Verfügung. It. Nürnberg, Schönhauser Allee 28. Zum Einkauf von Weihnachtsbäumen wird ein Genosse gesucht. Näheres i. d. Expedition d. Blattes. 212 Schlafstelle nach vorn ges. z. Io Nov. i. b. Nähe d.Neanderslr. Offert. m.Prns- ang. Brandenburgstr. 52, Zigarreng. abz. "Für 2 Herren e. möbÄ2senstr. Stube als Schlajst., sep. Eingang, ä 0 Mark Lausitzerstr. 36, vorn 2 Tr. l. 223 Cigarren und TaW% B. Stabernack, Wrang�>� Dr. Hoesch, Artilleriestr. 27. habe, vhmann, Pücklerstr. 6, 1 �<1 Kl. Vereinszimmer ist zu v.--, Doerfer, Splittgcrbergasse ArbeitNllrkt. Mädchen R. 202 (>,«1 zum Barockverg». Qo* Schmidt, Brann« Dieffenbachltr��. Bundes-Dirigc»� Verantwortlicher Redakteur:«urt Baake in Berlin. Druck und Verlag von War Babing in Berlin SW., Beuthftraße 2. (möglichst Kraft, für Barlins und Dtugogend öel":"gci tauten wollen Adressen an Fr- Langestraße 17, 3 Tr Im Austrage de» Buude-?' Die Kommiss'� 2. Beilage zum Berliner Bollsblall. Nr. Asi. Sonnabend, den 8. November 1890. ?. JalM. «GeheimräthUche Ideen." if,®!e neuesten Veröffentlichungen des Herrn v. P o s ch i n g er dj. � wnere Politik des Fürsten Bismarck bringen u. n. dfiT C? uninteressante, amtlich beglaubigte Enthüllung, daß L? S o b r e ch t, der nationalliberale Finanzminister von ehe- famose Idee hatte, durch eine drückende Steuer die K /�udustrie für das Monopol reif zu machen. Der (ini« kes Jahrhunderts", vor dem nach der Versicherung ..-Karlsruher„patriotischen" Staatsanwalts die National- iD:rI l�der Zeit anbetend mit dem Antlih im Staube liegen h.c, hatte die Parole ausgegeben: Der Tabak muß noch iVnw-)en! Und der getreue' nationalliberale Diener führte üirff �.h aus. Indessen schien die Ausführung den: Meister zu gefallen; es ging ihm offenbar nicht„schneidig" »idult■" u?d �er hätte es wohl lieber gesehen, wenn die Tabaks- L.;!t,"ästiger beim Schöpfe genommen worden wäre. Er kl Harum die Anschauungen Hobrechts spöttisch als„ge- .. uathliche Ideen" und wir stimmen ihm insofern bei, als auch sozial- und wirthschaftspolitische Thätigkeit und Be- vgung der Herren Geheimräthe nicht sonderlich hoch anschlagen. L, urit seiner Geringschätzung„geheimräthlicher Ideen" auch Fürst Bismarck selber das Urtheil über seine ganze m°r°lreform" gesprochen. Was da geleistet worden, ist --Iis iJoheimrathsarbeit von A bisZ und der ganzen fcc»,,'otm siegt der echt geheimräthliche Gedanke zu Grunde, Irai!??ante Wohlsahrtseinrichtungen für die Arbeiter auf bureau- Xrii* � iLasiS zu schaffen. Echt geheimräthlich ist die Kranken- oJrJ�ung mit ihrer sonderbaren Klassiflzirung und mit ihrem «eri,� artspolizeilichen Apparat; echt geheimräthlich die Unfall- ifJ.TfJUUiJ mit ihren Unternehmer-Berussgenossenfchasten und »elisi.»Satzung der leichten Unfälle auf die Krankenkassen; echt liiml in �'ch ondlich die famose Altersversorgung mit ihrer lij-t Wichen Rente und der hohen Altersgrenze, die fast glauben fottd'a iÄesetz habe den geheimen Zweck, einen großen Reserve- toi.Ü anzusammeln, da ja doch nur die wenigsten Arbeiter alt o,,8»> erden, um die Rente zu bekommen. Als diese Gesetze ein- Wurden, haben wir gleich betont, daß Fürst Bismarck es itiÜL?uts ma nn der alten Schule fei, der verstände, die Vorbedingungen für eine sozial- in fl-- Gesetzgebung aus dem frischen Volksleben Bnr.?-psen, sondern der im Aktenstaub der geheimräthlichen Fx. aus die Staatsweisheit für die Behandlung der modernen 'Stbf»1 zu finden glaube. Wenn der Kanzler mit seinen Geheim- ig.�auftrat, so war nns immer, als sähen wir den weiland 3�0 9 zu Frankfurt am Main lebendig vor uns und s° Kanzler selbst eine historische Bundestags-Figur ist, L Achten uns seine geheimen Räche erfüllt von jenem Geiste, «b» bestrebt war-, Teutschland zu einer politischen Kinder- oxlJll machen. Wenn mich der Kanzler den Bundestag ge- P�.gt hat, so blieb doch der historische Hauch jener reaktionären h�ammlung immer an ihm haften, und_ wir haben ihn des- ''"neu. IS ien fin ich ,in den Zeiten, als alle Welt anbetend vor ihm aus Vcu viemals für einen modernen Staatsmann ansehen '°I?h"JÄ"" derKulturkampf und das S o z i a l i st e n- d»dert».,? � shvu auch„geheimräthliche Ideen"? Seit Jahr- 4b g-," 1MB, die Forscher und Denker, die wahren Staatsmänner Rt(ttj, fiR,e'fen ein'9 der Ueberzeugung, daß Ideen nicht \\tt. ö?0,'., auszurotten und daß Bewegrlngen, die aus den % t,k>„„�cha�uiss«n entstehen, berechtigt und dementsprechend ihi, �ud. Zlber in dem Kopse Bismarcks hatte von alle- ÜW-r w Wurzel geschlagen. Der Mann, der einst sagte, die �Üdlen,.> uunebeivegnng sei ein Kampf um die preußische l0n"»9 gewesen, kannte auch sein eigenes Land so fiffun' W» sich über eine geheimräthliche und polizeiliche Auf- 'Ken if� sazmlistischen Bewegung zu erheben, und glaubte es sist, n,. ui'es. die sozialistischen Probleme unserer Zeit seien ge- >» i)(„ Jn er ihnen den S ch n tz ni a n n und den Gendarmen rnd 9 stellte. Bei dieser Anschauung beharrt er heute noch kß, lDOi 9anze Weisheit läuft schließlich ans den Satz hinaus, u Schutzmann nicht fertig bringen kann, zwei oder mutzmänner ganz sicher fertig bringen werden. �gen pfich mit dem Fürsten Bismarck ganz einig in der ge- dar„.ZUhu»g geheimräthlicher Ideen; ivie man sieht, ergiebt xolstik s; aPer logischer Weise eine Würdigung seiner inneren �..V'�ts weniger als schmeichelhaft für ven„Heros" der o- Die f" eR ausfallen kann. r>ä>te ,, /genannten großen Männer erscheinen in ganz anderem ?°ßer% lie in der Nähe betrachtet werden. Niemand ist ein vor seinem Kammerdiener, sagt man mit Recht, . erst»» N'?enn man die Memoiren des Kammerdieners Napoleon liest, so erscheint der Sieger von Aufterlitz �« manchmal recht klein. Vielleicht wird auch noch ein »r Ällerlet. una»,." Verein zur Beförderung des Gewcrbfleißes »is�dner d--«��"ch besuchten Sitzung. Hocbs�.r bends war der Prof. A. Riedler von der Tech- bm&'J'fo1' mit Prof. Guterniuth aus Aachen und Mer llni-?.