Lr. 277. Donnerstag, den 27. November 1890. 7. Jahrg. berliner DolksMöK. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. .... Das..Berliner Volksblatt" Meint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonncmentSpreiS für Berlin frei e" Haus vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. �»nniagz-Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark pro Quartal. .(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) ««wr Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Uugarn L Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die Sgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VerfammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlin 8W., Bcuthstraße 3, sowie von allen Annoncen-Bureaux, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, a» Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -, Lernjprecher: Amt VI. Ur. 410«.,-»»- luinH i EinS� ,,1.3'' HIN# ©infl- Z ,rt bei tu'1 ß li� s V Vedakkion: VeukMvÄßc 2.— Escpovition: VeukMveitze 3. Absilllemellts-EillllliiNg. i»ent�r, Monat Dezember eröffnen wir ein neues Abonne- „Berlim KMllitt" nst dem .„tZnnnkcigsblcikk Blatt ist das Ientralorgan der dentfchen Sozial- rrns. Mtie, es vertritt durchaus den Standpunkt der modernen H�.�lschen Arbeiterbewegung sowohl in sozialer wie in politischer k,r den denkenden und aufgeklärten Arbeiter brauchen wir der?. Endpunkt des Näheren nicht zu erläutern. Für Jeden, lie»e? Spannung, welche auf unseren gesammten Verhältnissen Uni dachtet, tritt derselbe klar zu Tage. Aber der gebildete r-'. aufgeklärte Arbeiter muß stets darauf bedacht sein, sein °un immer weiteren Kreisen seiner Klassengenossen zugänglich 'Mache«, für sein Organ stets neue Streiter zu suchen, die dazu «im �U' daß die arbeitende Bevölkerung ihrem Ziele, der end- ""ngen Befreiung der Menschheit, im Sturmschritt zueilt. SlbtÄ Feuilleton Nuck eines spannend unseres Blattes beginnen wir mit dem cmes i pannend geschriebenen historischen Romans aus seit großen Dauernkriegs von 1585, großfw VMII Vokhenvurger TLtge. � der Feder des unseren Lesern wohlbekannten Schriftstellers Wilhelm Bios. Z>.�ie Erzählung spielt in der hochberühmten alten Reichsstadt 'Oenburg Qn der Tauber, die ein Hauptwaffenplatz jenes ge- fotiÄen Freiheitskampfes war. Der Verfasser versucht auf Grund mir?.- Sster historischer Studien ein Bild von dem bunten und st!.,,'scheu Leben und Treiben jener Zeit zu gestalten, und dre 1° x die er geschaffen, sind mitten aus den, Volke entnommen, An!? Erzählung auch einen Einblick in die sozialen Zu- "nh l.lener großen Zeit gewährt. Die hochlliegendcn Hoffnungen goldenen Freiheitsträume, der heldenhafte Kampf, die ihre« Ue und die blutige Reaktion des Jahres 1523 sind in ®lm, Erscheinungen und Wirkungen innerhalb der engen Ärbe?� des Reichsstadt geschildert. Wir glauben mit dieser Sioen den Ansprüchen an unser Feuilleton ganz besonders ent- kommen.,,. Infi*~ Berlin nehmen sämmtliche Zeitlingsspediteure, sowie l ö, Erpedition, B e u t h st r. 3, Bestellungen zun, Preise von ' S*« 10 Nf. monatlich, frei ins Haus, entgegen. »,.»Lur außerhalb nehinen sämmtliche Postanstalten Abonne- Tiwium Preise von 1 Mark 10 pf. sür den Monat Mber entgegen. Zeit,.» k.."Berliner Volksblatt" ist eingetragen in der Post- "ngslistx unter Nr. 892, V. Nachtrag. Die Redaktion und Expedition des „KerUner Uoiksblatt". FenrUekon. Itua»nboten,] (50 Uirtoritt. Roman von Minna Kautsky. Silland der Thür blieben sie stehen und horchten. Drinnen km,% Mann mit großen, starken Schritten auf und nieder, Worte vor sich hinsprechend.__ "ffnem a drohten die Kräfte zu verlassen, aber Ovwaldt die Thür und trat mit ihr ein. lich �"idt empfing sie niit einem Schreckensrus und fluchtete % chnen in die äußerste Ecke des Zimmers. "Was wollt Ihr?" rief er wie von gräßlicher Angst er- ''x?as wollt Ihr? Geht hinaus— hinaus!" %ti"Mpa," rief Hanna mit thränenerstickter Stimme,„kennst / Jch, denn nicht?"., W starrte sie an, und als sie herzutrat, um chn um nehmen,» winkte er sie mit leidenschaftlicher H"�arum �kommst Du und weinst— und Du— mißt bi8>v tt �°n? Und die Börse und die Zeitungen- ah, "bf Jtsn A�es, und die haben es schon gebracht, Schwarz «»» Die Laav We Me�eiker. in. Unser Gewährsmann, Pastor Dr. Borchard, hat sich nicht damit genügen lassen, im Allgemeinen das Vorhandensein von Uebelständen aus dem Lande festzustellen, er hat vielmehr eine Reihe werthvoller Daten geliefert, die zur Erkenntniß der ländlichen Verhältnisse„schätzbares Material" liefern. Er hat die Löhne der ländlichen Ar- beiter untersucht und mit viel Geschick und Sorgfalt Haus- Haltungsbudgets ermittelt, welche über die durchschnittlichen Einnahmen und Ausgaben fleißiger und sparsamer Arbeiter- familien, bestehend aus Mann, Frau und drei Kindern, hin- reichenden Aufschluß und die Handhabe zur Beurtheilung der Gesammtlage der landarbeitenden Bevölkerung in seinem Beobachtungsbezirke, einem Brennpunkte der Rübenkultur und Zuckerindustrie, geben. Pferdeknechte erhalten danach bei sechzehnstündiger, im Sommer oft siebzehnstündiger, Arbeitszeit wöchentlich 8,90 M. ausbezahlt. Für Rübenvergütigung erhalten sie 30 M., außerdem freie Wohnung, 1 Morgen Land und die Kohlenfuhren, jedoch nicht die Kohlen frei. Die Drescher, die in fester Arbeit stehen, erhalten die Wohnung gegen ein Miethgeld von 30 M., 1/2 bis:|/4 Morgen frei und die Kohlenfuhren. Die Aufseher, die auf den großen Gütern die Arbeiter zu überwachen haben, erhalten 48 bis 60 M. monatlich, freie Wohnung und freies Land; das ist die Elite der Landarbeiter. Der freie ländliche Arbeiter, der Tagelöhner, der nicht in fester Arbeit steht, der Typus der Landproletarier, kommt zwar im Sonnner regelmäßig zur Arbeit, wie auch seine Frau beim Hacken beschäftigt wird. Freie Wohnung erhält er jedoch nicht, nur 1/2 Morgen bestelltes Land gegen eine Pacht von 24 M. Der Akkordlohn beträgt im Durchschnitt nicht mehr als 2 M. für den Tag.„Drei Frauen und ein Mann", sagt Borchard,„können, wenn sie fleißig sind, von Morgens 6 Uhr bis Abends 6 Uhr Ve Morgen Rüben ausnehmen, zusammentragen und be- häufen. Wenn sie um 5 Uhr anfangen und keine Mittags- pause machen, können sie% Morgen bearbeiten, so daß sie in diesem Falle einen Tagelohn von 3 M. erreichen. Wenn man aber die Zeit des Rübenausnehmens auf 5 Wochen, oder wie hier auf 8 Wochen berechnet, so darf man pro Tag nicht mehr als 2 M. und nur unter sehr günstigen Witterungs- und Ackerverhältnisseu 2,25 M. rechnen. Die Arbeit des Rübenausnehmens ist_ sehr angreifend, und der Akkordertrag war früher besser. Vor zwanzig Jahren waren die Rüben groß, heute sind sie daß ich— daß sie— daß wir Alle—" Er brach plötzlich in ein gräßliches, lautes, markerschütterndes Lachen aus. „Bettler— Bettler— Bettler!" und während er mit seinen Händen sich vor den Kopf fuhr und sich die Brust zerschlug, steigerte sich sein Paroxismus, und Alle, die sich ihm nahen wollten, von sich abwehrend, schrie und brüllte er das eine Wort so lange mit steigerndem Entsetzen, bis sein Schreien in ein Röcheln überging und er, Schaum vor dem Munde, zusammenbrach. Die folgenden Stunden waren für die Fannlie Field von jener fieberhaften Aufregung erfüllt, die, die Nerven auf's Höchste spannend, fast selbst dem Wahnsinn gleicht. Die Frauen waren fassungslos und lagen in Krämpfen; sie weinten und rangen die Hände. Waller saß mit einem blöden Ausdruck da, nach Trost- worten suchend. Oswaldt war der Einzige, der den Kopf oben behielt und im Stande war, die uöthigen Verfügungen zn treffen. Es war gegen Morgen. Nachdem Field, bei dem die Anfälle von Tobsucht sich gesteigert, nach einer Privat-Jrren- anstatt gebracht worden war, verabschiedete sich Oswaldt von den Frauen mit dem Versprechen, bald wieder zu kommen. „Wir gehören ja jetzt zusammen," tröstete er, indem er die weinende Hanna sanft an seine Brust zog,„wir sind und bleiben verbunden". Zehntes Kapitel. Ter Zusammenbruch des Hauses Field inachte enormes Aufsehen. Field besaß viele und mächtige Freunde, aber es stellte sich heraus, daß seine Verhältnisse, über die man jetzt erst volle Klarheit erhielt, seit Langem überaus schwierige klein. Bei dem Rübenausnehmen wird der Akkordertrag zwischen Männern und Frauen gleich getheilt." Die»Theilung des Arbeitslohnes beim Mähen, zu welchem gleichfalls Arbeiter beider Geschlechter gebraucht werden, ist eine andere, weil hier die Leistungen der Männer größere und schwerere sind, als diejenigen der Weiber, während beim Rübenausnehmen Mann wie Frau dieselben Mühen haben. Für das Mähen wird der Frau 1 M., dem Mann 2,50 M. pro Tag gegeben. Bei dem „Maschinen", dem Dreschen mit der Maschine, erhält die Frau oder das Mädchen 1,20 M.; in das klebrige theilen sich die Männer, die dabei 2,50 M. täglich verdienen. Beim Dreschen mit der Hand beträgt der Tagelohn 1,50 M. Nun bedenke man, daß der freie ländliche Arbeiter, welcher nicht in fester Arbeit steht, kaum mehr als 80 Akkordtage zu 2 M. und 220 Tage zu 1,50 M. hat. Dazu kommt, daß, sobald die Zuckerfabriken, die jetzt meistens von Mitte September bis Mitte Januar arbeiten, stillgesetzt sind, in den Monaten März und April der freie ländliche Arbeiter keinen regelmäßigen Verdienst findet. Der Tagelohn in der Zuckerfabrik ist für den gewöhnlichen Arbeiter 1,50 bis 1,75 M. Wir haben vor längerer Zeit die gesundheitsschädliche, überaus anstrengende Beschäf- tigung der Arbeiter in den Zuckerfabriken eingehend nach den Mittheilnngen in der ersten deutschen Zeitschrift für Hygiene geschildert und bereits damals auf die hohen Dividenden der Unternehmungen, auf die ausgiebigen Gewinne der Ausfnhrvergütungen und die damit Hand in Hand gehende Ausnutzung der Arbeitskräfte hingewiesen. Die Lohn- angaben des Ummendorfer Pfarrers ergänzen und bestätigen unsere Auseinandersetzung. In einer früheren Arbeit hatte Borchard den Jahres- verdienst einer verheiratheten Frau und zweier Kinder auf 160 M. angegeben. Er widerruft jetzt diese Angabe als zu hoch; nach sachverständiger Schätzung beträgt der Ver- dienst nur 120 M. Die Ueberfluthung des Bezirks mit Sachsengängern bewirkt eine Schmälerung des Verdienstes der ansässigen Arbeiter. Wie geht es den Arbeiterwitlwen? „Früher konnten dieselben im Winter spinnen; sie erhielten täglich nur 10 Pf., aber hatten ein warmes Zimmer und Essen. Heute verdienen sie den Winter über nichts. Bei dem„Maschinen", das bis in den Dezember hinein dauert, sind höchstens 16 Frauen oder Mädchen beschäftigt. Oft habe ich gesagt: Wie machen es die Wittwen den Winter über? Die ältesten und verständigsten Männer des Dorfes haben mir geantwortet:„S i e n: ü s s e n s i ch durch- Hunger n." Sie müssen sich durchhungern, das ist das A und O der Lebensführung, das ist das Pendant zu den und prekäre gewesen waren und daß er nur durch seine Energie und das große Vertrauen, das er bcini Publikum und iu der Geschäftswelt genoß, sich zu erhalten vermocht hatte. Hätte er seinen Prozeß ge- wonnen, würde seine Geschicklichkeit das Schlimmste fern- gehalten haben. Nun war er verloren, und das unerwartete, gleichzeitig hereinbrechende Fallissement einer angesehenen Bank, bei welcher er selbst Mitglied des Verwaltungs- rathes gewesen, machte die 5katastrophe zn einer zer- schmetternden. Man hatte sein persönliches Vermögen ans Millionen geschätzt; nun zeigte sich, daß die Passiven die Aktiven weit überstiegen und das jeder Ausgleich unmöglich war. Infolge dieses Zusammenbruchs gab es weitere Jnsol- venzen in der Geschäftswelt, eine förmliche Panik an der Börse, und was das Schlimmste, unendliches Mißtrauen war auss Neue ins Publikum geworfen, die Spekulation beeinflussend und schädigend. Kaum wagte es Jemand, Field in Schutz zu nehmen; man beschuldigte und beschimpfte ihn maßlos, und selbst sein tragisches Schicksal, das diesen rastlosen und hellsehenden Geist in ewige Nacht gebannt, vermochte keine mildere Auf- fassung herbeizuführen. Dem Finanzgcnic hatte man geschmeichelt, gleich einem Allmächtigen gehuldigt, den Macht- und Wehrlosen gab man den Eselsfußtritt. Was Skandalsncht und Neugier aber weiter über die Familie und ihre augenblickliche Lage zu wissen wünschte, konnte man ans den Zeitungen erfahren. lind waS man da nicht Alles zn hören bekam! Kaum gab es eine Beziehung, ein intimes Gefühl, daS nicht mit aller Ausführlichkeit pnblizirt und glossirt wurde. glänzenden Renten der Großgrundbesitzer, zu den kolossalen Ueberschüssen der Zuckersieder, zu dem Triumph einer Wirthschaftspolitik, welche in einein Ratten- könig von landwirthschaftlichsn und Jndustrie-Zöllen den Inbegriff aller Staatsweisheit erblickte/ weil die Kraut- junker und Schlotjunker ihren Schnitt dabei machen. Gegenüber den winzigen Einnahmen die Ausgaben, welche die Herrlichkeit der indirekten Steuern glänzend be- weisen und deutlich zeigen, daß die große Menge jener Bezirke eivig an der Hungergrenze sich befindet. Man höre z. B. folgende Bemerkungen Borchard's:•„Brot gebraucht eine Familie für 3,50 M. die Woche, ja im ver- flosseneu Winter noch mehr; da wog das Brot für 50 Pf. nur 4 bis 4I/2 Pfund, früher G Pfd. Der Viertelzentner Roggenmehl kostete in den letzten Jahren 2,50 bis 3,50 M. An Fleisch hatte ich früher den wöchentlichen Bedarf auf 2 Pfd. berechnet. Das Pfund Rindfleisch kostet CO Pf., Schweinefleisch 70 Pf. Der Gemeindevorsteher sagte mir aber, daß 4 Pfd. zur Deckung des Wochenbedarfs uöthig seien. Eine ordentliche Arbeiterfrau sagte mir:„M an braucht es wohl, aber m« n hat es n i ch t." Ist es nicht der reine Hohn auf das Landleben, daß die kleinen Leute auf dein Lande„keine Milch haben?" Der schöne Trost, welchen die Parzellen- fanatiker bei der Hand haben, daß ein Stückchen Land dem kleinen Mann auf die Beine helfe, fällt für unsere Gegend fort. Der landwirthschaftliche Großbetrieb, der zum Rübenbau u. s. w. jeden Morgen des fruchtbaren, ergiebigen Grund und Bodens verwendet und aufkauft und pachtet, was nur zu haben ist, räumt nnt diesen Dingen energisch auf.„Der größte Uebelsiand", heißt es in unserer Quelle,„ist, daß es dem kleinen Manne kaum noch möglich ist, das zur Aufrechterhaltung seines Haus- standes nothwendige Land zu irgend erschwing- baren Preisen zu pachten. Die Pferdeknechte und Drescher erhalten% Morgen bis zu 1 Morgen Land unentgeltlich. Die Arbeiter und Arbeiterfrauen, die regelmäßig zum Hacken kommen, erhalten 1/2 Morgen bestelltes Land für 24 M. Eine Arbeiterfamilie braucht aber, wenn die Nahrung einigermaßen genügen soll, für den Haushalt l'/s Morgen, um das Nöthige an Kartoffeln, Rüben, Ge- müse und Stroh zu bauen. Der Morgen bestelltes Land kostet 66 bis 72 M., der Morgen unbestelltes Land aus sechsjährige Pacht kostet 60 M. Die ordentlichen Arbeiter bemühen sich Land zu pachten, aber sie haben, wenn ihnen das gelingt, bei den heutigen Pachtpreisen keinen Gewinn davon. Der Preis des Landes ist trotz der gesunkenen Zuckerpreise von Jahr zu Jahr gestiegen. Vor 15 Jahren konnte man gutes Land für 750 M. bekommen, heute kostet der Morgen im Großverkauf 900 M., im Kleinver- kauf 1000 M. und an manchen Orten 1200 M. und darüber." Die Wohnungszustände bieten gleichfalls An- laß zu berechtigten Klagen. Für eine Stube und eine Kammer, die Küche haben sie mit einer anderen Familie zusammen, für einen Stall zu Kohlen und einen Schweine- stall werden 66— 72 M. bezahlt! Borchard kommt zu dem Ergebniß, daß„eine länd- liche Arbeiterfamilie im dortigen Kreise bei großer Spar- samkeit jährlich 800 M. gebraucht. An baarem Gelde verdient die Arbeiterfamilie 200, höchstens 270 M." Das ewige Defizit in drückendster Gestalt ist bei diesem Budget die so selbstverständliche wie betrübende Folge- erscheinnng. Die Vorschläge, welche Herr Pastor Borchard macht, kümmern uns nicht, sie sind kindlich und utopisch. Ar- beitervereine, in denen Unternehmer und Arbeiter zusammen- gekoppelt sein sollen, Vorträge, Kleinkinderschulen und Äehnliches, was er will, ändert am Sachverhalt, der kapi- talistischen Ausbeutung des Landvolkes, nicht das Mindeste. Und so gut gemeint es ist, wenn er das Eigenthumsrecht init der Eigenthumspflicht verbunden wissen will, seine urchristliche Auslegung, nach der„alle Gaben, dieselben seien... Geld oder Grundbesitz... zum gemein- Ihre Armuth und ihre Thränen, das Aussehen und Benehmen Field's in der Zelle, die geringen Hoffnungen, daß er sie je wieder verlassen werde, die Auflösung des prunkvollen Haushaltes und das Zurückziehen Hanna's nach Kaltenbach in die ihr gehörige Villa, oie Reiselust des Waller'schen Ehepaares und das gleichzeitige Verschwinden Lord Edward's. Auch Oswaldt's Herzensdispositionen wurden einer scharfen Kontrolc und Kritik unterzogen. Einige Blätter wußten, daß er seine Verlobung rück- gängig gemacht habe und nach Amerika auswandern werde, andere versicherten, daß der junge Maler, trotz des Mißgeschicks, treu sejner Braut anhänge und sie häufig s a m e n Nutze n anzuwenden" seien, ist hinfällig gegen- über dem ehernen Zwange der heutigen Eigenthumsordnung, welche die Ausbeutung des Menschen durch den Menschen zum obersten Sittengesetz erhebt. Doch dies nur nebenbei! Wir wollten nur an einem konkreten, gutverbürgten Beispiele zeigen, ivie es auf dein Lande aussieht und darauf hinweisen, wie und wo die Agitation einzusetzen hat. Die Landarbeiter gehören kraft ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihrer wirthschaftlichen Lage zum Proletariat. Unsere Sache ist es, sie zu klassenbewußten Arbeitern, zu Sozialdemokraten zu machen. Was die ökonomische Ent- wickelung mit Sicherheit vorbereitet, haben wir zu ton- troliren und zu beschleunigen. Kriefe ans tan erwarte mit Spannung, hieß es, seine nächsten Arbeiten. Oswaldt habe beispielloses Glück gehabt, es werde sich nun zeigen, ob er es verdiene und sich auf der vielleicht allzu rasch erklommenen Höhe auch zu behaupten wisse. Das heißt, sein Gönner und dessen bestimmender Ein- fluß waren dahin und nun heischte es das künstlerische Gewissen, daß man jede erschlaffende Nachsicht, die man einst walten ließ, durch Strenge korrigire. Der November war mit seinen Stürmen und seinen Regengüssen herangekommen. In Kaltenbach verspürte man bereits eine winterliche Kälte, die die arme Bevölkerung mit Schrecken erfüllte. In Victoria waren indeß alle Neueinführungen voll- endet und der Betrieb aufgenommen worden. Die heimischen Arbeiter, die sich gemeldet, hatten Aufnahme gefunden, man hatte ja versprochen, sie zu berück- sichtigen. Und obwohl der Lohn im Hinblick auf die neuen und verbesserten Maschinen eine Reduktion erfahren, suchte man den Betroffenen begreiflich zu machen, daß sie trotzdem keine Einbuße erleiden würden. Da durchaus Stückarbeit eingeführt sei, würden sie mit Hilfe dieser rascher und verläßlicher arbeitenden Maschinen in derselben Zeit mehr Arbeit leisten und somit auch mehr verdienen können, als je vorher. Aber die Leute standen Wien, 21. Novcmber. Am letzten Sonntage kam es in Wien zu einer großartigen Kundgebung der organifirten Arbeiter- schaft für das allgemeine Wahlrecht. Die Sozialdemo- traten benutzten die Plenarversammlung des„Demokratischen Zcntralvereins", um zum Worte zukommen. Die Wiener„Demo- traten" sind der kleine Rest einer noch vor mehreren Jahren sehr zahlreichen Partei, welche das eigentliche Kleinbürgerthum um- faßte. Seither ist ihre große Masse zu den Antisemiten über- gegangen und genau dieselben Leute, welche noch vor kurzem für die„Prinzipien von 1789" schwärmten, deren Abgott Dr. K r o n a- wetter war, heulen heute„Nieder mit den Juden" und er- klären Kronawetter für einen„Judengenossen". Man hat da eigentlich ein typisches Beispiel vor sich, wie es der Klassenkampf ist, der das Wesen der politischen Parteien bestimmt. Ihre großen Prinzipien, das sind ebenso viele Masken, die rasch und schmerzlos gewechselt werden können, und welche ihr eigentliches Wesen, das gemeinsame wirthschastliche Interesse, das Klassen- interesse, mehr oder weniger erfolgreich verhüllen und verdunkeln. Gestern„Demokraten", heute„Antisemiten", vielleicht morgen wieder Demokraten,— es sind immer dieselben Leute, die Kleingewerbetreibenden, die den Untergang vor Augen haben. In Oesterreich ist die bürgerliche Demokratie heute in den verschiedenen antisemitischen Sekten, welche unter der Führung von ebenso vielen Päpsten ihren Radau vollführen, voll- ständig aufgegangen. Dr. Kronawetter steht fast ganz allein. Was sich noch mn ihn sammelt, ist eine kleine, aber darum nicht gerade sehr gewählte Gesellschaft. Er selbst ist sich treu geblieben; er ist Ihomme-principe, wie er im Buche steht, ein Doktrinär vom reinsten Wasser. Das hat ihn bei der allgemeinen Fahnenflucht, welche nicht nur unter den Demokraten, sondern schon viel früher und nach anderer Richtung unter den Liberalen einriß, in vieler Beziehung den Sozialdemokraten näher gebracht. Er hat stets im Parlament die Polizei-Jnfamien, die brutale Klassenjustiz gegen die Arbeiter energisch bekämpft und das ist ihm um so höher anzurechnen, als es gegen den Wunsch seiner eigenen Parteigenossen, oder vielmehr— seiner Wähler, geschah. Soweit also die Sozialdemokratie eben Demokratie ist, mußte Kronawetter naturnothwendig in ihre Gesellschaft kommen. Derselbe Doktrinarismus aber, der ihn dazu brachte, hinderte ihn bis jetzt, und wir fürchten für immer, das soziale Programm unserer Parter auch nur zu verstehen. Für ihn ist die„Erklärung der Menschenrechte von 1789" eine Offenbarung der reinen Vernunft. Klassen und Klassenkampf versteht er nicht, giebt es für ihn nicht. Die„abso- lute Rechtsidee" ist es, der allein er huldigt. Ich habe Dr. Kronawetter's Stellung hier so aus- führlich geschildert, weil erstens der Mann eine der rvenigen erquickenden Gestalten im politischen Leben Oesterreichs ist und zweitens, weil ich erklären wollte, wie die Sozialdemokraten gerade den Verein, welcher unter seiner Führung steht, zu der Demon- stration vom letzten Sonntag benutzen konnten und dursten. Ja, aber am Ende fragen Sie, warum wir nicht selbst Versammlungen abhalten!? Nun, bei uns herrscht ja noch das Ausnahmegesetz, welches„allgemein zugängliche Versammlungen", also Volks- Versammlungen absolut verbietet. Unseren einzigen poli- tischen Verein aber hat die Polizei uns bereits im Sommer 1839 gemeuchelt und seit einem Jahre bereits bemühen wir uns vergebens, die Bewilligung zu einem solchen wieder zu erhalten. Alle politische Propaganda, die wir treiben, und ich darf sagen, sehr energisch und erfolgreich treiben, geschieht direkt gegen daS Verbot der Polizei, welche aber mit uns nicht fertig wird. Nun haben die Demokraten einen Verein mit großem Titel, aber freilich blutivenig(kaum 300) Mitgliedern, sind also Polizei- lich befugt, politische Versammlungen abzuhalten. Wir haben die Masse, aber keine„Besugniß". Und vielleicht dachte irgend einer der„demokratischen" Politiker, es. wäre hübsch ihre Versammlung, die natürlich sehr mager ausfallen würde, mit der Arbeitermasse zu„wattiren". Wahrscheinlich auch dieser neuen Sachlage mißtrauisch und unwillig gegenüber. Sie haßten die Maschine, sie wollten es nicht glauben, daß eine Verbesserung au derselben ihnen zu Gute kommen würde, und die Erfahrungen der ersten Woche schienen ihnen Recht zu geben. Die Arbeiter waren ebenso spröde wie die Maschinen, sie waren gegenseitig noch nicht auseinander ge- drillt und vermochten sich nicht zu befreunden. Die Leute arbeiteten fehlerhaft und langsam, trotz ihrer Ungeduld, oder eben deshalb; und als in der zweiten Woche ihr Verdienst, ungeachtet der Ueberstunden, unter dem normalen blieb, trat ein in Victoria bisher nie dagewesener Fall ein: sämnitliche Arbeiter erklärten, unter diesen Bedingungen nicht weiter arbeiten zu wollen. Sie verlangten die frühere Höhe des Stücklohnes und noch andere Vergünstigungen und gaben ihre Forderungen schriftlich ein. Diese wurden als unerfüllbar und durchaus ungerecht- fertigt verworfen und ihnen gesagt, daß, wenn sie nicht sofort die Arbeit wieder aufnähmen, man ihrer überhaupt nicht mehr bedürfe, da man sich andere und billigere Arbeitskräfte verschaffen werde. Eine ungeheuere Aufregung bemächtigte sich Aller. Wie, slQotii» mntTfk» mmn tn finltpit? 