lr. AVA. Freitag, den 21. November 1890. 7. Iichrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. scheint iSoK*«B erliu er Volksblatt" ��MMWSWS MeMMMWWZ Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -, Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4100.«- NedaKtion: Veuthfirstzv Ä.— Exprvikion: DeukhflrAße 3. , Die WiNensUznsk «üb die Vourgeoisie. ob öanze Kulturwelt ist von hoher Freude erfüllt all' h �ch�"'achenden Erfindung des Dr. Koch. Durch der ßu aber zieht sich, wenn auch unausgesprochen, ivirkl:? e, daß wir es endlich einmal wieder mit einem ftfirüf' �'e ganze Menschheit segensreichen Fort- Gpj,-. du thun haben. Wie hoch steht der Triumph des gl' 3'"en der schlichte Gelehrte errungen, über all' den g �en' die eine neue Schlachtordnung konstruirr, über Lt. P Technikern, welche die Mordmaschinen verbessert �.enn diesem Manne, der mit beispielloser Zü'�arbeit einen der tückischsten Feinde des blühenden "'ol' f n eden§ mit Erfolg bekämpft hat, einst ein Denk- Wem k 10'rd/ dann wollen auch mir mit aufrichtigstem % Qr 11 dazu beisteuern. Hier haben wir einen der »„a v � a H x r o e n des deutschen Volkes vor W]s e§ nöthig hat, sich erst von dem Reptilien- dw„Genie" ausposaunen zu lassen. ftlia» r. dieser Erscheinung wird so recht die arm- „ A M spießbürgerliche Auffassung zu Schanden, daß kej,® d c n Anreiz des Erwerbes" und 5W& v5en Belohnung" mit Geld und Gut kein ein fei. und kein Schaffenstrieb vorhanden sei, Zz�jL-�udiger Ladenhüter aus der weiland Schulze- ißL.r'h schen Waarensammlung, der neuerdings von den i»� �g�ehrten Richter und Barth mit dem Auf- ivy� aller verrotteten Gemeinplätze wieder vertheidigt Wfe � Nach dieser Theorie hätte ein Koch seine totrnem cn öum Heile der Menschheit nur dann anstellen Nxt"' uienn ihm in der Ferne der nöthige„Unter- toiM A,* gewinn" als Lohn für seine Arbeiten ge- ein«?« Ter'armselige Bourgeois-Krämergeist, den öko»'''ss�uschaftliches" Hohlkopsthum zur Grundlage seiner sschen Weltanschauung gemacht hat, kann nicht ver- k ß auch einen höheren Anreiz giebt, als den ihr Mammons, den Anreiz, für die Menschheit und Wieb! ��heu etwas zu leisten und in solcher Leistung $ung zu finden. Diese Befriedigung ist für jeden irkr�it gebildeten Memcben in der getreuen Pflicht- Ivo s!.' rsuie es im kommunistischen Manifest heißt, und kann, verwandelt sie ihn auch in einen solchen. rk'HciMn r•* hi.i. fCifeu not* iyii )tQNim(,-rUn�. frierend brütet der Erfinder im � Cln' bis endlich der große Gedanke kommt, "»chd, m»erb»,«,,., �eu Metott. [45 Mictoria. Noinau von Minna K a u t s k � ent; ,..S» Jh«,«- UM-WM WW *§?■ «IM»'---»»»UI Vit IUCI1 tlliv vv Vinvv.» I'. gaiterte einige Worte des Dankes und schüttelte den Kopf. der einschlägt. Kommt er aber nicht— und er kommt sehr häufig nicht, weil dem mittellosen Genie das Material zu Experimenten fehlt— so muß der Erfinder sich aus- lachen lassen und wird als„halber Narr" behandelt. Man denke nur an Robert Mayer, den genialen Entdecker der Wärmetheorie, der ins Narrenhaus kam. Wenn Dr. Koch nicht zu einem Resultat gekommen wäre! Nun, dann wäre der selbstlose Arbeiter im Dienste der Menschheit, trotzdem seine Arbeiten nicht weniger opservoll gewesen, von den Erwerbsmenschen und ihrem„gelehrten" Lakaienthum verspottet worden. Aber die Größe der That Koch's liegt ja gerade darin, daß er nicht durch eine zufällige Inspiration, nicht durch eine plötzliche Entdeckung, nicht durch Einwirkung irgend eines günstigen Ereignisses, sondern durch exakt- w i s s e n s ch a f t l i ch e und syst e m a t i sche Forscher- arbeit zu einem Ziele gekommen ist, das er sich s e l b st gesteckt hatte. Darin liegt eine ernste Mahnung, die Forschung künftig zu o r g a n i s i r e n und z u z e n t r a l i s i r e n. Das ist Aufgabe des Staats. Wenn man die Forschung der Fürsorge der Bourgeois-Gesell- schaft überläßt, so muß sie wie das elendeste Aschenbrödel hungernd am Herde sitzen und sich umsonst abquälen. Edison war so ziemlich der erste, der die wissen- schaftliche Forschung in ein System von größerem Maß- stabe brachte. Das zünftige Professorenthum hat manche seiner Entdeckungen für Hunibug erklärt. Dem mag sein wie ihm wolle; zweifellos ist, daß Edison durch seine Entdeckungen das Verkehrswesen vervollkommnet und die Elektrizität weiterhin nutzbar gemacht hat. Auch er hat neue Bahnen erschlossen, die noch zu großen Triumphen der Wissenschaft und Technik führen werden. Die Bourgeois-Gesellschaft ist zu egoistisch, um hier planmäßig vorzugehen und die Mittel für großartige Forschungen zusammenzubringen. Aber Sache des Staats ist es unter allen Umständen, die systematische Forschung zu erleichtern. Es sollten Mittel ausgeworfen werden, um Laboratorien und ähnliche Anstalten in großem Maßstabe zu errichten, wo die Forschung gefördert werden kann. Ein systematisches und planmäßiges Vor- gehen würde unsere ganze Entwicklung vorwärts bringen und wir hätten dann nicht mehr nöthig, abzuwarten, bis der oder jener Grübler zufällig auf einen neuen Gedanken kommt. Die systematische und zentralisirte wissenschaftliche Arbeit überwindet alle Schwierigkeiten leichter und führt eher zum Ziel. Die höhere Leistung der Kollektivarbeit wird in der wissenschaftlichen Welt genau so zu Tage treten, wie in der ökonomischen. Die G e l e h r t e n- R e p u b l i k hat es nicht nöthig, ihre Kräfte zu zersplittern; sie muß die- „Ich stnde keine Ruhe seitdem und keinen Trost, und Sie mich nicht. Huber, o, ich weiß wohl, was Sie leiden, wenn Sie auch die Kraft haben, Ihren Schmerz zu ver- schließen. Ach, er hatte nicht sterben müssen, der arme Bub, wenn—" Huber unterbrach sie mit einem„Pst!" Es kam Jemand über die Brücke. Sie hielten den Athem an und horchten. In der Stille der Nacht hörte man deutlich Schritte, die sich dem Hanse näherten. „Ter Vater!" flüsterte Mili zusammenschreckend. Im nächsten Augenblick stand sie in Paul's Zimmer, und in ebenso rascher Weise, nur ihrem Instinkte gehorchend, löschte sie das Licht. Und lautlos standen sie Beide, sich an den Händen haltend, die Blicke gegen das Fenster gerichtet. Eine dunkle Gestalt trat jetzt vor die Ocffnung. „Mili!" rief der alte Brandhofer in seiner rauhen zornigen Weise,„mit mir spielst nicht Verstecken, das bild' Dir nicht ein, oder ich wcrd' Dir übel mitspielen." Ehe man sich's versah, war der alte vierschrötige Mann zum Fenster hineingesprungen. „Licht machen!" schrie er dem Huber entgegen, der ihm entgegentrat,„Licht! Licht! Ich weiß zwar/ was ich zu sehen krieg, aber ich will's doch mit eigenen Augen sehen, weil ich's am End' sonst nicht glauben könnt'!" Schon hatte er selbst ein Streichholz hervorgezogen und mit einem Strich an seinem Bcinkleide entzündet. Paul war bereits mit der Lampe beschäftigt. Seine Hand, die den Docht anzündete, war ruhig. Alsbald war die kleine Stube hinlänglich erhellt und Vater Brandhofer konnte sich darin umsehen. Seine Tochter selben zusammenfassen und wird, wenn sie dies gethan, von Triumph zu Triumph schreiten. Wenn Dr. Koch nun nicht in der Lage gewesen wäre, seine Experimente zu machen? Wenn sein Vermögen oder die Vortheile seiner amtlichenStellung nicht dazu ausgereicht hätten, wenn er ein armer Teufel ohne alle Hilfsmittel gewesen wäre, ein„gelehrter Proletarier" vielleicht, ein Arzt, dessen Erwerbssorgen und sonstige ungünstige Verhältnisse ihm nicht erlaubt hätten, sich mit so tiefen bakteriologischen Forschungen zu beschäftigen? Dann würde die Schwind- sucht heute noch eine so völlig unheilbare Krankheit sein wie bisher. Das schmälert das Verdienst des großen Gelehrten nicht im Geringsten. Aber wie armselig müssen Einem da die landläufigen Bourgeois- und Krämerseelen-Sprüche vorkommen! Gottlob, daß es auch Menschen giebt, für die es nicht des„Anreizes" eines in der Ferne strahlenden Geldsackes bedarf, um sie zu veranlassen, mit Fleiß, Ernst und Ausdauer zu schassen an Werken, die der Gesammt- heit zu Gute kommen! Mdvvskirimdsnzeu. Düsseldorf. Im Düsseldorfer Geheimbunds- Prozeß, einem Nachzügler des verflossenen Sozialisten- gesetzes, fand am Montag Abend 7 Uhr die Urtheils- Publikation statt. Es wurden die Genossen Fischer, Fingier, Roßmüller und G. Heine zu je einem Monat Gefängniß verurtheilt, zwei weitere Angeklagte aber freigesprochen. Damit wird sich mm hoffentlich auch der Düsseldorfer Sozialisten- tödter, Polizeikommissar Tilger, zufrieden geben, und keine Geheimbundsprozesse mehr einfädeln. Er läuft dann auch keine Gefahr mehr, beim Sozialistenfang im Uebereifer geheime Akten- stücke zu verlieren und damit sich selbst und seine Vorgesetzten mit zu blamiren. *« ♦ Apolda, den 19. Nov. Gleich dem 20. Februar d. I. haben vie hiesigen Arbeiter bei den am 15. d. M. stattgefundenen GemeinderathS-Ersatzwahlen einen vollständigen Sieg über alle Parteien davongetragen. Sämmtliche von den Arbeitern aufge- stellten Kandidaten(8 an der Zahl) sind mit großer Majorität theils neu-, theils wiedergewählt worden. Ein Bravo den Apoldaer Arbeitern! Äraunfchwrig, den 19. November. Wir sind' bei der Wahl unterlegen— ein Ausgang, bei dem wir leider nicht ohne Schuld sind. Ich will auf die Gründe nicht naher eingehen— genug, wir kennen sie, und Gleiche? soll nicht wieder vorkommen. Haben wir uns hier eine Niederlage geholt, so haben wir da- gegen in S ch ö n i n g e n, wo Genosse Wassermann gewählt wurde, glänzend gesiegt. hatte sich soweit als möglich von ihm zurückgezogen und lehnte an einer wackeligen Kommode. Paul blieb am Tische stehen, und die Arme ver- schränkend, blickte er den Eindringling fest und gleichsam herausfordernd an. Dies war nicht geeignet, den zornigen Mann zu besänftigen. Er wandte sich zuerst seiner Tochter zu. „So treibst Du's also? Läufst dem Manne des Nachts H die Stube! Schämst Du Dich nicht. Du— pfui!" Er spuckte aus die Seite. „Vater!" rief das Mädchen, halb unwillig, halb bittend, „lassen Sie sich doch sagen." „Der Alte fuhr mit der Faust gegen sie los, aber Paul trat dazwischen. „Ihr Zorn ist ganz ungerechtfertigt, Herr Brandhofer, und Ihre Voraussetzungen sind grundlos. Ich muß Sie daher bitten, sich zu mäßigen und mich anzuhören." Er erzählte in kurzen Worten, wie Alles gekommen, aber Brand- hofer war dadurch keineswegs gebändigt und bald sie, bald ihn apostrophirend, schrie er: „Also an's Fenster bist Du gekommen; so, n u r an's Fenster? Ei, aber mir ist das schon zu viel, wissen Sie? Und Du willst Dir auf Deinen Stolz was einbilden und gehst zu einem Arbeiter fensterl»? Aber ich Hab' mir's ja immer gedacht, zu im? wären denn auch die Wasserwerke immer in Bcwezuug gewesen, wenn Dir der der Mensch so glcichgiltig gewesen wäre. Aber ich duld' keine Liebschaft mit Ihnen, hören Sie? und auf das Mädel machen Sic sich keine Hoff- nnng, mit der Hab' ich andere Pläne." Paul verharrte in seiner ruhigen Stellung und verzog nur den Mund zu einem bitteren Lächeln.„Das würde mich wenig kümmern. Die Zustimmung des Familien-Ober- Sviefe ans Frankreich. Paris, 8. November. Nach dem Kongreß der Arbeiterpartei, d. h. des politisch orgmüsirte» französischen Proletariats, der Kongreß der Gewerkschaften oder Trades-Unions, wie die Engländer sagen. Der letztere wurde vom 13. zum 19. Oktober in Calais, als die Tüllarbeitcr mitten im Streik standen, abgehalten; und was dem, der ihn äußerlich mustert, zuerst auffällt, das ist die große Zahl der beiden Kongressen gemeinsamen Delegirten. Erst später bemerkt er die Uebereinstimmung der in Calais und Lille angenommenen Resolutionen. Die in einer Anzahl von mehr als 500 vertretenen Gewerkschaften haben die Fragen in Betreff des I. Mai 1891 und des Generalstreiks des Hafenarbeiter, die auf der Tagesordnung standen, im Geiste, wenn nicht mit den Worten des Arbciterkongresses beantwortet. Sie haben sich zu Gunsten aller der theilweisen und sofortigen Reformen, die im Programm der Partei stehen, ausgesprochen: Gesetzlicher Achtstundentag, Beseitigung des Rechtes der Unternehmer, Geldstrafen zu ver- Hüngen, Ueberwachung des Lehrlingswesens durch die Gewerk- fchasten, Unterricht und Unterhalt der Kinder durch die Nation, Haftpflicht der Unternehmer bei Unglücksfällen, und der Sicher- heit halber Hinterlegung einer Kaution der Unternehmer in den Ärbeiterkassen u. s. w. Auch die letzten Forderungen der Arbeiterpartei wurden gestellt: Uebergang aller Produktionskräfte, wie Boden, Berg- werke, Eisenbahnen, Werkstätteu, Maschinen u. s. w. in den Besitz der Allgemeinheit, und gleichzeitig wurde der Internationalismus betont, indem der 5iongreß seine Betheiligung am internationalen Kongreß zu Brüssel(im nächsten Jahre) versprach und den englischen Trades-Unions und der deutschen Sozialdemokratie seine Glückwünsche sandte. Das zeigt, daß der nationale Gewerkschaftsbund, dessen Kongreß zu Calais der 4. Jahreskongreß ist, lobgleich er 1886 zu Lyon auf durchaus korporativer Basis zusammentrat und nach seinen Statuten jedweder Politik. entsagte, sehr bald vom Sozialis- mus ergriffen worden ist. Die Regierung hatte stark auf die Hilfe des Gewerkschastsbundesgerechnet, um die Arbeiter Frankreichs den„Umtrieben der Revolutionäre" zu entreißen; sie hatte in der .Hoffnung hierauf dem ersten Kongreß eine Unterstützung von 10 000 Fr. zukommen lassen, aber sie hatte die Rechnung ohne den Wirth gemacht, diesmal ohne die schon zur Partei zählenden Arbeiter, welche daraufhin die Nothwendigkeit begriffen in die Gewerkschaften einzutreten, und eintraten. Da dies die intelligentesten und thätigsten Arbeiter waren, so befanden sie sich natürlich bald in der Leitung ihrer resp. Körperschaften, die sie in sozialistischem Sinne lenkten, und so gut lenkten, daß unser Proletariat an Stelle der einen für seine Befreiung kämpfen- .den Armee jetzt zivei hat: die eine— die Arbeiterpartei— greift überall die politische Macht der Bourgeoisie an, dringt mit Hilfe des Stimmrechts in die wählbaren und leitenden Körperschaften und wartet, bis der Moment kommt, der ihr die Staatsgewalt in die Hände liefert; die andere— der Gewerkschaftsbund— inehr Gegner der Unternehmer, als der Regierung, gebraucht als Hauptwaffe» den Streik und den Boykott. Hier die Dienste, welche uns der Letztere leistet. Da die Ge- werkschaften, aus denen er sich zusammensetzt, ihren Mitgliedern kein Programm auferlegen, weil sie allen Arbeitern desselben Ge- werbes ohne Unterschied offen stehen, mögen diese nun Konser- vative oder Sozialiste», Monarchisten oder Republikaner sein. und da sie sich der Befriedigung ihrer gemeinsamen Interessen widmen, so kommen alle Arbeiter, die das Bedürfniß fühlen, sich zur Bertheidigung ihres mehr und mehr geschmälerten oder be- drohten Lohnes zu vereinigen, ohne Mißtrauen zu ihnen und lassen sich aufnehmen. Einmal in der Gewerkschajt, in täglicher Berührung mit dem sozialistischen Element, halten die Borurtheile gegen den Sozialismus, die ihrer Unwissenheit oder den elenden Bourgeoisblättern, welche ihnen ihre tägliche Nahrung bieten, entsprangen, nicht Stand vor dem, was sie sehen und hören. Die Neutralität der Gewerkschaften wird so für uns zu einem mächtigen Rekrutirungsmittel. Das haben die Opportunisten, die uns regieren, trotz ihrer Kurzsichtigkeit doch endlich eingesehen. Deshalb haben sie auch dieses Jahr einstimmig jede Unterstützung abgelehnt, die von den Generalräthen oder Stadträtheu des Rhonedepartements, des Deparments der Rhonemündung und anderer verlangt worden war, uni Delegirte nach Calais zu entsenden. Das nennt man „den Brunnen zudecken, wenn das Kind hineingefallen ist".. Was der Kongreß von Calais Besonderes leistete, kann man wie folgt zusammenfassen: Wie die vorhergehenden Kongresse von Bordeaux(1888) und Montluyou(1887) forderte er die Revison des Gesetzes über die Gewerkschaften, welches diese einer polizeilichen Kontrole unter- wirst und fremde Arbeiter von ihrer Leitung ausschließt, und beantragte folgende Formulirung in einen einzigen Artikel: „Die Richtung und Verwaltung der gewerkschaftlichen Gerichshöfe sind frei." (La Constitution et le fonotionnerneut des syndicats pro- fessionnels sont libres,) Hauptes spielt nur bei Geldheirathen, wo es sich um die Mitgift handelt, eine Rolle, unter Besitzlosen ist sie nicht von Belang." Ter Alte glotzte ihn an, als hätte er nicht recht gehört. „Wie meinen Sie das? Bei Ihnen Hütt' also der Vater nichts drein zu reden; ah, das wäre neu, aber das giebt's nicht. Ich Hab' das Recht, mein Kind vor einem Unglück zu bewahren, und das wär' das größte, was sie treffen könnt'." Die bräunliche Wange des jungen Arbeiters erblaßte sichtlich. „Ich will Sie nur beruhigen, Herr Brandhofer," sagte er nicht ohne eine gewisse Hoheit;„ich denke nicht daran, Ihr Kind unglücklich zu machen. Ich habe ihr gegenüber nie- mals den Bewerber gespielt, und sie hat mich auch, niemals dazu ermuthigt. Sic können sich daher Ihre Winke und zarten Andeutungen ersparen." „Wer's glaubt," brummte der Brandhofer in den Bart. Aber im Ton und Wesen des jungen Mannes war etwas, das ihm unwillkürlich iniponirte. Der Hnber war freilich nur ein Arbeiter, aber doch eigentlich ein anständiger Kerl, und als solcher mußte er begreifen, daß ein Bürgermädchen nicht für ibn passe. Aber s i e war die Tolle, die ihm nach- lief, und ihretwegen war er keineswegs beruhigt. „Soll mich freuen, wenn Sie ein Einsehen haben, Hnber," sagte er mit einer gewissen Gutmüthigkeit,„aber dann setzen Sie ihr nur gleich selber den Kopf ordentlich zurecht. Die Weibsbilder müssen immer von uns Männern zur Vernunft gebracht werden, das ist eine alte Geschichte; und wenn die Mili auch sonst sehr gescheidt ist, und das hat sie von mir, so kommt über jedes Frauenzimmer doch einmal der Raptus, das ist wie eine Kinderkrankheit, und da heißt's zurückhalten, denn die Reue kommt hinterher, aber zu spät, und daher sagen Sie ihr nur ganz offen und ungenirt, daß— daß—" „Daß sie für mich viel zu gut wäre," ergänzte Paul znit einem kurzen Lachen, das gleichwohl die ganze Auf- rcgung seines Innern verrieth.„Nicht wahr, das meinen Sie doch, daß ich ihr sagen soll?" Und in einem schneidenden Außerdem hat er eine vollkommene Umwälzung in der Recht- sprechnng der Schiedsgerichte ans folgenden Grundlagen verlangt: I. Alljährliche Ernennung der Schiedsämter zur Hälfte; 2. Eni- schädig un g der Arbeitermitglieder mit dem höchsten ortsüblichen Lohn; 3. Wahlrecht und Wählbarkeit der Frauen; 4. Ausdehnung des Instituts dieser gewerkschaftlichen Gerichtshöfe auf alle Ar- beitergruppen, welche es wünschen(Angestellte der Eisenbahnen, Magazine u. s. w.) Er hat die öffentlichen Gewalten aufgefordert, die Inspektion der Hüttenwerke und Fabriken einer von den Gewerkschaften ge- wählten Kommission anzuvertrauen, die jetzigen Inspektoren zu entlassen und den neuen freie Fahrt auf allen Eisenbahnen zu gewähren. Tie Wünsche, welche er hat laut werden lassen, richten sich auf die Aufhebung des Gesetzes gegen die Internationale und der Artikel 919 und 913 des Strafgesetzbuches(Beschränkung der Freiheit der Arbeit); auf Unterdrückung der Stellenvermittelungs- Bureaus, und baldige Einberufung eines Sonderkongresses der Seearbeiter oder Matrosen der Kauffahrteiflotte. Endlich hat er Marseille als Sitz für den nächsten Kongreß erwählt. Gemäß den Statuten haben die Gewerkschaften der Stadt, in welcher der Jahreskongreß abgehalten worden ist, den National- rath zu ernennen, dessen Aufgabe es ist, die Geschäfte des Bun- des für das laufende Jahr zu leiten. Die Gewerkschaften von Calais, alle Anhänger unserer Partei, und von denen eine einzige— die der Tüllarbeiter— gegen 3000 Mitglieder zählt, werden also diesmal den Nationalrath für 1890/91 einsetzen. Das wird die ökonomische und politische Thätigkeit des französischen Proletariats noch enger miteinander verbinden. Es war der Bürger Luchize, der alte Sekretär der Weber von Cours, in den letzten Wahlen zum Deputirten gewählt, welcher den Kongreß schloß, indem er eine ungeheure rothe Fahne, „die Fahne der sozialen Vergeltung", unter dem brausenden Jubel der Delegirten und des Publikums entfaltete. Er vertrat die Gewerkschaften des Rhonedepartements, welche als Antwort auf den Vorwurf, den die Bourgeoispreffe den streikenden Ar- beitern Calais' machte, daß sie englisches Geld annähmen, erklärten, sie hätten während ihres letzten Streiks deutsches Geld angenommen, und sie seien stolz darauf, denn sie betrach- teten die Arbeiter Deutschlands als ihre Brüder, die französischen Unternehmer aber als ihre Feinde. Volrkisrho MebevstLhk. Berlin, den 20. November. Die Grldkrisio, deren Weiterentwickelung von allen Kapitalisten Europas und Amerikas mit ängstlichen Blicken, von den Sozialdemokraten mit wohlberechtigter Genug- thuung, um nicht zu sagen: Schadenfreude— verfolgt wird, ist, wie jetzt hinterher auch von den Verthcidigern des kapitalistischen Produktionssystems zugegeben wird, kein zu- fälliges Ereigniß, sondern das nothwendige Resultat von Thatsachen, Vorkommnissen und Erscheinungen, die mit dem Wesen dieses Produktionssystems organisch zusammenhängen und von ihm untrennbar sind. Es ist thöricht— was bei jeder Krise und auch gegenwärtig geschieht— zu sagen, durch größere Vorsicht hätte der„Krach" ver- mieden werden können; man hätte nicht so toll überspcknliren und überproduziren sollen. Die Ueber- Produktion und Ueberspckulation läßt sich von der kapita- listischcn Wirthschaft einfach nicht trennen, sie ist das un- vermeidliche Erzeugniß der Selbstsucht einer- und der Regellosigkeit andererseits, welche die Triebfeder und die Natur der herrschenden Gesellschaftsordnung bilden und deren verderbliche Wirkungen durch leine Vorsicht abgewandt werden können. Die„Vossische Zeitung" bringt über die Krise einen Artikel, der zwar von den Illusionen des naiven, an die beste der Welten glaubenden Bourgois nicht frei ist, aber im Ganzen eine gute Uebersicht der finanziellen Situation bietet. Er beginnt nnt einem gewissen Galgenhumor und lautet in seinen Hauptstellen wie folgt: „Und scheint die Sonne noch so schön, einmal muß sie untergehn", das ist eine alltägliche Weisheit, und wer prophe- zeit, daß ans den Rausch der Katzenjammer folge, läuft Gefahr, gescholten zu werden, daß er mit Gemeinplätzen um sich werfe. Aber was so wahr ist, daß es nicht erst gesagt zu werden braucht, wird darum noch nicht immer beherzigt. Wäre es be- herzigt worden, so blickte man heute nicht ängstlich über den Kanal und sorgte man nicht ob zeder neuen Meldung über die Wechsel von Baring Brothers und den Zinsfuß der englischen Bank und die Kuponszahlung von Argentinien und Uruguay. Die Kurse sinken, das Vertrauen schwindet, und eine gründliche Ton, der humoristisch klingen sollte,„nun, Sie verlangen gerade nicht wenig von mir, dem Arbeiter, dem Proletarter. Aber das ist die beliebte Weise, die man überall uns gegen- über in Anwendung bringt. Man verweist uns aus die niedrigste gesellschaftliche Stufe und stellt zugleich an unsere Mäßigkeit, an unsere Klugheit und Ehrenhaftigkeit die hoch st e n Ansprüche. Man erlaubt uns, Helden zu sein, wo es sich um Entsagung handelt. Also Fräulein Mili, ganz ungenirt und ohne Umstände, ich warne Sie vor mir. Lassen Sie sich's ja nicht einfallen, einen Kerl zu lieben, wie ich bin, der in seiner Miserabilität es weder zu hoffen wagte, noch auch nur wünschen möchte, daß Sie seine Frau würden." „Da hörst Du's," rief Brandhofer, der nur den Schluß aufzufassen vermochte. Mili hatte ihre Augen nicht von Paul abgewandt, der so hoch aufgerichtet dastand, in seiner schönen jugend- kräftigen Gestalt, und dessen ausdrucksvolles geistig belebtes Gesicht, mit den dunkelblitzenden Augen, in einem schreienden Mißverhältniß zu seinen Worten stand. „Sie thun mir weh. Huber!" sagte das Mädchen in einem tief vorwurfsvollen Ton,„und Sie wollen mir ab- sichtlich weh thun, denn so denken Sie nicht, so fühlen Sie nicht." „Ei, Fräulein Mili, wer fragt denn danach, was wir denken und was wir fühlen? Bei uns armen Teufeln handelt sich's nur darum, was wir dürfen." „So ist's; ganz Recht hat er," sekundirte der Sattler. Paul fuhr in gesteigerter Leidenschaftlichkeit fort:„Wir dürfen uns eine Dirne beigesellen, das ist erlaubt; wir dürfen auch ein Mädchen heiratheu, das durch die Ent- behrungen, die es von Jugend an erduldet, bereits ver- kommen und geistig und körperlich siech ist, Niemand hat etwas dagegen einzuwenden, aber auf ein gesundes wohl- erzogenes Wesen, das noch frisch und frei in die Welt sieht, auf ein solches dürfen wir keinen Anspruch erheben." „Auch nicht, wenn dieses Mädchen Sie liebt?" fragte Mili mit bebender Stimme. „Siein, Mili, denn wir gehören zu jenen Enterbten, die kaum auf irgend ein Gut mehr Anspruch haben, denen Ernüchterung ist eingetreten, nicht nur in London und 8W' Jork, sondern auch hier zu Lande. Auf die Tage des üb»' schwänglichen Uebermuthes scheinen die Tage der Enttäusch� folgen zu sollen, von denen nur zu viele Bürger sagen wecket „Sie gefallen uns nicht!" „In welchem Maße muß die Spekulation alle berechtig� Grenzen überschritten haben, wenn ein Welthaus wie Bar«!