-? Ingenieuren die Pariser Anlage mit' dankens- Ii* diese St,,'i 3u,13 der dortigen Gesellschaft eingehend studirt «»«K t» nJ�fens, n'v eifriger Vertreter des Popp'schen Druckluft- d°l.ullge,,," Zwar nicht nur aus technischen, sondern auch sä � c�°l°ss°r RiÄ�r.Weise beeinflußt. Stach einer Schätzung ?�eit„zur fieis bsP kommt die gesammte motorische Kraft am ko*. aller �tch der gesammten ununterbrochenen Muskel- �as-j.-'airilich ��ankend einwirken, so nimmt Riedler an, daß «WWW tui eine wichtige soziale Aufgabe der Städte. Kammerdiener Bismarck's seine Memoiren schreiben und das Werk vervollständigen, welches der politische Kammerdiener Poschinger begonnen hat. Im Uebrigen hat der„geniale Staats- mann" von ehedem die Falten seiner Seele in seinen Plaudereien vor aller Welt so offen dargelegt, daß man zur Werthschätzung seiner staatsmännischen und menschlichen Qualität kaum mehr eines Kammerdieners bedarf. Im Jahre 1848 pflegten die Geheimräthe in den Volks- Versammlungen zu sagen:„Auch ich bin ein Arbeiter!" Darüber hat man viel gelacht. Noch mehr aber hätte man lachen können über jene Offenbarung geheimräthlichen Geistes, die sich zu der Phrase aufschwang:„Liebet die Brüder!" und die sich dann bereit erklärte, diesen„Brüdern" gegen einen lebenslänglichen Beiträg eine„Rente" von SBVa Pfennig pro Tag vom siebenzigstcn Jahr ab zu verschaffen. Dagegen war der den Tabak bluten lassende Hobrecht allerdings nur ein Stümver! Uoktetfes. Die Ausdehnung der elektrischen Anlagen in Kerlin wird durch den kürzlich ausgegebenen Geschäftsbericht der Ber- liner Elektrizitätswerke veranschaulicht, welcher die Thätigkeit dieser Werke im letzten Geschäftsjahre betrifft, nämlich die Zeit vom Juli 1889 bis dahin 1890. Stach diesem Bericht hat im letzten Jahre eine Vermehrung der Zahl der elektrischen Straßenlaternen nicht stattgefunden, woraus man folgern möchte, daß die alte Nebenbuhlerschaft der Gaswerke in Berlin gegen die neue elektrische Beleuchtung noch immer nicht geschwunden ist. Im Privatgebranch hat sich dagegen die Anwendung elektrischer Lampen recht erheblich vermehrt. Die Lichtstärke der elektrischen Privatbeleuchtung in Berlin, soweit sie von der Gesellschaft geliefert wird, hat sich von 46 710 Glühlampen auf 74 269 erhöht, also um etwa 59 pCt. und dementsprechend die Zahl der Abnehmer von 475 auf 862. Die Zahl der Ab- nehmer ist im Verhältniß zur Zahl der Glühlichtstärken noch eine prozentual größere, woraus sich ergiebt, daß es kleinere Kon- smnenten sind, die sich deS elektrischen Lichtes bedienen. Denn während noch im Vorjahre auf den einzelnen Abnehmer elektri- scheu Lichtes beinahe 100 Glühlichtstärken entfielen, hat von den neuen Abnehmern der einzelne im Durchschnitt nur etwa 71 Glühlichtstärken beansprucht. Im Eine lange mit dieser Zunahme des Verbrauches an elektrischer Beleuchtung steht die Zunahme der Zahl der Brenn- stunden, welche im letzten Jahren von 19 800 000 auf 41 800 000 gestiegen ist. Diese Zahlen ergeben, daß die Brennstunden sich um weit über 100 pEl. vermehrt haben, während die Zahl der Lampen eine um nicht volle 60 pCt. zugenommen hat. Die elektrische Beleuchtung ist also im letzten Jahre bedeutend länger und stärker ausgenutzt worden, als im Vorjahre. Der Betrieb von Elektromotoren scheint noch keinen großen Anklang bei dem Berliner Publikum gefunden zu haben; von diesen für den kleineu Gewerbebetrieb berechneten Maschinen für Kraftübertragung sind im Ganzen nur 28 von der Gesellschaft abgegeben worden. Ganz bedeutend zugenommen hat im letzten Geschäftsjahr das Kabelney der Gesellschaft. Dasselbe erreichte am Schluß des Vorjahres eine Länge von 26 Kilometern, während eS am 1. Juli d. I. etwa 71 Kilometer Länge besaß. Die Kabelaus- dehnung hat also im letzten Jahre fast eine Verdreifachung erfahre». Bei der gegenwärtigen Ausdehnung der Anlage und den vorhandenen Belriebseinrichtungcn können von derselben 120 000 Normallampen oder deren Lichtstärke mit dem erforderlichen elektrischen Strome versorgt worden. Da die Kosten der Anlage sich auf 12 Millionen Mark stellen, so würden sich die Anlage- kosten für jede einzelne Glühlampe auf genau 100 Mark berechnen, wenn die Anlage in ihrem ganzen Umfange ausgenützt wird. Da nun aber für die Zukunft noch größere Erweiterungen in Aussicht stehen, so wird sich dieser Durchschnittspreis noch ver- ringern. Wie die Gesellschaft in ihrem Berichte mittheilt, beabsichtigt sie Erweiterungen ihrer Anlagen im großen Umfange und zwar mit dem Hinweise, daß Anträge auf Stromversorgung bei ihr einge- gangen seien aus solchen Bezirken, die außerhalb des Vertrags- mäßigen Versorgungsgebietes liegen. Es muß bei der gegenwärtigen Lage der Verhältnisse doch ernstlich die Frage entstehen, ob die elektrische Beleuchtung wirk- lich nur, wie namentlich unsere Gastechniker behaupten, eine Luxusbeleuchtung ist. oder ob sie— und darauf kömmt es nament- lich an— auch gesundheitliche Vortheile mit sich bringt. Ist das letztere der Fall, dann muß zunächst dafür gesorgt werden, daß in den großen öffentlichen Arbeitsstätten die neue Belench- tungSart eingeführt wird. Die Herren in den Außenbezirken, also Bezüglich der rein technischen Seite des hochinteressanten Vor- träges sei allgemein erwähnt, daß Riedler durch seine Studien in der Meinung der hohen Bedeutung des Popp'schen Verfahrens noch wesentlich bestärk l ist. Die erweislich guten Siesultate der Pariser Anlage sind nämlich erzielt worden trotz vieler technischer Mängel dieser Anlage; überalt da, wo nian, und zwar vielfach nach Angaben Ricdlcr's diese Mängel zn beseitigen suchte, hat sich ein wesentlich höherer Nutzeffekt herausgestellt. Schlecht berathen waren die Pariser zunächst bezüglich der Koni- pressions-Maschinen; unter einfacher Benutzung ziemlich bekannter Erfahrungen ist es möglich gewesen, die Leistung dieser Maschine» von 7 Ve aus 10,4 Kubikmeter pro Dampfpferdekraft und Stunde zu erhöhen. Tie neue Anlage, welche z. B. in Paris in Bau ist nnd die Anfang nächsten Jahres dein Betrieb übergeben werden soll,>vird schon von ganz allgemeinen Gesichtspunkten mit günstigeren Resultaten arbeilen