lr. Stfo. Mittivoch, den 19. November 1890. y. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. WUMIWWWU Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. _ i Fernsprecher: Amt VI. Jljr. 4100.•-- Ned�ktion: VeukhZkvÄßr S.— Ezeprdikion: VcukhftvÄHe 3. Die Grpeditionen Unserer Parteiblätter, sowie der Preßorgane Ogf ff* Gewerkschaften werden ersucht, zur Aufstellung sNter Liste sämmtlicher Partei- und Arbeiterblätter den Titel P resp. Blattes, sowie den O r t und die A r t des Er- Leinens— ob täglich, wöchentlich oder monatlich an Berlin "g�n zu lassen. Auer, 8W., K a tz b a ch st r. 91. I' Die neue Einkrotnurenfleuee i5611 zahlreichen Vorlagen, welche die„Reform- kon,»?�ten sollen, kann der Entwurf eines neuen Ein- ipru�� r-Gesetzes das meiste Interesse für sich in An- nehmen. Angaben, freilich meist unbestimmten ÄstsfVs �, � namentlich, daß die Selbstdeklaration in triiii genommen sei, haben einige Zeitungen schon gebracht und in der Thronrede ist verkündet worden, C,,>k letzt bestehende Klassensteuer und die klassisizirte V* �unlensteuer zu einer einheitlichen Steuer vereinigt, föbvii leuersätze zweckmäßiger gestaltet und durch Ein- fv?. l>er Deklarationspflicht, sowie durch eine andere -.i�n der Einschätzungsbehörden und des Ver- , eine sichere und der Wirklichkeit mehr entsprechende tyche l|Un9 des steuerpflichtigen Einkommens herbeigeführt zu Recht bestehende Einkommen- mit seinen hauptsächlichen Be- 1851 zurück und hat in den jren �1873—77 und 1883 eine Anzahl�von Aenderungen Zusatzbestimmungen erfahren. stillhält b-k'-lb-» nfa Wir müssen den desselben als bekannt voraussetzen und be- tzen nur' daß eine Klassensteuer mit festen Steuer- Mömmr-nIommen von 900—3000 M. in 12 Stufen vh crn611' während die klassisizirte Einkommensteuer ibet n J�vtual berechneten Steuersätzen von Einkommen |eit e; 00 9R. bezahlt werden mußte. Die Nothwendig- durchgreifenden Reform der direkten Steuern Zerg» nicht blos der Einkommensteuer, wird seit % Bf81" von allen Seiten anerkannt, sagt einleitend 'eio.Q fpunbung, welche dem neueil Regierungsentwurf 'dt q �'fl-„Die Mängel und Schäden des bestehen- lilfe i!„�vd,es sowie die Mittel und Wege zu ihrer Ab- leit einer Reihe von Jahren in den VerHand- Jantillcfmt. 'U-_[43 Dictoria. Roman von Minna K a u t s k y. sen�� h?tte die Gewalt des Sturmes ctivas nach- »«"gen fr' v"4l,c v-jiiuuii uv»------------ 7 5„f,v.Ieh das schirmende Dach und beginnt wieder r.�ebel n Die Dunkelheit drohte hereinzubrechen, i,.. f\h" schon einige Male vom Wege abirren, et fi,01' Ungeduld. Da bemerkt er die Holzhauer- It Uack'�'Lt näher, die Thür steht offen. Andreas �vust, nach einem Gegenstand, den er daselbst Tie es,.""6 geht hinein. q v der 9}!-� �t leer. Aber am Herde glimmt es noch �Nierst er•"legt Holz zu, um besser zu sehen, und Tstcl,»; ern Tuch auf der Bank, feucht vom Regen, ij"'•%eik."" Weibsperson. Sie waren also hier gewesen eii, �titte•• ste können nicht weit sein. Er verläßt Fuß vlar kaum einige Schritte gegangen, als j|elt ver einen am Boden liegenden Gegenstand St sj°"st sich herab, es ist der Körper einer Frau, und ».Fln,... unbeweglich und starr, einer Todten gleich. s�oii-en'�wegucy uno parr, einer W Ar>»° nnrst sich neben ihr nieder und ninnnt sie ,rÜ d�'/u. aufheulend in wildem Entsetzen. Aber er &% hinzu, daß es bald hell ausflammt, >v«chein die ganze Hütte erleuchtet. Dann wendet lungen des Landtages, in der Wissenschaft, in der Presse, in Versammlungen u. s. w. von den verschiedensten Stand- punkten aus einer so ausgiebigen öffentlichen Erörterung unterzogen worden und die einzelnen Stadien, welche die Frage namentlich seit dem Jahre 1883 durchlaufen hat, sind noch in so frischer Erinnerung, daß eine historische Darlegung entbehrlich erscheint." Thatsächlich sind unter der Herrschaft des bestehenden Einkommensteuer-Gesetzes in vielen Theilen Preußens so schlechte Steuersitten eingerissen, um uns dieses von der Finanzwissenschaft bereits adoptirten Ausdrucks zu be- dienen, daß ein angesehenes Mitglied einer der Fraktionen unseres Landtages im Jahre 1883 sich den Ausspruch erlauben konnte:„Meine Herren, in Steuer- fachen betrügen w i r Alle", ohne damit in dieser gesetzgebenden Versammlung Widerspruch zu finden. Wir erinnern dabei an die neueren Vorkommnisse im westlichen Theile Preußens, die bekannten Steuerskandale in Bochum, von denen die Zeitungen berichtet haben. Es ist reiner Zufall, daß es gerade Bochum ist, wo diese hübschen Zustände ans Tageslicht gekommen sind. Die„Begründung zu dem Entwurf eines Einkommen- steuer-Gesetzes" giebt die Bestimmung, daß den min- der bemittelten Bevölkerungs schichten weitergehende Erleichterungen zu ge- währen seien, als eines der Leitmotive an. Man würde zunächst voraussetzen, daß ein höheres Existenz- Minimum festgesetzt und steuerfrei gelassen sei, umsomehr, als diese Bevölkerungsschichten durch die indirekten Steuern, durch unsere Zoll- und Theuerungspolitik unverhältnißmäßig stark herangezogen werden. Diese Voraussetzung trifft jedoch nicht zu: der Regierungsentwurf läßt die Steuer- pflicht mit einem Einkommen von über 900 M. beginnen und bringt in dieser Beziehung keine Aenderung der be- stehenden Einkommensteuer. In der„Begründung" wird m dieser Hinsicht gesagt, daß die Bestrebungen der Staatsregierung zwar seither auf die gänzliche Frei- stellung sämmtlicher Einkommen von nicht mehr als 1200 Mark gerichtet gewesen seien. Ungeachtet der dringlichen Befürwortung ihrer hierauf gerichteten Vor- schlüge habe sie aber nur die durch das Gesetz vom 26. März 1883 angeordnete Aufhebung der beiden untersten Stufen der Klaffensteuer erreichen können. Die im damaligen Regierungsentwurfe wiederholt vorgeschlagene Befreiung der Personen mit einem Einkommen von 900 bis 1200 M. habe im Hause der Abgeordneten von keiner Seite wirksame Unterstützung gefunden und nach diesen Erfahrungen glaube die Staatsregierung ihren früheren Vorschlag nicht wiederholen zu dürfen. Wir sagen im Gegentheil: wenn es 1883 mit einem er sich wieder ihr zu, er scheint hundert Arme zu haben und unermüdliche Kraft. Und jetzt, endlich ist sie erwacht und starrt ihn groß an, mit schreckerfüllten Augen. „Franzel!" ruft er,„kennst Du mich nicht mehr, oder willst mich nicht kennen? Ich denk', ich Hütt' mich nicht so verändert wie Du."— Ein Feuer, heiß und unstät, schien sich in seinen Augen zu entzünden, als er das Mädchen an- sah, das sich auf seinem Lager aufgesetzt hatte. „Du bist eine Andere geworden— so schön— so blaß — aber jetzt sag', was ist Dir geschehen?" Und nun dringt er in sie, ihm zu sagen, ob sie gestürzt sei, ob sie verletzt oder krank, und er frägt, wo ihr Liebster geblieben, er will es wissen. Er hat ihn heraufsteigen sehen; und wie kommt es, daß er sie hier allein findet und bewußtlos? Sie senkt ihr Haupt und verbirgt ihr Gesicht in das wollene Tuch, das ihre Schulter umhüllt. Er reißt es mit roher Gewalt von ihrem Antlitz hinweg: „Tu sollst Dich nicht abwenden. Du sollst mir in die Augen schauen. Kannst es nicht? Schänist Dich? Oder hast Angst, daß jetzt der Augenblick der Vergeltung ge- kommen ist für Alles, was Du mir angethan. Du und er, aber Du zumeist, ja Du— Du—.* Und nun in leiden- schaftlicher Hast die Worte überstürzend, sprach er ihr von den Leiden der Haft und was er Alles erduldet, und nun folgen Vorwürfe und Beschuldigungen. Sie war ihm Alles, er ihr nichts, und sie hatte sich nicht mehr uni ihn ge- kümmert, als um einen tollen Hund, den man ihr weggefangen. Kein Wort des Trostes hatte sie für ihn gefunden, ihm nicht einmal geschrieben oder nach ihm gefragt, vielleicht nicht einmal an ihn gedacht. Sie hatte sich wohl gefreut, daß er eingesponnen war und nicht mehr mitzählte unter einzigen Anlauf gelang, die zwei untersten Stufen der Klassensteuer aufzuheben und steuerfrei zu erklären, so ist es Pflicht der Regierung, bei einer neuen Vorlage die Be- strebungen, die sie noch jetzt als berechtigt und sogar als dringlich ansieht, aufs neue geltend zu machen. In einer Zeit, wo alle Welt in Sozialreform machen will, würde im Abgeordnetenhaus dieses Mal gewiß und selbst noch mehr zu haben sein, was 1883 nur theilweise erreicht werden konnte. Nachdem also eine höhere Festsetzung des steuerfreien Einkommens nicht in Aussicht genommen ist, können die „weitergehenden Erleichterungen", die man den minder be- mittelten Bevölkerungsschichten gewähren will, darin be- stehen, daß die entsprechenden Stufen der neuen Ein- kommensteuer mit niedrigeren Sätzen herangezogen werden, als bis jetzt der Fall ist. Wir stellen in dieser Beziehung die bestehenden Steuersätze den vorgeschlagenen gegenüber, insofern sie die untersten Stufen, die uns hier hauptsäch- lich interessiren, betreffen. Stufe Steuersatz: bisher vorgeschlagen 900-1050 M. 6,75 M. 6 M. 1050-1200„ 9,-.. 9„ 1250-1350„ 13,50„ 12„ 1300-1500„ 18,—„ 16.. 1500-1650„ 22,50 21 ,, 1650-1800„ 27-„ 26„ 1800—2100„ 31,50_ 31„ 2100—2400„ 36,—„ 36„ Wie man sieht, sind die versprochenen Erleichterungen zwar angedeutet, thatsächlich jedoch so gut wie von keiner Bedeutung. Wirklich legt der Regierungsentwurf den Nach- druck nicht auf diese etwas moderirten Steuersätze, sondern „glaubt die Mittel zur weiteren Erleichterung des Steuer- druckes der ärmeren Bevölkerungsklaffen in solchen Ein- richtungen finden zu sollen, welche eine größere Berück- sichtigung verminderter Leistungsfähigkeit gestatten." Es entspricht dem Wesen der Einkommensteuer über- Haupt und bildet ihren Vorzug vor der Ertragsteuer, daß die persönlichen Verhältnisse des Steuerpflichtigen berücksichtigt werden können. Die Ertragsteuer sieht das steuerpflichtige Objekt(Grund, Haus, Gewerbe, Kapital) als ertraggebend an und nimmt keine Rücksicht auf die persönlichen Verhältnisse des Besitzers, ob er verheirathet ist und Kinder und gar noch arme Verwandte hat oder nicht, ob er gesund oder kränklich, ein tüchtiger oder minder tüchtiger Wirthschafter ist. Die Einkommensteuer dagegen wendet sich an das Einkommen beziehende Subjekt selbst und kann dessen persönliche Verhältnisse in Berück- sichtigung ziehen. Die(wissenschaftliche) Eutwickelung der Einkommensteuer geht wirklich dahin, sich mehr und mehr zu individualisiren, das steuerpflichtige Subjekt in den Menschen? Und je mühsamer er sprach, und je mehr seine Rede zu einem Stammeln wurde, um so lauter ward seine Stimme, um so mehr exaltirte er sich. Sie aber saß da wie versteint, die Zähne zusammen- gebissen und nur von Zeit zu Zeit von einem Schauder durchrüttelt. Da faßte er sie plötzlich an. „Sprich!" schrie er.„Du sollst reden!— Dich versteh ich. Du weißt es— und ich will erfahren, was Du getrieben — was ans Dir geword—", er brach plötzlich ab und in ein wildes Lachen aus.„Du willst nicht, gelt, willst es nicht sagen, aber ich weiß es ohnedies— Du—" Seine bebenden Lippen schleuderten ihr das entehrendste Schimpfwort entgegen. Sie sprang in die Höhe, wie emporgeschnellt von Ent- setzen und unsäglicher Pein, und als er sofort nach ihr griff, stieß sie ihn zurück mit einer Kraft, die ihn taumeln machte. Er brüllte auf. In der nächsten Sekunde blitzte ein Messer, sie sah es, unwillkürlich sprang sie zurück, als er aber aufs Neue gegen sie eindrang, brach sie in die Knie und ihr Haupt in den Händen bergend, schien sie den Todes- stoß zu erwarten. Er aber schleuderte den Mordstahl von sich, und im raschesten Umschwung der Gefühle sank er neben sie auf die Knie und brach in ein krampfhaftes Schluchzen aus, und bat und flehte nm ihre Verzeihung. Und sein aufrichtiger Schmerz löste die starre Rinde, die sich um ihr Herz gelegt, und sie weinten nun Beide, weinten heiße und erlösende Thränen. Das Mitleid war über sie gekommen; sie fühlten, daß sie sich gegenseitig versündigt und so viel abzubitten hatten allen seinen thatsächlichen Verhältnissen zu erfassen und denselben Rechnung zu tragen. Die verschiedenen Steuer- Gesetzgebungen haben diese Aufgabe auf verschiedenen Wegen zu lösen gesucht und z. B. das steuerfreie Ein- kommen für Ledige, für Verheirathete und für Wittwen mit Kindern verschieden hoch festgesetzt. So werden nach dem Steuergesetz des Kantons Baselstadt steuerpflichtig „Personen ledigen Standes bei einem Einkommen von über 800—1200 Frks., Verheirathete, welche eigenen Haushalt führen, und Wittwer, welche mit unerwachsenen Kindern in gemeinsamem Haushalte leben, bei einem Ein- kommen von über 1200—1500 Frks., und endlich Wittwen mit minderjährigen Kindern bei einem Einkommen von über 1500—1800 Frks." Der Regierungsentwurf bestimmt in dieser Beziehung Folgendes.(§ 18.) „Für jedes Familienmitglied unter 14 Jahren wird von dem steuerpflichtigen Einkommen des Haushaltungs- Vorstandes, sofern dasselbe den Betrag von 3000 M. nicht übersteigt, der Betrag von 50 M. in Abzug gebracht." Angenommen z. B. das Einkommen eines Steuer- Pflichtigen betrage 1300 M., so würde der betreffende Steuersatz 12 M. betragen. Wenn er jedoch 4 Kinder unter 14 Jahren hat, so werden von der Höhe der Ein- tommenssumme 4 X 50 M.— 200 M. abgezogen, so daß er jetzt 1100 M. zu versteuern und dafür einen Steuersatz von 9 M. zu entrichten hat. Weil er 4 Kinder hat, so muß er ganze 3 M. jährlich weniger Steuer bezahlen, auf ein Kind 75 Pf. Und das nennt sich ein„M i t t e l zur weiteren Erleichterung des Steuer- druckesderärmerenBevölkerungsklassen", „eine Einrichtung, welche eine größere B e r ü ck s i ch t i g u n g v e r m i n d e r t e r L e i st u n g s- fähigkeit gestattet." Ein mittlerer Beamter mit 2400 M. ohne Kinder bezahlt 36 M. Steuer. Wenn er aber 11 Kinder zu erhalten hat, so wird er um 2 Stufen niedriger besteuert und bezahlt alsdann 26 M., d. h. für jedes Kind 91 Pf. weniger pro Jahr. Man sieht, das in der„Begründung des Regierungsentwurfs" angegebene Motiv, bei den geringen Einkommen allgemein einen Ab- zug nach Maßgabe der Zahl unerwachsener Kinder zuzu- lassen, kommt in der Regierungsvorlage zwar an- deutungsweise zum Ausdruck, der vorgesehene Ab- zug tritt jedoch nur bei einer größeren Anzahl von Kindern ein und ist auch hier von keiner oder doch nur von sehr geringer Bedeutung. Schon in dem gegenwärtig bestehenden Steuergesetze wird die Berücksichtigung besonderer persönlicher Verhält- nisse zugelassen. Der Regierungsentwurf will eine größere Berücksichtigung verminderter Leistungsfähigkeit zulassen und bestimmt in dieser Hinsicht(§ 19), daß bei einem steuerpflichtigen Einkommen von nicht mehr als 3000 M. eine Ermäßigung der vorgeschriebenen Steuersätze um höchstens 3 Stufen, bei einem solchen von 3000— 6000 M. eine Ermäßigung um höchstens 2 Stufen zu gewähren sei. Als Verhältnisse dieser Art sollen lediglich außergewöhn- liche Belastungen durch Unterhalt und Erziehung der Kinder, Verpflichtung zuin Unterhalte mittelloser An- gehöriger, andauernde Krankheit, Verschuldung und be- sondere Unglücksfälle in Betracht komnien. Es ist richtig, daß bei einer Einkommensteuer, welche die persönlichen Verhältnisse berücksichtigen will, der dis- kretionären Verfügung der Steuerbehörden ein gewisser und nicht zu enger Spielraum gelassen werden muß, weil die Verhältnisse und Kombinationen zu mannigfach sind, als daß sie im Steuergesetz vorgesehen werden könnten. Aber der Umstand, daß neben dem§ 18, welcher einen Abzug nach der Zahl unerwachsener Kinder festsetzt, in einem be- sonderen Paragraphen(19), der die Leistungsfähigkeit wesent- (ich beeinträchtigende wirthschaftliche Verhältnisse berück- sichtigen will, die„außergewöhnliche Belastung durch Unterhalt und Erziehung des Kindes" noch einmal be- sonders erscheint, beweist, daß die Regierung selbst das Einer dem Andern. Und dieses gegenseitige Mitgefühl that ihnen wohl in der schrecklichen Vereinsamung ihrer Herzen. Und wie sie da nebeneinander saßen, so arm, so ver- lassen Beide, so gedemüthigt, da fühlten sie, daß sie zu- sammen gehörten, Kinder des Elends, die sich wieder ge sunden als Ausgestoßene der Gesellschaft. Sie trocknete zuerst ihre Thränen und erhob sich, Ernst und Entschlossenheit waren auf ihrem Gesichte zu lesen, wie bei Einem, der einen Entschluß saßt für's Leben. „Ich will fort," sagte sie leise. „Fort?!" wiederholte der Andreas, der das Wort von ihren Lippen genommen. Sie nickte. „Hinaus in die Welt!" Sie drückte die Hand gegen das Herz, als wolle sie sein allzustürmisches Schlagen ver- hindern. Sie liebte ihn ja noch immer... den Oswaldt. Aber in dem Augenblick, wo sie ihm Alles gegeben, hat sie auch Alles verlaugt. Alles oder— Nichts. Sie kann ihn nicht theilen mit einer Anderen. Sie kann nicht. Andreas hatte kein Auge von ihr gewendet. Er hatte ihr Schicksal und ihren Schmerz errathen, und er errieth sie nun in ihrer sittlichen Hoheit, die wie eine Ahnung auch in der Brust dieses Verwahrlosten gelegen. Er faltete die Hände: „Wenn Dn fort gehst, laß mich mit Dir gehen. Ich thne, was Du willst, laß mich nur in Deiner Nähe. J� weiß wohl. Du bist nicht für mich, aber ich will»ich von Dir; ich will nichts als Dein Hund sein, der ge- dnldig Dir nachläuft und Dich bewacht— verstoß mich nicht!" Sie reichte ihm die Hand wie zu einem stillen Gelöbniß. „Komm!" sagte sie." Sie hatte sich der Thür zugewendet, blieb stehen und kam wieder zurück. Sie legte den Plaid ab, den ihr Andreas über die Schultern geworfen, und nahm dann ein Bändchen mit einem Medaillon vom Halse. Wie aus einem Altar legte sie Alles am Herde nieder. Nichts, was von ihm war, wollte sie mitnehmen. Sie traten hinaus vor die Hütte. Es war völlig Nacht geworden, eine dunkle, sternlose, kalte Nacht. Ungenügende und Probleniatische dieses§ 18 eingesehen hat. Thatsächlich betrachten wir denselben für nichts weiter, als für ein dekoratives Beiwerk, eine Spielerei, und sprechen ihm, wenn an einem Abzug blas in der Höhe von 50 M. für jedes Kind festgehalten werden soll, jede Bedeutung ab. Der§ 18 darf neben dem§ 19 ohne Weiteres verschwinden, umsomehr, wenn man die Kompetenz der Einschätzungs- bezw. Veranlagungsorgane auf eine Ermäßigung der Steuersätze um 4, resp. um Stufen ausdehnen würde. Narrefpcmdeuzett. Hamburg, den 15. November. Gestern standen endlich, nach sieben monatlicher Untersuchungshaft, die noch übrigen 16 Opfer(so darf man sie wohl nennen) des be- kannten Steinstraßen-Krawalls vom Mai d. I. vor derZ ersten Strafkammer des hiesigen Landgerichts. Als Hauptanführer er- 'cheint der 13jährige Knabe Grnnwaldt, dem von einen Lehrern das beste Z e u g n i ß ausgestellt worden ist. Zwei weitere Angeklagte haben erst während der Untersuchungs- hast das 18. Lebensjahr erreicht. Diese drei werden des q u a l i f i z i r t e n Aufruhrs be- schuldigt, die übrigen Angeklagten des Widerstandes gegen die Staatsgewalt und geringerer Vergehen. Die Verhandlung endete damit, daß die Angeklagten zu Gefängnißstrafen von 6 Monaten bis zu 1 Jahr verurtheilt wurden. Nur Einer wurde freige- sprachen. Bei 4 wurden 3 Monate von der Untersuchungshaft in Anrechnung gebracht. Wegen Fluchwerdachtes wurden 5 der Verurtheilten sofort wieder verhaftet. Die Mehrzahl von den jetzt Abgeurtheilten hat nur die Unvorsichtigkeit zu büßen, zur Zeit des Krawalles sich in den betreffenden Straßen befunden zu haben. Der Gerechtigkeit ist also Genüge geschehen. Das Sonderbarste in diese», Prozesse war, daß der Staats- anmalt Dr. Roscher die Gelegenheit ergriff, die Sozial- demokratie für die Maikrawalle moralisch verantwortlich zu machen! Dieselbe habe anit„ihrem Zukunftsstaate die Köpfe der Menge verwirrt!" Die siebenmonatliche Untersuchung hat doch gewiß mit dazu dienen müssen, genau festzustellen, ob unter den Angeklagten sich irgendwie ein sozial- demokratisch Anrüchiger befand. Die Untersuchung nach dieser Richtung ist jedenfalls negativ verlaufen. Aber der„sozialistische Zukunftsstaat", der jetzt wieder in beängstigender Weise in den Köpfen der Bourgeois umher spuckt, muß doch an dem Krawalle schuld gewesen sein. Eine größere geistige Beschränktheit, wie sie sich hier dokumentirt, läßt sich doch wohl kaum denken, das geht noch über die Richter'schen„Irrlehren"! Herr v. H a a s e, der Direktor der hiesigen Gaswerke, der im Mai d. I. die Arbeitseinstellung seiner Leute provozirte, ohne nur für drei Tage genügend Gasvorrath zu haben und so durch die Dunkelheit der Straßen die Unruhen herbei- führte, war nicht unter� den Angeklagten. Karlsruhe» 15. Novbr. Zur Klarstellung des wirk- lichen Sachverhalts über die in Biebrich a. Rh. vom dortigen Bürgermeister ausgelöste Versammlung, in welcher der Ge- nosse E. Fleisch mann über den in Halle a. S. stattgehabten Parteitag Bericht erstattete, schreibt der Genannte: Daß ich auf die Frage des überwachenden Bürgermeisters Wolf, ob ich die Versammelten gegen die Regierung aufhetzen wolle, mit„Ja" geantwortet habe, ist eine Erfindung des Berichterstatters der „Biebricher Tagespost". Ebenso ist der gesammte Bericht der Wahrheit vollständig zuwiderlaufend. Die Versammlung wurde überhaupt nicht während meiner Berichterstattung aufgelöst, son- dern nachdem erst noch zwei Genossen, Dillinger und Schmitt von Biebrich, in einer den dortigen Bürgermeister Wolf direkt berührenden Angelegenheit gesprochen hatten. Der erste Redner nach mir verlas einen Versammlungsbericht aus der„Biebricher Tagespost", worin der Bürgermeister Wolf in einer von ihm 'elbst zum Zweck der Krankenkassengesetz-Novelle einberufenen Ver- ammlung neben vielen anderen ähnlichen auch die Aeuße- rung gethan: Hödel und Nobiling seien Anhänger der Sozialdemokratie gewesen. Der zweite Redner nach mir, Genosse Schmitt, widerlegte diese Behauptung des Bürgermeisters. Als ich nun zu diesem Gegenstand das Wort erhielt, und wörtlich benierkte, daß ich dein Herrn Bürgermeister nicht gratulieren könne, er habe mit obiger Behauptung keinen glücklichen Griff gethan, erhob sich derselbe und fragte in sehr erregtem Tone: Wie meinen Sie das V" Seine ferneren Worte blieben mir ganz unverständlich. Ehe ich auch nur ein Wort zu sprechen vermochte, erklärte derselbe die Versammlung für aufgelöst, worauf sich die Versammelten ruhig aus dem Lokal entfernten; somit kann die angebliche Aufhetzung der Versammelten nur allein im Gehirn des Berichterstatters derf„Biebricher.Tagespost" existieren. Aus Sachsen. Zur Feigheit der Naiionalliberalen sa#>'' Wie s. Z. das„Berliner Volksblatt" mittheilte, hatte das litzer Amtsblatt"— und das'' bürstig, dieie Nachricht nach— in .au uuugeiue, eipsig« Zageblatt" .