} Brothers genöthigt ist, fremde Hilfe in Anspruch zu nehmi»- Derlei ist unerhört in der wirthschaftlichen Geschichte._ Handelskrisen haben sich abgespielt, gewaltige Firmen sind f' sainmengebrochen. Aber was sind Overend, Gurney u. Co»>� was Ouvrard und Comp., was Arnstein und Erkeles, Bontoux und endlich Conrptoir d'Escomvte gegen BarW9 Brothers? Ein Haus, welches dem englischen Volke Uuterhau-' Mitglieder, Lords, Minister gegeben hat! Ein Haus, dM Mitglieder spotten durften, daß sich jeder Lump, der«>w Millionen habe, schon Millionär nennen wolle! Ein Hn'-n- vor dem jeder Geschäftsmann in der ganzen weiten Welt de Hut zog! Der größte Geldgeber auf dem Erdenrund! Und nn» plötzlich ist es vorbei mit Ruhm und Dasein dieses Hnuses, da- sicherer schien als der Fels im Meere! Aber ist dieses End ein Wunder? In den sechs Jahren von 1883 bis 1888 Y« dieses eine Haus nicht weniger als 95 Millionen Pfund neu „Werthe" auf den Markt gebracht, das sind rund zwei Milliarde Mark! Und welcher Art Werthe! Wie wenn man>n d> Zeiten John Law's zurückversetzt war, in denen die Aktien a»i wahnsinnige Höhe stiegen, weil im Arkansasflusse ein Smarag' berg entdeckt sein sollte, begeisterte man sich für Argentime' Uruguay und andere Länder und Ländchen, in denen «nd Honig fließen sollten. In Argentinien sind in, Jahren 1882 bis 1889 neue Aktiengesellschaften mit enn'» Grundkapital von 841,3 Millionen Pesos oder 3450 Million� Mark gegründet worden! Man geberdete sich, als sn � Paradies gesundet! Nicht weniger als 200 Millionen Psi"'' will sagen über vier Milliarden Mark argentinischer Anleid wurden auf den europäischen Markt gebracht. Und dann. gann man mit fieberhafter Aufregung den Goldknrs» Buenos- Ayres zu verfolgen, und nun weiß man nicht, werden soll", wenn die südamerikanischen Republiken erklär sollten, daß sie die Zinsen ihrer Schulden nicht mehr zay können.. wäre freilich auch ohnehin nicht ausgeblieben. nur zu sehen, was Max Wirth in seiner neuesten, r--- ,... schienenen Ausgabe der Geschichte der Handelskrisen zusaaw rechnet, daß ini Jahre 1886 auf dem internationalen � markt neue Emissionen im Betrage von 4000, 1888 im Ben � von 5500 und 1889 gar in Höhe von 7000 Millionen gebracht worden sind! Deutschland hat zu diesem 'stich beigetragen, daß die Hälfte weniger.„ gewesen wäre. Beiläufig sind in die od l ■'------.-; j". i.-i— rjlioT bCV. äVflw�....... ,• ,5 b,e Konversionen nicht einbegriffen. Bei der tnnerung an die Konversionen aber kann man nicht umhin,% '—----- Man setzte � eine Unmasse Regierung einen neuen Vorwurf zu machen. Zinsfuß der Anleihen herab, man drängte ■ El .......----- ü---- P'frtrt'flflö'l' angelegten Kapitals zwangsweise aus sden sicheren Eiswv» papieren, manertheilte den Provinzen, den Kreisen, den je» die Ermächtigung, den Zinsfuß herabzusetzen, und trug- durch Verwirrung in die ruhigsten Kreise. Was Wu'ider- ein großer Theil des künstlich aufgestörten Kapitals w„ kunft in fremden Werthen, in zweifelhaften Grundu � suchte und fand, zumal man sich nicht überall nnt. vom Staate gebotenen und von den übrigen fchaften nachgeahmten niedrigen Zinsfuße begnügen Man schien sich an den entscheidenden Stellen einzu Deutschland versüge über unerschöpfliche Hilfsmittel; m niedrigere Zinsen und nahm um so mehr Anleihen aus, derte und Hunderte Millionen, bis man plötzlich*>. fpi liebsame Entdeckung machte, daß auch hier ein Maß Dingen ist.«.ckK „Aber die Erkenntniß kommt nur zu oft zu spät. ging die Gründerära. Es ist der Natur der Sache 0 wenn Geschäfte, welch« eine solche Ausdehnung geivonneii v� daß des Besitzers Arbeits- und Kapitalkraft nicht mey � reicht, die Form der Aktiengesellschaften annehmen, ck letzten Jahren aber war es nicht dieses Bedürfniß, Aktiengesellschaften schuf, sondern das Bedürfniß der w � sich zu bereichern. Man ging förmlich aus die Such � Geschäften, die sich in Aktienform bringen ließen; vi gß# auch verschiedene solcher Geschäfte, weil sie einzeln ö gcht waren, geflissentlich zusammen; man zahlte ungehe � Preise, steckte selbst ungeheuerliche Summen in die»apv � hatte dann die eherne Stirn, die Aktien noch mit»ng � lichem Aufgelds den gutgläubigen Bürgern anszu'"'�"'•-*" was mußte nothwendig die Folge sein? Schon-[lclt)., Jahre hat eine hervorragende rheinische Eisenfirma g „daß sie das Mehrfache des Buchwerthes ihres Ge � besitzes für denselben erhalten könnte, wenn sie stch. i„ ji' Wandlung in eine Aktiengesellschaft bereit finden ließe- Firma knüpfte an diese Mittheilung den Ausdruck Befürchtungen über die unausbleiblichen Folgen zeues nur die Arbeit geblieben ist, als die einzige Pstichi, � einzige Recht. Und wollen Sie wissen, was Sie n � bringt? Haha! Sie haben sich ja schon einmal umgesehen, Sie wissen ja, was ich befitze, wollen leicht diesen Besitz mit mir theilen? Haha, theilen- lachen Sie nicht, Mili, es ist doch sehr lächerlich' ,0 schaudern Sie bei dem bloßen Gedanken nur an eu Existenz?" „Es wär auch schauderhaft!" rief der Vater daz „so ein Arbeiter, es ist traurig genug, aber der hat 1 zutage gar keine Existenz mehr." G"' „Und darum, Emilie, wenn Sie mir auch tvtr Mitwären, und wenn ich niit allen Fasern meines Sie liebte, so würde ich doch über diese Liebe tfO denn sie bedeutet nicht nur Ihr Unglück, sie>sa Verdammung."„ ,.jes «Das freut mich, das ist schön von Jh»e>t,.c» f Sattler in lebhafter Zustiimmmg.„Und jetzt ko>% ti" ihr auch sagen, daß sie nicht länger eigensinnig st» � gute Partie, die sich bietet, von sich weisen soll.. M 1 „Eine gute Partie? ah!" Eine dunkle Roth Paul's eben noch so blasses Gesicht. ist c:!- „Ter Birnstengel hat um sie angehalten. G» � iij' große Ehre für sie, denn ich kann ihr nichts tintg@«1' sie ist 24 Jahr alt; sie soll sich nur nicht zieren,{% f' und Gott danken, daß sie so einen Mann kriegt, o sorgt und glücklich macht." Obwohl-in der dritten Person sprechend, 1:1' ,|( Sattler diese Worte direkt an seine Tochter.. miD „Glücklich mit diesem Birnstengel!" rief dtef' schüttelte den Kopf, wie von dem Gedanken eMpo' :IÄf t" Än?% immer eine Garantie.". „Bei einem Kleinbürger ist ihr auch nichG als Sorge nndßEtend," erwiderte Paul kurz. „Oho, es giebt Wohlhabende genug unter u> (Fortsetzung folgt.) dungstreibens.„Einige Jahre würden die neuen Gesellschaften vielleicht hohe Dividenden geben, aber alsdann würde ein -nuckschlag eintreten, der, wie in den siebenziger Jahren, viele tleme Leute treffen und ins Verderben stürzen müßte. All- Malig wurde, vermöge des Zusammenhanges zwischen den Einzelnen Gebieten des Erwerbslebens, die Gesamintheit wie vom Taumel ergriffen. Tie Kurse erreichten schwindelhaste Höhen, und der Warner predigte tauben Ohren. Schien doch ein goldenes Wtalter für alle Welt angebrochen! Ringe und Konventionen gierten Triumphe. DerBodenwerth stieg außerordentlich. Was die Sroßeu und selbst kleine Häuser anfaßten, schien Gold zu>ver- von, ob es Kohlenaktien, oder transatlantische oder anatolische Dahnen, oder Serben, Portugiesen, Argentinier, Mexikaner, «aufornier— unglaublich, aber wahr, kalifornische Wasser- sverke, deren erste Hypotheken in Amerika 6 pCt. zahlen, konnten Me zweiten vierprozentigen Hypotheken zu ÖG auf dem hiesigen .stärkte absetzen— oder südafrikanische Goldspares waren. deren Kurse sich manche Börsenblätter Tag für Tag London melden lassen. „Aber ein Jegliches hat seine Zeit k Es kamen die Revo- Unionen in Südamerika, die Krisis in Portugal, das ameri- »amsche Silbergesetz, dieses Musterwerk rücksichtsloser Ans- veutung der Gesammtheit durch einen Ring von Bergwerks- Mchern, das Mac Kinley-Gesetz, der Umschwung bei den Rahlen in der Union,— aber ist es nöthig, die Ursachen der heutigen Lage zu nennen V Und sind das wirklich die Ur- t?chen und nicht vielmehr nur die äußeren Anlässe, welche den muckschlag anzeigen? Märe dieser Rückschlag nicht, viel- reicht einige Wochen, vielleicht einige Monate später eingetreten, auch wenn Baring Brothers ihren Verpflichtungen aus eigener �chlt hätten genügen können? Ter Rückschlag mußte kommen, weck der Taumel nicht ewig währen kann; er mußte kommen, une noch auf jede maßlose Uebertreibung der Spekulation der »krach gefolgt ist. Und damit sei dem alten guten Bürger- Meister Brokes das Wort gegeben, der die furchtbare Lücker >andelskrisis vom Anfang des siebzehnten Jahrhunderts er- s.t hatte und nun ehrsam und fromm in seinem Tagebuche me Beschreibung jener Zeit mit der Mahnung schließt:„Darum, meine Kinder und Erben, habe ich dies zu einem Spiegel und »Teuchel geschrieben, daß ihr Gott fürchtet und nicht nach aus- gedrelteteren Geschäften ausguckt, ehe Gott es euch geben ivill. . vnn die mit Gewalt und hastig reich werden wollen, bekommen Sewohnlich Armuth und Bankerott." m der Artikel, aus dein wir nur einige Absätze, welche den Antheil der deutschen Regierungen und des Reichs n!r»e'er wirthschaftlichen Ueberanspannung berühren, weg- üml v" �ben, und zwar deshalb, weil sie viel zu allgemein ch diplomatisch gehalten sind. Wir werden uns mit dieser haben 8:TO0e n'C9 besonders und eingehend zu beschäftigen . Äan oonke gar hetvi ivvv|ivvi|iuaüiim iiminu 19« uiu Gewiß,"Ii u i"j sein'und ist„.uivcrmeidlich" s o . n g e der Kapitalisnms aus dem Thron sitzt— aber, st der K avita lismus ein„ehernes Muß? Die Frage ist gleichbedeutend mit der anderen: Sind ."• F,»"lö vrr �.rv,t uuu vir«jeisueu. die di'ch, kommt ihr �anch nicht die Frage ans lg n der Renschen üuvernünstige Thiere, die nichtimStande »0, thre Existeilzbedingungen zu regeln? «5'"� bemerkenswerthen Momentes sei noch der l°seu sa?°� welche die sonst so belang- Krisis wanierikamscheu Staaten in der gegenwärtigen wie �pwlen. Es erklärt sich dies aus demselben Umstand die ii�vr? u 1 Politik. Der Kapitalismus hat die« Welt schon so ausgeplündert, daß er nun in sricd!� si�� fiüchtet, uni seine Raubinstinkte zu be- Wenn der Teufel Hunger hat, frißt er Mücken lugt das Sprichwort.— v i e?��I�l>tvkrordn. �"llichen Verwaltungs- Körperschafle». Sie wählen dadur*-Obrigkeit der Stadt, den Magistrat, und haben 7, mst überall einen hervorragenden Einfluß auf die der Kf'-w"0 erlangt. Außerdem sind nach den Vorschriften Äveio. u: Ordnung i n allen größeren Städten für einzelne wellk>°. besondere Ättwaltungs- Deputationen gebildet, in wird Stadtverordnete Sitz und Stimme haben. Deshalb Inno Magistrat Beschlüssen der Stadtverordnete!,.�-ersamin- Uü,s-?elche der Verwaltung nach bestimmten Richtungen hin dir- �5 unterbreiten, viel schwerer entgegentreten können, als des»„Üuatsregierung oder die Reichsregierung einem Beschlüsse »un""Flages oder des Reichstages gegenüber vermag. Sitzen den.nf! m einer städtischen Gemeindevertretung Sozial- vechn»,, 5". in neiinenswerther Zahl, so können sie daraus aus x,' daß ihren Anträgen, sofern sie nicht von, vornherein Mokl�.�'nsturz berechnet sind,»amentlich dann e... gewisies entgegengebracht wird, wenn die Mehrheit ihrer Fällen der„liberalen" Partei angehört. In solchen ü»m..- Seht ihr Streben dahin, den sozialdemokralijchen Zu- dems-ix uu»lerklich vorzubereiten und der Bürgerschaft j,» Sie Bällen"°5/" d-r„liberalen" Partei angehört. In solchen ti.."»—_ r■_- rAon au, ,»nf»-... dem �Z��rN,'�n%�\rst;'�r«eine Schrick auf ßetsijQ ege gethan ist, den größeren und folgenreicheren ei» , cv Widerstand entgegengesetzt werben kau II. [etzllu 3 Berlin sind nach der bezeichneten Richtung i den,»». Jett»mei h»mprf(M,SiTu>rtf,» Voritöste von der c in der der Sozial- als ao"". 1" v. �> u,.......... >es« �.Jsegel angenommen und eingehalten werden|oue. dderungen haben die sozialdemokratischen Stadlver- werden solle. ordneten zu der ihrigen gemacht. Daß sie als ein erster, wenn auch bescheidener Schritt zu dem sozialdemokratischen Zu kunftZstaat zu betrachten sind, liegt auf der Hand. Das angebliche„Elend" der Berliner Maurer, wie es i» einer von diesen Herren verfaßten Resolution hieß sollte dazu herhalten, iim den verhaßten Meister zu beseitigen und durch eine korporative Genossenschaft von Ar- bcitern zu ersetzen. Das hat denn auch die Berliner Stadt vcrordneteu-Versammlung durchschaut, denn mit großer Mehr- hcit hat sie das Ansinnen der Sozialdemokraten abgelehnt. Selbst der Hinweis des Herrn Singer auf eine damals bevor- stehende Stadtverordnetenwahl— bei welcher der Kandidat der Bürgerpartei gegen einen„Liberalen" in Stichwahl stand — vermochte sie nicht zu eriveichen. Da es den Genossen der liberalen Herren an den Geldbeutel zu gehen drohte, wurden sie sogar der Sozialdemokratie gegenäder ividerstandsfähig. Herr Singer war großmüthig genug, sie das nicht entgelten zu lassen, denn trotz ihrer ablehnenden Haltung kommaudirte er seine Bataillone zur Stichwahl für den liberalen Kandidaten. Hatte sich doch auch dieser Letztere in einer liberalen Wähler- Versammlung für diesozialdeinokratischeFordernng ausgesprochen. Das wirkte. „Jetzt ist nun ein neuer, wie es scheint, noch bedeutsamerer Vorstoß von der Sozialdemokratie gemacht worden. Die Stadt- verordneten-Versammlung ivird in ihrer nächsten Sitzung über einen Antrag zu verhandeln haben, welcher dahin geht, den Schülern sämmtlicher Gemeindeschulen die erforderlichen Lehrmittel auf Kosten der Stadt zu beschaffen." Was die„Kreuz-Htg." über den letzteren Antrag sagt, hat hier kein Interesse für uns. Jedenfalls zeigt sie ein sehr richtiges Verständniß für die Bedeutung der Gemeinde- wählen. Und die neb/ensächliche Erwähnung des„Zu- kunftsstaates" enthält zwischen den Zeilen eine ganz hübsche Lektion für die Zukunftsstaatsmänner— die freilich der Be lehrung wohl kaum zugänglich sind. Ein Antrag auf Unentgeltlichkeit der Lehrniittel ist bei- läufig schon wiederholt im sächsischen Landtag von der sozialdemokratischen Fraktion gestellt, jedoch stets als „umstürzlerisch" und„sozialdemokratisch" abgelehnt worden. In den meisten Staaten der nördamerikanischen Republik werden die Lehrmittel bekanntlich seit Jahrzehnten aus öffentlichen Geldern geliefert, ohne daß der Staat in Gefahr gekommen iväre. Einen lichten Augenblick hat übrigens auch das Organ der s ä ch s i s ch e n Konservativen, das„Vaterland". schreibt mit Bezug auf die Gemeindewahlen, die Stadt- oder Gemeindevertretung dürfe nicht zu Allem, was die Re- gierung wolle. Ja sagen, und müsse sich vor Ringbildung und Versumpfung hüten. Vortrefflich! Und deshalb müssen S o z i a l d e m o- k r a t e n gewählt werden— denn sie allein sind keine servilen Jasager und unerbittliche Feinde der Ringbildimg und Versumpfung. Die letzte Pariser Wahl ist zwar infolge der Zer- splitterung unter den Arbeitern resultatlos gewesen, hat aber doch wenigstens den Vortheil gehabt, daß der Tod dr« Koulanoismus festgestellt werden konnte. Die paar Lum- oen niederster Sorte, die noch durch gemeinsame Schwinde- leien an den„braven General" gefesselt sind, konnten es nicht einmal zu einer Kandidatur bringen. Freilich, wenn die Republik sich nicht bald ihrer sozialen Ausgaben bewußt ivird und ernst an ihre Lösung geht, dann kann gelegentlich wieder ein beliebiger Boulanger auftauchen. Der russtsch« Nolizeispion in P a r i s ist wohl un- zweifelhaft ein Opfer— der politischen Nemesis. Die Polizei hat schon mehrere Verhaftungen vorgenommen, scheint jedoch ziemlich unsicher zu sein, da der auch in Deutschland be- kannte Mcndelsohn, oer ebenfalls unter den Verhafteten ist, dem Nihilismus fern steht, was ja auch bei dem Pariser Nihilistenprozcß im vorigen Sommer klar zu Tage trat. Natürlich wird von den Vertheidigern der herrschenden Ordnung wieder der Versuch gemacht werden, die öffentliche Meinung zu beunruhigen, und für eine antirevolutionäre Gewaltpolitik Stimmung zu machen. Nun— gerade der hoffnungslose Kampf, den der Zarismus gegen den Nihilis- mus führt, sollte die Anhänger der Gcwatrthcorie von der Thorheit derselben überzeugen. Wo ist die Rcgierungsgeivalt so unbeschränkt, die Polizeimacht so absolut, wie in Rußland? Und was der Erfolg? Der Zar kann keine Nacht ruhig in seinem Bett schlafen; wenn er eine Reise machen will, müssen ganze Armeen ihn beivachen;— und die Polizei ist voll- ständig lahmgelegt. Die Allmacht des Despotismus ist in Ohnmacht umgeschlagen. Was nützt es, daß Karawanen um Karawanen„Mißliebiger" nach Sibirien„verschickt" werden? Daß der Galgen in Permanenz„arbeitet"? Der unter- drückte Geist schnellt auf— der getretene Wurm sticht, ivie es in der Bibel heißt, und auf das brutale Kneblnngs- und Erdrosselungssystem des Zarismus giebt der Nihilismus die Antwort mit Dolch, Revolver und Bombe. Das mag man beklagen, allein kein Denkfähiger, der die menschliche Natur kennt, wird sich darüber wundern. Der Nihilismus ist die nothwendige Frucht des Zarismus und er wird erst mit diesem verschwinden. Die Kampfmittel der Unterdrückten entsprechen an Ge- waltsamkeit denen der Unterdrücker. Hätte der russische Spitzel in Paris seinen Zweck erreicht, so wären einige Nihilisten in Rußland gehängt worden— er fiel seinen Feinden in die Hände, und sie hatten so wenig Mitleid mit ihm als er mit ihnen gehabt hätte. Im Krieg hängt man die Spione— zum Hängen hat man in diesem unterirdischen Minenkampf der Nihilisten gegen die Polizeispitzel keine Zeit— der Revolver macht kürzere Arbeit. Jedenfalls bleibe man uns mit heuchlerischer Entrüstung vom Halse. Wer Lust hat sich zu entrüsten, der wende seinen sittlichen Zorn gegen den zarischcn Despotismus, der dem russischen Volk die Maske des Zeliengefangenen überstülpt und die brutale Barbarei des Mittelalters mit der raffinirten Korruption des nennzchntcn Jahrhunderts vereinigt, um die schlechteste, schmachvollste, grausamste Regierung zu bilden, welche die Welt je gekannt hat. Und das soll das russische Volk demüthig ertragen? Dann würde es sich ja selbst den Todtenschein ausstellen. Wer sich entrüsten will und iver den Nihilismus begreifen will, der lese die.Schilderungen Kennan's über die sibirischen Greuel, und der lese die Details des jüngsten Prozesses in Peters- bürg, wo wieder drei Nihilisten, darunter eine F r a ich zum Tode verurtheilt wordeil sind— und den Tod auch erleiden werden. Und wer will sagen, daß das Blut jenes russischen Spitzels reiner war, als das Blut dieser neuen Märtyrer. KassntI/, einst der vergötterte Nationalführer der Magyaren, vor Kurzem noch Gegenstand der begeistert- sten Ovationen in seinem Hcimathland, ist durch den Bankrott einer Sparkasse, in welcher er sein kleines Vermögen■ angelegt hatte, zum Bettler geworden, und muß— der 89 jährige'— sich als Zeitungsschreiber mühsam sein Brot verdienen. Wir wollen hoffen, daß die jetzt erst bekannt gewordene Thatsache die noch immer zahlreichen Bewunderer Kossuth's, der— ivas auch immer seine Fehler gewesen sein mögen— viel für sein Volk gethan hat und ein Stück Weltgeschichte in sich verkörpert, an die Pflicht erinnert hat, ihre Bewunderung werkthätig zu äußern. Patriotische Ovationen bringen und den Gefeierten verhuilgern lassen— das ist doch eine etwas zu starke Charakter- und Gedanken- losigkeit, Die ZivUisiitian ist ein sehr barbarisches Ding, wenn sie mit der Barbarei in Berührung kommt. Sie scheint dann den Nachweis liefern zu wollen, daß sie noch barbari- scher sein kann als die Barbarei. Was in Afrika die Zivilisation geleistet hat, das sehen wir soeben mit Schaudern und Ekel. Und in Amerika stehen uns ähnliche Schau- spiele bevor. Die armen S i o n x- I n d i a n e r, die sich nicht ruhig drein fügen wollten, von der Erdoberfläche weg- zivilimt zu werden, lehnten sich gegen gewisse Verwaltungs- maßregeln auf, es ist zu Thätlichkeiten gekommen und nun sind Truppen gegen sie geschickt worden. Das rauchlose Pulver wird also demnächst dort Wunder der Zivilisation verrichten. Ist der letzte Jndianer-Wigwam verbraunt und der letzte Indianer todtgeschossen, dann wird die heuchlerische Bourgeoiswelt einen Lobgesang anstimmen auf die„Seg- nungen der Zivilisation". Neueste Uachrichte». Äe Londoner Geldmänner geben sich nach wie vor alle erdenkliche Mühe, gegen die andringende Sturmfluth der Krise Dämme zu errichten. �gestanden wird von allen Seiten, daß bei keinen früheren risen ähnliche R i e s e n s u in m c n ins Spiel ge- kommen sind. Es ist auf oeni finanziellen Schlachtfeld wie auf dem militärischen der Gegenwart,— welch'{letzteres hoffentlich Hypothese bleibt—: es tvird mit vorher unbekannten Massen gearbeitet. Und darum ist auch jede Berechnung erschwert. Gewiß ist nur, daß die Schlachten und Krisen auch entsprechend mörderischer und verheerender sein müssen als früher. Die russischen Wühlereien aus der Balkan- Halbinsel und im Orient werden immer unverschämter. Ob es denn gar nicht möglich ist, gegen diesen barbarischen Raubstaat, der den Frieden der Welt fortwährend bedroht, eine europäische Polizei zu organisiren?— In Belgien streikt wieder ein Theil der Berg- arbeiter. An solche Nachrichten aus dem Pfaffen-. paradies, wo die Schützlinge der„Germania" die so- ziale Frage nach ihrer Fayon lösen, sind wir gewöhnt.