Nr. 886. Sonntag, den 7. Dezemder 1890. f. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. «rscheint«m Das..Berliaer Volksblatt" .»»MWWWll! Jnsertionsgebühr beträgt für die 5 gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und Versammlung«. Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags m der Expedition, Berlin SW., Beutbttraße 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Ervedition ift an Wochentagen bis 1 lltjr Mittags und von 3 7 lihr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vonnittags geöffnet. - 1 Fernsprecher: Amt vi. JJj?. 4106.•-*- NedaKkion: Veukhflvatze S.— Gxpvdikion: VeukhÜraße 3. . Zur Grkihiitzkr der rrisilhen Agrurfruge. y- Der Fall Parnell hat wieder einmal die irische . ��srage in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses Nr kr' �«ilich mit sachlicher Erörterung hat sich oie ��sse dabei wenig abgegeben, man diskutirte blos über .J,?Uvaten Verhältnisse des Jrenführers, über die Be- _?�gen der irischen Parlamentsfraktion zu Gladstone d»n Salisbury. All' dies mag ja aktuell und für n Moment sehr wichtig sein, wichtiger ist aber wohl .Zweifelhaft die Kenntniß der ökonomischen Verhältnisse n�rland, ohne die überhaupt die Beoeutung der poli- . scheu Konstellation in Großbritannien und Irland nicht durcheilt werden kann. . Die irische Landfrage ist nicht eine Frage von heute l>i«? gestern, ihr Ursprung liegt fast vier Jahrhunderte Nt°r uns. Als Heinrich VIII., Luther's Zeitgenosse, und I we Tochter Elisabeth die in England begonnene Re- Ration auf Irland übertragen wollten, stießen sie in r�d auf gewaltigen Widerstand, der zu zahlreichen -�pörungen der Jrländer gegen die englische Herrschast riu' Diese Kämpfe gewannen für die Entwickelung der Hu ten Agrarverhältnisse die größte Bedeutung, denn es ,R.t°e mehr und mehr üblich, die Ländereien der besiegten Mptlinge für die Krone zu konfisziren. Diese Kon- licb erstreckten sich aber nicht blos auf die persön- chen Besitzungen, sondern auf diejenigen der ganzen ßchwuie, welche unter der Hoheit der aufrührerischen �Mlinge standen. Vergebens protestirten die Iren, daß .> Grund und Boden nicht dem Häuptlinge, sondern dem zustehe, daß er ihnen nicht wegen der Haltung »Ii jP�pllinge entzogen werden dürfe. Die Ländereien Dp», t rücksichtslos eingezogen und an englische Ansiedler (Hon Möglichst viel Land einzuziehen und darauf ..A'sche Kolonisten anzusiedeln, dieser Gedanke wird von soll c\n Elstern der englischen Politik. Auf diesem Wege Zrland endgiltig unterjocht werden. Aob Obgleich die Engländer, welche irischen Grund und �i�a erhielten, nach den Absichten der Regierung vor- dvcb� englische Bauern ansiedeln sollten, geschah dies m vUt geringem Umfange. Einmal ließen sich die U dem Grund und Boden von Alters her ansässigen @" IQ nicht leicht verdrängen, und ferner hätte man �Ländern sehr'günstige Ansiedelungsbedingungen bieten jh ilen. Die einheimischen Iren aber waren, um nur in �i �. Heimath verbleiben zu dürfen, zu allen Lasten, allen e,,..sieh und Renten bereit. So fanden es denn die neuen Alchen Grundeigenthümer, die von den irischen Be- Feuilleton. lua««boten.) (6 Dothenburger Tage. mGn aus der Zeit des großen Bauernkrieges von 1525. Bon Wilhelm Blos. WDMW u*er Zärtlichkeit an sich. � nnb WM ®tääoiä" Tsä sitzungen doch nichts anderes als ein möglichst großes Einkommen erzielen wollten, m der Regel vortheilhafter, die Iren daselbst zu belassen. Aus diesem Grunde mußte auch die neue Anglisirungspolitik schließlich scheitern, trotzdem die Landkonfiskationen in größten. Umfange er- folgten. Der Ausstand Shane O'Neal gab Veranlassung zur Konfiskation von vielen Hunderttausenden Acker Landes, derjenige O'Desmond's erlaubte der Krone über eine halbe Million Acker einzuziehen. Man hat berechnet, daß gegen Ende der Regierungszeit der Königin Elisabeth im Ganzen schon 2 Millionen Acker von der Krone vergeben worden waren. Einen neuen Höhepunkt erreichten die Verfolgungen der Jrländer und die Boden-Konfiskationen unter Crom- well. Er schlug eine Revolution der Jrländer in der blutigsten Weise nieder und nahm an dem Lande die schrecklichste Rache. Er wüthete derart, daß selbst das englische Heer kaum mehr seinen Unterhalt zu finden v'.r- mochte und dem Hungertode nahe kam. Ein Drittel des Bodens wurde eingezogen. Es erfolgte eine Massenauswanderung der Iren, wie sie erst während der großen Hungersnoth vom Jahre 1847 wiederkehrte. Unter Cromwell gehörten schon starke zwei Drittel des irischen Bodens»den Engländern als Privatbesitz. Der Antheil der Jrländer an ihrer Heimath erlitt aber notff eine weitere Verminderung unter Wilhelm Hl, Nachdem dieser in Irland die ihren„angestammten" König Jacob IT. unterstützenden Jrländer in der Sck> acht am Boyneflusse geschlagen hatte, zog er weit über eine Million Akres ein, die er meist an recht unwürdige Personen verschenkte. Dieser letzte große Raub Englands an Irland beschränkte den Besitz der Jrländer an ihrer Heimath auf ein Zwölftel des anbaufähigen Bodens. Trotz dieser systematischen Konfiskationen ging den Iren das Bewußtsein niemals verloren, daß sie die eigentlichen Eigenthümer des Bodens seien. Die Iren vermochten es nicht zu fassen, daß der Grund und Boden, auf dem sie feit Menschengedenken ge- sessen und dem nur ihrer Hände Fleiß Erträge abge- rungen, ihnen nicht mehr gehören sollte. Sie begriffen nur," daß sie besiegt worden waren und daß sie deshalb dem Sieger Tribut schuldeten, deshalb erschien ihnen die Rente nicht als Pachtgeld, sondern eben wie ein Tribut. Doch blieben die Konfiskationen keineswegs die ein- zigen Unterdrücküngs-Maßregeln, das mächtige England scheute sich nicht, die Jrländer wegen ihrer Treue zur katholischen Religion mit schändlichen Ausnahmegesetzen zu verfolgen, welche auch mannigfache Schädigungen wirth- schaftlicher Art für die Jrländer im Gefolge hatten, so wurde den Katholiken die Testierfreiheit genommen, was achtungsvoll und selbst der wilde Grumbach fuhr einmal mit dem geschlitzten Aermel seines Wammses über die Augen. „Wo ist der Vater?" fragte plötzlich Agnes. Der Vater! Damit war die Wetterwolke aufgezogen über Agnesens Haupte, die man in unbestimniter Vorahnung nahen gefühlt. „Der Vater!" seufzte die Mutter.„Er ist auf dem Rathhause und wird bald kommen." „Ach, was wird er sagen!" rief Agnes und warf sich von Neuem an die Brust der Mutter", er wird mich hart anlassen. Und ich bin doch so froh, daß ich frei bin!" Die Frauen schluchzten und die Mutter warf wie schützend die Arme um die Tochter, während sie selber Hilfe- flehend emporsah. Grumbach ersah den Augenblick und schlich sich die Treppe hinab, um drunten mit den Gewappneten zu zechen. Er liebte solche Rnhrszcncn nicht sehr. Herr Florian aber trat auf die Frauen zu und sprach mit seiner wohltönenden Stimme: „Gnädiges Fräulein, ich Hab' Euch aus dem Kloster hierher geleitet; erlaubet mir denn auch, Euch noch weiter mit Rath und That beizustehen." „Der Vater ist so streng," sagte Agnes bekümmert. „Eben deßhalb will ich bleiben," sagte Herr Florian. „Ich nieiß, daß Euer Vater zu der alten Rathspartei gehört. Aber ich will ihm knndthun, daß Ihr nicht mnthwillig das Kloster verlassen." „Ihr wolltet!" sagte Agnes freudig. „Sonder Zweifel!" antwortete der Ritter. Da kehrte bei Agnes die Heiterkeit des Gemüths und die Sicherheit des Auftretens zurück. Sie hatte einen Be- zu einer weitgehenden Zersplitterung des irischen Besitzes naturgemäß führen mußte. Wir können die Bedrückung der Jrländer hier nicht nach allen Seiten illustriren. Wer sich darüber belehren will, der lese Prof. Herkner's treff- lichen Aufsatz über die irische Agrarfrage(im letzten Hefte der Conrad'schen Jahrbücher), den wir unseren Aus- führungen zn Grunde legen. Kurz gesagt waren die Jrländer geächtet, recht« und friedlos, die ganze Gesetz« gebung und Verwaltung bemühte sich einzig und allein die Interessen der englischen Grundherren zu"fördern. Diese Grundherren waren Personen von oft sehr zweifelhaftem Rufe, die außerdem sehr häufig in gar keiner Beziehung mit dein in ihrem Interesse verpachteten Boden standen. Di? Hälfte der Grundherren war stets, ja häufig waren drei Viertel derselben außer Lande. Man würde sich aber gewaltig täuschen, wollte man annehmen, daß nur diese, meist mit„ihrem" Grund und Boden in gar keinem Zusammenhang stehenden Groß- grundbesitzer von dem armen irischen Bauern zu erhalten waren und sind. Wie viele Vampyre am Blut des Jr- länders saugten, geht aus der Darstellung der Pachteinrich- tungen hervor. Die abwesenden Großgrundbesitzer ver- pachteten ihr Land an einen als zuverlässig und zahlungs- fähig bekannten Mann im Großen und für lange Zeit. Dieser Oberpächter vergab das Land wieder an ver- schiedene Zwischen- und Unterpächter, welche erst das Land an die eigentlichen Bebauer, an die irischen Bauern, in Pacht gaben. Natürlich wollten sich all' diese Zwischen- Personen„redlich" und möglichst gut nähren, aber nicht auf Kosten des Großgrundbesitzers, sondern auf die des armen Bauern, infolge dessen erreichten die Renten ganz unglaubliche Höhen, selbst die des zwölffachen Betrages der an den Grundbesitzer gezahlten Rente. Wenn wir oben von Vampyren sprachen, die des Bauern Schweiß nähren mußte, so ist dies keineswegs eine agitatorische Uebertreibung, es ist nur eine halbwegs zutreffende, durch- aus milde Bezeichnung für die kaum glaubliche Ausnutzung des ökonomischen Uebergewichts seitens der Zwischenpersonen, bei denen eine Spur von Nachsicht und Geduld zu suchen eitel Thorheit wäre. Von dem, was in England als hergebrachte Hebung galt, daß der Besitzer die Meliorationen des Bodens aus- zuführen habe, war in Irland nicht die Rede. Hier mußten alle Lasten von den Bebauern getragen werden, aller Vortheil kam den Besitzern und den Zwischenpersonen zu Gute. Dafür, daß diese von jedem Schaden verschont werden, sorgte mit peinlicher Fürsorge die englische Gesetzgebung und Verwaltung. Man wird nun die Frage auf- werfen, warum die Jrländer sich derartigen Ausbeutungen nicht durch Nebergang zu anderen Berufszweigen entzogen. schützet gefunden. Nim fühlte sie sich erst wohlig in der Freiheit. Herr Anton von Badell, wohlangesehener Rathsherr der freien Stadt Rothenburg ließ nicht lange aus sich warten. Der eiserne Klopfer an der Hausthür ertönte, daß die beiden Frauen zusammenschraken. Gleich darauf vernahm man den schweren Tritt des Rathsherrn auf der Treppe. Seine mächtige Gestalt tauchte auf und Agnes sah das unbeweg- liche Antlitz mit den strengen Zügen und den großen dunklen Augen unter buschigem grauen Haar. Die Tochter sprang dem Vater entgegen. Er aber wich zürnend, zurück und die Mutter sah ängstlich drein. „Da bist Du, dem Kloster und der Pflicht entlaufen," sagte er hart und streng. Agnesens Augen füllten sich mit Thräncn. Florian Geyer trat vor und der Rathsherr sah erstaunt aus den Ritter, dessen Anwesenheit er nicht gleich bemerkt hatte. „Herr von Geyer— Ihr in meinem Hause?" sprach er mit unsicherer Stimme. Er kannte den Ritter wohl, denn dieser hatte ja den Morgen erst vor dem Rathe die Zustimmung zu dem Auszug und zur bürgerlichen Versorgung der Nonnen erlangt, wozu ihn seine Rothenburger Freunde be- stimmt hatten, die sich ihre Geliebten und Freundinnen frei machen wollten. DaS feste und männliche Austreten des weithin bekannten jungen KriegsmanneS hatte dem Raths- Herrn einen gewaltigen Eindruck gethan; er fühlte, daß er einer Macht gegennbex stand, die er zwar haßte, die aber im Augenblick das Nebergewicht besaß. Denn die Nach- richten, die von draußen hereingekommen waren, trugen nicht dazu bei, den Muth des alten Raths zu erhöhen; viel eher zum Gcgentheil. Sicherlich hätte das versucht werden sollen; doch die das Interesse der Grundbesitzer ängstlich wahrende englische Gesetzgebung war so klug gewesen, alle anderen Berufs- zweige den Jrländern möglichst zu verschließen durch eine eigenthümliche Gewerbe- und Handelspolitik für Jr- land, auf die näher einzugehen wir uns hier versagen müssen. Die Folgen dieser unseligen Politik waren einerseits der ungestüme Haß der Jrländer gegen alles, was englisch war, der sich in der mannigfachsten Weise gleich un- geschwächt seit Jahrhunderten äußert, andererseits ein Niederdrücken der Lebenshaltung der Iren auf die denkbar niedrigste Stufe. Sie wohnten in elenden Lehmhütten, die häufig nur eine Oeffnung besaßen. Dieselbe dient als Thür, Fenster und Rauchfang. In der Hütte leben aber auch die Hausthiere, das Schwein und die Hühner. Selbst die Bauern, welche dazu im Stande gewesen wären, scheuten sich, eine bessere Wohnung zu bauen. Nahm Jemand eine Verbesserung vor, so war das für den Verpächter ein Zeichen, daß der Bauer zu Wohlstand gelangt war, daß er also zu wenig Rente bezahlte, was zur Erhöhung der- selben wohl ausnahmslos reizen mußte, da ja durch die Verbesserung das Interesse des Bauern an der Hütte ge- wachsen war. Der Anbau der Kartoffel gewann größere Ausdehnung, damit das Grundstück wenigstens den Be- bauer nähren könne, freilich zur Bezahlung der Rente warf es nichts ab, diese mußte aus dem Arbeitsverdienste be- stritten werden, welche man als Wanderarbeiter in Eng- land zur Zeit der Erndte erwarb. In dem Maße als die Kartoffel das wichtigste Nahrungsmittel der Jrländer wurde, nahm auch der Genuß von Branntwein überhand. Ebenso traurig wie in wirthschaftlicher Beziehung waren die Verhältnisse in geistiger; um das Schulwesen und die Bildung des irischen Volkes kümmerte man sich in Eng- land nicht. Auch von einer politischen Bildung konnte lange in Irland nicht die Rede sein. Wohl erhielten die Jrländer im Jahre 1793 ein ziemlich weitgehendes Wahl- recht, doch galt es durch Jahrzehnte für selbstverständlich, daß die Pachter nur nach den Befehlen der Grundeigen- thümer wählen durften. Meinte man durch diese gehäuften Niederträchtigkeiten gegen das am Boden liegende irische Volk dessen nationale Widerstandskraft schwächen zu können, so rechnete man falsch mit der menschlichen Natur. Die Iren als Pächter durch Engländer oder Deutsche zu verdrängen, mißlang, einerseits weil diese sich nicht so knechten lassen mußten, wie die durch Ausnahmegesetze geknebelten Jrländer, andererseits weil der kurzsichtige Egoismus der Grundherren sich nicht zur Verbesserung der Pacht- bedingnngen entschließen konnte. Charakteristisch ist hier- für der Ausspruch eines Großgrundbesitzers gelegentlich des Vorschlags, Pfälzer in Irland anzusiedeln. Derselbe ver- schwor sich, er würde nie einen von ihnen aufnehmen, denn jeder dieser deutschen Protestanten glaube eben so gut Mensch zu sein, wie er selbst. Der Umschlag der englischen Politik Irland gegen- über beginnt sich in schwachen Anfängen zu zeigen seit Ausbruch der schrecklichen Hungersnoth von 1847. Hier- über im folgenden Artikel. Movrxppcmdeujim. Zürich, 3. Dezember. Gelegentlich der Entlarvung Wohl- gentuths wurden bekanntlich der Schweiz von der damals über- mächtigen und zügellosen offiziösen Presse verschiedene Liebens- Würdigkeiten gesagt. Man nannte sie nicht blos in recht ge- schmattvoller Weise ein„wildes Land", sie wurde auch ein „rechtsunsicheres" und„unfertiges Land" genannt. Ter eine Vorwurf war so unsinnig wie der andere. Wenn wir gerade an das Letztere anknüpfen woilen, wo in der ganzen Welt giebt es denn ein„fertiges Land"? Ueberall, in allen Ländern, sind alle Verhältniise beständig im Flusse, im Werben und Bewegen, in steter Veränderung und Umbildung begriffen. Diesem Um- wandlungsprozesse der inneren Verhältnisse muß auch die äußere Aber der vielgewandte Rathsherr fand sich in den Augenblick. „Was ist Euer Begehr?" frug er den Ritter. „Eigentlich nur. Euch zu sagen, daß ich Eure Tochter aus dem Kloster hierher geleitet habe", antwortete Herr Florian.„Euer Vetter Grum- dach, mit dem ich befreundet bin, wird dabei, wir wollten das edle Frätllein dem Getümmel auf der Straße ent- ziehen." Finster huschte- es über die Brauen des stolzen Patriziers, doch er bezwang sich. „Ich dank' Euch aus aufrichtigem Herzen", sprach er freundlich.