Fr. S69. Dirnstag. de« 18. Zlovcmlicr 1890. JlfrliiierDolblilftll. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. (j.._ Das„Berliner Volksblatt" in'?« täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin frei Snn. 115 vierteljährlich 3,30 Marl, monatlich 1,10 Mark, möchentlick) 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. muags-Nnmmer niit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. .(Eingetragen in der Postzcitungsprcisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) l,t Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl:, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlungs- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthstraße 3, sowie von allen Annoncen-Bnreaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -» Lrrusprrchrr: Amt VI. Ur. 4100.,- VrdAkkion: VeukhstrKße S.— Expedikion: VeukhfstvttHv 3. De« LVcg Mr E»»lQ»l;ipiakio»r. der eine Zeit, wo sich die Frage der Emanzipation tj,. Arbeiterklasse um die beiden Gegensätze zu drehen imm"' Staatshilfe oder Selbsthilfe. Wie auf v � Disputen wurde die Gegenüberstellung süri«•> öußarfte Spitze getrieben und jedes der beiden dag als absolut aufgestellt. Die Folge davon war, St* ,'Weßlich der Sozialismus und das Prinzip der wa� fe als sich vollständig deckende Begriffe erschienen, jfJ wteressirten Demagogen und konfusen Sozialpoliti'kern bot, jede Staatshilfe, zu wessen Gunst und für Zweck auch bestimmt, für Sozialismus, reinen �fälschten Sozialismus zu erklären. «. �as ist im Laus der Zeit anders und man darf wohl Ä besser geworden. Kein Sozialist, kein aufgeklärter Ki.,.' büßt sich heute durch das Etikett der Staatshilfe J%s Licht führen. Er sieht sich das Ding, das diesen führt, mit kritischem Blicke an und unterscheidet L?r zwischen bloßem Fiskalismus auf der einen und . Sucher Intervention zu Gunsten der arbeitenden Klassen . l der anderen Seite, und er ist auch weit davon ent- � t. jeder solchen Intervention den Namen Sozialismus % öeben. Er überläßt das politischen Fossilien ä la �96« Richter oder, um jenseits des Kanals zu gehen, iiux A�werhin spielt der Gegensatz zwischen Staatshilse «in c�bsthilfe, wenn auch nicht in derselben Form, noch Hab Rolle in der Arbeiterbewegung. Die Anarchisten ,°°n.ihn. zwar gleichfalls von dieser Seite aufgenommen ein als äußerste Linke des Manchesterthums mit Ken?®fcr' der die weiland Prince Smith, Faucher und Jstorten zu Thränen gerührt hätte, gegen den ab/ vou Staat", diesen Inbegriff alles Schlechten, haben bis jetzt mit ihrer Theorie noch sehr schlechte Hern ie bei der Arbeiterklasse gemacht. Der geringe An- �?'. über den sie verfügen, wird mehr durch ihre !g/'ü>chlagstheorie als durch die Gegnerschaft gegen den wärt des Staats in abstracto— d. h. nicht den gegens ieb° oder überhaupt einen bestimmten Staat, sondern koin?. Staat schlechtweg— in ihr Lager getrieben. Sie hati/r'1 doher für diese Erörterung nicht in Betracht. Es Kr// üch vielmehr um die Auffassung in denjenigen Znk' k®1" Arbeiterschaft, die für ihre Gegenwart und tanx � zugleich kämpfen, die den Staat nicht„abschaffen", for zunächst erobern und benutzen, und die für Re- wen eintreten, ohne deshalb ihrer revolutionären Mission werben. Jleuillekon. ,tua»«boten.]_ [42 Uictoria. Roman von Minna Kautsky. Sech st es Kapitel. Q%a Klopfen erneute sich und wurde noch ungestümer, 'ust sofort geöffnet wurde. «in. ä/chch auf, oder ich schlag die Thür entzwei!" rief ''ch //""®®!tnmne, die in ihren: rauh-heisern Tone unkennt- �waldt schob den Holzriegel zurück. An die Schwelle �«br» v'Ud, suchte er dem Eindringling den Eingang zu S ihn dabei fest ins Auge fassend. er den Pecher Poldl erkannte, rief er ihm ein er- �fröhliches„O!" entgegen. »�ie kommst Du da herauf bei solchem Wetter?" «in«*' Frage rieht' ich an Dich— aber vorher— noch �nbere— wo ist sie— die Franzel?* kam es von seinen Lippen; der Mann be- Ußb J'ch in heftiger Aufregung, seine Hände ballten sich, teße twter den dunklen zusammengezogenen Brauen funkelten �ugen in einem phosphorartigen Glänze. ist die Franzel?" schrie er noch heftiger, und er tch � den jungen Mann an der Brust.„Sie ist>heroben, «iß es!" Rser trat vor dem unerwarteten Angriff zurück. *�u magst unbesorgt sein, sie ist geborgen," sagte er; Die sozialdemokratische Arbeiterschaft hat die Forderung der Produktivgenossenschaften mit Staatskredit in der Er- kenntniß fallen gelasseit, daß erstens der heutige Staat sie nie in dem Umfange bewilligen würde, der nothwendig wäre, um dieselben zu einem wirklichen Hebel der Be- freiung der Arbeiterschaft als Klasse zu gestalten, und daß zweitens, wenn einmal die Arbeiterschaft die Macht er- langt haben wird, die sie befähigte, das zu erlangen, sie der Produktivgenossenschaften nicht mehr bedarf, um die Vergesellschaftung der Produktion zu verwirklichen. Die Arbeiter verlangen vom heutigen Staat keine Sub- ventionen, wohl aber fordern sie von ihm Gesetze, welche ihrer maßlosen Ausbeutung durch die Unternehmerklasse, der wahnsinnigen Verschleuderung von Arbeitskräften in der heutigen Gesellschaft eine Grenze ziehen. An die Stelle der Forderung der Produktivgenossenschaften mit Staatskredit, die, wenn unter den heutigen Verhältniffen verwirklicht, die Arbeiterklasse spalten und ihre Kraft lahm legen würde, ist die Forderung von Arbeiterschutz- Gesetzen getreten, deren Verwirklichung die Kraft der Arbeiterklasse erhöhen, sie zur Erkämpfung weiterer Ziele, zur Durchführung des großen Werks ihrer sozialen und politischen Emanzipationen befähigen würde. Jndeß auch dieser rationellere Weg hat seine Ge- fahren. So wichtig es ist, daß die Arbeiter an ihm fest- halten, daß sie ihren ganzen politischen Einfluß direkt und indirekt darauf verwenden, der herrschenden Klasse gesetz- geberische Maßregeln zu ihrem Schutze abzuringen, so falsch wäre es, wenn sie ihre Thätigkeit ausschließlich und ein- seitig darauf verwenden würden. Der Kampf für wirk- same Arbeiterschutz-Gesetze darf die Arbeiter nicht dazu ver- leiten, das Werk ihrer ökonomischen Organisation, die Ausbildung der gewerkschaftlichen Koalitionen, und die Be- Nutzung derselben zur selbstständigen Erkämpfung von Ver- besserungen und Bekämpfung von Verschlechterungen ihrer Arbeitsverhältnisse, hintenan zu setzen. Sie dürfen das schon aus dem Grunde nicht, weil, wie die Verhältnisse vorläufig liegen, der einseitig geführte politische Kampf nicht genügt, die in den Händen der besitzenden Klassen befindliche Parlamentsmaschinerie zu einem hinlänglich lebhaften Tempo in Bezug auf die Ar- beiterschutz-Gesetzgebung zu veranlassen. Wir haben das Beispiel dafür in klassischer Weise im gegenwärtigen Moment vor Augen. Wie sehr auch die Gegner an den Wahlziffern des 20. Februar gedeutelt, den großartigen Wahlerfolg der Sozialdemokratie zu verkleinern versucht haben, eines konnten und können sie nicht bestreiten, die anderthalb Millionen Stimmen, welche die Sozialdemo- kratie erhalten hat, sind, wenn sie auch nicht sämmtlich für den letzten Buchstaben des sozialistischen Programms er glaubte ihn beruhigen zu müssen und hinderte nicht seinen Eintritt. Leopold lachte gellend auf. „Geborgen bei Dir— Schuft!" Ein Ruf des Unwillens, den die Franzel nicht unter- drücken konnte, oricntirte den Pecher sofort. Da war sie, ja, sie saß auf der Bank nächst dem Herde, tief in den Plaid gewickelt, den sie, trotz seiner Feuchtigkeit, wieder um sich geworfen. Mit einem Satze hatte er sie erreicht und sank vor ihr nieder. „Franzel! Franzel! Seit viertuidzwanzig Stunden habe ich keinen anderen Gedanken als Dich. Ich mächt Dich warnen, Dich retten vor dein Buben, dem nichtswürdigen, dem Du Dein Herz geschenkt hast, ich iveiß es, und dem Du Dich hingeben wirst mit Leib und Seele, sobald er's ver- langt, und— er— hat's verlangt— und— und—!" wild faßte er sie an. Die Franzel hatte sich erhoben und warf sich Oswaldt entgegen, der auf sie zugetreten, um sie schützend in seine Arine zu nehmen. „Was unterstehst Du Dich," rief er empört in auf- flammendem Zorne dem Pecher entgegen.„Du bist be- trunken!" Dieser stieß einen Schrei der Wuth aus, und die Franzel um den Leib fassend, hatte er sie Oswaldt mit einem Ruck entzogen und seitwärts geschoben. Er stellte sich breit und schirmend vor sie hin. „Die sollst Du mir nicht mehr anrühren, so wahr ich lebe. Du— Du— die ist zu gut für Dich, Elender! Ich kenne Deine Praktiken, ich bin Dir wieder dahinter-kommen, abgegeben worden sind, doch jedenfalls für das Wesen der sozialdemokratischen Forderungen, und ganz be- sonders für die von der Sozialdemokratie geforderten Arbeiterschutz-Gesetze abgegeben worden. Und zu ihnen kommen noch hinzu die hunderttausende von Stimmen, welche die bürgerlichen Parteien, die den Ar- beiterschutz innerhalb gewisser Grenzen auf ihre Fahne ge- schrieben, von den noch in ihrem Heerbann marschiren- den Arbeitern erhalten haben.*) Wohlan, nach dieser gewaltigen Demonstration der deutschen Arbeiterschaft— wie kläglich jetzt die Behandlung der Arbeiterschutzftage im neugewählten Parlament! Kein Genosse wird die Berichte aus der Gewerbe-Ordnungs-Kommission ohne ein gewisses Gefühl der— wir wollen nicht sagen Er« nüchterung, denn Illusionen hat sich ja Keiner hingegeben — wohl aber der Beschämung gelesen haben. Wie müssen sich unsere Vertreter da um die geringfügigsten, fast selbst- verständlichen Forderungen herumstreiten! Mit welcher Zähigkeit und Verbissenheit halten die Vertreter der Majorität an jedem Tüpfelchen über dem i der Aus- beuterprivilegien fest. Es ist beinahe noch Eupheinie, schönfärberische Bemäntelung, von Schneckengang zu reden, aber so viel ist sicher, daß wenn in diesem Tempo fortgefahren wird, die Arbeiter nicht nur nicht vorwärts konimen, sondern in ihren sozialen Verhältnissen noch zurückgeschleudert werden. Denn die ökonomische Ent- wicklung hält sich nicht an das Beispiel der erleuchteten Parlamentarier. Unablässig schreitet sie vorwärts, und wie verheerend sie auf die Lage der Arbeiterwirkt, davon liefert jeder Tag neue, nur zu deutlich sprechende Bei- spiele. Es giebt keinen schreienderen Gegensatz zwischen Dem, was sich z. B. gerade jetzt in der Chemnitzer Eisen- industrie vollzieht, und der Art, wie die Vertreter der Majoritätsparteienin derArbeiterschutz-Kommission„Sozial- reform" betreiben. Soweit wir auch entfernt sind, aus derartigen gangen die absolute Unbrauchbarkeit der parlamentarischen, wie überhaupt der politischen Aktion zu folgern, so be- stätigen sie doch immer wieder aufs Neue die Lehre, daß der Angriff auf die Beste des Ausbeuterthums nicht nur von einer Seite erfolgen darf. Sie muß von allen Seiten her belagert werden. Nicht nur im Parlament und in den Wahlkämpfen, sondern auch im Kampf des täglichen Lebens muß die Arbeiterklasse den maßgebenden Elementen im Staat und Gesellschaft *) Es wäre eine ganz interessante und der Mühe lohnende Arbeit einmal festzustellen, wie viele Demokraten, Freisinnige und Ultranwntane ec. aus Grund von Wahlprograimnen gewahll wor- den sind, auf denen der gesetzliche Arbeitsschutz signrirt und wie- viel Stiminen diese Leute vertreten. ich war gestern in Wien— ich Hab sie gesehen, Deine Braut — die Tochter des Field— l" „Schweig!" rief Oswaldt, es klang wie Beschwörung Aber der Pecher rief in wildem Frohlocken nur um so lauter: „Nein, sie soll's nur ivissen, sie soll's erfahren, von dem die ganze Wiencrstadt spricht, daß der Maler Oswaldt die Tochter des Millionärs heirathet, und wie für die Hochzeit schon Alles hera'richt und einkauft wird. Ei, so a Millionär kann sich ja Alles kaufen, gelt? auch den Schwiegersohn, der ihm paßt, und Du hast Dich verkauft dem reichen Mann, Dich und Deine Kunst und Alles.— Schweig Du!" herrschte er Oswaldt, als dieser nur eine Bewegung machte, ent- gegen,„oder willst Du Dich ausreden? Willst ihr sagen, der Franzel, daß Du das Weib, dem Du Dich antrauen läßt, nicht liebst? Daß Du nur ihren Geldsack heirathest, und bereit bist. Dein Herz einer Anderen zu schenken? Sag ihr's, aber sie wird Dir ins Gesicht stmcken, die Franzel, denn ivir armen Leut' haben noch Ehr' im Leib. Wenn Du die Franzel aber unglücklich g'macht hast, wenn Du g'meint hast. Du könntest Dir Alles gegen sie erlauben, weil sie arm ist, und weil sie au Dich geglaubt hat, so will ich bei Gott—" Er sprach nicht aus, ein greller Blitz leuchtete durch das Fenster in den nächtigen Raum. Aber die Augen der Liebenden trafen zusannnen und sie blickten einander in die todtbassen, schinerzverstörten Gesichter. In der nächsten Se- künde waren sie wieder in Nacht gehüllt. Die Franzel stöhnte aus, der Pecher drehte sich rasch nach ihr um. „Du g'hörst zu uns," sagte er,„wir Armen sind eine Familie, und mag's mit Dir stehen wie's will. Du sollst noch eine Faust finden, die Dich vertheidigt." diejenigen Lehren nachdrücklich zu erkennen geben, gegen deren Bcgreijen die Herrschaften sich heute so hartnäckig sträuben. Es besteht bei einem Theil der Arbeiterschaft die Auf- fassung, als sei die Gewerkschaftsbewegung lediglich dazu da, der politischen Bewegung Rekruten zu liefern, so zu sagen nur eine Art Unterabtheilung der politischen Partei. Wir halten das für einen sehr bedenklichen Jrrthum. Daß die Gewerkschaftsbewegung der politischen Rekruten liefert, ist eine natürliche Folge derselben, aber nicht ihr Zweck. In erster Reihe ist sie ihrer selbst wegen da, d. h. als Mittel des wirthschaftlichen Interessen- kampses. Sie soll die Arbeiter befähigen, soweit als möglich ihre Sache selbstständig gegenüber dem Unter- nehmerthum zu führen. Solange die bürgerliche Gesell- schaft besteht, wird die Gesetzgebung das immer nur ig sehr unzureichendem Maße besorgen, wird immer neben ihr ein weiter Spielraum bleiben für die selbstständige Aktion der Arbeiterklasse. Unter- bleibt diese, so rostet auch die parlamentarische Maschine ein. Ueberall, selbst in den vorgeschrittensten Ländern, sehen wir, daß die Gesetzgebung immer nur hinter dem einherhinkt, was zwar nicht die Arbeiterklasse in ihrer Gesammtheit, wohl aber die besser organisirten Elemente derselben auf dem Wege des Koalitionskampfes bereits errungen haben. Mehr ist überhaupt nicht auf dem Boden der bürgerlichen Gesellschaft zu erwarten. Die Gesetz- gebungsmaschine wird nie vorangehen, sie wird nur das theilweise schon Errungene sicher stellen, nicht aber wirk- (ich Neues schaffen. Das Erstere wird sie jedoch um so williger thun, je mehr die Arbeiter außerhalb des Parla- ments den Lohndrückern und Leuteschindern die Kehrseite der Wirkungen der unvergleichlichen freien Konkurrenz zu kosten geben. »Eindringlicher, als alle Reden„gewerbsmäßiger Agi- tatoren" es vermöchten, predigt die Behandlung der Arbeiterschutz- Anträge im Reichstag den Arbeitern die Nothwendigkeit, unablässig für den Ausbau ihrer gewerk- schaftlichen Organisation, für die energische Benutzung der Waffe des Koalttionsrechtes thätig zu sein. Ihre Emanzipation hängt von der Kraft ab, die sie auf allen Gebieten des öffentlichen Lebens entfalten, von der Energie, mit der sie ihre Interessen nach allen Richtungen geltend zu machen wissen. So ist der Satz des sozialdemokratischen Programms, daß die Emanzipation der Ar- beiter nur das Werk der Arbeiterklasse selb st sein kann, zu verstehen. Nicht nur durch Bethättgung in Versammlungen und an der Wahlurne, sondern durch unablässiges Ringen um jeden Tüpfel ihres Rechts werden sie ihre volle Befreiung er- kämpfen. Ej'chmrge, den 16. November. Die Lage der Aus- sperre ist im Wesentlichen bis jetzt noch ohne erhebliche Aende- rung. Die Haltung der Kollegen und Kolleginnen ist eine vor- züaliche und ist keiner gewillt, unter den von den Fabrikanten gestellten Bedingungen(Austritt aus dem U.-V. d. T.) die Arbeit wieder aufzunehmen. Einige tüchtige Kollegen und Kolleginnen sind abgereist und hat sich ferner eine Anzahl entschlossen abzu- reisen. Die Entschlossenheit der Arbeiter und Arbeiterinnen ist jetzt, nachdem die Aussperre bereits sechs Wochen währt, eine bessere zu nennen als bei Beginn derselben, denn es sieht nun Jeder ein und hat die Ueberzeugung gewonnen, wie ungerecht die Forderung der Fabrikanten, die den Arbeitern verbieten wollen sich zu vereinigen, während sie ja selbst vereinigt sind, ist. Durch die eifrige Agitation ist es uns gelungen, noch einige Kollegen und Kolleginnen, die bis jetzt noch weiter gearbeitet haben, von unserer Sache zu überzeugen und für uns zu gewinnen; auch haben uns noch Andere zugesagt, sich mit uns solidarisch zu erklären. Letztere begründeten ihr Fernhalten von uns dadurch, daß sie anfänglich den unwahren Reden der Fabrikanten w. glaubten, j. B. die Kasse des Vereins sei bankrott und könne die Aussperre gar nicht aushalten, dann, daß der Kassirer durchgebrannt sei u. a. m. Da sie sich aber nun über- zeugt hätten, daß die Unterstützungsgelder in reichlichein Maße cinlausen, wollten sie uns in unserer gerechten Sache weiter nicht Ta faßte ihn die Franzel krampfhaft mit beiden Händen und hielt ihn fest. ,Thu ihm nichts—" stammelte sie,„ich Hab— Alles gewußt— ihn trifft keine Schuld, keine!" In dem Augenblick brauste es über ihren Köpfen dahin, ein Windstoß hatte die Thür ausgerissen, die nicht verriegelt worden, und der Stnrm brach heulend herein. Da sprang die Franzel gegen dieselbe, und ehe die Männer ihre Absicht auch nur errathen konnten, war sie draußen und im Nebel verschwunden. Flüchtend rannte sie vorwärts, nur fort— fort!— Bald hörte sie indeß die Rufe der Männer, die ihr gefolgt waren, um sie zurückzuholen. Aber der Nebel ist dicht, er gestattet vereint mit der Dämmerung kaum einige Schritt weit zu sehen. Alles mit seinem grauen Schleier verhüllend. Da bleibt sie plötzlich stehen, sie kann nicht weiter, ein Herz- krampf erfaßt sie, und sie sinkt lautlos zu Boden. Der Pecher war nach der einen, Oswaldt nach der an- deren Seite gelaufen, so meinten sie, könnte sie ihnen wohl nicht entgehen. Oswaldt kam auch ziemlich nahe an ihr vorbei, ohne die am Boden Liegende zu bemerken. Laut ruft er ihren Name» in den Wald hinaus, dessen Rauschen allein ihm Antwort giebt. Iii warer Herzensangst stürzt er vorwärts. Ihr Gesicht, vom Blitz erleuchtet, war ihm nur in einem flüchtigen Nu erschienen, aber niemals wird er's vergessen. Er klagte ihn an des furchtbarsten Unrechts, das ein Mann gegen ein Weib verüben kann. Sie hatte in heiliger Wehrlosigkeit ihr ganzes Dasein ihm hingegeben und muß nun in dem Geliebten den Betrüger erkennen, den Feigling. Warum hat er den Pecher nicht niedergeschlagen, ehe er die Enthüllung gemacht, warum hat er ihn sprechen lassen? Weil er sich schuldig gefühlt, weil das Gefühl seiner Nichts- Würdigkeit ihn erstarren machte. Aber er will sie wieder haben, so durften sie nicht von- einander gehen! Fast sinnlos stürzt er abwärts durch den Wald, er hofft sie ini Hegerhauic zv finden. Er kann sie nicht ver- hindernd im Wege stehen und den Kampf gemeinschaftlich mit uns aufnehmen resp. weiter führen. In einer der jüngsten Nummern des amtlichen Kreisblattes hier befand sich eine Notiz, nach welcher hiesige Fabrikanten auswärts Filialen gründeten und zwar eine in Rheinland und eine in Bayern. Ein anderer Fabrikant versuchte nach einer uns vorliegenden Mittheilung in Bovenden und Northeim eine Filiale zu gründen, woselbst derselbe jedoch glänzend abgefahren ist. Nach einer ferneren Mittheilung soll in Bamberg eine Filiale zu gründen versucht werden und ist hieraus zu ersehen, daß sich die Herren Fabrikanten alle erdenkliche Mühe geben. Wir bitten daher alle unsere Kollegen, Genossen und Freunde, falls ihnen bekannt wird, daß von hiesigen Zigarrenfabrikanten irgendwo ein solches Vorhaben ausgeführt wird oder ausgeführt ist, sofort an den Unterzeichneten Mittheilung gelangen zu lassen, damit von hier aus die nöthigen Schritte gethan werden können. Der Fabrikant, der in Bovenden und Northeim eine Filiale zu gründen suchte, ließ vor einigen Tagen verschiedene seiner früheren Ar- beiter zu sich kommen und erklärte denselben, daß sie die Arbeit aufnehmen können, auch wenn sie Mitglieder des U.