3i 'bÄ lortraff ri ülutif :(W ib cechk� ;en" r x$ I-r inbe 00 9 ete N b(# riaig 14 "St h! ei» 1,#0 lUUt» verl» 1,500 (ig dq v> Nr. 388. Mittwoch, den 10. Dezember 1890. 7. Jahrs. 3 -rgehZ milu# > m •SfW i iftt, WO: t, 0? in.-J Sf S »!»! -1 i Ä berliner lolblilotl. Hrgan für bic Inieref�en bet Arbeiter. Jnsertionsgebühr beträgt für die S gespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins, und Versammlung�. Anzeigen 20 Pf. Inserate werben bis 4 Uhr Nachmittags m der Expebltwn, Berlin L�., Bcuthstraße 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr� NHUa�s und von 3 7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vonnittags geöffnet. -, Fernsprecher: Amt VI. Zlr. 41vv.,— Kedakkion: BeukhNvÄße S.— Expvdikion: VeukhNvatze 3. Stj :a(oriP i i ?. % I 3 '» Der MÄmztf Srhule gegen die Sozinldemnkrenkie. A,, kaiserliche Kabinetsordre vom I. Mai des vorigen j�es betreffend die Bekämpfung der Sozialdemokratie der Schule ist, sobald sie in die Oeffentlichkeit gelangte, fük besprochen worden. Allerdings nicht sehr aus' An Ändeß dazu hatten wir gar' keine Veranlassung. " das Bekämpftwerden sind wir so gewöhnt, daß uns .1 e,n Bischen mehr oder weniger nicht ankommt; und Bibern konnten wir, bei den mannigfachen .w �heil sehr sprunghaften und überraschenden Wand i. 9en' welche die deutsche Politik in den letzten Jahren i,«!; gemach* W. ja auch gar nicht wissen, ob die, noch 'kr der A e r a Bismarck erlassene— natürlich nur I e P r e u ß e n giltige— Kabinetsordre heute noch, achdein Fürst Bismarck von der Regierung enffernt h�-en ist, die Gedanken der maßgebenden Kreise aus' n Jetzt lesen wir nun in der„Vossischen Zeitung" i» 27. November— die uns durch einen Zufall erst « ttn zu Gesicht gekommen ist— einige Bemerkungen, au .(che wir kurz zu antworten haben. In einem Artikel, Welt:„Sozialpolitik in der Schule", schreibt das ge ""nte Blatt: .„Mit auffälliger Zurückhaltung wird in der sozialbemo- js.gifrhen Parteipresse die kaiserliche Kabinetsordre voin l. Mai <589 behandelt, die den Zweck hat, bereits im Schulunterricht en Grund für den Kampf gegen die sozialdemokratischen Irr- chren zu legen. Das unter Herrn Liebknechts Leitung stehende Zssbge Fraktionsorgan hat seine Leser mit einigen Bemerkungen ii/x � Vergeblichkeit solchen Bemühens nothdürftig abge- b-s Uebrigen aber auf die bedeutungsvolle Kundgebung * Monarchen und die Erlasse des Staatsministe »ntwo ft l'rattifcben Durchführung mit keiner Silbe ge e„Wie erklärt sich diese Schweigsamkeit und Mäßigung einer �.Merklärung gegenüber, an deren Ernst unmöglich geziveifelt kann? Die bisherige Kampfweise im sozialistischen v..9e* steht damit in grellem Widerspruch; seit dem Fortfall .�.Sozialistengesetzes schien es aber, als od an die Stelle xVichtsloseu Kampfes gegen die Staatsgewalt das Bestreben als if�ialistischen Parteiführer getreten sei, sich den Massen .* den eigentlichen Sauerteig in der Gesetzgebung zu kön 9' ohne den auch die Regierung nichts ausrichten und der zur Zeit alle öffentlichen Angelegenheiten be- mische. Die neue sozialpolitische Aera sollte dieser Taktik dJchub leisten und so die weiteren Werbungen für die Sozial- ,�°kratie insbesondere auch auf dem Lande unterstützen, wo öen Agitatoren offenbar sehr viel nützlicher ist, sich auf ge- g.'u>same Ziele mit der Regierung zu berufen, als in schroffein «gensatz zu ihr zu treten. Für alle Zeit aber wird man der "l«n Schulpolitik der Regierung gegenüber den Kopf doch kaum Iseurlleton. [3 »«bot««.) 3i01lia Rothenbnrger Tage. n der Zeit des großen Bauernkrieges von 1525 Von Wilhelm Blos. &b&n£aim Pf?rrhof von' St.Äob, jenem prächtigen Jibet mif f? 110 i �ute eine Zierde der Stadt Rothenburg rcker, der xi"1 werttvürbigen, auf zioei Pfeiler gestützten h&t;!r<� Q Stockwerke geht, und mit seinen Herr- Ntzststejü und Bildwerken, ein beredtes Zeugniß vom khost Kunstsinn der Vorfähren. E» ging heute Utlde«' Hauptpfarrer Doktor Deuschlin hatte Gäste !Vftlt6nfa f- ctlter ö�eckten Tafel in der großen Stube des cksguen' J®Pen etwa ein Dutzend Personen, darunter einige Nitljch' ,.5 waren Patrizier, Bürger, Ordens- und Welt- � jck.gelehrte und Handwerker, die Träger der neuen %, in®. freien Reichsstadt Rothenburg. Man konnte hier �"»en f}ev große Kampf, der sich in Deutschland ent- Di-, m'"rix dem Namen nach ein Bauernkrieg fcJKtno �""�llten die kampfbereiten Massen zu dieser sckhejlj.?' I? �rn Städten �"""'-»ebisirten mit ihr oder sympachijUtt»� und manch sich gar viele der ersten Geister u»»>»»..», dn �VßK darob in der Folge der Folter und dem - örnnttpii mmtrfj bocdbedeutender Mensch, strahlend hochbedeutender Mensch, jnaynuu 1 Bewegung zu den Türken geflohen sein, die in den Sand stecken können. In dem Augenblicke, wo Sozialdemokratie klare Stellung zu der Sache nimmt, wird sich zeigen, daß hier ein Kampf von ungeahnter Tiefe und weit reichendstcn Folgen entfesselt ist. „Dem Willen des Kaisers gemäß soll die Regierung Mittel finden, um durch den Schulunterricht die Erkenntniß dessen „was wahr, was wirklich und was in der Welt möglich ist zu fördern. Die Lehren richtiger gesunder Volkswirthscha sollen nicht erst dem reiferen Lebensalter zugeführt, sondern schon dem empfänglichen Sinne des Schülers nahe gebracht werden, um ihn bei Zeiten von den Unmöglichkeiten des sozialdemokratischen Zukunftsstaates überzeugen. Ter Grundgedanke dieses Verlangens ist von unbestreitbarer Richtigkeit. Ohne die Verbreitung vernünftiger Wirthschaftsbcgriffc, ohne zureichende Kenntniß der Bedin gungen, die für das menschliche Zusammenleben und die Gütererzeugung maßgebend sind, giebt es keinen Schutz gegen die sozialistische Verführung, die sich in den Mantel falscher Wissenschaftlichkeit hüllt und ihre Opfer dort am leichtesten findet, wo bisher noch keine wirthschastliche Belehrung Fnß gefaßt hat. Der Gedanke, durch die Schule das heranwachsende Geschlecht zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie auszurüsten wird die Zustimmung Aller finden(!), welche von der Roth wendigkeit überzeugt sind, diesen Kampf durch die Selbsthilfe der Gesellschaft, nicht durch polizeiliche Mittel entschieden zu sehen. Die Frage kann nur sein, ob die Schule im Stande ist, die ihr damit zugewiesene Ausgabe in dem vorgeschriebenen Sinne zu erfüllen, ohne neue Gegensätze zu schaffen, die den Kampf vertiefen und dem Zwiespalt immer neue Zuflüsse öffnen/ Also die„Vossische Zeitung" findet unsere„Zurück Haltung auffällig". Aber waren wir denn„zurückhaltend"? Wir er klärten im Gegentheil sehr deutlich, wenn die Schule wirklich zum Kampf gegen die Sozialdemokratie benutzt werden sollte, dann werde nicht die Sozialdemo k r a t i e, sondern die Schule die Kosten zu tragen haben Was das fortschrittliche Blatt„Zurückhaltung"(auch „Schweigsamkeit" und„Mäßigung") nennt, war die philo' sophische Gleichgiltigkeit, welche wir allen derartigen Ver' suchen und„Kriegserklärungen" gegenüber zu beobachten pflegen. Und wenn es der„Vossischen Zeitung"„aus- fällig" ist, daß wir uns über Drohungen, gegen die wir uns gefeit wissen, nicht in hysterische Aufregung stürzen, nun, o können wir das nicht ändern, werden aber auch uns nicht ändern. Die„Vossische Zeitung" scheint nicht zu wissen, daß das, was jene Kabinetsordre ankündigt, bereits seit Jahren in verschiedenen Theilen Deutschlands, z. B. im Königreich Sachsen, das in allen Reaktions-Feld zügen an der Spitze marschirt, so gründlich durchgeführt ist, als es überhaupt durchgeführt werden a n n. Und mit welchem Erfolg? Die Schule ist von ihrem Bildungszweck abgedrängt worden. Tausende von Kin- dern haben das Vertrauen in die Lehrer verloren, und sie eher Schonung erhoffen konnten, als bei ihren christlichen Brüdern. Des Essens und des Trinkens pflog man nicht allzu eifrig in dieser aufgeregten Zeit"; die Seelen all dieser von hohen Idealen erfüllten Menschen waren nur dem großen Kampfe um die evangelische Freiheit zugewandt und man trachtete wenig nach körperlichen Genüssen. Der Hauptpfarrer, ein Mann in den Dreißigern, dem die geistliche Tracht wohl anstand, ein beliebter Volksredner und begeisterter, ja fanatischer Anhänger der neuen Ideen, hob seinen Becher und stieß mit einem kleinen schwarzen Mann an, der am oberen Ende der Tafel saß und dessen unkelnde Augen unruhig von einem Antlitz zum anderen glitten. In diesem Mann schien es immer heftig zu arbeiten." „Auf daß es Euch wohl ergehe, Meister Andreas!" rief der Hauptpfarrer.„Ihr werdet diesen Nachmittag wieder reden vor allem Volk, draußen am Marterbild." „Das werd' ich und stände der Teufel selber draußen am Thor und lauerte auf meine arme Seele," rief der Angeredete, der Niemand anders war, als der berühmte und vielverfolgte Schwarmgeist, Dr. Andreas Bodenstein, genannt Karlstadt von seinem Geburtsort am Main. „Predigen werv' ich, daß denen auf dem Rathhaus droben die Ohren klingeln sollen zur Stunde." „Die klingeln ihnen zetzt alle Stund," meinte lachend Kilian Etschlich, der Tuchscheerer, indem er dem Haupt- arrer zutrank.„Aber seid vorsichtig, lieber Doktor, wenn Ihr aus dem Thor gehet. Denn wenn auch Rothen- bnrg seinen Landhag hat, so können die markgräfischen Reisigen, die immer ans der Streife sind, doch einmal einbrechen. Sie möchten immer gerne den Preis verdienen, nicht ein Kind, nicht ein Vater, nicht eine Mutter ist der Sozialdemokratie abtrünnig gemacht worden. Und selbst unter den Lehrern, die eine Zeitlang den Kampf gegen die Sozialdemokratie eifrigst betrieben, haben die meisten sich nachgerade überzeugt, daß nur die Schule bei diesem Kampf verlieren kann, und daß sie nur ver- lieren kann. Die„Vossische Zeitung" hätte ferner doch wissen sollen, daß die Schule in Preußen seit Jahr- zehnten zur Bekämpfung der modernen Weltanschauung hat dienen müssen, und daß die Kabinetsordre des 1. Mai vorigen Jahres sonach im Wesentlichen gar nichts Neues enthält, sondern nur die Fortsetzung einer alten Polittk ist. Und was hat die Reaktion mit der jahrelangen Be- kämpfung des Materialismus u. s. w. in der Schule er- reicht? Die materialistische Weltanschauung beherrscht heute die wissenschaftliche Welt, und die Schule steht weit tiefer, als ehe sie in gewaltsame Opposition' zu dem modernen Geiste gesetzt ward. Womöglich noch hoffnungsloser ist der Kampf der Schule gegen die Sozialdemokratie. Eine Lehre, der nlindestens ein Fünftel des deutschen Volks anhängt, und deren Anhängerzahl reißend wächst — eine Lehre, die für ihre Anhänger ein lebendiger Glaube ist, läßt sich nicht aus dem Herzen des Kindes herausreißen. Der Lehrer, welcher sich unter- fängt, den: Kinde zu sagen:„Das was Deine Eltern, Deine Geschwister, Deine Kameraden für wahr und gut halten, ist falsch, ist Frevel und Sünde!" versündigt sich selbst gegen das Gebot: Du soll st Vater und Mutter ehren? und verliert das Vertrauen und die Liebe des Kindes, das fortan die Schule als eine feindliche, hassenswerthe Einrichtung betrachtet. Die Schule tritt in den schroffsten Gegensatz zun» Leben, und an diesem Gegensatz muß sie zu Grunde gehen. Wir wollen hier nicht bei den tief unmoralischen Kan- equenzen verweilen, welche die Verhetzung der Kinder- gemüther in der Schule zur Folge haben muß— nicht von der Saat der Zwietracht und der Heuchelei reden— nicht von den grausamen Konflikten der Gefühle— genug, die Bekämpfung der Sozialdemokratie durch die Schule kann blos unseren Feinden schaden, wird die Schule des- organisiren und diskreditiren, der Sozialdemokratie kernen Anhänger entziehen, wohl aber alle Diejenigen in ihr Lager treiben, welche Unrecht, Gewissenszwang und V«- gewaltigung hassen. Was soll überhaupt dieser ganze„geistige" Kampf gegen die Sozialdemokratie? Spielen wir doch nicht den der Markgraf von Ansbach auf Euren Kopf ge- setzt hat." „Aber ich hab's satt, mich immer wie eine Ratte zu verkriechen und wie eine Eule vor dem Tageslicht zu fliehen", rief Karlstadt mit Heftigkeit. „Euer Leben ist kostbar", meinte der Tuchscheerer. „Solch ein gelehrtes Haupt können wir nicht missen bei der evangelischen Sacke." „Wer kann für unser Leben bürgen?" antwortete Karl- tadt mit erhobener Stimme.„Wir sind mitten im Sturm und müssen mit ihm segeln. Glaubt Ihr, Meister Kilian, Euer Leben sei weniger bedroht als das meinige? Wenn die evangelische Sache nicht zum Siege gelangt, so wird man Euer schönes Haus niederreißen, allwo Ihr mich beherbergt und gespeist habt und wo die Männer des Volks ihren Bund beschworen haben; man wird' die Stätte, allwo das Haus gestanden, mit Salz bestreuen und eine verfluchte Hofstätte daraus machen, daß Niemand sich dort mehr anbauen mag." „Sei's drum", sagte gleichmüthig der Tuchscheerer. Wenn wir in die alte Nacht zurückfallen sollen, dann mag ich nicht mehr leben." „Ihr seid ein tapferer Mann", sagte der Hauptpfarrer. Auch mir ist, als müsse ich einmal auf dem Block durch das Schwert sterben und ich bin alle Tage-auf den Tod ge- Da aber sing ein junger Mann mit einem feinge- chnittenen, geistvollen Antlitz, dessen Augen schwärmerisch immer gradaus sahen, heftig mit den Händen zu gesti- kuliren an. Es war dies Hans Schmidt, der Barfüßer- Mönch, auch der Fuchs genannt. Im Volk hieß man ihn nur den blinden Mönch, denn ihm fehlte das Licht der Augen. Uni so hellsehender war sein Geist und in feurigen I Komödie. Abgesehen von jeglichem Beiwerk stehen die Dinge so: Wenn es— den guten Willen vorausgesetzt— den Regierungsparteien möglich ist,'das Elend aus der Welt zu schaffen, die soziale Ungerechtigkeit zu beseitigen, die ökononiische Gleichheit und die politische Freiheit zu be- gründen,— dann haben sie gewomienes Spiel. Aber besiegt haben sie uns nicht, denn sie können das Spiel nur gewinnen, indem sie unser Programm, das Programm der Sozialdemokratie verwirklichen. Erklären sie die Aufgabe für unmöglich— wohlan wir wissen, daß sie möglich i st, und die Massen werden zu Denen halten, die ihnen die Erlösung in Aussicht stellen, und sich von Denen abwenden, die von vornherein ihre Unfähigkeit, die Massen zu erlösen, aus- sprechen. In jedem Fall gewinnen wir das Spiel. Und hoffentlich wundert sich die„Vossische Zeitung" jetzt nicht mehr über unsere„auffällige Zurückhaltung". Wir sind keine schwachnervigen„Revolutionäre in Schlaf- rock und Pantoffeln"; eine wetterfeste Partei, welche das Sozialistengesetz spielend überwunden hat, wird sich vor diesem neuesten Kulturkampf nicht fürchten, der, obgleich ihn die„Vossische Zeitung" mit ihren freundlichen Segens- wünschen begleitet, noch kläglicher enden wird als der alte Kulturkanlpf. Wollen unsere Feinde durchaus die wichtigsten Ein- richtungen des heutigen Staats unterwühlen und in den Bankerott der alten, veralteten Parteien hineinziehen, gut, wir haben kein Interesse, sie daran zu hindern. Des Menschen Wille ist sein Hinunelreich. Norvetjrmrdimjc«. Amsterdam, 4. Dezember. Der hiesige sozialdemokratische Verein hat für diesen Winter in feinem Versammlungslokal „C o n st a n t i a" eine Reihe von Vorträgen organisirt, bei welchen Männer von verschiedener politischer Richtung vertreten sein werden. Natürlich hat der Vorstand auch an ausgesprochene Gegner der Sozialdemokratie das Ansuchen gerichtet, als Redner auszutreten, aber selbstverständlich nicht ohne Diskussion. So hat z. B. schon der bekannte Dr. S ch ä p m a n n,«in Gesinnungs- genösse des Dr. Windthorst und Führer der katholischen Partei in Holland zugesagt, ein Referat im sozialdeinokratischen Vereine zu übernehmen. Gestern Abend wurde der Reigen eröffnet durch den radikalen oder radikal-liberalen Prof. A. Pierson svon der hiesigen Universität. Die Versammlung nahm einen geradezu imposanten Verlauf. Etwa 1200 Personen lauschten mit größter Aufmerksamkeit der W* stündigen fesselnden Improvisation des Referenten. Dieser gehört unzweifelhaft zu den besten Rednern Hollands, Und, was vielmehrsagt, zu den Ehrlichsten und freisinnigsten seiner Standesgenossen. Das Zopsthum der holländischenUniversitäten hat sich diese Woche selbst glänzend charakterisirt, als die ge- lehvten Herren ihre Kollegien eröffneten. Sie widmeten lange Raden dem Gedächtniß des verstorbenen Königs, der als König eine der größten Nullen und als Mensch bei seinen Unterthanen, die ihn zu genau kannten, sich nicht gerade hoher Beliebtheit er- deeute.— Das Thema des Pierson'schen Vortrages war: das Leben und Wirken des irischen Volksmannes Daniel O' C o n n e l, der während ca, 45 Jahren die ganze Krast seines Geistes und seines Wortes an die Sache des armen in unerträglichster Knechtschaft geketteten irischen Volkes gewendet hat. Redner führte aus, wie Daniel O'Connel einer an- gestrengten Agitation von mehr als zwei Jahrzehnten bedurfte, bevor er das versumpfte irische Volk aus seiner Gleichgiltigkeit seinem und Stumpfsinn erweckt hatte. Dies geschah im ersten Viertel unseres Jahrhunderts. In wahrhaft pactender Weise schilderte Redner die Verdienste des großen Mannes um die Sache seines Volkes, imd wie er endlich 1847 starb, körperlich und geistig gebrochen, ohne die Ueberzeugung mit sich ins Grab zu nehmen, daß die Iren durchdrungen wären von jenem Geist, den er ihnen«inzu- flößen versucht, als er ihnen die Worte immer und immer wieder zurief:„Darlst Du noch länger leiden und entbehren, darfst Du noch länger Paria sein, oder wirst Du gleich sein wollen mit den großen englischen Herren, die auf ihren Schlössern sitzen und sich nähren von E. rem Schweiß und Blut?"— Der reiche Beifall, den Professor Pierson am Ende seines Vortrages erntete, zeigte klar, daß jeder der Zuhörer sich die Nutzanwendung, die allgemeinere Bedeutung desselben, gezogen hatte, daß Jeder die irische Sklaverei auf die der Lohnarbeit übertragen und sich Worten pflegte der blinde Mönch dem Volke die Gesichte seiner Seele zu offenbaren. Es war einer der beliebtesten und einflußreichsten Volksredner. „Lieben Brüder," rief der junge Mann, die Arme aus- breitend, während seine Augen sich erweiterten,„schier sollt' ich glauben, ihr beginnet zu verzagen, denn ihr sprecht nur vom Untergang der Volkssache und nicht von ihren» Triumph." „Die Volkssache wird niemals untergehen," rief Karl- stadt,„sie muß triuinphiren, heut oder morgen, früher oder später. Aber die Freiheit ist noch niemals voin Himmel gefallen; sie hat noch iminer ihre Blutzeugen erfordert. Und wer weiß, ob unser Loos nicht schon gefallen ist." „Aber»vir»vandeln getrosten Mitthes unsere Bahn," sprach der blinde Mönch.„Wenn»vir dabei mit dem Fuß an einen Stein stoßen, was verschlägt's? Ich fürchte nicht den Tod, denn mich wird er aus dem Dmtkel in eintfewiges Licht führen." „Wir schreiten getrosten Muthes vorwärts auf unserer Bahn," sprach der Hauptpfarrer mit feierlicher Stiinme, „ivelcher Art auch das Ende sein möge!" Eine weihevolle Stimlnmrg hatte sich der Amvesenden bemächtigt und sie sahen ernst vor sich nieder; neben Hans Schmidt» dem Mönch ohne Augenlicht, saß sein Schwager, einer der Teutschherren im langen weißen Mantel, mit dem schwanen Kreuz auf der rechten Schulter. Herr Melchior »var ein sanfter Mann, aber er hatte es gewagt, des blinden Mönchs Schivester Rosa zu heirathen; er hatte eine größere öffentliche Hochzeit gehalten und der Rath hatte in den be- »vegten und gefährlichen Zeitläuften nicht gewagt, sich in die Sache einzumischen. Rosa, eine sehr hübsche junge Frau mit den seinen Zügen ihres blinden BruderS, saß neben Melchior und eine Thräne rann über die rosige Wange. Herr Melchior sah sieh zärtlich an und drückte ihr »lnter dem Tische die Hand. „Mein zartes Röslein fürchtet sich vor dem Sturme", flüsterte er.„Du magst geruhig sein,»nein trautes Weib; wir haben mächtige Beschützer!" „Die uns nicht verlassen werden", sagte der blinde gelobt hatte, das selmge mitzuthun, um die modernen Parias, die Lohnarbeiter, aus ihrem Schlafe aufzurütteln, um ihnen zu- zurufen;„Dürfet auch Ihr noch länger zu Nutz und Frommen einiger weniger Großkapitalisten ein elendes Dasein führen, oder»vvllt Ihr mitarbeiten am großen Werke unserer Zeit: Der Befreiung der Menschheit aus den Ketten des Kapitalisnius zu dem freien auf die Gleichheit Aller gegründeten Staat des Sozialisinus!? Die Feigheit und das über alle Maßen beschränkte Klassen- Interesse des holländisch«: Liberalismus hat sich im eklatantester Weise bei der jüngsten Stadtverordnetcn-Ersatzwahl gezeigt. Man muß wissen, daß in Holland noch die, welche das verhältnismäßig kleinste Bruchtheil ihres Einkommens für die direkten Steuern opfern, allein das Recht?