Nr. 44. KbonnemtÄ«■ Kedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: «ierteljährl. SL0 Ml., monatl. l,l03Jlt.# wöchentlich 28 Pfg. frei in« Hau». Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags- Nummer mit tllustrtrter Sonntag»- Beilage»Tie Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: SL0 Marl pro Quartal. Eingelragen in der Post- Zeitung»- Preisliste für ISS? unter»r. 7tS7. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inftrtions-Grbiihr beträgt sür die sechsgespaltene Kolonel- »eile oder deren Raum iO Pfg., für verein»- und versammlungS-Anzetgen, sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserate sür die nächste Nummer müssen dt» « Uhr nachmittag» in der Srpedition abgegeben werden. Tie Erpedtlion ist an Wochenlagen bi» 7 Uhr abend», an Sonn- und Festtagen bi» 0 Uhr vormittag» geöffnet. Erfcheinl täglich nutzer Monkngs. Vevliner Volksvlatt. Zernsprecher:»ml I, Nr. 1508. Telegramm-Adresse: «Sviiaidentokrnl Seilte". Dentruwrgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: 8V. 19. N-«th-Straße 2. Sonntag, den 21, Februar 189�. HLptdttlo»: LV. 19, A1euty»Straße 3: Ei»r FubilcittM dev Sie jetzt, durch die Sessionen zerschnitte» wird. Der einzige Einwand, den die „Bossische Zeitung" macht, ist der: Je länger eine Legislaturperiode dauert, um so schwerer müßte» sich die Folgen einer Behandlung aller Sessionen als Einheit fühlbar mache». Nicht selten ändern sich die An- schauungen der Regierung oder der Mehrheit im Lause der Jahre- oder schon der Monate. Es kann der Regierung oder de, (III- �ui|4i.uuuy vvv t-ui' .ng des gesetzlichen Zweckes einer Militäranwärter eine Fassung Mehrheit dann willkommen sei», daß ei» cimnal eingebrachter Entwurf durch den Schluß der Session beseitigt wird, damit die M ö g l i ch l e i t e i n e r U m a r b e i t u u? g e- schaffen iv e r d e. So das freisinnige Organ. Wenn der Schreiber des Artikels diesen„och einmal durchliest, wird er gewiß selbst über die— Leichtigkeit seiner Gründe erstaunt sein. Kann man den» Anträge, Gesetzesentwürfe zc. nicht zurückziehen? Und ist die Möglichkeil einer„Umarbeitung" von Gesetzesentwürsen durch die Abschaffung der Sessionen denn erschwert? Wir dächten, gerade umgekehrt; denn die Regierung wird doch eher zu einer Umarbeitung geneigt sein, wenn genügende Zeit ist, als wenn der nahende Schluß der Session sie veranlaßt, den Entwurf in aller Eile unter Dach und Fach zu bringen. Man hat sehr hänsig über die hastige, und infolge dessen vielfach formell sehr mangelhafte Gesetzgebung Klage geführt. Diese Hätz ist in sehr vielen Fällen durch die Rühe des Sessions- schlusses verschuldet. Genug.— Die„Vossische Zeitung" hat thatsächlich für, nicht gegen uns geschrieben.— „Vor und auf Kreta nichts Neues"—„ganz Europa" läßt sich von Griechenland auf der Nase herum- tanzen, und die Griechen verrichten auch außerdem die üblichen Heldenthaten. Inzwischen erhebt sich im Hintergrunde als dunkler Schatten der russische Koloß, dessen thönerne Füße von„ganz Europa" so hübsch geschient worden sind, daß er für den Augenblick fest steht. In Konstantinopcl soll russische Einquartierung angesagt sein, und die Türkei, welche nicht Lust hat, sich ebenfalls von Griechen- land ans der Nase herumtanzen zu lassen, wird von„ganz Europa" an den Armen gehalten, das fortwährend schwört, den Frieden zu wollen, und dabei nur Tbatkraft entwickelt, wenn es gilt, den Friedens b r e ch e r zu schützen. Wie lange wird diese Komüdie noch dauern? England befolgt augenblich die Taktik jener Käfer, die sich todt stellet«, wenn irgend eine Gefahr droht. Es stellt sich todt und thut, als ob es den schivarzen russischen Schatten nicht bemerkte; aber wenn John Bull sich noch lange todt stellt, dann könnte es mit dem Tod als Großmacht«virklich ernst iverden. Und ernst ist es gewiß mit der Lawine, die sich„im Osten" znsaniuieuballt, und die jeden Augenblick donnernd und alles zerstörend herabtosen kann. Für die Völker der Erde aber ist jetzt die beste Gelegen- heit, sich klar zn»lachen, mit wie viel Verstand die Welt regiert wird. Ucber die Lage auf Kreta liegen zahlreiche De- peschen vor. Aus K a n« a wird gemeldet: Sitia ist von 60 italienischen, 30 französischen nnd 10 eng- lischen Mariucmannschafte» besetzt worden. Zwischen den Mohamc- dauern und den Christen, welche den Schiedsipruch der Mächte für alle Streitigkeiten anzunehmen erklärt haben, sind Geiseln ans- getauscht«vorden. Die Christen schlössen die türkischen Soldaten in Aliciana ein. Kretensische Freiivillige sind zn ihrer Befreiung ausgezogen. Tie Ausständigen benachrichtigten die Konsuli«, daß sie die Stadt von Akrotiri aus angreife» sollte». Der italienische Vize-Adiniral drohte die Stellung der Ausständigen eventuell beschießen zu lassen. Bis jetzt herrscht Ruhe. Gestern Nachmittag haben die„Hydria" und der„Alpheios" die Anker gelichtet, um in Milo Kohlen einzunehmen. Der griechische Konsul hat die Sendung neuer Schiffe verlaugt. Der„Penöns" hat Befehl erhallen, nach Retimo und Kanea zu gehen. Die Konsnln haben die Forderung gestellt, 12 Stunden vorher benachrichtigt zu «verde«« von einen« jeden Angriff auf die nähere Umgebung Halepas seitens der Christen,«vclche die Absicht hätten, die kleiue» Forts Montevarda und Alikianon anzugreifen. Die hiesige» Mohmnedaner habe» sich um den Palast des Gouverneurs ver- sammelt. Es verlautet, daß in de» Provinze» Sitia und Merampelo zivischen Christen und Mohamedanern eine Ausivcchselling von Ge- sangene» stattgefunden habe. Aus Retimo meldet die„Agence Havas": Die Türke» fahre» in der Plünderung der Häuser der Chrfflei« fort. Eine Ausschiffung von Trnppenabtheilungen seitens der Mächte ist nicht erfolgt. Die Konsuln haben die E»tsend«l»g von Schiffen verlangt. Nach eine»« Konsularberichte aus Kanea sind bei Sitia 2501 Mnhamedaner massakrirt»vorden. Der Bericht bebt hervor, daß auch griechische reguläre Truppen sich an den Metzeleien be- theiligt haben. Die türkische» Rüstungen iverden aitss eifrigste fort- gesetzt. Zuverlässige Kousularberichle aus Ueskneb, Moncatir und Prisina melden, daß die Be>vegl«»g der dortigen Bataillone bereits begonnen habe. Der stellvertretende Gouverneur auf Kreta, Jsinael Bey, richtete a» den Oberst Vassos die Aufforderung, Kreta sofort zn verlassen. Andernfalls«verde er denselben und dessen Soldaten als Räuber betrachten und bei eventueller Gefaugenuahme standrechtlich erschießen lassen. Aus Athen«neldet die„Agence Havas": Außer dem Dampfer „Thessalia"«vnrde auch der griechische Dampfer„Hera" durch ein englisches Panzerschiff verhindert, Vorräthe für die griechische Armee auszuschiffen. Es scheint jedoch, daß dieses Verbot nicht unbeschränkt ist, sondern sich nur auf die unter dem Schutz der Mächte stehenden Ktistcnpnnkle erstreckt. Die Truppen des Oberst Vassos haben das Fort Vukolis ge- noinmen. Elf griechische Soldaten sind gefallen,«in Lieutenant ist schiver verivundet. Von den Türken sind eliva 100 gelödtel und ver- «vundet und 250 gefangen genoulnren«vorden. Der„Epirus" hat 2000 Flüchtlinge aus Herakleion nach den« Piräus befördert.— Z»vei russische Panzerschiffe sind heute hier ein- getroffen. Die llationale Vereinigung i» Athen richtete a» de» Köuig und de» Prernierminister eine Eingabe, in«velcher es u. a. heißt: Ter Friede Europa's liege jetzt in den Händen Griechenlands und iven» die europäische Diplomatie behaupten«volle, die Aufrecht- erhaliung des Friedens erheische die Aushebung der von den» griechischen Heere in Kreta geschaffenen Verhältnisse, so kann die griechische Regierung den« gegenüberhalle», daß»««r durch die Sanktionirung derselbe» der Friede gesichert«verde» könnte. Den» iu« anderen Falle«vürde sich das griechische Boll in den übrigen»och unter der Türkenherrschaft stehende» Ländern zu Maßregeln gezivungeu sehe», deren Tragiveile und Bedeutung für be» Friede» nicht abzusehen seien. Zur Charaklerisirung der nationalen Vereinigung sei bemerkt, daß dieselbe ganz allein die vorjährigen Unruhen in Makedonien arrangirt hat. In der griechischen Deputirte«, kanuner brachte Ministerpräsideiit Delyannis heute eine Gesetzesvorlage«in, durch welche die griechi- scheu Konsulate auf Kreta ausgehoben werden. Tainit soll die Annexion Kreta's ausgesprochen sei». Die griechischen Reserven der Jahrgänge 1890 und 1392 sind einberufen worden. Ueber die Stellung der Mächte liegen folgende Nachrichten vor: Die„Norddeutsche Allg. Zeitung" schreibt in ihrer gewöhnlich für offiziöse Kundgebungen benutzten Schrift: Die von„Reuter's Aurea««" gebrachte Nachricht, Lord Salis- bury habe de» deutsche» Blockadevorschlag dahin beantivortet. daß, bevor eine Aktion gegen Griechenland unternommen würde, die zukünftige Verfassung Kreta's unter de» Mächten zu beralhen und dabei eine Autonomie der Insel nach dem Vorbilde von Sa mos ms Auge zu fassen sei, ist««ach uiisere» Informationen zutreffend. Wie«vir hören, ist die deutsche Regierung, getreu ihrer bisherigen Haltung, bereit, mit den Mächten in Verhandluuge» über die zukünftige Gestaltung Kretas unter zwei Voraussetzungen einzutreten Eimual muß dabei eine Annexion Kretas durch Grieche>r land außer betracht bleiben. welche keinerlei Gewähr für die Herstellung geordneter Zustände auf der Insel biete», dagegen für die übrigen B a l k a n v ö l k e r einen g e f ä h r- lichen Präzedenzfall schaffen«vürde. Fer««er aber ist vor Eintritt in jene Verhandlungen der Völkerrechts«vidrigeu Aktion Griechenlands ein Ende zu niache», deren Fort- dauer eine st eigen de Kriegsgefahr enthält. Aehulich lautet eine Petersburger Zuschrift der Wiener „Politische» Korrespondenz": Die„Noivoje Wremja" betont, daß Rußland und Frankreich i» der kretensische» Frage, was die Integrität der Türkei betreffe, derselben Ansicht seien, »vie Deutschland. Daraufhin müsse Griechenland sein Ein- greife» iu die orientalische Frage unterlassen. Zlus R o m«vird telegraphirt: Offiziös verlautet, Italien i« n d E» g l a n d haben s i ch bisher g e«v e i g« r t, der von Deutschland vorgeschlagene» Blockade des Piräus theilzunehmcii. Eine negative Antivort stehe auch von Frankreich zu erivarlen, ob- gleich Rußland dem B l o ck a d e v o r s ch l a g zugestimmt hat. Der öffentliche Volks«ville sei in Frankreich, Italien und England stärker als die Regie- r u n g e n, ebenso«vie dies in Griechenland der Fall sei. Ueber die militärischen Vorbereitungen der Türkei wird aus K o n st a n t i n o p e l geineldet: Infolge der bei der Pforte eiugelausenen Berichte, welche die Allwendling der Blockade gegen Griechenland und die Eiilferiilnig der griechischen Truppen ans Kreta als keines»vegs gesichert erscheinen lassen, wurden«veitere iliaritime Maßnahmen in Aussicht genommen. Außer den zivei Escadres soll eine Reservedivision formirt werde». Die erste Escadre soll in acht Tagen anslalifen, i» einem Monat sollen 35 Kriegsschiffe um Kreta versammel««verde». Dem Marineininisterium wurde vorläufig ein Kredit von 50 000 Pfund eröffnet. Man hält jedoch die Ans- führung dieser Pläne angesichts des Zustaudes der türkischen Marine immer»och für problematisch, u. a. sollen erst in acht Tagen 5000 Marinmseroisten aus Trapezunt eintreffen. Ueber die S t i m m u n g d e r Bevölkerung in den europäischen Hauptstädten berichtet der Telegraph folgendes und zivar ans London: Das gestern Abend veranstaltete Meeting zu gnnsten der Ver- cinignng Kreta's mit Griechenland«var von vielen Parlaments- «nilglieder», dem Personal der griechischen Gesandtschaft nnd des Konsulats, dem griechische» Klerus u. s.>v. besucht. Gladstone hatte ein Zustiinnilrugstclegramm gesandt. Schließlich nahm man eine Resolntion an. in«velcher die Vereinigung Kreta's mit Griechenland gefordert«vird. Aus Paris«vird gemeldet: Nach einem Vortrage des sozia- listischen Depntirien Janräk über die kretensische Frage zogen cilva 1500 Slndentei« und andere Leute»«»«er Hochrufen aus Griechenland und Kundgebllnge» gegen den Minister de? Aeußeri« Hanotaux über den Boulevard St. Michel, auch vor de» Redallionen der grischenirenndlichen Bläller sande» Kundgebungen statt. Es»var ein starkes Polizei-Ausgebol zur Stelle, die Menge zerstreute sich jedoch überall ohne weiteren Zivischenfall. Für Montag erwartet man große griechenfrenndliche Demonstrationeil vor der Kammer. Hierauf bezieht sich die folgende Depesche ans Paris: Der Polizeipräfekt hat für nächste» Montag uinfassende Maß- regeln getroffen, damit die Abgeordneten beim Ei»- und Ausgehe» von« Kammergebäiide durch den Pöbel nicht belästigt werden. Der Zutritt zum Palais Bourbo» wird außerdem in einer bestimmten Entfernung abgesperrt. Aus Lyon«vird auch über eine griechenfreundliche Demonstration telegraphisch berichtet. Chronik der MajestätSbeleidigiings- Prozesse. Der vor- uialige'Amts- und Polizeidiener in Stellen a. H., Jakob Wartlick. erhielt«vegen Majestätsbeleidiguug, begangen>»« Somnier 1393, 2 Monate 2 Wochen Gesängnip von der Straslamnier des Land- gerichts Heilbro»«« zudiklirl.— »« Tentsches Reich. — R e i ch s e i>« n a h m e>«. In der Zeit von« 1. April 1396 bis zum Schlüsse des Monats Januar 1897 sind in« Deutschen Reiche olgende Einnahme»(einschließlich der kreditirten Beträge an Zölle» und gemeinschastlichen Verbrauchssteuern soivie andere Einnahmen zur Aiischreibung gelaugt: Zölle 899 837 316 M.(gegen denselben Zeiiramn des Bor« jahres+ 42 616 052 M.), Tabaksteuer 9467595 M i(—269823 M.). Zuckersteuer»»d Zuschlag zu derselben 85225977 M.(-«- I5405L2I M.). Salzsteuer 40 059 686 M.(->.974 660 M.). Maischbottich- und Brauiitiveiuiualerial- Steuer 9 625 884 M.(— 2 087 609 M.), Verbrauchsabgabe von Branutwei» und Zuschlag zu derselben 103 538 745 M.(-«- 5 229 21 3 M.). Brenusteuer 759 256 M.(+ 268 667 M.). Braust euer 24 113 122 M. t-z- 752 1 12 M.), Uebergaugsabgabe von Bier 3 143 664 M.(ch 60 812 M.), Summe 675 776 245 M. (-ch 62 949 920 M.). Steuipelsteuer für: a) Werthpapiere 12 921 568 Mark(— 221 002 M.), b) Kalif- und sonstige Auschaffuugs- geschäfle 10 930 134 M.(- 6 319 494 M). c) Loose zu: Privat- lotterie» 3 284 203 M.(+ 568 123 M.), Slaatslotterie» 11 558 932 Mark(-ch 462 504 M), Spiellartenstempel 1 224 105 M. (-(- 74 347 M.). Wechselstempelsteuer 7 637 869 M.(-ch 400 397 M.). Post- und Telegrapheuverivaltung 251 815 278 M.(-«- 11 063 739 M), Reichs-Eiseubahn-Verwaltung 59 948 000 M(+ 8 195 000 M). Die zur Reichskasse gelaugie Jst-E>n»ahine, abzüglich der Aus- suhrvergüluugeu und Venvaltungskosteu beträgt, bei den nachbezeichneten Einnahme» bis Ende Jauuar 1897: Zölle 360 931 319 M. (->-39 154 024 M.), Tabaksteuer 10 329 972 M.(ch675 92l M.). Zilckersteuer»ud Zuschlag zu derselben 37 319655 M.(-ch 21 193567 M.), Salzsteuer 37 336 741 M.(-ch 1 190 488 M.). Maischbottich- und Braiinlweinnialerial-Steuer 10 026 493 M.(— 2 198 076 M), Ber- branchsabgabe von Braiintiveiu und Zuschlag zu derselbe» 35 441 060 M.(-ch 5 274 859 M.). Brennsteuer 409 114 M (-ch 70 760 M.), Braufteuer und Uebergaugsabgabe von Bier 23 165 971 M.(-ch 691 242 M.), Ellinme 614 990 325 M ( f 66 052 735 M.)— Spielkartensteinpcl 1 130 334 M.(-ch 60 426 M.) — Die Kommission f ü r A r b e i t e r ft a t i st i k trat heilt« ««»ter der Leitung des stellvertretende«« Vorsitzende», Direktors im Reichsaint des Inner» Dr. v. Woedtke zur Feststellung des von ihr zu erstattende» Berichts über das Ergebniß der die Verhältnisse in der Kleider- und Wäschekoiifektio» beireffeudei« Untersuchung zu» sauuiieu. Der von dein Direktor deS Kaiserl. Statistische«« Amts Dr. v. Scheel als den« Referentei« der Kommission ausgearbeftete Entwurf«vnrde von der Koniuiission i»il univesenllichen Ab- änderunge» genehinigt. Der Bericht,»velcher die Ergebnisse der Schlnßberathüng der Kommission enthält, ist»unmehr dem Herrn Reichskanzler zu überreichen.— — Zur Abänderungkder dem Bundesrathe vor- liegenden Handwerker-Vorlage hat, wie der Staats- sekrelär v. Bötlicker lniigetheilt hat, ein« Bundesregierung 62 Ab- äuderungevorschläge gestellt.— Wie nun verlautet, solle» diese Anträge von Baden eingebracht sein.— — Der Wunsch i st«vohl der Bater des Ge- d a» k e» s, der sich in nachsteuder Notiz ausdrückt, die jetzt die Runde durch die konservative Presse»nacht. Dieselbe lautet: „Nach Mittbeilungcn aus Reichslagskreise»«vird das Mandat des Sozialdemokralen Pens(Brandenburg a. H.) wahrschMlich kassirt»verde«, niüsseu,«veil ein nicht unerheblicher Tbeil der Wähler bei Aufstellung der Wahllisten das gesetzliche Aller von 25 Jahre«, noch iiicht erreicht hatte." Wie wir erfahren, verhält sich_bie Sache folgenderniaße». Bei der ainllicheu Nachrevision der Wählerliste»,«velche nach der Wahl unseres Genosse» Pen? aus Aerger über dessen Sieg» um Miltel zur Wahlkassirung ,u beschaffen, stattfand, entdeckt« man, daß LI Wähler in die Liste«ingelragen waren, welch« am Zag» der Ausstellung der Wählerliflen noch nicht das«vahlfähige Aller von 25 Jahren erreicht hatte», aber in der Zeit bis zum Wahltag dies Aller erreichten. Diese 21 Stimmen«vollen i«n>» die Prolestler kassiren und damit die Wahl ungiltig mache». Die Herren haben nur den§ 1 des Wahlgesetzes Jim« Reichstag nicht in betracht gezogen, welcher lautet: „Wähler für den Reichstag.... ist jeder.... Deutsche, «velcher das fünfundzivanzigile Lebensjahr z«irückgelegt hat, in dem Bundesstaate, Ivo er seinen Wohnsitz hat." Weiler lautet§ 4 des Wahlgesetzes: „Wählbar zun« Abgeordneten ist im ganzen Bundes- gebiete jeder.... Deutsche,«velcher daS fünfundzivanzigste Lebensjahr zurückgelegt-c.:c." Es sieht also nirgends, daß der Wähler zur Zeit der Listen- anfslellnng schon 25 Jahre alt sein muß, sondern es genügt, wenn er dies bis zum Wahltag wird. In diese, n Sinne hat der Reichs- tag bisher auch immer entschieden. Wäre es anderes geschehen, dann«väre die Konsequenz, daß nach§ 4 jemand Abgeordneter werden könnte, der selbst»och nicht einmal«vahlberechtigt«var. Die Traube»«verde» den Herren also noch sauer bleiben.— — Der Ausschuß für die Wohlfahrtspflege auf den« Lande hat dieser Tage in Berlin eine Versammlung abge- halten. Der Anreger dieser Beivegung ist der Schriftsteller S o h n r e y, der in Berlin eine Wochenschrift„Das Land" heraus- giebt. Bisher«var er auch der Macher de- Ganze». Wen«« nicht alles täuscht, ist ihin aber jetzt von den Großgrundbesitzern die Leitung ans der Hand gedreht«vorden. Sohurey stammt vom Lande. Er liebt dieses und seine Bewohner, kennt ihre Sitten, Gebräuche, ihr Leben und Strebe», und was er nicht kennt, sucht er zu erforschen, zu erfahre». Als Hilfsmittel diente ihm dazu„Das Land". Der Mann fühlt auch mit dem Bauer. Er kennt dessen Abgeschlossenheit zur Wiiilerszeil, seine geistige Stumpfheit. Beides versuchte er zu mindern. So kam er auf d«e Gründung vo» Lese- zirkeln, von Volksbiblioiheken u. s.«v. Er versuchte also das auf dem Lande,»vas die Bolksbildungsvereinler vor 30 nnd mehr Jahren in den Städten unternommen hatten. Mehr und mehr«vandle er fein Augenmerk auch auf die «virthschastlichen und soziale» Verhältnisse, die auf den« Laude herrsche». In diesem Augenblick«vnrde» die Landherre», Groß- gruudbesitzer, Landräthe und Pfarrer aus ihn aufmerksau« und liehen ihm ihre Unterstützung. Ihr Zuzug kan« immer stärker, bis sie die ganze Beivegung beherrschten. Sohurey wollte den Landbeivohnern das Leben schöner machen ohne jede Nebenabsicht, die Großgrnild- besitzer beivilligen ihren Laudsklave» eiuige nichtssagende Annehinlich- keilen, nm sie auf dem Laude zu halten. I» diesem Strebe» erschöpft sich heute die Thätigkeit des Ausschusses für die Wohlfahrts- pstege auf dem Laude. Das hat die oben erwähnte Versainniinng schlagend beiviese». Als Hauptredner fungirte neben den« Ideologen Sohurey der Prinz zu Solms- Brauusels, der Besitzer einer Slandesherischaft, auf deren Gebiet 26 000 Meuscheu ivohnen. Er«vill durch Einführung der Hausindustrie, durch Kampf gegen Wucher, Zivischenhandel, Trunksucht und Arbeitsschen seine Leute auf de», Lande hallen, gesteht aber ein. daß das Patronatsverhällniß ihn« so«vie so einen groben Einfluß sichere. Nach dem Prinzeii kam ein Landrath. Der erzählte, daß»»an es in Schlesivig-Holstein mit Pfennig-Sparkassen und HandfertigkeilS-Unterricht versucht habe. Und dam« sprach Herr von Beloiv-Saleske, de»» die Konsumvereine gefiele»; der Redakteur einer laudivirthschastlicheu Zeitung, der die ländlichen Arbeiler mit billigem Brot versorgen»vill und ein Ver- treter des christlichen Zeitschriftenvereins, der seine Traltätche» an- pries. Ministerial-Direklor Thiel, der den Vorsitz führte, tadelte die jetzige Beivegung gegen die Kousunivereiue als thöricht. Was wird man in Sachsen zu diesem Urthcil sagen?— Es sind auch Agrarier, die uns in dieser Versainmlung entgegentraten, «vaschechle sogar,«inr sind sie etivas oerständiger, als die im Bund der Landivirlhe vereinigten. Sie«vollen ihren Tagelöhnern, Just- leuteu und Kossätheu etivas bieten, nur soll es nichts, oder fast nichts kosten, und sie selvst sollen den Vortheil davon habe». Der Erfolg ihrer Bemühungen kann schon heute bez»veisell iverde«i. Wem» dein Landarbeiter erst Geisteskost zum Bedürfniß geivordeu. dann liest er nach drei oder zehn schlechte» Büchern auch«in(piteS. Und dann hält ihn kein Teufel mehr, viel»veniger eine Psennig-Sparmarke oder ein Spinustubeli-Spiel. De»«« Anreger der ganzen Beivegung aber«vird es ergehen,«vie es»och jede» Ideologe» geschehen«st, der sich in de» Kampf der Klassen als Bersöhnmigsapostel geinischt: Er«vird seine Felle sortschivimmen sehe». Sohurey, wärst Du bei Deinen Folkloristen geblieben!— — Der Ausschuß deS deutschen Handelstages. der heute in Berlin eine Sitzung abhielt, lehnte den Antrag aus Ver- austaltnng einer Erhebung über de» Einfluß der G e f ä n g u i ß- arbeit auf den freien Geiverbebetrieb ab und erklärte sich auch, vorläufig«venigsteiis. gegen die beantragte Errichtung eines Reichs- Handelsiuiiscuiils.— Tortmund, 20. Februar. Wie der„Dorlm. Generalanzeiger" meldet, fand heute in dem Sichtermann'scheu Lokale zu Baukau ein Lokaltermin ist Sachen des W i e d e r a n f» a h in e- V e r f a h r e n s l«n Meineidsprozess««vider Schröder und Ge- n o s s e» statt. I» der Verhandlung, welche der Landgerichts- Direktor Jerusalem leitete und bei«velcher der Staatsainvalt Mantell und der Rechtsanwalt Dr. Niemeyer zugegen wäre»,«vurden mehrere neue Zeugen vernommen. Es halte sich ei»« große Volksmenge ein- gesunden, auch war ein Gendaruierie-Aufgebot zur Stelle.— — Gegen die Wahl im zweiten badischen Wähl- kreis hat den, Offenburger.Volksfreund" zufolge das sozial- demokratisch« Wahlkomitee Protest an den Reichstag erhoben.— Ungarn. Budapest, 20. Februar. Abgeordnetenhaus. Frau, K o s s u t h begründet einen Antrag, die Jahreswende der 184 8er Ereignisse als Ratio nalfeier zu betrachte» und «vürdig zu begehen. Baron Bauffy erklärt, die Regierung sei der Ansicht, daß sie die Feier nur aus die 50. Jahresivende der Sanklio- niruug der 1348 zu stände gekouiinenen Gesetze ausdehnen könne; sie«verde es als ihre Pflicht erachten, Borbereiluugen in dieser Richiling zu treffe»,»>«d«verde dem Hause über die Foru«, in«velcher die Feier begangen«verde» solle, Bericht erstatten. Er bitte, de» Antrag Kossulh abzulehnen. Hierauf»vird der Antrag Koffuth mit 156 gegen 39 Slimiilen abgelehnt.— Krankreich. Paris, 20. Februar. Heule Nachmittag wird in der Kammer die Jnlerpellatio» Guesde's über Ausiveisung deutscher Sozialisten zur Besprechung kommen. Der Minister des Innern wird erklären. daß beide ausländische Revolutionäre zur Sicherheit über die Grenze geschoben. Ueber den Gang der Verhandlungen stehe Depeschen.-- Paris, 19. Februar. Finanzmiuister Cochery empsiug heute de» Chef des statistische«« Bureaus der Stadt Paris, Berlillo», der Vorsitzender des„Naiionalvereiiis zur Vermehrung der B e- v ö l k e r u„ g Frankreichs" ist. Derselbe hatte,«vie e»�*l>er- tich, schon«in vorigen Mai Herrn Cochery«ine Schrift uiiterbreilet, «vorin er beivies, daß es zur Entlastung der mehr als drei Kinder zählenden Familien nur der Belastung eines Fünftels der«venlger zahlreiche«, Familien bedürfe. Heule überreicht« Herr Bertillon ein« neue Schrift, wobei er dem Minister dafür dankte, in sein»«» dies- bezüglichen Resormprojekl die Steuerentlastung im Verhaltmß der Kiitderzahl vorgeschlagen zit haben. Seine neu« Schrift deaiilragt, denj«„ige„ Haushalt, der Kinder und nur««»«»> Dleustbote» auf. «veisl, von der Dienslbotensteuer z» befreien, dagegen deujenigen, der «inen Dienstboten und keine Kinder aufweist, zu besteuer««, evenio denjenigen, in welchem die Zahl der Dienstboten dl« Krnderzaht uber- schreit«.— Italien._. � — In bezug ans die jüngsten �" d e>« t e n« Unruhen in Italien wird uns von Parteigenossen in Rom mit- getheilt, daß dt« Studenten allerdings im Vecht waren, und daß es sich in der That um«inen«imsthasten Kampf für d>e U n t« r r i ch t»« f r» i h« t t gehandelt hat.— Schweden. Stockholm, 20. Febr. Die zweite Kammer verwarf heute mit 106 ge>zeu tOO Stimme» die Perlängerung des schivcdisch-norwegischeu Handelsvertrages. Die erste Kammer verwarf die Verlängerung des Vertrages ohne Abstimmung. Amerika. Washington, 19. Februar. Aus der heutigen Berathung in der geheime» Sigaug des Senats scheint hervorzugehe», daß die Ralifi- katio» des englisch-ainerikauischen Schiedsgerichts» V e r t r a g e s erst in der nächste» Session i» Erwägung gezogen werden soll, wenn Mac Kinley die Präsidentschaft übernommen haben wird. Eine weitere Depesche ans Washington llärt die Situation nicht auf. Sie lautet: Wie nunmehr bekannt wird, ist im Senate der Antrag, die Ve- rathung des englisch-amerikanische» Schiedsvertrages zu verschieben, mit erheblicher Mehrheit abgelehnt worden. Darauf vertagte sich das Haus ohne weitere SteUnngnahine. — Kubanisches. Ein großer Theil der spanischen Truppen ans Kuba soll an schleichenden Krankheiten leiden. So sind mit dem Dampfer ,,Do» Alvaro de Bazan", der dieser Tage in Cadiz au- gekommen ist, 804 Soldaten heimgekehrt, die erst vor kurzem nach Kuba gegangen waren. Von diesen 804 Soldaten leiden 130 an Anämie, 128 an Schwindsucht. 113 an Sumpsfieber, 69 an Ruhr und die übrigen an anderen Krankheiten.— Sich« auch Korrespoudeuzen in der 2. Beilage. Meiltz-skolg� 181. Sitzung vom 20. F e b r» a r 1897. 1 U h r. Am Tesche des Bundesralhs: v. Bötlicher, v. Goß! er. Tie ziveite Berathung des R e i ch s h a u s h a l t s- E t a t s für 1807.98 wiid sortgesetzt beim Etat des a ll g e»i e i u e» P e n s i o n s- f o u b s. Hierzu liegt außer dem Antrage Angst(frs. Vp.). betr. die Herabminderung der Ofsiziers-Penstonirungen, folgender Autrag E r ö b e r(Z.) vor: „Den Herrn Reichskanzler zu ersuche», darauf hinzuwirken, daß die vvm Bundesraih festzustellenden allgemeinen Grundsätze über die Besetzung der Subaltern- und Unterbeamien-Stelleu bei den Koulmunaldehörde», sowie bei den aus Mitteln der Ge- meiuden unterhaltenen Justiliitc» mit Mililäranwärtern(§ 77 des Militär-Pensionsgesehes vom 27. Juni 1371»ach der Novelle vom 22. Mai 1893) unbeschadet der Eueichnng des gesetzlichen Zweckes einer ausreichenden Versorgung der Mililäranwärler eine Fassung erhallen. welche eine wesentliche Einschränkung des Selbst- verwaltungsrechls der Gemeinde» vermeidet und die Verschieden- heil der Verhältnisse in den einzelnen deutschen Bundesstaate» thinilichst berücksichtigt." 'Abg. Bebel(Soz.): Ich möchte zunächst gegen die Genügsam- keit des Abg. Lieber prolestiren, der in bezng ans die Ansführnngen des Generals v. Biebahn über die Zahl der Pensionirungen und daL Lebensalter der Pensionirten lebhaft für diese Auskunft dankte und dazu bemerkte, daß, wenn man eine solche nicht hätte gebe» wollen, wir nichts hätten dagegen machen könne». Wenn>vir hier 82 Mill. Mark für eine» in den letzten Jahren ungewöhnlich gestiegenen Fonds beivilligen sollen, dann haben wir auch das Recht zu fragen, nach welchen Grundsätzen die Militärverwal- tung oder der oberste Kriegsherr bei de» Pensionirungen verfahren. Wir habe» auch das Recht, hier auch Wünsche und An- schamingen auszusprechen. Der Antrag Angst geht durchaus nicht über die Kompetenz des Reichstages hinaus. Sollen wir hier nichts ivllnsche» dürfe», dann könnte» wir ja überhaupt einpacke», dann brauchte der Etat gar nicht hier berathen werden, wir brauchte» nur„ja" dazu zu sage» und hätten uns jeder Kritik z» enthalte». Mit dieser unwürdigen Rolle werden wir uns niemals einverstande» erkläre». Seit Jahren werden bei den Generaldebatte» lebhaste Klage» laut über die ungemeine Zunahme des Pcnsionsfonds, aber bei der Spczialberalhung haben die Herren nichts zu sage». Der Pensionsfonds ist von 1880 vis 1397 von 17 840 000 auf 82 346 000 M.. d. h. i» 17 Jahren auf das dreifache gestiegen, er wird größtenlheils für Militärpeiisione» venvendet. Bei den Unterosfizieren ist der diesjährige Fonds aber auffälliger Weise nur um 244 000 M., bei den Offizieren um 767 000 M. gestiegen. Die Marine verlangt ja lange nicht so viel, und die Zivilverivaltung noch weit weniger. Es stehe» nicht>ve»iger als 380 Generale im Peusionssouds mit Ausschluß von Bayern, eine größere Zahl als die der aktive» Generale.