Kr. 301. Dmmerftag, den 35. Dezember 1890. 7. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Volksblatt" erscheint täglich Morgens auker nach Sonn- und Festtagen. AbonnementSvreiS für Berlin frei m'S Haus vierteljährlich 3.30 Mark, monallick 1,10 Mark, wöchentlich 28 Pf. Einzelne Nummer 5 Pf. EonnlagS- Nummer mit dem„Sonntags-Blatt" 10 Pf. Postabonnement 3,30 Mark vro Quartal. (Eingetragen in der PostzeilungSpreiSliite für 1890 unier Nr. 892, V. Nachtrag.) Anter Kreuzband, täglich durch die Expedition, für Deutschland und Oefterreich-Ungarn 3 Mark, für das übrige Ausland 3 Mark pro Mouat. MmMWWMZK Sonn- und Festlagen bis 9 Uhr Vormittags geoftnet. -, Fernsprecher: Amt VI. Kir. 4106.••»- Vedaktion: Veukhltvatze S.— Expedikion: VeukhflvsHe 3. An die Varteigenosten! Der Parteitag in Halle hat sich der richtigen Erkenntniß nicht verschließen können, daß. wie das bereits vor dem Sozialisten- gesetz als Pflicht erkannt war, der ländliche Proletarier in die allgemeine sozialistische Agitation hineinzuziehen ist, wie der Jndustrie-Arbeiter. Unsere Brüder draußen auf dem flache» Lande, die in Ställen und Hütten hausen, deren Lebenshaltung in den meisten Fällen eine menschenwürdige nicht genannt zu werden verdient, die heute noch unter dem Druck derselben Frohnden seufzen wie da Wals, als die Leibeigenschaft dem Namen nach noch nicht ab geschafft war, die allen Fährniffen und Drangsalirungen des Großkapitals noch ungeschützter gegenüberstehen, als die Arbeiter in den rußigen Fabriken und dumpfen Werk stätten— alle diese armen, ausgebeuteten Landarbeiter sollen zu uns herübergezogen werden, auch ihnen soll der Morgenschein der neuen, der kommenden Zeit gezeigt werden, auch sie sollen wisse», daß sie ein Anrecht haben an der herrlichen Natur, die sie so oft mit blendender Fülle umgiebt, ohne daß sie nach den Früchten, welche die Erde uns Allen schenkt, auch nur die Hand ausstrecken dürfen. Unseren Brüdern von dem flachen Lande muß gezeigt werden daß das sogenannte patriarchalische Regiment, welches von unseren Latifundienbesitzern angestrebt wird, sowohl der Todfeind Ves Landproletariats als des kleinen Grundbesitzers ist. Auch der letzte Knecht im Stall soll wissen, daß der Großgrundbesitzer, wit adligem oder bürgerlichem Namen, die Zeiten wieder einzuführen bestrebt ist, wo er mit seiner Meute und seinem Troß dem Bauern über die junge Saat dahingaloppiren wo er in einem Augenblick des Uebermuthes die Mühe von Monaten zerstören durfte, und dann den murrenden Untergebenen wit der Hetzpeitsche zur Ruhe zwang. Das ist das Ideal unserer Landjunker. Aber andererseits hat der moderne Kapitalismus, die Sucht nach mühelosem Gelderwerb und Geldgewinn auch die schnaps- brennenden Freiherren, Grafen und Fürsten erfaßt. Auch draußen auf den Feldern sehen wir aus dem wogenden Aehrenmeer, aus den blühenden Fluren die drohenden Schornsteine in die Lust ragen, wir hören die Maschinen stöhnen und ächzen, und wir sehen, wie der«freie Bauer" ein Knecht der Maschine wird, ebenso wie in der Stadt der freie Handwerksmeister seine Freiheit, seine Existenz dem Kapitalisten opfern mußte, dem vielleicht ein Zufall die Ar- beitsmittel in die Hände spielte. Jene Poesie des Landlebens. von welcher Schwärmer und Träumer zu erzählen wissen, ist längst verraucht und wenn irgendwo, so tobt der Klassenkampf auf dem platten Lande. Parteigenossen, es ist nun unsere Pflicht, die Kämpfer, die für die Rechte der Arbeit eintreten, mit allen unseren Kräften zu unterstützen. Für das ländliche Proletariat muß mit Schrift und Feuilletott. lachdrua oetboun.] [21 Kothettburger Tage. Vornan aus der Zeit des großen Bauernkrieges von 1525. Von W i l h e l m B l o s. Auf dem Markte richteten sie eben den Galgen auf, vor -w stattlichen Herrenhause Derer von Rein, wo einst der husche König Christian I. sein Quartier gehabt. Viel Volks �ngte sich auf dein Markt; dort stand auch Kunz Kreg- uger, der Junker, und sah mit finsterem Antlitz zn, wie sie n Galgen aufrichteten. Da stieg auf den Galgen ein auerleiu aus dem Taubergrund, das dem Junker zu oh'lden hatte. .„Lieben Freunde," rief das Bäuerlein,„ein Galgen giebt [Neu Respekt, so lang' nicht Einer daran hängt. Und da 'W' ich keinen Besseren zur Zier, als meinen lieben Junker erde 5re9lil,Öer, damit ich endlich meiner Frohnden ledig „ Ein wildes Gelächter erscholl und einige fremde Ge- n schienen schon Ernst machen und den Funker greifen .wollen; der erbleichte und schaute nach einem An-weg z' Hsrr Florian aber trat zum Galgen und verwie» den: erlein sein Gebahren mit strengen Worten, Froh»- ? fe" ttÄtt Äafc'tf'£1 leise, Kunz Kreglinger aber nahm den Augeii- Än diesem Getümmel sah Herr Florian die stattliche Wort eingetreten iverden. Aber trotz des großen Kreises der Ge- »offen, die befähigt sind, unsere Anschanungen und Prinzipien schriftstellerisch zu vertreten und zu verbreiten, ist uns persönlich nur eine verhältnißmäßig kleine Zahl von Genossen bekannt, die auf dem speziellen Gebiete der ländlichen Arbeiterfrage theoretische Studien gemacht oder praktische Erfahrung gesammelt haben. Wir glauben daher an dieser Stelle die Aufforderung er- gehen lassen zu sollen, daß alle jene Genossen, welche sich zu schriftstellerischen Leistungen(Zeitungsartikeln wie eventuell auch größeren Abhandlungen in Broschürenform) auf dem Gebiete der ländlichen Arbeitersrage für befähigt halten, solche Arbeiten an unS einzusenden oder über deren Abfassung:c. sich mit uns in Ver bindung setzen mögen. Und wir richten diese Aufforderung an die Genossen allerwärts, weil, je nach der historischen und ökono mischen Entwicklung diese Verhältnisse in den verschiedenen Landestheilen sehr verschiedenartige sind, sowohl was die Agrar frage im Allgemeinen, als die politische und soziale Lage des ländlichen Proletariats im Besonderen anbetrifft. Aber nichtnuran dieGenossen, die zu selbstständigen literarischen Arbeiten befähigt sind, erlassen wir diesen Aufruf, sondern auch an den großen Kreis jener Genossen, welche vermöge persönlicher Erfahrungen, ihrer Stellung mitten in den Landdistrikten zc. in der Lage sind, kleinere Mittheilnngen und interessante Notizen an uns gelangen zu lassen, die z. B. auf die Lohn- und Wohnungs Verhältnisse der ländlichen Arbeiter, die Grundvettheilungs-, die Erbtheilungsverhältnisse». s. w. Bezug haben, und die, wenn von einer Zentralstelle gesammelt, ein sehr werthvolles Material für künftige Bearbeitung bilden. Als selbstverständlich fügen wir bei, daß für Arbeiten, die zur Veröffentlichung sich geeignet erweisen, ein angeinessenes Honorar entrichtet und die Veröffentlichung in entsprechender Form erfolgen wird. Alle Zuschriften zc. beliebe man richten an: I. Auer, Katzbachstraße 9, I., Berlin SW. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Parteivorstand Jrnn Feste. Weihnachten ist ein uraltes Naturfest der Kultur- voller. Es ist das Fest der Hoffnun g. Die Sonne, deren fcuriqe Strahlen der Erde und ihren Be- wohnern Wärme, Licht, Leben spenden, hat sich vom Tage der S o m m e r w e n d e an mehr und mehr niedergesentt, scheinbar sich weiter und weiter von der Erde entfernt, bis diese, die Mutter der Menschen, den Schrecknissen des Winters überliefert ist, der alles Leben zu tödten droht. Senkt sie sich noch tiefer, entfernt sie sich noch weiter, entfliehet sie ganz, so ist Gestalt des Rathsherrn Anton von Badell aus dem Rathhause treten. Heiß fiel es ihm bei, daß er sich gar nicht um Agues und ihr Schicksal bekümmert habe. Er eilte auf den Rathsherrn zn und begrüßte ihn; Herr von Badell dankte so widerwillig und finster, daß der Ritter stutzig ward. Da mußte Unheil im Werke sein. Er fragte nach Agnes. „Wenn Ihr Jene meint", antwortete Anton von Badell barsch,„der die Prediger Eurer Schwarmgeister den Kops verdreht haben, also daß sie ihrem Vater ungehorsam ward, so sag' ich Euch: ich habe keine Tochter mehr!" „Herr, ich versteh' Euch nicht," sagte Herr Florian be troffen. „Wohl sie: ich weiß wohl, daß Ihr sie im Ungehorsam bestärket habt." „Ihr wolltet sie zwingen, einen Maun zu heirathen, den äe nicht leiden mochte." „Das sind meine Sachen, Herr Ritter. Und wenn Ihr an der Spitze des ganzen schwarzen HausenS daher kommet, so wöget Ihr der Stadt Gesetze vorschreiben, aber nicht mir, wem ich meine Tochter geben soll. Damit Gott be- sohlen!" Und Herr Anton von Badell schritt ingrimmig aber majestätisch davon. Herr Florian stand starr; solchen Trotz und solchen Eigenwillen hatte er nicht erwartet. Er sah wohl, daß mit diesem alten Eiseukopf nichts auszurichten war. Er trat in die Herberge von Hanns Kretzer, wo er seine Reisigen wußte. Die saßen fröhlich am Tisch mit den Bauern, die hereingekommen waren, und spielten mit ihnen das Znntcrst-Zöberst. Andere sangen. „Wir seyn geschickt zum Sturm, zum Streit!" Hanns Kretzer, der Wirth, bot Herrn Florian einen geschehen um die Erde und um Alles, was darauf webt und lebt— der Frost hat gesiegt, und es folgt eisiger Tod und ewige Nacht. Da plötzlich ist Stillstand, Um- kehr, und langsam, langsam hebt die Lebensspenderin sich enipor, ihre ermatteten Strahlen gewinnen wieder Kraft und sie beginnt den Kampf mit dem Winter,-- langsam aber stetig dringt sie vor und überwindet in unab« lässigem Ringen Frost und Eis. Die Sonne, die Erlöserin, hat gesiegt. So wurde die Winterwende, welche in die gegenwärtige Jahreszeit fällt(nach unserem Kalender auf den 21. Dezember) schon im grauesten Alterthum das Fest der Hoffnung, das jubelnd begangen ward in der sicheren Voraussicht des Sieges der Erlöserin Sonne über den Tyrannen Winter. Das Christenthum hat dieses, gleich anderen Heid- nischen Naturfesten, dem Volk nicht zu entreißen vermocht — es hat ihm nur einen anderen Namen, andere Formen und eine andere Symbolik gegeben. An die Stelle der ErlöserinSonnehatesdenErlöserChristus gesetzt, an die Stelle des heidnischen Naturdienstes den christlichen Messiasdienst. Der Inhalt ist derselbe: die kommende Erlösung,— nur daß die Sonne in den Heiland verwandelt ward. So ist Weihnachten auch heute, wie vor Jahrtau- senden, wo die alten griechisch-römischen und germanischen Götter noch im Herzen der Menschen wohnten, das Fest der Hoffnung, und da Hoffnung die Mutter der Freude, das Fe st der Freude. Und die höchste aller Freuden ist Anderen Freude bereiten. Anderen Freude bereiten, das ist der aus» zeichnende Grundgedanke des Weihnachtsfestes geworden, und unsagbar elend oder verkommen muß sein, wer am Weihnachtsfeste nicht irgend einem seiner Mitmenschen irgend eine Freude zu bereiten sucht, und sei es die kleinste. Und in diesem allgemein menschlichen Gedanken, in diesem erhabenen Gefühl menschlicher Zusammengehörig- keit feiern auch wir das Weihnachtsfest. Freilich, wir feiern es in unserer Art. Auch für uns ist es das Fest der Hoffnung, der nahenden, durch nichts aufzuhaltenden Erlösung.