(haben, die Stadtverordneten und Ab- geordneten der zweiten Kaminer wählen zu dürfen. Es ist ein- icuchtend, daß daher das Proletariat und größtentheils auch der kleine Bürgerstand, welche prozentinäßig wohl mehr als die Hälfte ihres Einkommens zum Unterhalt ihres Vaterlandes aufbringen müssen, doch gar nicht mitreden dürfen, ivenn es gilt die Männer zu wählen, die mühsam einige Jahre mit Weisheil und Gerechtigkeit das liebe Vaterland regieren sollen! Nun, die Hauptstadt des Landes, Amsterdam, mit ihren 400 000 Einwohnern, hat das Glück ca. 19 000 Männer nufiveisen zu können, welche die ge- , lügende Dosis Weisheit besitzen, um die Mitglieder des gesetz- gebenden Körpers für die Stadt Amsterdam zu wählen. Holländer, und besonders Amsterdamer Bourgeois, sind jedoch bescheidene und anspruchslose Leute. Es darf daher nicht Wunder nehinen, daß von oben genannten 19 000, stets ca. 13—15 000 sich selber noch nicht die nöthige Weisheit zumuthen und von der Wahlurne weg- bleiben. Man sieht, es ist echt holländisch: am Ende des neun- zehnten Jahrhunderts: eine Bevölkerung von über 400 000 Menschen regiert durch eine Sippschaft von ca. 4 bis 6000„ My n- Heers!" Es bedarf wohl keiner näheren Aliseinandersetzung, aus welch' einem„auserlesenen" Trupp Aristokraten die Amster- damer Stadtverordnetenkammer sich zusanimeiisetzt. Es sind 39. Auch ist eS selbstverständlich, daß die Mehrheit sehr„liberal" ist, wie überhaupt die Holländer höchst liberale Leute sind. Stammen Sie denn nicht ab von dem ersten sreiheitsliebenden Volk des sechzehnten und siebzehnten Jahrhunderts?! Also am 25. November fand eine Ersatzwahl statt. Dies wäre wieder ohne die geringste Erregung vorüber gegangen, hätten nicht die organisirten Arbeiter die Gelegenheit benutzt, um etwas Leben in die Bude zu bringen. Hauptsächlich zum Protest hatten 25 Fachvereine einen Arbeiterkändidate» proklamirt, und die Wahl war gefallen auf den Typographen A. Rot, einen der be- mährtesten Genossen. Nun hat sich seit einigen Jahren das liberale Element von dem höchst aristokratischen Wahlverein „Bürgerpflicht" getrennt und einen neuen Wahlverein„Amster- dam" gegründet. Die Mehrheit darin ist freilich noch weniger sort- schrittlich gesinnt als z.B. Engen Richter. Um aber nun ihre Arbeiter- freundlichkeit zu zeigen, wurde A. Rot auch durch die„Radikalen" als Kandidat übernommen. Im Feldlager der Aristokraten herrschte große Apathie. Von Kampfeslust und Eifer kenie Spur mehr. Prüsentable Kandidaten blieben weg. Da stellte ein Mitglied von Bürgerpflicht" den Antrag, dem Wunsche der Arbeiter entgegen zu kommen, und ebenfalls ihren Kandidaten zu proklamiren. lind da geschah das Wunderbare und noch nie dagewesene: ein Arbeiter, und zumal ein Sozialdemokrat erschien in dem heiligen Kreis von„Bürgerpflicht", um seinen Standpunkt aus- einander zu setzen, und es war als ob die ganze Gesellschaft aus den Fugen gehen sollte: der Sozialdemokrat Rot wurde mit einem Mehr von etwa 60 gegen 50 Stimmen zum andidaten des hochari st okrati scheu Wahl- Vereins„Bürgerpflicht", wohl des einflußreichsten der Stadt, gewählt. Ter Vorstand von„Bürgerpflicht" und die ihnen befreundeten Bourgeoisblätter waren natürlich wüthend. Der Gegenkandidat»var ein llltrainontaner, unterstützt von einem anderen„liberalen" Wahlverein, der lieber einen„Mynheer", sei er auch ein Ultrainoutaner, wählen wollte, als einen'Arbeiter. An Verdächtigungen, Schmähungen und Verleumdungen des Arbeiterkandidaten Rot fehlte es geiviß nicht. Dazu kan, noch ein paar Tage vor der Wahl der Tod des Königs; an» gleichen Tage fand noch eine letzte Bolksversaminlung statt,>vo Rot als Redner aus- trat. Auf derselben äußerte sich ein Genosse weuigstens wie die Bourgeoisblätler erklärten,«tivas scharf über den verstorbene» König, der es doch gewiß verdient hat und nun fielen alle über die Arbeiterpartei her. Man sagte, jetzt gelte es das Kölligthun, zu schützen, das von den Sozialisten angegriffen»vurde, und so geschah es denn zwei Tage darauf, bei der Wahl, daß Genosse Rot kauin 1800 Stimmen erhielt, während den, ultramontanen „Mynheer" 3700 zufielen; Rot hatte die Radikalen auf seiner Seite. Rot»var Kandidat des größten liberalen Wahlvereins, aber er hat vielleicht keine einzige Stimme von Liberalen erhalte». Ein befferer Beweis, daß vom Liberalismus absolut Nicyls für das Proletariat zu erwarten sei, konnten die Arbeiter kauin wünschen. Und das Bild vom politischen Leben, das nia» jetzt in A in st e r d a m gesehen, ist das Gleiche mit seltenen Ausuahnien für das ganze Land. Die gesammte Arbeiterschaft hat gar kein politisches Recht. Und die anderen, die herrschenden Parteien, Mönch, dessen scharfes Ohr die Worte des Schivagers auf- gesangen hatte. Karlstadt blickte»»m sich. „Lieben Freunde und Brüder ," sprach er mit energischer Betonung,„ich predige also heute am Marter- bild. Dazn sollet Ahr alles Volk einladen. Alt und Jung, Vornehm»nid Gering. Jeder ist millkonnnen,»nag er noch so»nühselig»»»»d beladen sein. Aber vorher mache sich Einer auf und begebe sich fürsichtig zinn Rathhaus. Alldort hängt ein Wisch, den die gehöri»ten Esel, die Schreiber des hoch- wohlweisei» Raths, angefertigt und»nit zierlichen Schnörkeln versehen haben. Es ist zu lese»», daß dem Dr. Karlstadt verwehrt sein sott, zu predigen innerhalb des Gebiets der freien Reichsstadt Rothenburg, daß ihin ge- boten sei, sich hinwegzuthun und daß ihm Niemand Unter- schlupf geben solle. Wer»vill dieses Ediktum abnehmen?" „Ich," sagte Kilian Etschlich, der Tuchscheerer. „Aber der Rath?" meinte Herr Melchior. „Ach der Rath!" sagte der Tuchscheerer.„Lieber Freund, die Zeiten snid vorbei, da ein hochivohliveiser und fürsichtiger Rath cinein Nürnberger Reiterknaben den Kopf abschlagen ließ, weil er beim Ausreiten aus Muthwillen dem steinernen Reichsadler an» Röderthor ei»ie Kralle abgestoßen»nit der Lanze. Ein hoher Rath wird jetzt fürsichtig seinen eignen Balg büten. Was gilt's, ich hole das Ediktu,»»!" „Da ist's schon rief eine kräftige Stimme von der Thüre und alle schrnitei» dahin. „Ah, der Menzinger," sagte der Hauptpfarrer sichtlich erfreut.„Ihr sehet ja recht verg»lügl aus und bringet sonach sicherlich gute Kul»de, J»»l»ker Stefan!" „Da sehet!" rief der Angekoinmei»e, ei»»e hohe, schlai»kc Gestalt, mit Zügen voll Verschlagenheit und Kühnheit, in einen prächtigen schivarzen Kamlottmantel gewickelt. Er schivenkte ein großes Stück groben grauen Papiers, mit großen Buchstaben beschrieben»ind mit allerlei Schnörkeln versehe»», hin und her. Es»var»virklich die Verordming des Raths wider Karlstadt. Der Meilzinger warf das Papier spöttisch auf den Tisch. Dann schritt er auf Karlstadt zu. Stefan von Wenzingen, aus einem alte»» schwäbischen Geschlecht, der Freund des flüchtigen Herzogs Ulrich von werden nur dann für da? politische Leben erwärmt werden küi»� »penn dieArbeiterparlei mit aufdenKampfplatz treten kann. Wannn>! I hier auch nur das allgemeine Wahlrecht errungen haben»verd� ist im Voraus noch nicht zu sagen. Die Partei macht von zu Jahr Fortschritte,' immer größere Kreise»verden von den Jdtf» des Sozialismus angesteckt und so werden auch einst die hoM bischen Arbeiter fröhlich zum Streite ziehen können; und kämpf»' wir erst unter gleichen Bedingungen mit unseren Feinden, dlW» ist der Ausgang des Kampfes nicht mehr ziveifelhast dann fällt unserer gerechten Sache der Sieg mit Sicherheit w# Volikiph- Xlelkerlrchk. Berlii», de»» 9. Dezember. „Vielfach mißverstanden— so lesen wir in der„Kölir Zeitung"— wird das Kaiserwort, daß die Wurzel» der heutigen Zustände in der französtschr» Uevolutio»» liegen. Die Sozialdemokratie macht daran» bereits die Nutzanwendung, daß sie ja die den heutige» Verhältnissen augepaßten Ideen der französischen Revolutio» vertrete. Diese Behauptung ist falsch ui»d die Nutzanwendiinc beruht auf einem Migverständniß. Der Kaiser faßt offenbar in der sraitzösischen Revolution vorwiegend die Auseinander' folge von Greuelszenen ins Auge. Der überzeugungstreue Lehrer wird jedoch auch nicht umhin können, die chronische» Greuelzustände zu beleuchten, welche zu der revolutionäre» Exvlosion führte»». Die Geschichte der Revolution wird übrigens an allen Gymnasien sehr eingeheild behandelt Die Notiz der„Köln. Zeitung" richtet sich gegen l»«* Also»vir sollen in der kaiserlichen Ansprache den Passus betreffend die frauzösische Revolutio»», mißverstanden Habens Wohlan, betrachten wir den Wortlaut nach dein anzeigcr": „Warum wird immer an ui»serer Regiming heruin' genörgelt und auf das Auslaild veriviesen? Weil d»* jungen Leute nicht»v i s s e n, wie u n s e r e Z«' stände sich entwickelt haben und daß d» Wurzeln in den» Zeitalter derfranzösischr» Revolution lieg en. Der erste(Frage-) Satz mag etwas unklar sein— der zive»» (Antivorts-) Satz ist aber so klar»vie die Sonne. Entwehr haben die Worte nicht den landesübliche»», durch die Sprache festgesetzten Sinn, oder sie haben den Sinn, welchen ihnen beigelegt haben. Die„Kölnische Zeitung" ist es, dtt das„Mißvcrständniß" passirt ist,— trotz ihrer Loyalität. „an eines Königs Wort deuteln" zu wollen. Die Schlußbemerkung, daß die Geschichte der sta»' zösischen Revolution in allen Gymnasien sehr eingehend W' handelt»verde, kann bei Jede»»», der den Sachverhalt kei»at nur ein Lächeln hervorrufen,— oder meint etwa die „Kölnische Zeit»»ng" unter„eingehender Behandlung" ein' kritiklose Zusammenstoppelung reaktionärer Lügen u»° Aii»me>»märchen? Dan n könnte sie recht haben. Zur Beurtheilung der Ansprache des Kaisers über � Schulsrage ist der Umstand noch bedeutungsvoll, daß � Naturwissenschaften gar keine Erwäh' n u n g geschieht. Ein Zufall kann das kaue» sei»», da die Ansprache offenbar sorgfältig vorbereitet w»' — und wäre es Zufall, so wäre das erst rech' charakteristisch. Der Sozialismus u»»d die Naturwisff» schaffen— sind Geschwister, beide Kinder desse Vaters: des niodernen Materialismus— und we>» die Schule zum Kampf gegen die Sozialdemokratie aüp gerufen»verden soll, dam» muß logischerweise auch gleich' zeitig den Natunvissenschaften der Krieg erklärt werden. � Die Affäre Lnriu« ist noch immer»»»cht von» Fleck gerückt. Herr Lucms entwickelt einen heroischen Gleichmut und thut als ob ihn der abscheuliche Skandal gar niqp angehe. Und der Andere, auf den alle Finger als de' Mitschuldigen»veise»», und der doch sonst nicht an Dickst ll>?( keit zu leiden schien(»venigstens lassen die Zentner von Stral' formularen nicht darauf schtießei»), steht da wie ein egyptischr Steingötze— muckst uno regt sich nicht. Wir rühmen uns, namentlich im Vergleich mit andere» Nationen, so gern»»»»serer„politischen Moralität", � „Integrität unserer Staatsmänner"— wie verträgt M dieses Selbstlob mit der Thatsache, daß Männer in de> höchste!» Aeliltern und Würde»» ungestraft so handeln konnte»' wie es den Herren Lucius u»»d Bismarck seit Woche' Württemberg und vorher selbst flüchtig in der Schweiz, H bittere Feind des Raths, mit dem er in einen große» Rechtsstreit lag, war denn Ausbruch der Bewegung«a7 Rothenburg in sein stattliches Hai»s am Herrenmarkt zurü»' gekehrt. Er stritt ii»»t dem Rath u>n die Steuer, die C wegen seines Gutes, der Reinsburg, entrichten sollte.$C Menzinger, ein politischer Kopf, hatte die Bürger dazu bracht, den Rath lahm zu legen, indem sie de' Gemeinde- Ausschuß von ziveiundvierzig Mitglieder» bildeten, der die Leitung der städtischen und alle' politischen Angelegenheiten übernahm. Dabei bI,C Menzinger in gutem Emvernehmen mit den» Markgrase' Casimir, seinen» Lehnsherrn. Er galt deshalb für zwe' dcntig und Viele trauten ihm nicht; man glaubte, er ivo»' nur sei»» Vermögen bei der Sache verniehrcu. Aber M»»' zinger schien der Volkssache ergeben»ind stritt für Karlsta° mit vielein Feuer. Er streckte dem Doktor die Hand cm' QCQCll, „Wohl bring' ich gute Kunde," rief er.„Meister L'-*•--'—____ /-»*•& J)Cll Stat» umgehen und Eure Abenteuer" bestehen; auch»nö� Ihr offen zu dem Volke predigen, wie es E»lch gefällt., „Solcher Bescheid wird den Herren voin Rath »vohl schmecken," sagte der Pfarrer." j „Glaub's wohl," sagte der Menzinger,„aber ivas sar das den Ausschuß? Die wohlweisei» Herren haben sich j, sträubt und geziert wie die Jungfräulein; es»var zun» l- barmen. Des Kaisers und aller hohen und edlen Ungnade würd' uns der Doktor a»lf den Hals ziehe»», � klagten sie." „Die Fürsichtigen!" spottete Herr Melchior.;1(| „Aber der Ausschuß der Gemeinen läßt sich kein X L ein U machen und»vird mit einem fürsichtigen Rath manch ein Hühnlcin rupfen ivegen ungerechter Sie»' I »»»»d allerlei Geivaltthat und Beschwerniß, so die Geschleemj und die Vettern den Bürgern unserer freien Stadt% gethan. Die Beschwerlingen der Handiverker werd' ich aufhetzen."'(Fortsetzung folgt.) ÜlUIst- innn'1 iurtpv i S* SM* hollii»' impf* bm* felhasl. icit jp t. f.t. trrfi'" laraul utige« lutif ndunj senbal ander streue nschen >näreu wird SaffuR aben ieich� leruw' I die % !ch> zweite tweder >prache� n u?ir ,at# fraN' nb b-- keuut ta d* »«ine t uud >er die w a tau* et rv� recht wisse* "S 'glÄ »en. vorgeivorsen wird, ohne daß sie gegen die schwere Anklage sin Wort der Vertheidignng haben? Man denke an die Affäre Wilson in Frankreich, die nicht vertuscht wurde, sondern den politischen Tod des Hauptschuldigen und den Sturz des obersten Staatsbeamten, des Präsidenten G r e v y, der zu dem Treiben nur ein Auge zugedrückt hatte, zur Folge hatte. Freilich, das war im„wilden",„verkommenen" Frankreich! Und wir leben tm tugendhaften, sittenstrengen Teutschland.— Wie sehr der Geist der deutschen Neichsverwal- tung sich im steten Gegensatze zw dem in den kaiser- lichen Erlassen ausgesprochenen Wunsch nach Herstellung faktischer Gleichberechtigung zwischen Unternehmern und Ar- veitenr befindet, geht aus der Ernennung der Zineiund- twanziger Kommission zur weiteren Behandlung des Entwurfs eines bürgerlichen Gesetzbuches hervor. Zu diesem Zwecke ist eine Kommission von 22 Mitgliedern— theils Juristen, theils Vertreter der verschiedenen mirthschaftlichen Interessen— eingesetzt worden.■ Zu ständigen Mitgliedern der Kommission sind dem„Reichs- Anzeiger" zufolge gewählt worden: Staatssekretär Oehl- schläger, Berlin; Pros. Plank, Berlin; die Geb. Ober-Justiz- säthe Küntzel und Eichholz, Berlin; Ober-Regierungsrath Jacubezkl), München; Geh. Rath Ruger, Dresden; Prof. Atandry, Tübingen; Prof. Gebhard, Freiburg; Ministerial- kath Tittmar, Darmstadt; Anwalt Wolffson so»., Hamburg. �icht ständige Mitglieder sind: Manteuffel-Crossen; Helldorf- Bedra; Geh. Bergrath Leuschner, Eisleben; Gagern, Reuen- durg; Landgerichtsrath Spahn, Bonn; Geh. Justizrath v. Cunv, Berlin; Brauereidirektor Goldschmidt, Berlin; Amtsgerichts- �ath Hoffmann, Berlin; Generalkonsul Rüssel, Charlottenburg; Oberförster Dankelmann, Ebersivalde; und die Prof. Conrad, Halle; Sohm, Leipzig. Wie man ersieht, sind alle Berufsgruppen in dieser Kommission vertreten mit einziger Ausnahme der größten Bevölkerungsgruppe, der Arbeiter. Daß deren Interessen BN Entwürfe nicht mit* nicht berücksichtigt würden, ja, daß ber Entwurf, falls er Gesetz wird, einen Zustand schafft, der die Arbeiter schlechter stellt, als die Partikularrechte, st das preußische Landrecht, haben unabhängige Gelehrte, mie der Wiener Rechtslehrer Anton Menger und der Bcr- nner Professor Gierke schlagend nachgewiesen. Trotzdem Anton Menaer's und Gierle's Publikationen weit über die �ngen wissenschaftlichen Kreise hinaus das größte Aufsehen er- ttgt haben, wählt man heute ausschließlich Vertreter der kachta� [istischen Interessen in die Kommission, welche den Entwurf des Gesetzes endgiltig feststellen sollen und auch als Ver kreier der Wissenschaft wird nicht ein Gierke berufen, ein Mann von europäischem Rufe, sondern der reaktionäre Leip- ziger Professor Sohm und der Hallenser Professor Conrad, der sich bei Beurtheilung des letztjährigen Bergarbeiterstreiks als fürsorglicher Freund der Kohlenbarone erwiesen hat.— Die wirthschaftliche stets schärfer erweisen, als all Fk* lls ckfeM Str# !itisch«k inderoZ « dck iL onnte*' Woche" s'-L blich 3 : Me"' rrlstad id c"' s B X fj *4 ich i Entwicklung wird sich m..... IWWW die kleinen und kleinlichen Bersuche, unsere Bewegung zurnckznstanen; wie sehr diese Entwicklung der Sozialdemokratie günstig ist, das beweisen wieder die bis heute vorliegenden Ergebnissb der Volks �hlnng voni 1. Dezember d. I. Dieselben zeigen, daß die Bevölkerungszunahme in den großen Städten hohe Er- wartringen selbst übertroffen hat. Nach dem vorläufig ver- Mntlichten Resultat der Volkszählung in den großen Mdten stieg in dem fünfjährigen Zeiträume von 1885 bis [890 die Bevölkerung der Städte um fast ein Fünftel. Diese Erscheinung beweist aber bei weitem nicht nur das rasche Anwachsen der großen Städte, der Mittelpunkte der prole- »arischen Bewegung, sondern vor allem auch die öentralisirung der Industrie, das Zugrundegehen- vieler Kleinbetriebe, das Anwachsen der Großproduktion und damit "le Entwicklung zur sozialistischen Produktion.— ». Air Aussperrung der Hamburger Tabakarbeiter bringt den Unternehmern gewaltigen Schaden. Sic sind Rißer Staude, die Bestellungen ihrer Künden auszuführen Rsv sehen in ihrer Nähe eine drohende Konkurrenz erstehen. Bremer Fabrikanten beeilen sich, die ausgesperrten Hamburger Tabakarbeiter in ihren Fabriken zu beschäftige», und dadurch dem Hamburger Zigarreuhandel gewaltig Ab- swuch zu thun; dies veranlaßt die Hamburger Unternehmer, stiren Kunden das folgende Zirkular zugehen zu lassen: „Hamburg, im November 1890. P. P. Der„Verein der Zigarrensabrikanten von 1890," aus untenstehenden Firmen zusammengesetzt, beehrt sich, Ihnen mit- iutheilen, daß er gezwungen wurde, sämmtliche Arbeiter, welche destimmten Fachvereinen angehören, zu entlassen. Es werde» dadurch Verzögerungen in der Ausführung Ihrer den verschiedenen Firmen ertheilten Austrüge eintreten und bitten wir Sie, diese zu entschuldigen, auch spätere Liefe- rungen anzuerkennen, da unsere Schritte im Interesse des ganzen Eewerbes unternommen sind. _ Hochachtungsvoll »er Verein der Zigarre nfabrikanten von 1890." Folgen die Unterschriften. .., Aus diesem Schriftstück geht außerdem hervor, das die Unternehmer ihr Vorgehen gegen die Arbeiter nicht befchö- Rgen können, denn sie führen nur dic�Thatfachc der brutalen Aussperrung an, unterlassen es aber, den folgenschweren Schritt auch nur mit einem Worte zu begründen.— _ Die Nationalliberale it suchen wieder den «Kltwykmwyf zu beleben. Der frühere rothe Revolutionär '. jetzt unter der Last seiner Orden tiefgebeugte Bürger- Deister Fischer von Aligsburg hat letzthin eine Versamm- bug abgehalten, um gegen die von ultramontaner Seite bfigestrebtr Rückbenlsung der Jesuiten zu protestircn. Viel wird dies dem Herrn nicht nützen, selbst ein kleines Kultur- ""•bfcheu kann die absterbende natioualliberalc Partei nicht Lehr vor dem Untergange retten. Uns läßt die Furcht der .mtionalliberalen vor den Jesuiten vollständig kühl. Wir »stb nicht nur im Prinzip gegen alte Ausnahmegesetze, wir '"schien auch in der Praxis die Jesuiten nicht.®nid wir N all den Jesuiten im Frack, die sich in allen burger- >chen Parteien finden, fertig geworden, so werden imr auch -bst den Jesuiten in der Soutane(dein langen Pfaftenrock) lkNlg werden. Das UrtheU im Vrosejs« gegen d e n ehe m a l i, «en L a n d e s- D i r e k t o r Dr. Wehr hat durch seine - /stallende Milde und durch die Einrechnung der Unter- �.chungshaft in das ohnedies niedrige Strafmaß bei allen |st dem Angeklagten nicht befremideten Personen das leb- fkkste Befremden erregt, das durch den Umstand nicht ver- mindert wurde, daß der Vertheidiger Revision gegen das Urtheil eingelegt hat, während der Staatsauivalt"erst am Ende der Revisionsfrist gegen das Urtheil Rekurs ergriffen hat.— _ Die Depesche des„Herold-Telegraphenburcaus" über die angeblichen Aussichten auf einen Krrgardriterstreilr verdiente eine noch schärfere Kritik, als ihr in der letzten Nummer zu Theil wurde. Wir hatten anfänglich geglaubt, die Alariiinachrichten stützten sich auf die Besprechungen einiger belgischen, französischen, deutschen und englischen Bergarbeiter zur Zeit des vorjährigen internationalen Kon- gresfes in Paris— Besprechungen, die über den Rahmen eines Meinungsaustausches nicht Hinansgingen. Wir sehen nun aber,- daß die Depesche von einem intern atio- nalen Bergarbciter-Kongreß spricht, der am 1. März nächsten Jahres in Paris stattfinden und den allgemeinen Streik für den ersten Mai vorbereiten solle. Das ist entschieden Flunkerei. Von internationalen Bergarbeiter- Kongressen ist seit fünfviertel Jahren viel die Rede gewesen, — es hat sogar in Belgien ein sogenannter' internationaler Kongreß stattgefunden, derselbe verdiente jedoch seinen Namen in keiner Weise. Die französischen Arbciter-Kongresse in Litte und Calais beschäftigten sich mit der Frage eines internationalen Streiks der Kohlengräber, allein ein solcher Streik wurde nicht beschlossen, und auch kein Kongreß zur Vorbereitung eines solche» Streiks: Kurz, der internationale Bergarbeiter-Kongrcß vom 1. März ist ebenso wie der internationale Bergarbeiter- Streik eine Erfindung, für welche wir zunächst das „Herold"-Telegraphenbnreau verantwortlich machest, Wie uns mitgetheilt wird, arbeitet in diesem Bureau der sattsam bekannte Herr S ch n e i d t— was Vieles er- klärt.- In Gestenreich hat dieser Tage ein Antisemiten- Kongreß stattgefunden, bei dem auch der deutsche Reichs- tagsabgeordnete Bockel durch seine Betheiligung zur Er- heiterung des urtheilsfähigen Publikums mitgewirkt hat. Bemerkenswerth an diesem Kongresse ist das offene Ein- geständniß des Niederganges der antisemitischen Bewegung auch in Oesterreich, wo sie nnzweisclhaft große äußere Er- folge bei den Wahlen und bei Terroristrnng liberaler Ver- sammlungen ausweisen konnte. Als bcmerkenswerthes Zeichen des Niederganges ist die Nothwendigkeit, ihr einziges Tage- blatt eingehen zu lassen, zu verzeichnen.— Unterdessen macht die O r g a n i s a t i o n unserer ö st e r- reich ischen Parteigenossen die erfreu- lich.stcn Fortschritte. In den letzten Tagen haben stark beschickte Kongresse d e r B er g a r b e i t e r und der Bäcker stattgefimden, denen bekanntlich Kongresse der Tischler, Drechsler, Textilarbeiter und anderer Arbeitergruppen vorangegangen sind, und denen u. a. ein Metallarbeiter tag folgen soll. Bemerkenswerth an den Beschlüssen des Bergarbeitertags ist vor allem das warme Eintreten für das allgemeine Wahlrecht, in dem die früher zum großen Theil anarchistisch gesinnten Bergleute heute als verständige Sozialdemokraten ein überaus werth- volles Kampfcsmittel erkennen. Erwähnenswerth ist ferner an den Beschlüssen des Bäckertages die Einsetzung einer Kommission zur einheitlichen Organisation der Arbeitseinstellungen im ganzen Lande, so sehen wir auch in Oesterreich politisch und gewerkschaftlich die Arbeiter auf der richtigen Bahn. Auf der einen Seite der Antisemitismus des Kleinbürgerthums im Niedergange, auf der anderen der Sozialismus des Proletariats in unanf- haltsamem Fortschreiten— es geht vorwärts.