(Hört! hört! bei de» Soz) Bei der Marine sind im ganze» 23 hohe Osfiziere penstonirt, auch mebr als aktiv sind. Auch die gefürchlete Mnjorsecke, die Herr v. Biebahn bestritten hat, existirt in Wirklichkeit noch, wie die Zahle» beweisen. Auch die weiteren Hahlen bei den Hauptleutcn und Ritt- meistern beweisen, daß es mit de» Pensionirungen doch etwas z» rasch geht. Run sollen die Pensionirungen i» anderen Staatenz. B. in Frankreich, den Vereinlgle» Staaten noch häufiger sei. Solche Vergleichs können aber nicht ohne Kenutniß der de- tresseiiden Verhältnisse gemacht werde». Die Pensionirungen in Amerika sind auf die eigenartige Gesetzgebung, aus die Parteiwirthschaft und auf die Einstellung derjenigen Leute, die in, Sezessionskriege von 1860 eine Offli>ersstellu»g hatte» und mittlerweile invalide geworden sind, in die Pensionslisten, zurückzu- sühren. Das konnte nur in Amerika geschehen. Bei Frankreich kommt die starke Kolonialarmee in betracht, da ist bei den bedenklichen ttlimaten die Zahl der invaliden Offiziere versländlicher. Denke» Sie z. B. an Madagaskar. Also diese Ber- hältuisse sind nicht mit Pen unsrigen zu vergleichen. Ich habe in der Kommission dann darauf hingewiesen, daß sonst noch durchaus diensttaugliche Offiziere gezwungen seien, ihre» Abschied zu nehme», wenn sie im Avancement übergangen würden. Der Kriegsmiuister hat de» Zwang für eine solche Verabschiedung besirilte». Es giebt allerdings keine gesetzliche Borschrist, die einen Offizier nöthigt, in einem solchen Falle abzugehe». Tbaisache ist aber, daß«in im Avancement übergangener Osfizier regelmäßig seinen Abschied nimmt; unterläßt er das, so de- kommt er sehr bald etne» Wink mit dem Zaunpfahl, und geht da»» scheinbar freiwillig, aber in der That unter dein allerschärsften moralischen Druck leidend und so gezwungen ab. Der Kriegsmiuister von Württemberg bat selbst.in einem solche» Fall von dort»achgewiesen, daß ein Offizier, der zu der Erkeunlniß «am, daß er i» die höchste Slelle nicht gelangen könnte, seinen Ab- schied nahm, scheinbar vollständig sreiivillig, genau wie i» andere» Fällen. Was die Freiivilligkeil zu bedeute» bat, beweist der Brief, der kürzlich durch die Presse ging. I» diesem Briefe, der am 14. Juli 1888 von dem Regimentskommaudeur und etatsmäßigen Stabsoffizier Melchior an einen bayerische» Major ge- richtet ist, wird ausdrücklich darauf ausmerksain gemacht, daß er seit November 1886 in der Beförderung vollsläudig Übergang«» worden sei und daß wohl die Gründe der Nichlbefördernng von seinen Untergebenen verstanden werden würde», und da man annehme, daß eine solche Uebergehung doch auf die Dauer nicht ohne Einwirkung auf seinen Gesundheitszustand bleiben würde,— so sei man der Ansicht, daß er die Kousequeuzeu seines Berhalleus ziehen künue. Dieser Wink ist so deutlich. daß einem Oifizier keine andere Wahl bleibt, als abzugehen. Wenn Herr Biebahn uns sagte, daß i» de» leylen Jahre» eine nicht unerhebliche Verminderung der Peusionirungen eingetreten sei. so ist das ganz leicht zu erkläre». D,e letzten Jahre haben eine sehr bedeutende Verstärkung der Armee mit sich gebracht; innerhalb der Zahl der Offizierschargen sind sehr bedeutende Manquemenls vor- handen. so daß die Militärverwaltnug alles aufbieten mußte, um diese möglichst bald auszuyleiche». Es ist nun ganz klar, daß da die obere Armeeverwaltung nicht überflüssigerweise Offiziere peiisionir«» kann.--n �. Es ist aber andererseits Ivleder auffallend, daß das Durch- schnitts-Lebeusalter' der pensionirten Offiziere in Deutschland zu dem in Frankreich sehr zu Ungunsten Deutschlands ausfällt. Ich habe mein« Zahlen au» eiuer gewiß gut«» Quelle: au» den.Hamburger Nachrichten". Danach ist das Durchschnittsalter der pensionirten tanptleute in Deutschland 41, in Frankretch 82 Jahre, das der tabsofsiziere in Deutschland 48. in Frankreich 83, der Oberst- lieutenants 87 Jahre, der Regimentskommandeure in Deutschland 8U/2 Jahre, in Frankreich 59 Jahre, der Brigadckommandeure in Deutschland 88, in Frankreich 61, der Divisionskommandeure und Korpskommandeure in Deutschland 83 und 60, in Frank- reich 64 Jahre. Man verlangt in Frankreich, daß die Ossiziere ihrem Lande länger dienen, als daS bei uns der Fall ist. Ich glaube nicht, daß die Ansprüche in Deutschland an die Offiziere höhere find als in Frankreich, ich glaube auch nicht, daß das deutsche Klima die Offiziere im Dienst mehr benachtheiligt als das französische. Wir wiffe» ja, daß wenn der betreffende Osfizier um seineu Abschied einkomnie» soll, der sogenannte blaue Brief eintrifft. Bei einer früheren Gelegenheit hat mir der frühere Kriegsminister vor- gehalten, meine Auffassung von der Bedeutung des blaue» Briefes fei durchaus irrig, der blaue Brief würde durchschnittlich von den Offizieren nicht mit Mißbehagen, sondern mit großer Freude aufgenommen. Das halte ich nieincrseits für eine ganz willkürliche Aufsassung. Denn der blaue Brief meldet dem Adressaten etwa, daß in seiner Slelle eine Aendernng beabsichtigt sei und daß ihm überlassen bleibe, rechtzeitig seine Pensionirnng zu beantrage». Das ist also ein Wink: Sie erscheinen überflüssig; es ist Zeit, daß Sie wegkommen. tlleagirt der Empfänger nicht, dann wird ihm sehr bald sehr beut- lich gemacht, daß er zu machen hat, daß er aus der Armee fort- kommt. Reagirt er aber, dann entdeckt er plötzlich, daß er nicht mehr felddiensttauglich, daß er krank ist, daß er irgend einen F«hker hat, welchen, weiß er selbst nicht. Er schreibt ans Regiment, der Regimentsarzt kommt, bewaffnet mit Hörrohr, Bleistift und Notizbuch, untersucht und konstalirt schließ- lich! nicht mehr felddienstfähig. Das wird dann weiter gemeldet bis zum Korpskommandeur. Alle Chargen bis zu ihm hinauf be- stätigen die Dienstuntauglichkeit. obgleich sie den betreffende» garii'cht kennen, denn das Zengniß des Arztes entscheidet, und der Arzt weiß, was er zu thnn hat. Der Offizier wird pensionirt. Merkwürdig abcr, daß Prinzen und fürstliche Herr- schaste» in der Armee niemals selddienstuntanglich werden; sie kriegen keinen blauen Brief, sie mögen noch so alt sein und wer weiß wie weit mit ihren Fähigkeiten hinter dem Durchschnitt zurück- bleibe». Einer dieser pensionirten Offiziere theilt in einer Broschüre mit, daß von 1884—1891, also in 7 Jahren, in seiner Kompagnie 6 Kompagniechess pensionirt wurden. In demselben Zeitraum wurden von 9 Bataillonskommandeuren 8 pensionirt. Das wirft doch ein be- denkliches Licht ans die Zustände in der Armee; es wird in der That hier des Guten zn viel gethan. In seltsamem Widerspruch damit steht die Pensionirnng der unteren Chargen, namentlich der Gemeinen. Da ist man außer- ordentlich schwerhörig, und in vielen Fällen erlangt der Mann die Pensionirnng nicht, iveil das Vorhandensein des Nebels zwar fest- stehe, es sich aber nicht nachweisen ließe, daß es in Ausübung des Dienstes entstanden sei. So wurde z. B. ein Schlosser beim Magde- bnrgische» Jufantenereginient Prinz Louis Ferdinand von Preußen nach ganz kurzer Zeil durch einen schweren Bruch völlig dienstunbrauchbar. Er hat in Berlin eine völlig mittel- lose Mutter, konute aber aus dem eben angeführtei' Grunde trotz' aller Mühe nicht die geringste Pension erlangen. Ei» zweiter Fall: Tin Infanterist in �>alle, der schwer anffland, also ein Hartschläfer war, bekam eines Morgens vom Unteroffizier eine Kanne kalten Waffers ans den Kopf gegossen, als er aus dem Bett kam, mußte sich dann entkleiden und erhielt einen neuen Guß eis- kalten Wassers. Bald darauf bricht der Mann ohnmächtig zu- samnieii. Er muß in ein Hospital gebracht werden. Nach einiger Zeit wird er als geheilt entlassen, die Ohnmachtsansälle aber wieder- holen sich und nach einigen Monate» muß der Man» aus dem Dienst«nt- lasse» werden. Auch er hat nicht die geringste Pension bekomme». Gegen den Unteroffizier ist später, als er ans dem Dienst entlasse» war, wahrscheinlich wegen Mißhandlung, eingeschritten ivorden; mit welchem Erfolge, weiß ich nicht.— Ein Matrose Schramm kehrte im vorigen Jahre ans dem„Kuuard" aus Australien zurück. In Kiel vcrfiel er in Geisteskrankheit und wurde zunächst ins Militär- Hospital, dann aber, da seine Dienstzeit kurz darauf zu Ende war, in daS städtisch« Hospital in Kiel und schließlich in die Provinzial« Jrrenaiiflalt Eberswalde überführt. All sein Eigenthnni, 409 M. baar Geld, eine silberne Uhr, einen sehr schön ansgeslopslen Paradies- vogel, eine» Kleidersack mit Inhalt, hat die Anstalt an üch genommen, da der Vater mittellos ist und die arme Gemeinde Mariendorf bei Berlin soll außerdem noch jährlich 300 M. ansbriiigen, denn die Marinebehörde lehnt jede Verpflichtung ab, weil der Wahnsinns- ausbrnch nicht nachweisbar auh der Dienstzeit resnltire. So klar es ist, daß die Krankheit mit dem Ansenthalt in der heißen Zone zusammen- hängt. DieJnvalidjiäls-Berechiignng ivird nicht anerkannt und einer armen Gemeinde wird in letzter Linie eine ungemein große Last auferlegt Eine Aendernng des Gesetzes würde von der Armee als eine wahre Wohllhat einpfnnden werden. Da? ist um so»othlvendiger, als die Zahl der Soldaten und die Anforderung an sie und die Möglichkeit. als unfähig entlasse» zu werden und keine Subsistenz zu finden. immer mehr wächst. Die Maffeiipensionirunge» müssen aufhören, nnd andererseits muß die Gesetzgebung deS Reichs ihre Schuldigkeil thnn, daß die wirtlich dienst- und eriverbsnnfähigen Leute sich er- nähren können.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Abg. Gallrr(südd. Bp.): Der Beweis, daß unser Antrag unberechtigt ist, ist dem Generalmajor v. Biebahn vollständig miß- lnngen. Ich will ans den künstlichen Zahlenausbau nicht näher ein- gehen. Denn dadurch wird nicht ans der Well geschafft, daß die Zahl der pensionirte» Offiziere seit 1888 sich fast verdoppelt hat, von 4688 auf 7644. Das nennt man ein lawinen- artiges Anwachse». Auch der wnrtlembergisch« Kriegsminister hat nicht bestreiten können, daß durch das Uebergehen beim Avancement der Abschied erzwungen wird. Er erzählte, daß ei» Offizier, der beinahe die höchste Stell« erreicht hatte. sich erkundigte, ob er weiter avanziren würde. Bei Verneinung der Frage nah», er den Abschied. Hätten wir. so fragte der Kriegs- »linifler. de» Mann zum Wcilerdienen zwingen sollen? Ja, so lange der Mann gesund und dienstfähig ist, mußt« er weilerdiene», ebenso wie die im Avancement übergangene» Zivilbeamte». Daß die Er- nenuung der Olfiziere und ihre Penstonirnng den Reichstag nichts angehl, ist unrichtig. Denn die Pensionen bezahlt nicht der kriegsminister. sondern das Boll, und deshalb werden wir uns das Recht nicht nehmen lassen, dabei mitznsprechen. Daß die Konvention nicht i» Bebenhause». sondern in Berlin ge- schloffen ist, ändert nichts an der Tdalsache, daß im ganze» Volke in Württemberg und auch im Osfizierkorps diese Konvention mcftl gebilligt wird. Der württembergische ttriegsminlsler wird ja wohl noch Gelegenheit habe», mit meinen politische» Freunden im Halb- mondsaale in Stullgart sich auseinanderzusetzen! Herr Lieber be- zweifelte die Kompetenz des Reichstages. Ich will>h»,«in offenes Geständnib mache». Unser Antrag ist keine Originalarbeit, sondern abgeschrieben von dem Antrage des Zentrums in Bayern, für de» in der Kammer der Rcichsräthe sogar der Prinz Ludwig, der Thronfolger, gestimmt hat. Wenn wir blos dazu da sind, Pen» sionirunge», Schiffe u. s. w. zu bewilligen, wenn wir gar keine Mißstände hier belenchte« sollen, dann schicke man nns doch henn; es rvird schon der Zeitpunkt kommen, wo die überhitzte Maschine in die Lust fliegt. Kriegsminister v. Goffler: Man soll doch nicht die Sache auf die Spitz« treiben. Es liegen nicht alle Reckte beim Reichstage. Auch die Rechte S. M. des Kaisers sind festgelegt. Es kann über diese� Dinge hier gesprochen werden, es können auch Anträge angenommen werden, auf die Ent- scheidungen S. M. werden Sie aber keinen Einfluß ausübe». Die Fürsorge für die Armee, die Ernennung der Offiziere ist da? Recht des Kaisers und der Kontingenlsherren allein. Darüber kann kein Zweifel sein. Der Vorredner hat meine» Nollegen ans Württem- berg scharf angegriffen wegen der Konvention. Aon einer solche» kann gar keine Rede sein. Ich unterschreibe jedes Wort meines Kollegen. Es ist vom preußischen PartikulariSmu« gesprochen. Preußen hat in keiner Welse einen Druck zu üben versucht. Wir haben gesehen, daß Württemberg in einer schwierigen Lage war. Preußen mußte Offiziere stellen für ein Fußartillerie-Bataillon. das auf den preußische» Etat übernommen wurde. Es bestand der weitere Wunsch, den würltembergischen Offizieren die Mog- lichteit zu gebe», im Rahmen der preußischen Armee zu avanciren. Wir haben lange Bedenken gehegt, weil ein Theu der Offiziere im Avancement voraus war. Die Patentirung der Offizlere wurde gleichmäßig gestaltet; darauf beruht die ganze Vereinbarung. Wir Preußen fordern allerdings in erster Linie, für die Ehre und die Sicherheit des Reiches einzutreten. 1866 haben wir unsere Pflicht gethan und den Sieg errungen. Ohne Widerspruch sind dl- Olfiziere der andere» Kontingente in die preußische Armee aus- genommen worden, obwohl diese Kontingente viel mehr höhere Offiziere hatten als wir. Preußische Regimenter haben nach- her viel schlechter gestanden. Die Details, die Herr Bebel angeführt hat, sind längst widerlegt worden. Von den pensionirten Generalen sind 80 pCt. über 60 Jahre_ alt. Daß so viele Majore pensionirt sind, ist doch kein Beweis, daß die Majorsecke so gesährlich ist; sie wären ja dann niemals Majore ge- worden. Ob Herr Bebel mit dem blauen Brief Bescheid weiß, weiß ich nicht. Der blaue Brief enthält die Mittheilung der Besörde- rung; Bezüglich der Verabschiedung erfolgt die Mitlheilung wegen der sehlenden Eigenschaften zu höheren Stellungen. Prinzen be- kommen in der Regel kein Gehalt; sie dienen nur der Ehre wegen. Ein Unterschied zwischen Offizieren und Mannschaften wird nicht ge- macht, denn die Zahl der Pensionirungen von Mannschaften hat sich sehr viel mehr erhöht als die der pensionirten Offiziere. Allgemeine Bestimmungen, daß ein übergangener Offizier seinen Abschied nehmen muß, sind nicht vorhanden. Das Offizierskorps hat nie das Recht auf eine Beförderung nach dem Dienstaller ge- habt. Wer seine Stelle nicht mehr ausfüllen kann, der muß im Jntereffe des Dienstes beseitigt werden. Würltembergischer Kriegsminister Schott von Schottenstcin: Ich habe nicht von oben herab gesagt, daß die Sache den Reichstag nichts angehe. Ich habe nur gesagt, darüber, warum ein hoher Offizier die höchste Stelle nicht erreiche, habe der Reichstag nicht zu entscheiden. Generalmajor v. Vicbahu: Herr Galler hat die von mir ge- machte» Angaben nicht widerlegt. Die Behauptung, daß im letzten Jahre über 600 Pensionirungen mehr erfolgt sind, ist nicht richtig. Die Vermehrung beträgt nur 241, nämlich von 6611 auf 6382. Abg. Lieber(Z.): Herr Galler hat mich— ich muß Mick parlamentarisch ausdrücken— mißverstanden. Ich war erfreut, daß man seitens der Militärverwaltung dem Reichstage Auskunft ge- geben hat. Herr Guller hätte sich daran erinnern sollen, daß ich die Steigerung des PensionSfonds in der Budgetkommission angeregt habe. Auf dieser Anregung beruhte wohl die eingehende Mjttheilung der Kriegsverivaltung. Durch die Ausgabebewilligiing hat der Reichstag das Recht, wenn die Pensionirungen steigen, andere Ausgaben zu verweigern und dem Kaiser anHeim zn geben, ob er nicht im Interesse der anderen ReichSansgaben das Pensionirungstempo verlangsamen will. Dadurch ist das Recht des Reichstages gewahrt; man sollte sich hüten, dieses Recht zu überspannen. Wenn Herr Galler gegenüber der würtlembergischen Zentrumsparlei nicht auskommen kann, dann kann er ja auch mich noch auf den» Altar der Volkspnrtei opfern. (Heiterkeit.) Wenn ich für die Mittheilnnge» der Kriegsvenvaliung gedankt habe, so geschah es,»veil ich dadurch von manchen falschen Vorslellunge» befreit, vorbei» bin. Wir behalten uns die Kritik der Pensionirungen trotzdem vor auf grund des Budgetrechtes. Gerade bei diesem Punkte. ,vo die beiderseitige» Rechte sich so nahe be- rühren, daß der Verdacht»aheliegt, daß einer in die Rechte des anderen eingreift, haben wir, das Zentruni, allen Griliid. Ver- »vahrnng einzulegen, als ob»vir in die Kronrechte eingreisen»vollten. (Beifall im Zentrum.) Abg. Bebel(Soz.): Gerade die Art, in der Herr Lieber sich in so breiter Weise Über seine Aenßeruiige» von vorgestern, ich möchte sagen, zu entschuldigen versuchte, beweist inir, daß er doch wohl selber suhlte, daß er vorgestern etwas»veiter gegangen ist, als er von seinem Standpunkte aus rechtfertigen kann. Ich»vill Hericn Lieber zugeben, daß er in der Bndgetkommission die Erörterungen über den Penstonsfonds eingeleitet hat, bestreite» aber muß ich, daß bei dieser Gelegenheit die Siechte des Reichstages»nid der verbüiidelen Regierungen beziehungsiveise des obersten Kriegs- Herrn auf die Pensionirungen erörtert sind. Ich»var der einzige, der über die Grundsätze, wie sie»ach memer Meinung bei de» Pensionirungen sein sollte», Erörterungen an- geknüpft hat. Da antivortet« n,»r der Kriegsminister. es sei nicht richtig, daß Offiziere, die»»» Avancement übergangen»vären, ihren 'Abschied nehmen müßten. Damit»var die Sache erledigt,»veil ich sie im Plenum»vieder aufuehinen»vollte.»vie es in» Reichstage Sitte ist. Aber Herr Lieber hat erklärt, speziell seine Partei werde jederzeit die Rechte des Reichstags nnd die der verbündeten Regie- rnngen bezüglich des obersten Kriegsherren zu wahre»,»vissen. Wie»vill Herr Lieber den Widerspruch erklären zwischen dem Verhalte» seiner Partei in» Reichstage n»d in» bayerischen Landtage i» beziig aus denselben Antrag, den Herr Galler stellte? In Bayern hat der Antrag die Zustinnnuug der große» Mehrheit gefunden. Wenn in Bayern ei» solcher Antrag sogar unter Zu- stiinninng eines königliche» Prinzen,»vie Herr Galler mittheilte, für zulässig erachtet»vird,»varun» soll der Reichstag darüber nicht bis- kulire» und ihn annehinen können? In bezng auf die kon- stilnlionelle Bedeutung steht der Reichsiag»veit hinter den» bayerischen und selbst hinter de»»» wiirtteinbergischen Landtag zurück. Das»nuß endlich ausgesprochen»verden. Der Reichstag ist selbst schuld daran. Ohne dies beständige Nachgeben wäre er nicht eine bedeutungslose Institution,»vie er thatsächlich ist. Wenn»vir Summe», bewilligen sollen, dann habe»»vir auch ein Recht zu fragen,»velche Gründe führe» zn diesen Forderungen? Wenn die Regierung sich»veigerte, eine solche Ausklärruig zu geben, dann sollte der Reichstag auch kein Geld geben. Der Kriegsiniritster meinte, anf die Entschließungen des Kaisers»vürde» diese Anträge keinen Einfluß üben. DaS zeigt, in»vie»nerkivürdigem Gegensatz »vir»»is zu Bayern befinden. Ein Reichstag, der aus seine Würde hält,»veiß da»»» anch,»vas er zu thnn hat. Ist er sich dieser Würde nicht bewußt, dann kann man freilich niit ihn»»vie die Katze mit der Maus spielen. Das ist oft yenug ge- sckehen. Die große Zahl der pensionirten Majore soll meiner Auf« faffnng widersprechen, daß die Majorsecke die gefährliche Ecke für die untere» Offiziere ist. In viele» Fällen ist der Major aber nur ein Titel. Manche Offiziere haben>i»ir kurze Zeit diese» Posten bekleidet,»in» als Majore ein« höhere Pension zu beziehe».(Zurufe.) So glaubt»»an»venigstenS in» Volke und i» der Presse. Wenn die Zahl der pensionirten Man,»schaste» gestiege» ist. so»väre es Zeit. die Ursachen zn erfahren. Möglicherweise»verde»» schon physisch und geistig nnqualisizirte Leule in die Armee aufgenommen. Das Pensionsgesetz für die Mannschaften muß geändert werden. Manche Leute haben bei Bruchschäden keine Pension bekommen. Auch»venu die Leute als peusionssähig aiierkannl»verde»», ist die Pension so außerordeullich dürftig, daß die Leute sich davon»ichl ernähren könne».(Beifall bei de» Eozialdeinokraten) Abg. Gallrr(frs. Bp.): Trotz seiner diplomatischen Rede ist es Herrn Lieber nicht gelungen, die Thatsache aus der Welt z»» schaffen, daß er gouverneinentaler ist als ein königl. bayerische,: Prinz. Meine Zahlen hat der General von Biebahn bemängelt. Ich hatte sie aus nalloilalliderale», Blätter» entnominen. Will Generallientenant v. Biebahn beftreiteu, daß 1887/88 16 820 000 M. und 1897/98 80 970 000 M. für Pensionen verlangt»Vörden sind? Generallieutenaut v. Biebah»: Ick habe die Steigerung der Osfizierspenfionen gar nicht geleugnet. Ich Hab« die Steigerung der Pensionen für Beamte um 181 pCt., für Wannschafteu nm 178 pCt. und für Offiziere um 108 pCt. neirlich selbst angeführt. Abg. Lieber(Z.): Die Borredner sind ans Bayer» zurück» gekommen. Aber die Verhältnisse in Bayern sind anders gelagert als die preußischen; dethalb könne» die bayerische» Prinzen einem Alitrag« zustimmen, den, ich in, Reichstage niemals znstimuiu» würde. Generallteutenant v.«vtebah». Die Behauptung, daß die fHiutnfcJjfttleu schiver z» ihren Pensiouirungen ko»»n«n können, muß mit Entschiedenheit zurückgewiesen werde». Die Leute werde» so Wohlwollend nls möglich dehcindelt. Abg. Bebel(Soz.): Ich verlange, daß ein durch eine Krankheit oder einen Unfall dienstnnfähig gewordener Soldat als pensions- berechtigt anerkannt wird. Bruchschäden lasse» sich sehr leicht fest- stellen beim Eintritt in den Militärdienst. Sind sie nicht konitatirt, und treten sie erst im Dienst ein, so ist ebenfalls Pensionsberechtigung vorhanden, aber in den ineisten Fällen nicht anerkannt. Von der Milltärverwaltung ist durchaus nicht„alles mögliche" geschehen, z. B. nicht i» dem Haller Fall. Abg. Weist(fr. Vp.): Früher mußten die Stellen der Subaltern- und Unterbeainte» des Reichs- und Staatsdienstes für die Militär- anwärter vorbehalten werde». Jetzt sind anch die Genieiuden ge- zwnngen, die Militäranivärter anzustellen und zwar in den Stelle», welche nur»icchanische Dienstleislunge» erfordern, ferner in den Kanzleien und den Bureaus, bei letztere» zur Hälfte. Zu Y4 ihrer Beamten ist also den Gemeinden das Recht genommen, ihre Beamten nnszüwähle». Selbst wenn sich keine Militäranwärter für eine Stelle melden, muß die Gc- meinde überall erst fragen, und erst wenn nach G Wochen kein Militär sich meldet, kann man Zivilpersonen anstellen. Als wenn man die Stelle»ivnatelang unbesetzt lassen könnte. Was sür Preußen gut ist, ist für Süddeulschland nicht immer gut genug. Früher traten die jungen Lente in die untersten Stellen ei» und bildeten sich für ihren späteren Dienst in höheren Stelleu ans. Wie soll jetzt die Ausbildung erfolgen, wen» die untersten Stelle» mit Militäranwärtern besetzt weide»? Die Militäranwärter bringen von ihrem ewigen Kommandiren her den Kasernenton in die Bureaus der Gemeinden; das gefällt dem Publikum in Süddentschland nicht. Ist den» das Reich überhaupt kompetent, die Gemeinde- stellen zu besetzen? I» der Verfassung ist davon nichts zu stnde». Militäranivärter sind keine Militärpersone» niehr. Jedenfalls bildet das bayerische Heer ein in sich abgeschlossenes Ganzes, in das die llieichsgesetzgebung nicht hineinzureden hat. Stände die bayerische Regierung»och auf ihrem Standpunkte vom Jahre 1875, so würde sie solchen Grundsätzen im Bundesrath Widerspruch entgegensetzen oder sich für ihr Gebiet ihre Rechte bewahren. Staatssekretär t>. Bötticher: Die vom Vorredner angefochtene» Bestimmungen befinden sich i» einem verfassungsmäßig publizirten Gesetz; wenn dieses Gesetz eine Verfassilngsändernng enthält, so müssen sich eben nicht 14 Stimmen im Äundesrathe zusammengefunden habe», nm gegen eine solche Verfassungsänderung Widerspruch zu erheben. Der Eiser des Vorredners ist durchaus nicht berechtigt. Er hat über Dinge gesprochen, über die sich der Bundesralh noch nicht einmal klar ist. Der Z 77 des Gesetzes schreibt vor, daß die Gemeinden nach Maßgabe der darüber zu erlnssenden Vorschriften die Militäranwärter berücksichtigen sollen. Es war daher nichts natürlicher, als daß das Reichsamt des Innern die sür den Reichsdienst und sür Preußen bestehenden Vorschriften sür de» Entwurf benutzte. Dieser Entwurf ist den Bundes- regierungen uiitgetheilt, ehe er dem Bundesralhe zuging. Die Bundesregierungen haben sich zur Zeit noch nicht sämmtlich geäußert; die Sache konnte also noch nicht weiter gefördert werden. Die Mehrzahl der Bundesregierungen hat sich aber auf den Standpunkt des Entwurfs gestellt. Die verschiedene» Vorschläge werden gesichtet werden müssen, ehe die Vorlage a» den Bundesralh erfolgt. Die Grundsätze werde» nicht durch Bundesrathsbeschluß sestgestellt werden, sondern durch Vereinbarungen, damit alle Einwendungen zu Worte kommen können; die Grundsätze sollen nicht eher in einem Bundesstaat zur Anwendung kommen, bis die Bundes- regierungen sich damit einverstanden erklärt haben. Darin liegt wohl eine grobe Beruhigung für den Vorredner. Wenn der Vor- rcdncr meinte, was sür Preußen gut ist, ist sür Süddeutschland noch lange nicht gut genug, so muß ich sagen: Wir wünsche» unseren süddeutschen Brüdern viel was besseres, als wir selbst haben. (Heiterkeit.) Abg. Gröber(Z.): Es ist erfreulich, daß wir noch nicht vor vollendeten Thatsachen stehen. Die Beunruhigung im Lande ist sehr groß, namentlich in den Verwaltungen der größeren Städte. 1893 haben sich die liberale» Städteverwaltungeu nicht um dieses Gesetz gekümmert, sie halten damals hohe Politik für die Militärvorlage zu treiben und auf den damaligen Reichstag zu schelten. Der Reichstag konnte das Gesetz damals nur zu stände bringen, wenn er aus jede Debatte verzichtete; das Gesetz wurde eiiistiminig au- genounncn, kurz bevor die Auflösung des Reichstages erfolgte. Also alle Parteien haben die Verantivortnng mitzutragen, anch die freisinnnige. Herr Eberly im preußische» Abgeordnetenhaus war gerade sür die Ausdehnung auf die Landgemeinden; bei ihm möge sich Herr Weiß bedanken, daß wir das Gesetz in Süddeutschland haben. Daß das Reichsgesetz den Landesgesetzen vorgeht, ist nicht zu ändern. Wir könne» nur über die Modalitäten der Älnssührnng ein Wort sprechen und deshalb habe ich meine» Zlntrag gestellt, der das Selbstverwaltungsrecht der Gemeinden schützen soll. Theurer wird die Gemeindeverwallung werde», den» die Herren Unteroffiziere, die in die kleinen Gemeinden kommen, habe» sich in den großstädtische» Garnisonen manches Bedürsniß angeeignet, das in den kleinen Städten nicht so billig zu befriedigen ist. Redner bedauert schließlich. daß der 1891 gefaßte Beschluß, alle Peusionsgesetze in eines zu- samnienzufasse», noch nicht erfüllt ist. Abg. Wcbcr-Heidelberg(uatl): Auch in diesem Gesetze über die Militäranivärter ist dem Bundesralh die Vollmacht gegeben, die Sache durchzuführen. Wir haben damit schlechte Erfahrungen ge- macht z. B. bezüglich der Bäckereiverordnung. Der Bundesrath sollte seine Beschlüsse bekannt gebe», damit der Reichstag sich dar- über äußern kann. Wenn Herr Gröber über die liberalen Stadt- Vertretungen herzieht, so möchte ich darauf aufmerksam machen. daß die badischen Stadlvcrlretungeu zuerst gegen die neuen Vorschriften über die Militäranivärter Front gemacht habe». Redner empfiehlt die Annahme des Antrages Gröber, der die Rechte der Städte auf Anstellung ihrer Beamten nach Möglichkeit wahrt. Abg. Marbe(Z.) schließt sich ebenfalls dem Antrage an. Abg. Förster(Rp.) tritt dasür ein, daß de» Invalide», die in Reichs- und Staatsdienste treten, ihre Pension nicht gekürzt werde. Die Leute sind meist in höhcrem Alter; sie bedürfen der Pension als einer Art Pflegegeld neben ihrem Gehalt. Generallieutenant von Viebahn dankt dem Vorredner sür das Interesse, das er den Invaliden entgegengebracht habe, aber nach- dem durch die Novelle von 1833 eine größere Fürsorge für die In- validen eingetreten sei, seien die Ressorts der Meinung, daß eine weitere Fürsorge jetzt nicht einzutreten habe. Abg. Bnrb(Soz.): In Elsaß-Lolhringen haben seit der fran- zösischen Revolution die Gemeinden das unbeschränkte Anstellungs- recht für ihre Beamten. Die Novelle würde dieses Recht sehr erheb- lich einschränke». Nachdem Abg. Osann(uatl.) sich für den Antrag Gröber er- klärt hatte, bedauert Abg. Graf Oriola(natl.), daß die Wünsche der Militär- invaliden mit so kurzen Worten abgethan würden, trotzdem die Petitionskommission sich dafür erklärt habe. Hoffentlich finde in Zukunft eine eingehendere Würdigung seitens der Regierung statt. Generallieutenant v. Biebahu: Ich habe nicht von meinem persönlichen Wohlwollen gesprochen, sondern nur die Meinung der verbündeten Regierunge» vorgetragen. Die Ausgaben werden beivilligt; der Antrag Angst ivird gegen die Stimmen der Sozialdemokraten, der Deutsche» Volkspartei und der Freisinnigen Volkspartei, sowie einiger Zentrnmsmitglieder (Hug, Schättgen. Schuler u. a.) abgelehnt; der Antrag Gröber wird dagegen einstimmig angenommen. �, Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Montag 1 Uhr(Etat des AuSw. Amtes)__ VsvlÄmenkslviPches. Die Kommission zur Borberathung der UnfallversichernugS- Novelle gelangte in ihrer gestrigen Sitzung zur Abstimmung über den wichtigen§ 7. über den bereits in der vorausgegangenen Sitzung lebhaft dcbattirt war. Z 7 stellt fest, wann gegen den Willen des Verletzten dieser einem Krankenhause überwiesen werden darf. Die Vorlage schlägt noch eine Verschlechterung des bestehenden Znslandes vor. Sie will den§ 1 wie folgt gefaßt wissen(die wesent- lichen Abweichungen vom gellenden Recht sind durch Sperrdruck erkenntlich gemacht):„An stelle der in den ßZ Sa und Sä vor- geschriebenen Leistungen kann freie Kur und Verpflegung in einem Krankenhanse geivährt werden, und zwar 1. sür Verunglückte, welche vcrheiralhet sind oder einen eigenen Haushalt haben oder Mitglieder der Haushaltung ihrer Familien sind, mit deren Zustimmung oder unabhängig von terselben, wenn die Art der Verletzung Anforderungen an die Be- Handlung oder Verpflegung stellt, denen in der Familie nicht genügt »verde» kann, oder wenn die Verletzten wiederholt den ärztlichen Anordnungen z u>v i d e r gehandelt haben, oder wenn ihr Z»stand oder Verhalte» eine sortgesetzte Beobachtung erfordert, 2. für sonstige Verunglückte in allen Fällen. Für die Zeit der Verpflegung des Verunglückten in dem Krankenhause steht seinen Angehörigen ein Anspruch auf Rente in so weit zu, als sie dieselbe im Falle des Todes des Verletzte» würden beanspruchen können. Hiergegen hatten unsere Genossen beantragt, die Aufnahme lediglich in einem staatlichen oder von Seiten eines Kommunal-, Kreis- oder Provinzial- Verbandes verwalteten Krankenhause stattfinde» zu lafse», serner die neuen Verschlechterungen zu streichen, serner die Aufnahme in einem Krankenhaus nur mit Bewilligung des Verletzte» zuzulassen und endlich die Aufnahme nach beendetem Heilverfahren(also in sog. Renlenquetschen) unter allen Umständen von der Einivilligung des Verletzten abhängig zu machen. Nur theilweise fanden diese Anträge, für die in ihrem vollen Umfange»ur der Abgeordnete Müller(Antisemit) stinimte, Annahme. Es wurde nämlich die Vorlage mit de» Aenderungen angenommen, daß die Frage, ob �der Znsland oder das Verhalle» des Verletzten die Ausnahme erfordere, von dem Gutachten eines be- amtcten ArzteS abhängig gemacht nnd beschlossen, daß die Auf- nähme nach Wiederherstellung der Arbeitsfähigkeit in«ine Rentenqnetsche nur mit Zustimmung des Verletzten oder eines amtlich bestellten Arztes(Physikus u. s. w.) erfolgen darf. ZZ 3 und 9 betreffen das Verhältniß zu Armen- verbände», und die Frage, wer Träger der Versicherling sein soll. Bei tz 9 schnitten unsere Genossen die Frage an, ob nicht ein Reichs-Versicherungsamt(im Sinne der sozialdemo- kratischen Anträge von 1381) oder eine territoriale Gliederung von Unfallversicherungs- Genosieuschaften oder wenigstens ein zwischen territorialer und berufsgenossenschaftlicher Gliederung gemischtes System endlich einzuführen sei. Sie stellten deshalb, vorbehaltlich iveitergehender Anträge für die zweite Lesung, Anträge i» letzterem Sinn. Dieselben wurden abgelehnt. Aus der Debatte ergab sich, daß selbst v. Hertling und v. Stumm keine sonder- lichen Schwärmer für die bernssgenossenschastliche Versicherung mehr sind, daß v. Stumm wie früher einem reichsamtlichen Versicherungs- system prinzipiell sympathisch entgegensteht und daß die Konservative», wcil sie nicht ivissen, wie sie am besten fahre», zwar sür eineVerschmelzung aller Arten von Versicherung sich prinzipiell erklären, aber zur Zeit dagegen stimmen würden. In der zweiten Lesung werde» nunmehr unsere Genossen die Organisationsfrage durch neue Anträge an- schneide» und die übrigen Abgeordneten so zwingen, klar Farbe zu bekenne».