-V. d. T. sind, doch wolle er sich seine Leute heraussuchen. Also diejenigen, die in den ersten Reihen der Bewegung stehen, sollen keine Arbeit mehr erhalten und hiergegen verwahrten sich die betreffenden Kollegen ganz entschieden, indem selbige erklärten, daß sie nur dann die Ar- beit aufnehmen könnten, wenn alle Ausgesperrten wieder eingestellt würden. Es geht aus diesem Exempel hervor, daß bereits Roth herrscht. Der betreffende Fabrikant beschäftigt noch„eine ganze Zigarrenarbeiterin". In verschiedenen Zeitungen wird gemeldet, daß die meisten der Ausgesperrten die Arbeit wieder aufgenommen hätten und somit aus dem Verein getreten seien. Wir erklären, daß diese Zeitungsnotizen auf Unwahrheit beruhen und werden solche wohl von gewissen Leuten herrühren, die Interesse daran haben, durch Lug und Trug uns auf alle mögliche Art zu schädigen und zu unterdrücken. Sollte sich irgend was hierändern, sogeben wir selbstverständlich sofort Nachricht, allen anderen Berichten ist einfach kein Glauben zu schenken. Wir danken allen Kollegen, Genossen und Freunden für ihre bis jetzt uns zugesandten Unter- stützungen und bitten ferner zu arbeiten für uns, um so mitzu» helfen an der Emanzipation der darbenden Arbeiterschaft und festerer Anspannung des Bandes der Organisation. Alle Geld- sendungen bitten an Ernst Hesse, Eschwege, am Plan, Briese?c. an Unterzeichneten zu richten. Die ausgesperrten Zigarrenarbeiler und Arbeiterinnen. I. A.: Ferdinand Körner, Klosterstraße. Zur Aussperre in Eschwege schreibt uns der Reichstags- Abgeordnete Meister: Nach nur gewordenen Mittheiluugen, verbreiten die Herren Fabrikanten das Gerücht, die Arbeiter seien zu Kreuze gekrochen und hätten die Arbeit unter der Bedingung, aus deni Verein aus- zutreten, wieder aufgenommen. Die gegnerische Presse verbreitet natürlich diese Nachricht mit Freuden und glaubt auch in diesem Falle wieder einen Sieg verzeichnen zu können. Nach den mir in letzter Stunde zugegangenen Mittheilungen beruht diese Nachricht ihrem ganzen Inhalte nach auf Unwahr- heit und soll nur bezwecken, die Sympathie, welche den Mit- gliedern in so aufopferungsvoller Weise entgegengebracht worden ist, zu schwächen und ihnen die Unterstützung zu entziehen. Der Stand der Sache ist im Gegentheil günstiger als zuvor und die Ausgeschlossenen halten sich ausgezeichnet, selbst die- jenigen, welche bisher arbeiteten, haben sich den Ausgeschlossenen zugesellt. H. Meister, Vorsitzender des Ausschusses. Milka« bei Zwickau,!*n 14. November. Bei der heutigen emeinderaths-Ersatzwahl siegte die Liste des„Orts- Vereins"(Arbeiterpartei) mit beträchtlicher Majorität gegen die von den sogenannten„Vereinigten Ordnungsparteien" aufgestellte Liste. Sämmtliche 8 Kandidaten des„Ortsvereins" wurden glatt gewählt. Dolilrsrhe AebevNrhk. Berlin, den 17. November. Die erste Lesung der Arbeiterschutzgesetz-Kommij'sto» wird diese Woche zu Ende kommen. Dann soll eine Pause eintreten, damit die nöthigen Erhebungen angestellt werden können, und, wenn Alles gut geht, kann die Kommission noch im Laufe des Jahres mit der zweiten Lesung und dem Bericht fertig werden. Die Dauer der Berathungen im Plenum, läßt sich nicht absehen. Bei dieser Gelegenheit möchten wir auf das Unpraktische der jetzigen Session s-Eintheilung hinweisen. Das Vernünf- tigste und zugleich Einfachste würde sein, die Legislatur- Periode, also die sünf Jahre, für welche der Reichstag gewählt wird, als eine Tagung lieren, es ist die einzige klare Empfindung in dieser Verstört- heit seiner Sinne, in dem Delirium der Gefühle, das ihn erfaßt hatte. Der Regen hat aufgehört und aus dem zerrissenen Ge- wölk bricht ein Schimmer des scheidenden Lichts. Er be- leuchtet das bleiche, erstarrte Gesicht der Franzel, die allmälig zur Empfindung des Lebens zurückgekehrt und seiner Qual. Die linke Hand ist noch immer gegen das Herz gedrückt, ihre Lippen bewegen sich zuckend:„Ach, es thut zu weh!" Sie will ihren Kopf erheben, aber ermattet sinkt er wieder zurück. Kann sie noch leben? Von dem höchsten Glück so jäh und unvermuthet in das tiefste Elend geworfen, kann ein Mensch das ertragen? Sie ist mitten in's Leben getroffen, sie will sterben. Sie fühlt, wie Schauer sie fassen, wie die Kälte ihr bis an's Herz dringt.— Es hat zu heiß geschlagen in übermüthiger Wonne, zu hoch! Bis an die Wolken glaubte sie sich ge- hoben, als er in seinem Arm sie gehalten— und jetzt liegt sie zerschmettert. Sic streckt sich aus und verliert abermals das Bewußt- sein. Als sie. wieder zu sich kommt, verspürt sie behagliche Wärme und in die sich öffnenden Lider fällt der Schein einer Flamme. Sie ist in der Hütte und auf dem Herd brennt ein helles Feuer. Sie reißt die Augen weit auf und sieht in zwei andere, die auf ihr ruhen nnt angstvollem Ausdruck. Sie kennt diese Augen. Sie fährt mit der Hand gegen die Stirn, als wolle sie ein Traumbild verscheuchen, das sie beängstigt.„Sie lebt, Gott sei Dank, sie lebt!" ruft der Mann, der über sie gebeugt ist. Es war Andreas. Er war der Spur des Wagens gefolgt bis zur Enge, von da führte ein Weg durch die Schlucht, auch hier gab's kein Fehlen, als aber das Thal sich abermals weitete, fand er sich auf dem ihm gänzlich unbekannten Terrain nicht mehr zurecht. Wenn sein Feind ihm wieder entkäme! Der Ge- danke machte ihn rasend. Er hatte gehofft, sie Beide zu finden, ihn und sie. Während seiner monatelangen Haft hatte er diesen Augenblick sich ausgemalt, ihn herbeigesehnt. zu betrachte», und innerhalb dieser Frist das Plenum I„ die Kommissionen nach Beda rf zusammentrete!! JÜl' Es steht dies mit der Reichsverfassung in keinerlei ckr spruch— die regelmäßige und rechtzeitige Fertigstelle Hanshalt-Etats kann durch ein solches Arrangement fördert werden, welches auch für die Reichstags-Mügt�. entschieden sehr bequem sein, und— namentlich wenn für den Landtag eingeführt— den Nachthellen leidigen, jetzt wie es scheint unvermeidlichen Zusawm tagcns der beiden großen parlamentarischen Körpesich 1 ein Ende bereiten würde.— w Die Nachricht von der Zahlnngs- Einstellung ersten Londner Bankhauses(Baring Brother'' hat den Geldmarkt der Welt in Aufregung setzt. Zwar sind die Schwierigkeiten der, für den Augenblick, durch die Intervention � englischen Bank, gehoben worden, allein A allgemeine Lage ist dadurch nicht gebessert und es wohl kaum gelingen, weitere Katastrophen zu verhüten., Das englische Schiff, dessen Untergang mit Mann Maus wir in einer der letzten Nummern.erwähnten, J ein Kreuzer der-»glische» Marine, und das ring � hat deshalb zu heftigen Angriffen auf die Admiralita den staatlichen Schiffsbau in England Anlaß 9*9 Thatsache ist, daß, je komplizirter und kunstvoller d» ü den Kriegsdienst bestimmten Schiffe werden, desto auch die Gefährlichkeit derselben zunimmt., besondere gilt dies von den modernen Panzerrot il (der„Servent" war allerdings kein solcher) die su Mannschaften mindestens ebenso gefährlich sind als st*,, Feind jemals werden könnten.,. Die ganze Presse des Auslandes feiert m thuender Einmüthigkeit die Entdeckung Koch*. ,cn betonen dies ausdrücklich, weil in verschiedenen d*» Zeitungen gesagt worden ist, die Franzosen machte" Ausnahme und nörgelten an der Größe der Entde Das ist, soweit wir Einsicht in die französische nicht der Fall; im Gegentheil wir finden tue rückhalt I,{ Anerkennung. Es wäre aber auch gut, wenn die d eu! Presse sich davor hütete, einen Triumph der welcher der ganzen Welt gehört und einen eminent nationalen Charakter hat, nicht zu kleinlich chauvinü I Herabsetzung der Verdienste ausländischer Gelehrten brauchen zu wollen.—.„Ate" Die schweizerischen Sozialdemo r r a haben eine energische Agitation für die Vertretung in die Hand genommen. Die letzten Rai( rathswahlen, die ihnen eine so große Stimmenzahl un.; keine Mandate einbrachten, haben einen kräftigen A gegeben. Wenn alle die abgegebenen sozialdemotrai i. Stimmen nicht in den einzelnen Wahlkreisen als M täten ignorirt, sondern richtig zusanimengezählt uno � portionell auf Mandate vertheilt worden wären,' w) oie schweizerische Sozialdemokratie, die jetzt im Nation„ ganz unvertreten ist, dort niindestens vier Abgeo zählen. Und ähnlich ist es in den einzelnen Kantone«- � Zu Lausanne(Kanton Waadt, in der franzoi! � Schweiz) sprach sich dieser Tage eine von 1000 Bürge. suchte Versammlung für das Proportionalsystem � Un» auch an anderen Orten haben Versammlungen gleichem Erfolg stattgefunden...-ig Und einen großen Sieg hat diese vernünftigste, ja vernünftige und gerechte Wahlart jetzt im Kanton errungen, wo Man sie nothgedrungen hat einführen um die Majorisirung einer der beiden Hauptp».>g (liberale Bourgeois und konservativ-klerikale Bourgeo verhindern und revolutionären Ausbrüchen der mm � gemachten Partei— verhüten. Von soz lutionären Ausbrüchen ver.g wie erst neulich einer vorkam" L �yucen. won f o z i a ld e m o k rai sch er Seite W beilauftg dieser Ausweg, der die Billigung des BundesrM . i.A.r----% W C:' und der Kantonalregierung jetzt gefunden hat, 2 vorgeschlagen.� � lUueste Uachricht-n. Aus London wird unter bei" heutigen Tage telegraphirt:_..0�' „Die„Times" kann in einem Artikel über den Ee« autoritativ mittheilen, daß die bestandenen Schwierigkelten& ersten Londoner Bankfirma vollständig überwunden f*'*!'aw' —................ daß d« Sank hi«&L% ltill« werde allgemein anerkannt, vup uci v— j-.- i, von England gebühre. Die Verbindlichkeiten der Finna auf 21 Millionen geschätzt, darunter 16 Millionen Wechsel. Der Ueberschuß solle 3 800 000 betragen. „Standard" warnt vor unnöthiger Besorgniß. Gefah* Ä mit der ganzen Leide, ischaftlichkeit seines Wesens u eifersüchtigen Rachegefühl des Verschmähten. Weh* Sie sollten es büßen, daß sie ihn so elend gemacht. � Aber hier war völlige Wildniß, nirgend ein Huü' sollte er sie nun suchen?- Wie"- Er stieg einen Hügel hinan, um Ausschau zu? gn' Das Unwetter drohte loszubrechen. Er sieht sich dann hinauf zu den Wolkens... Plötzlich siofst.§ dü Schrei aus, der dem eines wilden Thieres gleicht, �,i- ihm entsprungene Beute auf's Reue erblickt. Aus seitigen Hügel, der dicht bewaldet ist, bemerkt er*ine JA sei"/ ein Weg führt vorüber, er geht steil in die Höhe, nn � wunderbar scharfen Augenpsehen einen Mann, der{in wärts klimmt. Etwas Lichtes blinkt ihm entgegen weißer Hut.& Wuth und Ungeduld drohen ihn zu übermanne' streckt beide Arme aus, als könne er ihn erreich*' fassen, aber das Thal liegt zwischen ihnen. Gleichviel. Er besinnt sich nicht länger und läuft abwärts!$ie setzt er über Felsen und Gestrüpp, einer Gemse M*'J## nervöse Kraft dieses Menschen, sein leidenschaftlich*-t aiil scheint über das Unmögliche zu triumphiren. � oer Thalsohle, er durchmißt sie rasch, setzt über den den Bach, und blaß und athemlos gönnt er sichdoa) � C( Augenblick der Rast und strebt aus demselben W*S- den Anderen nehmen gesehen, wieder empor. � Als aber die Elemeute ihre Wuth entseffeW�nei" seine Kraft zu Ende. Er bricht zusammen. Hinter vorspringenden Felsen hatte er Schutz gesucht,*"., � harren, bis das Unwetter ausgetobt und er sel"' Kraft gesammelt hatte. Wei" Keuchend sitzt er da, viel Jammer hatte sei"! enthalten, aber diese Stimde dünkte ihm die entsetzlich'" Lebens. (Fortsetzung folgt.) Falle könnte eine und Uruguays er- Die Verluste seien lolalisirt J>n äußersten Snsuenfiail der �jahlringen Argentiniens.....„-, folge», worauf das Publikum inbeß. längst vorbereitet sei. Wolken iibcr dem Geldmarkt hätten sich verzogen, die G der Gefahr sf""-------> r'" Das tliugt stark nach Schönfärberei. »oa Li Millionen, d. h. LI Million Pfund Sterling, also 420 Millionen Mark, das will etwas besagen, und wenn ein Haus wie das der Gebrüder Baring in die t-age geräth, nur mit fremder Hilfe derartigen Verbind- uchkeiten nachzukommen, dann muß sehr vieles faul sein rni Staate Täneniark. . In der französischen Kammer brachte der Teputirte Ramel einen Gesetzentwurf ein, betreffend die Ilm validitäts- und Altersversicherung für Industrie- und Land arbeiter, sowie für alle Bedienstete, deren Lohn 8000 Frks. lahrlich nicht übersteigt. Der Jahresbeitrag wird vom Tagelohn usit mindestens 5 Centimes täglich eingehoben. Den: Ar- veiter soll cs freistehen, den Beitrag beliebig zu erhöhen; der Arbeitgeber ist zu gleichem Beitrag verpflichtet, wie der Ar- °eiter, jedoch nur bis zu 10, bei gesundheitsschädlichen �n dustrien bis zu 15 Centimes. Die höchste erreichbare Arbeiter Ptnsion beträgt mit 61 Jahren 1000 Frks. Es ist dies freilich entschieden besser, als die berühmte deutsche Reichspension von OBVs Pfennig pro Tag, wir Müssen jedoch erst nähere Nachrichten abwarten. Bei der gestrigen Nachwahl in P a r i s an Stelle des verstorbenen Joffrin zersplitterten sich die Stimmen, Mie das nicht anders zu erwarten war und es wurde keine absolute Majorität erzielt. Die meisten Stimmen hatten Possibilist,(2343) und Liss a garay, Sozial demokrat und Verfasser der bekannten Geschichte der Kom unme(2045). Eine Stichwahl muß also stattfinden. Zu einer Stichwahl können in Frankreich— abweichend vom deutschen Wahlgesetz- neue Kandidaten aufgestellt wer- de»! die Abstimmung ist aber endgiltig— die relative Aiehrheit genügt, während bei der H a u p t w a h l, wie in Deutschland, die Mehrheit eine absolute sein muß.— Wie begründet unser Mißtrauen in die schönfärberischen Berichte über die in N e w- Y o r k und L o md o n aus- Lebrochenc Geldkrise war, das fmei Depeschen bewiesen, die "(baft' 20 wird durch nachstehende uns bei Schluß der i o n zugehen: London, 17. November 7 Uhr 30 Minuten. von von Barina Brothers werden allgemein, illionen Pfd. Sterling geschätzt. Der Betrag der von der Die auf russischen Regierung entzogenen Depositengelder," wodurch die Schwierigkeiten hervorgernsen wurden, wird auf 5 Millionen Pfd.(SlfovT:".»---.l--- fTts r-.fc.i. 'auptgläu biger zusammen zu berufen Darlegung seiner fi nanziellen Lage. London, 17. November 7 Uhr 40 Minuten. Nach Meldungen aus New-Aork stellte die„Kansas C i t y Zacking K o m p a n y ihre Zahlungen ein mit 750 000 Dollars Passiva.— Die„Times" theilen mit, Billard 'verde am Tonnerstag nach Nordamerika zurückkehren, wo seine Gegenwart dringend gewünscht werde. Die New-Uorker Agenten Billard's behaupten, die deutschen Finanziers hätten «etneswegs das Vertrauen zu den Northern Pacific Eisenbahn- Untemehmungen verloren: sie hätten ini Gegentheil vor Kurzem noch Geld dafür zur Disposition gestellt. Insbesondere die letztere Depesche ist in manchen Punkten unklar— in der Hauptsache aber sind beide Depeschen sehr klar: es kracht."' aber Und die K r i s i s i st da. Arbeiterschutz-Kommissto». Die Berathung beginnt bei§ 125. Derselbe lautet nach der Regierungsvorlage: § 125. Absatz 1.(Neu.) Hat ein Geselle oder Gehilfe vor rechtmäßiger Beendigung es Arbeitsverhältnisses die Arbeit verlassen, so kann der Arbeit- �eber an Stelle der Entschädigung eine an ihn zu erlegende Buße 'ordern, welche für den Tag des Vertragsbruchs und jeden folgen- en Tag der vertragsmäßigen oder gesetzlichen Arbeitszeit, höchstens 8 er für sechs Wochen bis auf die Höhe des ortsüblichen Tage- hns(§ s des Kranken-Versicherungsgesetzes vom 15. Juni 1883, Aeichs-Gesetzbl. S. 73) sich belaufen darf. Dasselbe Recht steht em Gesellen oder Gehilfen gegen den Arbeitgeber zu, wenn er v» diesem vor rechtmäßiger Beendigung des Arbeitsverhältnisses entlassen worden ist. Ein Arbeitgeber, welcher einen Gesellen oder Gehilfen ver- eitet, vor rechtmäßiger Beendigung des Arbeitsverhältnisses die vbeit zu verlassen, ist dem früheren Arbeitgeber für den »durch entstehenden Schaden oder die verwirkte ■ 11 6 e als Selbstschuldner mitverhaftet. In gleicher Weise Wl'tet ein Arbeitgeber, welcher einen Gesellen oder Gehilfen »»nimmt oder behält, von dem er weiß, daß derselbe einem »»deren Arbeitgeber zur Arbeit noch verpflichtet ist. Absatz 3.(Neu.) Den Gesellen und Gehilfen stehen im Sinne des vor- »ehenden Absatzes die im§ 119 Absatz 2 bezeichneten Per- "en gleich. Nach§ 119 Absatz 2 der Vorlage werden den Arbeitern 9 eichgeachtet auch diejenigen Personen, welche für bestimmte � ewerbetreibende außerhalb der Arbeitsstätten der letzteren mit Anfertigung gewerblicher Erzeugnisse beschäftigt sind, und Zwar »uch dann, wenn sie die Roh- und Hilfsstoffe selbst be- Waffen. •8um§ 125 sind folgende Anträge gestellt: Abg. Klemm: J»§ 125: im ersten Satze die Worte:„kann der Arbeitgeber an Stelle der Entschädigung eine an ihn zu erlegende Buße fordern, welche" zu streichen und statt dessen zu setzen:„ist der vom Arbeitgeber erhobene Entschädigungsanspruch, dafern derselbe im Versahren vor dem Gewerbegerichte nicht nach fester Ziffer bewiesen worden ist, auf einen Betrag festzusetzen, welcher"; � im zweiten Absätze die Worte:„für den dadurch entstehen- den Schaden oder die verwirkte Buße" zu streichen und dafür zu setzen:„unter entsprechender Anwendung der im ersten Absätze dieses Paragraphen enthaltenen Schadens- ersatz-Bestimmungen"(im Uebrigen nach der Vorlage). Die Abgg. Klemm, v. K l e i st- R e tz o>v beantragen: ..§ 125. 1. Den ersten Satz des Absatzes 1 vom Schlüsse der zweiten Zeile an zu fassen: so kann der Arbeitgeber an Stelle der Entschädigung die Zahlung eines Betrages fordern, welcher für den Tag des Vertragsbruches und jeden folgenden Tag der vertragsmäßigen oder gesetzlichen Arbeitszeit, höchstens aber für 2 Wochen, in Höhe des ortsüblichen Tagc� lohnes(§ 8 des Krankenversicherungs-Gesetzes vom 15. Juni 1383. Reichs-Gesetzbl. S. 73) sich belaufen darf; 2. den ersten Absatz zu schließen: durch diese Forderung wird der Anspruch auf Er- süllung deS Vertrages und aus weiteren Schadensersatz ausgeschlossen; 3. den ersten Satz des Absatzes 2 wie folgt zu schließen: ist dem früheren Arbeitgeber für den entstandenen Schaden oder den nach Absatz 1 an die Stelle des Schadenersatzes tretenden Betrag als Selbstschuldner mitverhastet; 4. einen vierten Absatz hinzuzufügen: Die Entscheidungen über die Absatz 1 und 2 gedachten Streitigkeiten gehören zur Zuständigkeit der Gewerbegerichte. Abg. Möller beantragt: 125 den Absatz 1 wie folgt zu fassen: Hat ein Geselle oder Gehilse vor rechtmäßiger B* endigung des Arbeitsverhältnisses die Arbeit verlassen, so In hat, der allerbeste Beweis für die Nothivendigkeit der Ablehnung der Regierungsvorlage und aller gestellten Anträge sei; der Redner giebt zahlreiche Beispiele aus dem praktischen Leben, wo- nach dieser Paragraph eine Prämie ans die Ausbeutung der Roth- läge der Arbeiter setze. Dieselben Konsequenzen ergäben sich aus den gestellten An- trägen, die allesammt geeignet sind, die Arbeiter noch mehr wie bisher der Habgier der Unternehmer auszuliefern; Streiks wer- den durch solche Bestimmungen nicht aus der Welt geschafft wer- den, und da die meisten Arbeiter ohne persönliche Berantivort- lichkeit bei Streiks mitmachen dürfen, dieselben auch nicht dafür gebüßt werden. Nachdem der Redner sich über amerikanische Verhältnisse ver- breitet und nachgewiesen hat, daß ein dortiger hoher Gerichtshof, in den Bestrebungen, einen Arbeiter länger an eine Arbeitsstelle zu binden, als er, der Arbeiter selbst, für gut hält, einen Verstoß gegen den Antifklaverei-Artikel der Vereinigten Staaten erkannt und demgemäß verurtheilt hat. Der Korreferent empfiehlt die Ablehnung der Regierungs- vorläge, bittet aber, auch alle gestellten Anträge zu verwerfen, weil die Arbeiterklasse durch deren Annahme geschädigt wird. Der Referent für die Petitionen, Abg. Schmidt, giebt Kenntniß von den eingegangenen Petitionen und wendet sich in einigen Bemerkungen gegen den Abg. Molkenbuhr, welchem er bemerkt, daß in England die Arbeiter kein Bedenken gegen Strafen für Kontraktbruch haben würden, weil man in England ohne Jnnehaltung der Kündigungsfrist überhaupt nicht streikt. Der Handelsminister Freiherr v. Berlepsch macht längere Ausführungen über die Stellung der Regierung zu der vorliegen- be- SKmwSSM Abg. Letocha beantragt: Bestimmung richte sich nicht gegen Streiks an sich, sondert, wolle können; die Beseitigung der Kündigungsfrist würde aber für die große Mehrzahl der Arbeiter— namentlich im Lande, in den großen Städten liegen die Verhältnisse etwas günstiger für die Arbeiter— viel schlimmere Zustände schaffen, als! dies jetzt der Fall ist; der Minister schließt, indem er erklärt, daß die verbündeten Regierungen über die Form der! Bestimmungen mit sich reden lassen werden, aber an dem Ver- langen den Gedanken in gesetzgeberische Form zu bringen, fest- halten müssen. Abg. Letocha macht längere juristische Ausführungen, in denen er darthut, daß eine Buße für Kontraktbruch rechtlich un- zulässig ist; zur Sache hat auch er den Wunsch, daß die Arbeitseinstellungen ohne Kündigung verhindert werden, das könne ge- schehen, wenn man einen Entschädigungsanspruch der Unternehmer, welcher durch Lohneinbehaltung garanttrt ist, einführt; es dürfe jedoch die einbehaltene Summe eine bestimmte Höhe nicht über- schreiten, dieselbe müsse bis zur Einziehung Eigenthum des beiters bleiben und für denselben verzinst werden; der Redner empfiehlt seinen Antrag, der die Arbeiter veranlassen werde, die Arbeit nur unter Jnnehaltung der Kündigungs- frist aufzugeben und doch die Bereicherung der Unternehmer vermeide. Abg. Dr. Gutfleisch schließt sich bezüglich der rechtlichen Zulassigkeit einer Buße den Ausführungen des Vorredners an; aber auch in sozialer Beziehung würde diese Bestimmung sehr schädlich wirken. Für eine ungleiche Behandlung der Arbeiter könne der Redner nicht eintreten, denn für keine andere Be- völkerungsklasse existire eine Bestimmung, die den Vertragsbruch gesetzlich büße. Redner glaubt, daß die Bestrebungen der Arbeiter, ihre Lage zu verbessern, durchführbar sein müssen auf gesetzlichem des Kontraktbruches. Wenn er also tragsbruch können die Arbeitgeber Lohneinbehaltungen dingen. Solche Lohneinbehaltungen dürfen aber 10 pCt. des verdienten Lohnes und im Gesammtbetrage die Höhe eines durchschnittlichen Wochenlohnes nicht übersteigen. Die einbehaltenen Beträge sind auf den Namen des Arbeiters bei Sparkassen verzinslich anzulegen und bleiben zunächst Eigenthum des Arbeiters.