— D i e R e v o l u t i o n s st i m m u n g im Kchweisrr K a n t o n Te s si n scheint jetzt ruhigerUeberlegung gewichen zu sein. TieLZuudesregieruug hat ihre Truppen aus dem unruhigen Ländchen zurückgezogen und der Kommissär. der Regierung, der Oberst Künzli, hat auch das Land verlassen. Anzu- erkennen ist jedenfalls das geschickte Vorgehen der Schweizer Regierung, welche durch ein proportionale Vertretung der streitenden Parteien in der obersten Behörde des Landes die Beruhigung der Gemüther und einen vernünftigen Rechts- zustand angebahnt hat. Au Willfährigkeit den Großmächten gegenüber fehlt es in der Schweiz leider nicht. Nach erregten Debatten beschloß der Nationalrath mit über wiegender Majorität in die Berathung des vom Ständerath vorgelegten Auslieferungsvertrages einzugehen. Auch mit Anarchistenausweisungen will man neuerdings vorgehen. Ein vor zwei Jahren aus Männern der verschiedensten sozialen und politischen Stellung gebildetes Initiativ- komitee, dem auch Sozialdemokraten angehören, hat, wie der„Bas. Arbeitebfreund" berichtet, nun den Entwurf eines A r b e i t e r i n n e n s ch u tz- G e s e tz e s für d e n K a n- ton Zürich fertig gestellt. Der Entwurf, welcher weiter geht als das entsprechende Gesetz von Baselstadt, bestimmt in der Hauptsache: Dieses Gesetz findet Anwendung auf alte dem eidgenössischen Fabrik- gesctze nicht unterstellten Gewerbe und Geschäfte, in welchen weibliche Personen regelmäßig' angestellt oder thätig ind. Ausgenommen sind die Wirthschastsangestellten, die Ladentöchter, sofern dieselben nur ziir Bedienung der Käufer verwendet werden, und die eigenen Kinder eines Gewerbe- oder Gcschäfts-Jnhabors. Die Dauer der regelmäßigen Arbeitszeit soll nicht mehr als 10©tun- den, an den Borabenden von Sonn- und Feiertagen nicht mehr als 9 Stunden betragen und in die Zeit von Mor- gens 7 bis Abends 8 Uhr fallen, lieber die Mittagszeit ind wenigstens l'/'e Stunden frei zu geben. Sonntags- arbeit und Arbeit an den Festtagen ist verboten. Mädchen unter 14 Jahren dürfen nicht zu gewerblicher Lohnarbeit verwendet und auch nicht als Lehrtöchter angestellt werden. Atlfällige Unterrichtsstunden sind bis auf zwei Stunden täglich in den Maximal- Arbeitstag mit einzurechnen. Mädchen unter 10 Jahren dürfen nicht mehr als, drei Stunden ununterbrochen an Tretmaschinen Wöchnerinnen vor und nach ihrer Niederkunft im Ganzen während 8 Wochen nicht beschäftigt werden. Bewilligung zur Verlängerung des Maximal-Arbeitstages kann von den Statthalterämtern auf schriftliches Gesuch hin ertheilt wer- den, aber nicht über 10 Uhr Nachts hinaus und nicht für länger als 8 Tage. Der verlängerte Arbeitstag darf nie- mals mehr als 12 Stunden betragen. Die Bewilligung darf nicht ertheilt werden für Schwangere und Mädchen unter 19 Jahren, und für andere nur, wenn sie für die Arbeitszeit entsprechend bezahlt werden und mit der- selben einverstanden sind. Für mehr als 6 Tage in einem Monate darf Uebcrzcit-Bcwilligung nicht er« theilt werden. Die Bewilligungen zur Ueberzeit-Ar- bcit sind im Arbeitslokal anzuschlagen. Die Kündigung darf nur auf einen Sonnabend oder Zahltag erfolgen und beträgt die Kündigungsfrist 14 Tage, wenn nicht bezüglich ihrer Dauer in schriftlicher Uebereinkunft etwas Anderes bestimmt ist. Ohne Beobachtung der Kündigung kann das Tienstverhältniß nur aus wichtigen Gründen aufgelöst wer- den(Art. 340 des O.-R.). Sofern nicht Monats- oder Jahresanstellung vorliegt, muß der Lohn mindestens alle 14 Tage in gesetzlichen Münzsorten ausbezahlt werden. Lohnabzüge und Bußen sind unstatthaft; ein allfälliger Dekompte darf die Hälfte eines durchschnittlichen Wochen- lohnes nicht übersteigen» Die Arbeitsräume müssen ge- räumig, trocken, hell und leicht ventilirbar sein. Ueber- tretung des Gesetzes wird mit 5—500 Fr. Buße bedroht.— Italien steht wieder unter dem Zeichen der Minister- krise. Obgleich es uns glcichgiltig sein kann, wenn von nun an statt des Herrn Giolitti Herr Grimaldi die italieni- scheu Defizits verantwortet, so erwähnen wir doch die That- fache, weil sie in bemerkenswerthem Widerspruche zu der in die ganze.Welt hinausposaunten Meldung von der Stärkung des Kabinets Crispi durch die letzten Wahlen steht.— Herr ParnrU widmet sich jetzt mit aller Kraft der nicht gerade sehr patriotischen Arbeit, Alles zu zerstören, was er — vermeintlich und wirklich— geschaffen. Er ist nach Jr- land geeilt, um an die>Volksmassen gegen die parlamen- tarische Majorität zu appelliren. An Erfolg wird es ihm nicht fehlen, allein je größer sein Erfolg, desto gründlicher der Ruin seiner Partei. Die großen Fortschritte, welche die irische Emanzipatwns-Bewegung in dem letzten Jahrzehnt gemacht, waren wesentlich dem Zusammengehen mit den englischen Liberalen»nd Radikalen unter Gladstone's Führung zu verdanken. Und dieses Zusammengehen macht Parnell durch sein hartnäckiges Festhalten an der Führerschaft unmöglich; und treibt er das jetzige Spiel noch eine Zeit lang fort, so wird es überhaupt bald keine irische Parlfimcntspartei mehr geben, mit welcher die englischen Parteien zu rechnen haben. An die Spitze einer die Jnter- essen Gesammt-Jrlands vertretenden Partei kommt Parnell nicht mehr— zur Schaffung einer neuen radikalen Partei fehlt ihm das Zeug— er kann nur noch zerstören.— Bei der im Pariser Oratorium abgehaltenen Trauerfrier für de»»erstorbene» König von Holland wurde unter die Anwesenden nachstehende Proklamation in holländischer und französischer Sprache vertheilt: „Batavische Republik(Jahr 96). Die niederländischen Patrioten, welche durch Herkunft und Ueberliefernng der Re- publik der Vereinigten Niederlande treu bleiben, die ehedem trotz Tyrannei und Verrath durch Blut besiegelt wurde, erheben feierliche Einsprache gegen die offenkundige Verletzung der heimischen Verfassung durch die Einsetzung einer fremdländi- scheu Regentin; sie erklären für null und nichtig die Eidleistung angesichts der mit langer Hand vorbereiteten Beraubungen durch die fremdländischen Erbfolge-Gesetze und das Personalstatut, über welches das Volk nicht zu Rache gezogen wurde; sie machen die europaischen Mächte und alle Staaten aufmerksam auf die verkappte Annexion, die sich vollzieht. Sie werden das Verbrechen des Hochverraths an den ver- einigten Provinzen, die verkauft, verstümmelt und dem Fremden ausgeliefert werben sollen, nicht zulassen. Alter niederländischer Löwe, schüttle deine Mähne! Patrioten, ergreift eure Piken und erinnert euch!, Hurrah! Für das Vaterland, für die Freiheit! Berg-op-Zoom, 3. Dezember 1890. Im Namen der Delegirten: A.-G. v. Winter." Wie in den O st s e e- P r o v i n z e n so wird auch in Linnland das B e r r u s s u n g s w e r k mit wachsender Brutalität betrieben. Ein Stück der alten Freiheiten nach dem anderen wird dem Volke entrissen. Daß es sich dabei um verbriefte, vertragsmäßig festgestellte Rechte handelt— Finnland gehörte früher bekanntlich zu Schweden— das kümmert das biedere„Väterchen" nicht. Nach der Regel russischer Staatskunst— eine Regel, die freilich auch für die nichtrnssische Diplomatie gilt— sind Verträge, Ver- sprechen und Eide nur dazu da, um gebrochen zu werden. „Väterchen" kann in seinem„Heiligen Rußland" keine Aus- nahmen dulden— Alle müssen gleichmäßig Sklaven sein, Alle gleichmäßig die zarische Sklavenunisorm tragen, und da„Väterchen" augenblicklich durch höhere Gewalt daran verhindert ist, Eroberungen nach Außen zu machen, be- anügt er sich bis auf Weiteres mit dtesen Eroberungen im Innern, durch welche die Einheitlichkeit des' Reiches gefestigt und dasselbe für künftige Kriege gestärkt werden *# # Veneste Vartj l ichten. In einem unzweifelhaft aus den Exkanzler zurückzuführenden Artikel der„Hamburger Nach- richten" wird die Verantwortlichkeit für die Stempelerlasse den Justiz- und Finanzministern und den„Stellen" zuge- schoben, von welchen der Nachlaß, ohne beantragt zu sein, erfolgt ist. Natürlich hat die Sache hiermit nicht ihr Ende erreicht. Wir werden auf die Angelegenheit zurückkommen, sobald der betreffende jArtikel seinem vollen Wortlaute nach vorliegt.— Aus den Vereinigten Staaten kommen Nach- richten von zahlreichen Bankrotten, die sämmt- lich auf den Baring-Fall zurückgeführt werden. Die Krise ist eben chronisch geworden.— Bern, den 9. Dezember. Der Nationalrath hat den Artikel 10 des Auslieferungsaesetzes betreffend vor- wiegend politische oder vorwiegend gemeine Verbrechen mit 77 gegen 29 resp. mit 58 gegen 54 Stimmen ange- nommen. VvivfXmffeit vrv Vedockkion« Bei Anfragen bitten wir die Abonnenienis-Quittung beizufügen. Brieflich Antwort wird nicht ertheilt. Abonnent M. K., Diedenhofenerstraße, fragt an, ob von den Lesern des„Berliner Volksblattes" jemand im Stande ist, ihm den jetzigen Aufenthalt des Schuhmachergesellen Fritz Wessel, genannt Dittmaier, geb. am 27. Juni 1862, zu Anklam, zu geben. Wilhelm Kirchheim, Diedcnhofenerstr. 10. Sei». Ihre Annonze kostet 6 M. Kerger, Uen-Weißensce. Wir bitten uns anzugeben, wann die Versammlung stattfinden soll. Für die hiesigen Abonnenten liegt der heutigen Nummer»in Prospekt der Brauerei Germania, Berlin N,, Lagerhof, bei. Theater. Mittwoch, den 10. Dez ein der. Gprrnliaus. Oberon, König der Elfen. Die Recitative. Schitu/'pielljiurv. Eine neue Welt. Lessins- Tlfeatrr. Die Augen der Liebe. Hierauf: Der Vielgeliebte. Kn'linrr Tliente»-. Goldfische. Drutschc« Thratcr. Die Kinder der Exzellenz. Friedrich-Milhelmkädt. Tlfrnter. Bettelstudcnt. Sonne und Erde. Wnilnrr-Tlieater. In Hemdsürmew. Pension Schüller. N-stdenk-Theatrr. Der Kampf ums Dasein. Uiktoria. Theater. Die sieben Raben. Krlleullinnce- Theater« Familie Knickmeyer. Gstend» Theater. Vor Sonnen- aufgang. Thoma«- Theater. Der Soldaten- freund. Adolph Ernst-Theater. Unsere # Don Juans. Kärgerliche» Schauspielhau». Der Eisonkel. Kaufmann'« Uariotö. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Reichshallen. Große Spezialitäten-Vorstellung. Tonrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Richter'« Uariotö. Große _ Spezialitäten-Vorstellung. Winterhärte». Große Spezialitäten Vorstellung. Circus Renz. Karlstraße. Mittwoch, den 10. Dezember, Abends 7 Uhr: RM-Wll-VoWW. Auf vielseitiges Verlangen zum l. Male in der Saison: Die lustigen Heidelberger oder: Ein Studenten-Ausflug mit Hindernissen.. Große Original-Pantomime, neu arrang. u. inszenirt vom Direktor E- Renz. Hippolog. Potpouri(Non plus ultra der Pferdcdressur) mit 40 der best dress. Freiheitspferde, arrang. von Herrn Franz Renz. Eine Fahnen-Quadrille, geritten von 16 Damen. 4fache Fahrschule, ger. v. 4 Herren mit 8 Schul- pferden. Jeu de la rose, ger. v. Frl. Clotilde Hager und Miß Lillie Meers. Der phänomenale Reitkünstler Mr. I. F. Clarke. Miß Zelia Fampa, ameri- konische Luftgymnastikerin. Auftr. der Reitkünstlerinnen Frl. Zephora u. Mm. Bradbury, des Jockeyreiters Mr.Burnell Fillis, sowie komische Entrees u. Jnter- mezzos von sämmtlichen Clowns. Morgen: Vorstellung. E, Renz, Direktor. Englischer Garten. Direktion: C. Andres«, Alexanderstraß e 27c. Clara Conrad, Lieder- und Walz� sängerin. Jennp Reimann, Kostüm-Soubrette. IRr. Samitti mit seinen dressirten Hunden. Mr. 0. Worch, Produktionen an römischen Ringen. Max Menzel, Gesangskomiker. Mr. Koberatein, Malabarist. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags SVa Uhr. Entree.Wochentags u. Sonntags SO Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. KtMiffemellt Buggenhage« am Moritzplatz. Täglich:_ Wmr Grosses Concert. Wils Direktion A. Rödmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fnh'PP Wochentags 10 Fig., JjllUCC sonu. und Festtags 25 Ffg. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von P atzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641 F. Müller. KrativeilHeVierhlllleil VV Kommandanteustr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Guartett-Süngern, attsgeftihrt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entrde 20 Pf. 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Unseren Kollegen Mahnke u. Wntzler zu ihrem heutigen Geburtstage ein donnerndes Hoch, daß die ganze Forster Schweiz wackelt und das Rixdorser Kuhviertel zu Grunde geht.[2050 Die Erfinder des Drehwurms. Gr. Mitglieder-Versainmlnng des Aereius der Platteriunen u. rem. Bernfsgeuoisev Donnerstag, d. II. Dezember, Abends 8 Uhr, in Fenerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75 Tages-Ordnung: 1. Die Handlungsweise der Herren Sternberg ir. 2. Aufnahme neuer Mit- glieder. 3. Unser Maskenball. 4. Ver- fchiedenes. Zu dieser Versaiiimluiig sind die Plätterinnen von der Firma Stern- berg jr. und von der Firma Salomon Mosse speziell eingeladen. Ferner macht der Vorstand die Mitglieder ganz be- sonders auf Punkt l unserer Tagesordnung aufmerksam und bittet um zahlreichen Besuch. 2043 Ich erkläre hiermit Herrn A. Ziech als Ehrenmann. F. Struck.[2060 In Unfallsachen übernimmt der Unterzeichnete die Be- Handlung von Berufungen beim Schiedsgericht oder Rekursklagen beim Reichs- Ver sicherungsamt, und kann den Arbeitnehmern als früherer Berufs- geuossenschafts- Beamter sachge» mässe und«wirksame Unter- tützung bei Berechnung billigster Preise zilsichern. 954 H. BalZ| Auskunftsbureau in Reichs- Versiche- rungs-An gelegen!) eiten. Berlin 80, Na.nynstr. 23. il,,; '' Spiegel und 'olsterwaaren. eigener Gr. Lager, bill. Preise. Fabrik. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hof parterre. T Heilzahlimg nach Uebereinkunst. Franz Schmid Juwelier Alexauderstr. 38a gegenüber dem Polizeipräsidium empfiehlt sein großes Juwelen-, Gold-, Silber- und AlfenidewLager der bedeutendsten Fabriken zu fotibe» preise». Werkstatt für Neuarbeiten und Reparaturen! Winter-Palrtots und Anzüge bei billigsten Preisen empfiehlt das bekannte ßerren- uus Kuuöeu- Wmk- Cesljust von 425 Julius Lindenbaum Große Frankfurterstr. 139. 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Bericht der Delegirten der Berliner Sirw' Konirolkommission. 2. Wahl von Delegirten zu dem am Sonntag, � 28. Dezember, in Berlin stattfindenden Delegirtentag der Metallarbeiter»� denbnrgs. 3. Verschiedenes. 2051 Zur Deckung der Unkosten findet Tellersammlung statt. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Einbernfer. Große öffentliche Versammlung siimmtl. arbeitst. Maler u. Anstreicher Berlins und Umgegend am Donnerstag, den II. Dezember er., Vormittags 10 Un*1! in Soel'i Salon, Andreasstr. 21. � Tagesordnung: L%»% Die Ursachen der Arbeitslosigkeit. Ref. Herr Reichstagsabgeordn«' Ullrich. Der Vertrauensmann: Otto Pusch. � Fachverein d. Tischler, Norden, Große Versammlung am Mittwoch, den 10. Dezember, Abends SVä Uhr,"WI im Lokale des Herrn Schröder, Müllerstr. 178. Tages-Ordnung:, 1. Vortrag des Herrn Schöpke über„Thomas Moore". 2. DisktzM' 3. Die Bedeutung der Beschlüsse der Berliner Tischler in Bezug auf die �' beitsgeit. 4. Verschiedenes und Fragekasten. 201'', Ganz besonders zu dieser Versammlung sind alle Modelltischler B«rl>. und die Kollegen vom Gesundbrunnen eingeladen. Es ist jeder Kollege v" pflichtet, in der Versammlung zu erscheinen. 2017 Oer Bevollmächtigte-. Holz- und Bretterträger. Versammlung � am Donnerstag, den 11. d. Mts., Abends 8 Uhr, Oranienstr. Nr. W' Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Tiskusston. 3. Verschiedenes. 2021* Der Uorstand-____ Fachverein der Tischler Freitag, den 12. Dezember, Abends 8Ve Uhr, in Orschel's Salon, Sebastianstrasse Ho.*' Außerordentliche General-Versammlung« Tages-Ordnung: v 1. Vortrag. 2. Diskussion. 8. Antrag König u. Genoffen und chiedene Antrage, Vereinsangelegenheiten, Verschiedenes und Fragekasten. Zahlreiches Erscheinen erwartet 2022»_ Der Uorsianb. Am 1. Weihuachtsfeiertag, Vormittags 11 Uhr, im„Konzerthaus Sanssouci�, Kottbuserstraße Nr. iSgr Matinee."#8 Am 3. Weihnachtsfeiertag bei Lips am Friedrichshain, W>F' Nachmittags 5 Uhr: Concert, Gesangsvorträge, Kinder-Weihnachtsbescheerung n. Ball., Billets sind auf allen Zahlstellen des Vereins und bei folgenden Vert> Mitgliedern zu haben: rt„, Apelt, Sebastian str. 27/28; Gerike, Lansitzerstr. 52, 8 Tr.; Wieden' i, Wendenstraße 2, vorn 4 Tr.; Menke, Wienerstr. 37, vorn 2 Tr.; W>� Grimm str. 38, v. i. Keller; Fest, Stallschreiberstr. 43a; Monien, Kreu� � traße 9, Quergeb. 3 Tr.; Ahreos, Kottbuserstr. 6a, v. 4 Tr.; Schulz, Bs straße 42, v. 4 Tr.; Miele, Adalbertstr. 9, vorn 4 Tr.; Haberland, bergerstraße 161, v. 2 Tr.; Hoffmann, Straußbergerstr. 36, Hof 4 Tr.; Raw � Dieffenbachstr. 70, vorn 2 Tr. bei Mehnke; Polengowski, Zosseilerstr-~ Hof pari.; Witte, Jnvalidenstr. 21, v. 2 Tr.; Lenz, Dieffenbachstr. 67, o. jei Walther; Recke, Frobenstr. 13, Hof 3 Tr. bei Schirmer; Boian, traße 30, v. 4 Tr.; Meyer, Jnvalidenstr. 87, Hos 2 Tr.; Brose, N>k Berlinerstr. 114, 1 Tr.; A. Schmidt, Grüner Weg 105; I. Theurich, straße 76, v. 4 Tr.; Benschueider, Sorauerstr. 27; Rosenfeld(Neu-Weip�sch, Langhansstr. 100; CS. Peters, Treskowstr. 29a; Häusler, Schulstr. 51; Frievcnstraße on°<».- � cor Reichert, Fü, Britzerstr..> Koblenzer, Adalbertstraße 96; Franzi Chorinerstr. 18. Kohlhardt; Buchhandlung, part. 34. Mariannenstr. 34, part., empfiehlt fem großes Lager von z# Zpitlnialiren, smie(untmtliije Leber- uub Zillreibivasm' Verantwortlicher Redakteur: tkurt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Kirr?« jutei Koitsß 1 1. Beilage put Berliner Volks t. Nr. S88. Mittwoch, den 10. Dezember 1890. y. Johrg. 1 Vorlninettlsberilslke. Deutscher Reichstag. 37. Sitzung vom 9. Dezember, 12V4 Uhr. «,, Tische deZ Bundesraths: von Caprivi, von Z°°tticher, v. Maltzahn, v. Stephan, v. Kalten- � o r n u. A. Zunächst steht zur dritten Berathung der Gesetzentwurf, Siekt) � Vereinigung von Helgoland mit dem Deutschen ,?bg. Stadthage»(Soz.): Ich habe meinen juristischen und '"saizungsrechtlichen Bedenken schon bei den früheren Lesungen Mdrnck gegeben. Der Kaiser ist nach der Verfassung befugt, [Os Reich völkerrechtlich zu vertreten. Er kann Verträge mit nemden Staaten rechtsgiltig abschließen, aber nur insoweit, als ? Uch nicht um Gegenstände handelt, die zu ihren, Abschluß der vUsnmmung des Biindesraths, und zu ihrer Genehmigung der Zustimmung des Reichstags bedürfen. Das deutsch-englische Mummen über Helgoland enthält solche Gegenstände; es ent- um Bestimmungen über das bürgerliche Recht, über Zoll- und -U'llltärwesen. Es mußte also die Genehmigung des Reichs- uges für den Vertrag mit England eingeholt werden und » dies nicht geschehen ist, ist er ebenso ungiltig, wieseine Konsequenz, das Abkommen betreffend Helgoland. Es würde auch 'cht gen. gen, diese Punkte des Vertrages gesondert dem Reichs- vorzulegen, da der deutsch-englische Vertrag, infolge seines >e Reichsgesetzgebung betr. Inhaltes, nach Art. 11 der Vcr- b m®. cr Genehmigung des Reichstags bedarf. Nach Ansicht ®cr Legierung ist aber der Vertrag entgegen seinem Wortlaute om Reich abgeschlossen. Dann ist aber die Zustimmung des t'sichstags erst recht erforderlich. Aber auch wenn der Reichstag l/ue Zugimmung gäbe, wäre der Vertrag doch noch ungiltig. da u Helgoländer gar nicht gefragt sind, ob sie Deutsche werden sollen. Meine wiederholte Anfrage, ob diejenigen Helgoländer, JWche nicht deutsch werden wollen, aus ihrem Heimathlande der- Jvjfeu werden sollen oder nicht, ist vom Regierungstische aus sucht beantwortet worden. Es genügt nicht, wie der Vertrag be- 'mmt. den Helgoländern Gelegenheit zu geben, für Eng- »nd zu optiren, sondern es muß eine Erklärung von ihnen werden, daß sie Deutsche werden wollen. Die Macht t*» Deutschen Reiches darf nicht dazu mißbraucht werden, einen wa»g auf die Mitglieder von GOO Haushaltungen auszuüben >>r werden also gegen die Einverleibung Helgolands stimmen, nd ich hoffe, daß der Reichstag aus verfassungsrechtlichen Be i»ken so lange noch mit der Erledigung dieser Sache warten wird, bis das deutsch-englische Abkommen hier genehmigt und die Helgoländer gefragt sind, ob sie deutsch werden wollen oder nicht. . Staatssekretär v. Hötticher: Ich glaube, der Vorredner ?cht mit dieser Rechtsauffassung wohl ziemlich allein im Hause. -t-er deutsche Kaiser ist befugt, Namens des Reichs völkerrechtlich ?? verhandeln und Verträge zu schließen, und die Reichsregierung 'k verpflichtet, die Verträge dem Reichstage zur Genehmigung Mulegen, soweit sie die Reichsgesetzgebnng betreffen. Die Erläge fordert eben die Genehmigung über die Punkte, welche Reichsgesetzgebung betreffen. Es ist niemals ein Zweifel dar- gewesen, daß der Kaiser in diesem Falle negotiorum gestor Ii11', das Reich gehandelt, daß er die Insel Helgoland für das erworben hat. Das Recht der Helgoländer ist respektirt worden, indem den Helgoländern das Recht gegeben worden ist, Im» die britische Staatsangehörigkeit zu erwerben. Wer das thut, w>rd Ausländer und als solcher behandelt(Zuruf: ausgewiesen!); r" Recht, bis an sein seliges Ende in Deutschland zu bleiben, •W lein Ausländer. Jeder Staat muß sich das Recht bewahren, unliebsam werdende Ausländer auszuweisen. Uebrigens haben die z?"goländer gar keine Lust, Engländer zu werden; sie wollen �utfchx sein.(Beifall.) ..Abg. Stadthagen: Ich bleibe dabei, daß der ganze deutsch- Mstsche Vertrag dem Reichstage hätte vorgelegt werden müsse». J? ist wiederum erklärt worden, daß die Helgoländer als Aus- äiider behandelt werden sollen. Das Gastrecht ist bei uns so .OT geschätzt, daß jeder Ausländer ausgewiesen werden kann. 3** Einwohner von Helgoland, die ein natürliches Recht haben, auf Uver Insel zu bleiben, können also aus irgend einem Grunde ausge- jUesen werden. Wie die Regierung dieses ihr Recht handhabt, das Ichen Sie an Elsaß-Lothringen und den übrigen anncktirten vander». Es ist eine gerechte Forderung, daß den Helgoländern Magt wird: Ihr könnt britisch bleiben oder deutsch werden, in jedem Falle könnt ihr auf der Insel bleiben. Daß dies nicht Mehen, ist bezeichnend für die Art und Weise, wie Deutschland Erträge schließt, sei es in der Nordsee, sei es in Afrika. Es ist uv ein Mißbrauch der Macht, eine Zwangspolitik. 