— Die nächste Sitzung findet am Montag um 10 11 dr statt. Ju die Margarinc-Konlmissiou sind von der sozialdemokra- tischen Fraktion die Abgeordneten Wurm, Harm und Herbert geivähll worden. Im Rbgeorductenhause hat Abg. v. Heydebrand mit Unterstütznug der Konservativen beantragt, die Regierung auf- zltfordern, dem Landtage baldigst einen Gesetzentwurf betreffend die Aufbesserung der Gehaltsbezüge der Geistlichen vorzulegen. Hiernach sollen die im Kultusetat zur Bestreitung eines ausreichenden Einkouimens der Geistlichen ausgeworfene» Staats- mittel behuss Gewährung von Aufbesserungszulage» an bestehende Pfarreien und von Alterszulagen au Pfarrer ivesentlich erhöht werde». Ferner solle» diese Staatsmittel in einer festen Summe den geordneten Organen der evangelische» Landeskirche und der katholische» Kirche zur eigenen Verwendung nach bestimmten, staatsgesetzlich festzustellenden Grtuidsätzen überwiesen werden._ Ter sozialdemokratische Verein Stuttgart hatte an die städtische Behörde das Gesuch gerichtet, es möge zur Feier des 1. Mai die städtische G e w e r b e h a l l e. wo zeitweise Märkte. Ausstellungen und dergleichen stattfinden, zur Verfügung gestellt werden. I» der letzten Genieinderaths- Sitzung wurde das Gesuch berathen. Oberbürgermeister R ü u> e l i n empfahl die Ablehnung, als Grund u. a. anführend, daß man in der Geiverbehalle einen Redner nicht zu versiehen vermöge. Er selbst könne init seinem Sprachorgan die Konknrrenz mit den meistc» sozialdemokratische» Rednern aufnehmen, und dennoch sei er bei der letzte» Veteranen- seier von höckstens 15 Veteranen verstanden worden. Als weitere „Gründe" wurden angeführt, daß in Rücksicht aus das nahe Katharinen- Hospital keine musikalische» Veranstaltungen geduldet werden könnten, auch dürfe die Halle politische» Zwecken nicht diene». An„Gründen" fehlt es also nicht, doch sind sie auch danach. Beispielsweise ist im gleichen Lokal während der letzten Ausstellung ein halbes Jahr lag- täglich Konzert abgehalten worden. Bei der Bürgerausschusi-Wahl im Dorfe Neckarau bei Mannheim wurden in der dritten Klasse die sozialdemokratischen Kandidaten mit 286—291 Stimmen gewählt. Die Kandidaten der vereinigten Gegner erhielten 22t— 231 Stimmen. Polizeiliches, Gerichtliches ic. — In H a l l e a. S. wurde Genosse M a n n i g e l, der frühere verantwortliche Redakteur des„Volksblaltes", der gegenwärtig eine Gefängnißstrafe verbüßt, am Donnerstag gefesselt vor das Schöffengericht geführt, um sich»vege» Beleidigung des Obervogts E»ke in Eisleben zu verantworten. Die Klage war von der Staats- anivaltschaft im öffentlichen Interesse erhoben. Das Schöffen- gericht erkannte auf Freisprechung. Wir möchten bei dieser Gelegenheit an de» Justizminister die Frage richten, ob es seinen Intentionen entspricht, wenn Redakteure von Arbeiterblättern ge- fesselt wie Mörder und Spitzbuben vor Gericht geführt werden. Der- artige Fälle sind ja nicht nur in Halle, sondern auch anderwärts in Preuße» vorgekommen. Die Arbeiterpresse ist ja gewöhnt, mit anderem Maße gemessen zu werden, als die bürgerliche Presse, was aber zu viel ist, das ist zu viel! — Wegen Beleidigung der Polizeibehörde in Kiel, der die „Schlesivig-Holsteinsche Äolks-Zeitung" wegen der Auflösung des Diskutirklubs„Freiheit" russische Willkür vor- geworfen hat, wurde Genosse Lütjens als verantwortlicher Redakteur dieses Blattes zu 6 Wochen Gefängniß verurtheilt, welche Strafe mit einer früher gegen ihn ansgesprochenen einmonatigen Gefängnißstrafe in eine Gesammtstrafe von zwei Monaten zusammen- gezogen wurde. Der Staatsanwalt hatte wegen der Beleidigung der Polizeibehörde vier Monate Gefängniß beantragt. — Das„Volksblatt für AnHall" schreibt: Genosse M ü n ch o w wird nächste» Montag seine siebenwöchige Gefängnißstrafe, die er sich als zeichnender Redakteur wegen Beleidigung zugezogen hat. an- treten. Es sitzen alsdann drei unserer zeichnenden Redakteure hinter Schloß und Riegel, um über das Preßsreiheit, über welches man ungestraft nachzudenken._ Maß unserer deutschen nicht hinausgehen darf, Soziales. Zum Achtstundentage. Nach der ersten Verhandlung des Reichstags über den Antrag unserer Fraktion, im Gewerbe-, In- dustrie-, Handels- und Verkehrswesen die Arbeitszeit auf höchstens 8 Stunden gesetzlich festzusetzen, empfing ReichstagS-Abgeordneter Genoffe Fischer, der den Antrag begründet hat. folgendes Schreiben: Berlin, den s. Februar 1897. Werther Genosse! Ju bezug aus die iu der Reichstags-Sitzung vom 4. Februar d. I. gepflogene Debatte über die gesetzliche Einführung eines achtstündigen Normalarbeitstages, sehen ivir unterzeichneten Arbeiter der Firma Felix Lande, Berlin, Markusstr. 12. die ivir den acht- stündigeu Arbeitstag bereits seit mehreren Jahren besitzen und aus eigener Erfahrung die Folgen desselben bcurtheilen können, uns veranlaßt, gegen einige der Wahrheit nicht entsprechende Behaup- tungen der Herren Abgeordnete» v o n H e y l und v o n S t u in in hiermit energischst zu protestiren und in folgendem zu widerlegen: Es entspricht im Allgemeinen nicht den Thalsache», daß die Schänkstätleu iu der Umgebung solcher Fabriken, in denen die Arbeitszeit verkürzt ist, zunehmen. In betreff oben genannter Fabrik können wir konstaliren, daß die Schankslätten in der Ilm- gebung derselben sich schon seit Jahre» nicht vermehrt haben. Auch hat der tillkoholgenuß der Arbeiter genannter Firma sich seit Bestehen der achtstündigen Arbeitsdauer eher vermindert als vermehrt. Da durch die Verkürzung der Arbeitsdauer dem Ar- beiler Gelegenheit gegeben ist, ans ein höheres geistiges wie silt- liches Niveau zu gelange», sucht er dementsprcchend, anstatt seine ganze freie Zeit in Schankstälten zu verbringe», sich mehr de» geistigen Genüssen sowie dem Familienleben zu widmen. Aus diesem Grunde sind die Frauen auch Freunde der Arbeitszeit- Verkürzung nnd nicht, wie behauptet, Gegner derselben. Ebenfalls ionslatiren wir, daß Produktion und Verdienst sich gleichfalls nicht vermindert habe». Die Arbeiter der Firma Felix Lande. I. A.: D e r 31 r b e i l e r a u s s ch u ß. Obige 3lltsführnng bestätigen hiermit Felix Lande, Inhaber der Firma Felix Lande. Adolph Goldberg, Mitinhaber. Der gleiche Prolest ist auch den Abgeordneten v. S t u in u« und v. H e y l zugegangen. Man kann nur tvünsche», daß den Herren v. Stumm, v. Heyl nnd Kompagnie recht oft ans Arbeiter- und Unternehmerkreisen heraus der Standpunkt klar gemacht wird, wenn sie in naiver Ueberschntzung ihrer sozialpolitischen Kenntnisse im Reichstage über Dinge reden, von denen sie offenbar absolut nichts versiehen. Ist es auch bei der Bornirlheit insbesondere des Herrn v. Slnnnn aus- geschlossen, daß die Zurechtweisungen den Erfolg hätten, die Herren zu besseren Einsichten zu bringen, so würde doch mit der Zeil das erreicht werden, daß die Regierung sich genirt, in sozialpolitischer Beziehung im Fahrivasser von Leute» zu segeln, die thatsächlich gar nichts Gescheiteres thuu können, als in sozialpolitischen Dingen— möglichst wenig zu reden. Arbeiter- Risiko. Auf der sächsischen Gußstahl- Fabrik in Döhle» bei Dresden sind, wie nns mitgelheilt wird, im vorigen Jahre insgesamml 87 Betriebsunfälle vor- gekommen, was bei einer 3lrbeiterzahl von 790 Mann 12>/z pCt. bedeutet. Im Januar ereigneten sich 4, im Februar 4, März 4, 3lpril 10, Mai 10, Juni 11, Juli 7, August 3, September 13, Oktober 3, November 8 und im Dezember 19 Unfälle. Die 3lrt der Verletzung war: 8 Kopf-, 3 Augen-, 4 Arm-, 26 Hand-, 2 Rückgrat-, 31 Fuß-, 8 Bein-, 1 Rippen-, 1 Schulter-, 1 Harnröhren-Beschädigung. sowie 2 Mnskelverdrehungen. Ueber die Daner der durch diese Betriebsunfälle verursachte» Er>verbsu»fähigkeil konnte unser Bericht- erstatter leider nichts ermitteln. Immerhin giebt das Verzeichnis der Unfälle einen 3Inhalt dafür, welch große Gefahren die Beschäfli- gung in der Gußstahlbranche für die Arbeiter mit sich bringt. Auf dem G l ü ck a u f- S ch a ch t des Z w i ck a u- O b e r h o h n- d o r f e r Steinkohlenbau-Vereins büßte der Fördermann Emil K u n d t durch Herabstürze» in einen 49 Meter tiefen Förderschacht sein Leben ein. Er hinterläßt eine zahlreiche Familie. 3lus Benthe» in Oberschlesien wird gemeldet: 3luf der Z e n t r u m s g r u b e Karsten schlug bei der Einfahrt in den Schacht die Schale, auf welcher 27 Bergleute standen, infolge einer Unvorsichtigkeit des Maschinisten mit voller Wucht auf die Schachtsohle. Vierzehn Bergleute find schwer ver« letzt. und lekzke Aachvichken« Hamburg, 20. Februar.(W. T. B.) Nachdem es gelungen war, den entflohenen Komplizen des Einbrechers, der sich erschossen hatte, dingfest zu machen, wurde festgestellt, daß«in kürzlich verhafteter Kommis Heine, der Selbstmörder Hoffmann und der heute verhastete Buchdrucker Hoeltje sämmtliche 3luf- sehen erregende Einbrüche der letzten Wochen ausgeführt hallert. Der Hamburger nnd 3lllonaer Polizei ist es gelungen, sämmlliche gestohlenen werthvollen Gemälde und Knnstsachen wieder herbei- zufchaffen; dieselben waren schon in Kisten zum Versenden verpackt. Die Einbrecher gehören gut situirte» Familien an. Die Beweggrunde zu ihrem Treiben sind räthselhaft. �... In Ottensen wurde» in letzter Nacht die Maschinen- und Mühlenfabrik von Hermann Bauer,»eisler nnd die Ottenscr Dampf- Marzipanfabrik von Wieselmann u. Schlüter, beide in einem Ge- bände belegen, ein Raub der Flaiinne». Der Schaden ist bedeutend. Verluste an Menschenleben sind nicht vorgekommen. Wie», 20. Februar.(W.T.B.) Die„Politische Korrespondenz" meldet aus Rom: Es entspricht den, Sachverhalte nicht ganz, von einer Ablehnung des Blokadevorschlages durch das englische und italienische Nabinet zu sprechen. Es läuft der Gedankenaustausch fort. und korrekterweise kann nur von einer noch nicht er- theilten Zuftiiiiinuiig beider Kabinete, von Slnfragen und SImendemenls derselbe» die iliede sein. Inzwischen setzen auch diese Kabinette mit gesteigertem Nachdruck die Warnungen und Mahiningen i» 3lthe» fort und erivarten gerade mit Rücksicht auf die von ihnen eingenommene Haltung größere Würdigung derselben seitens der griechischen lllegierung als bisher. Paris, 29. Februar.(W. T. B) Deputirtenkammer. Guesde richtete eine Interpellation a» die Regierung über die Ausweisllng von Elsässer», welche am 6. September 1896 in Wissenbach einer Versammlung beiwohnen wollten, in ivelcher die 3tbgeorbiicleii des deutsche» Sieichstags Bueb und Bebel Rechenschaft über ihr Mandat ablegen wollte». Ter Redner erinnerte daran, daß Bebel nnd andere deutsche Sozialisten gegen die 3lnnexio» von Elsab-Lothringen Einspruch erhoben hätte». Der Minister Ves Innern Barthou erwidert, die Ausiveisung habe sich nur gegen Buev und Bebel gerichtet, deren 3lnschlnß an den Sozialismus ihre leiden» schaftliche 3l»hänglichkeit an das deutsche Vaterland nicht ausschließe. Die denlschen Sozialiste» rühinlen sich offen, erst Deutsche zu sein u»v dann erst Sozialisten. Es wäre zu wünschen, daß dasselbe in allen Ländern der Fall sei.(Beisall nnd Widerspruch.) Die Regierung wolle nicht eine Wiederholung von Kundgebungc» skmn, wie solche auf dem Kongreß von Lille im Slilgust stattgefunden. Der Maire von Wissenbach hatte die ergriffenen Maßregeln gebilligt, denn die Bevölkerung mißbillige verbrecherische internationa- liftische Lehren.(Beifall.) Guesde erwiderte und betoiite, der Patriotismus werde im Elsaß durch die sozialistische» SIrbeiler ver- körpert; er erinnerte daran, daß Gambetla und andere sranzönsche Persönlichkeiten Bebel und Liebknecht dies Zeugniß ausstellten. Der Redner wies ferner auf den Patriolismus der Sozialisten hin, welche wünschten, daß der Rhein die Verbludmigslime zwischen den Völkern werde, anstatt«ine trennende Schranke zu sein. Die Debatte wurde hierauf geschlosien... onister Barths» erklärte, er nehme die einfache Tagesordnung an. als Zeichen der Billigung des Verhallens der Regierung. n»d beklagte sich über die ll»t-rbrech»nge». denen er seitens der äußerst«» Linken ausgesetzt gewesen sei. Die einfache Tagesordnung wurde mit 36t gegen 73 Stimmen angenommen nnd die Sitzung auf- gehoben. Tanger, IS. Februar.(Meldung der„Agence Havas".) Zwer Araber, welche dringend verdächtig fiild, öcu deutschen Bankier Häßner ermordet zu haben, sind verhaftet worden._ Verantwortlicher Redakteur: August Jacodey in Berlin. Für den Jnferatcntheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhnlinugsbtatt. Nr.tt. lt. IchMß. 1. Die Uttge in Hambneg. Unser Hamburger Korrespondent schreibt: Soweit e» sich bis seht übersehen läßt, sind von den Kohlenarbeitern etwa 120 Mann gemaßregelt, während 30 Mann noch keine Arbeit wieder haben und etwa 1000 Mann wieder eingestellt sind.-» Von den Ewerführern sind etwa 00 Mann gemaßregelt, während 1200 Mann noch keine Arbeit haben nnd 700 wieder eingestellt sind.— Von den Speicherarbeitern sind nur solche geniaßregelt, die bei Quartiers- leutcn� in Beschäftigung waren. Es sind etwa 300 Mann. Von den 1360 Speicherarbeitern, die überhaupt im Ausstande gewesen sind, sind etwa 1200 Mann bei den Lagerhaus-Gesellschaften wieder eingestellt.— Bei den Staalsquai- Arbeiter» sieht es mit der Ein- stellnng noch sehr schlecht ans. Nur sehr wenig haben wieder Be- schästigung erhalte». Und dabei wird eine sehr sorgsame Auslese gebalten. Von den früheren Krahnführern beim Staatsqnai ist»och nicht ein einziger eingestellt. Heute Morgen 10 Uhr begann die Sihnng der Senats- kom Mission zur Prüfung der Arbeitsverhält- »isse im Hafen. Außer den Senatoren O'Swald. Ad. Hertz und Holthusen nahmen daran theil die Stauer Christian Blohm. Gustav Lenz. Aug. Ahrens und Karl Thiedeinann und von den Schauerleute» der Korn-Akkordarbeiter H. Döring, der schwarze Schanerman» K. Moje, der Salpcterarbeiler Aug. Lenz nnd der Slückgutarbeiter August Wrost. Die Arbeitnehmer trugen ihre Forderunge» vor und die Stauer machten demgegenüber ihren Standpunkt geltend. Großes Entgegenkommen zeigten die Stauer keineswegs. Demnächst soll eine neue Sitzung statlfinden. da eine Einigung heule nicht erzielt werde» konnte. Gleichzeitig fanden Unterhandlungen zwischen den Importeuren englischer Kohlen und de» schwarzen Schauerleuten statt. Auch hier blieb es bei gegenseitiger Aussprache. Die Importeure verlangte». daß die Schauerlcute die Berechnung nach Konnossementen anerkennen sollten. was diese verweigerten. Morgen findet eine Versammlung der schwarzen Schauerleute statt, iu der der Standpunkt der Importeure einer Be- sprechung unterzogen, verden wird. Am Dienstag nächster Woche findet dann wieder eine gemeinsame Sitzung der Importeure und der schwarzen Schauerleute statt. Die Arbeit- »ehiner, die den beiden Sitzungen beiwohnten, haben den Eindruck, als wen» bei den ganze» Verhandlungen nicht viel herauskomme. Die hiesige Post hält seit zwei Tage» alle an die Zentral- Streikkonimission gerichteten Postscndnngen zurück. Ei» Rechts- auwalt ist mit Verfolgung der Sache seitens der Streikkoinmissio» beauftragt. «« « Für die Hamburger Hafenarbeiter gingen bei der Pcrliner Gewerkschastökommission solgende Beiträge ein: Wiühlberg i» Bade» von den Lederarbeilern 27, es. A. E., Brunnen- flrabe, 9. SRate 2S,95. L. Wetzet, Neustadl a.d. Haardt 23,80. Meyers Lederzurichter, Blinzcn-Alle», e. Rate 7.40. jztliau i. S, von den Buchdruckern 12. Id. Organt- saue Sleinarbetter Att-Warlhau's in Schlesien,«. Nale io,—. Osterwtel vom Eeweltschallslartcll sdarunter 2,«o von Ballhaus silberner Hochzeit) 2o.«o. Lederarbeiter Berlins(Weib- u. Lohgerber, Färber u. Berussgenosse»), 7. Rate 7».—. Berliner Tischler in Bredow bei Slellin s,sa. Personal der Schristgtesjeret W.«Sronau, 10. Rate 7,90. Buchdruckerei Pab u. Sarleb, s. Rate>3,9». Arbeiter von A. Ties, Juvalldenstr. 124, lo. Rate 3.30. Hoch die Solidarität aus Stab- surt, t. Rate 3«,—. Werl< Ablhetlung Mar Badtng, It. Rate 10,—. Deutscher Arbeiterverein in Brüssel 20,1«.„Solinger Freie Presse"(Expedition) so,—. Prenzlau Angermünder Wahlkreis durch R. s., s. Rate IS,3K. Königl. Muster- iverlstattarbeiter aus dem Reiche Thielen 7,«o. Rauchllud Frohsinn Heimath, M. d Arb.-R.-B. l,So. Arbeiter Marburgs, 6. Rate 4S,2S.(j. u. H. SB., Schön- bauser Allee 10,10. Durch Ehrle, kassirer.«. Rate(darunter 7,2s beim Maskenball im Rauchklub Arkona 25,30. Epremberger Senossen.«. Rate «0.—. In einer königlichen Musterwerkstatt gesammelt, 0 Rate 7,7s. Töpfer vom Bau Nürnberger- und BugSburgerstrabe»-Ecke, 3. Rate 10,«S. Liste 713s, Temmler und Bletberg is,so. Stcinvildhauer vom Dombau 12,90. Liste 6435, Pianosabrik von Scharss d. Lau 7,20. Arbeiter von Spinn u. Soh», Schtssbauerdamm, mit mehreren Ausnahmen. 9. Rate 6,60. Maschtnen- arbetter von Ztetlow, Koppenstr. si, 5. Rate 1,50. Buchdruckerei JSletb, Wilhelm- slrabe. 0 05. Aussterbe- Etat v. Horwitz u. Saalseld 4,—. Bon den Sraveure» und giseleure»(4815, 4811, 3950, 3030, 48 10, 3947) 34,25. Dtschler-i Lorenz, Wrangelstr. 33, 3,25. Mühlheim a. Ruhr, organistrie Arbeiter 14.—. Llste» von Reul(945, 2030, 2035, 4107, 74, 87, 95, 4210, 5204, 90, 94. 99, 53, 5304. 12. 19, 0005, 7, 8. 9, 0011, 0013, 17, 19, 20, 37, 47, 49) 176,51. Lifte 2101, Frist—,43. Liste 7130, Schlosserei Behneke, Mittelstr. 10-17, 20,75. Einige Arbeiter der Firma Sössen 0,—. Robinson und Senossen. 8. Rate 9, so. Einige Arbeiter von Siemens u. Halske 7,40. Lederfabrik Salomon d. H. 6,35. A. L. H. 1,75. Listen d. Brinkmann(3830, 47. 50, 888?, 0797, 4743, 09. 42, 0801, 4720, 5918, 5922, 0787, 5921, 0790) A. E. s. 119,55. Listen von«. Ernst(2782, 3422, 4013, 4027, 43, 4099, 4701, 4944, 57, 02, 75, 77. 78, 5023. 00, 0570, 77, 70, 20, 28. 0597, 0598, 0588, 0005. 0014) 174,55. Aus Listen dilo; 5010, Arbeiter der Eummtsbrik vo» E. Schwant«. Müllerstraße, 9,—: 4035, Bolze, Wiesen- strabe 27, 3,95. 0533 Eisengteßeret Löwe, Hollmannsir., 20,75. 4809 durch Wanke 4.05. 0018 Tchwartzkopss. Ehausseeftr., 13,05. 0571 S. u. H., Abthetlung 24. 24,75. 4958 Bautischlerei Zwang, Schöneberg. 4,75. 0531 Maschtnensabrlk Leopold Ziegler 17.80. Liste 4904 Eheintsche Fabrik vo» Schering 11,95. Liste 5017 dilo 14,35. Lifte 0535 Maschinenfabrik Max Hasse 13,35. 0534 dito 17,95. Listen 4710 St. tt.®. 12,80, 471« dito 9,96, 4714 7,45. 5034 11,30. 5033 10,80. Summa 214.70. Auktion Maskenball Drachenburg 7,45. Breiischuh u. Srüntng, Plästen- see, 0,—. Mulikinstrumenten-Arbetter d. Wustrow aus Liste» 042s Laurttiat 14,85. 5174, 12 Abpuster vo» Dutsen, 0,40. 0426 Pfeiffer 10,20. 04s Herbst S.so. jilaviatursadrik Buchholz 10,75. Pianosortesabrik Reugebaner 8,50. Liste 2108, Schröder. 9,40. Ltstcu 5080. 81, 6896 durch Bauer 17,80. 6108 durch Schonheii» 20,30. Buchdruckerei Bahtle 1,40. Tischlerei Staoenoip, Bulowstr., 5,05. Lifte 0140 Metallarbeiter, Bülowstr., 14,45. 5104 d. Kiößner 18,70. Prinzenstr. 71, Firma Schlesinger. 1,75. LandSniannschast der SchieSwig-Holsteiner gesammell aus drui MaSkcnball am 13. Februar 1897. 8,20. Klempner, Alte Jakob- strabe 40/41, 0. Rate, 3,70. Liste 0978 Klee, 4,50. Liste 0881 Lusche, 2,00. 0829, 27, Schöneberg, Bäumler, 9,15. A.»unze, 5. Rate, 3,—. Listen d.«lose 7000, 1.—. 0308, 00, 5518, 17, 13, 12, 11, 1251, 81, 73,81. Listen von Erbe 4850, 0820, 22, 0850, 3131, 0282, 0929, 0921, 8123, 440, 3157, 2300, 3047, 0845, 31 14, 5735, 30, 4105, 0, 7113, 14, 6479, 4122, 4118, 4114, 3009, 8, 6938, 6857, 6855, 6863, 6303, 6945, 5940, 6861, 3022, 740, 1308, 3120, 2327, 3148, 1380, 6854(darunter Ttschleret Böhnle, Lieichenbergerstrahe, 9,—. Trempenau, 5. Rate, 7,40. Blermann's Fabrik, 5i,«o), 273,95. Liste 0385 Ptanomechantlsabrir C. Köhler(darunter VON einer Kranz- sammlung 19,-), 58,35. Freie Beretntgung der ZtvN-BerusSmusiker Berlin« und Umgegend, Sxtrasammlung, 4. Rate, 11,45. Die Waffertrinker von Köhler 0,17. Listen von Jakob 3337, 4827, 0212. 8217, 8907, 0908, 0970, 0971(darunter Schäffer u. Walker, Lindensiraße, 22,30), 43,85. Berichtigung: In Nr. 21 deS„Vorwärts" muß es Zeile 4 von oben heihen: Töpfer vom Bau AugSburgerstrahs und Nürnbergerstrasie Ecke 10,4s. Weitere Beiträge nimmt das Berliner Geiverkschastsbureau (R. M i l l a r g, Berlin L., Annenstr. 16, vorn park.) in der Zeit vo» S— I Uhr tiormittngö und«-»8 Uhr abends entgegen. Mointttuncrles. Der Stadtverordneten- Bersammluug ist nunmehr seitens des Maglslrals der B e r t r a g s e n t>v u r s betreffend die Ein- führung des elektrischen Betriebes ans de» Linien der Großen Berliner und Lienen Berliner Pferde-Eisenbahn- Gesellschaft zugegangen. Der Magistrat setzt nnssührlich die Gründe auseinander, iveshalb an der oberirdischen Stroinzuleitung sestznhalten und die unterirdische Leitung und das Akkumnlatorenstzstem nur ausnahmsweise auf Verlange» des Magistrats einzurichten sei. Die Gründe gipfeln wesentlich darin, daß die arme Pferdebahn-Gesell- schast billiger bei Oberleitung davonkommt, als bei unterirdischer Leitung und bei dem an üch am empsehlenswerthesten Akkuinulatoreii« wage». Bei oberirdischer Leitung stelle» sich die Belriebsloste» 30 bis 35 pCl. geringer als beim Pferdebahnbelriebe. Aus den Aus- führunge» des Magistrats, welche sich ans die seinerseits geforderte Gewinnbetheiligung der Stadtgeineinde am Reingewinn beziehen, wollen wir nur hervorheben, daß der Magistrat die Hoffnung hegt, daß die Gesellschafte» den bisher gezeigte» Widerstand gegen diese Forderung der Gewinnbetheiligung aiugeben werden, sobald erhellt, daß die beiden städtischen Körperschaften gewillt sind, dieses Verlangen aufrecht zu erhalten; die von den Gesellschaften gegen eine Gewinnbetheiligung der Stadtgeineinde vor- gebrachten Gründe seien für ihn— de» Magistrat— nicht über- zeugend gewesen.— I» bezug ans die sogenannten Eonnnerwag«,, enthält der Vertragsentwurf folgende Bestimmung: Die Gesell- schalte» verpflichten sich, ihre S o m m e r w a g e» so einzn- richten, daß eine Aennhnng der außerhalb der Wagen an- gebrachten Laufbretter durch die Schaffner nicht mehr noth- wendig ist.— Ter Magistrat ist berechtigt, die Abschaffung ilks„WM»" derjenigen Sommerwagen zu verlangen, welche dieser Bestimmung nicht entsprechen. Zu diesem Punkt giebt der Magistrat solgende Erläuterung: Die nachgewiesene, unverhältnißmäßig hohe Zahl solcher Unfälle, welche Schaffner gerade bei der Benutzung der Lauf- bretter erlilten haben, veranlaffen den Magistrat, auf eine entsprechende Aenderung zu dringen, obwohl die Direktoren der beiden Gesellschaften erklärt hatten, daß sich eine solche nicht herstellen lasse, und bei Anfrechterhalinng der Bestimmung die beliebten Sommerwagen abgeschafft werden müßte». Dein Magistrat er- scheine die Möglichkeit einer zweckentsprechenden Abänderung nicht ansgeschlosse»; er inüsse nur anerkennen, daß wegen Fortfall vo» Nntzraum im Wagen mehr Verlust für die Gesellschaften sich ergeben würde, als durch die Ziffer der Umändernngskosten zum Ausdruck käme.— Was die Heizung der Wagen anbetrifft, so glaubt der Magistrat der Stadlverordueten-Versannn- lnng die Allfnahme einer diesbezüglichen Bestimmung in den Vertrag nicht empfehlen zu sollen. Tie vorgesührten Gründe, daß die Heizung dem Publikum lästig fallen könne, ist wohl kaum ernsthaft zu nehme», nachdem sich an anderen Orten die Heizung gut bewährt hat. Tie städtische Vcrkehrs-Teputatio» hat gestern unter dem Vorsitz des Bürgermeisters Kirsch» er ihre erste Sitzung in diesem Jahre abgehalten. Nach Erledigung einiger geschäftlicher Angelegen- deiten(Bureau-Angelegenheiten) wurde als erster Gegenstand der Tagesordnung das Ersuchen des Magistrats von Stetli» verhandelt, wonach die Stadt Berlin nach Herstellung einer vom Staat her- zustellenden Wasserstraße zwischen Stettin und Berlin sich bereit erklären soll, einen Hasen i» Berlin anzulegen. Nach einer längere» Dislnssion, in der sich sämmtlche Redner der Herstellung einer besseren Wafferverbindung zwischen de» beiden Städten sympathisch gegenüberstellten und den Plan im Interesse der öffentlichen Wohlfahrt z» fördern versprachen, wurde eine Snbkoinmissio» eingesetzt, ivelche die Llnfgabe erhielt, die Angelegenheit für die desinitive Beschlußfassung der Deputation vorzubereiten. Weiler kam das Gesuch eines Unter- nehmers znni Vortrag, der gegen eine Abgabe von jährlich 15 000 M. auf 250 Slraßen bezw. Plätzen 1200 Dreiräder aufzustellen bcab- sichtigt, die als Verkehrsmittel gegen tarifmäßige Bezahlung dienen sollen. Die Deputation lehnte das Gesuch ab, weil sie kein all- gemeines öffentliches Interesse in der Genehmigung desselben erblickt. In bezug auf die geschäftliche Behandlimg der vorliegenden Anträge ans Genehmigung von Straßenbahnen(neue Linien, Umwandlung der Betriebsart, Berlängernng erlheilter Genehmigungen) wurde beschlossen, die aus früherer Thätigkeil noch bestehende Subkommission z» beaustragen, das vorliegende Material zu prüfe» nnd in der nächsten Sitzung der Deputation Bericht zu erstatten bezw. Anträge zu stellen. Als letzter Punkt der Tages- orduung lag der Antrag der Berlin- Charlottenburger Straßenbahn- Aktiengesellschaft vor, welche den Akknniulatoren- Betrieb auf der Strecke Westend-Knpfergraben einführen will. Unter Aufrechterhaltung der in bezug auf diese Angelegenheil bereits gefaßten Beschlüsse(Verpsiichiung, den Unnvandlnngsvertrag bis zum 1. Juli d. I. zum Abschluß zu bringen, oder den früheren Zustand herzustellen, bezw. beim Bezirksausschuß Ergänzung des Vertrages zu beantragen) wurde die Genehmigung zur Einführung des Alknmulatorenbetriebes ans der bezeichneten Sirecke ertheilt. Der Polizeipräsident hat dem Magistrat folgenden Entwurf einer neue» Polizeiverordnung über das Schau k- g e w e r b e zugehen lassen:„Wer Gastwirlhschast, Schaukwirthschast oder Kleinhandel mit Branntwein oder Spiritus betreibt,»uiß, wenn er seine Befugnisse gemäß Z 45 der Reichs-Gewerbe-Ordnung durch Stellvertreter ansübl, von der eingetretenen Stellvertretung inner- halb einer Woche dem Polizeirevier, in dessen Bezirk sein Lokal liegt, unter Angabe des genauen Nationales des Stellvertreters sowie unter Darlegung des obwaltende» Rechtsverhältnisses Anzeige er- statten. Uiiterlaffnng wird mit 30 Mark oder Haft geahndet." Auf Aufrage des Magistrats hat der Sladlausschuß empfohlen, der neuen Verordnung zuznstimnien, deren Rechtsgiltigkeit keinem Be- denken unterliege. Die Tcpntatio» für die städtischen Kvaiikeuaustaltcu nnd die öffentliche Gesundheitspflege hat heute unter Vorsitz des Stadl- ralhs Bail die Anwendung des R ö n t g e n- V e r f a h r e n s in den städtischen Kraiileiiaiistalleii ciiftlifühtcii beschlossen. Drei neue Medizinal-Vezirke werden, wie die Arme»- Direktion bekannt giebt, voranssichllich zum 1. April d. I. gebildet werden.� Es sind die folgenden: Ei» Bezirk aus den Armen- Konimisstonen 22a, 22b, 220 und 23b(Gegend: Frobeii-, Groß- görschen-, Göben- und Steiiiinetzstraße), ein Bezirk aus den Armen- Kommissionen ISZb und 200a(Gegend: Müller-, Tegeler- und Trist- straße) und ein Bezirk aus den Armeii-Kominissioneii 202a. 213a nnd 243d(Gegend: Gesundbruniieii).