„,,,. ganz gemeiner Weise üb» f in Rochlitz vom Genossen Schmidt-Burgstädt gehaltenen Vor berichtet. Die Versamnilung selbst war gut besucht, ZUM dieser Hochburg seit 13 Jahren kein Sozialist reden du I Nationalliberale Größen waren anwesend, doch keiner maa)ie, Schnabel auf. Jetzt wollten nun Stolle und später Schmidt. einmal in Rochlitz referiren, da trieben nun die nationalllder Männerseelen das bisher den Sozialisten zur Verfügung gel.. dene einzige Lokal ab. Das sind die„geistigen" Waffen, denen wir in Sachsen bekämpft werden.— Doch noch ein., v Burgstädt wurde das von: Amtsblatt das vom„Leipziger-£ 9 blatt" veröffentlichte Rochlitzer Referat als Flugblatt 9 3 Schmidt vertheilt. Dieser fackelte indeß nicht lange, er berief 1 öffentliche Versammlung und lud die Verbreiter brieflich' Der Saal war gestopft voll, doch die feigen Verleumder�w. 1rf) Vereins mit einander in Verbindung traten und vor dem Besuche obiger Versammlung öffentlich warnten. Aufruf. An die Parteigenossen des Regierungsbezif!- Potsdam, umfassend die Wahlkreise 1. West-Priegmtz,. wet! Priegnitz, 3. Ruppin-Templin, 4. Prenzlau-Angermünde, 0- r s Barnim, 0. Nieder-Barnim, 7. Ost-Havelland, 8. West-Harck 9. Zauch-Belzig, 10. Teltow-Beeskow-Storkow.., Parteigenossen! Da ein Theil unserer Wahlkreise, dieselben im Herzen des deutschen Reiches liegen, und man I i deshalb annehmen könnte, daß dieselben zu den vorgeschnne>.f ehören müßten, in der Organisation und Agitation noÄ.. hinter manchen: ostprnußischen oder bayerischen Kreise zuruu L,. und wir jetzt seit Aufhebung des Sozialistengesetzes mehr. wegnngsfreiheit haben, so halten es die unterzeichneten Gei i- für ihre Pflicht, hierin Wandel zu schaffen und zu berathen, (YDnif O Oä rn i ff Xrofn tnpTfflß ftcfl 10�% VI vla nicht erfckfienen. Resolutionen, gegen die Amtsblätter vorzuge)' fanden einstimmige Annahme. Hervorheben will ich uoch, die Vorstände des nationalliberalen Vereins und des konjer�val Es fröstelte sie. Er zog seinen Rock aus und legte ihn ihr um die Schulter, und als sie ihn fester um sich nahm, fühlte der arme Bursche sich so stolz und so glücklich, wie niemals in seinem Leben. Er, der von Allen verachtet war, als der Unnützesten Einer, ihn nahm die, die er liebte, zum Hüter und Schützer an. Sein Leben hatte Inhalt bekommen. ' Sie gingen über die nasse Wiese, nach der entgegen- gesetzten Richtung, die in ein anderes Thal führte. Bald darauf schimmerten Lichter durch den Wald. Oswaldt, der Pecher, Michael und einige Nachbarn, alle mit Laternen versehen, kamen vom Hegerhause heraus, um die Franzel zu suchen. Die Sorge und Angst um das Mädchen hatte die Ent- zweiten für den Augenblick wieder verbunden. Nur langsam gingen sie aufwärts. Sie leuchteten hierhin und dorthin, es wäre ja möglich, daß sie von: Wege abgeirrt und gestürzt war. � Oswaldt war der erfte, der die Hütte betrat, dem Feuer sich nähernd, bemerkte er die Gegenstände, welche Franzel für ihn zurückgelassen. Die qualvollste Befürchtung war von ihm genommen, sie lebte, sie ivar hierher zurückgekehrt, aber er verstand auch, was dies Zurücklassen bedeutete. Das arme, stolze unglückliche Kind! Sie war von ihm gegangen, mit dem vereisendsten Gefühl im Herzen, den be- schuldigen und verachten zu müssen, den sie über Alles geliebt." � Siebentes Kapitel. Der stürmischen Gewitternacht, mit ihren wolkenbruch- artigen Regengüssen, war ein völlig klarer Morgen gefolgt. In dem Häuschen, das Huber mit seinem Schwager und dessen Familie bewohnte, fand der erste Sonnenstrahl bereits Alles wach und lebendig und Frau Therese wie immer in Zank und Streit., t_ Sie schalt abwechselnd nnt dem Manne, den» Bruder und den Kindern. Es war aber auch„zuni Durchgehen", wie sie versicherte. Der Mann hatte noch innner keine Arbeit gefundcil, und der Herr Bruder that sich auch nicht wehe. Ehe er Ueberarbeit niachte, ging er lieber zu einer Ver- !♦«»»k/W-.....-- y»— y| v, welche Weise es möglich ist, diese Kreise, welche sich sttz fitze der Konservativen und Deutschfreisiunigen befinden, Sozialdemokratie zu gewinnen; zu berathen, wie es»w9. ist, den in der Organisation_ zurückgebliebenen Kreisen Kreise zu den in der Organisation„.......„_____ kräftige Hilfe zu leisten. Zu diesem Zweck haben die zeichneten beschlossen, einen Parteitag für obige einzuberufen. Derselbe soll am 30. November, von Nachn» 4 Uhr ab, in Potsdam im Lokal des Herrn Feuerherdt, Ziw straße 2, tagen. Wir bitten die Genoffen obengenannter»r aus jedem Kreise mindestens zwei Delegirte zu senden. W.*, läufige Tagesordnung ist folgendermaßen festgesetzt: 1. SJest�rLift über unsere Organisation. 2. Agitation. 3. Unsere Parleip Also auf, Genofsen! sendet Eure Telegirten. Mit sozialdemokratischem Gruß und Handschlag Ferdinand Ewald, Georg Schnei d e� Brandenburg-West-Havelland. Brandenburg-West-� Fritz Haburg, Potsdam-Ost-Havelland., Etwa gewünschte nähere Auskunft ertheilt Ferdinand Brandenburg a. H., Neust., Haidestr. 43. polttisrho TteberNlltt. Berlin, den 18. November. Zwei Ereignisse sind eS, die im gegenwärtigen 3%, ">- v.a cr-„„,>a hrmmer?"? w auf>1., die Dienste der leidenden Menschheit gestellt hat unv. nachdem rastloser, aufopfernder Arbeit die Palme des GO zugefallen, in Millionen und Millionen verzweifelter H � den Sonnenstrahl der Hoffnung ergießt und Aiillioriea Millionen sichere Heilung verheißt.— D o r t das zerstör..� Werk der chaotischen Unordnung und brutaler&*}}} he» die am Mark der Gesellschaft nagen, die Ausbeutung K Menschen durch den Menschen als oberstes Gebot haben, und statt die Kräfte Aller zu gemeinsamer x � arbeit harmonisch zu vereinigen, die Kräfte zersputte Krieg Aller gegen Alle entfesseln und die wirtM Anarchie aus denThron erheben, unter deren Herrschaft Zufall obwaltet und auch der geschickteste SeitlaUo Athlet nicht im Stande ist, sich auf der Spitze herumwirbelnden Glücksrades zu behaupten., Wir meinen die große Entdeckung#*4 ''' 4.......„„h tücnjwi � —-„,,»T+üäH welche der Schwindsucht, dieser furchtbarsten und: «Wtvy V VW WVt/tvmv I wvyv, VVVIVV|—-|---- ifj. der Krankheiten, ihr tödtlichster Stachel genomme � � und die Eirldkristo» welche gleichzeitig in New-A � London, als in den zwei Hauptmittelpnnkten der ziellen Welt zum Ausbruch gekommen ist, und, � iammluna nach Neustadt. Und nachdem I. dieses Thema gekommen, ließ sie ibrer Galle i Zaus Versammlungen und ArbeiterverbinounZen 1)� s »NN o.„y.n,» Sie ff ffzn Der Spregelsabrir rn Arnsoors oru»�.. Beleger, und wenn der Bruder ihr zehnmal t. g er's dabei nicht lang machen werde, so sc: � m Arnsdorf brauchte" ß fogf'ollßs ###=#: SWMSK $11 wirst ihr sie lassen, oder IWifAub, von mir noch ein Paar dazu, daß �,h"schaiU wo Dir der Kopf steht— marsch Humus, u lt nuv-, nach mehr um— in die Schul' braucht ofl gehen— sucht Euch selber ein Essen, ich ta geben!".,t Die Buben waren schon draußen. Auch N als fortgegangen und die Theres versuchte nu Alten soweit hcranszustntzen, damit sie". per Bettler angesehen und behandelt, sondern>h f}} Wunder geschieht, ihren Rundgang halten wird durch «ue modernen Staaten. Durch die Entdeckung Koch's ist Berlin zum Mekka der 9 Uingsuchenden Menschheit geworden, und derRus: Nach Iiift* i n' n a �5 Berlin!, den vor 20 Jahren mord- J�cktunkener Chauvinismus ausstieß, ertönt jetzt in allen tw und Tausende aus den entferntesten Welt- ,. sind schon unterwegs nach Berlin,— nicht zu �-mschem Blutwerk, sondern um sich das unschätzbare N!° Gesundheit—.ja um sich neues Leben zu holen. <~>m es einen Ruhm giebt, dann ist das Ruhm; und "n es eine Partei giebt, die diesen Ruhm voll und Li? t u Sätzen weiß, dann ist es die Sozialdemokratie. sehr uns jeder Personenkultus widerstrebt, und so yr wir— auch in dem vorliegenden Falle— vor Ueber- Aswung persönlichen Verdienstes warnen müssen, wir � schlechte Sozialdemokraten, wollten wir dem bescheide- .,/? Gelehrten, der sehr wohl weiß, daß er ohne Vorarbeiter kön» lckarbeiter seine große Entdeckung nicht hätte machen , en, l>en Tribut der Anerkennung verweigernd) Und k.sanz besonderer Genugthuung gereicht es uns, die Gewiß- W l11.h�h�ch daß die Heilung nach diesem Verfahren, trotz .cw.slWspieligkeit desselben, auch dem Aermsten wird zu iJ 11 Werden können. Entdeckungen wie die Koch'sche ge- d-m'." rF B! e l t,— und dein Deutschen Reich, innerhalb gemacht ward, liegt die Ehrenpflicht ob, sie der schließen� ��schheit ohne jegliche Einschränkung zu er- W• 1»Krach" ist das Mene Tekel des Kapitalismus, �.d ��der einmal in Flamnienschrift an den Mauern des LZ% Mamniontempels erglüht. Erst suchten die ent- llL Anbeter des Obergottes Mammon sich selbst zu be- awr»'",e§.'st nur eine zufällige, nur eine augenblickliche di-— die englische Bank hilft— es ist nichts,— oii,,s ir schon vorüber!" Allein mit dem Selbstbelügen all-?.% n'cht lange.„Krach"—„Krach"— es krachte- in sjJ'Mgen, in London, in New-Aork— und inan konnte die unheimliche Wahrheit nicht länger verschweigen. Krach ist da. Das Spekulationsfiebcr der �dhre, der Gründungsschwiudel, kurz die Orgien des Srf.!!™1'enfteS mußten zu einem Rückschlag führen. Zu Anfang des Jahres wurde eine Katastrophe er- Und Allein es gelang den schwankenden Bau zu stützen. fu« üor anderthalb Monaten drohte er wieder zusamnien zu El.,, un" wiederum gelang es durch neue Stützen, den oin� lu verhindern. Nur für den Moment. Und schließlich bnnL /� cht wehr. Das mächtigste der mächtigsten Bank- koni"ülands konnte seinen Verbindlichkeiten nicht nach- �ls das nicht mehr zu verbergeil war, wurde Komödie gespielt:„Die englische Bank lvird das BW Eutzen." Anachronistische Verdrehung der Thatsachen. hvV,°n proteron. Bevor die Nachricht ins Publikum l i �lte die Bank zu stützen gesucht, aber vergeh- S�ntugT ��vsalls wäre die Nachricht nie ins Publikum i>i° gewiß ist: wir sind erst am Aufaug der Krise und w!° ��lichkeit der besten aller möglichen Gesellschaften— unk- �oos-Richter vermeint, wird nch jetzt drastisch vor dJ. klugen offenbaren— ein Schauspiel für Sozial- @'olraten, und aufgeführt zur größeren Ehre der !laldemokratie.— rifiÄ Reichshaushalt» Etat für das nächste Etatsjahr ist M, d. h. vom 1. April 1891 bis zum 31. März 1892) Jiloe �uem neuen Anleihegesetz dem Bundesrath -zwangen. Danach betragen die Gesammteinnahmen und »..„Waben 1134 491 942 M.; davon entfallen auf die fort- lileta n Ausgaben 941 678 766 M-, das sind 70 322 970 M. otd-.r*?18 lm Vorjahr, auf die einmaligen Ausgaben im Web? �N. Etat 91 761 183 M„ das sind 20 100 000 M. �22 a lm Vorjahr, und auf die einmaligen Ausgaben seh.,, 2 einem giftigen Artikel des Kölner Pfaffenblattes er- irscki»;?"' in Berlin eine unter Ausschluß der Oeffentlichkeit Und m06 sog- Arbeiterzeitung uns mangelnden Patriotismus »Berl?>"»inde Pietät vorwirft, weil in einer Lokalnotiz des das ci,br. blatt" bemerkt war, es sei leider anzunehmen, daß �ies- m tel Koch's zu theuer sei für arme Leute. Als ob Ueti' suwrkung, die durch eine autoritativ auftretende Zeitungs- hejl,,'? �treffend die außerordentliche Kostspieligkeit des neuen leihst'whrens, hervorgerufen war, die Bedeutung der Entdeckung s L das Verdienst des Entdeckers irgend berührt hätte. _ SöfcW.wt würde, bei einer ihre Gesundheit untergrabenden a�ßimg Aufnahnw zu finden. gebe,, �steckte das Kostgeld, das ihr Huber für den Tag ge- stinkte., Wegzehrung zu sich, und die Kinder ihren In- eu uberlassend, gingen sie ohne Skrupel von dannen. Qw;uLe§ war in der That ein Erutetag für die Kinder. vom Kk°"Sen von Baumfrüchten waren m dieser Nacht wäre» herabgeschlagen worden, und die Eigeuthümer lese« Frühesten daran gegangen, sie zusammeuzu- »estellt � Anzahl Jungen sich als eifrige Helfer ein- ®le aßen, was sie konnten, und von Zeit zu Zeit (Wten i M der Eine oder Andere, um daheim die ge- �chen zu leeren. lich.% Kinder hatten volle Mägen und sie waren so glück- tadx,., vur Kinder zu sein vermögen, und in einer ge- .@i, d°rmüthigen Stimmung.„. stelle n«I?''den sich alsbald an der ihnen zugänglichen Ufer- S'WfmiiS der Brücke vor Huber's Hause, zusammen, ihrem suchen Spielplatz. sfipea vff ��ißchen war hoch angeschwollen und drohte aus l'n. zu treten. Es führte entwurzelte Baume und �ögerissi� auch Bestandtheile von Scheunen und '?utein Geschrei versuchten die Kiilder, diese J�pB�SrtS M»s (Fortsetzung folgt.) des außerordentlichen Etats, das heißt also diejenigen Aus- gaben, die aus der Anleihe und besonderen Fonds gedeckt werden, entfallen 101 051 993 M., das sind 216 Millionen weniger als im Vorjahr, was sich daraus erklärt, daß im vorigen Jahre, durch die Nachtragsetats namentlich für Militärzivecke, die Anleihe 306 175 344 M. betrug, während die Anleihe für den Etat 1891/92 sich auf 64 831 963 M. beziffert. Lediglich durch diese Verschiedenheit der Anleihen, namentlich für einmalige Militärausgaben, ist auch die Gesammtsumme des Etats pro 1891/92 126 845 622 M. geringer als im Vorjahr. Das heißt mit anderen Worten: der Militäretat ist fort- während im Steigen— nur daß nächstes Jahr nicht so viel gepumpt werden soll, als in diese m. Ob's bei dem Vorsatze bleibt?— zlirdrrlnge der Kozinldrmokrateu in Nürnberg bei den Stadtverordneten-Wahlen und wohl auch noch an anderen Orten, verkündet jubelnd die gegnerische Presse. Nun, wir sagten es schon: die n ä ch st e Fluthwelle wird kräftiger sein, und die darauf folgende wieder und so weiter, bis das feindliche Bollwerk gefallen ist. Diese„Nieder- lagen" sind einfache Vorstöße, die den Gegner nicht ge- worfen haben, deren Mißlingen aber dem Angreifer keinen Kraftverlust bereitet, sondern nur den Ansporn giebt, nun erst recht jede Sehne und Muskel anzuspannen, und das nächste Mal um jeden Preis zn siegen. Das Triumph- geschrci unserer Gegner ist also sehr übel angebracht und verräth nur die innere Angst. Oder wollte man etwa be- haupten, in Nürnberg verdanke die herrschende Klique den Sieg ihrem eigenen Verdienst und nicht einzig und allein dem miserablen G e m e i n d e- W a h l g e s e tz, hinter das sie sich verschanzt hat, und das dem Fortschritt fast unübersteigliche Schranken entgegensetzt? Das Schönste ist, daß es in Nürnberg die D e u t s ch s r e i s r p n i g e n sind, welche über den Sieg dieses e l e n d e n, d u r ch und durch reaktionären Wahlgesetzes jubeln— denn ihr Sieg ist's sicherlich nicht. Die Urrurtheilung des Genossen Glndewich stellt sich als ein für die Preßfreiheit weit bedrohlicheres Ereigniß heraus, als wir zu Anfang gedacht hatten. Der fragliche Artikel war preußischen Blättern entnommen, die des- halb n i ch t angeklagt worden sind; er war obendrein noch von dem Airgeklagten vor dem Abdruck wesentlich gemildert worden,— und er beschäftigte sich mit oeni Marktbreiter „Unglück", d. h. jener unverantwortlichen Opferung des Lebens und der Gesundheit vieler Soldaten,— und mit anderen Fällen von„Soldatenschindern", die sämmtlich in Hunderten von Zeitungen unbeanstandet erzählt, und mit verdienter Schärfe kritisirtworden waren. Doch lasfenwir,ehewir nrtheilen, deuuns jetzt vorliegenden Bericht der„Chemnitzer Presse" über die fragliche Gerichtsverhandlung folgen: Am 13, November fand vor der 2, Strafkammer die Verhandlung gegen den Redakteur dieses Blattes, G. Gladewitz, statt. Die Verhandlung begann 4V« Ubr. Nach Bekanntgabe der Personalien wurde die Anklageschrift verlesen, ebenso der Artikel, welcher Anlaß zur Strafverfolgung gegeben, derselbe ist in Nr. 167 der„Presse" abgedruckt und trägt die Ueberschrift„Die Disziplin im stehenden Heere". Die Anklage fußte auf die§§185 und 186, also Beleidigung event. durch Verbreitung erweislich nicht wahrer Thatsachen.