Kr. 300. Mittwoch, den 34, Dezember 1890. V. Habra. Hrgan für die Inierefsen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens auser nach Sonn- und Festlagen. AbonnementSpreis für Berlin frei in's Haus vierteljährlich 3�0 Mark, monatlich 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. Sonntags-Nummer mit dem.Sonntags-Blatt" 10 Pf.• Postabonnement 3,30 Mark vro Quartal. (Eingetragen in der Postzeitungspreisliste für 1890 unter Nr. 892, V. Nachtrag.) Unter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Dcutscbland und Oesterreich-Ungarn „ 3 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebühr beträgt für die Sgespaltene Petitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VersammlungS- Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Nhr Nachmittags in der Expedition, Berlin SW., Beuthltrahe 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preise«, angenommen. 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Bei Bestellungen bitten wir besonders, auf den neuen Titel s achten und bemerken, daß unser Blatt in der Post-Zeitnugs- reialiste pro 1891 unter pr. 6469 eingetragen ist. Zu recht zahlreichem Abonnement ladet ein Die Redaktion und Expedition des „Kerliner Nolüsdlatt� Arveikersttzutz itt der Schiet; Unleugbar nimmt heute die schweizerische Eidgenossen- lsl den weitaus ersten Rang unter allen Staaten ein, che eine soziale Gesetzgebung besitzen oder anstreben. -'■reicht ist ihre Arbeiterschutz-Gesetzgebung, welche die giands überholt hat, von der Oesterreichs noch nicht er- tzt wurde und hinter welcher der Arbeiterschutz-Gesetz- �urs der deutschen Reichsregierung und die Beschlüsse ertt Reichstags-Kommission weit zurückbleiben. Bis ' Rücktritt des Fürsten Bismarck gehörte es zum guten ' 00"' Bundesraths-Tische die Erfolge der schweizerischen JleuMekou. _[20 siothenbnrger Tage. der Zeit des großen Bauernkrieges von 1525. Von Wilhelm B l o s. zierende Herr Bürgernieister begann stärker als er das Kredenzschreiben verlas/ als er chob sich Stefan von Menzingen und trug an, :n der fränkischen Bauerschaft sofort einzn- m Ausschuß stimmten freudig, die vom Rath der Rathsdiener öffnete die Pforte des Saales chritten Florian Geyer und Hanns Pczold, mit ken die Bersamnilnng messend. Geyer trat vor und nahm das Wort; er > bis es ihm der Bnrgerincistcr gab. erren vom Rath und Ihr Männer vom Ans- ' den Hauptleuten und Räthcn der versam- irschaft des Landes zu Franken, im Feld- >ingsfeld, haben wir den Befehl, anher zu retten hrbaren Rath, sürsichtigen Ausschuß und ganzer 'd zu thun, wie der Wille der versammelten nach geschehenem Berständniß mit Euren Ver- i heiligen Evangelium festzuhalten. o, lieben Freunde und christliche Bruder, haben in vertragen, daß das göttliche Wort frei und klar gcprediget und erhalten werden, ohne allen Menschenhand. Denn seine Feinde sollen es nicht und österreichischen Arbeiterschutz-Gesetzgebung direkt ab- zuleugnen, was insbesondere dem Fürsten Bismarck leicht fiel, da seinen Urtheilen kein sozialpolitisches Wissen hinder- lich im Wege stand. Unabhängige Gelehrte und andere Kenner der schweizerischen Gesetzgebung ließen sich durch die Bismarck'schen Tiraden' über die Undurchführbarkeit eines Normal-Arbeitstages und über die schlechte Aus- führung der schweizerischen Fabrik-Gesetzgebung nicht beirren und strebten für das Deutsche Reich eine ähnliche Gesetzgebung an, freilich bis heute vergebens. Als die deutsche Reichsregierung wenigstens den Schein zu wahren suchte, daß sie nicht gar zu weit hinter der Arbeiterschutz-Gesetzgebung anderer Länder zurückbleibe, da mußte man an das Studium der fremden Arbeiterschutz- Gesetze gehen, um Materialien über diese Gesetzesmaterie zu gewinnen, so wurde der Geheimrath Königs aus dem preußischen Handels- und Gewerbeministerium in die Schweiz gesandt, um das Wesen und die Durchführung des schweizerischen Fabrikgesetzes zu studiren. Die Ergeb- nisse dieser Forschungsreise in ein dem preußischen Bureau- kratismus ganz fremdes Gebiet liegen seit Kurzem in einer bei Julius Springer in Berlin erschienenen Schrift„Die Durchführung des schweizerischen Fabrikgesetzes" vor. Interessant ist das Ergebniß dieser Schrift, welches im schroffsten Widerspruche steht zu der Bismarck'schen stereotypen Redewendung, daß der Normal-Arbeitstag die Arbeiter schädige, daß die Sonntagsruhe ihren Lohn ver- mindere, daß das schweizerische Fabrikgesetz nur auf dem Papier stehe, daß es für Deutschland nichts erstrcbens- werthes enthalte. Bei der großen Wichtigkeit und Aktualität, welche heute der Arbeiterschutz-Frage besonders in Deutsch- land beizulegen ist, wird es unseren Lesern werthvoll sein, die Ausdehnung des schweizerischen Arbeiterschutzes und an der Hand des doch sicherlich nicht zu optimistischen Urtheils des Geheimraths Königs die Durchführung dieser Fabrik-Gesetzgebung kennen zu lernen.— Vorausgeschickt sei, daß das schweizerische Fabrikgesetz seit 12 Jahren in Kraft steht. Würde heute dem schweizer Volke ein neues Fabrikgesetz vorgelegt werden, so würde es bei der dem Arbeiterschutz durchaus günstigen Stim- mung des schweizerischen Volkes noch viel weitergehende Bestimmungen enthalten können. Ferner sei bemerkt, daß das Verhältniß der landwirthschaftlichen zur industriellen Bevölkerung in der Schweiz ein annähernd gleiches wie in Deutschland ist, und daß gerade in der kleinen Schweiz die Schwierigkeiten, ein weitgehendes Arbeiterschutz-Gesetz loyal durchzuführen, viel größer waren, als in irgend einem anderen Lande, so z. B. in Deutschland. Dieser von Königs nicht beachtete Punkt sei hier etwas näher ausgeführt. Die schweizer Industrie ist in erster Linie mehr unterdrücken mögen, also daß auch der einfältige Mann zur rechten Erkenntniß komme. Ihr selber wisset, ivie der arme gemeine Mann seit langen Zeiten, ist überhäuft worden von seiner Obrigkeit mit unziemlichen Diensten, Frohnden, Lasten und Beschwernissen. Aber auch der gemeine Mann soll des Brots genug haben und nicht mit dem Bcttelsack umziehen, darum es der Wille unserer Bruderschaft ist, daß Keiner ihn bedränge, da man nicht weiß, wie diese Dinge enden werden. Keiner soll nicht geben Zins, Gült, Rente, Handlohe, Hauptrecht oder Zehente bis zur Reformation durch das Evangelium. Denn was vom Evangelium wird umgestoßen sein, soll umgestoßen bleiben; was vom Evangelium ist aufgerichtet, soll aufgerichtet bleiben. Wir haben ein Einsehen, daß der gemeine Mann eine Bürde tragen muß, aber die Obrigkeit soll sich mit ihm darum vergleichen, nach dem Spruch gottessnrchtiger Leute. Und so mag auch eure Stadt nicht bestehen ohne Stenern. Darum wöget Ihr rathschlagen, Rath, Ausschuß und Gc- meine, damit Ihr steuert, was nothwendig ist, zur Erhaltung der Stadt; das setzet als Steuer vcst. Wir wollen nicht, daß Eure Obrigkeit entsetzet werde; ihr sott die Ehre bleiben. Aber ein ehrbarer und sürsichtiger Rath soll beschließen mit Zuziehung des Ausschusses und der Gemeine, was der Stadt zu wahrem Nutz und Frommen niöge sein; dem werde nachgelebt in der Stadt und ans dem Lande, um der guten brüderlichen Einigkeit willen. Wer sich dawider empört, den soll man strafen, und so eine Gemeinde Aufruhr erhebt gegen ihren Rath, so soll ihm die Hilfe der Bruderschaft werden. Habet Acht, daß die geistlichen Gitter nicht muthwillig zerstört werden, sondern Ihr wöget einige redliche Männer verordnen, die sollen sie einziehen und verwahren zum ge- meinen Nutzen. Keiner soll mit Frevel solch Gut an sich eine Exportindustrie. Schweizer Uhren, Maschinen, Prä- zisionsinstrumente, Garne, Stickereien, Seidenwaaren, chemische Produkte zc. gehen in großen Mengen in's Aus- land und bilden neben dem schweizerischen Zuchtvieh und 5täse, sowie Molkereiprodukten Welthandelswerthe ersten Ranges, sind aber dabei keineswegs Monopole der schweizer Industrie, denn in allen anderen Ländern werden diese Maaren auch erzeugt, so z. B. die Stickereien in Sachsen (Voigtland), Oesterreich(Vorarlberg), England(Nottingham), Frankreich(Tarare) und anderwärts, dabei bleibt nur ein ganz unbedeutender Prozentsatz dieser Werths im eigenen Lande. Ganz anders ist das Verhältniß in größeren Ländern, so z. B. im Deutschen Reiche. Auch hier wird für den Weltniarkt produzirt, aber ein unvergleichlich größerer Bruchtheil bleibt im eigenen Lande. Endlich ist die nichtschweizerische Industrie durch zum Theil exorbitante hohe Schutzzölle geschützt, während die Schweiz während der ganzen Zeit, wo sie unter einem Fabrikgesetze stand, den Boden des Freihandels nicht verlassen hatte. Trotz all' dieser die Durchführung des schweizerischen Fabrikgesetzes unzweifelhaft erschwerenden Momente kann die Schweiz' stolz darauf hinweisen, daß sie nicht nur das weitestgehende, sondern auch das am besten durchgeführte Fabrikgesetz besitzt. Gesteht man dies aber ein. wie das in der halboffiziellen Schrift des Geheimraths Königs geschieht, dann fallen alle Einwendungen gegen ein dem schweizerischen ähnliches, ja dasselbe in den Schatten stellendes deutsche Arbeiterschutz- Gesetz weg.— In kurzen Zügen sei nun der Inhalt des eidge- nössischen Fabrikgesetzes vom 23. März 1877 wiedergegeben. Die wichtigste, im sonstigen Europa nur noch in Oesterreich bestehende Arbeiterschutz-Bestimmung ist die des Maximal- Arbeitstages für alle Arbeiter. Die regelmäßige Arbeit eines Tages darf nicht mehr als elf Stunden, an den Vor- abenden von Sonn- und Festtagen nicht mehr als zehn Stunden, betragen und darf nicht in die Nachtstunden fallen. Ausnahmsweise oder vorüber- gehende Verlängerung der Arbeitszeit kann bis zwei Wochen von den Lokalbehörden, darüber hinaus von der Kantons- regierung gestattet werden. Die Nachtarbeit, das heißt die Arbeit zwischen 8 Uhr Abends und 6 Uhr(he- ziehentlich 5 Uhr im Sommer) Morgens ist nur aus- nahmsweise zulässig. Die Sonntagsarbeit ist, Nothfälle vorbehalten, nur in solchen Fabriken gestattet, welche ihrer Natur nach ununterbrochenen Betrieb erfor- dern. Frauenspersonen ist die Sonntags- und Nachtarbeit verboten, die Mittagspausen müssen für ver- heirathete Arbeiterinnen mindestens 11/2 Stunden dauern. reißen; doch mögt Ihr davon den Armen geben. Und be- denket, daß auch die Geistlichen Christcnmenschen sind. Drum soll Keiner sie kränken mit schnödem Wort oder unbilliger That. Ihr sollet sie nicht an den Bettelstab weisen, sondern ihnen zutheilen, was zu des Leibes Nahrung gehört. Stach Solchem sind wir gewillt. Euch m die Bruder- schaft anzunehmen, drum wöget Ihr in den Bund schwören. Desgleichen schwören wir, für den ganzen hellen Haufen, der Gemeinde von Rothenburg trcn zn sein, soweit Leib und Gut, und was uns sonst verliehen, mag reichen, und werdet Ihr unfern Schutz und Schirm spüren in der Zeit der Roth." Das war weise, fest und klar gesprochen. Die vom Rath, soweit sie dem Alten anhingen, sahen vor sich nieder; so hatten sie noch niemals das neue Evangelium auslegen gehört; sie hatten immer nur an die wiloen verworrenen Reden der Schwarmgeister gedacht. Und nun legte Herr Florian die Vertragsartikel der fränkischen Bauerschaft vor; darinnen war aufgesetzt, daß das Ewangelium solle rein und lauter gepredigt und daß bis zum Austrag der Sache keine Zinsen, Gülten und andere Abgaben mehr sollten geleistet werden. Item sollten auch schädliche Schlösser, Wasserhäuser und Befestigungen, daraus dem ge- meinen Mann bisher hohe und schreckliche Beschwerung ent- standen, eingebrochen und ausgeorannt werden; die Güter der dem hellen Haufen feindlichen Edclleute und Geistlichen sollten an den Haufen fallen. Auch sollten die geistlichen und weltlichen Edeln sich des gemeinen Bürgers und Bauern hierfüro rechtens halten und der Edelmann solle thun, wie ein anderer Mann. Die Rathsherren hingen die Köpfe. Denn mit dem Wöchnerinnen dürfen vor und nach ihrer Nieder- kunft im ganzen während 8 Wochen nicht beschäftigt werden. Kinder unter 14 Jahren dürfen ebenfalls in Fabriken nicht beschäftigt werden. Kinder zwischen dem 14. und 16. Jahre dürfen einschließlich des Schul- und Religionsunterrichts nicht mehr als 11 Stunden im Tage beschäftigt werden. Sonntags- und Nachtarbeit von Kindern unter 14 Jahren ist untersagt. Dies der wesentliche Inhalt des Gesetzes, das, wie man sieht, bedeutend weiter geht, nicht nur wie das bestehende deutsche Arbeiterschutz-Recht, sondern auch wie der von der Reichsregierung ausgearbeitete Entwurf. Ueber die Durchführung des Fabrikgesetzes schreibt Königs unter anderem: Die allgemeine Durchführung des Fabrikgesetzes hat die Fabrikbesitzer überzeugt, daß die befürchteten Nachtheile nicht eintraten, daß umgekehrt durch das bessere Verhältniß zu den Arbeitern ein ent- schiedener Vortheit bewirkt wurde. Von fast allen In- dustriellen, auch von denjenigen, welche das Fabrikgesetz nur für ein nothwendiges Nebel halten, und dasselbe wegen seiner Beschränkung der Freiheit der Arbeitgeber und der Arbeiter nicht lieben, wird anerkannt, daß nachtheilige Wirkungen des Fabrikgesetzes für die Industrie nicht ein- getreten seien und daß insbesondere weder die Pro- duktion abgenommen noch ein Steigen der Kosten stattgefunden habe. Die Arbeiter andererseits lernten je länger je mehr den Werth des Fabrikgesetzes schätzen. Ihre Vereine denunziren an vielen Orten jede Uebertretung des- selben, im Kanton Zürich haben sie sogar eine besondere Ueberwachungs-Kom Mission ein- gesetzt. Aehnlich handelt der Stickerverband in der Ost- Schweiz. Das Erstarken der Arbeiterpartei, welche in ihrer Organisation, dem schweizerischen Arbeiterbund, über mehr als 100 000 Stimmen verfügt und deren Streben auf Verschärfung des Fabrikgesetzes gerichtet ist, hat in Verbindung mit der Aussöhnung der Fabrikbesitzer dazu beigetragen, daß alle politischen Parteien mindestens das im jetzigen Gesetze gewährleistete Maß des Arbeiterschutzes für nothwendig und heilsam halten. Die Abschaffung des Gesetzes wird von keiner Partei verlangt, der Kanipf dreht sich nur um seine Verschärfung. Infolge dieser allgemeinen Anerkennung des Nutzens des Fabrikgesetzes werden seine Bestimmungen nunmehr im Großen und Ganzen gewissenhaft geHand- habt. Die Nothwendigkeit des Arbeiterschutzes ist so sehr in das öffentliche Bewußtsein eingedrungen, daß eine Aufhebung oder thatsächliche Außerachtlassung des Fabrik- gesetzes für eine absehbare Zeit nicht zu befürchten ist. So das Urtheil des Geheimraths Königs, auf dessen Schrift wir vielleicht in anderem Zusammenhange noch zurückkommen werden. Leider ist wenig Hoffnung vor- handen, daß durch dieselbe die Stumm und Hartmann überzeugt werden. Der„Deutsche Reichs- und königlich preußische Staats- Anzeiger" bespricht auch in seiner vorletzten Nummer Königs' Schrift. Er schließt dieselbe mit folgendem Satze: „Die Schrift hat lediglich den Zweck einer Orientirung. Sie beweist aber auch indirekt, daß der Widerstand gegen den vernünftigen und berechtigten Arbeiterschutz allmäüg von selbst auchört und die sich daran knüpfenden Prophezeiungen erheblich nachtheiliger Wirkungen nicht immer in Erfüllung gehen." Hoffentlich erfüllt sich dieser Wunsch bei unseren Be- Hörden, welche nach ihrem Entwürfe und ihrer Haltung bei den Kommissionsberathungen bewiesen haben, daß ihnen noch iminer die richtige Auffassung für die Fragen des Arbeiterschutzes abgeht. Beschämend ist es jedenfalls, daß unser Land, indem es zwar nicht an feierlichen Erklärungen, wohl aber an gutem Willen für Inangriffnahme einer vernünftigen Ar- beiterschutzpolitik fehlt, soweit hinter der kleinen Schweiz zurücksteht. Wäre Selbsterkenntniß wirklich der erste Schritt zur Besserung, so könnten wir Königs' Schrift be- Evangelium mochten sie schon fertig werden, das mochte ein Jeder nach seinem Geschmack auslegen. Aber daß die Zinsen und Renten aufhören sollten, das fiel ihnen schwer auf's Herz und der Bürgermeister sprach mit stotternder Stimme, was dann werden solle. Denn, sagte er, die reichen Bürger, die der Stadt die meisten Steuern gäben, lebten von den Sinsen, Renten und Gülten aus dem Lande; wenn die anern solcher Leistungen ledig wurden, fo könnten die Bürger keine Stenern geben, und das Regiment der Stadt könne nimmer bestehen. Damit schloß er betrübt und die Rathsherren nickten nicht minder betrübt mit den Köpfen. Kilian Etschlich aber, der beim Ausschuß saß, rief spöttisch herüber: „Solch Unglück vermöchte die Stadt wohl zu tragen, wenn das Regiment einmal nicht mehr erblich ist bei den Geschlechtern!" Herr Erasmus und Musloe sagte nichts, sondern seufzte nur. In seinem Innern aber walzte er grimmige Gedanken. Haben wir nur erst das Heft wieocr in der Hand, dachte er, dann wollen wir es dem Etschlich, dem Tuchscheerer ein- tränken, daß er also fürwitzig gewesen. Nun trat aber Hanns Pezold auf. „Lieben Brüder und Freunde," sprach der Schultheiß vonOchseusurt,„Ihr möget einsehen, daß wir, die Verordneten der fränkischen Bauerschaft, den Befehl haben. Euch die Artikel so vorgelegen, wie sie vereinbart worden mit Eure» Verordneten, lasset Euch die Sach nicht so schwer werden, denn sie wird bald verglichen. Auch möget Ihr nicht denken, der gemeine Mann sei aufgestanden, um gar keine Gült oder Reift mehr zu geben; das wäre nicht christlich. Aber Ihr sollt drei oder vier von Euch in das Lager senden; sie sollen im Rathe sitzen und dort eine Stimme haben. Also wird's Eurer Sach förderlich sein. Und fo wir etiva noch lange Zeit kriegen und zu Felde liegen nuissen, so werden die Hauptleute und Rätbe wissen, wie sich mit Euch zu vertragen. Denket, daß Euch große Herren, denen es viel Beschwerniß gebracht, in solchen Dingen fügsam gewesen. Und anders können wir nicht thun aus Eigenmacht; wir müssen auf der Sach bestehen, ansonsten grüßen. Leider dürfte sie an der starren Klassenpolitik unserer Regierung gar nichts ändern. Desto mehr müssen sich die Arbeiter zusammenthun und immer entschiedener ihren Standpunkt in der Frage des Arbeiterschntzes be- tonen. Je entschiedener wir hier auftreten, desto eher wird man unseren Forderungen entsprechen nuissen. Kriefe ans England. London, den 17. Dezember 1890, Die irische Frage hat für den Augenblick das Interesse der Politiker von der Arbeiiersrage etwas abgelenkt, alles ist zunächst darauf gespannt, welches der Ausgang des Konflikts unter den Jrländern sein, welche der streitenden irischen Parteien die Ober- Hand behalten wird. Vorläufig raufen sich Beide mit einer von Tag