8,„Staatssekretär v. Kötticher: Wenn der Vorredner die �vllsabstimmung für Helgoland einführen will, dann muß er sie £1- reichsgesetzlich feststellen lassen. Verträge sollen nach der Ver- lUhung nur insoweit der Genehmigung des Reichstages unter- Leitet werden, als sie die Reichs-Gesetzgebung betreffen. Alles »dere bedarf der Genehmigung des Reichstages nicht. . Der Gesetzentwurf wird darauf angenommen mit einem ov« Abg. Klemm(Sachsen) beantragten Zusätze, daß das mit dem Tage der Verkündigung in Kraft treten soll. v. Es folgt die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend « s* F e st st e l l u n a des R e i ch s h a u s h a l t s- C t a t � � 1891-92 in Verbindung mit der erfien Lesung des ###0 0# WMKWW ' an die einzelnen isrkWLKT"r'ri.r™"'« ISSTS Da die Ernte als im vorigen ------ ?l/s Mm-"67 Millionen Mark mehr an «q di,r„ Obvn Mark mehr bei der Stempelsteuer >om Jahre wesentlich besser gewesen ist Jahre, so wird der Import von Getreide sich vermindern, um- somchr, als der Rubelkurs den Import nach Deutschland nicht begünstigt. Deshalb darf man den Ertrag an Zöllen nicht höher veranschlagen als im vorigen Jahre. Der Etat für 1891—92 ergiebt eine Mehrausgabe von etwa 68 Millionen Mark; darunter finden sich 10 Millionen Mark als einmalige Ausgabe für die Reichsschuld und eine Reihe von Ausgaben, die auf frühere» Bewilligungen des Reichstags und deren Konse- qucnzen beruhen; endlich auch die Ausgaben für die Invaliden- Versicherung. Wiederholt worden ist die Forderung der Dienst- Prämien für Unteroffiziere mit 8 800 000 M. und neu die Forve- rung für Entschädigung der Offiziere bei Beschaffung von Dienst- pserden. Die Vermehrung der etatsmäßigen Beamtenstellen hat der Reichstag gewünscht, und man hat deshalb die Stellenver- mehrnng etwas schneller bewerkstelligt als sonst, namentlich bei der Post- und Telegraphenverwaltung. Die Dienstalterszulagen, welche bei der Reichs- Eisenbahnverwaltung bestehen, ist auf weitere Beamtenkreise ausgedehnt worden. Wenn die preußische Regierung zu diesem System für ihre Unterbeamten übergehen würde, würde darin ein Antrieb für das Reich liegen, das Gleiche zu thun. Eine erhebliche Mehrausgabe betrifft die Verzinsung der Reichsschuld. Ob der 8 v. H. Typus beibehalten werden soll oder nicht, hängt von der Lage des Marktes ab, die in Verbindung mit der preußischen Regierung eingehend geprüft worden ist. Die Veranschlagung der Einnahmen ist nach den bisherigen Grundsätzen erfolgt, d. h. auf der Grundlage der dreijährigen Fraktion. Nur bei der Zuckerverbrauchs- Abgabe sind die wirklich erzielten Einnahmen des letzten Jahres ein- gestellt worden, und die Branntweinsteuer hat man, trotzdem sie eine Mindereinnahme ergeben hat, bei der früheren Veran- schlagnng belassen, weil zu hoffen ist, daß diesmal dieser Anschlag erreicht wird. Bei der Abgrenzung der Ausgaben, welche durch Anleihen gedeckt werden sollen, haben wir, ivo ein Zweifel bestand, die Ausgaben ans die ordentlichen Mittel angewiesen. Bei der Marine sind sonst immer für Neubauten 5 Millionen Mark ans den ordentlichen Mitteln bewilligt; ivir haben diese Summe auf 10 Millionen Mark erhöht. Zur solideren Gestaltung der Finanzen des Reiches ist eine Summe von 10 242 500 M. ausgeworfen, um die Fonds der Reichskassen zur Deckung des Avrilkupons vorübergehend zu verstärken. Den Einzelstaaten bleiben dann immer 55— 57 Millionen Mark mehr als nach dem Etat an Ueberweisungen. Wenn die Ausgaben für die Invalidenversicherung sich aber in höheren Beträgen als bis jetzt geltend machen, dann wird die Nothwendigkeit hervor- treten, die eigenen Einnahmen des Reiches zu vermehren, worüber wir uns später zu unterhalten haben werden. Die Wehrhast- erhaltung des Reichs zum Zweck der Erhaltung des Friedens und die Fortführung der Sozialreform zur Erhaltung des inneren Friedens, werden Sie Alle billigen und die dafür»öthigen Ausgaben bewilligen. Dieser Gedanke war es, der die Hanseaten veranlaßte, an das Thor von Lübeck zu schreiben: Goncordia domi. foris pax!(Beifall rechts.) Abg. Richter: Zum ersten Male seit dem Kanzlerivechsel liegt ein vollständiger Etat vor, und es zeigt sich:(Ss geht auch ohne den Fürsten Bismarck, auch in der auswärtigen Politik. Der Dreibund ist mehr als ein diplomatischer Verlrag. Eine Besserung der auswärtigen Politik ist zu konstatiren; unter dem Fürsten Bismarck wurde jedes kleine Ereigniß durch die offiziöse Press« aufgebauscht, als ivenn Deutschlands Grenzen von wilde» Völkerschaften bewohnt würden; dadurch wurde die geschäftliche Welt aufgeregt. Jetzt ist die auswärtige Politik lang- weilig geworden. Ein Jnventarstnck der Bismarck'schen Politik, das Sozialistengesetz, ist mit dem I. Oktober ausgeschieden worden. Der Reichskanzler hat konstatirt, daß die Regierung auch ohne das Gesetz im Stande sei, die Ordnung aufrecht zu erhalten, was um so angenehmer war, als wir selbst diese Ansicht vertreten haben. Hätte der Reichskanzler vor einem Jahre diese Meinung vertreten, so wäre er als Begünstiger der internationalen Sozial- demokratie, als verknöcherter Fraklionspolitiker verschrien worden. Wir hätten auch den Wegfall der Invalidenversicherung gern ge- sehen, weil dieselbe auf falschen Vorstellungen von der Möglich- kcit der Bekämpfung der Sozialdemokratie beruht. Die Be- völkerung und namentlich diejenigen, für welche das Gesetz bestimmt ist, verharren in eiserner Gleichgiltigkeit; selbst diejenigen, die sofort eine Altersrente erhalten, sind schwer zu bewegen, sich die nothwendige Bescheinigung zu ver- schaffen. Das beweist einen gesunden Sinn der Bevölkerung, der lebendig genug ist, um auf Selvsthilfe bedacht zu sein und von der Staatshilse nichts zu erwarten. Wenn die Hoffnung auf Staats- Hilfe sich festsetzt, dann wird dadurch ein Nährboden geschaffen für sozialistische Ideen. Deshalb ist die Einführung der In- validenversicherung ein verhängnißvoller Schritt, und da wir keine Mehrheit für unsere Ansicht finden können, müssen wir offen vor dem Lande die Verantwortung ablehnen für den Sprung in den hell erleuchteten Abgrund, wie ein konservativer Redner es genannt hat.(Beifall links.) Was den vorliegenden Etat betrifft, so wäre zu wünschen, daß nicht nachträgliche Forde- rungen für Militär oder Marine kommen, weil dadurch die Etats der Einzelstaaten verwirrt werden wegen der nachträg- lichen Erhöhung der Matrikularbeiträge. Die einmaligen Aus- gaben für Landheer und Marine betrugen 121 Millionen Mark, seit dem I. April 1887 sind zusammen 949 Millionen Mark bewilligt worden, während man 1884—1889 für Eisenbahnen in ganz Deutschland nur 015 Millionen Mark verwandt hat(hört!). Es scheint, daß man jetzt zu schnell Neuerungen herbeiführt, die nicht blos das Nothwendige, sondern zum Theil auch das nur Wünschenswerthe und Angenehme be- treffen. Bemerkenswerth sind die Vorgänge bei der Begebung der Anleihe. Ob 3 oder 3Vs v. H. Papiere richtig sind, darüber will ich nicht entscheiden; aber der Kurs der neuen Anleihe ist zwei Tage nach der Zeichnung unter den Begebungskurs gesunken und hat ihn nicht wieder erreicht; man hat also nicht zur festen An- läge, sondern auf Spekulative gezeichnet, und die Reichsbank war genöthigt, ihren Diskontosatz zu erhöhen. Man sagt, der un- geeignete Moment sei gewählt worden, weil maßgebende Personen zu spät von ihrem Sommeraufenthalt zurückgekehit sind. Ich weiß das nicht und glaube auch, daß die Regierung sich einem Finanz- konsortinm gegenüber in einer gewissen Zwangelage befand; aber das ist kein wünschenswerther Zustand. Wir müssen alle Kürzunge», die sich anbringen lassen, verwenden zur Ermäßigung der An- leihen; das ist überhaupt ein besserer Weg, als der der Schaffung eines Tilgungsfonds, während man doch immerfort neue An- leihen ausnehmen muß. Große Extra-Ordinaricn für dieMarine und das Reichsheer rufen eine plötzliche Nachfrage wach, so daß die Industrie ihre Abnehmer im Auslande nicht mehr befriedigen kann. Wenn dann der Rückschlag eintritt, dann kann man den ausländischen Absatz nicht wieder gewinne», dann müssen die Arbeiter entlassen werden. Die Ausgaben für Schiffsbauten be- tragen in einem Jahr 5 Mill. Mark mehr, als Herr v. Caprivi als Chef der Admiralität früher für 5 Jahre in Aussicht ge- nommen hatte. Daher auch die große Steigerung der Preise für Panzerschiffe. Zu den früher bewilligten Neubauten kommen die schleunigen Ersatzbauten für„Adler" und„Eber" und der Bau der überflüssigen Kaiseryacht, ferner Torpedoschiffe. Da muß man wirklich fragen, ob man noch neue Bauten in Angriff nehmen soll. Herr v. Caprivi meinte selbst, daß die Schiffsbauten nicht so eilig seien. Besonders groß sind die Opfer, welche für Kasernen- bauten gefordert werden, für Preußen allein 90 neue Bauten! Und dazu kommt noch eine Reihe von ökonomischen Bauten: Dienstgebäuden, Kirchen und so weiter. Das neue Pulver scheint doppelt so viel für Uebungszwecke zu kosten als das alte. Diese Konsequenz wird man, wenn sie nothwendig ist, nicht ablehnen können; aber hätte man das voraus gewußt, würde man sich andern Militärausgaben gegenüber kritischer ver- halten; jedenfalls ist es dringend geboten. Alles, was nicht absolut nothwendig ist, zur Zeit zurückzustellen. Und dazu gehören die Untcroffiziersprämien, welche durchaus keine Folge unserer Heeresverstärkung sind. Das Beispiel Frankreichs ist nicht maß- gebend, denn man kennt dort nicht das Zivilanwärter-Wesen, welches dann auch einer Acnderung unterworfen werden müßte. Wenn die Unteroffiziere zu Offizierdiensten herangezogen iverden sollen, so sollte man einfach Stellen für Feldwebel-Lieutenants einrichten und dadurch die Avancementsverhältnisse besser ge- stalten. Die Pserdegelder für Snbalrernoffiziere können wir billigen, aber die Rationen für höhere Truppcnbefehlshaber müssen viel mehr vermindert iverden, als vorgeschlagen ist. Ter Erweiterung der Kriegsschulen wollen wir nicht wieder- sprechen, aber für neue Unteroffizier- Schulen und für neue Kadeltenstellen können wir grundsätzlich neue Mittel nicht be- willigen. Herr Miquel hat mich aufgefordert, zu zeigen, wo die Ausgaben ermäßigt werden können. Ich habe gefunden, daß die Vergütung für Eisenbahnfahrtcn zu hoch ist; IL Pfennig werden für das Kilometer gewährt, während der Preis für die zweite Klasse nur 0,05 Pfennig ist und durch die Rückfahrtkarten sich noch ermäßigt. Eine Reise von Berlin nach Köln und zurück kostet dem Reiche 144,50 Mark, während die Fahrkarte nur 00 Mark kostet. Für Ostafrika werden LVe Millionen Mark gefordert, und trotz der Aufwendung von Pulver und Blei haben unsere dortigen Bundesbrüder sich noch nicht zivilisirt. Trotz- dem Buschiri beseitigt ist, hat sich der Norden noch nicht be- ruhigt; im Süden ist noch Alles in Unordnung. Wenn Ostasrika hier im Kaiserhofe oder in der Philharmonie kultivirt werden könnte, würde ich zu der Ostafrikani- schen Gesellschaft das größte Vertrauen haben.(Heiterkeit.) Den Vertrag, welcher abgeschlossen ist, halte ich materiell und formell nicht für zulässig, weil er die ganze Organisation festlegt und dem Reichstag nur die Prüfung der Rechnung ge- stattet. Die Finanzverhältnisse des Reichs stellen sich noch günstiger, als der Schatzsekretär geschildert hat, denn es ist diesmal kein Fehlbetrag zu decken und die Wirkung der Zuckersteuer» kommt erst jetzt zur Geltung. Daher sind die Ueberweisungen um 73 Millionen Mark über den Etat gestiegen, und Preußen arbeitet mit einem Ueberschuß von 102 Millionen Mark. Es ist doch kein» Kleinigkeit, wenn den Einzelstaaten in diesem Jahre 00 Millionen Mark mehr überwiesen werden sollen und diese Regelung bleibt hinter der Wirklichkeit noch weit zurück! Die Zoll- Einnahmen werden 373 Millionen Mark betragen, während sie mit 285 Millionen Mark in den Etat eingestellt sind.(Hö.it! links.) Diese allzu vorsichtige Aufstellung der Zölle und Verbrauchssteuern muß naturgemäß Ueberschüsse herbeiführen; die Veranschlagung muß richtig gestellt werde», dann können die Einzelstaaten besser gestellt werden. Die Ausgaben für die Invalidenversicherung und für die steigenden Schuldenzinsen sind so gering, daß sie bei einem Etat von 1100 Millionen Mark nicht in Betracht kommen. Wir haben keine Veranlassung, Steuern auf Vorrath zu bewilligen, was lediglich alle Ressorts bewegen wird, ihre Ausgaben zu erhöhen; eine spar- same Finanzpolitik ist nur möglich, wenn Steuer und Ausgabe Zug um Zug festgestellt werden. Damit ist unsere Stellung zur Zuckersteuer gegeben. Wir wollen nur die Materialsteuer mit allen Prämien aufheben; ein Aussall an Reichseinnahmen würde daraus nichl entstehen, sondern infolge der Verbilligung des Zuckers würde die Konsumsteuer den Ausfall decken. Das wäre eine wirkliche Reform, nicht blos eine fiskalische Maßregel. Mit der Beseitigung der Materialsteuer würden die Fabrikanten cnd- lich in sichere Verhältnisse kommen, während sie jetzt hangen und bangen wegen der Stellung des Reichstages und der Regierung zur Frage der Prämien, aber die Herren scheinen die Prämien als ein wohler-. wordenes Recht zu betrachten.(Präsident v. L e w e tz o w: Ich kann zwar nicht sagen, daß der Redner nicht zur Sache spricht, aber ich bitte, nicht allzu tief auf eine andere Vorlage einzugehen.) Ich habe die Zuckersteuer, welche der Schlüssel unserer finanziellen Situation ist, nur von dem finanziellen Standpunker aus betrachtet. Das Reich kann nicht mehr, auch für die nächsten drei Jahre nicht, die 19 Millionen Marl für Prämien gewähren. Die Herren haben in allen möglichen Formen sich versammelt und getagt, bald als Landwirthe, bald als Zuckerfabrikanten, bald als Sachsen iu Magdeburg und morgen werden sie hier in Berlin tagen. Es hat uns gefreut, daß der Herr Reichskanzler für die Deputation nicht zu sprechen war; wir sind auch für dieselbe nicht zu sprechen(Beifall links.) Die Anknüpfung von Handelsvertrags- Verhandlungen mit Oesterreich begrüßen wir als einen Anfang allgemeiner Vertrags- Verhand- lungen, denn die Einführung von Differenzialzöllen würde mehr den ausländischen Konsumenten zu Gute kommen. Die Handelsverträge müssen dahin führen, daß Handel und Industrie sich aus feste Zollsätze einrichten kann. Wir haben in unserem Antrage die Ermäßigung der Getreidezölle verlangt und die Revision des Zolltarifs verlangt. Die Er- Mäßigung der Getreidezölle ist um so dringender nothwendig, als die Preise eine Höhe erreicht haben, bei welcher man es von konservativer Seite als selbstverständlich hinstellte, daß eine Zoll- ermäßigung eintreten müsse. Die schlechte Kartoffelernte hat die Kartoffelpreise gesteigert; dazu kommt die Steigerung der Fleisch- preise, welche in Berlin eine Einschränkung des Fleischverbrauches uin 25 v. H. herbeigeführt hat. Die Viehsperre ist gemildert worden; velerinärpolizeiliche Maßregeln billigen wir, aber wir müssen verlangen, daß die Zölle beseitigt werden, daß das Verbot für amerikanisches Schmalz und amerikanischen Speck aufgehoben wird, welches nicht in sanitärem Interesse. sondern unter Mißbrauch der Zollordnung zum Schutze der Viehzucht der großen Landwirthe erlassen worden ist. Die Kohlenpreise sind gestiegen, die Zeit der stei- Sende» Löhne ist vorüber, da soll keine TheueningS- poh il weitergeführt werden m, Interesse einiger Weniger, welche Millionen belaftet.(Beifall.) Je rascher und entschiedener der Bruch mit der_ Zollpolitik des Fürsten Bismarck erfolgt, t'esto links? rc das Volk sein.(Lebhafter Beifall , �ichskanzler v. Caprivi: Ich will dem Vorredner nicht können. Solche Expektorationen habe ich wochenlang in der frei- sinnigen Presse gelesen, sie sind nicht besonders geeignet, die Ver- Handlungen mit anderen Staaten zu erleichtern.(Sehr richtig! 1 Politik des Fürsten Bismarck zur Abwehr der »euche schildert Herr Richter als eine schlechte; er hätte doch !nnTler» sollen, daß iu dem Augenblick, wo wir einen .tachlaß gewährt haben, von 107 in Beuthen angekommenen russischen Schweinen 30 Iran! waren. Gärt! rechts.) Was mich zum Sprechen veranlaßt, sind die Be- mermngen des Vorredners über die Jnvahdenversicherung; er hat bemängelt, daß die Regierung das Gesetz zum 1. Januar 1891 in Kraft setzen will, er hat das Gesetz selbst bemängelt und es als ein Gesetz bezeichnet, welches Unzufrieden- heit hervorruft. Ich bin der Ansicht, daß das Gesek manche Verbesserungen wird erfahren können, aber ich halte es für einen ersten Schritt_ auf einer segensreichen Bahn. Wenn das Haus und die Negierungen nicht derselben Ansicht gewesen wären, dann würde das Gesetz nicht zu Stande gekommen' sein, lieber die Schwierigkeiten der Ausführung desselben sind wir uns kernen Zlugenblick im Unklaren gewesen; es werden die höchsten Forderungen an die ausführenden Beamten gestellt werden. Wir müssen diese Anforderungen stellen, um diese Wohlthat dem Aolke nicht einen Tag länger vorzuenthalten, als nothwendig ist. Herr Richter hat sich oft der Militärinvaliden angenommen, ich wünsche, daß er sich auch der Invaliden der Arbeit mit derselben Wärme annähme, dann würde er sich mit mir freuen, wenn der erste Arbeiter eine Pension erhält. Herr Richter hat schließlich gemunkelt von neuen Forderungen für das Militär; ich weiß nicht, woher er es hat; jedenfalls müssen seine Quellen sehr schlecht sein, denn mit der Vermehrung der Militärausgaben ist es gar nichts.(Beifall.) Abg. Krdvl: Das Budget ist im Wesentlichen abhängig von der Richtung unserer ganzen wirthschaftlichen und politischen Zu- stände. Von Seiten der Staatsregierung und der maßgebenden Parteien wird der Versuch gemacht, die Bestrebungen der Sozial- demokratie zu bekämpfen. Wir können uns darüber nur freuen, chenn es wird dadurch unsere Machtstellung dokumentirt. Sind unsere Theorien unrichtig, so werden wir in dem Kampfe unter- liegen; find sie richtig, so werden Ihnen alle Gegenbestrebungen nichts helfen und der ganze Staat und wirthschaftliche Körper schließlich doch in uusere Hand kommen. Ich ge- höre nicht zu den Vertheidigern des Jnvaliditätsgesetzes, und unsere Partei hat gegen das Gesetz gestimmt, nicht weil wir das Prinzip desselben für falsch hielten, sondern weil die Leistungen desselben für den deutschen Arbeiter im Gegensatz stehen zu den Opfern, die er aufbringen muß, wir müssen aber anerkennen, daß das Reich mit diesem Gesetz »inen Weg betreten muß, den die moderne Entwickelung noth- wendig nimmt. Und wenn der Abg. Richter glaubt, daß wir wieder in die frühere Periode des„faisser aller, laisaer faire" .kommen, so befindet er sich in einem gewaltigen Jrrthum. Aller- dings ist das Jnvaliditätsgesetz nur ein erster Schritt, aber Sie iverden weiter gedrängt werden. Tie allgemeine wirthschaftliche Krisis, die gegenwärtig wieder im Anzüge ist, wird gewiß eine Dauer und Härte annehmen, wie sie früher nicht dagewesen ist. Diese fortwährenden Erschütterungen des wirthschaftliche» Organismus weisen daraus hin, daß mit den gegenwärtigen Mitteln der Staat und die gesellschaftliche Ordnung nicht weiter zu erhalten sind. Wenn darauf hingewiesen ist, daß gegen- wärtig die auswärtige Politik etwas langiveilig geworden sei und daß kein trübendes Wölkchen am Himmel stände, so sehen wir trotzdem die fortgesetzten Ansprüche der Militär- Verwaltung und militärischen Rüstungen und Vorbereitungen zu dem späteren Kampf, der ungeahnte Dimensionen anzunehmen »droht. Während wir im Verkehr, Gewerbewesen, Industrie, Handel und Wissenschaft zwischen den verschiedenen Nationen allmälig ein freundschaftliches Verhältniß sich anbahnen sehen, er- blicken wir im politischen Leben eine Abschließung, einen Nationalitätshaß, der die gegenseitigen Rüstungen ins riesenhafte steigern muß. Ohne tiesgehende Gegensätze un sozialen und öko- nomischen Leben bei allen Kulturvölkern wären solche politischen Mißverhältnisse nicht möglich. Nur eine Gesellschaftsklasse giebt es, die in allen Ländern zum gemeinsamen Frieden ruft, die Arbeiterklasse. Auch das französische Bürgerthui» vor 100 Jahren gab uns Versicherungen von Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit und wir haben ja vor einigen Tagen aus einein ganz hervorragenden Munde gehört, baß unsere ganze Entwickelung auf der französischen Revolution beruhen soll. Der größte Theil der damaligen Versprechungen ist nicht in Erfüllung gegangen. Nicht in Erfüllung gehen wird auch das Wort, das nächstens von allen Kanzeln uns verkündet werden wird: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Die Feindseligkeit der Menschen hat Dimensionen angenommen wie nie zuvor. In unserem Budget dokumentiren das besonders die Ausgaben für das Heerwesen. In dem Etat von 1887/88, als auch bereits die neue Heeresver- stärkung eingetreten war, beliefen sich die Ausgaben für das Reichsheer auf 869 Millionen Mark. Diesmal fordert der An- schlag 41% Millionen Mark; also ein Plus von 63 Millionen Mark. Eine ähnliche Steigerung zeigt die Marine von 39 Millionen Mark im Jahre 1887/88 auf 43 Millionen Mark, und wir sind noch lange nicht am Ziele. Der Pensionsfonds ist seit 1887/88 von 20 Millionen aus 41 Millionen Mark gewachsen. Naturgemäß müssen deshalb die Ausgaben für die Verzinsung in gleicher Weife wachsen; 1887/88: 21 Millionen Mark; heute: 63»/« Millionen Mark. Es weisen also diese vier verschiedenen Budgetposten innerhalb der letzten fünf Jahre eine Vermehrung der laufenden Ausgaben um 104 Millionen Mark auf. Die einmaligen Ausgaben haben in den letzten fünf Jahren die Sumnie von 940 Millionen erreicht. Wie ist es nun möglich, daß eine solche fortgesetzte Steigerung der Ausgaben und damit auch der Steuerlast des Volks nicht den allgemeinen Unwillen des Landes und des Gesetz- gebers erregt dadurch, daß die herrschenden Klassen, die hier durch ihre Vertreter vorzugsweise das Wort führen, nicht in dem gleichen Maße zu den Lasten beitragen wie die ungeheure Majorität der Bevölkerung, besonders der Arbeiter? Nicht allein die Gutssteuer, fondern auch die Blutssteuer wird vorzugsweise von den arbeitenden Klassen getragen. Das Einjährigfreiivilligen-System spricht für das letztere. Unser bestehendes Steuersystem lastet nicht allein auf den Arbeitern, sondern es giebt den besitzenden Klassen auch materielle Vortheile. Unsere ganze Steuergesetzgebung ist eben eine Klassengesetzgebung der allerschärfsten Art, Vortheile für die Reichen, Lasten für die Armen. Unter den Haupteinnahmen befinden sich 314 Millionen Mark Zölle, und auch diese Summe ist noch bedeutend zu niedrig veranschlagt. 