� Tie Frage des Vorsitzenden, Herrn Land- gerichts-Direktor Jaspis, an den Angeklagten, ob er auf die Anklage antworten wolle, wurde mit Ja beantwortet. Kaum daß aber der Angeklagte seine Gründe gegen die Anklage geltend machte, wurde er vom Vorsitzenden wiederholt darauf aufmerksam gemacht, daß er sich nicht auf Einzelheiten ein- lassen, sondern, da in dem fraglichen Artikel im Allgemeinen über die Offiziere und Unteroffiziere des deutschen Heeres abfällig geurtheilt worden sei, so Zsolle er sich auch nur im Allgemeinen über die Anklage auslassen. Der Angeklagte machte nun zu seinen Gunsten geltend, daß in dem betreffenden Artikel zunächst von den« Markt- breiter Unglück die Rede fei, dann habe der Schreiber des- selben seine eigenen Erlebnisse als Soldat in einem Fußartillerie- Regiment erzählt, mit keiner Silbe sei aber'das K. Sächs. Armeekorps erwähnt, der Artikel sei in Preußen(Frankfurt) zuerst erschienen, er(Gladewitz) habe die ihm gefährlich dünkeuden Stellen gestrichen eventuell stark gemildert und habe er durchaus nicht die Absicht gehabt, das sächsische Offizier- und Unterossizierkorps mit dem Artikel beleidigen zu wollen. Der Staatsanwalt Herr Dr. Böhme plaidirte in kurzen, präzisen Worten für Schuldigsprechung des Angeklagten; es läge unbedingt eine Kollektivbeleidigung im Sinne des§ 197 vor und daß auch die sächsische Armee mit gemeint sei, bewiesen die nach Schilderung des Marktbreiter Unglücks angefügten Schlußsätze, worin es heißt:„Tagtäglich aber geschehen in Deutschland unzählige genau ebenso furchtbare Quälereien u. s.w.", das Marktbreiter Manöver- Marschunglnck habe nur als Unterlage gedient, um ungestraft beleidigende Ausdrücke gegen das deutsche Offizierkorps auszustoßen; dadurch, daß der in Frankfurt geschriebene Artikel in die hiesige„Preffe" übernommen und verbreitet worden ist, sei auch eine Beleidigung der sächsischen Armee begangen; die Natur der Beleidigung sei eine so starke, daß ans Gefängniß- strafe erkannt werden müsse. Herr Rechtsauwalt Hofmann aus Leipzig plaidirte für nichtschuldig, er hielt es für menschen- unmöglich, daß sein Klient verurtheilt werden könne, da nach seiner Ansicht eine Kollektivbeleidigung der deutsche» Armee nicht vorliege und zugegeben, dies sei der Fall, so sei nur daS deutsche Armeekommando nicht aber das K. S. Generalkom- mando juristisch berechtigt, den Strafantrag zu stellen, da dieses nur einen Theil der deutschen Armee vertrete und gerade den- jenigen Theil, der in dem angeklagten Artikel gar nicht ange- zogen sei, der Angeklagte müsse den sächsischen Offiziers- und Unteroffizierssland objektiv und subjektiv beleidigt haben, wenn er strafvar sein solle. Das Reichsgericht habe bisher immer entschieden, daß, wenn eine Körperschaft beleidigt, ein Mitglied oder ein Theil dieser Körperschaft nicht klagberechtigt sei, eS habe alle Urtheilc ausgehoben, die im entgegengesetzten Sinne gefällt wurden, erhoffe, dasK.Landgericht würde den bisherigen Ent- scheidungen des Reichsgerichts gemäß auch im vorliegenden Falle zu einer Freisprechung gelangen. Die Richter zogen sich hierauf zurück und verkündeten nach ungefähr 15 Minuten langer Berathung das Urtheil, welches den Angeklagten Re- dakteur Gladewitz schuldig spricht, das K. S. Offizier- und Unteroffizier-Korps beleidigt zu haben und ihn zu einer Ge- fängnißstrafe von 6 Monaten verurtheilt. In den kurz qefaßten mündlich mitgetheilten Urtheilsgründen war ausdrück- lich ausgesprochen, daß das K. S. Generalkommando wohl gesetzlich berechtigt gewesen sei, den Strafantrag zu stellen, da dasselbe in dem Artikel beleidigt worden. Der Berurtheilte wird sich bei dein Urtheil nicht beruhigen, sondern die Ent- scheidnng des Reichsgerichts anrufen." Leider hat das Reichsgericht— das sich übrigeils bis- her auch wahrhaftig nicht als Hort der Preßfreiheit er- wiesen hat, gar nicht das Recht der„Entscheidung"— es ist bloße ÄevisionSinstanz, hat also nicht über die S ch u l d, sondern über die formelle Richtigkeit der Schuldsprechung zu erkennen. In der Aera„nationaler" Reaktion(genannt „Aufschwung") haben die Volksfeinde es ja glücklich zu Wege gebracht, nits die B e r ti f u n g s i n st a n z zu nehmen— die beste Bürgschaft unparteiischer Rechtsprechung unter den gegenwärtigen Verhältnissen. Wenn nicht das Chemnitzer Landgericht einen Form- fehler begangen hat— was kaum anzunehmen ist, denn die Einhaltung der Formen erheischt nur eine rein niechanische Thätigkeit— wird Gladewitz seine 6 Monate Gefängniß behalten. Und warum hat ihm das Gericht diese Strafe auf- erlegt? Weil er einen Vorgang, der in ganz Deutsch- land die lebhafteste Entrüstung erregte, zur Sprache brachte und für eine menschliche Behandlung der Soldaten eintrat — mit anderen Worten, weil er seine Pflicht als Journalist, als Staatsbürger und Mensch erfüllte. Und dafür bestraft? Wenn die Justiz die Erfüllung einer so ernsten und sittlichen Aufgabe strafbar findet, dann setzt sich die Justiz nicht blos mit den Grundsätzen politischer Freiheit, sondern auch mit der Ethik und dem öffentlichen Gewissen in Widerspruch und die Justiz ihrersecks wandert auf sie Anklagebank. Der österreichische Erzherzog, welcher die Erzherzogschaft an den Nagel gehängt hat, unter dem Namen Johann Orth ein nützliches Glied der arbeitenden Menschheit geworden ist, war nach einer gefährlichen Fahrt an der südamerikanischen Küste mit sammt seinem Schiffe verschollen, und da alle Nachforschungen fruchtlos waren, so wurde schon angenommen, er sei den Stürmen zum Opfer gefallen. Die Befürchtung hat sich zum Glück als grundlos erwiesen, Johann Orth ist im besten Wohlsein wiederaufgetaucht, und auch wir be- glückwünschen von Herzen den charakterfesten Mann, der das Unglück, im Schatten eines Thrones geboren zu sein, so mannhaft wieder gut zu machen wußte. In England ist dem Führer der irischen Partei, Herrn parnell das Unglück passirt, von einem Gerichtshose des Ehebruchs schuldig befunden zu werden. Da die vornehme Gesellschaft in solchen Dingen sehr— freisinnig ist,— sie weiß warum— beabsichtigt Herr Parnell nicht, dem Beispiel des liberalen Parteiführers Dilke— der ein ähnliches Pech hatte— zu folgen und für einige Zeit vom politischen Schauplatz zu verschwinden, sondern er will hübsch an der Oeffentlichkeit bleiben und sich nach wie vor parlamentarische Lorbeeren erringen. Ja, wenn Herr Parnell ein Arbeiter wäre! Die„freie Liebe" ist nur für die„gute" Gesellschaft. *» * Neuest« Nachrichte». Aus London wird gemeldet, daß die Krise fortdauert.-i Von Lyon kommt die Mittheilung, daß 2 Soldaten Selbstmord begangen haben. Wir dächten, Soldatenselbst- morde brauchten wir uns nicht aus Frankreich telegraphiren zu lassen. Aus Italien telegraphirt man den Inhalt einer Rede, die Herr Crispi halten will. An denen, die er ge- halten hat, haben wir genug. In Griechenland sind„Bomben für Creta" be- schlagnahmt worden. Die alte russisch-griechische Farce eines „Aufftandes in Creta" scheint also wieder losgehen zu sollen. *.' Der„R e i ch s- A n z e i g e r" veröffentlicht nunmehr amtlich die bekannte, von uns vor einigen Tagen schon gewürdigte Kabinetsordre, welche die Schulen systematisch im„Kampf gegen die Sozialdemokratie und den Kommums- mus" verwerthen will. Die Vergeblichkeit dieses Be- ginnens kommt in den gleichzeitig veröffentlichten Vor- schlügen, mit denen Herr v. Goßler und das Staats- Ministerium aus den Befehl hin zum Vorschein gekommen sind, zum deutlichen Ausdruck. Dem A b g e o r d n e t e n h a u s e ist am Dienstag auch der Entwurf zu dem neuen Gewerbe st euer- Gesetz zugegangen. Eine kritische Darstellung seines Inhalts be- halten wir uns vor. Arbrit-rfchich-K-uiutisstott. Die Diskussion über§ 125 war in der gestrigen Sitzung beendet worden. Das Schlußwort nimmt zunächst der Abg. v. Stumm: Der Referent giebt zu, daß die, statt der Buße, gewählte Form des Entschädigungs- anspruches immer den Charakter der Strafe tragen wird; die Behauptungen des Abg. Singer, daß die Streiks meist von den Unternehmern provozirt werden, seien für Deutschland nicht zu- treffend. Die Streiks werden von den Agitatoren in Szene gesetzt; der Widerstand gegen die Agitatoren müsse dadurch i gestärkt werden, daß die Arbeiter durch den Verlust des einbehaltenen Lohnes veranlaßt würde», dem Rathe der Agitatoren nicht zu folgen; wenn diese Bestimmung keine Annahme finde, so würde mit der Zeit die Kündigungsfrist überhaupt schwinden, daß sei aber im Interesse der Arbeiter selbst nicht zu wünschen. Die Mehrheit der Kommission stehe auf dem Standtpunkte, daß dem Arbeitgeber ein Schutz gegen den Kontraktbruch zu gewähren sei, daß aber gleichzeitig eine Garantie für den durch Kontrakt- bruch erlittenen Schaden geschafft werden muß. Der Referent wendet sich nun, nachdem er bemerkt, daß nach dem Gange der Dis- kussion die Regierungsvorlage keine Aussicht auf Annahme habe, den gestellten Anträgen zu, und meint, daß der Antrag Klemm und v. Kleist- Retzow die Verhältnisse am Besten ordnen würde. Der Antrag Gutfleisch leiste zu wenig; derselbe sei mit dem vorn Redner gestellten Amendement allenfalls annehmbar, sonst aber nicht. Dem Antrage Letocha könne Redner unter der Voraus- setzung, daß der Antrag Gutfleisch mit dem Amendement v. Stumm Annahme findet, zustimmen. Der Korreferent Abg. Molke nbuhr weist nach, daß, ent- gegen der sonstigen Auffassung, wonach immer vom Arbeits- vertrage als freier Vereinbarung zwischen Arbeiter und Unter- nehmer die Rede ist, hier mit einem Male das öffentliche Jnter- esse, den Kontraktbruch zu verhindern, in den Vordergrund geschoben wird. Wenn man die Vorbedingungen schaffe für die freie Ausübung des Koalitionsrechtes, dann werde man auch den ruhigeren Gebrauch desselben heben. Die Regierung würde das Mißtrauen der Arbeiterklasse noch verschärfen durch die Stellung, welche die Regierung bei dieser Frage einnehme. Der Redner führt eine Reihe von Beispielen dafür an, daß auch in Deutschland Streiks von den Unternehmern provozirt werden; die Lohneinstellungen würden die wirthschaftliche Lage der Arbeiter noch mehr verschlechtern, indem dieselben gezwungen werden, von ihrem dürftigen Lohn einen für ihre Verhältnisse sehr bedeutenden Theil dem Unternehmer zur Verfügung zu stellen; er bitte, alle Anträge abzulehnen; die Bestimmung drücke den gewissenlosen Unternehmern ein Messer in die Hand, welches tief in das Wohl der Arbeiterklasse einschneiden werde. Bei der Eventual-Abstimmung wird der Antrag Klemm und v. Kleist mit 15 gegen 10 St. abgelehnt; beim Antrag Gutfleisch wird zunächst das Amendeuient v. Stumm mit 15 gegen 10 St. abgelehnt; hierauf wird der Antrag Gutfleisch mit 16 gegen 9 St. angenommen. Von den Freisinnigen stimmen Schmidt und G u t f l e i s ch dafür, ebenso der Volksparteiler H ä h n l e. Hiernach wird es eventuell, wenn die Fraktionen in der Plenarberathung diesen Kommissionsmitgliedern folgen, das Verdienst eines Theils der Freisinnigen und der Volkspartei sein, ein neues Recht— die Strafe für Kontraktbruch— in die deutsche Gesetzgebung eingeführt zu haben. Auch ein Theil des Zentrums, u. a. die Abg. Hihe und Graf Galen, hat für den Antrag Gut- fleisch gestimmt. Bei der Gesammtabstimmung wird der nun so gestaltete § 125, nachdem der Antrag Letocha abgelehnt ist, mit 14 gegen 11 Stimmen angenommen. Bei diesem Beschluß finden sich Schmidt und Hähnle wieder mit den übrigen Freisinnigen zu- sammen und nur Herr Dr. Gutfleisch stimmt unter Assistenz der Konservativen, Nationalliberalen und eines Theils des Zentrums für die Bußbestimmung, die er selbst früher zu streichen bean- tragt hat. Die Berathung wendet sich zu dem Abschnitt lila: Verhältnisse der Betriebsbeamten, Werkmeister, Techniker. Der ganze Abschnitt ist neu und regelt in fünf Paragraphen das Verhältniß dieser Angestellten zu den Unternehmern. Für die Betriebs- beamten u. f. w. soll§ 125 Anwendung finden; die Kündigungsfrist soll, wenn nichts Anderes vereinbart ist, sechs Wochen be- tragen. Außerdem werden Bestimmungen erlassen, welche die Gründe für sofortige Lösung des Dienstverhältnisses anführen. Nach kurzer Diskussion und nachdem der Referent die An- nähme der Regierungsvorlage empfohlen hat, wird der§ 133a unter Einfügung der Amendements Hitze, Schmidt und v. Stumm angenommen. Ebenso werden die§§ 133b, 133c, 1333, 133g angenommen. Die Berathung wendet sich nun zu den Strafbestimmungen, welche bei§ 146 beginnen.§ 146, Absatz 1 und 2, die keine Veränderung des bestehenden Zustandes bringen, werden ohne Diskussion angenommen. Im Absatz 2 wird ein Zusatz beantragt, wonach die Landgerichte als zuständig erklärt werden; derselbe wird angenommen. ,§ 146 a enthält die Strafbestimmungen gegen die Zuwider- Handlung der bezüglich der Sonntagsarbeit erlassenen Anordnungen; § 146 a wird angenommen. § 147 enthält die Strasbestimmungen für die Zuwiderhand- lungen gegen die auf Grund des Gesetzes erlassenen Vorschriften; der§ 147 wird, nachdem durch Ainendements Gutfleisch und Hartmann eine Einschränkung der polizeilichen Befugnisse auf dringende Fälle und nachdem von Geh. Rath Lohmann die Re- gierungsvorlage vertheidigt ist, unter Einfügung der beiden Amendements angenommen. § 148 enthält eine Reihe von Strafbestimmungen, welchen nach Vorschlag der Regierung zugefügt werden sollen Straf- bestimmungen wegen Zuwiderhandlung gegen§ 124 c Absatz 2 und§ 134e Absatz 1;§ 148 wird angenommen. § 149 und§ 150 werden mit einigen von der Regierung neu beantragten Zusätzen angenommen. § 151' enthält, nach dem Vorschlage der Regierung, eine andere Regelung der Strafen bezüglich der Stellvertreter von Unternehmern. Der Referent Dr. H a r t m a n n empfiehlt in Rücksicht auf die Bedürfnisse des praktischen Gewerbslebens die Annahme der Regierungsvorlage. Der Korreferent Dr. G u t f l e i s ch hat Bedenken gegen die Vorlage, weil dieselbe die Unternehmer in zu hohem Grade ent- lastet und beantragt Ablehnung der Vorlage; den Unternehmern müsse die Verantwortung für die in den Betrieben vorkommenden Unregelmäßigkeiten überlassen bleiben. Der Referent für die Petitionen, Abg. Schmidt, schließt sich dem Korreferenten an. Er würde für die Vorlage stimmen, wenn daraus die Worte:„oder zur Beaufsichtigung" gestrichen werden. (Der betr. Paragraph der Regierungsvorlage lautet: Sind bei der Ausübung d e s G e w e r b e s polizei- liche Vorschriften von Personen übertreten worden, welche der Gewerbetreibende zur Lei- tung des Betriebes odes eines Theiles desselben oder zur Beaufsichtigung be- stellt hatte, so trifft die Strafe diese letzteren. Der Gewerbetreibende i st nur strafbar, wenn die Uebertretung mit seinem Vorwissen begangen ist, oder wenn er bei der Auswahl oder der Beaufsich- tigung der Betriebsleiter oder Aufsichtsper- swnen es an der erforderlichen Sorgfalt hat fehlen lassen.) Abg. Möller ist für die Vorlage, weil bei der jetzigen Lage die Arbeiter den Fabrikanten gegenüber zu sehr im Vortheil wären. Abg. Bebel theilt den Standpunkt des Vorredners nicht. Die Unternehmer suchten sich häufig dadurch vor Strafe sicher zu stellen, daß sie kontraktlich den Meistern die Verantwortung über- trügen. Dies werde durch die Regierungsvorlage sanktionirt. Er erklärt sich daher gegen dieselbe. Reg.-Kom. Geh. Rath Königs findet in der Vorlage eine Stärkung der Verantwortlichkeit des Betriebsunternehmers, bittet aber doch in Bezug hierauf nicht gar zu weit zu gehen. Abg. v. S t u m m hält die Vorlage für genügend; im Je- triebe handle es sich vielfach um so bedeutende Dinge, daß der Unternehmer gar nicht von Allem Kenntniß haben kann; zudew bietet die Vorlage ganz genügende Garantien gegen die Ab- wälzung der Veraniwortlichkeit auf di» Meister und Stellvertreter, man möge event. beide Theile unter Strafe stellen, aber der Stellver- treter, der durch sein Verschulden eine Strafe herbeiführe, dürfe nicht straffrei bleiben. Abg. K l e m m vertheidigt die Regierungsvorlage, die falle Verhältnisse berücksichtige, und glaubt, daß man die Verantwortlich- keit der Unternehmer nicht weiter ausdehnen kann, als daß man die- selben verpflichtet, bei der Auswahl ihrer Vertreter Vorsicht walten p lassen, und dieselben entsprechend zu beaufsichtigen. Abg. Bebel findet durch die Ausführungen der Vorredner sich erst recht veranlaßt, gegen die beabsichtigte Veränderung z« stimmen; auch in diesem Paragraphen tritt das Bestreben, die Unternehmer zu bevorzugen, deutlich hervor, und das zwinge ihn, gegen die Vorlage zu stimmen. Abg. Schmidt glaubt, daß die jetzige Bestimmung genüge, der man vielleicht einen entsprechenden Zusatz geben könne, n>o- nach auch Stellvertreter unter Strafe gestellt werden können. Abg. v. Stumm findet, daß es am Besten sein wird, die Regierungsvorlage mi� der von ihm beantragten Ausdehnung aus könne man die Unternehmer, anzunehmen; in zweiter Lesung in das Gesetz auf- dann eine ganz präzise Form dafür nehmen. Der Referent Abg. Dr. H a r t m a n n bittet um Annahmt der Regierungsvorlage, welche alle Bedürfnisse auf diesem©«• biete decke; die Rechtsprechung würde bei Annahme des Stumm- sehen Antrages leiden, nur die Beweislast verschoben werden. Der Korreferent Dr. Gutfleisch kann die Regierung�- vorläge nicht empfehlen; er weist an einer Reihe von Beispiele» nach, daß auf anderen Gebieten die Besitzer, Unternehmer». s. m- für ihre Vertreter verantwortlich gemacht werden; der Redner kann nicht zugeben, daß der Unternehmer von der Verantwortung befreit wird; die Verantwortung kann auch nicht eingeschränl werden auf die Auswahl und die Beaufsichtigung der Stellvertreter; der Korreferent empfiehlt die Regierungsvorlage, ebens» auch den Antrag v. Stumm abzulehnen. Bei der Abstimmung wird§ 151 der Regierungsvorlage m'' 13 gegen 12 Stimmen abgelehnt. Hierauf vertagt sich die Kommission bis Morgen Vormitt»S 10 Uhr. Theater. Mittwoch, den lS. Novbr. Gprrnhaus. Lohengrin. Kchanspielhan». Die Räuber. zesstng-Thratrr. Sodoms Ende. Berliner Theater. Die Journalisten. Deutsches Theater. Das verlorene Paradies. Friedrich- JWilhelm|tiidt. Theater. Königsaardist. Sonne und Erde. MaUner-Theater. Pension Schöller. Der dritte Kopf. Uestdens- Theater. Familie Mou- linard. Viktoria- Theater. Die Million. KelleaUiance- Theater. Mamsell' Nitouche. Gstend-Theater. DerarmeJonathan. Thomas- Theater. Der Wetterfrosch. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kanfmann's Uariötö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Rrichshallen. Große Spezialitäten-V orst ellung. Eonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Kichter's Uariotö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Karten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27c. Franka Scholz, Kostüm-Soubrette. Geschw. Wildenfels, Gesangs- Duettisten. Richard Gersdorf, Sächsischer Gesangs-Humorist. Adolf Gödicke, Minufer, Stimmen- Imitator und Charakter-Komiker. Trappe Blumenfeld, Parterre- Gymncistiker, Ballet und Tanzseil- künstler. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags SVe Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags SO Pf. 60 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Gastan's Panopticum. Entree 50 Psg., Kinder 25 pfg. B. 9 Uhr Morgens c'f bis 10 Uhr /V /f Abends. Vorstellung 1 1V2 u. 12V2 Uhr. rNnchnt.»,4?/2-9V8UHr| stündl. eine Vorstellung Ertra-EntrSe 30 Pfg. Kinder frei. Nut* I Mark. Klagen, Eingaben, Rath in Prozessen, Einziehung von Forderungen. 580 Pyllak, jetzt Georgenkirchstr. 24, II. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Mittwoch, den 19. Uooember, Abends 7Vs Uhr: Große Vorstellung. Besonders hervorzuheben: Etagen- OC in Freiheit dress. Earoussel m. 6 J Vollblutpferden, vorgef. v. Herrn Max Schumann. 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Wie wird sich in Zukunft die Organisation gestalten? Refett Reichstags-Abgeordneter Jgnaz Auer. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes Kachveren der Tischler. ~ Or.chÄ: SF mrnMm Ettml-VniamliW. m D Herrn 1. Vortrag des der Kulturmenschheit. 2. Diskussion. 3. Anträge. Vereinsangelegenheiten. 521 Ordnung: Pinn über: Nordau's .Konventionelle ,m Mmter-Paletots und Anzüge bei billigsten Preisen empfiehlt das bekannte Serleit- nnö Kltllben- Garilttöbe- tzeschiist von 425 Julius Lindenbaum| Broße Frauhfurtrrstr. 139. Spezialität: Anfertigung nach I Maaß und Arbeitssachen. (Kitte genau auf Firma und Hausnummer zu achten!) Freie IfoUksisiliiiie1 Zwei öfcntl. Vechmmlungen für Kam u. Mner , Freitag, den 21. November 1830, Abends 8'/e» 1. Im gr. Saale des Etablissement Königshof, Bülowstr.•>'' 2. In der Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee 100. S?1 Tages-Ordnung:.-»eü Vortrag mit Diskussion über: Die Arbeiterschaft Berlins und btto. Volksbühne. Referenten: Die Herren Wich. Bolsche u. Julius Türk..,,1 Gleichzeitig wird darauf aufmerksam gemacht, daß die Bcitritlserklar zur II. Abtheilung bis spätestens am Sonnabend, den 22. November, be» folgenden Zahlstellen bewirkt sein müssen, wenn„Vor Sonnenaufgang für die II. Abtheilung aufgeführt werden soll.....\f- N. August Hintze, Paiifstr. 14a. Ww. ClaraHasenclever, Brunnenl' g. Conrad Engel, Chorinerstr. 9. Mehnert, Cig.-Fabrik, Diedenhoserttri' s. NO. Franz Niemeyer, Weberstr. 19. S. Albert Auerbach, Kottbuser D» Gottfried Schulz, Admiralstr. 40a. Wilhelm Börner, Ritterstr. 108. R. Dresdenerftraße 52—53(Passage). C. Vogtherr, Werkzeughandlung, bergerstr. 64. 0. Hermann Graßhold, Pallisadenstr. 59. SO. Emu Skaliyersir. 108. Adolph Kehr, Kövenicterstr. 126. W. Otto Antna, Ä#" metzstr. 60. SW. Adolph Laegc, Restaurateur, Fürbringerstr. 22. Alei Cigarrenhandlung, Lindenstr. 59. Moabit. Fritz Voß, Birkenstr. 59. Drr Dorstanb Allgemeiner Arbeiterinneil-Verein fimmtlilher Krrlins und Ilmgrgrnd(Filiale I Moabit). Mittwoch, den 19. d. M., Abends 8V2 uhr, im Saale des Herrn Wils nacker st raße 63: Grosse Versammlung- f � Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Herrn P e us über: (Frauen- und Kinderarbeit.) 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer 4. Verschiedenes. Damen und Herren als Gäste haben Zutritt. Zun der Unkosten findet eine Tellersämmlung statt. Die KevollmächtiS� #6 »ÄltSÄÄ W am Donnerstag, den 20. Dov., Abends 8 Dlm u. ,(i im Saale des Herrn Fe»»dt, Wein st raße Nr- Tages-Ordnung: 1. Der Remscheider Streik. 2. Berichterftal �1� Arbeiterkonferenz und wie ist die Organisation zu regeln? Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Cinberufer Wich- Verantwortlicher Redakteur: E»»rt Kaaste in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Hierzu z»ori 1 Beilage zum Nr. Mo. Mittwoch, den 19. Uovrmber 1890. V. Jahrs. die dentschen Gewerkschaften. statt DOn �ei am 16' � 17' November d. I. in Berlin gefundene Konferenz der deutschen Gewerkschaften gewählte �Mission hat sich konstituirt und führt den Namen „ Generalkommission der Gewerkschaften Deutschlands." �.Dieselbe wählte zu ihren Vorsitzenden C. Legien, zu ihrem i" Dammann, Hamburg. säm Amtliche Korrespondenzen sind an den Vorsitzenden, etliche Geldsendungen an den Kassirer zu richten. Berlin, den 13. November 1890. Die Generalkommisston der Gewerkschaften Deutschlands. E. Legien, Hamburg-Eimsbüttel, Osterstr. 76b. Ad. Dammann, Hamburg, Fürstenplatz 2, 1 Tr. Ad. v. Elm, Hamburg-St. Pauli, Marktstr. 127. Emma Ihrer, Velten in der Mark. Theodor Schwartz, Lübeck, Alshaide 16. Theodor Glocke. Berlin SO, Lausitzerstr. 52. Karl Kloß, Stuttgart-Haslach, Böblingerstr. 