Hr. A71. Don«rrstag, de» ZV. Uovemder 1890. y. Jahrg. lerliner Hrgan für die Interessen der Arbeiter. WMNWMk Jnsertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Pctitzcile oder deren Ranm 40 Pf., für Vereins- und BerfammlungS. Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedit, on, Berlin SW., Bcutbstrabe 3, sowie von allen Annonccn-Bnreaur. ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Ätittags und von 3 7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. --• Lcrnsprrchrr: Amt VI. Ur. 410«.«-•*- Nednkkion: Vvukh�tvatzv S.— Expedikisn: BeukhÜrtttze 3. Die neue Einlrnmmensteuee. ... IL alle(vie» ��er'9c klassifizirte Einkommensteuer umfaßt m..ankommen von über 3000 M. und besteuert sie 3 n'rr+ttlDe� mit einem proportionalen Zinsfuß von »n? Klassensteuer dagegen erfaßt die Einkommen unX.J�OO M., hat für die einzelnen Stufen feste Sätze h« Vy" �Messiv. Ein Einkommen von 2700—3000 M. vn» i 54 M. Ein doppelt niedrigeres Einkommen — 1500 M. bezahlt also nicht etwa blos doppelt N'ger= 27 M. sondern dreimal weniger— 18 Mark % e,n dreifach niedrigeres Einkommen von 900—1000 ein0 yL �bahlt gar nur 6,75—% des Steuersatzes für " ankommen von 2700—3000 M. 3«ar Regierungsentwurf behält nun den Steuerfuß von b« p�zipiell bei, er läßt jedoch die Degression schon . Einkommen von über 9000— 9500 M. eintreten, statt Neb �lier erst bei 3000 Mark. Man will also � D,en den geringen Einkommen auch die mittleren schonen, Ulit einem niedrigeren als dem prinzipiellen Steuer- treffen. Ob es angezeigt ist, die Degression schon für "rommen von 9000—9500 beginnen zu lassen, wollen An' u des Näheren untersuchen. Nach unserer ein man dabei, wenn es sich wirklich nur uni i �schonendere Heranziehung auch der mittleren Einkommen delte, vielleicht um Vs— Va zu hoch gegriffen. . In der Begründung des Regierungsentwurfs wird a'.mit der wachsenden Höhe des Einkomniens fort- «tar t e ��igerung des Steuerfußes, d. h. die Progression .gelehnt, und zwar weil sich dieselbe, ganz abgesehen von -�tgegenstehenden grundsätzlichen Bedenken, schon aus zu s. �en Rücksichten nicht empfehlen solle. Es ist dagegen sätil Kerken, daß erstens der Progressivsteuer keine grund- Teo f-� Bedenken entgegen stehen und daß zweitens eine foitt �on' mie sie der Regierungsentwurf für alle Ein- unter 9500 M. vorschlägt, schließlich ebenfalls g."�ogression ist. Es kommt nur darauf an, welchen c»>,-��uß man als den zu Gninde liegenden, prinzipiellen 9oOn«m 3 pCt., womit alle Einkommen über Hnw. getroffen werden, oder 0,62 pCt., welche der s.s. ilen Steuerstufe(über 900—1050 M.) mit einen» �Steuersatz von 6 M. entsprechen. Deo's-.��ttd daher unter dem Gesichtsivinkel der z Asion und»nit einein zu Grunde gelegten Steuerfuß von bil�t- jede untere Einkoinmen stufe niedriger getroffen wird, i»g" die ganze Reihe zugleich eine Progression,»venn � ö,e unterste Steuerstufe zum Ausgangspunkt nimmt. IfeuUletcut. tua verbole».> [44 Uictoria. Roman von Minna Kautsky. fvlo�« allgemeiner Schrei des Entzückeils und darauf k Hurrahs begrüßten diese kühne That. Konnte es °k>e» �Aoneres geben? Wie auf einein Flußpferd saß er da hini». �?ch.on krabbelte ein Zweiter, ein Dritter, ein Vierter 5%-. Pustel auf den Ast, er trug sie Alle. Weiter unten stricken*>»£ übrigen Knaben das belaubte Flußpferd mit °eltieüC. Qllt' c§ wurde zurück remorquirt und auf's Neue Äerlsso nun wurden die kleinen belaubten Ziveige Wim.' und die Knaben ivailden sie als Kränze uin's . ga'T ffe fühlten sich wahrhaft als Sieger. Kivani>.?? wohl vor, daß einer der Helden, der auf dein kNfct T illst saß, plötzlich unter denselben kam und ins Muchte, aber gleich darauf schwang er sich»vieder Und die Lust wuchs mit der Gefahr. Lachen und Schreien! Wie hell klangen die � t*(vn---- t ßyfi' �«CUttJCri UHU y»; liJ'Mnien und wie hell leuchtete die Morgensonne über A chten Köpfe und die l 4 iv ttviy vv t,v v v v wv»v•jj"*"!*--__ �»»dint"" �opse uno oie braunen Wangen. Welche unge- . Jugendlust, welche Unbekümmertheit und Ver- » hol" Ein so überquellendes Glück kennen nur Kin- v�e v Pulkes. Es liegt jene Poesie darin, die j°� Aerinsten noch unverkümmert genießen, etwas mi ursprünglichen Kraft, die an der Gefahr sich er- In t spielend bemeistert, was mit Verderben ihr droht. dem Gärtchen vor Hnbers Fenster, das von einer Wir werden sogleich nachweisen, daß diese Progression namentlich in den untersten Stufen eine sehr energische, ja unverhältnißmäßig starke ist. Sie ist nämlich ebenso stark, als unter dem Gesichts»vinkel der Degression diese Stufen verhältnißmäßig schwächer herangezogen werden sollen.— Nach dem Regierungsentwurf ist für ein Einkommen von»nehr als 900—1050 M.— k M. oder 0,62 pCt. 1800—2100„= 31„„ 1,59„ 2700-3000„= 54.. 1,89 3600-3900„= 72„ 2,45„ 4500—5000„= 135„„ 2,84„ 9000—9500„= 276„„ 2,98„ Steuer zu bezahlen. Während also das Einkommen in unserem Beispiel(annährend) von 1:2: 3: 4: 5: 10 wächst, ist das Verhältnis der entsprechenden Steuer- sätze gleich 1: 5V* t 9: 12: 22V:: 46. Wie man sieht, ist die Progression in diesen ver- glichenen Steuerstufen sehr stark, sogar unverhältnißmäßig stark. 1050 M. Einkommen bezahlen 6 M., 1850 M. Einkommen aber bezahlen 31 M., also für 800 M.Mehr- einkoinmen 25 M.»nehr Steuern oder für jedes 100 M. Mehreinkommen= 3 M. 12vä Pf. oder SV: pCt., während ein Steuersuß von 3 pCt. sonst nur für die Stufen von über 9500 M. festgesetzt ist und auch bei den höchsten Einkommen nicht überschritten wird.— Thatsächlich kann der Steuerfuß soivohl des bestehen- den als des vorgeschlagenen Einkommensteuer-Gesetzes als progressiv angesehen werden, der aber von einer bestimmten Höhe des Einkommens»veg die Progression nicht»veiler fortsetzt, sondern proportional wird. In dem bestehenden Einkommensteuer-Gesetz ist diese Höhe mit 3000 M., in dem vorgeschlagenen mit 9500 M. festgesetzt, in beiden wird die Maximalgrenze mit 3 pCt. erreicht. 3 pCt. des Einkommens sind ein Steuerfuß von mäßiger Höhe und ist derselbe zufolge der in der Begründung angegebenen Motive soivohl aus dem Grunde nicht höher festgesetzt worden, weil eine Erhöhung des Ertrages aus der Einkommensteuer nicht in Aussicht genommen sei, als auch, »veil eine derartige Erhöhung angeblich einen gefährlichen Anreiz enthalte, das Einkommen entiveder ganz odertheil- »veise der Besteuerung zu entziehen, so z. B. durch Wechsel der Staatsangehörigkeit auch ohne Aufgabe des Wohnsitzes in Preußen. Von diesen in der Begründung angegebenen Motiven soll in anderem Zusammenhange die Rede sein. Das meiste Interesse in der Regierungsvorlage kann die in Aussicht genommene Selbstdeklaration in Anspruch nehiüen. Dieselbe ist für Einkommen von über 3000 M. lebenden Hecke umgeben ist, welche die Sonnenblumen und Georginen nun hoch überragen, läuft der kleine Nanzi umher, wie ein eingefangenes Füllen. Die Pepi ivar, das Kleinste am Arm, fortgegangen, sie kannte eine gute Frau, die iminer ein»venig Ziegenmilch für sie und das Kleine übrig hatte, und sie hatte versprochen, auch dem Nanzi ein Töpfchen zu bringen. Dieser, durch den Jubel der Knaben aufgeregt und neugierig gemacht, war mit seinen kleinen Füßchen an der Hecke emporgeklettert und sieht nun darüber hinweg auf das glitzernde Waffer und die bekränzten lärmenden Kinder, die sich auf demselben herumtreiben. Er schlägt die Händchen zusammen in unsäglichem Entzücken und jubelt»nit. Er möchte auch dabei sein, auch einen Kranz haben, und hin- unter schwiminen am Wasser. Wie sein kleines Herz vor Verlangen ihm schivillt! Er ruft ihnen zu— sie hören ihn nicht.— Mit sder Sehnsucht, hinaus zu kommen,»vächst ihm der Math. Mit den Händen sich an die obersten Theile der Hecke klammernd, beginnt er mit der Geschicklichkeit eines' Aeffchens auswärts zu klimmen. Er bejauchzt sein eigenes Beginnen, und er»vächst höher und höher, der Freiheit enkgegeu! Um diese Stunde kamen die Franze.l und Andreas, die in einem Bauernhof Unterk»u»ft für die Nycht gefunden, durch den Ort. Bei der Fabrik machten sie Halt nnd lasen die Knud- machui»g. Sie silchte ihm hierauf etwas verständlich zu machen, das er, wie es schien, nicht begreifen»vollte, dann gaben sie sich die Hände zum vorläufigen'Abschiede. Andreas ging nach dem Hause des Pechers, sie ging weiter. Unweit der Post wurde sie von dem Postboten erkannt nnd angehalten. grundsätzlich festgesetzt und für niedrigere Stufen fakultativ, resp. es kann die Selbstangabe hier auf besondere Auf- forderung seitens der Behörden verlangt werden. Wir be- grüßen die Einführung der Selbstdeklaration lebhaft und wenn damit ebenso gute Erfahrungen gemacht werden wie anderswo, so darf»nan sich in Preußen zu dieser Neuerung Glück wünschen. Unseres Wissens ist sie bereits in Meiningen und wohl auch andersivo eingeführt worden. Als durch das Gesetz vom 21. März 1887 der Kanton Baselstadt die bei der Einkommensteuer bewährte Selbsttaxation auch für die Vermögenssteuer eingeführt hatte, schnellte das steuerbare Verinögen des kleinen Ka»»tons niit einem Ruck uin 106 Millionen gegenüber dem Vorjahr in die Höhe, d. h. um volle 22,6 pCt., während die Zahl der Steuer- Pflichtigen sich uin 480= 11,6 pCt. vermehrte. Durch die Einführung der Selbstangabe des Steuer-. Pflichtigen wendet»nan sich an dessen Gewissenhaftigkeit und bringt ihm ein nicht geringes Vertrauen entgegen. Wenn sich alsdann dennoch Steuerdefraudationen ergeben, so ist eine strenge nnd nachdrückliche Bestrafung um so mehr gerechtfertigt. Im Ganzen hat der„bürgerliche Staat" in dieser Beziehung bisher viel zu geringe Strafen vorgesehen und auch der gegemvärtige Entwurf schlägt blos eine Geldstrafe im 4— 10 fachen Betrage der unterschlagenen Steuer vor. Man wird in der Zuk»lnft hier gewiß schärfer vorgehen. Wer seine Steuer ganz oder theilweise hinter- hält, schädigt nicht den Staat, dem gegenüber so viele, nainentlich auch die sogen, guten Bürger über ein unglaub- lich Ivettes Geivissen verfügen; der Staat wird seinen Be- darf so wie so decken und sich alsdann an den gewissen- hafteren Bürgern und durch solche Steuern erholen, die überhaupt nicht oder nur schwierig unterschlagen werden können, wie die Zölle ze. Der Steuerdefraudant schädigt also seine Mitbürger durch Betrug und es ist gar kein Grund anzugeben, warum er nicht wie ein gemeiner Be- trüger dem Strafgesetz anheimfallen sollte. Wir stimmen in dieser Hinsicht durchaus der„Franks. Ztg." zu, welche die Steuerunterschlagung dem Kriminalstrafgesetz anheim- geben»vill. Es ist möglich und vor allein wünschenswerth, daß unter dem Einflüsse der Selbstdeklaration in Verbindung mit der Kontrole, welche die revidirte Erbschaftssteuer bringt, in Preußen bessere Steuersitten Platz greifen, als sie jetzt herrschend sind. Man setzt mit Recht voraus, daß dabei die Arbeit der Einschätzung, der Erhebung und Kontrole wesentlich erleichtert und vereinfacht wird. Wenn man sich jedoch den Gesetzentwurf nach dieser Seite hin ansieht, so er- Er theilte ihr»nit, daß ein Brief für sie eingetroffen sei, ein Geldbrief aus Wien. Sie können ihn gleich selbst »n Empfang uehnieil und so den Botenlohn ersparen. Franzel trat in das Postbureäü und erhielt den Brief. Sie ivar ganz verwirrt. Wer konnte das sein, der ihr von Wien aus Geld schickte? Käme es von ihrer Tante? ihr Erstanuen ivar nicht gemindert, als sie auf der Rückseite des Brieses Nainen nnd Adresse des Absenders las: Marianne Schiller, Parkring. Sie hielt die verstörten Augen, die heute so dunkel um- schattet»varen, unverwandt auf diese Zeilen gerichtet. „Das ist die Mirzel," flüsterten ihre Lippen,„die gute Mirzel." Sie ging über die Brücke,»vir traiun- verloren. Einmal Mrf sie einen flüchtigen Blick auf das Treiben der Knaben in» Flusse, und ein schivaches Lächeln glitt überdies verstörte junge Gesicht. Gestern noch hätte die Freude der Kinder die gleiche Empfindung in ihr geweckt, heute war sie jeder Freude entrückt. Sie»vendete den Kopf. Nein, Franzel, sie nicht weg! Wirf einen Blick, nur einen, nach der.Seite des Hauses, du »vürdestdasKind bemerken, das an der Hecke empor geklettert ist. Verlangend beugt es sich vorwärts, verliert das Gleichgewicht und fällt kopfüber auf den vom Regen erweichten Boden. Es hat keinen Laut ausgestoßen und steht schon wieder auf den Bcinchen. Es hat erreicht, was es»vollte, es befindet sich außerhalb der Hecke in Freiheit. Fraiizel! starre nicht so ans den Brief, hier stehen nur Worte, die Dir kaum etivas sagen, dort aber läuft ein nn- bewachtes Kind dem Waffer zu! Beide Hände streckt es der schimmernden Flnth entgegen. Es möchte den schiviminenden Ast erreichen, ans dein die Großen so fröhlich sich tummeln, schrickt man ordentlich vor dem gewaltigen bureaukratischen Apparat, vor der ganzen großen Hierarchie von Behörden für das Voreinschätzungsverfahren, das Veranlagungs- und das Erhebungsverfahren, für das Berufungs- und das Beschwerdevcrfahren, welche sämmtlich eine Anzah von Instanzen(bis 3) durchlaufen und fast nicht im Kop zu behalten sind. Die„Kölnische Ztg." verhöhnt mit Recht diesen Theil der Vorlage und sagt: „Wenn jemals aus dem Zusammenwirken von An- schauungen entgegengesetztester Art ein gesetzgeberischer Wechselbalg zum Leben befördert worden ist, so habe» wir hier einen solchen vor uns; glücklicherweise trägt er schon bei der Geburt den Tod im Gesicht. Von zwei Dingen eins: entweder man streiche die Deklarationspflicht des Steuerzahlers— und dann hat man ein Muster von drakonischer Einschätzung durch Bc- Hörden; oder man streiche den ganzen Apparat mit Aus- nähme einer einzigen Aeranlagungsbehörde und der Selbst- einschätzungspflicht— und dann hat man«ine vernünftige Selbsteinschätzung." In der That, man erinnere sich, daß trotz des schon jetzt bestehenden Apparats von Einschätzungsbehörden und Kommissionen, von Kontrolen und kontrolirenden Kontrolen Jahrzehnte lang Zustände haben bestehen können, wie sie z. B. m Bochum zum Vorschein gekommen sind. Und man bedenke es wohl, wenn wir jetzt über die richtige Einkommenshöhe jener Steuerdefraudanten besser unter- richtet sind, so verdankt man dieses durchaus nicht etwa denjSteuerbehikden jenes Regierungsbezirkes, sondern einem bloßen Zufall. Wenn man indessen weiß, wie unser bureaukratischer Beamtenapparat arbeitet und die Art des Geschäftsganges innerhalb der verschiedenen Instanzen kennen zu lernen die Gelegenheit gehabt hat, so wundebt inan sich über solche Einzelheiten nicht. Umsomehr muß es aber auffallen, daß trotz der Selbstdeklaration das Verfahren und der Beamtenapparat nicht nur nicht ver- einfacht, sondern wenn immer möglich noch komplizirter gestaltet werden soll. Die„Kölnische Zeitung" meint in dieser Beziehung: „Glücklicherweise ist dieser wichtigste Theil des Gesetz- entwurfs leicht zu ändern. Die Aenderung muß nur radikal sein, mit dein ganzen schwerfälligen Apparat der Ein- schätzungskommissionen aufräumen und darf nur die Selbst- einschätzung nach vorgeschriebener Anleitung nach bestem Wissen und an Eidesslatt vor der Veranlagungskommission bestehen lassen. Vor wissentlich falscher Einschätzung schützt das Strafgesetz mit dem Betrugsparagraphen in Ver- bindung mit den angedrohte» Strafen und der Erbschasts- steuer als Kontrole; vor dem Schaden durch unwissentliche falsche Einschätzung ist Abhilfe getroffen durch die Mög- lichkeit und die Pflicht der Nachversteuerung. Ist in diesem Sinne die Vorlage geändert— und sie muß also geändert werden, wenn sie Gesetz werden soll—, so sind die übrigen Bedenken gegen einzelne Bestimmungen ver- hültnißmäßig so untergeordnet und für den ganzen Geist der Reform belanglos, daß ihretwegen die Vorlage, wie auch die Entscheidung des Landtags ausfallen möge, sicherlich nicht scheitern wird." Was die Deklarationspflicht selbst betrifft, so halten wir die prinzipielle Festsetzung derselben nur für Ein- komnten über 8000 M. nicht für gerechtfertigt und die in der Begründung dafür angeführten Motive nicht für hin- reichend. Dagegen entspricht die Bestimmung, daß die Abgabe der Steuererklärung(Deklaration) jährlich zu geschehen habe, durchaus dem Wesen der Einkommensteuer. Um so weniger ist es auf der anderen Seite zu begreifen, wenn der Eutivurf bestimmt, daß nicht das Einkommen des betreffenden(bezw. zuletzt abgeschlossenen) Rechnungs- jahres, sondern daß der Durchschnitt des Einkommens von 3 Jahren der Deklaration zu Grunde liegen solle. Diese Bestinimung ist geeignet, die Berechnung und Kontrole nur schwieriger und die Selbstdeklaration komplizirter zu machen; sie bewirkt außerdem, daß gewisse Ein- kommensarten, wie Konjunkturgewinne zc., sich der Besteuerung theilweise entziehen können und entspricht dem Charakter der Einkommensteuer nicht. Diese will das konkrete, thatsächlich bezogene Einkommen treffen, nicht ein abstrahirtes, vermittelst der Durchschnittsrechnung fest- es will auch dabei sein— sein Herzchen schwillt höher in dem unbezwinglichen Trieb nach Freude, das Wasser lockt es, das Wasser! Von dort tönen die Jubelrufe der Kuider, dort war der Tummelplatz ihrer Freuden von jeher. Schon einmal trieb es ihn in die rauschenden Wellen, er war wieder herausgekommen... Aber diesmal sieht ihn Nie- mand, und in dem Augenblick, wo das feuchte Element seine Füßchen netzt, ist er auch schon von den Fluthen erfaßt, die ihn mit fortreißen... Niemand hat es bemerkt. Niemand den kurzen Aufschrei vernommen, den er ausstößt... Die Knaben waren im fröhlichen Spiel, die Franzel mit ihrem Schmerz beschäftigt... Erst eine Stunde später ward der kleine Körper unten an der Mühle aufgefangen. Oswaldt langte um die Zeit in dem Orte an, als das Gerücht, der kleine Huber Franzel sei ertrunken, denselben durchschwirrte. Es war die ungünstigste Zeit für seine Nachforschungen. Alles sprach von dem Kleinen, das Mädchen wollte Niemand gesehen haben. Auf der Post endlich ward ihm die Mittheilung gemacht, daß die Franzel hierhergekommen sei, um einen Geldbrief abzuholen, der von Wien aus eingetroffen war. Und als Oswaldt eine Be- stätigung der seltsamen Nachricht verlangte, ward ihm ihre eigenhändige Unterschrift vorgewiesen. Er errieth sofort die Absenderin. Die fesche Mirzel hatte ihre Absicht rasch verwirklicht'; sie schien wirklich Eile zu haben, sich als Erzieherin zu versuchen. Nun, er wußte doch jetzt, wo er die Franzel zu suchen hatte, und nach all der Seelenpein, die ihm diese Nacht gebracht, athmete er erleichtert aus. Er fuhr mit dem nächsten Zug nach Wien.