Ar. A78. Freitag, den 28. Uovemder 1890. 7. Jahrg. lerlinfrlolbblatl. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. scheint täali» m>...Berliner Bolksblatt" Jnsertionsgebühr beträgt für die Sgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereine- und VersammlungS- Anzeigen_ 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittage in der Expedition, Berlin SW., Beuthstrahe 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -« Fernsprecher: Amt VI. Ur. 4t0<5.,- NedaKtirrn: Vvukhflvzrtze Ä.— Exprdikion: Voukh�vatze 3. Friedrich Engels ■3� seinem siebzigsten Geburtstag. in nt.kf: epische Sozialdemokratie ist in ihrer Entwickclung sie Macher Hinsicht vom Glück begünstigt worden. Daß spreck-«� ökonomischen und politischen Entwickelung ent- tNnfw'rf. i�öter austrat als die proletarische Bewegung in ßtsafir � un� England, erlaubte ihr, die dort gewonnenen fä!)iJ*finÖ.en sich zu Nutze zu machen; die besondere Un- StoßeiT r£e§ deutschen Bürgerthums, die Tölpeleien des Haar-�. �iaatsmannes, dem sich dasselbe mit Haut und l>uso°s?!.?�chrieben, ließen den znm selbstständigen Denken " Arbeitern gar keine andere Wahl, als sich ihr Ferd!?* t ü' �in agitatorisches Talent ersten Ranges, ihre K?"d Lassalle, stellte sich, als ihre Zeit gekommen, an schichte!»' S. die beiden größten Theoretiker, die die Ge- Sozialismus aufzuweisen hat, zwei Forscher von ihr« Ä Bedeutung, von weltumfassendem Wissen, haben Lehrer und Wegweiser zur Seite gestanden: Karl GnßdS. Hi6t{ v Eisteren hat der Tod ereilt, ehe er das große Geistes- deg'ppf 111 � sein Leben gewidmet, dessen vorhandene Theile Niiinber immer und immer wieder mit staunender Be- je»n»f.? erfüllen, und aus denen wir desto mehr lernen, uns in ihr Studium vertiefen, vollenden konnte; ieffn�ch Engels aber, sein treuer Mitarbeiter und geistiger »Nserx/Ä�oollstrecker, weilt noch in geistiger Frische in Tiw■ dritte, vollen Antheil an unfern Kämpfen, an der sei»»ßWionsbewegung der Arbeiter aller Länder nehmend, kliend en Und seine Erfahrungen zu unserer Verfügung TiLff' weim immer wir deren bedürfen. In rüstiger sei»°W�krast und ewig junger Leidenschaft feiert er heute �sten Geburtstag, ein Siebzigjähriger mit dem °Slli?g biT' Bedeutung Friedrich Engels »dz �°erecht zu würdigen, und zwar ist er es selbst, der »% s s° schwer gemacht. Geflissentlich hat er sich stets »lz, der Derdollmctscher der Marxffchen Theorien, denn »Nh ve rständige Mitarbeiter, der er doch war, hingestellt, r>tuno � Freundes Verdienste in ihrer vollen Be- Sa»,„»..�scheinen zu lassen, lieber das eigne verkleinert oder Richen schmiegen. Wenn er in einem Brief an einen vor -»ei» 9�?hren verstorbenen Freund schrieb:„Ich habe chiioex g?skang zweite Violine gespielt und glaube es zu »ech»». /Auosität darin gebracht zu haben, und ich war !»ie sroh, daß ich dabei eine so gute erste Violine hatte Ut»!»% so bezeichnet dieser Vergleich wohl das Ver- l tsass?, s!0J'ch Engels zu Marx stellte, aber daß er den kvnt I 7.„Kapital" mehr war, würde niemand lebhafter als dieser selbst, wenn er sich über ihre **"'" ,—.,,, wenn er, »om�Ajelt � äußern gehabt hätte Selten für �egi»» Manner von so hervorragender Bedeutung den bWc oLr??ufbahn an so unausgesetzt mit einander �-'»sbaii'chofsen, im steten Gedankenaustausch für 11110 derselben Lehre wirken, so systematisch (51 slw �euilletott. 8"«»«tw.j Victoria.' Ez � �0nian von Minna Kautsky. Bus der Pause im Gespräch eingetreten. � Hanna. Keiner von Äe�ui Ort», darauf. 9efou1,[1jnn'ar dei Herannahen des Zuges Alles in »»bU!ff H?kken in fieberhafter Spannung des Mo- >e: � i» de'. T die schlimme Drohung sich erfüllen sollte, ie rechte �»»ne eine weiße mächtige Rauchwolte, die ------ f.-:™ r;«f, fiAfhnr wurde, und ### »uss orderung zu betrachten. einander ergänzen gesehen, als die beiden Begründer des modernen wissenschaftlichen Sozialismus. Nicht nur auf das„Kommunistische Manifest", sondern auch auf ihre späteren Arbeiten, auch wenn sie nur den Einen zum Ver- fasser hatten, könnte man die Aufschrift setzen: Von Karl Marx und Friedrich Engels. Von Zeiten des Kampfes abgesehen, war die Arbeits- theilung zwischen unseren beiden geistigen Vorkämpfern die, daß Marx vorzugsweise die systematische Durcharbeitung der Theorie zufiel, während Engels, neben sonstigen Studien, die großen Fragen der Gegenwart an der Hand dieser Theorie untersuchte und die Nutzanwendung für die Stellung des Proletariats ihnen gegenüber zog. Außerdem übernahm er es in späteren Jahren, die Theorien polemisch zu vertreten, sobald sich dies als der Mühe werth herausstellte. Dieser Seite seiner Thätigkeit verdankt die Sozialdemokratie eine Anzahl ihrer besten Propagandaschriften— soweit man nicht alle Werke unserer Theoretiker als solche zu bezeichnen hat, soivie die epochemachende Schrift„Herrn Eugen Dühring's Um- wälzung der Wissenschast", ein Werk, in dem die wichtigsten Gebiete des modernen Wissens vom Standpunkt der von Marx und Engels begründeten materialistischen Entwicklnugs- theorie behandelt werden,' und das nächst dem„Kapital" das bedeutendste Buch ist, das der moderne Sozialismus hervor- gebracht. ** * Fr. Engels, im Jahre 1820 in Barmen als der Sohn eines Fabrikanten geboren, hatte ursprünglich studiren wollen, sich indeß später, nachdem er die Barmer Realschule absolvirt und die höheren Klassen des Elberfelder Gymnasiums be- sucht, für die kaufmännische Laufbahn entschlossen, nicht weil er diesen Beruf besonders liebte, sondern weil er ihn der Beamtenlanfbahn vorzog.— Sowohl während der Zeit, wo er in einem Barmer Handelshause als Volontär arbeitete (seit 1838) als auch während er in Berlin als Einjähriger sein Jahr abdiente, beschäftigte er sich in seinen Mußestunden mit philosophischen Studien, zu denen, als er nach absolvirter Dienstzeit in ein Fabrikgeschäft in Manchester eintrat, an dem sein Vater Theilhaber war, die Beschäftigung mit ökono- mischen Fragen hinzukam. Aber nicht vom kaufmännischen Standpunkt aus. In der Luft der damals oppositionell gesinnten Rheinlands hatte er schon früh revolutionäre Ge- sinnung eingesogen, und so war es die— allerdings noch utopistische— Beivegung des Owen'schen Sozialismus, sowie die im Chartismus vertretene Arbeiterbewegung Englands, die sein Interesse in hohem Grade in Anspruch nahm. Aber er blieb.kein stiller Zuschauer, er nahm selbst an der Bewegung Theil und schrieb sowohl für das Organ der Chartisten, den„Northern Star", wie für das Organ Robert Owen's, die„New Moral World". Von England aus schrieb er, noch nicht ganz 24 Jahre alt, in die von Rüge und Marx begründeten„Deutsch- französischen Jahr- Richer" einen Aufsatz„Umrisse zu einer Kritik der National- ökonomie", in dem er die Schlagworte der bürgerlichen Der Zug fuhr ein und hielt. ,Ei— ne Minute!" riefe» die Schaffner. Auf einen Wink des Stationsvorstandes waren die zwei letzten Waggons abgekoppelt worden und der Train fuhr weiter, diese auf dem Geleise zurücklassend. Erregtes Gemurre wurde unter den Zuwartenden laut, die nun näher gegen die Schienen herandrängten, die Waggons von einer Seite förmlich belagernd. Und immer lauter wurde das Stimmengewirr und immer drohender, und als die fremden Ankömmlinge die Fenster herabließen und sich an denselben zeigten, brach es lobend gegen sie los. Die Beamten ivaren in die Waggons gestiegen, die einen Mittelgang hatten, und trieben die Leute zum Aussteigen an, diese aber zögerten angesichts der feindseligen Haltung der Menge. Diese Zaghaftigkeit erregte Gelächter, man begann sich zu fühlen. „Schaut's, die böhmischen Hund' trauen sich nicht aus dem Stall." „Woher sollen's denn Kurasch nehmen, die Erdäpfel- Fresser!" „Sie denken sich's wohl, daß der Buschen, den wir ihnen zum Gruß vor die Nase halten, a bissel a scharf's Aroma haben wird." „Aber wir lassen's d'ran riechen, bis's unifallen." Und wieder erscholl lautes zustimmendes Lachen. Der Mathias steckte seine Hemdärmel auf. „Es wird a sakrische Arbeit sein bei die Dickschädeln." „Aber denen Protschpaks muß es gehörig auf's Fell ge- schrieben werden, was das heißt, den Einheimischen die Arbeit wegnehmen." Oekonoinie von seinem damaligen sozialistischen Standpunkte aus kritisirte. Die Redaktion der„Neuen Zeit" hat diesen Artikel iil ihreni neuesten Heft zum Wieder-Abdruck gebracht, und man kann ihr dafür nur dankbar sein. Diese Jugend- arbeit, mit der ganzen Lebhaftigkeit eines Feuer- geistes geschrieben, ist nicht nur eine für jene Zeit glänzende Leistung, nicht nur noch heute, wo wir, Dank ihrem Verfasser, über den ihr zu Grunde liegenden theoretischen Standpunkt hinaus sind, eine höchst anziehende Lektüre, sie ist auch, als Dokument aus einer Zeit, wo Engels noch nicht mit Marx in Beziehung getreten, für die Beurtheilung seines Entwickelungsganges von ganz besonderem Interesse. Vielleicht druckt die Redaktion der „Neuen Zeit" nun auch den im gleichen Heft der Jahr- bücher enthaltenen Artikel von Marx,„Zur Kritik der Hegel'sckjen Rechtsphilosophie", ab. Aus dem Vergleich, wie beide Männer damals ausgesehen, läßt sich ain besten be- urtheilen, was sie einander gegenseitig geworden. Bemerkens- werth ist es, daß während hier Engels mit einer ökono- mischen, Marx mit einer philosophischen Arbeit uns entgegentritt, das größte Werk von Marx ein ökonomisches werden sollte, während Engels bedeutendstes Werk— bis jetzt— die in so hervorragendem Maße philosophische Fragen behandelnde Streitschrift gegen Dühring ist. Jni gleichen Jahre lernte Engels auf sder Durchreise Marx in Paris persönlich kennen, und es stellte sich im näheren Verkehr eine solche Gemeinsamkeit. der Ideen heraus, daß sie bald darauf gemeinschaftlich ein Buch ver- faßten(allerdings rührt der größere Theil desselben von Marx her), in dem sie der junghegel'schcn Schule den Krieg erklärten und an Stelle der Hegel'schen Ideologie die materialistische Dialektik begründeten. Es ist dies die Streit- schrist„Die heilige Familie, oder Kritik der kritischen Kritik". Nach Manchester zurückgekehrt, vollendete Engels, eben- falls 1844, die bereits am Schluß der„Umrisse" angekündigte Schilderung— oder vielmehr Denunziation des modernen Fabriksystems. Das Buch erschien 1845 in Leipzig und ist unter dem Namen„Die Lage her arbeitenden Klassen in England" berühmt geworden. Es ist eine geniale Schrift und es ist nur zu bedauern, daß sie nicht längst wieder neu aufgelegt worden ist. Engels selbst sagte von ihr im Nachwort zu der vor einigen Jahren erschieneneu amerikanischen Ausgabe:„Die Arbeit trägt den Stempel der Jugend des Verfassers mit ihren Vorzügen und ihren Fehlern, und ich schäme mich beider nicht." Es ist in der That eine Jugendarbeit, wie sie Einer nicht so bald fertig bringt. Von der bis ins Detail gehenden, wahrhaft klassischen Schilderung der Zustände, von der scharfen und treffenden Kennzeichnung des Wesens der kapi- talistischen Produktionsweise abgesehen, zeigt in ihr der 24 jährige Verfasser, daß er bereits über die beiden vor- geschrittensteu Formen der damaligen Arbeiterbewegung in England— Owen'scher Sozialismus und Chartismus— hinaus ist und formulirt zum ersten Mal den Grundgedanken „Hundling' sind's, schrie ein knochiger Alter von be- sonders rabiatem Aussehen,„elende Hundling', die nach dem Bissen schnappen, der uns zu schlecht ist, aber sie sollen d'ran ersticken, die Böhm." „Die Böhm, die Böhm!" das Wort erregte leiden- schaftlichen Grimm. Die Weiber, die Kinder riefen gleich einem Schimpfe es nach, während die Fäuste sich empor reckten, und eine Fluth von Flüchen hinterher fuhr. Einer der Fabrikbcamten, die vorhin die Waggons be- traten, öffnete die Thür und trat heraus. „Entfernt Euch, ich befehle es Euch! Laßt die Leute ruhig aussteigen, oder Ihr werdet es bereuen." Mißtönendes Pfeifen, Lachen, Schreien war die Antwort. Der Beamte zog sich zurück. Und abermals erscholl ein Höllengelächter. Die Menge schien ihre Macht zu fühlen und sie berauschte sie. „Dem Ersten, der sich da'raus krabbelt, geht's schlecht!" „Dem wollen ivir einen Denkzettel anheften!" „Der niuß hin werden!" Da wurde die Thür aufgerissen und ein junges Mädchen erschien am Trittbrett. Goldig leuchtete ihr Haar durch den grauen einfallenden Nebel. Sie überblickte einen Moment die hundertköpfige Menge, die sich da fest in einander gekeilt und sprang dann mit einem Satze herab und mitten unter sie, mit dön großen erregten Augen die Menge be- fragend:„Macht Platz, was soll das heißen?" Das wüste Geschrei verstummte für einen Augenblick, während die Zunächststehenden von diesex. unerwarteten Er- scheinung zurückwichen. „Wer ist die?—" „Das ist keine Böhmin!" des modernen Sozialismus: der Verschmelzung des Sozialis- ums mit der kämpfenden Arbeiterbewegung, der später, im „Kommunistischen Manifest", seinen Ausdruck gefunden hat in dem Satz:„Die Kommunisten haben keine von den Interessen des ganzen Proletariats getrennten Interessen. Sie stellen keine besonderen Prinzipien auf, wonach sie die proletarische Bewegung modeln wollen." Für die Trefflichkeit des beschreibenden Theils des Engels'schen Buches kann kein besserer Beweis angeführt werben, als daß es das Muster geworden ist, nach dem heute, vierzig Jahre nach seinein Erscheinen, die jüngere Schule der Nationalökonomie die Beschreibung der Verhält- nisse bestimmter Arbeiterkategorien anfertigt. 1843 sagte Engels dem Kaufmannsberuf Batet und folgte Marx nach Brüssel, wohin sich dieser, auf Betreiben der preußischen Regierung aus Paris ausgewiesen, begeben hatte. Dort verfaßten beide wiederum gemeinsam eine theoretische Arbeit, eine Kritik der nachhegelschen Philosophie, in der auch der damals in Deutschland grassirende„wahre Sozialismus" eine gründliche Beleuchtung fand. Was über die liebcsschwülstige, entnervende Literatur desselben im „Kommunistischen Manifest" gesagt wird, ist dort im Einzelnen nachgewiesen. Das Manuskript konnte, Umstände halber, nicht gedruckt werden, und später überließen es ihre Ber- saffer— wie Marx in der Vorrede von„Zur Kritik der politischen Oekonomie" schreibt,—„der nagenden Kritik der Mäuse um so williger, als wir unseren Hauptzweck erreicht hatten— Selbstverständigung." Es hat sich indeß glücklicherweise im Marx'schen Nachlaß noch vorgefunden. Die beiden Freunde waren jedoch, wie Engels im Vorwort zur Neu-Auslage der„Enthüllungen über den Kommunistenprozeß" schreibt, keineswegs der Ansicht, die neuen wissenschaftlichen Resultate in dicken Büchern aus- schließlich der„gelehrten" Welt zuzuflüstern. Im Gegentheil. „Wir saßen Beide schon tief in der proletarischen Bewegung, hatten unter der gebildeten Welt, namentlich West-Deutschlands, einen gewissen Anhang und reichliche Fühlung mit dem organisirten Proletariat." So schrieb Engels u. A. von Brüssel aus in die Pariser „Rcforme", das Organ der französischen Sozialisten, und in dem„Northern Star", das von Julian Harney rcdigirte Organ des linken Flügels der englischen Chartisten. Mit dem alten Harney steht Engels noch heute in freundschaft- lichem Verkehr. Ferner riefen Marx und Engels in Brüssel einen deutschen Arbeiterverein ins Leben und führten eine Zeit lang die Redaltion der in Brüssel erscheinenden„Deutschen Zeitung." Schon früher waren sie wiederholt aufgefordert worden, dem kommunistischen Geheimbund der„Gerechten," der unter den im Ausland weilenden deutschen Arbeitern einen starken Anhang hatte, beizutreten, hatten aber, unter Hin- weis auf ihren abweichenden theoretischen Standpunkt, der alle Konspirationsspielerei ausschloß, stets abgelehnt. 1847 wandten sich die Leiter des Bundes wiederum an sie, unter dem Hinzufügen, daß sie von der allgemeinen Richtigkeit der von Marx und Engels entwickelten Ansichten überzeugt und bereit seien, zur Reform des Bundes in diesem Sinne die Hand zu bieten. Damit war es für die Aufgeforderten zur Pflicht geworden, die Einladung anzunehmen, und sie kamen ihr um so lieber nach, als sie von der Nothwendigkeit einer propagandistischen Organisation der deutschen Arbeiter überzeugt waren, und der Bund die Elemente einer solchen enthielt. Nach wieder- holten Konferenzen wurde aus einem im Dezember 1847 in London abgehaltenen Kongreß beschlossen, den Bund—„für gewöhnliche Friedenszeiten wenigstens"— in eine propagandistische Gesellschaft umzuwandeln, und Marx und Engels wurden beauftragt, ihre vom Bund akzeptirten Grundsätze in einen: Manifest auszuarbeiten. So entstand — wenige Wochen vor der Februar-Revolution— das „Kommunistische Manifest". Ueber das Manifest noch ein Wort zu verlieren, hieße Wasser in den Ozean schicken. Es ist das Grundprogramm der vorgeschrittenen Arbeiter aller Länder geworden, der Leitfaden aller revolutionären Volksparteien. Unzählig sind die Auflagen, die es in deutscher Sprache erlebt, es ist in alle Hauptsprachen Eurova's wiederholt übersetzt worden und jedes Jahr erfolgt eine neue Uebersetzung in eine der übrigen Sprachen. Die letzte, von der Schreiber dieses er- _„Die Franzel ist's!" rief eine ihrer ehemaligen Käme- radinnen, die sie scharf in's Auge gefaßt und erkannt hatte. Der Name ging wie ein Lauffeuer von Mund zu Mund, und nun waren es die Weiber, die zuerst auf sie losstürzten. „Was willst denn Du?" „Willst Du uns auch die Arbeit streitig machen?" „Willst Du uns Konkurrenz machen?" „Will, will! Habe ich, haben wir einen Willen?" rief die Franzel in dem Ton heißer Erregung. „Die Verwaltung hat mich mit den Arbeitern hierher geschickt und wir sind gegangen." „Weil's böhmisch kann, haben sie's geschickt." „Sie ist der Dolmetsch, sie hilft Denen." „Sie ist falsch, sie ist eine Verräthcrin." Die Mädchen schwangen die Fäuste gegen sie. Eine griff nach ihren Haaren. Aber schon hatte sich ein großer schlanker Bursche mittelst kräftiger Stöße zu ihr durch- gedrängt. „Franzel!" Es klang wie ein Jubelruf.„Du bist's, bist wieder da; sei gedankt und gesegnet!" Andreas stürzte vor ihr nieder, ihre Kleider an seine Lippen drückend. Als die Weiber aber nur um so gereizter gegen sie los- fuhren, stellte er schützend sich vor sie hin. „Keiner soll sie anrühren, die Franzel gehört zu uns, die hat ein Recht, hier zn sein!" „Weil sie Dir recht ist?" kreischten die Weiber,„aber die ist gar Bielen recht, und d'rum soll's zu Denen gehen, und nicht uns das Broi wegessen." „Denkt von inir, was Ihr wollt ," rief die Franzel mit edlem Unwillen und mit jener Kühnheit, die nichts mehr fürchtet,„aber hört mich!" Und sich den Männern zuwendend, erhob sie flehend die Hände:„Behandelt nicht die als Feinde, die Eure Brüder sind, die arm und elend sind, wie Ihr, und ihren hniigernden Kindern Brot geben müssen, wie Ihr. Aber glaubt mir, nicht um Euch zu drücken, sind wir gekommen, wir hatten ja keine Ahnung, wie es hier steht, wir wußten nichts von dem Streik, sonst—" fahren, ist eine Uebersetzung in den Jargon der russisch- jüdischen Arbeiter. » t- Es würde den Rahmen eines Artikels zehnfach über- schreiten, ein nur einigermaßen erschöpfendes Bild des weiteren Lebens- und Bildungsganges von Friedrich Engels zn geben. Er ist aufs Engste verknüpft, nicht nur mit dem Lebensgang von Karl Marx, sondern auch mit allen Phasen, allen Kämpfen der Arbeiterbeiveguug, und nicht nur der deutschen, ja, init allen großen politischen Bewegungen seit jener Zeit, an denen das Proletariat als Klasse interessirt war. Unsere großen Theoretiker waren zn keiner Zeit ihres Lebens bloße Stubengelehrte. Sie verfolgten mir derselben unausgesetzten Aufmerksamkeit die Vorgänge in der poli- tischen und sozialen, wie in der wirthschaftlichen Welt, im steten gegenseitigen Gedankenaustausch, der auch nicht unter- krochen wurde, als, nach dem Unterliegen der Revolution des Jahres 1843, die zwingende Nothwendigkeit einer ört- lichen Treiluuiig sich herausstellte. So sehr diese Trennung iin Interesse der Arbeiten leider zu bedauern ist, so hat sie doch eine gute Folge gehabt: Der Briefwechsel zwischen Engels und Marx von 1830 bis 1869, wo Engels wieder nach London übersiedelte, ist noch erhalten, und wird, wenn er einst zur Veröffentlichung gelangt, eine reiche Fundgrube der Belehrung über jene Epoche bilden. An der politischen Erhebung des Jahres 1848 nahmen Engels und Marx thätigen Antheil. Getreu ihren im„Kommunistischen Manifest" dargelegten Grundsätzen, nicht im Gegensatz zu dem für seine politischen Forderungen kämpfenden Bürgerthum, sondern als linker Flügel seiner vorgeschrittensten Elemente. Die Zeit des Proletariats war noch nicht gekom.nen, es war noch nicht entwickelt genug, als Klasse eine selbstständige Rolle zu spielen. Wie in der Revolution, so hielten sie sich auch nach der Niederlage der- selben von allen Illusionen frei. Sie widersetzten sich allen Putschversuchen und wurden dafür von dem Gros der Flüchtlingsschaft aufs Heftigste angefeiudet, zum Theil von denselben Leuten, die später als renige Sünder den Weg nach Damaskus fanden. Engels und Marx haben es sich früh zum Gesetz gemacht und bis zuletzt daran festgehalten, nie sich von der Theorie zum Uebersehen der thatsächlichen Verhältnisse verleiten und so erstere zur Schablone werden zit lassen. Sie wußten, daß die Kenntniß der allgemeinen Entwickelungsgesctze der Gesellschaft nicht der Nothwendigkeit enthebt, ihre jeweiligeil Fragen bis ins Einzelne zu unter- suchen, und so kam es, daß, während sie dem Philister, dessen Illusionen sie unbarmherzig zerpflückten, heute als die Extremsten der Ultras erschienen, sie morgen von Leuten, die die ganze Revolution und die zukünftige Gesellschaft als Beigabe schon in der Tasche hatten, �als reaktionäre Reformmichel angefeindet wurden. Sie ließen indeß beide schimpfen und giiigen unbeirrt ihres Weges. Von diesem Standpunkt aus ist auch ihre Thätigkeit in der Internationalen Arbeiterassoziation zu beurtheilen und ihr Widerstand gegen die revolutionäre Sektirerei Bakunin's zu verstehen, der übrigens immer nur in der Abwehr bestand, während Bakunin, der uie einen festen Standpunkt hatte, sondern sich stets von seinen Gefühlen, die oft nicht die besten waren, leiten läßt, unablässig gegen sie hetzte und schürte. So abhold sie aber jeder Revolntions- spielerei und Putschmacherei waren, so verleugneten sie doch nie eine wirklich revolutionäre Erhebung, auch wenn sie von ihrer zeitweiligen Unzulänglichkeit überzeugt waren. So focht Engels in der Reichsverfassungs-Kampagne und trat erst als einer der Letzten ans Schiveizer Gebiet über — am 11. Juli 1840— so verfochten Engels und Marx mit allen ihnen zu Gebote stehenden Mitteln die Pariser Kommune, und ebenso haben die wirklichen Kämpfer gegen den zarischen Despotismus in ihnen stets warme Anwälte und hilfsbereite Freunde gefunden. Dem Thatendraug des Uebereifers haben sie oft gesteuert, aber nie unterlassen, zu muthigem, unbeirrtem Schaffen auf der Bahn des für noth- wendig Erkannten anzufeuern. Engels ist durch und durch international. Er verfolgt mit lebhaftem Interesse die Bewegung in allen Ländern imd steht fast überall init den Vertretern derselben in brieflichem Verkehr. Keine Anfrage um Rath oder Aufklärung, die er unbeantwortet läßt. So abweisend sich Marx und Engels stets der anmaßenden Zudringlichkeit bürgerlicher Gerne- große gegenüber gezeigt haben, so entgegenkommend haben Widersprechendes Murren und gehässige Worte wider die Böhmen wurden laut, aber die Franzel ließ sich nicht beirren und aufglühend, in beschwörender Innigkeit bat sie: „Laßt Euch nicht aufhetzen von Denen, die ein Interesse daran haben. Euch zu trennen, uni Euch um so sicherer zu knechten. Die Tschechen sind ebenso brave Leute wie Ihr, und sie werden sich incht gegen Euch gebrauchen lassen, glaubt mir, sie werden sich den Streikenden anschließen und dieselben Arbeitsbedingungen stellen wie Ihr!" „Das ist a Red',— Bravo!