127. miutljche Arbeiterblätter werden um Nachdruck ersucht. � die Arbeiter und Arbeiterinnen Dentschlands. Mtefi/l �lautlichste Aufgabe der unterfertigten Kommission �'e V1" Kampf um ihr Organisationsrecht stehenden »r,"DR, AtdeckMiimen durch Beschaffung der nöthigen Geld- bei �. latkraftig zu unterstützen. Der Kommission wurden sofort ieifün, Zusaunnentritt von 4 Organisationen Gesuche um Hilfe- ia ftt£""tStibveitet, und sie hat die Ueberzeugung gewonnen, daß Unternoll 4 Fällen der Kampf durch rigoroses""Vorgehen der - b jj.'d'i'ec in der angegebenen Richtung hervorgerufen ist. »lle» die Glasarbeiter in Bergedorf, Ottensen, me Schuhmacher in Erfurt, i».> W e i ß g e r b e r in Kirchhain, die �abakarbeiter in Eschwege. alle r«. Kommission richtet daher ihrer Aufgabe entsprechend an stich., Seilschaften und Arbeiter Dentschlands das dringende Er- woll-n füt Zusendung der nöthigen Geldmittel sorgen zu (önnon"i!1. dan Kampf wirksam und siegreich durchführen zu fiio&o er e Unterstützung von etwa 3000 Arbeitern erheischt »eriiiou und speziell die Organisationen werden ersucht, SfirftS?0?* Nüttel sofort an den Kassirer A. Dammann, Hamburg, � platz 2, l Tr., einzusenden. ,le General-Kommission der Gewerkschaften Deutschlands. n, E. Legien, Vorsitzender. Berlin, den 18. November 1890. ®ümmtliche Arbeiterblätter werden um Nachdruck er- Lokales. v eines Proletariers. Vor niehreren Tagen ging Meid,.durgerlicheii Zeitungen die Mittheilung, daß eine gut tei jf..e e orau auf einem Kirchhofe Blumen gestohlen und sich dlrm.. llat. Wie der adlige Junker vom Bourgeois, so denkt der Efyfe 1,0111 Proletarier: er ist ihm nicht ebenbürtig, er hat auch, dem Namen eines diits'�rlers einen Makel anheften und ihn beschimpfen zu %ie ohne daß der Andere ein Recht habe, sich beleidigt zu fühlen. der ein«> Np'ödt) aus den Reihen der„Edelsten der Nation", in Restaurateur niederschlug, weil er ihm nicht den Weg Koch'schen Entdeckung. ißroi�-11 berichteten bereits gestern über die Demonstrationen des 'Jon föA von Bergmann an dieser Stelle. Heute gehen uns dir st,Loerstä»diger Seite noch folgende Zeilen zu, die wir wegen "gehenden Wichtigkeit der Sache unseren Lesern nicht vor- j."i wollen. nfer Gewährsmann schreibt uns: der zs'j schnell Koch's neue Methode zur Heilung weisen Ub-rkulose Eingang und Nachahmung in ärztlichen �ncbon�Ü�bon, mit wie revolutionärer Gewalt diese epoche- teJaebrn6 Entdeckung in den Entwickelungsgang der Wissenschaft �iter.,11«-"' mit wie athemloser Spannung der Bestätigung und WoLsJ hjnng dieses großartigen Gedankens seitens� der Äerzte ssthr IJjjb- davon gab die auf Sonntag, den 16. d. M., Abends yi�tlfh. t em Operationssaal der Königlichen Univerptatsklmik, �nfen- Veranlassung des Prof. von Bcrgemann ein- »!> v Versammlung ein beredtes Zeugniß ab. Es war ".*$ t e i Genannten eine außerordentliche Sitzung der Z�berns�.11 Vereinigung der Chirurgen Berlins" netzte„, und dazu noch eine große Anzahl anderer Wöbe,, Berlin, Deutschland und dem Auslande ein- t Go&rJ�Aen, unter Anderen auch der Kultusminister Mrr U' st w. und der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt. as!„.. v.......... c.,.. ±................. omnfirnhpnpti Korten V?orgniann gedachte in kurzen, warm empfundenen t'Junn.bes genialen Mannes, der durch kein Mittel der lieber- Ii111'1 i gewesen sei, selbst zu erscheinen, um die nach ?.i>ale/ thode behandelten Fälle zu demonstriren. Leider konnte nn c,'"cht unterlassen, mit einigen schineichelhasten Worten 51(heilen>---. SU, «Ä'1!(heilen vermögen.— Darauf stellte er eine große handelt worden waren. Es waren dies dreizehn ichwere Gericht in Haft nahm, so weiß sich der Bourgeois vor Staunen nicht zu lassen, wenn er einen Arbeiter beschimpft hat und nun sieht, daß„diese Leute" sich erdreisten, ebenfalls so etwas wie Ehrgefühl zu haben. Die Forderung des Rechtes auf Achtung erscheint ihm an einem Proletarier ebenso unerhört, wie die For- derung des Rechtes auf ein menschemvürdiges Dasein. Fast täglich wird in den Zeitungen und Versammlungen darüber Klage geführt, daß Guts- und Fabrikbesitzer und sogar Werkführer, welche allerdings besser Werkzeuge— des Fabrikbesitzers nämlich— genannt zu werden verdienten, die Arbeiter und �Arbeiterinnen beschimpfen oder sich gar thätlich an ihnen vergreisen. Das Gesetz billigt z. V. die entehrende BeHand- lung deS Gesindes dadurch, daß es der Herrschaft das Recht körperlicher Züchtigung giebt. Die Bourgeoisie schreit über Sotdatenmißhandlungen und dabei geht sie den Offizieren mit schlechtem Beispiele voran. Thatsächlich suchte kürzlich ein sonst als human bekannter, bürgerlicher Offizier die Beschimpfungen und Mißhandlungen von Solvaten damit zu ent- schuldigen. Er tadelte zwar die Uebergriffe, behauptete aber, daß selbst viele Soldaten nichts weiter dabei fänden, wenn sie daran zurückdächten, wie sie als Knechte und Arbeiier von ihren Guts- und Fabrikherren behandelt worden seien. Wenn daher ein Ossi- zier zu einem solchen Soldaten z. B. sage:„Sie sind ein llihi- nozeros!" so sei das für ihn nicht beleidigender, als etwa für einen Einjährig-Freiwilligen die Bemerkung:„Sie sind doch eigentlich z u dumm!" Man denkt unwillkürlich an das berühmte Wort von den„Ferienkolonien", in denen also die Proletarier eine Zufluchtsstätte nicht nur vor dem Hunger, sondern auch vor allzu schweren Beleidigungen und Mißhanvlungen finden. Aus dem oben angeführten Beispiele läßt sich ein Schluß auf das Maß von Geringschätzung und Verachtung ziehen, mit welchem erst inhumane Ofstziere auf den Arbeiter herabblicken. Diese Geringschätzung haben aber nicht nur die eigentlichen Arbeiter, sondern überhaupt alle, die sich in abhängiger Stellung von einem„Brotherrn" befinden, alle Besitzlosen von der besitzen- den und herrschenden Klasse zu erdulden. Ein Kaufmann ist der Ansicht, daß sich sein Buchhalter oder sein Kommis dafür, daß er ihm Geld erarbeitet, auch etwas gefallen lassen müsse. Empfindlichkeit und stark ausgebildetes Ehrgefühl läßt er nicht auskommen, und wenn er dieses angeb- liehe Vorrecht der besitzende» Klaffen doch einmal bei einem von seinen Leuten findet, so ruft er wohl verwundert aus:„Was sich solch ein Mensch eigentlich einbildet!?" Diese Ansicht ist sogar in nichtkausmännischen Kreisen verbreitet. Zu einem Handlungskommis, welcher seinen Chef wegen Beleidigung ver- klagt hatte, sagte der Vorsitzende des Gerichtshofes, nachdem er mehrere vergebliche Sühneversuche gemacht hatte:„Aber ich bitte Sie, ein Kommis steht doch in sozialer Beziehung so tief unter seinem Chef, daß er sich durch diese verhältnißmäßig gering- sügige Sache doch unmöglich so sehr beleidigt fühlen kann." Ter Kommis erwiderte, er sei sich nicht bewußt, so außerordent- lich tief unter seinem Chef zu stehen, und— erhielt einen Ver- weis. Der Fall ist bezeichnend. Bekanntlich unterscheidet sich ein Handlungskommis von seinem Chef eigentlich nur dadurch, daß er kein eigenes Geschäft hat. Man kann hier nicht einmal den Unterschied einer anderen Vorbildung, wie er z. B. zwischen einem Rechtsanwalt und seinem Schreiber besteht, geltend machen. Trotzdem entscheidet der Richter, daß der Kommis tiefer steht, als sein Chef, und daher ein weniger empfindliches Ehrgefühl haben muß. Die nothwendige Folge iväre, daß ein und dieselbe Be- leidigung an dem Kommis strenger geahndet werden müßte als an dem Chef, und bei gegenseitiger gleicher Beleidigung könnte nicht einmal eine vollständige Aufhebung statt- finden. Die Ansicht, daß der Proletarier eine geringere Ehre hat, kann also gelegentlich von außerordentlicher Bedeutung für die Rechtsprechung sein und die Gleichheit vor dem Gesetz aufheben. Der angeführte Fall steht auch durchaus nicht vereinzelt da. Die Gesellschaft zweifelt bekanntlich nicht blos an dem Ehrgefühl, sondern auch an der Ehrlichkeit des Proletariers. Wer arm ist, gilt von vornherein als verdächtig. Am stärksten tritt das natür- lich wieder vor Gericht zu Tage. In einem Prozeß trat ein un- bescholtener Arbeiter gegen einen bisher gleichfalls unbescholtenen reichen Mann als Belastungszeuge auf. Da der Angeklagte der bestimmten Aussage des Zeugen gegenüber hart- näckig leugnete, und der Zeuge ebenso hartnäckig bei seiner Aussage blieb, so sagte der Vorsitzende endlich zu dem Zeugen:„Sie werden doch aber nicht verlange» wollen, daß ich Ihnen ebenso viel glaube, wie diesem geachteten Manne hier." Der Zeuge erwiderte sreimüthig:„Ja, das ver- lange ich allerdings, Herr Präsident!" Der Gerichtshof>var über diese Antwort so verblüfft, daß er es vergaß, die übliche Strafe wegen Ungebühr vor Gericht über den furchtlosen Vertheidiger seiner Proletarierehre zu verhängen. Man denke sich den um- gekehrten Fall, daß ein Armer angeklagt ist, und ein Reicher- Fälle von Lupus des Gesichts, der Arme und anderer Körper- theile, mehrere Fälle von Skrophulose der Lymphdrüsen am Halse n. s. w., ferner eine große Reihe(16— 18) von Erkrankungen der Knoche» und Gelenke besonders im kindlichen Alter, sowie endlich einige Fälle von Kehlkops- und Lungentuberkulose. Die Kranken befanden sich in drei verschiedenen Stadien der Behand- lang und zwar waren einige bereits einige Zeit(seit dem 6. No- vember) mit Injektionen behandelt, bei anderen war am Vor- mittag desselben Tages eingespritzt worden, so daß sie sich auf der Höhe des regelmäßig eintretenden Fieberanfalls befanden, bei der dritten Gruppe wurde die Einspritzung vor den Augen der Versammelten vorgenommen. Da das Nähere über die Behandlungsart, die dadurch hervorgerufenen Veränderungen u. s. iv. bekannt ist, so können wir uns darauf beschränken, zu konstatiren, daß Punkt für Punkt die von Koch angegebene Reaktion in allen Fällen eintrat, und zwar sowohl in Bezug auf das Allgemeinbefinden(Schüttelfrost, Fieber u. s. w., letzteres zuweilen bis 41 Grad C. und darüber), als auch auf die lokalen Krankheitsherde, an welchen die tiefgreifendsten Verände- rungen beobachtet werden konnten. Besonders trat dies bei den Fällen von Lupus und den Gelenkentzündungen deutlich hervor. Das Krankheitsbild, das sich dem Beobachter darbietet, ist ein geradezu typisches und wiederholt sich mit absoluter Sicherheit und Regelmäßigkeit ausnahmslos in jedem Falle. Es ist dies von ganz eminenter Bedeutung, wie auch hervorgehoben wurde, für den d i a g n o st i s ch e n Werth(d. h. für die Erkenntniß der Krankheitsursache) des neuen Verfahrens, was allein schon ge- nügen würde, dem Urheber desselben ungeheures Verdienst zuzu- sprechen. Denn, wie Herr von Bergmann betonte, ist uns hier zum ersten Male ein Mittel an die Hand gegeben, mit welchem es gelingt, abgesehen von den sonstigen Wirkungen..., in typischer, genau»ach der Dosis zu berechnender Weise Fieber hervor- zurufen, ohne dem Patienten damit weiteren Schaden zuzufügen. Noch deutlicher ins Licht gesetzt wurde diese Thatsache durch einige Kontrolversuche an Patienten mit anderen, nicht tuber- kulösen Affektionen, z. B. einem Manne mit einer wahrscheinlich syphilitischen(gnmmösen) Geschwulst an der Wange, einem zweiten Zeugniß gegen ihn ablegt, und dann vergegenwärtige man sich, zu welchen Folgerungen man gelangen würde, wenn der obige Grundsatz überall angewendet würde. Es darf als bestimmt angenommen werden, daß einer Arbeiter- frau nicht geglaubt werden würde, wenn sie Blumen gestohlen hätte und ihre Leidenschaft für schöne und seltene Pflanzen als Entschuldigungsgrund anführte. Jener vornehmen Blumendiebin wird das Gericht wahrscheinlich Glauben schenken, und es wird ihr mildernde Umstände zubilligen, wenn es nicht gar Kleptomanie, moralischen Irrsinn, zeitweilige Geistes- Umnachtung oder dergleichen annimmt und die Diebin straflos ausgehen läßt. Wenn Jemand aus Hunger ein Brot stiehlt, so fällt es keinem Gerichtshofe ein, zeitweilige Geistesumnachtung anzunehmen. Und doch ist es gewiß, daß der Hunger noch viel mehr als die Leidenschast für schöne Blumen die freie Willensbestimmung aufheben und einen Menschen so verwirren kann, daß er nicht mehr weiß, was er thut. Hier paßt jenes bekannte Sprichwort, nur mit einer kleinen Ver- änderung:„Einem A r m e n glaubt man nicht, wenn er auch die Wahrheit spricht." Der Bourgeois sagt gern:„Armuth schündet nicht," oder auch:„Arbeit schändet nicht", namentlich wenn es ihm darum zu thun ist, für einen Mann von volksfreundlicher Gesinnung zu gelte». Aber im Stillen denkt er:„Reichthum ehrt," und er handelt auch danach. Er zeigt es täglich und überall, daß er dem Arbeiter und dem Armen Mißtrauen und Verachtung entgegen- bringt. Ein Arbeiter, der ein Cafo betritt und sich bescheiden in einer Ecke niederläßt, um eine Tasse Kaffee zu genießen, wird ohne Weiteres hinausgewiesen. Und der Grund der Aus- Weisung? Es ist nur ein Arbeiter! Man wirft den Führern der Sozialdemokratie vor, daß sie unter der arbeitenden Bevölkerung Erbitterung und Haß gegen die besitzenden Klassen erregen. Aber die Bourgeoisie besorgt das ganz allein, indem sie dem Arbeiter noch das Allerletzte nehmen, indem sie ihm sogar die Ehre ab- sprechen und ihn zu einem Menschen zweiter Klaffe herabdrücken will. Die Proletarier müssen dagegen Front machen und ihre Ehre wahren. DaS Wort, welches ein freisinniger Rechtsanwalt kürz- lich in einer öffentlichen Versammlung für Männer und Frauen aussprach, muß ivahr werden. Er hatte eine Rednerin als Proletarieriii bezeichnet und suchte nun den ihm unvor- sichtigerweise entschlüpften Ausdruck, den er von seinem Bourgeois- standpunkte aus für eine Beleidigung hielt, nachträglich zu mil- der». Er fügte nämlkch, sicherlich gegen seine innere Ueber- zeugung, hinzu, er glaube der Rednerin diesen Namen geben zu dürfen, ja er glaube sogar, sie werden diese ehrenvolle Bezeich- nung mit Stolz tragen. Nun wohl, das Proletariat wird und darf auch seinen Namen mit Stolz tragen; denn wenn die Ehre eines Bourgeois sein Geld ist, so ist die Ehre eines Proletariers seine Arbeit. Prof. Gslrar Friintiel, Robert Koch's langjähriger klinischer Beistand im Studium der Tuberkulosesrage(Fräntzel war schon 1882 Koch zur Hand, als Letzterer damit beschäftigt war, darzuthun, daß der Tuberkelbazillus überall dort auftritt, wo Tuberkulose besteht), berichtete gestern Abend im„Verein für innere Medizin" über seine Erfahrungen bei der Anwendung des Koch'schen Heilmittels wider die Lungentuberkulose. Im Allge- meinen ist schon in Koch's Mittheilung vom letzten Freitag die Wirkung geschildert worden, welche sein Heilmittel»-auf Lungen- süchtige ausübt. Die Materialien, welche im Einzelnen die Unterlage zu diesem Urtheil bildeten, gab Dr. Fräntzel bekannt. Es waren eine stattliche Reihe einförmiger Geschichten über den Verlauf, den Lungenleiden unter dem Einfluß des Koch'schen Mittels genommen haben. Dr. Fräntzel hat seine Be- obachtungen an Kranken der Charitee in der ihm unterstellten Nebenabtheilung betrieben. Sie erstrecken sich auf eine längere Dauer, so daß ein vorläufig ab- schließendes Urtheil über den Werth dieser Behandlungs- weise zu gewinnen ivar. Ein besonderes Gewicht giebt diesem Urtheile noch der Umstand, daß es von einem bewährten Kliniker herrührt, dessen Besonnenheit in der Abschätzung klinischer Er- scheinungen und therapeutischer Erfolge bekannt ist. Was Dr. Fräntzel mittheilte, befriedigt auch überaus kühne Erwartungen. Daß schwere Fälle der Lungenschwindsucht nicht zur Heilung ge- langen, ist nicht zu verwundern. Aber die Erfolge, welche bei Affektionen leichteren und mittleren Grades erzielt werden, sind nach Dr. Fräntzel die günstigsten. Die Beschwerden des Patienten bessern sich im Verlaufe der Behandlung stetig von Tag zu Tag. Die häufigen Schweiße lassen nach, der Husten nimmt ab, der Auswurf wird später vermindert, und was das Wichtigste ist, der allgemeine Ernährungszustand bessert sich, wie aus der stetigen Gewichtszunahme sich entnehmen läßt. Entsprechend hebt sich das Allgemeinbefinden beträchtlich. DieZahl derTuberkelbazillen im Aus- wurf ist Anfangs(das ist eine Folge der Behandlung) vermehrt; später geht sie herab; es verschwinden die Bazillen erst zeitweilig und später oft dauernd ganz. Unter solchen Umständen kann von mit einer Krebsgeschwulst des Kehlkopfs, bei denen die Reaktion auf die bei Tuberkulösen stets wirksame Dosis von 0,01 Kubik- Zentimeter des Mittels gänzlich ausblieb. Ja, es ergiebt sich daraus noch die weitere Folge, daß, wiekkoch selbst schon an- gedcuter, versteckte, selbst bei genauester Untersuchung nicht festgestellte Krankheitsherde in der Haut, der Lymphdrüsen, der Knochen, Gelenken w. durch die durch das Mittel hervorgerufene Reaktion(Schwellung, Röthung, Schmerzempfindlichkeit«.) zur Kenntniß gelangen könne. Dies wurde den» auch an einigen Kranken mit Lupus, ferner an einer Frau mit einer tuberkulösen Entzündung der Sehnen- scheiden am linken Arm, sowie an einem Falle von Kniegelenk- Entzündung u. a. auf's Deutlichste bestätigt, da die auf die be- treffenden Leiden beziehenden Krankheitssymptome sich erst nach der Injektion bemerkbar machten, während man vorher gar nichts von dem Bestehen der Affektionen geahnt und anderer tuberkulöser Erkrankungen wegen die Behandlung eingeleitet hatte. Was die Heilwirkung der neuen BeHandlungsweise betrifft, so sind bei der Kürze der Zeit natürlich weder sehr große noch auch absolut sichere Resultate zu erwarten gewesen, indeß war besonders an den Lupusfällen eine deutliche Rückbildung und theilweise Vernarbung an den befallenen Partien zu bemerken; bei den Gelenkaffektionen äußerte sich die Besserung in Abnahme der Schivellung und Schmerzhaftigkeit der betroffenen Gelenke, sowie in einer'Zunahme ihrer beeinträchtigten Beweglichkeit. Bei vielen von ihnen wird, wie dies in der Natur der Sache liegt, ein nachträglicher chirurgischer Eingriff nicht zu vermeiden sein, der aber dann aller Voraussicht nach die definitive Heilung herbeiführen ivird. Nachdem Herr von Bergniann noch um die Erlaubnis; gebeten, Herr»" Koch im Namen der Ver- sammlung ihren Dank auszudrücken, schloß er seine äußerst interessanten Demonstrationen, ohne irgend welche allgemeinen Schlußfolgerungen an dieselben anzuknüpfen.— Herr Oberstabsarzt Dr. Köhler, vom Charitee-Krankenhause, der eben- falls— bereits seit 4—5 Wochen— Kranke nach der Koch'schen Methode behandelt hat, bestätigte im Ganzen alle Resultate Koch's und der übrigen Aerzte, drückte sich indeß in Bezug auf den er- zielten Heileffekt äußerst vorsichtig, ja man kann wohl sagen etwas einem vollkommenen Heilerfolge die Rede sein. Nicht ebenso sind die Ergebnisse bei der Velmndlung von vorgeschrittener Lungen- tuberkulöse; doch>vnr auch hier eine mcsentliche Besserung zu verzeichnen. Andere Angaben Tr. Frintzel's über Einzelheiten, Begleiterscheinungen und Zufälle während der Anwendung des Koch'schen Mittet und iibcr dessen beste Dosirung haben nur für Aerzte Interesse. Zum Schlüsse betonte Dr. Fräntzel, daß das Heilverfahren noch im Einzelnen vielleicht abgeändert und weiter ausgestalten werden würde; in seinen Hauptzügen aber sei es fest begründet. Sein Schwerpunkt aber liege ivesentlich darin, daß mit der Behandlung frühzeitig begonnen wurde, illuf den Antrag von Ober-Stabsarzt Dr. Stricker wurde, weil außer Dr. Fräutzel kein Anderer einschlägige Erfahrungen aufzuweisen habe, von einer Besprechung des Vortrages vorläufig ab- gesehen. Dein Vortrage ivohnte ein beträchtlicher Bruchtheil der Berliner Aerztewelt bei. Der übliche Sitzungssaal des Medizinischen Vereins vermochte kaum die ganze Zahl der Hörer zu fassen. Die gestrige Sibnng des Vereins für innere Medizin im Architeltenhause war ebenfalls der Koch'schen Entdeckung gewidmet. Ter Vorsitzende Prof. Leydcn eröffnete die Versammlung mit dem Hinweise, daß, nach der authentischen Publikation Koch's, man nunmehr annehmen dürfe, daß das Geschenk, welches derselbe so- eben der Wissenschast und den Aerzten gemacht habe, ein sicher ivirkendes spezifisches Heilmittel gegen die Tuberkulose sei. Dies habe den Vorstand veranlaßt, Robert Koch zum Ehrenmilgliede des Vereins für innere Medizin vorzuschlagen, was die Ver- sammlung nüt lebhafter Zustimmung begrüßte. Hieraus erhielt Professor Oskar Fräntzel das Wort, um über die Erfahrungen zu berichten, die er mit der Koch'schen Methode bei Lungen- tuberkulöse an der von ihm geleiteten Abtheilung der Charitee gemacht hat. Die Kontrolvcrsuche bei Gesunden hatten das aus der Koch'schen Publikation bereits bekannte Resultat, daß geringe Dosen gar keine, stärkere Dosen nur eine geringe Reaktion hervorriefen, während bei Schwindsüchtigen stets die charakteristischen Erscheinungen: Tempcratursteigerung bis 40 Grad Celsius, Schüttelfrost und eigenthümliche, ziehende Schmerzen in der Brust hervorriefen. Die so behandelten Kranken lheilten sich in zwei Gruppen: in solche Kranke, deren Lungcnleide» bereits vorgeschritten war, und in solche mit beginnender Schwindsucht. Die Anfangsdosis der Injektion betrug stets 0,001 Knbik-Zenti- meter und wurde allmälig bis auf 0,01 gesteigert. Redner warnt davor, bei Schwindsüchtigen mit zu großen Dosen anzufangen; ihm sei ein Fall bekannt—„glücklicher Weise nicht bei mir", fügte der Redner hinzu—, wo 24 Stunden nach einer solchen Injektion der Tod des Patienten eintrat. Von seinen vier Schwerkranke», die bereits ausgedehnte Höhlenbildungen in den Lungen aufwiesen, sind auch zwei gestorben, doch ist hier der Tod dem zu weit schon vorgeschrittenen Krankheitsprozesse zuzu- schreiben. Die Sektion ergab keinerlei Zeichen der Heilung in den erkrankten Lungen.