zu Tag sich steigernden Erbitterung, die Massen schreiten zu handgreiflichen Argumenten und die Führer bleiben auch nicht immer bei bloßen Worten stehen. Die Gegend, in der sich diese Kämpfe abspielten, ist die nördliche Hälfte der Grafschaft Kilkenny. Dort soll am nächsten Montag eine Nachwahl zum Parlament stattfinden, bei der Parnelliten und Anliparnelliten mit eigenen Kandidaten einander gegenüberstehen. Die Wahl soll eine Art Probe— einen„Test"— abgeben für die Stimmung der Wählerschaft im Lande, und beide Parteien arbeiten mit fieberhaftem Eifer, ein für sie günstiges Resultat herauszuschlagen. Ein Theil der niederen Geistlichkeit kämpft mit Leidenschaft gegen Parnell, während ein ander Theil mit ebensolchem Eifer für ihn eintritt— trotz des Manifestes der Bischöfe. Derartige Fälle von Insubordination des niederen Klerus gegen seine Oberen sind in Irland gar nichts Seltenes, die jetzige soll aber außerdem von Rom aus begünstigt werden, erstens weil man dort den irischen Bischöfen grollt, die ihrerseits Rom gegenüber in der letzte» Zeit wiederholt sehr schwerhörig waren, und dann vielleicht auch, um sich dem englischen Kabinet gefällig zu er- weisen, die Wege der Vorsehung sind oft s e h r wunderbar. Wie die Parnell-Affäre auf die englische Wählerschaft gewirkt, sollte sich vorgestern bei einer Nachwahl im Bezirk von Bassetlaw(Nottinghamshire) zeigen. Dort stellten die Gladstoneaner dem Konservativen einen Kandidaten gegenüber, und der alte Gladstone selbst hielt vorige Woche, als er für die Dauer der Parlamentsserien nach Hause reiste, auf der Durchfahrt an zwei Orten Ansprachen an die Wähler, die großen Eindruck gemacht haben sollen. Trotzdem ist der liberale Kandidat am Montag unterlegen. Die Niederlage würde noch viel größer gewesen sein, wenn nicht in den wenigen Orten des Kreises, die eine stärkere Arbeiterbevölkerung haben, die Arbeiter in überwiegender Mehrheit für die Liberalen gestimmt hätten. Namentlich war dies in Worksoy der Fall, wo die in den benachbarten Bergwerken thätigen Arbeiter fast Mann für Mann für den Gladstonieaner stimnUen. Gerade in Worksoy hatte aber auch Gladstone nur wenig von Irland, um so mehr dagegen von solchen Fragen gesprochen, die die englischen Arbeiter direkt »fteressiren, wie die Vervollkommnung der Wahlreform zc. Ebenso hatte sich der liberale Kandidat bereit erklärt, das Achtstunden- gesetz für Bergarbeiter im Parlament zu unterstützen. Die eng- tischen Arbeiter in ihrer übergroßen Mehrheit sind für Home Rule, gleichviel ob die Jrländer Parnell oder sonstwen zum Führer wählen, aber sie haben stets darauf gehalten, und werden es jetzt um so mehr, daß Home Rule nicht der Vorwand wird, ihre Interessen in den Hintergrund zu drängen. Beiläufig sei noch erwähnt, daß auch Herr Parnell es für nöthig befunden hat, aus seiner Agitationstoür durch Irland sich als eifriger Advokat der Arbeitcrinteressen auszuspielen— derselbe Parnell, der bisher überall gegen die von Davitt gegründete irische Arbeiterföderation intriguirt und noch vor einigen Wochen durch einen seiner Getreuen als halben Verrath an Irland hatte denunziren lasse». So lange die irische Partei einig war, konnte der ungekrönte König sich das leisten, die na- tionale Frage drängte die soziale in den Hintergrund. Jetzt aber, wo die Partei gespalten ist, erlangt das Arbeitervotuin in den Städten eine große Bedeutung, und da muß Herr Parnell, will er sich diese sichern, suchen, Davitt den Wind aus den Segeln zu nehmen. Ob es ihm gelingen wird, ist freilich eine andere Frage. Im Lause des letzten Jahres hat die englische Arbeiter- bewegung im Osten und im Süden Englands Wurzeln gefaßt. Die Union der Gasarbeiter und Arbeitsleute hat starke Zweig- sektionen in Irland, und ebenso andere der neuen Gewerkschaften. Die Mitglieder dieser Sektionen, von denen verschiedene— so die Arbeiter in der weltberühmten Brauerei von Guinneß in Dublin — mit Hilfe ihrer englischen Kameraden siegreiche Streiks durch- gekämpft haben, dürften wenig Lust verspüren, sich von Parnell in die alten Rasseugegensätze verhetzen zu lasse». Wenn nach Parnell die irischen Pächter noch inft Home Ruft warten können, so die irischen Arbeiter jedenfalls nicht' minder. Damit für heute genug von Irland— Im Hafen von London haben wir zur Zeit einen partiellen Streik oder vielmehr man uns die Köpfe abschlagen möchte, wenn wir wieder ins Lager einreiten. Die Herren vom Rath konnten nicht zurück, denn ihre Verordneten hatten in Heidingsfeld die Vertragsartikel schon angenommen; darum stimmten sie mit schwerem Herzen zu, die vom Ausschuß mit Freuden. Wieder erhub sich Herr Florian und sprach, die verbrüderte Stadt solle nun auch dem hellenHaufen die Hilfe leisten, die sie zugeschworen, und solle ihre zwei besten Geschütze nebst Pulver und Kugeln nach Würzburg senden, um an dem Schlöffe Bresche zu schießen. Rath und Ausschuß stimmten zu und desgleichen ward beschlossen, einen Galgen mit drei Ketten auf dem Markte aufzurichten, um Frieden und Einigkeit willen. Das sah nicht nach evangelischer Freiheit aus; es war so die Gewohnheit jener Zeit voller Aufläufe und Gewaltthaten. Herr Florian strahlte vor Freude, daß ihm seine Sache so trefflich gelungen; in seiner Begeisterung für die Volks- fache und daß es ihm geglückt, die mächtige Stadt in den Bund zu bringen und die Geschütze ausgeliefert zu bekommen, dachte er in diesem Augenblick nicht an Agnes und es sprach auch Niemand von den Vorfällen des gestrigen Tages. Die Herren vom Rath und die Männer vorn Ausschuß aber hatten noch ein schwierig Stücklein vorzunehmen; sie sollten die Verorduetenj für den Rath der Bauern in Würzburg wählen. Da hatte denn Niemand sonderlich Lust, nament- lich nicht die vom Rath; man konnte die wunderlichsten Ausreden vernehnien. Herr Florians Brauen zogen sich finster zusamnien, als er die elenden Ausflüchte hörte; er sah wohl, daß diese Stadthäiffe wohl dem Zwang ge- horchten und sonst wohl viel Worte, aber keine Thaten haben mochten. „Gott bewahre mich," rief Kunz Eberhard,„daß ich solch Amt annehme; lieber werft mich in den tiefsten Thurm." „Kann auch noch werden", rief Christ Heinz. „Ich kann nicht abkommen, mein Weib ist gifter Hoff- nung", sprach Herr Heinrich Träb, der Vogt von Kirchberg. „Dann laßt Euch nur auch gleich zur Hebamme bestellen", spottete Ehrenkried Kunipf. Boykott. Die Union derMatrosen und Schiffs Heizer hat die Schiffe zweier großen Schiffskompagpien in Boykott erllärt, weil die Kompagnien Nichl-Unionsleute einA«- stellt haben und statt auf den Schiffsbnreau's, auf den Schiffen selbst ihre Leute engagiren— natürlich, um unkontrolirt desto leichter mit ihnen zu verhandeln. Hinter den Firmen steht der große Schiffsrheder-Verband, der ausdrücklich zu dem Zweck ins Leben gerufen worden ist, die Union der Heizer und Matrosen zu sprengen. Diese ihrerseits ist wiederuni auf die Hilfe bezw. Einhaltung des Boykotts von Seiten der übrigen Hafenarbeiter (Ewerführer, Docker, Kohlenträger jc.) angewiesen. Während nun die meisten derselben ihrer Aufforderung zum Boykott nachgekommen sind, haben die Docker es abgelehnt, sich dem Boykott anzuschließen. Ich kann die Gründe, die ihr Vorstand für diesen Beschluß angegeben hat, füglich übergehen, wenn ich denjenigen nenne, der zweifelsohne den Ausschlag gegeben hat; nämlich die sehr prekäre Lage der Dockerunion selbst. Schon vor einiger Zeit gestand Tom Mann ans einem Meeting zu, daß ein ziemlich erheblicher Brnchtheil ihrer Mitglieder derselben den Rücken gekehrt habe. Er drückte dabei die Hoffnung aus, daß der Rest um so fester zur Union halten werde. Das scheint aber nicht oder nur bedingt der Fall zu sein, jedenfalls weicht die Union jeder Kraftprobe aus und thut mehr, ihre Mitglieder zur Nachgiebigkeit gegenüber den Dockkompagnien zu veranlassen, als gegen diese mit For- derungen aufzutreten; was natürlich zu neuer Unzufriedenheit und neuen Austritten führt. Daß die Ausgetretenen nicht von den besten Gefühlen für die Union beseelt sind, ist leicht begreif- lich, und so giebt es Reibereien ohne Ende. Noch repräsentirt die Union den Haupltheil der Dockarbeiter, aber jede Position, die sie verliert, verschiebt das Verhältniß zu ihren Ungunsten. Dennoch ist die schroffe Ablehnung der Betheiligung am Boykott ein schwerer Verstoß gegen die Solidarität der Arbeiterinteressen und hat der Sache der kämpfenden Arbeiter nicht unerheblichen Schaden zugefügt, h-nn abgesehen von der direkten Wirkung der Nichtbetheiligung am Streik bezw. Boykott hat sie auch den Schiffsherren ihr falsches Spiel vor der öffentlichen Meinung und das Engagement von„freien" Arbeitern, vulgo Streikratten, wesentlich erleichtert.„Freie Arbeit" ist jetzt die Parole der Herren. Eine vor etlicher Zeit[von einigen obskuren Persönlichkeiten gegründete„iilllgeiuerne Arbeiter- Union", die sich die „Lieferung" aller Arten von„freien Arbeitern"—„freie Arbeit in einem freien Land" ist die Parole dieser Möchtegern-Sklaven- Händler— für den Schiffsverkehr zum edlen Ziel gesetzt hat, und an deren Spitze der Marquis of Buke, Mitglied des Haches der Lords, steht, hat richtig jetzt der einen der betroffenen Schiffs- firnien die zun» Aufladen der Kohlen nöthigen Arbeitsleute beschafft, da die Kohlenträger- Union(die„coalies"), gleich dem Verein der Ewerführer, mit anerkennenswerther Solidarität treu zur Sache der Matrosen- Union gestanden. Natürlich arbeiten die„freien Arbeiter" unter dem Schutz— bald hätte ich gesagt, »inter Aufsicht— der Polizei. Es bleibt nun abzuivarten, welche Maßnahmen die betheiligten Arbeiter ihrerseits diesem Schritt ves Unternehmerthums ent- gegensetzen werden. Jedenfalls ist die Situatton ernst und er- fordert wohlüberlegtes Handeln. Um auch ein freundliches Bild aus der ArbeiterSeivegung zu geben, will ich nicht unterlassen zu melden, daß es der Agitation des„Vereins für den frühen Schluß der Geschäfte"(Early Elosing Association) gelungen ist, fast sämmtliche größeren Firmen des Engros- und Detailhandels in London und auch in unseren Provi>»zstädten zu beivegen, ihre Geschäfte während der Weihnachtsseiertage bis zum folgenden Montag geschlossen zu halten, so daß also ihre Angestellten vom Heilig Abend ab vier Feiertage haben. Allein in der Londoner Schnittwaaren-Jndustrie zählt die Liste 160 Namen, darunter Firnien, die mehrere Hundert 'Angestellte beschäftigen. In Bezug auf die Arbeitszeit»st man hier überhaupt den Ländern des Festlandes, besonders Deutsch- land, iveil voraus. Die Herren deutschen Kaufleute, die ja fast alle einige Jahre Lehrzeit in England zugebracht, haben den Engländern manches abgeguctt, in dieser einen Hinsicht aber sind sie, wie es nach den Berichten in den Versainmlungen der Handlungs- gehilfen scheint, schauerlich ungelehrig. Die deutschen Fabrikanten freilich auch. Dolittsche Acberftchk. Berlin, den 23. Dezember. Die zlnternehmev-Ucrbände oder Kartelle haben bekanntlich zum Zweck, die Konkurrenz der Unternehmer unter sich aufzuheben, und die Ausplünderung des Pnblikums „genossenschaftlich" zu betreiben. Was Herr Eugen Richter den Sozialdemokraten nachsagt,»»ämlich daß sie das Gesell- schasts-Einkoinmen„theilen" wollen, das wird von diesen Klassengenossen des Herrn Richter in ausgedehntester Praxis geübt, sie„theilen" das„Gesellschafts- Einkoinnien", das heißt die von ihrer Kartell-„Gesellschaft" gemachte Beute. Der Erfolg beruht natürlich auf dem Ausschluß der „Ich bin ein Junggesell und zu solchen Dingen nicht nütz", sprach Bonifazins Werner. „Mir baucht, Ihr seid zu gar keinen Dingen nütz, als den Galgen zu zieren", schrie Einer vom Ausschuß. Herr Florian sah verweisend nach dem Rufer, aber er kannte ihn nicht. Auch Stefan von Menzingen sagte Nein, als man ihm das A,nt anbot. Er sei des Markgrafen Kasimir Dienst- manu. „Der dient aller Welt, wenn's von Vortheil ist," hieß es. Da ward Ehrenfried Kuinpf zornig, als er solche Zwei- deutigkeit und Verzagtheit bei Allen sah. „Sollte inan nicht meinen," zürnte er,„es gab' in der freien Reichsstadt Rochenburg, die einen Toppler zum Bürgermeister gehabt, nur noch Weiber und Memmen statt Männer? Auch meine Hausfrau ist guter Hoffnung, aber ich will»nich nicht hinter ihr verstecken, wie der Vogt von Kirchberg; ich reite mit gen Würzdurg. Doch soll einer des Raths als Genoß mit mir sein." Da gab's ein Geuuirmel und die vorn Rath stimmten zu, denn sie»varen froh, den Altbürgerineister los zu»verden. Auch Herr Erasmus und Musloe lobte dessen Much, in der Hoffnung, Herr Ehrenfried»verde nicht wieder kominen. Aus den» Rath aber schien sich keiner zu nielden, der»nit ihm reiten»vollte— da erhub sich mit ernste»»» Antlitz Jörg Spelt»»nd begehrte dabei zu sein. Verwundert sah»nan aus den. milchbärtigcn jungen Mann, er aber wiederholte sein Anliegen in vollem Ernst. „Ihr seid brav", sagte Ehreilfried Kuinpf. „Man hat gesagt, ich sei kein Man»»," sprach Spelt," iin Krieg will ich einer»verden." Dann sah er nachdenklich vor sich hü», während sein Vater ihm empfahl, recht vorsichtig zu sei»». Spelt, der junge, erividerte dara»»f kein Wort. Herr Florian stieg hinab, um nach den Seinen zu schauen; er war voll Freudigkeit»»»»d stolzer Hoffl»ul»ge>». (Fortsetzitug folgt.) Konkurrenz. Taucht außerhalb des„Ringes" ein Spie verderber auf, so muß er entweder gewinnen, oder durch Ver kaufen unter dem Werth zu Grunde gerichtet werden— in welchem letzterem Fall das Pnblikttm natürlich Hintennach die Kosten doppelt und dreifach zu bezahlen hat.' Die Konkurrenz des Auslands ist schwerer zu be seitigen. Da muß der Staat für die Kartelle Partei er- greifen, wenn das Spiel ihnen gelingen soll. Und zwar kann er das am Wirksamsten durch Schutzzölle, wie Z. B. das Deutsche Reich sie zum Vortheil des Großkapitals eingeführt hat. Reichen die Schutzzölle nicht aus, nun, so bleiben dem Staat noch andere Atittel, seine Synipathien für das Großkapital zu bethätigen. Wie? das zeigte sich dieser Tage in Magdeburg bei der letzten E i s e n b a h n- S ch i e n e n- S u b m i s s i o n. Zugelassen waren auch ausländische Werke; ein englisches Haus machte die günstigste Offerte und wird auch benach richtigt, daß es den Zuschlag erhalten habe. Am folgenden Tage aber machte ein V o ch n m e r Haus, das ursprünglich höhere Preise gefordert hatte, eine günstigere Offerte als . das englische Hans und erhielt nun seinerseits den Zuschlag. Die Sache ist noch nicht recht aufgeklärt. Fest steht, daß das englische Haus, welches die vortheilhaftesten Be- dingungen gestellt hatte, entweder gar keinen oder nur einen geringen Theil der Lieferung, ein deutsches dem Schienen' ka r t e l l zugehöriges Haus, welches erst h int en noch günstigere Bedingungen stellte, die ganze Lieferung oder doch den größten Theil derselben bekommen hat. Jedenfalls ist der frenide„Eindringling" zurückgeschlagen und das Kartell vorläufig gerettet. Ereignen derartige Dinge sich nun öfters— und der Magdeburger Vorgang ist nicht der erste seiner Art— so verlieren die ans- ländischen Geschäftsleute selbstverständlich die Lust, mit den deutschen Kartell- Kapitalisten zu konkurriren. Es wäre dringend geboten, daß der Reichstag sich mit dieser, durch nichts zu rechtfertigenden Art der S t a a t s hst l s e für die Unternehmer beschäftigte.— Die Isolirung»er Soldaten von der bösen Zivil bevölkerung scheint das neueste Allerwelts- Heilmittel zu sein, das den Bestand unserer Wirthschafts- Ordnung gegen den Einbruch der bösen Sozialdemokratie sichern soll. Hie- fige Zeitungen berichten: „Eine für die Soldaten bedeutsame Neuerung soll au Anlaß des Kaisers in die Garnisonen des deutschen Heeres ein- geführt werde». Uni zu verhindern, daß die Mannschaften frag- würdige Gastwirthschaften zc. in der Nachbarschaft der Kasernen besuche», wo von politisch verdächtigen Personen ungehindert auf sie eingewirkt werden könnte, sollen in den Kaserneinents so- genannte Mannschasts-Ressourcen eingerichtet werden, in welchen auch dein gemeinen Soldaten für wenig Geld ein angenehmer Aufenthalt für seine dienstfreie Zeit geboten werden soll. Die Mannschaften sollen dort allerlei passende Lektüre, Gesell- schaftsspiele, Billard und vor allem gute Speise und Trank für ihr Geld finden. Die erste derartige Ressource wird in diesen Tagen im Kasernement des Kaiser Franz- Garde- Erenadier-Regiinents eröffnet.� Mag man nur die Soldaten in den Kasernen ein- sperren! Ihre Zufriedenheit wird man dadurch nicht er- höhen. Und so lange man die Menschen nicht zufrieden macht, sind sie Kandidaten für den Sozialisnius. Freilich — macht man sie zufrieden, dann werden sie erst recht Sozialisten, sintemalen es nur s o z i a l i st i s ch e Maßregeln sind, welche die Menschen tvirklich zufrieden machen können. .In jedem Falle haben unsere Gegner also den Nachtheil und wir den Vortheil.— Der alte Kur», der alte Kurs, diese langweilige Me- lodie tönt uns immer ivieder entgegen, so wieder aus einer Nachricht des„Anzeigers für das Havelland" über die Reglements in den Spandauer Militärwerk st ätten, dieselbe lautet: „In den Reglements für die Arbeiter der nulitärtechnischen Institute ist nach der Aushebung des Sozialistengesetzes eine Aenderung eingetreten. Früher hieß es in# 8a: Es ist untersagt, Mitglied eines von der Polizei auf Grund des Gesetzes gegen die gemeingefährliche» Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 1678 verbotenen Vereins zu sein, für deren Bestrebungen zu werben, Beiträge zu leisten oder zu sammeln. Dieses Verbot ist dahin abgeändert worden, daß kein Arbeiter „Mitglied eines Vereins der Sozialdemokratie" sein darf. So- dann ist der Satz eingeschaltet: Es ist untersagt, ohne Geneh- migung der Direktion Geldsammlunge» zu veranstalten oder zu solchen beizusteuern. Das Verbot bezieht sich namentlich auch ; auf Geldsammlunge» für Ausstündige." Wie, sich das zu dem feierlich verkündeten Willen des Kaisers reimt, vollständige„Gleichberechtigung" zwischen Arbeitern und Unternehmern herzustellen, mögen klügere Leute, als wir es sind, begreifen. Welche Ent- rüftnng würde sich der Organe der herrschenden Klaffen bemächtigen, wollte man den Unternehmern verbieten, ihren unter einem Streik leidenden Kollegen auszuhelfen. Aber den Arbeitern gegenüber ist nun einmal alles crsaubt. An das Wort„Zuckerbrot und Peitsche" wird man erinnert, wenn man in Anschluß'an obige Mittheiliing folgende durch die Presse gehende Notiz liest: „Gegenwärtig sind auf Äeranlaffung des Handclsministers eine Anzahl hoher Beaniten aus der Verwaltung der Staats- bergiverke in Berlin zu Besprechungen versammelt, welche dem „Hamburger Eorrespondent" zufolge die Wohlfahrts-Einrich- tungen in den staatlichen Betriebe» zum Gegenstande haben. Wie die„National-Zeitung" erfährt, soll ein besonderes Gewicht auf die Einrichtung von Badeanstalten bei den Staats-Bcrg- werken gelegt werden. So weilte dieser Tage ein Bergwerks- direklor und Baurath auö den westfälischen Kohlendistrilten in Berlin, um hier die städtischen Badeanstalten in Augenschein zu nehmen und sich über die Zweckmäßigkeit der Einrichtung von Massenbädern in den Bergwerks-Bezirken zu unter- richten." Jawohl Zuckerbrot und Peitsche, nur taugt das Zucker- brot nichts, währeud an dem Ernst, die Peitsche zu Hand- .haben, nicht gcziveifclt werden kann. Rechtlosmachung der Arbeiter einerseits, Badeanstalten andererseits! Das ist so recht charakteristisch für den Geist unserer Sozialpolitir! Wer meint durch eine derartige Sozialpolitik die Arbelter von ihren politischen Grundsätzen abbringen zu können, ist bedauerusiverth.