-- Bei widerrechtlichem Austritt des Arbeiters gehen sie in das Eigenthum des Arbeitgebers als Ersatz für den von demselben erlittenen Schaden über, soweit sich der Schadens- ersah nicht niedriger beläuft." Abg. Dr. G u t f l e i s ch beantragt: Im§ 125; 1. Absatz 1 zu streichen; 2. in Absatz 2 die Worte:„oder die verwirkte Buße" zu streichen; 3. in Absatz 2 die Worte:„oder behält" zu streichen. Eventuell beantragt Abg. Dr. Gutsleisch: l. Den ersten Satz des§ 125 Absatz 1, falls nicht dessen Streichung beliebt wird, wie folgt zu fassen: „Hat ein Geselle oder Gehilfe rechtswidrig die Arbeit verlassen, so kann der Arbeitgeber als Entschädigung, ohne Beweisführung über die Höhe des Schadens und gegen Verzicht aus weitere Ansprüche, für den Tag des Vertragsbruchs und jeden folgenden Tag der Vertrags- mäßigen oder gesetzlichen Arbeitszeit, höchstens aber für sechs Tage, den Betrag des ortsüblichen Tagclohns(§ 8 des Krankenversicherungs-Gesetzes vom 15. Juni 1883, Reichs-Gesetzbl. S. 73) fordern." 2. Zu§ 125 Absatz 2, für den Fall der Annahme dieses An- und ohne die Hilfe träges zu Absatz 1, statt der Worte:„oder die verwirkte Buße" �er Regierungsvorlage nicht zustimmen könne und am liebsten zu setzen die Worte:„gleich dem Arbeiter". �„e Streichung derselben sehen würde, so müsse er doch Zugeben, Der Abg. Klemm zieht den Antrag, welchen er allein ge- � Cin Entschädigungsanspruch bei Koütraktbruch berechtigt fei. stellt hat, zurück; ebenso zieht der Abg. Möller seinen Antrag Redner geht nun ausführlich auf die Einzelheiten seines An- trageS ein, dm er anzunehmen bittet und der, wie �»trag- Stumm weist darauf hin, daß der die berechtigten Forderungen der Unternehmer ertnui -------° die Arbeiter zu schädigen. Abg. v. K l e i st- R e tz o w polemisirt gegen die AuMhrungen des Abg. Molkenbuhr; es handle sich nicht darmn, Streiks zu verbieten, sondern nur darum, die Jnnehaltung der eingegangenen Kündigungsfrist zu erzwingen. Das sei aber m d»» gegen- wältigen Verhältnissen nur möglich,'vem, ,>,an entweder im zurück. Der Referent Abg. v. Arbeiter bei rechtswidriger Entlassung aus der Arbeit den Arbeit- geber leicht regreßpflichtig machen könne, während umgekehrt der Arbeitgeber, da Lohnbeschlagnahmen unzulässig sind, in den meisten Fällen fein Recht auf Schadensersatz nicht wird praktisch geltend machen können; der Redner weist auf den vorjährigen Bergarbeiter-Streik hin, bei welchem die Kostenpreise derartig in die Höhe gegangen find, daß die gesammte Bevölkerung darunter arg zu leiden gehabt hat. Der Referent hält die Vorlage der Regierung dem Prinzip nach für gerechtfertigt, glautzt jedoch, daß es richtiger sei, statt dem Arbeiter eine Buße für Kontraktbruch aufi zuerlegen, dem Arbeitgeber eine Entschädigung dafür zuzusprechen? aus diesen Gründen zieht der Referent den Antrag Klemm und Kleist-Retzow dem Regierungsvorlage vor. Der Antrag des Abg. Gutfleisch gebe keine genügende Garantie gegen den Kontraktbruch; die Entschädigung, welche in dem Lohn einer Woche bestehe, sei zu minim als daß der Referent den Antrag empfehlen könne. Der Antrag Letocha böte sehr viele praktische Schwierigkeiten, mache eine ungeheure Arbeit und führe zu der Konsequenz, die auch bei gar keiner Regelung dieser Frage eintreten müßte, näm- lich, daß man überhaupt von jeder Kündigungsfrist absehen würde, was ein tägliches Entlassen aus der Arbeit und dementsprechend ein, ohne jede Ailfkändigung erfolgendes' tägliches Austreten aus der Arbeit zur Folge habeil würde. Dieser Zustand sei aber nicht im Interesse der Arbeiter, für die eine 14tägige Kündigungfrist in der Regel wünschenswerth aus allen diesen Gründen empsiehlt der Referent die An- nähme des Antrages Klemm und v. Kleist-Retzow, welcher, wie er hoffe, das Bedürsniß auf diesem Gebiete befriedigend regeln werde. Der Korreferent Abg. Molkenbuhr glaubt, daß das Bei- piel, welches der Referent bezüglich des Kohlenstreiks angeführt Sinne der Regierung oder seines Antrages beschließe. Gerade die Gleichberechtigung beider Theile verlange, daß der Arbeitgeber berechtigt werde, eine Entschädigung zu ver- lange», wenn der Arbeiter ohne Kündigung die Arbeit verlasse, denn der Arbeiter sei dem Unternehmer gegenüber durch dessen Solvenz gesichert. Wenn solche Bestimmungen nicht eingeführte würden, mache man die Arbeiter zu Herren über die Unternehmer und durch die jetzigen Verhältnisse seien die Arbeitgeber den Arbeitern ausgeliefert. Der Redner giebt seinem Antrage den Vorzug vor denen der Abgg. Letocha und Gntfleisch und bittet seinem Antrage zuzustimmen. Regierungskommiffar Geh. Rath H o f f m a n n legt dar, daß die Regierung mit den Antragstellern darin einig ist, daß die „Buße" einen Entschädiguiigsansprnch für die Unternehmer bei Kontraktbruch bedeuten soll; der Redner wendet sich gegen die der Regierungsvorlage gemachten Einwendungen, welche er nicht als ziitressend ansehen kann; gegen den Antrag v. Kleist-Retzow hat Redner im Allgemeine» keine Bedenken, weil der Antrag auf dem Boden der Vorlage steht; die Bestimmung, daß die Gewerbe- gerichte für Entscheidung von Streitigkeiten zuständig sein sollen, halte er für bedenklich; der Antrag Gutfleisch gewähre keine genügende Entschädigung für den Fall von Kontraktbruch; auch die formale Fassung des Antages würde Schwierigkeiten bereiten; was den Antrag Letocha anlangt, so gehe derselbe einerseits zu weit, andererseits belaste, er die Unternehmer mit Arbeit, ohne die Sicherheit für die Arlfciit« zu vermehren;. der Redner empfiehlt den Antrag o. Kleist event. den Antrag Gutfleisch an- zunehmen. Abg. Gutfleisch zieht die Worte„ohne Beweisführung über die Höhe des Schadens und gegen Verzicht auf weitere An- sprüche" in seinem Antrage zurück. Abg. Dr. Hirsch giebt zu. daß die ganze Regierungsvorlage in ihrer Tendenz eine wesentliche Besserung der Verhältnisse der Arbeiter herbeiführen werde. Redner geht auf die Geschichte der Bewegung, den Kontraktbruch zum Gegenstand einer Buße zu machen, ein und kommt zu dem Schluß, daß die Gefahren, welche durch Kontraktbruch seitens der Arbeiter entstehen können, un- gemein übertrieben werden; dagegen ist der Arbeiter, welcher vom Unternehmer rechtswidrig entlassen wird, in einer viel schlim- meren Lage, weil er mit seiner Familie brotlos wird und weil er nieist keine andere Arbeit findet, während der Unternehmer leicht andere Arbeiter bekommen kann. Redner ist überzeugt, daß, wenn die vorgelegte Bestimmung in einer oder der anderen Form Gesetz wird, der soziale Frieden statt gefördert nur noch mehr gestört werden würde, und bittet ganz prinzipiell und ganz entschieden die Vorlage sowohl, als alle dazu gestellten Anttäge, auch den des Abg. Dr. Guifleisch, abzulehnen. Für Massenstreiks trifft in der Regel die moralische Verantwortlichkeit die Unter- nehmer, wie gelegentlich des vorjährigen Bergarbeiter-Streiks zur Evidenz nachgewiesen ist. Der Redner schließt mit der Auf- forderung, keine Ausnahmebestimmung für die Arbeiter beim Kontraktbruch einzuführen, sondern es bei den allgemeinen gesetz- lichen Bestimmungen auch hierbei bewenden zu lassen. Abg. Klemm ergeht sich in juristischen Ausführungen und erklärt den Kontraktbruch für strafbar, soweit das öffentliche Wohl dadurch geschädigt wird; um eine Strafbestimmung handelt es sich bei dem vorliegenden Paragraphen nicht. Der Anspruch auf Schadensersatz kann nicht beseitigt werden. Die Regierung hat mit dem Begriff und dein Ausdruck„Buße" nicht das Nichtige getroffen. Sein Antrag sei sachlich verschieden von der Regierungsvorlage und erschöpfe das Gebiet besser. Der Redner begründet die einzelnen Beftiminungen seines Antrages und bittet um Annahme desselben. Abg. Bebel bekämpft die Ausführungen des Handels- Ministers, der sich dagegen verwahrt habe, daß die Vorlage im Geiste des Unternehmerthums und zum Schutze desselben gemacht sei; der Redner glaubt nicht, daß die Regierung in bewußter Weise die Unternehmerklasse habe bevorzugen wollen, behauptet aber, daß der Effekt dieser Bestimmung,— wenn sie Gesetz wird — einzig und allein den Unternehmern zu Gute kommen wird; die Diskussion habe gezeigt, daß allen Parteien die Regierungs- vorläge unannehmbar erscheine; die ungleiche Behandlung der Arbeiter und Unternehmer ergebe sich deutlich daraus, daß man dem Arbeiter die Last auferlege, sich Lohnabzüge, als zu etwaiger Deckung bestimmt, gefallen lassen zu müssen, während es Nie- mandem einfällt, dafür zu sorgen, daß die Arbeiter vor Ver- lusten, die durch den Bankerott der Unternehmer eintreten können, durch Bildung von Kautionen geschützt werden. Die Konsequenz der von der Regierung und von den An- ttagstellern verlangten Bestimmung führe dahin, daß die Lohn- «inbehaltungen das Betriebskapital der Unternehmer ver- mehre und man könne sicher sein, daß in kurzer Zeit die Einbehaltung des Lohnes die Regel werden würde; der Redner weist darauf hin, daß gerade die organisirten Arbeiter es seien, die sich gegen leicht- fertige Streiks erklärt haben; die Arbeiter müßten ein Vorgehen, welches Lohneinbehaltungen gestattet, als eine ganz einseitig gegen die Arbeiterklasse gerichtete Gesetzgebung betrachten. Von dem Schaden, der durch provozirte Streiks und die da- durch in die Höhe getriebenen Preise entsteht, wird das öffent- liche Wohl viel mehr benachtheiligt, als durch die Arbeitsein- stellung der Arbeiter. Die Unternehmerkartelle, die Ringe, die Trusts sind es, welche die öffentliche Wohlfahrt ruiniren, und nicht die Streiks. Die Unternehmer haben es jeder Zeit in der Hand, sich mit den Arbeitern zu einigen, und die Arbeiter sind die Letzten, welche aus Uebermuth einen Lohnkrieg führen; für den Redner ist weder die Regierungsvorlage, noch irgend einer der gestellten Anträge annehmbar; die sozialdemokratische Fraktion wird gegen Alles in dieser Beziehung Vorgeschlagene stimmen. Die gestellten Anträge anlangend, so findet es der Redner bezeichnend, daß von freisinniger Seite ein Antrag gestellt wird, dessen Tendenz darauf hinausläust, ein Arbeitgeber-Schutzgesetz zu werden und der die Arbeiter auf das allerschwerste schädigen muß; der Paragraph würde eine Strafbestimmung für die Ar- beiter sein und die Bethätigung des einseitigsten Klasseninteresses der Unternehmer zum Schaden der Arbeiterklasse gesetzlich sanktioniren; eine solche Klassen-Gesetzgebung gegen die Arbeiter gerichtet, müsse noch mehr verbittern und werde den Klassenkampf schüren, den mildern und beseitigen zu wollen man doch allseitig versichere. Redner bittet sämmtliche Anträge abzulehnen und die von der Regierung beantragte Fassung zu streichen. Abg. Dr. Krause sieht keinen Grund für eine Aenderung der Gesetzgebung gegeben; die Arbeitseinstellungen seien oft für die Unternehmer von Vortheil; die Bußen würden häufig eine Entschädigung für nicht erlittenen Schaden darstellen; dem Redner sind alle gestellten Anträge ebenso unannehmbar wie die Re- gierungsvorlage. Regierungskon, missar Geh. Rath H o f f m a n n polemisirt gegen den Vorredner, indem er betont, daß die Regierung bei der Formulirung ihrer Vorlage eine Entschädigung, welche sonst nicht der Charakter einer Strafe trage, einführen wollte; er bittet, die Regierungsvorlage anzunehmen und würde eventuell den. Antrage Klemm- Kleist- Retzow den Vorzug vor den übrigen Anträgen geben. Nach Ansicht des Redners sind die Gewerbegerichte für die Entscheidung aller aus diesem Paragraphen entstehenden Streitigkeiten zuständig. Abg. Hitze hält den Antrag Letocha für eine Verbesserung der bestehenden Verhältnisse; derselbe trifft aber auf dem Gebiet des Handwerks nicht das Nöthige, der Redner ist dafür, eine Be- stimmung aufzunehmen, wonach der Kontraktbruch eine Sühne findet, weil sonst die Kündigungsfrist überhaupt beseitigt würde, was er als einen großen Nachtheil für die Arbeiter ansehen müßte. Der Anttag Gutfleisch scheint dem Abg. Hitze die beste Lösung, er würde für denselben stimmen und daneben auch noch den Antrag Letocha zur Annahme empfehlen. Die Abgg. Klemm und v. Klei st- Retzow sind bemüht, einige Mißverständnisse über ihren Antrag zu beseitigen, nament- lich in Bezug auf die Gewerbegerichte. Abg. Möller tritt für den Antrag Gutfleisch ein; Redner hält den Kontraktbruch für die schlimmste Erscheinung des sozialen Lebens, der gegenüber Maßregeln er- griffen werden müßten; es sei nothwendig, die Arbeiter zu der Anschauung zu bringen, daß der Kontraktbruch im Jntereffe der Volksmoral verhindert werden muß. Abg. Singer tritt in längerer Ausführung energisch dem Handelsminister entgegen, der, wenn die Regierungsvorlage Gesetz wird, erleben werde, daß die Wirkung derselben die heftigsten Klassenkämpfe sein werden; die Streiks werden den Arbeitern aufgezwungen; dann wendet sich der Redner gegen den Antrag Gutfleisch, der durch die vielseitige Zustimmung die schneidendste Verurtheilung erfahren habe; bezeichnend ist es, daß die Ver- treter der Partei, von der man die nachhaltigste Vertretung der Unternehmerinteressen gewohnt ist, die nationalliberale Partei, ihre Anträge zu Gunsten des Antrages Gutfleisch zurück- gezogen hat. Der Antrag Letocha lege dem Arbeiter die Beweislast auf und mache damit die Annahme desselben unmöglich. Die Anttäge Gutfleisch und Klemm seien unannehmbar; die Vorlage der Regierung ebenfalls und ersucht der Redner, die ganze Bestimmung zu streichen. Abg. Gutfleisch weist einige Ausführungen des Geh Raths Hoffmann zurück und führt aus, daß sein Anttag bezüglich des Handwerks nothwendig sei; im Uebrigen glaube er bei aller Arbeiterfreundlichkeit dafür eintreten zu müssen, den Konttaktbruch zu beseitigen. Abg. Dr. Hirsch betont, daß die freisinnige Partei gegen die Regierungsvorlage stimmen werde und glaubt, daß der Anttag Gutfleisch auch in Bezug auf das Handwerk nicht nöthig sei; der Kontraktbruch habe nicht die Uebelstände im Gefolge, welche man mit so lebhaften Farben geschildert habe; bei Annahme dieser Be- stimmung werde man auch die Arbeiter dazu treiben, sich gegen alle Kündigungsfristen aufzulehnen, was— obgleich er es für kein großes Unglück halten würde— nicht zu wünschen sei. Abg. Letocha vertheidigt seinen Antrag nochmals sehr ein gehend; die Schwierigkeiten, die man befürchte, seien überttieben der Redner beantragt, seinen Antrag als neuen§ 125a einzufügen und hofft von dessen Annahme eine Besserung der bestehenden Zustände; jedenfalls müssen, wie er es wünsche, die einbehaltenen Gelder sicher gestellt werden, damit die Arbeiter nicht etwa Ver lust erleiden. Abg. Bebel tritt dem Antrag Gutfleisch sehr scharf � gegen und führt aus, welche ungeheuerliche Ungerechtigkeit dan» liegt, die Tinge, welche bei allen anderen Klassen ans dem äW öe3 Rechtsverfahrens ausgefochten werden müssen, für die 5b- beiter unter Strafe zu stellen; die Regierungsvorlage sowohl wb die gestellten Anträge seien unannehmbar und vertrügen fich»'� mit der vielgerühmten Gleichberechtigung der Arbeiter, welche die Regierung zu vertreten erklärt. Diese Bestimmung beweise deutlich den Klassencharakter d« Vorlage und bringe die Arbeiter noch mehr wie bisher unter die Fuchtel der Unternehmer, daran änderten alle schönen Redensarten nicht das Geringste. Nach einigen persönlichen Bemerkungen wird die Berathung geschlossen; die Schlußreferate werden bis zur nächsten Sitzung, die morgen Vormittag 10 Uhr stattfindet, vertagt. Die englische Ausgabe des„Achtstundentag" wirb nicht weiter erscheinen, weil der Absatz ein zu geringer wa� Bei der kolossalen Entivickelung des Zeitungswesens" England werden politische Blätter von so kleinem Forw« und Umfang von dem Publikum nicht beachtet; der I ngO": des„Achtstundentags" wird der vorhandenen englische» Arbeiterpresse einverleibt werden. Das auf diese Weise et- , parte Geld wird der deutschen und französischen Ausgabe des„Achtstundentags" zu Gute kommen. Für die nächste Auflage der Uichter'sche» Irrlehre«' Wie dieser Tage veröffentlicht ward, ist Herr Krupp, der Kanonenkönig, n.lt einem Einkommen von etwas uve 6 Millionen das Jahr eingeschätzt. Herr Krupp 20 000 Arbeiter und Angestellte, und da 6 000 000 dividw durch 20 000 nach Adam Riese 300 ergiebt, so würden a 1° bei einer Vertheilung des Krupp'schen Gewinns— nach A"- zug eines Ministergehalts für Herrn Krupp Exzellenz unter das gesammte Personal auf jeden Kopf 300 M. einfallen. Wir möchten nun Herrn Richter ersuchen, uns°ie Frage zu beantworten, ob die Arbeiter des Herrn Krupp sich durch diese Erhöhung ihres Einkommens um je 300 jährlich m ihrer Lage verbessern oder verschlechtern würden- Und wir rathen Herrn Richter, die Antwort in der nächsten Auflage seiner Irrlehren zu veröffentlichen; dieselbe ww» dann vielleicht einen schwungvolleren Absatz finden, al-°'' erste, von welcher trotz der kräftigen Reklamen des Her? Verfassers und der ebenso kräftigen Agitation aller Reaktion-' Parteien, mit einziger Ausnahme der Feudalkonservativen, nicht einmal 20 000 Exemplare verkauft werden konnten. Sozi«!» Meberstrfjk. von solidarisch. Zuzug ist fern zu halten. mir Erklärung. Verschiedene nnserer Parteiblätter bringen jetzt das ..... rm Jahre 1864 bei La s s a l l e' s Tode verfaßte Lbw" „Wohlan wer Recht und Wahrheit achtet"■ wieder zum Abdrucke und zwar uilter anderen Verballharn sirungen mit einem Refrain: Marsch, marsch, und wär's zum Tod! Denn(!) unsre Fahn ist roth! Ich nehme nun hiermit Veranlassung zu erklären, ich an diesem wenig geschmackvollen Refrain unschuldig und ersuche ganz entschieden meinen Namen mit demsew nicht in Berührung zu bringen. Ich kann Niemandem« wehren zu singen was ihm gefällt, aber man setze Ts. meinen Namen nicht als Verfasser unter die sogenanm „Arbeiter-Marseillaffe". Hamburg, im November 1890. Jac. A u d o r f jun. (fntofl. Audx-s m. d°- R-s-am LK "~•■.».«-»innen, Sommer rust"des'Fehlings' Saaten"' u. f. w. entnom"� ul% wurde zur Zeit der Kämpfe zwischen„Eisenachern,, „AllgemcimDcittschen" in vielen Kreisen an Stelle spezifisch Lassalleanischen Refrains der Audorf'schen% »Und unfre Fahn' ist roth". Red. d...Volksbl.) Theater. Dienstag, den 18. N o v b r. Äpernhan«. Ein Maskenball. f-chairspirlhauv. Egmont. esstus-Tlicatrr. Sodoms Ende. Berliner Theater. König Lear. Pent/che» Theater. Hand und Herz. Friedrich-HUilhelmstädt. Theater. Köuigsgardist. Sonne und Erde. MaUner-Theatrr. 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S _ dionö 'Vorm. 1J,r' Nur 8 Markv > Klagen, Eingaben, Rath m+ s Einziehung von Forderung�' gl'■ I Poliak, jetzt Georgenkirchst�>< gril"* Hierzu zwei 1. Beilage mm Dienstag, den 18. Uovemder 1890. 