f. WS. Mittwoch, drn 3. Dezember 1S90. 7. Jahrg. berliner Vglksblall. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. erscheint fäniu m..Berliner Voltsblatt" », 1(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für ISA) unter Nr. 892, V. Nachtrag.) »euer Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungam S Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geofinet. -, Fernsprecher: Amt VI.|lr. 4106,'• Vedakkion: Veukhptraße S.— Expedikion: VeukhfivÄHe 3. Harfjtrtäugc Zur Kier« Zluktkainer Als das Sozalt st engesetz ablief, konnte man w°hl bemerken, wie sehr es gewissen Bureaugewaltigen ln das Herz gewachsen war. Sie stellten sich, als wüßten w gar Nichts davon, daß der Ausnahmezustand zu Ende l1'_ und sie konnten sich vielleicht eine Welt ohne Sozialistengesetz wirklich nicht mehr vorstellen. Da gab ® pflichteifrige Postbeamte, welche meinten, früher ver otene Sckristen dürsten sie auch nack Abll Schriften"' dürften sie auch'nach Ablauf' des Aus- ""tmegesetzes nicht herausgeben, so lange ihnen nicht sondere Weisung" zugekommen. Das Ver- A.ugen am Sozialistengesetz erstreckte sich bis auf die formen und ein solcher löste bekanntlich in Rixdorf I.Oktober eine Versammlung„auf Grund eik.!.?Bötalistengesetzes" auf. Man sah es diesem pflicht- ' r—**"-—... eif!. �oä�ltttengeiegee!" aus. u/can zay es mezem pslicyt- liegen Beamtenthum an, wie sauer es ihm wurde, die "gewordene Gewohnheit des Verfolgens der Sozial- �"gewordene Gewohnheit des Versolgens der sozial- oemokratie auf Grund bequemer Ausnahmebestimmungen, ?Nzugeben. Die Verwaltungsjustiz, bei der so manches irrige Staatsretterchen seine Thätigkeit ausüben konnte, °Me sie öffentlich rechtfertigen zu müssen, war der �Schwartigen Bureaukraten- Generation in Fleisch "7 Blut übergegangen. Es konnte auch nicht Mors stin. Eine S ponen die höheren wie Eme" Aera, in deren •'»"men die Diätenprozesse ausgereift waren— mc putzte sie erst den Eifer des Gendarmen und des Polizei- 0'chers snornen Wenn der Riese sich im Kleinen mit so der Riese sich im Kleinen mit so da fühlt sich der Zwerg im viel m fr0rncn! Wenn 1 a,1 Behagen auszeichnet, �en doppelt groß. die vom höchsten Pflichteifer beseelten Be- V»» V W.«.'/""/ I---- z- 1/ I I endlich sich voll überzeug� haben, daß das So- die �gesetz wirklich abgelaufen ist, haben sie sich auf «ucke rrnrf, Kesekesbestimmunaen aus alter Zeit ge- Ojß&'2V'V�--|'/-----,,,, "latf e v?wch Gesetzesbestimmungen aus alter Zeit ge- erw? ihnen die Ausnahmebestimmungen einigermaßen beL f1•".�n Wichen Bestimmungen fehlt es nicht. An- AeAts'P man bemüht, den Bestimmungen des gemeinen »M b f0 scharfsinnige Interpretationen zu geben, daß �„„'wwen Manches doch noch getroffen werden kann, was '' � f'-----'-f-. �... wan "wen glaubte. Kzjj" �üher nur mit dem Sozialistengesetz erreichen zu n. In Sachsen, im Lande des hervorragenden behörd- »#4*;,,-'-''......- verboten und werden immer noch Versammlungen in verboten und zwar auf Grund des alten Vereins- welck- bestimmt, daß Versammlungen und Vereine, pevfnr»u n s i t t l i ch e u n d u n g e s e tz l i ch e Z w e ck e" i' f". aufgelöst werden können. Vielleicht könnten ,ehtte" darüber streiten, wo die sozialdemokratischen Jseuillekon. "U-l verboten. I_ (2 SR :01!; Rothenburger Tage. an aus der Zeit des großen Bauernkrieges von 1525. Von W i l h e l m B l o s. "Ein hoher Rath«- "VltA ver Wieder ein hoher Rath", fuhr Matthias nun M lei?� �m/ichen,„ein hoher Rath! Ein hoher Rath " wiel mehr zu sagen in der freien Stadt .'§*3 jagt Zh: da?' %KJJ0*>et*0* �at den guten Willen gehabt, die k Mieder herzustellen, aber nicht die Macht. Heute �Nien mar der Rath in der großen Rathsftube bei- et äußere und der innere Rath. Soeben lasen ziitoet». engen, der regierende Herr Bürgermeister, den tp,.,e'n. Schreiben vor, in welchem ein hoher Rath --"------ �------ k.i nur wider Sh Schreiben vor, tn welchem ein yuy.. u».», Aei�pe Geliebte, eine Freundin' selben— allesammt der besten Gesellschaft aug örig. Und Herr Clemenceau als guter Freund Hatte Lust, die Sache an die große Glocke zu hängen—"!%. sie in seinen Zeitungen, der„Justice" uns anderen Blatt, todt zu schweigen, allein ohne Erfolg— und die französische Ehebrecherin steht jetzt dem sranzosu Parteiführer Clemenceau genau ebenso im wie die hübsche irische Ehebrecherin den scheu Parteiführern Gladstone und Parnell. so regiert die abscheuliche, heuchlerisch verleugnete f r* Liebe die bürgerliche Welt in den zwei Kulwrsta-»» England und Frankreich und— anderswo. Die Krifts ist richtig für den Augenblick von der fläche der bürgerlichen Gesellschaft getrieben, von der H* in das Innerste des Organismus gedrängt worden. 4, Amerika, Belgien, Frankreich und anderen Ländern eine Bank, eine Firma nach der anderen, in E njj l aber at r ist Alles vorläufig hübsch in der Ordnung— die 4? mehr Gold und Silber in ihren Kellern als jemals, I ynst überall, wo irgend eine Katastrophe droht, den. retten und inzwischen frißt die Krankheit weiter und m*' das Geschäft liegt darnieder, und die beste aller mogstj?. >ilft überall, wo irgend eine Katastrophe droht, den 6%., -- i-i-—---- k. l-------- e.-'ü«. c».«?»..... Aj.---- fi.— Itflb � -----,---..... R r mög.---� Gesellschaftsordnungen bekommt einen Vorgeschmack endgiltigen Schicksals— des Erstickens im Gold. Die in China fast alljährlich austtetenden nöthe haben gewöhnlich keine politische Nachwirkung.? Armen sind so elend, daß sie ihr Schicksal stumm über K ergehen lassen. In diesem Jahre scheint aber die Hunö� noth einen besonders hohen Grad erreicht zu haben, o Petersburg aus Wladiwostock eingetroffenen Nachrichten s( folge wird aus Tientsin gemeldet, daß es unter � oortigen Bevölkerung zn gähren beginne. Durch die u* � schwemmung brotlos geworden, drohe der„Pöbel, Europäer umzubringen und dann nach Peking zu um mit dem Kaiser Abrechnung zn halten. Uebng? ankerten gegenwärtig vor Tientsin zum Schutze der Europu vier chinesische und je ein französisches und amerikaMP Kriegsschiff. D.. Berlin, den 2.. genommen. Einige der Schwestern schlugen die Augen nieder � dem strengen Blick der Priorin, andere schauten MMO& und einige kicherten und tändelten miteinander, de> � wußten wohl, die Klosterpforte würde sich ihnen Hf" aufthun und ihnen den Durchpaß lassen in die sonnige, 6 liche, liebende und kämpfende Welt. Auch fürchtete sich nicht vor der geistlichen Gewalt, denn sie waren allein. Ihre Vettern und Jugendgespielen, die J Lfl erren vom Stadtadel, die so lustig in der 0 � �tube mit ihnen beim Fraukenwein gesessen, sie käme � mit herein in den Konventsaal, die Baretts Ml � schwankenden Federn keck auf die Häupter gestülpt, o � sichter mit den zierlichen Bärtchen glühend von W» Ausgelassenheit, zuweilen wie unabsichtlich mit den Raufdcgen an ihrer Seite klirrend. v de* Als Katharina die Herren hereinkommen sah, ma � Ausdruck ihres Gesichts noch finsterer und strenger. schneidender Stimme Hub sie an: � � W „Wie weit sott es denn noch kommen im ßa»l tiriiigen Dominikus, wenn übermüthige Junker also V �,t brechen und mit Gelagen und Gelärm die Klausur> zer Frieden stören? Was auch draußen toben Mfg•jjaeii sündigen Welt— in diesen Klostermauern des 9 � Dominikus sind Bräute des Himmels und schauen„pi, „Schauen sich jetzt nach einem anderen Bräutlga..�c soweit sie jung und hübsch sind," sprach mit etwa» 9 � Stimme— er hatte viel gezecht, gelacht und 9 PFe» — der Junker Hans Krebs, der Sohn aus dem st0 � Krebs'schcn Hause am Herrenmarkt. Der Junker w � von Bologna zurückgekommen, wo er swdirt hatte« ungezügelten Geistes geworden, voll vom Drang uaw' stp rungen; ihm schien das Eindringen in's Frau eben recht._..„ „Wer giebt Euch das Recht?" frug die Pr'�ÄsaliS� sie den kecken Junker zürnend mit den grauen Hab'*? ansah,„iver giebt Euch das Recht"---,,# „Wer mir das Recht giebt?" lachte der 3U?.(.eil'!!*! gute Frau, ich Hab' keine Lust, es Euch erst aus der?$ Schritt nachzuweisen. Vielleicht der da!" Und er M seinen langen Raufdegen, daß es klirtte. Zu§ 105 e wird ein Zusatz, beantragt von Dr. ßiutfleisch und Schmidt, angenommen, welcher lautet:„Das Versahren au Antrage wegen Zulassung von Ausnahmen für Betriebe, welche Ausschließlich mit durch Wind oder unregelmäßige Wasser- �oft bewegten Triebwerken arbeiten, unterliegt den Vorschriften �§§ 20 und 21. Die§§ 105 f, 105 g und 105 h werden in der Fassung der krsten Lesung angenommen, ebenso§ 106, ■Zu§ 107 liegt ein Antrag Schmidt vor, den Paragraph zu streichen, eventuell statt„minderjährige Personen" zu setzen »Personen, welche das 10. Lebensjahr nicht erreicht haben". Der Antrag wird mit 11 gegen 10 Stimmen abgelehnt und darauf rr Paragraph nach der Fassung der ersten Lesung angenommen Ohne Debatte werden unverändert angenommen§§ 108, 109, 10, III. Im§ 112 wird auf Antrag der Kompromißkommission hinter den Worten„oder unzulässige" das Wort„Merkmale" ein geschaltet. Der Abs. S des Z 113 erhält auf Antrag der Kompromiß Emission folgende Fassung: „Den Arbeitgebern ist untersagt, die Zeugnisse mit Merk nullen zu versehen, welche den Zweck haben, den Arbeiter in einer �kise zu kennzeichnen, welche aus dem Wortlaute des Zeugnisses "''Hl ersichtlich sind."— Im Uebrigen unverändert.§ 114 gleich- saus unverändert. Schmidt beantragt zu§ 115 im Abs. 2 das in erster Le- snng durch Stumm hineingebrachte Wort„durchschnittlichen" in streichen und hinter„rücksichtlich" einzuschalten:„Ter Stoffe 'Zuthateu) die durchschnittlichen Selbstkosten." M o l k e n b u h r beantragt: »In§ 115 Absatz 2 das neuausgenommene Wort:„durch- schnittlich" zu streichen. � Dem§ 115 im 1. Absatz ist folgende Fassung zu geben: „Die Gewerbetreibenden sind verpflichtet, die Löhne ihrer Arbeiter ohne andere Abzüge als die auf Grund ge- setzlicher Bestimmungen zulässig sind, in Reichswährung zu berechnen und baar auszuzahlen. Der Lohnzahltag darf weder ein Sonnabend, noch ein Sonntag oder Festtag sein, auch darf die Lohnzahlung nicht in Schankstätten, Ver kaufsstellen und damit in Verbindung stehenden Lokalitäten stattfinden. Die Lohnzahlung muß wöchentlich stattfinden und ist bei Akkordarbeiten, welche bis zum Lohnzahltag nicht zum Abschluß gebracht werden, eine der Leistung ent- sprechende Abschlagszahlung zu gewähren." . Di« Debatte auch über diesen Paragraph ist verhältnißmäßig r3' Von den meisten Rednern wird betont, daß sie die ainmissionsarbeiten nicht weiter in die Länge ziehen wollen, andern sich vorbehalten, ihre Ansichten bei der zweiten Lesung H Plenum zur Geltung zu bringen. Bei der Abstimmung werden die Anträge der Kompromiß Emission angenommen, welche lauten: Im§ 115 dem ersten Absatz beizufügen: Die Auszahlung darf ohne Genehmigung der unteren Ver waltungsbehörde nicht in Wirthschaften oder Verkaufsstellen erfolgen. t 2- Als Absatz 2 in§ 115 einzusetzen: Durch statutarische Bestimmung einer Gemeinde oder eines weiteren Kommunalverbandes kann für alle Gewerbebetriebe vder gemisse Arten derselben festgesetzt werden: 1. daß Lohn- und Abschlagszahlungen in festen Fristen erfolgen müssen, welche nicht länger als einen Monat und nicht kürzer als eine Woche sein dürfen; L. daß der von minderjährigen Arbeitern verdiente Lohn an die Eltern oder Vormünder und nur mit deren schriftlicher Zustimmung oder nach deren Bescheinigung über den Empfang der letzten Lohnzahlung unmittelbar an die Minderjährigen gezahlt wird; 3. daß die Gewerbetreibenden den Eltern oder Vor- Mündern innerhalb gewisser Fristen Mittheilung von den den minderjährigen Arbeitern gezahlten Lohn- _ betrügen zu machen haben." ©eroalt gegen fromme Klosterfrauen," rief die 9eh. Wenn rp""i-7— v,--------„Euch °.mnaen cm Man will Euch keinen Mann auf- alles weltlich wird, so werden die �'chen,.?1eI c�et Furcht haben, man könnte Einen aus- . J" UNh lfm f„ff nebm" u.nb ihn zwingen. Euch selbsten zum Ehegespons zu Men! Der liebe Gott behüte uns vor solcher Gewalt!" c Gekicher, das zum schallenden Gelächter ward, gina ünk, en Schwestern los; die Priorin aber ward bald roth bald bleich. W?®0 stürzet Alle Häuptlings in den Sündenpfuhl," 0 t'e drohend;„der Tag wird kommen, da man Rechen- hier„ �dert von Euren armen Seelen. Aber rch werde ve��shalten bis ans Ende; ich werde das Kloster mcht apz�is die Knechte eines hohen Raths kommen und Euch 'den," sprach Hans Krebs.„Glaubt Ihr, daß ein b vom Himmel dazwischen fährt �.... "snl e'cht!" sagte Katharina Eulerin sngrlmnng. � fsttQrfi s, uür wollen hinaus aus diesen düsteren Mauern, fris�b das Freifräulein Gutta von Seldeneck, eine zierliche, iWSSSSLAAZ iiiu inexiiem ajuu» imu im»• ., näj. �a, ich will hinaus mit meinem Hans. ihn, ig eilte hin zu Hans Krebs und schmiegte sich an I fUjUHVt-*, *'- WkA*** ■.