— Das Karte«, welches am 20. Februar dieses Jahres auf's Haupt geschlagen ward, zerbröckelt allmalig. Die Konservative», die da wiffen was sie wollen, hffbeii gemerkt, daß die Nationalliberalc» nichts sind, wenn die Regierung nicht hinter ihnen steht»nd die wackelnden Mannesseelcn mit fester Hand ans den Beinen hält. In Sachsen, wo das Kartell seinen Ansang nahm, ist es auch zuerst aus dem Leim gegangen. Die Konservativen geben ihren„Bundes- asiÄ in Leipzig haben durchfallen lassen, werden sie in der ilächsten Reichstaaswahl wohl gar keine nationallibcralen Kandidaturen mehr anfstellen. Und so wird's auch in den übrigen Vaterlänoern kommen.— Der Gedanke der A u s s ö h n u n g zwischen Frankreich und Deutschland ist gewiß sehr schön, und es giebt wohl auch Niemanden, der sich mehr für ihn interessirte als wir, allein ganz so leicht zu verwirklichen, wie ein in der hiesigen „Volks-Zeitung" ncil aufgetanchtes diplomatisches Genie ver- meint, ist er denn doch nicht. Besagter Znkunfts-Staats- mann hat nämlich einen Wunderplan ausgeheckt— und verkündet ihn der Welt mit dem sreudige» Stolz der Henne, welche ein Ei gelegt hat—: „Geben wir Frankreich für Elsaß Lothringen das deutsche Ostafrika." Natürlich fallen— wie der Urheber de» Wundcrplans glaubt— die sranzösischeil Chauvinisten uns Deutschen ge- rührt um den Hals, vergessen Elsaß-Lotbringen, und beginnen dann mit uns ein W e t t a b r n st e n— der Friede ist gesichert nnd die Welt glücklich ans ewige Zeiten. Der Vorschlag klingt prächtig nnd wäre auch wunderbar praktisch, wenn nicht eins im Weg stände: die absolute Werthlosigkeit von Delitsch-Ostasrikä. Ja, wenn die deutsche Regiernng jedes Jahr ein paar Millionen dazu gäbe und auch das nöthigc Fieberfutter lieferte, dann ließen die Franzosen sich allenfalls herbei, das kostspielige Geschenk anzunehmen— kostspielig gleich jenem weißen Elephaiiten, den der Beherrscher von Siam seinen zu üppig gewordenen Vasallen zu schenken pflegt, damit sie durch die Unterhaltungs kosten ruinirt werden. Vor Kolonien haben die Franzosen überhaupt einen heiligen Respekt, seit sie in" T o n k i n ein Bündel Haare geftmden. Böten ivir ihnen Ostasrika an, so würden sie iius mit sehr mißtsaistschen Blicken betrachten und sich sagen:„Die Deutschen wollen uns gewiß wieder ans's Eis führen, wie in Tonkin, das wir auch den Deutschen ver- danken und ihrem elenden Söldner, Ferry, dem Ton- kinesen. Der Haß gegen Ferry ist in Frankreich ungeschwächt,»nd wenn„der Tonkinese"' noch hundert Jahre lang lebt, ivird er den Verdacht nicht los, daß er im Auftrage Bismarck's das Tonkin-Abenteucr in Szene gesetzt und Frankreich um eine Milliarde an Geld und um gut 50 000 Soldaten ge bracht hat..- Und in Tonkin war wenigstens noch etwas zu holen. Aber in Ostasrika?' Pas si böte— solche Grünlinge sind die Franzosen nicht.— Der Gr-Deichskauzler und Herzog von Lauenburg scheint in seinen alten Tagen ein Fanatiker des Parla- mentarismus werden zu wollen, wenigstens bezeichnen es die„Hamburger Nachrichten", sein Leiborgan, als An- standspflicht der Regierung, vor der Vornahme einer wichtigen Reform, welche bei der Wahl nicht be- kannt war, das Parlament aiifzulösen. Auffallend an dieser tiefen Erkenntniß des Friedrichsruher Einfiedl'ers ist nur, daß er erst nach dem Abgange aus seinem Amte zu einem konsequenten Vertreter des Parlamentarismüs' geworden ist. Uebrigens dürfte ihm vielleicht sein Wunsch erfüllt werden. Wenn— wohlgemerkt, wir sagen wenn— die preußische Regierung nicht will, daß ihr die Junker auf der Nase herumtanzen, so muß der preußische Landtag bald ausgelöst werden und die Neuwahlen dürften nicht nach dem Willen der Junker mit Einschluß des Ex-Reichskanzlers aus- salleu, denn der Gegensatz ver bäuerlichen und der Ritter- gutsbesitzer-Jnteressen dürfte zum Bankerott der konservativen Partei in Preußen führen.' Der Herzog von Lauenburg scheint übrigens je länger um so mehr an Gedächtnißschwäche zu leiden. Er muß ganz vergessen haben, daß er es war, der die fünfjährigen Legislaturperioden beharrlich angestrebt und endlich auch durchgesetzt hat, trotz der Einwendungen von unserer Seite, die wir energisch verlangt haben, daß der Volkswillc möglichst häufig durch die Wahlen zum Ausdruck komme.— Das Ergebniß der eben schwebende» ZoUverKandlunge» mit Gestrrreich-Ungnrn wird für die kommende Zollpolitik des Deutschen Reiches maßgebend sein. Denn das, was wir Oesterreich zugestehen, müssen wir auch allen Staaten, welche mit uns Meistbegünstiguiigs-Verträge abgeschloffen haben, bezw. abschließen werden, gewähren, so in erster Linie F r a n k r e i ch. Oesterreich strebt in erster Linie eine Herabsetzung der deutschen Agrar-, Papier- und Glaszöllc an und soll als Gegenleistung hierfür seine Jndustriezölle, insbesonders auf Textil- und Eisenwaaren herabsetzen. Falls die„Neue freie Presse", die, obgleich ein Oppojitiousblatt, mit den» österreichischen Handelsiii, nisteriiim intime Be- Ziehungen pflegt, gut inforuiirt ist, so dürften die Verhand liiiigeii auf dieser Grundlage zu einem Ergebniß führen. Bevor uns der Entwlirf des Vertrages nicht vorliegt, müssen wir uns eines Urtheils enthalten. Jedenfalls scheint aber festzustehen, daß die Bahnen der Bisinarck'schcn Zoll- Politik sachte verlassen werden. Freilich müssen wu fürchten, daß die Umkehr keine entschiedene sein wirb und ipir nur eine leichte Abschwächnng der bisherigen, die breite Masse der Konsmuenjen schädigenden Zollpolitik zu gewärtigen haben.— Wär' dies nicht der Fall, so würden wir noch weit freu- digcr den großen Schritt in der Entwickelung der zweit- größten deutschen Stadt begrüßen können.— Während in Deutschland der Ardeitrrtruh lebhaft diskntirt wird, man den Kontraktbruch mit Strafen belegen will, entschied man sich soeben im Musterlande des Arbeiterschutzes, in der Schweiz, in ganz entgegen- gesetztem Sinne. Der schweizerische Bundesrath hat so- eben anläßlich der Entscheidung eines Rekursfalles der Schriftsetzer in Basel grundsätzlich und einstimmig entschieden, daß die Arbeiter wegen Ausstandes ohne Kündigung nur zivilrechtlich, nicht auch polizeilich belangt werden dürfen. Wenn in der Schiveiz mit ihrem absolut unbeschränkten Vereins- und Versanimliuigsrecht eine derartige Praxis geübt werden kann, ohne die Industrie zu gefährden, so wäre dies in Dentschland noch weit eher möglich. Bei uns will man aber nicht Arbeiter und Unternehmer gleich stellen, sondern man sucht die Untcrnehmer-Jlltereffen gegen die der Arbeiter von Staatsivegen durch Gesetze uiid deren eigenartige Hand- habung zu schützen und zu fördern.— Verschiedene französische Abgeordnete, darunter auch unsere Genossen F e r r o u l und B a u d i n, haben Padlewski bei seiner Flucht geholfen.— Betreffs Mendelsohn's waren wir gestern falsch unterrichtet. Er ist nicht ausgewiesen worden, erhielt aber erneu Wink, Frankreich auf einige Zeit zu verlassen, und hat sich vorübergehend nach London begeben. Herr Constans, der französische Puttkamer, ist ein schlauer Patron, er merkt, ivoher der Wind weht und daß es ein kräftiger Wind ist, dem er nicht ungestraft trotzen könnte.— Der berüchtigte Exanarchist, Possibilist, Opportunist und Regierungssozialist B r o u s s e ist mit seinem ehemaligen Parteigenossen D u m a y, der für Belleville(Paris) in der Kammer sitzt, arg zustimmen gerathen. Vorgestern schrieb er im„Proletaire", Dumay wolle ihn ermorden, daraus hin ging der angebliche Attentäter gestern ins Stadthaus zu Brousse, der an Stelle des verstorbenen Joffrin Vizepräsident des Gemeindcraths ist, und applizirte ihm zwar keinen Dolchstich lind auch keinen Revolverschuß, aber ein paar zünftige Ohrfeigen. Ein Duell soll der spaßigen Geschichte den passeilden heitercil Abschluß geben. Hätte Brousse seinen Gegner wieder geprügelt, so wäre das zu gefährlich gewesen. Statt dessen hielt er still und schickte dann seine Zeugen.— Mag man über dieBouraeoisrepubliken noch so abfällig urtheilen, eine Anerkennung muß ihnen gezollt werden, daß der Kürsersi»» bei ihnen mehr entwickelt ist als in den monarchischen Staaten. Den großen Stis- tungen, die alljährlich in den Vereinigten Staaten von Nordamerika und in ver Schweiz gemacht werden, haben wir nichts ähnliches an die Seite zu setzen. So vermachte der vorgestern in Kairo verstorbene Professor Gustave Revillot der Stadt Genf testamentarisch sein in Barembe bei Genf gelegenes Museum im Werths von 4 000 000 Frls.; ferner sein Landgut im Werthe von 600 000 Frks. und außerdem 1 Million in Werthpapieren, sowie die Lebens- Versicherungssumme von 100 000 Frks.— Der parneUkrirg dauert in Irland fort. Die Wahl in Kilkenny ist vorüber, und der„ungekrönte König" hat verloren— allein die„kämpfenden Brüder" betrachten die Schlacht nicht als entschieden, und zwei irische Abgeordnete haben ihre Mandate niedergelegt, um weiter fechten zu önnen. Das ist aber mehr Sport als Politik. Die Spal- tung und Zertrümmerung der alten Honierule-Partei ist eine vollendete Thatsache, an der kein Wahlsieg und keine Wahlniederlage etwas ändern kann. Und das Schicksal Parnell's ist besiegelt— er hat außer seinen eigenen Hand- lungcn zwei Machtsaltoren gegen sich, die ihn der letzten Chancen berauben: Die Frauen und den k a t h o l i s ch en K l e r u s. Die irischen Frauen haben ihm in einem pathetischen Mani- fest den Krieg erklärt, und das allein würde hinreichen, ihm den Garaus zu machen. Wer die Frauen zum Feinde hat, ist immer verloren. D i e Genugthuung aber bleibt ihm, G l a d st o n e in seinem Sturz mit hineiilgerissen zu haben. Die englischen Tories schauen der Katzbalgerei der„Kilkcnny-Katzen" mit vergnügten Sinnen zu und strecken die Hände aus, um die Früchte aufzufailgen, die ihre Gegner für sie pflücken. Insofern freilich verrechnen sich die Tories, als sie .glauben, die Früchte auch in Ruhe genießen zu können. Eine neue Partei wird in Irland erstehen, mit der nicht ,o leicht fertig zu werden ist, wie mit den kleinbürgerlichen Homerulern; Die sozialistische Partei der irischen Kleinpächter und Landarbeiter unter D a v i t t' s Führung.— Von den Radikalen der dänischen Oppo» �itionspartei ist ein Alter»v«vf-vguttg»-G«fri! ein- gebracht worden, das eine würdigere Armenunterstützung bezweckt.— Gvosi- Mir» ist seit gestern zur Thatsache geworden. Viele Jahre widersetzten sich die Bürgermeister und Ge- meindcräthe der Vorstädte der Vereinigung mit dem Zentrum. Doch die ivirthschaftliche Entwicklung zeigte sich auch hier mächtiger als die kleinlicheii Sonderintercssen von Ge- vatter Schneider und Handschuhmacher, sie zeigte sich auch stärker als die Antipathie der Regiernng gegen Wien. Groß-Wien umfaßt jetzt eine Fläche, die größer ist, als die irgend einer anderen Stadt des Kontinents. Mit ihren 1 300 000 Einwohnern rangirt es sofort nach London, Paris und Verlin. So sehen wir auch hier den Akkumulations-(Anhäufnngs-) Prozeß sich entmickelil, an Stelle von zirka 40 Gemeinde- Verwaltungen tritt eine einzige, an Stelle inannigfacher kommunaler Bcstinnmmgen und Gehalts- Festsetzungen ur die Gemeinde- Beamten tritt- die einheitliche Regelung. Dadurch werden größere Zlufgaben leicht durchführbar, so der Bau einer Stadtbahn und Achnliches. Schade nur, daß in nnserer schöneil Schwestcrstadt mit ihrer tüchtigen Bevölkerung infolge eines vorsintfluthlichcn Wahl- Systems nur die zurückgebliebensten Thcile der Einwohnerschaft .iber Wohl und Wehe der Bevölkerung zu bestimmen haben: die bornirten Liberalen nnd die spießbürgerlichen Anti- semiten. Die Arbeiter sind von den Wahlen ansgeschlossen, sie haben die Laste» zu tragen und den Mund zu halten. Auch in Finnland macht die sozialdemokra- tische Bcivcgung erfreuliche Fortschritte. So erfahren wir, daß dort für den Monat Januar 1891 ein Arbeiter- kongreß geplant wird. Man beabsichtigt, 16 Fragen auf demselben zu erörtern, darunter: lieber die Einführung eines Nornlal-Arbeitstages, über daS Repräscutationsrecht der Arbeiter, über die progressive Bcsteuernng, über den Antheil der Arbeiter an dem Geschäftsgeivinil, über die Enthalt- sanikeitssachc und über die Arbeiterstatistik. Unter Enthaltsamkeitssache ist wohl die„Mäßigkeits- rage", d. h. die Enthaltung von geistigen Getränken ver- standeii, die in den nordischen Ländern furchtbare �Ver- Wüstungen anrichten.— *.* zleueste Nachricht,». Unter den schottischen Eisenbahnbeaniten ist ein Streik ausgebrochen, der sich fortwährend ausbreitet. Die Beamten, welche elend bezahlt sind, fordern eine Gehaltsaufbefferung und einen weniger angestrengten Dienst durch Anstellung ausreichender Arbeitskräfte. Die Eisenbahnbeamten der ganzen Welt scheint der nämliche Schuh zu drücken.— In Paris ist D n e- Ol n e r c y einem Interview zum Opfer gefallen. Was die Zeitiingeil darüber mittheilcn, ist, wie bei allen nicht ganz erdichteten Jnterview's, ein Gemisch von Halbwahrheit, Lügen und Blödsinn. Wir hoffen in nächster Zeit direkte Nachrichten von Duc-Quercy zu erhalten. Theater. Mittwoch, den 24. Dezember: __- Geschlossen. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexander sirape 27c. Clara Conrad, Lieder- und Walz sängerin. Jenny Reimann, Kostüm-Soubrette. Mr. Samitti mit seinen drcssirten Hunden. IRr. 0. Worch, Produktionen an römischen Ringen. Max Menzel, Gesangskomiker. Mr. Koberstein, Malabarist. Anfang Wochentags 8 Uhr. Sonntags öVa Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 30 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 u»d 30 Pf. MlisMllt Buggeiiliagen am Moritzplatz. _ Täglich: BV Grosses Concert. Direktion A. Rödmnmr. Dienstag und Freitag: Walzer- Abend F.nfriip Wochentags 10 Flg., J-illUuu gönn, und Festtags 25 Fig. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-AuSschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641 F. Müller. fötatroeiriie Werljfllleii W Kommandanlenstr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Tuartett-Siinaern, ausgeführt von dein Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concert. Sonntags Entree 20 Pf. Empfehle auch zugleich 8 Billards, 8 Kegelbahnen und einen Saal zu Ver- gnügungeu und Versammlungen. 708 F. Sodtke. Welt-Restaurant. 87 Dresdener- Strasse 97. Täglich Auftreten der Ungarischen National-Kapelle Olchoary und der Tiroler-Gesellschaft Stiegler Weihu achts-Ausstellung _ eröffnet._ 2358 assagu-Panopticum. • Unter den Linden 22/23.[742 iftw Castau's Panopticnm. HProf. Dr. R. Koch/ H im Labora-> torium. J 611 y X" WS Weihnaohts- Ausstellung. Damen-Kapelte. Entree 50Pf. Kinder 25 Pf. v.S Uhr Morg. bis 10 Uhr Ab. Circils Zchuiiiiii»!. Friedrich-Karl-Ufer. Heute Abend 7'/» Uhr: Große Grtra- VorsteUung mit neuem, vorzüglich gewähltem Pro- gramm. Zum 16. Male: In Berlin noch nicht dagewesen! MCircns nnter Wajser.T �Sensationelle Wasscr-Pantomime. Eine ländl. Hochzeit. Große komische, equestrische Pantomime mit Ballet. Natürliches Wasser überfluthet in einer Minute die Manege. Natürliche Ruderboote u. Dampfboote. WM- Special Ität."IM Tie 4 MismyWh», Donnerstas. Freitag, Sonnabend und Sonntag je 2 Vorstellungen. Nachm. 4 und Abends 7V* Uhr. Nachm. ist gut aesteizt' Empfehlenswerthe F estgeschenke gut und elegant gebunden vorräthig in der Expedition des„Kerlwer Uolhshlatt" Berlin SW., Benthstrasse 3. Unterhaltende Werke: Beliamy, Ein Rückblick- 80 Börne, Ges. Schriften 4 B. 6,— — Skizzen und Erzählungen 1,— Bürger s Werke, 2 Bde. 2,— Byron's poet. Werke, 3 B. 6,— Freiligrath, Gesammelt. Dichtungen. 6 SB. in 3 B. 13,— — Gedichte...... 4,40 Goethe s sämmtl. Werke. 45 Bde. in 10 Bdn... 18,— — ausgewählte Werke, 4 B. 6,— — dramat. Meisterwerke. 1,— — Gedichte...... 1,20 Hasenclever, Wilh., Erlebtes. Skizzen und No- Vellen....... 1,— Heines Werke,Volks-Aus- gabe, 12 Bde. in 4 Bdn. 6,— — Buch der Lieder... 1,50 Hoffmann v. Fallersleben, Gedichte,.. 5,50 Jacoby, I.., Es werde Licht 1,25 Ibsen s Ges. Werke, 3 Bd. 4,50 Kinkel, G., Gedichte.. 5,— — der Grobschmied v. Antwerpen....... 3,— — Otto der Schüh... 3,— Leasing s Werke, 3 Bde. 5,— — poetische und dramatische Meisterwerke..... 1,50 Lichtstrahlen der Poesie, Ges. von Max Kegel.. 3,50 Liebknecht, Ein Blick in die neue Welt... 3,— Moliere's Werke. 2 Bde. 4,20 Reuter s Werke, Volks- Ausgabe, 7 Bde.... 26,— Sachs, Hans, Poetische Werke.......— ,80 — dramatische Werke..—,80 Schiller s Werke, 4 Bde. 6,- Gedichte...... 1,— Shakespeare s Werke 3 Bde........ 6,— Werke heiehrenden Inhalts: Arbeiterfrage, Die ländliche. Nach dem Rufsischen des Kablukow...... 2,— Aveling, E., Die Dar- win'sche Theorie... 2,— Bebel, A», Charles Fourier 2,50 — Der deutsche Bauernkrieg........ 2,— Bibliothek, Sozialdent. Bd. 1-3..... ä 3,60 Bios, W., Die französische Revolution..... 5,50 Bock, Bau, Leben«.Pflege des menschlichen Körpers—,90 Bommeli, R., Die Geschichte der Erde. R. illustr. 5,90 Brandes, Gg.»Ferdinand Lassalle. Ein literarisches Charakterbild.... 2,50 Engels, Fr., Herrn Eugen Dühring's Umwälzung der Wissenschaft. 2. Acst., 3,20 — UrsprungderFamilie,des trivateigenthums und des taats....... 1,80 Jacoby, Job., Gesammelte Schriften u. Reden. 2 Bde........ 5,— — Leop., Die Idee der Entivickellmg. 2 Bde.. 4,20 Kautsky, K., Marx's ökonomische Lehre».. 2,— — Thomas Moore und seine Utopie....... 