— Der Telegraph kann auch Späßchen machen. So mel- det er aus Krüssel, daß„Krupp dem Könige Leopold eine Batterie von 6 Kanonen zum Geschenk gemacht und dagegen vom Könige mit der Lieferung der gesanimten Artillerie für den Kongo st aat beauftragt worden sei." Und um den Scherz noch etwas zu würzen, fügt der Telegraph mit komischem Ernst hinzu, „der zweite Theil der Nachricht sei nach authentischen Mit- theilungen falsch." Nun, wenn der erste richtig ist, dann wird auch der zweite es sein. Wenn Herr Krupp Kanonen verschenkt, dann wirft er mit der Wurst nach der Speckseite. Arbeiterschutz> Kommisston. Die Diskussion über§ 1B3 wird fortgesetzt. Der Handelsmini st er vertheidigt die Regierungs- vorläge, welche den bisher nicht angefochtenen Gedanken des § 153, den einzelnen Arbeiter gegen den Zwang seiner Arbeits- genossen zu schützen, verfolge. Die Vorlage stehe auf dem Boden der bestehenden Gewerbe-Ordnitng und beantrage nur Straf- verschärsungen, was nothwendig sei, um dem öffentliche» Wohl den erforderlichen Schutz angedeihen zu lassen. Der Redner trägt, indem er sich gegen die gestrigen Aus- führungen der Abgg. Hirsch und Bebel wendet, eine vervoll- 'tändigte Nachnoeisimg der ohne Kündigung erfolgten Arbeits- einstellungen vor, aus welcher er folgert, daß ein sehr großer Theil der Arbeiter, um sich materielle Vortheile zu schaffen, vertragsbrüchig wird. Der Minister bestreitet auch, daß es sich bei der Regierungsvorlage um eine Gelegenheits- Gesetzgebung handelt, nach seiner Meinung sind es dauernde Mißstände, die das verschärfte Eingreifen der Gesetzgebung noth- wendig machen. Der Redner giebt den Vorwurf der Einseitigkeit dem Abg. Bebel zurück; die Regiernng sei nicht von dem Unter- nehmergesetz besessen, wie die Sozialdemokratie es ihr vorwerfe, ie wolle durch ihre Vorlage den Arbeiter, der nicht streiken wolle, Schutz gewähren gegen den Zwang, der von dm Genossen ausgeübt wird. Der Redner erklärt den Antrag Hirsch-Gutfleisch, den er für eine Verschlechterung hält, für völlig unannehmbar, die Regie- rung würde auf diesen Antrag nicht eingehen. Zum Schluß em- psiehlt der Minister die Regierungsvorlage, welche Gleichberech- tigung beiden Theilen gewähre, aber das Gemeinwohl vor Aus- chreitilligen schütze. Den Antrag Hitze bittet der Minister lieber bei anderer Gelegenheit aufzunehnw», jetzt würde derselbe die Verhandlungen erschweren. Abg. v. K l e i st- R e tz o w glaubt, daß durch die Aufhebung des Sozialistengesetzes eine Verschärfung der Strafbestimmungen des§ 153 nothwendig werde; auch die von Bebel angeführte Vermehrung der Strafurtheile aus dem§ 153 ist dem Redner Beweis dafür, daß eine schärfere Gesetzgebung geboten sei; nach- dem Redner resignirt gemeint, daß die Regierungsvorlage wohl abgelehnt und der bestehende Zustand aufrecht erhalten bleiben würde, wendet er sich doppelt lebhaft gegen den Antrag Hirsch- Gutfleisch, den er ganz im Sinne des Ministers als unannehmbar erklärt. Abg. Hitze zieht die von ihm eingebrachte Resolution zurück, behält sich jedoch vor, bei geeigneter Veranlassung darauf zurück zu kommen. Abg. L e t o ch a macht längere juristische Ausführungen, in denen er den Hirsch-Gutfleisch'schen Antrag theilweise vertheidigt, andererseits auch sich geneigt erklärt, Erweiterungen des§ 153 vorzunehmen;'gegen die Festsetzmig einer Minimalstrase erklärt "ich Redner; ebenso halte er es für unthunlich die Aufforderung zu einer an sich nicht strafbare» Handlung unter Strafe zu stellen. Der Redner kündigt einen Antrag für die zweite Berathung an, welcher die von ihm gewünschte Ausdehnung und Straf- Verschärfung für die Fälle von Kontraktbruch formuliren iverde. Abg. v. Stumm wendet sich zunächst gegen einige Aus- fuhrungen Bebel's; Redner steht der Regierungsvorlage sympathisch gegenüber; in dem Maße wie durch die Arbeiterschutz-Gesetz gebung die Autorität des Arbeitgebers geschwächt werde, müsse das Gesetz an die Stelle der Autorität der Arbeitgeber treten; die Vorwürfe Bebel's, daß eine Klassen-Gesetzgebung gemacht werde, müsse Redner zurückweisen, im Gcgentheil, wenn man davon sprechen wolle, so könne man nur sagen, daß Klassengesetze für die Arbeiter erlassen werden; denn alle bisher beschlossenen Aenderungen bedeuten Nachtheile für die Unternehmerklasse. Die Festsetzung einer Minimalstrafe wünsche er ebenfalls nicht, der angekündigte Antrag Letocha er- scheine ihm richtiger. Nach Ansicht des Redners müsse die von der Regierung gewünschte Ausdehnung, wobei er zunächst von der Strafhöhe absieht, eintreten; den Antrag Hirsch bekämpft der Abg. von Stumm sehr lebhaft und eingehend; derselbe schütze nicht das Koalitionsrecht, sondern er statuire den Koalitions- zwang; das Recht der Unternehmer, sich zu koaliren, werde dadurch vernichtet. Der Redner verbreitet sich nun noch über französische und englische Zustände und meint, daß auch die englischen Arbeiter einem Zustand, wie der Antrag Hirsch ihn herstellen würde, nicht zustimmen würden, weil sie die Freiheit Anderer achten. Redner stimmt für die Regierungsvorlage, glaubt aber, daß auch bei Ablehnung der- selben die Gewerbe-Ordnung gangbar bleiben wird. In zweiter Berathung denke er dem Antrag Letocha seine Zustimmung zu geben. Was aber auch aus den gestellten Anträgen werden möge, auf keinen Fall könne der Antrag Hirsch-Gutfleisch Gesetz werden, denn dieser liefere die Arbeiter mit gebundenen Händen der So- zialdemokratie aus, weil er den Koalitionszwang einführe und die Unternehmer rechtlos mache. Abg. Dr. H a r t in a n n beantragt einen Zusatz, wonach bei mildernden Umständen auf Gesängniß bis zu drei Monaten er« kannt werden kann. Abg. Molkenbuhr wendet sich gegen die ausgesprochenen Ansichten, daß die Korporativbewegung ein Ausfluß der Sozial- demokratie sei. Diese Bewegung sei ein Schutz der anständigen Unternehmer gegen die unanständigen. Die jetzige Gewerkschafts- Organisation sei gerade so nothwendig, wie die Zunft im Mittel- alter. Die Koalitionsfreiheit exiftire nicht so lange man die Arbeiterorganisationen verfolge, aber die Unternehmerorganisationen schütze. Herr v. Stumm sei im Jrrthum zu glauben, die Arbeiter könnten machen was sie wollten, sie seien stets aufs strengste poli- zeilich überwacht. Die Verrufserklärungen der Unternehmer blieben unbehelligt, die Arbeiter würden verfolgt. Es handle sich bei dem Paragraphen nicht um Arbeiter-, sondern um Unternehmerschutz, die ganze soziale Lage der Arbeiter werde durch Annahme des Paragraphen herabgedrückt. Der Paragraph werde nur ein Schutz für Lumpengesindel. Der Paragraph erzeugt nur Haß und die Regierung partizipire an diesem Haß. Die Massen suchen in den Verurtheilten nicht einen Verbrecher, sondern ein Opfer der Klassenjustiz. Abg. Dr. Hirsch hält die vom Minister gegebenen Nach- Weisungen nicht für ausreichend, um die Ueberzeugung, daß es nicht nothwendig sei, die Aufforderung zum Kontraktbruch unter Strafe zu stellen, abzuschwächen. Bei der enormen Zahl der Arbeiter bewiesen die von dem Minister vorgelegten Zahlen nicht die Nothwendigkeit, Strafverschärfungen im§ 153 vorzunehmen. Es handle sich bei der relativ hohen Zahl von Kontrakt- bruch um eine vorübergehende Erscheinung, für die man kein Gesetz zu machen hat. Der Redner vertheidigt in sehr eingehen- der Weise seinen Antrag und führt Beispiele an, wonach die Unternehmer sich strafbar machen, indem sie die Arbeiter zwingen, ihren Koalitionen und Vereinen zu entsagen. Nachdem Redner noch eine Lanze für die Gewerk- vereine gebrochen, empfiehlt er seinen Antrag, der den sozialen Frieden fördern werde, man solle die Arbeiter durch Versagung des Rechtsschutzes nicht zu Sozialdemokraten machen. Auch die Preßfreiheit sei durch die Regierungsvorlage gefährdet, die Presse, welche ein Bild des öffentlichen Lebens sein soll, könne ihrer Aufgabe nicht nachkommen, wenn die Vorlage an- genommen wird. Der Redner warnt dringend im Interesse der bestehenden Gesellschaftsordnung davor, die Vorlage anzunehmen. Reg.-Kom. Geh. Rath Hosfmann findet, daß die Kon- sequenzen des Hirsch- Gutfleisch'schen Antrages weit über die Intentionen der Antragsteller hinausgehen; die Annahme des Antrages müsse zu Urtheilen führen, welche Dr. Hirsch gewiß nicht will; der Redner sucht an einigen Beispielen nachzuweisen, daß die Annahme des Antrages eine Beeinträchtigung des Koali- tionsrechts zur Folge haben werde; auch bei verwerflichen Ver- abredungen biete der Antrag Hirsch Schutz und der Redner warne dringend vor der Annahme desselben. Abg. Bebel wendet sich gegen einige Ausführungen des Abg. Hirsch bezüglich der Gewerkvereine; die Sozialdemokratie mache den Gewerkvereinen viele Mitglieder abspenstig, die Ver- eine aber haben kaum einen einzigen Sozialdemokraten für sich erobern können, daher käme es auch, daß die Gewerkvereine die Sozialdemokraten mit Verlust ihrer Kassenrechte aus ihren Ver- einen ausgeschlossen haben; die ökonomische Entwicklung und mit ihr alle Erscheinungen des öffentlichen Lebens, als auch die Ge- werkvereine bereiten den Sozialdemokraten den Boden. Der Redner geht nun auf die Ausführungen des Handels- Ministers ein, dem gegenüber er seine Behauptung, die Vorlage sei der Ausdruck der einseitigsten, gegen die Arbeiter gerichteten Klassengesetzgebung, in vollem Umfange ausrecht erhält; die Aus- führungen des Haudelsministers hätten nicht den geringsten Nach- weis für die Nothwendigkeit der Vorlage gebracht; ebenso wenig die Ausführungen des Abg. Letocha, der als Richter ganz besonders verpflichtet gewesen wäre, nachzuweisen, daß der jetzige § 153 nicht ausreiche. Selbst der Abg. v. Stumm, dem man doch gewiß auf diesem Gebiet weder Erfahrung absprechen, noch Sentimentalität zu- trauen könne, hat erklärt, daß die jetzigen Bestimmungen allen- falls ausreichen, wenn die Regierung eine Untersuchung über die Ursachen des Kontraktbruches vorgenommen hätte, dann würde sie sicher gefunden haben, daß, wenn nicht in allen, so doch in unendlich vielen Fällen, die moralische Verantwortung für den Kontraktbruch die Unternehmer trifft. Hiernach liegt nicht der geringste Grund vor, die Strafbestimmungen zu verschärfen; der Eigenthumsfanatismus komme in der Vorlage zum schärfsten Ausdruck. Das heutige Eigenthum solle mit Strafbestimmuugen geschützt werden, welche weit über die zum Schutz von Personen gesetzlich bestehenden Vorschriften hinausgehen. Die Ansichten des Ministers, bezüglich der englischen Ver- Hältnisse seien nicht zutreffend; aber selbst dort besteht— wenn man sich einmal auf den Regierungsstandpunkt stellen wolle— keine Möglichkeit, auf so hohe Strafe zu erkennen; das dort geltende Strafmaß besteht in 3 Monaten Gesängniß oder Geldstrafen bis zu 20 Pfund; die Regierung habe eine hoch- gradige Empfindung für den Schutz der Unternehmer, das be- wiesen die Ausführungen des Ministers und des Geh. Raths Hoffmann, welche die Herren gegen den Antrag Hirsch-Gutfleisch gemacht haben; der Antrag Hirsch und der von Bebel u. Gen. böte soweit das möglich ist, eine Sicherheit gegen den Mißbrauch der sozialen Uebermacht der Unternehmer; der sozialdemokratische Antrag sei durchaus nothwendig, denn er allein böte genügende Sicherheit gegen die übermäßige Ausbeutung menschlicher Arbeits- kraft; Redner fordert nachdrücklich die Ablehnung der Regierungs- vorläge, zu deren Annahme nicht nur kein Grund vorliegt, sondern die den permanenten Kampf schüren müsse, und empfiehlt den Antrag Hirsch-Gutfleisch sowie den sozialdemokratischen Antrag zur Annahme. Abg. Dr. Böttcher hält die Ausführungen des Abg. Molkenbuhr für unzutreffend; die Beispiele, welche dieser ange- führt hat, fallen nicht unter den Paragraphen; auch die Er- örterungen des Abg. Bebel haben den Redner nicht wankend ge- macht in der Ueberzeugung, daß die Aufforderung zum Kontrakt- bruch im Interesse der öffentlichen Wohlfahrt unter Strafe ge- stellt werden muß; Redner glaubt aber, daß es bei den jetzigen Bestimmungen belassen werden kann und wird, in Erwartung des Antrags Letocha zunächst für das Amendement Dr. Hartmann stimmen. Dem Grundgedanken des Antrages Hirsch stimmt der Redner zu, derselbe muß aber einen Zusatz bekommen, wonach die Jnaus- sichtstellung der Kündigung keine Drohung ist; ohne einen solchen Zusatz kann dem Antrag nicht stattgegeben werden. Abg. Letocha verwahrt die Richter dagegen, als ob die- selben einen dem Unternehmerthm günustigen Standpunkt ein- nehmen; das sei nicht der Fall, die Richter urtheilen objektiv; der Redner halte gerade im Interesse der Arbeiter, welche nicht streiken wollen, eine Strafverschärfung für nothwendig, delhalb habe er seinen Antrag in Aussicht gestellt. Redner stimmt für den Antrag Hirsch-Gutfleisch, aber gegen die Regierungsvorlage, während er in zweiter Berathung natürlich für seinen Antrag— den er für erschöpfender hält— stimmen nstrd. Der Handelsmini st er berührt nochmals die von ihm vorgelegten Erhebungen. Derselbe wünscht ebenfalls eine genaue Untersuchung über die Ursachen der Arbeitseinstellungen, die, wie er hofft, durch die Vermehrung der Fabrikinspektoren sich ermög- lichen lassen wird. Redner empfiehlt die Regierungsvorlage, welche nur aus dem Bedürfniß entstanden sei. Abg. von Stumm behauptet, daß beim Kontraktbruch der Arbeiter eine besondere Garantie nothwendig sei, weil in allen anderen Fällen durch Konventionalstrafen Vorsorge getroffen werden kann; Redner sei auch nicht der Ansicht, daß die Regierungsvorlage abzulehnen ist, er glaubt nur, daß allenfalls auch der bestehende Zustand ausreichende Garantien bietet. Abg. Hitze erklärt gegen die Regierungsvorlage stimmen zu wollen, kann auch den Antrag Hirsch nicht annehmen, nach den Bedenken, die dagegen geltend gemacht sind. Abg. Singer: Der Antrag Letocha gehe von der irrigen Ansicht aus, daß andere Strafgesetz-Paragraphen in Anwendung nicht kommen könnten, das sei irrig; er erinnere nur an den Nöthigungsparagraphen. Auch werde der Richter, wenn das Strafmaß erhöht werde, im Allgemeinen zu höheren Ver- urtheilungen kommen. Im Uebrigen werde er für den ab- geänderten Antrag Hirsch stimmen. Wenn Abg. Letocha drei Monate Gesängniß für eine zu niedrige Strafe hält, so läge das wohl daran, daß Herr Letocha noch nicht eine solche Strafe er- litten hat. Was es für eine Familie heißt, den Er- nährer für eine an sich doch nicht unmoralische That aus drei Monat entbehren zu müssen, darüber sollte sich der Abgeordnete Letocha einmal bei den oberschlesischen Bergarbeitern erkundigen; es sei kein Vorwurf für die Richter, wenn er sage, in dem Maße, wie das Strafmaximum erhöht wird, in demselben Maße steigen die Strafen überhaupt, und so werde der Erfolg des Antrages Letocha dahin führen, ganz all- gemein auf Grund des§ 153 höhere Strafen herbeizuführen. Die Diskussion wird geschlossen. Nach einigen persönlichen Bemerkungen nimmt der Referent Abg. Dr. Hartmann das Wort, um gegen die Bebel'schen Ausführungen zu polemisiren; Bebel hätte übertrieben, auch die Behauptungen bezüglich der Rechtsprechung sächsischer Gerichte müsse er zurückweisen; der Redner empfiehlt seinen Antrag, der dem Nichter gestatte, mildernde Umstände und dementsprechende Strafermäßigung anzunehmen; mit diesem Amendement aber müsse er die Annahme der Regierungsvorlage empfehlen, da es sich um die Bekämpfung von Zuständen handle, welche weite Kreise der Be- völkerung schwer schädigen, und das öffentliche Rechtsbewußtsein verwirren und entsittlichend beeinflussen; im Gegensatz zu dem Referenten für'die Petitionen giebt der Abg. Dr. Hartmann Kenntniß von den aus Unternehmerkreisen eingegangenen Petitionen, welche allesammt die Annahme der Regierungsvorlage bezüglich des§ 153 verlangen; der Referent empfiehlt die An- nähme der Regierungsvorlage mit seinem Amendement, während er den Antrag Bebel und Genossen und Dr. Hirsch in seinein zweiten Theile abzulehnen erbittet. Der Korreferent Abg. Dr. G u t f l e i s ch theilt mit, daß aus Arbeiterkreisen gegen die Verschärfung des§ 153 Eingaben an den Reichstag eingegangen sind; die Bedenken, welche er gegen die Regierungsvorlage habe, seien durch die Debatte nicht behoben; die in Frage stehenden Delikte ent- ständen doch nicht aus gemeinen Motiven, und um deswegen empfehle es sich nicht, so hohe Strafen zu statuiren; die Bezug- nähme auf§ 110 des Strafgesetzes seitens des Referenten sei nicht zutreffend. Der Kontraktbruch kann nicht mit dem Strasrecht, sondern muß mit dem Zivilrecht verfolg! werden; der Redner bittet seinen und des Abg. Hirsch Antrag anzunehmen, dagegen die Regierungsvorlage abzulehnen; Kontraktbruch kommt bei Arbeitern nicht öfter vor, als bei den anderen Bevölkerungsklassen; ein Erfolg seines Antrags werde darin liegen, daß der Begriff der- in B-' dt» „Drohungen" defmirt werden niüsse, dies könne in zweiter& rathung geschehen. Bei der Abstimmung wird der Antrag Bebel und Genosse gegen 3 Stimmen abgelehnt; der Antrag Hirsch-Gutfleisch in sei»� zweiten Theile abgelehnt; unttr den Gegnern desselben befind� sich der Volksparteiler Hähnle; der ganze Antrag Hir$ wird gegen 9 Stimmen abgelehnt; hierauf wird die Regierung' vorläge mit 16 gegen 10 Stimmen abgelehnt und damit bleibt der jetzige§ 153 in Kraft. Die Berathung wendet sich zum Artikel 6 der Vorlage selbe bestimmt, daß die Befugnisse der Polizeibehörden trieben, welche unter Reichs- und Staatsverwaltung stehen vorgesetzten Dienstbehörden übertragen werden. Die Abgg. Hitze und Dr. Hirsch haben Bedenken dagege»- die Reichs- und Staatsbetriebe der Aufsicht der Fabrikinspektoren zu entziehen. Abg. Schmidt wünscht ebenfalls, daß die Aufsichtsbeamten mit der Inspektion dieser Betriebe betraut werden, schon um deswegen, weil, wenn es sich um Musteranstalten handelt, dies für die Aufsichtsbccnnlen seyr instruktiv sein würde; auch ander« Vorkommnisse im Staatsbetrieb lassen es wünschenswerth erscheinen, den Aufsichtsbeamten das Recht, Anordnungen zu treffen, zu i*' währen. Der Handelsminister vertheidigt die Regierung� vorläge; es sei zu vermeiden, daß verschiedene Beamte in den staatlichen Betrieben Anordnungen treffen; das könne 1" Kollisionen führen.' Abg. v. Kleist-Retzow will in Rücksicht auf die ministerielle Ausführung für den Artikel stimmen, macht jedoch daraus aufmerksam, daß sich manche Schwierigkeiten daraus ergeben können. Nach längerer Diskussion wird der Artikel der Regierungsvorlage angenommen, dabei aber den Au beamten das Recht, Anordnungen zu erlassen, gewahrt. Artikel 7, Bestimmung über das Inkrafttreten dl. und Uebergangsbestimmuugen, wird bis zur zweiten Berathuni zurückgestellt. Hiermit ist die erste Lesung beendet; es soll eine Pause eintreten bis zum 1. Dezember, um inzwischen einer aus Vertretern aller Parteien bestehenden Kommission Gelegenheit zu geben,# leicht eine Einigung über verschiedene Differenzen herbeizuführ«� Abg. Singer kann prinzipiell dem Vorschlage nicht F stimmen; für sich und seine Freunde' lehnt er es ab, an solch Kompromißarbeit theilzunehmen. Nach einer längeren Geschüst ordnungs-Debatte wird beschlossen, die nächste Sitzung am Montag den 1. Dezember, Vormittags 10 Uhr, zu halten. ** In den Verhandlungen über den§ 153 der Gewer� Ordnung hatte der Abgeordnete Bebel unter unver auch eine scharfe Kritik an der Rechtsprechung sächsischen Gerichte einschließlich des Oberlandesgerichts geu„ insofern diese Gerichte den Boykott, von Arbeitern begangen, groben Unfug bestrafe, das gleiche Vergehen der Unterneyi" gegen die Arbeiter aber gänzlich unbeachtet ließen, auch wenn" Thatfachen durch die Presse öffentlich bekannt geworden damit auch zur Kenntniß der Staatsanwaltschaften seien. Daß letzteres der Fall sei, dafür hatte Bebel angef"� daß die Staatsanwälte den Inhalt der sozialdemokratischen P�, genau verfolgten und von den dort veröffentlichten Kritiken Ken � niß erlangten. Außerdem habe die gesammte gegnerische von jenen Koalitionsbestrebungen der Unternehmer gegen die beiter mit Genugthuung Kenntniß genommen und Berichte 9 über erstattet. Der Abgeordnete Dr. Hartmann, bekanntlich Obersts anwalt im Plauen'schen, behauptete den Anklagen-°e° � gegenüber, daß die Staatsanwälte so mit Arbeiten u häuft seien, daß sie von jenen Vorgängen in der Presse Kenntniß erlangt hätten. Sei man aber der gegentheiligen„ nung, s o möge man den Beschwerdeweg die Staatsanwälte betreten, nöthigenfa bis ans Ober-Landesgericht, dann werde 1�. zeigen, daß auch die Unternehmer nicht ge st rast den Boykott verhängen könnten. � Wir rathen unfern sächsischen Parteigenossen, diesen j*; des Abg. Dr. Hartmann zu beachten und ihm nachzukonnn� man wird ja sehen, ob Dr. Hartmann Recht hat. Im Rt>w ........... fand, das in einem Boykott groben entdeckte und ihn als solchen best raste. Auw � in der gestrigen Sitzung der Arbeiterschutzgesetz-Kommistwu. � preußische Handelsminister Ansichten über den Boykott entw � die mit den Anschauungen der sächsischen Gerichte sehr schw Einklang zu bringen sind. tsch Vviefftcipten der Nederkkiott', F. F. Kreil. Wir können derartige Abrechnungen � im redaktionellen Theil veröffentlichen. Senden Sie J9' jint rechnung noch einmal an die Expedition. Ihre Briefmarle dort ebenfalls deponirt...... PH. I., Wiesbaden. Wir bedauern Ihnen hierub« Auskunst ertheilen zu können.„„wiiJ Ar. 100 F. L. Wenn Ihnen im Kontrakte Miw�. t0p des Waschhauses gewährt, ein solches aber im Hause"ich � f Händen ist, und Ihnen auch auf Erfordern vom Wirlh u> eignete Waschgelegenheit geboten wird, so können Sie die anderweit waschen oder waschen lassen und den Wirth aus des dafür Gezahlten verklagen. Ten Betrag von der W'« zuziehen, rathen wir aber nicht. Auch sind Sie nicht ber deshalb auszuziehen.,# Zwei Streitende. Es bestehen keinerlei geseistia) schristen über die Berechtigung zur Führung des Meist � Wer ein selbstständiges Gewerbe betreibt, ohne dasselbe u'Jjfip den, begeht eine Gewerbe-Kontravention, ob er sich nun nennt oder nicht. it.£., ttzranieubriiliir. 1. Lassen Sie die Verych polize auf Ihren Namen schreiben und sich serner über � Ihre Verwandte oder für dieselbe gezahlten Beträge st" i f Quittung geben. Dann kann Ihnen das Sterbegeld � gf nomine» werden. 2. Sie können nur die 3 M- Denn außer diesem Betrage verschuldeten Sie noch die w � und Zustellungskosten für den Zahlungsbefehl. Die Kail�e also berechtigt, auch nachdem Sie die 3 M. gezahlt hn"e'fAi� der entstandenen Kosten Ihnen den Gerichtsvollzieher L) Die Pfändungskosten aber sind die gleichen, ob es siw. 1 oder um 4 M. handelte.,, ,s# A. S. 100, Nach§ 4 des preußischen Vereinsgese» �4 den eine Versammlung überwachenden Polizeibeamten«'% st mesiener Platz, d.h. also ein solcher eingeräumt werde", sie die Versammlung überblicken und sich Notizen mache" dazu gehört Tisch und Stuhl. K. T. Man kann gleichzeitig in mehreren Orts- lassen sein. Jedoch darf das gesammte Krankengeld de" Arbeitsverdienst nicht übersteigen. Verantwortlicher Redakteur: Curt Zanke in Berlin. Druck und Verlag von Mae Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Hierzu zwei 1. Beilage zum Nr. A7I. Freitag, den ZI. November 1890. 7. Jahrg. VmtfmnenkslreriÄzke. Abgeordnrtrnliaus. 3. Sitzung am 20. November, 11 Uhr. ® o �"�I�rtische: v. Caprivi, v. Bötticher, �'ssarien. v o !«..] e t' Miqüel, Herrsurth, v. Heyden und Rom 13 afSent Völler eröffnet die Sitzung um 11 Uhr en mit geschäftlichen Mittheilungen. Auf der Tagesordnung steht die erste Berathung des E n ?�rfs eines Einkommensteuer- und Erbs ch a st I-euer- Gesetz es. Die Besprechung über beide Theile wird irtrennt erfolgen. s. � Finanzminister Dr. Miguel: Die Grundlinien des Gesetzes sm- schon bekannt, es erübrigen nur wenige Erläuterungen. Der -onnister betont, daß er schon vortreffliche Vorarbeiten vorgefun- S?" habe, und dankt seinem Vorgänger, sowie dem General- «seuerdirektor Burghardt und sämuitlichen Beamten für die be- v'esene Sorgfalt und Arbeit. Die gemeinsame Vorlage der Mierlich zusammenhängenden Entwürfe werde das Verständmß lur dieselben im Lande erleichtern. Die Reform sei infolge er begründeten Beschwerden nölhig gewesen, namentlich sei die �ogleichheit der Besteuerung mehr als die Höhe der- luden mit Recht beklagt worden, da gerade die kleinen und milt S? Vermögen zu Gunsten der größeren zu stark belastet seien. 