7. Jahrg. Lj&ftQles. <�ae srk- E ntwurf enthält, wie wir bereits an- yaben, Gedanken, denen wir unsere Zustimmung nicht ;�a9.en können. Daß derselbe trotzdem das hohe Ziel, Uebereinstimmung der'Steuerlast mit der Lcistungs- � ki-i6? ser§ äu erwirken, nur im Fluge streift und nach Mit . Richtung noch sehr viel zu thun übrig läßt, wird so MM»» «Heilung Charakter hat, die Auflagen zu gerechter Ver Zu bringen, die wirthschaftlich Schwachen zu entlasten, und den individuellen Verhältnissen scharf an- schlvi in «»»«» v vir'vvfcyvn*»ii[|v»r||*»»»- 1««- So zögernd mau aber bei der Entlastung der ®Clteiipvi----."»vy»v»iv»i. �tuuf VCl i'ictiicyviuuy uti. Sonon ,z?hlt z. B. ein Mann mit 1 Million Einkommen nur \j\j jmj I �... �„ r i.........•< o______ rv. f.___ s f___ !wächer-n'> s"" övgcrno mau aoer oci ocr Euunuuug vrr denbaw-i. vorgeht, so rücksichtsvoll ist das Verfahren »..., 1 reu Regionen. Nach der Neuregelung der Einkommen- nj, Einkommensteuer, mit 2 Millionen Jahreseinkommen n' Steuer u. s. f., eine wahre Lumperei für. den- n»r lelben' f,»•»»-»»».|.| vmv«vvti�vv I»»» W.. bilduna ,�+4� der Finanzminister vielleicht, daß die Kapitals keit stärkeren, den Grundsätzen der Volksthümlich- ........ rM**v4v.», vv.% vyiiUMv,ur)v»i v 'S--»«M 'Mauernden'"~ der füll, Hie, >n bleibt er küi,- k. oieutm um tmivrrpr» uctu|•— v-»....•••v... vtv v»> btbujl. handelt, wenn die bisher steuerfreien Reichsunmittel- so ist das nach dem Gedanken Selbstverständliches, daß man sehr man den Reichsunmittelbaren für Aus- En't7 ihrer ungerechtfertigten Steuerbefreiung eine anderweite �ödigun.......... s._ Apnl 1894 l."zn�igung gewähren und überdies die Besteuerung erst " den nffll 894 ab einführen will. Man steckt noch zu sehr gh��Landen althergebrachter Vorurtheile und langjähriger �ißsS'vg, um sich zu einer radikalen Beseitigung eingewurzelter seilen& aufraffen zu können. Dadurch wird die Wirkung der �?aßnan�'alreform überhaupt stark abgeschwächt. Fast alle %nn„V�".der Regierung tragen den Stempel der Halbheit. ?ie n,nn>" einsehen wird, daß das ängstliche Herumgehen um i eilen..st Stellen der Bismarck'schen Einrichtungen, die even- • QUlPti flf f..'U. a. v... c>r?....... r. i ."HC IT j---- vvtf«�tVitttttv* ivtivtt fc-•------ bann nst st" Absichten der Reformpolitik so stark beeinträchtigt, f sti an einen guten Schritt vorwärts gemacht haben. bei der ficvaimefuma der AktienaeiellsÄiaften. Kom- U pditals.üf t"*• vrranzwyung ver«iuciim:|cu|uju|«ii,.»ym- 'Aaften istlstften, Berggewerkschaften und eingetragene Genoffen- �stber a>,sk.�.'hven Geschäftsbetrieb über den Kreis ihrer Mit- aüSWr oer Heranziehung der Aktiengesellschaften, asten und eingetragene Gen eb über den Kreis ihrer Steuerzahlung vermißt man die noth- � Gründlichkeit. Die Scheu vor einer Doppelbesteuerung, her die Veranlassung war, daß die Aktiengesellschaften Koch' sitze Heilverfahren. * �'4 rankenvorstellung Professor von Bergmann. v-mnm i«>"�9 Abend um 8 Uhr fand in dem königlichen frtMn tliin.v vi, Zirgelstraße eine außerordentliche Sitzung der K». vo» ststischen Vereinigung" unter dem Vorsitze des Pro- „.stRen,„..f�VSmami statt zum Zwecke der Vorstellung von Tinholt hlh.vvch der Methode des Professors Koch bereits L-z..p"Udelt waren oder erst in der Versammlung von i). Aeteinini,; �'"hi geimpft wurden. Außer den Mitgliedern hier u,,st9 istaven noch zahlreiche Aerzte und Professoren zahlreiche Aerzte osthbet)»« ststv auswärts geladen, wie die Pro,.- Gerhardt. Leyden, B. Fränkel, Langenbuch rc.� Von „Liert� n waten eiaens bieriu beroekom KÄ""stÄlle �'iÄen, v.�Esmarch-Kiel. �Qk'.bet Anns� i�'�'�veifsivald, Madelung-Rostock, Schnitzler- »'....�„„ins-Rundes Geb. die »nd Professoren Geh. Ober- ber�m"y�ilench-vjreifswald, Maveuing-olllnuu.�-vn.y.--'-- hntto �raf.�st'ihende des deutschen Aerztevereins-Bundes Geh. °il>°u trsch,� �Vfeld u. A. Professor Koch, den nian erwartet ''a,lpn v------- �..»» s-inen Mit- 1 V(fQn der dagegen bemerkte man von seinen Mit großen Entdeckung den Stabsarzt Dr. Pfuhl S. t.'chen V?rs� st" G'"9 sofort auf den Zwec......... , Nack hstst1« ,"9 ,e,n und stellte eine Reihe von Patienten bist« best pQ) em Koch'schen Verfahren in der königlichen Klinik >..1° IN.. 1"0.--- Er tbeilte .weck dieser außer- �»üst/llos- S, "»-» l"T erste Gruppe umfaßte 13 Kranke irmi..�""' Fünf derselben waren erst am losti-9 injizirt worden. Die Wirkung der Infektion V-mcK*™"nd spezielle: Die allgemeine dokumentirte " Äsia.sfS'i.iÄis? s und Genossenschaften steuerfrei ausgingen, ist vollkommen mibe- gründet. Der neue Steucrentwurf will nämlich auch ferner den Reinertrag bis zu 3 pCt. unbesteuert lassen. Darin erblicken wir eine Konzession an das Großkapital, die durchaus ungerecht ist. Man wendet wohl ein, daß der Aktionär den Reinertrag aus seinen Antheilen an Aktiengesellschaften schon ohnedies versteuern muß. Sehr richtig. Es steht dem Aktionär ja aber frei, in Zukunft solche Anlagen zu machen, welche dieser Doppel- steuernng nicht ausgesetzt sind. Ob er von dieser Freiheit Ge- brauch machen wird? Schwerlich. Aus Liebhaberei wird Nie- wand Aktionär von Jndustriegesellschaften, Banken und Genossen- schasten». s. w., da das Wesen der Aktienanlage mit beständigem Risiko verknüpft ist. Die Hohe Prämie, welche die Aktien im Allgemeinen ihren Besitzern abwerfen, ist es, die über das Iiisiko Hinweghilst und die auch über die mäßige Besteuerung der neuen Veranlagung hinweghelfen wird. Wie jedes Geschäft erst nach Abzug der gesetzlichen Steuern den Reinertrag feststellt, so muß es auch bei den Aktiengesellschaften gehalten werden. Das ist recht und billig. Der Reinertrag der Aktiengesellschaften muß nolhwendig der Besteuerung unterworfen sein, wenn man nicht in der Abweichung hiervon ein Geschenk an die Aktiengesellschaften er- blicken soll. Das Nominalkapital der an derBerlinerBörse gehandelten Bankaktien beträgt gegenwärtig ca. 128 600 000 M., der Durch- schnitts-Reinertrag etwa 15 000 000 M. Wenn hiervon 3 Prozent steuerfrei bleiben, so sind bereits 450 000 M. dem Staatshaushalts-Etat entzogen. Bei den Jndustrie-Gesellschaften, Konsum- vereine ic. wird dieser freigelassene Betrag wesentlich mehr er- geben, sodaß schon durch diese 3 Prozent ein großer Theil der Einkommen eine durch nichts gerechtfertigte B e g ü n st i g u n g erfährt. Als solche endlich stellt sich auch die Verwendung des jedes- maligen Ueberschusses zu einem besonderen Fonds dar, welcher einschließlich der davon aufkommenden Zinsen zur Erleichterung bezw. Ueberweisung von Grund- und Gebäude st euer an kommunale Verbände bestimmt bleibt. Hier liegt demnach wieder eine Bevorzugung des Agrarierthums vor, während es doch viel einfacher gewesen wäre, die über den Etat hinaus er- hobenen Einkommensteuer-Beträge auf den folgenden Etat in Ab- zug zu bringen und dadurch indirekt den Steuerzahlern wieder zuzuführen. Es ist nothwendig, auf diese Lücken der neuen Reform hin- zuweisen, da durch dieselbe Hoffnungen geweckt sind, die sich nicht erfüllen werden. Wer geglaubt hat, daß die Ueberschüsse der neuen Einkommensteuer, vie man auf ein Mehr von zirka 30 Millionen schätzt, zur Erleichterung der Lasten des kleinen Mannes Verwendung finden würden, der giebt sich einer Illusion hin, vor deren Umsichgreifen wir um so niehr warnen möchten, als die Presse aller Parteirichtungen diese Täuschung verbreitet und geflissentlich nährt. Halbe Arbeit, das ist die Signatur der Zeit! Zur Ueberwachung öffentlicher Uerfammlunge» ist nach dem Gesetz vom 11. März 1850 die Orts- Polizeibehörde befugt, in jede Versammlung, in welcher öffentliche Angelegen- heiten erörtert oder berathen werden sollen, einen oder zwei Polizeibeamte oder einen oder zwei andere Personen als Ab- geordnete zu senden. Auf Gruud dieser gesetzlichen Bestimmung hatte der Einberuser einer Volksversammlung, welche am 9. Oktober d. I. in Finsterwalde abgehalten worden war, Be- schwerde bei dem zuständigen Landrathsamte in Luckau erhoben, weil in der erwähnten Versammlung außer dem überwachenden Bürgermeister noch mehrere Polizeibeamte anwesend waren. Das Landrathsamt hat die eingelegte Beschwerde mit der Begrün- dnng zurückgewiesen, daß die betreffende öffentliche Ver- sammlung, wie die angestellten Ermittelungen ergeben haben, von dem Bürgermeister und außerdem von einem Polizeisergeanten überwacht worden sei. Haben sich nun außer diesen beiden Beamten— so heißt es in dem Bescheide— noch mehrere Polizeibeamte eingesunden, so sind dieselben nicht in dienstlicher Eigenschaft als Abgeordnete erschienen. Ter Ver- sammlung beizuwohnen waren sie bei dem öffentlichen Charakter derselben wie jeder andere Bürger berechtigt und zwar um so mehr, da das Versammlungslokal ein Schanklokal ist, in welchem während der Versammlung sogar Spirituosen verabreicht wurden. Hiernach sei die Zurückweisung der Beschwerde gerechtfertigt. Im Uebrigen aber— so schließt der von einem Regierungs-Assessor im Austrage des Landraths erlassene Bescheid— werde ich veranlassen, daß in Zukunft nicht mehr als zwei polizeiliche Beamte als Abgeordnete anwesend sind.— Dieser Bescheid ist für die Neberwachung öffentlicher Versamm- lungen von Wichtigkeit. Die Form des erlassenen Bescheides könnte vielleicht manchen, der denselben nur oberflächlich liest, zu der Annahme verleiten, als wollte der Land- rath ausführen, daß die Polizeibeamten, welche nicht zur Ueber- fcheinungen waren bei einem Patienten hochgradiges Benommen- sein und Erbrechen. Die speziellen Erscheinungen zeigen sich in der Veränderung der tuberkulös erkrankten Stelle». Diese be- trafen bei den fünf Patienten Nase, Wangen, Kinn, Ohr, Hals, Arme, Knie, Gaumen; sie rötheten sich nach der Injektion und schwollen an. Die Siöthung nach dieser Injektion läßt sich am ehesten mit der von Dr. Fehleffen beobachteten Röthung ver- gleichen, welche sich an Lupusstellen nach Ueberimpfüng von Erysipel(Rose) einstelle. Eine merkwürdige Veränderung zeigt sich an den Lupusknötchen, besonders an dem Rande der er- krankten Partie. Daselbst bemerkt man zwei verschieden gefärbte Zonen, und zwar eine innere weiße an Stelle der Knötchen und eine äußere demarkirende rothe Zone. Hierauf injizirte Stabsarzt Dr. Pfuhl vor den Augen der Versammlung fünf Patienten den Koch'schen Stoff in das Unter- hautzellgewebe der Rückenhaut. Alsdann fuhr Prof. v.Bergmann in seinem Vortrage fort und stellte zwei weitere Patienten mit Lupus vor, an denen bereits wiederHolle Impfungen vorgenommen wurden. Die Lupusknötchen hatten sich während der Behandlung mit Krusten und Borken bedeckt, nach Entfernung derselben fand man keine Knötchen mehr, sondern die Stellen hatten sich über- häutet. In einem speziellen Falle hat das Koch'sche Verfahren, wie Bergmann ausführte, ihm durch den negativen Ausfall resp. durch das Nichtaustreten von Fieber nach der Injektion zur Feststellung einer schwankenden Diagnose verholfen. Die zweite Kategorie der vorgestellten Patienten umfaßte drei Fälle von Lymphdrüsen-Affektionen am Halse. Einer von diesen Patienten war Sonntag früh geimpft worden, ein anderer wurde in der Versammlung geimpft. Die zahlreichste Gruppe der vor- gestellten Kranken bildeten 18 Fälle von tuberkulösen Gelenks- und Knochenaffektionen, zumeist Erkrankungen des Hüst- und Kniegelenks, des Fußes ic. bei jugendlichen Personen. Bon diesen waren einige früher wiederholt geimpft worden, andere am Sonntag früh zum ersten Male. Außer den bei allen gleich- mäßig aufgetretenen Veränderungen zeigte sich bei den älteren Fällen nach mehreren Injektionen Abnahme der Schwellung und der Schmerzhaftigkeit, sowie freiere Beweglichkeit der erkrankten Theile. Bei einem Kinde, das an einer Knie- gelenks-Entzündung litt, waren wiederholte Impfungen reaktionslos geblieben. Bergmann schloß daraus, daß, falls ein wachung befohlen waren, ein unbedingtes Recht hatten, in dem Versammlungslokal zu weilen. Diese Auffassung wäre unrichtig. Wo derartige Erscheinungen sich wiederholen sollten, hat der Ein- berufer der Versammlung, oder derjenige, der sonst zur Ausübung des Hausrechtes in dem Versammlungslokal berechtigtigt ist, die Befugniß, solche überzählige Polizeibeamten aus dem Versamm- lungslokal zu weisen. Das in dem Bescheide angeführte Argu- inent, daß während der Versammlung„sogar" Spirituosen ver- abreicht werden, scheint uns nicht sehr erheblich; es könnte„sogar" leicht falsch verstanden werden, nämlich dahin, daß der Polizei- beamte stets da zu weilen berechtigt ist, wo Spirituosen verschenkt werden. Das mag ja nun in den Schankwirthschasten manchmal so aussehen, aber für wünschenswerth kann das doch auch der Herr Landrath nicht halten. Das Haus Spener-«nd Lünrt>nrgerstraffen-Gcke ist seit Kurzem der Zielpunkt außerordentlich vieler Besucher gewor- den. Equipagen und Droschken lösen sich bis zum späten Abend ununterbrochen ab, die Insassen derselben eilen die Treppen hin- auf, um gleich darauf mit enttäuschten Mienen wieder davonzu- fahren, Postboten und Depeschcnträger haben fortwährend Be- stellungen auszurichten— kurz, um dieses Haus gruppirt sich ein ganz ungewöhnliches Getriebe. Die Anwohner werden sich dasselbe leicht erklären können, wenn sie erfahren, daß in jenem Hause die größte Erfindung der Neuzeit, die wunderthätige Lymphe des Prof. Koch hergestellt wird. Schon vor reichlich vier Wochen wur- den von den Beauftragten des Prof. Koch zu diesem Zwecke aus- gedehnte Räumlichkeiten gemiethet und gaben die Miether an, daß in denselben ein hygienisches Institut errichtet werden solle. Trotz der größten Heimlichkeit, mit der alle Vorbereitungen ge- troffen wurden, ist die Sache doch ruchbar geworden und nun kom- men aus allen Weltgegcnden Bestellungen und Anfragen die bis auf Weiteres gänzlich erfolglos sind, da, wie bereits mit- getheilt, der Vorrath gänzlich ausgebraucht ist. Keiner der Be- sucher, wer es auch sein mag, gelyngt in das Innere der Räume, ein an der Korridorthür angebrachtes Schild weist dieselben viel- mehr auf den schriftlichen Weg hin. Das Keftnden der KUiueu(filft Kchaaf, der einzigen Ueberlebenden auS dem entsetzlichen Familienmorde, der in der Nacht zum 17. v. Mts. in der Straße VI vollführt wurde, ist bei der sorgsamen Behandlung und der ausgezeichneten Pflege, welche der kleinen Patientin in der Charitee gewidmet wird, in stetig fort- schreitender Besserung begriffen. Das im siebenten Lebensjahre stehende Kind versteht jetzt wieder alle Fragen, welche man an dasselbe richtet, ist in der Sprache aber noch sehr zurück, so daß es nur einzelne Worte wie„Anna",„Ida",„guten Tag" n. dal. hervorzubringen vermag. Die Wunden am Kopf der kleinen Else vernarben nach und nach, in ihrem Gange macht sich indessen große Unsicherheit bemerkbar, indem sie beim Gehen das eine rechte Bein im stampfend auf wöhnlich lang. dagegen längere ebenso steigt es Knie den Mit Zeit mit hoch emporhebt und dann den Fuß Boden setzt; der Schritt ist unge- geschlossenen Augen vermag das Kind still zu stehen, ohne zu schwanken; großer Leichtigkeit aus einen Stuhl. Der Gebrauch der rechten Hand steht hinter dem der linken weit nach, Else vermag mit der rechten Hand einen ihr be- zeichneten Gegenstand nicht genau zu fassen, greift vielmehr an ihm vorbei. Dagegen hat ihre rechte Hand genügend Kraft, um einen ziemlich schweren Gegenstand mit Daumen und Zeigefinger längere Zeit festzuhalten. Mehr erholt haben sich die geistigen Kräfte des Kindes, das jetzt den Tag über außerhalb des Bettes verbringt und im Saale umherspielt. Die Kleine behält ganz genau im Eedächtniß, was ihr einmal gesagt worden ist, sie weiß genau, wo sie diesen oder jenen Gegenstand hingelegt hat und so weiter. Wer sie einmal besucht hat, der wird gleich beim Be- treten des Saales von ihr bemerkt, sie kommt ihm entgegen und reicht ihm schon von Weitem das Händchen zum Willkommen. Die Erinnerung an ihre Vergangenheit vor der entsetzlichen Nacht und an diese selbst ist dagegen bei der kleinen Else ganz geschwunden, so zivar, daß sie die aus ihrem Eltern- hause stammenden Spielsachen als ihr nicht zurückweist und nur diejenigen als die ihrigen anerkennt, von Besuchern nach und nach mitgebracht worden sind. ihr erwiesene Aufmerksamkeit zeigt die kleine Patientin Dankbarkeit, welche sie namentlich ihrer Pflegerin gegenüber be- kündet. Wie verlautet, haben die Steinhausen'schen Eheleute, welche in dem Hause, in dem Elses Elter» wohnten, ein Droguen- geschäst betrieben und in kinderloser Ehe leben, die Absicht aus- gesprochen, das verwaiste kleine Mädchen nach seiner völligen Genesung an Kindesstatt zu sich zu nehmen. Bei dieser Gelegenheil wollen wir noch melden, daß der Zu- schneider Cesticki, welcher am 29. September d. I. im Thier- garten auf seine Braut Marie Kettner einen Revolverschuß ab- gefeuert und die Waffe gegen sich selbst gerichtet hat, sich noch gehörig die ihr Für jede herzliche älterer tuberkulöser Herd bestanden habe, derselbe sich vollständig abgekapselt und seine Virulenz eingebüßt habe» müsse. Er ent- schloß sich deshalb hier zu einem chirurgischen Eingriffe, spaltete die erkrankte Stelle in ausgedehntem Maße und ent- fernte die schwammigen Gewebsmassen. Redner sprach dabei die Hoffnung aus, daß in diesem Falle eine normale Heilung zu Stande kommen werde, die nicht durch schlechte Wucherungen in der Wunde, durch Entwickelung von Fistclgängen ic. aus- gehalten werde, wie dies leider so häufig früher der Fall war, ivo man ohne Feststellung der nichttuberkulösen Natur der Er- krankung operirte. Die letzte Gruppe der vorgestellten Patienten bildeten vier Fälle von�Kehlkopstuberknlose, von denen ein wiederholt geimpfter einen besonders merkwürdigen Verlauf zeigte. Während der Be- Handlung wurde eine unterhalb der Stimmritze befindliche Ge- schwulstmafse brandig und schließlich vom Patienten ausgehustet. Die miskroskopische Untersuchung ergab in derselben das Vorhanden- sein von Riesenzellen. Zum Schluß betonte der Vortragende, daß die Koch'sche Jmpsung ein ungemein werthvolles Hilfsmittel bilden dürste zur Unterscheidung zweier, in manchen Stadien sehr ähn- lichcn Krankheitsbilder des Kehlkopfes, der Tuberkulose und des Krebses., Sodann berichtete auch Dr. Günther über seine im Verein mit Dr. Wcstphal seit fünf Wochen mit dem Koch'schen Mittel vorgenommenen Impfungen, deren Resultate mit den bereits mit- getheilten übereinstimmten. Damit schloß die Demonstration. Professor v. Bergmann stellte es den Aerzten anHeim, am Montag Vormittag in die Klinik zu konnneu und unter Führung seiner Assistenten Dr. Nasse, Dr. Ruyter und Schimmelbusch die Veränderungen zu beobachten, die an den soeben geimpften Patienten bis dahin eingetreten sein werden. Er forderte zum Schluß die Anwesenden zu einer Kundgebung für den genialen Entdecker auf und die ganze Versammlung stimmte begeistert in das von ihm aus- gebrachte Hoch auf Professor Koch ein. Von Auswärts liegen folgende telegraphische Meldungen über die Aufnahme der Koch'schen Entdeckung vor: Wie n, 16. November. Der oberste Sanitätsrath empfahl dem Ministerpräsideuten Grafen Taaffe die Entsendung zweier Mit- glicdcr des Obersten Sanitätsrathes nach Berlin und die Anord- imiiici in bcv Abtheilung für Geisteskranke in der Charitee be- sinder, in welche er bereits am 1. Oktober zur Erforschung seines Geisteszustandes gebracht worden ist. Wie es heißt, sollen die ärztlichen Beobachtungen ergeben haben, daß C. in der That geistesgestört sei.