Nr. sS9. Dienstag, de« 38. Dezember 1890. y. Jahrg. berliner lolbblatt Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Bolksblatt" krscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. AbonnemenIZpreiS für Berlin frei WS Hans vierteljährlich 3,30 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. «onntags- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt� 10 Pf. Vostabonnement 3,30 Mark pro Quartal. ,(Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) sUlttr Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oestcrreich-Ungarn 2 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vonnittags geöffnet. Fernsprecher: Amt VI. Ar. 4106.•— Nedaktion: Veukhskratze S.— Expedikion: Veukhflvetße 3. Mit dem 1. Januar eröffnen wir ein neues Abonnement °uf unser Blatt. ..,Das„Kerliner Uolkoblatt" ist auf dem sozialdemo- »-»tsschen Parteitag in Halle zum „.»offizielle« vrgan der deutschen K-zialdemokrati« «rrlart worden. Vom 1. Januar ob wird unser Blatt den Titel „Uormarts", Vevliner Noltrsblnkt führen. Tendenz und Inhalt des Blattes ergeben sich aus seinem «ffiziellen Charakter. Der„Uorwärts" erscheint täglich Morgens außer u a ck Sonn- und F e st t a g e n. Abonnementspreis für Berlin monatEch 1 Makk 10 Wllige frei in'ß Halls, wöchentlich 28 Pfennige. . Unsere Postabonnenten bitten wir, das Abonnement früh- is-tig aufzugeben, damit keine Verzögerung in der Bestellung Antritt. Ter Preis beträgt durch die Post bezogen 8)80 MK. für das Gnartal. Bei Bestellungen bitten wir besonders, auf den neuen Titel Su achten und bemerke», daß unser Blatt in der post-Zritungo- Preisliste pro 1801 unter Ar. 6469 eingetragen ist. Zu recht zahlreichem Abonnement ladet ein Die Redaktion und Expedition des ,)Her!iner PolKsblatt" Bftiuen zur Schulfrsge. n. (o. Ginen unverdienten Vorwurf hat man der preußischen . Vierung in dieser Sache gemacht— nämlich sie habe .--Schulreform" blos auf die höheren Schulen be- lchiankt und nicht auch die Volksschule bedacht— , kinseitig im Interesse der oberen Klassen gehandelt ß.. das der„niederen" d. h. arbeitenden Klassen bei e�te gelassen. 3-, Dieser Vorwurf ist, wenigstens in seinem ersteren das a �ilständig unbegründet. Die Regierung hat nicht as Pfe� gewissermaßen beim Schwanz aufgezäumt und j*e„schulreformatorische" Thätigkeit ausschließlich den Fcuilletott. Slachdrua vttboten.l [19 Rothenburger Tage. aus der Zeit des großen Bauernkrieges von 1525 Von Wilhelm Blos. r Schultheiß von Ochsenfnrt wandte sein Gesicht, in a paar gntmüthige und ehrliche Augen unter der «übe strahlten, gegen den Ritter. i, ei, Herr von Geyer," sagte er lächelnd,„sonst ein zer und strenger Hauptmann und Kriegsheld, der in Ernste zu Felde liegt. Und doch findet Ihr auch Itter und holdseliger Fräulein zu gedenken." Zrian erröthete abernials..,,, hr schätzet mich nicht recht," sagte er mcht ohne Verlegenheit. r Schultheiß, eine lustige Haut, ließ sich so leicht "°kisen. der ich habe doch ein zierlich Brieflein gesehen, das �Euer Wamms geschoben habt," sprach Pezold. l einem Anderen würde Herr Florian solchen Fnrwitz gewiesen haben: Hanns Pezold aber war ihm seit ein lieber und trauter Freund. Der Ritter sah , die Begleiter ritten ein Stück hinten, so daß sie spräck der Beiden nicht verstehen konnten. ab' ein heimlich Verlöbniß eingegangen und es soll «nd auch noch heimlich bleiben". höheren Schulen zugewandt, die derselben am wenigsten bedürfen, die Volksschule dagegen, welche vor allem reformbedürftig ist, keiner Aufmerksamkeit gewürdigt. Die das behaupten, haben offenbar übersehen, daß die preußische Regierung, noch ehe die Kommission für das höhere Schulwesen zusammentrat, dem Landtag verschiedene Gesetze vorgelegt hatte, die eine„große Reform" anbahnen sollen, und daß unter diesen Gesetzen sich auch eins zur Reform der Volksschule befindet. So weit müssen wir, wie gesagt, die Regierung in Schutz nehmen. Sie hat sehr wohl begriffen, daß, wenn man die Schule„reformiren" will, die Volksschule zum Mindesten mit in Betracht gezogen werden muß. Und die„Schulreform" wurde denn auch gleichzeitig oben und unten angefangen,— die Kerze, um eine englische Ausdrucksform zu gebrauchen, an beiden Enden an- gesteckt— was den Verbrennungsprozeß entschieden be- schleunigt. Quantitativ ist hiernach nichts oder nicht viel einzuwenden, allein wie steht's qualitativ? Wir wollen, ehe wir in eine nähere Besprechung ein- gehen, eine Antwort geben, die zwar keine direkte Antwort ist, aber doch allgemein verstanden werden wird: Mit der Schulreform steht es genau wie mit der Sozialreform. Die Sozialreform, d. h. das was im gegenwärtigen Deutschland mit diesem Namen bezeichnet wird, er- mangelt alles dessen, was zu einer wirklichen Sozial- reform gehört— vermeidet sorgfältig den Kern der sozialen Frage und richtet sich ausschließlich auf Sieben- punkte. Kurz, sie ist blos eine Scheinreform, die von wirklicher Sozialreform nichts hat als den Namen. Wir haben an anderer Stelle auf die Eigenthiimlich- keit unserer Zeit hingewiesen, sich volksthümlicher, schön- klingender Worte zu bemächtigen und ihnen einen ganz entgegengesetzten Sinn unterzulegen. Fürst Bismarck, der im Namen der„W a h l f r e i h e i t" die Oppositions- Parteien an der Wahlagitation hindern wollte— die Rauchhaupt und Genossen, die jetzt im Namen der „A u t o n o m i e" oder Selbstverwaltung der Gemeinden für die junkerliche Bevormundung der Gemeinden ein- treten, sind Beispiele dieser immer mehr um sich greifen- den Praxis, die von unhöflichen und unparlamentarischen Leuten W o r t f a l�s ch m ü n z e r e i genannt wird. Wie die Sozialreform so ermangelt die Schul- r e f o r m alles dessen, was zu einer wirklichen Schul- reform gehört— vermeidet sorgfältig den Kern der Schulfrage und richtet sich ausschließlich auf Nebenpunkte. Kurz sie ist blos eine Scheinreform, die von wirklicher Schulreform nichts hat als den Namen. Ah," machte Pezold.„Und mit wem?" „Mit Barbara von Grumbach, des Ritters Wilhelm von Grumbach leiblicher Schwester". „Mit dem schwarzhaarigen Fräulein?" „Ihr sagt es". Pezold schüttelte sein Haupt. „Aber ich Hab' Euch doch gar oft im Schlosse der Grumbach gesehen, wenn wir mit dem Ritter über die Zu- kunft des Würzburger Hochftifts beriethen, und Ihr thatet als ginge Euch die schwärze Barbara gar nichts an, wenn sie Euch den Wein kredenzte und Euch sehnsüchtig ansah. Run habt Ihr aber doch Feuer gefangen." Florian seufzte und sah wehmüthig in die Ferne. „Nicht ganz so, wie i�hr meinet", sprach er.„Aber wir haben als Kinder mit ernander gespielt und sind mit ein- ander ausgewachsen. Da gewannen wir denn einander lieb und als ich nach Italien zog, um zu Bologna den gelehrten Studien obzuliegen, da haben wir uns Treue versprochen. Ich habe niein Wort gehalten und so haben wir uns ver- lobt, als ich drüben auf dem Schlosse Grumbach war, jüngst vor wenig Tagen." Der Schultheiß sah dem Ritter prüfend in das ernste Antlitz; dann sprach er: „Herr Florian, ich bin Euer und Eures edlen Hauses guter Freund. Werdet Ihr mir ein freimüthig Wort ge- statten?" „Ich weiß schon," meinte Florian Geyer,„was Ihr sagen wollt, aber sprecht immerhin!" „Wohlan", begann Hanns Pezold,„Ihr wisset, ich bin nicht ganz so gutmüthig, wie ich aussehe, und ich bin ein Mann, der etwas gesehen und erlebt hat, dem sonach manchmal ein Einblick offen stehet in die Dinge, die über Und das wollen wir nun beweisen. Was ist der Zweck der Schulreform? Wir wissen uns Eins mit allen aufgeklärten Päda- zogen und glauben, daß selbst Gegner, die es mit der Schule ernst meinen, uns ihre Zustimmung nicht versagen können, weim wir antworten: Der Zweck der Schulreform ist, die Schule so zu gestalten, daß sie ihre Aufgabe: dem Volkoie mög- lichst große Sun: m e von Wissen und Bildung zu geben, erfolgreich lösen kann. Wer will die Richtigkeit dieser Definition bestreiten? Niemand vermag es, der vom Wesen der Schule einen Begriff hat, und der das Wohl des Volkes, der Gesammtheit will. Freilich fehlt's nicht an dummstolzen Individuen, die da meinen, der Mensch fange erst beim Baron, beim Kapitalist, beim Gutsbesitzer, beim Beamten an, und solche dummstolze Menschen sind auch der Ansicht, die Schule sei nur für die Familien der Barone, Kapitalisten, Gutsbesitzer und Beamten da— der Rest der Menschen— wenn es überhaupt Menschen sind— die„gemeine Menge", der Plebs habe auf Erden keine andere Mission zu erfüllen, als die Barone(nebst Zubehör), die Kap' alisten, Gutsbesitzer, Beamten ec. zu ernähren, und müffe sich mit den Kulturbrosamen begnügen, die in der sogenannten„Volks- schule" abfallen. Ja wir kennen sogar Individuen, die selbst diese Brosamen für eine zu reiche geistige Nahrung des Volkes halten und ihm auch von diesem„Lurus" noch Einiges abknapsen möchten. Jndeß solche böotische Feinde des Volkes und der Bildung wagen sich heut zu Tage nicht mehr ans Tageslicht— freilich im Geheimen arbeiten sie desto eifriger an der Verwirklichung ihres vorsintfluthlichen Rohheits-Jdeals. Genug— dem Volk die möglichst große Summe von Wissen und Bildung zu geben, ist die Aufgabe der Schule. Dem Volke,— nicht einzelnen �Bruchtheilen des Volkes, sondern dem ganzen Volk, der G e s a m m t- h e i t,— das ist vor Allem festzuhalten. Und das bringt uns sofort in medias res. in die Mitte der Sache: nämlich zu dem barbarischen Unsinn der Trennung der Schulen in höhere und niedere Schulen, und zu dem abscheulichen Mißbrauch, der mit dem Wort Volksschule getrieben wird. Die Volksschule von heute sollte richtiger heißen: die Schule des Plebs. Ihre Aufgabe ist das U m» gekehrte dessen, was sie sein sollte: die möglichste kleine Summe von Wissen und Bildung zu geben. Hier muß zunächst der Hebel eingesetzt werden. Das erste Ziel muß sein: Nasenlänge hinausreicht. Darum sag' ich Euch, der Grumbach will mir gar nicht gefallen; es ist doch gar ein wüster Gesell. Die Falschheit funkelt aus seinen unstäten Augen. Er wird sich mit dem Winde drehen. Siegen wir, so wird er als Genoß sich seinen Antheil an den Stistsgütern heischen und keinen kleinen; siegen die Herren, so wird er unter den Ersten sein, die uns ver- rathen." „Leider muß ich fürchten, daß Ihr Recht behaltet," sprach Herr Florian trübe. „Biit dem Verlöbniß macht man Euch sicher," fuhr Pezold fort.„Hütet Euch, daß Ihr da nicht in eine Grube fallet. Hättet Ihr mit dem Verlöbniß lieber gewartet bis nach ausgetragener Sach und beendetem Streit. So mitten im Kriege könnt Ihr ja doch nicht hcirathen." „Weiß Gott, nein," antwortete der Ritter.„Aber ich hatte mein Wort gegeben und ein Geyer muß sein Wort halten, wie auch die Umstände dazu stehen mögen." „Brav von Euch!" sprach der Schultheiß.„Aber ich Hab' Euch gewarnt und Ihr möget Euch hüten." Der Ritter versank in tiefes Sinnen und es ward von da ab nicht mehr viel gesprochen zivischen den beiden Männern. Die Rosse hatten einen scharfen Trab angc- schlagen und durchschritten rasch nach Süden die schweigende Landschaft. Herr Florian dachte an die Gefahren, in die er sich gestürzt, an Kampf, Sieg und Niederlage, und seine Ge- danken irrten umher in dem wilden Getümmel der Schlacht- selber und in dem gemessenen Ernste der Rathsversamm- luugen. Und da er seiner Aufgabe in Rothen- bürg gedachte, so stieg auch ein stolzes und liebliches Bild vor ihm auf, das ihn in seinen Träumen verfolgt hatte. Agnesens hohe Gestalt schwebte Die Volksschule zu dem zu machen, was sie sein soll — Zur Schule für das gesan, mte Volk,— den Unterschied zwischen höheren und niederen Schulen aufzuheben, und alle Bildungsanstalten des Landes--- von den Kleinkinderbewahr-Anstalten und Lindergärten bis zur Universität— der Volksschule a n- u n d e i n z u g l i e d e r n und ein, für a l l e T h e i l e des Volks gleiches und gemeinsames, ein- heitliches Schulsystem zu schaffen. Das ist wirkliche Schulreform. Und dieses Ziel existirt weder für die Urheber des neuen Volksschulen-Gesetzes, noch für die Theilnehmer der Schulkonferenz für höheres Schulwesen. Nusstsches. Am 10. Dezember fand in der Londoner Guildhall ein von Notabilitäten aller bürgerlichen Parteien und Konfessionen ein- berufenes Meeting gegen die Judenverfolgungen in Rußland statt. Sowohl die Reden, die in der von über 1500 Personen besuchten Versammlung gehalten wurden, als auch die vom Herzog von Westminster beantragte Resolution zeichneten sich durch äußerste Zahmheit aus und umgingen jede, noch so leise Anspielung auf den wirklichen Charakter der drakonischen Maßregeln, welche das autokratische Zarenregiment über eine Bevölkerung von rund fünf Millionen Menschen zu verfügen für gut befunden hat.— Man wollte den Mohren gern waschen, ohne ihn naß zu machen, und appellirte zur Abivechslung, statt vom Teufel an seine Großmutter, diesmal direkt an Seine höllische Majestät. Unfigürlich gesprochen, man verlangte, nein, man erflehte vom guten Herzen des Zaren, dl« Verfügungen ebendesselben Zaren wieder aufzuheben. Trotz dieser Zahmheit ist das Meeting von den Sold- schreiben* des allergnädigsten Selbstbeherrschers aller Reußen höchst ungnädig aufgenommen worden. Schon einige Tage bevor es zusammentrat, schüttete die famose Olga Aovitofs—„Madame la Generale Novikoff"— in einer Zuschrift an die„Times" die ganze Schale ihrer sittlichen Entrüstung über die Unverschämtheit aus, der russischen Regierung in ihre Angelegenheiten dreinreden zu wollen, und höhnte, ein Reich mit zwei Millionen bewaffneter Soldaten zu seiner Ver- fügung könne über die Beschlüsse einer Versammlung von Philanthropen in London mit Verachtung hinweggehen. In dasselbe Horn stößt, einige Tage nach dem Meeting, der bekannte russenfreundliche Journalist Stead, nur daß er seinem Text, ivie sich das für einen so frommen Mann schickt, einige verheuchelte Sympathiephrasen für die, unter den Reskripten des Zaren leidenden Juden beigiebt. Mit wirklich unbezahlbarer Logik führt der tugendhafte„Pall Mall Gazette" Mann aus, daß solche Meetings nur die Wirkung haben könnten, die Lage Der- jenigen, denen man helfen wolle, zu verschliinmem, insofern si- den Zorn des Zaren erst recht reizen ivürden. Was Väter�,," an der Neva treibt, o rühre, rühre nicht daran. Leider hat jedoch der Eifer für die gute Sache He- ÄÄÄ'ÄÄ WK% WSS (SrhiJ haben, dies der russischen gegenüber zu thun." dock Vergleich und Nutzanwendung sind, enthalten sie yrtT Kern einen Gedanken, der„nicht ganz ohne" ist. So *..wAn es auch ist, zu behaupten, daß Meetings, wie das in Guildhall abgehaltene, den russischen Juden schaden werden— es ist wirklich nicht recht abzusehen, in wiefern sie dies thun könnten— so ist es doch richtig, daß sie ihnen auch nicht viel nützen werden. Denn die Maßregeln der zarischen Regierung gegen die Juden, so barbarisch sie uns auch erscheinen, sind doch keineswegs etwas Zufälliges, durch die bloße Laune des Augenblicks Hervor- gerufenes. Sie sind ein integrirender Theil des ganzen gegen- wältigen Regierungssystems in Rußland, genau so, wie die brutale Vergewaltigung der Rechte der Oltsee-Provinzen, der Russifizirung Finnlands, die Aufhebung der bäuerlichen Friedens- geeichte und eine ganze Reihe gleichartiger Maßregeln, ver- mittelst deren der zarische Absolutismus sein verhaßtes Dasein gewaltsam zu erhalten sucht. Sie alle stehen mit der Verfolgung der Juden im enaen Zusammenhang, und wenn die christlich- germanischen Antisemiten dieser zujubeln, so beweisen sie damit vor ihm her auf dem nächtlichen Ritt, streifte mit leisen: Hauch seine Wangen und flüsterte ihm zärtliche und süße Worte ins Ohr. So däuchte dem halb Träumenden; es erfüllte ihn mit Sehnsucht, iit ihrer Nähe zu weilen, ihren Worten zu lauschen, ihre Gluthaugen und ihr goldglänzendes Haar zu schauen. Wie sie m:t ihm fühlte und dachte, so kühn und frei, und wie wann ihr jung- sräuliches Herz für die Unterdrückten schlug! Das war ein Weib, für ihn wie geschaffen; wie selig müßte der Mann sein, dem sie als zärtliche Gattin zur Seite ging! Aber sie. mochte auch ein treuer und tapferer Genoß sein in den Kämpfen dieser Zeit, die ihr scharfer Geist so rasch erfaßt hatte, voranfliegend den Anderen ihres Geschlechts! Wie geivöhnlich erschien gegen sie das Fräu- lein von Grumbach! Barbara war schön; in ihren schwarzen Augen sprühte dem Geliebten die Gluth ihrer Leidenschaft entgegen; sie schlug geschickt die Laute und wenn sie in steruenprächtiger Nacht auf dem Söller des Schlaffes dazu die Heldenlieder aus alter Zeit sang so schien es, als müßten die gcivaltigen Kämpen der Vergangenheit stahl- klirrend aus den Grüften steigen. Noch lieber und besser saug sie die lustigen Weisen vom zärtlichen Minnespiel, daß der Ritter Augen glänzten und die Damen kicherten. Aber sie hatte keinen tiefen Geist; Alles war auf Schaustellung bei ihr angelegt; prächtige Gewänder däuchten ihr mehr als alle die neuen Ideen der Zeit. Ihr Bild ver- blaßte, wenn es Herrn Florian neben der stolzen Gestalt Agnesens aufstieg— aber da fuhr der Ritter zusammen. Auf welchen Gedanken ertappte er sich da! Er hatte sein Wort dem Fräulein Barbara von Grumbach gegeben und er nahm sich vor, sich mit kriegerischer Rauhheit zu wappnen �egen die berückende Schönheit Agnesens. Da stiegen die Lichter auf den Thürmen von Rothenburg vor ihm auf und die Bilder entschwanden vor seinen Augen. Aber als er im Gasthans zum Rappen sich zur Ruhe begab, ward es doch sein fester Lorsatz, sich den kommenden Tag in das Badell'sche Haus zu begeben und nach Agnes zu sehen. Er hatte es ihr ja ver- sprachen und wollte sie vor dem Bund mit einem un- geliebten Manne bewahren. Er mochte das Mädchen keinem % nicht nur, daß die antikapitalistischen Redensarten, mit denen sie ihr Hephep-Geschrei„sozialethisch" zu rechtfertigen suchen, eitel Humbug sind— denn von den fünf Millionen russischer Juden sind noch nicht 10 pCt. bemittelt— sondern sie recht- fertigen auch alle Gewaltakte, unter denen die Deutschen in Ruß- land zu leiden haben. Die Aera der Judenverfolgungen wurde, was die Gegenwart anbetrifft, durch den bekannten Jgnatiff, die Seele des ersten Kabinets unter Alexander 111., eröffnet. Der„Vater der Lüge", wie ihn die Türken einst genannt, glaubte in der Judenhetze ein vortreffliches Mittel gefunden zu haben, der auf ihrem Gipfel angelaugten polinscheu Freiheitsbewegung, dem„Nihilismus", Boden abzuwinnen, und bis zu einem gewissen Grade ist ihm das auch gelungen. Der Rassenhaß und der Nationalitätenhader sind stets vortreffliche Unterdrückungsmittel gewesen, bezw. Ableitungs- kanäle für die Unzufriedenheit eines niedergehaltenen Volkes. Aber die gegen die Juden in Bewegung gesetzten Volksmassen blieben fast nie bei diesen stehen, sondern dehnten. ihre Aktion auch aus verhaßte Angehörige des eigenen Volksstammes aus. Aus den Revolten gegen die jüdischen Wucherer wurden Revolten gegen die Wucherer überhaupt, aus den Revolten gegen die reichen Juden Revolten gegen die Reichen schlechtweg. Es ging auf die Dauer nicht an, oas Volk für die Regierung die Kastanien aus dem Feuer holen zu lassen. Die antisemitische Volksbewegung wurde gewaltsam unterdrückt, dafür aber nahm jetzt die Regierung selbst das Werk der„Befteiung des russischen Volkes von den fremde» Aus- beutern" in die Hand. Die Mai-Edikte des Jahres 1882 erschienen, die den Juden den Auscuthalt in allen ländlichen und in einem großen Theil der städtischen Distrikte untersagten, d. h. in einem vorwiegend agrikolen(ackerbautreibende») Lande eine Bevölkerung von 4 bis 5 Millionen Seelen auf eine Anzahl von mittleren und kleineren Provinzialstädtcn beschränkten,>vo ihnen fast jede Möglichkeit der Existenzgewinnuug abgeschnitten ist. Die ärgsten„Slums" des Londoner East-End weisen kein solches Elend auf, ivie die Viertel in den russischen Städten, in denen das jüdische Proletariat, man kann kauni sagen, lebt. Man kann die Erlaffe nicht besser kennzeichnen, als durch die Thatsache, daß es bis heute noch nicht möglich gewesen ist, sie ihrem vollen Wortlaut nach durchzuführen. Aber die Juden machten nur den Anfang, der Juden- Hetze folgte die Deutschenhetze, zu welch' Letzterer der nationalste aller Staatsmänner, den Deutschland je besaß, der große, unvergleichliche Bismarck, seine feierliche Sanktion. gab. Den Vernichtungskauipf gegen das Teutschthum in Soen Ostseeprovinzen nach Kräften gefördert zu hahen,% ci'liet'feinet Chönften diplomatischen Erfolge. In nene-�r Kit sind nun auch d,e Finnen und Letten an die Re>k� �kommen, vorläufig frei- lich erst, was ihre Schulen und Selbstverwaltung anbetrifft, wahrend es sich bei den Jv�e» fast buchstäblich um Leben oder Sterben Händen. � Alle diese Mos''' ein sind die natürlichen Konsequenzen eines Systems, das fernen Boden im Volke mit jedem Tage mehr ver- Nert und bp j daher keine andere Möglichkeit vor sich sieht, seine lfS'stSftz zu sichern, als indem es sich als der Retter des Volkes vor irgend einem angeblichen inneren oder äußeren Feind auf- spielt und die Parole ausgiebt:„Rußland für die Russen." Jawohl, Rußland für die Russen. Aber fragt mich nur nicht, wie. Oder vielmehr, aber fragt mich nur nicht, welche. (Schluß folgt.) Korrespondenzen und Portern achrichten. ,,Die Arbeiterin, Zeitschrift für die Interessen der Frauen und Mädchen des arbeitenden Volkes" ist der Name eines neuen Organs, das alle auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Vereinigungen der Arbeiterinnen vertrete» soll. Wir begrüßen das Erscheinen dieses von Frau Ihrer redigirten, im Verlage von E. Jensen u. Ko. in Hamburg erscheinende Organ der deutschen Arbeiterinnenbewegung. Hoffent- lich findet das neue Blatt die thatkrästige Unterstützung der Ar- beiterinnen, die es auch verdienen wird, wenn es seinem Pro- gramme getreu dem Kampfe für die Gleichberechtigung des weiblichen Geschlechts auf wirthschastlichem und politischem Gebiete im sozialistischen Geiste dient. In diesem Sinne rufen wir der neuen Mitkämpferin ein herzliches„Glück aus" zu. *'» Der Redakteur unseres Parteiorgans in Halle a. K. muß bis zum 22. d. M. die gegen ihn erkannte Strafe von einem Monat antreten. Ein kurzer Strafaufschub wurde ihni nicht be- willigt. Die Absicht, unserem Genosse» die Feier des Weihnachts- festes im Kreise der Seinigen unmöglich zu machen, ist dadurch glücklich erreicht. Es geht doch nichts über den christlichen Sinn unserer Behörden. Andern gönnen. Der Gedanke, es möchte zu spät und Agnes dem jungen Spelt schon angetraut sein, war ihm unerträglich und cyiälte ihn die halbe Nacht.