— Bei der zweiten Gruppe der leichter Er- krankten, die acht Fälle umfaßt, ist trotz der kurzen Vehandlungs- zeit bereits deutliche Besserung zu konstatiren. Der nach den In- jektionen reichlicher auftretende Auswurf und Husten hat sich er- heblich vermindert,dieschwächendenNachtschweiße sindverschwunden. die Zahl der Bazillen geringer geworden, das Allgemeinbefinden bedeutend gebessert und in allen Fällen eine Zunahme des Körper- gewichts zu konstatiren. Eine eigenthümliche Veränderung geht nach den Injektionen mit den Tuberkelbazillen vor sich. Sie werden kleiner und verkümmern, zeigen an beiden Enden leichte An- schwellungen, zerbröckeln auch und lasse» perlschnurartige lieber- reste zurück. Trotz dieser offenbaren Verkümmerung bleiben aber die Bazillen noch lebensfähig, und es sei nicht ausgeschlossen, daß uach vorzeitiger Einstellung der Injektionen sich bei den schein- bar bazillenfreien Patienten nach einiger Zeit doch wieder ent- wickelte Bazillen zeigen können. Daher sei die Behandlung mög- lichst lange und unter sorgfältigster Beobachtung der Erschei- nungen fortzusetzen. Der Zukunft sei noch viel vorbehalten— schloß Prof. Fräntzel seinen Bortrag— aber wer auch in fernster Zukunft diesem so fruchtverheißenden Zweige medizinischer For- schung näher treten wird, er wird immer beginnen müssen mit den Worten: Robert Koch.— Ueber de» gemaitige» Eindruck, welchen das neu ent- deckte Koch'scho Heilverfahren, über die Erregung, welche dasselbe in allen Schichtest der Einwohnerschaft hervorgebracht hat, bringt die„Voss. Zeitung" einen kleinen interessanten Belag. Herr Dr. Cornet ist Tag und Nacht unaufhörlich in Anspruch ge- nommen. Er ist genöthigt, an nicht weniger als acht Stellen der Stadt nach den: neuen Koch'schen Heilverfahren thäig zu sein; der hochverdiente und ausgezeichnete Mitarbeiter Koch's muß sich, unterstützt durch eine Anzahl ärztlicher Gehilfen, auf folgende Punkte der Stadt vertheilen: Kaiser-Wilhelmstr. 29/30, Albrechtstraße Nr. 9a, Schiffbauerdamm Nr. 31/32, Ziegelstraße Nr. 2 (Dr. Krause'sche Klinik), Spenerstraße Nr. 42, Zentralhotel(mit jetzt schon über 40 Betten), ferner auf zwei Hauser in der Karlstraße und Kronprinzen-Ufer Nr. 27. Dazu kommen dann noch außerdem einige andere abgezweigte Oertlich- leiten. Als unser Gewährsmann sich heute früh, bald nach halb acht Uhr, nach einer dieser Arbeitsstellen— man könnte sie abgezweigte Kliniken oder Sprechzimmer nennen, wenn es nicht einfach nur in der Noth der Umstände auf gut Glück ge- miethete, gerade leer stehende Wohnzimmer ohne all und jede Erfüllung ärztlicher Anforderungen wären— nach der Kcnser- Wilhelmstr. 29/30 begeben hatte, fand er die drei Treppen hoch links belegenen Räume Kopf an Kopf voll gedrängt von Hilfe skeptisch aus, wodurch der brausende Beifallssturm, unter welchem Herr v. Bergmann dann die Sitzung schloß, eine kleine, ganz kleine, aber doch von der Versammlung gut gefühlte Dämpfung und Abschwächung erlitt. Es war das Gefühl des Zweifels, das ja einer so gewaltigen, so fundamentalen Entdeckung gegenüber, so leicht entsteht und so sehr begreiflich ist, wenn man bedenkt, was bei der Bestätigung derselben errungen, wie groß anderer- seits die Enttäuschung wäre, wenn dieselbe ausbliebe!— Diese Bestätigung aber, so hoffen wir zuversichtlich, wird nicht aus- bleiben, vielmehr durch neue, größere, vollständigere, über längere Zeit ausgedehnte Versuche mit immer größerer Schärfe und Klarheil hervortreten. So wird der leidenden Menschheit das neue, kostbare Geschenk nicht wieder entrissen werden, sondern weitere, noch größere Errungenschaften nach sich ziehen. Denn nicht die That an sich ist es, die uns diese Aussicht eröffnet, sondern die Art ihrer Entstehung. In einer begeisterten An- spräche an seine Zuhörer nannte Prof. Nothnagel in Wien sie dieser Tage„die reife Frucht, welche die in steter, unaufhalt- sanier Entwickelung begriffene Wissenschaft gezeitigt hat." Wie jedem Wissenden und Denkenden klar sein dürfte, bildet sie den Ausgangspunkt für eine in Aussicht stehender Entdeckungen der Bekämpfung der ansteckenden ihren vorgeschriebenen Weg durch Bakteriologie, d. i. der Lehre von den krankheitserregenden kleinsten pflanzlichen Organismen oder Bakterien zu nehmen hat. Welche Dolgen für den allgemeinen Gesundheitszustand der Völker, und damit für die wirthschaftlichen und politischen Verhältnisse daraus erwachsen werden, läßt sich heute natürlich nicht annähernd be- messen, das eine aber läßt sich schon heute sagen, daß sie ein weiteres Glied bildet in der ungeheueren Kette der großen Be- sreiungsthaten, welche zur geistigen wie materiellen Entlastung der unter schwerem Drucke gebeugten Nationen aller Länder, des ganzen Erdballs geführt haben und in Zukunft noch führen werden. Und darum hat gerade unsere Partei, die Sozialdemokratie, ein besonderes Interesse an ihr zu nehmen. Das muß aus dem Grunde hier besonders hervorgehoben werden, weil schon jetzt in einem unserer Partei- blätter in einer wirklich durch keinerlei Sachkenntniß getrübten Unbefangenheit, um keinen anderen Ausdruck zu gebrauchen, nämlich in der„Fränkischen Tagespost" ein Artikel erschienen ist, große Reihe noch auf dem Gebiete Krankheiten, welche das Studium der suchenden Menschen. In einem dunklen, kaum U/s Meter breiten Korridor standen Frauen und Männer zusammengepfercht. In dem anstoßenden, kaum 13—20 Quadratmeter fassenden Vorzimmer zahlte derselbe an 30 Menschen, welche in Sticklust, vielfach hustend, nach der Thür des Sprechzimmers schauten und in banger Erwartung harrten. Ein schwer Kranker wurde von zwei Freunden oder Verwandten auf den Händen die engen drei Treppen hinaufgetragen. Im Sprechzimmer selbst, einem engen Raum von kaum 23 Quadratmeter Größe, arbeiteten an einein kleinen Tische 3—4 Assistenten des Herrn Dr. Cornet an einem Schreibtische(Zylinderbureau); auf einem Stuhl saß ein entkleideter Kranker und wurde untersucht, drei andere Kranke harrten halb entkleidet, bis an sie die Reihe kam. Und durch das Gedränge aller dieser Personen muß sich der leitende 'Arzt, Dr. Cornet, hindurchwinden, hier ein begütigendes Wort sprechen, dort rasch eine Aenderung rreffen und die sehr schwierige Listenführung überwachen. Ein sehr leidend aussehender Mann aus der Schulstraße(Gesundbrunnen), Vater von vier Kindern, bat dringend um einen Platz in der Klinik. Er mußte auf einige Tage Geduld von dem stets freundlichen, geduldigen Tr. Cornet vertröstet werden, denn es ist kein Platz mehr vorhanden. Das ist fast die stehende Antwort. Es ist bekannt, daß das Geh. Rath Koch'sche Mittel knapp, ja fast kaum noch erhältlich geworden ist. Trotzdem wächst von Stunde zu Stunde die Zahl der Hilfe- suchenden, um Hilfe Flehenden laivincnartig. In vier bis sechs Wochen wird jeneS wunderbare Mittel— so wird uns be- richtet— in größerer Menge vorhanden sein. Inzwischen aber sollte vor Allem die mächtige Gemeindeverwaltung Berlins sich regen. Es handelt sich u. A. darum,, damit Koch's menschen- beglückende Entdeckung in ungehinderte sofortige Wirksamkeit trete, zunächst einige hundert Betten provisorisch in Baracken einzurichten. Der Raum ist hierfür überall vorhanden und die Baracken, auch für Wirthschastsräume und Aerzte, herzustellen, wird nicht schwer fallen. Wo ein Wille ist, findet sich auch der Weg. Eine entschlossene That, welche den täglich für die ärmeren Mitbürger und für die arbeitenden Aerzte unerträglich werdenden Zustünden einigermaßen abHilst, wäre dem großen Entdecker vielleicht viel willkommener, als alle noch so schön ausgestatteten Dankreden und Ehreubekundungen. Der- Dolizeipräsidcnt bringt zur öffentlichen Kenntniß, daß der für die öffentlichen Fuhrwerke alljährlich zu erneuernde Farbenstempel für das Jahr 1891 von blauer Farbe ist. Die Droschken- und Thorwagenbesitzer werden angewiesen, ihre Fuhr- werke zu erneuter Prüfung und Abstempelung während der Zeit vom 1. Januar bis zum l. Juli 1891 dem Kommissariat für das öffentliche Fuhrwesen vorzustellen. Nachdem das geoffe Merk, die Errichtung der beiden langen Manern an den Seiten der verlängerten Zimnierstraße, glücklich und ohne irgend einen baulichen Unfall so ziemlich zu Ende geführt ist, hat man nunmehr Anstalten ge- troffen, die zur Beleuchtung der Straße noihwendigen Gasröhren Herbeizuschassen. Wie lange das Verlegen dieser Röhren dauern wird, wagen wir nicht zu bestimmen, da die Erfahrung gelehrt hat, daß jede prophetische Sehergabe bei dem„Durchbruch Zimmerstraße" in die Brüche geht. Man kann also nur hoffen, — und so hoffen wir denn, daß die Verlegung der Gasröhren, weiter auch die Kanalisation und die Pflasterung jener Straße einst zu einem gedeihlichen Ende gelangen werden. Männiglich würde sich darüber freuen, wenn dieses frohe Ereigniß noch in diesem Jahre eintreten und Berlin so bald wie möglich nm diese hervorragende Leistung moderner Straßenbaukunst bereichert würde. Fast die grsammte Feuerwehr hatte sich vorgestern in der elften Abendstunde in der Schönhauser Allee vor dem Grundstück Nr. 10/11 versammelt, um die dort in der Brauerei Königstadt ausgebrochene große Feuersbrunst zu bewältigen. Ter ganze Dachstuhl des Hauptgebäudes mit den in ihm lagernden Vor- räthcn an Malz, sowie die Darre standen in hellen Flammen; die durch einen eisernen Uebergang mit den brennenden Gebäuden verbundenen übrigen Häuser der Brauerei standen in größter Gefahr. Sechs Dampfspritzen und fünf Druckspritzen- Schläuche traten in Thätigkeit. Die Sappeurc drangen trotz Rauch und E lammen über die Treppen vor; außerdem aber wurden noch ütergänge errichtet und auch die große Maschincnleiter auf- gestellt, um dem Feuer auch von außen zu Leibe gehen zu können. Die Waffermassen, die von den elf Schläuchen in die flammende Gluth ergossen wurden, waren so gewaltig, daß bald ein dichter Strom abfließenden Waffers den Brauereiberg herabrieselte. Nach Stunden angestrengter Thätigkeit gelang es, den Brand zu be- wältigen; in der zweiten Frühstunde legte sich die Gluth und um 2 Ühr 12 Min. konnte die Gefahr als beseitigt betrachtet werden. Die Mannschaften der Feuerwehr waren völlig erschöpft, so daß um 2 Uhr Ablösung anrücken»rußte. Uin 3 Uhr war die Gluth völlig erstickt. Anf drin Medding soll ein Kommunalschüler bei Gelegen- heit einer Knabenrauferei einen Gymnasiasten so unglücklich ver- letzt haben, daß der Tod eintrat. Die bürgerlichen Blätter stellten die Sache so dar, als ob die ganze Schuld auf Seiten des Kommunalschülers lag: warum, weiß man ja. Es ist ja bekannt, daß es auf Gymnasien gar keine Ruppsäcke giebt. Nun kommt aber der amtliche Obduktionsbefund, und dieser hat ergeben, daß der Tod durch Hirnhaut-Entzündung resp. Gehirneiterung herbei- geführt worden ist. Ob aber die Erkrankung eine Folge jenes Schlages gewesen ist, hat nicht festgestellt werden können.— Also diesmal war es nichts mit der Rohheit der Arbeiterkinder! der sich theils zweifelnd und abweisend, theils direkt tadelnd gegen diese große That ausspricht, und die Aerzte ermahnt, lieber für soziale Reformen, für Verbesserung der materiellen Lage des arbeitenden Volkes statt für die Lösung solcher Probleme zu wirken. Die Thatsachen werden einst diese beschränkte Auffassung auf's Glänzendste widerlegen. Aber auch den gegnerischen Parteien, die uns stets die so beliebte Frage nach dem Aussehen unseres Zukunftsstaates vorlegen, wird allmälig klar werden, wie unsinnig diese unter den obwaltenden Umständen ist. Taruin halten wir es für angezeigt, obwohl sich, wie gesagt, die Konsequenzen dieses großen Ereignisses jetzt noch nicht entfernt ermessen lassen, doch schon heute auf einige besonders in die Augen springende Punkte aufmerksam zumachen. Abgesehen von der aufklärenden Wirkung, welche dieser glänzende Erfolg der allen Glauben und Aberglauben erschütternden Naturwissenschast nach sich ziehen wird, wird sie auch auf die weitere Ausbreitung und Durchdringung der großen Massen mit der Idee der Vergesellschaftung der Menschen, des Sozialismus, von einschneidender Wirkung sei». Laien-Publikum sowohl als Aerzte werden erkennen, daß nur au einer staat- lich organifirten Heilkunde, in einer alle Elemente des Staats- und Gescllschasts- Körpers in sich vereinigenden, öffent- lichen Gesundheitspflege die Gesundung des au allen Ecken und Enden kranken Organismus gesucht und gefunden werden kann. In demselben Maße, wie das Publikum zu der Ueberzeugung ge- langen wird, daß es in öffentlichen Heilanstalten sichere Rettung sindet, und die heute zum Theil noch berech- tigte Scheu vor denselben immer mehr ablegen wird, werden auch die Aerzte, Apotheker und das übrige an der Krankenpflege bctheiligte Personal, wie die daran mitwirkenden Geschäftskreise, wenn die naturgemäß eintretende Beschränkung ihrer Thätigkeit Thatsache geworden sein wird, im Anschluß an eine staatliche Organisation ihr Heil erblicken. Andererseits wer- den die Proletariernrassen, ivenn auch das agitatorisch so wirk- same Wort„Proletarierkrankheit" seine Bedeutung verloren hat, immer mehr und mehr zusammenhalten und, wenn auch immer niehr arbeitsbedürftige und arbeitsfähige Hände sich nach den ersehnten und ihnen gebührenden Schätzen, die unser irdisches Dasein bietet, ausstrecken werden, werden sie gerade durch ihre größere Zahl und besseren Gesundheitszustand auch immer mehr an Macht gewinnen, um ihr Endziel, die Befreiung vom Joche des heute herrschenden Wirthschaftssystems, endgilti" zu erreichen. Möbelwagen überfahren und erlitt einen— rechten Arms. Nach Anlegung eines Notverbandes* er nach dem Krankenhause am Friedrichshain� sgn Bruch In Copenick fanden am Montag die Stabtverordneti' Wahlen statt. Unsere Genossen hatten sich zum ersten MA*, Oer Wahl betheiligt und erzielten einen schönen Erfolg. 0» V hielten in der 3. Abtheilung in der Ersatzwahl für den o' geschiedenen Stadtv. Hausdorf Moldenhauer, Bürgerpartei,.,, 217 Stimmen, Winzer, Sozialdemokrat,.. 101„ In der Ersatzwahl für den ausgetretenen Stadtv. 3"ell hielt der Kandidat der Bürgerpartei 108 Stimmen, der der 1«' sinnigen Partei 87 Stimmen und unser Kandidat Hoff mstN 71 Sti m m c n. Hier ist also eine Stichwahl zwischen Vurge- Partei und Deutschfreisinn nothwendig geworden.,., Bei der Wahl machte sich übrigens die Ilngeiiauigkeil o Wählerlisten sehr unangenehm bemerkbar. Nicht weniger o ein Drittel der Wähler war überhaupt nicht verzeichnet. wird für jeden Wähler die Mahnung liegen, sich künftig bei Auslegung der Listen davon zu überzeugen, daß sein Name ihnen auch enthalten ist. Ei» Zchliirhtermcistcr hat bei der Kriminalpolizei folgende, etwas romanhaft klingende Anzeige erstattet: Er fei 13. d. M. zwischen 9 und 10 Ikhr Abends mit seinem Eespa aus der Lützow- in die Flottwellstraße eingebogen. In der ssM' wellstraße hätten sich in der Absicht, ihn zu überfallen, Ml. bekannt gebliebene Personen auf das Gefährt gestürzt. WaM vier davon die Pferde angehalten hätten, habe einer den chmg, erstiegen und den Besitzer mit einem Messer gedroht. Dieser, der Annahme, daß es nur auf einen Raub abgesehen sei".' sei von dem Gefährt herabgesprungen und habe sich i» der Flottwellstraße belegeneu Zigarreuladen gerettet. Es 1°, nun zwei der Angreifer bis dahin gefolgt sein und den 4 gemacht haben, den Schlächtermeister aus dem Zigarrenm wieder heraus auf die Straße zu zerren, bis es dem Dazwycy treten des Ladenbesitzers gelungen sei, ihn zu befreien.... An, 28. Glitobvr 1890 wurde i» der Auirgferuhau» ein unbekannter etwa 40 Jahre alter Mann erhängt aufgestm j Der Verstorbene ist 1,70 Meter groß, hager, hat dunkelblo« dünnes Kopfhaar, blonden Schnurrbart und sogenannte ck"»' Bekleidet war derselbe mit einem kaffeebraunen Winterüberzicy' einem dunkelblauen Stoffjaquet, einer dunkelblauen Stostm I> einer braun und schwarz gestreiften Hose, einem weiß-baumivom Oberhemd, einem grau und schwarz gestreiften Parcheiw> einem Stehkragen, einer gelb und rosafarbenen Kravatte unechter Nadel, einem Paar Manschetten mit Knöpfen blau. Blumen, seinem Paar grau wollener Strümpfe, einem-b sogenannte Kellnerschuhe, einem braunen Filzhut, einem f.| Gurthosenträger. Bei der Leiche befand sich ein Regenschin" � braunem Stock und ein Stück Papiermit dem Namen„Julius Angehörige oder Rekognoszenteu können sich beim Amtsvorst zu Tegel oder beim Guisvorsteher in Plötzensee melden. t In» Äeftste eines»in 8. d. Alis. festgenoWM«'' paletotdicbcv sind folgende Gegenstände gefunden und vl»v� von den Geschädigten nicht rekognoszirt worden: Ein R'Ng sechs Schlüsseln, ein Haus- und ein Korridorschlüssel, ein f, braune Glacehandschuh(einknöpsig, Patentverschluß),«n p. braune mit weißem Flanell gefütterte Glacehandschuh(eiiiknop! Patentverschluß), ein Paar schwarze Glacehandschuh(einlnop. Patentverschluß), ein Paar graue Glacehandschuh(zwennopl Patentverschluß), eine gelb-braunlederne Brieftasche, eine IP lederne Brieftasche, eine braune Horn-Streichholzbüchse, ein di. ledernes Taschen-Necessair(enthaltend Spiegel, Scheere. K Nagelfeile und Zahnstocher), ein weißes Taschentuch ohne ZC' ein desgleichen M. E. gezeichnet, ein weißes Taschentuch, am 9» schwarze Ringe, gezeichnet P. M., ein weißes Taschentuch,, Rande roth gestreist, gezeichnet P. M.— Ferner sind von selben Diebe verschiedene Paletots veräußert und diesseit- er>n jedoch zu den nachfolgenden bezeichneten Paletots die Gescha h, noch nicht bekannt geworden: Ein werthvoller rehfarbener A> Paletot. Kragen von gleichem Stoff, braunes Atlasfutter, w � I Seitentaschen gelb- und blaugestreistes wollenes Futter, Z'vewi 1 brauner Hornknöpfe, in einer Tasche steckte cin Eisenbahn-Re �» billet 2. Kl. Bernau-Berlin vom 23. 10. 90.— Ein blaug � Winter- Paletot, englischer Diagonalstoff, Kragen von g" L„ Stoff, kleinkarrirtes blau- und gelbgestreiftes Futter, 9t � Aermeln schwarzes Clothfutter, Seitentaschen grau Lanial eine Reihe verschiedenfarbiger Hornknöpfe und verdeckte v � — Ein gelb-grau-roth-braun gesprenkelter Herbst-Paletot,» von gleichem Stoff, grau-griinlich längs gestreiftes Futter, . i............. An»«, nnh 9t»iv-v-9tnbänotel. bi Ilten vvtk yidUjKWl WV|(� y»-|--- Reihen- brauner Hornknöpfe und Leder-Anhängsel, hinten•_ Schlitz mit zwei Hornknöpfen.— Rekognoszenten wolle: baldmöglichst im Polizeipräsidium, Kriminal- Abtheilung,.,L gang Portal 11, Zimmer 97, Vormittags zwischen 9 und» melden. leitet Dolimbmcht. Als am 17. d. M. Morgens der Arv- Stümpel ,n der Hutfabrik von Bock, Greifswaldersir. 23» Treibriemen auf eine im Gange befindliche Welle legen' wurde seine herabhängende Jacke von dem Triebwerk erfaß � er mehrere Male um die Welle geschleudert. Er erstu � Quetschung der Brust, sowie einen Bruch des rechten Benie mußte nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht l den.— Nachmittags wurde auf dem Bauplatz Landwehr! der mit der Ausführung der Fundamentirunas-Arbeite � schäftigte Maurer Wentrich durch abrutschende Erdinasien schüttet und erlitt, trotzdem er von seinen Mitarbeitern hervorgezogen worden war, anscheinend schwere innere � letzungen, sowie eine Verstauchung des Rückgrats, so daß e � dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden Mllp' jz Zu derselben Zeit wurde ein Mädchen in seiner Wohm �ve der Brunnenstraße erhängt vorgefunden.— Nachmittags. lCIii vor dem Hause Markusstr. 16 ein Mann lildf — Abends versuchte ein Mann vor dem Hause Horststraße Nr. 13 anscheinend aus Lebensüberdruß M i täs Schwefelsäure zu vergiften. Er wurde noch lebend M Charitee gebracht.— Zu derselben Zeit wurde.j ge- Schlesischen Güterbahnhofe der Knopfmacher Klatt f ,hi>iA brochenem Fußgelenk aufgefunden und nach dem Kran.