ag, i|W- l»» nzs- mM i 3« enge bald Fr. S8S. Sonnabend, de« 6. Dezember 1890. 7. Jahrg. Organ für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" sste, M» Ä wussssrz Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -, Fernsprecher: Amt VI. Mr. 41vt,.«—- VrdaKkion: Veukhlkvaßv S.— Expedition: Venthflvaße 3. >nan Die Volzlenbk»ro»re. � gährt im rheinisch-westfälischen Kohlenrevier und darf sich darüber nicht wundern. Auf der einen s«'.�"�uge Maßregeln der Behörden und„Mund- uj, r.re" für bekannte Redner; andererseits Lohn« " 9 e seitens der Grubenverwaltungen und Ueberhand- % e der alten Mißstände, namentlich des berüchtigten iick � u u l l e n s. Die Behörden scheinen neuerdings Q �der ganz auf ein„schneidiges" Auftreten im Geiste �?°ilalistengesetzes zu verlegen, denn die Verhaftung des Ai.fÜ �rs des Verbands-Organes der Bergleute wegen '»"l/e-zung zum Streik" erinnert lebhaft an die Aera Der Streik ist in Deutschland keine strafbare lvea» �tls, wie man sieht, nicht verhindert, daß man itot fi"Aufreizung" zu eben dieser straffreien Handlung I trafrechtlichen Verantwortung gezogen wird. foi-x« v Grubenverwaltungen treten ziemlich heraus- Ix�. ud auf; sie sähen in diesem Moment viel- [jjjj gern einen großen Ausstand, weil sie mit Sicher- uuf eine Niederlage der Arbeiter rechnen toj, könnten sie sonst zu dieser Jahreszeit es Lohnabzüge in solcher Höhe zu machen, daß (lifckt vo» eine Erbitterung unter den Arbeitern ke�s und deshalb die Löhne unter dem Schutze von bj�.urnien auszahlen lassen. Auch ein nettes Genre � u>eu aus der Kapitalistenwelt: Gendarnien a l s L. � u 6.9 a r d e beim Lohnabzug! Und da »ie Künstler, es fehle ihnen an interessanten �sr sind auch der Meinung, wenn jetzt ein Ausstand k»den könnte er nur mit der Niederlage der Arbeiter L. U- Die Kohlenbarone würden von einer solchen un- bxj.�Uuare Vortheile haben. Zunächst würden die Ar- iahlr: dieser Gelegenheit in ein härteres Joch gespannt; ßüiix Aussperrungen würden erfolgen und 'hre uon„Rädelsführer n" könnten sicher sein, Mi-x � k e h r zu erhalteti. Die Arbeitsbedingungen Ith,'U härter, die Löhne niedriger, Tvdo die Behandlung noch tyrannischer werden. �ubl?� o&cr würden die Kohlenbarone dem großen Zj'"Um es auferlegen, ihnen eine Belohnung für ihren öunl �.öuhlen, wie sie in solchen Fällen immer thun. Himmel würde das Jammergeschrei erschallen Tiotx. Verluste, die all die armen Aktionäre und z>t, benjäget durch den Streik erlitten. Um sie «ls Austen, bliebe dann absolut nichts übrig, p x. ,'dnen in Gestalt von erhöhten Kohlen- V- Ue" eine Entschädigung für die ausaestan- �U9st zuzuwenden. Denn man weiß, was es heißt, Jteuittefa«. 'U"« erbot««. [5 ooiatt -- Von Wilhel w Blo- � hinterher kamen zwei alte eine humpelte den anderen Schritt halten konnten. m wenn ein Aktionär mehrere Wochen lang in der Furcht leben muß, seine Dividenden könnten von 25 auf 24� pCt. herabgehen. Die gesteigerten Kohlenpreise thun dann dem Publikum weh und es kommen die superklugen Philister und sprechen mit gleißnerischer Miene:„Ja ja, so geht es; weil die Bergleute nicht zufrieden sind und Streik machen, müssen wir die Köhlen so theuer bezahlen!"— Damit soll das Publikum gegen die Streiks eingenommen werden, und bei Manchem mag es gelingen. Wenn man bedenkt, wie werthvoll die Sympathien des großen Publikums bei einem Ausstand für die Arbeiter sind und wie leicht sich diese Sympathien in Kredit oder auch in baares Geld verwandeln, so wird man auch begreifen. wie unheilvoll ein unglücklicher Streik in diesem Augem blick für die Bergleute wirken müßte. Wer ihnen jetzt zun? Streik räth, der räth ihnen sicher nicht gut. Unter diesen Umständen kann inan fragen: Was haben die Arbeiter von den? Eingreifen der Regierung und ihrer Behörden profitirt?— Wie man sieht, nichts oder nicht viel. Denn trotz Enquete und was damit zusammen- hängt erlauben sich die Zechenverwaltungen wieder ganz dieselben Bedrückungen gegen die Arbeiter, wie vor dem großen Ausstand. Das läßt sich ganz gut begreifen. Die Regierung lvill über eine gewisse Grenze in ihren Maßregeln nicht hinausgehen, denn sie mag den Kohlenbaronen nicht ivehe thun. Andererseits aber fehlt ihr auch die Macht, etivas Entscheidendes gegen die Grubenverivaltungen durchzusetzen, denn der Kapita li.snrüs i st auf s e i n e m G e- biet allmächtig und läßt sich von der Regierung in sein Schalten und Walten nichts dreinreden. Vor vierthalbhundert Jahren wurde einfach die achtstündige Schicht für den Bergbau von Gesetzgebungs- und Staats- wegen dekretirt. Warftm ist heute keine gesetzliche Fixirung der Arbeitszeit zu erreichen? Weil der Kapitalismus mit seinen weitreichenden(Änflüssen bis jetzt Alles zu vereiteln gewußt hat. Daß der Uebermrith der Kohlenbarone eine Dälnpsnng erfahre, liegt im Interesse der Gesamnitbevölkerung Deutsch- lands. Nicht nur, weil den Bergleuten eine so harte Be- Handlung widerfährt und durch die schlechte Bezahlung dieser so zahlreichen Arbeiterbranche die Produktion und Konsilmtion in Industrie und Landwirthschast enorm geschädigt wird. Sondern auch, iveil die unaufhörlichen Krisen eine Vertheucrung des Brennmaterials herbeiführe», so daß es für den armen Mann schier unerschwing- lich lvird. Die Grubenbesitzer und Aktionäre aber streichen schmunzelnd den Gewinn ein und lassen von ihren be- soldeten Skribenten lange Schmähartikel über die„B e Rotheuburger La??d>vehr; einer von ihnen trug ein Hüft- Horn. Sie hatten sich von dem Volkstrimult abseits ge- ialten. Als Herr Florian sah, wie die alten Nonnen von dem Büttel roh angefaßt wurden, stammte heller Zorn über sein edelgeformtes und nrännlich kühnes Antlitz. Grninbach, der hinter Florian Geyer am Kloster- thor erschien, lachte laut auf, als er die greise Nonne an? Arme des Büttels schwanken sah. Herr Florian sah sich zürnend im?; ihn jammerte der silberhaarigen Frauen in der Gewalt der Buttel. „Das ist nicht ritterlich," rief er Grumbach zu,„daß Ihr an solcher Büberei Gefallen findet!" Grumbach fuhr zurück und giftiger Groll erschien in seinem Gesicht; ehe er aber etwas sagen konnte, war Florian Geyner schon durch die Menge gebrochen, auf die Nonne zu, seine Geivappneten hinter ihm. Das Volk wich zurück vor der stattlichen Erscheinung und als die Büttel und die losen Gesellen unter den? Thor- bogen die glanzende Erscheinung daher stürmen sahen, ent- wichen sie eiligst. Der Ritter sah ihnen verächtlich nach; dann stützte er sich auf den Knauf seines Schwertes und rief die gaffende Menge an: „Man lasse biese Frauen ihres Weges ziehen; sie stehen unter meinem Schutze!" Die Menge ward still ob der gebietenden Stimme und die Nonnen zogen unangefochten fürbaß. „Der Narr! Der Tugendspiegel!" knurrte Grumbach grinimig in sich hinein. In der Menge aber frug man neugierig, wer denn der stolze Kriegsmmu? sei, und einige Bürger antntortcten ehrerbietig, das sei der hochberühmte Ritter Florian Geyer von Geyers- g e h r l? ch k e i t" der Arbeiter in die Welt schleudern. Um diesen? Zustand ein Ende zu machen, bedürfte es der Koalitionsfreiheit der Arbeiter. Statt mit Verhaftungen und?nit„Mundsperre" vorzugehen, sollte man den Arbeitern die weiteste Freiheit lassen, sich zu o r g a n i s i r e n. Sie würden das deutsche Volk sehr bald von dem Alpdruck befreien, den die Kohlenbarone auf seine Brust gewälzt haben, denn gegenüber einer organisirten Bergarbeiterschaft würden die Grubenverwal- tungen nachgeben müssen und würden jene Forderungen längst bewilligt haben, deren Gerechtigkeit und Billigkeit seiner Zeit ganz Deutschland anerkannt hat. Es bedürfte auch keiner katzbuckelnden Vermittelung von„wohlmeinen- den" Politikern; die Arbeiter würden ohne Schwierigkeit und ohne alle Störung der Ordnung ihre Forderungen erreichen. Aber?vir wissen wohl, daß wir damit Pre- diger in der Wüste sind. politislhe Mebevlrckkt. Berlin, den 5. Dezember. In B e rli?? tagt gcgemvärtig eine„S a ch v e r st ä n- d i g e n- K o m?n i s s i o?? zur Berathung über das höhere Kchutu-efen". Die der Kommission vorgelegten Fragen lauten: I. Sind die heute bestehenden Arten der höheren Schulen in ihrer gegenwärtigen Sondcrung beizubehalten, oder empfiehlt sich eine Verschmelzung von») Gymnasien und Realgymnasien, b) Realgymnasien und Ober-Realschulen? 2. Läßt sich für die bestehenden drei Schularten(gymnasiale, realgymnasiale, lateinlofe) oder für zwei derselben ein gemein- sanier Unterbau Hersteffen? Empfiehlt es sich für den letzteren Fall a) die zur Zeit schon für die unteren Klassen der Gyni- nasien und Realgymnasien bestehende Gemeinsamkeit bis zur Untersekunda inkl. auszudehnen, während von Untersekunda aufwärts der Lehrplan der Ober- Real- schulen eintritt?(Verbindung des Realgymnasiums mit dem Gymnasium); b) oder das Latein an den Realgymnasien bis zur Unter- tertia hinauszuschieben und die drei lateinlosen unteren Klassen zn einer höheren Bürgerschule anfwärts zu er- gänzen?(Verbindung des Realgymnasiuins init der höheren Bürgerschule). 3. Enipfiehlt es sich, im Lehrplan der Gymnasien die den alten Sprachen gewidmete Stundenzahl einzuschränken und es so zu ermöglichen, daß die Unterrichtsstunden in den unteren Klassen herabgesetzt, das Englische fakultativ eingeführt und das Zeichnen über IV hinaus obligatorisch gemacht wird? Ist mit jener Einschränkung zugleich der lateinlose Aussatz als Zielleistung und die griechische schriftliche Versetzungsarbelt in Prima in Wegfall zu bringen? 4. Empfiehlt es sich, i»? Lehrplan der Realgymnasien die 1882 angeordnete Verstärkung des Latein beizubehalten oder ist eine Verminderung desselben und eine Herabsetzung der Ge- berg auf Gicbelstatt, der einst zu Mickmühl den wilden Götz von Berlichingen mit der eisernen Hand gefangen genommen und beim Zuge Franzens von Sickingen ivider Trier ein Fähnlein Landsknechte geführt habe. „Ein gar tapferer und hochsinniger Herr," sagte Kilian Etschlich, der Tuchschecrcr, der sich unter der Menge umher trieb.„Er ist aus edlem Geschlecht, aber er hielt es immer mit dem Volke und heute haben ihn die Bauern auS der Rotheuburger Landlvehr zu ihrem Hauptmann gewählt." „Lobhudelt ihn nur nicht gar zu sehr", schrie jetzt Leb- recht, der Schneider, der es mit dem Rathe hielt.„Was wird er wollen? Die Reichsordnung mißachten und das neue Evangcliilu? verkünden, nach dein die edlen Herren her- geben sollen,?vas sie haben!" Der Tuchscheerer ließ sich aber so leicht nicht aus der Fassung bringen. „Nur nicht so hitzig, Meister Lebrecht," sagte er be- gütigend. Aber der Schneider gerieth in Wnth. „Euch kennt man schon," rief er,„man lveiß, daß in Eurem Hause die Anfänger und Ursächer des ganzen Aus- ruhrs zusammenkommen. Deshalb redet Ihr dem Geyer das Wort. Man kennt Eure Anschläge. Ihr wollet den Rafh absetzen und die Stadt den Bauern in die Hände pielen." „Tröstet Euch, Meister Lebrecht," spottete nun Meister Kilian,„wenn die Bauern obenauf komme??, lassen sie sich bei Euch ebenso theure Gewänder inachen, wie die Herren vom Rath. Ihr werdet Euer Auskommen haben auch beim neuen Evangelium." Nun hatte der Tuchscheerer die Lacher auf seiner Seite. Herr Flortan war in das Kloster zurückgekehrt,?vo sich Agnes noch befand, die nicht mit den Anderen ausgezogen sammtstundenzahl, insbesondere in den unteren Klassen, herbei- zusühren? 5. Empfiehlt es sich a) an Orten," wo sich nur gymnasiale oder realgymnasiale Anstalten befinden, in den drei unteren Klassen nach örtlichem Bedarf neben und statt des Latein einen ver- stärkten deutschen und modern fremdsprachlichen Unter- richt einzuführen? b) an Orten, wo nur lateinlose höhere Schulen sind, in den 3 unteren Klassen nach örtlichem Bedarf lateinischen Unterricht einzugliedern? c) alle 7 stufigen Anstalten(Progymnasien, Realprogym- nasien, Realschulen) auf V stufige zurückzuführen? ä) den Lehrplan der Realschulen und höheren Bürger- schulen gleich zu gestalten, daß unbeschadet der anders gearteten methodischen Behandlung des Lehrstoffs und Abschlusses des Bildungsganges die Fortsetzung des- selben auf der Ober-Realschule erleichtert wird? 6. Empfiehlt es sich, an den auf einen S jährigen Lehrgang angelegten Anstalten mit Rücksicht auf die Schüler, welche vor Vollendung desselben in das Leben treten, einen früheren relativen Abschluß nach dem S. Jahreskurse eintreten zu lassen? 7. Sind zur Förderung eines erfolgreichen Unterrichts anderweitige oder neue Normen über die Maximalfrequenz der Klassen über die zulässige Schüler- und Klassenzahl der Gesammtanstalt, über die durchgängige Trennung der Tertien und Sekunden in je zwei Klassen nach Jahreskursen, sowie über das Maß der Pflichlstunden der Lehrer wünschenswerth? 8. In wie weit ist, auch bei Verminderung der Gesammt- zahl der Schulstunden, möglich, durch intensiven methodischen Unterricht die Hauptarbeit in die Schule zu verlegen, namentlich in den unteren Klassen? 9. Was hat zur weiteren Hebung des gegenwärtig meist ' in zwei Wochenstunden und vielfach in großen Abtheilungen ertheilten Turnunterrichts zu geschehen, und welche sonstigen Einrichtungen zur körperlichen Ausbtldung der Jugend sind zu pflegen? 10. Kann die Reifeprüfung entbehrt werden? Ver- neinenden Falls sind Vereinfachungen herbeizuführen und welche? 11. Welche Aenderungen sind bei der wissenschaftlichen Ausbildung der künftigen Lehrer an höheren Schulen er- forderlich? 12. Durch welche Mittel vermögen die höheren Lehranstalten in möglichster Uebereinstimmung mit der Familie auf die sittliche Bildung ihrer Schüler einzuwirken? 13. Welche Aenderungen empfehlen sich im Berechtigungs- Wesen? a) bei den auf einen neunjährigen Lehrgang angelegten Anstalten? b) bei den höheren Bürgerschulen(zu erwägen nach den Berufsarten)? 14. Wenn in Zukunft an den höheren Bürgerschulen ver- niöge des Abschlusses ihres Lehrgangs die Berechtigung zum einzährigen Dienst früher als an anderen höheren Schulen er- worben werden kann, auch im sonstigen Berechtigungswesen Aenderungen zu Gunsten der höheren Bürgerschule eintreten, so wird das Bedürfniß nach derselben wachsen. Welche Maß- - regeln werden zur Befriedigung desselben zu ergreifen sein? (Verbindung höherer Bürgerschulen mit bestehenden Anstalten, Umwandlung eines Theils der letzteren, staatliche oder staatlich unterstützte Stelleinrichtung höherer Bürgerschulen.) Dies die Fragen, welche den Kern der Sache nicht be- rühren, und daher auf die Absicht, keine durchgreifenden Reformen zu bewirken, schließen lassen. Eine gründliche Reform des Schulwesens hat mit der Volksschule zu beginnen und die höheren Schul- anstalten nur als F o r t s e tz u n g e n der Volksschule auf- zufassen. Doch eine solche Reform setzt Bedingungen voraus, die heute noch nicht vorhanden sind— der K l a s s e n st a a t kann seinem Wesen nach die Schulsrage nur vom Stand- punkte der herrschenden Klasse auffassen und in deren Interesse zu lösen versuchen. Als ein schlimmes Reichen mußte es auch von vornherein erscheinen, daß die Mitglieder der Kommission zu strengstem Schweigen verpflichtet wurden. Vorgestern war die erste Sitzung; sie wurde von dem Kultusminister von Goßler mit einer Ansprache eröffnet, aus der nur die Versicherung Herauszugreisen ist, daß „volle Freiheit der Diskussion diese Be- rathungen auszeichnen soll". Hoffentlich ist das keine bloße Redeflgur. Zum Schluß redete der Kultusminister den Kaiser an, der sich zur Konserenz eingefunden halte, und in seiner Erwiderung dem Kultusminister die wärmsten Lobsprüche spendete.(„Der Herr Kultusminister, von dem ich ganz bestimmt und ohne Ueberhebung sagen kann, daß der deutsche war. Er hatte sie darum gebeten, denn er hatte den Volksanslauf vorausgesehen und wollte Agnes davor be- wahren, verspottet oder beschimpft zu werden. Grumbach folgte ihm. Agnes stand im Klosterhof und schloß sich schweigend den beiven Rittern an, die nun durch ein kleines Pförtlein in der Klostermauer sich in eine Seitenstraße begaben, wohin der Volkstumult sich nicht gezogen hatte. Sie wollten die Herrengasse beim Burgthor erreichen. Die drei Gewappneten schritten schweigend hinter ihnen. „Dies Volk wird mit Pfaffen wenig Umstände machen", meinte Grumbach, als sie fürbaß gingen.