---- Den Morgen darauf mußte Florian Geyer jedoch an andere Dinge denken. Als sich die Nachricht von der An- kunft des berühmten Kriegsmamies verbreitete, strömten die uiizuftiedeuen Bürger und solche, die der neuen Lehre anhingen, massenhaft zu ihm hinaus vor das Thor. Da hatten Alle ein besonderes Anliegen an den Hauptmann des schwarzen Haufens und sie klagten, daß der Ausschuß nicht mit Elser und Strenge verfahre, wie sich's gezieme, sondern nebenher den Rath schalten und walten lasse. Die Steuerbücher seien in großer Unordnung, sprach ein Abge- sandter der Weingärtner; dann kamen die Schuster heraus und verlangten. Niemand solle eines Anderen Leibeigener sein; die Gerber wollten den äußeren Rath abgeschafft und an dessen Stelle die Viertelmeister eingesetzt wissen. Und Alle erHuben ein gewaltiges Lärmen über die Vetternwirthschaft im Rath und dessen Tyrannei, so sie Alle gar schwer empfunden. Herr Florian setzte all den Bestürmungen eine lmerschütter- liche Ruhe entgegen. In feinem Herzen regte es sich kaum für diese Spießbürger, die fast alle mir auf ihren eignen Vortheil sahen und nur au die Mißbräuche ihrer Stadt dachten, während sie sich um die großen beivegenden Zeit- ideen gar wenig kümmerten. Demi di» Meisten verlangten von ihm, er solle sich in die Händel einmischen, die sie schon mit dem Rath gehabt. Ernst entgegnete Herr Florian, diese Dinge seien Sache des Ausschusses; er aber müsse sich an den Auftrag halten, den ihm die Hauptleute und Räthe der versammelten fränkischen Bauerschaft zu Heidingsfeld mitgegeben. Und darauf ritt er mit seinen Begleitern stattlich in Rothen- bürg ein. Die Straßen waren voll von Menschen, denn die Nach- eicht von der Ankunft der Gesandschaft yatte Alles auf die Beine gebracht. Die Abgesandten hatten Mühe, mit ihren Pferden durch die Menge zu dringen. Sie ritten nach dem Rathhause, wo Rath und Ausschuß im großen Rathssaale beisammen saßen; die zweiundvierzig Mannen des Aus- Von der Leipziger Universität ist kürzlich der Student Walter May,' weil er öfters in sozialistischen Vcrsamw' langen das Wort ergriffen hatte, relegirt worden. Früher redete inan viel von der Geistessreiheit der deutschen Universitäten, heute sind aber die Universitäten zum großen The» nur die Stätte», wo das Streberthum der Professoren und Studenten sich am besten entwickelt. Wer eine freie Meinung hat und sie nicht für sich behält, der wird relegirt, wie es unserem Genossen May passirt ist. Unsere Universitäten wollen nicht vor- urtheilslose, wissenschaftlich gebildete Männer, sondern dienst- fertige Herrendiener erziehen. SchnKtlstitlde», 17. Dezember. Z» Neujahr erhält unsere alte Lutherstadt, ebenso wie Gotha, ein sozialistisches Blatt und zwar unter höchst merkwürdigen Umständen: ES ist nämlich, wie der„Frkf. Ztg." geschrieben'wird, das frühere amtliche Organ des Kreises, das jetzt noch den preußischen Adler im Titel führende „Schmalkalder Kreisblatt", das älteste hiesige Blatt, das sich in den Dienst der Sozialdemokratie stellt. Nachdem der königliche Landrath Herr Fliedner das genannte Blatt aus eigenartigen Gründen bei Seite geschoben und das Protektorat über das neue „amtliche Organ", das„Schni. Tagebl.", übernommen, sieht sich ver Verleger des Kreisblattes aus pekuniären Gründen ge- zwungen, den Tendenzwechsel eintreten zu lassen. Gern(Reuß), 16. Dezember. Wie aus den Vörsenberichien bereits bekannt geworden, hat der Aufsichtsrath der„Geraer Handels- und Kreditbank" den Konkurs angemeldet. Direktor Roßbach ist verhaftet, während der zweite Direktor todtkrank dar- nieder liegt. Tie beiden Herren sollen unter Vorwissen des Aussichtsraths in ausländischen Papieren spekulirt haben und besonders sind in argentinischen Werthen größere Verluste zu ver- zeichnen; man spricht von LV» Millionen. Die Verhaftung Roßbachs ist erfolg- auf eine von Berlin aus bei der Staats- unwaltschaft eingegangene telegraphische Anzeige. Betheiligt an den Verlusten sind außer einigen Rentiers fast ausschließlich h-esize Großindustrielle, deren gefüllte Taschen und Kassen es aus- holten können, wenn ein solcher„Aderlaß" vorgenommen wird. Leider hängt an dem durch wüthende Spekulation verpufften Gelde unendlich viel Ameisenfleiß der tie�edrückten Text»- arbeitet; und gerade die eiui stärksten engagirten Geldsacksrit.cr der Stellenindustri.»',paren bei der Aussperre in diesem Frühjahre die Befürw�ler noch der schärfsten Unterdrückungsmaßregeln gegen -die lürl tyre Menschenwürde kämpfenden Arbeiter. Was hat denn die Ausbeutung und Unterjochung der mit Entbehrungen aller Art kämpfenden Textilarbeiter für einen Zweck, wenn der erpreßte Gewinn in leichtfertigster Weise verspekulirt wird's Ist es nicm der reine Hohn, wenn die Fabrikantenpresse den Mund tagtäglich so voll nimmt und faselt von Fürsorge der Fabrikanten für ihre treuen Arbeiter? Es ist infam, den Bienenfleiß der ausgemergelten Arbeiter in solcher Weise zu vergeuden. Anstatt dem arbeitenden Volke die Erträgnisse der Arbeitskraft zu Gute kommen zu lassen, fließt dieser„Entbehrungslohn" in die Hände leichtflnniger Bank- direktoren und wird im Handumdrehen durch abenteuerliche Spekulationszüge vergeudet. Hier kann nur die„Soziali- sirung der Gesellschaft" helfen; erst dann wird das Volk von de» Ausbeutern und die Ausbeuter von den Winkel- inann-Roßbach und ihren Kumpanen befreit sein. Krannschweig, 22. Dezember. Auf dem gestrigen sozia» listischen Parteitag zu Lutter wurde, wie telegraphisch gemeldet wird, beschlossen, eine ausgedehnte Propaganda auf dem platten Lande durch Wort und Schrift zu organisiren.— Einen ausführlichen Bericht tragen� wir nach. Etberfetd, 20. Dezember.' Unser Bruderorgan, die„Freie Presse" schreibt:„Der Abgeordnete Harm, der im hiesigen Arresthause die ihn» im Sozialistenprozeß zudiktirte sechsmonatige Gefängnißstrafe verbüßt, hatte Anfangs Oktober an die königliche Regierung zu Düsseldorf das Ersuchen gerichtet, die Strafhas» unterbrechen zu dürfen, damit ihm die Möglichkeit werde, a' den gesetzgeberischen Arbeiten des Reichstages Theil nehmen z können. Auf dieses Gesuch ist bislang noch kein« Antwort er- obgleich länger denn 6 Wochen verstrichen sind. Ein solches erfahren auf Gesuche hin, die doch so berechtigt sind, muß Bc- fremden erregen. Wenn die Regierung den Strafvollzug nicht unterbrechen will, so hätte dies doch dein Antragsteller zum Mindesten mitgetheilt werden können und die Wähler der großen industriereichen Wupperthales hätten erfahren, warum sie bei den wichtigen Vorlagen, die im Reichstage berathen wurden, unver- treten waren. Was sonst jedem anderen Gesuchsteller zu Theil wird,— eine Antwort— dem Vertreter für Barmen- Elberfeld scheint dies versagt zu werden."� Zu Colmar(Elsaß) wurde unser Bruderorgan, die„Elsaß- Lothnngische Volks-Zeiwng" in verschiedenen Wirthschaften mit Beschlag belegt. W»r sind begierig, wie diese Maßregel gesetzlich begründet werden kann. Wie ferner mitgetheilt wird, wurde den dortigen Austrägern des Blattes polizeilich mit Bestrafung wegen unerlaubter Kolportage gedroht, obwohl unseres Wissens eine Kolportage- Erlaubniß für Zeitungsausträger in Elsaß- schusses sahen stolz und zuversichtlich drein, während die meisten der Rathsherren bekümmert daS Haupt gesenkt da« saßen und manche unter ihnen ängstlich der Dinge harrten, die da kommen mochten. Auch der strenge regierende Herr Bürgermeister, Erasmus von Muslohe, war heut sehr kleinlaut. Er verstand es wohl, arme Bänerlein mit dem Donner seines Wortes anzufahren, wenn sie ihre Leistungen der Stadt nicht auf den Tag ent- richteten, aber heute mochte er wissen, daß Einer draußen war und Einlaß verlangte, der kein Feder- lesen machte imd der einen vollgilttgen Bollmachts- brief von blankem Eisen mitgebracht hatte. In seiner Verlegenheit, womit er die versammelten Glieder' deS Raths und des Ausschusses auf die kommenden Dinge vorbereiten sollte, deutete der Bürgermeister auf die alte Inschrift, die neben dem gewaltigen Reichsadler im Rathssaale zu lesen, und las sie laut ab: „Eines Mannes Red eine halbe Red, Man soll sie hören alle beed; Seyt eines Mannes Red' eine halbe ist, So soll man merken ihr beeder List!" „Amen!" rief spöttisch Christ Heinz, der Bäcker, Freund Karlstadt's und Bilderstürmer, den die Schweißtropfen aus der bürgermeisterlichen Stirn ungemein ergötzten. Ein lautes Gelächter erfolgte von den Sitzen der Ausschußmänuet und der Bürgermeister sah zornig um sich. In diesem Augenblick aber meldete der alte Rathsdiencr den edle» Herrn Florian Geyer von Geyersberg und überf brachte dem Rath sein Kredenzschreiben. Bedächtig eröffneten Se. Gestrenge», der Herr Bürgermeister, den Brief mit den) großen Sigill, darinnen zu lesen stand, daß die Hauptleute und Räthe der versammelten Bauerschaft zu Franken ihren christlichen lieben Brüdern und Freunden, den ehrbaren, fürsichtigen und weisen Bürgermeistern, Rüthen, Ausschuß und ganzer Gemeine der Stadt Rotheuburg ob der Tauber kund und zu wissen thun, daß sie ihren Bruder und Raths- freund Florian Geyer, sowie Hanns Pezold, den Schult- heißen in Ochsenfurt, bescheheuer Abred nach zu ihnen ab- gefertigt, mit Befehl, die Stadt Rothenburg in die chrlst- liche Einigung und Bruderschaft aufzunehmen.(Forts, f.) Lothringen nicht erforderlich ist; wenigstens besitzen die Austräger anderer Blätter, soweit unsere Erkundigungen reichen, keine solche Erluubmß und werden dieselben diei'erhalb seitens der Polizei auch nicht im Geringsten beunrnhigt. Es soll sogar in Colmar vorgekommen sein, daß die Polizer das Austragen der„Elsaß- Lothringischen Volks-Zeitung" den betreffenden Personen mit riner einzigen Ausnahme untersagte und dem allein noch ver- bliebcnen Austräger aufgab, keine neuen Abonnenten aus- zunehmen. Die Sache wird naturlich näher untersucht werden. Bewahrheiten sich obige Mittheilungen aber, so wird sich wohl Mancher sein eigenes Nrtheil darüber bilden, wer in Elsaß-Lothringen wohl am meisten Unzufriedenheit her- vorruft und die Bevölkerung beunruhigt, ob die Sozialdemokratie oder die Polizei. � Aus Maldshut(Baden) wird uns geschrieben, daß seitens der katholrschen Geistlichkeit mit regem Eiser und unermüdlicher Verfälschung unserer Parteigrundsätze gegen uns gearbeitet wird. Doch dies schadet uns nicht, langsam und sicher machen auch im Schwarzwalde unsere Ideen Fortschritte. Die Verhältnisse selbst, insbesonders die stetig steigenden Lasten machen unsere Landsleute kritisch, sie vertrauen nicht mehr den säßen Reden ihrer Priester, sie sehen in denselben immer mehr die Vertreter der herrschenden wirthschaftlichen und politischen Ordnung, welche nur den Bs- sitzenden, nicht aber dem arnien Manne nützt. Deshalb wird zedes sozialistische Samenkorn auch hier Wurzel fassen. Möchten nur viele ausgestreut werden. 1 Volikifrhe Wcbersrrhk. Berlin, den 22, Dezember. In Bezug auf die Entdrihnns Koch» hat der über- schivängliche Enthusiasmus der ersten Tage eiiter nüchternen Auffassung Platz gemacht. Wer Wunder erwartete, ist ent- täuscht— aber dafür, daß es Wundergläubige giebt, ist Dr. Koch nicht verantwortlich zu machen. Die_ ruhig erwägenden Männer der Wissenschaft, welche seit zwei Monaten die Entdeckung prüfen, sind fast ausnahmslos zu der Ueber- . Zeugung gelangt, daß die Wirkungen des Mittels noch nicht zu berechnen sind, daß es aber einen außerordentlichen Ein- sluß aus verschiedene der gefährlichsten Krankheitserreger . hat und darum auch die Aussicht auf erfolgreiche Be- kämpfung dieser Krankheiten eröffnet. Kurz, es ist für die Heilkunst nach einer bestimmten Richtung hin eine neue Bahn gebrochen worden, auf welcher hoch- wichtige Resultate mit Bestimmtheit zu erwarten sind. Eine abgeschlossene Entdeckung liegt also nicht vor, sondern vielmeyr die Entdeckung eines Weges zu großen Entdeckungen, den jetzt Tausende von Männern der Wissenschaft wandern, und der sicher zum Ziel führen muß, weil es sich nicht um einen zufälligen Fund handelt, sondern um eine inethodisch und planmäßig gewonnene Frucht wissenschaftlicher Versuche, welche mit mathematischer Gewiß- heit die Richtigkeit des eingeschlagenen Weges beweisen, und die Gewinnung weiterer Früchte verbürgen. An den übertriebenen Berichtm über daS thatsächlich Erreichte ist Koch selbst unschuldig, dessen Mittheilungen sich stets durch bescheidenes Maßhalte« auszeichneten. Getadelt wird in sraiizösischen und englischen Gelehrtenkreisen nur, daß er sich zu einer verfrühten Bekanntgabe seiner Ent- deckung habe hinreißen lassen, und daß er, nachdem die Be- kanntgabe erfolgt, sich der Bedingung unterworfen habe, die 'Zusamniensetzung seines Mittels geheim zu halten. Und diese Geheimhaltung— gehe sie aus, von wem sie wolle,— ist auch unserer Ansicht nach ein Fehler. Denn sie bereitet der Forschung, die um so ergebmß- reicher sein muß, je mehr selbstständige Kräfte sich an ihr betheiligen, unziveifelhaft Hindernisse, und, weit entfernt, eine Bürgschaft gegen den Charlatanismus zu bilden, leistet sie d e in s e l b e n n u r V o r s ch u b. Es wäre also ent- schieden zu wünschen, daß dieser Geheimnißthuerei, die absolut keinen vernünftigen Sinn hat und nur Nachtheile mit sich bringt, ein Ende gemacht werde.— Nach Fall de» S-iialift-ng-f-tz-« tauchte in der deut- schen Presse die FrageJauf, ob nach dem 1. Oktober noch Anklagen aus Grund des Sozialistengesetzes erhoben und Berurtheilungen ausgesprochen werden könnten. Wir wissen nicht, ob das Reichsgericht oder eins der höchsten Landes- geeichte schon eine maßgebende Entscheidung gefallt hat, aber die Amts- und Landgerichte, welche sich bisher mit KV.'; „Noch immer kommen Meldungen von S t r a f u r t h eil e n, die auf Grund von Vergehen gegen das um k. Mober e� Billigkeit? Diese Frage beantwortet em Jtt der„Bres- ÄPtSW sa'ÄM im eigene Festigkeit glaubt, auch nicht in der Lage ist, eine Ammstie zu erlassen.— Wegen„sozialistischer Umtriebe" sechs Jahre Gefängiiiß! Der„Ostdeutschen Zeitung" zufolge wurde — wie wir in der Somiabeiidliumnicr schon berichteten— in Königsberg ein Maurergeselle— der Name ist in der uns vorliegenden Notiz nicht genannt— krieg s° rechtlich zu 6 Jahren Gefängniß vernrtheilt. Derselbe war im Oktober d. I. als Reserve-Unteroffizier zu einer Mtägigen Uebung nach Justerburg zur 2, Kompagnie des Infanterie- Regiments von Boyen:(5. Ostpreußen) Nr. 41 einaezogen, und„in Justerburg wegen sozialdemokratischer Umtriebe, insbesondere auch wegen Verbreitung sozialdemokratischer Schriften seinerzeit in Haft genommen und nach Königsberg übergeführt ivorden." „Seiner Zeit"— iv a n n? Während er. im Dienst war? Das ist nicht gesagt. Und darauf kommt doch Alles an. Wenn die Verbreitung sozial- demokratischer Schriften nicht zur Zeit, wo er im Dienst war, erfolgt ist, dann läßt die kriegSrcchtliche Verur- theilnng auf Grund dieser Thatsache sich überhaupt nicht begreifen. Wenn sie aber auch während der Dienstzeit erfolgt ist, läßt die Höhe des Strafmaßes sich nicht be- greifeil. Jedenfalls ist es nothivendig. daß die Militärbehörden zu näheren Mittheilungen veranlaßt werden. Wenn die Verbreitung sozialdemokratischer Schriften in der Armee für etwas so Gefährliches gilt, daß nian glaubt, ihr durch exorbitante Strafen entgegentreten zu müssen, dann sollte man doch lieber die Konsequenz haben, Sozialdemokraten den Eintritt in die Armee zu verbieten, denn es ist doch nickt dasPapier, welches man fürchtet, sondern die sozialdemokratiscken Ideen, die auf dem Papier gedruckt sind; und jeder Sozialdemokrat bringt selbstverständlich die sozialdemokrati- schen Ideen mit sich.— Wer den„gemaltsume» Weg" liebt, das wurde neulich von Pastor Wyneken in Hannover aus- gesprochen. Derselbe schrieb in einem offenen Brief an die Redaktion des dortigen Parteiorgans:—„Ich weiß, mit welch imierer Empörung ich nach dem Erlaß des Sozialisten- gesetzes ein paar nicht mehr ganz junge Offiziere mit einander flüstern hörte: Wenn sie, iur losgingen! Daß man die Kanaille einmal ordentlich z u s a m m e il s ch i e ß e n könnte!" Pastor Wyneken, ein Ehrenmann durch und durch, wie er auch in seiner Polemik niit unserer Partei gezeigt hat, ist nicht fähig, eine Unwahrheit zu sagen. Es wird auch nicht bestritten werden, waS er da erzählt. Nach den Hödel- und Nobiling- Attentaten wurde von ge- wissen bekannten Leuten notorisch mit aller Macht darauf hingearbeitet, die Sozialdemokraten zu einem Putsch zu provoziren. Und derartige Versuche haben bis in die neueste Zeit gedauert. Und wir wisse„ sogar, daß ein höherer Offizier nach dem 1. Oktober d. I. mit Bezug auf d,e Aufhebung des Sozialistengesetzes die Aeußernng that:„Die Kerle haben jetzt mehr Lust und werden nun hoffentlich bald so weit sein, daß man sie zusammenschießen kann." Der betreffende Offizier, der zu einem gleichfalls sehr hohen Kameraden sprach, ahnte nicht, daß sein, mit zcschl offenen Augen in der Ecke eines Koupees erster Klasse ätzender Reisegefährte ein sozialdemokratischer Abgeordneter war.— Wir wissen auch, daß ähnliche Ansichten in weitesten Kreisen verbreitet sind. Und wir wissen sogar, daß sie in der Armee geflissentlich verbreitet worden sind und— vielleicht noch werden.