— ja wenn es so stünd'!" riefen Einige. „Aber erbittert die Leute nicht länger durch Eure Saltung und laßt mich mit ihnen reden, laß mich ihnen die ache auseinandersetzen, und ihnen Alles klar machen." „Wenn Dn das triffst, Franzel, uns soll's recht sein." „Ihr werdet sehen." In dem Augenblick trat ein Fabrikbeamter auf sie zu, und ihre Hand fassend, als wolle er sie zermalmen, rief er: „Keinen. Schritt und kein Wort weiter, Du gehst mit mir." Als aber der lange Andreas hinter ihr auftauchte, mit den haßsprühenden Augen eines Dämons, ließ er sie wieder los, Im nächsten Augenblick hatten einige Arbeiter die Franzel in ihre Mitte genommen und sie eilten dem Punkte zn, wo die Situation bereits einen berohlichen Charakter angenommen hatte. Der Moment, wo die allgemeine Auf- mcrksamkeit sich dem Mädchen zugewendet, war rasch benutzt worden. Die böhnnschen Arbeiter hatten die Waggons von der rückwärtigen Seite aus verlassen, wo die Wagen selbst ihnen Deckung boten. Man konnte nun Weiber und Kinder, ihre Bündel schleppend, vom Bahnpcrsonale eskortirt, nach dem Stationsgebäude flüchten sehen. Niemand stellte sich ihnen ent- gegen. Als aber die fremden Männer in Reih' und Glied mit Stöcken bewaffnet hcroortraten, stachelte ihre drohende und entschlossene Haltung den Grimm aufs Neue und nur um so höher. Rollende Augen und bebende Lippen, Flücbe und Drohungen und geschwungene Fäuste hüben und drüben! sie sich zu allen Zeiten den Arbeitern, die sich zu belehl� suchten, jedem wirklich für die Sache der Arbeiter 3#% und nach Exkennhiiß Strebenden gegenüber erwiesen.$elt entfernt, intolerant zu sein, haben'sie in dieser Hinsiä_ mehr gewöhnlich eine an Selbstverleugnung streifende Tolewn, bewiesen. Intolerant waren sie nur der Arroganz unl> Poltronerie gegenüber.,.. Die literarische Thätigkeit Friedrich Engels' hat Fj theils unter dem Druck der Verhältnisse, theils infolge de eigenartigen Arbeitstheilung, die Marx und er in statte Jahren beobachteten, vielfach zersplittert, so daß er dazu gekommen ist, die Ergebnisse seiner Studien in de verschiedenen Zweigen des menschlichen Wissens, mit dem er sich speziell beschäftigte, für den Druck niederzuschmbe. Nur eine größere Arbeit besitzen wir aus der reifere Zeit seines Schaffens, diese allerdings ein Besitz.erste Ranges: Die schon oben geschilderte Streitschrift gege Dühring.„ Tie kleineren Schriften von Engels sind fast° Gelegenheitsschriften. Aber sie sind keineswegs �"uag' fliegen. Gleich dem Anti-Dühring haben sie ihren Weckd behalten, auch nachdem die Person oder der spezielle der sie hervorgerufen, längst von der Tagesordnung f. schwunden. Aus Streitschriften sind sie zu den wirst ainf Aufklärungsschriften geworden, über die wir vexfügen. 1 1 klare, anschauliche Stil, die wunderbar präzise Ausdru° weise, über die Engels gebietet, sein leichter Witz und,. Wärme seiner von aller Rhetorik freien Sprache tragen n minder dazu bei, wie ihr belehrender Inhalt. Die Riesenarb f die ihm in derHeräüsgabe des Marx'schen Nachlasses erwach! — Marx konnte der hohen Meinung, die er von �ugelsj)"� kaum einen energischeren Ausdruck geben, als in dem suchen, aus seinen Manuskripten„Etwas zu niachen"— st!; Engels noch aus lange hinaus unmöglich machen, gro? , fftstäudige Arbeiten zu übernehmen, aber mit so M'ö, der Sorgfalt sich Engels auch dem Auftrag des verstorv Freundes unterzieht, er hat neben ihm doch noch sunden, der Arbeiterbewegung eine neue Schrift zu MyLs, die in der Hauptfache sein Werk ist: die brillante Abh lung über den Ursprung der Familie nach Lewis-- gan, und daneben Beiträge über wichtige Fragen oder- kommnisse in die Organe der Sozialdemokratie Deutschta Englands, Frankreichs, Oesterreichs ic. zu schreiben,. Uebersetznngen des„Kapital" in fremde Sprachen zu p direu, die Neu-Ausgaben mit Noten und Vorworten zw_ sehen, und eine weitreichende Korrespondenz zu unterya Eine Arbeitskraft, unter der mancher von uns Jüngere»« ,t sammenbrechen würde, zumal bei der Gewissenhastigkeil, der Engels arbeitet, der aber der nun Siebzigjährige einer geradezu wunderbaren Geistesfrische obliegt., � Möchte er sich derselben noch viele Jahre erfreuen, Arbeiterbewegung zum Nutzen, uns Allen zur geistigen 4 � derung.■ Möchte es ihm vergönnt sein, alle die Arbeitei � Vollendung zu bringen, deren Fertigstellung er sich � genommen, und die moderne Arbeiterbewegung, der er ihren ersten Phasen an als getreuer Eckhardt zur Sei t) standen, sich in immer größerer Kraft und Ausbreitung i � entwickeln zn sehen, im steten Vormarsch auf dem Wege endgiltigen Siege...„cu Ja, er ist in Wahrheit der getreue Eckhardt de- ino®.,. Proletariats, unser nun siebzigjähriger Friedrich Niemand kann das lebhafter empfinden, besser bcnrl? als wir, seine engeren Landsleute, in deren Sprache er zugsweife geschrieben. Wo ist eine Epoche, wo eius in unserer Bewegung, in der er nicht das Wort erg � zur Aufklärung und Belehrirng, zur Warnung oCC Mahnung? Er hat unter den Verfolgungen»iu a gelitten, und die Siege mitgefeiert, die wir erti> Jede selbstständige Regung der Arbeiterklasse hat � u„g Freuden begrüßt, den kleinsten Fortschritt mit Gcnugl. verzeichnet. Und er hat ein Recht dazu, auf die„,it< der Arbeiterbewegung stolz zu sein. Sein Werk ist e- daß sie heute da steht, wo sie angelangt ist.., Und wenn er stolz auf die moderne Arbeiterbew». ist, so ist diefe stolz auf ihn, und wie sein Futzv%o' Denken durch und durch proletarisch ist, so fühlen die � letaricr mit ihm. Aus Tausenden und Abertauseno � Proletarierherzen dringt heute, am 28. November der Ruf: g.W, Hoch Friedrich Engels, unser Vorkämpfer und hoch unser getreuer Eckhardt! kt de" Wird man auf die Franzel noch hören? Sie rm � Böhmen zu, fremde Laute, die hier Niemand versteh ihr warmer Herzenston muß wieder zum Herzen» Und nun sind auch der Pecher, und Paul' jic Arbeiter anderer Industrien herbeigeeilt und ermay Heimischen zur Ruhe, zur Besonnenheit., a»I Da fliegt ein Stein aus den Reihen der Tfchecy � die Deutschen hinüber und trifft den Mann am Kopi- �, der Franzel zunächst stand, er taumelt und schreit-- Ein Geheul der Wuth beantwortet dies Attentat � Feiglings; Niemand weiß, wer den Stein geschleuder' � eine frevle Hand muß es gewesen sein, und wohl Aßgit- die Absicht zu Grunde, eine Verständigung hintan zu Im Nu war ein wüstes Handgemenge entstanden. hatte nach einem Stock, einem Stein, einer Latte 9 u nach jedem Gegenstand, der in seinem Bereich lag, un ' Vergebens suchten Huber und Andere �e zurückzuhalten, die Kämpfenden zn trennen; der Aug �; die Geister zu leiten, das Unheil zu bannen, war v man hörte nicht mehr auf sie, man stieß sie roh hi>» hK „Nieder mit den feigen Meuchlern, nieder mit � jiist mischen Hunden, nieder mit den Arbeitsräubern. Ö dreimal unsere Feinde!"„# Dir Rauferei gestaltete sich allmälig zu einer h f herwogenden Schlacht, in der mit abwechselndein � kämpft wurde. f„ Das dumpfe Murren der Wuth, das Stainpst Füße, das Aufeinanderschlagen der Stöcke, wild'Af gestoßene Flüche, ein Aufschrei, ein Stöhnen töne» xWl' durcheinander; es ist eine Entfesselung der niedersten J eS ist der brutale Kampf ums Dasein. v£t% Und darüber ein grauer, lichtloser Himmel, WUU vu„uui.L tili Öiuut«., uujuuiei Dämmerung schneller hereinbrechen ließ. Ein durw«M. feuchter Nebel begann sich herabzusenken, der.V Kchn naß und schlüpfrig machte und die Fernen in wem hüllte. cnzeib�' Da ertönt der lautende kreischende Ruf der W „Die Gendarmen, die Gendarmen!" (Fortsetzung folgt.) NovreDronvenzsn. Aus Schwavrn, 26. November. Der Ulm er Ka kh o- >> k e n t a g, das mir allem Lärm der Reklame ins Werk gesetzt wurde, hat am Sonntag stattgefunden und die„Helden", melche oen„Drachen" Sozialdemokratie in Württemberg erlegen wollen, traten dort in Gestalt von Bureankrateu und Psaffen auf. Der Oberbürgermeister von Gmünd forderte ganz Deutschland, auch das protestantische, zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie auf. S? wohl„ganz Deutschland" dem Rufe dieses schwäbischen �urzermeisterleins folgen wird? Im Allgemeinen horte man von den Rednern nur die bekannten, von gründlichster -oZuoranz zeugenden Schlagworte gegen den Sozialis- "uis. Neu war nur eine Behauptung des Abgeordneten und Landrichters, ehemaligen Staatsanwalts Gröber, der be- hauptete, in den katholischen Orden sähen die Sozial- demokraten ihre gefährlichsten Feinde. Ter gute Mann weiß offenbar nicht, daß die Sozialdemokraten gegen das Jesuiten- S°setz gestimnit und schon selbst seine Aufhebung beantragt haben — wahrscheinlich aus Furcht vor den Orden. Nicht minder Possirlich war der pathetische Ausspruch desselben Redners:„Hat ntnn schon von einem Sozialdemokraten gehört, daß er sein Geld Zur Erbauung eines Krankenhauses hergegeben hätte?"— Nun, bet Abg. Singer hat in Berlin das Asyl für Obdachlose gegründet, ohne daß er deshalb in einen katholischen Orden cinzu- tteten brauchte! Als ob man nicht ohne die mittelalterlichen Orden zum allgemeinen Nutzen thätig sein könnte! Doch wäre zu viel, wollte man sich mit dem Sprüchlein dieser Staats- Männer im Westentaschen-Format noch weiter beschäftigen. So iauge uns solche Gegner blühen, hat der Sozialismus auch in -Württemberg lehne allzu schwere Arbeit. Volmsrfio itctJcvKriit. Berlin, den 27. November. h,, Rrichshaushalra-Gtnt für 1891/92 enthält fort- Sllehvausgabcn von rund 48 Millionen, von welchen, »das vorhergehende Jahr einen Ueberschnß ergab, nur noch i rra 27 Millionen Mark zu decken find. Zu den fort- treten indeß die einmaligen Ausgaben. Tieselben n ,agen fß* den Marine-Etat volle 51 Millionen. Außer mi sm befindlichen größeren Kriegsschiffen sollen schon km. 5 Neubauten in Angriff genommen werden(3 Panzer- �chrzeuge, 1 Kreuzer und 1 Aviso); die artilleristische Ar- innvüß ber drei Panzerschiffe kostet 11 Millionen und 9 000 M. Mit dieser großen Summe gleich in einem är werden für die artilleristische Armiruitg der für den Monarchen erbauten Jacht noch 329 000 M. verlangt. Im . f« des Reichsamts des Innern ist zur Ausführung der Altersversicherung ein erster Reichsbeitrag von 0 229 260 M. ausgeworfen. -, �as Altersversicherungs-Gesetz ist im tzten Augenblick doch noch in Kraft gesetzt worden(vom -Januar 1891 ab). Es fragt sich, ob bis dahin noch alle �forderlichen Vorbereitungen(Engagement der Schreiber, liethen der Lokalitäten u. s. w.) ohne Verluste getroffen werden könne». Jedenfalls niuß man auf die Erfahrungen m>l dem Gesetz im nächsten Jahr und auf den entsprechen- n Posten im nächstjährigen Etat gespannt sein. .-p-as R ei ch s- V ers ich e ru n g s a m t erhält einen weiteren Dirigenten mit 9000 Mark, 7 ständige Mitglieder n,t je 7500 Mark und 60 neue Bureaubeamteu. « �uch wird die Fabrikhygiene— pardon! die Hygiene i nc V e r s a m m l u n g s s a a l des B u n- „ a t h s verbessert werden. Tie Luft darin ist etwas Ungünstig; daher soll die Decke des Saales für 124 000 M. (pix gelegt werden, womit zugleich etwas mehr Erleuchtung mw den Bundesrath kommen wird. -.. Im Etat des Auswärtigen Amtes wird da- i»? gesorgt, daß die Gehälter der Gesandten etwas mehr in Omtlang mit den hohen Lebensmittelpreisen stehen. Ter �sandte in Lissabon bekommt zu seinen 42 000 Mark Ge- S,, t eine Zulage von 6000 Mark, der Konsul in Buenos- 5 tu seinem Gehalt von 24 000 Mark dieselbe Zulage, c�onsul in Pretoria bezieht fortan 28 000 Mark Gehalt i; m 24 900 Mark). Der Proletarier fragt vielleicht: Wo egt Pretoria, die Stadt, in der das Deutsche Reich einen 7°ni"l mit 28 000 Mark Jahresgehalt hat? Pretoria liegt -..ber Südafrikanischen Republik(Traicsvaal), der Konsul s. st>m Kaffernlande würdig das Deutsche Reich repräsentiren. .? Amtsdiener in den wcstafrikanischen Schutzgebieten Multen eine Zulage von 400 Mark und somit fortan Juhresgehalt von 4400 M. Für Ostasrika verlangt der neue Etat 3Ve Millionen fsn- darunter 2 200 000 M. für die Schutztruppe, *90 000 M. für die Flotille und 500 000 M. für die Zivil- verwaltuug. ß. Für die Ausarbeitung des bürgerlichen e tz b u ch e s sind 200 000 M. ausgeworfen worden; A Vorjahre waren es 120 000. Die Arbeit ist diesmal tz oßer. Die Kommission wird wohl noch eine Anzahl Jahre l Narbeiten, bis— das Gesetz durch die wirthschaftlichen �phältnisse überholt und also sogleich veraltet ist. av.Den Königen de« Veldsaiüs geht's wie den drei "'gen aus dem Morgenland: „Sie essen gern, sie trinken gern, gj,, Doch zahlen thun sie gar nicht gern." haben kein Verständniß für das biblische Wort(ob- tzw)ch sie allesammt„praktische Christen" sind), daß Geben >r«ger ist als Nehmen. Sie wollen nur nehmen und nichts tz en— am Wenigsten Steuern. Und darum_ sind sie so über das neue Steuergesetz, das sie �i>i der lieb- % uoei. vuv utile voicuctgt�, v«- Gewohnheit der„Steuerhinterziehung" stört, und sie Ar t blos zum Zahlen, sondern auch zur si. pH r h e i t zwingt, durch welch letzteren Um- d. die Sache noch wesentlich erschwert, das n» annen Millionären zugefügte(zunächst blos zuge d a ch t e) o.Fscht noch raffinirt gesteigert wird. Einen Millionär zum mi.fr Zwingen, das ist schon bitter genug— aber ihm zu- D?Len, durch Bekenutniß der W a h r h e i t sich lelber ans ükr zu liefern, das ist grausanier Hohn. (% Drum kann die„Kölnische Zeitung", die duftende maxima des Kapitalismus, sich auch nicht beruhigen die Deklarations- oder SelbsteinschätzilNgs-Pfllcht, wie Gesetzesvorlage sie verlangt,— dieselbe soll nur in Äi!s inne bestehen, daß den Selbsteinschätzungen der Herren »tfif�näre unbedingt Glauben geschenkt werden sick. Zum Beweis, daß dies gehe,„ berief pe Ei auf die Erfahrungen mit der s ä � j) j ehe n aa il � 0 m ni e n st e u e r. Da kam sie jedoch ubel ig.'. und wurde von der„Leipziger Zeitung, m deren � viele Seelen wohnen, daß noch Niemand sie Zahlen �assifiziren konnte, wie folgt abgerüffelt: „Die„Köln. Ztg." spinnt ihre naive Forderung, daß den Selbsteinschätznnge» der Einkommensteilerpflichtigen unbedingter Glaube zu schenken sei, auch'heute noch fort und beruft sich dabei, was das Spaßhafte au der Sache ist, auf die sächsischen Erfahrungen.„Die Erfahrung", bemerkt sie,„hat namentlich in Sachsen gezeigt, daß die Selbsteinschätzungen durchweg an- nähernd richtig sind." Gewiß sind sie jetzt annähernd richtig. Aber sie sind es geworden, weil die Einschätzungskommissron nicht verpflichtet war, ihnen unbedingt zu glauben, sondern das Recht hatte, sie selbstständig zu prüfen. Dieses Recht hat im Laufe der Jahre ziveifellos erzieherisch gewirkt. Noch vor wenigen Jahren konnte man erleben, daß die Einschätzungen um das Zwei- bis Dreifache zu niedrig waren, und es hat namentlich in der reichsten Stadt Sachsens einer sehr energischen Handhabung des den Einschätzungs- Kommissionen verliehenen selbstständigen PrüfungsrechtS bedurft, um die Inhaber der großen Vermögen an den Gedanken zu gewöhnen, daß Betrug Betrug sei, gleich- viel ob an Einzelnen oder am Staate verübt. Es sei»och gar nicht lange her, daß ein Selbsteinschützer in Sachsen, der von der Konnnission um das Dreifache der von ihm deklarirten Summe eingeschätzt worden war, diese Korrektur ruhig hin- nahm und das„Mißverständniß" dadurch zu erklären suchte, daß er bei seiner Selbsteinschätzung an Thaler gedacht und irrlhümlich Mark geschrieben habe." Das„erzieherisch gewirkt" ist gut. Die Herren Geldsäcke, die dcu Arbeitern Moral predigen, mußten also zum N i ch t l ü g c n und N i ch t b c t r ü g e n erst„erzogen" werden! Nun, wir hoffen die Herren noch ganz anders lind viel gründlicher zu erziehen. Charakteristisch ist— und beiläufig in das nämliche Kapitel gehört— die Abneigung der Herren Bourgeois gegen die"E r b s ch a f t s st e u e r. Die eiufachsteu Gerechtig- teitsbegriffe glänzen in diesen Kreisen durch Abwesenheit. Ja selbst das Anstandsgefühl— oder ist es nicht unanständig, sich Lasten vom Hals schaffen zu ivollen, um sie, in anderer Form, s ch iv ä ch e r c u Schultern, d. h. ärmeren rpid armen Staatsbürgern anfzuwälzen? Die Herren Bourgeois sottteu einmal bei den Arbeitern in die Schule gehen. Kein Arbeiter, der Etwas auf sich hält, wird einen Anderen für sich zahlen lassen. Der mehrfache Millionär Freihrrr von Lurins, der unter dem Einfluß Bismarcks vor 12 Jahren Landwirth- schaftsminister wurde und in dieser Eigenschaft zu den sozialpolitischen Maßregeln„zur Rettung der Landivirth- schuft", zu den Schutzzöllen für Getreide und Fleisch und zur Einführung der Viehsperre Ja und Amen zu sagen hatte, ist bekanntlich vor einigen Tagen von feinem Amt zurückgetreten. Nachträglich kommt jetzt doch noch etwas zum Vorschein, was aus die ureigene Initiative dieses Herren selbst zurückzuführen ist, was man sonst von anderen Maßregeln, die vom Landwirthschaftsmiuisterimn aus- gegangen sind, nicht behaupten kann. Es stellt sich nämlich heraus, daß sich der Herr die Stempelsteuer hat schenken lassen, die er bei Anlaß der Umwandlung seines Grund- besitzes in ein Fideikommiß im Betrag von etwa 30 000 M. hätte bezahlen müssen. Nach dem Stempelgesetz beträgt der Stempel bei der Stiftung von Fideikommissen„drei voni Hundert des jedes- maligen Werthes des Gegenstandes, melcher durch die Stif- tung zum Fideikommiß bestimmt worden."(Ein Fidei- kommißgut ist ein solcher Grundbesitz, der nur auf den ältesten Sohn übergeht,„adeliges" Grundeigenthum.) Das Gesuch des Freiherrn von Lucius soll seiner Zeit auf heftigen Widerspruch gestoßen sein, welcher nur durch das eut- schiedene Eintreten des Fürsten Bismarck, der ja das feinste Verstnuduiß für die Steuersorgeu nothleidender Millionäre hatte, habe beseitigt werden können, und zwar soll das Dekret dieser Befreiung von der Stempelsteuer vom Kaiser Friedrich unterzeichnet worden sein. Die Berechtigung zur Bc- freiung von gesetzlich vorgeschriebenen Gebühre» durch Kabinetsordre nach Beschluß des Staatsministeriums mag dahinsteheil: jedenfalls ist der Fall ein treffliches Pendant zur„ausgleichenden Gerechtigkeit" und zur„Allgemeinheit der Steuerpflicht nach Maßgabe der Leistungsfähigkeit" zu den Prinzipien unserer Steuerpolitik, welche auch dem ärmsten Teufel noch einige Pfennige von seinem Tages- verdienst abdrückt, einem mehrfachen Millionär aber 30 000 M. in die unergründlich tiefen Taschen steckt. Noch immer ist es ungewiß, ob Parneli bleiben oder gehen wird. Die Drohung Gladstoue's, sich vom öffentlichen Leben zurückzuziehen, ivenn Paruell nicht durch seinen Rück- tritt der öffentlichen Heuchelei den schuldigen Tribut eut- richtet, ist nicht ohne Einfluß geblieben. Die getreuen Unter- thanen Parnell's im Unterhaufe, die irischen Deputirten, sind nicht so cinmüthig, wie sie gestrigen Telegramme es vermutheu ließen; einige von ihnen haben nicht übel Lust, eine Palastrevolution in Szene zu setzen und den„König" zu stürzen. Der„König" aber will sich um jeden Preis retten und sucht, nun ihn Gladstone fallen läßt. Verbin- duiigeil mit den.TorieS anzuknüpfen, denen er Hilfe beiden nächsten Wahlen'anbietet. Für diesen Schacher hat cinTheil der„Parnelliten" kein Verständniß, und sie bestehen auf den Rücktritt Parnell's. Eine Entscheidung ist noch nicht getroffen; sie soll am Montag fallen, nachdem die Meinung aller abwesenden Mitglieder der Fraktion— auch der nach Amerika gefloheneu Mitglieder Dillou und O'Brieu eingeholt ist. Die Nachrichten aus dem Indianrrgebiet lauten sehr widersprechend. Während eine von dem Chicagoer Journal„Jntcrocean" veröffentlichte Depesche aus Missnla in Montana meldet, bei dem Fort Keogh in Montana sei es zu erbittertem Kampfe zwischen den Indianern und den Unionstruppen gekommen und es hätten lebhafte Schar- mützel auf der ganzen Linie stattgesimdeu, geht aus einer neuerlichen Depesche ans Pine-Ridge, dem Zentrum der ganzen Judicmerbewegung, hervor, daß die Unruhen an- scheinend schon beendet seien. lieber die Rolle, welche das Drutschthuur in Amerika bei den letzten Wahlen gespielt hat, schreibt ein amerikanisches Blatt: «Unter den zahlreichen Faktoren, welche als Ursachen des jüngsten Wahlresultates hingestellt werden, spielt neben dem Farmcreleinent auch das sogen.„Deutschthum" und seine Stellungnahme im Parteizwist eine nicht unbedeutende Rolle. Die deutsch-demokratiichen Zeitungen thun sich nicht wenig darauf zu Gulc, daß sie resp. ihre Leser der demokratische» Partei zum Siege verHolsen hätten. Die deutsch-republikanische Presse auf der anderen Seite sucht und findet einen gewissen Trost für die Niederlage darin, daß mindestens die deutschen Anti- Temperenz- Interessen und die deutsche Sprachfrage:c. gleichzeitig mit der demokratischen Partei, lokale Siege erfochten habe». Ja sie halten es den anglo- republikanischen Parteileitern ganz direkt vor, daß ihre Licbäugeleien mit den Nativisten und mit den Prohibmonisteu, wie überhaupt ihre Mißachtung der „deutschen Interessen" einen großen Theil des deutschen Votums der gegnerischen Partei in die Arme getrieben habe! Alles das mag m der Sache korrekt sein; aber gerade wie der Erfolg der Farmer eine Gefahr für deren Sonderbcwegung in sich schließt, iveil er dieselbe noch tiefer in ihre Jrrgänge hineindrängen wird, in derselben Art wird auch die Deutsch- thümelei mit ihren Flachheiten und Auswüchsen mehr Ober- wasscr erhalten, als im Interesse einer gesunden allgemeinen Vorwärtsbewegung wünschenswerth ist. Wir haben schon mehrfach energisch Front gemacht gegen die Belheiligung ganz speziell der Arbeiter an einer be- sonderen„deutsch- ainerikanischen Bewegung". Wenn das deutsche Mittelklassenphilisteriuin sich„biereifrig"— wie ein burschikoser Studenten- Ausdruck lautet— für deutschen Geist und deutsche Sitte, für deutschen Wein, beut- schen Gambrinuskult und deutschen Sonntag in's Zeug wirft, mit einer Begeisterung, die einer besseren Sache würdig wäre, dann bleibt es nur seiner Rolle getreu. Die deutsch-amerikam- schen Arbeiter sollten aber die Hand davon lassen und neben ihren besonderen Klasseninteressen nur noch für event. Jnter- essen der Allgemeinheit eintreten, nicht aber für ihr spezielles Interesse als„Deutschs". Letztere Versuchung ivird wieder in erneuter Stärke an sie herantreten, sobald wirklich das deutsche Votum als ausschlaggebend gewesener Faktor in der letzten Wahl anerkannt wird, die beiden alten Parteien sich vor diesem deiitsclien Votum ans den Bauch legen und die deutsch- amerikanische Presse die Situation ausnützt, um den seichtesten Instinkten ihrer �Laiidslente" ein bene zu thun und die Trink- frage, die Sonntagsfrage, die Sprachfrage oder gar die Aemter- vesetzung durch Deutsche auf Kosten aller edleren und höheren Bestrebüngen in den Vordergrund zu stellen. Vom deutsch- amerikanischen Spießbürger, wie gesagt, er- warten wir nichts anderes. Wenn der„seine Ruh' und sein Bier" hat und wenn er sprechen darf, wie ihm der Schnabel ge- wachsen ist, dann ist er zufrieden gestellt. Den amerikanischen Arbeiter deutscher Abstammung aber warnen wir vor den politisirenden Landsleuten, welche mit der Wurst nach der Speckseite iverfen und ihre Deutschthuerei aus- hängen, um für die eine oder die andere Partei Anhänger zu werven. Wir wiederholen noch einmal, was wir schon früher ge- sagt haben: Alles was das sogen.