9Tithprf> in dieser Weise wollte man sie in Schach halten? Andere Arbeiter sollten herein und sie, die Angesessenen, die so lange geduldig geharrt und zugewartet, sie sollten jetzt, wo der Winter begann und jeder andere, auch der geringste Verdienst ausblieb, zurückgesetzt und in ihren Hoffnungen be- trogen werden? Aber nein, nein, es war nicht möglich, man wollte sie nur schrecken mit dieser Drohung. Der Lohn war ein so niedriger, die Existenzbedingungen so miserabel, daß nicht leicht andere Arbeiter dieselben akzeptiren würden. Und gerade ihre Jsolixtheit, die Ab- gesperrtheit dieses industriellen Bezirks von den übrigen, die sie bisher so sehr benachthciligt, sollte ihnen nun auch ein- mal zum Vortheil ausschlagen, sie ließ keinen Zuzug er- warten. Der Streik war ebenso allgemein als spontan. Auch der taube Andreas schloß sich dem Streik an. Er verließ den Openec und schwor, er wolle ihn nicht zum Schaden seiner Kameraden bedienen, eher wolle er ihn zer- trümmern. Aber schon am nächsten Tage entstand das Gerücht fürchteten die (10 ( pv I i v&y k- v w» r Sport daraus machen, Versammlungen anderer Parcher>. sprengen; zu uns getrauen sich diese Helden freilich Kurz, die Versammlung mit der Tagesordnung: Das allgenn� Wahlrecht, wurde in den größten Saal einberufen, der in derzeit zur Verfügung stehr, ins„Kolosseum", und die Wen dazu eingeladen. Wir nahmen die Einladung an. Und der nri» war der, daß nach der Schätzung g e g n e r i s ch er-Blätier/;; "— fi■-■•—— r.-»wild sujutjmig y e y u c l i( u; c i- 10 000 Arbeiter sich beim Schwender einfanden, pünktlich, 1'* ruhig, wie eine Armee. Freilich konnten nur etwa 5000 PHr in den Saal gelangen; aber trotzdem gab es auch nicht den w ringsten Zwischenfall und die bedeutenden PolizeiabtheilungeU',� allerlei HinterHallen versteckt lagen, konnten nach Hause gehen, in die„Ordnung" retten zu müssen._ Unter den Tauseudeu von�- demokraten gab es auch mindestens ebenso viele Dutzende „Demokraten"........„...... Die Aufgabe der Versammlung und speziell unserer war es, den Standpunkt der Sozialdemokraten zum eilig-—. Wahlrecht einfach zu konstatiren; er ist ja bekannt genug und, Redner durfte mit Recht sagen:„er schäm e sich einfach, M„ Wahlrecht heute noch sprechen zu müssen!" Dann aber vdfl, nothwendig, die Heuchelei der bürgerlichen Parteien, welche I. sämmtlich nnt dein Wahlrecht koketliren, in ihrer Nackten° zugeuen. Die von xcr. Zirouuweiier oecmiuiy�-oM konnte dahin gedeutet werden, daß man die demagog'M. Phrasen der Liberalen und Antisemiten ernst �0' es war nämlich die„Erwartung" ausgesprochen, BW schiedencn Vertretungskörper würden die Wahlresorm, Rothwendigkeit kein einsichtiger Mensch mehr bezweifelt/ in Angriff nehmen. Von unseren Rednern wurde osten; �"* v_p. n*-------- x-----.. i j. r. � � gesprochen, daß wir diese Erwartung nicht hegen,-— q, wissen, daß sich die herrschenden �Klassen nur Sem - I•— V I/-------- II_ ,,, � Itlll" f fügen werden, welchen das organisirte Proletariat ausüben„ das Wahlrecht werde ein Erfolg der kämpfenden Sozii» W kratie sein. Ebenso mußte bei aller Gastfreiindschaft uiid aller„ vor Kronawetter jede Solidarität mit der WrgeM.� „Demokratie" höflich aber entschieden abgelehnt werden. j, Demokraten", Dr. Glaser, der die Scheidung zwffchen�� iseyelviing zwi,cy'-" demokraten lind seiner Partei als eine„künstliche" bezeichnete,>»' unter dem stürmischen Beifalle der ganzen Versamnilung gru" heimaeleuchtet.. � Die Versammlung des„Demokratischen Zentralverei. � schloß mit einem dreimaligen stürmischen Hoch auf die'" nationale Sozialdemokratie und der Absingung des„Lieoee Arbeit." Der Eindruck der Versammlung auf die Oeffentlichk��� Vvv-��v,...............------- ein ganz gewaltiger. Vielleicht ist die Zeit nicht ferne, wo i Mensch in Oesterreich das allgemeine Wahlrecht bekämpfen w � aus Furcht sich lächerlich zu machen. Die Regierung fr ei um � wickelt darin einen hohen Grad von Tapferkeit; sie hat Furcht davor— sich zu blamiren. Votttiflhe Meberflchl. Berlin, den 26. November. Immer mehr Keld für's Militär— das iß bleibt die Losung. Der Reichshaushalts-Etat für � weist geradezu erschreckliche Ziffern auf. Er schließt 1» nähme und Ausgabe mit 1 130 645 888 M. ab. Ausgaben sind 941 135 067 M. fortdauernde, 90 � � Mark einmalige Ausgaben des ördentlichen und 99 Mark des außerordentlichen Etats. Das Gesetz enthäl � neue Bestimmung, dahingehend, daß die Summe,' nach§ 8 des Zolltarif-Gesetzes vom 19. Juli Reichstasse von dem Ertrage der Zölle und der Tabai! u verbleibt, für das Etatsjahr 1890/91 von 130 Miß®"„„u 140 242 500 M. erhöht wird. Um den Betrag„ 10 242 500 M. sollen nämlich die Mehreinnahmen au»> Zöllen und der Tabaksteuer im Etatsjahre 1390 91, danach die den Einzelstaaten zu überweisenden Steuer kürzt werden zu dem Zwecke, die am I.April 1892 sa � Zinsen der Reichsschuld, welche nach der bisherigen U L für das Etatsjayr 1892/93 zur Verrechnung gelangen � den, bereits für das Etatsjahr 1891/92 zu verrechne die am 1. April jeden Jahres fälligen Zinsen wirthml' m dem vorhergehenden Etatsjahre zur Last fallen. 3", ist diese Aenderung bereits früher erfolgt. Das heit zu erwartende günstige Ergebniß des EtatSi � 1891/92 ermöglicht es, zu dem richtigeren Verfahren � zugehen, ohne daß eine nachtheilige Rückwirkung nm -.v v. c rr-' VM_. X______< e- f X___} rx Haushalt der Einzelstaaten zu befürchten ist. In der Denkschrift zum Hauptetat wird zunächst die Gesammtausgaben mit Ausnahme der fortm d: daß die Gesammtausgaben mit Ausnahme oer 1«"% Ausgaben der Betriebsverwaltungen um 139 227 339 � und verbreitete sich rasch, daß eine Schaar böhmsi� beiter unterwegs sei und am ziveitnächsten Tage y treffen werde.„iid Die Sache war wohl lange vorher schon abgemacy � böhmische Arbeiter waren die Geißel, mit der � strafen wollte; aber wehe dem geduldigen Werkzeug- � Ein wilder grimmiger Haß wallte empor, erreg schlimmen Instinkte. e!, t'1' Es ist der Haß der französischen Arbeiter uf.:- italienischeu, der englischen gegen die irischen, der nischen gegen die chinesischen Kulis. Ihre elende. fif liche Existenz wurde ihnen also streitig gemacht hatten sie zu vertheidigen gegen Arbeiter, die in der noch zurück waren, das heißt, die noch bedürfnißlofe. � als sie selbst, zäher und ausdauernder, ein noch Leben, eine noch schlechtere Behandlung sich 9 ließen., i'AmWt Der Tag war gekommen, an dem diese doo pi Arbeiter mit der Bahn hier eintreffen sollten. sonnenloser kalter Nachmittag. M' Die Berge umher waren weit herunter vcrschu�:-� Häupter von einer grauen Wolkemnasse umlagert, jhä die das Thal zunächst einschließenden Hügel i"1 Föheenwaldungen tiefschwarz erschienen. Es war eine ernste düstere Stimmung in der- � räf die Luft war feucht und so ruhig und still, daß r räusch auf große Entfernungen vernehmbar war. p In einem fernen Gehöfte heulte ein Hund, Lw hörte man das Rasseln eines rasch dahinfahrenden Es war der Fabrikverwalter, der nach Neustadt M' t K Die Haltung der Arbeiter war in der unrnhigend, und man wußte, wie es bei gleiche» � gekommen war. Die Streikenden versuchten die NeuangekoN» � öK hindern, die Arbeit aufzunehmen, es kam zu minder ernsten Zusammeustößen, und wenn auch d � Ktrt.CWStlMM/* vtM( v>Si r\ f» pS%. die Ordnung wieder hergestellt wurde, so gab c- Unzahl zerschlagener Fenster. Da war es denn*„pS,' geboten, die Behörden von vornherein zu avmre bcncn des Vorjahres zurückbleiben. Davon kommen auf die lortdauernden Ausgaben mehr 80 441 69G SOi., auf die einfügen weniger 219 669 585 M. Nach Ausscheidung der durchlaufenden Posten(Ausgaben des Jnvalidenfonds und der Ueberweisungen) bleibt an fortdauernden Ausgaben und an «nmnligen des ordentlichen Etats ein Gesaimntbedarf von Wt 04g 226 M.. also mehr 46 609 686 M.; an einmaligen Ausgaben des außerordentlichen Etats ein Gesammtbedar' von 98 790 369 M., also weniger 218 295 975 M. Bon den -Mehrausgaben kommen auf Neichskanzler und Reichskanzlei einmalige weniger 40 000 M.; Auswärtiges Amt fortdauernd wehr 309 090, einmalige mehr 910 603; Reichsetat des Innern lortlaufende mehr 7 302 424; einmalige mehr 1 632 773 M.; Weichsheer fortdauernde m ehr 25 754 707, ein- nmlige weniger 125 219 M.; Marine fortdauernde wehr 4 424 801, einmalige mehr 7221 130 M.; wUchz.sortdauernde mehr 90 160, einmalige mehr 500 000 M.; Weichsfchahanit weniger 137 408 bez. 59 2U0 M.; Reichs-Eisen- vahnamt mehr 3360, Reichsschuld mehr fortdauernde 7 239 000, einmalige mehr 10 242 500, Rechnungshof mehr 51 346, Allgemeiner Pensionsfonds fortdauernde mehr 2 947 077, Jnvaliden- tondg weniger 1460, Post und Telegraphen einmalige mehr , � Reichsdruckerei einmalige weniger 178 150, Fehlbeträge wi» früheren Jahren weniger 20 198 738 M. Die fortdauern- öen Ausgaben find höher um 47 983 296, die einmaligen Niedriger um 1 373 610 M., also mehr 46 609 685 M. Da- Sege» sind die Einnahmen veranschlagt mehr aus Znckersteuer il 465 000 M., Brausteuer 1 367 000, Aversen 15u0, Spiel- rartenstenipel 42 000, Wechselstempel 291000, statistische Ge- wihren 24 000, Ueberschuß der Post und Telegraphen l 078 526, 'Aetchsbruetcrei 16 095, Eisenbahnen 945 475, Bankwesen �•>08 200, Einnahmen aus der Veräußerung des Stettiner �estungsterrains 202 733, Ueberschuß des Etarejahres 1889/90 ssfo'43' weniger Salzsteuer 14 000, Branntweinsteuer 438 000, Verschiedenes 2 795 764, Zinsen aus belegten Reichs- geldern 97 400 M. Also Mehreinnahme 15 916 108 M. Dazu tommen 10 242 000 M. aus den Zöllen und Tabaksteuern von 1890/91(f. oben), also im Ganzen mehr 26 158 608 M, öut Deckung des Mehrbedarfs fehlen hiernach noch 4ol 078 M., um welche die Matrikularbeiträge erhöht werden müssen.— Von den Mehrausgaben des Militäretats von 25 754 707 M. entfallen auf den Mehrbedarf zur Er- Sünzimg der Ausgaben-Zlnsätze im(3.) Nachtragsetat für 1891/92 aus Anlaß der Erweiterung der Friedensorganisation °es Heeres 7 221 346 M.(davon Preußen 5 531 199 M., Sachsen �.4 883 M., Württemberg 309 902 M., Bayern 835 362 M.). •vie eigentlichen Mehrforderungen für 1891/92 belaufen sich dem- fch. auf 18 533 361 M. Von den Mehrausgaben für das Weichsheer fallen auf Geldverpflegung der Truppen 7 118 399 M., Waturalverpflegung 645 133 M., Bekleidung 530 217 M., Gar- 'i'sonverivaltuug, Servis 1 228 575 M., Remonte 2 734 273 M., «Nlllerie und Waffenwesen 8 054 877?c. Für die außer- ordentlichen Bedürfnisse des Reichsheeres, der Marine, Reichs- fenbahnen, Post und Telegraphen ist eine Anleihe in Höhe von f 6<0 339 M. erforderlich; dazu aus bereits bewilligter An- wche 23 700 000 M., im Ganzen aus Anleihen 86 270 339 M.- "swn den Einnahmen aus der Zuckersteuer fallen 8 306 000 M. U890/91 7 344 000 M.) auf die Rübensteuer, 52 513 000 M. (1890/91, 42 010 000 M.) ans die Verbrauchsabgaben. Die Ein- «ahme aus der Maischraumsteuer ist auf 18 676 000 M.(1890/91 ,,�14 000 M.) und der Verbrauchsabgabe aus 110 170 000 M. (1890/91 110 530 000 M.) veranschlagt.— Welche Ziffern! Die Milliarde weit überstiegen, die wan noch vor zehn Jahren als Unmöglichkeit betrachtete. w fortwährendes Weitersteigen. .. Mit diesem„Segen" ivird's aber noch nicht genug sein, denn immer hartnäckiger drängt sich das Gerücht von vrohenden„Ueberraschnngen" vor. Man wird sich erinnern, vafl der vorige Kriegsminister nur über seine Offenherzigkeit »estolpert ist. Daß die Pläne, durch deren Enthüllung er en Reichstag in diesem Frühjahr kopfscheu machte, aus- Begeben seien, davon hat man noch kein Sterbensivörtchen Behört. Und daß der Militarismus je aus einen Plan zu seiner Vergrößerung und seiner Stärkung verzichtet habe, »von hat man auch noch niemals gehört.— »Im preuffiichr» Abgeordnetenhaus dauern die Debatten über die sogenannten Reformgesetze fort. Ter Bestrige Tag bot nichts von Interesse.— > Die Beharrlichkeit, mit welcher seit Wochen und Wochen J Telegrammen und Zeitungsartikeln ein Streik der evgarbeitrr als bevorstehend angekündigt wird, mußte . Bwohn erregen; und wir haben unsern Argwohn auch lederholt ausgesprochen. Wir haben Erkundigungen ein- Bezogen— kein Mensch hat im Ernst an einen Streik ge- und ein Streik der Bergleute int gegenwärtigen Tji'öenblirf, wo die Grubenbesitzer infolge der wirthschaft- che» Lage Alles getrost an sich herankommen lassen können, Mv Schutzes zu versichern, damit im gegebenen Fall ein väwall sofort unterdrückt werden konnte. in$n er a Field wußte man kaum etwas von diesen J" der nächsten Umgebung sich abspielenden Vorgängen. 4?änna war zu tief in ihren Schmerz versunken, war doch Hoffnung, daß ihr Vater je wieder genesen werde, eine . oeraus geringe und so lebte sie einsam und freudlos in .%et Villa,' dem einzigen Besitz, der ihr geblieben, uo dessen sie sich rasch zu entledigen suchen mußte, da ihre Wigen Mittel kaum für die Erhaltung desselben hingereicht satten. g. Angstnmschlungenen Geistes, voll geheimer Furcht sah der Zukunft entgegen. Und wenn auch Oswaldt treu zu ■B* hielt und sie und'ihre Mutter, die dem Geschehniß noch I* r rath- und fassungslos gegenüberstand, sin jeder mög- ehen Weise aufzurichten und zu trösten versuchte, so wußte gar wohl, daß es nur Mitleid war, das thn dazu be- Siebe 68 nar 1)08 ��'ühl für Ehre und Pflicht, nicht die „ Wie sie darunter litt, wie ihr Stolz sich dagegen em- %Me- Und könnte sie wirklich etwas vermögen, eine solche Lerbindung einzugehen? Aber so oft ihr aufsturmender we?� � drängte, ihm.zu sagen; Du bist frei, niemals ?etbe ich dje Deine! ward ihr die Kehle wie zugeschnürt, NN vor ihrem schauenden Geist erhob sich drohend ein ,. eidliches, das sie mit zitternder Angst erfüllte, ein unherm- .ches Gespenst, dem sie anheimfallen sollte und das man Armuth nennt.__ w- Wieberholt müßte sie jetzt ihres einstigen Bewerbers vns?-. Bedenken, den sie der Schiväche geziehen und thnt hohn- Q„. den Rücken gewendet, weil auch er vor diesem Gespenst B zittert und in seiner Liebe zu ihr nicht die Kraft fand, es ijr'eich zu überwinden. r KZss-'N«.- � aber, wo sie auf Schritt und Tritt Menschen mit hohlen liegen, mit kranken entzündeten Augen begegnete, und Bit verkrüppelte Kinder, denen das Siechthum seinen scheug- wäre der hellste Wahnsinn— außer vom Standpunkt eines Spitzels. Ein Artikel in einer der letzten Nummern des Berg arbeitcr-Organs mit dem Titel:„Streik in Sicht" drückte einfach die private Meinung des Schreibers aus, und hat gar keine Bedeutung. Daß er zu einer Streik-Ankündigung aufgebauscht wird, zeugt von Böswilligkeit— legt aber andererseits auch den Leitern des Blattes die Pflicht auf, in solchen kritischen Zeiten mit Veröffentlichung solcher Privatnieinungen etwas vorsichtiger zu sein.— Die Nachricht von der Uerhaftnug des Herrn Kurt T o c p p e n, des früheren Leiters der Witugesellschaft in Afrika, durch die Engländer, bestätigt sich zu unserer Freude nicht. Dem„Berl. Tagebl." hatte die Nachricht voil der Verhaftung Toeppen's, den es als vogelfreien Sozialdemo kraten denunzirte, bekanntlich Gelegenheit gegeben, seine ge- meine Gesinnung zu bethätigcn. Die verdienten Ohrfeigen, mit deneil wir das edle Blatt daraufhin bedachten, hat es schweigend hingenommen. Sollte es sich wirklich einmal ge- schämt haben? Vom alten Klndstoue hat man gesagt, ähnlich wie von unserem Gneist, daß er Alles beweisen, und obendrein noch über Alles eine zivei- bis dreistündige Rede halten und mit derselben Ucberzengtheit vordemonstriren kann, daß Weiß Schwarz und daß Weiß n i ch t Schwarz ist. In dem kniff- lichen NnrnrU-Fiill(Fall indoppelter Bedentung) hat er richtig, vermittelst seiner beneidenswcrthen Kasuistik eine Lösung ge- funden: die freie Liebe ist vorläufig noch nicht hoffähig, man übt sie, aber man bekennt sich nicht zu ihr, und wer sich dabei erwischen läßt, hat sich eines Fehlers schuldig gemacht— wohlgemerkt des Fehlers, sich erwischen zu lassen— und für diesen Fehler muß er büßen. Die Buße für Parnell besteht darin, daß er sich zu Anfang der Session etwas zurückzieht, bis Gras über den Skandal(des Erwischt Werdens) gewachsen ist, und dann kehrt er triumphireud wieder ins öffentliche Leben zurück an die Spitze seiner Partei. Also der vielgewandte Gladstone. Parnell aber scheint auf diesen Plan nicht eingehen wollen, und selbst die Drohung Gladstones, er werde sich vom öffentlichen Leben zurückziehen, wenn Parnell nicht gehorche, scheint keinen Eindruck auf ihn gemacht zu haben. Seiner Jrländer ist er sicher, und die irischen Deputirten im Unterhallse haben ihn in offener Empörung gegen Gladstone e i n st i m m i g als Präsident der nationalistischen Partei wiedergewählt. Parnell hat auch, wie ein Telegramm aus London meldet, die Wahl angenommen. Der englische Premier, Salisbury, berührte in der Adreffdebatte im Untcrhause auch die letzte, gewaltige Er- schütterung des englischen und europäischen Geldmarktes. Er lobte das Eingreifen der Bank von England in den Gang der Krise; die Zity— die Großkaufmannschast Londons-r schulde der Bank den größten Dank. Sehr wahr! Beendet scheint die Krise aber noch nicht zu sein, denn Salisbury erklärte, eine weitere Erörterung sei gegen- wärtig nicht erwünscht, da zur Erklärnng der Vorgänge rein vertrauliche Angelegenheiten enthüllt werden müßten! Und das gehorsame Parlament schwieg. Von den Man dataren des Kapitals war nicht zn erwarten, daß sie den Schleier des Bildes der Großfinanz lüften würden. ItadtmoKi, der den russischen Spitzel Silberstoff in Paris erschoß, ist nicht, wie der„Ganlois" zu melden wußte, in Brüssel verhastet worden. Das Wild scheint den Menschenjägern entronueli zu sein. Die belgische Polizei verhaftete wohl einen Mann, auf den das Signalement Padlewski's einigermaßen paßte; es stellte sich aber bald heraus, daß man einen völlig unschuldigen schwedischen Arbeiter gefaßt hatte, der wohl oder übel sofort wieder in Freiheit gesetzt werden mußte. Nach diesem glänzenden Beweis ihrer Fähig- keit sind russische und französische Spürnasen nach England, Belgien, der Schweiz und Deutschland gereist, um dort nach der Spur Padlewski's zu suchen. Die Indianerfrage ist in Nordamerika wieder einmal ausgerollt. Den Ausbruch der Feindseligkeiten zwischen Rothhäuten und Weißen halten wir schon vor einigen Tagen zu melden. Jetzt wird der„Franks. Ztg." ans New- Jork berichtet, daß die weißen Kolonisten ans den Bezirken von Potter und Dalworth in Dakota vor den Indianern auf der Flucht wären. 600 bewaffnete Indianer überschritten den Missouri an der Mündung des Grandflusses. Es sind keine Soldaten anwesend, und die Kolonisten haben wenig Aussicht, sich durch die Flucht zu retten. Die Sionx sind in lichen Stempel aufgedrückt, jetzt fand sie nicht mehr den Muth, der Armuty in die Augen zu sehen, sie verhüllte chaudernd ihr- Antlitz-und aus tiefstem Herzen rief sie, Alles, alles, nur das nicht! Und da nahte auch schon beschwichtigend die Klugheit und rannte ihr zu, daß sie Oswaldt einen schlimmen Dienst erweise, wenn sie ihre Verbindung rückgängig mache, es würfe einen Schatten auf seine Ehre und auch sein Ruf als Künstler würde darunter leiden. Und die Eitelkeit führte sie vor den Spiegel, der ihre Gestalt in all ihrer keuschem Herrlichkeit zurückwarf. Mußte ihr Besitz nicht so vollkommenes Glück geben, daß jeder an- dere Wunsch für immer verstummte? Sie ist schön, das Auge des Künstlers wird nichts an ihr auszusetzen finden und sie ist voll Geist und Talent, die doch allein die edelsten und dauerndsten Freuden vermitteln. Und schließlich, wo tvar es denn, dieses Mädchen, das ich zwischen sie gestellt hatte, wo blieb esc Warum ließ es nichts weiter von sich hören? Hatte es ihn bereits vergessen oder war geschehen, was er fürchtete, war sie in jenen Abgrund gerathen, ans dem es für ein Weib kein Empor- steigen mehr giebt? Sie lächelte dann wohl einmal im Vorgesühl ihres Triumphes, um im nächsten Augenblick sich um so ge- demüthigter und unglücklicher zu finden. Und wenn sie in der That den Sieg über Jene davon- trug, die Selbstqual würde nie ein Ende nehmen mtd niemals würden sie zusammen ein reines Glück genießen. Nie- mals ihre Herzen wohlig aneinander schlagen. Die Entfernung von Wien machte häufige. Besuche Oswaldt's unmöglich; an einem Tag in der Woche durfte man ihn aber bestimmt erwarten. Als er an diesem Nach- mittag den kleinen Salon Hanna's betrat, fand er Besuch vor: Konrad Riehl. Der ehemalige Besitzer von Victoria hatte sich nach einem kleinen Flecken in Tyrol zurückgezogen. Er hatte dort eine alte Ritterburg fast um ein Nichts gekauft und sich in einem alten Thurme, der noch der Zeit getrotzt, mit einen Kunstschätzen vergraben. Das Unglück seines alten Freundes hatte den Mann tief erschüttert und er war nun der Lage,- sich ihre Kampfplätze selbst zu wählen. Hunderte von Siour ziehen nordwärts und sind entschlossen, die nach- folgenden �Soldaten zu bekämpfen. Die Indianer ver- sammeln sich am White River und beabsichtigen, sich der benachbarten Station mit zahlreichen Viehheerden zu bemäch- tigen und sich so Wintervorrüthe zu verschaffen. Little Wound, der Häuptling der Ogellalas, sagt in seinem au Rogers, den Regierungsagenten, gerichteten Ultimatum, daß die Indianer den Krieg beginnen, iveil die Regierung ihre Rationeu zurückgehalten habe. Die Panik unter den Kolo- nisten ist allgemein. Zwei Kompagnien Kavallerie erivarteu den Befehl, nach Pine Ridge zu marschiren, und 000 Mann Truppen werden in Rushville erwartet. Die Regierung hat die Rationen„zurückbehalten", d.h. so viel, als den: Hungertod über die Rothhäute verhängt. Vielleicht trifft die Schuld aber nicht sie, sondern ihre Agenten. Man hat den Indianern ihre Ländereien geraubt und ihnen die Jagchvon der sie lebten, nnmöglich gemacht. Dagegen verpflichtete man sich, für ihre Nahrung und Kleidung zu sorgen. Viele Millionen werden dafür bewilligt, aber ehe von den Rationen etwas zu den Indianern gelangt, haben die räuberischen iind geldgierigen„Agenten", welche den Verkehr zwischen der Regierung und den Rothhäuten ver- Mitteln, das Meiste gestohlen, und die Indianer erhalten nur unbrauchbare und verdorbene Waare. Stockt der geringe Zufluß einmal ganz, dann stehen die„Wilden" vordem Hungertode, und bei der Wahl zwischen ihm und dem Tod im Kampfe ziehen sie, soweit sie noch nicht von dem Alkohol und der Syphilis der Zivilisation angefressen sind, den letzteren vor. Die„Jndianerfrage" ist ein Schandfleck für die große Republik. *» * Uenrst« Nachrichten. Der„Neichsanzeiger" veröffent- licht einen Erlaß, der als Termin für das Inkrafttreten des Gesetzes, betreffend die Jnvaliditäts- und Alterauerstchr- rnng, seinem vollen Umfange nach den 1. Januar 1891 bestimmt. Die Erfindung eines neuen— aber eigentlich sehr alten ,,Art>ritrrb»gtiickung«- Projekte»" ist dem Direktor der hiesigen Schultheiß-Brauerei(Akt.