— Sehr überrascht wurde der Kultusminister v. GoRUr durch ein Geschenk, bestehend aus einem Porträt des Kaisers, mit der Unterschrift: Sic volo, sie jubeo. So will ich, so befehle ich! Da Herr v. Goßler in Sch u l s a ch e n anderer Ansicht ist als der Kaiser, so scheint die Unterschrift zu bedeuten, daß Herr v. Goßler nun in puncto der„Schulreform" so wollen soll, wie der Kaiser will und befiehlt. Das lateinische Wort ist von I u v eil a l, dem unbarmherzigen Satiriker, der die alte römische Kaiserwirthschast blutig geißelte; und seit den Zeiten der alten römischen Kaiser hat kein Monarch eS zu einem Minister gesprochen.-- Kein Wunder, daß die fortschrittliche Presse nicht weiß, was sie mit dem eigenthümlichen Zwischenfall thnn soll, und daß sie ihre Verlegenheit hinter philologischen Untersuchungen zu verbergen sucht. Di» Lag« der Kaiidmelxr im s ch l e s i s ch e n Gebirge soll jetzt im Auftrage des Kaisers amtlich er- mittelt werden. Es ist nicht das erste Mal, daß sich die preußischen Könige für die Weber in Schlesien interessirt haben, wir erinnern nur an die Heldeiithateu Stiebers, an die schlesische Weberdeputation bei König Wilhelm I. Wir erinnern aber auch an Wilhelm W o l f' s treffliche Schrift über„die schlesische Milliarde". Das Interesse der preußischen Könige hat den Webern nichts genützt. Ihre Lag« koinite zwar nicht trostloser werden, denn ärger konnte es im Lande des chronischen Hunger- typhils nicht werden. Mag man nur nach der berühmten objektiven Manier ermitteln! Man wird doch wieder wie immer früher zur Einsicht kommen, daß sich nicht helfen läßt oder daß man nicht helfen ivill. Je mehr aber die heute herrschenden Klaffen zu diesem Eingeständniß ge- zwilngei» werden, desto mehr muß sich in der arbeitenden Klasse, das ist in der Majorität der Bevölkerung, die Ueber- zeugung einwurzeln, daß einzig und allein auf dem vom Sozialismus vorgezeichneten Wege Besserung winkt. In diesem Sinne begrüßen wir die Enquste über die Verhält- niste der schlesifchen Weber.— In Zachftn ist unseren Ordnungspartellern wieder einmal ein groß Leid widerfahren: nämlich die neueste Sittlichltritostatistil!. Nach dieser stellt sich in den ein- zelnen sächsischen Ephorien die Ziffer der unehelichen G e b u r t e n fiir die drei letzten Jahre wie folgt: Auf 100 Geburten kommen uneheliche in den Jahren 1888 in der Ephorie Leipzig I... Dresden I.., Oberlansitz.. Stollberg.. 1889 18,4 18,0 15,2 13,4 18,7 17,8 14,7 13,5 1887 18,5 13,2 15,7 18,; Borna,,, Freiberg... Marienberg, Oschatz... Rochlitz.,, Chemnitz., Planen.,, Leisnig... TippotdiSivalde Radeberg., Oelsnitz.,. Pirna.,, Annaberg,, Glauchau,» Meißen.., Grimma,, Schneeberg., Werdau.., Großenhain, :: Dresden II., Zwickau... Die„Leipziger „Eine gewisse Stetigkeit der Reihenfolge ist auch in diesen Ziffern nicht zu verkennen. Insbesondere finden wir in den vier höchsten und den vier unterstell Stellen durch alle Jahre dieselben Ephorien wieder. Die höchste Zahl der außerehelichen Geburten haben regelmäßig die Ephorien Leipzig I, Dresden I, Oberlausitz und Stollberg, die niedrigste Zahl regelmäßig die Ephorien Zwickau, Dresden Ii, St. Afra und Leipzig U. Kehrt daher auch hier die Erscheinung wieder, die wir bereits für oie Betheiliguilg an den kirchlichen Haiidlimgeii und für die Kriminalität als Regel zu kollstatiren hatten, daß die Groß- städte, wenigstens Leipzig und Dresden, stets die ungünstigsten Ziffern aufzuweisen habe», so überrascht doch auf der anveren Seite, daß ihre Vororte, die ja sonst in oiesen Beziehnngen ihren Zeiitren zu folgen pflegen, sich in der Statistik der außerehelichen Gebiirten regelmäßig zu den vier Ephorien zählen, ivelche die günstigsten Ziffern zeigen. Also die„Leipziger Zeitung": Wohlan,tdie beiden Ephorien, welche die schlimmsten, d. i. von höchster U n s i t t l i ch k e i t zeugenden Ziffern aufweisen: Leipzig 1 und Dresden 1 umfassen die B lu t h e lind den Hort der Ordnungsparteien; die „Hochburg" Leipzig und die Residenzstadt Dresden. Da- gegen die unter den niedrigsten, d. h. den höchsten Sittlichkeitsstand andeutenden Ziffern befindlichen Ephorien Leipzig II und Dresden 11 sind durch und durch der Sozialdemokratie verfallen, von ihr„vergiftet", wie das biedere Ordnungsvolk sich auszudrücken pflegt. Nun sind wir zwar iveit davon entfernt, die Ziffern der außerehelichen Geburten als Barometer der Sittlichkeit anerkennen zu wollen— die raffinirte Unsittlickkeit bekommt überhaupt keine Kinder—, allein das steht doch fest, daß mindestens Dasjeniae, was unsere Feinde mit vem Ausdruck„stete Liebe" bezeichnen, durch diese Ziffern ausgedrückt wird. Und da muß es denn allerdings für ein ordnUngsparteilicheS Gemüth ganz entsetzlich sein, ivenn vor aller Welt zifferumäßig und amtlich festgestellt wird, daß gerade die Älüthe und der Hort der Ord- nungsparteien sich am Meisten der„freien Liebe" ergiebt, die bösen Sozialdemo- kraten aber am Wenigsten damit zu thun haben. Gründlicher konnte freilich eine Lüge unserer Feinde nicht zerstört werden, als durch obige Ziffern, welche den Spieß so hübsch gegen die Heuchler- Bagage umdrehen.— Die preußisch v-l«isch» Press« fürchtet geivaltig den Ansturm der Sozialdemokratie. In langen Artikeln wird die Abivehr gegen das demnächst erscheiliende polnische Parteiorgan besprochen, so fordert der„Orendownik", eine in Posen erscheinende Zeitung, die polnischen Vereine aus, ihre im Gerüche der Sozialdemokratie stehenden Mitglieder zu überwachen, unser Blatt in ihre Kreise nicht eindringen zu lassen, es zu verbrennen, wo man seiner habhaft werden kann. Diese und weitere empfohlene Maßregeln gegen unsere Partei würden, wenn sie durchgeführt werden, em nettes Sozialistengesetz der polnischen Bourgeoisie bilden. An dieser Taktik sieht man wieder, ivie tief die Bourgeoisie gesunken ist. Die Polen, einst die Vorkämpfer der Revolution, suchen heute mit allen Mitteln der Aufklärung der armen Schichten ihres Volkes entgegen zu arbeiten. So wie die Bourgeoisie bei uns überall alt und prinzipieulos geworden ist, so haben auch die herrschenden Klassen in Polen alle ihre Ideale verloren. Statt aber dadurch unseren Kampf zu er- schweren, erleichtern unsere Gegner ihn uns nur. Immer mehr muß sich in allen Volksschichten die Ueberzeugung bilden, daß heute einzig und allein die Sozialdemokratie neben der ökonomischen Befreiung auch die polttische Freiheit verficht. Einen Beschluß von vielleicht weittragender Bedeutung für die österreichische GeM«vltschaft«lirniegung hat daS österreichische Abgeordnetenhaus auf Antrag des uns nahestehenden Abgeordneten Krön awetter gefaßt. Bisher war auf Grund der Gesetze von 1869 und 1867 jede Assoziation in Oesterreich gehemmt. Diesem Zustande sollte durch ein von Bärnreither, dem bekannten Kenner der eng- lischen Arbeiterverhältnisse, ausgearbeitetes Hilfskaffengesetz entgegengearbeitet werden. Derselbe machte jenen Kassen neben der Kranken-, Alters- und Jnvaliditätsversicherung«. möglich, auch noch die Unterstützung der Arbeitslosen, die Reiseunterftützung und Arbeitsverniittellmg zu pflegen und durch Anlage von Bibliolheken k. Bildungszwecke zu verfolgen. Diese Be- stlinmuiig wurde im Ausschusse von der Regierung als unannehmbar bezeichnet, und zwar sagt darüber der Bericht: „Alle Bedenken der Regierung gegen diese Bestim- mwigen des ursprünglichen Entwurfes lassen sich— wenn man von Eimetheiten absieht- dahin zusammenfassen, daß ,ie einen Mißbrauch derselben, besonders bei Streiks besorgt und fürchtet, daß ihr p o l i z e i l i ch c U e b e r- w a ch u n g der Bestrebungen der Arbeiter. könnt'/" SU galten bemüht ist, erschwert werden . Der Ausschuß fügte sich willig den Wünschen der Re- gierung und strich diesen für uns wichtigsten Passus deS Entwurfs. Kronawetter verdarb aber der Regierung im Plenum das Spiel. Aus seiner trefflichen Rede heben wir die folgende Stelle hervor: „Es scheint jetzt modern zu werden, mit einem gemissen schneidigen Ton zu sagen: Das wird jfonzedirt und das wird nicht konzedirt, und wenn die Regierung eS sagt, liegen Alle auf dem Bauche und kein Mensch leistet einen Widerstand, ja die Herren sind sogar froh, wenn die Regierung scheinbar scharf entgegentritt, weil sie damit nur zum Ausdrucke bringt, was d r e Herren im Herzen fühlen, was sie aber, um frei- sinnig zu scheinen, nicht aussprechen könne n.".. Im Laufe der Debatte beantragte er: „Die registrirte Hilfskasse ist mich befugt, ihren Mit- gliedern, wenn sie erwerbslos sind, Aushilfen zu leisten, wenn ste genöthigt sind, einen Erwerb zu suchen, R e i s e« U n t e r st ü tz u n g c n zu gewähren, ferner für die- selben A r b e i t s v e r m i t t e l u n g zu übernehmen, soivie Lesezimmer und Bibliotheken einzurichten." Diesem Antrage stimmte die Majorität zu, wohl iu der Hoffnung, daß die anderen gesetzgebenden Faktoren Oester- reichs, das Herrenhaus und die Krone, demselben die Zu- stimmung verweigern werden. Wir führen dies an, uni zu zeigen, wie schwer es in Oesterreich unseren Genossen ge- macht wird, sich zu organisiren. Denn, wenn schon dieser Beschluß des Abgeordnetenhauses als ein großer Erfolg erscheint, so geht daraus hervor, wie beengt die österreichische Bewegung jetzt noch durch gesetzliche Bestimmungen und poli- zeiliche Chikanen ist. Unsere Genossen in der fransöfischen Kammer beobachten dem Budget(„Etat") gegenüber dieselbe prinzipiell ab- lehnende Haltung wie unsere Reichstags-Abgeordneten. Bei der Berathung des Gesetzentwurfs über das neue Anlehen und den Staatshanshalts-Etat gab Genosse Fe rroul im Namen der sozialistischen Kammergruppe nachstehende Er- klärung ab: Meine Herren! Wir— meine Kollegen in der sozialistischen Gruppe und ich— sind der Ansicht, daß es die erste Pflicht eines Volksvertreters ist, seinem Mandat itreu zu bleiben und gewissenhaft das den Wählern gegebene Versprechen zu halten. Wir haben aber, wie viele andere Abgeordnete, die auf diesen Bänken(der Linken) sitzen, unseren Wählern das Ver- sprechen gegeben, weder ein neues Anlehen noch neue Steuern zu bewilligen. Diesem unserm Versprechen gemäß und um des Vertrauens unserer Wähler würdig zu bleiben, verwerfen wir also sowohl das neue An- lehen als das Buoget in seiner Ge- s a m m t h e i t." Bravo!— M e n d e l s o h n ist richtig aus Frankreich ausgewiesen worden— der radikale Abgeordnete M i l l e r a ud, der dem Sozialismus nahe steht, wird die Angelegenheit zum Gegenstand einer Interpellation machen. Die Debatte wird jedenfalls interessant, und die Schwärmer der russisch-französischen Allianz werden jedenfalls keine Freude erleben. Der Lumpazius B o u l a n g e r hat wieder einen Bettelbrief in die Welt geschickt. Er nennt sie„Manifeste" — und thut darin ultrasozialistisch und ultrarepubli- kanisch. Nun— die Sozialisten und Republikaner werden dem faulen Schlemmer und Dieb Fußtritte geben— er mag Steine klopfen oder sonst etwaS Nützliches arbeiten. Doch solches Volk scheut die ehrliche Arbeit wie die Pest.— In Irland ist Parnell so weit genesen, daß er die irische Sache wieder aktiv schädigen kann. Er hat neuer- dings wieder verschiedene Reden gehalten; die Augen hatte er dabei verbunden nach Art der Justitia, die bekanntlich nichts sehen darf.— In Italien macht die G e s ch ä f t s k r i s e sichZ fühlbar; und auch die Finanzlage ist sehr bedenklich. Ein Telegramm aus Rom vom heutigen Tage besagt: „Der Finanzminister Griuialdi versicherte in der Kammer, die wirthschaftliche Lage sei ernster als die finanzielle, doch nicht so düster, wie sie geschildert werde. Der Staatshaushalt werde im Jahre 1892 vollständig geregelt sein, da die Regierung auch den für das genannte Jahr aus 10 Millionen berechneten Ausfall durch zweckmäßige Maßnahmen zu tilgen gedenke. Der Minister stellt eine Reform der Alkoholsteuer in Aussicht, um der von dem deutschen und dem österreichischen Mitbewerb be- drängten italienischen Alkoholindustrie aufzuhelfen. Auch der Zolltarif werde in einigen Punkten reformirt werden. Der Minister versicherte endlich, der Entwurf zur Reform der Emissionsbanken werde sogleich»ach den Weihnachtsferien ein- gebracht werden, jedoch nicht auf der Grundlage einer einzigen Reichsbank, da es unmöglich sei, die Bank von Neapel ihrer Selbstständigkeit zu entkleiden. In betreff des österreichischen Handelsvertrages erklärte der Minister, daß er die Kündigung desselben ablehne."— Herr Grimaldi treibt Schönfärberei, auf dem Papier läßt sich ein Defizit stets vermeiden, und mit Hilfe von neuen Steuern und Anleihen läßt das lecke Schiff sich noch einige Zeit über Wasser halten— allein bei dieser Wirth- schast ist der Krach unvermeidlich.— » �« Neueste Nachrichten. Aus Düsseldorf wird tele- graphirt: „Die hier tagende Hauptversammlung des Vereins deutscher Eisenhüttenleute, an welcher etwa 500 Mitglieder theil- nahmen, richtete nachAnhören ihrer aus den Vereinigen Staate« von Nordamerika zurückgekehrten Genossen ein Telegramm a den Fürüen Bism arck, in welchem demselben als Fordern des Ansehens der deutschen Industrie rm Auslande der warms» Dank der Versammlung ausgesprochen wird." Ei, das ist ja hübsch! Bismarck Förderer der deutsche« Industrie, die jetzt von allen Seiten an die Wand gedruckt wird und sich nur mit den schwersten Opfern— der de u t' scheu S t e n e r z a h l e r aus dem Weltmarkt erhalten kann- Die Herren„Eijenhüttenleute" haben allerdings Ursache dein Mann dankbar zu sein, der ihnen Millionen über Millionen aus der Tasche des arbeitenden Volkes.m den Schooß geworfen hat.— Ein Telegramm aus Epinal(Frankrei ch) mel» det, daß F c r r y,„der Tonkinese", dort für einen erledigten Senatssitz als Kandidat aufgestellt werden solle. Wozu uns mit tobten Männern langweilen? Uebrigens der fran- zösische Senat würde sich nicht zu schämen brauchen, wenn Ferry hineinkäme.— Telegramme aus London und N e w y o r k behaupten, die englische und amerikanische Regierung wären auf dem Punkt, Flotten ins B a r i n g s m e e r zu schicken, um die streitige Fischereifrage zu lösen. Nun— Flotten sind da wahrhaftig keine geeigneten Mittel, um die Differenzen zu begleichen, welche dort in Bezug auf die Abgrenzung der Fischereigründe zwischen den Engländern und Amerikanern entstanden sind. Hoffentlich sind die beiden Regierungen so verminstig und behalten ihre Flotten zu Haus. Sind aber die Regierungen unvernünftig— dann werden die Völker sie züc Vernunft bringen müssen. Ein Krieg zwischen England und den Vereinigten Staaten ist übrigen» einfach nicht möglich.— Wird die nächste W e l t a u s st e l l u n g in C h i c ago sein? Fragezeichen. Ein amerikanisches Telegramm besagt! „Das Projekt der Weltausstellung in Chicago ist in«« bedenkliches Stadium getreten. Wie verlautet, lehnt Präsident Harrison ab, die Genehmigung zur Veranstaltung der Ausstellung zu ertheilen, ehe nicht ein Garantiefonds von 10 Mill. Dollars zusammengebracht ist. Die Beschaffung dieses Kapitals erscheint zedoch schwierig, da viele vermögende Deutsche in Chicago sich an dem Unternehmen nicht betheiligen wollen, nachdem das Ausstellungskomitee beschlossen hat, daß die Aus- stellung Sonntags geschlossen bleiben soll. Das Ausstellung� komitee soll ferner eine alte Verordnung ausfindig gemacht haben, welche der Illinois- Zentral- Vahngesellschaft das aus- schließliche Wegerecht nach dem See-Ufer, wo die Ausstellung veranstaltet wird, zuerkennen soll. Das Komitee habe somu ein anderes Terrain für die Ausstellung zu ermitteln, wodurch das ganze Unternehmen fraglich geworden sei." Ein heutiger Tagesbefehl des Ober-Polizeimeisters von Marschau verfügt die sofortige Ausweisung von 79 Au!- ländern, darunter 23 Preußen und 35 Oesterreicher. Theater. Dienstag, 28. Dezember. Gprruhau». Das Nachllager in Granada. Kchauspietk»««». Die Kopisten. Hier- auf: Graphologie. Zum Schluß: Post festmn. Zesstng- Theater. Heimgefunden. Sertiuer Theater. Goldfische. »utschea Theater. Die Kinder der Exzellenz. Friedrich-Milhetmstädt. Theater. Gondoliere. Mallner- Theater. Geschlossen. Kestdenz-Theater. Der Kampf ums Dasein. Kiktoria- Theater. Die sieben Raden. KeUealliaur«» Theater. Schlag auf Schlag. Ostend-Theater. Der Glöckner von Notre Dame. Thomas- Theater. Der Soldatenfreund. Adolph Ernst»Theater. Unsere Don Juans. bürgerliches Schauspielhau«. Der Leiermann und sein Pflegekind. Kaufmann'» variote. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Reichahallen. Große Spezialitäten-Vorst ellung. Conrordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gebr. Nichter's Variötö. Große Spezialitäten-Vorstellung. Wintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. Direktion: C. Andreas, Alexanderstraße 27c. Clara Conrad, Lieder- und Walzsängerin. Jenny Teirnann, Kostüm-Soubrette. Mr. Samitti mit seinen dressirten Hunden. Mr. O. Worch, Produktionen an römischen Ringen. Max Menzel, Gesangskomiker. Mr. Koberstein, Molabrrist. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags DVe Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 80 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 80 Pf. Gastan's Panopticum. Entree 60 Pfg., Kinder 25 Nfg. V. 9 Uhr Morgens� bis 10 Uhr Abends. Torstellong 11V: u. 121/2 Uhr. rSJ?nchm. 0.41/2-91/2 Uht 'stündl. eine Vorstellung 'Ertra-Entree 30 Nfg. Kinder frei Äir««-°.ÄSÄN Circus Renz. Karlstraße. Dienstag, den 23. Dezember, Abends 7 Uhr: Allderordevtlilhe mit besonders gewähltem Programm. »Mazeppa's Verbannung," oder: Die Rache Graf Rottofs. Große historische Pantomime mit Ballet in 4 Abiheilungen. In der zweiten Abtheilung: Polnischer Nationaltanz. Neu arrangirt vom Direktor E. Renz. Auftreten der Künstler-Sxezialitäten Mr. I. F. Clarke und Miß Zelia Zampa. 12 Schimmelhengste, dressirt und vorgeführt von Herrn Franz Renz. Quadrille de la Grande Duchesse, 5eritten von 16 Damen. Negro, Rappengst, geritten von Mm. Vidal. Außerdem Auftreten der vorzüglichsten Künstlerinnen und Künstler, sowie komische Entrees und Intermezzos von sämmtlichen Klowns. Morgen, Mittwoch(heiliger Abend): f eine UorsteUnng. m 26., 26., 27. und 28. Dezember je 2 Vorstellungen um 4 und 7V, Uhr. E. Renz, Direktor. ßta&lileaient Buggeuhagen am Moritzpiatz. Täglich: Grosses Concert."WWW Direktion A. Rodmann. Dienstag und Freitag: Walzer-Abend. Fnfrpp Wochentag» 10 Pfg., Eilllict gönn- und Pesttags 25 Pfg. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhoser Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641 F. MOIIer. �ratVeilHeVierhallell IM Kommandantenstr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Euartett-Siingern. ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frci-Concert. Sonntags Entree 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungen und Versammlungen. 703 F. Sodtke. Welt-Restaurant. 97 Dresdener- Strasse 97. 