.Nr. SS«. Freitag, de« IS. Dezember 1890. 7. Jahrg. Organ für die Interessen der Arbeiter. smsWWZWwm »»«WMMWKLM-«- UWZMZMM� Sonn- nnd Festtagen bis 9 Uhr VornüttagS geöffnet. -, Ler>«iprecher: Amt VI. Ur. 4106.•• Medctkkion: VeukhstvÄtze S.— Expedikion: VeukhstvÄtze 3. Nk»ndbettlerKungetr zur Vorizuttter Meuivnlzl. Schon früher ist von uns auf die Revolutiomrung der Betriebsweise im rheinisch-westfälischenf Grubenbezirk aufmerksam gemacht worden. Die Entwicklung zur Groß- Produktion ist eine ausgesprochene. Einige Thatsachen wögen dies erläutern. Nach fachmännischer Berechnung beschäftigten von den 173 Zechen des Oberbergamts Dort wund im Jahre 1888: Arbeiter 17 Zechen ' l?' 1—20 21—100 101—300 301—500 501—700 701—900 901—1100 1101—1700 1801—2000 2301—2400 2701—2800 36 31 19 9 21 6 1 1 Schon im Jahre 1887 lieferten die 25 größten Unternehmungen die Hälfte des gesammten Absatzes, die �8 kleineren blos 49 pCt. Die durchschnittliche Leistung eines Arbeiters betrug dort 304, hier 248 Tonnen ?w Jahr; ein Arbeiter der Aktiengesellschaften förderte 1886 wi Durchschnitt 300, ein Arbeiter der weitaus kleineren Gewerkschaften blos bis zu 240 Tonnen. Die ungeheuren Ersparnisse des Großbetriebs Und die dadurch sich steigenden Gewinne springen �cht deutlich ins Auge, wenn man einige der technischen Verbesseruiigen, welche die Betriebe der großkapitalistischen Kohlenkavaliere eingeführt haben, betrachtet. Die in jüngster Zeit eingeführte Stanleysche «lrecken-Bohrmaschine macht neben erheblicher Zeit- rind Geldersparniß sechs Siebentel der bisher geforderten Arbeitskräfte überflüssig. Die gehauene Lkvhle unter Tage bis zum Schachte zu schleppen fiel, sagt Oldenberg, noch Ende der 50er Jahre wft ausschließlich menschlicher Arbeitskraft zu. Dagegen waren 1882 nicht viel weniger als 2200 unterirdische -pserde in Thätigkeit, die mehr als 15 000 Förderleute Qujjer Brot warfen! Die Pferdekräfte der über und unter Tage ver- wendeten Dampfmaschinen nahmen zu 1858—1874—1887 jwn 25 auf 100 und 190 Tausend, also im Verhältniß - 4: 7v%,. die Produktionsmenge von 1: 4: 7vs, da- Legen die Arbeiterzahl nur wie 1: 2»/»: 3. Die Jahresleistung eines durchschnittlichen Arbeiters betrug 1858: *16, 1886: 285 Tonnen. Die Leistung des eigentlichen Hauers stieg in den sächsisch-siskalischen Steinkohlen- Feuilleto»!. Nachdruck verboten. (IG loiiian RotiMimrger Tage. aus der Zeit des großen Baneriikrieges von 1525 Von Wilhelm Blos. Das Wort traf ihn tödtlich, allein, was er darauf war nicht zu verstehen, ob des Tumults, der sich in * Kirche erhub. Jörg Spelt lehnte leichenblaß an einer '«ule, aber seine Sippe, seine Freunde und Andere, die "en von Badell ob ihres Neichthums und ihres Stolzes nicht 'wogen waren, machten einen großen Lärm. Mehrere drängten t drohend an Agnes heran. »Das ist eiir Schimpf/ rief eine drohende Stimme. >. n7�a§ kann nur mit Blut abgewaschen werden," schrie " Anderer. ,»Man sollte einen Spieß in sie stechen," schrie der alte ab, eine wüste Kriegsgnrgel. »Und durch Dich wird man einen Büchseuklotz jagen,' wartete Grumbach, in dessen Faust man schon den blanken -Ä»»......... w schon ein großer w hielt. »Nuh' und .... rängenoe»— Theil die blanken Klingen in der Fried' allhier und die Flederivischc eingruben 1869— 1885 von 10 auf 22 Hektoliter pro Schicht; im Ruhrrevier, aus dem besondere Angaben nicht vorliegen, wird die Steigerung sicher keine geringe ge wesen sein. Es ist bemerkenswerth, daß von der angeführten Mehrleistung des westfälischen Arbeiters(285: 116) den Jahren 1876— 1880, d. h. den Jahren des P r e i s f a l l s, mehr als ein Drittel(285: 218) ange hört. Mit der Mehrleistung erreicht auch der Preisfall seine Grenze. Alles, was die Intensität der Ausbeutung begünstigt wird freudig von den Gruben eingeführt. Die Förderung im Schachte, also in senkrechter Richtung, besorgen statt der vor einem Vierteljahrhnndert üblich geivesenen ein zylindrigen Dampfmaschinen überiviegend liegende Zwillings. Maschinen. Die Einführung elektrischer Signale erleichtert die Korrespondenz zwischen dem Anschläger unter Tage und dem Hängewerk. Die Wasserhaltung erhielt einen von Grnnd aus umgestalteten Maschinenbetrieb, hauptsächlich durch die Einführung unterirdischer direkt wirkender Maschinen. Etwa seit 1873 nimmt man auch die Taucher- kunst zu Hilfe, um auch beim Auftreten größerer Wasser. mengen die verschiedenartigsten Arbeiten ausführen zu lassen die in den 60 er Jahren reorganisirte Berg-Gewerkschafts- kasse hat neben verwandten Leistungen besonders durch Beschaffung von Taucherapparaten, Anstellung eines Tauchermeisters„sich verdient gemacht" um— den Verdienst der Aktionäre und Gewerke. Um so langsamer und widerwilliger sind diese Freunde der Technik, wenn es sich um die Einführung der bescheidensten Schutzmaßregeln handelt. Die Wetterführung(Ventilation) ist von größter Wichtigkeit siir die Grubenleute. Je tiefer die Schächte dringen, je mehr die Teufe fortschreitet, um so höher die Temperaturgrade, um so größer dieGefahr schlagen- der Welter. Es ist nur charakteristisch für die Funkengarde im Ruhrbezirk, daß die pro Kopf in der Minute zuge- führte Luft 1858—1882 unr von 2,00 aus 2,15 Kubikmeter erhöht wurde.„Erst 1887", sagt der treue Schüler des unternehmerfreundlichen Schmoller, Herr Oldenberg*), „wnrde vom Oberbergamt mit einer sanitätspolizeilichen Vorschrift eingegriffen, die den lebhaftesten Widerstand zu überwinden hatte." Das edle Herz der Gruben- junker, entflammt für den Prosit, schlägt, wie man sieht, gar warm für das Wohlergehen der Bergleute. Am 16. Mai 1889 sagte der Kaiser zu der von Hammacher geführten vor ihm erschienenen Direktoren deputation u. a.:„Ich möchte Sie bitten, dafür Sorge 1 Studium über die rheinisch-westfälische Vergarbeiter-Be. wegMlg in Schinoller's Jahrbuch für Gesetzgebung. 19. Jahrgang 1890, S. 287. gesteckt!" scholl die gebietende Stimme Lieuhart's und die erzürnten Patrizier wichen scheu zurück vor dem gefürchtcten Befehlshaber der Bauern aus der Rothcnbur- gischen Landwehr. Nur der Junker von Flügelau, ein gar hitziges Herrlein, wollte nicht nachlassen. „Ihr habt hier nicht zu befehlen," rief er zornig dem Bauernhauptmann zu. „Junkerlein," antwortete Lienhart, um den sich seine. bewaffneten Freunde geschaart hatten,„mit großer Ruhe, „habt Acht, ich pflege mit den seinen Stadthänslein nicht zu 'paßen". „Ihr seid ein grober Bauer; was geht Euch die Heirath an?" schrie Flügelau außer sich. Seine Freunde itterten für ihn, aber Lienhart blieb ruhig. „Lieb Jnnkcrlein," sprach er,„die Heirath war verkehrt, und was verkehrt ist, das ist vom Nebel. Solches will ich Euch erweisen". Damit griff er den Junker nnd stellte den in seiner eisernen Fünft Zappelnden leicht wie eine Feder ans den Kopf. „Schaut," sprach Lienhart,„solches ist verkehrt und also war's verkehrt gewesen, Hütt' ein hochgcmnth Fräulein einen schnöden Springinsfeld und unreifen Buben gchcirathet. Und so, wie eS dem Fräulein wohl geschieht, daß sie UN- verbunden vom Altar gehet, also wird es auch Euch gut thnn, wenn ich Euch wieder aus die Füße stelle. Und nnn gehabt Euch wohl!" Die Situation ward komisch, die Anwesenden brachen in lautes Gelächter aus, der Junker von Flügelau aber verschwand, mit zornrothcm Antlitz. „Gebt Raum für das tugeudsame Fräulein von Badell", zu tragen, daß den Arbeitern Gelegenheit gegeben werde, ihre Wünsche zu formuliren und sich vor allen Dingen immer vor Augen zu halten, daß diejenigen Ge- sellschaften, welche einen großen Theil meiner Unterthanen beschäftigen, und bei sich arbeiten lassen, auch die Pflicht dem Staat und den betheiligten Gemeinden gegenüber haben, für das Wohl ihrer Arbeiter nach besten Kräften zu sorgen und vor allen Dingen dem vorzubeugen, daß die Bevölkerung einer ganzen Provinz wiederum in solche Schwierigkeiten oerwickelt werde. Es ist ja menschlich und natürlich, daß jedermann versucht, sich einen möglichst günstigen Lebensunterhalt zu erwerben. Die Arbeiter lesen die Zeitung und wissen, wie das Verhältniß des Lohnes zu dem Gewinne der Gesellschaft steht. Daß sie mehr oder weniger daran theilhaben wollen, ist erklärlich. Des- halb möchte ich bitten, daß die Herren mit dem größten Ernst die Sachlage jedesmal prüfen und womöglich für fernere Zeiten dergleichen Dinge vorzubeugen suchen." Das war, wie Oldenberg richtig sagt, eine Straf- l e k t i o n. Wie sie gewirkt hat, zeigen die Vorgänge nach dem Streik, die Kette von Maßregelungen, die Wieder- aufnähme der alten Bedrückungs- und Knebelungsmethode, sobald der erste Sturm sich gelegt hatte, das Schinden und Schaben, das Abzwacken am Lohn, die zahlreichen Placke- reien, unter denen die Bergleute heute wie zuvor zu leiden habe». Das zeigt. auch die zielbewußte Hetzjago gegen Herrn Hintzpeter, in welchem die„Rhein.-Wests. Ztg." txtS—.."------- � 1 Be° an- ünd ihre Hintermänner den Vertrauensmann und rather Wilhelm IL auf.das Giftigste und Riedri/te greifen. Zur Neuwahl den Genossen, die den schweren Kamps zu bestehen haben, ein Glückauf! In absehbarer Zeit muß dieser großgewerbliche Wahlkreis unser sein. Korrespondenzen und Porteinachrichten. Hamburg. 17. Dezember. Die Situation der Zigarren- arbeüer und Zigarreusortirer steht heute noch auf demselben Punkte, wie zu Beginn der Aussperrung. Die Fabrikanten machen keine Miene zur Versöhnung und die Arbeiter harren aus in ihren Vereinigungen, bis jetzt ausreichend unterstützt von der Arbeiterschaft Deutschlands. Wie aber bei früheren Differenzen zwischen Gruppen von Unternehmern und Arbeitern, stellt sich auch dieses Mal wieder die bürgerliche Presse, und zwar in erster Reihe eine gewisse Sorte„freisinniger" Blätter, direkt parteiisch auf die Seite der Tabaksabrikanten. So daS hiesige„Freindenblatt", dessen Redaktion dem letzten Antivortschjreibeu der Tabakarbeiter- Lohnkommission an die Fabrikanten die Aufnahme verweigerte, wahrscheinlich, weil Letztere mit Anstand darauf nichts zu erwidern wußten; ähnlich ist die Haltung des„Berliner Tageblatts", welches rief Lienhart,„auf daß ich selbigem das Geleit gebe nach seiner Behausung!" Die Menge theiltc sich und Agnes schickte sich an, die Kirche zu verlassen, verfolgt von zornigen und bewundernden Blicken, da vertrat ihr eine hohe Gestalt den Weg. Es war ihr Vater. Sein verzerrtes Antlitz that kund, was ihn beivegte. „Tie Behausung derer von Badell wird sie nicht bc- treten", rief er mit vibrirender Stimme.„Anton von Badell hat reine Tochter mehr!" Eine Bewegung ging durch die Menge. Es trat Stefan von Menzingcn hervor, der auf den Lärm in die Kirche gekommen war. Stolz stand der Führer der Bürger, die es mit dein neuen Evangelium hielten, vor dem statt- liehen Rathsherru. Aber seine Stimme klang mehr bittend denn befehlend. „Schonet der Jungfrau", sprach der Menzinger,„bc- denket, daß solch' ein Paar nicht mag zusammenpassen für's Leben!" „Was kümmert's Euch?" rief Anton von Badell in seinem Zorn.„Ihr möget in Eurem Bürgerausschnsse zu oberst sitzen; hier habt Ihr nichts zu befehlen." „Ich will auch nur ein gut und bittlich Wort ein- legen", sagte Menzingcn begütigend. „Der Teufel hat Euch das gerathen; ich sag' Euch, daß Ihr ein schlechter Fürsprecher seid." „Wcssenthalbcn?" „Ihr seid der Verführer des Volks," schrie der Raths- Herr,„und der Ursachcr an all der Widerspänstigkeit und dem Aufruhr in der Stadt. Ohu' Euch hätte sich die Dirn ♦*»*.-p.j i|// nicht den Trotz in den Kopf gesetzt sich in seiner Montagsuummer aus Hainburger Fabrikanteskreisen schreiben läüt: „Die durch die sozialdemokratischen Führer aufgehetzte»? Arbeiter werden sich zum Jahresschlüsse am hiesigen Platze genau dieselbe empsindliche Niederlage zuziehen, wie im Frühjahr. Damals sind bekanntlich in Hamburg die Folgen der Feier des 1. Mai so erbittert durchkämpft worden, wie an keinem anderen Orte Deutschlands. Der Uebermuth der Arbeiter, welche den hiesigen Industriellen damals die härtesten Bedinglmgen für die Wiederaufnahme der kon- traktbrüchig niedergelegten Arbeit auferlegen wollten, ist gebrochen worden durch das unerwartet feste Zusammen- halten aller bedrohten Arbeitgeber. Ganz ebenso wie damals dem mächtigen Verbände der Maurer und ihrer Verbündeten wird es jetzt den Zigarrenarbeitern und -Sortirern gehen, ivelchen bei einem Lohne von 20 bis 25 M. wöchentlich offenbar zu wohl gewesen ist; sie haben bekanntlich ihre Arbeitgeber kate- orisch aufgefordert, alle nicht zil ihrem erein gehörenden Kollegen zu entlassen. Die Antwort war die Entlassung sämmtlicher Arbeiter und die Sperrung der Fabriken." Der Inhalt dieser Auslassung ist eine boshafte Entstellung der Thatsachen. Daß weder am h Mai d. I. noch jetzt die Arbeiter von sozialdemokratischen Führern ausge- hetzt worden sind, sollte jeder Jouxnalist wissen,»nenn er es über- Haupt wissen will, und dessen Geschäft nicht darin besteht, fort- während tendenziöse Lügen über die Arbeiterbewegung in die Welt hinauszuposaunen. Eine grobe Lüge ist ferner die Angabe, daß der Durchschnitts- lohn der Zigarrenarbciter 20—24 M. pro Woche betrage. Der Durchschniltsverdienst wird höchstens 15—17 M. per Woche be- tragen. Wie viel Stunden nöthig sind, um diesen Lohn zu ver- dienen, davon schweigen die Soldschreiber des Kapitals wohl- weislich. Eine fernere Lüge ist, daß die Differenzen zwischen Arbeitern_ und Fabrikanten dadurch entstanden sind, daß die Arbeiter die Entlassung solcher Kollegen gefordert hätten, welche ihrem Verein nicht angehören. Das Vor- gehen der Fabrikanten erscheint vielmehr als ein wohl berechnetes und die Verhängung der Sperre über die Firma Müller u. Burchhardt, welche ihren Ardeitern zuerst eine Er- höhung der Arbeitsprcise von 15 pCt. zugesagt hatte, dann aber unter leeren Ausflüchten ihre Zusage wieder zurückzog, scheint nur ein willkommener Vorwand gewesen zu fein, sämmtliche Arbeiter auszusperren, welche dem Tabakarbeiter-Verein und dem Freund- schaftsklub der Zigarrensortirer angehören. Die Forderung einer Idprozentigen Zulage mag Uneingeweihten hoch erscheinen, ist es aber im Grunde durchaus nicht. Die Lage der Tabakarbeiter hat sich durch willkürliche Lohn- Verringerungen seitens der hiesigen Fabrikanten, seit Anfang der 70er Jahre schon, so verschlechtert, daß selbst mit einem Zuschlag von 15 pEt. der Arbeitslohn bei den meisten Sorten Zigarren per Tausend noch bis zu 3 Mark hinter dem Betrage zurückbleibt, der vor mehreren Jahren dafür gezahlt wurde. Früher wurde hier am Platze der Preis für Älnferngung der Zigarren in„Kourantmark" berechnet; mit Einführung der Reichewährung wurde jedoch einfach von den Fabrikanten ebenso viel„Reichsmark" wie'früher„Kourantmark" pro Tausend gc- zahlt, also 20 Pf. per Mark weniger. Dazu kamen später wäh- rend der Krists iveitere Abzüge und bald darauf die Erhöhung der Preise für die Lebenshaltung durch die Hineinziehung Ham- burg-Altona's in das deutsche Zollgebiet. Unter all' diese pekuniären Bedrückungen, welche den armen Arbeitern im Lause der Jahre auferlegt wurden, will nun der Fabrikantenverein gewaltsam sein Siegel fetzen und die Arbeiter durch Sprengung ihrer