— Marie Kettner ist dagegen am 8. d. M. aus der Charitee als geheilt entlassen worden: das Geschoß hat ihr jedoch aus dem Kopf noch nicht entfernt werden können. Auf dem Bahnhofe?n Küpeuirk fand am Sonnabend Abend in der sechsten Stunde ein Zusammenstoß statt, bei welchem, wie wir vorweg konstatiren wollen, nur ein größerer Schaden an Material verursacht worden ist, während das Fahrpersonal mit dem Schrecken davonkam. Um die genannte Zeit wurde eine aus der Werkmeisterei Rängirbahnhof Rummelsburg requirirte Lokomotive auf den für den Güterverkehr bestimmten Geleisen des Köpenicker Bahnhofs zum Rangiren verwendet; da dort ein sog. Ablaussgeleise nicht vorhanden ist, so muß jeder einzelne Wagen mit der Maschine abgestoßen bezw. zurückgedrückt werden. Ein für ein leeres Geleise bestimmter Wagentrain batte eineWeichezu passiren, er durchschnitt aber, anscheinend infolge zu späten Be- dienens des Weichcnhebels, die Weiche und fuhr mit ganzer Wucht auf ein voll besetztes Geleise, so daß ein Theil der dort stehenden Wagen entgleiste und der hinter der Maschine befind- liche Güterwagen förmlich auf den Tender gehoben wurde. Fuhrer und Heizer der betreffenden Maschine kamen glücklicher- weise mit ganz leichten Verletzungen davon. Zu den Auf- räumungsarbeiten wurde von Berlin aus ein Rcttungszug nach Köpenick entsendet. Gegen 11 Uhr war die Aufräumung beendet, und um diese Zeit wurde auch die durch den Anprall stark beschädigte Lokomotive, nachdem deren Tender von dem ausgesetzten Wagen befreit worden war, nach ihrem Stationsort zurück- befördert. Uom Schlnchtfold der Arbeit. Ein entsetzlicher Unglücksfall hat sich gestern Morgen bei Beginn der Arbeit in der Bock'- schc» Hutfabrik, in der Greisswalderstraße 24, zugetragen. Der Arbeiter Bernhard Strempel wollte den Hauptriemen des Ma- schinenwerkes auf die Welle legen, wurde jedoch von dem Riemen erfaßt imd wiederholt von der Welle herumgeschlendert. Als die entsetzten Kollegen die Maschine zum Stehen brachten, war der Mann entsetzlich zugerichtet. Ter Unglückliche war mit den Kleidern in die Wellenzähne gerathen, das rechte Bein war ihm total vom Oberkörper getrennt, der eine Ann zermalmt, das Brustbein herausgerissen worden. Das entsetzliche Unglück geschah vor den Augen der junge», gleichfalls in der Fabrik beschäftigten Frau des Mannes, welche bei dem furchtbaren Anblick in Krämpfe verfiel.— Der schwer Vorletzte wurde sofort mittelst Droschke, noch lebend, nach dem Krankenhause Friedrichshain ge- bracht, die unglückliche Frau nach ihrer Wohnung überfuhrt. Ueb«r den Fund eines abgeschnittenrn Kmderlwpfes in dem Sammelbassin der Pumpstation in der Gitschinerstraße haben wir seiner Zeit berichtet. Jetzt ist auch der Rumpf eines Mädchens dort augeschwemmt. Es unterliegt keinem Zweifel mehr, daß der erstgenannte Fund zu dem letzteren in engster Beziehung steht. Bemerkenswerth ist, daß der Oberschenkel des rechten Beines der Leiche eine klaffende Schnittwunde aufweist; somit scheint nunmehr die Annahme begründet zu sein, daß man es mit einem Kindesmorde zu thun hat. Ein rutjrblicher Uuglncksfall hat sich vorgestern Vor- mittag gegen 11 Uhr vor dem Hause Schützenstraße S0 zugetragen. Ein schwerbeladener Lastwagen, der vom Fahrdamm in den Thor- weg des genannten Hauses einbog, überfuhr hierbei ein ca. vier- jähriges Mädchen, dessen Eltern in dem Hause Schützenstraßo 48 wohnen und das von diesen ausgesandt worden war, um kleine Einkäufe zu besorgen. Eine vorübergehende Frau nahm sich so- gleich mitleidsvoll des Kindes an uud trug es nach der Sanitäts- wache in der Zimmerstraße, woselbst eine schwere Verletzung an beiden Unterschenkeln konstatirt und ein provisorischer Verband angelegt wurde. Hierauf trug dieselbe Frau das Kind in die Wohnung der Eltern, deren Schmerz sich begreisen läßt, als ihnen ihr Töchterchen, daß noch vor Kurzem frisch und gesund gewesen, jetzt als Krüppel heimgebracht wurde. Selbstmord. In dem in der Großen Hainbnrgerstraße belegenen Gasthofe„Zur deutschen Krone" erschien am Sonntag Mittag ein junger Mann und verlangte, mit dem Bemerken, daß sein Reisegepäck vom Bahnhof nachgeichickt werde, ein Fremden- zimmer. Am Nachniittage erdröhnte plötzlich aus dem Zimmer ein Schuß und man fand nach gewaltsamer Oeffnung der Zimmer- thür den Gast mit durchschossener Stirn todt au; dem Sopha liegend. Nachdem die Revierpolizei von dem Vorgange unter- richtet und von derselben der Thatbestand festgestellt worden, er- folgte die Uebcrführung der Leiche nach dem Schauhause. Der etwa 25 Jahre alte Selbstmörder führte keinerlei Papiere bei sich, welche zur Feststellung seiner Persönlichkeit hätten dienen können. Der einzige AnHaltepunkt für seine Rekognoszirnng wäre der, daß sich in seiner Wäsche die Zeichen M. W. befinden. Der Tobte hat schivarzcs Haar und Anflug von Schnurrbart. Polimbmcht. Am 14. d. M. Nachmittags verunglückte in der Möckernstrahe 112 ein vierjähriger Knabe dadurch, daß er aus einen am Küchenfenster stehenden Waschkorb kletterte, das Fenster öffnete und durch dieses auf den gepflasterten Hof hinab- stürzte. Er erlitt bedeutende innere Verletzungen und mußte nach dem kkrankenhause am Urban gebracht werden.— Am 15. d. M. Vormittags wurde im Landwehrkanal, an der Möckernbrücke, die Leiche eines unbekannten Mannes angeschwemmt und nach dem Echauhause geschafft.— Zu derselben Zeit sprang ein geistes- kranker Mann, welcher zur ärztlichen Untersuchung seines Geistes- nung der nöthigen Vorkehrungen hinsichtlich der Verwendung des Koch'schen Heilmittels durch die Aerzte in den kaiserlichen Kranken- anstalten. Ferner soll weiteren ärztlichen Kreisen Gelegenheit ge- boten werden, die neue Heilmethode zu verfolgen; endlich soll, wenn möglich, für die ausschließliche Herstellung des Heilmittels in den inländischen Staatsinstituten Äorsorge getroffen werden. Gleichzeitig beschloß der Oberste Sanitätsrath, sein epidemiolo- gisches Komitee mit dem Studium der gleich wichtigen An- gelegenheit der Verhütung der Verbreitung der Tuberkulose zu be- trauen. P e st, IL. November. Die Blätter widmen Prof. Koch be- geisterte Artikel. Der hiesige Aerzteverein sprach dem großen Ge- lehrten seine Anerkennung aus und beschloß, nach einer die Ver- dienste Koch's feiernden Rede des Prof. Koranyi, die demselben gezollte Huldigung im Protokolle verzeichnen und sie dem Gefeierten in entsprechender Weise zur Kenntniß bringen zu lassen. Ferner wurde beschlossen, ein Komitee behufs Einführung des Koch'schen Heilverfahreus einzusetzen. Halle, 16. November. Die Direktoren der hiesigen Kliniken haben sich heute mit ihren'Assistenzärzten und mehreren Patienten nach Berlin begeben, um das Koch'sche Heilverfahren kennen zu lernen. A r e o, 16. November. Der Leiter der hiesigen Kuranstalt, Wollersack, und das Mitglied des Komitees derselben. Gager, werden sich nach Berlin begeben, um das Koch'sche Heilverfahren zu studiren. Herr Professor Koch hat den Korrespondenten des „Newyork Herald" empfangen und demselben erklärt, daß er nur durch die Mittheilungen in den Tagesblättern gezwungen worden sei, zu einer„vorzeitigen Veröffentlichung" zu schreiten.„Ich bin", sagte Koch,„zur Erholung eine Woche von Berlin fort ge- wesen, allein diese Thatsache hat nicht verhindert, daß täglich an- gebliche Interviews und Erklärungen von mir veröffentlicht worden sind. So veröffentlichte ich meine vorläufige Schrift, obwohl ich mir wohl bewußt bin, daß Kritiker sagen können, meine Methode zur Heilung der Lungentuberkulose könne bis jetzt nicht als definitiv und als sicher gegen eine Wiederkehr der Krankheit angesehen werden, denn meine klinischen Experimente an Menschen reichen nicht weiter als sechs Monate zurück. Aeußere Tuberkulose wird jedoch definitiv geheilt und das schrecklich barbarische Verfahren mit dem Löffelkratzen ist sicher vorbei. Ich persönlich bin auch zustandes nach dem Polizeipräsidium geführt worden war, ans dem im Erdgeschoß belegenen Zimmer der Gefängnißexpedition durch das Doppelfenster hindurch nach der Alexanderstraße hinaus Er erlitt durch die Glassplitter bedeutende Verletzungen im Ge- ficht, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Um dieselbe Zeit wurde auf dem Flur des Hauses Falkenstein- straße Nr. 15 ein Mann krank aufgefunden und nach dem Krankenhause Bethanien gebracht.— Am 15. d. M. Abends wurde der Bauwächter Schilling auf dem Neubau Prenzlauer Allee 219 von drei unbekannt gebliebenen Männern überfallen und mit einem scharfen Gegenstände über den Kopf geschlagen, wodurch er eine nicht unbedeutende Wunde davon- trug.— Um dieselbe Zeit erschoß sich ein Handlungsgehilfe in seiner Wohnung, in der Schwedterstraße, mittelst eines Revolvers. — Am 16. d. M. Morgens wurden ein Mann in seiner Woh- nung in der Andreasstraße, und ein unbekannter, etwa 50 Jahre alter Mann im Thiergarten, nahe der Löwenbrücke, erhängt vorgefunden.— Vormittags wurde in einem Gasthofe in der Großen Hamburgerstraße'ein Tags zuvor dort als Fremder abgestiegener unbekannter, etwa 25 Jahre alter Mann mit zwei Schußwunden im Kopf in seinem Zimmer todt aufgefunden. Es liegt un- zweifelhaft Selbstmord vor.— Zu derselben Zeit wurde der Steinmetz Engel vor dem Schanklokal Prenzlauer Allee 164 von einem unbekannten Mann aus unbedeutender Veranlassung mit einer Weißbierkruke über den Kopf geschlagen und erlitt dadurch bedeutende Verletzungen.— Mittags brachte sich ein Mann in seiner Wohnung, in der Triftstraße, mittelst einer Scheere mehrere Schnittwunden am Halse bei, an denen er bald darauf verstarb. — Nachmittags wurde in der Spree, nahe dem Grundstück Cuvrystraße Nr. 75, die Leiche eines Mannes angeschwemmt. — Am 15. d. M. fanden an fünf Stellen kleinere Brände statt. ZU de» Hlutthatr», welche im Monat Oktober in so schneller Reihenfolge m Berlin zu verzeichnen waren, gehört auch jener Akt bestialischer R o h h e i t, welcher den schon viel- 'ach wegen Gewaltthaten vorbestraften„Arbeiter" Adolf T i m in e r gestern vor die III. Strafkammer des hiesigen Land- gerichts I fährte. Am 8. Oktober Abends befand sich der An- geklagte in dem Scholz'schen Schankkeller, Lausitzerstraße 44. Er hatte etwas verzehrt und bat den Wirth, ihm seine Schuld an- zukreidcn, womit dieser auch einverstanden war. Nachher ge- wahrte aber Scholz, daß der Angeklagte andere Gäste zum Billardspielen, a Point 1 Pf., aufforderte und aus der Tasche eine Hand voll Geld hervorholte, um zu beweisen, daß ihn der hohe Satz des Spieles nicht genire. Als sich der Angeklagte bald darauf am Büffet eine Portion Kartoffelsalat für 10 Pf. geben ließ, bestand Herr Scholz auf sofortige Bezahlung, da er nicht einsähe, weehalo er Jemandem borgen solle, der so viel Geld bei sich führe. Ter Angeklagte fragte nochmals:„Also Sie wollen nicht pumpen?" und als diese Frage verneint wurde, schleuderte er den Teller mit Salat nach dem Kopfe des Wirthes. Dieser entging durch schnelles Bücken zwar dem Wurfgeschosse, der Angeklagte st a ch nun aber mit der Gabel den Wirth so heftig ins linke Ohr, daß der Griff abbrach und die Zinken der Gabel fest in der Ohr- muschel st ecken blieben und erst später etwas gewalt- sam herausgezogen werden konnten. Ohne zu ahnen, welche schwere Verletzung ihr Mann erlitten, eilte nun auch Frau Scholz herbei und suchte die Sache beizulegen, der An- geklagte war aber in solche unbezähmbare Wuth gerathen, daß er mit dem Gabelstumpf auf die Friedensstisterin eindrang und ihr eine weite klaffende Stirnwurde über dem linken Auge beibrachte, so daß das Blut in Strömen floß und die Frau sofort in Ohn- macht fiel. Erst einigen von der Straße herbeieilenden Personen gelang es, den Raufbold zu bewältigen. Ob der entsetzliche Stich in die Ohrmuschel für das Gehör des Verletzten noch schlimme Folgen haben kann, ist noch nicht abzusehen. Die gleichfalls schwer verletzte Frau ist infolge des Schrecks und des kolossalen Blutverlustes noch bis zum heutigen Tage leidend. Mit Rücksicht aus die Bestialität, welche der Angeklagte bei dieser ganzen Szene bewiesen, v«rurtheilte der Gerichthof denselben zu anderthalb Jahren Gefängntß. Dem schlechte» Utttl; eines Winkelst susitlente» hatte der Fuhrherr Böhlke es zu verdanken, daß er wegen Unter- schlagung gestern auf der Anklagebank der 87. Adtheilung des Schöffengerichts Platz nehmen mußte. Ter Angeklagte hatte es übernommen, für einen Bauherrn die nöthigen Fuhren zu leisten. Seine Rechnung war bereits auf über 400 M. angelaufen, als er erfuhr, daß der Bauherr bereits den Offenbarungscid geleistet hatte. Es wurde ihm wegen seiner Forderung, die beglichen werden sollte, sobald die erste Baurate fällig war, ängstlich und er suchte sich zu sichern. Der Bauherr hatte auf dem Steinplatze noch 20 000 Steine stehen. Er beauftragte den Angeklagten, 5000 Stück davon nach dem Bau zu fahren, zu welchem Zweck er ihm 6 Stück Marken einhändigte, die der Abholer der Steine dem Verwalter des Steinplatzes abzuliefern hatte. Der Augeklagte hatte noch Kontrolmarken in seinem Besitze, die bei der Ablieferung der Steine auf dem Bau abgegeben werden. Diese Marken sahen den vorerwähnten ziemlich ähnlich und der Angeklagte benutzte noch 15 Stück davon, um auf dem Steindepot auch die übrigen, dem Bauherrn noch gehörenden 15 000 Steine ausgeliefert zu er- überzeugt, daß diejenigen meiner Patienten, deren Lungen nicht ernstlich verletzt und durch die gefräßigen Mikroben weggezehrt worden, wieder vollständig gesund werden. Diejenigen aber, deren Lungen fort sind, werden sicher nicht lange mehr leben tonnen, den» die medizinische Kunst kann noch keine neuen Lungen herstellen. Ich expcrimentire augenblicklich wegen Herstellung eines Lungen- Präservativs, welches bei den einmal angegriffenen und geheilten Lungen angewandt werden soll. Sollte es sich nicht als wirksam erweisen, so wird sich der Patient bei dem Wiedererscheinen von Mikroben derselben Behandlung aufs Neue unterziehen müssen." Koch erklärte ferner dem Korrespondenten, daß er sobald als mög- lich die Jnjekrionsflüssigkeit nach dem Bellevue- und Roosevelt- Hospital, sowie einigen seiner früheren Schüler in New- Jork senden werde.„Der Grund, weshalb ich die Zusamniensetzung und die Methode der Herstellung nicht enthüllt habe", fuhr Dr. Koch fort,„ist der, daß hunderte unfähiger Aerzte dasselbe sofort herstellen und anwenden, und da sie nicht die nöthige Kenntniß und Erfahrung haben, unberechenbaren Schaden verursachen wer- den. Wir haben jetzt in Berlin Vorbereitungen zur Aufnahme von Patienten jeder Lebensklasse, Reichen wie Armen, vollendet, und auswärtige Partienten werden ebenso wie einheimische auf- genommen, vorausgesetzt, daß sie sich unbedingt in unsere Hände geben. Ich glaube, daß die Zeit kommen wird, daß die Schwindsucht, wenn nicht von der Liste der Krankheiten ganz gestrichen, doch eine seltene Krankheit werden und nur dann tödtlich enden wird, wenn sie in den früheren Stadien ver- nachlässigt wird. Allein einzelne Personen und lliegierungen werven mehr thun müssen als bisher, damit die von den Er- forschem der Hygiene entdeckten Gesundheitsgesetze angewendet und aufgezwungen werden. Wenn das allgemein in Deutschland, England, Frankreich und Amerika gethan würde, wird in der nächsten Generation eine merkbare und deutliche durchschnittliche Verlängerung des Lebens eintreten. Die Welt muß mir nicht danken, den Herstellern moderner Mikroskope sollte man danken. Vor zehn Jahren war mit den damaligen Instrumenten der Ba- zillus der Tuberkulose nicht zu sehen. Mögen sie ihr gutes Werk fortsetzen und es wird nicht ein einziges bösartiges Thierchen, welches am menschlichen Körper nagt, unsichtbar bleiben. Wenn die Aerzte nicht mehr im Dunkeln kämpfen müssen,, verde» sie mit besserem Erfolge kämpfen!!" halten. Der Angeklagte fuhr nur 1000 Steine nach dein% die übrigen 19 000 aber nach einem anderen Ort. Jetzt"N an den Bauherrn mit der Anforderung heran, daß ganzes Guthaben ansbezahlt werde, erst dann wolle er die herausgeben. Ter Bauherr ging darauf nicht ein, sondern � i anderweitig Steine. Der Angeklagte wandte sich, un c• Winkelkonsuleuten, der ihm den Rath gab, die Steine Z», silbern. Zunächst schrieb der„gesetzeskundige" Mann des Angeklagten an den Bauherrn einen eingeschriebene»-v" in welchem dem Adressaten angezeigt wurde, daß die 3�J?2 f.j.j Steine verkauft werden würden, wenn er nicht zahle. Als>• Antwort hierauf erfolgte, folgte der Angeklagte Ifw Rathgeber und verkaufte die Steine. Hierin die Staatsanwaltschaft eine Unterschlagung und' Vertreter beantragte dafür eine Woche Gefängniß. Der Aem biger wies darauf hin, wie im Volke der Rechtsirri>! allgemein verbreitet sei, ein Gläubiger dürfe einen in p Besitz gelangten Gegenstand pfänden und denselben uerW' wenn der Schuldner innerhalb einer gegebenen Frist nicht p r lung leiste. Ter Angeklagte sei außerdem von dem SBmke» suleute» schlecht beratheu worden, ein Rechtsanwalt würde u gerathen habe», einen schleunigen Arrest auf die Steine zu wirken. Er bat um Freisprechung des bisher unbescholtenen geklagten. Ter Gerichtshof folgte dem Antrage des Vertheidig• Eine Unterschlagung liege nicht vor, wohl aber sei es Üug"ch- die Handlungsweise des Angeklagten nicht als Betrug angefey werden könne. Stach dieser Richtung hin sei aber eine An» L cht erhoben worden. Der Dr-zeff Wehr. D a n z i g, 17. November. Der mit so großer Spam>° erwartete Prozeß gegen den ehemaligen Laudesdirektor der Pro? Westpreußen, Reichstags-»nd Landtags-Abgeordneten Dr.-ch und Genossen stimmt heute vor der L Strafkammer des IM g kgl. Landgerichts seineu Anfang. Seit dem I. April 1878 Dr. Wehr Landesdirektor der Provinz Westpreußen. Als so bezog außer Miethsentschädigung bezw. freier Wohnung�. hiesigen Landeshause, ein Jahresgehalt von anfänglich ILOO".■ das sich nach einiger Zeit auf 14 000 bezw. 15 000 M. orh?. Obwohl er laut Dienstreglement sein Gehalt nur immer* Monat im Voraus erheben durfte, so erließ er am 18. v, 1882 an die Landes-Hauptkasse die Anweisung, Ü"11,,„ Zukunft sein Gehalt vierteljährlich im Voraus zu beza?. Aes ihn der Hauptkassen- Rendant Sonntag und der Lano nnd Kassenkurator Fuß(jetzt Bürgermeister in Kiel) ans Reglementsbestimmnngen aufmerksam machten, gab er v». wahre Versicherung ab, daß er die Genehmigung des Proo-' i. ausschusses eingeholt habe. Außer dem im Voraus erho Vierteljahrsgehalt ließ sich Wehr aus der Landes-Hauptkasie. Reihe von Jahren hindurch erhebliche Vorschüsse znA?" � verbot dem Hauptkassen- Rendant Sonntag ausdrücklw) Buchung dieser Summe als Vorschüsse, sondern befahl; dieselben als endgiltige Ausgaben zu buchen. Kurz vor 7 Kassenrevision legte Wehr die entliehenen Vorschüsse stets zü um sie gleich nach geschehener Revision wieder zu»ey Mehrere Male veranlaßt? er auch den Kassenkurator Fuß D.lt, lich, an Kassenrevisions- Terminen auswärtige Geschäfte w -r-=v�--- p.Ytfx v;- r?_.>.>----„„in„ zunehmen, um alsdann selbst die Kassenrevision vorneh- zu können. Im Jahre 1886 war der Bau der Provas Blindenanstalt zu Königsthal beendet. Der Bauunterney � Fey, dem der Bau dieser Anstalt von der Verwaltung 5er vinz Westpreußen übertragen ivar, liquidirte als Rest t Forderung 8000 M. Da die Zahlung derselben auf Hinde stieß, so ivandte sich Fey an Wehr. Letzterer versprach demyj ihm zu seiner Forderung zu verhelfen, wenn er ihm 800�' leihen wolle. Fey gewährte dieses Darlehen, erhielte sein v m rung jedoch nur in kleinen Raten ausbezahlt. Inzwischen' � sich Wehr von Fey ein weiteres Darlehen von 3600 M-, j, V von dem Rentier Hildebrandt Hierselbst ei» solches von von dem Möbelhändler Sohr von solches von 2300 M.""JL jj, lich von dem Landesbaurath Oltmann ein Darlehen von gegen Verpfändung seines Gehalts zu verschaffen. Da r zur Zeit aber eingeklagter Schulden halber auf längere gerichtlich beschlagnahmt war, so hatten die Darleiher sämmtin? " chsehen.„rde, Als die Staatsbahn von Könitz nach Laskowitz gebaut v.�ört dein Wehr das Gut Groß-Paglau, von welchem er Parzellen für den Bahnbau hergab. Der beanspruchten schädigungssumme halber führte er mit der Kreisverwaltung � Prozeß, der damit endete, daß letztere zur Hinterlegung � 59681 M. 91 Pf. nebst Zinsen verurtheilt wurde. Wehr � durch ausgestellte Zessionen auf diese hinterlegte Summe � Grafen Königsmark zur Hergäbe eines Darlehns von 60 1 den Rentier Greßler in Berlin zur Hergabe eines Darleyn 15 500 M., den Rentier Siewert Hierselbst zur Herg"' Darlehns von 2000 M„ den Justizrath Holder-Egger - � hierf «rf Daneyns von uuvu wc., oen �upczracy -ur Hergabe eines Darlehns von 1000 M. und endlich storbenen Amtsrath von Krieß zu Osterwieck zur Heraa Darlehns von 45 000 M. zu bewegen. Im Weiteren durch Vennittelung des Kommissionärs Krispin den vergeblichen Versuch gemacht haben, von dem KaufmannSw zu Neustadt in Westpreußen ei» Darlehen von 1500° j"? halten, unter dem Versprechen: er werde dafür Sorge trag- die Provinzialverwaltnng ein dem Schleimer gehöriges Gr» erwerben iverde. � Der Gutsverwalter Holtz zu Bluinenselde war Vorstehe � Meliorations-Genossenschaft und wußte durch Vermitteln» � Wehr von dem Provinzlal-Hilfskassenfonds nach und n Darlehn von 104 000 M. zu erhalten. Zum Theil wurv � ohne daß er Geld brauchte, von Wehr zur Entnahme eine-� � lehns geradezu gedrängt, und zwar weil letzterer alsdann Darleh» von einigen 1000 M. von Holtz bekam. Die E summe dieser von Holtz an Wehr gegebenen Darlehne 32 200 M. Holtz soll nun von diesem ihm zu Mel'o � gp zwecken für die Genossenschaft aus dem Provinzial-Hilsefo währten Darlehen von 104000 M., nicht nur 32 200 SR.". ist5 gegeben, sondern noch 41 971 M. 88 Pf. für sich verwen°° � dies durch falsche Buchungen u. s. w. zu verdecken gesncy„ se>, Als Wehr erfuhr, daß die Affaire Holtz ruchbar ge"5� c ii