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Aber die Kinder sragen, wenn nicht mit Worten, so doch mit Blicken, nach dem Warum. Es will ihnen nicht in den Kopf, dasi sie uuein, wo alle beschenkt werden, leer ausgehen sollen. vermögen auch nicht einzusehen, warum sie sich -Lag für Tag von Brot, Kartoffeln und Kaffeesurrogat »nähren", in der Dachkammer wohnen und in ihren dünnen, abgetragenen Kleidern frieren müssen, während andere Kinder im niolligen Pelzwerk einherstolziren, sich in den wohl- al>sgestatteten Salons auf weichem Polster dehnen und sich an «raten, Wein und süßem Naschwcrk laben. Sie sind in ihrer doch ganz uud gar natürlichen Empfindung so sehr von der Idee der Gleichheit aller Menschen durchdrungen, wie es nur der ziel- beivußteste Sozialdemokrat sein kann. Und an ihrer »Begehrlichkeit" könnte sich so niancher Lumpenproletarier, der stumpfsinnig in seinem Jammer dahinduselt und der sich denkt:„Ich habe zwar nichts zu beißen und meine vaniitie auch nicht, aber das ist nun einmal nicht anders", ein Anspiel nehmen. Erst wenn sie älter werden, wenn ne in die Schule kommen und der Lehrer oder auch der Prediger ihnen dorerzählt, daß„Arm und Reich von Gott gesetzet sind", erst dann wird die Idee der Gleichberechtigung in den jungen Köpfen unterdrückt. Aber zu Weihnachten, wenn die Christenheit den Geburtstag desjenigen feiert, der die allgemeine Gleichheit ge- predigt hat, dann regt sich in den von der Kultur beleckten heranwachsenden Staatsbürgern die Natur, und der alte demo- kralische Gedanke ringt sich für einige Tage wieder hindurch durch all' den Wust, womit man sie vollgepfropft hat, und das Verlangen nach Gleichberechtigung gelangt in dem «ndlichen Wunsch nach einem Weihnachtsbaum und nach Weih- uachtsgeschenken zum Ausdruck. Einzelne Vertreter der besitzenden Klasse haben diese Lücke rmpfunden, und— sie riefen die„Weihnachtsbescheerungen für orine Kinder" ins Leben. Bei den außerordentlich bescheidenen Ansprüchen, welche der Besitzlose an das Leben zu machen pflegt, und den noch bescheideneren Ansprüche», die ihm der Besitzende Zugesteht, stellt sich die Sache ziemlich billig. Für ein paar Mark kann man den Armen eine Freude, sich selbst eine gewisse sittliche Befriedigung und der Frau Gemahlin bei dem feierlichen Akt der Bescheerung zehn Minuten der Rührung verschaffen. Und was das Beste ist, man hat sich das„begehrliche" Proletariat wieder einmal Zu Tank verpflichtet und die unruhig gährenden Elemente auf einige Zeit wieder beschwichtigt. Das alte Sprichwort von denen, die nicht alle werden, hat sich noch stets bewährt. Was Wunder, daß sich da auch die„Frommen" der Idee bemächtigten und nun ebenfalls um die Weihnachtszeit fleißig auf den Gimpelfang aus- gingen. Indem sie den Humbug noch mit einem Extra-Brimborium Umgaben, wußten sie ihren Weihnachts-Bescheerungen eine be- sondere Anziehungskraft zu verleihen, so daß sie dieselben zetzt so Ziemlich monopolisirt haben. Dieses Jahr haben wir za auch 'vieder eine ganze Anzahl dieser Wohlthätigkeits-Komödien gehabt. Es ist förmlich mit Hochdruck gearbeitet worden. Dazu hatten die E errcn auch allen Grund, denn es gilt ja, den drohenden ankerott der Kirche aufzuhalten. Da die bloßen sonn- und skiertäglichen Predigten mit dem bischen Liturgie und Gemeinde- gesang schon lange nicht mehr ziehen, so bietet man dem Publikum JHiisantere Veranstaltungen, als da sind: Theeabende, musikalisch- deklamatorische Soireen, unentgeltliche Kirchenkonzerte und—zu- setzt, doch nicht als Geringstes- Weihnachtsbescheerungen. bei denen man in der Milte geschickt eine längere Predigt einschiebt, die der ahniingslos erschienene Gast als Strafe für keine Neugier entsagungsvoll über sich ergehen lassen muß. t, Wieviel Gottlose auf diese Weise bisher bekehrt worden swd., vissen wir leider nicht. Bezeichnend für de Wirkung, welche eine derartige„Neberraschung selbfl a, f «laubige Kinderherzen ausübt, ist-in kleines Intermezzo, daß sich &%.%%%=»i-a a« Buchdrudi verboten.) Gin Weihimchtsmnrchen. \ Weihnachten ist vorüber. Die frühe Nacht hat den trüben .„.«abgelöst.-- Man hat ein paar Tage lang von Frieden irh nllct ftUf Erden in den Kirchen gepredigt, hat von Menschen- a. lleid und anderm Schönen mehr gesprochen und jetzt ist is.eftstimmung wieder vorbei,'s geht so ziemlich im alten 'eise. Bei viele» geht es sogar noch schliinmer. Bis zum euen Jahr giebt's wenig Arbeit— da können die Leute einmal i,, �.»hen, meinen manche recht zufrieden.- Geht einmal hinein km. lvliethskaserne». auf die finstern, modrigen Höfe, in die »"'en. feuchten Wohnungen— wenigstens nennt man diese ),'"kel Wohnungen- da könnt ihr sehen, was es heißt: Und 1 Mensche,, ei» Wohlgefallen.' � n. Weit draußen in der Vorstadt ist es. Der Keller liegt 5»md der Schnee ist vor den Fenstern anfgethur.nt, 2 lelbst am Mittag kaum das Licht das dumpfe Loch da in*• erhellen kann. Allerdings hat der Hof selber auch eben Sonne geseh».- Freundlich sieht's da unten nicht ei» Ein wackliger Tisch, ein paar wurmstichige Stuhle, Kr» �p'ud, dessen Thür schon früher einmal als Brennholz vcr- raucht worden ist, eine Bettstelle mit etwas Stroh und daneben dos f'u Bund Stroh, auf dem ein paar zerlumple Decken liegen, auf?" Der andere Zweck, den Armen begreiflich zu machen, wie überaus weichherzig und gut die Reichen sind, mag vielleicht bei einigen besonders Leichtgläubigen erreicht werde». Aber wenn sie nur wüßren, wie solche Weihnachtsbescheerungen für Arme zustande koinmen! Wenn die Sendboten, welche die Listen austragen, reden dürften, dann würden sie uns erzählen, wie viel bissige Redensarten sie haben einstecken müssen, weil der Herr Banquier oder der Herr Regieruugsrath sich der Ver- pflichtung, eine Mark zu zeichne», nicht entziehen konnten. Das sieht man den im Ausverkauf erstandenen Geschenken gar nicht an, wenn sie so recht vortheilhast arrangirt unter dem Lichter- bäum paradiren. Die armseligste Bescheerung aus eigenen Mitteln ist diesen von„wohlthätige» Menschenfreunden" veranstalteten Weihnachtsbescheerungen immer noch vorzuziehen. Es ist besser, daß an den kargen Gaben der Schweiß der Eltern haftet, als daß sie durch die Verwünschungen der zum Geben gezwungenen Reichen besudelt sind. Diese Geschenke der Reichen bringen den Armen keinen Segen. Aber sie bringen ihn auch nicht den Neichen, welche sich damit ihre Sicherheit zu erkaufen denken. Früher war man„wohlthätig" aus Gottes- furcht, heute ist man es aus Furcht vor den Sozialdemokraten. Weiui man der„Kreuz-Zeitung" trauen darf, so sind die Sozial- demokraten in der That nicht iveniger zu fürchten, als Gott es früher war. Nach der Ansicht des frommen Blattes ist die Sozial- demokratie„Gottes Gerichtsvollzieher, welcher(d. h. nicht Gott, sondern sein Gerichtsvollzieher„Sozialdemokratie") mit einer in Genußsucht versunkenen„guten" Gesellschaft blutige Abrechnung halten wird." Da kann man es denn auch verstehen, warum es diese„gute" Gesellschaft gegenwärtig für praktischer hält, statt der himmlischen Seligkeit zunächst an die irdische Sicherheit zu denken und den armen Mann zu umschmeicheln. Mao sich»ntrr dem wohlklingende» Uamen „Lakrikordnnng" Alles verbergen kann, darüber erhalten wir eine beachtenswerthe Mittheilung. In der Kunst- und Luxus- Papierfabrik von W. B. in der Reichenbergerstraße sind neuer- Vings einige neue Bestimmungen in die Fabrikordnung einge- schaltet worden; danach kann der Unternehmer jeden Arbeiter und jede Arbeiterin zu jeder Stunde des Tages entlassen, ohne daß in solchem Falle dem Entlassenen ein Anspruch auf eine Entschädigung zusteht, mit anderen Worten, eine Kündigung für den Unternehmer besteht nicht. Dagegen können die Arbeiter nur Sonnabends beim LohnempfangdasArbeitsverhältniß lösen; wer im Laufe der Arbeitswoche und außer an dem erwähnten Zeitpunkte die Arbeit in der Fabrik ansgiebt, der geht des bis dahin ver- dienten Lohnes verlustig uud verwirkt damit jeden Anspruch, den er sonst noch etwa an die Firma machen könnte. Diese famose Bestimmung der Fabrikordnung wurde den Arbeitern und Ar- beiterinnen mitgctheilt, und diese mußten die neue Bestimmung unterschreiben; wer etwa nicht unterschrieb, hatte sofortige Ent- lassung zu geivärtigen.— Man fragt sich vergebens, welchen vernünftigen Grund die Firma zu solcher Bestimmung hatte? Zur Sicherung der Fertigstellung begonnener Arbeit oder aus irgend einem Grunde, der in dem Betriebe der Fabrik zu finden wäre, kann die Anordnung nicht ergangen sein. Man könnte auf die Vermuthung kommen, die ehrenwerthe Firma hätte an den Wochentagen öfter nicht das nöthige Geld um die Arbeiter, welche mit der Arbeit aushören, zu entlohnen; aber dann genügte doch die Bestimmung, daß in solchem Falle der Arbeiter mit der Lohnzahlung bis zum nächsten Sonnabend warten muß. Als eine Entschädigung, welche die Firma von einem gewissen Billig- keitsstandpunkle aus fordern könnte, etwa wenn begonnene Ar- beit von einem Arbeiter liegen gelassen wird, kann man die Ein- büße an Verdienst, welche der Arbeiter erleidet, bei der ganz allgemeinen Form der erwähnten Bestimmung auch nicht aus- fasse». Bliebe nur noch die Möglichkeit zu erwägen, ob sich diese Bestimmung vielleicht als einAkt weiser. väterlicherFürsorgeeines um das Wohl seiner Arbeiter bemühten Unternehmers darstellt; allein gegen diese Vermuthung spricht der Umstnnd, daß der von den Arveitern erarbeitete Verdienst der letzten Woche lediglich in die Tasche des Unternehmers fließt, wenn der Arbeiter anders als am Sonnabend die Arbeit einstellt und ein solches Verfahren hat doch wohl mehr Anspruch auf die Bezeichnung„Eigennutz" als auf„Fürsorge für die Arbeiter". Dazu kommt, daß der Zeit- pnnkt für die Einführung solcher, jedes Rechtsgefühl schwer ver- letzenden Bestimmungen von den Herren Fabrikanten in diesem Falle sehr schlau gewählt ist; die herrschende Arbeitslosigkeit sorgt dafür, daß bei etwaigem Widerspruch gegen die hohe Anordnung deS Arbeitgebers der nöthige Ersatz für die Widersprechenden bald zur Stelle ist.— Bei solcher Anwendung seines„guten Arbeilgeber-Rechts" ist es schwer die Begriffe„Arbeitgeber" und Es macht müde, so in die Gluth zu starren und die Wärme erschlafft den Körper. Er weiß nicht recht, ob er wacht oder träumt. Aber der Ofen verwandelt sich allmälig ganz seltsam. Es sieht aus, als würde er zu einem großen, glühendrolhen Blumenkelch. Tie Blätter zucken auf und nieder wie die Flammen. Und in dem Kelche, da ivispert's und flüstert's— feine, zarte Stimmchen.— Jetzt plötzlich taucht auf dem einen Kelchblatt ein kleines Wesen auf, fast wie ein Mensch, aber kaum fingerlang. Es trägt ein buntes Röckchen, mit Golde verbrämt, und schaut ganz stolz und fürnehm drein. Und mit einem Male sitzt neben ihm ein zweites Männchen, fast noch kleiner. Das hat nur ein schlichtes, graues ktittelche» an und sieht ganz verkümmert und traurig aus. Obgleich sie aber so verschieden scheine», begrüßen sie sich doch ganz freundlich wie alle Bekannte. Sie sind'» auch. Im Walde standen sie noch vor wenigen Tage» dicht beisammen. DaS eine war ein stolzer, kräftig aus- strebender Stamm, das andere ein verkrüppelter, kraftloser Banm. Zusammen wurden sie gefällt, verschickt und verkaust und waren zuletzt bei demselben Händler. Aber der eine lag hinten im Winkel, der andere aber stand weit sichtbar und alle Kunden lobten seinen Wuchs und erschraken vor seinem hohen Preis. Aber schon am zweite» Tage kam die gnädige Frau Räthin und kaufte ihn. Er wurde in ihre Wohnung geschafft. Seit dem wissen die beiden von einander nichts mehr und jetzt berichten sie ihre Erlebnisse. „Es war ein prächtiges Zimmer, in welches sie mich brachten. Ta ward ich mit allerhand Tand und Flitterwerk behängt, daß es aussah, als strahlte ich in eitel Gold. Rings um mich her thürmten sich Kisten und Kasten, Schachteln und Büchsen, Bücher und alles mögliche Brauchbare und Unbrauchbare. Endtich kam der Weihnachtsabend. Meine Lichter strahlten. Ich glgubte mindestens eine halbe Stadt solle hier bescheert bekomnien— aber »ein! es kamen nur der Herr Papa, die gnädige Frau Mama, die beiden Söhne und das jüngste Kind, ein herziges Mädchen von neun Jahren. Die Frau Mama bemerkte sehr ungnädig, daß sie schon viel bessere Pelzmäntel, als diesen hier, ausgestellt gesehen hätte, der Herr Rath schimpfte den Schneider einen Esel, weil der neue Schlafrock mindestens zwei Finger breit zu eng fei, und wenn die Frau Geniahlin nicht etwas nervösen Kopfschmerz bekommen hätte, so wäre es womöglich noch zu ernstem Streite gekommen. Die Söhne musterten Alles ziemlich gleichgiltig. Der eine fand, daß in der illustrirten Klassikerausgabe die Bilder höchst albern wären. Der andere ärgerte sich, daß die neuen Schlitt- „Sklavenhalter" noch von einander zu trennen.— Einstweilen aber möchten wir unsere Meinung dahin aussprechen, daß diese ganz einseitige Anordnung der Fabrikanten dem Geiste der »eueren Gesetzgebung widerspricht, daß sie geradezu vom Stand- punkte der neueren Gesetzgebung aus als gegen die guten Sitten verstoßend erachtet werden muß und wir haben die Hoffnung, daß eine richterliche Entscheidung, wenn sie in solchem Falle angerufen würde, diese famose und ungerechte Bestimmung als gesetz- und rechtswidrig für un giltig er- klären würde. Den Kapitalismus wird in der Anvkeutnns der Arbeitskräfte immer sindiger. Als großer Uebelstand ist längst in den Kreisen der arbeitnehmenden Kaufleute das Reisen auf Provision ohne festen Gehalt erkannt worden. Man ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß zu dieser'Art der Ausbeutung nur das heutige große soziale Elend gefüyrt hat. Doch nicht genug da- mit; jetzt werden in Berlin die sogenannten„billigen Buchhalter", eine ganz neue Spezies ini kaufmännischen Beruf, Mode. Die „billigen Buchhalter", welche sehr gewandte Leute sein müssen, werden zu folgenden Bedingungen engagirt. Sie erhalten ganze 30 M. für einen vollen Monat, also pro Tag eine Mark. Dafür müssen sie am Vormittage die Bücher führen und die Korrespon- denz erledigen. Am Nachmittage werden sie auf Reisen geschickt; von den eventuellen Aufträgen erhalten sie geringe Prozente. Um die nöthige Zeit für die Reisetouren zu gewinnen, darf er, namentlich im Winter, sich nicht lange mit dem Mittagessen aufhalten. Und kommt er dann am späten Abend heim, so muß er sich sehr häufig sagen:„Heut hast Du Dir wieder einmal mehr Stiefelsohlen abgelaufen, als Du Pro- vision verdient hast." Der Kaufmann selbst büßt in keinem Falle, mag nun der Buchhalter gute oder schlechte Geschäfte machen, etwas ein. Selbstredend verdient der Chef an einem eventuellen Auftrage so viel, daß er auch noch das Fixum des Buchhalters von 30 M. reichlich herausschlägt und so hat er denn sein Personal umsonst. Daß diese Zustände, für deren Richtigkeit wir Belege beibringen können, himmelschreiend sind, wird jeder denkende Mensch einsehen. Die in solcher Weise ausgebeuteten Handlungsgehilfen werden gewiß bald zu der Erkenntniß kommen, daß sie bei den bürgerlichen Parteien Rettung aus ihrer miserablen Lage nicht finden können, daß all ihr Heil bei der zielbewußten Arbeiterschaft, bei der Sozialdemokratie liegt. Dir Oberhavel bietet in jedem Winter die prächtigste Partie für Schlittschuhläufer in der Spandauer Gegend; von Tegel und Heiligensee ab dehnt sich eine ununterbrochene Eis- fläche in der Länge von anderthalb Meilen bis Spandau aus. Auch in diesem Winter wird sie schon stellenweise belausen. Es muß jedoch diesmal noch dringender als früher zur Vorsicht gemahnt werden. Obgleich bisher die ganze Eisbahn der Aus- ficht eines Pächters unterstand, der verpflichtet war, die unsicheren Stellen zu markiren, so hat die Oberhavel doch in jedem Winter Opfer an Menschenleben gefordert. Gegenwärtig ist die Sache aber weit gefährlicher. Der Pächter, ein Spandauer Restaurateur, in einem Prozeß gegen einemHerrn ausTegel, welcher sich im vorigen Jahre weigerte, die geforderte Gebühr für die Benutzung der Eisbahn zu entrichten, unterlegen, indem die Zivilkammer des Landgerichts 11. in Berlin erkannte, daß die Oberhavel als öffentlicher Fluß ein Verkehrsweg sei und sowohl im Winter als auch im Sommer von Jedermann unentgeltlich benutzt werden könne. Der Pächter, welcher jährlich 3600 M. für die Ausnutzung der Eisbahn zahlen mutz, hat bei der Verpächterin, der Königlichen Regierung in Potsdam, die Aufhebung des noch drei Jahre giltigen Kontrakts beantragt. Die Sache ist bisher noch nicht zum Austrag gebracht. Der Pächter hat aber die Eisbahn in diesem Jahre nichi wieder übernommen und wartet auf die Entscheidung. So ist denn gegenwärtig die weite Eisfläche ohne jedwede Aufsicht. Allent- halben stößt man auf Oesfnungen im Eise, welche von Fischern oder Flößern geschlagen worden sind. Also nochmals Vorsicht! Die Giferfncht ihres Gatten hat am vorgestrigen Abend die Frau des in der Chausseestraße wohnenden Kaufmannes H. zu einem Selbstmordversuch getrieben. Seit einigen Monaten war vereheliche Frieden des seit mehreren Jahren glücklich verheivatheten Paares durch Verwandte gestört worden, welche dem Ehemann vermeintliche Beweise von der Untreue seiner Gattin zu erbringen suchten. Wiederholt mußte Frau H. vor den WuthausbrLchen des auf's Höchste erregten, sehr eifersüchtigen Mannes bei ihren im Westen der Stadt wohnenden Eltern Schutz suchen, kehrte aber, durch die Bitten des H. bewogen, immer wieder zu dem- selben zurück. Vorgestern Mittag kam es wieder zu einer stürmischen Szene; H. beleidigte seine Frau in Gegenwart einer zu- fällig anwesenden Nachbarin mit einer Fluth der unfläthigsten schuhe doch nicht so theuer seien, wie die, welche des Herrn Medi- zinalraths Fritz erst neulich bekomnien hatte. Zum Schlüsse sagten sie„msrei", setzten sich verstimmt in eine Ecke und knackten Nüsse auf, um doch einmal festzustellen, wieviel unter hundert Stück verdorbenwären. Nur die Tochter freute sich ihrer Geschenke. Sie saß bei ihrer Puppe, die in einer großmächtigen Wiege lag, und besah mit strahlenden Augen das prächtige Seidenkleid und all das andere. Als sie aber auch einmal wiegen wollte, verbat die Mama sich das. Sie fürchtete sonst ihre Nerven zu überanstrengen. — Die Dienstboten hatten übrigens ihre Bescheerung in der Küche— es paßte sich nicht, daß sie mit der Herrschaft zusammen in einem Zimmer das Fest der Bienschenverbrüderung feierten, so ungefähr hatte ich die Reden der Frau vom Hause verstanden. Und als sie jetzt anfragten, ob sie kommen dürften und sich bedanken, meinte sie, das sei unnöthig; daS Pack heuchle ja doch blos seinen Dank und sie könne diese Dankbarthuerei bei dem gemeinen Volke nicht leiden.— Dann wurde es recht still, bis mit einem Male die Mama bemerkte, daß ihre Ella, ohne etwas davon zu sagen und um Er- laubniß zu bitten, das Zimmer verlassen hatte. Sie meinte zunächst, sie sei zumGeflnde hinübergelaufen und erzürnte sich einigermaßen über das vertrauliche Benehmen ihrer Tochter gegen dasselbe. Als sie sich aber in der Wohnung nicht fand, wuchs die Aufregung ganz bedeutend. Man vermuthete schon ein Unglück, die Migräne der gnädigen Frau nahm'zu. Am Ende kam die Vermißte wieder. Sie war bei der armen, kranken Frau im Keller auf dem zweiten Hof gewesen und hatte den Kindern ein bischen von ihrem Kuchen und Naschwerl mitgenommen. Für diese Unart wurde sie nun zu Bett geschickt und ihre Brüder erklärten, sie würden die Bettel- fangen bei Gelegenheit mal mit ein paar Händen voll Schnee füttern. Ella weinte, Mama schalt, Papa schalt, die Brüder zankten sich plötzlich— wer weiß warum? Und so endete das Weihnachtsfest. Heute kamen die Kinder wieder. Der bunte Aufputz wurde mir herabgerissen und dann brachte das Dienst- mädchen mich auf den Hos." So erzählte der erste. „Ich lag in meinem Winkel," begann der zweite.„Keiner mochte mich. Ich war ihnen allen zu verkrüppelt. So blieb dem Händler nichts übrig, als die paar guten Aeste mir abzuschnei- den, und sie bei anderen Bäumen, die auch nicht recht brauchbar waren, einzusetzen. So gings bis zum Christabend. Als es ganz svät war, ließ der Verkäufer zurück, was ihm übergeblieben war— nicht Redensarten und entfernte sich dann mit der Drohung, sich scheiden zu lassen. Die weinende, tief beleidigte Frau bat die Nachbarin, sie allein zu lasse», und als die Letzlere nach etwa ciner halben Stunde wiederum erschien, um die Aufgeregte zu trösten, wurde ihr nicht geöffnet, dagegen hörte sie aus dem Zimmer dumpfes Röcheln. Sofort liest die Geangstigte die Thür durch eine» im Hanse wohnenden Schlosser öffnen, und man fand Frau H. mit durchschnittener Pulsader fast verblutet ans ihrem Bett liegend. Die arme Frau, welcher sofort ein Roth- verband angelegt wurde, ist auf Anordnung des Arztes nach einem in der Nähe belegenen Krankenhause geschafft worden. Auf einem Zettel, der ans dem Tische lag, standen die wenigen Worte:„Die Ehre geht mir über Alles; beschimpft will ich nicht weiter leben." Elend s« Grunde segnnize» ist am letzten Sonntag Nachmittag ein beini Eisbrechen auf dem Rummelsburger See beschäftigt gewesener Fabrikarbeiter. Derselbe schost nämlich auf die dort hinter der kleinen Krampe umherfliegenden Möven, welche in der von den Schleppdampfern aufgerissenen Fahrrinne ihre Nahrung suchen. Als eine von dem Manne erlegte Möoe aus das jenseitige Ufer niederfiel, wollte derselbe, um die Beute zu erlangen, mit einem kleinen Schlitten über die dünneEisdecke hinweg- setzen, welche sich über eine Tags zuvor aufgerissene Fahrrinne inzwi- schen gelegt hatte. Das Eis hielt aber nicht, der Mann brach ein und suchte sich, während er gleichzeitig aus Leibeskräften nach Hilfe rief, an den Rändern der festen Eisdecke mit den Händen fest- und über Wasser zu halten. Es dauerte jedoch mehrere Minuten, ehe Schiffer, welche die Hilferufe vernommen hatten, mit Stangen und anderen Geräthen zur Stelle sein konnten, um dem mit dem Tode Kämpfenden Rettung zu bringen. Ihre bezüglichen Be- mühungen blieben leider ohne Erfolg; der vor Kälte fast erstarrte Mann vermochte das ihm zugeworfene Tau und die ihm zu- gereichte Stange nicht mehr zw erfassen und sank vielmehr vor den Augen der Schiffer in die Tiefe, aus der er nicht wieder emportauchte. Der Verunglückte, ern Arbeiter Namens Gabel, hinterläßt in seinem schlesischen Heimathsdorfe eine Frau mit drei unmündigen Kindern. Die Feuerwehr wurde vorgestern Abend und in verflossener Nacht viermal alarmirt. In der Leipzigerstr. 