Zr. SVS. Dte«stag, de« 25. November 1890 7. Jahrg. Hrgan für die Zntereffen der Arbeiter. I n s e r t i o n s g e b ü h r betragt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlung. Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags m der Expedrtron, Berlin SW., Beuibltrage 3, sowie von allen Nmioncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3 7 Uhr Nachmittags� an Sonn- und Festtagen bis O�lhr�VorinittagS gcön»et. » Fernsprecher: Amt Tlr. 410«. NedAÜtion: Ueuthjf«sitze S.— Expedikion: Veukhtzeatzv 3. Monat Dezember eröffnen wir ein neues Abonne- auf das .Lalim Miibti" K* Hit dem ... ,,Ss»rnke>gsblakk - �ratlsbeitage. ».Unser Blatt ist das Zentralorgan der deutschen Sozial- �.chahratie, es vertritt durchaus den Standpunkt der modernen v». i�tQtlfcdßn f nmnTiT%%%[OjiCtlßt ItJXC in pOlitt]Ch0t Uesens.? denkenden und aufgeklärten Arbeiter brauchen wir bio s*11 des Näheren nicht zu erläutern. Für Jeden, liegt.�p°"nu„g. welche auf unseren gesammten Verhältnissen tritt derselbe klar zu Tage. Aber der gebildete Ctflnv, chöiklarte Arbeitet muß stets darauf bedacht sein, sein j» wg�Nier weiteren Kreisen seiner Klassengenossen zugänglich �itrao?' J* fein Organ stets neue Streiter zu suchen, die dazu (illlm.» m.P die arbeitende Bevölkerung ihrem Ziele, der end- v n Befreiung der Menschheit, im Sturmschritt zueilt. Äl>d� �»uiUetou unseres Blattes beginnen ,vir mit dem dyx spannend geschriebenen historischen Romans au» groffe» Kaurrnkriegs von 1525, kiokhenlrurgvv T«ge. � Jeder des unseren Lesern wohlbekannten Schriftstellers WHhelm Bios. �i�hlung spielt in der hochberühmten alten Reichsstadt Mtiaen d*?n der Tauber, die ein Hauptwaffenplatz jenes ge- VnfÄij Freiheitskampfes war. Der Verfasser versucht auf Grund !8l'M historischer Studien ein Bild von dem bunten und v cn unö Treiben jener Zeit zu gestalten, und die 1° dnfi~et geschaffen, sind mitten ans dem Volke entnommen, ;'e Erzählung auch einen Einblick in die sozialen Zu- Nd Zeit gewährt. Die hochfliegenden Hoffnungen !?''der,..2°idenen Freiheitstränme, der heldenhafte Kampf, die die 1>lntige Reaktion des Jahres 1525 sind in »"Uen,>5>�nungcn und Wirkungen innerhalb der engen h, o, Reichsstadt geschildert. Wir glauben mit dieser %n i„, Ansprüchen an unser Feuilleton ganz besonders ent- ftii? mmiI)c". Mete(?,,,, nehmen sämmtliche Zeitungsspediteure, sowie w Beuthstr. 3, Bestellungen zum Preise von , Fiit„V-Wf. monatlich, frei ino Hans, entgegen. S'dfe außerhalb nehmen sämmtliche Postanstalten Abonne- Preise von 1 Mark 10 Pf. für den Monat y- entgegen. Volksblatt" ist eingetragen in der Post- «*>Mte unter Nr. 892, V. Nachtrag. Die Nedaktion und Expedition des „Kertiner Uolksblatt". „ Ileuitleto». 1,3_(48 Uictoria. | � Roman von Minna K a u t s k y. I �dett. ffl sie in diese kalte Pracht hinein nnd i 2° ßlürfli'i"ur' daß sie sich dafür nicht dankbarer zeigte e>ne ,5�;. So erschien sie mich in der Gesellschaft & s»,/ � hinein verpflanzte Blume, die niemals ro�d, und so wird sie auch in dieser Zh cdio,."/ Vorstellung 1"'t wirken, ohne Freude, ohne "es, Ifr nur als die Gattin eines einflußreiche» o�rEchrti/V"cht übergangen werden durfte. M N bei /.durch den Saal schritt der Intimus mit eiuein »t>..�tell,,,,. Herrn, der als Staatsbeamter eine ziemlich k' bep,~9 einnahm, auf und nieder. Ter Ersterc demon- e*ten uns das Lebhafteste vor, daß, wenn er n.lUl9 seiner Tochter, die für dieses Tableau in dracht war, in Frage stelle, er in der That etwas %"%ekr. begehe. Jt&LWen t*' Tochter hat, wenn Sie es nicht GfMSSS« HS.'dnfit Zauber muß von Ihnen ausgehen, sagte Vp Zeel � solche Augen hat nur die kleine Lil.- N in*, das sagte sie auch— und daraufhin werden mi be/langet sträuben dürfen." That, es wäre höchst unschicklich gewesen, und Die Tsqe der liindlickzen Nrdeiter. Das Organ des„Zentralvereins für das Wohl der arbeitenden Klassen", herausgegeben von den Herren Böh- mert und Gneist, der„A r b e i t e r f r e u n d", hat schon mehrfach die Agrarier dadurch bitter gekränkt, daß er ihnen die betrübenden Zustände der ländlichen Arbeiterbevölke- rung mit sachkundiger Schärfe vor Augen führte. Der „Arbeiterfreund" wendet das System der kalten Douchen an, indem er die Großgrundbesitzer, welche die Industrie- protetarier mit einer Kleinigkeit Arbeiterschutz bedenken wollen, daran mahnt, vor ihrer eigenen Thür zu kehren. Denn der Verein mit dem humanen Namen vertritt in erster Linie die Interessen der großgewerblichen Kreise, und die freundnachbarlichen Rippenstöße, die dem land- wirthschaftlichen Kapital versetzt worden, sind deshalb leicht verständlich. Im großen Stil hat diese Auseinandersetzung der zwei Hauptgruppen des Bürgerthums bekanntlich in England stattgefunden, wo die Tories für die Beseitigung der Kornzölle sich dadurch rächten, daß sie den Zehn- stundentag für die Industriearbeiter bewilligten. Aehnlich war es in Oesterreich, wo die Feudalen dem feindlichen Bruder von der Großindustrie den Elsstundentag als Liebes- mahl servirten. In unserem Falle versetzt der„Arbeiter- freund" den Junkern etliche Nadelstiche, sintemal die karg- lichen Zugeständnisse der Gewerbenovelle gewissen Kreisen als ungeheuerliche Konzessionen erscheinen. In seinem letzten Hefte nun druckt das Mund- stück des sanftlebenden Fleisches von Dresden einen Vortrag ab, welchen der Pastor Dr. B o r ch a r d zu Ummendorf(Regierungsbezirk Magdeburg) auf der Kreissynode in Eilsleben am 24. April 1890 gehalten hat. Dieser Vortrag des strengkirchlichen Pfarrers be- schäftigt sich mit der„sozialen Frage auf dem Lande" und bringt aus einem der reichsten Gegenden der Provinz Sachsen eine Fülle thatsächlichen Materials zur Beleuch- tung der Verhältnisse des landarbeitenden Volkes. Diese Angaben sind es, welche uns aeranlassen, von der Ver- öffentlichung Notiz zu nehmen. Die Quelle, aus welcher sie stammen, kann von den Agrariern nicht als eine ge- trübte bezeichnet werden, unser Gewährsmann, der ein streitbarer, frommer Vorkämpfer der Orthodoxie ist, nicht als von Parteileidenschaft befangen bezeichnet werden. Es ist ja bezeichnend, daß Herr Borchard die Rede an seine Anitsbrüder und Gesinnungsgenossen mit folgendem denkwürdige» Ausspruche begann:„In einer Arbeiter- versammlung würde ich anders reden; hier aber vor so gedrängt, gestand der hohe Staatsbeamte einigermaßen verschämt, daß er soeben für einen seiner Söhne um ein Stipendium und für einen zweiten um eine Freistelle im Theresianinm eiugekommeu sei, nnd ivenn nun seine Tochter bei so glänzenden und kostspieligen Vorstellungen öffentlich mitwirkte, könnten diese Gesuche am Ende abschlägig be- schieden werden. Der Kleine zwinkerte ihm zu, im Gefühle großer lieber- legenheit. „Verehrtester, wie kann man so naiv sein! Sie müssen doch wissen, daß bei solchen Vergebungen es sich nicht um größere oder geringere Bedürftigkeit, sondern um geringere oder größere Protektion handelt. Sie erfreuen sich der größten und können daher unbesorgt sein." So ergaben sich Ausgleiche für Jedermann und zwischen den gegensätzlichsten Bestrebungen konnte ein Kompromiß geschloffen werden, nur die arme Frau Field hatte sich ernstlich zu beklagen, sie fühlte sich auf das Tiefste ge- kränkt. Obwohl ihr Manu und ihr künftiger Schwiegersohn bei diesen Arrangements in hervorragender Weise betheiligt waren, war ihr doch nicht die geringste Berücksichtigung zu Theil geworden. Man hatte ihr die Frau de Voß gegeben, eine Person, die ganz im Hintergruuve stand und so gedeckt war, daß das Publikum von ihr nichts als eine Riesenkrause und eine dito Haube zusehen bekam; und Krause nnd Haube nur aus weißem Tüll, so einfach, daß sich ein Stubenmädchen dafür hätte schämen müssen. Wenn sie sie doch wenigstens mit Gold hätte ausnähen dürfen, aber nein, nein! Oswaldt war unerbittlich. Er gedachte sie wohl absichtlich zurückzusetzen. Hanna war ganz übergangen worden, und die schöne einer Versammlung von Besitzenden und G e- bildeten halte ich mich für verpflichtet, kein Blatt vor den Mund zu nehmen, sondern Ihnen die Verantwortung und Verpflichtung, welche Sie in Ihrer sozialen Stellung der sozialen Aufgabe auf dem Lande gegenüber haben, an's Herz zu legen. Zuvörderst nun hoffe ich, daß die s o z i a l d e m o k r a t i s ch e n W a h l e n aus dem Lande das Gute haben werden, daß man endlich den ländlichen Verhältnissen und der Lage der ländlichen Arbeiter eine größere Aufmerksamkeit und Theil- nähme zuwenden wird, als es bisher der Fall gewesen ist. Siebenzehn Jahre lang habe ich Blinden und Ver- blendeten und tauben Ohren gepredigt und vergeblich auf die„sozialdemokratischen Gefahren auf dem Lande hin- gewiesen." Der„theure Gottesmann" Pastor Borchard führt, wie sein eigen Bekenntniß Allen kündet, doppelt Buch, den Mühselig und Beladenen enthält er das vor, was er den Reichen und„Gebildeten" offen sagt. Seine Rede ist also nicht„Ja, ja, nein, nein, was darüber ist, ist von Uebel", sondern er huldigt dem Grundsatze, daß für die Arbeiter die Wahrheit, die volle, ganze Wahrheit nicht vorhanden sein dürfe. Ihnen, den Armen, den Ent- erbten wird eine Pastoralsymphonie vorgeführt, die das Elend des Diesseits auf die Herrlichkeit des Jenseits ver- tröstet, die Plackereien der Erdenwelt mit den himmlischen Freuden rechtfertigt, den gemeinen, irdischen Hunger durch die Verheißungen überirdischer Gnaden» sättigt. Diese Rücksicht fällt für Herrn Borchard, wo er unter„Besitzen- den und Gebildeten" zu reden hat; die transszendentalen Tröstungen, das ganze Eiapopeia verdampfen wie Wasser- tropfen auf dem heißen Stein, und hier wird offen zu- gestanden, daß die Situation der Landarbeiter eine er- bärmliche ist und positiver Schutzmaßregeln dringend bedarf. Es liegt uns ferne daran zu zweifeln, daß es etwa Herrn Borchard mit seinen Darlegungen Ernst sei. Im Gegentheil, wir sind davon überzeugt, daß er gerecht und gut zu handeln glaubt, wenn er so handelt, wie er thut. Nichts ist unrichtiger als die An- nähme, daß die Gegner durchgängig in böser Absicht handelten. Wir diwfen nicht vergessen, daß die Klassen- gegensätze, die Ilmstände, in welchen Jemand aufwächst, sich entwickelt, lebt und ivebt, die ganze Gedanken- und Gefühlswelt auf's nachhaltigste und stärkste beeinflussen und beherrschen, sodaß die Weltanschauung, die Auffassung des öffentlichen Lebens, der sozialpolitischen Streitfragen ein natürlich ans der sozialen Stellung des Individuums sich ergebendes Klassenprodukt ist. So hält Herr Borchard es offenbar für eine Forderung der Sitt- lichkeit und der Religion, vor Reichen anders wie vor Silvia hatte die Nichte des Rubens darzustellen, die ein- facher auszusehen hatte, als alle Uebrigeu. Was würde das Publikum dazu sagen? Was mußte es von den Field's denken? Sie hätte weinen mögen. Und wenn sie doch nur eine fühlende Seele gehabt, der sie ihren Kummer hätte anvertrauen dürfen, aber Hanna zeigte sich dieser Angelegenheit gegenüber ganz gleichgiltig und Silvia hinwieder so aufgeräumt, daß sie zu Allein lachte. Diese Heiterkeit raubte der Mama völlig die Fassung. Was hatte sie nur immer zu lachen nnd noch dazu mit Lord Edward? Wo es nur anging, fanden sich die Beiden zusam- men, flüsternd und kichernd, unbekümmert um alles Uebrige, als wären sie ganz allein auf der Welt. Sie hatte den guten Lix sofort darauf aufmerksam ge- macht, es schien ihr Mutterpflicht, aber der alberne Mensch lachte ebenfalls und ließ sich in seineu freundschaftlichen Be- ziehungen zu Lord Edward nicht im Geringsten beirren. Ja, es kam ihr geradezu vor, als würde er es daraus anlegen, die Beiden nicht zu stören. Die runden Augen der Frau Field blickten verwunderter und rathloser als je. Sollte sie ihren Mann ins Vertrauen ziehen? Aber der sah in letzter Zeit so furchtbar elend nnd niedergedrückt aus, daß sie es nicht wagte, ihn damit zu behelligen. Sie war in seine verzweifelte Lage nicht eingeweiht, aber instinktiv ahnte sie, daß sich hier etwas Schlimmes vorbereite, und wie immer hielt sie sich davor beide Augen zu. Die Stunde des Soupers war gekommen, ohne daß Oswaldt erschienen wäre, was allgemein zu verstimmen schien. Nach dem Souper hatten sich die Gäste, auch die Damen, in das Ranchzimmer begeben. Armen zu sprechen, und es ist nicht der geringste Anlaß vorhanden, die Ehrlichkeit dieses Mannes, seine bona fides, seine gute Absicht anzuzweifeln. Thatsächlich steht er viel höher als zahllose seiner Klassengenossen, als viele, viele seiner Berufsgenossen, welche die Augen vor der krassen Wirklichkeit überhaupt verschließen und die Dinge nur durch rosenroth gefärbte Gläser sehen. Borchard hat sich von diesem Vorurtheil, von dieser Vogelstrauß-Politik endgiltig befreit und tritt als Mahner der grundbesitzenden Kaste, als getreuer Eckart der Landeigner auf, denen er nüt Folgerichtigkeit die Konsequenz ihrer zügellosen Gewinn- gier darstellt, den Uebertritt der Landbevölkerung in das Lager der Sozialdemokratie. Die Ergebnisse der denkwürdigen Wahlschlacht vom 20. Februar haben viele Grundbesitzer stutzig gemacht. Die Bewegung unter den langsamen, schwerfälligen Land- arbeitern, für deren„antikollektivistischen Schädel" doch ein k. k. Staatsminister a. D. ihnen mit dem Brustton der Ueberzeugung verbürgt hatte, war allerdings sinnenfällig genug. In Bezirken, in denen die Patrimonialverfassung noch lieblich gedeiht, im Mecklenburgischen hatten die„Ord- nungs"-Parteien sich mit der Sozialdemokratie im harten Kampf der Stichwahlen zu messen; in der Provinz Sachsen erschreckten ungeahnte Wahlerfolge die Herren von und zu, die Rübenzuckersieder und Rübenplantagen- Besitzer. Der „arme Konz" ging zur Stimmurne und wählte nicht, wie der gnädige Herr es gedacht, gewünscht, geheißen hatte, konservativ over nationalliberal, nein, dieses aufrührerische Volk legte sozialdemokratische Stimmzettel massenhaft in die Urne. Dieser praktische und fühlbare Widerspruch gegen die alte Ordnung, welche das Herrschafts-Verhältniß im wirth- schaftlichen wie im politischen Gebiete als selbstverständlich zum Ausdruck bringt und die Arbeiter zu willenlosen Werkzeugen ihrer Herren macht, diese Revolution der Stimmzettel gab Herrn Borchard Recht. Der hatte schon vor langer Zeit dies Alles kommen sehen, und es war ihm gegangen wie anderen Propheten, er hatte nichts in seinem Vaterlande gegolten. Bereits im Jahre 1884 hatte der Ummendorfer Pastor im„Arbeiter- freund" nachdrücklich genug geschrieben:„Die Kluft zwischen den großen und kleinen Leuten auf dem Lande wird von Jahr zu Jahr eine klaffendere, voll Groll und Bitterkeit, voll Haß und Neid. Die sozialdemokratischen Gefahren sind auf dem Lande ebenso groß als in der Stadt, ja größer, weil sie nicht beachtet werden und nicht so offen hervortreten. Der ländliche Arbeiter ist viel zu vorsichtig, um sich bei den Wahlen zu betheiligen. Sozial- demokratische Agitationen finden nicht statt. Aber die sozialdemokratische» Gefühle«nd Gedanke» habe-» Herz»nd Gemüth«userer ländlichen Arbeiter erfüUt. Die ländlichen Arbeitgeber motte» von de» sozialen Pflichten nichts misse». Ausnahmen giebt es überall; sie sind aber auf dem Lande sehr dünn gesät. Die Ausgabe des Landgeistlichen ist es, den ländlichen Arbeitern ihre sozialen Pflichten vorzu- halten, auch wenn er damit bei dem Patron und bei den großen Leuten anstößt; auch wenn man ihm den Vorwurf macht:„Der Pastor hält es mit den kleinen Leute n." Seine Pflicht ist es, den Arbeitgebern ins Gewissen zu reden, daß die bloße juristische Auffassung von Eigenthum und Besitz zur Lösung der sozialen Frage heute nicht ausreicht, sondern daß vom christliche n Standpunkte Erwerb und Besitz nur Würde, Werth und Gewährleistung hat, wenn man es anwendet zum ge- m ein sam e n B e st e n." Herr Borchard ist kein Durchschnittsgeistlicher, wie man sieht, er gehört zu der Richtung frommer Land- pastoren, die wie der alte Todt den sozialen Dingen ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Nicht ihre Rathschläge und Vorschläge, wie und in welcher Richtung man zu reformiren habe, fallen so sehr ins Gewicht, sondern die einfache Thatsache, daß sie dem Massenelend gegenüber keine Vogel- straußpolitik treiben und den Finger in des landkapitalistischen Glückes Wunde legen. Field, der keinen Bissen genossen, griff nach einer Havanna. Fräulein Pillern hielt ihm das Feuer ihrer Zigarette ent- gegen, und er dankte mit einem munteren Wort, das zu dem fahlen abgespannten Gesichte nicht recht stimmen wollte. Da öffnete sich die Thür, Oswaldt trat ein und wurde mit einem lauten„Ah" empfangen. Er war nicht im Frack, ja sein Aeußeres entbehrte jeder Sorgfalt. Er trug ein kurzes Jacket und eine hohe Weste, über welche die Schleifen einer schief sitzenden Kravatte baumelten, das Haar hing ihm in seiner reichen Ueppigkeit unordentlich und wirr um die Stirn, und wie man von oben nach unten ihn maß, konnte man bemerken, daß seine Stiefel arg beschmutzt waren. Als er nun mit einen: etwas ungenirten„Entschuldigen Sie mich" debütirte, erhob sich lauter Protest. Man überhäufte ihn mit Vorwürfen, die nicht immer scherzhaft gemeint waren. Die Damen wenigstens zeigten sich sehr empfindlich, daß er, der hierzu Berufene, in einer ausschlaggebenden Sitzung fehlte, zu der sie erschienen waren.. Oswaldt ertrug den Zorn der beleidigten Göttinnen ziemlich standhaft, er nah»: eine Zigarrette und warf sich ermüdet auf einen Stuhl. Field warf einen forschenden Blick nach ihm hin. Was ging mit diesem Menschen nur vor? Er fand ihn ungewöhnlich bleich, die Augen hatten ein düsteres Feuer und um die Mundwinkel spielte jenes nervöse Zucken, das eine starke innere Bewegung verrieth, die man zu meistern bestrebt ist. Aber er kannte die Zeichen, ihn täuschte man nicht, litt er doch selbst maßlos in diesem Augenblick unter dem schier unerträglichen Zwang. Aber es war sein scherzhaftester Ton, in dem er die Frage stellte: „Es muß wohl etwas ganz Besonderes gewesen sein, das Dich uns abwendig gemacht hat, wie? Darf man's erfahren?" Die iwlieuischett Wahlen und die Haltnng der Arbeiter. Mailand, LI. November 1890. Es ist ein höchst unerfreulicher, niederdrückender Anblick, den für jeden überzeugten Sozialisten die Wahlbewegung in Italien darbietet. Die Arbeitervereinigunge» aller Abstufungen, mit Ausnahme derjenigen, die wie das„Consolato operaio ilüanese" den äußersten linken Flügel der bürgerlich-radikalen Partei dar- stellt, sind dem Vorgange der Sozialisten Roms gefolgt und haben au den Hauptstätten der Industrie Enthaltung von den Wahlen beschlossen. Für diejenigen Arbeitergruppen, welche zum überwiegendenTheil mit den unklaren Meinungen— richtiger LeidenschastSgesühlen— der anarchistischen Hitzköpfe durchsetzt sind, war dieser Beschluß vorauszusehe», ja selbstverständlich. Ueber- rascht aber hat dieselbe Entscheidung bei dem Arbeiterbund „Partito operaio italiano"(mit dem Parteiorgan„Faseco operaio" in Alessandria). Diese große und umfassende Ver- einigung hat, wie der Leser dieses Blattes aus dem letzten Mai- lünder Briefe weiß, über Grundbedeutung, Wesen und Ziel der Arbeiterbewegung noch ganz kürzlich in dem letzten Kongreß zu Mailand so vernünftig klare Urtheile ausgesprochen, so ruhige und geschickte wirksame Mittel der Propaganda, der Ausbreitung und Werbung empfohlen, daß wenrgstens der Versuch erwartet wurde, einen eigenen sozialistischen Kandidaten für Mailand aufzustellen. Statt dessen ging der Beschluß, von jeder Vetheiligung an der Wahl abzusehen, ohne nennenswerthe Opposition glatt durch. Heute sind die Mauern Mailands be- deckt von Verkündigungen der sozialistischen und anarchistischen Arbeitergruppen, welche mit wortreichen Ermahnungen die Lehre von der Wahlenthaltung predigen. Diese Lehre ist freilich sehr bequem, ihre Befolgung bringt aber die Sache der Arbeiter, die Entwicklung der sozialen Bewegung in Italien, nicht um einen Schritt vorwärts. Die Enthaltung der Arbeiter geschieht offen- bar zum inneren Jubel aller volksfeindlichen Parteien, in erster Linie der liberalkonservativen, oder konservativ-liberalen, deren Blätter ihre große Befriedigung über diesen Beschluß, über die Entsagungspolitik der Arbeiter gar nicht verhehlen. Die Leiter der Arbeitergruppen selbst aber müssen doch das Gefühl haben, daß der Beschluß der Nichtbetheiligung an den Wahlen, der Nichtausübung des ersten und angeborenen Rechtes eines Mannes, über seine Geschicke an wirksamer Stelle selbst zu entscheiden, innerlich unnatürlich sei. Anders läßt sich die große Furcht nicht erklären, die bei ihnen obwaltet, daß eine An- zahl der Arbeiter trotz des Beschlusses von ihrem Wahlrecht Ge- brauch machen werde. So werden in den heutigen Anschlägen an den Straßenmauern und Plätzen überall verschiedene große Spaziergänge in die Umgebung angekündigt, die früh am nächsten Sonntage, dem Tage der Wahl, veran- staltet werden sollen, nur um die Arbeiter den ganzen Tag von der Stadt fernzuhalten. Auch die„Lega sociafista di Mi- lano" hat die Enthaltung von der Wahl beschlossen, obwohl ihr Führer, Filippo Turati, wie Schreiber dieses weiß, schon durch seine Kenntniß der deutschen Arbeiterbewegung die Nothwendig- keit der politischen Machterringung für die Arbeiter anerkennt. Er ist aber, wie es scheint, in seinem eigenen Vereine überstimmt worden oder mitgerissen durch den fast allgemeinen Zug der So- zialisten Italiens, der die Wahlbetheiligung verwirft. In dem jüngsten Kongreß in Mailand hatte der Bund „Partito operaio italiano", dem in der Versamm- lung erschienenen deutschen Sozialdemokraten, der aus Halle kam, zugejubelt und er wie alle anderen sozialistischen Vereinigungen hatten begeisterte Adressen nach Halle gesandt, welche die Errungenschaften der deutschen Sozialdemo- kratie feierten, aber diese Errungenschaften und die heutige Macht der organisirten Arbeiter Deutschlands wäre ja, wie au- gentein, auch in Italien, eingestanden wird, niemals erreicht wor- den, ohne die thätige, rege Antheilnahme an den allgemeinen politischen Wahlen, die das natürliche und denkbar günstigste Mittel der Agitation, der Ausbreitung sozialistischer Grundsätze und Ideen bildet. Alle die erwähnten Maueranschläge und Verkündigungen stützen die Enthaltung von der Wahl mit ausdrücklichen Worten darauf, daß die sozialistische Entwickelung von selbst ihren Laus nehmen, daß der Tag der Revolution kommen werde und daß man diesen abwarten müsse. Liegt hier nicht der geradezu niederschmetternde Vergleich nahe, den in diesen Tagen ein sozialistisches Blatt in Italien, das einzige, welches die Wahlbetheiligung aus grundsätzlicher Ueberzeugung und im Hinblick auf die Erfolge in Deutschland feurig und beredt empfahl, mit eindringlichen Worten ausge- sprachen hat? Es ist dies das Wochenblatt„La giustizia", Difesa degli sfruttati.[„Die Gerechtigkeit", die Ver- theidigerin der Ausgebeutetenj, welches in Reggio in der Emilia erscheint. Das Blatt sagt: „Ja, ja! Sich enthalten und, ohne etwas dagegen zu thun, abwarten, die Revolution abwarten, den Tag der Revolution, der ja kommen muß, das ist das Geschrei, das ist das große Schlagwort derjenigen, die nicht sehen können oder nicht sehen wollen. Gerade so wie die Pfaffen, die Priester mit salb«� vollen Mienen, mit zum Himmel gedrehten Augen und inst frommem Herzen zu den Armen" des Landes sagen: haltet Euch nur, Ihr Lieben! Verzichtet n!It; Abwart e n! D»" �" n-s ßtorirfit« abwarte«- Der wird s ch nämlich tv e: Da nn kommt der gropettag, o a ro k t w»• y v. alle Himmelsfreuden genießen. Und nid)1 nur das, nein, Ihr werdet auch sehen, Eure Peiniger aus Erden zu Gericht gezoge' iv erde tt! Darum laßt sie nur ruhig lv l r t Y Ichaften. Je mehr sie Euch hier schinden, um > o mehr w erde n sie im Himmel bestraft werde» an dem großen Tage! Darum enthalte», entsagen, verzichten und abwarten!"— ß1'"5: so'vre diese Priester, sprechen heute die Anarchisten Z»%» Arbeitern. Und der italienische Arbeiter folgt ihnen heute eben!