--- Den- Pecher ward die traurige Mission, seinem Freunde Huber die Todesbotschaft zu überbringen. Der Mann schien daS Unglück, das ihn getroffen, nicht glauben, nicht fassen zu können. Sein Franzi, die einzige Freude und Hoffnung seines Lebens, sollte ihm für immer geraubt sein V Sein schöner Knabe, den er vor einigen Stunden noch in stolzer Vatcrfreude auf die blühenden Wangen geküßt, war todt!? Es war nicht möglich, es konnte nicht sein! So grausam kann das Leben nicht sein! Das Leben? Sein Knabe ward dahingerafft, weil er gestelltes, das thatsächlich gar nicht existirt hat. Eine Einkommensteuer, die mit Durchschnittsberechnungen ar- beiten will, trägt den Dottersack der Ertragsteuer mit sich herum, bei der wirklich ein Durchschnittsertrag zur Grundlage genommen wird. Der Vorschlag des Regieruugs- entwurfes beweist, daß man sich nicht von der Vorstellung der Ertragsteuer loslösen konnte. Auch wenn man sich durch dieses theoretische Bedenken nicht abhalten lassen wollte�so kann selbst praktisch diese Durchschnittsberechnung des Einkommens in keiner Weise hinreichend begründet werden. Um noch einen Punkt, die vorgeschlagene Einführung der Selbsttaxation betreffend, herauszugreifen, scheint es uns, daß die Regierungsvorlage in den Schluß- oder viel- mehr Uebergangsbestinmmngen eine Lücke offen gelassen habe. Es fragt sich nämlich, ob für Steuerpflichtige, die wesentlich, höher deklariren, als sie bisher versteuert haben, die Indemnität für alle zurückliegenden Steuerjahre aus- gesprochen werden solle oder nicht. Um dem„guten Willen" der Leute entgegen zu kommen, halten wir die Indemnität für angezeigt und dieselbe ist bei der Abfassung des Regierungsentwurfs vielleicht still- schweigend vorausgesetzt worden. Wirklich ist nur unter dieser Voraussetzung zu erwarten, daß die Selbsttaxation im Falle der Einführung sofort ihre gute Wirkung zum Ausdruck bringen werde. Norvefpondenjen. Hamburg, 18. November. Eine hier abgehaltene öffent- liche, zahlreich besuchte Volksversammlung, aus deren Tages- ordnung der neueste Gesetzentwurf zum Kranken-Versicherungsgesetz stand, und zu welcher sämmtliche Mitglieder der freien ein- geschriebenen Hilss- Krankenkassen von Hamburg und Umgegend eingeladen wären, nahm eine Resolution an, die sozial- demokratischen Reichstags- Mitglieder und den Reichstag auf- zuforderu, die gedachte Vorlage abzulehnen. Chrnniiz, 17. November. In der Stärker'schen Strumpf- waaren-Fabrik streiken seit Sonnabend, mit Ausnahme der Spulerinnen, sämmliche Frauen und Mädchen wegen der unerhört niedrigen Löhne, und heute sind auch die männlichen Arbeiter ausgeschlossen worden. Es sind in letzter Zeit mitunter vierzehn- tägige Löhne von sechs und sieben Mark an die weiblichen Hilssarbeiter gezahlt worden; infolge dessen wuchs die Empörung unter diesen, doch sind die Männer von ihren Hilfskrästen. abhängig. Da Herr Stärker den Forderungen der Frauen um Zahlung der früheren Lohnsätze nicht nachgeben wollte, so schloß er heute Mittag einfach die Fabrik, jedenfalls in der Hoffnung, daß die Streikenden von ihren männ- lichen Mitarbeitern, die jetzt nicht streiken wollten, zur Nach- giebigkeit angehalten werden sollen. Dieser Fall wird aber jeden- falls nicht eintreten, sondern die Männer sind vollständig von der gerechten Forderung ihrer weiblichen Mitarbeiter überzeugt und das Nachgeben wird sonach nur aus Seiten des Herrn Stärker sein.— Mittwoch Abend findet, ivie im Annoncentheil bekannt gemacht, eine große Textilarbeiter-Verfammlung zum Zwecke der Aufklärung über die Vorkommnisse in lder Stärker'schen Fabrik statt. Zahlreicher Besuch ist erwünscht.— Auch wird gebeten, den Zuzug fernzuhalten. Das Streikkomitee hat seinen Sitz im Schützenhaus", Schützenstraße. Politisrho Äeberstrlik. Berlin, den 19. November. Den Franzosen wurde es in einigen deutschen Zeitungen znm Vorwurf gemacht, daß sie bezüglich der Entdrännig Kach'a unter Hinweis auf P a st e u r' S Beispiel vor über- schwänglichen Hoffnungen gewarnt hätten. Nun— dasselbe geschieht jetzt von namhaften deutschen Gelehrten, z. B. von Herrn Professor Bergmann, der doch sicherlich keiner ranzosenschwärmerei verdächtig sein kann. Unmögliches kann die Wissenschaft natürlich nicht thun, und wo die Bedingungen des Lebens nicht mehr vorhanden sind, läßt sich dem Tod kein Opfer entreißen. Jndeß das versteht sich für jeden denkfähigen Menschen von selbst. Auch das thut der Entdeckung keinen Abbruch, daß sie die sozialen Ursachen der Krankheiten nicht aus dem Wege räumt. Daß an eine vollständige Gesundung jenes Schutzes entbehrte, jener treuen, überwachenden Sorg- falt, die in der Natur keinem jungen Thier zu fehlen pflegt! Und dieser bittere Gedanke blitzte ihm durchs Gehirn, als er, selbst zum Tode getroffen, an der Leiche seines Kindes zusammenbrach. Schwester Therese und all die Gevatterinnen, die sich herandrängten und das Ereigniß.besprachen, zeigten sich ge- 'aßter.. „Mein Gott, das ist ihm halt schon bestimmt gewesen! Unser Herrgott hat es so wollen, davor hätt' ihn Keiner bewahrt," sagten sie mit jenem entsetzlichen Fatalismus, der im Volke Wurzel geschlagen und seiner Indolenz zu Hilfe kommt. Sie erkannten hierin das Walten einer höheren Macht, gegen die arme Sterbliche nichts vermögen, und sie brachten damit jeglichen Selbstvorwurf und alle Gedanken zum Schweigen. Huber hatte sich eingeschlossen, er wollte Nie- mand sehen, von Niemandem Trost empfangen, da ihm Keiner einen solchen geben konnte. Auch Frau Brandhofer und Mili hatte er kurz abgewiesen. Die Letztere ward von dem Unglück tief erschüttert. Der erste große Schmerz ihres Lebens war über sie gekommen, und sie trug daran um so schwerer, als sie ihn geheim halten wollte. Sie suchte den Blicken auszuweichen, die sie in fragender Neugier auf sich gerichtet fühlte, und sie wusch und wusch immer wieder die brennenden Augen, aber was nützte das, sie füllten sich immer aufs Neue mit Thränen. Wie warm und dankbar hatte der Huber sie angeblickt, wie sie damals um das Kindchen bemüht war. Seinen Schutzengel hatte er sie genannt. Ach, sie hatte schlecht ihreS Amtes gewaltet, fast unter ihren Augen war das Kind zu Grunde gegangen. Ihr war, als trüge sie Mitschuld an einem Tode. Das Begräbuiß hatte eine große Anzahl Leidtragender versammelt. Der Huber war allgemein beliebt und geachtet, und man wollte ihm zeigen, wie sein Unglück diese Spin- pathie noch verinchrte. Mili und ihre Mutter befanden sich unweit des kleinen Grabes. Das Mädchen hielt die Augen gesenkt, aber unter ihren Lidern blickte sie verstohlen nach ihm, der thränenlos stand und vor sich hinstarrte. Seine der Menschheit nur zu denken ist, nachdem die Ursache'!� Krankheiten aus dem Wege geräumt sind, und daß ,, V o l k s- H y g i c u e eminent eine soziale Fr aß* kann uns iiideß nicht hindern, einen jeden Fortschrm' Heilwissenschqft als eine Wohlthat für das MeW gcschlecht zu begrüßen., Eine, allerdings zu erwartende Gegnerschaft m°! Koch'schcn Entdeckung in den Gegnern des I")?!' Verfahrens erstanden. Die sogenannte wiffenschaM Grundlage der Jmpfgcgncrschaft ist allerdings durch* Entdeckungen Koch's, sowie eines Pasteur und von Grund aus zerstört. Wir begnügen uns diese fache festzustellen, können aber nicht in die Diskussion v Fragen eingehen, m denen die Fachwissenschaft allein c entscheidendes Wort zu sprechen hat, und die deshalb niewa zu politischen oder gar zu Parteifragen gemacht rveroe dürfen.—.. Dem preußischen Abgeordnetenhaus ist ein Gesetz-®! wurf über die Gewerbesteuer zugegangen. Die gesannnl stehenden Gewerbebetriebe— wir folgen hier dem R klaren Resümee der„Vossischen Zeitung"— werden je tz, dem Ertrage oder dem Betriebs- und Anlagekap' in vier Klassen getheilt, welche der Gewerbesteu unterliegen. Gänzlich steuerfrei bleiben Betriebe, de Jahresertrag 1500 M. oder deren Anlage- und Betrü- kapital 3000 M. nicht erreicht. Außerdem sind von Steuer gewisse Gruppen von Gewerbebetrieben, uarneml Genossenschaften und ähnliche Vereine befreit, sofern sie' mit ihren Mitgliedern Geschäfte machen, Konsumvereine" dann, wenn sie keinen offenen Laden haben. Gasanfla. der Gemeinde scheinen besteuert werden zu sollen. Theater, Aquarien und ähnliche Unternehmungen als tu 1 lerische und wissenschaftliche Anstalten steuerfrei oder Erwcrbsanstalten besteuert werden sollen, ist aus dem** des Gesetzes mit Sicherheit nicht zu entnehmen, dage|L werden Branntweiu-Breüncreien besteuert, insofern R"- rein laiidwirthschaftliche sind, will sagen, ausschließlich{ treibe oder Kartoffeln verarbeiten, deren Rückstände vl eigenen Wirthschaft des Besitzers verwendet werden. drei unteren Gewerbeklassen— die zweite erreicht 50 00"' Ertrag oder eine Million Kapital— sind begrenzte Ste». sätze in Aussicht genommen zwischen 4 und 480 M-, ivayr� die Steuer für die erste Klasse ein Prozent des Jahresertrag'' jedoch nicht weniger als 300 Mark beträgt. Die Vera lagungsbezirke sind für die erste Klasse die Provinzen, l die zweite die Regierungsbezirke, für die übrigen die Kre> f Berlin bildet für jede Klaffe einen eigenen Veranlag»�' bezirk. Tie Umlegung erfolgt in den drei unteren ffchsl durch Ausschüsse der zu einer„Steuergesellschaft" vereinig. Steuerpflichtigen der einzelnen Klasse. Neben der Berns»™ ist die Beschwerde bei dem Steuer-Gerichtshofe Die Deklarationspflicht ist nicht durchgeführt. Ausdrnw. wird bestimmt, daß die Vorlegung der Geschäftsbücher. die Offenbarung von Geschäftsgeheimnissen nicht erzmunö � iverden kann. Maßgebend für die Veranlagung m � Ertrag des abgelaufenen Jahres. Außer und neben � Gewerbesteuer soll eine Schankbetriebssteuer erhoben we■ und zwar in Höhe von 15 bis 50 Mark in untersten, von 100 Mark in der ersten Gewerbesteuer-� Betriebe, welche nicht mindestens 1500 Mark jährlich � werfen, bleiben auch von dieser Steuer frei. Die wird kontingentirt, dergestalt, daß mehr als 5 pCt. H iffe schuß über den Betrag von 19 811 359 Mark hinaus entsprechende Herabsetzung der Steuersätze bewirkt.""Teueii Herr Lnrina ist wirklich zurückgetreten— wir ch*p es eigentlich gestern schon mittheilen sollen, doch gaßeu es; und das war auch kein Unglück, denn der tritt des Herrn Lucius bedeutet nichts anderes, als, Herr Lucius nicht mehr preußischer Landwirthschaftsmw � ist, sondern ein anderer— Lucius. Der neue Minister* Landwirthschaft ist Herr von der Heyden, bisher kj gierungspräsident in Posen und Mitglied derselben f»g wie sein Vorgänger. Aus diesem Ministerwcchsel keinerlei politische oder wirthschaftliche Schlüsse zu Wir bemerkten schon einmal, daß neuerdings's auffallend viel von ,, anarchistischen LiebensWÜrdigkr zu hören ist, wie die Franzosen das Ding nennen, Neueste ist ein nach Paris„geschmuggeltes"(von u)- � das wird der Ex- Polizeipräfekt Andrieux wissen).w betitelt„L'Jnternational", das in London heraus#.� wird(von wem? das wird Herr Andrieux auch# Lippen waren fest aufeinander gepreßt und er beivelst' � auch nicht während des Gebetes. Dieser stumme hatte etwas seltsam Ergreifendes für Alle, und'st � düsteren Augen, die dem kleinen Sarge folgten, der'st t( Erde hinabgelassen wurde, glaubte Emilie die furK � Anklage zu lesen: Es hätte nicht sein müssen! Sie barg. � Gesicht in ihrem Tuche. Als sie auf eine Mahnusig�I Mutter wieder aufblickte, hatte eme Paul Huber bereits verlassen.. astd Der Pecher Leopold dankte in seinem Namen de» tragenden. Es fiel auf, daß der lustige Poldl so SR.„de» und traurig sich zeigte. Und er blieb auch so die folg. Tage und Wochen. Gedankenvoll ging er herum,. er und spaßte nicht mit den Frauenzimmern und spieire mehr des Sonntags zum Tanze auf.„ S,,.üiig Aber man achtete doch nicht sonderlich dieser Verano die ja der allgemeinen Stimmung entsprach. Alldieff fl{t« in dem kleinen Fabriksorte waren herabgedrückt""ugst' zweifelt und sahen jetzt, wo es auch mit den Feld-"st-ht� arbeiten zu Ende ging, jedem neuen Tag mit ery Bangen entgegen. Die Auswanderung dauerte fort. Frau Thercst KD- ihren Mann endlich untergebracht und für sich M L st»1 ficht auf Arbeit erhalten. Seit dem Tode des Kl»>"�d>» ein Zusammenleben ohnedies nicht denkbar. Der\(» hatte das Geld für die Uebersiedelung aufgebracht, waren sie mit ihren KindSrn davongezogen. dfl Es war ein kühler Abend in der letzten Wocst�h September. Der bedeckte Himmel ließ keinen Sters' fcf blicken und ein rauher West wirbelte auf der Str? deutende Mengen von Staub in die Höhe. nd 6,1 tu dem Orte war es ruhig und still geworden" teten Fenster erloschen, ems nach dem andern- zst In deni ebenerdigen Häuschen, das Paul H"),# zeit allein bewohnte, da eine zweite Partei sich.„ Z'if gefunden, brannte Licht. Paul saß vor einem kleines � und'las,Shier und da mck Bleistift in einem H#�< tizen machend. Das Fenster seiner Stube stand A el I der Wind warf den einen nicht eingehängten selben heftig zu, um ihn dann m,t einem w welchem Blatt— unter genauesten Gebrauchsanweisungen ~7 das Rezept von Bomben gegeben wird, mit deren Hilse die Bourgeoisgesellschast bei den Opernvorstellnngcn in die rfl*, gesprengt werden soll. Die Pariser Polizei hat sich die überflüssige Mühe genommen, das Blatt zn verbieten. s-'�r dasselbe macht, ist uns gleichgiltig. Gleich blödsinniges o�ug kommt tagtäglich überall vor— wenn auch nicht gerade gedruckt. Aber wer veranlaßt es, daß solche Aachrjchtcn, die doch höchstens für hysterische Köchinnen ein Interesse haben, in der Welt herum t e l c g r a p h i r t, also der Welt als wichtige Thatsachen gewissermaßen unter dw. Nase gehalten werden? Es wäre uns wirklich lieb, auf 51 d Frage von Denen, die sie beantworten können, eine "lpp und klare Antwort zu erhalten. Es will uns nämlich bedünken— und jeder Tag ver- slarkt diesen Eindruck— daß wieder einmal planmäßig �uf Alarmirung der öffentlichen Meinung Mgearbeitet wird. Und zwar sind die Gesellen, welche wir da nn Verdacht haben, die alten Bekannten, welche wir als Reptilien und Arbeiter im Weinberge des Herrn Fürsten Bismarck so eifrig arbeiten sahen,"als derselbe nicht a. D. war, und die auch jetzt jdwder zweifellos für ihn, den Chef der k a p i- f.. st i scheu Fronde, gegen die Sozialpolitik der tayerlichen Erlasse, zu arbeiten haben. Ex ungue leonem mi der Mache erkennt man die alten Wühler und Hetzer, " sanimt ihrem malkontenten Obermaulwurf. P•vJN die Kategorie dieser Hetz-' und Alarmpraxis, deren owcck es offenbar ist, jede ernstliche Sozialreform im Interesse des Kapitalismus zu hintertreiben, gehören auch dw Methodisch verbreiteten Nachrichten über einen bevor- gehenden allgemeinen Ausstand der Berg- a r b e i t e r in Rheinland-Westsalen. Man wird sich er- uuern, daß die Bismarck'sche Reptilpresse vor einem Whr, als es galt, das Sozialistengesetz zu verewigen, Mau dieselben Alarmnachrichten kolvortirte, so daß .'e sozialdemokratische» Abgeordneten sich gezwungen sahen, "t„Berliner Volksblatt" und von der Tribüne des Reichs- Lös herab diese Gerüchte Lügen zu strafen und auf die Torheit eines Bergarbciterstreiks aufmerksam zu machen. . Gegenwärtig ist die Lage nicht wesentlich anders. Jü eu Bergarbeiter-Revieren herrschen gewiß überaus traurige Zustande, allein ein allgemeiner oder auch nur partieller ...Wand im gegenwärtigen Augenblick würde diese Zustände 'cht bessern und nur größeres Elend und Unglück über die Bergarbeiter bringen. .. Angenagelt muß hier werden, daß auch die„F rci- LA«ige Zeitung"(Siehe gegen Ende unseres v�Ptblattes) sich in ihrer blinden Wuth auf die Sozial- natt? tie(die an den Richter'schen Irrlehren nicht sterben dts r � diesem abscheulichen Spiel hergicbt. Freilich für "fortschrittliche Btanchefterthum ist es ein ebenso bcgehrcns- 6W.Ziel, wie für den von dem Exkanzler geführten .'..»Kapitalismus: der verhaßten Sozialresorm ein Bein zu ! iüen. Wenn sich's um den Geldsack handelt, dann tanzt S? freisinnige Bourgeois mit dem konservativen, national- j,�ralen und ultramontanen Kollegen und Bruder vergnügt „harmonisch" um das gemeinsam angebetete goldene , Ueher Meineid wird wieder einmal stark geklagt— nicht aus„sozialdemokratischen Giftheerden", fondern us unverfälscht katholischen Gegenden, wo der„rechte wube" herrscht und der„Zukunftsstaat" der„Germania" gentlich schbn verwirklicht sein sollte. Unter den Ver- ronungen des Gcneral.