92 war eine Gas- explofion erfolgt� jedenfalls war man beim Aufthauen der ein- gefrorenen Gasleitung unvorsichtig gewesen und hatte nicht stimmt- liche Ventile geschlossen. Lederwaacen, Leisten und Modelle, welche in dem Explosionsraume aufgestapelt waren, wurden vom Feuer vernichtet. Die Feuerwehr brauchte keine Spritze in Thätigkeit zu setzen; der Brand konnte durch Ausgießen gelöscht werden.— In der Unterkellerung des Grundstück Blücherstraße 35 war leitung eingefroren. Ein Rohrleger brennenden Hobelspähnen, die er geschüttet, ausznthauen. Er ging zu Werke, daß die im Keller angehäuften Papierabsülle Feuer singen und schließlich der ganze Keller ausbrannte. Auch hier hatte die Feuerwehr den Brand nach kurzer Arbeit bewältigt.— Thurmstr. 70 brannten im Keller einer Kohlenstaub-Fabrik Vor- räche an Kohlenstaub und Säcke, ferner ein Theil des Schal- dachs eines Anbaues. Dieses Feuer hatte größere Dimensionen. Die Feuerwehr nmßte mehrere Spritzen in Thätigkeit setzen.— In der Gcmeindeschule Nr. 178, Frovenstr. 22, endlich, der früheren 5taserne des Eisenbahn-Regiments, brannte der Dachstuhl im Vorderhause. Das auf dem Bodenraum befindliche Brenn- Material für die Schule wurde ein Raub der Flammen. Größerer Schaden wurde durch das rasche Eingreifen der Feuerwehr ver- hütet. Eine polizeiliche Meldung berichtet Folgendes: Der Mord an dem Nachtwächter Braun dürfte endlich jetzt, nachdem seit dem Verbrechen über drei Jahre ver- gangen sind, seine Sühne finden. Der pflichtgetreue Beamte wurde, wie noch erinnerlich sein wird, am Morgen des 27. September 1887, einem Dienstag, tobt aufgefunden. Seine Leiche war an einem Baume in den Anlagen bei der Elisabethkirche an dem eigenen Schlüsselriemen aufgehängt. Daß kein Selbstmord, sondern Mord vorlag, ging daraus hervor, daß Braun durch einen heftigen Schlag mit einem schweren Instrument der Schädel zertrümmert war. Es wurde überdies fest- gestellt, daß im Laufe der Nacht der Versuch gemacht worden war, in räuberischer Absicht in die Elisabethkirche einzudringen. Aus allen seiner Zeit angestellten Ermittelungen ging hervor, das Braun die Einbrecher bei ihrer Thätigkeit über- raschle und an der Ausführung des Diebstahls verhindert hat, wofür er das Opfer seiner Pflichterfüllung geivorden ist. Einer der Raubgesellen schlich sich hinter ihn und schüttete dem Nacht- wächter, als er sich umdrehte, eine Dose Schnupftabak ins Ge- ficht, so daß er widerstandsunfähig war, worauf ihm ein Anderer mit einem der Diebesinstrumente den Schlag versetzte, der die Schüdeldecke spaltete. Dann knüpften die Thäter den bedauerns- werthen Beamten auf. Die Kriminalpolizei hatte bereits damals den Verdacht der Thäterschaft auf den Töpfer Hermann Heintze und dessen Frau Anna geb. Will. Heintze ist ein der Behörde als Zuhälter und roher Geselle bekannter schwerer Verbrecher, ivährend seine Frau zu den Prostituirten der niedrigsten Sorte zählt. Gegen Beide wurde dann auch auf Grund des von der Kriminalpolizei gesammelten Materials die Voruntersuchung ein- geleitet; da aber sowohl der Staatsanwalt wie der Unter- suchungsrichter die Belastung der in Hast Befindlichen nicht für dritten Hoses auf dem ebenfalls eine Gas- versuchte dieselbe mit auf das Leitungsrohr dabei so unvorsichtig eben viel. Ein paar kleine Bäumchen, die holten sich arme Leute jetzt. Nur mich mochte leiner. Schon längst hatten aus allen Fenstern die hellen Lichter gestrahlt. Hier und La waren sie schon wieder er- loschen. Da stampfte durcy den liefen Schnee ein Mann daher. Er ging gebückt und in sich gekehrt, als ob ihn schwere Sorgen drückten. Der sah mich. Auch er hob mich auf, wie so viele vor- her. Auch ihm gefiel ich nicht. Er warf mich weg und ging weiter. Dann aber besann er sich und kehrte um.„Besser was wie gar nichts" brummte er vor sich hin, nahm mich auf und trug mich fort. Unterwegs kanfte er noch für zwei Groschen ein paar Lichter und dann ging's nach Haus.— Es war ein dunkles, dumpfes Kellerloch, in das er trat. Im Ofen glomm ein winziges Feuer. Davor stand ein Bettgestell und auf dem dürftigen Lager lag eine bleiche, kranke Frau. Drei Kinder hockten um sie herum und sie erzählte ihnen die Weihnachtsgcschichte, von dem wunderbaren Kinde in der Krippe, den Engeln und den Weisen aus dem Morgenlande. Sie liefen dem Vater entgegen. Der that ganz geheim und hieß sie einen Augenblick Herausgehn. Es war draußen freilich kalt— und so mußte er die Ueberraschung aufgeben.— Ein altes Bänkchen ward hervorgesucht, ich darausgestellt. Da fanden sich auch noch einige Enden bunter Papier- ketten. Ter älteste Sohn hatte dergleichen geklebt und auf dem Weihnachtsmarkte verkaust und da war ein wenig übrig gebliebe». Dann wurde jedes der drei Lichter in zwei Theile geschnitten, an meinen Aesien befestigt und angezündet.— Es war gewiß recht dürftig und trübselig, was diesen Kindern zur Weihnachtsbescheerung geboten ward. Und doch freuten sie sich des armseligen Baumes, der ewigen Lichter. Freilich, ste, die schon so lange keine Freude mehr gehabt hatten, sie nahmen auch das Kleinste mit Dankbarkeit hm. Und der Vater saß vor dem Bette seiner kranken Frau. Sie war freilich schwach und doch hatte sie sich jetzt aufgerichtet und ein leiser Schein des Glückes schimmerte auf ihrem schmerz- und sorgen- durchfurchten Gesicht, als sie die Kinder vor dem Baume herum-, tanzen sah. Und dann gab's Abendbrot und zwar im wahrsten Sinne lrocknes Brot war die Weihnachtskost— und die Mutter wandte sich ab und weinte still in sich hinein. Was sollte man jetzt auch beten, wo die Arbeit so knapp war und der Vater kaum einmal einen Tag lang Schnee schippen konnte, alle zwei, drei Tage höchstens Arbeit fand? Da ging die Thür auf. Ein kleines Mädchen sprang herein, fein und zierlich gekleidet, daß ausreichend erachteten, wurde das Verfahren eingestellt und das Heintze'sche Ehepaar aus der Untersuchungshaft entlassen. Die Kriminalpolizei ließ sich aber durch dieses negative Ergebniß ihrer Bemühungen in dem gehegten Verdacht nicht irre machen und setzte in aller Stille ihre Erhebungen fort. Endlich ist es nun gelungen, das Belastungsmaterial gegen Heintze und Frau derart zu vervollständigen, daß jetzt, wie wir erfahren, unter sofortiger Wiederverhastnng des Ehepaares eine neue Vorunter- suchung wegen Mordes gegen dasselbe eingeleitet worden ist. Eine hiesige Fabeili chemisch-pharmazeutischer Präparate ist von ihrem Vertreter in Buenos-Aires, dem Apotheker Arthur Schmidt, arg beschwindelt worden. Derselbe hat für das Haus mehrere Tausend Mark einkassirt und ist seitdem verschwunden. Wie die geschädigte Firma jetzt erst ermittelt hat, soll Schmidt schon früher in Valparaiso ähnliche Schwindeleien verübt haben. Schmidt besitzt große Routine im Droguen- und Apothekerfach und dürfte daher auch fernerhin mit dieser Branche Berührungs- punkte suchen. Es kann daher vor dieser Person nur dringend gewarnt werden. Unter dem Uamen Kraterschlange», Pharao schlangen und Hinterlader wird ein Spielzeug in den Verkehr gebracht, dessen' Verwendung gesundheitsgesährlich ist. Die Füllung der zur Verbrennung kommenden Patronen k. enthält sehr giftiges Quccksilberrhodanid, dessen Dämpfe auch schädlich aus die Gesund- heit wirken. In einer Bekanntmachung des Polizeipräsidenten wird deshalb das Publikum vor der Verwendung dieser Spielerei, namentlich für Kinder und in Kinderzimmern, ernstlich gewarnt. Die Verkäufer werden darauf hingewiesen, daß der Verkauf dieses Spielzeuges strafbar ist. Selbstmord in religiösem Mahn. Der seit ca. G Monaten verheirathete, in der Landsberger Allee wohnende Facon- dreher Karl S., der als Vorarbeiter in einer im Osten der Stadt belegenen Werkzeugsabrik beschäftigt ist und bisher ein tüchtiger und umsichtiger Arbeiter war, zeigte seit einigen Tagen Spuren von Geistesgestörtheit, die im Wesentlichen zunächst seinen Mit- arbeitern auffielen. S. fing an in religiöse Schwärmerei zu ver- fallen, indem er bei den Vesperpausen und mitunter während der Arbeit ganz unverhofft kleine Bibeln aus der Tasche nahm und daraus in stehender Haltung, mit gefalteten Händen und nach oben gerichteten Augen laut vor sich hin betete. Dies Gebahren nahm zuletzt einen derartigen Charakter an, daß S. entlassen wurde. S. ging nach Hause, erzählte seiner Frau, was vorgefallen, ermahnte sie zum Frieden Gottes, erklärte sich als Märtyrer, der die Krone des ewigen Lebens erhalten habe, und begab sich dann, nachdem er noch betend und knieend von der sündigen Welt Ab- schied genommen hatte, zu Bett. Die Frau, in dem Glauben, daß ihr Mann vielleicht etwas berauscht sei, achtete weiter nicht auf sein Benehmen, ließ ihn gewähren und legte sich dann gegen 10 Uhr ebenfalls zu Bett. Leider sollte sie am nächsten Morgen etwas Fürchterliches erfahren. Als sie erwachte, sah sie ihren Mann entseelt im Bette liegen, derselbe hatte sich mittelst eines Rasirmessers die Pulsadern durchschnitten. Ein hinzugerufener Arzt konnte nur noch den bereits eingetretenen Tod konstatiren. Dom Schlachtfeld der Arbeit. In der Ludwig Löwe'schen Fabrik verunglückte am Sonnabend Abend gegen GVe Uhr der 24 Jahre alte Dreher Hoppe an der Drehbank, indem er sich den einen Arm gräßlich zerfleischte. Der Fabrikarzt glaubt, daß die Heilung mehrere Monate in Anspruch nehmen wird. Der Unfall wird auf den Mangel an Schutzvorrichtungen zurückgeführt. Die Lokalkammifsio» von Schöueberg macht hiermit diejenigen Lokale bekannt, welche ihre Säle den Arbeitern nicht zu Versammlungen geben, eventuell keine Arbeiter-Zeitungen in ihren Lokalitäten den Arbeitern zur Verfügung stellen: Weit's Lindenpark; Restaurant zum Helm; Kuckenburg's Schwarzer Adler; Heckendors's Salon; Sarre's Birkenwäldchen. Arbeiter-Zeitungen werden von folgenden Wirthen nicht gehalten: In der Nollendorfstraße: Handschmann, Ewald; Maaßenstraße: Liepelt; Golzstraße: Borchert, Markt-Restaurant; Grunewald- straße: Berner, Buge, Michalski; Kolonnenstraße: Lachmann, Strauchmann; Sedanstraße; Schlinz, Krone, Supke; Hauptstraße: tewald, Baltzer, Füllgraf's Gasthof zum Deutschen Hause, rloff's Gasthof zum Hirsch. Die Schloßbrauerei steht uns in allen ihren Theileu zur Verfügung. Arbeiter, Parteigenossen! Gedenkt der Worte:„Ihr habt die Macht in Händen"; laßt auch diese Macht die Lokalinhaber Schönebergs fühlen, indem Ihr die Lokale meidet, g welche unseren Forderungen nicht nach- kommen. Die Urinickendsrfer Fokalliommisfibn theilt uns mit, daß folgende Wirthe unentgeltlich ihre Säle zu allen Arbeiter- Versammlungen hergeben: 1. Böttcher's Sceschlößchen, Mark- straße 1—2. 2. Lüdicke, Amendestr. 1. 3. Budewitz, Hansotter- straße 4. 4. Bencke, Nordbahnstr. 1. 5. Gordes Waldschlößchen, Eichbornstr., an der Dalldorfer Haide. 6. Marks, Tegeler Chaussee, Restaurant zum Feuerwerker.— Keine anderen Lokalitäten sind für Arbeiter-Versammlungen zu haben. Die Genossen von der Tegeler Chaussee und Umgegend befinden sich in einem Jrrthum, wenn sie glauben, daß der Wirth vom Zentral-Schützenhaus, Tegeler Chaussee Nr. 4, seinen Saal allen Arbeitern zur Ver- fügung stellt, d. h. unentgeltlich. Alle event. Unregelmäßigkeiten wolle man an die Unterzeichneten richten. Daselbst sind Sammel- stellen sür gelesene Arbeiterblätter. A. Pfuhl, Provinzstr. 107. R. Duchatean, Gesellschaftsstr. F. Schäfer, Pankower Allee 41. Do« der Köpenickler Fokalkommisston erhalten wir fol- gendes Schreiben: Arbeiter, Genossen, die Wirthe entziehen uns ihre Lokale und erklärten, sie müssen sich der Polizei fügen; nun steht uns nur noch ein Lokal bei Kautsch, Kaiserhof, Grün- straße, zur Verfügung. Zeigen wir nun den anderen Wirthen, daß sie doch mit de» Arbeitern rechnen müssen, halten wir den Beschluß, welchen wir in der letzten Versammlung im Kaiserhof gefaßt haben, hoch, hauptsächlich in den Feiertagen, dann werden die Herren Wirthe zufrieden sein, wenn mal eine Versammlung bei ihnen abgehalten wird. Das„Berliner Volksblatt" liegt ans bei: es schier zum Verwundern war, wie sie in diese?. Elend hinein- kam. In der Schürze trug sie Aipfel und Nüsse und einige Stücke Honigkuchen. Sie hatte die kranke Frau so lieb, die immer so sanft und geduldig war, und auch die Kinder waren so gut. Die arme Kranke lächelte, wie ihre Kinder die seltenen Schätze theilten und streichelte dem fremden Mädchen das Haar. Und alle waren ordentlich fröhlich. Nur der Vater stand finster ab- seits. Was er dachte? Vielleicht, ob wohl der Herr Rath noch mehr und schwerer gearbeitet halte, um seine Kinder so reich zu bedenken, während er, der arbeitete und gern noch niehr arbeiten wollte, die Seinen mit trockenem Brot speisen mußte und froh war, wenn er es noch hatte. Bald ging die Kleine wieder; sie hatte sich heimlich fort- geschlichen. Am andern Abend war Trauer und Klagen. Die Mutter war todt. Die Kinder weinten, der Vater ging herum wie betäubt. Dann kamen Leute, die legten sie in einen schwarzen, kahlen Sarg und trugen sie fort. An mich schien Keiner mehr zu denken. Heut nahmen sie mich, zerbrachen den Stamm und legten mich in den Ofen." So sprachen die Beiden. Und sie erzählten einander weiter von ihren Jrgendtagen im dustigen Walde, von bunten Blume» muthwilligem Waldgethier und immer weiter und weiter, wunder bare Märchen.———————————— Plötzlich erwachte der Knabe. Der Vater kam heim. Er hatte gewiß wieder etwas getrunken; das that er, seit die Mutter todt nicer, so oft, beinahe jeden Abend. Warum nur? Er ließ ihn barsch an, weil er geschlafen und das Feuer habe ausgehen lassen. Nun lag er auf seinem Stroh unter der dünnen Decke. Er dachte an seinen Traum— ein seltsamer Traum, so klar und deutlich. Freilich— er hatte das so ziemlich alles gewußt, was die Tannengeister sich erzählten. Ella hatte ihm auch gesagt, wie ärgerlich die Mama gewesen war, und daß sie nicht mehr mit ihm verkehren sollte.-- Ihm fiel ein, was die Mutter neulich am Weihnachtsabend noch so kurz vor ihrem Tode erzählt hatte. Warum sangen damals die Engel doch: friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen?" arum?— Held, Müggelheimerstraße. Tauchert, Müggelheimerstr. Markau, Grünstraße. Stutz, Schloßstraße. Kautsch, Grünstraße. Janke, Berlinerstraße. Gabriel, Grünauerstraße. Schmidt, Grünauerstraße. Lange, Grünauerstraße. Die Köpenicker Lokalkom Mission. Polizeibericht. Am 20. d. M. Vormittags wurde eine Frau, als sie in einem Bäckergeschäft in der Hochstraße die nach der Backstube im Keller führende Treppe hinabstieg, plötzlich vom Schlage getroffen und verstarb auf der Stelle.— Nachmittags wurde ein 72 Jahre alter Mann vor dem Hause Seydelstr. 24 vom Schlage getroffen und verstarb bald darauf in der Droschke, mittelst deren er in die Charitee gebracht werden sollte.— Abends wurde ein obdachloser Arbeiter vor dem Hause Schloßsreiheit 8 von einer Droschke überfahren und am Kopfe und den Ober- schenkeln so schwer verletzt, daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Zu derselben Zeit wurde ein Mann in seiner in der Straße 43 belegenen Wohnung erhängt vorgefunden.— Am 21. d. M. Morgens wurde ein Arbeiter in seiner Wohnung in der Wienerstraße todt aufgefunden. Derselbe war am Abend zuvor aus eigener Unvorsichtigkeit von der Treppe gestürzt und ist nach ärztlichem Gutachten an Herzlähmung verstorben.— Vormittags stürzte sich ein 71 Jahre alter Hospitalist in einem Aufall. von Geistesstörung aus dem zweiten Stock des Nikolaus« Bürgerhospitals, Große Frankfurterstraße, in den Garten hinab und verstarb ans der Stelle infolge der erlittenen schweren Verletzungen.— Nachmittags wurde an der Ecke der Jerusalemer- und Leipzigerstraße ein unbekannter, etwa GS Jahre alter Mann von einem Omnibus überfahren und so schwer ver- letzt, daß er bei der Ueberführuna nach der Charitee verstarb.— Zu derselben Zeit versuchte ein Mädchen in feiner Wohnung in der Oderbergerstraße sich mittelst einer Phosphorlösung zu ver- giften. Nach Verabreichung eines Gegenmittels wurde eS nach dem St. Hedwigs-Krankenhause gebracht.— Abends fiel ein Mann durch das Geländer der Stralauerbrücke auf einen dort liegenden Obstkahn herab und erlitt dabei eine so schwere Verletzung am Kopfe, daß er nach dem Krankenhause am Friedrichshain gebracht werden mußte.— Am 22. d. M. Morgens wurde ein Mann in seiner Wohnung in der Brunnenstraße erhängt vorgefunden.— Am 20. und 21. d. M. fanden an 10 verschiedenen Stellen kleinere Brände statt. GeridErts-'Ieikzmii. Mrnn dvankrn zwischen Schnee und Eis eine Art neue» Frühlings sich auf den Straßen und Plätzen zeigt und würziger Tannenduft die Luft erfüllt, dann pflegt es auch im Gerichlssaale friedlicher zuzugehen als sonst und so manche alte Fehde, welche die Genüither viele Monate hindurch bewegte, wird in der Weihnachtswoche begraben. Der Vorsitzende des Gerichts- Hofes, vor welchem Privat-Beleidigungsklagen zum Austrag ge- bracht werden, vollzog gestern wahre Wunder der Versöhnung und er konnte sein Tagewerk mit dem fröhlichen Bewußtsein schließen, daß es ihm gelungen war, sämmtliche 15 Klagesachew welche zur Verhandlung standen, im Wege gütlicher Einigung aus der Welt zu schaffen.' Und daß dies keine Kleinigkeit ist, weiß Jeder, der einmal mit angesehen hat, mit welchem wilden Haß die Parteien in solchen Beleidigungsklagen auf einander platzen.„Lieber will ick mir von Koch'n lymphen lassen, als din 'Angeklagten die Strafe schenken! Er hat mir zu unjebildet bt- handelt!" So eiferte die Frau, welche als Klägerin dem Haus- vermalter gegenüberstand.— Präs.: Haben Sie Kinder?" Klägerin: Fünf Stück, alle haben se Backen wie de Bors« dorfer Aeppel.— Präs.: Nun, sehen Sie nml, Sie wollen doch Ihren Kindern gewiß auch eine Weihnachtsfreude bereiten? Kläg.: Na Jott, was man duhn kann, des duh> Waßmann. Ville wird et ja nich sind, denn mei» Mann ment, bei die deuren Zustände heitzudagi und die Kleberei, die er nu zum 1. Januar for die Jnfamlität besorjen muß, da muß er uns den Brotkorb ee» Bisken höher hängen. Aber so'n Bisken wat Nützlichtet un een Bisken wat aus'n 50 Pfennig-Bazar sind't sich ja doch noch W sammen.— Präs.: Nun hören Sie mal zu: Sie würden noch frohere Weihnachtsfeiertage haben, wenn Sie das schöne Bewußt- sein mit heim nähmen, Ihrem Feinde die Hand zur VersöhnunS gereicht zu haben.— Klag.: Dem Jrobschmieds-Gesellen? Llü nich! Er muß blechen!— Präs.: Was haben Sie davon, wenn der Mann bestraft wird? Ihnen muß doch genügen, wenn et das Vorgefallene bedauert. Gar so schlimm ist ja die ganzt Sache nicht.— Kläg.: Sie wissen jewiß nich, wat er zu nur sagt hat?— Präs.: O ja, das weiß ich sehr gut. Aber nun deschämen Sie ihn mal und begraben Sie angesichts des schönen Weihnachtsfeste» die Streitaxt. Sie sollen mal sehen, wie hell und klar Ihnen dann die Weihnachtskerzen entgegen leuchten werden und wie Ihnen dann erst der Weihnachtsbaum lieb und werth sein wird."T Kläg.: Herr Staatsanwalt, et is man blos'ne Perjamide, noch von's vorige Jahr.