„Deutschthum" fordert, hat ja mit geringer Ausnahme feine Berechtigung. Aber diese Forderungen nehmen ihre Berechtigung aus sich selbst, weil es Die ganze Entwickelung des Landes hat— wie ja leider auch die Arbeiterbewegung— an der förmlich gezüchteten Scheidung m Nationalitäten ohnehin sehr stark zu laboriren. Da sollte wenigstens die intelligente deutsche Arbeiterschaft des ganzen Landes eine Ausnahme machen und sich von de» Deutsch- thumlern fernhalten." Irrtehven über die Kozialdemokratie verbreitet jetzt in einer Schrift auch ein Jesuitenpater Namens Cath- rein. Von seiner Kenntniß der Sozialdemokratie giebt seine Behauptung eine Vorstellung, er habe Liebknecht ge- zwungen, zuzugestehen, daß die Sozialdemokratie die Ver- gesellschaftung der Arbeitsmittel und die gesellschaftliche Ver- theilung des Arbeitsertrages anstrebe. Abgesehen von einigen religiösen Zitaten schwimmt der Pater Cathrein ganz im Fahrwasser Richter's, dessen Lorbeeren ihn nicht haben schlafen lassen.— Herr Engen Züchter scheint Aussichten zu haben, Minister zu werden. In seinen„Irrlehren" soll künftig der sechsjährige Gemeindeschüler das Buchstabiren lernen, damit seine jugendliche Seele von vornherein gegen das sozialdemokratische Gift geimpft werde. Die höchsten Staats- beamten haben sich anerkenilend über die Brochüre geäußert. So sagte ein Polizeikommissar, der bei der Bürgerschafts- ivahl in Bremen im zehnten Bezirk in einem Wähler- Haufen vor dem Wahllokal stand, mit lauter Stimme: Meine Herren, ivenn Sie die Brochüre von Eugen Richter:„Die Irrlehren der Sozialdemokratie" sich anschaffen wollen, so können Sie dieselbe von mir be- ziehen." Uebrigens scheint die G r a t i s v e r t h e i l u n g der Richter'schen Irrlehren in großem Umfang betrieben zu werden. So bekam in der letzten Sitzung des fortschritt- lichen Vereins der Potsdamer Vorstadt wieder jeder An- wesende ein Exemplar umsonst. Natürlich renommirt dann die„Freis. Ztg." mit der enormen Verbreitung des Mach- werks. Sand in die Augen! Woher da» Proletariat rührt, das hat— wie wir dem„Grütlianer" entnehmen, ein schweizerisches Blatt, entdeckt. Die„Wiuterthnrer Nachrichten", welche also schreiben: „Jeder hat ein Recht zu leben: wir wollen das als be- wiesen annehmen. Aber Niemand hat ein Recht, Menschen ins Dasein zu rufen, die von andern Leuten ernährt werden sollen. Wer das erste dieser Rechte behauptet, muß allen Ansprüchen auf das ziveite entsagen." Hierzu bemerkt der„Grütlianer":„Punktum und Streu- fand drauf! Leichter läßt sich das Elend unserer Tage in der Thal nicht erklären. Aber warum ziehen die Volkswirth- schafter der„W. N." denn nicht den Schluß, daß nur noch der Reiche heirathen und Kinder in die Welt sehen dürfe? Das wäre doch, blos logisch. Doch wer würde dann in den Fabrikanten u, s. w. um die armseligsten Löhnchen arbeiten und wie könnten die Geldherren ihren Besitz so unsinnig vermehren, wenn die allen Reichthum zeugende Arbeit ungethan bliebe oder weit besser bezahlt werden müßte, als jetzt, w o der Arbeits markt überlaufen?! Uebrigens zu sagen, Anspruch zu leben hat nur wer am vollbesetzten Tisch Platz findet, während die Welt so unge- Heuer viel prodnzirt oder produziren kann, daß bei ge- rechter Einrichtung noch viel mehr Menschen reich- l i ch ihre E x i st e n z finden könnten, das kann heut- zutage nur noch ein Blatt von der herzlosen, kalte» Man- chesterei. Den Ärmen ihre Existenz zum Borwurf machen, in- dessen gewaltige Produkten- und Waarenvorräthe am Haufen liegen dleiben und oft v e r f a u l e n, ist ebenso unmenschlich, als ungereimt. „Das Proletariat ist nicht eine Frage oder Folge be- haupteter aber nicht vorhandener Uebervölkerung, sonst müßte zum Beispiel F r a n k r e i ch, wo die Bevölkerung eher stationär bleibt und das Ein- und Zweikinder-System, zum großen Theil auch die Ehelosigkeit herrscht, keine Armen kennen. Nein, das Proletariat ist die Frucht unserer wirthschastlich- sozialen Mißstände." Nun, auch in Deutschland giebt es Leute, die so denken, wie die„Winterthurer Nachrichten". Und die Anschauung, daß der Arbeiter ivohl den Neichthunl erzeugen, aber nicht ihn genießen soll, ist ja der Bourgeoisie aller Länder ge- mcinsam. Freilich in so roher Form wird die Sache nicht oft ausgesprochen. Das Schönste ist: wenn die Arbeiterden Rath befolgten, und keine Kinder„ins Dasein riefen", dann müßten die Herren Bourgeois v e r h u n g er n. Theater. Freitag, den 28. N o v b r. Opernhaus. Der fliegende Holländer. f-chanspiethans. Der©tum,. rsstng-Theatrr. Der Fall Climen- ceau. Kerlinrr Theater. Das Schweige- geld. Deutsches Theater. Romeo und Julia. Lriedrich-Milhetmltädt. Theater. Königsgardist. Sonne und Erde. Wallner-Theater. In Hemdsärmeln. Pension Schöller. Restdenz-Theater. Der Kamps ums Dasein. Dilltoria- Theater. Geschlossen. KeUeaUiance- Theater. Mamsell Nitouche. Gflend-Theater. Emin Pascha. Thomas- Theater. Der Soldaten- sreund. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Aiirgerliches Schauspielhaus. Der Eisonkel. Kaufmann'« Davistö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Neichshallen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Toncordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gedr. Richter'» Uariötö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexanderstraße 27c. Fpanka Scholz, Kostüm-Soubrette. Geschw. Wildenfels, Gesangs- Duettisten. Richard Gersdorf, Sächsischer Gesangs-Humorist. Adolf Gödicke, Mimiker, Stimmen- Imitator und Charakter-Komiker. Truppe Blumenfeld, Parterre- Gymnastiker, Ballet und Tanzseil- künstler. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags GVa Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags SO Pf. 60 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. WWmellt Buggenhagen am Moritzplatz. _ Täglich: mW Grosses Concert."WW Direktion A. Rödmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fnfraa Wochentags 10 Plg., £,1111 tc gong, nnd Festtags 25 Pfg. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641 F. Müller. iKratVeilHeBierh allen \yß Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Guartett-Sängern. ausgeführt von dem Musik- Direktor H. Sanftleben. Wochentags: Frei-Concer*. Sonntags Entree 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. 708 F. Sodtke. Passage-Panopticum. Unter den Linden 22/23.[742: WaMuren. Panoramen. Dioramen. Ethnographische Sammlungen. Italienische Rolkssänger. Entree 50 Pf. Geöffnet von 10 bis 9 Uhr. Castan's Panopticnin.� Eutree 50 pfg., Kinder 35 pfg. P. 9 Uhr Morgens� bis 10 Uhr Abends. Vorstellung rS8onu. HVa u. 12V2 Uhr. rR«chm. v.4Vs-9VsUhr eine Vorstellung. �Ertra-Entree 30 pfg. Kinder frei. A. Goldschmidt, Spandauerbrücke 6, am hiesigen Platze bekanntlich Größte Ausmahl. Garantirt stcher brennende Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befind!. Rohtabake sind am Lager. A. Qoldschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt.[746 g Circns Renz. Karlstraße. Freitag, den 23. November er., Abends 7 Uhr: Große Koiniker-porsteUung. Auftreten der Kloivns: C. Godlemsky, 3 Gebr. Briatore, Gebr. Walton, Gebr. Dianta und Warne. Hermann Paul und William, Francois ec. in ihren komischen, gymnastischen, akrobatischen und musikalischen Entrees und Jnter- mezzos. Außerdem: Eine Wiener Damenkapelle. Mr. I. F. Clarke, phä- nomenaler Reitkunstler. Der berühmte Luftgymnastiker Mr. Rodgers. Blumen- pferd Jfagar vorgef.f v. Frl. Ozeana Renz. Beautiful, hierauf Sophus ger. v. Frl. Clotilde Hager. Auftreten der Damen Frl. Adele und Mm. Brad- bury, sowie der Reitkünstler Mrs. Fillis und Henry. Deutsche Turner. Große nationaleOriginal-Pantomimetc. Morgen: Im dunklen Erdtheil. Sonntag: 2 Vorstellungen um 3 und 7Vs Uhr. E. Renz, Direktor. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Heute Abend 7Vs Uhr: Große Porjortt-VorltellW. In dieser Parsorce-Vorstell. gelangen die vorzüglichsten g Repertoir- Nnmmern zur Vorführung. Auftreten sämmtlicher neuengagirten Spezialitäten, Künstler sowie Künst- lerinnen. Reiten und Vorführung der bestdressirten Schul- u. Freihcitspferde meines Marstalles. Komische Entrees sämmtlicher Klowns. Morgen: Große Vorstellung mit neuem Programm. Sonntag: 2 Vorstellungen Nachm. 4 u. 7Vs Uhr. Nachm. 1 Kind frei. Der Cirkus ist gut geheizt! 8. Heine Chausseestr. 14. Die schönsten Kinßttkleilier-Zllikelt für Mädchen jeden Alters, sowie Morgenröcke, llnterröcke, TrikottaiKen n. Blonsen, auch im Einzelverkauf sehr billig! Maaßbestellungenu. Reparaturen werden prompt erledigt! Normal-Unterkleider und Triko- tagen für Herren, Damen und Kinder. Strümpfe, Socken, Hand- schuhe w. 8. Heine. La Brachvogelf Manteuffelstr. 75. 82 Ich offerire Thee's, 90er Ernte, in vorzüglichen Qualitäten: Pecco 1,60, Souchong I 1,00 ä V4 Pfd. Theegrus 0,50, Souchong II 0,75 do. Grüner Thee 75 Pf. ä 1/4 Pfd. Desgl. empfehle prachtvolle pauiUe in Schoten k 10 Pf., in Gläsern ä 50 Pf. 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Nov., Ab. 9 Uhr, bei Rryer, Alte Jakobstr. 83: Versammlung. Tagesordnung: 1.„Die Ursachen der Armuth" Ref. Baginski. 2. Diskussion. 4. Ver- schiedenes. Ilm regen Besuch bittet 880 Der porstand. Kranken- und Begräbnißkasse der Bau- und Fabrikarbeiter Berlins ce.h. 13). Ausserordentliche General- Versammlung am Sonntag, 7. Dezbr., Vm. lOVs Uhr, bei Herrn Säger, Grüner Weg 29. Tagesordnung: 1. Vorstandswahl. 2. Innere Kassen- anaelegenheit. 3. Verschiedenes. Das Kassenbuch legitimirt. Um zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Vor st and. 869 I. A.: W. Reinert. Oelfentl. Versammlung sämmtlicher in Metall- und Eisengießereien beschäftigten Arbeiter Berlins u. Umg. am Sonnabend, 29. Nov., Ab. 8V2 Uhr, bei Herrn Gnadt, Brunnenstr. 38. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn W. Werner über: Unternehmerverbände u. Arbeiter- organisationen. 2. Diskussion. 3. Ver- schiedenes. 878 Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. Um zahlreiches Erscheinen ersucht _ Der Glnbernfrr. Th TTnlvWi Zeitnngs- Spedition III. ivlilAlcU Straußbergerstr. 7a. Abonnements-«. A«nonren-An- nnhme für das„Berliner Volksblatt", sowie alle Zeitungen und Journale. Winter-Paletots und Anzüge bei billig st en Preisen empfiehlt das bekannte Herren- nnö Knaben- Cnrberobe- Geslhiist von 425 Julius Lindenbaum Graste Frankfnrterstr. 139, Spezialität: Anfertigung nach Maaß und Arbeitssachen. (Kitte genau auf Firma nnd Hausnummer?» achten!) Möbel, Spiegel und Polsterwaaren. Ganze Ansstattungen empfiehlt Moritz Gläser,#0 167. Reichenbergerstr. 167. M. W. Walter. Gegründet 1818. Fernsprech-Amt 9. 9386. Ueughofstraste 3. Versandtgeschäft für Mehl u. Hülsen- fruchte. Aufträge von 3 M. an frei Haus oder Bahnhof. 834 Im Tuchgeschäft jetzt Lrnnienstr. Uk, I. Herren- und Knaben- Anzüge, Paletots, sowie Damenkleider etc. Ans Wunsch auch gegen Theilzahlnngen. 726 Buchbinderei von Konstantin Janiszewski, Kottbuser Damm |lr. 99, Hof part. Freunde u. Partei- genossen, welche mich mit Buchbinder- arbeiten unterstützen wollen, bitte ich, dieselben bei Wilstiste, Junkerstr. 1 und Katzbachstr. 1; G. Schulz, Cigarren- Geschäft, Kottbuser Platz; Schweitzer, Cigarren-Geschäst, Dresdenersir. 53 54, (City-Passage); Heindorf, Langestr. 70; Schayer, Jnvalidenstraße 153; Gnadt, Brunnenstr. 38, mit Angabe der Adresse abzugeben. 396 Meyers, Brockhans' Lexica, Bücher, Bibliotheken kauft A. Hannemann, Kochstr. 56,1.[781 Crosse Versammlung des sozialdemokratischen W lchwereins im 4. Berliner Peichstags-Wahlkreise am Freitag, den 23. November, Abends 8>/s Uhr, im Lokale Siid-Gst« W a l d e m a r st r a ß e 75. Tagesordnung: 1. Vortrag des Regierungs-Baumeisters a. D. KesslW' 2. Diskussion. 3. Abrechnung vom 3. Quartal. 4. Ersatzwahl des ersten unv zweiten Vorsitzenden. 5. Vereinsaugelegenheiten und Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Gäste willkommen. 861 NB. Die Zahlstellen des Vereins befinden sich bei O. Heindorf, Lange- straße 70; G. Tempel, Breslauerstr. 27; K. Scholz, Wrangelstr. 32; G. Schu» Admiralstr. 40a(Alte Linde); Fr. Zubeil, Naunynstr. 86; auch werden daselbsl neue Mitglieder täglich aufgenommen. Der parstand. Große öffentliche Versammlung der Putzer Berlins u. Umgegend am Sonntag, den 30. November, Vorm. IOvs Uhr, in der Brauerei„Königstadt", Schönhauser Allee n— 12. Tages-Ordnung: 1. Der Werth und die Nothwendigkeit der Statistik. 2. Bericht des Delegirten zur Berliner Streik-Kontrolkommission. 3. Verschiedenes. K72 Im Auftrage: A. König, Franseckystraße 3. Grosse Versammlung ki freien Wdeilteil-Cemeiniie für Charlottenburg am Sonntag, den 30. November, Mittags 12 Uhr, in Kismarckshöize, Milmrrsdsrferstr. 39. � m Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Päns über:„Brot>st Freiheit." 2. Diskussion. Damen und Herren als Gäste haben Zutritt. Zu zahlreichem Besuch ladet ein 878 Der Vorstand.____ Grosse öffentliche Former Versammlung am Sonntag, 30. November, Vorm. lOv« Uhr, in der Norddeutschen Brauerei, Chaussee-Straße 58. Tages-Ordnung: 1. Bericht der Streik- Kontrolkommission. 2. Bericht der Kommrssioü- event. Wahl eines Vertrauensmanns für Berlin. 3. Wahl der Delegirten zuw Gewerkschaftskongreß. 4. Abrechnung der für die beiden Kollegen Reiche un>' Pouillion gesammelten Gelder. 5. Dlskussio». 6. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. NB. Die Kollegen werden ersucht, die Listen bis Sonnabend abzuliefern. Um zahlreiche Betheil bittet 876 Der Einberufer. Fach verein der Former. " Sonnabend, den 6. Dezember, Abends 9 Uhr:"WS 5. Stiftungsfest, bestehend aus: Grossem Ball, Festrede, freundlichst eingeladen. Billets sind bei den Kassirern und bei dem gewayl Vergnügungs-Komitee zu haben._—- Große öffentliche Stewmetz-Nersammwng am Freitag, den 28. Nov. 1890, Abends 7Va Uhr, in Müller s Lokal, Johannisstrasse 20» Tages-Ordnung: 1. Bericht der Delegirten von der Gewerkschafts-Konferenz. 2. Gew schaftliches. 3. Verschiedenes._ Der Einberufer.__- Allgemeiner Metallarbeiter-Verein Berlins und Umgegend* Sonntag, 30. November, Vorm. lOVe Uhr, in Lehmann'« Salon, Schwedteratr. UBgT Grosse Versammlung."Tpß .Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn C. Becker über: 1. Vortrag des Herrn 0. Bec wirthschafttichen Krisen, ihre Ursachen und ihre Folgen." 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragen. .Die 2."DiskusM- Der Voratand. Versammlung für Reinickendorf am Sonntag, den 30. November, Nachmittags 12Vs Uhr, iin Lokale des Herrn Badewitz, Hausotterstrape 4.. Tagesordnung: 1. Bortrag des Herrn Feldmann über:„Die® winnbetheiligung der Arbeiter." 2. Diskussion.� 3. Aufnahme neuer Mitgsteoe 4. Verschiedenes und Fragen.[887] Der Dorstana�� J, Verlag des„Verl. Volksblatt" Berlin SW., Beuthstrasse 3. Das Protokoll über die Verffandlmtgeu des Parteitags Ii ozialdemkratlscklell Partei ZeMlauds. 20 Bogen(320 Seite») 8°. eleg. brofchirt Preis 50 Pfennige"HND koiamt(im k. Dezember zar Versendiiag. Die erste, 25fi00 Gremplare starke Auflage ist durch DorauabesteUuugeu nahezu adsorbirt. Wir bitten überall da, wo es noch nicht geschehe», um Boraus- bestellung; die Grpeditian rrfalgt nach der Reihenfalge de» Ginganges derfelbetr. Bon 20 Exemplaren ab ist der Nettopreis ä 40 Pfg. excl. Porto resp. Fracht und bitten wir, zur Vereinfachung des Geschäfts- ganges, den entfallenden Betrag thunlichst der Bestellung beiz»- fügen. Das Postporto beträgt für 1 Exemplar 20 Pfg., 2 u. 3 Exemplare 30 Pfg., mehr bis zu 20 Exemplaren per Postpacket 50 Pfg. las-- Verantwortlicher Redakteur: Curt AaaKe in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kadiug in Berlin SW„ Beuthstraße 2. Hierzu zmei Kr» 1. Beilage zum Berliner BolkMatt. Nr. MK. Freitag, den 38. November 1890. V. Jahrg. Sozialistische Wleelse Deukschlands. Zentral-Nrgan. '>Norwiirt«"(Berliner Volksblatt). Chef-Red.: W. Liebknecht. Erscheint ab I.Januar täglich in Berlin SW., Beuthstr. 2. Wissenschaftlich- R-vue. Kene Zeit". Chef-Redakteur: Karl Kautsky. Erscheint wöchentlich in Stuttgart, Furthbachstr. 12. Täglich erscheinende Zeitungen. �Un„Berliner Volksblatt" Beuthstr. 2. olefeib„Volksmacht" Obernthorivall 28. Trinen„Bremer Bürger-Zeitung" Martinistr. 44. r,6l»w„Schlesische Volksmacht" Weißgerbergasse 64. Kemnitz„Die Presse" Gartenstr. 16. �rtwund„Westfälische Freie Presse" Lindenstr. 25. *n!Sb,n«Sächsische Arbeiter- Zeitung" Gerbergasse 1. �'berstld„Freie Presse" Kleine Klotzbahn 10. ««nkfurt r,. m.„Frankfurter Volksstimme" Mainstraß- 13. �'iburg i. Kr.„Oberrheinische Volks-Zeitung" Moltkestr. 22. ..Fürther Bürger-Zeitung". �»stemiinde„Norddeutsche Volksstimme" Schulzstr. 16. »»Wbnvj„Hamburger Echo" Gr. Th-aterstr. 44. ■"»an„Hanauer Volks-Zeitung" Langstr. 40. »"«»over„Volkswille" Marktstr. 45. ««rlsruhe„Volksfreund" Kreuzstr. 31. �"igsberg i. pr.„Königsberger Volksblatt" Knochenstr. 39. �'p-ig„2 Ragd-bnrg Manheim „Münchener Post" Cenefelderstr. 4, I. Arnberg„Fränkische Tagespost" Weizenstr. 12. Arnbach„Offenbacher Abendblatt" Frankfurterstr. 36. '"'tlgart„Schwäbische Tagwacht" Furthbachstr. 12. Wöchentlich dreimal erscheinende Klätter. ..Norddeutsches Volksblatt" Adolfstr. 1. ' schweig„Braunschw.Unterhaltungsbl." Kannengießerstr.l3. �Miidt„Burgstädter Zeitung". »Der Wähler" Dörrienstr. 9. „Volksstimme" Heiligegeiststr. 27. „Volksstimme" T. 3. b, 4. ."rt„Thüringer Tribüne" Gartenstr. 7. �"kfurt a. G.„Märkische Volksstinune" ."'nburg j. K.„Volksfreund" Metzgerstr. „Vogtländisches Volksblatt". »Der Volkssreund" Albertplatz 6. IS«» W. «"la Junkerstr. 268. 13. Solingen„Bergische Arbeiterstimme" Kaiserstr. 29. Stettin„Stettiner Volksbote". Zeitz„Volkssreund". Wöchentlich zweimal erscheinende Klätter. Vera»Deutsche Tribüne" Kurzestr. 16. Langenbielan„Der Proletarier aus dem Eulengebirge". Sonneberg„Thüringer Volksfreund" Köhlerhof. Wöchentlich einmal erscheinende Klätter. Attenbnrg„Der Wähler" Brttdergasse 2. Kant„Die Nord-Wacht" Adolfstr. 1. Kerlin„Berliner Volks-Tribüne" Elisabeth-Ufer 55. Kresla«„Schlesische Nachrichten" Weißgerbergasse 64. Dresden„Mitteldeutsche Arbeiter-Zeitung" Gerbergasse 1. „Oberlausitzer Arbeiter-Zeitung"„ galberstadt„Sonntags-Zeitung" Grudenberg 3. München„Arbeiter-Zeitung" Senefelderstr. 4, I. „Recht auf Arbeit"„ Nürnberg„Arbeiter-Chronik" Weizenstr. 12. „Bayrisches Wochenblatt" Weizenstr. 12. Zeitz„Volkssreund". Witzblätter. „Süddeutscher Postillon" Senefelderstr. 4. Erscheint monatlich einmal. „Der wahre Jacob" Furthbachstr. 12. Erscheint alle 14 Tage. Illustrirtes Nnterhaltungsblatt. Hamburg„Der Gesellschafter" Große Theaterstr. 44* Erscheint wöchentlich einmal. München Stuttgart Gewerkschaftspresse in Deutschtand. Dreimal möcheutlich erscheinend. Leipzig-Reudnitz„Der Correspondent" für Buchdrucker Kon- stantinstr. 8. Wöchentlich erscheinend. Kerlin„Der Gastwirthsgehilfe" Annenstr. 14. Krannschweig„Solidarität" Marienstr. 43. „Vereinsblatt f. Bauhandwerker Wilhelmstr. 59. Hamburg„Ter Arbeiter"(f. Bau u. Hilfsarbeiter) Rosenstr. 85. »Fachzeitung für Drechsler" Rosenstr. 35. Hamburg„Der Grundstein"(für Maurer) Fürstenplah 2, I. „Bruder Schmied" Brüderstr. 10. „Fachzeitung für Schneider" Rosenstr. 35. „Neue Tischler- Zeitung" Eimsbüttel, Bismarckstr. „Der Ziiunierer" Rosenstr. 35. Leipzig„Der Gewerkschafter"(f. Cigarrenarbeiter) Dörrienstr. 9. Nürnberg„Deutsche Metallarbeiter-Zeitung" Weizenstr. 12. Alle 14 Tage erscheinend. Alt-nbnrg„Fachblatt d. Mühlenarbeiter" Cotteritzerstr. 201, 11. Kerlin„Organ für Bildhauer" Solmsstr. 33, 11. „Allgem. Dachdecker-Zeitung" Kl. Markusstr. 10. Dresden„Der Barbier und Friseur" Pragerstr. 46. Hamburg„Gerber-Zeitung" Rosenstr. 33. „Der Goldarbeiter"„ „Der Kürschner"„ „Der Knpferschmied"„ „Deutsche Mechaniker-Zeitung" Rosenstr. 35. „Der Schiffszimmerer" Rosenstr. 35. „Vereinsblatt der Ziegelei- Arbeiter" Rosenstr. 33. Monatlich einmal erscheinend. Hamburg„Der Bürsten- und Pinselmacher" Rosenstr. 35. „Gärtner-Zeitung" Rosenstr. 35. „Holzarbeiter" Rosenstr. 35. Obige Liste kann auf Vollständigkeit keinen Anspruch erheben; sowohl in der politischen wie in der G e w e r k s ch a f t s- Presse haben eine ganze Anzahl von Expeditionen unserer Auf- forderung: Titel und Erscheinungsweise ihrer bezüglichen Organe an uns einzusenden, keine Folge geleistet. Es ist daher Ver- schulden der betreffenden Expeditionen, wenn verschiedene Blätter in obigem Verzcichniß fehlen. Mehrere der oben angeführten Blätter haben auch unserem Ersuchen um regelmäßige Ueber- sendung eines Beleg-Exemplares bis heute noch nicht entsprochen. Wir wiederholen hiermit diese Bitte und ersuchen die Säu- migen, im Laufe der nächsten Tage die bezüglichen Angaben an uns gelangen zu lassen, damit wir in den Stand gesetzt sind, in kürzester Frist ein völlig genaues Verzeichniß der Arbeiterpresse Deutschlands veröffentlichen zu können. Berlin SW,, Katzbachstraße 9, I. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Narleiuorstaud. Nrrmmurrktles. g Stadtvrrordneten-Derfammlnng. 'bung vom Donnerstag, den 27. November. »>n Vorsteher, Stadtv. Dr. Stryck, eröffnet die Sitzung Schuldiener der Gemeindeschulen haben der Stadt ein Penn? Jlm Erhöhung ihrer Gehälter und Zutheilnng der > onsberechtigung unterbreitet. Ausschuß zur Vorberathung des Antrages Stadt- betr. die Gewährung kostenfreier Lehrmittel an b>>n �nt konsiituirt und den Stadtv. S ch »PQQ VjO»«wu vvv|*«,v»pv e v,.v»«.v �trwief� tv. �amgtau einem Ausschusse zur Vorberathung die schon viel besprochene Vorlage betr. das öffent- Evesen. Die gemischte Deputation hat nach ein- "hläa«» Berathungen der Versammlung eine Reihe von Vor- schlaf,, gemacht, unter welchen Bedingungen künftighin das An- filo�'S?.»«pachtet werden soll. Der Magistrat beantragt sici„x.„ Beschlußfassung:„Die Versammlung erklärt sich einver- damit, daß auf Grund ver von der gemischten Deputation "eten Bedingungen die Verpachtung des öffentlichen tälloo 9!"elen§ ausgeschrieben und dem Meistbietenden der Zu- » ertheilt werde." x s Büsche beantragt, auszusprechen, daß während der v Beitrages die Stadtgemeinde einen anderen Unter- Ä>ve»°, Genehmigung zur Errichtung von Anlagen zu gleichen �ird L öffentlichen Straßen und Plätzen nicht ertheilen se Zusicherung soll sich nicht auf Kioske und andere "sinhpfi*8*" mit Anzeigen beziehen, sofern diese Anzeigen 4 ggochen unverändert belassen werden, auch nicht auf �le» Ä?Sen, bei welchen Anzeigen durch Inschriften auf Holz, Leinwand zc. znr Verwendung kommen. die ,,„?btv. Vogtherr und Gen. beantragen dagegen prinzipiell benähme des Anschlagswesens in die eigene städtische Eventuell, wenn dieser Antrag abgelehnt werden sollte, >cerd.». die Antragsteller, daß die Unternehmer verpflichtet �_ CjJ''—"-•—-•■** n r CT!,• �1. v,.- � ,.Otiig"' ,,'n tyren Offtzinen Die Zvtinimauoyne des Buchdrucker- �hlen. Schließlich wünschen die Antragsteller, daß "Jen ,nnß tens jährlich 183 000 M.