2,50 Köhler, 0., Weltschöpfung und Weltuntergang. Ent- wickelnng von Himmel u. Erde auf Grund der Natur- Wissenschaften.... 3,50 Lange, F. A», Die Arbeiterfrage...... 5,— Lassalle, F., Sämmtl. Reden u. Schriften. 2 Bde. 13,50 Liebknecht, Wilhelm, Robert Blum und seine Zeit. 2. Aufl..... 2,— — Fremdwörterbuch.,. 3,— Marx, K., Das Kapital. Kritik d. politischen Oeko- nomie. SBd.I. 4. Aufl.. 11,50 do.- II..... 10,50 — Das Elend d. Philosophie. Antwort auf Prondhon's Philosophie deS Elends. 4,50 Mignet, Geschichte der frz. Revolution v. 1789—1814 2,— Schippel, M., Das mod. Elend und die moderne Uebervölkernng.... 2,— Stamm, A. Th., Die Erlösung der darbenden Menschheit..... 4,— Stern, J., Die Philosophie Spinoza's...... 1,60 Nach auswärts gegen Voreinsendung des Betrages portofrei. Ich habe keine Filialen und stehe mit ähnlich lautenden Firmen in keinerlei Keziehnng. Kitte daher genau auf Firma zu achten. bei Ihren Einkäufen streng reell bedient sein, so bemühen Sie fich zu Mollen Sie »n streng reell bedient sei», so b J. Baer, Kerlin N., Eesnndbrnnnen, Kadstraße 18, Ecke der Stettinerstraße, Geschäfts- Großer Prinzip: Umsaff. g Sie finden da-> Eutzen. ■HHH selbst in HHBB überraschender Auswahl: EltS.Wulin-PMch 27-««. >-Z!sik- 87, 30; 86-40 M. 61(9. zWit-AuMe 61(9. Siif j»s««.»- s-«»■-e AMSfche»~ Reijk«dr K«stks-A«jSlik n. Palticks für jeks Alt««. Preis. ZiBM»ge» rni# Mmz-»«>- einfachsten bis zu den feinsten Fabrikaten. zuä» rßerst billigen preisen und gediegener Anoführnng. Eigene Werkstatt im Hanse. 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Keller; Fest, Stallschreiberstr. 43a; Manien, Kreuzberg- straßc 9, Quergeb. 3 Tr.; Ahrens, Kottbuserstr. 6a, v. 4 Tr.; Schulz, Britzer- straße 42, v. 4 Tr.; Miele, Adalbertfir. 9, vorn 4 Tr.; Haberland, Reichen- bergerstraße 161, v. 2 Tr.; Hoffmann, Straußbergerstr. 36, Hof 4 Tr.; Rambow, Dieffenbachstr. 70, vorn 2 Tr. bei Mehnke; Polengowski, Zossenerstr. 40, Hof pari.; Witte, Jnvalidenstr. 21, v. 2 Tr.; Lenz, Dieffenbachstr. 67, v. 1 Tr. bei Walther; Recke, Frobenstr. 18, Hof 3 Tr. bei Schirmer; Boian, Wiener- straße 30, v. 4 Tr.; Meyer, Jnvalidenstr. 87, Hof 2 Tr.; Brase, Rixdors, Berlinerstr. 114, 1 Tr.; A. Schmidt, Grüner Weg 105; I. Theurich, Chauffee- straße 76, v. 4 Tr.; Benschnetder, Sorauersir. 27; Rosenfeld(Neu-Weißensee), Langhansstr. 100; E. Peters, Tresckowstr. 29a; Häusler, Schulstr. 51; Bogasch, riedenstraße 89, 3 Tr.; Hein(Neu- Weißensee), Charlottenstraße Nr. 156; eichert, Fürbringerstr. 25, Hof l. 2 Tr.; Bruhns, Wrangelstr. 61; Hegeler, Britzerstr. 40; Stens, Görlitzerstr. 71; Grunert, Manteuffelstr. 64, 2. Hos 4 Tr.; Koblenzer, Adalbertstraße 96; Franz, Chorinerstr. 18. Berliner Sanitäts-Verein. „tote MWtiM- MM«" am Freitag, den 26. Dezember(2. Weihnachts-Feiertag), Aktien-Brauerei Friedrichshain(früh. Lips) unter gütiger Mitwirkung des Gesangvereins„Schildhorn"(Dirigent P. Kurz) und des Burghardt'schen Posauneuchors, sowie der Duettisten Geschw. Hintsche. Eröffnung des Saales I OVs Uhr."URB Killet» ä 30 Pf. sind bei allen Vertrauensmännern und Vorstands- Mitgliedern zu haben. Um recht zahlreichen Besuch bittet 2415 Das Comitee. Schneiders Gesellschaftshaus Melsortttjlrche 13). Freitag, den 26. Dezember 1890(2, Weihnachte-Feiertag)! Grosse Matinee znm woMthStigen Zweck arrangirt vom Gesangv.„Myrthenhlätter" (Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes) unter Leitung seines Dirigenten Herrn Conrad Schulken, unter gütiger Mitwirkung des Gesangshumoristen Herr» Emil Schleuse, sowie des Tenoristen Herrn C. Schulken, und der Hauskapelle.— Aus besonderer Gefälligkeit Auftreten der unübertrefflichen Athleten Herren Ferdinand Arndt, Robert Röpnack, Frans Konrad. Letztere setzen eine Prämie von 1000 Mark aus für diejenigen, welche im Stande sind, ihnen ihre Leistungen nachzumachen. Billets a 25 Pf. sind bei den Mitgliedern Herren O. Schein, Lange- straße 3, vorn 4 Tr.; R. Woltersdorf, Kl. Andreasstr. 8, v. 3 Tr.; E. Schleuß, Buchholtzerstr. 3, vorn 4 Tr., zu haben. 2413 Weihnachts-Vergnügen desFachv. für Schlosser u. Maschinenbau- Ai'beiter am 27. Dezember(3. Feiertag), im„Elysium", Landsberger Allee Nr. 39— 41. Große Amnil- lind Baum-Verloosilllg mni"v"M." BflT Konzert, Unterhaltungen u. gr. Ball. Anfang 6 Uhr. Billets J. 30 Pf. inkl. Tanz sind bei sämmtlichen Vorstandsmitgliedern« öwie im Arbeitsnachiveis-Lokal, Dresdenerstr. 116 bei Gründel, und Anklamer- straße 49(fr. Nürnberg), serner im Süden bei Carl Röder, Reichenberger- traße 37, vorn l Tr.; im Norden bei August Thrun, Linienstraße 13, vorn 2 Tr.; im Westen bei Franz Liere, Zossenerstr. 42, Quergeb. 4 Tr., zu habe«.— Freunde. Kollegen und Genossen sind hiermit eingeladen. 2442 Das Komitee. Allgem. Metallarbeiter-Verein Berlins und Umgegend. Keschließende Versammlung am Sonnabend, de» 27. Deirmbrr 1890, Vormittag» 10V- Uhr» �_ w Orschel's Salon, Sebastianstr. 39. Tages«Ordnung; l. Wie verhalten wir uns bei der Krise? Referent: Herr A. G e r i s ch. 2. Diskussion. 3. 3 Mitglieder. 4. Verschiedenes und Fragen. Der hochwichtigen Tagesordnung halber ist zahlreiches Erscheinen noth' wendig. Der Vorstand. I. A.: Joseph Hartmann, Reichenbergerstr. 73. Lichtung! Den Mitgliedern theilen wir zur Kenntnisnahme mit, daß die Kollegen im Norden beschlossen haben, sich am 1. Feiertag Vormittag 8« einem gemüthlichen Frühschoppen in der„Norddeutschen Brauerei" zusammen- zufinden. 2421 legemvärtigeN 3. Aufnahme neuer Verantwortlicher Redakteur: Curt Kaakc in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2. Hier»« zwei Anlagen 1 Beilage zum Ur. 300. Mittwoch, den A4. Dezember 1890. 7. Jahrg. Korrespondenzen und Parteinachrichten. Königsberg i-. pr., 22. Dezember. Sie haben schon nneder- holt nachgewiesen, daß die politischen Verbrecher, namentlich wenn es Sozialdemokraten sind, von den Behörden genau noch ebenso behandelt werden, wie zur Zeit des Sozialistengesetzes. Die nach- stehenden Zeilen mögen das von Neuem bestätigen und zugleich zeigen, wie von den Behörden die gesetzlichen Vorschriften de» ungesetzlichen Sozialdemokraten gegenüber beobachtet werden. Wie ich schon anführte, wurde ich in Berlin verhaftet, um nach hier überführt zu werden. Ich war von der hiesigen Staats- anwaltschaft angeklagt, mich als früherer Redakteur des„Königsb. Volksbl." verschiedener Vergehen gegen das Preßgesetz schuldig gemacht zu haben, und wurde eines Morgens in meiner Wohnung m Berlin, wohin ich mich begeben, auf ihren Befehl wegen Fluchtverdacht verhaftet. _ Das war nun ganz gesetzlich, zudem hatte ich ja nach dem Gesetz das Recht, gegen die Verhaftung Beschwerde zu erheben, außerdem mußte ich innerhalb 24 Stunden oder am l. Tage nach der Verhaftung einem Richter vorgeführt werden. Sehen wir nun, wie ich die mir zustehenden Rechte ausüben konnte, und wie von den Behl'. den die gesetzlichen Vorschriften beachtet wurden. Von meiner Vernehmung durch den zuständigen Richter am Tage nach der Verhaftung konnte keine Rede sein, da dieser Tag ein Sonntag war, und auf meinen Wunsch, von dem nächsten Amtsrichter vernommen zu werde», wurde ich von einem Tag auf den andern vertröstet, bis ich endlich am 3. Tage dem zuständigen Richter vorgeführt wurde. Nach dieser Vernehmung durch den Richter kam ich sogleich darum ein, gegen meine Ver- hastung Beschwerde zu führen; erhielt aber gar keinen Bescheid. Nunmehr beauftragte ich ineinen Vertheidiger Beschwerde zu führen, mein Schreiben, das ich an denselben richtete, brauchte aber nicht weniger als acht Tage, bevor es in seine Hände ge- langte, dabei wohnte der Vertheidiger am Orte und nicht etwa in Amerika. Aus den 24 Stunden, innerhalb deren ich vernommen werden sollte, waren somit nahezu 5 Tage geworden, und als ich 14 Tage verhaftet war, konnte endlich inein Vertheidiger, nicht ich, Beschwerde gegen meine Verhaftung erheben. Ich frage nun: Was nutzen dem Verhafteten die gesetzlichen Vorschriften wenn dieselben nicht eiunial, von den Hütern der Gesetze beobachtet werden? Ich meine doch, mit solchen Bei- spielen von Befolgung der Gesetze geben die Behörden gerade den Sozialdemokraten die beste Gelegenheit, sich gegen die Gesetze auf- zulehnen. Nun will ich als guter Büger das Alles noch Hingehen lassen, d. h. nur in Bezug auf meine Person, die Art und Weise aber, wie man mich außerdem noch behandelt hat, übersteigt Alles bei ähnlichen Gelegenheiten mir Wiederfahrene und nur stehen noch heute die Haare zu Berge, wenn ich daran zu- rück denke. Auf dem Alexanderplatz angekommen, machte ich gleich die Entdeckung, daß es sich hier besser leben läßt als am Molken- markt; das bezieht sich nicht allein auf die Einrichtungen dort, ssondern auch auf die Behandlung, die mir seitens der Beamten zu Theil wurde; namentlich war es der Transporteur, der mich bis Schneidemühl zu transportiren hatte, dessen Benehmen gegen mich ich nur lobend erwähnen kann. Ich war nach diesen Wahr- nehmungen also guten Muths und sagte mir schon: Wenn es so fort geht kann es nicht schlimm werden! Das dicke Ende sollte aber noch nachkommen! In Schneidemühl angekommen, Ivo ich so lange Ausenthalt nehmen mußte, bis nian mich weiter trans- porlirte, wurde ich gleich in einem Kellerloch, was man dort Zelle nennt, eingesperrt. Dieses Loch war finster und ganz mit verpesteter Luft angesüllt; worüber man sich allerdings nicht wundern darf, war doch der Nachteimer nicht einmal mit einem Teckel versehen. Alles Protestiren gegen diese Behandlung war vergebens. Zu meinem Glück hatte ich in diesem Hundeloch nur 14 oder 15 Stunden zuzubringen, als diese abgelaufen, ging der Transport weiter. Zu meinem Erstaunen wurden mir jetzt Handschellen an- gelegt. Wenn wir Sozialdemokraten nun auch gewohnt sind, als gemeine Verbrecher behandelt zu werden, so diese Maßregel doch etwas spanisch vor, zumal Transporteur von dieser Maßregel keinen kam mir der Berliner Gebrauch gemacht .. COH u l C] Kt.%»»»•»••.---,_ Mtte. Ich hätte mich nun darum noch nicht sonderlich gegrämt, wenn nicht seit meiner Abreise von Berlin ein Witterungswechsel �»getreten wäre. In Berlin war nämlich noch ziemlich warmes Wetter gewesen, ich hatte deshalb nur einen leichten Anzug und keine warme Leibwäsche angezogen, weil ich letztere, wie ich annahm, doch im Gesängniß nicht tragen durfte. Als ich nun Schneidemühl verließ, war Frost eingetreten und herrschte eine derbe Kälte, die sich, je näher Königsberg heran- Während der Fahrt war es ja auszuhalten, ----- jMw derart �u- töctte, noch steigerte.—„, Qls ich aber hier den Zug verließ, hatte........ ich nicht glaubte, heil und ganz nach dem Ge- Außerdem war Schneetreiben eingetreten das Blut in den Adern genommen, daß sängniß hinzukommen. und ein eisiger Nordwind machte einem das ionu m„w. erstarren. Alles Bitten, mich von den eisernen„Manschetten" zu warm angezogenen Transporteur nicht er- ». t A A raavim» Ttlll? kefreien, konnte den weichen, ich mußte den Kelch war's, als wenn mir Messer Uumer tiefer ins Fleisch einschnitten vom Bahnhof bis zum Gesängniß' schreiben.~ 01 bis zur letzten Neige leeren; mir um die Hand gespannt waren, die >. Wie ich aus dem Wege gelitten, kann ich nicht be- '•nn-t. und glaubte und Uli? ö"**1 Vy V| V... JJ,.--- T., ----------- Das Blut war in den Ädern erstarrt, und glaubte ich ledeu Augenblick zusammenbreche» zu müssen. Enipvrung und �—.. verwirren und ich glaube wohl, a.avm/4]f*vf Schmerz drohten mir die Sinne zu................,„ daß ich, wenn diese Tortur noch 5 Minuten länger gewährt hätte, meinen Peiniger mit den Füßen hätte niedertreten können. Ist man ja in den Augen der Mensche» doch nur ein geineliier Verbrecher, wenn man gefesselt neben dem Transporteur hergeht. Meine Leide» sollten aber mit dem Transport noch nicht beendet scm. Im Gesängniß erhielt ich eine Zelle angewiesen, in der es sucht viel wärmer war als draußen; denn trotzdem der Ofen so, heiß war, daß man nicht die Hand daran halten konnte, war nnJ liberalen Weisheit Gehör schenken ivollte» Das a Lalrinenlessel, der etwa 3 Fuß vom Ofen entsernt ist. m einer'l Bochumer Versammlung faßt 2000 Personen dock" Nacht 2 Zoll starkes Eis gefroren. Trotzdem gab man nur die'.«.k.» w»r.„ Ctfte Nacht nur eine wollene Decke zum zudecken, der Arzt aber ggb mir, als ich über die kalte Zelle Klage führte, den Rath, ©r.------ di- n'ir grobe Antworten. Zu vack noch nicht allen Mitleids baar unv die njf Tagen eine bessere Zelle. Damit nahm denn diese Haft, fo günstig für mich angelassen, eine Wendling zum durrf. Vch kann ivohl mit der Behauptung schließen, daß ich befs.. Behandlung die mir zu Theil geivorden ist, nicht r..> k r r auf die Behörden zu spreche» bin, wie vor meiner Ver- Ende des 19. Jahrhunderts "------ als eine eigene „. So behandelt man am«a»« A,"e, die weiter nichts verbrochen haben,-- itnung zu haben oder zu vertreten und außer Rußland ist es wohl nur Deutschland, das Land der Gottesfurcht und frommen Sitte, das sich solcher Thaten rühmen kann. W N h e l m K u tz b a ch. Wagdrbnrg. Unser hiesiges Organ, die„Volksstimme", wird am 23. d. M. eine für die Landbevölkerung bestimmte A g i t a t i o n s- N u in ni e r herausgeben. Dieselbe wird ihrem Inhalte nach hauptsächlich den ländlichen Verhält- nissen angepaßt sein und ivird außerdem als Beilage das Jnva- liditäts- und Altersversicherungs-Gesetz enthalten. Hof(Bayern). Die auf Sonntag Nachmittag halb 4 Uhr in die Rosenau einberufene sozialdemokratische Tischler-Versamm- lang wurde vom Polizeikommissär aufgelöst. Da sämmtliche Berathungsgegenstände nicht zur Diskussion gelangen konnten, wurde eine heimliche Fortsetzung der ausgelösten Versaminlung in einem anderen Lokal vermuthet. Die„Münchener Neuesten Nachrichten" schreiben, daß eine weitere Versammlung auf der Ludwigshöhe aufgelöst worden sei, weil man in dieser eine Fort- setzung der obigen ausgelösten gehts iin neuen Kurs. Versammlung sah(!??) So Hübsch an, daß die die Kundgebung begleitenden Umstände groben Unfug in sich schlössen. Lutz sei Anhänger der Sozialdemokratie und seine Handlungsiveisc sei eine sozialistische Demonstration nicht für die damals standrechtlich Erschossenen, sondern gegen die jetzt bestehende Ordnung. Auch zog der Gerichtshof in Betracht, daß auf den 10. August in Rastatt eine Zusammenkunft von Sozialdemokraten eingeleitet war, in welcher über wichtige An- gelegenheiten berathen werden sollte. Es sei eitel Lug und Trug, so sührte der Präsident aus, daß die Sozialdeinokraten die Stach- solger derjenigen Personen sind, welche ihre That mit dem Leben büßen mußten. ToktKles. Erfurt, 22. Dezember. Wegen Beleidigung der königlichen Gewehrsabriks-Direktion war der Redakteur der„Thüringischen Tribüne", Genosse Schulze, zu neun Monaten Gesängniß ver- urtheilt. Das Reichsgericht hob das Urtheil auf und wies die Sache zur nochmaligen Verhandlung in die erste Instanz zurück. Die Strafkammer, ivelche am Sonnabend sich mit der Sache von Neuem beschäftigte, erkannte auf vier Monate Gesängniß. Görlitz, 22. Dezbr. Ein recht kurioses Schriftstück ist dem Vorstand des hiesigen Fachvereins der Metallarbeiter dieser Tage behändigt worden. Es hat folgenden Wortlaut: „In der am 15. d.M. abgehaltenen Versammlung des Fach-f Vereins wurde unter Anderem ein Vortrag geyalten, welcher darin gipfelte, daß die Schöpfung und Erhaltung des Metalls lediglich ans Naturgesetze zurückzuführen sei und ivobei das Dasein eines höheren Wesens, wie solches in den Dogmen sännntlicher Kon- fessioncn der christlichen Religion gelehrt wird, vollständig in Ab- rede gestellt wurde. Mit Rücksicht auf de» Bildungsgrad des größten Theiles der Mitglieder des Fachvereins kann ein solcher Vortrag als ein rein wissenschaftlicher nicht erachtet werde», vielmehr bezweckt derselbe nur, die Zuhörer allmälig dem Christenthum zu eutfreniden und dem Atheismus Anhänger zu verschaffen. Ist sonach der Vortrag einestheils mit der christlichen Religion enge verknüpft, so kann andererseits demselben in dein Bestreoen, die auf christlicher Grund- läge beruhenden staatlichen Einrichtungen durch langsames, aber fortgesetztes Erschüttern der christlichen Religion allmälig zu unter- graben, ein politischer Charakter nicht abgesprochen werden. Wir nehmen deshalb Veranlassung, da Bercine, welche mit an- deren Vereine» gleicher Art in Verbindung stehen, was bei den Fachvereinen der Fall ist, politische Gegenstände in ihren Ver- sammlungen nicht zur Erörterung bringe» dürfen, den Vorstand vor Wiederholung solcher und ähnlicher Vorträge zu verwarnen, da sonst nicht nur die Auflösung der Versammlung und die Be- strafung der Vorsteher, Ordner und Leiter derselben erfolgen müßte, sondern auch die Auflösung des Vereins in Erwägung gezogen werden ivürde. Görlitz, den 17. Dezember 1890. Die Polizei» Verivaltung. Schierschky. An den Vorstand des Fachvereins der Metallarbeiter flir Görlitz und Umgegend z. H. des Herrn H. Venne- witz Hierselbst. J. No. 14 281." Also das wundersame Schriftstück, das von der Fürsorge der Görlitzer Polizeiverwaltung für ihre Schutzbefohlenen ein so löb- liches Zeugniß ablegt. Schade nur, daß die Fürsorge nicht von entsprechender Gesetzeskenntniß begleitet ist. Abgesehen davon, daß kein Gerichtshof in einem Vortrage über die Entstehung des Welt- alls die Erörterung öffentlicher, geschweige denn politischer Gegen- stände trotz der geistreichen Deduktionen der Görlitzer Polizei- behörde erblicken wird, abgesehen davon, daß nicht ein Schalten von Beweis dafür vorliegt, daß der Görlitzer Fachverein mit anderen Vereinen in Berbindung getreten ist, hat die Polizei- behörde auf Grund des Vereinsgesetzes durchaus nicht das Recht, eine Versammlung aus diesem Grunde aufzulösen. Das inerk- würdige Schriftstück wird vielleicht deni Reichstag znm Beweis vorgelegt werde», welche Gesetzesunkenntniß bei der Polizeibehörde einer nicht unbedeutenden Provinzialstadt herrscht. Kurgdamm bei Brem ein Am Montag, den 15. d. M., fand hier im Speisesaale der Bremer Wolliväscherei eine von dieser Fabrik für ihre Arbeiter einberufene öffentliche Versamin- lung statt mit der Tagesordnmig: Tic'Alters- und Invaliden- Versicherung und die Sozialpolitik des Kaiser?. Uns war freie Diskussion zugesichert. Als Referent wagte Herr Oberwinder aus Berlin aufzutreten. Es wurde ihm von Gen. Kerrl aus Bremen tüchtig heimgeleuchtet. Bewundernswerth ist die freche Stirn des Oberwinder, der es wagt vor deutschen Arbeitern zu sprechen, die doch seine Thätigkcit als sozialistischer Agitator in Oesterreich, seine in Wiener Neustadt gerichtlich erwiesene» „Unregelmäßigkeiten", den auf ihn lastenden Verdacht, Spitzel- dienste geleistet haben und seine gegenwärtige Bcthätigung als Herausgeber des„Volks" kennen. Dieser Mann muß die Fähig- feit, schamroth zu werden, schon vollständig verloren haben, wenn er sich erfrechen kann, vor deutschen Arbeitern in Sozialpolitik zu machen. � � Iin Kochumer Riesenwahtkreise machen die Ltationallibe- ralcn ganz gewaltige Anstrengungen. Am 21. d. M. fanden gleichzeitig acht nationallibcrale Versammlungen statt. In den- selben traten, wie uns geschrieben ivird, als Redner auf: Verbands- agent Fischer aus Gclsenkirchen, Direktor Peier aus Berlin, Dr. Siakivitz aus Bochum, Dr. med. Faber aus Bochum und andere und in Witte» Rechtskonsulent Pott, der kleine Hans Bluni und Abg. Amtsrichter Kulemann aus Braunschiveig. Aber all' die Mühe war umsonst. Die nationalliberalen Redner waren wohl zur Stelle, aber die Leute fehlten, die der national '................