-- „Friede aus Erden und dem Menschen in Wohlgefalle n", so tönt es aus den christlichen Kirchen. Ist das wahr? I st„Friede auf Erden"? I st die heutige Weltordnung„den Menschen ein Wohlgefallen?" Sind die Thatsachen mit diesen Worten nicht im grellsten Widerspruch? Ist die Menschheit schon erlöst? Oder harret sie noch der Erlösung? Starrt nicht die Welt in Waffen? Herrschen nicht Humpen feurigen Frankenweins. Der Ritter that nur wenig Bescheid; dann frug er, ob die Hochzeit des Herrn Jörz Spelt und des Fräulein Agnes von Badell schon ge- wesen. Da berichtete ihm der Wirth, was vorgefallen, und wie Agnes gestern Stacht»och gen Würzburg geritten sei. Eine ungeheure Angst befiel Herrn Florian; er dachte sich Agues in tausend Gefahren; er dachte an die Doppel- züngigkeit, Unzuverlässigkeit und Verdorbenheit Grumbachs; ihm war zu Muthe, wie Einem, der eine liebe zarte Taube von hundert Falken und Habichten bedroht weiß. Er befahl den Reisigen, sofort die Rosse zu satteln, um gen Würzburg zu reiten. Sie thatens mürrisch, denn sie wären gern in dem lustigen Rothenburg geblieben. Menzingen kam und brachte den von Rath und Ausschuß geschriebenen Bünduißvertrag; vergebens lud er den Freund ein, zu Gast bei ihm zu sein. Er Hab' es eilig in diesen Zeiten, sagte Herr Florian; er nahm dem Lienzingen das Versprechen ab, daß die beiden Geschütze den folgenden Tag nach Würzburg geschickt würden, und ritt mit den Seinigen davon. Men- zingen sah ihm kopfschüttelnd nach. Den nächsten Tag ging auch das Rothenburger Geschütz nach Würzburg ab, zivei vortreffliche Nothschlangen, dazu Pulver und eiserne Kugeln aus vier Wagen. Ehrenfried Kumps, sein Bruder Jörg und Jörg Spelt ritten in vollem Harnisch mit, desgleichen einige Söldner der Stadt, darunter der Schäferhans. Ein stattliches Geleite von be- waffneten Bauern ans der Landwehr zog mit. Unter dem Thor kam auch der Doktor Karlstadt, den Ehrenfried Kumps beivogen hatte, mitzureiten. Als der Schäscrhans, dem das Grüne und Gelbe schon herausrann, weil er mit gen Würz- bürg mußte, den verhaßten Doktor sah, schrie er: Haß, Selbstsucht und Ausbeutungsuwth wohin wir blicken? Haben wir nicht den Krieg und die Feindschaft Aller gegen Alle? Mensch gegen Mensch, Klasse gegen Klasse, Volk gegen Volk? Wird die arbeitende Mensch- heit nicht unterdrückt und geknebelt im Namen des Christenthunis, das die Gleichheit und Gerechtigkeit lehrt? Sind in Europa allein nicht sechs Millionen Menschen planmäßig dazu erzogen, einander zu tödten— im Namen des Christenthums, das die Bruder- und Nächstenliebe lehrt? Nein— die frohe Botschaft des Christenthums hat sich nicht erfüllt. „Friede auf Erden" hat das Christenthum nicht ge- bracht— in der sogenannten christlichen Aera haben Haß und Zwietracht unter den Menschen geherrscht— ebenso wie in der vorchristlichen. Die frohe Botschaft des Christenthums war eine Botschaft, der die Erfüllung fehlte und fehlen mußte, weil das Christenthum sich lostrennte von dem menschlichen Leben. Es verlegte die Erfüllung in das Jenseits und überließ das Diesseits den feindlichen Mächten. Der Mensch wurde getheilt zwischen Himmel und Erde, und zwischen Himmel und Erde war kein anderer Zusammenhang, als der des Glaubens an ein persönliches Fortleben nach dem Tode. Dieses schattenhafte Band genügte natürlich nicht, um der himmlischen Gerechtigkeit Wesen und Substanz zu geben, daß sie den Massen begreiflich wurde und in Fleisch und Blut überging. So hatte diese Zweitheilung des Menschen zwischen Himmel und Erde zur nothwendigen Folge die Trennung des Do g in a s von dein Leben, der theoretischen Sittenlehre von der Praxis. Der frömmste Christ konnte der größte Schuft sein. Aus dieser Trennung wuchs jene H euch e l e i hervor, welche in den Sprichwörtern der christlichen Völker, in diesen Spiegeln der Volksseele, zu drastischem Ausdruck gelangt ist. „Der Geistliche", sagt das Sprichwort, der für so christlich geltenden Engländer, gleicht dem hölzernen Weg- weiser— er weist den Weg, geht ihn aber selb st n i ch t." Dieser Widerspruch findet sich nicht als Aus- nahmefall in vereinzelten Menschen— nein, er ist die Regel, er zieht sich durch das ganze politische, soziale und private Leben der christlichen Völker. Die Lehre der Gleichheit, der Bruder- und Nächstenliebe, der Verdammlichkeit der Gewaltthat und des Mammondienstes, wird Tag für Tag vom Staat und von der Gesellschaft mit Füßen getreten. Wer da heute verlangen würde, die Menschen sollten heute leben, wie Christus gelebt hat, der würde als Narr verlacht, ins Gefängniß gesperrt, oder gar todtgeschlagen werden wie Josuah Davidson. Oder ist etwa nicht die Hand der Reichen und Mächtigen, die sich allesammt für Christen ausgeben— ist ihre Hand etwa nicht erhoben gegen die Armen und Unterdrückten, die wollen, daß die Gleichheit und Ge- rechtigkeit, wie das Christenthum sie lehrt, aus dem Reiche der leeren Worte hinübergeführt werden in das Reich der Wirklichkeit? Wir Sozialdemokraten kennen keinen Unterschied zwischen Worten und Thaten— wir kennen nur eine Moral, nur eine Sittlichkeit, nur eine Richtschnur— und dieser Moral, dieser Sittlichkeit, dieser Richtschnur sollen gleichmäßig unsere Reden und unsere Handlungen entsprechen. Das Christenthum, welches die Erde dem Moloch überließ, und die Gleichheit und Gerechtigkeit in den Himmel verbannt hat, konnte die Erlösung nicht bringen. Wir wollen die Gleichheit und Gerechtigkeit auf Erden. Wir wollen gleiches Recht für Alle und daß Keiner sei des andern Knecht; wir wollen, daß auf der ewigen Grundlage der Gerechtigkeit, auf der allein Festes und Dauerndes erbaut werden kann, die menschliche Ge- „Was, mit einem solchen Bösewicht sollen wir reiten?" Und er stieß mit der Lanze nach ihm. Aber Jörg Spelt wehrte den Stoß ab und versetzte dem Schäferhans eins mit dem Lanzenschast, daß er vom Pferde fiel. Man ließ den Schäferhans zurück; Kumps und Spelt aber zogen fürbaß, das Tauberthal hinab. Spelt sah ernst, aber entschlossen in die Welt hinein aus seiner Sturmhaube. „So, nun gefallt Ihr mir besser," sprach Ehrenfried Kumps,„als wenn Ihr den Kopf hängen lasset. Der Krieg wird Euch Freude machen." .Ja, ich freue mich, die großen Quadersteine aus den Mauern des Schlosses zu schießen," antwortete Jörg Spelt. „Und ich desgleichen", sprach Hanns Boßler, der be- rühmte Büchsenmeister der Stadt Rothenburg, der mit seinen Nothschlangen an den dicksten Mauern wohl an- klopfen mochte und der auch mit gen Würzburg ritt. Sturm. Es war an deniselben Tage, da Herr Florian nach Rothenbiirg abritt, um die Stadt zum Bund zu bringen, da zogen sie um die Mittagszeit von Heidingsfeld aus dem Lager des fränkischen Heeres aus, mit fliegenden Fähnlein und mit Trommel- und Pfeifenschall, gar trefflich bewehrte Mannschaft. Sie zogen auf die Verschanzungen des Niklas- berges bei der Stadt Würzburg und besetzten sie, worauf das Feuer der Geschütze des Wertheimers gegen das Schloß anhub. Die Entfernung war groß und die Beschießung richtete am Frauenberg nur wenig Schaden an; die Mauern blieben unversehrt und nur die Ziegel auf den Dächern wurden da und dort zertrümmert. Die Bürger von Würz- bürg unterstützten die Bauern. Sie hatten unter der großen steinernen Brücke, die Würzburg mit St. Burkard, deni Mainviertel, verbindet. Flöße an den Bogen augebracht, also daß man wohlgedeckt vor dem Feuer der Beste über den Fluß kommen konnte. Im deutschen Haus, beim Äloydenthurm und beim Augusttnerkloster war Geschütz auf- gefahren, das gegen das Schloß feuerte und den Mauern be- trächtlichen Schaden that. sellschaft neu gestaltet, der Arbeit ihr ehrlicher Lohn ge- währt, dem Laster und der Gewaltthat Halt geboten,— kurz daß die Gleichheit und Gerechtigkeit, welche das Christenthum nur verheißen hat, auch Wahrheit werden. Wir wissen, daß das Christenthum die Erlösung nicht gebracht hat. Wir glauben an keinen Erlöser, aber mir glauben an die Erlösung. Kein Mensch, kein Gott in Menschengestalt, kein Heiland kann die Menschheit erretten. Die Mensch- heit allein kann die Atenschheit erretten — und nur die arbeitende Menschheit, denn auf ihren Schultern ruhen Staat und Gesellschaft, durch s i e bestehen und leben Staat und Gesellschaft, und in i h r allein liegt der Wille und die Kraft zur Neu- gestaltung im Geiste der Gleichheit und Gerechtigkeit. Weihnachten, das Fest der Hoffnung, der gehosften Erlösung, hat deshalb für die Sozialdemokratie, die Partei der arbeitenden Menschheit, eine be- sonders tiefe und weihevolle Bedeutung: es v e r h e i ß t uns die Erlösung, und es ermahnt uns, dem Werk der Erlösung, die nicht von oben kommt sondern aus uns selbst, durch uns selbst, all unser Dichten und Trachten, all unsere Kraft und all unseren Willen zu widmen. Setzen wir all unsere Kraft, all unseren Willen daran, daß die christliche Weihnachts-Botschaft:„F r i e d e auf Erden und den Menschen ein Wohl« gefalle n" nicht lange mehr ein Hohn sei für die er- lösungsbedürftige Welt! Setzen wir all unsere Kraft und all unseren Willen daran, daß der Tag des Sieges bald anbreche, an welchem die jubelnde Menschheit ausrufen kann: die E r- l ö s u n g i st uns geworden— die Gerechtigkeit hat den Thron bestiegen, im Sonnenglanze der Freiheit bieten die Gleichen den Gleichen die Bruderhand und es i st „Friede auf Erden und den Menschen ein Wohl- gefallen." S o feiern wir Sozialdemokraten das Weihnachtsfest. trinzipien mtfc Programm des _ nstralischen SoziMstenwmdes. Angenommen im Oktober 1890 Sydney, Neu-Süd-Wales. Der A u st r a l i s che S o z i a l i st e n b u» d i st z n dem Zweck gegründet, um die Ziele des Sozialis- in u s zu fördern und für s e i n e V c r tv i r k l i ch u n g mit allen Kräften einzutreten. Die kapitalistische Gesellschaftsform, in welcher wir gegen- wärtig leben, und deren Auirechterhaltnng die Kapitalisten mit den Waffen in der Hand verfechten werden, ist auf Klassenüber- macht und Klassenraub gegründet; sie wird gestützt durch eine Klassenregierung vermittelst des Eigenthums an allen Mitteln der Produktion, Vertheilung und des Austausches der Werthe. Diese wirthschaftliche Machtstellung, dieses Eigenthumsrecht der Grundbesitzer- und Kapitalistenklasse ans alle Reichthum er- zeugenden Kräfte, unterwirft die arbeitende Klasse bedingungslos der erwähnten herrschenden und beraubt die Arbeiterklasse— die große Masse des Volkes— so jeglicher Stimme bei der Lebens- frage, wie der Wohlstand, durch den allein wir leben, hervor- gebracht und vertheilt werden soll. Da die gegenwärtige Ordnung demnach auf Klassenkampf und Ungerechtigkeit aufgebaut ist und die Kapitalistenklasse einzig und allein die P r o d u k i i o n des Wohlstandes in Form von Handels- waaren der Lohnarbeiter-Klasse zugestehen will, und ihr als Lohn nur ein Drittel des so hervorgebrachten Rcichthums zahlt und die anderen zwei Drittel als Profit, Mehrwcrth oder unbezahlte Ar- beit für sich nimmt;— so sollte die geschilderte Art der Produktion um des Profits willen durch die nationale oder gesellschaft- liche Produktion zum gemeinsamen Nutzen ersetzt, verde». Deshalb erklären wir Sozialisten:— Die Zeit der blinden Produktion, der Konkurrenz und Privat-Unternehmungen ist vor- über; die Quellen und Mittel der Erzeugung und Vertheilniig des Reichthums sollen als Gemeingut erklärt und behandelt werden. Das heißt: der Grund und Bode», die Bergwerke, die Fabriken und Maschine», das Rohmaterial, die Schifffahrt, die Werfte und Speicher und alle anderen mitivirkeiiden Faktoren, die zur Produktion und Vertheilung der Güter dienen, sollen Da gebot auch der Hauptmann im Schlosse, dessen Besatzung bisher nur selten einen Schuß gethan, den kriegerischen Ernst zu zeigen; er ließ das grobe Geschütz spielen. Wohl eine Stunde lang donnerten die gewaltigen lkarthauncn und Nothschlangen der Beste hinab in die empörte Stadt und die Stückkugeln schlugen prasselnd in die Dächer der Bürgerhäuser, zum Schrecken der Bewohner. Die Menschen strömten auf Straßen und Plätzen zusammen, aber die im Schloß richteten immer ihr Feuer dahin, wo sie den Zusammenlauf sahen. Dann fuhr die Masse er- schreckt auseinander und man vernahm Geschrei und Wim- mern Verwundeter. Sie hatten Todte in der Stadt und im Schloß. Als die Nacht herniedersank, hörte das Feuer auf; die Stadt hatte den vollen Ernst des Krieges wohl verspürt. Die Odenwälder Bauern hatten viel Mannschaft bei sich, die gerne plündern mochte; während des Feuers fiel diese in das Stift St. Burkard und plünderte; überhaupt tranken sie während der Belagerung 280 Fuder Wein aus den Geistlichen Hänsern. Wie die Pfaffen mit Wein, also wareil die Bauern mit Durst wohl versehen. Den andern Tag sah man um Mittag bei heiterem Himniel, einen schönen buntfarbigen Regenbogen, rings um die Sonne. Es war derselbe/ den sie an diesem Tag zu Frankeuhauseu sahen, vor der uuglücklicfycii Schlacht, da Thomas Müiizer, der Prophet, seine letzte Heerpredigt hielt. Zu Würzburg deuteten ste das Wunder Jeder nach seiner Art. Die im Schlosse meinten, das sei ein Zeichen, daß ver Himmel sie beschützen wolle; Andere waren zag- hafter und meinten, sie würden Alle von den Bauern erschlagen werden, gleich denen von Weinsberg. Tie Bauern sahen m dem Regenbogen ein günstig Zeichen; doch gab es auch Solche unter ihnen, die behaupteten, der Schwarzkünstler im Schloß, ein Barfüßermönch, der sich auf Feuer- werk trefflich verstand, habe den Regenbozen so hingezaubert. Ans allen Fähnlein der Bauern war ein Regenbogen zu schauen; so schien es, als wollte der Himmel ihr Zeichen annehmen. Im Rath der Bauern beschloffen die Hauptleute, ein vor dem Schloß aufgeivorfenes Vorwerk, die Schutt, noch an verstaatlicht werden: So ersteigen wir mit der Erreichmig dieses Zieles in der Geschichte der menschlichen Gesellschaft die nächste, unvermeidliche Stufe, auf der die Erfordernisse des Zusammenlebens der Vernunft entsprechend produzirt und der Billigkeit entsprecheitd vertheilt werden. Durch Thätigkeit in Parlament und in Ge- mein dcvertretun gen will der Soziali st en- bund für folgende Maßregeln kämpfen als Linderungsmittel bestehender Uebel stände: I. Jeglicher Unterricht, sowohl der höhere wie der elementare, muß frei, konfessionslos, den Aufgaben der Geiverbsthätigkeit entsprechend und für Alle gleichmäßig obligatorisch sein. 2. Alle Kinder müssen das Alter von 15 Jahren erreicht habe», bevor sie zu irgend einer Lohnarbeit zugelassen werden. 