(vierteljährlich 33 750 M.) jadto. Michelet beantragt, den Zuschlag nicht„dem Meistbiel d» brei �fftbietetidea" funp�'abtv. Mentel stellt den Antrag, die Bedingung einzu � daß Käxt-n' I', �bey'-t Nichts" einzuwenden. Äit« m.Vi»»_ > C �".Abstimmung wird der� Magistratsantrag beantragt, „einem der drei yuiijj viU' gegen den Prinzipalantrag des Stadtv. Voatherr "Ntrzl.�uen sozialpolitischen nennt, sowie gegen die Cventual- h«f."» i w �. c*r..*___ om CS und dien mit den an festgesetzt. des alten t: V\ t I. i m mt Cb a x* 1 1 Pl II P I auf Antrag des Stadtv. ung Sachs II und Genossen jJA1 �.ur �Vorberathung. G e r st e n b e r g an einen beantragen, den ersuchen,_ schleunigst eine neue Ba�u flucht- linie für die Rosen st raße festzusetzen.— Nach kurzer Begründung durch den Antragsteller wird der Antrag einem Ausschusse von 15 Personen überwiesen. Bezüglich der Abtretung von Land zum Reichstagsufer und eines darüber mit der Firma Sönderop& Co. abzuschließenden Vertrages verbleibt die Versammlung bei ihrem früheren Beschlüsse, nachdem vom Berichterstatter des Ausschusses, Stadtv. Dr. Meyer II, alle dagegen, namentlich von der Familie Nobi- iiiig und deren Sachwalter, Rechtsanwalt Goldstein, geltend ge- machten Bedenken als hinfällig bezeichnet worden waren. Die Errichtung eines neuen Gesindehospitals und der Verkauf des alten Hospital-Grundstücks, Koppenstraße 43, wird nach den vom Referenten Stadtv. Herrmann empfohlenen Antrage des Magistrats genehmigt. Es folgt die Magistratsvorlage, betreffend die Verlan- gerung derKaiser Wilhelm st raße bisznrHirten- st r a ß e. Auf Antrag des Stadtv. Wohlgemuth, welcher kurz klarlegt, daß hier mehrere wichtige Punkte noch Aufklärung und Erläuterung bedürfen, wird die Vorlage einem Ausschüsse über- wiesen. Das vorliegende Spezialprojekt zu der H a f e n a n l a g e am Urban wird ohne weitere Diskussion von der Versamm- jung genehmigt. Dieselbe stellt hierfür die Summe von 1 800 000 M., welche aus der Anleihe zu entnehmen sind, zur Ver- fügung. Schließlich liegt der Versammlung das spezielle Projekt zum Neubau einer Volksbadeanstalt in Moabit, Thurmstr. 82, sowie der mit 368 000 M. abschließende Kostenanschlag vor.— Die Vorlage wird vom Stadtrath B o r ch a r d t warm vertheidigt, während Stadtv. Dr. L a n g e r h a n s einige Bedenken gegen die zur Regel gewordene Anlage von Schwimmbassins geltend macht. Er hälr das Schwimmen im Winter doch nur für eine Art Sport. — Die Magistratsvorlage wird genehmigt und die Sitzung um 7'/) Uhr geschlossen. LQktLtles. Im Köpenicker Aufruhrprozrtz sind die Verhandlungen gestern zu Ende geführt worden. Wie das Urtheil auch aus- fallen möge,— zur Stunde liegt es noch nicht vor— soviel kann schon heute gesagt werden, die sozialdemokratische Partei als solche hat mit der ganzen Sache nichts zu thun. Der ganze Verlauf des Prozesses drängt den aufmerksamen Beobachter zu einem Vergleich mit dem bekannten Spremberger Krawall- Prozeß, der vor der Strafkammer zu Kottbus verhandelt wurde und den kleinen Belagerungszustand für den Kreis Spremberg zur Folge hatte. Und beide Prozesse haben in der That viel Aehnlichkeit mit einander. Ebenso wie in Spremberg hat man zuerst den Köpenicker Krawall— die Anklageschrift thut es auch jetzt noch— für einen sozialdemokratischen Putsch in die Welt hinausgeschrieen. Man scheute sich nicht zu behaupten, die Sozialdemokraten hätten einmal eine kleine Probe zur Vor- bereitung des allgemeinen Umsturzes machen wollen. Hier wie dort ist in den Verhandlungen nichts zu Tage getreten, was irgendwie ein derartiges; Licht ans die Partei werfen könnte. Im Gegentheil, der Poiizei-Jnspektor Jäkel muß zugeben, daß sich unter den Angeklagten kein sozialdemokratischer„Führer" befindet. In der gestrigen Verhandlung wurde festgestellt, daß z. B. der Augeklagte Ostwaldt sich gar nicht zu den Grundsätzen der Partei bekennt, ja daß er nicht einmal für die Achtstunden- Bewegung eingetreten ist. ES zeigt sich bei jeder Gelegenheit, daß der ganze Krawall entstanden ist durch die Erbitterung, welche gegen die Köpenicker Polizei, namentlich gegen den Inspektor Jäkel und die Polizisten Bienst und Döring bestand. Ganz so wie es in Spremberg der Fall war. Die Rolle, welche dort der Spremberger Bürger- meister spielte, hat hier Herr Jäkel übernommen. Wie Herr Jäkel im Gerichtssaale bei seiner Zeugenvernehmung aufgetreten l ist, das haben wir schon vorgestern berichtet und mit unserem Urtheil nicht zurückgehalten. Dieses Urtheil wird durch das Gebühren des Herrn im weiteren Verlaufe des Prozesses nur bestätigt. Ein Zeuge Weiß war zugegen, als der Arberter teilmann im Polizeibureau eine Älrbeiterversammlung anmeldete. r hat da gehört, wie der Herr Inspektor dem Versammlungs- Einberufer gegenüber von den faulen Arbeitern sprach, die nur täglich 4 Stunden arbeiten, die übrige Zeit aber mit anderen Dingen ausfüllen wollten. Was er mit den„anderen Dingen" meinte, kann hier nur angedeutet werden. Der Zeuge meinte zwar, diese Aeußerung hätte nur ein Witz sein sollen, Jäkel habe in jovialer Weise sich mit Heilmann einen Scherz erlaubt. Wir glauben auch, daß Jäkel nur„witzig und scherzhaft" sein wollte. Aber es liegt doch ein gewaltiger und tiefer Ernst in dieser ganzer Erscheinung. Wir meinen, es ist weit gekommen, wenn sich ein Beamter im dienstlichen Verkehr derartige Scherze erlauben darf. Und Inspektor Jäkel erzählt immer mit Emphase und indem er sich an die Mannesbrust schlägt, alle Denunziationen, alle Angaben gegen mich haben nichts genutzt, sowohl der Land- rath wie auch der Regierungspräsident haben mir immer das Zeugniß eines pflichttreuen Beamten gegeben und niemals Grund zum Einschreiten gegen mich gehabt.— Wie der knappe Ver- Handlungsbericht schon mitgetheill hat, kam es am Schiuße der Beweisaufnahme mit Herrn Jäkel noch zu einer recht erregten Szene. Der von der Vertheidigung geladene Zeuge Einfinger, ließ sich unter seinem Eide sehr gravirend und ausführlich über das Auftreten des Jäkel vor, während und nach dem Krawalle aus. Herrn Jäkel wird Gelegenheit gegeben, sich auf die Anschuldi- gungen Einfinger's zu verantworten. Er springt in großer Er- regung von seinem Zeugensitze auf und bestreitet zu allererst mit großer Entschiedenheit die Angaben Einfinger's. Der Zeuge, so sagt Jäkel, ist ein„Einberufer" der sozialdemo- kratischen Partei.(„Einbernfer" der Partei ist wirk- lich gut.) Nach dem 20. März, als das Militär eingerückt war, haben ich und die anderen Beamten dem Herrn Hauptmann Alles überlassen und nnS um nichts mehr ge- kümmert. Wir sind zufrieden, wenn wir ruhige und friedliche Einwohner haben! Rechtsanwalt Heine will nur das Eine fest- gestellt wissen, ob Jäkel thatsächlich die Aeußerung gethan: „Machen Sie das Fenster zu oder ich lasse reinschießen!" Jäkel muß das schließlich zugeben, er meint nur, außer den Zeugen hätten auch„Damen" ans den Fenstern des Hauses gesehen, welche ihn in gemeiner Weise beschimpft hätten. Er bricht in die klassi- scheu Worte rniS:„Entweder bin ich Beamter oder nicht. Wenn ich mir von dieser Sorte Menschen Alles gefallen lassen soll, ohne mich zur Wehre zu setzen, dann bin ich kein Beamter! Die Arbeiter sind nur deshalb so„falsch" aüf mich und die Polizei, weil wir sie auf„gesetzlichem Wege" an der Ausführung ihrer„ungesetzlichen Bestrebungen" verhindert haben."— Rechtsanwalt Heine konnte beim Beginn der gestrigen Ver- Handlungen eine Nnrichtigkeit in der Aussage Jäkel's nachweisen. Jäkel hatte bekanntlich behauptet, daß er sich bei seinen Hand- lungen stets im Einverstäudniß mit der vorgesetzten Behörde befunden habe, lliechtsanwalt Heine konnte eine Verfügung vor- legen, in welcher Jäkel's Benehmen seitens der vorgesetzten Be- Hörde als nicht angemessen bezeichnet wurde.(Das Nähere findet der Leser im Verhandlungsbericht.) Der Zeuge Jäkel mag uns hiermit genug beschäftigt haben und wir wollen, ebe wir die Lesprechnng der Beweisaufnahme beenden, nur noch eines Zeugen Erwähnung thun. Wo alles liedt, kann Karl allein nicht hassen nnd so erscheint auch bei diesem Prozesse, wo es sich ja um sozialdemokratische Partei-Anhänger handeln soll, Herr Bericht- erstatter Bennemann ans der Bilbfläche. Dieser Mann, welcher schon anläßlich des Nobiling- Attentats die unglaublichsten Enten über die Zugehörigkeit Nobiling's zur Sozialdemokratie m zah reichen Zeitungen verbreitet hat, hat auch bei diesem Prozeß seine Ersindunge-gabe in den von ihm verfaßten und im „Lokal-Anzeiger" erschienenen Artikeln glänzend bewährt. Vor- nehnilich dieses Zeugen wegen sitzt der Schuhmacher Buchwald, auf der Anklagebank, dem weiter eigentlich Nichts nachgewiesen ist, als daß er aus seiner Wohnung auf dem Flur, wo sich die Schlägerei mit dem Gendarmen Müller abspielten, hinaus ge- treten und ganz kurze Zeit hier verblieben ist, ohne eine Hand zu rühren. Buchwald erzählte, daß er Bennemann seinem ganzen Auftreten nach für einem Kriminalbeamten gehalten und lhm im Interesse der Aufklärung des Sachverhalts Mittheilnngen gemacht habe, welche er sonst unterlassen ist und die ihn nun auf die Anklagebank gebracht hätten. Bennemann sagte aus, daß ihm die Mittheilungen Buchwalds als solche eines„Augenzeugen des ganzen Vorfalls" erschienen seien.. Der gestrige Verhandlungstag brachte außer dem Schluß der Beweisaufnahme die Plaidoyers der Staatsanwaltschaft und der Vertheidigung. Die Anklagebehörde hält die Anklage auf Land- friedensbruch bei allen Angeklagten aufrecht; fällt der Spruch der Geschworenen, was wir nicht hoffen wollen, in diesem Sinne aus, so wandern sämmtliche 14 Angeklagte ins Zuchthaus, und zwar im besten Falle auf ein ganzes Jahr! Die Anklagebehörde läßt nur bei einigen Angeklagten das Vorhandensein erschwerender Momente fallen. Sie giebt zu, daß ein Zusammenhang zwischen dem Krawall und den Führern der sozialdemokratischen Partei nicht habe gefunden werden können, einen gewissen politischen Anstrich behalte jedoch der Köpenicker Aufruhr immerhin. Rechts- anwalt Heine, der die Vertheidigung seiner Mandanten mit imponirender Ruhe und Sicherheit, dabei mit großer Gewandtheit führt, weist diesen Ausführungen der Staatsanwaltschast gegenüber ganz energisch darauf hin, daß die ganze Affäre jeglichen politischen Hintergrundes entbehre. Terganze„Aufruhr"sei weiter nichts gewesen, als ein Krawall jugendlicher, halbwüchsiger Burschen, die wohl etwas Strafbares begangen, aber nicht die nöthige Einsicht zum Erkennen der Strafbarkeit ihrer Handlungen besessen hätten. Einen Hanpttheil der Schuld an den ganzen Vorkommnissen trage eben die Polizei und es sei Jammerschade, daß die Weisung des Bürgermeisters Borchmann, sich zurückzuhalten, nicht befolgt worden sei. Was wäre denn so tluerhörtes geschehen, hätte man die Leute ruhig im Zuge nach der Kneipe gehen lassen? Es mar durchaus nicht die Aufgabe der Polizei, sich gleich dem Zuge entgegenzuwerfen; im Gegentheil, es war ihre Aufgabe, ihres Amtes recht diskret und mit feinem Taktgefühl zu walten und nicht zu provozireu. Die ganze Sache hatte ihre Spitze in dem Groll gegen einzelne Persönlichkeiten und nicht im mindesten sei ein geplantes Vergehen'gegen die gesetzliche Macht vorhanden gewesen. In ähnlichem Sinne äußerte später Rechtsanwalt Stadthagen. Auch er führte in umsichtiger und gewandter Weise den Beweis, wie die Politik und die sozial- demokratische Partei absolut mit der Handlungsweise der Ange- klagten nichts zu thun haben, daß auch durch kein Moment der Thatbestand des Landfriedensbruchcs gegeben sei, daß vor allem eine„planmäßige Zusammenrottung" nicht vorliege. Der Erste Staatsanwalt Müller erwiderte, daß er auf die politischen Ausführungen Stadthagen's nicht eingehen wolle, da er nicht in den Ton des Vertheidigers verfallen könne. Herr Stadthagen bemerkte darauf, daß der Ton, welcher dem Staatsanwalt nicht gefallen zu haben scheine, der Ton der Wahrheit gewesen sei. Erst in später Abendstunde waren die beiderseitigen Rede- tonrnire beendet. Es folgte hierauf noch die Rechtsbelehrung, welche der Vorsitzende den Geschworenen ertheilte. Da die Be- rathung der Geschworenen längere Zeit in Anspruch nehmen wird und darauf noch eine ganze Reihe von Formalitäten zu erledigen sind, so wird die Urtheilsverkündigung erst in später Nachtstunde erfolgen können. Wir werden deshalb kaum in der Lage sein, den Urtheils- sprach noch in der heutigen Nummer zu veröffentlichen. Jedem Fläschcheu de« Koch'fchen Wittels ist eine Gebrauchsanweisung beigegeben, welche nach der„Pharm. Ztg." folgendermaßen lautet: Das Mittel ist längere Zeit haltbar. Die zum Zwecke der Behandlung herzustellenden Verdünnungen dagegen verderben leicht und werden dann trübe. Trübe ge- wordene Flüssigkeiten dürfen nicht gebraucht werden. Um die Verdünnungen vor dem Verderben zu schützen, müssen dieselben nach jedesmaligem Oeffnen des Gefäßes aufgekocht werden. Dies letztere ist jedoch nicht erforderlich, falls man zur Herstellung der Verdünnung Vs pCt. Karbolsäurelösung genommen hat. Die Ver- dünnungen werden in der Weise hergestellt, daß man zunächst eine 10 pCt. Lösung anfertigt, indem man zu 1 cc des Mittels 9 oc destillirten Wassers oder Va pCt. Karbolsäurelösung hinzu- fügt. In derselben Weise wird von der 10 pCt. Lösung eine 1 pCt. bereitet. Damit besitzt man diejenigen Verdünnungen die man zur Behandlung Erwachsener nöthig hat. Für Kinder ist es zweckmäßig, eine noch stärkere Verdünnung, z. B. eine 0,2 pCt., zu denutzen. Da die schwächeren Lösungen bei längerer Aufbewahrung an Wirksamkeit verlieren, so empfiehlt es sich, diefelben so oft als möglich frisch herzustellen. Ist zu den Lösungen deslillirtes Wasser verwandt, so müssen dieselben in sterikisirte, mit Wasserpfropfen versehene Reagensgläschen gefüllt werden, da sie sich in diesen am bequemsten über einer Gas- oder Spiritusflamme aufkochen lassen. Das Mittel wird vermittelst subcutaner Injektionen einverleibt, und zwar hat sich erfahrungs- gemäß als beste Jnjektionsstelle die Haut zwischen den Schultern- blättern und in der Lendengegend erwiesen. Die Injektionen lassen sich am besten mit einer sterilisirten Koch'schen Spritze von 1 oc Inhalt und Vio oc Eintheilung ausführen. Der Gang der Temperatur muß sowohl vor dem Beginn der Injektionen, als auch während derselben verfolgt werden. Es ist deshalb noth- wendig, mindestens einen Tag vor der ersten Injektion mit dreistündlichen Temperaturmessungen zu beginnen und dafür zu sorgen, daß dies während der ganzen Kur weitergeführt wird. Die Injektionen sind in den frühen Vormittagsstunden vorzu- nehmen, damit die Wirkung derselben, namentlich auf die Körper- temperatur, die erst einige Stunden später eintritt, noch an dem- selben Tage beobachtet werden kann. Zu der ersten Injektion bei Schwindsüchtigen sind 0,001 oder 0,002 cc des Mittels zu ver- wenden, indem man von der 1 pCt. Lösung 1 bezw. 2 Theilstriche einspritzt. Die Injektionen werden dann mit Unterbrechungen von einem oder mehreren Tagen so lauge fortgesetzt, bis die Krankheitssymptome verschwunden sind. Handelt eS sich um einen nicht sehr ausgedehnten Lupus, so kann man bei Erwachsenen gleich 0,01 co anwenden und nach Bedarf wiederholen. Dasselbe gilt für Knochen-, Gelenk- und Drüsentuberkulose. Für die rich- lige Beschaffenheit des Mittels kann nur dann garantirt werden, wenn dasselbe von dem Unterzeichneten direkt bezogen ist. Dr. A. Libbertz, Berlin NW., Lüneburgerstr. 28 II.— Hinsichtlich der Zusammensetzung des Mittels von Professor Koch neigt man jetzt der„Pharm. Ztg." zufolge in sachverständigen Kreisen der Mei- nung zu, daß man es mit einem Stoffwechsel-Produkt des Tuberkelbazillus, einem Ptomaln, zu thun habe.'(Als Direktor der Koch'schen Klinik ist denn auch der bekannte Ptomalnforscher Professor Brieger in Aussicht genommen.) Are jede lebende Zelle, so erzeugen auch die Bakterien eine Menge von Stoff- wechsel-Produkten, welche bei dauerndem Au; enthalt im Nährstoffe das Leben der Zelle schließlich unmöglich machen. Diese Ausscheidungen— mit dem technischen Ausdruck Ptomaln belegt— sind krystallisirbare Gifte, welche Aehnlichkeit mit Pflanzenalkalolden haben. Schon die bisherigen Erfahrungen ließen darauf schließen, daß das Koch'sche Mittel ein sehr starkes Gift sein müsse, da es schon in fast unendlich kleinen Gaben stürmische Erscheinungen hervorruft. Nach der Meinung eines Sachverständigen ist das selbe schwer zu erzeugen und seine Anwendung so gefährlich, daß es nicht jedem Arzt anvertraut werden könne.— In Wien ist dieser Tage in dem chemisch-mikroskopischen Laboratorium der Doktoren M. und A. Jolles eine chemische Analyse der Koch'schen Lymphe vorgenommen, die jedoch ein positives Ergebniß nicht herbeigeführt hat und für Laien um so weniger Interesse haben dürfte, als der betreffende Bericht über diese Untersuchung der zahreichen technischen Ausdrücke wegen kaum verständlich er- scheint.— In der Pariser Presse vollzieht sich endlich ein langsamer Umschwung in der Beurtheilung der Koch- scheu Entdeckung. So werden die Unteredimgen mit dem aus Berlin zurückgekehrten französischen Aerzte Dr. Filleau mit- getheilt, der sich daselbst über das Koch'sche Verfahren unterrichtet hat. Er habe, so sagt dieser, einen ausgezeichneten Eindruck mit- gebracht; das Mittel wirke auf den Tuberkel- Bazillus mit un- fehlbarer Sicherheit und gestatte eine unbedingt zuverlässige Diagnose. Zwar tödte es die Bazillen nicht, aoer es mache ihnen den Aufenthalt so unangenehm und unleidlich, daß sie sich sogleich in großen Massen zur Auswanderung entschlössen.„Ich habe das selbst gesehen, mit meinen Augen gesehen, wirklich gesehen. Ich habe sogar bemerkt, daß gegen das Ende ihrer Auswandc- rung die Bazillen nicht mehr so kräftig und gesund aussehen, wie die ersten Auswanderer. Sie sind verschrumpft, gedrückt, haben ein kränkliches Aussehen und sonderbare Verzerrungen; man sieht, daß sie gelitten haben." Bezüglich der vorgekommenen Todesfälle meint Filleau, daß die Impfung bei sehr vorgeschrittenen Ca- vernen nicht ohne ernste Gefabr sei. Tie Lymphe wirke hier, da sie ein größeres Thätigkeitsseld habe, mit besonderer Heftigkeit. Die tuberkulösen Gewebe schwellen an,„arbeiten", wie in Gäh- rung übergegangener Teig, nnd darum kämen Erstickungsanfälle, die leicht bei mangelnder Widerstandsfähigkeit der kranken Lunge mit dem Tode enden könnten. Was den Lupus anlange, so sei die Wirkung des Koch'schen Mittels in sicherster Weise testgestellt, und das allein sei schon ein ungeheuerer Triumph. In ähnlicher Weise und im höchsten Grade anerkennend äußert sich ein anderer ranzösischer Arzt, Dr. Schafficr, in einem Berliner Briefe an seinen hiesigen Kollegen Dr. Garcin. Letzterer bemerkt sehr richtig, daß man Koch's Versahren nicht kritisiren solle, ehe man es kenne nnd angewandt habe, wie es zu Unrecht gewisse seiner Kollegen thäten.„Hier hat der Chauvinismus nichts zu suchen. Die Wissenschaft hat kein Vaterland und es ist lächerlich, das Ver- dienst nicht jedesmal anzuerkennen, wo es hervortritt." Die Kedriituirg dev Koch'sche»» lßntdechiiiig für die Kozialdenwkrntie. Es geschieht heutzutage kaum etwas von Bedeutung im öffentlichen Leben, woraus die Sozialdemokrarie nicht Nutzen zöge, ein immer wieder von Neuem dafür gelieferter Beweis, daß der Lauf der Ereignisse selbst eS ist, der die zukünftige Ordnung der Dinge vorbereitet. Dafür bietet auch die Koch'sche Enideckung mit ihren bis jetzt noch unabsehbaren Folgen ein augenfälliges Beispiel. Daß das neue Heilmittel nach einigen Generntionen in den Kulturländern wenigstens die Tuberkulose zu einer sehr seltenen Krankheit gemacht haben wird, darf schon etzt mit Bestimmtheit behauptet iverden. Ein noch viel groß- artigerer Ausblick eröffnet sich uns, wenn, wie es den Anschein hat, das von Koch gefundene Prinzip eine Anwendung auf alle Jnfektions- Krankheilen zulassen sollte. Aber auch ohne dies genügt die Thatsache von der Vernichtung der Tuber- kulose, um daran zu zeigen, inwiefern dadurch der Sozialdemo- kratie in die Hände gearveilet>vird. Betrachten wir die Verhältnisse in Deutschland. Bei uns sterben alliährlich ca. 180 000 Menschen an Tuberkulose, und zwar die Mehrzahl davon in schon erwerbsfähigem Alter. Die Zahl derjenigen, welche infolge der Krankheit vorübergehend oder dauernd erwerbsunfähig sind, beträgt nach einer»näßigen Schätzung das Drei- bis Vierfache. Es leuchtet ein, welchen beträchtlichen Zuwachs die industrielle Reservearmee erhalten wird, wenn nur diese eine Krankheit verschwindet. Die Folgen davon stlr das soziale Leben liegen auf der Hand. Aber abgesehen von den Todken und Kranken erleiden auch die Gesunden, welche aus der Krankheit einen Theil ihrer Nahrung ziehen, Aerzte, Apotheker, Krankenwärter ec. eine wirthschaftliche Schädigung, die in letzter Linie wiederum der Sozialdemokratie zu Gule kommt. Man bedenke serner: Wie mancher Genosse, der jetzt noch an der Krankheit dahinsiecht, und der, den gewissen Tod vor Augen, mit einer Art von dumpfer Verzweiflung sein Ende erwartete, war gelähmt in seinem Denken und Handeln und damit im Wirken für die gemeinsame Sache. Das wird nun anders werden. Mit neuer Lebenssreude, die nur derjenige zu ivürdigen weiß, der sich schon verloren gegeben hatte, iverden diese Ge- Nossen die Fahne, die ihren Händen schon entsunken war, wieder ergreifen und sie als begeisterte Apostel den Uebrigen voran zum Siege tragen. Wie aber müssen nun alle die falschen Propheten ver- stummen, die nicht aufhören zu predigen, die Welt sei ein Jammer- thal und die Menschen darin zum Leiden bestimmt; Krankheit und Roth habe es immer gegeben und werde es in alle Ewigkeit geben. Denn man vergesse nicht: Die Hygiene und ihr hoffnungsvollster Zweig, die Bakteriologie, sind noch sehr pinge Wissenschaften, die erst eben die Flügel zu regen beginnen und die schon ganz andere Erfolge gezeitigt haben würden, wenn die Regierung sie nicht bisher'in stiefmütterlicher Weise behandelt hätte. Denn, was soll man dazu sagen, daß ein lumpiges Hunderttausendstel von der Riesensumme, welches der Staat all- jährlich für das Militär ausgievt, hinreichen muß, um die jähr- lichen Bedürfnisse des Berliner hygienischen Instituts zu be- streiten! Wenn dieser Bettelpfennig schon jetzt so überschwäng liehe Zinsen getragen hat, was werden»vir erst von der Zukunft erwarten dürfen, welche die Wissenschast zu ihrem Schooßkinde erheben wird, während die Gegenwart sie bei Wasser und Brot darben läßt! Es ist eine unbestrittene Wahrheit, daß die geistige Ent- wicklung eines Volkes mit dem körperlichen Gesundheitszustand Hand in Hand geht; nur in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist. Also auch von diesem Gesichtspunkte aus dürfen wir hoffen, daß es in den Köpfen heller iverden wird, wenn der Leib gesundet ist. Das Ende der geistigen Knechtschaft dämmert herauf, um so mehr, als durch die unver- gleichliche Entdeckung auch den Finsterlingen, die sich die von Krankheit gequälte Menschenkrcatur mit Vorliebe zum Operations- gegenständ ausersehen, um da den Hebcl einzusetzen für die geistige Verduminung» auss Neue ein Stück Terrain abgewonnen ist. Der „Finger Gottes" ist wieder ein Stück kürzer geworden! Fürwahr, es ist eine Lust, am Ende des 19. Jahrhunderts zu leben! Den« Dr. William ittttf ist nach der„Staatsbürger-Ztg." vom Professor Koch die Lymphe entzogen worden. J» der Dolilllinik de« Professors Dr. Litte»», Dorotheenstr. 