2°Wfe sei möglich, also auch eine Pflicht der gesetzgeberischen mutoren, und die Grundlagen des Steuersystems könnten trotzdem °'i alten bleiben. Daß der neue Entwurf diesen, Grundsätze ge- IM werde, beweise die Entwicklung unseres Steuersystems fert Daß die Entwicklung der Verhältnisse Aenderungen nach und nach begründet habe, könne hierbei nicht in Betracht kommen M Ungleichheit der Vertheilung zeige sich aber auch darin die Staatssteuer mehr und mehr den Charakter der Personal� "suer annehme, ohne Rücksicht auf die Quelle des Einkommens r'> weiteres Fortschreiten aus diesem Wege sei unmöglich. W 2 aber die weitere Gestaltung der Objektsteuer vor sich gehen rMsmd uns darüber einig, daß die Grund- und Gebäudesteuer Möglichst............... weiteres Fortschreiten aus diesem Wege sei unmöglich. Wie darüber einig, .ganz zur Kommunalsteuer gemacht werden muß. allein � Wir sind nicht in der Lage, das Staatseinkommen könn», die Einkommensteuer zu basiren, aber wir der e"'wenigstens einen Schritt in dieser Richtu,ig thun. die Zukunft ein Fortschreiten ermöglicht. Die Ueber der Grund- und Gebäudesteuer an die Gemeinden sei für w°>sung in M erste Schritt. Die Gewerbesteuer mit ihrem Satze von ft dCt. komme nicht in Betracht, obwohl sie auch eine Objekt- L, t sei. Eine Revision der Grundsteuer sei unmöglich, schon nj"asten wegen, darum empfehle sich die Ueberweisung an die meniden. ihrem ganzen Wesen nach eigne sie sich auch viel .. s>r als Koinmunalsteuer. Dw Regierung habe eigentlich zu l Ul V-------------- ij-----*• D � g..- Wbe oh dem vorliegenden Entwürfe dies ausführen wollen, "aoe„k v..«.vu«|v v.v» iUVUCll, de«,,°uX finanziellen Gründen vorläufig davon abgesehen, »ich, OQne Ersatz könne der Staat auf diese sichere Einnahme Der Endabschluß des letzten Jahres weist einen "(Tiuon% uon 97 Millionen auf und mußte zur Schuldentilgung llchcisÄ.'w�den. Man dürfe aber nicht dauernd auf solche hohen 'chänltif rechnen. Die Quelle dieser Ueberschüsse werde nicht u>äfio° ii ,■ reichlich fließen.(Der Minister giebt eine zahlen- dcch• rlebersicht über die einzelnen Posten.) Die Annahme, auf IM Gelbe schwömmen, sein ungerechtfertigt, ein Rückblick schult.-« 8 Jahre beweise dies. In dieser Zeit sind an schuld%(9 ah Igt 391 Millionen, während die gesammte Staats- sstuat u M'ss'arden 800 Millionen beträgt.(Bewegung) D' s'b'tffel,, cv"61' rs ist, da das Staatsvermögen den, geg.... fichuno alledem gehe der Segen der Eisenbahn-Verstaat- �ckelb« 4 aus dieser Schuldentilgung hervor, welche ohne bßL, fi ichb möglich gewesen sei. Durchschnittlich stellt sich in %Q§ �nMahren der Tilgungssatz also nur auf etwas über 1 pCt. Uahn>e yr 1889 mit seinen mehr als 3 pCt. ist nur eine Aus- Äuch darf nicht zu optimistischer Beurtheilung berechtigen. für die m Nnchlcht auf das Reich nothige uns zur Vorsicht; bei. zn�.rfnifse desselben trugen wir mindestens zwei Fünftel �strebe der Staat also keine Vermehrung der direkten Steuern �gebniki5.wne er auch keine Verminderung vertragen. Ueber die (Wr&np'sf der Steuerreform kennen wir bis jetzt nur die Minder- Mch,«!,,., den Steuererleichterungen, über die zu erwartenden fei keine Annahme sicher und zulässig. Bis zur ?Ibä,ld-ft � müsse also mit der Ueberweisung der Grund- und , ie arke,��.. gewartet werden. Die Regierung werde jedenfalls beitx,,„ loglichsten Garantien geben.(Bravo!) Auf Einzel- er(der Minister) heute natürlich nicht eingehen. wiel gemeint habe, daß eine Reform der Kommunalsteuer iac>i-s,��"d>ger sei, so müsse er bemerken, daß eine Reform der Mtiq, unter allen Umständen vorausgehen müsse.(Sehr wniie bii»). Neue Objektsteuern seien nicht beabsichtigt, daher � nich,» dstalrentensteuer— so berechtigt sie anch sein möge werde bi-> vM"drt werden. Mit den bisher beabsichtigten Reformen Nebet bi,, Mfufnedenheit über ungleiche Besteuerung verschwinden. ichv» jü" Aeklnrationszwana bemerkt der Minister, derselbe sei werde,,„.�nhre 1847 angeregt und mit Wohlwollen begrüßt . bre hr.„m nur geringer Majorität wurde er abgelehnt. Zwei Wurf MN"f lehnte die Erste Kammer den abgeschwächten Eni- wie � falls ab, welchen die Zweite Kammer angenoniinen sbürger verschwand der Plan vollständig. Der preußische w der chy�e, lvenn er auf Ehre und Gewissen gefragt werde, S;«Ä i.» fiötete' und das werde nicht als Sünde betrachtet. .. meisten deutschen Staaten zurück, welche <5 Deklarationspflicht mit bestem Erfolge ein- >jede inogliche Milderung sei im Gesetze vor- ein/M foiup'i, y L'iwuuuje iymuciuna......... chaUunl die Sache nicht dadurch berührt werde; wenn fiib�f'Cn 1"d,t möglich sei. genüge die Mittheilung der die die Behörde, welche dann schon fchoi. � feiin«„�o�Hn0 vornehmen werde. Seit vierzig ®ino ISs-Sw"- mir die Mängel unseres bisherigen Ein- 1%"det bpj rf,r!n§' da sei eine Abhilfe doch gewiß berechtigt. '•UiH.�Seben- I1 der Deklarationspflicht anderer Staaten müsse wei,. � uj�', daß die Regiernng mit dem vorliegenden Gesetz- steinen äji viel verlange. Der Minister verbreitet sich des sei Nlstonen. v, Art der Einschätzungs- und Veranlagungs- wür» Irlich k daß die Landräthe denselben Vorsitzen sollten, allechn,"" wer solle es sonst thun? In einzelnen Fällen hetj falls 16 Landräthe entlastet werden müssen, aber ®efehnot Ie Regierung keine Veranlassung, mit der bis- ÜUng �Mig zu brechen, schon der Gleichmäßigkeit der WiiiN Die Frage der Berufsinstanzen sei so i stift.' Wos �>k. dflfi die Klagen wesentlich vermindert werden WLiJo". bisherige Steuerfreiheit der Standesherren we%e b'efc'be von der Regierung als ein Privileg fein• ,e er' von einer Doppelbesteuerung könne nicht • manche deutschen Staaten besteuerten solche Gesellschaften bis zum vollen Betrage, gingen also viel weiter als wir. Er hoffe, daß eine Verständigung auch über diesen Punkt erzielt werden würde. In Betreff de Steuertarifs betont der Minister die Erleichterung, die in der Unterscheidung zwischen kinderlosen und kinderreichen Leuten liege, auch die kleinen Stufen zwischen der Höhe der einzelnen Einkommen sei eine erhebliche Milderung.— Die Einkommensteuer könne nun aber nicht ohne die Erbschaftssteuer verstanden werden, welche freilich vielfach auf Älbneigung stoße.(Sehr richtig! im Zentrum.) Wir haben aber doch schon eine Erbschaft� steuer, und die etwas größere Ausdehnung derselben sei doch nicht so ungeheuerlich! Auch bilde diese Steuer eine wesentliche Hand habe zur richtigen Besteuerung des Einkommens, so daß eine Los trennung sehr tief in das Wesen der Steuerreform einschneiden und diese schädigen werde. Was endlich die Gewerbesteuer be- trifft, so wolle die Regierung damit keine einseitige Sozialpolitik treiben, sondern nur ausgleichende Gerechtigkeit üben, hierzu sei die Reform der Gewerbesteuer dringend nothig und nicht länger zu umgehen. Die früheren Gesetze seien durch zu gründliche Durchberathung von Einzelsragen erschwert worden man möge über denselben nicht das Ganze vergessen Er hoffe, daß das Haus in diesem Sinne die Berathung behandeln und zu einem gedeihlichen Ende führen werde.(Bravo!) Abg. Dr. Reichrnsperger(Zentr.)— bei großer Unruhe des Hauses auf der Tribüne kaum verständlich— erklärt, nur in setnem Namen zu sprechen. Redner bemängelt die Besteuerung der Aktien-Gesellschaften und wünscht, daß das aus persönlicher Arbeitsthätigkeit entspringende Einkommen geringer besteuert wird, als das aus Kapitalbesitz stammende.(Die Ausführungen im Einzelnen sind aus der Tribüne in ihrem Zusammenhange nicht verständlich.) Die Bestimmung, daß bei einem Einkonimen unter 3000 M. sür jedes minderjährige Kind 50 M. von dem steuerpflichtigen Einkommen abgezogen werden solle, habe gar keine Bedeutung, wenn man bei einem Einkommen von etwa 2700 M. nicht mindestens 6 Kinder habe, von einer Erleichte� rung könne also nur in seltenen Fällen die Rede sein. Ter Deklarationstwang in der beabsichtigten Form werde die Staatsfinanzen mehr schädigen als heben. Ferner sei es in höchstem Grade bedauerlich, daß die Steuerfreiheit mit einem Einkommen von 800 M. schon aufhöre, man hätte mindestens bis 1200 M. gehen müssen, jedenfalls sei es unbegreif lich, wie man hierbei von einer Verbesserung reden könne. Die Einschätzungsweise, wie sie bisher bestanden, sei allerdings gleich falls in hohem Grade bedenklich gewesen, und das Beispiel von Bochum beweise, daß man das Einkommen häufig nicht habe treffen wollen, indessen würden dieselben Uebelstände nur in verstärktem Maßstabe bei dem neuen Verfahren bestehen bleiben, da es genug Mittel und Wege zulasse, das Einkommen zu ver- schweigen, ohne Gefahr zu laufen, der Strafe zu verfallen. Die m entfernte Aussicht gestellte Ueberweisung der Grund- und Ge- büudesteuer werde gar nichts helfen, so lange die Kommunen in der bisherigen Weise für Luxusbauten und dergleichen ihr Geld verschleuderten. Abg. v. Rauchffaupt(kons.) erklärt, daß seine Partei trotz allen Undankes redlich mitgearbeitet habe, die Steuerreform durchzuführen; das besagt schon ihr Steuerprogramm. Unser betreffender Rechenschafts- Bericht scheint von dem Ver- sasser der Motive zu diesem Gesetzentwurf sogar benutzt wor den zu sein, so sehr decken sich die beide in ihren Grundsätzen. Damals trat das Haus unserem Antrage nicht bei, dann folgte die mühselige Kommissionsarbeit mehrerer Jahre, heute ernten wir den Lohn für unsere Arbeit. An Hülfe und Mitarbeit werden wir es auch jetzt nicht fehlen lassen und wenn wir auch in kleineren Punkten abweichen, sind wir doch in den Grund- zügen mit der Regierung einig. Die Deklarationspflicht hat allerdings ihre Bedenken, ist aber immer noch das beste System; versucht muß es jedenfalls werden. Der Vorredner sieht wohl zu schwarz betreffs der Folgen des Deklarationszwanges, die Verhältnisse sind bisher nicht so verlockend gewesen, um die Bei- beHaltung des bisherigen Systems besonders zu rechtfertigen. (Redner verliest aus einer Broschüre einige bezeichnende Stellen.) Allerdings genügt die Deklaration allein nicht, wenigstens in der Zeit wird die Einschätzungs-Kommission in Thätigkeit bleiben müssen, um Mißstände zu vermeiden. Abg. Uickert(dfr.): Ich erkenne dem Finanzminister ohne Weiteres an, daß die Reform der direkten Steuern in Preußen eine dringliche ist. Sie ist seit einer Reihe von Jahren vom Ab- geordnetenhause verlangt worden, und obwohl alle Parteien bereitwilligst mitgearbeitet haben, ist ein erhebliches Resultat bisher nicht zu Stande gekommen. Die Landgemeinde-Ordnung war noch dringlicher. Wir haben das feierliche Versprechen der Regierung von 1869, daß die Voraussetzung, von welcher die ganze linke Seite des Hauses ausging, als sie die Kreisordnung beschloß, nämlich, daß die Landgemeinde-Ordnung unmittelbar darauf folgen würde, zur Wahrheit werden würde. Sie wissen, in welcher Weise die Gesetzgebung in Preußen im letzten Jahre versumpfte. Sie brauchen nur an die Vorgänge im Herrenhause mit Geheimrath Rommel zu denken, und an Herrn v. Puttkamer, der das Bedürsniß einer Landgemeinde-Ordnung überhaupt ver- neinte. Daß das Schulgesetz von Dringlichkeit ist, hat man uns chon vor40Jahren gesagt. Kein einziger Minister hat eine derart weitgehende Vollmacht, eine Versügung über derartige große unkontro- lirbare Pauschquanta, wie der Kultusminister. Deshalb ist das Schul- gesetz dringend nothwendig; freilich das konnten wir uns nicht denken, daß das Schulgesetz, welches die Regierung jetzt vorlegt, sich lediglich darauf beschränken würde, diese weitgehende Vollmacht der Schulverwaltung auf die Dauer zu verlängern und zu ver- stärken. Wir werden an allen Gesetzen mitarbeiten nach dem Programme des Herrn Ministerpräsidenten, welcher die Liebe zum Vaterlande, das sich Heimischfühlen im Vaterlande hier ins Feld geführt hat. Wir akzeptiren dieses Programm, werden uns aber nicht der Verpflichtung entziehen können zu prüfen, in wie weit die Vorlagen der Staatsregierung geeignet sind, diese Liebe zum Vaterlande, dieses sich Heimischfühlen herbeizuführen. Eins der wichtigsten Hilfsmittel für die Gesetzgebung ist eine Zuverlässige Einkommensteuer-Statistik. Eine solche giebt einen Einblick in die wirthschastliche Leistungsfähigkeit des Staates und seiner einzelnen Glieder. Manche Utopien, manche Jrrthümer würden beseitigt werden können. Je großer aber die Schwierig- leiten sind für die Einführung einer solchen Selbst- einschätznng, um so vorsichtiger muß die Gesetzgebung dabei sein und namentlich in dem einen Punkte. Man soll allerdings das Gewissen der einzelnen Censiten schärfen, daß das Steuerzahlen eine der ersten-Pflichten ist, aber man soll auch das Gewissen der maßgebenden Faktoren schärfen, daß das Gesammteinkommen aus den Steuern mit peinlichster Sorgfalt verwaltet und verwendet wird, und daß kein Jahr nur ein Heller mehr eingenommen und ausgegeben wird, als nothig ist. Dazu ist aber die Mitwirkung der Volksvertretung bei der Steuer- bewilligung durchaus nothig. Die preußische Regierung verweigert aber der Volksvertretung, was der kleinste Staat der Seinigen gewährt, das Recht der Steuerbewilligung, obwohl seit Dezennien alle Parteien mit Ausnahme der Konservativen erklärt haben, im Interesse einer geordneten Finanzwirthschaft ist die Quotisirung der Einkommensteuer nothwendig. Der gegenwärtige Finanz- minister hat im Reichstage selbst gesagt, daß eine solche Quotist- rung nothwendig sei. Es ist mir absolut unbegreiflich, warum die Regierung sich weigert, dieses Recht za gewähren. Dieser Mangel eines beweglichen Faktors gerade war es, der allein die Schuld trug, daß die preußische Steuerreform zurückblieb. , Die Entlastung ist bei der Klassensteuer minimal. Der Aus- fall wird im ganzen 1 200 000 M. betragen. Er wird aber reichlich aufgehoben durch die strengere Einschätznng; es kommt aber sogar ein Plus heraus. Auch die mittleren Einkommen sind zu hoch besteuert. Man glaubt, die Leute mit Einkommen über 3000 M. sind äußerst wohlhabend, aber gerade diese Familien, meistens Beamtenfamilien, haben durch die Lebensmittel- Theuernng viel zu leiden gehabt. Hier muß die bessernde Hand angelegt werden. Auch mit der Skala bin ich nicht ganz einverstanden, ich halte die Zwischenräume für zu klein. Es ist oft ganz unmöglich, das Einkommen so genau abzuschätzen. Die Regierung wird sich die Einführung der Selbstdeklaration bedeutend erleichtern, wenn sie größere Zwischenräume, namentlich-bei den größeren Einkommen festsetzt: es wird auch wesentlich zur Beruhigung der Zensiten dienen. Ich halte bei dieser Gelegenheit auch eine Veränderung des Wahlrechts für unerläßlich. Wir müssen dahin dringen, daß das Reichstags- Wahlrecht auch sür die Wahlen zum preußischen Landtag gilt.(Widerspruch rechts.) Für die Dauer sind derartige Wahlrechte neben einander unhaltbar. Jedenfalls aber müssen wir dafür sorgen, daß eine Verkümmerung des Wahlrechts der wenig vermögenden Klassen nicht statt- findet. Wir haben hier ein Mittel in der Hand, die Äerschie- Hungen, welche früher stattgefunden haben, wett zu machen, damit eine größere Anzahl von Wählern in die zweite und eine ge- ringere in die dritte Abtheilung kommt. Was die R e i ch s u n m i t t e l b a r e n angeht, so meine ich, daß in Verfassungsstaaten derartige Privilegien nicht bestehen dürfen. Die Herren hätten schon längst auf ihr Privilegium odiosum verzichten sollen, für das ein Rechtsanspruch nicht vor- handen ist. Eine Entschädigung kür die Aufhebung des Privi- legiums zu geben, liegt kein Gruno vor, man würde damit das Volksgefühl verletzen. Ich bin überzeugt, daß die Herren es gar nicht annehmen würden, wie denn sogar sich bereits Freiwillige zur Besteuerung gemeldet haben. Für den Erfolg der Vorlage ist die Art der Ver- anlogung von großer Bedeutung. Bei Fehlgriffen der betreffenden Behörde wird das Gesetz nicht populär wer- den können. Ich habe auch das Vertrauen, daß die deutschen Zensiten ihrer Pflicht gemäß sich richtig einschätzen werden, und meine überhaupt, daß die ganze Durchführung des Gesetzes von der bereitwilligen Mitwirkung der Zensisten abhängt. Aber das hier vorgeschlagene Verfahren hat in der That eine ge- wisse Aehnlichkeit mit dem Strafprozeß. Der Zensit erscheint wie ein Angeklagter. Ich verlange nicht, daß man sanft mit denjeni- gen, die sich einer dolosen Hinterziehung schuldig gemacht, um- gehe, aber ein derartiges Jnquisitionsverfahren halte ich nicht für gerechtfertigt. Man kann doch unmöglich der Behörde das Recht zugestehen, einfach die Angaben der Zensiten zu ignoriren. Um so weniger ist ein so weitgehendes Recht zuzulassen, als die Kom- Missionen durchaus noch nicht die nothige Schulung haben, mit den Zensiten in richtiger Weise umzugehen. Ebenso bedenklich sind die Bestimmungen über die Znsammensetzung der Ein- chätzungskominission. Es ist ganz undenkbar, daß man der Re- gierung zugestehen soll, die Hälfte der Mitglieder der Kommission nach Belieben zu ernennen. Ganz unerklärlich ist es mir, warum Herr v. Rauchhaupt den Landrath bei der Einschätzung haben will.' Wie soll er die Arbeit bei der Masse der Geschäfte bewältigen? Neben dem Staats- kommissar würde er eine sehr unselige Figur stielen. Dazu kommt, daß der Landrath ein politischer Beamter ist, wir aber wollen unpolitische Beamte haben. Nehmen Sie ihm dieses Odium. Nun sagt der Finanzminister, wir haben keine Beamten. Sie brauchen gar keine Beamten, Sie können ja andere Leute nehmen. Im Uebrigen glaube ich, die Fähigkeit, Beamte zu finden, wird die Regierung hier wie anderwärts auch sehr gut bewähren. In den Motiven heißt es, die Regierung verlangt eine gründliche Vorbereitung zur Veranlagung durch gut geschulte Beamte, die ihre Kräfte möglichst allein darauf verwenden können. Das kann doch nicht der Landrath sein, der hat doch andere Dinge zu thun. Wir werden den Reformen nur dann freundlich gegenüber- tehen, wenn die konstitutionellen Bedingungen erfüllt werden, daß bei einer Finanzlage wie der heutigen, kein Pfennig mehr bewilngt wird, denn das wäre das Unverantwortlichste von allem. Wenn wir mehr Geld von den Steuerzahlern erheben würden, als unbedingt erforderlich ist, die Tendenz der Vorschläge, die Schwachen zu enl- lasten, erkennen wir aufs Wärmste an, aber die einzig wirksame Finanzpolitik zur Durchführung einer wirklichen Entlastung sehen wir nur in der'Aushebung der Lebensmiltelzölle, in einer Aenderung der seit 1879 inaugurirten Wirthschaftspolitik. Wir sind ganz einverstanden mit dem Ministerpräsidenten, wenn er meinte, die Schäden müßten von innen heraus geheilt werden. Es kommt darauf an, daß alle Glieder des Staates von der Ueberzeugung getragen werden, daß Gerechtigkeit besteht und namentlich auch in der Besteuerung, daß Raum sei für eine jede ehrliche Ueber- zeugung, zu wirken für das Wohl des Staates. Die Tage der alten, verbrauchten Staatsweisheit, die nur mit Diplomatie. Polizei, Bureaukratie und Bevormundung auszukommen wußte, sie sind vorüber und können nimmermehr wiederkehren. Wir acceptiren das Programm, das der Ministerpräsident aufgestellt hat, daß die Gesetze derartig gestaltet sein sollen, daß sich die Liebe der Staatsangehörigen zu dem Staatswesen befestige, kräftige und belebe. Dazu gehört auch eine Steuergesetzgebung, welche die Zufriedenheit im Lande, welche das Bewußtsein hervorruft, daß aus- gleichende Gerechtigkeit herrscht. Der frühere Reichskanzler hat uns einmal vorgeworfen, daß die Opposition ein Bedürfniß nach Unziefriedenheit habe. Noch niemals ist eine so ungerechte An- klage gegen die Opposition erhoben(Widerspruch rechts), wie diese. Wenn wir einen Bedarf an Unzufriedenheit hätten, dann hätten wir nicht gewarnt vor zener Zoll- und Steuerpolitik, vor PWM&SW sind für uns gleichgiltige Redensarten. Wir sind bereit mit- Sbhast�BeffI ttnkl?�� rÜtfn'älts'"cht einen Schritt. 11 Uhr610'1' tmtnat � H�s die weitere Berathung ans Freitag Schluß 5 Uhr. Rounttunnlos. Stndtvrrordncten-Uersammlnng. Sitzung v o in D o n n e r st a g, den 20. November. Der Vorsteher, Stcidtv. D r. Stryck, eröffnet die Sitzung um 51/2 Uhr mit einer Reihe geschäftlicher Mittheilungen. Nach Eintritt in die Tagesordnung gelangen zunächst die beiden dringlichen Anträge zur Berathung, die wir gestern mit- getheilt haben. Der erste von den Stadtverordneten Hellriegel und Genossen eingebrachte Antrag lautet: „Die Versammlung wolle beschließen, Herrn Professor Dr. Robert Koch das Ehrenbürgerrecht der Stadt Berlin zu verleihen und den Magistrat zu ersuchen, diesem An- trage beizutreten. Wir bitten um Verhandlung in öffent- lichcr Sitzung." Stadtv. Hermes: Die höchste Auszeichnung, welche die Stadt zu verleihen hat, das Ehrenbürgerrecht, soll, so will es der Antrag, unsernr großen Mitbürger, dem Professor Koch, verliehen werden. Tie Augen der ganzen Welt find auf den Forscher rw CVl«•«»*«••»/»«•IC»*»-f-l. Cflt!- alles der sie hat. Die Das „—~. y.. ngv*.-cu•(iuu uu| ven yovjcycr gerichtet, der den Wohlthätern der Menschheit zuzurechnen ist. Wir ehren uns nur selbst, wenn wir ihn ehren.(Beifall.) Stadtrath Straß mann glaubt versichern zu dürfen, daß der Magistrat dein Antrage sich anschließen werde. Der Antrag wird einstimmig angenommen. Der zweite von den Stadtv. Meyer I und Genossen gebrachte Antrag lautet: „Die Versammlung ersucht den Magistrat, dem um die Menschheit und vorzugsweise um unsere Stadt hoch- verdienten Forscher Herrn Professor Dr. Robert Koch zur Fertigstellung der ihm vom Staat zugesicherten Klinik die- •».«..» 0"t"---- er zu 1. I WIW,..-----—... zugesicherten Klinik die jenigen Räume, deren er zur Förderung seiner neuesten Entdeckung bedarf, möglichst sofort zur Verfügung zustellen und den bezüglich der Aufnahme von Kranken und son von ihm etwa zu stellenden Bedingungen ohne Rücksich auf die bisherige Verwaltungspraxis des Magistrats statt zugeben. Tie Versammlung stellt alle zu obigem Zweck erforderlichen Mittel zur Verfügung des Magistrats. Be züglich der geschäftlichen Behandlung dieses Antrages bean tragen wir: denselben durch einen vom Vorstand sofort zu nennenden Ausschuß von 10 Personen vorberathen lassen und dem Ausschuß aufzugeben, noch in derselben Sitzung Bericht zu erstatten. Stadtv. Meyer 1: Außerordentliche Zeiten erfordern ' außerordentliche Mittel. Jeder einzelne Tag ist werthvoll für die /Leidenden. Die Räume zur Behandlung der Kranken müssen für Professor Koch sofort hergegeben werden. Wenn die Verwaltung auch mit großen Schwierigkeiten zu kämpfen haben werde, die Begeisterung müsse darüber forthelfen. Alle kleinlichen Bedenken müssen schwinden der großen Aufgabe gegenüber. Stadtrath S t r a ß m a n n erklärt, daß der Magistrat am 18. November beschlossen habe, dem Professor Koch sofort B Ba racken mit 1G0 Betten zur Verfügung zu stellen. Stadtv. S p i n 0 l a: Es handelt sich bei dem Wunsch des Professors Koch, in einem städtischen Krankenhause Kranke zur Behandlung zu erhalten, nicht um die Tuberkulose. In Sachen der Tuberkulose hält Professor Koch seine Arbeiten für abgeschlossen. Die Ausführung überläßt er den Aerzten. Bei seinem Wunsche Handel es sich um Versuche, die er zur Bekämpfung an derer Infektionskrankheiten, wie Scharlach. Masern, Diphtherie, Typhus, Carcinom(Krebs) anzustellen wünscht.