— Präs.: Also soll ich den Vergleich aus- setzen. Der Angeklagte bedauert die gefallenen Ausdrücke»no trägt die Kosten.— Kläg.: A birst ooch die Kosten von mein Rechtsanwalt! Die Leite woll'n doch ooch leben?— Präs' Das versteht sich. Also sind Sie einverstanden?— K l ä g.: Na,»fl 'ne Trommel for meinen Jüngsten wird et ihm woll ooch nich am kommen, wo ick ihm seine Strafe zu Weihnachten schenke.— Präs.' Das müssen Sie mit ihm privatim abmachen.— Kläg.: Un denn muß et ooch ins Blatt rin, daß er mir for'ne anständige Fran un nich for'ne dumme Pute ästimiren dhut.— Präs.: Wenn Sie so viele Bedingungen stellen, dann wollen wir lieber ver- handeln. Sie würden sich ja eine große Weihnachtsfreiw* machen, wenn Sie sich sagen können, daß Sie eine edle That, du That der Versöhnung verrichtet haben.„Friede auf Erden!""7 Kläg.(nachdenklich): Na, wenn Se meenen, denn kann er sia> za meinswejens seine Anklage au'n Weihnachtsboom bammeln. Denn schenke ick ihm seine Strafe, aber blos. weil jrade Weihnachten is.— P r ä s.: Der Angeklagte kann Ihnen za auch noch zu Protoken -rsprechen, daß er Sie in Zukunft in Ruhe lassen will.— Kläg- ÜÜO Dafor danke ick. Sein Versprechen kann er doch nich halten- � Präs.: Nun also, die Parteien vergleichen sich.— Kläg.:» stimme zu: Frieden uff Erden! Verjnügte Feierdage!—% etwas kübseligeres Kolorit hatte die folgende Verhandlung,. welcher der GOjährige Partikulier S- als Kläger erschien. Er. von seinem Flurnachbar mit„krummbeiniger Heuchler und Pai. satzke" titulirt worden und trat nun mit gesenktem Haupte. den Richtcrtisch, um Rache an dem Miffcthäter zu üben. P* OL Auch hier empfiehlt es sich sehr, daß sich die Parteien vergleich. — Kläg.: Herr Gerichtshof, ich bin ein alter und schwacher Ma. solche Beleidigungen wirken auf mich wie Keulenschläge.— Pf'■ Was kann Ihnen in Ihrem Alter daran liegen, dem Angel lag eine Geldskafe aufzuerlegen?— K l ä g.: Er soll fühlen, 1 wehe er nur gethan.— Präs.: Das fühlt er schon dad � daß ihm die Kosten aufgebürdet werden. Wenn wir in die. Handlung eintreten, dann erhöhen sich die Kosten sehr bebei»■ — Kläg.: Das ist ja betrübend, aber— Präs.: Beden. Sie, welche Weihnachtsfreude er damit seiner Familie bcre � kann.— Kläg.: Gott ja, er hat es ja nicht übrig, ade Präs.: Und welche Freude Sie der Familie bereiten, wenn, die Hand zur Versöhnung reichen.— Kläg.: Ich bin l*.(i( ein friedfertiger Mensch, jedoch-- Präs.: Also wollen einen Vergleich aufsetzen. Uebermorgen ist Heiligabend und wenn Sie Ihre Lieben beschenken, dann werden Sie mit Freuden an den heutigen Tag zurückdenken, wo Sie sich versöhnlich ge- ?eigt.— Klag.: Ich habe keine Lieben mehr. Slber es soll sein: tch stimme einem Vergleiche zu!— Das Protokoll wird aus- genommen, der Angeklagte verpflichtet sich, 10 Mark an die Armen zu zahlen, der alte Man» aber verläßt den Saal mit selbstzufriedenem Blick. Der gnte Präsident erzielte große Erfolge und der Gerichtöschreiber hatte viel zu thun, um die vielen Ver- gleiche in die richtige Form zu bringen. Eine für alle yroschkenführer wichtige Entscheidung hat kürzlich das Reichs-Versicherungsamt in der Unsallversicherungs« Cache des Droschkenkutschers Kasten wider die Fuhrwerks- Berufsgenosseuschast getroffen. Der Kläger war s. Z. an der Ecke der Landsberger- und Waßmannstraße, woselbst er als Führer einer Droschke auf dem Halteplatz stand, von einem Mörtelwagen überfahren worden und hatte eine nicht unerhebliche Verletzung seines Körpers erlitten. Die Fuhrwerks-Berufsgenossen- schaft hatte jede Entschädigungspfficht abgelehnt, da sie diesen Unfall als einen„Unfall iin Betriebe" n i ch t ansah, weil Kläger sich von seiner Droschke entfernt und neben der ersten am Platze haltenden Droschke gestanden habe.— Das Reichs-Versicherungsamt hat dagegeil diesen Unfall als einen versicher ungspslich- t i g e n anerkannt. Den Führern der Droschken in Berlin— so heißt es in dem Erkenntnisse— kann füglich nicht zu- gemuthet werden, daß sie während des oft st unden langen Aufenthaltes auf den Halte- stellen st e t s auf ihre» Wagen sitzen bleiben. Der Aufenthalt ans den Vürgersteigen ist aber polizeilich unter- sagt. Die Kutscher sind somit gerade auf den Straßondamm an- gewiesen und deshalb den Gefahren des Wagenverkehrs gerade vermöge ihres Bernfes in besonderem Maße ausgesetzt. Ter Un sall ist also als ein Betriebsunfall anzusehen.' VevfÄmmlungeu. .. Der Lrhrkursiis den Krriiirer Arbeiter«nd Ar- deiterintten zur ersten Hilfe bei Unglücksfällen(beide Abthei- tungen) tagte am 14. Dezember. Herr Dr. Guttnmnn sprach über Schwindsucht mit besonderer Berücksichtigung der neuesten Be- handlungsmethode. Nach einigen einleitenden Worten gab der Vortragende ein Lebensbild des Prof. Dr. Koch und ging sodann Z"m eigentlichen Thema über. Es wurden die ursächlichen Momente, die bei der Lungenschwindsucht eine Nolle spielen, geschildert. Sodann gab der Vortragende ein ausführliches Bild des Verlaufes der Lungenschwindsucht. Nachdem noch der gewöhnliche Ausgang der bisherigen Be- Handlungsmethode geschildert worden war, wurde das Koch'sche Mittel und seine Wirkung beschrieben. Als der Werth toes Mittels der Versammlung genau klar gelegt war, forderte err Dr. Guttmann zum Schluß die Anwesenden auf, sich zu hren Koch's von den Plätzen zu erheben. Die Fragenstellung war eine lebhaft«. Ter Vorsitzende macht bekannt, daß die nächsten Versammlungen mit Lehrstunde(weibliche Abtheilung) am 5. und(männliche) am 12. Januar, S'/a Uhr, in Feuerstein's Salon stattsiuden, wozu Gäste freundlich eingeladen werden. Hieran schloß sich ein gemüthliches Beisammensein. Lreirstiglöl« Gi»mri»d». An beiden F-iertagcn finden Ic zwei Fest- vdrirAgc in veischtedenen Gegenden ftatl: Am I. Festläge: glosenthalerstr. 38, «ormitlags io Uhr, Herr Dr. Bruno Wille; im Böhmischen Brauhause, Sands- berger Allee u— in: Herr Pens.— Am 2. Festtage: Herr Dr. Bruno Wllle In bei Haderschen Brauerei, Bergmaunstr. S— 7 und Herr tt. Bogtherr, Rosen- «Halersir. 88. Gäste sind überall sehr ivilllommen. Lachoerei» der Weber und verwandten Penrfsgenosseu. Am Donners- mg, den 35. Dezember(l. Weihnachtsfeier tag): i. Stiftungsfest tm Elystum, «andsberqer Allee S9-ti. . gtereiii»irr Wahl ung der Znteresstn der Kchiihmacher. Am zweite» Feiertage, in May'S Festsälen, Beuthstr. so: WeihnachtS-Bergnügen. S-iiatdemokraticcher Wahlvereiii kür de» S. Oerliner PeichetngO- Wahl kreis. Sylvester-Kränzchen im Saale der Brauerei BöYow, am Prenzlauer Thor, am Mittwoch, den 31. Dezember isoo. «esellschnft für Verbreitung»eil Prlksbildiino. Am Donnerstag, den 25. Dezember(i. Feiertag), in Nürnberg's Salon, Schönhauser Allee Nr. 33: Weihnachts-Feier. Uereinigiiiig der Drechsler Deutschlands(Ortsverwaltung Berlin). Am 25. Dezember ct.(l. Feiertag), Abends? Uhr, tm oberen Saat der Grat- kWrflvfsrtffrtrt--- ree-r-m-- ifUllft Berlins ---------- My., im des Herrn Meißner, Gartenslr. 103, einen gemüthlichen Famtlien-Abend. Filischnh- Arbeiter. Nächst: Bersaininlung am Donnerstag, den 35. Dezember, Abends 7 Uhr, mit Damen. sZaiiuerei» Aeriiner Kildhaurr. Dienstag, den 3t. d. M., fällt die Pereins-Bersamininng aus. Jedoch ist zum Kasstren der Beiträge Kollege Stößer bei Keßner anwesend. Kroße östentliche Nersnmmlnttg der Drechsler aller Branchen Berlins am Sonnabend, den 37. Dezember, LormittagS io Uhr, in Wratweil'S Bier- hallen, Kommandanlenflr. 77—70. v)steiid-?heater, Grobe Franlsurterstr. 133. Freitag, den 30. Dezember (3. Weihnachls-Feterlag), Mittags is Uhr: Grobe Matinee zum wohlthättgen gwett, arrangtrt vom Statlinb„Rückwärts". Erösfiinilä 10% Uhr. vroher DqlutRtr-DaU In Joel's Salon(früher Keller), AndrcaSstr. 21, arrangirt vom Berband der Zimmerleuto Berlins am Mittwoch, den 31. Dezember 1890. (Onuvrrcin Kerliner Kildhauer. Am 3. Feiertag: Großes WeihnachtS- fest in May's Fenfäle», Beuihstraße. Arbeiter-Diiiigerbiiiid Berlins und Umgegeud, Abends 8 Uhr, Uebnngs- stund? A—--------------~■•-■-------• Lichtcnb :, Aufnahme von Mitgliedern.— Gesangverein„S t e in e i ch«"(Böttcher), tchtcnbergerstr. 21 b-t Heise.— Gesangverein„Norddeutsche Schleif t", Restaurant Kaiser Franz Artnadterplah 7.— Arbciter-Wesanaverci»„P o r- wärt S(Süd-Ost)" bei Ziemer, Guvrystr. io.— Gesangverein„'A l l e g r o", Slalißerstr.!t3 bei Greiser.— Gesangverein„0lympta", Prinzenslr. io« bei G-rth.— Gesangverein„Krenzberg", Tempelhofer-Ufer 15 bei»ranh.— Gesangverein„F> d e l i ra S", Ackersiraße 13 bei Kummer.—„P! o a b i I e r Liedertafe i", WilhelinShavnerstr. 23 bei Brasch.— Gesangverein„M a t- g l ö ck ch c n". Hoch fit. 33 a bei Wille.— Männerchor„S ü d- O st", Köpnilier- straße 101 bei Folge.— Männer-Gesangverein„Harinonia", Abends o Uhr bei Lenim, Eteinmehstr. 7s.— Gefangverein„ B r n d c r h c r z" bei Birio, Slranßbergerstr. s.— Plänner- Gesangverein„Schildhorn", Ssedoinstr. 33 bei Miele, Abends o Uhr.— Gesangverein„W a l d l a p e l l e" in Friedrichs- Hagen, Restaurant Blanl, Friedrichstraße, Abends o Uhr. gtfe-»nl> Dislüitirlliubo.„Her weg!)". Abends 8% Uhr im Lokale bei Herrn Cito Linke, Forsterstr. t5. Gäste willkommen.—„Fenerbnch", 3,V Uhr bei Schröder, Reichendergcrstr. 3l.—„ H n m an trü l", Abends 8X Uhr im Lokale des Herrn Steuer. Weinftraße 33. Gäste willkommen. — Aaitations verein„Saffnlle", Abends 8 Uhr, Mariannenstr. si bei Doberstein. Gäste haben Zutritt.—„Proletarier",(Pankow), bei Borchardt, Schulzenstr. 38.—„Johannes W e d d e", Abends 9 Uhr tm Lokale von Schühe, Urbanstraße 51. Männer und Frauen als Gäste will- kommen.—„ H a sc» scl e v e r", Abends ssj Uhr, im Rsstaurani Scholz, Kastanien Allee 36. Gäste willkommen. Kesaiig-, Turn- und gesellige Drreine. Gesangvercin„A>1 acre on", Abends von 8— Ii Uhr bei Keßner, Annenstr. io.— Männer-Gesangverein „Unverzagt",(Moabit), Abends s'f Uhr, bei Hermerschmidl, Perle- vergerstraße 38.— Gesangverein„Bruderherz", Straußbergerstraße 3, bei Birke, Abends 8 Uhr.— Privat-Dhcaterverei»„Acacte", Abcndä 8 Uhr, (in Restaurant Lehmann, Nannyiistr.»1. Gäste Ivilllommen.— Thealer- linb„He lmerdtn g", Abends 8 Uhr tu Hanf'S Restaurant, Tempel- hoser Ufer 13, Ecke der Großbeerenstraße.— BergnllaimgS» und Thcaler- vrrein„Romeo", Abends 8 Uhr bei Säger, Grüner Weg 38. Gäste willkommen.— Bergnügungs-Bsreln„Nordlicht", Abends 8%— n Uhr, bei ffi. Laulner, Wrangclstr. 03.— Verein chniäligcr 37er, Abends 8 Uhr, im ttönigstadl-Kasino, Holzmarllstraße 72.— Raiichlliib„R o s e n b l ä i I e r", Abends 8% Uhr bei Scopolbt, Uorl- und Maniisteinstraßen- Ecke. Gäste will- kommen.— Ter„Gesellige Verein der Wachstuch- und Linolcnindrncker Berlins" hält seine Sitzung seden Monlag nach dem 15. im Restaurant Fischerstraße 35 ab. Kollegen willkommen. Dein Dr. Peters ist es blutiger Ernst damit. Bei seiner tragikomischen Expedition zur Rettung Emins, hat er einige neue Berge und Flüsse ansgefnnden und mit dem Recht des Entdecksrs sie getauft. Schon giebt es in Afrika einen H o f m a n n- Fall, eine Bennigsen- Kette mit der etwa 8000 Fuß hohen Krup p- Spitze, M i q n e l wird nicht vergessen sein, und daß es einen Sattler-Tümpel giebt, davon sind wir fest überzeugt. So wird der junge deutsche Reichsbürger, wenn ihm künftig afrikanische Geographie beigebracht wird, gleichzeitig die Namen unserer nationalliberalen Heroen in sein Gedächtniß mit aufnehmen und auch ans diesem Wege gegen das Gift der Sozialdemokratie ge- schützt werden. Und da rede noch Einer gegen die Kolonialpolitik. Kudiipest, 22. Dezember. Das dem Handelsminister Baroß vorliegende Projekt einer elektrischen Eisenbahn zwischen Budapest und Wien geht dahin, daß diese Strecke in S'/g Stunden zurückgelegt iverden soll. Alle Blätter befassen sich mit der Besprechung deS Projektes als de» ersten Versuchs der Anwendung des elek- trischen Betriebs auf so große Entfernung. Die Bahn soll aus- schließlich der Persouenbesürderung gewidniet werden; der Betrieb würde so geschehen, daß alle zehn Minuten von beiden Endpunkten ein Wagen abgelassen würde. (IMolff« Trlearaplsrn-Kureau.) London, 22. Dezember. Der Streik der Beamten der schottischen Bahnen gewinnt an Ausdehnung. Die Erzförderung ist unterbrochen, die Beförderung von Reisenden erleidet Ver- zögernng.— Räch hier eingetroffenen Nachrichten herrscht wegen der in Kilkenny heute stattfindenden Parlamentswahlen in dem ganzen Wahlkreise große Erregung. Die Polizeimannschasten sind verstärkt; eine Konipagnie Infanterie traf heute Morgen zur Auf- rechterhaltung der Ordnung ein. Das Ziesultat der Wahl dürfte erst morgen bekannt werden. Vertnisrlzkes. Wir haben einen Fehler einzugestehen: Wie oft haben wir nicht gesagt, die deutsch-afrikanische kkolonialpolitik sei nutzlos, sei eine unerhörte Verschwendung von Gut und Blut und nur dazu angethan, das deutsche Reich in schlimme Berivickelungen mit den großen kolonialen Mächten zu bringen. Nicht das ge- ringste Gnte vermochten ,vir an ihr zu entdecken. Und nun! Wir sind beschämt, tief beschämt! Das vielverleumdete Ostafrika hat eine große historische Mission zu ersüllen, Dr. Peters hat sie entdeckt und nationalliberale Blätter verkünden sie: Dkutsch- tasrika wird die Namen unserer großen Nationalliberalen auf die Nachwelt bringen! Es handelt sich nicht um einen Scherz. Vvieflmlkun der Ned5tltklon« Bei Ansraken bitten wir die AbounemenlS-Quittung beizufügen. Brieflich Annvori wird nicht erlheitt. K. WUke, Eharlottenburg. Wir bitten Briefe, welche über 15 Gramm wiegen mit 20 Pf. Postwerthzeichen zu be- kleben. Drei Briefe haben wir in den letzten 14 Tagen aus Charlottenburg bekommen, wofür wir pro Brief 20 Pf. Strafporto zahlen mußten. G. O. 50. 1. Das Kind gilt, so lauge der Ehemann der Mutter nicht gegen dasselbe mit Erfolg ans Unehelich-Erklärung ge- klagt hat, als ein eheliches. Ter wirkliche Erzeuger hat über das- selbe keinerlei Bestimmungsrecht, auch die Pflege-Eltern des Kindes dursten, ivenn sie den Sachverhalt kannten, etwaige Anordnungen des B. nicht befolgen. 2. Wenn B. das Kind adoptiren will, so ist dazu die Zustimmung des Ehemannes der Mutter unumgäna- lich nolhwendig, so lange nicht das Kind im Prozeßwege für unehelich erklärt ist. 8. Nur der A. kann vorläufig gegen Jeden, welcher das Kind gegen seinen Willen bei sich hat, auf Herausgabe klagen. I. K.$. Wir können Ihre Fragen nicht beantworten, da Ihre Angaben zu unvollständig sind, um uns ein klares Bild der Sachlage zu gewähren. Zu mündlicher Auskunft sind wir bereit. Kriefkasten d«* Expedition. KliUtke. Ihre Annonze kostet 2,80 M. Wollen Sie die- selbe zu diesem Preis aufgenommen haben, dann schreiben Sie uns im Laufe des heutige» Tages Bescheid und senden Sie den Betrag mit ein. BeHinsn Ä r heiter Katalog üderca ijk 760 empf.Schrifi.§# gratis franko. Inr* Kapital I.geb.io.eo g�Dcine'S sä,»mt. Werke geb.o.oo 750 empf'Schrist. L-HSrdarfchicht» geb. 6,wW;........... inuchhandlung Q B a g■ w s k i gJresdener-Str. 52/53 �lity-Passage: Dolksfreiiiid geb. 6,00 ffzlasfalle'S sSminll. 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Herschleb, Adalbertstr. 4.— Um zahlreiches Erscheinen bittet Das Komitee. Mu. I Tischler. Dienstag, 23. Dezember, Abends S3/! Uhr, bei Feuerst«!», Alte Iakobstr. 78, (Tunnel): 2386 Vorstands-Sitznng. Reinickendorf, Seeschlößchen, Markstr. 1— 2. Donnerstag, den 25, Dezember 1890 (1. Weihnachts-Feiertag): VM-ll.MrulneM-Kgllzert des Arbeiter-GesangvereinS „Weisse Rose"� (Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes) unter Leitung seines Dirigenten Herrn G. Grass.— Nach dem Konzert Tanz- Kränzchen, wozu Freunde und Ge- nossen eingeladen werden. 2334 Anfang präzise 6 Uhr. Entree 30 Pf. I. A.: Der Vorstand. Genossen! Euch zur Nachricht, daß der Schlächter- geselle Carl Aurin, welcher von dem Fleischhändler Sägert, Zentral-Markt- halle, Stand Nr. 10 gemaßregelt und entlassen wurde, weil er für die Jnter- essen der Arbeiter eingetreten ist, einen Fleisch-Uerkanf in der Central- Markthalle(am Aleranderplatz) Uerkanfostand 148 eröffnet hat. Wir ersuchen Euch und Eure Frauen, bei Fleischeinkänfen den Genossen Aurin berücksichtigen zu wollen. 2319 Die Delegirten der Scbläcliter-Gesellen Berlins zur Streik-Kontrolkommission. I.A.: Schu»artze,Oderbergerstr.45. S. Heine Chausseestr. 14. Weihnachtsmesse! Auslage von Neuheiten w Kleiderstoffen für die Frühjahrs-Saison 1891. Avsllttklllls Lagerbeständen zu bedenk, herabgesetzten Preisen! Di- slhönslen Kiilderkleiiitt für Mädchen jeden Alters, sowie Morgenröcke, Unterröcke, Teicottnillen, Schürten etc. auch im Einzelverkauf sehr billig! Maaßbestellungen prompt! GesdjWlps S. Heine, -Zu Weihnachtsgeschenken habe einen großen Popen sehr preisw. Cigarren abzugebe», im Preise von 2,50 M. pro Hundert, auch zu 50 u. 25 Stück verpackt. 2372 W. Lissau, Lübeckerstraße Nr. 42. Nur fl Mark kostet jede Uhr zu reinigen unter Garantie. Bei allen gteparaturen wird der Preis vorher gesagt. 2206 Außerdem empfehle den Genossen mein Lager in goldenen und silberne» Uhren, Negnlatenre», Wand-«. 