„Wenn die Würz- burger und die im Hochstist auch so sind, dann wird sich die Ritterschaft bald in die Güter des Fürstbischofs Konrad theilen können." „Das ist's, woran Ihr immer denkt", sagte Florian mit leisem Vorwurf. „Nun ja", meinte Grumbach,„man macht den Ans- stand doch nicht zum Vergnügen; man will etwas davon haben." '„Gebt Acht", sagte Florian Geyer ernst,„daß Ihr Euch nicht irrt. Der Schein trügt. Diese Städter sind ein leicht und lustig Volk und haben Freude am Lärm und Auflauf. Aber es ist viel loses Volk unter ihnen, viel Abschaum; der ist immer dabei, wenn es heißt Unfug treiben oder Kisten und Kasten fegen. Diese Städter sind unzuverlässig und feig. Sie können mit alten Nonnen fröhlich Büberei treiben sehen, aber wenn sie einmal fechten sollen, werdet Ihr wenig Freude an ihnen erleben." „Sie haben doch immer Krieg geführt," warf Grumbach ein,„vor noch nicht hundert Jahren haben sie doch das eigene Schloß derer von Geyer auf Giebelstatt aus- gebrannt." „Schon recht," meinte Herr Florian,„aber nicht die Stadthänse und gemästeten Bürger. Die von Rothenburg auszogen zur Fehde mit den Rittern und Reisigen, das waren immer die Bauern der Landwehr. Auch jetzt sind die es schier allein, die mit Ernst und Muth für das neue Evangelium streiten wollen. Sie sind ein tüchtig Kriegsvolk mit ihren guten Wehren. Den Städtern trau' ich nicht Staat und das Königreich Preußen seit langen Jahren keinen so tapferen, hingebenden und hervorragenden Kultusminister gehabt haben.") Nach Eintritt in die Verhandlungen hielt der Kaiser eine längere Ansprache, von der nur ein Theil veröffentlicht ist, stnd aus der— soweit sie bekannt— Folgendes herauszuheben ist. Zunächst die Ansicht, daß es die Aufgabe der Schule sei,„das Gefecht gegen die Sozial- d e ni o k r a t i e aufzunehmen".— Ferner die Ansichten, daß die Schule auf nationaler Basis er- richtet, d. h. daß der deutsche Unterricht und nicht der lateinische die Grundlage zu bilden habe; daß die Realgymnasien, als Zwitter, die weder Gymnasien noch Realschulen sind, keine Existenzberechtigung haben; daß die Gymnasien ein gefährliches Gelehrten- Proletariat erziehen, und daß deshalb die Neugrsindung von Gymnasien nicht wünschenswerth fei; und endlich, daß den Schülern gelehrt werden muffe, wie die Wurzeln der heutigen Zustände in der französischen Revolution liegen. Letzteres ist sehr �richtig, und zeugt von einer demokra- tischen Geschichtsauffassung, steht jedoch in unversöhnlichem Gegensatz zu der Ansicht, daß die Schule„das Gefecht gegen die Sozialdemokratie" aufzunehmen und(selbstverständlich) zu führen habe. Ist es schon mit dem Zwecke der Schule durchaus unvereinbar, die Schule zum politischen oder religiösen Parteiwerkzeug zu macheu, und für den politischen oder religiösen Parteikampf benützen zu wollen, so ist es erst recht gegen den Zweck der Schule, sie zum Kampf gegen eine Partei benutzen zu wollen, die den heutigen Verhältnissen angepaßt, die Ideen jener französischen Revolution vertritt,„in welcher die Wurzeln der heutigen Zustände liegen." Sich auf Ideen berufen, und die Konsequenzen dieser Ideen bekämpfen— das geht nicht— das widerstreitet allerLogik. Was die Ansichten des Kaisers über die bessere Pflege des deutsche n Unterrichts angeht, so läßt sich denselben die prinzipielle Berechtigung wohl nicht absprechen; indeß es kommt hier Alles auf die Ausführung an. Die Klagen über das Gelehrtenproletariat, das Abiturientenproletariat— die Hungerkandidaten, die„Jour- nalisten, welche vielfach verkommene Gymnasiasten sind", sind nicht neu, richten sich jedoch an eine falsche Adresse. Nicht darin liegt der Fehler, daß wir zu v r e l e„gebildete" und„gc- lehrte" Staatsbürger haben,— rvir haben in Wirklichkeit viel zu wenig, obgleich wir die Mängel der heutigen Gelehrtenbildung sicherlich nicht verkennen— sondern darin, daß die heutige Staats- und Gesiellschaftsorduung keine Verwendung für sie hat. Für das Gelehrtenproletariat, ebenso wie für das I n d u st r i e p r o l e t a r i a t ist die kapitalistische Gesellschaft, der Klassen- staat verantwortlich. Und so lange der Klassenstaat besteht, wird es in dieser Beziehung auch nicht besser werde«— giebt es überhaupt keine ernsthafte Schulreform.— Die Steuerskandale hören»icht auf. Nachdem in Rheinland-Westfalen die Reichen der verschiedenen Parteien einander die krassesten Steuerhinterziehungen an den Kopf geworfen hatten, kam der F a l l L u c i u s— zwar keine Steuerhinterziehung, aber ein Sterererlaß für einen viel- fachen Millionär und nebenbei Mimster— und nun droht das„Volk" des rabiat gewordenem Stöcker den„Ham- burger Nachrichten", die jenen Steuererlaß vertheidigt haben, mit„Enthüllungen über? anderweitige Steuer- befreiungen." Hinter den„Hamburger Nachrichten" steht Fürst Bismarck, und da der Steuererlaß, mit welchem sein Freund Lucius begnadet ward, nach allgemeiner An- nähme auf den Herrn Ex-Reichskarizler, der damals noch nicht Ex- wär, zurückzuführen ist, so kann kein Zweifel dar- über bestehen, gegen wen die Doohung des„Volk" ge- richtet ist. Die„Hamburger Nachrichten" werden kaum schweigen können; indeß auch wenn sie sich in den Mantel diskreten Schweigens einhüllen sollten, so dürften uns doch noch aller- band seltsame Enthüllungen bevorstehen. Thatsache ist, daß die Stenerdefraudation oder in dem milderen deutschen Aus- druck: die„Steuerhinterziehung" unter den oberen Klassen viel zu und wenn uns die Bauern dien Sieg nicht erstreiten, von den Stadthäusen hoff' ich's nimmermehr." „Aber sie sind erfüllt vom neuen Geist'," warf Grumbach ein,„und möchten mit den Pfaffen ein End machen." „Dabei sollen sie aber keinen Unfug treiben, der unserer Sache übel ansteht," sagte Florian streng.„Wir führen die Sache in ganzem Ernst flllr die alten Freiheiten und für das neue Evangelium. Warss uns nur um Kisten- seger und Pokalleerer zu thun, so tonnten wir die edlen Herren und die Pfaffen schalten und voalten lassen, die ver- slandcn's auch!" Herr Florian war in Eiser gekommen, wie er so sprach; seine Augen funkelten und seine Wangen rötheten sich. Die Rede kam ihm warm und schön v«m Herzen. Agnes schaute ihn bewundernd von der Seite an; Grumbach schwieg. Sie hatten die Herrengasse erreächt und standen vor Agnes' elterlichem Hanse. Es ging lebhaft zu auf dem Mclrkt und der Herren- gasse; überall trieben sich Neugierige wmher und aus schier jedenl Erker und Giebelfenstcr lugte ein Antlitz, man wollte die heimkehrenden Klosterfrauen sehen. Der Ritter von Grumbach ergriff den großen eisernen Klopfer, der an der schweren, mit blankdm Messing beschlagenen Thür von Agnesens Vaterhaus hing. Er that drei mächtige Schläge, die durch das ganze Haus dröhnten. Agnes erbleichte, denn nun dachte sie erst ihres strengen Vaters, durch dessen ausdrücklichen Wirusch und feierliches Gelübde sie veranlaßt worden war, in das Kloster zu treten. Was er nun zu ihrem Auszug sagen nnirde! Sie glaubte jetzt feinem strengen und finsteren Antlitz begegnen zu müssen und oas Herz krampfte sich zusammen. Sie" warf einen flehenden Blick zu Florian Geyer hinüber; zu Grumbach hatte sie kein Ver- trauen, schon sein Gesicht stieß sie ab. Sie fühlte, daß ihr der fremde Ritter weit näher stand, als der Vetter. Herr Florian begriff, was in ihr vorging. »Ihr glaubt. Euer Vater würde Euch schelten?" frug er sanft. allgemein im Schwange ist und daß sie nur im Einklang s deren gcsammtcr Politik steht: den Staat materiell zu ih�' Klassenvortheile auszubeuten. Man betrachte nur die Kor» und sonstigen Schutzzölle., Da gerade von Kornzöllen die Rede ist, so sei hier die aiarab tcristische Thatsache erwähnt, daß der Berliner Magiflr»' den Stadtverordneten die Nachricht hat zugehen lassen, wp er dem Ersuchen, eine Petition an den Reichstag weg-» Aufhebung der Viehsperre und der Kornzölle nicht st a U' geben könne. Diese fortschrittlichen Laubsrösche hat»» das Wetter übrigens schlecht erkannt— denn unmittelva nach dieseni Beweis von Tapferkeit nahm der Bundes- rath Anträge an auf O e ffn u n g der ö st errei chifch�- Grenze für die Einfuhr von Rindvieh, sowie aui Aufhebung des Verbots der Einfuhr von Schweinen, Schweinefleisch und Würsten dänischen, schwedischen u» norwegischen Ursprungs.— Desto fester scheint man fret»? an den K o r n z ö l l e n festzuhalten.— Ueber die Lage der Dinge in den rheiuisch-n'e?' fälischrn Kohlenreviere« schreibt die„Franks. Ztg.":. „Die Nachrichten widersprechen sich sehr. Haben wir tW das eigenthümliche Schauspiel erlebt, daß vor Kurzem of rheinisch-westfälische Bergarbeiterblatt wieder vom„Streit Sicht" sprach, während das sozialdemokratische Zentralorg» in Berlin Andeutungen davon machte, daß„Spitzel" die Ha" im Spiele hätten und die organisirten Bergarbeiter vorW» an einen Ausstand gar nicht dächten. Letztere Lesart n» heute zuin Theil von einer Zuschrift bestätigt, ivelche die�p� offenbar aus Grubenbesttzerkreisen in Essen erhält und die m der Versicherung schließt, daß die Sozialdeinolra-- in den Kohlefckevisreu zwar an Boden gewinne, und wenn f sich stark genug fühle, im Frühjahr vielleicht einen SchuS wagen werde; aber bis dahin haben wir AM. Wir geben diese Zusammenstellung der betreffenden l1».. düngen, um ein Tendenzmanöver, das bei dieser GelegeM versucht wird, von vornherein als solches zu kennzeichnen.* Grubenorgane benutzen nämlich seit einiger Zeit die natünsZ. Unsicherheit der Nachrichten über das Bevorstehen oder NM bevorstehen eines Bergarbeiterstreiks dazu, um jede, auch" sachlichste Mittheilung über die Lage der Bergarbeiter in Kohlenrevieren als„Börsenmanöver" und Aehnliches zu kreditiren. Diesen Kreisen liegt es offenbar daran, die ofP " liche Meinung über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse im ban möglichst im Unklaren zu belassen. So behauptet die W erwähnte Zuschrift der„Post", daß die„hohen Löhne" im wü sülischen Kohlenrevier„seit dem vorigen Jahre unr» ändert" seien. Dabei wird bekannt, daß in den Wf Tagen auf der Zeche Hugo 11. bei Essen Gendarnn für die Begleitung der Leute zur Lohnzahlung% geboten waren, offenbar weil man die Erbitterung ver» beiter über die plötzlich und ohne jede Verständigung J» ihnen herabgesetzten Akkordlohnsätze fürchtete. Seit WoE wiederholen ferner die Bergleute auf allen Versammlungen' rheinisch-westfälischen Kohlenrevier, daß sich auch ihre sonsi'fl* Arbeitsbedingungen, welche der Streik etivas verbessert tM- wieder wesentlich verschlechtert haben, und die letzte Mitthe">ff» unseres gutunterrichtelen Korrespondenten im rheinisch'�. fälischen Kohlenrevier gab lediglich eine Zusammenstellung®u u dieser Klagen, die nun doch einmal nicht aus der Wen j schaffen sind. Angesichts dieser Thatsachen erscheint es im HW, Grade frivol, von den Bemühungen der unabhängigen Preffe z Austlärung der thatsächlichen Lage als„Börsenmanövern' L sprechen. DerZweck ungefärbter Berichte aus den Kohlenrevieren» doch gerade der, bei Zeiten auf den Zündstoff aufmerksam zu maär' der sich dort wieder anzuhäufen beginnt, die Beachtung° Behörden und Unternehmer auf gewisse Mißstände hinzulem... und so zu bereu Beseitigung beizutragen, ehe wieder eine e mentare Explosion erfolgt. Ehrliche Berichte über die LagM Arbeiter im Kohlenrevier dienen den Bestrebungen zur Effr tung des sozialen Friedens, während es fast den Anschein v' als möchten die Grubenbesitzer im Trüben fischen. Es ist der Vogelstraußpolitik vor dem verhängnißvollen Masseni'" von 1889 gelrieben worden; eine ähnliche Eruption kann" durch ungeschminkte Darstellungen der wirklichen Lage und vm Warnungen verhütet werden, die auszusprechen sind, ehe e»/ spät ist. Und diese soziale Friedensmission wird sich Vie. abhängige Presse trotz aller Verlenmdungen seitens der Gru»' organe nicht nehmen lassen." Schade nur, daß die„unabhängige Presse" in DeuW land so wenig zahlreich ist.— Nach Zeitungsmittheilungen soll das R e i ch s g e r i ch� entschieden haben, daß das Sitzenbleiben bei einem auf den Kaiser eine Majrstätslirlridignng sei. Wir könns nicht glauben, daß das Reichsgericht den Satz a l l g e m» �- hingestellt habe. Ein Republikaner, der bei einem Hoch«,?-. einen Monarchen nicht aufsteht, unterläßt nur einen Agnes senkte erröthend den Blick.„ „Lustig, Base, lustig!" schrie Grumbach mit hwffL Stimme,„der heilige Dominik hat Euch jetzt nichts zu sagen!"„ Die Jungfrau wandte sich unwillg ab; dieser Ton S. fiel ihr ganz und gar nicht. Herr Florian aber zu ihr: „Lasset keine Furcht über Euch kommen, ich rvin Wörtlein für Euch einlegen!" � Sie sah ihn dankbar an und reichte ihm die Hand, er leise drückte., I Drinnen vernahm man. schlürfende Schritte und? Thor fuhr auf; es kam die alte Schasfnerin des die treue Lisbeth, zum Vorschein, mit immer freundliche rothlvangigem und rnnzlichem Gesicht, behäbig und ewl zugleich. Die gute Alte war voll Freude und Furcht., „Ach, unser Fräulein, unser Fräulein," rief sif% über das andere Mal.„Wie schön ihr geworden seid! W'e Hab' ich an Euch gedacht, es niög' Euch die Zeit» i werden im Kloster! Was wird der Herr Vater sagen,' wird er sagen?" Agnes bot der geschwätzigen Alten freundlich die H» j,, dann hieß sie die ganze Begleitung eintreten. Man tra'! den großen Flur, mit den gewaltigen Steinpfeilern, der st in fast allen alten Herrenhäusern befindet und wo die iL baren Familien den selbstgezogeneii Wein auszusche" ß pflegten. Es war nicht immer ein lieblich Gewächs, M das Tauberufer trug; allein die Sckaffnerinnen verstau schon einen duftigen Würzwein zu mischen. Agnes wies die drei bewaffneten Begleiter der M Ritter in einen kleinen Nebenraum, denn im großen R® ,( pflegten nieist Wallfahrer oder sonst allerlei fahrendes �; zu zechen. Sie wollte aber den Gefährten ihres st%, Freundes eine Ehre anthnn, und sie wies die Schaffner»'„ einem Jeden ein Krüglein des besten Weines vorzusetzeu' es wieder zu füllen, sobald es leer.. n,! Dann stiegen Florian Geyer und Grumbach die br Treppe des geräumigen Hanfes empor. (FortsetzungZfolgt.) �er seinen Grundsätzen zuwiderläuft, und dieses Unterlassen ''ONN an siel) unmöglich als Majestätsbeleidignng aufgefaßr - werden. Von eineni Republikaner verlangen, daß er bei einem solchen Hoch aufstehe, wäre ein durch nichts zu recht- r'fertigender Gewissenszwang.—•■ Die überseeische Answanderuug ans dem deutschen Reich über deutsche Häfen, Antwerpen, Rotterdam und ) Amsterdam betrug: im Monat in den 10 Monaten Oktober Januar— Oktober 1890 9523 81 958 1889 9409 81 780 1888 9759 89 711 1887 9793 90 556 1886 9107 70 841 1885 8999 100 031 Von den Auswanderern des laufenden Jahres kamen aus der Provinz Posen 10 262, Westprcußen 8349, Pommern 7703, Bayern rechts des Rheins 7213, Hannover 5532, Württemberg o499, Brandenburg mit Berlin 3804, Schlesivig-Holstein 3587, Rheinland 3557, Baden 3251, Hessen-Nassau 2521, Königreich Sachsen 2291, Westfalen 2168, Schlesien 2019, Grohherzog- thurn Hessen 1957, Pfalz 1712, der Rest aus dem übrigen Deutschland. Bedürfen diese Zahlen wohl noch eines Kommentars? meinen, sie sind die beste Widerlegung des Richter'schen Kettfadens für„geistige Kämpfer"— vuTgo Irrlehren ge- uernnt—, die jemals erdacht werden könnte!— Herr von Schorlemer-Alst hat wie wir schon mit- theilten, sein Mandat für den Reichstag niedergelegt. Bei der Nachivahl, welche nun(im Bochumer Kreise) stattfinden wuß, werden die Sozialdemokraten den Ausschlag i» geben haben— was für den„Thurm" kein großes Ver- Puigen sein wird.— Die Nachricht der Verhaftung Toppen'» durch die Engländer hat sich bekanntlich als falsch erwiesen. Sie wurde, wie es scheint, von einem persönlichen Feind und Reiher in die Welt gesetzt. Herr Töppen, der beiläufig uicht Sozialdemokrat ist, wie wir gleich Anfangs ver- wutheten, ist nach einer Mitthcilung der„Krenz-Zeitung" zum Dolmetsch des Reichskommissariats ernannt worden, und zwar aus Wunsch des deutschen Generalkonsuls Dr. Michahelles. Die„Krenz-Zeitung" scheint mit der Ernennung Täppen's zu diesem Posten nicht zufrieden zu sein, ein umstand, der entschieden zu Gunsten des Mannes spricht.