1887/88 betrugen sie nur 261 Millionen Mark. Welche Zustände durch unsere gegenwärtige Zollgesetzgebung ermöglicht worden sind, zeigt ein Jahresbericht des Härder Berg- und Hüttenvereins. Das Werk hat von den» Absatz im Jnlande einen Ueberschuß von 600 000 M., der aber bis auf 24u 000 M. sich verflüchtigt hat, weil man nach dem Auslande mit 360 000 M. Schaden zu verkaufen für gut befunden hat. Die königliche Eisenbahndirektion Frankfurt a. M. zahlt 145 M. für die Eisenbahnschienen, während Krupp an die rumänische Bahn frei Galatz mit ungefähr 112 M. verkaust. Die Zuckerfteuer ermöglicht, daß dein Fabrikanten bei der Ausfuhr 80 Millionen Mark mehr gezahlt werden, als sie an Steuer ent- richten. Selbst wenn der schon etwas gerechtere neue Gesetz- entwurs zu Stande kommt, wird jeder unserer 400 Zuckerfabriken noch immer jährlich eine Summe von 37 500 M. aus den Mitteln der Steuerzahler zugezahlt werden. Die außerordentlichen Prämie» infolge der differenziellen Besteuerung der Branntwein-Brennereien beloufen sich aus 80 Millionen Mark. Der Ertrag der Salzsteuer ist nicht in dem Maße, wie es die Zunahme der Bevölkerung erheischt, gewachsen. Der Grund dafür liegt in einem Salzringe, der wiederum nur den reichen Klassen aus Kosten der Armen zu Gute kommt. Während man kaltblütig Millionen über Millionen auf die Schultern der arbeitenden Klassen häuft, wird einem der reichsten Leute Deutschlands, einem der Träger unserer wirthschaftlichen Politik, für die Gründung eines Fideikoinmisses der Stempel von 260 000 M. erlassen. Unter den steigenden Einnahmen der Zölle stehen in erster Linie die Getreidezölle. 1838 brachten� fiejuir Mehrerirag von vier Millionen zu verzeichnen ist. Die Folge unserer Zollpolitik ist, daß der Arbeiter, statt Brot und Fleisch zu genießen, zur Kartoffel greifen muß. So lange Sie also den geschilderten einseitigen Charakter der bestehenden Klassengesetz- gebung aufrechthalten, werden Sie nicht daran denken könne», mit der Sozialdemokratie fertig zu werden. Denn gerade solche Zustände sind der eigentliche Nährboden für deren Bestrebungen. Wir haben uns bisher immer ablehnend gegen das Budget verhalten, denn wir können nicht Ausgaben bewilligen, die auf eine so ungerechte Art aufgebracht sind. In Preußen wird jetzt der Versuch ge- macht, die reicheren Klassen durch ein neues Einkommen- und Erbschaftssteuer- Gesetz heranzuziehen, weil man auch innerhalb der Staatsregierung nicht mehr die bestehenden Ungerechtigkeiten zu leugnen vermag. Wir sehen eine dreiprozentige Einkommen- steuer noch als durchaus ungenügend an. Da der Arbeiter an indirekten Steuern 10, 12Vs, 16, ja bei einer zahlreichen Familie 20 pCt. seines Einkommens zahlen muß, ist eine Ein- kommensteuer von 3 pCt. kaum eine Anstandssteuer. Tie Kritik, die das Erbschafts- Stenergesetz im Abgeordneten- Haus erfahren hat, zeigt uns aber, wie wenig man ge- neigt ist, eine gerechtere Besteuerung der Reichen eintreten zu lassen. Finanzminister Miguel hat das Erbschaftssteuer-Gesetz als ein Korrelat für die Einkommensteuer betrachtet, weil allein durch eine Erbschaftssteuer die richtige Besteuerung des Erblassers festgestellt werden könne. Die Ablehnung der Erbschaftssteuer würde zeigen, daß man von Seiten der herrschenden Klassen eine gerechtere Einschätzung nicht wünscht. Auf Staatsrechte machen die herrschenden Klassen fortgesetzt Anspruch, die Staatspflichten überlassen sie dem Arbeiter. Wo kann da von einer aus- gleichenden Gerechtigkeit die Rede sein? Wir werden zwar den- lenigen Punkten des Etats, die Kulturinteressen fördern, zu- stimmen, aber den ganzen Etat, der im Grunde kultur- und menschheitfeindlich ist, ablehnen.(Beifall bei den Sozialdemo- traten.) Ein Vertagungsantrag wird angenommen. Nach einer persönlichen Bemerkung des Abg. Nichter wird die weitere Verhandlung nach 4 Uhr auf Mittwoch 1 Uhr vertagt. Vx»vlcn»rcnknvifÄles. Neunte Sitzung der Petitions-Kommission am 9. Dezember 1890. Der heutigen Sitzung liegen 10 Petitionen zur Berathung und Beschlußfassung vor, wovon wir folgendes hervorheben: Zu den zwei Petitionen, Geheimmittelwesen betr., ist der Regierungs- Kommissar Herr Geh. Reg.-Rath Dr. Hopf zur Berathung zuge- zogen worden. Ref. Abg. Stephan: Schon in der vorigen Session lagen zwei solche Petitionen vor. Gefordert wird: Die öffentliche An- preisung und Ankündigung von Geheimmitteln soll verboten werden; der Verkauf von Geheimmitteln in den Apotheken sei einzuschränken, und dementsprechend gesetzlich vorzugehen. Ter Regierungs-Kommissar gab zur Petition ein einschränkendes Votum, man ging zur Tagesordnung über. Tie vorliegenden Petitionen schließen sich inhaltlich den früheren an. Ein Petent klagt, daß er wegen Verkauf von Siollwerl'schen Brustbonbons und Kräuter- Honig gerichtlich verurtheilt, wegen Verkauf von Brandt'schen Schweizerpillen und Gehöröl freigesprochen sei. Reg.-ftomm. Dr. Kopf: Die vorliegende Petition richtet sich gegen eine Polizeiverordnung. Die Verhandlungen über die Ge- Heimmittel-Frage sind in der Regierung vorgerückt. Die kaiser liche Verordnung vom 27. Januar ä. er.' trifft die Sache. Der Gifthandel müsse noch mehr berücksichtigt werden und sind diesbezügliche Verhandlungen in der Regierung im Gange. Spezialvorschriften für das Geheimmittelwesen seien nicht in Aussicht genommen. Den Handel, der im Droguen- gewerbe gestattet sei, könne man nicht gut einschränken. Es sollen nach den Wünschen der Petenten nur Auswüchse getroffen wer- den; mit einer Spezialijirung könnte man bei der Beseitigung des Schadens auch viel Gutes treffen. Abg. Stephan ist dafür, die Petitionen der Regierung zur Berücksichtigung zu überweisen. Das Jnsertionswesen in Bezug auf Geheimmittel-Anpreisung erfordert eine Regelung. Abg. v. Kehler will die Angelegenheit der Regierung ohne ein solches Votum anheimgeben. Abg. Münch: Man müsse der Regierung das Material an die Hand geben und für Berücksichtigung stimmen. Abg. n. Kehler: Was die Petition besagt, kennt die Re- gterung. Abg.». Seipio schließt sich dem an. Abg. u. Gtyrstnahy hebt den Werth der gerichtlichen Ent- scheidungen hervor und beantragt, die Petition der Regierung als Material zu überweisen. Beschlossen: Schriftlicher Bericht an das Plenum mit dem Antrag v. Glycsinsky. erner liegt eine Petition der Wähler von Merseburg vor, das Vereins- und Versammlungsrecht betreffend. Referent Abg. Dr. Kchardler: Zwei Dutzend Fälle zählt die Petition auf, in denen durch Amtsvorsteher Wahlversamm- lungen durch Saalabtreibung verhindert worden seien. Abg. Geyer beantragt Hinzuziehung eines Regierungs- kommissars, um, wenn die Sache so liegt, wie das Petitum behauptet, die Regierung dazu Stellung nehmen zu lassen. Abg. Lrohme ist für Erörterung im Plenum. Die Saal- abtreibung sei geradezu zu grobem Unfug ausgeartet. Das Koalitions- und Versammlungsrecht werde dadurch in Frage gestellt. Wenn man den geistigen Kampf gegen die Sozial- demokratie wolle, müsse man solche kleinliche und noch dazu gesetzwidrige Mittel beiseite lassen. Regierungskommissar Ger.- Assessor RoboUlri: Die Regierung hat keine Maßregeln in Aussicht genommen. Abg. Dr. Kchaedler: Dann bin ich für das Votum des Korreferenten, Herrn Frohme. Das Versammlungsrecht für Reichstags-Wahlen wird sonst in Frage gestellt. Abg. Sripio beantragt, die Petition dem Reichskanzler zur Kenntnißnahme zu überweisen. Abg. Münch: Die polizeiliche Begünstigung und Beein- flussung gehe zu weit. Ein gouvernementaler Verein habe jüngst die Aula einer Schule benutzen können, er bekomine zu einer Ver- sammlung dieselbe nicht. Abg. Virschrl ist ebenfalls für Beseitigung dieser un- zulässigen Beeinflussung durch Beamte und will, daß die Regierung veranlaßt wird, solche Vorgänge künstig zu ver- hindern. Abg. p. Krhler: Die Kominission ist im Wesentlichen ein- verstanden, deshalb wird man beschließen müsse», die Petition der Regierung zur Erwägung zu übergeben. Ihr dieselbe zur Kenntnißnahme zu übergeben, träfe die Sache nicht, das sei zu unwesentlich. Die Kommission beschließt«instimmig, mittelst schrist- (icher Berichterstattung beim Plenum zu beantragen, d l e Petition der Regierung zur Erivägung zu über- geben mit den» Ersuche>», Abstellung behörd- licher Eingriffe in das Versammlungsrecht bei Reichstags-Wahlen herbeizuführen. Einige Petitionen müssen geschäftlicher Rücksichten wegen zurückgestellt werden, die übrigen, persönliche Angelegenheiten der Petenten betreffend, die nicht das öffentliche Interesse erregen, , verden erledigt. Nächste Sitzung am 10. Dezember, morgens 10 Uhr. UrckÄles. Äamii Ken' Stöcker nicht ganz in Vergesfenheit gt' räth, hat eine Anzahl Berliner Geistlicher im Verein mit einigen anderen Personen einen Aufruf umgehen lassen, der Berliner Stadtmission einen Saal als Predigtstätle für Herrn Hofprediger Stöcker zu beschaffen. Die Konen für den Ankauf eines Grund- stückes und den Bau eine? Saales in günstiger Gegend werde» auf 300 000 Mark veranschlagt. Unterzeichnet ist der Aufruf von den Herren: Berlin, Pastor, M. Braun, Pastor, Burckhardt, Pastor, Diestelkainp, Pastor, Dumrese, Pastor, Eberl, Rentier, Ernst Evers, Johannes Gerold, Kaufmann, Kraft, Pastor, Krücke- berg, Superintendent a. D., K. I. Müller, Buchhändler, O. Paasch«, Philipps, Pastor, Riemer, Pastor, Schlegel, Pastor, Schwach- köpf, Baumeister, E. L. Vogel, Kaufmann, Dr. Zeidler, Rechts- anmalt, Louis Ziegler, Kaufmann, Ziethe, Pastor, Zumpe, Geh. Registrator. Aber die Sache geht noch weiter. Di« unter der Regie de- „bekannten" Herrn Oberivinder stehende Zeitung„Das Volk", Stöcker's Leiborgan, läßt sich folgendermaßen vernehmen: Wie uns mitgetheilt ist, herrscht die Befürchtung, Hktk Hofprediger Stöcker werde nach Niederlegung seines Amtes die sonntägliche Predigtvertheilung einstellen. Dem ht selbstverständlich nicht so. Im Gegentheil wird er, wie wir zuverlässig versichern können, die sämmtlichen Predigten des bereits begonnenen Jahrganges selber schreiben und dann die sozialen Fragen, Nöthe und Hilfen im Lichte de- Gotteswortes bearbeite». Dem Einen zu Trost und Auff richtung, dem Andern zur Ein- und Umkehr, damit sich der Glaube in der Liebe zu den Brüdern je länger je mehr erweise. Zunächst finden wir es lustig, daß Herr Stöcker hier selbst die Befürchtung ausspricht, daß er die Predigtvertheilung ein- stellen ivird. In dem Bandwurm-Prozeß des Herrn Witte gegen seinen Amtsbruder Stöcker kam es ja zur Sprache, daß Herr Stöcker „Das Volk" absolut inspirirt,— warum soll also der obige Satz nicht auch von Herrn Stöcker herrühren?! Dann aber würden wir es aufrichtig bedauern, wenn die widerwärtigen, augenverdreherischen Machwerke des Herr» Stöcker von der Bild- fläche verschwinden würden. Wenn irgend etwas geeignet ist, den Masten über die Stöckerssche Agitation die Augen zu öffnen, s» sind es die überaus albernen Elaborate des Herrn Stöcker selb! Die ,.NoUr»-?eitung" schreibt: Aus Schöneberg wird uns geschrieben: Ein Volkszähler unseres Ortes wurde gefragt:„Was wollen Sie?"„Ich komme wegen der Volkszählung."„Dann machen Sie nur, daß Sie die Treppe binunterkommen!" Erst nach längeren Erklärungen wurde das Mißverständniß beseitigt. Der gute Mann, ein braver Kar- tellbruder, hatte anstatt Volkszählung„Volks-Zeitung" verstanden, und dieses Wort hatte sein unschuldiges Gemüth so aufgeregt daß er den Zähler die Treppe hinunterwerfen wollte. Wer„die parlamentarischen Bilder aus dem Abgeordneten- Hanse" mit ihren quartanerhaften Slilblüthen in der„Volks- Zeitung" gelesen hat, wird dem brave» Kartellbruder beipflichten müssen, wenn er grob wurde. Da» Leichnibegangniß des Schloss'ers Gskar Kerlist, eines Opfers der Schwindsucht, welche den Genoffen im 37. Lebensjahre seinem Dasein und seinem Wirkungskreise unter Hinterlassung einer Frau mit 6 unmündigen Kindern entrisse» hat, das am verflossenen Sonntag Nachmittage vom Trauerhause, Stralsunderstr. 26, aus nach dem Friedhofe der freireligiösen Gemeinde statt hatte, gestaltete sich zu einer imponirenden Kund- gebung der Trauer und Antheilnahme und Anerkennung für de» Todten. Zu vielen Hunderten hatten sich die Genossen und Genossinnen eingefunden, um dem Dahingeschiedenen das Geleit auf seinem letzten Wege zu geben, den sie bewegenden Gefühlen Ausdruck gebend durch eine überaus reiche Blumen- und Kranzes- spende, welche dem düsteren Bilde ein freundlich milderndes Relief verlieh. Unter den Kränzen traten besonders die riesige» Lorbeerkränze hervor, welche verschiedene Bereinigimge», wie ver sozialdemokratische Wahlverein des sechsten Berliner Reichstags- Wahlkreises, Gesangverein„Nord", Lese- und Dtskutirklub„Nord, „Arbeiter-Bildungsverein," Kegelklub„Bahnfrei", Kegelklub „Unverdruß" n. A., ferner die Genossen der Maschinenfabrik vo» Roller, u. s. f. gespendet hatten und die fast ausnahmslos m» mächtigen rothen Atlasschleifen geschmückt waren, welche«» goldener Schrift entsprechende Widmungen trugen. Nach- dem sechs Genossen den würdig dekorirten Sarg.des Entschlafenen aus dem Trauerhause auf das seiner harrende Gefährt befördert hatten, ordneten sich die Genossinne» und Genossenen einem imposanten Trauerzuge, welcher sich lang- sam durch die Straßen fortbewegte, unbehelligt von der Polizei, der schaulustigen Menge wieder einmal zeigend, wie das Proletar«» einen seiner gefallene» Kämpfer zu ehren weiß. Auf dem Fried- Hofe nngelaugt, empfing den Todten der Gesang des wunder- baren Liedes:„Ein Sohn des Volkes", ausgeführt von M»' gliedern des Gesangvereins„Nord", nach dessen Berklingen Kand. Püus eine Trauerreoe hielt. Langsam setzte sich sonach der Zug wieder in Bewegung, der Gruft entgegen, in welche unter de>> Klängen weiterer Trauerlieder des Gesangvereins„Nord" der brave Genosse, der treue Gatte und Vater zur ewigen Ruhe hinab- gesenkt wurde. Kranz" auf Kranz sank hinab in die Gruft, de» todten Genossen deckend und bettend, zu einem Berge thürinte» sie sich auf am Grabesrande, die letzten Zeichen der Liebe»»� Theilnahme, dem Todten zur Erinnerung, den Lebenden zur Er' kenntniß:„Hier ruht ein Proletarier, ein Sohn des Volkes, e>n gefallener Kämpfer für die Wohlfahrt des Volkes!", Dir liöchstr Zahl der Geburtsfällr, welche die Statisw un Bevölkerung unserer Stadt jemals aufzilweisen gehabt hat, isi in der Woche vom 16. bis 22. November d. I. zu verzeichnen gk' wesen; in diesem Zeitraum sind nicht weniger als 1001 Kinder als lebend und 29 als todt geboren gemeldet worden. Dagege» stellt sich die Zahl der Sterbefälle in dieser Woche als eine der relativ kleinsten in der Statistik; trotz der ungünstigen Witterung in der Vorwoche sind nur 524 Todesfälle zu verzeichnen geweseu- d. h. auf das Tausend der Bevölkerung und pro Jahr gerech»� 17,04 Sterblichkeitssälle; j sonst beträgt der Durchschnitt der Mor- talität 20—21 Einwohner pro Tausend.. Urbrr einen Unfall in Tegelort bei Tegel gehen«»- folgende ausführliche Mittheilungen zu. Durch den Zusammensturz eines großen Holzbaues sind am Sonnabend Nachmittag>» Tegelort neun Slrbeiter mehr oder minder schw� verletzt und einer derselben getödtet worden- In genannter Ortschaft ivird Zur Zeit ein mächtiger Eisschupp� ausgeführt, welcher vollständig aus Holz hergestellt wird,»>> waren am Sonnabend Nachmittag 15 Arbeiter am Bau ein- Holzwand des Fachwerkes thätig. Plötzlich brach die Wand, d> nicht genügend abgesteift gewesen sein soll, zusammen, stürzte»» und begrub unter ihrer enormen Last zehn der Bauleute, meiste» Zimmerer, während der Rest der Mannschaft noch Zeit fand, de Seile zu springen. Nach großen Anstrengungen erst gelang die Verunglückten aus ihrer entsetzlichen Lage zu befreien, o ÜIC■OeilUiyUlUlCII V»WS> Vttl| Vtjtiviyv*» g— VV|. Tegel, wohin man die meist an Kopf und Brust Verletzten schaff»- wurde denselben die erste Hilfe zu Theil. Die Schweroerwundele» wurden nach einem Berliner Krankenhause geschafft; aus d"? Transport dorthin verstarb der" 1-s Zimmermann Ladeinann»' Heiligensee; die übrigen neun bei der Katastrophe Verunglück' W werden mit dem Leben davonkommen. Srlbstmordvrrfnch. Schiffer, welche am Nordufer Spandauer Schiffahrts-Kanal mit ihren Kähnen vor Anker gewahrten am Montag Nachmittag, kurz vor Eintritt der Du»'' heit, einen menschlichen Körper auf dem Wasser schwinin""' Alsbald wurden mehrere Boote flott gema«,., uiw.. lang, eine elegant gekleidete, etiva 25jährige Frau den Fluth' zu entreißen. Da d,e Verunglückte noch schwach athmete, ivurv' schleunige Wtederbelebungsversuche gemacht, durch welche»% etwa halbstündigem Bemühen die Daine zun» Bewußtsein gebra« -t- ""ivbe. Da iit der Tasche deZ Nerzpelzes derselben ein Brief mit »er Adresse eines im Weddinystadttheil wohnenden Rentiers ge- tmiben wurde, so schickte man das Schreiben alsbald an denselben. �hrze Zeit darauf hielt ein elegantes Koupee am Ufer, Ivo die Mne lagen, und der Inhaber desselben erschien in der einfachen «chiffskajüte, um die Dame, die sich inzwischen wieder erholt Mte, an das Gefährt zu geleiten. Allem Anschein nach liegt Aer ein Selbstmordversuch der Betreffenden, die sich Mathilde V- nannte und in der Elsasserstraße zu wohnen vorgab, vor. Drr Handel mit Kohl wird bereits seit einer Reihe von fahren in großem Umfange in Berlin betrieben. Theils ver- brauchen die hiesigen Sauerkohl-Fabrikanten beträchtliche Mengen, theils versorgen sich auch auswärtige Fabriken von Berlin auS Out diesem Material. Auch für den Markthandel werden Bor- tathe abgegeben, doch dürften diese weniger erheblich in Betracht «ommen. In diesem Jahre klagen die Kohlproduzenten, besonders bie. Pächter der Rieselfelder, über die sehr gedrückten Preise für Kohl, welche von de» Großeinkäusern geboten werde». Auf den Märkten beim Kleinhandel ist von dem Preisrückgange bisher ttichts zu merken gewesen. Die Uogelansstelluns der„Grnis", Cpittelmarkt 2, ist b» heute, Mittwoch, Abend verlängert worden. Mariendorf. Wirthe, die ihren Saal zu Versammlungen horgeden und das„Berliner Volksblatt" auslegen, sind folgende: i- Restaurant V. Schensch(„Deutscher Reichsgarten"), 2. Restaurant Blocksdorf, 3. C. Haak(„Schwarzer Adler"). Ferner "egen Volkeblätter aus im I. Restaurant Hilgert, 2. Restaurant jnorfel, 3. Restaurant Stolzenburg, 4. Restaurant Schramm. � F. Haak legt das„Berliner Volksblatt" aus, giebt seinen «aal aber nicht zu Versammlungen her. Die Lokalkomnüsfion bittet die Genossen, die Saalinhaber abwechselnd mit Ver- lammlungen zu bedenken. Polizribcricht. Am 8. d. M. Vormittags entstand vor bem Hause Schloßfreiheit Nr. 1 zwischen den obdachlosen Ar- bettern Treder und Braun eine Schlägerei, wobei beide nieder- siurzten und letzterer, anscheinend infolge innerer Verletzungen, bewußtlos liegen blieb. Er mußte nach der Charitee gebracht werden.— Nachmittags wurde ein Mann an der Ecke der Lange- und Krautsstraße infolge eines Streites mit einer Frauensperson von drei unbekannten Männern so schwer mißhandelt, daß er außer einer Kopfverletznng anscheinend auch innere Verletzungen erlitt und nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden mußte.— Abends sprang ein Straßenreiniger von der Lberbaumbrücke in die Spree, wurde jedoch noch rechtzeitig aus bem Wasser gezogen und nach dem Krankenhause am Friedrichs- Hain gebracht. Dort als geisteskrank erkannt, wurde er der Charitee überwiesen.— In der Nacht zum S. d. M. versuchte b>n Mann an der Ecke der Willibald-Alexis- und Friesenstraße wtttelst eines Taschenmessers sich die Pulsader der linken Hand Zu öffnen. Als starker Blutverlust eintrat, wandte er sich an den Revierwächter, der ihn nach der Wache des Gl. Polizeireviers „buchte, von wo seine Ueberführung nach dem Krankenhause am Urban erfolgte.— Am 8. d. M. und in der Nacht zum 9. d.M. landen 6 Brände statt. Tlxeskev. . Ls. Lesstng» Theater. Am Montag gingen zwei Lust- lplel-Premiören über die Bühne des Lessing-Theaters. Das xrste, eine in höheren Semestern stehende Dichtung Aiilhelmine's von Hillern, der Einsiedlerin von Oberammergau, we Augen der Liebe, behandelt gefällig-konventionell das alte �hema, daß die Liebe mit eigenen Augen ihren Gegenstand betrachtet, und daß ein häßlicher Mann von Geist zuletzt höher bewerlhet werde, als ein schöner Dummkopf. Es ist ein Salonstück, wie es bereu zahllose giebt, geschickt gemacht, was bei der Tochter der «irch-Pfeiffer nicht verwunderlich ist. Gespielt wurde sehr gut, itlli Petri war die anmuthigste Naive, die man sich denken kann, Herr Klein der überlegene Weltmann, Herr Schönfeld ein "schneidiger" Reiterlieutenant. Frl. Groß suchte ihre wenig Lebenswahre Priska so wahrscheinlich wie möglich zu machen.