- wie der Arme den Priestern und läßt sich von beiden um st" gutes Recht auf Erden betrügen. politifNie Aebevfichk. Berlin, den 24. November- Die Krise ist richtig versumpft, das heißt, die pitalisten haben sich zu einem Ring zusammengethan. den Fall Einzelner zu verhindern. Die bankerotten Haust werden so auf den Füßen gehalten— gleich Leichnai-- die, in dichtem Gedränge— wie bei Theaterbränden—"& zu Boden fallen können. Durch diese Ringbildung erip, man dem Publikum den Anblick der Todten— konsti aber auch die riesigeÄusdehnung und Intensität der Krise- � Einzelkapitalisten werden vor dem offenen Bankerott gerettet der Kapitalismus in seiner Gesammtheit beschleumgt seinen allgemeinen Bankerott. Den He Kapitalisten ist die Nothwendigkeit der Solidarität g 3 den Krach begreiflich gemacht worden— solidarisch m Ausbeutung, gehen sie nun auch solidarisch in den Baute In jeder Weise ist die gegenwärtige Form, eine Verschlechterung vom Standpunkt der bu g liehen Gesellschaft. Die Summen, welche verloren S V sind größer als bei irgend einer früheren Krisis, d»„ treffen viel weitere Kreise, und ein Ende der verheeret Wirkungen ist nicht abzusehen.,„ch Und nicht e i n Pfennig, der bei einem akutei�Au-b � verloren gegangen wäre, wird gerettet— die MiUl» � und Milliarden, welche der Kapitalismus in seinen l Orgien vergeudet und verspielt hat, müssen bis aus letzten Psemüg von dem arbeitenden Volke bezahlt we — denn die Milliarden und Milliarden, mit denen � Ritter vom Giftbaum im wilden Thurmremten nach t todtbringenden Nibelungenhort um sich geworfen habendi bis auf den letzten Groschen Arbeitergrosch Der„Frankfurter Zeitung", in Geldsachen eine Am» über die Krisis von der Berliner Börse wird „Die Verwüstungen auf dem Kourszettel in bei Woche find bedeutend, und besonders deshalb verHang x __:r.norhpn welcve weil hauptsächlich Werthe betroffen werden, welche steche Besitze des Privatpublikums befinden.,®..jaefl und preußische Anleihen, fremde Renten und Bankaktien J � Verluste, wie sie sonst nur in den kritischsten Zeiten zeichnen waren. Hierdurch wird jedenfalls der Beweis g«' daß die vielfach verbreitete Ansicht, die Krisis in Londo» New-Pork sei eine rein lokale, irrig ist. ffÄtMch Jsolirung war die Erschütterung zu groß, sie hat p auch bei uns zu Verkäufen solider Papiere,„um w machen", geführt. Es handelt sich jetzt nicht um"w# Verlegenheiten lokaler Natur, welche sonst wohl die Bo 1 folge von Ueberspekulationen auf eitrige Tage werden könne n. Die weiteren Bemerkungen sind ohne Interesse.„g Als Anhänger der kapitalistischen Gesellschaftvorv � glaubt der Verfasser an eine„wirkliche Gesundung",: es sich doch günstigsten Falls nur um"eine vorüberge? � Erholung handeln könnte, der bald ein um so gefahru-v Rückfall folgen müßte.,{0 Die Debatte über das Einkommenste««�-�� W preußischen Landtag ist noch nicht zu Ende gelangt- Sonnabend sprach der Abgeordnete Richter, utelast ,,d Regierungs-Gesetzentwurf mit gewohnter Schlagfertig� � Sachkenntniß so scharf und so gut kritisirte, als es � Standpunkt der fortschrittlichen Halbheit*"s"'oaln? „Ich bin in Kaltenbach gewesen," lautete die Antwort. In Hanna's Gesicht stieg eine dunkle Wolke der Scham und der Empörung auf, sie wußte, was ihn dorthin führte. Baron Waller aber lachte hell auf. „Meiner Seel, man sieht's ihm wohl an, daß er eine Landpartie gemacht hat." „Aber bei so ungünstiger Witterung!" riefen die Damen, „es regnet in Strömen." Das ist ihm Alles eins, haha," meckerte Waller,„er hat ein Faible für dieses Kaltenbach, und ob schön, ob Regen, er läßt sich von seinen Naturstudien nicht abhalten." „Vielleicht könnte man sie eher Gesellschaftsstudien nennen," entgegnete Oswaldt, von dem spöttischen Ton ge- reizt.„Es steht schliinm mit den Leuten ui Kaltenbach. In Victoria ist der Betrieb noch immer nicht aufgenommeil und diese andauernde Arbeitslosigkeit, die wahre Quelle des Elends, treibt diese armen Menschen zur Verzweiflung." Die Damen und Herren sahen sich betroffen an. Man befand sich doch in guter Gesellschaft, wie konnte man die Taktlosigkeit begehen, ein solches Thema hier anzuschlagen, und noch dazu in so brüsker Weise. Die Generalin hustete, um auf diese Unziemlichkeit auf- merksam zu machen. Hanna aber entgegnete erregt, wie es sonst gar nicht ihre Gewohnheit war: „Warum gehen die Leute nicht fort und suchen sich anderswo Arbeit und Brot? Diese Menschen sind nicht an Kaltenbach, nicht an Victoria gebunden, die ganze Welt steht ihnen offen, und da sie Nichts haben, sind sie auch nicht seßhaft, sie sind Vagabtluden von Beruf." Osivaldt wollte antworten, aber Field schnitt ihm das Wort ab. „Ich dächte, wir setzten diese Erörterungen nicht fort, sie scheinen mir weder interessant, noch passend." Aber wenn das Thema auch nicht salonfähig war, so es doch ein solches, das, einmal angeregt, nicht - �---' r c■ i-. i«--- war sofort fallen gelassen werden konnte. Auch die'schlafrigsieu Geister ivaren geiveckt, und Jeder schien erpicht, ein Wort, das ihm seit Langem auf der Zunge gelegen, bringen.„ r. Es war— sonderbar genug— als hätte m � gegen etwas zur Wehr zu setzen, sich gegen einen � zu vertheidigen, der doch noch gar nicht ausgeif worden war. Wie in einem allgemein eröffneten Schnellfeuer ten die Bemerkungen von allen Seiten durcheinande „Diese Arbeiterfreundlichkeit ist heutzutage eine krankheit geworden." „Alles kokettirt damit." ei"' „Aber nachgerade wird man doch ihre Lächerlich sehen." „Und ihre Gefährlichkeit.". „Jawohl, man möge sich nur hüten, diesen ,�!» Ideen in den Kopf zu setzen, die sich nicht vei'i„iji lassen, nie und nimmer, man möge da sagen, 111 wolle." rtipbj! „Gewiß, Arme hat es immer gegeben UM immer geben, so lange die Welt steht, daran läßt iw ändern." „Und wenn es jetzt mehr giebt als je, so ist das, '—*- i der WS, 1 p* ff" ßst-b 1 lich, es giebt überhaupt mehr Menschen auf der V, „Uebrigeus sind diese Menschen nicht so ungl"« man sich vielleicht einbildet.",,.,.che" „Durchaus nicht; sie sind in der Dürftigkell« und an das Elend gewöhnt." „Man darf an sie freilich nicht denselben Aia legen, wie an die gebildeten Klassen."_. J- „Das wäre auch lächerlich, bei einem©P11 oder einer Spinnerin." �' „Nun, die Spinnerinnen, meine Damen, flu ohne," scherzte Baron Waller.„ich 1 „Willst Du uns weiß machen, daS Geher". Nerven dieser Mädchen, wenn sie überhaupt wy � l> könnten so dem geringsten Reize zugänglich l61"' bei uns der Fall ist?" fragte Silvia. je'1' „Aber doch wenigstens gewissen Reizung�' Halbheit offenbarte sich recht deutlich in Vorschlag, die sogenannten Reformgesetze sollten su>em neu zu wählenden Landtag vorgelegt werden. �ohlgemerkt, einem auf Grund des„D r e i k l a s s e n- Wahlgesetzes" neu zu wählenden. Daß es vor allen �mgen noth thut, dieses„elendeste aller Wahlgesetze" zu Zeitigen— das ist ein Gedanke, der dem Führer der �»tschfreisinnigen Partei nicht kommen konnte.— Gerüchte von sehr bedeutenden Mehrfordrrungett k»r militärische ZmerUe, die an den Reichstag gelangen Men, durchschwirren die Luft. Solchen Gerüchten gegen- �er muß das englische Sprichwort: wo good to be true """ ä« 9 it t, um wahr zu sein, in sein Gegentheil umgekehrt Men: zu schlimm, um nicht wahr zu sein. Je WunMer, desto glaubwürdiger.— Die Betheiligung der Sozialdemokraten an den Stadt- vrrord»rt«n-Wahlr,t, welche unseren Feinden jetzt so arge ■sWlemmuiigen verursacht, ist keineswegs etwas Neues, wie !?an annehmen sollte, wenn man die gegnerischen Blätter ttnfm Gegner haben eben die 12 Jahre des Sozia- chtengesetzes in einem gesunden Rip van Winkle-Schlaf zu- gebracht, und während dieser Langschläferei auch das Bischen ergessen, was sie, in Bezug auf uns, vorher gewußt haben 77 bw Sozialdemokratie ist ihnen eine neue Entdeckung, se Sozialdemokratie datirt für sie erst vom 1. Oktober •eseä Jahres. Thatsache ist, daß unsere Partei schon zu Anfang_ der 70er Jahre überall da, wo Aussicht Erfolg war, namentlich in Sachsen und «L Schleswig-Holstein sich eifrigst an den �ememdewahlen betheiligte und auch zahlreiche Er- davon trug. Und das ist später nicht anders geworden. Nur, daß wir jetzt, dem Wachsthum der , entsprechend, mehr Kraft und mehr Stimmen in die �gschaale werfen können. Gbenso spaßhaft wie das Erstaunen unserer, den f i' v W aus den Augen reibenden Gegner, daß wir d a nnb ist die Angst unserer Gegner, und zwar sind �was ja auch sonst meistens der Fall— die größten Groß- : m i. ärgsten Hasenfüße. Wie viel hundertmal haben rhi+a? Leipziger Kartell-Bramarbasse die Sozialdemokratie Haut und Haaren ausgespeist und moralisch vernichtet jammert ihr Moniteur— das„Leipziger Tage- q««-- Es ist eine unbestrittene Thatsache, daß seit dem Moment, da die Einverleibung der Vororte beschlossene Sache, die Sozialdemokratie das Ziel verfolgt, ihren Sieg bei den städtischen Dahlen vorzubereiten, ihn zu erringen und in Leipzig eine Art «ommune ins Werk zu setzen. Daß ihr dies in einer kleinen fieihe von Jahren gelingen wird, ist ein einfaches Rechen- exempel. Um Bürger zu werden, muß man Sachse und 25 Jahre stin, muß, wie jetzt fast Jeder, 3 M. direkte Steuern be- Mien und entweder ansässig sein, oder 2 Jahre den wcsent- uihn Wohnsitz im Orte haben. Das sind im Wesentlichen die- o Bedingungen, die dazu gehören, um für die sächsischen wndtagswahlen Wähler zu sein. o. Rechnen wir nun, daß durch die Annexion der Vororte TsMzig mehr als noch einmal so viel, wie früher, Einwohner fryalt, daß aber von diesen hinzutretenden Einwohnern viel- «eicht An dreimal oder ein noch viel höherer Prozentsatz als m All.Leipzig Arbeiter sind, also leider solche Menschenkinder, me ohne zu überlegen, sich von den sozialdemokratischen Ver- jJftern unbedingt leiten, beziehentlich als Stimmvieh benutzen SnllV1'— rechnen wir weiter, daß seit Jahren in unzähligen di. o �lunge» in Leipzig und den Vororten die Agitatoren in ffPe nur dazu auffordern, sofort nach der Einverleibung e., Mä'g Bürger zu werden, und, wo die ausländische Psangehörigkeit im Wege steht, die sächsische Staats- , ugehörigkeit— fast kostenlos— zu erwerben,— sehen wir ITEW daß bei den Landtagswahlen im Osten Leipzigs trotz mit- mT?. der Bauerndörfer der sozialdemokratische Kandidat evel wiederholt gewählt wurde, und daß es im Westen jupzigs nur gelang, mit einer kleinen Mehrheit den früher chion gewählten Liebknecht einmal zu verdrängen,— rechnen Sai baß in Leipzig selbst früher Tausende, die am �„UsWau der Sozialdemokratie hängen, nicht aus Bürger- miv? v dachten und nun sicher Bürger werden, bedenken d»*,' baß im Wahlkreise Leipzig-Land die Zahl der sozial- .fanatischen Stimmen sich von 1887 bis 1890 um ßt.,. vermehrt hat, und daß heutzutage Jeder 3 M. euer bezahlt, so ist es außer allem Zweifel, daß binnen x"S6". Jahren die Mehrheit der Leipziger Bürger Sozial- x,'°kraten sind. Und da alle Bürger gleiches Wahlrecht den in"Ub Ungezählte Hunderte von kleinen Hausbesitzern in uiAt wrte>l zur Sozialdemokratie halten, so wird es auch M-n 1" Kandidaten für die Klasse der Ansässigen fehlen! bei/? bie Feinde der Ordnung in einigen Jahren die Mehr- habeit, dann ist nichts inehr zu ändern! _ ist es, Ihr Bürger Leipzigs, so ist es, Ihr Stadträthe �vhr einem zynischen Lachen Oswaldt � Nerven sind grob, das Muskeln indifatigable bem 1-; J~7jtzäb(id)," brachte Lord Edward heraus, der, nach- '3 Silvia eingemischt, auch etwas sagen wollte. ein C r Magen erst!" rief der Lemurenhafte.„O, so finde? Ä�biermagm ist ein Ding, das sich mit Allem ab- sei,,..' r»r mächt, bei Gott, mit Voltaire etwas von »llachruhm opfern für so eine Verdauung." (chsnfm �.es ist merkwürdig, diesen Leuten schadet nichts, (Seleai.f Uschis, ich habe bei meinen Dienstmädchen täglich jniheit, mich über ihre Zähigkeit zu verwundern," T i!. a»x."��sind eben andere Menschen, sie scheid,,� an> punktum," lautete gehören einer die allgemeine Ent- I? S' ?.bll diese Damen und Herren reckten sich empor, in �Wkotun," Gefühlj, die Repräsentanten einer höheren �'�Uversi"�" 9(vt sein, von der Natur selbst in nicht und seine #@##1 imfMm ewpox w- 9),"' im Jrrthum!" rief er, sein Gesicht hinjagten, .........■ während dunkle MMMÄZs * h�nreherhrürfi fn arbeiten doch die ihnen auch Geist � Maßlos darniederdrückt, so____ «tt,,' e,.selbst daran, ihnen das Leben zu '"Ud die Keime, die da verborgen schlummern, er- er- nnd Stadtverordneten! Und zu alledem kommt noch, daß die Männer der Ordnungsparteien, die Zu- friedenen und Gutgesinnten, zum großen T h e i l träge und bequem in Erfüllung ihrer öffent- ltchen Pflichten sind, während die Verführten und Unzufriedenen mit Fanatismus dem Rufe ihrer VerHetzer folgen! Wir halten es nicht für ein Unglück, wenn einige Sozial- demokraten in den Vertretungen der Bürgerschaft oder der Staaten sitzen, denn es giebt manchen faulen Fleck, den sie zur Sprache bringen und mancher Verbissene wird auch gescheid, wenn er sieht, daß es nicht mit dem Kopf durch die Wand geht. Aber die Mehrheit dürfen die Leute nicht bekommen, die kein Vaterland, keine Religion, keine Achtung vor der Autorität haben— die durch allgemein e Gleichmacherei das Höchste, was der Mensch kennt, was die Grundlage aller Entwickeluna, aller Kultur ist— das Streben des Menschen, das Emporarbeiten der individuellen Kraft vernichten wollen! Und will man solchen Sieg verhindern, da hilft kein Reiten auf liberalen Grundsätzen,— da hilft kein Ausruhen auf alten Siegen, sondern nur das nüchterne Erkennen dessen, was noth- wendig ist, den Jammer der Zukunft,— den Sieg der rohen Kraft, oder vielmehr den Triumph ehrgeiziger V o l k s v e r f u h r e r, die, wie Bebel, Liebknecht und Singer, nicht das Wohl der Masse, sondern sich als Herrscher sehen wollen, zu verhindern!" Und so weiter. Der Verfasser kann unter den Hasenfüßen noch als tapferer Mann gelten, denn er kann doch die Möglichkeit, daß ein paar Sozialdemokraten in den Leipziger Pfeffersack- Rath kommen, ohne hysterische Alteweiberkrämpfe ins Auge fassen, allein ein köstlicher Patron ist er doch und sein „also leider" ist geradezu klassisch. Diese unwillkür- lichen Geständnisse, die in den zwei zweisilbigen Worten enthalten sind. Die zur alten Wählerschaft Leipzigs neu hinzugetretenen Wähler sind größtentheils Arbeiter,„also" Sozialdemo- kraten— denn„solche Menschenkinder" mit dem obligaten Brimbirium sind doch einfach Sozialdemokraten— Sozialdemokraten saus phrase. Arbeiter,— also Sozialdemokraten. Wir nehmen Akt davon. Und leider sind die Arbeiter Menschenkinder, die nicht nach der Pfeife der Herren Pfeffersäcke tanzen, sondern selbstständig denken, und statt sich von ihren wirthschaft- lichen Todfeinden als„Stimmvieh" benutzen zu lassen, Front gegen sie machen— denn das ist der langen, konfusen Rede kurzer Sinn. Leider sind die Arbeiter denkende Wesen. « Leider haben sie jeder ein Hirn und ein Herz. Leider sind sie kein zufriedenes Stall- und Stimm- vieh der Leipziger und sonstigen„Pfeffersäcke", Schlot- junker u. s. w. Leider gehen die Arbeiter ihre eigenen Wege. Und leider wird die Mißwirthfchaft der Herren Bourgeois in Gemeinde, Staat und Gesellschaft nicht ewig dauern; und leider sind es die Arbeiter, welche dieser Miß- wirthschaft ein Ende zu machen berufen sind. In leibet! Wie unwahr die Behauptung unserer Franzosenfresfer war, die Franzofen versagten aus kleinlichem Chauvinis- mus dem deutschen Dr. Koch die verdiente Anerkennung, wird durch nachstehendes Telegramm klar gemacht: Paris, 22. Nov., Abbe. Unter Betheiligung s ä m m t- licher medizinischer Autoritäten von Paris fand heute Abend eine Versammlung im Redaktionslokale des „Figaro" statt, vor welcher Dr. Hacks über die Entdeckung Koch's referirte. Wiederholter Beifall wurde während des Vortrages laut. Das Endurtheil der Versamm- lung fiel dahin aus, daß diese Entdeckung eine der größ- ten sei, die zum Wohle derMenschheit gemacht worden, und daß Koch ewiger Ruhm gebühre. Nur Dr. Declat sprach die von der Versammlung zurückgewiesene Behauptung aus, daß die Koch'sche Entdeckung bereits vor 18 Jahren in Frankreich gemacht worden sei. Das Ergebniß der Sitzung war ein großartiger Triumph Koch'». Der König von Holland ist gestern gestorben. Auf dem Throne von Holland sitzt jetzt— wenigstens figürlich — das minderjährige Töchterchen des Verstorbenen, wäh- rend Luxemburg, das nur durch Personalunion mit Holland vereinigt war, den Ex-Herzog von Nassau nun zum regierenden Herzog erhält. Von irgend welchem politischen Belang sind diese Veränderungen nicht. Das proportionai-Wahtsystem hat in Basel, wo gestern eine Volksabstimmung stattfand, noch keine Mehrheit erlangt, jedoch eine sehr starke Minderheit. Dagegen waren halten Luft und Licht und entfalten sich ihnen und Anderen zur Freude. Ich habe eine solche Wandlung sie miterlebt, vollzieht sich schnell, es ist wie ein Wunder. Freilich, Sie ivissen nichts davon, aber gerade in diesen unteren Klassen ruht eine Kraft und Ursprünglichkeit, die noch ungebrochen und unverbraucht ist, oer die Unnatur fremd ist und die Heuchelei, in welche heute alle Bildung sich einzwängt. Die sind noch wahr und echt. Und während ihre Sinne noch bie Schärfe der Naturmenschen besitzen, haben Herz und Gemüth doch bereits den Geist des Jahrhunderts, den Geist der Hnmanität in sich aufgenommen; die Scham, die Groß- muth, die Güte, o, eine nie sich verleugnende Güte! Und so entwickelt sich hier etwas so Selbstständiges und Originelles, das die Menschheit aufs neue befruchtet, und das für den Künstler von besonderer und höchster Bedeutung wird, da hier jene Flamme emporlodert, an der sich seine Begeisterung neu entzündet." Oswaldt war in eine feurige Beredtsamkeit verfallen, die ihm sonst fremd war, jetzt schwieg er plötzlich, als er die Betroffenheit seiner Zuhörer und ihre fast erschreckten Ge- sichter gewahr wurde. Ah, er mochte sie wohl empfindlich verletzt haben, er wußte in feiner Naivetät kaum, wie sehr, aber was lag ihm daran! Für einen Augenblick war Todteustille eingetreten, dann wurden, wie auf ein gegebenes Zeichen, alle Stühle gertickt. Alles erhob sich, Hochmuth und verbissenen Grimm in den Zügen. � Es sei spät geworden, hieß es, und unerträglich schwül. Man machte seine Verbeugungen und ging. Hier und da sielen Worte wie: Ungezogenheit, un- fertiger Mensch, während die Generali» unter dem lauten Protest hinausrauschte, daß ihr eine solche Unziemlichkeit noch nie in ihrem Lebe» vorgekommen sei. (Fortsetzung folgt.) die Sozialdemokraten in Zürich bei der Wahl zum Nationalrath glücklich. Ein Telegramm besagt darüber:! Bern, Sonntag, 23. November. In Basel Stadt wurde in heutiger Volksabstimmung die Einführung des proportionalen Wahlverfahrens für die Wählen in den großen Rath mit 3955 Nein gegen 2685 Ja abgelehnt. Zum Mitgliede des Stände- raths wurde trotz großer Anstrengungen der Konservativen das bisherige Mitglied Goettisheim(freisinnig) mit 4246 Stimmen gewählt; der konservative Kandidat erhielt nur 2242 Stimme». Im Wahlkreise Zürich Stadt wurde bei der Heuligen Stich- wähl zum Nationalrath Vogelsanger(Sozialdemokrat), der Redakteur d c s G r ü t l i a n e r, mit 11952 Stimmen gewählt, der Gegenkandidat Frey (freisinnig), Vize-Direktor der Renten- Anstalt, erhielt 9956 Stimmen. Die Wahl Vogelfängers ist der einzige Er- folg der Sozialdemokraten bei den diesjährigen Nationalraths- wählen. Nun, das nächste Mal gehts besser. Das spitze Ende des Keils steckt in dem Baumstamm. Die itaUrnische» Mahlen» die am gestrigen Tag vor- genommen wurden und von denen man allgemein eine Majorität für die jetzige Regierung erivartete, sind thatsäch- lich nichts weiter als eine politische Komödie. Nur ein winziger Theil der Bevölkerung— höchstens ein Siebentel derer, die bei allgemeinem Wahlrecht, selbst mit deutschem Alterszensus stimmberechtigt wären— hat in dem„freien" Musterkönigreich Italien das Stimmrecht— und zwar enthält dieses bevorrechtete Siebentel sämmtliche reaktionäre Elemente des Landes. Fast die ganze Arbeiter- klaffe und der größte Theil des Bauern- und Kleinbürger- stanoes ist ausgeschlossen. Daß das Produkt einer solchen Minoritätswahl nicht als Ausdruck der Wünsche und Be- strebungen des italienischen Volkes gelten kann, das liegt auf der Hand. Und wenn Herr Crispi auch wirklich eine entschiedene Majorität erlangt hätte, so würde eS gar nichts bedeuten. Die„Zufriedenen" des Herrn Crispi sind geradesoviel werth, wie weiland die „Zufriedenen"(satiafaits) des berüchtigten Demagogen und „Bürgerkönigs" Louis Philipp.— Ueber das Ergebniß der Wahlen sind bis Redaktions- schluß folgende Depeschen eingelaufen: Rom, 24. November, Morgens 3 Uhr 30 Min. Von den gestrigen allgemeinen Wahlen zur Deputirten- kammer sind bisher 96 Resultate bekannt, davon entfallen 73 auf Ministerielle, 4 auf Oppositionelle, 11 auf Radikale, 3 auf Sozialisten. Crispi wurde dreimal gewählt, außerdem befinden sich unter den Gewählten der Justizminister, der Ackerbauminister und der Nnterstaatssekretär des Auswärtigen. Garibaldi wurde dreimal, der Sozialist Costa zweimal� gewählt. In Mailand verloren die Radikalen zwei Sitze, an Stelle derselben wurde ein Ministerieller und ein Kandidat der gemäßigten Opposition gewählt. Rom, 24. November, Morgens 4 Uhr. Bisher sind 161 Wahlresultate bekannt, davon entfallen 137 auf Ministerielle, 8 auf Kandidaten der Opposition der Linken, 4 aus Kandidaten der Opposition der Rechten, 13 auf Radikale, 3 auf Sozialfften und einer von unbestimmter Parteistellung. Die Radikalen ver- loren in Rovigo alle 4 Sitze. Unter den Gewählten befinden sich Bonghi und Luzzatti. Rom, 24. November, 7 Uhr 80 Min. Vorm. Von den vorzunehmenden 503 Neuwahlen sind bis jetzt 229 bekannt; davon entfallen 181 auf Ministerielle, 12 auf Kandidaten der Opposition der Linke», 5 auf Kandidaten der Opposition der Rechten, 25 auf Radikale, 3 aus Sozialisten und 3 auf Kandidaten von unbestimmter Parteistelluna. Unter den Ge- ivählten befinden sich Biancheri, Nicoters, Mordini, Grimaldi, Bovio, Cavallotti, Jnibrianl, Branca und Fortis. Rom, 24. November, Vormittags 10 Uhr 65 Minuten. Bisher sind 263 Wahlresultate bekannt, davon entfallen 206 auf Ministerielle, 18 auf Kandidaten der Opposition der Linken, 5 auf Kandidaten der Opposition der Rechten, 27 auf Radikale, 3 auf Sozialisten, 4 auf Kandidaten von unbestimmter Partei- stellung. Der Ministerpräsident Crispi wurde viermal ge- ivählt; unter den Gewählten befinden sich ferner der Minister der Posten und Telegraphen Lacava sowie der Uuterstaats- sekretär im Ministerium der öffentlichen Arbeiten di Blasio. Herr Crispi scheint hiernach einen„Sieg" erfochten zu haben ähnlich wie Bismarck, sein Vorbild, am 21. Februar 1887 einen erfocht. Er hat auch ungefähr mit den- selben Mitteln gearbeitet. Solche Siege bereiten die end- giltige Niederlage vor. ** Ueueste Zlachrichken. Nach einem Telegramm ans London soll die Bankakte abgeändert werden. Drastischer kann die Stärke d e r.K r i s i s nicht demonstrirt werden. In Paris hat der Exminister Ferry eine Rede ge- halten, in welcher er die Entwickelung der Volksschule als Mittel zur Lösung der sozialen Frage empfiehlt.