(Bewegung.) Stadtv. Singer: Ich kann nur empfehlen, den Antrag an- zunehmen. Wir haben die feste Ueberzeugung, daß der Magistrat den Nutzen der epochalen Entdeckung des Prof. Koch, welche der Menschheit zum Segen gereicht, den weitesten Kreisen, auch den ärmsten Kreisen der Bevölkerung zugänglich machen wird. Es ist eine Ehrenpflicht für die Stadt, den Kranken den Weg zu öffnen zur Gesundheit. Vorsteher, Stadtv. Dr. Stryck, theilt mit, daß die Stadt dem Professor Koch das Gut Malchow, das schon früher zur Er- richtung eines Sanatoriums für Schwindsüchtige bestimmt war, mit Baracken und allen übrigen Hilfsmitteln zur Verfügung ge- stellt habe, damit dort auch den Acrmeren, was der Stadtverord- nete Singer mit Recht verlangt hatte, die Wohlthat der Koch- scheu Erfindung zu Theil werde. Die Einsetzung eines Ausschusses zur sofortigen Berathung des Antrages wird hierauf einstimmig angenommen. Der Vorstand setzt den Ausschuß aus folgenden Personen zusammen: Langerhans, Meyer 1, Spinola, Haß, Hermes, Hellriegel, Schwalbe, Kyllmann, Neumann I und Singer. Es folgt die Berathuna über die Petition der am 15. Oktober dieses Jahres in Joel's Saal, Andreasstraße 21, abgehaltenen Volksversammlung, betreffend die Uebernahme der Sanitätswachen in die städtische Verwaltung. In der von zirka 1000 Personen besuchten Volksversammlung wurde bekanntlich die Resolution gefaßt, die Stadtvcrtretuug Berlins zu ersuchen, schnellstens die bis- herkgen Sanitälswachen in die städtische Verwaltung zu übernehmen. Das Bureau der Volksversammlung theilte der Stadt- verordueten-Versanunlung diese Resolution unter Hinweis auf die Notluvendigkeit der Sanitätswachen mit und bemerkte zur Begründung des Antrages serner, daß die bestehenden, auf freiwilligen Beiträge» basirten Wachen nicht ausreichten und betreffs ihrer Erhaltung seit Jahren mit materiellen Sorgen kämpften. Die Volks- Versammlung spreche sich gegen einen weiteren Zuschuß an dieselben aus, da mit einem solchen wohl eine Frist, aber keine Hilfe geschaffen werde, während die Arbeiter bei Uebernahme der Wachen seitens der Stadt jede Ausgabe gut heißen würden. Ter Ausschuß beschloß, der Versammlung zu empfehlen, die Petition dem Magistrat in der Voraussetzung zur Verfügung zu überweisen, daß derselbe dem An- trage der Subkommission für das Rettungswesen vom 7. Oktober d. I., in den Spezialetat Nr. 53 unter D 2 der Ausgabe, statt der bisherigen 10000 M. vom 1. April 1891 ab 40 000 M. einzustellen, Folge giebt. Hierzu beantragen Stadtvv. Vogtherr u. Gen., dem An- trage des Ausschusses den Zusatz zu geben: ... und die Uebernahme der Sanitätswachen in die städtische Verwaltung in die Wege zu leiten. Stadtv. Cassel u. Gen. beantragen, dem Magistrat die Petition zur Erwägung zu übergeben. Stadtv. R e i ch n 0 w begründet den Standpunkt des Petitions- Ausschusses.' Stadtv. Cassel: Bei den Sanitätswachen liegt em Be- dürfniß der öffentlichen Wohlfahrt vor, für welches die städtische Verwaltung zu sorgen hat. sind sie auf private Hilfe angewiesen und können nicht leisten. Das ist ihrer nicht würdig. Es ist Stadt Berlin nicht würdig(Große Unruhe), daß eine so wichtige Sache auf die Privathilfe angewiesen Die Sanitätswachen ermangeln des einheitlichen Beiriebes. eine wird um 7, die andere um 10 Uhr Abends geöffnet. sind unwürdige Zustände. Die Sanitätswachen dürfen nicht fort- vegctiren, sie muffen von der Stadt übernommen und gefördert werden. Stadtv. D i» s e vcrtheidigt die bisherige Einrichtung der Sanitätswachen. Der Antrag V 0 g t h e r r und der Autrag Cassel werden abgelehnt und der Antrag des Petitionsausschusies angenommen. Der in dieser Sitzung eingesetzte Ausschuß hat seine Be- rathungen beendet. Sein Berichterstatter, Stadtv. Dr. Schwalbe theilt mit, daß der Ausschuß dem Antrag des Stadtv. Meyer I. und Genossen noch folgenden Satz hinzugefügt habe: „... Gleichzeitig ersucht die Versammlung den Magistrat, chleunigst Einrichtungen zu treffen, um das Koch'sche Heilver fahren gegen die Tuberkulose der gesammten Bevölkerung mög- lichst bald nutzbar zu machen." Ter so veränderte Antrag Meyer I. wird einstimmig angenommen. Es folgt die Berathung des Antrages der Stadtv. Stadt- Hägen und Genossen, die Beschaffung der Lehrmittel für die Genieindeschüler auf Kosten der Stadt und die unentgeltliche Verabfolgung derselben an die Schüler zu beschließen. Stadtv. Friede mann beantragt, den Antrag durch einen Ausschuß vorberathen zu lassen. Stadtv. Stadthagen: Die Politik hat mit diesem Antrage nichts zu thun. Freilich erstreben wir, daß die Gesellschaft dem Einzelnen die Möglichkeit gewährt, seine Fähigkeiten frei zu ent- wickeln und auszubilden. Aber mit diesem Endziel hat der Antrag nichts zu thun. Er ist zunächst nichts weiter, als die Bitte, zu erfüllen, was die Verfassung der Gemeinde auferlegt. Im Artikel 23 heißt es ausdrücklich, daß der Unterricht in der Volksschule unentgeldlich sein soll. Das heißt nicht nur, daß das Schulgeld fortfallen soll, sondern auch, daß die Unter richtsmittel fm geliefert werden sollen. Nach dem Wort laut kann nichts anderes darunter verstanden werden. Aber selbst der Fortfall des Schulgeldes ist erst spät eingetreten, obwohl das Landrecht schon die Gemeinden verpflichtete, den Bedürftigen freien Unterricht zu gewähren, 1826 wurden in Berlin Kommunal- Armenschule» errichtet, bei denen nicht nur das Schulgeld fortstel, sondern auch die Lehrmittel frei geliefert worden. Auf die rein juristische Seite lege ich nicht den Hauptwerth. Auch allgemeine Gründe weisen die Nolhwendigkeit unserer Forderung nach. Bei der Erziehung kommt es doch jedem darauf an, daß der Zweck der Erziehung erreicht werde. Gäbe es auch nur ein Kind, dessen Erziehung scheitert, weil seine Eltern nicht die Lehrmittel beschaffen können, so müßte das bereits ein Grund sein, die Lehr- mittel allgemein umsonst zu liefern. Ein Almosen wäre unwürdig für den Empfänger und den Geber. Sittlichkeit und Gerechtigkeil verlangen gebieterisch, daß für alle Kinder die Lehrmittel umsonst geliefert werden. Gegenwärtig dauert es 8—10 Wochen, bevor ein armes Kind ein Lehrbuch umsonst erhält; so lange dauern die Recherchen nach der Bedürftigkeit. Nicht um einen Tag sollte dem Kind das Recht verkümmert werden.(Unruhe.) Was die Mittel betrifft, die bei der Durchführung unseres Antrages er- 'orderlich sind, so sage ich: und wenn es auch Millionen kostete; das darf uns kein Grund sein, das Recht zu brechen. In Wirklich keit ist aber nur eine geringfügige Summe erforderlich: an Lehr büchern pro Kopf etwa 10—15 M. in den acht Jahren des Unterrichts, für ein Jahr also 1—2 M. Dieselbe Summe wäre für Schreibbücher erforderlich. Zusamnien wären demnach für den Kopf des Schülers jährlich 3—4 M. erforderlich, 172 416 Schüler und Schülerinnen sind vorhanden. Das ergiebt 500 000—700 000 M. jährlich. Davon würden noch die Prozente abgehen, welche bei solchem Bezüge der Stadt von den Verlegern und Papierhändlern gewährt werden würden, und es würden "ich höchstens 400 000 M. jährlich erforderlich erweisen. Die gleiche Summe haben wir bezahlen müssen, um zu sehen, welcher Schütze die meisten Löcher in die Luft schießt(Heiterkeit), um einen Straßenzug bei einer vorübergehenden Gelegenheit für eine Persönlichkeit herzurichten.(Unruhe.) Paris giebt viel mehr " die Volksschule her als wir. Obwohl Paris ein Drittel weniger Schüler in die Volksschule schickt, als Berlin, giebt es ein Drittel mehr aus sür sie als Berlin(12 gegen 8 Millionen Mark). Aus dem allgemeinen Steuersäckel werden die Zuschüsse für die höheren wie sür die niederen Schulen bestritten, und es fällt auf den Kopf des höheren Schülers ein jährlicher Zuschuß von 90 M., für den Gemeindeschüler nur ein Zuschuß von 44 bis 47 M. Und da sollen nicht 3, 4 M. mehr ausgegeben werden können, um die Lehrmittel umsonst zu liefern? Wie kommen wir dazu, sür den Sohn des Reicheren 90 M. jährlich zu leisten, und für den Sohn des Armen soll eine geringe Mehrausgabe nicht angängig sein?! Die Einwürfe, die gegen unseren Antrag geltend gemacht werden, können nur geholt sein aus der reaktionären Rüstkammer der Mühler und Genossen, die sich gegen die Auf- Hebung des Schulgeldes erklärten, weil die Erzieh»»•-■—- fetiiftioti frttti>av*v* Sot» O: T"*«• f«! rtsi- �' prüft werden muß. Der Ausschuß wird aus 15 Mitgliedern sammengesetzt. Unter großer Unaufmerksamkeit der Versammlung wird h»' auf der Antrag des Stadtverorductenvorsteher-Stellvertreters 1'; Langerhans und Genossen berathen, den Magistrat zu er suchen, gemeinsam mit der Versammlung an den Herrn Rewr kanzler die Bitte zu richten, darauf hinzuwirken, daß eine cke» billigung von Fleisch und Brot durch Aufhebung der noch stehenden Einfuhrverbote und baldige Herabsetzung und denn nächstige Beseitigung der Zölle eintritt, welche die nothwendigiw' Lebensmittel vertheuern. Stadtv. Dr. L a n g e r h a n s begründet den Antrag. Mau solle erbitten, was man möglicher Weise erlangen könne una deshalb die allmälige Herabsetzung der Zölle verlangen. Weuu er Premierminister wäre, würde er sie freilich sofort ausheben. Stadtv. Singer beantragt, dieWorte:„Herabsetzung und dem-' nächstige" in dem Antrag Langerhans zu streichen. Einen Zustand,' dem Langerhans Premierminister ist, kann Redner nach der � gründuna, die Langerhans seinem Antrage habe zu theil werde lassen, nicht für wünschenswerth erachten. Eine Partei, die,>v> die deutschfreisinnige, die Getreidezölle so oft als d höchste Unsittlichkeit bezeichnet hat, hat das Recht verwirkt,"» ihre„baldige Herabsetzung" zu beantragen. Zerbrechen wir- doch nicht den Kopf der Regierung. Wenn die Zölle dem Vo' die uothivendigsten Lebensmittel vertheuern, müssen wir w sofortige Aufhebung verlangen. Nur so erfüllen wir unsti Das Amendement Singer wird abgelehnt; der Antra? Langerhans in namentlicher Abstimmung mit 73 Stimmen genommen. Nunmehr vertagt sich die Versammlung. Schluß 9V2 Uhr. an- »TS Aber na nl- dein i.nMjrg zuerst nicht, welcher Genuß ihm bevorstand. ersten Witze erscholl aus dem Haufe der Ruf nun erkannte Alles den„Urkomischen". Wahre Lachsalven er hervor mit folgenden Epäßen: Ich war schon ein als Ihr noch alle auf Mutter's Schooß saßet. Kinder, W Liebknechten nicht, denn er ist ein Verführer; er hat gesagt/.'s- eherne Lohngesetz is jut zum Ajitiren, aber richtig is et iebr'ien» mch. Und macht»ich, det Mutter wat von Euren Zukunstsst� und der jroßen Eßanstalt gewahr wird, denn sonst liejt ihr' det Effen, wat Euch die jroße Eßanstalt kochen soll! Ick jl%' Ihr werdet Euch darum kloppen, indem Jeder die vernunff gemäßefte Portio» haben will; das erste Mal jeht's am eni noch ruhig ab, aber schonst det zweete Mal jiebt et mw :;;. s■;...... is. das nächste Mal „Singern", sondern Eugen Richter zu wählen; man erfuhr 1 aus, baß der Urkomische Deutschfreisinnig ist. Genug; der> komische erntete selten solch stürmischen Beifall, wie am M'ttw. Abend. Das Publikum fetzte sich aus Freisinnigen% ganz wenigen Sozialdemokraten zusammen; aber � grimmigen Gegner waren diesmal einig in dem ungew" Genuß der tollen Komik auf der Bühne. Nach Herrn we.� vermochte Herr S i in 0 n e t t i die allgemeine Heiterkeit F*; nicht mehr auf derselben Höhe zu erhallen. Mit Bezug da � daß Herr Simonetli neulich als Ruhestörer aus einer svZw'��u kratischen Versammlung hinausgewiesen werden mußte, w*, er: Die Sozialdemokraten stören mich jedesmal in meinen sammlungeu. Die Plätterinnen(sagte er weiter) behaupten,� verdienten keine 10 Mark die Woche; in den Plättanstallen- ich kenne, kriegen sie 85 und 40 Mark die Woche; in der 3 eit aber fünfzig.(Ruf: Wollen Sie uns nicht sagen, wo � � yeoung oes«scylligeives erktärle», weil die Erziehung nicht Sache des Staates, fondern der Familie sei. Die frei? Lieferung der Lehrmittel liegt aber auch im pädagogischen Interesse. Es kann nur zum Stützen der Schule sein, wenn die Lehrmittel gleichmäßig in ihr vorhanden sind. Ganz ohne Rücksicht darauf, daß Sozialdemokraten den Antrag gestellt haben, ganz ohne Rück- ficht auf die verschiedenen Endziele in Sachen der Schule sollten Sie sagen: Wir wollen die Bildung für alle! Stadtschulrath Bertram: Der Vorredner hat die finanzielle Bedeutung seines Antrages doch unterschätzt. In Paris werden den Kindern Lehrmittel, Bücher, Schreibhefte und Federn ge- liefert und man rechnet auf 4 Franks pro Kopf. Das würde für ....-> cm;/./-- cm—»;./..»!»-- MM Stadtrath Straß mann: und funktioniren seit 18 Jahren thätigkeitssinn getragen, und es privaten Charakter aufzuheben. Stadtv. Fried emann: Es "■" nach Sanitätswachen Die Sanitätswachen genügen gut. Sie werden von» Wohl- liegt kein Grund vor, ihren sei sehr zweifelhaft, ob das gegeiuvärtig genügend be- Bedürfniß friedigt sei. Stadtv. V 0 g t h e r r: Die Gründe,»velche die Petition der Volksversainmlung sür die Uebernahme der Sanitälswachen in städtische Verwaltung geltend macht, sind nicht»viderlcgt. Von den 10 000 M., die bisher den Sallitätsivachen zur Verfügung standen, ist nur die Hälfte für sie verwandt»vorden. Die 15 bestehenden Sanitätswachen müssen nicht nur rcformirt, auch»nüssen 15 neue noch errichtet»verde». Dazu reichen die. 40 000 M. nicht aus. Durch Uebernahme der Sanitätsivachen in städtische Per- walwng werden sie der Bürgerschaft erst recht gegeben. Bis jetzt uns eine halbe Million Mark jährlich ausmachen. Und wir sind in der Verwaltung doch immer noch gewöhnt, eine halbe Million als eine recht beträchtliche Summe zu betrachten. So sind für das ganze Fortbildlingsschulwesen nur 400 000 M. ausgeworfen. In Frankreich reicht die Schulpflicht nur bis zum vollendeten 13. Jahre, und»venn die Gemeindefchüler-Zahl in Paris so gering ist, so heißt das: der Sinn für das Gemeinde schulwesen ist in Paris nicht so verbreitet»vie in Berlin. Bei »veitein über die Hälfte der Berliner Gemeindeschüler stammt aus»vohlsituirten Familien, denen die freie Lieferung der Lehr- mittel unangenehm»väre. Auf anderen Gebieten des Volksschul- wescns haben»vir nüherliegende Aufgaben. Das Kindergarten- Schulivesen n»uß ausgedehnt, die Frequenz der Schulklassen herabgesetzt»verde». Kein Mensch hat bisher den Artikel 25 der Verfassung so verstanden,»vie der Vorredner. Es ist in ihm nur die Aufhebung des Schulgeldes gemeint. Gleich ist in der Schule für alle der Unterricht, verschieden die Be- gabung. Ihr Ziel ist, die Kinder zu Persönlichkeiten zu erziehen. Tasnbeste Mittel hierzu ist, den Begriff des Eigenthums in ihnen zu wecken, das Verständniß für Mein und Dein.(Rufe: Sehr richtig.) Der Sinn für das Eigenthum, der Sinn für Sparsam- keit und Ordnungsliebe beginnt beim Kinde bei»» eigenen Buche. Das würde ihnen verloren gehen, wenn der Antrag angenonnnen »vürde. In dein Antrage liegt der Anfang einer neuen Wirth- schasts»veise. Wünschenswerth»väre nur, den Fonds zu vcr- größern, aus dem armen Kindern auch Schreibhefte umsonst ge- liefert»verde». Die Gemeinde ist gern bereit, zu Helsen, aber nicht so,»vie es der Antrag will, der auf eine Schädigung der Schule hinausläuft. Stadtv. Bergemann vertritt denselben Standpn»»kt. Ein Schllißantrag»vird angenommen. Für den Antrag »vare» folgende Redner eingeschrieben: Friedemann, Schivalbe, Zubeil, Stadthagen; gegen den Antrag: Hermes, Horivitz und Meibauer. Durch eine lange Geschäftsordnungs-Debatte»vird festgestellt, daß der Antrag von einem Ausschuß geschäftsordnungsiliäßig ge- m avet.|wu|a&y.. stcwuc««hs u»»» mu/v r j* imonetti rief;„Ich verzichte aufs Wort" und schwang M der Bühne herab unter das Publikum.. g# Nur Eines befremdete. Man hatte nämlich die start* � losigkeit begangen, dem Ulk einen Vortrag eines Reichstagsabgeordneten vorangehen zu lassen. Derartige" tV man hoffentlich künftig vermeiden. In» Uebrigen fwm» xi- »varten, daß ähnliche Vorstellungen unter Leitung des Hef* rektors Schulz hinfort noch stärkeren Besuch finden»vero � Die„Uolsts.Ztg.", ehemals ein achtungswerthes Org«"� bürgerlichen Demokratie, ist nunniehr glücklich zuin Beschütze � Zuhältern und Kupplern geworden. Vor einigen Tagen'I � „Geschäftsführer" eines der in dem„feinen" Theile der Fn� straße belegenen Bordelle zu einer Gefängnißstrase verur »vorden, weil er sich für Dienste, die er den unglückliches schöpfen, die ihre Körper den„feinen Herren" der Friedrich feilbieten müssen, leistete, in ganz unverschämter We'st zahlen ließ. Dieser Herr gab sich damit ab, daß er Mädchen galante und noble Herren vom Schlage Grafen'Kleist zuivies, und er ergaunerte dann% dem„Sündengelde" einen nicht unbedeutenden PraZ� � Das Gericht konnte sich nicht zu der Höhe der Auffassung- � sie jetzt in der„Volks-Ztg." herrscht, aufschivingen und>1�, den wackeren Herrn auf vierzehn Tage ein. Darüber erg' � die„Volks-Ztg." und sie bricht für den Louis eine � alle Zuhälter und Kuppler Berlins werden eine helle ö haben,»venn sie lesen, wie sie von einem einstmals dewolra Blatt in Schutz genoinmen»verden. Die„Volks-Ztg." schreibt: W „An der Friedrichstraße, iin belebtesten Berkeh das Cafs National, Tags öde und langweilig/ ,. pikant und überfüllt. Alle Welt kennt es, alle m# wer dort verkehrt; Polizei, Lebeinänner, Bieder kurz alles, was sich für das Cafe interessirt, und ,„jha Obrigkeit duldet das Cafs, aus»velchen Rücksichten- ß Sache, aber sie duldet es, sie erhebt von den Da>n da verkehren, Ge,verbesteuer.« v Die Damen aber wollen leben, und dazu kanntschaften und Empfehlungen. Wer gut W' »vird, kommt im Leben weiter. Thut das dieser od � ?inz oder Kunz, so»nacht das nichts. Er lell'f. pw Freundschaftsdienst, das ist alles; die Moral low nicht in Gefahr. Aber"'" er ihnen inz läßt sich von den Damen dafür»nh�j undschaft zuweist, und. nun ist nicht« c» öffentliche Moral verletzt, sondern auch der~ und Hinz— er heißt in dein Falle Braun—' j Wochen Gefängniß. au'M K'' Herr Brausewetter aber hält dazu vor dein als Präsident folgende erbauliche Rede:„Der des Cafo National, so»vie ähnlicher Lokale ist\ jo/ji bekamst. Tie Behörde weiß, daß dort voriviegkn> verkehren, die unter sittenpolizeilicher Aufsicht str'st �l> ist zweifelhaft, ob nicht die Besitzer dieser„ti'r SBÖrihter fo[eilet Pnfnfp inone» ö'iinvtoTö»■»***♦ Pächter solcher Lokale' wegen Kuppelei zur'V«ra 9''' Und'die�PoUje�die diese Lokale duldet, � behörde, die sie besteuert,»vie steht's m»' j« Präsident? Ob auch sie schuldig sind, da I Wissenden gehören? Hinz aber geht auf 14 Tage ins Gesängniß und das von Rechts wegen, denn er nahm Geld." Der Ausfall auf die Polizei und den Richter— den wir be- sonders zu streicheln wahrhastig keine Veranlassung haben— soll Natürlich nur den eigentlichen Kern des Artikels verdecken. Die Zuständigen und vornehmen Regungen der„Volks-Zeitnng" sind dahin: der Geist des profitwüthigen Unternehmers durchweht das ganze Blatt, und da darf es denn nicht Wunder nehmen, wenn jede Art der Ausbeutung gutgeheißen wird. Die„Volks-Ztg." wird wahrscheinlich in nächster Zeit dafür plaidiren, daß der wackere Zuhälter, sobald er seine Strafe verbüßt hat, an den Thoren von Rummelsburg von zwanzig weihgekleideten„Ehren- iungfrauen" aus dem Cafe National empfangen und im Triumph °n die Stätte gesnhrt wird. seines bisherigen segensreichens Wirkens zurück- .�Menn Ktöck-r auch nicht mehr Hofprediger ,st. so wollen seine Freunde doch nicht auf den Genuß„des von chm gepredigten Wortes Gottes" verzichten. Er soll nämlich seine Pnvatkirche haben. Seine Freunde wollen ihm, nach einem„Eni- gesandt" des Blattes„Volk" eine besondere Kirche bauen. Dazu °u beitragen,„wer Leid empfindet über die schmerzliche Heim- luchung, die den großen Mann betroffen, der über ein Jahrzehnt 'w heiligen Kampfe für Christenthum und Monarchie gestanden". iZeder soll tin* foitipm K-Ä v» soll nach seinem Vermögen dazulegen,„daß über Jahr swd Tag in dein kirchenarmen Berlin ein neues Gotteshaus da- pehe, das unserem Stöcker zeitlebens gehöre. Was für Buchsel und Cassel möglich war, sollte es nicht auch für Stöcker gelingen i Ter Einsender, der gleich eine kleine Erstlingsgabe verspricht, wachte die Kirche, weil Niemand anders darin zu Worte kommen Nie, als der Friedensfürst,„Friedenskirche" genannt wissen.— Wenn in dieser Kirche auch Bier verzapft wird, werden wir die bekannten antisemitischen Radauszenen sich hier in ihrer ganzen «tldheit'' antisemitischen wiederholen sehen. Im neuesten Heft der von Kanitätorath Dr. Guttmaun 's.edigirtrn ,,Drntschen medizinischen Wochenschrift bc- b'chten die Herren Dr. O. Fräntzel, Dr. William Levy. Ober- nabsarzt Dr. R. Köhler und Stabsarzt Dr. Westphal über die Nahrungen, die sie bei der Anwendung des Koch'schen Heil- Wittels gegen die Tuberkulose bei innern wie bei äußern Krank- Mlen gemacht haben. Wir beschränken uns zunächst darauf, die jbbgebmsse mitzutheilen» zu denen Prof. Fräntzel bei Behandlung Lungenschwindsucht gelangt ist. Er legt seinen Aussührungen we Ergebnisse vo» vier Fällen weit vorgeschrittener Lungen- Ichwindsucht und acht Fällen weniger vorgeschrittener Luiigen- lchwindsucht zu Grunde. Das Ergebniß der vier Fälle weit vor- ??chrittener Lungenschwindsucht war Folgendes:„In allen M"» Fallen wurde das Fortschreiten des Prozeffes .urch Injektionen des Koch'schen Mitttels nicht aufge- Wüten; doch reagirten drei Fälle durch Temperaturerhöhungen. »wei Fällen ergab die Obduktion keine Heilungsvorgänge Schrumpfung) in den Lungen, wie bei dem kurzen Verlauf auch wcht zu erwarten war, ivohl aber faliden sich in den Kaverneii �-gesprochen schmierige Massen.» Das Gesanimtergebniß. zu �w,. Herr Prof. Fräntzel bei allen diesen Kranken nach 15 b,s V logiger Behandlung gelangt ist, ist folgendes:„Die Hohlen sü den Lungen werden durch das Koch'sche Mittel theilweise un- eemträchtigt bleiben, und»venu auch die kleinen nach mehr oder gründlich erfolgter Beseitigung der Bazillen leicht ver- j!.'°rben. so werden doch die großen Höhlen meist bestehen bleiben. IjS"'cht genügend reinigen können und durch ihre reichliche �tersekretion und den Inhalt an verschiedenen anderen Mikro- brganismen den Körper des Kranken ü°ß der To....... "�Wst Tod eintritt. Deswegen erschien daß in rasch so weit erschöpfen, es von vorn herein ällen, wo schon große � Lungen statthatte». und der Kranke e»»i»s«. � rvar, das Koch'sche Heilmittel noch große Erfolge bI0, wurde. Die Anwendung des Mittels bei derartigen sgki«» hat unsere aprioristische Zlnnahme bisher bestätigt. wir h* �"itersuchungen werden uns darüber belehren, wie weil w«rd° vorgeschrittenen Lungentuberkulose noch gewisse Erfolge n.rf," erivarien können. Aber auch bei den weit weniger vor- von p..enen Fällen von Lungenschwindsucht sind derartige Fälle »icke"'ll, wie ivir sie bei dem tuberkulösen Lupus sehen, meist ein aÄuszusehen. Bei Lupus sterben die infiltrirten Stelleu tpz. und werden ausgestoßen. In den Lungen sterben die bleib» Gewebe auch ab und werden ausgestoßen, eincipf,",, io6?r zunächst im Lungengewebe, in der Regel ktr �et in schmierige käsige Massen, wie wir sie bei der Autopsie gesehen haben, liegen und warten ab, ob sie knlösen Gewebe erpektorirt, das andere Mal wird durch die eigcnthumliche Höhlenbildung und andere Hemmnisse in den Lungen der Auswurf sehr erschwert, und bleiben die abgestoßenen Massen, die verkümmerte, aber lebensfähige Bazillen enthalten, in den Lungen liegen, die Bazillen lönnsn sich, sobald die Einwirkung des Koch'schen Mittels aufhört, von neuem zu stärkerer Kraft ent- wickeln und den Organismus von neuem infiziren. So sehen wir, daß Menschen, die vorher auf das Koch'sche Mittel bei Injektionen gar nicht mehr reagirt haben, auf einmal von neuem reagiren. Daraus muß gefolgert werden, daß sie direkt von den in ihrem Körper ruhenden verkümmerten, nicht expektorirten Massen von neuem infizirt sind. Immerhin ist daraus der Schluß zu ziehen, daß man solche Tuberkulöse zunächst einer längeren Kur unterziehen und dann in späteren Zeiten immer wieder von neuem in bestimmten größeren Intervallen durch Injektionen prüfen muß, ob sie gegen das.Koch'sche Spezifikum immun geblieben sind. In Bezug auf diese Frage bleibt bei der verhältnißmäßig kurzen Dauer der Ver- suche, die so erfreuliche Resultate und keine neunensivertheii, aus das Mittel zurückzuführenden ernsteren Komplikationen ergeben haben, der Zukunft noch viel vorbehalten. Wer aber von der Gegenwart bis zur ferusteu Zukunft hin zu diesen Fragen das Wort ergreifen wird, dessen erstes Wort wird stets ein Dank sein für Robert Koch."