„Wenn die Jungfrauen, die sich dem Himmel geweiht haben, solche Fahrten unternehmen, dann muß frei- lich ein tapferer Beschützer kommen, wenn ihnen kein Unheil widerfahren soll." Florian Geper erfaßte den Augenblick und meinte rasch: „Was die Klosterfrauen thaten, geschah auf Beschluß eines hohen Raths, an dem Ihr, edler Herr, ja auch theil- genommen habt." Agnes zitterte; nun mußte es zu einer Auseinander- setzung kommen. Aber ihr Vater war ein reicksstädtischcr Diplomat; lächelnd zwang er den aufsteigenden Aerger wieder hinab. „Wohlhin", meinte er,„in solchen absonderlichen Zeit- lauften mag sich Manches zutragen, was man sich sonst nicht denken könnte." Er unterdrückte eine Bemerkung darüber, mit welchem Widerwillen er dem Beschlüsse zu- gestimmt und wie nur der Aufstand der Bauern und die Gier nach dem geistlichen Gut die Herren vom Rath so ge- sügig gemacht hatte. „Ja, man weiß nicht, wie diese Dinge enden werden," sagte Florien Geyer.„Das Volk verlangt seine Freiheit mit ganzem Ernst." Der Rathsherr überlegte, daß es in diesem Augenblick sehr zweifelhaft sei, wer Sieger sein werde in dem gloßen Kampfe, und daß es für einen klugen Mann darum gut sei, es mit keiner der streitenden Gewalten zu verderben. „Ei", sagte er freundlich,„ich bin Euch zu Dank ver- pflichtet. Herr von Geyer. Wollet Ihr mir nicht die Ehre Gestalt der Gesellschaft und des Staates entsprechen, d. h. auch sie muß immer wieder wechseln und' dem Gewordenen legalen Ausdruck verleihen. Das geschieht auch in der That. Jahr nnZ Iah: ein werden m despotisch regierten wie in konstitutionellen Monarchien und in Republiken hunderte von Gesetzen sabrizirt, die die Beziehungen der Bürger unter einander und daS Verhältnis der Bürger zun: Staate abändern und regeln. Altes abschaffen und Neues an dessen Stelle setzen. In diesem Sinne ist gewiß auch die Schweiz ein unfertiges Land und bei ihr tritt der ewige Werdeprozeß der Verhältnisse um so wahrnehmbarer und vielseitiger in die Erscheinung, als das große eidgenössische und schweizerische Vaterland in 25 kleinere kantonale Vaterländer zerfällt, die das ganze Jahr an ihren Ein- richtungen, Verfassungen und Gesetzen abänder und sie zumeist im Sinne des Fortschrittes weiterführen. Dabei ist aber die schweizerische Gesetzgebung fruchtbarer und schöpferischer an Neuerungen, als die irgend eines anderen Landes. So ist in diesem Jahre im Kanton Zürich das Gesetz betr. die un- entgeltliche Beerdigung geschaffen worden, das nnt I. Januar 1891 in Kraft tritt. Im Kanton St. Gallen wurde die Ver- fassung geändert und damit die Rechte des Volkes ziemlich erweitert, wenn schon sie»och ziemlich weit davon entfernt ist, das Ideal der Demokratie darzustellen. Nach vorausgegangener gewaltthätiger Erhebung wird nun auch der K a n t o n Dessin, der beinahe anderthalb Jahrzehnte unter einem bedenklichen Pfaffenregiments gelitten, seine Verfassungsänderung auf friedlichem Wege durchführen. Als eine Ironie des Schicksals könnte es erscheinen, daß gerade dieser Kanton nun berufen sein soll, das proportionale Wahlverfahren durch Ge- sctzgebung in die Praxis einzuführen. Ter„Grütlianer" schreibt darüber:„Ter Stein, den die Bauleute in Basel ver- warfen, ist im Tcssin zum Eckstein geworden: auf Grundlage des proportionalen Wahlversahrens, welches jeder Par- tel die ihrer Stärke angemessene Vertretung sichert, haben dort die Karteien sich schließlich geeinigt und zur Pazifikation des antons die Hand geboten. „Behauptet man nun noch, das neue System sei nichts als Unsinn und Schwindel? „Nach dem für Teisin angenommenen Verfahren stellt für die V e r f a s s u n g s r a t h s- W a h l e n jede Partei vor dem Wahl- tag ihre Liste auf und zwar für die volle Zahl der Vertreter, welche der Wahlkreis zu wählen hat. Die betreffenden Zettel wer- den gedruckt und unter die Wähler verbreitet. Diese müssen sich an diese Vorschläge halten, sie dürfen nicht mischen und nicht kumuliren, d. h. einen Namen mehrmals schreiben. Dagegen steht es ihnen frei, einzelne Namen, deren Träger ihnen nicht zusagen/ zu streichen resp. wegzulassen. Hat nun ein Kreis 9 Verfassungs- räthe zu wählen und es stimmen 1000 Bürger konservativ und 800 liberal, so werden von der ersten Liste 5 und von derz weiten 4, je diejenigen, welche die meisten Stimmen erhalten, als gewählt be- trachtet und es hat jede Partei, was ihr gebührt. „Im anderen Fall, d. h. bei der Herrschaft des absoluten Mehrs, könnten die 1000 Konservativen es durchsetzen, daß alle 9 Sitze ihnen zufallen und die 800 Liberalen leer ausgehen würden." Bewährt sich im Kanton Tessin der Versuch niit dem proportio- nalen Wahlversahren und führt nian es durch Gesetz dauernd ein, so wird es nur eine Frage der Zeit sein, bis es in der ganzen Schweiz zur Geltung gelangt. Für die junge, aufstrebende sozialdemokratische Partei wäre dieses neue Wahlsystem das beste Mittel, um in allen Behörden eine entsprechende Vertretung zu erhalten. Dem einen Sozialdemokraten Vogelsanger, der am 1. Dezbr. als Vertreter unserer Partei seinen Einzug in den Nationalrath gehalten, würden dann bei den nächsten Wahlen ein halbes Dutzend Genossen nachfolgen. Für das Begehren nach Einführung des eidgenössischen Bau knoten Monopols sind 75 000 Unterschriften gesammelt worden, die nächstens von dem Schafshauser Dr. Ivos dem Nationalrath werden übergeben werden. polikiflhe Ueborstrhk. Berlin, den G. Dezember. Durch den Zusammentritt der„Sachverständigen- Kommisstvn über das höhere Schulwesen" ist die öffentliche Aufmerksamkeit wieder auf die vielen und großen Mängel des deutschen, insbesondere des preußischen Schul wesens gelenkt worden. Daß bei uns jetzt auf den bltNoven" Lehranstalten— die Universitäten mit ein- tthiihttÄtW geschlossen— Vieles im Argen ist, daß die jungen Leute nicht genug Lernenswerthes lernen und zu viel dressirt werden, daß weder Geist noch Charakter zur Entwickclung gelangen, daß die körperliche Ausbildung schmählich ver- nachlüssigt wird, daß ein beträchtlicher Theil unserer „studentischen" Jugend einer erschreckenden Versumpfung erweisen und bei einem Imbiß mein Gast sein? Ihr habt meine Tochter beschützt; nun soll sie auch den Imbiß für Euch bereiten." terr Florian nahm die Einladung an. gnes war glücklich, daß die Sache solch eine Wendung genommen. Sie hatte inzwischen den klösterlichen Habit mit einem einfachen bnrgerttchen Hausgewand vertauscht, dessen gefälteltes Mieder ihren prachtvollen schlanken Wuchs sehen ließ. Sie war überaus lieblich anzuschauen, wie sie mit dem großen Schlüsselbund geschäftig umherging, und der Ratbsherr konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken, als er dce blühende Tochter im Hause walten sah. Man trug den Imbiß in einem kleinen behaglichen Ge- mach auf; Grumbach kam auch dazu mit weingeröthetcm Gesicht und eine wohlige Stimnnmg kam über die Tafel- runde. Grumbach ward übermüthig. „Wenn wir das Weyburger Schloß eingenommen haben," rief er prahlerisch,„so send' ich ein paar schöne Meßgewänder; damit mögt Ihr denn Eure Gewänder ver- zieren, schöne Base. Thut mir daraus Bescheid." Der Rathshcrr lächelte zweideutig; Agnes aber stieß mit dem wilden Ritter, der den Humpen über den Tisch hielt, glcichmüthig an. Ihr war die Art dieses Mannes zuwider. Herr Florian dagegen mit seinem ernsten und milden Wesen erschien ihr als der Inbegriff echter Ritterlichkeit und sie konnte ihre Blicke nicht von ihm wenden. Als er einmal plötzlich herübersah, flog eine verrätherische Röthe über ihr Antlitz. Die Mutter hatte es bemerkt und lächelte, sagte aber nichts——. Ter Abend verging rasch. Als die Gäste sich erhoben, gegen Mitternacht endlich von bannen zu gehen, um schien es Agnes, als kenne sie Florian Geyer schon seit langer Zeit. Ihr werdet noch Shr von hinnen reitet," eyer. „Ihr reitet nicht bittend. „Gewiß nicht," meinte Herr Florian einmal sprach bei uns vorsprechen, ehe der Rathsherr zu Florian ohne Abschied", sagte Agnes und zynischem Streberthum versallen tt'r—, das sind Th� fachen, die keinem Eingeweihten unbekannt sind, und W keinem EmgdweiHtcn gcleuqnet werden— außer von /•• i->»'/ � �—- t von uiiitm v�nkyvwttyu.'- sv-wianw mwn», solchen, die ein Interesse haben an der Erhaltung onst» Dann wandte er traurige» Zustande?. Die Ursachen sind leicht zu finden. Wenn irgend eine Slaatscinrichtnng ans der Höhe der Zeit und der W i s s e n s cli a s r stehen mnß, so ist es die Schule, in welcher die Staatsbürger der Zukunft, die Männer des Zuknnftsstaats erzogen, und für die Aufgaben der Zw kirnst vorbereitet werden sollen. Wir sagen absichtlich:®ie Aufgaben der Zukunft— nicht: der Gegenwart, denn darin gerade liegt das Wesen echter wissenschaftlicher En ziehnng, daß das Kind und der Jüngling nnt den Gesetzen vertraut gemacht wird, die den Knlturfortschritt der Mensch' heit bedingen, und in den staatlichen, gesellschaftlichen, wiffen- schaftlichen, künstlerischen, technischen— kurz in allen sozialpolitischen— Erscheinungen der Gegenwart nur Durchgangsphasen zu Höherem erkennt. Ohne diese Erkenntniß steht der heranwachsende Mensch jeder Neuerung, jedem Knlturfortschritt blöde gegenüber und widersetzt sich, so weit es in seiner Macht liegt. Er wird selbst unglücklich und hindert seine Mitmenschen, glücklich zu werden. Von diesem Ideal: Bürger des Zukunftsstaats— dag viel mißbrauchte Wort einmal in vernünftigem Sinne gt' nommen— zu erziehen, ist die Schule in Deutschland nun allerdings längst und weit zurückgekommen— P hat es überhaupt nur in seltenen Zwischenräumen ver- folgt, z. B. in der Aera D i e st e r w e g, die im Sumpf der Temagogeu-Hatz endigte. Die Aufgabe der Schule wurde von den Gewalthabern darin gesucht, dem werdenden Geiß des Kindes die Einrichtungen der Gegenwart als vollendet, ewig und unabänderlich hinzustellen, die Kritik zu ertövten, und blindergebene Anhänger und Beamte der gegenwärtigen, d. h. augenblicklich am Ruder befindlichen Regierimg zu en ziehen. Die Schule wurde zu emem Mittel der Herrschaft gemacht und in die Dienste der herrschenden Parteien gepreßt. So ist es in Deutschland seit dem Siege der preußisches und österreichischen Reaktion im Herbste des„tollen Jahres" 1848. ,, Soll jetzt hier der Hebel angesetzt, soll dieser Berkeh' rung des Schulzwecks ein Ende gemacht, die Schule wahren, idealen Ziel zugeführt werden? Mit Nichten. Es scheint eher auf das G e g e n t h e abgesehen zu sein, nämlich darauf, die Schule noch Nf höherem Maße und methodischer, als dies bisher der Fan war, in die Dienste der herrschenden Parteien zu stellen. Der wild wogende Streit der„Lateiner" und„Deutschen' dreht sich um reinen Formenkram. Ob zur Verdummung und Dressur des Geistes ein paar Stunden mehr oder wenige- m allen(sprachen mtt gleichem csrsoig veireioen. � worauf es ankommt, ist: den Zweck der Schule nicht in dck Erziehung von Unterthanen und Beamten zu erblicken, sonder» in der Erziehung freier, gesunder, ge: st e»' kräftiger, auf das Gute, Schöne und Wa h gerichteter Mensche n. Und eine Schulreform, � diesem Ziele nicht zustrebt, hat für uns keinen Werth. Der Schluß der Rede, welche der Kaiser in der Sch»� konferenz gehalten hat, wird von dem„Neichsanzeiger" getheilt. Ziemlich allgemeine Billigung wird stnden, P0 über die Unterrichts- Ueberbürdung, die Zunahme P BPlIBÄä«* Anlaß geben, wenn, gewissermaßen als Grund für ei»' Reform der Schulhygiene, geäußert wird: UU I. Ich M'4'G,Ib�e«r% gnstige Führer und B e a m t e bei» laben, die auch als Baterlande dienen." „Eine kräftige Generation" brauchen wir allerdings doch das soll eine kräftige Arbeiter- Generation sein � eine Generation kräftiger Arbeiter— wissenschaftlic und künstlerischer so gut wie industrieller—, die das' meinwesen bereichern, das Gemeinwohl fördern—;® Soldaten haben wir nur zu viele, und die MenW sind wahrhaftig zu Besserem da, als die schönsten 9% ibres Lebens in der Kaserne»u verbringen und gelegentinv für „sie hat ja ihr-" sich zu dem Rathsherrn:„Wenn Ihr Euer Töchterlein si'l und lustig schalten und walten sehet, dann denket Ihr auch, sie sei für Haus und Welt geschaffen und nicht das öde Einerlei klösterlichen Lebens." „Wie Ihr meint," sagte Badell, Willen!". Die Gäste gingen und Florian Geyer fiihlte, wie ÄgP- beim Handschlag seine Hand sanft drückte. Es bnich11' thn; dieses Mädchens jngendschönes Bild blieb in stj», Seele haften. Nachdenklich schritt er an Grumbach's Se> dahin. Der Rathsherr aber, der in guter Stimmung"P! denn der gute alte Wein hatte ihm auch das Herz mildem Feuer erwärmt, sprach pfiffig lächelnd zu Frau P Tochter: „Heut Abend habt ihrs mit List über mich gewon»-' Jüngserlein, Du hattest Dir einen guten Beistand»UP bracht. Aber morgen früh reden wir von Deinen Sfck Agnes küßte ihn lachend. Sie hatte nun keine F11� mehr. Unterm Lindenbaum., if;j, Beim Hause derer von Badell befand sich ein p-* Gärtlein, von hoben Mauern eingefaßt, so daß kein" gieriger Blick ans den Nachbarhäusern hinein dringen foOL. wenn man sich drinnen erging. Es war ein lauschig TQ cheu hier, wie weltfern und weit vom Lärm und der Menschen, denn die hohe Mauer ließ den des Straßenlärms nur spärlich ein. Der Garten� immer wohl gepflegt; hier waltete die fleißige v der treuen Lisveth, die wohl wußte, wK4 A Schatz solch' ein wohlgehegt und wohlgepflegt Gärtt-P�,, Zur Zeit trugen die Beete noch nicht den bunten teppich, allein die Rasenflächen waren schon grün und � TT //"'■'' V*V*| V»V|*v*v�v«»•vv»»v..", l J. y Morgenwind rauschten die Zweige der mächtigen Linv�c sich mitten ans dem Gärtlein erhob. Es war ein u)W Iv-v', w �».. f...' �». J Xl-AlT' war gehaust, ein hatte» Baum und alle Geschlechter, die' hier lieb gewonnen.«m", Auch Agnes hatte unter den rauschenden und%%% den Wipfeln der Linde in den Tagen der Kindheit 9 U den Traum der Jugend geträumt.(Fortsetzung P» /— in Masseuschlächtereien Klblasen. einander daS Lebenslicht aus- Leider braucht der gegemvMige Klassenftaat Soldaten luit) Massenschlächtcreien. Allein deshalb ist es auch eine Lebensfrage der modernen Kultur, daß wir den Klassenstaat uns vom Hals schaffen— je früher desto besser.— Ueber eine Stelle der Rede des Kaisers bemerkt'die »Vossische Zeitung": „Heute soll nur der Worte gedacht werden, die der Kaiser in Bezug auf die Presse ausgesprochen hat.„.... Die sammtlichen sogenannten Hungerkandidaten", so sprach der Kaiser bei dein Beginne der Verhandlungen über die Schul- frage,„namentlich die Herren Journalisten, das sind vielfach verkommene Gymnasiasten, das ist eine Gefahr für uns." Der Kaiser hat sich, wie aus seiner Rede ersichtlich sit, trotz seiner noch jungen Jahre einen reichen Schatz von� Erfahrungen gesammelt. Ueber die Verhältnisse der Presse ist ihm aber offenbar ein falsches Bild gegeben worden. Wir wollen gar nicht von den ersten Redakteuren reden; es giebt einfache Berichterstatter in Berlin, welche Ein- nahmen haben, von denen der preußische Staat ein paar geheime vortragende Räthe besolden könnte, und ein bekannter und wiederholt genannter Offiziosus dürste sich einer Ein- uahme erfreuen, die einem Ministergehalte gleichkommt. Und wie steht es denn in Wahrheit mit der Veftthigung des deutschen Journalismus? Nirgend ist es schwieriger, ohne gediegene Bildung und hervorragende Leistungssähigkeit eine Stellung zu behaupten als in der Presse, und als Lothar Bucher, Hermann Wagener, Wehrenpfennig, Otto Michaelis und ändere ihren ivurnalistischen Beruf mit dem Geheimen Rath vertauschten, da haben sie sicher empfunden, daß der freie Beruf des Journalisten unvergleichlich viel höhere An- forderungen an Wissen und Leistungsfähigkeit stellt, als das bequeme Amt, in dem oft die Mittelmäßigkeit von Rangstufe Zu Rangstufe aufsteigt und zu Ehren und Würden gelangt, und so manches Mal werden sie der Worte deS Schwedenkanzlers gedacht haben:„Du weißt nicht, mein Sohn, mit wie wenig Weisheit die Welt regiert wird." Scheidet heute ein ge- heimer vortragender Rath aus, so sind morgen ein Dutzend da, die ihn ersetzen. Wird aber die Stelle eines Redakteurs fwes großen Blattes frei, so ist es gewaltig schwer, einen Ersatzmann zu'finden, der die Anforderungen erfüllt, die heut- zutage an die Leistungsfähigkeit und an die Vielseitigkeit des Wissens eines journalistischen Redakteurs gestellt werden müssen. Freilich drängen sich auch an die Journalistik, wie an jeden freien Beruf Hungerleider und Halbgebildete heran, in ujrer Gesammtheit enthält sie aber eine solche Fülle geistiger Kraft, daß sie in ihrer großen Mehrheit das Urtheil nicht ver- dient, welches der Kaiser über sie gefällt hat." Wir haben uns über die betreffenden Aeußerungen nicht kswundert. Sie entsprechen ganz den Anschauungen, me_ von jeher in den oberen Gesellschaftskreisen Deutschlands verbreitet waren und namentlich unter dem Bismarck'schen Regiment systematisch gehegt und gepflegt würden. Der Cxkanzler hatte allerdings Recht, als dd sagte: „Anständige Leute schreiben nicht für mich." Aber Bismarck war nicht die Welt und er war nicht Deutschland, und nach der verkommenen Bismarck'schen Presse, überhaupt nach der Presse, welche den Gewalthabern dient Und Charakterlosigkeit heischt, darf man d i e Presse nicht beurtheilen, welche unabhängig die Interessen des Volks Und des Staates vertritt, und sich weder vor Verfolgungen Usch vor dem Mißfallen der Mächtigen fürchtet. .. Wir sind wahrlich keine Bewunderer der Preffe, so wie i,e heute ist, und unter den obwaltenden Zustänven nicht anders sein kann, das aber müssen wir sagen: hatten wir me Presse nicht, so wären die Zustände noch viel schlimmer, Und die.Summe von Intelligenz und Tüchtigkeit, wie wir stibst in der heutigen Preffe sie finden, hält siegreich den �»gleich aus mit der Summe von Intelligenz und Tüchtigkeit in allen Beamtenklassen.