— Die„Frage Parnell" ist nun keine Frage mehr. Der «ungekrönte König" von Irland tritt zurück und alle An- ltrengungen seiner ehemaligen„Followers"(die seiner Ftth .. Die englische« Schuhfabrikanten haben einen Kon- Sreg abgehalten und sich zu einem großen nationalen Ver- •jP'd gegen ihre Arbeiter zusammengethan. Natürlich legen Arbeiter die Hände nicht in den Schooß und dehnen M auch ihre Organisation über das ganze Land ans. -Las ist der Lauf der Entwickeluna, den wir jetzt überall Erfolgen können. Der Klassenkampf spitzt sich nicht blos °u. er verallgemeinert sich auch und geht °Ur Kriegführung auf immer größerem Fuß über. pst hatten wir auf beiden Seiten gelegentliche, zu- wäige, lokale Organisationen. Die zufälligen Organisa- "vnen wurden zu dauernden, die lokalen wurden zu Distrikt- Md Gruppenorganisationen, und diese erweitern sich nun m einem Industriezweig und Gewerke nach dem anderen zu das ?anzeLand umspann ende»Organisationen, mehr und mehr über den nationalen Rahmen hinaus- und der Jnternationalität zustreben. Kleine Plänkeleien und Streiks werden mehr und mehr unmöglich— die Klassen- dampfe nehmen den Charakter von Massenkämpfen an, in gleich zu Anfang alle Kräfte aufjden Plan treten. Klassengegensatz wird hierdurch natürlich noch verschärft, 'Wo es werden Zustände geschaffen, die der kapitalistischen Produktion mehr und mehr die Existenzbedingungen abgraben, Uehx«ad mehr die Widersinnigkeit der heutigen Gesellschafts- tdNling zum Verständiüß bringen müssen. (j. Neueste Nachricht«». Ueber die gestrige Bundesraths- Atzung wird gemeldet: --*«vrtx#»...i-- W-- OTT V.O ■v>iiu iuuu grilirtvrt; . In der am 4. d. MtS. unter dem Vorsitz des kömglich bayerischen Bevollmächtigten zum Bundesrath, Gesandten pp. trafen von Lerchenfeld- Köfering abgehaltenen Plenarsitzung ertheilt« der Bundesrath den Anlrägen Sachsens und Bayerns, beireffend die Einfühning von Rindvieh aus Oesterreich-Ungarn lllih Xam« 4.»,.».? A«*4 CT)/m« rt if« tMOAOM Of 1 1 f b* O(m 1 tl dioZ '""neno me ixinsuyrung von minoviry auv mö dem Entwurf einer Verordnung wegen Aufhebung des Mbots der Einfuhr von Schweinen, Schweinefleisch und �- e".t... f JL«.mW ItvftrvitM/eS bie""Ü',X«»v (fi»™ mun9- Sodann' wurde über eine größere Zahl von , betreffend die Zollbchandlung verschiedener Gegen- w«'. Beschluß gefaßt. Der bei der Beschlußnahme über den de,!, fu'i1!1'' betreffend die Wehrpflicht der Geistlichen, von iäKr-!,.» � beschlossenen Ziesolntion, nach welcher Ein- trig-isreiwilliae. welche sich deni Studium der Theologie einer u„,v........,..—,--------— uiif A freiwillige, welche sich dem Studium der Theologie einer fi-hn v �astousrechk» innerhalb des Deutschen Reiches bc- 'Arifk- Kirche oder Religionsgemeinschaft widmen, in btr auf ihren Antrag nach halbjährigem Dienste mit di-n. das zweite Halbjahr in der Kraukenpflege sollen dj.." dürfen, und der Resolution des Reichstags, betreffend yi,. lchließliche Entscheidung der in Zollsache» auftauchende» Qfii,?..'r2Ä,n' beschloß die Versammlung eine Folge nicht zu bei II'- Die Vorlage, betreffend die Feststellung der Servisklasse einer �rtfAnfr in hen Beiirk einer anderen, bei(Hnn%r �.v-----„ die e,"er �lschast in den Bezirk einer anderen. WniienHl«(f j�er die Ausführung der seit dein Jahre 1875 �OfTen�Tr'�.................. die f" fn Anlelhegesetze. und der Entwurf eines Gesetzes Über den".I�uche Schutztruppe in Deutsch- Ostasrika wurden ----«vje bereits erde» rI[che Schuytruppe in Deutsch- orqma wi folnte il Vnö'3e" Ausschüssen überwiesen. Die bereits Bauen.. �chbisung der Vorlage wegen Verlängerung des die u r, /."'.Privilegiums der städtische» Bank zu Breslau an wurde ch",�, für Handel und Verkehr und für Justizweseu kcke,, chstenehmigr. Eine Eingabe der Vertretung der österreichi- Heins me"ti5e Mittelberg, betreffend den Anschluß dieser Gc- 'ainie-6 bas deutsche Zollgebiet, wurde dem Herrn Reichs- tliu � überwiesen. Es wurde ferner beschlossen, daß von den /r» f©tßltineTs zur(f,.chenuiefeii. Es wurde lerner beichiopen,«-»p K... warfen--ch- in9 ber statischen Gebühren dienenden Stempel- in N>,'/nnfüg die Marken über Werthbeträge von 2 und 5 M. ve»..'.»'nu kommen. Dem Verbände nordwestdeutscher Konsum OereT��'"" rommein»em-veronnv,! nvotnv»,---"'.,-,---- bet n"6 wurde das Recht zur Bestellung eines Berbandsrevisors. Bei.,.chbnskasse für die Arbeiter der sächsischen Staatseisenbahn- — v'j M, Lednitzrsße WchMmt». Vanorame». Dioramen. Ethnographische Sammlungen. Italirnischr Volks fängrr. Enlree SO Pf. Geöffnet von 10 bis 9 Uhr. [ Neu. City-Passage. Neu Dresdener. Strasse 32. 1815 Täglich: Rudolf Förster-Konzert Anfang 7l/2 Uhr. Entree 20 Pf. Castan's Panopticmn. Entree 50 Vfg., Kinder 85 Vfg. 33. 9 Uhr Morgens� bis 10 Uhr Abends. Vorstellang HVs u. 12V2 Uhr. it. v.4Ve-9VeUhr stündl. eine Vorstellung. �Ertva-Entrse 30 Pfg.! Kinder frei. Dircus Renz. Karlstraße. Sonnabend, den 6. Dezember. Abends 7 Uhr: Gala-Vorstellung mit extra auserwähltem Programm und unter Mitwirkung des Direktor E. Renz. 4 arab. Vollblut-Schimmelhengste, dress. u. vorgcf. vom Direktor E. Renz. Zum 1. Male: Old spart, Schulpferd, dress. vom Direktor E. Renz, geritten von Frl. 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N» Fiebig» Tans-Nnterricht, Gartenstr. 27. Sonntag, den 7. Dezbr., Nachm. 4 Uhr, letzter Kursus im Jahre. Honorar äußerst billig. Anmeldungen beim Beginn des Unterrichts. 1930 Wmmt, lsKr Wilhelm Fehling kneipt hier![1904 $cr Wmirte Colojsnl-Ziverg. Musik! Größte Auswahl in Violinen, Zithern, Guitarren, alle Spieldosen, Trompeten, Harmonikas u. s. w. 1908 Aug. Kessler, Lausitzerstr. 51. Unserem Kollegen H. Kol» zu seinem gestrigen munter verlebten Geburtstage ein donnerndes Hoch, daß das Kreuzberg viertel zittert, die Hängeeisen auf dem Bau sicher sitzen, das Bier ihm und uns auch andere Tage gut schmecken möge. Die durstige» Freunde 1923 oom Kau. Unserem Kollegen und Parteigenossen M. Kos gratuliren wir heute zu seinem 40. Wiegenfeste._ 1928 Die Kollegen von Muklei. Allen Freunden und Genossen die traurige Nachricht, daß mein Mann und unser Vater, der Schlosser 1926 Oskar Kerlin, am 4. d. Mts. an der Proletarier- Krankheit verstorben ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, Nachmittags 2 Uhr, vom Trauerhause, Stralsunderstr. 26, aus nach dem Frei- religiösen Friedhof statt. Um stilles Beileid bitten Die trauernden Hinterbliebenen, Mutter nebst Kindern. Freie VemiupW aller in her chirarMen Branche Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege und Vereinsmitglied Ernst Krieger am Donnerstag an der Proletarier- Krankheit gestorben ist. 1909 Die Beerdigung findet Sonntag Nach- mittag vom Städtischen Krankenhause am Friedrichshain statt. Das Nähere wird noch brieflich initgetheilt._ 1914 Achtung! Perlmutter-Arbeiter und Drechsler! Wvtliche Versanmlnng am Sonntag, den 7. Dezember, Vor- mittags 10 Uhr, bei Kreutrr, Nieder-Schönhausen, Schloß-Allee 6. Tagesordnung: 1. Streik der Firma Brabitz, Schnei- der, und Nötzold. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Treffpunkt für Berliner am Sonntag Vormittag um 8-/2 Uhr bei Heindorf, Langestr. 70. der Filiale I(S) am Dienstag, den 9. d. M., Abends 8 Uhr, Oranienstr. 180. 1917 Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Amtsniederlegung des Ausschusses. 3. Verschiedenes.— Um zahlreichen Besuch bittet Der D-rstaud. Steillschleiser (Luxuspapier-Präger) Versammlung am Dienstag, den 9. d. M., Abends 9 Uhr, Weinstr. 11, bei B o b e r t. Tagesordnung: 1. Vortrag des Hrn. Schöpfe: Thomas More und seine Utopie. 2. Billet- ausgab« zum Stiftungsfest am 24. Jan. 1891. 3. Verschiedenes.— Gäste willkommen... 1916 Der Vorstand. Heute, Sonnabend, d. 7. Dezember, Abends 8-/2 Uhr, in Orschel's Salon, Sebastianstr. 89; Vorstands-Sitzung, g WWM 8. Heine Chausseestr. 14. Weihnachtsmesse! Auslage von Neuheiten m Kleiderstoffen für die Frühjahrs-Saison 1891. Wllerklllls Lagerbeständen zu bedeut. herabgesetzten Preisen! Di- slhöilßell Kinderkleiher für Mädchen jeden Alters, sowie Morgenröcke, Unterröcke, Tricottaillen, Schürzen etc. auch im Einzelverkauf sehr billig! Maaßbestellungen prompt! Gtsljllftshlüls 8. Heine. 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Diese Genehmigung hat der Staats er m'(.m Hannover in diesem Falle nicht nachgesucht, obwohl oer«». 1)61 Sitzungsperiode ein Strafverfahren ein- vtnilt}- i �at- Obwohl Abg. Wurm wiederholt hiergegen dab'nurde das Verfahren fortgesetzt. Es ist zweifellos boiiJ? wNd e'net Vertagung des Reichstags die Session fort ainoh Trotzdem hat der Staatsanwalt der Ansicht Ausdruck doi- i dies eine Frage sei. Ich selbst weiß aus Erfahrung, m/i. das Polizeipräsidium in Berlin anderer Ansicht ist, da ich op,;% der Zeit der Vertagung, obwohl ich aus Berlin aus- T" war, unbehelligt dort weilen konnte. Ich zweifle nicht, Slmv Reichstag seinem alten Brauche folgen und unserem zustimmen wird. ■Cet Antrag Auer wird angenommen. ivlgt die erste Berathung des Gesehentwurf betr. den �utzvon Gebrauchsmustern. &•<>,,)? i*' Zamhammer(dfr.) begrüßt den Gesetzentwurf mit hÄ?eU" ei" lang gefühltes Bedürfniß erfülle. Der Aus ein, m Gebrauchsmuster sei allerdings ein seltsamer, aber er se den, m. aug dein Umstände, daß eine Lücke bestehe zwischen R 1 Mient- und dem Musterschutzgesetz. Die Definition des ilar» �ilerdings für die gewerblichen Kreise eine nicht genügend bei k. UT,m kann vielleicht verbessert werden. Da es sich hier wie gibn-.Ä Patentgesetz um technische Fragen handelt, so ist es an- dos&>' die Vorlage derselben Kommission zu überweisen, welcher de? �.�ntgesetz überwiesen ist. Die Borlage bringt namentlich ei»?. wwdustrie einen erheblichen Schutz. Es hat z. B, Jemand de» mw Gesellschaftsspiel erfunden; dasselbe fällt weder unter dürr* uoch unter den Patentschutz; der Erfinder wird %aii Nachahmer um die Früchte seiner geistigen Arbeit betrogen. der verhindert und dafür gesorgt werden, daß dieser Schutz tzi>, �sauchsmuster nicht zu theuer wird durch die Gebühren. Einnahmequelle soll daraus nicht erwachsen. Daß die mir-9 in diesen Fragen an das Reichsgericht gehen soll, will bei Mellen; denn es handelt sich hier um technische Fragen, sz, Welche,, nicht der Richter, sondern der Sachverständige ent- i>ri»"wß. Die Vorlage wird der Industrie mehr Vortheile als alle Erfindungen eines vhantasiereichen Finanz- Bisters.(Beifall links.) W«iaatssekretär v. Kötticher: Ich bin einverstanden damit, doz m Vorlage derselben Kommission überwiesen wird, welche qn,.'patentgesetz behandelt. Der Ausdruck Gebrauchsmuster ist tofthTÜ®3 tn unserer Gesetzessprache noch nicht eingebürgert; jT nn der Vorredner einen besferen Ausdruck weiß, werden wir 9krn annehmen. Es sollen nicht nur solche Gebrauchsmuster 'tzt werden, die nicht patentmäßig sind, sondern auch solche, 'atentirt werden könnten, für welche aber das Patent- loch-aen zu langwierig ist. Die Gebühren sind wohl nicht zu x\!i' iumal wenn man bedenkt, daß sie sich auf die ganze Schuft Mnh;0on mehreren Jahren vertheilen. Eine internationale Ver- »ui �""9 wird auf diesem Gebiete eine sehr schwierige sein, da befteK? � wenigen Ländern ein Schutz der Gebrauchsmuster v Jß nothwendig, deshalb kann ich mi �krira?!"' die endgiltige Entscheidung dem . werden solle. ®at®"(dl.) beantragt ebenfalls die Ueberweisung an ?�etziu»m����°mmissiion und empfiehlt die Annahme dieses vUrf?c welcher für das kleine Handwerk und die kleine �dung-n tfl Schutz einführt, der bisher nur für patentfähige Er- , D,»« � Patent" esetz�b�"th �omm'�on überwiesen, welche über �änber.m�v-'e �rste Berathung de» Gesetzentwurfs über die Ston«?, Krankenversicherungsgesetzes vom IB. Juni 1888. S,r ein;!. v?Wr" Koetticher: Mit diesem Entwürfe treten die Periode der Revision unfcrer sozialpolitischen �'cherun Notbivendiakeit in Bezug auf die Kranken- m im » daü—-•'■ daß handelt sich darum, vom v--,- '• eingestandenermaßen leidet, und dazu helfen (Soz.); Der Herr Minister verwahrt o.e <»ji Waffen. den Verdacht der Feindseligkeit gegen die freien ife wir aber die Behaiidlungsweise der freien Histv- - a„ herer Sliifichf. L 'it�üensh�:�" wir aber die Beha»dliingswei,e v";, d Pn.'f Regierung betrachten, kommen wir zu anderer Anficht. n>g, daß das Krankenkassen-Gesetz große Mangel hat. Vielfach sind freie Hilfskassen ans Grund des§ 75be§ Krankenkassen- Gesetzes von den Regierungspräsidenten genehmigt, dennoch aber deren Mitglieder von den Orts-Krankenkassen zu Beiträgen heran- gezogen worden, weil die Aufsichtsbehörde ineint, daß die be- treffenden freien Kassen dem§ 75 nicht vollständig entsprechen. Prozesse, die desr-ege» stattfanden, sind zum Nachtheil der freien Hilfskassen entschieden worden. Fehler können Beamte wohl machen, aber man darf dieselben doch nicht die freien Hilfskassen entgelten lassen. Der Glaube ist allgemein, daß man den freien Hilfskassen feindlich gegenüberstehe. Wenn die Motive sage», daß der den freien Hilfskassen zustehende Zuschuß der Hälfte des ge- setzlichen Mindeftbctraaes des Krankengeldes anstatt der Gewährung von freier ärztlicher Behandlung und Arznei nicht mehr aufrecht erhalten werden kann, weil ärztliche Behandlung und Arznei viel mehr koste, und dies damit begründen, daß die OrtS- Krankenkassen in einem Jahre über 17 Millionen für Arzt und Apotheke bezahlt haben, so ist das nicht ganz richtig. Ferner existirt auch entgegen den Angaben der Motive keine freie Hilfs- lasse, die einem Kranken ohne ärztliches Attest eine Unterstützung zahlt. Die freien Hilfskassen haben ebenso wie die Orts-Kranken- lassen ein Interesse daran, daß dem Simulantenthum gesteuert wird. In den freien Hilfskassen hat sich der Kranke auch vollkommen den ävztlichen Anordnungen zu fügen. Wenn Arzt und Apotheke zu viel kosten, würde es sich vielleicht empfehlen, die Apotheken zu verstaatlichen; dann würden sowohl die Orts- Krankenkassen als auch die freien Hilfskassen auf einen ganz anderen Fuß kommen. Auch bei den Orts-Krankenkassen sind sehr viele Unzuträglichkeiten vorgekommen. Das Kranken- lassen-Gesetz hat viel mehr Sozialdemokraten geschaffen, als irgend ein anderes. Allerdings hat es segensreich gewirkt, aber es muß verbessert werden. Doch die uns vorgeschlagene Verbesserung ist nicht im Stande, den Mißständen wesentlich ab- znhelfen. Die Borschrist der An- und Abmeldung in den Orts- Krankenkassen, sobald ein Arbeiter an einem anderen Orte arbeitet, wird vielfach von den Arbeitern zu ihrem Nachtheil außer Acht gelassen. Ein Schlosser, jahrelanges Mitglied der Orts-Kranken- lasse in Solingen, nahm in einem benachbarten Orte Arbeit, zahlt aber noch ein halbes Jahr lang in Solingen seine Krankenkassen- beitrüge. Da wurde er schwindsüchtig, erhielt vom Arzt das -"''" t Orts-Kranke'"''" Attest,' wurde aber von der Orts-Krankenkasse in Solingen zurück- gewiesen, wesl er wegen seiner Beschäftigung an einem anderen Ort nicht inchr Mitglied sei; die Orts-Krankenkasse seines Beschäf- tigungsorts roies ihn auch zurück, weil er da keine Beiträge gezahlt hatte. So wurde der Mann hin und her geschickt, bis er todt war. Er ist ohne ärztliche Hilfe geblieben. So lange die Kassen mit ihrem Streit nicht fertig»varen, mußte irgendwie anders für den Mann gesorgt werden. Es wurde ihm zwar zu allerletzt Armenunterstützung angeboten, er lehnte sie aber ab, da er ein Recht auf Unterstützung hatte. Viele Beamte in den Orts-Kranken- kasse» sehen die Unterstützung, die man zu verlangen hat, nur als Almosen an und behandeln die Leute als Almosenempfänger. Man thut auch so wie im kalssmännischen Geschäft und sucht möglichst wenig auszugeben. Die Regierung hat die Orts- Krankenkassen als das jüngere Kind angesehen und diesem alle Vortheile zugewendet. Die Vorlage will nun das ältere Kind, die freien Hilfskassen, sogar unter Kuratel der Orts-Kranken- lassen stellen. Kontraktbrüchige sollen keine Unterstützung be- kommen, aber wer entscheidet, ob ein Kontraktbruch vorliegt? Das geht doch die Krankenkassen gar nichts an, sondern nur die Geiverbegerichte. Damit, daß der Kreis der dem Kranken-Ber- sicherungszroange unterworfenen Personen weiter gezogen wird, find wir einverstanden. Lehrlinge sollen auf Antrag der Arbeit- geber von der Versicherungspflicht befreit sein, wenn der Arbeit- geber ihnen während des Lehrverhältnisses freie Kur und Ver- pflegung in einem Krankenhause sichert. Was geschieht aber, wenn das Lehrverhältniß etwa durch den Tod des Arbeitgebers plötzlich auf- hört? Deshalb müssen Lehrlinge in jedem Fall versicherungs- pflichtig sein. Ferner wäre es empfehlenswerth, auch sämmtliche Landarbeiter dem Versicherungszwange zu unterwerfen. Personen, welche infolge von Verletzungen, Gebrechen oder chronischen Krank- Helten oder Alter nur theilweise oder zeitweise erwerbssähig sind, sollen auf ihren Antrag von der Versicherungspflicht befreit fein. Das ist nicht gerecht, wenn man einen Mann, der vielleicht schon 10 oder 20 Jahre in der Krankenkasse gewesen, schließlich der Gemeinde- Unterstützung anheimfallen läßt. Nichts korrumpirt mehr als die öffentliche Armenpflege; auch verlieren die Leute dadurch ihr Wahlrecht. Die verschiedenartige Behandlung der Wöchnerinnen, je nachdem sie ehelich oder unehelich geboren, ist durchaus ungerechtfertigt. Mensch ist Mensch, und es steckt bei den unehelichen Geburten doch immer ein Änderer dahinter, der das Unglück verschuldet hat. Das Sterbegeld ist unter allen Um- ständen zu zahlen, oder man muß es aus den Krankenkassen heraus- lassen und Jeden verpflichten, an einer Sterbekasse theilzunehmen. Die Bestimmung, daß ein Arbeitgeber als Mitglied des Vor- standes sich durch einen Prokuristen oder Werkführer vertreten lassen darf— darauf kommt die Sache hinaus— wird viel böses Blut im Lande verursachen. Der Arbeitgeber bekleidet doch als Vorstandsmitglied einen Vertrauens- und Ehrenposten und er muß mit seiner Person für sein Votum eintreten. Die Prozesse über die Strafsest.setzungen sollten nicht durch die Verwaltungsbehörden, sondern durch das Reichs-Versicheruugsamt entschieden werden. Ebenso sollten diesem auch die Genehmigung der Kassen zustehen, welche über das ganze Land oder Reich verbreitet sind. Der Reichskanzler vermag die Sache nicht zu übersehen, er steht nicht in, wirthschastlichen Leben. Was die freien Hilsskassefi leisten, kann ich Ihnen an der Krankenkasse der Holzarbeiter nachweisen. Diese gab 1887 an Krankengeldern aus zirka 1 700 000 M. Ter Minister behauptet zwar, daß diesen freien Hilfskassen die Lebensader nicht unterbunden werden soll. ES ivird aber thatsächlich geschehen, wenn das Gesetz in dieser Form angenommen wird. Wenn die segensreiche Thätigkeit der freien Hilfskassen ausrecht erhalten werden soll, dann müssen wir die Novelle ablehnen und etwas anderes an. ihre Stelle setzen. Deshalb beantragen wir die Ueberweisung der Vorlage an eine Kommission. Zlbg. Morbach(R.