Orga>»isation zwingen, alles das anzu- erkennen. Mit dem„Uebermuth und der Begehrlichkeit der Arbeiter" soll«in für alle Mal aufgeräumt werden! Der oben erwähnte Korrespondent des„Verl. Tagebl." schließt wie folgt: „Zu bedauern sind nur die armen Familien der Zigarren- arbeiter, welche durch den an den Tag gelegten Uebermuth(der Arbeiter!), zumal bei den kärglich bemessenen Unterstützungen von auswärts, kurz vor dem Weihnachtsfeste der Roth preisgegeben werden!" Welche Heuchelei und welche absichtliche Verdrehung der Thatsachen steckt in diesen Worten. Die Fabrikanten haben mit kaltherziger Ueberlegung just die Zeit kurz vor dem Weihnachts- feste, im strengen Winter ausgeivählt, um ihre Arbeiter schneller mürbe und ihrem Willen gefügig zu machen und die Bourgeoispreffe vergießt Krokodilsthränen über die Roth der Arbeiterfamilien, herbeigeführt durch den Uebermuth der Familienväter! Vor Neujahr ist an eine Beilegung des Kanipses der Tabak- arbeiter für ihre Organisationen nicht zu denken und die deutsche Arbeiterschaft wird für sie schon ihre Schuldigkeit thun. In hiesigen Arbeiterkreisen wird bereits eine Weihnachtsbescheerung für die Kinder der Ausgesperrten vorbereitet. Ob die Fabri- kanten iin nächsten Jahre inildere Saiten ausspannen werden, bleibt abzuwarten. Bevor jedoch die deutsche Arbeiterschaft es „Da seid Ihr falsch berichtet/ meinte der Me»- zinger. „Mit Euch Hab' ich nicht zu rechten. Aber ivider die ungerathene Dirn sprech' ich meinen väterlichen Fluch; sie wird nie mehr die Schwelle ihrer väterlichen Behausung überschreiten. Und mein Fluch soll sie verfolgen wie ein böser Geist, also daß sie nirgend mag ruhig ihr Haupt hin- legen, weil sie doppelt ungehorsam war dem väterlichen Willen, welchen der Himmel über sie gesetzet. Sie sei ver- flucht!" Damit verließ der strenge Rathsherr die Kirche, wäh- rend man seine Gemahlin ohnmächtig himvegtrug. Agnes stand wie erstarrt; diesen Ausgang hatte sie nicht vermuthet. Lienhart flüsterte ihr aber einige tröstliche Worte zu und Stefan von Menzingen trat an sie heran. Er bot ihr freundlich sein Haus als Zufluchtsort an, bis ans Weiteres. Auch Doktor"Deuschlin sprach der Jungfrau Muth und Zuversicht ein. So folgte sie dem Menzinger nach dessen gastlichem Hause; seine freundliche Hausfrau bot Alles auf, der Verstoßenen es angenehm zu machen, damit sie ihr Unglück nicht so sehr fühlen sollte. Aber Agnes blieb traurig und in sich gekehrt und sobald sie allein, er- leichterte ein Thränenstrom ihr gepreßtes Herz. Gegen Abend erschien Grumbach und berichtete, daß er vergeblich einen Versühnungsversuch bei dem alten Badell geniacht. Der Rathsherr hatte ihn hart angelassen und ihm schließlich gleichfalls sein Hans verboten. Der Junker sagte, er wolle noch heute Nacht nach Würzburg reiten. „Wisset Ihr nicht, wo Ihr mich unterbringen könntet?" sprach Agnes.„In Rothenburg bleibeich nicht; hier brennt mir der Boden unter den Füßen." „Wohl Hab' ich eine Mühm in Würzburg," sagte Griunbach,„eine freundliche Frau mit zwei Töchtern. Allda wäret Ihr wohl geborgen, bis sich dies Gewitter ver- zogen." „In meinem Hause seid Ihr wohl geborgen, sprach der Menzinger. „Bleibt doch, liebes Kind!" bat die Meiizingerin. „Glaubt mcht, edler Herr, und Ihr, edle Frau, ich wüßte Eure Gastfreundschaft und Euren Schutz nicht zu nicht durchsetzt, daß jeder Angriff auf ihre Organisationen unter Strafe gestellt wird, können wir uns noch auf viele solcher Kämpfe gefaßt machen. � � Derna», 18. Dezember. Die Roth unter den Webern ist hier sehr groß-und nicht geringer als im Eulengebirge. Viele Weber vermögen nicht sechs, ja nicht einmal sünf Mark in der Woche zn verdienen. In der letzten öffentlichen Versamnilung, die wir hier hatten, theilte ein Anwesender mit, daß seine Frau in einer Woche bei angestrengtester Arbeit durch Strumpswirken I Mark 68 Pf. verdiente. Dieser Schilderung wurde von vielen Seiten zugestimmt, ebenso der Aufforderung, die falsche Scham abzustreifen und die Verdienste rücksichtslos und wahrheitsgemäß öffentlich mitzutheilen. In der erwähnten Versammlung bildete das AlterSversicherungs-Gesetz den Gegenstand der Tagesordnung. Die Anwesenden urtheilien über dieses Gesetz ziemlich sympathisch; gerade die schlechtest gelöhnten Arbeiter sind ja gewöhnlich ent- setzlich zufrieden und genügsam und möchten dem Reich für die kleinste Verbesserung ihrer Lage danken. Nur wußten sie nicht, wovon sie die Beiträge aufbringen sollen. Sollte dem Landtage eine Vorlage betreffs der Weber im Eulengebirge zugchen, so müßte sie wahrlich auf unS mit ausgedehnt werden. Jedenfalls hätten die Berliner Blätter, die so viel aus dem Eulengebirge berichten, nicht nöthig, so weit zu schweifen. Wenige Minuten von Berlin sieht es ganz ebenso aus. � Halle. 16. Dezember. Sechs Mann stark erschien gestern Abend in der Druckerei des hiesigen sozialdemokratischen„Volks- blatt für Halle und den SaalkreiS" die Geheimpolizei unter Führung des Kriminalkommissars Grosse, um die gestrige Nummer wegen des Leitartikels zu beschlagnahmen, lieber den Verlauf dieses Vorhabens berichtet das Blatt selbst heute: „Da die Abonnenten sämmtlich befriedigt waren, wurden im Ganzen nur 110 Exemplare vorgefunden. Ans die Frage nach dem Manuskript vcrivies der Redakteur einfach auf die am Fuße des Artikels angegebene Quelle.(Der Artikel ist einem Bruderorgan entlehnt worden, von der betreffenden Staatsanwaltschaft aber unbeanstandet geblieben.) Der Hinweis auf die Quelle ge- »ügte aber dem Herrn Kommissar nicht, er verlangte das Manu- skrivt. Als wir entgegneten, daß wir doch nicht ohne Grund ein anderes Blatt jals Quelle angeben würden, meinte der Kommissar, es würde so manches gemacht, was man nicht dürfe! — Im Setzersaale verursachte die Zerstörung des Satzes des be- treffenden Artikels allgemeines Kopfzerbrechen. Da keiner von den Setzern mehr zu Stelle war, machte sich einer der Be- amten trotz des Protestes des Druckereileiters daran, den Satz auseinander zu nehmen, was jedoch nicht gelang. Schließlich wurde der Satz, um zu ver- meiden, daß, wie es geplant war, die ganze vierseitige Form mit nach dem Polizei-Amt geschafft wurde, von dem Truckereileiter zusammengeworsen, der technische Ausdruck lautet: zu Ziviebel- fischen gemacht. Bemerkenswerth ist, daß hierbei der Herr Kom- inissar, als der Leiter der Druckerei auf die eventuellen Folgen und Schadenersatz aufmerksam machte, äußerte, daß, da derartige Fälle wahrscheinlich öfter vorkommen würden, man doch einmal einen Anfang machen müsse.— Nun, wir bezweifeln durchaus nicht, daß derartige Fälle noch öfter vorkommen werden, aber— gievt es denn nicht noch �Richter in Deutschland??" Dimbach(Sachsen). Einen unerwarteten Sieg hatten wir bei den hiesigen Stadtverordneten- Wahlen in unserem Limbach zu verzeichnen. Da nur ein kleiner Theil der Arbeiter das Bürger- recht erworben, betheiligten wir uns nur deshalb au der Wahl, um zu sehen, wie viel wir ungefähr noch Bürger brauchen, um zu siegen. Aber unsere ganze Liste erhielt nicht nur ansehnliche Minoritäten, sondern es wurden auch drei Genossen, Temmler, Preuß und Landgraf, sowie drei Ersatzmänner, die unserer Partei angehören, gewählt. Das schönste an der ganzen Sache war aber, daß bei den Ansässigen, sowie bei den ilnansässigen die meisten Stimmen ein böser Rother hatte, und zwar bei den Ansässigei» Preuß, bei den Unausässigen Semmler. Das nächste Mal machen wir das Dutzend voll. »• Düsseldorf, 15. Dez. Di/Straflammer verhandelte heute in der Berufungssache des Redakteurs der Düsseldorfer Arbeiter- Zeitung Gen. H. Grimpe aus Elberfeld und des Verlegers der- selbe», des Buchbinders Gen. Voß Hierselbst, welche von dem hiesigen Schöffengericht mezen Beleidigung des zu Benrath wohnenden Fabrikanten Hofmauu je zu 2 Monaten Gesängnip vernrtheilt worden waren. Die Beleidigung sollte enthalten sein in einem Artikel der Arbeiter-Zeitung, in ivelchein dem Hosmann vorgeworfen wurde, daß seine Arbeiter angehalten würden, i» der von seiner Frau geführten Schenkwirthschaft Getränke zn ent- nehmen, daß solche auf Kredit geliefert, daß der Betrag von der Löhnung abgehalten wurde und daß Derjenige der beste Mann sei, der recht viel verzehre. Weiter war auch behauptet worden, die Leute würden überhaupt zum Trinken verleitet. In der ersten Verhandlung mißglückte der versuchte Wahrheitsbeweis, nicht so in der zweiten. Es wurde bewiesen, daß thatsächlich in dem allerdings kleinen Betriebe während der Arbeit der Schnaps- flasche und dem Bierkruge eifrig zugesprochen wurde, daß auch in werthen. Ich will Euch immer dankbar sein. Aber in diesem Rothenburg leidet mich's jetzt nicht, da alle bösen Zilngen gelöst sind. Ich könnte ihnen Trotz bieten, ja. Aber der innere Wurm fräße an mir. Vetter, wenn Ihr diese Nacht reitet, so reite ich mit." „In dieser gefährlichen Zeit," rief die Menzingerin. „Bin ich hier sicher, wo der väterliche Fluch über meinem Haupte schwebt?" „Ihr seid klug und tapfer," sprach Menzingen.„So reitet denn mit Eurem Vetter; ich gcb' Euch vier Knechte mit, tapfere Leute, die mögen Euch bis Würzburg das Ge- leite geben. Vergesset nicht, daß dies Haus Euch immer offen steht, so laiige der Stefan von Menzingen drinnen zu schalten hat."— Und so geschah's. Nach Einbruch der Nacht ritten Grumbach mit seinen zwei Knechten, Agnes und die vier Knechte des Meirnngers zum Röderthor hinaus. Dort war die Wache mit Menzingsiis Leuten besetzt; man kam ohne allen Anstand hinaus. Sie ritten seitwärts Kitziiigen zu, denn die große Heerstraße schien ihnen etwas lmsicher. Agnes sah träumerisch in die sternenklare Nacht hinein und sprach schier kein Wort. Sie dachte an Florian Geyer.— Zu Notheiiburg aber war ein gewaltiges Aufsehen ob solchen Verhaltens des Fräuleins von Badell. Die Einen lobten, die Anderen tadelten, wie sie sich verhalten. Jörg Spelt schlich gedrückt umher; seine Lustigkeit wollte nicht wieder kommen. Auf der Trinkstube harrten sie seiner; er mochte nicht hingeheil, denn das Treiben dort ekelte ihn mit einem Mal an.„Ihr seid kein Mann," hatte die stolze Braut gesagt. Das haftete wie ein Pfeil mit Widerhaken in seiner wunden Seele. So saß er auf der alten Burg und schaute in das blühende Tauberthal hinab, in das die letzten Sonnenstrahlen flelen. Immer düsterer ward es in seiner Seele, je mehr der goldene Schimmer des Tages schwand. Da nahte lustwandelnd eine hohe Gestalt; es war Ehrenfried Kumps, der Altbürgermeistcr und Rathsherr, Karlstadt's Freund, ein gar stattlicher, kluger und fester Mann, der ihm immer ein Freund und Berather gewesen. einzelnen Fällen die Schuld für Getränke einfach an der Loh Zahlung gekürzt wurde und dergleichen Nnrcgelmäßigkeiten me Di« Strafkammer sah den Wahrheitsbeweis als erbracht an, fa auch in der Form des ZeitimgZariikels keine Beleidigung u crkminte daher auf kostenlose Freisprechung. Aus ZachfeN'Mcimuizc« theilt man uns unter dem 16. d. 9Ji. mit, daß lioii der Kanzel herab den Bauern der Sozialismus all- sonntäglich auseinandergesetzt wird. Daß dies in der objektivste» Weise geschieht, versteht sich bei den frommen Herren von selbst. Da- neben werden von Handwerksmeistern und Fabrikanten Traktätche» und uns bekämpfende Zeitungen an die Arbeiter eifrigst vertheut, auch die Bauern erhalten von den Pfarrern Lektüre für de» Winter, so z. B. die Zeitung„Gute Botschaft, christliches Blatt für Jedermann", deren Nummer 77 einen sich durch besondere Dummheit auszeichnenden Artikel unter dem Titel„Fun! Minuten im sozialdemokratischen„Volksstaat" der Zukunft" ent- hält. Die armen Leute lesen all' das dumme Zeug und glauben es auch, da ihnen schon wegen ihrer tiefen Armuth andere, wm- lieh aufklärende Literatur unzugänglich ist. Nicht nur die Er- wachsencn, auch die Kinder werden im antisozialisten Sinne bearbeitet. In letzter Linie nützt uns nur diese Agitation. Kreise, welche sich nie um die soziale Frage gekümmert haben, werden durch die rastlose Arbeit unserer Gegner auf uns aufmerksam macht und lernen wider ihren Willen so den Weg zu uns. Doch damit könuen wir uns nicht begnügen, ununterbrochen muffen wir agitiren. Als Material hierzu haben wir ganz billige, den Preis von 1 Pfennig womöglich nicht übersteigende gemc>n- verständliche Schriften, die die Religionssragc außer Spiel lasten, nöthig. An Leuten, sie zu verbreiten, soll's nicht fehlen. DolikiMs AebsvstHk. Berlin, den 18. Dezember. Der Entivurf einer neuen Landgemeinde-Grdnnus hat uns einen kleinen Konflikt gebracht. Die Kon- servativeii bemühten sich in der Komiiiission, welche den be- treffeiiden Gefetzentwurf durchzuberathen hat, alle irgenv werthvollcu Bestimmungen aus demselben herauszubringen. Darauf hin gab nim Herr Herrsurth in der gestrige» Kommissionssitzung— der letzten vor den Ferien— folgende Erkläruiig ab: „Die von der Kommission zu den§§ 2 und 126 des Ent- wurfs gefaßten Beschlüsse machen das Gesetz un- wirksam, indem sie die Durchführung der im Staatsinteresie angestrebten Bildung von Zweckvcrbänden und die Bereinigung leistungsunsähiger Guts- und Gemeindebezirke ins Beliebe» der Selbstverwaltungskörper, insbesondere des KreisauSschuff»-- stellen und das Recht der Krone hinsichtlich der Auss Hebung von Landgemeinoen und der zwangsweisen Vereinigung von Trennstückeii, wesentlich beschränke m D«e Fassung, welche für§ 126 beschlossen worden, sei choch» bedenklich, da die Mitwirkung der Staatsbehörde dabei au." geschlossen sei. Dem Minister seien heute zwei konservativ« Zeitungen vorgelegt worden. Die„ K r e u z-Z t g." nenne da» Widerstreben der Staatsregierung gegen die auf Betreiben des konservativen Partei gefaßten Beschlüsse einen„eitlen Dokm- narismus des Ministers". Er verzichte auf eine Polemik in» diesem Blatte. Wenn die„Nord d. A l l g e m. Z e i t u n S die Ansicht aufstelle, daß die Staatsregierung die Motive dss gefaßten Beschlüsse als berechtigt anerkennen werde, so muff« er dagegen protestireu und behalte sich vor, im„Reichs-Anzeiger den Standpunkt der kömglichen Staatsregierung vor dem Lanv« zu wahren. Lägen nicht K o m m i s s i o n s- B e s ch l ü ss? erster Lesung vor, sondern Beschlüsse de« Hauses in dritter Lesung, so würde die Staat»' regierung erklären, daß sie keinen Werth mehs lege auf die weitere Berathung des Gesetz' e n tw urfes. Wenn nicht unter diesem Mini st«� und mit diesem Hause— das Bedürfniß nach Erl?» einer Landgemeinde-Ordnung bleibt und wird. � jede», Falle befriedigt werden. Der Minister schloß mit v«» Worten:„M öge man noch so viel Hemmnisset» den Weg legen, sie kommt doch!" Die konservativen Abgeordneten von Puttkamer(Plauth) und von Ranchhaupt legten zwar Verwahrung dagegen ei», daß die„Norddeutsche" und die„Kreuz-Zeitung" Organe der konservativen Partei seien, allein das will wenig besagen,&» kein Mensch weiß, wer und was eigentlich die konservativ' Partei der Herren Puttkamer und Rauchhaupt tst. Thatsache bleibt bestehen, daß die sich konservativ nennend«» Mitglieder des Landtags entschlossen sind, die Regierung»' vorläge nicht in der Form aiizunehmen, in welcher allein(! nach den positiven Erklärungen des