-Vikariatsamts finden wir nachstehende . ekanntmachung des F ü r st b i s ch o f s Kopp, welche . we.ft, daß es mit der Heilighaltung des Eides in dieser l ommen Diözese des frommen Herrn recht schlecht bestellt ist: ..„Mit tiefstem Schmerze habe ich aus den Mittheilungen °kr staatlichen Behörden ersehen müssen, daß in den Schwur- genchts-Bezirken Oppeln und Ratibor seit längerer Zeit eine „f gegenseitige Eideshilfe gegründete und geradezu bandenmästig organisirte Gesell- sUlaft besteht, welche darauf abzielt, nnt dem Jtbrechetischen Mittel des Meineids bei ein- gete.teten Untersuchungen— namentlich durch den Alibibeweis 7" oder bei schwebenden Prozessen Wahrheit und Recht iA. untergraben und die Rechtsordnung und Rechtssicher- „5 auf das Aeußerste zu gefährden. Wie hätte ich wohl , duen können, daß es in meiner Diözese und nanrentlich nter meinen obcrschlesischen Diözesanen, deren tiefe Frömmig- " und Religiosität ich wiederholt kennen gelernt habe. Per- x/rren langsam wieder zu öffnen. Paul beachtete es nicht. a Mte das Buch von sich geschoben, und den Kopf in .„.Hand stützend, saß er nun in tiefen Gedanken. Eigenes j? fremdes Leid bedrückte ihn. Und je mehr er einsah, ,2 et für sich selbst nichts mehr zu hoffen habe, um so >ag brannte in seinem Herzen die Ucberzeugung auf, 'ü'dere hohe und heilige Pflichten zu erfüllen habe für u �4 in der letzten Zeit hatte er sirl. rückhaltslos jener �A�TUNg der unteren Klassen angeschlossen, die offen ihre tnK k*UnJ3?n aufstellen und durchzusetzen bemüht sind cWi- v Einführung eines gerechteren Zustandes der Gesell- qmT dringend als eine Nothwendigkcir bezeichnen und so 'ei* nürd" unb n)ieber begehren werden, bis sie erfüllt lebp» Kind war todt, aber sollte er müßig zu- kitw» roic auch die Kinder Anderer durch das Elend ver- lindS*' in Roth und Tod getrieben, ein vorzeitiges Ende iL®in störendes Etwas, das seine Nervei, berührte, ließ Lr»?"'sehen. Ein dunkler Schatten war an seinem Fenster �geglitten. Er erhob sich, um nachzusehen. PttAf* e Gestalt lehnte an der Mauer, dem Feuster zu- ff(2- sie ließ ihn näher kommen, ohne sich zu rühren. �kannte er sie in ihrer Silhouette. Wl'e sinVs, Fräulein Mili?" sagte er betroffen, und ' sich bemühend, seiner Stimme den ruhigsten Klang zu L.„Was wünschen Sie?". k>»tp v antwortete nicht sofort, sie that einen Seufzer und bann so leise, daß er sie nur mit Mühe verstehen iv•„Ich gehe fort— morgen— mit meinem Bruder . suchen- und da t, �»"Wallten Sie mir noch einmal die Hand geben.-jaj Löhnen." . streckte sie ihr entgegen. Sie nahm s>e und nnt »»d Waschen Bewegung hatte sie sie an die Lippen gezogen seil ss�as thun Sie?" rief er erschreckt, fast barsch,„was 58 heißen?" (Fortsetzung folgt.) sonen geben könne, bei denen das Bewußtsein von der Heilig- keit des EideS so tief gesunken, oder vielmehr völlig geschwunden wäre und welche die Warnung der heiligen Schrift ganz ver- gessen hätten:„Es soll kommen das Strafgericht in das Haus des falsch in meinem Namen Schwörenden und es soll bleiben mitten in seinem Hause und es verzehren, sein Holz sammt seinen Steinen!" Um so nothwendiger wird es sein, die Hcilighaltung des Eides in den Gläubigen wieder zu heben und zu wecken und beauftrage ich deshalb den Hochwürdigen Pfarrklcrus, aus diesen traurigen Vorkommnissen einen neuen Anlaß zu wiederholten nachdrücklichen Belehrungen und Mahnungen über den entsetzlichen Frevel des Meineids in Predigt, Christenlehre, Religionsunterricht und allen sonst sich darbietenden Gelegenheiten zu entnehmen." Nun— wenn die Sozialdemokraten einmal in dieses Meiueidsuest glücklich eingedrungen sind, werden sie die jetzt von ihren Seelsorgern so schlecht erzogenen Leute bald über die Bedeutung von„Wahrheit und Recht"— als den einzigen festen Grundlagen eines geordneten Staats- und Gesellschaftswesens— gründlich und überzeugend belehrt haben. Heber die Geldlmsis wird aus London gemeldet, daß die Lage„gespannt" bleibt— das heißt: die Krisis schreitet fort und entwickelt sich ganz normal. Immer weitere Kreise werden in Mitleidenschaft gezogen, und wenn auch bis jetzt noch von den Geldmächten mit Aufgebot aller Kräfte dahin gearbeitet wird, eine Panik mit obligatem Gencralkrach zu verhüten, so werden diese'Anstrengungen bei dem durch und durch ungesunden Zustande des Geld- Markts doch zweifellos vergeblich sein. Der französische Kohlenarb eiter-Streik in Carvin hat nach 56 tagiger Dauer mit einem Siege der Arbeiter geendet. . Crispi hat seine vom geschwätzigen Telegraph bereits vorher ausgeplauderte Rede richtig gehalten. Wer sie dem Telegraph verrathen hat? Herr CriSpi?— Das wäre doch selbst für ihn zu kleinlich. Da jeder Bier- und Kaffeehaus- Politiker die Crispi'scheu Reden schon 8 Tage vor dem „Halten" auswendig kann, so erklärt sich das Wunder auf sehr natürliche Weise. Das einzig Wunderbare ist, daß Herr Crispi, der doch eine sehr strenge Telcgraphcnzensur ausübt, sich nicht Telegraphenbeamte anschafft, die seine Reden wenigstens gut— k o r r i g i r e u.— ** iteutßt Unchrichte». Aus Paris kommt ein etwas räthselhaftes Telegramm: „Paris, 19. November. In dem am Boulevard des Italiens belegenen Hotel de Bade wurde gestern Vormittag der vor einiger Zeit vielfach genannte russische General Seli wer stow ermordet. Der General, welcher der russischen Geheimpolizei angehörte, hatte am Morgen einige Glieder der russischen Kolonie empfangen. Als sein Diener ihm um 11 Uhr das Frühstück brachte, fand er seinen Herrn in den letzten Zügen liegend vor. Der General war durch einen Revolverschuß in die Schläfe tödtlich verwundet worden. Als die Polizei kam, athmete der General noch, verstarb aber alsbald. Die mit der Untersuchung dieses Mordes betrauten Gerichtspersonen sind davon überzeugt, daß hier ein Racheakt der in die letzten Affairen verwickelten Nihilisten vorliege. Die Polizei hatte den Mord streng geheim gehalten; die ersten Nachrichten hierüber wurden erst Abends bekannt." Der„General" Seliwerstow war also offenbar ein Spitzel und nach Paris auf die Menschenjagd ge- schickt. Daß diese ihre Gefahren hat, mußte er wissen. Zwischen russischen Spitzeln und russischen Nihilisten besteht ein ähnliches Verhältuiß, wie in-nianchen Gcgonden zwischen Förstern und Wilddieben. Es giebt keinen Pardon.— Arbtitevschutz» Kommisstou. Die Berathuug beginnt bei § 153; derselbe lautet nach der Regierungsvorlage: Wer es unternimmt, durch Anwendung körper- lichen Zwanges, durch Drohungen, durch Ehrverletzungen oder durch Verrufserklärung 1. Arbeiter oder Arbeitgeber zur Theil- nähme an Verabredungen der im§ 152 bezeichneten Art zu bestimmen oder am Rücktritt von solchen Verabredungen zu hindern, 2. Arbeiter zur Einstellung der Arbeit zu bestimmen oder an der Fortsetzung oder Annahme der Arbeibzu hindern, 8. Arbeitgeber zur Entlassung von Ar- beitern zu bestimmen oder an der An- nähme von Arbeitern zu hindern, wird mit Gefängniß nicht unter einem Monat be- straft. Ist die Handlung gewohnheitsgemäß begangen, so tritt Gefängniß nicht unter einem Jahre ein. Die gleichen Straf vorschriftenfin den auf denjenigen Anwendung, welcher Arbeiter zur widerrechtlichen Einstellung der Arbeit oderArbeitgeber zur widerrechtlichen Eni- lassung von Arbeitern öffentlich auf- fordert. Die Abgg. Dr. Hirsch und Dr. Gutfleisch beantragen hierzu: In§ 153: 1. Absatz 1 Zeile 1 die Worte:„es unternimmt" zu streichen. 2. Absatz 1 Ziffer 1 Zeile 3 statt:„zu bestimmen" zu setzen:„bestimmt oder zu bestimmen versucht", Zeile 4 statt:„zu hindern" zusetzen:„hindert oder zu hindern versucht". 3. Absatz 2 Ziffer 2 und 3 durch folgende Fassung zu er- setzen: „Arbeitgeber oder Arbeiter an der Theiluahme an solchen Verabredungen hindert oder zu hindern versucht, oder zum Rücktritt von solchen Verab- redungen bestimmt oder zu bestimmen versucht." 4. Absatz 1 die Worte von„wird mit Gefängniß" ab bis zum Schluß durch folgende Fassung zu ersetzen:„wird mit Gefängniß bis zu drei Monaten bestraft, sofern nach dem allgemeinen Strafgesetz nicht eine härtere Strafe eintritt". 5. Absatz 2 zu streichen. Die Abgg. Bebel, Molkenbuhr und Singer beantragen:' Den§' 153 der Regierungsvorlage zu streichen und dem § 153 folgende Fassung zu geben: Wer Andere durch Anwendung körperlichen Zwanges, durch Drohung oder durch Verrusserklärung bestimmt oder zu bestimmen versucht, an solchen Verabredungen oder Vereinen nicht Theil zu nehmen oder ihnen nicht Folge zu leisten, sowie Derjenige, welcher mit Anderen vereinbart, Arbeitern deshalb, weil sie an solchen Verabredungen oder Vereinigungen Theil nehmen oder Theil genommen haben, die Arbeitsgelegenheit zu erschweren, sie nicht in Arbeit zu nehmen oder sie aus der Arbeit zu entlassen, wird mit Gefängnißstrafe bis zu drei Monaten bestraft, sofern nach dem allgemeinen Strafgesetze nicht eine härtere Strafe eintritt. Der Referent Abg. Dr. Hartmann führt aus, daß im § 152 alle Verbots- und Strafbestimmungen gegen das Koalitions- recht aufgehoben sind; der zweite Absatz des§ 152 gewähre das Recht des Rücktritts von getroffenen Verabredungen; dieses Recht werde durch den jetzigen§ 153, welcher Strafbestiinmungen gegen die Hinderung des Rücktritts von Verabredungen enthält, ge- sichert. Die Regierungsvorlage enthalte neben einigen Aenderungen auch einige Zusätze, welche dem bestehenden Bedürfniß entgegen- kommen und es auch ermöglichen werden, die ohne vorherige Ver- abredung gemachten Versuche, Arbeiter zur Einstellung der Arbeit zn bestimmen oder an der Fortsetzung oder Annahme der Arbeit zu �hindern, zur strafrechtlichen Verantwortung zu ziehen; der Redner erkennt im Großen und Ganzen die Nothwendigkeit der stark verschärften Strafen an; die Bestimmung, welche die öffentliche Aufforderung zur widerrechtlichen Arbeitseinstellung unter die gleichen Strafen stellt, hält der Referent durch§ HO des Strafgesetzbuches(Aufforderung zum Ungehorsam gegen die besetze) für gerechtfertigt und juristisch durchaus zulässig. Nach Ansicht deö Redners werde durch die widerrechtliche Arbeitseinstellung das Nechtsgesühl sehr erheblich geschädigt, und die Gemeingesährlichkeit solchen Vorgehens liege namentlich darin, daß sich dasselbe öffentlich vollzieht; dem müsse durch die Gcsetzgetulng gesteuert werden. Was den Antrag Hirsch und Gutfleisch anlangt, so wolle derselbe im Wesentlichen den jetzigen Zustand belassen, und nur eine Vervollständigung der Bestimmungen herbei- führen. Der Antrag Bebel u. Gen. berücksichtige nur das Koalitions- recht der Arbeiter und lasse die Arbeitgeber ganz unberücksichtigt; schon aus diesem Grunde sei dieser Antrag unannehmbar, ab- gesehen davon, daß der Antrag den jetzigen§ 153 streichen wolle. Der Referent behält sich eingehende Beleuchtung der Anträge bis nach deren Begründung vor und empfiehlt zunächst die Regierungs- vorläge zur Annahme. Ter Korreferent Abg. Dr. G u t f l e i s ch ist im zum Referenten der Ansicht, daß die weiteste Oeffentlichkeit bei Berathung der Frage, ob Arbeitseinstellungen vorgenommen wer- den sollen, nothwendig sei; deshalb dürfe man die„öffentliche" Aufforderung dazu nicht unter Strafe stellen; auch der starken Verschärfung der Strafe bei„gewohnheitsmäßigen Handlungen" in dieser Beziehung kann der Redner nicht zustimmen; die auf diesem Gebiet vorkommenden Verstöße werden durch das privat- rechtliche Verfahren genügend geahndet, man solle sich hüten, ohne genügende Roth das Strafrecht mit dem Privatrecht zu verquicken. Der Korreferent hält den Antrag Bebel und Genossen, weil ein- seitig, für unannehmbar, bittet um Annahme des vom Abg. Hirsch und ihm gestellten Antrages, der dm bestehenden Rechts- zustand belassen wolle, ersucht dagegen um Ablehnung der Re- gierungsvorlage. Abg. Schmidt referirt über die eingegangenen Petitionen; es ist nur eine Petition des Bergwerk-Berbandes für die Regierungs- vorläge eingelaufen. Abg. Bebel erklärt diesen Paragraphen als den Ausfluß des denkbar einseitigsten Klassenstandpunktes, der, wenn er Gesetz würde, die Arbeiter unter eine Ausnahme-Gesetzgebung zwingen würde, welche in der schärfsten Weise das Interesse der Unter- nehmer zum Ausdruck bringt. Redner giebt eine historische Darstellung der wiederholten Versuche, den Kontraktbruch kriminell zu bestrafen und weist dabei nach, daß dieser Versuch stets dann gemacht wurde, wenn die wirthschaftliche Situation den Arbeitern günstig war; um so unnöthiger sei es in der gegenwärtigen Lage, die für absehbare Zeit den Arbeitern keine günstigen Aussichten eröffne; in aussühr- licher Weise zeigt der Redner, wie man nur den Arbeitern gegen- über dazu schreitet, gelegentlich vorübergehender Erscheinungen scharfe Gesetze zu machen, während, wenn sich auf anderen Ge- bieten die Verstöße gegen das Strafgesetz erheblich vermehren, es Niemanden einfällt, nach Erhöhung der Strafen zu verlangen; also Ausnahmegesetze gegen die Arbeiter sei der Inbegriff der Vorlage. Redner wendet sich nun der jetzt herrschenden Handhabung des§ 153 zu und bringt namentlich aus Sachsen eine große An- zahl von Beispielen, aus denen hervorgeht, daß der§ 163 und der Unfugsparagraph heute einzig und allein und zwar in der krassesten Weise gegen die Arbeiter angewendet wird, während sich kein Staatsanwalt findet, die Verrufserklärungcn, welche von den Unternehmern gegen die Arbeiter gemacht sind, zu verfolgen; diese Handhabung müsse die Arbeiter empören, und beweise beut- lich, daß die Klassenrechtsprechung immer mehr um sich greife. Zum ersten Male, wo die Regierung ein Arbeiterschutz-Gesetz ein- bringe, komme sie mit einer Fassung des§ 158, die eine vollständige Vernichtung des Koalitionsrechtes bedeute. Es liege nicht der geringste Grund vor zu einer Strasverschärfung; die Streiks werden nicht muthwillig gemacht, sondern sie seien das Produkt wirthschaftlicher Verhältnisse. Wenn man etwa in England solche Vorschläge machte, so würde ein Schrei der Ent- rüstung durch die ganze Arbeiterbevölkerung Englands Halle», und nicht ein einziges Mitglied des englischen Parlaments würde es wagen, für solche Bestimmungen einzutreten. In Deutsch- land, dem Lande des„Arbeiterschutzes", komme man mit solchen, die Freiheit und Selbstständigkeit der Arbeiter vernichtenden Strafbestimmungen. Der Redner geht auf die einzelnen Bestimmungen der Vor- läge ein, an denen er den Nachweis führt, daß dieselben einzig zum Schaden der Arbeiterklasse Geltung finden werden. Die von der Vorlage beantragten Strafen— namentlich soweit die ge- wohnheitsmäßigen Handlungen in Betracht kommen— nennt der Redner barbarisch und führt aus,. daß eine derartige Gesetzgebung gerade für die herrschenden Klassen die unheilvollsten Folgen haben müsse Die schwersten Ver- brecher können bei Milderungsgründen mit weniger als einem Jahre Gefängniß bestraft werden; die gewohnheitsmäßige öffent- liche Aufforderung zum Kontraktbruch, eine in den meisten Fällen den Arbeitern durch die Miserabelen Verhältnisse aufgezwungene Handlung, darf nach der Vorlage nicht mit weniger als einem Jahre Gefängniß bestraft werden. Das sei eine Klassengesetz- gebung, welche eine Klassenjustiz, wie dieselbe in Deutschland bereits hier und da herrsche, geradezu herausfordere und allge- mein mache. Gegen solch ungeheuerliche Bestimmungen, die auch auf regierungsfreundlicher Seite— Redner exemplifizirt auf Prof. Herlner— die allerschärfste Verurtheilung finden, werde die Sozialdemokratie mit aller Kraft ankämpfen, und die Ar- beiterklasse wird die paar Schutzbestimmungen nicht mit der durch die unerhörtesten Strafbestimmungen bedingten Vernichtung des Koalitionsrechtes bezahlen. Redner wird für den Antrag Hirsch-Gutfleisch stiinmen, der den jetzigen Zustand im Wesentlichen belasse, denselben sogar etwas verbessere; den sozialdemokratischen Antrag anlangend, der, wie der Redner wisse, keine Aussicht auf Annahme habe— meint Redner, derselbe sei gestellt worden, um auszudrücken, daß wenn Jemand Schutz verdiene, es einzig und allein die Arbeiter seien und niemals die Unternehmer. Die französische Kammer habe eine ähnliche Bestiminung angenommen und dem brutalen, meist noch durch die Rechtsprechung geschützten Vorgehen der Unternehmer müsse durch eine Strafbestimmung ein Riegel vor- geschoben werden. Redner bittet um Ablehnung der Regierungsvorlage, in der er eine so einseitige und krasse Vertretung der Unter- nehmerinteressen erblickt, daß er unmöglich begreifen kann, wie bei dem Geist, von welchem die Vor- läge sonst geleitet ist, eine derartige unerhörte Bestimmung Auf- nähme finden konnte; wenn der sozialdemokratische Antrag abgelehnt wird, so werde Redner für den Antrag Hirsch-Gutfleisch stimmen. Regierungskommissar Geheimrath Hoffmann ergeht sich in längeren juristischen Ausführungen und verwahrt die Gerichte gegen die von Bebel erhobenen Vorwürfe. Der Antrag Hirsch- Gutfleisch scheine über das Bedllrfniß hinauszugehen; die Re- gierungsvorlage sei zweckmäßig und zur Verhinderung der Aus- schreitungen im öffentlichen Interesse nothwendig. Abg. Dr. Hirsch tritt der Auffassung entgegen, als ob