„Der Tonkinese", ist ein abgethaner Mann— weshalb verschont der Telegraph uns nicht mit Ferry'schem Blech? Ueber den großen austratifche» Streik, der inzwischen beendigt worden ist, wird uns von einem Genossen aus Melbourne den 8. Oktober d. I. geschrieben: Die Marine- Offiziere waren schon drei Monate vor Anfang der Arbeitseinstellung verschiedene Male bei den Schiffsrhedern ivegen Gehaltserhöhung und Reduzirung der Arbeitszeit vorstellig geworden, wurden jedoch stets unter nichtssagenden Vorwänden abschläglich beschieden, obschon die Schiffsrheder anerkannten, daß die Steuerleute im Ver- hältniß zu ihrer Verantwortlichkeit und Dienstzeit nicht genügend bezahlt würden. Die Schiffsrheder schoben dieses Mißverhältniß einfach der scharfen Konkurrenz in die Schuhe, bcläufig bemerkt war diese Wettkonkurrenz ihr eigenes Mach- werk: einige große Schiffsfirmen beabsichtigten, ein Monopol zu errichten, durch welches die Schwächeren vernichtet werden sollten, und die jetzige Kalamität ist als das Resultat davon anzusehen. Die Steuerleute in ihrer Bedrängniß wandten sich behufs Unterstützung an den Tradeshall-Connil, welcher gemäß der Statuten sie aufnehmen mußte. Es wurden be- treffs einer Vereinbarung Verhandlungen mit den Schiffs- rhedern aufgenommen, doch ohne Erfolg. Nach allem, was bis jetzt ans Tageslicht gedrungen ist, war der Streik schon lange geplant von Seiten der Arbeitgeber, denen die Trades- Unions ein Dorn im Auge und ein Hinderniß ihrer Ausdeutelust waren. Im Anfangsstadium des Streiks ivarf sich bie gesammte Presse mit einem wahren Feuereifer auf die Seite der Arbeitgeber. Alles schrie nach foreign labour (fremde Arbeit). Die Arbeitgeber, groß und klein, wurden zusammengetrommelt zur Forinirung einer starken Union. die dem Undrange bei Trades-Uuions gewachsen wäre. Die Bereinigung ist ihnen gelungen, aber von dem, was sie zu erreichen suchen, bewirken sie das Gegentheil. Jetzt kommt noch die Sozialdemokratie(das rothc Gespenst) in den Vordergrund und anstatt daß die Arbeitervereine erdrückt iverden, bilden sich täglich neue. Die Trades-Unions haben in diesem Kampfe viel gelernt und ist noch gar nicht abzusehen, welch große Reformen vorgenommen werden, wenn der Streik vorüber ist. Bis jetzt hatten die Arbeiter noch keine eigene Presse, ihre einzige Verthcidigungswaffe waren die öffentlichen Versammlungen, doch haben die Trades-Unions so viel eingesehen, daß zur Aufklärung der Massen mehr gehört, als zeitweilige Zu- sammenkünfte und steht zu erwarten, daß binnen kurzem die Arbeiterschaft Australiens ein eigenes Organ schafft, wo die Fragen der politischen Oekonomie diskutirt werden, und dann gute Nacht, ihr Herren Ausbeuter! Daß die Trades- llnions bisher nur einseitig gehandhabt wurden, muß einem Jeden Unbefangenen einleuchten, daher auch so- viel black labour(Arbeit von(Eingeborenen.) Die Regierung als eine Stütze der Kapitalisten hat alles disponible Militär und eine ganze Horde extra auge- worbener Konstabler aufgeboten, um Ruhe und Ordnung aufrecht zu erhalten d. h, blacklegs bei ihrer Arbeit zu be- schützen, nebenbei hätten sie gern eine kleine Revolte in Szene gesetzt; doch hat noch kein Gimpel anbeißen wollen. Eine Ausnahme hiervon macht Südaustralien. Einer Deputation, bestehend aus den Hauptmatadoren der Arbeiter- pascha's, welche der Regierung den Antrag stellten, ebenfalls durch Militär Ruhe und Ordnung ausrecht zu erhalten, wurde es vom Premierminister Playford rundweg abgeschlagen mit der Weisung, er wolle keine riots(Ausruhr) provoziren. So zogen die Herren mit langer Nase und schiefem Gesicht davon. Darüber großes Geschrei im Lager der Geldprotzen. Auf die wiederholten Versuche seitens der Trades-Unions, den Streik zu einem ehrenhasten und friedlichen Abschluß zu bringen, haben die Arbeitgeber mit einem Manifest ge- antwortet, welches in folgenden Forderungen gipfelt: I. Freie Vereinbarung zwischen Arbeitgeber und Arbeitnehmer. II. Gänzliche Aufhebung des Boykotts.(Es meint dieses nicht anders als Sprengung der Unions. Vgl. Hamburg.) Diese Forderungen sind, wie sich herausstellt, vielen Arbeit- gebern zu weitgehend, die Letzteren geben zu, daß die Trades- Unions in der Entwickelung Australiens stets von wohl- thätigstem Einfluß und eine Barrikade gegen die Spekulations- wuth der Großkapitalisten gewesen sind. Die cinsichts- volleren Arbeitgeber geben ihre Sympathie dadurch zu er- kennen, daß sie unter Verschweigung ihres Namens erhebliche Beiträge zur Unterstützung der Streikenden einsenden, auch die öffentliche Meinung neigt sich mehr und mehr auf die Seite der kämpfenden Arbeiter und so wird wohl die Absicht der Schiffsrheder, die Streikenden zum Nachgeben zu zwingen, ein frommer Wunsch bleiben. Die Trades-Unions sind außerdem entschlossen, keinen Schritt zurück zu weichen, sondern im Gegentheil die Errungen- schaften nach Möglichkeit zu erweitern. Ein Beweis, mit welch' teuflischer Absicht die Regiernng sich getragen, geht aus der Proklamation eines Obersten(sein Name ist Price) hervor, bw er bei Gelegenheit eines Demonstrations-Meeting am 7. September in Flmderspark an seine Soldaten richtete. Jedem derselben wurden 40 scharfe Patronen anvertraut mit der Weisung: im Falle einer Störung sollten sie niedrig schießen und die rioters(Empörer) zu Falle bringen, gleichviel ob Vater oder Bruder, ob Mutter oder Schwester. Er erwarte von jedem Soldaten, daß er ohne Zaudern voll und ganz seine Pflicht thun werde. Diese Zumurhung ivar den Sol- baten denn doch zu viel. Dieselben äußerten ganz offen gegen ihre Verwandten, daß im Falle eines Scharmützels der Oberst Price das erste Opfer gewesen wäre; doch wurde der teuflische Plan der Regierung durch die musterhafte Haltung des Meetings(Versammlung) vereitelt. Neben- bei bemerkt, hat dieses Vorgehen der Regierung einen Sturm von Entrüstung durch ganz Australien hervorgerufen, welcher nicht so leicht aus dem Gedächtniß verschwinden wird. Sonntag, den 28. September, tagte trotz heftiger Regen- schauer"ein zweites, stark besuchtes Demonstrations-Meeting ebenfalls in Flmderspark, wo Resolutionen gefaßt wurden in Bezug auf vorerwähnte Affaire. Die Regierung wurde er- sucht, das buman monster(menschliches Ungeheuer) den Oberst Price sofort aus dem Dienst zu entlajsen. Ein solcher Mann in dieser Stellung sei ein Schandfleck für Australien. Ein Redner ging so weit, daß er die freiwillige Bürger- wehr aufforderte, keine Waffe mehr zu tragen, bis die Regierung dem Verlangen des Volkes nach- gekommen wäre. Einen Beweis, daß auch in den höheren Kreisen Leute vorhanden sind, die sich für die Sache der Arbeiter interessiren, giebt eine Adresse des Chief Justice (Oberrichter), Higinbotham an das Streikkomitee, in welcher genannter Herr seine volle Sympathie für das besonnene Vorgehen der Arbeiter ausdrückt und außerdem dem Streik- sonds einen Wechsel von 50 Lstr. überweist und einen wöchentlichen Beitrag von 10 Lstr., so lange der Streik dauert. Die deutschen Richter könnten sich hieran ein Beispiel nehmen. Die Zahl der Streikenden beläuft sich ungefähr(in sänimtlichcn Kolonien) auf 60— 70 000 und sind folgende Gewerke vertreten: Die Seeleute, Hafenarbeiter, die Kohlen- Bergleute in N. S. W.(Newcastle), die Gasarbeiter und die Schaffcheerer. Die Letzteren beziffern sich allein auf 30 000. Die Opfer, die es kostet, sind allerdings enorm und haben die Trades-Unions in einer Konferenz beschlossen, pro Mitglied einen wöchentlichen Beitrag von einem Tagelohn an den Streikfonds zu entrichten. Der Beschluß hat all- seitige Aufnahme gefunden. Außerdem werden noch durch öffentliche Versammlungen, sowie durch Kon- zerte, Theatervorstellungen u. s. w. erhebliche Summen zu Gunsten der Streikenden aufgebracht; Sänger, und Schauspieler, Musiker und Akrobaten erscheinen auf der Bilofläche, um die Arrangements freiwillig zu unter- stützen; aus dem Allen geht hervor, daß der Arbeiter noch keine Ursache hat, an seiner gerechten Sache zu verzweifeln, obschon der Tyrann Geldsack ihm den Untergang geschworen. ~>err H. Champion, der frühere Redakteur vom„Labour lector", bekannt als hervorragender Organisator aus dem Londoner Dockerstreik, hat seit einiger Zeit seinen Wohnsitz in Melbourne genommen. Die Arbeiter hatten bei seiner Ankunft große Hoffnungen aus ihn gefetzt und er schien dieselben rechtfertigen zu wollen. In seiner ersten Rede(gehalten in der Trades-Hall gelegentlich einer Komiteesitzung) sprach Herr Champion sich offen und frei aus, daß er Sozialist und An- Hänger der Karl Marx'schen Schule fei. Weiter legte er den Leitern der Trades-Unions ans Herz, sich der Theorien der politischen Oekonomie zu bedienen, dieselben nmrtf ihnen den Weg zeigen, ebenso wie die Astronomie im der Schifffahrt. Das Hauptgewicht sei auf die Erzieh»� und Belehrung der Arbeiter zu legen. Nur dann sei der endgiltige Sieg sicher. Der Vortrag ließ nichts Z? wünschen übrig und wurde mit enthusiastischem Beifall# genommen. Bei seinem späteren Vorgehen erkennt man Herr» Champion fast nicht wieder und es wird zweifelhast, ob er Sozialist oder Kapitalist. Betreffs des Streiks hat er Bor- schlüge gemacht, die wohl den Beifall der Kapitalisten ge' runden haben, aber auf direkte Opposition seitens der»r- beiter gestoßen sind. Alles in Allem hat Herr Champro» bei den bisherigen Streikverhandlungen mehr geschadet wie genützt; es wäre besser geivesen, wenn er sich neutral verhalten hätte. Der Satz, der im„Sozialdemokrat so oft geltend gemacht wurde:„daß, wenn uns die Kapita- listen loben, wir einen Fehltritt gethan haben muffen, und wenn sie schimpfen und toben, wir aus dem rechten Weg sind," kann man auch hrer unterschreiben. Wie auch immer der Streik ausfallen wag, dem Arbeiter niuß der Vortheil zufallen; ein besseres Agn tationsmittel für unsere Sache kann man sich nicht wünschen. was durch Jahre lange mühsame Agitation nicht errungen wurde, geschieht hier in einigen Monaten. Die ganze Ar- beiterwelt Australiens wird aus dem Schlaf gerüttelt durch Nacht zum Licht. Zu unserer Notiz, die wir am 15. November dariiber sten, daß von den Post- und Steuerbehörden das s»' zialistengesetz als noch in Wirksamkeit stehend betracht« werde, wird uns von zuständiger Seite mitgetheilt, daß vo» Seiten der leitenden Stelle in der Postverwaltung den sämmtlichen Geschäftsstellen bereits gegen Ende des Sep- tember mitgetheilt wurde, daß alle Bestimmungen, die auf das Sozialistengesetz Bezug haben, mit Erlöschen dieses unsere setzes außer Kraft treten. In Bezug auf die Steuerbehörden halten wir Mittheilungen um so mehr aufrecht, als die Wirkung de» behördlichen Maßnahmen ja thatsächlich dieselben waren, sie nun von der Post- oder Steuerbehörde ausgingen.. Warnung! Ein Herr Laibach, sucht unter allerlei Albert Kordesch, Vorspiegelungen rsfi-l genossen Unterstützung zu erlangen. Derselbe beruft sich J»»» auf Bebel. Wir warnen vor dem Herrn, da derselbe sich Schwindler entpuppte. _ Drnchfehler-Kerichtigung. In den zweiten Artikel unstff! Sountagsnummer haben sich leider zwei recht häßliche DruckfeM eingeschllchen, die aber sicherlich von den meisten unserer W, sofort bemerkt und verbessert worden sind. Der Titel lauten:„D e r Arbeiterschutz i n d e r R e i ch s t a g s- K o m' m l s s, o«", und im 4. Absatz der 2. Spalte des Artikels W es nicht: von der Nnsittlichkeit des Vertragsbruchs r e k l a in i r t sondern:„d e k l cun i r t". Zur Erklärung und Entschuldigung sei bemerkt, daß der betr. Artikel erst in letzter Minute kam u»' statt eines anderen eingeschoben wurde. Theater. Dienstag, den 25. N o v b r. Gpernhan». Das Nachtlager von Granada. Schaujpielhan». Der Marquis von Robillard. Kesstng-Theater. Sodoms Ende. Jerliner Theater. Kean. entsche» Theater. Das verlorene Paradies. Friedrich-Milhetuestädt. Theater. Königsgardist. Sonne und Erde. WaUner-Theater. In Hemdsärmeln. Penston Schöller. Kestdens-Theater. Der Kampf ums Dasein. UiKtaria- Theater. Geschlossen. KeUealliance- Theater. Mamsell Nitouche. Ostend-Theater. Emin Pascha. Thomas- Theater. Der Soldaten- freund. Adolph Ernst- Theater. Unsere Don Juans. Hiir�erliche» Schauspielhan». Der Kaufmann'« Uariötö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Reichshallen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Eoncordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gedr. Richter s Uaristö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andness, Alexanderstraße 27c. Franka Scholz, Kostüm-Soubrette. Geachw. Wildenfels, Gesangs- Duettisten. Richard Gersdorf, Sächsischer GesangL-Hninorist. Adolf Gödicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charalter-Komiker. Truppe Blumenfeld, Parterre- Gymnastiker, Ballet und Tanzseil- künstler. Anfang Wochentags 8 Uhr. SonntagS SVe Uhr. Entree Wochentags n. Sonntags 80 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf _ 20 und 30 Pf._ EtMsMIlt Buggenhagen am Moritzplatz. Täglich:_ MK* Grosses Concert.*KKI Direktion A. Rödman». Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Eilh-PP Wochentags 10 Pfg., Uli 11 cc sonn- und Festtags 25 Pfg. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ansschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641 F. Müller. Circus Renz. Karlstraße. Dienstag, den 25. November er., Abends 7 Uhr: Deutsche Turner. Große nationale Original-Pantomime.c. Außerdem wird besonders heroorge- hoben: Wiener Gigerl-Quadrille, ger. v. IG Damen. 6 irländische Jagdpferde (Non plus ultra d. Pferdedreffur) zusammen dress. und vorgef. v. Herrn Franz Renz. Galgenstrick, ger. v. Frl. Clotilde Hager. Der phänomenale Reitkünstler Mr. I. F. Clarke. Johan- niter, geritten v. Herrn Gaberel. Mr. Bnrnell Fillis, Voltigeur a. la Richard. Auftreten der Reitkünstlerinnen Frl. Lillie Meers und Gierach, der Equi- libristinnen Fräul. Elisa und Frida. Komische Entrees und Intermezzos v. sämmtlichen Clowns. Morgen: Große Vorstellung.' E. Renz, Direktor. sivatnieilHeVierhilllen V" Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Ouartelt-Säugeru. ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 PI. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gniigungen und Versammlungen. 708 F. Sodtke. Passage-Panopticum. Unter den Linden 22/23.(742 LewsgrÄ Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Heute Abend 7V: Uhr: Gr. Kala-«. Feß-Vorßellmtg znr Feier des 50jähr. Künstlerjubilänms des Direktors G. Schumann. Besonders hervorgehoben wird, daß in dieser Fest-Vorstell. Mg- 85"WS Pferde mitwirken, sowie sämmtliche neuengagirten Kunstkräfte auftreten werden. Unter anderen: Mr. Watson, Mr. Meers, sowie Miß Meers, Klown Joe, der Drathseilkünstler Mr. Längs- low und Miß Clemens, des vorzügl. Jockey-Reiter Mr. Loyal, sowie Spe- zialitäten-Familie Leon k. Ferner die Reitkünstlerinnen Miß Edith Adam, Nelson, Vinella und Leon. Original- Klown Durow.„Fidibus", asiat. Race, als Springpferd, dreff. und vorgef. v. Direktor. Elagen-Karonssel m. 25 Vollblutpferden. Schul-Quadrille geritten vom Direktor mit seinen Kindern. Aufforderung zum Tanz, gr. Ballet von 20 Damen. Z. Schluß d. Vorstellung: Die Jagd bei Bolton. Interessantes Jagdbild, geritten von Damen und Herren der Gesellschaft. Balleteinlage: Der Jägertanz. Morgen: Große Vorstellung. Castan's Panopticam. Entree 50 Pfg., Kinder 35 Pfg. |V. 9 Uhr Morgens, bis 10 Uhr Abends. Panoramen. Dioramen. Ethnographische Sammlungen. Italienische Polllssiinger. Entree 50 Pf. Geöffnet von 10 bis 0 Uhr. unter Garantie kostet bei mir 1,50 Mk. Kleine Reparaturen entsprechend billiger. Uhren, Gold- u. Silberwaaren C. Wunsch,„*rSÄ Vorstellung 'Vorm. UVa u. 12V2 Uhr. rNnchm. o.4V2-9V2Ubrj stiindl. eine Vorstellung ra-Entree 30 Pfg.I Kinder frei. Große öffentl. Volksversammlung sür iien ReilhStllgs-Wchlkreis am Mittwoch, de» 36. Roormber, Abend» 8'/% Phr,, im Lokale des Herrn Niesegk, Kergstrahe ISO in Rizdorf- Tages-Ordnung: 1. Stellungnahme zum Parteitag in Potsdam. 2. Diskussion. 8. der Delegirten. 4. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Sozialdemokratische Versammlung des WHiereins hes l Berliner Reichstags-Wahlkreis am Dienstag, den Ä5. Uovember, Abends 8 Uhr, in Keller'» Hofia« Hasenhaide, Bergmannstr. 51. Tages- Ordnung: 1. Vortrag des Stadtverordneten Thema:„Die Schule gegen die Sozialdemokratie." 2. nähme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes.__ � VogthA Diskussion. 3- rjli Gäste haben Zutritt. Um recht regen Besuch bittet Der Jede Uhr zu repariren (außer Bruch) Spiegel nnd| �.Polster waaren.J eigener Gr. Lager, bill. Preises Fabrik. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hof parterre. Theilzahlnng nach Uebereininnft. Lohn'sHosenfabrik� Paliisaden-Strasse 7, arbeitet aus Resten einzelne Hose» von[ 1 M. an, Jaquets 1,50 M., Paletots| 3 M., Herren-Hosen von 1,50 M an SonntagS bis 8 Uhr Abends geöffnet! Freie Vereinigung der Maurer Berlins und cUmgegend- Donnerstag, den 27. November, Abends 8 Uhr' WM" Versammlung in Orschel's Salon, Sebastianstr. 39. Tages-Ordnung:„„lide� 1. Vortrag über die Ausführungsbestimmnngen der Alters- und Jnt�V. Versicherung. 2. Diskussion. 3. Berathung eines Rechtsschutz- Regien 4. Verschiedenes und Fragekasten._ Vmr Mitglieder werden aufgenommen. � Die Mitglieder werden gebeten, auf den Bauten bekannt zu machen,. ein jeder Kollege zu dieser Versammlung Zutritt hat. Durch die mW � Arbeitsverhältnisse, welche in unserem Gewerbe herrschen, könnten Kollegen nach in Krafttreten der Alters- und Invalidenversicherung� gebung leicht den Magen verderbe», wenn sie nicht mit den Auss»? bestimmungen dieser sozialen Gesetzgebung vertraut gemacht werden. Jv>" ist also dringend nothwendig. ggt» NB. Sämmtliche Kollegen, welche noch Billets vom letzten Verg abzurechnen haben, bitten wir in der Versammlung erscheinen zn wollen. 763____ Der Dorstaud-— x" Große öffentliche Versammlung aller in der Wirkerbraiilhe beschastigtell Arbeiter miii ArbelterinB NM Dienstag, den Ä5. Uovember. Abends 812 Uhr, Saeger's Lokal, Grüner Weg 29. in 786 ------- Ree Cinberufee�-- Große öffentliche Versammlung der HerUner Glaser geselle am Dienstag, de>�S5. d. Wt«., Abends 8>/s|lh«%. Zur Deckung der Kosten findet Tellersammlung statt.— Um reichen Besuch bittet Der Einberufer W. Hünecke, Blächerstr. 32, Hol � Verantwortlicher Redakteur:(Gnrt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von War Sading in Berlin S\V„ Beuthstraße 2, Hier«n zmei t* 1. Beilage zum Berliuer BsMblatt. Nr. 2 Dirnstag. de» 35. Zlovrinber 1890. 7. Jahrg. Vsrlknneitksberickrke. Avgcordnetrnhaus. 6. Sitzung vom 24. November, 11 Uhr. 3lm Ministertische: M i q u e l und Kommissarien. erste Verathung des Einkommen st euer-Gesetzes fortgesetzt. »i�ba. v. Eynrrn(natl.): Die nationalliberale Partei hat fini.s""f Herr Richter ihr unterstellt, die Absicht, daß dieses aufgelöst werden soll; denn welcher Bortheil könnte daraus toith j J Wenn mit diesem Hause keine Reform durchgesetzt ' �>rd sie mit einem anderen Hause erst recht nicht zu Stande üßAaTj t>enn die Strömung würde bei einer Auflösung doch fotm"och links gehen. Was Hern Richter eigentlich wolle, iitia„niQtn- aus seinen Reden niemals sehen, da er immer nur ick-"orbringt, was er nicht will. Von dem Finanzminister weiß ?,"?rr, was er will, und deshalb folge ich ihm auch gern. �olte mir die Ausgestaltung unserer direkten Steuern etwas und\ gedacht, namentlich durch Zlnsgestaltung der Gewerbesteuer dcfA.v1 Erbschaftssteuer, wie dies in Frankreich und England !''• Ich habe schwere Bedenken gegen die Deklaration des euso wie die Regierungen sich früher in den Motiven Hab»» Einkommensteuer-Gesetzes dagegen ausgesprochen sind». 3. ba die Deklaration die Zustimmung des Hauses Kräke! durste, so halte ich es für meine Aufgabe, nach besten tan» x.daran mitzuarbeiten. Das Großkapital, die Industrie aut» re j Einkommen genau feststellen, denn es verfügt über eine km».». d�ch™"g- Belastet wird die geistige Arbeit, deren Ein- wird x" tetzt starker getroffen werden soll. Die Landwirthschaft tteber(vx° Deklaration gar nicht leisten können. Trotz des großen in 0,'7u"cS hat der Finanzminister die Finanzlage etwas grau hödun. gowalt, was ich nicht für zutreffend halte. Eine Er- naniJtr i*1 Beuern wird dadurch nicht nothwendig gemacht, eiuerv•. ,uenn man bedenkt, daß unsere Steuererlasse auch zu Ware,. Le�acht worden sind, wo die Ucberschüsse nicht so groß send»-'»- v holder ans der lex Huene sind nicht verschwendet, baute»"f meisten Kreisen gut verwendet worden für Ehauffce- stin'• m. wenn auch in einzelnen Kreisen Thorheiten begangen %Btlnn®'e Vorlage, die uns heute vorliegt, ist viel besser als die steu 9° 1883; namentlich ist zu loben, daß die Kapitalrenten- Heuer"orschwunden ist. Ich bin kein Gegner der Kapitalrenten- fasle» T HfH' e>ber sie muß das Kapitaleinkommen an der Quelle bej hL a ten Zinsscheinen und Dividenden der Staatspapierc, Herr?» cH�botheken u. s. w. Die Steuerbefreiungen der Standes- lojiorLrl- Gewohnheitsrechte geworden, deshalb müssen sie im iusüb». �on Interesse abgelöst werden. Für die neu ein- «, f!! v Steuerfreiheit der Häuser Hannover, Hessen, Nassau Wborh Hobe ich keinen genügenden Grund gefunden; sie darf eingeführt werden im Interesse der sozialen Ge- 9leit. Bedenklich ist, daß auch solche Eiukommenstheile zur beslei-ü herangezogen werden sollen, welche zur Ver- Mlet 9 hes Vermögens dienen. Wer wird dann Land- °st n. riren oder neue Maschinen anschaffen, wenn er für verwendeten Summen Steuer bezahlen muß? Die weich Gesellschaften stellen dar eine Verbindung kleiner Kapitalisten, ,1*%%,,'"h, nur in dieser Form an der Großindustrie ktzn» �en können. Weshalb solle» diese kleinen Kapitalien mehr Niti°»..!°hlen als die Großkapitalisten? Weshalb sollen die � Diskonto- Gesellschaft mehr zahlen als die Häuser st de» � oder Bleichröder? Ein Fehler ist, daß die Einschätzungen die Arx?"d des Laudraths bleiben sollen. Die Landräthe können �stin».'venigstens in den industriellen Kreisen, nicht mehr be- die kfUX man müßte ihnen also besondere Steuerassessoren an tili xp«nr)Wleu, da ist es gleich besser, einen besonderen Beamten dst ji-I Arbeit zu betrauen. Auch das Berfahren der Einschätzung, In bjgj' n)le dem Einkommen nachgeforscht werden kann, ist nicht (£Q?efn> dadurch wird sehr viel böses Blut gemacht werden. slhrl>,.,,steu, auf welches verwiesen ist, bestehen so strenge Vor- �stdn»». ouch gar nicht. Der Steuergerichtshof ist ein glücklicher ' Die Erbschaftssteuer habeich früher selbst vorgeschlagen, % oia e0 Ertragsteuer. Die Regierung betrachtet sie aber letzt 'du.biontrolsteuer; als solche halte ich sie für überflüssig. sste fnr*"IS wenig wie in Sachsen brauchen wir in Preußen ßdit».�e Kontrole der Selbsteinschätzuug. Wenn die Erbschafts- st«"öesührt werden soll, muß jedenfalls die Bestimmung über st tzj,.s5"stvg von Erbschaften unter Ehegatten gestrichen werden. Werden.'jhatzuiig und deren Materialien soll geheim gehalten ' st(o»,L ist nothwendig, denn die Veröffentlichung der ganzen b.f�t�bevhältiiifse wäre sehr gefährlich und der Unfug, der ' Qh daß die Einschätzungen gedruat und veröffentlicht Mlzeeiker. Är gerliches Schanspieltzana. Sonnabend, zum 1. Male: "»d �5°"kel," Voltsstück mit Gesang in 4 Akten von R. Schott » fc Vf�mnr. Musik von Kruse. �stuitl, rin Wunderstück, dieser„Eisonkel"! Reichthum und SstKn' Mlasi, Dachkämmerlein und was dazwischen liegt, 2*11,1*'i?0 Schnee. Theater im Theater. Theegesellschaften, !Nnärht Liebeleien aller Nüancen, Vorbereitungen zum » Unternehmer mit und ohne Bankerotts und sogar x rjus»x. st" Arbeiterbewegung— dies Alles an einem Abende 3 Ulm/"' ist eine ungewöhnliche Leistung. Das Einzige, i1" Ft. s/"ibehre» könnte, ist ein Bösewicht, ein Bösewicht ?>r e'L.und Blut; denn Herr Millitz, diese schattenhafte flst, dk»'?°"st nur als abschreckender Popanz da zu sein für rr!1- Sünde irgend anziehend und einladend erscheinen Jststsen P7.(c Sahme Moral und das phantastisch bunte Gewebe / rrksi.j.s'rrseils an die bekannten oberbayrischen Volksstricke, � imx m"" cme harmlose Märchen- und Polterwelt voll � o Genien. Lsten Ä Zweifel, das Stück ist mit Geschick versaßt; es steckt in iv?iuisib-»�."nd Szenen ein gut Theil frische», auch spezifisch CNWiü Uiid das Publikimi, das gar oft, dlirch im- i*n Beip's, wik überrumpelt wurde, gab sein Vergnügen durch d%iop wiederholt zu erkennen. fllii.pv,1!,'3 wurde man angemuthet, als man im 3. Akt plötzlich iÄ ei�Bttd einer Schneelandschaft, und W bewegte '«hi'fststt Cle Etsquadriue, oap ein paipon�«-»-—»..... h"'ifchen f""'»ochte, sich in das lustige Gewuhle kann man im Ziveifel sein: Paßt der Naine %»/ ii sben die Herren Verfasser den,„Eisonkel" gegeben s» Äi?"