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Kaum aus dem Gefäng- disse entlasten, empfahl Liermann sich durch eine Zeitungsannonze als ein begehrenswerther Heirathskandidat. Tie Tochter eines ostpreußischen Schiffseigners hatte das Unglück, den übrigen Be- werberinnen den Vorrang abzulausen, Liermann erwählte sie weil ihre Vermvgensvcrhältnisie ihm am günstigsten zu liegen schienen. Das Mädchen mußte ihm sofort das Sparkassenbuch über 240 M. aushändigen, da er Geld zur Einrichtung gebrauchte und dann drang crfortwährcndinsie, ncueMittel von ihren Elternzu beschaffen. Die alten Leute kamen kurz vor der anberaumten Hochzeit nach «erlin, um sich an dein Glücke ihrer Tochter zu weiden, der An geklagte nahm ihnen in feierlicher Weise auch das Jawort ab. In seiner Erwartung, daß die zukünftigen Schwiegereltern noch weiterer Geldsummen herausrücken würden, fand er sich aber ge- täuscht, ihm wurde nur die Versicherung, daß seine Braut als einziges Kind nach dem Tode der Eltern Alles erben wurde. Diese Aussicht ivar nicht nach dem Geschmack des Angeklagten und kaum waren die Eltern seiner Braut abgereist, als er der Letzteren mit den Worten den Laufpaß gab„er werde sich lieber erhängen als sie heirathen." Das arme Mädchen gelangte zu der Ucber Zeugung, daß der Angeklagte sie nur hatte ausbeuteil wollen und dieser Ansicht gab sie im gestrigen Termine in der lebhaftesten Weise Ansdrucr. Ter Angeklagte behauptete dagegen, daß er eine betrügerische Absicht nicht gehabt habe, es haften ihn vielmehr andere Gründe bewogen, die Verlobung aufzuheben., Der Gerichtshof glaubte nicht ihm, sondern der Zeugin.. Der. Angeklagte hafte keinen Anspruch mehr auf mildernde llnzständs, war viel- mehr fürs Zuchthaus reif. Nach dem Antrage des Staatsanwalts lautete das Erkenntniß auf I Jahr Zuchthaus,� 2jährigen Ehrverlust und 150 M. Geldstrafe. Ein Monat wurde auf die erlittene Untersuchungshast abgerechnet. Gi« i» gvostem Waststabr arbritendrvUaletotmarder stand gestern in der Person des Buchhandlungs-Gehilfen Hermann Eich ftedt vor der II. Strafkammer hiesigen Landgerichts L Der Angeklagte, dessen äußerer Mensch einen gapz vertrauen- «rweckenben Eindruck nmcht, ist ein alter Paletytdi.eb, welcher von Leipzig aus, wo er bereits vorbestraft ist, seinen Wirkungs- kreis nach Berlin verlegt und hier in wahrhaft beängstigender Weise seine Künste ausgeübt. Er pflegte mit Vorliebe die größeren NestanrantS, wie Pschorrbräu, Spatenbräu, Cafe Bauer, Elysium jc. zu besuchen und sich dort mit der höchsten Dreistig- keit einen fremden Ueberzieher vom Riegel herunter zu nehmen. In manchen Fällen trieb er die Frechheit so weit, den Besitzer des betreffenden Paletots um Entschuldigung zu bitten, daß er ihn bei der Herabnahme des Kleidungsstücks belästige und gerade diesem dreisten und sicheren Auftreten hat der An- geklagte die größten Erfolge zu verdanken. Es ist ziemlich zweifellos, daß ein großer Theil der Paletot- diedstähle, welche eine Zeit lang in vielen Restaurationen in Ost und West, in Süd und Nord vorgekommen, auf die Thätigkeit des Angeklagte» zurückzuführen ist. In der gestrigen Verhandlung gelang es nur, dem Angeklagten 20 solcher Diebstähle nachzuweisen, wobei er Ueberzieher im Gesammtwerthe von zirka 1400 M. erbeutet hat. Er war geständig und wurde zu vier Jahren Gefängniß verurtheilt. Soziale Mebseostchk. Sur Aussperrung der Tabaknrbeiter von Hamburg, .. t Altona, Ottensen«nd Wandsbeck schreibt der„Gewerkschafter": „Selten sind wohl mit so wenig berechtigtem Grund Tausende von Arbeitern in so rücksichtsloser Weise— mitten im Winter— kurz vor Weihnachten auf's Pflaster geworfen worden, wie dieses am 24. November plötzlich seitens der Hamburger Zigarrenfabrikanten, ohne jegliche vorhergegangene Kündigung, geschehe» ist. Ausgeschlossen sind über 8000 Arbeiter. Da in der ersten Woche eine größere Anzahl auf Unterstützung verzichtete, so war es bisher mcht möglich, mit völliger Genauigkeit die Zahl der Ausgeschlossenen festzustellen. In die Kontrollisten waren ein- gezeichnet in der ersten Woche 2349 männliche, 357 weibliche Tabakarbeiter; verheirathet sind davon 1358 Kollegen, die Zahl der zu nnterstützendeii Kinder beträgt annähernd 2700. Rechnet man die Zahl der in den Filialen beschäftigten Personen hinzu, welche zum größten Theil bis jetzt sich mit den Hamburger Aus- geschlossenen noch nicht solidarisch erklärt haben, deren gemein- sames Eintreten für unsere gerechte Sache aber jedenfalls bald zu erwarten steht, so wird die Gesammtzahl der durch den Aus- schluß in Mitleidenschaft gezogenen Tabakarbeiter 4000 wohl noch übersteigen. Den 23 Firmen, welche durch den einzigen Kitt von 5000 M. Konventionalstrafe zu dem„Zigarrcn-Fabrikanten-Verein von 1890" verbunden sind»nd welche nach einer sehr langen Sitzung— am Sonntag, den 28. November, Morgens 3 Uhr—»bermüthiger Weise den Pakt abschlössen, ihren arglose» Arbeitern durch diesen plötzlichen Uebersall das Vereinigungsrecht zu rauben, um dieselben zu willenlosen Sklaven des Kapitals zu degradiren, scheint es doch etwas schwül zu Muthe geworden zu sein. Sie rechneten sicher darauf, daß durch ihren räuberischen Ueberfall es ihnen gelingen würde, eine solche Verwirrung in die Reihen der Arbeiter zu bringen, daß sie in wenigen Tagen den Sieg errungen haben würden— und siehe da— das Gegenlheil ist der Fall! Das, was dem Besten unter uns durch jahrelanges Mühen nicht möglich war— fast sännntliche Kollegen zuin Ein- tritt in den Verein zu bewegen— die Herren Fabrikanten können sich rühmen, dies mit einem Schlage fertig gebracht zu haben. Wie ein Mann haben sich sämmtliche Kollegen dagegen erhoben: ein Beweis, wie tief auch selbst bei den nicht zur Organisation Gehörenden die Ueberzeugung schon heute wurzelt, daß der einzige Schutz gegen die Unterdrückungsgelüste der Kapitalisten in dem engsten Zusammenschluß sämmtlicher Arbeiter besteht. Die wohl noch nie so offen zur Schau getragene Rucksichtslosig- keit der Herren Fabrikanten hat gleichzeitig bewirkt, daß man in allen Kreisen des Publikums den Ausgeschlossenen die wärmste Synipalhie entgegenbringt. Triuniphirenv schließt die Tabakzeitung einen längeren Ar- ftkel über den Aueschluß mit der Bemerkiing, daß es bei einer so großen Zahl zu Unterstützender(die Tabakzeitung rechnet die aus- geschlossenen Weißgerber, Glasarbeiter und Schuhmacher ebenfalls mit zu den Tabakarbeitern) dein Tabakarbeiter- Verein ganz un- möglich sein werde, die Ansgeschloffenen zu unterstutzen, da desjen Kassen leer seien, und daß dann die Arbeiter bald genug Einsehen würden, wie unklug es von ihnen war, dem Rath der Hamburger Agitatoren zu folgen.— Von dem Solidaritäts bündniß, welches sämmtliche Gewerkschaften für solche Fälle auf der Gewerkschaftskonferenz in Berlin schloffen, scheinen die Herren noch keine Ahnung gehabt zu haben. In allen Ge werken regt es sich— alle Arbeiter ohne Ausnahme sind sich darüber einig, daß es Ehrensache der gesammten Ar beitcrschast ist, den Ausgeschlossenen durch schleunige Ueber sendung von Geldmitteln zu Hilfe zu kommen. Die Unterstützung der Ausgeschlossenen erheischt gewaltige Summen und haben dementsprechend schon verschiedene Vereine ihre Mitglieder zu dem größten Opfermiithe angespornt. So be schloffen die Hamburger Tischler, die 2000 Mitglieder des Ver eins in Hambiirg zu verpflichten, während der Dauer des Aus standes einen Ertrabeitrag von 1 M. pro Woche zu zahlen. Unsere anfängliche Vcrmuthung, daß dieser Gewaltakt seitens der Fabrikanten längst geplant, und daß es ihnen nur um einen Vorwand zu thun war, denselben auszuführen, und daß ihnen unser Entgegenkommen am Montag, den 24. November, durchaus nicht in ihren Plan paßte, findet jetzt seine volle Bestätigung Am 24. November, also an demselben Tage, an welchem wir den Fabrikanten die Hand zu einer friedlichen Vereinbarung boten. versandten die Herren an sämmtliche Fabrikanten im Jnlande das nachstehende Zirkular, welches zur Genüge die arbeiter freundlichen Tendenzen des neuen Fabrikantenvereins beweist. Dasselbe lautet: Hamburg, den 24. Noveniber 1890. Catharinenstraße 19. Verehrter Herr Kollege! Wir machen Ihnen hierdurch die ergebene Mittheilung, daß wir uns genöthigt gesehen haben, die Mitglieder der Fachvereine „Unterstützungsverein deutscher Tabakarbeiter" und „Freundschastsklub der Hamburger Zigarrensortirer" zu entlassen und gestatten wir uns, an Sie die höfliche Bitte zu richten, den etwa von hier abreisenden Mitgliedern der genannten Vereine keine Beschäftigung zu geben Zu Ihrer gesl. Orientirung knüpfen wir an unsere Bitte noch folgende Bemerkungen: Das Auftreten und das Verhalten erivähnter Fachvereine. insbesondere deren Versuche, in das Hausrecht der Fabrikanten einzugreifen, ihre Bestrebungen, Unzufriedenheit unter den Ardeitern zu erregen und dieselben zu fortgesetzt gesteigerten An sprächen aufzustacheln— haben schließlich die hiesigen Fabrikanten veranlaßt, sich zu einer solidarischen Interessengemeinschaft zu in ihren Schutz zu nehmen, oder nur mit Widerstreben vereinigen, um eine maßvollere Haltung der Fachvereine zu erzwingen und diejenigen Arbeiter welche denselben nicht angehören folgen. Zur Zeit sind wir genöthigt, eine Entlassung der Mitglieder der Fachvereine vorzunehmen, da dieselben einfach eine Sperre über eine Firma verhängten, trotzdem dieselbe die Regelung schwer bender Lohnfragen dem Vereine der Zigarretten-Fabrikanten zu übergeben sich bereit erklärt hatte.— Ferner veranlassen uns dazu die übertriebenen Lohnforderungen, welche theils an einzelne Fabrikanten gestellt, theils in Vorbereitung sind. Wir haben uns nach genügender Organisation um so weniger gescheut, in einen Kampf mit den Fachvereinen einzugehen, da wir uns bewußt sind, nicht allein unsere Interessen, sondern die- jenigen der ganzen Branche zu verfechten. Deshalb rechnen wir auch mit Sicherheit nicht allein auf die Sympathien, sondern auch auf die Unterstützung unserer Kollegen — letzteres dadurch, daß Sie durch Zurückweisung der von uns Entlassenen die Widerstandsfähigkeit der Fachvereine schwächen — Besonders ivarnen wir vor Anstellung von Sortirern aus dem ' reundschastsbilnd, welcher eine flehende Annonze in der Tabak ,eitung unterhält.— Der Leiter des Freundschaftsklubs !l. von Elm) ist die Ursache und Seele der ganzen Bewegung. Schließlich empfehlen wir Ihnen, falls in Ihrer Gegend die Fachvereive bereits Wurzel gefaßt haben sollten, sich bei Zeiten mit Ihren Kollegen zu orgauisiren, damit Sie im Stande sind, rechtzeitig und mit Nachdruck gegen etwaige Angriffe der Arbeiter auszutreten. Wir sind event. mit Vergnügen bereit, Ihnen unsere Statuten, sowie sonstige Mitthcilungen, die etwa für sie Werth haben sollten, zur Verfügung zu stellen. Mit aller Hochachtung Der Verein der Zigarren-Fabrikanten von 1880. Karl Muhle sen., i. F.: Karl Muhle u. Co., Vorsitzender. Die verehrten Herren Kollegen im Jnlande haben dieser Ver- rufserklärung zum Theil Folge geleistet, namentlich ist dieses in der Bremer Gegend der Fall, von wo ans schon mehrere von hier abreisende Kollegen, ohne Arbeit gefunden zu haben, wieder zurück gekehrt sind. Desgleichen haben die hiesigen Fabrikanten den Versuch gemacht, in Berlin ihre Zigarren sortirt zu erhalte», scheinen damit, wie man uns bcrichiet, jedoch wenig Glück gehabt zu haben. Ihr neuesterPlan besteht darin, ihren nothweiidigsien Bedarf an Zigarren in anderen Städlen von anderen Fabrikanten anfertigen zu lassen, und ersuchen wir die Kollegen, besonders Acht darauf zu geben, falls in irgend einer Fabrik neue Sorten, namentlich Handarbeit, ein- geführt wird; wo dieses der Fall ist und die Vcrmuthung nahe liegt, daß dies für Hamburger Firmen geschieht, bitten wir um 'ofortige Benachrichtigung. Aver auch auf andere Geschäftsleute versuchen die Herren einzuwirken, wie nachstehender Fall zeigt. Einer der aus- geschlossenen Kollegen entschloß sich, selbfiständig zu werden und bestellte bei der Firma Reichling u. Eberhard in Hanau a. M. eine Anzahl Formen, welche von seinem früheren Prinzipal, Herrn Fr. Justus, durch welchen er ausgeschlossen ivar, ebenfalls geführt werden. Nach der ersten Bestellung erhielt derselbe folgende, äußerst höfliche Antwort: Hanau a. M., den 3, Dezember 1890, Herrn N. N. in Hamburg. Wir danken Ihnen verbindlich für den uns mit Ihrer geehrten Zuschrift vom Gestrigen gütigst ertheilten Austrag und haben denselben zu bester Erledigung so bald als möglich(Betriebs- störung vorbehalten) vorgemerkt. Hochachiend Reichling u. Eberhard. ?. 8. Unter Drucksachen senden Ihnen 3 Musterbogen pro 1888/90 zur gefl. recht ofteu Beiintzung. Zwei Tage später, nachdem die Firma R. n. E. bei Herrn Fr. Justus hier jedenfalls Erkundigungen eingezogen hatte, nahm die Firma ihre anfängliche Zusage zur Lieferung von Forinen durch eine Postkarte mit folgendem charakteristische» Inhalt zurück: Hanau a. M., den 5. Dezember 1890. In Verfolg unserer Karte vom 3. d. M. bedauern, Ihren Auftrag unserem alten Geschäftsfreund Herrn Justus dorten gegenüber nicht ausführen zu können, und zeichnen mit Achtung Reich ling u. Eberhard. Herrn N. N., Hamburg. Man muß gestehen, die Herren sind in den Mitteln, mit denen sie die Arbeiter bekämpfen, nicht gerade wählerisch. Onlttung. In der Zeit vom 8 bis 14. Dezember sind hier folgende Gelder eingegangen: Werkstelle G. D. H., Hamburg 8,50 M. Vertrauensmann d. Klempner Deutschlands 100,—. Verein der Heizer und Trimmer Altona-Hamburgs 200,—. E. Koch, Hamburg 3,—. Schneider- u. Schneiderinnen-Verb., Filiale Hamburg 250,—. Verein zur Vert. d. gewerbl. Jnter. d. Frauen u. Mädchen Hamburgs 100,—. Vertrauensmann d. Schneider Deutschlands 100,—. Frauen und Mädchen, Altona u. Umgegend 100,—. Mitglieder des Vereins Hamburger Brothändler 16.50. Fachverein d. Klempner ec., Ham- bürg 100,—. Ueberschuß einer Tellersanniiliing 10,—. Sparklub „Hand in Hand", Hamburg 11,—. Buchbinder am Biertisch, Häinbiirg 4,40. Verein d. Klempner- u. Mechaniker-Arbeitsleute, Hamburg 30,—. Unterstütz.- Verein d. Bürsten- u. Pinselmacher, Filiale Hamburg 50,—. Fachverein d. Metallarb., Wilhelinshaben 30,—. 11. V. D. T., Zahlst. Haderslcben, 10,—. Arbeiter-Bildungsverein durch C. Süslsen, Itzehoe, 50,—. F. Tacke, Bergcdorf, 3,—. I. Schubert, Stauen, 5,60. Maurer Lauenburgs 87,40. A. Gros, Köln a. Rh. 107,-. Joh. Zabel. Stendal 10,-. Fachverein der Textilarbeiter, Hof 20,—. Fachverein der Schreiner, Mühlhausen i. E. 7,—. Bildhauer-Verein, Karlsruhe 10,—. Fachverein Freiburgs 46,—. Fachverein der Metallarbeiter, Bockenheim 40,—. Weißgerber, Tellersammlung, Durlach 25,—. Maler, Filiale Hildesheim 10,—. C. Böll, Neumünster 100,—. A. Gemoll, Banr-Wilhelmshaven 100,—. Tischlerverband, Wolfenbüttel 15,—. Zigarrenarbeiter I. Krieckel, Woltersdors 11,10. Schreiner, Mainz 200,—. M. Segitz. Fürth i. B. 150,—. Verein der Schlosser und Maschinenbauer und verivandten Be- rufsgenossen Brannschweigs 100,—. Kieler Tischler 100,—. Fachverein der Metallarbeiter, Samnilung, Osnabrück 33,24. fachverein der Schlachtergesellen, Berlin 30,—. Ueberschuß vom kränzchen, Bernburg 25,—. Verein der Holzarbeiter, Riesa a. E. 20,—. Maurer- Gewerkverein, Schleswig 20,—. Hutmacher Braunschweigs 20,—. H. Müller, Zigarrenarb., Zeesen 16,40. Tischler-Fachverein, Eilenburg 15,—. F. Bommel, Kala» 12,—. Küfer Hanaus 10,—. Aug. Weißbrod, Beelitz 9,—. Tabak- arbeiter Ostrowos 7,10. N. Hansen, Hadersleben 6,—. Von Arbeitern aus Neu-Damm 5,80. Schneider- und Schneiderinnenverband, Filiale Kreuznach 4,—. Aus der Fabrik von. M. Fleesch, Neu-Damm 3,30. H. Kellner, Pösneck 2,80 Unterstützungsverein der Bürsten- und Pinselmacher, Filiale Glückstadt 5,— Metallarbeiterschast Eilenburgs 18,12. Lampenfabrik von Schuster und Baer, Berlin 26,05. Unter» stützungsverein für Former, Gelbgießer und Kernmacher, Golzern 50,—. W. Wente, Osnabrück 28,—. Schneider Rostocks 20,—. W. Ulrich, Schriftsetzer, Dortmnnd, 8,—. Fachverein der Drechsler und veriv. Berussgenossen von Leipzig und Umgegend 25,—. Schneiderverband, Filia Mainz SO,—. Alb. Schulz, Neu- ruppin 14,45. Maurer Itzehoes 20,20. Korbmacher Brandenburgs 24,—. Schneider.-Verb., Fil. Peine 8,50. Forchheini, Obersranken 10,—. Zigarren-Arbeiter u. Arbeiterinnen Speier 17,60. Arbeiter Frohburgs 18,—. Fachv. d. Metall-Industrie. Hannver 50,—. Exped. d. Franks.„Volksstimme", Franks, a. M. 41,80. Exped. der„Allgemeinen Dachdecker-Zeitung" für ein verl. Inserat 9,50. Oeffentliche Bersamml. der Kürschner, Berlin 13,50. Joh. Quade. Colberg 20,—. Deutsche Sozialisten in Zürich 24,—. Bersamml. in Solingen 6,—. Oeffentliche Versamml. der Bildhauer Berlins 150,—. Joh. Schiedtossky, Karlsruhe 5,—. W. Lenz, aus ver- schiedenen Fabriken Duderstadts 18,48. Von Kollegen aus Eilen- bürg 21,57. Verband deutscher Schmiede, Fil. Halberstadt 15,60. Lokal-Verb, deutsch. Zimmerer, Altona 200,—. H. Hupe, Wil- helmshaven 80,—. Fachverein der Tischler, Breslau 35,—. Tabakarbeiter Duisburgs 7,65. Schneiderverband Mannheim 10.—. Sozialdemokrat. Arbeiter Dresden-Neustadt 50,—. Verband der Schneider zc., Filiale Osnabrück 4,—. Arb. der Zigarrenfabrik Jrausnitz u.fMetze, Berlin 30,05. W. Heemeyer, Zigarrenmacher, Löhne 24,28. Verb, der Schneider, Filiale Naumburg 3,—. Von den Schreinern aus Mombach 20,—. Freie Vereinigung der Graveure, Ziseleure u. Berufsg., Berlin 30,—. Z.-K.-K. von Dresden und Umgegend 150,—. Tabakarbeiter Danzigs 7,80. I. Kelling, Maurer, Elmshorn 50,—. Untersttttzungsverein der Kupferschmiede, Filiale Hamburg 50,—. Verein der Bildhauer, Zeitz 20,—. Wahlkreis Altenburg 100,—. Tischler-Verband, Wandsbek 50,—. "ermann Kröger, Zossen 1,—. I. Kaulsers, Reudnitz 1,60. iparklub der gemüthlichen Fischer, Hamburg 10,—. Fachverein der Steinmetzen, Hamburg 200,—. Fachverein der Rammer, Ham- bürg 200,—. Fachverein der Schlosser, Altona 50,—. Liedertafel „Loreley", Altona 50,—. Sparklub„Es läppert sich zu- kämmen", Eimsbüttel 20,—. Malkasten, Hamburg 10,—. Vom Neubau Alter Steinweg 23,80. Maurerardeitsleute. Stein- bek und Umgegend 50,—. Speicherarbeiter Hamburgs 800,—. Gewerkskontrol-Kommission Lüneburgs 60,—. Sparklub der aus den Reiherstieg-Schifsswerft beschäftigten Kesselschmiede 80,—. Deutsch. S.-D.-Leseklnb, Paris 40,—. Verein d. Former und Berufsgen., Harburg 25,80. Von den Töpfern Harburgs 80,—. Die Maurer Bremens 150,—. Boitmann, Gelsenkirche» 10,—. Vereinigung aller in der chirurgischen Branche beschäftigten Berussgenossen Berlins 100,—. Exped. d.„Volkswille" Hannover 74,50. Zigarrenarbeiter von Hohenleben 4,76. Tabakarbeiter der Fabr. W. Rieger u. So., Karlsruhe 11,80. Fachverein der Maurer Verden 50,—. A. Süßkind, Mannheim 100,—. »graphen, Steinschleifer und Berussgenossen Berlins 54,80. 91. Meschke, Altenburg 98,—. Von den Arbeitern in Goch 18,30. Arbeiter der Schäfer'schen Zig.-Fabr. in Neersen bei Pyrmont 4,30. Schneiderverband, Fil. Karlsruhe, 15,—. Fachv. der Barbier- und Friseurgehilfen, Altona, 8,—. Maurer Stettins 150,—. Rob. Holoch, Stuttgart, 26,60. Verband der Buchbinder Stutt- garts, 100,—. Lohiikommission der Schneider Lübecks 30,—. Sparklub„Vorwärts", Eimsbüttel, 20,—. Zentralverein deutscher Böttcher, Filiale 9lltona-Otteiisen, 100,—. Edm. Tödt, Altona, 2,—. Maurer uud Arbeitsleute, Altona, Paulstr., 26,30. Gold- leisten-Arbeiter, Barmbeck, 18,45. Fachverein der Töpfer Ham- burgS 80,—. Unterstützungsfonds deutscher Mechaniker und Optiker 50,—. Kfm. durch Bärard 20,—. 91. D a m m a u n, Kassirer der General-Kommission der Gewerkschaften Deutschlands, Hamburg, Für st en platz 2,1. Die Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. vevlnttttnlungen. Eine Vollrsverf'ammlutrg für Männer«nd Frauen tagte am Dienstag, den 16. Dezember, in der Borussia-Branerei zu Niedcr-Schönweide. Stadtverordneter Otto Klein sprach unter allgemeinem Beifall über die Frage: Wie organisiren wir uns nach Ablauf des Sozialistengesetzes? An der Diskussion betheiligte sich ein Redner. Hierauf wurde zur Wahl des Vertrauensmanns geschritten; es wurde der Genosse Miele»; für die Ortschaften Rudow, Johannisthal und Nieder-Schönweide mit 36 Stimmen gegen 14 Stimmen gewählt, welche auf den Genossen Schnitze fielen. Genosse Mielenz theilte mit, daß vom Streik in der Blackburne'schen Fabrik, welcher im Mai war, 4 Spinnerinnen wegen Beleidigung unter Anklage gestellt waren; sie sollen ihre» Mitarbeiterinnen vom Weiterarbeiten abgeredet haben. Die Ver sammlung beschloß, den Angeklagten, welche inzwischen zu 2 resp. 1 Tag Gefängniß verurtheilt worden sind, die Kosten der Ver- theidigung zu erstatten. Genosse Greiser hat von einer früheren Tellersammlung noch 18,65 Mk. in Verwahrung, welche zu diesem Zweck verwandt werden sollen; da diese 18 Mark aber den Betrag noch lange nicht decken, wurde der Beschluß gefaßt, daß ein jeder nach Kräften dazu beisteuern solle, und daß die Gelder- welche gesammelt würde», an den in dieser Versammlung ge, wählten Vertrauensmann abzugeben seien. Ferner wurde beschlossen nur diejenigen Lokale zu besuchen, welche den Arbeitern zu Ver- sammlungen zur Verfügung stehen, resp. das„Berliner Volksblatt" auslegen. Als solche wurden genannt in Johannisthal S e m p f- lebens Volksgarten und das Lokal von L u d w i g, in Nieder-Schönweide die Borussia-Brauerei und das Lokal von S i e b e n b a um. Zum Schluß ermahnte der Vorsitzende die Versammlung, die gefaßten Beschlüsse fest zu halten. Hierauf wurde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch auf die intcr- nationale Sozialdemokratie geschlossen. Eine öffentliche Uerj'ammlnng aller Mitglieder der Ort«• Kranleenkaffe» fand Freitag Abend unter Vorsitz des Herrn Plöthe statt. Auf der Tagesordnung stand: Berichterstattung über eine an den Reichstag gerichtete Petition wegen der Novelle zum Krankenversicherungs- Gesetz. Hierzu refcrirte Herr Magna» und führte aus: Als im Sommer lautbar wurde, daß dem Reichstag eine neue Krankenkassen-Novelle vorgelegt werden sollte, traten die Vorstände der Orts-Krankenkassen zu- fammen, um zn berathcn, wie verschiedene Mängel in dem allen Gesetz beseitigt werden könnten. Es wurde eine Kommission er- wählt, welche Abänderungsvorschläge ausarbeiten und diese als Wünsche der Orts-Krankenkassen Berlins dem Reichstag unterbreiten sollte. Bei ihren Berathungen ging die Kommission von drei ver- schiedenen Gesichtspunkten auS: erstens sollte ein Schutz der Mit- glieder gegen die Kassen, zweitens ein solcher für die Kassen gegen- über mannigfacher Ausbeutung geschaffen werden, und drittens galt es, die Selbstständigkeit der Kassen zu sicher». Inzwischen ivar jedoch die Novelle bereits veröffentlicht worden, es wurde daher beschlossen, nicht neue Vorschläge zu machen, sondern die Novelle durchzusehen und zu den einzelnen Punkten derselben Ab- ündenmgen zu beantragen. Sodann wurde das Resultat der Ver- Handlungen dem Reichstage in Form einer Petition überreicht. Redner geht dann das Gesetz durch, bespricht dessen einzelne Bestimmungen und die Erwägungen, welche zu Abänderungs- antrügen geführt haben. Er rügt unter anderem sehr scharf den § 46 a, der Novelle, nach welchem die Ortskrankenkassen gezwungen werden könnten, einen Verband zu schließen. Damit würden die Kassen jede Selbstständigkeit verlieren. Eine solche Institution bestehe heute schon in Berlin in der Form des Gewerkskassen- Vereins, welcher vollständig in den Händen des Magistrats liege. Es könne zwar ein Verband unter Umständen billigere Aerzte liefern, als die einzelnen Kassen, doch dürste das wenig im Interesse der Mitglieder liege», da ihnen dann jedenfalls nur eine schlechtere Behandlung bei Erkrankungsfällen zu Theil iverden dürfte. Auch würde durch diese Bestimmung offenbar das Prole- tariat unter den Aerzten noch mehr vergrößert werden, als wie es bisher schon sei. Der Kongreß der freien Hilfskassen habe sich gegen diese Bestimmung ebenfalls ganz besonders scharf ausgesprochen. Ebenso dürften die Aerztekannnern aus einem demnächst stattfin- denden Kongreß in demselben Sinne gegen die Novelle zum Ltran- kenkassen-Versicherungsgesetz Stellung nehmen. In der sich an den Vortrag anschließenden Diskussion sprechen sich verschiedene Redner im Sinne des Referenten aus und billigen die Absendung der Petition. Von einer Seite wird nur getadelt, daß die Vorstände die Absendnng eigenmächtig ge- than haben, ohne dieselbe vorher den Mitgliedern ihrer Kassen vorzulegen. Hieraus gelangte folgende Resolution zur einstimmigen An- nähme:„Die Versammlung der Mitglieder aller Orts-Kranten- kassen Verlins erklärt sich mit der vorgetragenen Petition an den Reichstag voll und ganz einverstanden. Dieselbe spricht nament- lich die Hoffnung aus, daß der Deutsche Reichstag den§ 46a der Novelle zum Krankenversicherungs-Gesetz ablehne» werde, weil durch Annahme dieses Paragraphen der eigentliche Zweck dieses Gesetzes, schnelle Wiedergesundung der erkrankten ver- sicherten Personen herbeizuführen, durch ungenügende ärztliche Behandlung verloren ginge und die Selbstständigkeit aller Kassen untergraben würde. Gi«r öffentliche Versammlung für Männer und Frauen fand am Sonntag, den 14. er., in Gratweil's Bierhallen statt. Auf der Tagesordnung stand: 1. Vortrag des Herrn Dr. L ü t g e n a u über„Kirche und S o z i a l i s in u s". 