Herrn Herrfurth für t» Regierung Werth hat. Die Zeitläufte hatten sie etwas entfremdet, denn Herr Ehr«»' fricd war mit Leib und Seele bei der neuen Lehre. „Wo fehlt's, mein Lieber?" sagte Kumps freundlich. Spelt erzählte ihm sein Leid. „Hab' schon gehört davon ," sagte der Altbürgermeffiev- „Aber erlaubet mir ein offenes Wort!" „Wohl," meinte Spelt. „Denket nach, ob das Fräulein so ganz Unrecht hat- sagte Kumps fest. „Und dann?". „Dann schauet Euch die Zeit an. Es ist«"l Zeit der mnthigen Thaten. Thuet eine That u» werdet ein Mann!" Er drückte ihm die Hand und ging; Jörg Spelt ab� blieb noch lange in tiefem Sinnen sitzen. Im Bund der Baue r'n. Die Fäden der Geschehnisse sind oftmals gar wund««' sani verschlungen und verknüpft. Also auch diesmal; de» während Wilhelm von Grumbach seine bekümmerte sch"»- Base auf einem Umweg nach Würzburg geleitete, kam der großen Heerstraße der Mann, dessen Ankunft Agnes>» allen Fibern ihres Herzens ersehnt, gen Rothenburg h««*' geritten. Florian Geyer war vom Bundesrath der Ba»«� aus dem Lager zu Heidingsfeld bei Würzburg abgesa» worden, um Rothenburg in den Bund zu briilgen. In dersclb Nacht, spät, nachdem Grumbach und Agnes von dan» geritten, kam Herr Florian vor dem Würzburger Th"« L Rothenburg an. Er mußte in der alten Herberge 5;, Rappen vor dem Thore die Nacht über bleiben; erst® Morgens ließ man ihn ein, denn das Regiment des»U Raths war noch nicht zu Ende und die Herren thaten 0 Tütsichtig." , Zu Würzburg hatte die Volkssache noch keinen K, lichcu Fortgang genommen; sie hatte Halt gemacht vor v- seilen Schlosse, dem Franenberg. Das ganze Volksheer»( Franken, vom Odenwald, vom Gau und vom Neckar,? lag es fest. (Fortsetznug folgt.) [ Unter solchen Umständen ist keine Aussicht vorhanden, «aß die Landgcmeinde-Ordnung der Negierung vom gegen- wältigen Landtag angenommen ivird. Und da das ; Landgemeinde-Gesetz mit den übrigen Resormgesetzen der Regierung nach den positiven Erklärungen deS Ministers des Innern ein organisches Ganze bildet, so bleibt für die preußische Regierung keine andere Wahl, als ent- weder auf die sogenannte„große Reform" zn vcr- » i ch t e n oder den Landtag auszulösen. Ein Drittes gicbt es nicht. Jedenfalls haben wir den K o n- flikt— und keine Vogel-Strauß-Politik kann ihn ans der Welt schaffen. Die nächsten Tage werden zeigen, für welche von beiden Alternativen die Regierung sich entscheiden wird. Schrickt sie vor der Auflösung des Landtags zurück und rechnet sie auf die Versumpfung des Konflikts, so ist sie besiegt, auch ohne ausdrückliches Zukreuzekricchen— und die„große Reform" kann ruhig zum alten Eisen ge- warfen werden. Der Schluß der Herrfnrth'schen Erklärung: „Möge man noch so viel Hcmnmisse in den Weg legen, sie kommt doch!" niag zwar pathetisch sein, klingt aber sehr schwach.„Sie kommt doch!" Ja, aber wann? Im nächsten Jahre? In zehn Jahren? In Zwanzig Jahren? Das ist die Frage. Vor solchen oratorisch- nebelhaften Drohungen, solchen Wechseln auf eine mcht uäher bezeichnete Zukunft werden die Herren Konservativen nicht viel Respekt haben.— Nicht weniger als zweimal marschirt in den heutigen Zeitungen das Dynamitgespenst auf— in der Gegend von Magdeburg und in der Gegend von Wien ist Dynamit «gefunden" worden und hat ein dunkles„Verbrechen" be- gangen werden sollen, das nur durch Zufall oder den wunderbaren Scharfsinn irgend eines staatsrctterischen Genies verhütet wurde.— Nun, wenn Dynamit„gefunden" wird, dann denkt man uiuvilltürlich an die Thaten des belgischen Musterspitzcls Pourbaix, der für Rechnung der belgischen Pfaffenrcgierung und des belgischen Unter- uehmerthums im Lande herumzog und Dynamit streute, das dann stets rechtzeitig„geftinden" ward und die nöthige Temperatur und Stimmung für eine frische fröhliche Ar- beiter Metzelei bereitete. Auch in Deutschland pflegte zu Zeiten der Putt- kamerci hier und da Dynamit«gefunden" zn werden, wenn es galt, irgend einen Schlag gegen die Freiheit und das Volksrccht zu führen— die Nothwendigkeir der Ausnahme- gesetze, der Polizci-Allm acht und der gewaltsamen Beseitigung unbequemer politischer Gegner zu beweisen. Die Tynamitpolitiker sind aber vielseitige Leute. Sie beschränken ihre staatsretterische Geschäftsthätigkeit nicht auf Dynamit. Sie Hadem noch andere Artikel auf Lager. In Deutschland z. B. ist der allgemeine Bergarbeiter- Streik ein eisernes Jnventnrftück der Spitzel geworden. Man erinnert sich, welche Rolle er voriges Jahr spielte, oks der„treue Vasall" Bismarck den letzten verzweifelten Versuch machte, mit Hilfe des„Rothen Schreckens" seinen Souverän sich dienstbar zu machen. Wohlan, auch der allgemeine Bergarbeiter- Streik tanzt seit einigen Wochen wieder vor uns herum, taucht Tag für Tag in gewissen Zeitungen auf— und wir wissen «och genau, daß kein Mensch in Deutschland— mit'Ausnahme einiger Unternehmer, welche die Arbeiter zu Gewaltstreichcn verleiten möchten— und mit Ausnahme der Spitzel, die doch leben wollen— an einen Bergarbeiter-Streik denkt. Allgemeiner Bergarbciter-Streik und Dynamitfunde, da haben wir das Handwerkszeug der Spitzel imeder hickM' u->>'->»"«-'»„„d ickinu mfiüten wir sein, sähen wir nicht der Arbeit sind das weiß jedes Kind. Unsere Freunde unter den Bergarbeitern, namentlich in Nheinland-Westsalen, crmahnen wir aber recht dringend, ein scharfes Auge zu haben ans Herrn Pourbaix und Genossen.— Die Sähe des sazialpolitifche» Derstiindnistes Unserer Regierungskreise geht aus allen ihren Maßregeln hervor. Ein Beispiel für viele um diese Meinung zu bc- «gen, bieten wieder die Ermittelungen der Regierung über die Lage der Bergarbeiter im Ruhr-Kohlenbezirke, wo ein Ausstand befürchtet wird. Die Berechtigung der Forderungen Arbeiter, welche von den Grubenbesitzern schroff abgelehnt werden, suchen die Landrathsämter durch Anfragen bei den Grubeiivorständen zu prüfen. Dies ist jedenfalls der beste r�eg, sich ein ganz objektives Urtheil zu bilden. Wer kann denn besser die Lage der Arbeiter und die Berechtigung chrer Forderungen beurtheilen als die Ausbeuter der Arbeiter. Es doch nichts über die Schlauheit und den sozial- hen Scharfblick preußischer Landräthe.— d des all- man uns »Die Frage der Uerfastnugoreuision u n ln* i n e n S t i in in r e ch t s— fo schreibt............ nste belgischen Parteien in lebhafte Anfregung versetzt. wrirten sie früher in blinder Ilcberhcbinig die Arbeitev- «ßung und die Forderungen der Soziatdemokratic, so n sie sich heute gezwungen, unsere Forderungen ernstlich mskutireu und Zugestäiidmsse zu machen. Die belgische wldemokratie ist eben im Laufe der Zeit zn einer Macht �gewachsen, mit der man wider Willen rechnen muß. e neue Gnippirung der Parteien scheint sich in Belgien iubereiten, in der Regieriliigspartei scheint eine Spaltung Me konservative, den Forderungen der Arbeiter durch- abgeneigte, und in eine der Erweitcrmig Wahlrechts freundlicker gesinnte Gruppe bcvorzilsteben. h die Liberalen scheinen sich übcrdie Versassungsrevision nicht gen zu können, wohl scheint über die Zustimmung zur ,,, fimfdicn, doch UV er das amentarier sich„ichc miuinuiyiu,~.. ening des allgemeinen Wahlrechts zusti....... anderer Thcil nur denjenigen, die Lesen und Schreiben II1' das Wahlrecht ert'yeilen will. Mag der Kampf«nd �erfassungsrcvision ausfallen wie immer, jedenfalls * unsere belgischen Genossen schon heute erzielt, daß Forderungen den Mittelpunkt der Disku,iion bilden, er Sozialismus weiten Kreisen bekannt wird und daß Menschen Parteien in Zersetzung begriffen sind."— o weit unser Berichterstatter; andere Mittheilungeu U ungünstiger, und unter den belgischen Arbeiten, ist Meinung allgemein verbreitet, daß w e s e n t l l ch e lksstonen in Bezug auf das Wahlrecht n i ch t zu er- en sind.'Jedenfalls denkt die herrschende Klasse in Belgien nicht an das a l l g e m e ine Wahl- recht; und anS belgischen Bonrgcoisblätterii geht unziveideutig hervor, daß ein großer Theil der Unternehmer einen Streik der Arbeiter sehr g er n sehen n) ü r d e. Gewiß ist, daß die Sozialdemokratie auch in Belgien den Zerfall der bürgerlichen Parteien spfäffischen und liberalen) beschleunigt; und daß auch in Belgien die sozialdemokratischen Ideen in immer weitere Kreise dringen, und sich ihrer Verwirklichung immer mehr nähern.— Die öffentliche Meinung in Frankreich spricht sich mit wachsender Energie gegen die Verhaftung derjenigen aus, die Padlewski zur Flucht verholfen haben. Kommt es zum Prozeß, so wird er dazu benutzt werden, die Sünden und Verbrechen des Zarenthums möglichst wirksam an den Pranger zu stellen.— und ist die Freisprechung der An- geklagten mit Sicherheit zu erwarten.— Wir sagten gleich nach Bekanntwerden der Affäre Silberstoff: Der Mann, ivelcher den russischen Spitzel- General todt schoß, hat mehr getroffen als diesen, er hat dem Phantom der r n s s i s ch- f r a n z ö sä s ch c n A l l i a n z den GaranS gemacht. Die Richtigkeit dieses Urtheil? findet jetzt nach allen Seiten hin Bestätigung. Die Nnssenfreund- lichkeit der Franzosen war ein Märchen, oder eine Tendenz- lüge. Mit Ausnahme einiger Ultrarealtionäre und Chauvi- nisten ist niemand in Frankreich für ein Bündniß mit dem Zarismus, und es ist ein bezeichnendes Faktum, daß ein von D e r o n l ö d e und anderen Narren gegründeter„Verein der Freunde Rußlands" sich soeben hat auflösen müssen, ivcil kein anständiger Mensch Mitglied werden wollte. Natürlich wird der wahre Grund im Auflösungs-Beschluß nicht gesagt.— Ein bedenkliches G e st ä n d n i ß ist der„Kreuz- Zeitung" anläßlich der Kiidcrstoff-Affiire entschlüpft. In einem Bericht über dir Flucht Padlewski's schreibt sie: „Wir wollen ganz davon absehen, daß der politische Mord ebenfalls nicht zu rechtfertigen ist, wenn man auch Charlotte Corday darum nicht auf dieselbe Stufe, wie eine Gabrielle Bompard zu stellen braucht." Gabriclle Bompard hat einen Raubmord begehen helfen und Charlotte Corday hat den Volksmann M a r a t erdolcht. „Wenn man auch eine Charlotte Corday"— also eine politische Verbrecherin—„nicht auf dieselbe Stufe, wie eine Gabriclle Bompard"— also eine gemeine Ver- brechcrin— zn stellen braucht." Dieses„wenn auch":e. ist köstlich. Der politische Mord ist„nicht zn rechtfertigen", aber eine politische Verbrecherin steht doch„nicht auf derselben", d. h. steht auf einer höheren Stufe als eine gemeine Verbrecherin. Merkt die„Krenz-Zeitung", auf welche schiefe Ebene sie gerathcn ist? Oder will sie die höhere Stufe blos solchen politischen Verbrechern zuerkennen, die ihre Hand gegen Volksmänner gewandt haben? Steht eine Char- lolte Corday etwa auf einer höheren Stufe als Padlewski? Deshalb auf einer höheren Stufe, weil das Opfer der Charlotte Corday ein Republikaner und Volks- m au u, und das Padlewski's ein Spitzel und Lump war? Und wenn wir einmal den politischen Verbrechern, oder doch gewissen politischen Verbrechern eine höhere Stufe einräumen, wo ist dann die Grenzlinie der Abstufung? Begreift die„Krenz-Zeitung" nicht, daß, wenn sie einmal das Prinzip der absoluten gleichmäßigen V e r>v e r f l i ch k e i t des Verbrechens, ohne R ü ck si ch t a u f d essen Motiv e, durchbrochen und eine sittliche A b st llfling je nach den Motiven zuzugeben hat, sie dann mit logischer Nothwcndigkeit schließlich dazu gelangen muß, die Handlungen nach den Motiven zu beurtheilen, und eine Handlnng, die ans edlen, wenn auch vielleicht auf irrigen Voraus- setzunaen beruhenden Motiven hervorgegangen ist, anders zu beurtheilen, als eine äußerlich gleiche Handlmia, der ein gemeines, niedriges Motiv zu Grunde liegt?— Mit einem Wort die erste« als verdienstliche— That, die andere als Verbrechen zn betrachten? Und damit steckt die„Kreuz- Zeitung" mitten im„wüstesten demokratischcuMatcrialismus". Madame Duc Ouercy, die Padlewsky rettete, handelte ebenso edel wie der brave Lux, der Charlotte Corday retten wollte— und ein politisches Verbrechen ist kein gemeines Verbrechen— ganz wie das unsere Ansicht ist.— Der neue Großhetzog von Luvmbm'g bewährt sich als deutscher Fürst vom guten alten Schlage. Sofort, nach- dem der Herzog von Nassau das Land mit seiner Gegen- wart beglückt hat, wurden drei in Deutschland erscheinende Blätter für Luxemburg verboten. Das reimt sich gut mit dem Schwüre des neuen Regenten, die Freiheit Luxem- burgs zn schützen und zu erhalten.— Auch in Unmäpien steht die Frage des allgc- meinen PZ a h l r c ch t cZ in Diskussion. Die Radikalen haben dasselbe bei der Adrcßdebatte gefordert. So sehen ,vir überall einen frischen Zug im politischen Leben. In Oesterreich, Belgien und Rumänien steht d,e Frage des all- gemeinen Wahlrechts im Vordergründe der Diskussion. Immer iiiehr sieht man ein, daß die Beschränkung der politischen Rechte auf die besitzenden Klassen unhaltbar ist.— In den Vereinigten Staaten von Dord- ummk-, scheint man in Bezug ans die Zollpolitik andere Bahnen einschlagen zu wollen, wenigstens deutet die Erklärung Shcrmau's im Senate, nach welcher der Mac Kinley-Tarif Verträge zwischen den Vereinigten Staaten und anderen Regierinigeii weder verhindern noch abschwächen soll, darauf hin. Nachdem die letzten Wahlen in unverkennbarer Weise den Willen deS uordamcrikanischeu Volkes zum AnS- druck gebracht haben, mit der hochschutzzöllnerischeu Zoll- politit Mac Kiuley's zu brechen, werden sich wohl die Herren Gesetzgeber, die noch vor wenigen Monaten dem Follgesetz zllgestimmt haben, bequemen müssen, langsam ein- zulenken. Vergessen darf freilich nicht werden, daß die Mac Kinley-Bill auch unter den Demokraten viele Freunde hat.