die Arbeiter in schroffer und ungesetzlicher Weise in den Lohnkämpfen auftreten, im Gegentheil seien es vielfach die Unternehmer, welche durch ihr herrisches Wesen die Unterhandlungen schädigen und eine Verständigung vereiteln. Die Vorlage lasse jede Be- gründung der Rothwendigkeit für die Strafverschärfung vermissen. Die Regierung hätte nachweisen müssen, daß die bestehenden Strafvorschriften nicht ausreichen; das ist aber nicht geschehen. Der Redner glaubt, daß es von der Entscheidung über§ 153 abhängen wird, ob die Arbeiter Vertrauen zu den gemachten Versicherungen haben werden oder nicht, und spricht sich sehr entschieden dagegen aus, den Arbeitern das Koalitionsrecht zu verkümmern. Das sei aber die unausbleibliche Folge, wenn die Regierungsvorlage angenommen würde. Der Redner empfiehlt den von ihm und Gutfleisch gestellten Antrag und bittet im Interesse der friedlichen Entwickelung und sozialen Gerechtigkeit um Ablehnung der Regierungsvorlage. Die Abgg. Hitze und Genossen beantragen eine Reso- lution, wonach die Regierung aufgefordert wird, baldigst einen Gesetzentwurf vorzulegen. durch den Normativbestimmungen für die berufliche Vereinigung der Arbeiter und Arbeitgeber erlassen werden. Abg. Hitze erklärt sich gegen die Regierungsvorlage, welche nach seiner Ansicht über das Bedürfniß hinausgreife; der Er- Weiterung, wie der Antrag Hirsch es wolle, stehe er sympathisch gegenüber; er werde für die Belassung des jetzigen Rechtszustandes eintreten; dagegen empfiehlt er die von ihm beantragte Reso- lution, welche die gesetzliche Regelung der in Frage stehenden Verhältnisse vorbereiten solle. Hierauf vertagt sich, in Rücksicht auf die Hofseierlichkeit, zu welcher der Vorsitzende befohlen ist, die Kommission bis Morgen Vormittag 10 Uhr. „Sittlicher Verderb." Wir erhalten aus L e i p z i g nachstehende Erklärung: Nationalliberaler Verein für das Königreich! Sachsen. Leipzig, den 17. November 1890. An die Redaktion des„Berliner Volksblatt" zu Berlin. „Mit Bezug auf den Artikel unter der Ueberschrift „Sittlicher Verderb", in der letzten F�itagsnummer des„Verl. Volksbl.", ersuche ich Sie in meiner Eigen- schaft als Vorstand des Nationalliberalen Vereins für das Königreich Sachsen(des einzigen, welcher hier seinen Sitz hat) auf Grund von§ 11 des Preßgesetzes, um Ausnahme der berichtigenden Erklärung, daß die vormaligen Dircktoten der Diskontogesell- schaft, Jerusalem und W i n k e l m a n it, zu keiner Zeit dem Nationalliberalen Verein für das Königreich Sachsen angehört haben. Hochachtungsvoll Dr. Gensel." Wenn wir als anständige Journalisten ims nicht zur Aufnahme dieser Erklärung verpflichtet gehalten hätten, würde die Berufung aus das Preßgesetz uns nimmermehr zur Ausnahme bewogen haben, denn die Erklärung berichtigt etwas, was wir nicht gesagt haben. Wir haben die fierren Jerusalem und Winkelmann National- iberale genannt, nicht aber gesagt, daß sie Mitglieder des„Nationalliberalen Vereins für das Königreich Sachsen" gewesen seien. Und Nationalliberale, d. h. Mitglieder der nationalliberalen Partei sind diese „Millionendiebe" allerdings gewesen, und der Ueberlebende der Beiden ist's unseres Wissens auch noch heute. Wie sich aber hervorragende Geister der nationalliberalen Partei um diese Millionendiebe bemüht haben, z. B. als es galt, den Millionendiebstahl nicht am Tage der gerade fälligen Landtags wähl in Leipzig bekannt werden zu lassen und den Millionendieben einen hübschen V o r s p r n n g zu sichern— davon werden wir vielleicht noch Gelegenheit haben, zu reden. Im Uebrigen halten wir selbstverständlich Alles ausrecht, was wir in unserer Notiz über den„sittlichen Verderb" gesagt haben. Pfui! In der„Freisinnigen Zeitung" des Herrn Richter lesen wir: „DieSozialdemokraten hetzen jetzt im Ruhr- revier zu einem Streik der Bergarbeiter auf, welcher nur mit der vollständigen Niederlage derselben endigen kann. Um so empörender ist der Artikel in dem sozialdemo- kratischen Organ der rheinisch- westfälischen Bergarbeiter, in welchem unter der Ueberschrift„Streik in Aussicht" von der herzlosen Ausbeutung des Unternehmerthums, gesteigert durch den krassen Egoismus des sog. Bürgerthums, Besitzer der Wohnungen und Kaufleute, die Rede ist. Es heißt in dem Aufruf auch, die Kohle sei Nationaleigenthum, und dem Berg- mann gebühre die Ausbeute, nicht dem Kapital. Der mann wolle unabhängig vom Bann und der Wiflkur° Beamten werden. Das Maß sei voll, aber noch sei e- d"' durch Erhöhung der Löhne und menschlichere Behandlung o drohenden sozialen Erschütterung vorzubeugen.— Das rst ei» Proklamation, noch verrückter als das Programm des soz>», demokratischen Zukunftsstaats. Denn wenn die Kohle wirrnq Nationaleigenthum wäre, so würde doch nicht blas dem-ossg' mann die Ausbeute gebühren, sondern die ganze Nation ha das Recht, möglichst billige Kohlen zu verlangen. Noch unlaNM wurde in sozialdemokratischen Organen es als eine Lächerlich» bezeichnet, sich die Verwirklichung des sozialdemokratischen Ps. gramms so zu denken, daß die Arbeiter in einer bestimnue Industrie den Arbeitsertrag dieses einzelnen Jndnsw� zweiges verlangen könnten. Dabei würden za die Arbeiter Industriezweigen mit großen Kapitalsanlagen ungeheuer> Vortheil sein vor denjenigen Industriezweigen, für welche n geringe Kapitalsanlagen erforderlich sind." Das Denunziatorische der Notiz wird durch die 0� lnngene Ausstellung von Unwissenheit, welche damit verbunden wird, in keiner Weise gemildert.— Herr Richter ist durch unsere Frage betreffend die 6 Millionen des Hrn. Krupp so aus dem Häuschen Sr rathen, daß er aus ihr s e i n e„Irrlehre" von der �' theilung des Arbeitsertrags herauslesen will, urw 0 reductio ad absurdum seines famosen Theilerei- Reche cxempels gar nicht bemerkt.— Mevevstchk. Maurer Serlins! Wiederholt haben wir die Bitte an Euch gerichtet, durch Erhaltung und Schaffung einer g"»» Organisation Euch gegenseitig zu unterstützen, das Band ver Solidarität fester zu knüpfen.. Helft Eure arbeitslosen Kollegen in Arbeit zu bringen. Durq Karte könnt Ihr uns benachrichtigen, wo vielleicht Kollegen«n- gestellt werden. Viele Kollegen kommen täglich nach dem Verkehr� lokal und bedauern, daß Ihr in dieser Beziehung so 0»'�' giltig seid. Ferner bitten wir Euch, die Sammlungen zum Reservefon°s fortzuführen; Ihr wißt, vielerorts liegen unsere Arbeits bruder in» Streik um bessere Lohn- und Arbeitsbedingungen, denen MuM" wir helfen. Viele müssen wir wegen Maßregelung unterstütz�' viele schmachten für ihr thatkräfttges Eintreten für unsere SaV im Gefängniß; große Anforderungen werden an uns geM Sammelt, damit wir Helsen können. Die Adressen der Ausschuß. Mitglieder, an welche Ihr Euch in gewerblichen Streitfrage» wegen Rechtsschutzes zu wenden habt, sind folgende: Franz Schulze, Nöstizstr. 16. Hermann Krieg, Franseckistr. 12, Quergeb. 2 Tr. Albert Sydow, Fürstenbergerstr. 10, Hos 3 Tr. Hermann Legeler, Kreuzbergstr. 77, Hof im Keller. Hermann Jänsch, Münchebergerstr. 14, v. 3 Tr. -ver Vorstand der Freien Vereinigung der Maurer Berlin» und Umgegend. A.: Julius Wernau, Zionskirchplatz 2, 3 Tr. Maler. In Wernigerode und Dessau sind die wegen ihrer Zugehörigkeit zur Vereinigung bereits seit 3 2SWL gemaßregelt. Zuzug ist fern ,u halten. Dieselbe Nachricht tnü soeben aus Itzehoe ein.— In Wernigerode verweigerten dortigen Rechtsanwälte einen Prozeß der Malerfiliale zu W* dieselbe» meinten, die Filiale sozialdemokraty� weil, wie Tendenzen huldige. Kommentar überflüssig. a» Anfragen Geldsendungen'betreffs der drei obigen Städte stv W. Schweitzer, Berlin— Rixdorf, Prinz Handjerristraße richten. Die Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. Theater. Donnerstag, den 20. N o v b r. Vpernhau». Theätri pars. Das Nachtlager von Granada. Coppelia. Schauspielhaus. Wilhelm Tell. zessing-Theater. Sodoms Ende. Jeeliner Theater. Kean. eutschea Theater. Mein Leopold. triedrich-MilhelmItädt. Theater. Königsgardist. Sonne und Erde. Wallner- Theater. Pension Schöller. Der dritte Kopf.> Restden?- Theater. Familie Mou- linard. Viktoria- Theater. Die Million. Kelleallianre- Theater. Mamsell' Nitouche. «fteud-Theater. DerarmeJonathan. Thomas- Theater. Der Raub der Sabinerinnen. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kaufmann'» UaristS. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Ueichshallen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Tonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Eedr. Richter'» Uaristö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27c. Franka Scholz, Kostüm-Soubrette. Geschw. Wildenfels, Gesangs- Duettisten. Richard Gersdorf, Sächsischer Gesangs-Humorist. Adolf Gödicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charakter-Komiker. Truppe Blumenfeld, Parterre- Gymnastiker, Ballet und Tanzseil- künstler. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5Ve Uhr. Enttee Wochentags u. Sonntags 30 Pf. 60 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Nur I Mark. Klagen, Eingaben, Rath in Prozessen, Einziehung von Forderungen. 580 Pollak, jetzt Georgenkirchstr. 24, 11 Das gr. Lager Berlins Andrrasstr.AZ.Hpt Circus Renz. Karlstrape. Donnerstag, den SO. Povember, SMir Abends 7 Ohr:-ML Deutsche Turner. 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Täglich: Grosses Concert mit Enartett-Siingerm ausgeführt von dem Musik- Direktor H. Sanftleben. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entrde 20 Pf. Empfehle auch zugleich 3 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. 703 F. Sodtke. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-User. Donnerstag, den SO. Ponemder, Abend« 7Ve Uhr: Große Ertra-VochellllH. Besonders hervorzuheben: 1. Gastspiel der auf der Durchreise nach London sich befindenden großartigen Drahtseil- künstler Mr. Läng slow«nd Miss Clemens in ihren sensationellen Leistungen auf dem doppelten Draht- seil. Zum Schluß trägt Mr. Längslow Miß Clemens auf dem Draht über die Manege ohne Balanzirstange.(Nur 8tägiges Gastspiel.) Auf viel- seitiges Verlangen z. 2. Male: Puppentee, irische Stute, in kurzer Zeit für die hohe Schule dressirt und geritten von Herrn Ernst Schumann. Römischer Cäsarenritt mit 12 Pferden, geritten von 4 Damen und 4 Herren. 2 Athleten, dargestellt von den Herren Max Schu- mann und Melas. BM- Original- Clown Duroff. MG Mr. Loyal, anerkannt bester Jockey. 12 Hengste in Freiheit vorgeführt von Herrn Max. Komisches Entree des Cloivn Tanti. Albert, Trakehner Fuchs- Hengst, in neuer Weis« für die hohe Schule dressirt und geritten von Frl. Adele. Austreten des deutschen Original- Sprechclown B i m b o. Austreten der kühnen Parforce- Reiterin Miß Edith Adam. Großes Ballet- Potpourri von 20 Damen. Morgen: Gr. Vorstellung mit neuem Programm. Passage-Panopticum. Unter den Linden 22/23.[742] Lebensgroße Panoramen. Dioramen. Ethnographische Sammlungen. Italienische Polksjanger. Entree 50 Pf. Geöffnet von 10 bis 9 Uhr. Zimmerleute Berlins u. ümfl' Große öffentliche Versammlung_ am Donnerstag, den 20. Nov., Abends 8 Uhr, in Gratmeil« DierV" Kommandantenstraße 77—79. Tages-Ordnung: 1. Wie stellen sich die Zimmerer zu den Befcy des Parteitags, betreffs der Organisation? Referent: Redakteur H o h' 2. Bericht der Delegirten der Berliner Ctreik-Kontrolkommission. 3. Verschtr Pflicht eines jeden Zimmerers ist es, zu erscheinen. 538 Der Einberufe"' Fachverein d. Steindrucker u. Lithograph# _ Heute, Abends 8 Uhr: Versammlung bei Feuerstein, Alte Ialrobstraße|lr, 75, Tages-Ordnung. 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht und Neuwahl der Unterst kommission. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht__„ 601 Der Porstand- � NB. Es wird gebeten, den Betrag der„Graphischen Presse" in sammlung an Friedewald zu entrichten. Achtung Malers,, Das Pereinslokal der Filiale 5 Kerlin-It. der M» t � � vrrm. Kerufsgenosten befindet stch jetzt Restaurant Raabe, Ruppinerstr. 46, part. 587 Di- KevoUmiichtigt»� Etickißement Buggenliagen am Moritzplatz. _ Täglich: gSp" Grosses Concert."HWU Direktion A. Rädmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. tfnfrua Wochentags 10 Pfg., Eillll cc gönn- und Festtags 25 Pfg. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Payeuhvser Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641 F. Müller. Dr. Hoesch, Homöopath. Arzt, Artilleriestr. 27. 8-10, 5-7, Sonnt. 8-10. Spiegel und . Polsterwaaren, eigener Gr. Lager, bill. Preise Fabrik. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hos. parterre. | Theilzahlung nach Uebereinkunst. Winter-Ualetot� nnh Anzüge. bei billigste» Preis empfiehlt das bekannte Herren- nui> Knaben/ Carilerabe- GestH Julius Lindenbauf Große FranKfurterstr � S p ez, a l i t ä t: An fertigung Maaß und Arbeitssache"�? (Kitte genau anf Fir«n� st Hausnummer?» achte' � Verantwortlicher Redakteur: Curt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Schulden � i»"' 595] Zimmer's Institut, Hier»« eine I Beilage zum Berliner Volts Ur. 271, Donnerstag, den 20, November 1890. 7, Jahrg. Zttr Charakteristik unserer Gegner. IV. _ Ein feines Kollegium. Zentralorgan der antisemitischen Hetzdemagogen— und a"bn amtlichesOrgan der sächsischenRegierung— die„Leipziger & ,1« 8"' brachte vor Kurzem eine redaktionelle Notiz, in welcher unkt' eohem Geschimpf Liebknecht für inkonsequent und denk- a? � erklärte— und weshalb? weil derselbe sich in Halle tnit e" ben Lassalle'schen Vorschlag vvn Produktiv-Genossenschaften «taatskredit und später in einer Berliner Versammlung w, genossenschaftliche Produktion erklärt hatte. Das mit seiner � Nchastlichkeit sich brüstende Leibblatt aller reaktionären Ele- wird rl®. c. Sachsen erblickt einen Widerspruch hierin. Es L.t l'ch vielleicht von einem seiner Setzerlehrlinge darüber m.jM" lassen, daß ein Unterschied ist zwischen einer vk, 1. u?n Produktiv- Genossenschaften, die— gleichviel hj.,!?der ohne Staatskrcdit— in die kapitalistische Produktion fiHifk®8''* werden, nni, während dieselbe fortbesteht und fort- k.j.sMri' wenigstens einem Theil der Bevölkerung die Vortheile »I-''Mcher Produktion zu gewähren— und zwischen der ge- Snulr-a � �n Organisation der Gesammt-Jndustrie, wie sie der erheischt. Und Menschen, die von den einfachsten wi?. iT Sozialdemokratie ebenso wenig einen Begriff haben, über y11 m" der Logik, erdreisten sich, von oben herunter ster m. Weltanschauung aburtheilen zu wollen, deren bescheiden- «firn� Äer aus der Slrbeiterklasse im Stande ist, sie in jedem �"chen Redekampf auf den Sand zu setzen!- feifH der deutsche Polizei-Reaktionär seine Orgien bans am �AeUich der„A n a r ch i st" nicht weit weg. Der Bajazzo � lmt.0fJ'st über den Halle'schen Kongreß ganz toll geworden iin Q.'r" ber letzten Nummer der„F r e i h e i t" schließt er einen Artik?/- deutschen Vollblut-Ordnungsparteiler gehaltenen "»nt den Worten: «Ist denn aber wirklich Alles hoffnungslos ver- toren? Sollte Deutschland gar keine Männer mehr aufzuweisen haben? Sollte es wirklich nur noch Michel geben? Hat denn nicht die Wiege unseres wackeren Louis i-'ngg in Deutschland gestanden? War nicht August Reinsdorf ein Deutscher? Und A d o l f L i es k e?—" her'JP• Wenn Hans Most nicht unter dem Bett oder hinter Haft an-w stockt, dann ist er in der That fürchterlich— spaß- üop' Wie wollen wünschen, daß er nicht vor Schreck über seine das, �lutd-ürstigkeit in Ohnmacht gefallen, ist. Sonderbar ist, dstsj;"'cht selber den Lieske spielen will. Apropos, wenn 1�'. Y bCUl rtitfovffofitm fMnnfo tniirho»nnfrv- Grab auferstehen könnte, würde wahr sein erster Gedanke sein, nach New-Aork zu tein � den traurigen Kameraden, der ihn aus baen'I Renoni misterei verrathen hat, so zu züch- gebl>n" �'H'" Hören und Sehen und vielleicht noch mehr ver- wurde. iSu° N' wird sich erinnern, daß, während die Ankläger und sder'�le's über seine Schuld keineswegs im Reinen waren de» g�aatsanwalt Frehse hatte solche Gewissensbisse, daß er keiti»* verlor und im Irrenhaus endigte), Haus Most in * iheit" schrieb, Lieske s ei mit der Ermordung toab» f s' s beauftragt worden— was obendrein un- glant von Hans Most blos erfunden war, um die Welt svix- t- ü" machen, er habe Männer wie Lieske an jeder Finger- s° hangen. noch Eins. Hans Most thut entrüstet über das Lj.t, �""knecht's:„Jeder Dummkopf kann eine Bombe werfen." der dabei allerdings an Hans Most gedacht haben abe? T Vicht als Bombe» schleuderer(das ist zu gefährlich), als Bomben s ch w a d r o u e u r—, hätte zu dem A.. nnrh pin CrhTimmprpS fpfepn können. Weiß l!N t l! ch Kanz sw®?] stoch ein schlimmeres Wort setzen können.' Weiß Häg SSnmt v'cht, daß die Ehikagoer Anarchisten s ä m m t l i ch �omvenwerfen geleugnet habe n, daß auch thatsächlich K: - Bombe ge- und jeglichen Kapitalismus so un- einem notorischen allen P o l j'verthvolle Bombe von............... % f P'tzel geworfen worden ist, wie....... %r\n v Vorgängen nur einigermaßen Vertrauten bekannt ist? Ittb w V der Hans Most ein sehr kurzes Gedächtniß haben. SWtet s? t�Pa auch vergessen, daß P o w d e r l y, der Groß- . apitnu?»Ordens der Älrbeitsritter",— wenn es gegen den qpitalm1?� grht sicherlich ein unverdächtiger Zeuge,— die � vstche Geheimpolizei(die„Pinkerton-Leule") öffentlich, Ken höchsten FinnnzKreisen. Stiin So2 ovf4o»» Trti»hn«pr der Melt- �nil��m�surz des ersten londoner Bankhauses, der Welt »ststag Brothers it. Co., liefert einen lehrreichen Zebterpss«.. P!'