-Ges.), die nach reichlichen Abschreibungen auf Mobilien-, Immobilien- und Reserve- fonds nur 10 pCt. Dividende für das Geschäftsjahr 1889/90 abwarf, vor einiger Zeit gelungen. Das Projekt besteht in der Einrichtung einer S p a r t a s s e für Arbeiter, deren Statutenentivurf von der Generalversanimlung der Schult- Heiß-Brauerei auch en bloc angenommen wurde. Danach ist es den Arbeitern gestattet, ihre aus ihrer Thätigkeil innerhalb der Brauerei gemachten Ersparnisse im Höchst- betrage von 1000 M, jährlich, und im Höchstbetrage von 5000 M. überhaupt, in der Sparkasse der Brauerei nieder- ziilegen. Hierauf erfolgt eine Verzinsung der Einlagen von 4 pCt. plus demjenigen Prozentsatz, den die Aktionäre über 4 pCt. hinaus als Dividende erhalten. Das heißt eine Verzinsung in Höhe der jährlichen Dividende, vorausgesetzt, daß dieselbe nie unter 4 pCt. beträgt. Schade nur, daß nicht gleichzeitig die Menschenfreund- lichen Brauereileiter den Arbeitern durch Gewährung besserer Löhne auch die Möglichkeit schaffen, diese Kasse überhaupt, geschweige mit so stolzen Beträgen wie 1000 Mark zu ve- denken. Der Brauereidirektor Rösicke, vor dessen Vielseitigkeit in der Leitung mehrerer Brauereiii zugleich ivir die größte Hochachtung haben, müßte auch ein Äellachini sein, wenn er den Arbeitern seiner Brauerei das Geheimniß verrathen könnte, unter den jetzigen Lohn- und Lebensverhältnissen überhaupt Ersparnisse zu erzielen. Da hierbei jedoch nur die innerhalb des Brauerei- dienstes erworbenen Summen in Betracht kommen und anderweitig erlangtes Geld den Arbeitern iiur mit 4 pCt. verzinst werden soll, so geht Herr Rösicke sicher, daß durch seine beglückende Maßregel die Kasse der Gesellschaft durch zu hohe Zinszahlungen nicht übermäßig angegriffen werde. Die Herren Aktionäre, die in diesem famosen Konp ein Attentat auf ihren Geldbeutel witterten, waren so naiv, anfänglich noch dagegen zu protestiren, und es bedurfte der ganzen Autorität des Direktors zur Durchdringung seines fürsorglichen Projektes. Mit diesem so wunderbar aus- selbst gekommen, um der Familie seiner Theilnahme aus- zudrücken. Riehl und Oswaldt reichten sich die Hände. Seit jenem Morgen, wo sie am Perron des Bahnhofes in Kaltenbach zusammentrafen, wareil kaum fünf Monate vergangen. Wie hatten seitdem die Verhältnisse sich geän- dert— und sie sich selbst! Jugendlust und übermüthiges Selbstgenügen leuchtete damals aus Oswaldt's Augen, nun saß Riehl einem blassen, ernstblickendeil Manne gegenüber. So sah-kein glücklicher Bräutigam aus. Oswaldt hatte unterwegs von dem ausgebrochenen Streik gehört und war begierig gewesen. Näheres darüber zu er- fahren, aber Riehl erzählte von seiner Burg, und das Thema, das Hanna zu interessiren schien, wurde, nachdem die Begrüßung vorüber war, wieder aufgenommen. Riehl schilderte mit gutem Humor sein einsames Leben in diesem einstigen Raubnest, von dem noch jetzt die grausige Sage ging, daß der Geist des alten Uebelthäters„umher- spuke" und Jedem, der es wage, sich daselbst einzunisten, früher oder später das Genick umdrehe. Die Bewohner des Fleckens betrachteten ihn mit scheuer Ehrfurcht und Ver- wunderung, daß sein Schicksal so lange hinausgeschoben und er in so fröhlichem Wohlbefinden da oben Hause. Hanna lachte das erste Mal wieder seit dem Unglücks- tage. Als aber Riehl auf die Einzelheiten seines Leben ein- ging, wie er selbst seinen Kohl pflanze und mlt der Veredelung der Reben begonnen und wie er bei der großen Billigkeit aller Lebensmittel kaum die Hälfte seines Ein- kommens, das ihm einst ein Vettelpfennig gedünkt, ver- brauche, und somit im Stande sein werde, auch der armen Gemeinde in einigen gemeinnützigen �Angelegenheiten zu Hilfe zu kommen, kamen ihr Thränen in die Augen. Es berührte sie eigenthümlich, daß dieser, gleich ihr, an einen sürstlichen Luxus gewöhnte Mann so gar genügsam geworden war; es that ihr ivohl und wehe zugleich, und in dem Blick, mit dem sie ihn jetzt ansah, lag, wie in-dem der Dorfbewohner, scheue Ehrfurcht und Verwunderung dar- über, daß sein tragisches Schicksal ihm nicht das„Genick" gebrochen.(Fortsetzung folgt.) geklügelten Vorschlage glaubt der Herr wahrscheinlich einer Wiederholung der im verflossenen Sommer rn der Streik- bewcgung hervorgetretenen sehr berechtigten Forderungen der Arbeiter ein für alle Mal vorzubeugen. Nun, er könnte sich auch irren. Der„Reichsanzeiger" vertröstet die Kilfsarbeit-r bei Kehördeik auf die„Wohlthaten" der Alters- und Jnvaliditäts-Versicherung, ergeht sich auch ein Langes und Breites darüber, daß die Unfallversicherung für Bureau- arbeiter werthlos sei, drückt sich aber meuchlings um die Krankenversicherung herum. Das ist aber gerade der wunde Punkt, daß den Hilfsarbeitern, die mit dem 36öfachcn Be- trag ihres Tagelohns zur Steuer veranlagt werden und die ihre anstrengenden Arbeiten ohne jeglichen Urlaub zu ver- richten haben, jeder Krankheitstag abgezogen wird und daß diese Unglücklichen in Krankheitsfällen mit ihren Familien der bittersten Roth ausgesetzt sind. Jeder andere Arbeiter muß von seinem Unternehmer versichert sein. Die Arbeiten für die Erkrankten werden von den Andern mitgemacht, entweder während der Dienststunden, so daß daraus Er- sparnisse resultiren, welche als Weihnachts-Gratifikationen vertheilt werden, oder es wird Hausarbeit ausgegeben, deren Bertheilung natürlich vom Belieben des Vorgesetzten ab- hängt. Hilfsarbeiter erhalten z. B. pro Stunde 60 Pf., Sekretäre bei gleicher Arbeit 1,50 M. Sozislo AcberflUrk. An die Uorständr der dentschr» Gewerkschaften. Die unterzeichnete Kommission ersucht die Vorstände der Gewerkschaften uin umgehende Angabe der Adresse des Vorsitzenden oder Vertrauensmannes behufs Zusendung eines Zirkulars, in welchem die vorläufig zu thuenden Schritte der Kommission klar- gelegt werden sollen. Ferner machen wir nochmals auf den Aufruf zur Unter- stützung der ausgesperrten Gerber, Glas- und Tabakarbeiter und Schuhmacher aufmerksam und bitten um baldige Einsendung von Unterstiitzungsgeldern an die Adresse von A. Damann, Hamburg, Fürstenvlatz 2 I. liebet die eingegangenen Gelder und deren Verwendung wird in regelmäßigen Zwischenräumen quittirt werden. Sodann erinnern wir an den Beschluß der Gewerkschafts- konferenz, die Redaktionen der erscheinenden Fachblätter zu er- suchen, jedem Mitglieds der Kommission ein Exemplar des Organs zuzustellen. Die Generalkommission der deutschen Gewerkschaften. C. Legien, Hamburg-Eimsbüttel, Osterstr. 76 b. Sämmtliche Arbeiterblätter werden um Nachdruck ersucht. Aufruf an alle Arbeiter und Arbeiterin«»» des J« und Auslandes. Trotz einer Lohnreduzirung von 10—33 Vs- hatten die Textilarbeiter hier beschlossen, nicht zu Dennoch sahen' sich die Arbeiterinnen der Firma Herm. als sie als Mtägigen Lohn theilweise nur ca. 6 M. erhieM gezwungen, die Arbeit deshalb einzustellen. Am Montag, � 17. d. M., nun hängte die Firma eine Tafel aus mit dem halt: Wegen Ausstands der Mädchen ist die Fabrik geschloil� Jetzt erklärten sich die Arbeiter mit diesen für solidarisch»n beschlossen, die Arbeit nicht eher wieder aufzunehmen, bis o> Forderungen der Arbeiterinnen bewilligt wären. Ihr seht ssr' dieser Streik ist kein muthwillig durch uns vom 3� gebrochener, sondern die Roth hat uns gezwungen, in denft»«» einzutreten. Der Fabrikantenverband wird Alles aufbieten, uv llnsere Organisation zu zerstören; es wird ihm aber nicht B* lingen, wenn Ihr uns thatkräftig unterstützt. Mit kollegiale» Gruße! Albin Reichelt, Vertrauensmann der Textilarbeiter un� Arbeiterinnen von Sachsen, Chemnitz, Kasernenstr. 8, III- C Alle Sendungen sind an obige Adresse zu richten.— Zuzug streng fernzuhalten.— Alle arbeiterfreundlichen Blätter werde» um Abdruck gebeten. der Nedaktion. 1000 G. Es kommt auf die Art Ihrer Beschwerden gtA ' näherer mündlicher Auskunft sm° die Militärverwaltung an. wir bereit. Zu Theater. Donnerstag, den 27. Novbr. vpernhans. Carmen. Zichanfpielhau». Der Marquis von Robillard. Zefstng-Tßeater. Sodoms Ende. Serliner Theater. König Lear. »utfches Theater. Die Hauben- lerche. Friedrich-Milhelmstädt. Theater. Königsgardist. Sonne und Erde. Wallner-Theater. In Hemdsärmeln. Pension Schöller. Kestdenz-Theater. Der Kampf ums Dasein. UiKtoria- Theater. Geschlossen. OeUeallianr«- Theater. Mamsell Nitouche. Vstend-Theater. Emin Pascha. Thomas» Theater. Der Soldaten- freund. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Knrgerliche» Schanfpielhan». Der Eisonkel. Kaufmann'» Uariötö. Große Epe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Reichshallen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Toncordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'« Uariötö. Große Spezialitäten-Vorstellung. NHnt»r»arten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andres», Alexanderstraße 27c. Franks Scholz, Kostüm-Soubrette. Geschw. Wildenfels, Gesangs- Duettisten. Richard Gersdorf, Sächsischer Gesangs-Humorist. Adolf GSdicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charakter-Komiker. Truppe Blumenfeld, Parterre- Gymnastiker. Ballet und Tanzseil- künstlet. Anfang Wochentags 3 Uhr. Sonntags SVe Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 30 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. (Mifciiidit Buggenhagen am Moritzplatz. _._ Täglich: Grosses Concert. Direktion A. Rödmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Elltm» Wochentags 10 Pfg., IUCC Sonu- und Festtags 25 Pfg. Großer Frühstücks- und Mitkagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641 F. 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Ergänzungswahl des Ausschusses. 2. Bericht über die bisheng- Thätlgkeit der Berliner Streik- Kontrolkommisston. 3. Antrag, betreffend>» Gastwirthe. 4. Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen der Delegaten ersucht 849 Oer Einberufor. Grosse Versammlung des sozialdemokratischen Wabwereins W 4. Berliner Reichstags-Waklkreise am Freitag, den 23. November, Abends 8V2 Uhr, im Lokale Süd-Ost« Waldemar st raße 75. Tages- Ordnung: I. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Abrechnung 0 3. Quartal. 4. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. ogi Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste willkommen.„ NB. Die Zahlstellen des Vereins befinden sich bei O. Heindorf, LanS straße 70; G. Tempel, Breslauerstr. 27; K. Scholz, Wrangelstr. 32; G. Sch r Admiralstr. 40a(Alte Linde); Fr. Zubeil, Naunynstr. 86; auch werden dafe neue Mitglieder täglich aufgenommen. Der Norstand«___ Freie Vereimgullg ber Ba«- unb gewerblilhell Hilssarbeittt von Schöneberg und Umgegend.„_ Am Sonnabend, den 29. d. Mts., in Gründer'« Mestend- Ressonr Schwerin st raße 13; B«r Familien-Tauzkränzchen. Sämmtliche Kollegen sind hierzu ergebenst eingeladen. �».„j Billets(Herren 40, Damen 25 Pf.) find beim Komitee und Vorf � vorher zu haben. Große öffentliche Stewmetz'UersammwnS am Freitag, den 28. Nov. 1890, Abends 7Ve Uhr, in Müller s Lokal, Johannisstrasse 20� Tages-Ordnung: m l. Bericht der Delegirten von der Gewerkschasts-Konferenz. 2. Ee schaftliches. 3. Verschiedenes. Der Einberufer erk- Große Versammlung bes ZnterejseWereills ber Maurer Charlottenburfl» am Freitag, den 23. d. M., Abends 8 Uhr, in Bismarckshöhe, Plitmersdorferstra�e 39. Tages-Ordnung:„ifntioi1- 1. Vortrag des Herrn Pirch, über: Gewerkschaftliche Organ»!" 2. Halbjährige Abrechnung. 3. Vorstandswahl. 4. Verschiedenes. 850 I. A.: D e r V o r st a n d. Albert Wildel. � Ref-renU Grosse öffentl. lfersammlM�0 für Frauen und Wanner am Sonntag, den 30. November, Nachm. 2Vs Uhr, in Lehmann'« 9* Schwedter st raße 23. Tages-Ordnung: Die materialistische Geschichtsauffassung.' Herr P ö u s. 861 Der Einbrrnfer: Paul Heitmann. M 168» Oranienstrasse IBS Winter-Ueberzieher!!!, Paletot von engl. Double, warm gefüttert....... Paletot von engl. Double, schwerer, braun, blau oder mode. 14 u.» Paletot von Eskimo, IV., braun, blau, mode, warm gefüttert 15«• L Paletot von schwerem Floconne........... 16, Paletot von Eskimo, III., alle Farben, elegant...... Paletot von Eskimo, II., alle Farben, sehr elegant,..,, Paletot von Eskimo, II., mit Steppfutter....... ot>, Paletot von Eskimo, I., mit hochfeinem Futter..... �„ Paletot von Eskimo, prima, mit hochfeinem Futter.... 4o Paletot von Cheviot, sehr elegant.......... 38 sowie Anzüge in Rock- oder Jacket-Fayon und Hosen»c. gS- empfehle»»n sehr großer Auswahl bei strengster Reellität R. Götze& Co., 168. Oranien-Strasse 168.__ � Bfftf B-Wnele KJ&S; metkragen von 50 Pf. an in all. Farben. I jutß Jnkohztr.88 Dr. Hoesch Artilleriestr. 27 n, Homöopath. Arzt, 8-10, 5-7, Sonnt. 8-10. Wur 6 ftfiarS** Klagen, Eingaben, Rath in 24� l f?' Einziehung von Forderungen. Pollak, jetzt GeorgenkirchlV: 2H Verantwortlicher Redakteur: Eurt Saake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW„ Beuthstraße 2. i. gut möbl. sep. Schläfst- /"s(1'■ . Pr. 10 M. Naunynstr. 64»�- -- rTMaf' Hier.»« j«m S-U-S 1. Beilage zum Berliner Nr. A77. Donnerstag, den AT'. November 1890. T. Jahrg. VetrlAmenksberiehke. Abgrordnetrnhaus. 8. S i tz u n g v 0 m 26. N 0 v e m b e r, 12 Uhr. Am Mwistertische: Miquel. v. Goßler, V.Berlepsch Und Kommissarien. Auf der Tagesordnung steht die Lesung eines Entwurfs nes Gewerbesteuer-Gesetzes. z.. F'nanzminister Miquel: Die Gewerbesteuer steht im Zusammenhang mit der Einkommensteuer; mit ihrer Reform !°nnte nicht gewartet werden; die Belasteten mußten entlastet � erden, die nickt aenüaend mit ibrem Einkommen hieran- nicht genügend mit ihrem Einkommen Heran ? mußten stärker getroffen werden. Diese Reform der durita �uer ist allseitig als nolhwendig anerkannt worden; sie dew" r auf e"t weiteres Stadium verschoben werde». Nach- fllicho?,'* �undzuge festgestellt waren, haben wir sie sofort ver- stellin? der Wirklichkeit und Probeveranlagungen bemerk- tu»Jf nm die Wirkung der neuen Form der Besteuerung qehnJr 3ch war mir klar, daß dadurch die Grund- Hab...der Vorlage in die Oeffentlichkeit kamen. Ich dsUDoc nicht gescheut, weil eine solche Durch- aufL'df Reform nicht vom grünen Tisch aus dem Lande teiAhf•.,,ueri,cn kann, weil die Einführung nur er- Scb fmir'''.durch die Mitwirkung der löffentlichen Meinung. nirch veranlaßt, anzuerkennen, daß ich überall auf das Äus'.Wie Entgegenkommen gestoßen bin, mit einer einzigen �..in Berlin. Bei einer solchen Reform wird der Qm meisten mit Beschwerden, Rathschlägen und widi£.W uberschüttet. Ich kann versichern, daß wir keine einzige hz,._sUrechende Aeußerung erhalten haben, auch von den stärker ichliek- �den Großbetrieben nicht. Daraus darf ich wohl ein?„ daß man allgemein im Lande diese Steuerreform für die l«, k>ält.(Zustimmung.) Wir hatten uns entschlossen, in°n�°rbesteuer umzulegen nach dem Betriebsertrage, wie dies dabei. Ü?®taateu geschehen ist; aber es stellte sich heraus, daß Ten»-R das Betriebskapital in Betracht gezogen werden muß. fteu?. ��.wissenschaftlich einheitliche Gestaltung der Gewerbe- traass.. möglich.(Sehr richtig! rechts.) Wenn die Er- ftitVv m auf die Kommunen übertragen werden sollen, dann Verden.Gewerbesteuer nicht einfach in die Gemeinden eingeführt als iv.?. wanen, dann wird man mehr die Betriebsanlage Gew?�. Realobjekt fassen müssen, nicht einen einzelnen d en. Aber die jetzt vorgeschlagene Reform ist kein stro,% I andern eine erhebliche Erleichterung der weiteren Re- iBelA«* v gewerblichen Betriebe bilden ein vererbliches Objekt, �'......."......"" gen Betriebsleiters überlebt. Das den Großbetrieben, während der Betriebs vermindert, je mehr man nach unten hinuntersteigt, »ich der Betriebswerth nur in der persönlichen Arbeit zoge�k"�dslnhabers liegt. Danach haben wir die Grenze ge- ivird'in> allgemein als richtig anerkannt worden ist. Die Grenze dein o„ i verschiedenen Landestheilen verschieden wirken, auf iM.r, ade mehr als in den Städten. Eine variable Greiue fest- Ceifirff'1' �kwa im Anschluß an die Tagelöhne nach der Unfall- �fmen"aw' wurde verworfen, weil diese Grenze sich mit den %Ten:? andern würde, während für die Steuer eine feste Mn« En»Ä5. �wandig ist. Für die kleinsten Betriebe tritt die zo.t.i, g ein, welche vielleicht ausgeglichen wird durch die ArnN �ung der Großbetriebe. Ich sage vielleicht, weil Hedeii �„Jw�anlagungen zum Theil einen Einnahmeausfall er- ziehen?'. auch in der Klasse der Schankwirthe. Die Heran- slejn.�?. Lewlsser Betriebe, welche bisher aus zufälligen Umständen viel" stnd, wird zur Deckung des Aussalls dienen; wie- Tch� asnus gezogen werden kann, ist noch nicht festzustellen. viunen"j"}' die Frage der Besteuerung der Betriebe der Kom- svelch-\;wao«t unterschieden werden mußte zwischen Betrieben, Auv-n x- a lautliche Wohlfahrt fördern und dem allgemeinen . w'wn und solchen, bei welchen ein Gewinn sich ergiebt. Wen ,,aaue Begriffsbestimmung war nicht möglich, deshalb ft(t n-. p' die steuerfreien Betriebe aufgezählt. So sind steuer- "stvrinli. d'e Riehhöfe und Schlachthäuser, weil sie iveich. dolizeilichen Zwecken, Wasserwerke und Badeanstalten, Und s. d» Gesundheitspflege, Leihanstalten, Sparkassen Mir x;. weiter, welche gemeinnützigen Bestrebungen dienen. keinem ch Steuerfreiheit der Gasanstalten konnten wir ßewiss. m�sid finden. Die Kommunen müssen ja wohl Uh bin fl- m6® haben, welche monopolistisch ausgestaltet sind; k.Ur BnM.il" Gegner einer solchen Entwickelung, die vielleicht auch kein k!M,?ü"alisirung der Pferdebahnen führt. Aber es liegt pibeit. vor, diese Betriebe zu begünstigen durch die Steuer- Ue» ähnlichen Privatanstalten. Aehnlich soll gegenüber Ji( An��hwungen anderer Korporationen verfahren w r* BeiV.xll'k konnte nicht so genau gefaßt werden, daß lolrf,.. en des Stinoniminiffers bätte entbehren können. man Wenn Jrfrhl�n�tl8®n anderer Korporationen verfahren" werden. "...... ih. Uiiflen.wahkthätige u. s. w. Zwecke gegründeten Unter 1» dari,, Ueberschüsse nur für diese Zwecke verwenden, so ft® der.ktzuwerbebetrieb zu erkennen. Aber es giebt viele rx�vetbehot»; tlima gemeinnütziger Unternehmungen gegründete ir'ffe ftp,,.®.' welche lediglich der Privatspekulation dienen. zu lassen, liegt kein Grund vor.(Sehr #0 ivea,� Z? entbehren, schon der bequemeren.... dra» kbetripxa' Run noch ein Wort über die Besteuerung der cv'3 111....e. Tie Regierung hat keine Veranlassung, den Zu- 'viftJfuifl �chankgewerbe zu fördern, denn oft genug ist die svo�Und e�l"�chanrge, verde ei». Unglück fürten Schank- Regierung hat Geseg �est�hr sür Pu'blikilni'.°' Man hätte ei» ve- - bis(' W Schankwirthe zum Theil weniger zahlen "- ,®r- Der Grund�ug der Vorlage ist die Ent- «. Eqnrr»(natlib.) ist dem Finanzmiiiist®® da, dafür, daß er die Gewerbesteuer nicht vergessen hat. Die Reform derselben ist dringend nothwendig, aber man hätte die Erleichte- rung von 31/2 Millionen einfach streichen sollen, ohne sie den Großbetrieben aufzuhalsen, welche jetzt durch die soziale Gesetz- gebung mit ständigen Lasten bedacht sind; belastet ist hauptsäch- lich die Großindustrie, welche für den Export arbeitet. Das Kapital wendet sich dieser Industrie durchaus nicht in ausreichen- dem Maße zu, wie man denken sollte. Ter alte Harkort sagte ein- mal: Das Kapital ist, wie eine Maus, die sich beim geringsten Geräusche verkriecht. Gegenüber den Angriffen auf die Groß- industrie, die nicht blos aus den Reihen der Sozialdemokratie, sondern auch aus gewissen anderen Kreisen kommen, muß fest- gestellt werden, daß das Kapital sich der Großindustrie fern hält und lieber in Rumänien und anderswo Eisenbahnen baut, als die deutsche Industrie unterstützt. Redner geht dann auf die Einzelheiten ein und tadelt zunächst die Veranlagung nach Be- triebskapital, weil dadurch die Gewerbetreibenden veranlaßt werden könnten, ihr Betriebskapital möglichst herabzudrücken. Ferner bemängelt er die Entfernung von Mitgliedern der Veranlagungskommission für die Großbetriebe. Die Betriebssteuer für die Schankwirthschaften sollte man nicht für den Staat erheben, sondern den Gemeinden überweisen. Abg. vom Herde(natl.) stellt zunächst fest, daß Herr v.Eyuern nur in seinem eigenen Namen, aber nicht im Namen der nationalliberalen Partei gesprochen hätte.(Zustimmung bei den Nationalliberalen) und erklärt, daß die Großindustrie Rheinlands und Westfalens vollständig bereit sei, die Lasten, welche zur Durchführung einer gerechten Veranlagung und im Staats- interesse getragen werden müssen, zu übernehmen; auch seien die Verhältnisse durchaus nicht so, daß das Kapital Veranlassung hätte, einer zu großen Belastung sich zu entziehen und ins Aus- land zu gehen.(Zustimmung bei den Nationalliberalen.) Die Uebertraguna der Gewerbesteuer an die Kommunen wäre sehr zu wünschen, aber die finanziellen Verhältnisse gestatten dies jetzt noch nicht. Da aber eine Reform dringend nolhwendig ist und sie der späteren Ueberweisung nicht widerspricht, so biete die Vorlage eine geeignete Grundlage für die Vorbereitung. Die Steuerfreiheit der landwirthschaftlichen Brennereien scheint mir nicht recht begründet, wenn man Stärke- und Zuckerfabriken be- steuert. Ein glücklicher Griff ist die Beibehaltung der Mittelsätze für das mittlere Gewerbe, weil dadurch für die betreffenden Ge- werbetreibenden die Belästigung der Deklaration erspart und die Steuer kontingentirt wird. Eine stärkere Heranziehung des Handels wäre wünschenswerth, aber sie wird sich nicht durchführen, da zwischen Handel und Industrie schwer eine genaue Grenze ge- zogen werden kann. Empfehleuswerth würde es auch sein, wenn die Gewerbesteuer sofort mit der Einkommensteuer in Kraft treten könnte.