.., Untersuchungshaft war, befindet sich gegen Kaution ck..c* fibMAnt«* 2)ic 33�9.. � V und erregen in hiei'ß v t'jl Danzig, 17. Äovember. Im Prozeß Wehr ist bis l�"" die Vernehmung des Dr. Wehr und des Holtz erfolg- I § x1 keu hauptsächlichen Thatbestand zu, bestreiten aber den vcr- �ech erischen Charakter ihrer Handlung. Der Prozeß wird vor- �ßchtlich mehrere Tage in Anspruch nehmen. Vorsitzender Gerichtshofes ist Landgerichtsdirektor Birnbaum. Tic An- «wgc vertritt der erste Staatsanwalt Weichert. Die Vertheidigung We» übernommen die Rechtsanwälte Keruth und Bielewicz. r, Oberstaatsanwalt aus Marienwerder wohnt den Verhand- "tilgen bei. verfttttttttluttgett. Gewrrkschasto-Konfrrrn?. m.�U1. Sonntag Vormittag 11 Uhr trat die von Täterow- . im Auftrage verschiedener Gewerkschaften berufene Kon- ' 3. ln den Arminhallen zusammen. 9 n)aren 74®�c9itte aller Gewerkschaften, darunter «. �äterow- Berlin eröffnet die Verhandlungen mit einer bitt re- Er begrüßt die Delegirten, weist auf die Ausgaben «."'.'"�che die Konferenz zu erledigen hat und schließt mit einem l,o'h-.auf die Solidarität aller Arbeiter, in welches die Delegirten "egeistert einstimmten. die 94 r®e'tl"i0 des Alterspräsidenten Schwarz- Lübeck wird SBfn,, i r!auu3nHI vorgenommen: aus derselben gehen hervor: foL.v �»�assel, erster Vorsitzender; Segitz-Fürth, zweiter Vor- Uder! Breder-Nürnberg und Schwarz-Lübeck, Schriftführer. Äie vorliegende Tagesordnung wird genehmigt; sie lautet: l. Stellungnahme der Gewerkschaften zu den Streiks und die event. gegenseitige Unterstützung derselben. T Stellungnahme der Gewerkschaften zu den Unternehmer- Koalitionen und deren Vorgehen gegen die Arbeiter- Organisationen. 8. Die Organisationsfrage im Allgemeine». 4. Ernennung einer Kommission zur Einberufung eines allgemeinen Gewerkschafts-Kongresses. *-ie Generaldebatte wird eröffnet. ieK! � �' Nürnberg(Metallarbeiter) führt aus, daß bei der iri-n Zerfahrenheit in den Kämpfen der Gewerkschaften an einen niAt v Widerstand gegen die Koalitionen der Unternehmer Ort denken sei; in derselben Gewerkschaft wird an dem einen lifn- vi die neunstündige, an einem andern Orte gegendie 12- bis in, Arbeitszeit gekämpft. An die Stelle der Zerfahrenheit "'"'ic Einheitlichkeit und Zentralisation treten. n,..,° P- Stuttgart(Tischler) empfiehlt die Bildung von Zentral- Sliis l!- r0neu f"1 n"e Gewerkschaften, wo es irgendwie angeht. oewrt. lefeu Zentralorganisationen soll eine Zentralkommission '"seden, welcher die Leitung der Agitation und die Eni- "ll.über Unterstützung in Streikfällen unterliegt. Angriffs- � � niufien möglichst vermieden werden, dagegen müsse man mit Ür.1' il§.' ivelche den Organisationen aufgenöthigt werden, ou! v.�i�eln unterstützen. Der Nachdruck der Agitation muß Gegciiden gelegt werden, aus denen die sog. Streik- ?.mmen iPrenßen, Schlesien, Pommern). Dort müssen 9-,- nen irgend welcher Art ins Leben gerufen werden. Weiteren empfiehlt Redner Organisation der Arbeiterinnen. ein--» � Wabnitz- Berlin(Näherin) tritt für Gründung Und'""gemeinen Agitationsfonds ein. Sie empfiehlt zentrale intern� Zonale Organisationen, da auch das Kapital ln®r a m in a n n- Hamburg(Maurer) ist für die Bildung eines nfrA+kß__<... W?• � �■—--■■ 2 � a III mann- Hamburg(Maurer) ist für die Bildung eines Z°ntralraths, an welchen die einzelnen Gewerkschaften im Ver- valtinh zur Mitgliederzahl zu steuern hätten. /i 4--------"■>"■■-"" afsr#-»=&•"""--......... .,ec- Braunschweiger Gc Branchen au ältlichen Gewerkschaftsorgans. v. Biete- Braunschweig(Maurer) spricht sich als Vertreter Vraunschweiger Generalkommission für die Zentralisation der !"!Zeliien Branchen aus und wünscht die Gründung eines ein- lNtlicheu Gewerkschaftsorgans._... ,,. f. Breder-Nürnberg(Schlosser): Der Gedanke einer Union Nach feiner OinflAt fefcr...-......... fle"n "'cht ausreichten, so müsse unbedingt die Allgemeinheit wiiin� e r- Hannover(Tabakarbeiter): Das beste wäre es. die g> t Gewerkschaften in einen Topf kämen; aber dazu wären io-,./"°vbediiigungen noch nicht vorhanden. Von der neuen Ge- iUPl'K-»» v w/ ,%- de„ ,"°velle hätten die Arbeiter nicht viel zu erwarten. Mit wi!- taten Vcreinsspielereien ist nichts zu erreichen. Redner daß die Frauen auch in gewerkschaftlicher Beziehung � üuter an Schulter mit den Männern kämpfen sollen. D ö b e l i n- Verlin(Buchdrucker): Mögen alle Gewerk- schnste» so opferwillig sein, wie die Buchdrucker, welche 8 pCt. ihres Verdienstes den Unterstützungskassen zahlen, dann wird es bald besser werden. Brey- Hannover(Schuhmacher): Die Hilfsarbeiter sind bisher zu wenig beachtet worden; auch sie niüffen organisirt werden, da durch sie gerade Streiks verloren gehen. V o m b i n- Verlin(Berliner Streik-Kontrolkommission) ver- theidigt die Lokalorganisation. Wie leistungsfähig sie sei, be- weise die Berliner Freie Vereinigung der Maurer, die Großes er- zielt habe. Durch ein Kartell, oder durch eine Streik-Kontrol- kömmission kann ein Band gebildet werden, um der Kapitalmacht einheitlich entgegenzutreten. Redner bittet, selbst wenn die Kon- ferenz die Zentralisation empfehlen sollte, möge sie den Verhält- nissen in den großen Städten Rechnung tragen und die Berechti- gung der Lokalorganisation anerkennen. Nachdem noch H i Ilm er- Hamburg(Schmied), für die Zentralisation eingetreten, wird die Fortsetzung der Debatte auf Montag früh 9 Uhr vertagt, und die Wahl einer Koinmission zur Ausarbeitung einer geeigneten Resolution vorgenommen. * Am Montag eröffnet Legten- Hamburg(Drechsler) die Debatte und empfiehlt allen Gewerkschaften die Bildung von Ver- bänden, wie er solche in einem von ihm ausgearbeiteten Statuten- Entwurf, der zur Vertheilung kommt, vorgesehen habe. H o f f m a n n- Verlin(Textilarbeiter) vertritt den Stand- punkt der Lokalorganisation lind bedauert, daß so wenig Ver- treter derselben anwesend seien. Der Vertreter der Bäcker Hamburgs und Frau Ihrer- Velten treten für die Zentralisation der Gewerkschaften als Vor- schulen für das politische Leben ein. Letztere empfiehlt auch den Arbeiterinnen die Zentralisation. Die Generaldiskussion wird geschlossen. Kloß- Stuttgart verliest nunmehr die von der Kommission ausgearbeitete Resolution, deren Druck beschlossen wird. Sie lautet: „In Erwägung, daß die lokale Organisation als erste Form derselben den heutigen Produktionsverhältnissen nicht mehr entspricht, die wirthschaftliche Nothlage der Arbeiter vielmehr die Zusammenfassung aller Kräfte dringend er- heischt, erklärt die Konferenz die zentralistische Organi- sationsform als die zur Zeit allein richtige. Die Konferenz empfiehlt daher allen bestehenden Lokalvereinen sich der be- treffenden Zentralisation anzuschließen. In weiterer Er- wügung, daß die Unternehmerorganisationen, wie sich solche uns in der Gegenwart darbieten, eine schwere Gefahr für das Bestehen auch dieser zentralistischen Organisationen bieten, hält der Kongreß ein Zusammengehen dieser Organisationen zum Zweck der Vertheidigung des Organi- sationsrechtes der Arbeiter und zur Kräftigung dieser Zentralorganisation für dringend geboten. „In weiterer Erwägung, daß ein Zusammengehen der Organisationen auf statutarische Grundlage zu angegebenem Zweck schon jetzt, angesichts der im Werden begriffenen Gewerbeordnungs-Novellc nicht rathsam erscheint, empfiehlt die Konferenz: die zentralisirten Gewerkschaften treten nach Bekanntwerden der Geiverbeordnungs- Novelle zu einem Allgemeinen Gewerkschaftskongreß zusammen, um ent- sprechend den Bestimmungen der Gewerbeordnungs-Novelle Normen für ein Zusammenwirken dieser Organisation auf- zustellen. „Lokalorganisationen in Staaten, welche gesetzlich ver- hindern, sich der Zentralisation anzuschließen, können sich auf dem Kongreß durch gemeinsame Delegirte vertreten lassen. „ZeiZralorganisationen bis zu 1000 Mitgliedern entsenden einen Delegirten, größere Organisationen für jedes weitere 1000 ebenfalls einen Delegirten. „Lokalorganisationen können für je 1000 Mitglieder je einen gemeinsamen Vertreter entsenden; Orte, wo diese Gesammtmitgliederzahl nicht erreicht wird, haben sich zum Zweck der Vertretung mit anderen Orten zu verbinden. „Die Konferenz wählt aus ihrer Mitte eine Koinmission von sieben Mitgliedern, welche unter Berücksichtigung der Gewerbe-Ordnungs-Novelle die Vorlage für den Kongreß auszuarbeiten, Zeit und Ort festzustellen und denselben ein- zuberufen hat.-■ „Die Konferenz empfiehlt dem Kongreß: eine Kommission von 7—9 Personen zu wählen, welche allen Angriffen der Unternehmer auf das OrganisaUonLrccht der Arbeiter, gleichviel welcher Branche, energisch entgegenzutreten bezw. jeden Widerstand der Einzelorganisation thatkräftig zu unterstützen hat. _„Ferner hat diese Kommission für Organisirung der wirthschastlich zu schwach gestellten Arbeiter und Arbeiterinnen einzutreten und deren Organisationen thatkräftig zu unter- stützen, sowie die Agitation zur Verbreitung der Organisation in den noch unorganistrten Landestheilen zu leiten. „Die für die Thätigkeit der Kommission nothweiidigen Mittel, insbesondere diejenigen zur Unterstützung der Ab- wehrstreits, werden durch Beiträge der Gewerkschaften je nach Maßgabe der Mitgliederzahl aufgebracht. Das Auf- bringen dieser Gelder seitens der einzelnen Gewerkschaften 'bleibt diesen überlassen. „Bis zum Zusammentritt des Kongresses wird die von der Konferenz gewählte Kommission mit der Ausübung der Befugnisse dieser vom Kongreß einzusetzenden Kommission betraut." Es wird noch beschlossen, die Begleichung der Kosten der Konferenz der in der Resolution erwähnten Kommission, die noch zu wählen ist, zu übertragen; dann tritt eine Pause biö 1 Uhr Mittags ein. Nach Wiedereröffnung der Verhandlungen wird beschlossen, in eine Spezialdiskussion über die Resolution, zu welcher ver- schiedene Abänderungsvorschläge vorliegen, nicht erst einzutreten. Die Resolution wird vielmehr en bloo angenommen. Aiigenommen wird ein Antrag Meister, die Organisationen aufzufordern, ihre Statuten so abzuändern, daß auch die Arbeiterinnen ihnen beitreten können. Ein weiterer Antrag, an Stelle der Str e ik- S a m m el- l i st e n das Markensystem einzuführen, wird ebenfalls an- genommen., Nunmehr wird zur Wahl der Kommission(s. Resolution) ge- schritten. Es werden gewählt: von Elm-Hamburg, Dammann-Hamburg, Legien-Hamburg, Schwarz-Lübeck, Glocke-Verlin, Kloß-Stuttgart und Frau Ihrer- Velten. Bock- Gotha beantragt die Annahme einer Resolution, in welcher gegen die verschärften Strafbestimmungen der Gewerbe- gesetz-Novelle entschieden Protest eingelegt wird. Die Resolution wird einstimmig angenommen. Es kommen nunmehr die Aussperrungen der Glasarbeiter in Bergedorf, Ottensen ic., der Tabakarbeiter in Eschivege, der Schuhmacher in Erfurt und der Weißgerber in Kirchhain zur Sprache. Schleunigste Unterstützung wird allen Gewerkschaften zur Pflicht gemacht. Die weitere Regelung wird der Kommission überwiesen. Mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die allge- meine internationale Arbeiterbewegung schließt der Vorsitzende gegen 41/2 Uhr die Verhandlungen. zimi» i»r AegeUmg der seivrrbtich«» UnUstiltmll« d«r Töpfer Kerli»» und zluigevend. MiUlvoch, den I». November, Zibends 7 Uhr, in »ratwell's Bierhallcn, Kommandlmtenstrahe 77—70: Große Mltglteder- Versamnilung. Fachverein fi-mmtlicher in den Glnree-»nd Kariaupapier- Fabriken befchnftiaten Arbeiter u»d Arbeiterinnen. Dienstag, den is. November, Abends 8 Uhr, in Schcsfer'S Salon, Jnfelstraße 10: Große Mitglieder-Bersammlung. Fachverei» der Tischler. Mittwoch, den is. November, Abends 8\ Nyr, in Orschel's Salon, Sebastianstraße ss: Außerordentliche General- Versammlung.. AUgenirine Arbeiter-Nerfanimlung am Dienstag, den 18. November Abends s Uhr, im Neustädter Volksgarten, ProSIaucrstraße. Nerfam»>l»»g de» Fest- und Slistmtirrerei»»„Proletarier" für panno»- und Zliugegend am Dienstag, den 18. November, in Leonhardt's Gasthans, Schulzcstr. 28. perband deutscher Mechaniker und verwandten Krrns«genolf«n> gahlsielle Berlin. Mittwoch, den 19. November, Abends s!z Uhr, im Louisen- städtischen Klubhaus, Annensir. IS: Versammlung. Tagesordnung; I. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Besprechung der Arbeitsnachweis-Angelegenheit. 4. Verschiedenes und Fragetasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste will- kommen. Um zahlreichen und pünktlichen Besuch wird gebeten. Mitglieder freier eiugeschriebenrr Kilf»I:alf«n drr Tabakarbeiter. OefsentlicheBersammlung am Dienstag, den is. November, Abends 8% Uhr, in Bötzow'- Brauerei vor dem Prenzlauer Thor. Kauarbeiter Kerlin». Oeffenttiche Versammlung am Dienstag, den 18. November, Abends 8% Uhr, in May's Festsalcn, Beuthstr. 22, I Eiage. hleffentlich« Persammlung fiir Mäuner und Kraue» Dienstag, den 18. November, Abends 8% Uhr, im Lokal des Herrn Schröder, Wedding- Park, Müllerstr. 178. Schmiede Pertin« und Zlmgcgend. Große öffentliche Versammlung am Dienstag, den 18. November, AbendS 8 Uhr, in Joels großem Saal, Andreasstr. 21._,, Schraub»»-, Faeo»dr»ker und Berufs eevossen Berlins. Große öffent- liche Versammlung am Dienstag, den 18. November, Abends 7% Uhr, in Feuerstein'« Salon, Alte Jakobstr. 75....... Arbeiter-Kitdnugsverein für Uleihenseo und Umgegend. Dienstag, den i«. November, Abends 8 Uhr, Im Lokal des Herrn Tewein, Königschaufsee, Versammlung. Arbeiter-Siingerbnud Berlins und Umgegend, Abends 9 Uhr, UebungZ- stunde, Aufnahme von Mitgliedern. Gesangverein„Lerche", Vrunnenstr. lio bei Zimmermann.— Gesangverein„Steineiche"(Böttcher), Lich>enberger- ftraße 21 bei Heise.— Gesangverein„Norddeutsche Schleife', westau- rant Kaiser Franz Grenadierplatz 7.— Gesangverein„Allegro,« alitzer- straße 142 bei Greiser.- Gesangverein„Olynipia", Prinzenstrabe IM bei Werth.— Gesangverein„Krenzberg", Tempelhofer-Ufer 15 bu Krantz.— Gesangverein„Fidelita S", Atterstraß- 13 bei Kummer.—„Moabiler straße 191 bei Folge.— Männer-Gesangverein„H a r m o n i a, Abe.ldS 9 Uhb bei Lemm, Steinmetzstr. 70, Dopeslsfen. Halle, 17. November.(Telegr. des„Herold".) In Pößneck wurden bei den Ergänzungswahlen für den G e m e i n d v r a t h drei Sozialdemokraten gewählt. Die Betheiligung an der Wahl war stark. Kochum, 16. November.(Telegr. d.„Herold".) Unter der Ueberschrift:„Streik in Aussicht", veröffentlicht die„Zeitung der deutschen Bergarbeiter", das Verbandsvrgan der rheinisch- w est- fälischen Bergarbeiter, einen Artikel, der n. A. folgenden Satz enthält:„Die allgemeine Noch, hervorgerufen durch die herzlose Ausbeutung seitens des Unternehmerthunis, gesteigert durch den krassen Egoismus des sogen. BürgerthumS, Besitzer der Wohnungen und Kaufläden, bis zum verletzenden Bewußtsein getrieben durch die kalt verhöhnende Zurücksetzung und den Spott der Erbarm- lichkeit seitens der Beamten— dieses große soziale Elend ivar lind ist die Triebkraft zur Organisation: war die Triebkraft zum Mai-Ansstande und ist auch wiederum die Triebkraft zum bevor- stehenden Streik." Die Unterdräckungen würden init blinder Wuth betrieben, der Streik provozirt. Die Unzufriedenheit und die Erregung unter den Bergleuten wachsen stündlich. Uebcrall nur ein Streben und ein Wunsch: die Summe alles Elends mit einem Schlage abzuschütteln. Die vielen Polizeimaßregeln, die Schank-, Saal- und Mundsperre hätten das Gift in die Massen getragen, Oel in's Feuer gegosscu. Langsam glimme und glaste es unter einer scheinbar ruhigen Oberstäche, immer mehr und mehr Stoff entzündend und empfangend, bis— und die Zeit sei nicht mehr fern— der große Ausstand da sei: jeder Bergmann wisse, daß derselbe nahe bevorstehe, daß er fast unver- meidlich sei. Die Sperre der Führer müsse aufgehoben werden, sonst würden Hunderttausende nächstens fordern, ivas Rechtens sei. Die Löhne seien im Vergleich zu den hohen Dividenden zu niedrig; die Kohle sei Nationaleigenthum und dem Bergmann gebühre die A'.lsbeute, nicht dem Kapital. Das Strafen nnd Nullen der Wagen müsse wegfallen, die Schichtdauer verkürzt werden, der Bergmam» wolle unabhängig vom Banne und der Willkür der Beamten werden. Das Maß sei voll, aber noch sei es Zeit, die Erhöhung der Löhne und menschlichere Behandlung der drohenden sozialen Erschütterung vorzubeugen. (Molffs Telegraphrn-Kurratt.) Nürnberg, 17. November. Bei den heutigen Gemeinde- wählen wurden die Kandidaten der deutsch-freifmnigen Partei gegen die Sozialdemokraten gewählt. VLivfkttlken dev Vvvttkkiou. Für dir ausgesperrte« Kchnffmacher in Erfurt gingen bei unserer Expedttton ein: Tonnenbrüder, Oranienstraße 184 7,51 M.- Rauchklub „Sorgens«," 9,00 M. Alle!(((, Sie! �.vtebem, jjer und reell kaufen ■empfehle mein reichhalt. Lager in pWinter- Paletots, 11113 Jaquet-Änzügen, einzelnen Jaquet», Losen und Westen, Heia®"1' Hüten, Betten, Wäsche, Uhren, & und Helzkokkern etc., sowie Mil-MMil unii Kleidern. lich. D in alt und neu! Kaufe sämmt- l!eir..«achen auf Auktionen nnd von Wörtern, auch sind verfallene Pfänder Vdaher die enorm billigen Preise. rA. Wergieiiy «»�"'Meister.(Gegründet 1874.) 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Italienische Uolstssänger. Entree 50 Pf. Geöffnet von 10 bis 9 Uhr. Ällgem. Metallarbeiter-Verein Berlins und Umgegend. Dienstag, den 18. Rovember 1890, Astends SVe Uhr, in» Uereinshanse ,,S«d-Gst", Maldemarstr. 75. Grosse VersammSung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Brey(Hanover) über: Die Stellung der Ar- beiter in Industrie und Gesellschaft. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mit- glieder. 4. Verschiedenes und Fragen. Gäste haben Zutritt. Um recht regen Besuch wird gebeten. 545 Der Vorstand. Große össentliche Metnllarbeiter-VersnMlnng am Mittmoch, de» 19. Uovemstrr 1890, Abends SVe Uhr, in den Armin-Hallen, Komurandantenstr. SO. Tages-Ordnung. 1. Wahl eines Vertrauensmannes nebst Stellvertreters für die Metall- arbeiter Berlins. 2. Wahl von Delegaten zu dem am Sonntag, den 28. Dezember in Berlin stattfindenden Delegirtentag der Metallarbeiter Brandenburgs. 3. Bericht der Delegaten von der Berliner Streik-Kontrolkommission. 4. Ver- schiedenes und Fragen. Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. Der Ginsterufer. Versammlung des Lese- u. Diskutir-Vereins„Proletarier" für Pankow und Umgegend am Dienstag, den 18. Uovember, in Korchardt's Gasthaus, S ch u l z e st r a ß e 28. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Die Versammlungen des Vereins finden Dienstags nach dem 1. und 15. eines jeden Monats statt. Gäste sind willkommen._ Verband der Möbelpolirer Berlins und Umgegend. Am Sonnabend, den 22. November 1890s lim Stiftungs-Fest Sfflp" verbunden mit Conrert, Kall und Spezialitäten."90 Unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins„Graue Schleife. NB. Es darf nach 12 Uhr laut ministerielle» Erlaß getanzt werden. Anfang 8V2 Uhr. Ende??? 524 Billets ä 30 Pf. sind zu haben bei A. G r ä b e r, Grüner Weg 65; . Beck, Sorauerstr. 5; W. Lindner, Oderbergerstr. 14; G. Suidner, ritzerstr. 30—31; E. S ch u 1 z, Gerichtstr. 15; O. W en d, Thaerstr. 54; R. Weber, Fliederstr. 6. Da« Komitee. Oeffentliche Versammlung der Kywgraphen Kerlins a m Mittwoch, den 19. November, Abends 8V2 Uhr, in den Armin-Kalle»», Koni Mandanten st raße Nr. 17. Tages-Ordnung: 1. Anschluß oder Absonderung von der allgemeinen Arbeiterbewegung. Referent: Herr Stadtverordneter E. Vogtherr, Korreferent wird in der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 533 Der Einberufer. Für die Berl. Streik-Kontrol- Kommission sind eingegangen: 14. Tabak-Arbeiter und Abeite- M. rinnen durch Börner I.... 6,— 15. desgl. II.,,, 10,— 16. Hutmacher durch Hempe,. 15,— 17. Tellersammlung....... 