— Ferner ist infolge Versetzung des bisherigen Inhabers die Armeiiarztstelle im 61. Medizinalbezirk, bestehend aus den Arineii-Kommissioiien 204b und 205(Gegend: Wedding) zum 1. April d. I. neu zu besetzen. Geeignete Bewerber um je eine dieser vier Stellen werden aufgefordert, ihre mit Atlesteu iiiilerstützteii Gesuche bis ziiin 2. März an das Generalbnrean der Armen-Direktion, Danunmühlen-Gebäude, erstes Stockiverk, Ziiiiiiier2ö, eiiizusende». Bekanntlich sind die Armen-Aerzle verpflichtet, in ihrem Medizinalbezirk zu wohnen. Ter Magistrat will dem Arbeitsausschuß der Gewerbe- Ausstellung die Verpflichtung, die WasserleitungS- röhren wieder zu entfernen, erlasse», und hat bei der Stadtverordnelen-Versammlung beantragt, sich damit einverstanden zil erklären, daß die Leitungsröhren von der Stadl über- nommen und der Malerialienwerlh derselben im Betrage von 86 715.75 M. an die städtische» Wasseriverke nnd von 2265.15 M. an den Arbeitsausschuß der Gelverbe-Allsstellnilg für die voil dieser selbst verlegten Röhren aus dem Fonds für»»vorher- gesehene Ausgaben erstattet werden. Die� Julius Bvhow'schcn Erbe» beabsichtigen, auf ihrem Grundbesitz zwischen der Greifswalderstraße und der Straße am Friedrichshain drei neue Straßen anzulegen. VokslleS. Achtung!.Parteigenossinnen nnd Genoffru deS 6, Wahlkreises. Dienstag, den 23. Februar, findet im Swinemünder Gesellschaftshans. Sivinemünderstr. 42, früher 35, eine Volks- Versammlung statt, in welcher Reichslags-Abgeordneler Dr. F. Liit- genau referiren wird. Es wird ersucht, recht fleißig für diese Vir- sammlung zu agitiren. Die Vertrauensperson der Frauen. Zur Behandlung politischer Gefaugeuer. Ein sozial- demokratischer Redaklenr. der das Verbrechen begangen hat, für die Wahrheit iu polizeiwidriger und beleidigender Form zu streiten, hat es im Gefängniß bekanntlich nicht entfernt so an- genehm, wie ein Zeremonienmeister, der als Duellmörder ein bischen auf der Festung herumbummelt. Während dieser nach Belieben sich an leiblichen nnd, soweit er über- Haupt solche verdauen kann, auch a» geistige» Genüssen in der custoäia kicrnesta erquickt, hat der gefangene Redakteur für den Magen nichts als Rumfntsch und blauen Heinrich, die den Körper herunterbringen und oft für das ganze Leben ihre Rückwirkung fühlen lassen. Ein ganz wenig besser ist es mit der geistigen Nahrung de- stellt. Wenn dem politischen Gefangenen in Plötzeusee auch das Lesen politischer Tageblätter gleichviel welcher Parteirichtung untersagt war. so durfte er doch— bisher wenigstens— Romane und Bücher wissenschaftlichen Inhalts, die ihm Freunde zur Verfügung stellten, in Empfang nehme». Das scheint jetzt auch anders werden ( Zmillg, 21. Milllt 1897. zu sollen. Dieser Tage sandten wir nnserin gefangenen Kollegen Roland die Romane des französischen Schrisstellers Balzac zu. Die Bücher kamen jedoch mit der handschristlichen Bemerkung unseres Kollegen wieder zurück, daß die Annahme nicht g e- n e h m i g t iv o r d e n s e i!!! Als unser Parteigenosse Auer in der Reichstags-Sltznng vom 13. Januar d. I. das System des gegenwärtigen Strafvollzuges an einer Reihe»»widerlegter weil unwiderlegbarer Thatsache» tief- beschämender Natur geißelte, da wußte der Staatssekretär Nieder- ding nicht viel mehr zu erwidern, als daß auch bei den Regierungen daß Bedürfnis»ach Abänderung der geaemvärligen Mängel anerkannt sei. Wenn in dem heute von n»s der Oeffentlichkeit zur illblirtheilung nnterbreiteteii Falle nicht etwa der zu nnsinnig klingende Ginnd vor- liegt, daß die Gefängnißverivaltung bei der Boykottirnng von Balzac die Sittlichkeit unseres hoch i» den sechziger Jahren stehenden Parteigenossen schützen wollte, so bleibt nur die Annahme übrig, daß die vom Staatssekretär als nothivendig anerkannte Abänderung im Strafvollzüge von de» Verwaltnngsorganen dahin ausgelegt wird, daß damit eine Verschärsung der Behandlung politischer Ge- fangeuer gemeint sei. Die koufcssionellc Zusammensetzung der Berliner Be- Völkern ug ist recht bunt. Bei der Volkszählung von 1605 waren hier über drei Dutzend„ F a? o n s" vertreten, nach denen die einen selig, die anderen nicht selig zu werden hofften. Die Hauplgruppe bildeten natürlich die Evangelische»(einschließlich separirte Lutheraner. Herrnhntcr und Reformirte) mit 1 421 014 Per- sonen; dazu kamen noch 5573 evangelische Sektirer, und zwar 1531 Baptisten, 313 Anhänger der englischen und schottischen Kirche u. s. iv., 474 Meihodisten und Quäker, 3073 Jrviiigianer, 137 Mennoniten. Ltömisch- katholische waren 154 970, griechisch- katholisch nur 303. Die Dissidenten waren mit 6630(wovon sich 2179 als freireligiös bezeichneten) vertreten. In der Gruppe„sonstige Christen" wurden 1193 gezählt, und zwar 23 Unitarier, 3 Armenier, 1 Maronit, 6 Adventisten, 19 Reukirchliche, 7 Mormonen, 46 Per- sonen, die ihre Zugehörigkeit zur Heilsarmee als Konfessio» angaben, 71 Personen, die sich mir Christen ohne rveilere Angabe nannten, schließlich noch 725 Personen, die als konsessionslos, und 282, die als ungetanst bezeichnet waren, die aber ebenfalls unter dk„sonstigen Ehristen" gesteckt werde»,— wahrscheinlich in der Hoffnung, daß sie noch zu Christen werden. Inden waren 36 152 vorhanden. Ferner wurde» gezählt 54 Muhamedaner, 26 Buddhisten, SKonfucianer, 5 Sintoristcn, I Anhänger des Zoroaster. Von 1093„unbestimmten An» gaben endlich lautete»: 677 ohne Lteligio», 252 Atheist oder Pantheifl, 110 Humanist, 27 Freidenker, 7 Heide, 6 nach freier Ueberzeugniia, 3 ethische Gesellschaft, 2 Agnostiker, 2 Universalist, 1 Spiritist, 1 Naluralist, 1 Kosmopolit, 1 Theosophist. 1 Gottesleugner, 1 in- different, 1 eigene Sittenlehre. Bei 190 Personen fehlte überhaupt jede Angabe. Die Zunahme der Konfessionen von 1390 bis 1395 war sehr ungleich. Sie betrug z. B. bei den Evangelischen 5 pCt.. bei den Römisch-katholischen 14�/4 pCt., bei den Juden 82/3 pCt, bei den Dissidenten 33Vz pCt. Von 10 000 Einwohnern Berlins waren 1395(beziv. 1899): 8472(8569) evangelisch, 33(24) evangelische Sektirer, 924(855) römisch-katholisch, 2(2) griechisch- katholisch, 514(502) jüdisch, 40(31) dissidentisch, 15(17) andere Christen, anderer Religion, unbestimmt und unbekannt. Vom Berliner Krankcil-Transportwese». Die drei städtischen Krankenhäuser ain Friedrichshain, i» Moabit und am Urban nahmen im Jahre 1895/96 zusammen 25 469 Kranke auf. 3297 davon wurden diesen Anstalten mit besonderen Transporlmiiteln zugeführt, und zivar 2396 mit Krankenwagen, 5133 mit Droschken, 755 mit Privalsnhrwerk, 13 mit Tragen. H a u p t b e f ö r d e r u n g s>il i t t e l ist also immer noch die Droschke, die iveniger kostet als der Krankenwagen und auch schneller zu haben ist. Für den Transport vo» Cholera-, Typhus-, Pocken-, Diphtderie-, Ruhr-, Scharlach- und Maseritkrcinken ist die Beniitzniig öffentlicher Fuhrwerke(Lohn- wagen, Droschke, Omnibus, Pferdebahn, Eisenbahn) nnd öffentlicher Wasserfahrzeuge verboten. Trotzdem wurden den genannten drei Anstalten 1895/96 auch 125 ansteckend Kranke mit Droschken—(ferner 421 ansteckend Kranke mit Krankenwagen und 77 mit Privatfuhrwerk— zugeführt, und zwar waren unter diesen 125 Kranken 16 an Unterleibs- lyphus, 24 au Scharlach, 35 an Diphtherie, 4 an Masern, 46 an anderen Jiiseklionskrankhciteii Erlrankte. Verhältnißmäßig am häufigsten wurde beim Krankcnhansi in Moabit die Droschke zur Beförderung ansteckend Kranker benutzt; 33 pCt. aller ansteckend Kranken, die dieser Anstalt mit besonderen Transportmitteln zugeführt wurden, kamen in Droschke» an. Das dürfte sich aus der geringen Wohl» habenheit der dieser Llnstalt benachbarten Stadtlheile erklären. Solchem gefährliche», aber leider oft nothgedrungenen Mißbrauch wird nichl eher wirksam begegnet werden können, als bis wir einen gilt organisirte» städtischen Krankentransport habe», der n u e n l g e l I l i ch ist. Daß eine solche Einrichiung möglich ist, lehrt das Beispiel Dresdens, Ivo wenigstens ansteckend Kranke un- entgeltlich in städtischen Krankenwagen befördert werden. Waö ist iu die hohe Finanz gefahren? Die„Vossische Zeitung" und andere Blätter theile» die traurige Botschaft mit. daß die Hoffnung, die Finanzwell werde die Veraiistaltnngen zur „Hundertjahrfeier" mit großen Snnnnen unterstützen, sich nicht erfüllt habe; die Arrangeure der patriotischen Versammlung müssen sich mit einem Mittel zur Deckung der Kosten beHelsen. das de» Sozialdemokralen schon manche Strafen eingebracht hat. Sie wollen nämlich Sammellisten herausgeben. Es wird kaum anzu- nehmen sein, daß die niinderbegülerle Mehrheit der Berliner Be- völkerung der knickerigen Finanzivelt feurige Kohlen auss Haupt streut. Ter Zuzug„ach Berlin war 1396 noch bedeutend stärker als 1395. Polizeilich gemeldet wurden als zugezogen 1894: 134 654, 1395:200 982. 1896: ca. 219 000; als fortgezogen 1894:156 194, 1695: 160 423, 1896: ca. 167 000 Personen.(Vorübergehend An» und Abwesende sind nicht mitgezählt. Die Zahlen für 1896 sind vorläufige nnd werden sich dnrch die Nachmeldnngen noch elivas ändern.) Für vermuthlich nicht gemeldele Fortziige wird ans grnno des Ergebnisses der letzte» beide» Volkszählungen ei» bestimmter Zuschlag gemacht, der sich sür 1394 ans 30437, für 1395 ans 31100 stellt nnd sür 1396 mit 32-33 000 anzunehmen ist. Werden diese Zahlen de» gemeldele» Forlzllgen zugezählt, so ergiebt sich als die vermuthliche Zahl der Forlgezogenen 1394: 136 631, 1395: 191 528, 1396: ca. 199—200 000. Daun kommt für 1394 kein Mehrzuzug, sondern ein Mehrforlzug vo» 1977, für 1895 ein Mehr» znzng von 9454, sür 1396 ein Mehrznzug von ca. 19—20 000 Personen heraus. Was unsere Gegner alles zu erzählen wisse». Das„Volk" des Herrn Clöcker meldet in einem Bericht über die vorletzt« Reichstags> Sitzung:...... Das Schlußwort namens der Antragsteller erhält daraus der Sozialdemokrat Fischer und spricht eine lange Agitalionsrede zum Fenster hinaus. Aussehen nnd Sprechweise dieses Genossen lassen darauf schließen, daß auch in seine» Adern Makkabäerblut rollt." Tie Acrzlckammcr für Berlin- Brandeubnrg trat gestern im hiesigen Provinzial- Ständehause zu einer Sitzung zusammen. Auf der Tagesordnung stand außer einer ganzen Reihe von ge- schäftlichen Positionen, darunter einer neuen Geschäftsordiinng. der Wahl von Kommisstonen zur Vermittelung bei Honorarstreiligkeilen und für Wohlsahrtseinrichtniigen. der Ernennung vo» gerichtlichen Sachverständigen ,c. die Novelle zum Uufallversichernngs- Gesetz. Das Referat über diese» Gegenstand hatte Dr. S. Alexander über» nommen. Tie längeren Ausführungen des Ref-renlen gipfelten in folgenden Thesen, die ihrem ganzen Umfange nach zum Beschl"ß erhoben wurden: I. Die Mitwirkung des ärzllichen wtandes bei der Handhabung der sozialpolitischen Verstcherungsgesetze ist nncnlbehr« «cy.und liegt tm Interesse des öffentlichen Wohls. 2. Abknderungs. Vorschläge der Bersichernngsgesetze sollen der Begiitochtimg durch die ärztliche» Staiidesvertretilnge» unlerliegen. S.«ei Ausfnhrinig der iöersicheriiiigsgesetze ist die Theiliwhme der Aerzte an der Ver- Gattung und Rechtsprechung geboten. 4. Die Vereinfachung und einheitliche Gestallung des Kraiiren., Unfall- und Jnvalidiiäts- «eietzes ,st von, ärztliche» Etandpunkte aus»rslredensiverlh. v. In Anbetracht der materiellen Schädigung, welche die Zwang-!- verjichernng eines bedeutenden Tbeiles der Bevölkerung dem ärzt- ®tnu�e Zugefügt hat und für den Fall weiterer Zlusdehnung de» VerjicherungSzivanges in erhöhtem Maaße zufügen wird,»st die gesetzliche Fixirung erforderlich: a) der freien Wahl des Arztes für die Versicherten; b) des Grundsatzes, daß ärztliche Leistungen zu gniisten der Versicherten Niindestens i» Höhe der Minimalsätze der staatlichen Gebührenordnungeii zu honorire» sind. Denientfprechend wurden bezüglich des Eniivnrfes zur Novelle für das Unfall- versicherungsgesetz eine Reihe von Abänderungen aiigenonunen, welche der ReichStagsko»»»ission zur Vorberathnng dieses Gesetz. »ntivurfes unter Ueberse»du»g deS VerhandlimgsprotokollS in Vorschlag gebracht werden sollen. Weierstraff Am Freitag starb hier im Alter von S1 Jahren der Professor der Matheinatik Carl Weierstraß, der mit den chm eng befreundeten Matheinatilcru K r o n- ck e r(gest. IS91) und K u»» i» e r(gest. 1893) zu den hervorragendsten mathematische» Forschern nicht nur Deutschlands, sondern der ganzen Welt gehörte. In jungen Jahren widmete er sich der Rechtsivissenschaft, die er vier Jahre lang in Bon» stndirte; doch wandte er sich dann völlig der Matheinatik zu und trieb noch zwei Jahre auf der Akademie in Münster matheniatische Studien. Nach Ablegung seiner Examina im Jahre 1342 wurde er Gymnasiallehrer und lernte als solcher an den verschiedene» Anstalten, an denen er wirkte(Münster, Dentsch-Krone, Braunsberg), den jämmerlichen Znstand des mathema- tischen Unterrichts an unseren humanistische» Gymnasien kennen. Jy» mathematischen Verein erzählte er eiinnal den jungen Studenten, daß während seiner Lehrerzeit aus dem Kultusministerium eine Verfügung kam, durch die de» Lehrern untersagt wurde, die Kurven zweiten Grades in de» KreiS des Unterrichts einzn- beziehe»; dagegen dürften sie allenfalls die Theorie der Kegelschnitte durchsprechen. In welcher Weise sich das Ministerium durch diese Verfügung blamirte, erhellt daraus, daß Kurve» zweiten Grades und Kegelschnitte nur verschiedene Be- zeichnnngen für dieselben geometrischen Gebilde(Kreis, Ellipse, Parabel, Hyperbel) sind. In den seitdem verflossenen fünfzig Jahren sind diese Ver- hältiiisse erheblich besser geworden, und speziell Weierstraß hat außerordentlich zu der Verbesserung des niatheniatischen Unterrichts beigetragen. Nachdem er 1356 Professor am Gewerbe-Jnstitut zu Berlin, 1867 Mitglied der Akademie der Wissenschaften geworden, erhielt er 1864 die Stelle eines ordentlichen Professors für Mathematik an der Berliner Universität. Schon vorher hatte er sich bemüht, den mathematischenUnterricht eindringlicher zu gestalten, zu welchemBehnfeer besonders die Errichtung eines mathematischen Seininars an der Universität anregte. An den Arbeiten dieses Seminars, das 1861 eröffnet wurde, haben außerordentlich viele Mathematiker theil- genomme», die zu einem großen Theile später an den Gymnasien als Malheinatiklehrer wirkten. Die wissenschaftlichen Arbeiten Weierstraß' beschäftigten sich mit Problemen der reinen Mathematik, speziell auf dem Gebiete der allgemeinen Funklionentheorie, die er fester begründete und erheblich ausbaute.� Seine sämintlichen Abhandlungen sind in den Jahren 1834 »nd 1835 von der Akademie der Wissenschaften gesainmelt und herausgegeben worden. Die achte städtische Fortbildniigsschnle für Jünglinge und Erwachsene, Putbuserstr. 23, haben im ganze» in diesem Halbjahr 565 junge Leute, besonders Kaufmanns- und Handwerkerlehrlinge, besucht. Außer in den allgemein bildenden Fächern Deutfch, bürgerlichein, kaufmännischem und geometrischeni Rechne», wird in Französisch und Englisch in Ober- und Unter-Kurse», in einfacher und doppelter Buchführung, Stenographie, Geometrie, Algebra, Physik, Mechanik, Chemie, Zirkel-, Projektions-, Ornament- und Körperzeichne», Fachzeichnen für Graveure und Lithographen und im Modellircn unterrichtet. Ferner ist mit der Schule ein städtischer Gewerbesaal und eine Abtheilung der Berliner Tischlerschnle mit ca. 120 Theilnehmern verbünde», in denen Fachzeichnen sür Schlosser, Maschinenbauer. Mechaniker, Drechsler und Tischler gelehrt wird. Die„Freie Liedertafel" hält am Sonnabend, den 27. Februar, im Schweizer-Garten ihren Maskenball ab, wozu sie alle Freunde sowie die Parteigenossen des fünften Wahlkreises einladet. Tie Parteigenossen deS fünften Wahlkreises werden auf das heute Abend bei Babiel, Rosenthalerstr. 57, stattfindende ge- müthliche Beifammensein aufmerksam gemacht. Die vorsintflnthltchen Petrolenmlampe», die besonders i» de» Straßen des Nordens von Berlin»och in großer Anzahl vor- banden sind, solle» nun endlich nach und nach einer großstädliscbe» Beleuchtungsart Platz machen. Zunächst werden sie aus der Ge- richls- und aus der Müllerstraße verschivinde». Die Gerichtsstraße ivird nämlich vom 1. April dieses Jahres ab mit Gas und die Müllerstraße von demselben Zeitpunkte ab sogar mit Gasglühlicht erleuchtet werden. Der Polizeipräfideut hat auf die Petition der Berliner D r o g i st e»- I n» u n g betreffs Prüfung der Gifthändler, wie i» der letzte» Jnnuiigsversammlung mitgetheilt wurde, nachstehende Antwort ertheilt:„Dem Vorstande beehre ich mich aus die gefällige Eingabe vom 15. Dezember v. I. ergebenst z» erwidern, daß ich die Bezirksphysiker durch die abschriftlich angeschlossene Veriüguug angewiesen habe, Personen unter 18 Jahre» zur Gifthändler-Prüsung nicht mehr zuzulassen. Dem ziveiten Vorschlage, die hauptsächlichsten Kapitel der Giftlehre aus der Reihe der obligatorischen Prüflings- gegenstände zu streichen, vermag ich mich indeß nicht anzuschließen, weil mir die Verbreitung toxikologischer Kenntnisse unter den Gift- Händlern als ein wesentlicher Faktor für die Dnrchsührung der gist- polizeilichen Bestimmungen erscheint.- Der Berkehr auf de» Wafferstraße» Berlins im Jahre 1836 hat dem„Ztbl. d. Bauv." zufolge trotz des frühzeitig eiuge- lretenen Winters gegen das Jahr 1895 zugenommen. Eine erheb- liche Steigerung von 436 687 aus 683 285 Touue» ist bei dem Durch- gangsverkehr eingetreten, während sich das Gesaimnlgewicht der angekommene» Güter von 4 646 787 auf 4 735 772 Tonne», das der abgegangenen Güter von 482 316 auf 483 552 Tonne» vermehrt hat. Die Mittheiluug, daß die Nusstellungs-Geldlotterie nicht ge- nehmigt worden sei, wird von der„Verl. Corr." dementirt. Aus dem Fenster gestürzt ist am Sonnabend Nach- »littag gegen 3 Uhr der 29 Jahre alte Seemann Karl Flach, der sich bei den Eltern, den Schuhmacher Flach'schen Ehslettteii, in der Arndtstr. 17 anfhielt. Er fuhr bis Ende vorigen Jahres auf einem Kauffahrteischiff, wurde im Tropenlande von Malaria befallen und hält sich seitdem beschäftigungslos bei den Eltern auf. Nach Angabe des Vaters hat er sich, um einem Leierkasten zuzlihöre», zu weit aus dem Fenster gelehnt, dabei das Gleichgeivichl verloren und ist auf den Hof hinabgefallen. Mit schiveren Verletzungen an Kopf und Armen ivurde er in einer Droschke nach der Charitee gebracht. Recht schnell ist der Kaufmanu Ledh, Landsbergerstr. III, wieder in den Besitz der ihm gestohlenen Waare» gelangt. In den erste» Morgenstunden des 18. d. M. ivaren drei Fässer init Seitlings- därmen, die auf dem durch zwei schwere eiserne Thore und eine hohe Mauer umschlossene» Hofe des genannten Grundstücks lagerte», ihres Inhalts in, Werth« von mehrere» Tausend Mark beraubt worden. Derartig werthvolle Waare wird von der Firma nur ganz ausnahmsweise auf dem Hofe gelagert und es mußte auf- falle», daß diese seltene Gelegenheit den Dieben bekannt geworden »var, ein Umstand, der darauf schließen ließ, daß ein Angestellter der Firma im Spiel sei. Der Hansdiener Max Becker wurde denn auch im Laufe des Vormittags festgenommen. Er leugnete die That auf das Hartnäckigste und versuchte sein Alibi nachzuweisen. Durch ausgedehnte, auch auf Vororte sich erstreckende Nachforschungen gelang es indessen, nicht nur ihm die Unwahrheiten seiner Angaben, sonder» auch einige kleinere Gelegenheitsdiebstähle zu beweisen. Angesichts dieser Sachlage bequemte sich Becker zu dem Gcständniß, daß er dem„großen Unbekannten" die günstig« Diebstahlsgelegenheit verrathe» habe. Inzwischen war bereits ermittelt, daß Becker mit ver- dächtige» Personenöster in einem WirthshausederWeberstlaßeverkehrte. Nachdem er unter sicherem Schutz in das Lokal gebracht war, er« schienen auch bald die„unbekannten" Freunde. Sie wurde» fest- genomine» und eine Durchsuchung ihrer Wohnungen war so erfolg- reich, daß dem Bestohlenen noch am Abend das gestohlene Gut fast vollständig ausgehändigt werden konnte. Die Diebe gestanden denn schließlich, daß sie sich hatten einschließe» lassen. Dann waren sie über das eine der Thore geklettert und hatten die Därme in kleinen Mengen durch das trennende Gitter hindurchgezogen. Auch der zum Transport benutzte, von demselben Hof gestohlene Wagen wurde er- mittelt und zurückgestellt. Glück im Unglück hatte ein Dienstmädchen, das mit einem zweijährigen Kinde auf dem Arm am Alexanderplatz von einem Noll- wagen überfahre» wurde. Außer leichte» Quetschungen halte keines von beiden Schaden erlitten. Ein Deserteur vom 27. Jnfanterie-Negiment in Halberstadt. der Schlosser Blllmel, ist durch die Geudaruierie in Pankow er- griffen worden. B. hatte vor 14 Tage» heinilich seine Garnison verlassen und sich inzwischen i» Berlin und Pankow ausgehalten. Der Deserteur wurde nach dem Militär-Arrestgebäude in der Linden- straße transporlirt. Näthsclhaft ist bis jetzt der Diebstahl im Hohenzollern- musenm am letzten Dienstag gebliebe». Der Spitzbube kann sich nur in der öffentliche» Besuchszeit zwischen 16 und 3 Uhr in das Museum begeben haben. Dort muß er sich gegen 3 Uhr in einem der 14 Säle versteckt haben, denn sobald die Besucher die Räume verlassen haben, werden diese gereinigt. Erst um 6 Uhr, nachdem der Dienst sämmllicher Beamte» beendigt war, tonnte der Dieb seinen Plan zur Ausführung bringe». Den Rückzug muß er vor 16 Uhr abends angetreten habe», weil um diese Zeit das Portal des Gartens, das er passiren mußte, geschlossen wird. Aus dem Garten konnte flch der Einbrecher unbemerkt cnt- fernen, da der vor dem Schloß stehende Militärposten nicht wissen kann, ob die ein- und auspassirenden Personen im Schlosse zu thun haben oder nicht. Die Nachfragen bei dein Wachtposten haben denn auch keine Anhaltspunkte ergeben, wonach Ermittelungen nach dem Thäler vorgenommen werden könnten. Die gestohlenen Gegenstände waren Andenken au die preußische Königin Luise und König Friedrich Wilhelm IV. Grosifencr. In dem ersien Quergebände auf dem Grundstück Slrelitzerstraße 61, das im Erdgeschoß n»d der 1. Etage die Werk- statten der Jalousie- und Holzleistensabrit des Hausbesitzers Roth enthält und in den überliegenden vier Stockwerken von der Musik- instrnmentenfabrik von Heldig n. Ko. besetzt ist, brach gestern früh Feuer ans, das kurz vor 5 Uhr gemeldet wurde. Der Ursprungsort befand sich im Erdgeschoß, und von hier hat sich das Feuer ver- mittelst der Transmissivnsschachten bis in die 3. Etage verbreitet, über welche letztere nicht hinausgehen. Bei dem Aufräumen erlitt der Spritzenmann Knorre durch Sturz in ein durchgebranntes Loch eine Schulterverletzung»nd Rippenquetschungen, die seine Auf- »ahme in das Lazarus-Krankenhaus»olhwendig machten. Schwer büßen muß der 36 Jahre alte Kalkulator Gustav Olschewski aus der Ramlerstraße 13 das Versehlen eines Eisenbahn- zuges. Er war Mitte Januar in einem Zuge eingeschlafen und kam in Weißensee an. ohne Gelegenheit zum Weiterfahren zu haben. Auf dem Nachhausewege, de» er zu Fuß antrat, übermannte ihn die Müdigkeit, und im Schlaf erfroren ihm beide Hände. Er mußte «in Krankenhaus aufsuchen,>vo er soweit genesen ist, daß ihm hente die erste» Glieder zweier Finger abgenommen wurde. Eö wurde mitgetheilt, daß der vor einigen Tagen in Offiziersuniform verhaftete Schwindler nicht, wie er angiebt, Prager, sondern Buchdolz heiße. Bon auswärts sind deshalb viel- fach Anfragen an das Polizeipräsidium gelangt, ob der Schwindler etwa mit dem in andere» Städten ebenfalls in Uniform auf- getauchten Schwindler identisch sei. Demgegenüber ist festzustellen. aß der Verhastete nicht Buchholz heißt, sondern der am 16. April 1874 in Rybnik, Regierungsbezirk Oppeln, geborene Buchhalter Georg Prager ist, der sich in den l-tzien Jahren in Amerika und Afrika aufgehalten hat. Der Jrrthnm, daß er Buchholz heiße, ist dadurch entstanden, daß er in London, wo er sich zuletzt aufgehalten hat, den Namen Buchholz führte, und daß man bei seiner Ver- Haftung unter diesem Namen an ihn gerichtete Briefe bei ihm vor- fand. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Gestern Vormittag fiel die 5ljährige Wittwe Schönemann vor dem Hause Thurmstr. 11 in Krämpfen hin und erlitt dabei eine erhebliche Verletzung am Kopse. Sie erhielt im Krankenhanse Moabit einen Verband.— Vor dem Hanse Prenzlauerstr. 33 gerielh nachmittags der mit dem Reinigen der Pserdebahnschienen beschäftigte Arbeiter Wilhelm Viunhäuser unler die Räder eines übermäßig schnell fahrenden Arbeilswagcns und trug bedeutende Verletzungen beider Unterschenkel davon. Nach Anlegung eine? Verbandes aus der Unfallstation X wurde der Ver- letzte in seine Wohnung übergeführt.— Gestern Nachmittag stürzte auf dem Bürgerfteige des Grundstücks Pritzivalkerstc. 1 iin Zuge der Thurmstrnße ein vermauerter ehemaliger Kanalisations-Einsteige- schacht zusammen, wodurch ein gegen 5 Meter tiefes Loch entstand.— Beim Verlassen des Bäckerladens im Haufe Prinzen-Allee 13 fiel die 59 Jahre alte verehelichte Maschinenbauer Emma Alfeld von der nach der Straße führenden Treppe und erlitt dabei einen Bruch des linken Unterschenkels._ Aus de» Rnchbarorte». Achtung, Schöucberg! Am Montag, 22. Februar, abends 8 Uhr, findet im Schwarzen Adler, Albrechtstr. 125, eine Volks- versaiinnlung statt, in welcher Reichstags-Abgeordneter P ö u S über die Errichtung eines Ge werbegerichts am Orie sprechen wird. Wir machen auf diese Versammlung ganz besonders auf- merksam. Achtung, Nixdorf! Dienstag, den 23. Februar, abends 8 Uhr, findet in den Bikioria-Sälen, Hermannstr. 43—56, eine Volks- Versammlung statt, in welcher Reichstags-Abgeordneter W. Liebknecht spreche» wird. Da zum 2. Punkt eine Kommission zur Gründung eines Frauen- und Mädchen-BildnngSvereins geivählt werden soll, so ersuche ich die Frauen und Mädchen zahlreich zu erscheinen. Die Einberuserin. Spurlos derschwuudeu ist seit einigen Tagen der Lehrer und Küster Müller aus Wansdorf im Kreise Ofthaoelland. Mehrere Schulmädchen hallen ihn bezichtigt, daß er sich ihnen gegenüber vergangen hätte; er wurde darauf vom Amtsvorsteher vernommen und legte auch ei» theilweises Geständniß ab. Am»äefcfte» Tage verließ er heimlich das Dorf und ist nicht wieber zurückgekehrt. Er ist unverheirathet und 25 Jahre alt. Aehnliche schlechte Erfahrungen hat dieselbe Dorfgemeinde schon vorher mit einem Lehrer gehabt. der dann für geisteskrank erklärt worden ist. Ans dem Döberitzcr UebungSPlatze hat ein großer Theil der Holzfäller die Arbeit wegen Lohndifferenzen eingestellt. Die Leute waren von den Unternehmern gegen Tagelohn angenommen worden; da wurde ihnen am Donneritag eröffnet, daß sie gegen Akkordlohn arbeite» sollten. Sie ließen sich hierauf auch ein, merkten aber bald. daß sie unter den gegebenen Bedingungen erheblich weniger ver- dienten, worauf sie sich weigerten, weiter zu arbeiten. In der Freilag erfolgten Ablöhnung der Leute, die von weit her gekommen waren und auf eine längere Arbeilsdauer gerechnet halten, kam es zu erregten Szenen. Ueber die traurigen Arbeitsverhältnisse auf dein Uebungsplahe haben wir schon mehrfach berichtet. Was thut der Staat der Sozialreform diesen Zuständen gegenüber? «heat»»- Mochenchronil,. Opernhaus. Tonntag, den Ii. Februar: Wilhelm Ts«. Anfang 7 Uhr. Montag,-2.: Undine. Dienstag, es.: Häusel und Kretel. Die Puppensee. MUlwoch, St.: Der Prophet. Ansang 7 Uhr. Donners- lag, so.: Das Helmchen am Herd. Fretiag. SS.: Undine. Sonnabend, 27.: Zum l. Male: Enoch Arden. Die Entführung aus dem Serail. Sonntag, 28.: Tann- häuler. Anfang 7 Uhr. Montag, l. März: Tristan und Zlolbe. Ansang 7 Uhr. — Schauspielhaus. Sonntag. 2>. Februar:>212. Montag. 22: Dle Jung- sra» von Orleans. Dienstag. 2».: König Heinrich lV. 1. Thetl. Mittwoch, 24.: König Heinrich IV. 2. Thetl. Donnerstag, 25.: Dollar KlauS. Freitag, ss.: Die Ouitzows. Sonnabend. 27.; Ein Sommernachlslrainn. Sonntag, ss.: Der Per- fchwender. Montag, l. Mär,: Der Bidltolhetar.— Neue« lönigl. Opern- Theater lKroll). Sonntag, den ss. Februar: Die«rille.— D-i» Deutsche Theater bringl Sonniag Abend und Mo»lag„Die versunkene Glocke", Dienstag „Mortturt", Mittwoch und Donnerstag„Die versunkene Stocke", Freitag:„Die Weder". Am Sonnabend geht Ludwig Fulda'« neues dramatische« Märchen „Der Sohn des K a l t s e»" zum ersien Mal in Szene und wird am nächst- folgenden Sonniag Abend wiederhol». Für den Montag darauf ist„John Gabriel Borkman" angesetzt. Nachmittag»- Vorstellungen stnd heute:„Die Wildente". nächsten Sonntag:„Hannele'« Himmelsahrt" und„Ohne Liede".— Im Berliner Theater geht Montag„Faust" mit Herrn Sommerstorsf, Frau«eßner und Herrn Pohl in Szene. Die Novität„Ter Bymnasialdtrektor" wird Dlenstag und Sonnabend wiederholt.„Kailer Heinrich" wird Mttlwoch und Freitag(24. Abonnements> Vorstellung),„Renaissance" Donnerstag, diesen und nächsten Sonntag zur Aussührung gelangen. Nachmittag» wird diesen Sonntag„König Heinrich" und nächsten Sonnlag„Dle Jungtrau von Orleans" gegeben.— Das Neue Theater behält Sardou's„Marcelle" auch diese Woche aus dem Splelptan.— Im S ch tll e r- T h ea t e r werden heule. Sonniag Nachmittag„Des Meeres und der Liebe Willen", abend« das Luftspiel„Die Journalisten" gegeben. Montag und Mittwoch finden Wieder- holnngen von Stowronnel's Lustspiel„Eine PalastrevoluNon" statt, Dienstag werden„Der letzle Tag" und„Dotior Schmidt", Donnerstag„Ein Boltsseind" wiederholt. Freitag ist zum>. Male„Am Tage de»«erichit", Bollsschaupiel In vier Auszügen von Rvsegger, Sonnabend wird diese Lorstellung wieder- holt. A» dem„Kart Maria von Weber-Adend", den das Schiller-Theater heute im Bürgcrsaale des Ralhhouses veraastallel, wirken die Damen König und Süstna und Herr Zarneckow mir. Den«inleitenden Vortrag hält Herr Dr. Karl Krebs— Im Theater Unter den Linden gelangt heule Nachmittag„Ter Bettelstudent" zur Aufführung, während abends Sullivan's„Mikado" gegeben wird. Die erste Ausführung der Aus- nallungsopsretts„Indigo und die 40 Räuber" ist aus Mittwoch verschoben wölbe», ba Herr Steiner noch»tchl genesen ist.— Im Theater des W e st e n« ist ver neue Wochenspielplan solgendermaßen festgesetzt: Heilte am Monlag, Dienstag. Mittwoch, Sonnabend und nächsten Sonntag wird ,D:e berühmi« Frau" mit Herrn Kadelburg als Gast wiederholl. Am Dimncrüag siiidel die Erstausführung der drel neuen Ginaller„Jephla's Tochter" von F.Ilr Cavalottl,„Im Trapplstenkloster" von Oslar Muminert und„Ein Weihnachl«- abend" von W. Krag stau, welche am Freitag zum erst«» Mal wteverholt werde». Morgen Nachmillag wird„Der Raub der Sabinerin»«»" zu halben Preisen gegeben, am nächsten Sonntag Nachmittag„Wilh«lm Tell". Am lammenden Sonnabend findet zum ersten Mal wieder eine Schüler- Vorstellung zu ennäbigten Preisen statt, wofür„Wilhelm Tell" angesetzt ist.