— Die Hoffnung, daß die Differenzen mit den Indian-er» in den Vereinigten Staaten gütlich beigelegt würden, hat sich leider nicht erfüllt. Ans noch nicht ganz aufgeklärte Weise ist es zu einem Handgemenge gekommen, in dem mehrere Indianer, darunter der von einem früheren Aufstand her bekannte Sitting Bult getödtet wurden, und daraufhin sollen die Indianer ein amerikanisches Truppen-Detachemcnt überfallen und ihm schwere Verluste beigebracht haben. Genauere Nachrichtm liegen noch nicht vor, aber es läßt sich ans den Telegrammen deutlich erkennen, daß das, was vorgekommen ist, das Licht nicht vertragen kann. Offenbar ist wieder eine jener Unthaten verübt worden, durch welche die europäische Zivilisation den„Wilden" ihre Ueberlegenheit klar zu machen sucht. In Amerika, in Afrika, in Australien— überall, wo die „Zivilisation" mit„Wilden" zusammentrifft, wendet sie dieselben Mittel an; überall hat sie dieselbe Methode, ihre „Segnungen" zu bekunden: Gaunerei nnd Betrug, rohe Unterdrückung, Wortbrnch durch Gewaltthat, Vergiftung durch Fusel und Syphilis und schließlich— als letztes Kultnrmittel, als ultima ratio civilisationis(letzter Grund der Zivilisation) das T o d t f ch i e ß c n. Wir geben gern zu, daß die Jndianersrage in den Vereinigten Staaten keine leichte ist— die Jnoianer wollen sich in die Sitten, Gewohnheiten nnd Lsbensbedingungen der Zivilisation nicht fügen— da? ist wahr, allein das giebt doch kein Recht, sie wie wilde, gefährliche Thiers zn behandeln nnd auszurotten. Thatsache ist, keine der vielen Jndianermetzeleicn, welche wir seit HO Jahren gehabt haben, würde vorgekommen sein— wenn den Indianern Wort ge- halten worden wäre— das wird von keinem unparteiischen Amerikaner bestritten. Und fürwahr! Treu und Glaube ist doch Etwas, was von einem„zivilisirten" Menschen unter allen Umstünden verlangt werden könnte! Es ist wirklich ekelerregend, die Mehrzahl der amerika- nischen Blätter über die neuesten Jndianer-Disferenzen zn lesen. Der Ausdruck„vermin"— schädliches Ungeziefer und Raubzeug— begegnet unS auf jeder Seite— der Indianer gilt nicht als Mensch, nicht als gleichberechtigtes Wesen, sondern als ein untergeordnetes gememschädlicheS Wesen, als Thier, daS zn tödtcn ein verdienstliches Werk ist. Bei solcher Gelegenheit stellt sich so recht deutlich heraus, was für ein jämmerliches Ding unsere„Zivilisation" ist: gefirnißte Barbarei, oder in der drastischen Sprache der Bibel zu reden, ein„übertünchtes Grab,"— ** * Ztenrste Nachrichten. Der„Reichs-Anzeiger" veröffent- licht die Rede, mit welcher der Kaiser die S ch n I k o m- Mission geschlossen hat. Bemerkenswerth ist nachstehender Passus; „Wir bestiiden uns in einem Zeitpunkt deS D u r ch g a u g s und Vorwärtsschreiten« in ein neues Hahr- hundert, und es ist von jeher das Vorrecht meüies Hauses gewesen, ich meine von jeher haben meine Vorfahren bewiesen, daß sie, denPuls der Zeit fühlend, vorauser- sptthten, ivaS da kommen würde. Dann find sie an der, Spitze der Bewegung geblieben, die sie zu leiten und zu neuen Zielen zu führen entschlossen waren. Ich glaube erkannt zu haben, wohin der neue Geist, und wohin das zn Ende gehende Jahrhundert zielen, und ich bin ent- schlössen, sowie ich es bei dem Anfassen der sozialen Re- formen gewesen bin, so auch hier in Bezug aich die Heranbildung unseres jungen Geschlechtes, die neuen Bahnen zu beschreiten, die wir unbedingt beschreiten müssen; dem» thäten wir es nicht, so würden wir in zwanzig Jahren dazu gezwungen werden."— Die hier ausgesprocheuest Grundsätze und Theorien haben unsere vollste Zustimmung. Ja es sind in gewissem Sinne die unsrigen. Wer„den Puls der Zeit" nicht fühlt, nicht„neue Bahnen" beschreitet, wird schließlich zu Reformen„gezwungen"— oder auch ganz bei Seite geworfen. Das zeigt uns jeder Tag. Wir verstehen aber nicht, wie diese schönen nnd richtigen Grundsätze und Theorien sich mit der„Bekämpfung der Sozialdemokratie", die für eben diese Schulkommission zum Programm gemacht worden ist, zusammen reimen lassen. Die Sozialdemo- kratie vertritt die Ideen der neuen Zeit, sie ist zuerst in die„neuen Bahnen" eingelenkt, sie hat die „sozialen Reformen" vorgezeichuet, welche die neue Zeit erheischt— wie kann, wer der Sozialdemokratie den Hand- schuh hinwirft, und sich in Widerspruch mit der„neuen Zeit" stellt— wie kann er an der„Spitze der Be- wegung" bleiben? Zwischen den Worten und den Handlungen gähnt eine Kluft, die unsere Logik nicht zu überbrücken vermag.— Nach einem Telegramm ans Bern sind die Wahlen des Kantons T essin auf den 11. Januar anberaumt. Sozierlo Moverflitzk. jt tu An dir Manvrr Krrlino. Werths Kollegen! Wie Jh alle wißt, sind in diesem Herbst statistische Fragebogen von bei Vertrauensleuten, die Ihr Euch selbst in öffentlichen Versammlungen gewählt hat, ausgegeben worden. Es handelte sich darum, unfaretl ,!)rvhf1'il"rti»hprn alt hrtö mir mtf ham mmS mir nov- sich aber auch darum, den Gesetzgeber darauf hinweisen zu können. baß andere und bessere Gesetze zum Schutze der Arbeiter gemacht werden müsse». Nun Maurer Berlins! Jetzt habt Ihr Zeit. die tztaturverhältuissc haben den gezwungen die Arbeit ruhen zu lassen, der noch Arbeit hatte; viele Tausende hatten schon lange keine Arbeit nichr und sehen einem traurigen Weihnachisfest ent- gegen. Jetzt ist es Zeit, über Eure traurige Lage nachzudenken und das Resultat in die statistischen Fragebogen einzutragen, un, der Welt vor Augen zu halten, wie groß die'Noch und daS Elend unter uns ist. Kollegen! Bersäume keiner die stattsttschcn Frage- bogen auszufüllen, und an die Vertrauensleute bis Ende Dezember abzulicferu. Mit kameradschaftlichem Gruß Karl Weiße, Tcgelerstraße 27. liUneffmtfcit dev Aedsckkion. ©. D. i»|!, 1. Herbert Bismarck hatte ein jahrliches Ge- halt von 54 000 M., für einen so verdienstvollen Mann gewiß nicht zn viel. 2. Wie hoch sich seine Pension belauft, können wir nicht angeben, da uns sein Dienstalter nicht bekannt ist. Zlroftt. Ja. I. Kch. i. Ailsmnstermigsschem und Geburtsurkunde ge- nüge». 2. Wir glauben nicht, daß Sie Englisch allein mit Hilft einer Grammatik lernen können. Aus die Empfehlung eines bestimmten Lehrers lassen wir uns grundsätzlich nicht ein. Wolliurrstr. 11. Der Wirlh dar; keinen Schlüssel zur Wohnung seines Miethers haben. istoppeush'. Eine Eisenbahn, welche daS Festland mit England verbindet, ist zwar schon oft geplant worden, aber bisher nicht zur Slussühruna gelängt. Dr. 10$. F. K. n. Wir wüßten nicht, wäL daran strafbar sein sollte. Höchstens könnte der Verein, wenn die Vor- staudsmitglieder leichtsinnig gehandelt haben, dieselbe» auf Ent« schädigiuig verklagen. Theater. Freitag, 19. Dezember. Gpernlians. Die Hochzeit des Figaro. Kchanspielhan». Der Sturm. Lessing- Tiirater. Sodoms Ende. Serliner Theater. Die wilde Jagd. etttsches Theater. Die Kinder der Exzellenz. Lriedrich-Withelmstädt. Theater. Puppenfee. Sonne und Erde. MaUner-Theater. Papa. Hierauf: Ein Mord in der Kohlenstraße. Residenz-Theater. Der Kampf ums Dasein. Viktoria- Theater. Die sieben Raben. KeUealliance- Theater. Mamsell Ritouche. Ostend- Theater. Zimmermann's Lene. Thomas- Theater. Der Soldatenfreund. Adolph Crnst-Theater. Unsere Don Juans. bürgerliche» Schauspielhans. Der Eisonkel. Kanfmann's Uaristö. Große Spezi alitäten-Vorstellung. Theater der Reichshall«». Große Spezialitäten-Vorftellung. Voncordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. «edr. Richter'« Uarißte. Große Spezialitäten-Vorftellung. Wintergarteil. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexanderstraße 27 c. Clara Conrad, Lieder- und Walzsängerin. Jenny kteimann, Kostüm-Soubrette. Mr. Samitii mit seinen dressirten Hunden. Mr. O. Worch, Produktionen an römischen Ringen. Max Menzel,' Gesangskomiker. Mr. Koberstein, Malabarist. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags SVe Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 30 Pf. 60 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. EtMljstMNt Buggenhagen am Moritzplatz. _ Täglich;_ MV Grosses Concerf.'igpg Direktion A. Rod«nanu. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Wooheatags 10 Flg., Hill 11 cc gönn, uaä Festtags 25 Flg. Großer Frühstücks- und Mitlagstisch. . Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641_ F. Müller. ktratmcilHcBirrljlillt« Vt/ Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Enartett Sängrrn. ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entreo 20 Pf. 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Herren der Gesellschaft. Emir, Apportirpferd, dressirt und vorgeführt von Herrn Fr. Renz. Eine Wiener Damenkapelle.— Trepido, geritten von Frl. Oceana Renz. Kandelaber, geritten von Ernst Renz (Enkel). Auftreten des phänomenalen Reitkünstlers Mr. I. F. Clarke. Mr. Rodgers, Luftgymnasliker 1. Ranges. Auftreten der Reitkünstlerinnen Frl. Natalie Briatore und Mine. Bradbury und des Jockeyreiters Mr. Burnell Fillis. Zum Schluß der Vorstellung: Lebe««>d Treibe» M Mi dm Eise. Us Großes Ausstatwngsstück mit Ballet in 4 Tableaux. Neu arrangirt und inszenirt vom Direktor E. Reiz. Morgen: Vorstellung. E. Renz, Direktor. Friedrich-Karl-User. Der Cirkus ist gut geheizt! Heute Abend 7V» Uhr: ßtoie Brillattt-MMng, mit neuem, vorzüglich gewähltem Pro- gramin. Zum 14. Male: In Berlin noch nicht dagewesen! . Eims««ter Wer. Sensationelle Wasser-Pantomime. Eine ländl. Hochzeit. Große komische, equestrische Pantomime mit Ballet. Natürliches Wasser überstuthet in einer Minute die Manege. 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Um zahlreiche Be- theiligung bittet Der Vorstand. Melltl.GelleMttsammlll«g der Einsetzer Wlerj Berlins und Umgegend am S on n tag, den 21. T ezem b er, Vormittags lO'/a Uhr, Heue Friedrichstrasse 44. Tagesordnung; 1. Wahl des Gesammt-Vorstandes. 2. Verschiedenes. 2281 3. Fragekasten. Das Erscheinen ist Pflicht eines jeden Mitgliedes. Der Vorstand. Verein z. Hebung sunnteriellen und geiKigen Lage her Arbeiter ZPnebergs. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß die Mitgliederversammlung für diesen Monat ausfällt; jedoch werden Beiträge am Sonnabend, den 20. d. M., Abends von 8—10 Uhr, bei Reinsberg, B a h n st r. 12, in Empfang genommen. Ebendaselbst wird die Vereinsbibliothek ausgegeben. Wir ersuchen die Mit- glieder sich recht rege am Lesen zu be- theiligen. Die nächste Mitgliederver- sammlung findet bestimmt an» Montag nach dem 15. Januar statt. 2290 Der Vorstand. Buchbinderei von Konstantin Janiszewski, Kotttinser Damm fir. 99, Hof part. Freunde u. Partei- genossen, ivelche mich mit Buchbinder- arbeiten unterstützen wollen, bitte ich, dieselben bei Wilschke, Jnnkerstr. 1 und Katzbachstr. 1; G. Schulz, Eigarren- Geschäfl, Kottbuser Platz; Schweitzer, Eigarren-Geschäst, Tresdenerstr. 53/54, (Eity-Passage); Heindorf, Langestr. 70; Schayer, Jnvalidenstraße 153; Gnadt, Brunnenstr. 38, mit Angabe der Adresse abzugeben. 396 \il!nhlalirik Goldschmidt, JJlülJUlülU Svandauerbrücke 6, am hiesigen Playe bekanntlich Gröhte Ausmahl. Eiarantirt stchrr brennende Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befind!. Rohtabake sind am Lager. A. Goldschmldt, Spandanervr. 6, am H ackc'schen Markt.[746 1 «0 L. BracSivogeE, Manteuffelstr. 75. Zum bevorstchendcii Feste empfehle ich meine nach jeder Richtung vorzüg- lichen und preiswerlhen Viehle(aus- qrzeichnet backend). 1870 Rosinen, Mandeln, BisgnitS:c. Wiener Mehl... a Pfd. 23 Pf. Kaiser-Auszugsmehl. Bestes Weizenmehl. Sultaninen.... Große Rosinen.. Korinthen.... 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Auch sind bei vorgenannten Herren Billets zu dem» 10. Januar 1891 in Lip's Brauerei(Friedrichshain) stattfindenden Maskenb« zu haben. 2291 Verein der P arquetdodenleger Kerlins. General-Versammlung am Montag, d. 22. Dezember, Abends 8 Uhr, bei Weigt's, Markgrafenstr. 8' Tagesordnung: 1. Statuten-Abänderung. 2. Verschiedenes. Unser diesjähriges Weihnachts-Vergnügen findet Sonnabend/ den 27. Dezember, Abends 6 Uhr, bei Feuerstein, Alto Jakobstranso 75, statt. Billets a 30 Pf. sind mir vorher bei den Vorstandsmitgliedern sow« beim Vergnügungs-Komitee zu haben. Um zahlreichen Besuch ersucht Der Vorstund. Fachverein der Marmor- u. Granitarbeiter. Sonntag, den 21. Dezember, Vormittags lOVa Uhr, in DeigmQller's Salon, Atte Jakobstraße Ar. 48a: MitgiiederVersammlnng. Tagcs-Ordnun g: 1. Abrechnung vom Kränzchen. 2. Diskussion über den Werth einer Statistik. 3. Berichterstattung der Delegirten der Berliner Streik-Kontrob Kommission. 4. Diskussion und Verschiedenes. Um pünktliches Erscheinen ersucht 2294 Der Vorstund. Fachverem der Metallardeiter in Gas- Waffer- und Damvfarmatnren. Sonnabend, den 20. Dezember, Abends SVa Uhr, bei Zemter, Münzstr. 3 Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Th. M e tz n e r über:„Die Krisen und deren Ursachen." 2. Diskussion. 3. Verschiedenes und Fragekasten. Gäste sind willkommen. Um recht zahlreiches Erscheinen bittet 2268 Der Vorstand. ¥erein der Gau-Anschläger Berlins und Umgegend. Senntag, d. 21. Dezhr., Vorm. lOvaUhr, bei Orschel, Sehastianstr. 39- Versammlung. Tagcs-Ordnnng: t 1. Das Alters- und Jnvalidenversicherungs- Gesetz. Referent: Fr»« Z u b e i l. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Sämmtliche Berufsgenossen sind hierzu eingeladen. Zur Deckung B{ Unkosten Entree nach Belieben. Uni zahlreiches Erscheinen wird gebeten. 2218 Die Kommission. We öfentlilc VersmMlMg sammtlicher Metall- Ardeiter Spandau als Klempner, Dreher, Drncker, Sclilosser, Maseliincnbaucr, Knpfersebmiede, Gürtler, Giesser n. s. w. heute, Freitag, den 19. Dezember 1890, Abends 8 Uhr» iit Dressel's Tanzsaal. Tages-Ordnung: 1. Der Prvinzialtag der Metall-Arbeiter der Proow Brandenburg. Referent Weber. 2. Diskussion. 3. Wahl von Delegirten Verschiedenes. 4 2297 Der Eisberufer. Freie Uolkslmline. stattsindenden Vorstellung für � noch 60-30 Mitglieder in nav Zu der am 1. Weihnachts-Feiertag I. Abtheilung(tothe Karten) können folgenden Zahlstellen ausgenommen werden: Otto Antrik, Eigarren-Fabrik, Steinmctzstraße 59,' Gottfried Schulz, Eigarren-Handlung, Admiralstr. 40a, R. Baginski, Buchhandlung, Dresdenerstraße(Passage), Alex Ochs, Eigarren-Handlung, Lindenstraße 59, Franz Niemeyer, Eigarren-Handlung, Weberstraße 19. Das Einschreibegeld beträgt wie bisher mindestens 1 Mark[und � monatliche Beitrag— von Dezember anfangend— 50 Pf. 2284 Der Vorstand.___> Gebr. Ellinghausen;, Wiilllchtt,. Alezanderstr. 53, Grüner Weg 46, Potsdameretr." Ecke Prenzlauerstr. Ecke Koppenstr. Ecke Potsdamer Vlay- empfehlen zu ivirklichen Fabrikpreisen: Gold. 14 k. Tamen-Remontvir-Uhren v. 25 M. an Gold. 14 1 Herreii-Remontoir-Uhren v. 42 M. an Silberne Eylinder-Reinontoir-Uhren v. 15 M. an Silberne Ancre-Remontoir-Uhren v. 25 M. an Nickel-Remouloir-Uhre», gute Qual., v. 8 M. an Regulatoren, 14 Tage gehend, v. 12 M. an desgl. mit Schlagwerk v. 15 M. an ««aiuii&ct 1974. Wand- mid Wecker-Uhren von 2 M. 25 Pf. an. Für jede von iins gekaufte Uhr leisten 3 Jahre reelle schriftliche Garantie, auch wenn die Feder springen sollte. Werkstatt für Rc- paraturen unter 2 jähr, schriftlicher Garantie. Gelegenheitskauf von Corallen, Granaten und Goldsachen wirklich wesentlich unterm Fabrikpreis. Nach außerhalb streng gewissenhaft, Umtausch bereitwilligst�� Albert Auerbach. T ei■*> rmtffir�rl) genagelt und auf Rand- <-)ro sie Avsmal, t in Filischuiirn und FiiipantosVeln. MterMm-, BeMm- M Effeiibelll-Wliilttii, ,1� ----- B. Günzcl, Brunnenstraße Verantwortlicher Redakteur: Eurt Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Hading in Berlin SW,, Beuthstraße 2 R. BCohlhardt, Buchhandlung, empfiehlt sein*?*****"**' 34' Spielroflaren, sme silliliiltliche Stier- iml Hierzu eine Keilas' Beilage zum Berliner Volksblatt. Nr. 396. Freitag, de« 19. Dezember 1890. 