— Das Wesen und der Zweck unserer SchichzoU-politik wird grell beleuchtet durch den letzten Jahresbericht des "Härder Bergwerks- und Hüttenvereins". In der am fF- d. Mts. zu Köln stattgöfustdSnen Generalversammlung meser Aktiengesellschaft konstatirte der Vorsitzende Herr van Zypen im Namen des Verwaltungsrathes, bei dem ge- nannten Unternehmen habe im letzten Geschäftsjahre die Fabrikation von Schienen und Schwellen für das Inland �Nen Ueberschuß von 600 000 M., die für das Aus- �a n d aber einen Verlust von 360 000 M. ergeben. jfüfe Ziffern beweisen, wie die„Demokratische Korrespon- ausführt, erstens, daß die zollgeschützte deutsche schienen- und Schwellcnindustrie, beziehungsweise die Härder Werke, thatsächlich im Auslande nicht konkurrenz- Mg sind, daß sie ferner, um ihren Produktionsüberschuß Mtzen zu können, mit Verlust in's Ausland arbeiten, um aber diesen zu decken, einen um so höheren Preis im Inland «Miigen müssen. Die Härder Werke haben per Saldo *40 000 M. prositirt, ihre deutschen Konsumenten aber haben y.nen einen Profit von 600 000 M. bezahlen müssen. Wer Kt von den restlichen 360 000 M. den Nutzen gezogen.? -Mcn Theil das Ausland, welchem die Härder Werke die schienen und Schwellen, trotz großer Frachtkosten noch Uliger abgegeben haben, als die ausländischen Werke selbst est vermochten, und den anderen Theil der zollgeschützten Hände lange Kette, durch welche das Rohmaterial gegangen bis es seine letzte Form, die der Schiene oder Schwelle, �genommen hat. Wir heben den klassischen Fall der Horder Werke hervor, weil sich in der Bilanz dieses privat- „Z'chlchaftlichen Einzelunteruehmens so klar das Defizit cOMr ganzen Volkswirthschaft wicderspiegelt. Aber der fVail ber Härder steht durchaus nicht vereinzelt da. Wie- .-Mde arbeitet, so arbeitet auch Bochum, und wie Bochum, Jumpp, und wie Krupp so auch die Anderen. Krupp lirf." Erlangt für die Tonne Stahlschienen von der könig � ki- �lenbahndirektion Frankfurt a. M. 144 M., während ätarhf rumänischen Bahnen trotz der ganz bedeutenden Preia V sranko Galatz, um einen erheblich geringeren der � i-11 W. 60 Pf., anbietet. Das ist das Ergebniß dqZ svMvnalen Wirthschaftspolitik"— national, indem sie dies-!?"?.,.drr deutschen Konsumenten dem Ausland schenkt, Vedi» völlige Bahnen und somit auch erleichterte Konkurrenz- §otbp?U�en schafft; wirthschaftlich, indem sie, um den a4ü Oha®?rfeit, die hier nur ein Beispiel für viele sind, diqr M- Profit zu verschaffen, thatsächlich zweieinhalb- «(mJ. viel, nämlich 600 000 M., den deutschen Konsumenten die ML Die Schutzzoll-Politik hat versprochen, uns gegen �bat �spoverung" durch das Ausland zu schützen. In der Ausland hat es nicht mehr nöthig, sich mit der »»s.�vverung" Deutschlands viel Mühe zu machen, da stützt"genen nationalen Fabrikanten schon selbst, unter- »ov»°>i der Weisheit unserer Staatsmänner, die Ans- ung her deutschen Konsumenten zu Gunsten des Aus- landcs in vollendeter Weise besorgen.- Man hat uns anno 1879 mich die Erstarknng unserer Industrien verheißen. Im Konkurrenzkampf, ans dem Weltmarkt müßte sich diese Stärke erprobest. Aber da zeigt es sich gerade, daß unsere zoll- geschützten Industrien ebenso konkurrenzfähig sind, als das Hans Baring etwa, welches jetzt seine Wechsel mit fremdem Gelde bezahlt, solvent ist.— Ganz ähnliche Resultate hat der S ch u tz z o l l in der Z u ck e r i n d u st r i e hervorgebracht. Die Engländer haben den deutschen Zucker weit billiger als die deut- s ch e n Konsumenten, die den Zucker theurer bezahlen müssen, damit die Herren Rübenbauer und Zuckerfabrikanten sich bereichern können— ans Kostender deutschen Konsumenten und Steuerzahler. Bereicherung einiger Wenigen, Verarmung der Massen, Züchtung von Millionären auf der einen und von Proletariern auf der andern Seite— das ist der„Segen" der famosen Wirth- schaftspolitik,die Fürst Bismarck, alsOberbaupt des industriellen und agrarischen Kapitalismus dem deutschen Volk auf- gezwungen hat und von der wir uns befreien müssen, wenn Deutschland nicht wirthschaftlich zu Grunde gehen soll.— In dem Hauptorgan der sächsische» Agrarier, Schutz- zöllner und Sozial-Reaktionäre, der„Leipziger Zeitung", lesen wir: „Herr Sonuemann in Frankfurt läßt sich 7 Spalten seines Eeuilletons wieder einmal über sein Lieblingsthema„die ungerlöhne im Erzgebirge" schreiben. Zur Kennzeichnung der beliebten Manier, soweit sie noch nicht bekannt sein sollte, diene der Schluß des Artikels, welcher lautet:„Einst hoch- begabt und der Kern der sächsischen Arbeiter, sind die erz- gevirgischen Hausindustriellen durch die ständigen Sorgen und Entbehrungen geistig stumpf und zu Menschen mit oft geradezu kindisch beschränktem Gesichtskreis geworden. Derart ist diese ' Bevölkerimg entnervt, daß Viele wie traumumfangen sich von einem Jahr ins andere hungern und diesen trostlosen Zustand für den natürlichen, ihnen von einem unabänderlichen Schicksal ' nust einmal auferlegten halten. Ergreifender als das große Elend in manchen erzgebirgischcn Orten ist der stumpfe Fatalismus, mit dem es getragen wird, ist die Lähmung jedes männlichen Strebemuthes. Diese Handwcber und Handwirker sind an Geist und Thatkraft oft so tief herabgekommen, daß sie nicht einmal den Gedanken zu fassen vermögen, einen weniger kargen Erwerb zu suchen, wo es möglich ist. Das Schicksal dieser Arbeiter- klaffe ist besiegelt."— Diese Erzgebirger sind so„stumpf", daß sie immer noch nicht einsehen, nur der Chef der jüdischen Börsendemokratie, Hr. Sonnemann in Frankfurt, und sein sächsi- scher Berichterstatter könne sie retten." Will die„Leipziger Zeitung" etwa die„Hnngerlöhne" im Erzgebirge ableugnen V Sie hat seiner Zeit viel zu er- zählen gewußt von den„Hungerlöhnen" im„jüdischen" Ge- schüft des Herrn Singer— will die„Leipziger Zeitung" etwa ableugnen, daß die Weber und Wirker des Erzgebirges glücklich sein könnten, wenn sie solche„jüdische" Hungerlöhne bezögen, die ihre christlich- germanischen um ein D r i t t e l bis die Hälfte übertreffen? Statt der Wahrheit die Ehre zu geben, die furchtbare Nothlage einzugestehen, schimpft das saubere Blatt auf die „jüdische Börsendemokratie"— das ist charakteristisch für diese Sippe und ihr„praktisches Christenthum".— Es laufen Gerüchte um, daß die preußische Kron- dotatio» nicht ausreiche— eS sind zwar Dementis erfolgt, aber die Gerüchte erhalten sich so hartnäckig, daß wir es für unsere Pflicht halten, sie zu erwähnen. Die öffentliche Meinung muß auf derartige Dinge-vorbereitet werden.— Unsere gestrige, der„Magdeburger Zeitung" entnommenen Mittheilung, betreffend die Haltung des Kerttner Magistrats in Sachen der Kornzölle und Vieheinfuhr-Verbote, hat sich als unrichtig erwiesen. Die falsche Nachricht, durch welche auch wir zu unserem Bedauern irre geführt wurden, findet sich beiläufig noch in zahlreichen anderen Blättern, die sämmtlich dem Berliner Magistrat näher stehen, als wir.— Es liegen bereits folgende vorläufige Ergebnisse der Uolkszählung vom 1. Dezember er. vor: Berlin 1 674 585 (1885 1 315 287, also 19,7 pCt. Zunahme), Dresden 276 085 (1885 246 086, also 12,2 pCt. Zunahme), Magdeburg 200 071(1885 169 520, also 25,4 pCt. Zunahme), Altona 144 636(1885 123 352, also 17,3 pCt. Zunahme), Stettin 116 000(1885 99 543, also 16,5 pCt. Zunahme), Wandsbeck 20 466(1885 17 760, also 15,2 pCt. Zunahme), Speyer 17 720(1885 16 238, also 9,1 pCt. Zunahme) und München 340 000(1885 261 981, also 29,8 pCt. Zunahme). Die Zunahme war also verhältnißmäßig am bedeutendsten in München und Magdeburg und demnächst in Berlin. Helgo- land zählt 2086 Einwohner, darunter 953 männlichen und 1133 weiblichen Geschlechts. Die letzte Volkszählung, welche hier 1880 stattgefunden hatte, hatte 2001 Einwohner ergeben, so daß die Zunahme in den 10 letzten Jahren 85 Personelt betragen hat. In Frauüreich ist wieder einmal M i n i st e r k r i s e gewesen,— vorläufig steht das Kabinet jedoch wieder„fest" — bis zur nächsten Krise. Der Anlaß der letzten Krise, wie derf frühere und der noch zp erwartenden, ist ganz gleich- e, Die Ursache liegt in der Zersetzung der bürger- Parteien, die in Frankreich um so rascher vor sich geht, als ihnen dort noch deine starke sozialistische Partei gegenübersteht, welche die feistdlicheü Ordnungsbrüder um die gemeinsamen Geldsacks-Jnteresscu schaart und zu ein- heitlichcm Handeln zwingt. Jetzt können die verschiedenen bürgerlichen Parteien sich in dem Kauipf um die Staats- beute noch den Luxus von Familieustreitigkeiten göimen. Und wir wünschen nur, daß sie diesem Zeitvertreib mit Lust und Liebe obliegen mögen— jeder Hieb trifft einen Gegner.— Der französische Kriegsminister soll, einem Brüsseler Telegramm zufolge, die bei den französischen Festnugsbauten beschäftigten belgischen Arbeiter„aus Furcht vor Spionage" entlassen haben. Das klingt sehr umvahrscheinlich. Sind wirklich belgische Arbeiter als solche entlassen worden, dann dürfte der Grund wohl in dem Umstände zu suchen sein, daß mau französischen Arbeitern, deren jetzt Hunderttausende beschäftigungslos sind, den Vorzug geben zu müssen glaubte.— Die aktive Dienstzeit auf der französischen Flotte ist von 50 auf 25 Monate herabgesetzt worden.— Der parneU-Ziliandal ist noch immer nicht aus dör Welt geschafft. Die Schwierigkeit liegt jetzt darin, di» irische Partei und die englischen Liberalen wieder zusammen zu bringen. Da Parnell sich mit Händen und Füßen gegen die Absägung sträubt und da Gladstone hartköpfig ist, so hat die Sache ihre Schwierigkeiten. Irgend ein Modus wird jedoch gefunden und her Riß verkleistert werden. Allein au der Thatsache, daß der irische sowohl als der englische Liberalismus einen schivcren, vielleicht tödtlichen Schlag empfangen hat, läßt sich nichts ändern. Im Kanton Tefsin ist nun Alles wieder hübsch einge- renkt. Die Regierungsmaschine fnnktionirt wieder. Sollte indeß das P r o p o r t i o n a l- W a h l s y st e m, welches auch der Minderheit die ihr zahlenmäßig gebührende Vertretung giebt, nicht eingeführt werden, so dürfte die Ruhe nicht länger dauern, als bis zur nächsten Wahl. Aus Italien kommt die Nachricht, daß unser Genosse Costa, der zu mehrjähriger Gefängnißstrafe verurtheilte Abgeordnete, von der Regierung amuestirt worden ist. Costa, der sich in die Schweiz geflüchtet hatte, und der bei den Wahlen in drei Wahlkreisen gewählt wurde, ist in seine Heimath zurückgekehrt. In Jmola, dem Wahlkreis, dessen Mandat er angenommen hat, ist er von seinen Genossen mit festlichem Jubel empfangen worden, wie eine Depesche uns meldet. Die polnische» Flüchtlinge in Paris haben gegen die Nachricht protestirt, daß die„sozialrevolutiouäre Partei der Polen" mit der Ermordung des russischen Spitzel- general» Siltzerstoff etwas zu thun gehabt habe. Unseres Wissens ist dies auch nie behauptet worden. Die allgemeine Annahme war, daß ein Akt nihilistischer Nemesis vorliege. Und dies wird auch durch einen Brief bestätigt, den P a d l c w s k i an ein französisches Blatt gerichtet hat, und in welchem er rückhaltlos erklärt, den russischen Spitzel- general wegen der politischen Thätigkeit desselben getödtet zu haben.— Die russische Pegirrnng hat ein probates Mittel gegen die Auswanderung entdeckt. Neu ist's nicht, im Gegen- theil sehr alt— das alte Allheilmittel des Despotis- mus: Gewalt. Die Knutenmüden werden an der her- metisch verschlossenen Grenze von Gendarmen und Kosacken aufgegriffen und wieder nach Hause geschafft. Werden sie ein zweites MalZerwischt, dann heißt's:„Marsch nach Sibi- riett!" Das ist einfach und deutlich. Der Bien muß— zufrieden sein. Wie lange das Mittel aber vorhält?— ** * Neueste Uuchrichtc». In München wurde der Re- dakteur unseres Parteiorgans:„Münchener Post", Genosse Schwab, heute wegen Zeugnißverweigerung verhaftet.— Einem Telegramm aus Köln zufolge sind die Direk- toren der königl. Universitäts- Kliniken in einem an die- selben gerichteten Rundschreiben des Kultusministers auf- gefordert worden, bis zum 1. Januar 1891 eine Statistik der Behandlungen mit dem Koch'schen Mittel und deren Er- folge einzureichen; das Resultat soll den medizinischen Jahr- büchern einverleibt werden. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, daß in Frankfurt, Innsbruck und Paris Fälle vorgekommen sind, in denen das Koch'sche Mittel ungünstig, zum Theil tödtlich gewirkt hat. Es ist also große Vorsicht bei dem Gebrauch und eine außer- ordentlich scharfe Kontrole der Zubereitung nöthig. Die sozialdemokratische Fraktion des Reichstages hat sich in ihrer gestrigen Sitzung neu konstituirt und die Abgg- Bebel, Meister und Singer zum Fraktions- vorstand bestimmt. Die Genannten werden in dieser Stellung wesentlich die parlamentarische Thätigkeit der Fraktion zu fördern haben, da die Leitung der außerparlamentarischen Parteigeschäste aus den in Halle gewählten Parteivorstand übergegangen ist. Es ist erwünscht, daß alle die parlamentarische Thätigkeit der Fraktion betreffenden Briefe, Nachrichten ec- von jetzt ab an eins der oben genannten Mitglieder des Fraktions- Vorstandes gerichtet werden, namentlich wolle man sich wegen Uebernahme von Vorträgen seitens der Abgeordneten stets an den Frakti onsvorstand wenden, der bemüht sein wird, nach Möglichkeit alle Wünsche zu befriedigen. Lübeck. Dem treuen Genossen, dessen Tod wir in unserer vorgestrigen Nummer meldeten, widmet die Schweizerische „Arbeiterstimmc"(in Zürich erscheinend), folgenden Nachruf: „Er hat der Sache der Sozialdemokratie und des arbeitenden Volkes, er hat der Freiheit, Wahrheit und dem Rechte große, unerschütterlich treue Dienste geleistet, zuerst in Deutschland, dann seit Jahrzehnten hier. Sein Glaube an den endlichen Sieg des Sozialismus war so groß, daß er sein eigenes schweres Leid darüber vergaß und sich über den kleinsten Erfolg wie ein Kind freute. Er hat mit dem herben Schicksal gerungen, wie ein Manu und seine Tücken erduldet, ohne zu murren. An sich dachte er meist gar nicht, oder dann sicher zuletzt. Er war einer von jenen Narren, die Bermayer so herrlich geschildert. Nun hat er ausgelitten und ihm ist wohl; er kann schlafen, schlafen. An seiner Bahre trauert eine zahlreiche, unversorgte Familie. Ein müder Kämpfer siel; die Fahne aber weht hoch. Senken wir sie einen Augenblick über dem Grabe eines treuen Kämpfers und guten Menschen.— Ehre seinem Andenken." Genosse Karl Schulze in Erfurt, der im Juli vom Landgericht Erfurt wegen Beschimpfung der christlichen Kirche zu mehreren Monaten Gefängniß verurtheilt wurde, ist vom Reichsgericht freigesprochen worden.— VviefliÄPkvn dev Nederktion. Bei Anfragen bitten»vir die Abonnements- Quittung beizufügen. Brieflich Antwort wird nicht ertheilt. Köln-Ghr«»ferde. Auftreten der vorzüg- lichsten Künstlerinnen und Künstler sowie komische Entrees u. Intermezzos von sämmtlichen Clowns. Morgen Montag: Abends 7V2 Uhr: Deutsche Turner". E. Renz, Direktor. Circus G. Schumann. Friedrich-Karl-Ufer. Sonntag, den 7. Dezember: W srche Sitfefap. Nachmittags 4 Uhr u. Abends 7 Ve Uhr: Nachmittags 1 Kind frei. Beide Vorstellungen sind mit verschiede- nem glänzenden Programm ausgestattet. Auftreten sämmtlicher Spezialitäten, Künstler sowie Künstlerinnen. Reiten und Vorführen der bestdressirten Schul- und Freiheitspferde. Komische Entrees sämmtlicher Klowns. Zum Schluß der Nachmittags-Vorstellung: Eine unruhige Villa oder: Der betrogeue Kaufma««. Komische Szene dargestellt vom ganzen Personal. Zum Schluß der Abend-Vorstellung: Zum 2. Male: Wunderbar überraschend-komischesLand- und Wasser-Schauspiel: Eine lNbliche Kchzeit. Große komische, equestrische Pantomime mit Ballet, arrangirt vom Direktor G. Schumann. Natürliches Wasser. Natürliche Ruder- boote und Dampfschiffe. Morgen: Große Vorstellung. Zum 3. Male: Eine ländliche Hochzeit. I Nen- City-Passage. Neu Oresdener-Strasse 52. 