können. Die alte Anlage liegt auf der Höhe von Belleville, die neue direkt an der Seine; bei ihr ist somit nicht nur die Wasserversorgung leichter, anch die Kohle wird um 2Ve Franks pro Tonne billiger sein. Dabei kommen hier die vollkonunensten Maschinen zur Anwendung, deren Leistungen unter Festsetzung hoher Pönale garantirt sind. Die Vorwärmung, welcher Popp seine größten Erfolge verdankt, ge- schieht bisher in Paris noch in sehr primitiver Weise mittelst guß- eiserner Oese». Durch Einführung des Gegenstromprinzips und der doppelten Vorwärmung werden sich auch hier ohne Mühe wesentliche Verbesserungen einführen lassen. Thatsächlich verbessert haben sich im letzte» halben Jahre die Luftmaschinen. Bei der starken Nachfrage, die sich zuerst geltend machte, hatte man an Motoren kaufe» müssen, was nur über- Haupt aus dem Markte zn haben war, während jetzt sorgfältiger „ebaute Maschinen zur Verfügung stehen. Die Luftleitung endlich i» schon jetzt in Paris recht gut, namentlich hat sich die elastische Dichtung bewährt; leider hat man nun aber bei der neuen An- läge eine Vernietung der Rohrleitungen eingeführt; Riedler bc- fürchtet, daß die Nietköpfe den Widersland wesentlich erhöhen werden. Ter Druckverlust in der Leitung ist an sich gering. Nach Riedler's Untersuchungen verringert sich unter den Pariser Verhältnissen der atmosphärische Druck von 6 auf 5(also um doch wohl in den Villenstädteu, werden sich ja die Augen beim Kouponabschneiden so schnell nicht verderben. Die Vntwickelnng des Dampfmaj'chinen-Weseno macht sich in neuerer Zeit nach zwei wesentlich verschiedenen Richtungen hin bemerkbar. Während die Anwendung der Dampskraft zur Arbeitsleistung für gewerbliche Unternehmungen neuerdings sich mehr und mehr in der Richtung bewegt, keine übermäßig große Kraftleistung von einer einzelnen Maschinenanlage zu fordern, macht sich das entgegengesetzte Bestreben geltend beim Bau der großen Schiffsmaschinen. Es scheint, als habe auf die gewerblich vor- wendeten Dampfmaschinen die Entwickelung der elektro-technischen Anlagen hindernd eingewirkt. Zu leugnen ist ja nicht, daß auch in den großen gewerb- lichen Betrieben noch immer die Dampskraft für einzelne Maschinen in einem Umfange verwendet wird, wie er kaum aus Schiffen zur Anwendung gelangen mag; aber wenn man die ge- werblichen Betriebe in ihrer Gesammtheit betrachtet und die Zahl der darin verwendeten Motoren berechnet, so wird sich sicher er- geben, daß die Zahl kleinerer Dampfmotoren bei Weitem über- wiegt. Auch jetzt noch, wo die großen elektrischen Zentralan- lagen Kraftleitungen nach allen Richtungen ermöglichen, sind Dampfmaschinen von geringerer Kraftwirkung, Lokomobilen und ähnliche Maschinen massenhaft im Gebrauch. Ob hierin die großen elektrischen Zentralanlagen eine wesent- liche Aenderung schaffen werden, indem sie die elektrischen Kraftübertragungen nach allen Richtungen hin verhältnißmäßig leicht und bequem ermöglichen, muß abgewartet werden. In ganz anderer Weise dagegen hat sich der Schiffsmaschinen- bau entwickelt. Das Verkehrsinteresse erheischt bei den großen Verkehrsdampfern die Erreichung der größtmöglichsten Schnellig- keit nnd zu besonderem Eifer ist die Dampfmaschinen-Technik an- geregt worden durch den modernen Kriegsschiffbau. Eine kleine Uebersicht, welche der Ingenieur B u s l e y über die Schnelldampfer der Handels- und Kriegsmarine und über deren Maschinen gab, mag"dies veranschaulichen: Die ältesten Schnelldampfer liefen in den dreißiger Jahren von New-Iork nach Albany mit 17Ve Knoten per Stunde(1 Knoten gleich 1 Seemeile— 1855 Meter), während die regelmäßigen Ozean- dampser, die 1840 eingerichtet wurden, nur 8V2 Knoten machten. Ansang der 50er Jahre verloren die Schnelldampfer infolge der Eisenbahnen in Amerika an Bedeutung. 1804 baute zuerst eine englische Werft für den Sultan Abdul Agiz eine Dampfyacht von I6V3 Knoten, 1865 eine zweite Dacht von i7Vs Knoten und 1866 die„Marusza" mit I8V2 Knoten. Bei dieser großartigen Entwickelung der Dampfer verdient auch das vielgenannte englische Riesenschiff, der„GreatEastern",Er- wähnung, der 1859 durch Scott Rüssel gebaut wurde und gleich- zeitig 800 Passagiere 1. Kl., 2600 Passagiere 2. Kl., 1200 Zwischendecks- Passagiere und 6000 Tonnen Ladung aufnehmen konnte. Das Schiff erwies sich als praktisch nicht verwendbar; seine Größe ließ sich wirth- schastlich nicht ausnutzen und es wurde später öfter zu den großen unterseeischen Kabellegungen benützt. Was die Fahrzeit der Schiffe anbelangt, so brauchte man 1840 von Liverpool nach New-Dork 15 Tage, 1850 nur 13 Tage, 1860 deren 11, 1870 bei 14 Knoten Schiffsgeschwindigkeit 9, 1880 bei 15V2 Knoten 8 Tage. ES entstanden 1881„City of Rom",„Serbia",„Elbe", 1885 „Etruria", 1887„Lahn", 1888„City of New-Dork, 1889„City of Paris",„Augufta Victoria",„Teutonck", 1890„Columbia" und Normannia".— Diese bedeutsamsten Namen der modernen Schnell- schiffe findet man gewöhnlich.immer wieder, wenn von besonders schnellen Schiffsfahrten die Rede ist. „City of Paris" hat die Fahrt nach Amerika in 5 Tagen 19 Stunden 8 Min. zurückgelegt; die größte Leistung des Schiffes ist, daß dasselbe in 24 Stunden 525 Seemeilen fuhr. Wenn die gegenwärtig im Bau begriffenen deutschen Schnell- dampser„Havel" und„Elbe" fertig gestellt sein werden, so ver- fügt Teutschland über 7 große Schnelldampfer, während England deren nur 4 hat. Aehnlich steht es mit der Vervollkommnung der Kriegsmarine. Die Kriegsdampfer waren bisher meistens nicht im Stande, den Handelsschiffen beizukommen. Erst neuerdings haben die Fran- zosen und Engländer Torpedos gebaut von 22—25 Knoten Ge- schwindigkeit. Die bekannte Danziger Werst von Schichau aber baut gegeüwärtig zwei Torpedoboote für Rußland mit 271/z Knoten Geschwindigkeit. Auch den Schnelldampfern für Verkehrszwecke wendet sich neuer- dings wieder mehr das Interesse der Ingenieure zu. In letzterer Zeil sind namentlich für die Verbesserung der Kesselanlagen und Feuerungen bedeutende Fortschritte gemacht; es soll