(Beifall.) Abg. Krömel(dfr.) verkennt nicht die Vorzüge der Vorlagen und hofft, daß deren Kern zur Annahme gelangen wird; aber die Stellung der Gewerbesteuer in unserem ganzen Steuersystem sei nicht recht klar. Der Finanzminister selbst habe anerkannt, daß die Gewerbesteuer eigentlich nur für die Gemeinden geeignet sei. Wozu soll eine Reform der Staatssteuer erfolgen, wenn nachher, wenn dereinst einmal die Ueberweisung an die Ge- meinden erfolgt, für die Gemeindesteuer wieder eine andere Form gewählt werden muß? Bis das aber geschieht, werden sich die Gewerbetreibenden mit Recht über die Doppelbesteuerung be- klagen. Man sprach immer von der Gerechtigkeit der Besteuerung, aber niemals von der großen Mehrbelastung. Er theile voll- ständig die Bedenken des Herrn von Eynern in Betreff der Großbetriebe, die man nicht so leichthin der Steuer unter werfen solle. Sie seien nicht Schmarotzer unseres wirthschafb lichen Lebens, sondern allgemein als ein Zeichen des Auf- schwunges anzusehen. Im Einzelnen spricht Redner sein Ein- verständniß mit den Steuererleichterungen aus, bedauert aber, daß auf ein zu großes Steigen der Steuer Bedacht genommen sei, trotzdem man für den Fall der Ueberweisung an die Ge- meinden jede Steigerung des Ertrages ausschließen müßte und daß der Begriff des Reinertrages nicht klar genug gefaßt sei, wie denn überhaupt die Vorlage bald auf das Betriebskapital, bald auf den Betriebsertrag sich stütze. Die Steuersätze sind sehr ver- schieden bei den verschiedenen Ertragsstufen und es wäre wohl möglich gewesen, sie individuell festzustellen mit einer Deklaration für die kleineren Betriebe. Wenn man auch manche Bedenken gegen die Vorlage nicht unterdrücken kann, so wäre es doch gut, die dargebotenen Erleichterungen einzuführen, aber auch voll- ständig und nicht die Gastwirthe auszunehmen. Wenn man ethisch auf das Volk einwirken will, dann muß man nicht die Wirthe be- lasten, sondern für die bessere Ernährung des Volkes sorgen durch die Beseitigung der Zölle auf die nothwendigen Lebensmittel und durch die Aushebung der Viehsperre. Generaldirektor der direkten Steuern Knrghart: Die Be- denken des Vorredners werden sich bei der näheren Untersuchung als unbegründet erweisen; das Haus kann von der entgegen- kommenden Haltung der Regierung überzeugt sein. Die Regie- rung muß es zurückweisen, daß sie sich zur Theilnahme an An- griffen gegen das Kapital verstanden habe, daß sie blindlings gegen die Großindustrie losziehe. Die Regierung verkennt nicht, daß der Nutzen, welchen der Einzelne aus der Großindustrie ziehe, auch der Allgemeinheit zu gute kommt. Es hat sich er- geben, daß die Vorschriften der Gewerbesteuer von 1820 auf unsere heutigen gewerblichen Verhältnisse passen wie die Faust auf's Auge. Die gröberen Gewerbebetriebe sind sich bis jetzt gar nicht bewußt gewesen, wie sehr sie zu Ungunsten der kleineren begünstigt worden sind. Erst neuerlich hat sich der Schleier darüber gelüftet und gezeigt, daß die kleinen Leute 4v. H., die großen vielleicht Vio v. H. Steuer zahlen. Die Einkommen- steuer trifft die Leistungsfähigkeit, sie nimmt auf die Personen Rücksicht; die Ertragssteuer kann darauf nicht Rücksicht nehmen; sie trifft die Sache. Die Ertragssteuern sollen aus dem Rahmen der Staatssteuern losgelöst werden, damit sie den Gemeinden überwiesen werden können; diese Ueberweisung wird zwar noch einige Jahre dauern, aber nicht erst„dereinst" im jenseitigen Leben sich vollziehen.(Heiterkeit.) Der'Abzug der Schulden wird bei der Gewerbesteuer schwer durchzuführen sein; wenn durchführbare Vorschläge gemacht werden sollten, wird die Re- gierung darauf einzugehen geneigt sein. Daß mau den Erlaß von äi/e Millionen Mark bewilligen, aber die Mehrbelastung ab- weisen soll, ist nicht durchführbar. Einmal kommt der Erlaß nicht blos den kleinsten Gewerbetreibenden zu Gute, sondern auch größeren. Ferner aber würde man, wenn man einen Erlaß der Erlragsteuern beabsichtigte, nicht bei der ohnehin ziemlich niedrigen Gewerbesteuer, sondern eher bei der viel schwerer belastenden Grundsteuer anfangen. Wie die Gewerbesteuer jetzt ist, kann sie der Gemeinde nicht überwiesen werden und die Reform ist kein Hinderniß für die spätere Ueberweisung. Geben Sie gerade dieser Vorlage ihre Mitwirkung, weil dadurch dem Lande wirklich geholfen werden kann.(Beifall.) Abg. v. Tiedemaim(Bomst) freut sich über die allgemeine Uebereinslimmung, die über diese Vorlage unter allen Parteien herrscht, und hält die Bedenken gegen die Vorlage für widerlegt durch die Reden des Ministers und des General-Steuerdirektors. Die Heranziehung der Großindustrie ist durchaus nicht so belastend, wie man nach den bisherigen Reden annehmen sollte. Die Progression der Steuer für die Großbetriebe gegenüber der für die mittleren Betriebe sei eine sehr viel geringere, als bei derEinkommen- steuer. Wenn die landwirthschaftlichen Brennereien von der Ge- werbesteucr frei bleiben sollen, so ist das vollständig begründet in der Vorausbelastung der Landmirthschaft durch die Grundsteuer. Die Ungerechtigkeiten, welche sich jetzt bei der Besteuerung nach Mittelsätzen ergeben haben, rühren davon her, daß die Groß- betriebe ebenfalls nach Mittelsätzen besteuert werden, was jetzt wegfallen soll. Die Betriebssteuer für die Schankwirthe ist voll- ständig angebracht, auch in sozialein Interesse, und namentlich, weil in der Konzession für das Schankgewerbe immerhin ein Privilegium liegt. Die Zölle haben auf die Fleischpreife keinen Einfluß. Vor 20 Jahren stellte sich der Preis für Vieh auf 29 M. für den Zentner lebend Gewicht; das Rindfleisch kostete 40 Pf. das Pfund. Um die Mitte der 70 er Jahre stieg der Preis ans 35 M., die Fleischpreise auf 50 Pf. und blieben auch so hoch, als der Preis wieder auf 27 M. zurückging. Seit der Steigerung infolge der Sperre stieg der Preis des Fleisches auf 80 Pf. und ist auch trotz des Rückganges der Viehpreise nicht wieder zurück- gegangen. Das beweist, was an den Redensarten über die Steigerung der Fleischpreise ist.(Beifall rechts.) Abg. Pleß erklärt namens des Zentrums, das seine Partei mit der Richtung des Gesetzentwurfs einverstanden ist, denselben billigt und geneigt ist, auf die von der Regierung gegebene Grund- läge einzutreten und die Sache zu einem guten Ende führen. (Beifall.) Namentlich ist die Besteuerung der Großbetriebe nothwendig und die Besteuerung der Konsumvereine, welche die privaten Geschäftsleute erheblich benachtheilen. Denn es ist nicht zu vermeiden, daß Konsumvereine, welche einen offenen Laden haben, auch mit anderen Personen als mit ihren Mit- gliedern in Geschäftsverbindung treten. Abg. Ranchhaupt(kons.): Der Finanzminister hat erklärt, daß die Ueberweisung der Grund- und Gebäudesteuer noch einige Jahre dauern werde; dann muß aber die Gewerbesteuer neben der Grund- und Gcbäudesteuer bestehen, und zwar nach gleichen Grundsätzen. Die Bedenken gegen die Ertragsteuern ver- kenne ich nicht, namentlich bezüglich der Frage, ob die Schuldenzinsen angerechnet werden sollen oder nicht. Der Nicht- abzug der Schulden schafft eine Besteuerung des Betriebskapitals beim Schuldner, nicht beim Gläubiger; dadurch-wird die Dekla- ration erschwert. Ohne Kapitalrentensteuer können aber die Schulden nicht abgezogen werden, denn nur, wenn der Schuldner seine Gläubiger angiebt, kann der Staat ihn freilassen und die Gläubiger mit der Kapitalrentensteuer treffen. Vorläufig bleibt uns nichiS übrig, als im Rahmen der gegenwärtigen Ertrags- steuer diese Reform der Gewerbesteuer zu machen, und wir sind bereit, das zu thun. Darauf wird die Debatte geschlossen. Die Vorlage wird einer besonderen Kommission von 21 Mitgliedern überwiesen. Schluß 41/4 Uhr. Nächste Sitzung Sonnabend 11 Uhr.(Interpellation Graf und erste Berathung der Landgemeinde-Ordnung.) pnvlmuentAvisrftes. Die Tagesordnung der nächsten Reichstagssitzung ist jetzt amtlich veröffentlicht worden. Die erste Sitzung findet Dienstag, Nachmittags 2 Uhr, statt. Außer den beiden ersten Berathungen der Gesetzentwürfe über die Rechnungen für l 887/88 und 1888/89 und über die Kontrole des Reichshaushalts steht auf der Tages- ordnung die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend die Vereinigung von Helgoland mit dem deutschen Reich. Zugleich ist auf der Tagesördnung bemerkt: Der Reichshaushalts-Etat für das Etatsjahr 1891/92 wird in kürzester Zeit den Herren Mitgliedern des Reichstages mitgetheilt und auf eine der nächsten Tages-Ordnungen gesetzt werden. Der Knndrsrath hat am Dienstag den Gesetzentwürfen betreffend die Abänderung des Patentgesetzes und betreffend den Schutz von Gebrauchsmustern seine Zustimmung ertheilt. In Detreft Entschädigung unschuldig Verurtheilter hat die Zentrumspartei ihren früheren Antrag im Reichstag wieder eingebracht. Die erste Derathung des Reichshaushalts-Etats im Reichs- tage ist auf den 4. Dezember in Aussicht genommen. Dem Reichstag ist das Zuckersteuergesetz, die Novelle zum Kranlenkassengesetz und das Patentgesetz zugegangen. Unser» venosten Krdei. Liebknecht und Kinger sind gestern nach London abgereist, um Friedrich Engels, der am 28. November seinen 70. Geburtstag feiert, die Glückwünsche der deutschen Sozialdemokratie zu überbringen. Der nu» Berlin und Friedrichohage» ausgewiesene Kandidat des zweiten Berliner Reichstags-Wahlkreises, Janiszewski, der sich in Ripdorf niedergelassen hatte, ist wegen seiner mehrfachen Strafen auch von dort ausgewiesen worden. Genosse ZU. KuKbach, der eine Zeit lang in Königsberg als Redakteur des dortigen sozialdemokratischen Blattes sungirt hatte, ist vorgestern von einem Kriminalbeamten wahrscheinlich wegen Preßvergehens verhaftet worden. Gin Uothschrei des feudalen Kapitals. In der„Post" schüttet ein westpreußischer Krautjunker sein Herz aus über die Vernachlässigung des armen Kapitalisten zu Gunsten des durch seine hohen Löhne übermüthig gewordenen Landarbeiters. In seiner Zuschrift beklagt er sich darüber, daß durch die Beschlüsse der Arbeiterschutz-Kommission die Strafmittel der Arbeitgeber für Kontraktbruch verringert seien, nach seiner Ansicht werde dadurch das Arbeiterschutz-Gesetz wesentlich verschlechtert.(!?) Er schreibt zur Begründung seines Jammerns: „Straflosigkeit und leichtsinnige Arbeitseinstellungen— wie sie jetzt in England aus die Tagesordnung zu kommen scheinen— sind die größten Gefahren für Störung der Ordnung ohne Revolution. Die Einbuße von 6 Tagen Lohn ist viel zu gering." Wie man dann weiter ersehen kann, erhalten die ländlichen Arbeiter in den Ostprovinzen einen ungeheuer großen Lohn; er giebt die ortsüblichen Löhne aus 1—1,20 Mark für den Tag an und schallet noch ein. daß sie wohl kaum 1,50 M. übersteigen dürften. Die Erntearbeiter erhalten dagegen den unerhörten Lohn von 2 M., auck sogar bis zu 3 M. Das will unserem Vollblutjunker nun nicht recht in den Kram hinein passe». Wenn er„ach dem Gesetz bei Kontrakt- bruch blos sur 6 Tage den ortsüblichen Lohn, das sind 1 M. bis 1,20 M. für jede» Tag, abziehen kann, so fühlt er sich in seinen Feudalrechten befchränkt. Er schreibt hierüber- lassen wir ihn lieber selbst reden—; ''Ein Verlust von 6—10 M. bedeutet für solche Leute gegenüber der Hoffnung auf erzwungene Lohnerhöhungen gar nichts. Das Minimum eines wirksamen Verhinderungs- mittels wäre der Verlust der wirklich zur Zeit verdienten täglichen Löhne für zwei Wochen." Ter„Edelste der Nation" hat vollkommen Recht. Diesen Leuten mich ihr Uebermuth gelegt werden. Wenn sie den Tag bis zu 2 M. einige Wochen lang Verdienst haben, so ist es eine Unverschämtheit von ihnen, noch mehr von dem armen Besitzer zu verlangen. Sie sollten sich freuen, daß sie einige Wochen etwas mehr als sonst verdienen— ihr gewöhnlicher Verdienst von 1 M. ist doch auch schon ganz kolossal. Sie sollten auch nicht vergessen, daß sie im Winter zu Zeiten gar nichts verdienen. Aber die Begehrlichkeit der Massen ist zu groß! Der Junker hat darin ganz recht. Durch solche Machtbefugniß wäre der Zlrbeitgcbcr auch von vorn herein im Stande, gegen die hohen, geradezu unerschwinglichen Löhne Front zu machen. Vollständig berechtigt ist auch nachstehende Forderung: „Diesen(nämlich den täglichen Lohn für 14 Tage. Die Redakt.) muß der Arbeitgeber berechtigt sein, von dem Guthaben der Arbeitnehmer einzubehalten und im Falle des Kontraktbruchs auch ohne Nachweis des Schadens und ohne Prozeß seinerseits.(Klage kann dem Arbeitnehmer nur überlassen werden, wenn er den Beweis führt, daß der Arbeitgeber jit erster Linie gegen den Kontrakt ge- fehlt hat.)" Wir können ihm nur beipflichten. Die schlechte Lage des armen, gequälten und bedrückten Arbeitgebers wird dadurch bedeutend verbessert. Wenn er dennoch die Kaution in Höhe von einem_ doppelten Wochenlohn— bei dem hohen Tages- rerdieust von einer Mark wird der Arbeiter ja gar nicht den Abzug empfinden— in Händen hat, dann wird er den Arbeit- nehmer selbst auch noch etwas mehr in seiner Gewalt haben. Es wird unseren gnädigen Junkern leichter fallen, die großen Vor- rechte des Arbeiters wesentlich zu beschränken, ohne daß der Arbeiter dagegen sich auslehnen könnte. Hicrsür würde schon der Passus Sorge tragen, nach welchem der Arbeitgeber befugt ist, die einbehaltene Kaution ohne Weiteres in seine Tasche zu stecken. Dann wird der gnädige Herr auch unbesorgt um jede Unannehm- lichkeit das ihm eigentlich gebührende Recht ausüben können, sein Arbeitsvieh— Pardon!— Menschen, mit der Reitpeitsche an die Arbeit treiben zu können. Ganz anders würde er so die Arbeits- kraft der Arbeiter ausbeuten können. Und läßt sich dann ein Ar- beiter etwas nicht gefallen, lehnt er sich gegen die gnädige Züchti- gung und Ausbeutung auf, desto besser für den„gnädigen Herrn". Der freche Arbeiter wird aus der Arbeit entlassen und der„gnädige Herr" steckt das Geld in die Tasche. Drittens wird auch ein Streik oder ein Verlassen der Arbeit dadurch ver- mieden. Wenn dem Arbeiter einmal unrecht geschehen sollte, dann kann er ja hinterher wegen Herausgabe des Geldes klagen, falls er dazu Gelb haben sollte. „Zur Zeit ist bekanntlich fast das einzige Zwangsmittel gegen arbeilsverweigerndes Gesinde(ein schöner Ausdruck! Die Red.) das Polizeigesetz vom Jahre 1854(Haft bis drei Tage oder bis 15 M. Geldstrafe durch den Amts- Vorsteher festzusetzen)— sehr umständlich in der An- wendung." Selbstverständlich, das ist auch zu umständlich. Weshalb denn erst zum Amtsvorsteher gehen? Vesser und einfacher ist das oben geforderte Verfahren. Mit dem Amtsvorsteher ist die Sache auch nicht so ganz sicher, es könnte hin und wieder ein unanständiger und ungerechter Amtsvorsteher zu Gunsten der übermüthigen Arbeiter entscheiden. Daher über- tragen wir lieber bedingungslos dem„gnädigen Herrn" die Be- fugniß, seinen Arbeitern den so leicht verdienten Lohn abziehen zu dürfen. Man sieht auch hier wieder die Mäßigung der Arbeitgeber in ihren Forderungen, gegenüber der grenzenlosen Begehrlichkeit der Arbeiter, welche nicht einmal mit einer Mark täglichen Ver- dienstes zusrieden sind. Wenn sie in ihren Forderungen be- scheidener wären, würden sie auch mit ihren Arbeitgebern, den gnädigen Junkern, in besserem Einvernehmen stehen. An Letzterem können sie sich ein Beispiel nehmen. Diese treten maßvoll auf, sie verlangen nicht alles auf einmal. Schritt für Schritt gehen sie vorwärts. So würden sie unsere Feudalherren schließlich zu ihrem Endziel, zur Wiedereinführung der segensreichen Leibeigen- schast kommen. Das dürfte ein Blick in den Zukunftsstaat unserer Agrarier sein. Ihre segrusueiche ThütigKeit hat unsere Stadtmission am letzten Sonntag, dem sogenannten Todtensonntag, sehr eifrig entfaltet. Nach diesem Institut nahestehenden Blättern sind an dem Tage nicht weniger als 250 000 Predigten und Traktätchen auf den einzelnen Kirchhöfen in Berlin und Umgegend vertheilt worden. Während im vergangenen Jahre nur 30 000 Traktätchen gedruckt waren, sind diesmal 150 000 mehr angefertigt worden— 100 000 Exemplare werden ohnehin schon jeden Sonntag aus- gegeben. Daher ist es auch gelungen, alle die, welche nach der himmlischen Labe lechzen, mit dem erhebenden Inhalt der Trak- tätchen und Predigten zu erquicken. Aber nicht blos Berlin ist des Segens theilhaftig geworden, es wurden auch in den um- liegenden Jndustrieorten 35 000 solcher Zettel vertheilt, so wurden unter Anderem Frankfurt a. O., Luckenwalde und Forst damit beglückt. Wir können es auch nur mit Freuden begrüßen, daß die Stadtmission die unzufriedenen Gemüther der durch die bösen Sozialdemokraten ausgehetzten Arbeiter und Arbeiterinnen durch den Hinweis aus das Jenseits, auf die himmlische Glückseligkeit zu beschwichtigen sucht. Hoffentlich wird bald die soziale Frage durch die Ausgabe einiger Millionen dieser himmlsichen Flugblätter gelöst. In der„Köln. Ztg." lesen wir nachstehende Mit- thriülNg, die nicht verfehlen wird, namentlich in Berlin das größte Aufsehen zu erregen: Unter den zahlreichen Zuschriften, mit welchen wir seit Bekanntwerden der großen Entdeckung Koch's überschüttet worden sind, befindet sich eine, welcher wir nur mir schmerzlichen Empfindungen gerecht zu werden vermögen; dies zu thun aber halten wir gleichwohl für unsere Pflicht. Die Zu- schrift kommt aus Davos Platz und besagt, daß ein dort weilen- der Kranker sich brieflich an Dr. W. Levy in Verlin, Prenzlauer- straße, geivandt hatte mit dem Gesuch um Aufnahme in dessen Klinik. Auf erneuerte telegraphische Anfrage erhielt er den Be- scheid, die Aufnahme sei privatim möglich. Die Frage nach den Kosten wurde ihm mit der Bemerkung beantwortet, die BeHand- lung werde etwa 1000 Mark wöchentlich kosten! In der An- nähme, die Depesche sei verstümmelt, wandte sich der Kranke nochmals brieflich an Dr. Levy und erhielt daraus folgende Antwort: „Berlin, den 18. November 1890. Sehr geehrter Herr! An eine Aufnahme in die Klinik des Dr. Levy ist augenblicklich' gar nicht zu denken, da alles überfüllt ist. Da Herr Doktor auch eine kleine Anzahl von Patienten privatim zu behandeln gedenkt, so muß ich es Ihnen überlassen, ob Sie willens sind, sich hier elnzulogircn und sich privatim vom Herrn Doktor behandeln zu lassen. Wegen der außerordentlich geringen Menge Lymphe, die uns augenblicklich zu Gebot steht, ist es Herrn Doktor nicht möglich, eine Injektion unter 300 M. zu machen. Ergebenst Salingro." Wie die„Köln. Ztg." ferner mittheilt, enthält ein Koch'sches Fläschchen mindestens 4000 Dosen. Die Flasche kostet aber nur 25 M. Dr. Levy berechnet nun für eine Einspritzung 300 M., weiß also aus 25 M. reichlich eine Million hervorzuzaubern' Nun sage einer noch, daß der Stein der Weisen nicht gefunden werden könne. Die Berliner aber werden über diese Ausbeutung starr)ein. Urbor leine Entdeckung äußerte sich Dr. Koch einem z. Z. in Verlin weilenden englischen Arzt gegenüber, der früher fein Schüler war, vor kurzem folgendermaßen:„Ich entdeckte den Tuberkelbazillus vor acht Jahren. Seitdem bin ich stets mit dem Studium des tödtlichen Parasits und in dem Bestreben beschäftigt gewesen, die Jmpfungsflüssigkeit zu erlangen, welche die Bazillen tödten und eine hinreichend starke und gesunde Reaktion herbeiführen würde, um dieselben aus dem Körper zu verscheuchen, ohne gleichzeitig gesunde Organe zu zerstören. Letzteres bildete natürlich die Schwierigkeit. Es nützt sehr wenig, gerade jetzt zu sagen, woraus diese Flüssigkeit besteht oder wie ich dieselbe erlangt habe. Es hat mich Jahre meines Lebens gekostet und ich beabsichtige, das Geheimniß noch einige Wochen länger zu wahren, obwohl es meinen Assistenten und vielen meiner Berufsgenossen, die mit mir befreundet sind, bereits bekannt ist. Ihre Herstellung erheischt unendliche Mühe und. Genauigkeit;' sie wird von Dr. Libbertz bereitet, dem ich diesen wichtigen Theil meines Werkes an- vertraut habe, und ich glaube, ich bin, was diesen Gegenstand betrifft, mit gutem und hinlänglichem Grunde diskret. Erfahrung von verfrühten Enthüllungen hat mich klug gemacht. Wenn ich jetzt im ersten Stadium der Entdeckung die genauen Bestaudtheile und das Verfahren der Bereitung der Flüssigkeit veröffentlichte, so würden morgen Tausende von Aerzten, von Moskau bis Buenos Ayres, damit beschäftigt sein, sie zusammenzubrauen und vielleicht auch einzuspritzen; diese Experimente aber dürften Tausenden von unschuldigen Patienten unberechenbaren Schaden zufügen und gleichzeitig ein Vehandlungssystem, welches, wie ich glaube, sich als eine Wohltat für die Menschheit erweisen wird, in Mißachtung bringen. Wenn die Versuche, die unter meiner Aufsicht gemacht werden, erfolgreich sind, wird die medizinische Welt mich und meine aufopfernden Assistenten sofort bereit finden, sie ohne Rückhalt mit der Behandlung bekannt zu machen; bis dahin beanspruche ich auf die Gefahr hin, selbstisch zu erscheinen, von uns die Geheimhaltung als Pflicht und von jenen die Selbst- losigkeit, sich zu gedulden. Durch die!lner>chfockenl)eit und die Geistesgegrn- wart von Bahnbeamten ist auf dem Hamburger Bahnhof in Spandau am vergangenen Freitag Abend ein großes Unglück ver- hütet worden. Wahrend bekanntlich das Publikum zu dem Mittel- perron nur durch den Tunnel gelangen kann, verkehren die Bahn- beamten zwischen den Bahnsteigen über die Geleise hinweg und benutzen zu diesem Zweck die Pforten, welche in dem die Geleise trennenden Zaun vorhanden sind. An dem bezeichneten Abend befanden sich nun auf dem Bahnhof eine Anzahl Ungarn, die, von Amerika kommend, auf der Reise nach ihrer Heiinath be- griffen waren. Einige der mit den Bahnhofsverhältniffen gänz- lich unbekannten Reisenden wollten nun, nach dem Beispiel der Bahnbeamten, gleichfalls den Durchgang durch den Zaun be- nutzen, und sie gelangten so unbemerkt auf den Schienenstrang des Vorderperrons, wo gerade ein durchgehender Zug heran- brauste. Da bemerkten Bahnbeamte die drohende Gefahr. Ungeachtet der Nähe des Zuges sprangen sie auf die Passagiere zu und rissen sie noch dicht vor der Maschine vom Geleise hinweg. Es fehlte wenig, so wären sie allesammt überfahren worden. Der sogruanutc Schieber an den Kochherden steht an Gefährlichkeit der polizeilich verbotenen Ofenklappe nicht nach, wie ein Unfall beweist, der sich vor einigen Tagen in dem benachbarten Köpenick ereignet und zwei Menschenleben zum Opfer gefordert hat. In einer dortigen Waschanstalt benutzten eine 44 jährige Wirthschafterin und eine 21 jährige Köchin gemeinsam einen Schlasraum, in dem sich ein Kochherd befand. In der Nacht zum Sonntag hatten sie diesen Kochherd geheizt und zur besseren Erhaltung der Wärme den Schieber geschlossen, der das von dem Herd nach dem Schornstein führende Rauch- Abzugsrohr verschließt. Am Sonntag früh fand man beide Per- fönen als Leichen unter Anzeichen, die keinen Zweifel darüber ließen, daß eine Vergiftung durch Kohlengas vorlag. Ein ähnlicher Unglücksfall ist, ebenfalls im Laufe der vorigen Woche, auf einer Ziegelei in dem benachbarten Neuenhagen vorgekommen. Hier waren drei neu angekommene Arbeiter in ein Gemach gemeinsam mit einem vierten einquartirt worden. Am Dienstag Nachmittag hatten sie noch nicht gearbeitet, sondern sich in der ihnen angewiesenen Stube aufgehalten und dort den Ofen geheizt, dessen Klappe bald nach neun Uhr Abends, als sich alle vier zur Ruhe legten, geschlossen wurde. Als am Mittwoch früh keiner der Vier zur Arbeit erschien, fand der Zieglermeister die Leute sämmtlich starr und regungslos in ihren Betten. Den Be- mühungen des herbeigerufenen Arztes gelang es, nach mehreren Stunden drei Arbeiter wieder ins Leben zurückzurufen, ivährend bei dem vierten nur der bereits eingetretene Tod festgestellt werden konnte.