-P.) erkennt an, daß die Vorlage ganz entschiedene Verbesserungen bringt. Der Hauptpunkt liegt in den Bestimmungen über die freien Hilfskasse»; denn die ärztliche Behandlung und Arznei ist mehr werth, als der Betrag deS Halben Krankengeldes, welchen die freien Kassen mehr zahlen müss'M. Es ist nicht zu billigen, daß die Höhe des Krankengeldes sich richtet nach dem ortsüdlichen Tagelohn am Sitze der freien .Kasse. Zufrieden sind wir mit der Bestimmung bezüglich der Wöchnerinnen. Redner verzichtet auf die Einzelheiten, welche besser für die Kommissionsberathung passen. Abg. Hirsch(dfr.): Ich kann das Gesetz weder in Bausch und Bogen verwerfen, noch ihm vollständig zustimmen. Mit dem Grundgedanken desselben bin ich vollständig einverstanden. We'.m wir nicht wüßten, daß diese Novelle vor zwei Jahren in Arbeit genommen ist, so würde ans dieser Novelle selbst hervor- geh'.'», daß von einem neuen Kurse hier keine Rede ist, sondern daß der alte Kurs der sozialpolitischen Gesetzgebung noch voll und ganz zum Ausdruck kommt. Ter Geist des Zwanges, der blvceaukratischen Bevormundung, des Negirens der Gleichberech- tignng der Arbeiter, welcher in dem Jnvaliditätsgesetze aus- gedrückt ist, findet sich auch in dieser Novelle enthalten, und doch wäre es gerade auf diesem Gebiete angezeigt, der arbeiter- freundlichen Strömung zu folgen und den Arbeitern Raum zu geben für die Entfallung ihrer Kräfte. Die Novelle verändert die Grundlage des Gesetzes, auf der ich stehe. Die Nothwendig- keit einer Ausdehnung der Zwangsversicherung ist von der Regierung in den Motiven nicht nachgewiesen. Es handelt sich hier wesentlich um die Handlungsgehilfen und im Geschäfts- betrieb von Anwalten, Notaren ec. angestellte Personen. Bei den ersteren ist die Nothwendigkeit eines solchen gesetzlichen Zwanges keineswegs nachgewiesen. An Orten, wo eine größere Zahl von Handlungsgehilfen in wirthschastlichen Verfall gerathen sind, sollen die größeren Verbände eintreten. Der Weg der Ausdehnung der ortsstatutarischen Bestimmungen ist ein genügender und auf ihm kann Gutes geschaffen werden. Was die Ausbesserung und Ausdehnung des Zwangskassen- Systems betrifft, so ist hier eine Aenderung der Grundlage beabsichtigt. Es wurde nämlich früher in der Kommission ausdrücklich erklärt, daß man das Zwangs- kassen-System nicht zur Grundlage nehmen wolle. Die Wirkung würde die sei», daß die Zersplitterung der Kassen und das Herum- werfen der Mitglieder der Krankenkassen noch zunähme. Jedes Mal, wenn der Arbeitgeber einer anderen Krankenkasse angehört, wie der zu ihm ziehende Arbeiter, muß dieser in diese neue Kasse treten. Die freien Hilfskassen bewähren sich hier viel besser, es sind aus ihnen bis jetzt viel weniger Mitglieder ausgetreten als bei den Zwangs- lassen, so daß die ersteren eine viel größere Stetigkeit zeigen. Eine ungerechte Bestimmung ist auch die, daß unverhcirathete Wöchnerinnen von den Vortheilen derselben ausgeschlossen sind. Das Gerechtigkeitsgefühl bei den etwa eine Million betragenden Mitgliedern der freien Hilfskassen ist in dieser Hinsicht ein anderes. Es ist überhaupt unglaublich, welche Menge Paragraphen dieses Gesetzes ein behördliches Einschreiten rechtfertigt. Soll das eine Selbstverwaltung sein? Der dritte Haupttheil des Gesetzes dreht sich um das Verhältniß zu den freien Hilfskassen. Wenn nach den Aeußerungen des Staatssekretärs eine Unterdrückung dieser Kassen nicht beabsichtigt ist, so findet dieselbe doch thatsächlich statt. Die freien Hilfskassen, die viel höhere Beiträge bezahlen als die Zwangskassen, von denen der Kranke den Arzt bequem bezahlen kann und dann noch mehr erhält, wie bei den Zwangskassen, sollen jetzt be- soldete Kassenärzte anstellen. Es werden für die Leistungen der Zwangskasfen immer die Zahlen der Statistik angeführt, und doch bedeuten die absoluten Zahlen nichts. Es ergiebt sich aus der Be- rechnung, daß die Gemeinde-Krankenversicherung ausgegeben hat pro Kopf 6,88 M., die Orts-Krankenkassen 10,49 M., die Jnnungskassen 8,49 M., die freien Kassen 12,44 M. und die landesrechtlichen Kassen 12,28 M., also mit Ausnahme der Be- triebs-Krankenkassen, die ganz andere Verhältnisse haben, rangirc» die freien Hilfskassen an der Spitze. Gerade die Mitglieder der freien Kassen gehören zu denjenigen, die immer am schnellsten eine Heilung wünschen; dazu sind ihre Kassen im Stande, den Aerzten angemessene Honorare zu zahlen. ES werden so jährlich von den freien Kassen für Aerzte und Arzeneien, für Unterbringung in anderen Anstalten viele Millionen verausgabt, so daß auch nach dieser Richtung hin die Mitglieder der freien Kassen besser stehen. Die bei den Zwanaskrankenkassen beliebte Pauschalsumme hat auch eine Pauschalbehandlung zur Folge. Denn selbst ge- wissenhafte Aerzte werden nicht immer im Stande sein, Pne völlig ausreichende Behandlung eintreten zu lasse», und doch ist das Zutrauen der kranken Arbeiter zu ihrem Arzt etwas sehr Wesent- liches. Die Ausdehnung und Verschärfung des Meldewesens auch auf die freien Krankenkassen dadurch, daß ein besonderer Antrag jedes Versicherungspflichtigen verlangt wird, daß er serner den Nachweis seiner Zugehörigkeit zu einer solchen Kasse erbringen muß: alles Das wird viele Arbeiter mürbe inachen und den Zwangskassen zuführen, auch wenn sie von dem Vorzug der freien Hilfskassen überzeugt sind. Wir werden in der Kommission auch an der Ausdehnung und Vervollkommnung der Zwangskassen mitwirken; aber wir werden alle diejenigen Bestimmungen zu beseitigen suchen, die Tausende von Arbeitern in ihren wohlerworbenen Rechten beschränken und die Existenz der freien Kassen unter- graben, die wir für eine der werthvollsten Einrichiungen zur Herstellung des sozialen Friedens halten. Geheimer Ober-Regierungsrath Lohmann: Herr v. Bötticher befindet sich, wie behauptet wird, im Widerspruch mit den Mo- tiven der Vorlage. Es ist nicht wahr, daß das Gesetz von 1883 auf dem Prinzip des Kasseuzwanges beruht, während man jetzt das Prinzip der Zwangskassen durchführen will. Die Vorlage von 1883 hatte die Zwangskasse als Grundlage, und die Versuche des Reichstage?, den Kassenzwang an die Stelle zu setzen, hat nur zu Unklarheiten geführt; die anscheinend freie Wahl zwischen verschiedenen Kassen, welche die Versicherten zu haben glauben, besteht in Wirklichkeit nicht. Abg. Hifz»(Z.): Daß eine Reform nothwendig sei, war von allen Seiten zugegeben, auf die Einzelheiten einzugehen, dazu sei die Komniission da, infolge dessen könne er jetzt auf weitere Ausführungen verzichten. Abg. Möller(natl.) verzichtet ebenfalls auf weitere Aus- führungen und spricht die Hoffnung anS, daß die kommissarische Berathung dazu führen werde, daß auch Herr Hirsch der Vorlage seine Zustimmung giebt. Abg. Misser(wildliberal): Die Gesetzgebung hat auf die be- stehenden freiwillig gebildeten Kassen nicht genügend Rücksicht genommen; die Ortskrankenkassen haben mcht das geleistet, was die alten Kassen leisteten und die Mitglieder, welche sich diese Leistungen sichern wollen, die sie bisher genossen haben, mußten doppelte Beiträge bezahlen. Auf diese Verhältnisse sollte man Rücksicht nehmen. Abg. v. Manteuffrl(dt.) ist besonders erfreut darüber, daß die freien Kassen in ihrer Thätigkeit etwas beschränkt werden(Hört! Hört! bei den Sozialdemokraten); das sei auch un- bedingt nothwendig im Interesse der Zwangskassen; aus diesem Grunde sei es auch erfreulich, daß die Jnnungskassen etwas besser gestellt würden als bisher. >.> �9- JmjVrt(Soz.): So gern wir auch glauben möchten, daß die Regierung nicht die Absicht hat, die freien Kassen zu schädigen so hat doch Herr v. Manteuffel schon ausgepiaudert, daß dies doch beabsichtigt w,rd. Hoffentlich wird die Kommission die Vorichlage abschwachen. Ich beantrage die Streichnna der §§20(Unterstützung nur für eheliche Wöchnerinnen), 28(Verlust des Krankengeldes infolge von Kontraktbruch). 43a(zwangsweise Heiterkeit) S � UnÖ 82a(Verwendung der Strafgelder). Du Niemand Widerspruch erhebt, kommt der Antrag sofort zur Verhandlung. . Rbg. Swgrr(Soz.) ist der Meinung, daß dieses Strafverfahren jedem anderen Verfahren gleich gestellt sei. daß des- halb auf Grund des Artikels 31 dessen Einstellung verlangt wer- den könne. Ohne Debatte wird der Antrag angenommen. Schluß 5 Uhr. Nächste Sitzung Dienstag. 9. Dezember, 12 Uhr.(Dritte Lesung der Vorlage betr. Helgoland und erste Lesung des Etats für 1891—92.) 8. Sitzung der Petitionskommission, am 5. Dezember, Vormittags 10 Uhr. Zur Berathung gelangt unter Zuziehung eines Regierungs- kommissars eine Petition, betreffend Prüfung der Maschinisten der Flußdampfschiffe. Die Referenten Abgg. Grumbt(kons.) und 0. Kchwartz (Sozialdemokrat) sind der Meinung, es müßte die Prüfung in besserer Weise vorgenommen werden, als bisher. Auf der Oder, im Haff u. s. w. find Unglücksfälle vorgekommen, die auf diese Verhältnisse mit zurückzuführen sind. Die Flußschifffahrts-Ver- hältniffe liegen anders, als im Jahre 1878, aus dem das ein- schlägige Gesetz stammt. Es wäre nothwendig, die Regelung nun vorzunehmen. Regierungskommissar Geh. Reg.-Rath Caspar: Für Fluß- schifffahrt liegen die Verhältnisse anders, als für Seeschifffahrt. Die Regelung der Prüsungsverhältniffe der Maschinisten könnte ja von mehreren Staaten gemeinsam vorgenommen werden, aber es ist nicht abzusehen, warum für die Oder genau wie für die Donau die Regelung vorgenommen werden soll. Die Petition ist nicht an die richtige Adresse gerichtet, sie müßte an den preußischen Landtag gehen. Abg. Scha-artz hebt noch einmal die Unsicherheit der Schiff- fahrt durch die ungenügende Prüfung hervor, worauf der Regierungskommiffar noch einmal betont, daß bei derartigen Beschwerden die Petenten sich an die kompetente Stelle wenden möchten. Die Abgg. Krömet und Münch,(dfr.), heben einige Momente aus den Prüfungsverhältniffen hervor, welche von dem Abg. Schwartz-Lübeck richtig gestellt werden. Die Darstellung der beiden Vorredner sei unrichtig, die Sache liege anders. Die Petition wird zurückgewiesen und den Petenten frei- gegeben, sich an die kompetente Stelle, das preußische Abgeordneten- Haus, zu wenden. Eine andere Petition wendet sich gegen das Verbot einer Vornahme von Geldsammlungen in Versammlungen zur Deckung der Tageskosten. Abg. Frohme beantragt, die Petition den: Plenum zur Berathung zu übergeben, da das Verbot das Koalitionsrecht, welches nach§ 152 der Gewerbe-Ordnung garantirt sei treffen. Die Petition wird an die Arbeiterschutz-Kommisston über- wiesen. Eine ganze Reihe von Petitionen wird als ungeeignet zur Erörterung im Plenum befunden aus Kompetenzgründen u. s. w. Nächste Sitzung Dienstag, 9. Dezember. ** fit petitiouskommissto» des Reichstages überwies esuch um Vermehrung der Reichstags-Wahlkreise in Berlin der Regierung zur Kenntnihnahme. ToKelles. Da» ,,Kerliner Fremdenblatt" giebt seinen junkerlich- konservativ- patriotischen Gefühlen anläßlich eines vor einigen Tagen stattgehabten sogenannten„National- Gedächtnißtages" in einer solch köstlichen Weise Ausdruck, daß wir nicht verfehlen wollen, unseren Lesern einiges aus der Epistel zum Besten zu geben. Natürlich dreht sich der Kardinalpunkt des Ganzen um die Sozialdemokraten. Nach dem„Fremdenblatt" muß das doch eine zu böse Sorte von Menschen sein, die es sich anscheinend zum Hauptvergnügen machen, unsere gesammte Bourgeoisie täglich zur größten Wuth zu reizen. Die Bourgeoispreffe bringt dagegen immer neue Mittel zur Lösung der sozialen Frage in Vorschlag. Doch bis jetzt ist das richtige Heilmittel noch nicht entdeckt, od- gleich unsere bürgerlichen Sozialcharlatane schon so viel herausbekommen haben, daß die soziale Frage im Interesse des Geldsacks nur durch Beseitigung der Sozialdemokratie gelöst werden kann. Ist diese Unruhe- stifterin erst beseitigt, dann haben wir in Europa und in der ganzen Well endlich Ruhe. Dann werden unsere„National- Helden" auch wieder einmal in aller Gemüthsruhc an ein kleines lustig-fröhliches Kriegchen gegen den„Erbfeind" denken können. Und wie harmonisch werden dann Unrerneymcr und Arbeiter an der Erhöhung des„nationalen" Wohlstandes zusammenarbeiten. Wenn die sozialdemokratischen AufHetzer verschwunden sind, wer- den die Arbeiter auch wieder zu der Einsicht gelangen, daß, je länger ihre Arbeitszeit ist, je mehr sie zur Hebung der„natio- nalen" Industrie und des Nationalreichlhunis beitragen. Sie werden auch wieder einsehen, daß durch die fortwährenden Lohn- erhöhungen nur der Gewinnantheil ihres„Arbeitgebers" geschmälert wird. Und wie wird erst die Vaterlandsliebe aufblühen. Aber leider ist es bis heute noch immer nicht ge- lungen, das Heilmittel für den schon entdeckten verwüstenden Bazillns zu finden, noch immer ist unserer bedrängten Bourgeoisie kein Professor Koch entstanden. Weder ihr großer Irrlehren be- kämpfender Richter, noch ihr geschichtskundiger Treitschke, noch ihr wahrheitsliebender Stöcker, sowie sein lieber Freund und Bruder Wagner, auch nicht ihre Harmonie predigenden Schulze- Delitzsch und Hirsch haben mit all' ihren großen Vorschlägen das Richtige getroffen. Hoffen wir, daß gar bald zum Wohle der Menschheil der Messias des Kapitals ersteht, welcher dem grim- niigen Feind aller Kultur, bestehend in Unternehmerprofit, Mords- Patriotismus und Aehnlichem energisch zu Leibe rückt und ihn einsach vernichtet! Dann ist endlich Ruhe auf Erden. Das mögen wohl so un- gefähr die Gedanken gewesen sein, welche den Schreiber oben er- wähnten Artikelchens des„Fremdenblatt" beseelt haben. Doch hören wir, was der tiefsinnige Politiker sonst noch sagt: „Heute wollen nur zu viele Menschen ernten, ohne gesäet zu haben(sehr richtig, ist aber wohl schon etwas lange so. D. Red.) Sie schauen lüsternen Blicks auf anderen Besitz, leihen ihr Ohr den falschen Propheten, die da den Satz aufstellen, daß Eigen- thum Diebstahl sei, und mißachten die Grundsätze selbstloser Pflichterfüllung(wie lauten diese, etwa sich ducken, treten und todtschießen lassen? Die Red.), strengster Unterordnung der eigenen Person unter das Gesammtwohl(der Kapitalisten ist ivohl vergessen, hinzuzufügen. D. Red.), und genaueste Sparsam- keit im Kleinen wie im Großen(wovon sollen sie sparen? D. Red.)