- che» Sturm zu beschwören, damit ihre eigenen — t..... X.'/i Kteress°„".Pa-®e" ötitrm zu üe|ct)i»oren, oamu lyic cmi-ncu wrina m„."!chs, Gefahr laufen. Ein Jahrhundert lang hat die a�so i,ni mit Neid auf die wachsenden Erfolge der �'Urre»,?!"®a, als kühnen und unternehmungslustigen ,°ch den �,'"a?.Baring Brothers, gesehen. Machte dieses Haus «achtiag.,, �sch'ld's die denkbar größte Konkurrenz. Von den Kdten der Welt, die im Auslande Schulden machen herab zu den kleinen interessanten Völkerschaften V'st de?£'"e alle pilgerten nach der Themsestadt, um an der IrPon � Hauses Baring Brothers anzuklopfen. In China, 5° der m Natal, Montivideo, Uruguay, und Argentinien, tl1 des~me Rothschild kaunr gekannt ist, da hatte r?®." ein» Hauses Baring Brothers seit Jahrzehnten lachten. LUten Klang. So oft auch die Rothschild's t»'lNaen'. s"' diese ureigenste Domäne der Baring's rill- ,-j' hsrr hatte ihre Macht eine Grenze. In diese Sphäre »isschäst. t"'cht eintreten. Sie mußten sich schon begnügen, die «.cht dj» x??' europäischen Staaten zu besorgen, die ihnen freilich «vlNopr in h»r M»is>> mpranlhen konnten, wie es die den V4>y V•> w*V*V»»V ,» QW v|"' X)---'' Mit.... der Rothschild's Vau»"Mmgen interessanten Kleinstaaten Sudar ?Pch in x Phaten. Daß trotzdem die Thätigkeit ##### �Das" Ausscheiden unter Beibringung von Beweisstücken, d e r A n st i f t u n g von Bomben-Attentateu und anderen Gewaltthätigkeiten anklagte, ohne daß seitens der so schwer Beschuldigten auch nur ein Versuch zu ihrer Entlastung gemacht worden wäre? Und damit verabschieden wir Herrn Hans Most— der sich in Gesellschaft der„Leipziger Zeitung", die ihm— im Vorbei- gehen bemerkt— schon manche nichtironische Zärtlichkeit gesagt hat, hoffentlich wohl fühlen wird. Zum Schluß wollen wir ihm noch einen guten Rath geben: Wenn die Arbeiterbewegung in Amerika sich von dem Rück- schlag der Bombenpolitik etwas erholt hat, dann lasse er hübsch elegant ein paar Bomben werfen— jedoch mit der nöthigen Vorsicht, sonst könnte es ihm an den Hals gehen!— und er wird um das Papier und den Druck seiner„Freiheit" nie in Ver legenheit kommen. Die amerikanischen Bourgeois werden ihm ihre Dankbarkeit gewiß nobel bezeigen. Als drittes Blatt in dem seinen Kollegium— tres faciunt collegium— oder Trifolium, wollen wir noch die„Weser- Zeitung", neben ihre zwei würdigen Schwestern:„Leipziger Zeitung" und„Freiheit" hinstellen. Sie entwickelt in einem sehr gelehrt austretenden Leitartikel, die Sozialdemokratie habe durch Preisgebung des ehernen Lohngesetzes die Grundlage ihrer festen Stellung aufgegeben, gewissermaßen Bresche geschossen in ihre eigene Position. Vielleicht nimmt die„Weser-Zeitung" sich einmal die Mühe, einen der hunderte von Artikeln durchzulesen, welche die offiziöse Presse seit Jahren fabrikmäßig angefertigt hat, um der Welt zu beweisen, daß L a s s a l l e(mit seinem ehernen Lohngesetz) noch erträglich gewesen sei— wohingegen der döse Marx, als durch und durch revolutionär, mit Haut und Haar verworfen werden müßte. Und jetzt soll's auf einmal umg'ekehrt sein!! Der Artikel der„Weser-Zeitung" ist so klassisch albern und von einer so riesigen, fast„genialen" Unwissenheit, daß er wohl, gleich dem früheren Artikel desselben Blattes über das eherne Lohngesetz, demnächst von dem„Hannoverschen Kourier", dem Organ des ewigen Znknnftsstaatsmannes Bennigsen, abge- druckt werden wird. McmmmnÄleS. Zwei dringliche Anträge sind an die Stadtverordneten- Versammlung gerichtet worden. Der erste von den Stadtverord- neten Hellriegel und Genossen eingebrachte Antrag lautet: „Die Versammlung wolle beschließen, Herrn Professor Dr. Robert Koch das Ehrenbürgerrecht der Stadt Berlin zu verleihen und den Magistrat zu ersuchen, diesem An- trage beizutreten. Wir bitten um Verhandlung in öffent- licher Sitzung." Der zweite von den Stadtv. Meyer I und Genossen ein- gebrachte Antrag lautet: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, dem um die Menschheit und vorzugsweise um unsere Stadt hoch- verdienten Forscher Herrn Professor Dr. Robert Koch zur Fertigstellung der ihm vom Staat zugesicherten Klinik die- jenigen Räume, deren er zur Förderung seiner neuesten Entdeckung bedarf, möglichst sofort zur Verfügung zu stellen und den bezüglich der Aufnahme von Kranken und sonst von ihm etwa zu stellenden Bedingungen ohne Rücksicht ans die bisherige Verwaltnngspraxis des Magistrats statt- zugeben. Die Versammlung stellt alle zu obigem Zweck erforderlichen Mittel zur Verfügung des Magistrats. Be- züglich der geschäftlichen Behandlung dieses Antrages bean- tragen wir: 1. denselben als dringlichen vor der Tagesordnung zu erledigen, 2. denselben durch einen vom Vorstand sofort zu er- nennenden Ausschuß von 10 Personen vorberathen zu lassen und dem Ausschuß aufzugeben, noch in derselben Sitzung Bericht zu erstatten. ItokÄlles. Zur Krtliimpfung der Kazinldemokrntie durch die Schule. Die geplante Nutzbarmachung des Schulunterrichtes für die Bekämpfung der Sozialdemokratie ist von tief ein- schneidender Bedeutung für die Zukunft der Lehrer sowohl der niederen als auch der höheren Lehranstalten. Die Seminaristen dieses Hauses aus der Reihe der machtgebietenden Finanziers und Mitbewerber um große Finanzoperationen wird also Nie- mand auf der Welt mit mehr Genugthuung begrüßen als die Firma Rothschild, der nunmehr das Haupterbe der Gestürzten zufällt.— Jndeß trotzdem befindet sich auch das Haus„Roth- schild" an der Spitze derjenigen Firmen, welche einen Garantie- fonds zur möglichst glatten Abwickelung der Hinterlassenschaft ves Hauses Baring Brothers geschaffen haben. Die unversöhn- lichsten Gegensätze gehen hier Arm in Arm denselben Weg. An- aesichts des geschehenen Unglücks besinnt sich das Kapital auf die Interessengemeinschaft und wird— einig. Freilich hat diese Einmüthigkeit des Zusammengehens in der Hilfsaktion mit dem Hause Baring für die Mehrzahl der garan- tirenden Firmen noch einen anderen Hintergrund. Es ist die nahende Gefahr. Stürzt das Haus Baring in demselben Sinne, wie etwa jedes Waarenhaus zusammenbricht, dann muß eine un- geheuere Entwerthung der Besttzthümer auch der anderen Firmen von der Hochfinanz eintreten, was wieder den Fall unzähliger kleinerer Känfer nach sich zieht. Der Selbsterhaltungstrieb ist es also, welcher in dem Moment der Roth das Kapital einmüthig zusammenführt. In gewissem Sinne trifft dies auch von der Bank os England und von Rothschild zu, obschon dieselben so erhaben dastehen, daß es hier nicht angebracht wäre, von Selbst- erhaltungstrieb zu sprechen. Dafür aber blüht ihnen aus ihrer Rettungsthat reicher Lohn. Erstens verlangsamen sie durch ihre Hilfsbereitschaft den Gang der schweren Krise und das liegt in ihrem Interesse, da ihr Besitz immerhin mit der allgemeinen Gestaltung der Wirth- schafts- und Handelsverhältniffe eng verknüpft ist, und ferner werden die Garantirenden aus der ganzen Angelegenheit mit neuen Triumphen und großen Gewinnen hervorgehen. Sie werden sich schon schadlos halten für ihre Unterstützung, die sie der noth- leidenden.Firma angedeihen lassen. Es wird auch Niemand etwas Anstößiges daran finden, wenn sie soviel wie möglich für sich herausschlagen. Das ist so Gebrauch. Man schätzte das Ver- mögen der Firma„Baring, Brothers u. Ko." zu Beginn des Jahres auf 300 Millionen Mark. Nach Beendigung der Hilss- aktion wird es auf 50 Millionen Mark taxirt. Das sind im besten Fall die Trümmer, welche für das Haus übrig bleiben, etwa der Betrag, den es in zwei Jahren zu verdienen pflegte. Allaemein ist die Anschauung verbreitet, daß der russische sollen durch eine besondere Unterweisung in den elementaren Grundsätzen der Volkswirthschaft befähigt werden,„in ihrer späteren Amtsthätigkeit ihre Schüler vor den Einflüssen sozial- demokratischer Irrlehren.und Entstellungen zu bewahren." Was werden nun aber Diejenigen thun, welche nicht zu der Ueberzeugung gelangen können, daß die sozialdemo- kratischen Lehreil„Irrlehren" sind? Wird man sie davon dispensiren,„ihre Schüler vor den Einflüssen sozial- demokratischer Irrlehren zu bewahren", oder wird man verlangen, daß sie ihre Ueberzeugung verleugnen und das Gegentheil von dem lehren, was ihrer Ansicht nach„wahr, wirklich und in der Welt möglich ist"? Wenn man die Vorschläge des Staats- Ministeriums zur Ausführung der die Schulreform betreffenden Kabinetsordre liest, dann gewinnt man nicht den Eindruck, als ob es einem Lehrer gestattet sein wird, in Sachen der Volkswirth- schaft, der vaterländischen Geschichte und der Religion feine eigene Meinung zu haben. Es scheint, daß die preußische Lehrerschaft einer Aera der Disziplinaruntersuchungen und Maßregelungen entgegen- geht, wie sie so schlimm noch nichtdagewesen. DieFolgewird sein, baß Diejenigen, welche charaktervoll genug sind, ihre Existenz ihrer Ueber- zeugung zu opfern, aus dem Lehrerstande ausscheiden, sodaß die Füg- samen das Feld behaupten. In den Seminarien wird ein Ge- schlecht von Heuchlern und Kriechern herangebildet werde», und eine solche Lehrerschaft soll dann berufen sein, die kommende Generation zu Charakteren zu erziehen! Das nächste Ergebniß dieser„Schulreform" wird sein, daß eine große Zahl zunger Lehrer, die bisher vergeblich auf Anstellung gewartet haben, end- giltig auf die pädagogische Karriere verzichtet und ihre Kraft in den Dienst der Sozialdemokratie stellt, der ein beträchtlicher Theil schon längst im Stillen angehört. Welche Wirkung die Warnung vor den sozialdemokratischen „Irrlehren" auf die Schuljugend haben wird, läßt sich noch nicht bestimmt voraussehen. Soviel aber ist sicher, daß die Regierung den gehofften Erfolg nicht erreichen wird. Der Einfluß der Schule wird stark überschätzt. Wenn er wirklich so groß wäre, dann hätte es sich längst auf einem anderen Gebiete, in der Pflege der Frömmigkeit, zeigen müssen. Trotz alles Religionsunterrichtes sind schon in der Jugend die meisten der Kirche entfremdet, und für viele ist der Konfirmationstag zugleich der Tag ihres letzten Kirchenbesuches. Außerdem stehen dem Worte des Lehrers, der seine Schulkinder vor sozialdemokratischen„Irrlehren" warnt, der Einfluß der Eltern, die eigene Erkenntniß und, was das Wichtigste ist, die Roth gegenüber, die ihn sehr bald zu besserer Einsicht bringen werden. Vielleicht wird die geplante Aenderung der Schullehrpläne sogar mit dazu bei- tragen, die Jugend rechtzeitig zu dieser besseren Einsicht gelangen zu lassen, und auf diese Weise gerade das Gegentheil von dem, was beahsichtigt wird, erzielen. Es ist ein altes Gesetz, daß die Verheimlichung Neugier und das Verbot die Begierde erweckt. Nach der biblischen Sage aß das erste Menschenpaar vom Baum der Erkenntniß, weil es davor gewarnt worden war. So wird hoffentlich auch diese„geistige Waffe", die als Ersatz für das Ausnahmegesetz dienen soll, nur die Sozialdemokratie fördern, und die Reaktion wird auch diesmal wieder zeigen, daß sie ein Theil von jener Kraft.ist, die stets das Böse will und stets das Gute schafft." D,»h der Freistnn bei der Pottzei in die geht. wenn es sich darum handelt, die verhaßten Sozialdemokraten zu bekämpfen, das ist zwar für die politffche Stellung, welche diese echt demokratische Partei stets vertreten hat, bezeichnend, aber es ist uns leider nicht neu. Nur ist es immer erfreulich, wenn man den Fuchs Freisinn einmal in flagranti auf fauler Fährte er-. tappt. Und wirklich, es ist der ganze Meister Reinecke; gerade dieselbe Verstellungskunst, gerade dieselbe Scheinheiligkeit, wie der gefürchtete Geflügelspitzbube, offenbart Mosjö Freisinn. Hier eins seiner neuesten Kunststücke: Zu Sonntag, den 9. d. M., Nach- mittags 3 Uhr, war eine öffentliche Volksversammlung nach dem Thiel'schen Etablissement zu Sagau einberufen, in welcher Stadt- verordneter Zubeil-Berlin über die Lage der arbeitenden Klassen und die Bestrebungen und Ziele der Sozialdemokratie sprechen sollte. Die Versamnilung war öffentlich bekannt gemacht, über das Lokal Vereinbarungen getroffen und somit Alles in schönster Ordnung. Da erscheint plötzlich wenige Tage vor der festgesetzten Versamm- lung folgendes Plakat an den Straßenecken der guten Stadt Sagau: R. Thiel, Borggasse 3. Meine Lokalitäten sind am 9. d. Mts. Nachmittags als Versammlungsräume nur dem hiesigen deutschfreisinnigen Arbeiterverein geöffnet, anderen politischen Versammlungen geschlossen. Richard Thiel.— Gedruckt war das Plakat bei P. Mertsching in Sagau, und zwar auf einem drei- farbigen Papier, das blau, roth und gelb gestreift war. Das war natürlich nicht nur auffallend, sondern auch geistreich, denn Finanzminister die Veranlassung zur Katastrophe gegeben habe. Das ist nur theilweise richtig. Es ist wahr, die riskanten Ge- sckäfte, welche die Firma in letzter Zeit mit Argentinien und Uruguay machte, und zwar zu einer Zeit, als der argentinische Kredit schon recht fragwürdig geworden war, haben dem rufst- scheu Finanzminister den Gedanken nahegelegt, seine Guthaben könnten doch nicht mehr sicher genug bei den Barings stehen. Als diese bei den Buenos-Ayres-Wasserwerken eine Verpflichtung von 200 Millionen übernahmen, zog Herr Wyschnegradski das Guthaben der russischen Regierung schon theilweise zurück und gab es den Rothschilds. Es ist auch richtig, daß jetzt neuerdings die Einforderung des Restguthabens der russischen Regierung von 80 Millionen Mark den unmittelbaren Anlaß zu dem Zusammen- bruch der Firma gab. Dies Alles aber hätte wohl nicht den Sturz der Firma her- beiführen können, die einen Kredit besaß, wie von ihr noch kein zweites Haus, wenn nicht zu gleicher Zeit in New-Aork der berüchtigte Jay Gould soeben von einem seiner Raubzüge heimgekehrt wäre. Dieser Gentleman unternimmt seine Plün- derungssahrten jedes Jahr. Er verschmäht es nicht, seinen Freunden gelegentlich die Millionen wieder abzuschwindeln, die sie sich selber zusammengeschwindelt haben. Er hatte einen Streif- zng beendet, von dem er sich öffentlich rühmt, daß er durch Ver- breitung falscher Nachrichten seinerseits nur möglich war. So gründlich hatte er das Feld abgegrast, daß er nicht allein 30 Millio- neu Dollars gleich 120 Millionen Mark dabei einheimste, sondern auch den Kredit im ganzen Lande so stark erschüttert hatte, daß selbst die„besten Werths" unverkäuflich wurden. Da die Firmen Baring Brothers u. Eo. Riesenengagements in amerikanischen Werthen und Eisenbahn-Aktien hatte, die ihr unter solchen Um- ständen unverkäuflich gemacht wurden, sah sie sich von allen Seiten hart bedrängt und fallirte. Es hat für uns stets etwas Erhebendes, wenn sich die Kapi- talisten gegenseitig auffressen. Der Stärkste bleibt übrig. Die Akkumulation deS Kapitals beschleunigt sich, und schließlich stehen den wenigen Rieseneignern diesseits und jenseits des Ozeans die hungernden Millionen des Volkes gegenüber, organisirt, kampfbereit und entschlossen, dem Widersinn ein Ende zu machen. der gewiß arg draugsalirte Saalbesitzer konnte sich eben nicht für eine bestimmte Farbe entscheiden und, um niemandem wehe zu khun, nahm er wenigstens Papier, das alle Farben vereinigte. Etwas ziel- bewußter scheinHerr P. Mertsching zu Werke gegangen zu sein. Erist Redakteur, Verleger und Drucker des freisinnigen„Saganer Wochenblatt", das ein bezahltes Inserat über jene Versammlung veröffentlichte, und später druckte Herr Mertsching die blauroth- gelben Plakate. Ganz natürlich: Erst das Geschäft und dann— der Freisinn! Wie würde wohl Eugen Richter seine kräftige Lunge strapazieren, wenn einer freisinnigen Versammlung etwas der- articjes wiederführe? Und was ist nun dieser freisinnigen Wühl- arbeit gegenüber das gewöhnlich mehr oder weniger ungeschickte Auftreten der Polizeiagentcn, wenn diese die Saalbesitzer zu be- einflusscn suchen? Wo der Freisinn die Macht hat, ist er gerade so brutal wie das protzige Junkerthum. Einstweilen wollen wir den Saganer Fall ad notam nehmen; sollten Eugen Richter und Genossen einmal wieder heftige Anfälle über politischen Anstand bekommen, so wird ihm diese Saganer Pille wohl dazu dienen, ihn zu besänftigen. Der Zustrom fremder Aerzte, welche nach Berlin kommen, um das Koch'sche Heilverfahren kennen zu lernen, dauert fort. Um deren Wünschen zu genügen, finden fast täglich in den einzelnen Kliniken, welche mit dem Koch'schen Heilmittel versehen sind, Demonstrationen des einschlägigen Verfahrens und des Heil- Vorganges statt. Auch in den medizinischen Kliniken, welche wesentlich für den Unterricht der Studirenden bestimmt sind, wird das Verfahren bereits vorgewiesen. Hier wird ganz be- sonders darauf Bedacht genommen, festzustellen, welche Arten von tuberkulösen Leiden vorzüglich geeignet sind, in der von Koch er- dachten Weise behandelt zu werden, und welche wenig oder gar keine Aussicht, Heilung zu erzielen, darbieten. Auch diesen De- Monstrationen in den Universitätskliniken wohnen stets fremde Aerzte in großer Zahl bei. Bedauert wird in den Aerztekreisen sehr, daß das Heilmittel für die breiten Schichten der praktischen Aerzte jetzt ganz unerreichbar ist; nicht besser ergeht es den meisten öffentlichen Krankenhäusern. An einigen wenigen Stellen nur kann jetzt das Koch'sche Verfahren geübt werden. Ueber die Zeit, wo Robert Koch zuerst mit selbstständigen Studien in die wissenschaftliche Medizin eintrat, sind ganz wider- sprechende Angaben verbreitet. Endgiltiges darüber findet sich in Ferdinand Cohn's„Beiträgen zur Biologie der Pstanzen"(2. Band, Breslau 1877). Dort schreibt Cohn am Schlüsse einer Studie „Beiträge zur Biologie der Bazillen" unter dem Datum Juli 1876:„Im Jahre 1875 habe ich darauf aufmerksam gemacht, daß die Bazillen sich in der Regel durch Dauersporen fortpflanzen, daß auch bei den Stäbchen des Milzbrandes solche zu erwarten, und daß in diesen die Keime der Infektion in scheinbar stäbchen- freiem Blute zu vermuthen seien. Zu meiner großen Freude er- hielt ich von Dr. Koch in Wollstein eine briefliche Anzeige vom 22. April er.