— Der letzterwähnte Unfall dürfte mit dazu beitragen, das schon früher beabsichtigte Verbot des Gebrauchs der Ofen- klappen für den Umfang der ganzen Provinz Brandenburg zu be- schleunigen. Arn S4. d. M. ist der hier fremde Dienstknecht H. durch zwei Männer beraubt worden. Er traf in den Abend- stunden aus Fürstenwalde auf dem Schlesischen Bahnhof ein, um sich hier Beschäftigung zu suchen. Nicht weit vom Bahnhofe wurde er von einem unbekannten Manne angesprochen, welcher sich nach seinen Verhältnissen erkundigte und sich ihm als Äe- gleiter aufdrängte; bald gesellte sich ein zweiter Mann hinzu. Nachdem eine kurze Strecke Wegs bei gleichgiltigen Gesprächen zurückgelegt war, schlug man dem H. vor, ein Schanklokal zu be- suchen. Das geschah, und so wurde H. nach und nach in ver- schiedene Wirthschaften geführt. Inzwischen war es spät ge- worden, und die beiden Begleiter brachten als Nachtlager einen in der Holzmarktstraße belegenen Holzplatz in Vor- schag. Auch hierauf ging H. im Hinblick auf die Billig- keit ein; da es jedoch kalt war, wurde er verschiedene Male dazu veranlaßt, Geld zu Branntwein herzugeben. Als er aber schließlich kein Geld inehr hergeben wollte, drang einer der Begleiter mit offenem Taschenmesser auf H. ein und setzte ihn dadurch so in Furcht, daß er seine ganze geringe Baarschaft ans- lieferte. Darauf wurde H. zu Bode» geworfen und noch seines Rockes und der Weste beraubt. Als ihm auch noch die Stiefel ausgezogen werden sollten, gelang es ihm zu entwischen. Auf der Straße begegnete der Ausgeraubte einem Nachtwächter und einem Schutzmann, welchen er das Vorgefallene mitlheilte. Beide Beamte begaben sich sofort mit dem Geplünderten nach dem Holz- platz zurück, wo sie auch einen der Räuber noch antrafen. Der- selbe hatte sich so sicher vor Entdeckung gefühlt, daß er die dem H. geraubten Kleidungsstücke angezogen und sich dann schlafen gelegt hatte. Er wurde zur Hast gebracht und als ein gewisser Myk festgestellt. Der Kivchhofsmärtep inmitten der Gräber anf dem Anstände! Unter dieser Spitzmarks theilt man uns das folgende etwas sonderbar klingende Geschichtchen mit. Am Nachmittage des verflossenen Sonnabend zwischen 2 und 3 Uhr begab sich die Ehefrau des Straßburgerstraße 48a wohnhaften Restaurateurs N...... l nach dem katholischen Kirchhos in Weißeusee, um dort das Grab ihrer Mutter zu besuchen und frisch zu schmücken. Sie war am Grabe niedergekniet und wollte eben eine» neuen Kranz darauf legen, als plötzlich ein Hase dicht an ihr vorbei galoppirte. Schon der springende Hase hatte der Frau einen kleinen Schrecken beigebracht, wer beschreibt aber ihr Entsetzen, als sie aufblickend etwa 10 Schritte entfernt den Kirchhofswärter mit angelegtem Gewehr stehen sieht, eben im Begriff den Hrsen eine Ladung Schrot nachzuknallen. Der auf dem Anstand stehende Wärter wurde die Frau noch rechtzeitig gewahr, er legte die Flinte kurz entschlossen und doch verlegen auf ein Grab. Wie leicht hätte aber ein Unglück geschehen können; Frau N. war ganz allein auf dem Friedhofe, was wäre geschehen, wenn sie über den Hausen geschossen worden wäre, hätte der Thäter sich gleich gemeldet? Der erzählte Fall diene als Mahnung zur Vor- ficht. Hoffentlich nimmt aber auch die Friedhofsverwaltung Ver- anlassung, ihrem Beamten das Ungehörige seiner Handlungs- weise, den Kirchhof als Jagdrevier zu benutzen, klar zu machen. Das Glatteis, welches sich infolge des Temperaturwechsels in den Straßen Berlins zeigte, hat zahlreiche Unfälle und auch Verkehrsstörungen in den frühen Morgenstunden herbeigeführt. Die Bürgersteige und Straßendämme waren so fabelhaft glatt, daß sich"Passanten kaum vorwärts bewegen konnten. Ernstere Unfälle ereigneten sich in der Chausseestraße, woselbst vor dem Hause Nr. 25 ein Arbeiter Edmund Richter sich durch einen >i>ü W Sturz auf das Trottoir schwere innere Verletzungen zuzog. in der Georgenstraße vor dem Hause Nr. 24. Hier kam eins" bekannter Mann zu Falle und blieb regungslos liegen. U. brachte den Bewußtlosen nach einem Krankenhause, ivoselbß indeß wenige Stunden später verstarb. Legitimationspapiere der Verstorbene nicht bei sich." Der„Dugat tvein", welcher in Berlin ausgeschänkt un° Flaschen verkauft wird, ist— deutsches Fabrikat! Diese erba� liche Enthüllung kommt recta via aus dein Schöße des W' fischen Parlaments. In einer der letzten Sitzungen des ung-. rischen Reichstages gab nämlich der Ackerbau-Minister p- Bethlen Ausschlüsse über die Verfälschung von Ungarwew- welche in weiteren Kreisen Aufsehen erregen dürften. Der 4' nister erklärte zunächst, daß es in einem aus Fachkreisen herv«' gehenden Elaborate heiße, daß in Ungarn kein Kunstwem � zeugt werde. Dem gegenüber verwies der Minister aus � Bericht eines seiner Organe aus Berlin, in welchem»üigw� wird, daß dort echte, reine Ungarweine, wie es scheine, beina-. gänzlich unbekannt seien. In den Berliner Gasthöfen bekoiin man Weine unter dem Titel„Gezehnter Ungarwein", gezehnter süßer und herber Ungarwein" und alle DU Weine werden größtentheils in Deutschland fabnzu „Einer solchen Erscheinung gegenüber," fährt der Mlw!. fort,„haben wir nur zwei Wege zu betreten: Im Inland« W r das Verbot der Künstweinerzeugung unsere Produktion Schutz zu nehmen, im Auslande aber die Möglichkeit e>" derartigen illoyalen Konkurrenz durch Schutzmarken zu benehmen (Lebhafte Zustimmung.) Der Minister ehre die Errungenschast der Wissenschaft, und wenn dieselbe einen Kunstwein äUJ?talm bringen werde, der nicht nur gut genug ist, eine falsche W" zu tragen und im Geschmacke dem Naturweine nahe zu komme und wenn es ferner garantirt sein werde, daß er die Trinker»w vergifte, werde man diese Frage anders ordnen können.* Gelehrten könnteit.sich aber, wie es scheine, auch untereinan nicht recht einigen.(Zustimmung. Heiterkeit.) Sehr lstmad™. deutsche Gelehrte haben in der Fachliteratur nachgewiesen, der sogenannte„Medizinal-Tokayer" Gift enthalte.. prinlichlkes Aufsehen erregte vorgestern Nachmittag g-S fünf Uhr in der Wafferthorstraße eine etwa sechsundzwanzs jährige Frauensperson, welche laut schreiend und fortivayr nach ihrer Mutter rufend die genannte Straße entlang eute schließlich in das Haus Wasserthorstr. 59 hineinlief, woselbst> unter heftigen Krämpfen zusammenbrach. Sofort hinzuene. Passanten sowie ein Schutzmann entrissen mit Mühe den kran� Haft zusammengeballten Fingern der schwer Leidenden ei»®. Papier, aus dessen Inhalt hervorging, daß die Kranke stch... giftet hatte. Das Schreiben besagte ferner, daß die Ungli»' die bei ihren Eltern in der Adalbertstraße wohnende»nvereye Martha K. ist. Das Mädchen habe längere Zeit hindurch! einem Manne ein Verhältniß gehabt, bis sie vorgestern, Zufall erfuhr, daß der Betreffende verheirathet und Vater me?* Kinder sei. Aus Verzweiflung, Furcht vor Schande und vor den Eltern nahm die Getäuschte Arsenik und verue? � Genuß desselben die elterliche Wohnung. Auf polizeiliche ordnung wurde die Selbstmörderin nach der Charitee gem wo sie jetzt schwer krank darniederliegt.,.......w AI* Mi lchpa» scher werden von dem Polizeiprastv öffentlich bezeichnet folgende Milchhändler: Frau Schulz, Bru straße 82 D, Wilhelm Thiesler, Anklamerstr. 56, und He.. Datsch, Strelitzerstr. 16. Bei ihnen ist wiederholt Milai.�. nommen worden, welche nicht der Bestimmung im§ 1 der P Verordnung vom 6. Juli 1887 entsprach. Die Genannten st» halb in diesem Jahre mehrfach bestrast worden. Die ersten Mriljnachtsbiiume sind hier eingetro»�, In hohen Pyramiden sind sie auf dem Außenbahnhof o««„t Halter Bahn an der verlängerten Uorkstraße aufgestellt. J®' M zumeist große Bäume, wie sie bei Veranstaltung öffentlich scheerungen gebeaucht werden., mwst polizeibericht. Am 25. d. M. Mittags wurde ei« � � in seiner Wohnung, in der Kreuzstraße, erhängt vorgefun»• � Zu derselben Zeit wurde der Kutscher Doberkow vor dem 4' � Königin-Augustastraße 36 mit einer schweren Verletzung a»)|#($ angetroffen und nach der Charitee gebracht. Seiner Angao�- ivill er, als er mit einem beladenen Mörtelwagen auf ucht» bau in der Courbierestraße fahren wollte, mit dem Bein Z den Wagen und einen Haufen Mauersteine gerathen je � hierbei die Verletzung am Knie erlitten haben.—_ �aH, j3 wurde der Arbeiter Trinx vor dem Haust Lindenst«,((( von einer Droschke überfahren und erlitt anscheinend so I � � Verletzungen, daß er nach der Charitee gebracht werden Zu derselben Zeit gerieth ein Lehrling vor dem Hause uDL(ip straße 2 unter die Räder eines Geschäftswagens und er deutende Quetschungen beider Unterschenkel.— Abend® vor dem Hause Adalbertst. 24 ein Mann von einem w!ov. überfahren und anscheinend innerlich schwer verletzt, so? Ueberführung nach dem Krankenhause Bethanien erjo wvüCA j ity twnu nuuy L wiitcnt/u w| v v»*)»•»»•»•• wurde.— In der Nacht zum 26. d. Mts. wurde em.� in seiner Wohnung, in der Körnerstraße, mit zwei Schupp hß- in der Brust, welche er sich anscheinend mittelst Reoolre gebracht hatte, aufgefunden und nach dem Elisabeth-?* Hause gebracht.— Arn 25. d. M. fanden fünf kleinere statt. Sch wasser seinen eingetreten. Der Hochwasser. l e Z wi g, 26. November. Gestern Abend inen höchsten Stand gehabt, seitdem ist langsam: ..." v' HI*.i rill •VJ4VI» W4UUV VJWVw»V» schweinmungen" einzelner Stadttheile gemeldet. aflist? Kiel, 26. November. Der Wasserstand an&e Schleswig-Holsteinschen Ostkllste beträgt 7 bis 9 Fuß»v*-zr--' llfthov fl M n v />i»S � jjjt , Ape' druch, wobei ein Menschenleben verloren ging J:' gg lieber Schäden liegen Berichte vor aus Neustadt, im us. Kappeln, Schleswig, Flensburg, Sonderburg, Ape>>c' Hadersleben. Bei Stein an der Kieler Föhrde erfolgte ei„,(9 druch, wobei ein Menschenleben verloren ging; Sästlst. gg p j fach gesunken. Seit gestern Abend ist das Wasser M»m#' gefallen. Bei scharfen Ostwinde ist erneutes Steigen de»- nicht ausgeschlossen....miH L Lübeck, 25. November. Heute Abend 8 Uhr �eg£ langsames Sinken des Wassers sich bemerkbar zu maä» Gefahr scheint vorüber. n-rst�u München, 26. November. Infolge von Hochwff �iiU. Bahnunterbrechungen anf den Strecken Hof-Marxgrün und Passau-Freyung gemeldet. hausen und Reichertshausen ist gestern Morgen d-r � � stoß eines Schnellzuges mit einem Personenzuge»erY« Mi Die beiden Züge waren nur mehr'sechs Meier von jg f fernt.— Hier hat sich der Sturmwind gelegt und � Schneefall eingetreten. Dresden, 26. November. Nacht rapid gewachsen. Das Waffer der Elbe �li'�. o ok o cm-i.-.. er;,» 11 ittif)*l«.,tn ffif Lcitineritz 3,85,"hier 3 Meter hoch.' Die Ufer% die Schiffsahrt ist eingestellt. Die nach der letzten L» y der Augustusbrücke angebrachten Gerüste wurde« ge» fvrtgerisfen. Vom Oberlaufe wird weiteres steige', "*. geworden, der Wind nach RO gegangen. FeiN gl! � wirbelt in so dichten Massen, daß man nur wenige®'„et/ sehen kann. Das Wasser steigt; die niederen Straße' �nf' Hafendamm sind nicht mehr vassirbar. In einen nirf,f? soll eine Hochzeit gefeiert werden, ober das Haus ist ttjl mehr zugänglich; die Hochzeitsgäste können nur noch zu unf. gelangen. Auf deni Dänholm, einer Insel in nJt Meerenge, liegen 600 Soldaten, meist Berliner Land- zu zehntägiger Nebung eingezogen. Es kann aber bei dem Wetter kein Boot Hinuber gebracht werden, und seit ß,wf 9 entbehren die Mannschaften des Brotes. Jetzt sind \ engagirt, um die nothivendigen Nahrungsmittel nach s». hinüber zu schaffen. Von auswärts ist noch keine «unve bekannt geworden. St... i r a l s u n d, 25. Noveurber. Bis zum Abend tobte der m'*m ln gleicher Stärke; aber das Wasser ist seit Mittag nur gestiegen und scheint seinen Höhepunkt erreicht zu haben. h Zt � mit Rügen war seit heute Morgen völlig unter- lmk.«?''o�er die„alte Fähre", noch das Trajektschiff der Eisen- Oi.r r nnte die Fahrt über das wild bewegte Wasser nach der und zurück unternehmen. Die„Aliefähr" ist gar nicht ge- »i.�'n; das Trajektschiff hat seit heute Morgen die Fahrten" ».,?»'(Abends l/zg Uhr) scheint der Sturm»ach- Li. n'.. f0 daß zu hoffen ist, daß die Gefahr einigermaßen glück- so vorübergeht. Menschenleben sind hier nicht bedroht gewesen; «"derer Schaden ist angerichtet. ...*oln, 26. November. Der Rhein ist während der ver- 8 ngenen Nacht von 5,24 Meter auf 5,72 Meter gestiegen, in 7«'"» um einen halben Meter, in Koblenz seit gestern Wetoet �0n 0 drei Plätzen wird weiteres Steigen ge- Nif® i s e n a ch, 26. November. Im Osten von hier ist die v..".ahn unterbrochen und daher keine Post von Berlin und ~ Wg eingetroffen. Heute Abend wird der Verkehr auf einem "eüe wieder eröffnet. mit«,d urg, 25. Novbr. Ein Schneefall im Thüringer Wald Z.,,"«chfolgenden Wolkenbrllchen war die Ursache der Koburg, lipimr j 0 und das ganze Jtz- und Werrathal gestern furchtbar �-"'den Ueberschwemmung. Das Wasser stand in einzelnen meterhoch. In Sonneberg wurden Häuser eingerissen; L.'-Numiet sind ertrunken. Der Schaden an Vieh und Getreide- rrath i,t sehr groß. .. 25. November. Bei Löbstedt sind etwa 50 Meter von �'damm weggespült; in den nur durch eine Brücke etn,. ,!?0 getrennten Ortschaften Wenigenjena und Kamsdorf sind � Hauser zerstört; mehrere Personen kamen in den Wellen ....„pei: Verkehr auf der Saalbahn ist voraussichtlich auf meh- P«ge gestört. d». ch l i tz i. S., 24. Nov. Hier wurde heute Nachmittag ans x>zahre alte Handarbeiter Kätzel beim Ausfischen von Holz Rttt,®[l,er von einer Welle erfaßt und fortgeführt. An eine l»ng des Mannes war nicht zu denken. (Ber'tcltks-Beiktmg. Der Köpenicker Krawall. .... Dritter Tag. Serick>ts.?.L»II"""0 der Sitzung durch den Vorsitzenden Land- lastunn>- V o l g t e l beantragt die Vertheidigung zur Eni- Und h., m noch die Ladung zweier Zeugen ans Köpenick iZ G°nchtshof entspricht diesem Antrage. die m.. Vertheidiger des Reuter kommt noch einmal kurz auf den Tt 5""0 des Polizeiseraeanten Bienst zurück. Er vertritt mit fT,Gnbpun(t, daß, wenn Reuter, wie er als möglich zugiebt, "icht 7:�"' Stock ans den Helm des Bienst geschlagen hat, dadurch Vienlt r Stirnverletzun0 hervorgerufen werden kann, wie sie Pro! ten. Der sofort darüber vernommene Sachverständige mpV. Falk giebt dagegen diese Möglichkeit zu. forto-f�.�"0«"vernehmung wird mit dem Zengen Rasocka 3Si,nil> derselbe erklärt, daß er mit dem Angeklagten in, sZla am 20- �llürz zusamnwn war; sie seien beide nicht "or u?«?! g�mesen, sondern demselben vorangeschritten, also noch Kvn>mon>«P die Brücke gegangen. Sie hätten auf Reuter's dauvt?? n.0«� geachtet. Wenn der Zeuge Jensch be- Zllrus t v8' daß er den Wiwjorra im Zuge gesehen und noch eine» Ei, vi,-s".demselben erhalten habe, so sei dies entschieden ein Jrrthum. die ajl-l daß Wiwjorra ihm sogar einmal vorgeschlagen habe, ans koinui/n iu gehen, um init dem Zuge nicht in Konflikt zu Eutins. � �anz in demselben Sinne äußert sich ein zweiter ' Non�euge. vom-r�s cr Vertheidigung ist ferner ein Zeuge Trautmann Pubiif?' welcher bekunden soll, daß der Gendarm Müller das verbot,,, s�eizt habe. Der Zeuge, welcher der Einberufer der Äiilioo Versammlung gewesen war, erzählt, daß der Gendarm ihren o-i?m oder 19. November Leute, welche friedlich vor tfriße Üanden, in barschem Tone hineingejagt und mit dem Meckel?, gestoßen habe. Ebenso sei der Polizei-Jnspektor Ei» provozirend aufgetreten. zugea?» Vertheidigung vorgeladener Zeuge W e i ß soll ei»e» fem, als der Polizei- Jnspelior Jaeckel einmal �edenio-i Heitmann vernahm und dabei äußerst beleidigende «vbeit-»""der die faulen Arbeiter, welche nur 4 Stunden Diei,,," ,c., gemacht habe. Der Zeuge ist aber der fiei»citfit v 0 diese ganzen Aeußerungen in scherzhaftem Tone .na»»'"ut großer Heiterkeit begleitet waren. Weder Heil- £ haben irgend welchen Anstoß daran genommen. Und mo, L ohrbeck ist ein Einwohner des Weber'schen Hauses gebracht-""genzeuge, wie der blutende Knabe Knoll nach Hause er in?,. wurde. Als so viele Leute in das Haus drangen, will Haus» � Wohnung gegangen sein. Er hat dann plötzlich im de,» V™8» Schuß gehört und als er hinunter eilte, traf er ans de» chis�pwabsatz seine Frali init einer Lampe und sah unten "«ch.> m» H Polizeibeamte». Vorher hatte er schon einmal K Perto» 0�blickt und um den Beamten einen Knäuel von« bis �•'Sll--- i_ hoM ttr�Monen lu 1101 vru«cwn.tv............. „'"Bell. Knol!"uter ihnen— ivenn er nicht irre— den in?8, hätte»"' oVrl 01 tf"" so vor, als wenn die Leute„Jeniand beho.§ Thür»»!8 dann die Treppe hinausging, habe er an xv,8"tlich nDr"«ngebullert", weil ihm die Sache da»nten etwas ....... 08 ,am hör aerallen war, hat er den "°Mm?«"? der'z-n-°88----- I, S"f=5% Ä ISl'S: NÄi sk, Bas»?»» Ä!.Ä"£ ""■* � momom, ist als der Schuß u haben. MM»« tf« u einen Bericht über den Leichenbefund. Der Sachverständige hat 13—14 Stichwunden an Brust, Rücken und Gesicht, aber keine Schußwunde vorgefunden. Der Tod ist unmittelbar durch einen Stich in den Rücken, welcher die Lunge verletzt hat, erfolgt. Auf wiederholtes Befragen des Präsidenten giebt Knoll Fol- gendes zu: Er sei allerdings im Zuge gewesen und habe auch gerufen:„Halt! Stille stehen! Nicht ausreißen!" Richtig sei eS auch, daß er eine Klamotte in der Hand gehabt und auf der Straße mit einem Stein nach der Richtung geworfen, wo die Polizei- bcamten standen. Dieser Steinwurf habe aber dem Arbeiter Kuhnert gegolten. Der Angeklagte bestreitet nach wie vor, daß er den Gendarmen Müller mit einem Mauerstein oder Schlagring ge- schlagen. Er habe demselben vielmehr nur mit der Faust eins versetzt. Der Angeklagte Maus bleibt dem gegenüber dabei, daß Knoll ein eisernes Instrument schon in der Hand hatte, bevor er von dem Gendarmen Müller angegriffen worden war. Nach der Tödtung des letzteren will Maue mit dem Knoll auf dem Hofe des Weber'schen Hauses zusammengetroffen sein und von demselben gehört haben:„Dem habe ich's besorgt! Ich werde ihn lehren, meinen Bruder zu schlagen!" Auch der Angeklagte B u d a ch bezichtigt den Knoll. Er behauptet, er habe ain Tage nach der Thal mit Knoll in der Fabrik gesprochen und bei dieser Gelegenheit habe Knoll gesagt: „Ich habe auch was abgekriegt, habe mich aber gut vertheidigt." Wichtig ist das Zeugniß des Arbeiters G u st a v R a h n. Er ist am 20. März hinter dem Paul Knoll in das Weber'sche taus gekommen, als eine große Menschenmasse hineindrängte. r wurde durch den Hausflur auf den Hos gedrängt und traf dort mit einem Fritz Kurth und einem Unbekannten zusammen. Nach etiva 8 Minuten sei er vom Hof die Treppe hinauf nach der Knoll'schen Wohnung gegangen. In diesem Augenblicke seien keine Menschen auf dem Treppenflur gewesen. Nach etwa zehn Minuten habe er einen Schuß gehört, welcher von der Straße aus zu kommen schien. Da sei der Angeklagte Knoll in die Wohnung getreten, er war sehr erhitzt und ausgeregt, hatte eine Art Schlagring in der Hand und sagte:„Dem Müller haben wir es gut besorgt." Knolt habe auch von anderen Theilnehmern, namentlich von einem„Großen" und einem„Maurer" gesprochen. — Knoll erklärt, von solche» Aeußerungen nichts zu wissen, giebt jedoch die Möglichkeit zu, so etwas gesagt zu haben.— Zeuge Kurth will von seinen Bekundungen über die thatsächlichen Vorgänge, welche er bei seiner ersten Vernehmung in Köpenick gemacht, nichts mehr wissen. Es werden deshalb die betreffenden Protokolle verlesen. Danach hat dieser Zeuge vor dem Amts- richter in Köpenick ganz ähnliche Aussagen gemacht, wie der Zeuge Rah». Auch er hatte damals bekundet, daß der An- geklagte Knoll, als er in die Knoll'sche Wohnung kam, einen Schlagring in der Hand gehabt und gesagt habe:„Dem habe ich's gut besorgt! Ich habe es ihm mit dem Ding ordentlich gegeben!" Bald darauf sei auch Maue in die Wohnung gekommen, er sei ganz außer Athem gewesen und habe gesagt:„Ich habe ihn ordentlich zerstochen!"— Der Zeuge Kurth erklärt, daß er schwach im Kopfe sei und nicht mehr wisse, was er vor dem Amtsrichter in Köpenick gesagt habe. Weiteres ist aus ihm trotz aller Bemühungen nicht herauszubringen. Infolge dessen soll der Untersuchungsrichter Börner aus Köpenick als Zeuge geladen werden. Der Wäscher Ernst Knoll, welcher mit dem Angeklagten K. nicht verwandt ist, hat den letzteren nach dem Vorfall im Weber'schen Hause gesprochen. Bei dieser Gelegenheit hat der Angeklagte erzählt, daß er und andere, namentlich ein„Großer mit einem Bart" soeben im Weber'schen Hause einen Gendarmen tüchtig verhauen hätten. Er habe demselben Eins beigebracht, daß er genug hatte.— Angeklagter Knoll will dagegen nur gesagt haben, daß er dem Gendarmen„eins ausgewischt habe." Auch einem Zeugen Heinrich Schulz gegenüber hat sich der Angeklagte Knoll gerühmt, daß er Einem„mit einem Ding" ordentlich eins gegeben habe. Er habe auch noch Aeußerungen gethan, als ob es ihm leid thäte, daß man den Gendarmen Müller ganz todt gemacht habe. Es folgt die Feststellung der Thatsachen bezüglich der Be- theiligung des Angeku Maue. Derselbe bestreitet, den Gendarmen Müller angegriffen zu haben. Er giebt zu, mit einem geöffneten Messer in das Weber'sche Haus gegangen und mit dem Knoll auf dem Hofe zusammen getroffen zu sein.— Knoll behauptet dagegen, daß er sofort, als ihm das geöffnete Messer gezeigt worden, zu Maue gesagt habe:„Mensch, Du hast doch nicht etwa mit dem Messer gestochen?" worauf Maue erwidert habe: „Ich weiß selbst»icht, was ich gethan habe." Maue bestreitet weiter ganz entschieden, daß er derjenige sei, welcher beim Hin- auflaufen auf die Treppe von dem Gendarmen Müller mit dem Säbel ins Bein gestochen worden sei. Das in seiner Hose vor- gefundene Loch sei schon vor dem 20. März darin gewesen. Die Geschwister des Angekl. Knoll, Hermann und Emilie Knoll sagen zu Ungunsten des Maue ans. Namentlich be- hanptet die letztere, daß Maue nach der That sich gerühmt habe: „er habe dem Gendarmen auch einige Messerstiche versetzt." Die Zeugin versichert, daß sie von keinem Menschen in ihrer Aussage beeinflußt sei, die Vertheidigung macht jedoch Bedenken gegen die- selbe geltend, weil ihr der Angeklagte Knoll gestern einen Zettel zugesteckt habe. Es klärt sich jedoch auf, daß dieser Zettel sehr harmloser Natur war, da er an die Frau des Angeklagten ge- richtet war und lautet«:„Liebe Frau, schicke mir doch morgen ein Paar Stullen mit!" Zwei Frauen bekunden, daß Maue öfter an Nasenbluten leidet und das Loch in seinem Hosenbein schon vor dem 20. März gehabt habe. Nach der Meinung der einen dieser Frauen war das Loch aber kleiner.,, Das Gutachten des Gerichtschennkers Dr. I e s e r i ch geht dahin, daß das in der Hose des Maue gefundene Blut Menschenblut sei und keine Momente vorliegen, welche dafür sprechen, daß das Blut vom Nasenbluten herrühre. An dem Messer von Maue ist Blut nicht vorgefunden worden. Doch ist deshalb nicht ausgeschlossen, daß trotzdem mit dem Messer ge- stechen worden sein kann. Die Vertheidigung behauptete zu diesem Gutachten, daß Maue sich vorher auch einmal sehr heftig am Finger verletzt habe und die Blutflecke vielleicht von diesem Vor- fall herrühren könnten. Nach der Pause wird der Amtsrichter Börner aus Köpenick vernommen, um über die von dem Zeugen Kurth's bei dessen erster Vernehmung gemachten Aussagen zu berichten. Der Amts- richter hat von dem Zeugen Kurth keineswegs den Eindruck eines etwas schwachsinnigen Menschen gewonnen, er hält ihn vielmehr für einen„geriebenen Jungen". Er würde keinen Anstand ge- nommen zu haben, denselben zu vereiden. Der Zeuge Kurth wird wieder vorgerufen und nochmals eindringlich auf die Folgen des Meineides hingewiesen. Sodann wird ihm seine erste Aus- sage vorgelesen, die sich mit derjenigen des Zeugen lliahn deckt. Er erklärt jetzt, sich auf die Vorfälle jenes'Abends besinnen zu können. Als auf dem Flur„Alles vorbei war", sei der Angekl. Knoll hinauf in die Wohnung seiner Eltern ge- kommen. Er habe einen Schlagring an der rechten Hand gehabt und gesagt:„Dem habe ich es ordentlich besorgt." Maue habe dann hinzugefügt: Ich habe ihm auch einige Messerstiche ge- geben."