— *>er Schwank Labiche's: Der Vielgeliebte, zeigt uns den Lebe- wann, den zwei Hahnreis mit ihrer Freundschaft bis in seine Flitterwochen hinein verfolgen, übrigens ein Motiv, das schon der ßbniale Fourier in seiner„Theorie des quatre raouvernents", ba wo er über die bürgerliche Ehe spricht, mit allem Glänze des kollischen Humors beleuchtet hat. Als Einakter hätte dies außer- ordentlich flott gespielte„Lustspiel" weit mehr gewirkt; es war Fehler, den draniatischen Narren über drei Akte hin zu behnen. Blencke gab den Helden vortrefflich, doch hätte etwas wehr Dandythuni hier nichts schaden können. Eine Glanzleistung war der Vernouillet Oskar Höcker's; sehr gut auch der Bocardon be«! Herrn Waldow. Frl. Palm war eine liebliche junge Frau, Herr Bischer und Louise von Pöllnitz waren recht natürliche Schwiegereltern. Die Ausstattung war geschmackvoll. r Tm gewiegter Schauspieler ist der Zeichner Paul Franz «nnl Müller, welcher gestern wieder einmal vor der IV. Straf- wmmer des Landgerichts I stand. Er ist daselbst ein alter Be- tonnter und die theatralische Pose des reuigen Sünders, welche � auf der Anklagebank sofort wieder annahm, machte anf den �«richtshof ebenso wenig Eindruck, als seine salbungsvollen «sorte. Ter Vorsitzende rieth ihm deshalb, derartige zwecklose «chauspielerkunststücke zu unterlassen. Aus den Akten ergiebt sich, oaß der Angeklagte ein ganz durchtriebener Schwindler ist. Bald hat er, ohne einen Pfennig Geld zu besitzen, unter der Maske o>nes Barons in einem feinen Restaurant in Champagner ge- 'chwelgt, bald hat er mit einer sogenannten„Blüthe", die er für ."neu Tausendmarkschein ausgab, Betrügereien verübt_ und Ittn letzter großer Koup, der ihm eine Zuchthansstrafe ?on anderthalb Jahre» eingebracht hatte, bestand darin, baß er eine alleinstehende Dame mittelst fingirter Postkarte aus chrer Behausung gelockt und dann deren Wohnung vollständig ausgeräumt hatte. Im Zuchthause gelang es ihm, durch seine ?unst in der Heuchelei den Anstaltsgeistlichen Pastor W. zu wuschen, welcher dem anscheinend reumüthigen Sünder em liebe- volles Interesse entgegenbrachte und demselben zu seinem Fort- ;°NIM°N in der Freiheit behilflich war. Eines Tages erschien er '"der Wohnung des PastorS, erzählte demselben, daß er eine 'seue Seele gesunden, welche fortab an seiner Seite durchs Leben Jägern und ihm vor fernerem Straucheln bewahren wolle und °at den Prediger, die kirchliche Einsegnung seiner Ehe, welche in .er Heiligkreuzkirche stattfinden solle, zu übernehmen. Pastor W. !?gte mit Freuden zu, versprach auch, sich sofort bei dem Prediger „ Hflje zu verwenden,»m eine kostenlose Trauung N einem nicht gebührenfreien Tage z»«vimrken. .Räch Erledigung dieser Frage bat Müller den Geistlichen *ni eine kleine Summe als Darlehn und alle Bedenken, die der Pastor geltend machte, wußte der Zlngeklagte damit zu über- «'"den, daß er demselben„zur absoluteste.Sicherheit ein s autlonsdokument übergab, welches jedes Ripko ausschließen lv�'e. Daraufhin erhielt er das Geld, er scheint aber cie ganze zvauungsgeschichte nur erfunden zu haben, um sich de» de», >Än ÄÄwSSNÄ'aS ad iOQ M. Geldbuße, event. noch 10 Tagen Zuchthaus. Gegen eine junge Taschendiebin, die 19 jährige Minna Rabenhorst, wurde gestern vor der IV. Strafkammer hiesigen Landgerichts I. verhandelt. Der Name Rabenhorst ist bei der hiesigen Kriminalpolizei wohlbekannt, denn die Schwester der Angeklagten ist eine schon vielfach vorbestrafte Taschendiebin und auch die Angeklagte selbst ist schon mehrfach auf dein Gebiete des Taschendiebstahls anfgetreten. Sie hat das Glück, daß sie auf der Photographie im Verbrecheralbum wie eine alte Frau aus- sieht und deshalb von manchen Beamten nicht erkannt wird. Dieser Umstand kam ihr auch zu Gute, als sie eines Tages vor dem Baum'schen Geschäft in der Leipzigerstraße ihrem diebischen Handwerk nachging. Sie wurde von dem Kriminalschutzmann Rom- yild beobachtet, wie sie sich an die vor den Schaufenstern stehenden Frauen herandrängte und ihre Hand hier und da in deren Paletot- laschen gleiten ließ, doch war nicht wahrzunehmen, ob sie nur das Terrain sondirte oder auch einen Diebstahl znr Ausführung gebracht hatte. Als sich die Verdächtige entfernte, folgte ihr der Beanite bis in die Potsdamerstraße hinein, wo sie in einem Laden etwas kaufte. Da der Beamte dabei wahrnahm, daß die Angeklagte mehr als ein Portemonnaie bei sich führte, examinirte er dieselbe beim Verlassen des Geschäftslokals und die Angeklagte nannte ohne zu zucken einen fremde» Namen, erklärte, daß sie in Schöneberg in der Schloßstraße wohne und bei einem Stein- druckcr in der Leipzigerstraße in Beschäftigung stehe. Das eine Portemonnaie erklärte sie für ihr eigenes, in dem anderen wollte sie im Auftrage eines Herren etwas Geld zu einer Mamsell des M.'schen Geschäfts in der Potsdamerstraße gebracht haben. Der Beamte trat sofort den Weg zu jenem Geschäft an und vor der Kellerthür bezeichnete ihm die Angeklagte ganz genau eine in dem Ikellergeschäft beschäftigte Mamsell als die Empfängerin des Geldes. Zl»f ihren Wunsch und ihre Bitte, ihr eine Blamage vor dem Fräulein zu ersparen, ließ sie der Schutzmann auf der obersten Kellertreppe stehen, behielt sie aber fest im'Auge, als er das Geschäftslokal betrat. Kanin war er unten angekommen, da machte die Angeklagte oben Kehrt und stürmte mit Windeseile davon. Ter Beamte wollte sie sofort verfolgen, er kam aber ins Stolpern und als er oben auf der Straße angelangt war, war die Angeklagte spurlos verschwunden. Vergeblich wurden die sämmtlichen Häuser der Nachbarschaft abgesucht, vergeblich fuhr auch der Beamte hinaus nach Schöneberg und legte sich dort in der Schloßstraße mehrere Stunden auf Lauer: die An- geklagte war der ihr drohenden Gefahr entronnen, sie sollte sich aber ihres Sieges nur kurze Zeit erfreuen. An, nächsten Tage entsann sich der Kriininalschutzittann Römhild, daß die Angeklagte von einem Steindruckcr in der Leipzigerstrnße gesprochen; er holte sich den Adreßkalender, schrieb sich alle Steindrucker der Leipzigcrslraße auf und begann einen Rundgang bei denselben, in der Hoffnung, eine Spur der Ver- schwundenen zu entdecken. Seine Hoffnung sollte auch nicht ge- täuscht werden, denn bei dem Lithographen L. fand er bei dem Durchblättern der Arbeitslisten, daß daselbst vor einiger Zeit zwei Schwestern Rabenhorst beschäftigt waren. Nun wußte der Beamte genug, und kurze Zeit darauf befand sich die Angeklagte hinter Schloß und Riegel. Sie konnte auch nicht bestreiten, daß sie es gewesen, welche das Abenteuer mit dem Schutzmann gehabt, be- hauptete aber, daß sie die Portemonnaies ehrlich erworben resp. geschenkt erhalten habe. Der Gerichtshof glaubte ihr aber nicht, sondern vernrtheilte sie zu 1 Jahr Zuchthaus. Weinend erklärte sie, daß sie die Strafe gleich antreten werde. Aobevstrhk. Jton Kerrn N- Ähren», Kottbuserstr. 6a, geht uns fol- gende Erklärung zu: „Hierdurch erkläre ich, daß die Beschuldigungen gegen den Dirigenten der Möbelfabrik von I. C. Psaff, Zeughosstraße 3, Herrn Lorenz, auf Jrrthum beruhen; die dort beschästigten Kol- legen konnten die gemachten Beschuldigungen nicht nachweisen, vielmehr wurde festgestellt, daß die Maschinenarbeiter ihren garantirten Lohn, selbst wenn sie weniger verdient haben, er- halten. Ferner erkläre ich, daß die angeblich von mir gemachte Be- hauptung, der Obermeister Herr R. Seegers erhalte von den Lieferanten genannter Fabrik Prozente, auf Jrrthum meinerseits zurückzuführen ist. Ebenso beruht der angeführte Fall„Schröder" auf Jrrthum, wonach derselbe einmal kein Kostgeld erhalten haben soll. (gez.) R. Ahrens, Kottbuserstr. 6 a." In Bezug auf die Arbeitsverhältnisse bei obiger Firma wird uns noch von glaubwürdiger Seite mitgetheilt, daß der Tischler Wenzel eine Klage gegen die Firma angestrengt hat, weil er, trotz Versicherung seitens des Meisters, regelmäßig ein Kostgeld von 18 M. zu zahlen, nur 19 M. die letzte Woche erhalten hat, und kurzer Hand ohne vorhergegangene Kündigung entlassen wurde, obwohl er die Fabrikordnung nicht unterschrieben hatte. De�lÄnrmUmgen. Kongreß der freien-ing-fchriebenen Hilfskassen. Zweiter Tag. Die heutige Sitzung des Kongresses leitet Deisinger-Hambnrg. Nachdem die Präsenzliste festgestellt ist, wird eine aus den Herren Zaffkc-Hamburg, Döblin-Berlin und Thema-Altona be- stehende Kommission gewählt, welche die Prüfung einer Anzahl aus der Milte der Versammlung eingebrachter Anträge zur Krankenversicherungsaesetz-Novelle vornehmen soll. Es wird hier- ans in den nächsten Punkt der Tagesordnung:„Das Hilfekassen- Gesetz" eingetreten. Referent dazu ist Zaffke-Hambürg, Kor- referent Göo-Offenbackj(durch einen Jrrthum in der gedruckten Tagesordnung war im gestrigen Berichte Göb-Ofsenvach als Referent zur Novelle des Krankenversicherungs-Gesetzes angegeben worden). Zaffke- Hamburg erörtert die einzelnen Bestim- mungen der Krankenversicherungsgesetz-Novelle, in welchen das �iilfstassen-Gesetz vom 7. Aprit 1876 Abänderungen erfährt. ebner bemängelt diese Abänderungen, welche in der Hauptsache keine Verbesserungen, sondern Verschlechterungen seien und einen Druck ans die Arbeiter zu Gunsten der Zwangskassen ausübten. Die Regierung spiele in der Novelle Verstecken, Dr. Ed. Brock- haus habe ja aus der Schule geplaudert und die wahren Be- trebnngen der Regierung, die auf Vernichtung der Hilfskassen abzielen, kundgetha». Warum trete die Regierung nicht offen mit ihrer Ansicht hervor und fordere die Abschaffung des Hilfs- kassen-Gesetzes und somit die Aushebung der freien Hilfskassen V Der versicherungspflichtige Arbeiter wüßte dann, woran er sei und könnte seine Maßnahmen danach treffen. So schwer an sich chon die Bestimmung der Novelle, die freien Hilfskassen zur Gewährung von freier ärztlicher Behandlung und kostenloser Arzenei zu verpflichten, die freien Kassen beeinträchtigen, Licht und Schatten sei auch hier wieder nicht gleich- mäßig auf freie und Zwangskassen vertheilt. Denn§ 75 bestimme„freien Arzt und freie Apotheke" für alle Mitglieder der Hilfskassen, während bei den Zivanaskassen aljx nicht gerade im Genieindebezirke wohnenden Mitglieder statt des freien'Arztes und der freien Apotheke den entsprechenden Geldbetrag ausgezahlt erhielten. Eine wünschenswerthe Abänderung, welche die'Novelle jedoch nicht vorsehe, sei die Errichtung enies Reichsamtes für Krankenkassenwesen, welches eine einheitliche Regelung entstehen- ver Streitigkeiten verbürgen würde und die zerfahrenen Verhält- nisse, welche jetzt hinsichtlich der Entscheidungen der verschiedenen Berwaltungsgerichte in den einzelnen Staaten bestehen, beseitigen würde. Referent geht hierauf näher aus die von den Hamburger Delegirten beaniragten Abänderungsvorschläge ein. Diese Abänderungsvorschläge suchen den Hilfskassen eine freiere Entwickelung und den versicherten Personen größere Vortheile zu verschaffen. Vemerkenswerth sind die folgsnden Almuds- rangen: Zu§ 6: Kassenmitgliedern, welche infolge der Erfüllung ihrer Dienstpflicht im Heere oder der Marine aus- geschieden find, erwerben mit dem Zeitpunkt des Wiedereintritts in die Kasse ihre früheren Rechte an dieselben und können zur wiederholten Zahlung des Eintrittsgeldes nicht verpflichtet werden. Zu§ 7, Abs. 4: Bei Krankheiten, welche sich die Mit- glieder vorsätzlich oder durch schuldhafte Betheiligung an Schläge- reien oder Raufhändeln, durch Trünkfälligkeit oder geschlechtliche Ausschweifung zugezogen haben, ist die Unterstützung nur dem zu gewähren, wenn die Behandlung und Verpflegung in einer öffenl- lichen Heilanstalt erfolgt. Zu§ 12, Abs. 3. Auch kann für die Fainilienmitglieder der Mitglieder freie ärztliche Behandlung, Medikamente, Heil- und Erleichterungsmittel, sowie bei eintreten- deni Todesfall ein Beitrag zu den Beerdigungskosten gewährt werden. Er erläutert die Vortheile dieser Abänderungen und empfiehlt sie dem Kongreß zur Befürwortung. Einer eingehenden Besprechung unterzieht der Referent die Maßnahmen einzelner Be- Hörden, welchesich dieKosten für die behördlicherseits vorgenommenen Revisionen der Kassen, von den Kassen haben ersetzen lassen. Nach Ansicht des Referenten liegt eine derartige Verpflichtung für die Kassen zur Zahlung nach dem Wortlaute des Hilfskassen- Gesetzes nicht vor. Der Reichstag würde sich ein Verdienst er- werben, könnte er diesen Grundsatz znr Durchführung bringen. Redner fordert schließlich die Theilnehmer des Kongresses auf, alle Macht dahin geltend zu machen, daß die freien Kassen, weit sie für die Arbeiter nothwendig sind, fortbestehen und ihre gedeih- liche Entwickelung nicht gestört werde. Referent beantragt die nachstehende Resolution: „Der Kongreß der freien Hilfskassen und auf Grund lnndeSrechtlichcr Vorschriften errichteten Hilfskassen hält eine Abänderung des Hilfskassen-GesetzoS für unbedingt erforderlich und ersucht einen hohen Reichstag wie Bundes- rath, selbige in einer den freien Hilsskassen entsprechenden Form vornehmen zu wollen, damit die diesen Kassen ge- währleisteten Rechte gewahrt bleiben. „In Fernerem spricht sich der Kongreß gegen jede weitere Belastung der freien Hilfskassen aus, namentlich in Bezug der Meldepflicht, bezw. daß Mitglieder freier Hilfskassen nur auf Antrag von den Zwangskassen befreit sein sollen, weil hierin ein Vortheil hinsichtlich der Ausführung des Krankenversicherungs-Gesetzes nicht erblickt werden kann, dagegen die Entwicklung der Feien Kassen gehemmt würde." In der Diskussion nimmt Feische-Berlin das Wort. Redner bekämpft besonders die in der'Novelle enthaltenen Bestimmungen der Meldepflicht. Werde diese Meldepflicht der freien Kassen zum Gesetz erhoben, so sei damit den freien Kassen der Lebens- faden abgeschnitten. Ein Antrag auf Schluß der Generaldiskussion und auf Ein- tritt in die Spezialdiskussion der Gesetznovelle wird hierauf an- genommen. Nachdem die Zaffke'sche Resolution zur Abstimmung gebracht worden und einstimmige Annahme gefunden, vertagt sich die Versammlung auf Nachmittag 2 Uhr. Die Nachmittags- Sitzung wird wieder von Deifinger- iamburg geleitet. Es werden eine Anzahl neuer Begrüßungs- elegramme verlesen und der Vorsitzende theilt mit, daß heute »och der freisinnige Abgeordnete Dr. Gutfleisch anwesend ist. Bevor man in die Tagesordnung eintritt, irnrd auf die Anregung des Delegirten Niemeyer beschlossen, daß eine aus den Herren Blnme-Hamburg, Deisinger-Hambnrg und Köhn-Dresden bestehende Deputation dem Herrn Geh. Rath Koch für die große Wohlthat, welche seine Entdeckung den freien Kassen und den versicherten Arbeitern gebracht, den Dank der Kongreßdelegirten im Namen der von ihnen vertretenen Kaffen abstatten soll. Es kommen hierauf einige allgemeine Anträge zur Verhandlung.— Waldheim, Offenbach und Hamburg beantragen die Errichtung eines Reichsamtes für Kranken- kassen-Wesen. Hamburg beantragt die Absendung einer Petition zu beschließe», welche den Erlaß einheitlicher Vollzugs- bestiinmungen für das ganze Reich fordert. Beide Anträge ge- langen nach kurzer Debatte zur Annahme. Die Delegirten Dresdens enipfehlen die Errichtung von Lnst-Kurorten und Rekon- valeszenten-Häusern durch das Reich und eine diesen Wunsch aus- sprechende Petition an den Reichstag. Dieser Antrag wird an- aenonnnen. Koppe-Altona schildert'die Ausbeutung der Kassen durch die'Apotheken und enipfiehlt die Gründung eigener Apotheken seitens größerer Kassen. Bon anderer Seite wird der Zusaminenschluß mehrerer Kassen zu diesem Zwecke gewünscht. Zaffke-Hambiirg wendet sich gegen diese An- träge und empfiehlt dagegen eine Verstaatlichung der Apotheken ilnd Medikamente. Der Antrag Koppe wird abgelehnt; der An- trag Zaffke angenommen. Heismann-Flensburg stellt folgenden Antrag: Der Kongreß richtet an die Reichsregierung das Er- suchen um Erlaß der Ansammlung des Reservefonds pro 1890 für sämmtliche Krankenkassen mit Rücksicht auf die ungeheuren Kosten, welche die Jnfluenza-Epidemie verursacht hat. Zaffke- Hamburg erklärt diesen Antrag jür nnannehmbar, und der Kon- greß geht über denselben zur Tagesordnung über. Es kommen min die von den Hamburger und Berliner Tele- girten gestellten Abändernngs- Anträge zuin Krankenkassen- Versicherungsgesetz zur Berathnng. Den Antrag, ß 1 dahin abzuändern, daß alle gegen Lohn oder Gehalt beschäfttgten Personen, auch Lehrlinge und selbstständige Gewerbetreibende, auf Grund dieses Gesetzes versicherungspflichtig sind, sofern sie täglich weniger als 6-)> Mk. haben, wird mit großer Majorität angenommen. Durch Annahme dieses Antrages erledigt sich der nächste Antrag, welcher auch die Matrosen und die auf den Seeschiffen beschäs- tigten Arbeiter in die Versicherung einbezogen wünscht.§ 4 Ab- atz 1 des Gesetzes soll in alter Fassung bestehen bleiben. Die Versammlung erachtet die dann in der Novelle vorgenommene Aenderung als eine Verschlechterung des Gesetzes. Abs. 2 im§ 6 der Novelle sieht die Gewährung von Kranken- Unterstützung erst am dritten Tage der Erwerbsunfähigkeit vor; es soll also nur bei Krankheiten, die länger als 3 Tage dauern, Krankengeld gezahlt werden. Pittack-Rendsburg beantragt Auf- Hebung dieser dreitägigen Karrenzzeit und Zahlung des Krankengeldes gleich vom ersteil Tage an. Der Antrag wird nach längerer Debatte, in ivelcher sich auch Stimmen dagegen erheben, mit großer Majorität angenommen. Ein Antrag, Vre Kranken- Unterstützung anf ein Jahr zu verlängern, wird abgelehnt. Nie- ineyer- Hamburg beantragt, entgegengesetzt der Novelle, welche Rauf- und Trunkenbolden:c. keine Krankenunterstützung gewähren will, solchen Leuten Krankengeld zu gebe», falls sie sich in einer öffentlichen Heilanstalt behandeln lassen. Blume-Hamburg spricht gegen diesen Antrag, ebenso Rackwitz-Berlin. Antrag Niemeyer ivird schließlich angenommen. Fuhse-Bremen stellt den Antrag, daß nicht, wie es die Novelle bezweckt, die Berwaltungs- behörde selbstständig die Festsetzung des ortsüblichen Tage- lohnt vornehmen kann, sondern sich erst mit den Vorständen der in dem betreffenden Gemeindebezirk bestehenden Hilfskasse» darüber ins Einvernehmen zu setzen hat. Der Antrag wird nach längerer Debatte abgelehnt. Ein Antrag Heismann-Flensburg, die Be- Hörde zu verpflichten, eine Erhöhung des ortsüblichen Tagelohns den Kassenvorständen 6 Monate vorher bekannt zu geben, wird angenommen. Göb-Offenbach beantragt zum§ 19 Abs. 2 der Novelle, welche die neu anziehenden Arbeiter sofort den Orts- lassen zuführen will, solchen Leuten eine Frist von drei Tagen zu gewähren, innerhalb welcher sie zwischen Orts- und freien Hilfskassen wählen können. Ein Antrag, sämmtliche Aenderungen. welche die Novelle in ihrem§ 26 a vorschlägt, abzulehnen, findet einstimmige Annahme. Die Delegirten Hamburgs beantragen, den S 28 des Krankenversicherungs-Gesetzes in der alten Fassung zu belassen, da die Novelle mit ihrer Abänderung nur eine Verschlechte- rung für die in freien Kassen Versicherten herbeiführen würde. Nach- träglich gelangt ein Unterantrag zur Annahme, welcher den aus den Kassen wegen Erwerbslosigkeit ausscheidenden Kassen- nütgliedern entgegen dem bisherigen Gesetze die statutarischen Leistungen der Kasse, nicht nur die gesetzlich geforderte Mindest- leistung, sichert. Zu§ 28 wird von Döblin-Berlin die folgende Resolution eingebracht und einstimmig angenommen: „Der Kongreß erblickt in der durch den Bundesrath be- schlossenen Fassung des§ 28 des Gesetzes betr. die Krauken- Versicherung der Älrbeiler eine nicht in den Rahmen dieses Gesetzes gehörende Wahrnehmung einseitiger Interessen und vrotestirt gegen den Versuch, die Krankenversicherung in den Dienst einer bestimmten Gesellschaftsklasse zu stellen." Conrad-Leipzig beantragt den§ 38a der Novelle, welcher bei der Generalversammlung der Betriebs- Krankenkasse eine Stell- Vertretung für die Arbeitgeber zulasse, eine solche jedoch für die Arbeitnehmer verbiete, ganz zu streichen, weil Arbeitgeber und Nehmer nicht mit gleichem Maße gemessen würden; dieser An- trag wird angenommen. Jahn-Berlin beantragt die Streichung des§ 46a der Novelle, der die Bildung von größeren Verbänden von der Ge- nehmigung der höheren Verwaltungsbehörde abhängig machen will. Der Antrag ivird beinahe einstimmig angenommen. Die Diskussion wird hier abgebrochen und auf morgen vertagt. Schluß der heutigen Sitzung. Der Fachverrin sämmtticher in der Firmenschilder- Branche beschäftigten Arbeiter hielt am Dienstag, den 2. d.M., ferne Generalversammlnng ab. Zunächst erstattete der Kassirer, Herr Kerstan, den Kassenbericht. Dann wurde Herr Simpson als Beisitzer und Herr Baumgarten als Ausschuß-Mitglied gewählt. Der§ 8 des Statuts wurde dahin abgeändert, daß der wöchent- liche Beitrag auf 10 Pfg. herabgesetzt wurde. Sodann besprach Herr Heinrich Ströbel in seinem wissenschaftlichen Vortrag„Die Entwickeluug der Familie." Der Vortrag wurde mit großem Interesse gehört. In der Diskussion mußte Herr Ströbel noch einige Punkte näher erläutern. Beschlossen wurde noch, den Herrn Kordes nicht mehr als Kollegen zu betrachten. Der Dvrri» �er Modelleure und Gidvbildhauee hielt am Donnerstag, den 4. d. M. eine gut besuchte Versammlung ab, Kollege Schneider einen von der Versammlung mit in welcher Ko...�___,.................. regem Interesse verfolgten Vortrag über „Die Entwickeluug der Muflk" hielt.— In der Diskussion, an welcher sich die Kollegen Dupont und Schmiedel betheiligten,'"" dem Bolke die Kunst von oben herab wurden die Bestrebungen, zugänglich zu machen, ge- kennzeichnet und hervorgehoben, daß nur von dem eigenen Streben der Arbeiter nach Wissenschaft und Kunst Erfolg zu er- warten sei. Zugleich wurde den Kollegen der Beitritt in die Freie Volksbühne, die es sich zur Aufgabe gemacht, dem arbeitenden Volke die Kunst zu erschließen, enipfohlen.— Nachdem die ge- schäftlichen Angelegenheiten erledigt und unter„Verschiedenes" einige, die Kollegen interessirende sachliche Mittheilungen gemacht, schloß die Versammlung. Fachverein der«Uchler kNorden).(Siojie Versammlung am Mittwoch, den 10. Dezember, Abends S% Uhr, im Lokale des Herrn Schröder, Müller- straße I7S. Allgemeiner Arbeiterinnenverein gerlins»nd Nmaegend. Grobe Mitgliedcr-Bersammlung am Millwoch, den 10. Dezember, Abends 8% Uhr, in Scheffcr's Salon, Jnselftr. w. Achtung MetaUarbeiter! Heute, Mittwoch, Abends s; Uhr, bei Frisch- mann, Jüdcnslr. 