3. Die Gesetzgebung geschieht durch das Volk in der Weise, daß kein Gesetzentivurf bindende Kraft erhält, bis er einer Volks- abstimmmig unterworfen und von der Majorität angenommen ivorden ist. 4. Die Kosten der Rechtspflege werden vom Staat getragen. 5. Stimmrecht aller Erwachsenen(männlichen und weiblichen Geschlechts); Abschaffung des mehrfachen Stimmrechts'); alle Wahlen haben am nämlichen Tage stattzufinden. G. Tie schleunige Zurücknahme des Landes und die Ver- meidung der ferneren Veräußerung von öffentlichen Ländereien. 7. Jegliche Steuer wird durch direkte Einschätzung erhoben; durch eine Grund- und Boden-Abschätzung und eine progressive! Einkoinmensteucr auf jedes ein bestimmtes Minimum über-! steigendes Einkommen. Das Minimum darf nicht über 800 Psd. Sterling(6000 M.) im Jahre betragen. 8. Alle Arbeiten für Regierungs- und Gemeindeverwaltungen müssen durch die Regierung und Gemeinden allein vollzogen werden, ohne Dazwischentreten eines Lieferanten. 9. Städtische Kontrole der Gas- und ähnlicher Anlagen; Errichtung von Wohnhäusern durch die Gemeinde», wobei die Miethen nur die Kosten des Baues und der Erhaltung decken dürfen. 10. Freie Fahrt auf Eisen- und Pferdebahnen. 11. Alle Fabriken und Bergwerke sollen genau überwacht werden durch besonders geeignete Inspektoren, welche von den Arbeitern selbst in ihren betreffenden Distrikten durch geheime Abstimmung gewählt werden. Die Ausgaben trägt der Staat. 12. Acht Stunden höchstens soll der gesetzmäßige Arbeitstag für jede Lohnarbeit sein. Ueberzeit ist kriminell strafbar. 18. Abschaffung des stehenden Heeres und das Aufhören der Beivilligung von Geldern zur Erhaltung einer fremden") Flotte in australischen Gewässern. 14. Abschaffung des gesetzgebenden Rathes'"). 15. Errichtung einer Staatsbank, welche alle Privat-Unter- liehmungeil verdrängen soll, die aus Geld- und Kreditgeschäften Nutzen ziehe»._..., 16. Der Staat soll die Produktion der Lebensbedürfnisse in die Hand nehmen und so die Unbeschäftigten beschäftigen und den Weg zur genoffeiischastlichen Organisation der Gesammtarbeit und zur genoffeiischastlichen Vertheilung der Gesammtprodultion bahnen. Es giebt keine durch die Kapitalisten voll- zöge ne Leistung die das organisirte Volk nich» besserselb st vollziehen könnte. Erziehet, agitirt.organisirt. Die sozialistische Partei- ist die einzige, welche erklärt: daß für Alle Arbeit und für Nieniand Ueberarbeit sein soll. So lange die Regierung aus Angehörigen der Kapitalisten- und Grimdbesiherklasse zusammengesetzt ist, werden die Gesetze und die ganze Staatsmaschinerie zur Erhaltung der Vorrechte J dieser Klaffen benutzt werden. Da a l l e Kapitalisten nie alle Arbeiter beschäftigen können, j so sollten sich die Arbeiter ein für allemal für den Sozialismus s erkläre», da dieser allein ihnen Arbeit und den vollen Ertrag ihrer Arbeil sichern kann. I Die Mitgliedschaft des Australischen Sozialistenbundes steht' jedem offen, der sich unterschreiben und für die Grundsätze des Sozialismus wirken will, wie sie in diesem Manifest des Bundes niedergelegt sind. 5>olttifckir Ilebortfrhk. Berlin, den 24. Dezember. Die verabschiedeten LrtudsKitrchte des Urptilfonds, welche sich in die Dienste des verabschiedeten„treuen Vasallen" begeben haben oder begeben wollen, führen wieder einmal einen Hexensabbath ans— in majorem Dei gloriam. In Dutzenden von Zeitungen lesen wir seit einigen Tagen überemsiintmend, daß die Lage des Herrn von Caprivi eine *) Bisher hatte» manche Wähler zwei und noch mehr Stimmen. '") Der englischen. »") Vertretung der Regierung etwa wie unser Bundesrath. diesem Abend mit Sturm anzugreifen, um das dort aufge- stellte Geschütz wegzunehmen; es hatte die Stadt am meisten Schaden gethan. Wie es zuging, daß aus dem Angriff aus das Voriverk ein Sturm auf das Schloß wurde, das mag Niemand wissen; es mag sein, daß Kühnheit und kriege- risches Feuer oder auch die Begehr nach den reichen Gütern im Schloß die fränkischen Männer fortgerissen haben. Gegen Abend sahen die im Schlosse, die sehr aufmerk- sam ivaren, daß sich starke Rotten in dem Garten bewegten, der auf der östlichen Seite des Frauenberges lag. Auch schienen solche an verschiedenen Stellen im Versteck zu liegen, als dächten sie auf. einen Ueberfall. Sie hielten im Schloß einen Sturm für nicht wohl möglich, da ja keine Bresche geschossen war. Aber sie waren auf ihrer Hut. Die Wachen sollten auf Alles merken; ein Jeder sollte im Augenblick auf seinem Posten und bei seinem Ge- schütz stehen. Inzwischen ivard in dem Garten vor dem Frauen- berg ein großes Zelt ausgeschlagen; dort beriethen sie über den Sturm. Tie Nacht sank herab und bedeckte mit tiefem Dunkel die Abhänge des Berges, auf dem das gewaltige Schloß stand, das letzte Bollwerk der bischöflichen Macht im Lande zu Franken; drunten an dem rauschenden Strom flimmerten rechts und links die Lichter der Stadt. Zuweilen brach der Blond durch das Gewölk; dann sah ein aufmerksames Auge Waffen suiikeln hinter Bäumen und Hecken rings um den Frauenberg, j Es mochte zwischen neun und zehn Uhr sein, da kamen starke Züge des Volksheeres aus der Stadt und vertheilten sich rings um das Schloß. Herr Florian Geyers schwarze Schaar, mehrere tausend rüstiger Kriegsleute und Bauern aus der Rothenburger Landwehr, zog still auf; den Schwarzen hatten sich alle muthigen und wohlgeivappneten KriegSleute im Bauernheer migeschloffeu. Die große Menge derer, die nur beim Kistenfegen und Seckelleeren rüstig waren, sah dem Vornehmen der Tapferen zu. (Fortsetzung folgt.) fcl)r bedenkliche, seine Stellung bedroht sei— natürlich, weil er nicht das„Genie" scmes Vorgängers habe. und der Dirigent des Hexcnsabbath-Konzerts schickt selber tn fem Leiborgan einen langen, von Staatsmannsschaft tricfen- «en Artikel, der zwar die Gedankeil des Urhebers möglichst verbergen soll, sie aber thatsächlich, stimmt allen Hintergedanken, jedem Sehenden sonnenklar vor Augen stellt: e r w i l l i m Trüben fischen! Er will den Konflikt zwischen Re- Gerung und Abgeordnetenhaus dazu benutzen, um wieder meklame für sich, als den patentirten Monopolist aller Staatsiveishcit zu machen, und er will, daß eine Lage ge- schaffen werde, welche den Kaiser zwingt, seinem„treuen Vasallen", der so ungern den Fricdrichsrnher Kohl baut, an die Spitze der Geschäfte zurückzuberufen. Nun— wer hat je geglaubt, daß der Ex-Reichskanzler, seit er ex ist, andere Gedanken hätte? Wozu also der Lärm, den nationalliberale und fort- schrittliche Kannegießer um diese Friedrichsrnhcr— Kohl- Machen? Gewiß ist es für die jetzige Regierung, die mit ihrer Politischen Hamletnatur nicht aus dein„alten Kurs" heraus- nnnnleu kann, keine sehr angenehme Situation, mit den Konservativen in Konflikt zu kommen. Jiideß ob augenehm ober nicht, sie muß eben sehen, wie sie sich hilft. Und schwer ist die Sache ja wahrhaftig nicht. Das Bischen Reform, ans welchem der„Konflikt" hervorgegangen ist', hat eine so außerordentlich geringe Bedeutung, daß der Gedanke an ein ernsthaftes Ende Einen fast lachen macht. Freilich, aus noch kleineren Ursachen sind tragische, staatsnmwälzende Ereignisse hervorgeivachsen. Jedenfalls ist die Regierung an ihren Schwulitäten selbst Schuld. Hätte sie den Landtag gleich zu Anfang auf- gelöst,— ehe sie ihre„Reforingesetze" einbrachte— so hätte sie jetzt keine bockbeinigen Junker im Landtag. Und löst sie jetzt noch den Landtag ans, so wird sie die bockbeinigen Junker cbenfalls los. Gefällt ihr die Situation auch dann nicht, nun, so führe sie das allgemeine Wahlrecht für den Landtag ein. Der Weizen von Friedrichsruh wird sicherlich nicht blühen, und dem„widerspenstigen Tobten" ist zur wohlverdienten ewigen Ruhe ver- Im Wahlüreise Kochu«n findet am 29. d. M. N a ch- mahl statt. Dieser Wahlkreis ist der drittgrößte des Deutschen Reiches, er zählt 290 000 Einwohner, müßte daher eigentlich drei Abgeordnete wählen köiiiicn. Während es Wahlkreise im Osten giebr mit 70000 Einwohnern, haben der 4. und 0. Berliner, der Bochuiner und andere drei bis vier Mal mehr Wähler, so daß die zur Wahlurne sich treiben lassenden Kosiäthen jenseits der Elbe drei bis vier Mal mehr politische Rechte besitzen, als die Politisch reifen Bewohner der Städte und Jndustriebezirke. Im Deutschen Reiche herrschen eben gleiche Rechte für alle.— Ter UoUloverein für das liatholifchc Dentschlaud diese ultramontane Gründung zur Abwehr der Sozialdcmo tratie, erläßt soeben seinen Aufruf. Wir entnehmen dein- selben folgende Stelle: „Im ganzen deutschen Vaterlande, von der Oder bis zum Rhein, von der Nordsee bis zu den Alpen haben die Katho- liken: Geistliche und Weltliche, Reiche und Arme, Arbeitgeber und Arbeiter diesen Ruf mit Freuden aufgenommen. Der Vorstand hat inzwischen mit hervorragend:» Männer» der einzelnen Theile Deutschlands Fühlung genommen, u>u das '. schöne und ivichliae Werl init ganzer Kraft überall möglichst zu gleicher Zeit ins Leben zu rufen. Das Ziel des Vereins ist: einerseits den Umstnrzbestre- bungen der Sozialdemokraten entgegenzntreten, anderseits die Gedanken und Anregungen einer christlichen Sozialreform in immer weitere Kreise zu tragen. Als Mittel zu diesem Zweck sind u. a. in Aussicht ge- nommen: 1. Die Presse soll durch regelmäßige Mitarbeit unterstützt werden. 2. Flugschriften, welche die wichtigsten, gerade zur Erscheinung gelangten Jrrthiimer besprechen, sollen entweder gratis oder doch zu dem denkbar billigsten Preise zur Ver- theilung gelangen. Dieselben werden die Unterschiede von Stadt und Land, sowie der einzelnen Gegenden zu berücksich- tigeu suchen. 8. Alljährlich soll wenigstens eine Versammlung für be- stimmte, örtlich begrenzte Bezirke abschalten werden, und zwar unter dem Titel:„Versammlung des Volksvcreins für das katholische Deutschland am... teil zu N. 92." 4. Außerdem sollen da, wo' das Vordringen und die be- sonders lebhafte Agitation der Sozialdemokratie solches erfordert, soweit thunlich außerordentliche Versammlungen ab- gehalten iverden. 6. Die Mitglieder sollen mindestens vierteljährlich eine Bereinsgabe gratis erhalten. Außerdem können dieselben alle Vercinsschristcn zu ermäßigtem Preis beziehe». Trese solle» in knapper Form die Widerlegung der sozialpolitischen Irr- thümer so wie die geeignete Belehrung über Werth und 9ioth- wendigkeit des katholischen Glaubenslebens als wirksamste Stütze jeglichen Lebensgliickes bieren. 0. Von Jahr zu Jahr wird eine, in, Taguugsort« wechfelndc große Generalversammlung des Volksvereins stattfinden. Der Bericht über dieselbe bildet den Inhalt einer der vierteljähr- lichen Vereinsgaben,...... Nnnmehr treten wir an die bewahrten Forderer der katholischen Sache in den einzelnen Kreisen mit der Bitte heran, ihre Kraft ganz und voll' jetzt auch unser»! eminent katholischen Werke leihen zu wolle», das sich des Segens des heiligen Vaters, soivie der vollen Zusiimmnng und Segenswünsche unferer hochwürdigen Bischöse erfreut." Wenn die Erfolge so sicher sind, als die Versicheruugcu des Aufrufs, so würde die Abwehr der Sozial- dcmokratic ganz gewaltig ulißglücken. Nuwahr ist es, daß uu ganzen deutschen Vaterlaude die Begrüiidung des Vcreius mit Freuden aiisgcuoiiimcn wurde. Direkt cvlogcii>st es. daß die katholischen Arbeiter freudig diesem Rufe folgeil werden. Man frage doch die Arbeiter der rem katholischen Orte, wie München, Köln, Mainz, ob sie dem Unternehmen der Herren Wiudthorst, Hitze und Kousortcu sympalh.,ch gegeuüberstcheu. Mau halte in diesen Orten allgemein zugängliche Versaminluugcu mit freier Bnreauwahl .».s ää den Männern des Volksvcreins zu folgen gesonnen, st. Zu WUWM der Bischöfe zweifeln w,r nicht, doch das will nichts besagen. Und solche Segenswünsche nebst from- iiicm Zubehör sind nichts Neues. Papst und Bischöfe standen fast stets auf Seite der herrschenden und besitzenden Klaffen, sie werben es auch fernerhin thun. Uns wirb dies den Kampf nicht erschweren. Hätten wir Niemand anders gegen uns als den Volksverein für das katholische Deutschland, wir könnten unsere Waffen schon morgen ins Arsenal zurück- geben.