7. Iichvg. N«rlk»»nenksrtFihes. Die von der Arbeiterschutzgesetz-Kommission Reichstages eingesetzte Redaktions- Kom- l s s i o n, Dr. Gutfleisch(freif.), Dr. H a r t m a n n(kons.), < e to ch a(Zentrum), hat ihre Arbeiten beendet und stellt eine oteihe Abänderungsanträge zur zweiten Lesung des Ge- > e tz e s i m P l e n u m, die neben vielen rein formellen Aende- Bingen auch einige wichtigere bringen. Am wichtigsten ist die Deklaration des Art. 134. Die Redaktions-Kommission schlägt folgende Fassung vor:„Den Unternehmern von Fabriken, in oenen regelmäßig mindestens zwanzig Arbeiter beschäftigt werden, M untersagt, für den Fall der rechtswidrigen Sl u f l ö s u n g res Arbeitsverhältnisses durch den Arbeiter als Schadensersatz die -iierwirkung des rückständigen Lohnes über den Betrag oes durchschnittlichen Wochenlohnes hinaus � u s z u b e d i n g e n. Ans die Arbeitgeber und Arbeiter in solchen Fabriken finden die Bestimmungen des§ 123 Abs. 1 'die für Gesellen und Gehilfen normirte Entschädigung) «nie Anwendung." Dazu wird bemerkt: Die Redaktions- Kommission nimmt als Absicht der Gesammtkoinmission an: ■l- Für alle gewerblichen Arbeiter, beim Handwerk und in kleinen wie großen Fabriken sollen Lohneinbehaltungen zur Sicherung des Schadensersatzes für Vertrags- druch einen durchschnittlichen Wochen lohn nicht « b e r st e i g e n dürfen. II. Eine gesetzliche F i x i r u n g der Entschädigung für Vertragsbruch, wie sie durch§ 125 Abf. 1 fakultativ Angeführt ist, sollfürallege werbliche n Arbeiter niit Ausnahme der Arbeiter in Fabriken mit 20 oder luehr Arbeitern gelten. III. In Fabriken der letzteren Art soll es den Arbeitgebern überlassen sein, durch Vertrag eine liste Entschädigung für Vertragsbruch aus- Zu bedingen. Diese Entschädigung soll») Höchstens in der Ver Wirkung des rückständigen durchschnitt- l i ch e n Stundenlohns b e st e h e n dürfen, b) nicht dl s Strafe angesehen werden, daher nicht den Be- lchränkungen des Abs. 2§ 137 b. und Abs. 2§ 13 a. c. unter- 'stS'ii; andererseits bei c. der Beschränkung unterliegen, daß über me Verwendung des Betrags in der Arbeitsordnung Bestimmung getroffen wird. Ob die Äl usbedi ngung der Aerwirkung des rückständigen Lohnes auch in der Arbeitsordnung stattfinden könne, ist in den Beschlüssen der Gesamnitkommission nicht du s g, d r ü ck t. Die Redaktionskommission enthält sich der Be. .. wfung. Z u derAushändigung der Löhne an 1 e Minderjährigen schlägt die Kommission folgende Adliung vor:(§ 107 Abs. 1 Satz 4)„Die Aushändigung erfolgt an den �ater oder Vormund, sofern diese es verlangen, oder der Arbeiter das Ochzehnte Lebensjahr noch nicht vollendet hat, andernfalls an den Arbeiter selbst." Dazu kann durch statutarische Bestimmung 'wer Gemeinde bestimmt werden, daß die Gewerbetreibenden den Ellern oder Borniündern innerhalb gewisser Fristen Mit- weilmig von der Zahlung dieser Löhne machen.— Die grund- wgende Bestimmung über die Sonntagsruhe soll also •Juten:„Die den Arbeitern zu gewährende Ruhe hat für jeden Ann- und Festtag mindestens 24, für zwei auf einander folgende ,011«. und Festtage 36, für das Weihnachts-, O er- und Pftngst- l'ft 48 Stunden zu dauern. Für Betriebe mit regelmäßiger Tag- ond Nachtschicht, sosern sie unter§ JOöd fallen oder der Bundes- wth es für ein nnabweisliches Bedürfniß erachtet, hat die Ruhe- die im Allgemeinen von 12 Uhr Nachts zurechnen w< frühestens 6 Uhr Abends des vorhergehenden, spätestens 6 Uhr A'vrgens des Festtages zu beginnen. Vomnumalss. Stadwerordiirtrii-Versaminlultg. i�ung vom Donner st ag, den 18. Dezeniber. Der Vorsteher, Stadtv. Dr. Stryck, eröffnet die Sitzung o /e Uhr. Die Einführung des zum Stadtverordneten gc- ten Oberlehrers Müller findet in der üblichen Weise statt. Resolution des Vereins für Reform der Schule und Er- ng ersucht die Versammlung, den Antrag des Stadtv. �dthagen(unentgeltliche Lieferung von Schulbüchern) an- ?men. Zwei liberale Bezirksvereine und ein Papierhändler- w ersuchen um Ablehnung des Antrage?. -Auch Eintritt in die Tagesordnung wird auf Antrag des chnsses beschlossen, die Beschlußiaffung über ein vom istrat vorgelegtes Projekt ans Verbreiterung der ien Fri e d ri ch st ra ß e zwischen Kloster- und Roseustraße Wietzen und den Magistrat aufzu ordern, zunächst eine neue Richtlinie für die Roseustraße festzustellen. Der Ausschuß, der sich mit der Verlängerung der Kaiser leinistraße bis zur Hirienstraße zu befassen hatte, empsiehlt Versammlung zu beschließen: das, für eine Verlängerung dieser Straße bis zur Hirten- straße in 22 Meter Breite Banfluchten festgesetzt, daß ein Abkommen mit dem Königstädt. Bauverei» abgeschlossen und daß in der Richtung der K o b l a n k st r a ß e Bau- fluchten für die Verlängerung bis zur Lothringerftraße fest- gesetzt werden. � ?ladt. Bergemann ersucht den Antrag abzulehnen. Die ße habe der Stadt bisher nur Geld gekostet und keinen Nutzen Lt Die Verlängerung verbessere nichts.. ,,_ •"'ich längerer Debatte wird der Antrag des Ausschusses nommen. folgt die Berichterstattung über die Vorlage, betreffend die Auing von Bedürfnißanstalten für männliche und weibliche °"en. Ter Ausschuß empfiehlt folgende Beschlußfassung: «Tic Versammlung lehnt den Antrag des Magytrats. „Der Magistrat wird ermächtigt, die Errichtung von Bedürfnißanstalten öffentlich auszuschreiben und den Zuschlag zu ertheilen" Zur Zeit ab...., Sie ersucht den Magistrat, den mit.den Unternehmcrn Pootz und Hirschbcrg in Betreff der Bedürfnißan>talten geschlossenen Verträge bis zum I.April 1802 zu verlangern U"d ihr zum I. September 1891 auf Grund der bis dahin gemachten Erfahrungen eine neue Vorlage zur endgiltigen mmmm nehmen— abgelehnt habe. Es wurde zur Begründung des An träges Zubeil ausgeführt, daß es Aufgabe der Stadtgemeinde sei, derartige gemeinnützige Anstalten— und das seien dieselben doch jedenfalls— in eigene Verwaltung zu übernehmen und auf eine Vermehrung derselben hauptsächlich auf den öffentlichen Plätzen und in den Parkanlagen, hinzuwirken. Letzteres sei deshalb nöthig, weil man mit vollem Rechte fordern könne, daß ebenso, wie fü? das mann- liche Geschlecht bezüglich der öffeinlichen Bedürfnißanstalten gesorgt worden sei, auch dem weiblichen Geschlechte Gelegenheit gegeben werde, dergleichen Anstalten benutzen zu können, mindestens aber müßten dem letzteren in jeder Anstalt 3 Zellen zur unentgeltlichen Benutzung zur Verfügung gestellt werden.— Hierauf wurde im Ausschuß entgegnet, daß der Stadt wohl nicht aufgegeben werden könne, den Betrieb solcher Anstalten zu übernehmen. Die Einrichtung und Fortführung derartiger Verwaltungen würden so große Kosten erfordern, daß der Gewinn, wenn sich ein solcher überhaupt er- geben sollte, in keinem Verhältniß zu dem Aufwände an Zeit und Geld stehen würde. Durch den Beschluß der Versammlung vom 16. Januar d. I. sei ja bereits, um der ärmeren weiblichen Be- völkerung Rechnung zu tragen, die Einrichtung von 2 Zellen zur unentgeltlichen Benutzung verlangt worden, worauf der Magistrat auch bereitwilligst eingegangen sei, alles, was darüber aber hin- ausgehe, müsse der Privatunternehmung überlassen bleiben.— Im Weiteren empsiehlt der Referent die Annahme der Ausschuß- Anträge. Stadtv. Meyer I: Sein Antrag bezwecke nur eine Ver- kürzung des Termins und eine Beschleunigung der Arbeiten. Die von ihm vorgeschlagene Frist sei völlig genügend. Stadtv. Zubeil empfiehlt die Ablehnung des Antrages Meyer I. Die Zeit sei zu kurz, die derselbe nur in Anspruch nehmen wolle, um in derselben neue Erfahrungen zu sammeln. Der Antrag des Ausschusses wird angenommen. Eine Reihe unwesentlicher Magistratsanträge wird debattelos angenommen. Tie Vorlage, betreffend die Festsetzung eines Mindest- Verkaufspreises für daS städtische Grundstück Georgen- straße 23 wird an einen Ausschuß verwiesen. Zu der Vorlage, betreffend das Projekt zum Bau einer Markthalle in der Wörtherstraße spricht Stadtv. Singer eine Bitte an das Markthallen-Kuratorium wegen der Anstellung und Entlassung von Beamten und Ar- beitern aus. Einer Anzahl Beamten, Portiers und Markthalleu- Wächter ist mit der Motivirung gekündigt worden, weil das Personal vermindert werden solle. Die Leute haben sich an das Kuratorium gewendet und dasselbe hat beschlossen, die Leute zwar zu entlassen, sie aber vorläufig noch 6 Wochen zu veschä tigen. Redner bittet das Kuratorium nun, wenn die Entlassungen wirklich nothwendig seien, zunächst diejenigen Beamten zu ent- lassen, die zuletzt> nd seit Kurzem eingestellt worden seien, und nicht Leute, die seit 4, 5 Jahren in Diensten der Stadt ständen. Zudem seien, wie mitgetheilt wäre, inzwischen 29 neue Beamte für die Markthallen eingestellt ivorden. Dasei es angemessener, die älteren Beamten in der Voraussetzung im Dienste zu behalten, daß sie ihre Schuldigkeit thun, oder sie in einen anderen städtischen Be- trieb zu versetzen. Stadtv. Heilmann erividert, daß das Kuratorium die alten Beamten nicht leichtfertig entlassen habe. An Stelle der Entlassenen seien auch die 29 neuen nia)l eingestellt worden. Ter Magistratsantrag wird angenomnirn. Einige Rechnungen werden an den Ausschuß überwiesen. Zwei dringliche Anträge sind eingelaufen: Die Stadtv. Miele«; und Genossen beantragen in Er wägung, daß dem Vernehmen nach der Magistrat beabsichtigt, einseitig und ohne Genehmigung der Stadtverordnelen-Vcrsamm- lung einen Vortrag bezüglicy des'Anschlagswescns abzuschließen, daß jedoch sowohl nach dem Wortlaut des Beschlustes vom 27. November 1890 als auch nach dem Inhalt des§ 15 der in letzterer Sitzung angenommenen Bedingungen, als nach der aus den Verhandlungen der Versammlung hervorgehende Absicht, die Auswahl unter den Meistbietenden durch Gemeindebeschluß erfolgen sollte, dies auch den gesetzlichen Bestimmungen ent- Stadtverordneten-Versammlung wolle beschließen: Tie Versammlung erachtet den'Abschluß eines Vertrages über die Verpachtung des Anschlagswcsens ohne Zustimmung der Versammlung nicht für zulässig und ersucht den Magistrat um schleunigsten Bericht über die abgegebenen Gebote. Stadw. Singer unterstützl den Antrag Mielenz. Es sind uns verschiedene Schriftstücke zugegangen, wonach die Ilntermehmer 50 pCt. ihrer Brutto-Einnahmen an die Stadt abzugeben sich be- reit erklären. Dieses hohe Angebot ist die Wirkung eines Monopols. Wie nennt man im geschäftlichen Leben Leute, die fünfzig Prozent ihrer Einnahmen an Außenstehende abgeben können? Es ist der Stadt Berlin unwürdig, auf ein solches An- acbvt überhaupt einzugehen. Das Anschlagweseu ist eine öffent- liche Angelegenheit mit öffentlichem Nutzen und sollte von der Stadt in eigene Regie genommen werden. In dieser Weise darf es nicht auegebeutet werden. Das Verlangen des Antrages Mielenz ist durchaus gerechtfertigt. Die Versammlung muß darüber entscheiden, wem der Zuschlag zu ertheilen ist. Wir müssen die Bevölkerung vor Uebertheuerung und Prellerei schützen und dürfen nicht zu Mithelfern von Geschästsleutcn werden, die ihr Monopol so zu benutzen suchen, daß sie der Stadt 50 pCt. bieten. Hier zeigt einmal das private Wüthen der Kon- kurrenz, in welch' schamloser Weise das Publikum ausgebeutet Stadtv. Meyer 1. bestreitet, daß das Publikum geprellt werde. Der Vorthcil für die Unternehmer liege hauptsächlich in dem Renornme, von der Stadt beschäftigt zu werden. Im Uebriacn empfiehlt Redner den Antrag Mielenz. Stadtrath Voigt erklärt, daß der Magistrat noch keine Stellung zu dem Slntrage genommen habe. Stadtv. V o g t h e r r hofft, daß der Magistrat der Versamm- lung dankbar sein werde, wenn sie ihni über seine Ziveifel hinweg- helfe. Im weiteren polemisirt Redner gegen die Ausführungen des Stadtv. Meyer I. Ter Versammlung müsse das Recht gc- wahrt bleiben, über die Person des Unternehmers zu entscheiden. Der Antrag M i e l e n z wird angenommen. Der ziveite dringliche Antrag rührt von den Stadtvv. Stadt- Stadlhagen und Genossen her. Sie beantragen, den Magistrat zu ersuchen, die Schul-Teputation und die Deputation für die öffentliche Gesundheitspflege zu einer Untersuchung und Fest- stellung des Gesundheitszustandes der Gemeindeschüler zu veran- lassen und wenn nöthig, die für eine geordnete ärztliche Uebcr- wachiuig des Gesundheitszustandes der Gemeindeschüler ersorder- lichen Mittel in den Etat einzustellen. Gegen die Berathung dieses dringlichen Antrages protestircn 15 Stadtverordnete unter Führung des Stadtv. Meyer I. Dieser Protest verhindert die sofortige Berathung deS Antrages. Schluß TVe Uhr. Es folgt eine nichtöffentliche Sitzung. ZtokÄles. Der Staatskredit des Deutschen Deiches geräth ohne Zuthun desselben, gewissermaßen von selbst, auf die schiefe Ebene, nachdem die alte Richtung, das Gros der Steuereingänge für die Zwecke der Landesvertheidigung und der Heeresausrüstung zu verwenden, auch unter dem neuen Kurs beibehalten wird. Daran kann der im allgemeinen günstige Stand der Reichsfinanzen für 1391/92 nichts ändern. Der Ausgabenetat für 1891/92 beträgt 1130,65 Millionen. Setzt man davon die an die Einzelstaaten vertheilten 331,33 Millionen ab, so bleiben als Ausgabe 799,30 Millionen Mark übrig, und von diesen betragen die„fortdauernden" Aus- gaben für Reichsheer und Marine 455,37 Millionen Mark. Hierin liegt der wundeste Punkt für den Staatskredit. Daneben stehen dann noch die kolossalen Summen, welche als„außer- ordentliche" Aufwendungen für Heer und Marine in jedem Etat siguriren und vermöge ihrer ganz sicheren Wiederkehr auch zu den fortdauernden Ausgaben gerechnet werden könnten. Dieser Posten schwillt in einer Weife an, daß man für den Staatskredit nicht ohne Gruno bangen muß. Im Jahre 1874 z. B. wurden für Reichsheer und Marine nur 287,52 Millionen laufender Ausgaben aufgewendet, im Etat 1891/92 sigurirt dieser Posten mit 455,37 Millionen. Bei solch' rapider Zunahme der Ausgaben für militärische Zwecke und bei gleichzeitiger Anhäufung von Anleihen, wie sie so schnell kein zweites Land ausgebracht hat, muhte die Kreditfähigkeit des Reiches selbstredend leiden. Betrug doch die ganze Reichsschuld bis 1887 nur 487 Millionen Mark, und gegenwärtig fast 1294 Millionen Mark, d. h. in drei Jahren hat sich die Reichs- schuld um mehr als das zweieinhalbfache vergrößert. Das ist denn doch etwas zu schnell für ein so junges Staatswesen, das seine finanzielle Potenz an elementaren Ereignissen zu erproben noch nicht Gelegenheit gehabt hat. Auch in dem neuen Etatsjahrs erfordere die Heeres- und Marineverwaltung Mehrausgaben gegen die vorangegangenen Jahre. Wenn trotzdem das Gleichgewicht im Reichshaushalts-Etat ziemlich hergestellt scheint(vorausgesetzt, daß keine Nachforderungen für Militärzwecke noch nachträglich erfolgen), so ist doch wieder für außerordentliche Deckungsmittcl der Betrag von 93 790369 M. durch eine neue Anleihe aufzubringen. Da die Regierung zur Zeit noch über Anleihekredite im Betrage von 261 887 159 M. verfügt, so wären im Wege der Anleihe noch insgesammt ZtOO'MUliunen Mark zu begebe». Wenn solche ungeheuren Summen für meist unproduktive Zwecke verwendet werden, dann kann es nicht Wunder nehmen, ivenn es mit dem deutschen Staalskredit abwärts geht. Diese Gedanken drängen sich uns unwillkürlich auf bei der Wahrnehmung, daß die kleine Schweiz soeben durch zwei hiesige Bankinstitute dreiprozentige Rente zu 89,80 pCt. zmn Verkauf bringt. Vor nicht allzu langer Zeit brachte das„Preußen- konsortium", dem die eine der jetzt an der Schweizer Rente be- theiligten Banken ebenfalls angehört, die 3 pCt. deutsche Reichs- nnlcihe zum Kurse von 87 pCt. in den Verkehr, und seitdem hat sich das Papier stets ca. 1 pEt. unter diesem Kurs gehalten, ein Beweis für das totale Mißlingen der Emission. DaS große Deutsche Reich mit seiner Weltstellung und Würde kann lumpige 170 000 000 M. 3 proz. Anleihe nicht zu 87 pCt. unterbringen, während die Schweiz demselben Publikum 3 proz. Rente zu einem fast 3 pCt. höheren Kurse verkauft. Freilich hat die Schweiz nicht nöthig, solche Summen für ihre militärische Reputation auszugeben wie das Deutsche Reich. Da- her hat auch der Staatskredit der Schweiz das Recht, vornehmer aufzutreten als der Deutsche. Die Schweiz ebenso wie Holland, Belgien und die Vereinigten Staaten erlangen ganz selbstverständ- lich dadurch, daß sie nur ein ganz geringes Heer, nämlich so- weit es für Defensivzwecke ausreichend erscheint, unterhalten, eine wirthschaftliche Ueberlegenheit vor den Militärstaaten, die es ganz natürlich erscheinen läßt, wenn ihr Kredit im Auslande sich hebt. 