(d. h. 1876), daß derselbe sich längere Zeit mit der Untersuchung des Milzbrand-Kontagiums beschäftigt habe, und daß es ihm endlich gelungen sei, den vollständigen Entwickelungs- gang des Bacillua Anthraois aufzufinden; er sprach seine Be- reitwilligkeit aus, im hiesigen pflanzenphysiologischen Institute die nothmendigsten Experimente unter meinen Augen anzustellen und mein Urtheil über den Befund einzuholen. Infolge dessen hielt stch Herr Dr. Koch vom 30. April bis 3. Mai tn Breslau auf und machte in unserm Institute durch Einimpfen mit- gebrachten Milzbrand-Materials auf lebende Frösche, Mäuse und Kaninchen eine Reihe von Experimenten, welche eine Ge- legenheit boten, mich von der vollen Richtigkeit seiner Entdeckun- gen über die Entwickelung der Milzbrand-Bazillen zu über- zeugen; auch die Herren Doktoren Auerbach, Cohnheim, Eidam, Lichtheim, M. Traube, Karl Weigert haben diesen Bersuchenund Demonstrationen beigewohnt." An diese Mittheilung Cohn's ist alsbald Koch's Studie„Die Aetiologie der Milzbrand-Krankheit", datirt„Wollstein, Großherzogthum Posen, 27. Mai 1876", welche den Reigen von Koch's grundlegenden Schriften eröffnet, ange- schloffen. Unter Professor Robert Koch's Leitung hat im hiesigen hy- gienischen Institut Dr. M. Beck-Berlin bakteriologische Unter- suchungen über die Aetiologie(Ursache) der menschlichen Diphthe- ritis angestellt. Er veröffentlicht in der„Zeitschr. für Hygiene" das bedeutsame Ergebniß, das sich folgendermaßen znsamnien- fassen läßt: Der von Löffler entdeckte und beschriebene Bazillus ist morphologisch und biologisch wohl charakterisirt, wurde in jedem der 62 untersuchten Fälle von Diphtheritis gefunden, ist bisher nie bei anderen Krankheiten gesehen worden, läßt sich in Reinkiilturen züchten, und Impfungen mit diesen Kulturen rufen bei den für Diphtheritis empfänglichen Thieren(Meerschwein- chen, Tauben, Hühner) immer Diphtheritis hervor. Somit sind sämmtliche Forderungen an die Spezifität eines Pilzes erfüllt, und der Löffler'sche Diphtherie- Bazillus ist mit derselben Sicherheit als Erreger der menschlichen Diphtherie anzusehen, wie es der Koch'sche Tuberkelbazillus für die Lungenschwind- sucht ist. gtmahmt Sie vor allem R«he und kalte» Klüt. So äußerte sich am Montag Hofrath Albert in Wien in seiner Vor- lesung über die Koch'sche Heilmethode.„Die Menschheit befindet "' momentan in einem Taumel, der ganz gewaltig absticht von er nüchternen, streng wissenschaftlichen Form der Aeußerunge» Koch's. Koch selbst spricht sich sehr objektiv aus. Er sagt, daß mit seinem Mittel bei Lungenschwindsucht im Jnitialstadium etwas zu erzielen sei, nicht aber in veralteten Fällen. Die Tuber- knlösen nun befinden sich im Allgemeinen in der größten Hoff- nungsfreudigkeit. Alle diese Leute, welche sich jetzt in fieberhafter Spannung befinden, werden in Kürze nach Berlin zusammen- strömen und daselbst Heilung suchen. Natürlich wird man ihnen ihr Verlangen nicht abschlagen können, aber die Resultate werden den Erwartungen nicht entsprechen. Dann wird es heißen, das neue Mittel sei ein Schwindel, die Leute seien mystifizirt worden. Dieser Taumel sei ganz danach angethan, der neuen, überaus werthvollen Entdeckung den Todesstoß zu versetzen. Wie sehr vorstehende Mahnung am Platze, beweisen die sich überstürzenden Nachrichten über die neuen Einrichtungen von Krankenhäusern, die Herstellung des Heilmittels u. s. w.. Nach- richten, die nur allzu häufig sich nicht bewahrheiten. So schreibt Dr. Levy, daß er weder eine Heilanstalt nach dem Koch'schen Verfahren, noch auch Kurse für Aerzte über die Koch'sche Methode einrichten werde, daß er vielmehr jeglichen derartigen Plänen für U»ne Person vollkommen fern stehe. Auch die Meldung, daß Prof. Koch sein neues Mittel„Paratoloidin" nenne und in der Neander-Apotheke in Berlin ordiniren lasse, kann nach einer ärzt- lichenZuschristan die„Voss. Ztg." nichtrichtig sein. Das Paratoloidin ist den Cheinikern längst bekannt und wird in Tausenden von Zentnern jährlich hergestellt. Mit der Koch'schen Jmpsflüssigkeit hat es nichts zu thun. Trotz aller Warnungen von Seiten Koch's und vieler Fachmänner herrschen in weiten Kreisen des Publikums bereits die übertriebensten Vorstellungen von der Leistungs- sähigkeit des neuen Heilverfahrens, und es werden die höchsten Erwartungen an sie geknüpft. In den Heil-An- stalten für Schwindsüchtige wie in Görbersdorf, Falkenstcm u. a. herrscht eine außerordentliche Aufregung unter den Kranken, die nur noch mit Mühe in den Anstalten zurückzuhalten sind. Aus den schweizerischen und italienischen Kurorten sind viele Phthisiker bereits aufgebrochen und auf der Reise nach Berlin begriffen; wie man sich erzählt, sollen schon auf Wochen hinaus bei der Eisenbahn- Verwaltung die durchgehenden Schlafwagen bestellt und belegt sein. Auch Prof. Gerhardt hat am Dienstag Vormittag in der medizinischen Klinik der Charitee zu der neuen Heilmethode das Wort ergriffen. Er stellte drei Fälle vor, welche grade geeignet waren, die Fortschritte der Behandlung und die Diagnostik Tuberkuloser durch die Koch'sche Erfindung nach drei Rich- tungen hin zu beleuchten. Der eine Fall betraf eine bisher als unheilbar geltende tuberkulöse Erkrankung des Rachens, welche allen Aetzmitteln, mit denen man in letzter Zeit Kchlkopf-Erkrankungen zu heilen versuchte, trotzte und einer zeden Therapie spottete. Nachdem am Montag eine Injektion von nur 2 Milligramm gemacht worden, war heute schon eine deutliche Reaktion bemerkbar. Es ist mit Hinblick auf den glücklichen Verlauf eines ganz.analogen in der Berg- mann'fchen Klinik behandelten Falles eive Heilung dieses bisher als unheilbar angesehenen Leidens, natürlich erst nach �Verlauf mehrerer Wochen, zu erwarten. Bei dem zweiten Falle handelte es sich um die Diagnose der Lungenerkrankung bei einem jungen Manne. Die physikalische Untersuchung hatte die Möglichkeit, ja die Wahrscheinlichkeit einer Lungentuberkulose zugelassen; durch die am Montag stattgefundene Injektion wurde, da keine Reaktion eintrat, festgestellt, daß keine Tuberkulose im Spiele ist. Der Kliniker warnte vor dem Glauben, daß das Koch'sche Heil- verfahren so einfach sei, daß durch die Einspritzungen die Schwindsucht einfach aus dem Körper herausgetrieben werde; vielmehr erfordert das Verfahren eine sehr sorgfältige und gewffseuhafte Behandlung durch den Arzt. Killig und schlecht scheint das Geschäftsprinzip des Herrn Schippanowski, des Besitzers der„Konzerthallcn" an der Spandauer-Brücke zu sein. Vor einiger Zeit gaben wir den Auszug eines Briefes, den uns ein dort beschäftigter Kellner zu- schickte und in dem die Bedingungen, unter denen Herr Schippanowski seine Kellner beschäftigt, geschildert wurden. Bekanntlich zahlt Herr Sch. keinen Lohn, sondern läßt sich im Gcgentheil von seinen Angestellten noch bezahlen. Der Herr Wirth versteht aber noch auf andere Weise Geld zu machen. Er giebt einen Mittagstisch zu 75 Pf. das Konvert. Er liefert dafür allerdings viel Waare, aber— essen darf man das Essen nicht, wenn man nämlich nicht krank werden will. Am Sonntag stand Gänsebraten auf dem Menu. Das war ja recht nett. Die Gäste freuten sich schon auf diesen Hochgenuß. Als der Kellner mit der Schüssel erschien, durchzog das Lokal ein würziger Geruch nach— Wildbraten. Der Kellner servirte und Alle hielten sich die Nase zu. Ein Gast schob dem anderen das Gericht zu, ohne selbst davon genommen zu haben. Das war aber sehr erklärlich. Denn die Gans, die da angerichtet auf dem Teller lag, mußte mindestens schon vor vier Wochen das irdische Jammerthal ver- lassen haben. Sie war nicht mehr zu genießen. Die Gäste waren natürlich entrüstet und verlangten nach dem Wirth. Dieser ließ sich aber nicht blicken, nahm aber sehr gern das Geld, das die Gäste für das, was sie nicht gegessen hatten, bezahlen mußten. Ja, ja, Herr Schippanowski weiß Geld zu machen. zlrber ein Kegräbniff mit Hindernisse» wird uns Folgendes mitgetheilt: Am 3. d. Mts. verstarb Hierselbst im Städtischen Krankenhause am Urban ein Herr Karl B. Die Beerdigung desselben sollte am 9. November erfolgen, nachdem am 7. d. Mts. die zu einer solchen Bestattung erforderlichen Quittungen gesammelt waren, um den Beweis der nöthigen Baareinzahlungen zu liefern, ohne welche in Berlin nun einmal Niemand begraben wird, ausgenommen auf dem Kirchhofe in �riedrichsberg, wo die Sache kostenlos und einfach zugeht. Die irchhöfe unserer Parochien haben sich zu dieser Höhe noch nicht emporschwingen können; sie besorgen die Beerdigungen gegen fest bestimmte Gebühren, die einen recht bedeutenden Theil der Parochialeinnahmen bilden und man sollte glauben, daß für diese Bezahlung nun auch das zur Beerdigung Erforderliche prompt besorgt würde. Wie es indeß mit der geschäftlichen Behandlung solcher Dinge zugeht, das mußten die Freunde und Bekannten des verstorbenen Karl B. am Sonntag, den 9. d. M., erfahren. Der Verstorbene gehörte zur Louisenstadt-Parochie. Der Leichenzug mit zahlreichem Gefolge, etwa 150 Personen, begab sich also nach dem neuen Louisenstädtischen Kirchhose au der Britzer Chaussee. Hier angekommen fand man das Kirchhofs- thor verschlossen und der Kirchhofsbeamte weigerte sich auch, dasselbe zu öffnen, da ihm von einer Beerdigung, wie er ver- sicherte, nichts bekannt sei. Nun war einer der Anwesenden aber so vorsichtig gewesen, die sämmtlichen Quittungen über die einzelnen Positionen der zu einer Beerdigung aufzuwendenden Kosten sich einzustecken, so daß er diese Papiere dem Beamten vorlegen konnte. Dieser gestattete nun wenigstens das Einstellen des Sarges in die Leichenhalle, bemerkte jedoch, daß es wohl nicht möglich sein würde, die Be- erdigung noch am Sonntage vorzunehmen, da ja noch gar keine Gruft in Angriff genommen wäre. Nach langem Hin- und Herberathen gelangt die Trauer- Versammlung zu dem Entschluß, doch einmal auf dem alten Louisenstüdtischen Kirchhof in der Bergmannstraße nachzufragen, ob etwa dort die Beerdigung bestellt wäre; allein auch hier wußte der Kirchhofsbeamte nichts von einer Beerdigung; nur ein zufällig dort anwesender Kirchhofsarbeiter entsann sich plötzlich, daß um 2 Uhr eine Bestattung angemeldet sei, doch ohne Träger. Das konnte wieder nicht auf den vorliegenden Fall passen, weil für diesen die Träger bezahlt und anwesend waren. Man fuhr also wieder nach der Britzer Chaussee zurück, wo nun inzwischen das Auswersen der Grube begonnen hatte. Nach 2Vs stündigem Warten und vielem Hin- und Herver- handeln kam die Trauerversammlung endlich dazu, die Bestattung vorzunehmen. Wenn die Begräbnißplätze Privatunternehmungen wären und es kämen derartige Ordnungswidrigkeiten vor, so würde darüber wahrscheinlich Niemand den Mnnd gewaltiger auflhun, als die frommen Herren von der Kanzel und sie hätten in diesem Falle fachlich recht; denn eine solche Lodderei verletzt auf das Gröblichste oie Empfindungen der Leidtragenden. Es ist wahrhaftig traurig genug, daß der Arbeiter im Leben oftmals der Gefahr ausgesetzt ist, obdachlos zu sein, wenn ihm das auch noch im Tode pasftren kann durch eine nachlässige Geschäftsführung der Kirchhofsverwaltung, dann ist nicht einzusehen, weshalb man das Beerdigungswesen äußerlich so streng kirchlich nach Parochien ?«ordnet hat. Schlimmere Dinge könnten doch garnicht vor- ommen, wenn irgend ein Privatunternehmer an die Stelle der frommen Parochien tritt; er würde sich vielleicht bemühen der- artige Vorkommnisse zu vermeiden, aus Furcht vor der Konkur- renz, die bei den Parochial-Kirchhofs-Verwaltungen allerdings ausgeschlossen ist. Ueber diese und ähnliche Mißstände unseres Beerdigungs- wesens ist oft genug Klage geführt worden. Sollte es denn nicht möglich sein, denselben dauernd Abhilfe zu schaffen? Wir haben Telephon, Telegraphen, Rohrpost und alle nur denkbaren Ver- kehrsmittel und dabei passirt es fortwährend, daß von einer regelrecht in der Stadt besorgten Beerdigungsbestattung auf den Kirchhöfen nichts bekannt ist. Die Folgen, die das nach sich zieht, sind menschenunwürdig und hoffentlich auch— wir verstehen das vielleicht nicht ganz— christenunwürdig. Es verletzt jedes Gefühl, wenn solche Zwischenfälle bei einer Beerdigung vor- kommen. Hier muß Abhilfe geschaffen werden und die Parochial- Verwaltungen sollten, um solche peinliche Vorkommnisse unmög- lich zu niachen, endlich das thun, was sie längst hätten thun sollen und thun können, nämlich: die Kirchhofsbeamten mit einer klaren und unzweideutigen Instruktion versehen, die solche pein- lichen Vorkommnisse bei Beerdigungen unmöglich macht. Auf der Krandstättr drr Königstädtische» Kraurrei hatte die Feuerwehr noch bis vorgestern Abend nach 7 Uhr zu thun, zu welcher Zeit die letzten Löschzüge abrücken konnten. Auf dem Brandheerd befand sich zur Zeit noch eine Brandwache aus einem Feldwebel und 5 Mann bestehend, welche im Laufe des heutigen Vormittags zurückgezogen wurden. Im klebrigen wird die Kriminalpolizei Gelegenheit haben, der Feuerwehr, welche während des Brandes„bestohlen" wurde, hilfreiche Dienste zu thun. Bekanntlich ist bei jeder Dampsspritze ein Kästchen ange- bracht, in dem sich eine gutgehende Uhr befindet, um dadurch den Wasserverbrauch der Spritze festzustellen; wie uns mitgetheilt wird, ist aus Dampsspritze Nummer 2, während die Mannschaften mit der Bedienung derselben beschäftigt waren, die Uhr gestohlen worden. Es wird vermuthet, daß ein Langsinger aus den die Maschine umgebenden Menschenmassen heraus mit kühnem Griff die Uhr entivendet hat. Vor Ankauf derselben wird gewar»> auf der Rückseite der Uhr ist„Dampsspritze Nr. 2" eingravick Stnrz eines Kostilions. Beim Passiren der Adav>! straße fuhr im Laufe des vorgestrigen Nachmittags der£rani. burgerstr. 35/36 wohnhafte Postillon Göres derartig scharf an' Steinbordschwelle, daß er infolge des plötzlichen Rucke- n Wagen herunterstürzte und besinnungslos liegen blieb. G-""J, mittelst Droschke nach dem katholischen St. Hedwigs-Krankenyn i überführt, wo innere Verletzungen, bedenkliche Kontusionen an Schulter und ein Bruch des Schulterblattes festgestellt n"*'•' Die Postbehörde wurde.von dem Unfall benachrichtigt, und anderer Postillon mußte die Führung des Wagens übernehmen- polizribericht. Am 17. d. M. Nachmittags fiel auf Neubau Müllerstr. 66 der beim Ausstaaken der Balkenlage, zweiten Stock beschäftigte Arbeiter Knoch in den ersten, hinab und erlitt einen Rippenbruch, so daß er nach dem P � Gerhardt-Stift gebracht werden mußte.— In der Ledernem� Fabrik von Hanke, Pankstr. 5 B, brachte Abends der Sm Salomon dem Sattler Schulz bei einer Schlägerei mitteilt e> Ahle Stiche in den linken Arm und in den Unterleib bei. Letzte wurde nach Anlegung eines Verbandes nach seiner Wohnung g bracht, mußte jedoch bald darauf nach dem Krankenhau>e Friedrichshain überführt werden, da die Verletzungen sich JL fährliche herausstellten. Salomon wurde verhaftet.. 18. d. M. wurde ein Monn in seiner Wohnung in. Tresckowstraße, erhängt vorgefunden. Er hat den Selbflm vermuthlich infolge einer Geistesstörung begangen.—; ß, derselben Zeit erhängte sich ein Mann in seiner Wohnung, Skalitzerftraße.— Als Mittags der Gelbgießermeister Jaget. seiner Werkstatt, Neustädtische Kirchftr. 2, ein Shrapnel wollte, explodirte dasselbe und riß dem Lehrling Klin den�u � Vorderarm ab, während ein Former eine anscheinend r deutende Verletzung ßjn Auge erlitt. Klin verstarb bald woure, exploowie oapecoe uno rip oem �eyrung«u» vv"Ät hv Vorderarm ab, während ein Former eine anscheinend mcy'. deutende Verletzung a;n Auge erlitt. Klin verstarb bald dm' der Former wurde nach der Universitätsklinik gebracht.~ j ,r, mittags stürzte der Maurer Bugge auf dem Neubau Pm straße 30/31 infolge eines Fehltritts aus dein zweiten m, ersten Stock hinab und erlitt anscheinend bedeutende Verletzung' am Kopfe, so daß seine Ueberführung nach der Universitälsu � erforderlich wurde.— Abends entstand vor dem Hause Forstetts> eine Schlägerei, bei welcher der Arbeiter Schleinitz den A» dreher Wagener durch Messerstiche in den Hals und Rücken M verletzte. Wagener wurde nach der Cbaritee gebracht lwo. Thäter verhastet.