— Der Präsident fragt den Zeugen Kurth, ob er wisse, daß er durch seine Aussage die Angeklagten Knoll u. Maue schwer belastet habe und ob er diese durch einen Eid bekräftigen wolle. Der Zeuge bejaht beides, worauf er vereidet wird. Der Ange- klagte Maue bleibt bei der Behauptung, daß er eine solche Aeußerung nicht gethan habe Der Angeklagte Knoll wird nochmals über die Vorfälle auf dem Flur vernommen. Er habe den Flur schon voller Menschen gefunden, als er das Haus betrat. Als er im Begriffe gewesen sei, die Treppe hinauf zu gehen, sei Budach heruntergekommen und habe ihm, auf die Thür zeigend, zugerufen„Aufgepaßt". Er, Knoll, habe sich umgesehen und gewahrt, baß der Gendarm Müller hineintrat. Budach sei, die rechte Hand in der Hosentasche haltend, die Treppe vollends hinabgeeilt und habe ohne Weiteres auf den Gendarmen eu.zeschlagen. Er müsse annehmen, daß Budach ein zugeklapptes Messer aus der Tasche nahm und hiermit die ersten Schläge that. Knoll erzählr dann wieder, wie früher, wie Budach sich bückte, das Messer öffnete und es dem Gendarmen in den Unterleib jagte. Auf die Frage des Präsidenten, ob er den Budach nicht nur aus Feind- schaft belaste, erwidert Knoll: Nein, es ist die reine Wahrheit, die ich vor Gott verantworten kann. Ueber die Unterredung, die Knoll am Tage nach der Tödtung Müller's mit Budach in der Fabrik geführt haben will und wobei der letztere eingeräumt haben soll, daß er das Messer gebrauchte, werden auf den Antrag des Rechtsanwalts Heine noch mehrere Zeugen vernommen, welche in unmittelbarer Nähe von Knoll und Budach gearbeitet haben. Dieselben haben von einem derartigen verfänglichen Gespräch nicht das mindeste vernommen. Bezüglich der Betheiligung O st w a l d s bekundet zunächst Emilie Knoll, daß sie den Schuß erst hat fallen hören, als Ostwald ihres Vaters Wohnung schon verlassen hatte und nicht, wie dieser behauptet, als er sich noch in der Wohnung befand. Der An- geklagte Knoll behauptet, daß Ostwald bei dem Handgemenge im Hausflur des Weber'schen Hauses mit anwesend war und den Säbel des Gendarmen festgehalten hatte. Er habe denselben daran erkannt, daß er nur ein Auge habe und habe ihn nach der That noch auf dem oberen Treppenabsatz gesehen, wo erstand und am ganzen Leibe zitterte.— Ostwaldt bestreitet diese Angaben durchweg und behauptet, daß es auf der Treppe ja so dunkel war, daß er Niemand hätte erkennen können.— Der Ver- theidiger Ostwald's stellt die Behauptung auf, daß Knoll in der ganzen Voruntersuchung nicht ein einziges Mal davon gesprochen habe, daß der„lange Mensch", welcher den Säbel des Gendarmen festgehalten, auch einäugig war. — Der Amtsrichter Börner kann sich auf diesen Umstand nicht mehr erinnern, Knoll bleibt jedoch dabei, daß er den Untersuchungsrichter gleich darauf aufmerksam gemacht habe, daß der Betreffende nur ein Auge habe, worauf der Unter- suchungsrichter geantwortet:»Dann werden wir ihn ja bald haben!" Der Schachtmeister G ä r i s ch hat den Oftwald bei der Ar- beit nach den Vorkommnissen bei der Tödtung des Gendarmen Müller befragt, von demselben aber keinerlei bestimmte Auskunst erhalten können. Ostwald habe ihm gesagt, am Besten sei es, man wisse überhaupt Nichts, denn man würde nur in die Ge- fahr kommen, mißhandelt zu werden. Der Zeuge hat nicht den Eindruck gehabt, daß Ostwald bei der Affaire betheiligt gewesen; er kennt denselben schon seit mehreren Jahren als ruhigen Ar- beiter, der auch durchaus nicht Sozialdemokrat sei. Nach der Anklage soll sich auch der Schuhinacher Buchwald an dem Kampfe auf dem Flur betheiligt haben, was derselbe indessen entschieden bestreitet. Seine Wohnung liegt auf der rechten Seite des Flurs im Weber'schen Hause und besteht aus 3 Räumen, von denen zwei Thülen auf den Flur gehen. Buchwald giebt an, daß er beim Beginn des Lärms seine Thüren verschlossen und sich in die Vorderstube begeben habe. Von hier aus habe er den Lärm gehört und auch einen Schuß fallen hören. Als es auf dem Flur etwas stiller wurde, habe er die vordere Thür geöffnet und aus den Flur hinausgesehen. Er bemerkte den Polizeffergeanten Döring und will die Thür sofort wieder zugemacht habe».— Barbier Ni eb o ck, der zu diesem Punkte vernommen wird, vermag nicht mit Bestimmtheit anzugeben, ob Buchwald zu der Zeit, wo er sich in der Wohnung desselben auf- gehalten hat, auf den Flur hinausgetreten ist oder nicht. Bei früheren Vernehmungen hat dieser Zeuge sich mehr der Ansicht zugeneigt, daß dies nicht der Fall gewesen, da die nach dem Flur führende Küchenthür geschlossen war.— Der Zeuge W inst er, welcher am 20. März gleichfalls bei Buchwald's war, macht eine weit ungünstigere Aussage. Nach seiner Darstellung war Buchwald sehr aufgeregt, so daß die Frau desselben den Zeugen aufforderte, doch auf ihren Mann Acht zu haben, damit derselbe keine Dummheiten mache. Als der Lärm im Hause losging, habe Buchwald geäußert:„Den ver- fluchten Hunden müßte man das Fell ordentlich ausklopfen." Der Zeuge, welcher während des Lärms die Buchwald'sche Küchenthür zugehalten, bezeugt iveiter, daß Buchwald plötzlich vom Flur aus in diese Küchenthür hineingeschlüpft sei und sehr blaß und verstört ausgesehen habe. Nachtwächter B e u s e hat gerade vor dem Weber'schen Hause gestanden, als die Thür desselben von innen geöffnet wurde und der zum Tode verwundete Gendarm Müller vom Polizeisergeanten Döring hinausgeleitet wurde. Der Zeuge Beuse warf in diesem Augenblick einen Blick auf den Flur und sah Buchwald vom Flur aus durch die Hinterthür in seine Wohnung schlüpfen. Zeuge Berichterstatter B e n n e m a n n ist am 21. März nach Köpenick gefahren, um Recherchen anzustellen und hat auch Buch- wald gefragt, wie sich die Dinge abgespielt haben. Danach habe er seinen Bericht abgefaßt und er habe vollständig den Eindruck gehabt, daß er den Bericht eines Augenzeugen erhallen habe. Er habe ihm namentlich genau geschildert, wie der Gendarm Müller von einer Menschenmenge in den Hausflur ge- drängt worden und dort an einer genau von ihm bezeichneten Stelle ermordet worden sei. Ein von der Vertheidigung vorgeladener Zeuge E i n f i n g e r bekundet verschiedene angeblich vorgekommene Vorgänge, welche beweisen sollen, daß der Polizei-Jnspektor Jäkel außerordentlich schroff dem Publikum gegenüber aiisgetreten sei. Er sei mit blanker Waffe in Wirthschaften hineingedrungen, habe Frauen in barschester Weise von der Straße gewiesen und ihm, dem Zeugen, als er aus dem Fenster sah, mit lauter Stimme zugerufen: „Machen Sie das Fenster zu, oder ich schieße!" Auch der Stadt- sergeant Döring habe noch am 22. März, als schon das Militär die Ordnung aufrecht erhielt, Leute mit dem Revolver bedroht. Polizei-Jnspektor Jäkel verwahrt in augenscheinlich großer Erregung sich und die übrigen Beamten dagegen, daß sie irgendwie ungesetzlich oder provozirend aufgetreten seien. Die- jenigen, die solches behaupten, seien jedenfalls Sozialdemokraten und speziell der Zeuge Einsinger sei„Einberufer" der sozial- demokratischen Partei gewesen. Die Beamten seien froh, wenn man sie in Ruhe lasse, aber man könne es ihnen nicht verdenken, daß sie energisch auftreten, wenn sie mit einer solchen Sorte Menschen zu thun hätten. Möglich sei es, daß er am 20. März gerufen habe:„Schließen Sie die Fenster, oder es wird hinein- geschossen!" dies sei aber erst geschehen, nachdem 15 bis 20 Mal gerufen wurde:„Bluthunde! Schlagt sie todt!" Hiermit vertagt der Präsident die Verhandlung bis morgen Vormittag 10 Uhr. linier der A»t:lnge der fahrlässige» Tödtung stand gestern der Kutscher August K r e tz s ch m a r vor der ersten Straf- kammer des Landgerichts I. Am Abend des 11. Juni fuhr der Angeklagte mit einem Rollwagen durch die Fricdenstraße nach der Richtung des Landsberger Thors zu. Hier angekommen, wollte der Angeklagte trotz des herrschenden starken Verkehrs schleunigst den Kreuzungspunkt der Neuen König traße durch- fahren, er ließ hierbei die„öthige Vorsicht außer Acht und be- merkte nicht einen 73 jährigen Greis, der den Fahrdamm überschritt. Derselbe kam unter die Räber des Wagens und wurde überfahren. Er ist infolge der schweren Verletzungen noch an demselben Tage gestorben. Der Gerichtshof belegte den Angeklagten »>it 6 Woche» G e f ä n g n i ß. _._"""p UerurtlkeUnngen derjenigen ?»»P"�fche'ht Weißbier mit Wasser verdünnten, machen .-(ü0-- 0"'Fl?8 ch'föct geltend, daß es bei den bestehenden Verhaltnlffen unmöglich ist, von dem allgemein herrschenden Ge- brauch abzulasfen. Der Bierverleger Buchholz, der sich gestern wegen Vergeqens gegen das Nahrungsniittelgesetz zu verantworten i'"Jf8'.,0 ö"'„£l.cr sogenannte Doppel- Weißbier im Ver- £•- mv-i011 00 Litern Bier zu'-.0 Litern Wasser verdünnt und d,efe Mlfchung als„einfaches" Weißbier oerkaust. Der Gerichts- chemiker Dr. Bischof erklärte, daß er das Verfahren als eine Fälschung bezeichnen müsse. Unter„Bier" sei das Erzeugniß einer Brauerei zu verstehen und er müsse den Verlegern und Schankwirthen die Befugniß absprechen, das Bier zu verdünnen. Die Weijzbier-Brauereien pflegen das Bier von der Stärke einzu- brauen, daß es 12 Grad Stammwürze enthalte und dieser Gehalt müsse als normal bezeichnet werden. Wenn der Angeklagte den Gehalt des Weißbieres auf 6 Grad Stammwürze durch Wasserzusatz herabgesetzt habe, so sei es unzulässig, diese Mischung noch als „Bier" zu bezeichnen. Leider existire in Preußen noch kein Gesetz, wie in Süddenlschland und wie es in der Schweiz vorbereitet werde. wonach der Würzcgehalt der verschiedenen Biere vorgeschrieben ist. Es gäbe nur eine einzige Weißbierbrauerei in Berlin, welche den Wünschen ihrer Abnehmer insofern Rechnung trage, als sie die Bierveroünuung gleich in der Brauerei vornehme. Ter zweite Sachverständige, Dr. Jeserich, sah eine Bierverdünnung, wie sie im vorliegenden Falle vorgenommen sei, ebenfalls als eine Verfälschung an und belegte der Gerichtshof den Angeklagten deshalb mit einer Geldstrafe von 10 M. IHuTa mmlu»ac u. Pfarrrr emer. Krndziora hielt am Todtensonntag in einer unter dem Vorsitz des Herrn S ü n d e r ni a n n, Frau Nestle und des Herrn T ü b b e ck e abgehaltenen öffentlichen Versamm- lung für Männer und Frauen einen mit vielein Beifall auf- genommenen Vortrag über:Z„Fichte über Recht, Frei- heit und Eigenthum." Es hatten sich zu dem Vortrag wohl über 400 Personen beiderlei Geschlechts eingefunden, so daß der Saal gedrängt voll war. Der Vortragende selbst, der in fesselnder Weise das Leben Fichte's, des Sohnes eines Tagelöhners, schilderte, verbreitete sich des Längeren über die Schriften Fichte's und dessen Lebenslauf; er bezeichnet Fichte als den ersten Be- kenner des wissenschaftlichen Atheismus, erinnert daran, daß der- selbe deshalb seiner Professur in Jena entsetzt wurde. Schon über 2000 Jahre werde Liebe gepredigt, aber nicht geübt. Redner kommt auf die freie Liebe bei der Bourgeoisie zu sprechen und meint, daß beini Arbeiterstand in erster Linie Sittlichkeit vorhanden wäre; er erwähnt noch, daß Fichte nachgewiesen, daß eine Veränderung der Staatsverfassung nicht nur nothwendig, sondern auch sittlich berechtigt wäre.— In der an diesen Vortrag sich anschließenden Diskussion behandelten die Herren Eicke und S ü n d e r m a n n die Tonhallen-Versammlung des Herrn Stöcker. Zimmermann beantragt, die Tellersammlung am Schluß der Versammlung fortzusetzen und den streikenden Tabakarbeitern in Eschwege zukommen zu lassen, welcher Antrag einstimmig an- genomnien wird, während ein Antrag des Schristsetzes Lehmannn, dahingehend, das„Berliner Volksbiatt" zum vollständigen Abdruck der Berichte der Berliner Lokalkommission zu veranlassen, auf den Widerspruch mehrerer Redner zurückgezogen wird. Ebenfalls großen Widerspruch erfährt ein zweiter"Antrag Lehmanns in Betreff der Buchdrucker-Matinee in der Philharmonie. Der Arbriterl-ildnugs-Nerei» filr Utri�enfto und Um- gegend hielt am Dienstag, den 18. d. M., eine öffentliche Ver- fammlung ab. In derselben sprach Herr Otto Thierbach, Berlin, unter lebhaftem Beifall über:„Die gegnerischen Par- teien und unser Program m." Unter Vereinsangelegenheiten berichtete zunächst der Kassirer Genosse Preiß über die Kassenverhältnisse des Vereins. Derselbe knüpste hierbei an eine Aenßerung an, welche ein ehemaliges Vorstandsmitglied des Ver- eins, Namens Ries, in einer der vorangegangenen Versammlungen gethan hatte; dieser meinte nämlich: als er(Ries) aus dem Vor- stand ausgetreten wäre, sei ein Kassenbestand von über 88 M. vorhanden gewesen und jetzt sei es so weit gekommen, daß der Kasskter Genosse Hirsch schon habe Geld aus seiner Tasche zu- legen müssen." Genosse Preiß erklärte, daß diese Aenßerung den Thatsachen durchaus nicht entspricht. Die Revisoren und er haben die Bücher, so weit es möglich war, geordnet und haben sestgestellt, daß nicht der Verein dem früheren Kassirer Hirsch Geld schuldig ist, sondern umgekehrt. Derselbe bewies nun an der Hand eines ausführlichen Zahlenmaterials die Richtigkeit seiner Behauptung und es stellte sich heraus, daß der Genosse Hirsch dem Verein noch 102 M. 92 Pf. schuldig ist. Genosse Preiß stellte gleichzeitig den Antrag, sobald als möglich eine Äorstandssitzung einzuberufen; zu derselben soll Hirsch ge- laden werden und wird Preiß demselben durch Ziffern die Rich- tigkeit dieser Behauptung aus den Büchern beweisen. Die Revi- soren sollen ebenfalls zur Stelle sein und ist Hirsch gestattet, eine Vertrauensperson seinerseits hinzuzuziehen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Cinr öffentliche Uersammlung der Töpfer fand am 13. November unter Leitung des Kollegen Glas statt. Kollege Thieme gab den Bericht der Streikkommission. Durch das Zu- sammenhalten der Kollegen sei es in kurzer Zeit gelungen, den Streik zu gewinnen. Es wären noch 11 Bauten, wo die Fenster noch immer nicht verglast sind, und das liegt theilweise an dem Jndifferentismus der Kollegen. Revisor Jakobey bestätigt, daß ca. 800 Kollegen am Streik betheiligt waren und beantragt, mehrere Orte, die im Streik liegen, zu unterstützen, da ein Ueber- schuß von über 2000 M. vorhanden wäre. Kleinschmidt bittet, der Kommission Decharge zu ertheilen. Paarmann wünscht,.daß ca. 1000 M. am Orte bleiben mögen. Die Decharge wird hierauf einstimmig ertheilt und nach längerer Debatte beschlossen, den Tabakarbeitern in Eschwege 130 M., den Textilarbeitern 150 M., dem Generalausschuß 350 M., der Berliner Streik- Kontroll- kommission 50 M. und den streikenden Kollegen 300 M. zu bewilligen. Der Vertrauensmann berichtet, daß in der Zeit vom 11. September 1889 bis 2. Oktober 1890 12 450 M, in Marken eingenommen sind. Er beantragt, folgende Resolution anzunehmen:„In Erwägung, daß ein großer Theil der Kollegen in dem Glanben ist, durch Betheiligung an den freiwilligen Sammlungen organisirt zu sein, in fernerer Erwägung, daß die Kollegen in verschiedenen Versammlungen Beschlüsse gefaßt haben. Mann für Mann unserem bestehenden Verein beizutreten, beschließt die heutige Versammlung nochmals, daß jene Beschlüsse zum Austrag gebracht werden. Daher werden die Beiträge zu den freiwilligen Sammlungen vom 1. Januar 1891 ab gänzlich fallen gelassen; vom Sonnabend, den 15. d. M., ab werden dieselben auf 23 Pf. herabgesetzt. Zum 1. Januar ist derjenige Kollege nur als organisirt zu betrachten, welcher sich durch das Mitgliedsbuch unseres Vereins ausweisen kann. C. Thieme." Der Revisor Behrend bestätigt die Richtigkeit der Abrechnung des Vertrauensmannes. Zum Revisor wurde Kollege Tabbert gewählt und die Resolution schließlich angenommen. Ferner wurde beschlossen, die Abrechnung im Jnseratentheil des „Berliner Volksblatt" bekannt zu machen, ebenso im„Vereins- blatt". Auf eine Anfrage, wie weit die Angelegenheit Maschke gediehen ist, wird festgestellt, daß wahrscheinlich im Januar 1891 der letzte Termin stattfinden und dann der Staatsanwalt jeden- falls zu weiteren Schritten genöthigt sein wird. Mit einem drei- fachen Hoch ans das Gedeihen des Vereins schloß der Vorsitzende die Versammlung. Der Fachverein der Berliner Stuckateurr und Berufs- genossen hielt am 17. November eine Versammlung ab, in welcher Bildhauer Schneider einen Vortrag über:„Ein Rückblick aus dem Jahre 2000" von Bellamy hielt. Neu einzeichnen ließen sich 13 Mitglieder. Die Lichtarbeit auf dem Bau wurde zur Sprache gebracht. Kollege Braum verwies auf den ikongreß- beschluß, welcher eine Resolution ans Beseitigung der Lichtarbeit annahm. Folgender Antrag war eingegangen:„Die heutige Versammlung wolle beschließen, die Lichtarbeic aus dem Bau ab- zuschaffen." Eine umfangreiche Diskussion fand über diesen An- trag statt, der schließlich gegen 4 Stimmen angenommen wurde. Bezüglich des Abfallens von Stucktheilen wurde beschlossen, bei event. Fällen den Vorstand zu ermächtigen, gegen solche Firmen vorzugehen, bei welchem„Schundarbeit" geliefert wird. Unter „Verschiedenes" wurde auf die Bestrebungen der Gastwirths- gehilfen aufmerksam gemacht und die Anwesenden wurden auf- gefordert, diese junge Organisation dadurch zu unterstützen, daß sie in den Lokalen, in welchen sie verkehren, sich von den Kellnern die Mitgliedsbücher vorzeigen lassen und daß sie nur denen ein Trinkgeld geben, welche der Organisation angehören. Nachdem noch der Antrag angenommen, den ausgesperrten Schuhmachern in Erfurt nach Ermessen des Vorstandes eine Unterstützung zu bewilligen, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Aufruf an die Arbeiter und Kenossen im Weste» Kerliu« u»d in Schänrbera zur Gründung einer„Agilaltonsschule" oder eines TiSlulirllubs. Von dem Drange nach geistiger Bildung und vor Allein nach Kenntntst der sozialen Wissenschaften werden immer weitere Kreise der Arbeiterschaft er- saßt. Jhrenl llharakler entsprechend nimmt heule die Arbeiterbewegung einen immer gröberen Platz in dem Leben des Proletariers ein. Wir gebrauchen heute Vorlänipfer, die nicht allein durch das charakterfeste Martyrium ibre Ueberzeugung offenbaren, durch fronnnen Glauben an den Geist der Sache, sondern wir wollen auch nunmehr, wo uns freiere Bahn gegeben ist, zielbewußte Agitatoren ausbilden, damit unsere Sache sich gedeihlich ent- wickele und auf immer gröbere Kreise ausbreite. Wer gleich uns von der Nothwendlgkeit einer Vereinigung überzeugt ist, die nach diesen Grundsätzen ihre Mitglieder zur Propaganda fähig machen will, der stelle sich am Donnerstag, den 17, d. M., Abends% Uhr, im Restaurant Hämmerle, B ü l ow stra ße es pari., ein, wo über die Gründung eines Diskulirklubs in dem bisher so vernachlässigten Westen Ber- lins beralhe» werden soll. Im Auftrage: K. Bergemann, Motzslraße 75 pt. Arbeiterbilbungsurrrin. Ten Genossen zur Nachricht, daß in den nächsten Tagen eine große öffentliche Volks-Bersanimlung behufs Gründung eines allgemeinen Slrbeitcr- Btldungsveret» s, verbunden mit A r- beiter-BildungSschule stattstnden wird. Wir ersuchen hierdurch die Vorstände aller Lese- und Dtskutierklubs, sowie der bestehenden BildutlgSver- eine, ferner auch die Vorstände der Gewerkschaften um rege Betheiligung und Agitation. In späterer Zeit werden in allen Stadtgegenden resp. Wahlkreisen weitere Versammlungen stattfinden. Alles Nähere Annonzen und Anschlagsäulen. Die Kommisston. I. ist.: Karl Zahn. Krauste»- und Hcgriibnihstalf» de» perei»« siimmtlicher Krrufs- stlaise», pernialtungastell»«zeeli» 1. Sonnabend, diu so. November, Abends s Uhr, Blumenstraße 78 bei Wollschläger, Versammlung. Tagesord- nung: Kassenbericht. Anträge. Mitlheilungen. Geschäftliches. Wahl der Telegtrten zur Eeneral-Wersammlung. Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erscheinen. Geohe östentlich» tzlerfammluug ber im Sattlergewerb« befchiif- tigte» Arbeiter»nb Arbeiterinn»» am Donnerstag, den 27. November, Abends% Uhr, in Feuerstein'» Salon(unterer Saal), Alte Jakobslraße Nr. 75. Achtung für de» ziorde»! Große Volks-Versammlung für Männer und Frauen am Donnerstag, den 17. November, Abends 8 Uhr, in der Braueret Köntgstadl. Wilitärschneider-Perein. Große Versammlung am Donnerstag, den 27. November, AbendS 8% Uhr, in Sratweil'S Bierhallen, Kommandanten- ftraße 79. veffentliche lSrneral-UerfaminIung ber Maurer Weißenfee« und Umgegend am Donnerstag, den 27. November, Abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Eengbeil(Kaiser Wilhelm). Verein der Klrnipner Kerli»» und jlmgegeud. Donnerstag, den 27. November, AbendS 8 Uhr, große Versammlung in Zemter's Lokal, Münz- straße 11. N«lst»verfammlung für den dritten Berliner Reichstags-Wahltreis am Tonnerstag, den 27. November, Abends 8 Uhr, in Detgmüller's Salon, Alte Jakobstraße«8a. Nri 27 Nr. Ii— 13.. sfi !Irrei»ig»»a der Maler u. f.>v. Versammlung am Donnerslag, 27. November, Abends 8X Uhr, Lindenstcaße 108.-j.wi# Graste oftentliche Lranrn-Nerfainiuluug in der Brauerei Fnkr Hain(früher Lips) am Donnerstag, den 27. November, Abends«Uhr. Graste öffentliche Verfainmlung für Frauen und Man»' ,,, Sonntag, den so. November, Nachmittags 2� Uhr, in Lehmann Schwedierstraße 23. Vortrag des Herrn Peus: Üede'.'»laterialtniscre ir-- aufsassung.... mw, 15 Sefe- und Si-kntirstlubo. Donner»- g��.Sr»* o Uhr, Naunnnstr. 86 bei Zubeil. Gäste haben Zutritt. Abends 8% Uhr, bei Wutlle, FriedrichSbergerstr. 24.— verein /-y; b i l d u n g"(Männer und Frauen) Abends o Uhr, im Restaurant Aurn Schönhauser Allee 28.— Lese- und Tiskutirklub der Bäcker„W a ch NachnMltags Ti Uhr, in der Gr. Frankfurterstr. 98,„Frankfurter hallen".„Wahrheit, Markusstr. 31.—„Natur", Abends«»» Kaiserstr.«, bei Hoffmann.—„Ausklärung", Abends 8 Uhr, in Hem � Restaurant, Langestr. 70. Gäste willkommen.—„Internationale, Andreasftr. 19 bei Oelze, Sitzung. Gäste haben Zutritt..„.-.„„es Arbeiter-?ii» geraund Berlins und Umgegend, Abends 9 Uhr, ueoa» stunde. Aufnahme neuer Mitglieder.—„Seeg er'scher Gesa n g_ ein", Blumenstraße 40 bei Wcnck. Ucbungsstunde von 9— il Gesangverein„Einigkeit"(Hutmacher), Nofenthalerstraße Nr. lä bei S. Minner.— Gesangverein„Edelweiß", Melchiorstraße-t-- bei Slehmann.— Gesangverein„E ch o 2", Alle Schönhauseri„ Nr. 42 bei Reimann.— Gesangverein„F r ü h l i n g s l u st", iM. straße 5 bei Bartels.— Männerchor„® l. Urba n", Annenstraße Protz.— Männergesangverein„Bora r", Admiralstr. 38 bei Buiow. Gesangverein„K o r n h l u n> e", Blumenstr. s« bei WuNks.—®,e'& ort' „H and in Hand", Skalitzerstr. 142 bei Greifer.— Gefangverein g lö ck le in" Deutsch-Willinersdorf, Berlinerstr. 40 bei Pietüb.— G l- MWWWWWjWWWWW Gesangverein verein„W eiße R o s r Deutsch-Willmersdorf, Berlinerstr. 40 bei Pietsch.—"•L_ ( i s ch l e r v e r b a n d e s" in Sieglitz, Restaurant Hildebra' „Harmonie", Tempelhof, Restaurant Wesenberg.— Jv'i iße R o s e", Reinickendorf, Residenz- und HollandeOlt v. Ecke bei Coro.— Arbeiter-Eesangverein„M o rg e n r o t h", Rummel»� Göthestraße 9 bei Konrath.— Gesangverein„Freundschaft"��, 9 Uhr, bei Oswald Berliner, Brnnnenstr. 114.— Gesangverein s ch l u 6" tagt nicht Mittwoch, sondern Donnerstag. a>,(ang' Gesang-, Turu- uud gefestigr Vereine. Donnerstag.*— .......... Uhr Cum verein„Freundschaft Abends 9 straße.