— Die„Frankfurter Zritnitg" scheint sich auf dieselbe Stufe wie die„Post" und die„Berliner Börffen- Zeitung" stellen zu wollen. Auch sie entrüstet sich über das von unserem Parteivorstande regelmäßig pnblizirte Vcrzcichniß von Verhaftungen und Vernrtheilnngen von Genossen. Die „Frankfurter Zeitung" schreibt: „Die Anfschrist der Rubrik:„Unterm neuen Kurs" soll wohl besagen, daß sich nichts geändert habe; in Wahrheit erfreut sich aber die Sozialdemokratie seil dem I.Oktober der vollen Rechts- gleichheit; ihreAnhäiigor können angeklagt und verurtheilt nur dann werden, wenn sie sich gegen die Strafgesetze vergangen haben. Diese Gesetze machen zwischen Sozialdemokraten und den Angehörigen anderer Parteien keinen Unterschied..." Ist dem wirklich so? Weiß die„Frankfurter Zeitung" nicht, daß soeben ein Karlsruher Gericht unseren Genossen Lutz nur verurtheilt hat, weil er Sozialdemokrat ist,— daß die Verbindungen von Arbeiter- und G e w c r k v e r e i n c n zu Auflösungen und Verurtheilnngen führen, während die Verbindungen konservativer politischer Vereine unbeanstandet gelassen werden? Weiß die„Frankfurter Zeitung" nicht, daß dic Koali- tivncn d?r Arbeiter auf jede Weise verfolgtz die Koalitionen der Arbeitgeber, und sogar die Kartelle, vom Staat begünstigt werden? Mag die „Frankfurter Zeitung" das nicht wissen, wir wissen, daß der alte. Kurs sich vom neuen Kurs nicht unterscheidet, wir wissen es, und— beklagen es nicht.— Legitimationspirpiere für gewerbliche Arbeiter for dcrn zum so und so vielten Male die Zentralvorstände deutscher I n n u n g S v e r b ä n d c in einer Eingabe an den Reichstag. In derselben wird der Wunsch ausgesprochen: „Es möchte die Führung von Legitimationspapieren für die gewerblichen Arbeiter aller Altersklassen diwch Gesetz für das Deutsche Reich obligatorisch gemacht werden...... .... Wir wollen nicht uusern Gewerbsgehilfen, den zukünftigen Meistern, der Polizcivisitation ausantworten, sondern wir wünschen, daß die Kontrolc über den Arbeits antritt und Anstritt im Sinne genossenschastlichen Zu- sammenhaltens unter den Gewcrksangchörigen von den In- nnngen geübt werde..... .... Die Besürchtnng der Arbeiter, die Ligitimations- Ausweise würden vermöge gewisser unter den Arbeitgebern vereinbarten Geheimzeichen zu politischem Drucke ansgeventet werden, ist für die geiverbliche Praxis haltlos; eher wäre schon das Gegenthcil angänglich, daß seitens der Arbeit- nehmer über die Meister geheime Konduite geführt wird. Den befürchteten Nebergriffen läßt sich übrigens auch, um ängstliche Gemüther völlig zu beruhigen, durch Androhung harter Geldstrafen im Betretni'.gssalle begegnen...." Vor allem wissen wir nicht, woher die Innungen, welche docy die Erwartungen ihrer Freunde so vollkommen cnt- täuscht haben, das Recht' nehmen im Namen des Gewerbes zu sprechen. Die zweite Fürsorge der Meister, die Arbeiter vor Polizeivisitationen zu bewahren, steht ihnen schlecht zu Gesichte. Haben die Gehilfen dieses Interesse, so lasse man es doch von ihrer Seite äußern und warte ab, was sie für Abhilfe vorschlage». Wenn die Herren Jnnungsmeistcr vor- geben, daß Legitimationsausmeise nie zur Kennzeichnung politischer Gegner verwendet werden, so wissen wir nicht, was wir beivnndern sollen, das schlechte Gedächtniß der Herren Jnnungsineister oder die Schamlosigkeit, womit sie offenkundige Thatsachen abzustreiten wagen. Spricht man heute so viel von Gleichberechtigung der Arbeiter, so versteht es sich doch von selbst, daß man den Arbeitern keine Legitimationspapierc aufdrängen darf. Am Schlüsse eines fast ein Jahrhundert währenden Kampfes haben vor Kurzem die französischen Arbeiter die Abschaffung des Arbeitsbuches, des livrot, erreicht und zur gleichen Zeit will man es bei uns wieder einführen. Kann die Tiefe des Niveaus, ans welchem die deutsche Sozialpolitik sich bewegt, in grelleres Licht gestellt werden?— Der„Neichs-Anzeiger nnd Königlich prrnflifchr Staats- Anzeiger" wegen Ucbertretung des Preßgesetzes airKeklagt. Das ist eine Nachricht, die eigentlich in eine Fastnachtszeitiing gehört. Sie ist ivahr nnd daher eine ernsthafte politische Meldung. �Dcr„Reichs-Anzeiger" hat die Annahme einer Berichtigung des Redakteurs der„Kreuz-Zcitnng", Freiherr» von Hannner- stein, verweigert, iveil der Redakteur des offiziellen Blattes die berichtigten.Angaben aufrecht erhält. Steht der„Reichs- Anzeiger" über dem Preßgesetz oder will das ofsizielle Blatt gegen den Berichtigungsunfug ankämpfen? Letzteres könnte uns gefalle»/ denn es würde einer Reform des Prcßgesetzes zu Gute kommen. Aber der richtige Weg wäre doch ge- wesen, die Berichtigung aufzunehmen nnd dabei ans die Schäden deS Preßgesetzes huizuweisen. Auf den Prozeß sind wir begierig, besonders ans die Zeugenaussagen des Herrn Ministers Herrfurth, dessen Rede bei der Ansschnßberarhung über die Landgciueinde-Ordnung Gegenstand der Berichti- gnng ist.— Im„Leipziger Tageblatt" finden wir ausnahmsweise einmal eine Notiz, die uns wirkliche Freude bereitet, weil es sich»m einen wirklichen Fortschritt auf dein Gebiete des Hchulwesrno handelt. Die Notiz lautet: „Leipzig, 23. Dezember. In der hiesigen Raths- Frei schule ist mit dein Beginn des Winter-Halbjahres eine anerkennenswerthe Einrichtung getroffen worden. Be- kannliich ist dieser Schule nicht ein besonderer räumlicher Bezirk zugewiesen, sondern die Schüler wohnen in den ver- schiedcnstcn Straßen unserer Stadt. Da nnn für die Ent- ferntwohnenden die Zeit über Mittag sehr knapp wird, so hat die Schule die Einrichtung getroffen, diese Schüler, zumal ivenn sie zu den unbemittelten zählen, und dazu ge- hören fast alle, während der Mittagszeit bei sich zu behalten und ihnen eine w arme S u p p e, G c m n s e u. s. m. gut und reichlich zu verabreiche n. Auf diese Weise erhalten täglich' mehrere Hundert Kinder eine gesunde Mittagskost. Die Mittel hierzu gewährt in auskömmlichster Weise die Loge„Minerva"." Bravo! Und Dank der Loge„Niinerva", die hier ein wirklich gutes Werk thut. Warum aber wird diese Maß- regel nicht allgemein eingeführt? In den Pariser städtischen Schulen besteht das refectoire scolaire— daS Speisen in der Schule für arme wie reiche Schüler und ist obligatorisch, im Interesse des Gleichheitsprinzips. In kleinem Städten macht die Nothwendigkeit dieser Reform sich weniger fühlbar, aber wenn einmal der Schule ein größerer Einfluß ans die Erziehung eingeräumt wird, als sie jetzt leider hat, so werden die Kinder auch mehr Zeit in der Schule zubringen müssen, und die allgemeine Einführung des Speisens in der Schule nicht zu umgehen sein.— Am zweiten Weihnachtstag wird das belgische Proletariat seinem tobten Führer und Genossen Cäsar de Uaepe, dessen Leiche von Cannes nach Brüssel überführt worden ist, die„letzte Ehre" erweisen. Doch nein— nicht „die letzte Ehre". Es wird auch nach dein Bearäbniß dem braven Vorkämpfer die Ehre eriveiscn, die er so reichlich verdient hat. Sogar die belgischen Bonrgeoisblätter erwarten eine imposante Kundgebung, und sie werden sich nicht getäuscht haben. In unserer nächsten Nummer iverden wir eine bio- graphische Skizze des„Penple"(Volk)— des Organs unserer belgischen Genossen— über de Paepe in der Ueber- setzung mittheilen.— Der Präsident der Republik Krasttien, F o n s e c a, hat am 15. November, als dem ersten Gebitrtstag der Republik, dein Kongreß eine Botschaft zugeben laffen. In der alten Welt, so heißt es darin, sei die Revolution falsch verstanden worden; man habe als Kasernenrevolte ge- brandmarkt, ivas doch nur eine logische Folge der vorher- gehenden Zustände gewesen sei. Kein Blut sei geflossen, kein Eigen- thiiin zerstört worden, und selbst der Kaiser hätte unbehelligt als einfacher Bürger im Lande bleiben können, wenn er ge- wollt hätte. In Amerika habe die Monarchie keine Wurzeln geschlagen, weil sie keine Vergangenheit hinter sich habe, welcher die Pietät und die Dankbarkeit des Volkes an- hängen und die seine Einbildungskrast beschäftigte. In den letzten sünfundzivanzig Jahren hätten die liberalen Ideen dermaßen an Ausdehnung gewonnen, daß es unmöglich ge- wesen sei, sie einzudämmen, und der Sieg der Demokratie sei um so wahrscheinlicher geworben, als die Mittelpunkte des monarchischen Widerstandes schon seit geraumer Zeit in Auflösung begriffen waren. Heute handele es sich darum, die �Republik aus der Basis„der geheiligten Trilogie des Rechts, der Gerechtigkeit und der Freiheit" zu erhalten, was nur durch ein harmonisches Zusammenivirken der öffentlichen Gewalten innerhalb der Gesetze möglich sei. Die Uneinigkeit der öffentlichen Organe erzeuge die Anarchie und zerstöre das Prestige nach Außen. Selbstverständlich müßten die Staaten der Union, trotz der im brasilianischen Charakter begründeten lokalen Autonomie, durch ein gerneinschaft- liches nationales Band zum Schutz der territorialen Unab- hängigkcit verbunden bleiben. Wenn auch gewiffe Maßregeln nothivendig gewesen seien, um keine Revanchegedanken aufkommen zu lassen, und die öffentliche Ordnung aufrecht zu erhalten, so sei doch der Uebergang von einem Regime zum andern von so wenigen Erschütterungen begleitet gewesen, daß nach einigen unver- metdlichen Aenderungen der größere Theil der früheren Ge- setze, sowie die Verwaltungs- und anderen Beamten bei- behalten iverden konnten; und wie sehr die Republik den Wünschen der Nation entsprochen habe, zeigt das allgemeine Vertrauen, daS man ihr vom' ersten Tage an entgegen brachte und die infolge dessen auf allen Gebieten ein- getretene große Gewerbthätigkrlt. Von verschiedenen amerikanischen Staaten sei demnach alsbald die Republik der Vereinigten Staateck von Brasilien anerkannt worden; europäische Mächte seien gefolgt, andere warteten nur eine weitere positive Bethätigung des nationalen Willens ab. Das Vertrauen in den Bestand der Verhält- nisse äußere sich namentlich in dem Vertrauen zu unseren ivirthschaftlichen und finanziellen Maßregeln, zu unseren unerschöpflichen Hilfsquellen, in dem erhöhten Kredit des Landes und dein phänomenalen Zuströmen auswärtiger Kapitalien, trotzdem die Volksvertretung den provisorischeu Zustand noch nicht sanktionirt habe. Nun— was das„phänomenale Zuströmen auswärtiger Kapitalien" betrifft, so ist das eine höchst bedenkliche Cache. Auch nach Argentinien fand weiland ein solch' „phänomenales Zuströmen" statt und ivas für ein Kladderadatsch ist gekommen! Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, daß die Seelen- verkäuferei seit Kurzem auch für Brasilien wieder eine fieberhafte Thätigkeit entwickelt. Was wir neulich warnend von der Answandernng nach Argentinien sagten, das gilt auch von der Auswanderung nach Brasilien. Ja, in verstärktem Maße, da Argentinien, obgleich weit ttciner, doch ein viel reicheres und leichter kultivirbares Land ist, als Brasilien.— An anderer Stelle theilen wir das Programm des Australischen S o z i a l i st e n b u n d e s mit. Der Sozialis- mns hat die Welt umkreist— er wird die Welt bald er- obert haben.— Ein Telegramm der französischen„Agence Havas" auS Neivpork meldet, daß der Kongreß von Kolumbien die Kou- Zession für den Panama-Kanal auf 10 Jahre verlängert habe. Die Arbeiten müssen umerhalb 25 Monaten wieder begonnen iverden. Die Nachricht will unglücklicherweise nicht viel besagen. Nicht um Konzessionen handelt es sich beim Panama- Kanal, sondern um Geld— um die Kleinigkeit von 6 bis 700— sechs- bis siebenhundert Millionen! Und sogar die enthnsiastischen Landslcnte des Herrn Lesseps schrecken vor dieser gewaltigen Summe zurück. Der Panama- Kanal ist— unserer Ucbcrzengnug nach— eines jener riesigen Knlturwerke, die für die profitsnchende bürge'r- 'iche Gesellschaft zu groß sind und erst von der o z i a l i st i s ch e n Gesellschaft, die das allgemeine Jnter- esse, stall des persönlichen verfolgt, vollendet werden können. *.' lUiuste Nachrichten. Aus Paris wird telegraphirt: „Der Gerichtshof vernrtheilte wegen Begünstigung der Flucht Padlewski's den Journalisten Lavruyöre zu 13 Mo- nateu, Madame Duc-Qnercl) zu zwei Monaten Gefängniß und den Journalisten Grsgoire in contumaciam zu acht Monaten Gefängniß." Wir wollen hoffen, daß das Urtheil in der oberen Instanz keine Bestätigung finden wird.