— Im Lesstng- Theater wird Ludwig»anghoser's Schauspiel„Meerleuchlen" am Sonntag, Plontag und Mittwoch zur Aussührung gelangen. am Dienstag wird das Lustspiel„Sin Freund der Frauen" von Alepand«! Duma» tn den Spielplan wieder eingefügt, am Donnerstag und Sonnabend wird„Das Glück tn> Winkel" wiederholt und am Freilag Oscar«lumenlhal's Lustspiel„Der Probe- pseU" mit Louise Dumoni als Horleas- von Walnack zur Darstellung gebracht werden. AI« Nachmttiags-Vorftellung gelangt am heutigen Sonntag„D-r Fall Elemenceau", am nächsten Sonnlag„Der Proh«psetl" zur Ausführung.— Im Aleranderplatz-Dheater gehl heute Nachmittag 4 Uhr„Da« Märchen vom tapferen Schneiderlein" in Szene.— Im Belle-Älliauce-Theater bleibt„Trilby" auf dem Spielplan.— Im F r t e d r t ch W t l h e l m st ä d t i s ch e n Theater wlrd nachmittags 4 Uhr„Das Käthchen von Hetlbronn", abend» s Uhr„Der Trompeter von Sättingen" gegeben.— Im Ostend-Theater begrünt die Nachmittags-Vorstellung um s Uhr: zur Aussührung gelangt„Preclosa". AbendS 7% Uhr:„Berlin wie es weint und lacht. Soziale Mechlspftege. Rückforderung einer Lohnerhöhung. Ein nngewöhnlicher, Rechtsstreit gellingte am Soiinabend vor dem 8. Zivilsenat des K a in m e r g e r i ch l s zum Abschluß. Zur Zeit des Maaßschneider- Streiks im Jahre 1893»ahm der Schneider Kinder im Geschäft des Schneidermeisters Klessen eine bevorzugte Stellung ein, ähnlich der eines Werkmeisters. Er besuchte damals öfter die Versammlungen, die de» Streik einleitete», und veranlaßte auch einige seiner Kollegen, sich dort einzufinden. Nach Schluß einer Versammlung verabredeten die Gehilsen Kleffens, brieflich beim Meister eine Lohnerhöhung zu fordern. Kinder nahm theil an dein Gespräch, weigerte sich dann aber, die Forderung zu unterschreiben, während die andere» die Unterschrift leisteten. Sein« Weigerung begründele er daniit, daß er ja schon mehr bekäme, wie im Tarif gefordert , verde, und daß er schon mit Klesse» fertig, verden würde.— Klessen ivar über de» Brief sehr aufgebracht, sreule sich aber darüber, daß sei» erster Geselle, eben Kinder, nicht unterschrieben halte. Er sprach ihm„sür die Treue, die er dem Geschäft bewiesen habe", seinen Dank ans und bewilligte ihm aus freien Slncken eine Zulage von wöchentlich 5 M. Das sollte die Belohnung sei». Etwa z iv e i Jahre lang arbeitete Kinder darauf noch bei Klessen. Nach Lösimg des Arbeitsverhällnisies muß letzerer wohl erfahren haben, daß Kinder an dem Briefe vom Frühjahr 1833 nicht so ganz nnbelheiligt war, denn er forderte jetzt im Zivilstreit den Bortheil vo» Kinder zurück, den dieser innerhalb der zwei Jahre von jeuer Lohnerhöhung halte. Die Klage- forderung bezifferte sich auf 623,36 M. Der Kläger begründete sie damit, daß er vom Beklagten getäuscht worden sei, und daß er ohne dies« Täuschung den Loh» nicht erhöbt hätte. Das Landgericht wies ihn jedoch auf grund der Aussagen seiner Frau ab. In der Thntsache, daß der Beklagte die„Belohnung" hinnahm, ohne sich als Thcilnehmer an der Aussprach« der Geselle» bloßzustellen, konnte es kein schnldhaftes Verhallen entdecke». Das Kaminergericht erhob aus die Berufung des Klägers nochmal BeiveiS. Auch die Ehefrau Kleffen wurde wieder vernommen. Sie wich diesmal i» ihrer Aussage insofern von den früheren Angaben ab, als sie jetzt bekundete, der Beklagte habe sich am fraglichen Tage des Früh- jahrs 1893 ausdrücklich als ganz besonders unschuldig ihrem Manne gegenüber hingestellt. Der achte Zivil- senat des Kaminergerichts erkannte auf Abänderung der Vorentscheidung und Verurlheilung K i n d e r' s zur Zahlung der 623,36 Mark nebst Zinsen. Gründe: Es könne dem Beklagten zugegeben werde», daß er den Jrrthnm des Klägers nicht direkt veranlaßt habe. Aus jeden Fall sei aber aiizlliiehnien, daß er den Jrrlhum vorsätzlich nicht ausklärle.»m sich nicht zu schaden. Die absichtliche Verheimlichung von Thal- fachen stehe aber ihrer dolosen Verwendung gleich. Des- halb finde im vorliegenden Falle H 148 I, 4 des Allgemeinen Land- rechts Anwendung, welcher laute:„Hat der Erklärende(bei Willens- erklärnngen Red.) de» falschen Beweggrund aus Jrrthnm für richtig angenommen, so kann der, der diesen Jrrlhum vorsätzlich veranlaßt hat, daraus keinei» Vortheil ziehen." Gerichts""Seikung. Wie der Edelste und Beste die Autorität deS Gerichts achtet. Wegen Beleidigung eines Schallerdienst thuende» Postbeamten war gestern der Rittergutsbesitzer v. Z a k r z e w s k i vor das hiesige Schöffengericht geladen. Der Angeklagte hatte seinerzeit schon dein Ersuchen des betreffenden Postamtes, zur Begleichung der Angelegenheit daselbst zu erscheinen, keine Folge geleistet, er ließ auch die Vorladnug des Gerichts gänzlich unbeachtet. Da diese, dem Angeklagten vorschriftsmäßig behändigt worden war, so de- schloß der Gerichtshof, ihn znm nächste» Termin polizeilich vorführen zu lassen. Ein scharfer Wind weht zur Zeit bei derjenige» Behörde auf dem Alexanderplatz, welche die stttenpolizeilichen Ueverlretuuge» ab« zuurtheilen hat. Gewissen weiblichen Personen ist das Betreten der Friedrichstraße verboten. Werde» sie hier von dem Beamte» betroffen, so pflegt jetzt, wenn sie bereits mehrfach ähnliche Ueberlrelunge» begangen haben, außer auf eine Haflstrase ans Ueberführung nach dem Arbeitshause erkainil zu werde». Gegen die letztere strenge Maß- reget legen die Betroffenen stets Berufung ei» und so kommt es. daß derartige Sachen die achte Strafkammer des Landgerichts I i» überwiegender Menge beschäsligen. Bon den gestern ver- handelten Sachen warfen zwei ein bezeichnendes Licht ans die Berliner Eittenverhältniffe. Zwei jener Unglückliche» sollten dem Arbeitshause überiviesen iverben. Unter Strömen von Thränen baten sie die Richter, von der Ueberweisung Abstand zu»ehmen. Beide wurden vom Rechtsamvalt Dr. Schwindt ver« «yeibigt. Im evfteu Falle machte derselbe geltend, daß die 24jähiige Tlngeklagte ein nennjähriges ttind zn ernähren habe, nicht die erstere mürbe durch die Ueberweisung zu leiden haben, sondern das schuld- lose Kind. Im zweiten Falle war die Angeklagte eine lbjährige Person, die körperlich»och den Eindruck eines Kindes machte. Der Berlheidiger mies darauf hin, daß diese Angeklagte unrettbar verloren wäre, wenn sie im Arbeitshanse uniergebrachl würde, wo jeder Hauch von Besserung in ihr durch den Umgang mit de» älteren und erfahrenen Mitinsassen erstickt werden müsse. Andererseits sei aber Aussicht und bei der Angeklagten auch der Wille vorhanden, den betretene» Weg zu ver- lassen. Der Gerichtshof trat diesen Ausführungen bei und nahm von der Ueberweisung an das Arbeitshaus Abstand, den beiden Angeklaglen wurde aber eine ernste Verwarnung und ihnen in Aussicht gestellt, daß sie im Wiederholungssalle unrettbar dem Arbeitshanse verfallen würden. Ein Prcßprozeß seltener Art wurde vor einigen Tagen vom Schöffengericht II in Hamburg unter dem Vorsitz des Amts- richters Dr. Böninger verhandelt. Auf der Anklagebank erschienen nämlich Redakteure und Berichterstatter fast sämmtlicher Hamburger Zeitnugen, und zwar die Redakteure Benrath vom„Hamburgischen Korrespondenten", Kubitz von den„Haniburger Nachrichten". Stenzel vom„Hamburger Echo", Behrens vom„General-Anzeiger" und die Gerichisberichterstatter Gottlieb und Jaeobsohn. während der frühere Redakteur der„Hamburger Freien Presse", Jobst von Gundelach. der jetzt in Berlin wohnt, vom Erscheinen dispeusirt war. Die Anklage lautete auf Vergehen gegen Z 17 des Reichsgesetzes über die Presse, und zwar soll dieses Vergehen dadurch begangen sein, daß die genannten Zeitungen im März vorigen Jahres die Anklage- schrist ans den, dekannten großen Millionenerbschaftsschwindel« Prozeß Michelsohn und Genossen abgedruckt habe» sollen. Nach Verlesung der frühere» Anklageschrift und dem Vergleich derselbe» mit den Berichten der einzelnen Zeitungen hielt der Amtsanwalt die Angeklagte» für schuldig und beantragte gegen jeden der fünf Re- daktenre 10 M. Geldstrafe und gegen jeden der beiden Berichterstatter 12 M. Geldstrafe. Das Gericht erkannte jedoch bezüglich aller An- geklagt«» auf kostenlose Freisprechung, weil es der Ansicht war, daß Jjlr Feststellung des Thatbestandes des ß 17 des Preßgesetzes nicht genüge, wenn einzelne Sätze der Zeilungsberichie mit der Anklage- schrist übereinstimmten, sonder» dazu sei erforderlich, daß die ganze Anllageschrist oder doch größer« Theile derselben kopirt seien. Nbcruials ei» priigelnder Schutzmann vernrtheilt! Aus Slachen wird der„Franks. Zeitung" berichtet: Die hiesige Straf- kammer vernrtheilte den Schutzmann Oskar Finster, früher hier, jetzt in Braunschweig, wegen Beleidigung sowie wegen auf der Polizei- wache verübter Mißhandlung des Füsiliers Elasten vom hiesige» 40. Jnfanterie-Regiment zu 40 M. Geldstrafe eventuell acht Tagen Gefangniß. Die bisherige Unbescholtenheit allein bewahrte Finster vor einer Freiheitsstrafe. Er hatte den Clafsen beschimpft, weil Res«i' ihm Aufklärung geben wollte über einen Wortwechsel mehrerer Zivilisten. Als Classe» darauf verlangte, zur Wache geführt zu iverde», um dort die Sache aufzuklären, wurde er von Finster auf der Wache gestoßen und inS Genick geschlagen. I» der Buchdruckeret von Julius E i t t e n f e l d in Berlin haben am Sonnabend sämmtliche männliche Hilfsarbeiter, über 20 Mann, wegen plötzlicher Entlassung eines Kollegen die Arbeit eingestellt. Zuzug ist fernzuhalten. Die Kommission. Handluugsgchilfeu, Kaufleute, Handlnngsgchilfinnen! Morgen Montag, den 22. Februar, abends 9 Uhr, spricht in großer öffentlicher Versammlung im großen Festsaale von Martens, Friedrich st r. 236, der Reichstags-Abgeordnete Dr. Bruno Schoenlank über das aktuelle Thema:„Die Sozialdemokratie und die Handelspolitik." Nach dem Vortrag ist freie Diskussion. Kollege» und Kolleginnen! Erscheint alle und bringe ein jeder aus seinen Bekannten-, Freundes- und Geschäftskreisen Theilnehmer an dieser Versammlung mit. Der Vertrauensmann der Handlungsgehilsen Berlins. Hermann L e f s e r. Au die Stuckatcnre Berlins! Kann, ein Jahr ist verflösse», seitdem der in Gemeinschaft mit de» Unternehmer» aufgestellte Tarif für Berlin in kraft trat. Die kurze Zeit von 10 Monaten hat aber genügt, um die ganzen Errungenschaste» der Bewegung und somit den Tarif illusorisch zu machen. Die Schuld liegt an der Kollegenschaft selbst. Kaum waren ei» paar Monate verflossen, so opferten die Sluckateure Berlins ihre Hanplerrungenschast, de» obligatorischen Arbeits- Nachweis. und nachdem diese Hochburg gefallen war, war es den Unternehmern, die seinerzeit nur wegen der für uns günstigen Konjunktur ihre Unterschrist gaben, ein leichtes, Stück für Stück vom Tarif abzubröckeln. Das alles war möglich, weil die Kollegen de» Werth der Organi- sation außer acht gelassen hatten. Eine starke Organisation ist nicht nur im stände, Lohnkämpfe siegreich durchzuführen, sonder» sie allein vermag auch das Errungene zu behaupten. Von den zur Zeit der Be- wegungzurOrganisation gehörigen 700Mitglieder» sind jetztnurnoch300 organistrt, oder mit anderen Worten: von sämmtlichen in Berlin seßhasten Sluckateure» gehören kaum 2ö pCt. der Organisation an. Infolge dieses Judifferenlismus stehen Mängel, die bereits als ver- gessen gelten, heute wieder i» vollster Blüthe: Arbeit bei Koaks- körben, Lichtarbeit, Hinausschaffen der Sache», Rüstung bauen u. s. w. ist wieder Brauch, und zu welchen Preise» wird gearbeitet, Kollegen? Seid Ihr noch im stände, bei dem jetzigen Verdienst Eure E amilien so zu ernähren, wie es Eure Pflicht ist? Nein, hr könnt es nicht. So bedenkt denn auch. daß nur durch den lllnschluß aller an die Organisation die Verhältnisse wieder zu besser» sind. Laßt allen Zwist; nicht die Form oder Art. sondern die Organisation selbst macht uns stark, und darum appellire ich an Euer Solidaritätsgefühl: Schließt Euch Mann für Mann dem hier bestehenden Fachverein der Sluckateure an. Vereint sind wir alles, vereinzelt nichts. Hoch die Solidarität! Der Vertrauensmann der Etuckateure: Karl Daschütt, Char- lotteuburg, Schloßstr. 36. Aufruf! Der Verband Deutscher Schneider und Schneiderinnen(Filiale Berlin) beabsichtigt eine Bi- b l i o t h e t zu gründen. Alle Genossen und Vereine, welche Bücher zur Verfügung stellen wollen, werden gebeten, dieselben an A. Zander, Bureau der Schneider und Schneiderinnen, Alte Jakovstr. 33, zu senden. Aus Wunsch werden die Schriften aus der Wohnung abgeholt. Die Orlsverwaltnng. An die Arbeiter Teutschlands! Leider sind wir genöthigt, uns nochmals an Eure Solidarität zu wenden. Wenn Eure Kräfte von dem Hamburger Hafenarbeiter- Streik fast vollständig in An- sprach genommen waren, wenn ferner auch die Weißeuselser Schuhmacher der Unterstützung bedurften, so glauben wir, daß jetzt unsere Bitte um Unterstützung nicht mehr»»gehört verhallen wird, da jene beiden Streiks in der Hauptsache beendet sind, resp. solch großer Mittel wie früher nicht mehr bedürfen. Der Tianiaiitarbeiter- Streik in Hanau dauert jetzt schon zehn Wochen. Es sind 118 Verheirathete mit 257 Kindern und 74 ledige Arbeiter zn unterstützen. Der Streik kann sich noch einige Wochen hinziehen. Er müßte verloren gehen, wenn Ihr uns jetzt nicht unter die Arme greift. Dann würden wir eine Lohnreduktion bis zu 40pCt. über uns ergehen lassen müssen, obschou unser bisheriger Durchschnittslohn nur zirka 20 M. betrug. Die Niederlage würde aber auch unsere Organisation aus Jahre hinaus lahm legen. Die Unterstützung der streikenden Diamantarbeiler ist nun so gering ivie möglich bemessen. Ledige erhalten 6, Verheirathete 3 und für jedes Kind 1 M. Genossen, unterstützt uns, damit wir die bisherigen Opfer nicht vergebens gebracht haben. Ist der Kampf beendet, so werden wir auch Eurer nicht vergesse». Die Haltung der Streiken- den ist musterhast, Streikbrecher sind nicht zu verzeichnen. Gelder nimmt entgegen Otto Reinhard in Hanau, Erbsengasse 2. D e Streilkommijsto». /v Der„grobe Unfug", wesrvegen der Redakteur der „Deutschen Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitung" vom Bochnmer Schöffengericht zu 50 M. verurtheilt wurde, soll in einer Notiz des Fachblattes stecken, worin auf grnnd von Mit- theilungen der betr. Arbeiter gesagt war, die Wetterverhält- nisse auf der Zeche Prinz von Preußen seien wieder derart, daß jeden Tag eine Explosion der Gase zu befürchten stehe. Aus dieser Zeche sind im Jahre 1895 durch Wetlerexploflon 37 Berg- leute umS Leben gekommen. Die inkriminirte Notiz erschien am 23. November 1396. Das Bochnmer Schöffengericht kam zur Ver- nrtheilung auf grund des Zeugnisses des von der Staatsanwalt- schast geladenen Bergraths Althüser, der die Zeche zu inspiziren hat. Dieser gab die Erklärung ab, daß die Wetterführung gut sei. Die Frage des Vertheidigers, wie oft er die Zeche be- fahre, wollte Herr Althüser aber diesem nicht beantworten, weil sie nicht zur Sache gehöre, und das Gericht gab ihm recht. Die Beantwortung hätte das Gericht dem Herrn unseres Erachtens aber doch nicht ersparen sollen, da, wie die„Deutsche Berg- und Hüttenarbeiler-Zeitung" feststellt, in der Verhandlung nachgewiesen wurde,„daß auf„Prinz v. Preußen" ei» Wetterüberhauen, der zugleich auch als Fahrschacht diente, zu Bruche lag, so daß die Bergleute nicht durchkommen konnten; trat eine Katastrophe ein, dann waren die betreffende» Kameraden rettungslos verloren". Wenn weiter ein Zeuge, der seit 1896 aus der genannten Zeche arbeitet, die Erklärung ob- gab. er habe den Revierbeamten während dieser ganzen Zeit noch nicht gesehen, so war es gewiß nicht unwichtig, zu wissen. wie oft man die Zeche inspizirt hat, um mit absoluter Zuverlässigkeit sagen zu können, daß die Wetterführung gut sei. Dte Verhandlung war »och interessant durch folgende Aeußerung eines Zeugen:„Ich möchte den Gerichtshof bitten, dafür zu sorgen, daß ich nicht infolge meiner Aussage gemaßregelt werde." Danach fürchtet also der im Berg- bau beschäftigte Arbeiter die Entlassung, wenn er vor Gericht„nach bestem Wissen die reine Wahrheit sagt, nichts verschweigt und nichts hinzu- setzt." Diese Furcht vor Entlassung ist jedenfalls ein Umstand, der das Berhältniß zwischen Zechenverwaltungen und Bergleuten in äußerst trübem Lichte erscheinen läßt. Zum Schluß noch die Frage: Warum hat denn die Staats- anwaltschaft gegen den Redakteur nicht Strafantrag wegen Be- leidigung der Zechenverwaltung gestellt, wenn die Wetterführung auf Zeche Prinz von Preußen absolut gut ist? Warum begnügte sie sich mit einem Prozeß wegen grobe» Unfugs?-- Die polizeiliche Auflösuua der Vereine der Arbeiter der sächsischen und der preußischen Staatsbahn in Leipzig ist deshalb erfolgt, weil die Vorstände der gleichen Vereine von Dresden, Chemnitz und Halle mit den Leipzigern in einer am 31. Januar im Altdeutschen Hos in Leipzig abgehaltenen vertraulichen Besprechung zusammengekommen sind. I» dieser Besprechung wurde über den Anschluß der Vereine an den Hamburger Eisenbahn- arbeiter-Verband. beziehentlich über die Gründung eines besonderen mitteldeutschen Eisenbahnarbeiter- Verbandes verhandelt. Da diese Besprechung nicht polizeilich angemeldet war, so haben die Theil- »ehmer auch noch eine Anklage wegen Vergehens gegen das Vereins- gesetz zu erwarte». Zur Kenntniß der Behörde ist diese Besprechung dadurch gekommen, daß ei» Theilnehmer der„Saale-Zeitung" vor- witzigerweise Mittheilung gemacht und das„Leipziger Tageblatt" die betreffende Notiz sofort nachdruckte. Die Betdeiligten wollen egen die Polizeiverfügung die Entscheidung der Kreishanptmann- aft bez. des Ministeriums anrufen. Ter Ausstand der Zimmerlrnte auf dem Leipziger Ansftellungsplatze geht seinem Ende entgegen. Etwa 40 Mann sind»och ausständig. Eine Anzahl wird sicher als gemaßregelt auf der Strecke bleiben. In de» letzten Tagen hat sich die Polizei durch Arretiren der am Ausstellungsplatze aus- und ab- gehenden Ausständigen besonders bemerkbar gemacht. Auch ist von Thüringen her viel Zuzug zu verzeichne» gewesen, sodaß die noch 'Ausständigen dadurch besonders geschädigt sind. Es wirb daher um so nachdrücklicher um Vermeidung des Zuzuges von Zimmerern nach Leipzig gebeten. Ter Streik in der Porzellanfabrik in Triptis i. Th. ist nach 23wöchiger Dauer erfolglos beendet. Aus Kobnrg wird uns geschrieben: Am 11. Februar starb im hiesigen Krankenhanse der Tapezirer Felix Kosowski aus Berlin a» der Proletarierkrankheit. Er war 51 Jahre alt und wurde auf feiner Wanderschaft im November v. I. in das hiesige Krankenhaus nusgenonimen, um es nicht wieder zu verlassen. Die hiesigen Genossen suchten ihm seine letzten Stunden zu erleichtern. Am 14. Febniar fand die Beekoigung statt. Zirka 150 Genossen hatten sich eingefunden, um de» Verstorbenen zur Ruhe zu geleite». Der Arbeitergesangverein„Eintracht" halte es übernommen, ein Grablied zu singen. Den aus dem Friedhos anwesenden Philistern wollte es nicht in den Kopf, daß ein Handwerlsbursche so geehrt wurde. Aus England berichtet das Wolff'sche Bureau: Die Arbeiter auf den Schlfsswerfte» der Nord-Ost-Küste haben das Anerbieten der Unternehmer, Krone(2,50 M.) Zulage für die Woche angenommen. Hierdurch ist einem großen Ausstande vor- gebeugt worden._ Mnkevnehmev�VovbÄnde. Der Verein für die bergbaulichen Interesse» im Ober bergamtS-Bezirk Tortmund hat an die Vereinszechen ein Rund schreiben gerichtet, worin unter Beziehung aus die kürzlich in Bochum in der Delegirteuversammlung des Gewerkvereins christlicher Berg arbeiter erhobene Forderung einer 10- bis I5prozentigen Loh» erhövung und einer besseren Regulirung der Löhne darum ersucht wird, daß, sobald solche Forderunge» an die Zechen gestellt worden sind, diese sofort dem Bereiusvorstand zugesandt werden. Bevor der Vereinsvorstand sich nicht geäußert hat, solle» die Zechen die Ant wort aus die Forderungen der Arbeiter aussetzen. Die Vereinigungen der deutschen Tafelglas- Aabrikantc» haben die Preise erhöht, angeblich wegen Vertheueruug der Roh Materialien und der Kohle». Beim Verband sächsischer Tafel glaShütten soll der Preisaufschlag etwa 3 pCt. oder 5 Pf. pro Quadratmeter betrage».___ Vevmifrtzkes vom tZTufle. — In der Carsten- Zentrum-Grube bei B e u t h e n in Oberschlesien schlug infolge Unvorsichtigkeit eines Maschinen- wärters die Einfabrtschale, ans welcher sich 27 Mann befanden, so stark auf die Schichtsohle auf, daß 14 Mann mehr oder weniger schwer verletzt wurden.— — Schiffsu» glück. Aus Kiel wird uns geschrieben: Im großen Bell ist am 17. Februar ein großer englischer Fracht- dampfer, welcher unweit Korsör auf einen Lootsen wartete, von dem Fährdampfer der Fähre Korsör-Nyborg angerannt worden. Der Dampfer wurde schwer leck und mußte auf Grund gesetzt werden. Zur Zeit der Kollision herrschte ein schwerer Nebel. — Ein Sljähriger Mann ist in K ö l»- N i p p e s in seinem eigenen Bette erstickt. Er hatte sich im Bette eine kurze Pfeiffe an gezündet, durch die das Bett in Brand gerieth.— — In einem Dorfe bei C a m b u r g in Thüringen hatte kürz- lich ein Bauer sein Wohnhaus in Brand gesteckt, um seine Ehefrau, mit der er in beständigem Unfrieden lebte, bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Da dieser Plan sehlschlug, zeigte der Kerl nunmehr die Frau wegen Brandstiftung an. Aber auch dies blieb erfolglos; der saubere Patron sitzt jetzt hinter Schloß und Riegel.— — Vereinsmeierei. In dem niederbayerischen Ort Ortenburg, der 1000 Einwohner zählt, giebt es 18 Vereine; es komnit also auf 55 Einwohner, Weiblein und Kindlein mitgezählt, ein Verein. Ottenburg ist nebenbei bemerkt einer der wenigen, wenn nicht der einzige Ort der Provinz Niederbayern, der eine Mehrheit von protestantischen Einwohner» hat.— — In dem oberfränkischen Ort K ü p S soll es spuken, ähn- lich, wie vor Jahren in Resau. Einem 1s jahrigen Kuhmädel sollen allerlei Gegenstände, Messer. Zündhol, steine, Blechstürzen. nachfliegen. Bierfässer, volle Bottiche fangen zu wanken an, wenn sie daherkommt. Diesen himmelschreienden Unsinn hat der praktische Arzt von Küps bestätigt. DaS ist auch ein Kunststück, vielleicht das größte dieser Vierzehnjährigen.— � — Paris. Der Kriegsminister hat alle Offiziere und Militärbeamten autorisirt, ihre Ersindirngen in der Kriegskunst an die betreffende Abtheilung der Brüsseler Weltausstellung einzit« senden.... — Der nach der Teufelsinsel gebrachte ehemalige französische Hauptmann D r e q f u s soll schon zweimal einen Selbstmordversuch gemacht haben. Er lebt in dem Wahne, der Wein, den man ihm verabreicht, sei vergiftet.— Es wäre lein Wunder, iveun Dreyfus vollständig wahnsinnig würde. Er wird Tag und Nacht von Wärtern bewacht, darf aber kein Wort mit ihnen reden. Das ist die nackte Tortur!— — Iii Parts wurde jüngst ein fahrendes Künstler- paar verhaftet, das gute Einnahmen hatte. Der Mann sang, die Frau spielte Guitarre dazu, die Kupserstttcke kamen aus allen Fenstern geflogen. Wie erstaunten aber die Polizisten, als der Verhaftete aus dem Polizeiamt sich als ihr Amlsgenosse auswies.„Wir brauchen Geld, meine Frau singt und spielt gut, deshalb kleidete ich mich nach den Dienststiiiiden um und ging mit ihr auf Straßen und Höfen singen." Dem Künstler bekam die Sache schlecht, er wurde sofort abgesetzt.— — Frithjoff Nansen wird auch in Amerika eine Reihe von Vorlesungen hallen. Für jeden der vierzig Vorträge, die sein eng- lisches Programm umsaßt, bekommt er 2100 M.— — Ein Vorschlag. Die Abschaffung der Todesstrafe in den Vereiniglen Staaten beantragt ein amerikanischer Richter und bringt als Ersatz eine andere Strafe in Vorschlag. Er will, daß alle Mörder dazu verurtheilt werden, Zeit ihres Lebens für den Unterhalt derjenigen zu arbeilen, welcher der Erschlageue hinterlasse» hat.—_ Welicr Prognose für Sonntag, den 21. Februar l�S7. Ziemlich warm bei mäßigen südivestlichcii Winden und langsam zunehmender Bewölkung; keine oder unerhebliche Niederschläge. Berliner Wetterbureau. Briefkasten der Redaktion. 0,44. Die elektrische Bahn in der Gewerbe-Ausstellimg von 1873 wurde, wenn wir nicht irren, durch Akkumulatoren gespeist, hatte also keine» Leltungsstrang.„, Kruschinskh. Der„Vorwärts" hat in der Angelegenheit bereits Stel- lung genommen. Die Vertretung im Komitee würde eine eifrige Agitation für die Sache bedingen und die scheint uns nicht enipfehlenswerth; es mag vielmehr jeder nach freiem Ermessen abwägen, ob er einen Beitrag sür nöthig hält. Wir müssen deshalb Ihr Eingesandt ablehnen. F. 3. Die Petroleum Glühlichtlampe wird von der Meteor-Gesellschaft, Jerusalemerstr. 17, hergestellt. Tie«nsstenung der„Bausteine" des Vereins Berliner Künstler, Wilhelmstr. 32, ist Wochentags von 10-4 Uhr, Sonntags von 11-2 Uhr geöfsnet. ®. P. 9)1. Soweit ersichtlich liegt Anmeldepflicht nicht vor.- 24. Stets, aber nur seiner Frau, nicht dritten gegenüber.— G. S. 29, Nein.—». 73. Krankenkassen- Versicherungsp sticht liegt nicht vor.— Schmitt. Wenden Sie sich an die Mainzer„Vollsstimme", da in Erbrechts- fachen zu verschiedenartige Bestimmungen für die verschiedenen Theile Deutschlands bestehen. DM*» liadcn"MW f. Herrciigardcrobe, beste Lage, Eikhaus, zu verm. Holzmarktstr. 13. 33(i5b Schöne Vorderm. in. Ball. 336 M., kl. Hofw. v. 13 M. aufwärts, Pappel- Allee 129, nahe Schönhauser Allee. Ullige Wohnungen, herrliche Aussicht, vor» 2 Tr. Stube u. Küche, Waflerleitg. 65 Thlr., aKarl- grasendamm 10, Bahnh. Stralau- R uienoo»»» ou, W iv.uuu• ji. FrcundlTHofwohnungen von 12 bis 16 M. Swinemünderftr. 51/52. Strelitzerstr. 52 bill Wohnungen." MWtMßk8. nahe Oberbauiii, sind zum 1. April freundliche, billige Wohnungen von 2 und 1 Stube nebst Küche und Zu- behör, z. vermiethcn. Der Verwalter. yrdl.Schlafst. b. Ww.Meyer, Rüdcrs- dorserstraße 17, v. 4 Tr. 31335 Möbl. Schläfst, f. 1 od. 2 Hrn. 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Mamsells auf gute Capes verlangt Templtnerstr. 8—9. 3366b Bügle» werden verlangt im Arbeitonachwcis Restaurant Voigt, Fehrbcllinerstr. 34. Ebendaselbst jeden Sonntag V,10 Uhr Morgensprache._ 33696 Mamsells Futter. auf gute Kragen mit Grün, Kronenstr. 35. j3286b Malerlthrltng. Sohn achtbarer Eltem, wird verlangt. Zu erfragen bei Wörner. Kürassier- straße 10 a., pari._ 3278b* Korbmacher auf eckige Geschoßkörbe werden noch verlangt.— Theilarbeit: Arbettslohn pro Rumpf ohne Fächer 2,50 M.(wie in Hamburg). Tagesleistung eines Arbeiters nach einigen Tagen Ein- richtung: 2— 3 Rümpfe pro Tag. l32«6b Id.�n�lon skvo., Wilhelmstr. 123. Für sofort ein Goldarbeiter aus Neuarbeiten u. Reparaturen, der firm im Gravtren ist, nach außerhalb. Arbeitsnachweis der Deutschen Gold- u. Silberarbeiter, Zahlstelle Berlin, Holzmarltstr. 8. 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Neues. Marcelle. Nachm. 3 Uhr: Die Grille. Morgen: Marcelle. Unter den Linde«. Der Mikado. Nachm. 3 Uhr: Der Betlelstudent Morgen: Der Mikado. Ostend. Berlin wie es weint und lacht. Nachm. 3 Uhr: Prcciosa. Morgen: Berlin wie es weint und lacht. Westen. Tic berühmte Frau. Nachm. 3 Uhr: Der Raub der Sabinerinnen. Morgen: Die berühmte Frau. Residenz. Assvcies. Morgen: Dieselbe Borstellung. Dhalia. Frau Lieutenant. Nachm. 3 Uhr: Trilb». Morgen: Frau Lieutenant. Schiller. Die Joumalisten. Nachm. 3 Uhr: Des Meeres und der Liebe Wellen. Morgen: Eine Palastrevolution. Zentral. Ein fideler Abend. Nachm. 3 Uhr: Ein fideler Abend Morgen: Dieselbe Vorstellung. Volks. Bon Stufe zu Stuf�. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Friedrich- Wilhelmstädttsches Der Trompeter von Saklingcn. Nachm. 4 Uhr: Das Kiithchen von Heilbronn. Aiexauderplah. Eine pikante Eh«. Nachm. 4 Uhr: Das Märchen vom tapferen Schneidcrlein. Morgen: Eine pikante Ehe. Belle-AIliauce. Trilby. Nachm. 3 Uhr: Das Kiithchen von Heilbronn. Morgen: Trilby. s Parodie. Schloß Greifenstein oder Der Sammetschuh, nebst dem Vorspiel: Zulima, die Türkin. Morgen: Dieselbe Vorstellung. Passage-Panoptikum. Assentheater. Apollo. Spezialitäten. flpania Tauben-Strasse Ulaula, Wo. 48-49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöfinct von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 50 Pf. Wissenschastl. Theater abends 8 Uhr. AlriUIvlllitLehrter Stadtbahn- Hof. Täglich van Uhr abends ab fiv Pf. Im Theater-Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Epperi- mcnten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge. Delle-Allmnte-Theater Nolks-Vvrstellnnq unter Regie von JaHns TOrk. Sonntag, den 21. Februar, nachmittags 3 Uhr: Zum zweiten Male: Das Käthcheil mi Heilbronil. Von Heinrich von Kleist. Käthchcn: Wilhelina Wagner. Wetter v. Strahl: Heinrich Frey. Rheingraf v. Stein: Rich. Jürgas, Theobald: Wilh. Karfiol. Eintrittskarten st 60 Pf. sind in den belannten Zahlstellen zu haben. Sifnllvv-'Thestfov fWallner-Tiicuter). Sonntag, nachm. 3 Uhr: Deö Meeres und der Liebe Wellen. Abends 8 Uhr: Die Journalisten. Montag, abends 8 Uhr: Eine Palast revolutton. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). Nachmittags Ä Uhr, bei ermäßigten Preisen: Trilby. Drama in 5 Akten nach dem Roman des George Maurier von Georg Okonkowsky.— Abends 7'/2 Uhr: „Frau Lieutenant.« Vandcville in drei Akten von Paul Fcrrier uild Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirschel. Musik von G. Serpette und V. Roger. Morgen nnd folgende Tage:„Frau Lieutenant.« Ceittral-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. , Sonntag, den LI. Februar: I-linU TIiouius a. G. Nachm. 3 Uhr bei ermäßigten Preisen: Ein fldelcr Abend. Abends 7V| Uhr, zum 16. Male: An sideler Abend. Morgen und die folgenden Tage: Ein ildeler Abend. Znedrich WilhM. Theater. Sonntag, nachmittags 4 Uhr: Da» Käthchen von Hetlbronu, oder: Das heimliche Gericht. Roman- tischeS Ritterschauspiel in 5 Akten und 1 Vorspiel(11 Bildern) von Heinrich von Kleist.— Abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Der Trompeter von Säktingen. Romantisches Schauspiel mit Gesing in 3 Akten(7 Bildern) von E. Hildebrandt und Julius Keller Herr Opernsänger Richard Wagner als.Gast. BilletS sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestellgebtihr an der Theater- lasse zu haben. Außerdem tu: In- validendank, Unter den Linde» 24, bei Paul Roincick, Leipzigerstraße 6, und Julius Lengenseld, Martgrascnstr. 60. �Alexaildervlatz-Theattr. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zum letzten Male: Das Märchen vom tapferen Schneiderlcin. Zaubermärchen mit Gesang und Tanz in ö Akten von Eugen PrudcnS.— abends 8 Uhr und die folgenden Tage: Eine pikante Ehe. Berliner Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Eugen Pnidcns. BilletS sind ohne Borbestellgebühr schon 3 Tage vorher au der Theaterkasse zu haben. Vormittags 11—1 Uhr. Abends von 7 Uhr an. PäKsge- Panopticum. letzte Woche. AM TlMttt Heute drei V o r st e l l u» g e n um 5 und 7 Uhr. ApoUo-'klieÄer rum 12 Uhr mittags:-Mk llllßergeniöhnl. Mdtine zu Gunsten der Centenarseier KalseiWilbeimd.tZressen _ Kassenerössnung 11 Uhr. IM- Um T'/j Uhr abends: Auftreten dtrgrsammtenNmiftlkr des sensationellen Februar-Progiamms 18 Nummern 18. Kassenerössnung 6 Uhr. Castan's Panopticum. Pypäen ie kleinsten Die beiden indischen_ die kleinsten Menschen der Welt! Damen-Wettschtvimmen. Beriinei' Aquarium Unter d e n L, i n d e n«Sa (Eingang Schadowstr. 14.) Heute Sonntag Eintrittspreis MT 50 Pfg."mZ Eeichhaltigste Sammlung der Welt an.lebenden Seethieren, Reptilien etc. Ostend-Theater. Gr. Frankfurterstr.132. Dir. C. Weist. Heute Nachmittag 3 Uhr zu halben Preisen: Prcciosa. Schauspiel mit Gesang in 4 Akten. Musik von Carl Maria v. Weber.— Abends 7�/, Uhr: Berlin, wie es weint und lacht. Montag und folgende Tage: Die- selbe Vorstellung. Anfang 8 Uhr. Volks- Theater! 31 Neichenbergerstr. Iii, Pferdebahnstation Kottbuser Thor.| LW- Jeden Abend 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.-Tpß M 6tife zu Stuft. Berliner Possen-Theater IHUnzstrassc 17. (Eingang Königsgraben.) Direktion: Joseph Aschiuger und Leonhardy Haskcl. /zl« Uhr: Aovititt! J. Vorher: Gr. Spczialitäten-Theil. Bernhard Wilhelmy. Leö Salles. Max Aschinger u. s. w Ansang der Vorstellung 7 Uhr. Kassenerössnung Vz6 Uhr Entree 50 Ps Allabendlich STovitUt! I) Alcazar TarICtd-Thcatcr I. Randes, Drcsdeucrstr. 52/53(City-Passage) Annenstr. 42,43. Art. Leiter: Kapellm. Martin Stein. Nelie Mnstltr. Nächtliches Abenteuer. Anfang: Sonnt. 6 Uhr, Wocheut. 8 Uhr Freikarten in der Woche giltig. Entree 30 Pf. Die Direktion. üimpu-llazkiilal Parodie-Theater Orauicustr. 52. Sonntag, den 21./2.: Zum 5. Male: Schloss Grcircnstcin oder „Der Sammetfchu h" nebst den: Vorspiel„Z u l i m a, die Türkin". Histor. romant. Ritterschauspiel von Charlotte Birch-Pseiffer. Graf v. Greisenstein: Joh. Lumpe. Ans.: Woche8Uhr. Sonntags 7V-Uhr. —amamsmummmmmm Circus Renz Karlstrasse. (Jubiläums- Saison 18»«/07.) Sonntag, den 21. Februar: 3 große Vorsttitullgen 3 Nachmittags 4 Uhr:(Ermastigte Preise u. 1 Kind unter 1(1 Jahren frei.) Lustige Blätter. türasses clektr. Ballet. Abends 7l/z Uhr: Auffühnmg der Novität."TWL Durchschlagender Erfolg. Ans der Mappe eines Rieseugtliirgg-Phlültasten. Eiiicroinantisch-phantastischeHandlung von Direktor Eraaz Renz und dem grobherzogl. hessischen Hof-Ballet- meister Aug. Siems. Außerdem die hervorragendsten Nummern des Repertotrs. Montag, den 22. Februar 1897, abends 7>/z Uhr: AuS der Mappe eines Ricscngebirgs-Phantastc». Konzerthaus Sanssouci, Kottbnser Strasse 4a. Heute, sowie jeden Donnerstag und Sonntag: (MeHsel, Pietro. Britto», Steidl, Krone, Röhl und Schräder). STenes Programm. Ansang 7 Uhr. Entree 50 Pf. Die nächste Ausführung von Finke'S Schelme u streiche findet morgen(Montag) in der Biktoria-Brauerei statt. Morgen Montag: Biktoria-Brauerei. Ans. 8 Uhr. Vorverkaufbillets giltjg. Dienstag: Böhmisches Brauhaus. Mittwoch: Moabiter Stadttheater. mcuz ''Busch Bahnhof BUrse. Sonntag, de» 21. Februar: 2 gr. Vorftklliingtil 2 Nachmittags 4 Uhr: (1 Kind unter 10 Jahren frei): Zscheus, has WMMchtil. Schwimmend« Elefanten, schwimiiieude Pferde mit Reitern. Abends 7>/z Uhr: Nach Sibirien. Außerdem in beiden Vor- stellungen die besten Freiheits- und Schulpferde, die hervorragendsten Reit- lünftlerimten u. Zkeitkünstler. Speziali- täten l. Ranges. Vorzügl. Klowns. Morgen: Nach Sibirien._ Bereiuszimmer einige Tage frei Alte Jakobstr. 68. Rsllsinooll'z Vsriöte. Königstraße— Kolonnaden. Neue Debüts! Nene Debüts! Der wiedergefundene Tom Rellins! Der beste Klow» vom Zirkus Renz, genannt„Der du mme August", als Zauber- parodist. ZHA- Brothers Atlcssy, Haudkrastakrobalen. Eilinn Hajo, Kostüm- soubrette. Pattl. Bluek nnd IVhlte. Helene nnd Emllllon, Oeschwistcr 1» Elvert, Geschwister Corellv. Ber dicke Edi Blum und 25 Elite-Nummern. Anfang präzise 7V2 Uhr. Burg- straste 22. Winkler A. ErObel. Fee«-Palast, Direktion Winkler J äÜr Präzise 9 Uhr__ Die mit jubelndem Beifall auf- genommene SensationS-Posse Eine tolle Macht. Hauptrollen: Rich. Winkler n Wilhelm Fröbel. Dazu das einzig allein dastehende unübertreffliche Jebruar-programm. Kunst- Spezialitaten ersten Ranges. Ansang 7>/, Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,90 M. Welt- Restaurant Vari�ttS- nnd SpezlalitUten- Theater. Dresdenerstrafte 97. Novität! Novität! Novität! Das tailztnht Berlin. Im vorderen Saal täglich: Kiinstler-Erei-Konzert. Anfang: Wochent. 7l/j Uhr. 1 Sonntags 6 Uhr.| Entree: Wochentags 20 Pf. Sonntags 30 Pf. Neue freie Volksbühnen Sonntag, den 28. Februar, nachmittags 2>/z Uhr, iin ltiellrioh-MIhelmställtisohen Theater, khaussttstr. 27-29: Einmalige AufTührnng von Maria Magdalene mi Fr. Hebbel. Bürgerliches Trauerspiel in 3 Aufzügen. Die Verloosung der Pläve beginnt Ihz Uhr. Die Mitglieder werden ersucht, recht pünktlich zu erscheinen, indem die Verloosung 10 Minuten vor Beginn der Vorstellung geschlossen wird. Zahlstellen siehe Säulenanschlag am Mittwoch. slöO/Oj Der Borstand. Konzerthaus Sanssouci, Kottbnser Strasse 4a. Sonnabend den 27. Febrnar 1807 Grosser Wiener Maskenball, der Zivil-Berufsmusiker 71/12 arrangirt vom Verband der deutschen Gold- und Silber-Arbeiter. Die Vallmusik wird von einer starken Kapelle ausgeführt. vnosse Uebeppaschungen, Ansang 9 Uhr. Um 1 Uhr Kaffeepause. BilletS ä»0 Pf. sind beim Vorstand, sowie bei folgenden Komitee- Mitgliedern zu haben: Fiernkranz, Marknsstr. 61; Holtkamp, Prinzessinnen- straße 4: Becker, Dresdenerstr. 18; Lohse, Wasserthorstr. 62; Weinstötter, Chorinerstr. 33, und Fei fiel, Waldemarstr 19 bei Krause._ A d r e lh n II n g mit Streik der Ztriiialpost-AiigefteUteii. Einnahme. Vom Verband aller im Hand- u. Transp-Gewerbe beschäst. Hilfsarbeiter Berlins... Von den Berufs- Vereine» Deutschlands...... Von den Gewerkfch. Berlins: a) durch Millarg.. 356,— b) Vertrauensmann der Maler... 30,— c) Freie Vereinigung der Bauarbeiter. 10,— Auf Sammellisten gingen ein Gesanimt-Einnahme.. JC, 2000 421 395 790 10 37 An Streikunterstützung vom 13 Juni bis 5. Sept.. Unkosten f. Bureaulontr. und Vertretungen.. Fahrgeldern..... Reserenten..... Drucksachen und Inserate Porto....... Persönliche Ausgaben. Diverse Ausgaben(ärztl. Attest)....... 3606,471 Bilanz: Einnahme Ausgabe Gesammt-Ausgabe 3606,47 M. 3448,31„ * 3176 135 9 8 69 28 15 3448 31 Ueberschuß.. 158,16 M. Obige Abrechnung geprüft und für richtig befunden. Berlin, den 17. Februar 1897. Die Revisoren: Ernst Lehmann. Wilhelm Bachmänn. Berthold Streitner._ 67/2 Franz BreSka. Concordia Variete-Theater Brnnnenstr. 154. Täglich: Grosse Theater- und Spezialitäten- Vorstellnnj�. Das beste Programm d. Nordens. Neu! Troupe Richardt(IHerr, 1 Dame, 1 Kind) Akrobaten. Neu! Kathi Richter, Tyrolienne. Neu Long and little Adolfi, Tanzduettisten. Neu! 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Bezirks- Versammlung. Tagesordnung: l. Die Zukunft der Gewerkschastsbetvegnng. Res.: Graveur Schaal. 2. Freie Aussprache. 3. Verschiedenes. Der Vorstand. Alixemeiner Arbeiter- u Arbeiterinnen- Verein Berlins und I/mg;. Montag, 22. gebr., abends 8'/, Uhr, im Engl. Garten, AIerandcrstr.'27c: Mitglieder-Vtrsaliniiluiig. Tages-Ordnung: l. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Ver- einssachen. ES ist Pflicht, daß jedes Mitglied in dieser Versammlung erscheint. 13/5 Ter Vorstand. Hiermit erfüllen wir die traurige Pflicht, allen Bekannten und Freunde» den Tod unseres SangesbrnderS Paul Schröder anzuzeigen. Derselbe ist als treuer Kampfgenosse der Arbeitersache dem Kampf ums Dasein erlegen. Die Be-, erdignng findet am Sonntag, den 21. d. Mts., nachmittags 3 Uhr, vom Leichcnschauhause nach dem Friedhof der Freireligiösen Gemeinde in der Pappel-Allee statt. 3319b Männer-Gesangvcrein Hilaritas. Verein der Töpfer Berlins und Umgegend. Den Kollegen zur Nachricht, daß unser Mitglied 190/4 Sari Boosmann (Charlottenburg) verstorben ist. Die Bcerdignng findet am Dienstag, den 23. Februar, nachm. 31/2 Uhr, statt. Ehre seinem Andenken! Der Vorstand. KB. Die Kollegen werden ersucht, sich recht zahlreich an der Beerdigung zu betheiligcn. Treffpunkt 2'/, Uhr, bei Kolba, Grtinslr. 12. Todes-Anzeir-e! Allen Freunden und Venvaudten die traurige Nachricht, daß mein lieber Mann, unser Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Bauarbeiter Paul Schröder am 17. d. Mts. gestorben ist. Die Beerdigung findet heute, Sonn- tag, nachm. 3 Uhr, vom«chauhause, Hannoverschcstr. 6, nach dem frei- religiösen Friedhose statt. 333Zb Die trauernde Wittwe Pauli ne Schr öder. N tl ch r U f. Den Mitgliedern des Verbandes der Bauarbeiter die traurige Nach- richt, daß das Mitglied Paul Schröder am 17. d. Mts. verstorben ist. Die Beerdigung findet Sonntag Nachm. 3 Uhr vom Leichen- Tchauhauie aus nach den: freireligiösen Friedho>e, Pappel-Allee, statt. 32/11 Ehre seinein Andenken! Rie Ortsverwaltung. Jeugen gesucht, welche am 6. November, abds. zwischen 7—8 Uhr, deil Zusammenstoß zwischen einem Dreirad nnd einen: Maurer- Handwagen auf der Kurfürstenbrücke angesehen haben. Regel- Droschlen- kntscher, Neu-Weißensee, Charlotte»- burgerstr. 59._ 33166 Cool(220 Personen) steht noch iJdtR einige Tage in der Woche für Vereine u. Gesellschaften frei. Eerd. Ewald, Schönletustr.b TlMMMg. Anzüge und Paletots nach Maß Ton:po< rowski, Schneidernistr., Jlldenstr. 37, l. Etage. Allzüge von 27 bis 35 /.vi. nur gegen baar. 877L> Wasch- und Plätt- Anstalt, seit 9 Jahren bestehend, ist krankheitshalber zu verkaufen Kurzestr. 9. 33646 Fahrräder S.S"K: Theilzahlung gestattet. 33.,:, 6 Griinkrain-, Holz- n Kvaleu- geschäft in. Fuhnverk n. fester Kund- schast w. anderer Unternehmung sof. bill. z. verkausen. Alexandniienstr. 3». 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I» Wirklichkeit ist es freilich weniger der Aersicherungszwang, den man de» Webern an stelle der Fabrikanten aufgelegt hat, der die große Abneigung hervorgerufen. Ei» Theil der Hansweber verdient fast regelmäßig nur ganz wenig über>/» des zu Bersichernngszivccken amtlich festgesetzten ortsüblichen Tagelohns und gar nicht wenig Handweber verdienen dieses Drittel noch nicht regelmäßig, ohne daß sie sich dabei körper- lich in einein Zustande befinde», der sie nach dem Jnvaliditäts- und Altersversichernngsgesetz als erwerbsunfähig erscheinen ließe. Gau; besonders laut und zahlreich sind die Klagen darüber, daß auch die Frauen der Hauswebcr, ivelche sich in der Zeit, die ihnen die häusliche Arbeit übrig läßt, mit Weben und Garnspulen beschäftigen, ebenfalls der Klebepsiicht unterworfen werden. Ein großer Theil dieser Webersrauen verdient nach Abzug der vom Stücklohn abgehenden Nebenausgnbe» für Schußspule», Schlichte und Talg, Andrehen und Ablieser» sehr oft im Durchschnitt pro Woche nicht 1,80 M., also nicht das Drittel des ortsüblichen Tage- lohnes, wie er hier für weibliche Arbeiter festgesetzt ist. Viele Hausweber befinde» sich sehr in einer argen Zwickmühle, die Leute haben nicht geglaubt, daß sie bei ihrem geringen Ver- dienste thalsächlich dem Klebezwauge unterworfen werden könnte». »ud deshalb für sich und noch häusiger jür ihre Familie das Klebe» unterlasse». Jetzt sollen sie»n» auf einmal dies nachholen, also 18 bis 19 M. auf einem Brett für Klebemarke» hingeben, und wo beide Eheleute geivebl»ud nicht geklebt haben, gar das Doppelte, widrige»- falls ihnen die Pfändung bevorsteht. Eher würde man in jeder beliebigen Schlammpsütze Gold und Edelsteine finde» können, als bei unsern Eulengebirgsivebern so hohe Summen. Durchaus unzutreffend wäre es, iven» man annähme, daß die Kleberei ans purer Widersetzlichkeit unterblieben, es liege» da viel- mehr durchweg andere Umstände zu gründe. Das Hemd liegt nicht blos anderen Leuten näher, wie der Rock, sondern auch unsern Weber», wenn man ihnen auch noch so oft befiehlt, Marken zu kleben, so wird dies bei vielen doch nutzlos sei», da Roth kein Gebot kennt. Di« Trinkgelder, ivelche die Weber als Löhne bekommen, langen eben iveder hluteu»och vor». und der Magen fordert in erster Linie Befriedigung und selbst sür diesen ungestümen Mahner langt es keinesivegs immer zu. Man hätte nicht den Webern, sondern den Fabrikanten die 51 l e b e p s l i ch t auflegen sollen, und die Beiträge für die Arbeiter müßte überhaupt die Reichskasse leiste», wie es die sozialdemokratischen Abgeordnelen bei Schaffung des Gesetzes auch forderten. Für die kolossalen Summen, welche die tsirbeiterklasse Jahr aus Jahr ein in Fori» von Zöllen und in- direkten Steuern für die»olhivendigsten Lebensinittel in die Reichs- lasse schaffen muß, könnte dieselbe sehr wohl diese Gegenleistung übernehmen und das Deutsche Reich würde schwerlich aus den Fuge» gehen, wenn wenigstens für die Aermsle» der Armen, die Haus- iveber, diese Zahlung aus der Reichskasse erfolgte. Die koinplizirte Fassung des Alters- und Jnvaliditätsversicherungs- Gesetzes macht dasselbe aber auch de» meisten Arbeitern unverständ- lich und das ist ein Grund mehr, warum bei den Weberfrauc» das Kleben uiiterblieben ist. Die Versicherungsbehürde trägt auch ein gut Theil schttld daran, daß über die Versichernngspflicht der tausiveberfrauen bei den Webern keine genügende Klarheit herrscht. eitdem das Gesetz auf die Hansiveberei und Spnlerei aus- gedehnt ist. sind eine ganze Anzahl Entscheide von der Versicherungsanstalt sür Schlesien ergangen, in denen die Ansprüche solcher Frauen auf Rente kurzerhand abgelehnt und dies damit begründet wurde, daß die Frauen nur Hilfsarbeiterinne» des Mannes seien und daß zivischen Mann und Frau ein versicherungspflichtiges Berhältniß überhaupt nicht bestehen könne, weil das dem Wesen der Ehe widerspreche. Diese Begrün- dung wurde gebraucht, wenn die Antrag stellenden Frauen ihre Arbeit nicht auf ihre» Namen von de», Fabrikanten geholt hatten, sondern auf de» ihres Mannes, oder wenn der Man» gar ein bischen auf eigene Rechnung gewebert und die Frau ihn, geholfen. Dadurch ist aber in den Weberkreisen vielfach die Meinung ent- standen, die Frauen könnten überhaupt keine Rente bekommen und seien deshalb auch nicht versicherungspflichtig. Vor ei» paar Jahren hat außerdem ei» Kontrollbeamter im Reichenbacher Kreise erklärt, daß die Frauen der Hausweber überhaupt nicht versicherungspflichtig seien; dasselbe that ei» Amtsvorsteher. Unter solchen Umständen ist es den Webern doch nicht zu ver- denken, wenn sie für ihre Frauen nicht klebe»; sie betrachte» dieselben eben nur als ihre Gehilfinnen, da sie ihnen das Schußgarn oft spule» müsse», während andererseits der Mann, um nur liesern zu können. oft die Kette der Frau abarbeiten muß. Eine außeroldentlich drückende Last bedeutet es aber für die Weber und noch mehr für deren Frauen, daß die Fabrikanten ihre» Tyeilbeitrag nur pro Ketten leisten, meist dann nur 10 Pf. zahlen, oft genug auch garnichts. Der Weber und die Weberin bekomme» also nur so viel 10 Pfennige, als Ketten im Jahre geliefert worden und da giebt es Arbeitsnachweise, wo Frauen, ohne eigentlich krank gewesen zu sein, in einem Jahre nur tt Kelten geliefert haben, also von ihrem Fabrikanten nur 60 Pf. Beitrag erhalten hatten, während sie 52 Marken a 14 Pf. im Jahre zu kleben, also 7,28 M. auszugeben habe». Aehnlich, wenn auch nicht ganz so schliun», liegt es fast durchweg in der Handweberei. Die Einrichtung, daß die Fabrikanten anstatt pro Woche nur pro Kette ihre Beitragspflicht gegen die Weber ersülle», während dieser allwöchentlich klebe» soll, ist einfach auf die Dauer unhaltbar, »e involvirt eine schwere Benachlheilignug der Hausweber, eine weit über deren Können hiimusgehende Belastung. Wir wollen nicht unerwähnt lasse», daß behördlich die Frist AUttl Nnchklebeu der Marken ein oder ein paar mal ausgedehnt wurde. Wer schließlich nicht klebt, soll gepfändet werden. Daun n'ürde es eine M a s f« n p f ä n d» n g»nd was für eine, geben. Es dürfte nur ganz vereinzeUe Weberfamilien gebe», die etwas Pfändbares besitzen. Eine solche Massenpfändnng bei den Aermste» der Armen wäre doch eine eigenartige Frucht unserer vielgepriesene» Sozialrefori». Wird man es an entscheidender Stelle wirklich darauf ankomme» lassen?. Sehr leicht ließe es sich machen, daß die Klebepflicht von den Webern genomine» und auf die Fabri- kanten übertrage» würde. Das entspräche auch nur den Grundgedanken des Gesetzes, welches doch allgemein die Pflicht des Markenklebens dem Arbeitgeber auferlegt, es ist einfach eine durch nichts berechtigte Abnormität, daß es gerade bei der Hausweberei anders sei» soll. Die Fabrikanten kau» es doch gewiß nicht um- bringen, wenn sie allwöchentlich für ihre Hausweber und Spuler 7 Ps. mehr ausgebe» müssen, deretwegen brauchen sie noch lange nicht unter geflickten Strohdächer» zu wohne». 5tomn>en die Massen- Pfändungen wirklich, dann wird die Sozialdemokratie es nicht sein, ivelche de» Schaden davon hat. Die fchweizerifche VnttdeslmnK. Zürich, 17. Februar 1897. Am 28, Febr„ar hat das Schweizervolk über die Errichtung einer Bundesbank abzustimmeli und damit eine Frage zu entscheiden, die bereits seit 30 Jahren zur öffentlichen Diskussion steht. Seit des„Nmirls" 1836, also seit 60 Jahren, werden von privaten Banken Noten aus- gegeben, und 1865 ist von einem Dr. Rüttimann in Zürich die Anregung beim Ständerath gemacht worden zur Regelung des schweizerische» Notenwesens durch de» Bund. Die Anregung hatte keine» Erjolg, allein 5 Jahre später drohte unter dem Einfluß des ausgebrochene» deutsch-französische» Krieges eine schwere finanzielle und wirthschast- kiche Katastrophe über die Schweiz zu komme». Der Geldumlauf war fast gänzlich ins Stocken gerathen, weil die Emissions- danken die rückströmenden Noten einzogen und von Stund an jede» Diskonto oder anderweitigen Kredit verweigerten und sich als völlig unfähig erwiesen, mangelndes Geld von außen zu beziehen. Die drohende Katastrophe konnte nur durch das Eingreifen des Bundes und der Kantone— also des Staates— abgewendet werde», welche die Ausgabe von Kredit- scheine» nnd den Bezug von englischem Gold orgauisirten und so nach mehreren Wochen die Spannung loste». Nach diesem kläglichen Fiasko der privaten Banknotenwirthschaft bei dem ersten kritischen Augenblick wäre unzweifelhaft schon damals die Frage zur Entscheidung, d. h. zur Lösung durch Einführung der Staatsbank, die nun erst heule proponirt wird, reif gewesen. Es wurden auch in der That in de» siebziger Jahren die Versuche hierzu gemacht und im Jahre 1330 dem Volke die Frage der Verfassnngs- revision zur Einführung des staatlichen Bauknotenmonopols zur Ülb- stinnunng vorgelegt, jedoch mit 260 126 gegen 121 099 Stimmen ab- gelehnt. Ein Jahr darauf wurde daS Banknotengescy geschaffen, welches heute»och besteht und den Emissionsbanle» vorschreibt, daß 40 pCt. der särniullichen umlaufende» Banknoten durch einen Vorrath an Baarschafl in den Bankkassen gedeckt sein solle» und sür 60 pCt. Wechsel und Werthschriften vorhanden sein müssen, oder statt dessen die Erklärung eines Kantons, daß er Garantie leiste. Diese schützende» Bestimmungen haben aber nicht sehr viel genützt. Einer der Hauptgegner der proponirten Bundesbank, der Präsident des Schweizerischen Handels- und Jndnstrievereins, Nationalrath Cramer-Frey in Zürich, mußte einige Jahre später selbst konstatiren, daß am 31. Dezember 1886 33 Banken zusammen nur 20 Millionen wirklich verfügbare Baarschaft gehabt haben, denen aber kurzfällige Verbindlichkeiten von 230' Millionen sowie Sparkasseuverbindlichkeiten von 130 Millionen gegenüberstanden, so daß die verfügbare Baarschaft 6 pCt. belrng.„Es gäbe Banken", sagte Cramer-Fretz,„welche mehrere Millionen kurzfälliger Verbind- lichkeilen hätten und dafür keine hllnderttausend Franks baar ver- fügbar in ihrer Kasse besitzen." Unter diesen Umständen wurde die Nothwendigkeit der Er- richtung einer Bundesbank immer dringender, so daß 1891 das Volk abermals zur Entscheidung über die Frage angernfe» werden mußte; diesmal sprach es sich mit 231 578 gegen 1S8 613 Stimmen dafür aus. Der betreffende Verfassungsartikel giebt dein Bunde das Recht zur Ausgabe von Banknoten und andere» gleichwerthige» Geld- zeichen. Leider bestimmt der Artikel nicht, daß der Bund eine reine Staatsbank errichten müsse, sondern daß er eine solche oder, vor- behalllich des siiückkanfsrechts, eine zentrale Aktienbank mit der Aus- gäbe von Banknoten betrauen könne. Diese Fassung war das Produkt eines Konipromisses zwischen den Freunden der reinen Staatsbank und denen der Aktien- oder gemischieu Bank; bei Aus- arbeituug des vorliegenden Bankgesetzes stellte sich aber der Chef des eidgenössischen Finanzdepartements, der ehrliche und volts- thttniliche Bundesrath Hauser, auf den Standpunkt der reinen Staatsbank, wofür sich auch die Mehrheit im Bundesrathe und in der Bundesversammlung erklärte. Als Hauptaufgabe der als reine Staatsbank vorgeschlagenen Bundesbank bestimmt das zur Volksabstimmung gelangende Bank- Gesetz die Regelung des Geldumlaufs des Landes, die Erleichterung des Zahlungsverkehrs nnd die nnentgelt- liche Besorgung des Kassenverkehrs des Bundes. Ihren Haupt- sitz hat die Bundesbank in Bern und sie kann in allen Orten des Landes Zweiganstalten errichten, dabei aber die bestehen- den Kantoualbanken(staatliche oder gemischte) berücksichtigen. Das Grundkapital der Bundesbank, eingetheilt in Antheilscheine von 10 000 Fr., beträgt 25 Millionen und kann durch Beschluß der Bundesversammlung auf 50 Millionen erhöht werden. Zwei Fünf- theile des Grundkapitals werden den Kantonen zur Betheilignng reservirt, drei Fnnftheile übvtpimmt der Bund. Der Geschäfts- kreis der Bundesbank ist auf denjenigen einer reinen Noten-, Giro- nnd Diskontobank beschränkt. Die Banknoten werden ausgegeben in Abschnitten von 5V, 100, 500 und 1000 Fr. Der ganze Gegenwerth der in Uinlaus befindlichen Noten soll in gesetz- licher Baarschaft in der Kasse oder in Gold in Barre», zum Markt- wcrlhe gerechnet, oder in fremden Goldmünzen, in schweizerischen Diskontowechseln und Wechseln auf das Ausland vorhanden sei»; die Metallrcserve muß zum mindesten ein Drittel der in Umlauf be- findlichcn Noten betragen. Die Rechnungen der Bundesbank unter- liegen der Genehmigung der Bundesversammlung. Vom Reingewinn fallen vorab 25 pCt. in den Reservefonds, dann wird das Grund- kapital mit ll'/e pCt. verzinst und der Rest fällt den Kantonen zu nach Maßgabe ihrer Wohnbevölkerung. Für Aufsicht nnd Kontrolle werde» ei» Bundesrath und die Lokalkomitees, für die Leitung das Direktorium und die Lokaldirektionen bestellt. 10 Mitglieder des Bankrathes wählen die 25 Kantone in einer Dclcgirten-Konferenz, wobei jeder Kauton durch 1 Delegirlen vertreten ist, und 15 Mit- glieder ivählt der Bundesrath, und zwar auf eine Amtsdauer von vier Jahre». Bei allen diesen Wahlen sind die wichtigsten Handels- plätze der Schweiz, sowie die kaufmännische» und industriellen Kreise zu berücksichtigen. Die Lokalkomitees wählt der Bankrath, die Direktionsmitglieder der Bundesrath. Tantivmen erhalten iveder die Mitglieder des Bankrathes noch des Direktoriums oder der übrige» Behörde». Die allgemeine Aussicht führt die Bundesversammlung. Vom Tage der Eröffnung der Bundesbank an haben die Emissions- danken innerhalb 2>/s Jahren ihre emittirten Note» nach Bern zur Vernichtung abzuliefern. Gegen dieses Bankgesetz haben die Bankiers in Gens, Lausanne, Zürich und ihre Afsiliirten i» allen Theilen der Schweiz das Reserendunisbegehre» gestellt und im Oktober 1896 72000 Unter- schriftc» beim Bundesrath eingereicht, während nur 30 000 noth- wendig sind. Der Ausschluß des Privatkapitals vom Gewinn und Einfluß auf die Bundesbank hat die Großkapitalistcn, Spekulante», Börsenjobber zc. im höchsten Grade empört und darum soll die Bundesbank bachab geschickt werden. Es wird allerdings gesagt, daß es ihnen nur»in den rein sachlichen Einfluß ans die Gestaltung der Zentralbank nnd nicht nm den Gewinn zu thun wäre; betrachtet man aber die Leute, welche dies Bekennlniß ab- legen nnd zieht man in betracht, daß seit 1871 an den Banknoten rund 34 Millionen verdient wurden, welche zum großen Theile de» privaten Banken zufiele», so kann man zu dieser Versicherung nur lachen. Unterstützt werden diese Großkapitalisten nnd nächst Jnteressirteu vom größten Theil der Freisinnigen der welschen Schweiz und der Ultramontancn, sowie von der plutokralische» konservative» Partei. Ein kleiner Theil der welschen Freisinnige», sowie die gesammtcn Freisinnigen der deutschen Schweiz, ferner ein kleinerer Theil der Ultramontanen und endlich einheitlich i» Ost und West, Süd und Nord stehen die Sozialdemokraten dafür ein. Sie fordern die eidgenössische Staatsbank bereits seit dreißig Jahren nnd haben sie auch in ihrem Progranim als Postulat aufgestellt. Der geschäftsleitende Ausschuß der schweizerischen sozial- demokratischen Partei, dessen Präsident Genosse Paul Brandt in St. Gallen ist, fordert in einem Aufrufe die Genosse» auf, für das Gesetz zu stimmen und auch die Gleichgiltigen aufzurütteln und die Unentschiedenen aufzuklären. Der Ausruf schließt:„Die Bundesbank ist freilich kein spezifisches Postulat unserer Partei. Sie bürgt Euch keinen augenblickliche» materiellen Vortheil. Aber sie dient den Interessen der Gesammtheit. Sie bedeutet eine Festigung des Kredits unseres Landes. Sie ist eine lvirthschastliche Roth- Ämlilg, 21. Mm 1897. weudigkeit und eine Reform, die unserer demokratischen Republik zur Ehre gereicht, weil sie damit anderen Staate» ei» Muster und Vorbild giebt. Jeder von Euch wird daher sowohl dem Vaterlande als der Partei gegenüber seine Pflicht thun." Bei der nun seit einige» Woche» in überaus lebhafter Weise betriebenen Agitation sür die Bundesbank stehen unsere Genossen in erster Linie und»eben ihnen zahlreiche Demokraten und Freisinnige. Aber auch die Gegner sind unermüdlich bei der Arbeit, um das Volk mit de» Schlagworten von der Kriegsgefahr, der Sozialisten- gefahr, der Bureaukralie und ähnliche» Dingen zu belhöre». Nach dem Verlaufe der bisherigen zahlreichen Bersammlnngen nnd nach den Slimmungsberichlen in der Presse stehen aber die'Aussichten sür Annahme des Bankgesetzcs recht gut und um» darf von, 28. Februar 1897 das gleiche Resultat erwarte», wie das am 4. Oktober 1896 war, wo trotz aller Schwindeleien der Spekulanten, Börsenjobber und Konsorten das Eisenbahnrechnungs-Gesetz angenommen und den Aktionäre» ei» Strich durch die Rechnung gemacht wurde. Tee An- nähme der Bundesbank würde den Triumph der politischen Reife des Volkes wie einen sozialpolitischen Fortschritt bedeuten. Norvefpondenzen. Mindon i. W., 18. Februar.(Eig. Ber.) Der Reichstags« Abgeordnete des Wahlkreises M i n d e n- L ü b b e ck c, Graf v. R o o», räsonnirte in der Sitzung des Reichstags vom 15. Februar über das allgemeine Wahlrecht. Graf v. Roon wurde durch den große» Wahrheitsapostel Hofprediger a.D. Stöcker empfohlen. In einer konservativen Versammlung am 4. Juni 1893 in Rehme wurde Graf von Roon seinen Wählern vorgeführt. Der Vorsitzende der Versammlung, Baron von Zitzewitz, stellte den Herrn ungefähr ivie folgt vor: „Sehen Sie, meine Herren, da am Baum hängt das Bild seines Vaters, des verstorbenen Kriegsministers von Roon. Als sein Vater seinerzeit uns hier besuchte, trug ihm die Bevölkerung Leinen, Pumpernickel und Schinken entgegen. Dieser hier ist sein ältester Sohn; sehen Sie, meine Herren, er trägt das eiserne Kreuz ans seiner Brust." Von seiner Stellung zum'allgemeinen Wahlrecht hat Herr v. Roon in dieser Versammlung so wenig was erzählt, wie in dem konservativen Flugblatte, welches von 65 Personen unterzeichnet war und worin die schriftliche Erklärung des Grafen v. Roon zum Abdruck gelangte. Hier hätte doch unbedingt seiner Stellung zum allgemeinen Wahl» echt Erwähnung geschehen müssen, wenn die große Masse der Wähler hiervon Kenntniß erhalten sollte. Jedenfalls wollte man aber eine derartige Veröffentlichung nicht, wie leicht hätten schließlich die konservaliveu Wähler zu der Ueber- zeugung kommen können, daß sich der Herr Graf doch nicht zum Volksvertreter eigne. So dürste die Stellung des Grafen zum all- gemeinen Wahlrecht nur den intimsten Parteigenossen dos Herrn v. Roon bekannt geworden sein. Seine Aussührungen entsprechen also nicht so den Thatsachen, wie er es glauben machen wollte. Daß sich der Herr Graf v. Roon nicht für einen„passenden Vertreter" unseres Zöahlkreises eignet, hat bereits ein großer Theil seiner Wähler aus Anlaß der Tabaksteuer-Vorlage einsehen gelernt. Die beiden konservativen Versammlungen, am 17. März 1895 in Oeynhausen und am 18. März 1895 in Minden, dürsten dem Herrn, ob des großen Fiaskos, noch heute in den Ohren klingen. In letzterer Ver- saminlnng erklärte der Herr Gras v. Roon, daß der Tabak nach seiner Sl n s i ch l noch etwas vertragen könne. Seine Stellung zum allgemeinen Wahlrecht, sowie zur Be- steuerung des Tabaks wird uns zur nächsten Reichstags wähl die Agitation bedeutend erleichtern, aus diesem Grunde rufen wir: Es lebe unsere Excellenz und seine Sozialpolitik.