65: Deicgtrlen-Berathung. Zeniral-KrankenkaNr der Töpfer. Mittwoch, den lo. Dezember er., Abends o Uhr, in Gratweil'S BierhaUen, Kommandantenstr. 77— 70: Mitglieder- Versammlung. 'lech« chetfcntliche Uerfammlnng smiuntlichrr ztletallarbeiier in Gas-, zUalter-»nd yampf. Armaturen am Donnerstag, den II. Dezember er Abends 8 Uhr, bei Zemter, Münzstrabe?!r.: i. Tagesordnung: i. Vericht der Telegirtcn der Berliner Elreit-itontrollommission. o. Wahl von D-legirtcn zu dem am Sonnlag, den 08. Dezember, in Berlin slatlsindenden Delegirlentag der Metallarbeiter Brandenburgs, z. Verschiedenes.— Zur Deckung der Un- losten findet Tellersammlung statt. ziaturheitvrr-:» Avrdc». Mittwoch, de» 10. Dezember, Abends 8% Uhr, in der Brancrei..Königstadt", Schönhauser Allee 10— u: Vortrag des Herrn Herin. Canitz über:„Herztrantheiien". Gaste tvilllommen. Soiiatdemokratifchcr gtfe- und?i»k»tirklul>..Gleichlziit". Der- fammlung am Mittwoch, den 10. Dezember, Abends 8% Uhr, bei Hilgensel», Bergstr. oo. � sörolse öffentliche Uerfamuilung aller in der Herren- Varderabe»- brauch» beschäftigten Arbeiter lind Arbeiterinnen am Mittwoch, den 10. Dezember, Abends 8% Uhr, im„Böhmische» Brauhause", Landsberger Allee u— iz. Freie Vereinigung der Maurer verlins und Umgegend. Versammlung. am Tonnerstag, den n. Dezember er., Abends 8 Uhr, bei Orschel, Sebasitanstr. oo. Grifentliche vrrsaminlnng der Uleistgerber ani Mittwoch, den w. Dezember, Abends 8 Uhr, im (oberer Saal), Badftrabe. Achtung! Allen Militär- und Lteserungs- Schneidern zur Nachricht, daß die Bereinsversammlung Donnerstag den ii. Dezember, nicht stattfindet, daß aber dafür Sonntag, den u. Dezember, Nachmittags% Uhr, in Feuer- steiirs Salon, Alte Jalobstraße 75(oberer Saal), eine große öffentliche Bei- fammlung mit Frauen stattfindet. Nach der Versammlung: Gemüthltches Beisammensein mit Tanz. Sozialdemvkrafische Lese- und viskuiirklub».„Vorwärts", Abends 8% Uhr Sitzung im Lotale des Herrn Köhn, Naunynstr. 83. Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden ausgenommen.—„In l ern alt o- nale", Abends 8 Uhr bei Oelze, Kl. Andrsasstr. 10. Gäste haben Zutritt, —„Nord", Abends s% Uhr, bei Naabe, Ruppwerstr. 46,—„Gleichheit". und Serusogrnxssen » Lolai„Adlerbrauerel" AbeudS Uhr, bei Hilgenseid, Bergstraße 60, Gasi« haben Äutrick „Emanzipation". AbendS 8% Uhr bei Wagner, Neue Königstr. 80.# willkommen.—„ K» l t u r Abends 8'; Uhr bei Steuer, Weinstr. 00. ,, Arbeiter Söll ger-fßund Berlins und Umgegend. M i r tw o ch, Aben»» o Uhr, UebungSstunde(Aufnahme von Mitgliedern). Gesangverein„Unr>; zagt", Restaurant Köpiiickerstr. 107 a.— Gesangverein„F r e y a",(SemnVs Chor) bei Zemter, Münzstraße II.— Männer- Gesangverein ,H i l a i i I o'' Hochftr. 32 a bei Wilke.— Gesangverein B r e tz e l s ch l n ß", Ohmgafse No bei Krebs.— Arbeiter-Sesangverein„V o r w ä r r s", Schönhauser Allee 08 0 Nürnberg.— Gesangverein„Ltedesfrethet t", Blumenftr. 38 bei. — Gesangverein„der S t e i n»> e tz e n", Johannisstr. oi bei Müller.— Gel« verein„Deutsche Eiche". Blumenftr. 46 bei Wenk.— Arbeiter- Gel« verein„E ch o", Pankow bei Borchardt, Schulzeftr. 07.— Gesangv!!>" „Lerche", Abends 0 Uhr bei Zimmermann, Brunnenstr. 110.— Arbeui aesangverein„Freiheit", Uebungsstunde von o bis u Uhr im Restaua» Häinmerle, Bülowftr. 60, pari..» Kesiuig-, Turn- und gefeUig« vereine. Gesangverein„Fr II'! aus". Abend? 8�-10« Uhr bei Haller, Nannynstr. 70.- Gesangvew „Pauscbeutel", Abends o Uhr bei Poppe, Lindenstr. 106.— Eelango!" „H o sfn ung", Moabit, Abends fp Uhr bei Jlges, Wilsnackerstr. Männergesangverei»„Sa n aes rr e ne", Abends%9— n Uhr bei LUV' Briidcrstr. oc.— Ziihertlub„A l p e» v e i l ch e Abends 8% Uhr Kuh! straße 05b, Ecke Alcxanderslraße. Gäste willkommen. W, Lü b e ck' ich er Turnverein: I. Lehrlingsabiheilung, Abends von»«' 10 Uhr im Turnsaale des ferlinerTurngenoss Turnlokal: Mühlenstr. 49— 50. „Königstädt. Giininas", Elisabelhstr. 87— 60." e n s ch a f t. 8. Männer-AbIH., Abends von W o" sttl Uhr.»umioia" Ivunucn»-.»ü— o-j. m Pollack-Klub„L u st t g e B r ü d- r", Abends 8X-io% Ichr im R-staur« Mariannenslr. 46.— Geselliger Klub„Prot et ort at" bei Lore i>- Koppenstr. 43».— Gesellger Klub„H o f s n u n g" bei Feige, Markusnr. — Verein der„Soldiner", Abends 8% Uhr bei Wutke, Friedr>chsb«g-s Raüchklub, Abends» Uhr, bei Hartmann, Manieuffelstraßi 71. Gäste kommen, DepesÄfetk. rMolffs Tekrgraphen-Kureau.) Dortmulid, 9. Dezember. Im Vahnhof Dortmundersel« stieß der Personenzug von Hörde auf den Personenzug von Hage� s ist tobt, mehrere Reisende siv Der Zugführer des einen Zuges, leicht verletzt. Ter Schaden an Material ist erheblich. (Ii für Rev S s°l I"? unt «mt( Sit best, ple im med emz spri das der Her St« koicl- und Sil ber waaren � U ö™ w W W C9 W M? em nfrofiTf fßin roirh'hrtTfinoS Q/yner in TThrAn f!nrallATi. ßranatdU empfiehlt sein reichhaltiges Lager in Brillanten, Uhren, Corallen, Granaten ffHwa zu Fabrikpreisen, billiger wie in jedem Laden. Donhläwaaren, Trauringe, 2 Dukaten Mk. 21. Goldene Herren- und Dam** ketten, silb. Löffel, Gabeln etc. nach Gewicht und billigste Fahvnberechnua� Hvchmts- n. Pathrngeschentze. Spezialität: Ringe, Ketten, ArmbWK' Reparatnrverkatätte. Nach auswärts Katal. grat. u. franko. Fernspr. 93664� Große sozialdemokratische Versammlung Wlsereills hes t Berliner Reihstags- Wnhlkreises am Donnerstagi den 11. Dezember, Abends 8Vs Uhr, im„Königshof", Bülowstraße 87. Tagesordnung: 1. Vortrag über:„Der neue Schulgesetz- Entwurf vor dem preußischen Landtag." 2. Diskussion. 3. Aufnahme neuer Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragen. 2062 Um recht rege Betheiligung ersucht Der Vorstand. Achtung! Wähler des dritten Wahlkreises. Donnerstag, den II. Dezember er., Abends SVa Uhr, bei Deigmliller, Alte Jakobstr. 48a: 2063 MW" ¥ersammSuiig. !ie Tirgesordnuug wird in der Dersammtnng bekannt gemacht. m zahlreiches Erscheinen ersucht, da es sich um Wichtige Keschlüsse handelt Der Einberufer. Große Mitglieder-Versammlung h. ÄMmskr. Wshlvereutg Ii Verl. Reichstilgs-Wahlkreises am Mittwoch, den 10. Dezember, Abends 8 Uhr� WUT in Jost'» Salon, Andreasstrajze Mr. Sl. Tages-Ordnung: 1974 1. Der Kampf der Schule gegen die Sozialdemokralie. Ref.: W. Werner. 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegeuyeiten. 4. Verschiedenes und Fragekasten. Die Zahlstellen befinden sich bei Fr. Zubeil, Naunyustr. 86; 6. Schulz, Kottbuserplatz; K. Scholz, Wrangelstr. 32 p. Daselbst werden neue Mitglieder aufgenommen. Um zahlr. u. pünktl. Erscheinen ersucht Der Vorstand. Grosse öffentliche Versammlung (öiitlijet Mitglieder freier Eingeschriebener nnb aus krunb lanbesrechtlicher Borjchristen errichteten Silfskajsen Donnerstag, detail. Dezember er., Abends 8 /a Uhr, den II. im Lokale„Königsbant", Gr. Frankfurterstr. 117 Tages-Ordnung: 2040 Die neue Krankenversicherungsgesetz-Novelle und deren Nachtheile für die Arbeiter und Arbeiterinnen. Referent Herr C. Deisinger- Hamburg. Diskussion. Verschiedenes. Die Tagesordnung ist für sämmtliche Mitglieder obiger Kassen von be- sonderer Wichligteil, daher das Erscheinen dringend nolhwendig, E m i l S ch w i 1 1 a U. I. Ä.: Große öffentliche polnisch-sozialdemokratischeVersammlnng VV am Freitag, den 12. Dezember, Abends 8Va Uhr,"VB im Lokale Neue Jakobstr. 12. Tages-Ordnung: Gründung eines polnisch-sozialdemokralischen Vereins für Berlin. 2047 Der Einberufer: C. Chacharowaki. Keig- n. Bairisch-Bierlakal August Günther,@itf#i#t.87. Wer viel Geld sparen will, benutze diese Gelegenheit. 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H-(Schluß). .„ Nicht die radikale Revolution ist ein utopischer Traum sur Deutschland, nicht die allgemein menschliche Emmi- Aatio», sondern vielmehr die theilweise, die nur politische Devolution, die Revolution, welche die Pfeiler des Hauses stehen }aPt. Worauf beruht eine theilweise, eine nur politische Revo- wlion? Darauf, daß ein Theil der bürgerlichen Gc- '* l l s ch a f t sich emanzipirt und zur allgemeinen Herrschast Wangt, darauf, daß eine bestimmte Klasse von ihrer besonder» Situation aus die allgemeine Emanzipation der Gesellschaft unternimmt. Diese Klasse chefreit die ganze Gesellschaft, aber nur s-. � Voraussetzung, daß die ganze Gesellschaft sich in der Situation dieser Klasse befindet, also z. B. Geld und Bildung besitzt oder beliebig erwerben kann. .. Keine Klasse der bürgerlichen Gesellschaft kann diese Rolle Nuelen, ohne ein Moment des Enthusiasmus in sich und in der fUmife hervorzurufen, ein Moment, worin sie mit der' Gesellschaft uu Allgemeinen fraternisirt und zusammenfließt, mit ihr vcr- vechielt und als deren allgemeiner Repräscntart Empfunden und anerkannt wird, ein Moment, worin ihre An- lpruche und Rechte in Wahrheit die Rechte und Ansprüche der »fchaft selbst sind, worin sie wirklich der soziale Kopf und > soziale Herz ist. Nur im Namen der allgemeinen Rechte Gesellschaft kann eine besondere Klasse sich die allgemeine x.?urschaft vindiziren. Zur Erstürmung dieser cmanzipatorischen «lellung und damit zur politischen Ausbeutung aller Sphären der Gesellschaft im Interesse der eigenen Sphäre reichen revolutionäre Energie und geistiges Selbstgefühl allein nicht aus. Damit die Devolution eines Volkes und die E ni a n z i p a t i o n 'i»cr besonderen Klasse der bürgerlichen Gesellschaft �lainmenfallen, damit ein Stand für den Stand der ganzen Mcllschaft gelte, dazu müssen umgekehrt alle Mängel der Gesell- [Aast in einer anderen Klasse konzentrirt, dazu muß ein bestimmter �land, der Stand des allgemeinen Anstoßes, die Inkorporation .er allgmdne» Schranke sein, dazu muß eine besondere sozialc gPhare für das notorische Verbrechen der ganzen n-S�töt gelten, so daß die Befreiung von dieser Sphäre ms die allg meine Selbstbesreiung erscheint. Damit c i n Stand Gxcellence der Stand der Befreiung, dazu muß um- iw ein anderer Stand der offenbare Stand der Unterjochung °Ul. Die negativ-allgemeine Bedeutung des französischen Adels und der französischen Klerisei bedingte die positiv-allgemeine Be- 'Mtung der zunächst angrenzenden und entgegenstehenden Klasse Bourgeoisie. Es fehlt aber jeder besonderen Klasse in Deutschland nicht JAr die Konsequenz, die Schärfe, der Muth, die Rücksichtslosigkeit, ,!* sie zum negativen Repräsentanten der Gesellschaft stempeln Mute. Es fehlt eben so sehr jedem Stand jene Breite " Seele, die sich mit der Voltsscele, wenn auch nur Lamentan identisizirt, jene Genialität, welche die materielle Mcht zur politischen Gewalt begeistert, jene revolutionäre Kühn- welche dem Gegner die trotzige Parole zuschleudert: I ch v'n n i chts und ich müßte alles sein. De» Hauptstock .Rutscher Moral und Ehrlichkeit, nicht nur der Individuen, son- JXn auch der Klaffen, bildet vielmehr jener bescheidene Egoismus, welcher seine Beschränktheit geltend macht und ßigen sich geltend machen läßti Das Vcrhältniß der verschic- enen Sphären der deutschen Gesellschaft ist daher nicht em?�isch, sondern episch. Jede derselben beginnt sich zu Jupsinden und neben die andern mit ihren besonderen Ansprüchen .■. Wagern, nicht sobald sie gedrückt wird, sondern so bald ohne ■ ff.ouchun die Zeilverhältnisse eine gesellige Unterlage schaffen, ,' die sie ihrerseits den Druck ausüben kann. Sogar das .»ralische Selbstgefühl der deutschen Mittel- iwU® beruht nur auf dem Bewußtsein, die all- » weine Repräsentantin von der philisterhaften Mittelmäßigkeit .übrigen Klassen zu sein. Es sind daher nicht nur die , Richen Könige, die m a 1- i,- p r o p o s auf den Thron ge- -daen, es ist jede Sphäre der bürgerlichen Gesellschaft, die ihre WWWSW d'« Gelegenheit bevor sie vorh-.. ben Kampf mit der über'hr ? den Kampf mit der unter flt. Daher befindet sich da- Legen das Königthum, der gegen den Adel, der Bourgeois im TpmX v-~- _. einer großen Rolle immer vorüber ist, Ne vorhanden war, so daß jede Klasse, sobald sie stehenden Klasse beginnt, ihr stehenden verwickelt Fürstenthum im Kamp Bureaukrat im Kamps Kampf gegen sie alle, wäh- s o n d e r e s Unrecht, sondern das U n r e ch t schlechthin an ihr verübt wird, welche nicht mehr auf einen historischen, sondern nur noch aus den menschlichen Titel provoziren kann, welche in keinem einseitigen Gegensatz zu den Konsequenzen, fondern in einem allseitigen Gegensatz zu den Voraussetzungen des deutschen Staatswesens steht, einer Sphäre endlich, welche sich nicht cmanzipiren kann, ohne sich von allen übrigen Sphären der Gesellschaft und damit alle übrigen Sphären der Gesellschaft zu enianzipiren, welche mit einem Wort der völlige Verlust des Menschen ist, also nur durch die völlige Wieder- g c w i n n n n g des Menschen sich selbst gewinnen kann. Diese Auflösung der Gesellschaft als ein besonderer Stand ist das Proletariat. Das Proletariat beginnt erst durch die hereinbrechende industrielle Bewegung für Deutschland zu werden, denn nicht die n a t u r w n ch s i g e n t st a n d e n e, sondern die k ü n st- l i ch prodnzirte Armuth, nicht die mechanisch durch die Schwere der GesellschaftZ niedergedrückte, sondern die• aus ihrer akuten Auflösung, vorzugsweise aus der Auflösung des Mittelstandes hervorgehende Menschcnmasse bildet das Proletariat, obgleich allmälig, wie sich von selbst versteht, auch die natur- wüchsiae Armuth und die christlich-germanische Leibeigenschaft in seine Reihen treten. Wenn das Proletariat die A u f l ö s u n g der bisherigen W c l t o r d n u n g verkündet, so spricht es nur das Geheim- niß seines eigenen Daseins aus. Denn es i st die faktische Auflösung dieser Weltordnung. Wenn das Proletariat die Negation deS Privat eigenthums verlangt, so erhebt es nur zum P r i n- zip der Gesellschaft, was die Gesellschaft; s einem Prinzip erhoben hat, was in i h m als negatives Re- sultat der Gesellschaft schon ohne sein Znthun verkörpert ist. Der Proletarier befindet sich dann in Bezug auf die werdendo Welt in demselben Recht, in welchem der deutsche König in Bezug auf die gewordene Welt sich befindet, wenn er dm Volk sein Volk, wie das Pferd sein Pferd nennt. Der König, indem er das Volk für sein Privateigenthuni erkärt, spricht es nur aus, daß der Privateigenthümer Könige ist. Wie die Philosophie im Proletariat ihre materiellen, s) findet das Proletariat in der Philosophie seine geistigen Waffen und sobald der Blitz des Gedankens gründlich in diesen naiven Volksboden eingeschlagen ist, wird sich die Emanzipation der Deutschen zu Menschen vollziehen. Resumiren wir das Resultat: Die einzig praktisch mögliche Befreiung Deutschlands ist die Befreiung auf dem Standpunkt der Theorie, welche den Menschen für das höchste Wesen des Menschen erklärt. In Deutschland ist die Emanzipation von dem Mittelalter nur möglich als die Emanzipation zugleich von den theilweise» Ueberwindungen des Mittelalters. In Deutschland kann keine Art der Knechtschaft gebrochen werden, ohne jede Art der Knecht- schaft zu brechen. Das gründliche Deutschland tann nicht revolutioniren, ohne von Grund aus zu rcvolutioniren. Die E ni a n z i p a t i o n d es D e n t s ch e n ist die E m a n z i p a t i o n des Menschen. Der Kopf dieser Emanzipation ist die Philosophie, ihr H r r z daS Proletariat. Die Philo- sophie kann sich nicht verwirklichen ohne die Aufhebung des Proletariats, das Proletariat kann sich nicht aufheben ohne die Verwirklichung der Philosophie. Wenn alle innern Bedingungen erfüllt sind, wird der deutsche Auferstehungstag verkündet werden durch das Schmettern des gallischen Hshvis. Vokales. aus, den Gedanken der Emanzipation zu fassen und rriart die Entwicklung der sozialen Zustände, wie der "Atioüw v politischen Theorie diesen Standpunkt selbst für quirt oder wenigstens für problematisch. kin wnri Genügt es, daß einer ctwaZ sei, damit er alles Als oliJs vn Deutschland darf ciner nichts sein, ivenn er nicht pation V»« soll. In Frankreich ist die partielle Emanzi- ist ktzrund der universellen. In Deutschland ist »og""lverselle Emanzipation conditio sino qua licbic;t l.r partiellen. In Frankreich muß die Wirk- hifcnmV,"Iv, Deutschland muß die Unmöglichkeit der .'!« SÄßs N jun£*h""fVf W. v WW WW ?c fmirvii"I?)'.fils besondere Klasse, sondern als Repräsentant i i p n f'n v i1 Bedürfnisse überhaupt. Die Rolle des E m a n- Sn die J,,f.sieht also der Reihe nach in dramatischer Bewegung sie enbtf*'7�nen Klassen des sranzösischen Volkes über, bis Acht„.„r'°er der Klaffe anlangt, welche die soziale Freiheit �enfrLpn r un er �er Voraussetzung gewisser, außerhalb des peschaffen,.si�er, und doch von der menschlichen Gesellschaft f"auiinp,. Bedingungen verwirklicht, sondern vielmehr alle Be- etzung der menschlichen Existenz unter w«nmns. sozialen'FrZheit der Voraus- li� das„das praktische Leben eoe»......... ft�en©cfpfTf!!9 rCfben unpraktisch ist. hat keine Klaffe der bürger- h�onzml,;. fl das Bedürfniß und die Fähigkeit der allgemeinen k°-dh die„ n' dis sie nicht durch ihre'unmittelbare Lage, d st x.A a teriel le Nothwendigkcit, durch ihre Ketten ÄZo kÜ Gezwungen wird. Aszipat-� fo die positive Möglichkeit der deutschen p VCnf*'0"? der bÜTae�rä!fe bürgerlich� Gesellschaft, welche keine Aasrüe*u V einen und e- Die LosiaUrommission fordert hiermit dringend alle die- jenigen Genossen auf, welche noch im Besitz von Arbeiter- Almanachs sind, dieselben bis spätestens Sonnabend, den 13. Dezember, abzurechnen eventuell die nicht verkauften Exemplare an W. Werner, Elisabeth-Ufer 55, Aug. Jnsinger, Krautstr. 48, Otto zeindorff, Langcstr. TO, zurückzugeben, da nicht länger mit der lbrechnung gewartet werden kann und wir sonst gezwungen sind, die Namen der Säumigen zu veröffentlichen. Mehreren Anfragen zufolge hat die Kommission Rücksprache mit deni Oekonom des Buggenhagenschen Lokales genommen und festgestellt, daß der Besitzer nur noch in der Lage ist, bis zum Umbau seines Saales tnnch den Bestimmungen der neuen Bau- ordnung), welcher im März 1391 begonnen wird, die bis dato bestellten Vergnügungen abhalten zu lassen, da ihm ausdrücklich nur noch dafür die Erlaubniß ertheilt ist. Die Genossen müssen infolge dessen bis dahin auf diesen Saal verzichten. Wir habe» die bestimmte Versicherung, daß nachher wieder Versammlungen dort abgehalten werden künnen. In Betreff Feuerstein theilen wir mit, daß die während der Ballsaison vom Sonnabend zum Sonntag benutzten Säle des Sonntags zu Versammlungen nicht zur Verfügung stehen, da die Zeit zum„Bohnen* bei schlechtem Wetter nicht vorhanden ist. Gleichzeitig geben wir bekannt, daß das Lokal Alte Jakob- straße 32(früher Orpheum) Inhaber Schmiedel, seinen Saal zu allen Versammlungen hergiebt. Die Lokalliste ist bis auf Weiteres die folgende: Abraham, Straßburgerstr. 5. Adlerbrauerei, Äadstraße. Slktienbrauerei Moabit. Arminhallen, Kommandantenstr. 17. C. Bachmann, Dresdenerstr. 43. Bcrgschloßbrauerei, Rixdorf. Beyer, Neue Grünstr. 14. Bockbrauerei, Tempelhofer Berg. Böhmisches Brauhaus. Bötzow's Brauerei. Bolzmann, Andreasstr. 23. Bobert, Weinstr. 11. Brauerei Tivoli, Kreuzberg. Brauerei Königstadt. Brauerei Friedrichshain(Lips). Brauerei Friedrichshöhe(Patzenhofer). Brauerei Pfefferberg. Buggenhagen, Moritzplatz. Büß' Salon, Gr. Frankfurterstraße. Bürgersäle, Dresdenerstr. 93. Konzertpark, Ostend, Frankfurter Allee. Deigmüller's Salon, Alte Jakobstr. 43«. Deutsches Volkstheater, Schönhauser Allee. Eiskeller-Etablissenienl, Chauffeestraße. Elysium, Landsberger Allee. Feldschlößchen(Müller), Müllcrstr. 142. Feuerstein's Salon, Alte Jakobstr. 75. Gebhardt, Prinzenstr. 87. Gratweil's Bierhallen, Kommandantenstr. 79. Gnadt, Brunnenstr. 38. Gründet, Dresdenerstr. IIS. Gründer's Salon, Schwerinstr. 13. Habel's Brauerei, Bergmannstr. 5—7. Heise, Lichtenbergerstr. 21. Heunig, Hochstr. 32a. Herzog, Memelerstr.,„Deutscher Kaiser". Heydrich's Säle, Beuthstr. 18-21. Fritz Jlges, Wilsnackerstr. 63. Industrie-Hallen, Mariannenstr. 31—32. Joöl(früher Keller), Andreasstr. 21. Keller's Hofjäger, Jnh. A. Fröhlich, Hasenhaide. Keller, Bergstr. 38. Königshof, Blllowstraße. Klein's Festsäle, Oranienstr. 180. Kliem, Hasenhaide. Königsbank, Gr. Franksurterstr. 117. Krllger's Bierhallen, Franksurterstr. 102. Krieger's Salon, Wasserthorstr. 63. Kuhlmey's Gesellschaftshaus, Köslinerstr. 17. Meißner, Gartenstr. 132. A. Möwes' Gesellschaftshaus, Fichtestr. 29. Müller, Johannisstr. 20. Neustädtischer Bolksgarten, Proskauerstraße. Norddeutsche Brauerei, Chausseestr. 58, Nürnberg, Schönhauser Allee 23. Orschel, Sebastianstr. 39. Parlamentshalle, Landsbergerstr. 85. Rau's Salon, Skalitzerstr. 125(Wolf tt. Krüger), Reichert, Müllcrstr. 7. W. Rehlitz, Bergstr. 12. Renz' Salon, Naunynstr. 27. Rennefahrt's Salon, Dennewitzstr. 13. Reyer, Alte Jakobstr. 63. Roll, Adalbertstr. 21. Ruhland, Moabiter Schützenhaus. Sachow, Müllerstr. 136. Saeger, Grüner Weg 29. Sahm's Klubhaus, Annenstr. 16. Sanssouci, Kottbuserstr. 4 a. Scheffer's Salon, Jnselstr. 10. Schloßbrauerei Schöneberg. Schmiedel's Salon(Orpheum), Alte Jakobstr. 32. Schneaelsberg's Salon, Jahnstr. 3. Schneider, Belforterstr. 15. Schröder, Müllcrstr. 178(Weddingpark). Schwarzmüller, Kolbergerstr. 23. Silber's Salon, Schwedterstr. 24. Specht(Brauerei-Ausschank), Neue Jakobstr. 26. Süd-Ost, Waldcmarstr. 73. Unionsbrauerei, Hasenhaide. Vereinsbrauerei,(Rixdorf). Viktoriabrauerei, Lützowstraße. Viktoria-Salon, Perlebergerstr. 13. Volksbraucrei(Moabit). Wcdding-Park, Müllerstr, 78. Wedding-Kasino, Schulstr. 29. Weich Alexanderstr. 31. Wcigt, Markgrafenftr. 87. Wollschläger, Blumenstr. 78. Wohlhaupt, Manteuffelstr. 9. Wuttte, Friedrichsbergerstr. 20. Zelt Nr. 1. Zemtcr, Münzstr. 