„cvrf, �awegung entstand unter vru«wi—,- Ischen meinen Adam nicht mehr durch den unter- nurm A. Iwleiu Eilde der heilige Dominikus an V" tief oas der, Staudt, und fiel dem Junker Adam von �<�jünter ihr stand, jauchzend in die Arme. �--rdifchen Gänge unter dem Dominikanerinnen� wen. � beutigen Rentamt, sind in neuerer Zeit bloßgelegt a) Dem ersten Absatz des§ 115 als besonderen Absatz zuzu- fügen: „Lohneinbehaltnngen, welche von den Geiverbe-Unter- nehmern zur Sicherung des Ersatzes eines ihm ans der widerrechtlichen Auflösung des Arbeitsverhältnisses er- wachsenden Schadens ausbednngen werden, dürfen bei den einzelnen Lohnzahlungen ein Viertel des fälligen Lohnes, im Gesammtbetrage den Betrag eines durchschnittlichen Wochenlohnes nicht übersteigen." b) Den Absatz 2 des§ 115 als besonderen§ 115 a anzunehmen, dabei aber dem ersten Satz folgende Fassung zu geben: § 115 a. „Die Gewerbetreibenden dürfen den Arbeitern keine Maaren kreditiren. Die Verabfolgung"(unverändert Absatz 2 des§ 115). Für die reaktionäre, seitens der Arbeiter einfach unan- nehmbare Bestimmung in Ziffer 2(Lohnzahlung an die Minderjährigen betreffend) stimmt auch der freisinnige Ab- geordnete G u t f l e i s ch! Die Anträge auf Streichung des Wortes„durchschnittlich" werden abgelehnt und dann§ 115 mit obigen Zusätzen und der neu eingeschobene§ 115 a angenommen Unverändert gelangen zur Annahme die§§ 116, 117, 118 und 119. Zu§ 120(Fortbildungsschulen) Abs. 1 beantragen Hart mann, Kleist-Retzow, Hitze und Stumm: 1. In der ersten Zeile von Absatz 3 vor„Arbeiter" das Wort „männliche" hinzuzufügen. 2. Dem 3. Absätze folgenden Satz hinzuzufügen: Die Gemeinde- Fortbildungsschule sind die jungen Leute nur dann zu besuchen gehalten, wenn sie keine von der höheren Verwaltungsbehörde anerkannte Jnnungs-, Fach- und Fortbildungsschule, oder eine sonstige von der höheren Verwaltungsbehörde genehmigte Fortbildungsschule besuchen. Hierzu hält Herr v. Kleist-Retzow eine große„christlich- evangelische" Rede gegen weibliche Fortbildungsschulen und für die sogenannten Fachschulen der Innungen. Schmidt beantragt, den zweiten Satz im Absatz 1 zu streichen und dafür zu setzen:„Für Arbeiter, welche Fortbildungsschulen besuchen, ist die Arbeitszeit derart zu ordnen, daß die im§ 136 vorgeschriebenen Pausen nicht beeinträchtigt werden und daß die Summe der Arbeitsstunden und der Schulstunden innerhalb sechs Wochentagen die Zahl 60 nicht übersteigt. Geh. Rath L o h m a n n ist dagegen, weil das Kleingewerbe dadurch zu sehr belästigt würde. An der Debatte betheiligen sich Wöllmer, Schmidt, Hähnle, v. Puttkamer, Hitze, Möller. Handels minister v. Berlepsch konstalirt, daß in Preußen das Fortbildungs-Schulwesen hinter anderen, namentlich hinter den uddeutschen Staaten zurückstehe, woher es auch komme, daß in Preußen das Knnsthandwerk nicht den Aufschwung genommen habe wie in anderen Bundesstaaten. Aus zahlreichen behördlichen Bescheiden bringt er zum Vortrag, daß der Hauptwiderstand gegen den Besuch der Fortbildungsschulen von den Kleinmeistern aus- gehe, welche eine Weiterbildung der Lehrlinge aus Konkurrenz� gründen und weil sie die Arbeitskraft der jungen Leute möglichst ausbeuten wollen, nicht wünschen. Der Unterricht müsse des- halb unter allen Umständen obligatorisch werden, man dürfe aber, um die Durchführung zu ermöglichen, die Sache den Gemeinden nicht allzu sehr erschweren. Als solche Erschwerung ei aber die gänzliche Streichung des Sonntagsunterrichts an- zusehen, wie er in dem Antrag Schmidt enthalten ist. Die Angriffe Kleist-Retzow's auf Haushaltungs- und weibliche Fortbildungs- chulen weist er zurück, ebenso dessen Lobpreisungen der „Jnnungsschulen". Die Innungen stünden zu seinem Bedauern nicht auf der Höhe, in ihren„Fachschulen" etwas Ordentliches zu leisten. Was sie bieten, ist durchaus ungenügend. Bei der Abstimmung wird der konservativ-klerikale Antrag, den Schlußsatz zu fassen:„Der Unterricht darf nicht am Sonntage vor dem Hauptgottesdienste oder während des elben stattfinden" mit 15 gegen 10 Stimmen angenommen, ebenso der Antrag auf Beisetzung des Wortes„männlich", desgleichen der oben erwähnte Kleist-Retzow'sche Antrag, betreffend die Bevor- zugung der Jnnungsschulen und der Kompromißbeisatz zu Abs. 3: „Durch statutarische Bestimmung einer Gemeinde oder eines weiteren Kommunalverbandes". Die anderen Amendements sind damit gefallen. Der ganze§ 120 wird hierauf mit diesen reizenden„Verzierungen" mit 12 gegen 11 Stimmen angenommen. Um IVi Uhr Vertagung der Sitzung auf morgen 10 Uhr. „Und ich will nicht mehr hinter dem trübseligen Gitter auf die Lieder lauschen, die mein Nikolaus mir draußen, bei Sturm und Wetter, vor der Klostermauer in der Todten- weth singt. Ich will hinaus; unter der alten Eiche im Garten meines Vaterhauses soll er mir singen." So rief Mechthilde Bejold und eilte, sich dem sreude- strahlenden jungen Rathsherrn Schertling anzuschließen. Katharina Eulerin, die würdige Priorin, stand wie erstarrt. Ihr Blick belebte sich wieder und flog von einer der Sünderinnen zur andern. Die Mädchen erschauerten unter dem stechenden Blick der stahlgrauen Augen und welche von ihnen einen Geliebten, Freund oder Beschützer im Konvent- aal hatte, schmiegte sich eng an seine traute Seite. „Heuchlerinnen!" zürnte die Priorin.„Während Ihr also mir ins Gesicht schön thatet und Euch stelltet, als sei des heiligen Dominikus Zucht und Ordnung von Euch geachtet, brächet Ihr schnöde Euer Gelübde und triebet Euch in Buhlschaften umher. O daß ich solchen Tag erleben mußte!" „Wir freuen uns dieses Tags, da einmal die lichte Sonne in des Klosters Dunkel scheint", sagte der junge Begold, der ein glühender Anhänger der Volkssache war. Die Stimme der Priorin aber erhob sich zum Keifen. „Wahrt Eure Zunge, junger Herr!" rief sie drohend. Aber der Junker lachte. „Die frischen Lippen Eurer Damen können nicht auf die Küsse des heiligen Dominikus warten", spottete er,„und der Klosterwein darf auch nicht zu alt werden, soüst verliert er sein Feuer. Uebrigens Hütt' ihn der alte Schleicher dort" er deutete auf den Klosterförster—„auch wohl aus- ehoben. Was von seiner Nase leuchtet, ist auch kein .eiligenschein." „Lästerer!" strafte die Priorin.„So redet man nicht im Kloster." Drob erboste sich wiederum Mechthilde Begold, des Junkers Schwester. (Fortsetzung folgt.) i uuu; uuj ä'wjw ad Versammlungsrecht stammt aus der Die folgende Verordnung trägt das Das Grga« des Abg. Engen Richter konstatirt mit geheuchelter Verwunderung, daß Bebel's Buch über„Die Frau" von sozialdemokratischen Rednern desavouirt werde. Ob denn wohl jemals eine politische Partei daran gedacht, eine umfangreiche Schrift eines Parteigenossen mit allen ihren Einzelheiten als für die Partei verbindlich hinzu- 'teilen? Richter stellt sich, als ob er den Unterschied zwi- chen einem Parteiprogramm und einer einzelnen Agita- tionsschrift bezw. Studie nicht verstände. Er muß sein Publikum doch für sehr dumm halten. Endlich phantasirt Richter, da das Bebel'sche Buch jetzt nirgends zu haben sei, so beabsichtige man wohl, es verschwinden zu lassen. Herrn Richter scheint mit der Zeit das Vermögen der Untersckei- dnng zwischen Wirklichkeit und Einbildung ganz abhanden zu kommen. Knebelung deS politischen Vereins- und Versammlungs- rechts in Mecklenburg-Strelitz: Die Strelitzer Regierung hat unter dem 20. November beim Strelitzer Landtag be- antragt, das berühmte Mecklenburg-Schwerinsche Vereins- und Versammlungsrecht auch auf Strelitz auszudehnen. Dieses sogenannte Vereins- und � ersten Reaktionszeit. Datum vom 27. Januar 1851 und lautet: 1. Die Abhaltung von öffentlichen Versammlungen zu politischen Zwecken oder die Bildung von Vereinen zu poli- tischen Zwecken darf nur mit Genehmigung unseres Ministeriums des Innern geschehen. 2. Dasselbe ist ermächtigt, diejenigen jetzt vorhandenen politischen Vereine, von deren Wirksamkeit ein nachtheiliger Einfluß auf die Ruhe und den inneren Frieden des Landes zu besorgen ist, sofort zu verbieten und alle zu deren Auflösung erforderlichen Maßregeln zu treffen. Zu dieser Verordnung ist noch eine solche vom Jahre 1877 gekommen, welche auch für die nach dem Reichs- Wahlgesetz zulässigen Wahlvereine Namensangabe der Mitglieder und des Vorstandes sowie Mittheilung der Statuten an die Ortspolizei-Behörden verfügt. „Mieder mit der Arbeiterorganisation", das ist die Parole der herrschenden Parteien in Deutschland. Eine schamlos wüste Propaganda des Unternehmerthums fordert die Be- seitigung oder möglichste Beschränkung der Koalitionsfreiheit der Arbeiter. Diesem Triebe gegenüber sei hingewiesen auf das Urtheil, welches ein ebenso kompetenter wie unparteiischer Mann, einer der bedeutendsten Volkswirthschafter Amerikas, Richard T. Ely in einem soeben erschienenen Buche über die„Arbeiterbewegung Amerika" zu Gunsten der Arbeiterorganisation gefällt hat. Da heißt es u. A.: Können die Arbeiterorganisationen die Zustände der Arbeiter verbessern? Allerdings. In erfreulichstem Maße. Denn die Arbeiter- Vereinigungen befähigen ihre Mitglieder, das Arbeitsangebot zeitweise dem Markt fernzuhalten und bessere Bedingungen abzuwarten. Durch sie wird also die Arbeit erst in Wahrheit ein Gut und der Arbeiter ein Mensch. Die Organisationen unterstützen ihre Mitglieder bei der Arbeitssuche mit Rath und That, durch ihre Zeitungen mit Ankündigungen über Angebot und Nachfrage, sowie durch Reisegelder. Sie halten auch bei sinkender Nachfrage die Löhne möglichst auf der vorher üblichen Höhe und sichern dadurch den„Standard of llfe" (Lebenshaltung) der Arbeiter. Sie unterstützen die Arbeitslosen. Sie erwecken in allen ihren Angehörigen Rücksichtnahme auf die Wohlfahrt der Anderen, Solidaritätsgefühl und Pflichtbewußtsein. Sie verhindern ungeordnete, planlose Streiks und vermindern die Zahl der Arbeitseinstellungen überhaupt. Und eine fast gleich bedeutsame Rolle wie als Regulator des Arbeitsmarktes spielen die Arbeitsorgani- sationen als Bildungselemente. Richard T. Ely mißt ihnen be- züglich ihres Einflusses auf die Kultur der Massen die nächste Stelle an Wirksamkeit nach den Kirchen und öffentlichen Schulen bei, vor denen sie überdies noch die Entwicklung der ge- stimmten Persönlichkeit voraus haben, in allen ihren Be- Ziehungen zur Ethik(Sittlichkeit), zur Gesellschaft, zur Polittk und zu den individuellen Anlagen. In den Arbeitervereinen, im Berkehr mit seinen Genossen, gelangt der Arbeiter erst zum Ge- fühl und zur Erkenntniß seiner Interessen. Er lernt die Bibliotheken benützen, lernt seine Gedanken formuliren und aus- sprechen. Auf diese Weise stellen die Arbeiterorganisationen eine ersprießliche Vorschule für das praktische öffentliche Leben und die Theilnahme an politischen Dingen dar. Außerdem ent- zieht den Arbeiter eine solche würdige Beschäftigung seiner Fähigkeiten den Verführungen des Trunkes. Die Arbeiter- Assoziationen Amerikas gehen soweit, daß sie Trunkenbolde statu- tarisch ausschließen. Selbst eine größere Höflichkeit der Sprache und die wohlanständige Art, sich zu geben, muß den Angehörigen der Arbeiterverbindungen nachgerühmt werden. Auch der Anfang ivr Begründung erfolgreicher Kooperativgenossenschaften wird sich ediglich im Durchgangswege durch die beruflichen Arbeiterorgani- sationen erreichen lassen. Ely rühmt von den Organisationen ferner, wie fördersam sie dem Versicherungswesen sich erweisen, wie energisch sie den ge- werblichen Schiedsgerichten vor- und in die Hände gearbeitet haben, wie sehr sie demnach als ein Element des friedlichen Fort- schritts anerkannt werden müssen. Zur Verantwortlichkeit der Redakteure, Verleger und Drucker hat die Strafkammer in Stolp entschieden, daß in Fällen, wo der sogenannte kopflose Theil eines Blattes an an- derer Stelle gedruckt wird, auch dieser Drucker auf dem Blatte namhaft zu machen ist. Drucker sei derjenige, in dessen Offizin, nicht derjenigen durch dessen manuelle Thätigkeit die Druckschrift hergestellt worden ist. Frankfurt a. M. Gegen unfern Genossen, den Redakteur der„Frankfurter Volksstimme", Hoch, schweben mehrere neue Anklagen. Wegen angeblich in einem Artikel über seinen letzten Prozeß gebrachter Beleidigungen der Staatsanwaltschaft und des Gerichts wurde Hoch abermals in Haft genommen. München, 28. November. Der Zeugnißzwang- Paragraph hat wieder einmal ein Opfrr gefordert. Unser Bruderorgan, die „Munchener Post", hatte eine harmlose Aeußerung über das Referat eines Beamten in der Fleischfrage gemacht, ohne jedoch den Namen des Beamten oder den Dienstort oder irgend sonst eme nähere Bezeichnung beizufügen. Trotzdem wurde der für den lokalen Theck verantwortliche Redakteur Schwab von, Amtsgericht München I vorgeladen. und da er natürlich jede Auskunft verweigerte, zu 100 Mark eventuell 10 Tage Hast ver- urtheilt, Vviefknften vor Vedakkiotr. Bei Antragen bitten wir die AbonneulentZ-Quittung beizusügen. Brieflich Antwort wird nicht erthetir. Herrn A. f., Falkenberg. Der Artikel ist richtig an- gekommen und wird verwerthet werden. Die Austrage sur d»e Expedition sind dieser übermittelt worden. Theatsr. Mittwoch, den 3. Dezember. Gperuhaus. Sinfonie-Abend. Schanspielliaus. Die Anna-Life. Lesstng-Thcat-t'. Die Ehre. Sevlinev Theater. Kenn. eutsches Theater. Faust's Tod. t'riedrich-UljlhelmItädt. Theater. Königsgardist. Sonne und Erde. Malluer-Theater. In Hemdsärmeln. Pension Schöller. Restdrnz-Theater. Der Kampf ums Dasein. Viktoria» Theater. Die sieben Raben. IlelleaUiance-Thcater. Einer von uns're Leut'. Ostend- Theater. Die Grille. Thomas» Theater. Der Soldaten- freund. Adolph Ernst-Theater. Unsere Don Juans. Knrgerliche» Schanjpielhan». Der Eisonkel. Kanfmann's Uariötö. Große Spe. zialitäten-Vorftellung. Theater der UeichshaUr». Große Spezialitäten-Borstellung. Conrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'« Uarivtö. Große Spezialitäten-Borstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27c. Clara Conrad, Lieder- und Walzsängerin. Jenny keimann, Kostüm-Soubrette. Mr. Samitti mit seinen dressirten Hunden. Mr. O. Worch, Produktionen römischen Ringen. Max Menzel, Gesangskomiker. Mr. Koberstein, Malabarist. Anfang Wochentags S Uhr. Sonntags SVa Uhr. 