— Der Streik der E i s e n b a h n b e a m t e n in S ü d s ch o t t l a n d nimmt zu— so meldet ein Telegramm—, die Bahngesell- schaften haben beschloffen, den Forderungen der Streikenden nachzugeben.'Der Verkehr der Züge geräth mehr und mehr rn's Stocken, insbesondere auf der Linie der North British Railivay- Company, welche anzeigt, daß sie keine Guter zur Beförderung annehmen könne. Die Streikenden von Carlisle, einem wichtigen Knotenpunkte der englisch- schottischen Eisenbahn veranstalteteir heute eine öffentliche Straßenknndgebung. Der Postzug aus London langte heute Vormittag mit dreistündiger Verspätung in Perth an. Rnhe- —. f0 fügt der Telegrammschreibcr höchst über- flüssiger Weise hinzu— sind bisher nicht vorgekommen, die Polizei hält sich aber in steter Bereitschaft. Der„ R e i ch s- A n z e i g e r" veröffentlicht eine Ver- ordNlmg, betreffend die Formen des Verfahrens und den Geschäftsgang des Reichs-Versichernngsamts in den Auge- legenheitcn der Jnvaliditäts- und Altersversicherung(§ 133 Absatz 3 des Gesetzes vom 22. Juni 1889. Vom 20. Dezember 1890. Wir heben aus derselben nur hervor, daß für die Angelegenheiten der Jnvaliditäts- und Alters-Ver- sicherung im Reichs- Versicherungsamt eine besondere Abtheilung errichtet wird, deren Verfügungen und Entschei- düngen unter der Bezeichnung Das Reichs-Versichernngsamt, Abtheilung für Jnvaliditäts- und Altersversicherung, er- gehen. Ueber den weiteren Inhalt berichten wir in der nächsten Nummer. Außerdem veröffentlicht das Amtsblatt den Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Abänderung des Gesetzes über die Besteuerung des Branntweins vom 24. Juni 1887. Wir kommen auf die Verordnung in dem Gesetzentwurf noch zurück. Literarisches. Soeben ist im Verlage des„Berliner Volksblatts" eine sehr instruktive Broschüre über die Jnvaliditäts- und Alters- Versicherung erschienen. Die schön ausgestattete, 67 Seiten starke Schrift, erläutert in gemeinverständlicher Weise kurz und übersichtlich dieses schwerverständliche Gesetz, welchem ein großer Theil des deutschen Volkes vom 1. Januar 1891 ab unterstellt ist. Ein Sachregister erleichtert die Benutzung des Werkchens. Kein Arbeiter sollte es unterlassen, das Schristchen anzuschaffen. Der billige Preis(20 Pfg.) macht die Broschüre Jedermann zugänglich. Vor einigen Tagen erschien im Verlage von Wörlein u. Co- in Nürnberg eine 70 Seiten starke Schrift:„Die K-strebungeU der Sozialdemokratie, beleuchtet vom Irrsinne Eugen N i ch t e r' s. Als Verfasser nennt sich Kurl Falk. Hinter diesem Namen glauben wir einen bekannten deutschen Sozialpolitiker vermuthe» zu dürfen. Richter's Irrlehren werden durch diese Schrift in sechs Abschnitten widerlegt, die betitelt sind: I. Das sozialdemokratische Programm und Eugen Richter. II. Wie Richter die Sozialdemokratie verleumdet, die Menschheit schmäht und Bebel und Bellamy mißbraucht. III. Die Stellung der Sozialdemokratie zu den Weniabemittelten. Maßregeln zur Ueberleitung der kapitalistischen in die sozialistische Wirlh- schaft. IV. Die wirthschaftlichen Verhältnisse. wie sie sind, und die sozialdemokratische Revolution. V. Die Kapitalbildung der Zukunftswirthschaft und was dieselbe von den vorhandene» Wirlhschaftseinrichtungen vernichten und be« stehen lassen wird. VI. An die Entlarvten. Wir hoffen, daß diese Schrift, die trotz netter Ausstattuüg nur 25 Pf. kostet, in weiten Parteikreisen Verbreitung findet, sie verdient dies auch, sowohl wegen ihres reichhaltigen Inhalts, als auch wegen ihres theils satyrischen, theils ernsten, überall aber guten Polemik gegen Richter. Theater. Donnerstag, den 25. Dezbr. Gpernhaus. Tannhäuser und der Sängerkrieg auf der Wartburg. Freitag: Lohengnn. Sonnabend: Oberon. Kchauspielhans. Wilhelm Tell. Freitag: Die Qutzow's. Sonnabend; Der Kaufmann von Venedig. Zesfing- Theater. Sodoms Ende. Freitag: Das zweite Gesicht. Sonnabend: Sodoms Ende. Kerliner Theater. Goldfische. Freitag: Kean. Sonnabend: Goldfische. Deutsches Theater. Die Kinder der Exzellenz. Freitag: Das Wintermärchen. Frtedrich-Wilhelmstädt. Theater. Gondoliere. Freitag und Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Walluer- Theater. Lili. Freitag und Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Htestdenz-Theater. Der Kamps ums Dasein. Freitag und Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. DiKtoria- Theater. Die sieben Raden. Freitag und Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. MeUeallianre- Theater. Schlag auf Schlag. Gsteud-Theater. Lenore. Freitag: Die Grille. Sonnabend: Muttersegen. Thvma»- Theater. Der Soldaten- freund. Freitag und Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Adolph Gruft-Theater. Unsere Don Juans. Freitag und Sonnabend: Dieselbe Vorstellung. Kaufmann'« K aristo. Große Spe- zialitäten-Vorstellung. Theater der Reichahallen. Große Spezialitäten-Vorst ellung. Concordia. Große Spezialitäten- Vorstellung. Gedr. Uichter's N aristo. Große Spezialitäten-Vorstellung. Dpintergarten. Große Spezialitäten- Vorstellung�_ MlijscMUt Buggeiiliagen am Mopitzplata. Täglich: MP* Grosses Concert."MK Direktion A. Uödman». Dienstag und Freitag: Walzer-Aboad. Fntrao WocbenUjs 10 Plg., Hill II et soun- und Fegttags 25 Pfg. Großer Frühstücks- und Mittagstisch. Spezial-Ausschank von Patzenhofer Export-Bier, Seidel 15 Pf. 641 F. MOlier. iKratVeilHeBierhallelt Kommandanten: tr. 77—79. Täglich: Grosses Concert mit Guartett-Känaern, ausgeführt von dem Musik- Direktor H. S a n f t l e b e n. Wochentags: Frei-Concerl. Sonntags Entree 20 PL Empfehle auch zugleich 8 Billards, 3 Kegelbahnen und einen Saal zu Vergnügungen und Versammlungen. 708 F. Sodtke. Welt-Restaurant. 97 Dresdener- Strasse 97. Täglich Austreten der Ungarischen National-Kapelle Olchoary und der Tiroler-GeseUscbaft Stiegler, Weihnachts-Ausstellung eröffnet._ 2358 Passage- Panopticum. lOOnene Gruppen und Figuren. Spezialitäten- Vorstellung. Gntre» 50 Pfennig. Geöffnet v. 10"" Vorm. d. 11 U. A Um Circus Renz. Karlstraße. Donnerstag, den 25. Dezember (1. Weihnachts-Feiertag): 2 Vorstellungen. n 4 Uhr Nachm.(I Kind frei) Bacchus u. Gambrinus oder: Der Sieg des Champagners. Komische Pantomime mit Tänzen und international. Charakterbildern, arrang. und in Scene gesetzt vom Direktor E. Renz. Abends 7'/: Uhr: Deutsche Turner. Große nationale Original-Pantomime. Neu inszenirt vom Direktor E. Renz. In beiden Vorstellungen Auftreten der vorzüglichsten Künstlerinnen und Künstler, sowie Reiten und Vorführen der bestdressirt en Schul- und Fretheits- pferde. Freitag, den 26. Dezember (2. Weihnachts-Feiertag):_ WM" 2 Vorstellungen. Nachmittags 4 Uhr(1 Kind frei) Leben n. Treiben auf dem Eise. Abends 7Va Uhr: Die lästigen Heidelberger. Sonnabend, den 27. Dezember 2 Vorstellungen. Nachm. 4 Uhr: Aschenbrödel. Abends 7 V, Uhr: Deutsche Turner. Sonntag, den 28. Dezember: 2 Vorstellungen. Alles Nähere die Tageszettel. E. Renz, Direktor. Englischer Garten. Direktion: C. Andress, Alexanderstraße 27c. Clara Conrad, Lieder- und Walzersängerin. Jenny Reimann, Kostüm-Soubrette. Max Menzel, Gesangskomiker. Mr. Koberstein, Malabarift. Mc. Lean Brothers, Amerika». Neger-Excentric. Gebr. Willmo, musikalische Clowns. Ansang Wochentags 8 Uhr. Sonntags 5Vs Uhr. Entree Wochentags u. Sonntags 80 Pf. 50 Pf. und 75 Pf., im Vorverkauf 20 und 30 Pf. Castau's Panopticum. Weihnachts- Ansstellung. Damen Kapell«. "EntreebOPf. Kinder 25 Pf. ' v. 9 Uhr Morg. bis 10 Uhr Ab. AHbeiter- Sanger-Bund Verlins und Umgegend. Den Vereinen resp. deren Mitgliedern hiermit zur Nachricht, daß Herr Streitz, der Besitzer der Berliner Ressource, uns in letzter Minute die Anzahlung zurückgesandt hat, mit dem Bemerken, daß er auf unsere Anwesen- heil in seinem Lokal verzichtet, indem er befürchtet, daß die öffentliche Ruhe und Sicherheit durch uns gestört wird. 2450 C. Wolfsdorf, I. A. des Gesangvereins„Collegia". Weij- a. Bilirislh-Bierlokal von H. Eimecke, Köpenickerstr. 130. (Französisches Billard). Cittlls Cchliilillnii. Friedrich-Karl-Ufer. Donnerstag, Freitag, Sonnabend und Sonntag: je 2 große FestNorsteUmlgr« Nachm. 4 und Abends 7v» Uhr. Sämmtliche Vorstellungen sind mit verschiedenem Programm ausgestattet. Austreten sämmtlicher Spezialitäten. Reiten u. Vorführen der bestdressirten Schul- und Freiheitspferde. Nachmittags 1 Kind frei. In den Abend- Vorstellungen Circus Nttt Wasser.� Eine ländl. Hochzeit, Sensationelle Wasser-Pantomime. OW Sfiecial itfit. Die 4 WMMphe«. Alles Uebrige Plakate und Anschlag- zettel. Tischler-Uerem. Heute Abend Kellers Hofjäger(Hasenhaide): Concert, deklm. Vortrage. Nach 12 Uhr: TanzkrSnzchen. Billets sind zu haben bei den Herren Vinter, Elisabethuser 55, Krenschner, Lausitzerstr. 44. 2451 Empfehle allen Freunden und Ge- nassen, wie meiner werthen Nachbar- schaft mein 2457 Weig- a. VairW-Vierlokal. Auch ist ein Vereinszimmer zu ver- geben. Wilhelm Sendke, Writznerstr. Nr. 6. Evorabrim vom Faß empfiehlt 2492 C. Schutze, Urbanstr. 51. Vereinszimmer stehen für einige Abende in der Woche zur Verfügung. Bestes Berl. Weissbier aus der 2426 Brauerei Hilsebck A.-G. wird ohne jeden Wasserzusatz bei folgenden Berliner Schankwirthen (die große Weiße zu 20 Pf., die kleine Weiße 10 Pf.) verabreicht: Emil Köhl, Frankfurter Allee 74. Heinrich Hoffmann, Kaiserstr. 4. Ernft Magna«, Krautsstr. 18. Adolf Scholz, Kastanien- Allee 35. Meinen werthen Freunden und Gen. empfehle mein Weiss- u. Bairisch- Bierlokal. Franz. Billard, Frühstücks-, Mittags- und Abendtisch be» soliden Preisen. Hermann Liewald, 2423 Dresdenerstr. 88. Spiegel und .f Polsterwaaren.l eigener Gr. Lager, bill. Preises Fabrik. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hof parterre. Theilzahlung nach Uebereinkunft. A. Goldschmidt, Spandauerbrücke 6, am hiesigen Platze bekanntlich Größte Auswahl. Karantirt sicher brennende Tabake. Streng reelle Bedienung, billigste Preise! Sämmtliche im Handel befind!. Rohtabake und am Lager. A. Goldschmidt, Spandauerbr. 6, am Hacke'schen Markt.[746 Achtung! Lese- und Diskutirklub„Süden". Am 2. Weihnachtsfeiertage, Abends 6 Uhr, bei Gründel, Dresdrnerstrasse 116 i Gemiithlichrs Keijammrnjrin mit Tanz. Achtung! Fechmki» Kr Äftjirn. Achtung! DaS Weihnachts-VergnUgen nebst Bescheerung für Kinder findet bestimmt am 87, Deiember, Abends 6 Uhr, bei Keller, Kerg" straffe 68» statt. Um zahiretchen Besuch bittet Das Comitee. NB. Billets sind bei Freigang, Schützenstr. 18—19, und in den bekannten Arbeiter-Lokalen des Nordens zu haben. Außerdem beim Kollegen Freiwaldr, Krirzestr. 19. 2472 Freie Vereinigung der Kutscher und im Fuhr- Wesen beschäfügten Arbeiter. Weihnachts-Vergnügen am ersten Feiertag bei Reyer, Alte Jakob st raße Nr. 88. Für Frauen und Kinder groffe Urberrafchnnge«. 2481 SUfr» Anfang 6 Uhr Abends.— Entree 25 Pf."WlL Es ladet ergebenst ein Oer Vorstand. Bülowstrasse 33-37. KÖlligsIlOfs Bülowstrasse 33-37. Freitag, den 86. Dezember(S. Weihnacht« Feiertag): Grosse Matinee, veranstaltet vom ünterstützuugsv. der Maurer des Westens Berlins ausgeführt von der Kapelle des Herrn Marquardt, unter gütiger /" Mitwirkung einiger Solokräfte und des Gesangvereins„Friihlingslust", Dirigent: Herr Wuth. Anfang 12 Uhr. TWE W«ntree 30|lf. Zu zahlreichem Besuch ladet freundlichst ein Der Vorstand. Billets sind bei folgenden Herren: G. Hempel, Bülowstr. 51; K. Pauset und W. Fritzsch, Ziethenstr. 4; 91. Schultz?, Kulmstr. 27; H. Pächnatz, Bülowstr. 94; F. Erpel, Steinmetzstr. 64; W. Pankow, Bulowstr. 51; R. Schmidt, Kulmstr. 25, sowie in allen mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. 2488 Oeffentliche Versammlung her Möbeipolirer mit Frirnell am Sonnabend, den S7. Dezember 1890, Vormittag« OVe Uhr» in den».Kürgrrfälrn", Dreodenerstraße Ur. 96. Tages-Ordnnng: 1. Das Alters- und Jnväliden-Versicherunasgesetz und seine Bedeutung für die 9lrbeiter.(Referent wird in der Versammlung bekannt gemacht.) 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. 