'Mit dem Gelde, das diese Staaten aufnehmen, werden wirth- schaftliche Güter und Kräfte mobil gemacht, während mit den Militäranleihen keine Arbeit ins Leben gerufen wird. Im Gcgentheil wird mit diesen Schulden die ungleichmäßige Ver- theilung des Volksvermögens noch erweitert und konservirt. Man behauptet nun, Deutschland verfüge über reiche Hilfs- quellen und brauche sich nicht zu scheuen, neue Anleihen aufzu- nehmen, da ini Vergleich zu Frankreich die Steuerkraft des Reiches fast unangetastet dasteht. Das mag richtig sein, allein der Vergleich mit Frankreich ist hier ganz unangebracht. Ein Land, das die Kriegskosten für den Krieg von 1870—1871 aufbrachte, das außerdem 5 Milliarden Kriegskontribution zahlte, das zwei blühende Provinzen einbüßte, daS weiterhin Milliarden in Tongking ließ, das ferner drei wirthschaftliche Krisen, wie den Boutoux-, den Panamakanal- und den Kupferkrach mit einer nach Milliarden zählenden Einbuße am Nationalvermögen in den letzten 20 Jahren hinter sich hat und das trotzdem seine 3 prozentigen Anleihen 10 pCt. höher notirt sieht, als Deutsch- land, ein solches Land kann nicht verglichen werden mit Deutsch- land. Solche Reichthünier sind bei uns nicht anzutreffen. Bei uns würde jede der letztgenannten drei Krisen des Kapitalmarkts schon eine empfindliche Einschränkung der Steuerfähigkeit der ganzen Nation zur Folge haben. Es ist daher unbedingtes Erforderniß, daß der Staatskredit nicht unnöthiger Weise in so forzirter Weise angestrengt werde. Wenn es die Budgetkonimission mit ihrer Aufgabe ernst nimmt, so wird sie den Etat sorgfältig prüfen müssen. Sie wird die Interessen des Staates besser wahren, wenn sie die Ausgaben einschränkt, als wenn sie einer weiteren Vermehrung der Staats- schulden das Wort redet. Schließlich gelangen wir sonst dahin, daß unser Reichskredit hinter demjenigen Rußlands, Rumäniens und Portugals anlangt. Wir würden der Budgetkonimission, welcher der Etat überwiesen ist, als Motto das Epigramm Grill- parzer's in's Stammbuch schreiben: Bei allen Dingen in der Welt Ist die Nebung ein großer Lehrer, Nur bei Anleihen ist's anders bestellt, Die werden, je öfter, je schwerer. Mnstrranstaltlicheo. Es geht zu Weihnachten? Die Menschen sind daraus bedacht, sich unter einander Freuden zu bereiten. Die frommen Herren insbesondere lassen ihr:„Friede auf Erden und dem Menschen ein Wohlgefallen" in allen Ton- arten vernehmen. Die staatlichen Anstalten sollen Musteranstalten werden und da wirds ja denn wohl auch zu Weihnachten nach dem Engelgesang zugehen, so sollte man wenigstens meinen. Nu» gehen wir einmal um die zetzige Weihnachtszeit hinaus nach einer solchen Musteranstalt, nach der SpandauerMunitionsfabrik zumBei- spiel. Es arbeiten dort gegenwärtig etwa 3000 Arbeiterinnen, Frauen und Mädchen, von denen etwa die Hälfte in Berlin und Charlotten- bürg wohnt. Tie Direktion des genannten Institutes läßt sich weder durch die Weihnachtszeit, noch durch andere Gesetze der Mensch- lichkeit abhalten, gegenwärtig umfangreiche Entlassungen vorzu- nehmen. Die Art, wie diese Entlästnngen erfolgen, ist recht interessant. Der Revisor tritt in den Arbeitssaal, wo er seit der Zeit, wo die Entlassungen begonnen haben, für die Arbeiterinnen eine wahre SchreckenZ-Erscheimmg ist. Mit den Worten„Rommen Sie mit!" tritt er an eine Arbeiterin Hera»,„Sie auch", sagt er et war«-»»i-iftif/i«...%S f- tia...*>.'...en zu rufen. Man habe sich an ihn gewandt, weil er sich schon früher für Gründung solcher Zentralkomitees ausgesprochen habe. Es sei ihm der politische Charakter dieser Generalkommission sofort klar gewesen und da nach seinem Wunsch auch die Fachvereine politisch sein sollten und die meisten derselben auch politische Vereine seien, so habe er von Anfang an davor gewarnt, den § 8b. des Vereinsgesetzes zu übertreten, indem die Kommission rn Verbindung mit den Fachvereinen tritt. Demnach habe er das Bestehen und Wirken einer solchen Kommission nach dem Vereins- gesetze für möglich gehalten; er habe vorgeschlagen, die Delegirten zur Kommission in öffentlichen Versammlungen zu wählen; e» habe ihm dabei ferngelegen, das Gesetz zu umgehen, im Gegentheil. er wollte gerade aus dem Boden deS bestehenden Gesetzes stehen bleiben. Zweck der Kommission hätte nach seiner Meinung sei» sollen die Verhinderung uniüitzer Ausstände, die Regelung des Versammlungswesens, Einwirkung auf die Kommunalverwaltung durch Petitionen und Resolutionen, überhaupt das Eingreifen von Maßregeln, welche dem Wohle der arbeitenden Klassen förderlich sein konnten.. �. Es folgen hierauf die Playdoyers des Staatsanwalts und der Vertheidiger.„ �, Staatsanwalt Tribukeit hält die Anklage gegen alle Angeklagten voll aufrecht mit Ausnahme des Vorstehers des Vereins der Elb- arbeiter, der Angeklagten Horn, Schaper und Dcnecke und der beiden Angeklagten Renbera und Klomger. Der Elbarbeiter- Verein sei»ie mit der Generalkonimission in Verbindung ge- treten; die Angeklagten Nenbern und Kloniger seien, als die| Dclegirtenwahl zur Generalkommission vorgenommen worden,| nicht Vorstandsmitglieder des betreffenden Vereins gewesen. Der Staatsanwalt beantragte gegen Adolf Schnitze 1 Monat Gefäugniß, gegen Schach 3 Wochen, gegen Schräder 2 Wochen, gegen Lichtenberg 12 Tage, gegen Henning 12 Tage, gegen Thomas und Bühles als Zusatzstrafe je 5 Tage und gegen alle übrigen auf 10 Tage Gcfüngniß. Die Vertheidiger traten für völlige Freisprechung ihrer Klienten ein, da sie den Schuldbeweis durch die Verhandlung als nicht erbracht ansahen. Aus Magdeburg meldet uns ein Pri oat-Telegranim! Das Urtheil in dem großen Magdeburger Gewerkschaftsprozeß ist heute Mittag gefällt worden. Der Gerichtshof hat sich den An?- führnngen der Staatsanwaltschaft iin Prinzip angeschlossen und hat in dem Verhalten der meisten Angeklagten eine Uebertretung des s 8b des Vereinsgesetzes erblickt. Bezüglich des Strafmaßes ist jedoch das Gericht dedeutend unter das von der Staatsanwalt- schast beantragte heruntergegangen. Von den49Angeklagteii sindlöftei- gesprochen worden, weil ihnen eineMitwirkung bei demJnverbindung- treten nicht nachgewiesen werden konnte. 32 AngeklaglesindmitGelv- strafen von 100—160 M. belegt worden. Gefängnißstrafen und zwar solche von zweiwöchentlicherDauer haben nur die beiden Vorsitzenden der Generalkommission, die Angeklagten Schnltze und Schoch erlitten. Außerdem sind 14 von den in Frage kommenden Fachvereinen geschlossen worden. Nur die Vereine der Korbmacher, Former und Elbstromarbeiter bleiben bestehen. Die Schließung der Vereine ist freilich die Hauptsache; darauf war es bei Einfädelimg des Riesenprozesses ja jedenfalls abgesehen. Don Herr,» Dr. F. Mehring erhalten wir folgendes Schreiben: Verehrter Herr Redakteur!„In Ihrer gestrigen Nummer veröffentlichen Sie eine Berichtigung des Rechtsanwalt» Jonas zu Ihrem Berichte über die Gerichtsverhaudlung Brahnl gegen Mehring. Meinerseits habe ich davon absehen zu sollen geglaubt, Sie mit einer Berichtigung zu diesem Berichte zu de- helligen; da die Gegenpartei sich aber in dankenswerther Weise bemüht, die Unaenauigkeiten desselben klar zu stellen, so mag ich mich in diesem Eifer für die Herstellung der historischen Wahr- heit nicht übertreffen lassen, und ich ersuche Sie, mir die Berich- tigung gestatten zu wollen, daß die dem Rechtsanwalt Jona» von Ihrem Berichte in den Mund gelegte Aeußerung, die Ent- lassung des Klägers Brahin seitens der„Boss. Zeitung" sei an» „ganz anderen Gesichtspunkten" erfolgt, als den vonmirangegebenen, eine leicht mißzuverstehende Wiedergabe seiner Aeußernngen ist. Die Sache war in Kürze die, daß die Gegenpartei, obgleich sie de» Termin einmal hatte vertagen lassen, doch erst einen Tag, bezw. drei Tage vor der Hauptverhandlung am 12. d. M. mich davon benachrichtigen ließ, das; sie zwei Zeugen habe laden lassen, welche beiläufig Beide dem Kläger befreundet waren und von denen jedenfalls nur einer ans zweiter Hand bekunden konnte, au» welchen Gründen der Kläger Brahin von der„Vossischen Ztg.' entlassen worden sei. Unter Hervorhebung jener verspäteten Bs- nachrichtigung beantragte mein Anwalt, Herr Rechtsanwalt Kaust- man», in dein Termine am 12. d. M., doch lieber die erste Hand/ nämlich den Eigenthumer und den Etzesredaktenr der„Vossischen geitung", über jene Gründe abzuhören. Dem widersprach der ägerische Anwalt, erstens weil ich frühzeitig genug von der Ladung seiner Zeugen benachrichtigt ivorden sei, um meine Gegen- maßregeln treffen zu können— eine Behauptung, welche der Vorsitzende deS Schöffengerichts ans den Akten sofort als unzutreffend feststellte,— zweitens aber, weil alle»/ was die Herren Lessing und Stephany von der„Vossischc» Zeitung" bezengen könnten, von seinen Mandanten ohu* Weiteres zugegeben wurde, insbesondere also auch die Em' lassung Vrahms Seitens dieses Blattes wegen eines, in der „Frankfurter Zeitung" über das Wallner-Theater erschienene" Artikels. Sein Mandant wolle nur beweisen, daß dieser mit seine"' Korrsspondenzzeichen(SD. V.) versehe,.» Artikel gleichwohl„ohne Wn Ruthun" veröffentlicht worden sei. Wenn somit der Rechtsanwalt Jonas in seiner von Ihnen veröffentlichten Berichtigung bemerkt, daß ich„meine Behauptungen zu beweisen haben werde", so trifft er den Nagel auf den Kopf, und ich bin von dieser Verpflichtung so tief durchdrungen, daß tch gar nicht sagen kann, wie schmerzlich mich sein— glücklicher Weise erfolgloser— Widerstand gegen meine Äeweisanträge be- siihrte. Er muß aber nur nicht gar zu übel davon denken, wenn ich nicht von vornherein darauf gefaßt war, daß„Berufsgenosse" «rahm— so nennt er sich nämlich in seiner Klageschrift— sich «schwer beleidigt" fühlt und ans meine„strenge Bestrafung" dringt, weil ich ihn für einen, von einem großen Blatte unter seinem Schriftstellerzeichen veröffentlichten Artikel verantwortlich gemacht habe. Denn dies Verfahren liegt zwar keineswegs «jenseits von gut und böse", aber jenseits alles dessen, was ich in zwanzig Jahren je von„Berufsaenossen" erlebt habe. Hoch' achtungsvoll und ergebenst F. Mehring. VevfammUmuett. Der Urrcin der Klempner Kerlino und Umgegend melt am 15. ds. Mts. eine Versammlung ab, in welcher Herr Schweitzer einen Vortrag über„Berussflatistik" hielt. Referent bedauerte, daß man in Deutschland die Berussstatistik nicht genügend beachtet, während sie in anderen Staaten schon von den Regierungen in die Hand genommen worden sei. Tie Statistik sei eine Waffe in den Händen der Arbeiter, weil sie zahlengcmäß Roth und Elend zeigen können. Wenn der Maler z. B. pro Woche 24 M. verdient, so sei dies durchaus nicht sein Durch- schnittslohn, da er im Winter und oft genug auch iin Sonimer arbeitslos ist, in welcher Zeit er doch auch leben müsse. Redner kmpfiehlt den Klempnern, die Fragebogen, ivelche vom Verein ausgegeben worden sind, recht irahrheitsgetreu auszufüllen. Nachdem Redner die einzelnen Fragen des Fragebogens be- handelt und erläutert hatte, schloß er seinen Vortrag unter reichem Beifall.— Kollege lüimperlein wurde in die Arbeitsnachweis- Kommission gewählt. Sodann kamen die Versammlnngsberichte >m„Berliner Volksblatt" zu Sprache. Kollege Schinir meinte, wir müßten uns zurückgesetzt fühlen, da von anderen Vereinen die Berichte viel vollständiger erschienen, als die von uns ein- Sandten Berichte. Man könne ein derartiges Verhalten der daktion nicht gutheißen. Ist zu wenig Platz im Vlott vor- Händen, so sollte uian die Psesferkuchen-Verse weglassen, die keinem etwas nützen. Kollege Köhler war der Ansicht, daß Genosse Lieb- knecht Schuld daran sein müsse, da diese Vernachlässigung sich erst bemerkbar macht, seitdem er als Cheiredakteur am„Berliner Volksblatt" sungirt, und schloß daraus, daß Liebknecht ein Gegner der Gewerkschaftsbewegung sei. Diese Behauptung wurde jedoch von Weber und Bräuer wider- legt; beide Redner wiesen darauf hin, daß gerade Genosse Lieb- knecht sich die Forderung der Gewerkschaften angelegen sein läßt. ferner seien Parlamcntsberichte wichtiger, als lange Berichte über Vorträge, welche schon oft in der Zeitung zu lesen waren. Folgende Resolution wurde angenommen: „Die Versammlung des Vereins der Klempner Berlins und Uvigegend protestirt gegen das Verhalten der Re- daktion des„Berliner Voltsblattes" gegenüber einzelnen Gewerkschaste», weil sie zu kurze und abgeschmackte Ver- sammlnngsberichte zu Tage fördert, und ersticht die Re- daktion, in dieser Sache gleiches Recht malten zu lassen." Ferner wurde noch der Antrag angenommen, 100 Mark an den Vertrauensmann Metzger nach Hamburg für die ausgesperrten Arbeiter der verschiedenen Branchen zu schicken.— Einein weiteren Antrage gemäß wurden noch 30 M. für die in Berlin gemaßregclten Frauen und Drucker bewilligt. Znm Schluß verlas der Vorsitzende folgendes Llntwort- schreiben des Polizeipräsidenren von Richthofen:„Auf die Eingabe vom SO. Oktober d. I., eröffne ich Euer Wohlaeboren ergebenst, daß ich nach vorheriger Sachnnterstichung den Polizei- lieutnant, welcher die Vereinsversammlung ain 29. Oktober d. I., überwacht hat, angewiesen habe, beim Erfordern von Auskunft über die Person der Redner sich lediglich an den Vorsitzende» zu halten. Der Polizeipräsident v. Richthosen.