~' Lokal für ihre _... nur 2 bis 300 hatten sich eingefunden, unter diese» eine ansehnliche Zahl böser Sozialdeniokratcn. Auch die sreisinnigen Agitatoren sprachen vor leeren Sälen. Mit ganz anderem Erfolge sind die Sozial demokraten in die Agitation getreten. Tie Versammlung, in der Herr Pfannkuch reserirte, war sehr stark besucht. Eine Reihe weiterer Versammlungen �werden folgen. Unsere Aussichten sind gut. Karlsruhe. Genosse Theodor Lutz, Apotheker von Vaden-Baden, war wegen„groben Unfugs" zu einer Geldbuße verurtheilt worden, weil er am Morgen des 10. August in Rastatt auf die Gräber der 1849 standrechtlich Erschossenen einen Kranz mit rother Schleife und folgender Widmung niedergelegt hatte: „Den Opfern der Willkür und des Unverstandes, den Kämpfern für Freiheit und Recht, de» Tobten die Lebenden!" Der einge- legte Rekurs ist von der hiesigen Strafkammer verworfen worden Der Gerichtshof schloß sich der Auffassung des Staatsanwalts Mir erhalte» folgendes Schreibe»: Ich habe schon manches Mal manches nicht verstanden, was meine Mitmenschen für gut fanden, aber so dumm bin ich mir noch nie vorgekommen wie nach der Lektüre der vorgestrigen Nummer Ihres Blattes. Sie schreiben, daß eine Bergwerksgesellschaft eine Dividende von 19 pCt. vertheile. In einem andern Blatte stand von einer anderen Gesellschaft, daß sie 20 pCt. vertheile. In der nämlichen Nummer aber las ich von einem Ehepaar, das zusammen 15 Mona.e Gesängniß erhielt wegen verschleierten Wuchers. Sie hatten nämlich Geldbedürftigen ihre Wirthschaft abgekauft und ihnen dieselbe sofort wieder auf Grund eines ge- schloffenen Abzahlungsvertrages zu einem bedeutend höheren Preise überlassen. 'Also das ist Wucher, sagte ich inir. Wenn ich Waaren kaufe und verkaufe sie wieder zu enorm bedeutend höherem Preise, so bin ich eventuell strafbar. Eventuell, denn ein Unternehmer kauft doch mit seinem Gelde auch Waaren, als da sind Arbeitsmittel und Arbeiter, und verkauft oder läßt die von diesen hergestellten Produkte zu enorm bedeutend höherem Preise verkaufen. Denn ich meine, 20 pCt. und Abschreibungen dazu seien ein ganz bedeutender Zuschlag zu den Kosten. Soweit hatte ich gedacht, als ich mich auf einen ganz ver- abschenungswürdigen und strafbaren Abweg begab: ich dachte nämlich, der Unterschied zwischen den Aktionären der betreffenden Gesellschaft und den bestraften Eheleuten sei eigentlich gar nicht vorhanden, entweder seien beide straflos zu erachten oder beide Theile strafbar. Doch ich wurde alsbald schamroth, als ich mich in diesen lästerlichen Gedanken ertappte. Ich beschloß nun zu forschen, wie diese Verschiedenheit der Beurtheilung bei der gleichen Handlungs- weise möglich wäre. Denn dag dürfen Sie mir glauben, Herr Redakteur, mein Vertrauen in die Gerechtigkeitsliebe der leitenden Kreise steht felsenfest; man liest doch alle Tage in den Blättern darüber. Also ich ging auf die Staatsbibliothek, um meine Zweifel auS meiner anrüchigen Seele zu vertreiben. Und siehe da— ich fand Auskunft. Der Ihnen gei bekannte große Nationalökonom Wagner sagt: „Zinsgesetze betreffen ausschließlich den Leihzins, t.. Zins(Kapitalgewiu»), den der Eigenthümer bei der eig' wendung des Kapitals in seinem Produktionsprozeß erz. Sieh nur, sieh nur, sagte ich zu mir, wie dumm o. Hf' wärest anzunehmen, daß ein Kapitalist und ein Wucherer>. selbe seien. Ich schlug in dem Buche auch den Artikel Unternehmergew,>... nach und fand da schwarz auf iveiß die rechtliche Begründung desselben. Ich lernte die ganze Stelle auswendig, Herr Redak- teur, damit ich immer gegen Zweifel gewappnet bliebe. Nämlich, das muß ich vorausschicken, daß die Berechtigung des Unternehmer- gcwinns sich aus den Nachtheilen des Unternehmers herleiten. Diese-Stelle über die Nachtheile aber heißt: „Die Nachtheile bestehen für den Unternehmer in der Gefahr des theilweisen oder gänzlichen Mißlingens der Unternehmung und daher des Verlustes des an derselben verwendeten eigenen und fremden Kapitals und der Einbuße des für die eigene Arbeit zu veranschlagenden Lohnes, sowie in den dem Unternehmer hieraus erwachsenden Sorgen und endlich in der Mehrleistung der intensivere», verantivortlicheren Unternehmerarbeit gegenüber der besoldeten Arbeit." So heißt die Stelle und da ja dem Arbeiter durch den Unternehmer alle Sorge», jede Verantwortung und jedes Risiko abgenommen ist, so ist es wohl ganz begreiflich, daß die Dividende so hoch ist. Als ich die erwähnte Stelle gut im Kopfe hatte, ging ich weg und, offen gestanden, gleich zu Mittag. Dort kam ich auch aus meine Ausregung von heute früh zu sprechen und ein Freund von mir machte mir mit seinen Einwänden wieder neue Sorgen. Er sagte nämlich, diese Nachtheile, welche den Unternehmer zu seiner Dividende berechtigen, könnten auch die Eheleute für sich in Anspruch nehmen. Sie hätten auch das Risiko, ob ihnen nicht durch irgend ivelche Zwischenfälle ihr ausgeliehenes Geld sainmt den Wirth- schastsgegenständen flöten gehe; ferner hätten sie ewige Angst, ob ihnen auch ihre Manipulationen gelängen, auch erlitten sie Ein- büße für die eigene Arbeit— kurz, er sagte, so ein Verleiher sei nicht schlimmer als so ein Unternehmer. Denken Sie nur, Herr Redakteur, welchen Eindruck diese Auseinandersetzungen aus mich machten! Ich sagte zwar nochmals die eingelernten Nachtheile auf, mußte aber zugestehe», daß die Eheleute mit dem gleichen Rechte Unternehmergewinn beanspruchen könnten wie ein anderer Unternehmer. Aber doch blieb ich bei der Ansicht, daß da irgend wo noch eine verborgene Feder sitzen müsse, die wir nicht kannten, und welche die Räder derart bewege, daß einmal Unternehmergewinn, das andere Mal Wucher herauskomme. Freilich ich konnte bis jetzt noch nicht darüber klar werden. Und da dachte ich mir: Am besten würde ich durch Sie Auf- klärung erhalten, Herr Redakteur, Sie haben ja beide Artikel in einem und demselben Blatte gebracht. Und wenn Sie es nicht wissen, so weiß es vielleicht ein Leser Ihres Blattes oder wenn nicht, ein Unternehmer oder ein Herr Staatsanwalt oder ein Herr Universitäts-Prosessor. Des bin ich aber sicher, daß gewiß alles mit rechten Dingen zugeht. Wenn auch scheinbar in einen Topf gehört, es giebt so verschiedene formelle Unterschiede, die eine ver chiedeneBetrachtungs- weise zulassen. So zum Beispiel handelt es sich bei dem Einen um einige 100 M., bei dem Änderen aber um Millionen. Sie werde» wohl zugeben, daß einer, der mit Millionen Ge- schäfte macht, sich ganz anders ausnimmt, als so ein armer Schlucker, der ein paar Tausend sein eigen nennt. Oder wenn einer ein paar hundert Arbeiter aus einer Nolhlage rettet und ihnen durch eine Unternehmung Arbeit verschafft, so ist dies noch ganz etwas anderes, als wenn einer nur wenigen aus ihrer Roth- läge hilft. Ja, ja, Herr Redakteur, ich sollte auch so unter die Herren der leitenden Kreise kommen, aber ich verstehe so wenig von ihrer Theorie und Praxis, dast sie mich nicht haben wollen. Ach Gott! Tie Gaben sind eben so verschieden ansgetheilt. Indem ich Sie zum Schlüsse bitte, meine Ausführungen ja nicht in einem falschen Sinne auslegen zu wollen, grüßt Sie vielmals Berlin, den 20. Dezember 1890. Michel S i m p l i c i u s. Zleber di- Schulreform nrtheilcn in großen Blättern Kritiker, die nicht einmal im Stande sind, ein leidliches Dentich zu schreiben. Es ist ja, das geben wir zu, sehr schwer, fehlerfrei deutsch zu schreiben; aber ohne allzu grobe Böcke sollte es Uoch geben. Ein Blatt(die„Freis. Ztg.") begann neulich einen Artikel mit dein Satze:„Wir stehen auf dem Standpunkt durch- schniltljch veranlagter Menschen." Der Verfasser hatte aber nicht die Absicht, sich selbst ein bescheidenes-Zeugnis- zu geben, sonder» er meinte, daß man bei der Frage des Unterrichts durchschnittlich veranlagte Menschen voraussetzen müsse. In dem Schlußsatz des Artikels kam richtig auch der famose Genitiv„des höheren Unter- richtswesen" wiedc-- vor. Gestern brachte ein anderes großes Blatt, das in der Schulreformfrage zu den Vordersten gehören will(die„Voss. Ztg."), eine Kritik der„Pädagogischen Aufsätze" Echinelzers, worin es heißt:„Jeder wird in ihnen etwas finden, was ihm zusagt und er ohne große Mühe verwerthen kann." Was ist nun hier„was", Nominativ oder Akkusativ? Und solche lleute, die nicht einmal die elementarsten grammatischen Regeln ihrer Muttersprache kennen, wollen in der Frage der Unterrichts- reform ein maßgebendes Urtheil fälle»! Autifemitifche Plakate, durch welche aufgefordert wird, keine Weihnachtseinkäufe bei Juden zu machen, klebten am letzten Sonntag an den Schuppen, welche für die Kanalisationsarbeiten der der Lessingbrücke eingerichtet sind. An den Plakaten wäre an sich nichts Ausfälliges; sie gehören zu den antisenntischen Kampf- oder Reklamemittcln— je nachdem man ihnen nunmehr ein politisches oder ein geschäsllicheS Motiv— unterlegt und sind um die Weihnachtszeit ganz üblich. Interessant ist nur, daß den Herreu die antisemitische Flagge diesmal als nicht mehr ganz reinlich und einladend erschien. Die Urheber des Plakates maskirten sich daher als„Arbeiter", auch war die Aufforderung auf hoch- rothes Papier gedruckt. Wenn die„Staatsbürger-Ztg.", die den Inhalt des Plakates vergnügt abdruckt, keine Aenderung daran vorgenommen hat, so muß der Ursprung desselben wohl nahe bei der„Staatsbürger-Zig." gesucht werden, denn es weist eine der „Staatsbürger-Ztg." ganz ausschließlich gehörige Wortform auf. Die Maskirung der Antisemiten als Arbeiter ist charakteristisch, weil sie zeigt, daß die Herren sich selber nichts mehr zutrauen; im übrigen werden sie keinen Arbeiter täuschen. Kaum ist da« Thermometer einige Grad gestiegen, so sind auch in den»„Durchbruch Zimmerstraße" wieder etliche Maurer auf der Bildfläche erschienen, um das Riesenwerk fort- zusetzen. Vorgestern Morgen traten die Maurer an, um zunächst den Schnee sauber wegzuschippen und alsdann fürsichtig und mit Bedacht Stein auf Stein zu setzen. Treten bis Weihnachten keine wichtigen und umwälzenden Erfindungen aus dem Gebiete des höheren Bauwesens ein, so ist zu erwarten, daß wenigstens die beiden Schmerzensmauern in dem bewährten Kreuzverbande bis zu jenem Datum vollendet werden. Es bleiben dann allerdings noch einige bärenmäßige Aufgaben zu lösen, welche vielen Scharf- sinn und große Thatkraft erfordern, so daß es immer noch vor- eilig sein würde, eine Vollendung des gesammlen Werkes schon oor dem Jahre 2000 zu erwarten. '•i-ne pferdebahnuerbindung fwischen dem Uorden und i-m andere» Theile» Kerlin» quer über den Opern- platz steht in sicherer Aussicht. Es ist eine Linie genehmigt worden, die im Anschlüsse an die bereits bis an den Hackeschen Marli gerührten Geleise wie folgt weiter geführt werden soll: i'ib>v'' Reue Promenade, die ehemalige Herkulesbrücke, Burg- vis ,ur Friedrichsbrücke, unter den Rundbogen der hintnrch, über die eiserne Brücke, dann links schwenkend der Straße am Zeughause, quer über den Opernplatz, Anschluß an die Geleise an dem Schinkelplatz erfolgt. Linie füllt eine empfindliche Lücke in dem Pferdebahn- i �.erlins aus. Erfroren! Am gestrigen Morgen gegen 5 Uhr fanden mehrere Bahnarbeiter auf ihrem Streckengange an der Köpenicker Chaussee hinter einem Bretterzaun liegend einen jungen Mann, der fast r> llständig erstarrt und ohne Bewußtsein war. Der Un- glückliche wurde auf einer herbeigeholten Bahre in eine nahe- gelegene Wirthschaft an den Fuchsvergen getragen, woselbst sich herausstellte, daß demselben beide Beine erfroren waren. Nach- dem es gelungen i?ar� den Bedauernswerthen wieder zum Be- wußtsein zu bringen, wurde er sofort der Charitee zugeführt, woselbst eine Amputation der erfrorenen Füße wird vorgenomnien weroen müssen. Der junge Mann war erst vor einigen Tagen aus dem Arbeitshause in Strauß- dcrg entlassen und war, nachdem er im hiesigen Asyl mehrere Nächte verbracht hatte, obdachlos umhergeirrt. Unsere bürgerliche Presse begnügt sich damit, den Vorfall ein- fach ihren Lesern registrirt zu haben, ohne überhaupt sich noch länger darüber aufzuhalten. Eigentlich hat sie ja ganz recht, denn was liegt an einem verkommenen Menschen, welcher nur nicht arbeiten wollte, dem es nicht so schlecht gegangen wäre, wenn er nicht von einer unbesiegbaren Arbeitsscheu besessen gewesen wäre. Außerdem was liegt an einem Menschen, jetzt findet man ja immer neuen Ersatz für eine verlorene Arbeitskraft. Die schreck- lichen Zeiten der Sklaverei, in welchen man das kostbare Menschenfleisch ängstlich behüten mußte, die sind vorbei. Wir haben jetzt die herrliche Lohnarbeit, welche auf der einen Seite dem Herrn das Leben erleichtert, indem sie ihn von der Sorge um seine Arbeiter befreit, und welche aus der anderen Seite den bisherigen Sklaven„zum freien" Lohnarbeiter macht, indem sie diesen die„freie" Wahl läßt, ob er verhungern will oder sich zu Tode arbeilen für ein kümmerliches Stück Brot. Eine Fustgänger-Kriicke in schwindelnder Höhe, nach dem Muster des sogenannten„R i x d o r f e r Galgen", wird gegen- wärtig an dem Uebergang der Liesen- und Gartenstraße errichtet. Wegen der im Frühjahr beginnenden Hebungsarbeiten des Bahn- körpers der Stetttner Bahn wird der Knotenpunkt der Acker-, Garten-, Gerichts- und Liesenstraße für„Wagen-Verkehr" für mehrere Jahre vom April 1891 ab gesperrt und, um den Fuß- gängerverkehr aissrecht zu erhalten, ohne die Umbauarbeitelt zu stören, errichtet man jetzt die etioa 20 Meter hohe Laufbrücke, welche eine sehr starke Konstruktion besitzt und aus 1 Fuß starken Balken angefertigt wird.— Die Treppen zu dieser Brücke bestehen aus etwa 60 Stufen. Eine drohende Eifenbahnstatastrophe ist, wie wir wir nachträglich erfahre», durch die Ausin erksamkeit eines Bahn- wärters am vergangeneu Freitag auf der Strecke der Schlesischen Bahn unweit unseres Vorortes Erkner vermieden worden. In- folge der an diesem Tage herrschenden Kälte war in der Nahe der Wärterbude Nr. 21 zivischen Rahnsdorf und Erkner eine Schiene gebrochen und dies war erst kurz vor Herrannahen des um 11 Uhr von Station Erkner abgelassenen Borortszuges be- merkt worden. Der Zug brauste bereits auf Wärterbnde 21 zu, als der die Strecken noch einmal revidirende Bahnwärter den Schienenbruch bemerkte und nun sofort ohne sich einen Augenblick zu besinnen, dem nahenden Zug entgegenlief und durch Schivenken der rothen Fahne die Ausmerksainleit des Lokomotivführers er- regte. Kurz vor der gefährlichen Stelle gelang es den Train zum Stehen zu bringen und so die unabsehbare Gefahr von zahl- reichen Mensa, enleben abzuwenden. Tie Lieparaturarl eiten nahmen nur kurze Zeit in Anspruch und mit geringer Ver- spätung traf der Borortszug aus dem Schlesischen Bahnhof ein. Piir gaben gestern eine Marnnng des„Anz. f. d. H." vor der Eisbahn zwischen Saat winke! und Span- d a u wieder. Dasselbe Blatt schreit heute:„Ter Pächter der Eisbahn auf der Oberhavel, Herr Restaurateur Adami, hatte er- wartet, daß die königliche Regierung zu Potsdam ihn von dein Vertrage entbinden würde, nachdem die Zivilkammer des Land- gerichts 11 in Berlin entschieden hatte, daß die Oberhavel als öffentlicher Fluß ein Verkehrsweg sei, welchen jeder, sowohl im Winter als auch im Sommer unbehindert beschreiten dürfe. Hieraus ergab sich die Folgerung, daß der Pächter auch kein Eintrittsgeld erheben dürfte, sowie, daß die Regierung die Be- Nutzung der Eisbahn nicht verpachten könne. Nun besteht aber trotzdem die königliche Regierung auf Jnnehaltung des Kontrakts und fordert von Herrn Adami die Zahlung der Pacht im Be- trage von 3600 M. unter Androhung von Zwangsmaßregeln. Herr Adami sieht sich für den Augenblick infolge dessen genöthigt, um eine Zwangsbeitreibung zu vermeiden, die Pachtsumme zu bezahlen; er hat sich aber daher auch entschließen müssen, die Eisbahn wieder zu übernehmen, und dies mit dem gestrigen Tage gethan. Da die Regierung also die 3600 M. entzieht, so wird auch Herr Admni nach wie vor eine Gebühr für die Benutzung der Eisbahn erheben. Denn derselbe hat außer dem Pachtgeld auch noch die Kosten dafür zu bestreiten, daß die Bahn in brauch- barem und sicherem Zustand erhalten wird. Er hat hierfür auch wieder in ausreichendem Maße gesorgt." Damit wäre also die zuerst ergangene Warnung hinfällig. Po» rellgiofem plassnstn» wurde am gestrigen Tage ein in der Krautftr. 