2467 Der Einberufer. A. ösfentl. AlmckechmlW der Maurer Berliks il«h Umgegekh am Sonntag, den 28. d. Mts., Vormittags lO'/s Uhr, im Eiskeller, Chausseestrasse 88, Tagesordnung: 1. Welche Lehre ziehen wir aus dem letzten Maurer- prozeß und wie organisireu wir uns in der Zukunft? Referent: Herr Keßler, Regiernngs-Baumeister. 2. Verschiedenes. Wegen der hochwichtigen Tagesordnung bitten wir um zahlreichen Besuch« 2469 Karl Weiße, Tegelerstr. 27. Grosse öffentl. Versammlung sämmtlicher am beMigttt Arbeiter Sonntag, den 23. Dezember, Vormittags 10 Uhr. bei Säger, Grüner Weg Nr. 29. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Lütgenau über das Alters- und Jnvaliden-Ver- stchcrungsgesetz. 2. Diskussion. 3. Ab- rechnung der Werkstatt- Kontrolkom- Mission. 4. Wahl einer Agitations- Kommission. 5. Bericht der Delegirten der Berliner Streik-Kontrolkommission. schiedencs und Fragekasten. 2486 Die Werkstatt-Kontrolkommiesion. Posamentiere! ' 2. Feiertag, früh 9 Uhr:"_ Grosser Frühschoppen im Arbeitsnachweis, Alte Jakobstr. 66 bei A l m s, wozu alle Kollegen hier- mit eingeladen sind. 2453 Kranken- n. Begrabniftkajse i Ban-«.Fabrikarbeiter Berlins (Eina. Hilfskasse 13.) Sonntag, 4. Januar, Vorm. 11 Uhr, im Lokal Saeger, Grüner Weg 29. Generalversammlung Tagesordnung; 2464 1. Kassenbericht.— Ä. Berichterstattung der Delegirten vom Kongreß.— 3. WaB der Krankenbesucher.— 4. Jnnett Kassenangelegcnheiten u. Verschiedenes- Die Versammlung wird pünktlich er- öffnet! Der wichtigen Tagesordnung wegen ist es Pflicht eines jeden Mu' gliedcs zu erscheinen. Der Vorstands Verantwortlicher Redakteur: Curt Vaake in Berlin. Druck und Verlag von Ma» Kabing in Berlin SW„ Beuthstraße 2. m. W. Walter. Gegründet 1818. Fernsprech-Amt 9. 9386. Zenghofstraffe 3, Versandtgeschäft für Mehl u. Hülse". srüchte. Aufträge von 3 M. an fr" Haus oder Bahnhof._ 884 Hierzu zwei Keilage"' . Beilage zum Berliner Bolksblatt. Nr. 801. Donnerstag, den 25. Dezember 1890. 7. Jahrg. 3it grünen Tannenbäumen flüstert's leise Und in die Lande brausen's laut die Glocken: Es solle jeder nach der Väter Weise Den Sinn heut neigen kindlichein Frohlocken, Sich nicht entzieh'» mit höhnender Gebärde Ter ernsten Mahnung: Frieden auf der Erde! Vom Thron des Ewigen, in lichter Hülle, Sei einst der Heiland auf die Welt gekommen, Sagt die Legende. Zwar des Zweifels Fülle, Ob dies geschehen, plagt heut selbst die Frommen, Denn blicken sie aufs Labyrinth des Lebens, So suchen jenen Frieden sie vergebens— Weihnacht! Jndeß ein Ewiges entquillt dem Borne Der alten Sage doch, und— wohl ermessen— Ist es nicht richtig, wenn im loh'nden Zorne Des Kampfes wir des Brnderquells vergessen, Der durch die Wüste christlicher Phantome Oasen tränkend fließt zu unserm Strome: Das gleiche Recht für alle Erdenbürger— Die Ideale Wahrheit, Gleichheit, Freiheit— Wie vor Jahrtausenden den röm'schen Würger Schreckt uns're Dränger heut dieselbe Dreiheit, Und wie im Alterthume ist's das Volk der Hütten, Nicht der Paläste, das dafür gestritten. Drum wenn nun heute an den Lichterbänmen Sich Eltern, Kinder, Freunde, Nachbarn drängen Und in der Zimmer festlich säubern Räumen Es wiederhallt von holden Weihnachtssängen, So können wir ein freundliches Gedenken Der alten Völkersage gleichfalls schenken. Nur ändern wir die theolog'schen Normen Vom Menschensohne, der uns zu erlösen Vom Himmel kam, in zeitgemäß'« Formen Und sagen richtig: Wir sind's selbst gewesen, Die, wenn dereinst die alte Welt bezwungen, In Sturm und Roth die neue sich errungen. A u g u st E n d e r s. Korrespondenzen und Narteinnchrichten. Magdeburg. Der Arbeiterinnenverein ist am Sonnabend poltzeilich geschlossen worden. Lutter a. K., 21. Dtzember.' Parteitag der Sozial v eu» o traten des Herzogthums Braunschweig und Umgebung •Eer Parteitag wurde eröffnet durch den Vertrauensmann von -ormiuschweig,(Seil. Stegmann, Nachm. um 2 Uhr; derselbe sprach lerne Freude und seinen Dank aus über den verhältnißmäßig guten Gesuch; 24 Orte seien durch 41 Delegirte vertreten. Was derParleitag M Halle im Großen war, solle dieser im Kleinen sein; möge er dazu dienen, das Solidaritätsgefühl der Genossen zu wecken und Zu stärken und aus Braunschweig eines der bestorganiürten Länder zu machen. Nicht nur gegenüber unser» Gegnern, sondern auch unter uns müssen alle Genossen den Ehrgeiz haben, überall die Ersten zu sein. So kommen wir vorwärts. Wir tagen hier öffent- nch und machen damit die lächerliche Verleumdung der Gegner zu Schanden. Genosse Stegmann schloß seine Ansprache mit den Worten: Vorwärts und immer Vorwärts! Es waren mehr als 2 Schutzleute im Lokal anwesend, was dach dem Vereinsgesetz nicht zulässig ist. Von einer Hinaus- weisung wurde abgesehen, in Anbetracht der Thatsache, daß die Perhandlungen blos von Vortheil für die Herren fein können. Nach dem Referate des Genosse» Niecke-Brarnschweig über Agitation und Organisation und lebhafter Diskussion wurde folgende Resolution angenommen: »Ter Parteitag beschließt, daß überall wo irgend möglich, Arbeiter» ereine oder Wahlvcreine gegründet und in allen Orten wo Lokale zn haben sind, Volksversammlungen abgehalten werden. Für die Organisation wird beschlossen, daß in allen Orten Vertrauensleute zu»vählen oder zu bestimmen sind, die mit den Vertranensleuten des Wahlkreises über alle Parleiangelegenheiten tu Verbindung zu treten haben." Ueber die fernere» Verhandlungen des Parteitages berichten wir in unserer nächsten Nummer. Der Parteitag für Pheinland und Mestfule« findet 4. Januar 1891 statt. Köln. Sechs Sozialdemokraten aus Kalk standen am 19. Unter der Beschuldigung vor dem Schöffengericht, ohne polizei- "che Erlaubniß unter freiem Himmel eine Versammlung ab- stehalten zu haben. Sie hatten sich gelegentlich des Begräbnisses «»es Parteigenossen mit bedecktem Haupte in der Nähe des {Stabes ausgestellt. Einer der Angeklagten hielt nach Beendigung der Leichenrede des Geistlichen eine Ansprache, nach deren Schluß rr eine rothe Schleife auf das Grab des Verstorbenen legte. Ter Vertheitjger führt aus. die Angeklagten hätten sich nur an dem Vegräbniye betheiligt und dazu sei doch keine polizeiliche Er- nubniß erforderlich, die Handlung sei mcht als eine Versamm- wng anzusehen. Das Urtheil lautete gegen Alle freisprechend. Unvergessen. e Weih nachtsgeschichte von A. F. Thiele. Broße Schneeflocken trieben in buntem Gewimmel voni uschweren Firmamente herab. Lautlos fügteil sich die ordneten zusaiinnen zu einer einheitlichen Masse, Felder- Wege bedeckend mit ihren weichen Körpern, ein eisiges •'m schlingend um den Kopf der hohen Unifassungs- r, welche einen düsteren Gebändekoniplex einschloß, die icholischen Höfe mit lichtem Glänze erfüllend, die ge- Zen Steiniuassen mit der Farbe der Unschuld bekleidend, lagernd vor und auf den»eisernen Gardinen" der >> Feusterche», welche in langen Fronten zum Hvnniel cstarrten, scheu hineinlugend in die dahinter liegenden >e. tiefe Stille draußen in der Landschaft, tiefes Schweigen nncrn der Anstalt. lnd doch lebte und webte es hinter Kerkermauern, doch n Menschen in diesen Räumen, warmblütige, denk- - hoffnungsfrohe Menschen, aber abgeschlossen, abgc- •n von der Außenwelt;— durch Gefängnißmauern { kein Lebenszeichen. -och horch.' Da erklingen Männcrttitte auf einem fliesen- en Flure, wicderhalleud tu dem langgestreckten Gewölbe, Iwerer Thorflügel wird geöffnet, zwei Männer treten ' äußersten Gefängnißhof. Ein Anstaltsbeamter ist es "l Mann in schlichter, bürgerlicher Kleidung. Bleich wie hnee ist sein Angesicht, leuchtend wie er seine tiefliegenden Schiveigend durchschreiten beide den Hof, schweigend der Beamte eine wohlverwahrte Seiteupforte tn der Umfafstiugsmcuier, schweigend tritt sein Begletter hinaus dte Welt. Fröhliche Weihnachten!" tönt ihm als Scheidegruß aus stunde des Beamten nach._, rohliche Weihnachten? Rasch wendet sich der Ent- um, das Gesicht des Beamten zu flxiren. War es Im Uifaer ,,UolIt»frcund" lesen wir:„Das Sozialistengesetz ist lobt! Es lebe das Sozialistengesetz! Vor uns liegt folgendes interessante Aktenstück der königlichen Kreishauptmann- schast Leipzig, welches auf uusere Leser gewiß einen tieferen Ein- druck macht, als der schönste Leitartikel es vermöchte, weshalb wir es auch an dieser hervorragenden Stelle veröffentlichen. Abschrift: Die königliche Kreishaupimannschaft, kollegial zu- sammengesetzt, hat den Rekurs, welchen der Hausbesitzer August Rebner.in Grimma gegen das seitens des dortigen Stadtraths durch Beschluß vom 7. d. M.— B 724— erlassene Verbot einer von demselben für den 8. d. M. angemeldeten öffentlichen Ver- sammlung mittelst der unmittelbar hier eingereichten Eingabe vom 9. und lü. d. M.— II. A 2677— eingewendet hat, als unbe- gründet zu verwerfen beschlossen. Ter Umstand, daß bei der Anmeldung jener Versammlung als 1. Punkt der Tagesordnung»der sozialistische Parteitag in Halle" und als Referent hierfür der Beschwerdeführer August Rebner selbst bezeichnet worden ist,»velcher unbestriltenermaße» seit längerer Zeit als sozialdemokratischer'Agitator gewirkt hat und seiner Zeit auch auf Grund von§ 28 Abs. S des Reichsgesetzes gegen die gemeingefährliche» Bestrebungen der Sozialdemokratie vom 21. Oktober 187s aus der Amtshauplmannschaft Leipzig und dem Bezirk der Amtshauptmanuschast Leipzig ausgewiesen worden ist, läßt die Annahme hinreichend gerechtfertigt erscheinen, daß der Zweck der angemeldeten Versammlung war, für das„Programm der sozialistischen Arbeiterpartei Deutschlands", dessen Anerkennung nach§ 1 der auf jenem Parteitage zu Halle beschlossenen „Organisation der sozialdemokratischen Partei Deutschlands" die eine der Voraussetzungen für die Zugehörigkeit zur Partei bildet, neue Anhänger zu gewinnen und die bereits gewonnenen An- Hänger im Festhalten an diesem Programm zu bestärken. Zu diesem Zwecke aber ist, wie aus dem Inhalte des Partei- Programms mit Nothwendigkeit sich ergiebt, der weitere Zweck mit enthalten, die für das Parteiprogramm gewonnene» und noch zu gewinnenden Personen zw Gefetze-übertretungen aufzufordern oder wenigstens geneigt zu machen. Zum Beweise dessen ist zunächst darauf hinzuweisen, daß das erwähnte Programm u. a. in Punkt 1, Abs. 3„die Verwandlung der Arrcitsmittel in Gemeingut der Gesellschaft" und in Punkt 2, Abs. 4 unter 2„direkte Gesetzgebung durch das Volk", also die Abschaffung der Privateigenthums-Rechte an den Arbeitsmitteln und der monarchischen Rechte fordert, welche mit dem Wille» derjenigen, denen diese Rechte zustehen, nicht zu er- reiche», wider den Willen derselben aber ohne gewaltsamen Ein- griff in die bestehende Rechtsordnung und ohne Begehung nach dieser Rechtsordnung strafbarer Handlungen nicht möglich ist. Daß aber jene Forderungen in der einzig und allein möglichen — nach der besiehenden Rechtsordnung strafbaren— Weise durchgesetzt werden sollen, ist in dem Parteiprogramm selbst für sämnitliche Parleiforderungen mit hinreicliender Deutlich- keit insofern ausgesprochen, als nach Punkt 2, Absatz 1 die sozialistische Arbeiterpartei Deutschlands„mit allen Mitteln de» freien Staat und die sozialistische Gesellschaft erstrebt" und bezüglich der Abschaffung des Privateigenthums a» den Arbeitsmitteln in noch klarerer und durchaus unzwei- deutiger Weise zum Ausdruck dadurch gebracht worden, daß„die Hohn, tvar es Mitgefühl, was Jenem diese Worte eingab? Gr vermochte es nicht zu ergründen; des Dienstes ewig gleichgestellte Uhr hatte jede Gefühlsäußerung ertödtet; erblickte in ein„dieitstliches" Beamtcngesicht. Ein leises Lächeln uinspielte seine Mundwinkel, mit stummein Kopf- nicken erwiderte er dm Beamtengruß. Die Pforte schloß sich hinter ihm, der Schlüssel kreischte im Schlosse in mehrmaliger Umdrehuiig, und er— stand draußen, er war— frei! Frei? Warum eilt er nicht geflügelten Schrittes davon, der Freiheit entgegen? Warum ist sein Fuß tvie festgebannt, der Blick unverwandt gerichtet ans die Bastille, oie er soeben verlassen? Das letzte Jahr seines Lebens zieht langsam an seiner Seele vorüber. Weihnachts-Heiligabend war's, wie heute, als man ihn hcratisriß aus dem Kreise seiner Fantilie, aus dem Kreise seiner Genossen, aus seinem Wirkungskreise. Ein ganzes langes Jahr hatte er hinter Kerlermaucrn verbracht in eud- losen Körper- und Seelenqualeu. Was hatte