nach dem Gutachten Sachverständiger bezüglich der Maschinen noch Manches zu erreichen sein. eine Atmosphäre) bei karrender Leitung erst nach 20 Kilometern, bei einer Leitung mit vielen Abzweigungen nach 14 Kilometern. Durch crhöhlere Lustspannung wird es möglich sein, ohne größere Drnckverlnste und ohne erheblich gesteigerten Kraftaufwand noch längere Leitungen zu wählen. Eine Knnstlevlausbahn. Fanny Janauschek, jene böh- mische Tragödin, welche einst in Frankfurt am Main sehr ge- feiert wurde, und die auch in Berlin gastirte, steht jetzt in Amerika am Ende ihrer Künstlerlausbahn. Jüngst wurde sie in Detroit interviewt und klagte bitter über ihr trauriges Geschick. Tie „N. Fr. Pr." theilt über dasselbe Näheres mir: Als die Künst- lerin nach ihrem ersten Ausfluge in das Land des Sternenbanners ihre böhmische Heimath wieder aufsuchte, nahm sie sich eines darbenden Landsinannes an, der nach einem unglücklichen Durch- falle im Staatsexamen Muth und Brot verloren hatte. Viele Jahre lang war dieser gutmüthige Bursche ihr dienstwilliger Be- gleiter auf ihren amerikanischen Kreuz- und Qucrfahrten und hat in einigen Briefen mit ersichtlicher Naturtreue die Art und Weise geschildert, wie man vor 30 Jahren in Amerika berühnit wurde. Wie überall jenseits des großen Wassers, konnten und können auch jetzt noch nur eine me erschaffende Thatkraft, eiserne Ge- sundheit und nicht umzubringendes Selbstvertrauen nennenswerthe Erfolge erzielen. Außerdem ist es nothwendig, daß man die zehn Gebote Barnum's kennt, unablässig von sich reden macht und in der Lage ist, um einem Goldbergwerk die Adern zu öffnen, Silberminen hineinzuschütten. Auch müssen sich besonders Virtuosen das Erröthen abgewöhnen, die Fälle ausgenommen, in denen sie auf der Bühne kontraktmäßig hierzu verpflichtet sind. Fanny Janauschek verstand wie ein alter Dankee die Kunst, Geld zu machen, und mag wohl in mancher Gastspiel- Tournee 30 000 Dollars und mehr verdient haben. Daß sie dessen nicht froh wurde, glaubte man der Matrone aufs Wort. Stets von Gefahren umgeben, in dahin- stürmenden Blitzzügen(Llghlrnng trains), aus unsicheren Dampfern, in den unerträglichen Mail coaclis allen Beschwernisse» der Reisen, allen Unbilden der Witterung ausgesetzt, von Jndianerhordeu und den»och gefährlicheren Straßen-Agenten, richtiger Wegelagerern(Roack agents) bedroht, bald in palast- VerlÄmmlungsn. Der Fachverein der Tischler hielt am Dienstag eine Ver sammlung ab. Kollege Wiedeinann besprach die augenblickliche Lage im Tischlergewerbe. Redner beziveifelt zunächst, daß der Aufschwung, welcher sich in den verflossenen zwei Jahren be merkbar machte, ein natürlicher gewesen sei. Derselbe sei vielmehr spekulativer Natur gewesen und ans einzelne Vorgänge, welche sich in der Gesellschaft abspielten, zurückzuführen. Als im höchsten Grade bedauerlich müsse mau es bezeichnen, wenn die Arbeiter- schast, welche ausschließlich durch Erzeugung aller Werthe den Staat wie die Gesellschaft erhält, durch die Laune einiger Unter- nehmer, welche sich aus dem Wege des Eickeignungsverfahrens in den Besitz aller Arbeits- Instrumente und Maschinen gesetzt haben, in ihrer Lebenshaltung beschränkt werden können. Obwohl durch die immer mehr in Anwendung kommenden Maschinen schon ein großer Theil Arbeiter überflüssig gemacht worden ist, halten sich die Unternehmer noch nicht für verpflichtet, die Arbeitszeit um ein bescheidenes Maß zu ver- kürzen, sondern überlassen die Arbeitslosen rücksichtslos ihrem Schicksal. Hohe Zeit wird es, daß sich die Arbeiterschaft ausrafft und diesem unvernünftigen Zustand ein Halt gebietet. Redner geht dann auf die Zustände in der Werkstatt von Krüger, Frieden- straße 44, ein. Trotzdem die Meister vor ganz kurzer Zeit den Preis ihrer Maaren um 10 pCt. erhöht haben, wollen sie jetzt auch noch 10 pCt. von den Arbeitslöhnen abziehen, besonders scheint Herr Krüger die Absicht zu haben, die Arbeitslöhne aufs möglichste herabzudrücken, die von der Kontrolkommission versuchte Vermittlung scheiterte an dem zähen Vorsatz des Herrn Krüger, entweder 10 pCt. Abzug durchzusetzen oder die Hälfte der Leute zu entlassen. Auf den Vorschlag seiner Älrbeiter, die Arbeitszeit so zu verkürzen, daß nur bei Tageslicht gearbeitet werden soll, damit alle Kollegen in Arbeit bleiben könnten, ging der Herr nicht ein, weil er, wie er selbst sagte, sich dann blamire. Seine Existenz hänge von dem geplanten Abzug ab, denn jetzt könne er„sich kaum noch eine Schmalzstulle bezähmen." Redner fordert die Kollegen der genannten Werkstatt auf, gegen den geplanten Abzug Front zu machen. In der Diskussion, an der sich mehrere Redner betheiligten, wurde noch von einigen Kollegen, welche früher mit Herrn Krüger zusammen gearbeitet haben, ausgeführt, daß derselbe zu den Empor- kömmlingen gehört. Daß es mit der Einschränkung nicht so schlimm stehen könne, gehe daraus her- vor, daß sich Herr Krüger bis jetzt immer noch Sommerwohnung für seine Familie und Schützenfeste für sich leisten konnte. Folgende Resolution wurde von der Versammlung einstimmig angenommen: „Die heute, den 5. November, in Joel's Salon tagende Versammlung des Fachvereins der Tischler erklärt sich mit dem Referenten einverstanden. Sie hält das Vorgehen der Kollegen der Krüger'schen Werkstatt für ge- rechtfertigt und verspricht ihrerseits dafür Sorge zu tragen, daß kein Berliner Tischler sich als Lohndrücker von Herrn Krüger gebrauchen läßt." Eine große öffentliche Uersammlung der in der Del;-» Mi'che»- und Aurichtrrbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen(Selbstständige und Fabrikanten), tagte am 3. Ro- vember. Herr Dr. B. Wille hielt einen Vortrag über„Gedanken- freiheit", der den lebhaftesten Beifall der Versammlung fand. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Dobronz, Goldberg, Wedemeyer, Lewin, Feldmann, Warne!, Augustin(Hutmacher), Pinn und Fischer. Inzwischen waren zwei Resolutionen einge- laufen: 1. Die heutige Versammlung aller in dem Kürschner- gewerbe beschäftigten Personen erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten vollständig einverstanden und meint, wie er, daß die Gedankenfreiheit nur zun, allgemeinen Wohle ist. 2. Die heutige Versammlung beschließt in Zukunft nur solche Hüte zu kaufen, welche mit der Arbeiter-Kontrolmarke der deutschen Hut- macher versehen sind. Beide Resolutionen wurden angenommen. f ierauf stattete Kollege Glanz als Revisor über die Unterstützungs- äffe Bericht ab. Die Einnahmen betrugen: 608,20 M., die Ausgaben 479,87 M.; es bleibt ein Kassenbestand von 128,33 M., welcher nach Beschluß zur Anschaffung neuer Bücher zur Vervoll- ständigung der Bibliothek der Filiale I verwendet werden soll. Hierauf wird auf Antrag des Kollegen Bergmann dem bisherigen Rendanten der Unterstützungskasse Decharge er- theilt. Nachdem noch Kollege Dobronz für das ihm bisher ge- schenkte Vertrauen den Kollegen seinen Dank ausgesprochen, wünscht er, daß sich die noch fernstehenden Kollegen an dem Ver- band und dem Depositenfonds betheiligen möchten. Nach Ver- lesung eines Artikels aus der„Deutschen Hutmacher-Zeituug" durch den Vorsitzenden. Kollegen Wedemeyer, entwickelt sich eine äußerst lebhafte Debatte, in welcher mehrere Redner den Artikel als einen Reklameartikel bezeichnen, welcher voll Lug und Trug ist und jedenfalls der letzte Versuch ist, um die Fabrik zu halten. Von mehreren Rednern wurde dann noch eingehend die Fabrik beleuchtet und der Artikelschreiber gründlich gekennzeichnet. Auf )urde, der vorgerückten Zeit wegen, die Versanimlu (Ausführlicher Bericht folgt i:0 im Fach- Antrag wurde, bald darauf geschlossen. organ„Der Kürschner". Der MiUtärschneid-er-V«r-in hielt am 30. Oktober eine Mitgliederversammlung ab. Die Zuschneidelehrer Herr Adolf Jürgens und Herr Dirk hielten fachwissenschastliche Vortrage, denen die Mitglieder die größte Aufmerksamkeit, widmeten. Tie Diskussion gestaltete sich zur Zufriedenheit Aller. Es wurde die ähnlichen Theatern, bald wieder in rohgezimmerten Blockhäusern auftretend in der wechselnden Gefolgschaft eines oder des anderen wirklichen Künstlers, zumeist aber von Stümpern, Maulhelden und Trunkenbolden, die sich auf den amerikanischen Thespis- karren flüchteten— so gastirte die Janauschek, und>nan begreift es, daß die Trägödin trotz ihrer Theatersiege, besonders in Colorado, San Francisco, Omaha, wo das Gold umherflog wie Streusand, nicht mit voller Befriedigung auf ein Leben voll nervöser Hast und Erschöpfung zurückblickt. Zwar pflegte sie zu sagen:„Ich will Geld machen, alles Andere kümmert mich so wenig wie die Nasenspitze der Lieblingsdogge unseres Präsidenten", und doch scheint es, daß sie das gemachte Geld verloren und das geträumte Glück nicht gefunden hat. Ihr getreuer Reisemarschall erfuhr eines Tages, daß in einer Vierwirthschast gegenüber den Prunkgemächern seiner gefeierten Herrin ein Hausknecht gesucht werde. Er sagte der romantischen Wanderschaft des amerikanischen Künstlerlebens Valet, um späterhin ein behäbiger Agent für böhmische Biere zu werden. Köse Kuben haben einem wackeren Apotheker in Jndiano- polis einen schlimmen Streich gespielt. Der betreffende Herr hatte eine frische Sendung eines stark riechenden Pulvers erhalte», welches die Eigenschaft haben sollte, Bettwanzen, Schwaben und sonstiges Ungeziefer ohne Weiteres auszurotten. Der Apotheker verkündigte dies freudige Ereigniß seinen Mitbürgern, indem er an der äußeren Seite seiner Ladenthür folgende Inschrift an- brachte:„Wanderer, halte hier inne und kaufe von meiner frischen Sendung Bettwanzen-Pulver." Das Wort Pulver bildete für sich allein die letzte Zeile/ Stolz stellte sich der Apotheker dann hinter seinen Ladentisch und wartete auf Zuspru ltch; aber es wollte Niemand kommen. Dagegen bemerkte er" daß alle Vor- übergehenden, nachdem sie einen Blick auf seine Ladenthür ge- worfen hatten, entweder höhnisch lächelten oder sich entrüstet abkehrten. Er begab sich schließlich hinaus, um zu sehen, ob er vielleicht einen Schreibfehler gemacht hätte, und las zu seinem Entsetzen die folgende Inschrift:„Wanderer, halte hier inne und kaufe von meiner frischen Sendung Bettwanzen." Ungezogene Jungen hatten nämlich, als der Apotheker einmal den tztücken wandte, die letzte Zeile, auf der das Wort„Pulver" stand, ab- geschnitten. Wahl des Zuschueidelehrers den Schülern überlassen, welche an dem Unterricht Theil nehmen. Ferner wurde von den Revisoren Vierteljahres-Kassenbericht erstattet und- dem Kassirer Angerstein, welcher sein Amt Kollegen Pritze abgegeben hat, Decharge ertheilt. Dem Antrage, einem kranken Mitglieds eine Unterstützung zu gewähren, wurde einstimmig zugestimmt und 15 Mark bewilligt. Die Fachschul-Kommission gab auch die Be- schlüsse, welche die Mitgliederversammlung des Deutschen Schneider- und Schneiderinnen-Verbandes(FilialeBerlin) in Betreff des Leihens der Utensilien zum Zuschneide-Nnterricht gefaßt hatte, bekannt. Sie wurden aber von den Mitgliedern des Militärschneider-Vereins als unannehmbar zurückgewiesen. Ferner wurde noch beschlossen, die nächste Mitglieder- Versammlung, welche Donnerstag, den 13. November, in Deigmüller's Salon stattfinden würde,'aus- fallen zu lassen und dafür zu demselben Abend und in demselben Lokale eine öffentliche Versammlung aller Militär- und Lieferungs- schneider mit Frauen einzuberufen. Die Filiale des deutschen Zchneider- und Schneide- einnen-Derbandes Kerlin hielt am 29. Oktober ihre Mit- gliederverfamnilung ab. Stadtverordneter Zubeil hielt einen Vortrag über Nationalreichthum und Ziationalarmuth, welcher mit großen« Beifall aufgenommen worden ist. Es«vurden ferner die Kollegen Fafforkc, Fister und Erben in die Fachschul- Kominission gewählt. Dann verlas der Kassirer die Abrechnung vom letzten Quartal,«velche der amvesende Revisor Weise als für richtig befunden bestätigte. Hierauf ivurde den« Kassirer Decharge ertheilt. Zum Schluß würde noch folgende Resolution angenoinmen:„Die heutige Versammlung des Schneider- und Schneiderinnen- Verbandes ist mit den Ausführungen des