3,79 18. Oeffentl. Versammlung der Steinmetzen durch Losinski. 25,— 19. Filzschuharbeiter durch Opitz 5,— 20. Mechaniker durch Trittelwitz 3,— 21. Vergolder........... 11,75 Alle Geldsendungen sowie Berichti- gungen über dieselben sind zu richten an E. WUschke, SW., Katzbachstr. 1. Die öffentliche Quittirung erfolgt im Berliner Volksblatt." 535 50 M. 71 Pf, durch Ungenannt aus Moabit; 60 M. 80 Pf. vom Ueberschuß der Tellersammlung aus der Volks-Versammlung in Moabit dankend erhalten. 539 Die Lohnkommission d. Weissgerber z. Kirchhain. Orts-Krankenkasse d. Steindrucker und Lithographen zu Berlin. Dienstag, den 25. November, Abends 8 Uhr, S 0 p h i e n st r. 15: General-Versammlung der Deiegirten. Tagesordnung: 1. Wahlen für den Vorstand(§§ 34, 36). 2. Wahl des Ausschusses(§ 52). 3. Verschiedenes. Im Anschluß hieran: General- Urrj'a»»«»nlnng der Invaliden- Unterstützungskasse. Tagesordnung: 1. Wahlen für den Vorstand. 2. Wahl des Ausschusses(§ 24), Berlin, den 12. November 1890. 525 H. Stuhlmann, Vorsitzender. Große Versammlung der 460 MergesM Berlins und Umgegend am Dienstag, den 18. November. Nachm. 3 Uhr, in Lips Brauerei am Friedrichshain. Tages-Ordnung: I. Das Gewerbeschiedsgerichts-Gesetz und die Jnnungs-Schiedsgerichte. 2. Stellungnahme zu d. bevorstehenden Wahl des Gesellen-Ausschusses. 3. Berichterstattung der Delegaten der Berliner Streik-Kontrolkommission. f a» Agitations-Komitee. .: E. Pfeiffer, Koloniestr. 20. Ortskrankenkasse iiet üsdjler ilnö Pianosorte- Arbeiter. Mittwoch, den 26. November, Abends 8 Uhr, in Feuerstein s Salon, Alte Jakobstraße 75: General- Versammlung der Vertreter der Kassenmitglieder und der Arbeitgeber. 532 Tages-Ordnung: 1. Wahl des Rendanten. 2. Wahl von 4 Vorstandsmitgliedern seitens der Vertreter der Kassenmitglieder. 3. Wahl von 2 Vorstandsmitgliedern seitens der Vertreter der Arbeitgeber. 4. Wahl von 3 Revisoren zur Prüfung der Jahres- rechnung. Der Vorstand. Centrai-Kranken- n. Sterbekasse aller Arbeiter Deutschlands (Zuschußkasse.) Gertliche Verwaltung Serlin G. Mittwoch, den 19. d. Bits., Abends 8V2 Uhr, Andrrasstr. 26 stri Kol, mann: MMtt-VechMlW. ' Tages-Ordnung: 1. Kassenbericht vom 3. Quartal. 2. Verschiedene Kassenangelegenheiten. 3. Medizinischer Vortrag. Die Mitglieder werden ersucht, mit den Frauen zu erscheinen; dieselben haben zum Vortrag Zutritt. 554_ Die GrtSverwaltnng. Achtung! DieLotznkommisston d. Klempner wird gebeten am Dienstag, den 18. November, Abends 8V2 Uhr, bei Stramm, Ritterstr. 128, pünktlich zu erscheinen. 540_ I. A.: R. Köhler. A. Goldschmidt, Spandauerbrücke 6, ani hiesigen Platze bekanntlich Größte Auswahl. Gara»»tirt sicher brennende Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befind!. Ro Htabake sind am Lager. &. Goldschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt.[746 Der Kosgreh aller freien HilsskO wird vom 8. Dezember uns me oarans,oigenoen-rage m-oeiu» hier in Berlin domizilirenden freien Hilfskaffen aller Art, welche genml 1.. sich durch Seiegate auf diesen Kongreß vertreten zu lassen, werden»1 einen Vertreter zu der am Freitag, den 21. d. M., Abends 81 e Uhr, I findenden Versammlung, Beuthstr. 22, 1 Tr., zu entsenden. Tages-Ordnung: Kongreßangelegenheit. H. Noeske, Grosse Versammlung des Allgem. Arbeiterinnen-Vereins sämmtl. Berufszweige Berlins u. Umgegend am Dienstag, den 18. d. M.. Abends 8V2 Uhr. in Lehmann- S ch w e d t e r st r a ß e 24..■„„x, Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Türk über: Frauenbeste 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Gründung einer st'„ t; 4. Wahl einer Bevollmächtigten, Kassirerin und Schriftführerin, o- schiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung stau. 526 Der Vorstand. ESeuischKands und die darauffolgenden Tage in Berlin tagen.• $i» Grsjje öfcntliie BersaiimluW sämmtlicher( Gewerkschaften Ckarlottenbnrgs n. MS' am Mittwoch, den 13. Nov., Abends SVa Uhr, in Bismarckshöhe, Wilmersdorferstrasse 39« Tages-Ordnung: �....«-rbliche 1. Die wirthschaftliche Lage der Arbeiter und die fachge> Organisation. Referent: Carl Kloß aus Stuttgart. 2. Diskuspo».- � schiedenes._ Zahlreichen Besuch erwünscht Der G«,»berufet- Lodn's Hosenfabrik Pallisaden- Strasse 7, arbeitet aus Resten einzelne Hosen von 1 M. an, Jaquets 1,50 M., Paletots 3 M., Herren- Sonntags bis jofen von 1,50 M. an l Uhr Abends geöffnet Zimmerleute Berlins u. UmgÜ Große öffentliche Versammlung. � am Donnerstag, den 20. Nov., Abends 8 Uhr, in Gvat»oeil'- K»erh Kommandantenstraße 77—79.«.c�lüsseN Tages-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Zimmerer zu den Besch � des Parteitags, betreffs der Organisation? Referent: Sekretär Ho im 2. Bericht der Telegirten der Berliner Streik-Kontrolkommission. 3. Verjchi 538 Pflicht eines jeden Zimmerers ist es, zu erschei einen. er Einberufe!�, Ällgem. Arbeiter- V ersammhmg am Dienstag, den 18. Nov., Abends 8 Uhr, im Neustädter Volksgarten, Proskauerst- Tages-Ordnung:...Nation- 1. Die wirthschaftliche Lage und die fachgewerbliche Orga'",' Referent: C a r l K l o ß- Stuttgart. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Tellersammlung findet statt.— Um zahlreiches Erscheinen ersuch» 491 Der Ginberufer f" gv Wer"ma eine wirklich gute, billige Cigarre rauchen will, der probire meine folgenden Spezialmarken: 01« Ol Ausgezeichnete reine 5 Ps.-Qualitätsciaarre. Ersetzt die 1 9- vir* Spezialsorten von 60 bis 75 M. vollständig.,. 5lr 14' Vorzüglichste aller 6 Pf.-Cigarren. Diese Cigarren anderer Preislagen in unerreichbare»« Qualitäten. Em Versuch wird es lehren» daß man nirgends besser und billiger Cigarren kaust, als bei m r' EWALD NITTER, MinC.,»rW�0 1724(Ecke Scharrnstraße)._ „Heizapparat" D. R. P. 39427 Bester Sclmtz gegen kalte Räume. lieber 10 000 Stück im Gebrauch. Preis 4,50 M. Zu haben in allen Eisenwaaren-, Haus- u. Küchengeräthe-Handl., sowie in d. Fabrik D. Kilinski, Aleransterstr. 36, Hof links pari. 56 I *0 a> PQ Feste Preise Für Mark 38 liefere liefere Winter-Paletots in allen Farben, elegant sitzend, gut gearbeitet. Z J. Baruch(vormals Adler& Baruchj? 143. 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Das beste Mark des Volkes(zuletzt m.-70 pCt. der Steuereinnahmen) erforderte der Militarismus. �uir Sozialdemokraten haben jedenfalls keinen Antheil an dem des Staatskredits, denn mit verschränkten Armen haben Sozialdemokraten Haben jedenfalls keinen Antheil an dem �»fall des Staatskredits, denn mit verschränkten Armen haben zugesehen, wie Millionen auf Millionen seitens der burger- ua)en Parteien für das Heercswesen bewilligt wurden. Daß �utschland diese Lasten ohne eine empfindliche Schädigung seines Kredits nicht auf Jahrzehnte hinaus tragen kanii, das ivird �edem aar sein, der sich der Entwickelung der Reichsfinauzen seit der Atzten Steuerreform, seit 1874, betrachtet.— Diese Zahlen sprechen Glinde. m �ch Beendigung des deutsch-französischen Krieges hatte der Norddeutsche Bund insgesanniit an verzinslichen Schuldver- ihttlbunge» etivas über 84 l Millionen Mark kontrahirt und, zu- '■Aich der verzinslichen Schatzanweisungen, 691 Millionen Acark. u! r?0" Franlreich gezahlte Kriegsentschädigung gofiattete die Mielle Amortisirung dieser Schulden. Als�aber der Milliarden- 0ul.i�!�l°ge.-� war, wurde im Jahre 1877 die ersie Reichs- dlir.ii,c foutCOh'vt in Höhe von 16 Millionen Mark. Jin Jahre waren es schon 72 Millionen Mark. 1879 schwoll die Iai>r-, 130 Millionen Mark an und so fort, bis sie im sie fnn>i?""f Millionen Mark gestiegen ist. Jetzt macht wartin? f1!.1"1 Sprung ans 721 Millionen für 1888, und gcgen- An,, 2 oetragt sie nach den Angaben des vom kaiserl. Statistischen äfiark �rau-gegebcnen„Statistischen Jahrbuchs" 1150 Millionen bej I alles geschah im tiefsten Völkerfrieden Cy Lwichzeitiger Anziehung der Stellerschrailbe. %nh,r« man 1)611 Staatskredlt in ruhigen Zeiten an. Ver- der fixt.Q1}n os daher kaum, wenn derselbe jetzt nicht mehr auf 5%6 truherer Jahre steht. schlieÄ�.?6l)onkliche der Reichsschuld liegt keineswegs aus- Mbi!?. r-i"?66 Höhe derselben, denn andere Länder haben viel % Mnt, öWben angehäuft. So hat z. B. Frankreich ungefähr Ufoffc. 1° Schulden als das Deutsche Reich, England das der s» r�6m �uleihen. Das Bedenkliche liegt in dem Modus dediirk�.6"�"�hwnng, der einer gründlichen Reorganisirung »st. Welcher Privatinann könnte es sich wohl erlauben, derf.rs,. auf Schulden zu häufen, ohne je an die Rückzahlung sich r,..6? ,?u denken? Mit dem Reich ist es aber so. Es stürzt �niort;' in Schulden, ohne auch nur den Gedanken einer 8r->>i«!?.ung bisher angeregt zu haben. Dadurch wird die in Finanzen, ohne Budget, wo vom höchsten Beamten «iis Ö' dem geringsten Zolleinnehmer Alles stiehlt und mogelt, �eichzt,,. ewen Seite, gegenüber einem Reiche mit geordnetem bchig., udget, dessen Angaben über den Staatshaushalt man un- Noirtr«? Glauben schenken darf, während in Rußland jede kest. ch6 unmöglich ist; und trotzdem nur die gleiche Kreditfähig- schaft 6® dine ivuchtigcre Anklage gegen die Mißwirth- wsto% die mit der ziellosen Anhäufung von Schulden betrieben tiihr�w' lassen hier nur den Verhältnissen das Wort und bc- bie-'"cht die wirthschastliche Seite der jetzigen Geschäftspraxis, Erweiterung der ungleichmäßigen durch ,,.v" n g des V o l k s v e r m ö g e n s gipfelt, der '"»Häufung der Staatsschulden Vorschub geleistet wird. NersQttunUmsim. Augnst Kebel iBtf in Sonnabend Abend im Saale des Herrn Blocks- r Wlitn« Mariendorf in einer öffentlichen Volksver- .'»dG3»der das Thema:„Parlamentarismus Vwiuiui.n'»ldemokratie." Der Andrang zu dieser Ver- aiJ, ch?6«in ganz geivaltigcr; die Tische, und zum großen „'«Pf n» L Stühle waren ans dem Saal entfernt ivorden und alln, � öicht gedrängt stand die Menge in dem freilich t• fotiinif. �oßen Räume. Es waren wohl 800 Personen in der *iNeti m,""3 anwesend, etwa die gleiche Zahl konnte im Saale n aus n»'«hr finden. Das Bureau der Versammlung setzte S�Ten,* �H66*6» Reise und Schensch-Mariendorf und Daune- «Nrag p«lhof zusammen. Abgeordneter Bebel führte in seinem an Tie �"ll«lliyr Folgendes aus: b?** 8i,u jln.cheu'ofrot'e hat in der letzten Zeit die Aufmerksamkeit i»" iiri„'!BÖIfer'» hohem Grade auf sich gezogen. Seil ß. �geois 9« in Halle sagt man in de» Kreisen der p-J'ichfr' öie Sozialdemokratie sei eine andere geworden als C ifUftuf*00*' Run die Gegner ergehen sich mit Vorliebe in ,.."vs,,.,lst>ung, und wenn sie nur einen geringen Grad von fchstt, bnc. r' ll und Selbstehrlichkeit besäßen, so müßten sie ein- Jj* suit dergleichen Behauptungen neben die Scheibe oergieicyen«epauviungen UrvW.... Sozialdemokratie ist das Produkt der modernen CSlle-i""3 und der neuen Verhältnisse. Die Sozial- L'öat. a'st ohne die Erfindung der Maschine» un- CÜNw, A ist aus ganz bestimmten Gründen in einer i0, f. Poche entstanden. Unser heutiger Produktionsprozeß hat LÜ6» iB.nr, üszeitigi; sie ist der politische Ausdruck des mo- LAna,.«tanats, der Arbeiter. Einer oder der andere wird tchat,?. 66ken, die Sozialdemokratie bestehe erst seit einigen » und es hat doch immer Arbeiter gegeben'i Gewiß, doch nicht in unserem heutigen Sinne. Früher waren die ganzen Eigenthumsverhältnisse derart, daß man von einer eigentlichen Arbeiterklasse nicht reden konnte. Die damaligen Arbeiter hatten immer zum größten Theile Aussicht, noch einmal selbstständig zu werden. Jetzt ist daran nicht mehr zn denken. Die Selbst- ständigkeit ist in den unteren und mittleren Schichten der Be- völkerung im Gegentheil immer mehr und mehr untergraben worden; es ist ein ganz gewaltiger Nothstand eingetreten, und die Folge davon ist der gänzliche Ruin der kleinen Produktions- schichten. Die Bourgeoisie ist heute als die eigentliche Spitze unserer Gesellschaft anzusehen, und wenn nun diese Bourgeoisie die f errschaft im Staate hat und die Gesetze in ihrem eigenen nteresse auszunutzen sucht, so trachten die unterdrückten Elemente auch nach politischer Macht; auch sie, vollen ihre materiellen Interessen fördern. Das will ja jede Partei ohne Ausnahme, und wenn die bürgerlichen Parteien sagen, sie verfolgten nur ideale Interessen, so kann man ihnen das Gegentheil an jeder ihrer Handlungen beweisen. Heute ist die Sozialdemokratie die stärkste Partei in Deutschland trotz der 12 langen Jahre des Aus nahmezustandes. Man hat das Wachsthuni der Partei dem Märtyrerthum, der Opferivilligkeit und Begeisterung unserer Ge- nossen zugeschrieben. Ich kann das nicht bestreiten. Doch das hat nicht allein die großen Erfolge gezeitigt. Dadurch, daß die Sozialdemokratie das Messer der Kril'ik an unsere sozialen und politischen Zustände legte und darthat, daß alle die Errungenschaften auf geistigem, wissenschaftlichem, technischem und materiellem Gebiete allen Mitgliedern der Gesellschaft zu Gute kommen müßten, dadurch hat sie so viel Anhängerschaft gefunden. Alle diese Fortschritte sind ja nicht das Produkt eines einzelnen Menschen,M>ndern der ganzen Gesellschaft und doch ge- reichen sie alle nur einer winzigen Minorität zum Vortheil. Die Bourgeoisie hat sich die Klinke der Gesetzgebung mit allen.Mitteln zu verschaffen gewußt, nicht blos mit geistigen Waffen, sie hat auch das Mittel der rohen Gewalt, die Revolution nicht gescheut. Die englische Revolution hat eS zu Wege gebracht, daß die dortige Bourgeoisie diejenigen Gesetze und Zustände schaffen konnte, welche heute noch bestehen und unserer deutschen Bourgeoisie als Ideal erscheinen, und auch, soweit es die Bourgeoisie angeht. Ideale bleiben werden. Was die englische Bourgeoisie im 17. Jahrhundert gethan, vollzog die französische im 18. Jahrhundert. 1789 hatte sie ihre große Revolution. Ludwig XVI. und die Königin Marie Antoinette mußten das Schaffet besteigen; es entstand die Republik. In Frankreich kam bald darauf das Kaiserthum wieder zu Ehren. Doch selbst Napoleon, der Despot und Cäsar, handelte, so paradox es klingen mag, im Sinne der französischen Bourgeoisie. Er führte, Ivo er siegte, die französische Zivil- und Straf- Gesetzgebung ein, die einen ungeheuren Fortschritt gegen früher bedeutete. Im Anfange dieses Jahrhunderts machte sich auch in Deutschland die Opposition bemerkbar, ich erinnere nur an die Opposition gewisser Gelehrtcnkreise und an die der Studenten. Das Ende vom Liede war die Revolution des Jahres 1848, Diese Revolution endete zwar nicht wie in England und Frank- reich niit dem Tode der Monarchen, doch sie hatte den Erfolg, daß das Königthum mit der Bourgeoisie paktiren mußte und dem Bürgerthum Antheil an der Gesetzgebung eingeräumt wurde. Das„Stück Papier", die Verfassung, halte sich zwischen König und Volk gedrängt; mit Hilfe der Arbeiter hat es damals die Bourgeoisie durchgesetzt. Namentlich durch das elende Dreiklaffen- Wahlsystem hat die Bourgeoisie das Heft in die Hände bekonimen.— In neuerer Zeit kam nun eine neue Klasse aus, der unklare Erscheinungen von Partei- bildungen, die sozialistischen und kommunistischen Sekten, vorher- gingen. Das Proletariat wuchs und die neue Klasse, die Arveiter klaffe, entstand und machte ihre Forderungen ans politische Rechte geltend. Lassale war es, der damals den Mahnruf ertönen ließ: Arbeiter, laßt Euch nicht in die bürger- liehen Händel ein, Ihr holt nur die Kastanien aus dem Feuer! Die Arbeiter verlangten, daß sie entsprechend ihrer Zahl und Bedeutung auch ein Wort mitzusprechen hätten, sie verlangten vor allen Dingen das allgemeine gleiche und geheime Wahlrecht. Und dieses allgemeine, gleiche und geheime Wahlrecht wurde auch schließlich eingeführt, freilich nicht aus Liebe zur Arbeiterschaft, sondern als nothwendige Folge der damaligen eigenthümlichen politischen Verhältnisse. Man folgte damals dem Grundsatz Divido et impera, d. b. wenn du Herr- scheu willst, so theile, die dir gegenüberstehen, suche sie zu spalten, dann hast gu als Dritter leichtes Spiel. Das ist ein alter Grundsatz. Man spielte damals die Arbeiter gegen die Bour- geoisie aus, und die große Feigheit der Bourgeoisie hat uns bei Erreichung des allgemeinen Wahlrechts mitgeholfen. Noch heute sagt Herr Eugen Richter, wenn man ihm den Vorwurf macht, daß der Freisinn alte demokratische Forderungen aufgebe,„Ihr seid schult), Ihr habt das Bürgerthum in Schrecke« gesetzt und ins Bockshorn gejagt, es wirft sich lieber der Regierung in die Arme, ehe eS mit uns geht!" Damit ist schlagend der Beweis für die Feigheit der Bourgeoisie erbracht. Um unsere Ziele zu erreichen, müssen wir also danach streben, die politische Macht in die Hände zu bekommen. Und was immer man uns entgegenstellen mag, das sei hier mit allem Nachdruck betont, das Ende unserer Bewegung wird ihr Sieg sein. Und wenn man uns alle nach Kamerun schickte oder ins Meer würfe, wo es am tiefsten ist, so würden wir ja untergehen, aber die Sozial- demokratie ist deshalb doch nicht ans der Welt geschafft. An Unserer Stelle würden Andere auftreten, in verdoppelter Zahl. Die Sozialdemokratie wird wachsen, weil die ökonomischen Be- dingungen sie gebären. Die Bourgeoisie ist deshalb unser Vater und unsere Mutter zugleich, oft allerdings ein Nabenpater. (Große Heiterkeit.) Wir sind aber auch Üte T o d t e u g r ä b e r der Bourgeoisie. Wie dieses Geschäft einmal vor sich gehen wird, weiß ich nicht, das wird zum großen Theil von der Einsicht deS Bürgerthums selbst abhänge». Die Sozialdemokratie muß ihre Uebcrzeugnng in immer weitere Kreise tragen, sie muß agitiren und Propaganda machen. Es ist charakteristisch, daß der Unternehmer bei jedem kleineren Zwist, den er mit dem Arbeiter hat, sagt:„Das ist auch so ein verfluchter Sozialdemokrat!" Es kommt das daher, weil der Unternehmer richtig fühlt, daß eigentlich jeder Arbeiter Sozial- demokrat sein müßte. Doch mit dem Agitiren kst nicht genug gethan, wir müssen die Macht, welche wir heute schon besitzen, so gut es geht, aus- nutzen. Die Benutzung des allgemeinen Stimmrechts und die Betheiligung bei den Reichstagsivahlcu ist durchaus noth- wendig, da es kein besseres Agitationsmittel zur Eroberung der politischen Macht giebt. Es ist in unserer Partei viel über die Zweckmäßigkeit der Betheiligung bei Wahlen gestritten war- den. Ich kann unsererseits einen solchen Zweifel begreiflich finden, doch ich halte andererseits den Grundsatz der Wahlenthaltung für total unrichtig. Schon Lassalle sagte, man müsse dem Bolle klar machen„Was ist?" Zeige man ihm„Was ist", so werde es sich über die schlechten Zustände empören und die Beseitigung dieser Zustände anstreben; der revolutionäre Geist werde zum Durchbruch kommen; diesen revolutionären Geist müssen wir überall hintragen. Daß der Geist der Unzufriedenheit auch in die Reihen des Kleinbürgerthums gedrungen ist, das zeigt die Erscheinung des Antisemitismus, so verfehlt auch die ganze Bewegung ist. Denn ich sage dasselbe von den Juden, was ich vorhin von den Sozialdemokraten sagte: Schaffet alle Juden weg, das Kapital bleibt deshalb in christlichen Händen ebenso mächtig, wie vordem. Die Erfolge, welche wir mit dem allgemeinen Stimmrecht er- zielt haben, haben die Wirkung geübt, daß in allen anderen Län- der» die Proletarierbewegung unsere Taktik angenommen haben. Wir könnten unfern Gegnern keinen größern Gefallen thun, als wenn wir sagten, das allgemeine Stimmrecht ist ein Schwindel; wir betheiligen uns nicht an der Wahl. Was dann die Herren unter sich thun würden, das will ich nicht erleben, uns würde es jedenfalls schlimm gehen. Erfolge unsererseits sind zu erzielen, das haben jetzt erst wieder die Berhandlungen des Arbeiterschutz- Gesetzes bewiesen. Bon heute zu morgen könurn wir den Zu- kunftsstaat nicht Herrichten; wir haben also die Aufgabe, unsere Lage in den heutigen Zuständen so gut wie möglich zu gestalten. Die Verkürzung der Arbeitszeit, die Abschaffung der Nacht-, Sonntags- und Kinderarbeit, die Neugestaltung der Fabrik-Ordnungen, die Art und Weise, wie ge- steuert wird, ob man die Reichen schont und die Armen drückt durch daZ indirekte Steuersystem; alle diese Fragen sind von höchstem Interesse für den Arbeiter. Ebenso steht es mit der Militär-Gesetzgebung, wie lange Sie, ob Sie ein, zwei oder drei Jahre dienen müssen, ob die Söhne der Bourgeoisie allein das Recht auf einjährigen Dienst weiter behalten, die Behandlung beim Militär, die Schul- und BildungSfrage, ob Preßfreiheit oder Preßunsreiheit, das Bersammlungs- und Koalitionsrecht, das alles sind Fragen von Wichtigkeit.