8, werden wochentäglich von 1—2 Uhr geeignete Kranke nach der Methode des Herrn Geheimrath Koch behandelt. Rasche»» Schritte« eilte gester»» nnd»orgestern Jeder reinei»» warme» Hein»?». Der Winter»var nach langem Zaudern plötzlich über Nacht eingetreten. Erstaunt werden sich die Meisten Morgens beim Erwachen die Augen gerieben haben, als sie die Fenster ihrer Wohnung mit dicken Eisblumen besroren ähen. Demzufolge hat auch ein Jeder, bevor er seinen Geschäften nachzugehen gezwungen war, sich doppelt so warm eingehüllt wie bisher, vorausgesetzt eben, daß er zu Letzterem im Claude war. Der aufmerksamere Beobachter konnte unter den im Sturmes- chritt dahineilenden Fußgängern so manchen armen Teufel be- merken, der zitternd vor Kälte, die Hände tief in die Hosen- taschen vergraben, in seinem dünnen abgetrageneu Röckchen umher- lief. Den Wenigsten dürste es wohl beigefallen sein, auch jener Unglücklichen zu gedenken, welche nicht in der angenehmen Lage llnd, ein trautes Heim, ja nicht einmal eine dürftige Schlafstelle hr eigen zu nennen. Ohne durch warme Kleidung der Kälte irgend welchen Widerstand bieten zu können, ja meistens sogar ei denn das Arbeitshaus. Damit ist die heutige gerne bereit, den durch die traurigen Verhältnisse Berariulen zuspeisen.. Da« ev/ic(Opfer. Dem Eis ist gestern bereits ein W L des Menschenleben zum Opfer gefallen. Am Vormittag tumm � sich auf dem hinter der großen Kränge im Rum Nienburger. liegenden Floßplatz drei Knaben— im Alter von 12 bis 13�� — umher und unternahmen von dort aus Exkursionen astl dünnen Eisdecke, welche den See daselbst bereits belegt Sie waren hierbei so wagehalsig, daß sie immer weiter � drangen und auch die warnenden Zurufe der in ihrer"'a')... findlichen Schiffer nicht beachteten, sondern die ipohlinew* � Warner noch obendrein verlachten. Plötzlich trat die Katasti � ein, die von den Schiffern befürchtet worden ivar, die El- brach, und alle drei Linaben fielen in das Wasser. Obwoi), Schiffer aus der Nähe sofort hilfsbereit zur Stelle waren, gs ,� es ihnen doch nur, zwei der Knaben aufzufischen und in Siw° � zu bringen, während der dritte von der Strömung unter � Floßholz getrieben wurde und elend zu Grunde ging.? Fischer noch im Lause des gestrigen Tages nach der Leiche haben sie dieselbe nicht auffinden können. Wir»vir hören, inj, verunglückte Knabe der Sohn eines in Berlin in der 0 urterstraße wohnhaften Mechanikers, der sich in Rummelbing einer Tante zum Besuch aufgehalten hat. ohne warme Speisen genossen zu haben, müssen diese a> Gesellschaft Verstoßenen herumirren. Eine Arbeit zu FW. diefe Hoffnung haben sie schon längst aufgegeben,' Wochen und Monate laug von Stelle zu Stelle und tl geblich gelaufen waren. Es melden sich auch gar zu picli u sollten sie, die sie jetzt entkräftet und in ihrem lu»?*. eW heruntergekommen sind, noch irgend welche Hoffnung w haben sich schon längst mit Stumpfheit ihrem Schicksal erg So lange es wärmer war, konnten sie das Leben noch e>»� maßen ertragen, wenn sie auch oft Tage lang hungern � dursten mußten, es fand sich doch immer noch öfters Em, heit, wenige Pfennige zu erlangen. Nachts konnte man am besten bei Mutter Grün schlafen. Jetzt aber ist lich die grimmige Kälte eingetreten, und»vas�»u» � sangen? Wenige dürften wohl an W> kleine Klasse unserer Mitmenschen gedacht haben. Wer H"' fortwährend an all das Elend, welches � uns umgielch i» Leider wird man auf Schritt und Tritt daran erinnert.. selten kommt es vor, daß man Obdachlose mit depi beia" grünen Wagen nach ihrem Bestimmungsort befördern sich'- wie groß das soziale Elend in dieser Beziehung ist, dast»y wir in der Lage, aus der Statistik einen außerordentlich chst K den Beweis liefern zu können. Das städtische Obdach, eine... richtung, welche nächtlich Obdachlosen für kurze Zeit U"st.u und ebenso auch exmittirten Familien W"ncnC Unterkommen gewährt, hat für uns vy e i uj u i•-- 1889/90 im Ganzen 220 706 Personen aufney"' müssen, unter denen sich 1298 Familien ' i n d e n.,, Während man sonst beim Transport eines Obdachlose» � grünen Wagen zum Gesänguiß oder Arbeitshaus das 9.(, Mitleid empfindet, kann man sich angesichts der 9. � Kälte nicht de? Gedankens erwehren, daß..1 olchen Unglücklichen die Polizeiwache und der enthalt im" Gesängniß ein wahres Eldorado int gleich zu seiner bisherigen Lebensweise sein muß. Wir damit durchaus nicht eine Lanze für die Polizeiivachen uuo nngnisse brechen, nichts liegt uns ferner, als das.� Wir nur damit noch besonders die schreienden Mißstände»» heutigen der besten aller Gesellschaftsordnungen hervorheben Auf der einen Seite sehen wir Leute, denen P"'�" w Dutzenden und Dutzenden von Zimmern gehören, auf der an( Seite Leute, denen nicht einmal das bescheidenste Plätzchei � Verfügung steht, wo sie Unterkommen für die Nacht ho% hat» cuf am Dienstag Mittag 1 Uhr 5 Min. in der Tischlerei der P der Mllhlenbau- Aktiengesellschaft vormals Allee 75— 70. Ter Mühlenbauer Heinrich Müller war vierwöchentlicher Krankheit zum ersten Male wieder zur erschienen, er gerieth mit der linken Hand in die große chtH-' � vier Finger jammt dem halben TP.'■ lagen in den Abschnitter Gin brvnnerlicher schwerer Ungliiiilsfall ereignete � .................%% isitutii, VL ytvmvy»»»»V vvt innvii»yuuv vn vtv vjwpv..,�1' — ein Moment, und vier Finger sammt dem halben TP „en in den Abschnitten. Die vier zusammenhängenden p,..« würden in Papier gepackt, das Stück Daumen war aber»iP�ti finden. Der Verunglückte ist noch ledig und wurde von'.. Kollegen sofort mittelst Droschke nach der königlichen KliNE� chafft. Obgleich die Schutzvorrichtung nur von einer � Schutz bietet, so wäre das Unglück doch nicht passirt, wH' � Tischler, der die Säge eingesetzt, auch den sogenannten Ken der Säge, den er losgenommen hatte, sofort wieder besestigs l> Vorsichtshalber griff der Arbeiter hinter die Säge, um d«' chnittene Stück weg zu nehmen aber mangels dieses Keu- er in den unsichtbaren Kreislauf der Sägezähne und das u»» war geschehen. iji "lord- niid Uaubversuch. In der verflossenen gegen IVa Uhr von dem achtzehnjährigen Tischlerlehrling Schmidt gegen den Schankwirth Nagel, Grüner Weg-' gp Mord- nnd Beraubungsversuch unternommen worden. � Bursche hatte sich schon von lOVa Uhr Vormittags in d«»� treffenden Lokal aufgehalten und sich am Abend gegen des Geschäfts verborgen gehabt. Als Herr Nagel um die e> zegebene Zeit die letzten Gäste entlassen und die Laden»?» chlosscn hatte, wollte er Kasse machen und begab sich" hinter den Schanktisch. Er vernahm hierbei zwar ein®c'$ als sich aber auf sein Anrufen nichts weiter regte, glaubte � eine Sinnestäuschung und beugte sich beruhigt»PI 5:1 Ladenkasse, um das Geld derselben zu sortiren �,-ujih i ählen. In diesem Augenblick erhielt Herr Nagel PK%n hinterrücks einen furchtbaren Schlag mit einem Vierglas a> � Kopf, dem in schneller Folge noch etwa zwanzig andere PLpH Kopf und in das Gesicht folgten, so daß der Getroffene, na» K. er einen Hilferuf ausgestoßen, blutüberströmt zusammen �ii< Zwei von den Gästen, welche Herr Nagel zuletzt aus de* Jea gelassen hatte, waren vor derselben noch kurze Zeit stehen 0eD.�t, und hatten den Hilferuf und, durch denselben aufmerksam 9*' je? mehrere dumpfe Schläge und schließlich das Niederstürze».� Ueberfallenen gehört. Da der Laden geschlossen war, verw � Tic nicht sofort in denselben einzudringen, sie riefen daist*„„n dem Wächter, der auch bald zur Stelle war und, nachdem* � der Situation verständigt worden war, sofort die Hausth» jHi chloß und mit den beiden Personen vereint von der hintere» aus in das Lokal eindringen wollte. Diese Thür wurde stdH» � innen zugehalten, so daß die drei Personen große Gewalt mußten,"um den Einlaß zu erlangen. Der Mordgeselle hatte auf diese Weise den Leuten den Eintritt zu wehren 9 f und war, als er dies nicht mehr vermochte, in den Ke» � lüchtet, um sich dort zu verbergen. Die Eindringenden den Nagel in einer Blutlache bewußtlos am Boden g, cd' Während die beiden Gäste ihn aufnahmen, wurde PP*» if Hilfe requirirt, die Beamten durchsuchten den KelU*� st' welchen der Thäter geflüchtet war, und sie fanden ih»»»h� ämmengekauert in dem nach der Straße führenden Kchv.jgfj Als Schmidt sich entdeckt sah, sprang er mit einem»»' r.|Z, Satz in den Keller zurück und wollte sein Heil in de* iyll 'uchen; er wurde jedoch bald gestellt und sestgenommen. ,u, daß es in seiner Absicht gelegen habe,'dem Nagel,»»„# er denselben durch Schlüge betäubt, die Tageskasse zu 1» bestreitet indeß, daß er de» Nagel habe tödten woll*»' Verletzte ist in ein Krankenhaus gebracht worden und*. Ich nach dem Gutachten der Aerzte außer Lebensgefahr. JF Dir Lrueiiwrljr ist seit vorgestern Mittag neu»,' alarmirt worden. Drei der Brände waren von deutung. Vorgestern Abend um Va9 Uhr brannte in der r, traße 16 das halbe Vorderhaus eines Neubaues dil*H»it I Etagen, so daß vier Rohre in Thätigkeit treten mußten. ütirf Um 3 Uhr 30 Min. ging der Dachstuhl vom linken Seitenflügel Hauses Chausseeflraße 45 in Flammen auf. Der Brand durchschlug auch die Decke der darunter liegenden Wohnung. Um Uhr früh endlich kam in der Köpenickerstr. 93a ein Feuer aus, dei dem sechs Personen in Gefahr geriethcn. Das Feuer war in der Posameutierwaren-Fabrik von Broloweki ausgekommen, die Rauchentwickelung war gleich von Anfang an eine so gewaltige gewesen, datz die Treppe vollständig verqualmt war und den Bc- wohnern der Rückweg abgeschnitten war. Tic Feuerwehr drang mit Todesverachtung durch den Rauch hindurch bis zu den ge- fährdeten Leuten vor und beruhigte dieselben so weit, daß sie in der inzwischen gesicherten Wohnung verblieben. Der Geschäfts- mhaber erlitt bei den Löschversueben einige Brandwunden im Geficht und wurde von den Samaritern der Feuerwehr ver- Kunden. . Die Keilage der leMen Dummer der„Berliner DolKs- Tribüue" ist gestern Morgen des Romans wegen mit Aejchlag belegt worden. . J« unserer gestrigen Mlttheilnng über die Ausweisung Genossen Janiezewsti wird uns ganz sicher mitgetheilt, daß oieselbe absolut unwahr ist. I. wohnt nach wie vor unbehelligt Aixdorf, Kottbuser Tamm 99. � volizeibrricht. Am 25. d. M. Nachmittags kam der wtuhlenbauer Müller in der Maschinenfabrik für Mühlenbau, pnnzen-Allee 75». 76., mit der linken Hand einer im Betriebe befindlichen Kreissäge zu nahe, und wurde ihm die Hand von der ifdg« Zur Hälfte abgeschnitten. Ter schwer Verletzte wurde nach ber ttnivertztätsklinik gebracht.— Am 26. d. M. Nachmittags jj" eine 66 Jahre alte Frau vor dem Hause Lützowstr. 99 in s bines Fehltritts nieder und brach den linken Arm.— Als oet Kutscher Wicke Abends in der Torfstraße seinen mit Erde be- mdenen Wagen unbefugt auf den Fahrdamm entladen wollte, tAr er von mehreren"Arbeitern angehalten und derartig gc- Ichlagen, daß er eine klaffende Wunde am Kopfe davontrug. Nach e-tulegung eines Nolhverbandes wurde er nach der Charitee ge- v-uci)!.— Zu derselben Zeit siel vor dem Hause Jnvalideusir. 7 eui Dienstmädchen in der Trunkenheit nieder und erlitt«ine so G>werc Verletzung am Hinterkopfe, daß seine Ueberführung »ach dem Lazarus-5krankeuhause erforderlich wurde.— Abends wurde der obdachlose Arbeiter Weinert im Stalle Kreuzbcrg� maße 29 mit einer bedeutenden Verletzung am Bein, welche er U 2t. d. M. durch den Hufschlag eines vorüberkommenden Wierdes erlitten haben will, aufgefunden und nach dem Kranken- jmche am Urban gebracht.— In der Nacht zum 27. d. M. ver- «Uchte ein unter sittenpolizeilicher Kontrole stehendes Mädchen Mr dem Hause Planuser 5 sich mittelst eines Messers die Puls- »ver an der linken Hand zu durchschneiden. Es wurde jedoch an er völligen Ausführung der That verhindert und brachte sich »ur eine leichte Verletzung am Handgelenk bei, welche im Kranken- tzause am Urban verbunden wurde. Nachdem das Mädchen von Oort entlassen worden war, wiederholte es kurze Zeit darauf vor oen, Hause Belleallianceplatz 23 den Selbstmordversuch und wurde wch der Charitee gebracht.— Abends entstand in dem ersten «lock des Neubaues Wöhlertstr. 16 Feuer, welches alle vier Stock- A>erke ergriff.— In der Nacht zum 27. d. M. brannte ein Theil oe» Dachbodens des Hauses Chausseestr. 45 und die Decke der darunter liegenden Wohnung. Außerdem fanden am 26. d. M. •"»f kleinere Brände statt. Hochwasser. ß Seite, 27. November. Der Bahnverkehr ist auf der Saale- �henbahn mit Ausnahme der Strecken Jena- Orlamünde und chwarza-Uhlstüdt unterbrochen. wo«"' 27- November. Der Rhein ist hier immer noch, « auch langsam, im Steigen. In voriger Nacht stieg derselbe CAB Meter. Der Morgenpegel zeigte 6,08 Meter. SRb»- s �1 e r, 27. November. Durch das Hochwasser des u,.w.. wurden die Arbeiten zur Stromregulirung unterbrochen t eilweise zerstört. Ter Rhein ist hier noch im Steigen. b e s d e n, 27. November. Seit heute früh 4 Uhr ist das uuchser im Fallen und jede Gefahr beseitigt. «....Flensburg, 26. November. Seit der furchtbaren Sturm- fch um 12./13. November 1872 hat an unserer Ostküste das Hochwasser keine solche Verheerungen und Schäden angerichtet (t,. gestern und heute. Infolge eines orkanartigen Nordost- liUrmsstieg das Wasser der Ostsee zu solcher Höhe, daß sämmt- 3W™PÜufet am Hafen von den Wogen umspült wurden. Wasser drang ganz plötzlich in die Häuser, so daß die Be- »„»"er des Erdgeschosses aus dem Schlafe aufgeschreckt wurden D schleunigst in die oberen Stockwerke flüchten mußten. Der �"'"verkehr mußte vollständig eingestellt werden. Die Haupt- mußte geräumt und die Bataillonskasse in Sicherheit gc- imtS werden. Ter Hafendampfer„Möwe" riß sich los und o»** Uber das Bollwerk geschleudert. Wie bereits telegraphisch snS�oet, semk das dänische Segelschiff„Kolding", und zwar mit xnt l1 Schnelligkeit, daß die Besatzung nur das nackte Leben flid* i ein Kohlenschiff ist gleichfalls untergegangen. Viele T°?İote rissen sich los und trieben aus das Meer hinaus. bilh.»&. Zwischen dem Staatsbahnhof nnd dem Kieler Bahnhof me ein wogendes Meer. In der Neustadt standen die �(f«a 4. a ntoXfitrXy tn 1? Und viele Häuser unter Wasser; vielfach mußte i» h.« Booten stattsinden. Sluf der großen Schiffswerft und Eisengießerei nmßte die Arbeit vollständig ei» werden, da Alles überschwemmt war. Der Schaden ist falls dio.beträchtlicher. AuS den Nachbarstädten laufen gleich- fluch. trubendsten Nachrichten über die verheereude Sturm- lebe» letzt ist glücklicherweise kein Verlust an Menschen- wO» beklagen. kurz en, 25. November. Wie durch den Draht bereits Zu»,.bldst wurde, sind der Hochfluth hier auch Menschenleben Oes trautL?6'�"-- �e„Köln. Ztg." giebt folgende Schilderung �urrioi«.� Ereignisses: Gestern Mittag vor 12 Uhr fuhr ein 1», ai.i � Se» über den Altenmarkt gegen die Rathhansbn'icke im» Dd.«?,",. Wagen befanden sich Oberpostassistent Richter, der listen„,,s' Uch begeben wollte, fünf Postunterbeamte, zwei Zivi- Seacht. ut> der Postillon. Auf dem Altenmarkt rissen die enl- '"»gen. suchen Fluthen den Wagen zurück. Ein großer Jagd- t fo>-i,..77'°'"............... Als der Postwagen von'bem '- öetlsien wurde, suchten die Insassen des Jagdwagcu� ' a 1 �- _ fluf ueu zvüvtyvi» q».---..._ unben tJui1 nu Zwanzig Feuerwehrleute und Ziviste» sich be- «chgihen». gleicher Zeit über den Altcnmarkt durch die Muster f°.5" W.°g°" ZU kommen. MWMjW � Hilfe'°�de. suchten iv........... rtte ii,,, kommen. Nun kam die Katastrophe. Der Jagdwagm ,°tzt«r seine Insassen fielen alle inS Wasser; Schlosser- -'Ugei,„.lwarz wurde im Fallen nach der Aussage von Augen- Abend.,, ti-o ,01»ein Vlutsturz befallen nnd verschwand in den �Oeckli» Die Anwohner des Altenmarktes, welche diesen le lnj; u Vorgang bemerkt hatten, suchten mit allen Mitteln den Wellen Ringenden tu rette». Seile und — Der! Polizeibericht ergänzt diese Schilderung, indem er meldet, daß 5 Personen ertrunken sind und zwar 1) Ober-Postassistcnt Richter; 2) Fuhrmann Karl vom Wege, der ebenfalls mit seinem mit zwei Pferden bespannten Wagen in die Strömung gerieth und mit den Pferden ertrank; 3) der Schlosser, Feuerwehrmann Schwarz aus der Feldstraße; 4) der 18 Jahre alte Feuerwehrmann Schmitz; 6) der Fabrikarbeiter Julius Reuter von Ober- barmen. BW >n�"che xontho?ollcn Ringenden zu........ faft% heran«-.'!'m Hifle Rufenden zugeworfen und die «0», Ltzd durch Fenster und über Vordächer mit % Ä seff"b?s sich�Hils. kam (0,e Zeit f«n� s�0'"ond Besonnenheit und Ruhe verlor, hielt sich ".0 un dem schwimmenden Wagen fest, ließ aber bald — cv.■-n-r 1,0« Pferd.« versank in den Fluthen. �urde in den Arm en mit den -»««SÄ« Der GertÄhks Äeitnng. Der Köpeuicker Krawall. Vierter Tag. Nach Eröffnung der Sitzung durch den Laudgerichtsrath Voigtei wird noch einmal der Kreisphysikus Dr. Falk vernommen Derselbe wiederholt, daß der Tod des Gendarmen Müller durch Lungenzerreißung erfolgt ist. Müller hatte einen Stich in den Rücken durch die Lungen erhalten, letztere wies aber mehrere Verwundungen auf, so daß anzunehmen ist, daß das Messer, womit gestochen wurde, während des Stechens umgedreht worden ist. Die anderen Verwundungen waren nicht tödtlich, die Möglichkeit, daß auch sie an und für sich den Tod durch Verbluten hatten herbei- führen können, erscheint jedoch nicht ausgeschlossen. Eine kurze nachträgliche Vernehmung des Segeauten V i en st dreht sich um die Frage, ob derselbe, wie von einer Frau be- hauptet wird, den Angeklagten Reuter zuerst geschlagen hat.— Zeuge V i e st: Ich bestreite das ganz entschieden. Als ich am 20. März die Grünauerstraße entlaug auf Patrouille ging. forderte ich zwei mir begegnende Frauen auf, auf den Bürger- steig zu gehen, indem ich sie auf die Ereignisse dieses Abends aufmerksam machte. In demselben Augenblick schlug mich Reuter mit seinem Stock über den Kopf und Rücken und bog mir den Säbel krumm.— Präs.: Haben Sie vielleicht nach- her den Reuter geschlagen— B i e n st: Nein, ich konnte ja nicht, mein Säbel war ja krumm gebogen.—Präs.: Möglich wäre es ja doch immer, daß Sie mit dem krummen Säbel geschlagen haben?— Vienst: Ich bestreite, überhaupt geschlagen zu haben Ich hatte den Reuter in der Menschenmenge zu schnell aus den Augen verloren.— Ter auf Antrag des Reuter nochmals befragte Restaurateur Bosifeld bekundet, daß Reuter am Abend des 20. März eine Wunde an der Hand und eine zweite am Kopf gehabt hat. R.-A. Heine richtet noch einige Fragen an den Polizei Inspektor Jäkel: Sie haben gestern gesagt, daß alle Beschwerden, welche über Sie und Ihre Kollegen erhoben worden sind, alle vom Regierungspräsidenten als unbegründet zurückgewiesen wor- den sind.— Zeuge Jäkel: Ich habe gesagt, baß alle Be- schwerdeu, welche über uns wegen Auslösung von Versammlungen und angebliche Ungesetzlichkeiten erhoben werden, durchweg als unbegründet zurückgewiesen worden sind.— R.-A. Heine: Wissen Sie nicht, daß in einem Falle speziell über Sie Beschwerde erhoben wurde, welche durchaus nicht als unbegründet erachtet worden ist.— Zeuge Jäkel: Ich weiß, daß in einem Falle uns anheim gegeben worden ist, zu klagen. Ich habe aber von einer Klage vollständig Abstand genommen, nicht, weil ich mich schuldig fühlte, sondern weit ich es für eine Zeitverschwendung hielt, mich mit solchen Herren noch weiter einzulassen. Was habe ich davon, wenn so ein Mann schließlich zu 6 oder 10 M. verurtheilt wird.— fliechtsanwalt Heine: Da der Herr Polizei-Jnspcktor sich fortgesetzt in Allgemeinheiten be wegtz so muß ich ganz auss Spezielle eingehen. Ein 5löpeiiicker Geschäftsmann hatte sich über Herrn Jäkel beschwert, weil dieser mit seinem Säbel an die Ladeuthür gehauen nnd sich sehr pro- vozirend benommen hat. Mir liegt hier derOriginalbescheid des Regierungspräsidenten vor, in welchem es heißt, daß„nach irüfung des Sachverhalts" das Verfahren des Polizei-Jnspektors ükel als angemessen nicht erachtet werden kann. Hat Zeuge Äkel hiervon keine Kenntniß?— Jäkel: Der Bescheid des iegierungspräsidenten ist mir bekannt, ich habe aber damals so- fort der behaupteten Thatsache widersprochen. Mir ist davon gar nichts bekannt. Der Präsident erklärt hiermit die Beweisaufnahme für geschlossen und verliest die von ihm entworfenen Schuldiragen, deren Zahl 19 beträgt. Auf Antrag der Ver- theidiger werde» noch oa, wo es gesetzlich zulässig ist, die Hilss fragen wegen mildernder Umstände hinzugefügt, ferner auch noch mehrere Nntersragen formulirt. Als erster Vertheidiger spricht Rechtsanwalt Fiebig für den Angeklagten Reuter, für denselben um mildernde Umstände bittend. I. Für den Angeklagten Wiwjorra nimmt Rechtsanwalt Heine an Stelle des Ofsizialvertheidigers, eines Referendars, das Wort. Der Vertheidiger erklärt, daß er doch einige allgemeine Bemer- kungen voranschicken müsse. Der Erste Staatsanwalt habe zwar einräumen müssen, daß es trotz der eingehendsten Ermittelungen nicht möglich gewesen sei, eine Vermittelung der Köpenicker Vor- gange mil der Sozialdemokratie nachzuweisen; derselbe habe aber doch hervorgehoben, daß der Prozep eines gewissen politischen Hintergrundes nicht entbehre. Die Vertheidigung müsse auch das letztere bestreite». Die ganzen Unruhen seien nur aufzusassen als eine Auflehnung theilweise halbreifer Burschen gegen das vielleicht etwas zu straffe Verhalten der Polizei. Es sei höchst bedauerlich, daß dem Wunsche des bejahrten und die dortige Bevölkerung genau kennenden Bürgermeisters, die Polizei möge sich möglichst nachfichtig zeigen, nicht Rechnung getragen wurde. Warum ließ man denn die Leute, nachdem sie allerdings in der Haide allerlei unnützes Zeug gesprochen hatten, nicht ruhig in die Stadt Hineinmarschiren? Wahrscheinlich würden sie ihr Glas Bier getrunken haben und dann ruhig nach Hause gegangen sein, um sich rechtzeitig in der Frühe des nächsten Morgens wieder an ihrer Arbeitsstelle ein- sinden zu können. Der Vertheidiger beleuchtet sodann die Thätigkeit, die dem Angeklagten Wiwjorra bei den Unruhen zur Last gelegt wird und plüdirt für dessen Freisprechung. Für den Angeklagten S u ck e r spricht Rechtsanwalt Stadthagen. Auch dieser Vertheidiger bestreitet mit aller Eni- schiedcnheit, daß irgend ein Grund vorliege, die sozial- demokratische Partei mit den bedauerlichen Köpenicker Unruhen in Verbindung zu bringen. Es sei ihm unersindlich, wie der Erste Staatsanwalt, der doch vor allen andc»en dem Spruche:„Niemanden zu Leide und Niemanden zu Liebe" huldigen solle, einen solchen Vorwurf gegen die sozialdemokratische Partei erheben könne. Hoffentlich werbe keiner der Herreit Gc- schworeneu an das Ammeunlärchen glauben, auch nicht ein Schatten des angedeuteten Verdachts sei vorhanden. Der Vertheidiger glaubt ebenfalls, daß die Unruhen nicht den großen Umfang angenommen hätten, wenn die Polizeiorgane weniger schroff ausgetreten wäre. Er hält nicht für erwiesen, daß verabredete Znsammenrottnngen stattgefundeu haben zum Zwecke deS Widerstands und. dies sei nothwendig, um das Ver- brechen des Laudfriedenbruchs zu konstruiren. Er bitte auf Nicht- schuldig zu erkennen. Zwischen dem Ersten Staatsanwalt und dem Rechtsanwalt Stadthagen kommt es zu einer kleinen Aus- einandersetzung. Ter Letztere hatte bei Beginn seines (laidoyers sich mit Bezug auf die Gerüchte, welche den öpentcker Krawall mit der Sozialdemokratie' in Verbindung brachten, des Ausdrucks„Ammenmärchen" bedient, welches der Erste Staatsanwalt den Präsidenten im Juteresse der öffeutticheu Ordnung zu rügen bat, da er annehmen müsse, daß dieser Ans- druck auch gegen die Ausführ-»gen des Vertreters der Köiiigl. Staatsanwallschaft gerichtet sei. Vom Präsideuten ausge>ordcrt, sich zu äußern, erwidert der Vertheidiger, daß er nur die Sache und nicht die Person gemeint habe. Rechtsanwalt Tr. Kalinowsky vertheidigt den Zlngekl. K n o l l. Er hält denselben keineswegs für so schwer belastet, wie es Anfangs den Anschein hatte. Die Thatsache, daß Knoll einige Mitangeklagte so schwer deschuldigl habe, könne gegen ihn einnehmen, man könne dies aber ebenso gut auf Rechnung seiner Wahrheitsliebe schreiben. Der Vertheidiger führt ebenfalls aus, daß die Zusaminenrottnngen nur den Charakter eines Auflaufs und nicht den eines LaudfriedenSbruchs hatten. Knoll durste über die brutale Behandlung seines Bruders wohl in Wnlh gerathen, und von diesem Augenblicke au war er jedenfalls von einem anderen Geiste beseelt, wie die übrigen Tumultuanten. Sein Angriff auf den Gendarnt Müller erfolgte auch erst, nachdem dieser ihm mit dem Säbelhieb einen Stein aus der Hand geschlagen. Er bittet die Geschworenen, nur die Frage in Betreff der gemeinschaftlichen Körperverletzung zu bejahen, die erschwerenden Momente aber zu verneinen. Unter allen Umständen verdiene Knoll die Zubilligung mildernder Umstände. Der Letztere vergießt während des Plaidoyers seines Vertheidigers viele Thränen.