Re- ferenten voll und ganz einverstanden und verpflichtet sich, für die darbenden Mensche» einzutreten." Schnoiderversantutlu«»,;. Eine öffentliche Versammlung von Schneidern und Schneiderinnen tagte gestern Abend unter Leitung de? Herrn Pfeiffer. Dieselbe hatte als ersten Punkt auf der Tagesordnung: Die Aufgaben der Agitationskominission und Wahl derselben. Herr Pfeiffer legte in kurzer Ausführung den Zweck einer solchen Kommission dar und forderte von dieser. Ein- richtung eines ständigen Bureaus und zwar«nit einer Abtheilung für Arbeitsnachweis und einer anderen für Auskünfte. Er empfahl sodann die Wahl einer Kommission von 13 Mitglieder», 8 männlichen und 5«veiblichen, wobei jede Branche des Schneider- Geiverbes durch möglichst 2 Vertreter berücksichtigt«verde» sollte. Bei der Wahl der Kominissionsmitglieder fanden sich leider nur 7 Personen, die sich bereit erklärten, im Falle einer Wahl ein Amt anzunehmen. Die übrigen lehnten zum größten Theil auS persönliche» Gründen ab. Es konnten daher nur ge- «vählt«verde», die Herren Erbe, Puhse und Pfeiffer, Fräulein Behrendt und Frau Richter. Tie noch sehlenden Mitglieder sollen in einer demnächst stattfindenden öffentlichen Versaminlung geivählt«verde». Es ivurde hierauf zum zweiten Paukt der Tagesordnung, die Lohndrückereien der Firmen H. Hoffmann, Solms und Hus- feld und Pfullmann und Franke, geschritten. Dazu führte Herr Bfeiffer zunächst aus, daß obige Firmen stets damit prahle»/ sie ätten eigene Werkstätten, daß diese in dcr That jedoch von deren Arbeitern unterhalten«vürden, da diese ehreniverthen Firinen ihren Arbeitern 10 pCt. vom Arbeitslohn zur Bestreitung der Werk- stattinikosten abziehen. Redner bemerkt dann, die Firma Pfull- mann und Franke habe früher bessere Preise gezahlt, zeichne sich jetzt aber, seit ein neuer Werkführcr, Namens Schippaneck, engagirtsei, durch Zahlung schlechter'Arbeitslöhne vor allen Slnderen mis. Bei H. Hoffmann befindet sich die Tagschncider-Werkstatt in sehr tiefgctegencn Kellerräumen, es| sei dort zwar schon einmal eine polizeiliche Revision vorgenommen worden, doch sei dieses gerade an« Montag früh geschehen zu einer Zeit,>vo die Räume aus- gelüftet waren. Er hoffe, daß durch sein Bekanntwerden der Zustände von Neuen« eine Revision vorgenommen«verde, u«>d er empfehle dann dieselbe Abe>«ds, wenn die Luft von 12 Personen den Tag über verdorben sei, zu veranstalten. Auch bei der Firma Simon Grätz, Gertraudtenstraße, habe er beincrkt, daß die Werkstatt sich in Kellerräumen befinde,«velche infolge ihrer un- gesunden Lage schwerlich die polizeiliche Genehmigung zum Be- wohnen finden dürsten.(Beifall.) R. Schulz bestätigt die Aus- führungen des Vorredners betreffs der Werkstatt von H. Hoffmann und wünscht eine Revision derselben am Abend. Er kritisirt weiter die Firma H. Hartwig Söhne und Bär, deren Reklamen er als demagogisch' bezeichnet. Pfeiffer verheißt in der nächsten Zeit ein schärferes Vorgehen gegen verschiedene Firinen, unter ihnen besonders gegen H. Hartwig Söhne und Bär und gegen Julius Lindenbau»«,�welch' letzterer in seinen Reklamen Ver- einsmitgliedern(?) Preiserniäßigiiug verheiße. Es betheiligten sich an der Diskussion noch eine Reihe von Rednern,«velche zahl- reiche Mißstände in ihrem Beruf an's Tageslicht brachten. Unter diesen erregte besonders ein Fall berechtigtes Aufsehen. Bei dem Jnnungsmeister Th. Henkel sollte ein'Arbeiter gemaßregelt «verde«,,«veil er es geivagt hatte früher aufzuhören, um eine Berfa, ninlung besuchen zu können, es hatten jedoch sämmt- liche Kollegen bis auf einen sich mit den« Gemaßregelten solidarisch erklärt und die Arbeit ebenfalls niedergelegt. Dieser Jnnungsbrllder hatte«nit seinen Arbeitern nachstehenden Vertrag im Januar abgeschlossen: Endesunterzeichneter verpflichtet sich, die von dem Arbeit- geber Th. Henkel bis zum 22. Juni 1890 übergebenen Arbeiten gut und sauber zu liefern und sich von jeden« Stück 1 Mark abziehen zn lassen. Ter daraus entstandene Betrag wird an« 22. Juni 1890 ausgezahlt, wenn nicht durch inangelnde Arbeit Arbeitgeber früher dazu gezivunge«,«vürde. Streitigkeiten hebe» den Vertrag ohne Einivilligung des Arbeitgebers nichr aus. Sollte jedoch ohne Einivilligung des Arbeitgebers die Arbeit niedergelegt«verde», so«st Arbeiter seiner bis dahin ersparten Sunline verlustig und verzichtet auf alle«veitcren Ansprüche. Dieses ist von« Arbeiter gelesen und durch NamcnSunterschrist angenommen." Leider«varen die Arbeiter durch den Druck der«virthschaft- lichen Verhältnisse gezivunge», diesen Vertrag(der übrigens un- gesetzlich ist. Red.) zu unterzeichnen. Als ihnen jedoch später zu- geinuthet ivurde, noch eine» Zusatzparagraphen z» unterschreiben, der den ersten noch«veit übertrifft,«viesen sie diese Zumuthung mit Entrüstung zurück. Der Artikel lautet:„Wenn Jemand mit den« Meister in Streitigkeit geräth,«nnß derselbe auf seine bis dahin ersparte Summe verzichten." Die Adresse dieses Jnnmigs- meisters lautet: Th. Henkel, Hornstraße 12. Eine Gcneratversainntlnng des Fach Vereins sämmtlicher a«« Holzbearbeitungs-Maschinen beschäftigter Arbeiter tagte am Montag, den 27. d. M. Der Kassirer erstattete den Kassenbericht. Eingenoinme»«vurden im Ganzen 389,60 M., ausgegeben 325,20 M., sodaß ein Bestand von 264,40 M. bleibt. Die Richtigkeit dieser Abrechnung«vurde von den Kontroleuren bestätigt,«vorauf der Vorsitzende den, Kassirer Decharge ertheilte. Hierauf theilte der Vorsitzende mit, daß er die nächste Versammlung in unserein alten Vereinslokal bei Herrn Säger, Grüner Weg 29, anberaumt habe und machte der Versammlung den Vorschlag, das erwähnte Lokal auch ferner- hin ivieder zn unseren« Vereinslokal zu bestimme». Das beschloß die Versaminlimg mit 33 gege«« 10 Stimmen. 20 M.