? dieser Bezeichnung etwas sorgfältiger um- sind""9 und Ausstattung verdienen Anerkennung. Be- S stibe» erwähnen das Gastspiel des Herrn Riedl als der V° Ltif«. a§ spekulationswüthige„Eisonkel" Fritz, dann "«»J'Zungen des Herrn Winkler als Otto, der echte 2*! des Frl. Berg als modernes Evchen, das aber werden, sollte schleunigst unterdrückt werden. Durch die§§ 84 und 85 wird dem Hause die möglichste Garantie gegeben, daß die Mehreinnahmen aus der Einkommensteuer zur Erleichterung der Gemeinden verwendet werden. Weiter konnte man nicht gehen; ei» Verwendungsgesetz wird erst später gemacht werden können, wenn mau den Betrag der Mehreinnahmeii übersehen kann. Die Kommission wird in diesem Gesetzentwurf viele Um- aestaltunaen vornehmen müssen, aber ich glaube, daß sie mit dem Finanzmiiiister leicht zur Verständigung kommen wird. Wo ein Wille ist, da ist ein Weg und es wird sich zeigen, daß viele Wege zum Ziele führen. Der Reichskanzler hat darauf hingewiesen, daß die Vorlage dazu dienen werde, die Liebe zum Vaterlande zu stärken. Ich kann diese Meinung in Bezug auf die Steuergesetze nicht gerade theilen, aber ich würde sehr zufrieden sein, wenn ich mich getäuscht haben sollte.(Beifall bei den Nationalliberalen.) Abg. Zlickrrt(dfr.) will auf die Erbschaftssteuer nicht mehr eingehen, da dieselbe ja als todt zu betrachten sei. Tie Selbst- einschätzung besteht nicht dlos in kleinen Ländern, sondern auch in England, wo niemals Jemand daran denken würde, die Selbsteinschätzung aufzuheben. Es wäre zu wünschen, daß der Minister die Steuergesetze der deutschen Staaten, ivelche die Selbsteinschätzung haben, und die Instruktionen der Kommission zur Information mittheilte. Redner erklärt, daß er sich im Irr- thum befunden habe, als er behauptete, daß außer in Preußen nur etwa noch in Mecklenburg das Steuer-Bewilligungsrecht fehlt; die mecklenburgischen Stände haben vollständig das Recht, der Höhe der umzulegenden Steuern festzustellen. Die Ueberweisung der Realfteuern angeregt zu haben, ist ein Verdienst der linken Seite des Hauses und auch jetzt würde er, Redner, damit ein- verstanden sein, wenn dadurch die lex Huene beseitigt würde. Aber an wen soll die Ueberweisung erfolgen? An die Kreise doch wohl nicht nach den schlechten Erfahrungen, welche man mit der lex Huene gemacht hat; und wenn die Landgemeinde-Ordnung angenommen ivürde, so würden immer noch nicht an die Ge- meinden die Ueberweisuiigen erfolgen können, weil dann auch die Gutsbezirke einfach die Grundsteuer geschenkt erhielten. Uebrigens muß bezüglich der Selbsteinschätzung noch festgestellt werden, daß nach den Ermittelungen in Sachsen, welche der Statistiker Böhmert angestellt hat, nur der Grundbesitz ein stets steigendes Einkommen auszuweisen hat, während die Industrie große Schwankungen aufweist. Vielleicht stellen sich ähnliche Ergebnisse auch in Preußen heraus. Ter Redner beantragt schließlich, die Novelle einer Kommission von 28 Mitgliedern zu überweisen. Fiuanzminister Jtttqn«!: Es scheint über die Erbschafts- steuer eine besondere Diskussion nicht mehr stattfinden zu wollen. Ich kann deshalb nur feststellen, daß die Meinung allgemein ist, daß das fundirte Einkommen stärker herangezogen werden soll, als das Unfundirte. Wenn ans Grund der Deklaration das Einkommen nach Quellen gesondert uns vorliegen ivird, dann wird man später die Frage diskutiren können, ob man das fundirte Einkommen gesondert zur Steuer heranziehen könnte. Bis jetzt läßt sich die Frage nicht lösen und ist auch nirgend ge- löst. In der Erbschaftssteuer ist die Frage zum Theil gelöst. Will das Haus diese Lösung nicht, dann wird die Regierung dazu gedrängt, der Frage auf andere Weise näher zu treten. Das hängt zusammen mit der Ueberweisung der Grund- und Gebäude- steuer. Ich habe darüber meine besonderen Gedanken, möchte aber damit zurückhalten, weil ich diese Frage nicht verquicken will mit der richtigen Äeranlägung und Einschätzung zur Ein- kommensteuer. Wenn über die Ueberweisung keine Einigung er- zielt werden sollte, so würde die Quotisirung eintreten, wie man die Vorschrift des§ 84 wohl nennen kann. Die Reform der Einkommensteuer ist ein absolutes Bedürfniß, ivelches befriedigt werden muß. Die Erbschaftssteuer hat außer als besondere Steuer noch eine Bedeutung, als eine Kon- trole der Deklaration, die vielleicht mehr werth ist, als alle anderen Befugnisse der Einschätzungskommissio». Ich habe immer ein Steuersystem gewünscht, ivelches durch Jueinander- greisen der verschiedeneu Steuern die Kontrole der Veranlagung gewährt und dadurch die Klagen über die Fiskalität der Steuer- beamten beseitigt. Jetzt weiß man nicht, welche Abzüge kann der Gewerbetreibende, der Landwirth u. s. w. von der Brutto- Einnahme absetzen; das sind Dinge, die ganz individuell behandelt werden müssen. Wenn ein Gewerbetreibender von Jahr zu Jahr übermäßige Abschreibungen macht und sich dadurch ein selbststän- diges Vermögen erwirkt, so entgeht dieses Vermögen der Ein- kommensteuer, würde aber trotzdem von der Erbschaftssteuer getroffen. Wenn trotzdem die Erbschaftssteuer keine Gnade bei Ihnen findet, so können wir das nicht ändern. Die Besteuerung der Erbschaften unter Ehegatten haben am Schluß besser wird als ihr Name und last not least der urkomische Erfinder des besten Entfettungsmittels, Motzte des Herrn Cotta. * Das Thomas-Chrater brachte am Soiiuabend einen neuen Schwank von G. v. Moser und Otto G i r n d t, zwei Autoren, die früher ein Jeder für sich oder v. Moser im Verein mit an- deren Schivankdichtern durch leichte Bühncnwaaren manchen Er- folg erstritten. Moser's Humor hat sich in seinen ersten Sol- dalenstücken schon stark ausgegeben, iveshalb für den„Sol- d a t e n f r e u n d", trotzdem nun Girndt mitgeholfen hat, nicht mehr viel übrig geblieben ist. Die simple Militärschwärmerei feiert ihre Orgien und das Zivil hat bei dem Soldatennarrr keine Gnade. Die lustigen, initunter stark wirkeuden Situationen werden von dem zahlreichen Publikum herzlich belacht. Der reichlich gespendete Beifall galt aber auch in der Hauptsache der vorzüglichen Darstellung. Thomas in der Titelrolle und W e l l h o f als Ungar ivaren sehr erheiternd, die Herren Wir th, Walden, Kury,. Boll mann und Kaiser, sowie die Damen Friede mann, M u s o t t i, Fischer und E o r b a ch führten ihre theilweise schweren Aufgaben gut durch. Sehr erheiternd wirkte Fräulein Gallus, die eine Berliner Köchin wiederum mit aller Schärfe der Charakteristik ausstattete. Vermißtes. Mit«urlchev Krntalitiit die Kourgeoilie auch im privaten Leben gegen die Bekenner der Sozialdemokratie vorgeht, zeigt wieder einmal eklatant ein Fall, der sich kürzlich in einer bekannten Heilanstalt für Lungenkranke ereignet hat. Bei eiueni Genossen, welcher sich wegen seiner schwer kranken Frau schon längere Zeit dort aushielt, wurde auf Grund einer Büchcrsenduug aus der Schweiz Haussuchnng abgehalten, welche kein Resultat ergab. Da der Betreffende isolirt wohnte, so erfuhr Niemand Etwas von der Sache, und nur die Direktion der Anstalt erhielt zwei Tage später Kenntniß, wahrscheinlich dur«h Vermittelung der Behörde, resp. des betreffenden Richters; woraus ihm und seiner Frau sofort gekündigt wurde, mit der Weisung, biunen drei Tagen die Anstalt zu verlassen. Die arme Kranke, welche bereits starke Zerstörungen in der Lunge hat und gerade noch infolge die wir bis 1873 gehabt. Aber ich glaube, daß all' mein Reden und die schönsten Gründe keinen Einfluß mehr auf das Haus haben, ich möchte nur darauf aufmerksam machen, daß in der Vorlage noch einige andere Fragen enthalten sind, welche sich auf die Handhabung des bestehenden Gesetzes beziehen. Diese würde ich doch einer kommissarischen Berathung zu unter- ziehen bitten. Abg. Sattler(natl.): Wie jede Rede Richter's, enthielt auch seine letzte heftige Angriffe gegen die Nationalliberalen und einige Liebenswürdigkeiten gegen den„nationalliberalen Finanz- miinster", den Steuerminister, der wieder gehen könne, wenn er die konservative Steuerpolitik durchgeführt habe. Der national- liberalen Partei wirft er vor, daß sie die Auflösung gefordert hätte; das bringt er fertig dadurch, daß er eine ganz anders ge- artete Aeußerung der„Nationalzeitung", die er plötzlich als das leitende Organ der nationalliberalen Partei bezeichnet, v>?r „Nationalliberalen Korrespondenz" und der Partei zur Last legt. Er behauptet, das Haus sei unter ganz anderen Verhältnisse» ge- wählt worden. Das nationalliberale Wahlprogramm, auf welches wir gewählt sind, enthielt aber die Forderungen, welche durch die Regierungsvorlagen jetzt erfüllt werden. Herr Richter betrachtet die vorgeschlagenen Erleich- terungen natürlich als geringe, während die Höhe der Belastung immer aufgebauscht wird. Die Volks- Vertretung hat die Pflicht, dafür zu sorgen, daß Gesetze gerecht gehandhabt werden. Der Plan, welchen der Richter vermiüte, liegt noch deutlich genug vor, so deutlich, wie man ihn nur darstellen kann, wenn man die ausführenden Gesetze nicht gleich vorlegt. Das Ergebniß der viertägigen Debatte ist ja eine allgemeine Uebereinstimmung der meisten Parteien für die Vorlagen mit Ausnahme der Erbschaftssteuer, die überall großen Bedenken begegnet. Die Gewerbesteuer ist keine neue Steuer, sondern nur eine Reform der Steuer an sich, und gerade diese Reform ist durchaus nothwendig im Interesse des kleinen Ge- werbes. Neberhaupt wird es nothwendig sein, diefc. Vorlagen ohne jegliche Voreingenommenheit und nicht vom Partei- standpunkte aus zu betrachten und sie in diesem Sinne zu be- rathen. Abg. Graf Kunitz(k.): Man scheint gar nicht zu wissen, welche Last auf den Gemeindevorstehern ruht; man muß sich manch- mal wundern, daß ein Mann, ivelcher sich nicht mit den Gesetzen und mit Schreiberei zu beschäftigen pflegt, oft noch so viel leitet. (Zustimmung rechts.) Und wie wird die Last noch wachsen, wenn infolge der Land- Gemeinde- Ordnung in mehr 3000 Landgemeinden Auseinandersetzungen stattzufinden haben, wenn die ganze Volksschulgesetzgebung auf den Kopf gestellt wird. Der Finanzminister hat von dem Zusammenhang aller Vorlagen gar nicht mehr gesprochen; ich hoffe daher, daß man uns mit der Durchberathung der Landgemeinde- Ordnung verschonen wird. Im Jahre 1889 fragte ich den Finanzminister v. Scholz, ob die Vorlage über die Selbsteinschätzung kommen würde, sonst wollte ich selbst einen solchen Gesetzentwurf beantragen. Herr v. Scholz meinte, im Plenum iverde man für die Selbsteinschätzung ein- treten, aber in der Kommission werde man alle möglichen Hindernisse finden. Ein solches Hinderniß hat Herr Rickert schon in der Quotisirung in das Leben gerufen. Der Hinweis aus die eng- lischen Verhältnisse trifft nicht zu, denn in England hat die Ein- kommensteuer eine ganz andere Bedeutung als bei uns, wo die Erhöhung um 1 v. H. nur 33 Mill. Mark ergiebt, die doch zu unserem ganzen Staatshaushalte in gar keinem Verhältniffe stehen. Noch niemals hat ein Minister es so scharf ausgesprochen, daß die Grundsteuer sich als Staatssteuer nicht eignet, wie jetzt Herr Miauel. Die Grundsteuer enthält eine Mehrbelastung der Landwirthschaft, die das Vierfache dessen beträgt, was die anderen Einkommen zu leisten habe», und wenn man die Verschuldung in Rechnung stellt, das Sieben- bis Achtfache. Die Gebäudesteuer drückt die Landivirthe ebenfalls sehr; die städtischen Hausbesitzer machen ihre Häuser durch Vermiethen nutzbar, aber man sollte die Wohnung des armen Mannes nicht durch die Staats- Gebäudesteliern vertheuern. Redner spricht sich für die Deklaration aus, glaubt aber, daß es nöthig sein werde, die Landivirthe von der Deklaration/auszuschließen. Denn es würde denselben schwer begreiflich zu machen sein, daß zum Einkommen jedes in der Familie verzehrte Stück Brot und jedes in der Wirthschaft ver- ivendete Stuck Holz gehört. Bedenklich sind ferner die hohen Strafen, welche so hoch sind, daß man bei den großen Steuer- hintcrziehern sich besinnen wird, ob man die Strafen eintreibt. Bedenklich ist endlich die eidesstattliche Versicherung, welche für die Kommission eine nnübersteigliche Schranke ist. Denn wenn die eidesstattliche Versicherung abgegeben ist, kann die Kommission nicht darüber hinweg, auch wenn sie einer vorübergegangenen leichten Pleuritis fieberte, mußte vorläufig in ein Hotel geführt werden. Da bei Lungenkranken jede, selbst die leichteste Aufregung sehr schädlich wirkt, so wäre es sehr leicht möglich gewesen, daß durch einen Blutsturz ihr Leben in Gefahr gesetzt wurde. Als Grund für die Brutalitat wird angegeben, daß die übrigen Patienten der Anstalt über die „politischen Umtriebe" der Betreffenden entrüstet seien, und daß bereits eine ganze Familie und zwei weitere Personen infolge dessen gekündigt hätten. Angestellte Nachforschungen ergaben indessen, daß die Familie zwei Tage vor der Haussuchung ihre Kündigung eingereicht hatte, und daß die beiden anderen Personen, welche beide mit den Betreffenden persönlich bekannt waren, schon seit acht Wochen die Absicht hatten, die Anstalt zu verlassen. Da von der Haussuchung in der Kurgesellschast überhaupt nichts bekannt geworden war, so konnte von einer Entrüstung natürlich nicht die Rede sein. Das war also einfach erlogen. Außerdem wurde»och an- gedeutet, daß auch„von einer anderen Seite, durch Vermittelung der Ortsbchörde, der Wunsch ausgedrückt fei, dem Betreffenden zu kündigen." Inwieweit dies auf Wahrheit beruht, muß dahin gestellt bleiben, da es vielleicht eine ähnliche Lüge ist. Diese patriotischen Streber haben ja nicht einmal den Muth, sich offen zu ihren Handlungen zu bekennen, sondern suchen immer Jemanden, dem sie die Verantwortung in die Schuhe schieben können.— Nachdem dann die Heldcnthat an dem wehrlosen Genossen und seiner kranken Fran geschehen war, wurde sie durch Anschlag den übrigen Patienten verkündigt:„Nachdem die Verwaltung von politischen Umtrieben zweifelhafter Natur unter der Kurgesellschast Kennwiß erhalten hat, theilt sie hierdurch mit, daß sie für schleunige Entfernung der betreffenden Persönlichkeiten Sorge getragen hat." Hoffentlich hat es den selbstbewußten Bürgerinnen der Kurgesellschast sehr gefreut, daß sie durch die polilische Kontrole, welche von der Heilanstalt über ihnen aus- geübt wird, vor sozialdemokratischen Gefahren beschützt sind. Ein anderer Genosse, der sich zur Heilung in der Anstalt aushielt, wurde über diese Vorgehen so cutrüstet, daß er sofort kündigte. — Das Benehinen der gegenwärtigen Besitzer ist um so schmach- voller, als der Begründer der Anstalt, dessen Erbschaft sie an- getreten haben, selb,: Angehöriger der sozialdemokratischen Partei und alter 48er»var. Tie Namen der Betheiligten stehen den Interessenten auf unserer Redaktion zur Verfügung. tfou der Unrichtigkeit der Veranlagung überzeugt ist. Die Zuziehung steuertcchnischcr Beaniter neben ocm Land- rathe wird nicht nothwendig sein- die Laudrache schätzen scharf genug ein. Wenn Herr Nickert die Steuerfreiheit der Standes- Herrn bemängelt, dann sollte er erst recht die Steuerfreiheit der Akticugesellschaften verdammen, welche von den Gemeinden be- steuert werden und denselben, z. B. in Berlin, ganz erhebliche Einnahmen abwerfen. Durch die Besteuerung der Aktiengesell- schasten wird die Anlage von deutschem Kapital nicht beeinträchtigt werden, denn es ist eine Thatsache, daß deutsches Kapital sehr vielfach in ausländischen Werthpapicren angelegt ist und daß man es deshalb bei der Besteuerung nur schwer fassen kann. Eine Amortisation der Schulden, so lange daö aktive Vermögen des Staats die Schulden übersteigt, würde ich nicht für zweckmäßig halten, weil dadurch das Kapital nur ins Ausland gedrängt würde. Es nuißte für das Verkehrswesen von Staats wegen noch viel mehr geschehen, namentlich für Chaussee- bauten, für welche es in den Kreisen und Provinzen an Mitteln fehlt. Herr ßiickert will die 400 Millionen Zölle abschaffen. Womit will er die bisher daraus bestrittenen Ausgaben decken? Sind alle Freisinnigen einverstanden darin, daß nicht nur die landwirthschaftlichen, sondern auch die Jndustriezölle aufgehoben werden? Es scheint ein Widerspruch zwischen Herrn Rickert und Herrn Nichter darüber zu bestehen.(Zuruf Richter's: Ich bin jä als Freihändler gewählt!) Jedenfalls besteht er zwischen Herrn Richter und Herrn Brömel, der sich im vorigen Jahre nicht deutlich darüber ausgesprochen hat, ob die Jndustriezölle abgeschafft werden sollen oder nicht. Denn wenn die Getreide- zölle die Lebensmittel vertheuern, vertheuern die Jndustriezölle alle Jndustrie-Erzeugnisse. Gefährlich ist auch die Preistreiberei durch die Ringe, z. B. durch das Kokessyndikat, welches SöVe v. H. der Kokesproduktion umfaßt und nach dem Auslande zu 100, nach dem Jnlande aber zu 180—150 M. verkauft. Die Herren voiu Freisinn sollten doch auch auf diese Preissteigerungen hin- weisen!(Zustimmung rechts.) Herr Rickert und Herr Richter sprachen davon, daß die Gutsbezirke so niedrige Einkommensteuer- sähe ergeben. Eän Vergleich des Reg.-Bez. Arnsberg, des industrie- reichsten der ganzen Monarchie ergiebt, daß die Steuerbelastung dort nur 2,02 Mark, in Berlin aber 11,50 Mark beträgt. Danach sollte es Herr Richter, wenn er wieder in seinen Wahlkreis kommt, als seine Aufgabe betrachten, eine Erhöhung der Steuer herbeizuführen.(Zuruf Eynern's: Sitzen denn alle Aktionäre dort?) Das Kapital konzentrirt sich immer mehr in den großen Städten. Der Miethsiverth, der Berliner Häuser beträgt zwei Drittel des ganzen Grundsteuer-Reinertrages aller Liegenschaften des preußischen Staates. Dieser Konzentrirung des Kapitals muß in sozialem Interesse entgegengearbeitet werden.(Beifall rechts). Abg. v. Hummrrstem(kons.): Der Zusammenhang der sämmtlichen Vorlagen, dessen Betonung der Vorredner in den Ausführungen des Finanzministers vermißte, ist in den Motiven ausdrücklich betont und er liegt bei diesem Gesetze darin, daß die Mehrerträge zur Ueberweisung der Grund- und Gebäudesteuer dienen sollen. Der Finanzininister hofft, daß die neue Landgemeindeordnung die dafür passenden Verbände schaffen soll, denn bis jetzt steht noch nicht fest, an welche kommunalen Verbände sie überwiesen werden soll. An die Kreise kann die Ueberweisung nicht erfolgen. Denn dort würde eine ausgleichende Gerechtigkeit vom steuerpolitischen Standpunkte aus nicht eintreten. Wenn die Ueberweisung an die einzelnen Gemeinden erfolgt, muß sie auch an die völlig gleich berechtigten Gutsbezirke erfolgen. Ich habe nichts dagegen, aber von anderer Seite hat man dagegen erhebliche Bedenken. Das Beste wäre wohl, den Gedanken der Ueberweisung ganz fallen zu lassen und an wirklichen Erlaß der Grundsteuer zu denken. Ich habe mich gefreut, daß der Finanzminister selbst den Gedanken ins Auge faßte, den Ertrag vom Grund und Boden bei der Einkommensteuer durch einen Zuschlag zu treffen. Abg. Uichtrv(dfr.): Die Einnahmen, welche die Kohlenberg- werke im Regierungsbezirk Arnsberg ergebe», kommen doch nicht diesem Bezirk allein zu Gute, denn, wenn die Herren sich an der Börse erkundigen wollen, werden sie wohl erfahren, daß die Besitzer der Bergwerke im ganzen Lande zerstreut wohnen, aber nicht in Arnsberg. Ilm Ende der viertägigen Debatte will ich mich nicht mehr mit dem Minister auseinandersetzen und da wird man es mir auch erlassen, mich mit seinem Gefolgsmann, seinem Gesellen oder Lehrling, dem Abg. Sattler auseinanderzusetzen. Der Herr Abg. Sattler hat keinen einzigen selbstständigen Ge- danken gehabt, sondern nur die Gedanken des Herrn Finanz- Ministers über Sonntag bei der Studirlampe persönlich auf mich zugespitzt. Wenn mich der Finanzminister so vollständig vernichtet hat, dann war es doch grausam, daß den? Ritter der Knappe nachfolgte, tim mich noch weiter zu vernichten. Wen?? ich aber nicht vernichtet?var, so können mich auch die kleinen Pfeile des Herrn Sattler nicht vernichten. Wenn ich nichts iveiter gesagt hätte, als was Herr Sattler bemängelt,?vie stände denn das Haus da, welches mich 21/4 Stunden lang aufmerksam anhörte, aufmerksamer, als es sogar die Reden des Herrn Sattler anhört. Die Herrn?verden nervös, wenn man die Bor- läge eines ihrer Partei angehörigen Ministers kritisirt. Sie sollten sich an den Konservativen ein Muster nehmen, die sehen solche Dinge viel ruhiger mit an. Daß die national- liberale Presse die Auflösung des Hauses verlangte, daraus habe ich ihr keinen Vorivurf gemacht, auch nicht daran gedacht, daß darin eine Opposition gegen die Regierccng liege, sondern die Opposition war gegen die Konservativen gerichtet; die national- liberale Partei wollte sich auf Kosten der konservativen vergrößern. (Sehr richtig! rechts.) Herr Sattler und der Finanzininister haben nicht auf ineine Rede geantwortet, sondern sich gegen die „Freisinnige Zeitung" gewendet, welche erst dann in'die Kritik der Vorlagen des Finanzministers eintrat, als die osfiziöse Presse mit überschivänglichen Lobreden die noch garnicht bekannten Vor- lagen begrüßte, während der Minister des Jnneri? und des Unterrichts sich in dieser Beziehung sehr zurückhielten. Wenn die Herren wissen wollen, was ich will, so mögen sie sich in den Reichstag bemühen. Dort wird ein von meiner Partei gestellter Antrag berathen lverden, wonach die landwirthschaftlichen Zölle beseitigt werden sollen unter gleichzeitiger Revision der Industrie- schutzzölle durch Handelsvertrage; die Deckung des Ausfalls soll geschafft iverden" durch die Beseitigung des Branntweinsteuer- Privilegiums und durch die Beseitigung der Zuckcrprälnien. Die Grund- und Gebäudesteuer und die Ge?verbesteuer soll keine Staatssteuer bleiben, deshalb bin ich gegen die Aenderung der Ge>verbesteuer als Staatssteuer. Ich kenne die Ansichten des Finanzministers aus unserer gemeinschaftlichen Wirksamkeit im Parlamente; ich weiß auch, wo ich mit ihm zusammenkomme. So erinnere ich mich z. B. des Zusamnienarbeitens bei der Städte- ordnung, die leider nachher nicht zu Stande ka?n. Ich habe ihn damals als einen Anhänger der Selbstverwaltung kennen gelernt und muß mich daher wundern, daß aus einem Ministeriuni, dem er angehört, eine Vorlage, wie das Schulgesetz, kommen konnte, welches die vollständige Vernichtung der Selbstverwaltung dar- stellt. In Steuersachen bin ich allerdings nicht mit Herrn Miquel einverstanden; seine Gedanken in dieser Beziehung sind so zahl- reich und ivecyselnd, daß es gefährlich ist, hier noch neue Gedanken anzuregen. Daß Herr Miquel in seinem Amte nur seine ehrliche lleberzeugnng vertreten wird, nehme ich als selbstverständlich an. Eine Versöhnung der persönlichen Gegensätze wünsche ich auch, �m Ministerium ist Manches besser geworden, aber unter den Parteien nicht. Werden doch jetzt im Wahlkreise Schlochau Ausrufe verbreitet, welche den Sieg des Konservativen von Helldorff als den Sieg des Deutschthums, den Sieg des in Westfalen geborenen Frei- sinnigen Neukirch als einen Sieg des Polenthums darstellen. Dafür ist die Regierung nicht verantwortlich. Aber in dem Er- gänzungsheft zi? dem Lesebuche für Seminare heißt es bezüglich der Jnvaliditätsversicherung, daß die Segnungen dieses Gesetzes nur von denen bestritten werden, die ourch die Erregung der Unzufriedenheit der Arbeiter ihr Partei-Jnteresse fördern wollen. (Sehr richtig! rechts.) Die Herren, die„sehr richtig" rufen, sind also auf dem versöhnenden Standpunkt noch nicht angekommen, sie halten den persönlichen Gegensatz aufrecht, selbst auf Kosten der Wahrheit. Denn gegen die Jnvaliditätsversicherung haben gestimmt nicht blas die Freisinnigen, sondern auch das Gros des Zentrums, ein Theil der Konservativen und ein Theil der Nationalliberalen. Und heute sind die Meinungen über die Invalidenversicherung noch ziveiselhafter, als vor einen? Jahre. Der jetzige Finanzininister hat die Fraktionen zum alten Plunder geivorfen. Nicht aus äußere»? Interesse habe ich mich einer Fraktion angeschlossen, die so viel Widerwärtigkeiten zu erdulden hat. Man muß unterscheiden zwischen politischen Gegnern und persönlichen Feinden. Finanzminister Miquel: Herr Richter hat einen ganz an- deren Ton angeschlagen, als früher und sein Verhalten zu recht- fertigen und zu entschuldigen versucht. Aber das stimmt nicht ganz ?nit seiner Sprache gegen mich von dem ersten Augenblicke an, wo mein Name genannt wurde; er nannte inich den Steuerschlevper, der nur dem Volke neue Steuern auflegen möchte. Ich freue uiich, wenn eine Besserung eintreten sollte. Eine offiziöse Presse haben wir nicht; die Ansicht der Regierung vertritt allein der„Staatsanzeiger". Wenn andere Blätter ihre mit den Ansichten der Regierung übereinstiinmenden A?isichtei? vertrete??, so kann ich das nicht verhindern. Ich kai?n es den Blättern nicht verbieten, über Regierungsvorlagen etivas zu schreiben, wenn es für die Regierung güi?stig ist. Ich habe Männer aus anderen Parteien über die Steuerreformen gesprochen; ich hätte a?!ch Herrn Richter befragt, ivenn ich irgend ivelche Aussicht gehabt hätte, daß er sachlich über die Dinge hätte Vis- kutiren wollen. Aber bei aller Gutmüthigkeit koi?nte ich das nach der Halt?ing seiner Zeitung nicht erwarten. Daß die Parteien gänzlich abgeschafft werden sollen, habe ich nicht gesagt; eine solche Narrheit ist nicht aus ineinem Munde gekommen. Aber die unbedingte Befangenheit in den Parteigrundsätzen, ivelche das Begreifen der Veränderung der Dinge verhindert, ivelche?inz??