er verbrochen, daß solches Schicksal ihm zu Thcil ward? Für die Freiheit hatte er gestrebt, gekämpft für das Proletariat, int Feuer- eifer die engen gesetzlichen Schranken durchbrochen,— er war ein politischer»Verbrecher"! Unvergessen ist die Stunde, die ihn den Seinen entriß, tlnvergesscn der Tag, der ihn hinter Schloß und Riegel brachte, unvergessen, ivas er gelitten, aber unvergessen auch das Ziel, dem er selbstlos zugestrebt. Doch er? Ein Jahr ist lang— vielleicht ist er bereits vergessen, »venn auch nicht von den Seinen, doch von den Genossen in der Fluth sich drängender Ereignisse? O nein! Auch er ist unvergessen! Dort nahen sie, die treuen Genossen, um ihn willkommen zu heißen in der neu erhaltenen, zweifelhaften Freiheit, ihn, den bewährten Streiter, willkommen zn heißen, zu neuen Kämpfen für die Rechte und die Woblfahrt des Volkes. Befreiung der Arbeit", welche nach Punkt 1, Abs. 3„die Ver- »vandlung der Arbeitsmittel in Gemeingut der Gesellschaft er- fordert", nach Punkt 1, Abs. 4„das Werk der Arbeiterklasse sein muß, der gegenüber alle andern Klassen nur eine reaktionäre Masse sind." Und schließlich ist zu betonen, daß der an der Spitze des Parteiprogramms und als Grundlage für die sozial- demokratischen Forderungen aufgestellte Satz, nach welchem„der Gesellschaft, d. h. allen ihren Gliedern, das gesammle Arbeits- Produkt gehört", also nicht etwa nur für die Zukunft der Ueber- gang des Eigeitthums an den Arbeitsprodukten auf die Gesell- schast aus Gründen der Zweckmäßigkeit angestrebt, sondern viel- mehr ein bereits in der Gegenwart bestehendes Eigenthumsrecht der Gesellschaftan sämmtlichen-Arbeitsprodutten behauptet und folge- richtig die Rechtsmäßigkeit der diesem angeblichen Rechte der Gesell- schast entgegenstehenden, durch die gegenwärtige Rechts ordnung jedoch geschützten Privat- Eigenthumsrechte bestritten»vird, in hervorragendem Maße geeignet ist, die Anhänger des Parteiprogramms zu der nach diesem Programm als einseitige Thal der Arbeits- klaffe und demzufolge nach der bestehenden Rechtsordnung straf- baren Beseitigung der Privat- Eigenthumsrechte geneigt zu machen. Hiernach war das im Wege des Rekurses angefochtene Verbot ans Grund der Bestimmung in§ 5 des Gesetzes, das Vereins- und Versammlungsrecht betreffend, vom 22. November 1850 durchaus gerechtfertigt. Der Stadtrath zu Grimma wird bei Rückgabe der Bei- lagen seines Berichtsbeschlusses vom 14. und 15. d. M. veranlaßt, den Hausbesitzer August Rebner demgemäß auf seine ein- gangs bezeichnete und nunmehr zu den Jnstanzakten zu nehmende Eingabe zu bescheiden und mit dem erhobenen Rekurse abzu- weisen. Leipzig, am 20. November 1890. An den Königl. Kreishauptmannschaft. Stadtrath zu Grimma.(gez.) von Ehrenstein. «» « Auch in den letzten Tagen haben wir bei den sächstsche» Grmeinderaths Wahle» Erfolge errungen, so in Hilders- dorf bei Chemnitz, ,vo»vir eine große Majorität zu ver- zeichnen hatten. Auch in Reich enbrand bei Chemnitz siegte bei den Gemeinderaths-Wahlen die sozialdemokratische Liste, »velche sogar aus den Ansässigen sich zwei Gutsbesitzer auswählte, die auch zum Siege gelangten. Die..Dfälzer-Ztg.", ein Bourgeoisblatt vom reinsten Wasser, hatte die Dreiffigkeil gehabt, gegen den Genossen Singer die alten Lügen, wegen welcher die„Staatsbürger-Ztg." hier seiner Zeit an den Pranger gestellt und verurtheilt wurde, zu wiederholen. Aber Lügen haben kurze Beine und so sah sich denn das Kapitalistenorgan zu folgender de- und wehmüthigen Abbitte gezwungen: Die Str. SuO der„Pfälzer Ztg." brachte unter Berlin eine Korrespondenz,»velche sich neben Angriffen auf die Führer der Sozialdemokratie, speziell mit dem Abg. Herrn Paul Singer be- schäftigte. In dem Artikel»var behauptet, daß Herr Singer, der Inhaber eines großen Geschäfts, seinen Mäntelnäherinnen einen Tagelohn von 60— 80 Pf. zahle; daß er ferner den Arbeiterinnen, Das ist ein freudiges Wiedersehen, ein herzliches Will- kommen! Im innigen Drucke finden sich die harten Hände der Männer der Arbeit und aus aller Augen leuchtet ihm das selige Bewußtsein entgegen: Unvergessen! Doch nun hält ihn nichts länger hier zurück. Gern folgt er dm Genossen. Doch der Weg zur Stadt ist weit, vald hat das Tagesgestirn vollendet seinen Lauf, und so schreiten sie denn fürbaß die verschneite Landstraße entlang. Tief allfathmend trinkt er in vollen Zügen die scharfe Winterlust, nett belebt sie seine geschwächten Kräfte, die ge- bleichten Wangen beginnen sich leicht zu röthen und das Herz entflammt in alter GUlth bei den Erzählungen der Genossen von den Geschehnissen des letzt vergangenen, für ihn so prüfungsrcichcn Jahres. Bereits dunkel ist es geworden, als der Genossen Schaar die Stadt erreicht. In den Straßen herrscht ein weihnachtliches Gedränge. Die ausgelohnten Arbeiter eilen, noch schnell ihre kleinen Weihliachtseinkänse zn besorgen; Alles hastet durch- einander. Jeder mit sich selbst beschäftigt, Niemand achtet des Heimkehrmden und auch seine Gedanken weilen wo anders. Fast ivillenlos folgt er den ihn führenden Genossen durch den Trubel der Straßen. Sie führen ihn an einen gastlicheren Ort, als der ist, den er verlassen. Noch gilt es, das Wiederschen durch einen Willkommenstrunk zu feiern. Bald sitzen sie im warinen Gastzimmer bei einem Genossen zusammen, hell klingen die dampfenden Gläser aneinander und werden geleert auf das Wohl des Wiedergewonnenen, auf das Wohl der guten Sache, der sie alle dienen. Und immer mehr vergrößert sich der Freundeskreis, alleinstehende Genossen sittden sich ein, den Weihnachtsabend im gemüth- lichen Beisammensein zn feiern. Und alle, alle heißen ihn, den so lange Entbehrten, mit gleicher Herzlichkeit will- kommen, ihm zeigend, daß auch bei ihnen er unvergessen ist. Die Beweise der Frenitdschaft, der untrennbaren Zu- sammengehörigkeit, sie thun ihm wohl, ganz giebt er sich welche i»lt diesen» Lohne nicht auskämen, die Prostitution einpfohlen habe. Wir erfüllen einen Akt der Gerechtigkeit, wenn wir auf die Angelegenheit heute nochmals zurückkommen, um, geleitet von dem Wunsche, diese wie uns nachgewiesen, unwahren und deshalb Herrn Singer um so schwerer beleidigenden Ve- Häuptlingen, richtig zu stellen, solgende Erklärungen abzugeben. Herr Paul Singer ist seit drei Jahren aus der Firma ausge- schieden und hat keinerlei Beziehungen zu derselben mehr. Was nun den Tagelohn von CO bis&0 Pf. anlangt, so ist diese Angabe unrichtig; auf Tagelohn ivurde in dein Geschäft überhaupt nicht gearbeitet, sondern die Näherinnen wurden von den für die Firma arbeitenden Schneidermeistern beschäftigt. Nach gerichtlicher Feststellung betrug der wöchentliche Verdienst einer von den für das Geschäft arbeitenden Meistern beschästiaten Näherin 10—12 M. Hinsichtlich der Aeußerung über die Pro- stitution gehen unsere Ermittelungen dahin, daß Herr Singer diese Aeußerungen nicht gcthan hat. Eine dein Sinne nach ähn- liche Aeußerung ist allerdings in dem Geschäft einmal gefallen, aber in ganz anderem Zusammenhang und von einer anderen Person, doch auch bezüglich dieser Aeußerung steht es fest, daß niemals geschäftliche Prinzipien oder Handlungen, welche etwa dieser, von dem Hörer selbst als„Redensart" bezeichneten Aclißerung entsprachen, Platz gegriffen haben. Wir freuen uns, daß es uns gelungen, einmal Klarheit in diese Angelegenheit gebracht zu haben, welche wahrlich der Aufklärung bedurfte. Selbstredend sind mit gegenwärtigem Artikel auch alle Kousequenzen, die aus demjenigen in Nr. 300 unseres Blattes gezogen waren, haltlos geworden. Es thut uns leid, daß wir Herrn Singer unbewußt Unrecht gethan und freuen uns, daß wir nun auch in der Lage sind, durch diese Zeilen dazu beitragen zu können, die Unrichtig- keit einer vielfach verbreiteten, und infolge dessen auch geglaubten Ansicht fepzilstellen." Uolterles. Um t'xut ot-dnuttgamiikige Bestellung der Briefe in Berlin zu dein bevorstehenden Jahreswechsel zu erreichen, ist es erforderlich, daß in den Aufschristen der Stadtbriefe nicht nur die Wohnung des Empfängers genau nach Straße, Hausnummer und Lage(ob eine Treppe, zwei oder drei Treppen), sondern auch der Postbezirk(C.. 0., S., W. u. s. w.), in welchem die de- treffende Wohnung belegen ist, außer dem Ortsnamen„Berlin" oder der Bezeichnung„hier" deutlich angegeben werde. Da nur auf diese Weise eine möglichst pünktliche Bestellung der zur Auf- lieserung gelangenden Briefmassen erzielt werden kann, so würden sich die Absender von Briefen mit mangelhafter Aufschrist etwaige Verzögerungen in deren Zustellung selbst zuzuschreiben haben. Mit dem Ablauf dieses Jahres verjähre»: 1) Alle im Jahre 1883 entstandenen Forderungen der Fabrikunternehmer, Kaufleute, Krämer, Künstler und Handwerker für Waaren und Arbeiten, sowie wegen der an ihre Arbeiter gegebenen Vorschüsse, ingleichen der Apotheker für gelieferte Arzneimittel. Ausgenommen hiervon sind solche Forderungen, welche in Bezug auf den Giverbe- betrieb des Empfängers der Waare oder Arbeit entstanden sind; der öffentlichen und Privatlehrer hinsichtlich der Honorare, der Fabrikarbeiter, Handiverksgesellen, Tagelöhner und anderer ge- wöhnlichen Handarbeiter wegen rückständigen Lohnes, der Fuhr- leute hinsichtlich des Fuhrlohnes und Frachtgeldes, sowie ihrer Auslage», endlich der Gast- und Speisewirthe für Wohnung und Beköstigung. 2) Die im Jahre 1886 entstandenen Forderungen der Kirchen, der Geistlichen und anderer Kirchenbcamten, ivegen der Gebühren für kirchliche Handlungen aller derjenigen Personen, welche zur Besorgung bestimmter Geschäfte öffentlich bestellt oder zugelassen sind, oder sonst aus der lieber- nähme einzelner Arte» von Aufträgen ein Gewerbe mache», der Haus- und Wirthschaftsbeamten und Handlungsgehilfen und des Gesindes an Gehalt, Lohn und andern Nedeneinkünsten (EmolumeiUen), der Lchrherren hinsichtlich des Lehrgeldes, wegen der Rückstände an vorbeduugenen Zinsen, an Mieths- und Pacht- geldern, Besoldungen, Alimenten, Renten und allen ander», zu bestimmten Zeiten wiederkehrenden Abgaben und Leistungen, es mag das Recht dazu im Grundbuche eingetragen sein oder nicht; die Ansprüche aus Erstattung ausgelegter Prozeßkosten von dem dazu verpflichteten Gegner. Die Verjährung wird durch Aner- kenntniß, nicht aber, wie vielfach geglaubt wird, durch Mahnung unterbrochen. Schließlich bringen wir noch in Erinnerung, daß nach der jetzt giltigen Prozeßordnung eine Einreichung der Klage oder des Gesuchs auf Erlassung des Zahlungsbefehls bei Gericht allein die Verjährung nicht unlerdricht, sondern die jZustelliing der Klage oder des Zablungsbefehls an den Schuldner muß vor Ablauf der Verjährungsirist erfolgt sein. Der Polifeiprästdent erläßt folgende Bekanntmachung: „Von verschiedenen Seiten ist mit Recht darüber Klage geführt worden, daß in der Sylvesternacht vielfach durch Schießen, Johlen, Hutantreiben> nd dergleichen grober Unfug verübt wird. Ich nehme deshalb beim Herannahen des Jahresichlusses Veranlassung, das Publikum vor der Vernbung derartigen Unfugs dringend zu warnen, und mache besonders darauf aufmerksam, daß die von den Aiisstchtsbeamten eingereichten Anzeigen über etwaige Ueber- tretungen nicht im Wege der vorläustgen Straffestsetzung er- ledigt, sondern vom Polizeipräsidium der Königlichen Ämtsanwalt- schaft zur weiteren Verfolgung werden übermittelt werden. Im vergangenen Jahre sind 124 Personen zu Geldbußen im Einzel- der gehobenen Stimmung des Augenblicks hin, doch noch kann er nicht völlig froh werden, noch bedrückt eine schwere Last sein Herz und eine tiefe Falte durchfurcht seine Stirn. Deshalb duldet es ihn nicht im Kreise der Genossen, so gerne er auch bei ihnen verweilte; und als er sich nun hastig verabschiedet, da hält ihn Niemand zurück, fragt Niemand; Wohin? Ein Jeder ahnt es, ein Jeder weiß es: Zu seiner Familie! Und wieder fleht er auf der Straße und arbeitet sich durch das Gedränge, seiner Wohnung zustrebend. Vereinzelt ist schon in Wohnungen der Weihnachtsbaum entflamnit, welcher glückliche Menschen um sich vereinigt. Und wie er die Kerzen Freude verkündend durch die Fenster funkeln sieht, da krampst sein Herz zusammen in wildem Weh! Er gedenkt des vorigen Weihnachtsfestes, das seine Lieben in Kummer und Leid verbracht; kein Weihnachtsbaum ergoß sein mildes Kerzenlicht über den üblichen kleinen Gabentisch, und heute? Wer wird ihnen heute den Weihnachtsbaum entzünden? Klopfenden Herzens strebt er seiner Wohnung zu. Wie wird er sie wiederfinden, seine Thcuren, die er in Kummer und Leid zurückgelassen? Wohl hat er schwer gelitten, doch haben sie nicht noch mehr gelitten? Er weiß, daß sein Schicksal sein braves Weib, die treue Genossin in Freuo' und Leid, aufs Kraukenbett geworfen, sie noch elender gemacht hat, als sie schon war. Wer hat die Noth von ihnen fern gehalten, von seiner Frau, seinen Kindern, da seine Arbeitskraft ihnen fehlte? Sie haben gearbeitet, gedarbt, gehungert vielleicht! Wer wird für sie sorgen? Zwar hat er Verwandte, einen Bruder in der Stadt, — doch ach! Menschen, die durch Bande des Blutes zu einander gehören, stehen sich oft im Leben am fremdesten gegenüber. Zudem ist jener reich, ein Bourgeois, ivas hat er mit dem Proletarier, mit dem geächteten ge- mein? Was scheert ihn Weib? Was scheert ihn Kind?