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'Vorstellung IIV2 u. 121/2 Uhr. rRrtchnt. v.dVä-Qi/aUHrj ' stündl. eine Vorstellung �Ertra-Eniree 80 Pfg Kinder frei. Goldscbmidt, iHOljlllülU Spandauerbrücke 6, am hiesigen Platze bekanntlich Gröhte Anawahl. Garantirt stcher brennende Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befind!. Rohtabake sind am Lager. A. Goldschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt.[746 1 Circns Renz. Karlstraße. Mittwoch, den Z.Dezember, Abends 7 Uhr: Geseizl. geschützt! Gesetz!, geschätzt! Im imnfien Mheil. (Einnahme von Bagamoyo.) Große equestrische Original- Pantomime, dem afrikanischen Leben entnommen, arrang. und in Scene gesetzt vom Dir. E. Renz. Außerdem wird besonders hervorge- hoben: Mr. I. F. Clarke, der phäno- menale Reitkünstler. Das Blumen- pferd Jfagar, vorgeführt von Fräul. Oceana Renz. Agat, Schimmelhengst, dress. und vorgeführt von Herrn Fr. Renz. Colmar, ger. v. Frl. Clotilde Hager. Fahnenquadrille, geritten von 16 Damen. Mm. Adele, Parsorce- reiterin. Mr. Burn. Fillis in seinen Saltomortales auf nngesatteltem Pferde. Auftreten d. berühmten Luftgymnastikers Mr. Rodgers. Komische Entree's und Intermezzos von sämmtlichen Clowns. Morgen Abend 7 Uhr: Vorstellung. E. Renz, Direktor. Zum heutigen Wiegenseste unseres! Kollegen Adolph ein dreimal donnern- des Hoch! Adolph, Einen können wir| noch nehmen! 1807 1 Danksagung. Dem Vorstande des Vereins der Former, sowie sämmtlichen Mitgliedern, ivelche den Geburtstag meines ver- storbenen Mannes durch Niederlegung der prachtvollen Kränze in so ehren- voller Weise gedachten, sagt herzlichen und aufrichtigen Dank[1805 Witt wz Ernestine Rieger. Achtung! Achtung! Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Mittwoch, den 3. Dezember, Abends 71/2 Uhr: Große BrillMt-VorßellNg, bestehend aus 12 der besten Repertoir- Nummern zusammenges. Programm. Gr. Sensation der Neuzeit! Mit großen Kosten und Schwierigkeiten direkt von London engagirt. Nur 20 Auffahrungen. Zum 1. Male: In Berlin noch nicht dagewesen I Wunderbares u. überraschend komisches Land- und Wasser-Schauspiel: Eine ländliche Hochzeit. Große komische, equistrische Pantomime mit Ballet, arrangirt vom Direktor G. Schumann. In Scene gesetzt und Maschmerien von Brothers Mansell. Ballet vom Balletmeister A. Kihlbrerg . Nachtitrliches Wasser. Natürliche Nnberboote u. Dampf boote.— Gr. A eiterkeits erfo l g. Ein Triumph der Nachahmung de« Natürlichen. 150 Tonnen Wasser überfluthen in einer Minute die Manege.' r-Specialität. T Die WajsernMphell, dargestellt von den bestrenommirten Schwimmkünstlerinen Geschw. B 0 y c e, sowie Miß Jackson u. Perceval. Morgen: Gr. Vorstellung mit neuem Programm. Zum 2. Mal«: Eine liiniilillje Hchzeit. Der CirKns ist gut geHeist! DenWerTchneiher-n.Slhneihe- rinnen-Lerbanj!,Nl. Berlind. Donnerstag, den 4. d. Mts., Abends 81/2 Uhr, in Keller's Festsälen, Bergstr. 68: Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. Naturgesetze und Men- schenrechte. Ref. Frl. Wabnitz. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. 1619 (He Lokal- Verwaltung. Donnerstag, den 4. Dezember, Abends 81/2 Uhr, Weinstraße 11 bei Feindt: Delegirten- Versammlung der Tabakarbeiter und -Arbeiterinnen. Tagesordnung: 1. Der Ausschluß der Tabakarbeiter in Hamburg, Altona, Ottensen, Wandsbeck und Eschwege. 2. Verschiedenes. 1828 Die Kommifston. I" Neu. City-Passage. Neu Dresdener-Strasse 52. 1815 Täglich: Rudolf Förster-Konzert. Anfang 71/2 Uhr. Entree 20 Pf. J City-Passage. City-Concert-Haus,"W D r e s d e n e r st r. 52. Der 1000—1200 Personen fassende Saal ist Vereinen Nachmittags bis 5 Uhr und Sonntags Vormittags unent geltlich zu vergeben. 1816 Freundliche Bedienung. Pfefferbe rger Bier. m Achtung Böttcher! Die für Donnerstag, den 4. Dezember, angekündigte öffentliche Böttcher- Versammlung findet Umstände halber erst Dienstag» 9. Dezember, Abends 81/2 Uhr, in Keife» Salon, Lichtendergerstraße 21, statt.[1812 Arbeiteriunen-Bereiu suilmtlicher Berusszmige Kerlin« und Umgegend. Filiale Norden. Mittwoch, den 3. Dezember, Abends 6 Uhr: bei Nürnberg, Schönhauser Allee 28. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Pens über: Karl Marx über Frauen- und Kinder- arbeit. 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Tellersammlung findet statt. Herren als Gäste haben Zutritt. 1824 Die Ginberuferin. Große öffentliche Versammlung für Wanner und Kranen am Mittwoch, den 3. Dezember, Abends 8>/2 Uhr, im gr. Saale des Restaurant Königshof, BUlowstr. 38—4 Tages- Ordnung:~ 1. Vortrag. Referent Herr Kessler, Regierungs-Baumeister a.»� 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Zur Deckung der Unkosten findet eine geller- sammlung statt. Um recht zahlreiche Betheiligung bittet 940 Der Einberufer.___ Wft Fabnkarbeiferimiefl in am Donner st ag, den 4. Dezember, Abends 81/2 Uhr, im Vereinshause Süd-Ost, Waldemarstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Die Frau in der Industrie. Referent wird der Versammlung bekannt gemacht. 2. Diskussion. 3. Wie verhält sich§etI Menzels seinen gemaßregelteu Arbeiterinnen gegenüber? 4. Verschiedenes,, --""---------"--""--- e-~a—|S* Das Erscheinen sämmtlicher Fabrikarbeiterinnen nothwendig.— Herren haben Zutritt. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Die Agitations-Kommission. 1820 Große öffentliche Versammlung der Eisen- und Metalldreher am Donnerstag, den 4. Dezember er., Abends 8 Uhr,"»B bei Keller, Bergstr. 68(oberer Saal). Große öffentliche Tischler-Uerjammlung am Donnerstag, den 4. Dezember, Abds. Sv« Uhr, in Joel s Salon, Andreasstraße 21(großer Saah- «moMAAsse- Zahlreiches Erscheinen ans allen Bezirken Berlins nothwendig. 18�5 Der Einberufer. der Kürschners Donner st ag, den 4. Dezember, Abends SV« Uhr, bei Hüttrich, Gollnowstr. 5: General- Versammlung. Tagesordnung: Wahl von Vorstandsmitgliedern' und einer Kommission zur Prüfung der Rechnungen pro 1890.— Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches Er- scheinen ersucht 1829 Der Vorstand. I. A.: W i l h. Sander. Hierd. erkl. ich, daß der Tischler Fritz Haak kein Spitzel ist. Charl. Schmidt. Zimmerleute Berliks k. Iii# Br Oeffentliche Versammlung% am Sonntag, den 7. Dezember, Vormittags 10 Uhr, im Lokale des Herrn Feuerstein, Alte Jakobstraße 75. Tagesordnung: 1. Zweck und Ziele der freien Hilfskassen gegenüber den Ortskasl''' Referent Herr Oskar Niemeyer- Hamburg. 2. Diskussion. Das Erscheinen sämmtlicher Zimmerleute ist erforderlich. 1808 Der Einberufer.___, Oeffentliche Versammlung der Maurer von Steglitz und Friedenau am Mittwoch, den 3. Dezember, Abends 8 Uhr, im Kurhaus zn Friedenau. Tages-Ordnung: 1. Stelluugnahme zur Gründung eines Vereins. 2. Wahl eines pch. sorischen Vorstandes. 3. Verschiedenes. Referent wird in der VersamMw t bekannt gemacht. Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Ginbernfer. I Gefangoerein sucht stimmbeg. Herren. Jeden Freitag Swinemündcrstr. 70, Restaurant.[1826 S. Heine Chausseestr. 14. Die schönsten Kikiittkleiijer#-Wen für Mädchen jeden Alters, sowie Morgenriilke, llnterrölke, Trikottkillen n. Blsnsen, auch im Einzelverkauf sehr billig! Maaßbestellungen u. Reparaturen werden prompt erledigt! Normal-Unterkleidcr und Triko- tagen für Herren, Damen und Kinder. Strümpfe, Socken, Hand- schuhe zc. CWWlls S. Heine. m Kalauer Abendbrot.» Jeden Abend: 128 Pellkartoffeln mit Leinöl. Breslauer Strasse 27. Resta n r a n t zum?I m b o s. Soeben erschien Der lvllhre Jacob Nr. 114. Zu beziehen Beuthstraße 3. durch die Expedition Winter- Valetats und Anzüge bei billigsten Preisen empfiehlt das bekannte Herrell- ilnb Kvaben- Carberobe- Ceschast von 425 Julius Lindenbaum Große Fraukfurterstr. 139, Spezialität: Anfertigung nach Maaß und Arbeitssachen. (Kitte gena« auf Firma und Hausnummer zu achten.') 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Dezember zur Versenimg. Die erste, 25 000 Vrempiar» starke Auflage ist durch DaransbesteUnngen»ahez« abfarbirt. Wir bitten überall da, wo es noch nicht geschehen, um Voraus- bestellung; dir Grpedition erfolgt nach der Ueihrnfoigr de» Einganges derselben. Von 20 Exemplaren ab ist der Nettopreis ä 40 Pfg. excl. Porto resp. Fracht und bitten wir, zur Vereinfachung des Geschäfts- ganges, den entfallenden Betrag thunlichst der Bestellung beiz»- fugen. Das Postporto beträgt für 1 Exemplar 20 Pfg., 2 u. 3 Exemplare 30 Pfg., mehr bis zu 20 Exemplaren per Postpacket 50 Pfg. Verantwortlicher Redakteur: Curt Aaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Dading in Berlin S�V„ Beuthstraße 2, Hierzu eiur KeiinS�' : Nr. 382. Mittwoch, den 3. Dezember 1890. 7. Jahrg. D«rlsmenksvsriÄzks. Neutscher Reichstag. 33. Sitzung vom 2. Dezember. 2 Uhr. ti*�m �sche des Bunvesrathes: v. Caprivi, v. Boet- ,,,5��, v. Maltzahn, v. Marschall, Vizeadmiral Holl- ���sminister v. Kaltenborn, v. Oehlschläger Anf���ent u. LrvehoW theilt mit, daß das Präsidium aus grJGp der Vermählung der Prinzessin Viktoria mit dem Prinzen di- l Schaumburg dem Kaiser und der Kaiserin Friedrich g. Ä�dietigsten Glückwünsche des Reichstags dargebracht habe. dan» iestät der Kaiser habe ihn beaustragt, dem Reichstage zu ehalten gleichen Auftrag habe er von der Kaiserin Friedrich frit,®6''1 verehrten Mitglied? des Reichstages, dem Senior des- g» Vn.dem Grafen Moltke, hat das Reichstagspräsidium zum der?tstage die Glückwünsche des Reichstages dargebracht; Muckwunsch ist in freundlichster Weise angenommen worden. dos k �st minder wird der Reichstag damit einverstanden sein, Präsidium dem langjährigen früheren Präsidenten des ch�tages, dem Präsidente» des Reichsgerichts v. Simson, ((Wacht"} f®ebul'stn3e die Glückwünsche des Reichstages dar- »i.,.�>lorben sind seit der letzten Sitzung die Abgg. Grab, Sbljchj� U1,d Stöhr; das Haus ehrt ihr Andenken in der �(deigele�gg. v' Schorlemer-Alst haben ihr Mandat ireks.?!!� Tagesordnung steht zunächst der Gesetzentwurf be- deiche die Vereinigung von Helgoland mit dem Deutschen liir j?��sekretär v. KLtticher: Es ist ein günstiges Omen sick f'C �wiederaufnähme der Arbeiten des Reichstages, daß es ftim, Mm(inen Gesetzentwurf handelt, der die ungetheilte Zu- aller Parteien findet. Ich möchte wünschen, daß die übrigen de» vut gleich ungetheilter Theilnahme aufgenommen wür- L.' Tie Nachricht von dem friedlichen Erwerb dieser Insel D». überall im Deutschen Reiche großen Beifall gefunden. von. jierb der Insel brachte die Erfüllung eines Wunsches, der iviiri," Mitgliedern der Nation seit langen Jahren gehegt >vick�' d"ß auf dieser Insel, welche vor der Mündung zweier inön» �deutscher Ströme liegt, auch die deutsche Flagge wehen rirt8 ilvenn ich auch nicht verkennen will, daß die erste Nach- & der Einverleibung'" u'«1 felbft mit getheilten G g"i»nals den Eindruck empfing, daß damals mit einer gewissen Dilil+a die Zukunft gesehen wurde, weil die deutsche Wehr- ftih u,1d die deutsche» Stenern im Auslande gefürchtete Dinge kein' �"d weil mau sich erst daran gewöhnen muß(Heiter- rank f0 muß ich doch sagen, daß nach dreimonatlicher Ver- du,.* g seitens Deutschlands die Helgoländer dank dem Ein- (vor' melchen die Anwesenheit des Kaisers bei der Besitz- K�stung hervorgerufen hat, gern und freudig in den neuen teei» �"gesegelt sind. Ich muß hierbei den Dank der Reichs- fliitn mg aussprechen für die wohlwollende freundliche Unter- d,,�Mg seitens der großbritannisckien Regierung, welche auf die ltati eu Wünsche bezüglich des Ueberganges bereitwilligst einge- l�,3en ist. Ich habe persönlich meinen Dank auszusprechen dem i.. M Gouverneur der Insel, den leider schon der Rasen deckt, von der Einverleibung der Insel in Deutschland auf der efühlen aufgenommen wurde, wenn «hn.'lE" Verwaltung............. a-------,------- i™* Störung in ihre Thätigkeit eintreten konnte. Der Kaiser Zx"amens des Reiches die Insel übernommen und aus dieser lib°v ergab sich, daß zunächst die Verivaltung vom Reiche zukommen werden mußte. Dabei konnte es indessen nicht viiiii' Man hat sich den Kopf zerbrochen, man nieinte, erst dos Hetgolaud in Preußen einverleibt werden, dann werde sich dos M'dere finden. Wir find anderer Meinung gewesen; *4 ist im Besitz der Insel, das Reich muß die In,,. Vorschriften treffen. Die weitere Frage war: Soll Helgo- Cin fßT hlfffiiiiXinoS fviTSöit wir» Xe ß �Woirfi Z" ein selbstständiges Staatswesen bilden wie die Reichslande. nl.