— Am 18. d. M. fanden drei kleinere Br statt. Ein wusterhaficr Uariitwächter. Wegen schwerer� schreitungen im Amte hatte sich gestern der frühere Nachtwam der Kolonie Wilhelmsbera, Julius Bogdan, vor dem Schosl ,, gerichl am Amtsgericht II zu verantworten. Der Angellag• erst am 26, August d. I. wegen Majestätsbeleidigung, R«« Ausübung seines Dienstes verbrochen, zu zwei Monaten Gefa«g�, verurtheilt worden, welche Strafe er noch nicht verbüßt war in der Ortschaft, deren nächtliche Sicherheil seiner V anvertrallt war, ein öffentliches Geheimniß, daß Bogdan, Nachts oft so betrunken war, daß er unfähig war, seinen* � auszuüben und daß alsdann seine Frau sich den Mantei Wächters anzog, das Feuerhorn umhing, den Säbel pmiast- und so ausgerüstet die Stunden abpfiff. Vielsache Renkon � die der Wächter mit den Bewohnern der Ortschaft hatte, ebenfalls auf den erregten Zustand desselben infolge ScY» genusses zurückgeführt. Eine Kontrole des Wächters pi gut wie gar nicht statt, da in der Kolonie Wilhelms� die zum Amtsbezirk Lichtenberg-Friedrichsberg gehört, damals � kein Polizeibeamter stationirt war. So lagen die Sachen, a:-'� Wächter in der Nacht vom 8. zum 9. Januar d. I. sein Scy erreichte. Er war wieder recht ersichilich betrunken und n„ in diesem Zustande eine gänzlich unmotivirte Verhaftung, 5 nehmen, stieß jedoch auf Widerstand, es liefen Leute Herd«, von allen Seiten hieß es:„Der Wächter ist ja betrunken, � wollen wir zum Amtsbureau führen!" In der That ivuro. Wächter von kräftigen Fäusten in die Mitte genommen uno. des unausgesetzten lauten Protestes der Frau des Wächters dem Amtsbureau in Lichtenberg geführt. Dasselbe war»«»n � geschlossen und nun ging der Transport weiter bis zur Ajofl des Amtsdieners Hoffmann in Friedrichsberg. Dieser wurde a»-' � Bett geholt, er notirte die Zeugen und da er nicht wußte, was l(( dem Wächter anfangen sollte, so sagte er demselben, t(! ohnehin durch den weiten Transport schon wieder etwa nüchtert worden war, er solle wieder auf seinen Posten S � Der Wächter ging, der Amtsdiener hielt es aber nach einiger 0� für gerathen, ihm zu folgen,, um zu sehen, ob der Wächter etwa vom Publikum von Neuem behelligt werde. Als e � Wilhelmsberg näherte, hörte er schon von Weitem Lärm, a � näher kam, sah er, daß stch der Wächter heftig mit seiner K � zankte. Er rielh demselben, nach Hause zu gehen und I j, Rausch auszuschlafen. Der Wächter erwiderte:„Sie Hab*"„j, gar nichts zu sagen!" worauf der Amtsdiener seine AuffoH* j/t nach Hause zu gehen, energischer wiederholte. Nun erklar> K Nachtwächter den Amtsdiener, seinen nächsten Vorgesetzt� Letzterer erwiderte:„Mann, Sie sind wohl nt% '«■•rüxnn z n?" Jetzt muß ich Sie für meinen Arrestanten erklären —?" schrie der Wächter, zog seinen Säbel und Geb .%« Cl 7 f s k« a»«« S\ Csi f f« � �.,11* verhastet. Sinnen~ „llilas.|V.,.tW.............. Qvj)|...............----->* aus den Amtsdiencr ein, denselben gleich mit dem ersten� eine Verletzung an der rechten Hand zufügend. Der Amt».�1 zog nun auch blank und es entspann sich ein regelrechtes /Lßi zwischen Beiden, bis der Nachtwächter am Boden lag-, hatten zwar mehrfache Verletzungen erhalten, die ss. gLiie� gefährlich waren. Dieser Thatbestand wurde durch d» j» m» aufnähme festgestellt. Die Anklage lautete auf ruhest» �lt Lärm, öffentliche Beleidigung, Widerstand gegen die Staates und Körperverletzung vermittelst gefährlichen Werkzeuge»' Frau des Angeklagten.war daneben wegen nächtlicher Rum-I. jii angeklagt, da sie aber nur bemüht gewesen war, ihren beruhigen, mußte sie schließlich freigesprochen werden. der Wächter wegen dieses Spektakels seine Stellung �.»t � hat sich die Frau'von ihm getrennt; dafür suchte er i» L, Iii' belasten, indem er behauptete, daß der Amtsdiener Hoff"" mjefr Verletzungen nicht von seinem Säbel, sondern von efnew erhalten, mit welchem seine Frau gestochen habe. Diese,-?. xstii tung wurde widerlegt, an der Schuld des Wächters»' 5'' Zweifel. Der Staatsanwalt beantragte sechs Mona'' g«' Gerichtshof erkannte aber nur auf drei Monate f ä n g n i ß. , Der Droieß Mehr. Danzig, 18. Noaember. Zweiter Tag der Berha, �; Bei Aufruf der Zeugen wird konstatirt, daß Graf v. K ä Mb m a r ck und Bankier G r e ß l e r(Berlin) zu der Verhandlung nicht erscheinen werden. Der Gerichtshof deshalb: den betreffenden Anklagepunkt zu vertagen. Staatsanwalt: Der Angeklagte Holtz sag» S ff daß er, als er an Lehre das erste Darlehen von 6000- 1' Wehr gab, einen Schuldschein erhielt; ich weiß nicht, ob Schuldschein von Lehre oder von Wehr war? oltz: Es war ein Schuldschein von Lehre. v* 9• v»v V»*» wv�nwi v*;vn. vv»»-vvyvv.• Afßt � r ä f.: Als Sie von dem Herrn Untersuchungsrickl. der von Ihnen aufgenommenen Darlehne befragt ivur weigerten Sie die Auskunft?. sst" Holtz: Der Herr Untersuchungsrichter legte m». Weigerung der Antwort förmlich in den Mund. �}% Zeuge Richter(Berlin) bekundet, daß er im Jü�� Es soll nun die eidliche Aussöge des verstorbenen Agenten kyre verlesen werden. Es stellt sich jedoch heraus, daß der in kommende Lehre nicht vernommen worden ist, sondern �«humlicher Weise dessen Bruder. ., Es wird alsdann die Vernehmung des verstorbenen Handels- Wendt(Könitz) verlesen. Dieser bekundet, daß er an �? Sämereien verkauft, wofür ihm Letzterer Wehr'sche Wechsel Meven habe. Ein Wechsel von Wehr in Höhe von 4000 Mark 1 von Letzterem bezahlt worden, zwei andere aber nicht. v H o l tz bezeichnet die Angabe des Wendt als nicht vollständig et Wahrheit entsprechend. u. vtetauf wird das Statut der Fersenauer Genossenschaft ver- ilj}- Der Präsident konstatirt, daß das früher dem Holtz ge- tvrige Gut Blumenfelde 669 947 M. 62 Pf. werth gewesen sei. 9m Vertheidiger, R.-A. B i e l e w i c z, beantragt: aus den ä�fonsiatiren, daß 1885 das Gut einen Uebcrschuß von vvo M. gebracht habe. „ Sachverständiger Landgerichts-Sekretär E r n st: Nach der n nur vorgenommenen Revision sind für Meliorationen in nerjenau 62 028 M. verwandt worden. 41 943 M. fehlen von '' Qu| dem Provinzial-Hilfssonds geliehenen 104 000 M. Wenn er«.- die von Holtz vorgelegten Beläge mitrechnet, so giebl sich nur ein Defizit von 28 669 M; es fehlen dabei jedoch Quittungen der Empfänger. z. weiteres Befragen bemerkt noch der Sachverständige, nA höchst mangelhafte Buchführung absolut keine Ueber- ™ über die Ausgaben der Fersenauer Genossenschast gewährte. Holtz bestreitet diese Angabe des Sachverständigen. N,,-k �s?iger Rechtsanwalt Bielewicz beantragt: die f lUge des nicht anwesenden Regicrungeraths Müller zu ver- iiaao �'C[?r Hube bekundet, daß das angebliche Defizit von vermodere' rc'e"uchträglich festgestellt worden, um 15 380 M. luflii? �uatsanivalt: Dieser Antrag ist unerheblich und m erlle Vertagung herbeiführen. Ich bitte, ihn abzulehnen. r.- r'Uch kurzer Replik des Vertheidigers beschließt der Gerichts- die Ablehnung des Antrags. a„,„ ,..st>ird nunmehr zu dem Fall Schleimer übergegangen. ss. � Schleimer bekundet: Mein Grundstück in Neukrügen i»is,'! � Subhastation, Eines Tages erhielt ich von dem Kom- ,''°nSr Krispin ein Telegrauim: ich solle sofort nach Danzig .uen und 1500 M. mitbringen. Dort fragte mich Krispin, °°m Landesdirektor 1500 M. leihen wollte. Ich sagte, ich mit,• d, ich würde es vielleicht geben können, wenn ich g..�uelner Forderung bei dem Suhhastaiionsterinin, der am fol- der on?uge stattfinden sollte, nicht aussiele. Am folgenden Tage bot nur 6000 M., rief mich hinaus und sagte zu mir: z,.' � Sie das Grundstück, ich werde es alsdann von Ihnen kaufen. r. uvch bot ich nicht weiter. Das Grundstück wurde alsdann ick a Y Mann, Namens Perser, für 7000 M. erstanden und W->n meiner Forderung aus. Kurze Zeit darauf bat mich sg.5 Kn gegen einen Wechsel 1500 M. zu leihen. Dr. Wehr etwns. brauchen noch Volschauer Land, dann können Sie lek»,,» �dienen. Ich verweigerte aber die Hergäbe des Dar- n> � dem Bemerken, daß ich kein Kommissionär sei lli.s� kl. Wehr: Diese letztere Bemerkung stand m keinerlei ' mnnnenhang mit dem verlangten Darlehen. beti-°»?."'"■d alsdann zur Vernehmung des Angeklagten Wehr ir-™ zweiten Anklagepunktes übergegangen. im cjT Vesragen des Präsidenten bemerkt Wehr: Ich gebe zu, 188% an die Landcshauptkasse die Anweisung gegeben ' ni'r fortön wein Gehalt vierteljährlich im Voraus zu .Präs.- Rendant Sonntag und Landrath Fuß machten Sie ftim wchuerksam, daß diese Art der Vorausbezahlung den Bc- j�'wungen des Dienstreglemcnts widerspreche, Sie antworteten m dnp der Provinzialausschuß die Sache genehmigt habe. Nek»»i/ h r: Ich nahm an, daß der Provinzialausschuß sie ge- gt habe; Herr von Winter machte mir wenigstens derartige Deutungen. ein- in.�l-' Außerdem ließen Sie sich aus der Landeshauptkasse lick � von Vorschüssen geben, die zum Theil ziemlich erheb- ' waren. Hu«® e � r: Das ist richtig, ich hielt mich laut Provinzialord- «»g dazu für berechtig das vor- Uftrraf,: Wenn Sie der Meinung waren, weshalb da,,.®ie kurz vor der Kassenrevision Ve Geld wieder in die Kasse? Moiimwn H'st möglich, daß dies einige Male hoz.�V ä s.: Sie sollen den Herrn Fuß einige Male veranlaßt sei,,§etQ�e Qn Kassenrevisions-Tagen außerhalb dienstlich thätig In Aßt: Das habe ich niemals gethan. Hat nun der Provinzialausschuß die Entnahme der genehmigt? Ich nahm an, daß dies geschehen sei. -..aß»®e. Hauptkassen-Rendant Sonntag: Er habe die ver- sttck x vierteljährlichen Vorausbezahlungen des Gehalts und höchst Vorschüsse für berechtigt gehalten, da es sich um den da» v, Beamten der Provinz handelte und da ihm Wehr sagte, » Provinzialausschuß dies genehmigt habe. agsf?, vge Kommerzienrat� Damme, Mitglied des Provinzial- lüglffRses und Handelsrichter: In letzterer Eigenschaft hatte ich "Hflen �rgenommen, daß gegen Wehr eine Reihe von Wechsel- "■" schwebten. Eines Tages, als ich mich gerade auf der vefand, wurde nur die Mittheilung hinterbracht, daß an lom, �rv»i».�ösäulen stehe:„Schlafen denn die Herren.von der hauvt-�sverwaltung, wissen sie denn nicht, daß in der. Landes- l'-aei Wehr'sche Gutscheine für entnommenes baares Geld fofJ.1•. Geh. Regierungsrath v. Winter und ich nahmen Kassenrevision vor, und als wir die entnommenen feststellten, schrieben wir an den Schwieger- einer Wehr, der die Sache sofort ordnete. Wir wollten von vtrk!!t-»öeige Abstand nehmen, da wir ein peinliches Aufsehen wollten. f. i Kam es einmal im Provinzialausschuß zur Sprache, Jeu Gehalt vierteljährlich im Voraus erhebe. «in A*« l= Hm uön Winter soll sich uiit dieser Vorausbezahlung Mnden erklärt haben? .$(... Ae' Das glaube ich nie und nimmer... ®s ho�wierigen Aufgabe in jeder Beziehung gewachsen ge- vierteljährliche Hat der Provinzialausschuß die Zahlung des Gehalts an Wehr genehmigt? °uge: Rein. immmm bw= t«»�lsuchung gegen Sie eingeleitet werden i>��anwalt: Was verstand Herr v. M �Unregelmäßigkeiten"? die unter erst im ial- or- N aiaft e>"8t habe. 1 kurzen Pause wird die gerichtliche «Deisters Geheimen Regieru i'Njort.Er habx„st im Jahre 1885 "Haltnissen des Wehr Kenntniß Auesage des von Winter »»"t!f« 5 erhalten. den aus der Landeshauptkasse entnommenen Vorschüssen gehört, habe er den Wehr sofort zur Rede gestellt. Letzterer habe be- hauptet, der Provinzial-Ausschuß habe dies genehmigt. Er (Zeuge) habe dem Wehr die Unzulässigkeit seines Handelns vor- gestellt. Auch die vierteljährliche Vorausbezahlung des Gehalts habe der Provinzial-Ausschuß nicht genehmigt. Es folgt nun die Angelegenheit des Bauunternehmers Fep Dieser war mit dem Bau einer Provinzial-Blindenanstalt beaus tragt und hatte nach Fertigstellung des Baues eine Restforderung von 8000 M. an die Provinz. Die Auszahlung dieser Summe stieß auf Hindernisse. Um letztere zu beseitigen, soll Fey dem Wehr auf dessen Verlangen Geld geliehen haben. Wehr erklärt sich in allen Punkten für nichtschuldig. Zeuge Bauunternehmer Fep bekundet auf Befragen, daß ihm die Erlangung der Restzahlung von 8000 M. Schwierigkeiten machte. Schließlich sei er zum Landesdirektor Dr. Wehr gegangen. Dieser versprach ihm, für die Auszahlung des Geldes Sorge zu tragen und bat ihn um ein Darlehn von 800 M., welches er ihm gab. Einige Zeit später habe er dem Wehr auf dessen Gesuch 8600 M. gegen Wechsel und eine Anweisung auf sein Gehalt geliehen. Der Wechsel sei nicht eingelöst worden und das Gehalt bereits gerichtlich beschlagnahmt gewesen. Er habe schließlich 4000 M. aus Paris zugesandt erhalten, so daß er ein- schließlich Zinsen, noch etwa 500 M. zu erhalten habe. Möbelhändler S o h r hat dem Wehr an baarem Gelde und Möbeln 2300 M. geliehen. Er habe schließlich bis auf 400 M. Bezahlung erhalten. Rentier Hei de recht, der mehrfach dem Wehr gegen Zinsen Geld geliehen, bekundet, daß er jetzt noch etwa 400 M. zu bekommen habe. Hauptkassen-Rendant Sonntag bekundet, daß die von Wehr ausgestellten Gchaltsanweisungcn sämmtlich nicht honorirt werden konnten, da das Gehalt theils abgehoben, theils gerichtlich be- schlagnahmt war. Die Verhandlung wird hierauf auf Mittwoch Vormittag 10 Uhr vertagt. Da»»?ig, 19. Noveniber.(W. T.-B.) Prozeß gegen den ehemaligen Landesdirektor Dr. Wehr und den früheren Guts- besitzer Holtz. Die Beweisaufnahme wurde heute Mittag ge- schloffen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Wehr in einem Betrugsfalle Freisprechung, wegen der übrigen Anklagepunkte eine Gcsängnißstrase von 4 Jahren und Ehrverlust von gleicher Bauer, gegen Holtz eine Gesängnißstrafe von 15 Monaten und gegen den Agenten Krispin wegen Wehr in einem Betrugsfalle geleisteter Beihilfe 200 M. Geldstrafe. DevsiNttinlnnNen. ©i«* große öffentliche Uolksversnmmlung für Männer- und Frauen tagte am Mittwoch, 12. November, im Restaurant Nürnberg, Schönhauser Allee 28, unter Vorsitz des Herrn Eicke. Auf der Tagesordnung stand: Vortrag des Herrn canä. phil. Pens über„freie Liebe." Herr Pöus war am Erscheinen ver- hindert und Herr Sündermann übernahm das Reserat. Derselbe erledigte seine Aufgabe zur größten Zufriedenheit der Anwesenden. In der Diskussion sprach sich Herr Radjewski im Sinne des Referenten aus. Kaufmann Lubawsk wollte von der„freien Liebe" nichts wissen. Wenn auch eine kirchliche Ehe zwecklos sei, so müsse jedoch eine gesetzliche eingeführt werden.(Beifall.) Schuh- niachcr Krause und der Referent widersprechen dieser Ansicht, die noch von einem cand. med. Hammer vertreten wurde. Eine Resolution, die sich mit den Ausführungen des Referenten ein- verstanden erklärt, wurde angenommen. Der Ueberschuß der Tellersammlung wurde den Eschweger Tabaksarbeitern über- wiesen. Nächste Versammlung am Montag. In der Freie» Nereinigung der Kartonarbeiter sprach am Montag, den 10. November Herr Dr. Stahn über„Soziale Hygiene". Nachdem der Referent noch einige Fragen beantwortet hatte, wurde aus eine weitere Diskusston verzichtet. Unter„Ver- schiedenes" wurden mehrere Angelegenhelten deS Vereins er- ledigt. Di- G-n-ralo-rsammlung d-« D-r-in« gew-rblich«r Kilfoarbeit-r, die am Dienstag, den 11. November, unter Vorsitz des Kollegen Schmidt abgehalten wurde, ertheilte zunächst dem Kassirer Decharge und nahni dann die Neuwahl deS Vorstandes vor. Gewählt wurden: 1. Vorsitzender Kall. Schmidt, 2. Vor- sitzender Koll. Pusch, 1. Schriftführer Kall. Philipp, 2. Schrift- führer Koll. Born, 1. Kassirer Koll. Vogel, 2. Kassirer Koll. Tegener; ferner als Revisoren die Kollegen Ludwig, Dirschka und Sperling. Koll. Schmidt legte hierauf es sämmtlichen Mit- gliedern warm ans Herz, für den Verein nach jeder Richtung hin zu wirken und bat gleichzeitig, dem neuen Vorstande volles Ver- trauen zu schenken. In rinrr öffentlichen Nersammlung für Miinner und Frauen hielt am letzten Dienstag Herr Dr. Sommerfeld einen beifällig aufgenommenen Vortrag. Er sprach über die Krank- heiten der Lunge und des Magens und über Frauenkrankheiten. Besonders ermahnte er die Frauen, ihre Leiden nicht zn vernach- läsfigen und sich bei Zeiten an einen Arzt zu wenden. Aber der Kostenpunkt bildet den Grund, daß eine Krankheit verschleppt wird. Die Furcht vor den Kosten hindert die Arbeiterfamilien, sich rechtzeitig dem Arzt anzuvertrauen; darum kann nicht oft genug die Nothwendigkeit betont werden, die Fa- milie' gegen Krankheit zu versichern. Dort, wo der Arzt unentgeltlich zur Verfügung steht, wird seine Hilfe schnell aufgesucht, verden. Tic Versicherung ganzer Fa- milien übernimmt keine Kasse für den Arbeiter besser als der Berliner Sanitätsverein für Arbeiter beiderlei Geschlechts. lieber die Vortheile des Berliner Sanitätsvereins sprach dann noch Herr Paul Hundt, welcher nachwies, daß das in einem Jahre an den Arzt gezahlte Honorar ausreicht, um 5—8 Jahre lang den Beitrag dafür an den Sanitätsverein zu entrichten. Die Berliner Arbeiter lernen dies auch immer mehr einsehen und bethätigen gegenwärtig ihre Theilnahme durch Masseneintritt in den Verein. In der Diskussion sprachen die Herren Motz, Schmidt, Ebert und Andere, welche sämmtlich den Sanitäts- verein für am geeignetsten zur Versicherung der Familienmitglieder hielten und de» Anschluß an diesen Verein empfahlen. Der Dorri» der Klempner hielt am 12. d. M. eine gut besuchte Versanimlung ab. Der Referent Herr Türk sprach über Hexenprozesse und erntete Beifall. An der Diskussion betheiligten ich die Kollegen Selchow und Drange. Ein Antrag, sich den Resolutionen der Berliner Streik-Kontrolkommission anzuschließen, wurde angenommen. Kollege Weber wies auf die binnen Kurzem stattfindenden Volksversammlungen in Betreff der Freien Volks- biihne hin. Auf eine Anfrage über die seiner Zeit gewählte Lohnkommission wurde bekannt gegeben, daß in nächster Zeit eine öffentliche Versammlung stattfände, in welcher Bericht erstattet werden soll. Genoffe K. Kirsch, Meißensee, ersucht uns um Auf- nähme einer Erklärung, in welcher er den auf ihn bezüglichen Theil des Berichts über die letzte Versammlung des Arbeiter- Bildungsvereins zu Weißensce(Rr. 265 unseres Blattes) als in wesentlichen Punkten unrichtig und ungenau bezeichnet. Vor allem sei es unrichtig, daß er in der Kommission zur Regelung deS Streitfalles: Hirsch, Ries, Grünenbcrg Aussagen geinacht habe; mit der Kommission habe er nicht das Geringste zu thun gehabt. Er habe während des Sozialistengesetzes in vollem Um- ange seine Pflicht gethan. Achtung, Wal,rl Laut Mitgliederbeschlub wurde da' BereinSlokal der Filiale«, N. Berlin, der Freien Bereinigung der Maler, Lackirer, Anstreicher und verwandten Berussgenossen vo» der ttastanien-AUce r: nach der Nupplner- strabe«», Part, bei Viaabe, verlegt. Die Kollegen wollen die« gefälligst be- achten. «Brost« vss«»t!iche Urrfamuilung siiuiiutiichkv y.lchdrchcr Krrli»« und jlmgegeud am Donnerstag, den 10. November, NbendS 3 Uhr, im Saale deS Herrn Feind«, Weinslr. II. Kranlil». und Ktevlieknir«|U'. 