14 wohnendes junges Mädchen, Bertha M., befallen. Mit einem Kruzifix in den Händen, fromme Liede- singend, begab sie sich auf die Straße und erregte bald ein der- artiges Aussehen, daß ein Schutzmann einschreiten und die Krank« ihren Angehörigen wieder zuführen mußte. Da sich der Zustand des kaum 18jährigen blühenden Mädchens während der Nacht zur förmlichen Raserei steigerte, so schaffte man dieselbe heute früh nach einer Irrenanstalt. Durch eine» Einbruchsdiebstahl sind in der vorgestrigen Nacht die in der Bäckerei von Heere, Strelitzerstraße 32, beschäs- ttgtcn Gesellen und Lehrlinge um ihr gesammtes Hab und Gut gebracht worden. Als dieselben gestern Morgen nach vollbrachte- Arbeit in ihren im Hintergebäude belegenen Schlafraum zurück lehren wollten, bot sich ihnen in ihrem Zinnner ein Bild der wildesten Unordnung. Sämmtliche Koffer und Schränke waren erbrochen und total ausgeräumt; Anzüge, Wäsche, Taschenuhren und die gesammten Ersparnisse des Personals hatten die Ein- brecher mitgenommen, so daß den Bestohfenen nichts weiter als diejenige Kleidung, welche sie auf dem Körper trugen, geblieben ist. Die Einbrecher, welche nach Ansicht der sofort benachrich- tigten. Kriminalpolizei zur Zunft der„schweren Jungen" gehören, haben den Schlasraum mittelst Dietrich und Nachschlüssel geöffnet. Ginzieljnng der post plerthieiche» älterer Art. Seit dem 1. Dezember 1890 werden bei den Verkehrsanstalten nur noch Post-Werthzeichen neuerer Art verkauft. Die noch in den Händen des Publikums befindlichen Post- Werthzeichen älterer Art(Freimarken, sowie gestempelte Briefumschläge, Postkarten, Streifbänder undPostanweisungs-Formulare) können noch bis zum 31. Januar 1891 zur Frankirung von Post. sendungen verwendet werden. Vom 1. Februar 1891 ab verlieren die älteren Post-Werth- zeichen ihre Giltigkeit. Dem Publikum soll iudeß gestattet sein, die bis dahin nicht venvendeten Postwcrthzeichen älterer Art bis spätestens zum 31. März 1891 gegen neuere Werthzeichen gleicher Gattung und von entsprechendem Werthe umzutauschen. Gestempelte Brief- umschlüge und gestempelte Streifbänder werden gegen Freimarken zu 10 und 3 Pf. umgetauscht; die Herstellungskosten, verde» mit 1 Pf. für jeden gestempelten Briefuiitschlag und Vs Pf. für jedes gestempelte Streifband baar erstattet. Der Umtausch der älteren Postwerthzeichen gegen neue wird an den Postschaltern beivirkt. Postsendungen, welche nach dem 31. Januar 1891 noch mit Werthzeichen älterer Art zur Auflieferung gelangen, werden dem Absender zurückgegeben, oder tvenn dies nicht thunlich sein sollte, als unfrankirt dehandelt werden. Vom 1. April 1891 ab sind die Verkehrsanstalten zum Umtausch älterer Postwerthzeichen nicht mehr befugt. polizeibericht. Am 21. d. M. Abends stürzte der Schlächter- meister Heinemann in seinem Hause, Münchebergerstr. 8, von der Treppe bis auf den Hausflur hinab und erlitt einen so schweren Schädelbruch, daß er bald darauf verstarb.— In der Nacht zum 23. d. M. wurde vor dem Hause Chausseestr. 36 ein unbekannter, etwa 40 Jahre alter Mann mit einer stark blutenden Stirnwunde auf dem Straßendamm liegend aufgefunden und nach der Charitee gebracht.— Am 22. d. M. fanden vier kleinere Brände statt. Agitations- Komitee ein- nlen Gera in Aussicht genommen? jedenfalls wird er in eil.r Stadt Mitteldeutschlands abgehalten werden. Anf dem internationalen Textilarbeiter-Kongreß zu Basel »m Pfingsten nächsten Jahres werden die deutschen Berufsgenossen theilnehmen.: plien, 22. Dezember. Tie Alpine Montangesellschaft theilt mit, daß von 2570 Arbeitern in Fohnsdorf 600 streiken, während der Rest unter„militärischem Schutz" der Arbeit obliegt KZeriihks-Äeikuttg. Gin verwahrloste» Kind wurde gestern der 94. Abtheilung des Schöffengerichts durch einen Schutzmann vorgeführt. Die zwölfjährige Magdalena von Schuck hat soeben das strasmündige Alter erreicht. In ärmlicher Kleidung erscheint sie vor Gericht, körperlich ist sie so wenig entwickelt, daß sie kaum über die Schranken des Anklageraumes hinwegzublicken vermag. Ihr nicht unschönes Gesicht zeigt List und Verschlagenheit. Vors.: Nun sage mal, Mädchen, was soll aus Dir werden? Du scheinst ja auf einem bösen Wege zu sein. Was ist Dein Vater?— Angekl.: Versicherungs- Inspektor.— Vors.: Warum bist Du zum vorigen Terniine nicht gekonunen?— Angekl.: Ich bin bei meiner Tante gewesen.— Vors.: Nein, Du lügst wieder. Du hast Dich vier Tage lang herum- getrieben und warst nicht zu finden, deshalb haben wir Dich heute durch einen Schutzmann holen lassen. Du stehst nun unter der Anklage dreier recht dreister Diebstähle, willst Du die Wahrheit sagen und die That einräumen?— A n g e k l.: Ja, genommen habe ich die Sache», aber nur aus Versehen.—Vors.: Du lügst gerade so, wie Du dem Rektor gegenüber logst, wobei Du Dir noch einen falschen Namen beilegtest.— Aus der Beweis- aufnähme geht hervor, daß die Angeklagte sich zu drei ver- schiedenen Malen in die Gemeindeschulen schlich und von den Korridoren einen Mantel und in zwei Fällen je einen ant stahl. Sie muß zugeben, daß sie eine andere chnle besucht, wie diejenigen, in denen sie die Diebstähle ausführte und bleibt trotzdem dabei, daß sie die Sachen„aus Versehen" mitgenommen habe. Der Staatsanwalt beantragte eine Gefängnißslrase von sechs Monaten. Ter Gerichtshof sprach sie des wiederholten Diebstahls zwar schuldig, nahm aber von einer Gesängnißstrafe Abstand und verfügte die Ueberweisung der Angeklagten in eine Zwangs-Erzichnngsanstalt.— Wie der Schutzmann, der das Kind aus der elterlichen Wohnung geholt hatte, erzählte, lebt die Mutter desselben in äußerst elenden Ver- Hältnissen. Ihr Mann habe sie nebst 6 unmündigen Kindern verlassen und seine Familie der äußersten Bedrängniß preisgegeben. Sozinle MeLrevflÄzk. An die Klempnergehilfen Dentfchlands! Infolge eingetretener Vermittlung ist die in Nr. 289 des„Berliner Volksblatts" publizirte Arbeitssperre der Spengler gegen die Metall- und Emailsabrik in Zug(Schweiz) bis auf weiteres aufgehoben. Zürich, den 20. Dezember 1890. Mit genossenschaftlichem Gruß. Im Auftrage des Zeutralv orstandes des schweizerischen Spengler- Verbandes. Der Sekretär Hermann Lott, Rindermarkt 15. Tertilarbeiter Kongresse werden weiter stattfinden: Für Rheinland und Westfalen am 11 Januar nächsten Jahres in Barmen; für Elsaß- Lothringen und Württeulberg-Süddayern an noch nicht bestimmten Orten und Tagen. Ter beabsichtigte schle- fische Kongreß findet nicht statt, weil die schlesischen Weber zu arm sind, um ihn abzuhalten. Als Ort für den nationalen Tertil- arbeiter-Kongreß, der um Ostern stattfinden soll, hat das Berliner DsvfmmttUmaetri Eine persamlnlnng des sozialdemokratische« Wahlvereins des 6 Berliner Reichstags- Wahlkreises fand am 16. Dezbr. statt. Herr Werner referirte über das Alters- und Jnvaliditäts-Bersicherungsgesetz. Er be- sprach eingehend die für den Arbeiter wlssenswerthen Punkte des Gesetzes. Die Diskussion, welche sich über den Vortrag entspann, war eine sehr lebhaste. Es betheiligte sich auch ein Student der Medizin daran, welcher für das Gesetz warm eintrat, aber vom Referenten gut widerlegt wurde. Folgende Resolution wurde angenommen: Die heutige Versammlung des sozialdemokratischen Wahlvereins des 6. Berliner Wahlkreises erklärt sich mit dem Referenten einverstanden und verpflichtet sich, für unser« Sache fest zu agitiren, sowie jeden Arbeiter anzuhalten, das„Bolksblatt" und die„Tribüne" zu halten.— Im„Verschiedenen" wurde der Wunsch ausgesprochen, ein Stiftungsfest für den Wahlverein zu arrangiren. Es wurde hierzu eine Slebener-Kommission gewählt bestehend aus den Genossen Raschle, Hintze, Peseler, Hurbst, Marzahn, Peisker und Peters, welche das Fest zu leiten haben. Hierauf schloß der Vorsitzende die Versammlung mit einem Hoch auf die völkerbefreiende Sozialdiniokratie. Der Fachverei» der Tischler(porden) hielt am 15. Dezember in Mvabit eine Versammlung ab. Kollege Thier- bach sprach über die ökonomische Lage der Arbeiter und ihre Organisation. In der Diskussion sprachen sämmtliche Redner im Sinne des Referenten. Kollege Schmidt erwähnt besonders den Verein der Einsetzer und b�offt, daß derselbe bald in den Fachverein aufgehen ivird, da derselbe keine Existenzberechtigung abe. Zum Kassirer für Moabit wurde Kollege Harter und zu evisoren die Kollegen Baumann und Fleischer vorgeschlagen. Nach Erledigung des Fragekastens und einem kräftigen Schluß- ivort seitens des Referenten sowie des Bevollmächtigten wurde die Versammlung mit einem dreifachen Hoch aus vie allgemein« Arbeiterbewegung geschlossen. Kuchbinber-zniimm-choe Kerli»». Allen Kolleginnen, Kollegen und Freunde» zur Nachricht, daß der auf den es. d. Mts. in Feuerstein« Tunnel, Alle Jalobjtr. 7S, fallende Vergnügungsabend mit Tan» schon am i. Weih- nachtSfetcrlag, verbunden mit einer Gabenverloosuna, sianftndet. Ansang präzise» Uhr. Um recht zahlreichen Besuch bittet der Vorstand. Kranken- nnd Kegrädniftkals» de» Verein» sntnmtlicher Kerns»- klalirn. Verwaltungsstelle Berlin 1. Sonnabend, den 37. d. Mt«., Abends » Uhr, Blumcnstraße 78 bei Wollschläger: Versammlung. Die Weihnacht«- bescheeruna findet am Montag, den Lg. d. Ml«., Abend« 6 Uhr, tn der Al- hambra, Wallner-Theaterslraßs 16, statt, wozu die Mitglieder hierdurch etnge- laden werden._ Freie Vereinigung der Vraurur» nnd Eiselrur». Am s. Weihnacht«- s-iertag, Abends 7 Uhr. im BeretnKlolal, Dreidenersrr. 45: S-inüthitche»«ei- fammensein mir Damen. Eintritt srei. Die iNeseiischast siir Kerbreitung von ziolkobildung veranstaltet am Donnerstag, den La. Dezember(i. Weihnachtgfetertag), tn Nürnbergs Salon, Schönhauser Allee 28, eine Weihnachtsfeier, verbunden mit Konzert, Gesang«- und dramatische» Vorträgen. Anfang Abend« 5 Uhr. Nach 12 Uhr beschließt die Feier ei» Tanztränzchen. Billet« 6 80 Ps. inst. Tanz sind zu haben bei: M. Zimmermann, TrcSltowstr. 10: A. Weidner, Teinplincrstr. IL: Nürnberg, Schönhauser'Allee 38; K. Gesrot«, DreSdenerftr. 89, Hof lins« pari; W. Eick«, Sorauerstr. 4, i Dr.; A. Ringe, Reichenbergerstraße 168, 4 Dr.; Dh. Schulz, Stralauer Plah 7—8; N. Sündcrman», Skaltherstr. m, 3 Dr.— Mitglieder und Freunde der Gesellschaft werden zu recht zahlreichem Besuch dieser Weih- nachtöseter eingeladen. Fes», nnd?i»knsirkl«d„Wahrheit". Tie nächste Sitzung findet am Moniag, den 39. Dezember stall. Die heutige Sitzung fällt aus. ztriniäiendors. Secfchlößchen, Martstraße i— L. Donnerstag, 35. Dezember, (l. WethnachtSfetertag): Botal- u. Instrumental-Konzert de« Arbeiter-Gesang- verein«„Weiße illose"(Mitglied de« Arbeiter-Sängerdunde«). f rei« N»lK»buh»r. Am Tonnerstag, den 26. Dezember, Nachmittags r, stndel ini Ostend-Thcater für die erste Abtheilung der„Freien Volt» dühne"(rothe Karten) die drille Borstellung statt. Zur Aussührung getan Ein Aollsfeind" von Henris Ibsen. Seitens des Ausschusses des Vereins ist eine Aufführung be« Dramas „Der Leibeigene" beabsichtigt. Der Verfasser der in Teutschland noch un- velannlen Dichtung ist der russische Dichter Pisemssy. Ethisch- iSesellschast. Freitag, den 20. Dezember, 2. Weihnachtsfeiertag, Vormittag« 10 Uhr, Beuthstr. 20, bei May, Fesivortrag de« Herrn Peu« über: „Da« alte und neue Evangelium". Am 28. Dezember, Abend« 7% Uhr, «oinmandantenftr. 20(Arminhallen): Vortrag de« Herrn H. Peu« über: „Wann wirkt Netchthum demoraliflrend". Nachher gesellige Unterhaltung und Tanz. Gälte, Damen und Herren, sehr willkommen. ver verein der Eisen- nnd Wrtalldrehrr Berlins und Umgegend veranstaltet am l. Feiertag, Abends o Uhr, im Lokale de« Herrn«eller, Berg- straße«8, ein Familien-Kränzchen. De» Witglieder» der Allgemeine» Kranke», und Sterbekals» der Metallarbeiter(E. H. 29, Hamburg) Filiale Berlin 5 zur Nachricht, daß dt« Zahlstelle Sonnabend, den 27. d. M. geichlossen bleibt. An der humanistischen Eemeindr, Kommandantenstr. 70, hält am Tonnerstag, den 25. Dezember, zum WeihnachtSsest, Vormittags ioJ Uhr, Herr Schäfer den Bortiag über Freud und Leid de« Familienleben«. Der grseUig« Kind„Kostinung" feiert sein Weihnachtsvergnügen am 25. Dezember(l. Feiertag), verbunden mit Dan, und Bescheeruna für Kinder und Erwachsene, in den Frankfurter Bierhallen, Gr. Franksurlerstr. 99. Ansang de««ergnügens punkt« Uhr; um 9 Uhr, Ansprache de« Genossen Franz Berndt. Freunde, Genossen und deren Frauen nebst Kindern werden gebeten, sich zahlreich an diefem Vergnügen zu betheiltge». Detrefrlietr. (IMvlffs Telegraphen-Kureau.) Paris, 23. Dezember. In der heutigen Verhandlung gegeä den Journaliflen Labruyöre, welcher der Vorschubkeistung zur Flucht Padlewsky's angeklagt ist, erklärte der Angeklagte, über die Verwendung der für die Flucht des Mörders bestimmt gewesenen Fonds keine Auskunft geben zu können. Er Äollte Pad- lewski das Entkommen erleichtern, weil derselbe der Vollzieher der Gerechtigkeit an General Seliverstoff gewesen sei. Die Mit" angeklagte Madame Ducquercy gestand die ihr zur Last gelegten Handlungen ein. Kilkenny, 23. Dezember. Hennessy ist mit 2503 Stimmen zum Deputirten gewählt worden; der parnellitische Gegenkandidat erhielt 1356 St. Kilkeuny, 23. Dezember. Gegen die Wahl Hennessy's ist seitens Scully's Protest erhoben worden und zwar ans Grund der gesetzwidrigen Wahlagitation des katholischen Klerus. Vriefkspten dev Nednktion. «et Anfragen bitten wir die«bonnemen,«-Quiitung b-izulügia.«riesl Antwort wird nicht erthetlt. Für die ansgefperrten Tabakarbeiter Hamburs mt§ der Piano- Fabrik von List durch Böker auf Liste 51 5,50 M. Aus der Piano- Fabrik von Wiesner u. Co. dm Dreyer a»f Liste 5130 17.30 M. Aus einer Versammlung! Bau-Anschläger 9 M. Fr. Zubeil. VeröffeMickumg' � �'Gelegenheit eignet sich wohl nicht z (v.. Biedermann. Wir ersuchen Sie UIN Ango ie"e' Ul,fet Brief ist als unbestellbar zurückgekomun Wort®er J"halt des von Ihnen unterschrieben BesteUschemes t,t für Sie verbindlich, so daß Sie, aller Bora, . iur Zahlung des ganzen eingeklagten Betrages v urlheilt werden. Wenn Sie ven Offendarungseid leisten, müssen Sie dabei auch Ihren Gehaltsaisspruch angeben.®' »»Wiegt das Gehalt nicht der Pfändung. Wohl aber köm %,r' b-i es« zuläffi 01,1 9n,mente unehelicher Kinder ist Lohnarrest>w Berliner ß Outaloguberca KM "äo cinpf.Schrift.§ A grati» franko. r heiter■ fluchhandfung B a g i n s k Jltoi-rftovlfal I.fjcb.lO.eo Erdgcfchichte gel'. 6,90 Uolliofrrund geb. 6,00 B Kcinr's sümint-Werke gcb.o.oo Kaffallr's fänuntl. Werlo 7,60 Ncchtsamvnlt im Hause 12,00 R Idfrn'S Weite s Sic. geb. 1,50 zichtNrohIcn der Poesie 0,60 Engel» Umwälzung geb. 2,76 0 resdener-Str. 52/53 �ity-Passage: llorniärt» soz.Gedlchr-S.geb 0,00 a«iraiii. Jicuplutioii geb. 6,60 f'»!lald.§„n,ilie,l-2?lbl.gb.2,60' Tfchernlfchei»ol»i, WaS Ihun? Znlernat.Hlbl., oBbe. iL. jlrrniegh N.Scbichle gb. i, F est-Geschenke JugeiitlsGlirift.,6j|ilerliiichsretG fu den billigste» preisen.'VH Klttvierarbeiter mi> llemllvßte BcHiMnioijni! 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Januar 1891 die obligatorische Einführung des Fachorgans der Arbeiter beschlossen ist, so ist es Pflicht eines jeden Mitgliedes, in dieser Versammlung zu erscheinen, um die genaue Adresse jedes Mitgliedes feststellen zu können. Diejenigen, welche am Erscheinen verhindert sind, werden ersucht, rhre Adressen bei den Zahlstelleninhabern oder beim Unterzeichneten bis spätestens zu dieser Versammlung einzusenden. Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht Oer Vorstand. I. 21.: E. G u t s ch, Oppelnerstr. 24. Großer Sylvester-Kall Joel s Salon Wer Keller), AlldreaSßr. 21, arraugirt vom Verband der Zimmerlente Berlins am Mittwoch, den 31. Dezember 1890, unter Mitwirkung des Arbeiter-Gesangvereins„Hoffnung". 12 Uhr: Kaffeepause. Während der Pause Festrede, Vorträge, Deberraschnngen. Hierzu sind alle Zimmerer, Freunde und Genossen freundlichst ein- geladen. Das Komitee. Billets Herren 50 Pf., Damen 23 Pf., sind zu haben bei H. Ortland, Steglitzerstr. 58; Both, Kursürstcnstr. 75; I. Schmidt, Lausitzerstr. 3; H. Pagst, Reichenbergerstr.38; W.Schulz, Skalitzerstr. 124, III; H. Weigmann, Fruchtstr. 34a, H. Knüpfer, Blumenstr. 39; Carl Stehr, Stendalerstr. 8, ferner bei den Kassirern der freien HilfSkassen in den mit Plakaten belegten Handlungen. 2326 Achtung! Filzschuharveiter. Achtung! Große öffentliche Versammlung sämmtlicher lv her Wzslljllhbrallche heslhiistigten Arbeiter llllhArbeiterilllleil am Donnerstag, den 85. Dezember(1, Feiertag). Abend» 7 Dhr, bei Feuerstein, Alte Iakobstraße 75. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Tb. Metzner über Weihnachten. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Nachher gemüthliches Beisammen- sein mit Tanz.— Um recht zahlreiches Erscheinen ersucht 2407 Der Einberufer. Freireligiöse Gemeinde. ige> Am 1. Feiertag, Vormittags 10V4 Uhr, im Saal des Böhmischen Brauhauses, Landsberger Allee 11—13, Herr Pens, und im Saal Roscnthalerstraße 38 Herr Dr. Bruno WlUe. Am 2. Feiertag zu derselben Zeit im Saal der Haderschen Brauerei, Bergmannstraße 5—7, Herr Dr. Bruno Wille und im Saal Rosenthalerstr. 33 Herr E. Vogtherr. Gäste, Damen und Herren, sehr willkonunen. Die Säle sind geheizt. 2423 Uereiu gewerblicher Hilfsarbeiter. Am zweiten Weihnachts- Feiertage, Nachmittags 3 Uhr: Gemüthliches Beisammensein bei W. Schmidt, Wrangelstrasse Mo. 141. Alle Mitglieder sind freundlichst eingeladen. 2486 Der Vorstand. Arbeiter-Gesangverein Moabiter Liedertafel (Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes). Am 1. Feiertag, Abends 6 Uhr,"�80 im Kastanien-Wäldchen: Noral- u. Instrumental- Conrert. Entree 30 Pf. Nach 12 Uhr: Tanz-Kränzchen, wofür 50 Pf. nachzuzahlen sind. Genossen sind freundlichst eingeladen. BilletS sind zu haben beim Restaurateur B r o s ch, WilhelmShavener- straße 23. 2338 2432 AlhtNg! Atrilolder, vsh BmssgenWl! _ Am Ä. Feiertag. Dormittags 10 Zlhr, 0-ia Gemüthlich. Frühschoppen(V) in den Arminhallen, Kommandantenstrasse 20, wozu freundlichst einladet 1. Schuller. VIU4MVV»—----------- Daselbst können die Billets zum Stiftungsfest m Empfang genommen werden und hiermit die Vertrauensmänner speziell ersucht, zu erscheinen. Kolksgarten iu Wilmersdorf. Am I. Weihnachtefeiertag« Zum Besten armer Kinder, aufgeführt von hiesigen Dilettanten: Der Bucklige, ober: Die Macht her Arbeit! Bürgerliches Schauspiel in 4 Akten von B. Schneider. «ntrre 30|lf. Nuunncrirter Plab 50 Vf. Kassenöffnung 6 Uhr."Wto BMT Anfang 7 Uhr. Des guten Zweckes wegen hofft auf zahlreichen Besuch 2409 Das Komitee. Genossen empfehle mein Hutgeschäft. Arbeite nur mit Fabrikanten, welche sich der Konlrolmarken dentscher Antmacher angenommen habew Bitte zu beachten: Köpenickerstraße 126, nahe der Adalbertstraße. 2401 Filzschuhe! Den Genossen empfehle mein Filzschuhe! Schuhwaaren-Gesehäft, grossartige Auswahl. 2365 Elegante Herren-, Damen- und Kinder-Stiefel. o. FSse, Chausseestraße 83, vis-a-vis der Liesenstraße. Starke Arbeitostiefei. Sa»ifch«l,-V-ri»iIianstalt. Berliner Unions- Brauerei. Den vielseitigen Wünschen des Publikums entgegenkommend, haben wir uns entschloffen,»eben unserem seit vielen Jahren ein- geführten und fortdauernd sehr beliebten MÜMohener Bier auch unser vorzügliches Pilsener Bier und helles Lagerbier in Flaschen abzugeben. Wir offeriren unser MF Münchener und Pilsener Bier"W 25 große oder 30 kleine Flaschen für 3 Mark und unser MF helles Lagerbier 1## 30 große oder 36 kleine Flaschen für 3 Mark. Berliner Möns-Brauerei, Hasenhaide 22—31. Telephon 9. 