�.soll es einem deutschen Staate angeschlossen werden. W'r �oten, die Frage dahin beantworten zu müssen, daß die Insel em deutsche» Staat anzuschließen sei, weil dadurch ohne Auf- zMid von besonderen Apparaten die Verwaltung erfolgen kann. n„ Geschichte der Insel, welche bis 1807 einem deutschen Lande Khort hat, weist darauf hin. sie diesem Lande wieder zu, u- N*n. Wir schlagen vor. daß Helgoland dem preußischen Staate "-"wiesen wird.• An der Bereitwilligkeit Preußens und s-mer e ingebenden Faktoren, die Insel in sein Staatswesen au zu- nZ'n-n. wird Niemand in diesem Hause zweifeln. D,e Be- hj.°ung der übrigen' Vorschriften ist ausführlich gegeben. iw-achfl konnte in das Zollgebiet nicht aufgenommen : deshalb mußte ei» Aversum für sie festgestellt die Wehrpflicht blieb ausgeschlossen für die lebende fc.L. ,9i'oii, wodurch eine wesentliche Schwächung der deutschen tlki?o..-?ft wohl nicht entstehen wird. Die Insel soll einem baii- che» Wahlkreise zugelegt werden und schließlich sind die ein.'i'Md seepolizeilichen Vorschriften wegen der Reichskriegshäfen Yir, lu,yrt worden. Ich hoffe, daß Helgoland unter deutscher astung einer recht glücklichen Zukunft entgegengeht.(Beifall.) % Ä»•«ruda: Ich habe Helgoland seit 50 Jahren mehr Mal besucht und habe immer dabei das Gefühl gehabt, nanziclle Opfer vollzogen wer- Wjf�'wen; aber inan darf dieseOpfer nicht unterschätzen. Die Wehr- 3(iüiL,'t für Helgoland bezüglich der lebenden Generation nicht ein- : aber ich hoffe und die Helgoländer selber hoffen es, daß ihre als Soldaten sreiwillig in das Heer eintreten werden. flffteiu den Helgoländer» die Option für England frei- Hein"..worden, aber von dieser Freiheit ist von keinem einzigen »jche Zander Gebrauch gemacht worden. Ein Nachtbeil ist es >W daß die bestehenden Rechtsverhältnisse aufrecht erhalten ."lebt•.Ich habe mehrere Trauungen nach dortigem Rechte Ilaben% kann bestätigen, daß sie zu den besten Ehen gefuhrt Ü"l>eti.Jch wünsche, daß n,an die Wohlfahrtseinrichttmgen noch 5 anaefieur weroen, niu„e» ,o....., n? den dort leben können. Denn Helgoland ist sehr theuer, Ss r Di,, m?ken liegt eine sehr große Pflicht der Repräsentativ» bİlnnt> ,�allnisse iiiüssen dieselben bleiben, wenn der Kurort Sie° Bedeutung behalten soll. Ich kann nur bitten. � Helnir Sreitden dieser Vorlage zustimmen. Gott sei Dank, k wieder deutsch ist.(Beifall.) d>erb ß»n.udthorst: Ich kann auch nur wünschen, daß der Ä zum Segen für dieselbe und für ihre Bewohner- foW« in Ad- Auf die Einzelheiten will ich nicht eingehen, das die zweite Lesung. Ich kann nur wünschen, daß die in,0"! in» l""d Rechtsverhältnisse nach jeder Richtung hin ge- "d°n; alle berechtigten Eigenthümlichkeiten müssen er- "'«rden. Das ist in Preußen leider nicht geschehen (Heiterkeit); so beabsichtigt man in Preußen die wohlgeordnete hannoversche Schuleinrichtung von Grund aus unizustürzen. (Heiterkeit.) Es ist nur angemessen, daß die Vorlage nicht von Geldforderungen begleitet ist.(Zuruf: Kommt noch!) Ohne Geld wird es ja wohl nicht abgehen, aber ich rathe, die Sachen so einzurichten, daß wir möglichst billig dabei weg- kommen. Den Wunsch des Herrn von Benda, den Gouverneur möglichst hoch zu dotiren, kann ich nicht unterschreiben; die Regierung ist ohnehin nicht sehr sparsam bei ihren Gehalts- bemessnngen. Für die Erwerbung der Insel müssen wir der Re- gierung Dank sagen. Abg. Richten: Der Erwerb der Insel hat eine gewisse inter- nationale Beschränkung unserer kolonialen Bestrebungen zur Folge gehabt. Damit sind wir vollständig einverstanden. Wen» sich noch eine solche kleine Insel in deutschen Gewässern finden sollte, so würden wir Gelegenheit haben, noch einen anderen Theil der deutschen Schutzgebiete mit Anstand los zu werden. Abg. v. erklärt namens der Deutschkonservativen sich für die Vorlage. Ohne jemals in Helgoland gewesen zu sein, habe er immer das Gefühl gehabt, daß es beschämend sei, daß diese vor den deutschen Flußmündungen liegende Insel nicht deutsch sei. Abg. Stadthageu(Sozialdemokrat): Ich habe gegen die Vorlage juristische und staatsrechtliche Bedenken und beantrage deshalb, den Gesetzentwurf einer Kommission von 14 Mitgliedern z» überweisen. Es ist nicht klar, wer denn eigentlich die Vertrag- schließenden seien. Auf der einen Seite zweifellos England, ob auf der anderen Seite die deutsche Regierung oder der De. tsche Kaiser, geht nicht klar aus der Vorlage hervor. Nimmt man an, der Bertrag sei namens Deutschlands abgeschlossen, dann würde Artikel 11 der Reichsversassung in Anwendung kommen müssen und die Genehmigung des Reichstages erforderlich sein. Daß die Helgoländer selbst die Zugehörigkeit zu Preußen wünschen, kann ich nicht anerkennen. Der Geschichte nach ist Helgoland nicht mit Preußen resp. Schleswig-Holstein, sondern vielmehr, nament- lich in seinen wirthschaftlichen Interessen mit Hamburg und Bremen verbunden, das wird mir auch der alte Badegast aus Helgoland bestätigen. Die Helgoländer wollen Deutsche, aber nicht Preußen sein, ihre Vergangenheit weist vielmebr auf Dänemark zurück. Die Helgoländer haben von dem Anschluß an das Deutsche Reich erwartet, daß ihre wirthschaftliche Lage erheblich verbessert werde. Der größte Theil der älteren Helgoländer würde sehr dankbar sein, wenn Diejenigen, welche das Lootseuexamen abgelegt haben und als britische Unterlhanen dem Lootsengewerbe nicht haben nachgehen können, wenigstens nachträglich die Genehmigung er- hielten, als Lootsen etwas verdienen zu können. Denn die wirthschaftliche Lage der Helgoländer ist nichts weniger als glänzend. Wenn schon der Helgoländer Gouverneur angeblich nicht in guten Verhältnissen leben soll, wieviel weniger die Schiffer und Fischer. Ferner müßte den Fischern eine Subvention gegeben werden, damit sie sich größere Fahrzeuge für die Fischerei anschaffen können. Ich nehme das Wort„patriotisch" nicht gerne in den Mund; es wäre aber im höchsten Grade pairiotisch, dafür zu sorgen, daß die wenigen neuen Deutschen, die dazu gekommen sind, in ihrem wirthschaftliche» Erwerb ge- bessert werden. Das würde nicht so viel Geld kosten, wie der neue Gouverneur in Empfang nehmen wird. Ebenso wäre es im wissenschaftlichen Interesse wünschenswerth, wenn ähnlich wie in Neapel in Helgoland eine zoologische Station zur Erforschung der Meeresfauna errichtet würde. Höchst bedenklich erscheint mir, daß in der Vorlage die Verkünimerung des Optionsrechts der Helgoländer erblickt werden könnte. Es ist nicht richtig, daß die Helgoländer ipso jure durch den Vertrag etwa Deutsche geworden seien. Die Helgoländer haben weder Lust, Deutsche, noch Dänen, noch Engländer zu werden, sondern zu bleiben, was sie sind, nämlich Helgoländer. Man hat sie gar nicht gefragt. Es müßte eine reichsgesetzliche Kautel? geschaffen werde», daß die Helgoländer bis zu einem Zeitpunkt erklären können, ob sie Deutsche oder Engländer sein wollen, und daß nicht Diejenigen, welche nicht für Deutschland optire», aus ihrem Heimathland vertrieben werden. In der Befreiung von der Militär- und Zolllast sehe ich das Einzige, was auf die Helgoländer günstig gewirkt hat. Staatssekretär v. Köttichrr: Die Mehrzahl der Wünsche des Vorredners wird erst erfüllt werden können, wenn die Vor- läge angenommen worden ist, wenn die Insel zu Preußen ge- schlage» wird. Die Helgoländer haben das Vertrauen, daß ihre Interessen von der neuen Regierung, mag das die preußische oder die deutsche sein, wahrgenommen werden. Bezüglich der Option ist Alles vorgesehen; jeder Helgoländer, welcher keine Lust hat, Deutscher zu werden, kann erklären: ich optire für England. Eine besondere Bestimmung herbeizuführen, würde ich nicht für zweck- mäßig halten. Auf eine Zugehörigkeit mit Hamburg weist die Geschichte nicht hin, und ein Gesetz, welches diese Insel au Dänemark verweist, können wir im Deutschen Reichstage nicht mache».(Heiterkeit.) Damit schließt die Debatte. Die Verweisung an eine Kom- Mission wird abgelehnt; die zweite Berathung wird also sofort im Plenum stattfinden. Die Rechnungen der Kasse der Ober-Rechnungskammer für 1887—83 und 1838—80 werden der Rechnnungskommission über- wiesen. In erster Berathung erledigt das Haus den Gesetzentwurf betreffend die Kontrole des Reichshanshalts-Etats und des Landeshaushalts-Etats von Elsaß-Lothringen für das Jahr 1890—01. Schluß 8% Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr (Rechnungsvorlagen und Wahlprüsnngen). Zltarlmnentnvififtes. Der Abg. von Lchorlrmer-Alsi hat, wie bereits gemeldet, angeblich wegen Erkrankung, sein Reichstagsmandat niedergelegt. Er vertrat den Wahlkreis Bochum, der in sehr heißem Wahl- kämpf dem Zentrum zufiel. Mit einziger Ausnahme der Wahl von 1881 war der Wahlkreis sonst stets von den Abgg. Löwe- Calbe und Haarmann(natl.) vertreten. Bei den letzten Wahlen wurden in diesem Riesen- Wahlkreis im ersten Wahlgang 18 639 nationallibcrale, 4998 deutschfreisinnige, 21 889 Zentrums- und 8388 sozialdemokratische Stimmen abgegeben. In der engere» Wahl siegte Herr v. Schorlemer-Alst mit 29 869 St. über seinen nationalliberalen Gegner mit 28 8*4 St. Es wird hier jeden- falls wieder einen hitzigen Wahlkampf geben. Toktetles. Der Znckerstener-Entwnrf reiht sich in würdiger SBeife den anderen Steuerentwürfen an, ein gleiches Glied in der Keile der bisherigen Gesetzentwürfe Miquel'scher Patronanz. Der vor- nehmste Gedanke des Entwurfs geht darauf aus. den Ertrag der Zuckerbesteuerung von 60 auf 93 Millionen Mark zu erhöhen. Die Verbrauchsabgabe erfährt eine Erhöhung von 12 auf 22 M. pro Doppelzentner, die Materialsteuer wird aufgehoben. Sehr interessant ist uns die Begründung des Entwurfs, in der unumwunden zugestanden ivird, daß die Ausfuhrprämien den deutschen Zuckerkonsum um 31 413 101 M. vertheuern. Diese Summe repräsentirt den Geivinn, den die Zuckcrindustrie im letzten Jahre durch die Materialsteuer gemacht hat. Wenn sich die zirka 400 Zuckerindnstriellen resp. Fabriken in diesen Staatszuschuß theilen, so hat im Durchschnitt jeder der Zuckerproduzenten aus der Reichskasse einen baaren Zuschuß von 78 533 Mark erhalten, die großen Fabriken natürlich entsprechend mehr. Das ist ein großes Geschenk ans Kosten der Steuerzahler und wir be- greifen sehr wohl, daß man sich beeilt, den neuen Kurs auch hier einzuführen und mit der Prämienwirthschaft auf- zuräumen. Was wäre nun natürlicher, als daß man dieselbe so schnell wie möglich beseitige. Doch dazu kann man sich in den Kreisen unserer Regierung nicht entsckiließen. Die armen Znckerbarone, die jahrelang in unerhörter Weise die Hilfe des Staates in Form von Geschenken für sich in Anspruch genommen haben, könnten ja das Entziehen dieser Zuwendungen nicht ertragen. Der Staat aber, der in den alten Bahnen nicht gut weiter wandeln kann, kündigt ihnen gewissermaßen die Geschenke auf, und zwar nach fünf Jahren. Man will den Herren ordentlich Zeit lassen, sich langsam an die neuen Verhältnisse zu gewöhnen. Vielleicht wird man sich allenfalls zuvörderst aus eine Herabsetzung der Ausfuhr- prämie verständigen, um den Uebergang nicht allzu jäh zu gestalten. Die Herren Zuckerindustriellen wehren sich selbstredend mit aller Entschiedenheit gegen diese Bestimmung. Die freikonser- vative„Post" fabulirt von einem Verfall der Zuckerindustrie. Sie jammert, daß die Abschaffung der Ausfuhrprämien und die Erhöhung der Verbrauchsabgaben zugleich die Lebensfähigkeit eines großen Theils der Landwirthschaft unterbinden miiffe und kommt zu dem Schlüsse, daß Niemand, dein am Gedeihen der Landwirthschaft liege, diesen Weg wandeln könne. Ja, man hat dann die ursprünglich kleine Zuckerindustrie Deutschlands zu einem großen Exportgewerbe gemacht. Wer hat zur Vergrößerung des Rübenbaues beigetragen, geradezu gedrängt. Der Staat selbst, indem er der Zuckerindustrie großmüthig Ge- schenke machte. Wenn also heute, wo der natürliche Gang der Ordnung wieder hergestellt werden soll, eine Jeremiade in den Kreisen derer aufgeführt wird, die den ungesunden Charakter der Zuckerindustrie selbst Herbeigeführt haben, so hat das etwas Er- götzliches für die Fernstehenden an sich. Eine Industrie, die nicht aus Eigenem lebensfähig ist und sich Bettclgeschenke auf Kosten des gemeinsamen Arbeitsertrages machen läßt, die