- gänglich macht gegen die Anschauungen a??derer, die habe ich immer bekämpft.(Beifall.) Ich deiike dabei dem Lande und dem Volke gedient zu haben. Vergessen wir doch nicht,?vie große gemeinsame Interessen wir haben und wie gering dabei die Gegensätze sind. Wenn eine Ausgleichung nicht erfolgt, dann bleibt nur die ultima ratio: die Abstimmung nach der Mehrheit. Abg. Sattler bestreitet, daß die nationalliberale Partei verantwortlich zu machen sei, für die Ausführung eines einzelnen Blattes; jedenfalls trage sie dafür nicht so viel Verantwortung wie Herr Richter für die„Freisinnige Zeitung". Herr Richter be- reitet sein Publikum durch die Veröffentlichung der Ergebnisse seiner Studien auf seine Reden vor, kann er es deshalb einen? anderen Abgeordneten verargen. wei?n er sich über Sonntag auch einmal auf seine Rede etwas vorbereitet? Finanzminister Miquel: Es giebt keine offiziösen Federn, das habe ich offen erklärt. Gegenüber den Ausführungen der „Freisinnigen Zeit??ng", daß die Vorlage nur auf Vermehrung der Steuern hinausgehe, haben andere Zeitungen auf eingezogene Erkundigungen hin erklärt, daß diese Absicht n?cht besteht. Darauf- hin behauptete die„Freisinnige Zeitung", nur, um die Reformen zu dis'reditireii, jetzt ist die offiziöse Presse erst recht da. Ich mußte das konstatiren. Dainit schließt die Diskussion. Es folgen persönliche Be merkungeu. Abg. Dichter erklärt, daß er erst dann über die Vorlage des Finanzniinisters geschrieben habe, als offiziöse Federn die Vorlage lobten. Durch die Bemerkung des Finanzministers ist die Debatte wieder eröffnet. Ein sofort gestellter Schlußantrag wird an genomnien, trotzde?» sich Abg. Richter zum Wort ge- meldet hatte. Abg. Richter: Ich stelle fest, daß das Haus nach einem Angriff seitens des Ministers die Diskussion geschlossen hat, ohne einen? Abgeordneten das Wort zur Erwiderung zu gestatten. Zur Erhöhung des parlamentarischen Ansehens dieses Hauses dient das nicht.(Widerspruch.) Präsident v. Köller: Der Beschluß ist geschäftsordnungs- mäßig zulässig und Ihnen steht eine Kritik desselben nicht zu. (Beifall rechts.) Die Vorlage wird darauf einer Kommission von 28 Mitgliedern überwiesen. Schluß nach 4 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag 11 Uhr.(Erbschaftssteuer.) IToImX##* Daussnchmigeu wurden im Laufe des gestrigen Tages in verschiedenen Buchhandlungen nach dem sozialdemokratischen Liederbuch, XII. Auflage, auf Anordnung des kgl. Amtsgerichts, Abth. 88, von Polizeibeamten abgehalten. Gehaussucht wurde, soviel uns bekannt geworden ist, in der Buchhandlung unseres Blattes, Beuthstr. 3, bei R. Vaginski, Arbeiter- Buchhandlung, City-Passage, und bei Kunze, Nuppinerstr. 2. Ein imposantes Leichenbegängniß fand am Sonnabend Nachmittag vom Leichenschauhause aus nach dem Nazareth-Kirch- Hofe unter Betheiligung fast sämmtlicher Arbeiter und Beamten der Werkstätten der Hamburger Bahn statt. Auch eine Anzahl Genossen des 0. Wahlkreises hatten theilgenominen an diesem Be- gräbniß eines der tüchtigsten Arbeiter genai?nter Werkstätten, des Schlossers Habicht, dem es jedoch nicht vergönnt war, trotz seiner langjährigen Thütigkeit, ein erträgliches und wenigstens von Nahrnngssorgen freies Lebe?? zu führen, denn bei einer durch Gicht und Sch?väche verkümmerten Frau und drei noch kleinen Kinoern reichte oft der Verdienst kaum soweit, daß Arzt und Medizin bezahlt werden, geschweige denn, daß für die übrigen Bedürfnisse des Lebens in ausreichender Weise gesorgt werden konnte.— Unsere Leser kennen aus unserer eingehenden Schil- derung die tragischen Umstände, unter ivelchen dieses Opfer der Arbeit durch die eigene Hand aus dem Leben scheiden mußte. Man darf mit Recht sage??, daß Habicht ein Opfer jenes bureaukratischen Tempos bei der Behandlung von Unfallaugelege??heiten geworden ist. Möge jenen höhereu Betriebsbeamten der Jammer und das Elend stets vor Augen und im Herzen bleibe??, ivelches sich so unaussprechlich am Grabe dieses Arbeiters vor Uns darthat, u??d inögen sie nachträglich gut mache??,?vas versäumt worden ist. An den Genossen dieses Tobten aber ist es, hier energisch für ihre Interessen einzutreten und sich nicht durch irgend welche Rücksichtnahme nach oben hin einschüchtern zu lassen. Dieser Todesfall sollte Allen eine Mahnung 'ein, sich trei? zusammen zu schaaren und Jenen mit Mannesmuth gcgenüberzutrelei?, die es ivagen, de??? Arbeiter seine Rechte in Betreff der gewerkschaftlichen und politischen Organisation zn be- schneiden oder gar schließlich ganz nehmen zu wolle??. Einen kleinen Vorgeschmack jener Vergeivaltigung haben jene Eisenbahn- arbeiter doch schon in Sachen der Pensionskassen erhallen und man sollte also meinen, daß sie di?rch Schaden endlich klug würde??. Dann könnten solche traurigen Erscheinilngen, wie die oben geschilderte ivohl verinieden werden. Falsche Za»ei,mu'listiuUo sind in der letzten Zeit mehrfach in den nördlichen Vororten Berlins i?n Geldverkehr angehalten ?vorde??. Die falschen Münzstücke führten die Jahreszahl 1883 lind das Münzzeiche?? A. Sie wurden auch bei verschiedenen Kassen bei Zahlungen mitaupgezählt, so na???entlich auch bei der städtischen Hauptkasse zu Bernau. Das Aeußere der Falschstücke ist zieinlich gut nachgeahmt, doch ist das Geivicht derselben leichter als das der echten Stücke und der Klang bei jenen fehlt. Die erste?? Ermittelunaen über die Herkunft führten nach Schöuelinde, doch ist etivas Be- stimmtes über den Ort der Herstellung derselben bisher noch nicht estzustellen ge?vesen. Nachforschungen hierüber sind i»? Gange. Ein Mord«nd Selbstmordversuch versetzte am Sonntag früh die Beivohner� des Südostens in nicht geringe Aufregung. In der Wrangelstr. 140?>? Keller des Quergebäudes wohnt dem 1. Oktober die 3Zjähr'lge Frau Wilde, geb. Nocho?v, mit vier Kindern, für die sie durch Mäntelnähen den Lebeusuntech� crivirbt. Frau Wilde?i:ohnte früher mit ihren? Manne, •■-OO----.. �vTiöfj lMl 40 Jahre alt ist, in der SGbbenecßr. OS zusammey �.-�� � -Ji...,... W verließ' denselben, da er arbeitsscheu war uud vo?? ihr verlangte, M ihn unterhalten sollte, an? Uinzugsterinin. Wilde, der feine% oft schlecht behandelt hat, machte iviederholt Versuche, bei PI wieder Aufnahme zu fi?ide??. Au? Sonnabend VoriNluP, kau? er wieder in das Haus in der Wrangelstraße und erhielte> Fürbitte der Wirthöfrau von seiner Frau zu essen. 9 Uhr stellte er sich nochmals ein und bat seine Frau un? �>1' nähme wenigstens für eine Nacht. Die Frau ließ sich. bewegen, das Uebernachtei? zu gestatten gegen das sprechen des Mannes, sich ganz ruhig zu verhau• Wilde kam auch seinen? Versprechen?iach, und gegen io P. begab sich die ganze Fainilie zu Bett. Die Eltern und vier Kinder im Alter von 14, 11, 7 und 4 Jahren, von de> die drei ersten aus einer früheren Ehe der Frau stchPh», schliefen in ein und demselben Rauine. Am Sonntag um VVe Uhr wachte der älteste Sohn infolge eines schusses auf,?u?d als er sich ausrichtete, sah er, wie—- iHn mit eine??? Revolver in der Hand vor dein Bette der M»» stand, im Begriffe, noch einnial aus dieselbe zu schießen. hatte,?vie sich nachträglich herausstellte, bevor die Kinder ?vacht?vare>?, bereits 4 Schüsse auf seine Frau abgegebei?.* Mutter versuchte aufzuspringen,?vurde aber von ihren? Man niedergehalten, der dann den Revolver gegen sich selbst ley und sieh in den Mund schoß. Der Sohl? sprang aus den?«-e und eilte auf das Polizeirevier in der Eisenbahnstraße. M"" weile hatte der Lärm in der Lkellerivohnung die darüber woh«'' den Brötlerschen und Krauseschen Eheleute geiveckt, ivelche,' eine Zänkerei vermuthend, durch Klopfen un? Ruhe bäte??.. nachher klopfte es a» die Thüreu der oben Genannten, die dessen a?lS Furcht vor dem als geivaltthätig allgemein bekann Manne nicht öffnen wollte». Das Klopsen ivar von der v ivundetei? Frau ausgegange??, ivelche, nachdem der Mann» Morgen °Revolvee der � Ü de»? auf sich selbst abgegebenen Schüsse zu Boden gefallen ivah l aufgerafft u??d, nur t???t dein Heinde bekleidet, die Flucht erMi hatte. Als die arnie Frau unten keinen Einlaß erhielt, stur sie blutüberströnit eine Treppe hinauf zu den Tischler Schntf, scheu Eheleuten und bat diese um etivas Kleidung. A w. dem nian ihr einen Rock, Unterrock und Pantoffeln gereicht, die Fran wieder die Treppe hinab zum Bizewirth, Bon' ©ehrte, der nun ebenfalls zum Polizeirevier eilte. Von dorr schien bald ein Schutzmann und unmittelbar darauf der Reo Lieutenant Aschenbach, welcher die Schwerverivundete nach � nahegelegenen Krankenhaus« Bethanien überführen ließ, hatte unterdessen die Wohnung seiner Frau und das Hau»> lassen und stellte sich aus dem Polizei-Revierbureau ein. J Aufnahme des Thatbestandes wurde er nach der Charit» e bracht. Bei der Durchsuchung der Frau Wilde'schen Wohn Wohnung fand man unter dem Bette einen Hammer gebrochenem Stiel, der mit frischem Blut besudelt war. Wilde angab, und auch die ärztliche Untersuchung feststellte, v Wilde mit diesem Hammer seiner Frau einen Schlag?n die Schläfe versetzt, dessen Wucht durch den Bruch des Stieles, geschwächt wurde. Diese Hiebwunde scheint aber immerhin- gefährlicher zu sein, als die 4 Schußwunden. Die Verl« Wildes ist anscheinend nicht schwer. In dem Revolver fan» noch eine Kugel vor. Ter Zustand der Frau wird als' � hoffnungslos bezeichnet; die schwerste Verletzung scheint der mit dem Hammer verursacht zu haben. Gestern Abend rjjjj ging der große, hagere Mann im Krankensaal der Charit» � und nieder. Die Kinder sind einstweilen bei Verwandten rn Grimmstraße untergebracht worden. � Zeugen gesucht. Am Sonntag, den 16. d. Mts., J i(t mittags zwischen 1 und 2 Uhr, hatte ein Schutzmann w tä, Nähe des Görlitzer Bahnhofs ein Nenkontre mit einem � trunkenen. Leute, die bei dem Vorfall zugegen waren un» � Zeugen dienen wollen, werden ersucht, ihre Adressen bei F- � 1 Wendenstr. 4 im Zigarrengeschäft, abzugeben. Herr Martin Sendir, der gewiß den meisten Verl � bekannt ist, ersucht uns um die berichtigende Bemerkung�° die Versammlung des deutsch- freisiiniigen Wahlverern» j IV. Reichstags-Wahlkreis nicht besucht hat, daß er also nicht der„vortragende Rath" gewesen sein kann, der tste � jener Versammlung durch sein komisches Talent belustigte.* Bend ix besucht prinzipiell keine politischen Versammlungen- Es wird also wahrscheinlich ein anderer'Spaßvogel g» sein, der bei den Freisinnigen seine Weisheit zum Besten gh' ck Don der Schultheis Krauerei-AktirngeseUschas' � uns folgendes Schreiben zu: z«! Mit Bezug auf den in Nr. 273 Ihres Blattes nm» s» Spitzmarke„Noch einmal über den Brauereigewinn" entha..u Artikel ersuchen ivir Sie auf Grund des§ 11 des Preß�' um Aufnahme folgender Berichtigung: Es ist unrichtig, daß der Selbstkostenpreis unseres Vi» w? — nur 6V8 Pfennig pro Lite, 1889/90 >oc/öu uui;p|ciiiuy olu«idte' neu angestellten Berechnung ist übersehen>o, lentner Malz eine Steuer von 2,50» I daß für jeden"Zentner Malz eine Steuer von 2,50 zu entrichten ist und daß somit die von Ihnen zur Beren, des Herstellungspreises in Betracht gezogenen Geschästsunio! Höhe von 1 020 261 Mark nur einen kleinen Theil der ÖW Herstellungskosten ausmachen. Es ist ferner unrichtig, daß von Ihnen aufgeführten Unkosten alle Löhne und Brennmat � einbegriffen sind. Dieselben betragen vielmehr, wie a? Geschäftsbericht klar hervorgeht, außerdem noch 3734.1? � Demgemäß ist auch Ihre Angabe, daß die Schultheip tf- aas von ihr verkaufte Bier einen Gewinn von 35W b. g# Selbstkostenpreises erzielt habe, unrichtig, vielmehr betrag Gewinn thatsächlich nur I3Vs pCt. Hochachtungsvoll Sc? Brauerei-Aktien-Gcsellschaft. Richard Roesicke. P Polizeibericht. Am 20. d. M. Nachmittags verbruy? ji, ein zweijähriger Knabe in der elterlichen Wohnung Sah! � indem er eine mit heißem Kaffee gefüllte Tasse vom-pl pfj so daß ihm der Inhalt über den Arm floß und er aiß"M getretener Krämpfe Abends verstarb.— Am 21. d. M- gjofw wurde der Droschkenkutscher Nolte auf dem Heuboden � p siraße 23 mit»iner etiva drei Zentimeter langen Kopfw», f wußtlos aufgefunden und nach dem Krankenhause am aracht.— Am 22. d. M. Vormittags wurde ein Mann i ff *. r» j* f ort---'—< f--- i.-------C---- V_—...«S Ii 0�7 Vreitqtr. 27 erhängt vorgefunden und des Hauses Schauhause geschasfl.— Am 23. d. M. Vormittags einem Restaurant m der Bellealliancestr. ein unbekannte sich mittelst Revolners«inen Schuß in den Kopf bei. � y noch lebend nach dem Krankenhause am Urban gebracht- ,.ä der Nacht zum 23. d. M. erschoß sich ein Handlung M in seiner Wohnung, in der Melanchthonstraße$ Revolvers.— Zu derselben Zeit sprang ein Mädchen steinet User in die Spree, wurde zedoch wieder aus deii-, gezogen und nach dem Krankenhause Moabit gsh�-fje ,i Am 23. d. M. Morgens versuchte der von seiner Fai" j sc trennt lebende ArbeiMr Wilde seine Ehefrau, ivelche ih". Bitten am Abend vorher ivieder in ihre Wohnung, 4s siK straße 140, aufgenommen hatte, zu tödten, indem er% Hammer auf sie einschlug und ihr mehrere Revolversth'�, ss, brachte. Er versuchte dann, sich selbst durch einen Sch"° gK Mund zn tödten. WLde, welcher sich demnächst auf o« des 43. Polizeireviers selbst stellte, ivurde nach der CV bracht, während seine Frau nach dem Krankenhause A.z-i'/ überführt wurde.— Zee derselben Zeit brachte sich iw ri Hain, nahe der Baumschule, ein uubekannter, etwa 40 Mann mittelst Revolvers einen Schuß in den Kopf bei-.�>1*, ' nkenhanfe am FriedriW.«� verstarb.— Abends j»p ün verletzt wurde er nach lern Krankenhause am Friedri gebracht, wo er bald darauf verstarb.— Abends Arbeiter in seiner Aohtmng, in der Oranienstraße, •«'k«Yk-t ifA—»1&- t.___ i.__ fl'"• a— xu itiucx«vogiuxiig, xu uet suxiauxenju/up� r ü] ehelichen Zwist mit eir�m Stock die brennende Petroie und verursachte dadurch einen kleinen Brand. Beim Lo,chcn deffeiben zog er sich so dedeutende Brandivuuden au den Händen zu, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Außerdem fanden am 22. und 23. dieses Monats vier tlemere Brände statt. 03 o v i xli ls-,B o i f u ng. m v Der Köpeuicker Krawall. d- �nr deni Schwurgericht des Landgerichts II begannen gestern bfr, �uhaudlungen gegen 14 Personen, welche augeklagt sind, in du �upenicker Putsch vom 20. März er., welcher durch Ermor- . ug des Gcndariuen Müller ein ernstes Gepräge erhalten hat, »e mehr oder weniger hervorragende Rolle gespielt zu haben: ß 3'e 14. Angeklagten sind: 1. Fabrikarbeiter Johann Friede. fi»■. mi§ Köpenick; 2. Arbeiter Karl Friedrich Maue auS e-j Uenick; g. Fabrikarbeiter Karl Albcrt Gustav B u d a ch aus g 1 Köpenick; 4. Arbeiter Eduard O st w a l d aus Köpenick; •«chuhmnchevuicister August Hugo Emil B u ch w a l d aus vpeinck; 6. Malergehilfc Karl Hermann Reuter aus Friedrichs- ; 7. Aiaurer Johann Hermann Heinrich Sucker; 8.'Ar- ta Im?uscf Kapp; 9. Maurer Johann Friedrich K u l l a; llü■? 1 Otto Karl Fritz Schmidt; 11. Arbeiter Karl Rnd olf rn/Utl; 12. Fabrikarbeiter Ernst Fink; 13. Arbeiter Julius �ugo Trautmann und 14. Arbeiter August W i!v j o r r a � lannntlich aus Köpenick. Von den Angeklagten, welche im g Psalter zwischen 19 und 30 Jahren stehen, befinden sich die SM- Untersuchungshaft; die überwiegende Mehrzahl ist ohne Gr|trasen, die Angeklagten Knoll, Bub ach, O st w a l d, Reuter, Sulla, Pfeil sind verheirathet Vater mehrerer Kinder. Die Anklage lautet auf L a n d f r i e d e n s b r u ch und o r perverletzung mit t ö d t l i ch e m Erfolge und «war werden beschuldigt: 1. Alle 14 Angeklagte: am 20. März zu Köpenick, woselbst sich eine Menschenmenge öffentlich zusammengerottet und mit vereinten Kräften Gc>valtthätigkeiten gegen Polizei- beamte und Gendarmen begangen hat, an dieser Zusammen- rottung Theil genommen zu haben und zivar: a) Angekl. Reuter als Rädelsführer; b) sämmtliche An- geklagten(mit Ausnahme von Sulla und Wiwjorra) in? dem sie selbst Gewaltthätigkeiten gegen Polizeibeamte und n Afudarmen begingen. 2- Die Angekl. Knoll, Maue, Budach, O st w a l d und B u ch w a l d außerdem gemeinschaftlich dem Gendarmen Müller Körperverletzungen zugefügt zu haben, durch welche der Tod desselben herbeigeführt ist. d.„».�Ud, welches die Staatsanwaltschaft von SW?öpenicker Unruhen g i e b t, ist im Allgemeinen » lgendes: Seit den letzten Reichstagswahlen hat sich unter den h'JUoßen Theil aus Sozialdemokraten bestehenden Arbeitern uwr* i Köpenick eine große Erregung und Gereiztheit gezeigt, ifimit ,n'>et Qm 17- März beginnenden Woche zu Ausschreitungen ei»«'-- Unmittelbaren Anlaß dazu gab das polizeiliche Verbot le>�» Öen 17- März einberufenen Arbeiterversammlung. Zahl- sä»,.��öeiter, die von dem Verbot keine Kenntniß hatten, dnL fc?» Uch vor dem Lokal, es sammelten sich Gruppen, welche .» Ereigniß lebhaft diskutirten, es kain zu Ruhestörungen und An?- ,.eu und schließlich mußten die Polizeibeamten einschreiten. filnrhch wurde das Ereigniß in allen Fabriken, Werkstätten Und �chnnklokalen am nächsten Tage lebhaft besprochen, einn v e Folge davon war, daß drei Abende hinter- Zunder eine stets sich vergrößernde Menschenmenge Ig an- � Straßen Köpenicks fluthete. Schon am Abend des .-März kam es:u ernsten Konflikten, die*u rablreicken Ver- dup g�.März kam"es zu ernsten 5tonflikten, die zu zahlreichen Ver inm öen führten. Am 20. März wurden die Ruhestörungen du?� ernster und die Anklage behauptet, daß die Volksmenge A eine Reihe von Personen systematisch aufgewiegelt worden ter hierbei die Hauptrolle ge- � m a �* n. n.. rn-*• ift itnx ller ie,�e von Personen systematisch aufgewiegelt worden spiel» i, ß der Angeklagte Reuter hierbei die Hauptrolle ge- Q»a.0j?t- Er ist mit Rücksicht auf seine Vorstrafen aus Berlin «m iq«fö' uach Friedrichshagen übergesiedelt und soll sich schon Lg m?: März überall in Köpenick bemerkbar gemacht haben. Am tzü. � rz aber soll er geradezu die Rolle eines Befehlshabers der der c■ n Übernommen haben. ES wird bcbauptet, daß er an »»d mehrerer Genossen durch alle Straßen, Neubauten da« �chnnkslätten gezogen sei und den Arbeitern mitgetheilt habe, hJL??» Abend jenseits der Langen Brücke in der Köllnischen dcktern r»d in der daselbst befindlichen Haide eine große Ar- Ark-i» �?uunlung, bei welcher die Slmvesenheit der gesammten Er k? von Köpenick erwünscht wäre, stattsinden sollte. «eaon überall, die Polizeibeamten und der Polizeiinspeklor, »eärn- selche in Köpenick ein großer Groll herrschte, müßten die grxr werden, erzählte, daß auch die Rixdorfer und der ßt��oser kommen würden und daß allesammt aus Siek»» uischen Vorstadt in die Stadt Köpenick ein- °°hen.nm,»-... Als..alter ein- � wollten. Als„alter Kavallerist" soll er den I>«,,»» nsten Personen die Belehrung ertheilt haben,„einen »nu. �uen Gendarmen nur von der linken Seite anzugrei die Stadt Kavallerist" soll Nl berf-r�"21n?ren llur von ver»inisii«ri.r anzugreifen, der Grün»»- Pferdckopf weghauen kann.— In Spalten' 0iPe JoG er vor versammeltem Volke aufrührische Reden sollten»..?'nze Vorstadt und die Haide verbreiteten, stießen Agende Allrrshof und Niederschönweide. Es wurden auf- ?r SelJi," geführt, man bewaffnete sich mit Steinen und an viele fti?,010 scheu Steinablage neben der Lange Brücke sah man Vit Stücke von Männern, welche Mauersteine zerklopften und i�tckun»!� s?? nun, nach dem Ergebniß der angestellten Er- «sstn.| n die Menge unter Kommandoruf haben autreten selbe wurde ein Zug von etwa 150 Menschen formirt, dcr- Zu 4—5 Personen geordnet und mit hoch er m.' Stock setzte sich Renter an die Spitze und marschirte %.�"ge«nicke. Die Angeklagten Pfeil, Knoll, Traut- vez Z'u77"vlon-a, Sucker und Kapp sollen in den ersten Glieder» h Tie n vmrschirt sein. „ vtneri-'mdtische Polizeimannschaft und die anivesende Gen- M dev, 3°V unter dem Befehle des Polizei-Jnspektors Jäckel i � dm/%vßp[atze konsignirt und stellte sich, al? die Atenge 3ter �Schloßplatz in Köpenick einzog, derselben entgegen. lul nFrei Iveg! Halt! Links marschirt aus, h.§ der»."Kurrah! Schwärmen!" Als dann auch ein Schup .'""k. di'ivhe. des Kriegerdenk,»als fiel, zogen die Polizelbeaintei, u Selftnn vttlttenen Gendarmen ritten in die Menge hinein und "Uter J;. die Massei, zu zertheileu und zurückzudrängen. Mit »fhe». umme forderte Gendarm Neumann zum Auseinander- l. u»>a3' d'e Antwort waren Steinwürfe, von denen zwei den cv°vr die Brust trafen und nun entspann sich ei» wilder "«y" wüstem Lärm tönten aus der Menschenmenge Droh- Zribai'Kurrah, kommt nur her, Schusterkanaillen, Bluthunde, e«£ die Hunde schlagen wir todt!", wiederholt wurden i di»«�en, doch gelang es den Beamten, die Menge lang- Dorstadt zurückzuwerfen, wo aus Häusern und Garten eui Bombardemelit mit Steinen eröffnet wurde. Die Augeklagten Kapp und Suckert befanden sich unter den Steinwerfern und sollen von den Polizisten eins über die Hand, bezw. über de» Kopf erhalten haben. Angeklagter Kulla soll, als die Menge auf den Schloßplatz rückte, die Kommandorufe des Reuter laut wiederholt und mehrmals gerufen haben:„Links marschirt auf! Haltet sie! Haut sie!" Bei dem Zusammenstoße ans dem Schloßplätze ist ein kleiner Theil der Tumultuanten, darunter Reuter, Pfeil, Schmidt und Koch, in die Grünstraße gedrängt worden, wo es zu einem leb- haften Handgemenge kam. Hierbei soll der Stadtsergeant Bienst von Reuter, Schmidt, Pfeil und Fink durch Stockschläge und Messerstiche nicht unerheblich verletzt worden sein. Der Waffen- rock deS Bienst zeigte später in der Gegend über dem Herzen und am Rockkragen im Nacken Messerstiche, an dem Helm sind zwei wuchtige Schläge bemerkbar und der Säbel des Bienst ist völlig verbogen. Dem Angeklagten T r a u t m a n n, welcher— ebenso wie Wiwjorra— an dem Einzüge in Köpenick Theil genommen, wird Schuld gegeben, daß er in der Müggelheimer Straße mit Steinen auf die Polizei-beamten geworfen. In der Müggelheimer Straße spielten sich die bedauerlichsten Szenen ab. An der Ecke der Grün- und Kietzstraße trafen der Polizeiinspektor Jaeckel und der zur Unterstützung der Polizei herangezogene Arbeiter Kuhnert den 15 jährigen Bruder des'Angeklagten Knoll, Paul Knoll, und verwiesen ihn von der Straße. Der Knabe verantworteic sich und als er nuf Kuhnert schimpfte und denselben ein Stück Bleirohr gegen die Beine warf, schlug ihn Kuhnert mit einem Stock decartig'übcr den Kopf, daß er blutete. Der Knabe lief schreiend und weinend in die Müggelheimersiraße und die Erbitterung des Publikums dar- über, daß die Polizei den Jungen blutig geschlagen, machte sich in lauten Drohungen Luft. Der Knabe wohnte bei seinen Eltern in dem Weber'schen Haufe, Müggelheimerstr. 