... Den Arbeitern wird es von den sozialdemokra- tischen Führern förmlich als Verbrechen, als Verrath an der Volkssache angerechnet, wenn der einzelne arbeitsam(?), sparsam und zufrieden lebt; wer sich von dem Hetzchorus gegen Monarchie, Ehristenthum, Vaterland, Arbeitgeber ausschließt(eine schöne Zusammenstellung. D. Red.), wird als räudiges Schaf behandelt, als Abtrünniger geboykottet und als abschreckendes Beispiel für andere hingestellt. Die soziale Resorm-Gesetz- gebung wird eben deshalb von den Sozial- deniokraten auf das Wüthendste angefeindet, weil s i e über kurz oder lang Bresche in dies ruchlose Abschreckungs- und Einschüchterungs- jystem legen muß, aus dem gleichen Grunde wollen die -zolksverhetzer auch nichts von den patriotischen Gedenkfeiern wissen, welche die Liebe zum Herrscherhause und zum Vaterlande zu stärken berufen sind." Weiter glauben wir wohl nichts dem Machwerk Hinziisetzen zu brauchen, nur mit dem Schluß möchten wir uns noch ein wenig befassen. Also auch noch darüber bittere Klage, daß die Tage, an denen Tausende unserer eigenen Brüder und Tausende unserer Brüder anderer Zunge hingeopfert sind, daß wir solche Gedenk- tage nicht feiern? Nein, wir lassen uns allerdings nicht ver- Hetzen gegen unsere Brüder jenseits des Rheims und anderwärts, die unter demselben Joche seufzen wie wir. Aber wenn die Herren glauben, wir hätten leine patriotischen Gedenkfeiern, so irren sie sich nicht nur, sondern sie beweisen uns auch, daß sie ein sehr kurzes Gedächtniß habe». Wir haben auch unsere „vaterländischen" Gedenkfeiern, freilich unser Vaterland erstreckt sich auf die ganze Welt, wo überall unsere Ärbeitsbrüder leben, seufzen und auf ihre Befreiung hinarbeiten. Wir haben unsere Maiseier, wir haben auch Gedenktage an unser»: Freiheitskämpfer; doch das sind nicht Männer nutzloser Blutthaten, sondern Männer der Freiheit und des Weltensriedens. Wir erinnern an die Lassallefeier und an den erst in vergangen«r Woche gefeierten Gedenktag an einen unserer Geisteshelden. Erfreuliche Abnahme der schlechten FeKiüre. Zwei Redakteure vom„Lokal-Anzeiger" sind erspare ißhalber entlassen worden; zugleich wurden die Mitarbeiter-Hoiuorare herabgesetzt. Die Lohnreduktion der Setzer des„Lokal-Anzeiszer" ist bekannt. Die Abonnentenzahl des Blattes ist seit IVe Jahren bedeutend herabgegangen. Es wäre erfreulich, wenn maai daraus folgern dürfte, daß der Geschmack an geist- und tendenzlosem Klatsch im Abnehmen ist. Die bei der Dolkszählnttg festgestellt« Dermehrnng der Bevölkerung Berlins von 1 315 287 im Hahre 1885 auf 1 574 485 Seelen oder 19,7 vom Hundert ist einie Zunahme, wie sie Berlin bisher überhaupt noch nicht gehabt hat. In den Jahren von 1860 bis 1885 hatte sich Berlin um 17,2 pEt. vermehrt. Berlin hat nunmehr Wien weit überflügelt, denn nach den letzten Erhebungen zählt Wien mit Einschluß der Vororte nur 1 103 875 Einwohner. Paris hat z. Z. eine Bevölkerung von 2 345 000, London eine solche von 3 816 000 Seelen. Ein grausiger Fulkmord ist vorgestern Bormittag in der verlängerten Lindowerstraße, in der Nähe jener Straße, wo vor wenigen Wochen erst die Zimmermeister Schaaf�che Katastrophe erfolgte, verübt worden, und zwar ist das Opfer jsner bestialischen That ein junges, etwa sechszehnjähriges Mädchen, der Thäter ein etwa vicnindfünfzigjähriger, den„ b e s s crem" Gesellschafts- klaffen angehöriger Mann, der bald darauf seinem verfehlten, der irdischen Gerechtigkeit verfallenen Leben durch Erschießen ein Ende gemacht hat. lieber die Blutthat erfahren wir Folgendes: Seit dem 1. Oktober d. I. bewohnte der unverheivathete Rentier Lischewski die erste Etage des neuerbauten Hauses Verlängerte Lindowerstr. 4; die Wohnung besteht aus drei nach der Straßen- ■"---v- cvr 5----- 1--------------- Küche ,' Mädchengelaß. Seit längerer Zeit schon führte dem L. eine in der Fennstraße 33 wohnende Frau die Wtzrthschaft; vor etwa vierzehn Tagenerkrankte dieselbe und nun sah sich der Rentier genöthigt, ein Dienstmädchen zu nehmen, und miethete als solches vor etwa sechs Tagen die sechszehnjährige Emma R. Der Name derselben war, weil die Polizei selbst die Anmeldung noch nicht erhalten, nicht genau festzustellen. Vor etwa drei Tagen war du frühere Wirthschafterin aus der Eharitee entlassen worden und begab sich nun Vormittags hin zu L., um hier demselben die Küche zu besorgen. Als sie nun gestern Vormittag gegen neun- einhalb Uhr an der Thür der L.'schen Wohnung erschien und klingelte, wurde ihr nicht geöffnet und da die Frau fürchtete, daß L. etwas zugestoßen, so eilte sie zu einem in der Nähe wohnen- den Freunde desselben und theilte ihm ihre Befürchtungen mit. Sofort ließ dieser einen Schlosser nach der Wohnung oes Rentiers komme», der Hausverwalter und ein Kriminalschutzmann waren gleichfalls zugegen; die Thür wurde geöffnet und inwn begab sich nun zuerst in das Balkonzimmer. Hier bot sich den Eintretenden ein entsetzlicher Anblick. Am Ofen, in welchem Feuer flackerte, lag das Dienstmädchen in einer Blutlache, leise röchelnd mit ge- brochenen Augen, entsetzliche Wunden an der Stirn und am Vorderkopf. Das Gehirn quoll aus der linken Schläfe heraus, und es wurde anfänglich angenommen, daß hier ein Raubmord vorliege. Inzwischen war man auch in das Schlafzimmer ge- drungen und hier fand man L. erschossen auf dem Fußboden neben dem Bett liegend. Die Kugel eines Revolvers, den der Todte in der krampfhast zusammengeballten Hand hielt, war dnrch die linke Schläfe ins Gehirn gedrungen. Alsbald wurde der Reviervorstand des 53. Polizeiburcaus benachrichtigt und gegen 11 Uhr traf der Chef der Kriminalpolizei Graf Pückler in Begleitung mehrerer Kriminalkommissaricn ein. Ein auf dem Nachtlischchen liegender Brief des L. an seinen Freund giebt Aufschluß über die That. Es heißt in demselben, daß L. das Mädchen erschossen,„weil die Bestie nücht noch mehr Männer unglücklich machen solle, sie müsse ins Zuchthaus," er aber bäte seine Verwandten der Schande wegen, die er ihnen inache, vielnials um Verzeihung. Man glaubt, daß L. dem Mädchen, als sie Feuer angemacht, Gewalt angethan oder solche habe anthun wollen, und daß ihm �ein Opfer mit der Anzeige gedroht habe. Dann muß L. die R. losgelassen haben, hat sich aus der Küche einen starken Hammer gsholt und dann die noch immer am Ofen Knieende mit mehrers» Hieben niedergeschlagen. Dann zur Besinnung gekommen und zur vollen Erkenntniß seines Verbrechens, hat er den Brief geschrieben, in welchem er das Mädchen verdächtigt, und sich— es muß sich dies Alles im Laufe einer Stunde abgespielt haben— erschossen. L. hat zwei Brüder, denen er sein nicht unbeträchtliches Ver- mögen vermacht. Er war früher Zimmermeister, ist von kleiner, unansehnlicher Statur und von nicht sonderlichen» Aussehen. Die Leiche des L. wurde nach der Morgue, die schwerverletzte! R. nach dem städtischen Krankenhause in Moabit geschafft, woselbst die Unglückliche hoffnungslos darniederliegt. Ein Nanbanfall, der in seinen Einzelheiten viel Wehnlich- keit mit dem jüngst in der Schützenstraße verübten Verbrechen hat, ist in der Nacht vom Donnerstag zum Freitag im Hause Mauerstraße 76 an den beiden Dienstmädchen des dort wohnenden Nestaurateurs S ch iv a r z ausgesührt w orden. Herr Schwarz ist Inhaber des im Hofgebäude gelegenen Weiß- bier-Lokals; zur Kneipe gehören mehrere Kellerräumlicbkeiten. Die einen iverden als Äierkeller benutzt, in einem andern Keller- räum schlafen die beiden Mädchen. Vorgestern Nacht müjken sich zwei Strolche in den für gewöhnlich offen stehenden Biem'ellern versteckt gehalten haben. Als nach 2 Uhr die letzten Gäste das Schwarz'sche Lokal verlassen hatten, die Hausthüre geschlosse?» und bald daraus alles im Hause still geworden war, schlichen suh die Kerle in das Schanklokal und versuchten hier einen Einbruch in die Ladenkasic. Herr Schwarz hatte vorsorglich sein Geld mit in seine Wohnung genommen und so fanden die Einbrecher hier nicht einen rothen Heller. Sie ließen die leere Kasse auf dem Buffettische stehen und begaben sich in den Keller hinunter in den Schlafraum der Mädchen. Ein ikoffer, die Kommode und das Spind wurden erbrochen und auf ihren Inhalt an baarem Gelde untersucht. Das eine Mädchen erwachte von dem Geräusch, welches die Einbrecher verursachten und sie rief dem anderen Mädchen zu:„Lina, hörst Du nichts?" Kaum aber h»ttte ie den Namen ausgesprochen, als auch schon der eine Kerl auf ie zusprang und ihr eine» Strick um den Hals legte. Der zivAite tellte sich mit erhobener Axt vor das andere Mädchen und drahte diesem mit dem Tode, falls es einen Laut von sich gebe. i)ie Burschen hatten es nur auf Baargeld abgesehen, sie fragten ft tzt die Mädchen nach ihren Sparkaffen-Büchern und ihrem Gelbe. Beide Mädchen hatten nun thntsächlich Sparkassenbücher üser nicht unerhebliche Summen und dieselben in einem Wäschekorbe, der von den Räubern bisher unbeachtet gelassen worden w.tr, ausbewahrt; sie hatten aber die Geistesgegenwart, zu behauptan, sie besäßen kein Geld, die Sparkassen-Bucher habe ihr Bröthen. Mit dieser Erklärung gaben sich jedoch die Beiden nicht zv- frieden, sie stießen gegen die armen Mädchen die gräßlich� Drohungen aus, und, eingeschüchtert, überlieferten die bedroM Mädchen den Kerlen ihr ganzes Vermögen in Höhe von IL% Wie frech die Strolche zu Werke gingen, erhellt daraus, daß ff die Mädchen nöthigten, still im Bette liegen zu bleiben uff selbst die Portemonnaies aus den Kleidern heroorholleu. Als die Räuber das Geld in Besitz hatten, fragt? sie noch nach dem Hausschlüssel, um das Häus möglichst»nach fällig verlassen zu können. Die Mädchen waren aber nicht m Besitz eines solchen und so machte sich der eine daran, die Hauff thiir gewaltsam zu erbrechen, während der andere inzwischen u« ~~...... M leine« lyuu gtjumijmii ju w?««»»ww...y—,, den Mädchen blieb und darüber wachte, daß dieselben etwa keine« Lärm schlagen oder den Wirth benachrichtigen könnten. Als die Thür dann geöffnet, machten sich Beide mit den höhnische« Worten:„Wir kommen bald wieder!" eiligst aus dem Staube. — Trotzdem der ganze Vorfall über eine Stunde Zeit in An- sprach genommen, ist es den Strolchen doch geglückt, ihr ver- brecherisches Thun unbemerkt zu Ende zu führen. Bis jetzt seh» von den gefährlichen Menschen na* iede Svur. Die Kriminal- Polizei, welche sofort benachricht früh 9 Uhr ani Thatorte und nahm den Thatbestand zu von oen gqaynicgeii wceiiiuieu noch jede Spur. Die..... phlizei, welche sofort benachrichtigt wurde, erschien bereits gester« früh 9 Uhr am Thatorte und nahm den Thatbestand zu Prot"- koll auf. Eine» Keitrag zu dem in neuerer Zeit recht aktuellen Kapitel der vornehmen Ramdie» lieferten in der Nacht zuw Freitag in der Leipzigerstraße drei im Modegewand des„Gigert' init glänzendem Cylinderhut und Glanes umherflankirena« Bummler. Zwei der in gegenwärtiger Weihnachtszeit oft bi» über die Mitternachtsstunde hinaus im Geschäft festgehaltene Ver- känferinnen kamen, auf dein Heimweg begriffen, die genanule otraße entlang und an erwähnten Bummlern vorbei. Mit de« ■|'-----..�.iphlNU? Bummler. Zwei der in gegenwärtiger Weihnachtszeit oft über die Mirternachtsstunde hinaus im Geschäft festgehalt känferinnen kamen, auf dein Heimweg begriffen, die ger «traße entlaug und an erwähnten Bummlern vorbei. Mit de« unsläthigfteii Reden und Handgeineinheiten verfolgte vornehmlich der eine der„Herren" die beiden Damen und als dieselben M den frechen Burschen zu entgehen, auf den gegenüber liegende« Burgersteig flüchteten, schlug der Bube das wehrlose Mädche«- Bald hatte sich eine Gruppe von Neugierigen um die Szene ver- sammelt, der gegenüberzunächst der Feigling seine That leugnete, u»« als ihm dies durch das bestimmle Zeugnip arimwueufl� ---- als iym oies ourcy oas oeininime.p eines Augenzeuge unmöglich gemacht ward, angab, von dem Mädchen durch de Ruf:„Gemeiner Kerl"„beleidigt" worden zu sein.® Kumpane des Helden hallen sich, die Vorsicht als des Murff besten Theil erkennend, schon vor dem Zusammenlauf aus de« Kumpane des Helden hatten besten Theil erkennend, schon vor oem...... Staube gemacht. Während man, noch heftig diskutirend oen Fall, nach Polizei sich umsah, hatte der Held des Sitte«' bildes in eiligem Laufe das Hasenpanier ergriffen. Man Befolgte den elenden Buben bis in die Nebenstraßen. Ohne trr folg. Dem Publikum erwächst aus dem Vorfall immer von nenew die Mahnung, auf ähnliche Ausschreitungen seitens„Schneidiger aus der Masse der oberen Zehnlausend ein ivachsames Auge Z haben eventuell sofort etwas„ungebrannte Asche" in Anwenduus zu bringen. "~" de» brennenden©ff*? ie«s Zur Uorstcht beim Geffnen vr» mahnt ein llnglücksfall, der sich gestern Nachmittag in de taufe Bernauerstraße 45 ereignete. Als eine dort wohne« rau Sp. den Ofen öffnete, um das Feuer zu schüren, fiel«> glühende Kohle auf ihr Kleid. Dieses fing sofort Feuer. 3 Flammen gehüllt, stürzte die Frau hilferusend auf den Hof. wohl es herbeieilenden Hausbewohnern bald gelang, die FlaMw« zu ersticken, hatte die Unglückliche doch schon außerordent««- schwere Brandwunden erlitten. j. An Todesfälle» von Lungenkranke», die du Impfungen behandelt wurden, waren bisher aus Berlin« zwei berannt geworden. Wie jetzt aus ärztlicher Quelle oerlam' sind aber mehr derartige Fälle zu verzeichnen, von denen ei« besonders charakteristisch ist und als Warnung dienen kann. Patient von außerhalb hatte in einem Hotel Wohnung genom>«. und dort eine Jnjeklien mit der Koch'schen Lymphe erhalten.* Kranke, der dann ohne ärztliche Aussicht war, zeigte später so � drohliche Erscheinungen, daß schleunig der nächstzugängliche 54 gerufen werden mußte. Hilfe war inoeß nicht mehr möglich.; Patient ist gestorben. Es ist bereits von kundiger Seite da««. hingewiesen ivorden, daß unter Umständen bei vorgeschritten Lungentuberkulose eine Impfung verhängnißvoll werden t« Infolge dessen wurde von allen Seiten, auch von Pros. selber, die äußerste Vorsicht und Gewissenhaftigk empfohlen. Eine solche ist aber bei ambulatorischer völlig ausgeschlossen. � Uorgrstrrn Abend um 8Vs Uhr sind hier zwei aus, Justiz• Gefängniß in Neusalz an der Oder entsprung. Untersuchuugsgefangene festgenommen worden. Es sind dies. Bergwerks-Bautechniker Paul Höhl, am 3. September 1652, ein gewisser Wilhelm Geitschke, am 3. Februar 1863 0«% Hohl, welcher schon mit 10 und 6 Jahren Zuchthaus vorbei! ist, befand sich wegen Betrugs, Geitschke wegen schwere« einfache» Diebstahls in Untersuchung. Beide scheinen die vl tei gemeinsam verabredet zu haben. Als dieselben nämlich am l%, s-onntag Morgen von dem übrigens noch in der Probe-T4 zeit stehenden Ausseher zum Heizen der Oefen angewiesen w«. benutzten sie einige Minuten, während welcher der Aull-. seine Wohnung betreten hatte, um mittelst einer an d«e« vier Meter hohe Mauer angelegten Thür die UmfriediS� zu überklettern und zu entfliehen.— Nachdem st« bann den Tag über in Neusalz bei einem Pfuhl versteckt gehalten hatten, entfernten sie fi# z Abend und haben schließlich hier in Berlin bei der Steglitzes,. im Keller des Quergebäudes wohnhaften Wittwe Knappe ff4 nz kommen gefunden, und zwar Höhl als Paul Werner, Geitsch� Wilhelm Neumann. Die in Neusalz ledende Ehefrau des Letz r fcheintbeiber Flucht behilflich gewesen zu sein. Nun w«, Polizeibehörde bekannt, daß beide Flüchtlinge mit Pfuhl«n blndung standen. Man behielt daher diesen im Auge, und e � Pollzeibeainten gelang es, durch einen Briefträger von eine«, Prnht o«§ Berlin angekommenen Brief Kenntniß zu erhalte« auch diesen in seinen Besitz zu bringen. Das Schreiben von Höhl her; ihm ist ein zweites'an die Frau&■ beigefügt gewesen, in welchem diese ersucht wird, 25 bi. in Fünfmarkscheinen schleunigst zu schicken u. s. w.-4 dieser Nachrichten ist denn vorgestern ein Polizist aus- �e« hier eingetroffen und hat in Gemeinschaft mit einem o„,je- Kriminalschutzmann die beiden Flüchtlinge in ihrer Wohn»«» der eingefangen. Der Kopf vom Dnmpfe getrennt wurde am N« pi Nachmittag einem Manne aus dem Hamburger Bahntz L««' Spandau. Es waren daselbst drei Zimmerleute nebe«...,ii- �-chienengeleise beschäftigt, Bohlen zu legen. Da lief der Zug Hamburg-Berlin in den Bahnhof ein. Zwei Zimmerer � rechtzeitig zurück, der dritte beugte sich noch einmal Schiene», um ein auf dem Strang liegendes Beil zu e«'l dos dem Zuge hätte gefährlich werden können. Er ergrwgAs- das Beil, in demselben Augenblick wurde er aber von der � motive erfaßt und fortgeschleift. Die Räder gingen je« Hol» des Unglücklichen hinweg; zuerst rollte der Kopf«« M" Schienen in den Sand. 20 Schritte weiter blieb der z«ff'>? Körper auf dem Erdboden liegen. Es war ein grauener«° y Der Getödtete war ein ordentlicher Arbeite o0 Jahre alt. Er hinterläßt eine Frau in gesegneten Um! und enl Kind. jjolizei überrascht worden, welche dort eine Menge nachge" K orcei2 und Einmarkstücke sowie die zur Herstellung dersel � ÄÄ johl 1683. Tie Zweimarkstücke sind vortrefflich gearbeite y t»ich im Klange kaum von den echten zu unterscheide e.. die Nnechtheit der Zweimarkstücke hat der J lefragte kon, gliche Munzdirektor nur anzugeben vermocht, � in einer Toppelsorm hergestellt sind, drei Gramm Minder«,,#! hoben, und daß auf der rechten Seite des Adlers von de« mi ein«* ad��nam&,atm einem Büdner in Dienst wujt, uii einem uu;ijuyeiyeu aenuuen �utlichkeitsverbrech en begangen zuhaben, wurde am Mittwoch �le in dem benachbarten Biesdorf bei stehende Henriette K. verhaftet. Potixei-Krricht. Am 4. d. M. Morgens wurde im Thier garten, in der Nähe des Kroll'schen Gartens ein unbekannter, etwa Mjähriger Mann mit einer Schußwunde in der Brust todt aufgefunden. In einem bei der Leiche vorgefundenen Notizbuch war der Name Hans Hensel verzeichnet und scheint der Selbst- worder seiner Persönlichkeit nach mit dem wegen Ermordung ftmes Vaters gesuchten Chemiker Hans Hensel aus � Hermsdorf 'dentisch zu sein.