verdient kein Mit- leid. Jeder Einsichtige hätte sich zujeder Zeitsagenkönnen, daßesnicht in infinitum so fortgehen könne. Man hat sich aber nicht nach der Decke gestreckt, man hat die Almosen der Regierung als etwas Selbstverständliches hingenommen und daraufhin flott los- gewirthschaftet. Uebrigens wird auch hier nichts so heiß gegessen als es ge- kocht wird. Der Gesetzentwurf nimmt mehrere Uebergangsetappen an. Zunächst soll das ganze Gesetz erst vom �August 1892 in Kraft treten. Die volle Erhöhung der Verbrauchsabgabe von 22 Mark pro Doppelzentner soll gar erst vom 31. Juli 1896 in Kraft treten und endlich soll während dieser Zeit den Exporteuren noch immer eine ermäßigte Ausfuhrprämie geschenkt bleiben. Der deutsche Verbandskonsum bleibt also auch während der Ueberganaszeit zu Gunsten der Zuckerfabriken belastet. Die Produzenten haben dennoch genügend Zeit, sich mit den Gedanken einer Schädigung des Exports— Verlust des Exports nennt es die„National-Zeitung"— vertraut zu machen und ihren Rübenbau in vernünftigen Grenzen abzustellen. Das Geschrei der Zuckerbarone ist so unbegründet wie möglich. Wir halten es sogar für einen argen Mißgriff, daß die Regierung in der Beseitigung der den Zuckcrindustriellen aus der jetzigen Steuereinrichtung zufließenden Vortheile so gemüthlich langsam vorgeht. Wie aber steht es mit dem Zuckerkonsum in der Folge? Diese Frage interessirt uns mehr als die Sch baner. Wer sich keinen Hoffnungen hingegeben hat, der hat Besten gethan. Er kann nicht enttäuscht werden. Wer ange- nonunen hat, der Zuckerkonsum werde jetzt entlastet, der Haushalt werde am Zucker sparen können, der irrt sich. Statt den Ertrc aus Fortfall der Ausfuhrprämien, wie es logisch und volkswirtl schastlich korrekt wäre, zur Verbilligung des Zuckers zu ver- wenden, geht die ganze Weisheit und Fürsorge der Herren dahin, denselben Betrag, der dem Konsum aus dem'Ausfall der Prämien erwächst, zu Gunsten der Staatskasse zu deklariren, indem man gleichzeitig die Verbrauchsabgabe um ungefähr dieselbe Summe erhöht, nämlich um 44 Millionen Mark. Dagegen beträgt der ganze Erlaß der Materialstcuer nur 9'/ü Millionen Mark. Der leitende Gedanke des Gesetzentwurfs ist wieder einmal, so viel als möglich für die Staatskasse aus einem Konsumartikel herauszuschlagen ohne jede Rücksichtnahme auf die Interessen der konsnmirenden Bevölkerung, d. h. zumeist der arbeitenden Klassen. Ans dem modernen Ksilnventhnm. Daß der Druck des übermüthigen Unternehmerthuins ans die es ernährenden Arbeiter ein ganz ungeheurer ist, das können wir wohl als eine feststehende, unbestreitbare Thatsache hinstelle». Mit Fug und Recht kann man davon sprechen, daß die heutige Art der Ausnutzung nur eine neue Abart der Sklaverei ist. Die heutige Lohnarbeit unter- scheidet sich im Wesentlichen dadurch von der Sklaverei, daß sie den Lohnarbeiter in bedeutend größerem Maße der Ausbeutung des Unternehmers ausliefert. Eine Kenntniß von der härtesten Knechtschaft und Unterdrückung erhalten wir, wenn wir einen Blick auf die Zustände im Gastwirthsgewerbe werfen. Das Organ der Angestellten im Gastwirthsgewerbe,„der Gastwirthsgehilfe". hat es sich zur Ausgabe gemacht, überall, wo er davon Kenntniß erhält, Mißstände in diesem Gewerbe aufzudecken. In seiner letzten Nummer bespricht das Blatt die Zustände in einem großen Bierpalast in der Friedrichstraße und fügt die dortige Arbeitsordnung bei. Dieselbe enthält eine ganze Reihe von Bestimmungen, welche nichts mehr als die äußerste Be- schränkung des Kellners in seiner persönlichen Freiheit bedeuten. Zunächst sind zwölf Bestimmungen vorhanden, welche dem Kellner „aus das Strengste" untersagen u. a. sich zu setzen, sich mit seinen Kollegen zu unterhalten, sowohl ohne Erlaubniß sich aus dem Geschäftslokal zu entfernen, als auch sein Revier zu verlassen. Selbst der Empfang von Besuchen befreundeter oder in geschäft- sicher Angelegenheit kommender Personen fällt mit unter die strengen Verbote. Strafbar ist sogar das Lachen. Es folgen dann zehn iveitere Punkte, welche Bestimmungen über die Ar- beiten und Pflichten der Kellner enthalten. Man ersieht daraus, daß es dem Kellner nicht allein obliegt, die Gäste zu bedienen, sondern es fallen ihm auch noch andere Arbeiten zu. Laut Arbeitsordnung hat jeder Kellner die Pntzarbeiten sauber und gewissenhast auszuführen! Eine irrige Ansicht ist es auch, wenn viele Leute glauben, durch eine Trinkgelderkorrnption werde das servile Bedienen des Kellners verursacht. Wer vorstehend kritisirte Arbeitsordnung durchgesehen hat, kommt zu anderer Schmerzen der Rüben- am Ertemttniß; es wird von den Kellnern aufs Strengste verlangt, daß sie den Gästen beim Aus- und Anziehen der Kleider Hilfe leisten. In der ähnlichen Art sind auch die anderen Paragraphen, nur wenige von ihnen dürften vor einer eingehenden Zensur eines Sklaven- Pardon Menschenfreundes Gnade finden und zu siecht bestehen bleiben. Nun wird die Frage nahe liegen, auf welche Weise, etwaige Zuwiderhandlungen— und dieselben durften bei solchen heiklen Bestimniungen sehr häufig vorkoinmen — geahndet werden. Vielleicht von dem humanen Sklavenhalter— Entschuldigung Arbeitgeber durch einen Verweis? Nein die Ansicht ist ganz falsch! Es wäre auch zu hart, den Arbeitern, welche vom frühen Morgen bis in die späte Nacht sich abgearbeitet haben, hinterher noch Vorwürfe zu machen. Da giebt es noch viel humanere Strafmittel, welche den Arbeiter nicht so empfindlich treffen. Für jeden Uebertretungsfall wird dem Kellner nur eine Kleinigkeit abgezogen, nicht viel, damit er es nicht sehr spürt, nur eine einzige Mark für jede» Fall. Ist das nicht wahrhaft menschenfreundlich!? Allerdings eine kleine Drohung muß dabei sein, d aß die Arbeiter nicht zu übermllthig werden. Deshalb heißt es, bei wiederholten Fällen kann auch Entlassung erfolgen; aber damit wird es ja wohl nicht so sehr strenge ge- nomine» werden, lieber die mildere Strafe mit dein kleinen Abzug etwas genauer beobachten. Wie edel und selbstlos der betreffende Unternehmer handelt, erhellt auch aus dem Umstand, wie er die «»gekommenen Strafgelder verwendet. Dieselben iverden zum Ersatz für das Inventar verwendet, über etwaige Ueberschüsse verfügt der Unternehmer. Nach der ganzen Geschäfts- Handhabung ist kaum anzunehmen, daß ein solch' Menschenfreund- ltcher Ausbeuter schlechte Anwendung von den Ueberschüssen der Strafgelder machen könnte. Selbst für den Schutz der Kellner ist bis auf das Aeußerste Sorge getragen. Der Schluß der Arbeitsordnung lautet:„ Ich füge mich sämmt- lichenAnordnungendesGeschäftsführer s." Selbst- verffändlich wird auch der Herr Geschäftsführer keinen schlechten Gebrauch von seiner Diktatur über die ihm untergebenen Arbeits- sklaven machen, seine Bestimmungen werden stets zum Wohle dieser getroffen iverden. Er wird immer bemüht sein, dieselben vor Unheil zu behüten, in welches sie der eigene Unverstand führen würde. Dafür spricht schon der ganze Geist, der das Ver- hältniß zwischen dem Herrn und seinen Sklaven in diesem großen Etablissement beherrscht. Uebrigens ist hier nur ein Fall herausgegriffen worden; derartige humane Behandlung, ja noch weit humanere, dürfte man auf Schritt und Tritt antreffen. Doch wer da glaubt, wir wären mit der Schilderung dieser thatsächlich paradiesischen Zustände fertig, irrt gewaltig. Um das Maß der Güte und des Wohlbehagens übervoll zu machen, erhalten die Kellner sogar einen monatlichen Lohn — auf vielen Stellen soll das nicht der Fall sein—, also sie erhalten einen Lohn und zwar einen immensen hohen. Man höre und staune, für die kurzeZeitvon einemein- zigen Monat erhalten sie zwölf Mark Lohn!! Wem gehen da nicht die Augen über vor Neid. Zur kleinen Ab- kühlung wollen wir erwähnen, daß die Stellen von einem Agenten vermittelt werden, dem die Ueberglücklichen, welche in dieses Eldorado kommen, 20 Mark Provision zu zahlen habe». Doch vollkommen ist einmal auf Erden nichts, bei all dem Glück kann man auch schon einmal eine kleine bittere Pille herunter- schlucken. Uebrigens bleiben dafür auch die Kellner auf dieser Stelle ziemlich lange, durchschnittlich vierzehn Tage, manche aber auch sogar sechs Wochen, allerdings einzelne noch viel länger. Klingt das nicht wie ein Feenmarchen aus„Tausend und eine Nacht?!" Profit und Ehre. Verschiedene Berliner Tagesblätter bringen eine Notiz, derzufolge„ein schlichter Berliner Maschinen- bauer", Werkführer in einer hiesigen Maschinenfabrik, eine Er- findung gemacht hat auf einem Gebiete, auf dem die Engländer bisher so ziemlich die Alleinherrschaft ausübten. Derselbe soll nämlich eine Wäschemangel konstruirt habe», welche der„englischen Drehrolle" weit„über" ist und der demzufolge eine große Zukunft bevorsieht. Nun wird gewiß so Mancher sagen: na, da hat auch einmal ein Arbeiter Glück gehabt! Nun ist er ein gemachter Mann! Wer aber besagte Notiz mit anderen Augen betrachtet, ein wenig zwischen den Zeilen zu lesen versteht und die ganze Situation zu überschauen vermag, der kommt sehr leicht zu ganz anderen Schlüssen. Wenn in der besagten Zeitungsnotiz gesagt wird,„ein schlichter Berliner Maschinenbauer", so soll doch der staunenden Welt die wunderbare Thatsache nach- drücklich vor Augen geführt werden, daß ein einfacher Arbeiter es ist, der eine Erfindung gemacht hat, die geeignet erscheint, sich einen großen Wirkungskreis zu erobern. Ein Ar- beiter als Erfinder, das ist ja allerdings etwas ganz Wunder- bares, nicht nur vom Standpunkie der herrschenden Klassen aus, welche die Intelligenz in Erbpacht zu haben vermeinen, sondern selbst voni Arbeilerstandpunkt aus. Nicht als ob wir vermeinten, daß es als etwas Wunderbares zu erachten sei, daß auch unter den einfachen Arbeitern es intelligente Leute,„findige Köpfe" iebt,— daran wird Niemand zweifeln, der je Gelegenheit ge- abt, die Arbeiterschaft näher kennen zu lernen,— wunderbar will es nur erscheinen, daß es wirklich einmal einem Arbeiter, einem„schlichten Berliner Maschinenbauer" gelungen ist, seine Fähigkeiten durch eine Erfindung zu bethätige». Das Erfinden ist gemeinhin eine sehr eigenthümliche Sache. Zum Geschäft des Er- findens gehören nothwendigerweise 2 Faktoren: Zeit und Geld, und beides ist bei den Arbeitern bekanntermaßen nicht vorhanden. Wer sich im Dienste des Kapitals abrackern muß, um nur den Lebensunterhalt zu erwerben, wer täglich gezwungen ist, den Kampf ums Dasein mit dem Aufgebole aller seiner Kräfte zu führen, der ist eben schlechtweg außer Stande, sich mit„Erfinden" zu befassen. Thut er es dennoch, so wird er einfach für eine» Narren erklärt; dann heißt es, er sollte lieber arbeiten und sich nicht mit derartigen Dingen befassen! Und die„Leute" haben hierin meistens Recht, denn die Konsequenzen einer derartigen Erfinderthätigkeit, wie sie in gar vielen Fällen zu Tage treten, spiegeln sich recht anschaulich wieder in einer zweiten Zeitungs- notiz, die wir— ein sonderbarer Zufall— gleichzeitig mit der eingangs erwähnten Notiz in einem hiesigen Blatte finden. Die- selbe lautet: Ein Opfer der Erfindungslust. Der in der Lothringerstraße bei einem Hausirer eine Schlafstelle be- wohnende Kaufmann Porth war vor etwa 5 Jahren Besitzer eines gut gehenden Kolonialwaaren- Geschäfts im Zentrum Berlins. Auf eine kleine Erfindung hatte da- mals der nicht untüchtige Geschäftsmann ein Patent er- halten und dasselbe mit Nutzen verkauft. Von da an bemächtigte sich seiner die Erfindungssucht, die ihn nach drei Jahren bis zum Bankerott brachte. Der nun völlig mittellose, früher nüchterne und solide Mann, dem alle seine Unternehmungen fehl schlugen, ergab sich nun auch noch dem Trünke, seine Wirthsleute aber behielten den vor der Zeit Gealterten und Entnervten aus Mitleid bei sich. Vorgestern Morgen fand die Hausirersfrau die Thür zur Küche, in welcher Porth schlief, verschlossen. Als sie dieselbe mit Hilfe ihres Mannes öffneten, sahen sie ihren Schlafburschen mit durchschnittenen Pulsadern der linken Hand bewußtlos in einer Blutlache am Fußboden. Ein sofort geholter Arzt legte dem Lebensmüden, der schon fast verblutet war, einen Nothverband an und sorgte für dessen Ueberführung nach einem Krankenhause. Daß zum Erfinden Zeit und Geld gehört, wird in klarster Weise bewiesen durch die weltbewegende Entdeckung Professor Koch's, welche der Menschheit gewiß noch lange vorenthalten ge- blieben wäre, wenn dem großen Forscher nicht Zeit und Mittel zur Verfügung gestellt worden wären, wenn er als einfacher Arzt den Kampf um's Dasein hätte weiter führen müssen. Koch ist zwar nicht«in„Erfinder" im land- läufigen Sinne des Wortes, jedoch ist im Grunde ge- nommen eine„Erfindung" doch auch nichts anderes, als das Resultat einer Forschung, eine Entdeckung! Wenn daher ein einfacher Arbeiter in die Lage kommt, eine Erfindung machen zu können, die in oben gedachter Weise durch die Presse in alle Welt hinausposaunt wird, so müssen