— Aus Mecklenburg.(Eig. Ber.) Ei» Fuchsmühl:-„Siesollen auch mit unseres Voigtes Vorwisse» und Wissen auf die Neuen Stücken und in Buchhorn bis an des Abtes zu Himmelpsort Grenzen Bau« und Feuerholz(dafern wir dessen zu benölhigten Bau und Feuerung bei Unserm Arnbte Fürslenbcrg nicht selbst benöthigt), nach ziem- licher Nothdurft frei haben; desgleichen auch das dröge Lagerholz im Gehege...." So hatte es in einem Privilegium der Stadt Fürstenbcrg in Mecklenburg-Strelitz vom Jahre 1568 geheißen. Und 330 Jahre lang hatten nun die Einwohner von Fürstenberg das Recht. Bauholz. trockenes Fallholz und Streu aus dem großherzoglichen Walde zu holen. Das Bauholz bekamen die HauSeigenlhürner, ans trockenes Sammelholz zum Brennen und Streu waren die'Arbeiter nnd di« sonstige ärmere Bevölkerung angewiesen; denn Fürstenberg ist ein kleines Städtchen von 2'/e Tausend Einwohner, die vielfach im Betreiben von etwas Landwirlhschast und dem Halten von etwas Vieh ihren Erwerb oder doch einen nolhwendigen Steden- erwerb finde». Der großherzoglichen Kammer paßte nun dieses Recht der Fürstenberger ganz und gar nicht nnd mehr- sack, machte sie es streitig, immer aber wurde es aus dem Klagewege wieder zurückerobert. Nun soll es anders werden. Der Magistrat der Stadt Fürsten- berg hat sich breitschlagen lassen und hat mit der großherzog!ict>en Kammer einen Vertrag abgeschlossen, nach dem die Stecht« der Fürstenberger gänzlich preisgegeben wevden, wogegen der Stadt eiuige Morgen Landes und einige kleine Seen zu eigen abgetreten werden. Für die städtische Vermögensverwaltung mag ein solcher Zuwachs ja ganz angenehm sein, die Einwohner aber nnd namentlich die ärmere» sind bei diesem Geschäft die Leid- tragenden, um deren Interessen man sich nicht weiter gekümmert hat. �o züchtet mgn Affären wie die Fnchsmühler traurigen Angedenkens und— Sozialdemokraten. Ein Genosse in Fürstenberg, der uns über diese Vorgänge berichtet, schreibt, die nächstjährige Reichstagswahl würde die Sliir» wort ans diese Handelsgcschäsle liesern. llebrigens scheint uns ein neues Beschreiten des Klagewegß keineswegs aussichtslos zu sein. Den» in dem erwähnten Vertrag lautet ein Artikel: „Für den Fall, daß einzelne Fürstenberger Einwohner sich durch den in Art. 1 enthaltene» Verzicht der Stadt nicht auch für ihre Person gebunden halten, sondern die anfgegebene» Ansprüche al» ihre privaten Rechte geltend machen und mit einer bezüglichen Klag« rechtskräftig gegen die großherzogliche Kammer obsiegen sollten, ver» pflichtet sich die Stadt Fürstenberg bezüglich des erstritteoen Anspruchs in allen Stücken für die Kammer einzutreten resp. derselben sür Schaden und tkoste» vollen Ersatz zu gewähren." Ein obsiegendes Urtheil sür klagende Fürstenberger Einwohner scheint deshalb selbst vorausgesetzt zu werden, und die geschädigten Leute wollen nicht zögern, den Magistrat regreßpflichtig zu mache» und sich ihren Schaden ersetzen zn lassen.— Wie«, 13. Febr. Die Wahlnachrichten, und erfreulicherweise die für uns günstigen, laufen nun zahlreicher ein. ohne freilich einen Rückschluß auf das endgiltige Wahlergebniß zu gestatten. Am 13. Februar fanden in den Gemeinden des Wahlbezirks Teplitz die Wahlmännerwahlen statt, wobei die Sozialdemokraten auf der ganzen Linie glänzend, meist mit Zweidrittelmehrveir, ge- siegt haben.— In T u r n erhielten die Sozialdcmokrale» 900, die Liberale» 200 Stimmen. Bei den am gleichen Tage im Wahl« bezirke Aussig staltgehabten Wahlen siegten, soweit die Resultat« vorliegen, überall die sozialdeinokratischen Wahlmänner. In S e t t e n z und Sobochlebeu siegte» bei den Wahlmänner-Wahleu gleich« falls die Sozialdemokraten. In der Umgebung von S ch ö u b e r g in Mähren siegte» zun, theil unsere Wahlmänner, zum theil erhielten sie große Minori» täten. Der Erfolg wäre ein allgemeiner gewesen, wenn der Druck der Fabrikanten nicht so groß gewesen wäre; hat doch i» einem ganz czechischen Fabrikdorfe die Wahl von drei deulsch-nationalen Wahlmänuern, zwei Fabrikdirektoren und einem Fabrikbuchhall«! fiaUöcfunten. In Fram bei Zuaim. m Fräüievsdorf sind unsere Wahlmänner gemSHIl. in Wittkvwitz, dein großen Eisenwerke �othschild's, wurden sämmtliche 21 sozinldemokralische Wahlmänner wll bedeutender Mehrheit gewählt, ebenso in den benachbarten Orten, so in Zabrib sechs und in Privoz bei Oftra» sämmtliche zehn Wahlmainier. In llnterstnfeiian gehören die fünf Wahlmänner unserer Partei an', nnd in Neu-Raußnitz kommen unsere Wablmänner ,n Stichwahl, in Sternberg stimmten von 1134 Urwählern 949 für unseren Kandidaten. In I g l a h kamen ans 2676 abgeaebcne Stimmen 728 auf unsere Kandidaten. Ans S chlesieu wird gemeldet, daßin Ober- und Nieder- Wild grub sowie in Altstadt nnd Neudörsl sämmt- liche sozialdemokratische Wahlmänner siegten. Su Ar z i che in K r a i n erhielten unsere Wahlmänner von L76 abgegebenen Stimnie» 243. I» Kllinpih in Steiermark gewählt fäm"Uli�e uon unserer Partei aufgestellte Wahlmänner Diese Erfolge sind nm'so bedeutungsvoller, als von allen Seiten von den willkürlichsten,' den, Geiste des Gesetzes direkt wider- sprechenden Auslegungen des Wahlgesetzes durch die Behörden und von unerhörten Wahlbeeinflussnngen berichtet wird.— Paris, 17. Februar.(Eig. Ver.) Das endlich veröffentlichte »G e l b b u ch" ü b e r die O r i e» t f r a g e enthält wenig Neues m, Vergleich mit dem englischen.Blanbuch", obivohl es bis zum 16. Februar d. I. fortgeführt ist. Und das Verhalten Nnßlands wird in der franzosischen Dokunientcnsaunnlnng begreiflicherweise viel diskreter beleuchtet als in der englische». Dagegen werden die verspäteten„energischen" Vorstellungen des russischen Gesandten in Konstantinopel heransgestrlchen. Bedenkt nnui aber, daß die Auswahl der Dokumente zweifellos unter russischer Mit- Wirkung vorgenomme» war, so wirkt der Eindruck des Gelbbuches um so geivaltiger— freilich nicht nur zu Ungunsten Rußlands nnd Frankreichs, sondern auch zu Ungunsten der übrigen Kontinental- machte. Die ganze Ohnmacht der„geeinigte»" wie uneinigen Mächte, den passiven Widerstand der Pforte zu breche», geht bis zur Evidenz ans dem Gelbbuche hervor. Schon in einer Depesche vom 29. Fe- bruar 1894 schrieb der französische Gesandte in Konstantinopel, C a m b o», iiachdem er die Schwierigkeiten, die sich der Schaffung eines unabhängigeii Arnieiiiens entgegenstellen, beleuchtet halte: „Bleibt das Reformversprechen(seitens der Pforte) übrig. Aber in an weiß, was Versprechungen dieser Art i» der Türkei werth sind..." Anstatt der versprochenen Reformen kamen die von de» türkischen Behörde» organi- sirten Metzeleien. Das Gelbbuch bestätigt vollauf alles, was bisher über die gräßlichen Abschlachtungeu der Armenier bekannt geworden ist. Ein„hoher türkischer Beamter" sagte im Jahre 1892 zu Cambon:„Die armenische Frage existirt nicht, wir werde» sie schaffe n." Die blutige Absicht ist seither verwirklicht worden. Die offiziell festgestellte Zahl der Opfer in Kleinasien belänft sich b los bis Ende Februar 1896 ans 37 000 gemordete Ehristcn und etwa eintausend Mohamedaner. Dazu kommen die Opfer der Oktobertage 1895»nd der Augusttage 1396 in Konstantinopel, welche von dem französischen Gesandten ans 6999 geschätzt werden.— Die Zahl der Verwundeten wird nicht angegeben, aus dsin einfachen Grunde, weil die Türke» keine Verwundeten am Leben ließen. Dagegen kehren in den Tabellen über die Metzeleien vielfach„Anmerkungen" folgenden In- Halts wieder:„Nahezu alle junge» Frauen wurden vergewaltigt... Die Mehrzahl der jungen Frauen und Mädchen wurde ver- gewaltigt..." Daneben zählt man 41999 gewaltsame Be- kehrungeii zun» Islam und 399 999 an den Bettelstab gebrachte Armenier. In Wirklichkeit stellt sich die Zahl der Opfer innerhalb des angegebenen Zeitraums bedeutend höher, da die Untersuchung sich nicht auf den ganzen Schauplatz der Metzeleien erstreckte und da die türkischen Beamten, wie die europäi- scheu Mitglieder der Untersuchungskommission von 1395 wiederholt protestiren, systematisch alle christlichen Zeugen abwiesen oder ein- schüchterten... Und was thaten die europäischen Mächte, um dem gräßlichen Morden ein Ende zu setze»? Sie machten mehr oder minder energische, mehr oder»linder„einträchtige" Vorstellungen, über deren Werth sie selber keine» Augenblick in Zweifel waren. Klagt doch Cambo» unaushörlich über die böswillige, systematiscbe Verschleppung seitens des Sultans. Eine interessante Gegenüberstellung: während Hanotaux in Beantwortung der Jnlerpellation über Armenien(3. No- vember 1896) die Kammer mit dem Hinweis aus die von den Mächten durchgesetzten„Neformen" abspeiste, schrieb Cambon unter dem 12. November:„Es ist fraglich, ob dieses Zugeständniß des Sulians reeller ist, als all' diejenigen, deren Nichtigkeit wir bisher leider haben konstatiren müssen." Und auch der Grund des cnisetzliche» Spiels wird von Cambon deutlich genug bezeichnet:„Die armenische Affäre zieht sich in die Länge und verschärft sich, weil der Eultan sich vor einer europäischen Intervention gleichsam geschützt hält..." Aus dem Diplomatischen übersetzt, heißt das soviel, daß der Sultan hinter der scheinbaren Einigkeit der Mächte ihre wirkliche Uneinigkeit erkennt, die sie z» platonischen Vorstellungen nnd Ermahnuttgen verurtheilt. Und speziell die A b»i a ch u n g e n zwischen Frankreich und Rußland sind nur zu sehr geeignet, den Sultan in seinem Sicherheitsgefühl zu bestärken. Am 15. Dezember 1896 theilt nämlich Hanotaux Cambon mit, daß er nach wie vor.„in Uebereinstiniinung mit der riisstfchei, Regierung" für die nothwendige Vor- bedingiing einer verabredeten Aktion der Mächte deren vor- herige Einigling auf folgende drei Punkte halte:„Aufrecht- erhaltung der Integrität des ottomanischen Reiches, kein isolirtes Borgehen auf irgend einem Punkte, kein Kondomininm sgenicinsame Oberherrschaft über die Türkei)." Mit anderen Worten, eine„verabredete Aktion", die zur Voraussetzung hat die Ver- pflichtnng auf die Ailwendung wirkungsloser Mittel...* Nächsten Montag wird endlich Hanotaux in der Kammer Rede stehen müssen. Sein„Gelbbuch" wird namentlich dem sozialistische» Redner, I a u r s s, Stoff in Hülle und Fülle liefer» zur Brand- markuiig der Nolle, welche Frankreich im Schlepptau Rußlands zum Schutze des Sultans gespielt hat. Kopenhagen, 19. Februar. Ueber den dem dänische» Folkethina zugegangene»Gesetzentwurf betreffend die Unfallversicherung haben i» der Kommission die einzelnen Parteien folgende Erklärungen abgegeben: Die Mehrheit(die Reform Partei und die Rechte) spricht sich gegen den Wolff'schen Antrag aus, die Ver- sichcrung auf alle auszudehnen, daß aber nur diejenigen Unter- flützung erhalte» sollte», die unter 1499 Kronen jährliches Ein- kommen haben. Die Mehrheit hält daran fest, daß die Kosten durch Arbeitgeber und Arbeitnehmer gemeinsaui getragen werde» , nüffe». Von den Arbeiterbeiträgen solle» die Prämien für die ersten 13 Wochen bezahlt werden, während von de» Arbeitgeber-Beiträgen die Prämien für theilwcise oder völlige Invalidität bezahlt werden. Dagegen ist sie für ein« Ausdehnung auf die Land- und Wald- arbeiter, soiveit hierbei Dampfmaschinen benutzt werden. Das Taggeld bei vorübergehenden Schädigungen soll nur lj bis 2 Kr. betragen.(Der ursprüngliche Antrag lautete ans 3 Kr.) Die Moderaten(gemäßigte Linke) stellen sich dem Gesetz sehr kühl gegenüber, gehen aber in den Hauptpunkten mit der Mehrheit, nur beantragen sie, daß auch die im Handwerk, Ackerbau nnd der Fischerei thätigen Arbeiter nach den Regeln des Altersversorgungs- Gesetzes Unterstützung erhalten sollen. Die Sozialdemokraten erklären das Prinzip, auf deni der Mehrheitsvorschlag beruht, für unrichtig und verweisen auf ihre früher bekanntgegebenen Darlegungen. Wenn sie jetzt nicht die Ein- führung einer allgemeinen Unfallversichernng beantragen, so geschieht es. weil dieselbe doch keine Aussicht hätte durchzudringen und sie nicht wenigstens die Erreichung deS ersten Schrittes auf diesem Gebiete i« Frage stellen möchten. Unsere Parteigenossen haben eine Reihe Anträge gestellt, die darauf hinauslaufen, das Gesetz zu erweitern und zu verbessern. Von diese« Vorschlägen wollen wir einen erwähnen, dev darauf ausgeht, daß jeder, der Arbeiter bei einem als gefährlich anerkannten Gewerbe beschäftigt, ersatzpflichtig sein soll, wofern er nicht diese Thätigkeil gewerbsmäßig betreibt, ferner, daß die Bauhandwerker auf dem Lande auch unter dieses Gesetz ge- stellt werden sollen, ebenso die Deich-, Kanal- und Schleusenarbeiter nnd alle, die beim Retten oder Löschen bei Bränden zu schade» kommen. Endlich stellen sie den Antrag, daß die Pflicht des Arbeitgebers auf Schadenersatz am 7. Tage iiach dem Unglücksfall eintritt und daß das Taggeld U/e bis 3 Kr. betragen soll, baß die Hinter- bliebenen von Ausländern dieselben Ansprüche auf Unterstützung haben sollen, wie die von Inländern, nnd endlich, daß der Siaat die Unterstützung leisten muß. wenn sich herausstellt, daß der Arbeit- geber außer stände ist, den Betrag zu zahlen. Soziale Ne�kSpZtejge. Tie Mißhandlung eines Pferdes sah die Kammer VII des Ge werbegerichts als vorsätzlicheSachbeschädigu n g an. Sie wies deshalb den Kutscher D. mit seiner Lohnentschädigungs- klage ab, die er wegen unberechtigter Entlassung angestrengt hatte. Die„vorsätzliche Sachbeschädigung zum Schaden des Arbeilgebers" gehört zu den Entlassungsgründen, die im ß 123 der Gewerbe- Ordnung aufgeführt sind. Zwei Maurer, die eines Morgens vom Polier der Unter- nchmer Giesicke nnd Völker eingestellt worden waren, wurden am Abend desselben Tages wieder entlassen, weil sie sich weigerten, die Kündigungsfrist auszuschließen. Sie klagten dann heim Gewerbe- g e r i ch t auf Zahlung von Lohiientschädigunge». Die Beklagten wandten unter anderem ein, daß sie, da kaum ein Tag vergangen gewesen sei, die Unterschrift der Kläger für den Kündignugs- ausschlnß hätten verlangen können oder daß sie dieselben ohne Kündigung hätten entlassen dürfen. Das Gericht— Kammer III— verurtheilte jedoch die Beklagte» unter folgender Begründung: Der Arbeitsvertrag sei dadurch endgiltig zu stände gekommen, daß sich die Kläger auf Geheiß des Poliers auf der Arbeitsstätte einfanden und die ihnen überwicsenen Arbeiten auszuführen Hegau,»en. Am Abend hätten sie nicht mehr gezwungen werde» können, Kontraklsbedingungen zu unterschreibe», die ihnen ihrer Meinung nach schädlich waren. Daß wegen des Lohnes nichts ausgemacht worden sei. wäre gleichgiltig. In diesem Falle hätten sie eben auf denselben Lohn, den ihre schon vorher dort beschäfiiglen Kameraden erhielten, Anspruch gehabt. Die Unter- schristsleistung liege im freien Willen des Arheiters. Die Entlassung der Kläger sei deswegen ungerechtfertigt, weil zur Zeit ihrer Weigerung bereits ein Arbeitsvertrag vorgelegen habe, in de» mangels einer gegentheiligen Abrede die gesetzliche vierzehniägige Küudiglingsfrist mit aufgenommen gewesen sei. Auch verstoße es nicht gegen die guten Sitten, wenn die Kläger eine ihnen günstige Situation ausnützten. Photographen dürfte ein Rechtsstreit sehr interessiren, der vor der Kammer VIII des Gewerbegerichts erledigt wurde. Der Photo- graph G. war von dem Photographen Böhme zu einem Monats- gehalt von 129 M. engagirt worden. Nach Ablauf der ersten Woche verlangte G. 39 M. von Böhme als de» Betrag, der ihm für die Woche zustehe. Böhme wollte aber als Abschlagszahlung nur 25 M. geben. G. stützte sich jedoch darauf, daß er für die Woche 39 M. zu beanspruchen habe und verließ schließlich die Stellung. Er klagte dann beim Geiverbegericht mit dem Antrage, ihm 39 M. für die Woche zuzusprechen, die er bei Böhme als Operateur und Retoucheur gearbeitet habe. Jetzt erhob der Beklagte die Gegen- klage, den Kläger zu verurlheilen, ihm wegen konlraktwidriger plötz- licher Niederlegnug der Arbeit eine Buße gemäß Z 124b Oer Gewerbe-Ordnung zu zahlen. Dem gegenüber betoute der Kläger G., Böhme hätte ihm trotz der Fixiriing eines Monats- loh n es die wöchentliche Auszahlung des verdienten Lohnes nicht verweigern dürfen. Er berief sich auf eine im Photographenberuse übliche Sitte. Die Kniiimer VIH hörte nunmehr einen Sachverständigen. Dieser bekundete, daß bei Verabredung eines Monats- lohnes Operateure und Retoucheure nicht g e w o h» h e i t s- mäßig wöchentliche Zahlungen erhielten. Gewöhnlich zahlten die selbständigen Photographen die Gehälter in zwei Raten, um de» Gehilfen entgegen zu kommen. Ein Anspruch auf Wochenlohn existire höchstens in ganz besonderen Fällen und dann nur, weil der Wochenlohn ausnahmsweise ausdrücklich verabredet fei. Der Gerichtshof gab dem Autrage des Beklagten Böhme statt und verurtheilte den Kläger zur Zahlung einer Buße von 13,99 M.; der Rest des Wochenverdienstes wurde dem Kläger zuge- sproche». Gründe: Es sei richtig, daß gewerbliche Arbeiter die Arbeit ohne vorherige Kündigung nnd auch sonst vor Ablauf des Arbeitsvertrages verlassen könnte», wenn sie ihren Lohn nicht i» der a u s b e d u n g e n e n Weise erhielten. Das Gericht hätte nun anstandslos in der Weigerung des Beklagten und Widerklägers einen derartigen Grund zur sofortige» Arbeitsniederlegung gesehe», wenn nach einer allgemeinen Usance im photographischen Gewerbe Wochenlohn auch bei Abreden für den ivionat gezahlt würde. Da das indessen nach dem Sachverständigen-Gutnchten nicht der Fall sei. wäre der Beklagte mit seinem Verhalten im Recht gewesen, und der Kläger sei rechtswidrig ohne Kündigung aus dem Geschäft sorlgegangen._ Veepammlungen. Ter Wahlverein im 4. Berliner ReichstagS-Wahlkreiö Südosten beschäftigte sich unter anderem in der Versammlung vom 16. Februar d. I. mit einer Anklage gegen das Mitglied Emanuel Süßer, angeblich Mechaniker oder Elektrotechniker, geboren am 24./7. 1874 zu Hrabowa in Oesterreich. Die Angelegenheit wurde dem Vorstande zur Untersuchung überwiesen. Die Untersuchung hat nach eingehender Verhandlung zum Ausschluß des betreffenden Mit- gliedes geführt und sieht sich der Vorstand veranlaßt, die Partei- genossen vor dem p. p. S ü ß e r zu warnen. Tic Vcrgoldcr hörten in ihrer Versammlung vom 15. Februar den Vortrag des Genossen Sassenbach:„Der christlich-soziale Staat der Jesuiten in Paraguay." Derselbe wurde mit Beifall auf- genonime». Den Bericht vom Arbeitsnachweis gab Kollege Köp n i cki" Um Beschäftigung nachgefragt haben 5 Farbigmacher (ohne Erfolg), 14 Barockvergolder, der Hälfte wurde Arbeit nach- geiviesen, 1 Gruudirer(ohne Erfolg). Um die Vermittelung nach Außerhalb zu erleichtern, sollen für die Zukunft Zirkulare an den bekanntesten Arbeitgebern außerhalb Berlins versandt»verde». Unter Verschiedenem wurde die Entlassung des Kollegen von der Firma Weber von der Versammlung als Maßregelung augesehen, letztere beschloß Jung zu unterstützen; ebenso wurde das Verhalte» des Herr» Weber sowie daß der»och dort beschäftigten Kollegen gerügt. Ferner theilte der Vorsitzende mit, daß der Besuch der Urania am Himmelfahrtstage stattfindet. Tie organisirtcn Graveure, Ziseleure ec. hielten au, 16. Februar in den Oranienballen ihre Verbandsversamnilung ab. Nach Erledigung interner geschäftlicher Angelegenheiten erhielt Dr. Christ eller das Wort zu seinen» Vortrage über: Infektionskrankheiten und ihre Bekämpfung. Dem äußerst iuter« essanlen Vortrage schloß sich eine kurze Diskussion und eine Reihe schriftlich eingereichter Fragestellungen an, die seitens des Referenten ausführliche Beantwortung fanden. Hieraus wurden die lllevisoren verpflichtet, an den stattfindenden Vorstandssitzungen theil- zunehmen. Den Arbeitern in den Werkstätten, wo man bisher keine Vertrauensmänner gewählt, wurde aufgegeben, das Versäumte baldigst nachzuholen, und find die Adressen dem Kollege» Gutschmidt mitzulheil«», bei dem Agitationsmaterial und Marken in Empfang zu nehmen sind. Die Werkstatt- Vertrauensinänner wurden ver- pflichtet, an de» allmonatlich staltfindenden Bertranensmänner- Sitzungen vollzählig theilzunehmen. Schließlich wurde Wunderlich als Arbeitsvermittler des Verbandes bestätigt. Tie in der chirurgische« Branche beschäftigten Be- rufsgenossen tagten am Dienstag, den liS. Februar er., in „Gründel's Salon". Es hielt Genosse Dr. Joel einen sehr intereffanten Vortrag über„Nansen's Nordpolfahrt", welcher all- gemeine» Beifall fand. Kollege Menz forderte hierauf die Mit- glieder auf, die Volksvorstellung von Türk am 23. Februar recht zahlreich zu besuchen. Die Billets sind beim Kassirer S ch n st e r, Strelitzerstr. 35, zu haben. Zum Schluß machte Kollege Heller bekannt, daß von der Geiverkfchaftskommission keine Listen mehr für die Hamburger Hafenarbeiter ausgegeben werden, daß aber Gelder für dieselben dankbar angenommen werden. Tie auf Holzplätzc»»ud au Holzbearbeitnugsmaschiileu beschäftigten Arbeiter. Berlin 17., Filiale II hielten am 16. d. M. ihre Mitglieder-Versammluug ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung erwiese» die Anwesenden dem verstorbenen Vereinswirlh Jennerich durch Erheben von den Plätzen die letzte Ehre. Daraus hielt Genosse Jahn seinen sehr inleressanten Vor« trag über die Lebenshaltung des Proletariats, welcher beifällig auf» genommen wurde. Hierauf wurde zum Delegirte» zur General- Versammlung Kollege Franz gewählt. Nachdem der Vorsitzend- die Abrechnung vom Hauptvorstand verlesen hatte, meldete sich das frühere Mitglied V ölzke zum Wort, er bat um Wiederausuahme in den Verband; seinem Wunsch wurde Folge gegeben. Für die Vertreter lokalorganifirter Gewerkschaften war seitens der beauftragte» Kommission am Freitag eine Versammlunz einberufe», um die Berichte bezüglich des geplanten Kongresses ent- gegeuzuuehmen. Die Auszählung der nur schwach besuchten Ver- sainmlung ergab, daß neun Gewerkschaften vertreten waren. Nach den Ansführungen B l a u r o ck' s sind der Kommission außer Berlin, welches mit 12—13 Gewerkschaften auf dem Kongreß vertreten sein dürfte, bestimmte Zusagen aus zehn Orte» der Provinz zugegangen. Weitere Antworten stehen noch aus. Mit de» Vertrauensmänner- Zentralisationen der Maurer und Töpfer werde inbälde Rücksprache genommen werden. die Handelshilfs- und Slockarbeiter beschließen in den nächsten Tagen. Voraussichtlich dürften an 49-59 Orte auf diesem Kongreß vertreten sein. Nachdem Redner seinem Bedauern darüber Ausdruck gegeben, daß verschiedene Organisationen und Parteiblätter nicht genügend für den Kongreß gewirkt, vielmehr eine fast unverständliche Angst an de» Tag legten, erfolgten die Berichte der Delegirte». Für Be- schicknng erklärten sich Maurer, Töpfer, Tapezirer, Zimmerer, Stuckateure, Bäcker nnd der Vertreter der Chirurgischen Branche, letzterer jedoch mit den, Bemerke», daß es ivohl kaum zu einer Delegirtenwahl kommen werde. Für Nichtbeschicknng erklären sich die Stellmacher, indem sie der Meinung waren, daß der gewerk- schaftliche Streit durch den Kongreß geschürt werde. Eine ab- wartende Stellung nahmen die Händler ein und zwar aus finanziellen Gründen. O b st wünscht eine nochmalige Umfrage bei den be- treffenden Organisationen. T h i e i» e verweist daranf, daß der Kongreß nur Klarheit schaffen solle in den verschiedene» gewerkschast- lichen Frage»; desgleichen müsse man protestiren. daß lokalorgauisirte Arbeiter bisher sehr oft als solche zweiler Klaff« behandelt werde«, trotz- dem diese stets ihr Solidarilätsgefühl bewiesen. Als Ort für den Kongreß wurde Halle a. S. bestimmt nnd die Einberufung auf den 17. Mai festgesetzt. Voraussichtlich wird der Kongreß drei Tage in Anspruch nehme». Die Gewerkschaften wurden ersucht, die Kommission mit Geldmitteln zu unterstützen, damit sie ihrer Aufgabe gerecht werde» könne. Berichtigung. In dem am 13. d. M. im„Vorwärts" ent- haltenen Versammlungsbericht des Wahlvereins im 4. Berliner Reichstagswahlkreis Süd-Osten ist unrichtig angegeben. daß der Vorstand im Sinne des Genossen Böhm bezüglich der Belheilignng an den Eantinlungen für das Denkmal der Märzgefallene» SteUniig nehmen will. Es muß heißen: Die Versammlung ist der Meinung, daß diese Angelegenheit dem Kreisvertrailensmann zu überlassen sei. Wcißensee. In einer Versammlung des sozialdemokratischen Arbeitervereins hielt am 16. Februar Herr G r u n d m a n» einen »aturwisseiischastlichen Vortrag. Unter Vereinsangelegenheiten ivnrde beschlossen, von dem Arrangement eines Vereinsvergnügens Absland zu»ehnien, dafür soll die Urania sowie das Museum für Völker- künde besucht werden. Tie Maler Charlottenburgs hielten am 17. Februar eine öffentliche Versamnilung ab. Nach der Berichterstattung des Delegirten von der Gewerkschaflskommission wurde Kollege Flemming als Delegirter und als Stellvertreter Kollege Klens gewählt. Nach dem Bericht des Vertrauensmanns wurde Kollege Läpke als Verlrauensmann und als Revisoren die Kollegen Scheuer« brandt und Tabert gewählt. Arbeiter- i0iib»»g»kch»>«- Sonntag, vormittag» von loij— Ii Uhr, ab- Ivechietttd Foltschrtiistursus in Aattonalöfonomte und Redeübung tm Lokal der Nordschule. Brunnenstr. 25. Montag Abend kein Unterricht. Di« Schilträume find zur Benutzung der Bibliothek und de» reichen Zell» schriflenmaiertal» schon von« Uhr abend» a» geössnet. Die KesehaUe der Arb«it«r-Kitdu»g»schut,. Brunnensir. 25, ist Wochentag» von 6—t Uhr, Sonnlag» von 4—9 Uhr. unentgeltlich für jedermann geöffnet. Tie»eschtiIt»NelIe der Schule It., Brunnenstrahe 25. die den Verein«- vorständen zur Vermtllelung von Vorträgen wissenschaftlichen Eharakter« zur Verfügung steht, ist ebensall» von 6—9 Uhr nachmittags geöffnet. Arbeiter Ki>»g-rb»»d Berti»« und Uingegend. Vorsitzender Rd. Neuman», Posewaikerstr.». Alle Aenderunge» im Vereinttalend er find zu richten an Friedrich Korltti», Manteuffelstr. 4», v. 2 Tr. Arbeiter- Pimchrrbu»» Kertin«»>»d zlmgeg«»». Aendenmgen tili Vereinblaiender sind zu richten an Hermann Braun schweig, Dresdener- straße«0, 2. Hof, 4 Dr. K»»d der gefelligen Arbeitervereine Kertin» und jl,„gegen». Alle Zuschrtflen, den Bund delreffend, sind zu richten an P.« e n t, S. Dreidener- strahe ,07/8. Theater- und zierguiigungoverein..Nenaissanre", Heute, abend» s Uhr, «efellfchafisabend bei Sauermann. Adalbertstr. 8. privat-Ttzeater-dZefeUschaft„vrika''. Montag, dt» 22. Februar, abend» 9 Uhr. Sitzung und Probe bei Nowaik. Manteuffelstr. 9. Verein der KUaschiuiste». Keiler«nd Kerusvgenossen Kertin» und Umgegend. Heute, nachmtltag» 5 Uhr, tm Lokal« Orantenstra»« 51: ver- sammlung. Ko»»n»«. Verein für vvlkvttziimlich» pviffenschaft. Dienstag, den 25. d. M.. abend» 8'/- Uhr bei Hensel. Brunnenstr. 17»: Bortrag de» Herrn Bär:„Die versunkene tistock« von O. Hauptmann". Dislusflon. Säfte will- kommen. Arends'scher St«»ograpis«»ver»in(Jugend-Ablheilung). Heute, nach- mtltag« 4 Uhr, Dorolheenstr. öl: Sttzuna Verein deutscher Kchnhnrvcher. Montag, den 22. d. Ml»., abend» 81; Uhr, Zahlstelle l bet Fetndt, Weinstr. II: Zahlstelle 2 bei Lange, Dragonerstr. 15: Zahlstelle z bei Müller, Hohanntsstr. 20; Zahlstelle 4 bet Roll, Adalbertstr. 2l; Zahlstelle in Friedrichs berg bei Fuchs, F.ankfurter Allee 48. Peiniäiendors. Der Arbeiter-Btlbungsverem„Zukunft" hält am Sonn- lag, den 21. Februar, nachmittag« Pj Uhr, tm Lolale des Herrn Förster, Ainende- straße l, seine monatliche Versammlung ab, in welcher Senoffe»naus über Die Bewegungen der Himmelskörper" resiriren und zur besseren Erläuterung bildlich vorsühren wird. «ivsport-Klud„velptzin". Sitzung am Montag, den 22. d. M.. abend» Ssj Uhr, Loutsen-Ufer 52. Zentral. Kronlun.«nd OegräbnihKaff» für Lrauen und ztlädchen peutschlnndg(Verwaltung Berlin I). Sonntag, den 21. d. M., nachm. 5 Uhr: NiNgUider-fQersaminlung im Konzerthau» Sanssouci,«ottbuserstraße 4a(oberer Freireligiös»«lem»I»>r. Sonntag, den 2l. Februar>897, vormiltaa» 9 Uhr, Rosenthalerstr.»8:«ersammlung. Freireltgtöse Vorlesung. Um n Uhr vorm. ebendaselbst: Bortrag. Berliner Zirdeitervertreter- Verein tagt jeden Dienstag nach dem ersten im Monat bei Buske, Srenadierstr. 83, abends 8tz Uhr. Unentgelillcher Rath wird ertheilt: Im Norden Kerlin»: Kür Unfall-, Invalidität»- und Alter»- Berstche- rung, abends von 7-9 lihrr W. Bnchholz, Hussttenstiaße a«, v. Z Dr. A. D a« h n e, Demminerstr.»8, v. 8 Dr. it. S u t h e t t, Wtesenstr. 29». von 8—9 Uhr abend». F. Preschet, Sartenstr. 55, v. 2 Dr. E. SimanowStt, Sartenstr. 78, Portal 2, 2 Dr. M. Stuhlmaan, Oderbergerstr. 87.« Dr., van 8-9 Uhr abend». R. Damm, Husstlenstrabe 8, von 8-8 Uhr abend». A. Voigt, Wiesenstraße«l—«e. S. Warnst,«olbergerstra'»- 7, von 8-71, hr abends.— Nur sur JnvalidilätS- und Allersverstcherung! F. Blum», Slrelitzerstr. 5s. P. R e t m a n n, Bellermainrstr. 88. F. Trapp. Schulstr. 5», von 7-8 Uhr abend».. Im Nord- dw.n: Nur für Invalid»»»- und«lterSversicherung; W. M-Hs, Schönhauser All-- 82. � m m Im Osten: Nur sür Invalidität»- und«Uer»verflch«rung: S.Bader, fflr. Franksur, erstr. 84. v.« Dr.„. Im Süd. Osten: Für Unsall-, Jnvaltdität«- und«lterSversichenmg; S ch a lt h o ff, Michaelkirchslr. 18._, Im Süden: Für Unfall-, Invalidität«- und Allersverstcherung: F. S t üg e l- maier,«rimmseraße»».— Nur sür Jnvaltditäts- und Allersverstcherung: P.»elter, Samphausenstr. 5.„ Im Siid-V'esten: Nur sur Unsallverstcherung: S. Hanel, Solmsstr. 4«. Im Nord Veste»: Nur für Nnfallverstcherung: I. tkrause, Wilsnacker- straße l». R. Stephan, Lesstngftr. 84. Im Zeiitrnm: Nur sur Unfallversicherung:«. Lossl er,«lofterilr.»