— Die übrigen Vertheidiger führen aus, daß es keineswegs erwiesen sei, wie das unglückselige Ende des Gendarmen Müller herbei- geführt wurde, daß einer der Angeklagten den tiefen Stich in den Rücken des Verstorbenen gethan, der den unmittelbaren Tod des- selben herbeigeführt, habe sich jedenfalls trotz der umfangreichen Beweisaufnahme nicht nachweisen lassen. Alle Vertheidiger richten au die Geschworenen die Bitte, ihren Wahrspruch nur unter Berücksichtigung aller vorhandenen Milderungsgründe zu fällen. Gegen 9 Uhr sind die Plaidoyers zu Ende und es beginnt die Rechtsbelehrung seitens des Präsidenten. Die Drotolcolle des Pimsier Krbeiteflwttgreffes wurden als Entlastungsbeweisiuittel der Strafkammer des hiesigen Landgerichts vorgelegt, als am 23. d. M. vor diesem Gerichtshof die Strafsache gegen den Handelsmann Zaretzki aus Oranien- bürg wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung, bezw. wegen versuchter Nöthigung in der Berufungsinstanz verhandelt wurde. Das Schöffengericht zu Oranienburg hatte den Ange- klagten zu vierzehn Tagen Gefängntß verurtheilt, weil der Ange- klagte, um Arbeiter der Ziegelei zu Neuenhagen zum Feiern am 1. Mai zu veranlassen, zu diesen gesagt hatte:„Wenn Ihr ar- beitet, werde ich am]. Mai mit einem Haufen Berliner hierher kommen." Das Schöffengericht hatte hieraus gefolgert, daß der Angeklagte habe sagen wollen, die Arbeiter würden Schläge erhalten, wenn sie nicht am 1. Mai feierten. Die Arbeiter hätten durch diese Drohung zur Theilnahme an einem Streik ge- zwungeu werden sollen, denn es sei notorisch, daß auf dem Pariser Kongreß beschlossen sei, behufs Erlangung einer achtstün- digen Arbeitszeit, einen Generalstreik zu veranlassen. In der Be- rusungsinstauz wendete sich der Vertheidiger, Rechtsanwalt Arthur Stadthageu, zunächst gegen die Auffassung, als ob die Worte des Angeklagten überhaupt eine Drohung enthielten. Der Sinn, der diesen Worten vom Schöffengericht beigelegt werde, sei ein ganz willkürlicher. Wenn man aber auch diesen Sinn gelten! lassen wolle, so liege doch kein Verstoß gegen§153 ver Gewerbe- Ordnung vor, denn es sei so ziemlich das Gegentheil von dem richtig, was das Schöffengericht als notorisch angenommen habe. In Paris sei beschlossen worden, am ersten Mai eine Kundgebung zu Gunsten des achtstündigen Ar- beitstages und anderer Forderungen zu veranstalten, nicht aber, um die Fabrikanten zu veranlassen, diese Forderungen an- zuerkennen, sondernum die gesetzgebenden Körperschaften und die Behörden zu veranlassen, diesen Forderungen ihre Aufmerksam- keit zuzuwenden. Ein auf dem Pariser Kongreß gestellter An- trag, zu diesem Zwecks am 1. Mai einen allgemeinen General- streik in Szene zu setzen, sei nach energischer Bekämpfung durch Liebknecht von dem Kongreß abgelehnt. Zum Beweise hierüber überreichte der Vertheidiger die deutsche Uebersetzung der Kongreßprotokolle, ausführend, daß das Schöffengericht die von ihm als notorisch erachteten Thatsachen nur aus unzuverlässigen Zeitungsnachrichten entnommen haben könne. Der Staatsanwalt erklärte, die erstrichterliche Feststellung in Bezug auf den ge- planten Generalstreik nach den vorgelegten Protokollen nicht auf- recht erhalten zu können, erachtete diesen Punkt der thatsächlichen Feststellung aber auch für unerheblich; es bleibe, wenn man diesen Punkt fallen lasse, immer noch der Thatbestand der ver- suchten Nöthigung bestehen und für dies Vergehen sei die er- kannte Gefängnißstrafe angemessen.— Der Gerichtshof erkannte unter Aufhebung des schöffengericktlichen Erkenntnisses auf Frei- sprechung des Angeklagten, da die Aeußerung des Angeklagten nicht ohne Weiteres in dem Sinne aufgefaßt werden könne, den das Schöffengericht darin gefunden hat. SoztQle Cöllit-Meifze» a. Elbe. Achtung, Töpfer! Die Arbeiter der Ofenfabrik und Kunstziegelei wurden am 10. November d. I. wegen unerhörter Lohnreduzirung gezwungen, die Arbeit nieder- zulegen; alle Einigungsversuche der Arbeiter wurden abgelehnt. So bitten wir, den Zuzug nach Meißen streng fernzichalten und uns kräftigst zu unterstützen. Arbeiter, Genossen, Proletarier, verlaßt unS nicht in unserem Kampfe, damit uns der Sieg bleibe. Briefe und Sendungen sind zu richten an das Streikkomitee, Karl Glomba, Töpfer, Winterhafen, Cölln a. Elbe. Alle arbeiter- reundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. tH'vlsmtmtmttgLN. Giue öffentliche Uevjammluug sämmtlicher an Holz- bearbritnngo-Wnschinon bofchiiftigten Arbeiter fand am Sonntag, den 23. d. Mts., unter dem Vorsitz des Kollegen Koboldt statt. Ehe in die Tagesordnung eingetreten wurde, sprach der Vorsitzende sein Bedauern über den schwachen Besuch aus. Als- dann nahm Kollege Stein das Wort zum Situationsbericht. Er führte aus, daß auf der Gewerkschasts-Konferenz Zentralisation als wünschbar anerkannt worden sei und forderte dazu auf, sich recht zahlreich in die Mitgliederliste einzeichnen zu lasse». Es ließen sich 82 Mitglieder aufnehmen. In den Vorstand wurden folgende Kollegen gewählt: F. Koboldt, 1. Vorsitzender, G. Panknin, 2. Vorsitzender, R. Schadow, Kassirer, H. Lorenz, 1. Schriftführer, F. Maaß, 2. Schriftführer, C. Köppen, F. Ott, G. MathteS, Revisoren. Im Punkt„Verschiedenes" legt Kollege W. Wolf sein Amt in der Berliner Streik-Kontrolkoininission nieder und es wurde Koslege I. Rühl dafür gewählt. Es wurde bekannt gemacht, daß Koflege Wilhelm in der Charitee liegt. Alsdann richtete der Vorsitzende.»och einen Mahnruf an die Fachvereins-Mitzlieder, ihre Bücher in Ordnung zu bringen und dahin zu wirken, daß die Filiale groß und stark werde und schloß mit einem dreifachen Hoch aus die neue Bereinigung. Filtj'chuhurbrijep. Am 24. tagte bei Zemter eine gut besuchte öffentliche Versammlung der Filzschuharbeiter und Berufs- genossen. Zum I.Punkt der Tagesordnung hielt Stadtverordneter Heindorf einen l stündigen, sehr lehrreichen Vortrag über die Ilmgestaltung unserer heutigen Wirthschaftsverhältnisse, und er- klärte, daß man nur durch eine ganz straffe Organisation Schritt für Schritt die Umgestaltung der heutigen Wirthschaftsweise erkämpfen könne. Die darauf folgende Diskusston war eine lebhaste und folgende Resolution wurde einstimmig angenommen: „Tic heutige Versammlung erklärt steh mit dem Rcserenten voll- ständig«inverstandeu und verpflichtet sich, um mit Hand anzu- legen an der Umgestaltung der heutigen Wirihschastsverhältnisse, sich voll und ganz dem Verein der Filzarbeiter anzuschließen."— Der Zwicker- Lohntarif wurde mit einigen Aendernugeu ange- uommen.— Unter„Verschiedenes" wurde eine Agitations- kommffsion gewählt aus folgenden Kollegen: Link, Rader, Steffen, Franz Keutlcr, Strauß, Kiehl, Krause; ferner wurde den streikenden Perlmutt-, den Eschwegener Tabaksarbeitern und den Erfurter Schuhmacher je 10 M. aus dem Fonds bewilligt. Zum Schluß machte Kall. Lange noch bekannt, daß die Bibliothek sich bei Kuhlmey, Rosenstr. 30, befindet und daß die Bücher Sonntcigs ausgegeben iverden. In der öffentliche» Urtffiun,ul«ng der Freien Gemeinde tu Kirdorf sprach am 22. November Herr Pöus in einem voll besehte» Saale über die leibliche, geistige und geistliche Roth Rixdorss im Anschluß und zur Widerlegung der Ansfüh- rungen des Herrn Pastors Püschel aus Rixdorf auf der luthe- ri scheu Konferenz in Dortmund. Ihm entgegnete Herr Püschel, der sich über die ruhige Haltung der Versammlung nicht genug wundern konnte. Ferner sprachen noch Herr Stadtverordneter Klein, W. W e r n e r und F. K r ü g e r, bei dessen Ausführungen die Schullehrer unter Führung des Geistlichen den Saal verließen. Nach einem Schlußwort des Referenten wurde die Versammlung mit folgender Resolution um Uhr Nachts geschlossen: „Die von zirka 1000 Personen beiderlei Geschlechts besuchte Versammlung der Freien Gemeinde zu Rirdorf ist mit den Aus- führungen des Referenten voll und ganz einverstanden und ver- spricht sich nur von den Bestrebungen Erfolg, welche auf dem Standpunkt der materialistischen Geschichtsauffassung stehen." Der Ueberschuß der Tellersammlung wurde den Erfurter Schuhmachern überwiesen. In der Vrrsnmmlnng der Freien Vereinigung der Zimmerer Berlins und Umgegend referirte Herr Türk über Lexenprozesse." An der Diskussion betyeiligten sich die Herren Meißner und Lehmann. Zum Schluß verlas Herr Thalem die Berichtigung eines Versammlungsberichts der Freien Vereinigung aus dem„Zimmerer", auf deren Diskussion die Versanimlung verzichtete. Die Filiale 5 der Maler hielt am 13. d. M. ihre Mit- gliederversammlung ab, in welcher Kollege Schweitzer über die Entwickelung des Weltalls sprach. Sein Bortrag erntete reichen Beifall. An der Diskussion betheiligten sich Herr Gnadt und Heidemann. Der Referent beantragte darauf die Anschaffung wissenschaftlicher Werke für die Bibliothek. Dieser Antrag wurde einstimmig angenommen. Die Versanimlung beschloß hieraus noch die Unterstützung der gemaßregelten Wernigeroder und Dessauer Kollegen und wählte eine Kommission zur Ermittelung eines passenden Versammluiigslokals. Unter„Verschiedenem" wurde beschlossen, einen Kollegen auf Grund des§ 7 auszuschließen. Der Fachvcrein der Berliner Stuckateure»nd Kernfs- genoffe» hielt am 17. November eine Versammlung ab, in welcher Bildhauer Schneider einen Vortrag über:„Ein Rückblick aus dem Jahre 2000" von Bellamv hielt. Neu einzeichnen ließen sich 13 Mitglieder. Die Lichtarbeit auf dem Bau wurde zur Sprache gebracht. Kollege Braum verwies auf den Kongreß- beschluß, welcher eine Resolution auf Beseitigung der Lichtarbeit annahm. Folgender Antrag war eingegangen:„Die heutige Versammlung wolle beschließen, die Lichtarbeil auf dem Bau ao- zuschaffen." Eine umfangreiche Diskussion fand über diesen An- trag statt, der schließlich gegen 4 Stimmen angenommen wurde. Bezüglich des Abfallens von Stucktheilen wurde beschlossen, bei event. Fällen den Vorstand zu ermächtigen, gegen solche Firmen vorzugehen, bei welchem„Schundarbeit" geliefert wird. Unter „Verschiedenes" wurde auf die Bestrebungen der Gastwirths- gehilsen aufmerksam gemacht und die Anwesenden wurden auf- gefordert, diese junge Organisation dadurch zu unterstützen, daß sie in den Lokalen, m welchen sie verkehren, sich von den Kellnern die Mitgliedsbücher vorzeigen lassen und daß sie nur denen ein Trinkgeld geben, welche der Organisation angehören. Nachdem noch der Antrag angenommen, den ausgesperrten Schuhmachern in Erfurt nach Erniessen des Vorstandes eine Unterstützung zu bewilligen, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Uerjanunlung der Berliner Glasschleifer. Am 24. d.M. referirte Genosse Horn aus Löbtau-Dresden über die Aussperrung der Glasarbeiter Bergedorfs und forderte zu thatkrästiger Unterstützung des Verbandes der deutschen Glas- arbeiter auf. Eine dies besagende Resolution swurde einstimmig angenommen. In der Diskussion führte Kollege Mager aus, daß es nicht allein darauf ankomme, bestehende Schäden im Gewerk, die in der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung ihre Wurzel haben, zu beseitigen, die nächste Aufgabe müsse die sein, Prinzipien- treue Männer zu schaffen, die aufgeklärt darüber seien, was sie angesichts der heutigen drückenden Zustände zu thun haben. Auch die Berliner Glasschleifer müssen mit in den vordersten Reihen der Arbeiter stehen, die für eine bessere Zukunft, ein glücklicheres Dasein kämpfen. Kollege M e i l ch e n wies darauf hin, daß die Fabrikanten, welche verlangen, daß die Arbeiter die Gesetze respektiren, selbst keine Achtung vor den Gesetzen haben; dies bewiesen die Aussperrungen in Bergedorf und an anderen Orten. In Verschiedenem machte Herr Horn noch auf das Bestehen der zentralisirten Krankenkaffe der Glas- arbeiter Deutschlands aufmerksam, und daß es Pflicht der Arbeiter sei, die seitens der Regierung bedrängten freien Hilfskassen zu unterstützen. Iu der Versammlung der Lohgerber und Leder- zurichter am 23. d. Mts. besprach Herr Busse den Rückgang des Fachvereins und dessen Ursachen. Kollege Weber beantragte Anschluß an den Zentralverein, mehrere andere Redner Ein- schränkung in den Zlusgaben. Zu Delegirten für den Delegirten- tag am 26. und 27. Dezember wurden die Kollegen Busse und Krawczack, zum 2. Vorsitzenden Kollege Ebel, an dessen Stelle als Beisitzender Weber gewählt. Das Stiftungsfest der Freien Ver- einigang findet am 29. d. Mts. in der Brauerei„König- stadl" statt. In Eharlotteuburg fand am Sonntag, den 23. November eine Mitglieder-Versammlung der freien Dissidenten- Gemeinde statt. Auf der Tagesordnung stand: 1. Statutenberathung 2. Vorstandswahl. Das Statut wurde mit geringer Aenderung angenoiiimen. Der provisorische Vorstand wurde vorläufig als solcher noch beibehalten. Auskunft in Kircheii-Austritts-Angelegen- heiten ertheilen: Wilhelm Schulze, Wallstraße 32; Gustav Zippert, Wilniersdorferstraße 183; Gustav Leupold, Charlottenburger Ufer Nr. Sa. Rnmmelsburg. Am Sonntag, den 23. November, fand in Rummelsburg eine gut besuchte Versammlung der Arbeiter und Arbeiterinnen statt, in welcher Herr Th. Mehner unter großem Beifall über„die Religion" referirte. Es wurde eine Resolution angenonime», in der man sich mit den Zlussührungen des Referenten für einverstanden er- klärte. Ebenfalls wurde noch eine zweite Resolution angenommen, in welcher sich die Anwesenden verpflichtete», nur solche Lokale zu besuchen, welche den Arbeitern voll und ganz, auch für Ver- sammlungen zur Verfügung stehen. Kirdorf. Am Todtensonntag, den 23. November, fand eine öffentliche Versammlung des Vereins der Bau- und g e w e r b- lichen Hilfsarbeiter in Rixdorf statt. Kandidat Pens referirte über„Krankheit und frühen Tod vom sozial- politischen Standpunkt" und führte zunächst aus, daß der heutige Tag dazu angethan sei, bei jedem denkenden Arbeiter die Frage anzuregen, ob die Gestorbenen, die heute von so vielen betrauert werden, nicht dem Leben noch länger Härten erhalten bleiben können. Siechthum und früher Tod würden herbeigeführt durch allzugroße Ausbeutung der Arbeitskraft bei Mangel- haster Ernährung. Eine Hauptbedingung der Gesundheit liege in der Erziehung der Kinder ini zartesten Alter. Man müsse dem Uebel von der Wurzel aus beizukommen suchen und dies könne nur durch die Wirlhschafts- und Gesellschafts- ordnung geschehen, welche sich die Sozialdemokratie zum Ziel gesteckt habe.— In der Diskussion sprachen die Herren Steinmar und Knak-Berlin. Als Letzterer meinte, daß heute viele ihren letzten Groschen zu einem Kranze hergeben und trotzdem nicht wüßten, was sie morgen essen oder brechen sollten, oder woher das Geld zum Steuerzahlen nehmen, erhob sich der überwachende Beamte und forderte, daß nichts„Politisches" hineingezogen werden solle, da sonst die Frauen den Saal verlassen müßten. Es entstand eine allgemeine Erregung, viele Anwesende nicldeten sich zur Geschäftsordnung und konstatirten, daß Herr Knak nichts „Politisches" gesprochen habe, worauf der Beamte dazwischen schrie:„Jawohl, es ist von Steuern gesprochen worden." Der Vorsitzende erwiderte dem Beamten, daß er gar kein Recht habe, dazwischen zu reden, worauf letzterer die Versammlung für aufgelöst erklärte. Gefragt, laut welches Gesetzesparagraphen er dies thue, antwortete jener:„Das anzugeben habe ich nicht nöthig!"— Beschwerde ist eingereicht. Große iissruttichc Ucrsn»»»l»»g für Fraue» und yitiimer am Bonntag, den 80. November, Nachmittags Uhr, in Lehmann'S Salon, Schwedterstr. zz. Soiiatd-iiiokraiischcr Wohlverein im 4. Hrrtinrr Peichstog«- Wohilireis».(Srotze Versammlung am Freitag, den 28. November 1800, 'Ubcnds 8% Uhr, im Lolale Büd-Osi, Waldemarsir. 76. berliner Strei k-Kontroii»»»»»i tstvn. Freitag, den 28. November. Abends 8% Uhr, in Deigmüller's Salon, Alte Jatobstr. 48a, Versammlung der Delegirten. Punlt o Uhr Verlesung der Präsenzliste. Nergniigung»- ,i»d Theoterverri-I„ziuliionio" in Rolh's Restaurant. Linienstr. 73. Enste willkommen. Geburtstagsfeier. Ardeiter- Köngerdund Kerlin»»nd Umgegend. Bonntag, den 80. November, Vormittags ox Uhr, in den Arminhallen, Kommandantenstraße Nr. 20(oberer Baal), NuSschuß-Bchung. Aufnahme von Vereinen. Bundes- karte leg.timirt. An die gemerdiichen Ailfsorbeiter Kerlin»«nd Umgegend. Arn Bonnabend, den 29. November, Abends o Uhr, findet in Kletn'S Festsäle», Oraniensiraße tso, ein gemiiihliches Beisammensein(nachher Tanz) des Vereins gewerblicher Hilfsarbeiter Berlins»nd Umgegend statt. Der Ueber- schuh, der erzielt wird, soll an zwei verunglückte Mitglieder vertheilt werden. ES ist Pflicht eines jeden Mitgliedes, sich daran zu betheiligen; auch können Gäste durch Mitglieder eingeführt werden. Eintritt frei. Freireligiöse Gemeinde, Rosenthalerstratze 38. Sonntag, den 30. November, Vormittags to Uhr, Vortrag des Herrn Dr. Bruno Wille über das Thema: Ist Tugend lehrbar? Gäste sehr willkommen. Berliner Kegetor, er-Kerein. Heule, Freitag, Abends 8Zj Uhr, im Neuen Klubhause, Kommandantenstrahs 72, öffentlicher Vortrag des Herrn Ingenieur Reidel über: Wie lebt man gut und billig? Größe öffentliche Steiumeh-Nerlommlung am Freitag, den 28. November, Abends 7% Uhr, in Miiller's Lokal, Johannisstrahe 20. Freie pereinigung der Ko»- und gewerblichen Kitfsorbelter»»» «r.- u...... Z{... QTm Oinnnnfisrth h?tT 2Q•' Schöneberg»nd'Umgegend. Arn Sonnabend, den 20. November, Gründer's Westend-Ressource, Schw-rinflrab- 13, Farnilien-Tanzkranzchen. Antereflenverei»»er Maurer«horlöttenburg». Trohe Versammlung am Freitag, den 23. November, Abends 8 Uhr, in Bismarcksho»-. Wilmersdorferstrahe so. Lese-»nd Niökutirhlub». Freitag.„Karl Marx", Abends 8 u«r- bei Bchönfeld, Mariendorferstr. 10. Gäste haben Zutritt.-„Freie Krittr, Abends 8% Uhr im Restaurant Pickert, Griinstrahe 21, Freuir» willkommen.—„Süden", Abends 8% Uhr bei Schwarzkops, Blalcherstr. i>- Gäste, Damen und Herren, willkommen Arbeiter-Köngerbnnd"* stunde, Aufnahme von Mii„ Restaurant Reichenbergerstr. 18.— Gesangverein des„F a w„ P u g e r Berlins und Umgegend"„Gern „.... r.., t-.l m_____-___ ca.. J. T« 4 V. s*, cm Ä M* strahe 31 bei Prcuher.—„Buchbinder-Männerchor" Berlin, Alte eakobstr. 75 bei Feuerstein.— Männer-Gesangverein der„B e vi>». V ch m i c d e", Koppcnstr. 68 bei Schirmer.— Arbeiter-Gesangverein„N o r o, Brunnenfir. 38 bei Guadt.— Gesangverein„Lorbeerkranz", Restauram Weinfir. Ii.—„K a i s e r' s ch e r M ä» Ii e r ch 0 r". Schönhauser Allee 28 ve> Nürnberg.— Gesangverein„Wiederhat l". Köpnickerstr. 191 bei FW- Gesangverein„Esmeralda", Grohe Frankfurterftr. 18(8 Uhr). �Arbeiter- Gesangverein„Hoffnung", Friedrichsberg, Friedrich Karlftr. n bei Gesang-. Silin- und gesellige Kereine. Freitag. Arbeiter-Gesangvere „Wilhelm Scegcr'sche Liedertafel", Abends 0 Uhr bei Truas. in.iJ_____ t,...---- er, Abends o Uhr, im Restaurant Heiuitle, Oranieiistr. 38.— Verein ehern- Schüler der 38. E e m einde- S ch u le, Bihung, Abends 0 Uhr. i» Grand Restaurant„Kornblume"(Jnh. Otto Noll), Andreasstr, s.®a'1 willkommen. dev Nedakkion Bei Anfragen bitten wir die Abo»»e>ne»ts-Quittung beizufügen. Antwort wird nicht ertheilt. Brieflüh G. Gl.. Töpfer. Auch die andere in Ihrem Berichte ent- haltene Abrechnung konnte wegen Raummangels in den revat- tionellen Theil nicht aufgenommen werden. <9. Gl., Töpfer. Die Abrechnung kann im„Volksblan nur als Annonce erscheinen._. G. L., Schrisifuhrer der freien Dissidenten-Geineinve. Wir können uns das Recht, Berichte zu kürzen, von Niemandem verschränken lassen. Sie haben vermuthlich lein rechte Vorstellung davon, wohin es führen würde, wenn wir WV" Grundsatz fallen ließen. Schon jetzt reicht der Platz in unserem Blatte, den wir für den Vereins- und Versammlungstheil zu Verfügung haben, nicht aus. L. M. Das Geld, welches die Tochter unter den von Jhneu angegebenen Umständen ihrem kranken Vater gegeben hat, gilt als geschenkt; die Klage aus Rückzahlung muß daher abgewiese» werden. Kothrr Hrrrmauu. Daß Sie wegen Widerstandes geg« die Staatsgewalt verurtheilt worden sind, würde die Versagung unzqjio» liiuj i ireiiisriiizze». r Auf Alimente für ein uneheliches Kind kann noM den, nachdem dasselbe das 4. Lebensjahr zurückgeleg der Schankkonzession nicht rechtfertigen. A. 1. Au' geklagt werden, iiuujui.-i» uuumuc vu»■*.«weuviuy. o"»—«»— hat. Wenn aber der Verklagte nie zuvor aufgefordert worden n und den Klageanspruch im ersten Termine sofort anerkennt, I sind die Kosten dem Kläger aufzuerlegen. Die Ansprüche»e Mutter auf Tauf-, Entbindungs- und Sechswochenkosten verjähren in zwei Jahren. E. G. Krandenburgstr. Ob und in welcher Hohe v» Sohn seine Mutter unterstützen muß, kann nur beurtheilt kverven, wenn man die Höhe des Jlrbeitsverdienstes des Ersteren, die Za? der etwa vorhandenen unterstützungspflichtigen Geschwister tw die Erwerbsverhältnisse der Mutler kennt. Die Mutter bel M auszunehmen, kann der Sohn nicht gezwungen werden. Briefkaste« der Grpeditio«. I. L. Agram. Das Abonnement reicht bis ultimo Dezember. Der Preis beträgt(täglich per Kreuzband) 2 M. Px Monat. Walter in Amsterdam. Aus unseren Inseraten müsse Sie doch ersehen haben, daß das Protokoll des Hallesch' Parteitages noch nicht erschienen ist. Ihre Postanweisung haben wir erhalten und ist ihre Bestellung uons- Bebel, Frau in der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunfu ist vergriffen und eine neue Auflage im Druck; Erscheinung»' termin kann noch nicht angegeben werden. Sozialdemokraüsch� Liederbuch ist vergriffen, außerdem aber in der bisherigen Farn verboten; eine neue, veränderte Auflage, von Max Keg bearbeitet, erscheint demnächst im Verlage von I. H. W. Dietz Stuttgart. Schultheiss' Brauerei Actien- Gesellschaft, Schutzmarke. B Gr Uli N Etiquette. Schönhauser Allee 36-39. Die unterzeichnete Brauerei sieht sich veranlasst, die Con- sumenten ihrer Biere wiederholt darauf aufmerksam zu machen, dass die in dei| Brauerei gefüllten Flaschen sämmtlich mit der Schutz* lUarkG und dem eingebrannten Firmastempel der Brauerei versehen sind. Die Preise sind nach wie vor:• 20 Flaschen Versandbier... ä 4/io Liter— 3 Hark. 24 Flaschen Versandbier.., ä 3/8 Liter— 3 Hark. 24 Flaschen Lagerbier.... ä 4/io Liter— 3 Hark. 30 Flaschen Lagerbier.... ä 3/8 Liter= 3 Hark. Bestellungen sowie etwaige Beschwerden über irgend welche Unregelmässigkeiten beliebe man direct an die Direction der unterzeichneten Brauerei zu richten. 