— Vormittags durchschnitt ein Mann auf dem Treppenflur des Hauses Frankfurter Allee 136 sich mittelst eines Federmessers die Pulsadern in der linken Hand. Er wurde nach Anlegung eines Nothverbandes nach dem Krankenhause am Ariedrichshain gebracht.- Mittags wurde der Zinnncrmeister nscheivsky in seiner Wohnung, unbenannte Straße 5 Nr. 3 mit 'wer Schußwunde im Kopf todt aufgefunden, während sein Dienstmädchen, die 15 Jahre alte Emma Winde, mit schweren, Augenscheinlich von Hammerschlägen herrührenden Kopfwunden bewußtlos im Nebenzimmer lag. Sie wurde nach dem Augusta- vospital gebracht, wo sie bald darauf verstarb. Zurückgelastene -«riefe lassen darauf schließen, daß Lischeivsky, möglicherwerse m einem Anfalle von Geistesstörung, zuerst das Mädchen zu er- worden versucht und darauf sich selbst erschossen hat.— Nach- Wittags siel ein Mann auf dem Dönhoffplahe infolge von Krämpfen weder und wurde dabei so schwer ain Kopfe verletzt, daß er nach Krankenhause in Moabit gebracht werden muhte.—-jn der •«cht zum 5. d. M. fiel in der Brunnenstraße der Schlachter- geselle Roßdeutscher infolge der Glätte und erlitt anscheinend ewen Knöchelbruch am linken Fuß. so daß seine Uebersührung nach der Charitee erforderlich wurde.— Am 4. d. Mts. fanden wns kleinere Brände statt. S»»? neue» Grundsatz in der Zlnfallverstche- A' �'Vraris brachte gestern das Reichs-Bersicherungs- 1 in der Berufungssache des Hoblers Gustav Walter die Norddeutsche H o I z- B e r u f s g e n o s s e n- f.:'* in Berlin zur Anwendung. Am 16. Aiigiist v. I. zog ickn.v. bei dem Fabrikanten Robert A r n d t in R i x d o r f be- VfJlI? �täger beim Bedienen der Hobelmaschine eine schwere des der rechten Hand zu, welche schließlich die Amputation ' Mittel- und kleinen Fingers nothwendig machte. Der btuS. n£ei besitzt fast keine Bewegungsfähigkeit. Am 14. Fe- H,,, d. ß wurde seitens des Genossenschaftsarztes Dr. eri" i satis das Heilverfahren als beendet erachtet und dem zAn-r?i.v0in 15. Februar er. ab eine Rente von 55 pCt. der für Ifl-p-"'••i ycuvuut ei. uw eine üiente w» y w». w* ßz Sjj*6 Erwerbsunfähigkeit gewährten in Höhe von 26 M. leutf'• Pw Monat bewilligt. Gegen die Festsetzung dieser Rente der Verletzte beim Schiedsgericht Berufung ein und �ang-e 66'/« pCt. Rente, da die Verstüiiimlung seiner rechten wi>v> Verlust derselben gleich zu stellen sei. Die Berufung ijA,. e zurückgewiesen, der Kläger ließ nun gegen die schiedsrichter- mu ��sche>dung durch den Rechtsanwalt Dr. F l a t a u Rekurs st. den im heutigen Termine dessen Substitut Redakteur iiNitLaTÜ ck e l vertrat. Insonderheit machte derselbe den ganz Hx,, Gesichtspunkt geltend, daß den Verletzten nach abgeschlossenem lMni noch eine Uebergangszeit gewährt werden müsse, in on Ä st' steh üben können, die ihnen verbliebenen Gliedmaßen tzit, solchen Umständen völlig veränderte Arbeitsfähig- i gewöhnen. Er schlage vor, diese Uebergangszeit auf zu berechnen und während derselben dem Kläger eine Zmswch höhere Rente zu gewähren. Das Reichs-Versicherungs- zur o?t diesen Ausführungen bei und verurtheilte die Beklagte Sanm--"8 von 75pCt. Rente für eine sechswöchentliche Ueber- testet und zur Erstattung von 10 M. von den Anwalts- s«r dn?�««S-n-tzm- Kneipe. vor>>. �Oeasantragsteller nahm e............ D,.. f«r ben F�stSenehnie Kneipe. Einen unerwarteten Ausgang w# der«7 a,�?8steller nahm eine Verhandlung, welche gestern mignsi q,,' Abtheilung des Schöffengerichts stattfand. An einem st* der sai,n e befanden sich mehrere Mitglieder eines Ruderklubs .»e'fr„" e.ewschänke" in der Taubcnstraße. Sie geriethen mit Streit, weil sie der Meinung waren, daß man Ter Vimk.�r anstatt echten verabreicht und berechnet hatte. legte sich ins Mittel und wies die ""fmernn m ste eiils dem Lokale. Einer der letzteren, der �stanbet,»"?l)m beim Hinausgehen einen Krug des be- wchunn nLt wit, wobei er erklärte, es zwecks einer Unter- �eliino r°7 dem Polizeibureau tragen zu wollen. Diese Be- geglaubt Sic 1 Wlrth, wie er behauptete, nicht gehört, er will flehen/ daß es auf eine Entwendung des Kruges ab- , staße Pi„k}in i'ef deshalb den, Berend nach, den er auf der Ne faeh,,,: e/ Än einer von ihm bei der Polizei gemachten An- Indern n,SI* Kretzschmar, daß Berend nicht nur den Krug, Etrat-?-. Tischmesser hatte stehle» wolle», das er ih»i auf �'bstabra nb9"'o»iine». Berend hatte sich deshalb gestern wegen «Utnen kii' verantworten. Der Zeuge Kretzschmar mußte ein- feit,.,« Messer nach dem Tumult auf der Straße von xn Termin k? net gebracht worden sei und der letztere erklärte Mn% JI' baß er es in der Nähe des Ortes gefunden habe, wo < ste bmn%� der Krug entrissen wurde. Es seien fast alle kl*1 ton k;rtr�e auf die Straße gefolgt und könne eben so gut M trat das Messer mitgenommen haben. Der Gerichts- Eschmar k- bim Staatsanwalt der Ansicht, daß der Zeuge Siefen L Erstattung der Anzeige mindestens sehr fahrlässig b-, Richte,,""..ch'ch in Betreff des Kruges hätte er sich davon Mselbe,,".Kliffen und können, zu welchem Zwecke der Angeklagte �!Sespro»° lle»ommen hatte. Der Angeklagte wurde deshalb "«wftrle lm& bem Z*"g*n Kretzschmar wurden sämnitliche ' � � of«» Ofhßnhß be§ 27C Le ersw n-oca,cy.,..,W L,#, tz/ Oktober tri.k rlf"i m er des Landgerichts I. Am Abende des üknnÜtbe�g*" Jonath sich in der Zentral-Markthalle umher. «... k.r ihm im flüchtiger Betrachtung 'ihnii'�e Zeua» Donath sich in oer �....... fcfcöfS sah. nn. Herr, der ihm bei flüchtiger Betrachtung �'»hnp. einen Verkaufsstand herantrat und von dem Ge- er 12 Gänse kaufte und bezahlte. Der Käufer gab sogann den Auftrag, daß die Gänse in einen Korb verpackt und nach Angermünde an eine bezeichneie Adresse geschickt werden sollten. Der Händler gab seinem Hausknecht den Befehl, sofort die Verpackung und Absendung der Gänse vorzunehmen, worauf der Käufer davonging, um weitere Einkäufe zu machen. Nach einiger Zeit entfernte sich auch der Handelsmann für wenige Minuten ans seinein Verkanfsstande. Der Hausknecht war gerade fertig mit dem Zunähen deS Korbes, da trat der Angeklagte an ihn heran mit den Worten:„Hören Sie mal, ich habe es mir anders überlegt, ich will die Gänse nicht nach Angermünde schicken. Tragen Sie mir den Korb doch nach der Straße, ich will ihn in einer Droschke mit- nehmen." Der Hausknecht sah den Sprecher verwundert an, der- selbe schien ihm mit dem Käufer der Gänse nicht identisch zu fein. Während er noch überlegte, was zu thun sei, kehrte sein Prinzipal zurück, dem gegenüber der Angeklagte sich ebenfalls mit großer Frechheit als den Käufer der Gänse ausgab. In diesem Augenblick trat, von dem Wortwechsel angelockt, der Herr an den Verkaufsstand, der vorhin den Handel um die Gänse abge- schlössen hatte. Jetzt war der Betrüger entlarvt. Der Gerichtshof ahndete den mißglückten Schwindel mit einer G e f ä n g n i ß- strafe von einem Jahr. Als«ine höchst nichtsivnrdige Handlnngsn'rij'r be- zeichnete der Vorsitzende der ersten Strafkammer des Landgerichts I gestern das Verfahren, das den ehemaligen Billetverkäufer Max Grahl wegen Betruges auf die Anklagebank führte. Der Angeklagte war als Billetverkäufer der Stadtbahn auf dem Schlesischen Bahnhofe angestellt und als solcher vereidet. Im August trafen daselbst mehrere polnische Arbeiter ein, die nach Brasilien aus- wandern wollten. Der deutschen Sprache vollständig unkundig und ebenso wenig mit den hiesigen Verhältnissen vertraut, ver- langten sie von dem Angeklagten Fahrscheine nach Bremen, wobei sie mehrere Geldscheine auf den Schaltertisch legten. Der Angeklagte machte ihnen'mit Mühe klar, daß sie zunächst nach dem Lehrter Bahnhofe fahren müßten, um dort die Billets zn lösen, sodann gab er den Zlusivanderern Fahrscheine bis zum Lehrter Bahnhofe. Da die Letzteren von der Entfernung bis dahin keine Ahnung hatten, so fiel es ihnen nicht auf, daß der Billetverkäufer ihnen einen ziemlich hohen Betrag in Abzug brachte. Auf dem Lehrter Bahnhofe wurde ihnen aber auf ihr Befragen klar gemacht, daß sie nur 10 Pfennige pro Person zn zahlen gehabt hätten, während der Angeklagte ihnen 40 M. ab- gezogen hatte. Das zuviel erhobene Gelb wurde auch bei dem Angeklagten gefunden und derselbe zog es vor, ein offenes Ge- ständniß abzulegen. Nur feinem reuigen Verhalten hatte der Angeklagte es zu verdanken, daß er mit einer G e f ä n g n i ß- strafe'von drei Monaten, wovon ein Monat durch die Untersuchungshaft abgerechnet wurde, davonkam. Einer der gemeingefätzrlichstr» paletotmarder f erlins stand gestern in der Person des Technikes Paul Karl duard Reter vor der zweiten Strafkammer am Landgericht II. Der Angeklagte ist schon außer wegen Betruges und wegen Landstreichens siebenmal wegen Diebstahl, zuletzt auch mit Zucht- Haus vorbestraft und stets handelte es sich um Paletot-Diebstähle. Auch diesmal lagen ihm zwei solcher Diebstähle hur Last, der eine stammte noch aus dem Jahre 1888. Reter hatte m Leipzig mit zwei anderen jungen Leuten zusammengewohnt und war schließlich unter Mitnahme zweier Ueberzieher verduftet. Diesen Diebstahl gestand er ein, den zweiten dagegen bestritt er. Die Anklage kegte ihm zur Last, am 1. Juli d. I., im Seeschlößchen zu Deutsch- Willmersdorf einem Herrn Pollin einen Ueberzieher gestohlen zu haben, in dessen Tasche sich eine Brieftasche mit 800 M. in Papier befand. Der Angeklagte bestritt, an jenem Tage in Deutsch-Wilmersdorf geivesen zn sein; nun waren zwar ver- schiedene Zeugen erschienen, welche ihn mit Bestimmtheit rekognoszirten, der Eigenthümer des gestohlenen Ueberziehers be- findet sich jedoch zur Zeit in Bonn a. Rh. und hatte deshalb nicht geladen werden können. Aus diesem Grunde mußte Ver- tagung der Sache beschlossen werden und der Angeklagte wanderte in die Untersuchungshaft zurück. Gin» anfregende Szrn«, die sich eines Sonntags in einem hiesigen Geschäfte abgespielt, beschäftigte gestern das hiesige Schöffengericht. In dem Laden des Kaufmanns Adalbert Blumenthal erschien eines Tages die unverehelichte Auguste Horn und erstand nach längerer Prüfung eine Taille. Nach einiger Zeit brachte sie die etwas zerrissene Taille wieder zurück, behauptete, daß sie dieselbe schon in dem defekten Zustande er- halten habe und verlangte einen Umtausch. Da die Verkäuferin ganz entschieden bestritt, daß die Taille zerrissen gewesen, ver- weigerte Herr Blumenthal den Umtausch und es kam zu leb- haften Auseinandersetzungen, in deren Verlauf Frl. Horn plötzlich in epileptischen Krämpfe» zur Erde fiel. Kaum hatte sie Herr B. wieder aufgerichtet, als das Fräulein unter der Behauptung, daß [ig geschlagen worden sei, die nach einem hinteren Räume führende Treppe hinaufrannte und dort unter lautem Hilfegeschrei den Versuch machte, das Fenster zu öffnen. Sie wurde daran von Herrn B. verhindert, der sie am Arme packte und sie vom Fenster wegzerrte, gleichzeitig aber auch Befehl gab, einen Schutzmann erbeizuholen. Die ganze Szene endete schließlich auf dem Zolizeibureau, wohin sich die Parteien begaben. Frl. Horn ehauptet nun, daß sie während des Vorfalls von Herrn B. miß- handelt worden sei, welcher ihr rechts und links Ohrfeigen ver- abreicht habe. B. bestreitet dies ganz entselsteven und behauptet, daß er sich nur darauf beschränkt habe, die entsetzlich schreiende Person vom Fenster wegzuziehen. Seine Verkäuferin bestätigte ihm, daß während des Krampfanfalles des jungen Mädchens eine Mißhandlung absolut nicht staltgefunden habe. Dagegen gab der Hausdiener des Herrn B. z», daß derselbe in dem hinteren Raum bei dem Bestreben, das junge Mädchen vom Fenster iveg- zuziehen, demselben mit der Faust ms Gesicht gekommen sei, doch wußte er nicht, ob dies absichtlich oder unabsichtlich geschehen. Der Arbeitgeber der angeblich Gemißhandelten hat unmittelbar nach dem Vorfalle sich überzeugt, daß ihr Arm große blaue Flecke hatte. Bei der eigenartigen Sachlage beantragte der Vertheidiger, Rechtsanwalt Jonas, noch die Ladung einer zweiten Ver- käuferin, die als Augenzeugin dem ganzen Vorfalle mit bei- gewohnt und der Gerichtshof glaubte, diesem Antrage entsprechen zu sollen. Vsvfmmnlunse n. Der Fachvrrein der Lederarbeiter hielt am 1. d. Mts. eine gut besuchte Versammlung ab, in welcher Herr Dr. Lutgenau einen von der Versammlung mit regem Interesse verfolgten Vor- trag über:„Das eherne Lohngesetz" hielt. Da auch zu dieser Versammlung die Kollegen der Werkstube Matern eingeladen ivaren, entspann sich eine lebhafte Diskussion über die Frage, warum diese Kollegen dem Verein fern stehen; es wurden die anwesenden Kollegen der Werkstatt Matern vom Vorsitzenden aufgefordert, sich der Organisation wieder anzuschließen. Kollege Jahn theilte mit, die in dem Versammlungs- bericht der Buchbinder enthaltene Aeuherung, daß der Fachverein im Rückgang begriffen sei, nicht gethan zu haben. Es müsse hier jedenfalls ein Jrrlhum vorliegen. Billets ü 50 Ps. zu der am 25. Januar in der„Urania" stattfindenden Vorstellung sind im Arbeitsnachweis Louisen-User 22(bei Sperling), sowie bei den Kollegen Rohr, Neue Kömgstr. 8; Cottin, Dresdenerstraße 109; Schulz, Fichtestr. 31; Heindke, Dieffenbachstraße 35; Christian, Naunynstr. 78, und Georg Schmidt, Wrangelstr. 127, z» haben.— Die nächste Vereinsversammlung findet am Mon- tag, den 15. Dezember, im Louisenstädtischen Klubhaus, Annen- straße 16, statt. Vertrauensmänner- Versammlung am Montag, den 8. d., im Restaurant Zubeil, Naunynstr. 36. Achtung, Schäftebranchr! SoiiiNlbend, den o. Dezember cr., Abends JW Uhr, grobe Generalversammluiig der Freien Bereinigung der Zuschneider, Vorrichter und Stexper bei Beyer, Neue Grünstr. 14. Tagesordnung: Unsere Zutunstsorganisalion, Abrechnung:c. Mitgliedsbuch legtiimirt. Neue Mitglieder iverden aufgenommen. Stfe-»»d Si«kutir-Nt»l>„f eu»vbnch", Sonnabend, den 8. Dezember, Abends o Uhr, bei Schröder, Reichenbergerstr. 24. Fachuerei» der Former. Fünftes Stiftungsfest am Sonnabend, den c. Dezember, Abends 8 Uhr, im Böhmischen Brauhause, Landsberger Allee Nr. n—W. Fnchverei» der PI Uber. Mitglieder- Bersammlung Wi Sonntag, den 7. Dezember, Vorm. n Uhr, Dresdenerstr. 96.) Irilirndorf. Große Voiksoersammlung für Männer und Frauen am Sonntag, dep 7. Dezember er., Nachmittags 4 Uhr, im Restaurant„Aigners Höhe". "?ml» für Wahrung d«r Auterrss-n der Kackirer. Bersammlung am Sonntag, den 7. Dezember, Vormittags 10 Uhr, bei Wollschläger, Blumen- straße Nr. 79. Tagesordnung: l. Vortrag: Die Frauenfrage. 8. Dtskusston. 3. Verschiedenes. Kroße Volksversammlung für Weiiienser und!l»ig»g»nd am Sonntag, den 7. Dezember er.. Mittags i Uhr, bei Dewein, König- Chaussee. Tagesordnung: i. Vortrag über: Soziale Ziele. Referent: H. Stabernack. 2. Klarstellung der Verdächtigungen gegen den Genossen Hirsch.«. Verschiedenes. Filiale 4 der AUgemeinen und Zentral- Kranken- und Kterbe- kaye d«r ztirtaiiarbriter(E. H. 20 und 99, Hamburg). Den Mitgliedern zur Kenntnibnahmc, dab die nächste Versammlung nicht Sonntag, den 7. De- zember, sondern am Sonntag, den 21. Dezember, stattfindet. Die Zahlstellen bleiben am 20. und 27. Dezember geschlossen. Zwei große öffentliche Nersainminngen snr Fronen und Männer. 1) Am Sonntag, den 7. Dezember, Abends 6 Uhr, Dresdenerstraße Nr. 45. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Bildungszwect und Btldungs- mittel der Mensche n." 2..Diskussion. 3. Aerschiedenes.— Geselliges Beisammensein.— 2) Am Montag, den 3. Dezember, Abends 8 Uhr, Schönhauser Allee Nr. 23. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Die Lehre von der Gleichheit aller Menschen. Referent: Peus. 2. Dis- tussion. 3. VerschiedeucL.— Genossen und Genossinnen Iverden zu recht zahl- reichem Besuch dieser Versammlungen eingeladen. Fachvrroii» der Weber. Große Versammlung am Montag, den 9. Dez., Abends 8 Uhr, bei Heise, Lichtenbergerstr. 21. Tagesordnung: 1. Vortrag des Stadtv. Herrn Gnadr. 2. Diskussion.». Beschlußfassung über die Btbliothel- Ordnung. 4. Verschiedenes und Fragelasten.