— Deshalb haben die Arbeiter ein großeS Interesse daran, recht zahlreich in die parlamentarische Vertretung'zu kommen. Wenn jetzt ein nettes, bürgerliches Gesetzbuch entsteht, so haben wir ein großes Interesse daran, wie dieses Gesetzbuch ausfällt. Es ist deshalb unsere Pflicht, nach allen Seiten hin unsere Aufgabe im Parlamente zu erfüllen, das Interesse der arbeiten- den Klasse wahrzunehmen und der herrschenden Klasse die Wahr- heit zu sagen. Je mehr wir diese Aufgaben erfüllen, desto mehr werden wir die breite Masse überzeugen, daß all' ihr Heil in der Sozialdemokratie allein liegt. Und so fasse ich unsere Stellung auf, daß wir die Gelegenheit, soviel Männer als möglich ins Parlament zu wählen, solche Männer, die die entsprechende Sachkenntniß besitzen, um das Interesse der Arbeiter wahrnehmen zu können, gehörig ausnutzen. Leider kommen wir ja nicht mehr sobald zur Wahl; man hat die Legis- laturperioden verlängert. Doch das allgemeine Stimmrecht hat man uns, so gern man es möchte, nicht zu nehmen gewagt. Man weiß, daß die Arbeiterklaffe zn innig mit diesem Recht verwachsen ist, und daß sie sich dieses Recht nicht so ohne Weiteres nehmen lassen würde. Unsere Ausgabe wird es sein, solche Pfiffe und Kniffe zu schänden zu machen. Jeder muß es als seine heilige Pflicht betrachten, überall Gesinnungsgenossen zu werben. Die Ueberzeugung, daß die Sozialdemokratie die einzige Vertreterin der Arbeiterinteressen ist, müsse sich überall Bahn brechen. Wenn Sie alle in dieser Hinsicht ihre Schuldig- keit thun werden, so können Sie auch überzeugt sein, daß der Sieg und vollständige Erfolg unserer Sache nicht mehr fern ist. (Langanhalter stürmischer Beifall.) Da Gegner nicht anwesend sind, so wurde von einer Dis- kussion Abstand genommen. Die Versammlung nahm einstimmig folgende Resolution an: „Die heute am 15. November tagende Volsversammlung in Mariendorf spricht ihre volle Zustimmung zu den Ausführungen des Referenten aus; sie verspricht im Sinne dieser Ausführungen zu wirken, weil, nur durch die Sozialdemokratte die Befreiung der Arbeiterklasse zu erreichen ist. Hierauf wurde noch die Gründung eines Arbeiter- und Arbeiterinnen-Bildungsvereins für Aiariendorf, Tempelhof und Umgegend beschlossen; zur Ausarbeitung der Statuten u. s. w. wurde eine aus neun Personen bestehende Kommission gewählt. Eine Frau, welche in der Debatte das Wort nehmen wollte, wurde seiiens des überwachenden Gendarmen daran gehindert. Um 11 Uhr erfolgte der Schluß der Versammlung. Die Parteigenossen verließen unter stürmischen Hochs auf den Ab- geordneten Bebel und die internationale Sozialdemokratie den Haudluttg-ogrhilfrtt-Uersammlung. Zu einer heftigen Redeschlacht kam es Donnerstag Abend in einer öffentlichen Handlungsgehilsen- Versammlung; welche im Böhmischen Brauhaus stattsand und von ca. 1200 Personen besucht war. Gleich bei der Bureauwahl meldete sich ein„Frei- sinniger" zum Wort und ersuchte auch zwei von ihm vorgeschlagene „Freisinnige" ins Bureau zu wählen. Dieser Antrag wurde jedoch mit bedeutender Majorität abgelehnt, im weiteren Verlauf der Verhandlungen zeigte es sich, daß die Gegner in zwei Heer- lager gespalten ivare», in„Freisinnige" und Antisemiten. Hierauf erhielt Dr. L ü t g e n a u zu seinem Vortrage;„Der Kaufmann und die Sozialdemokratie", das Wort und führte Fol- gendes auZ: Ich freue mich, daß Gegner hier anwesend sind; wir werden demnach wohl Gelegenheit haben, die verschiedenen Ansichten zu hören und zu bespreche». Die Gegner wollen also doch zn der von Seiten der Sozialdemokratci, unter den Haiidlungsgehilfen betriebenen Agitation Stellung nehmen. Anläßlich der neulichen Versammlung auf den, Bock wurde dem Genossen Auerbach von der„Staatsbürger- Zeitung" der Vorwurf gemacht, daß er, ob- gleich selbst Kleinkaufmann, für die Eozialdemökratic, das heißt für den Untergang des Kleingewerbes eintrete, da die So- zialdemokratie de» Kleinbetrieb ruiniren wolle. Wir wollen nicht VaS Kleinbürgerthmn ruiniren, sondernjfivir haben nur erkannt, daß die wirthschastliche Entivickelimg, die Entwickelung der Technik immer mehr das Kleingewerve durch das Großkapital aufsaugen laffe.(Sehr>v a h r I) Wir wissen, daß es nicht möglich ist, Produktion und Handel in frühere Forme» zurück- zuschrauben. So lauge die LJtaschiue ein Arbeitsmittel im Ve- sihe weniger Menschen ist, wird sie ein Fluch für die Menschheil sei», sie wird erst ein Segen, ivenn sie in den Besitz der Gesammt- heit übergeführt ist.( S e h r r i ch t i g! Beifall.) Wir sind daher keine Gegner der technischen und wirthschaftlichen Ent- Wickelung.(Bravo.) Bezeichnend ist, daß die„Staatsbürger- Zeiiung" sich mit dem Betragen ihrer GesinmmgSgeuossen auf dem Bock brüstet.(Beifall.) Die Antisemiten spiele» sich als die berufenen Vertreter des Handwerks, des 5ileiiiha»dels auf. Wenn es wahr wäre, daß sie das Kleingewerbe beschützen, so vertrete» sie damit doch noch lange nicht die Interesse» der Hand- lungsgehilse».(Sehr richtig!) Denn die Voraussetzung der Antisemiten, daß der Gehilfe auch bald ein Kleinkaufmann»verde, ist ganz falsch, das brauche ich wohl Keinem, welcher die heutigen Verhältnisse kennt, näher auseiiianderzusetzen.(Sehr richtig! Beifall.)_ Aber auch der Kleinkaufinann muß schließlich zum Bundesgenossen der Sozialdemokraten werde». Er kann nur ein Geschäft machen, wenn die Massen konsumfähig sind. Daher muß er bei richtigem Nachdenken über seine Lage mit dem Arbeiter syinpathisiren, er muß sich freuen, wenn diese für verkürzte Arbeiiszeit, für Erhöhung der Löhne eintreten.väre, so giebt das noch keinen Grund zu solcher Schluß- folgerung. Auch im sozialistischen Staat sind die Produkte den Konsumenten zu übermitteln(Sehr richtig.) Und in den großen Atagazinen nehmen die Handlungsgehilfen dem Publikum gegenüber schon heute denselben Standpunkt ein, nur daß sie heute von einem Chef ausgebeutet werden.(Bravo!) Daß die ..smimnige" Partei nicht auf Seiten der Handlungsgehilfen in Wirklichkeit steht, ist allbekannt, sie hat sich von jeher gegen eine Berklirzun g der Arbeitszeit ausgesprochen. Erst neulich sprach Richter in einem„freisinnigen" sogenannten Arbeiterverein, der sich dadurch von anderen Arbeitervereinen unterscheidet, daß in ihm keine Arbeiter sind. Dort sagte Eugen Richter, die„Freisinnigen" seien grundsätzlich gegen eine gesetzliche Verkürzung der Arbeitszeit.(Hört! hört!) Herr Richter hat eine Broschüre, die Irrlehren der Sozial- demokratie betitelt, herausgegeben, diese hat Aussicht ein Leitsaden in den Volksschulen zu werden.(Große Heiterkeit.) Denn nach dem jüngsten Erlasse soll volkswirthschaftlicher Unterricht in den Volksschulen gelehrt werden, und da eine Reihe von Blättern aller gegnerischen Parteischattirungen die Kritiken Richters an der Sozialdemokratie abgedruckt hat, so wäre der Richterffche Leit- faden ja vielleicht genehm. Richter berechnet, daß das Einkommen im sozialistischen Staat bedeutend kleiner sein wird, als heute, er hat 842 M. für jeden Haushalt ausgerechnet.(Allgemeine Heiterkeit.) Redner legt dann unter großem Beifall der Versammlung(hin und wieder von einigen ärgerlichen Zwischenrufen der anwesenden Freisinnigen unterbrochen) in ausführlicher Weise die Verkehrtheit der Richter'schen Berechnung dar und daß Richter das Verhältniß zwischen Produktion und Konsumtion im sozialistischen Staat nicht begreift. Uebrigens habe ich mir von Kaufleuten sagen lassen, daß bei der Mehrzahl der Handlungsgehilfen 75 M. monatliches Gehalt die Regel ist. (Beifall, Widerspruch und g r o ß e U n r u h e.) Das ist Thatsache, die Handlungsgehilfen unterscheiden sich dadurch von den anderen Arbeitern, daß sie ihre gedrückte Lage nicht ein- gestehen wollen. Das ist ein falscher Stolz, dazu leiden Sie mehr noch, wie die anderen, unter einer übermäßigen Arbeitszeit und unter schlechten Lohnverhältnissen.(Sehr richtig, leb- h a s t e r Beifall.) Wenn thörichter Stolz und übermäßige, ientmannende Äwsbeurung zusammenwirken, dann entsteht das zeitgeschichtliche Zerrbild des freisinnigen Handlungsgehilfen, des Mannes mit dein schweren arbeitenden Beruf und doch erfüllt mit bürgerlicken Ansichten und Idealen.(Anhaltender Beifall.) Zum Glück sind die meisten Gegner ebenso un- wissend, wie Richter.(Beifall.) Wir wissen zwar, der Un- verstand der Massen ist unser Feind, die Unwissenheit der Gegner ist aber unser Bundesgenosse.(Stürmischer Beifall. Zischen, erneuter Beifall.) In der Diskussion erhält zuerst ein Herr Eugen Herzberg, nach den Beifallsbegrüßun- gen seiner Freunde zu schließen, der Wortführer der„Freisinns"- gruppe, das Wort. Derselbe hält sich zunächst darüber auf, daß in einer öffentlichen Handlungsgehilfen- Versammlung Stichtkaufleute sprechen.(Gelächter.) Die Sozialdemokraten kämen nur in „freisinnige" Versammlungen, um diese zu stören.(U n r u h e, Schlußrufe, Lär m.) Er vermisse in de» Ausführungen Dr. Lütgenau's die Angabe, wie er seine Lage verbessern solle, mit dem gehörten Vortrage wisse er nicht, was er ansangen solle. (Höhnische Zwischenrufe u. a.„Sie b l a m i r e n srch unsterblich".) Die Sozialdemokraten hätten Wünsche, die gar nicht zu erfüllen seien, die„Freisinnigen" dagegen stellten Tiur Forderungen auf, welche auch zu verwirklichen seien.(L a ch e n.) .Die Sozialdemokraten sollten daher die deutsch-„freisinnige" Partei unterstützen. Herr Lütgenau stehe wohl einzig in der Ansicht da, Richter sei ein" schlechter Rechner.(Widerspruch, Ruf, das hat er auch nicht behauptet.) Wenn Richter ein Maul- Held sei, so seien es Bebel und Liebknecht auch, denn sie haben noch nichts erreicht.(GroßesGelächter.) Liebknecht gebrauche gegen Richter im„Berliner Volksblatt" nur unanständige Schimpf- worte.(Lebhafte Nnterbrechunge n.) Liebknecht sei durch die Frage, wie der Zukunftsstaat aussehe, in Konfusion gerathen. (Gelächter.) Der erste Mai sei für die Sozialdemokraten die größte Blamage gewesen.(Große Unruhe und heftiger Widerspruch). Zum Schluß verliest Redner nachsiehende Resolution und ersucht um Annahme derselben: Die heutige am 13. November tagende öffentliche Versammlung der Handlungsgehilfen erkennt an, daß nur auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung eine Besse- rung der Lage der Handlungsgehilfen möglich ist und er- klärt sich für den Anschluß an die wahrhaft d e m o- kratische deutsch- freisinnige Partei. (Wüthe nder Beifall bei der„freisinnigen" Kolonne. Herr Kannegießer tritt den Ausführungen des Vor- redners entgegen. Er ist der Meinung, daß er sich wohl nicht hätte im Verein Waldeck oder sonst in einer„freisinnigen" Ver- sanimlung ein solches Betragen erlauben dürfen, wie der Vorredner, er wäre dort bald heruntergeholt worden.(Beifall.) Redner schildert, im Anschluß daran, das gemeine Betragen der„Freisinnigen" gegenüber den Sozialdemokraten in der Richter'schen Versammlung bei Lips.(Beifall, Unruhe bei den„Freisinnigen"). Er widerlegt die Äln- ficht, daß eine wirkliche Verbesserung auf dem Boden der heutigen Gesellschaftsordnung zu erzielen sei. In der Arbeiterschutz- Kommission habe sich gezeigt, daß der klerikale Hitze mehr für die Arbeiter eingetreten sei, als der freisinnige Hirsch.(Lebhafter Beifall.) Herr Bödeck erklärt, daß er Antisemit sei. Kein Stand sei so gedrückt, wie der Kaufmannsstand; er erkenne an, daß die Sozialdemokraten die Initiative ergriffen haben, um die Kauf- leute aus ihrem Schlaf aufzurütteln.(Hört, hört!) Erbe- dauert den Radau feiner Gesinnungsgenossen auf dem Bock. Die Ursache an den Mißständen liege an der Schundkonkurrenz. (Beifall.) Die Juden müßten bestrebt sein, den Handel wieder in gute Bahnen zu lenken, viele Juden haben durch ihre Unreellität im Handel Schuld am Antisemitismus.(Widerspruch.) Die Handlungsgehilfen sollten nur solche Abgeordnete wählen, welche auf dem Boden der heutigen Gesellschastsordnung gegen das Großkapital austreten.(Beifall beiden Antisemiten, Widerspruch, Zischen.) Jedem, dem die Thätigkeit des Herrn B o d e ck aus den anti- semitischen Versammlungen bekannt ist, mußte das vorsichtige Auf- treten dieses Herrn auffallen. Er schien es nicht zu ivagen, das Wort„Jude""auszusprechen und umschrieb das Wörtchen stets mit allen möglichen Ausdrücken. Er schien zu befürchte», daß er hier ebenso behandelt werden könnte, wie Gegner in antisemitischen Versammlungen. Hieraus macht auch der nächste Redner, Genosse M i e ck e r, aufmerksam; er sagte, daß er bei beiden Gegnern ein näheres Eingehen auf die Lage der Handlungsgehilsen vermißt habe, trotzdem sie es beide Eingangs ihrer Reden besonders betonten.(Sehr richtig.) Dem ersten Redner entgegne er, daß er zwar nicht wisse, wie der Zukunftsstaat in allen Einzel- heiten aussehen werde, das wisse er aber, daß es in demselben Brot für Alle geben wird.(Beifall.) Der Vorredner und jeder seiner Freunde will nur auf seinen eigenen Juden hauen. (Heiterkeit.) Wir, die Handlungsgehilfen, leiden unter über- maßiger Ausdehnung der Arbeitszeit(sehr richtig!), sie sind in vielen Geschäften 12—18 Stunden thätig(Ruf: Das i st Thatsache!), sie leiden unter einer ungeregelten Kündignngs- frist, sie leiden unter der Sonntagsarbeit, sie haben keinen Schutz bei Krankheiten und Unfällen und sie leiden infolge der aus- gedehnten Arbeitszeit an übermäßigem Arbeitsangebot. Ter kaufmännische Antisemitenführer Müller vom Verein Germania habe dort vor einem Jahre eine 14 stündige Arbeitszeit verlangt, sie verlangen vorläufig eine 10 stündige.(Beifall.) Seit 6 Jahren bestehe eine kaufmännische Agitation und die- selbe sei immer nur von sozialdemokratischer Seite betrieben worden.(Beifall.) Es sei die Pflicht der Handlungsgehilfen, im eigenen Interesse die gesetzgebenden Körperschaften mit solchen Vertretern zu füllen, die ohne jeden persönlichen Eigennutz für die Arbeiter eintreten, und das sind die Sozialdemokraten. (Brav o.) Alle Anderen stehen auf Seite des Kapitals(Bei- fall.) Er fordere die Anwesenden daher auf, ohne jedes Be- sinnen sich der Sozialdemokratie anzuschließen.(Stürmischer Beifall.) Infolge eines Antrags, die Diskussion zu schließen, regt Herr Bodeck ein Kartell zwischen Antisemiten u n d Freisinnigen an in der Art, daß der Schlußpassus in der „freisinnigen" Resolution gestrichen werde. Der Einbringer der Resolution erklärt sich damit einverstanden, will aber über den chlußsatz eine besondere Resolution einbringen. Nachdem jedoch der Schlußantrag nach einer langen Ge- schäftsordnungs- Debatte abgelehnt war, bespricht Dr. Lütgenau das geplante Kartell zwischen Freisinn und Antisemitismus. Der Antisemit habe eine gar nicht anti- semitische Rede gehalten. Die Bourgeoisie müsse naturgemäß konservativ werden. Bei einem Anschluß an diese würden die Handlungsgehilfen nur dann im Klasseninteresse Händen, wenn sie zur Bourgeoisie gehörten, das sei aber nicht der Fall, im Gegentheil, sie gehörten zum Proletariat.(Beifall, ver- einzelter Widerspruch.) Die freisinnigen Handlungs- gehilfen besorgen die Geschäfte ihrer Feinde. Redner widerlegte die leichtfertige Polemik des freisinnigen Redners in vielen Punkten und gab einige Beispiele vonWner politischen Unehr- lichkeit des Abgeordneten Richter(zum größten Aerger des„frei- sinnigen" Fähnleins). Herr Eugen Richter habe sich nicht, wie sein Kollege Hermes meinte, zu groß gefehlt, sondern zu schwach, sein Theilungs-Kunststückchen gegen sozialdemokratische Angriffe zu vertheidigen.(Stürmischer Beifall.) Es wird dann nachfolgende Resolution angenommen: Die heute am 13. November er. in dem„Böhmischen Brauhause" tagende öffentliche Versammlung der Handlungsgehilfen erklärt eine ausreichende Besserung ihrer Lage nur erreichen zu könne», wenn auch die Handlungs- gehilsen sich auf dem Boden der allgemeinen Arbeiter- bewegung organisiren. Zu diesem Zweck verspricht sie, sich der hier bestehenden freien Vereinigung der Kaufleute Mann für Mann anzuschließen und für dieselbe thatkräftig und energisch unter den Berufsgenossen zu agitiren. Es war somit die freisinnig-antisemitische Resolution gefallen. Die Freisinnigen verließen aus llnmuth darüber unter Hoch- rufen auf den großen Eugen die Versanimlung— sie haben bei ihren antisemitischen Bundesgenossen vom Bock Schule gemacht. Zur Annahme gelangte noch folgende Resolution: Die heute im Böhmischen Brauhaus tagende öffent- liche Versammlung der Handlungsgehilsen verpflichtet sich, nur auf das„Verl. Volksblatt" und auf die„Berl. Volks- Tribüne" zu abonniren, da dies die einzigen Berliner Zei- tungen sind, welche das Interesse der Lohnarbeiter, zu denen auch die Handlungsgehilfen gehören, wahrnehmen. Es wurde dann die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie geschlossen. Auch in dieser Versammlung ließen sich eine beträchtliche Anzahl neuer Mitglieder in die„Freie Vereinigung der Kaufleute" aufnehmen. Allgemeiner Arbei� noch nicht existirt, ist eine solche einzuführen. Sn,etJ K e;! werden die unterstützt, welche nachweisen können, dost Lki'> Mechanikerbewegu� unterstützt haben."— Als Vertraue.hst der Mechaniker Deutschlands wurde der Kollege Schuck ö Außerdem wurde eine aus fünf Personen bestehend'„jF tionskoinmission gewählt. Redner fordert zum Schluß.„iltl- Ausführungen die Anwesenden auf, sich nicht nur als M J � sondern auch als Angehörige der Arheiterklasse im ckllg jn zu fühlen und danach zu handeln.— Es wurde nunmey von den Unternehmern angeregten Einigungsämtern. m /**« CX nw 44- nf w.» 4% Ist K fravMA»* irtffßÖtG�.«ttjl)! =30 genommen. He�ZiiMmitzhobleroor, anW«bie��' ämter nur als ein Palliativmittel betrachten;"' man nehmen, was man bekonimen könne. Redne sich gegen den von den Prinzipalen der Gehilfen»neinP � fr Wahlmodus. Nachdem noch Herr Pinn gesprochen,>» j# gende Resolutionen angenommen: 1.„Die BersammU � gstt. sich mit den hier berichteten Beschlüssen des Zweiten f Mechanikertages einverstanden; Zie erwartet von deii���jl ...... i'k �VVCVt;U(llVCtiUUCS> Ciltl'Ct|4UUVCil,|IC WJVWHV» VV.»~ V ✓ wj# daß sie die Durchführung der Beschlüsse mit Entschid 5 be »» I--- y----- o——. 3" �-----—"1-----„..., stützen, resp. allen gegentheiligen Absichten mit Energy msmm i:«1 t-ü treten zu können." 2.„Die Versammlung verwahrt tstst IL jemals etwaige Vertreter in das Eiltigungsamt sticht» � vick der» mittelst Wahlmänner wählen zu müssen. Sie Wahl in öffentlicher Versammlung für das einzige- st die wahren Wünsche der Gehilsen zum Ausdruck zs.�fl» 3. Vom Gesichtspunkt der Gleichberechtigung von Gehilfen ausgehend, spricht die Versammlung dem- gveil' j tag das Recht ab, bei Feststellung der Statuten für el''-mi, L, Vereinigung in diesem Statut Bestimmungen z» L e» � welchen die Gehilfen die Wahl ihrer Vertreter vorzuns.h. �sp. j Die Versammlung nimmt dieses Recht lediglich für»/„ K'>, bestehenden Gehilfenvereinigungen in Anspruch." ,aresff»!!> Resolution erklärt, daß die Telegirten auf beiden KP sst et'Lj Einverständniß mit den Berlinern gehandelt haben ihnen Decharge. Es wurde noch beschlossen, die ang Resolutionen dem Neunerausschuß der Prinzipale, Ausbauung des Vereins derselben vorzunehmen h'",� gjck" Vk* vvv|v*fvi» w fcQvu.v»;•••»■•■/ SlP /V Der Ueberschuß der Tellersammlung wurde sür 01 j i�i-___«____ u.... r c.___• r.*•___ c...... i...(/ � Streik-Kontrolkomnns fi on bestimmt. Lese- nnd Aiskutirkluvs.„H erwegh". Abends 8%## u � a. � o:.-* /Tfssr.«—':__ //V-eick 1 i«'f'' 3'---- � mrv,>-•»- v jj v» m ,3 1 1 J I•..■ Lit . Herrn Otto Linke, Forsterstr. 45.(Bäfte willkommen.—»r>(Jäl'.jj Abends 8% Uhr im Lokale des Herr» Steuer, Weinfiraße.xf»., komme».— Agitatiousoerein„L a j a l l e", Abends 8 rhr,«kau» Haupt. Gäste haben Zutritt.'isti'L VZrsung-, Turn- und oescllige zterciue. Privat-Theate»»„ist.,, Abends o Uhr, im Restaurant Lehmann, Naunynstr. n®o» pst',(v — Verein ehmaliger 37et, Abends 9 Uhr, im ltonigstadt-Kalin ,�„0- straße 72.— Verein ehemaliger Buhrmeister'schcr Tanzschüler,» � y Sitzung mit Tamen im Restaurant Andreasstr. 3. Gäste wiillo»»».M' klub„R 0 s e n b l ä 1 1 e r", Abends 8% Uhr bei Leopoidt, Nock- strahen-Gcke. Gäste willkomme». Verantiv örtlich«� Redakt--. r- Eurt Baaste in Berlin. Druck and Verlag von Ma» Fading in Berlin SVV., Beuthstraße 2.