55. Freilag, den 29. November Abends 8 Uhr: lScncral-Bersamnilung im Kassenlokal, Linicnstr. iL AUaemeinrr Arbkitcrinne»- Lerrin siinnntlichev ZerusSZiveige Hcrlino und Zluigegend. Filiale 3, Charloltcnburg. Donnerstag, den 20. November, Abends 8,% Uhr: Äroße Versammlung im Lokale„Bismarcks- höhe", Wilmcrsdorferstr. ss. Achtung, perlinnttaröcitrr! Donnerstag, den 20. November: Oesfenl- liche Bersainmlung tu Eahm'S Klubhaus, Annensir. 10. Freie Nollisbiilinr. Zwei vffsntichs Bersammlungen für Frauen und Männer am Freitag, den 21. November, Abends 8% Uhr. i. In« großen Saale des Etablissement Königshof, Bülowstr. 37. 2. In der Brauerei Königsiadt, Schönhauser Allee Ivo. Gleichzeitig wird daraus aufmerksam geinacht, dah die Beitritts- ertlärungen zur 2. Abtheilung bis spätestens am Sonnabend, den 22. November, bei nachfolgenden Zahlstellen bewirkt sein müssen, wenn„Bor Sonnen- aufgang" auch sür die 2. Abtheilung aufgeführt worden soll. Norden: August Hinge, Ztgarrenhandlung, Pankstrabe u a. Witlwe Klara Hasenclever, Zigarrenhandlung, Brunnensir. 122. Konrad Engel, Buch- binderet, Chortnerslrabe 0. Mehnert, Zigarrenfabrit, Ticdenhofenerstrabe s. Nord-Osten: Franz Nicmeyer, Ztgarrenhandlunq, Weberstr. 19. Süden: Albert Slncrbach, SchuhwaarenGefchäfr, Kottbuser Damm 7. Gottfried Schulz, Ztgarrenhandlung, Admiralstr. so a. Wilhelm Bärner, Zigarrenfabrit, RUler- straße log. M. Baginstt, Buchhandlung, Dresdenerstraße 32—53(Passage). gentium: Vogtherr, Werkzeughandlnna, Landsbergerstr. 0«. Osten: Hermann Grashold, Materialwaaren-Geschäft, Pallisadenstrabe 5». Eüd-Osten: Emil Arndt, Zigarrenhandlung, Slaliyerstr. l 08. Adolph Kehr, Hutsabrik, Köpenicker- ftraße 120. Westen: Otto Antrick, Zigarrenfabrit, Stelnmehstraße«0. Süd- Westen: Adolf Lange, Nestauratsur, Furbringerftr. 22. Alex Ochs, Zigarrenhandlung, Lindcnstraße so. Moabit: Fritz Boß, Ztgarrenhandiung, Birken- strabe 39. Krbeitrrbildung«- herein für Friedrichofeld«»ni> xlingcgend. Versammlung am Donnerstag, den 20. November, Abends sy Uhr, bei Momber,' Friedrichsselde, Wtlhelmstr. 8. Ncrrin de» technischen Uersonal« der deutschen Kühnen. Versammlung am 22. November, Abends 11 Uhr, Anncnftr. 14. Soiinlde», akratischer Wahlverein für den ersten Berliner Kieichv- tagv-Wahlkrei«. Am Donnerstag, den 20. November, Abends 8 Uhr, in Orschel'S Salon, Sebaftianslr. 39, Versammlung. Soiinldemokratischer Wahlverein de» sechsten Berliner Wich»- tagv-Wahlkreiseo. Donnerstag, den 20. November, Abends 8 Uhr, im Lokal der Vollsbrauerei, Alt-Moabit 47—49, grobe Versammlung. Berei» der Plätterinnen Berlin«. Am Donnerstag, den so. November, Abend? 8 Uhr, im Saals der Brauerei Bötzow, Vor dem Prenzlauer Thor, Grobe auberordentliche Mitglieder-Versammlung. Hierein inr Wahrung der Interessen der Gast- und SchanKwirthe Berlins und Umgegend. Am Fretlag, den 21. November, Nachmittag» Uhr, in der Schönhauser Allee 2s, beim Kollegen N. Nürnberg, Wer- sammlung. Freie Pereinigung der Kaufteut». Oessentliche Bersainmlung am Donnerstag, den 20. November, Abends 8% Uhr, Alte Jatobstr. 48». Tages- ordnung: Siehe Säulenanschlag. Jedermann hat Zutritt. Ardeiter»nd Arbriterinnen! Am nächsten Sonntag(Abends) stndel in Gratwetl's Bierhallen«ine öffentliche Versammlung von Handlungsgehilsinnen, dt« erste, statt. Es gilt auch diese vom frühen Morgen bis zum späten Abend bei Hungerlöhnen unter ihrer Arbeits- last und der Laune ihres Prinzipals Seufzenden ans ihrem Schlaf aus- zurlltleln und sie über ihre Klassenlage auszullären. Da dieselbe» unter dem Druck der Verhältntsse geistig viel zu sehr abgestumpft sind, um von selbst zur Vernunft zu kommen, fordern wir Euch auf, bei Euren Verwandten und Bekannten, soweit sie in kaufmännischen Geschäften angestellt sind, für den Besuch der Versammlung zu aglltrcn. Macht die Verkäuferinnen und sonstigen weiblichen Angestellten tu den Geschäften, in welchen Ihr Eure Etnläuse machl, aus die Versammlung ausmerlsam und tragr dasür Sorge, daß sie dieselbe auch besuchen. 1 Frfr- und Di»kutirklubv. Donnerstag.„Frelhett", Abends 8% Uhr, Naunynstr. 8G bei Zubcil. Tagesordnung: Vorlesung. Dislussion. Vörschicdenes. Damin haben Zutritt.—„Realismus" Abends 8% Uhr, bei Wullle, FriedrtchSbergerstr. 24.— Berein„B 0 ll» l> t ld u n a"(Männer! und Frauen) Abends v Uhr, im Nestaurant Nürnberg, Schönhauser Allee 28. — Lese- und Dislutirllub der Bäcker„Wach Auf". Nachmittags 3 Uhr, in der Gr. Frankfurterstr.«»,„Frankfurler Bterhallen".„Wahrheit, Marlusftr. 31.—„Natur", Abends 8% Uhr, Kaiserstr. 4, bei Hoffmann. Arbriter-Sängerdund Berlins und Umgegend, Abend« o Uhr, Uedungs- stunde. Aufnahme neuer Mitglieder.— Gesangverein„Etntglett"(Hut- inacher), Roscnlhalerstr. 11—12 bei S. Mtnner.— Gesangviretn„Edel- w e t b", Melchtorstr. 16 bei Stehmann.— Eefangveretn„E ch 0 2", Alle Schönhauserstr. 42 bei Retmann.— Gesangverein„Frühlings tust", Flotlwellstr. 6 bei Bartels.— Männerchor„S t. U r b a n", Annensir. s bei protz.— Männergesangverein„B 0 r a x", Admiralstr. zs bei Bülow.— Gesangverein ,,K 0 r n b l um e", Blumensir. 54 bei Wittlle.— Gesangverein „Hand in Hand", Ekalttzerstr. 142 bei Greiser.— Gesängverein„D ors- g löcklein" Deutsch-Willmersvors, Berlinerstr. 40 bei Pielsch.— Gesang- verein des„Tt s ch l e r v e r b a 11 d e S" in Steglitz, Restaurant Hildebrand.— Gesangverein„H a r m 0 n t e", Tempelhof, Restanrant Wesenberg.— Gesang- verein„Weiße Rose", Reintckendorf, Residenz- und Holländerstraben- Ecke bei Earo.— Gesangverein„M 0 r g e n r 0 t h", Rummelsburg, Gölhe- straße 0 bei Konraih.— Gesangverein„Freundschaft" Abends 8 Uhr, bei Oswald Berliner, Brunnenstr. 114. «esang-, Turn- und gesellige pereiur. D 0 11>1 e r st a g. Gesang- verein„Freundschaft", Abends 9 Uhr bei Oswald Berliner, Brunnen- straße.— Gesang- u. Mustlverein„F t rmita s", Abends 9 Uhr bei Tchnetder. Adalberlstr. 8.— Johanntsthal: Gesangverein„Zukunft", Ab. 8 Uhr, in Ludwigs Salon. Lüde ckstcher Turnverein, Männer- Abtheilung, Abends 8—10 Uhr, Elisabelhstr. 67—58,»öntgstädt. Gymnasium.,. Geselltger Beretn„Regina", Sitzung mit Damen, Abends 8% Uhr, in den Luisenstädt. Bierhallcn, Alle Jalobstr. 89,— Geselliger Club„B lau- v e t l che n", Abends 9 Uhr bei Stehmann, Melchiorstr. 13.— Pfropsenveretn „W e d d t n g", Abends SX Uhr bei A. Engel, Müller- und Antonstraßen-Eckc, — Vergnüaungsueretn„C a p r t c e", Abends 9 Uhr, Sitzung mit Dame» im „Marienbad", Badstr. 36— zg, Saal 1 Tr.— Verein ehemaliger Schüler der 99. Gemelndeschule, Abends 9 Uhr, lm Gesellschaftshause„Ostend", Rüdersdorserstr. 45,— Privattheater-Gesellschaft„Hoffnung", Abend» 8% Uhr, im Klubhaus, Ohmgasse 2.— Verein ehemaliger Schüler der 23. Gemelndeschule. Sitzung, AbendS 9% Uhr, bei Saeger, Gruner Weg 29. Rauchllub„D e z i in a l- W a a g e", Abends 9 Uhr bei Jnstnaer, Krauts- strabe 48.— Rauchllub„K e r n s p i tz e". Abend« 8% Uhr bei A. Bohl, Rüdersdorserstr. 8.— Rauchllub„8 0 1 1 e g l a", Abends 9 Uhr, Slalttzerstr. Nr.«3, Destillatton Böaer.—„H n nr 0 r t st t s ch e P f e t f e 11 b r u d e r", Abends 9 Uhr, in Rölltg's Salon, Reue Friedrich str. 43—44. SpreckflÄnl. Die Redaltton stellt die Benutzung de« Sprechsaals, soweit Raum dafür abzu- aeben ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Jnleresse« zur Verfügung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dein Inhalt desselben tdenltsiztrt zu werben. An die Gewerkschaften Berlins. Betreffs des von uns in neuerer Zeit veröffentlichen offenen Briefes, in welchem einige größere Etablissements wegen Saal- Verweigerung gekennzeichnet wurden, sind uns von verschiedenen Mitthellungen zugegangen, welche event. das Gegentheil beweise» sollten und uns veranlaßten, die Angelegenheit aufs Genaueste zu untersuchen. Wir sind nun zu folgenden Ergebnissen gelangt. Ter bevollmächtigte Vertreter von Kausmann's Variötä gab uns die Erklärung, daß er von dem Vorstand seines Polizeireviers be- einflußt wäre, keine Versammlungen abhalten zulassen und würde er sich dieser Weisung fügen. Als wir gewillt waren, mit dem Besitzer selbst zu sprechen, weil derselbe auch anwesend war, entfernte sich der Vertreter mit dem Bemerken, ihn zu uns zu schicken, zog es aber vor, uns zum Narren zu machen und uns eine Stunde vergeblich warten zu lassen. Ans diesen Borgängen werden sich die Arbeiter ihr llrtheil wohl bilden können resp. ihre Einrichtungen treffen müssen. Hinsichtlich der Adlerbrauereiist unS von dem Oekonomcn des Volksgartens mitgetheilt, daß der Pachtvertrag zwischen der Adler- branerei und dem Äolksgarten am 1. Oktober abgelaufen war. Wir werden dieses nun noch näher untersuchen, auf jeden Fall aber ist der Volksgar tcn für die Arbeiter ge- sperrt. Buggenhagen erklärt uns, 40 M, noch nicht verlangt zu haben, trotzdem uns verschiedene Mittheilungen in diesem Sinne zugegangen sind, und fordern wir daher alle Arbeiter auf, dies- bezügliche Meldungen sofort an uns gelangen zn lassen, um hier vollständige Klarheit zu schaffe». Auf jeden Fall ist wohl immerhin zu ersehn, daß die Arbeiter Berlins aufzupassen haben. Die Berliner Lokalkommifsion. Heindorf. Jnsinger. Depepckien. D,u,ziü. 19. November.(Telegramm des„Herold".) Das llrtheil gegen den ehemaligen Landesdirektor Dr. Wehr kautet auf eui Jahr Gefängniß unter Anrechnung der zehnmonatlichen Untersuchungshaft und gegen Holtz auf 9 Monate Gefängniß. Krispm wurde freigesprochen. .,, Tetrgvaphett-Kttvean.) Frankfurt a. W., 19, November. Der Redakteur der „Frankfurter Volksstimme", Hoch, welcher beschuldigt war, durch vier selbststandige Handlungen Se. Dtajestät den Kaiser beleidigt und Staat, eiurichtiingeu verächtlich gemacht zu habe», wurde in zwei d»Zeit für schuldig befunden und zu einer Gefängnißftrafe von 6 Monaten verurlheilt. Vnvi«, 19. November. Es bestätigt sich, daß der russische General Seliwerstow das Opfer eines Mordes ist. Ter Polizei- kommissar hat einen Brief gefunden, welcher dem Mörder die Gelegenheit gab, sich bei dem General Eintritt zu verschaffen. Der Brief enthielt eine Einladung zu einem Ball, welchen das Haus Bernoff in den französisch- russischen Salons in der Rue Royale geben wollte. Das Haus Bernoff bestätigte, daß es einen seiner Bediensteten, einen Polen auS Russisch- Polen, Namens Padlinsky, mit der Einladung zum General Seliwerstow gesandt habe. Dieser Padlinsky, der erst seit einigen Tagen in dem Hause Bernofs beschäftigt war, ist seit der Entdeckung des Mordes verschwunden. Zwei Russen, welche in der neulich ent- deckten Fabrikation von Bomben kompromittirt waren, sind in der vergangenen Nacht verhaftet worden. Der Generalprokurator Bastanon, der Untersuchungsrichter Guillot und der Chef der Sicherheitspolizei Goron sind mit der Untersuchung des Ver- brechens an Ort und Stelle beschäftigt. Die Bediensteten des Hotel de Bade sind bereits vernommen worden. Paris, 19. November. Gegen den Polen Padlinski(oder Padlewski), welcher der Ueberbringer des Briefes an den General Seliwerstow gewesen sein soll und nach dem gegemvärtig recherchirr wird, liegen schwere Berdachtsgründe vor. Die Ermordung des Generals geschah, wie angenommen wird, während derselbe eine Adresse schrieb, welche ihm Padlewski angegeben hatte. Letzterer konnte, ohne gesehen zu werden, die Wohnung des Generals wieder verlassen. Der Revolvcrschuß wurde von den im Hotel befindlichen Personen wegen des auf der Straße herrschenden Lärms nicht gehört. Tie verhafteten beiden Russen sollen mit dem muthmaßlichen Mörder in Verkehr gestanden haben. Padlewski wohnte zur Zeit der letzten Nihilistenverhaftungen in Paris, verließ aber um diese Zeit die Hauptstadt und flüchtete sich nach Galizien. Ter General war/ wie verlautet, früher Adjunkt des Petersburger Polizeichefs. Die hiesige Agentur des russischen Finanzministeriums demeutirt die Nachricht, die russische Regierung habe durch Zurückziehung von bei Baring Brothers deponirten Summen die Verlegenheiten des Hauses herbeigeführt. Paris, 19. November. Einer der beiden in der vergangenen Nacht verhafteten Russen, Namens Mendelso», ist in Haft be- halten worden. Mendelson der auch in dem jüngsten Nihilisten- Prozeß wegen Anfertigung von Bomben ver- wickelt war, hat mit Padlewski, dem muthmaßlichen Mörder des Generals Seliwerstow Berkehr unterhalten. Von Mitternacht an wurden bei allen hier wohnenden Russen, welche in den Prozeß vom Februar verivickelt waren, zur(%' Mittelung von Podlewsli Haussuchungen vorgenoinnie» Man fand die Wohnung Podlewski's in der Rue Simeck im Stadttheil Montmartre auf und entdeckte in derselbe» Rcvolverpatronen von demselben Kaliber, wie diejenige mit der Seliverstow ermordet wurde. Im Lause des Nachmittags wurde die Frau Mendelson durch den Untersuchungsrichter vernommen der Medetlrtiott Brief erhalten. Weitere- Bei den massenhaften Versammlungsberichten, die ''—-■*-------- x«. JWp Kerrn 3. K. Georg Arthur. willkommen. cch. Ii. wii mivm,*..~-7'"�1« Berich! Der'Raum über eine �,-----------------,, einige Tage später zur Veröffentlichung gelangt. unserem Blatte ist gerade zetzl sehr beschränkt. Schuhmacher S. Ihr Ausruf kam für die heutige Numi»e zu spät. (!). Iii., Zigarrrnarbeiter, Iiouskirchsiratze. Wir habe die Stellen gestern veröffentlicht. IV. 3. 6 M. resp. 9 M. Unserem Freunde u. Genossen August ein donnerndes Hoch zu seinem Geburts- tag, daß der verlegte Sonntag aus einen Donnerstag übergeht. 602 Die vielen Freunde. Dem Budiker August Giinther zu seinenr heutigen Geburtstage ein drei- mal donnerndes Hoch! August, sind o»ch die Harfenmädels da? 598 0. R. W. Z. F. M. H. W. Danksagung. Allen Freunden und Verwandten sowie dem Rauchklub„Nordstern" und insbesondere dem Arbeiter-Gesangverein „Hoffnung" zu Friedrichsberg sage ich hiermit meinen besten Tank für die Theilnahme bei dem Begräbniß meiner lieben Frau. 004 Carl Dirtzr uebst Kindern. WMrnWi# htv Gürtler. Zu der am S o n n t a g, den 23. N o- v e m b e r, Vormittags lOVe Uhr, in Sanssouci, K o t t b u s e r st r. 4 a, stattfindenden Generalversammlung werden die Herren Delegirten ergebenst eingeladen. 585 Tagesordnung: 1. Neuwahl des Vorstandes. 2. Wahl einer Kommission zur Prüfung der Rechnungen des laufen- den Jahres. Der Dorstand. gez. 0. Kneilf, Vorsitzender. zmMeil-UnterWilllgsW der kürtlergejellen zn Berlin. Die Mitglieder werden zu der am 23. November, Vorm. W/2 Uhr, in dem Lokale Sanssouci, Kott- b u s e r st r a ß e 4 a, stattfindenden General Versammlung hiermit ergebenst eingeladen. 586 Tagesordnung: 1. Neuwahl des Vorstandes. 2. Wahl einer Kommission zur Prü- fung der Rechnungen des lausenden Jahres. 3. Bericht über die Lage der Kasse. NB. Auf diese Versammlung werden die Mitglieder noch besonders ausmerk- sam gemacht. Der Uorsta»zd. Versammlung der Freien Vereinigung d. Lohgerber u. Lederzurichter Berlins am Sonntag, den 23. November, Vormittags IO'/s Uhr, Weinstr. 11 bei Feindt(Herberge). Tages-Ordnung: 1. Zentral- oder Lokalorganisation? 2. Diskussion. 3. Wahl eines Tele- girten. 4. Verschiedenes. 588 Der Dorstand. Freie Vereinigung der Kaufleute. Heute, Donnerstag, 20. November er., Abends 8V2 Uhr: kr. Mitglieder-VersllMlvkg bei Deigmüller, Alte Jakobstr. 48a. Tagesordnung: 1. Eugen Richter's Irrlehren über Sonaldemokratie. Referent: Herr Dr. Lälgenau. 2. Diskussion. 3. Ver schiedenes.— Jedermann hat freien Zutritt. Um zahlreiches Erscheinen bittet 597 Der Dorstand. Achtung! Mein. Arbeiterinnen-Verein. Durch Jrrthum ist Zeit und Oft der Versammlung des Arbeiterinnen- Vereins Berlins und Umgegend falsch angegeben; dieselbe findet am Freitag, den 21. November, Abends 8 Uhr, im Lokale Dismarckahöhe, Wilmers- dorfrrstr. BW, mit derselben Tagesordnung statt. A. Fahrenwald, Schönleinstr. 603 24, die Beleidigung, 1890 im Meier'schen die ich Ich nehme am 19. Oktober Lokal gegen Frau Hamann, Garten� straße 118 wohnhaft, ausgesprochen habe, hiermit zurück. B. Neupert.*02 Verkauf nur gegen Baar| zu streng festen Preisen. » ailwi®' •e (Gvölitr ijewett Illtlder Dltv h gntt Stettins! Berlin N., Berlin SQ., Berlin 0, Ma. WenWe 8. 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