— Die von'den Herren Dr. William Levy, R. Köhler und Westphal dehandelten Fälle von Tuber- kulose sind ausschließlich chirurgischer' Art, und hier sind die Ergebnisse ganz ungleich günstiger als bei Lungen- schwindsucht.„Nach den Untersuchungen des Herrn Geh.-Rath Koch," sagt Dr. W. Levy u. a.,„wird unsere Aufgabe eine völlig andere. Wir werden ja ebenso wie früher schmerzhafte Glieder immobilisiren, Wunden verbinden müssen w.; aber zunächst müssen wir jeden operativen Eingriff möglichst einschränken. Unsere erste Pflicht ist es, bei dem Kranken die tuberkulöse In- fektion zu heilen. Hoffen wir, daß es uns auch beim Menschen gelingt, durch diese Verhandlung zugleich Immunität gegen den Tuberkelbazillus zu erreichen". Ins Ungeheuerliche gehen die Angebote fremder Aerzte für das Heilmittel des Professor Koch, das weder durch die besten Empfehlungen, noch durch die Mitwirkung der Gesandtschaften zu erlangen ist. Ein italienischer Arzt bot gestern einem deutschen Kollegen für ein einziges Fläschchen 5000 M., aber diesem war das begehrte Mittel ebenso unerreichbar wie jenem. Kiele Hunderte von Menschen füllten an einem der letzten Tage den Platz vor dem„Viktoria-Theater", die Münz- und die angrenzenden Straßen während mehrerer Tagesstunden. Was war geschehen? Ein Unglück etwa? Handelte es sich um eine tumultuarische Zusammenrottung? Nichts von alledem. Diesen Auflauf hatte vielmehr eine kleine Aunonze von zwei Zeilen bewirkt, laut welcher„einige Statisten für die neue Feerie des Viktoria-Theaters gesucht wurden". All' die Hunderte aber hatten sich auf jene Annonze hin gemeldet— wahrlich ein trau- riger Beweis der Arbeitsnoth in Berlin bei Eintritt des Winters! Kotizeibericht. Am 19. d. M. Morgens fiel der Maurer Schöpe vor dem Hause Madaistr. 11 plötzlich nieder und erlitt dabei eine Verletzung am Kopse, so daß er bewußtlos liegen blieb und nach dem Krankenhause am Friedrichhain gebracht werden mußte.— Nachmittags wurde ein Mann in seiner Wohnung, in der Maxftraße, erhängt vorgefunden.— Als zu derselben Zeit die beim Abbruch eines Wagenschuppens auf dem Potsdamer Jnneu-Bahnhofe beschäftigten Arbeiter Töpfer Lindner, Arbeiter Nikolaus und Maler Büttner einen etwa 6 Meter langen Balken, welcher auf den beiden Außenwänden und einer aus Fachwerk hergestellten Mittelwand lag, durch Umkanten fortbewegen wollten, fiel die Mittelwand um und riß die Arbeiter mit herunter. Hier- bei erlitten die beiden Ersteren, außer mehreren äußeren Quet- schungcn, anscheinend schwere innere Verletzungen, während Letz- terer nur über Brustschmerzen klagte. Lindner wurde nach dem Lazarus-Kranken hause und Niklaus nach dem St. Hedwigs- Krankenhause gebracht.— Am 19. d. M. Nachmittags, in der darauf folgenden Nacht und am 20. d. M. Morgens fanden vier kleinere Brände statt. demokraten einberufene öffentliche Versammlung zum Zwecks der Gründung eines Arbeitet-Bildungsvereins statt, zu welcher sich 78 Männer und 23 Frauen eingefunden hatten. Als Referent fungirte Herr Vogtherr, welcher über das Thema:„Kirchliche und elterliche Erziehung" sprach. Redner kritisirte in seinem Vortrag in sehr scharfer Weise den Inhalt der Bibel und die Lehren der christlichen Kirche. Unter Anderem äußerte er: Das Ammenmärchen von der sechstägigen Schöpfung und das „Phantom Gott" sei jedem geistigen Fortschritt zuwider. Schließ- lich forderte Vogtherr zum Austritt aus der Landeskirche auf. Vogtherr erblickte in seinen Ausführungen nur eine sachgemäße Kritik, während der Staatsanwalt wegen Gotteslästerung und Beschimpfung der evangelischen Kirche 6 Monate Gefängniß beantragte. Der Gerichtshof fand in der Anwendung deS Aus- drucks„Phantom" keine Gotteslästerung, wohl aber in den übrigen Redemendungen eine Beschimpfung der christlichen, nicht der evangelischen Kirche und erkannte dieserhalb auf sechs Wochen Gefängniß. DovsmmulrnrQoH. Sveic Norriniguiig der zo>ig,rt>rs»nd z«i>er!ucicht«r Kerli»». Versammlung am Sonnlag, den 23. November, Bormittags lojf Uhr, Wein- straße 11 bei Feindt(Herberge). zirreinigung Z>«o Drcch»I«r Deutschlands, Zahlstelle Rixdorf und Umgegend. Versammlung am Sonntag, den es. November, Vormittags nUhr, in Niesegls Lokal, Bergstrahe 129. Tagesordnung: l. Vortrag über die Opposition der Berliner Zahlstellen gegen den Vorstand: Referent: Kollege Zonas. 2. Dtskussiom 3. Verschiedenes. Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht, das) ein jeder Kollege erscheint. Neue Mitglieder werde» auf- genommen. Allgemein« Kranken- und Kt«rbrkass« der Metallarbeiter, S. H. 29. Hamburg, sowie Zeniral-Kranlen- und Sterbetasse Vulcan, Filiale Berlin 0, Versammlung am Sonnabend, den 22. November, SlbendS..... Münzsiraße u. Achtung, Ka»dtu»g«grliitft»nrn Uhr, bei Zemter, Sonnlag, den 23. November, Nach- Gerichts Leitung. Der sozinldemokratisiche Stadtnrrordnete Kanfmann Ewntd Kogtstrrr halte sich vorgestern vor der Potsdamer Strafkammer megen Gotteslästerung und öffentlicher Beschimpfung der evangelischen Landeskirche zu verantworten. Am 14. August dieses Jphres fand in Potsdam eine von den dortigen Sozial- kaufmännischen Beruf. Referent: Albert Auerbach. 2. Dis- kusston. 8. Verschiedenes. In Anbetracht Eurer gedrückte» Lage, die es Euch höchstens an einem Sonntag Nachmittag ermöglicht, in eine Versammlung zu kommen, ist es Pflicht einer jeden Wehtlstn, dort zu erscheinen, wo sich Alle über das, was fte drückt, offen und srei werden aussprechen rönnen. freireligiös» Gemeinde, Rosenthakerstraße 33. Sonntag, den 23. No- vemder, Vormittags 10 Uhr: Vortrag des Herrn E. Vogtherr: Zum Tobten- sest.— Zweiter Vortrag Wroße Frankfurtsrnrajje 117 10 Uhr von Herrn Dr. Bruno Wille über:„Der Tod vom freireligiösen Standpunkte". Bäste sehr will- kommen. ter gesellig» Klub„Proletariat" veranstaltst am Sonntag, den oveniber, Abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Krüger, Große Frankfurter- ftraße 99, ein gefelliges Beisammensein. Freunde und Genossen sind will- kommen. fese- und Biskntirltluba. Freitag.„Karl Mar x", Abends 9 Uhr, chönfetd, Mariendorferstr. lo. Gäste haben Zutritt.—„Freie Kritik", Abends 8% Uhr im Restaurant Stockfisch, Ftscherslr. 41, Freunde willlommen.—„Süden", Abends 8% Uhr bei Schwarzkopf, Skalttzerstr. Ii. Gäste willlommen. Kerliuer Sängerbund Berlins und Umgegend Abends»Uhr, UebungS- stunde, Aufnahme von Mitgliedern. Männer-Gefangverein„Eollegta", Restaurant Retchenbergerstr. IS.— Gesangverein des„Fach vc rein 8 der Putzer Berlins und Umgegend"„Gemüth lichkeit", Toydel- ftraße 31 bei Preußer.—„Buchbtnder-Männerchor" Berlin, Alte Jatobstr. TS bei Feuerstein.— Männer-Gesangverein der„Berliner Schmied e", Koppenftr. 68 bei Schirmer.— Arbeiter-Gesangverein„N o r d", Brunnenstr. 38 bei Gnadt.— Gesangverein„Lorbeerkranz", Restaurant Weinstr. Ii.—„K a t s e r' s ch e r Männercho r", Schönhauser Allee 28 bei Nürnberg.— Gesangverein„W i e d e r h a l l", Köpnickerstr. igt bei Foge.— Gesangverein„Esmeralda", Große Frankfurterstr. is(8 Uhr).— Arbeiter- Gesangverein„Hoffnung", Friedrichsberg, Friedrich Karlstr. ll bei Lippe. B K-saug-, Kur»- und gesellige Dereine. Freitag. Arbeiter-Gesangverein IW i I h e t m Seeger'sche Liedertafel", Abends s Uhr bei Trucks, Reichenbergerftraße 83, Uebungsflunde, Aufnahme neuer Mitglieder.— „Männnerchor Berliner Mechanike r", Abends 8% Uhr, im Restaurant Müller, Johanntsstr. 20.— Männer-Gesang-Berein„U n t 0 n", AbendS 9 Uhr, in der Berliner Bock-Brauerci. Vergnügungsvsretn„Glück au s", Abends 8% Uhr, Sitzung bei Möwes, Fichtestt. 29. Stach der Sitzung Tanz. Gäste willkommen.— Vergnügungs- verein„B e i l ch e II", Sitzung mit Damen von 9� Uhr ab, Abalbertstr. 38 bei Lütow. Gäste willkommen.— Geselliger Berein„Immergrün" Abends 9 Uhr, im Restaurant Heinicke, Oraniensir. 38.— Verein ehem. Schüler der 38. Gemeinde-Schule, Sitzung, AbendS 9 Uhr, im Grand Restaurant„Kornblume"(Jnh. Otts Noll), Andreasstr, 3. Gäste willkommen. StejrcfdFcen. (Molsi"« Telegraphrn-Hnrean.) Mütrschan, 20. November. Im Kurierzuge der Warschau- Wiener Eisenbahn wurden in der Nähe der Station Kntno zwei' Paffagiere der zweiten Wagenklaffe ermordet. Man vermuthet, es liege ein Raubmord vor. Rio dr Janeiro» 20. November. Die Regierung hat das Verbanuungsdekret gegen den früheren Minister Dom Pedros, Vicomte Ouropreio, sowie gegen den früheren Präsidenten der Provinz Rio, Affonso, und den vormaligen Präsidenten der Provinz Rio Grande, Silveiro Martins, widerrufen. Egbert Auerbach. 3 � genagelt und auf Rand. vrosie Answahl in Filzschnsten nnd Filzpantoffeln. Deiche firf, ,?'l!1 empfehle mein Hutgeschaftz Arbrite nnr mit Fabrikanten, fte au deutscher Antmacher angenommen haben. -■imn" Köpenickerstraße 126, nahe der Adalbertstraße. Kehr. Ameckils Itir des «teuasse'schen S°l°S-n.Bllitk»r.1?, 8~eÄii Är»8 s; �Weisen. Vematter. Ü Teerscb Uhrmacher .. �Brunnenstr. 21—22 �chltk/i Greifenhagen) ÜhrgJ großes Lager aller Arten Qoldwaarea n. Ketten '"" eisen. 804 Garantie! Zabn-AteSier I Andreasstrasse 60 1 Treppe Eingang Kleine Andreasstraße Otto Arendt. 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Durch den Druck wirthschnftlicher Verhältnisse veranlaßt, appellire ich an das Solidaritätsgefühl derjenigen Ar- beiter, welche einen Bierkonsum in der Werkstelle eingerichtet haben und solches nicht von partrigenoften beziehen, dasselbe von mir zu entnohmen. Ich verkaufe das beste Weißbier ohne Wasser- zusatz zu denselben Preisen, wie andere ihr Verdünntes. 403 Emil Bühl, _ Frankfurter Allee 74._ Allen Freunden und Parteigenossen empfehle mein neu eröffnetes 391 Weijj- u. Bainsch-Mr-LM. Emil Eerndt, Elisabeth-User 51. Den Parteigenossen empfehle mein gut sortirtes Lager von Damen-, Herren- nnd Kinder-Stiefeln zu zeitgemäßen Preisen. Bestellungen nach Maaß werden gut ausgeführt.(192 A. Woyack, Müllorstr. läc. Vereinszimmer z. vergeh. Webcrstr. 15. 0 rofrüf Poesie!! Vll Leopold Jacohy. Stuttgart bei J. H. W. Dietz. Preis 50 Pf. *) Vochor durch das Sozialisten-Gesetz verboten. gzg erren, welche gewillt sind, dem seit 11 Jahren bestehenden MännerGesang- Verein„Harmonia"(beim Arbeiter- Sängerbund) beizutreten, können sich jeden Dienstag, Abends von 9—11 Uhr, im Restaurant Lemm, Steinmetzstr. 76, melden. Sämmtliche Tapezier- nnd Polfter- arbeit wird sauber angefertigt von A. Krätzer, Tapezirer, Boppstr. 6, H. I. Ehrenerklärung. Die gegen Herrn Kohs gebrauchte Beleidigung nehme ich zurück. Frau Blum.(610 Soeben erschien Ter lvohre W ür. m* Zu beziehen durch die Expedition Veuthstraße 3. iZattlor selbstständig-'Arbeiter auf ViHUlt, engl.(Kummete, gegen hohen Lohn für dauernde Stellung gesucht. 623] August Aofsschmidt, Halle a./S. Tlh«arz-Psl>rkr Rahmenfabrik Heiar. Heise, Hannover. Töpfer werden verlangt Wilhelms- havenerstraße 27(dauernd- Winterarb.) E. j. Mädchen a. Ladenmamsell für eine Bäckerei verl. Genossinnen haben Vorzug. W. Jacobs, Gräsestr. 89.[682 Redakteur für ein täglich erscheinendes Parteiblatt m Süddeutschland gesucht. Prakt. Buchdrucker erhält den Vorzug. Redner- gäbe erwünscht. Näh. in der Exped. d. BlatteS. 594 Gesanglehrer sucht noch einige Bereine. Gehalt mäßig. Gest. Adressen unter G. V. an die Exped. d. Bl.[614 Theater. Freitag, den 21. Novbr. Gpernhans. Oberoü. Schauspielhaus. Die Braut von Mefstna. Lesl'lng-Theatee. Sodoms Ende. Keelincr Theater. Kabale u. Liebe. Deutsches Theater. Das Winter- Märchen. Friedrich-Wilhelmstädt. Theater. Königsgardist. Sonne und Erde. Wallner-Theater. Pension Schöller. Der dritte Kopf. Kestden;- Theater. Familie Mou- linard. UiKtoria- Theater. Die Million. Kellealliaucr- Theater. Mamsell' Nitouche. Gstend-Theater. Die Grille. Thomas-Theater. Der Wetterftosch. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Kausuiann'a Variete. Große Spe- zialitäten-V orstellung. Theater der Reichshalleu. Große Spezialitäten-Vorstellung. Coucordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gedr. Richter'» Uariötö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alcxander- straße 27c. Franka Scholz, Kostüm-Soubrette. Geschw. Wiidenfels, Gesangs- Duettisten. Richard Gersdorf, Sächstscher Gesangs-Humorist. Adolf Gödicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charakter-Koniiker. Truppe Blumenfeld, Parterre- Gymnastiker, Ballet und Tanzseil- künstler. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags öVa Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 30 Pf. 60 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Etllblissemeilt Buggenhagen am Moritzplatz. _ Täglich:_ MF* Grosses Concert. WW Direktion A. Rödmann. Dienstag und Freitag: Walzer- Abend. Fflh-Pa Wochentags 10 Pffl., rilllll t gonn. und Festtags 25 Pfg. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ai�schank von Patzenhoser Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641 F. Müller. iKrstmilHeBierh allen Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Euartett Sängern, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entreo 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und emen Saal zu Ver- gnügungen und Versannnlungen. 703 F. Sodtke. Passage-Pauopticum. Unter den Linden 22/23.[742 Panoramen. Dioramen. Ethnographische Sammlungen. Italienische Uolkssanger. Entree 50 Pf. Geöffnet von 10 Iis 9 Uhr. Castan's Pauopticum. Entree 50 Pfg,, Kinder 25 Pfg. P. 9 Uhr Morgens bis 10 Uhr Abends. Vorstellung HVe u. 12V2 Uhr. ti. o.dVa-g'/aUHr] l. eine Vorstellung. �Erlra-Enlree 30 Pfg. Kinder frei. am hiesigen Platze bekanntlich Größte Auswahl. Garantirt stcher brennende Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel besindl. Rohtabake sind am Lager. A. Goldschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt.[746 Mut* I KffiaHc. Klagen, Eingaben, Rath in Prozessen, Einziehung von Forderungen. 580 Pollak, jetzt Georgenkirchstr. 24, 11. Circus Renz. Karlstraße. Freitag, den 31. November, - Abends 7 Uhr:-- Große Vorstellung. Aus dem geivählten Programm wird besonders hervorgehoben: Deutsche Turner. Große nationale Original- Pantomime vom Hofballetmeister A. Siems, inszenirt vom Direktor E. Renz. Musik v. A. Cahn- bloy. Dekorationen, Kostüme, Requisiten, Wagen auf das Prachtvollste. Hippologisches Potpourri(Kon plus ultra der Pserdedreffur) mit 40 der bestdressirten Freiheitspferde ausgeführt, drefsirt u. vorgef. von Herrn Franz Renz. Außerordentliche Tremplinfprünge über 4, 6, 8 und 10 Pferde mit Doppel- Saltomortales.— Beautiful, hierauf Sophus, geritten von Frl. Clotilde Hager. Auftreten der Künstler-Speziali- täten. Mrs. I. F. Elarke, Rodgers n. B. Fillis, sowie der Reitkünstlerinnen Frls. Gierach und Zephora. Komische Entrees und Intermezzos von sämmt- liehen Clowns. Morgen: Vorstellung. Sonntag (Todtenfest) nur 1 Vorstellung Abends 71/2 Uhr. E. Renz, Direktor. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Indem zu der am Dienstag statt- gehabten Benefiz- Vorstellung viele Hundert Personen keine Billets, des kolossalen Andranges wegen, mehr er- halten konnten, findet heute, Freitag, den 31. November, Ab-udo 7V2 Uhr. eine Mieberholusg der mit so außer- ordentlichem Beifall aufgenommenen für den weltberühmten rvsstsche» Vriginal-Clomn Ü�Anatole Duroff m statt.— Ferner 2. Gastspiel der unübertrefflichen Drahtseilkünstler Mr. Langslow und Miss Clemens in ihren sensationellen Leistungen auf dem doppelten Telegraphendraht.— Außerdem Auftreten sämmtl. Speziali- täten, sowie Reiten und Vorführen der bestdressirten Schul- u. Freiheitspferde. Morgen: Gr. Vorstellung mit neuem Programm. 8. Heine Chausseestr. 14. Die schönsten KiMkleider null-Men für Mädchen jeden Alters, sowie Morgenröcke, Unterröcke, Trikottnillen n. Klousev, auch im Einzelverkauf sehr billig! Maaßbestellungenu. Reparaturen werden prompt erledigt! Normal-Unterkleider und Triko- tagen für Herren, Damen und Kinder. 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Nnserm Kollegen Karl Hesse genannt H— Bau hu Au au, zu seinem heutigen Geburtstage ein donnerndes Hoch, daß die Regenwürmer vom Kreuz- berge trudeln und die Kaulbarse im Havelsee schwitzen. Hast verstanden? 634 Deine Freunde. Hiermit allen Freunden und Be- kannten die traurige Nacheicht, daß mein lieber guter Mann, der Restaurateur August Schugk, im 35. Lebensjahre am 19. d. Mts., früh 4V2 Uhr, am Herzschlage verschieden ist. Die Beerdigung findet am Sonnabend, den 22. d. Mts., Nachm. 2V2 Uhr, von der Leichenhalle der St. Thomas-Gemeinde aus statt. Die tieftrauernde Wwe. Bertha Schugk. Rohrleger! Helfer! Sonntag, den 23. November, Vormittags 11 Uhr: Uersammlung bei Feuerstein, Alte Jakobstraße 75. Tagesordnung: 1. Vorgänge in Hausröhren bei Wolkenbrüchen. Referent: Herr Bau- meister Ul. Knausf. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragen. XB. Zu dieser Versammlung sind sämmtliche Rohrleger und Helfer, auch Nichtvereiusmitglieder herzlich einge- laden.[627] Der Dorstaud. MM.KMeu-u. SterbeW derMkiallarbeiter. (E. H. 29 u. 89 in Hamburg.) Filiale Berlin VI. Montag, 24. d. Mts., Abends 8V2 Uhr: Außerordentliche bei Kr«»er, Gartenstraße 133, (Gartensaal). Tagesordnung: Die Novelle zum Kranken-Versicherungsgesetz. Ref.: Herr Schwittan.— Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 629 Der Ginberufer. klntrnl-Knnltn-n.Btgndnii- I« Sattler it. Sonntag, den 23. November, Vormittags IOV2 Uhr: Große außerordentliche MWM-KechminlW in Beyer s Salon, Alte Jakobstr. 83. Tagesordn 11,11 g; 1. Wie stellen sich die Mitglieder zu dem am 8. Dezember in Berlin statt- findenden Kongreß. Referent: Otto Barth. 2. Wahl des Delegirten. 3. Verschiedenes. Mitgliedsbuch legitimirt. Zu dieser Versammlung werden die Mitglieder ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. 621 Der Vorstand. Orts-Krankenkasse der Cigarrenmacher, Tabakspinner u. Cigarrensortirer. Die Herren Vertreter werden zu einer General-Versummluug am 38. Uovember, Abends 8 Uhr, imNestaurantFleege, Finienstr. 44, hiermit eingeladen. Tagesordnung: Neuwahl für die ausscheidenden Vorstandsmitglieder. Wahl der Kommission zur Vorprüfung der Jahresrechnung. Während der Ver- sammlung eingegangene Anträge. 583 Der Vorstand. Nene Welt,(llasenliaide.) Sonntag, den 23. November, (Todtenfeier): Gr. Vocal- u. Instrumental-Concert. Arrangirt vom Gesangverein �" 615 Freunde und Genossen ladet hierzu ergebenst ein Das Comite. Wmter-Paletots und Anzüge bei billig st en Preisen empfiehlt das bekannte Herre«- wrä Kaaben- von 425 Julius Lindenbaum Große Frankfnrterstr. 139. S p e z i a I i t ä t: Anfertigung nach Maaß und Arbeitssachen. (Kitte genau auf Firma und Hausnummer zu achten!) Zum TMechiultsz! Empfehle den Genossen mein Geschäft in guten und billigen Kränzen. 495 C. Watzel, Weißensee, Gustav-Adolfstr. 106, a. Zions-Kirchhof. Dr. Hoesch, Homöopath. Arzt, Artilleriestr. 27. 8-10, 5-7, Sonnt. 8-10. Allgem. Metallarbeiter-Verein Berlins und Umgegend. WWwiW. lwerickemmlU am Sonntag, den 33. November 1890, Vormittags IOV2 Dhr,'# Grschel's Salon, Sebstianstraße 39. Tagesordnung: 1. Wahl dreier Rechtsschutz-Kommissions-Mitglieder fi den Süden. 2. Bericht der zur Revision des Statuts niedergesetzten Kommisst»"' 3. Berathung über eventuelle Aenderungen des Statuts. 4. Abrechnung vom Sommerfest. 5. Verschiedenes und Fragen.. Der wichtigen Tagesordnung halber ist zahlreiches Erscheinen nothwenv>g> 626 Der Versammlung in Kirdorf am Sonnabend, d. 22. November 1890. Abends 8V2 Uhr, in Karta'S Kalodi Bergstraße 120(kleiner Saal)., Tagesordnung: 1. Vortrag über: Unternehmerverbände und Arvein' Organisation. Referent: Herr W i l h e l m W e r n e r. 2. Diskussion.&!äU'' nähme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragen. Um recht regen Besuch wird gebeten. Der Vorstand.___ Große öffentliche General- Versammlung Maurer Berlins und Umgegend am Sonntag, den 33. Uovember 1890, Vormittag» 10 1* Krauerei Friedrichohain.. bie Tagesordnung: 1. Welche Organisationsform soll in Zukunft f** Berliner Maliter die maßgebende sein, die„Lokal- oder Z e n t r a � Organisation? Referent: Herr Regierungsbaumeister a. D. Keß i' 2. Verschiedenes. ö" Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt._, Kollegen! Von weittragender Bedeutung wird der Beschluß sein, in dieser Versammlung gesaßt werden wird, gleichviel wie Ihr entsch«'. "löget; aber um Ruhe und Frieden hier in Berlin zu haben, um zu zeig' daß Euch die Bewegung höher steht, als Personen, werdet Ihr allcsammt m Versammlung erscheinen. Wir setzen voraus, daß die Wichtigkeit der �ag ordnung auch denen wieder einleuchten wird und daß auch die in dw saminlung kommen werden, welche sich in den letzten Jahren in den Schw winkel zurückgezogen haben. Der Ginbernfer� Freie MoBksbühne- Heute, Abends 81/* Uhr: 2 große öffentliche Versammlungen für Frauen und Männer. ioo. 1. Brauerei Königstadt, Schönhauser Allee Mo.. Vortrag des Herrn Julius Türk über die Arbeiterschaft Berlins» die Freie Volksbühne. Diskussion und Verschiedenes. 2. Im grossen Saale des Etablissements Königshofi Bülowstraasse 87. Vorlesung des Herrn Dr. R i ch a r d D e h m e l:** Die Revolution" von Freiligrath. 2.„Die Kiefer" und 3. 1. Lust war roth" von Julius Hart. 4.„Die kommende Sonne' "�14� A ICliV W4V/ Wll S*. 1. ,,» v v v---■ tlöjl Vorstadtlerche" von Dr. Bruno Wille. 6.„Das Urtheib des Schemjata � Ehamisso.(Pause.) 7.„Bergpsalm" und 8.„Die Magd" von Dr. Ri Dehmel. 9.„Die kranke Liese" von Herwegh. 10.„Lied auf der ß"'d* m, 11.„Statistik" von Carl Henkell. 12.„Der Kongreß der Sbirren" von Mitglieder zur II. Abtheilung werden in beiden Versammlungen genommen. Der Vorstand Perein zur Wahrung der Intereffen Klavierardeiter u. verm. Kerufsgen.. Am Kounabend, den 22. November, Abends 8V2 Uhr, in Winuer» Rosenthalerstraße 11/12: Mitglieder1- Versammluvi9 für den Norden. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Vereinsangelegenheiten. Um recht pünktliches Erscheinen ersucht Der Uorstaud. --.»WZSLKKz. am Montag, den 34. Uov., Abend» 8 im Lokair de» Herr» Nürnberg, Schönhauser Ü« Ur.»s. Tages-Ordnung.„(W. Tie Gewerkschaftsorganisation und ihre Bedeutung für unsere»ra Referent: Stadtverordneter F. Zub eil. Die Kollegen der mechanischen Musikinstrumenten-Branche si»°' besonders dazu eingeladen, um Stellung zur Organisation zu nehmen. 