1815 Täglich; Rudolf Förster-Konzert. Anfang 7V2 Uhr. Entröe 20 Pf 1 F. Pietsch, EinmeuerLehrkurslls f. Damen u.Herren beg. Sonntag, 7. Dezor, N»' Tanz-Institut, Oresdenerstr. 10. Meld. Adalbertstr. 93 und des Unterrichts. m. 4 Uhr. ei Beginn 990 Auf der neuesten Kegelbahn der Welt großes Bilderausschieben(Marx, Lassalle u. s.w.) wozu ergebenst einladet[1985 Ernst Magnan, Krautstr. 18. H. Stramm's Restaurant, 183. Ritterstraßr 133. Großes Fremdenlogis, Herberge und Arbeits- Nachweis der Vereine der Klempner, Glaser und Korbmacher. Reichhaltiger Früh stock-, Wittag- »ad Abendtisch ä la carte zu soliden Preisen. 51 Ausschank von vorzüglich. Weissund Bairisch-Bier. Empfehle mein Lokal zum Arbeit»- nachwei» und fiir Zahlstellen. Zimmer mit Pianino für Vereine. 7101 Arthur Ziemer, Cuvryftr. 16 Allen Freunden u. Genossen empfehle mein l Saal zu Versammlungen und 2 Vereinszimmer stehen zur Verfügung. Hermann Wutike, Friedrichsbergerstr. 24 pt. 1528. Empfehle allen Freunden und Be- kannten mein Weiss- und Bairisch-Bier-Lokal, verbunden mit Frühstücks-, Kittags- und Abendtisch. Auch ist ein Vereins- zimmer zu vergeben. 1663 Fr. Fröhlich, Uaunyustraße 43. Empfehle mein Lokal zum Arbeitsnachweis und für Zahlstellen. Zimmer für Vereine. 1076 Carl Ulrich, Wrangelftr. 84. City-Passage. City-Concert-Haus,"HME D r e s d e» e r st r. 52. Der 1000—1200 Personen fassende Saal ist Vereinen Nachmittags bis 5 Uhr und Sonntags Vormittags unentgeltlich zu vergeben. 1816 Freundliche Bedienung. Pfefferbe r g c r Bier. Allen Freunden und Gen. empfehle mein Restaurationslokal Schwedterstrasse 44, welches ich am 1. Dezember d. I. er- öffnet habe. 980 Otto Thierbach. Verlag des„Derliner Uolksdlatt" Berlin SW., Beuthstrasse 3. als zumeist im erleichtert ist, In unseren Verlag sind die nachstehenden Parteischriften übergegangen, die wir den Parteigenossen ügliche Agitationsschriften angelegentlichst empfehlen. Wir bemei" Ireise wesentlich ermäßigt worden erken dabei, daß dieselben find und dadurch deren ausgedehnteste Verbreitung UV Wir versenden an uns unbekannte Besteller nur gegen Nachnahme, weshalb es sich empfiehlt, den Bestellungen d.en Kostenbetrag beizufügen oder ihn per Postanweisung zu übersenden.'MlU Vollständige Verlagsverzeichnisse stehen in beliebiger Anzahl gratis und portofrei zur Verfügung. Kebel, Aug., Der deutsche Bauernkrieg, mit Berücksichtigung der hauvtsächlichsten sozialen Bewegungen des Mittelalters..... — Die parlamentarische Thätigkeit des deutschen Reichstags und der deutschen Landtage von 1874/76 und die Sozialdemokratie.... — Die Eutwickelung Frankreichs vom 16. bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts.... — Das Reichsgesundheitsamt und sein Pro- gramm vom sozialistischen Standpunkt be- leuchtet — Glossen zu Guyot's und Lacroix's„Wahre Gestalt des Christenthums". Nebst Anhang: Ueber die gegenwärtige und künftige Stellung der Frau............. — Rede zum Reichs-Militäretat vom 2. März — Rede zum Reichse'tat von 1880..... — Rede über das Unfallversicherungs-Gesetz vom 4. April 1881........... — U isere Ziele........... Strahle, Uttlh., Die Verzweiflung im liberalen Lager.............. — Der Lassalle'sche Vorschlag...... — Nieder mit den Sozialdemokraten.... Horckheim, S., Zur Erinnerung für die deut- schen Mordspatriolen, 1806—1807. Mit Einleitung von Fried r. Engels.... Chartisten- Bewegung, Die, in England. Mit Anlagen: a) Rede I. R. Stephens, ge- halten am 10. Febr. 1839 in Staleybridge. b) Beschlüsse der Chartisten-Konferenz vom April 1851............ Christenthum und Sozialismus. Eine religiöse Polemik.......... Deville, do. de MarasquinFl. 1 9J?.* L, Crambamduli pr. Fl. 1 M., 8 60: Knickebein pro Glas 20 Pf. Nordhänser mit Punsch pr. Lit. Lust mit Luft, pr. Liter 1 M. oet, Cognac fine Champagne ZU schiedenen Preisen in Originalfla!)�� Münch. Bier v. O. Berliner ä Gl. Übel, Spiegel' Polster� .H.Strelo«' afffchterine»! RixeSorff n Berliner-Straße 40(am Denkinu�. Mliiitillstrilmeilte. 1869] Allen Freunden und empfehle mein reichhaltiges LagsV.� Violinen, Flöten, Gwitar�, Zithern, Harmonikas, mein, Signalhörnern u.•' C. Eibich? Znstrumrntrnmncher, Koppen�/ Uerfallrne Winter- Paletots liden Preisen Rfandlcihc y jis. soliden berge nieg St Verantwortlicher Redakteur:(Gurt Saahc in Berlin. Druck und Verlag von Mar Sadiug in Berlin 8W„ Beuthstraße 2. Äier>u zwei Keilas # zum Nr. 286. Sonntag, den 7. Dezember 1890. 7. Jahrg. VArlsmenksrifihes. ... Zn der Wahlprüfungs- Kommission stand gestern an Vier Stelle die Wahl des konservativen Abgeordneten von �ertzen-Mecklenburg-Strelitz zur Berathung. Herr v. Oertzen wurde erst bei der Stichwahl, und auch da �ur mit geringer Mehrheit gewählt. Es standen 8673 gegen °460 Stimmen, welch' letztere auf den deutsch-freisinnigen Kan- vldaten Dr. Adler fielen. In dem gegen die Giltigkeit der Wahl oes v. Oertzen eingegangenen Protestes wird zunächst über eine jjimze Reihe vor. Bedrohungen der Wähler für den Fall, jto? Dr. Adler den Sieg davon trage, Beschwerde geführt; Be- °rohungen, welche in den meiste» Fallen darin bestanden, daß den «ahlern die Entziehung von Krankenunterstützung, freie Arznei und der Erlaubniß des Holzsammelns in Aussicht gestellt wurde. «e Dorfschulzen gaben außerdem mittelst Laufzettels den Orts- «mgescssenen kund, daß„Serenissimus es höchst ungnädig auf- nehmen würde, wenn v. Oertzen einen Durchfall erlebe. Neben diesen ungemeinen Beschwerden rügt der Protest vor allem, daß, gestützt auf J;!nJ großherzogliche Verfügung aus dem Jahre 1855, welche neben «nderem für besonders kirchliche Feiertage im Jahre„geräusch- u?ue Zusammenkünfte" verbietet, den Liberalen die von ihnen iur die auf den Vorabend des Bet- und Bußtages, sowie an Sonntagen anberaumten Versammlungen verboten wurden. Diese �"lschränkung der Agitationsfreiheit wurde nach der Behauptung Us» Protestes der konservativen Partei gegenüber nicht geübt, denn U'ife soll an den betreffenden Tagen Versammlungen abgehalten Wem Um diesen Punkt drehten sich hauptsächlich die Verhandlungen m der Kommission. Während von der einen Seite bestritten !?urde, daß die Verordnung aus dem Jahre 1355 gegenüber der «aren Bestimmung des§ 17 des Reichs- Wahlgesetzes Giltigkeit beanspruchen könne, wurde diese Giltigkeit von der anderen Seite UE selbstverständlich angenommen. Bei der Abstimmung standen CT gegen fünf Stimmen, so daß der'Antrag des Referenten, Usesen Beschwerdepunkt für erheblich zu erklären, mit ?>'mmcngleichheit abgelehnt wurde. Gegen die Erheblichkeit CT'» teil die drei konservativen und die zwei nationalliberalen Mitglieder der Kommission, dafür die Freisinnigen, der Sozial- ''emokrat und das einzige von den Zentrums-Abgcordneten an- äffende Mitglied der Kommission, Gröber. . Das Plenum wird diesem Beschluß schwerlich beitreten. Von CT übrigen Veschwerdcpunkten wurde eine ganze Reihe für er- Üblich erachtet und deshalb beschlossen, die Entscheidung über °>« Giltigkeit der Wahl auszusetzen bis zum Eingang der Er- '"'ffe der beschlossenen Erhebungen. � Die�nächste Sitzung der Immission findet am Dienstag, den 9. d.'M., statt; än erster % steht die Wahl des Abgeordneten Hänel(Kiel). VZxftQles. An die partrigrnoffen wenden sich einige Arbeiter, denen "'cht wehr möglich ist, in ihrem Berufe Arbeit zu finden, weil |'e sich den Haß der Arbeitgeber zugezogen haben, mit der Bitte, wen irgend welche Beschäftigung zuzuweisen. Wir ersnchen diejenigen Parteigenossen, welche in der Lage CT Gemaßregelten Arbeit verschaffen oder nachweisen zu können, Adressen bei uns niederzulegen. Die Redaktion wird das 'itere veranlassen. � Herr prehrl, seines Zeichens Stadtverordneter und bürger- 91� icher Riemenfadrikant, liebt es, wenn die Leute von ihm reden. , b.chdem er sich um die Gesinnungstüchtigkeit verschiedener Post- so große Verdienste erworben hat, daß der General-Post- ein wit dem Plane umgeht, ihm, wie jedem gedienten Postillon .-CT Ehrenpeitsche zu verleihen, läßt ihn dieser Triumph doch noch k-,? schlafen— er muß sich ein größeres Feld für seine Thätig- i.' und seine Fähigkeilen suchen: ein gewöhnliches Postamt ist «J'hn viel zu klein. Das„Deutsche Lied" ist es, dem Herr % jetzt auf die Strümpfe Helsen will. .... CT» verschiedenen Seiten wird uns nämlich ein Zirkular zu- CTstt, welches so schön ist, daß wir es unseren Lesern nicht vor- ,'hallen wollen. Hoffentlich bleibt es von dem Schicksal ver- CTCT..daß es nicht von Herrn Pretzel in Musik gesetzt wird. sla,. s,°ttn wir den riemenschneidenden Minnesänger selbst. Er " lolgendermaßen: Geehrter Herr! Die Berliner Männer-Gesangvereiue patriotischer Rich- tung entbehren der Vereinigung, welche eine kräftige Massenwirkung, Ausgleichung der bei den einzelnen Vereinen vorhandenen Schwächen und Befestigung in den ge- meinsamen Zielen ermöglicht. Vor allem gilt es für die Unterzeichneten die Ueberzeugung zum Ausdruck zu bringen, daß es höchste Zeit ist, die Kräfte, welche im deutschen Volksliede liegen, weiteren Massen wieder zugängig zu machen. Es erscheint dies um so nothwendiger und dringlicher, als ja vermöge einer durch reiche, Geldmittel bewirkten Organisation die in unser deutsches Aolk immer mehr durch geivissenlose Agitatoren hinein- getragene vaterlandslose Gesinnung ohne Glaube und Ideale in den zahlreichen Gesangvereinen sozialdemo- kratischer Richtung eine kräftige Stütze findet. Sind Sie, geehrter Herr, geneigt, mit Ihrem Verein bezw. einige» Mitgliedern desselben einem zu begründenden deutschen Sängerbunde beizutreten, so bitten wir Sie, am Mittwoch, den 10. Dez. d. I.. Abends 8 Uhr, im„Prälaten" am Bahnhof Aleranderplatz, Bogen Nr. 9, persönlich zu erscheinen oder Telegirte zu schicken. Hochachtungsvoll Dr. Heutig, F. Pretzel. Stadtv Am Friedrichshain la. Gr. Hamburgerstr. 32. 16 Stimme des Herr» Dr. Hentig kennen wir glücklicher rtt"'cht, aber Herr Pretzel hat' schon so oft. m der Stadt- h..�nete»-Versan>mlung gekräht, daß mau wirklich nach Noten gekriegt haben muß, wenn man an seinem Gesänge noch «d.. be erleben will. Sollten Lerrn Pretzels Iiiiiiikalische % CT9l'e"CT' fof, denen di�staünen�MitwAt' bisher allerdings tCTCTne wußte, thatsächlich durch die Signalhörner der bis schöne Lied einzuüben: ....Lott' is doot!" b°"'fdien'n''5 HreiabWtt"; einem der hervorragendsten s! 8nne Welt, wird von einer"-"ibratbs manne CTii'.CT'keruug gegen die Sozialdemokratie am)~- ."jUl k ber�Welt, wird' vön"ei»em Landraths.nnnne vemokratie im„Teltower Kreisblatt" abzuschlachten. Von den Verhandlungen des Parteitages selbst entwirft der landräthliche Schreiber folgendes Bild: Ein sozialdemokratischer Parteitag hat in Potsdam am Sonntag stattgefunden unter dein Vorsitz des Herrn Ewald. Es wurde über die Agitation auf dem platten Lsinde ver- handelt; man müsse eingesessene Agitatoren gewinnen, ins- besondere Bauhandwerker, Zigarrenarbeiter. Nur müsse man sich hüten, die Bauern mit der Forderung des Aus- tritts aus der Landeskirche vor den Kopf zu stoßen. Man könne sogar mit der christlichen Lehre Propaganda für den Sozialismus machen, wenn man z. B. den Leuten die Apostelgeschichte, wo der Kommunismus verherrlicht werde, vor Äugen führe.— Ein anderer Redner warnte dagegen vor einer Verschleierung deS Programms. Es wurde hierauf ein Komitee von drei Personen zur weiteren Organisation niedergesetzt, insbesondere wird die Herausgabe von zweckentsprechenden Broschüren für die Landbevölkerung empfohlen, ferner die Gründung von Arbeiter- BildungSvereinen, Gewerkvereinen und Lese- vereinen. Dieser Parteitag hat sich also das Ziel gesetzt, die jetzt im Besitz der Konservativen(6) und der Freisinnigen(8) im Regierungsbezirk Potsdam befindlichen 9 Kreise,'„von denen man", ivie das sozialdemokratische„Berliner Volks- blatt" sich ausdrückte,„infolge ihrer Lage im Herzen des Deutschen Reiches annehmen könnte, daß dieselben zu den vorgeschrittensten gehören müßten," für die Sozialdemo- kratie zu gewinnen. Nur ein Wahlkreis, nämlich Nieder- Barnim(Abg. Stadthagen) ist nach sozialdemokratischer Ansicht mit der„Wissenschaft" fortgeschritten, er ist dje einzig nornial pulsirende Ader„im Herzen des Deutschen Reiches". Die bis jetzt stiefmütterlich behandelten Kinder sollen endlich der Segnungen der sozialdemokratischen Mutter theil- Haft werden, auch ihnen gönnt man einen Blick in das Paradies des„Zukunftsstaates". Unser Kreis Teltow ist am meisten in Gefahr, von der täglich mehr anwachsenden Umsturzpartei erobert zu werden. Ein Blick in die Wahlstatistik der diesjährigen Wahl lehrt dies. 82 000 sozialdemokratische Stimmen rufen uns ein gebieterisches:„Hütet Euch!" zu! Gelingt es diesen auch, die Arbeiterbevölkerung auf dem platten Lande in ihre Netze zu ziehen, so sind wir, der Kreis Teltow, im nächsten Reichstage sozialdemokratisch vertreten!— Das Unglück wäre allerdings entsetzlich! Aber in der zottigen Mannesbrust des Mordspatrioten findet sich noch ein Plätzchen, wo Heil und> Rettung aufgestapelt liegt, und er hält denn auch mit seinen Rathschlägen nicht zurück. Hören wir, wie er die Sozialdemokratie vernichtet: Jedenfalls machen die Vertreter dieser Richtung die größten Anstrengungen, um das zu erreichen. Es liegt nahe, daß zur Zeit des Sozialistengesetzes eine größere Anzahl ihrer Anhänger sich noch nicht so recht trauten, Farbe zu bekennen; sie werden sich jetzt aber schleunigst um die Alles verheißende rothe Fahne schaaren. Drum, mache die Augen auf, Kreis Teltow- Beeskow- Storkow- Eharlottenburg: Der Sozialdemokrat kommt! Rüste Dich! Gegen die drohende Gefahr— und wir wollen uns nicht verschweigen, daß es eine ernste Gefahr für wandel- bare Gemüther ist— müssen sich die Ordnungs- Parteien zusammenschließen. Alle sollen mit Hand anlegen! Jeder muß in seinem Wirkungskreise ihun, was er kann: zu belehren, Rathschläge zu ertheilen, zu zeigen, daß nicht blos die Sozialdemokraten ein Herz für die Arbeiter haben. Wir alle arbeiten und wir alle wünschen uns und allen, die da arbeiten, ein auskömmliches Brot! DenKampf umsDasein führen wir zunächst für uns s e l b st, ujn d dann aber, wenn wir unsere Pflicht auf Erden thun wollen, auch für andere, die der Hilfe bedürfen, in- sofern diese nicht exorbitante Ansprüche stellen.— In unserem Kreise ist es besonders, da die übrigen Parteien gar keine Aussicht auf Erfolg haben, die Pflicht der Konservativen, nun rührig zu sein. Sie müssen Organisation gegen Organisation schaffen. Einigkeit macht stark! Auf die Organisation im Kreise muß Agitation folgen, und dann folgt die Organisation im Regierungs- bezirk. Ist eine feste, unerschütterliche Mauer errick.tet gegen die Umtriebe der Umstürzler, dann mögen diese ihre Stürme dagegen versuchen. Die Angriffe werden abprallen wie die Schwerter vom Schilde Rolands. Unsere Land- bevölkerung wird sich weder von den„Alten", noch von den„Jungen" Flausen vormachen lassen, sie wird sich das Vertrauen auf Gott nicht rauben lassen, sie wird Religion und Familie zu schützen wissen; sie wird sich auch das Vertrauen nicht rauben lassen auf die guten Absichten ihres Kaisers, dessen weitschauender Blick allen anderen Monarchen vorausgeeilt ist in Bestrebungen, die fein Volk glücklich und zufrieden machen sollen! Es wäre eine Vermesseuheit von uns, bestreiten zu wollen, daß die Konservativen den Kamps ums Dasein für sich selbst führen. Man könnte höchstens die Schutzzölle als Gegenbeweis dafür anführen. Was bei diesem Kämpf ums Dasein Hann noch für die, welche keine exorbitanten Ansprüche stellen, übrig bleibt, das kristallisirt sich in der Dreiuuddreißig ein Drittel Pfennig- reute!