— Gesang- u. Musikverein„F t r m.. u-,. Adalbertftr. 8.— I o h Iinisthal: Gesangverein„Zukunft, Ab.° in Ludwigs Salon Lüde ck'scher Turnverein, Männer- Ablheilung, 8-1° Uhb Abends SraBSfe««!®» Elisabethstr. 57—68, Königstädt. Gymnasium. � 0„ n(,r« Geselliger Verein„Regina", Sitzung mit Damen, Abends 8» u«,. den Luisenstädt. Bicrhallen, Alle Iakobstr. 89.— Geselliger Club..(ln vetl ch e n", Abends 9 Uhr bei Stehmann, Melchiorstr. is.— ipt'Oß'i, ajlc, „W e d d r n g", Abends 8% Uhr bei. wuuci, anuuei- um,..u..... i--_- — Bergnüaungsverein„E a p r i c e", Abends 0 Uhr, Sitzung mit Dame „Marienbav", Badstr. 35—38, Saal i Tr.— Vergnügungsverein jg, chcn", 9% Uhr, Sitzung mit Damen bei Lütow. Adniiralstraße 38. kommen.— Verein ehemaliger Schüler der 98, Gemeindeschul«,» 9 Uhr, im Gesellschaflshause„Ostend", Rüdersdorserstr. 45.— theater-Gesellschafl„Hoff n u n g". Abend» sx Uhr, lm Klubhaus, OhmO.L,;,. Gäste willlonunen.— Verein ehemaliger Schüler der 23. Kemeinoei„ Sitzung, Abends 9% Uhr, bei Saeger, Grüner Weg 29. Gäste Willkomm Verein ehemaliger Schüler der 98. Gemetndeschule, 9 Uhr, im Gesemsl hause Ostend, Rüdersdorserstr. 45. Rauchklub„D e z i m a l- W a a g e", Abends 9 Uhr bei Jniinger, m» � straße 48.— Rauchklub„K e r n s p i y Abends BX Uhr bei A. Bohl, R 6ji dorserstr. 8.— Rauchklub„E o I l e g t a", Abends 9 Uhr, Skalitzerstr. Destillation Böger.—„H u m or ist t f ch e Pfetfenbrüde r", Abends y in Röllig's Salon, Neue Friedrtchstr. 43—44.— Rauchklub„Vorn"1 Abends 9 Uhr, bei Tempel, Breslauerstr. 27. Dejrepckjcn. örnlTd, 26. Nooember.(Telegramm des„Herold Regierung befürchtet für morgen stürmische Szenen und% gebnngen zu Gunsten des allgemeinen Stimmrechts. Infolge hat sie militärische Vorsichtsmaßregeln getroffen, um Exzeß der Umgegend der Kammern zu verhindern. Die Sozi»> feiern morgen Nachmittag. (Molffs Telogr�heu-Kursau.) Dresden. 26. Äovember. In dein Steigen der Elv heute Abend Stillstand eingetreten. Mehrere Ptätze und vl stehen unter Wasser.«.„dt Jena, 26. November. Bei dem Hochwasser, daß die � und deren Umgebung heimsuchte, wurde hier ein Ehepaa„ dem Einsturz eines Hauses erschlagen. In Wenigenzena! 12 Häuser, in Naschhausen 10 Gebäude, darunter die zerstört. In Wenigenjena haben 9 Personen den Tod im�v gefunden.»„schlag Köln, 26. November. Die Bahnstrecke Seegburg---Te I kehr wieder übergeben.— Wie der ,, Kölnisch ist dem Verkehr Zeitung" aus Barmen gemeldet wird, sind"bei der vor»»- WMWUM WMSSWW polizeilich beobachtet und in derselben heute eine gerichtliche � suchung vorgenommen. Sehr empsehlenwerth sürWeiteru.Arbeiter-Biblillthekell! ArchBw suziale Gesetzebiilg unii Statistik. Vierteljahresschcifi znr Erforschung der gesellschaftlichen Zustände aller Länder. In Verbindung mit einer Reihe namhafter Fachmänner des In- und Auslandes herausgegeben von Dr. Heinr. Braun. DM" Abonnementspreis pro Jahrgang 12 Marl. 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Jahrg. Vevk�mmlunsen. fii.,,.. Engen Nichter's Ivrlelirc» oet bie Sozialdemokratie war das Thema, über welches Herr ?*■«ntgeuau am 20. d. M. in der F r e i e n V e r e i n r g li n g v Kapfleute sprach. Ter Saal Teigmiiller's war ge- "angt voll. r. Ter Referent führte aus: Eugen Richter ist verwundert, daß mne Irrlehren von der Sozialdemokratie beachtet werden. Dwjes staunen ist begründet, wenn man an den inneren Werth der denkt. Richter behauptet, die Sozialdemokratie habe das urgerthnnr gespalten und stärke dadurch sortgeseht die Reakuon. >e Renktion ist aber dadurch gestärkt worden, daß der Freistun �'Stichwahlen der Sozialdemokratie in den Rucken fiel. Richter vor Allem die selbstständigen Kaufleute und die Handliings- Wilsen beim Freisinn festhalten. Aber mit der Selbst- l°»digkeit wird es immer aussichtsloser und was die Undlungsgehilfen angeht, heißt es: Zu spät Bei dem ��uunaß- Exemvel hob Redner diesmal folgendes her- Richter erklärt, daß die Ueberschüsse der Staats-Eisen- Duhnen. v----'r-j-....... . 7 unujiec eruarr, oap die ueverscyu�e oer VlaalS-E,�e- °ahnen, Bergwerke, Domänen nicht nntzuverthellen seien.denn »diese gehören doch nicht zu den Privateinkommen.'soweit die- W-N zetzt zur Deckung „'.'.das daraus fließende von Zinsen der Staatsschulden dienen, initi* r fließende Privateinkommen natürlich in der Rech- will""�uthalten." Das ist spaßhaft. Wer Schulden bezahlen '..ststch doch zuvor Einkommen haben, und wenn Jemand ) �."�scheine erwerben will, muß er zuerst Kapital haben! mmm# ihum; diese würden säuimtlich aushoren. Uichter behauptet nj�j soften die Familie auf. Das that der jetzige Klassen- nichteten Sodann ,"i>>on die Ueberzeugung hervor, daß die Handlungsgehilfen � Eugen Richter— in hellen Haufen sich dem Freisinn wir. Dasselbe gilt von dem Vorwurf: wir ver die Persönlichkeit, die Individualität. Redner ging Ertirfi'."""4 mit der Art der Richter'schen Polemik scharf ins schj.?' und erläuterte unter Beifall der Versammlung ver- ti>üm-�° sozialistische Prinzipien, wozu ihm die Richter'schen Irr- er und Mißverständnisse den Anlaß gaben.. tettiiM!,et Debatte versuchten mehrere Frei nmige eine Ehren- Po.,,.h ihrer Sache, ohne indessen den logischen Schlüssen des Dizkm?. Abbruch zu thuu. Jedenfalls trat mehrfach in der � Unh Die Freie Vereinigung der Kaufleute scheint drauf eist.}an zu sein, durch ihre encpgievolle Thätigkeit dem Freisinn An«},, besten Stützen zu entziehen. Pflicht jedes überzeugten uriungsgehilfen ist es, sie darin durch Beitritt zu unterstütze». (i Die Schlosser und Maschinenbauer Um ,, Ahlten sich am 17. d. M., unter Vorsitz des Kollegen Petzold, �»unachft ein Referat ihres Vertrauensmannes Carl Breeder aus wtffnx 8' welcher der Gewerkschaftskonserenz wegen hier an- sog--? Aor, über die Organisation,„wie sie ist und wie sie sein dox«s"'gegen zu nehmen. Breeder erörterte zunächst die Form sst» j�'usakionen, wie sie bisher bestanden. Er sei iin Prinzip Otoftnlt,. Zentralisation gewesen, habe jedoch die lokale .omi Ii nfi An l___.Jiw> ous bestimmten taktischen Gründen für die zweck- itzstst n angesehen und sei dafür eingetreten. Die Vorgänge der dewe. fsA.Aheischten eine Reorganisation und Umgestaltung der "RjsckiS- ewegung. Nach Ablauf des Sozialistengesetzes sei den -P'5 überhaupt den Vereinen, immerhin etwas mehrEllen- »na unf', ,9elQsien'f0 daß es in Zukunft in derGewerkschaftsdewe- Wqnk,"bleiben müsse, rein politische Themata zu erörtern. Die Gewerkschaftsbewegung liege künftig in statistischen • 1 w m'r Wanderunterstützung, Regelung der Arbeitszeil «fbers aber machten es uns die Vorgänge ä In cst jst, A Aussperrung und die trotz ihres kolossalen Umfanges ms niöalÄ v begriffene Koalition der Unternehmer zur Pflicht «Nt nnf'ehst in großen Verbänden zusammenzuschließen, lim so mt k..."whmerthtiin Stand bieten zu können. Er erläutert die lnet Aewerkschaftskonferenz empfohlene Resolution, und be- � � f 3 Aifi rrrtS-; p m'o�*...... '�Ute* rn,. � Fachzentralisationen als Geldverpulverungs- °as Renn»""e allgemeine Metallarbeiter-Union fei iu, stände, u«h �Ä!X.;Ä;- Dieselbe Msft AÄmmtltche 'if'i ieiirhoie''clvDen. augemelnen t?ewett,un>i----- J, '*1 Dentrif"? �sidung und Aufklärung bis in den fernsten In x». Ichlands dringen.(Reicher Beifall.) zugleich auch ein Fachblatt, als dessen Redakteur .........."" mphirt, daß nun endlich die Frage der sei sind,. gelost sei und zwar zu seinen Gunsten. ' ein-F � ww vor für Fachzentralisation,>veil die Arbeiter x iu Mnf.3'nci er verschiedenen„Bedürfnisse":c. hätten. Es �eu>tk„ir Fachangelegenheiten, zu deren Erörterung ber �Zentralvorstand der speziellen Fach- ?�>d wijv» 4 /, Wenn der Wille der Arbeiter allein maß- 2% nei„f!''0 Hütten noch ganz andere Organisationen ins $ dein F.'!. werden müssen. Stach seiner Meinung hat sich A�chaftsx» i bes Sozialistengesetzes in betreff der Ge- ■ Ällns!� llung gar nichts verändert. Man dürfe sich nicht /'Nea, 1%" hmgeden, denn sobald die Zentralorganisationen .J�Sie»,?;W°bietenden Faktor und besorgnißerregend für « �kverei Ü wurden, würden sie entweder zu kgl. preußischen "st gestempelt, oder aber zu Grunde chikan,rt, wie x°hl«verr»s° �"l'ner Filiale des Tischlerverbandes, die ans ?t die Ä"" gar nicht mehr heraus kam. Um N'sativn artheile der Zentralisation� gleich wie der l»* Vrom'rf. zusammen zu besitzen, empfiehlt er die » Aarb.i?L°"' Zentralisation nach Art der allgemeinen &üt diese sei der Boden infolge der " Pos» d"larbeit günstig und nur auf diesem Wege wurde h g.Ütlvks erreicht werden können. m Polin?'"»" ist der Meinung, daß Gewerkschaftsbewegung I-. kmLriA' benkbar sei. Auch würden die deutschen Ar- $''r eine Gewerkschaftsbewegung ohne PoliNk k% n r» Amonl" zu erwärmen fein. b>ie m e aJ 0t für lokale Fachorganisation. Er wundert effos" dte Beschlüsse des kaum gewesenen Metallarbeiter- �'»•»rtPnhltcflidlß y X v%---- in vir«ue ncui.»i» augenblickliche nur dazu, um uns hernach um so sicherer bU&cie s'aUt.' Tie zu„kapern", denn verschiedene Paragraphen des Vereinsgesetzes ersetzen das Sozialistengesetz vollständig. Nachdem Dittrich noch einmal die Fachzentralisation vertheidigt und Gerisch ihn widerlegt hat, erhält Breeder das Schlußwort. Er vertheidigt seine Vorschläge, wendet sich gegen Warnecke und geht unter dem Beifall der Versammlung besonders scharf mit Dittrich ins Gericht. Er schließt mit dem Wunsch, daß, sollten die Kollegen meinen, Berlin sei kein Boden für Zentralisation, sie wenigstens die Idee der Zentralisation dort, wo der Boden günstig sei, in der Provinz unterstützen möchten. Zu Delegirten zu dem am 23. Dezember stattfindenden Pro- vinzial-Delegirtentag wurden die Kollegen Petzold und Bälhge einstimmig gewählt. Der Fachverein der Tischler hielt am 19. d. Mls. eine außerordentliche Generalversammlung ab. Zum ersten Punkt hielt Herr Pinn einen beisällig aufgenommenen Vortrag über Rordaü's Buch:„Konventionelle Lügen der 5i»lturmenschheit". Alsdann wurden einige Unterstützungsanträge erledigt. Unter anderem wird ans Antrag Schmidt eine Summe von 500 Mark für die streikenden Glasarbeiter und Erfurter Schuhmacher bewilligt.— Vom Vorsitzenden Glocke wurde sodann die Angelegenheit Pfaff zur Debatte ge- stellt. Einleitend bemerkte der Vorsitzende, daß, wie wohl jedem Anwesenden bekannt sei, von Seiten des Fachvereins kürzlich eine Bewegung eingeleitet worden wäre, ganz besonders die Kollegen der Großbetriebe in unserem Gewerbe(wie Pfaff, Groschkus, Weinmann it. s. w.), zur Organisation heranzuziehen. Hierbei sei von verschiedenen Seiten ans Zustände in der' Fabrik I. C, Pfaff aufmerksam gemacht. Eine Versammlung für Süd-Ost habe sich eingehend mit den in der Fabrik herrschenden Mißständen befaßt, und dem zur Zeit in der Fabrik arbeitenden Kollegen Ahrends sei auch nicht wider- sprachen worden. Auf Ersuchen des Kommerzienrath Psaff habe nun eine Konferenz stattaefunden, an der die Vorstandsmitglieder Glocke, Wiedemann und Koblenzer theilgenommen, außerdem aber auf Veranlassung des Vorstandes aus jedem Saal der Fabrik 2 Delegirte zugegen waren. Herr Wiedemann gab nun als Berichterstatter der Konferenz eine eingehende Schilderung der- selben. Aus der Berichterstattung ging hervor, daß die angeführten Klagen über Zahlung eines Kostgeldes von 9 Mark für fünf Tage aus den Büchern sowohl, wie durch die Delegirten wider- legt seien, und daß auch der Fall, daß ein Maschinenarbeiter seinen garantirten Lohn nicht erhalten habe, nicht stimmt; es sei deshalb jeden: Kollegen dringend ans Herz gelegt, für alle Klagen über ihre Werk st alten auch thatsächliches Beweis Material zu er- b r i n g e n, den nur versehen mit solchem könnte der Vorstand wie die Werkstatt-Kontrolkommission fest und bestimmt den Unternehmern gegenüber austreten. Im Allgemeinen sei, wie Kollege Glocke ergänzend zufügte, festgestellt, daß in den meisten Fällen über 3 Mark bei Herrn Pfaff verdient würden, doch seien auch gegen 9" Fälle in den Lohnbüchern verzeichnet, wo unter 3 M. pro Tag verdient wurde, was Herr Psaff darauf zurücksührt, daß das Anfänger in der Fabrik seien, die mit der Maschinenarbeit noch nicht vertraut wären. Was das Prozentsystem stir die Meister anbelange, so sei von Herrn Pfaff geltend gemacht worden, daß. dies ebenso im Interesse der Gesellen>vie der Meister liege, da die'Akkordlöhne vom Obermeister ivohl festgestellt würden, jedoch der Meister, um selbst einen hohen Gehalt zu beziehen, gern sehen müsse, daß die Akkordlöhne hoch bemessen seien. Seitens des Vorstandes wurde darauf hingewiesen, daß von Seiten der Arbeiter dieses Prozentsystem von einer anderen Seite betrachtet würde, denn wenn der Obermeister die Akkordlöhne festsetze, müsse der Saalmeiäer, wolle er einen hohen Lohn erzielen, die Gesellen aufs äußerste zur Arbeit anhalte», so daß selbst ein Arbeiter bei niedriaen Akkordlöhne» doch noch einen einigermaßen ansehnlichen Verdienst erziele; schwächere Arbeiter würden bei einem solchen System immer ans die Straße geworfen. Herr Pfaff konnte diese Ausführungen nicht ent- kräften. Jn derDisküfsion über den Berichtgab emerderftollegen, der die Klagen mit erhoben, zu, daß ein Jrrthum vorgekomnien sein könnte, doch werde er ferner jederzeit für die Interessen der Kollegen eintreten. Kollege Ahrends bedauert, daß die Kollege», die ihm die Unregelmäßigkeiten hinterbracht hätten, nicht den MutH hätten, ihre Aussagen ausrecht zu erhalten, in künftigen Fälle» würde er vorsichtiger sein.— Kurz sei noch darauf hin- geiviesen, daß ein durch Krankheit in arge Bedrängniß gerathener Kollege an die Mitglieder des Vereins die Bitte richtet, ihn da- durch zu untersti tzcn, daß sie ihren Bedarf an Holz und Küchen- fachen, Filzschuhen u. s. w. von ihm entnehmen. Seine Frau hat den Holzäand Nr. 163, Markthalle II.(Lindenstraße) inne. Der Fachvereiu siimmtlicher in den Klare- nnd Kartonpapirv- Fabvillcn beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen hielt am 18. November seine Mitgliederversammlung ab. Herr Stadto. Fritz Zubeil hielt einen beifällig aufge- nommenen Vortrag über Kasernen und Ferienkolonie». Vorher war über die Gründung eines Arbeitsuachweises berathen und »ach längerer Debatte der Vorstand beauftragt ivorden, sich näher darüber zu informiren, wie die Sache am besten durchgeführt werden könnte, und das Ergebniß dann den Mitgliedern in der nächsten Versammlung zur Kenntniß zu bringen. Dann wird über die Sache endgiltiger Beschluß gefaßt werden. Nach dem Vortrage wurde unter Verschiedenem der Antrag, einen gemaßregelten Kollegen durch wöchentliche Unterstützung von 10 M. aus seiner traurigen Lage zu befreien, gegen 4 Stimmen angenommen. Von Frau Habicht wurde die Frage gestellt, wes- halb sie, obivohl sie gewählt war, mit den anderen Delegirte» zu der Gewerkschastskonfercnz nicht zugelassen worden sei. Herr Znbeil beantwortete diese Frage. Er wies zuerst darauf hin, daß der Aufruf falsch abgefaßt und falsch verstanden worden ist. Es sollte nur eine Borbesprechung aller zentralisirten Gewerk- schaften zum allgemeinen Gewerkschaftskongreß, welcher nach Zusammentritt des Reichstages stattfinden soll, sei». Tie Zentralisationen sind augenblicklich nicht mehr ausreichend. Es müssen vielmehr große Unionen gegründet werden, wie in England. Die Lokalorganisalionen könnten alsdann zwar noch bestehen, jedoch mir als Seltionen, welche unter der Kontrole der Unionen stehe». Ueber diesen Punkt sollte in erster Linie die Konferenz verhandeln; es waren deshalb nur von allen zentrali- sirten Gewerkschaften, vom Kartellverband in Sachsen nnd von der Berliner Streik-Kontrolkommission Delegirte vertreten. Nach- dem der Vorsitzende alle» Anwesenden ans Herz gelegt hatte, für die Organisation kräftig einzutreten und zu agitiren, wurde die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf das Wachsen nnd Gedeihen des Fachvereins geschlossen. Die Neveiuiguug der Drechsler Deutschlands hielt am 16. d. eine kombinirte Mitglieder-Versammlung ab. Ueber die Regelung der herrschenden Uebelstänoe in der Verwaltung referirte Kollege Lutz. Er gab in kurzen Zügen ein Bild von der Entstehung der sogenannten Opposition unter den Berliner Kollegen gegen den Hamburger Hauptvprstand. Dieselbe sei entstanden wegen des einseiligen Vorgehens des Vorsitzenden der Vereinigung, insbesondere wegen der Zeitungsfrage, der Agitationsmarken, der Agitationsreise, der Verlegung der General- Versammlung auf einen späleren Zeitpunkt»nd der zu wenig detaillirten Abrechnung betreffs der Delegirtensteuer. Wetter wies der Redner den Vorwurf der Lauheit, welcher den Beamte» der Berliner Zahlstellen(Ortsverwaltungen) seitens des Vorsitzenden gemacht ivorden sei, energisch zurück und den äugelte, daß bei der Urabstimmung die nicht abstimmenden Ortsverwaltungen als im bejahenden Sinne stimmend betrachtet würden. Redner schloß mit den Worten, daß sich die Berliner Kollegen jeder Zeit das Recht der freien Kritik wahre» würden.— In der Diskussion erhielt zuerst der Vorsitzende der Vereinigung, Kollege Legien, Hamburg, das Wort. Derselbe glaubte zuerst konstatiren zu können, daß Kollege Lutz sich der Inkonsequenz schuldig ge- macht habe, da sich seine heutigen Ausführungen nicht mit denen decken, welche er in der letzten kombinirten Bersammlung vor- gebracht habe. Redner ging des Näheren auf die einzelnen Punkte der Beschwerden ein und wies nach, daß das achttägige Erscheinen der Fachzeitnng der Organisation keine Mehrkosten verursache, da die Verlagsfirma laut Verlraa dazu verpflichtet gewesen sei. Ans den Beitrag zur Agitation übergehend, sagte Redner, daß die Beiträge freiwillige gewesen seien, daß eine Agitation nothwendig war und»och ist, und daß er es für seine Pflicht als Vor- sitzender der Organisation gehalten habe, einen Abzweig nach Wien, wo am 8. Sept. der österreichische Drechslertag zllsammentrat, zu machen, de» internationalen Charakter der Arbeiterbewegung dabei berücksichtigend. Redner wiederholte, daß die Schuld betreffs des so mangelhaft vorgekommenen Agitationsgeldes, einzig nnd allein die Vorstände der Zahlstellen treffe. Den Vorwurf der un- genauen Abrechnung müsse er ganz energisch zurückweisen, und er verweise auf die vorhergegangenen Abrechnungen. Uebcrhaupt müsse er der Opposition jede Berechtigling aberkennen; dieselbe möge sich ans den Boden der wahren Thatsachen stellen und nicht Angriffe resp, Vorwürfe über Dinge bringen, über welche sie durchaus nicht orientirt sei, was um so schlimmer sei, als die Informationen von ihm jederzeit zu bekommen wären. Er hoffe, daß die heutige Versammlung eine Erklärung schaffen werde. Kollege Hartinann mies den Vorwurf, betreffs mangelhafter Ver- treibung der Agilationsmarken zurück und bemängelte, daß der Vorsitzende außer dem fortlaufenden Gehalt noch 7 M. Diäten pro Tag während der Agitation bekomme und wies außerdem auf das Berechtigte der Agitation hin, Kollege Hildebrandt sprach sich gegen das rigorose Vorgehen Seitens des Vorstandes in der Zeitung auS und erwartet ganz bestimmt, daß die Zwischen- bemerkungen der Redaktion in Zukunft fortfallen werden. Kollege Rautenberg ist ini Einverständniß mit dem Vorstand; man dürfe nicht bei jeder Kleinigkeit erst die gesammte Mitglied- schaft aufbieten. Derselbe ist der Ansicht, daß auf beiden Seiten Fehler begangen worden sind und räth zur Nachgiebigkeit und zum Frieren. Es sprachen noch die Kollegen Böttcher, Pindrix, Reinke, Dost und Casperzacko. Letzterer weift nach, daß eine Ausgabe von 600 Mark pro Jahr durch das acht- tägige Erscheinen der Zeitung der Kasse zur Last fällt. Kollege Legten(Hamburg) legte dar, daß 7 M. Diäten nicht zu viel sind, wenn man sich auf Reisen befindet. Während seiner Abwesenheit von Hamburg müsse er einen Stellvertreter haben. Er habe sicher nichts dabei prosttirt und ist bereit, dieses Amt jedem Andern zu überlassen. Auf beiden Seiten find Jehler be- gangen, aber die heutige Versammlung wird den Streit schlichten und die Polemik wieder in ruhigeren Bahnen lenken. Unter großer Unruhe der Versammlung wurde folgende Resolution angenommen:„Die heutige Versammlung giebt zu, daß Fehler sowohl vom Vorstand, als von den Berliner Kollegen vorgekommen sind, doch erkärt sie sich nach der Aus- einandersetzuug mit dem Vorsitzenden der Vereinigimg, mit dem Vorstande einverstanden."— Es sprachen noch die Kollegen Hart- mann, PlagenS, Hildebrandt, Pindrix und Lutz. Der letztere be- dauerte, nicht eingehend auf die Ausführungen des Vorsitzenden wegen vorgerückter Zeit antworten zu können. Eine össrntliche Uerjammlnng allev in der Gold- «nd Silberwanren-Kranchr Berlins und Umgegend beschäs- tigten'Arbeiter fand am 24. November unter dem Vorsitz des Herrn Holtkamp statt. Auf der Tagesordnung der sehr zahl- reich besuchten Versammlung stand: 1. Vortrag des Herrn M e tz n e r über:„Wie die Gewerkschaftsbewegiliig ist und wie sie sein soll." 2. Berichterstattung der Delegirten der Berliner Streik- Kyntrolkommission. 3. Verschiedenes. Ter Referent suhlte ungefähr aus: Es wird vielfach noch heute ge- glaubt, wenn Jemand ein Kunstgewerbe erlernt habe, so sei er für immer geborgen. Dem ist nicht mehr so. Auch in die Gold- nnd Silberivaaren-Branche wird die Maschinenarbeit schon eingegriffen haben. Auch hier wird die Heranziehung ungelernter oder einseitig ausgebildeter Arbeiter an Stelle des vielseitig aus- gebildeten Arbeiters möglich. Einer der Schäden der kapitalistischen Produktionsweise ist wie in allen anderen Gewerben auch im Gold- und Silberverarbeitungs-Geiverbe die Saisonarbeit. Die meisten Arbeiter denken, daß sie das, was sie während der schlechten Zeit durch Arbeitslosigkeit einbüßten, nun in der Saison wieder nachholen müßten und dies auch könnte». Es wird der Anforderung des Unternehmers an seine Arbeiter nach Ileberstuiiden-Arbeit gewillsahrtet. Wenn nun mehr verdient wird, so wird der Preis der Arbeit herabgesetzt. Hauptsächlich bei Akkordarbeit geschieht dies. Hier wird in der Saison neben der längeren Arbeitszeit auch noch die Intensität der Arbeit gesteigert und ein scheinbar höherer Verdienst erzielt, der Anlaß zum Ab- zng giebt. Anstatt daß so in der Saison die alten Verluste ge- deckt werden, werden neue erzeugt. Mit der Einhaltung der regelmäßige» Arbeitszeit in der Saison ist auch die Ein- stellling vieler Arbeitsloser möglich. Eine Forderung nach dieser Seite hin kann nur durch eine gute Organisation realisirt iverden, nur vermittelst dieser kann man die, denen der Kapitalisten strikte entgegenstehenden Interessen der Arbeiter richtig vertrete». Der Vortrag wurde mit großem Beifall aufgenommen. Es schloß sich an ihn eine kurze Diskussion, an welcher sich die Herren F a b e r, Millich nnd Linda betheiligten. Alle drei Redner konstatirten das Eindringen der Maschinenarbeit im Ge- werbe. Nach ihren Ausführungen findet die Frauenarbeit auch immer mehr Verivendung. Folgende Resolution wurde angenommen:„Die Versammlung schließt sich den trefflichen Ausführungen des Referenten an. Sie er- kennt in dem Anschluß aller Kollegen nnd Bernfsgcnossen an die bestehende Bereinigung nur allein das Mittel, bessere Lebens- stelliing und wirthschaftliche Freiheit zu erringen. Auch wird da- ä ttÄÄ'fc t «tre>k Kontrolkommisfion. Sie forderten hierbei zur Jnnehaltung "' bci' Skomnufiio» gefaßten Boykottresolntionen auf. Der Ueberschuß der Tellersammlung wurde der Berliner Streik-Konlrol- kominission uberivlesen. Eine um. zirka 400 pliitteeiime» besuchte Mitglieder- versanimlung des Vereins der Plätterinnen tagte am Domierstag. All Stelle der am Erscheinen verhinderten Frau Ihrer sprach Irl. Wabmtz über die Beschlüsse der Ee-vertschaftskonferenz und schloß mit der Ermahnung, sich für Zentralisation zu erklären. An der Diskussion betheiligten sich die Damen Frl. Grothe, Frau Klukofsky, Frau Wagner, Frau Nicolai, Frau Hoffstetten und Herr Möhring. Von Herrn Möhring wurde den Plätterinnen empfohlen, dem Verein den Namen zu geben: Verein der Plätterinnen und verwandter Berufsgenoffen, um so den Stärkerinnen, Wäscherinnen und Bolzenleuten Gelegenheit zu geben, sich auch einer Organisation anzuschließen. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Ferner wurdenachfolgendeResolution einstimmig ange- nommen: Die Mitgliederversammlung der Vereins der Plätterinnen erklärt sich mit den Ausführungen der Referentin einverstanden und erklärt, in der Zukunft Sorge zu tragen, daß diese Organi- sation eine große und starke werde, um so ein Glied in der ge- sammten Arbeiterorganisation zu sein. Zum Verschiedenen machte der Vorsitzende bekannt, daß es infolge unseres Rechlschntz- Paragraphen möglich gewesen ist, gegen die FirmaGebrüder Borchardt für 2 Plätterinnen obsiegende Urlheile zu erzielen, wodurch der einen der Plätterinnen 80 M. und der anderen 84 M. Lohnentschädigung zuerkannt ist. Ter Plätterin Fräulein Silay, welche von dem Konfektionär Herrn Franke, von der Firma Philipsohn ». Leschziner übel behandelt wurde, ist eine Sühne von 30 M. zudiklirt worden. Eine Uersnmmlnng des sozialdemokratil'chrn Wahl- Vereins des 6. Kerliner Ueichstags-Wahlhreij'e» tagte am 20. November. Herr Zubeil rejerirte über den neuen Schul- gesetz-Entwurf und führte etwa Folgendes aus: Der reaktionäre Entwurf hat den einen Vorlheil, daß in ganz Preußen das Schulgeld fortfällt. Dafür hat die Kirche wieder die Obergewalt. Kein Kind darf ohne Religion sein. In der Schule sollen die „Irrlehren der Sozialdemokratie" bekämpft werden. Wir werden sehen, ob das Kind seinen Eltern nicht mehr glauben wird.(Lebhafter Beifall.) In der Diskussion sprachen die Genossen Millarg, Heidmann und Kurzbach im Sinne des Referenten. Folgende Resolutionen wurden ein- stimmig angenommen: Die Versammlung des 6. Berliner Wahlvereins erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einver- standen und verpflichtet sich dahin zu wirken, daß man in Massen aus der Landeskirche austritt.— Die heutige Versammlung protestirt gegen die Aufnahme der rigorose» Bestimmung in der Gewerbeuovelle, wonach gewerbsmäßige Streikieiter mit Ge.äugniß bis zu einem Jahre bestraft werden können, wodurch das Koalitionsrecht der Arbeiter vollständig zu Gunsten des Unter- nehmerthums aufgehoben wird. Hierauf schloß der Vorsitzende mit einem begeistert aufgenommenen Hoch auf die Völker befreiende Sozialdemokratie die Versammlung. Eine Lilinlvrrsnmmlnng der Uergolder fand am 17. d. M. statt. Kollege Niebergall legte die von der Kommission für den Arbeitsnachweis berathenen Statuten vor, welche sämmt- lieh angenommen wurden. Vor Veröffentlichung der Statuten wurde die Kommission beauftragt, mit dem Ausschuß in Verbin- dung zu treten. Ter Beschluß vom 20. Oktober betreffs der Unter- stützungsfrage durchreifender Kollegen wurde vorläufig zurückge- zogen, da die Behörde Einwendungen dagegen gemacht hat. Der Streik der Rahmenvergolver kam zur Sprache. Alle Redner riethen, fest zusammenzuhalten, diejenigen, welche unserem Verband noch fern stehen, heran zuziehen, und gegen jeden, auch den geringsten Abzug, welcher vielleicht nach Weihnachten statt- finden könnte, energisch Front zu machen. Ferner wurde das Verhalten des Fabrikanten Ruthenberg gegen einen_ unserer Kollegen kritisirt. Ein Antrag, die Schuhmacher in Erfurt, die Tabakarbeiter in Eschwege und die Glasarbeiter in Bergedorf mit je 25 M. zu unterstützen, wurde angenommen. Ferner wurde beschlossen, die Namen derjenigen Kollegen, die, trotz mehrmaliger Aufforderung, ihren Verpflichtungen betreffs des Sommer- Vergnügens nicht nachgekommen'sind, im„Berk. Volksblatt" zu veröffentlichen. Eine öffentliche'.N�rsammlung der Kauardeiter Berlins, die leider schwach besucht war, tagte am 17. d. Mts. Ueber Zweck und Ziele der Organisation sprach Herr Karl Lange aus Hamburg. Redner lührte in einstündiger Rede der Ver- sammlung die Nothwendigkeit der Organisation vor Augen und erntete reichen Beifall.— In der Diskussion sprachen sämmtliche Redner im Sinne des Referenten. Kollege Rennthaler schilderte die traurigen Verhältnisse, welche er aus seiner Agitationsreise durch die Provinzen Schlesien und Posen kennen zu lernen Gelegenheit hatte. Kollege Wernau sprach über Lokal- und Zentralorganisation und'empfahl, die' Lokalorganisation zu be halten. Kollege Marasas wünschte, daß die Agitationskommission gewähren. Das Weihnachtsvergnügen soll bei Keller, Bergstraße, am dritten Weihnachtsfeiertag abgehalten werden. Kollege Frei- wald kommt nun auf den Beschluß der Gewerkschaftskonferenz zu sprechen. Derselbe geht sehr scharf mit derselben zu Gericht und führt aus, daß die Konserenz undemokratisch gehandelr habe, weil sie keinen Redner, welcher für Lokalorganisation sprechen wollte, zu Worte haben kommen lassen, sondern, ohne die Gegenmeinung zu hören, gleich en bloc für Zentralisation gestimmt habe. Ein auf solche Weise gefaßter Beschluß sei nicht anzuerkennen. Redner stellt den Antrag, eine ö f s e n l l i ch e Versammlung ä m nl t l i ch e r Gewerkschaften einzuberufen, um gegen diese Maßnahmen Stellung zu nehmen. Gleichzeitig läuft folgende Resolution ein:„In Erwägung, daß die Theilnehmer der Gewerkschaftskonferenz nicht in öffentlicher Versammlung ge- wählt worden sind, in fernerer Erwägung, daß eine derartige zusammengesetzte Konferenz unter keinen Umständen berechtigt ist, zu bestimmen, in welcher Weise die bestehenden Organisationen aus dem Kongreß vertreten sein können, beschließt die heutige Versammlung der Tapezirer Berlins, in keiner Weise sich durch die gefaßten Beschlüsse der Gewerkschaftskonferenz für gebunden zu erklären und erklären die Anwesende», die bestehende Lokalorganisation trotzdem hochzuhalten.— Genosse Zack, welcher Theilnehmer der Konserenz war, unterstützt beide Anträge, da auf der Konferenz thatsächlich Anhänger der Lokalorganisation nicht zum Worte gekommen seien. Kollege Friedmeier sucht in längerer Rede die Beschlüsse der Konferenz zu begründen und führt aus, daß es doch dahin kommen müsse, daß wir eine einheitliche Organisation erhalten. Hierauf wurden beide Anträge an- genommen. Der Fachverein siimmtlichcr an Hal»bcarbriin>»gs- Maschinen beschäftigter Arbeiter hielt an» Montag, den 17. seine Mitglieder- Versammlung ab. In Sachen des Streiks bei der Fabrik von G. Kroschel, Küstriner Platz Nr. 0, theilte Kollege Teschner mit, daß Herr Kroschel nicht eher die„schwarzen Listen" zurückziehen würde, bis vom Verein die über seine Werkstatt ver- hängte Sperre aufgehoben ist. Die längere Debatte hierüber endete damit, daß er den in der Generalversammlung gestellten Antrag hochhalten werde. Kollege Teschner stellte den Antrag, in keinem Fall eine Forderung an die Prinzipale zu stellen, bevor die Werk- statt-Kontrol-Kommission in Kenntniß gesetzt ist. Dieser Antrag wurde mit dein Zusatz angenommen, daß die Adressen der Werk- statt-Kontrol-Kommission in beiden Arbeitsnachweisen bekannt ge- macht werden sollen. Dem Kollegen Brümmühl wurden 30 M. aus der Vereinskasse bewilligt. Zwei Mitglieder wurden in den Arbeitsnachweis gewühlt. Kollege Hammermann für den Süden, über ganz Deutschland Flugblätter verbreiten möchte. Hierauf kamen folgende zwei Resolutionen zur Abstimmung und wurden einstimmig angenommen: 1.„Die Versammlung der Bau- arbeiter Berlins ist mit den Ausführungen des Refe- renten vollkommen einverstanden. Sie verspricht, dahin wirken zu wollen, daß die Organisation das wird, was sie sein soll,' nämlich eine Kampf- und Widerstandsorganisation, um den Ausbeutungsgelüsten des Kapitals endlich einen Damm entgegen zu fetzen. Tie Anwesenden verpflichten sich, dahin wirken zu wollen, daß die Ziele der modernen Arbeiterbewegung sobald wie irgend möglich erreicht werden." 2.„Die heutige Ver- sammlung protegirt gegen das Inkrafttreten des Alters- und Jnvalidengesetzes am 1. Januar 1&91, da dieses Gesetz absolut dem Arbeiter gar nichts bietet, sondern nur das Massenelend noch mehr zu Tage fördert." Die Abrechmmg der Kongreßlislen konnte nicht erfolgen, weil viele Listen noch nicht eingegangen sind, soll aoer in oer nächsten öffentlichen Versammlung geschehen. Es wurden folgende 3 Kollegen: Paul Schröder, August Zeick und Ernst Gutsch zu Revisoren in dieser Sache gewählt. Eine Versammlung von Mitgliedern freier eingeschriebener und auf Grund lan desrecht- licher Vorschriften errichteter Hilfskassen tagte am 21. d. Mts. unter Vorsitz des Tischlers Nöske. Der Vorsitzende theilte mit, daß von dem Kongreßkomitee in Hamburg das Ersuchen an ihn ergangen sei, für die Arrangements zu dem in Berlin am 8. Dezember d. I. stattfindenden Kongresse Sorge tragen zu wollen. Das Schreiben dazu wurde auf Wunsch von Herrn Schütte verlesen und diente gewissermaßen als Richtschnur für die Handhabung der Arrangements. Es entspann sich eine lebhafte Debatte über die Angelegenheit, an welcher die Herren Schütte, Grauer, Matz, Feische, Böhm, Freudenreich. Rackwitz u. A. sich betheiligten. Es wurde schließlich eine Lokal- kommisfion von 12 Personen gewählt und zwar die Herren Dahl- stein. Grauer, Knhntke, Nöske, Böhm, Reese, Mütter, E. Müller, Köppen, Boges, Pieleke und Matz. Diese Kommission konstituirte sich sofort und wählte unter sich zum Vorsitzenden Nöske, Kott- buser User 62, zu dessen Stellvertreter Kuhntke, zum Schriftführer Köppen, Neue Grünstr. 39, und zu dessen Stellvertreter Boges. Diese Kommission hat nicht nur sämmtliche Be- darfsartikel und Einrichtungen zu beschaffen und zu treffen, sondern hat auch für die nöthigen Logis der Delegirten Scrge zu tragen. Die Versammlung beschloß, der Kom- misfion hierin freie Hand zu lassen, jedoch wurde der Wunsch aus- gesprochen, daß sämmtliche� Delegirte nach ihrer Ankunft in Berlin, sich nach dem Kongreßlokal bemühen möchten, da es unmöglich sei, dieselben auf den vielen Bahnhöfen empfangen bezw. abholen zu können. Es ginge dies wohl in einer kleinen Provinzial- Stadt, nicht aber in Berlin. Droschken, welche die Delegirten nach dem Kongreßlokal bringe», sind in genügender Anzahl auf dew Bahnhöfen vorhanden. Im Uebrigen soll den Delegirten, welche zum Gemeinwohl aller freien Hilfskassen in Berlin zu- sammenkommen, um gegen die die freien' Kassen erdrückenden Be- ftimmungen Stellung zu nehmen, ihre Arbeit thunlichst erleichtert werden. Es soll alles aufgeboten werden, damit das Gute zu- gleich auch mit dem Nützlichen verbunden wird. Eine gut besuchte Witgliedee-Versammlung des Fach- Vereins der Tapezirer Berlins fand am 18. d. M. statt. Kollege Wildberger hielt einen Vortrag über Ludw. Börne und seine Zeit. Cr forderte auf, den Schriften Börne's mehr Beachtung zu schenken, als bisher.— Sodann kamen folgende Anträge zur Ab- stimmung: 1. Der Fachverein der Tapezirer beschließt: Die Werk- stätten- Kontrol- Kommission ist verpflichtet, eine wohl- geordnete Werkstätten- Statistik aufzunehmen, um die hiesigen Verhältnisse der Tapezirergehilfen genau kennen zu lernen und um damit die Organisation zu stärken und eine materielle Besserstellung herbeizuführen. Mindestens in jeder Generalversammlung hat sie genau Bericht zu erstatten. 2. Die Kommission ist außerdem beauftragt aus solchen Werkstätten, aus denen man die einzelnen Kollegen nicht kennt, sämmtliche Kollegen zu einer Besprechung einzuladen, um auch diese an die Gesammt- heit zu'reihen. 3. Die Kosten, die bei der Ausführung entstehen, trägt der Fachverein; zugleich ist durch diesen Beschluß jedes Vereinsmitglied moralisch verpflichtet, die Kommission nach Kräften zu unterstützen, auch Vertrauensposten anzunehmen. M. Grässel." Räch kurzer Debatte wurden sämmtliche Punkte einstimmig an- genomnien. Hierauf wurde die Dresdener Angelegenheit betreffs des Vorgehens der Innung gegen den dortigen Fach- verein besprochen und beschlossen, falls die Dresdener Kollegen zu einein Ausstand gezwungen werden sollten, den Vorstand zu befugen, eine möglichst hohe Unterstützung zu Kollege Lorenz für den Norden. Am 1. Weihnachts-Feiertage wird ein Vergnügen für die Mitglieder abgehalten werden. Der Nrvei» zur Wahrung der Interrffeu der Gast- und Schanilwirthe hatte seine diesmalige Versammlung am reitag beim Kollegen Rod. Nürnberg, Schönhauser Allee 28. �>err Dr. Jeserich hielt einen interessanten und lehrreichen Vor- trag über Chemie, mit verschiedenen erläuternden Experimenten. Bei Aufnahme neuer Mitglieder meldeten sich die Herren: W. Merker, Bergstr. 10; E. Jnsinger, Krautstr. 48; Freygang, Schützenstraße 18/19; C. Stark, Temminersiraße 10; P. Hagen, Christinenstr. 39; B. Rennthaler, Eranscerstr. 1; I. Senfrleoen, Köpnickerstr. 147; Abraham, Straßburgerstr. 5; Wachhaus, Neue Königstr. 17; Köpenick, Schillingstr. 30a; Krüger, Hirtenstr. 10. Sie wurden einstimmig aufgenommen. Ein Antrag Heindorf „Listen derjenigen Wirlhe, welche ihre Säle den Arbeitern z Schluß wurde noch über Blutvergiftung und die Hilfe für ds selbe gesprochen. Am �Sonntag, den 14. Dezember, findet � jciuc yci-fitOuan.-.uu*,vgw.*.vvv/ Feuerstein's Salon ein Vortrag mir gemüthlichem Beisamme»! statt über:„Die Schwindsucht mir besonderer Berücksichtigung neuesten Heilmethode", wozu Gäste willkommen sind. Nah Inserat. Eine gvokie öffentliche Versammlung aller in � Wrrkerbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterin�- tagte am Dienstag, den 11. d. Mts., unter Vorsitz des Wenzels. Herr Stadtv. Heindorf sprach über:„Tie ZnchM� arbeit im Allgemeinen und speziell in der Wirkerbranche"- fr legte die Schäden der Znchthausarbeit in eingehender Weise und hielt es für Pflicht der Wirker, in erster Linie dagegen c':' ——----' y- 1 n,~, f M zukämpfen. In der Diskussion führte Herr Neuhaus aus, --c\ worboyy innnm? oO W1'„ Zirka 500 000 Sträflinge beschäftigt werden, wovon— Tertilbranche angehören. Herr Goldberg, Mitinhaber der Fi1"!? Lande, verliest ein Schreiben einer Strafanstalt mit Lohnten!; worin die Firma aufgefordert wird, dort arbeiten zu lassen! s; wurde aber abgewiesen. Nach diesem Tarif liefert die Aitsi* die Artikel durchschnittlich uni 50 pCt. billiger, als genan«» Firma. Redner würde es mit Freuden begrüßen, wenn es ks Wirkern durch Petitionen oder andere Mittel gelingt, dieselbe- Löhne in den Anstalten einzuführen, wie sie der„freie" Arbeisi- •--a-—.—.., i-..." 1 i____.visnia lUlC|ic vvv //|«.v»»' erhält. Herr Hübsch: Die Petitionen an den Reichstag werden iven» Erfolg haben,die Parlamentarier sind Vertreterder Kapitalwirthlch� Hieraus wurden folgende Resolutionen einstimmig angenomwe» ,_, UÜHCU ClU|limm»y-------. 1. Die heute in Joel's Salon tagende öffentliche VersaniniluG aller in der Wirkerbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterin»� beschließt, daß dem Reichstage von der Schädlichkeit der Zuchth»� arbeit in dieser Branche Kenntniß gegeben und derselbe«W wird, Abhilfe dadurch zu schaffen, daß die Zuchthausarbe» gesetzlich geregelt wird. Die Versammlung beschließt ferner,?- das heutige Buremi hiermit beaustragt wird. 2. Mit Rück!»? darauf, daß in der heutigen Produktionsweise die Zuchth--� cbcit als einer der schädlichsten Faktoren anzusehen ist, bestisisi"; die heutige Versammlung, die an dieser Frage beihemg .».-...-Jw..-JL-r--------- derartige Verhältmlie«- Arbeiter aufzufordern, gemeinsam gegen Sinne obiger Resolution energisch vorzugehen. 17. d..! ?rv Fnchvrrein ffev Lodrrnrbriter tagte am mit Beifall aufgenommenen Vortrag»- schloß sich eine res- Hcrr Pilus hielt einen die sogenannte Zukunftskaserne. Hieran ,a>top nw Diskussion. Unter Vereinsangelegen'heiten gelangte ein des Kollegen Wunschek zur Besprechung, welcher lautete:»tü, Arbeitsnachweis-Kommission darf an Hausarbeiter weder,_ Hilfen noch Lehrlinge nachweisen." Der' Antragsteller begru, seinen Antrag des weiteren, doch wurde der Antrag,»»»'-• mehrere Kollegen hervorgehoben hatten, daß dadurch die-y arbeiter dem Verein immer mehr entfremdet werden, abgewi Auch verurthcilt Kollege Fiedler den in manchen Werkln � eingeführten sogenannten englischen Arbeitstag, da derselbe� dem Zwecke dient, nach Beendigung der Arbeitszeit die'z arbeit in größerem Maße zu betreiben. Sodann gelangte � Antwortschreiben der„Urania" zur Verlesung, in wei!■ empfohlen wird, den Vortrag„Die Werke des Wassers" zu*. führung zu bestellen, und der Vorstand wird beauftragt, Sonntag Mitte Januar zu dieser Vorstellung zu wählen. � vom Kollegen Zander gestellte Antrag: den ausgesperrten arbeiter» in Bergcdorf, Ottensen und Flensburg 40 M. au». Vereinskasse zu bewilligen, wurde einstimmig angenoni '—-*•------—-- X. Der Verband deutscher Korbmacher hielt am 17. d. M. seine Vereinsversammlung ab. Kollege?-,.� sprach über: Die gegenwärtige Lage der Korbmacher in£e 1 Der Vortrag wurde mit Beifall ausgenommen.— Tie A» � nung vom Kränzchen ergab einen Üeberschuß von 29 Vst-# --- M' wird beschlossen, der Grundstock einer Vergnüg»'� yiy CI H foü, fO IVllC V| VA.J* V|| V>1; WV vv V« v•• v I» w»" Sott y kasse werden. Als ständiges Vergttügungskomitee �erve, Kollegen Krüger und Grundmann gewählt.— Kollege» � macht noch aufmerksam, daß bei ihm gelesene Arbeiterbtatie � gegeben werden können. Nächste Ver>insversammlunz 15. Dezember. m Eine öffentliche Dcrsammlung für alle im beschästigte» Arbeiter tagte am Montag, den 17. Nov � unter dem Vorsitz des Herrn Brunsch. Herr G. Link spr-yj.�s die Ursachen der Armuth. Die Versammlung zollte dem• reichen Beifall. In der Diskussion sprachen die Herren l. � Hain, W. Schulz, Göhde und Lutz. Es wurde beschloll?> y 7.--"x... x..?..»— u:2 hrty Versammlungen hergeben, in unseren Lokalen auszuhängen, wird angenommen. Mit einer Annonze des kkollegen A. Böhl waren die Mitglieder nicht einverstanden. Diese Angelegenheit wird zur Regelung einer Kommission überwiesen, ebenso die Angelegenheil des Kollegen Lippmann, das Münchcner Brauhaus betreffend. Den streikenden Perlmuttarbeilern wurden 30 M. bewilligt. Dir Dchranben- und Fnyondvehrr hielten am 18. d. M. eine öffentliche Versammlung ab. Kollege Stabernack gab die Abrechnung. Ein Kollege hegte Zweifel an der Abrechnung, da ihm die Ausgabe von 6500 M. zu hoch schien und er in vierzehn Tagen nur 10 M. erhalten habe. Tie Kollegen Stabernack, Voigt und Linke gaben dem Fragesteller die Auskunst, daß von 750 Streikenden nicht ein Jeder so viel erhalten konnte, und auf seine Familienverhältnisse Rücksicht genommen wurde. Hierauf hielt Litsin einen beifällig aufgenommenen Vortrag über die Arbeitsverhältnisse der Metallaroeiter. Die Diskussion gestaltete sich zu einer lebhaften, und zwei Resolutionen:„Anstrebung der Zentralisation" und„Heranziehung der Arbeiterinnen", wurden einstimmig angenommen..Kollege Stabernack erstattete Bericht über die Thätigkeit der Berliner Streik- Kontrolkommission und ermahnte, nach den Beschlüssen zu handeln. Mit einem Hoch auf die internationale Arbeiterbewegung wurde die Versammlung geschlossen. Eine öffentliche Versammlung für Frauen und Männer tagte am 18. d. M. Herr M. Baginski hielt einen mit großem Beifall ausgenommenen Vortrag über die Ursachen der Armuth. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Radrian, Martini, Zachau und Frau Löpki im Sinne des Redners. Ein Autrag, die Tellersammlung nach Schluß der Versammlung fortzusetzen und den Üeberschuß den ausgesperrten Glasarbeitern Bergedorss und den streikenden Zimmerleuten Osterburgs zu übersenden, wurde angenommen. Ten Glas- arbeiter» sind 14,10 M., den Zimmerleuten 14,13 M. übcrsandt worden. In einer gut besuchten öffentlichen Kchmirde- versammlung sprach am 18. d. M. der Vertrauensmann der Schmiede Deutschlands, E. Hillmer aus Hamburg, unter leb- haften» Beifall über die„Entwicklung der Produktion und ihre Organisation. Nach einer lebhaften Debatte über den Vortrag wurde über die zukünftige Organisation der Schmiede Berlins verhandelt. Der Vorsitzende, Stadtv. Tempel, legte die Vor- theile einer Zentralisation dar. Nachdem von anderer Seite die Lokalorganisation empfohlen, gelangte eine Resolution zur An- nähme, welche es den Schmieden zur Pflicht macht, sich der Vereinigung der Schmiede Deutschtands anzuschließen. 40 neue Mitglieder ließen sich aufnehmen. Der Leffrlnirsus der Berliner Arbeiter nnd Arbeiterinnen zur erste» Hilfe bei Unglüchofiillen(männ- liche Abtheilung) tagte am 24. Noveniver. Herr Tr. Bernstein sprach zunächst üler die Blutuiigen der Wunden infolge von Ver- letzungen der Blutgefäße. Rieselt duiikelrothes Blut in nicht starkem Strome aus der Wunde, so sind Haargefäße verletzt, fließt dunkelrothes in gleichmäßigen Strömen, so ist eine Blutader ver- letzt, spritzt Hellrothes Blut auS einer Wunde, so sind Schlag: ädern verletzt. Die erstgenannten Blutungen stehen meist von selbst, die aus Blutadern auf leichten Druck und Erhebung des Gliedes. Tie Blutungen aus Schlagadern erfordern rasche Hilfe welche in eingehender Weise geschildert wurde. Gewarnt wurde vor der Anwendung der sogenannten Vlutsiillungsmittel. Zum yain, W.«cnuiz,»soyoe uno r:uy. vss wurvr Bier der Adler-Brauerei so lange nicht zu trinken, bis das~- S. OY. die Bedeutung der j�i« Die gtechtsschub-Ko» sprach am 18. d. M. Herr Pöus über die Bedeutung lichkeit für das häusliche Leben.— Die Rechtsschub"' hat sich konstituirt; ihr Obmann ist Kollege Kaiser. Mitglieder»vurden ausgenommen. VviefkAflen der G. D. Der vor zurückgelegtem Bei Anfragen bitten wir die Abonneinenls-Quittung beijnsüse»'. Antwort wird nicht ertheilt.- c uneheliche Vater ist verpflichtet, Wsiä P ni 14. Lebensjahre stirbt, die Kur-» gungskosten zu zahlen, jedoch nur die unbedingt' yUi gewesenen. Eine ausdrückliche gesetzliche BestimniMiS rch»" hierüber nicht vorhanden; es folgt dies aber aus der i � Unterhaltungspflicht des unehelichen Vaters...».st» , ÄÄ. A. 5i. Zur standesamtlichen Trauung be � Beide nur Ihrer Geburtsurkunden.,. G. W., Mölkrrnstr. Für einen Bayer besteh- gl sonderen Vorsehristen bezüglich der Verheirathung. für ihn das Reichsgesetz über den Personenstand uiapS«•< .«r. m. ti.. s.____ E. f., Ehanffeestrahe. Sie sind verpflichtet- � zu bezahlen, falls Sie vor der Klagezustellung n"- C ckl.. 1 0. tf' t YY\ Y' I y f■. -U-'J----/- 1-------•'"Ö-iJ"!-"......'xg schriftlich zur Zahlung der Miethe aufgefordert 1 Durch tzlichlbezahlung der Kosten würden Sie nur: höhung derselben herbeiführen.-ge E. K. Wenn der.von der Ortskasse angeste j,sik j weitere Behandlung eines Mitgliedes in einer P?), forderlich hält, so muß das Mitglied sich dem st'L,, nicht aus eigene Kosten anderweit sich beyandeln��. m Berlin SW., Beuthstraße 2.