dabei ganz andere Um- stände mitgewirkt haben, und diese Unistände können nur folgende gewesen sein: Ter„Erfinder" ist Angestellter eines großen Maschinenbau-Etablissements. Vermöge seiner Stellung als Werkführer in demselben hat er Fühlung gehabt mit den maß- gebenden Personen, welche, nachdem sie erkannt hatten, daß die „Idee" des„schlichten Maschinenbauers" eine gute sei, ihm bc- reitwilligst Gelegenheit boten, sich mit der Verwirklichung seiner Idee zu beschäftigen, d. h. ihm Zeit, Material ec. zur Verfügung stellten und ihn nebenbei auf seinem Posten als Werkführer beließen. So hat der Erfinder quasi ini Dienste der Fabrik gearbeitet, hat diese sich„berechtigte" Ansprüche auf die Erfindung erworben. Da es dem„schlichten Maschinenbau«" natürlich nicht möglich ist, mit eigenen Mitteln seine Erfindung zu verwerthen, er hierzu vielmehr eines Kapitalisten bedarf und da er als Angestellter einer Fabrik, mit deren Hilfe und in deren Dienste er seine Er- sindung zu Wege gebracht hat, sich nicht wohl an andere wenden kann, so wird die Fabrik die Ausnutzung der Erfindung über- nehmen und den Profit in die Tasche stecken, dem Erfinder die Ehre überlassend und einen Gewinnantheil, der jedenfalls nicht zu groß ausfallen wird. So ist gemeinhin der Lauf der Dinge— ob auch im vorliegenden Falle, das entzieht sich unserer Bcurtheilung. Es lag uns auch gar nicht daran, den speziellen Fall zu charakterisiren, vielmehr nur daran, im allgemeinen den Arbeiter als Erfinder" ein wenig zu beleuchten. Die Koch'sche Entdeckung. Der dirigirende Chirurg in den Brüsseler Krankenhäusern, Dr. Sacrs, der am vorigen Freitag von seiner Reise nach Berlin zum Studium des Koch'schen Heil- Verfahrens zurückgekehrt ist, hat sich über seine hier gemachten Beobachtungen und Erfahrungen sehr ausführlich und anerkennend vernehmen lassen. Obwohl er auch die Laienwelt vor über- schwänglichen Hoffnungen eindringlich warnt, hält er sich doch überzeugt, daß das Koch'sche Verfahre» eine in den Annale» der inedizinischen Wissenschaft bis jetzt unerhörte Bedeutung erlangen wird. Von allgemeinem Interesse ist, was Dr. Sacre über die Injektionen zu diagnostischen Zwecken und über die seither erzielten Heilwirkungen sagt. In ersterer Beziehung konstatirt er, daß zuweilen tuberkulöse Patienten aus das Koch'sche Mittel nicht reagiren, weil die Injektion nicht in genügender Dosis gemacht worden ist. Dies sei ein noch der Aufklärung bedürf- tiger Punkt. Bis jetzt gebe es keinerlei zuverlässigen Maßstab für die Größe der zu verabreichenden Ein- spritzungsdosis, was übrigens Dr. Sacrs dadurch erklärt, daß Professor Koch früher, als es in seiner Absicht gelegen und als seine Untersuchungen beendet waren, zum Hervortreten an die Oeffentlichkeit bewogen worden sei. Was die mit dem Koch'schen Mittel erzielten Heilergebnisse betrifft, so hält Dr. Sacrs, hierin mit anderen Autoritäten übereinstimmend, noch keines derselben für endgiltig feststehend. Er hat in Berlin sämmtliche Mit- arbeiter Koch's besucht, alle.Aerzte, die Injektionen machen, er hat zahlreiche Kliniken durchmustert und giebt auf Grund der dort gemachten Beobachtungen sein Urtheil dahin ab, daß bis jetzt noch keine definitive Heilung vorliegt. Am 11. Oktober, erzählte er, wurden sechs Lupuspatienten von Levy, Libbertz und Pfuhl geimpft; die Jmpsdosen wurden bis 1 Zentigramm stark genommen und der Lupus vernarbt. Aber als vierzehn Tage nach dieser Vernarbung von neuem geimpft wurde, erschien der Lupus sofort wieder; die Patienten waren mithin nicht geheilt, weil sie aus die Impfung wieder reagirten. Sein Schlußrefums faßt Dr. Sacrs dahin zusammen, daß er den Kranken wohl erlaubt, zu hoffen, aber sie ernstlich warnt, an eine mit sofortiger Allheilkraft ausgestattete Panacee zu glauben. Was die Aerzte angeht, so wünscht Dr. Sacrs, es möchte keiner eine einzige Injektion machen, ehe er nicht ein gründliches Studium an den Berliner Kliniken absolvirt habe. Ein Dr. Dixon aus Philadelphia soll jetzt hier weilen, welcher dem Prof. Koch die Priorität seiner Erfindung streitig machen will, weil er angeblich schon früher tuberkulöse Patienten mit Impfungen behandelt haben will. Er wird hoffentlich von Geh. Rath Koch gründlich belehrt werden. Ein Telegramm aus Paris meldet: Professor Pöan setzt die Impfungen mit Koch'scher Lymphe fort. Von den bereits be- handelten Patienten weisen zwei an Lupus Erkrankte eine ficht- bare Besserung auf, so daß eine Heilung».cht unwahrscheinlich scheint. Die Doktoren Hsrard, Leon Petit und Gonel, welche aus Berlin Koch'sche Lymphe mitbrachten, begannen gestern Impfungen an Kranken, die an Lungenschwindsucht leiden. Es sind dies die ersten Versuche, welche bei solcher Erkrankung in Frankreich mit dem Koch'fchen Mittel vorgenommen wurden. der Banquier Cernuschi hat an Pasteur einen Cheque auf 10 000 Fr. für das Komitee zur Unterstützung fremder Studirender geschickt. An komisch»» Keantwortnngen der Volkszählungskarten hat es auch diesmal nicht gefehlt, und der derbe Berliner Humor ist dabei in sein Recht getreten. Namentlich waren es die Zusatz- fragen der Stadt Berlin, die von manchen Bürgern recht humo- ristisch aufgefaßt wurden. So haben die Fragen bezüglich Er- nährung der Säuglinge, ob mit„Muttermilch— Ammenmilch— Thicrmilch", von vielen Seiten drollige Beantwortungen er- fahren, und sehr oft hat der Zähler zu konstatireu gehabt, daß diese für die Säuglinge bis zu einem Jahre bestimmte flüssige Nahrung von alten Herren und bejahrten Damen laut Zählkarte in Anspruch genommen wurde. Ein biederer Handwerker in der Greifsivalder schrieb in gerechter Entrüstung zu diesen drei Fragen hinzu:„Daruff kann ick mir«ich mehr erinnern", ein anderer Witzbold setzte zu den Fragen hinzu:„jetzt mehrschten- reels Weißbier mit»er Strippe". Was auf die Zusatzsrage „Muttersprache" gesündigt worden, ist kaum zu glauben; vielfach lautete die Antwort„Aerlin'sch", ebenso des Oefteren„Vogt- länd'sch"; Manche auch verwechselten Muttersprache mit Sprach- kenntniß und schreiben die Zahl der ihnen geläufigen Sprachen hinein. Aus dem Gesundbrunurn-Diertet berichtet uns ein Zähler, daß er zu einem Tischlermeister gekommen sei, um die Liste abzuholen.„Aber se stimmt»ich", meinte der brave Mann, indem er sich verlegen hinter den Ohren kratzte.„Warum nicht"? meinte der Zähler,„sie ist doch ganz ordnungsgemäß geschrieben!" „Det wohl", erwiderte der Tischler,„aber vor'ner halben Stunde hat der Storch Muttern noch eenen kleenen Jungen jebracht, und den habe ick noch nich buchen können". Natürlich wurde der junge Weltbürger sofort in die Liste eingetragen. Im UeicksstaUen-Theatev tritt jetzt eine junge Künstlerin, Eugeuie Petresku, auf, deren Leistungen wirklich der Beachtung werth sind. Das Volk der Gaukler, Feueresser, Degenschlucker und wie die Leute sonst heißen mögen, kann sonst nicht gerade unsere Sympathie erwecken, und der Anblick eines Seiltänzers ist uns stets ein Gräuel gewesen, aber dieses junge Mädchen erweckt auch die Aufmerksamkeit Derjenigen, die sonst nicht gewohnt sind, sich viel um die Kettenreißer und Kraftmenschen der Spezialitäten- theater zu kümmern. Man sieht aus den Leistungen des jungen Mädchen?, zu welchen unglaublichen Ergebnissen eine unermüd- liehe und konsequente Gewöhnung führen raun. Die junge Dame, sie mag vielleicht sechszehn Jahre alt sein, gebraucht ihre Hände zu denzenigen Dienstleistungen, die gewöhnliche Menschen sonst nur von ihren Füßen beanspruchen, und wir müssen ge- stehen, daß uns das Blut förmlich in den Kopf stieg, als wir das zunge Mädchen aus den Händen einen tadellosen Walzer exeku- tiren sahen. Tanzlustige Leute sollen dagegen agitiren, daß diese Mode nicht verallgemeinert wird. Die Dachvicht von dem Indianer Anfstande in Amerika hat zwei kleinen Berlinern derart die Köpfe verdreht, daß sie heimlich ihre Eltern verließen, um über Hamburg auf den Kriegsschauplatz zu eilen. In der Hafenstadt angelangt, wurden sie jedoch in einem Bierlokale, wo sie durch ihr Benehmen auf- fielen, von der Polizei festgenommen und alsdann nach Berlin zurückgeschickt. zlrber die Dersorgung Berlins mit Gemüse» grof. Wittnmck in der Gi�des ~" llri' tittrf .stlich Mitte November bis Ends mit 4U * Donnerstag einige interessante Mittheilungen. Berlins wird auch jetzt noch zum größten Theil aus der Umgebung der Stadt gedeckt, nur ein Viertel, höchstens ein-orm des Bedarfs kommt aus weiterer Ferne. Groß ist na>nenm°i die Einfuhr von Blumenkohl; von Mitte November bis � April langen im Durchschnitt pro Woche S Waggons mit»uc Köpfen Blumenkohl aus Italien hier an. Sobald c Import aus Italien aufhört, liefert Holland den BlumiM. für den Berliner Markt und in den Sommermonaten endlich> es die Gemüsestadt Erfurt, welche Berlin mit dieser versorgt. Wöchentlich werden dann von dort 5000 Köpfe gelffl* Neue Kartoffeln kommen zuerst aus Malta, insgesammt p Saison 15—20 Waggons. In größeren Mengen gelang neue Kartoffeln alsdann aus Italien auf den Verun Markt, und zwar insgesammt etwa 400 000 Kilo. Auch 31»' betheiligt sich an der Versorgung Berlins mit neuen Kartolst• Aus der engeren Heimath ist es meist Zerbst, welches die ersten neu Kartoffeln nach Berlin bringt. Der dortige milde Boden' aünstigt die Zucht ganz besonders. AuS Norditalien und aus« Triester Gegend werden im Frühjahr auch junge Bohnen» Berlin gebracht, von denen m diesem Jahre zwanzig Wagä°. in Berlin angelangt sind. In diesem Jahre sind ferner et 15 000 holländische Gurken hier abgefetzt. Vom Dezember bis J■ Frühjahr liefert Holland auch Roth- und Wirsingkohl 5—6 Wagge pro Woche, während Weißkohl trotz der Rieselfelder noch aus»a mark eingeführt werden muß. Französisches Frühgemüse kommt«' hältnißmäßig wenig auf den Berliner Markt. Die Preise für dasst sind zu hoch. Sehr groß ist der Bedarf des Berliner Markte- Zwiebeln. Lübbenau, Sachsen und Schlesien vermöge» oiei Bedarf nicht zu decken, so daß noch große Zufuhren aus Unga' Rußland und auch aus Egypten nöthig werden. Der tau� wirthschaftliche E'miüsebau hat in der Berliner Umgebung.- Allgemeinen nicht gelohnt, weil hier die Arbeiterverhält» 11 zu ungünstig sind. Nur in Sternfelde wird landwirthschaft»� Gemüsebau noch in größerem Umfange getrieben. Lohn«» würde nach Redners Ansicht der Gemüsebau werden, wenn m mehr danach strebte, Gemüse für die Jahreszeiten zu ziehen, die Zufuhren aus Italien und Holland aufhören.. Dem stcheren Tode in der Spree wäre durch den l» i lichen Leichtsinn eines 12jährigen Jungen vorgestern ein iui>? Menschenleben beinahe zum Opfer gefallen, wenn es nicht geg» wäre, noch im letzten Augenblicke den Ertrinkenden zu reu' Ueber den Vorgang wird folgendes berichtet: Dort, wo bei Maschinenbau- Anstalt von Borsig die Spree eine Einbuchw- bildet, in der früher Oderkähne zu ankern pflegten, ist jetzt l Hafen zum größten Theil verschüttet, und nur ein kleiner-l? ist noch übrig geblieben, hart am Strom und sehr tief, schwache Eisdecke bedeckte hier vorgestern das Wasser. Der)»„ zährige Knabe Dunkel von der Gemeindeschule zu Moabit 6«reo nun den siebenjährigen Fritz Schwank, Sohn des Calvin!" f. Nr. 43 wohnha ten herrschaftlichen Kutschers Friedrich Schw"' an jener Stelle sich aufs Eis zu wagen. Da der Kleine zdy' entriß er ihm die Mütze und warf sie aufs Eis, ging selbst ew i Schritte mit ihm und stieß den kleinen Buben weiter, dann». sich seine Mütze hole. Die dünne Decke brach, und der K»» außer Stande, sich festzuhalten, sank unter das Eis. die zugegen waren, wagten sich nicht auf das dasselbe nicht einmal den leichten Knaben getragen tz° Schließlich gelang es einem Offizier, den Knaben Z» rei — Ueber eine zweite Lebensrettung, bei welcher die hochh»'?. That von einem Knaben ausgeführt wurde, verlautet Fol0*ii°. Die Kinder eines in der Boxhagener Straße wohnenden Tif�, Manke waren, um Schlittschuh zu laufen, nach dem RuniM« burger See gegangen, und während die älteren Knaben mit ttzT, Spielgenossen sich auf dem Eise tummelten, war der Kleinste, dreijähriger Knabe, allein in eine sogenannte„Buhne" Nun bemerkte man zwar vom Ufer aus die Gefahr des»>??;. doch als man dasselbe zurückholen wollte, zeigte es sich, MP; Eisdecke in der Nähe der Buhne viel zu schwach war, � Niemand wagte es, sich jener unsicheren Stelle zu nähern. nnen Händchen an die Eisdecke anklainM'-, war, Kleine, der sich mit seinen und bis zur Brust in das )en an Wasser hineingeglitten� jämmerlich. Da eilte ein etwa fünfzehnjähriger Knabe ry schrockeu auf das Eis und kroch, in der Stühe des Wasftrl� angelangt, als das Eis unter seinem Körper sich 5». JU begann, vorsichtig die glatte Fläche entlang. Den halb erst«»„ Kleinen fassend, trat der muthige Junge ebenso vorsichtig Rückweg an, und binnen wenigen Minuten befanden fit„w wohlbehalten am Ufer. Dort legte der brave Bursche den � nieder und eilte dann schnell, weil er selbst durchnäßt sei, sagte, fort. Der junge Lebensretter, der mit einem bra» Ueberzieher und Pelzmütze bekleidet war, hat sich da»»—, Station Stralau-Rummelsburg ein Billet nach dem„Sch»l>m M. Vormittags fiel«i»9% 1 der Schaufenster des Hauses Chaussee!