890 Schultheiss' Brauerei Act.-Ges. Genossen empfehle mein Hutgeschäft. Arbeite«ur mit Fabrikaute«, welche sich der Kontrolmarken deutscher Hutmacher angenommen haben. Bitte zu beachten: Köpenickerstraße 126, nahe der AM- Adolph Kehr, Zahn-Atelien Andreasstrasse 60 1 Treppe Eingang Kleine Andreasstraße Otto Arendt. 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Verantwortlicher Redakteur: Cuvt Laake in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Fading in Berlin SW., Beuthstraße 2. 2, Beilage zum Berliner Boll Nr. 378. Freitag, den 28. Uonember 1890. Jahrg. ?le stegende Macht revolutionärer Ideen >u unserer Zeit mitten im Strome der äußerlich noch Herrschaft behauptenden konservativen Gedanken immer deut- "ch°r zu bewähren. uoft könnte es scheinen, als ob sich die Jdeengestaltung ..�eno der letzten Dezennien unseres Jahrhunderts unmittelbar um% v Qn �'e Zahllosen revolutionären Gedankenkeime, welche �"be des vorigen Säkulums die Atmosphäre der großen höfischen Revolution erfüllten. Bit»v f1 �lch indessen in die Geschichte der beiden letzten Jahr- iiipT* ��iiest, findet, daß einerseits die revolutionären Ideen, ein�v am Herde der französischen Revolution auf- j ander platzten, gleichzeitig oder auch schon vorher .anderen Länderen, wo es zu einer gewaltrevolutionären Eisbewegung kam, ans Licht der Oeffentlichkeit� getreten sanim �»politischen ghon„u, OClflrt« während andererseits der revolutionäre Gedanken- sich auch in unserem reaktionsgesegneten Jahrhundert Ausgesetzt fruchtbar erwiesen und auf dem Boden der Gesetz- Nsug. vielfach ohne daß es so recht zum Volksbewuptsein drang, Ruthen und Früchte gezeigt hat. ß Einer jener sozialpolitischen Gedanken, die so urrevolutionärcn �yarakters waren, daß sie selbst in der gewaltigen Umwälzung und sozialen Verhältnisse durch die srauzösische nur theoretisches Leben, nicht aber praktische Gc- . ng und Wirksamkeit gewannen, ist die Idee, welche in dem ..�nnten Verfassungsentivurf Maximilian Robespierres me hervorragende Stellung einnahm und in folgenden Worte» Men Ausdruck fand: . Tie bürgerliche Gesellschaft ist verpflichtet, für den Unter- F.y ulier ihrer Glieder zu sorgen, indem sie ihnen entweder Ar- ü.Üi u» schafft oder denjenigen, welche zu arbeiten nicht im Stande '"d. Mittel zur Existenz gewährt. i g In einer den revolutionären Charakter vom letzten Drittel s/i? uorigeu Jahrhunderts scharf kennzeichnenden Weise war der- L> Gedanke schon einige Jahre früher in dem vom aufgeklärten �-Potismus Friedrich II. regierten Preußen ans Tageslicht ge- unimen, dem zu jener Zeit in der Schöpfung seines allgemeinen andrechts ein bedeutsamer Fortschritt im Gebiete der Rechts- mwlcklung gelungen war. ... Der Paragraph 2, Titel 19, Theil II, des Allgemeinen Land- sagt; -»Dem Staate kommt es zu, für die Ernährung und Ver- psiegung derjenigen Bürger zu sorgen, die sich ihren Unterhalt »M selbst verschaffen können. Diejenigen, welchen es nur an satteln und Gelegenheit fehlt, ihren und der Ihrigen Unterhalt Mt zu verdienen, sollen Arbeiten, die ihren Kräften und Fähig- .'ten gemäß sind, angewiesen werden." g. �lber gerade die revolutionärsten Gedanken erscheinen in den s»ten ihres ersten Auftretens oft am schwächsten und wirkungs- '"sesten, da ihnen nicht nur in den praktischen Verhältnissen, b°ndern auch in den herrschenden Anschauungen nicht selten die »»>>ten Hindernisse gegenüber standen. . Sowohl das preußische„Allgemeine Landrecht" wie der Ver- Mung-entwurf Robespierre's nahmen die Unterstützung der Hufsbedürftigen unter die Pflichten des Staates auf und er- jjnnten somit dem Anspruch der Hilfebedürftigen den Rang eines Rechtes zu. . Dieser Pflicht sich der Armen anzunehmen war nun bis der Staat sich niemals bewußt geworden. Die Armen hatten zwar auch früher Unterstützung gefunden, doch hauptsächlich auf dem Wege des Bettelns, auf dem Lnen die private Wohlthäligkeit gutmiithiger Menschen und das 'uedürfniß der Kirche entgegenkam, durch ihre angeblich gott- Uallige Hilfsbereitschaft bei den Gläubigen Bewunderung und Ehrfurcht zu erwecken. s Aber ebenso wie die staatliche Gesetzgebung während früherer weit davon entfernt blieb, ein Recht der Armen auf Hilse ""Zuerkennen, ebenso wenig that es die Gesetzgebung der Kirche. Zwar bezeichnete die Reichspolizei-Ordnung vom Jahre 1577 j uls eine Pflicht der Gemeinden, ihre Armen zu erhalten. Aber '«Mand dachte daran, diese Pflicht zu erfüllen; und in Kriegs- Wen— besonders in solchen, dre, gleich dein dreißigjährigen 5c�ge, eiu Jebermaß von Roth und Elend über weile Land- "»che brachten— waren die allermeisten Gemeinden völlig außer �ande. auch nur einen Theil ihrer auf dem Papier der ffflichspolizei- Ordnung stehenden Armenunterstützungs- Pflicht zu "lullen. v all dem ungeheuren Jahrhundert auf Jahrhundert über- »uernden Kriegselend, das Meere von Blut über alle europäischen Zunder ergoß und die besten Keime edelmeuschlichen Empftn- erstickte, ging allgemach auch die Neigung zu privater "riorge für die Armen und Gebrechlichen nahezu gänzlich unter. ."i"r machte sich das Bedürfniß geltend, für die als Gefolge zi.,�iegsbabaren überallhin verbreiten Herzlosigkeit irgend eine �.wissenschaftlicher Rechlsertigung zu finden; und diesem Be- s.Mnlß kam der englische Pfaffe M a l t h u s eben recht, der rn '»»ein 1798 erschienenen„Versuch über daS Bevölkerungsgesetz" Wchzuweisen sich bemühte, wie weise es die Natur einrichte, wenn "«durch Kriege und Pestilenzen den überflüssigen Theil der Menschen waltsain ausrotte. Er behauptete: .»Ein Mensch, der in einer schon okkuprrten Welt geboren ohne daß seine Familie die Mittel hat, ihn zu ernähren, wenn die Gesellschaft seiner Arbeit nicht benöthigt ist, dieser -Usch hat nicht das— irnmd einen Shell der St.h mindeste Recht, irgend Er ist zu viel auf der eine» Theil der Erde; bei dein DiVn,' �Nlniaht der vtaiur i,i rein cscvec. �eiek, o gebietet ihm, abzutreten und sie versäumt nicht, diesen "hl selbst zur Ausführung zu bringen." �iiilih. Malthus'sche Brutalität war natürlich Wasser auf die Hii»h°ller Staatsweisen, die um die Wende des letzte» Jahr- die allerdings auch anderes zu thun fanden, als sich um .»hte der Armen und Elende» zu kümmern. m den die Staatspflicht der Armennnterstützung behandeln- --'«... s de» eri die Staatspflicht der Armenunieriiuyunu >>ber""drechtsabschnitt kümmerte sich daher kein Mensch, und l�er fwdespierre's Verfassungsentwurf ging die Revolution zu Zhti»ürfigen Tagesordnung über, die Reaktion aber hütete sich, tle" Trümmern der>o rasch niedergeworfenen Volks- Am wieder hervorzuholen. der 40 er Jahre endlich erinnerte sich der preußische «e»es fü r an d>e Staatspflichten gegen die Armen und es ivard Arnir* vom 2. Dezember 1842 geschaffen, wonach jeder c'Oortv0«" derjenigen Gemeinde, in der seine Hilfsbedürftigkeit Silenz i' unterstützt werden müsse, vorbehaltlich des Ersatzes e Ger»«udgiltig verpflichteten Korporation, und auch �üttlenJdSebung anderer deutscher Länder, so die bairische, Nd»"'dergische und badische, schufen Armengesetze, die in Ver- "hon �?ul den bezüglichen Hcimathsgesetzen den Hilfsbedürftigen ,. zc'M mehr ganz unwesentliche Unterstützung gewährten. 's Rerchsgesetz vom 6. Juni 1890 erweiterte das preußische "n fl. Dezember 1842 und ging in seine Bestimmungen w gesetzlichen Prinzips der Freizügigkeit aus. Danach siel nicht der Heimath die Unterstützungspflicht zu, sondern demjenigen Orte, von dem man annehmen konnte, daß er in einer gewissen Zeit von der freien Thätigkeit des hilfs- bedürftig Gewordenen die meisten Vortheile gezogen habe. Zweijähriger Aufenthalt an einem Orte genügt seitdem zur Erwerbung des Unterstützungswohnsitzes und des Rechtes auf Unterstützung. Die Unterstützung liegt der betreffenden Orts- gemeinde oder einer Mehrheit von Gemeinden ob, welche vom Gesetze der Ortsarmen-Verband genannt wird. Wer keinen Unterstützungswohnsitz sich erworben hat, gehört dem Landarmenverbande an und dieser ist entweder der Bundes- staat, dem der Hilfsbedürftige angehört oder ein von ihm, ent- sprechend der den Bundesstaaten im Gesetze vorbehaltenen Befugniß, eingerichteter, räumlich abgegrenzter Verband, deren in einem Bundesstaat mehrere bestehen können. Die Unterstützungsflicht und das Recht auf Unterstützung tritt nach diesem Gesetze im Momente der Hilfsbcdürstigkeit in Kraft und ist an keinerlei Bedingungen geknüpft,— gleichviel wie und was der Hilfsbedürftige gethan und was er etwa vorher gethan oder unterlassen haben sollte. Ein Mangel dieses Gesetzes ist es jedoch, daß es keinerlei Anhaltspunkte dafür bietet, wer denn eigentlich als arm im Sinne des Gesetzes zu betrachten ist. Den persönlichen An- schauungen und Neigungen der Beamten der Gemeinde- verbände ist durch diese Lücke des Gesetzes viel zu viel Spielraum gewährt, und die Thatsache, daß Be- schwerde an die Ober-Verwaltungsbehörde gestattet ist, ändert an diesem Uebelstande nur sehr wenig. Mit dem Gesetz über den Unterstützungs-Wohnsitz war nun zwar der Staat auf dem Wege zur Anerkennung der Menschen- rechte einen erheblichen Schritt weiter gegangen, aber er hat doch weiter nur eine im Verhältniß zu dem ferneren, großen Ziele sehr weitem Schritt vorwärts gethan und ist noch weit hinter dem zurückgeblieben, was vor jetzt mehr als 100 Jahren das preußische allgemeine Landrecht als Pflicht des Staates anerkannt hat. Kriefe ans England. London, den 22. November 1890. Die Krisis auf dem Londoner Geldmarkt, die der Krach im Hause Baring mit sich zu bringen drohte, ist für den Moment überwunden, und damit scheinen auch diejenigen Rückwirkungen abgeivendet, die jede umfassendere Geldkrisis auf die industrielle Geschäftswelt zu haben pflegt. Immerhin hat das Vertrauen in die Sicherheit der„angelegten Werthe" einen erheblichen Stoß erlitten, und eS wird wohl eine Weile dauern, bis die Börse und ihre Kundschaft sich wieder in der wohligen Stimmung be- finden, die das berühmte Wort zum Motto hat:„Nach uns die Sintfluth", d. h. nach uns der Krach. Es ist sogar nicht ausge- schlössen, daß, bevor es dahin kommt, bevor das Gründungs- geschäft wieder auf der vollen Höhe sich befindet, eine andere Krisis eintritt, ausgehend nicht vom Geld-, sondern vom In- dustriemarkt. Wir nähern uns sichtbar der Periode einer Er- schlaffung, der„Elan", mit dem der Aufschwung der Ge- schüste im Vorjahr sich vollzog, hat bereits erheb- lich nachgelassen, wenn auch noch von keinem eigentlichen Rückgang die Rede ist. Es braucht aber hier nicht des ausführ- liehen dargelegt zu werden, warum schon ein Aushören der Auf- wärtsbewegung in ihren Wirkungen gleichbedeutend mit einem Rückgang ist. Die Umstände, welche den Krach im Hause Baring herbei- geführt, hat der Telegraph bereits in alle Welt gemeldet und auch daS„Berliner Volksblatt" hat davon gebührend Notiz genommen. Wie immer in solchen Fällen, hat der nicht mit der Börse direkt in Verbindung stehende Theil des Publikums, die große Masse der Nichteingewcihten— und zu ihnen gehört leider auch der Schreiber dieser Zeilen— hier am Ort viel später den Namen des wankenden Welthauses erfahren, als die auswärtige Welt. Die hiesige Presse hat einen Heidenrespekt vor einem Prozeß wegen Kreditschädigung, und so berichtete sie in den ersten Tagen immer nur von der gefährdeten Situation eines der ersten hiesigen Emisstonshäuser. Daß es die berühmte Firma Baring Brothers u. Co. war, daö erfuhr der große Haufe, die nnsera contribuens plebs erst, als bereits Rothschild und die Bank von England helfend eingegriffen. Noch am Sonnabend Morgen hieß es im Börsenbericht eines der großen Blätter, daß die Gerüchte, welche über die Zahlungseinstellungen eines großen Hauses herumliefen, welches als„niedrige Berlänmdnug" seien. Am Montag erfuhr der Leser, daß es bittere Wahrheit war, aber der Name der Firma wurde ihm noch vorenthalten, den brachten erst die Abendblätter. Von einem„Falliren" der Firma Baring ist jetzt nicht mehr die Rede, der Reichthum der Kapitaluiaguaten, die zu ihren Klan gehören,- ist so groß, daß die Rothschilds und Konsorten wirklich nichts riskirten, als sie ihr über die„kleine Verlegenheit" hin- weggeholfen. Außerdem, Argentinien ist ein so reiches Land und hat eine so große Zukunft, daß selbst die Mißwirthfchaft seiner Regierungen nicht dagegen auskommt. Und da die Barings sich für ihre Anleihen Sicherheiten über Sicherheiten ausbedungen haben, so werden sie auch wahrscheinlich nach dieser Seite hin wieder ans die Kosten kommen. Es wird aber etliche Zeit darüber vergehen, und inzwischen werden es die Rothschild's sei», die von der Schüssel Südamerika das Fett abschöpfen werden. Die Proletarier aus aller Herren Länder, die jenes von der Natur gesegnete Land auf- suchen, um dem Kapitalsbruck, der in der alten Well auf ihnen lastete, zu entgehe», dürfen beruhigt sein. Es geht dem kapitalistischen Europa lein Tropfen von dem ihm gebührenden Antheil an ihrem Schweiß und Blut verloren. Neben dem Bischen Fegefeuer, das ihm die hohe Finanz zu kosten gegeben, hat das hiesige Publikum auch eine polirische Sen- sation aufgetischt erhalten, die auch eine» gewissen höllischen Beigeschmack hatte. Ich meine den Ehescheidunge-Prozeß Parnell- O'Shea oder O'Shea- Parnell. Der„ungekrönte König" von Irland hatte seine Prärogative etwas weiter ausgedehnt als ihm von Rechtswegen zusteht, und mit der Frau eines seiner Vasallen, nämlich des Kapitän O'Shea, ein Verhältniß unterhalten, das man bei gewöhnlichen Sterblichen Ehebruch nennt. Das traute Pärchen trieb es schließlich so unaenirt, daß die Dienerschaft der Frau O'Shea und ihre sonstige Umgebung genau wußte, was die Glocke geschlagen, nur der, mittlerweile Dank dem Einfluß Parnells ins Parlament gewählte.Herr O'Shea will nicht ge- merkt haben, welche Krone er trug. Das ist um so merkwürdiger, als Herr O'Shea keineswegs ein mit den Gebräuchen der Welt unbekannter Bücherwurm, sondern ein flotter Weltmann, Sports- Held u. s. w. ist. Hier und da will er zwar Verdacht geschöpft, aber sich immer wieder haben beruhigen lassen. Erst nachdem das Verhältniß etwa acht Jahre angedauert, wurden die Zweifel des Herrn O'Shea zur Gewißheit, und er leitete die Scheidungs- klage ein, merkwürdiger Weise um dieselbe Zeit, wo er vor der Parnell-Untersuchungskominission gegen die irische Partei aussagte. Genug, Herr O'Shea steht mindestens in einem sehr zwei- deutigen Licht da, und es i>l keineswegs ausgeschlossen, daß auf seinen Entschluß, gerade jetzt die Scheidung zu betreiben, Gründe eingewirkt haben, die mit dem was man Mannesehre nennt, nichts zu thun haben, so gewichtig sie sonst sein mögen. Denn das wußte natürlich der.Herr O'Shea, daß er mit dem Prozeß nicht nur Herrn Parnell, sondern auch der ganzen Homerule-Partei treffen würde. Der Erstere ist durch die vor Gericht mitgetheilten Thatsachen aufs Aergste blosgestellt. Weder er noch Frau O'Shea erschienen in der Verhandlung, ließen sich auch durch keinen Anwalt ver- treten und gaben damit offen zu, daß der gegen sie erhobene Vorwurf des Ehebruchs gerechtfertigt war. Aber das wäre das Schlimmste noch nicht gewesen. Aus den vom Anwalt des Herrn O'Shea verlesenen Briefen und den Zeugenaussagen geht jedoch hervor, daß der ungekrönte König zwar die Rolle des verliebten Ritters zu spielen wußte, sonst aber auch keine Spur von Ritter- lichkeit an den Tag gelegt hat. Ist Herr O'Shea die falsche Nu- schuld vom Lande, so ist Herr Parnell der falsche Biedermann. Immer kühl und überlegt, lügt er sich lieber aus der Affäre, statt dem ge— krönten Ehemann die verlangte Satisfaktion zu geben. Und Frau O'Shea? Die eine Thatsache, daß sie ihre eigene Schwester beschuldigte, mit ihrem Mann Ehebruch ge- trieben zu haben, kennzeichnet sie zur Genüge. Man braucht kein Pharisäer und Sittlichkeitsheuchler zu sein, um durch das Bild, das dieser Prozeß enthüllt hat, gründlich an- gewidert zu werden. Es ist ein neuer Beweis, wie die„Heiligkeit der Ehe", dieses Palladium der bürgerlichen Gesellschaft, in der Nähe aussieht. Sticht die Spur eines edlen Motivs in der ganzen Affäre..Herr O'Shea hat seine Frau als reiche Erbin— ge- beirathet. Herr Parnell— nun, hätte er Frau O'Shea geliebt, so hätte er sie keine acht Jahre in den Händen eines anderen Mannes gelassen. Er wäre mit ihr durchgebrannt, hätte die Scheidung selbst erzwungen, kurz, alles gethan, das Weib seines Herzens heimzuführen. Aber keine Idee davon. Er sorgt nur für eins, sich nichr erwischen zu lassen. Und das ist freilich das Hauptgebot der bürgerlichen Respektabilität. Denn nun er schließlich doch erwischt wurde, ist das Geschrei groß in Israel. Vor allem schreit und tobt der Chorus der Konservativen und Unionisteu. Das ist zu natürlich, als daß darüber ein Wort zu verlieren wäre. Ich meine, natürlich, weil es dem Partei- Interesse derselben entspricht, nicht etwa, weil sie rigorosere Anschauungen in Bezug auf die Ehe, bürger- liche Moral:c. hegten oder heuchelten als ihre liberalen Gegner. Im Gegentheil, das religiöse Muckerthum, die pietistischen Sekten, halten in England politisch zu den Liberalen. Gladstone ist in Bezug auf Religion, Ehe- Gesetzgebung ec. viel bornirter als drei Viertel seiner konservativen Gegner. Diese schreien, um die protestantische Orthodoxie zu sich herüberzuziehen oder wenigstens vom Homerule abzubringen. Und bei einem Theil derselben scheinen sie ein williges Ohr zu finden. England ist das traditionelle Land der bürgerlichen Heuchelei. Es wird hier vielleicht nicht mehr geheuchelt als in anderen Ländern, aber die bürgerliche Heuchelei hat hier, wo das Bürger- thum zuerst zur Herrschaft kam, sich am tiefsten eingebürgert, festere Formen, mehr System angenommen als anderwärts. Das erste Gebot aller Heuchelei ist aber: Laß Dich nicht abfassen. Und daß Parnell dagegen verstoßen, macht es seinen Ver- düudeten sehr schwer, ihn zu halten. Solange Parnell nur den Ehebruch praktisch betrieb, konnte man dein zweiten Gebot der Heuchelei: Du sollst nicht sehen, ivas Dir unbequem ist, folgen und den blinden Mann spielen. Nun die Sache aber vor Gericht festgestellt ist, geht das nicht länger au, müssen sie sich offen erkären. Run sind aber die katholischen Jrländer, welches auch immer sonst ihre Fehler sind, in der bürgerlichen Heuchelei hinter ihren protestantischen Alliirten ein gutes Stück zurück. Sie wissen, daß sie Parnell brauchen, und vielleicht gerade wegen derjenigen Eigenschaften brauchen, die ihn in der O'Shea-Affäre so unsympathisch erscheinen lassen. Sie brauchen einen kühlen Verstandesmenschen, der ihre Hitzköpfe im Zügel hält, der weder im Haß noch in der Liebe seine Position vergißt; sie erklären also: Politik und Privatleben sind zweierlei Dinge; was Parnell im Erfleren ist, geht unS im poli- tischen Kampf nichts a». Außerdem ist O'Shea ein Lump und Verräther— ergo, bleibt Parnell unser Führer. Unser König absolut, Wenn er auch'mal sündigen thut. Man soll das gleiche Lied auch schon anderwärts gehört haben. Was sollten unter solchen Umständen die Liberalen anfangen? In Sheffield, wo sie gestern und vorgestern ihre Parteikonferenz abhielten, und wo Herr Morley in der Achtstundenfrage einen kühnen Schritt zurück that, erklärten sie: Wir kämpfen nicht für Parnell, sondern für Home Rule, und haben nicht das Recht, den Jrländern vorzuschreiben, iven sie zu ihrem Führer wählen sollen. Parnell ist ein Mann, und Home Rule ein Prinzip, und wenn der Mann schlecht ist, bleibt das Prinzip doch gut. „Ja," geben die Mucker zurück,„das ist ganz schön gesagt, aber wenn Home Rule sich in Parnell verkörpert, dann ist Home Rule auch schlecht." Wie der Kampf enden wird, läßt sich schwer voraussagen. Michael Davitt, der bei den irischen.Arbeitern großes Ansehen genießt, hat sich gegen Parnell erklärt. Zum Theil spielt da vielleicht eine alte persönliche Gegnerschaft mit, zum Theil das ehrliche Bestreben, Alles aus dem Wege zu räumen, was zwischen Jrländern und Engländern eine Entfremdung herbeiführen könnte. Wichtiger noch vielleicht ist die Thatsache, dag in der amerikanischen Presse ebenfalls verlangt wird, Parnell solle zurücktreten. Amerika ist der Schatzmeister der Jrländer, und wenn der bock- beinig ivird, haben die Gegner Home Rule's gewonnenes Spiel. Parnell selbst macht es, wie stets in kritischen Situationen: Er schweigt. Er läßt das Unwetter stürmen und toben, und erst, wenn es vorüber, tritt er ans Fenster und prüft, welche Lust- ftrömung den Sieg behalten. Nur wenn der Ostwind anhält, wirb der ungekrönre König sich entschließen, seiner, mit Verlaub, Würde zu entsagen. Devsttnmrlmrgeu. Wahlverei» für de» zumtett lUnhUtvei». Der Stadtverordnete Vogt Herr hielt am 25. November vor einer zahlreich besuchten Versammlung des Vereins in „Keller's Hofjäger" einen Bortrag über„Die Schule gegen die Sozialdemokratie". Er führte aus:„Nachdem die hauptsächlichste Waffe zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, das Sozialisten- gesetz, verkracht ist, wurde versucht, neue Mittel dazu zu finden. Als ein ganz absonderliches ist nun in neuester Zeit das Projekt aufgetaucht, die Schule als ein Mittel zur Bekämpfung der Sozialdemokratie, bezm. der von dieser vertretenen Ideen, zu benutzen. Dies Projekt ist besonders von der Sozialdemokratie in den Kreis ihrer Betrachtungen zu ziehen, da es ei»„vssizielles" ist. Wir haben ihm gegenüber nicht nur einen bestimmten Standpunkt als Parteigenosse», sondern viele der Genossen auch als Elter», einzunehmen. Sie sollen ihre Kinder in der Llrt und Weise erziehen lassen, daß dieselben der Partei, welcher sie angehören, dermaleinst entgegentreten können. Wenn wir uns diesen Plan be- trachten, müssen wir uns die Art und Weise vorstellen, mit welcher die Lehrer wirken sollen. In dem offiziellen Erlaß heißt es, den Kindern, it beim Unterricht zu zeigen,„was in der Welt wahr, was wirklich und was in ihr möglich ist". Denen, die den Unterricht ertheilen sollen, wird ein bestimintes Grundschema gegeben, nach welchem sich derselbe gestalten soll. Von unserem Prmzipienstandpunkt aus betrachtet ist der Sozialism s nicht als Hirngespinnst in den Köpfen einiger Menschen entstanden, sonder» der Gedanke an ihn hat sich aus ganz bestimmten, in Wirklichkeit mstlrenden wirthschaftlichen Verhältnissen heraus entwickelt. Wir smd uns darüber klar, daß der Sozialismus keine Jrrthümer in sich schließt, die durch die Schule beseitigt werden können; daß melmehr das Jrrlhiimer find, was ihm in der Schule entgegen- gefteltt werden soll. Hinzuweisen ist hierbei darauf, daß in der schule schon eine ganze Reihe von Gegenständen gelehrt werden, die das Gegentheil von dem sind, was„wahr, was wirk- lich und was in der Welt möglich ist." Nicht nur die Volksschule, überhaupt das ganze Schulwesen ist in seinem Wirken daraufhin gerichtet. Da die Schule obligatorisch bei uns eingeführt und jedes Kind zum Besuch derselben gezwungen ist, glauben nun die Eltern ihre Kinder werden während der ganzen Zeit des Schulbesuchs z» tüchtigen, denkenden und-.viisenden Menschen herangebildet. Leider ist dies ein Jrrthum. In Preußen speziell hat nian durch sogenannte Simultanschulen, Schulen, in denen Kinder aller Religionskoiifessionen gemeinsam erzogen werde», versucht den konfessionellen Streitig- keiten den Boden zu entziehen. Man hat damit der Pflicht genügt, die Kinder so zu erziehen, daß kein Zwist in die Reihen des Volkes getragen werde. Was man hier anerkannt, läßt man dort nicht gelten, wo es gilt, eine politische Partei zu bekämpfen. Erreicht wird allerdings hiermit nicht viel werden. Da heute dort, wo der Mann Sozialdemokrat ist, es in den meisten Fällen die Frau auch schon zur sozialdemokratischen Gesinnung gebracht hat, schon mit„vergiftet" ist; so ist eS selbstverständlich, daß sich die sozialistische Agitation von diesen Eltern auf die Kinder über- trägt, und wenn dies nur in kleinen Verhaltungsmaßregeln geschieht, so werden sie erzogen zu Stützen der Ideale, welche die Eltern vertreten.