690 Oer Einberufoi*- Morgen, Sonnabend, veranstaltet die Vereinigung der Graveure und CiseJe11*� ..... rv-:— c � 1 iri..... of.t-i.o----- Com»»*1® zur Feier des 7. Stiftungsfestes einen (Herrenabend) in„Sanssouci"/ Kottbusechrahe � ?lnf°\uÄ IL im Arb-itsnach-� Dresdenerstraffe 45, von 8V2— 10 Uhr zu haben. Kollegen und Berufsgenossen sind willkomme� Verlag des„Berliner Volksblatt"* Partei- Programm und Org ist vergriffen. Reudruck wird in einigen Tagen vollendet, dann die Expedition der rückständigen Bestellungen. Berlin, den 20. November 1890. EntwiliV und f Verantwortlicher Redakteur:«nrt Kaabe in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin 8W., Beuthstraße 2. jnm Berliner Nr. 27s. Freitag, den 21. November 1890. Jahrg. - Bufiale Uelkevstchk. Än alle Aebriter und Ge»»olsen Deutschlands. Da Srojze Massen Fach- und Arbeiter-Zeitungen(für den badischen chwarzivald) aus allen Theilen Deutschlands bei Unterzeichnetem �"getroffen sind und deren Bewältigung gewaltige Zeit und rbeit in Anspruch nimmt, ersucht derselbe alle Arbeiter und Bossen, sowie Expeditionen, die Zusendungen bis auf Weiteres Zu unterlassen. F r e i b u r g i. B., 19. November 1890. Carl Ziaufer, Zähringerstr. 81. Alle Arbeiterblätter werden höflichst um Abdruck gebeten. iüu- �fruf an dir Schuhmacher und Arbeiter Serlins! n f. �efei'n des„Berliner Volksblattes" bekannt ist, sind in ... urt von den dortigen Schuhfabrikanten tausend Arbeiter aus- » sperrt, und tausend weitere sind vorhanden, deren Kündigungs- 5'u Freitag abläuft. Kollegen! Arbeiter! Die Fabrikanten um v o0en'. die Organisation der Schuhmacher zu vernichten, dork Arbeiter dann widerstandslos ausbeuten zu können. Das tzi i nicht geschehen, die Schuhmacher in Erfurt müssen als Tie?-- dem ihnen aufgezwungenen Kampfe hervorgehen. «mi �, funn jedoch nur erreicht werden, wenn den Schuh- Dioo?.in Erfurt ausreichende Unterstützung zu Theil wird. wlsn Ä mmission der Arbeiter hiesiger Schuhfabriken. Frei- omrJ0o Beiträge nimmt entgegen Joseph Dörr, Barnimslraße 47, im �ej(�tePP«n bei Scheffler, und H. Hoffmann, Kaiserstraße 4, $ ♦ ® t f®'n""fiterer Aufruf zu Gunsten der ausgesperrten ? r ter Schuhmacher geht uns von der Agitations- So?,,, der Schuhmacher Berlins zu. Diese Kommission hat ltons?» c! listen anfertigen lassen, die von der Berliner Streik- �i»olkomtnission genehmigt sind. Jeder Arbeiter, jeder Kollege und ,.(?u'9ef ordert, sich an den Sammlungen eifrig zu betheiligen /». UDerafl. 7N Ö�prmnimTitrm* unh Miprfi'tnH fzpt linb yt ooppelte Hilfe. Bisten find bei Zkos. Süßmayer, Kleme Alauerstr. 2, sowie bei folgenden Kollegen zu haben: im Norden ;et Fffcher, Lottumstr. 4:«n Osten bei Germer, Wrangelsir. 108, ?(0t" 4 Tr. bei Eichhorn; im Süden bei- Mühlberg, Frledrlch- Waße 243'; im Westen bei Kuchenbecker, Steinmetzstr. 24, Abend» «on 8—9 Uhr und in den Versammlungen am Montag rn vabel's Brauerei und in Moabit. 2- Cj'chweae. den 13. November. Nachdem die Eschwcger S'garrenarbeiter und Arbeiterinnen 7 Wochen ausgesperrt sind, Uen sie bei den Fabrikanten nachgefragt, ob sie noch an dem Mluß des Fabrikantenbundes, daß sie kerne Mitglieder de» si ter,tützungsvereins deutscher Tabakarbe.ter beschäftigen wollen, Malten. Ten Arbeitern wurde die Antwort zu Theil,� daß sie Nicht iiflnv?°n diesem Entschluß abgehen. Da nun die gemaßregelten soird-��rbeiter sich den Fabrikanten nicht unterwerfen wollen, hoch,,.?.''U Gegentheil fest entschlossen sind, ihre Organisation fchlii»;, j?"'.f0 ist anzunehmen, daß die Sache sobald ihre» Ab- »iusierfc t? iiicht sindet. Die Haltung der Gemaßregelten ist eine die 9,Ju I. und man kann mrt Sicherheil darauf rechnen, wenn Zj Deutschlands ihre Unterstützung nicht versagen, daß Shm,. uon den Arbeitern errungen wird. Zu unterstützen sind, schw»-Und Kinder mit eingeschlossen, 516 Personen. Im Aus- LchXn-s desinven sich die Arbeiter der Fabriken Ackermann u. .tzenstein u. Schönemann, Eduard Knabe Nachfolger V°l-o»-.��U'derger, Eduard König, Gebr. König Nachsolger Ulaii,, Eiche.chxrg u. Sohn, Gebr. Heinemann, Filiale Hoff- S..u' Triebe! aus Erfurt. aur die gemaßregelten Zigarrenarbeiter und Arbeiterinnen *»,.. W. Hugo, Zigarrenarbeiter. To?#, den 18. November 1890. Arbeiter und Arbeite- tebuiH« urch die geringen Löhne, welche jetzt, nach einer Lohn- 'ihen nl i?0" 10— 30 siCt., in 14 Tagen 6—9 M. betrugen, laut„.„die Arbeiterinnen der Firma Hermann Stärker veran- � � VXa � n.-\a\*y\iXnrtO\y �"stP hfl ">«, am',..... V.......- u....... v.....-. «n�knüpste.i �-�'"ber die Arbeit nieoerzulegen. Die daraus N°ntua' �". �"Handlungen mit der Firma blieben resultatlos. Klossen fnJL: November, Mittags, wurde die Fabrik ge- Aiille» 200 Arbeiter und Arbeiterinnen ohne ihren ---- fvr.i...... Mittags, wurde die Fabrik ge Hillen~~f o"»"«.witer und Arbeiterinnen ohne ihrer ?lrklich s. �fperrt wurden. Mit den 125 Arbeiterinnen, welche beil. skJ„"U, befinden sich jetzt zirka 325 Personen außer Ar- Und oppelliren an das Solidaritätsgefühl aller Arbeiter mnen des In- und Auslandes, uns in dem von den Ku'etsiüb- aufgedrungenen Kampfe moralisch sowie materiell zu „ cker Äm Austrage der streikenden und ausgesperrten Ar- sichelt m Arbeiterinnen der Firma Herrn. Starker: Albin . uße a!"trauensmann der Textilarbeiter Sachsens, Kasernen- sichte» 3 Treppen. Alle Sendungen sind an denselben zu druck g& urbeiterfreundlichen Blätter werden um schleunigsten Devletmmlungen. Ite» a, Ii» Metallarbeiter d'luiio nh d- in den Armin-Hallen eine öffentliche Ver- 'hl»- d. Als erster Punkt stand zur Tagesordnung die " t r«,." B e r t r a n e n s»> a» n e s neb st Stell- Zwei ni,i �ur die Metallarbeiter Berlins. S«>i wa>-° 0�?a>igenen öffentlichen Metallarbeiter-Versamm- 'ragt i„.�ue Neuner-Kommisston gewählt worden, welche be- ''8 zu 11,:"len war, Personen für obeiigenannte Posten aus- U>enK x,, g)'" und dementsprechende Vorschläge zu machen. S'ieb Immission brachte Kollege L i t f i n als Kommissions- .�°lleo-.. n 0�" Fritz Günther für den S ü d e n und � die& i*?" 6 1 für den Norden in Vorschlag, über forte'•""""'fsion sich einig geworden sei Kollege Zedler U>n>ssi. �fSen diesen Modus, da seiner Meinung nach keine Sliedex,, �''vung stattgefunden habe. Von anderen Kommissions- '"8eu fla'ou�e dagegen konstalirt, daß zwei Kommissions- festes,, gefunden haben und es wurde der Versammlung an- dge wurd��h"udere Vorschläge zu machen Derartige Vor- Hlag indessen nicht gemacht, und da die beiden in "af�cchten Kollegen eine event. Wahl anzunehmen t° den Ott' f" wurden dieselben einstimmig gewählt und -"lle,, � Metallarbeitern Berlins dringend ans Herz gelegt, .7': be[,»aI,en hinter den Vertrauensmännern zu stehen. Be- i- hez"ih'ete Kollege G e r i sch die Neuerung des Marken« o.' n)erl0en'ber dem bisher gebräuchlichen Sammelns auf ib." der» Zwar unschätzbare Vortheile hatte, mit dem aber »' Aed?. getretenen Unzuträglichkeiten gebrochen werden i°.'Z"g oo.Vnfoahl das Prinzip der Selbsteinschätzung auch u zu i„.-! d'e Markensammlungen zur vollen Geltung ge- J""! und die umfassendste Betheiligung an denselben über �der Tagesordnung erstattete Kollege G e r i s ch die Thätigkeit der Berliner Streik-Kontrolkommiffion, so lange er Mitglied derselben war.(Er und Kollege K u r g a s ist in den Vorstand des Allgemeinen Metallarbeiter- Vereins ge- wählt worden, und um allen Eventualitäten zu ent- gehen, haben dieselben ihr Mandat als Delegirte zur Berliner Streik- Kontrolkommission niedergelegt und sind an ihrer Stelle bereits Neuwahlen vollzogen worden. Heber die Beschlüsse der Berliner Streik-Kontrolkommisston ist an anderen Stellen regelmäßig berichtet worden. Redner erkannte zwar an, daß die Streik- Kontrolkommission noch nicht auf der Höhe der Vollkommenheit siehe. Die überaus zahlreiche Vertretung aller Branchen in derselben sei ein Hinderniß für die richtige Entfal- tung der Thätigkeit der Kommission. Werde es erst dahin ge- bracht sein, daß nur. die Gewerkschaften, nicht auch die einzelnen Branchen derselben in der Kommission vertreten sind, so ivürde dieselbe das augenblicklich Vollkommenste darstellen, was sich schaffen lasse und Redner machte es allen Kollegen zur Pflicht, die Beschlüsse der Kommission zu respektiren und die Kommission ausbauen zu helfen. Auch sprach er den Wunsch aus, daß die Berliner Streik-Kontrolkominission in Zukunft etivas vorsichtiger verfahre in Bezug auf die Bewilligung von Streiks an kleinere Gewerk- schaften beziehungsweise Branchen, die jederzeit auf dem Plane erscheinen und dadurch andere verhindern, auch einmal etwas für sich zu schaffen. Ebenso konnte er sich nicht befreunden mit dem Beschlüsse in Bezug auf die Kellner. Es sei erklärlich, daß die jungen Geiverkschaften, die hinter anderen zurück seien, mit Feuereifer danach strebten, das Versäumte nachzuholen. Doch sei dies nicht immer angebracht und überdies könne die Kellnerfrage sehr leicht einen Konflikt mit den Lokalbesitzern hervorrufen. Kollege Stabe rnack befürwortete seinerseits die Beschlüsse der Berliner Streik-Kontrolkommisston, während Kollege Sa r t m a n n in Bezug auf die Kellner der Ansicht des Kollegen e r i s ch war und die Ansicht vertrat, daß durch derlei Zwangs- mittel keine überzeugungstreue Genossen, vielmehr nur Ballast für die Organisationen geschaffen werden würden. Dennoch beantragte er, sich mit den gefaßten Beschlüssen der Berliner Streik- Kontrolkommission einverstanden zu erklären und denselben nach Kräften Geltung zu verschaffen. Der Antrag H a r t m a n n ge- langte einstimmig zur Annahme. Des Weiteren vollzog die Ver- sammlung die Wahl von Delegirten zu dem am Sonntag, den 23. Dezember dieses Jahres, in Berlin stattfindenden Delegirten tage der Metallarbeiter Brandenburgs. Die nothwendigen Erläuterungen hierzu gab Kollege G e r i s ch. Hauptzweck des Telegirtentages soll es sein, die Kollegen der Provinz ziw Mitthätigkeit heranzuziehen; auch sollen auf demselben hochwichtige Fragen, wie Arbeitsnachweis, Herbergswesen, Reise- unterstützuilg und dergleichen mehr geregelt werden, zu welchen Stellung zu nehmen auch den Berliner Delegirten eine unumstöß- liche Pflicht sei. Redner empfahl eine rege Agitation für diesen Provinzialtag namentlich in der Provinz Brandenburg. Kollege ' a r t m a n n beantragte die Wahl von sechs Delegirten. Die ersämmlung beschloß demgemäß und wählte die Kollegen Lenzner, Günther, Gerisch, Klein, Litfin und H a r t m a n n. Nachdem gelangte auch die Arbeitseinstellung in der Lippmann'schen Fabrik zur Besprechung, die wegen der Handlungsweise des Fabrikanten den Arbeitern gegenüber erfolgt ist. Die Versammlung war der Meinung, daß in dieser An- gelegenheit nichts zu machen sei, daß die Sperre nicht aufrecht erhalten werden könne, und daß die dortigen Kollegen nicht korrekt gehandelt haben, indem sie eigenmächtig die Sperre beschlossen, ein Beschluß, der gänzlich hinfällig sei. Eine gut besucht», allgemeiue Arbeiter-Versammlung fand Dienstag Abend unter dem Vorsitz des Herrn Plasse statt. Es sprach daselbst Karl Kloß aus Stuttgart über die wirth- schaftliche Lage und die fachgewerbliche O�anisation und führte ungefähr folgendes aus: Während noch vor zehn Jahren die Bourgeoisie die schlechte Lage der Arbeiter im Allgemeinen bestritt, wagt man es öffentlich wenigstens jetzt nicht mehr zu thun. Trotzdem hält man uns stets wieder vor, daß die Arbeiter heute kürzere Ar- beitszeit haben und daß sie besser gekleidet gehen, wie früher und glaubt daraus den Schluß ziehen zu können, daß der Arbeiter sich jetzt besser stehe. Diesen Standpunkt hat der Exkanzler erst unlängst gegenüber einem Interviewer vertreten. Es wird von diesen Leuten jedoch vergessen, bei Betrachtung der Verhältnisse von heute und von früher die Lage der sich gegenüberstehenden Klassen, die der Besitzenden uud die der Arbeiter, zu vergleichen. Thut man dieses, so wird man zu einer ganz anderen Ansicht gelangen. Man darf nicht allein auf die kürzere Arbeitszeit sehen, man darf auch unter keinen Umständen mit einem scheinbar größeren Luxus des Arbeiters rechnen— wenn er nämlich etwas mehr Möbel in seiner Wohnung oder bessere Kleidung hat— man muß vor allen Dingen auch die Sorgen mit in Betracht ziehen, unter denen der Arbeiter lebt. Ferner ist nicht zu vergessen, daß der Arbeiterstand in früheren Zeiten ein Uebergangsstavium zum Meisterstand war, was doch heute in den seltensten Fällen noch eintritt. Da der Arbeiter also heute fast keine Aussicht hat, selbstständig zu werden, da sein ganzes Kapital die Arbeitskraft ist, mit ivelcher er sich und seine Familie ernähren soll, so hat er auch die Pflicht, dieses Kapital zu schützen und es sich möglichst lange zu erhalten. Redner legt dann die mangelhaften Löhne dar, welche es dem Arbeiter kamn ermöglichen, sich selbst zu ernähren, geschweige denn seine ganze Familie. Als Beispiel führt er an, daß nach den Berichten des einen Fabrikinspektors in den Jndustriebezirken Potsdam und Frankfurt im Jahre 1885 40 pEt., im Jahre 1837 37i/e pCt., und im Jahre 1890 dürfte der Prozentsatz noch höher sein, der zum Lebensunterhalt noth- ivendigsten Bedürfnisse aus dem Haushaltungsbudget des Arbeiters gestrichen werden mußte. Leider steht der größte Theil der Ar- beiter dieser Nothlage indifferent gegenüber, sie erkennen nicht die Gründe, welche ihr Elend veranlassen. Der Arbeiter sucht dann durch besonderen Kraftaufwand, indeui er Sonntag arbeitet und Ueberstunden macht, das Defizit ansziigleichen, schließlich auch dadurch noch, daß er seinen Kindern die Erzieherin, die Mutter, entreißt und sie auch in die Fabrik schickt. Reicht das alles aber immer noch nicht zum Unterhalt der Familie aus, dann müssen selbst die Kinder in die Fabrik wandern.(Sehr richtig, Beifall.) Aber nicht allein der Arbeiter, sondern auch die Kleinmeister leiden unter dem Druck der Verhältnisse. Durch das Großkapital werden sie immer mehr zu Proletariern herabgedrückt, daher sollten gerade sie nicht so unverständiger Weise den Ar- beilern, zu denen sie auch bald gehören werden, den Kampf ums Dasein, wie sie es in ihren Innungen und bei zeder sich ihnen darbietenden Gelegenheit thun, erschweren. Für seine Maschine und seine Arbeitsthiere sorgt der Unter- nehmer, daß ihre Leistiingssähigkeit möglichst lange erhalten bleibe, denn sie stellen einen Kapitalwerth dar. Das thut er aber bei dem Arbeiter nicht, er hat es auch gar nicht nöthig, denn der Arbeiter ist für ihn kein Werth; wenn ein Arbeiter seine Arbeitskraft abgenutzt hat, dann wird er ans die Straße gesetzt.(Beifall.) Für den Schutz der Arbeitskraft des Arbeiters sind keine Gesetze vorhanden, es giebt keine Strafgesetze gegen zu große Ausbeutung.(Sehr richtig.) Das Einzige, was dem Arbeiter gewährt ist, das ist, daß er durch das Alters- und Jnvaliden-Versicherungsgesetz in ein ein Alter von 70 Jahren pro Tag 33'/» Psg. Pension erhält. Statistisch ist nun nachgewiesen, daß von 1000 Tischlern höchstens zwei die Aussicht haben, Reichsrentner zu werden.(Hört! Hört!) Wir mußten nun auf Mittel sinnen, wie wir die Lage des Arbeiters besser gestalten können, und hier- für war das Nächstliegenste die Organisation. Es wurde die Frage aufgeworfen, ob wir die Befreiung der Arbeit vom Kapital durch gewerkschaftliche oder durch politische Organisation erreichen können. Die Antwort wird dahin gehen, daß wir weder durch die eine noch durch die andere Form allein zum Ziele gelangen werden, sie müssen beide neben einander ausgebaut werden. Doch es steht fest, daß wir durch die gewerkschaftliche Organisation ein gutes Stück unserem Ziele entgegenkommen werden. Es gehen aber die Meinungen auseinander, ob wir Lokal- oder Zentralorganisationen einrichten sollen, die Differenzen sind jedoch nicht aus prinzipiellen, sondern aus taktischen Gründen vor- Händen. Die Gewerkschaftskonferenz und der Parteitag haben sich aus Zweckmäßigkeitsgründen für Zentralisationen entschieden. Wir werden gegenüber dem festorganisirten Kapital auch mit den Branchenorganisationen nicht weil genug kommen, es werden sich die einzelnen Fachverbände zu großen Unionen zusammenschließen müssen. Nach der Gewerkschaftskonferenz werden wir aus den Fachvereinen die Politik ganz auszuschließen haben; diese wird in den politischen Vereinen gepflegt werden müssen. Redner be- spricht dann eingehend die Beschlüsse der Gewerkschaftskonferenz und die von derselben gefaßte Resolution. Zum Schluß fordert er die Anwesenden auf, an den Organisationen festzuhalten und die Arbeiter und Arbeiterinnen aller Branchen denselben zu- zusühren, denn je stärker die Vereinigungen sind, je schneller werden wir zu uuserem Ziele gelangen.(Stürmischer Beifall.) In der Diskussion spricht Herr Hampel im Sinne des Referenten. Wiedemann hat Bedenken gegen einzelne Beschlüsse der Gewerkschaftskonferenz. Bisher haben wir in unseren Fach- vereinen uns mit den sozialen Verhältnissen beschäftigt, durch fortwährende Vorträge über Streiks und Lohnverhältnisse sei eine Verwässerung sehr zu befürchten.(Sehr richtig.) Ferner fürchtet Redner, datz die Kapitalisten gemeinsam mit den Behörden den Zentralisationen große Hindernisse in den Weg legen dürften. Das Sozialistengesetz sei zwar gefallen, das System sei aber das- selbe geblieben. Man werde bald auf Mittel und Wege sinnen, wie man den Zentralverbänden beikommen könnte, wie man die einzelnen Fachorganisationen zuschließenvermöchte. Ihm scheine eine lokale Zentralorganisation daher weit zweckmäßiger.(Sehr richtig.) Vor allem mußten die Gewerkschaften für Aufklärung der Arbeiter sorgen, und durch eine zielbewußte ausgeklärte Anhängerschaft können sie dem Unternehmerthum wirksam Wider- stand leisten. Für Berlin sei die beste Organisation die lokale und zwar der Art, daß sich die ganzen Berufszweige, wie im Allgemeinen Metallarbeiterverein, zu einer großen Vereinigung zusammenschließen(Beifall.) An der weiteren Diskusston betheiligen'fich Goriast, Becher und Hampel, welche sich sämmtltch im Sinne des Referenten für Zentralisation aussprechen. In seinem Schlußwort tritt der Referent nochmals für Zentralorganisationen ein und widerspricht den Ausführungen Wiedemanns. Nach der Resolution der Gewerkschaftskonferenz können überall da, wo es nicht anaeht, Zentralorgani- sationen einzuführen, Lokalverbände bestehen bleiben. Er glaubt, daß nach dem preußischen Vereinsgesetz beide Arten von Verbänden den gleichen Gefahren ausgesetzt seien.(Lebhafter Beifall.) Zur einstimmigen Annahme gelangt sodann nachfolgende Resolution: „Die heute im Neustädter Volksgarten tagend« öffentliche Arbeiter- Versammlung erklärt sich mit der Ausführungen des Referenten einverstanden, verspricht für die Zentralisation der Gewerkschaften einzutreten und er- sucht das Büreau der heutigen Versammlung, diese Resolution der Kommission der Gewerkschaftskonferenz zu unterbreiten." Es wurde weiter beschlossen, den Ueberschuß der Tellersamm- lung den Eschweger Tabakarbeitern zu übermitteln. Di» Schlosser uud Maschiuenbauer Berlins und Umgegend hielten am 17. d. M. im Joi-l'schen Saale eine öffentliche Versammlung ab behufs Besprechung der Organi- sationssrage. Den einleitenden Vortrag hielt Kollege Karl B r e d e r aus Nürnberg. Derselbe hatte sich die Aufgabe ge- stellt, zu zeigen, daß die bisherigen Gewerkschaftsorganisationen den heutigen Verhältnissen nicht mehr genügen und demzufolge einer Umgestaltung bedürfen, wenngleich auch nicht zu verkennen sei, daß speziell die deutschen Metallarbeiter gerade durch ihre lokalen Organisationen Ersprießliches geleistet hätten, und klar- zulegen, wie die gewerkschaftlichen Organisationen fernerhin zu gestalten seien. Redner vertrat zunächst den Standpunkt, daß die Politik gänzlich aus der Gewerkschaftsbewegung, aus den fach- gewerblichen Organisationen zu verbannen sei und diesen nur die rein gewerkschaftlichen Fragen zu behandeln vorbehalten bleiben solle. Bezüglich der zu wählenden Organisations- form der Metallarbeiter vertrat Redner die Bildung von Unionen, d. h. Verbänden auf zentralistischer Basis, welche alle Fächer der Metallarbeiter- Branche in sich schließen, unter Vermeidung aller sogenannten„Branchenorganisanoneu" als„Geldverpulverungs- Instituten" und befürwortete die Grün- dring einer„allgemeinen Metallardeiter-Vereinigung", welche über kurz oder lang vollzogen werden würde. Auch hielt Referent eine Erhöhung der Beiträge für unbedingt nöthig, um chie Organisation leistungsfähig zu gestalten. Die Frage der Reise- Unterstützung hielt Redner allein für lösbar durch eine allgemeine Metallarbeiter- Vereinigung auf zentralistischer Grundlage und empfahl derselbe weiter den Anschluß an eine derartige Ver- einigung, sobald eine solche geschaffen sein würde, welche nicht absolut die Auflösung der bestehenden Fach- und Lokalorgani- sationen bedinge. Dieselben könnten in„Filialen" oder„Sek- tionen" jc. verwandelt werden, hätten aber einer Zentral- Verwaltung zu unterstehen. Den Ausführungen des Referenten wurde lebhafter Beifall gezollt. Hierauf nahm Kollege Dietrich aus Hainburg das Wort, um darzulegen, daß, um zur allgemeinen Metallarbeiter- Union' zu gelangen, vorerst die Fachzentrali- sation erforderlich, zu empfehlen und zu pflegen sei.— Kollege Gerisch entwickelte seinerseits gewichtige Bedenken gegen die beiden vorher einpfohlenen und befiirworteten Organisationsformen und hielt die lokalen allgemeinen Metall- arbeiter-Vereine für das vorläufig Erreichbare und besonders für Berlin zu Empfehlende, wenngtelch er prinzipiell vollständig auf dem Boden der Zentralisation stand. Doch hielt er dafür, daß unter den heute maßgebende» Verhältnissen die Zentralorganisation nur Angstprodukte sein würde». Allerdings hielt Redner örtliche oder Lokalorgan»sationen für unbedingt nothwendig und bezeich- nete tiefe als die Bausteine für die zu erstrebenden echten und rechten Zeiitralorganisationen. Kollege Hartman» stand wesentlich auf dem Boden des Vorredners, ebenso andere Redner i?, i"'.'ifo011' in welcher die verschiedenen geltend gemachten Standpunkte von den resp. Vertretern noch weiter lebhaft ver- fochten wurden.— Zu», Tritten stand die W a h l der Tele- g r r t e n zu dem am 28. Dezember d. I. stattfinden» beu Provinzial-Delegirtentag auf der Tages- ordnuiig., Die Versamnilinig beschloß, zwei Delegirte zu entsenden und wählte als solche die SMlegen P ü tz o l d und B e t h g e, Ginr öffentliche Nersannnlnng sämmtlichre Grwerk- schuften Cliaelottentniegs fand in Bismarckshöhe, Char- lottenburg, Wilmersdorferstraße, statt� Herr Kloß- Stuttgart sprach über das Thema:„Tie wirthschaftliche Lage der Ar- beiter und die gewerkschaftliche Organisation". Referent legte die Verschlechterung der Lage der Arbeiter, namentlich seit den letzten 50 Jahren, dar und betonte die Nothwendigkeit einer starken Organisation, um das schwer gefährdete Koalitionsrecht der Arbeiter schützen und den Unternehmerverbänden wirksam entgegentreten zu können. Die lokale Organisation habe sich, wie die Streiks der letzten Zeit zeigten, nicht bewährt. Redner ist für Zentralorganisation.— In der Debatte giebt Herr P i r ch die� Vortheile der Zentralorganisation zu, meint aber, unter unseren heutigen strengen Vereinsgesetzen sei eine vernünftige Zentralorganisation� nicht möglich.