«vurden aus der Vereinstaffe zur Vergrößerung der Vereinsbibliothek be- «villigt. Ferner ivurde von der Versammlung beschlossen, den streikenden Glasarbeitern in Bergedorf und den Webern in Schiniedeberg je 30 M. aus der Vereinskasse zu beivilligen. Die Frage des Ausschusses an den Zentralverband soll in der nächsten Versammlung erledigt werden. Der Kollege Kochitzky wurde aus de», Verein ausgestoßen, die Angelegenheit Kurzweg und Gustavus der Werkstatt-itontrolkon, Mission zur Untersuchung überiviesen. Gin- öffentliche Stell, uncherversnminlnng tagte am . Oktober unter Vorsitz des Kollegen Singer. Herr Owert sprach 29 über„Zentral- und Lokalorganisation" und empfahl den Anschluß an die Lokalorganisation. In der Diskussion hob Kollege Geelh hervor, daß der Jndifferentisnuis nur durch politische Vom.» zu beseitigen sei. Er empfahl deshalb ebenfalls, eine be organisation zu gründen. Es sprachen noch verschiedene iwu-S dafür und dagegen. Schließlich gelangte folgende Resolitt««! einstimmiger Annahme: Die Versammlung erklärt sich m» Ausführungen des Referenten einverstanden und versprich:-/ allen 5träften für die Aufklärung der Kollegen zu sorgen, vif wurde folgende Resolution zur Debatte gestellt: Die hfl'1, 1 Versammlung der Stellmacher Berlins erklärt sich damit ein, standen, daß der Jndifferentismus der Kollegen nur durch � Haltung politischer Vorträge zu beseitigen sei und hält es des? für nöthig, um den§ 8 des Vereinsgesetzes nicht i verletzen, einen Fachverein zu gründen und in der heiiug Versammlung emen provisorischen Vorstand zu' Kollege Meßmann ersuchte die Resolution abzulehnen tlnd oie schlüsse der Geiverkschafts- Konferenz abzmvarten. Käme ei» gemeiner Holzarbeiter-Verein zu Stande, so müßten sich cna)„ Stellmacher ihm anschließen. Trotz dieses Widerspruches n>«i die Resolution mit großer Majorität angenoinmen. Man wa? jedoch nicht einen provisorischen Vorstand, sondern eine S'.eve Kommission,«velche Statuten zu entwerfen hat. Sie wurde den Kollegen Cäsar, Geelhaar, Habermanu, Semisch, Starck und Zachau zusammengesetzt. Der Arbeitsnachweis erp noch eine scharfe Kritik und die Versammlung schloß nnt der nahine der Verpflichtung, nur Hüte mit Arbeiter- Kontrolw» zu kaufen. Dir Dmimgttng dentschrr Privat� Surraubramt� „Norwärts" hielt am Sonnabend, den 1. November 1890. Generalversammlung ab. Nach dem von dein Vorsitzenden statteten Bericht macht sich ein stetiges Steigen der W:tgW zahl bemerkbar, so daß die Vereinigung nunmehr die Grunv einer eigenen Krankenkasse beschlossen hat. Bei der hieraus genommenen Ncuivahl des Vorstandes wurden gewählt: Kausm Geisler zmn ersten, Bureauvorsteher Krusemark zum zi«wten® sitzenden; Bureauvorsteher Schälke zum Kassenkurator; Kallu« Wegener zum Kontroleur und die Herreff Fichtner, v. E»- Ecker, Meyer und Weiß zu Beisitzern. Das sodann Zur rathung stehende Krankenkassen-Statut«vurde schließlich«n angenommen; dasselbe soll unverzüglich der Aufsichtsbehörde Genehmigung vorgelegt«Verden. Das Statut der Vereinig� sowie Beitrittserklärungen sind kostenlos Stralauerplatz 22, II, zn bezichen. voin ZentralbureM lltlutl f. Uli) Xxf jjll UtjltljLU. Der Der ein der Darq»»etbodcnleger tagte am 27. C'to. Herr Wilschke hielt einen beifällig aufgenommenen Vortrags u», & ein« ,/Das Unteriiehnlerthum und die Taktik der Organisation empfahl als Waffe gegen die Unternehmerkoalitionen Z e n t r a l i s i r u n g aller B r a n ch e n v e r e i n e. c.« Debatte pflichteten die Kollegen den Ausführungen Wilschke � hoben aber hervor, daß oer Jndifferenttsmus der Kollegen' ärgste Feind sei. Hiergegen anzukämpfen ist die Ausgabe« jeden Vereinsmitgliedes.— Das Vergnügungskomitee wo.ll bekannt, daß Sonntag, den 16. November, im Lokale von Markgrafenstr. 87, ein Familienkränzchen stattfindet.® ä 30 Pf. sind bei den Komiteemitgliedern zu haben. Der Vorsitzende theilte mit, daß die Generalversammlung am«4- vember bei Weißt stattfindet. Der Verein;«r Mahrung der Intereffe« der macher tagte am Montag. Herr Pens hielt eine» über: Fourier und sein Sozialismus. Bon einer «vurde Abstand genominen. Es«vurde bekannt gegeben, oa? � nächste öffentliche Versammlung am Montag, den 10. nächste Vereinsversammlung am 17. d. M. bei Feuerstein, Jakobstraße, stattfinde» werden. Alsdann richtete der Porstb � einen«varmen Appell an die Amvesende», doch kräftig � 2(( wirken, daß die Organisation stark werde. Jeder einzelne, seine Zeit begriffen hat, muß mitthätig sein und die Säum aufrütteln. Den,« Ailfklärung thue vor allen Dingen noth. in keinem anderen Gewerk trete Roth und Elend so kraß„m wie im Schuhmachergewerbe. Erscheine also ein Montag, den 8. d. Mts. Wir wollen Stellung zum allgew Gewerkschaftskongreß nehmen. Alle Mann auf Deck! � Der Fachverein der Herliner Stnckateure Montag eine zweite Generalversammlung ab, welche sich' lieh mit einer Abänderung der Statuten zu beschäftige«:- a. ":#on ist verpflichtet, die Wochen, in Arbeitslosigkeit fällt, mit einem Vermerk Zst vt Hieraus berichtet Kollege Zander über die Thätigkeit d L . t ontroikommis s> on. Zun« S-chluß ermahnt Kollege L" recht regen Agitation für den Fachverein und der. ick i macht die nächste Vertrauensmännerversammlung bekafi.' w am Montag, den 10. November, im Restaurant des He« Naunynstr. 86, stattfindet. Der Grtoverei« der- Weiffgrrber- hielt Versammlung an, 1. November ab. Herr Dr. Bern st�% einen Vortrag über„Moderne Wundbehandlung�-; WW sammlung zollte ihm Beifall. Er beantwortete gebrachtenIFragen und empfahl, den Kursus des Sainar' »'«t zu machen. ahvIgSähuf&Bwf Jeder Preis | ist mit Zahlen| an der Waare ausgezeichnet. Größte Herrenkleider-Werkstatt Stettins! Berlin N., Berlin SO., Berlin 0., Wujjttjlrch Ma. 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Um zahlreiches Erscheinen bittet 261 Der Vorstand. Fchmein der SWer und Kerttn» und Umgegend. Am Montag, den 10. November 1890, Abends 8i/2 Uhr, 203 bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75:, Grosse Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau über: Das eherne Lvhugesetz. 2. Dis- kussion. 3. Abrechnung vom Sommervergnügen. 4. Aufnahme neuer Mit- glieder und Entrichtung der Beitrüge. 5. Anträge. 6. Verschiedenes u. Fragekasten._ Der Norstand.