„oi am Friedrichshain gebracht. Er hatte sich bei der Absai Ersatz-Reservisten in den Bahnhof hineingedrängt und 0' � durch einen Fall von der Laderampe die Verletzung zugfiv.� In der Nacht zum 18. d. M. brachte sich ein stellenlos lungsgehilfe in einer Schankwirthschaft in der Krausenstt p Revolverschuß in die Brust bei. Schwer verletzt wurde der Charitee gebracht.— Zu derselben Zeit siel ei» Mai über dem Hause Elisabeth-llfer Nr. 51 in den Loulsenst„,1 Kanal, wurde jedoch noch lebend aus dem Wasser gMtz � tzs nach dem Krankenhause Bethanien gebracht.— Am» Abends entstand in der Mälzerei der Brauerei KönigstM. ffM hauser Allee Nr. 10—11, Feuer, durch welches das Daws�ye und das darunter befindliche Stockwerk, sowie ein bev xF Vorrath von Malz und Gerste zerstört wurden.— J* fi{iiiw fanden Gipsstraße Nr. 31 und Grünthalerstraße Nr. 60 Brände statt. Gerirstks Zeiknng it, lUird.r war cu ein, Zlebrefcheritmis d,, welche gestern der zweiten Strafkammer hiesigen Lanvg, i« zur Beurtheilung unterlag. Die Anklage, welche sich Arbeiter Paul Hermann B o r ch a r d t richtete, lautete am# Verletzung mittelst gefährlichen Werkzeuges in einer v ist gefährdenden Behandlung und mit dem Erfolge, daß.aen letzten ein wichtiges Glied seines Korpers verloren gM M Der Angeklagte arbeitet mit seinem Bruder auf dem �» Laaerplay von Tegcuer. Der Bruder des Angektav unl? i"11 17- Juni mit einem anderen Arbeiter ins Handgemenge dm-fls??er letztere dabei den Kürzeren zog, so sprang ihm GU*er Schepe zu Hilfe und suchte denselben von seinem gner zu befreien. Nun trat auch der Augeklagte in Th ätigkeit, k,,'pwng seinem Bruder bei, ergriff einen sogenannten Trage- Iiinn k � hieb damit von hinten auf Schepe ein. Der Schlag .1° wichtig, daß letzterer sofort ohnmächtig wurde; er fiel so °"ulich auf eiserne Träger, daß er fich einen sehr schlveren m.�Mten Knochenbruch des linken Armes zuzog. Nach dem öS 7*.en des behandelnden Arztes wird der Verletzte für die Uvin ieine§ Lebens eine herabgeminderte Gebrauchsfähigkeit des K j!63 ZU beklagen haben. Der Angeklagte machte geltend, daß m, nur darum zu thun gewesen sei, einen unberechtigten auf seinen Bruder abzuwenden. Der Staatsanwalt toa u? Ulit Rücksicht hierauf und in fernerer Berücksichtigung mm?Ulstandes, daß der Verletzte mehr einem unglücklichen Zikfall m7i??pser gefallen, eine Gefängnißstrafe von neun Monaten, »..z�unwalt R o s e n t h a l hielt dagegen eine Freisprechung b, angeklagten für geboten. Thatsächlich habe derselbe sich in r.j"'Ofhivehr befunden, um einen unberechtigten Angriff auf l.xf" �?'der abzuwehren. Es sei nicht klarzustellen, ob nicht die Epm-ch� schwere Verletzung dadurch entstanden ist, daß beide ert!r?s Stolpern kamen und auf die eisernen Träger stürzten. "mufften Falls verdiene der Angeklagte, der doch nicht in m Rauflust gehandelt, eine""Ii milb» Rtmin Tm- ffnmf f.n)Qr derselben Meinung fiten zu einer Woche Gefängniß. ai». Der Prozeß Mehr. Iuha r?' 1 3' 17- November 1890. Erster Tag der VerHand- ü..A(Fortsetzung.) Der Andrang nach dem nur sehr kleinen Ä.?.?�rrouni ist ziemlich bedeutend. Kurz nach 9 Uhr eröffnet � SSinibanm die Sitzung und läßt die Angeklagten ein (sJ."- Ter Hauptangeklagte Dr. Wehr ist im Untersuchungs b.J?, 3U'ß ziemlich ergraut. Bei Aufruf der Zeugen stellt es sich rem m»- A"ne ganze Reihe der letzteren, so n. A. Regierungs- rom m!' Her, Graf v. K ö n i g s m ä r k. Geh. Ober-Regierungs- Oberbürgermeister v. Winter und Bankier G r e ß l e r Alm- lehlt. Unter den erschienenen Zeugen befindet sich der °�dnete Geh. Regierungsrath E n g l e r iBerent). Der An- °8te Wehr, der so leise spricht, daß er im Zuhörerraum kaum am ic mP% giebt aus Befragen des Präsidenten an, daß er und m' Oktober 1844 zu Kensau(Westpr.) geboren, verheirathet �ater von drei noch unerwachsenen Kindern ist. und alsdann zur Vernehmung der Angeklagten geschritten ganz milde Strafe.' Ter und verurtheilte den Ange- mit .... uci-oerneymung oes mngenagien.y o; tz begönnet 1 1 bemerkt auf Befragen des Präsidenten, däß er fich n i ch Lr"(big bekenne. Im Oktober 1885 wurde in Fersenau eine �"vssenscha�t begründet und er zum Vorsitzenden gewählt. Die habe den Zweck' gehabt, � den ihm gehörenden entwässern und einige bäuerliche Besitzungen zu tennt Qm Januar 1666 habe er bei der Landesdirektion ttiöff»«® ber Genossenschaft zum Zwecke von Be- und Ent- � iierungZanlagen ein Darlehen von 104 000 M. aus dem aua yätaHPilfefonb§ ZU geben. Er habe nun am 21. April 1886 mi! oein Provmzial-Hilfsfonds 86 000 M., am 30. desselben 20 ortfi Hm10 UM 2, Juli 20000 SD}., am 4. September olfn N'°m 18. September 10 000 und 1. Oktober 8000 SR, ' m Summe 104 000 M. erhalten. r ä s i d e n t: Sie haben die 104 000 M. aber nur zum f-r,' 9eu Theil für die Zwecke der Genossenschaft verwendet? Sie b...,®011 einem großen Theil des Geldes theils Privatschulden "iahU, theils Darlehne an Wehr gegeben haben z � h" Allerdings habe ich das gethan, allein die Be- und üü-. Meruiig, die ich mir zur Lebensaufgabe machte, hat noch wim? � SN. mehr als die vom Provinzial- Hilfsfonds be- A.Mgten Gelder gekostet. Ich habe durch die Ausführung der »mir Nationen soviel aus meinem Privatvermögen aufgewendet, $"1®ui zur Subhastation kam. biruPJL /•: bereits im Jahre 1886 waren Sie aber derartig fielen' mehrfache Exekutionen bei Ihnen fruchtlos aus- fr. Huktz: Es waren das Schulden, die meine verstorbene UnS Vi uumer kränklich war, ohne mein Wissen gemacht hatte erk-. me auch zum Theil vom Gericht als nicht berechtigt an- fonKs mürben. Ich habe von den aus dem Provinzial-Hilfs- sckmit �'hultenen 104 000 SR einige Schulden, dir die Genossen- Um L, t«, bezahlt. Meine Privatschulden bezahlte ich zumeist i», Wehr'scheu Wechsel». Holtz behauptet im Weiteren, daß er »ui /�ufmann Richter, in Firma Emil Eveling in Berlin, eine vere-®ul aufgenommene Hypothek von 10 000 SN. für 9000 SR i!''' um Gelder für Meliorationszwecke zu haben. 'eei.A�sidei.t theilt mit, daß Kaufmann Richter wegen zu Au? Entfernung vom persönliche» Euscheinen entbunden sei. s.,' mtrag des Staatsanwalts beschließt der Gerichtshof: den 9snn 5°°" telegraphisch zu laden . s-: Als Sie' v-n To" 1-•"»'( nun am%i. mprn oas erpe t�arteyen U} �uri erhielten, da gaben Sie dem Wehr sogleich Ja! g r« f.: Wie kamen Sie dazu? Ausf* Ich konnte trotz des Beschlusses des Provinzial- Sw'chusfes das Geld nicht erhalten, Wehr sagte mir: ich solle die Eins- Nt fertig machen, dann würde ich das Geld erhalten. der»!?3 Zeit darauf sagte mir der Agent Lehre, Wehr sei jjw. mir 86 000 Mark zu geben, wenn ich ihm 6000 M. auf SehSj T�ben wollte. Ich erklärte mich dazu bereit und gab dem einen von Wehr"'.......... einen von Wehr akzeptirten Wechsel die gewünschten des ff.chch f-: Kannten Sie denn nicht die Vermögensverhältnisse schon Landesdirektors? wußten Sie nicht, daß derselbe sich Vn i �bren in Geldverlegenheit befand? n.t Das war mir nicht bekannt, ich war der Meinung, ------_---- ir----- c-ix t.n ' sich nur in augenblicklicher Geldverlegenheit befinde. lOon/flGf-: Am 30. April 1886 ließen Sie sich wiederum soviel m Z°blen? Brauchten Sie denn nach so kurzer Zeit wieder gtn.ß oltz: Augenblicklich brauchte ich es nicht, allein Lehre tele- n.�v'rle mir, ich solle sofort nach Danzig kommen. Als ich hier f""»ragl ivAAohr davon 7000 Äk." L e tz t e r er braucht Geld. Ich " rTr rt...' w*..., � � � t L. r fS.. 2.■ � 1 Aem!?'«wartete mich Lehre auf dem Bahnhofe: dieser sagte mir: bemt'm G" bie AnsmHlnng von 10 000 SDt. und geben gie ,VSlQpri'-mwv*»» wv.v». v.v«,«.vvvv-- »ach'»'ch anfänglich, gab aber schließlich dem Drängen Wehr's o>>f°, Zahlte an Lehre von den erhaltenen 10 000 SR 7000 SR Wechsel von Wehr. 20onri a« 2- Juli 1886 beantragten Sie die Auszahlung Äw-r.,-R und gaben dem Lehre wiederum für einen Wehr'schen gl fiA~" gaben dem Lehre iviederum für s�Eelb- Auch bei den weiteren Geldzahlungen zahlten *000 a,,« a» Wehr und zwar am 4. Sept. 1886 von 20 000 SR ■ OftoL Qm 18- September von 10 000 SD}.: 4000 M. und am , von 8000 M.; 4000 M.? 1,1 VinL'' Tas ist richtig; die zwei letzten Darlehne habe ich A. R persönlich gegeben. - tz Wo gaben Sie dem Wehr das Geld?— � n e r", Abends 8% Uhr bei Wutke, Friedrichsberger- straße 24.— Verein„Kreuzfidel", Sitzung mit Damen bei Doberstein, Mariamtenstr. 31.— Rauchklub„Nordstern" in Friedrtchsbcrg,— Rauch- tlub„V ulta n", AbendS 9 Uhr bei Schmer, Gräsestr. 82.— Orientaltscher Nauchkluh, Abends s Uhr, bei Hartntann, Manteufselstraße 71. Gäste wtll- kommen. Vvietfmjken de« Aedeckkion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-Quittung beizusügen. Brieflich Antwort wird ntchk ertheUt. Folgendes geht unS zu: Auf Liste 1424 von Herrn August Ringe gesammelt 17 M. 80 Pf. erhalten. Auf Liste 1427 von Herrn H. Herrmann gesammelt auf dem Bildhauerkomtners in„Sanssouci" zu Berlin 15 SR erhalten. Die Lohnkommission der Weißgerber ztt Kirchhaiu. Unter bestem Dank bestätigt der Empfänger für die ans- gesperrten Tabalarbeiter und Arbeiterinnen den gesandten Betrag von 13 M. durch Herrn August Ringe. Ferdinand Körner, Eschwege. M, K. Zukünftig werfen Sie wohl Ihre Briefe, wenn dieselben mit einer Marke der Packetfahrt- Gesellschaft versehen sind, in einen Brieskasten dieser Gesellschaft, und nicht in einen solchen der Post, da wir nicht gesonnen sind, für jeden derartigen Brief 20 Pfennige Strafporto zu zahlen. Dasselbe empfehlen wir dem Aufgeber der Annonce der Malervereinigung Fil. II. W, zum 17. d. SR ©.|tt. 4,|f. Sie können den Wirth auf Zahlung von 8 SR für jede mehrgetrunkene Tonne Bier verklagen. Darüber, wie viel Tonnen Bier mehr ausgeschänkt sind, können Sie ihm den Eid zuschieben. Vorlegung seiner Bücher können Sie deS- halb nicht fordern, weil aus denselben unmöglich zu ersehen ist, wie viel gerade au jenem Abend verschänkt worden ist. 3 Trepp««. Strafgelder kommen dem Arbeitgeber zu Gute. Er ist zwar nicht berechtigt, dieselben vom Lohne ab- zuziehen; wenn aber gegen ihn auf Zahlung des den Strafgeldern gleichkommenden Lohurestes geklagt wird,'so kann er seinerseits eine besondere Klage ans Zahlung der Strafgelder anstrengen. I. H. ZU'. 1. Es ist gesetzlich nicht verboten, einen solchen Herrn zum Vormund zu bestellen. Es wäre aber empfehlens- werth, dem Waisenrathc seines Bezirks die mitgetheilten Umstände anzuzeigen. Sozmldemokr. Mahlverein des 6. Herl. Reichstags-Wahlkreifes. Donnerstag, d. 20. d. M., im Lokale der Volksbrauerei, Alt Moabit 47-49: Grosse Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Stadtv. F r i tz Z u b e i l. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Zahlstellen des Vereins sich in folgenden Lokalen befinden: Franz Gleinert, Fenn- u. Müllerstr.-Ecke; Louis Wieck, Birkenstr. 24; Johann Gnadt, Brunnenstr. 38; Oskar Kleina», Garten- straße 171 im Keller; Emil Schmidt, Treskoiv- u. Diedenhofenerstr.-Ecke 24. 570 Der Vorstand. Verein der Plätterinnen Kerlins. Am Donnerstag, den 20. November, Abends 8 Uhr, im Saale der Brauerei Kötzow vor dem Prenzlauer Thor: Grosse ausserordentliche Mitglieder- Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Frau Emma Ihrer aus Velten. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes._ 572 Die Mitglieder werden gebeten, recht pünktlich und vollzählig zu erscheinen, da die Tagesordnung von großer Wichtigkeit ist. Verein zur Wahrung der Interessen der Dastund Schankwirthe Berlins u. Umgegend. Am Froitag» den sl. Uovember 1890, Nachmittags 4Vs Uhr, in der Kchönhanser AU« 88 beim Kollegen R. Nürnberg: Versammlung.'"WU Tages-Ordüung: 1. Vortrag des Herrn Paul I e s e r i ch über Chemie. 2. Dis- kussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Vereinsangelcgenheiten. 5. Vcr- schiedenes und Fragekasten. Um recht zahlreiches Erscheinen der Mitglieder bittet 564 Der Vorstand. Allg. Arbeiterillilen-Vertiil sämm tl. Berusszweige Berlins und Umgegend. Filiale 5, Eharlottenbnrg. Donner st ag, 20. November, Abends 8V2 Uhr: 560 Große Versammlung im Lokale„Bismarckshöh e", Wilmersdorfer- Straße Ur. 39. Tagesordnung: 1. Ueber die Lage der Fabrikarbeiterinnen'''" 8i resp. die Zustände und Lohnverhältnisse in der Eisen- .rauben-Fabrik von C. Winkelmann, lt-Moabit 90/91. Reserentin: Frau Gubela-Berlin. 2. Diskussion. 3. Aufnahmeneuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Vorstand. MM denWr Mechmker «nd verwandter Sernfogenosten. Zahlstelle Berlin. Mittwoch, 19. November, Abds. 8V2 Uhr, Versammlung im „Louisenstädtischen Klubhaus", Annen st raße 16. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Besprechung der"Arbeits- nachweis-Anaelegenheit. 4. Verschiedenes und Fragekasten. 576 Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Um pünktliches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Vorstand. ___ Achtung I_ Der sozialdemokratische Lese- und Diskutirklub„Emanzipation" (gegründet am 29. Oktober 1890) hält seine Sitzung jeden Mittwoch, Abends 81/2 Uhr, im Lokale de>Z Genossen i. Wagner, Neue Königstr. 89, ab. Gäste willkommen. 575 Milken- il.StMlijleNr.33. F r e i t a g, den 23. N 0 v e m b e r, Abends 8 Uhr: General- Versammlung im Kastrnlolral, Fi»ien-Straße44. Tagesordnung: Beschlußfassung über das eingegangene Schreiben des Königlichen Polizei- Präsidiums vom 9. November d. I., veiresseno die Abänderung der§§ 38, 42 und 50 des Statuts. 558 Der Vorstand. Allgem. Arbeiterimlen-Verein Berlins und Umgegend. Mittwoch, den 19. November, Abends 81/2 Uhr: Mitglieder-Versninmlnng in Scheffer'S Salon, Jnselstraße 10. Das Erscheinen sämmtlicher Mit- glieder ist nöthig. 557 Achtung! Perinmttarbeiter! Donnerstag, 20. November: Wntlilhe VerMNllllllg in Sahm's Klubhaus, Annenstraße 16. Tagesordnung. 1. Stellungnahme betr. des Streiks bei der Firma V. Hinze. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 868 Der Einberufer. Den Genossen empfehle mich zur llnfertigung von Dame»- Mäntel« »ff m«. TT- teeÜ und billig. Th. Kaiisch, 189 Wienerstraße 68 III. Aufforderung! Alle Genossen, welche im Besitze von Entlastungs- sowie Belastungs-Material gegen den Tapezirer Fritz Krüger zu Rirdorf sind, werden ersucht, am Sonntag, den 83. d. Mts., Nachmittags 8 Ntzr, im Restaurant Uiemetfchek, Slralitzerstr. 118, zu erscheinen, um endgiltig diese Angelegen- heit zu regeln, vor allem die Genossen des 2. Berliner Wahlkreises. 577 Die Kommissto» des Teltowrr Kreifes, welche am Sonntag, den 16. d. Mts., zu R i x d 0 r f gewählt ist. An die am Dienstag, den 4. Nov., im„Berliner Volksblatt" veröffentlichte Annonce, nach welcher ich aufforderte, daß alle Gewerkschaften, die noch an den früheren Lokalinhaber Forderungen hätten, sich an mich wenden sollten, hat Herr Destillateur Fritz Krüger ebenso unwahre wie gehässige Unterstellungen geknüpft. Ich bin bei meiner Veröffentlichung nur von dem sachlichen und richtigen Standpunkt ausgegangen, den Gewerk- schaften, indem ich ihnen Gelder und Billets zur Verfügung stellte, einen Dienst zu erweisen, da ich nicht wissen konnte, wie lange die polizeiliche Kon- Zession für das Lokal noch versagt bleiben würde. Eingeiveihte wissen ja, auf wessen Betreiben die ganzen Scherereien>nit der Polizei wegen der Konzession zurückzuführen sind. Was die angebliche Schuldforderung des Herrn Krüger an mich betrifft, so werde ich, da ich dem Herrn keinen Pfennig schulde, das letzte Wort in dieser An- Gelegenheit an einer anderen Stelle prechen. Fritz Steuer. Der Unterzeichnete fordert hiermit folgende Herren auf, ihren Verpflich- tungen gegen die„Gesellschaft für Verbreitung von Voibsbiidung" nachzukommen und mit den Billets zum Stiftungsfest am 21. Juli abzurechnen. Alle Bemühungen, dieselben an den angegebenen Adressen zu ermitteln, waren erfolglos. Es sind die Herren H. Klaußnick, Arndtstr. 11, 35 Billets; P. Bars, Frankfurter Allee Nr. 195, 35 Billets; A. Bärwald, Swinemünder- straße 6, 30 Billets; H. Anders, Frieden- straße 77, 10 Billets; G. Mielke, Gartenstraße 20, 25 Billets. Ferner richten wir an die Kollegen und Freunde der Genannten die Bitte, diese an ihre Pflichten zu ermahnen. Der Vorstand der Gesellschaft für Verbreitung von Volksbildung. 667 I.A.: Alb. Fricke, Zwalbertstr. 53, H. IV. GesWshavs 8. Heine| Chausseestr. 14. Die schönsten Kinderkleihtt iniii-ZM für Mädchen jeden Alters, sowie Morgelirölke, lluterrölke, Trikottliillell iL Musen, auch im Einzelverkauf sehr billig! Maaßbestellnngen u. 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Unserm Restauradiker, Herrn Willy Schmidt, zu seinem heutigen Wiegen- feste ein dreifach donnerndes Hoch, daß die Wrangelstraße zittert. 563 Die Morgrnröttzer. ffVilcot Stoffe I M in circa 300 Farben Taillen, Kleidchen, Anzüge, Unterröcke hält stets vorräthig und schneidet jedes beliebige Maass das Erste Ausschnittgeschäft farbiger Trikotstoffe. I 37a SBohren-Strasse 37a. üH Geschäftszeit v.9— führTi Jede Uhr zu repariren und zu reinigen kostet bei uns unter Garantie des Gutgehens«ur 1 M. 50 Df-(außer Bruch), kleine Reparaturen billiger. Lager aller Arten neuer und gebrauchter Uhren. Verkauf zu erstaunlich billigen Preisen. 52 E. Rothert& Stolz, Uhrmacher. Andreas str. 68, Etzausteestr. 78, Alte Schönhauferstr. 85. Stcpiififcii!! | größte Ausmahl:! am billsten in Emil Lef&vres Fabrik, i't™»" Schlafdecken"Sl Stück 4, 6, 8 und 10 Mark. Werth das Doppelte!! Jlluftr. Preisliste gratis u. franko. 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Der Arbeitsnach��j der K 1 a v i e r a r b�g befindet sich Naunynstrak qzvrcli..z Restaurant Winzer.® 9(< Ausgabe findet an Wochentag � an NichtMitglieder unentge von Uhr UUll O- if-'B Uhr Die ArheitsvermittlunflS-* w*.—'———»•»y w v-. �—«An, von 8— 9V2 Uhr geöffnet,.�js� Verantwortlicher Redakteur: C«rt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW.. Beuthstraße 2. 2 Nr. äro. den 19. November 1899. 7'. Jahrg. Zur Charakteristik unserer Gegner. in. wir in dem vorigen Artikel des Beispiels der Kranken� P dv%va M l... i___ v.-n v /t«____' u r. fr•......■ i.._____ v ��evm�ten, das von der„Germania" so klug ignorirt ward, liberale% onn�",ä(itungcn der gleichen Parteirichtung lesen wir folgende "gedtiche Erwiderung: wir noch mittheilen, wie dasselbe auf die national- nri P�sse gewirkt hat. In der„Magdeburger" wie in UUDPm, J___ v-... r.'.r.___ kYa �~ r_ r_ «Die Frage nach dem sozialistischen Z u k u n f t s st a a t hat den.Fuhrern der sozialdemokratischen Partei arge Ver- legenheiten bereitet. Das„Volksblatt" schimpft zwar tag- täglich auf die unbequemen Frager, aber es sieht sich doch veranlaßt, den hingeworfenen Knochen immer wieder auf- zunehmen. Es scheint danach, als ob auch in den Kreisen der„Genossen" die Zahl der„naiven" Neugierigen wüchse, dw gern etwas Näheres von den„besten der Welten" wissen möchten. Heute wendet sich der Parteimoniteur mit ein„paar freundschaftlichen Worten" der Abfertigung des Einwands zu, daß es im Zukunftsstaat schwierig sein würde, Leute für die gefährlichen und ekelhaften Arbeiten zu finden. Darauf wird geantwortet, daß es keine gefähr- kichere, unangenehmere und ekelhaftere Beschäftigung gebe, als die Krankenpflege. Und doch habe es in« Gegenwartsstaat an Krankenpflegern und Kranken- Pflegerinnen nicht gefehlt. Neun Zehntel der Krankenpflege werde sogar freiwillig und mit Freuden verrichtet. Öb wirklich die Krankenpflege die unangenehmste und ekel- haftefte Beschäftigung ist, mag dahingestellt bleiben. Tie letzte Bemerkung des„Volksblattes" stellt die von ihm aufgestellte Behauptung selbst schon wieder in Frage, und in der That würden außerhalb des Kreises der Führer, da, wo man die Arbeit nicht nur vom Hörensagen kennt, dem„Volksblatt" leicht eine große Anzahl gefährlicherer, unangenehmerer und ekelhafterer Arbeiten nachgewiesen werden können, als die Krankenpflege. Aber setzen wir einmal den Fall, die Krankenpflege wäre das, was das„Volksblatt" behauptet; was in aller Welt berechtigt zu der Annahme, daß der Zukunfrsstaat für diese Verrichtung mit derselben Leichtigkeit Per- sonen sindet wie der Gegenwartsstaat, da doch die Vorbedingungen sich gänzlich verändert haben? Auf die neun Zehntel freiwilliger Krankenpflege wird man im Zu- kunstsstaat nicht mehr zu rechnen haben. Tie christliche Lehre, die jetzt jahraus jahrein Tausende edler Männer und Frauen antreibt, ihre Kraft ohne Rücksicht auf Leben und Gesundheit in den Dienst der leidenden Menschheit zu stellen, wird geächtet und verfolgt fein, wenn mau aus Klugheitsrücksichten sich auch heute noch stellt, als ob der sozialdemokratische Staat wirklich sich nach der Phrase des Programms um den Glauben der Genossen nicht kümmern werde. Auch die Krankenpflege in der Familie wird fort- fallen; denn selbst wenn die Ehe nicht angetastet werden sollte, so wird doch für ein Familienleben, wie es heute besteht und die Voraussetzung der Familien-Krankenpflege bildet, nicht mehr Platz vorhanden sein. Nun kann der heutige Staat sich auch für gefähr- llchere, unangenehmere Arbeiten Arbeitskräfte durch die Gewährung höherer Löhne sicher». Diese Möglichkeit aber 'st für den Zukunftsstaat, der nur gleiche Arbeitsleistungen und gleiche Arbeltsentschädigung kennt, nicht vorhanden. Ter Wächter, der am Bette eines Cholerakranken wacht, hat auf eine höhere Entschädigung Anspruch, als der Gärtner, der in frischer, gesunder Luft seiner Arbeit nach- geht. Und da glaubt man wirklich noch, daß ohne Zwang sich Arbeiter für die gefährlichen und unangenehmen Be- schüftigungen finden werden? Es wäre wünschenswerth, wenn der Parteimoniteur öfter mit gleich freundlichen Worten der Abfertigung käme. Ten denkenden Arbeitern, und das soll ja die Mehrzahl ber„Genossen" sein, kann nicht besser die Phantasterei des Sozialismus nachgewiesen werden, als es mit diesen «freundlichen Worten" geschieht." Aiju, die„Magdeburger Zeitung" und andere nationalliberale fiir Welche Verlegenheit! Welche Konfusion! Und was iin �'"Wendungen! Weil das Christenthum und die Familie Oh*\jUcunftS»+rtrt*" taUfon*v»tvS©2 feint» WufnnfpruTifi mehr neben! �eiihol. fehlen, wird es keine Aufopferung mehr geben Üfcht."Zukunftsstaat" kraft des Gleichheitsprinzips den« Einen 'emcu,h � Löhne bezahlen kann als deni Anderen, wird er Ärb-j,° Huven, der„die gefährlichere und unangenehmere" baten„wÜS�et! Tie Aerzte in den Pest-Lazareten, die Sol- U'ttden'",CH äur Theilnahme an einer Sturmkolonne melden, Restnot.Abt wohl nach einem Attest ihrer christlichen Gesinnung fo* bei durch die Aussicht auf„höhere Löhne" gelockt? schreib...