2. Dis- kussion. S. Verschiedenes. Der Vortrag wurde mit großem Bei- sali aufgenommen. In der darauf folgenden Diskussion gaben die Herren Bernhardini, Sünder mann, Gefrois, Timm und Eicke ihrer Meinung Ausdruck. Unter Ver- schiedenem wurde ein Antrag: den Ueberschnß der fortzusetzenden Tellersammlung der Generalkommission der Gewerkschaften in Hamburg zu überweisen, einstimmig angenommen. Nachdem sodann die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen worden war, trat das� gesellige Beisammensein in seine Rechte, welches erst spät in der Nacht seinen Schluß fand.— Ter Ueberschuß im Betrage von 13 M. ist bereits der betreffenden Kommission überwiesen. Da die Grffrntlichk-it schon lange keine Notiz mehr von den Vorgängen innerhalb der Harmonie-Dnselei-Vereine nimmt, so sieht sich der„Orlsverein der Kanfleute" veranlaßt, folgende weltbewegende Mittheilung an die Leitungen zn versenden: „Am 12. d. M. sprach Dr. Georg Müller im Verein der Dentschen Kaufleute, Ortsverein Berlin 11., über„Sozialdemokratie und Kaufmannschaft". Die gut besuchte Versammlung bekundele ihr Einverständniß mit den Aussührungen des Redners durch Annahme einer Resolution dahin, daß die Versaminlung in An- lehnung an die Aussührungen des Referenten die Prinzipien der Sozialtemokratie für geeignet erklärt, den Stand der Handlungs- gehilsen bezw. den Kaufmannsstand vollständig zu untergraben, und das Gebahren mehrerer sozialistischer Versammlungen als eine Anmaßung der sozialdemokratischen Minderheit der Handlungs- gehilfen zurückweist.", Irgendwelche Bei» errungen an diese Mittheilung zu knüpfen, hieße, wie wir glauben, die zahlreichen sozialdemokratischen Handlungsgehilfen beleidigen; soviel Ehre verdienen die unter Ans- schluß der Oeffentlichkeit tagenden„Ortsvereine der Kaufleute" wahrlich mcht.�� Schuhmacher(Filiale Berlin) hielt am 15. Dezember feine Mitglieder- Versammlung ab. Kollege Benk hielt einen mit Beifall aufgenommenen Vortrag über:„Die Entwickelung der wirthschastlichen Verhältnisse Teutschlands". Mehrere Kollegen sprachen im Sinne des Reserenten. Unter Ver- schiedenem wurde das Beilegen von Lotleriepröspeklen im Schuh- macher- Fachblatt kritisirt und folgende Resolution an- genommen:„Die heutige Versanimlung spricht ihr Bedauern über das Beilegen von Lollerie-Auzeigen im Schuhmacher- Fachblatt auS. Tie Versammlung beausiragt den Vorstand. Hieraegen Protest zu erheben." DeS Weiteren wurden d,e Kollegen aufgefordert, da sich die Notiz betreffs Beendigung des Streiks in der„Volks-Zeitung" als unrichtig eriviesen hat, für die Er- furter Kollegen rege iveiter Gelder zu sammeln. Eine öffentliche Versammlung für Frauen«nd Manner tagte am letzten Montag bei Nürnberg, Schönhauser-AUee 28. Den Vortrag über das Thema:„Der Kamps n m' s Dasein im A r b e i t e r l e b e n' hatte Herr Sünder- mann übernommen. An der sich daranschliependen Diskussion belheiligten sich die Herren Rackwitz, B i e n st und H e i t- mann. Nachdem noch unter„Verjchiedenem" einige Er- örterungen gepflogen worden waren, erfolgte der Schluß der leider ...»-.«-»r.. Umgegend hielt am 16. d. Mts. im Lokale des Herrn Wcichert, Gustav-Adolfstraße, eine öffentliche Vereinsversaminlinig ab. Von den ersten beiden Punkten der Tagesordnung mußte Abstand ge nommen werden,>veil der Referent nicht erschienen war. Unter Vereinsangelegenheiten theilte der Kassirer, Genosse Preiß, den Mitgliedern das Ergebniß der Vorstandssitzung mit, welche laut Beschluß der letzten Vereinsversammlung einberufen war und den Zweck haben sollte, die Angelegenheit des früheren Kassirers, Genosse Hirsch, end giltig zum Abschluß zu bringen. Genosse Preiß berichtete, daß jene Vorstandssitzung in Gegenwart des Genossen Hirsch und seines Vertrauensmannes stattgefunden habe. Hirsch hat in derselben mit dem Kassirer und den Revisoren im Beisein des gesammten Vorstandes die Bücher von Anfang bis Ende nach- gerechnet und hat die absolute Richtigkeit der Behauptungen, daß Hirsch dem Verein eine ganz beträchtliche Sumnie„s ch u l d e t", anerkennen müssen. H. hat darauf hin sich schriftlich verpflichtet, die Summe von 102,32 M. in monatlichen Raten an den Verein zurückzuzahlen.(Die erste Rate hat derselbe bereits gezahlt.) Die Versammlung erklärte sich einstimmig hiermit einverstanden. — Ferner wurden die Genossen May und Berget zu Bibliothekaren gewählt, und Geld zum Einbinden einer Anzahl dem Verein gehöriger Broschüren bewilligt. Außerdem wurde beschlossen, an einem der Weihnachts-Feiertage ein geselliges Beisaminensein seitens des Vereins zu arraugiren.— Zum letzten Punkt der Tagesordnung ergriff der Genosse Grünenberg das Wort. Der- selbe erläuterte und kritisirte ausführlich das am 1. Januar in Kraft tretende„Alters- und Jnvaliditätsgesetz". Speziell hob der- selbe jene Aeußerung des Abg. v. Frege, welche derselbe im Reichstag gethan hat, hervor, wonach die sozialdemokratischen Abgeordneten nur Vertreter solcher Arbeiter seien„welche keine Lust zu arbeiten" haben. Hierzu sprachen noch die Genossen Berget und Meinhold und ivurde folgende Resolution einstimmig angenommen: Tie Versammlung des Arbeiter- Bildungs- Vereins für Weißensee und Unigegend erblickt in dem am 1. Januar 1831 in Kraft tretenden Alters- und Jnvaliditäts-Gcsetz nur eine Verschlechterung der Lage der arbeitenden Bevölkerung; sie unterzieht sich nur mit Widerwillen dem Versicherungszivang und erblickt ferner in demselben nur eine Versorgung der Militär- anwärler, welche der Staat als Beamte anstelleii wird. Dieses Gesetz ist zu Allem eher geeeignet, als zu einer Altersversicherung, da wohl v. Kardorf und Konsorten mit der Rente, welche diese Versicherung gewährt, ihre Jagdhunde erhalten mögen, aber keine Menschen. Sie hofft, daß, wenn sie zum Genuß der Rente kommen sollte, von der sozialdemokratischen Partei andere Zustände ge- schaffen sind. Ehavlottenburg. Am Sonntag, den 7. Dezember, Vor- mittags 10 Uhr, hielt der Arbeitsnachweis und der Wander- Unterstützungsverein der Töpfer Charlottenburgs in der Gam- brinus-Brauerei eine Generalversammlung ab. Der Vorsitzende gab einen vom Vorstand genellten Antrag bekannt; derselbe lautet: Der Vorstand des Wander-Unterslützungsvereins der Töpfer Charlottenburgs stellt den Autrag, diesen Berein aufzu- lösen und mit seinen Aktiven sowie Passiven dem Fachverein der Töpfer Charlottenburgs beizutreten und bittet die Liquidation durch nanientliche Slvstimmung der Mitglieder vorzunehmen. Nachdem nun der Vorstand seinen Antrag begründet und die Kollegen sich für Auflösung ausgesprochen, wird zur namentlichen Abstimmung geschritten und dieselbe ergiebt, daß sämmtliche 46 anwesende Kollegen sich für Auflösung erklärten. Dieses zur Kenntniß der auswärtigen Kollegen. Die Wanderunterstützung und der Arbeitsnachweis wird von unserem Fachverein in der- selben Weise wie vorher fortgeführt. Am 7. Dezember, Vormittags 11 Uhr, hielt der Fach- verein der Töpfer Charlottenburgs in der Gainbrinus- Brauerei eine Generalversammlung ab. Aus- geschlossen wegen Bcitragsschulden werden die Kollegen Julius Heintze, Heinrich Heintze, Carl Page, Hermann Nie», an» und Albert Stahmann. Sodann wird zur Neuwahl des Vorstandes geschritten und folgende Kollege» in den Vorstand gewählt: 1. Vorsitzender Paul Kolbo, 2. Vorsitzender Franz Probst, Kassirer f ermann Pratsch, Schriftführer Gustav Schulz. Beisitzer Friedrich ander, Georg Götze, Heinrich Vogt. Als Revisoren wurden Rudolf Gäbe und Emil Witzig gewählt. Zunächst liegt ein Antrag des Vorstandes, die Wander- Unterstützung herabzusetzen, vor. Veranlassung hierzu war die übergroße Zahl der wandernden Kollegen, welche wäh- rend des letzten Vierteljahres sie in Anspruch nahm. Nach längerer Debatte wird die Angelegenheit durch einen angenommenen An- trag, die Kollegen vom 1. Januar 1891 mit 1 M. zu unterstützen, geregelt. Die Wanderunterstützung nahmen vom I. Juli bis 1. Dezember 68 Kollegen in Anspruch. Davon erhielten 59 Kollegen 1,25 M. und 9 Kollegen 1 M. Ein Antrag, die Fach- Vereins- Beitrüge zu erhöhen und die freiwilligen Sammlungen aufzuheben, wird der vorgerückten Zeit halber bis zur nächsten Versammlung vertagt; auch die Besprechung eines Winter- Vergnügens ivird bis zur nächsten Versammlung zurückgestellt. WevnMMkes. Die Kcvölkruung der Groststädtr. Das Ergebniß der Volkszählung vom 1. Dezember er. liegt nunmehr für die sämmt- liehen Großstädte des Deutschen Reichs vor, welche schon 1835 über 100 000 Einwohner hatten. Es hat sich hierbei heraus- gestellt, daß das Wachsthum der Einwohnerzahl ein sehr ver- schiedenes war, und einzelne Ergebnisse sind geeignet, allgemein zu überraschen. Einige Städte habe» seit 1685 ihren Stadtbezirk vergrößert, und man kann daher ihre jetzige Einivohnerzahl nicht ohne Weiteres mit der von 1865 in Vergleich ziehen, muß viel- mehr, wenn man sich die Zunahme der Bevölkerung genau ver- gegenwärtigen will, die Einwohnerzahl, welche die einverleibte» Vororte zc. 1865 hatten, der damaligen Stadtbevölkerung zu- ziehen. Dies ist der Fall bei Leipzig, München, Köln, Magdeburg und Altona. Leipzig hat seine sämmtlichen Vororte theils schon zum Stadtbezirk geschlagen, theils steht ihre Einverleibung am I. Januar k. I. bevor; unter letzteren befindet sich Lindenau mit allein 25 527 Einwohnern. Rechnet man diese Vororte bereits zur Stadt, so ist Leipzig, das 1885 170 340 Einwohner hatte, auf 353 272 gestiegen; ohne die am 1. Januar c. einzuverleibenden Vororte würde es über 294 000 Einwohner zählen. München hat den Vorort Schwabing einverleibt, der 1885 8460 Einwohner zählte; das Wachsthum Münchens bleibt aber selbst unter Be- rücksichtigung dicfls Unistandes enorm. Köln hat im vorigen Jahre evensalls eine Reihe von Vororten ausgenommen, durch ivelche seine Einivohnerzahl, welche 1885 161 401 betrug, um 78 000 gestiegen ist. Magdeburg in durch Einverleibung von Neustadl nnd Buckau von 114 291 auf 159 520(nach dem Stande von 1885) gestiegen. Altona endlich hat die Stadt Ottensen, welche 1885 18 635 Einwohner zählte, zum Stadtgebiet geschlagen. Hamburg, welches 1685 mit 305 690 Einwohnern die zweitgrößte Stadt des Reiches war, ist jetzt mit 323 729 Einwohnern an die fünfte Stelle gerückt. Diese Zahlen beziehen sich aber nur ans die innere Stadt einschließlich der Vorstädte St. Georgen und Pauli. Rechnet man die Vororte, die wegen ihres eigenthümlichen Verhältnisses zur Stadt ebenso wohl zn dieser gerechnet, als besonders gezählt iverden können, hinzu, so hat Hamburg 570 534 Einwohner gegen 471 427 im Jahre 18-5. Wir gesen nachstehend eine Taballe, in welcher wir die Städte des Deutschen Reiches mit über 100 000 Einwohner nach der Größe ordnen und auch diejenigen hinzufügen, ivelche jetzt erst die Zahl von 100 000 überschritten haben; es sind dies Kre- feld, Halle und Brannschweig, sowie, voraussichtlich auch Aachen, dessen Einwohnerzahl noch nicht bekannt ist. Zum Vergleich sehen wir die Einivohnerzahl von 1865 daneben, indem für die Städte, welche inzwischen ihre Bezirke vergrößerten, die Zahlen der jetzt einverleibten Ortschaften hinzugenommen sind, so daß ein genauer Vergleich ermöglicht wird. Die letzten beiden Spalte? enthalten die Zunahme seit 1885, und zwar sowohl die absoluie, ivie die relative. Letztere zeigt, daß die Bevölkerung sehr ungleich- mäßig gestiegen ist. Die verhältnißmäßig größte Ziinahme hatte Düsseldorf mit 27,5 pCt., dann folgen München mit 27,5, pEt., Magdeburg mit 26,6, Chemnitz mit 25,3, Nürnberg mit 24,0, Halle mit 23,5, Braunschweig mit 23, 1, Aachen mit 22,1 und Berlin mit 19,7 pCt. Am geringsten war die Zunahme m Königsberg mit 6,6, Hamburg mit 5,9, Bremen mit 5,5 und Danzig mit 4,3 pCt.; alles auffälligerweise Seestädte. Die Reihen- folge der Städte ist durch das ungleiche Wachsthum vielfach ge- ändert. Daß Hamburg von der 2. an die 5. Stelle gerückt ist, erwähnten wir schon. Leipzig, das 1835 erst die 7. und unter Berücksichtigung der Vergrößerung die 4. Stadt war, hat jetzt den 2. Platz inne. Dann folgt München, ivelches Breslau überholt hat. Dresden ist von Köln, König»- berg von Hannover, Stuttgart von Nürnberg, Altona und Düsseldorf überflügelt, welche auch unter einander die Reihen- folge geändert haben. Chemnitz und Elberfeld haben Bremen, Danzig und Straßburg überwunden. Danzig ist von Straßburg überholt. Im Ganzen besitzt Deutschland jetzt 26 Städte mit über 100 000 Einwohner, von denen 1 über IVe Millionen, 4 zwischen 3 und 400 000, 3 zwischen 2 und 300 000 und 18 zwischen 1 und 200 000 Einwohner haben. 1871, also vor 19 Jahren, waren nur 3 Großstädte vorhanden, nämlich Berlin inu 826 341, Hamburg mit 239 007, Breslau mit 207 997, Dresden mit 177 089, München mit 169 693, Köln mit 12ö 233, Königsberg mit 112 092 und Leipzig mit 106 925 Einwohnern. Seit 1885 hat die Zahl der Großstädter um 874 221, oder wenn man die Einverleibungen hinzurechnet, um 1 103 566 zugenommen. 1890 mehr als 1885 1890 1885 Zahl pCt. Berlin.... 1574485 1 315237 259198 19,7 Leipzig.... 353272• 289252 64020 22,1 München... 344 898 270 441 74 457 27,5 Breslau... 334 710 299 640 35 070 11,7 Hamburg.,. 323 729 305 690 18 039 5,9 Köln..... 282 537 239 510 43 027 17,9 Dresden... 276 085 246 086 29 999 12,2 Magdeburg.. 201 913 159 520 42 393 26,6 Frankfurt a. M. 179 666 154 513 25 125 16,3 Hannover... 163 100 139 731 23 369 16,7 Königsberg.. 161 149 151 151 9 998 6,6 Düsseldorf... 147 000 115 190 31 810 27,6 Altona... 144 636 123 352 21284 17,3 Nürnberg... 142 404 114 891 27 513 24,0 Stuttgart... 139 659 125 901 13 758 10,9 Chemnitz... 138 855 110 817 28 038 25,3 Elberfeld... 125 830 106 499 16 331 14,9 Bremen.... 124 940 118 395 6 543 5,5 Straßburg... 123 566 111987 11579 10,3 Danzig.... 119714 114805 4909 4,3 Barinen... 116192 103 068 13124 12,7 Stettin.... 116000 99543 16457 16,3 Aachen....? 95725-- Krefeld.... 105000 90236 14764 16,4 Halle.... 101227 85174 10053 23,6 Braunschweig. 100 883 81 982 18 901 23,1 Vvie�kÄlMen trev MeÄnkkion» G. U. 1. Das Kartenlegen ist nicht verboten; es ist aber wohl möglich, daß in der Art, wie dieses edle Gewerbe betrieben wird, ein strafbarer Betrug zu finde» ist; das kommt auf die näheren Umstände an. Unschädlich kann man das Gewerbe nun dadurch machen, daß man für möglichste Aufklärung Aller sorg' so daß sich keine Duminen mehr finden, die an das Kartenleg glauben. Zwei Mettende. Ihre Anfrage ist sehr geistreich. Man schiebt einen Wagen, wenn man hinter demselben, man zieht ihn, wenn man vor deniselben geht. R. M. 1. Die Wahlen zum Abgeordnetenhaus finden alle 5 Jahre statt. 2. Daß für die gesammte Stadtverordneten-Ver- sammlung auf ein Mal eine Neuwahl stattfindet, ist nur im Fall« vorheriger Auflösung derselben möglich. 3. In jedem Bezirk wir» für je eine Klasse ein Stadtverordneter gewählt. ? Trunkenheit und lüderlicher Lebenswandel, sowie gröb- Ii che Mißhandlungen sind Ehescheidungs-Grllnde. Der Mann ist für den schuldigen Theil zu erklären und muß die Frau und die Kinder alimentiren. E. A. Sie können nur den Wirth auf Schadensersatz ver- klagen. Doch kommt es auf die Umstände an, ob nicht Ihre Frau ebenfalls ein Verschulden trifft. Marirnbiivgevst»'. Die Anrufung richterlicher Entscheidung verspricht Aussicht auf Erfolg. Gdcvdergerstv. I. Der Antrag auf Anberaumung eine- Termins, um den Austritt aus der Landeskirche zu erklären, ist schriftlich an das Amtsgericht I zu richten. 2. Tie Bigamie ist strafbar, ohne daß es eines besonderen Strafantrages bedarf. E- genügt, wenn die Staatsanwaltschaft irgendwie Kenntniß von dew Verbrechen erhält. Z. S. A3. Wegen Gerichtskosten und Schulden des Ehe- mannes können Sachen, welche die Frau in die Ehe gebracht hat, nicht gepfändet werden. Geschieht dies dennoch, so muß d>t Frau ven betr. Gläubiger unter Glaubhaftmachung ihres Eigen- lhums zur Freigabe auffordern und, wenn dies erfolglos war, die Jnterventionsklage anstrengen. C. K. I. Es handelt sich offenbar um ein Exmissionsurtheil- Wenn nicht, nachdem dasselbe erlassen ist, eine Einigung zwischen Wirth und Miether erfolgt ist, so kann Ersterer dieses Urthev »ach beliebig langer Zeit zur Vollstreckung bringen. A- I- J» der Regel werden in Strafsachen dem Ange- klagten seine Vertheidigungskoften nicht ersetzt. Dies kann jedoch auf'Antrag geschehe», wenn das Gericht es ausdrücklich in dein freisprechenden Urtheil ausgesprochen hat. «t). E. M. Landeskirche ist nicht nothwendig. Diejenige Kirche, welcher� der Regierende angehört. G. H. 35. 1. Wenn der Testator verstorben ist, so kastst , r, der sich als dessen naher Verwandter lcgitimirt, bellst Testamentsgericht unter Beifügung einer Sterbe- Urkunde st st Testainentseröffnung beantragen, und zwar sowohl vor sea)" Wochen nach dem Tode als nach Ablauf dieser Zeit. 2. W-nst jemand ein zum Nachlaß gehöriges Loos an sich nimmt, so must er den Erben resp. Miterben den Werth desselben, oder weiw daffelbe herauskommt, de» Gewinn oder Gewinnantheil ersetzest' «pielt er das Loos iveiter, und es kommt in einer späteren Klaff hst,tnst.s- fv gebührt der Gewinn ihm, und er braucht nur de> Werth der früheren Klassen z» ersetzen.- ,d&r«rUr-AIliauceplak». Sie können fe9ral,e �brer Zeugniffe und Zahlung des rückständigen r 3C11' �0 aber Ihre Stellung ohne Kündigung uC£ "f Istn laben, müssen Sie den etwa dadurch dem Prinzipal en Schaden ersetzen, falls Sie nicht einen rechtmäßig-" Grund nachweisen können KMWMS-NS KZWKMUW Verantwortlicher Redakteur:(Curt Kaatze in Berlin. Druck und Verlag von War Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2."