— Zieht man in Betracht, daß die Lehrer sich später so präpariren sollen, daß sie bei ihrer Berufsaussüllung einer bestimmten Parteirichtung ent- gegentreten können, so muß man sich sagen, daß sie nicht als gleichberechtigte Staatsbürger anerkannt werde». Sie sollen nicht die Freiheit einer bestimmten Meinung haben, nicht die Freiheit, sich einer ihnen zusagenden Partei anschließen zu können! Sie sollen dazu gedrillt werden, das und das für richtig,— das und das für falsch zu halten. Mit einem Wort: sie sollen zu Staatsbürgern zweiter oder dritter Klasse degradirt werden. Eigenartig berührt eine Bestimmung in dem betreffenden Erlaß, nach weicher solchen Kandidaten, bei denen man ein Wirken� in der angegebenen, sozialistenbekämpfenden Richtung nicht voraussetzen könne, die Erklärung, daß sie lehrfähig seien, vorent- halten werden könne.— Es wird nothwendig sein, wenn das besprochene Projekt in die Wirklichkeit umgesetzt wird, bestimmte Lehrbücher zu schaffen. Bedenke man die Kalamität, in welche ein Dorsschulmeisterlein gerathen würde, wenn er, der gar»ich weiß, was Sozialismus ist, der von ihm nur im Zusammen hang mit irgend einem Gottseibeiuns(Heiterkeit) gehört hat, in die Lage käme, ihn bekämpfen zu sollen. Er wird sich in seiner Unwissenheit mit dem begnügen müssen, was man ihm in die Hand gicbt. Danach wird cr sich„seine" Meinung machen müssen. Trotzdem nun das Projekt ein so neues ist, sind doch schon derartige Bücher er- schienen; ist ihm gewissermaßen schon vorgearbeitet worden. Ein solches Buch hat die„Bolks-Zeitnng" ans Tageslicht gezogen. Es betitelt sich„Die Feinde der Gesellschaft und der staatlichen Ordnung" und ist verfaßt von Stötzer und Schörmann. Redner verliest nun einige Stelle» des Buches, welche in der Zeitung abgedruckt sind und die„Theilerei" behandeln, unter großer Heiter- keil der Versammlung und fährt fort: Wird es wirklich gelingen, durch derartiges Zeug das Gewollte zu erringen V Mau wird es einnehmen, um sich nicht der Strafe auszusetzen und im übrigen wird, es mit wenigen Ausnahmen, ebenso wenig auf die Kinder einwirken, wie es die Lehren des Bibelbuches thun. Es wird wie alle Mittel, mit welchen man Vorurtheilc erzeugen will, zum Nachdenken anregen. Die wirklichen Verhältnisse werden dann später bei den heranwachsenden Menschen das ihrige thun, um den gewonnenen Eindruck zu verwischen. Die Eltern werden auch, während die 5tinder die Schule de- suchen, danach zu trachten haben, das, was dort an ihnen verdorben wird, zu Hause wieder gut zu machen. Die Schule wird aus einer Volksschule in eine Parteischule umgewandelt werden, darum ist es nöthig, im Schooße der Familie eine gute Schule zu schaffen. Diese Agitation, dieses schon in die Seele des Kindes Hineintragen deS Gedankens an die Mühseligkeiten des Lebens, ist uns dann aufgedrungen worden. Für uns wird es ein Nutzen sein; die heran- wachsende Jugend wird früher, wie es vielleicht sonst ge- schehen würde, herausgebildet sein zu Nutzen des sozialistischen Gedankens, welches uns der Verwirklichung desselben näher rücken wird."(Lebhafter Beifall.) Eine Diskussion fand nicht statt. Folgende Resolutionen wurden angenommen:„1. Tie Versammlung erklärt sich mit den Ausführungen des Referenten einverstanden und verpflichtet sich, ganz energisch gegen diese Lehren zu wirken und den Kindern so viel wie möglich die Ideen der Sozialdemokratie einzuprägen." 2.„In Erwägung, daß die Lage der arbeitenden Klasse durch den allgemeinen wirthschaftlichen Niedergang bedingt, eine immer gedrücktere wird und die politische Macht der Arbeiterklasse noch nicht zu der Höhe gelangt ist, um in absehbarer Zeit eine Be- seitigung der Ursachen dieser Mißstände herbeiführen zu können, macht es die Versammlung allen Parteigenossen zur strengsten Pflicht, sich den in ihrem Gewert bestehenden Fachvereineu anzuschließen, um bis dahin den immer stärker werdenden Druck Seitens des Unternehmerthums durch starke Gewerkschafts- Organisationen wirksam ent- gegentreten zu können." Hierauf wurde die Auge- legenheit Wilschke betreffend der Listensammlung für den Kranz für das Grab Hasenclevers durch Beschluß der Versamm- lung erledigt, da der Vorstand erklärte, bei der Untersuchung der Angelegenheit sei alles in Ordnung befunden werden; das Geld abgeliejert. Hierauf wurde eine Kommission, bestehend aus den Gen. Grube, W i l s ch k e, Z a l e w s k i, H a s s e l b a ch und Janiszewski, gewühlt, welche in Gemeinschaft mit dem Vorstände eine ev. Statutenänderung vorberathen soll. Nachdem noch beschlossen, Friedrich Engels ein Glückwunsch-Telegramni zu seinem 70. Geburlstage zu schicken, wurde die Versammlung mit einem Hoch aus die internationale Sozialdemokratie geschlosten. Mahlkveia Tettow-Keeakow-Ccharlottenburg. Eine öffentliche Volksversammlung für diesen Kreis fand unter Vorsitz des Herrn Ost ermann am 26. November statt, um zu dem am 80. November in Potsdam abzuhaltenden Partei- tag für den Regierungsbezirk Potsdam Stellung zu nehmen. Das einleitende Referat hielt W. Werner. Er sprach sich dahin aus, daß, wenn man Delegirte wählen wolle,— dies müsse man schon— denselben ein vollständig ungebundenes Mandat mit aus den Weg gegeben werden müsse. Es wäre besser gewesen, wenn der Genosse Ewald bei der Einladung zuni Parteitag mindestens einige Gesichtspunkte darüber, wie er sich die Gestaltung der Ver- Handlungen des Parteitages denkt, den betheiligten Genossen durch den betreffenden Aufruf mitgetheilt hätte. Er, Werner, sei der Meinung, daß ein Zusammenarbeiten verschiedener Kreise bei der Agitation jetzt weder nöthig, noch taktisch zweckmäßig sei. Ersleres, weil die Gelder zu Agitationszwecken jetzt der Parteivorstand zu geben habe; letzteres, weil jeder Kreis eine eigenartige, nur für sich nützliche Behandlung erfahren müsse. So müßten z. B. in Teltow- Beeskow die Ziegeleiarbeiter berücksichtigt werden. Was die Presse betrifft, so sind dieselben Bedenken geltend zu machen, wenn die Absicht der Gründung eines Zentralvlattes für die Provinz Brandenburg vorhanden wäre. Wolle man ein für mehrere Kreise als maßgebend geltendes Blatt gründen, so höchstens für zwei. Einzelne Genossen dieses Kreises haben sich schon mit der Preßfrage besaßt. Man ivar damals der Meinung, der Kreis Teltow-Bceskow könne ein Blatt, welches nur für ihn Geltung habe, vollständig erhalten. Man wollte aber, che man zur Gründung eines Blattes schritt, die Beschlüsse des Haller Parteitages abwarten.� Wenn man nun für den Kreis ein Blatt gründen wolle, so dürfe es nur Parteieigenthum sein. An der auf diese Ausführungen folgenden Diskussion betheiligten sich u. A. die Genossen Wurbs, Stein mar, Mielenz und Werner. � Alle Redner erklärten sich in den Hauptpunkten nnt den Ausführungen des Referenten einverstanden. Einer der Redner war der Meinung, daß einzelne Punkte, wo ein Hand in Hand gehen verschiedener Kreise bei der Agitation möglich wäre, vorhanden seien. Mielenz meint, man könne auf dem Parteitag aus den Berichten über die Lage in den verschiedenen Kreisen lernen._ Es wurde beschlossen, sieben Delegirte zu wählen und denselben ein ungebundenes Mandat zu übertragen. Gewählt wurden W. W e r u e r, Köpenick; W u r b s, Ripdorf; W e r n i che, Charlottenburg; Miele»;, Johannisthal; B u ch h o l z, Schöneberg, Danneberg, Mariendorf-Tempelhof; Donner, Wilmersdorf. Nachdem noch das Bureau beauftragt worden, den Genossen Ewald zu ersuchen, die Zeit des Beginnes des Parteitages von Nachmittag auf den Vormittag des 30. zu ver- legen, wurde die Versammlung geschlossen. Avbeitrrinnrn-Uersammiung. Eine öffentliche Versammlung sämmtlicher in Fabriken be- schäftigten Arbeiterinnen tagte Mittwoch Abend in llebel's Salon, unter Leitung der Frau Viereck, um die Zustände und Lohn- Verhältnisse in der Posamentenfabrik von Herz und Wegner, Stralauerstr. 39, zu besprechen. Es waren in der Versammlung eine Anzahl Arbeiterinnen, sowie einige Werksührer und Buch- Halter der Fabrik erschienen. Die Refercntin, Frau G u b e l a, uhrte ungefähr Folgendes aus: In vielen Fabriken herrschen solche schreienden Mißstände, daß man sich gar nicht scheuen dürfe, im Interesse der daselbst beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen die Verhältnisse der Oeffentlichkeit zu übergeben. Man müsse von einem Arbeitgeber verlangen, daß er seine Arbeiterinnen nicht bei niedrigen Löhnen noch schlecht behandele. Ein solcher Fall liege bei der Posa- menten-Fabrik von Herz und Wegencr vor. Dort hätten die Arbeiterinnen eine zehnstündige Arbeitszeit. Die Mittagspause olle eine Stunde dauern, doch werde den Arbeiterinnen eine halbe Stunde gewährt. Trotzdem die jugendlichen Arbeiterimien auf Befragen eine bejahende'Antwort gegeben hätten, 'ei keine Frühstücks- und keine Vesperpause eingeführt worden. Die Arbeiterinnen verdienten bei angestrengte- ster Arbeit die Woche 10 bis 12 Mark, die"Jüngeren nur 5— G Mark. Alte Arbeiterinnen, welche 30—40 Jahre bereits in der Fabrik arbeiten, erhalten jetzt, nachdem sie für den Fabrikanten sich abgearbeiiet hätten, 1,00 Mark für die ganze Woche. �Allgemeine Entrüstung.) Als kürzlich eine Arbeiterin, welche 42 Jahre in der Fabrik gearbeitet hatte, starb, habe der Herr Fabrikant derselben eine» Kranz im Werth von etwa drei Mark gespendet und damit drei Arbeiterinnen abgesendet; den anderen sei die Theilnahme an der Beerdigung verboten worden, wenn sie nicht entlassen werden' wollten. Aehnliches Habesich ereignet, als zwei Arbeiter ihren alten Vater zur letzten Ruhe bringen wollten, auch da sei nur demeinen von ihnen der Urlaub gewährt, dem zweiten Bruder derselbe verweigert worden.(Große Unruhe und Entrüstung.) Eine Arbeiterin sei sofort entlassen worden, weil sie Petitionslisten habe zirruliren lassen. Es sei vorgekommen, daß bei einer polizeilichen Revision Kinder, welche nicht zehn Stunden arbeiten dürfen, sich entfernt hätten. Lctzlere würden in der Fabrik zu allen Nebenarbeiten benutzt, so zum Trcppenscheuern und Reinigen. Ein Werkführer habe erklärt, er würde jede Arbeiterin, welche sich einem Fachvcrein anschließen würde, sofort hinauswerfen.(Unruhe.) Rednerin fordert schließ- lich die anwesenden Arbeiter und Arbeiterinnen, wenn sie diesen Uebelständen ein Ende machen wollen, auf, sich dem Fachverein der Posamentiere anzuschließen.(Lebhafter Beifall.) In der sich an das Referat anschließenden Diskussion erklärt der Werkführer S ch u l z, daß alles, was gegen seine Person vorgebracht sei, eine böswillige Verleumdung sei. Er sei es gerade, welcher die größte Nachsicht übe.(Widerspruch.) Die Lohnarbeiter unter ihm verdienten bis zu 24 M. die Woche, zu guten Zeiten.(Widerspruch.) Die Aussperrung betreffs des Fach- Vereins habe er nicht gethan. Teicherl, bei Schulz, beschäftigt, erklärt die Schulz ge- machten Vorwürfe für unwahr. Ebenso nimmt denselben Frau Grobe in Schutz, welche auch bei ihm beschäftigt ist. Klau bemerkt, im Fachverein der Posamentiere habe man schon längst ein Auge auf die Fabrik von Herz und Wegner ge- morsen, es unterliege bei ihm keinem Zweifel, daß die von Frau Gubela geschilderten Zustände auf Wahrheit beruhten. Buchhalter H u t h weiß, aufgefordert, sich zu rechtfertigen, nicht, was er eigentlich sagen solle. Soviel er bis jetzt bemerkt habe, fühlen die Arbeiter der Fabrik sich wohl und behaglich.(Schallendes Gelächter.) Frl. Bendach, Direktrize der Fabrik, giebt zu, daß die alten Arbeiterinnen mitunter nur 1,50 M. die Woche verdienen, doch komme dies nur selten vor. Die Löhne seien sonst sehr gut. (Widerspruch.) Dem Werkführer F e ch n e r thut das Herz weh, daß sein Herr in solcher Weise öffentlich angegriffen werde. Er selbst handle wie ein Vater an seinen Arbeitern.(Widerspruch.) Es betheiligen sich an der Diskussion noch eine ganze Reihe von Rednern, welche die Zustände in der Fabrik einer Kritik unterziehen. In ihrem Schlußwort hält die Referentin alle Behauptungen ausrecht und bringt noch für mehrere Fälle Beweise vor. Daß die Arbeiter der Fabrik selbst nicht wagen vorzutreten, liege an deren Furcht vor Maßregelung. Rednerin richtet nochmals an die Anwesenden die Mahnung, sich einer Fachorgauisaliou anzuschließen.(Lebhafter Beifall.) Zur einstimmigen Annahme gelangte folgende Resolution: „Die heute bei Uebet tagende öffentliche Arbeiterinnen-Aersamm- lung ist davon überzeugt, daß die Verhältnisse der Fabrik von Herz und Wegner sich so darstellen, wie sie von Frau Gubela geschildert worden sind. Tie Anwesenden protestiren energisch oagegen, und verpflichten sich, zivecks Erringung besserer Levens- bedingungen einer Fachorganisation beizutreten." Ferner wurde die befiehende Agitationskommission beaustragt, die Angelegenheit näher zu untersuchen und demnächst in einer öffentlichen Versammlung Bericht zu erstatten. Unter Verschiedenem wurden für die Agitationskommission einige Ersatzwahlen vorgenommen. Ferner wurde das Verhalten des Lokalbesitzers getadelt,_ der ersucht hatte, die Versammlung bald zu schließen, weil dieselbe zum Schluß nicht mehr sehr stark besucht ivar. Eine ausirrordentlichr Genrralvevsammlnng dro AUgrmeiire» Mrtallarvriter-Urvrins Berlins und Umgegend tagie ain Sonntag, den 23. d. Mts. Der Hauptgegenstand der Tagesordnung war die Revision des Staruts, zu welchem Zwecke in der 28. September stattgefundenen beschließenden Versammlung dem Vorstand eine Kommission von 11 Milglieder» beigegeben war, welche in zwei Sitzungen sich ihrer Ausgabe erledigt hatte und nun durch den Kollegen Gerisch über ihre'Arbeiten Bericht erstatten ließ. Das revidirte Statut wiirde in der Fassung, wie es aus den Berathungen der Kommission hervorgegangen war, nach eingehender Debatte einstimmig angenoinmen. Die Aende- rungen begehen im Wesentlichen in Folgendem: Der Vorstand besteht nicht mehr aus9, sondern aus 11 Mitgliedern, er gewährt'Reiseunter- stützung nur a» Kollegen, welche 3 Monate Mitglied eines Metallarbeiter-Vereins gewesen und den Pflichten eines klassenbeivußteu Arbeiters nachgekommen sind; Rechtsschutz ist ebenfalls von dreimonatlicher Mitgliedschaft abhängig. Außer den vierteljähr lichen Generalversammlungen findet monatlich noch eine � schließende Versammlung statt, zu der ebenfalls nur Mitglm'- Zutritt haben. Die Wahl des Vorstandes und der Revisoren schieht mittelst Stiiumzeltel, die der Kommissionen tunw Akklamation. Ferner wurde die bisher als Anhang besteh»"' Arbeitsiiach'.veis-Ordnung als§ 8 in das Statut aufgenomm» so daß fortan die bisherigen§§ 8, 9 und 10 als 9, 10 und U� stehen., Ferner hat die Statutenberathungs- Kommission M nicht entschließen können, einen Paragraphen, rceiq» die Bedingungen, unter denen der Verein Unterstütz an bedürftige Kollegen zahlt, welches von der beschließenden sammlung vom 23.' September angeregt worden war, ch'... Statut auszunehmen.— Als ein fernerer Punkt stand die von 3 Rechtsschutz-Kommissionsmitgliedern auf der Tag. ordnung. Die Kollegen Otto Klein, Scheyr und Winkler wuro gewählt. Unter„Verschiedenem" stand ein Unterstützungsgef f zur Diskussion, aus Anlaß der Maßregeluiig in der Lippich1. scheu Fabrik, in der bei Eiitlassung zweier Arbeiter sich tamL, liche 12 Kollegen solidarisch erklärten. Es wurde von chM Rednern daraus hingewiesen, daß die betreffenden Kollegen wie unseren Beschlüssen entgegen gehandelt hätten, indem sie,"y sich an einen Verein um Rath zu ivenden, so'"ig unter den Verhältnissen, wie sie in der Lippt»� scheu Fabrik herrschen, gelebt haben imd nun plötzlich Arbeit niederlegten. Gegen eine derartige unbesonnene lungsweise, wie man sie immer noch bei einzelnen Kollegen ch'D' müsse nun entschieden Front gemacht werden. In dem vorliege l den Falle beschloß jedoch die Versammlung, noch ein letztes Ai von der vorgeschriebenen Regel abzuweichen und dem Anttag- steller, Vereinsmitglied, Vater von 5 Kinder», eine eiiunaus Unterstützung von 30 M. zu gewähren, jedoch einzig und unter dem Hinweise.auf die ganz besondere Rothlage des Kollege/ Zum Schluß forderte Kollege Hartmann die Anivesend(N a v recht fleißig ans die„Metallarbei'ter-Zeituug" zu abonniren. In drv öffentlichen Schneider- und Schneiderinne. Versammlung unter der Leitung des Herrn Pfeiffer° 26. d. M. referirte Täter ow über das Thema:„ Die E j werkschaf tsbewegüng und die Beschlüsse des PaiteitVgVs� CThev Wofovtmf ovntrfifß nm fClllCV �tUSfÜhVUUQ�n , 1. Der Referent Schneider und ersuchte am Schlüsse Schneiderinnen die ................. die Beschlüsse des Parteitages'' Halle, die Gewerkschaftsbewegung betreffend, anzuerkennen zur Ausführung zu bringen, d. h. sich der Gewerkschaftsbeiveg anzuschließen. I» der Diskussion sprachen Herr A. Schu i W i e s e ni a n n, K u l i g, Timm(Hannover), Fräul. W». nitz und Herr Pfeiffer im Geiste des Referenten. schritt die Versammlung zur Ergänzung der AgitationskominiM'' Dieselbe wird allabendlich bei Hülgner, Seydelstraße 12/ äu;, den sein. Es folgte der Bericht ver Telegirten zur Veru Streik-Kontrolkommission. Darauf stimmte die Versammlung � stimmig folgender Resolution zu:„Tie heutige öffenu Schneider- und Schneiderinnen- Versammlung fordert„ Kollegen und Kolleginnen auf, energisch für die Gewerkschm Organisation zu wirken, da diese ein Mittel ist, unsere geg... wärtige sehr traurige Lage zu verbessern. Ferner verpflichtet die Versammlung, besonders die Indifferenten und die VJ' arbeiter mehr aufzurütteln, damit auch sie zahlreicher in»»>» Reihen erscheinen, als es bis jetzt der Fall war. Denn durch allgemeines Vorgehen ist es uns möglich, ein weniP würdiges Dasein szu erstreiten." Endlich wurde noch beschloil den Ueberschuß der Tellersammlung 2 Kollegen in Karlsruhe überweisen.•„§ ©inr grolle Volksversammlung zu Gunsten de-Vere„ für die Reform der Schule und Erziehuug fand am Montag 1'�. Auf der Tagesordnung stand ein Vortrag des Herrn � verordneten E. Vogt Herr:„R e l i g i on keine S 4 u.- fach c". Die Versammlung war von ca. 1000 Personen beive. Geschlechts besucht. Den Vorsitz führte Herr Otto FAeÜ#/ Herr Vogtherr führte ungefähr folgendes aus: Es sei nur gäbe der Schule, die heranwachsende Jugend in erster Reihf" den zum Lebe», zum Verkehr und zur allgemeinen Bilv »ölhigen Zweigen des Wissens bekannt zu machen. Was au? halb dieser Aufgaben liegt, gehört nicht in die Schule, J"'' sei namentlich die Religion nicht nur in der Schule überflüslig- l.» ver i> sogar in vielen Fällen schädlich. Trotzdem werde sie'-ij alle Lehrfächer hineingeschniuggelt. Der Stoff der Lesebüchs vielfach religiös, ebenso werden bei Schreibübimgen, Dttt» religiöse Gedanken benutzt. Dasselbe sei besonders v Geschichtsunterricht der Fall, der den Kindern oft in toi, Weise gegeben werde, daß man dabei auf das„Walten Gv». himveist. Im Religionsunterricht selbst aber sei es eine allfe: bekannte Taktik, daß das jeweilig gelehrte Bekenntniß Ps 3 allein richtige hingestellt, und dessen Gott als der alleimge bezeichnet werde. Dadurch werde religiöser Dünkel und konsen � neller Hader groß gezogen, und werden schon die Kinder solche künstlich geschaffenen Gegensätze hingewiesen. Es gegenüber nöthig, die Religionslehre ganz von der® A., zu trennen, ganz ans ihr auszumerzen und der 4» � cor einzelnen Religionsgesellschaften zu überlassen,>vo Bedürsniß überhaupt vorhanden sei! Soweit"'ch?,-.«iili Religion dogmatisches Glauben versteht, sei sie überflüsm! n, müsse ersetzt werden durch eine gründliche allgemeine»' � lehre, darauf komme es an, nicht auf Glauben und Beten, � dann werde ei» vernünftigeres und geistig gesünderes Geich herangezogen iverde», als es jetzt möglich sei.(Reicher te.. Die Diskussion war sehr lebhaft und dadurch besonders intere>. '''-..... Württemberg'« daß sich u. a. zwei gegen zum Theil in hiesige Lehrer und ein Stadtvikar gegen die Ausführmigen des Referenten>v�, lder Weise, ohne daß stichhaltige gründe von ihnen vorgebracht wurden. Zum Schluß 9clfl jiie zivei Resolutionen zur Annahme, worin von den Gesetzgevet � vollständige Trennung der Religion von der Schule gesv und u. a. auch die kostenlose Hergabe der Lehrmittel tu Volksschulen gewünscht wurde. Eine öffentliche Versammlung der Dachderue'' � Berlin und Umgegend tagte am 20. d. Mls. Zunächst bet �;l Kollege R a ck iv i y über den Remscheider Streik und energischer Unterstützung desselben. In dem nun f g'Ltjiiä Referat über die Gewerkschaftskonferenz ivies er auf den F. der Zentralisation vor der Lokalorganisation hin. In den'! � Sinne sprachen sich die Kollege» Hanke und Maatz Verschiedenem wurde Kollege Mehrlein als alleiniges---Miß der Berliner Streik- Kontrolkommission bestätigt. Zstm.JDtta'' wurden noch zwei Resolutionen gefaßt, welche sich für De g» Organisation und gegen die Gewerbeuovelle ausspreche� Beirag der Tellersamuilung wurde den Streikenden in Rc"' überwiesen. In ein er Lffeutlichr» Versaurmlung der Verlins und Umgegend am 10. d. M., wurde der lommission nach erfolgter Rechnungsablegung und P■ ,„1 Entlastung ertheilt. Die Abrechnung soll als Anno>>S „Berliner Bolksblatt" veröffentlicht werden.(S. Jnfeta» Ferner gab der Vertrauensmann einen Ueberblick über o �,ii> willigen Sammlungen und deren Verwendung und brück' A eine Resolution ein dahingehend, daß alle Kollegen,„ist Mann, dem„Verein zur Regelung der gewerblichen Verb„>!> der Töpfer Berlins und Umgegend" beitreten, und, G'f e>. tupiee ioeiuu» miu umgcguiu ucuicicu, uuv,•- x. Januar 1891 die Zahl von 1300 Mitgliedern erreicht l b«> freiwilligen Sammlungen aushöre» sollen, da der Ver einer derartigen Mitgliederzahl seine Aufgabe ersüllea Nach Annahme der Resolution schloß der Vorsitzende, zjck' mit dreifachem Hoch ans die Solidarität der Arbeiter sammlung.«oahff'!? Berichtigung. In dem Bericht des Vereins zur der Interessen der Schuhmacher in der vorigen Sonntag». muß es in Betreff des gemüthlichen Beisammenseins.' 2. Dezember, sondern Sonntag, den 30. November, hetpe�/ Verantwortlicher Redakteur: Turt j>">'kr in Berlin. Druck und Verlag von Vta* VnMua in Berlin SW., Benthstraße 2.