— Darum mache die Augen auf, Kreis Teltow-Beeskow-Storkow- Charlottenburg, die konservative, unerschütterliche Mauer wird dich schon so beschützen, daß schließlich keine Maus mehr ein Stück Brot findet. Das Kach'schr Hriiverfahrr». Die„Köln. Ztg." schreibt: lieber die ehrenräthliche Entscheidung in Sachen Dr. Lern) finden wir in der Berliner„Volks-Zeitung" folgende Mittheilung:„Der Ehrenrath des Aerztevereins der König adt hat»ach eingehender Prüfung des gesammten vorliegenden Materials das Verfahren deS Herrn Dr. William Levy(Prenzlauerstraße) als rein und makellos bezeichnet." Das Material, welches dem Ehrenrath vorgelegen hat, ist offenbar nach einer Seite hin sehr unvoll- ständig gewesen, wie wir dies schon gestern bemerkt haben. Es scheint aber, daß jeder Tag eine Ergänzung ans Licht bringen soll. Ans Herford erhalten wir heute nachstehendes Schreiben: „Soeben besuchte mich hier der Friseur Mathias aus Oeyn- hausen, welcher seit Jahren an Gesichtslnpus leidet. Derselbe erzählte mir der Wahrheit gemäß: er sei vor kurzer Zeit in Berlin gewesen und habe Dr. Levy hinsichtlich des Lupus konsultirt. Ter Herr Doktor sei alsbald in Gesellschaft einiger Aerzte er- schienen und habe diesen gegenüber, ganz nebenbei, ihn auch als einen Lupuskranken bezeichnet, welcher in ganz t. rzer Zeit zu heilen sei. Dann hätten sich die Herren mit Dr. Levy wieder entfernt, letzterer wäre jedoch bald allein wieder erschienen und hätte ihm erklärt: der Fall sei leicht zu heilen, es könnte aber erst nach zwei Tagen eine Injektion erfolgen. Auf die Frage des Krauken nach dem Kostenpunkt erklärte Dr. Levy selbst, daß jede Einspritzung 800 M. kosten würde. Diese hohe Summe an- zulegen, gestatteten die Mittel des Kranken nicht, und mit den Worten: er wolle es sich noch überlegen, fragte der Kranke nach der Konsultationsgebühr. Für diese ließ sich Herr Dr. Levy 30 M. zahlen und entließ den Kranken, welcher resultatlos wieder seine Heimath aussuchte. Dies sind verbürgte Thatsachen und bitte ich, den Inhalt dieser Zeilen im Interesse der Menschheit einen Platz in Ihrem werthen Blatte einräumen zu wollen.— Hierzu bemerkt die„Kreuz-Ztg.": Unseres Erachtens war Dr. Levy, nachdem er den Kranken seinen Kollegen vorgestellt und ihn hierdurch schon als klinisches Material behandelt hatte, ehrenhalber verpflichtet, nun auch zum Heilungsversuche zu schreiten, und durfte nicht durch eine Forderung, welche das Vermögen des von seiner Hände Arbeit lebenden Mannes über« stieg, dessen Hoffnung auf die in Aussicht gestellte leichte Heilung vereiteln. Ohne uns zum Schiedsrichter über ärztliche Honorare aufwerfen zu wollen, glauben wir doch die Meinung aussprechen zu dürfen, daß in dem vorliegenden Falle eines dürftigen Kranken die erste Einspritzung schon mit der berechneten Konsultations- Gebühr überreich bezahlt gewesen wäre. Dr. Levy wird trotz der Entscheidung des Ehrengerichts schwerlich wagen, den Wahrspruch „rein und makellos" in sein Wappen aufzunehmen.— Im Graudenzer„Gesell." ist zu lesen: Es wird uns ge- schrieben, daß aus der Nachbarschaft von Gollub ein Besitzer nach Verlin gereist sei, um sich nach der.Koch'schen Heilmethode her- stellen zu lassen; für die erste Einspritzung, die er erhalten hat, hat er 800 M. gezahlt, und der Aufenthalt in der Klinik kostet ihn für die Woche 1000 M. ES wäre— wenn diese Angaben nicht auf Jrrthum beruhen— sehr interessant, zu hören, welcher menschenfreundliche Arzt das Geschäft macht. Urber die Mnhrnng des Kriefgelieiinniffea hielt am Donnerstag Herr Dietz-Frankfurt vor der Polytechnischen Gffell- schaff einen interessanten Vortrag. Der Redner führte aus, daß der zur Zeit gebräuchliche Briefverschluß in keiner Weise den Forderungen der Sicherheit entspricht. Die Kouvertfabrikanteu sind durch die billigen Preise der Kouverts genöthigt, die Gummirung meist nur mangelhast herzustellen. Die Kouverts lassen sich'daher off schon mit einem Federhalter, mindestens aber im Dampfbad leicht öffnen und wieder schließen. Auch die Sicherung durch Siegel ist nur eine eingebildete. Ist der Siegel- lack dick aufgetragen, so läßt sich das Siegel mit einem heißen, dünnen Draht ohne jede Mühe abheben, ist das Siegel aber zu dünn, so schneidet man es einfach heraus und befestigt es wieder dadurch, daß man den Rand mit einem heißen Messer bestreicht, dadurch den Lack etwas erweicht und über den Schnitt ausdehnt. Um diesen llebelständen abzuhelfen, sind neuerdings Sicherheits- Verschlußmarken in den Handel gebracht, die einen kontrolirbaren Verschluß für Briese darstellen sollen. Die Marke besteht aus einem dünnen, abfärbenden Papier, aus dem ein Muster aus- gestanzt ist. Beim Auflegen der Marken auf das schwach be- feuchtete Kouvert dringt die Farbe in das Papier des Kouverts scharf ein und erzeugt entsprechend der Stanzung ein Muster, welches sich weder auf trockenem noch feuchten Wege entfernen läßt. Die Marke ist so empfindlich, daß sie, einmal abgelöst, sich nicht wieder aufkleben läßt, die Benutzung einer anderen Marke aber ist ausgeschlossen, da die Stanzmnster variiren und es so nicht möglich ist, die neue Marke auf die von der alten hinter- lassene Kopirfläche zu bringen. Um ein unbemerkbares Durchschneiden der Marken zu verhüten, sind die Marken durchnäht. Die durchschnittenen Fäden würden eine Verletzung sofort er- kennen lassen. Zur Uerhiituua eines überunitzigen Andranges während der ersten Tage des Januar hat das Reichspostamt, wie die„D. V. Z." mittheilt, bestimmt, daß seitens der Postanstalten mit dem Vertriebe der Versicherungsmarken bereits am 27. Dez. begonnen werden soll. Damit mir Rücksicht auf den lebhaften Schalterverkehr, welcher unmittelbar vor und nach dem Neujahrs- tage einzutreten pflegt, eine übermäßige Belastuug der Schalter- stellen vermieden werde, ist im weiteren angeordnet worden, daß, soweit es erforderlich erscheint, der Vertrieb der Bersicherungs- marken während der letzten Tage des Dezember und der ersten Tage des Januar an die Packetschalier oder an besondere Schaltersiellen verlegt werde. Gill bedenkliche» Ficht auf gewisse Berliner Bauunter- nehmer wirft eine Mittheilung der Gewerbedeputation des Ver- liner Magistrates über die von demselben besorgte Einziehung der Beiträge zur Bau-Unfallversicherung. Darnach sind vom Berliner Magistrat 20 691 M. an Beiträgen eingezogen und zwar zerfielen diese auf zusammen 1489 einzelne Schuloposten. In 102 Fällen war die Mobiliarpfändung zum Zwecke der Bei- treibung der Beiträge fruchtlos. Da die Beiträge nur von den Arbeitgebern eingezogen werden, so existirt also eine solche Zahl vermögensloser Bau-llnternehmer in Berlin, bei denen auch die Arbeiter Gefahr laufen, ihren verdienten Arbeitslohn nicht zu er- halten. Für dir Arbeitgrbrr war der gestrige Tag»in b-ser Tag. Er stand unter dem Zeichen des Jnvaliditäts- und Alters- verficherungs- Gesetzes, welches seine Schalten in Gestalt von Listen zur Aufnahme des Personals vorauswarf. Es soll in Fa- briksälen, Werkstätten, Komtors und Verkaufsräumen recht finstere Gesichter gegeben haben, als den Herren die verhängnißvollen Papiere übervracht wurden. Einige Chefs benutzten die Gelegen- heit, um ihren Leuten ingrimmig zu verkünden, welche„Un- summen" sie ihnen in Zukunft„schenken" würden. Leider hatte aber auch das Personal alle Veranlassung, die Listen niit sehr ge- mischten Gefühlen zu betrachten. Besonders in den Fabriksälen wurde darüber geklagt, daß man zu den wöchentlichen Kranken- kassen-Beiträgen nun noch neue Lohnabzüge zu tragen habe. Mit wieviel Seufzern mag wohl eine solche„Riesenrente" zusammen- gebracht sein, ivenn sie schließlich zur Auszahlung gelaugt? Gest hente geht niio dir Mitthrilnug über das folgende Vorkommiuß zu: Zwei aus Pommern kommende, auf der Durch- reise nach Schlawe befindliche Dienstknechte beklagten sich am 21. v. M. auf einem hiesigen Bahnhofe bei einem Kriminal- fchntzmann darüber, daß sie in einer Gastwirthschaft der Invaliden- straße von einem Herrn angesprochen worden seien, der ihnen in glaubhafter Weise erzählt habe, daß er gleichfalls nach Schlawe zu reisen beabsichtige, aber seine» Koffer in einem Schanklokale der Elsasserstraße zurückgelassen habe. Hieran habe er die Auf- forderung geknüpft, sie möchten ihm dorthin folgen und beim Tragen des Koffers nach dem Bahnhose behilflich sein; er werde ihnen ihre Mühe mit einigen Gläsern Bier lohnen. Die beiden Pommern gingen, nichts Böses ahnend, in die Falle. In dem Lokal gesellte sich zu den Dreien ein Vierter, und es begann bald daS in gewissen Kreisen beliebte Kümmelblättchen-Spiel, bei welchem der eine Knecht 60, der andere 10 M. verlor. Hiermit war die Freundschaft des neuen Bekannten zu Ende, der gleich- zeitig auch seine Reise nach Schlawe ausgab. Mit Hilfe des Verbrecheralbums ist derselbe indeß als ein berüchtigter'Bauern- fänger und Kttmmelblättchen-Spieler ermittelt worden. Es ist ein gewisser Otto Schwerin. Zn»»i IM«;«», die für sich selbst sprechen, versendet ein hiesiger Reporter. Sie illustriren unsere Zeit besser, als eS dicke Bände thun können. Zunächst die Selbstinvrdftatistik. 51 Selbstmordversuche wurden im Monat November d. I. amtlich ge- meldet, von denen 32 einen tödtlichen Verlauf nahmen. Ol der Lebensmüden waren Männer, 9 Frauen und 10 Mädchen. Durch Erhängen tübteten sich 12 Personen, den Tob im Wasser suchten insgesammt 12 Selbstmorbskanbibaten, von benen 6 gerettet werben konnten. Fünf von 9 Personen, bie Gift nahmen, erlagen ihren Leiben; weitere 5 Lebcnsnnibe endeten burch Aufschneiben ber Pulsabern, burch Sturz auZ bem Fenster ober burch bie Räber von Lokomotiven. Der jüngste Sclbstmörber zählte 16, ber älteste 73 Jahr; das Durchschnittsalter ber freiwillig das Leben Eubenben ist 32 Jahre.— Alle diese Leute wollten natür- lich nicht arbeiten. Weiter heißt es dann: 5300 Bewerbungen um Anstellung für den Hilfsdienst zu Weihnachten und Neujahr sind bei der hiesigen Ober-Postdirektion und bei der Direktion der Packetgesellschaft eingelaufen, von den Bewerbern kann jedoch nur ein ganz kleiner Theil Berücksichtigung finden. Der Weihnachtsdienst beginnt für die angestellten Privat- Personen am 21. Dezember und dauert bei einem Wechsel von 8 Dienst- und. 8 Freistunden bis zum 27. b. M., für eine kleinere Zahl bis zum 31. b. M.—— Diese Leute wollen nun wieber arbeiten, aber warum thun sie es nicht? Durch»ine»„Kcherz" seines Freundes hat am Mittwoch Abend der Hanblimgsgehilse G. ein Augs eingebüßt. Als G. em Konzertlokal der Jnvalidenstraße verließ, trat ihm ein Freund entgegen und trieb ihm den Hut mit solcher Gewalt ein, daß dem G. die Brille zersplitterte und deren Glastheile tief in das rechte Auge drangen. Der bienstthuende Arzt einer Sanitäts- wache entfernte einige Splitter aus dem Auge, aber dieses selbst erwies sich als völlig zerstört. Bon der Sanitätswache wurde der Verletzte nach einem Krankenhause transportirt. Herr Gskar Krirpentrog, Oderbergerstr. 5, wurde gestern als Zeuge nach dem Alexanderplatz vorgeladen. Hier stellte es sich jedoch heraus, daß Herr Griepentrog nicht Zeuge, sondern Angeklagter war. Er wurde über verschiedene Aeußerungen, die er rn einer am 27. d. Mts. stattgehabten Volksversammlung ge- than haben sollte, vernommen. Herr Schlosser Mar Grahl, Gartensir. 75, ersucht uns um die Miltheilung, daß er mit dem Billetverkäufer Alar Grahl, den wir in der Gerichtsverhandlung vom 6. b. Mts. erwähnten, nicht identisch ist. Doliseidrricht. Am 4. b. Mts. Abends wurde ein acht- jähriger Knabe an der Ecke der Raupach- und Holzmarktstraße vom einem Postwagen übersahren und erlitt einen Bruch des Unterschenkels, sowie eine schwere Verletzung des Knöchelgelenks, so daß er nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden mußte.— Am 5. d. Mts. Vormittags wurde ein 64 Jahre alter Mann in seiner Wohnung, in der Uorkftraße, erhängt vor- gefunden.— Arn 5. b. Mts. fanden vier kleiiiere Brände statt. 2. flHepirliks-IZeikuuiZ. Ciu schnöder Krtrng eines Ulinkellionsuleuten be- schäftigte ge>tern die 4. Strafkammer des Landgerichts I in längerer Sitzung, da die Uebersührung des Ange- klagten durch seine gewandte Vertheidigungsweise und die von ihm gebrauchten Winkelzüge bedeutende Schwierig- leiten machte. Der Droschkenkutscher Seysert hatte den Rechts- Konsulenten Albert Ringt er mit der Einziehung einiger For- derungen beauftragt. Aus dem geschäftlichen Verkehr wurde bald ein freundschaftlicher. Ningler erfuhr, daß die Seyfert'schen Ehe- Icute ihre Ersparnisse in Höhe von 360 M. bei der Sparkasse niedergelegt hatten. Eines Tages trat Nüigler an den Ehemann Seysert mit einem Vorschlage heran, den er dem einfachen und völlig geschäftsungewandten Mann mit den verlockendsten Farben zu schildern wußte. Er behauptete nämlich, daß er die Aussicht über mehrere, einer Bank gehörigen Häuser habe. Es sei ihin von der Eigenthümerin das Aner- bieten gemacht worden, vom 1. August ab diese Häuser in Selbstverwaltung zu nehmen und zwar dergestalt, daß er die Zinsen und Unkosten aus den Miethen zu decken habe und den nicht unbeträchtlichen Ueberschuß in seine Tasche stecken solle. Be« einer Subhastation, die schon in nächster Zeit stattfinden solle, habe er das Vorkaufsrecht und er könne ohne Anzahlung ein Hans erstehen. Die Bank fordere aber eine Kaution von 300 M. und da er diese nicht habe, so wollte er das Glück der Seyfert'schen Familie begründen und den Ehemann als Sozius an- nehmen, wenn dieser ihm 300 M. zur Kaution leihen wolle. Die einfachen Leute ließen sich bethören, ob- gleich die Angaben Ringler's den Stempel der Unwahrheit an der Stirn trugen, der arme Droschkenkutscher sah sich schon als Hausbesitzer. Seine letzten Bedenken schwanden, als Ningler ihm einen von ihm aufgesetzten Vertrag vorlas, der ein wahres Meisterstück von Schwülstigkeit und Unklarheit war. Der Droschken- kutschcr verstand nur den letzten Paragraphen des umfangreichen Schriftstücks, in welchem festgesetzt war, daß jeder der Kontrahenten sich seinem Sozius gegenüber so zubenehmen habe, wie es einem „ehrliebenden und gewissenhaften deutschen Manne" gezieme. Die Seyfert'schen Eheleute überantworteten darauf dem Ningler das Sparkassenbuch mit der Bedingung, daß es als Kaution dienen solle. Ningler wollte für sich aber baares Geld haben und griff deshalb zu einem neuen Schwindel. Er erzählte den Seyfert'schen Eheleute», daß sein Bankdirektor sich davon überzeugen wolle, ob das Sparkassenbuch, welches auf den Namen des 10jährigen Reinhold Seysert lautete, auch wirklich mit Genehmigung der Eltern weggegeben sei und möchten die Letzteren eine diesbezügliche Bescheinigung ausstellen. Seysert unterschrieb auch diese und mit diesem Schriftstücke legitimirte Ningler sich bei der Sparkasse, Ivo er das Guthaben bis auf 10 M. erhob. Die Seyfert'schen Eheleute haben natürlich von ihren Ersparnissen keinen Pfennig zu sehe» bekommen, als sie hinter die Schliche des Betrügers kamen, hatte Ningler bereits alles Geld für sich verbrauchr. Im gestrigen VerHand- lungstermine hatte der Angeklagte die Stirn zu behaupten, daß ihm thatsächlich durch Mittelspersonen das erwähnte Anerbieten von einer Bank gemacht worden sei, er konnte aber weder diese Vermittler noch die Bank selbst namentlich bezeichnen. Der Ge- richtehof war mit dem Staatsanwalts der Ansicht, daß der Angeklagte einen höchst frivolen Schwindel begangen hatte, und lautete das Erkenntniß daher dem Antrage gemäß auf ein Jahr Gesang n iß. Den wegen Raubmorde»»um Tode nerurtheme Schneider Klausiu hat, wie kürzlich bereits mitgetheilt, durch seinen jetzigen Vertheidiger, den Rechtsanwalt Dr. Flatau, das Wiederaufnahme-Verfahren beantragen lassen. Daraufhin hat gestern die Strafkammer des Landgerichts II den Beschluß gesaßt, die Strafvollstreckung gegen Klausin einstweilen auszusetzen. Soziole Itelierkiriik. Dach§ 8 des preußischen Dercinsgesetzes ist es verboten, daß„Arbeitervereine", welche sich mit politischen An- gelegenheiten beschäftigen, gegenseitig in Verbindung treten. Wohlgemerkt, nur Arbeitervereinen ist es verboten— anderen Vereinen nicht, durch die Praxis der Kriegervereine und der Junungsverbände ist dieses erwiesen. Wenn es auch der Para- jraph des Gesetzes nicht ausspricht, so wird es doch von den ilusführern der Gesetze gestattet resp. keine Verhinderung in den Weg gelegt. Anders ist es mit den Vereinen der Arbeiter. Der § 102 der Gewerbeordnung gestattet ausdrücklich den verschiedenen Innungen, sich einen gemeinsamen Ausschuß zu bilden. Aus diesem Ausschuß können die Personen ernannt werden, mit welchen man die von den