-st wir uns wieder zur Krankenpflege. Will der Artikel- »„r.— rx r-------- pinp hpr iirtrirt' 2an Hoben 9 an.C' Typhuskranke gepflegt, wie wir es ge- h e wir? vi yst ,cr Je mit Cholerakranken zusammen gewesen, bet„ und will er dann leugnen, daß es wahr ist, ivas wir iZvankenpflege �gesagt haben? Und will er etwa be- hupten----- WWW..... i• Ustt-„ Ust die Menschen— vom Sozialismus ganz abgeseheu, ''sch zunehmender Bildung und Kultur sich mora- hör OfitfnnfprtttTrt ,?,A°rtichrit'tsİGesicht."� � �b->tsache mensch- noch ein Wort über das Gefrage—« nun nach b�ach den>.-n?"-. lamo, eil„v e- r o e». � 2% ein«,»'�Menschen eine Heerde von Schaaken sind, und iiiutön �? Leithammel auf Weg und Steg geführt werden krf% e t t l st Stall und aus dem Stall. Es ist das die alte, n* lliea>2 r st' dh verkrachte Theorie vom patriarchali- ?'..bas die armen, ihr eigenes Beste nicht kennenden Qt'stn cor!-!? fürsorglich und väterlich bevormundet, ihnen jeden tnlt"feii und womöglich vorkaut, sie vor allen bösen � schreibt. b Thaten behütet, ihnen jeden Schritt und Tritt ist or?.stb lebe selbstständige Bewegung als ein Verbrechen � llmsturz und Hochverrath ansieht. Tie Theorie die q�wle schon gesagt— seit langem verkracht, und zwar �ahwA??"schen schließlich doch keine Schaafe sind,— mit ' e"nri........ x., Q.jfXÄn.m.r«rf,. in richtiger Selbst- KfoJ ��ÜlP| Vi.;t i�p»,VV �......___ fit kstiniß h Ostens der Leithammel, die sich, in richtiger Selbst- größten deshalb berufen glaubten, weil % bfmr re<:n Schaafe waren.— v Recht und derselben Vernunft, wie man von sti* in den Zukunftsstaat und für den best,?, verlangt, könnte man von jeder Hausfrau, die "•»"•fie n,rrnnn,rt. daS sie vorher erst 6enete Wohnung einzieht, verlangen, da? sie ein Examen darüber ablegt, wie sie sich die Zukunfts- w o h n u n g einrichten will. Der tollste Polizei-Absolutismus ist Und solchen Unsinn sollten nie auf eine solche Tollheit verfallen wir ernst nehmen? Jedenfalls wollen wir uns den Kopf unserer K,nder nicht zerbreche». Sie werden sich den„Zukunftsstaat" schon fo_ zu gestalten wissen, wie es ihnen gefällt, und sie werden nach ihrer Foqon selig werden.— • Zum Schluß sei den Zukunftsstaatsfraglern noch gesagt, daß e Gesellschastspyilosoph Herbert Spencer ihnen -r.(-v.r.rM»r-v t*,., 1 r* der englische. ,H......... r.., schon vor zehn Jahren Bescheid gegeben hat in seinem„Study of Sociology"(Studium der Gesellschaftswissenschaft— Ausgabe von I88ü, S. 117) mit den Worten: „—— Everywhere sociological thinking is impeded by the difficulty of bearing in mind, that the social states towards which our race is being carried, are probably as little conceivable by us as our present social State was conceivable by Norse Pirates."— „DaS gesellschaftswissenschaftliche Denken wird überall durch die Schwierigkeit gehindert, in Gedanken festzuhalten, daß die sozialen Zustände, i n welche ic n s e r e R a s s e g e- trieben wird, für uns wahrscheinlich ebenso u»faßlich sind, als unser gegenwärtiger Gesellschafts- Zustand den nordischen See- räubern u n f a ß i|i ch war." (Hevirlits�ettuttg Knti- sozialdemokratische Tendenz im Gerichtssaale. Wir lesen im„Hamburger Echo": Das zweite gerichtliche Nach- spiel des„Steinstraße- Krawalls" hat nun auch stattgefunden. Die zweite Serie der wegen„Aufruhrs" Angeklagten ist vor der Strafkammer des Landgerichts abgeurtheilt worden. Hatte schon die am 27. v. Mts. in der gleichen Sache statt- gehabte Schwurgerichts- Verhandlung(in welcher es sich um die am schwersten belasteten Angeklagten handelte) den Beweis er- bracht,„daß nicht die Sozialdemokratie für den„Auf- rühr" verantwortlich sei, daß es lediglich das Produkt einer außergewöhnlichen Au�enblicks-Situation war, so fand dieser Beweis in der gestrigen Straskammer-Verhandlung seine weitere Erhärtung. Um etwaige„sozialdemokratische Tendenzen" der Angeklagten, ihre etwaige„Verbindung" mit der Sozialdemokratie festzustellen, dazu hatte die Anklagebehörde während der mehrmonatlichen Unter- suchungshaft der Angeklagten die beste und ausreichendste Gelegenheit. Aber sie war in der Gerichtsverhandlung absolut nicht in der Lage, mit diesbezüglichen Ermittelungen zu dienen. Trotzdem hielt es der die Anklage motivirende Herr Staats- anwalt Roscher angezeigt, in seinem Plädoyer gegen' die Sozialdemokratie zu eisern und jene mit Schlagworten, wie sie wohl in anti- sozialdemokratischen Blättern und Versammlungen, aber kaum jemals tn einem Gerichtssaale gebraucht worden sind zu belegen. Er meinte, der ganze Aufruhr jener Tage lasse sich nur begreifen, wenn man bedenke, daß die wunderbaren Ideen des Zukunfts- staates der Sozialdemokraten den Leuten die Köpfe verwirrt haben. Leider wären die„wahrscheinlichen Hintermänner", die sozialdemokratischen Hetzer, niemals zu fassen, sie schickten die Dummen vor, ließen ihre Marionetten spielen, wären aber selbst nicht greisbar. Wie gefährlich solche Begebenheiten, wenn sie sich wiederholen sollten, müsse wohl ein Jeder einsehen. Es müsse deshalb mit aller Strenge rücksichtslos vorgegangen werden, um durch exemplarische Strafe abzuschrecken. Davon müssen wohl alle ordnungsliebenden Leute überzeugt sein, daß die Ordnung ausrecht erhalten werden müsse. Wir haben schon manchen staatsanwaltschaftlichen Ausfall gegen die Soziuldemokratie erlebt, aber einen weniger motivirlen, wie diesen, noch nicht. Zwar werden unsere Gegner ja bekannt- lich gegenwärtig sehr in Anspruch genommen von der Diskussion, betr. den„sozialdemokratischen Zukunftsstaat". Daß jedoch diese Diskussion sich bis in den Gerichtssaal verirren, von einem Staatsanwalt dort geübt werden konnte in einem völlig unpoliti- schen Prozeß, dürste nicht blos uns überrascht haben. Daß der Herr Staatsanwalt den Aufruhr nur begreifen kann unter der Annahme, die„wunderbaren Ideen des Zukunfts- staats" hätten den Leuten„die Köpfe verwirrt", das ist uns un- begreiflich. Wir würden ihm sehr dankbar sein, wenn er wenig- stens den Versuch gemacht hätte, den Zusammenhang der„Zukunfts- staats-Jdcen" mit dem Aufruhr darzulegen. Zwar ist's uns ein Räthsel, wie er das hätte anfangen wollen. Aber um so ent- schuldbarer ist unsere Neugierde. Man vergegenwärtige sich Folgendes: Eine der frequentesten Verkehrsstraßen der Großstadt Ham- bürg wird durch Erlöschen der Gaslaternen plötzlich in Dunkel- heil gehüllt. Der lieben Straßenjugend, die gerade in jener Gegend sehr stark vertreten ist, macht das großen Spaß. Sie fängt an„Ulk" zu treiben, in den auch bald Erwachsene hinein- gezogen werden. Es giebt Geschrei und„Zusammenrottungen". Einzelne boshafte und rohe Menschen benutzen die Gelegenheit, „sich mal gehen zu lassen". Aus dem harmlosen Ulk wird ein ernsthafter Unfug. Die Polizei schreitet ein— und der„Aufruhr" ist fertig. Das ist ein bekannter althergebrachter Vorgang, wie ihn in Großstädten jede außergewöhnliche Augenblicks-Siluation mit sich zu bringen pflegt, und wie er zu den Zeiten, als es noch keine Sozialdemokratie gab, viel häufiger war, als seitdem diese böse Gesellschaft den Leuten„die Köpfe verwirrt". Ein Vorgang, so einfach, ja, wir möchten sagen, so selbstverständlich, daß es schier unmöglich ist, Schuldige hinter den Kulissen dafür verantwortlich zu machen. Der Herr Staatsanwalt hat von„wahrscheinlichen Hinter- männern", den„sozialdemokratischen Hetzern" gesprochen, welche „die Dummen vorschicken". Daß diese ganz allgemein gehaltene Behauptung auf die Führer der hiesigen Sozialdemokratie ge- münzt ist, darüber kann kein Zweifel sein. Denn wen anders könnte der Staatsanwalt unter den„Hintermännern" verstehen? Ohne Zweifel hat er sich von dieser Behauptung eine Einwirkung nicht nur auf die Richter, sondern auch auf die öffentliche Meinung zu Ungunsten der Sozialdemokratie versprochen. Ohne für den ursächlichen Zusammenhang der Krawalle mit der Sozial- demokratie auch nur den Schatten eines Beweises erbringen zu können, wendet er über die Köpfe der Angeklagten hinweg sich gegen die Sozialdemokratie, benutzt er seine amtliche Autorität, der gegnerischen Partei einen Hieb zu versetzen. Aber in dem- selben Augenblick, wo er das thut, wo er von den„Hinter- männern" spricht, die das Auge des Gesetzes beim besten Willen nicht entdecken konnte und die er also selbst nur als„wahrschein- liche" bezeichnen kann— in demselben Augenblicke haben wir es in ihm nicht mehr mit dem Vertreter der Anklage, sondern lediglich mit dem politischen Gegner und dem Agitator wider die Sozialdemokratie zu thu». Und lediglich in dieser seiner Eigenschaft beschästigen wir uns hier mit ihm. Seine amtliche Stellung kann ihn nicht schützen vor einer Kritik, wie wir sie seinen Ausfällen gegen die Sozialdemokratte zu Theil werden lassen würden, wenn er sie als politischer Gegner in einer öffentlichen Versammlung gethan haben würde, lind diese Kritik geht Alles in Allem dahin: Die sozialdemokratischen „Zukunftsstaats-Jdeen" haben mit dem Steinstraßen-Krawall gerade so wenig zu thun, wie die diesbezügliche Behauptung des Herrn Dr. Roscher; eben so die„Marionetten", die Jene spielen lassen. Und deshalb können die betr. Behauptungen des Herrn nicht erachtet werden als solche, die seine Forderung einer ab- schreckenden exemplarischen Strafe als rechtlich zulässig erscheinen lassen. Wir legen Verwahrung dagegen ein, die Angeklagten für die vom Herrn Staatsanwalt behaupteten„Sünden" der„wahr- scheinlichen Hintermänner" büßen lassen zu wollen. Versammlungen. U Fünfter Mahlkreis. Eine öffentliche Versammlung der Partei- enossen des fünften Berliner Reichstags- Wahlkreises fand am 14. November unter Vorsitz des Genossen Fritz Berndt statt, um die Wahl der Vertrauens- männer dieses Kreises vorzunehmen. Das einleitende Referat hatte Genosse P i r ch übernommen. Derselbe führte u. A. aus, daß, nachdem die gegnerischen Parteien gesehen, daß die Sozial- demokratie kein Haar von ihren Idealen und Zielen abweicht, sie mit aller Macht den Kampf gegen dieselbe aufgenommen haben. Die Sozialdemokratie dürfe nun nicht warten, bis die Gegner ihre volle Macht entfaltet haben, sondern müsse sich organisiren, um aus diesem Kampfe siegreich hervor- zugehen. Dies sei nun auch geschehen und der Parteitag in Halle habe eine Organisation angenommen, der sich die Genossen Deutschlands unterordnen würden. Er(Redner) wolle nun einzelne Punkte dieser Organisation erläutern, damit sich die Genossen klar seien, welche Stellung der Vertrauensmann bei Abstimmungen und dergleichen einzunehmen habe, und nach freier Ueberzeugung einem solchen ihre Stimme geben, der die Interessen dieses Kreises am besten verträte. Redner unterzieht nun einzelne Paragraphen der Organisation einer Kritik und bemängelt einige derselben, die sich auf den Ausschluß aus der Partei und auf die Wahl des„Berl. Volksbl." zum Zentralorgan beziehen.— In der Debatte wandte sich Genosse Fritz Berndt gegen diese Ausführungen des Referenten. Er meint, daß im Organisationsplan klar gesagt sei, daß grobe Verstöße die seien, die gegen das Parteiprinzip und die Grund- sähe des Parteiprogramms geführt werden. Redner findet das „Berliner Volksblatt" als Parteiorgan geeignet, da dieses ein täglich erscheinendes Blatt sei und somit in der Lage wäre, zu jeder Zeit Angriffe und Beschimpfungen der Partei zu wider- legen und abzuwehren. Im klebrigen legte Genosse Berndt alle die Gründe dar, die ihn bewogen, für die einzelnen Punkte der neugeschaffenen Or- ganisation zu stimmen. Hierauf wurde zur Wahl des Vertrauensmannes geschritten und Genosse Gabbert wurde als Verttauensmann, die Genossen Jacubick, Lamprecht, Gumbel, Mager, Zeise, Topp, Franz Schmidt, Gajewski als Ersatzmann vorgeschlagen. Gewählt wurde Genosse Karl Gabbert, Fricdrichstr. 131, als Vertrauensmann, und Clemens Mager, Sophienstraße 28/29, als Ersatzmann. Unter Verschiedenem sprachen noch die Genossen Griebentrog, Kutzbach und Möller. Fritz Berndt drückte den Wunsch aus, daß alle persönlichen Streitigkeiten unterbleiben müssen, jedoch sei eine Kritik in prinzipiellen Dingen nur wünschens« werth und die freie Meinungsäußerung müsse gewahrt bleiben. Die Versammlung wurde mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie geschlossen. SchlächtergeseUe«-U»rfammlu«tg. Die für Donnerstag Abend nach dem Saale der Brauerer Friedrichshain einberufene öffentliche Versammlung, zu welcher besonders die Berliner Schlächtergesellen eingeladen waren, war leider nur sehr schwach besucht; es mochten im Ganzen etwa 250 Personen anwesend gewesen sein. Die Tagesordnung der unter Vorsitz des Herrn Jaßmann tagenden Versammlung lautete: „Die Bewegung der Schlächtergcsellen Berlins und die Stellung der Berliner Arbeiterschaft ihr gegenüber." Referent war Herr Stadtverordneter Otto Klein. Herr Klein führte in seinem Vortrage etwa folgendes aus: Aus dem jungen Leben, das jetzt bei den Schlächtergesellen emporgeblllht ist, kann noch einmal etwas Ordentliches werden. Vorerst steckt die Bewegung noch in den Kinderschuhen, sie wird noch schwere Kämpfe zu bestehen haben mit den Meistern. Er beleuchtete das unwürdige Ver- halten vieler Meister, welche diejenigen Gesellen in Acht und Bann thun wollen, welche sich der sozialdemokratischen Partei angeschlossen haben. Es sei daher nothwendia, daß sich die Ge- seilen von den Meistern emanzipirten, daß sie darauf dringen müßten, als Menschen behandelt zu werden, daß sie sich z. B. Schlafstellen, in denen sie gleich mit geräuchert würden, nicht länger gefallen ließen. Die Meister sagen, fuhr Redner fort, unsere Gesellen kann es nicht schlecht gehen, sie sehen Alle wohl- genährt aus und haben rothe Backen. Das kanimt daher, daß die Meister nur unverheirathete Gesellen beschäftigen. Ver- heirathet sich ein Schlächtergeselle, so muß er in den meisten Fällen die Schlächterei aufgeben und einen anderen Beruf ergreifen und das übrige Proletariat drücken. In Maschinenfabriken, bei Frisier und Roß- manu und Ludwig Löwe findet man dann viel gelernte Schlächter als Arbeiter u. s. w. Die Schlächtergesellen sind heute noch nicht genug aufgeklärt, sie haben noch nicht gelernt, über die eigene Lage richtig nachzudenken; wenn erst diese Erkenntniß all- gemein durchgebrochen sein werde, werde die Bewegung auch ganz andere Fortschritte machen. Man hat den Gesellen vor- geworfen, daß sie sich der Sozialdemokratie in die Arme werfe»; nun, sie können doch nicht mit ihren Feinden paktiren. Jeder Arbeiter muß jetzt eigentlich Sozialdemokrat sein, ist er es nicht, so könnte man bezweifeln, ob er den Namen Arbeiter verdient. Redner ging hierauf aus die Artikel der„Allg. Fleischer-Zeitung" bezüglich der Tellersammlungen näher einz und wies die Ver- leumvungen des Blattes energisch zurück. Ter Referent be- käme oft nicht nur nichts aus den Erträgnissen der Teller- sammlungen, sondern müsse sehr häufig noch etwas zulegen. Redner kam dann noch einmal auf die schlechte Behandlung zu sprechen, welcher gerade die Schlächtergeiellen seitens ihrer Meister ausgesetzt seien, er führte ihnen die Mißstände der überlangen Arbeitszeit und des ganz ungenügenden Lohnes klar vor Augen und empfahl den Gesellen, der Organisation beizutreten. In der Vereinigung allein liege der Erjolg.(Lebhafter Beifall.) Ter Vorsitzende Jaßmann forderte hierauf noch einmal zu zahlreichem Eintritt m den Fachverein auf. Herr B l u m e n fl e i n: Man hat uns einen Vorwurf daraus gemacht, daß ivir immer Sozial- demokraten zu Referenten haben. Das ist sehr einfach. Der Hauptzweck unserer Versammlungen ist Aufllärung, nicht Ver- dummung. Aufklärung aber können?vir von der Innung nicht erwarten. Nur die Sozialdemokratie meint es gut mit uns. Der Meister Hirsch hat uns empfohlen, zu sparen und uns selbstständig zu machen. Gerade ihm hat Kollege Japmann bewiesen, dah er nicht durch Sparsamkeit, sondeßn durch das er- heirathete Vermögen zu seiner Wohlhabenheit gelangt ist. Trotz Zeter und Mordio werden wir mit der Sozialdemokratie gehen. Die Organisation wird unsere Lage bessern; freilich ohne Kampf kein Sieg; wir können auf die Unterstützung der übrigen Ar- beiterschast in diesem Kampfe rechnen und das wird uns er muthigen. Herr Schwarze bedauerte zunächst den schlechten Besuch der Versammlung. Freilich müsse man in Betracht ziehen, daß noch sehr viele Gesellen jetzt um"All Uhr Abends mit Pen» Wiegemesser hantieren. Die Meister zwängen die Ge- sellcn zu Hause zu bleiben, damit sie die Versammlungen nicht besuchen könnten. Redner wandte sich an die Berliner Arbeiter- schaft mit der Bitte, doch ja die von der Berliner Streik-Kontroll- Kommission ausgesprochenen Boykotts ausrecht zu erhalten. Er forderte in warmen Worten die Gesellen zur Unterstützung des Fach- Vereins auf, der mit dem Plane umgehe, den Gesellen in ihrem Gewerk- vereinshause eine neue Herberge zu errichten, wo dann die Ge- sellen zur Hälfte des Preises schlafen könnten, den sie jetzt zahlen müßten. Die Meister hätten vielfach vom Fachverein ganz falsche Vorstellungen. Derselbe werde gegen anständige Meister nie agitiren, er wolle nur die Lage der Gesellen heben. Auch sei er nicht spezifisch sozialdemokratisch, sondern habe weder eine religiöse noch politische Tendenz. Wegen schlechter Schlafstellen sollten sich die Gesellen nur an die Polizei wenden; diese swerde dann schon Abhilfe schaffe». Man spreche jetzt so viel vom Streik. Der Fachverein habe erst WOO Mitglieder, an einen Streik sei jetzt uoch nicht zu denken, dazu müssen erst die Fleischer in ganz Deutschland organisirt sein. Die Bestrebungen des Fachvereins seien vornehmlich auf bessere Behandlung und bessere Schlaf- räume gerichtet. Habe man das erst erreicht, dann wäre es Zeit, mit Lohnforderungen an die Meister heranzutreten. Wenn die Meister nur einigermaßen wollten, könne aller Streit gütlich beigelegt werden. Die nächsten Redner: Aurin, Kulicke, Keßlinke und Talko erklärten alle ihr Einverstündniß mit dein Referenten und sprachen sich in ähnlichem oder demselben Sinne aus. Nach einem Schlußworte des Referenten wurde nachstehende Resolution angenommen: „Tie Theilnehmcr an der heute bei Lips tagenden Volksversammlllng erklären sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und werden danach streben, den Verein in jeder Hinsicht zu unterstützen und soweit dies noch nicht der Fall, Mitglieder des Fachvereins zu werden." Beim letzten Punkt der Tagesordnung,„Verschiedenes", wur- den besonders die Mißstände im Geschäfte des Schlächtermeisters Bergemann, Friedrichstraße, erörtert und lebhast über die über- lange Arbeitszeit von Nacht zu Nacht und die schlechten Schlaf- räuine der Gesellen geklagt. Außerdem wurde beschlossen, die über Schlächtermeister