�� Am 1. d. Bahnhos" gelöst. Polieizbericht putzcr beim Putzen...——...,. von der Leiter und erlitt anscheinend so schwere innere letzungen, daß er nach der Charitee gebracht werden muß' Nachmittags stürzte der beim~'.......... Landwehr- Kanal in der Zimmermann Minkowsky etwa 4'm Hach aus herab und von dort ins Wasser. Er wurde von seine» � arbeitern aus dem Wasser gezogen und da er einen Brückl Unterschenkels erlitten hatte, in das Elisabeth-Krankenhaue.�,.- bracht.— Zu derselben Zeil gerielh aus dem Potsdamer bahnhof der Maler Müller beim Fortschaffen eines est..„I Trägers, welcher beim Bau der Brücke über den Landwehr-'» � Verwendung finden sollte, mit dem Fuß unter den Träger � wurde ihm die große Zehe abgequetscht. Der Verletzte> � nach dem Elikabeth-Krankenhause gebracht.— Abends wuro � dem Hause An der Stralauerbrücke 6 ein Mann vff»* � Droschke überfahren und an den Unterschenkeln anscheine»..� deutend verletzt.— Im Laufe des Tages fanden vier Brände statt. GevtchkS Iettuns Ein evhenchelter UaubanfaU gelangte gester» �„i Kenntniß der zweiten Strafkammer des Landgerichts 1. w» dieses Jahres hatten die Buchbindermeister Amrath'schen GQ. l(!i im Hause Kaiserstraße 31 eine Wohnung inne, von der l'tgff- möblirten Raum an die unverehelichte Krüger vermieth« v � Am Nachmittage des 10. Mai hatten Frau Amrath»» � Krüger einen gemeinsamen Spaziergang gemacht. Als MA,# kehrten, wunderten sie sich, die Korridorthür nicht oersck sondern nur angelehnt zu finden; überrascht und erschreckt m$ sie aber, als sie die Wohnstube betraten. Auf dem Fußtw� � Amrath in einer kläglichen Verfassung, Hände und ihm gebunden und im Munde steckte ihm sein eigenes Dasttz J,» sodaß er anscheinend keinen Laut von sich zu geben verv'�p Die Frauen befreiten ihn schleunigst von dem Tuche die nicht allzu fest gebundenen Stricke. Nun erzählte-» was ihm passirt sei. Bald nach dem Fortgange derFraut er bei seiner Arbeit in gebückter Haltung an dein»st F,'' sessen, der Thür den Stücken zuwendend. D». ff er plötzlich hinterrücks einen Hiev auf den% sff halten, daß er sofort besinnungslos zu Boden g�!» twi»! als er wieder zu sich kam, fand er sich gefesselt. Er dunkel, einen Mann bemerkt zu haben, der verschiedene ff- laden aufgerissen und durchsucht hätte, man habe ihn rff Zwecke des Raubes überfallen. Thatsächlich war der J» u», uivuiu»»»uiilMUMi.-uyuiirnMiivy. gnr/ schieden« Behälter durcheinander gewühlt und ebenso v lade einer unverschlossen gewesenen Kommode, worin � ihre Sachen aufbewahrte. Es fehlte weit« nichts als Thatsächlich war der S'tiV, ■' tötoffene hölzerne Sparbüchse, in welcher die Krüger ihre Erspar- ';le' fünf Zwanzig-Markstucke, aufbewahrt hatte. Der Räuber "Ußte es somit nur auf diesen Gegenstand abgesehen gehabt wem Amrath schien wenig Neigung zu haben, die Sache zur JWZkige zu bringen, er mußte aber dem Drängen der beiden umuen nachgeben. Auf der Wache erregte seine Darstellung von >»? Wiederfahrenen Mißtrauen. Mau wußte, das Amrath Geldverlegenheiten zu kämpfen hatte, daß erst kürz- Feuer bei ihm ausgebrochen sei und daß der �dacht � der vorsätzlichen Brandstiftung auf ihm laste. J-mi Kriminalbeamter begab sich mit in seine Wohnung und meriuchte dieselbe aufs Genaueste. Hinter der Tapete versteckt ►i« cc die fünf Goldstücke. Jetzt mußte Amrath einräumen, daß y Komödie gespielt habe. Er habe gewußt, daß die Krüger sich Mndert Mark erspart hatte; seine Geldnoth hatte den Höhepunkt deicht und ihn zu dem romantischen Aushilfsmittel getrieben. �Sparbüchse habe er gesprengt und verbrannt und sich dann geknebelt, so gut er es vermochte. Amrath, der gestern egen schweren Diebstahls vor Gericht stand, wiederholte sein smniß- Staatsanwalt Dr. Benedix beantragte gegen ihn litt W�'ate Gefängniß, wovon er zwei Monate durch die er- uene Untersuchungshaft abzurechnen bat, denn der Angeklagte Ii wegen Verdachts der vorsätzlichen Brandstiftung in Haft ge- «onilnen worden und dieser Verdacht habe sich als unbegründet "Wiejen. «nworts®5ric�0f»kannte nach dem Antrage des Staats- Ieitnngsredakteuv ist verpflichtet, alle an ihn ge- .«jwteii Briefsendungen zu lesen. Diesen Rechtssatz stellte heute üt, Abtheilung des Berliner Schöffengerichts in der An- agesache gegen den Redakteur und Verleger der„Deutschen s-Zeitung, Alte Kuhn'sche", Emil Streisand wegen Nicht- U'nahme einer Berichtigung auf. Zwischen dem Angeklagten 1?° o» Vertretung der Konkurrenz- Schneider- Zeitung, Buch- «ndler Weber und Redakteur Vuiarsky, wurde seit längerer ein- eiS, heftiger Zeitungskrieg geführt, der schließlich neu Privatklage- Prozeß des Weber und Bujarsky Uen_ den Angeklagten zur Folge hatte. Derselbe lä�li Juni dieses Jahres mit einem Vergleich der streiten- en Parteien ab, bei welchem der gegenwärtige Angeklagte die rwguug von 30 M. an den Verein gegen Verarmung und �«lckei und die Tragung der Prozeßkosten übernommen hatte. zugleich mar den Parteien die weitere Verpflichtung auferlegt, a, vom Gericht aufgenommene Vergleichsprotokoll in ihren resp. iw m 11 Zum Abdruck zu bringen. Diesen hat der Angeklagte in et Nummer vom 9. August er. auch . me eingehende damaligen Kläger z@te, eine Inttncrc SS bewirkt, er hat demselben Erläuterung hinzugefügt, welche zu dem Verlangen an ihn veran- eine längere Berichtigung auf Grund des§ 11 des aufzunehmen. Da diese nicht abgedruckt wurde, gegen Streisand wegen Nichtaufnahme einer" sl!? üung Strafantrag und führte dadurch das gegenwärtige Ver- nm herbei. Der Angeklagte stellte unter Beweis, daß er den w 10. August er. erhaltenen Brief, als er als den Absender den mitT �»werkt fand, mit dem er nichts mehr zu thun haben » ungelesen in den Papierkorb geworfen hat. uß es sich um eine Berichtigung handelte, deren Ausnahme J"?'hm verlangt wurde, habe er unmöglich ahnen können, aus W|em Grunde erwarte er seine Freisprechung. Ter Gerichtshof "»heilte den Angeklagten zu 5 M. ev. 1 Tag Hast, sowie zur nchlräglichen Aufnahme der Berichtigung, indem er den Zugang mitgetheilten Rechtssatz aufstellte. iM Stszisile Uebevsrrhk. � Achtung, Uergolder Deutschlands! Die Bewegung der .whnienvergolder machte sich seit der Gründung unseres Ver- di» n bemerkbar, und bereits im Frühjahr waren wir uns einig, gr, Uebelstände, die in unserem Gewerk herrschen, zu beseitigen. waren aber damals zu schwach, und da von der Mehrzahl ," Kollegen keine Unterstiitzung in unserem Vorgehen zu erwarten 'y11» so haben wir uns besser organisirt und die richtige Zeit "gewartet. Erst in der öffentlichen Versammlung am(-.Oktober wurde der Beschluß gefaßt, den Prinzipalen von der von uns ge- Ahlten Kommission unsere Forderungen unterbreiten zu lassen. rni 23. Oktober kam der Bescheid, unsere Forderungen �unständige Arbeitszeit, 10 pCt. Ausschlag der Akkord- cZise und 10 Pf. für Ueberstunden) wurden nicht anerkannt, ivndern nur dieHälste von allen Punkten bewilligt. Daraufhin wurde q? 26. Oktober der Beschluß gefaßt, am solgenden Tage die JWeit nicht wieder aufzunehmen. Ein ferneres Schreiben der .yyUZipale vom 28. Oktober zeigte uns, daß die Herren keine .Eueren Anerbietungen stellten. Eine öffentliche Versammlung ifU 2. September beschloß nun, die Prinzipale nochmals aufzu- ir'w'in mit unserer Kommission in Unterhandlung zu treten; t"ier wurde der Kommission ein gebundenes Mandat im ersten fUmt mitgegeben. Daraufhin fand eine Besprechung zwischen ItSt? Kommissionen statt, wo wir bei einer ziemlich vierhündigen * Äfften Debatte die Bewilligung der ersten beiden Punkte und {.*?• für die Ueberstunden erzielten. Bei der jetzigen Geschäfts- �"lunktur war gar nichts anderes zu erwarten als der Sieg. , könnte aber doch der Fall eintreten, daß nach Weihnachten ../'Bewilligte wieder zurückgenommen werde und dann dürfen wir .�.unter keinen Umständen das vor 2 Monaten Errungene wieder i3'°Hen lassen. In den größeren und besseren Werkstätten sind S* Forderungen bewilligt und die kleineren Meister werden a°P oder übel schließlich auch nachgeben müssen, wenn Ihr, �"Sen,„ns beisteht, wenn die Auswärtigen Berlin meiden. Mgen, wir richten an Euch den Appell, meidet folgende Werk- = Beker, Kochstr. 50; Muksseldr, Waterloo-Ufer 6• Gesell, Mamerstr. 25; Winterfeld, Alexanderstr. CO; Wünsch, Krausen- Alle arbeiterfreundlichen Blätter werden um Abdruck gebeten. Versammlungen. !■ traurige Verhältnisse Bin ff oii eingebrachte Resolution fand einstimmige Annahme: „Die heutige öffentliche Versammlung der Perlmutter-Arbciter und Drechsler erklärt sich niit dem Vorgehen der Kollegen in Nieder- Schönhausen einverstanden und verpflichtet sich, die Ausgesperrten nach besten Kräften mit pekuniären Mitteln zu unterstützen." Hierauf sprach Herr G. Link über das Thema„Die Ursachen der Armuth". Derselbe erntete für seine Ausführungen den reichen Beifall der Versammlung. Von einer Diskussion wurde Abstand genommen. Sodann kam noch der Streik der Perlmuttcrarbeiter in der Fabrik von H i n tz e zur Sprache. Hierzu sprachen die terren Brusson, Thieme, Grunow, Hildebrandt, pieß, Böhm und Thomas; sämmtliche Redner äußerten sich dahin, daß der Streik bei dieser Firma unbedingt bis auf Weiteres aufrecht erhalten bleibt. So ermahnte Herr Grunow die Kollegen, nicht zu dieser Firma zu gehen, trotzdem dort einige „Fremde" arbeiten, es werde nicht lange mehr dauern und Herr Hintze muß kapituliren, denn was die Arbeiter anbetrifft, die er jetzt als Ersatz für seine alten hat, so habe er in Erfahrung gebracht, daß zwei Mann in einer Woche zusammen 9 M. 20 Pf, verdient hätten.(Rufe: Hört, hört!) Es wurde beschlossen, den Streik aufrecht zu erhalten. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die internationale Arbeiter- bewegung. Drv Fachumm fiimmtlichev in den Glase- und Kartonpapier-Fabriken Berlins und Umgegend hielt am 30. November seine Mitglieder-Versammlung ab. Nach Verlesung des Protokolls hielt Herr Kunkel einen Vortrag über:„Frauen- Emanzipation", welcher von den Anwesenden mit großem Beifall ausgenommen wurde. Redner führte aus, wie sich eine gänzliche Umwälzung in den gesellschaftlichen sowie wirthschaftlichen Ver- hältniffen der Frau vollzogen habe. Die Frau halte früher, als ihr nur die Versorgung des Haushalts oblag, eine ganz andere gesellschaftliche Stellung. Die heutige Frau aber, durch die tech- nifche Revolution der Produktion aus der Familie herausgerissen und auf den Arbeitsmarkt gebracht, ist, ebenso wie der Mann, der schrankenlosen Ausbeutung des Kapitals verfallen. Sie tritt den Mann dadurch, daß sie viel billiger arbeitet und dem Fabrikanten weit gehorsamer ist, als ein höchst gefährlicher Konkurrent gegen- über. Es ist deshalb Pflicht der Frauen sich zu orgauisiren, um dann mit dem Manne Schulter an Schulter für die Verbesserung ihrer wirthschaftlichen Lage zu kämpfen. Da sie serner dieselbe Stelle wie der Mann bekleidet, ist es ihre Pflicht nun auch in politischer Hinsicht Rechte zu erwerben. Dann wird mit der Verbesserung ihrer Lage auch eine Aenderung zum Guten in allen wirthschaftlichen Verhältnissen eintreten. An der Diskussion be- theiligte sich Kollege Hermann Pickert und Frau Habicht. Unter Verschiedenem wurde vom Kollegen Fischer auf die Beschlüsse der Berliner Streik-Kontrolkominission hinge- wiesen, und die Anwesenden ersucht, auch dieselben zur Durch- führung zu bringen. Ein Antrag, den gemaßregelten Tabak- arbeitern in Hamburg, sowie die Chemnitzer Ardeiterinnen, durch allgemeine Sammlung zu unterstützen,'.wurde ein- stimmig angenommen. Da sich noch viele Arbeiter und Arbeiterinnen in der Firma Flesch und Sabin befinden, welche nicht dem Fachverein angehören und auch nicht dazu zu bewegen sind, eine Fachvereins-Versammlung zu besuchen, wurde der Vorstand beauftragt, eine öffentliche Versammlung im Januar des Sonn- tag? einzuberufen, damit diesen Arbeitern auch mal die Gelegen- heit geboten werde, eine Versammlung zu besuchen. Die ent- giltige Beschlußfassung über Gründung eines Arbeitsnachweises wurde, da die Bersammlung nicht sehr stark besucht war, bis zur nächsten Mitgliederversammlung verschoben. Außerdem wurden die Kollegen Robert Müller, G. Seifert und Karl Müller in ein Vergnügungskomitee gewählt, um Vorbereitungen für ein Stiftungsfest, welches Ende März oder Anfang April nächsten Jahres stattfindet, zu treffen. Eine öffentliche Dersammlnng der im Sattler- ge werbe beschäftigten Arbeiter und Ar- beiterinnen tagte am 27. v. M. unter Vorsitz des Kollegen Aßmann. Ueber die Angelegenheit der Militärwerkstatt von Konrad berichtete Kollege Bombin. Herr Conrad war brieflich zur Versaminlung eingeladen, hat sich jedoch mit Zeitmangel ent- schuldigt. Mehrere anwesende Kollegen der betreffenden