Innungen errichteten Schiedsgerichte ausstasfirt. Hiergegen zu protesiiren, ist hinfällig. Das mußten auch die Berliner Maurer erfahren. Alm 23. September er. hielten die Berliner Maurer eine öffentliche Versammlung ab, in welcher eine Protest-Resolution angenommen wurde gegen das von der Innung der Bau-, Maurer- und Zimmerineister zu Berlin er- richtete Schiedsgericht. Der Vorsitzende dieser Versammlung, der Maurer Wernau, erhielt nun auf diesen Protest unter dem Dezember folgenden magistratlichen Bescheid: Berlin, den 2. Dezember 1890. Auf die Eingabe vom 25. September er. erwidern wir Ihnen Folgendes: In Gemäßheit des§ 102 der Reichs-Gewerbe-Ordnung kann von den derselben Aufsichtsbehörde unterstehenden Innungen ein Jnnungsausschuß gebildet werden. Dies ist seitens einer Anzahl von hiesigen Innungen geschehen und ist das Statut desselben von dem Herrn Polizeipräsidenten unterm 20. Juni 1884 genehmigt worden. Der Jnnungsausschuß hat nun von dem ihm laut§ 4 Nr. 3 des Statuts seitens der betreffenden Innungen übertragenen Rechte, in Gemäßheit des§ 97 a Nr. 6 der Reichs- Gewerbe-Ordnung ein Schiedsgericht zu errichten, welches berufen ist, Streitigkeiten der im ß 120 a cit. bezeichneten Art zwischen den Jnnungsmitgliedern und deren Gesellen an Stelle der sonst zuständigen Behörde zu entscheiden, Gebrauch gemacht. Hierbei war eine Mitwirkung seitens der Gesellen nicht erforderlich, da gemäß§ 4 Nr. 3 des Jnnungsausschuß-Statuts die Beschluß- sassung an Stelle der Jimungsversammlungen dem Jnnungs- ausschuß oblag. Das Statut des Schiedsgerichts hat unterm 5. Februar 1885 die behördliche Genehmigung erhalten. Das Schiedsgericht ist demnach eine auf Grund der zur Zeit giltigen gesetz- lichen und statutarischen Bestimmungen bestehende Einrichtung. Dasselbe besteht laut§§ 2 und 3 des Statuts aus einem Vor- sitzenden und 4 Beisitzern und zwar 2 Jnnungsmitgliedern und Gesellen, lieber die Wahl der letzteren bestimmt§ 3 Abs. 2 des Statuts Folgendes: Die Gesellen-Beisitzer werden von den Gesellen der einzelnen Innungen, oder wo ein Gesellen-Ausschuß besteht, von diesem gewählt. Die Innung Bund der Bau-, Maurer- und Zimmermeister hat sich durch Beschluß der Jnnungsversammlung vom 15. Januar 1885 dem Jnnungs-Ausschuß angeschlossen. Sodann besitzt die- selbe einen Gesellen-Ausschuß, welcher nach obigen Ausführungen zur Vornahme der Wahl der Beisitzer für das Schiedsgericht be- rechtigt und verpflichtet war. Der in der Versammlung der Maurer Berlins vom 23. Sep- tember er. erhobene Protest gegen das Schiedsgericht ist mithin unbegründet und mußte daher, wie hiermit geschieht, zurückge- wiesen werden. Sie werden ersucht, die Mitunterzeichner der Eingäbe vom 25. September er. von diesem Bescheide iB Kenntniß zu setzen. Gewerbe- Deputation des Magistrats, gez. Eberty. An Herrn Julius Wernau, hier. Für die hiesigen Abonnenten liegt der heutigen Nummer ein Prospekt der Schloßbrauerei Schöneberg bei. zuweisen. Die Versammlung behält sich weitere Schritte in dieser Sache vor, daß der Lohnkommission weitere Aufträge in bestimmter Zeit gegeben werden."— Im Verschiedenen wurde beschlossen, st schnell wie möglich eine öffentliche Versammlung einzubenise» betreffs Gründung einer Filiale der Zentral-Kranken- und Sterbe- kasse der Korbmacher(Sitz Zeitz). Außerdem wurde beschlossen, aus der Kasse der Lohykoinmission für die ausgesperrten Glo-- arbeiter in Bergedorf 10 M., für die Erfurter Schuhmacher 10 M. und für die Zigarrenmacher in Eschwege 5 M. zu übersenden. Auch wurden vom Ueberschuß der zwei öffentlichen Versainm- lungen 4 M. der Berliner Streik-Kontrolkommission zur Agitation überwiesen. Die nächste Vereinsversammlung findet am 15. zember statt. »r«aub-amt«n d,ie- St-i»tchl»if«r und Kerufsi-nosts? l»gomietl,er. Allgemeine MieiherverfammlunS am Montag, den 8. Dezember, Abends a Uhr, in Deigmüller'S Salon, JalobfUaß.<8a. Tagesordnung: i. Geschäftliche Mittheilunae».-. Vortroz des Vorstyenden, Redakteur Horn, über:„Reform der Staats- u" G e m e l n d e st e u e r n". 3. Aufnahme neuer Mitglieder, t. Freie DtstuffW' 6. Fragekasten. KUg.n,-i»e deutsche Kranke»- und S.gräbni»- Kasse der W»b«> rker. Färber, Spinner»tr.(S. H. 67, Sitz Chemnitz). Versammlung am sonntag, den 7. Dezember er., Vormittags n Uhr, im Lokale des He»" Reinecke. Gr. Franksnrtersir. 133.., ... Vereiniguilg der Drechsler Deutschlands. Ortsverwaltung Berlin ai.-gder-Bersammlung am Dienstag, den 9. Dezember cv, icheffer's Salon, Jnielstr. 10. Tagesordnung: 1. ------ 111-■■ u-.t 1 1„ r- nrtn Karl MOi«* (Stoltbranche). Mth Abends 8 Uhr, in Si liches.-. Vortrag des Herr» P-us'üb-r:„Das Kapital--,""''.eästen. 3. Diskussion. 4. Wahl eines Beisitzers. 5. Verschiedenes und Fragetoi Gäste haben Zutritt. Der Zierein berliner Kausdirner hält am Mittwoch, den 10. 4,ezem Abends o Uhr, in den„Arminhallen", Kommandantenslratze 30, eine aus,,, ordentliche General- Versammlung mit folgender Tagesordnung ab:'vJht, theilungen. a. Aufnahme neuer Mtialieder. Ausgabe der Biuei« zur V! mchtsbescheerung und zu dem am 3. Januar 1891 ftaltfindenden Masrerw» . Antrag Hahmann berreffs obligatorischer Einführung der Zeitung: keit". 4. Verschiedenes n»d Fragekasten.. Fesr Kliib„Karl lilnrr". Groste öffentliche Versammlung für Ma � und Frauen am Sonntag, den 7. Tez-mber, im Lokale der Voik-Brauerei,? Tempelhoser Berg. Vortrag des Herrn G. Türk: Tie Herenprozesse.— der Versammlung: Geselliges Bcisanimensein mit Tanz.,„„ Zitvein Kerlinev Portiers und Dernssgenossr». Versammlung.. Montag, den 8. Dezember, Abends u Uhr, Marlgrafenstr. 87 bei b»» Anmeldung der Kinder zur Weihnachlsbeichcerung und Ausgabe der Aufnahme neuer Mitglieder. Gäste willkommen. Allgemei»» persnminlnng der vchristgiesser Serli»» am Man den 8. Dezember, Abends 8 Uhr, in Reyer's Salon, Alle Jakobstr. 83. Freie prr«i»ig»»g deutscher chandschuh», acher und paao ''——.......... bei- Lehvknrsns der Kerttner Arbeiter nnd Arbeite, nnen zu FW �nriirfafrtfTim rmminrifhP Akitkieiluna). Montag, dZN des Herrn Dr. Bernstein, ä. N-bungSstunde.«z )ilf- bei Unglücksfällen(männliche Abiheilung). ideilds 8)j Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Bibliothekausgabe.- Herren als Gäste haben einmaligen Zuwirr. Sonntag, den it. Dezember, Abends 5 Uhr, findet eine Versammlung M licher Arbeiter beiderlei Geschlechts statt. Vortrag des Herrn Dr. B-r wmÄS»fl83S$U»>.» •tawa»«»*? SÄCB,.»•c �°Die Lreir ttterärischr'veseUschaft veranstaltet ihren z we it en� trags-Abend am Donnerstag, den n. Dezember, Abends Alte Jakobstr. 83. Tagl den Klagen. 3. Verschiedenes. ---------———,. Tagesordnung: i. Vortrag, i. Bericht über die sch»- o.-uc-fchiebeneS..„p i» Aufruf an die Arbeiter und veilossen in, zpefte» Keriin»»h.ndk. Schoneberg zur Gründung einer„Agttationsjchule" oder eines DiskuNt � Bon dem Drange nach geistiger Bildung und vor Allem nach KennlN»..�, sozialen Wlfsenschasien iv erden immer weitere Kreise der Arbeilerschasl Ihrem Charakter entsprechend nimmt heute die Arbeitexbewegung einen größeren Platz in dem Leben deS Proletariers em., Wir geb.auchen heute Borlämpfer, die nicht allein durch daS charain Martyrium ihre Ueberzeugung osfenbare», durch frommen Glauben an o»> zp, der Sache, sondern wir wollen auch nunmehr,>vo uns freiere Bahn v-- �,> ist, zielbewußie Agitatoren ausbilden, damit unsere Sache sich gedeih»-" wickele und auf immer größere Kreise ausbreite.... ist Wer gleich uns von der Nothwendiakeit einer Vereinigung überz«»-�,« die nach diesen Grundsätzen ihre Mitglieder zur Propaganda fähig � will, der stelle sich am Dienstag, den 0. Dezember er., Abends 8Z Uh Restaurant Meyer, B ü low st ra ß e 42, ein, wo über die Gr« eines Dislutirklubs in dem bisher so vernachlässigten Westen Berlins werden soll.- Im Auftrage: K. Berge mann, Motzstraße 76, P3' Arb«it«r-Säng»rb»»d Ser-Ii»» und zl»,g«aenb. Moniag, Äpi- o Uhr: Ueblingsstunde. Ausnahme neuer Mitglieder— Gesangverein äg- felder" Restauranl Trieschmann, Jüdenslraße 55.— Gesangverein>- srtedenheit" Willibald-Alerisstr. 5, bei Genger.— Liedertal Maler und verwandten Berufsgenosse» bei Berg,—->�»-sre Platz 7.— Gesangoeretn Myrthenblätler, A... � bei Reimann.— Gesangverein„Harmonie", Metzerstr.—... —„Karthaus'scher Gesangverein", Friedrichsbergerstraße R». Wultke. o»; v»sang-, Turn- und gesellig» perein». Lübeck'scher Turness'�d« n-"'-----'-*•--.. r.-i r-----..... CTTlrttltklfl,•* " 0n« q t" JoÄS.abche�ng� L'hwngsabihettüngi am Montag,• dev MedSlktiott' Verklagen Sie deZ s- Ä Kchoireberg. Verklagen Sie den Vater Kindes, wenn Sie die von diesem abgegebene Erklärung beweffen zu können(event. durch Eldeszuschiebung). Der v... �— �-------—_ f V i• frh fflßlr'' falsche Behandlung erst nothwendig gemacht hat.. G. M. i. Ein Schlafbursche kann nur am to nächsten 1. kundigen, nicht umgekehrt. 2. Er muß dah ,, er nicht bis zu», 15. gekündigt hat, für den ganzen soj» ze- Monat Miethe zahle». 3. Jährlich 36 M. 4. Der Beg'«" Gewerbebetriebes ist dem Magistrat anzuzeigen. Kr. Das ist eine richtige Ehrenerklärung., haß K. K. Lassen Sie sich eine schriftliche Erklärung Sie die Wäsche ic. Ihrer Braut nicht schenken, sondern u.jri: Benutzung geben mit der Verpflichtung, die Sachen auf ErF zurückzugeben." hck C. F. M., Reue Höchste. Diese Veränderung\ ji( Kochmaschine brauchen Sie nicht zu dulden, wenn dadnrcy Gebrauchsfähigkcit der letzteren beeinträchtigt wird. Möbel, Spiegel-«. volsterwaaren-Magazin v»» l&ug. Heroik SO. 3. Keichettvergerstraße 3. SO. Schneider. 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Grosse öffenfBiche Versammlung der ICü�sshne lÄS" am Montag, den 8. Dezbr., Abends SVe Uhr,'WA in Bötzow s Brauerei, Prenzlauer Allee. Tages-Ordnung: t. Bericht der Gewerkschafts-Konfereuz. 2. Diskussion. 3. Wahl zur eik-s % ,,«etiajt oer isewerlicyaii �liuer Streik-Kontrolkommisfion. Zahlreichen Besuch erwartet Der Cinberufer. Crosse öffentl. Versammlung der Schmiede Berlins und Umgegend . NM Dienstag, de» 0. Dezember, Abends 8 Uhr, u» Fenrrstein'o Salon(grober Saal), Alte Jaliobltrabe 75. DJnb �° gesordnung: 1. Die Ikachlheile deS Arbeirsverhaltnistes und der -> t|sn, Beseitigung derselben. Referent: Fr. Theist aus Hamburg.— Vcvfch T 3' der Telegirten zur Berliner Streik-Kontrolkommisfion. lan,«, Kollegen, die in Fabriken arbeiten, werden gebeten, in der Ver- --SHl'ung zu erscheinen._ 1999__ Der Einbrrut'er._ .&#«#( Stmiiiiuliiiij „Lassalle" '�stag, den 9. Dezember, Abd. SVaUhr, bei Toberstein, Mariannenstr. 31. Ktaj Zahlreiches Erscheinen ersucht � Der Vorstand. Steindmcker �Lithographen die Unterstützung der arbeitslosen �gen und zwar nur Mitglieder des ,a>vrrei»v der Steindrnckier und ..I?Srapbe» in nächster Zeit aus- Wt werden soll, so ersucht Unter- Mieter dieselben sich am Dienstag, Dezember, Abends 8 Uhr, im .??�?'Nachw»is bei Kuhlmey, .ffnstr. 30, mit ihrem Mitglieds- Anzufinden. 1953 4:J«. Vreust. Gräfestr. 72, IV. Ethische Gesellschaft. Sonntag, den 7. Dezember er., 'nds 5 Uhr, Grenadierstraße 30, ..«eefeldt: Eröffnung d-s ''huachtsbazars. Um s Uhr: "rag dxZ Herrn Wach, über: Die ?ral und die wirthschaft- ?rn Verhältnisse. Nachher 9e Unterhaltung und Tanz. Gaste, lsrn und Qerren willkommen.[1988 •i]s t Kkirisch-Bittloklll üst Günther, Gitschinerstr. 87. Jtoh-Tabake. fäÄr9.An«wahl. billigste Preise von 1581a ,m Handel befindlichen Tabaken ... Heinr. Frank, Zrunnenstr. 141-142. Preise KS' L «"»dertzehn" in seinem cfV Total."WS .Ausverkauf, i ser überfüllte Lager in kur- öeräumt werden muß. s&ÄÄ iir� �rima. 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Mts., nach langen, schweren Leiden an der Proletarier- krankheit verschieden ist. Ehre seinem Andenken. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. d. M., Stachmittaas 2>/s Uhr, von der Wohnung des Verstorbenen aus statt. Um rege Betheiligung der Mitglieder bei dem Begräbniß unseres Genossen ersucht Der Vorstand. Allen Freunden und Bekannten zur Nachricht, daß nach kurzem, aber schweren Leiden mein geliebter Manu, unser guter Vater, Sohn, Bruder, Schwager und Onkel, der Metall- schleifer Eduard Sost'me ister, am Freitag Nachmitt. 5% Uhr sanft entschlafen ist. 2003 Die trauernden Kinterbliebenen. Berlin, den 6. Dez. 1890. Die Beerdigung findet vom Trauer- Hause Chorinerstr. 71 aus am Montag, 8. Dez., 3 Uhr Nachm., statt. Sangeslustige Herren und Damen, welche gewillt, dem zum Arbeiter- Sängerbund gehörenden Gesangverein„Freya"(gemischter Chor) beizutreten, werden ersucht, sich in den Uebungsstunden Mittwochs Abends von 8V2— lOVa Uhr bei Zemter, Münz st r. 11, zu melden. Derselbe steht unter der Leitung eines anerkannt tüchtigen Dirigenten. 1001 Der Vorstand. BSSH Schöne BBEBH dies], scmlesw.-holsteinische Haselnüsse versendet das Postkolli(netto 4% kg) franko gegen franko Einsendung von 2008 2 Mark 60 Pfg. Georg Coste Nachfl. Schleswig. Im Tuchgeschäft jetzt DmieHr. 126, 1. Herren- und Knaben- Anzüge, Paletots, sowie Dainenkieider etc. Auf Wunsch auch gegen Theilzahlunge». 1968, v 1866 E. Strauss, Weidttinstr Blnmensir. 46, pari., 181 empfiehlt sich zur Anfert. eleg. Herren- Garderoben. Für guten Sitz u. saubere Arbeit wird garantirt. Lager r.Sto Im in grosser, goscbmackToller Auswahl. Koulante Zahlungsbedingungen! Achtung! Stähle, Tisch, Kleidungsstüche, alte gut erhaltene Kindersachen, billig. Jankmih, Kottbuserdamm 101, v. I. J. bliintz, Berlinds. Reinickendorfer- . W>....■ aller Art, Bilder bewahrter Genosse», sozialistische „Aaussegen". iwgg MWijiii&el, S straße 66. Festgeschenke alle . Mte m.KoMMrke, zu billigste» preise» empfiehlt[1948 L. 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Ter Werth der Statistik. 3. Verschiedenes. Kollegen! Wie Euch bekannt seil: wird, beginnt am Montag, den 8. d. M., wieder der große Maurerprozeß gegen Grothmann u. Genossen. Es werden also die ersten Tage der nächsten Woche mehrere der bekanntet: Führer der deutschet: Maurerbewegung in Berti:: a::- wesend sein. Da ntll: einmal Berlin das Karnickel ist, welches sich immer den Kongreßbeschlüssen bockbeinig gegenüber- stellt, sollen tum die Differenzen, welche im Laufe der letzten 6 Jahre zwischen Berlin und Hambnrg entstanden sind, in dieser Versammümg möglichst ausgeglichen werden. Wir ersuche,: Etlch, pünktlich 8 Uhr erscheinen zu wollet:, die Auseinandersetzung dürfte, einige Stunden in Anspruch nehmen und ist es deshalb nothwendig, daß Ihr bis ztim Schlttß der Versammlung beiwohnt. Kollegen! Im Interesse des Emanzipationskampfes des Proletariats, in: Interesse der deutschen Maurer- wenn ihr zahlreich:n dieser Ver- bewegung liegt es, samnllttng erscheint. Der Einberufer; Carl Weisse, Tegelerstr. 27. Stttatii im Wöbelpoliver Lttliis# Umztzt«!». Versammlung""Wi im am Montag, den 8. Dezember ds. Js., Abends 8 Uhr, Lokale des Herrn Bolzmann, Andreas-Strasse 26. Tages-Ordnuug: 1. Die Beschlüsse der Gewerkschaftskonfereuz und wie stellt sich der Ver- band der Möbelpolirer zu denselben. Referent Kollege Robert Weber. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 1962 ___________ Der N-rstand. Atgeiileiner Mckk-Arbeiter-Vereill 1975 Berlins und Umgegend._ Hir Cr. Versammlung"DU am Montag, den 8. Dezbr.,Abd8. SVeühr, inKrieger'sSalon, wasserthorstr. 68. Herrn D e i sing er- Hamburg über Tagesordnung: 1. Vortrag des „Arbeiters chutz- Gesetzgebung". 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragekasten.— Gäste haben Zutritt. Um recht regen Besuch wird gebeten. Der Vorstand. WW" Gr. Versammlung"Mj? am Dienstag, de» 0. Dezember 1890, Abend« 8V, Ubr, in der Uorddeutschen Kranerei, Chanffeestrasze Ur. 58. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn C. Becker über„Die wirth- schaftlichen Krisen, ihre Ursachen und ihre Folgen". 2. Diskussion. 3. Auf- nähme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragen.— Gäste haben Zu- tritt. Um recht regen Besuch wird gebeten._ Der Vorstand. Zwei grosse öffentliche Versammlungen für Frauen und Männer I. Am Sonntag, den 7. Dezember, Abends 6 Uhr, im Lokal des Herrn Hachman», Dresdenerstr. 46. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Bildungszweck und Bildungsmittel der Menschen." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Nach der Versammlung geselliges Bei- fammensein. i960 2. Am Montag, den 8. Dezember, Abends 8 Uhr, im Lokal des Herrn Dürnberg, Schönhauser Allee 28. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Die Lehre von der Gleichheit aller Menschen." Ref.: Peus. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes.— Genossen und Genossinnen laden wir zu recht zahlreichem Besuch ein. Di» Keauftragt»». Wttrei« h. Schlatt ll. MMlUn-Mittbeiter Berlins v. Ilmg. Crosse Versammlung am Montag, den 8. Dezember 1890, Abend» SVa Dhr, im Fokale de» Herrn Fenerstei», Alte Iakobstr. 75. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht, und Diskussion. 2. Obligatorische Einführung der„Metallarbeiter- Zeitung". 3. Aufnahme neuer Mitglieder und Entrichtung der Beiträge. 4. Abrechnung vom Vergnügen. 5. Verschiedenes und Fragekasten.— Da dies eine be- schließende Versammlung ist, ist es Pflicht eines jeden Kollegen, in der Ver- sammlung zu erscheinen._ 1966_ Der Vorstand. Verein gewerblicher Hilfsarbeiter Berlins und Umgegend. Gr. Mitglieder-Versammlung am Dienstag, den 9. Dezember 1890, Abend» 8 llbr, im Uereinshan»„Snd-Gst", Waldrmarstr. 75. Tagesordnung: 1 Unsere sozialen Zustände und die Kinder. Referent: S i l b e r b e r g 2. Diskussion. 3. Berichterstattung der Delegirten der Berliner Streik-Kontrol- Kommission. 4. Verschiedenes und Fragekasten. 1g94 Alle Arbeiter sind als Gäste willkommen. Der Dorstand. 1998 Tages-Ordnun� 1. Wahl eines Vertrauensmannes und dessen Stellvertreters. 2. Stellungnahme zum Provinzial-Kongreß der Metallarbeiter Branden- burgs eventuell Delegirtenwahl. 3. Verschiedenes. ____ Nie Agitations-Kommissto«. I. A.: E. Karpenkiel. Oeffentliche Versammlung der Tabakarbeiter und Tabak-Arbeiterinnen Berlins 8V am Dienstag, den 9. Dezember, Abends 8Va Uhr, im Saale der Brauerei von Julius Bötzow, vor dem Prenzlauer Thor. Tages-Ordnung: 1. Nothwendige Aufgaben der Gewerkschaften. 2. Der Ausschluß der Kollegen in Hamburg, Altona, Ottensen, Wandsbeck und Eschwege.(Referent zu beiden Punkten Herr A. von Elm- Hamburg.) 3 1830 Verschiedenes. Kommission. Kongress aller freien Hilfskassen Deutsch!. Zu dem am Sonntag, den 8. Dezember er., in Sanssouci, Kottbusersfrasse 4a, stattfindenden Geselligem BelsmUilsein, verbunden m. Konzert, Theater, Gesang u. Ball m Cchreu der Kongretz-Delegirten f i.•• /»•••-—»•?■ f V. werden hierdurch alle Anhänger von freien' Hilsskässen eingeladen Das Komitee. Einlasskarten sind zu heben bei den Herren Nöske, Kottbuser Ufer 62; Kuhnke, Oberwasserstr. 12; Koppen, Neue Grünstr. 39; Boges, Grünauerstr. 7; Müller, Memelerstr. 31; Matz, Bethanien-Ufer 10; Pic lecke, Kottbuser-User 60; Reese, Mantcuffelstr. 51; Müller. Stralauerftr. 43; D a h l st e i n, Chri stinenstr. 5; Grauer, Neue Grün- straße 10; Böhm, Friedrichstr. 218. i r«)'» M'tglieder-Versammlung l �lalseWkr.Wchlseretns U. Verl. ReilhstG-Wghlkreists am Mittwoch, de» 10. Dezember, Abend» 8 Dhr, in Joel» Salon, Andreasstraße Dr. AI. Tages-Ordnung: 1974 1. Der Kampf der Schule gegen die Sozialdemokratie. Ref.: W. Werner. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegeuheiten. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Die Zahlstellen befinden sich bei Fr. Zubeil, Naunyustr. 86; G. Schulz, Kottbuserplatz; K.Scholz, Wrangelstr. 32 p. Daselbst werden neue Mitglieder aufgenommen. Um zahlr. u. pünktl. Erscheinen ersucht Der Vorstand. am (Sbw' B'M-Versammlnng Montag, üt.i 8. Dezember, Abends 3' 3 Uhr bei Joel, Andreasstraße Nr. 21. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. Die Arbeiterinnenbewegnng früher und jetzt. Referent Max Baginski. 2. Diskussion. 3. Antrag: Wahl eines Schiedsgerichts in Sachen der Frau Gubela. 4. Verschiedenes. Alle Genossen und Genossinnen und im besonderen die früheren Mit- glieder des Allgemeinen Arbeiterinnen-Vereins, werden hierzu dringend ein- geladen.— Zur Deckung der Unkosten Tellersammlung. Oer Einberufer. Sozialdimokratischer Wahlverein für Teltow Charlottenhurg. Montag, den 8. Dezember, Abends 8 Uh/, in der Bärenbrauerei, Spreestr MiLglieber-Versammlnng. Tagesordnung: Vortrag das Genossen Pirch.— Diskussion.— Verschiedenes. Gäste haben Zutritt. Um recht zahlreichen Besuch bittet :.____ Der Dorstand. 3c, 1991 trsr«».b„Kart Mar»" Sonntag, den 7. Dezember, Abends�VV» Uhr, im�Lokale der Kockbrauerei» ""lei � Tempelhofer Berg(kleiner Saal). Grosse öffentliche Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag deS Herrn I. Türk:„Die Herenprozesse". Diskussion. 3. Verschiedenes. Nach der Versammlung: Geselliges Beisammensein mit Tanz. Zur Deckung der Unkosten findet eine Tellersammlung statt. 1953 Versamml. sämmtl. Bildhauer am Dienstag, den 9. Dezember, Abends S'/a Uhr, in den ArminhaUen, Kommandantenstr. 20. Tages-Ordnuna: 1. Die Ziele der Sozialdemokratie. Ref.: Regierungs-Baumeister Kessler. 2. Ersatzwahl für die Kommission. 3. Bericht von der Berliner Streik-Kontrolkommissio». 4. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erwünscht Oer Einberufer. 1973 Verwil ijeMtt GM- u. Silberarlieiter 11. vem. Berufsgel!. Zahlstelle Berlin. Dienstag, den 9. Dezember, Abends 8Va Uhr, in Feuerstein'? Salon, Alte Iakobstr. Nr. 75; Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag. Referent Herr O. Klein. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Wahl eines Vergnügungs-Ausschusses. NB. Beiträgt und Zeitungen in der Versammlung beim Kassirer. Gäste stets willkommen.— Um recht zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht 2000 Der Vorstand. posamentenvranche! F" Große öffentliche Versammlung 1 iier Arbeiter nnb Arbetterinnen der Bsainelltenbralche am Dienstag, 9. Dezlir., Abds. 8 Uhr, bei Feuerstein, Alte Jakobstr. 75. Tagesordnung: 1. Ueber Gewerkschafts-Organisation. Referent: Stadtverordneter H-lnd-rf. 2. Stellungnahme zum Posamentierkongreß vom 26. bis 23. Dezember in Offenbach a. M. 3. Event. Wahl eines Delegirten. 4. Versch, ebenes.— Bei der hochwichtigen Tagesordnung ist es Pflicht aller Kollegen und Kolleginnen zu erscheinen. 1952 Der Einberufe»-. Fachverein der Weber» Montag, 8. Dezember, Abends 8 Uhr, bei Heise, Lichtenbergerstr. 21: Große Versammlung rdnung: 1. Vortrag des Stadtverordn« 2. f Ä IÄK4 8SS8 ÄÄÄf ÄÄ "'lt. Gststo haben Zutritt.— Die Mitglieder werden ersucht, recht zahlreich zu erschemen.- Billets zum 1. Stiftungsfest am 25. Dezember cm-. i010.16 bti den Vorstands- und Vergnügungskomitee- w Sonntags, Vormittags von 9-11 Uhr und Mittwochs, Abends von 7—9 Uhr. Große öffentliche Versammlung der MetaUschleifer und vemandtell Benisogellljjsell Berlins und Umgegend am Montag, den 8. Dezember, Abends 8 Uhr, in Beyer s Lokal, Alte Jakobstrasse 83. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Kollegen Karl Kchultze. 2. Diskussion. 3. Berichterstattung der Delegirten der Berliner Streik-Kontrolkommission. 4. Stellungnahme zum Provinzial-Kongreß der Metall- arbeiter Brandenburgs event. Delegirtenwahl. 5. Verschiedenes.""" Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Einberufer. 1964 AttMlIllllüg der Fil.1(Süd> am Dienstag, den 9. Dez., Ab. 6 Uhr- bei Aoffniann, Oranienstr. 180. Tages-Ordnung: � 1. Vortrag. 10 2. Die Amtsniederlegung des Aulschusses.. 3. Verschiedenes. Gäste willkommen. Die Kevollmächtigten. Mitgliederversammlnng der Freien Vereinig, der KütSChef it. Im Fuhrwesen besch. Arb am Sonntag, den 7. Dez., Ab. 7 Uhr, bei Itnjcr,'Alte Iakobstr. 88. T.-O.: 1. Die Alters- u. Invaliden- Versicherung, und welchen Werth h°' dieselbe für die Kutscher. Referenl Herr G. Link. 2. Tisk.fffion. 3. Vereins ängelegenheiten. 2007 Gäste haben Zutritt. . Es ist Pflicht jedes Kutschers ff dieser Versammlung zu erscheinen. Der Vorstands AcrslMttiliiilgdesVttdliildtsdtt Hiitidtt üiid am Montag, den 8. Dezember, Abend? 8Vä> Uhr, Beuthstr. 22, I. l»56 Vortrag des Lteichstags-Abgeordneteu T, chaner. Um zahlreichen Besuch ersucht Die Lokalverwaltung 2 Nr. hatten i «»ter t fanden, % ffotgenl % e Alljvettlü dtrSAiildtergeseiltil Verlivs und llmgegeud. Sonntag, 7. Dezember, Narym. 5 Uhr, in May's Festsälen, Beuthstr. 20—™ Versammlung Tages-Ordnung: I. Die Entwickclung desKleinbetriebe» zur Großindustrie. Referent Herr cand 1976 Aufnahi», phil. Pens. 2. Diskussion. 8. Vereinsangelegeuheiten neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes. Der Vor stand. I.A.: Osc.Blumsche� Vereiu zur Wahruug der Zutercheu der Schuliululder. Sonntag, d. 7. Dezember, Abds. 7 Uhf' in May's Festsälen(kl. SaalsBeuthst�'.... Gemüthlich. Geisa mmense"( Montag, d. 8. Dezember, Abds. 8V2 UH'' in Zemter's Salon, Müitzstr. H- Versamun E&mg Tages-Ordnung:}f' Vortrag des Herrn Bogtherr üb»- „Bellamy's Rückblick aus dem 3*9 2000". Diskussion. Verschiedenes. Um zahlreiches und pünktliches � scheinen bittet Der Vorstand' Die Billets zum Weihuachtsvergnugta werden zugleich ausgegeben. Achtung! Mim ____-____.*, m. f n___. AnDI (Filiale IV.) Umständehalber fin� dieregelmäßigeMonatsversammlung* Montag, d. 8. d. M. nicht statt.«L stimmt aber am Montag, d. 15. 6--f 7940 Der 1. KevoUmächtigt�. - zü Albumarbeiter Arbeiterinnen. � Sonntag, d. 7. Dezemb., von 6 Uhr 91% an bei Hoffmann, Oranienstr. l-"' Geselliges Zusammensein 1958 I. A.: Klug� Der Arbeitsnachweis befindet sich Harschlag, Adalbertstr. 4. Korbmacher! »aoett Meite Mner Klecht« vpser die danken «erhält Mchnet gckche fiuitur Bttte 0 �rgani HS Man' �oaliti A' L- deiten r Achieh «°n B. °em K ß pentra Aftern bne j P '« M ittangl ß te I % "«An 5°i» chvn ?ie(5 % «ttbt «et P der 1 Jdnne 9t to letzt Seschi g«" Rong Montag, d. 8. Dezeinber, Abds. ö# bei Roll, Adalbertstr. 21.* Oeffentl. Versammlung Tagesordnung:„t 1. Gründung einer Filiale von Zeutral-Krankcn- und Sterbekaffe de. scher Korbmacher(Sitz Zeitz) und® z nähme»euer Mitglieder. 2. Verschieden Der Arzt zur Untersuchung ist wesend.— Um zahlreiches und liches Erscheinen bittet Der Einberg Vereinigung der Drechsler Deutschland' Ortsverwaltung Berlin Dezember-Versammlung�"' -fi Zahlstelle I. Sonntag, 14, bei Keßner, Annenstr. 16, SSorau».. Hrn.Mattutat.— Zahlstelle II. DieNl'?? 9. Dezember, bei� Scheffer, Jnselstr� v. �ezemorr, vr> r � Vortrag d. Hrn. Pens„Marx Kapsinf� Zahlstelle III. Sonntag, 7. Dezen'� bei Bolzmann, Andreasstr. 26, Vor�. des Hrn. Stadtv. Heindorf.—, stelle IV. Dienstag, 9. Dezember, � Gnadt, Brunnenstr. 38, Vortrag Koll. Lutz.— Zahlstelle VI. 8. Dezember, bei Zemter, Münz!»' Um zahlreichen Besuch bitten 1963 Dir KevoUniächtist� i ■«fie der« «in muri «Jon, «lio >. I «er 'mui feiv D der; 2% bet kii 14 fe de« Verantwortlicher Redakteur: Eurt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Ms» Fading in Berlin SW., Beuth straße 2. T I! .üb) UP 1989 Aus- er her lck UP, 3. itcit' Hat etent eins' 2007 i ». ilff >eni>s 1956 iete» ag. i M Nr. 286. Sonntag, de» 7. Dezember 1890. 7. Jahrg. J® ieU* caD» 1976 ahn" ch-i» r \n. Up. NevsÄmntlnnsen. , Di- Tischler , 11 sich am 4. Dezember in einer gntbesuchten Versammlung funv m Vorsih bei Hern: W i e d e m a n n zusammen ge- d».Ä' Zu dein zu Weihnachten in Hannover stattfinbeuden (Jchchen Tischlerkonareß Stellung zu nehmen. Das einleitenbe �'erat hielt Herr T h. Glocke. Er führte im Wesentlichen K'wnbes aus: Dem Kongreß iverbe es in erster Linie obliegen, «..Jjorm ber Organisation zu bestimmen. Maßgebenb für bie Schlüsse bes Kongresses wirb u. A. ber in ben letzten Jahren f;n'a.chte Fortschritt in ben im Gewerbe angewandten'technischen »Achtungen sein. Großer Werth wirb auf bie Anstrebung bei leit-Verkürzung gelegt werden müssen. Die Verhältnisse im VlriVube Ünb von Jahr zu Jahr für bie, in ihm beschäftigten iimT.schlechter geworden. Trotzdem von Denjenigen, bie im Vorbeitreffen im Kampfe gegen die Ver- Mchterung der Arbeitsverhältnisse gestanden, die größten .Pier gebracht worden sind, ist es noch nicht gelungen, Köpfe der großen Masse der Kollegen den Ge- der Zusammengehörigkeit fest einzupflanzen. Die Arbeits- »Ä sse sind oft derartige, daß sie als geradezu barbarisch be- werden könnten. In heutiger Zeit nehmen diejenigen, ß. 5° das Geld in der Hand haben, alle Ernmgenschaften der w für sich in Anspruch. Diesem entgegenzuwirken, ist eine f Organisation nothwendig. Wir sehen, daß, wo derartige ß'flanifotionen vorhanden waren, und man den Kampf mit dem apital aufnahnr, etwas für die Arbeiter errungen wurde. tgs erzeugte der ausgeübte Druck wieder Gegendruck, es tztanben die Arbeitgeber- Verbände mit der Tendenz, die �pffsionssreiheit der Arbeiter zu vernichten. Dies hätte alle iw, cherenten aufrütteln müssen; leider ist dies nicht geschehen. Verhältnisse, die wir jetzt sehen, sprechen für die Roth- -ne'dtgkeit einer Zentralisation der Arbeiter. In Betracht zu ? chen ist aber hier, daß eine Zentralisation ein schwierigeres Ar- mit sich bringt, als es die Lokalisatio» gestattet. Hauptsächlich {Schicht dies in solchen Fällen, wo es auf das schnelle Fassen de». Schlüssen ankommt. Die Berliner Delegirten werden auf . m Kongreß bei der Stellungnahme zur Form der Organisation ' örtlichen Verhältnisse Berlins zu berücksichtigen haben. Es ,-?*? gut, wenn es der Kongreß den größeren Städten überließe, k" m großen Lokalisationen zu vereinigen und wenn neben der c'■ v t.'• t__:___ /?»■ i•■ v a. cn ion für die übrigen Städte ein Vertrauensmänner- (imp würbe, so hätte man im gewissen Sinne auch �.Zentralisation über ganz Deutschland. Die einzelnen itit!?)enDtxe,ne müßten sich dann zu Gunsten der in den großen kj..meir zu schaffenden Lokalvereine auflösen. Berlin müsse zu A�ralisati ..Mem geschaffen würde, so hätte man im gewissen Sinne auch entralis.....-■•- ein kör""" 6U schaffenden voraivereine aupvirn.-orrnu»i»,,r zu di'iem Kongreß mehr Delegirte wie zu den früheren senden, damit Meinung der Berliner Kollegen auch richtig zum Ausdruck W.(Beifall.) z». An der Diskussion betheiligten sich die Herren Eide, fu,*Qr0, Hoff mann, Wiedemann, Koblenzer, jnJj e, Manien, B o g a s ch, Klose, Ahrends, ajjiler, Zl p e l t und R. Schmidt. Fast sSmmtliche ei«'■»«k, 5 äußerten sich im Sinne des Referenten. Hauptsächlich „Kr. I gemacht gegen den Anschluß Berlins an den Verband iah die mit der früheren Berliner Filiale gemachten Er- Mtungen. Man sei auch nicht im Stande, im Verbanvsverein .. mirchschaftliche Lage so zu besprechen, wie es nothwendig, gegen die Gesetze zu verstoßen. Herr M i l l a r g hält es »i/ck,!ör richtig, daß die Klavierarbeiter selbstständig Delegirte Ä wollen. Herr Klose giebt seiner Meinung dahin Aus- .r"ch daß man auf dem Kongreß nicht speziell für Lokalisatio», f---- 1 C 1 1 V f 9nr>niT Up i jap : ffip d. ügC il ind't aai» Iii % 10' F. % W K ig- dck £ en'' a»' lief' ebfr"'""">""I oeiu jiuumtp if'O'v"|"» I»ü»."uch nicht speziell für Zentralisation eintreten dürfe. Mail $Jr, dafür eintreten, daß, wo es die Verhältnisse gestatten, »andsvereine, und wo sie es nicht gestatte», lokale Verein!- n geschaffen werden. Verschiedene Redner sprachen sich daß sich die in Berlin bestehenden Branchen- der Klavierarbeiter- und der Einsetzerverein, dem letzten Kongreß hätten auflösen müssen .... des groben Tischlervereins. Herr Müller Htm!?1 den Anschluß Berlins an den Verband ein. oet,,, etzesbestimmungen wären den Verbandsvereinen nicht so flärt �'."ff* man es sich einbilde. Robert S ch ni i d t er- c sei für Lokalisation und weise den ihm von Wiedemann SV'"- >n M cn flCttinrfT+l,'cX>'U4i"«v.vvMv w»»- A.�........... Hat t'n®orwurF, er habe einmal für lokale und ein anderes »ich. flut Zentrale Organisation gesprochen, zurück. Er hält es der s,, nothig, daß man sich immer in den Haaren liege wegen der„"chenvereine. Der Streit hierum sei ebenso unsinnig, wie er oder zentrale Organisation. Im Uebrigen giebt tönn Meinung Ausdruck, daß die Klaoierarbeiter so mehr leisten tzr p, ols wenn sie sich denr Tischlerverein anschließen ivürden. jebt' dabei darauf hin, daß sich dem Klavierarbeiter- Verein Sek�s?"dere Arbeiter der Musikinstrumenten- Branche an- haben, die mit der Tischlerei gar nichts zu thun hätten. Hans* /j"*"4 spricht sich im Schlußwort für ein ungebundenes ftoitAv- iut die zu wählenden Delegirten aus, da sich auf dem neue Gesichtspunkte, die bei der Abstimmung i» Betracht werde» müßten, eröffnen könnten. Beschlossen wurde Die Wahl fiel auf die Herren ze, Bruns, Bogasch, Woblenzer. Der vierte Punkt der der°�"roiiung:„iöerichlerslaitung über die bisherige Thätigkeit i>,n oji. er Streik-Konlrolkommission". wurde der vorgeschritte- wunL wegen von derselben abgesetzt. Folgende Resolutionen Zliwff.. angenommen: 1.