3a,, wo auch der Angeklagte Buchwald wohnt. Bor diesem Hause sammelte sich bald eine erregte, auf die Polizei schimpfende Menschenmenge und als die Polizei über die Kietzbrücke vorrückte,' wurde sie mit Stein- würfen empfangen, namentlich soll der Angeklagte Knoll wieder- holt mit Mauersteinen geworfen und auch einen Gendarme» ge- troffen haben. Als die Polizei und Gendarmerie schließlich vor das Weber'sche Haus rückten, drängten sich viele Leute in den schmalen Hausflur hinein. Ter Gendarm Müller drängte de» Leuten nach, da wurde plötzlich die Thür von innen zugemacht und man hörte einen Schuß fallen. Nach vielen Mühen gelang es dem Stadtsergeant Döring in den Hausflur zu dringen. Er fand den Flur voll Pulverdampf und sah, daß ein Mann sich mit dem Gendarmen zu schaffen machte. Als der Mann(es soll der Angeklagte Maue gewesen sein) die Treppe hinaufflüchtete, stach Döring mit seinem Säbel durch das Treppengeländer hin- durch den Mann in das Bein. Er ermischte ihn aber nicht und bemerkte gleichzeitig bei dem matten Schein einer kleinen Flur- lampe, daß 6—6 Personen hinten auf dem Hausflur zum Hofe hinauseilten. Döring gab die Verfolgung auf und wandte sich seinem Kollegen Müller zu, welcher bei dem im Hausflur aufgeführten Kampf entsetzlich zugerichtet worden war. Er hatte nicht weniger als 14 Wunden erhalten, namentlich eine schwere Stichwunde, welche im Rücken saß. Er wurde in die Thieleke'sche Wirthschaft gebracht, wo er bald darauf seinen Geist aufgab. Der Tod ist durch L u n g e n z e r r e i ß u n g erfolgt. Als der Trausport mit der Leiche des Müller durch die Köllnische Vorstadt kam, hatten sich ca. 20 Mann von der Stadt aus dorthin begeben und der Wächter Hartkopf hat die gehässigsten Gespräche über die Polizei mit angehört. Plötzlich sagte Einer: „Wollen mal sehen, ob die Dinger noch Knallen!" und im Nu wurden etwa 30 Revolverschüsse abgegeben, so daß die Geschosse dem Wächter Hartlopf um die Ohren pfiffen. Die Unruhe dauerte in der Köllnffchen Vorstadt bis nach Mitternacht. Von den Tumultuanten, welche hier Ausschreitungen verübten, sind nur Sucker und Kapp ermittelt. Für den Tod des Gendarmen Müller werden die Angeklagten Knoll, Maue, Budach, O st w a l d und B u ch w a l d verantwortlich gemacht, welche zur Zeit sämmtlich in dem qu. Hause gewesen sind. Die Anklage nimmt an, daß sie stimmt- lich den Angriff aus den Gendarmen Müller ausgeführt haben. Sie verweist in dieser Beziehung darauf, daß Budach das Kom- mandowort„Aufgepaßt!" gerufen hat, daß die Hansthür zu- gehalten wurde, daß Müller in so kurzer Zeil so viele Ver- letzungen hat und schließlich werden auch verdächtige Aeußerungen angeführt, welche die Angeklagten vor und nach der That zu anderen Personen gethan haben. So weil gehen die Ermittelungen der Anklagebehörde, welche nun der Prüfung des Schwurgerichts unterliegen. Die Verhandlung findet im großen Schwurgerichtssaale statt. Der Zudrang zu demselben ist ein auffällig geringer; bei Beginn der Verhandlung sind kaum 50 Zuhörer im Saale anwesend. Auf dem Gerichtstische liegen zwei Polizeihelme und mehrere Kleidungsstücke, Uniformröcke u. dal. Den Vorsitz im Gerichtshofe führt Landgerichtsrath Voigtei, die Anklage vertritt der erste Staatsanwalt Dr. Müller unter Assistenz des Staatsanwalts Dr. Klette.— Als Verlheidiger stehen den Angeklagten zur Seite die Rechtsan- ivälte V i e b i g, P r e u ß, W.Heine, H e i m b a ch, A l f r. H e i m a n n, Dr. K a l i n o w s k i, L e w i n II und die Referendare Krause, v. Tresckow, Lenze, Jahn, Rösing, Dr. Jacob und Grnnow.— TieZahl der geladenen Zeugen beträgt 101 außerdem sind Prof. Dr. Falk, Gerichlschemiker Dr. I e s e r i ch und Hauptmann von'A l t- S t u t t e r h e i m von der königl. Schießschule in Spandan als Sachverständige zur Stelle. Die Ausloosung der Geschworenen, Feststellung der Perso- nalien der Angeklagten und der Aufruf der Zeugen nimmt fast 2 Stunden in Anspruch. Von der Vertheidigung sind noch in letzter Stunde einige Beweisanträge gestellt worden, welche die telegraphische Ladung eines auswärtigen Zeugen uöthig machen. Von sämmtlichen Angeklagten erklären sich nur Reuter, Pfeil und Knoll in einem gewissen Umfange für schuldig. Vor Eintritt in die Erörterung des Thatbestandes werden den Geschworenen einige Situationspläne von Köpenick vor- gelegt. 'Angekl. Reuter giebt zu, daß er aus Berlin ausgewiesen ist, bestreitet aber, ein gewaltthätiger Mann zu sein. Er sei am 19. März, Abends, überhaupt nicht in Köpenick gewesen und könne sich dort also nicht bemerkbar gemacht habe». Richtig sei es, daß er am 20. März, Mittags, mit seiner Arbeit aufgehört habe, doch sei er dazu nur durch ein Unwohlsein bewogen worden. Er bestreitet alle ihm zur Last gelegten Thatsachen und behauptet, daß er betrunken gewesen sein müsse, wenn er die aufwiegelnden Redensarten wirklich gemacht haben sollte. Die Möglichkeit, dies gethan zu haben, giebt Reuter zu, namentlich, da einzelne An- geklagte solche Aeußerungen Reuler's bekunden, er meint aber, daß es nicht richtig in seinem Kopse gewesen sein müsse. Er weiß nichts davon, daß er eine Kolonne von zirka 150 Menschen in militärischem Schritt über die Brücke i» die Sladt Köpenick geführt habe. Pfeil und Knoll sind die einzigen Angeklagten, (welche zugeben, in diesem Zuge sich befunden zu habe», die übrigen bestreiten es. Knoll giebt ferner zu, daß Reuter bei dem Renkontre mit der Polizei die Kommandos„Freiweg! Hurrah!" habe ertönen lassen, doch seien die Leute im Zuge dem Kommando nicht gefolgt, sondern schleunigst fortgerannt.—'Auch die übrigen Angeklagten bestreiten bei ihren vorläufigen Vernehmungen durch- weg den größten Theil der belastenden Thatsachen, welche die Anklage von ihnen behauptet. Sehr eingehend ist die Vernehmung der Angeklagten bezüglich der Vorgänge in der Müggelheimer SUaße, welche mit dem Tode des Gendarmen Müller geendet hatten. Auch bezüglich dieses-vheiles der Anklage bestreiten die Angekl. Knoll, Maue, Budach, O st w a l d und V u ch w a l d jede Schuld. Der Erstgenannte giebt nur zu, daß er wegen der Verwundung seines Bruders sehr ausgeregt gewesen sei und möglicherweise auch gerufen habe:„Die Hunde schlage ich todt!" Er bestreitet entschieden, mit Steinen auf die Gendarmen geworfen oder etwas in der Hand gehabt zu haben, als er aus dem Weber'schen Hause lam. Der Angekl. Maue behauptet dagegen, daß Knoll in der einen Hand eine Art Schlagring und in der anderen Hand irgend einen anderen Gegenstand gehabt habe. Knoll giebt folgende Schilderung von den Vorgängen auf dem Hausflur des Weber'schen Hauses: Als er in das Haus drang, sei der Flur schon voller Leute gewesen, die den Gendarm Müller umringten. Der Angekl. Ostwaldt habe an der linken Seite des Gendarmen gestanden und dessen Säbel festgehalten, Budach habe unmittelbar vor dem Gendarmen gestanden und mit einem offenen Messer auf ihn eingeschlage». Dann habe Budach sich gebückt und dem Gendarmen das Messer in den Unterleib gestoßen.— Präs.: Angeklagter, haben Sie das genau gesehen?— Angekl. Knoll: Ganz genau, Herr Präsident: Als ich den Flur betrat, wehrte Müller sich noch mit dem Sübel, ich erhielt von ihm einen Schlag über den Arm, worauf ich ihm auch einige Schläge mit der Faust versetzte, da ich irgend etwas zum Schlagen nicht bei mir führte. Gleich darauf stach Budach ans Müller ei». Erst hatte er ihn mit dem zugeklappten Messer gegen Kopf und Brust geschlagen; dann bückte er sich, öffnete erst das Messer und führte einen Stich gegen den Unterleib.— Präs.: Budach, ist das wahr?— Angekl.: Stein, ich bestreite es.— Präs.: Angeklagter Knoll, Sie wollen also kein Instrument benutzt haben?— Angekl. Knoll: Nein.— Präs.: Sie werden aber durch die.Zeugen eines Au- deren überführt werden. Sie sollen ein Stück Eisen in der Hand gehabt haben.— Angekl.: Das hatte ich vorher, ich hatte es aber in der Wohnung meiner Eltern, die sich in demselben Hause befand, abgelegt.— Präs.: Das kann nicht möglich sein, denn Sie hatten es ja noch in der Hand, als Sie nachher über den Hof flüchteten. Das wird Ihnen der Mitangeklagte Maue sagen. Maue, erzählen Sie mal, was Knoll zu Ihnen sagte, als Sie ihn auf dem Hofe trafen.— Maue: Knoll sagte, auf ein Stück Eisen zeigend, das er in der Hand hielt: Dem habe ich es ordentlich besorgt, ich will ihn lehren, meinen Bruder schlagen."— Präs.: Nun Knoll, was sagen Sie dazu?— Knoll: Es ist nicht die Wahrheit.— Präs.: Warum sollte Maue Sie denn so be- zichtigen?— Knoll: Wahrscheinlich, weil ich ihn verrathen habe, daß er auch auf dem Flur gewesen ist.— Präs.: Haben Sie nicht am anderen Tage den Angekl. Budach auf der Straße getroffen?— Knoll: Jawohl.— Präs.: Was hat Budach zu Ihnen bei dieser Gelegenheit gesagt?— Knoll: Ich sagte zu ihm: Du, Müller ist zu Ende, Du hättest ihm nicht mit dem Messer stechen sollen. Budach sagte: Ach was, wenn er todt ist, kann er nichts mehr verrathen.— Der Angetlagte Budach be- streitet alle diese Angaben des Mitangeklagten Knoll, trotzdem der Letztere seine Bezichtigung auss Eingehendste wiederholt.— Der Angeklagte Maue will sich au dieser Blutszene gar nicht thätlich betheiligt haben und erst auf den Flur gedrungen sein, als der Kampf schon vorüber war. Auch der Angeklagte Ostwald be- streitet die Angaben des Mitangeklagten Knoll, daß er den Gendarmen durch Festhalten des Säbels wehrlos gemacht habe, während Budach auf ihn einstach. Er will von der Knoll'sche» Wohnung heruntergekommen sein, als der Lärm auf dem Flur fast zu Ende war.— Der Angeklagte Buchwald, der fünfte, ivelcher bei der Tödtung des Gendarmen Müller betheiligt sein soll, bestreitet, daß er über- Haupt seine Wohnung, die an den Flur im Weber'schen Hause stößt, während des Lärms verlassen hat. Die Anklage will da- gegen Beweise dafür erbringen, daß Buchwald aufreizende Reden führte und während des Kampfes auf dem Flur war. Dem Berichterstatter Bennemann soll der Angeklagte Buchwald am Tage nach dem Tumulte eine Beschreibung von den Vorfällen auf dem Flur gegeben haben, als sei er selbst Augenzeuge der- selben gewesen. Der Augeklagte will den Herrn Bennemann für einen Kriminalbeamten gehalten und ihm den Sachverhalt ganz objektiv vom Hörensagen erzählt haben. Auf Veranlassung des Rechtsanwalts Heine wird der An- geklagte noch gefragt, wie viele Personen zu der fraglichen Zeit überhaupt auf dem Flur gewesen seien. Er schätzt die Menge auf mindestens 16 Personen. Hiermit wird die Vernehmung der Angeklagten geschloffen und in die Beweisaufnahme eingetreten. Als erster Zeuge wird der Polizei-Jnspektor Jäckel aus Köpenick vernommen. Derselbe bekundet, daß schon seit dem 17. März sich in der Arbeiterbevölkerung Köpenicks und Umgegend eine hochgradige Gährung und Unruhe bemerkbar machte, welche seiner Ansicht nach von Führern der Sozialdemokratie geschürt wurde. Es fanden allabendlich Versammlungen in den Straßen statt, welche sich aus Personen beiderlei Geschlechts zusammen- setzten. Es blieb zunächst bei Hochrufen und Gejohle und habe die Polizei geglaubt, nicht gleich so schroff vorgehen zu sollen, um nicht den Vorwurf auf sich zu lenken, als seien zu strenge Maßregeln angewendet worden. Die Ansammlungen seien aber immer großartiger geworden und hätten zuletzt einen solch de- drohlichen Charakter angenommen, daß eingeschritten werden mußte. Der Zeuge schildert sodann die Vorgänge am Abende des 20. März im Sinne der Anklage. Einer der Vertheidiger wünschte von dem Zeugen den Grund zu erfahren, weshalb jene erwähnte Versammlung verboten wurde. Der Zeuge erwiderte, daß dies auf Grund des Sozialistengesetzes geschehen sei. Es habe ohnehin schon eine besondere Mißstimmung unter den Arbeitern geherrscht und diese Gesinnung sei noch durch Redner ge- schürt worden, welche die sozialdemokratische Partei ans Berlin nach Köpenick sandte.(???) Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Heine, hielt dem Zeugen vor, daß er im dienstlichen Verkehre mit den Rednern, welche Vorträge zu halten wünsebten, stets einen sehr verletzenden Ton angewandt und auch bei Urberwachung der Versammlungen ein besonders schroffes Wesen zur Schau getragen habe. Auch habe der Groll der Bevölkerung sich mir gegen die Polizei und nicht gegen die Bürgermeisterei gerichtet. Das letztere giebt der Zeuge zu. Der Zeuge kann nicht behaupten, daß fremde Führer die Unruhestifter angereizt haben. Ebensowenig vermag der Zeuge den Angeklagten Reuter mit Bestimmtheit als den Rädelsführer zu bezeichnen, der sich bei den Krawallen besonders bemerklich machte. Reuter bestreitet wie erwähnt, daß er an den Abenden vor dem 20. März sich in Köpenick aufgehalten habe. Zeuge Redakteur Bartsch bekundet idageaen, daß er den Polizei-Jnspektor Jäckel auf den Angetlagieu Reuter als Rädels- sührer aufmerksam gemacht habe. Es müsse dies am 19. März gewesen sein. Polizei-Jnspektor Jäckel erinnert sich auf Vorhalten dieses Gesprächs mit dem Zeugen Bartsch. Nach der Aussage des folgenden Zeugen, des Malers Ackelvein, ist der Angeklagte Reuter am Tage des 19. März nicht in 5iöpenick gewesen, es sei aber nicht ausgeschlossen, daß er am Abende nach dort gekommen sei. Dagegen erkennt eine ganze Reihe Zeugen in dem Angeklagten Reuter denjenigen Mann wieder, der die Anführerrolle gespielt hat, wie sie von der Anklage geschildert wird. Der Präsident vertagt die Sitzung um 6 Uhr bis morgen. «rols» öffricklich- UoiksosrlUinmlniig am Dienstag, den 2». November, Llbends Uhr, bei Uevel, Rannyusteaße 2?. Tagesorduuna: l. Das Ver halten der Berliner Arbeiter gegenüber de» rmoeganisirte» Äastwtrthsgehitfen tltclluer). Referent: K. Auvell.: Korreferent: E. Boller. 2. DiÄuiswn. s. Acrschiedei-.c«. Da e» sich um AuSliihrnng des BeschlnsteS, die„Erlennuna«- i-ichen-- beircssenb, hanbelr. wlrb um zahlreiche« Erscheinen, tnSbefondere der Herren iSeivertfchvslSvorstände gebeten. Freie tzfrrrinignng der p.artonarbliter. Verfammlung am Mittwoch, den 28. November, Abend« er Uhr, bei Siiger, Griinec Weg 22. '" U r.f.— O« IJC- jl:........-rt..«fc 25. ciuer.oö v.ij uyv, oet»rimec Weg 29. otzi aldemokrati fch» Agitationsschu!»„Kultur". Dienstag, den tovember, Abenss 8% Uhr, Marlendorferttratze 10 bei Schönfeld Bersamm- IU?J-%W?ovtmutta; Vortrag. Vorlesung: Richtcr'Z„Irrlehren". DlZ .ussto»._ Verschiedenes. Gäste, durch Mitglieder eingeführt, haben Zutritt. ... Kotialdeaiokratil'chrr Wahl»»r«in für den o. Kerliner Kcichstag». MlMnrri», Versammlung am Dienstag, den 25. November. Abends s Uhr, im Restaurant Rosenthalerstraße SS(oberer Saal). _, Brolie öffentliche Perfammlung der Lithographe» Keelin« am Dienstag, den 25. November, Abends e Uhr, im oberen Saale des Restaurant Feuerstein, Alte Jakobstrab- 76. . Lachverei« samnitlichee an«olibearbritungs-NIofchinen dcschiif- tigtev Arbeiter. General-Versammlung am Montag, den 1. Dezember, in Säger's Lokal, Grüner Weg 2g. Nrrband der Schneider und Schneiderinnrn(Filiale Moabit). Ver- '■Ä1!,""3 tnn Dienstag, den 25. November, Abends W Uhr, im„Kastanten- Waldchen", Mt-Moabit 80—00. Keutr. am 26. November, Abends 0 Uhr. findet im Saale des Herrn Man, Beuthstraße 22, 1 Dr., eine Mttglieder-Versammlung der Nalio- nalen Kranken- und Sterbclasse der Droschk-nkutscher u. f. w.«. H. Nr. 76(Kassen lokal Sch üyenstraße 68) statt mit der Tagesordnung: 1. Die Novelle zum Krankcnkassen-Geseh, wie sie ist und wie st- sein sollte. 2. Diskusston und 3. Walil eines Delcgirten uud eines Stellvertreters zum Kongreß freier eingeschriebener Hilsskassen. Die Mitglieder obiger Kasse werden dringend ersucht, pünktlich zu erscheinen. Das Mitglieds- buch legitimirt. Fachvrrrin der Metallkchleifer Kerlin». Ain Dienstag, den 26. No- vember 1800, Abends 8 Uhr, Mitglieder- Versammlung in NeyerS Salon, Alte Jarobftr. 8s. Achtung! Große öffentliche Versammlung der Klempner Berlins und Umgegend am Dienstag, den 26. November, Abends 8 Uhr, tu Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 76. Grosse öffentlüife Versammlung gewerblicher Kilfaarbeiter für gserhsi und Untgegend am Dienstag, den 26. November, Abends 8K Uhr, im Saale der Norddeutschen Brauerei, Chausseestr. 68. ... Sofialbeinaki-att scher Wahlverei» de» s. Kerliner Ueichatag«- Mahlbrelse». Versaminlung am Dienstag, den 26. November, Abends 8 Uhr, tn Keller's Hosjäger, Hasenhaide, Bergmannstr. 61. ?'!?"s>»ngosrst de» Deutsche» Achneider- uud Achneideriunen- Verbnnde» der Filialen Berlins am Sonntag, den so. November, bei Joel (früher Keller). . Freie Vereinigung der Danirnmäntrl-Achneidcr(Bügler, Stepper und Zuschneider) und der Arbeiterinnen der Bekleidungs'Jndustrie Berlins. Große Versammlung am Dienstag, den 26. November, Abends 8si Uhr, bei Nürnberg, Schönhauser Allee 28. VepefMen. Molffs Trlcgraphcir-Kttrcitu.) Frankfurt a. M., den 24. November. Infolge des furchtbaren Sturines ist heute um 6 Uhr Morgens die im Bau be- griffene Maschinenhalle der elektrischen Ausstellung eingestürzt. Die Halle ward solid konstrnirt. Der Unfall konnte nur da- durch entstehen, daß der Wind sich in den bereits verschalten Theilen der Kuppel und des Daches fing. Niemand wurde ver- letzt. Der Bauunternehmer, welcher den Schaden allein zu tragen hat, hofft denselben in vier Wochen repariren zu können. Ter Beginn der Ausstellung wird dadurch nicht ver- zögert. Elkerfeld, den 24. November. Ein großer Theil Elber felds ist überschwemmt. Die meisten Schulen sind geschlossen, der Zugang zu den großen Fabriken ist gesperrt. Der Regen dauert fort. Elberfeld, den 24. November. Wie die„Elbcrselder Ztg." meldet, ist ein großer Theil Barmens ebenfalls überschwemmt; das Varmer Theater ist geschlossen.— Hier ist der Pferdebahn- Verkehr eingestellt. Das Wasser steigt. In den Fabriken des Vollnie-Thales bei Hagen kann des Hochwassers wegen nicht ge- arbeitet werden. Elberfeld, 24. November. Wie die„Elberfelder Zeitung" meldet, sind das Theater und die Vergnügnugslokale wegen der Ueberschwemmung geschlossen. Die meisten Tagesblatter sind nicht erschienen. Von den Hauptstraßen sind nur die Hofkamper- straße, die Louisenstraße und der Neumarkt von Wasser frei. Erfurt, 24. November. Das königliche Eiscnbahn- Betriebsamt Erfurt meldet: Die Strecke Dietzhausen-Grimmenlhal ist wegen Dammrutschung infolge Hochwassers bis auf Weiteres unfahrbar. Köln, 24. Noventber.(Telegramm des„Herold".) Der Rhein ist bei Köln auf 4,70 Meter gestiegen. Der Eisenbahnverkehr auf dem rechten Rheinufer oberhalb Troisdorf und Siegburg ist wegen Ueberschwemmung gestört. Die Strecke Opladen— Düsseldorf und Vohwinkel— Steele ist wegen eines Dammrutsches ge- sperrt. Bei Jommigrath stürzte die Eisenbahnbrücke ein.— In Elberfeld wird der Einsturz von Häusern befürchtet. Fast sämmtliche Fabriken stehen still. In Köln und am Oberrhein werden Vorsichtsmaßregeln gegen Hochwasser getroffen. Köln, 24. November. Der Rhein mit seinen Nebenflüssen, besonders die Mosel, steigt andauernd. Der Kölner Abendpegel zeigt 4,62 in. Der Regen läßt jedoch gegenwärtig»ach. Fast aus allen Theilen des Rheinlandes und Westfalens treffen Ueber- schwemmungsnachrichten ein. Manche Züge können wegen der Streckenunterbrechung nicht ausfahren. Karlsbalb, 24. November. Die Tepl ist 4 Meter über die norinale Höhe gestiegen. Das Haus Cafebaum ist eingestürzt. Vier Brücken, sowie alle Läden auf der alten und neuen Wiese sind vom Wasser weggerissen. Die Gas- und Wasserleitnng ist zerstört, der Schaden enorm. Soweit bekannt, ist kein Verlust an Menschenleben zu beklagen. 24. November. Der Annaschacht der Brüxer B baugesellschnst in Tschauch ist durch Niedergehen»lehrerer baupläne größtentheils unter Wasser gesetzt. Von den be Grube beschäftigten Arbeitern sollen gegen 20 umgekommen 1 (Nach Schluß der Redaktion eingetroffen.) Kassel, 24. November. Infolge der Wolkenbrüche in Umgegend sind große Ueberschwemmungen eingetreten. Das g chen Ahne setzte die Gasanstalt unter Wasser. Die chesam Gasbeleuchtung wurde eingestellt. Im Theater und im 0 sind die Vorstellungen ausgefallen.. � gp Frankfurt a. MI., 24. November. Bei den hensigen 0 gänzungswahlen zur Stadtverordneten- Versammlung fiegie Liste der vereinigten Parteien der Nationalliberalen, �einor und Freisinnigen in allen Bezirken., Köln. 24. November. Die Eisenbahnstrecken Kupferdre? Langenburg und Opladen-Düsseldorf find infolge Dammru M gesperrt. Bei Immigrath ist die Brücke eingestürzt._;» Krefeld, 24. November. Die Strecke Duelken-Bruggen> durch Dammrutsch zwischen den Haltestellen Burgivaldeww Amera auf zwei bis drei Tage gesperrt. Der Personenve wird durch Umsteigen vermittelt. Camen, den 24. November. Das Hochwasser hat 9 beträchtlichen Schaden angerichtet. Die Straßen der Stadt 1 ganz unter Wasser. Mehrere Fabriken haben die Arbeit gestellt. der Nedolktion 100 M. von UMfchke vom Verein der Schriftgttß Berlins und 3 M. von Höhne für die streikenden ScHuHmaw in Erfurt, Glasarbeiter in Bergedorf, Zigarrenarbeiter uno beiterinnen in Eschr-ege laut Postschein abgesandt. Ä. St. 1. Der Arbeitgeber kann die Krankenkassen-Beitr» des'Arbeiters, auch die rückständigen, vom Lohne abzn?• 2. Absolute Stimmenmehrheit bedeutet: mehr als die Hasire abgegebenen giltigen Stimmen; die relative Stimmenmehryeu; derjenige, aus welchen sich die größte Stimmenzahl vereinig t 3. Vei Versammlungsanzeigen oder-Anmeldungen ist die-»ng des Referenten nicht nothwendig.-kXiM K. St., Adolfstr. Pathengeschenke gehören zu Gelegenheitsgeschenken, deren Herausgabe von den Scheinen nicht verlangt werden kann. am Dienstag, den 25. November, Abends 8V2(Ihr, in Albert Uebel's Saal, Maunynstr. 27. Tagesordnung: 1. Das Verhalten der Berliner Arbeiter gegenüber den unorganisirten Gastwirthsgehilfen. Referent: Fr. Zuteil. Korreferent: E. Folter. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. Um zahlreiches Erscheinen Der Einberufer L. Ed ort, Kellner. Große öffentliche Versammlung siiMtlicher in Fabriken besjastigtetl Arbeiterillnen am Mittwoch, den 26. Uovembrr, AKrnds 8V2 Khr, i« Urbel's Salon, Uauntinstraße 27. 780 Tages-Ordnung: 1. Die Zustände und Lohnverhältnisse in der Posamentenfabrik von Herz und Vegener, Stralauerstraße 39. Referentin: Frau Oubela. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten eine Tellersammlung. Um zahl- reiches Erscheinen bittet Die Agitations-Kommifston. FaeWerem der Tisclilet* für den Bezirk Rixdorf und Umgegend. Dienstag, de» 26. zlovemlirr, Abend» SVa Uhr: Versammlung"WU Im Lokale de» Herr» Troll, Knefrbeck- Straße Ur. 77. Tages-Ordnung. 1. Vortrag des Kollegen Bruns. 2. Diskussion. 3. Werkstattangelegenheiten und Verschiedenes. Zu dieser Versammlung sind die Kollegen der Werk- stätten von: Otto Hesse, Juliusstraße 22; 6. Scholz, Bergstraße 16 sowie der AkUeniesellBchaft für Monlerarheiten(vorm. Weiss 4 Co.) höflichst eingeladen. 796 Der Devollmiichtigtr. Fachverem der Tischler.(Osten.) Mittwoch, den 26. November 1890, Abends 8'/2 Uhr 1 IM" Große Versammlung Hü im Lokale des Herrn JoKI(früher Keller), Andreasstr. 21. Tages-Ordnung: 1. Vortrag über:„Was kann das deutsche Parlament den deutschen Arbeitern nützen?" Referent: Herr Dr. Lütgenau. 2. Diskussion. 3. Aufstellung von 4 Werkstatt-Kontroleüren. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Aufnahme neuer Mitglieder. Kollegen, agitirt kräftig, damit die Ver- sammlung gut besucht ivird.— Die Kollegen der Werkstatt von Httbeuor, Blumenstraße 38, sind höflichst eingeladen. 785 Der Sevollmächtigte. 56 i *0 a> PQ O) a> Feste Preise. Für Mark 38 liefere Winter-Paletots in allen Farben, elegant sitzend, gut gearbeitet. J. Baruch(vormals Adler& Baruch), 143. Oranienstraße 143, zwischen Moritzplatz und Brandenburg st raße. Feste Preise. W cv s. cv Cd cv a I £StWniftririill0 bester Qualität, geruchlos, Voliturspiritns, sehr hochgrädig, 92-96 pEt. Splmlus mit Holmelst denaturirt. ca.?6pCt., liefert zu sehr billigen Preisen frei ins Haus und nach auswärts bahnfrei hier Die Brenn spiritus- Fabrik Hermann Meyer& Co., 771_ Krrlln, Ufedomstraße(Berliner Lagerhof). TepHe Webesehlerk jed. Art u. Größe, Portieren, Gardinen, Tischdecken, Läuferstoffe, Steppdecken unterm Kostenpreis. Einzel- Verkauf Teppichweberei Zimmerst r. 86, Hof parterre. 635 Rob-Tolmk rtÄ" Größte Auswahl, billigste Preise. 831 G.Elkhnysen, Mnnzstr 10. Das gr. Lager Berlins »Andreasstr.2il,H.pt. Unserm Genossen Hermann Stock, zu seinem heutigen Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch, daß die Weiß- bier-Pullen bei August Wagner wackeln. Die Rothen vom Klub E ni anzipation! Hermann merkst Du nischt? 794 Uns. Freund. August Türk u. Gtto Grell zu ihr. heut. Geburtstag e. donn. Hoch, daß das Elisabcthufer m. d. Engel- decken in einanderläuft. Die Stammgäste vom rothen Berndt. 