>. Bei fammllichen vorgenannten Personen, bet denen hier tetn« Sprechzeit an- gegeben, ist diesetb» Wochentag» von»--» Uhr. 2. Wahlkreis. SMdemliMcher Wahlverein. l>icnsta%, den ÄS. Fcbrnar, abends 8V? I hr, im Lokale des Herr» Fd. ISil blöke, Dennewii!- Strasse IS, Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: Vortrag des Stadtverordneten Fritz Zubeil!„Vorgänge in der städtischen Vertretung.« 2. Dislussiorn[238/8 SCT" G ä si e sehr willkommen!'9S Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Vorstand. _ s. LvÄlzlKveis. Gonntag. den Ä1. Februar 18V7. abends«Vi Uhr. bei ILnbell, Linden-Strahe 106: Geffenkl. Versammlung Tages-Ordnung: Vortrag des Gcnosscil ve..Alfred Bernstein über:„Wesen und Heilung der Kranriiciten/' Nachdem: Geselliges Beisammensein.— Eintritt 10 Pf. 211/3 SoMldemokratischer Verein für den 3. berliner Reichstags- Wahlkreis. Donnerstag, ven ÄS. Februar 1807. Abends 8Vi Uhr, in Möhring'S Salon. Admiralstr. 18e. DA" Vei'ssrnmlung"Wg Tages-Ordnung: l. Vortrag des Genossen Neichstags-Abgeordneten Stolle über die fortschreitende Entwicklung der Technik und die Verdrängung der Hand- arbeit durcb die Maschine. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten.— Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Um zahl- reiches Erscheinen ersucht 210/12 Der Vorstand. ?Arteigena88iynev u. l>eii088ell des 6. Wahlkreises. Dienstag, de» ÄS. Februar, abends 8 Uhr, im Twinemiiuder viesellschaftshans, Smincmündcrstr. 1Ä(früh. 3ö): Acht Volks-Techmiilliliig. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 215/12 Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen, besonders der Frauen ersucht IMe Tcrtrnnensperson der Frauen. SW Vorläufige Anzeige! Freitag, den 2S. Februar, findet bei Marten, Fricdrichstrasie 236, eine Versammlung statt, wo Reichstags- Abgeordneter Richard Fischer einen Vortrag hält: Die Verhandlungen im Reichstag betreffend den Antrag Auer und Genosien über den Achtstundcn- tag.— Rcichstags-Abgeordncter Dr. Heyl ist zu dieser Versammlung brieflich eingeladen. Sozialdemokrat. Verein„Vorwärts" Berlin. Dienstag, den 83. Februar, abends SV. Uhr, bei Herrn«rilndel, Brunneiistr. 188: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Darwinismus und Sozialismus. Referent Reichstags- Abgeordneter Br. Ftltgcnan. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes. 274/12 Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufginoiillnen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Am Sonnabend, den 6. März, im Feenpalast, Burgstr. 88: Kl I. Stift, mgs-Fest. !rt, Gesangs- und andere Vi Konzert, Gesangs- und andere Vorträge. Lebende Bilder. Die Musik wird von der„Freien Vereinigung der Zivil-Berufsmusikei unter Leitung des Herrn Bebn selb ausgeführt. Räch dem Konzert: KW Tanz. Billets ii 20 Ps. sind in allen Zahlstellen zu haben sowie bei den Vor- standsmttgliedern. Acht»»«! Rixdopf. Achtung t Itottrigntorrmiirn und Seiiofftn! Grosse Volksversammlung Dienstag, den 83. Februar, abends 8 Uhr, in de« Bittoria-Sälen. Hermannstrafte Nr. 18—80» Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Wahl einer Kommission zur Gründung eines Frauen- und Mädchen-Bildungsvereins. 3. Diskussion.— Da die Tagesordnung sehr wichtig ist, ersucht um zahlreichen Besuch, besonders der Frauen__ 215/13_ Die Etnberuferin. Achtung! Fpiedrichsberg. Dienstag, de« 83. Februar, abends 8 Uhr. Im Lokale des Herrn Gtirsch, Frankfurter Allee 174: LesfMcheTBlks-VttMiillW. T'a ges-Ordnung: 1. Bortrag der Genossin Slesch über:„Die Unfreiheit des weiblichen Geschlechts." 2. Diskussion. 3. Wahl einer weiblichen Bertrauensperson. 215/11 Die Einberuferin. Handlungsgehilfen! Kaufleute! Haudlnngsgehilfinnen! Morgen, Montag, den 22. Febrnar er., abends 9 Uhr, spricht im großen Festsale von M a r t e n's, Friedrichstr. 236 Reiljstagsllbgeljrhucter Dr. Bruno Schoenlank t über das Thema: Jie Suzillliiemkrlltie uiiil die Hliniielspolitik. Diskussion.- Jedermann hat zu dieser Versammlung Zutritt. 90/11_ Der Vertrauensmann: H. Lesser. UM" Achtung! Allsemeiite Orts-Kntnliriiüliffe gemrlil. Arbkiter n. Arlititknitttkit. Montag, den 88. Februar 180«, abends 8 Nhr: Grosse Mitglieder-Versammlung im„Englische»©arten", Alexanderstr. 87c. Tages-Ordnung: 1 Bericht des Vorstandes. 2. Bericht der Dreizehner- Kommission. (Abrechnung.) 3. Bericht vom Verbandstage zu Dresden. 4. Verschiedenes. Der Wichtigkeit der Tagesordnung halber ist es Pflicht emes jeden Mitgliedes, zu erscheinen._.,„ Die Dreizehner-Komnilfston. 264/11 I. A.: W. K u n e r t, Feldzeugmeisterstrahe 4. 01�4 Admiralstr. 18e. Jeden Sonntag im markiselier HOl prachtvollen Spiegelsaal: WM"«rosser «m« niübllbi(IUI, Festball. Anfang 4 OhrT Ende 2 Uhr. Gr. Orchestennusik Die beiden Säle sind Sonnabends u. Sonntags an Bereine zu Bällen, Hochzeiten u. Versammlungen zu vergeben. Gr. Vereinszimmer. Dle ReftaurattonSräume stehen dm geehrten Familien sonntags zur Verfügung. rharlAffflnllllWlf Zum Besten der ausgesperrten vlldl iUllcIlUUi y! Schuhmacher in Weissenfeis* Sonntag, den 31. Febrnar, tu Bismarckshöhe, Wilmersdorferstr. 39: Konzert, Theater und Gesangsvorträge. Zur Aufführung gelangt: 1. Der Zigenner. 2. Wem gehört das Kind? Ansang 4 Uhr, der Theatervorstellung 5 Uhr.— Entree 30 Pf. WS" Herren, die am Tanz theilnehnreu, zahlen 50- Pf. nach."WU in allen Zi"''-|i"---------> W"" 3304b» Billets sind Zahlstellen des Wahlvereins, sowie an der Kasse zu haben. Der Vorstand. Berbaud der 93/12 Korbmacher Berlins und Umgegend. Montag, den 22. Febr., abds. 8Vz Uhr, Oranienstr. 51: Versammlung. Nanarienroller,Harzer ff.Weibcheu verk.bill. Goldmaun, MeIchiorstr.4,v.fV. ! vhanlcttcnhung. Gr. öffentliche Versammlung für sämmtliche in der Metallindustrie beschäftigt. Arbeiter und Arbeiterinnen am Dienstag, den 83. Febrnar 1807, abends 8(Ihr, in Bismarckshölie, Wilinersdorferstrassc 39. Tages- Ordnung: 1. Der Streik in der Fahrradfabrik Sturm- Vogel in Halensee. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 121/3 Wegen der wichtigen TageS-Ordnung wird es jedem Kollegen zur Pflicht gemacht, in dieser Versammlung zu erscheinen. Der Einberufer. Dienstag, den 83. Februar 1807, Abends 8Vz Nhr, in Mörschel's Brreinshnus. Schönhauser Allee 88, vSttcnthchc Metallarbeiter-Versammlung. Tagesordnung: 1.„Der Hamburger Streik und die Metallarbeiter- Bewegung." Ref.: Genosse G. Wagner. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 121/4 Hierzu sind sämmtliche Metallarbeiter eingeladen. Die.4.gltatlons-Kommlsslon des dentschcu Mtaliarbeiter-Verbnndes. AWillg! Manror. Aüitmig! finden Bllttwoeh, den 84. Febrnar, abends 8 Uhr, 6 große öffeniiichr Wanrer-Versamutiungr» in folgenden Lokalen statt: für X. in«rilndel s 8alon, Brunncnstr. 188; für Wedding u. Moabit in Milbrodt s Salon, Müllerstr. 7; für O. u. SO. in Uaasc's Salon. Große Frankfurterstr. 117; für S. u. SW. in«ossmann's Festslllcn, Kreuzbergstr. 48; für Charlottenburg i.ßotalBismnrekhsUhe, Wilmersdorserslr.3g; für Rlxdorf bei Knniincr, Berlinerstr. 55. Tagesordnung in allen Versammlungen: 1. Die Einführung der neuen Kontroll- und Sammelkarte und ihre Bedeutung für die Lohnbewegung im Jahre 1897. 2. Diskussion. 3. Ge- wcrkschaftlicheö. Da die neue Kontrollkarte ihren Zweck nur bei der weitesten Verbreitung derselben erreicht, ist es nothwendig, daß kein Maurer diesen Versammlungen fenibleibt. 133/7 Die 4,ohnkonm,lsslon. Ming! HnuMener, Kutscher uud alle im Trunsport und Verkehrsgeiverbe beschastigteu Persoueu. Sonntag, den 81. Febrnar 4897, nachmittags 5 Uhr: M Große öffentliche Uersammlung bei Schrnldtke, Moabit, Stromstraße 28. Tages-Ordnung: 1.„Politik in den Gewerkschaften." Referent: Genoffe Blaurock, 2. Diskussion. 3. Wahl eines Vertrauensmannes sür Moabit. Nach der Versammlung: GemlllhUches Keisammeusein mit Tanz. Lchcneheng. Sonntag, den 84. Febrnar 4897, nachmittags S 4Ihr: M Große öffentliche Versammlung bei Obst, Grunewaldstr. 110. ode" Referent: Genosse Tages-Ordnung:„Humanität und Todesstrafe." «rempe. 2. Diskussion. Nach der Versammlung: Gemüthliches Beisammensein mit Tanz. 85/12 Der Flnbernfer. � Mitglieder-Versammlung be* Verbandes aller lm Vandels- und Transport- Gewerbe beschöftlgten Dilfsarbelter findet am 4. M&r� in den Armin hallen statt, in welcher Reichstags Abgeordneter Molkenbnhr spricht.— Kollegen! Man versucht Euch in letzter Zeit zu Besprechungen einzuladen, dieselben sind nicht von uns und tverden wir unsere Einladungen stets mit dem Stempel des Verbandes aller im Handels- und Transport- Gewerbe beschäftigten Hilfsarbeiter versehen __ Sonnabend, den 87. Febrnar: MTGrosser Wiener Masken-BalCW in Keller s Festsälen, Koppensir. 29. Billets sind in allen mit Plakaten belegten Handlungen, sowie im Bureau, Kommaudantenstr. 25, zu haben. 85/13___ Der Borstand. Verein deutscher Schuhmacher. D r rjci m m Um u c u DM- am Montag, den 88. d. Mts., abends S'/z Chr."MM Mhlstelle 1 bei Feind, Weinstr. 11: Vortrag. ahlstelle 11 bei Lange, Dragonerstr. 15; Vortrag. Mhtftelle III bei Müller, JohanniSstr. 20: Vortrag. Mhlstelle IV bei Noll, Adalbertstr. 21: Vortrag. ..ahlstelle Friedrichsberg bei Fachs, Frankfurter Allee4S. Um zahlreiche Betheiligung bitten 169/9 Die Bevollmächtigten AMlim! Putzer. Allitittis! 37: Montag, den 38. Februar, abends 6 Nhr. im 8o«ifen städtischen Konzerthaus, Alte Jakobftr Große öffentliche Versammlung See IM" put-er Berlins u. Umgegend- Tages-Ordnung: 133/6 1. Vortrag deS Kollegen Ang. Dähne über: Die neue Unfall- Novelle. 2. Wie stellen sich die Putzer Berlins und Umgegend zum Arbeits- nachweise? Kollegen, es ist Pflicht eines jeden Putzers, in der Versammlung zu er- scheinem___ Die Kommission. I. A.: Vogel Grosse öffentliche Versammlung für alle in der Slitbralllje deschastiztell Arbeitte iu Arbeitemm IM- am Dienstag, den 83. Febrnar 4807, abends 8 Nhr,"Mg bei Dütnoiv, Prenzlauer Dhor. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn D.«rnndmann, prakt. Naturheilkundiger, über:»Ein Blick in das Innere des Menschen.* 2. Verschiedenes. Es ist Pflicht emes jeden Kollegen und Kolleginnen, w dieser Versamm- lung zu erscheinen. 86/3___ Der Einberufer. . 99 A v* m i n- H a 1 1 e n" 10922* Festsäle.— Kestaurant n.«arten.— Tercinszimmer. zur Zur bevorstehenden Saison empfehle« wir unsere gesammten Räume Abhaltung von Sommerfesien u. s. w. Sehr. Mieiitn. Bilduuqsverein„Mehr Licht" Sonntag. 84. l�ebraar, abds. ö'/s llhr, Alexanderstr. 87c: Vevsnmnrlnng wssen Dr. Bölkel-Braunschw Vortrag des Genossen—------ unser täglich Brot." Diskussion. Darauf lweig über:„Gieb uns ------- 66/3 Geselliges Beisammensein und Tanz. Gäste stets willkommen.__ Achtnug: Textilarbeiter! Filiale 1. Berlin. Montag, den 88. Febrnar, abends 8V2 llhr, bei Melier, Noppenstrasse 89(oberer Saal). Versammlung uuna: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. B> Tages- Ordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Bericht der Revisoren über die für den verunglückten Kollegen Sehe veranstaltete Sanunlung. 5. Verschiedenes._. l�7/0 Um zahlreiches Erscheinen ersucht Der Borstand. ! Töpfer Donnerstag, den 85. Febrnar, abends 6 llhr, im Lokale Königsbank, Grofte Frankfurterstr. 417. MkZ Oeffentliche Versammlung. Tages-Ordnung:[193/10 1. Die Gestaltung unstrer Arbeitsverhältnisse in diesem Frühjahr,„aus grund angestellter Erbebungen!"— Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Dellersammlung findet nicht statt. Die Pflicht der Selbsterhaltung erfordert das Erscheinen jedes Kollegen, welcher ernstlich bestrebt ist, die wahrhast skandalösen Zustände unseres Be- rufes beseitigen zu helfen!_ Der Bertrauensman«. Vereinigung* Maler. Mittwoch, den 84. Februar, in den Arminhallen: Kombinirte Mitglieder-Versammlung für Berlin und Umgegend. Näheres siehe Dienstag, Säulenanschlag. 124/4 J. Plnm. Verband deutscher Gold- u. Silberarbeiter und verw. Berufsgenossen(Zahlstelle Berlin). Mitglieder-Versammlung« Montag, den 38. Februar, abends 8'/, Uhr. Anueustr. 19. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Fritas Hansen. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten und Verschiedenes.— Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste soivie unsere Berufsgenossinnen stets willkommen. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Der Vorstand. Sonnabend, den 27. Februar, Maskenball im Eoncerthaus ------...a..-- n und pünktlii Sanssouci. Billets sind in der Versamnilung zu haben. 71/10 AlhtNg! Schristhauer AljtNg! Berlins n. Umgegend. Mittwoch, den 84. Februar, abends 8 llhr, im Englischen Garten. Alexanderstrafte 87e: V e v s n m m l u n g. Tages-Ordnung: 1. Berichterstattung der Kommission über die diesjährige Verhandlung mit den Meistern. 2. Neuwahl der Kouimission. 3. Verschiedenes. 172/9 Die Agitations-Konliiiission. Alhtung! Lackirer! Alhtllllg! und die im Beruf bcschitrtlgten Personen. Montag, de» 88. d. 3)1., abendS Punkt 8»/, Uhr in Feuerstein's Lokal. Alte Jakobstr. 75, Große öffentliche Kersomitilung. Tages- Ordnung: 1. Der wirthschaftliche Aufschwung und die letzten Kämpfe der Arbeiter. Referent: Genosse B. Pörfch. 2. Stellungnahme zur diesjährigen Lohnbewegung 104/3 Der Wichtigkeit der Tagesordnung wegen erwarten wir. daß die Kollegen recht pünktlich und zahlreich erscheinen. Die Agitatious-Kommission. Verein der Gerliner Dolzjaiousie-Arbeiter nnd Berufsgenosscn. Montag, den 88. d. M., abends 8V2 Uhr, in der Fichtestrafte 34: General-Bersammlung. Tages-Ordnung: Aufnawne neuer Mitglieder.— Vorlesung des Protokolls.— Kassen- bericht.— Neuwahl des Vorstandes.— Verschiedenes. 3324b Der Vorstand. Achtaug, Zimmerer! AM" Mittwoch, den 84. Februar 48S7, abends 8 Uhr:"9� Versammlung der Platzdeputirteu bei Baske,«renadierstrasse 33. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die Platzsperre. 2. Ergänzung resp. Verstärkung der Lohnkomnlission. 3. Vorbesprechung über die Ein- sührung eines Arbeitsnachweises. 256/20 Das Erscheinen sämmtlicher Vertreter ist nothwendig. _ Achtung« Stuckateure!' Montag, 88. Februar, abends 8 Uhr. bei Buske. Grenadierstr. 33: Fachvereius-Versautmluug."Wü Tages-Ordnung: 173/d 1. Fortsetznng der Diskussion über die Praxis der«ewerbegerlchte. 2. Wahl eines Hilsskassirers. 3. Ge- werkschastliches. Der Vorstand. Achtung, Stockarbeiter! Montag, den 88. Februar er., abends Präzise 8l/t llhr, bei JoUl, Audreasstrafte Nr. 81: Große öffentliche Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Der Zusammenschluß der lokalorganisirte» Gewerkschaften Deutsch- landS. Referent Genosse B l a u r 0 ck. 2. Diskussion. 3. Zustände in der Stocksabrik von R e tz l a f s. Referent: Kollege H i I d e b r a n d t. 4. Dis- kusston. 5. Neuwahl von 2 Mitgliedem zur Agitationskommisston. 6. Ver- schiedenes.— Um zahlreiches Erscheinen, besonders der Kollegen von Retzlasf, ersucht 3301b _ Die Agitatiouskommisfio« der Stockarbeiter Berlins. Charlottenburg. Die Parteispedition be- findet sich jetzt Pestalozzi- straße 34, Querg. Part. >2b4b v. Bcharnburg. Brautleute. 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A vvrikev-SÄnikxitsk o mm if�t t» it» Unter den gesundheitliche» Schädigungen, denen der Arbeiter bei seiner BesÄiäftignng ausgesetzt ist, nehmen die V e r gi ft u n g en M i t Metallen eine» hervorragenden Platz ein und unter diesen wieder, nachdem die Quecksilbervergiftungen infolge der veränderten Spiegelbelegung(Silber statt Quecksilber) selten ge- worden sind, die hervorragendsten die Vergiftungen mit B l e i.� Schleichend dringt das Gift in den Organisinns ein, erst nach längerer, meist viele Dlonale»nd Jahre langer Beschäftigung kommt es zu den charakteristische» Erscheinungen der chronischen Bleivergiftung: krampfartigen Magen- und Darmschinerzen(Blei- kolil), hartnäckiger Verstopsnng, Veränderungen der Blntbeschaffen- heit, welche sich in der blassen Gesichts-, Lippen- und Zahnfleischfärbnng(BleisaUin an dem Zahnfleisch) doknme»- tiren, rheuinatische Beschiverde» und Gelenkschmerzen». s. w. Nur wenn das giftige Metall massenhaft in Luft- und Verbann ngs- organe des Arbeiters gelangt, wenn bei der Fabrikation bleihaltige» Materials all und jede Vorsicht mit bczug aus Beschaffenheit des Arbeitsraumes, Ventilation und Staubadsaugnng, Reinigung, Kleider- Wechsel, Est- und Ankleideräume, außer acht gelassen wird, wen» die Arbeitszeit lang und die Löhne niedrig sind, so daß von einer besonders kräftigen Ernährung dieser gefährdete» Arbeiter nicht die Rede sein kann, kommt es schon innerhalb kurzer Zeit zu den näm- lichen Erscheinungen von Bleivergiftung Ein solcher Fall von nicht akuter Bleivergistung bei alle» in dem Betrieb beschäftigten Personen wird uns von der Akknmu- latoren- Fabrik von P. Nibbe— Patent- Bureau— K r a u s e n st r. 35, Qnergeb. 1 Treppe, gemeldet. In dieser Werk- statt werde» nach einem von R. erfundenen patentirten System Akkumulatoren gefertigt. Mit der Herstellung derselbe» waren von Juli bis Ansang Dezember 1896 nacheinander zehn Arbeiter beschäftigt, doch soll die eigentliche Beschäftigung mit dem giftigen Material— Verarbeiten von Bleiglätte und Mennige— erst seit Ansaug November begonnen haben. Von diesen Arbeitern erkrankten in der Zeit voin II. November 1696 bis 1. Januar 1397: einer nach V/2 Woche», ein zweiter nach 2>/z Woche», ei» dritter nach 3>/e Wochen, ein vierter nach 6 Wochen, ein fünfter und sechster»ach 7>/z Wochen, ein siebenter nach 4l/2 Monaten, ein achter nach 5Vz Monaten. Diejenigen Erkrankten, die wir zu untersuchen Gelegen- heit hatte», boten alle schwere Krankheitserscheinungen dar, Kräfteverfall, fahle Gesichtsfarbe und andauernde Störungen von seilen der Verdaunngsorgane oder selbst der Lunge. Monate und Jahre werden vergehe», bevor dieselben die Folge» jener kurzen Beschäftigung überwunde» habe» werde». Einer der Erkrankten schildert den Betrieb folgendermaßen: Bei dem Verarbeite» der Bleiglätte und Mennige entwickelt sich so viel Staub, daß Maschine», Tische, Oese», Handwerkszeug und am schlimmsten der Fußboden ganz von der giftige» Masse bedeckt sind. Ebenso sind Hände, Hemdsärniel, Schürze, Taschentuch u. f. w. damit gefärbt. Ein Garderoben- spind existirt nicht, so daß die Kleider offen im Arbeits- raun, an der Wand hängen und der Arbeiter den ganzen Bleistaub in die Wohnung bringt und Weib und Kinder ebenfalls gefährdet. A» jedem Morgen spuckt er rothe oder gelbe Klumpen mit Blei ge- gefärbten Schleimes aus. Der Arbeitsraum ist 10 Meter lang, 7 Meter breit, 4 Meter hoch und zu einen, große» Theil durch Maschinen und Tische in Anspruch genouinien, so daß der für die 8 dort regelmäßig beschäf- tigte» Arbeiter zur Verfügung stehende Lnstraum entschiede» zu gering ist. Die. Ventilation ist mangelhast. Zwar befindet sich ein großes Fenster im Arbeitsraum, welches oben in einer Klappe von zirka'/s Meter Breite und 1'si Meter Länge und unten durch zwei kleine Scheiben zu öffne» ist, und hat Herr R. außerdem ein Loch von 20 Quadratzentimeter in die Wand stemmen lasten, das den Ran», mit dem Schornstein verbindet, aber das Fenster wird im Winter kaum geöffnet,»nd es herrscht deshalb eine überaus schlechte und wegen des Verbrauchs rauchender Säure» zun, Thränen und Husten reizende Luft i» den, Rani». Auch soll Feuersgefahr bestehen: Celluloid und Aceton stehe» in der Nähe des offene» Feuers, das gelegentlich eine Stichflamme i» den Raum entsendet und leicht einmal zünden kann. Zu», Reinige» der Werkstatt ist niemand angestellt, an jede», Morgen— in Gegenwart sämmtlicher Arbeiter— wird von einem derselben ausgefegt, wobei es trotz vorhergehende» Sprengens stark stauben soll. Die Arbeitsstätte dient auch als Frühstücksraum. Einige Arbeiter bleiben sogar während der Tischzeit in dem blei- geschwängerten Raum, weil sie es zu weit nach Hause haben. Es wird zwar jede», Arbeiter ans Herz gelegt. sich vor dem Essen die Hände zu waschen, aber die Waschein, ichtnng besteht in eine m kleinen Emaillebecken, das auch für de» Betrieb benutzt wird und von dem an de» Rändern angesetzten Blei nicht rein zu bekommen ist. Handtücher werden nicht geliefert. sondern müsse» die Arbeiter halten und zahlen. Heiß Wasser, das nöthig wäre, um de» Bleistanb von den Hände» zu entferne», kann zwar aus eine», Gaskocher bereitet iverden, aber für das zu», Waschen erforderliche Quantum reicht die Stunde Mittagspause nicht hin. Die Arbeitszeit beträgt 10 Stunde», von 3—7 Uhr, doch wurden einen ganze» Monat hindurch täglich zwei Ueberstunden gemacht, bis die ersten Erkrankungen vorkamen und die Arbeiter sich weigerten, »och Ueberstunden zu arbeite». Der Lohn beträgt 13 M. pro Woche mit Ausnahme des ersten Arbeiters. Herr Ribbe, der früher bei der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesell- sehnst thätig war, ließ jede», Arbeiter täglich eine» Liter Milch ver- abfolgen, weil er»leinte, daß da,,» Bleivergiftungen nicht vorkämen — wie die Thatsachei, erwiesen, irrthümlicherweise. s Nachdem fünf Mai», erkrankt waren, wurden Respiratore» angeschafft, aber nicht zahlreich genug, sodaß auch dies Neu-Erkrankungen nicht hinderte. Den für die erkrankten neu eintretenden Arbeitern versprach Herr N., einen zweiten Raum zu uiiethe»»nd Einrichtungen zu treffen, welche die Arbeiter vor der Vergiftung wirksamer schützten, aber bis jetzt ist»och nichts geschehen. Hier muß unbedingt behördlicherseits ein- gegriffen werden, um weiteres Unglück zu ver- hüten! Kommt der F a b r i k i n s p e k t o r nicht in den Betrieb? Hat nicht die Orts-Krankenkasse der Kauftente, welcher die Arbeiter angehören, in solchen, Falle gehäufter Erkrankungen in einem kleinen Betrieb die Pflicht„nd das Interesse, Recherchen zu ver- anlasse» und den Aufsichtsbeamten aus de» Betrieb aufmerksam zu mache»? Hat nicht der B u» d e s r a t h hier dringend Väranlassung, von der Befugniß, die ihm§ 120 der Gelverbe-Orilnung ertheilt, in besonders gesundheitsgefährlicheu Betriebe» die Arbeitszeit zu verkürzen, Gebrauch zu machen und die Arbeitszeit auf höchstens 8 Stunden zn beschränken? Wie wir hören, steht Herr R. in Unterhandlungen mit der Stadt, um sein Patent bei der Anlage elektrischer Bahnen zu ver- werthe,; auch die städtischen Behörde» könnten und sollte» Herrn R. zur Bedingung machen, seinen so außerordentlich gesund- heitsschädliche» Betrieb—„Giftbude" nennt ihn der Arbeiter— umzugestalten. » o » B r a» d e» b n r g st r. 80, Quergebäude. Schraubenfabrik von Er dm an»». Groß, unsaubere Klosets und als Pissoir dienende Ausgüsse anf den Flure», theiliveise jedoch überlaufend. 20, 30, ja in, I. Stockwerk selbst 50 Personen müssen auf 1 Kloset gehe». Beschwerden von Arbeitern und Miethern bei», Wirth. Leipzigerstr. 47. Für die Angestellten mehrerer großer Geschäfte befinden sich die Klosets im Keller in sehr schlechter Ver- fassung, überfüllt, Spülvorrichtung mangelhaft. Sitzbretter ver- »nreinigt. In demselben Räume Müllkästen, die zu klein sind, so daß das Müll im ganzen Keller verstreut umher liegt. Gestank ekelhaft. Alvenslebenstr. 17; ein an die Kriegsakademie ab- koinmandirter Lieutenant aus Jnsterburg hat einen Burschen, der auf de», 3. Hof in eine», Pferdestall schläft, der kalt und feucht, jauchig in Bohle» und Fuge» ist und ein Fenster von 0,50 Quadratmeter besitzt. Das Pferd ist. vor 3 Monaten krepirt, jedenfalls an den Folgen, die der gesundheitswidrige Stall mit sich bringt. G r e n a d i e r st r. 1 in dem 1,90 Meter unter dem Hof-Nivea» gelegenen dunkle» Keller bei Behrend ist die Kuchendecke naß und defekt infolge eines darüber gelegenen schadhafte» Klosets. O r a n i e n st r. 35, Hof 4 Tr. bei Lodahl. Das Wohn- und Schlafzimmer ist an zwei freien Wetterseite» mit Schimmel dick belegt, die Lust dunstig. Frau und Kind krank. Wirth weigert sich, den Miether vom Kontrakt zn entbinde» oder was machen zu lassen. B ö ck h st r. 46, Qnergeb. 3 Tr. r. bei Spang. Die Wände der als Wohn- und Schlasraui» dienenden Stube sind»aß und mit Pilzen bedeckt. insbesondere an einer Wetterseite. Die Familie, 3 Erwachsene und 2 Kinder, kränkeln. Wirth wie oben. M a r i c» b u r g e r st r. 7, 2. Hof Quergeb. 3 Tr. bei Gladisch, Stube und Küche, in«rsterer dumpfer Geruch, Wände mit dicken Pilzmasse» überzöge», die das Aussehen von Blumenkohl haben. I» diesem ungesunden Raum(zwei Wetterseite», oben und unten nicht bewohnt) schlafen 6 Personen, darunter 4 Kinder, in der Küche ein weiblicher Schlasgänger. Frau und Kinder kränkeln. Miether hat 3 Tage vor dem 1. Januar gekündigt, da aber der(ein- geschriebene) Brief erst nachmittags ankam, weigert sich der Haus wirth, die Familie ziehen zu lassen. M ö l l e n h o f st r. 12, Hof 4 Tr., bei Specht, Neubau. Wände naß, mit Schimmelpilzen bedeckt.(Schwamm im Fußboden?) Die Bewohner klagen über Reißen. Wirth läßt sie nicht ziehen. B a r» i m st r. 23, Hof rechts I Tr., bei Wolgast. Stube und Küche, beide naß. Wände mit Schimmel bedeckt, Lust dunstig und ungesund, die Frau krank, vor 4 Wochen von Zwillingen entbunden. Die Möbel, Tapeten, Kleider ec. stocken. Wirth wie oben. Auch die früheren Miether haben nur ein Jahr ausgehalten. Trotzdem findet der Wirth immer wieder neue Miether. * ♦ Für die Arbeiter-Sanitätskommission gingen weiter ein: 6 M. für ei» Attest._ MkevNvtssltzes. Armer, Hermann, Rechtsanwalt, D e t a i l r e i s e n und H a n si r- Handel nach der Gewerbe-Ordnungsnovelle. Zweite vermehrte und verbesserte Auflage. 57 Seite» 80. Breslau, Wilh. Köbner. Preis 75 Pf. Die kleine Broschüre ist für die Detailreisenden und de» Hausir- Handel ei» recht guter Leitsaden. Die sehr komplizirten„nd oft unverständliche» Bestimmungen der Gewerbe-Ordnung sind von dem Ver- fasser in klarer und verständlicher Weise an der Hand praktischerBeispiele erläutert. Erwähnt sei nur, daß über die Berechtigung des Detail- reisende», Bestellungen auf landwirthschaftliche Maschine» bei Land- wirtheu aufzusuchen, Ungewißheit herrscht. Der Verfasser verneint die Berechtigung. Dagegen ist Herr v. B ö 1 1 i ch e r in Beantwortung einer diesbezügliche» Anfrage in, Reichstag zu der entgegengesetzten Auffassung gekommen. Da? entscheidende Wort wird aber der Richter in der strittigen Angelegenheit sprechen müssen. Berück- sichtigt man hier die Verhandtungen im Reichstag bei Berathnng der Gewerbe-Ordnnng, die Auseinandersetzungen der Broschüre, so dürfte der Entscheid z» gnnsten der Detailreisenden aussallen. rs. Eiugelanfene Druckschriften. Von der Zeit"(Stuttflavt, I. H. W. Diep' Verlag) ist soeben daS 31. Hcs, des ,6. Jahrgangs erschienen. AuS dem Inhal, heben wir hervor: Nack, den, Hamburger AuSfiande.— Die ökonomische» Funktionen der Börse. Ein Beitrag zur Werthiheorte vo» Paul Lasargue.(Schluß.)— Die versunkene Blocke. Von H. Etröbel.— guckerkrisis, AuSsuhrpramie» und Zuckerring. Von Max Echippcl.(Schluß.)— Kleine Briefe.— Der„Schivarze Tod". Bon Dr. H. Beckers.— Notizen. Vo» der Gleichlirit, Zeitschrift für die Interessen der Arbeilerinnen(Stuttgart, I. H. W. D i e tT Verlag) ist un« soeben die Nr. 4 des 7. Jahrgangs zugegangen. Aus dem Inhalt dieser Nummer hebe» Ivir hervor: Der Achti'lundentag im Reichstag.— Karneval. Von Lily Vraun-tSizncki, Berlin. — Aus der Bewegung.— Eine amerikanische Fabrikinspektorin über die Kinder- arbeit.— Der Sieg der Bewegung für das Frauen- Wahlrecht im englischen Parlament. Von Lili, Braun-Gizycki.— Feuilleton: Eine Weihnachts-Legende vo» W. Korolenko.(Fortsetzung.)— Weine Nachrichten. Tie„Gleichheit" erscheint alle 14 Tage einmal. Preis der Nummer 10 Ps., durch die Post bezogen(eingetragen t» der ReichSpost- ZeitungSltste für ISS? unter Nr. 3»o>) beträgt der AbonnementSpreiS vterteljährlich ohne Bestellgeld 66 Pf.; unter Kreuzband SS Pf. „Soziale Pro«,». Zentralblatt für Sozialpolitik"(Berlin, Carl Hehmann'S Verlag) enthält in ihrer neuesten Nr. s, folgenden leitenden Aufsatz: Der ungarische Feldarbetter-Kongreß. Von Dr. E. ist. I. Krejcst.— ArbeitSlostgkeit. und Arbeitsnachweis. Von vr. für. G. Hartenstein.— Unterstützung Arbeits- loser mit Arbeit in Paris.— Studienreise französischer Seidenarbeiter nach der Schweiz.— Kopflose Zeitungen in Deutschland.— Städtische Unsallstattonen in Dresden.— Städtische Pflasterung in eigener Regie. Petitton der Stein- setzer und Berussgenosse» Berlins.— Bauarbeiterschutz sür Leipzig.— Staats- zuschilsse an die Gemeinden in Luxemburg.— Der Gntwurs eines Handels- Gesetzbuches im Reichstage. Vo» Jjr. jür. ffi!, Quarck.— Denkschrtst des Zentral- Verbandes deutscher Kausleute über die Lage ve« Kleinhandels.— Zusammen-' gehen der gewerkschaslllche» und der konfessionellen Bergarbeiter-Organtlaiionen in Deutschland.— Nationaler Kongreß belgischer Angestellter.— Ausstand jugendlicher Arbeiter wegen Sparzwanges in«lbcrseld.— Schutzverordnung sür Arbeiter i» Anlagen zur Herstellung von Alkali. Chromaten.— Sonntags- ruhe im hessische» Handelsgewerbe.— Ergebnisse des Heilversahrens in der Brauerei- und Mälzeret-BerusSgenossenschast.— Abtheilung sür Unfallverletzt« und Eanitälswache bei der kgl. Charitee zu Berlin.— Vereinigung der Wohl- fahrlSbesirebungen des Westens in Berlin.— Klasststkatton in den englischen Arbeitsähuscr».— Abschaffung der„Nasenquetscher" in Elbtng.— Mädchen- schule mit Kursen über Nationalökonomie!c. in Charlottenburg.— Eidgenössische Statistik über zurückgebliebene Kinder.— Beschlüsie des preußische» Herren- Hauses über Lehrer- Dienstwohnungen.— Schulzustände im preußischen Osten. — Zehnstündige Dienstzeit sür preußische Strasanstalts- Aussichtsbeamte.— Sträsltngsarbetten in de» Vereinigte» Staaten. „ziirxehmer Grift". Eine Kritik der Ofsiziers-Ehrengerichte nebst Beispiele» aus der Praxis vo» Rudots Krasst, früher daher. Prcmterlieutenant.(Robert Lutz, Stuttgart. 7 Boge». Preis i,so M.) UUiii itlilitiirproieß, U Theil. Von S. Schöler. 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