— Es wollte nämlich ein Lieutnant in einer Versainmlung einen Redner zur Wache führen lassen, weil dieser die Angabe seiner Adresse verweigerte. � t So willkommen uns jede sachliche Kritik ist, und so nützlich wir sie für das Blatt und die Partei halten, so entschieden müssen ivir nns gegen den Protest vcrivahrcn, den die obige Versammlung angenommen hat. Er ist in allen Punkten un- zutreffend. Wir bevorzugen keine Gewerkschaft und setzen keine zurück. Bei der Kürzung von Versainmlungsberichten entscheiden nicht persönliche, sondern allein sachliche Gründe. Wir sind es unseren Lesern schuldig, auch den Vereins- und Versammlungs- theil unseres BlalteS belehrend und interessant zu gestalten und ihn von Langeweile und Eintönigkeit zu befreien. Diese Fehler sind aber unvermeidlich, wenn wir nicht aus den Berichten alles Ueberflüssige schonungslos streichen. Zu dem Ueberflüssigcn gehört in erster Linie jede Wiederholung. Ist über den Vortrag eines Referenten einmal be richtet worden, so sind damit alle billigen Wünsche erfüllt. Es geht unmöglich an, daß wir zehnmal über denselben Bortrag be- richten, wenn der Rescrent, wie es häusig geschieht, zehnmal in verschiedenen Vereinen über dasselbe Thema und in derselben Weise spricht. Wir müssen serner aus den Berichten alles sernhalten, was sür die Oeffentlichkeit belanglos ist. Ein Bericht ist kein Protokoll: das wird mir zu häusig von den Echrfftsührern übersehen....... Und drittens sind wir gezwungen, alle Weitschwcipg'eden aus den Berichten zu entserncn. Man kann oft mit wenigen Worten sa gen. was in vielen Sätzen unverständlich dargestellt wird. Wir müssen mit dem Platze in. Blatte hanohälterffch umgehen. Jeder Theil hat sein Recht. Würden wir die Vere.ns- und Versammlnngsberichte ungekürzt aufnehmen, so konnten ivir an manchen Tagen die ganze Zeitung damit sullen und brauchten noch Extra-Beilagcn. Und das wurde wohl auch dem Verein der Klempner nicht recht sein. Das sind die Grundsätze, von denen die Redakuo» bei der Leitung des Vereins- und V-rsammlnngsiheil-s mcht abgehe» kann. Wir haben sie ausführlich zur Kenntmß unserer �eser ge- im# Eiiro Arbeiterttiiiruvetsatittitluiig tagte am Dienstag Abend in Süd-Ost unter Leitung des Herrn Schmidt und der Frau Viereck. Auf der Tagesorduuug stand ein Vortrag des Stadtv. Heindorf über die storeuden Einwirkungen auf die Ardeiterinuenbeiveguug. Der Resercut führte aiis, daß ebenso wie den Arbeitern in ihren Bestrebungen, sich «l orgauisiren, auch den Arbeiterinnen hierbei allseitige Hemmnisse in den Weg traten. Da stellten sich ihnen zunächst die Kapitalisten entgegen. Besonders machte sich das gegenüber der Arbeiterinnen- bewegnng geltend. Denn hier fürchteten die Kapitalisten, daß eine ihren Ausbeutnugsgelüsten widerstandsloser gegen- überstehende Arbeiterklaffe thatkrästigcr ihnen entgegentreten könnte, wenn sie sich fest zusammenschließen und in ihren Reihen für Äusklärunz sorgen würde. Aber nicht nur durch die Uuternehiner erwuchsen den Organi- sationsbestrebuuaei' der Arbeiter heftiger Widerstand, sondern auch auf Seiten der Arbeiter selbst hat sich ein solcher anßerordcntlich fühlbar gemacht. Da war es der Jndifferentismus der Masse» ans der einen Seite und ans der anderen Seite zeigten sich die störenden Einflüsse, welche der Egoismus der Einzelnen ver- ursachte. Es darf weniger Verwunderung erregen, daß bei de» Frauen die Unwissenheit, der Unverstand noch in so hohem Grade vorherrscht. Hierbei trägt die falsche und einseitige Erziehung die Hauptschuld. Durch die seit Jahrhunderten währende Herab- drückung der Frau zu einer Person zweiten Ranges, zu einer Sklavin des Mannes, welcher jede Bethätiguug iin öffentlichen Leben verschlossen war, ist begreiflicher Weise auch jedes Jnter- esse daran bei der Frau geschwunden. Nur sehr schwer hält es daher, sie aufzuklären. Der zweite Punkt aber, welcher auf die Entwickelnng der Arbeiter- und Arbeiterinnenbewegnng störend ein- wirkt, der Egoismus ist schon ein bedeutend verwerflicherer Faktor. Bedauerlich ist es, daß selbst bei uorgeschriitouen Arbeitern so häufig die Selbstsucht zum Schaden der Gesammthcit zu Tage trilt. Sticht allein, daß man sich in den Werlstälten gegenseitig um das tägliche Brot bekämpft, streitet man sich in den Organisationen theils aus per- sSnlicher Eitelkeit, theils ans anderen persönlichen Gründen um untergeordnete Fragen herum. Auf diese Weise kommt uian dann voil dem vorgesteckten großen Ziele ab. Wenn es uns daher ernst ist, weiter zu kommen, müssen wir danach trachten, wie wir diese Hemmnisse am schleunigsten aus dem Wege räumen können. Die herrschenden Klassen haben bisher stets sich bemüht gezeigt, die Massen in Dummheit und Gefügigkeit zu erhalten. Auf deren Entgegenkommen dürfen ivir also keineswegs rechnen, sondern die Slrbeiter müsse» zu der Erkenutniß gelange», daß sie nur ans eigener Kraft vorwärts kommen können, sie müssen deshalb ängstlich wachen, daß alle persönlichen Zwisligkciten in ihren Vereinigungen ver- mieden werden und dort wo sie auskommen wolle», müssen sie sofort unterdrückt werden. Da bisher durch die Gesetzgebung wenig für die arbeitenden belassen gethan ist, müssen diese suchen, die gesetzgebende Macht in ihre Hände zu bekommen. Ilm gegen dieses anzukämpscn, ist ersorderlich, daß Mann und Frau Schulter an Schulter marschiren. Die Männer müssen vor allen Dingen darauf achten, daß die Frauen nicht weiter die bei ihnen sehr beliebte Schundliteratur und-Presse lesen, welche ihre Aufklärung keineswegs fördert, vielmehr eher verringert. Auch die Frauen müssen die Schriften und Zeitungen lesen, welche gegen die Lüg» austreten und sie somit über ihre wahre Klassenlage belehre». (Lebhafter Beifall.) Die Diskussion, welche sich über den Vortrag entspann, wurde eine sehr lebhafte. Es betheiligten sich an ihr eine ganze Reihe von Rednern und Redi-erinnen. Stab er n ack bespricht nochmals den Egoismus; während vor wenigen Jahren die Arbeiterinnenbewegnng aufzublühen schien, sehe man jetzt nichts als Zank und Hader in derselben Platz greisen.(Beifall.) Frau S u m a n n meint, daß die Frauen sich ebensalls das Wahlrecht erkämpfen müßten, sie hätten heute dem Staat gegen- über dieselben Pflichten wie der Mann und auch dieselben Lasten zu tragen.(Beifall.) Frl. W a b n i tz bemerkt, daß die Arbeiterfrau doppelt so stark belastet sei, als der Manu, sie habe nicht nur tagsüber zu arbeiten, sondern müsse nach Feierabend noch die ganze Wirth- schaft besorgen. Ilm die Frauenbewegung Dcurschlanvs zusammen zu ketten, habe man beschlossen, eine Frauenzeitung ins Leben zu ruse».(Beifall.) Ms nächster Punkt stand dann wiederum die Strafgelder- Angelegenheit der Berliner Belvetfabrik, Köpenickerstraße, auf der Tagesordnung. Es war von dem Besitzer derselben, Herrn Menge's, ein Brief eingelaufen, in welchen: er seine Bücher von einem vereideten Bücherrevisor durchsehen zu lassen sich bereit er- klärt. Um aber Mißverständnissen von vornherein zu begegnen, so bemerkt er, diene zur Nachricht, daß die Verwaltung die'Abzüge für zerbrochene Werkzeuge nicht als Straf- gelber detrachtet habe. Sie habe dieselben als eine Entschädigung(!) für den dem Fabrikanten zugefügten Schaden(!) m Abzug gebracht, die anderen Strafgelder habe sie zu Unterstützungs- Zwecken verwandt. Weiter erklärt.sich der Herr Fabrikarn bereit, zwei gemaßregelte Arbeiterinnen, Frau Schwertfeger und Frau Reisewitz, wieder einzustellen, wenn dieselben schriftlich darum bitten sollten, und sich schristlich ver- pflichten würden, sich serner von Umtrieben(!) fern zu halten. Einer Einladung, die Versammlung selbst zu besuchen, könne er nicht Folge geben, da dort Leute hinkämen, denen die Lust zum Skandalmachen sehr am Herzen liege(!) und mit diesen könne er nicht diskutiren.(!) Ferner theilte er mit, daß die Direktion die anderen ausgesperrtei« Ar- beiicr und Arbeilerinnen vorläufig noch nicht in Arbeit nehmen könne. So war der Inhalt des Briefes des Herrn Fabrik- besitzerS Menaels, welcher in der Versammlung einer ge- bnhrenden uns sehr eingehenden 5tr>tik unterzöge» wuroc und allgemeine Mißbilligung hervorrief. Frau Schwertfeger, eine der Bcgünstigteu, erklärt, sie würde zwar gerne die Arbeit wieder aufnehmen, doch nur unter der Ve- dingung, daß sie sich auch ferner an den öffentlichen Fragen be- theüigen könne.(Beifall.) Im Uebrigen erkläre sie es für unrichtig, daß die Strafgelder zu Unterstützungen verwendet würden. Ten Arbeitern, ivelche solche Unterstützungen erhalten hätten, wären dieselben wöchentlich wieder abgezogen worden; das könne man also keine Unterstützung nenne».(Zustimn»u»g.) Es wurde beschlossen auf Anregung des Genossen Schmidt von einer Bücherreviston einfach Absland zu nehmen, da dieselbe für die Arbeiter selbst doch von keinem Nutzen sein könne. Eine Mrtallarlieitev-Uers'ammlnttg fand am 10. Dezbr. statt, lim einen Bericht des Herrn P. Litfin über die Arbeits- einstellnng der Dreher der Fabrik von G. Fr. Wallmann, Blumenstraße 74, entgegenzunehmen. Redner führte aus: Tic Kollegen werden sich wunder», daß kurz vor Weihnachten die Dreher dort die Arbeit einstellten. Man hat aber nicht anders handeln können; die Arbeitseinstellung ist erst nach reiflicher lieber- legung erfolgt. Das Austreten deZ Chefs, Herrn Bernstein, ist in der letzten Zeit zn arg gewesen. Er hatte eingesehen, daß in den letzten fünf Wochen der Arbeitsmarkt mit beschäftigungslosen Kollegen überfüllt war, und geglaubt, den bei ihm beschäftigten Leuten Alles bieten zu können. Schon am Montag vor acht Tagen sind die Kollegen zusammengetreten, um zu berathschlage», ivas dagegen zn thun sei. In'Anbetracht der schlechten Geschäftslage kam man zu dein Entschluß, vorläufig der Sache ihre» Gang gehen zn lassen. Da kam etivas anderes da- zwischen. Der Meister, welcher den Schlüssel zum 'Arbeitsraum in der Hand hatte, kam in letzter Zeit iniiner später. Da es den Kollegen nun nicht einfallen konnte, sich des Morgens in der Kälte auf dem Hof hinzustelleii und zn warten, richteten sie sich nach dem Koinmen des Meisters und kamen ebenfalls später. Niemand kam pünktlich. Gegen Ende der ver- gangeneu Woche ist der Chef eines Morgens um W Uhr auf dem Hofe und paßt auf, wer zn spät konimt. Die zu spät Kommenden wollte er entlassen. Dieses Schicksal traf die beiden zuletzt Angekominenen, darunter ihn, Redner. Die anderen Kollegen beschlossen, sür die Entlassenen einzutreten.— Man glaubte noch, am Sonnabend würde der Chef die Entlassungen zurücknehmen. Man sah sich getäuscht; auf eine Annouze hin kamen eine Menge fremder Dreher anfrage». Am Sonnabend kam noch hinzu, daß die Kollegen das Singe», und als sie dieS ließen, das ihnen erst erlaubte Sprechen und Erzählen verboten und wegen Verstoßes gegen dies Verbot vier Kollegen entlassen wurden. Der Kollege Schräder, welcher als Vertranensmann die Wünsche und For- derungen der Kollegen dem Chef vorzulegen gehabt, erbot sich, die Arbeitsstelle zu verlassen, wenn die anderen Kollegen weiter beschäftigt würden. Das ablehnende Verhalten des ChesS hatte zur Folge, daß die Dreher init einigen Ausnahmen die Ar- beit liiedeneglen. Redner belenchtete nun noch das Verhalten des ChcfS seinen Arbeiten! gegenüber, sowie das Verhalten des Meisters Wehle; der, wenn er ein energisch handelnder Mensch wäre, der ganzen Angelegenheit eine andere Wendung hätte geben können. Zum Echluß bemerkt Redner, daß die Aus- ständigen daraus verzichten, jemals wieder bei der Firma Wallmann anzufangen lind fordert alle Kollegen ans, diese Fabrik zn meiden.(Beifall.) Es entwickelte sich hieraus eine lebhafte Diskussion, an ivclcher sich die Herren Schräder, A ck e r in a Ii n, P a w l o w i t s ch, Frenze!, Weber H a r t m a» n u. A. beiheiligte». Von' sämmtlichen Rednern wurde die Behandlung der Arbeiter und die technische Ein- richtung in der Fabrik scharf krftisirt. Bedauert wurde, daß kein Vertreter der Firma in der Versammlung anwesend war, der Meister hatte versprochen zu kommen, war aber nicht erschienen. Herr H a r t m a n n kann sich damit nicht einverstanden erklären, daß die Kollegen von Wallmann bei der jetzigen schlechten GeschäftSkonjunktnr die Arbeit niedergelegt haben. Seiner Meinung nach sind die Beschlüsse des Metailarbeiter-KongresseS in diesem Falle nicht respektirt worden. Litfin tritt dem entgegen. Man hätte nicht anders handeln können, auch sei kein Verstoß gegen die Kongreßbeschliisse vor- gekommen. Folgende Resolution wurde angenommen: Die heutige Versammlung erklärt das Vorgehen der Kollegen v o i» W a l l in a n n sür gerechtfertigt und beschließt, die Angetegenheit zur weiteren Regelung dem„A llge meinen Metallarbeiter- Verein" zu überweise n. Die freie Vereinigung der Kaliardeiter Herlin« hielt am Sonntag, den 14. d. M., Vormittags 11 Uhr ihre regelmäßige Mitglieder-Versammlung mit folgender Tagesordnung ab: 1. Vortrag des Stadtverordneten Herrn Fritz Zubeil über das Nnterrichtsgesetz. 2. Vereinsangelegenheiten. 3. Verschiedenes und Fragelasten. Da Genosse Zubeil am Erscheinen verhindert war, so war a» seiner Stelle Genosse Fritz Behrendt gekommen, sprach aber nicht über das Unterrichtsgesel;, sondern unter allge- meinem Beifall über das Verbrechen und seine Ursachen. Vorher hatte die Versammlung das Andenken des verstorbenen Kollegen Gustav Heiin durch Erheben von den Plätzen geehrt. In der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion sprach nur Kollege Marasas im Sinne des Referenten. Hierauf wurde eine ent- sprechende Resolution angenouimen. Zu VereinLangelegenheiten wurde zuerst von dem Vorsitzenden Bericht über die An- gelegenheiten erstattet, welche dem"" liing überwiesen worden waren. wurde ein Antrag eingebracht, das obligatorisch einzuführen. Der Antrag nommen. Auf Grund dieses Beiträge vom Januar 1801 Vorstande zur Rege- Von Kollege Noack Organ„Der Arbeiter" wurde einstimmig ange- BefchlnffeS iverden die monatliche!! ab von 30 Pf. auf 50 Pf. erhöht und jedem Mitglied» das Organ frei ins Haus geschickt. Ein anderer Antrag(im Lause dieses Monats eine Generalversammlung einzuberasen) um sämmtllche Mitgliederadreffen festzustellen. wurde ebenfalls angenommen. Ein llnterstühungsgesnch eines kranken Mitgliedes wurde nach einer lebhasten Debatte abgelehnt, dagegen ei» zweites Gesuch mit 20 M. unter Vorbehalt der Recherche bewilligt. Der Generalkommission des letzten Geweick- schasts- Kongresses»vurden 50 M. überwiesen. Zur Verbreitung des FachorganS wurden folgende Kollegen gewählt: Für den Osten: F. Jeitner, Andreasslraße 77 lind H. Zerrbock, Thaerstr. 4t; für den Südosten: G. Hainpel, Reichcnberger- straße 117 und H. Kerger, Naui,>)iistr. 05; für den End-West: E. Bankinann, Jahnslr. 6 und Hartleib, Arndtstr. 39; für den Weste»: F. Marasas, Steinmetzstr. 65 und Wasche, Rollendorf- straße 6; sür den Norden: W. Müller, Maricnstraße 24, P. Schönberg, Weißenburgerstr. 37 und H. Bcrfelde, Liiiienstr. 229; für Ripdorf: H. Jaursch, Bergstr. 