— Zahlreiches Erscheinen ist er- wünscht. BillelS zum Siiftnnassest find in der Versammlung zu haben. Lachvrrri» der in Lnchbinderrirn und verwandten Betrieben be- schästigten Arbeiter. Versammlung am Montag, den 8. Dezember, Abends 9 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Verschiedenes. Ausnahme neuer Milglteder. Ausgabe der Sammellisten für die Ausständigen von I. Rosenlhal. Um recht reges und pünktliche» Erscheinen wird ersucht. Freie Vereinigung der Kartonarbeitev. Versammlung am Montag, den 8. Dezember er., Abends 8% Uhr, bei Säger. Grüner Weg 28. Achtung I Vergolderinnen! Die Mitglieder der Freien Vereinigung der Vergolderinnen finden sich am Sonntag, den 7. Dezember, Rachmtllags 4 Uhr, in MöweS' GesellschastShaus zu einem geselligen Beisammensein ein und laden Freundinnen und bekannte Gäste dazu ein. Um recht zahlreiches Erscheinen der Mitglieder wird ersucht. Prrriuignng drr Drrchslrr yeutschlands(Zahlstelle 6), Kammmacher Berlins. Montag, den 8. Dezember, AbendS 8 Uhr, bei Zemter, Münzstr. ii: Mitglieder-Versammlung. Uni vollzähliges Erscheinen wird ersucht. Ausirrord-ntiich« E>c»eraiv-rsan»nln,ig der Eins»h»r sTischler) Berlins und Umgegend am Eonniag, den 7. Dezember, Vormittags lOZj Uhr, Reue Friedrich str. 44. Verein ,uo Wahrung drr Interessen der Klavierarbeiter und Kcrntsgenossc». Mitglieder-Versammlung für den Norden am Sonnabend, den 6. Dezember cr., Abends 8% Uhr, in Mtnnsr's Salon, Rosenthaler- straße 11—12. Freie Volksbühne. Sonnabend, den s. Dezember er., Abend» 8% Uhr, 2 ösfenilichc Versammlungen sür Frauen und Männer. 1. Etablissement Eis teller, Chausseestr. 58. 2. Habels Brauerei, Bergmannstr. lv— 11. Zahlreiches Erscheinen erwünschl. Iim>»«rt»»>t«: Versammlung der Freien Vereinigung am Montag, den De,.. Abends Punkt 8 Uhr, in Wilk-'s Salon, Hochs, r. 32. Fese- und Vishuttrklubo. Sonnabend. Fe u erba ch, Abend?» Uhr, im Lokale des Herrn Schröder, Reichenbergerstr. 24.— Heine, Abend« 9 Uhr, im Lokale des Herrn Zechlin, Hornstr. 11. Arbriter-Kängerbuvd Berlins und Umgegend. Sonnabend. Abend» » Uhr: Uebungsstunde. Ausnahme neuer Milglieder. Gesangverein„Freund« s ch a s t Fricdenstr. 49 bei Tollkühn.— Gesangverein„Sanges Echo," Slaliherslraßc 142 bei Greiser.— Gesangverein„L y r a n t a", Landsberger- straße 31 bei Musehold.— Grüne Eiche", Knesebeck- und Hermannstr.-Ecie bei Beiler. Gesang., Turn- und gesellig« Ueveiu«. Sonnabend. Gesangvereinder Osfenbacher„S äng er kr anz", Deutscher Hos, Lultauerftr. Nr. 15, UebungS- stunde um 9 Uhr. Gäste willkommen.— Mustkvercin„Vorwärts", Abends 8%— 10% Uhr, Amienstr. 14, park. Berliner Turngsenossenschast. 8. MännerAbthellung. AbendS U— xil Uhr.— Lübecl'scher Turnverein. Die 1. Lehrltngsabthetlung turnt Abend« 8-10 Uhr. Der Turnsaal befindet sich Königstädtisches Sym- nasium, Elisabethstraße 57—58. Staltlub ,.R a in s ch", gegründet 1. Ottober 1890. Abends s Uhr, Sitzung in Willy Schmidt'« Sisstaurani, Wrangelstr. 141. Genossen sind freundlichst eingeladen.— Etattlub„Ramsch", Fürstenbergerstr. 10.—„Privat- Thoaler- Gesellschaft Schneeglöckchen" im Lokal Veteranen- straße 9 bei Vettl».— Verein„Lustige Brüder", Abends 9 Uhr. Brüderstr. 26.— Roller'scher Stenographen-Verein„S ü 0- West Berlin". AbendS 8% Uhr, im Restaurant Körner, Barutherstraß, 1, Unlerrtcht und Uebung. Vviefkttfien vev VevexMion. Bei Anfragen bitten wir die AbonnementS-QuIitung beizusügen. Brieflich Antworl wird nicht ertheilt. Durch Km» Adolf Uruinan» vom Arbeiter-Gesangverein „Nord? 20 M. für die ausgesperrten Glasarbeiter in Bergedorf erhallen und auf Sammelliste Nr. 480 17,70 M. bescheinigt die Kommission. I. 31.: Hermann Hallwas. Hamburg. Daruber können wir Ihnen leider keine Aus- kunft ertheilen. Lemany. 1. Die Adresse ist uns augenblicklich unbekannt. 2. Die Herren sind zurück. 3. Wird Abhilfe geschaffen werden. x. Es heißt„der Klotz". A. Die von der Frau beantragte Schankkonzession darf deshalb nicht verweigert werden, weil der Mann vor der Ver- heirathung wegen Betrugs bestraft ist. ? 1. Eine Beleidigung verjährt, wenn nicht der Strafantrag binnen drei Monaten gestellt ist, seitdem der Beleidigte von der That und dem Thäter Kenntniß erhalten hat. G.<6.» Langestr. Die Sachen der Frau hasten nicht für Schulden des Mannes, mögen die letzteren aus Steuern oder sonst- woher stammen. Die einzige ßlusnahme ist, daß die Sachen der Frau dem Retentionsrecht des Wirthes unterliegen. Kriefkaste» der Erpedition. A. K., Fürth. Ihr Abonnement ist bis ultimo Dezember ausgeglichen. � � ausgegeben. « Die Ueue Zeit. 'le des geistigen und öffentlichen LeöeilS."HS« (Ntsrt? nkge. H©f4 10« tSdtemmHmsrn. 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Große öffentliche Versammlung Arbeitcr-BiliiWslierelns sür Rixhors vnii ÜWepd arfgr am Sonntag, den 7. Dezember er., Vormitttags 11 Uhr, im Lokale des Herrn Troll, Knesebeckstr. 77. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Schweitzer über„Christenthum und Sozialis- mus. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekaslen. Gäste haben Zutritt.— Um recht zahlreichen Besuch bittet 1915 Drr Uorstand. Aiigeameine Mersammlimg drrAchristgießerÄerlms anl Montag, den 8. Dezember er., Abends 8 Uhr, in Rey er's Salon, Alte Jakobsir. 83. Tages-Ordnung: 1939 1. Tarif-Angelegenheiten. 2. Besprechung über das Schiedsgericht event. Wahl der Gehilsenvertreter zu demselben. 8. Beschlußfassung über eine monat- liche Steuer von 10 Psg. zu Agitationszwecke». 4. Bericht der Delegirten der Berl. Streik-Kontrolkommission und Neuwahl. 5. Verschiedenes. 1939 Der Einberufer. Große öffentliche Versammlung in der Filzschiihbriniche besGftigtell Ärbeiter miö Arbeiterinnen am Sonntag, den 7. Dezember, Vormittags lOVa Uhr, im Lokal des Herrn Zemter, Münzstr. Nr. II. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn M. B a g i n s k i über Kapitalismus und Sozia- lismus. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. 1931 Die Agitations-Kommission. Große öffentliche Versammlung für Männer und Frauen am Sonntag, den 7. Dezember er., Nachmittags 4V�UHr, •-......'' bstr. 75(obe; (oberer Saal). in Feuerstein s Lokal, Alte Jakobstr. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Delainger aus Hamburg, Delegirter ?ilfskassenkongreß, über die neue Krankenkassengesetz-Novelle. 2 verschiedenes. zum freien Diskussion. Nach der Versammlung geselliges Beisammensein. 1928 I. A.: Fr. Frendenreicli. SCopenick. Großeöffentl. Uersam ml ung sür Männer und Frauen am Sonntag, den 7. Dezember, Nachmittags IVa Ohr, im„Kaiser hos". 1938 Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn V. Werner über die Organisation der sozialdemokratischen Partei. 2. Diskussion. 3. Wahl des Vertrauens- manns. 4. Verschiedenes. Der Einb eruier: Johannes Rautmann. Joel s Andreas-Säle(Grosser Saal). _ 21. Andreas-Strasse 21. IMV Sonnabend, den 6. Dezember 1890:'Mgi Erßes großes Ttiftuilgsseß iies Tkotklubs..Rückwärts" Bestehend in Konzert und komischen Vorträgen unter gütiger Mitwirkung des Arbeiter-Gesangvereins„Hoffnung", sowie hervorragender Mitglieder des„Dstend-Theaters". Festrede gehalten vom Stadtverordneten Zubeil, Nach dem Konzert: BQT Grosser Ball.-MZ Anfang 8 Uhr. Programme a 20 Pf. sind in den mit Plakaten belegten Geschäften sowie in den Restaurants Boderke, Pallisadenslr. 47 und Spieker- mann, Markusstr. 6, zu haben. 985 NB. Der obige Klub veranstaltet am F r e i t a g, den 20. Dezember (2. Feiertag), im„Gstend-Thrater" eine Grosse Matinee zun, w o h l- thätigen Zweck. Der Vorstand. Grosser Weihnachts-Ausverkauf. Der Weihnachts-Auswerkauf hat begonnen und bietet Gelegenheit zu ungemein billigen Einkäufen. K. 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Trotz weitgehendster Publikation� durch die Presse, schriftlicher Auffor� rung an die Meldepflichtigen und Wieden Holter dahingehender Vorträge in allen nns zugänglichen Vereinen haben au« heute noch eine nicht geringe Anzad Arbeitgeber das in ihrem Geiverd� betriebe ausschließlich oder theilwes beschäftigte Personal bei unserer Kall nicht angemeldet.- Indem wir darauf hinweisen, d-, Dienstboten, welche bei einem Gaslivw» in dessen Gewerbebetrieb in Stellas treten, mit diesem Eintritt im Stn�, des Gesetzes vom 15. Juni 1883 J1' gewerbliche Arbeiter und dem% --•- erachw stcherungszwange werden, fordern wir die unter Berufung auf die§§ 49, 50, und 81 des beregten Gesetzes»utttnM zum letzten Male auf, die unterlasse� Meldungen durch Nachmeldung sost nachzuholen, wo wir dann je nach der Sache Ermäßigungen der uns I stehenden Forderungen eintreten mli werden, ivenn uns diese Nachmeldung bis spätestens Schluß dieses Jahres� gehen: mit 1. Januar 1891 hören u>. nur diese eventuellen ErmäßiguU» auf, so daß die in Rechnung konM' den Restbeiträge ohne Abzug voll 8, zahlt werden müssen, sondern tvird a jeder in dieser Beziehung ermittelte beitgeber der Behörde namhaft 65. ggi zum Zivecke der Bestrafung geinäß- de- Kraitkenversicherungs-Gesetzes. Berlin, den 1. Dezember 1890. Th. Müller. C. St olpe. Vorsitzender. Schriftführer Karl Schröder. I. HieS'� Max Sperling Puff»»!! Waschbär 4 M. OpossU"" 5 Mark. Pelz-Garniture" Stück 1,25 M.. ÜröiiicnltttS. 3>r«esilligk» SwijtiuiL, W IMrin feit 1867 gegtü" V anerkannl reelles Herren- und Knnben-Knrkrvben-GtW welches schon seit 15 Jahren im sich des besten Renoinmee's erfreu< ppehlt sein reichhaltig assortirt� in eleganten, als auch Arbr't-'�- ?us«».»cht Hamburger zugeu zu den anerkannt billige ' 8. Grabowski, Dennewitzftraße 21/ Ecke der Bülowstraße. NB. Große Auswahl von P haltenen getragenen Herren- und Paletots. Gefärbt wird � sür 1,25 M. in allen Farben Bettdecke. 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Redner war für eine Zentralisation der deutschen Maurer ohne Statuten, für eine A�rralisation, die neben den lokalen Organisationen besteht und a r dieselben steht. Redner war der Meinung, daß eine derartige p/'�ralisation schon bestehe in Gestalt der alljährlichen Kongresse, Geschnftsleitung u. dgl. m. Auch befürwortete Redner die «rundung von Generalsonds an allen Orten und de» Zusammenfluß lselder an»in« Qßnfmrifßnp Nleiteren nninfehte der mer einer Zentralstelle. Des Weiteren wünschte :: 0�4 �kine derartige Zentralisation eine Regelung lrage der Beschickung der Kongresse, d. h. eine Beschränkung Zentralen Organisation präzisirte Referent seinen hiiit,.t.. schließlich dahin, daß er unter den gegebenen Ver- die e-lTU"'' die Beibehaltung der lokalen Organisationen und M.if r einer zentralen Organisation in obengedachter SSwOrJ1'.?ils Korreferent war Herr Wernau aufgestellt. . Zeide verzichtete auf sein Korreferat, weil der Referent voll verzichtete auf sein Korreferat, iveil ganz seinen Standpunkt vertreten habe. der Referent voll ganz feinen Standpunkt verlrelen yave. Diese Erklärung wurde von Herrn Dietrich wie auch von Herrn Buch holz steudig begrüßt, da nach ihrer Meinung Herr Wernau endlich °«undet habe, welchen Standpunkt er eigentlich einnehme, da w>t Recht bisher angenommen worden sei, daß er Berlin slvuren wolle. Herr B u ch h o l z empfahl, ebenfalls auf dem des Referenten stehend, die Beschlüsse des 7. deutschen �«aurerkongresses, während Herr D ä h n e den Leitern der Berliner Wiaurer empfahl, nunmehr auch nach ihrer erklärten Meinung zu yandeln, für das vom Kongresse beschlossene Fachorgan einzutreten und die für die Allgemeinheit bestimmten Gelder derselben nicht �tjuenthallen. Herr Dietrich theilte gleichfalls den Stand- uunkt des Referenten und wünschte, die Abstellung der bisher zu g-l n'g* getretenen Mängel und Fehler der bisherigen losen Ziutralisation dem nächsten deutschen Maurerkongreß vorbehalten. ,inr?nt?"Dou der Ansicht, daß nunmehr endlich die Klärung sich t. Hiwh«, daß die übrigen Versammlungen ein gleiches Resultat uvlfentlich haben»verden und daß damit endlich die Streitig- nen unter den Maurern verschivinden»Verden. Herr Wernau «wahrte sich dagegen, daß er der„Streithahn" unter den ??urern Teutschlands sein solle, war auch nicht der Meinung, uß der Referent den Standpunkt der Geschäftsleitung in Hain- .'wg vertreten habe, daß diese vielmehr auf dem nächsten Maurer- .°ugreß mit dem Plan eines statutenmäßigen Zentralverbandes Mortreten werde. Hiergegen verwahre '-.»vorlreien weroe. Hiergegen verwayre er sich, er stehe viel- wchr nur auf dem Boden der losen Zentralisation. Die Ver- I..?pfut>a der Gewerkschafts- Bewegung sagte Redner vor- sobald die Politik aus derselben ausgeschieden aus. werde. so Würden die Berliner Maurer hierzu gedrängt, f Vsv«vvnmv* v» V 1 fc* 0 Xj p' 0»verde unter diesen derselbe Kampf entbrennen, wie er bereits Unter den Berliner Zimmerleuten desteht. Auch war er der Erzeugung, daß die Berliner Maurer-Organisation sich gedeih- -' sobald insgesanimt ei» Beschluß bezüglich de? entwickeln werde, sobald insgesanimt ein Beschluß bezugllch Her„ ganisationsform in vorgedachtem Sinne gefaßt»verde. lun» � u.re nz konnte nicht uinhin, sich dagegen zu»venden, daß kvm'U'ik er im Auftrage der Geschäftsleitung nach Berlin ge- v. uwn Fi, von vornherein angenommen habe, daß er den .!"dpunkt der Geschäftsleitung vertrete und ihm demzufolge -.i.u Korceferenten bestellt habe.>' Redner betonte, und'' daß er jeder- SiL?"* fe.i"e eigene Meinung vertreten und sel'nen entwickelten werd» Ä. auc�. auf �em nächstjährigen Kongresse hochhallen '®Je»vettere Debatte ging weit über den gesteckten � Tagesordnung hinaus. Referent gab zum er JJi senier Genugthuung darüber Ausdruck, daß !unden c.?',en. Berliner Kollegen im Einklang be- 'hm, f010'® ber Ueberzeugung, daß der von $eutr*r.ftene. Standpunkt der der Majorität der Maurer dem 9» ü f®' und ermahnte die Berliner Maurer, sich auf �onnr.»" Z" stallen, auf dem die Berliner Delegirten auf dem Ehalten � Arfurt gestanden, d. h. die Kongreßbeschlüffe hoch- die Beantiooitmig verschiedener gestellten Fragen erfolgte über die Thätigkeit der Berliner Slreik-Kontrol- ders.�iston durch Herrn Wer»; au. Hauptsächlich behandelte fonb- 1 Frage der Schaffung eines eigenen Unterstützungs- "er M» Berliner Streik-5kontroikommission durch Vertrieb eige- aber n« Redner war»vohl für einen derartigen Fonds, to»,»,j!ßen den Markenoertrieb seitens der Berliner Streik-Kontrol- »var vielmehr dafür, daß der Kommission ein über Jilf �"v" den Sammlungen zuin Generalfonds der Maurer ' c. Iftt»verde. Im Uebrigen bat er rücksichtlich seiner über- �"unspruchnahine um Enthebung seines k'"° c Berliner Streik-Kontrolkommission. Herr '-—-.*—«• O.-." o derwj-s»? o-P-....., Styßen � 3m Uebrigen bat er rücküchllich seiner über- um Enthebung seines Amtes als Tele- Ms jpr,' ,r. n,ct Streik-Kontrolkommission. Herr D ä h n e(eben- 0(rin sm?!tter> theilte in der angeregten Frage die Ansicht des '"ich in.."? Die Frage der Ersatzwahl für Herrn Wernau bleibt«„'!! spateren Versammlung geregelt»verde»». Bis dahin "troston'M Amte als Delegirler zur Berliner Streik- m"d am o.. I« Meißensee �"ian,ii„/,.�'öember e»ne sehr zahlreich besuchte sozialdemokratische ""»> tkrmien unter dem Vorsitz des ?'"°fsen K- Männer und Frauen unter dem Vorsitz "hr l � 1" statt. Reichstags- Abgeordneter Molk K Esifti,0? Boitrag, Er führte aus: ,»» eioLtrL Ä�'t viel darüber geschrieben»Vörden, Ivas M"* vorn-i, � die Ziele der Sozialdemokratie sind. Es»vird „"gen R;*f0r'en''v'r verschleierten dieselben. Wie bekannt, gab �"achten n, g" den in letzter Zeit gegen unsere Lehre vor- ..... ..""kbar"hi mit einem Male verivirklich-,. "a» das ,Z"geben. wie dieses oder jenes einzurichten sein wird. " firf)"�'haltbare der Fragen hiernach einzusehen, braucht Mten 0J die Leute vor Augen führen, ver- mW% e n 'PJI-—- v er die„Irrlehren der mir un? 5" 3'd® d« war, in welcher sie »velche ver- eine bessere zu gestalten iiseir�Ä einem Babeuf, Fourier u. v..... .