„In Erwägung, daß die ganze sutini. iche Entwicklung in allen Zweigen unmermehr derZentrall- l»,,.. Zudrängt, erkennt die heutige öffentliche Tischlerversamm- es Prinzip die Zentralvereinigung als die. beste an, hält ott.bn pch in Rücl ficht auf die in Berlin bestehende» sti vUcheil„nh fnrnren Verbältniffe vor der Hand UlD».. VV».».HVZJfcV.i, iwj us, acht Delegirte zu wählen. 7 zn�edemann, Glocke, Oelz »'°Nlen. Millarg, Kobler �. gosordining:„Berichterstattung über —...a___ 1*____ i.-.-lA«" Organisation festzu- i Branchenver n der Tischt .r|» u..c �u....„.u„.nfation die 0 » ne»' Berliner Tischler energisch fördern zu bin,.'s,1,* Versammlung giebt den gewählten Delegirten' an- S'n �ichst diesem Sinne zu wirken." 2.„Die Versamm- 8tfeh- n? IUrt guuz energisch gegen den Passus in der Gewerbe- J/nn.»,.„„j, s„„, mit bis zu eiuein Jahre l%iymfiiger W und sich dem Fachverein der Tischler in einer starken Lokalorganisation die Interessen .)Clt ber~ fMrhprn an v cfönQ�fc?e/ dem Streikleiter mit bis zu enicin �ayre de]iraft werden können, wodurch dos Koalilionsrecht !?i*d, u»s �!? Gunsten des Unternehmerthums illusorisch gemacht ychm,"«rtlott sich mit dem Entwurf des§ 153 der Gewerbe- pftnfri unverstanden, wie ihn die sozialdemorratische Reichs- gk hg°.? ausgearbeitet und der Arbeiterschutz-Koiiimission vor- » Jur aeistige» K-Kämpfung den Reihen der Haudlungsgehilsen eingedrungenen i stlei[ tit �ve"" mai vo" dem noch nicht„verblendeten" , Au-n-� i*», welcher treu„»d harmoniebegeistert zu kbde,,. Reutern hält, eine„große" Versammlung einberufen *>>innigen Arbeiter"-Verein und ließen sich von diesem ihre Geschäfte besorge». Merkwürdigerweise suchen gerade die- jenigen Elemente unter den Handlungsgehilfen, welche bisher stets mit der tiefsten Entrüstung die Unterstellung, sie wären eben solche Lohnarbeiter, wie alle anderen Jndustrie-Arbeiter, zurück- gewiesen haben, Schutz bei einem Arbeiterverein, wenn es allerdings auch nur ein Arbeiterverein insofern ist, als er sich so nennt, sonst aber nur äußerst wenige Arbeiter in seinen Reihen zählt. Ter deutsch-„freisinnige Arbeiter"- Verein berief also zu Donnerstag Abends nach der Brauerei Friedrichshain eine„Volks"- Versammlung ein; im Bruch mit alten Traditionen war dies- mal ein freier Eintritt Allen gegen Zahlung von 10 Pf. Eintrittsgeld gestattet; möglich daß»insere neuliche An- zapfung eine Kartenausgabe vereitelt hatte. Die Versammlung war von etwa tausend Personen besucht, von denen anscheinend 200—250„Freisinnige" und 700—800 Sozialdemokraten waren. Zwischen diesen beiden Parteien kam es vor Eröffnung schon zu einem sehr erregten Renkontre, wobei der„freisinnige Arbeiter"- Verein einen schlagenden Beweis seiner Arbeiterfreuudlichkeit gab. Einem Genossen, welcher mit einer Sammelliste für die aus- gesperrten Erfurter Schuhmacher herumging, wurde das Sammeln von dem Vorstand aufs Unhöflichste untersagt, was natürlich zu heftigen Auseinandersetzungen führte. Trotzdem lieben sich die Genossen dadurch nicht abschrecken und setzten die Sammlungen ruhig fort; verhältnißmäßig waren dieselben sogar ganz be- friedigende. Ein weiteres Beispiel ihrer Prinzipienfestigkeit gaben die Herren vom Vorstand des famosen Vereins durch ihr Ge- bahren gegenüber den Kolporteuren. Sie, die immer die Phrase von der unbeschränktesten Handelsfreiheit im Munde führen, durchsuchten die Taschen der Händler auf das Sorgfältigste, wobei selbst die unverfänglichsten Schriften der gestrengen Zensur nicht entgingen. Als Entschädigung suchten sie allenthalben, freilich mit wenig Glück, die Richter fchen Irrlehren anzupreisen. Auch von den neuen Bundesgenossen der deutsch-„sreisimiigen" Handlungsgehilsen, den Antisemiten, war eine kleine Anzahl er- schienen, dieselben wurden von einigen„Freisinns"sührern sehr aufmerksam behandelt und hielten das geschlossene Kartell aus- recht.— Nach Eröffnung der Versammlung hielt Herr Noa seineu angekündigten Vortrag über die Frage, wie sich die Handllmgs- gehilfen zur Sozialdemokratie verhalten. Seine Ausführungen waren zum größte» Theil, soweit sie die Mißstände im kauf- männischen Beruf betrafen, der sozialistischen Agitation entnommen, nur war die aufgewärmte Brühe etwas sehr verwässert. Das Schlagwort, mit welchem die Agitation begonnen hatte:„Hand- lungsgehilfeu, wacht aus", hatte er ebenfalls aufgenommen und wandte es wohl ein Dutzend Mal an. Seine Ausführungen waren vom stärksten Beifall seiner Freunde und nock stärkerem Widerspruch von sozialdemokratischer Seite begleitet. Redner gab fast alle Mißstände zu, fand aber die Abhilfe derselben nach wie vor in einem einmüthigen Zusammengehen der Gehilfen mit den Prinzipalen. Die Beseitigung der langen Arbeitszeit und der Sonntagsarbeit hielt er nur durch Koalitionen der Chefs für möglich. Betreffs des Lehrlingsunwesens ging sein Rezept dahin, die Eltern durch Zeitungsaufrufe zu warnen, Kinder, welche nicht die nöthigen Schulkenntnisse haben, Kaufmann werden zu lassen. Die Frau gehöre ins Haus, die Frauenarbeit sei minderwerthiger als die des Mannes, sagte er. Der Anfang und der Schluß seines Vor- träges waren am interessantesten, wir geben daher einige Stelleu wieder: Die Sozialdemokraten versuchen ihr Banner unter die Hand- lungsgehilfen zu tragen.(Lebhaftes Bravo.) Dagegen muß jeder „freisinnige" und deutsche Gehilfe Front machen.(Beifall au' der anderen Seite.) Die Sozialdemokralen wollen ihr Ziel au' internationalem, revolutionärem Wege erlangen. Sie sagen, das Interesse des Prinzipals sei es, seine Angestellten möglichst viel auszunutzen(Sehr wahr!), das Interesse der Gehilfen aber, sich von ihren Chefs möglichst wenig ausbeuten zu lassen.(Zustimmung.) Das ist nicht wahr!(Beifall der„Freisinnigen". Schallendes Gelächter der Sozialdemokraten.) Der Handlungsgehilse muß zur Pflichterfüllung angehalten werden.(!) Die Handlungsgehilfen dürfen nicht den Sozialdemokraten Vorspanndienste für die sozia- listischen Utopien lefflen.(Bravo und Gelächter.) Wir verlangen gleiches Recht für Alle.(Ruf: Haben Sie wohl schon von den Sozialdemokraten gelernt.) Eine Aufbesserung der Gehälter kann nur durch Beseitigung der Steuern und Schutzzölle bewirkt werden, damit der Handel wieder aufblühe.(Beifall und schallendes Ge- lächter.) Genosse Engler tritt den Ausführungen entgegen. Genosse Auerbach: Wir behaupten im Gegensatz zum Referenten, daß es keine Interessengemeinschaft zwischen Prinzipal und Arbeiter giebt.(Beifall.) Die Gehilsen iverden nur etwas erreichen, wenn sie energisch Front machen gegen den Uebermuth der Prinzipale.(Stürmischer Beifall, vereinzelter Widerspruch.) Wenn die„freisinnigen" Handlungsgehilfen wirklich etwas er- reiche» wollen, so mögen sie an ihre Abgeordneten herantreten und sie zwingen, für einen Maximalarbeitstag und für eine Minimalkündigungssrist einzustehen. Tie werden ihnen dann zur Antivort geben, das sei eine frevelhafte Beschränkung der Mannesfreiheit. Wenn immer eingewendet wird, der Gehilse nehme eine andere Stellung ein, als der Industriearbeiter, ellie Vertrauensstellung, so halte ich dem gegenüber, daß der Arbeit»» an der Maschine mindestens dieselbe Vertrauensstellung einnimmt, wie der Verkäufer hinter dem Ladentisch. Wenn Herr Noa glaubt durch de» Freihandel dem Kleinkaufmaun aushelfen zu können, so irrt er sich sehr, das mag wohl Ihr Zukunftsstaat sein, aber mit dem ist es dann nicht iveit her. Wir reden dem Kleinkaufmann nichts vor, wir sagen, daß wir ihm nicht helfen können, daß er unrettbar verloren ist, daß er vom Großkapital zermalmt wird (Lebhafter Beifall, Widerspruch). Redner bespricht dann die Thätigkeit in der Arbeiterschutz-Koinmission,>vo nur die drei sozialdemokratischen Vertreter für wirksamen Schutz der Arbeit eingetreten seien, und fährt fort: Sie halten uns immer mit der größten Entrüstung unseren revolutionären Standpunkt entgegen. Sie verleugnen daniit nur ihre eigenen Elter», welche im Jahre 1848 de» Schloßplatz gewiß nicht mit Rosenwasser begossen haben. (Widerspruch und Lachen bei den„Freisinnigen"). Mögen Sie sich noch so sehr vor dem Zukunftsstaat fürchte», der kommt, ob Sie es wollen oder nicht. Die Handlungsgehilsen kommen nur deshalb zu uns herüber, weil sie eingesehen haben, daß die einzige Partei, welche für ihre Interessen eingetreten ist und eintreten kann, die sozialdemokratische ist.(Stürmischer anhaltender Beifall, Widerspruch, sich widerholender stürmischer Beifall.) Es trat sodann Herr Buchdruckerei-Besitzer Georg Jsaae aus Charlottenburg ans das Podium, in der Vorahnung eines großartigen Schauspiels mit Beifallsjohlen begrüßt/ Es ist ein wunderbares Schauspiel(Aha! Gelächter); die Sozialdemoiraten sind nicht im Stande die Wahrheit z» hören.(Schallendes Lachen, Ruf: Bajazzo.) Was Herr Auerbach gesagt hat, kann zum großen Thea jeder radikale Demokrat unterschreiben, aber den eigentlichen Kern der Sozialdemokratie hat er verschiviegeu. (Beifall der Freisinnigen.) Herr Auerbach und Sie Alle sind nur irregeführt, Sie verkennen die Thatsachen.(Schallendes Hohngelächter und stürmischer Beifall.) Sie verleugnen ihre Führer, welche Ihnen unbegnem sind.(Ruf: Wir haben keine Führer, nur Genossen.) Sie knebeln die Freiheit im eigenen Lager. (Beifall und Lachen.) Sie untergraben die heiligsten Freiheiten (Unruhe.) Bon Herrn Auerbach habe ich mir mehr versprochen. wenn er öfter zu uns kommen wirb, wird die„freisinnige" Partei nur gestärkt werden.(Schallendes Hohngelächter, lebhafter Beifall, Zwischenrufe, Unruhe.) Genosse L a s k e tritt den Klopffechtereien des Vorredners scharf entgegen. Wir verleugnen Niemand. Wer sich nicht dem Willen und Interesse der Gesammtheit unterordnet wird bei Seite geschoben(Beifall). Bei Ihnen wird das vertuscht(Beifall und Unruhe). Betreffs der Knebelung der Presse verweise ich Sie in Ihrem eigenen Lager auf den Fall Mehring(Unruhe der Freisinnigen). Das Revolutionäre hat Ihnen schon Genosse Auerbach klar gelegt, ich bemerke nur noch, daß die größte Revolution sich gegenwärtig auf dem Boden der heurigen Gesellschaftsordnung vollzieht.(Lebhafter Beifall.) Ter Vorsitzende verliest jetzt einen Schlußantrag, gegen welchen sich lebhafte Proteste erheben. Genosse P e n n protestirt gegen die Geschäftsführung, eine eingebrachte Resolution sei nicht verlesen worden. Der Vorsitzende bemerkt, daß es nach den Vereinsstatilten nur Mitgliedern ge- stattet sei, Anträge einzubringen.(Große Unruhe; Ruf: öffent- liche Versammlung! Mache! Gleiches Recht für Alle.) Genosse R ose n t h a l beschwert sich ebenfalls über die Ge- schäftsführung. Trotzdem er sich mit seinem Freunde Auerbach zu gleicher Zeit gemeldet habe, wären, nachdem schon mehrere Redner vor ihm gesprochen haben, noch drei Redner vor ihm in die Liste eingezeichnet. Er habe genau aufgepaßt, da er schon von früher her an dergleichen Unregelmäßigkeiten in„freisinnigen" Versammlungen gewöhnt sei. Bei diesen Worten erhoben die Freisinnigen ein derartiges Toben und brachen in solche Wuthausbrüche aus, daß der über- wachende Polizeibeamte die Versammlung auflöste. Damit fiel leider ein Antrag weg, nach welchem der Ueber- schuß der Tellersammlung den Erfurter Schuhmachern überwiesen werden sollte, ebenso ein Antrag, die„Irrlehren" gratis zu vertheilen. Unter stürmischen Hochs aus die internationale Sozialdemo- kratie und dem Absingen der Arbeitermarseillaise verließ das Gros der Versammlung den Saal, dazwischen verhallten die Hoch- rufe auf Engen Richter, Jsaae und Noa. Draußen wurden die Singenden von einem ungeheuren Ausgebot von Schutzleuten empfangen. Die eingebrachte Resolution mag dem Vorsitzenden wohl ein gehöriges Gruseln beigebracht haben und er hatte allen Grund, die Abstimmung zu vereiteln. Die Annahme derselben war bei der Zusammensetzung der Versammlung gewiß. Ihr Inhalt besagt ungefähr Folgendes: Die heute in der Brauerei Friedrichshain tagende Versamm- lung bestreitet dem deutsch- freisinnigen Ar- beiterverein jede erfolgreiche Intervention zu Gunsten des arbeiten den Volkes und beschließt die Prinzipien der internationalen Sozial- demokratie in Wort und Schrift hochzuhalten und zu verbreiten. (feine öffentliche Uerfamniinng der Schrauben- und Faeondvrhrr tagte am Montag, den 1. Dezember, unter Vorsitz des Kollegen Thate. lieber„Nutzen der Zentralisation" hielt Herr A. Gerisch einen, mit lebhaftem Beifall aufgenommenen Vortrag. In der sich lebhaft gestaltenden Diskusston sprachen die Kollegen Eisenblätter, Hirsch, Stabernack, Voigt und Gützow, mit einigen Abiveichungeii sämmtlich im Sinne des Referenten. Folgende Resolution wurde einstimmig angenommen:„Die am I. Dezember bei Feuerstein tagende öffentliche Versammlung der Schrauben- und Fa�ondreher Berlins erkennt die Zentralisation an. Zur Bildung dieser Zentralisation betrachtet die Versamm- lung die örtliche(lokale) Zentralisation als einzig»iöglich unter den heutigen Gesetzen, und verpflichtet sich dieVersammlung mit allen ihr zu Gebote stehen) en Kräften für die letztere zu agniren." Sodann sprach Kall. Stabernack über den kommenden Provinzial- Delegirtentag. Derselbe hält es für zweckmäßig, unsere Branche dort vertreten zu sehen, um wieder Gelegenheit zu erhalten, mit den ausivärtigen Kollegen in Verbindung zu treten. Mehrere Kollegen sprachen in demselben Sinne. Gewählt als Delegirte wurden die Kollegen Gützow und Eisenblätter. Unter„Ver- schiedenem" machte der Vorsitzende auf den von der Berliner Streik-Kontrolkommission gefaßten Beschluß betreffs der Schank- wirths-Frage ausmerlsam. Eine öffentliche Uerfammlung für Frauen und Männer tagte am Sonntag, den 30. November, Abends, in den Zentral-Festsälen, Oranienstr. 180. Herr Pinn hielt einen Vortrag über:„N o r d a u' s konventionelle Lügen der Kultur menschhei t." An dem mit Beifall auf- genommenen Vortrag schloß sich eine animirte Diskussion. Nach dem Schlußwort des Referenten erledigte die Versammlung noch mehrere Mittheilungen und Anträge. Beschlossen wurde behufs der ferneren Einberufung dieser Versammlungen 5 Beauftragte zu wählen. Gewählt hierzu wurden: A. Ringe, R. S ü n d e r m a n n, K. G e f f e r o i s, A. W e i d n e r und Frau Sit mann. Ferner erklärte sich dieVersammlung mit den Beschluß der Berliner Streik-Kontrolkommission in der Kellner- frage einverstanden. Der erzielte Ueberschuß wird gemäß Antrag, den gemaßregelten Arbeiterinnen der Berliner Velvrtfabrik über- wiesen.— Nächste Versammlung, Sonntag, den 7. Dezember. Dresdenerstr. 45. Der Lach verein der Tischler hielt am Sonntag, den 30. November, eine Versammlung ab. In derselben sprach Dr Lätgenan über:„Das eherne Lohngesetz und die Produktiv- genossenschasten." Eine Diskussivu über den Vortrag fand nicht statt. Mehrere Redner sprachen ihr Bedauern über den schwachen Besuch der Versammlung aus. Die Mehrheit der Kollegen im Westen beweise damit, daß der Jndifserentismus unter ihnen noch iminer herrsche und sie noch nicht eingesehen hätten, daß nur durch sesten Zusammenschluß in der Organisation eine weitere Verschlechterung ihrer Lage zu verhindern sei. Zur Werkstatt- Kontrolkomuiission wurden drei neue Mitglieder voraeschlaaen und ei» Msheriges Mitglied erklärte sieh brnit, basAmt# ei» weiteres Jahr zu ubernehmen. .... I"» Kurliause zu Friedenau fand am 3. d. Mts. eine ostentliche Maurer-Versamnilmig>mt der Tagesordnung: Stellung- »ahme zur Gründung eines Vereins statt. Kollege Wernau-Berlin reienrte über die.tothivcnbigkeit der Arbeiterorganisation, und der Antrag, einen Maurerverein für Friedenau, Steglitz und Um- gegend zu gründen, wurde einstimmig angenommen. In den provsivrischeu Vorstand wurden folgende Kollegen gewählt: Vor- hopnjtr. 6. Zugleich wurden die drei Kollegen beaustragt, Statuten nuszuarvelten und der in nächster Zeit einzuberufenden Versammlung zur Berathnng vorzulegen. Mit einem begeisterten Hoch ans die internationale moderne Arbeiterbewegung wurde die Ver- sammlung geschlossen. Amerikanische Verkaufs-Hallen Spandauer» Brücke la, SkaEitzepst�asse 39»— Wienepsf passe Billigste Bezugsquelle der Welt für gute und elegante SS. Heppen- und Knaben-Bekleidungs-Genenstände. RSIInrs&roS-fr ist die bewegende Kraft, welche den Erfolg dieses Verkaufs kontrollirt. Die unten angegebenen Preise geben Jeden einen Begriff & von den Vortheilen, welche in den Amerikanischen Verkaufs-Hallen offerirt werden. 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