793 Ob sie sich wat nierken lassen? Dem Verein der Tafeldecker, Unterftüktingoknssed. Gastwirt sts- gekilfen, sowie allen Freunden und Bekannten, welche meinem lieben Manne, deni Schankwirth August Schugk, die letzte Ehre erwiesen, sowie dem Herrn Prediger Bayerhof, meinen herzl. Dank. Die tiefbetrübte Wittwe Bertha Schugk. MWening! Die nachbezeichneten Vergolder- g e h i l f e n werden hiermit ersucht, ihre Angelegenheit mit unterzeichnetem Komitee bis längstens Sonnabend, den 29. November 1890 zu regeln: Blenkner, Günther, Wiese, Giesler, Winkler. Das Tergntigungskoniitee dor Tergoldor. I. A.: K. F r i e s. 778 Werderstraße 56a, Britz. AGrderW! Alle diejenigen Genossen, welche bei dem Exzesse in Blumberg zugegen waren und am 19. d. M. nicht zum Termin anwesend waren, werden ersucht, ihre Adressen an den Rechtsanwalt Herrn A. Stadthagen, Landsbergerstr. 62, ab- zugeben. 763 Freie Vereinig, d. Kar tonarbeiter. Versammlung am Mittwoch, 26. Nov., Ab. 8Ve Uhr, bei Sasgor, Grüner Weg 29. Tagesordnung: 1. Die Organisationsfrage. 2. Diskussion. 3. Ergänzungswam zum Vorstand. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Um zahlreiches Erscheinen ersucht 777 Der Dorstaud. Jer Wvertaiij des Manasse'schen MttenlMs,Bttlteßr.17, bestehend aus Kleidrrstossen, findet werktäglich Vormittags von 9—12 Uhr it. Nachmittags von 2—6 Uhr statt zu festen 617 TaMlsen. Der Bemalter. A. Goldsehmidt, Spandauerbrücke 6, an! hiesigen Platze bekanntlich Größte Auswahl. Garantirt stcher brennende Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel besindl. Rohtabake sind am Lager. A. Goldschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke's chen Markt.[746 WWavs S. Heine Chansseestr. 14. Die schönsten KiMkleiher unll-Jalkea für Mädchen jeden Alters, sowie Morgenrölke, llaterröcke, Trikottaillea v. Evm, auch im Einzelverkauf sehr billig! Maaßbestellungen u. Reparaturen werden prompt erledigt! Normal-Unterkleidcr und Triko- tagen für Herren, Damen und Kinder. Strümpfe, Socken, Hand- schuhe ic. WWMS S. Heine. . Achtung! �___ Empfehle mich zum Reinigen und Auffärben von sämmtlichen Herren- und Damen-Garderoben, desgleichen Polster- möbeln, ohne abzutrennen. C. Kopiin, Wilh! Linde. Dampf-Knnst'Polstrrmöbrl- Färberei u.chemijche Garderoben- Ileinigung»- Anstalt. Reparatur und Kuitststopferei im Hanse. Fabrik: Stralauer Strasse 49, Eommandantenstr.40 Köpnickerstr.TOa. Ssphlibeßge! > Reste v. ZVe— 5 Meter spottbillig. j Emil Lefdvre, Granienstr. 158. Proben franko I [59 Bitte lese« Ziel Jedem, der billig und reell kaufen will, empfehle mein reichhalt. Lager in Winter-Paletots, Rock- und Jaquet-Anzttgen, einzelnen Röcken, Jaquets, Hosen und Westen, Stiefeln, Hüten, Besten, Wäsche, Uhren, Reise- und Holzkoiiern etc., sowie Dmev-Mtelu und Kleidern. Alles in alt und neu! Kaufe sämmt- liche Sachen auf Auktionen und von Leihämtern, auck> sind verfallene Pfänder dabei, daher die enorm billigen Preise. A» Wergien, Kchueidermrister.(Gegründet 1874.) 127. Skalitzerstr. 127. Bitte sehr, recht genau auf Namen und Hausnummer zu achten. 2347 Nordhäuser Korn, garantirt echt.... ä Liter—,55 M. Rum, Cognac, Liqueure„ 1,—„ Brennspiritus....„—,35„ Punsch, Grogk, Glühwein........„ 1,25„ Brauer& Grützmann. Berlin 0., Andmsßraße 63. _ Hof gerade?»._ 784 E.«»st. Mädchen k. mit einw. z. 1. Dez. Dennewitzstr. 25, H. i Tr. b. Key. E. Schlafstelle i. a. 1 Gen. z. I.Dez. i- verm.6. Fr, Gubela. Manteuffelstr.91 1. Winter-Valetots uith Anzüge bei billigsten Preise» empfiehlt das bekannte Herren- nud Knaben- Garderobe- Geslhas von 425 Julius Lindenbauji 1 Große Frankfnrterstr. 18®' Spezialität: Anfertigung noE Maaß und Arbeitssachen. (Kitte genau ans Firma Hausnummer?« achte«/ „Marque Belgique Alexanderstr. 23,' empfiehlt Eoanac, ff. Fiqueur zu billigsten Preisen in Flasche Maß und in Gläsern. 9 � en, i""* Benediktiner pr. Fl. IVsM., Glas � Stonsdorfer- IM.- r- Echt. Nordhäuser pr. Fl. 75 Pf..®1" Getreidekümmel pr. Fl. 1 M.,®,a„Jin CrSme de Rose pr. Fl. 1 M.,@'a-:n do. de Vanille- 1-' L do. de Marasquin Fl. 1 911. 5 L Crambambuli pr. Fl. 1 M.,» Knickebein pro Glas 20 Pf. � Nordhäuser mit Punsch pr. Lit. Nordhäuser mit Punsch pr. Liter 7 Luft mit Luft, pr. Liter 1 M. � Cognac flne Champagne zu. schiedenen Preisen in Oriainalflas'? Münchener Bier von O. löer _ ä Glas 10 Pf.___ Es ilitrde M Leopold JacoW' Stuttgart bei J. H. W. Di® Preis 50 Pf* *) Vorher durch das Sozialisten� verboten. Koppel und Tornister- Riemen. Bandaliere billig zu haben,. G. M. Hopp, Verl'"' ___ Elsasserstr. 9&_�< Allen Freunden und Parteigen � empfehle mein neu eröffnetes,( / milWirnSf Emil Berndt, ElisabethMer� r»..____.—.'g-rTth. Dr. Hoesch, Homöopath-„st Artilleriestr. 27. 8-10, 5-7, Zonnt� Ein Vereinszimmer ist zu bei Adolf Laege, Fürbringerstr.�5>-D Btßt Btjnzäiiiitle KJ0Ä metfragen von 50 Pf. an in all. ü P. Kochmann, aho jako� Möblirte Schlafstelle, sep. E'" Skalitzerstr. 24a, 3 Tr. l. Meyer's, Brockha� Lexica, Bücher, Bibliotheken jss A. Hannemann, Kochstr. 56, m Ein tüchtiger Firnisser findet da. p Beschäftigung. Neumann, Hennig Reichenbergerstr. 47. y' Dornknopfdrelirr verlange 783 Lenschow 4 Markert. Vor dem Stralauer Verantwortlicher Redakteur: Gurt KaaKr in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW.. Beuthstraße 2. . Beilage Nr. 273. Dienstag, den 23. Uovemder 1890. 7. galjeg. LQliÄles. ber w'�?�rtlltüituutrrioit veröffentlicht nachstehend die Liste opfc.» Pe' �ie ihre Lokale zu Versammlungen unentgeltlich her- bemerkt hierzu, daß dieselbe wöchentlich einmal mit event wmvv*.«,*. wup vicfcift»wvw.;c»miu; tuuuui uut litf?-Abänderungen abgedruckt wird, ferner, daß Veröffent- b?, 2�in Bezug auf die Lokalfrage nur von den Herren W il- jz./,?.. Werner, Elisabeth-User öS, August In sing er, ; 48' und Otto Heindorf, Langestr. 70, aus- „®7ien haben. Alle event. Unregelmäßigkeiten sind an die ge- Herren zu berichten. Adlerbrauerei, Badstraße. Aktienbrauerei Moabit. Arminhallen, Kommandantenstr. 17, C. Vachmann, Tresdenerftr. 4S. Bergschloßbrauerei, Rixdorf. Beyer, Neue Grünstr. 14. Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. Böhmisches Brauhaus. Bötzow's Brauerei. Bolzmann, Andreasstr. 26. Vobert, Weinstr. 11. Brauerei Tivoli, Kreuzberg. Brauerei Königstadt. Brauerei Friedrichshain(Lips). Brauerei Friedrichshöhe(Patzenhofer). Brauerei Pfefferberg. Buggenhagen, Moritzplatz. Büß' Salon, Gr. Frankfurterstraße. Bürgersäle, Tresdenerftr. 96. Konzertpark, Ostend, Frankfurter Allee. Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 48a. Deutscher Hof, Luckauerstr. 15. Deutsches Volkstheater, Schönhauser Allee. Eiskeller-Etablissement, Chausseestraße. Elysium, Landsberger Allee. Fenske, Landsbcrgerstr. 37. Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75. Gebhardt, Prinzenstr. 87. Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 73. Gnadt, Brunnenstr. 38. x Gründe!, Tresdenerftr. 116. Gründer's Salon, Schwerinstr. 13. Habel's Brauerei, Bergmannstr. 5—7. Heise, Lichtenbergerstr. 21. Hennig, Hochstr. 32a. Herzog, Memelerstr.,„Deutscher Kaiser". Heydrich's Säle, Beuthstr. 18-21. Fritz Jlgcs, Wilsnackerstr. 63. Industrie-Hallen, Mariannenstr. 31—32. Joöl(früher Keller), Andreasstr. 21. Keller's Hofjäger, Jnh. A. Fröhlich, Hasenhaide. Keller, Bergstr. 68. Königshof, Bülowstraße. Klein's Festsäle, Oranienstr. 180. Kliein, Hasenhaide. Königsbank, Gr. Frankfurterstr. 117. Krüger's Bierhallen, Frankfurterstr. 89. Krieger's Salon, Wasserthorstr. 68. Kuhlmey's Gesellschaftshaus, Köslinerstr. 17, Meißner, Gartenstr. 162. A. Möwes' Gcsellschaftshaus, Fichtestr. 29. Müller, Johannisstr. 20. Neustädtischer Volksgarten. Proskauerstraße. Norddeutsche Brauerei, Chausseestr. 58. Orschel, Sebastianstr. 39. Parlamentshalle, Landsbcrgerstr. 35. Rau's Salon, Skalitzerstr. 125(Wolf u. Krüger). Reichert. Müllerstr. 7. W. Nehlitz, Bergstr. 12. Renz' Salon, Naunynstr. 27. Rennefahrt's Salon, Dennewitzstr. 18. Reyer, Alte Jakobstr. 83. Roll, Adalbertstr. 21. Ruhland, Moabiter Schützenhaus. Sachow, Müllerstr. 136. Saeger, Grüner Weg 29. Iahm's Klubhaus, Annenstr. 10. Sanssouci, Kottbuserstr. 4 a. Echefser's Salon, Jnselstr. 10. Schloßbrauerei Schöneberg. Schnegelsberg's Salon, Jahnstr. 8. Schneider, Belforterstr. 15. Schröder, Müllerstr. 178(Weddingpark). Schwarzmüller, Kolbergerstr. 23. Silber-s Salon, Schwedtersir. 24., Specht(Brauerei-Aussck)ank), Neue Jakobstr. 26, Cüd-Ost, Waldemarstr. 75. Unionsbrauerei, Haseuhaide. Bereinsbraueret,(Rixdorf). Viktoriabrauerei, Lützowstraße. Viktoria-Salon, Perlebergerstr. Volksbrauerei(Moabit). Wedding-Park, Müllerstr. 76. Wedding-Kasino, Schulstr. 29. Weich Alexanderstr. 31. Wollschläger, Bluinenstr. 73. Wohlhaupt, Manteuffelstr. 9. Wilttke, Friedrichsbergerstr. 20. §«lt Nr. 1, acii auf diese Liste zu achten. 00# 13. ar'Ä •*-©nmorf»inen Ball oder der- eintbÄ" 0erutlaaJ6 o,e nur»..._______ ic Töchter an den Mann zu bringen. Hier ist die Langeweile wegen Mangel an nutzbringender Arbeit häufig anzutreffen. Eins der gewöhnlichsten Mittel, die Langeweile zu vertreiben, ist nun die Lektüre und in dem Konsum dieses Ar- tikels wird dann in den Wintern, onatcn ganz Respektables ge- leistet. Die Frage:„Was sollen wir lesen?" ist denn auch in diesen Kreisen sehr schnell beantwortet. Man will eben weiter nichts, als sich die Zeit vertreiben, sich unterhalten und da bieten denn die Journal-Lesezirkel, die Leihbibliotheken u. s. w. reichlichen Lesestoff. Anders verhält es sich indessen mit der arbeitenden Bevölkerung. Auch an sie tritt in der Winterszeit mehr oder minder die Frage heran:„Was sollen wir lesen?" Denn ein großer Theil der arbeitenden Bevölkerung ist bekanntermaßen zur Winterszeit zur unfreiwilligen Muße verurtheilt, indem entweder die jeweilige Arbeit gänzlich ruht oder doch in weit beschränkterer Weise voll- bracht wird, als zur Zeit der„langen Tage." Es ist daher nur „atlirgemäß, daß auch die arbeitende Bevölkerung sich jetzt mehr der Lektüre widmet und so tritt auch an sie die hochwichtige Frage heran:„Was sollen wir lesen?" Für die denkenden Arbeiter ist die Beantwortung dieser Frage nicht schwer, sie lesen nicht, um sich lediglich die Zeit zu vertreiben, sich zu unterhalten, sondern um sich aufzuklären, sich zu belehren, ihr Wissen zu bereichern. Sie werden daher in der Wahl ihres Lese- stoffes nicht zweifelhaft sein. Leider gicbt es aber noch immer viele nicht denkende Arbeiter und sie sind gerade in Bezug auf Lektüre von vielen Gefahren umstrickt. Wie überall, geben auch hier die Arbeiter, die sogenannten„kleinen Leute", ein be- liebtes Operationsgebiet für allerhand Spekulationen ab. Da sind in erster Linie Tageszeitungen, welche durch einen billigen Zlbonnementspreis Leser zu kapern suchen und denen ihre Operationen auch noch immer erstaunlich gelingen, denn sie prahlen in marktschreierischster Weise init ihren 80,000, 100,000 Abonnenten und darüber! Durch diese Reklame wird nun weiter der Zweck verfolgt, das Publikum zum Jnseriren zu veranlassen,' indem sich diese Zeitungen als die„gelesensten" brüsten und den Inseraten auf Grund ihrer„weiten Verbreitung" den„besten Erfolg" versprechen. Neben dem Abonnentenfang betreiben derartige Zeitungen auch den Jnseratenfang, sind ledig- lich Geschäftsunternehmungen, ziehen den Arbeitern, den kleinen Leuten das Geld aus der Tasche und sind für sie nicht allein werthlos, sondern sogar gefährlich, indem sie theils unverhüllt arbeiterfeindliche Tendenzen vertreten, theils durch falsche Arbeiter- freundlichkeit ihre Spekulationszwccke zu verhüllen suchen. In Bezug auf die Frage:„Was sollen wir lesen?" stehen für die arbeitende Bevölkerung natürlich die Zeitnngen im Vordergrunde, doch kann hier lediglich und allein die Arbeiterpresse, sowohl die politische Tagespresse, wie auch die gewerkschaftliche Fachpresse, in Betracht kommen. Sind die Arbeiter und Arbeiterinnen, die „kleinen Leute", mit einem Worte ist das Proletariat erst zu dieser Erkenntniß, zur Erkenntniß seiner eigenen Interessen gelangt, dann ist für dasselbe die Frage:„Was sollen wir lesen?" auch zum großen Theil gelöst. Wem diese Zeitungen nicht genügen, seinen Wissensdrang zu befriedigen, dem ist mannigfache Gelegen- hcit geboten, diesem Drange zu geniigen. In den Vereinigungen der Arbeiter wird diesem Drange immer mehr Rechnung getragen durch Errichtung von Biblotheken. Hier wird den Mitgliedern Gelegenheit geboten, eine ausgewählte, für sie paffende Lektüre zu entnehmen und diese Bibliotheken sollen und müssen immer mehr gepflegt und ausgestaltet werden. Jedem, dem daran gelegen ist, sich aufzuklären, sein Wissen zu bereichern, bieten die Arbeiter- Buchhandlungen einen billigen und werthvollen Lesestoff. Hat die arbeitende Bevölkerung erst an diesen literarischen Erzeugnissen Interesse genommen, dann wird naturgemäß auch bald das Interesse für die Schauerromane, für die Hinlertreppen-Literatur, für die„pikanten" Geschichten verschwinden, mit welchen, auf das Lesebedürfniß der breiten Volksmassen spekulirend, geldsüchtige Unternehmer die arbeitende Bevölkerung überlaufen. Und daß das Interesse für das Gute, Edle und WisseuSwerlhe immer mehr geweckt werde, dafür muß in Wort und Schrift agitirt werden, zu diesem Zwecke sind auch diese Zeilen geschrieben. Möchten sich recht bald alle Arbeiter klar werden über die Frage:„Was sollen wir lesen?" Aus dem Klasseustaat. Wohl nirgends prägt sich die Klassenherrschaft, unter der wir lebe», so sichtbar aus, als auf der Eisenbahn, so anerkennenswerth auch sonst die Leistungen in diesem Betrieb sein mögen. Hier wird der Besitz bevorzugt, wie sonst kaum bei anderen Einrichtungen, die man als öffentliche bezeichnet. Nur, wer's bezahlen kann, der darf in behaglich ein- gerichteten Waggon?, wie in erster und zweiter Klasse, und mit den Schnellzügen reisen, die binnen wenigen Stunden das Reich durchfliegen. Der Proletarier muß, nnt Ausnahme weniger Linien, mit den Bummelzügen fahren und hat in der dritten Klasse nur einen harten hölzernen Sitz, wo sich die Passagiere in Masse zusammendrängen müssen; in der vierten Klaffe giebt es gar keinen Sitz, und wer sich nicht auf einen Koffer setzen kann, der muß stehen. Es ist gerade, als ob man den Passagieren der dritten und vierten Klasse das Reisen verleiden möchte. Und doch sind diese beiden Klassen die einträglichsten! Wenn eine Bahn- linie aus den Einnahmen sich halten sollte, die ihr die erste und zweite Klasse bringen, so würde sie nicht lange bestehen können. Staats- und Privatbahnen sind sich in diesen Dingen völlig gleich. Die Privatbahncn suchen möglichst viel Dividende» für die Aktionäre heraus zu pressen und deshalb wird die dritte und vierte Klasse mit so wenig Komfort ausgestattet, als nur möglich. Die Staatsbahnen unterliegen einem ähnlichen Zwang, wenn auch zu einem anderen Zweck; ihre Verwaltung will im Einnahmebudget des Staates mit möglichst großen lieber- schüffen verzeichnet stehen. Man braucht ja so viel Geld für das Heer, und wer sein vollgerüttclt Maß dazu beiträgt, der ist wohl angeschrieben. Dafür mögen die Proletarier auf den harten Bänken der dritten Klasse herum rutschen, oder in der vierten stehen! Es ist nur Mangel an Patriotismus, daß sie nicht be- greifen, welch' erhabenein Zweck sie damit dienen. Von den be- häbigen Leuten der ersten und zwei«» Klasse kann man solche Opfer nicht verlangen; die haben sich ohnehin bei Festessen und anderen patriotischen Schmausen uns Gelagen genug für das Vaterland zu opfern! Indem wir für die große Masse, die erst die Eisenbahnen rentabel macht, mehr Komfort verlangen, werden wir freilich einige„gut bürgerliche" Gemüther in Aufregung bringen. Diese werden behaupten, daß wir die„Begehrlichkeit" der Arbeiter an stachelten. Das kümmert uns nicht, denn wir verlangen nichts lieber- triebenes. Wir verweisen auf die nordamerikanischen Eisenbahnen. Die Iankees schenken auch Niemandem etwas, aber ihre Eisen- bahnen haben sie so eingerichtet, daß der Passagier, und fei er auch der ärmste, keine Torturen auszustehen hat, wie bei uns in der dritten und vierten Klasse. Es ist unglaublich, wie weit wir in manchen Dingen noch zurück sind. Vor etwa sieben oder acht Jahren wurde in einem deutschen Bundesstaat erst der Brauch eingeführt, die Eisenbahnwaggons im Winter bei strenger Kälte zu heizen, und die Verwaltung that sich auf diese„zeit- gemäße Neuerung" nicht wenig zu Gute. Aber wir gehen noch weiter. Wir behaupten, daß im Ver hältniß zu den Strapazen, die dem Passagier der dritten und vierten Klasse auferlegt werden, die Fahrpreise viel zu hoch sind. Wir haben in dieser Beziehung in Deutschland verschiedene Be- rechnungen; auf dieser Bahn ist das Gepäck theurer, auf jener billiger; auf dieser wird ein Zuschlag für die beschleunigten Züge gefordert, auf jener nicht u. s. w. Aber eine Eigenschaft haben sie alle gemein: der arme Mann muß seine Reise verhältnißmäßig am theuersten bezahlen und dabei thun ihm nach einer langen Fahrt alle Knochen weh. Der beklagenswerthe Insasse der vierten Klasse muß sich manchmal vorkommen, als solle er dafür bestraft werden, daß er in der Wahl seiner Eltern nicht vor- sichtiger gewesen; denn er muß stehend reisen und bekommt auch nicht einmal ein Retourbillet. Ein Vortheil, den man dem reichsten Passagier der ersten Klasse gewährt, wird dem ärmsten Passagier der vierten Klasse, der oft kaum sein Fahrgeld aus- bringen kann, ohne Weiteres vorenthalten. Man versuche es gar nicht, uns Gründe für eine solche Einrichtung anzuführen: wir erkennen sie von vornherein gar nicht an. Wir stehen mit unseren, auf die hohen Fahrpreise für die dritte und vierte Klaffe bezüglichen Anschauungen bekanntlich nicht allein. Wie man weiß, ist dieser Tage der preußischen Eiscnbahnverwaltung zu verstehen gegeben worden, daß viel zu wenig geschehe, um den unbemittelten Klassen in den großen Städten einen billigen und bequemen Verkehr zu ermöglichen. Offenbar waren die Vorzüge der österreichischen Bahnen mit ihrem Zonentarif für diese Aeußerung bestimmend gewesen. Wenn der Herr Eisenbahnminister, wie versichert wird, diese Anschauungen theilt, so kann man sich nur wunder», warum er noch keine Ver- befserungen augebahnt und durchgeführt hat. Oesterreich ist uns mit gutem Beispiel vorangegangen und hat den Versuch mit dem Zonentarif gewagt. Er hat sich als durchaus nachahmenswerth erwiesen, denn die Steigerung des Verkehrs ist eine außer- ordentliche und die Bahnen erleiden keinen Ausfall. Die letztere Frage ist übrigens durchaus keine wesentliche. Denn die Bahnen sind doch nicht wegen des FiSkns, sondern wegen des Publikums und seines Verkehrs da. Bei strategischen Bahnen fragt man doch auch nicht nach der Rentabilität. Wir halten es für eine Pflicht der Volksvertretung, darauf hinzuwirken, daß wir nicht nur den billigen Zonentarif, sondern auch eine bequemere Einrichtung der Eisenbahnen überhaupt be- kommen und daß namentlich die vierte Wagentlasse endlich für zivilisirte Europäer eingerichtet wird. In graner barbarischer Sagenzeit verdammten die Götter zur Strafe den Riese» Atlas, das Himnielsgewölbe auf seinen Schultern zu tragen. Der Riese Proletariat ist von der Bourgeois- gesellschaft zu noch härteren Lasten verurtheilt und doch rühmt sie sich, auf der Höbe der Zivilisation zu stehen. Man sieht, wie diese Lasten sich auf alle Beziehungen erstrecken, und wie die Be- vorzugung des Besitzes bis ins Kleinste geht. Möge dies Jahr- hundert das letzte sein, welches mit denr„Fluch der Armuth" be- lastet ist! Ma» trok? aller Sozialgesetzgebung möglich ist, das zeigt das erschütternd traurige Ende eines Arbeiters, der von der chm drohenden Roth zur Verzweiflung getrieben, seinem Leben freiwillig ein Ende machte. Wir würden die uns zugehenden Mittheilungen, trotz ihrer ins Einzelne gehenden Schilderungen, nicht geglaubt haben, wenn nicht der amtliche Polizeibericht die Katastrophe selbst in der bekannten Form gemeldet hätte. Die Meldung lautete: Mittags(am 16. d. Mts.) brachte sich ein Mann in seiner Wohnung, in der Triftstraße, mittelst einer Scheere mehrere Schnittwunden am Halse bei, an denen er bald darauf verstarb. Ein Mann? Warum diese allgemeine Bezeichnung? Die Polizei wußte oder konnte wissen, daß der Selbstmörder ein ehemaliger Werkstattarbeiter der königlich preußischen Staatsbahn war. Warum wurde das nicht angegeben? Auch pflegt man sonst sehr häufig die Ursachen des Selbstmordes anzugeben in dem Polizeibericht. Warum hier nicht? Klar genug liegen sie zu Tage und dreist erfahren konnte sie die Polizei auch, denn im Hause des Selbstmörders waren sie ziemlich bekannt. Aber wir begreifen die Gründe, welche die Polizei haben mochte, als sie diese Angaben unterließ und unsere Leser werden diese Gründe auch begreifen, wenn wir den fast unglaublichen Fall mittheilen. Der Schlosser Fritz H., Triftstraße 40a, zwei Treppen, wohnhaft, hatte im Jahre 1864 seiner Militärpflicht genügt, machte die Feldzüge mit und war dann als Schloffer 15 Jahre lang bei der Hamburger Bahn ununterbrochen thätig. Bereits im Jahre 1887 oder 1883 verunglückte H. in der Werkstatt und verletzte sich den Arm. Der Schaden wurde zwar geheilt, doch fühlte H. beständig Schmerzen im Arm, die von einer Verrenkung des Muskels, die bei dem Unfall eingetreten war, herrührten. Im Frühjahr dieses Jahres wurde H. von einem hiesigen Spezialarzt untersucht, der auch eine Schwächung des Muskels feststellte. Trotzdem verrichtet H. seine Arbeit in der Werkstatt weiter. Bei seiner Arbeit verunglückte H. im August d. I. zum zweiten Mal, indem ein Eisensplitter in fem linkes Auge drang, das er dadurch verlor. Er wurde eine Zeit lang in der Augenklinik be- handelt und, nachdem das verletzw und erblindete Auge ganz ent- sernt war, aus der Klinik entlassen und dem Kassenarzt Dr. Bl. zur weiteren Behandlung zugewiesen. Wie nun H. zu seinen Bekannten erzählte, hätte Dr. Bl. schon im Oktober den Verunglückten für arbeitssähig erklärt. H., der eine kranke Frau und drei Kinder zu ernähren hatte, versuchte zu arbeiten, mußte sich aber überzeugen, daß er dazu nicht im Stande war. Er wurde vom Schwindel befalle», den er als eine Folge seiner Nervenschwäche erklärte, die er von der Operation des AugeS her behalten hatte. Sind die Angaben des unglücklichen H. richtig, so wäre er, da Dr. Bi. bei seiner ärztlichen Ansicht, daß H. gesund und arbeitssähig sei, verblieb, drei Wochen lang ohne Verdienst ge- blieben und auch die Krankenunterstützung ging ihm verloren. Abermals versuchte H. zu arbeiten, mußte aber den Versuch aufgeben; er ging wieder zum Dr. Bl. und wieder erklärte dieser ihm, wie H. erzählte, für gesund und verweigerte die Ausstellung eines Krankenschein?» H. wandte sich nun auf den Rath seiner Freunde an die hiesige königliche Klinik, wo ihm bestätigt wurde, daß er nerven- schwach sei. Er muß abermals zu Dr. Bl... um von diesen, eine Spezialuntersuchung zu erlangen. Dr. Bl. weist ihn an einen Spezialarzt. � H- wendet sich inzwischen auch an seinen Vorgesetzten in der Wenitatt der Staatsbahn; auch von hier kam H. mit eine», trüben Bescheide zurück. Er gab an. daß man ihm gesagt haben, man werde ihn xrn künftigen Jahre vielleicht zu», Invaliden machen; aber man habe ihn, zugleich zu versiehe,, gegeben, daß er vielleicht c, n Simulant sei. � ...®'CJe Mittheil, mg und ähnliche andere hatten den H. trübe gestimmt. Seine Kollegen sammelte» in der Werkstatt einige Maie Kollekten für ihn; aber„och am vorigen Freitag äußerte H. zu Bekannten:„Wenn die Sache auf der Bahn so sort geht, werde ich verrückt!"''"' 