> Muli kiiWrZmMckiitt.! Sonntag, 9. November, Vormittags lOVa Uhr: Versammlung Mariannen-Straße Ur. 31 33, Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Fsus über: „Arbeit und Besitz und ihre Ehre." 2. Verschiedenes. 169 Gäste willkommen. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. Jehlenlwrf. Sonntag, den 9. November, Nachmittags 4 Uhr: Grosse Volks-Versammlung für Männer nnd Frauen in Aichner'» Höhe, AlsenstraSe. Tagesordnung: 1. Bortrag des Herrn Wilsohke- Berlin über„Volks- dildung und moderne Arbeiterbewegung. 2. Diskussion.— Nach der Versamm- lung gennitbliches Beisammensein. Zu recht zahlreichem Erscheinen ladet ein; 191 Der Einbernler. Allen Genossen und Freunden gur Nachricht, daß ich Gartrnstr. 171 ein Schankgrfchäft eröffnet habe; auch ist ein Bereinszimmer zu vergeben. Dakar Kl 5119 leinau. destraickep! Wann's Euch g'müthli unterholten wöllt's, so kommt's in die Kürassier- Stroßen aus Nr. 15a in die Dagarische Restauration. Tie höchsten Weaner Tanz wer'n aufgeführt.[725 „Marque Belgique" Dentsch-Kelgische Figarur-Labrile» Alexanderstr. 28,[195 empfiehlt ihre vorzüglichen Liqurnrr, Cognar» und R«m zu billigen Preisen. Verkauf in Gläsern und Flaschen; z. B. Ktonsdorfer ä Glas 5 Pf. Kenrdirtinev ä Glas 15 Pf. Dettfedern. Wer bei mir kauft, wird sicherlich zu- reden gestellt sein, denn mein lang- jähriges Bestehen bürgt für strengste Reellität. Ich empfehle Kettfrdorn, das Pfund von 35 Uf. bis zu den allerfeinsten in 58 Sorten. 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Tages-Ordnung:. 1. Anträge. 2. Kassenbericht. 3. Bericht der Zlrbeitsnachweis-Kom»usl>' 4. Vorstandswahl. 5. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Der Uorstand._ Zejseiitliche Verslinmliiiig der freien Vereinigung aller in der Chirurg. Branche beschäftigten Eerufsgenossen am Sonufag, den 9. d. Mts., Vorm. 11 Uhr, bei Zemter, Münzstr. 1• Tages-Ordnung: 1. Abrechnung von unserer Lohnbewegung. 2. Vortrag des Herrn p> über den Gewerkschaftskongreß event. Wahl eines Delegirten. 3. Verschiedene»- 198 Der Eioiteruter. Aspe öfeiitlile Serfimuiitiittö der Zlnkgiesser usid Stürzet* Berlins und Umgegend am Montag, den 10. November. Abends 8 Uhr, in Schröder s Saf»#« Man teuffelstraße 9. ,■„> Tagesordnung: I. Wie stellen sich die Zinkgießer und Stürzer Ben und Umgegend zur Gründung eines Vereins? Nef.: Emil Dastig aus Elberse: 2. Diskussion. 3. Wahl des prov. Borstandes. 4. Verschiedenes. 5. Fragekape• Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlnng statt. Es ist Ehrenpflicht eines jeden Gießers, in dieser Versammlung zu scheinen. 216 Der Vinbrrufrr. er« |uegrttndetl879.j Aeltestes Geschäft der Branche im Osten. Achtung! iße gründet 18 Aeltestes Geschäft der Branche io Osten. Winter-Paletots von 15—50 Mark, Anzüge, Rölk- inii» ZMet-AlMl, von 15—50' sowie Arbeitssachen und Knaben-Anzüge in nur guten Stoffen�- nur Berliner Arbeit empfiehlt das in allen Kreisen und Vereinen als bekannte Herren- und Knaden-Garderoben-Geschäft von >/ und Vereins- nitgliedern ge l 1 währe 5 pCt. Rabatt. J. Lindenbaum, 139. Gr. Frankfurterstrasse 139, zweites Haus an der Fruchtstraße. Spezialität: Anfertigung nach Maaß. NZolidaritätM Arbeiter! Nur Hüte, welche nebenstehende Marke unter dem Schweißleder tra- eu, bieten Garantie, daß en Berfertigern gerechter Lohn wurde! »W-Ka«st tmr Hütt mit dieser M«ke!-»» In folgenden Geschäften sind Riäte Ntli Kontrolmarken zu haben: A. Nauen, Wrangelstr. 99..j C. Polvoigt, Bülowstr. 18.(E:- Frobenstr. 12.) C. Rättig, Fehrbellinerstr. 88. Renz& Böhme, Oranienstr. 6. „ Potsdamerstr. W. Röhrich, Frankfurter Allee lijT A Rossdentscher, Waldemarur. o0- 0. Rader, Fürstenwälderftr. 2. W. Rother, Nostizstr. 20. E. Barsch, Stralauerstr. 13—14. C. Sarsch, Fehrbellinerstr. 56. C. Schmidt, Köpenick, Kietzerstr. 4l> W. Sy, Brunnenstr. 139. 0. Schulze, Fehrbellinerstr. 93. A. Schlegel, Brunnenstr. 33. C. Schulz, Zionskirchplatz 6. F. Sporreuier, Poststr. 16. J. Stohey, Oranienstr. 170. Rud. Wegener, Stromstr. 59., z. A. Wittenbecher, Moabit, Lübeckerl' W. Wille, Köpenick, Grünauers W. Hildebrandt, Schönhauser Alle- z W. Zapel, Skalitzerstr. 131 Frister u. Roßmann). Stresemann, Neue Königstr. 11. L. Vetter, Alexandrinenstr. 99. C. Adler, Köpenick, Grünstr. 33. 0. Böttcher, Friedrichshagen. 0. Mühlherg, Biesenthalerstr. 18 E. Dittmer, Ackersir. 68a, P. Kunz, Prinzen-Allee 87, E. Rieok, Badstr. 64. 0. Jörs, Pankstr. 5 a, Wir haben verschiedene Adressen streichen müssen, weil Beschwerden'„ die Geschäftsführung bei uns eingelaufen sind. Wir bitten die dringend, den von uns veröffentlichten Geschäften Beachtung zu schenke" � genau darauf zu sehen, daß die Marke nicht erst beim Kaufen ei»i!c wird, was stets als Betrug zu betrachten ist. Tille Unregelmäßigkeiten � wir an uns zu berichten. Die Arbeiter-Kontrol-Kommissioj?; H. Aerisens, Prinzensir. 28. F. Bay, Gr. Frankfurterstr. 66. Rud. Beisse, Ehaufseestr. 70. E. Bergemann, Markgrafcnstr. 98. 0. Böttcher, Lichtenbergerstr. 1. A. Bracklow, Lothringerftr. 27. H. Bodinius Nfg., Potsdamerstr'. 129, Alb. Binn, Landsbergerstr. 43. W. Böhm, Blücherstr. 11. H. Diederich, Oranienstr. 9. „ Mariannenstr. 43. G. Dnnsing, Tresdenerstr. 6. Ä. Ernst, Barnimstr. 17. A. Fuchs, Manteuffelstr. 35/36. „ Skalitzerstr. 39. Th. Gerlach, Linienstr. 39. Gust. Gross, Frankfurter Allee 167. 0. Gottmann, Frankfurterstr. 130. Fr. Hanpt, Große Frankfurterstr. 145. M. Honsel, Wadzeckstr. 9. P. Frande, Müllerstr. 183. A. Kehr, Köpuickerstr. 126. W. Kliem, Bernauerstr. 108. 6. Köpke, Prinzenstr. 60. „ Potsdamerstr. 126a. J. Kock, Kastanien-Allee 80. Ph. Krull, Rheinsbergerstr. 50. Victor Kroll, Stralsundersir. 11. A. Lemke, Schönhauser Allee 138/139. 0. Liskow, Oranienstr. 47a. A. Lissmann, Gerichtstr. 7. Arnold Lange, Brunnenstr. 136/187. M. Lutz, Manteuffelstr. 25. H. Meissner, Neue Hochstr. 43. v. Mewes, Andreassn. 53. 211 I- A.: C. Kempe, Georgenkirch- Platz 8, % Verantwortlicher Redakteur: Cnrt Kaakr in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kading in Berlin 8»V., Beuthstrahe 2.