9360. SMaritätW Arbeiter! Rur Hüte. ! Mark« SO 9 welche nebenstehende! unter dem Schweißleder tra- bieten Garantie, daß den Berfertigem gerecht» Lohn wurde! vS" Kaust tote Hüte I TS In folgenden Geschäften sind Hüte mit Koutrolmurken zu haben: H. Aerlsens, Prinzenstr. 28. W. Beueke, Potsdam, Jägerstr. 36. Hud. Beisse, Chausseestr. 70. A. Becker, Reinickeudorferstr. 14a. E. Bergemunn, Markgrafenstr. 98. 0. Böttcher, Lichtenbergerstr. 1. A. Bracklow, Lothringerstr. 27. Alb. Binn, Landsbergerstr. 43. W. Böhm, Blücherstr. 11. H. Diedericb, Oranienstr. 9. „ Martannenstr. 43. G. Dunsing, Dresdenerstr. 6. A. Ernst, Barnimstr. 17. A. Puchs, Manteuffelstr. 35/36. „ Skalitzerstr. 39. Th. Gerlach, Linienftr. 39. Gust. Gross, Frankfurter Allee 167. G. Gottmann, Frankfurlerstr. 130. Fr. Haupt, Große Franksurterstr. 145. F. Henke, Dennewitzstr. 1. M. Honsel, Wadzeckstr. 9. P. Fraude, Müll-rstr. 183. ; Köpnickerstr. A. Kehr, Köpnickerstr. 126. W. Kliem, Bernauerftr. 108. 6. Köpke, Prinzenstr. 60. „ Potsvamerstr. 126a. J. Kock, Kastanien-Allee 80. Ph. Krull, Rheinsbergerstr. 60. 0. Liskow, Oranienstr. 47a. A. Lissmann, Gerichtstr. 7. Arnold Lange, Brunnens«. 186/137, Max Lutz, Manteuffelstr. 25. H. Meissner, Neue Hochstr. 43. C. Mowes, Andreasstr. 63. C. Music, Potsvamerstr. 37. Moabit, Birkenstr. 9, A. Nauen, Wrangelstr. 99. ülowst, C. Polvoigt, Bülowstr 18.(Eingang Frobenstr. 12.). C. Rättig, Fehrbellinerstr. 88. Renz& Böhme, Oranienstr. 6. „ Potsdamerstr. 104. W. Röhrich, Frankfurter Allee 118a. 0. Rader, Fürstenwalderstr. 2. W. Rother, Nostizstr. 20. E. Barsch, Stralauerstr. 13—14. C. Barsch, Fehrbellinerstr. 56. C. Schmidt, Köpenick, Kietzerstr. 41. W. Sy, Brunnenstr. 139. 0. Schulze, Fehrbellinerstr. 93. A. Schlegel, Brunnenstr. 33. C. Schulz, Zionskirchplatz 6. F. Sporreuter, Poitstt. 16. J. Stohey, Oranienstr. 170. Rud. Wegener, Stromstr. 59. A. Wittenbecher, Moabit, Lübeckerstr. 4. M" str. 2. W. Wille, Köpenick, Grünauers W. Hüdehrandt, Schönhauser Allee 4. W. Zapel, Skalitzerstr. 131(neben Frister u. Roßmann). Stresemaun, Neue Königstr. 11. C. Adler, Köpenick, Grünstr. 38. C. Böttcher, Friedrichshagen. 0. Mühlberg, Bieseuthalerstr. 13. E. Dittmer, Ackerstr. 68 a. P. Kunz, Prinzen-Allee 87. E. Rleck, Badstr. 64. 0. Jörs, Pankstr. 5 a. Um den vorkommenden Uuregelmäbigkeite« einen Damm entgegenfetzen?u können, bitten wir die oZenoifen dringend, nur deußvon uns veröffentlichten Kefchäfteu Deachtung zu fchenkrn. .»rdem ist r« unbedingt»ottzwendig, datz die Marke fest«in geklebt ist und darf die Marke nicht erst beim Kaufe eingeklebt werde», wa» stets als Ketrng zu betrachten ist. Alle Unregelmäßigkeiten bitten wir an uns zu berichten. Die Arbeiter-Kontrol-Kommission. 2431 I. A.: C. Komps, Georgenkirch- Platz 8, NO. Hut-Fabrik OSCAR LISKOW 47a. Stfliiieuftr. 47a. Ecke Luckauerstraße. Hüte mit Arbeiter- Kontroimarken. 321 Gbertzemden nach Maaff. Nüjjliche Wtilikschttztskheilke. Oberhemden Stück von 2,25—10 M. Herrenhemden„„ 1,25— 5 M. Damenhemden„„ 1,10— 8 M. Kinderhemden„„ 0,25 M. an Damenbeinkleider, Nachtjacken, Unterröcke, Schürzen, Kragen, Taschentücher Dtzd. von 1,20—10 M. Tischtücher Stück von 0,90— 9 M. Handtücher Dtzd. von 3,00— 20 M. Chemisetts, Manschetten Cravatten und Corfett«. H. Wesslin Inletts u. Züchen Meter von 40 Pf. bis 2,25 M. Fertige Inletts und Bezüge. Federn. Fertige Betten. tg, vormals ß.£. MatFOS, Dresdenerstraße 134, am Kottbufer Thor» 16 — früher Kommandantenstraße 8. 1650 Meerschaum-, Berußein- uuh Elsenbein-Waareu, Spezialität: Portraits bewährter sozialistischer Führer in Cigarrenspltzen, Pfeilen, Nadeln, Knöpfen und Brechen. 2094 _ B. COnsel, Brunnenstraße 157. HÜtß n''b' �kheiter-Kentrelmarke, IQtzen und Schirme b'"i9 R. Wegeuer, Hutmacher, bei 2308] Moabit, Stromstratze 59. Neu I Neu! Uarteigenosten-Karte» für Neujahr empfiehlt die sozialdemo- kratische Buchhandlung Weinbergs- weg 15b. 2405 Unserem Budiker Heinrich Klemann zu seinem heutigen Geburtstage ein drei Mal donnerndes Hoch._ 2434 Die bekannten Gänssdiebe. Todes-Anzeige. Allen Freunden und Genoffen zur Nachricht, daß meiue liebe Frau, unsere Tochter und Schwester Alma Hüther geb. Kummer, nach schwerem Leiden am 21. Dez.. Nachm. IVa Uhr, verstorben ist. Die Beerdigung findet am 25. Dez., Nachm. 2 Uhr, vom Trauer- Hause Veteranenstr. 27, nach dem Frei- religiösen Friedhof statt. Dies zeigen tiefbetrübt an Johann Hüther nebst Eltern und Bruder. 2419 Danksagung. Für die uns so liebevoll bewiesene Theilnahme und unendlich reichen Kranz- spenden bei dem Heinigange unseres innigstgeliebten unvergeßlichen Sohnes und Bruders, des Lithographen Gtto Röhe, statten wir allen Verwandten, Freunden und Bekannten, sowie den erren Lithographen und Lehrlingen W. Hagelberg, der Orts- der Firma ikei Krankenkasse der Steindrucker u. Litho- raphe», namentlich dem Mitgliede des jorstandes, Herrn Taute, dem Thieme- schen Gesangverein, und insbesondere Herrn Prediger Bahnsen für die er- greifend trostreichen Worte an: Sarge des Dahingeschiedenen unseren tief- gefühltesten herzlichsten Dank hiermit ganz ergebenst ab. 2411 Berlin, 23. Dez. 1890. Die trauernden Hinterbliebenen. VerbWd iievtslher Müller MhZlmrbeiter. Filiale Berlin, am 2. Feiertag, Vormittags ValO Uhr» in Uehtitz's Salon, Bergstr. 12. Tagesordnung: 1. Vortrag. 2. Diskussion. 3. Wahl des ersten Vorsitzenden. 4. Zahlen der Beiträge. 5. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen bittet Der Bevollmächtigte. 2406 I. V.: O. Kittlitz. Ächhmg! RckWchr! Der Fachverein der Metallschleifer veranstaltet am dritten Weihnachts- Feiertag eine Herren-Fußpartie. Wir ersuchen um rege Vetheiliguna. Sammel- punkl beim Kollegen R. Niemetscheck (Zum lustigen Stiesel), Skalitzerstr. 18, Morgens 8V2 Uhr. 2435 Der Vorstand. Die Freie Bereilligung der Seisellßeder h. Berussge«. Kertino und Umoegcnd arrangirt am L Weihnachts-Feiertag, Abends 6 Uhr, im Lokal des Herrn Meissner, Gartenstr. 162, einen gemüthlichen Familien abend mit darauf folgendem Tanzkränzchen. Um recht zahlreiches Erscheinen der Mitglieder ersucht 2367 Der Vorstand. I. A.: Wilh. Hoffmann, Vors. Gr. BersmmlNg des Fachver. der Former am Sonnabend, den 27. Dezbr., Vorm. 10 Uhr, in Deigmuller's Saal, Alte Jakobstrasse No. 48 a. Tages-Ordnung: Vortrag, Referent Kollege Paetzel. Diskussion. Abrechnung vom Stiftungsfest. Verschiedenes. Um zahlreiche Betheiligung ersucht 2439 Oer Vorstand. Ehrenerklärung. Hiermit nehme ich die Beleidigungen, die ich am 2. November d. I. gegen den Restaurateur Herzog, Pückler- straße 16, ausgestoßen habe, zurück und erkläre denselben für einen Ehrenmann. 2418 Hentschei, Oppelnerstr. 40. Ehrenerklärung Ich nehme die über Hrn. U. Mehring öffentlich gethane Aeußerungen, da ich von falschen Voraussetzungen ausge- gangen, mit Bedauern zurück, nnd er- kläre, daß derselbe in der fraglichen Angelegenheit korrekt gehandelt hat. 2416 Und. Große. Hiernnt nehme ich die Beleidigung, die ich gegen die Fandgrafschen Ehe- leute, Gräsestr. 20, gethan habe, zurück und erkläre dieselben für Ehrenpersonen. 2404 H. Uiehm. Holzsclmh u. Filzschuh, abrik und Lager allerSorten Herren� amen- und Kinderstiefel. Chr. Geyer, 4 Oranienstr. 4. I 859 i Verantwortlicher Redakteur:(Cur* Kaake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Kading in Berlin SW., Beuthstraße 2. T 2. Russisches. (Schluß.) Das autokratische Regiment, dem das heutige Rußland unter- steht, ist nicht einmal das, was man heutzutage zäsaristisch zu nennen pflegt. Der Zäsarismus nimmt wenigstens den Schein der Demokratie an, er verkleidet die Gewalt in die Formen der Regierung des Volkes, der Volks- thümlichkeit. Indes! selbst der Schein der Demokratie ist dem Zarismus schon zu viel. Dem russischen Volke werden die wenigen politischen Rechte, die es bisher hatte, noch genommen und dem Adel und der Bureaukratie übertragen. Was„Rußland für die Russen" für das russische Volk bedeutet, kann nicht besser illustrirt werden, als durch die Thatsache, daß das Aus- wanderungsfieber unter den russische» Bauern in einem so hohen Maße um sich greift, daß die russische Regierung sich zu euer- gischen Gegenmaßregeln veranlaßt gesehen hat. Natürlich nicht etwa zu solchen, die die Bauen, bewegen könnten, freiwillig in dem Lande zu bleiben, wo sie heimisch sind, dessen Sprache sie sprechen, das fruchtbaren Boden in Hülle und Fülle ganz oder halb unbebaut liegen hat, sondern zum A und O ihrer politischen Weisheit: zur G e w a l t. Mit Gewalt werden die Bauern in ihre Heimathsdörfer zurückgetrieben, mit Gewalt dazu gezwungen, den Großgrundbesitzern Frohndienste zu leisten. Vor einigen Wochen berichtete der Telegraph über einen Kampf an der preußisch-rusfischen Grenze zwischen SOO auf der Auswanderung begriffenen russischen Bauer» und den sie aufhaltenden Grenz- Wächtern, der mit der Erschießung von zwei Männern und einer Frau und der mehr oder minder schweren Verwundung von 87 weiteren Auswanderern endete. Das war nur eine Thatsache unter vielen gleichartigen, sich mehr im Innern abspielenden, die aber nicht an die Oeffentlichkeit gelangen. Die neueste Nummer von„Free Russin"(Nr. B) enthält einen bemerkenswerthen Artikel über das Thema der Auswande- rung der russischen Bauern. Er zeigt die wachsende Verschuldung der Bauern unter dem Druck der bureaukratischen Verwaltung und der Ausbeutung durch gewissenlose Beamte und schildert dann die verzweifelten Versuche der Bauern, durch Auswanderung die Ketten abzuschütteln,.unter deren Last sie in der Heimath zu- sammenbrachen. „Der Strom der Bauernauswanderung", heißt es da,„gmg zuerst den Don entlang, nach Kuban(im Kaukasus) und in die kalmückischen Steppen in den Gouvernements von Orenburg und Ufa. Dann wandte er sich nach West- und Ostsibirien bis zum Amur und dem Land Ussun. „Und was hat die russische Regierung gethan, um d,ese ernste und wichtige Frage zu regeln? Eine Zeit lang merkte sie von der Bauernbewegung gar nichts. Dann wurden die kalmückischen Gebiete von Beamten geplündert, so daß kaum etwas für die Bauern übrig blieb, während am Don und im Kuban, wo das Land den Kosacken gehört, die Regierung den kosackischen Offizieren ungeheure Strecken Landes schenkte, den Bauern aber jetzt verboten hat, sich dort niederzulassen, kosackisches Land zu pachten oder auch nur eigene Wohnungen zu halten— alles um das Land von den Bauern .zu„säubern". t„Unter diesen Bedingungen kam die Auswanderung nach Sibirien auf. Anfangs hatte die Regierung Neigung, dieselbe zu fördern; aber die Flucht des Landvolks aus dem europäischen Rußland paßte den Grundbesitzern, die bei ihren Berechnungen die außerordentliche Billigkeit der Arbeitskräfte zu Grunde ge- legt, nicht in den Kram und sie wandten sich an die Regierung um Abhilfe." Dieselbe wurde ihnen auch sofort gewährt.„Ruß- land für die Russe»" wurde in der Praxis zu: die Russen für das schmarotzende Rußland. Am 13.(25.) Juli 1889 wurde ein Gesetz erlassen, wonach „alle Personen, die auswandern, ohne zuvor die Erlaubniß des Ministers des Innern und der Krondomänen eingeholt zu haben an den Ort, wo sie als Bürger eingeschrieben sind, unter Aufsicht der Verwaltungsbehörden zurückbesördert werden sollen." Von nun an wurden fast nur noch an„kapitalkräftige Bauern Erlaubnißbriese zur Auswanderung nach Sibirien er- »heilt, und selbst diesen setzte die Lässigkeit und Bequemlichkeit der russischen Bureaukratie alle möglichen Schwierigkeiten in den Weg. Da die Auswanderer auf eine bestimmte Jahreszeit angewiesen, heißt der Verlust von Wochen der Verlust eines Jahres und es suchten sich die Bauern daher dadurch zu helfen, daß sie sich mit Jnteriiuspässen auf den Weg machten. Aber die Provinzialbehörden sandten die meisten von ihnen erbarmungs- los zurück. Nach der„Nowoja Wremja" sind tn diesem Jahr das ganze Frühjahr und den Frühsommer hindurch Züge von Bauern aus den Gouvernements Pensa, Orel, Kursk, Charkeff, Woronesch, Kaluga ,c. in ihren» Heimathsorte zurück be, ordert worden.„Alle hatten ihre Pässe, die ihnen.I-doch abgenommen und in die Orte, wo sie eingetragen sind, zurückgeschickt wurden, heißt es in dem Petersburger Blatt. ■ machen. Aber nicht mit gestillt werden. Dazu fehlt indeß der gegenwärtigen russischen Regierung sowohl die Einsicht als auch die Fähigkeit und der Much, und es bleibt so nichts, als auf die Leichen der auf rufst- schein Boden riihenden Landproletarier, die sie in Nischawo, in Petrowitsk und an anderen Grenzorten hat hinmorden lassen, zu blicken lind an die Worte zu denken, die sie zu feige ist, laut auszusprechen:„Ihr Blut auf uns und unsere Kinder." Wo die Bauern nicht auswandern können, da revoltiren sie von Zeit zu Zeit. Freilich, diese Erhebungen sind meist nur lokal und werden daher leicht niedergeschlagen, aber die Ursache der Gährung wird damit nicht ans der Welt geschafft. Die Un- Zufriedenheit bleibt. Der russische Absolutismus ist durchaus un- fähig, diejenige Klasse zufrieden zu stellen, die ihm allein im Augenblick der Gefahr eine Stühe sein könnte. Er lebt beständig von der Hand in den Mund. Er opfert die eine Klasse der Be- völkernng der Anderen auf, ohne doch irgend eine dauernd für seinen Bestand zu iuteressiren. Selbst der Adel, für den er jetzt die Bauern prügelt, wie er die Juden den Bauern preisgegeben, bietet ihm keinen sicheren Rückhalt. Er ist von viel zu verschieden- artigen Elementen durchsetzt, um eine feste Regierungspartei zu bilden. Wären die Judenverfolgungen nur der Ausfluß der persön- lichen Laune und des Borurtheils des Zaren, so könnten die Remonstrationen des Auslandes immerhin Einiges zur Milderung derselben beitragen, trotz der zwei Millionen Soldaten, mit denen die russischen Soldschreiber renommiren. Aber sie sind eines der Selvsterhaltungsmittel des verzweifelt um sein Dasein kämpfenden Zarismus, und er wird immer wieder auf sie rekurriren, wenn er sich in Nöthen befindet. So 1881, und so jetzt ivieder, nachdem der„Nihilismus" unter kaum verhehlten Sympathiebezeugungen weiter Kreise der russischen Ge- sellschaft, von Neuem sein Haupt erhoben. Aber ein Unterschied ist doch zu verzeichnen. 1881 läuteten sie den Regierungsantritt eines neuen Herrschers ein, von dem man wenigstens als ihre Ergänzung nach anderer Seite hin volks thümliche Reformen erwartete. teute besteht diese Erwartung nicht mehr. Alexander III. hat alle Öffnungen, die auf ihn gesetzt waren, enttäuscht, und Rußland steht nicht vor dem letzten Akt einer erschöpften, sondern im ersten einer neuerwachten Freiheitsbeivegniig. Für diese aber sind selbst so zahme Demonstrationen, wie die in Gnildhall, als Aus- munterung von Werth, gleichgiltig, welches auch immer ihre Wirkung auf den allmächtigen Selbstherrscher aller Reußen sein möge. Und darum der Verdruß der russischen Soldschreiber. Soztate Melreestchk. Achtung, NtiibelpoUrer! In der letzten Verbandsver- sammlung der Möbelpolirer ist beschlossen worden, die arbeitslosen Kollegen zu unterstützen. Um die dazu nöthigen Mittel aufzubringen, wurde weiter beschlossen, daß bis Weihnachten mindestens 50 Pf. von jedem arbeitenden Kollegen freiwillig gezahlt werden. Von Neujahr ab sollen dagegen pro Woche 25 Pf. geleistet werden. Die Beiträge sind an den Zahlstellen zu bezahlen am Weihnachts- abend von 4—6 Uhr, und von da an fortlaufend alle 14 Tage. Die Fachkommission. Ein stcherer Professor, Julius Fruhauf, ein Sächser, einer der eifrigsten und redseligsten Vertreter des Fabrikanten- thums, leitartikelt in der neuesten Nummer der„Chemischen Industrie" über die famosen„Arbeitgebervereine zur Wahrung der wirthschaftlichen Interessen." Der langen Rede kurzer Sin» ist: „Der Vortheil der Vcrtheidigungsstellnng der Fabrikanten liegt auf der Hand, sobald nur kleinliche Eifersüchteleien und alter Hader beiseite bleiben. Bei engem Zusammenhalten sind die Arbeitgeber im Punkte der Machtmittel den Arbeitern so sehr überlegen, daß schließlich jeder Widerstand gebrochen werden dürfte. Daß der Kampf eventuell ohne Opfer nicht von Erfolg begleitet fein kann, ist selbstredend, ebenso daß kapitalschwache Genossen unterstützt werden müssen. Mit den hetzerischen Elementen, noto- rischen Sozialdemokraten(welch ein Deutsch!!!) und zum Kontrakt- bruch geneigten Sozialdemokraten wird man nunmehr ohne Nachsicht aufräumen und jede dreiste Anmaßung energisch zurück- weise». Die Fach- und Gewerkvereine(armer Hirsch!) haben überall Unfrieden angestiftet; wo sie nicht sind,»st das gegen- feitige Verhältnitz erträglich geblieben. Wir sind deshalb in dem einen Punkt« durchaus-nicht mit Oechelhäuser einverstanden, daß man die offenen und verkappten Sozialdemokraten zu ignoriren klug handle(welches Deutsch, Herr Professor! Die Ruthe dafür!) und auch den Besuch sozialdemokratischer Versammlungen frei- gebe.„Einer muh Herr sein", heißt's im 3000 Jahre alte» Homer. Niemand braucht feindselige Elemente unter seinem Dache zu hegen und zu pflegen!" Dem schwatzschweifigen sächsischen Professor gebührt eine Dankadresse; er ist so ehrlich, mit naiver Offenheit die brutale Unterdrückung der Arbeiterklasse, die politische Bevormundung und die ungehemmte wirthschaftliche Ausbeutung den Industriellen anzuempfehlen, ohne das Brimborium huma- nitätsheuchlerischer Rektorsarten. Er richtet damit sich und seine Leute. Die Bourgeoisie kann sich über ihre Wortführer freuen. Wir aber auch. Und das hübsche bei der Geschichte ist, daß wir am besten lachen werden. Warum? Weil das Proletariat noch früher aufsteht, als Julius Cäsar Frühauf, die Zierde des sächselnden Philistergeschlechts. Der Ardettermohniings-Kumbug, wie ihn die Baum- wollenbarone im Elsaß, vor allem in Mülhausen unter dem Beifall der Vulgärökonomie so lange betrieben haben, wird aus- gezeichnet durch den letzten Jahresbericht der„Industriellen Gesellschaft" zu Mülhausen, des Fabrikanteubundes, charakterisirl. Die dortigen Arbeiterhäuser, ursprünglich für 4—5 Personen bestimmt, iverden von 10—12 Personen bewohnt, und das Haus befindet sich sehr oft im Besitz eines Spekulanten; der eigentliche Käufer und„Besitzer", der Arbeiter, hat es nicht halten können. Diese Wohnungen, in welchen zahlreiche Astermiether sich drängen, starren von Schmutz. Welch ein Segen, de» Arbeitern ein„Häuschen zu sichern!" Mit solchen Mätzchen erreicht»na» nichts. Die Wahl Hickel's giebt auch eine Antwort auf die Bauern- sängereien eines durch Herkner so trefflich geschilderten Profit- jägerthuiils. Drr Ziilkverbrauch des deutsche» Zollgebiet« betrug im Ganzen im Etatsjahre 1889/90 796 883 Tonnen(die Tonne zu 20 Zentnern); hiervon werden zu Speisezwecken ver- braucht 364 667 Tonnen, und zwar einheimisches 342 331 Tonnen, fremdes 21 836 Tonnen; der Verbrauch von steuerfreiem Salz be- trug 432 216 Tonnen. Hiernach berechnet sich auf den Kopf der Bevölkerung bei Speisesalz 7,5 ke, bei steuerfreiem Salz 8,8 kg, im Ganzen ein Gesammtverbrauch von 16,3 kg. Im Kleinhandel betrug der Preis des gewöhnlichen Kochsalzes (Siedesalzes) in der Regel 20 Pfennig, der des gemahlenen Steinsalzes bis zu 15 Pfennig für 1 kg. Die Salzpreise im Groß- Handel sind infolge eines außerordentlich gut organisirten Gyn- d i k a ts der Privatsalinen-Besitzer, das in drei Verbände, den norddeutschen, westfälischen und mitteldeutschen zerfällt, in die Höhe gegangen. Nach einer Mittheilung der Direktionsbehörde für die Provinz Sachsen haben sich die Siede- salzpreise bei der Abgabe von der Saline im Großhandel gestellt für 100 kg(den Doppelzentner) ohne Steuer: Weißes Salz.. 249,36 Pf. gegen früher 200,90 Pf. Viehsalz---- 235,34„.