11. Da verschiedene Veränderungen vorgekommen, ersuchen wir die Parteigenossen, genau auf diese Liste zu achten, besonders machen wir noch darauf aufnierksam, bei Festsetzung von Ver-' gnügnngcn auf diese Liste zu achten. Vevsttttitnlttirgen. Für die Freie Uoiksbühne fanden am Sonnabend Abend zwei gut besuchte Versammlungen statt.— In der einen, die für den Süden einberufen war und unter Vorsitz des Genossen Kroll tagte, sprach Herr Dr. Lütgenau. Er führte aus: Vor etwa zwei Jahren hat sich ein Verein unter dem Namen„Freie Bühne" gebildet, welcher es sich zur Aufgabe gestellt hat, solche Stücke auszuführen, deren öffentliche Darstellung von der Polizei beanstandet worden ist. Weiter wollte er auch die Stücke zur Aufführung bringen, welche von den Theater- direktoren aus anderen Gründen abgewiesen sind, als deshalb, weil ihr Inhalt schlecht ist. Denn die Direktoren sind nicht in der Lage, sich nach der Güte der Stücke zu richten, sondern sie müssen diezenigen aufführen, welche ihnen eine gefüllte Kasse in Aussicht stellen. Ferner sind die Direktoren von den Kritikern ab- hängig, deren unberechtigter Einfluß sich sogar auf die Schau- spieler und vor Allem auf das Publikum erstreckt; einen schlagen- den Beweis davon haben wir erst kürzlich in dem Fall Lindau- Mehring gehabt. Wir leben in einem Klassenstaat, in dem in Allem daS Unternehmerthum den Ausschlag aiebt, nach ihm müsse sich Alles richten, auch die Kunst. Wir wollen auf der Bühne die Wirklichkeit, die Wahrheit sehen, uns aber mit keinen Illusionen beschäftigen. Ein Stück, welches auf Wirklichkeit Anspruch machen will, muß gegenwärtig den Kampf zwischen Kapital und Arbeit schildern, es müssen in dem- selben die Verhältnisse und Kämpfe, welche unser soziales Leben gegenwärtig beherrschen, kritisch beleuchtet werden. In neuerer Zeit sind Schriftsteller, welchen das gelungen ist, aufgetreten, wir haben es u. a. in„Familie Selicke" und„Vor Sonnenaufgang" gefunden und hauptsächlich in den Jbsen'schcn Stücken. Diese Schriftsteller sind wegen der scharfen und wahren Kritik, welcher sie die heutige Gesellschaft unterziehen, unsere engsten Bundes- genossen. Man wendet zwar ein, daß sozialdemokratische Stücke, also Stücke, welche die ferneren Ziele der Sozialdemokratie wieder- geben, gar nicht vorhanden sind. Das ist richtig, sie können auch nicht da sein. Im anderen Falle würden es Stücke sein, welche nicht die Wirklichkeit schildern, sondern sich mit Zukunfts- inalerei beschäftigen. Unter den augenblicklichen Verhältnissen kann das Drama nur den Kampf zwischen Arbeit und Kapital darstellen; es kann sich dabei wohl auf Seite der Arbeiter stellen und ist dann sozialkritisch. Wenn es ein sozialdemokratisches Stück geben soll, dann muß zunächst die Weltgeschichte ein solches schreiben und bei diesem werden wir die Akteure sein.— Im sozialistischen Staat wird die physische Arbeit mit der geistigen eng verbunden sein. Die geistige Emanzipation des Proletariats, die wir neben der ökonomischen nicht unterschätzen dürfen, muß noch sehr gefördert werden. Während der sozialistische Gedanke sich ein Gebiet der Wissenschaft nach dem andern unterthan ge- macht hat und noch macht, hat er auf dem Gebiet der Kunst bisher noch nichts gethan. Die Entwickelung der naturalistischen Kunst kommt einem Bedürsniß des Proletariats entgegen, hervor- gegangen ist sie allerdings aus der Entwickelung der Literatur selbst. Da sich nun aber bei dem Arbeiter das Interesse für diese Kunst geltend macht, so muß dies gefördert werden. Der Naturalismus will dem Arbeiter auf der Bühne die Wahrheit zeigen, et will nicht. daß immer wieder die Tilgend siegt, da es in Wirklichkeit anders ist. Er will und muß uns einen Einblick in die Gegensätze der heutigen Gesellschaft geben. Er muß aus- sprechen das, was ist, wie Lassalle sagt. Die Thatsache steigenden Reichthums auf der einen Seile und steigenden Massenelends auf der anderen Seite muß uns der Naturalismus zeigen, und daher ist er unser Bundesgenosse.(Lebhafter Beifall.) An der Diskussion betheiligten sich eine Reihe von Arbeitern, aus deren Allsführungen ein großes Interesse und Verständniß für die Bestrebungen der Freien Volksbühne hervorging. In seinem Schlußwort trat Tr. Lütgenau der Ansicht eines Vorredners entgegen, der Staat müßte eigentlich die Volksbühne durch Geldmittel unterstützen. Die Bühne solle und müsse eine proletarische sein, der Staat hingegen sei stets der Vertreter der jeweilig herrschenden Klassen geivesen. Sein Eintreten könnte daher nur eine Trübung des Unternehmens herbeiführen.(Leb- hafter Beifall.) Die zweite Versammlung, die für den Norden einberufen war, tagte unter Vorsitz des Genossen Dornbus ch. Herr I. Türk hatte hier das Referat übernommen. Er schilderte zum Schluß seiner mit großem Beifall aufgenommenen Rede die Einrichtungen des Vereins„Freie Volksbühne". Er unterwarf ferner das ab- lehnende Verhalten fast aller Berliner Zeitungen der„Freien Volksbühne" gegenüber einer Kritik und bedauert, daß ein Blatt, welches sich demokratisch nennt, die„Volks-Zeitung", nach- dem es zur Zeit der Gründung des Vereins geschrieben, es wäre eine große That der Arbeiterschaft, sechs Wochen später schreiben konnte, die ganze Sache wäre ein harmloser Ulk. An der Dis- kussion betheiligten sich außer der Frau Meißner noch die Herren Hintze, Günther, Kurt, Wach, Urbansky und M a r t i n i. In den Verein ließen sich viele neue Mitglieder aufnehmen. UrtrUmln zur Malirnng der Interessrir der Klavier arbritrr und Berufsgenossen hielt am 1. Dezember d. I. eine Generalversammlung ab. Dieselbe war sehr gut besucht. Gewählt wurden zmn 1. Vorsitzenden Kollege Julius Meier, zum I. Schriftführer der bisherige Schriftführer Kollege Scholz, zum 2. Kassirer Kollege Dreier, zum Bibliothekar Kollege B ö k e r, zum Beisitzer Kollege L a t t und zu 2 Revisoren Kollegen Axt und G l o ck o.— Sodann kam die Maßregelung der Um- baumacher der Pianofabrik von A. Möhler, Lands- berger st raße 16, zur Sprache. Ein Kollege der Werkstatt theilt den Fall mit. Der Fabrikant hat den beiden Umbaumachern erklärt, sie müßten aufhören, da sie nicht nach Feierabend arbeiten wollten, und er sie, da sie dem Klavierarbeiter- Verein angehören, nicht mehr brauchen könnte. Außerdem hätten sämmtliche andere Arbeiter(gegen 26 Mann) erklärt, sie wollen nicht mehr mit diesen 2 Arbeitern zusammen arbeiten, da dieselben nicht nach Feierabend arbeiteten und den Fabrikanten schädigten. Eine sofortige Umfrage unter iden Arbeitern, ob sie diese Forderung an den Fabrikanten ge- stellt hätten, zeigte das Resultat, daß die große Mehr- zahl gar nichts davon w u ß t e; sondern nur 4 Arbeiter dies Verlangen an den Meister gestellt hatten. Der Grund, der dieselben dazu veranlaßt hatte, war: Diese 2 Arbeiter wollten nicht mit den Betreffenden während der Arbeitszeit trinken und sich vergnügen; sondern sie arbeiteten regeln« äßig, ver- dienten deshalb ein paar Groschen mehr und gehörten einer Organisation an. Dies war ein Gegenstand des Hasses dieser Indifferenten und darum schritten sie zur Denunziation bei dem Fabrikanten und drängten mit Hilfe desselben ihre Mit- arbeiter(Familienväter) kurz vor den Weih- nachtsfeiertagen auf die Straße. i Bemerkenswerth ist hierbei das Verhalten des Fabrikanten. 1 Trotzdem demselben der wahre Sachverhalt mitgetheilt wurde und ihm ja auch schon bekannt sein mußte, daß die Denunziationen ihn nur irreleiteten, fand er sich nicht veranlaßt, die Denunzianten zurückzuweisen. Als Beweis hierfür führte die Werkstatt-Kontrol- kommission, welche bei dem Fabrikanten Rücksprache genommen, folgendes an: Der Fabrikant, sowie seine Frau und auch der Buch- Halter sagten aus, daß sie immer vollständig zufrieden mit dem Betragen und den Leistungen der Arbeiter gewesen und dieselben nicht anders als ehrliche, fleißige und pünktliche Arbeiter be- zeichnen könnten. Sie arbeiten jedoch nur in ihrer regelmäßigen Arbeitszeit, und da müßten sie auf- hören. Als die Kommission dem Fabrikanten vorhielt, daß er doch genügend„Umbau" hätte und auch in der regel- mäßigen Arbeitszeit genug gemacht bekäme, so daß es nicht nöthig wäre, daß die beiden Leute länger arbeiteten, wußte er nichts zu erwidern. Die beiden Arbeiter gehören den« Verein schon länger an, als sie überhaupt in der Fabrik arbeiten. Ein Antrag, die Namen dieser vier Arbeiter, welche die Anzeige beim Fabrikanten erstattet, viermal im Versammlungsbericht bekannt zu machen, ebenso viermal im Protokoll zu ver- zeichnen und viermal an die Tafel im Vereins- Versammlungslokal zu vermerken wird mit großer Majorität angenommen. Diese heißen: Wilhelm Hanke, Zusamniensetzer; Wilhelm Neu mann, Abputzer; Waldemar Heide, Abputzet; Joh. Ratzki, Na st en machet. Es wurde noch von Kollegen angeführt, daß der Wilhelin Hanke fricher ebenfalls dem Verein angehört habe und von« Verein berücksichtigt«vurde. Er habe auch recht gern die Streikgelder z«lr Zeit des Rösnerschen Streiks genonunen, ebeilso der Heide, und jetzt agitiren sie«nit allen Mitteln gegen die Organi- sation. D e r A n t r a g, den er. Ratzki aus dem Verein auszustoßen, da er das Prinzip des Vereins in gröbster Weise verletzt hat,«vird angenommen. Die Betreffenden«varen eingeladen, aber natürlich nicht erschienen. Neu aufgenommen wurden 18 Mitglieder. Die Derlinev Mitslieder der groffen Dlothcnburger NereiltS- Sterbestalfe(Sitz Görlitz) vollzogen in acht Versammlungen die Wahlen der Bezirksvorsitzenden resp. Stell- vertretet und Bezirksvertreter für die nächste Generalversammlung. In« Ost-Bezirk, vurde Herr C. Stegeniam« als Bezirksvorsitzender (einstimmig), als Vertreter Herr A. Dietz geivählt. Als Bezirks- delegirter für die nächste Geueralversaminlung«vurde Herr C. Stegeinann einstlmmig geivählt. Nachdem das Publikations- Organ bestimmt, wurde folgender Antrag einstimmig angenommen: Um allen Mitgliedern des großen Bezirks Rechnung zu tragen. möge der Vorstand genehmigen, auch in«„Berliner Volksblatt" als zweites Organ zu inseriren. Nachdem die Versammlung von den« Kassenbericht Kenntniß genommen, welcher neben 166 000 Mitgliedern einen sicher angelegten Fonds von sVe Millionen aufweist und der Leiter der Versaminlung mehrere Anfragen zur Zufriedenheit beantwortet hatte, wurden folgende Anträge an die General- Versammlung gestellt: 1. Abschaffung der eingeführten ärztlichen Untersuchung. 2. Einführung einer Abschlußprovision. 3. Den Mitgliedern auf ihre Sterbekassen-Bücher Darlehne zu gewähren. 4. Die Direktion zu ersuchen, baldmöglichst eine Generalversammlung einzuberufen.— Diese Anträge«vurden einstimmig an- genommen. Der Leiter der Versainmlung machte den Mitgliedern noch bekannt, daß 1891 an die Mitglieder eine Dividende von 10 pEt. zur Verlheilung gelange»«verde, und ersucht zum Schluß die Mitglieder, recht tüchtig für die Kasse zu agitiren. Die vou de» Graveure»»»nd Ziselrurcn ain 4. Dezember unter Vorsitz des 5koUegen Zack' abgehaltene öffentliche Versammlung nahn« zunächst einen Vortrag des Herrn Keßler bei- fällig entgegen. An der Debatte bctheiligtcn sich die Herren Schimantzky, Guttmann und Günther. Folgende Resolution «vurde einstimmig angenommen:„Die heutige öffentliche Ver- saniinlung der Graveure und Ziseleure erklärt sich«nit den Aus- führungen des Referenten einverstanden und beschließt. Mann für Mann der freien Vereinigung der Graveure und Ziseleure sich an- zuschließen. Zu Punkt 3 erstattet Kollege Zack Bericht über das Wirken der Berliner Agitations-Komininission der Graveure««nd Ziseleure, ebenso Kollege Schivan über die Einnahinen und Aus- gaben. Die Revisoren erklären die Abrechrning für richtig. Den Mitgliedern der Kommission wird Techarge ertheilt. Ein Antrag, den Ueberschuß der deutschen Agitationskoinmission zu überweisen, wird angenommen. Der Vorsitzende theilt noch mit, daß die hier gegebene Abrechrning in der ersten Nummer unserer Fachzeitung veröffentlicht werden wird. Kollege Zack erstattete sodann Bericht über die Berliner Streik-Kontrolkommission. Die Diskussion gestaltete sich sehr lebhaft und nachstehende Resolutionen wnrden angenoinmen: 1.„Tie öffentliche Versammlung der Graveure und Ziseleure ersucht die Berliner Streik- Kontrolkommission, den Beschluß betreffs der Kellner- frage rückgängig zu machen."— 2.„Die öffentliche Versammlung der Graveure und Ziseleure wünscht, daß die einzelnen Branchen in der Berliner Streik-Kontrolkommisston nur durch je einen Delegirten vertreten sein mögen und be- auftragt ihre Vertreter, einen derartigen Antrag einzubringen." — Unter„Verschiedenem" erklärt der bisherige Vertrauensmann, sein Amt nicht weiter verwalten zu können. Die Neuwahl«vird bis zlir nächsten öffentlichen Versaminlung zurückgestellt.— Der Vorsitzende Zack«nacht dann noch auf die vom 1. Januar ab erscheinende Fachzeitschrist„Der Fachgenosse, Organ für die Jnter- essen der Graveure und Ziseleure", aufmerksain und ersucht, die Abonnements bei«hin zu bewerkstelligen. In einer gut besuchten Arbriterinnen-Dersainiulunil, welche an« Doi«nerstag Abend im Lokale„Süd-Ost" unter Vorsitz des Frl. Baader stattfand, sprach Dr. Lütgenau über das Thema„Die Frau in der Industrie". Redner führt« etwa Folgendes aus: Die 1886 erfolgte polizeiliche Schließung der Arbeiterinnen-Vereine hat die Beivegung unter den Arbeiterinnen nicht tödten können. Was sie in Fluß erhält, das ist die Ent,vickclung der wirthschaftlichen Verhältnisse, welche eine Z««- nähme der Frauenarbeit bedingt. Eine spezielle Statistik darüber siebt es vorläufig nicht, doch ist aus den Berichten der Kranken- äffen und der Fabrikinspektoren zu ersehen, daß die Zahl der Arbeiterinnen in Deutschland bereits über eine Million beträgt. Wohin wir allinälig kominen, zeigt uns England. Ebensowenig ist eine Statistik über die Löhne verhanden, welche die Arbeite- rinnen erhallen. Löhne von 7—8 Mark, ja höchstens 11 Mark sind jedoch Durchschi«'itts- Wochenlöhne für bestimmte Branchen. Die Zunahme der iveiblichen Arbeiter auf Kosten der männlichen ist für die männlichen Arbeiter unerfreulich, sie vermehrt das Angebot und vermindert die Nachfrage. Die Arbeiterinnen bieten sich billiger an und dieses billige Angebot liegt in der Natur der heutigen Eheform begründet. Der Wunsch, daß die Frau soivie der Man» gleich bezahl werde, ist illusionär. Die Frau bietet sich billiger an und be« der heutigen Konkurrenz ist eine gleiche Bezahlung für die Frau nicht zu verlangen. Die Frau, welche in der Familie mit- arbeitet, drückt' in entsprechendein Verhältniß auf den Lohn des Mannes, das beiveisen die Löhne in der Hausindustrie,«vo die ganze Familie nur den nöthigsten Lebensunterhalt verdient. Hierin liegt die Modifikation des von Lassalle formulirten«her- neu Lohngesetzes. Unter den Arbeitern«varen früher Männer, «velche sich gegen die Frauenarbeit erklärt haben. Eigentlich ist das konservativ und die Konservativen führen ja diese Forderung auch immer im Munde, das hindert die konservativen Fabrikanten jedoch nicht, in der Praxis die billigere Frauenarbeit zu begünstigen. Die Arbeiter in Berlin sind jetzt von ihrer früheren Ansicht abgekommen. Die Mehrheit der Sozialdemokraten im Lande aber spricht sich für eine Verdrängung der Frauenarbeit ans der Industrie aus.(?? Red.) Die F»'- derung des gleichen Lohnes für Main« und Frau«nuß dah»> führen, die Frauenarbeit indirekt zu verdrängen. Diese Ford«- titng ist bei der heutigen Produktionsordnung undurchführbar Man hat eine Möglichkeit der Durchführung des gleichen Lohn«- durch Gesetz gedacht. Doch dann würden in vielen Berufen Männer beschäftigt«verde», die leistungsfähiger und dabei nichl theurer sind. Die Einführung eines Minimallohnes ist»W möglich ohne einen staatlichen Eingriff in die Produktionsordnui� Mit Recht ist diese Forderung in dein sozialdemokratischen beiterschutz-Gesetzentwurf gefallen. Freilich ist der geringe Loha der Frau traurig, um so trauriger, als noch andere Gründe ads Veränderung desselben hiinvirkm. Der Lohn reicht in einigt Arbeiterinnenbrauchen nicht für die eigene Person aus. 3" einer hiesigen Korsetfabrik erhalten die dort beschäftigte» 225 Arbeiterinnen wöchentlich 7 M. 50 Pf. Es«verde» in diese! Fabrik Korsets für Gräfinnen und Prinzessinnen bis zun« Preist von 250 M. gefertigt. Die Arbeiterinnen«verde«« so schlecht b«' zahlt, und als dieselben einmal uin Erhöhung des Lohnes vor stellig«vurden,'sagte man ihnen: suchen Sie sich einen Neben eriverb! Das ist abermals eine Modifikation des Lohngesetzes. Die Gegner sprechen immer davon, daß«vir die Ehe ailflösejj «rollten. Das herrschende Produktionssystem thue dies. Etwa- agitatorisch Wirksameres kann es«««cht geben, gerade für du Erau kommt das Heil erst in der sozialistischen Gesellschaft. ine Besserung ihrer Lage«vird erst der sozialistische Staat bringen. Heute schon ist eine andere Frage in den Vordergmnd z» stelle», das Reichstags-Wahlrecht der Frau. Diese Forderung ist noch in kein Programm aufgenominen«vorden. Die Fsa» ist rechtlos, so lange sie das gleiche Wahlrecht nicht besitzt- sie hat keinen Einfluß auf die Feststellung ihrer rechtliche» Verhältnisse. Die Sozialdemokratie bedarf der Arbeiterinne»- sie müssen die Reihen der Käinpser gegen das Kapital verstärke». Sie sind außerdem die Erzicherinnen der künftigen Generativ» der Arbeiter. Wir werden siegen,«veil(so heißt es in den« klassischen Kommunisten-Manifest) unsere Bewegung zum erste» Male die einer ungeheuren Mehrheit in« Interesse dieser unge- heurei« Mehrheit ist.(Lebhafter Beifall.) An der Hiera»! «olgenden lebhaften Diskussion betheiligten sich Frl. Baader u»» die Herren Treuherz, Schmidt und Heinicke. Ter ziveite Theil der Tagesordnung bildete eine Besprechung der Zustände in der Velvclfabrik von Menzels. Man erörtert« die Maßregeln,«velche für die dort gemaßregelten Arbeiterin»� zu ergreifen«vären. Einige Mitgiieder der Berliner Streit' Kontrolkommission,«velche in der Versammlung anivesend«varen- erklärten sich bereit, die Sache der Gcmaßregelten in der Kommissur zu vertreten.", An» 21. Zkovember J». I. wurde eine Vsrsaimnlung deVereins der Arbeiterinnen an Buch- und Steindruck- Schnellpresse» aufgelöst, weil der überwachende Beamte es nicht dulden ivoüt«' daß sich Männer an der Debatte betheiligen, trotzdein in Anmeldung bemerkt war, daß Männer als Gäste willkomine» «vären. Als in der betreffenden Versaminlung die Vorsitz«»»« einem Herrn das Wort ertheilte, erbob sich der Beamte und sagt«- „Die Versammlung ist aufgelöst auf Grund des ß5 des Vereins gesetzes". Nun bestimmt aber§ 5, daß die Versammlung a»l' gelöst werden kann, wenn strafbare Handlungen erörtert werde»' wenn die Bescheinigung der Anmeldung fehlt, oder wenn B'! waffnete in der Versaminlung sind? Welches Verbrechen� tr»! nun hier zu? Man hatte Beschiverde eingereicht. Der Belcheff kan« zurück, daß die Auflösung nicht gerechtfertigt««nd der W' amte mit entsprechender Belehning versehen ist, aber der Schub«» «var doch nicht wieder gut zu machen. Es«väre«vünschenswcnt?- «venn endlich dein Ministcrial-Erlaß entsprechend nur Becn»» verwendet«verden würden, welche die Vereinsgesetze genüg«'5» kennen. 300|ial£ Europa» übertünchte Höflichkeit macht in« Osten Sch»� Die Kunst der Waarenfälschung, welche in llnseren Tagen J» höchsten Blüthe sich entsaltet hat,— wir in Deutschland«visst» a«lch ein Lied davon zu singen— macht sich jetzt auch in I»' dien geltend. In einer kürzlich abgehaltenen Versammlung b« Spinnereibesitzer von Lancashire, den« Ha«lptsitze der britische» Textilindustrie wurde lebhaft über die Verschlechtern»� der indischen Baum«volle geklagt. Die Uebelstä»?�' welche als„falsche Packung" bezeichnet«verden, bestehen dar«»' daß die Bauinwollballe»,«velche als gute Waare ausgezeich». werden, zuin großen Theile Samen, Blätter, Schmutz, Sand»» verdorbene Bauniwolle enthalten. Dieser„Mißbrauch", wie>». entrüstet ein großes Handelsblatt nennt,nahm solchen Umfang an, b»- von den Liverpooler Baumwollhändlern der Beschluß gesaßt wur»' daß anstatt«vie bisher nur ein gewisser Prozentsatz, in Zuk»!? '*---—----*•— m m_........ ff......ol__ X f.:* Willi I*/ vmp uu|iu«i»vre um. tm jeder einzelne Ballen indischer Baumwolle bemustert sein»um und daß wenn 10 pCt. der Partie„falsch gepackt" seien,>»� eventuell das Recht habe, die Waare zurückzuschicken. Händler von Bombay, eingeborene Jndier, sollen das System inlschen Packung zur Meisterschaft ausgebildet haben, und indisch-englische Zeitung sagt:„Nach unserer Meinung«st Baumwollballen aus Surat wirklich das, für was er ausgeg«. wird, weshalb jeder solcher Ballen mit Ärgivohn zu belrach!« ist." Nun, die Hindus und Parsen thun eben das,«vas die h»% moralischen Europäer auch thun, sie mogeln im Interesse«tst� Geldsacks._ Die Bedräng» iß der österreichischen und deutscht Perlmntterarbeiter durch den Mc. Kinley-Tarif ist» kannt. Jetzt wird in N e«v a r k(Ver. Staate««) eine Perlmuff« Kuopffabrik gegründet, die den nothleidenden Wienern««nd s»«" fischen Proletarier» noch mehr Ko>«kurrenz machen wird. Berlin. Verkauf | nur gegen Baar| zu streng festen Preisen. Wöhresh mir scher nur au kesjaste uerkaufteu, sinii mir ich mit i)cm Publikum birekt iu Verbinbung getreten. Ii. Hartwig Sülisie& KSaer Stettin. Jeder Preis Iist mit Zahlen m« der W»«»« aiir'gfpnc nc Größte Werk statten für Herren- nnd Knakenkekleidnng. "98# Trotz bisheriger niedriger Preise jetzt bedeutende Preisermässigung."MZ tAflffitCriialctotlS in Double, Eskimo, Floconö und hochfeinem IHontegnac 55, SC, 40, 33, 30, 25, 20, 15, 12 bis 10�00» Sdticl'f fl�OCSCG in Double, Velour und türkischen Imitationen 4(j( 20, 15 bis Sl|50< pT- Maassbestelinngen Garantie für tadellosen Sitz Jeder Kunde hört die reine Wahrheit über Haltbarkeit I werden unter Leitung erster Kleister in unseren Werkstätien de» Hin*io i unsere nur entsprechend, angefertigt.*» reelle» Waare».> verantwortlicher Redakteur:«Gort ask» in Berlin. Druck und Verlag von Mae Kading in Berlin SW.. Beuthstraße 2.