Sagert, Zentral-Markthalle, Stand Nr. 10, und Schlächtermeister Kehrberg, Oderbergerstraße 37, verhängten Boykotts aufrecht zu erhalten. Mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie wurde die Versammlung uni 1 Uhr Nachts geschlossen. Drechler. Eine öffentliche Drechslerversammlung tagte am IG. d. M. bei Scheffer, Jnselstraße 10, unter Leitung des �Kollegen Lutz, behufs Stellungnahme zur Wahl des .Geselle nausschusses der Drechslerinnung. An- fänglich hieß es, daß der Innung das Recht zuerkannt sei, sich einen Gesellenausschuß zu ernennen. Diese Nachricht wurde in- dessen hinfällig durch die Aufforderung der Aufsichtsbehörde, eine ordnungsmäßige Wahl vorzunehmen. Infolge dessen hat sich, wie der Referent, Kollege Hildebrandt, bekannt gab, der Jnnungsvorstand beeilt, bei allen Jnnungsmeistern für die dort beschäftigten Gesellen Stimmzettel zur Ausfüllung zu vertheilen. Besagte Stimmzettel besagen, daß jeder Geselle wahlberechtigt ist, der drei Monate mindestens bei Jnnungsmeistern beschäftigt ist, der das 25. Lebensjahr zurückgelegt habe. Auf die Stimmzettel seien 5 Namen aufzuschreiben und so ausgefüllt bis zum 18. d. M. an den Obermeister einzusenden. Referent beleuchtete in ein- gehender Weise diese Machination, den Werth der Wahl eines Jnnungs-Gesellenausschuffes in Anbetracht der gänzlich einfluß- losen Stellung des Ausschusses und empfahl, von einer Wahl Abstand zu nehmen und beantragte folgenden Protest an die Ge- Werbedeputation zu richten: „Protest der öffentlichen, von etwa 200 Personen besuchten Versammlung der Drechsler Berlins vom 16. November 1890 gegen die projektirte Wahl des Jnnungs- Gesellenausschusses der Berliner Drechslerinnung. In Erwägung, daß die Berliner Drechslerinnung sich beharrlich weigert, dem Gesellenausschusse irgend welche Rechte einzuräumen, in weiterer Erwägung, daß der Wahlmodus, der jetzt vom Jnnungsvorstande vorgeschrieben ist, der Gesellenschaft jede Kontrole über den Wahlakt nimmt, in weiterer Erwägung, daß es wohl nur Wenigen möglich ist, zu wissen, wo diejenigen Personen«beschäftigt sind, denen sie event. ihre Stimmen geben würden, in weiterer Erwägung, daß die Kollegen ohne Vorbe- sprechung nicht in der Lage sind, bestimmen zu können, wer drei Monate bei Jnnungsmeistern beschäftigt ist, ersucht die Versammlung eine wohllöbliche Gewerbe- deputation, die eoent. Wahl des Gesellenausschusses der Berliner Drechslerinnung zu kassiren, da durch diese Wahl nicht der Gesammtwille der bei Jnnungsmeistern be- schäfligten Drechslergesellen zum Ausdruck kommt, sondern die Wahl nur von einzelnen Werkstätten vollzogen wird. Die Versammlung ersucht die wohllöbliche Gewerbe- deputation, den Vorstand der Innung anzuweisen, eine Drechslergesellen- Versammlung einzuberufen zur Vor- besprechung und Wahl des Ausschusses, welche von den Gesellen geleitet wird, und zu dieser Versammlung einen Vertreter der Gewerbedeputation zu entsenden. Gleichzeitig ersucht die Versammlung, zu der an- geregten Drechslergesellen-Versammlung den anerkannten Vertretern den Zutritt und das Wort zu gestatten." Dieser Protest gelangte ohne Widerspruch und ohne Debatte zur einstimmigen Annahme. Das Bureau der Versainmlung wurde beaustragt, diesen Protest unverzüglich an die Gewerbe- deputation gelangen zu lassen und demselben ein Exemplar der tedachten Stimmzettel beizufügen. Auch wurde beschlossen, der lufforderung des Obermeisters der Drechslerinnung nicht zu entsprechen und keinen Stimmzettel an denselben einzusenden. Der öffentlichen Versammlung schloß sich eine kombinirte Mitglieder- Versamnilung an. Arbeiterinnen. Laut Beschluß der öffentlichen Versammlung vom 6. dieses Monats fand am 13. dieses Monats abermals eine ösf entliche Arbeiterinnen- Versa m ml ung statt. Dieselbe war bedeutend besser, namentlich auch von Arbeiterinnen besser besucht, als die erste Versammlung, trotzdem sie in einem sehr entlegenen Lokale, nämlich im Elysium, Lands- berger Allee, stattfinden mußte, weil, wie die Einberuferin, Frau v. Hofsstetten, bekannt gab, ein anderes Lokal nicht zu er- langen gewesen sei. Der Oekonom von„Buggenhagen", Moritz- platz, habe es ganz einfach abgelehnt, sein Lokal für öffentliche Arbeiter- Versammlungen herzugeben, ebenso sei das„Maystche Lokal" in der Beuthstraße für die„Frauen- Versammlung" ver- schlössen geblieben. Frau v. Hoffstetten ersuchte, da beide Lokale im Verkehrs- Almanach stehen, sowohl die Lokalkommission w,e auch die Berliner Arbeiterschaft, von diesen Vorkommnissen Notiz zu nehmen. Die Tagesordnung lautete nicht, wie ursprünglich beschlossen:„Lokale oder zentrale Organisation?" sondern war abgeändert in:„Die G e iv e rksch a fts- k o n f e r e Ii z und ihre Bedeutung für die Ar- b e i t e r i n n e n", weil, wie die Referentin, Frau Ihrer, aus- führte, die vorige Versammlung erwiesen habe, daß unter den Arbeiterinnen über die Gewerkschaftsbeivegung noch wenig Klarheit herrsche, und die Organisationssrage im Referat und in der Diskussion mit behandelt iverden könne. Referentin legte denn auch den Unterschied zwischen„Konserenz" und„Kongreß" klar, betonte, daß zu ersterer nur Vertrauenspersonen, nicht Delegirte zu wählen seien und erörterte in eingehendster Weise die Roth- wendigkeit, daß die Arbeiterinnen Vertrauenspersonen wählen, welche außerhalb der eng gesteckten Grenzen der Fachvereine die Agitation und Organisation wirksam betreibe». Im All- gemeinen hätten die Arbeiterinnen dieselben Forderungen zu stellen, wie die Arbeiter, doch hätten erstere nicht zu vergessen, daß sie in der Arbeiterbewegung hinter den letzteren noch ein gutes Stück zurück seien und ihnen demzufolge noch eine schwere Arbeit zu vollbringen obliege, um nachzukommen. Und dies müsse geschehen, denn sonst würden die Frauen nach wie vor von den Männern nicht für„voll" angesehen. So sei noch auf dem Kongreß der Ziegeleiarbeiter die Frauenarbeit bekämpft worden. Auch würden die Frauen von den Männern noch viel zu sehr vernachlässigt. Bisher seien es vorwiegend nur die Tabakarbeiter gewesen, welche die Arbeiterinnen auf die gleiche Stufe mit den Arbeitern gestellt hätten. Unter den Männern seien noch viele veraltete irrige Anschaluingen zu beseitigen, deshalb hätten die Frauen für sich selber einzutreten, sich immer mehr am öffentlichen Leben zu betheiligen, sich zu organisiren und sich auf Kongressen und Konferenzen vertreten zu lassen. Bezüg- lich der Organisationsform lasse sich keine Schablone schaffe». Die Frage, ob lokale oder zentrale Organisation, hätten, da hierbei politische Erwägungen in Betracht kämen, die einzelnen Gewerk- schaften zu untersuchen und zu entscheide». Für die Frauen kämen derartige Erwägungen, da sie keine politischen Rechte besitzen, in Weg- fall, und sie könnten sich ohne Frage zentral organisiren. Die Gewerk- schaftsorganisationen hätten dieVorarbeit zu leisten für die Befreiung der Arbeiter von den Fesseln des Zuustzopfes, der polizeiliche» Bevormundung und des Vornrtheils. Hierin hätten Männer und Frauen Hand in Hand zu gehen. Das�Weitere sei politische Arbeit, doch auch diese werde geleistet werden. Ter Frau falle der gleiche Antheil an der Arbeil zu, wie dem Manne, deshalb hätten sich die Arbeiterinnen den Organisationen anzuschließen und da- für zu wirken, daß eine gerechtere Vertheilnng des Besitzes platz- greise, daß Jeder den ihm gebührenden Antheil an dem Ertrage seiner Arbeit erhalte, daß der sozialdemokratische Staat verwirk- licht werde. Bezüglich der Gewerkschaftskonferenz empfahl Redneri», für die hauptsächlichsten Branchen Teutschlands nur eine Vertrauensperson zu wählen. Es handele sich hier nicht um die Interessen einzelner Vereinchen, sondern um die der Allgemein- heit. Da von Hamburg, Hannover, Dresden, Gera bereits Vertrauenspersonen für die Fabrik- und Handarbeiterinnen, für die Schuh- und Schäftebranche, für die Textil- brauche zur Konferenz angemeldet seien, so ersuchte Rednerin, für Berlin nur die Konfektion?- und Wäsche- brauche und die Plätterinnen in Betracht zu ziehen. Tie ausgedehnte Diskussion gab zu einer lebhasten und eingehenden Erörterung der heutigen Verhältnisse Gelegenheit und es betheiligten sich an derselben Herr Krause, Herr Dick, Herr F e l d ni a n n, Herr T r e u h e r z, Fräulein W a b Ii i tz, Frau G r o t h e, Frau Ihrer, Frau Zabel, Frau Gubela, Herr und Frau W e n g e l s. Frau K l u k o w s k i, Fraulein E h a i m u. A. Von allen Rednern und Rednerinnen wurde die Organisation der Frauen befürwortet und deren Gleichberechtigung mit den Männern verfochten. Eine weitere lebhaste Debatte veranlaßte die Frage der zu wählenden Vertrauenspersonen zur Gewerk- schastskonferenz, indem mehrfach der Standpunkt vertrete» wurde, daß in Berlin für jede Branche eine Vertrauensperson gewählt werden solle. Es gelangte schließlich der Antrag Wabnitz, nur zwei Vertrauenspersonen zu wählen, zur Annahme. Gewählt wurden Fräulein W a b n i tz für die 5ionfektionsbranche und Frau K l u k o w s k i für die Wäsche- und Plättbranche. Mit Er- ledigung des Punktes„Verschiedeues", unter dem auch das Auf- treten der Frau Kolbe in den Frauen-Versammlungen, welches der gegnerischen Presse eine willkommene Gelegenheit bietet, die Frauenbewegung lächerlich zu machen, besprochen ivurde, schloß die Berfaminlung. Mit einem Hoch auf die internationale Sozial- demokratie trennten sich die Anivesenden. Freie Liebe war das Thema einer sehr zahlreich besuchten Volksversamm- lung in„Königshos", Bülowstr. 38—42, über ivelches Herr P e u s referirte. Derselbe führte aus, daß es der freien Liebe bisher ebenso ergangen sei, wie den meisten sozial- demokratischen Idealen: sie wurde von den Gegnern viel ge- 'chmäht, weil selten oder nie verstanden. Er übergehe die wüsten ' deen, welche die Gegner mit dem Begriff freier Liebe verbänden. äe freie Liebe sei nichts weiter als die Freiheit der Liebe, die Befreiung der Liebe von ihrer Unterdrückung durch ökonomische Interessen; eine derartige Gestaltung der Gesellschaft, daß auch diese Seite des Menschenlebens, das Liebesleben, nach seiner körperlichen, seelischen und geistigen Seite hin, sich rein aus sich selber frei entwickeln könne, ohne beständig durch das Unkraut der Rücksicht auf den materiellen Unterhalt überwuchert zu werden. Freie Liebe sei heute ebenso unmöglich, wie freie Wissen- 'chaft und freie Kunst. Nicht die Schlechtigkeit der Menschen sei daran schuld, sondern die mangelhaste soziale Organi- ätion hindere das Ausblühen und Gedeihen deS höheren geistigen und seelischen Lebens. Im allgemeinen gleiche das Liebesleben der heutigen Gesellschaft einer grauenvollen Wüste, imnitlen welcher nur selten die Liebe zu freier Geltung und schöner Entwickelung gelange. Daraus ging Referent auf die Um- Wandlung ein, welche die Beseitigung des Privatkampfes um den Unterhalt und die ökonomische Verselbstständigung der Frau für das Liebesleben der Menschheit zur Folge haben müsse und wies nach, wie unermeßlich reicher und freier sich das Liebesleben ge- stalten könne, wenn die Liebeswahl von Nebenrücksichten un- beeinflußt bleibe und wen» Mann und Weib vor allem auch in geistiger Beziehung wirklich ein einheitliches Paar bildeten. Ehe- zwang iverde vermuthlich später fortfalle», da derselbe mehr der ökonomische» Einheit, welche die heutige Familie darstelle, gelte. Eine größere Kurzlebigkeit der zukünftige» Ehen aber deshalb anzunehmen, liege nicht die mindeste Veranlassiiiig vor, da ja doch einmal alle die Gefahre», welche heute ür die Zerstörung des Liebesglückes durch das Ueber- wuchern der Nebenrücksichten und die starke Zurück- drängung der eigentlichen Liebesneigung heraufbeschiroren würden, fortfielen und andererseits die zukünftigen Don Juans bei den nicht mehr auf Unterhalt seitens der Männer angewiesene» Frauen schwerlich Anklang finden dürften. So zeige sich also, daß die vielgeschmähte freie Liebe nichts von der Unsittlichkeil der Sozialdemokratie Erdachtes und Gemachtes sei, sondern vielmehr aus der ökonomischen Entwickelung ganz von selber erwachsen und in sittlicher Beziehung einen eminenten Fortschritt bezeichne» werde. Nur die„aus Unverstand und Bosheit geborene Sozial- demokratie der Gegner" zeige also allenthalben die Fratze, welche die Gegner sich selber zurechtgeschnitten. Drum sei es Pflicht jedes Sozialdemokraten, erstens sich selber gründlich aufzuklären und dann überall weiter selbst ausklärend zu wirke».(Großer Beifall.)— Ein Antrag von Frau Habich auf Gründung eines Frauenvereins in dem arg vernachlässigten Westen, wurde ein- stimmig dahin verändert angenommen, daß das Bureau beauftragt ivurde, demnächst mehrere solcher Bolksversaminlungen für den Westen einzuberufen. Wahlkrei» Teltow-Koeskow-Storkow-Eharlottenliurg. Für diesen Wahlkreis fand am Sonntag in R i x d o r f eine sehr zahlreich besuchte Volksversammlung unter dem Vorsitz des Herrn Mielenz(Johannisthal) statt, um zur Wahl von � trauensleuten Stellung zu nehmen. Das eimelie» Referat hatte Genosse H e i n d o r f übernommen. setzte den Organisationsplaiff auseinander und seine sühruiigen wurden mit Beifall aufgeliommen. An ...... würden mit Beifall aufgenommen. Tiskussion betheiligten sich die Genossen Mielenz, N i e m e t s ch e ck, W e tz e l, A l b r e ch t. St ein mar, Hierauf ivurde ein Antrag angenommen, für Rixdorf zwei»r trauensleute zu wählen, sowie den anderen Orten des Kny- dem Vorschlag entsprechend, es zu überlassen, selbstständig.. trauensleute zu wählen. Es wurden nun für Rixdorf die Genen Ostermann und W. Schütz vorgeschlagen. Zu diesen Borfcm� sprachen verschiedene Genossen. Unter ihnen bedauert«i mar, daß die Genossen, welche in der politischen Beweg° an der Spitze stehen, die gewerkschaftliche links»9 lassen. Er fragt die Kandidaten, wie sie sich dazu verhal' Dieselben erklären, daß sie die gewerkschaftliche Bewegung linterstützen werden. Gewählt wurde nun Ost er mann g°9 9 Stimmen und W. Schütz einstimmig. Beide versprechen, ihnen auferlegten Pflichten voll und ganz nachkommen zu chß' die Parteigenossen sollten sie aber auch ebenso freudig unterftus' Unter Verschiedenem wurde der Wunsch nach einer endgiu» Regelung der Angelegenheit Krüger laut. Es sprach*?.';,,, anderen zu dieser Angelegenheit die Genossen Lasser, Si* mar, Wiirbs, Wetzet, Heindorf. Krüger ergreift das Wort, um möglichst schnelle und obfe Untersuchung%% i# Miele", lung beschloß einstimmig, eine Neunerkommission zur der Angelegenheit zu wählen. Gewählt wurden:, (Johannisthal); R a u t m a n n(Köpenick); M o r g- r o t h und Bunge(C h a r l o t t e n b u r g); Schütz, n und A. Schulz(Rixdorf); Donner(Wilmersdorf und Sllb recht(Schöneberg). Einer der Genossen be 9 sich darüber, daß manchen Sonntag in Rixdorf vier Versa jungen stattsinden, von denen keine recht besucht sei. Es«u außerdem noch mehr Klagen über ungeregeltes Versammtu 9 Einberufen laut. Die beiden neugewählten Vertrauensleute sprechen, darin Abhilfe schaffen zu wollen. Nachdem nocy„ Komitee vom Zlrbeiterfeft des 30. September Techarge erw sowie der Ueberschuß der Tellersammlung dem Genossen b,a in Nowawes übermittelt worden war, ivurde die VersamM mit einem Hoch auf die internationale Sozialdemokratie schlössen."{ Abend na« Freie Volksbühne hatte Freitag öffentliche Versammlung für Manner und? Dir Sanssouci eine einberufen. Der Vorsitzende M" angabe und einige Erläuterungen. Dieses Gedicht vuoe- � ersten Theil einer Reihe von Gesängen, in denen die riamintung jur wcuunci v.„j, Dr. Wille erledigte zuerst einig- 9 schäftliche Angelegenheiten und gab dann zu dem vorzutrage Gedicht„Tul und Nahila" von Heinrich Hart eine kurze Jny„ ----*•..... v------"wläuterungen. Dieses Gedicht bildet e von Gesängen, in denen die 0*%.„ Entwickelnngsgeschichte der Menscheit von den ältesten Urania»ü, bis in die Neuzeit geschildert iverden soll. Vollendet weise schon erschienen sind davon vier Gedichte: Tul und P o Nimrod, Mose, Die Seefahrer. Das erste Epos spielt'''{! geschichtlicher Zeit, wo uns sowohl Menschen als auch Z* Hältnisse ganz fremd erscheine». Die Menschen haben"Oü).([, die letzten Ueberbleibsel ihrer thierischen Absianimung abg-I% sie leben noch in dem urwüchsigsten Kommunismus, � wir ihn bei Engels so trefflich geschildert finde»,., giebt bei ihnen noch keine Ehe, die Weiber Gemeingut, genau so wie die Früchte. unv Wild. Weit entfernt von aller Kultur sind ihre einzigen � und Werkzeuge, die Steinkenle, die Bastschlingen»no knöcherne Angelhaken. Da schildert der Dichter � lebendigsten, und vor allen, in natürlichen Farben, wie 4 Menschen aus Ver Mitte ihrer Volksstämme emporheben zu höheren Kulturstufe; es sind das Tul und Nahila, sie fliehen und begründen in der Einöde, wohl die ersten 4� welche abgesondert von dem Stamm leben, einen eigenen stand und ein Ehelebe». Unter dem Stachel der Noth w sie zu Erfindungen getrieben, sie entdecken das Feuer, I ginnen Hausthiere zu zähmen. Der Dichter schildert dann wie sich die Familie bildet. Am Schluß haben wir ein B � artiges Naturereigniß, ein Erdbeben. Bei dieser Katastroph- � Tul, Nahila ist schon vorher gestorben, seinen Untergang- Gedicht wurde von Richard Dehmel vorgetragen, athenuoS w die Menge den packenden Schilderungen. pt- Der Urrri» zur Lvahrung der Interesse»..�i Laänrer aller Branchen tagte am Sonntag. Da der i krankheitshalber am Erscheinen verhindert war, mußte sc � Punkt der Tagesordnung ausfalle». Zunächst erstatte � Kassirer den Qnartalsbericht: Bestand 46,90 M. �aclst> � Revisoren die Richtigkeit bestätigt, wurde dem Kassirer T i � ertheilt. Von mehreren Rednern wurde über das Verhalt � Filiale dem Fachverein gegenüber geklagt.' Hiergegen Protest erhoben und folgende Resolution einstimmig äuge»* �ij „Die Verfainmlung des Vereins zur Wahrung der-JgßW der Lackirer weist den Vorwurf, welcher laut � einer öffentlichen Versammlung der Lackirer gemacht, daß der Verein ein Vergnügungsverein ist, mit Entschl-.�t zurück. Ter Verein hat seit seinem fünfjährigen Bestehen» jtf Stiftungsfeste gefeiert. Ferner glaubt der Verein behauv könne», daß derartige Beschuldigungen, welche mehrfach vn ausgesprochen worden sind, und hauptsächlich vom gu«' Filiale IV. der deutschen Maler, Lackirer und Anstreiaje ehe», die allgemeine Arbeitersache nicht fördern, sondern Iw Infolge dessen verwahrt sich der Fachverein der Lack»e � die Behauptung falscher Thatsache». Er steht laut«cfia und ganz aus dem Boden des allgemeinen Arbeiterprlnz v'mi wird sich durch derartiges Gebahren nicht zersplittern Nachdem noch der Vorsitzende bekannt gemacht, daß in der- Versammlung ein Vortrag über Geschlechtskrankheiten schloß derselbe die voin besten Geiste beseelte Versamnilui g- Dir Srrlinrr Glaskchleifrr waren am 12. Nm>-', fi» äußerst zahlreich im Lokale Dresdenerstr. 45 versamm«), � an den Verband der deutschen Glasarbeiter anzisschW die Wnhf1 eines Bevollmächtigten nebst Beisitzern vorz» Nachdem Kollege Mager einige Ausführungen über die. cP w �™-------« �......... fe/iD des Verbandes gemacht, wurden die Kollegen Adolf Bevollmächtigter, Wilhelm Hönicke, Franz Schmidt unv � � Hamann als Beisitzer gewählt.— Im Weiteren mur innere Angelegenheiten erledigt, und nach einer May» L Kollegen Richter, der allsgesperrten Bergedorfer Glasur_ gü gedenken, die Versammlung geschlossen, welche vom vep oeseelt ivar. � Eine öffentliche Versammlung der Sattler%Lrfi, Mittwoch unter Vorsitz des Kollegen Aßmann. Der- Herr Thierbach, war leider verhindert, zu erscheinen- Bombin übernahm hierauf das Referat über die wirtyl„LjgJ1 r»----------- r...»-----...»..___.____ � rttci* faellß �. e CI stehenden Organisationen anzuschließen.. Au der sehr f 0 xa-, kussion betheiligten sich besonders die Kollegen Aßniann», �l� Folgende Resolution gelangte zur Annahme: Tie Bett, erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten ein fl]I ii erkennt die traurigen Verhältnisse in unserem Gewerr' verpflichtet sich deshalb, sich den hier bestehenden Orga anzuschließen. Elzarlottenl-urg. Am 5. November fand eine lung des allgemeinen Arbeiterinnen-Vereins sämmtlich*.(i zweige Berlins und Umgegend, Filiale V., Charlottenv Herr Hübsch hielt einen Vortrag über Volksbildung. ,rig ij Oi«***»i« f«• f f ,* t �— 4 ä-»»» cur�tA�-foft % Heisall fand. Zum Schlüsse legte er jeder Arbeiterin � sich dem allgemeinen Arbe»terinnen-Vereln anzuschuep� c,e der Verein stark werde. Da weiter nichts vorlag, sitzende um IG"/« Uhr die Versammlung. Verantwortlicher Redakteur: Eurt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2.