2. Nächste regelmäßige Mit- gliederversammlung am II. Januar 1891. Den Verein Ferliner Kimsdiener hielt am 10. Dezember eine außerordentliche Generalversammlung ab. Kollege Hamann führte zunächst ans, daß von einzelne» Kollegen der Gedanke laut geworden ist, daß durch die Einführung der Zeitung eine Verschinelzung herbeigeführt iverden solle, Redner stellte dieses aber entschieden in Abrede und war dafür, daß wenn die Mitglieder das Abonnement und das Znstellungsporto tragen wollte», die Zeitung eingeführt werden möchte; Kollege Runge hatte eine Ausstellung des Kostenbetrages über die Zeitungsinseratc, Säulen- anschlag und Kartendruck zur Einberufung der Versammlungei, gemacht und der Betrag stellte sich jährlich auf 422,45 M. Würden nun die Kosten durch die obligatorische Einführung der Zeitung von der Vereinskasse gedeckt werdsn, so käme ein Betrag von jährlich 1000 M. heraus. Kollege Heidenreich sprach sich entschieden dagegen ans. daß man den Mitgliedern noch mehr aufbürden wolle, da doch, wen» viele Sterbefälle vorliegen, ein jeder schon genug zu bezahlen hätte. Nachdem noch verschiedene Redner gegen die obligatorische Einführung der Zeitung ge- sprochen hatten, wurde über de» Antrag Hamann abgestimmt und derselbe wurde gegen eine Stimme abgelegt. Hierauf kam ein Antrag Herlberg zur Verhandlung, den, Rendanren Herrn Runge eine Weihnachtsgratifikation von 50 M. zugewähre». Der wurde einstimmig angenommen. Nach kurzer Debatte wurde folgende Refolutioil einstimmig angenoinmen: „Die heutige außerordentliche Gencralverfamnilung des Vereins Verliner Hansdiener spricht ihr Bedauern darüber aus, daß der Herr Staatsanwalt Balte, als derselbe bei den Verhand- lungen gegen ungetreue Hausdiener zu Gericht faß, den ganzen Stand der Hausdiener brandmarkte, indem er behauptete, in dem Stande der HanSdiener herrsche eine tiefgehende Korruption. Das Recht, ein solches llrtheil zu fällen, bestreiten ivir dem Herrn Staatsanwalt. Sein Beruf ist es, die Schattenseiten des mensch- lichen Charakters an das Licht zu ziehen, sein Gerechtigkeitssinn aber muß ihm sagen, daß er es nur mit den Angeklagten und nicht mit dem Stande zn thun hat. Wir glauben, daß Niemand berechtigt ist, wegen einzelner ungetreuer Personen, ivelche ivohl in jede», Beruf zn finden sind, eine,, ganzen Stand i» Mitleiden- schaft zn ziehen. Wir erklären, daß die Hausdiener, ob ver- heirathet oder nicht, anständige Bürger sind und wie jeder anderer Beruf ihren Stolz darin suchen, ehrenhafte Männer zn seiiz,»ind als solche protestiren wir gegen die Beschuldig»»« des Herrn Staatsanwalts." Es wurde» nun die 21 Kollegen verlesen, die sich hatte» einschreiben lassen, und der Vorsitzende hieß dieselben in dem Verein willkommen. In der angesetzten Pause kamen die BilletS zur Weihnachts- befcheerung und zn dem am 3. Janunr 1891 stattfindenden Maskenball zur Ausgabe. Ten stellenlosen Mitgliedern, welche sechs Monate dem Verein angehören, wurde ein Weihnachts- gescheut von 3 M., die länger dem Verein angehöre», 6 M. be- imlligt. Kollege Putzer machte bekannt, daß noch viele Kollegen ihre Kliider zur Weihnachtsbeschcerung nicht angemeldet hätte», nild forderte dieselben auf, spätestens bis Sonnabend den 13 Dezember dieses zu thun, da dieselben sonst nicht berück- sichilgt werden könnten, weil die Weihnachtseinkäuse besorgt werden müssen." De* Verband dentscher Dimmerleute, Lokalverbaud Berlin, hielt am Montag, den 15. d. M.. ein Versammlung a'o. Kamerad Schulz wurde zum zweiten Schriftführer gewählt. Im „Verschiedenen" wurde von mehreren Rednern für Entfaltung einer besseren Agitation im nächsten Jahr eingetreten; hauptsäch- lich sollen mehr Versammlungen abgehalten werden, weil die Meister jetzt immer abziehen und der Stundenlohn von 60 Pfg. schon fast nirgends mehr gezahlt wird. Ferner wurde der Ver- sammlungstag für nächstes Jahr festgestellt, derselbe ist wie bis- her jeden Montag nach dem Ersten im Monat, fällt der Erste auf den Montag, so findet dann die Versammlung statt. Ter Kassirer ersuchte die Mitglieder, die Statistikbücher möglich genau auszuftillen und ihm dieselben noch zu Neujahr zuzustellen. Ferner wurde noch vom Vorsitzenden aus das Sylvestervergnügen auf- merksam gemacht und ersucht, sich recht rege daran zu betheiligen. Eine öffentliche Ueesnmmlung der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dampf- Älrmaturen fand am Donnerstag, den 11. Dezember, statt, behufs Berichterstattung des Delegirten Herrn Ehrlich von der Berliner Streik-Kontralkommission. Der Delegirte gab in längeren Ausführungen ei» Bild von den An- trägen und Beschlüssen der Berliner Streik- Kontrolkommission In der Diskussion waren mehrere Redner anderer Meinung als die Kommisfion, jedoch wurde folgende Resolution mit über- wiegender Majorität angenommen:„Die heute in Zemter's Lokal tagende öffentliche Versammlung der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Dampf-Armatilren erklärt sich mit den von der Ber- liner Strcik-Kontrolkommission gefaßten Beschlüssen einverstanden und verspricht,mit allen Kräften fürDurchführungderselben zu sorgen. Kollege Printz setzte die Ausgaben der am 28. Dezember in Berlin statt- findenden Gewerkschasts-Kanferenzauseinanderund es wurden in der darauf folgenden Diskussion die Herren Wcrneitz, Eckart und Ungesagt als Delegirte einstimmig gewählt.— Zu„Verschiedenes" sprach zunächst Kollege Ehrlich über die Verschmelzung unseres Vereins mit dem Allgemeinen Metallarbeiter- Verein Berlins und Umgegend, hob jedoch ausdrücklich hervor, daß es letzt noch nicht an der Zeit ist, diese Frage zu lösen, und weist auf den bald stattfindenden Gewerkschafts- Kongreß hin, auf welchem wahrscheinlich eine Umgestaltung der Organisationen angeregt werden wird.— Nachdem der Vorsitzende die Kollegen aufgefordert, so lange nicht die Frage des Zusammenschlusses süinmtlicher Metallarbeiter endgiltig gelöst ist, dem Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Waffer- und Dampfarmaturen treu zu bleiben, schloß derselbe die Versammlung. Ein» öffentliche Versammlung der Hausdiener mit ihren Frauen fand am Dienstag, den 16. d. M., im Feuerstein'schen Saale statt. Ins Bureau wurden gewählt Keßler, Albolit und Th. Vogel. Zum ersten Punkte der Tagesordnung referirte Dr. L ü t g e n a u über das Alters- und JnvaliditätS-Versiche- rungsgesetz. Er erörterte die Bewegung, welche sich für eine vor- läufige Susvendirung des Gesetzes gebildet habe und hauptsächlich von der freisinnigen Partei ausginge, die den Arbeiten, zurufe: „Seht, so wenig bekommt Ihr!", die jedoch dem alten und inva- liden Arbeiter gar nichts hat geben wollen. Sodann besprach er «ingehend die für den Arbeiter zu wissen nöthigen Punkte des Ge- fetzes. Redner schloß mir dem Ausdruck der Ueberzeugung. daß in dem Zeitpunkte, wo die Hausdiener„Rentiers" in den, Sinne des Gesetzes werden würden, d. h. nach wenigstens 30 Jahren, das Proletariat schon einige beträchtliche Etappen auf dem Wege zu seinen Zielen zurückgelegt haben werde und daß alsdann ge« fichertere und auskömmliche Verhältnisse bestehen würden, nicht blos für die alten und invaliden Arbeiter, sondern für die ganze Arbeiterklasse. An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen Grauer und Müller; eine Anzahl Fragen wurde von anderen Anwesenden gestellt und vom Referenten beantivortet. Die Versammlung nahm sodann einstimmig folgende, vom Kollegen Grauer eingebrachte Resolution an:„Die öffentliche Versammlung der Hausdiener Berlins er- klärt: Das Alters- und Juvaliditätsversicherungs-Gesetz� ist nicht geeignet, die Lage der Arbeiterklasse irgendwie zu verbessern. Das Gesetz hat vielmehr vorwaltend die Wirkung, durch eine bureau- kratische Verwaltung der unter Entbehrung aufgebrachten Bei- träge der Arbeiter eine Versorgung der Militär- und Staats- Pensionäre herbei zu führen."(Wie wenig sich übrigens auch manche Unternehmer um das Gesetz kümmern, geht aus folgender, an den Referenten gestellten Frage hervor: Mein Arbeitgeber will von dem Gesetz nichts wissen, ich darf ihm nicht davon sprechen, kann ich nun strafbar werden?— Strafbar macht sich nur der Unternehmer.) Bisher hielten viele Hausdiener leider den„Lokal-Anzeiger"; in der Versammlung wurde nun ein- stimmig die Abschaffung desselben beschlossen. Endlich theilte Kollege Grauer noch mit, daß die Weihnachtsfeier der Haus- diener am 28. d. M. in der Brauerei„Friedrichshain" und der Maskenball am 17. Januar bei Kroll stattfinde(Äillets sind im Bureau des Unterstützungsbundes zu haben), sowie, daß der heutige Vortrag gedruckt worden und durch die Expedition des Organs der Hausdiener, dem er unentgeltlich zur Verfügung ge- stellt ist, zu beziehen sein wird. Der Fachurrei» der Metallfchrauben- und Faxon- dreher und Kernf�geuolsen Berlins hielt am Sonntag, den 14. Dezember eine Generalversammlung ab. Kollege Voigt be- richtete, daß nach der letzten Abrechnung an zwei Kollegen 41 M. ausgezahlt find. Kollege Koopmann bestätigte Namens der Re- visoren die Richtigkeit der Abrechnung. Nachdem Kollege Hirsch aufgefordert hatte, auf den noch zirkulirenden Listen zu zeichnen, wurde in den zweiten Punkt der Tagesordnung eingetreten und folgende Kollegen rn den Vorstand gewählt: R. Thate, 1. Vors., R. Klose, 2. Vors., C. Koopmann, 1. Schrists., Bauschte, 2. Schriftf., E, Hcnnig, Kassirer, Radtke, Adjunkt, A. Neetze! und C. Treuherz, Beisitzende. Zu Revisoren wurden A. Sauerbaum, E. Voigtländer und G. Eisenblätter gewählt. Zum Schluß wurde auf den am 14. März stattfindenden Maskenball ausmerk- sam gemacht. Zur Berichtigung der in unserem Blatte vom 16. d. M. enthaltenen Notiz wegen Verweigerung des in dem Hause Sophie- Charlottenstraße 94 in Charlottenburg belegenen Saales zu Ar- beiterversainmlungen erklärt die in derselben Straße Nr. 92 befindliche Kaiserbrauerei als Eigenthümerin, daß sie keinerlei Berechtigung habe, den betreffenden Wirth, welcher Miether und nicht O e k o n o m der B r a n e r e i ist, zur Hergabe seines Saales zu veranlassen oder zu zwingen. Im Uecrigen hat derselbe sich durchaus nicht geweigert, den Saal zu Versammlungen herzugeben, und verlangt allerdings eine Ent- schädigung für Heizung und Beleuchtung derselben. Von der Firma Gebrüder Grunrrt geht uns folgende Berichtigung zu: „In Bezug auf Ihren Versammlungsbericht der Buch- druckerei- Hilfsarbeiter vom heutigen Tage(Nr. 295) ersuche ich Sie auf Grund des§ 11 des Gesetzes über die Presse vom 7. Mai 1874 um Aufnahme folgender Berichtigung: I. Es ist unwahr, daß Herr R. Masse sich mit mir wegen des Streiks der Punktirer resp. zur Beschaffung von Punktirerinnen verbunden hat. 2. Es ist unwahr, daß ich in Leipzig eine Punktirerin für 14,50 M. gesucht und ihr alsdann, nachdem sie aller Baarmittel entblößt war, nur 12 M. gab. Ich zahle meinen Punktirerinnen seit langer Zeit 15 M. die Woche und werden mir dieselben seit dem Bestehen des Arbeitsnachweises, Dresdenerstraße 116, von Hochachtend G. F. Gruner!, in Fintwü Billets zu dem vm e. Feiertage staltfi»de>»«f g[. Mauerstr. 2, 3 Trr" diesem zugewiesen. Gebr. Grunert." Achtung, Schuhmacher. WeihnachlSverguüge» sind zu haben bei Eübmeter, Adamschack, Auguflstr. Ca, Fischer, Lotlumstr. 4, Keller, Mehlberg, FrtedrMtz Uraße 24s, Hof 2 Trp., Server, Wrangelsir. los, vorn« Trp., sowie bei all»» BorslandS- und Kommtssionsmilgliedern. I Allgemeine Kranken- und Sterbekalf« der UletaUariieiter. ffcfj 29 Hamburg) sowie Zentral-Kranlen- und Eterbesasse„Vulkan" FtlattH Berlin 6. Versammlung, Tonnabend, den so. Dezember 1890, Abends 9 llAi bei Zemter, Münzstr. 11. Tagesordnung: I. Kassenbericht.-.Verschiedene«. dlrts-Krnnli-ukallen«Zerlin«. Trohe Versammlung sämmtlicher MU glieder in Joel'S Talon, Andreasstr. 21, am Freitag, den 10. Dezember, Abens» 9 Uhr.■ Sattler! Das Weihnachts-Bergnügen findet am 1. Weihnacht!- Feierl« ganz bestimmt in May's Festsälen. Beuthslrahe Nr. so, 1 Treppe, statt. fang s Uhr. Lese- und Kiokutirktnb». Freitag..Karl Marx", Abends 9, bei Tchönfeld, Mariendorfsrftr. 10. Galle haben Zutritt.—„Freie Kritirz Abend« slj Uhr im Restaurant Piclert, Grünslrahe 21, Frcun«j willkommen.—„Süden", Abends 8% Uhr bei Tchwarzkopf, Skalitzerstr. l» Gäste, Damen und Herren, willkommen., Arbeitrr-Säugrrbund Berlins und Umgegend Abends 9 Uhr, Ucbung» stunde, Aufnahme von Mitgliedern. Männer-Gefangverein„C 0 l l e g t a, Restaurant Reichenbergerstr. 16.— Gesangverein des„Fach vereinS der Puher Berlins und Umgegend"„Gemüth lichkett", Sehdel strahs 31 bei Preuher.—„B uch b in der- M ä NN er ch or" Berlin, Jalobstr. 73 bei Feuerstein.— Männer-Gesangverein der„Berliner Schmiede", Koppenstr. 68 bei Schirmer.— Arbeiter-Besangveretii„R 0 r°, Brunnenstr. 38 bei Gnadt.— Gesangverein„Lorbeerkranz", Rcstaura« Weinstr. II.—„Katfer'scher Männerchor", Schönhauser Allee 28 vn Nürnberg.— Gesangverein„W t e d e r h a l l". KöpnicferNr. rn bei Foge. � Zlrbeiler- Gesangverein„H 0 f s n u n g", Friedrichsbsrg, Friedrich Karlsir.» bei Lippe.—„Summer'scher GesangSerein", Elisadethstr. II bei Rüth." Gesangverein„E S m e r a l d a", Koppenstrahe 33 bei Keller, Abends 8 Uhr." Gesangverein„Amtcttta", Adler-bof in Albrechl'S Restaurant, Abend«? llii Uhr.—„Wilhelm Seeger'{che L tederta sei", Abends" bei Druck«, Retchenbergerftrahe 83. «rsang-. Turn- und gesellig« Vereine.„M ä n n n e r ch 0 r liner Mechaniker", Abends 8% Uhr, im Restaurant Müller, Jo ftr. 2».— Alanner- Gesang-Verein„11 n i 0 n", AbendS 9 Uhr, in der 8 Bock-Brauerei.. Bergnügungsverein„Glück a u f", AbendS 8% Uhr, Sitzung bei Möw»- Fichtestr. 29. Räch der Sitzung Tanz. Gäste willkommen.— Vergnügung»; aereiu„V e i I � oviiru»«f» 33 Lülow. Gäste Abends 9 Uhr, im CACfmuiuiti �viututr,..... Schüler der 98. Gemeinde-Schule, Sitzung, AbendS 9 Uhr, Grand Restaurant„Kornblume" lJnh. Otto Roll), Andreasstr. 9. iSa'" willkommen.— Rouchklub„Ohne Zwan g", Abends 9% Uhr, bei 35. SP2''"; Wetnstrahe 28.— Theater- und Vergnügunasverein„Vuleanta", in Roch» Restaurant. Lintenstr. 73. Säfte willkommen. Junge Damen, welche genelg' stnd, delm Theater mitzuwirken, stnd freundlichst eingeladen. Lreiretigiös« tSemeinde. Rofenthalerstr. 38, Sonntag, den 21. Dezember. Vormittag» lo Uhr: Vortrag de» Herrn Dr. Völkel über„Messias-Jdei» sonst und jetzt." Gäste sehr willlommen. Verein Serliner«astwirthsgehilfen. Sonnabend. den 20. d. 3".. Nachm. 4 Uhr, im Vereinslolal, Annenstrahe 14: Mitglieder- Versammlung) in welcher die an den Reichsiag abzusendende Petition der deutschen Kellner zur Unterschrift ausließt und sonst noch wichtige Punlte auf der Tage« Ordnung stehen._ «yrsfentiiii,» Kellner- Versammlung. Freitag, den 18. Dezember, Na«>» 12 Uhr, in Orschel's Salon, Sebastlanstrahe 39. Tagesordnung::. Tie»c- - setz-Voril~- � er»— ve» WWW welchem Dr. Lülgenau. 2. Dtskusston D Uhr Ber hannl» Serliner 12 uyr, IN«priwer« craion,>-eva!::annraiie a», �llge»vro.»r»g.>.. bellerschntzgeieb-Borlage im Reichslage, mit besonderer Beriicksichtigung»ff 8 191. laut welchem die Gastwirihsgehilse» ausgeschlossen stnd. R-f-rent- Dr. Lütaenau. 2. Dtskusston. o. Bericht der Telegtrlen der Berliner Streu- »ontrolkommisston. 4. Verschiedenes.— Kollegen! Mitglieder aller Kellner vereine! Tie abzusendende Reichstags-Petiiton liegt aus. deshalb ist Euer S» scheinen nöthig. der Vedakkion Bei Anfragen bitten wir die Abonnemenls-Quittung beizufügen, vriesst� Antwort wird nicht erlhetlt. K. 55. 1, Eine Schankkonzession wird einer bestimmten Person immer nur für ein bestimmtes Lokal, nicht aber allgemein ertheilt. 2. Nein, da finden keine Einzahlungen mehr statt. M. D. 50. Sie müssen von Neuem das statutarische Eine schreibegeld zahlen Berliner Arbeiter- Quchhandlung ß B a g i n s k Katalog über ea|jk Mar» Kapital I.geb.io.oo«pH Keines sämntt.Werke geb.o.oo UM 730 empf.Schrtfl. MM Erdgeschichte geb. r.,so ��.iulsall«'» samnill. Werte 7,30> U, ."----"--- K«cht»a»matt im Hause 12,00 grati» franko. Potkofreund geb. 3,00 Absen'sWerte 3 Bde. geb.4,30 bichtstrakle» der Poesie 3,30 iSngel« Umwälzung geb. 2,75 m resdener-Str. 52/53 f\ity-Passage: r est-Geschenke «r°n,.N-u»t..ti-naeb.3.3° r jugenilsc!iri{t.,Bil(lEr!]iichBrEtc zu de» billiglten preisen. Vormärt» soz.Gedichl-Z.gebs.vo Sa,iald.§»milirn-Kibl.gb.2,30 Äschernische,»»ky, Was lhun? c Hntrrnat. 8 Bde. 18,00 Aertvegh?5.Vedichte gb. 4,40 Verlag des„Berliner Volksblatt" Berlin SW., Beuthstraße 3. In nächster Woche erscheint in unserem Verlage: Die Zlllillliditäts- liiid Alters- nach dem Reichsgesetz vom 22.|6. 1889 übersichtlich dargestellt. Mit ausführlichem Sachregister, ca. 4 Bogen N. 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