Werk- statt bestätigten diese Angaben und ergänzten einige derselben. Betreffs der neu gegründeten Genossenschaft entspann sich eine lebhaste Debatte. Den humanen Bestrevungen des Kollegen Trautner traten hauptsächlich die Kollegen A ch t e r b e r g, Aßmann, B o ni b i n, Buten schön und noch andere energisch entgegen. Dieselben führten aus, daß das genossenschaitliche System veraltet und überhaupt aus dem Programm der sozialdemo- kratischen Partei gestrichen, nur noch von den Hirsch-Duncker'schen Gewerkvereinen empfohlen werde. Kollege Trautner erklärte, daß die Genoffenschaft keine sozialdemokratischen Tendenzen ver- folge, er selber kein Sozialdemokrat sei und nie einer werden würde. Er habe nur das Bestreben, die Arbeitslosigkeit unter den Sattlern zu verringern. Es wurde dann folgende Resolution einstimmig angenommen: Die heutige Versammlung schenkt den Angaben des Herrn Conrad nur bedingten Glauben und beauf- tragt die ßlgitationskommission, mit Herrn Conrad noch eimnal zu Gunsten der Kollegen in Unterhaiidlung zu treten, um eine Verständigung herbeizuführen. Schließlich wurde noch der An- trag angenommen, die Sammlungen mit erneuten Kräften auf- zunehmen, um vor allen Dingen wieder einen Fonds anzusammeln. Unter„Verschiedenem" macht Kollege A ß m a n n bekannt, daß er das Amt als Delegirter der Berliner Streik-Kontrolkommission niederlege und wurde Kollege Weiß an dessen Stelle gewählt. Außerdem wurden für Kollege Büttner Kollege M u h r in die Agitationskommission gewählt und Kollege P l o d r o ch als Ersatz- mann in die Arbeitsvermittlung. Eine Lbreans stark bcsnchte Dersammlung der pnker tagte Sonntag Vormittag unter Leitung des Herrn Neümann in der Brauerei Königstadt. Dieselbe war so stark besucht, daß nicht nur der Saal bis auf den letzten Platz gefüllt war, sondern auch in den Vorräumen die Menschen dicht gedrängt standen. Die Versammlung beschäftigte sich zunächst mit der Erörterung über den Werth und die Nothwendigkeil der Statistik. Herr Dehne führte hierüber ungefähr Folgendes aus: Die Statistik, diese aus Zahlen begründete Wissenschaft von den Zuständen in Staat und Gesellschaft, ist eine der noth- wendigsten Bedingungen zur Herbeischaffung der Beweismittel für die UnHaltbarkeit der heutigen Produktionsweise und der bestehenden wirthschaftlichen Zustände überhaupt; ohne dieselbe ist eine gründliches Studium der sozialen Frage gar nicht möglich. Daher muß es auch das Bestreben der Arbeiterbewegung sein, diese soviel wie irgend möglich, auszubauen. Die Nothwendigkeit der Statistik wird heute selbst von den Regierungen anerkannt. Es sind deshalb von diesen überall statistische Bureaus eingerichtet worden, welche auch manches Nützliche geschaffen haben. Doch bei einem beschränkten� Wirkungskreise und der vielfach falschen oder ein- seitigen Auffassung ihrer Aufgaben haben dieselben bisher nichts Größeres erreicht. Eine rühmliche Ausnahme hat die Schweiz gemacht. Dort sind auch die meisten Erhebungen unter Mitwir- kung der Arbeitervereinigungen bewirkt worden. Bei uns ist das Gegentheil der Fall, die Arbeitervereinigungen werden ent- weder übergangen oder, wo sie schon gefragt werden, da wird ihren Angaben keine Beachtung geschenkt. Es müssen daher die Arbeiter selbst, wollen dieselben sich Gel- tung verschaffen, die Sache in die Hand nehmen. Nur durch nackte, in Zahlen ausgedrückte Thatsachen können die herrschenden Klassen und deren ausführende Organe von den einzelnen Miß- ständen überzeugt werden. Zum Schluß empstehlt Redner die Veranstaltung einer Enquete über die Arbeits- und Lohnverhält- nisse in ihrem Beruf.(Beifall). Die Diskussion über diesen Punkt war eine sehr rege; es bc- theiligten sich eine Reihe von Rednern an der Debatte, welche sich sämmtlich im Sinne des Referenten aussprechen. Die Ver- sammlung pflichtete demzufolge dem gemachten Vorschlage betreffs der Enquete bei. � T' Es wurde hierauf zum nächsten Punktder Tagesordnung: Bericht des Delegirten der Berliner Streik-Kontrolkommission, geschritten. Dazu hat als Delegirter der Gewerkschaft Herr Dehne das Wort. Derselbe besprach die Ursachen, welche zur Bildung der Kommission geführt haben, ging kurz die Thätigkeit und die Be- schlüsse derselben durch. Er führte weiter aus, daß die Kom- Mission beschlossen habe, es den Gewerkschaften anHeim zu geben, ob sie ihr Geldmittel überweisen wollen oder ob von ihr selbst Marken ausgegeben werden sollen. Darüber sollen heute auch die Putzer sich schlüssig machen. Redner empfiehlt weiter der Berliner Streik-Kontrolkommission Mittel zu überweisen, da die Ausgabe von Marken aus mehrfachen Gründen weniger zweck- mäßig sei. G r ö s ch k e beantragt, der Berliner Streik-Kontrolkommission 100 M. zu überweisen und den ausgesperrten resp. streikenden Schuhmachern, den Tabakarbeitern in Altona und in Eschwege, sowie den Glasarbeitern in Bergedorf zusammen 500 M. zu gewähren, da der Kassenbestand etwa 800 M. betrage. Auf Befürworten des Herrn Dietrich wird dieser Antrag in der Weise modifizirt, daß die Berliner Streik-Kontrolkommission nur 50 M. erhalten soll, dagegen dem Vertrauensniaiin der Maurer Teutschlands für die ausgesperrten Gewerkschaften 500 M. überwiesen werden. Nach einer lebhaften Diskussion schließt sich die Versamm- lung diesem Antrage einstimmig an. Es wurde sodann folgende Resolution angenommen: In Erwägung, daß die Lage der arbeitenden Klasse durch den allgemeinen wirthschaftlichen Niedergang bedingt, eine immer gedrücktere ivird und die politische Macht der Arbeiter noch nicht zu der Höhe gelangt ist, um in absehbarer Zeit eine Beseitigung der Ursachen dieser Mißstände herbeiführen zu können, macht es die Versammlung allen Maurern und denen, welche sich mit Putz- arbeit beschäftigen zur strengsten Pflicht, sich dem Fachverein der Putzer Berlins und Umgegend anzuschließen, um dem immer stärker werdenden Druck des Unternehmerthums durch starke Ge- werkschastsorganisation wirksam entgegentreten zu können. Herr Gröschke theilte noch mit, daß die ausgegebenen Frage- bogen erst Ende dieses Jahres eingezogen werden sollen. Die Vereinigung der Waler ete. SW. hielt am 27. No-, vember eine Versammlung ab. In derselbeu sprach Kollege Schweitzer über„Religion und Wissenschaft." An seinen mit lebhaftem Beifall belohnten Vortrag schloß sich eine Diskussion, in ivelcher Kollege H o h l w e g l e r sich im gleichen Sinne aus- spricht, wie der Referent. Unter„Verschiedenes" wird dem Kollegen Müller die Kassenverivaltung bis zur nächsten Generalversammlung anvertraut und zu lebhafter Unterstützung der Kollegen in Wernigerode, Dessau und Itzehoe aufgefordert. Schließlich wird noch festgesetzt, daß in nächster Zeit eine öffent- liche Versammlung einberufen werden soll. Der und Diskutirklnd Süden hielt am Freitag, den 28. November, seine regelmäßige Sitzung ab. Vor Eintritt in die Tagesordnung wurde dem Vorkämpfer und geistigen Lehrer Friedrich Engels zu seinem 70. Geburtstage ein Hoch ausgebracht. Es folgte Vorlesung aus Bebel's„Frau". Da auch Damen erschienen waren, mußten dieselben auf Anordnung des überwachenden Be- amten die Versammlung verlassen. In einer starkdrj'nchten Versammlung de» Fach- urreino der Tischler(Uorden) am 25. v. M. hielt Herr Alwin G er i sch seinen Vortrag über:„Nationalreichthum und Nationalarmuth," über den wir schon ein ausführliches Referat gebracht haben. In der Diskussion fordert Kollege Brosinsky die Anwesenden auf, eifrig zu agitiren, uin so der Macht des Kapitalismus einen Damm entgegen zu setzen. Nach einem Referat des Kollegen Koblenzer von der Berliner Streik- Kontrolkommission und Erledigung des Fragekastens schloß die Versammlung. Die Freie Gemein»«;n Diedorf hat heute, den 3. Dezember, ihre be- schltehende Mitglieder-V-rsammlung Abend» i# Uhr, bei Kummer, Berliner- straße 13s. Gäste willkommen. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Kommission freier«inseschriebener Kilfosialsen. Siyung Mittwoch, .....-.....''~*ia(lfch, Fischerstrabs«i. Sage»- thetlungen. 3,»er Ron Verschiedene». den s. Dezember, Abend» 9 Uhr, bei Stocksifch, Fischerstrabs enDagi Ordnung: i. Mttthsilungen. o. Der Kongreß eingeschriebener HtlfSkaßen. G-ffrntlich« Derfoimninng»er U-rgolder NN» Urrgolderinnen und Veruftgonofscn am Mittwoch, den s, Dezember er.. Abend»% Uhr, in Scheffsr's Salon, Jnfelstr. 10. Enbatmrbriter nn»-Arbeiterittne». Donnerstag, den 4. Dezember, Abend» 8% Uhr, sbei Feindt, Weinstr. il. Delegirten-Versammlung. Tages- ordnung: i. Der Ausschluß der Kollegen in Hamburg, Altona, Ottensen, Wandsveck und Eschwcge. 3. Verschiedene». Grosse öffentliche D»rsamn>l«»g fiir Männer NN» Frauen am Mittivoch, den s. Dezember, Abend» 8% Uhr, im großen Saale de» Restaurant ltöntgshof, Blllowstr. Lg— 40. Große öffentliche Potlio- Versammlung für kharlottenburg am Donnerstag, den«. Dezember, Abend»« Uhr, in der EambrinuS-Brauerei, Wallstr. m. Geffentl. Nerfammlnng der Tabasiaröeitrr NN» Tabasi-Zir- briterinn»». Dienstag, den». Dezember, Abend» ssj Uhr, bei Bögow, Vor dem Prenzlauer Thor. Tagesordnung: i. Nothwendtge Aufgaben der Gewerkschaften. 3. Der Ausschluß der Kollegen tn Hamburg, Altona, Ottensen, WandSbeck>md Eschwege. 3. Verschiedene». Herr von Elm-Ham- bürg hat da» Referat für die beiden ersten Punkte übernommen. Nerrin„Freie Nol!:»düsiitr". Am Donnerstag, den 4. Dezember, stndel in dem Saale der Ahrens�schen Brauerei, Moabit, Slromstr. li— 10, am Sonnabend. den 8. Dezember, tn der Habelstchen Brauerei, Bergmannstr.«—7 und im Eiskeller-Elablissement, Chausseestr. 88, öffentliche Bersanimlungen für Damen und Herren statt. In diesen Versammlungen werden die Herren Wil- Helm Bolsche und Julius Türk über die„Aroeiterschaft Berlin» und die freie Volksbühne" sprechen. Die erste Vorstellung silr die zweite Abtheilung (grüne Kart ens findet am Sonntag, den 14. Dezember, Nachintttag» 3j(Uhr, statt. Zur Ausführung gelangt„Der Volksfeind", Schauspiel von Henrik Ibsen, die Vorstellung wird sür die Mitglieder der ersten Abihetlung(rothe Karlen) am Nachmittaa de» 25. Dezember wiederholt. Soziatdeinosioatisch« Scfe- nn» Diokntirk!»»«.„Vor wärt 4", Abend» Uhr Sitzung im Lokale de» Herrn Köhti, Nannnnstr. 83. Gäste haben Zutritt. Reue Ullitglieder werden ausgenommen.—„Jut ern alt o- nale". Abend» 8 Uhr bei Oelze, Kl. Andreasstr. 19. Gäste haben Zlltritt. „?!o r d". Abend» 8% Uhr, bei Raab«, Ruppinerstr. 40.—„G l e i ch h e t t", Abend» 8% Uhr, bei Htlgenseld, Bergstraße 00. Gäste baden Zutritt.— „E m a n z i p a t t o n". Abend»% Uhr bei Wagner, bleue Kontgstr.«». Gäste willkommen. Arbrite? Sänger-Knnd Berlin»»nd Umgegend. Mittwoch ,- Abend» 9 Uhr, Uebungsstunde(Ausnahme von Mitgliedern). Gesangverein„Unver- zagt", Restaurant Kopnilterslr. 127 a.— Gesangverein„Frey a",(Gemischter Chor) Große Hamburgerstr. i«.— Männer-Gesangverein„H t I a r i t a»". Hochstr. 32 a bei Milte.— Gesangverein B r e tz e l s ch l n ß", Ohmgasse Ar. 2 bei Sreb».— Arbeiter-Gesangverein„V o r w ä r t»", Schönhauser Allee 28 bei Nürnberg.— Gesangverein„LtedeSfrethet t", Blnmenslr. 38 bei Henke. — Gesangverein„der Steinmetzen", Johannisstr. 21 bot Atüller.— Gesang- verein„D euts ch e Eiche", Bstttnenstr. 40 bei Wenk.— Arbeiter- Gesang- verein„E ch o", Pankow bei Borchardt, Schulzeslr. 27.— Gesangverein .Lerche", Abend» o Uhr bei Zimmermann, Vrunnenstr. Iis.— Arbeiter- ttsangverein„Freiheit", UevungSstunde von 9 bis u Uhr im Restaurant pammerle, Bulowstr. 59, parl. Gesang-, Enrit- nn» aus". Abend» s%— iqll Uhr Pausebeutel", Abend» 9 Uhr bei Poppe, Ltndenstr. los.— Gesangverein Hoffnung", Moabit, Abends%» Uhr bei Jlgc», Wilsnaekersir. SS.— Männergesangverein„Sange» treue", Abends%9— Ii Uhr bei Luther, Brüderstr. 2«.— Zilherttub„A I v c n v« i l ch e n". Abend» 8% Uhr Katser- straße 2sb, Ecke Alexanderstraße. Gäste willkommen. Lübeck'scher Turnverein: I. LehrlingSabtheikung, Abend» von 8 bi» 10 Uhr im Turnsaale de»„Königstädt. Gymnas.", Eltsabethstr. 57—58.— Berliner Turngen ossenschast, 8. Männer-Abth., Abends von X» bi» Xu Uhr. Pollack-Klub„Lustige Brüde r". Abend» 8X— idX Uhr im Restaurant Mariannenstr. 40.— Geselliger Klub„Proletariat" bei Lorenz. Koppenstr. 43e.— Gesellger Klub„H o f s n u n g" bei Feige, Marlusstr. LI. — Verein der„S o l d t n e r". Abend» 8X Uhr bei Wutke, FricdrichSberger- straße 24.— Verein„K r e n z f l d e l", Sitzung mit Damen bei Doberstein, Mariannenstr. 3I-.— Rauchklub„N o r d st e r n" in Frtedrichsberg.— R'uch- klub„V u l k a n". Abend» 9 Uhr bei Ahmer, Eräfestr. 82.— Orientalischer Rauchklub, Abend» 9 Uhr, bei Hartmann, Manteusfelstraße 71. Gäste will- kommen. gejeUig« Umin». Gesangverein„ Frisch bei Haller, Nannynstr. 70.— Gesangverein drv Med�kkion. V. K. 40, Schreiben Sie uns genauer, welchen Bericht Sie meinen. J!?. i» A. Wenden Sie sich an Herrn I. Türk, Grenadier- straße 11. 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