�"'sten i'9f,eme können uns heute beim Lesen der betreffenden '°.en bei?,"och ein Lächeln abgeivinnen. Die Leute konnten Z' in w' Iviwurf ihrer Projekte den Fortschritt der Technik nicht �"MhÄUtig ziehen. Viele Leute glauben *s»Ruckblick" sei das richtige Syste.n könne und nicht mehr zeitgemäß sein, es»vird als veraltet beiseite gelegt »verde». Zur Zeit der großen französischen Revolution»vurde viel von Freiheit und Gleichheit geredet»ti»b auch an das Kom- men derselben geglaubt. Als die Revolution zu Ende geführt, »varen die Klassengegensätze schärfer denn je. Man hatte hier ebenfalls die Entivicklung der Produktion in der Art»»nd Weise, wie sie vor sich ging, und welche Richtung sie nahin, nicht vor- aussehen können. Der wissenschaftliche Soziasismus lehnt sich mit seinen Lehren direkt an die wirthschaftlichen Verhältnisse der Gegenivart an. Wir kommen damit sehr bald mit der bürgerliche» Gesellschaft in Konflikt. Bei Betrachtung der gegenwärtigen Entivickelung sieht »nan, daß der kleine Handiverker immer mehr verschwindet, ver- schwinden muß. Die Großindustrie mit den in ihrem Besitz sich befindlichen besseren Arbeitsmitteln und der praktischeren Ge- staltung der Zlrbeitsiveise vernichtet ihn. Da der Arbeiter heute nur so viel für seine Arbeitsleistung erhält, als er nothivendig zu seiner, resp. der Erhaltung seiner Familie gebraucht, fließt der darüber hinausgehende bedeutende Mehrertrag seiner Arbeits- leistung in die Tasche der Kapitalisten. Dieser verbraucht ihn nicht vollständig für sich selbst; er legt daher das Uebrigbleibende in neuen Unternehmungen an. Je mehr Arbeiter der Kapitalist ausbeuten kann, je niehr Mehriverth kann er zur Eriveiterung und Verbesserung seines Betriebes verivenden und»vird dadurch den anderen Unternehmern gegenüber konkurrenzfähiger. Eine der Erscheinungen der heutigen Zeit,»ach deren Be- seitigung der Spießbürger schreit, ist die Frauenarbeit. Er ver- kennt vollständig den Gang der Entivickelung. Die Frau hat auch früher gearbeitet, allerdings im Hanse. Mit der Ersindung der Maschine»vurde sie immer mehr der Hausarbeit enthoben und in die Fabrik gedrängt. Die Großindustrie hat diese Uin- »välzung vollbracht. Eine weitere Folge der Entwickelung der Maschine und damit der der Großilidustrie, ist die innner mehr zunehmende Arbeitslosigkeit. Vor hundert Jahren wurden die öfters eintretenden Nothstände dainit erklärt, daß von Zeit zu Zeit zuviel Menschen auf der Welt seien und nicht ernährt»ver- den könnten. Diese Ansicht hat sich heute überlebt. Wir»rissen, daß, wenn zu viel produzirt ist, die sogenannten Krisen eintreten und viele brotlos machen. Aber nicht nur zu den Zeiten der Krise, sondern auch zu den Zeiten,»vo die Geschäftskonjunktur die beste ist, ist die Zahl der Arbeitslosen, soivie der Obdachslosen eine horrende. So sind in einem solchen guten Geschäftsjahr in Amerika GO 000 Obdachslose gezählt»Vörden. Man kann annehmen, daß außer diesen 80 000 noch ca. 160 000 solcher von allen» ent- blößten Menschen nicht»nitgczählt sind. Dieselben Verhältnisse existiren auch in England, Frankreich und Deutschland. Es »vird nun vielfach behauptet, diese Leute»vollen nicht arbeiten. Dem»viderspricht doch wohl schon, daß die Zahl Derer,»velche sich zur Ausnahme in den Arbeiterkolonien drängen, trotzdem die Behandlung dort der im Zuchthaus üblichen gleicht, eine viel größere ist,»vie aufgenommen»verde» kann. Im Uebrigen kann man doch»»icht annehmen, daß, wenn die ca. 4000 arbeitslosen Schuhmacher Deutschlands morgen mit einein Male alle arbeiten »vollten, auch so viel neue Stiefel gebraucht»vürden. Erhielten sitz»virklich Arbeit, so hätte bloß ein Personenivechsel statt- gefunden; andere 4000 lägen auf der Landstraße. Richtig ist ja, daß, wenn die Leute arbeitslos sind und sie von Nieinandem unterstützt werde», sie nach und nach versumpfen. Dafür sind aber nicht die Personen verantwortlich zu machen, sondern die Verhältnisse, die dies mit sich bringe». Unter der heutigen Wirth- schaftsweise ist an keine Hilfe zu denken; sie»vird in» Gegentheil immer mehr Arbeitslose schaffen. Doch die Triebfeder der heutigen Wirthschaftsiveise, die freie Konkurrenz, hilft, den Boden derselben zu untergraben; der Besitz häuft sich iminer schneller in den Händen»veniger Menschen an. Solche»venige große Be- sitzenden schließen sich zu Trusts zusammen, bestimmen den Preis einer besonderen Waare und beuten die Allgemeinheit aus. Als eine Stütze der heutigen Gesellschaft»vird uns die persönliche Freiheit bezeichnet. In»„lieben Vaterland" finden»vir Be- »veise von der Haltlosigkeit dieser Phrase genug. Man gehe nur nach Neunkirchen und sehe sich die Fabrikordnung des Herrn Stumm an. Durch sie werden sogar Staatsgesetze überflüssig gbmacht. Alles mögliche wird durch ihre, die persön- liche Freiheit vollständig vernichtende Bestimmungen geregelt. Weiter ziehe man hier das Wirken der Unlernehmeroerbände in Betracht und dann frage man:„Wo ist die persönliche Freiheit heute geivahrt?" Sie wird im Gegentheil immer mehr ver- nichtet.— In früheren Zeiten»var der Kleimneister zugleich Mitarbeiter und technischer Leiter seines Betriebes; der Großkapitalist hat es »»»cht mehr nöthig mitzuarbeiten oder den technische»» Leiter zu spielen; er hat seine Leute dazu. Später brauchte er auch nicht „»ehr für den Verkauf zu sorgen und bei den Aktiengesellschaften sehen»vir, daß die Theilhaber überhaupt nichts weiter zu»hui, brauchen, als Geld einzuheimsen. Sie sind bei der Produktion überflüssig geworden, und aus diesem Grunde verlangen wir die Ueberführung der Produktionsmittel in den Besitz der Gesellschaft und eine Regelung der Arbeit, die Jedem, der da arbeitet, auch den vollen Ertrag zugute kcmlw.en läßt. Es»vird nun gesagt, es»väre Unrecht, den jetzigen B'e- sitzern der Produkttonsmittel dieselben fortzunehmen. Haben denn diese Leute die Produktions-Jnstrumente geschaffen? Unserer Meinung nach haben sie sich dieselben nur angeeignet. An der Entivicklung und Verbesserung der Produktions-Jnstrumente hat die ganze Menschheit mitgearbeitet. Die Spinnmaschine hätte nicht ersunden werden könne»»,»venn man nicht das Spinnrad schon lauge vordem erfunden und ange»vandt hätte. Von Rechts- ivegen gehört das,»vas von der Allgeineinheit geschaffen, auch der Allgemeinheit. Uebrigens sehen»vir, daß der heutige Staat auch nicht davor zurückschreckt, zu enteignen, wo es geht. Man sehe sich blos die Eisenbahnen an. Der gegenwärtige Sozialismus ist hervorgegangen aus der Entwicklung der Wissenschast von den öko»on»ischen Verhält- nissen,»vir machen uns kein Bild davon,»vie die sozialistische Gesellschaft mal aussehen»vird, das überlassen »vir den Leute», ivelche zu der Zeit leben»verde», in »velcher die ökonomischen Verhältnisse für den Sozialismus reif sind. Die sozialistische Beivegung erfordert den politischen Ka»»pf; da auch heute,»vie immer, diejenige Klasse,»velche auf Grund der ökonomischen Verhältnisse die ausbeutende ist, die politische Macht in der Hand hat und ihrer ökonoinischen Stellung dienstbar macht. Wir haben»»»»s in Halle z»ir Führung des Kanipfcs eine Organisation gegeben,, vie sie unter den verschiedenen Bestimmungen der verschiedenen Vereinsgesetze Deutschlands möglich ist. Nachdem das Sozialistengesetz gefallen, darf man nicht nachlasse» im Eiser, für die Verbreitung unserer Idee» Sorge zu tragen, damit das Endziel der Sozialdeinvkratie möglichst schnell erreicht»vird.(Stürmischer Beifall.) An der sehr lebhaften Diskussion betheiligte» sich mehrere Redner. Als Orts-Ver- trauensniann»vurde dam», nachdem beschlossen»vorden, mir einen zu wählen, der Genosse Grünen der g geivählt. Beschlossen wurde, nur solche Hüte zu kaufen, die mit Kontrolmarke versehen sind. Außerdem»vurde noch folgende Resolution angenommen: „Die öffentliche Versammlung für Männer und Frauen Weißen- sees und Umgegend beschließt, daß es Pflicht eines jeden Arbeiters ist, dem Arbeiter-Bildungsverein für Weißeusee und Umgegend und jeder Frau, den» Frauenverein für Weißeusee und Um- gegend beizutreten, da diese beiden Vereine die Ziele der Sozialdemokratie zu den ihrigen machen." Nachdem noch Frau Zabel und Frau Bode die amvesenden Genossen ausgefordert, ihre Frauen und Töchter zum Versammlungsbesuch anzuhalten, »vurde die Versannnlung»»»t eine»»» Hoch aus die internationale Sozialdemokratie geschloffen. Arbeiter- Sängerbund Kerlins und jlingrgend. Sonntag, den 90. November, fand eine Ausschnßsitzung statt. Zur Aufnahme haben sich 17 Vereine gemeldet, welche ausgenommen »vurden. Es gehören nunmehr dein Arbeiter- Sängerbund 71 Vereine an. Vom Vorstande aus»vurde an die Verlreter der Vereine der Mahnruf gerichtet, in ihren Vereinen danach zu streben, daß der Arbeiter- Sängerbund nicht nur als Aushänge- schild benutzt»vird. Als Bundeslicder sind vorgeschlagen und angenommen»vorden: 1. D i e Marseillaise, 2. Der M a h r r u f, 3. B u n d e s l i e d. Zum Posten eines Bundes- dirigenten haben sich 10 Herren schriftlich gemeldet, 5 sind von der Versaininlung in Vorschlag gemacht»vorden. Der Vorstand ist beaustragt, sich über die Herren näher zu insoriniren und in der nächsten Ausschußsitzung Vorschläge zu macheu. Zuin„Verschiedenen" berichtet der Vertreter der„Kollegia", daß sein Berein einen Fehler begangen und die Berliner Bürger- Ressource zum Weihnachtsvergnügen gemiethet habe. Alle Ver- suche, den Vertrag rückgängig zu machen, sind von Seiten des Inhabers des Lokals zuruckgeivieseu,»velcher auf seinem Schein besteht. Die Versammlung faßte den Beschluß, den Verein au unterstützen, damit die Unkosten gedeckt und der Wirth ohne Gäste für den Tag resp. die Nacht bei voller Beleuchtung und Musik dem Verein sein Lokal zur Versüg»ing stellen muß. Ferner ist einstimmig beschlossen worden, Vergnügungen soivie Uebungs- stunden der Vereine nur bei solchen Wirthen abzuhalten,»velche ihre Lokale zu Arbeiterversainmlungen hergeben, resp.»vo Ar- beilerblätter ausliegen. Ter Vorsitzende macht zuin Schluß bekannt, daß die nächste Ausschustsitzung»vieder des Sonniags stattfindet und im„Berliner Äolksblatt" bekannt gemacht wird. Nachdem von alle» Genossen und Sangesbrüdern das Lied „Ein Sohn des Volkes" gesungen, schließt der Vorsitzende die Ver- sammlung. � � Im Anschluß hieran erläßt der Vorstand des Arbeiter-Sänger- bundes folgende Anffordrrnng: Der Arbeiter-Sängerbund er- klärt sich mit allen Arbeiterorganisationen solidarisch und fordert deshalb dieselben auf, bei ihren Vergnügungen und Festlichkeiten, sosern dieselben Gesangvereine hinzuziehen, sich nur an solche Vereine»venden,»velche den» Arbeiter- Sängerbund angehören. Die wöchentlichen Uebungsstunden der Vereine sind in einer be- sonderen Rubrik des VereinSkalender im„Berliner Volksblatt" an- gegeben. Ferner ist zu näherer Auskunft der Vorsitzende des Bundes, Herr Ad. N e u m a n n. Brunnenstr. 101, 2 Tr., gern bereit. Der Verband deutscher Mechaniker uud verwandter Lerufogenofsen hielt am Montag, den 1. Dezember eine Wanderversammlung ab. In derselben sprach Kollege Trittelw'.tz, da der vorgesehene Referent abgesagt hatte, über:„Wohlsahrtsein- richtungen und Arbeiterorganisationen." Referent zeigte an einigen Beispielen, wie es»vohl be, flüchtiger Beurtheilirng möglich ist, die sogenannten Wohlfahrtseinrichtungen größerer Etablissements als»vahre Muster der Humanität erscheinen zu lassen. Aber bei genauerer Prüfung dieser Einrichtungen verschivindet die Humanität vollständig, und es bleibt nichts weiter übrig, als Einrichtungen, die zum größten Theil von den Arbeitergroschen entstanden und erhalten werden, aus denen aber der Kapitalist Vortheil erzielt. Und»venn dies letztere wirklich nicht der Fall ist, so besitzen doch alle jetzt bestehenden Wohtfahrts- Einrichtungen für den Arbeiter etivas Demüthigendes. Damit dürfen freie Arbeiter niemals zufrieden sein. Will man die Wohlfahrt des Arbeiters, so erlöse man sie vom Joche der Lohnsklaverei und gebe ihnen den vollen Ertrag für ihre Arbeit, dann»verde»» sich die Arbeiter selbst Einrichtungen zu schaffen »vissen, die dem Namen Wohlfahrt zu Ehre gereichen. Aber dieses Resultat»vird dem Arbeiter niemals mühelos in den Schooß fallen; er»vird es sich erkämpfen»nüssen vermöge der Organi- sation. Darum Kollegen, lassen wir allen Jndifferentismus, alle Borurtheile bei-seile. Vereinigen, organisiren»vir uns. Lassen wir uns durch Selbsterziehung, Seldstbildung den Weg zu diesen Zielen zeigen, streben wir mit Anspannung aller unserer Kräfte danach und wenn uns der Muth unter der rauhen Ungunst der Zeiten zu sinken droht, dann richten»vir uns empor an dem Dichterivort:„Wer immer strebend sich bemuht, den können»vir erlösen." In der hierauf statt- sindenden Diskussion traten verschiedene Redner nicht minder bestimmt für eine starke Organisation ein. Zuin 3. Punkt der Tagesordnung, Gründung einer neuen Zahlstelle des Verbandes im Norden Berlins, beschloß die Versainmlung, vorläufig hiervon Abstand zu nehmen, jedoch vo» jetzt ab monallich eine Bersamm- lung im alten Versammlungslokal, Annenstraße 16, und die andere in einen» anderen Stadttheil abzuhalten, um so allen Kollegen Gelegenheit zu geben, die Versammlungen leichter be- suchen zu können. Ter Vorsitzende rjchtet sodann an die Kollegen die Bitte, die Versammlungen reger zu besuchen und dem Ver- band deutscher Mechaniker recht zahlreich beizutreten. D,r Urreiu deutscher Schuhmacher(Filiale Berlin) hielt an» Montag, den 1. Dezember, seine Mitglieder-Versammlung ab. Kollege Metzner hielt einen b. ä.sig aufgenommenen Vortrag über Arbeitgeber- und Arbeitnehme- Organisationen". Der Referent, soivie die folgenden Redner, derührten wiederholt die Aus- sperrung der Kollegen in Erfurt, und forderten zlir thatkrästigen Unterstützung auf. Ein Artikel der„Volks-Zeitung", daß der Streik in Erfurt beendet sei, kau» zur Sprache. Alle Redner sprachen sich dahin aus, daß dieses Blatt die Interesse» der Kapitalisten vertritt, und daß ihn» kein Glauben zu schenken ist. Der Streik gelte erst dann als beendet,»venn eine derartige Nach- rieht»in„Berliner Volksblatt" erschienen ist. Bis dahin müssen alle Kollegen rege Gelder sammeln und an die Kollegen in Erfurt absenden. Eine öffentlich- V-rsau»»», lung für Männer nnd Frauen tagte am Dienstag be» Nürnberg, Schönhauser Allee 27. SÄ"ÄW«."Ä1 s* SÄ »i» a»» i» P ö u s und Frau Meißner. Letztere forderte zu recht regein Beitritt au der„Freie» Volksbühne" auf. Nachdem Herr Türk auch noch ,n demselben Sinne gesprochen, theilte der Vor- sitzende mit, daß der Uebetschuß- der Tellers ammlung von der letzten Versauunlung im Betrage von UM M. den Eschweger Tabakarbeitern uber>v»esei» ist. Quittung lag vor. Es»vurde noch m»tgethe»lt, daß am Montag, den 8. Dezember, in demselben Lokale eine Versammlung staltfinde, in welcher Herr c.anä. phil. s"" f."k"«11 r ch r i st e n t h u m und modernes Ehristenthum" spreche»» werde. Alsdann wurde die Ver- sammlung geschlossen. Berlin. Wmil wir früher nur un �eslhäste verkausteu, sinh Vir jeht mit hem Publikum birekt iu Perbinbung getreteu. H. Hartwig Söhne& Beer Stettin. Berlin N. 24a. Chansseestr. 24a. Berlin SO. 8. Brückenstrasse 8. Berlin 0. 16. Gr. Frankfiirterstr. 16. Jeder Preis ist mit Zahlen an der Waare] ausgezeichnet. Größte Werkstötten für Herren- und Knakenkekleidung. 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Ant- werpen...... 3,— — Otto der Schütz... 3,— Lessing's Werke, 3 Bde. 5,— — poetische und dramatische Meisterwerke..... 1,60 Lichtstrahlen der Poesie, Ges. von Max Kegel.. 3,50 Liebknecht, Ein Blick in die neue Welt... 3,— Moliere's Werke, 2 Bde. 4,20 Reuter s Werke, Bolks- Ansgabe, 7 Bde.... 26,— Sachs, Hans, Poetische Werke.......— ,80 — dramatische Werke..— ,80 Schiller s Werke, 4 Bde. 6,— Gedichte...... 1,— Shakespeare s Werke 3 Bde........ 6,— Werke belehrenden Inhalts: Bibliothek, Sozialdem. Bd. 1-3..... a 3,60 Bios, W., Die französische Revolution..... 5,50 Bock, Bau, Leben U.Pflege des menschlichen Körpers—,90 Bommeli, R., Die Geschichte derErde. R. illustr. 6,90 Brandes, Gg., Ferdinand Lassalle. Ein literarisches Charakterbild.... 2,50 Engels, Fr., Herrn Eugen CT).". ftrtrm'S 11 mtrmTntnn flPT Arbeitorfrage, Die ländliche. Nach dem Russischen des Kablukow...... Aweling, E., Die Dar- win'sche Theorie... Bebel, A., ChaclesFourier — Der deutsche Bauernkrieg 2,— 2,— 2,50 2,- Dühring's Umwälzung der Wissenschaft. 2. Aufl. 8,20 — Ursprung der Familie, des Privateigenthums und des Staats....... 1,80 Jacoby, Joh., Gesammelte Schriften u. Reden. 2 Bde........ 6,— — Leop., Die Idee der Entwickelung. 2 Bde.. 4,20 Kautsky, K., Marx's ökonomische Lehren.. 2,— ■ Thomas Moore und seine Utopie........ 2,50 Köhler, D», Weltschöpfung und Weltuntergang. Ent- Wickelung von Himmel u. ErdeaufGrundderNatur- Wissenschaften.... 3,50 Lange, F. A., Die Arbeiterfrage...... 5,— Lassalle, F., Sämmtl. Reden u. Schrillen. 2 Bde. 13,50 Liebknecht, Wilhelm, Robert Blum und seine Zeit. 2. Aufl..... 2,— — Fremdwörterbuch... 3,— Marx, K., Das Kapital. Kritik d. politischen Oeko- nomie. Bd. 1.4. Aufl.. 11,50 do.- II..... 10,50 - Das Elend d. Philosophie. Antwort auf Proudhon's Philosophie des Elends. 4,50 Mignet, Geschichte der frz. Revolution v. 1789— 1814 2,— Schippel, M., Das mod. Elend und die moderne Uebervölkerung.... 2,— Stamm, A. Th., Die Erlösung der darbenden Menschheit..... d,— Stern, J., Die Philosophie Spinoza's...... 1,80 Nach auswärts gegen Toreinsendung des Betrages portofrei. ünzerreissbare Unzerreissbare ünzerreissbare Unzerreissbare � Unzerreissbare% f Unzerreissbare Unzerreissbare Unzerreissbare Unzerreissbare Unzerreissbare ünzerreissbare Unzerreissbare y*" 756. Bitte leseii Sic! Jedem, der billig und reell kaufen will, empfehle mein reichhalt. Lager in Winter-Paletots, Rock- und Jaqnet-Anziigen, einzelnen Röcken, Jaqnets, Hosen und Westen, Stiefeln, Hilten, Betten, Wäsche, Uhren, Reise- und Holzkoffern etc., sowie Dntn-lütclt gnl»Itiitrn. Alles in alt und neu! Kaufe sämmt- liche Sachen auf Auktionen und von Leihämtern, auch sind verfallene Pfänder dabei, daher die enorm billigen Preise. A. Wergien, Schneidermeister.(Gegründet 1874.) 127. Skalitzerstp. 127. 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