„ 168,10„ Gewerbesalz.. 229,84„„„ 90,60„ Man sieht, welche Preiserhöhungen ein Jndustrieprodukt er- zielen kann. Daß aber diese Unternehmerverbände in den Arbeiter- verbänden ein Gegengewicht, in dem Arbeiterschutz eine Korrektur erhielten, davon will die engherzige und beschränkte Kapitalisten- Politik kein Sterbenswörtchen hören. Die Sterblichkeit der i» chemische» Gewerbe» thiitigen Arbeiter ist eine sehr hohe, Dank der gesund- heitsgefährlichen, aufreibenden, schlechtbezahlten Beschäftigung. Nach den Ergebnissen der Reichsstatistik kamen auf 1000 Kassenmitglieder-Sterbefälle in der männl. weibl. 1. Soda-, Alaun- und Schwefel- säure-Fabrikation..... 7,15— 2. Farben- und Ultramarinfabr. 13,4 11,4 3. Pulver-, Dynamit und Zünd- Hütenfabrik....... 13,0 11,4 4. Fabrik künstlicher Düngmittel 10,4 12,7 Dafür betrugen aber auch die Durchschnitts- Dividenden der Aktiengesellschaften der chemischen Industrie im Jahre 1886••«•••• 7,17 pEt. 1887....... 8,92„ 1888*■••••« 9,7b„ 1889....... 10,58„ Greifen»vir einzelne Zweige heraus! In der Fabrikation von Explosivstoffen, der dritten Gruppe unseres Sterblichkeits- täfelchens berechneten sich die Durchschnitts-Dividenden der elf in Betracht kommenden Gesellschaften 1886....... 16,09 pCt. 1887....... 14,08„ 1888....... 15,41„ 1889....... 13,00„ In der Theerfarben-Jndustne ergab sich folgendes Resultat: 1886....... 9,94 pCt. 1887....... 13,25„ 1888••!•••• 15,44„ 1889....... 17,5„ In der Industrie künstlicher Düngemittel,(dazu gehört zum Beispiel die lungenzerstörende Arbeit in den Thomas-Schlacken- mühlen) bezifferte sich die DurchschnittS-Dividende wie folgt: 1886.,,. 2,41 pCt.(vor der Kartell gründung) 1887.... 5,14„ 1888.... 7,97. 1889.... 9,98 Man muß beachten, daß es in Deutschland wohl keine Industrie giebt. die zahlreichere und stärkere Kartelle auf- weist, als dies Großgewerbe. Kein chemisches Produkt wohl, das nicht syndizirt»st! Im Ganzen zahlten keine Dividende biszuBpEt. 5— 10 pCt. über lOpCt. 1886.... 38 24 18 20 1887.... 38 12 30 20 1888.... 32,5 16,25 26.25 25 1889.... 28,23 12,95 85,29 23,53, Der Verein mit dem ellenlangen Namen, der„Verein zur Wahrung der Interessen der chemischen Industrie Deutschlands" kann mit diesen Früchten seiner Wirksamkeit sehr zufrieden sein. Derselbe Verein macht aber natürlich Front gegen den Arbeiter- schütz der Gewerbenovelle und gegen den Arbeitertrutz. Der erster« geht ihm viel, viel zu»veit, der zweite ist ihm nicht»veit- gehend genug; die Brutalisirung der Massen ist aber das Endziel der Ausbeuterwirthschast. Vevfaiiriitluilgvn. In einrv Uersaintiilung von Gastivirtsts-Gehilfr», welche in der Nacht vom 19. zum 20. Dezember unter dem Vorsitz des Herrn Thomas tagte, sprach Herr Dr. Lütge- n a u über„Die Ärbeiterschutz- Gesetzvorlage im Reichstage mit besonderer Berücksichtigung des§ 121". Der Referent führte aus: Am 15. November wurde von der Arbeiterschutz-Kommtssion des Reichstages der Beschluß gefaßt, daß die im GastivirthS-Gewerbe beschäftigten Personen als nicht unter dem§ 121 der Gewerbe- Ordnung stehend zu betrachten seien; ein Antrag Bebel, das Be- dienungSpersonal der Gast- und Schankwirthschaften als unter dem betreffenden Paragraphen stehend zu betrachten, wurde ab- gelehnt. Der§ 121 ist derjenige, welcher feststellt,»velche Per- sonen als Gewerbegehilfen gelten sollen. Dieienigen,»velche als solche gelten, haben keinerlei Verpflichtung für Verrichlunghäuslicher und Dienstboten-Arbeit ihren„Arbeitgebern" gegenüber. Gelten nun dieGastwirthS-Gehilsen als nichtzu den vomß 121 zusammengefaßten Personen gehörig, so sind sie zivar noch nicht bedingungslos als zun, Dienstbotenslande gehörig zu betrachten, es ist aber die Möglichkeit vorhanden, daß sie als hierzu gehörig betrachtet»ver- den. Damit geht ihnen denn auch das Vereinigungsrecht zwecks Erstrebung besserer Lohn- und Arbeitsbedingungen, welches den Gewerbegehilfen gewährt ist, verloren. Außerdem haben sich dann die betreffenden Personen den rigorosen Bestimmungen der Gesindeordnung unterzuordnen. Redner verliest zur Illustration dieser reaktionären Bestimmungen verschiedene derselben aus zivei Kellnern a u S g e st e l l t e>» Gesindebüchern. So ist in dem einen in Sachsen ausgestellten Gesindebuche die Bestimnilmg ent- halte», daß sich derJnhaber eines gottesfürchtigen Lebenswandels zu befleißigen habe. Geringe Thätlichkeiten oder Scheltivorte müsse man sich gefallen lasse». Der„Arbeitgeber" könne dafür nicht bestraft»verde». Maßgebend für eine„kleine Züchti- gung" des Angestellten seitens des„Arbeitgebers" ist„un- gebührliches" Betragen des ersteren. In den» Buche sind zirka 20 Bestimmungen, eine immer dehnbarer wie die andere enthalten,»velche je nach Laune des„Dienstherr»»" ihm eine Züchtigung seiner„Untergebenen" gestattet. Den letzteren ist erlaubt, den Dienst zu verlasien, wenn ihr Leben durch die Herrschaft bedroht ist oder auch,»venn ihnen die Lebensmittel vorenthalten»verde». Ziehen die Gasttvirthsgehilfen in Betracht, daß die Möglichkeit vorhanden ist, daß sie derartigen Bestimmungen sich unterordnen»nässen, so muß ihnen die ganze Tragiveite des Beschlusses der Arbeiter- schutz-5tommissio»» klar werden. Was die vorher angeführte Mög- lichkeit betrifft, so liegt da ein Kammergerichts-Erkenntniß vor, wonach die Kellner, soweit sie mit dem Publikum zu thun haben, als Gewerbeaehilfen angesehen werden, und soiveit sie mit dem Besitzer des Etablissements, in welchen» sie beschäftigt sind, zu thun haben, als Dienstboten zn betrachten sind, da sie verschiedene häusliche Arbeiten zu verrichten haben. Außerdem liegt ein Er- kenntniß des Ober-Handelsgerichts vor, wonach Kellner zu den Ge>verbegehilfeu zu rechnen sind; Oberkellner und Bitchhalter aber zu den Handlungsgehilsen. Es läßt sich ja nun darüber streiten, ob nicht alle Keilner eventuell al» Handlungsgehilfen zu be- trachten sind, da der Charakter ihrer Thätigkeit ja derselbe ist, nne l*t Letzteren. Wie die Gehilfen der Kaufleute vermitteln ja auch sie zimschen dem Verkäufer und dem Käufer von Gebrauchs- artlkeln Im Verlauf seiner Ausführungen kritisirt der Redner die Gesetzeskenntniß des Dr. Blüher, Redakteur der„Hotel- Revue" welche derselbe in seinen Angriffen gegen das Organ der Gaffwrrths-Gehllfen bewiesen hat, und fährt fort: Eugen Richter stellt die Protestversammlung der Gasrwirths-Gehilien, . welche m voriger Woche im„Wintergarten» stattgefunden hat. in seiner Zeitung als einen„Versuch" der Sozialdemokraten hin, die Kellner„i ihr Lager zu ziehen. Diese Behauptung wider- spricht den Thatsachen; gerade die Kellner, welche dem auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung stehenden Verein an- Schoren, sind dort nicht vertreten gewesen. Energisch müsse man sich gegen das Schweifwedelnde der angenommenen Petition aus- spreche»; wir haben nicht zu bitten, sondern zu fordern. Der sogenannte Slrbeiterschutz- Gesetzentwürf ist thatsächlich jetzt eher ein Arbeitertrutz- Gesehentwurf zu»cnlien. Von allen Par- tnen ist die sozialdemokratische die einzige, welche einen wirklich durchgreifende Bestiinmunge» für die heutige Gesellschaft ent- haltenden Arbeitcrschutz- Gesetzentwurf ausgearbeitet und dem Reichstag vorgelegt hat. Auf dem Boden der heutigen Gesell- schaft wird für Arbeiter aller Kategorien nichts wirklich gut zu Rennendes erreicht werden können. Das ivird nur durch Be- seltizung des Privatcigenthums an Produktionsmittel herbei- gefuhrt werden. Auch die minimalste» Forderungen der Arbeiter an die heutige Gesellschaft sind von allen Parteien mit Ausnahme der Sozialdemokratie nicht anerkannt und darum nicht von ihnen ver,ochten worden. Aus diesem Grunde haben auch die Kellner sich der Sozialdemokratie anzuschließen. Redner machte- noch im �nufe seiner mit großem Beifall aufgenommenen Ausführungen auf die Reichhaltigkeit des Organs„Ter Gastwirths-Gehilse" aufmerk- sam und fordert die Gastwirths-Gehilscn auf, darauf zu abonniren. An der Diskussion betheiligten sich die Herren Thomas, Polter, Da m masch nnd Ebert.'Folgende Resolutionen wurden hierauf angenommen: 1.„Die heutige Versammlung erklärt sich mit den Ausfuhr», igen des Referenten einverstanden. Sie hält den Beschluß der Arbeiterschutz-Kommission für einen rückschritt- lichen, und beschließt� rille' HebSl fn Bewegung zu setzen, um im Plenum des' Reichsrkig? einen für die Kellner gunstlgeil Beschluß- herbtiziiführen Mild eine Petition an den jetzigen Reichstag abzusenden. Außerdem erklärt die Versammlung dahin zu wirken, daß der Reichstag in Zukunft aus einer wirklich arbeiterfreundlichen Mehrheit zusammengesetzt wird, indem die Theilnehmer der Ver- sammlung der Meinung sind, daß die gegenwärtigen Ver- treter der im Reichstag vertretenen Parteien nicht tm Stande sind, für die Arbeiterklasse günstige Gesetze zu machen. Hauptsächlich protesüren die Anwesenden gegen die Auffassung der Abgeordneten Stumm(konsv.) und Dr. Hirsch(deutschfr.), welche der Meinung sind, daß die Gastwirthsgehilsen nicht unter die Gewerbe- Ordnung ge- hören."....... 2.„Die Versammlung drückt' ihre entschiedenste Ent- rüstung darüber aus, daß in einem„Rechtsstaat" am Ende des 19. Jahrhunderts, zu einer Zeit, welche sich stets mit dem Glorienschein der Humanität zu umhüllen beliebt, noch eine„Gesinde- Ordnung" benannte Bestimmung besteht, welche jeder Menschlichkeit und Kultur Hohn spricht. Die Versammlung spricht die Erwartung aus, daß eine der- artige mittelalterliche Verfügung schleunigst aufgehoben wird. Das Bureail der Versammlung wird beauftragt, dem Deutschen Reichstag von diesem Verlangen der Kellner Kennwiß zu geben." Unter„Verschiedenem" entwickelte sich eine lebhafte Debatte, hergerufen durch die Ausführungen des Herrn Dam- masch, an welcher sich die Herren Thomas, Lüt- genau, Bogisch, Werner, M. Herzberg und Polter betheiligten. Herr Dammasch hatte sich mißbilligend über die Lohndrückern der im Gewerbe beschäftigten nichtgelernten Kellner ausgesprochen. Sämmtliche Redner, sogar Herr M. Herzberg, erkannten als berechtigt an, daß Jemand, wenn er in seinem Gewerbe keine Arbeit mehr finde, sich einem anderen zuwende, um nicht zu verhungern. Herr D a m m a s ch erklärte daraufhin, daß er nur die Verhältnisse zeigen wollte wie sie sind. Er stehe auf dem Boden der modernen Arbeiterbewegung. Herr Herz- b e r g erklärt im Lauf der Diskussion, er sei seit 8 Jahren An- gehöriger der freisinnigen Partei.(Früher und auch noch in letzter Zeit empfahl er allen Kellnern, sich ja keiner Partei anzuschließen. Nachdem Herr Ebert über die bisherige Thätigkeit der Berliner Streir-Kontrolkommission Bericht erstattet, wurde die Versammlung mit einem dreimaligen Hoch auf die internationale Sozialdemokratie geschlossen. Cine öffentliche Uersaminlnug für Männer und Frauen tagte am 14. d. M. in Krüger's Lokal, Große Frank- furterstraße 99, unter Vorsitz des Genossen Sperber. Derselbe drückte sein Bedauern über den schwachen Besuch, die Folge eines Fehlers des Inserats im„Berl. VolkSbl.", aus. Hierauf erhielt Herr Pöus das Wort zu seinem Vortrage über das Thenia: Martin Luther, sein Charakter und seine Zeit. An der Dis- kussion betheiligte sich Herr Albrecht. Mit einem dreifachen Hoch auf die internationale, kämpfende proletarische Bewegung schloß der Vorützende die Versammlung. Erwiderung. In Nr. 295 des„Berl. Volksbl." befindet sich eine sogenannte Berichtigung von 14 Arbeitern der Piano- sabrik von Möhler, Landsbergerstr. IG. Wir konstatiren, daß das Schreiben eher eine Bestätigung des in dem Ver- sammlungsbericht des Klavierarbeiter-Vereins in Nr. 288 dieses Blattes ist. Erstens sind die Arbeiter dieser Fabrik von den Kollegen Orth und Scholz rechtzeitig(Sonnabend Mittag) zu der Montag stattfindenden Versammlung eingeladen worden, von Scholz noch mit dem Bemerken, daß er vom Bor- stand aus sie einlade und die Sache dort besprochen wird. Hanke gab das Versprechen vorZeugen, daß er hin- kommen werde. Ist das keine mündliche Einladung? Ferner haben nicht alle Kollegen die Entlassung der beiden Ar- beiter veranlaßt, sondern die vier: W. Hanke, W. Neu- mann, A. Heide und I. R a tz k i. Es arbeiteten zur Zeit der Entlassung der Beiden 19 Mann dort mit den Beiden. 12 Mann erklärten nach persönlicher Anfrage: Sie haben dies nicht gethan und würden sich nicht dazu verleiten lassen, ihre Mitarbeiter aus Arbeit zu drängen; sie würden mit uns weiter arbeiten! 9 Mann davon haben nun auch das obengenannte Schreiben unterschrieben, unserer Kenntniß der dortigen Werkstattverhältnisse nach nur damit es ihnen nicht ebenso gehen soll, wie uns. Riefenstahl z. B. erklärte dem Fabrikanten am Tage vor der Entlassung des Orth, daß er ebenfalls seine Arbeit niederlege, wenn die Arbeiter bei ihm so herausgeschoben würden. Nur die Drohung des Fabrikant mit dem Schutzmann veranlaßte ihn, seine Arbeit fertig zu machen resp. weiter zu arbeiten. Dann i st derselbe auch zu kurze Zeit dort, um über die Verhältnisse im Sommer zu urtheilen; V» Jahr cirka arbeitet er dort, ebenso A. Domscheid, A. Kietzer und O. Neufind. Wenn ferner gesagt wird, daß wir beide unseren dritten Spezial- kollegen durch zu vieles Arbeiten verdrängt hätten, so genügt doch sicher, daß derselbe durch seine Unter- schrift hier erklärt, daß es nicht wahrist, und uns ebenso bezeugt, daß wir während des Zusa m m e n- arbeitens und bis heute nur gut kollegialifch mit einander verkehrt haben. Er hat dasselbe auch vor Zeugen erklärt. Von dem schwachen Gangs des Geschäftes im Sommer. ist uns nichts bekannt, da unsere Arbeit, nachdem sie ge- I liefert, frisch abgeputzt wurde. Jeder Fachmann weiß, was das heißt. Der mitunterschriebene Kollege bezeugt dies ebenfalls. Auch machte uns der Fabrikant bei unserer Entlassung den Vorwurf, daß wir im Sommer auch ein paar Montage ge- bummelt und er die Arbeit gebraucht hätte. Wir waren zu Arbeiter- Sommervergnügen gewesen. In der Fabrik betrug die reguläre Arbeitszeit 8>/s Stunden, und wenn wir sie strikt inne- halten, so kann uns das kein Mensch verdenken; denn unsere Familie muß im Sommer auch leben. Wahrscheinlich wäre es ein Gaudium für diese Arbeiter gewesen, wenn wir aus der Werkstatt gehen müßte», ohne daß der Fabrikant unsere recht- lichen Forderungen nachgekommen wäre. Scholz einigte sich mtt dem Fabrikanten auf Auszahlung von 18 M. für einen in Arbelt gegebenen Akkord von 112 M. 50 Pfg. im Werth. Orth erhielt ebenfalls 48 M. nach Uebereinkunft mit dem Fabrikanten. Daß wir keinen Schaden durch diese Entlassung kurz vor den Feier- tagen hätten, kann doch nur in den Köpfen der Unterzeichner des Schreibens in No. 295 d. Bl. bestehen. Die Solidarität bezeugen ja dieselben darin, daß sie entgegen dem Beschluß der organisirten Berliner Klavr er- arbeiter, Sonntags und nach Feierabend arbeiten und für Sammlungen an streikende Ar- beiter schwer zu haben sind. Daß von ihnen über- Haupt keiner einer Organisation angehört und keiner sich um die Arbeiter küinmert, daß sie nur Hohnlachen und Beleidigungen für den Klavierarbeiter-Verein haben, ist wahrscheinlich ihr«soll- daritätsgefühl. Daß der Verein seine Mitglieder vor solchem Jndifferentismns schützt und die Arbeiterzeitung derarttge Zu- stände veröffentlicht, ist für die Leute allerdings bedauerlich. Der Klavierarbeiter-Verein wird sich in der Ver- sammlung am 5. Januar nochmals nrit_ ihnen beschäftigen und ihnen wahrscheinlich klar machen, wie sich Arbeiter gegen Arbeiter zu beiiehmen haben. Paul Scholz. J.Orth. C. v a n H a u n.„,, Spandau. Eine öffentliche Metallarbeiter-Versammlung tagte am 19. Dezember in Dressel's Tanzsalon, unter Vorsitz der Kollegen Selchow, Becker und Delcourt. Ueber die Stellung- nähme zum Kongreß der Metallarbeiter der Provinz Brandenburg referirte H. Weber unter großem Beifall. Derselbe setzte den Zweck des Kongresses auseinander und besprach ausführlich die auf der Tagesordnung stehenden Punkte desselben. Er führte aus, daß unbedingt Spandau auf dem Kongreß vertreten sein müßte, um Bericht über die hiesigen Arbeitsbedingungen geben zu können, sowie Stellung zur Agitation und zum Arbeits- Nachweis zu nehmen. Der Referent>var der Ansicht, daß em allgemeiner Arbeitsnachweis sämmtlichec Metallarbeiter das Beste wäre. Zur Diskussion sprachen Müller, Selchow und Delcourt in ähnlichem Sinne. Es ging ein Antrag ein, die Wahl der Delegirten zu vertagen, da die Versammlung zu schwach besucht sei und eine neue zum 27. Dezember, Vormittags 10 Uhr in demselben Lokal einzuberlifen. Der Antrag wurde angenommen. Hierauf wurde die Versaiumlung mit einem begeisterten Hoch auf die Metallarbeiter-Bewegung geschlossen. Leider mußte der Name eines Anwesenden vom überwachen- den Beamten festgestellt werden, da derselbe die Verhandlungen absichtlich störte, und der Aufforderung des Vorsitzenden, den Saal zu verlassen, kein Gehör schenkte. Berlin. Wmi» mit Wer mit m GeMe veckusten, M mit jP mit km Publikum bitekt iu Vetbiubuug geiteien. Ha Hartwig Sühne& Haer Berlin N. Berlin SO. Berlin 0. Stetün. 24a. Chausseestr. 24a. 8. Brückenstrasse 8. 16. Gr. Frankfurterstr. 16. Jeder Preis ist mit Zahlen an der Waare ausgezeichnet. Größte Werkstätten für Herren- und Hnakenkekleikung. 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