2>icfe entsetzliche Sinnesverwirrung scheint schneller eingetreten zu sein nlä man verinuthen konnte. Am Sonntag daraus machte sp. in der gräßlichsten Weise seinem Leben ein Ende, indem er sich mit einer Scheere den Hals durchstach und zerschnitt. So endet ein Mann, der seine Pflicht als Bürger, Soldat und Arbeiter im Dienste des Staates gethan, in diesem Dienste wiederholt verunglückt ist, in Verziveifluug und unter dein Ver- dachte der Simulation! So geschehen in der Stadt der Intelligenz und der Humanität im Zeitalter der sozialen Reformen! Den Herren Aerzten empfehlen wir den Fall zum Studium, der jetzt so kontroversen Lehre von der„traumatischen Neurose". Bis das Unsall-Hospital fertig gestellt ist, werden die Herren sich ja wohl mit solchen interessanten Einzelfällen begnügen müssen. Der Fall scheint uns besonders lehrreich für diejenigen zahl- reichen ärztlichen'Autoritäten, welche das Vorkommen einer „traumatischen Neurose" überhaupt leugnen. Wir möchten glauben, daß hier so ein recht typischer Fall dieses schrecklichen Leidens vorgelegen hat, dessen Möglichkeit eigentlich Niemand leugnen wird, der sich gesunde menschliche Empfindung bewahrt hat. Das schließt freilich nicht ans, daß den Aerzten unter ihren Massen und unter den Eindrücken, welche der beständige Um- gang mit Kranken erzeugt, diese gesunde Empfindung dafür ab- handen kommt, daß eine schwere Verletzung, auch noch lange, nachdem sie geheilt ist, vielleicht auch dauernd ein Nervenleiden hinterlassen kann. Es würde uns gar nicht wundern, wenn solche Aerzte, die gewöhnlich zugleich Simulations-Fanatiker find und jeden Kranken, dessen Leiden sie nicht begreifen können oder wollen, für einen Simulanten halten, auch diesem unglücklichen Vorfall gegenüber auf ihrem Prinzip verharren und einfach ihre ärztliche Ueber- zeugung dahin aussprechen, daß der H. seinen Selbstmord nur — simulirt habe. VovfmnmUtngen. Die Handlungsgehttfinneu waren Sonntag Nachmittag zum ersten Male zu einer Versamm- lung zusammenberufen. Die Versammlung war sehr stark be- sucht, doch überwiegend von Männern. Unter den Anwesenden waren eine große Anzahl Gegner geschlossen erschienen; das zeigte sich schon bei der Bureauwahl, es wurde von denselben der„Deutschfreisinnige" Simonetti in Gegenvorschlag gebracht, gewählt wurden dagegen Hermann Lesser, Frl. Wabnitz, Frl. Leuschner mit großer Majorität. Hierauf ertheilte der Vorsitzende dem Genossen Albert Auerbach das Wort zu seinem Vortrage über: Die Mißstände im kaufmännischen Beruf und deren Ab- Hilfe. Derselbe führte aus: Der Versuch, auch die Handlung?- gehilfinnen in die Arbeiterbewegung hinein zu ziehen, ist anscheinend heute noch nicht vollständig geglückt. Uns wird das aber nicht abhalten, uns immer wieder mit allen Mitteln an dieselben zu wenden, an den Arbeitern und Arbeiterinnen wird es liegen, uns kräftigst zu unterstützen. Leider leiden die weiblichen Angestellten zu sehr unter der Beeinflussung der Prinzipale, auch sind sie zu sehr an die Kette gelegt. Den Konservativen, Antisemiten,„Freisinnigen" und allen Anderen ist es nicht gelungen, die Arbeiter damit zu ködern, daß sie ihnen sagen, sie könnten nur etwas erlangen, wenn sie sich mit ihren Arbeitgebern ins Einvernehmen setzten. (Sehr richtig! bei den Ortsvereinlern. Ge- (ächtet.) Das ist eben der springende Punkt in der Arbeiter- bcwegung, es giebt kein harmonisches Zusammenwirken zwischen Besitzenden und Besitzlosen.(Zustimmung.) Der Vortheil der Angestellten ist es, möglichst kurze Zeit zu arbeiten und ihre Arbeitskraft möglichst wenig ausnutzen zu lassen. Daher müssen und können sie sich nur mit dem Prinzipal in Gegensatz stellen, ihr Vortheil ist deren Nachtheil.(Widerspruch beim Verein Waldeck.) Daß es Mißstände in unserem Beruf giebt, das wird doch wohl Niemand bestreiten wollen. Es wundert mich auch gar nicht, daß Gehilfinnen so ivenig hier vertreten sind, das liegt in den wirthschastlichen Verhältnissen, vor allem ist es Furcht vor Maß- regelungen, und diese passiren gerade dort am meisten, wo die Prinzipale sogenannte„Freisinnige" sind.(Großer Beifall, Un- ruhe bei den„freisinnigen" Gruppen). Die Gehilfinnen befinden sich in dem Zustand der größten Sklaverei, sie schließen nicht, wie die Freisinnigen behaupten, einen freien Vertrag, sondern einen sehr unsreien, denn auf Seite des Prinzipals steht die Macht. Es ist traurig, daß der Arbeiter und die Arbeiterin nicht nur ihre Arbeitskraft, sondern zugleich auch ihren Geist und ihren Willen mitverkaufen müssen.(Sehr richtig!) Aber das wäre nicht so weit gekommen, wenn die Gehilfen und Gehilfinnen sich nicht immer eingebildet hätten, mehr zu sein als die anderen Arbeiter; hätten sie sich diesen früher angeschlossen und sich schon früher organisirt, dann hätten sie gegen solche Ausbeutung längst Front machen können. Wir werden eine Statistik im nächsten Jahre aufstellen, damit wir unsere Behauptungen auch mit Ziffern- mäßigen Beweisen belegen können. Die weiblichen Angestellten sind es, welche am meisten ausgebeutet werden. Nun kommen aber die Gegner und behaupten, die Frau gehöre ins Haus. (Sehr richtig! beim„Deutsch-Freisinn?") Das ist im höchsten Grade'reaktionär.(Ledhafte Zustimmung.) Denen, welche nur das wollen, möchte ich den Vorschlag machen, ein Heirathsbureau zu eröffnen(stürmische Heiterkeit), damit die Verkäuferinnen nicht nöthig haben, im Geschäft thätig zu sein. Aber gerade die freisinnigen und konservativen Cyefs sind es, welche trotz ihres Programms, Frauen beschäftigen, trotzdem dennoch werfen sieden Sozialdemokraten vor, diese wollten die Familien zerstören. Wir freuen uns, daß die Frauen in manchen Gesellschaftsklassen von der Sklaverei des Mannes befreit sind, nur verlangen wir für sie dann auch eine menschenwürdige Behandlung.(Unruhe bei den„Freisinnigen"). Wir wollen jedoch nicht um Gnade bitten, sondern wir verlangen nur unser Recht(Beifall, Radau bei den Waldeckianern). Wir müssen sehen, daß wir unsere Arbeitskraft so thener und gut, wie möglich, verkaufen.(Vereinzelter Beifall bei den Ortsvereinlern). Aber eine Besserstellung erlangen wir nur durch einen Druck aus die Gesetzgebung.(Widerspruch beim Ortsverein). Redner be- spricht dann die Arbeiten der Arbeiterschutz-Kommission, wo der geringe Arbeiterschutz durch tausendmal mehr Arbeitertrutz ersetzt wurde.(Ruf: Hirsch, Beifall und Unruhe.) Er beleuchtet weiter die Mißstände tm Beruf hinsichtlich der langen Arbeitezeit, der Sonntagsarbeit, der Hungerlöhne und der Kündigungsfristen. tür eine Besserstellung tritt nur allein von allen Parteien die ozialdemokratie ein.(Lebhafter Beifall). Deshalb ist es Ihre Pflicht, sich dieser anzuschließen, nachdem Sie sich fest organisirt haben, denn nur so werden Sie der übergroßen Aus- beutung Widerstand leisten können.(Stürmischer langanhalten- der Beifall.) Die Diskussion gestaltete sich zu einer� Auseinandersetzung zwischen Sozialdemokraten und den„Freisinnigen". Zunächst stellte ein Herr Hammer den Antrag, nur Handlungsgehilfen und Gehilfinnen sprechen zu lassen.(Große Unruhe und heftigster Widerspruch. Ruf: Feigheit.) Selbstverständlich ging die Ver- sammlung über diesen Antrag zur Tagesordnung über. Als erster Redner erhielt Herr Noak das Wort. Der- selbe giebt die großen Mißstände im kaufmännischen Beruf zu, doch betrachte er die Sache von einem anderen Standpunkt. Er indentifizire nicht das Interesse des Handlungsgehilfen mit dem des Arbeiters.(Heftiger Widerspruch.) Er glaube im Gegensatz zum Referenten, daß der Kaufmann bald seinen Beruf liebgewinne. (Sehr richtig auS dem freisinnigen Lager.) Eine Besserstellung seiner Lage könne man nur durch eigene Arbeitskraft erlangen. (Gelächter.) Er verdamme auch die Sonntagsarbeit, doch brauche man damit noch lange nicht Sozialdemokrat zu werden.(Beifall bei der„Freisinns"gruppe.) Die Frauen gehören ins Hans, er gebe aber zu, daß sie durch ihre Lage gezwungen werden ins Geschäft zu gehen.(Aha!) Er bedauert, daß der Referent Handlungsgehilfen und Stadtreisende mit Hausirern verglichen habe(Hört! Hort!) Seine weiteren Ausführungen bewegen sich im gewöhnlichen Hirsch-Duncker'schen Rahmen. Zum Schluß warnt er vor Anschluß an die Sozialdemokratie (Stürmischer Beifall seiner Gesinnungsgenossen, eben solcher Widerspruch und ironische Zustimmungen.) Fräulein Wabnitz hebt die Ausbeutung der Lehrmädchen hervor, erklärt es für Pflicht der aufgeklärten Arbeiterinnen, für die Gehilsinne» ein- zutreten. Sie weist auf den hohen Prozentsatz von Kaufleuten in den Arbeiterkolonien hin und bespricht unter großer Zustimmung die schlechte Behandlung der weibliche» Angestellten in den Geschäften.(Lebhafter Beifall.) Herr Schlesinger: Eine solche Hetzrede, wie sie Herr Auerbach heute hier gehalten hat, habe ich noch nicht gehört(Schallendes Gelächter. Stürmische Zurück- weisung.) Ich protestire dagegen, daß gegen die Herren Chefs in solcher maßlosen Weise gehetzt wird(fortdauernde Heiterkeit.) Geärgert über das Gelächter machte eine„freisinnige" Radau- rotte einen solchen Lärni, daß die Versamnilung auf 5 Minuten vertagt werden mußte. Herr Schlesinger fortfahrend: Die Handlungsgehilfinnen sind keine Prole- tarier und werde» auch keine werden.(Allgemeines Gelächter.) Sie sind aber auch Arbeiter(Aha!) aber es giebt bei ihnen Qualitäten.(?) Mit den anständigen Chefs müssen die bürgerlichen Parteien rechnen.(Gelächter. Ruf: Eugen!) Die Sozialdemokratie rüttelt die Handlungsgehilfen fortwährend auf.(Sehr richtig!) Ich gönne Ihnen das.(Ruf: Wir nehmen es auch in Anspruch.) Die deutsch„freisinnigen" Männer sind es immer allein gewesen, welche für die Freiheit eingetreten sind. (Ruf: Sozialistengesetz!) Der geschmähte Eugen Richter will nicht nur politische, sondern auch wirthschaftliche Freiheit.(Höhnische Zwischenrufe.) Die Frau gehört ins Haus.(Beifall aller„Frei- sinnigen".) Aber im Geschäft ist sie besser aufgehoben wie in der Fabrik.(Oho! Gelächter.) Bekämpfen Sie doch nicht immer die freisinnigen Männer.(Rufe: Sind ja gar nicht freisinnig!) Gründen Sie Darlehnskassen und sparen Sie.(Ruf: Der alte Schulze lebt noch! Unruhe, Schlußruse.) Das Hirngespinnst vom Zukunftsstaat giebts im Leben nicht.(Gelächter. Ruf: Quatsch!) Tie freisinnige Partei hat einen so großen Mann, wie Bismarck beseitigt.(Stürmisches Gelächter.) Sie wird auch mit der Sozialdemokratie fertig werden.(Er- schlitterndes Gelächter.) Zum Schluß empfiehlt er Anschluß an den Leipziger Verband deutscher Handlungsgehilfen, er vertritt somit eine dritte Freisinnsgruppe. Seine Ausführungen werden von dem lautesten Beifallsjohlen der„Freisinnigen" begleitet. Auerbach und Schleyer treten den Vorrednern scharf entgegen. Es tritt sodann der Ortsverein«Hirsch-Tuncker), vertreten durch Herrn Hammer, auf den Kampfplatz: Die Sozialdemokratie ist großgezogen durch das falsche System Bismarck's(Heiterkeit), der- selbe ivollte einen Keil in die„freisinnige" Partei treiben.(Ge- lächter.) Die meisten Sozialdemokraten wisse» nicht, was sie wollen; aber alle Freisinnigen.(Beifallstoben aller„Freisinns"- gruppen.) Mit dem Zukunftsstaat kann man keinen Hund mehr vom Ofen locken.(Ruf: Hunde nicht aber Menschen! Heiterkeit.) Herr Poppelauer wäre zu Hause geblieben, wenn er gewußt hätte, daß die Versammlung eine sozialdemokratische sei.(Rufe: Sie können ja gehen.) Er sei nicht freisinnig, er sei nicht Sozialist und für die Ordnung.(Aha! Heiterkeit.) An der weiteren Debatte betheiligen sich noch Lichtenhain, Eichborn und Klinger. In seinem Schlußwort widerlegt der Referent, was von den Aus- sllhrungen der Gegner überhaupt beachteuswerth war. Er theilt mit, daß von„freisinniger" Seite im Laufe der Woche eine große kaufniän nische Versa nun lung stattfindet, in welcher er auch erscheinen werde, und er wolle dann sehen, wie die„Freisinnigen" sich dort be- nehmen werden. Es wurde hierauf mit überwiegender Majorität nachfolgende Resolution angenommen: Die am 23. November bei Grntweil versammelten kaufmännischen Angestellten männlichen und weiblichen Geschlechts verpflichten sich, im Sinne des Refe- reuten mit allen Kräften in eine rege'Agitation zur Besserung ihrer Lage einzutreten. Ein weiterer von Auerbach gestellter Antrag: Den Reichstag zu ersuchen, an Stelle des'Artikel 61 desHandels-Gesetzbuches, betreffend die K ü n- digungsfristen, für alle kaufmännischen An- gestellten eine Minimalfrist non vier Machen zu setzen,— fand einstimmige Annahme. Hierfür stimmte sogar ein Theil der Gegner. Vermißt wurden die neuen Bundesgenossen des Deutsch-„Freisinns" Stöcker-Böckelscher Richtung, wenigstens trat keiner von ihnen öffentlich auf; möglich, daß beide Parteien in ihrem Kartell eine dahin gehende Verabredung getroffen haben. Mit einem dreifachen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie erlangte die Versammlung um 11 Uhr ihren Schluß. Die Maurer hielten am 23. d. M. im Saale der Aktienbrauerei„Friedrichs- Hain" unter Vorsitz des Hern: Wernau eine öffentliche Generalversammlung ab behufs Erörterung der Frage: Welche Organisationsform für die Berliner Maurer maßgebend sein soll. Den einleitenden Vortrag hielt Keßler, welcher die Mängel und Vorzüge sowohl der zentralen wie lokalen Organisation beleuchtete. Die gewerkschaftlichen Organisationen seien nur Mittel zum Zwecke, d.h. nur Mittel zur Besserstellung der Lage der Arbeiter. Die Organisationen, d. h. die gewerkschaftlichen, hätten zwei Ziele, die Unternehmer zu bekämpfen und die Arbeiter aufzuklären. Um den letzteren� Zweck zu erreichen, müßten in den gewerkschast- liehe» Organisationen politische Fragen erörtert werden, dadurch würden die gewerkschaftlichen Vereinigungen politisch und dadurch würden dieselben gezwungen, sich dem engen Rahmen des Vereinsgesetzes anzupaffen. Eine thatsächliche Besserstellung könne nur durch das Eingreifen der Gesetzgebung erzielt werden und dies müsse den Arbeitern klar gemacht werden. Referent war der Meinung, daß Organisationen zu schaffen seien, welche die Aufklärung und Belehrung fördern und das geistige Band der Berufsgenossen zu festigen vermögen, d. h. Organisationen nach Art der sozialdemokratischen Parteiorganisation. Wenn es unter Umständen auch geboten erscheine, Zentralverbände zu schaffen, so war er doch der Meinung, daß die Organisationen, wie sie die Maurer, Töpfer:c. besäße», vollkommen ausreichend wären. Besonders die Berliner Maurer hätten Vieles gut zu machen, ein Hauptgewicht auf die Aufklärung zu legen und dem zufolge die hierorts bestehende Freie Vereinigung mit allen Kräften auszubauen. Im Großen und Ganzen handele es sich nicht um die Gegensätze zwischen„Lokalorganisation" und „Zentralorganisation", das seien nur Schlagwörter. Man müsse vielmehr jeden einzelnen Fall prüfen. Auch könne man keines- wegs sagen, die„Zentralorganisation" sei die beste, vielmehr handele es sich um die Form der Zentralisation. Referent kam zu dem Schlüsse, daß die Berliner Maurer es beim Alten be- lassen mögen. Das Vertrauen unter den Berliner Maurern sei noch nicht völlig gewichen, und sie würden zum Ziele gelangen. Da das Lokal nur bis 1 Uhr frei war, nahm die Versammlung von einer Diskussion Abstand und stimmte dem Antrage Wernau zu, die Vertrauensmänner zu beauftragen, in jedem Stadtviertel (wenn möglich gleichzeitig) öffentliche Maurerversammlungen mit derselben Tagesordnung, wie die erörterte, und hierauf eine all- gemeine Generalversammlung zur Beschlußfassung über die Orga- nisationsfrage einzuberufen.— Des weiteren beantragte Wernau, der Berliner Streik-Kontrolkommission und de» streikenden Oster- erern je 100 M. zu bewilligen. Die Versammlung burger Zimmerern je.. bewilligte der Berliner Streik-Kontrolkomniifsion 50 Mark, den streikenden Berliner Perlmutterarbeitern 50 M., den streikenden Osterburger Zimmerern 100 M. Des Weiteren beschloß die Ver- 'ammlnng, daß in allen Maurerversammlungen von den Ver- ämmlungstheilnehmern die bedienende» Kellner nach ihrer Mit- gliedskarte des Vereins Berliner Gastwirthsgehilfen zu fragen und nur im Falle eines solchen Ausweises event. Trinkgelder an die Kellner zu verabfolgen sind. Auf Antrag des Herrn I e z o r k e wurde ferner noch beschlossen, daß die Organisations- frage bis spätestens I. Februar IS91 geregelt sein solle."■"! Herrn K e r st a n war folgende Resolution beantragt iW# „Im Anschluß an die Beschlüsse des Parteitages in Halle, 1»� der Gewerkschaftskonserenz in Berlin beschließt die heutige,� Saale der Brauerei Friedrichshain tagende öffentliche Versammlung, es den: nächsten deutschen MaurerkongreM' "'•.......-----— V—«.«rA» Of O**""'1 1----------, ganisation für die deutschen Maurer die beste ist, ob oder lokale Organisation, und verpflichten sich die Äerlip Maurer im. Interesse der allgemeinen Arbeiterbewegung. (Iii ii4V 4.V|| V W»---------_____ Beschlüssen sodann Rechnung zu tragen." Diese Resolution»in- indessen durch die Annahme des Antrages Wernau überholt.*' cv»--r; om-------------».» Sio(SJrtmmfimflßlt vtiwffv«? 4/4*4 vty V»*.-%->—.— o-~----— Berliner Maurern wurden zum Schlüsse die Sammlungen» Generalfonds wie auch der Besuch der beschlossenen Bezw" Versammlungen dringend ans Herz gelegt. Di» Schlächterg»I»ll»n M. Nachmittags recht zahlreich bei May'Jj � „mmeff Dnrhhpm die Nerkainmluna die Kolleg' waren am 23. d. Beuthstraße versammelt. Nachdem die Versammlung die. Gaß mann, Blumenschein und Q u a r g ins Bu«» gewählt hatte, erläuterte Werner die Vortheile Organisation für die Schlächtergesellen. Der, Aurin beleuchtete die Machinationen der Meisterst gegenüber den Mitgliedern des Fachvereins und ermahnte e Kollegen, treu zur Fahne zu halten, treue Mitglieder des M Vereins und Sozialdemokraten zu bleiben und zu werden und t� nicht beirren zu lasse», denn es gebe auch noch aufgeklärte BW«, welche den Gesellen wohl wollen. Kollege Blumenschs� plaidirte ebenfalls für Organisation und Verkürzung der'Arbei« zeit, während Kollege S ch w a r tz e in drastischer Weise, herrschenden Zustände im Schlächtergewerbe schildert, aus M' ebenfalls die Nothwendigkeit der Organisation der Schläch«. gesellen folgernd und betonend, daß allerdings erst durch eM Arbeit die Früchte der Organisation zu erreichen seien. Auch erkannte an, daß es de» Gesellen wohlgesinnte Meister erkannle an, day es oen eseieuen woylgqmntc„> welche|einc£ Zeit von diesen auch berücksichtigt werden wlird�j die Meisterschaft laure, könne W Von einem Streik, auf den die tvieiperzcyair mure,-v,..»-„ läusig noch keine Rede sein, liege auch garnicht in der At# der Gesellen. Diese gingen langsam, aber sicher vor.(Großer Beift-st Kollege G a ß m a n n berichtete, daß die Gesellenorganisal� ~---t- K.._v fch»1 ß stlche! % »«>. Kollege G a p in a n n vericyrere, oap nie (Fachverein) gute Fortschritte mache und der Meisterschaft M manche Konzession abgerungen habe, während die anderen nannten„Organisationen" gar nichts bezweckt hätten. Nameimst '-----'--- schöne habe der Stellennachweis des Fächvereins schon aufzuweisen, und Redner ermahnte alle Mitglieder, rege für° Fachverein zu agitiren, die Kollegen, welche demselben noch st. stehen, über die Vortheile der Organisation aufzuklären und' seihen zu demselben heranzuziehen zu suchen. Stach Ablauf Pause zur Aufnahme von Mitgliedern in den Fachverein, in ww, zahlreiche Einzeichnungen erfolgten, schritt die Versammlung>. Wahl eines Agitationskomitees. Es wurden gewählt die Kol»!! O»« Wahl eines Agitationskomitees. Es wurden gewählt S ch w a r tz e, G a ß in a n n, Blumen schein, A u ri n. Sodann gab Kollege Blumenschein als M#, der Berk. Streik-Kontrolkommission den Beschluß derselben beka>> vor Verabfolgung eines Trinkgeldes an Kellner diese sich über N Zugehörigkeit zum Verein Verliner Gastwirthsgehilfen auswe'I,, zu lassen, sowie die ausgesperrten Eschweger Tabakarbeiter unterstützen und forderte zur Beachtung dieser Beschlüsse% Kollege S ch w a r y e beantragte die Anschaffung eines Ver»? Almanachs. Ter Antrag wurde angenommen. Auch wurde kannt gegeben, daß der Stellenvermittler der Schlächterinnr-i 3 M. für eine Stelle genommen haben soll, statt 1 M. Der tQ wird untersucht werden. Mit einem dreifachen Hoch auf die t nationale Sozialdemokratie schloß die Versammlung. Der Derein„Freie Dolksbiihn«".... hielt am Freitag seine erste Agitationsversammlung im Per�I er; der Stadt ab. Der Saal der Brauerei Königstadt war dicbt.M füllt. Der zweite Vorsitzende des Vereins, Herr Türk, einen Vortrag über das Thema:„Die Berliner Arbeiterschast% «NnlfShahMo" Wohnor filfirtp muS h„6 si-s> die S1?™ die Freie Volksbühne". Redner führte aus, daß sich die g, politischen und wirthschastlichen Kämpfe der Menschheit au«. der Kunst und der Dichtung widerspiegeln. Leider habe% Olnff non hur©unft fn mit mip anr iiicfits! die Blust, Heut Hit d % di-sen 6'' lüü a H eigentliche Volk von der Kunst so gut wie gar nichts; oie v-j. und Bildergallerien seien nur geöffnet, wenn der Arbeiter äl Besuch keine Zeit habe; das alle Künste in sich vereinig Theater sei viel zu theuer. Das Bedürfniß nach einem wirkl'� Volkstheater sei allgemein anerkannt worden. Man habe ,. gemein anerkannt woroen. wtan diesem Zwecke vom Staate und der Gemeinde Subventionen� bekannt seien auch die Versuche des Herrn v. M«% —-* Ä fordert,—.........——,...——.__,.—.— Bis jetzt sei jedoch auf diesem Wege noch nichts Volk erreicht worden und deshalb habe die Volksbühne die Lösung dieser Aufgabe versucht." Freie Volksbühne wolle dem Berliner Arbeiter die naturalistische Dichtung erschließen, sie verfolge dabei zunächst,� Prinzip, nur Stücke von großem dichterischem Werthe)"*,,,() führung zu bringen und möglichst gute Vorstellungen zu w■ Und dabei komme die Kassenfrage in Betracht. Gute Vor! kosten Geld, und deshalb sei es vorläufig nicht möglich den Beitrag auf weniger als 30 Pf. monatlich festzusetzen Freie Volksbühne habe das Privilegium des besser Situirten,- in den übrigen Theatern in der Möglichkeit sich einen be» y# § I & w Platz zu kaufen, bestehe, beseitigt durch die Verloosung, cnrsj--«-4» bishctigCU S30tst�•« Plätze, ein Ä�ittel, ujelche� sich w» wu des Vereins vorzüglich bewährt habe. Redner kritisirt% das Verhalten der gegnerischen Presse. Ein konservatives c, habe in seinem Berichte von einer Menge Schutzleute erzäyiU bei den Vorstellungen des Vereins aufgeboten gewesen sei-( j Behauptung sei entschieden unrichtig. Wie in jedem Theas U 'eien auch bei den Vorstellungen der Freien Volksbühne zwei Ivel Sckiukleute im Tbeaterraum anwesend aeweien. Aucki eine Z drei Schutzleute im Theaterraum anwesend gewesen. Auch ei�Mi Behauptung desselben Blattes, daß der Verein Freie Volk-. � nur aus Literaten und Studenten, aber nicht aus Arbeite-z tehe, sei total unrichtig. Eine demnächst erscheinende MuS� tatistik werde beweisen, daß Vs der Vereinsmitglieder„ arbeiter sind. Herr Türk schloß mit einem warmen 2lp? � die Berliner Arbeiter, doch für den Verein recht viel neue glieder zu werben. Die Freie Volksbühne wolle mit dabei?| den Unverstand der Massen zu brechen. In der Diskussion erklärten alle Redner sich mit trage des Herrn Türk einverstanden und es wurde von n-M denen Seiten auf die sehr zweifelhafte Kost hingewiesen,( j:• die sogen. Spezialitäten-Theater dem Arbeiter böten. 6» U# dauerlich, daß der Verein erst 1300 Mitglieder zähle, dar? jedoch nicht die Arbeiter schuld, welche wahrlich genug Vst qi?' drang besäßen, sondern die verzweifelt schlechte ökonomisch � welche es den meisten Arbeitern nicht erlaube, den ved mäßig hohen Vereinsbeitrag zu bezahlen. In seinem Schlußwort bemerkte Herr Türk, die Versa'Ä�? ei darum bemerkenswerth, weil sich zum ersten Male keine y y zum Wort gemeldet hätten. Seitens der Gegner sei geM- den, das Publikuin der Freien Volksbühne werde die ih"' jlf gefi hrten naturalistischen Stücke nicht goutiren. Die letzi f stellung hat durch den großartigen Beifall, den das Drau«!»: Sonnenaufgang" fand, das Gegentheil erwiesen. Gerhard V mann habe in der Freien Volksbübne das Publikuin das er sich nur irgend ersehnt habe. Ter Verein Freie � bühne werde auf dem einmal betretenen Pfade sorischre� hoffe aus die energische Unterstützung der Berliner Arbeii'äL Dann werde das Ziel, 5000 Mitglieder zu besitzen und jede eine Vorstellung veranstalten zu können, bald erreicht sei"-( «roßr iiffrntiich« N.rsamnitung aller Nan.diener Donnerstag, den e?. November, ZlbcndS 9 Uhr, bei Feuerstein, straße 75. Tagesordnung: i. Vorlrag über:„Die Sewerkschasts-Or- nach dein Soztalistengeseh". Referenl: W. Werner. 2. Dtslustion. über die Geiverkschasls-Konserenz.«. Abrechnung der Agi>aiionS>°, und Beschlubfassung über die Berwendung der Selber, welche noch' l ltchen Versammlungen in den Händen Sinzelner sich bestndeN. fchtedenes. �itst 'Hdi Mit *5 k eiste % S: I Verantwortlicher Redakteur: Turt Kaak» in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kadiug in Berlin SW., Beuthstraße 2,