— Die Versammlung nahm endlich folgende Resolution an:„Die Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und erblickt in der Zentralorganisation ein Mittel, gegen das Unternehmer- thum erfolgreich anzukämpfen und verpflichtet sich, der Zentral- Organisation sich anzuschließen." Ii» Allgemeine» Metallarbeiter- Uerei» Berlins u n d Um g e g e n d sprach am 18. November im Vereinshaus „Sud-Ost" Herr Brey(Hannover) über„die Stellung der Arbeiter in Industrie und Gesellschaft." Er fährte ungefähr Folgendes aus: Die kapitalistische Produktionsweise ist als Resultat aus einer langen wirthschaftlichen Entwickelung hervorgegangen. Im Gegensatz zu der von der kapitalistischen Produktionsweise unzertrenn- lichen Anarchie im wirthschaftlichen Leben versuchte man zur Feudal- zeit, die Produktionsweise zu einer geregelten zu gestalten. Mag man an den alten Zünften auszusetzen haben, was man will, ein großes Wirken nach dieser Richtung hin muß man ihnen zu- erkennen. Die Feudalwirthschaft wurde auf Grund ihrer eigenen Fortentwicklung über den Haufen geworfen; an ihre Stelle trat die manufaklurelle. Der Produktionsprozeß wurde bedeutend vereinfacht, erleichtert. War früher eine uni- verselle(sich über ein möglichst großes Gebiet sich erstreckende) Fertigkeit jedes Einzelnen bei der Produktion noth- wendig, so war es dies jetzt nicht mehr. Die Theilarbeit trat in ihre Rechte, Jedem ein beschränktes Gebiet bei der Produktion zuweisend. Diese Manufakturwirthschaft stellte einen großen Schritt nach vorwärts, der heutigen modernen kapitalistischen Wirthschastsweise entgegen, dar. Letztere entstand noth- wendig aus der vorher genannten. Wenn nun die Arbeiter, gezwungen durch die für sie so schlechten Wirkungen der heutigen Wirthschastsweise, Forderungen stellen, so wird ihnen entgegen gehalten:„Ja, was wollt Ihr denn; Eure jetzige Lage ist ja Gold gegen die Lage der Arbeiter der Feudalzeil." Dies ist nicht wahr; betrachtet man sich die Verhältnisse, welche unter letzterer herrschten, so sieht man, daß has Meisterthum viel mehr Pflichten seinen Arbeitern gegenüber zu erfüllen hatte, wie heutzutage. Bei Gründung unserer Organisationen wird uns die Zwecklosigkeit derselben mit Hinweis auf den„freien" Arbeitsvertrag vorgestellt; der Arbeiter brauche ja da nicht zu arbeiten, wo es ihm nicht gefällt, er habe ja darin volle Freiheit.— Ja, frei ist der Arbeitsvertrag allerdings; aber nur für den Unternehmer, nicht für den Arbeiter. Es liegt nicht an unserem Willen, wenn wir alle möglichen uns gestellten Arbeitsbedingungen akzeptiren. Es sind eherne ökonomische Ge- setze, die uns zwingen, anzunehmen, was uns geboten wird. Wenn uns bestimmte Arbeitsverhältnisse nicht passen, so haben wir ja allerdings die Freiheit, weitergehen zu können; und wenn wir uns Passendes nicht finden, zu verhungern. Es sind ja so viel da, die noch zu weit schlechteren Bedingungen arbeiten. Eine Einwirkung auf den Arbeitsvertrag ist uns nur möglich durch eine straffe Organi- sation. Dem Arbeiter wird das Recht der Organisation streitig gemacht, der Unternehmer aber verlangt es für sich. Die Ar- beiter müssen sich vorsehen, damit ihnen nicht ein Jnverbindung- treten politischer Vereine nachgewiesen werden kann; die Arbeit- gebet brauchen dies nicht. Ihnen steht, obgleich sie in Verbänden Politik treiben, noch die Staatsmacht zur Seite. Es wird so viel Aufhebens von den Leistungen der Gesetz- gebung für die Arbeiter gemacht. Was ist denn für uns ge- schehen? Keines Gesetzes Maschen sind so geflochten, daß man nicht hindurch schlüpfen kann. Die Unternehmer haben die Thür, durch welche sie sich den ihnen vom Gesetz auferlegten Verpflich- tungen entziehen können, entdeckt. Von ihrer Seite wird für Unlernehmerschutz eingetreten und solcher ist ihnen, als der ökono- mischen Macht in der Gesellschaft, selbstverständlich geworden; mau sehe sich blas die Zölle auf landwirthschastliche und Industrie- Produkte an, sowie die Tarifermäßigungen und anderes mehr. Wir sind uns über die Nichtigkeit der jetzt bestehenden sogenannten Sozialreform klar; wir verlangen als Grundlage einer solchen ein wirksames, durchgreifendes Arbeiterschutz-Gesetz. Weil wir die achtstündige Arbeitszeit fordern, wird uns der Vorwurf der Faulheit gemacht, und doch sehen wir, daß das angestrengte lange Arbeiten die Kraft des Arbeiters schon oft in der Jugend vernichtet. Großes Ausheben wird auch von den Kullursort- schritten gemacht. Wem kommen denn diese heute zu gute?" Doch nur den Besitzenden! Wir müssen danach trachten. Etwas zu schaffen, das den Arbeitern die Theilnahme an diesem Allen gestattet. Um einem derartigen Gesellschaftszustand vorzuarbeiten, muffen wir uns fest in Gewerksch asten vereinigen. Wir muffen das schwere Werk des Heranziehens der Indifferenten in der Weise betreiben, daß wir sie bei der Brot- und Magenfrage anpacken. Den besten Beweis von der Nützlichkeit der Arbeiterorganisationen können wir ihnen dadurch beibringen, daß wir ans unsere Gegner hinweisen und ihnen die Anstrengungen derselben unsere Organi- sationen zu zerstören, vor Augen führen.(Großer Beifall.) An der Debatte betheiligten sich die Genoffen Klein, Fahren- w a l d, G e r i s ch und H a r t m a n n. Hauptsächlich wurde das Wirken und die bureaukratische Organisation der Verufsgenoffen- schaften einer mißbilligenden 51ritik unterzogen. Der Referent forderte im Schlußwort die Anwesenden dazu auf, für die Organi- sirung der ungelernten Arbeiter einzutreten. Genosse G e r i s ch weist darauf hin, daß man bei Beurtheilung dieser Sache immer die bestimmten Verhältnisse eines Landes in Betracht ziehen müsse. In England seien dieselben infolge der dort herrschenden politischen Freiheit ganz andere und darum mit den deutschen gar nicht zu vergleichen. Nachdem noch hierzu die Herren F a h r e n w a l d, H a r t m a n n u. A. gesprochen, die voll- ständige Gleichstellung der ungelernten den gelernten Arbeitern gegenüber anerkennend, wurde folgende Resolution angenommen: „Tie Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verpflichtet sich, so weit wie mög- (ich, für die Organisation einzutreten." Nachdem Herr Pawlo- witsch dazu aufgefordert, daß Diejenigen, welche Billets zum Stistungsfest entnommen haben, mit ihm abrechnen sollen, wurde die Versammlung geschloffen. Eine änsferst stark besuchte ösfenttiche Versammlung uo» Schneider» und Schueideriune» fand Montag Abend unter dem Vorsitz des Herrn R. Schulz in den Armin-Hallen statt. Es sprach in derselben Reißhaus-Erfurt über:„Die Ge- werkschaftsbewegung und ihre Bedeutung" und führte hierüber folgendes aus: Es ist in neuerer Zeit die Frage aufgeworfen worden, ob die Gewerkschafts-Orgauisation nach Fall des gemein- gefährlichen Gesetzes vom Jahre l878 noch weiter ausgebaut oder sallen gelassen werden solle. Diese Frage ist auf dem Parteitag beantwortet worden, sie muß selbstverständlich weiter bestehen bleiben und ausgebaut werden. Aufgabe der Gewerkschaften ist es nicht, große politische Tagesfragen zu erörtern, sondern die Berufsgenoffen zusammenzuschließen und sie über ihre Klassenlage aufzuklären. Ter seiner Lage bewußte Arbeiter wird dann im geeigneten Augenblick auch seine politischen Rechte richtig aus- zuüben wissen. Es besteht nun eine größere Meinungsverschieden- heit, ob wir Lokal- oder Zeutralorganisationen schaffen sollen. Besonders sind es die größeren Städte, in welchen man zur Ersteren hinneigt, weil sie glauben, daß sie dort besser die politische Agitation betreiben können. Neben verschiedenen anderen Nachtheilen hat die Lokalorgauisatiou auch noch den Nachtheil, daß sie nur auf ein begrenztes Gebiet be- schränkt ist, sie hat keine Fühlung mit den Berufsge- nosseu im Lande; bei den Zentralverbänden ist aber gerade das Gegentheil der Fall. Andererseits ist es eine feststehende That- fache, daß je größer die Organisation ist, desto größer auch ihr Einfluß. Die Gewerkschaftskonferenz hat sich so entschieden für Zentralisation ausgesprochen, daß den Lokalvereinigungen, wo ihnen nicht etwa gesetzliche Hindernisse im Wege stehen, nichts übrig bleiben wird, als sich in'den Zentralverbänden anzuschließen. Wir müssen unsere Macht und mit ihr unseren Einfluß auf jede Weise stärken. Die Sozialreform der Regierung ist keineswegs aus Liebe zu den Arbeitern in Szene gesetzt worden, sondern unter dem Druck der starken Arbeiterbewegung. Es zeigt uns das schon ganz deutlich die mangelhafte Form derselben, als auch Der Umstand, daß man zu gleicher Zeit mit den sogenannten Sozialreformen sich nicht entblödet hat, dem Arbeiter sein ohnehin schon geringes Einkommen durch die hohen Zölle und indirekten Steuern zu schmälern. Für die schlechte Form der Schutzgesetze ist der schlagendste Beweis die Krone des Gebäudes, das Alters- und Jnvaliden-Bersicherungsgesetz mit seinen 83Va Pf. Pension. Es wäre wirklich wünschenswerth, wenn die Herren, welche stets die Phrase von der Bruderliebe und der Fürsorge für den Arbeiter im Munde führen, genöthigt wären, einmal selbst die segensreiche Reform kennen zu lernen, wenn sie seldst ein halbes Jahr von der großartigen Pension leben müßten. der ganzen Sozialreform liegt überhaupt nur die Absicht zu Grunde, die Arbeiter von der Befolgung ihrer Klaffeninteressen abzuhalten. Das einzige Gute an ihr ist, daß der Staat aner- könnt hat, es bestehe für ihn die Verpflichrung, für den Arbeiler, sobald er altersschwach geworden ist, zu sorgen. Alle Gesellschafts- klaffen sind durch die Arbeiter gezwungen worden, sich mit der sozialen Frage und ihrer Lösung zu befassen. Wenn sie auch die soziale Frage als ein drohendes Gespenst ansehen, so können dje Arbeiter sich doch mit Befriedigung sagen, daß der Tag da ist, von dem Lassalle gesagt hat, an ihm werde die soziale Frage die brennende, die Tagesfrage sein. Wenn ihre Anhängerschaft auch nur aus den indifferenten Arbeitern besteht, so müssen sie auch diesen trotz alledem immer wieder von der sozialen Frage sprechen und hierbei verspreche ich mir sehr viel; die Herren arbeiten so unfreiwillig für uns, sie lenken die Aufmerksamkeit auch der In- differentesten auf diese brennende Frage hin. Mit ganz besonderer Freude begrüße ich es, daß die Frauen nach jahrelanger Ruhe wieder in unsere Reihen eintreten. Ein Theil der Arbeiter hat dieselben bereits in seine Organisationen aufgenommen, der andere Theil wird das nach den Beschlüssen des Parteitages und der Gewerkschaftskonferenz, baldigst thun müssen. Die Frau ist, wohl infolge der Jahrhunderte langen Unterdrückung, ein besonderes Ausbeutungsobjekt geworden. Es darf nicht weiter geduldet werden, daß die Frau unter dem Manne stehe, sie muß neben und mit dem Arbeiter für Befreiung der Arbeit vom Kapital eintreten. An die Frauen wendet sich auch hauptsächlich die himmlische Gendarmerie. Tie Gegner, besonders die Pfaffen, sie wissen, daß der Frau in der Heuligen Gesellschaft die Kindererziehung obliegt, sie wissen' den Einfluß, welchen sie durch die Frau auch auf die Männer auszuüben ver- mögen gut zu würdigen.— Diese Zustände machen sich weniger in den großen Städten, desto mehr aber auf dem Lande und in den kleinen Städten geltend. Nur dadurch, daß wir den Frauen begreiflich inachen, daß ihre Interessen die gleichen sind, wie die der Männer, können wir sie dem Einfluß der Pfaffen und jeder anderen Beeinflussung entreißen. Den Männern allein wird es nie gelingen, ihre Forderungen durchzubringen, nur Hand in Hand mit den Frauen weroen sie ihre Befreiung erkämpfen können. Wir müssen sehen, ohne uns provoziren zu laffen> durch Aufklärung der Indifferenten und durch festen Zusammenschluß die Klinke der Gesetzgebung in die Hand zu bekommen, das ist die Aufgabe der Gewerkschaftsbewegung. Wir sind durch unsere Organisation schon soweit vorgeschritten, daß wir uns bald nicht mehr nach Berufen, sondern nach ganzen Berufszweig»» werden zusammenschließen müssen. Jeder Einzelne ist berufen und ver- pflichtet, au der Arbeit der Aufklärung thätigen Antheil zu nehmen. (Lange anhaltender, lebhafter Beifall.) Holzhäuser-Hannover bedauert, daß die Arbeiter sich noch immer nicht genügend an den Organisationen betheiligen, sie sollten sich ein Beispiel an dem Unternehmerthum nehmen, welches für ihre ganze KlasseKoalitionen schließt. Diesen mächtigen Ringen können die Arbeiter nur dann entgegentreten, wenn sie sich auch zu großen Verbänden zusammen- schließen. Betreffs der Heranziehung der Frauen schließt Redner sich den Ausführungen des Genossen Reißhaus an.(Lebhafter Beifall.)— An der weiteren Diskussion betheiligten sich Wiese- mann. Kroll, Roge, Täterow, Jeschonneck, Schulz und Fräulein Wabnitz. Dieselben sprechen sämmtlich im Sinne der Vor- redner. Hervorzuheben ist aus den Ausführungen Roges die Mittheilung, daß die Freie Vereinigung der Schneider beschloffen habe, in der nächsten Vereinsversammlung den Mitgliedern die Frage vorzulegen, ob nicht ein Anschluß an den Schneiderverband zweckmäßig sei. In seinem Schlußwort begrüßt der Referent diesen Beschluß, im Interesse der Einigkeit, mit Freuden. Unter Verschiedenem schließt sich die Versammlung dem über die Schlächtermeister Kehrberg, Oderbergerstr. 13 und Saagert, Zentral-Markthalle, Stand 10, verhängten Boykott an. Es wird dann noch mitgetheilt, daß die Firma Nesselroth, Tauben- straße, den Kontrakt mit ihren Arbeitern ge- brachen und die Werkstätte geschlossen habe. Die Arbeiter der H ansind u st rie werden daher ersucht, für diese Firma nicht z n arbeiten. Der Verband der deutsche» Gold- und Silber- arbeite»'(Zahlstelle Berlin) hielt am 11. d. M. eine guibesuchte Mitglieder-Versammlung ab, in welcher Herr Strobel aus Mar- bürg einen mit vielem Beifall aufgenonimenen Vortrag über die Entwickelung der Familie hielt. Unter„Verschiedenes" berichtet Kollege Faber über die Listensammlung für die Hamburger aus- gesperrten Kollegen. Es sind eingegangen: 1071,45 M. Nach Hamburg geschickt: 1050 M., es bleiben 21,45 M., hiervon gehen als Porto 2,40 M. ab und es bleiben zu Händen der Revisoren 19,05 M. Auf Antrag der Revisoren wird Kollege Faber ent- lastet. Im Weiteren wird dem Kassirer ein Markenmanko von 1 pCt. bewilligt. Kollege Lindemann berichtet sodann Über das am 31. August stattgefundene Sommervergnügen. Es ist ein Ueberschuß von 210,20 M. erzielt worden. Sodann wird auf Antrag des Kollegen Christoph beschlossen, den Bibliothekfonds in einen Unterstützungsfonds umzuwandeln und es werden aus demselben dieBarockvergolder mir 30 M. unterstützt. Zum Schluß macht der Vorsitzende bekannt, daß die nächste Versammlung Dienstag, den 9. Dezember in Feuersteins Restaurant stattfindet. NB. Montag, den 24. November findet in Gratweils Bier- hallen, Kommandantenstr. 77—79, eine öffentliche Versammlung aller in der Gold- und Silberwaarenbranche beschäftigten Arbeiter statt. Eine Mitgliederversaunulung der Zentral-Kran- k e n k a s s e der Maurer, Steinhan er u. s. w. Grundstein zur Einigkeit, tagte am 11. d. M. Auf der Tagesordnung stand der Bericht der Untersuchungskommission in Angelegenheit C. Schmidt. Kollege Klingenberg verlas das Protokoll der Ver- Handlungen zweier Sitzungen, welche in der Sache abgehalten worden sind. Das Resultat derselben war die Beantwortung dreier Fragen in folgender Weise: 1. Ist der direkte Beweis er- bracht, daß Schmidt sich die in Frage stehenden 100 M. rechtswidrig angeeignet hat? Nein. 2. Sind Verdachtsmomente vorhanden, daß Schmidt sich die 100 Mark rechtswidrig angeeignet hat? Ja. 3. Welches ist das Resultat des in der Versammlung angenommenen Antrages: Einziehung des Materiels? Schmidt mußte laut Markenbestand 821,10 M. abliefern skonnte aber nur 704,10 M. aufzählen, folglich blieb hier ein Defizit. KoLlvs' hiervon die für seine Mühewaltung ihm zustehenden Prozentge.� in Abzug, so verbleibt eine ungedeckte Summe von 82,25 Ab"" Die Kommission»ahm folgenden Antrag an:„Die Koi»m>s>� stellt der heutigen Versanimlung den Antrag, dem Schmidt Amt in der Verwaltung übertragen zu wollen." Hierauf ii»' spann sich eine lebhaste Debatte, welche damit*' daß beantragt wurde. den Schmidt aus der auszuschließen und die Sache dem Staatsanwalt zu übergebe� Der Bevollmächtigte giebt noch bekannt, daß diese Angelegeiche» dem Zentralvorstand überwiesen sei. Zur Wahl der Hilfskaffirei wurde der Antrag gestellt, diesen Posten gänzlich ab;»- ichayen, er wurde bis zur nächsten Versammlung vertagt. H181'?!! schritt man zur Wahl. Da der Hilfskassirer für den Norden w anwesend sein konnte, so wird seine Wahl bis zur nächsten Versammlung vertagt. Für den Osten wurde der bisherige Kästner Moritz wiedergewählt, für Süd-Osten wurde Herr� F. H"? endich Wrenerstr. 13 v. 3 Tr. gewählt, für den Süden Herr._ Zöllner. Derselbe kassirt Sonnabend Abends von 8—10 Uhr Restaurant Zechlin, Hornstr. 11, Montags im Restaurant v°» 9B. Hangk, Boeckhstr. 12. Für den Westen wurde der bisherig Kassirer Pardemann und für de" Nord- Westen der bis Heng' Kassirer Herr Pfarr wiedergewählt,. .?'» Unterst, itzuttgslinnd der Hausdiener sprach sw 12. d. M. Herr Dr. Liitgenau über das eherne Lohngesetz. Vs einer Diskussion wurde abgesehen. 20 Kollegen ließen sich in � Verein aufnehmen. Auf den geselligen Abend am 18. d. Feuerstein und auf den Herren-Kommers zum Besten der„EM'g- reit" am 6. Dezember bei Feuerstein, sowie auf das Weihnachi-' fest des Bundes am 28. Dezember bei Lips ivurde gebührend ans- merksam gemacht. Kollege Grauer mahnte zur regen Agitatir für den Verein. Dir Kollegen Dopatka und Wiemer schlösse» M ihm an, und folgende Resolution wurde einstimmig angenommen- „Die Versammlung des Unterstützungsbundes der Ha» diener Berlins fordert die Kollegen auf, sich einer Ver- einigung anzuschließen, welche auf dem Boden der moderne- Arbeiterbewegung steht und dahin zu arbeiten, daß«m Verschmelzung der bestehenden Hausdiener-Vereinigung� herbeigeführt wird." .„ Bae Kurzem tagte eine öffentliche Versammlung der Vi delltischler Berlins im Weddingpark; Herr Wiedemann hielt einleitende Referat über:„Welche Bedeutung hat der Fach� ei" der Tischler für die Modelltischler? Die Betheiligung 0" der Diskussion mar eine sehr starke, und es wurde folgende V- lolution einstimmig angenommen:„Die heutige, im WeddM park tagende öffentliche Versammlung der Modelltischler eine» sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden llnd' schließt, da die Ziele und Bestrebungen des Fachvereins o Tischler nur zum Wohle der gesammten Kollegenschast führen.«' Modelltischler allein aber nicht tzn Stande sind, gegen dieArbe» geber Front zu machen, sich dem Fachverein der Tischler BerU" und Unigegend anzuschließen., Akkordlohn und Stundenlohn. Heber„Arbeiterfrage sprach der bekannte Bodenreformer Fabrikbesitzer Freese liii> Akkordlohn und Stundenloh». sprach der bekannte Bodenreformer Favrilveytzer ,!»j< Montag in der studentischen„Freien wiffenschastlichen-3 gung". Er verbreitete sich dabei auch eingehend uber cu. stände in seiner eigenen Fabrik. Wenn mau seinen Ausfuhr» glauben darf, so ist er im Vergleich zu vielen anderen ff � besitzern human zu nenne», so weit bei dem Festhallen» kapitalistischen Produktionsweise überhaupt von Hum» des Arbeitgebers gegen den Arbeiter die Rede sein kann..,. denklich ist, daß er wiederholt betonte, die Wohw einrichtungen, Arbeiterausschüsse, Sparkassen und so weiter, � sie bei ihm beständen, gereichten nicht nur dem{[ sondern auch dem Fabrikbesitzer zum Bortheil,. gWH sich aus diese Weise willigere Arbeiter schaffe. An einer kam der Pferdefuß recht deutlich zum Vorschein. Herr v'„ erklärte, dem Akkordlohn den Vorzug vor dem Slimdenlohn 9 zu muffen, weil der Akkordarbeiter sich mehr anstrenge,»m � zu verdienen. Er gestand also, obwohl nngeivollt, ein, oa? � Akkordlohn ein prächtiges Mittel ist, um den Arbeiter zurasw Anspannung seiner Kräfte anzutreiben und recht gründliM��� zubeuten. Bon dem Lohnarbeiter sagte er, er sei der reine denn er dürfe nie müßig sein und werde immer vom•» angetrieben. Es fragt sich nur, wer unerbittlicher im A» � ist, ob die Roth oder der Aufseher. Eine Probe davon, wie 9 der Akkordlohn dazu benutzt werden kann, um d>e-» �5 kraft auszubeuten, liefert der Besitzer einer Struiiipsg»*! Wirkerwaarenfabrik. Er zahlt den Wolllegerinnen einen{# von einer Mark, jetzt aber für eine jüngere Arbeiterin, jß vorläufig noch weniger leistet, einen Akkordlohn fest, flinker wird." Wenn die Arbeiterin, die in den ersten-w bei der geringen Höhe des Akkordlohnes 30—40 Pst!?' ,. e h t Tag verdient hat, endlich so„flink" geworden ist, daß fw, i» als eine Mark pro Tag verdient, dann stellt er sie w? Tagelohn. Das Beispiel lehrt, daß ein scharfsinniger K p beides, bald den Tagelohn und bald den Akkordlohn, nur in Anwendung zu bringen versteht. i' Aufruf! Arbeiter, Arbeiterinne»? Von hohem Ai �„,i. es, wenn bei Unglücksfällen sofort Hilfe geleistet werde Manches Leben würde erhalten, Mancher vor dem Vect �(t/ bewahrt werben. Die Familie, Werkstätte, der ganze Ver fordern diese erste Hilfe; doch wie dieselbe darbringe». Seit dem Jahre 1888 besteht hier in Berlin der Lehrkursus der Berliner Arbeiter beiterinnen zur ersten Hilfe bei Unglück s l» gi» welcher von praktischen Aerzten geleitet wird und es 1 Aufgabe macht, seinen Mitgliedern die Vorkenntnisse z>, Hilfe anzuzeigen. eztitW, Arbeiter, Arbeiterinnen! Ten hohen Werth dieses®(dst1 wird ein Jeder zugeben müssen bei Erwägung der j'w\i' Unglücksfälle, wo dem Betroffenen durch NichtgewährnNlL�stto fortigen Hilse schlimmen Folge erwuchsen, doch wird der st"? durch diesen Verrin auch riefer in sanitäre Angelegen geführt. Der Verein bietet demselben durch eine g»te~�;i» i" iseiegenheit, sich iienntniste zu verfchaffen, was.„e», Folge hat, daß der Arbeiler die sanitären Einrictst m» S»««*** � �1» 1 1t hlßl»'-»Iflljn best'»' jß. % u>>d 3w?1.frei n sicheres Ürtheil gewinnt, und daher auch Forderungen nach dieser Richtung hin zu stellen in =% ,,, Manner jeden zweiten und vierten Montag, für .....—•-vv*..4 ii ml*%* Mädchen jeden ersten und dritten Montag im Monat u Mil>> 8V2 Uhr ab. Mithin findet der nächste Unterricht fi �istA am Montag, den 24. November, und für Frauen»> e den 1. Dezember, Abends SVe Uhr, statt. Am �0 14. Dezember, Abends 5 Uhr, findet eine allgemeiiie.(stul. lung für Männer»nd Frauen ebendaselbst statt, Ivo 0* Arzt Dr. Bernstein einen Vortrag hält. Hieraus 0' Znsammensei». Näheres durch Inserat..« I» Mitmersborf fand am 11. November jO' evfe?}' Männern und Ffduen zahlreich besuchte öffentliche Vo>�, lung statt mit der Tagesordnung:„Wie stellen wir nns s P- tritt ans der Landeskirche?". Referent hierzu war welcher in eingehender Weise seine Anschauungen'-M.-flZ'" legte. Die Tiskuffiou ivar eine sehr lebhaste, an theiligten sich Herr Thielkamps, Herr Jacobsen, Fr. Behrendt im Sinne des Referenten. Einer der-.•miit.i jedenfalls ein Anhänger des„Kampfes-mit geistig*-11, wst'L welcher die Ausführungen des Referenten als„Oua'tw �(( nete, wurde aufgefordert, dies zu begründe», wozu gjn".1 «tande wav.und dadurch dokumentirte,„web Geist�M. Qeiuest». Nach einstimmiger Annahme des folgend�'' „Die Versammlung beschließt die 0% f'Lf ein es Vereins zur Pflege und« e 1 1> r ei t»"-V w rss en s ch a stl ich er Weltanschauun g". st� � sammlung. Verantwortlicher Redakteur: Cur» Haakr in Berlin. Druck und Verlag von War Kadi»» ir«erlin SW.. Beuthstraße 2.