— Laßt sie betteln gehen, wenn sie hungrig sind! falle bis zu 75 Mark eventuell 10 Tagen Haft und 68 Personen zu Haftstrnfen, im Einzelfalle bis zu 10 Tagen verurthcilt worden." Ei» i» Kerli» ansässiger Uro fr Isar und sehr bekannter Reisender theilt der„Nat.-Ztg." den nachfolgenden Briefwechsel zwischen ihm und der königl. Thiergarten-Verwaltung zur Ver- öffentlichung mit und knüpft daran einige Fragen, denen wir ebenfalls Raum geben. 1. Berlin W., 18. 12. 1890. An die Verwaltung des königl. Thiergartens hier. Hiermit erlaube ich mir die gehorsame Anfrage, ob mir die Verwaltung deS königl. Thiergartens gestattet, im Thiergarten photographische Aufnahmen zu machen. Ich bin ausschließlich Liebhaber-Photograph, meine Bilder werden nie in den Handel kommen, ich beabsichtige auch nicht etwa Gruppen von Schlittschuhläufern oder dergl. aufzunehmen, sondern ich möchte nur bei günstigem Licht Ausnahmen von landschaftlich schönen Punkten des jetzt beschneiten Thiergartens machen. Ihrer geneigten Antwort entgegensehend, habe ich die Ehre zu zeichnen als Ihr ergebenster Dr.—— Hierauf erhielt ich folgende Antwort: IL Ministerial-Militär- und Bau-Kommission. Verlin, den 20. Dezember 1890. Auf die Anfrage vom 18. d. M. erwidern wir Ew. Wohl- geboren eraebenst, daß die Erlaubniß, im Thiergarten photo- graphische Aufnahmen zu inachen, nicht ertheilt werden kann. Königliche Thiergarten-Verwaltung. —(unleserlich). III. Ich enthalte mich nun jeden Kommentars und erlaube mir nur folgende Fragen: 1. Ist Malen und Skizziren im Thiergarten ebenfalls ver- boten? 2. Was würde einein Photographen geschehen, der ohne Er- laubniß der Thiergarten-Verwaltung oder gegen deren Ver- bot dort photographiren wollte und in ttagranti abgefaßt ivürde? 3. Könnte die Verivaltung des königlichen Thiergartens dem Publikum eines Tages das Reiten, Lustwandeln, Luflschnappen, Naturkneipen— Vergnügungen, die doch sicher ebenso harmlos sind, wie Zeichnen oder Photographiren— verbieten? 4. Auf welches Recht stützt sich die königliche Ministerial- Militär- und Bau-Kommission bei solchen Verboten? Der 15 000. Lernsprech A«sch!ntz ist am 17. d. Mts. in Berlin hergestellt worden. Der 10 000. ward am 18. April 1889 dem Betriebe übergeben. Es hat sich mithin in der kurzen Zeit von eindreiviertel Jahren die Zahl der Abonnenten um fünfzig Prozent erhöht. In keinem anderen Orte Europas hat sich eine so rapide Entwickelung gezeigt, und die Berliner Fern- sprech-Anstalt nimmt weitaus die erste Stelle ein. Es ist dies ein charakteristisches Zeichen für das mächtig pulsirende Leben in der Hauptstadt des Deutschen Reiches. Daß es sehr großer An- strengungen der Verwaltung bedurft hat, um diesen raschen und außerordentlichen Anforderungen der Verkehrswelt zu ge- nügen, liegt auf der Hand, zumal die Anlagen und der Betrieb naturgemäß mit der Vermehrung immer schmieriger wurden. In dieser Hinsicht ist es von der größten Bedeutung, daß die An- tage des unterirdischen Fenisprechnetzes vom Neichs-Postaint rechtzeitig in Angriff genommen war. Dasselbe ist jetzt fertig- gestellt, mit einem Kostenaufwand von nahezu zwei Millionen Mark. Die Gesammtlänge der unterirdischen Leitungen beträgt über vier Millionen Meter; das Gesauuntgewicht der verlegten je 28aderigen Kabel 416 822 kg; die Gesammtlänge der guß- eisernen Röhren, in denen die 5iabel sich befinden, 42 000 in, und das Gewicht dieser Röhren 41/» Millionen Kilogramm. Die Zahl der Leitungen kann durch Einziehung neuer Kabel in die Röhren jederzeit mit Leichtigkeit vermehrt werden, zu welchem Zweck 522 Kabelbrunnen in den verschiedensten Stadttheilen auf- gemauert sind. Mit dieser großartigen Anlage besitzt Berlin jetzt das solideste und vollkoniinenste Fernsprechnetz auf der ganzen Erde. Urbrr seine Erfahrunge» i» einer Kerliner Urivat- kli»ik macht Herr Pauor Seelmann auf Ristow bei Schlawe der„Berk. Ztg." zufolge beachtenswerthe Mittheilunaen. Der Pastor, welcher seit Jahren an Lungenkatarrh leidet, hatte sich an Geh. Rath Koch gewandt und erhielt darauf nach 3 Wochen von Dr. Cornet eine Postkarte mit dem lakonischen Inhalt: „Können kommen". Sein Hausarzt, Kreiöphysikus Dr. Hennig, konnte zufälliger Weise den Pastor nach Berlin begleiten.'Dieser fand nach manchem vergeblichen Versuche. Dr. dornet selbst zu sprechen, schließlich in einer zweiten, von diesem eingerichteten Privatklinik Unterkunft:„Zwar erschrak ich über die Höhe des Preises, den ich für die bloße Pension pro Tag zu zahlen hatte, ohne das ärztliche Honorar— aber ich stand ja nun an der Schwelle der Genesung,— da mußte die Sorge um die schwere Geldsrage zurücktreten. Mein Zimmer mußte ich mit einem Patienten theilen.„Zimmer?" sagte ich? Eine kleine elende Kammer war's mit ganz kleinem Fenster oben an der niedrigen Decke, angefüllt mit einer Luft, die das Athmen erschwerte. Und nun der Patient, mit dem ich diesen entsetzlichen Ort theilen sollte! Ein junger Mann im höchste» Stadium der Schwindsucht. Als ich ihn '"' i Ja, lieber betteln, ruft er laut, seinen Gedanken Aus- druck gebend, als von ihm ein Almosen! Seine Kinder kennen ihren Onkel nicht, er hat nie nach ihnen, nach ihm verlangt. Fremde stehen seinem Herzen näher, als er, als seine Familie. Zwar reicher ist Jener, wie er, ob aber auch so glücklich? Und glücklich ist er nun wieder, trotz alledem! Denn er ist ihnen wieder nahe, wieder bei ihnen, die er über Alles liebt, die er für alle Schätze der Welt nicht tauscht. Nun kann er wieder arbeiten, nun ist er wieder frei, nun mag es sein, nun mag es kommen, wie es will! Und getrieben von diesen Gedanken stürmt er die Treppen hinauf, die zu seiner hochbelegenen Wohnung führen. Doch oben hat man seiner schon in banger Sehnsucht ge- harrt, seinen eilenden Tritt � gehört und ans der letzten Treppe stürzen ihm schon seine drei Kinder mit Freuden- rufen entgegen, sich an ihn hängend, ihn umschlingend, ihn nimmer lassend. Und da erscheint auch sein trautes Weib und sinkt ihm weinend in die Arme, und zieht ihn sanft hinein in die Wohnung, in die zunächst belegene Küche. Und wie er ihr in die thränenfenchten, glückstrahlenden Augen schaut, ihren innigen Kuß erwidernd; wie er den Jubel oer Kinder sieht ob seiner Heimkehr, da sieht, da weiß er, daß er auch hier unvergessen ist, daß die Herzen der Seinen in treuer Liebe an ihni hängen. Ueberwältigt von der Macht des Wiedersehens, ist er unfähig, zu sprechen. Aber sein Blick spricht mehr als Worte, er spricht in stummer Herzenssprache die bange Frage:„Wie ist es Euch ergangen? Was habt ihr erduldet, gelitten?" Und die Sprache der Liebe findet ein vcrstäudnißvolles Gehör. Die Frau versteht sie wohl, doch lächelnd winkt sie ab. Saust nimmt sie den Gatten bei der Hand und führt ihn in die Stube. Und in die Rufe jubelnder Freude der Kinder mischt sich das sprachlose Erstaunen des Vaters, des Mannes. Denn ihm entgegen strahlte ein buntgeschmückter fragte, ob er denn bei seiner Aufnahme in diese Klinik nicht von Dr. Cornet eingehend untersucht worden wäre, verneinte er es. Dr. Cornet komme nur alle Tage einmal, gegen 5 Uhr Abends, prüfe die Fiebertabelle und spritze ein oder unterlasse es, je nach Befund. Sein Assistent besuche täglich einmal im Laufe des Nachmittags die Patienten und wechselte mit ihnen einige Worte, weitere ärztliche Hilfe werde ihnen nicht zu Theil. Meine Hoff- nung gerieth ins Wanken. Da, es war 6 Uhr Abends, klopfte man, und Dr. Cornet mit einem Assistenten trat ein. Er reichte dem Kranken die Hand, ich nannte ihm meinen Namen, er prüfte die Fiebertabelle, die nach der gestrigen Einspritzung hohen Stand aufwies, und sagte:„Heute iverde ich Ihnen keine Ein- spritzung geben."„Auch Ihnen nicht, Herr Pastor," wandte er sich an mich,„sondern wohl erst morgen."„Werden Sie mich nicht vorher untersuchen, Herr Doktor?" fragte ich.„Das ivollen wir noch sehen," erwiderte er und ging. Mit diesem Besuche schivand ein großer Theil meiner Illusionen, und meine Stimmung wurde immer trüber. Da— es war fast 10 Uhr Abends— öffnete sich die Thür unserer Kammer, und mein treuer Dr. Hennig trat ein, um nach mir zu sehen. Als ich ihm meine Erlebnisse initgetheilt hatte, gab er seiner Entrüstung recht kräftigen Ausdruck.„In dieser Bude dürfen Sie keine Stunde mehr bleiben, da werden Sie erst recht krank; es ist unerhört, wie man Sie, Herr Pastor, mit einem Phthisiker in» letzten Stadium ziisammensperren kann!" Dr. Hennig bestellte seinen Landsmann alsdann auf den 10. Dezember, früh 8 Uhr in die Charitee. Dort untersuchten ihn ein Assistent von Gerhardt und Herr Prof Leyden. Beide riethen dem Pastor, da die Krankheit bei ihm noch unbedenklich sei, von jeder Ein- spritzung mit Koch'scher Lymphe so lange abzusehen, bis die Er- sahrungen auf diesem Gebiete zu wissenschaftlicher Klarheit ge- langt seien. Es wäre ein Unglück, daß Taufende von Kranken aus der Ferne schon jetzt nach Berlin zusanimenströinlen, wo sie nnr durch kaum enchivingliche Geldopfer Unterkunft und ganz ungenügende ärztliche Behandlung erhalten könnten. Es wurde dem Pastor der Rath gegeben, Berlin wieder zu verlassen und etwa mit Eintritt wärmerer Jahreszeit in der Provinz i» ein giltes Krankenhaus zu gehen, das von einem gewissenhaften Arzte geleitet würde, der das Koch'sche Verfahren in Berlin gründlich studirt hätte. Man wird allgemein gut rhun, die Ersahrungen dieser erfolglosen Reise zu beherzigen. Wie dein Pastor, so ist es zahllosen Patienten ergangen. Zur Warnung für Schankmirtlie fei Folgendes mit- getheilt: Der Schreiber Wilanowsky, welcher früher im Ge- werbeburean des Magi irats beschäftigt war, ist dort wegen Unordnung entlassen worden. Wilanowsky hatte während seiner früheren Thätigkeit Gelegenheit, die Adressen solcher Schankwirthe, die nm Konzessionen eingekommen waren, kennen zu lernen. Diesen Schankwirthe» macht W. jetzt nach seiner Entlassung Besuche und erzählt ihnen, daß ihm die Bearbeitung dieser Kon- zesiionsgesuche obliege und er wesentlichen Einfluß auf das Schicksal dieser Gesuche ausüben könne. Beiläufig läßt er dann die Be- merkung fallen, daß er in augenblicklicher Geldverlegenheit sei, und in zahlreichen Fällen haben sich die Schankwirthe, um diesen angeblich einflußreichen Fürsprecher für ihre Konzessionsgesuche zu geivinnen, dazu verstanden, dem Betrüger Darlehen zu gewähren. Regelmäßig hat sich Wilanowsky überdies aus den Restaurationen entfernt, ohne Speisen und Getränke zu bezahlen. Man schreibt der„Doff. Ztg."' aus Zpandau: Wie bereits mitgetheilt ist, bietet die Eisbahn auf der Oberhavel von hier bis Valentinswerder und auf dem Tegeler See keine Gefahr, sofern sich die Schlittschuhläufer auf den vermerkten Bahnen halten. Anders verhält es sich auf der Oberhavel nach Heiligen- see und Nieder-Neuendorf. Wer nicht Bescheid weiß, bleibe, da bei dem tiefen Schnee und den zahlreichen offenen Stellen die Gefahr groß ist, von dieser Bahn weg. Vor einer anderen sonst viel be- suchten Bahn ist ebenfalls sehr zu warnen. Es ist die auf der Unterhavel von Weinmeisterhorn oder Schildhorn nach Potsdam. Noch zu Anfang des jetzigen Frostwetters haben Dampfer das Eis der Havelseen durchbrochen. Außerdem ist das Wasser jetzt gefallen und die Stromrichtung nicht so genau bei dem Schneo zu erkennen. Zur Krann'schen Mordaffaire erhält der„L.-A." in Nachstehendem noch einige Mittheilungen, welche das bereits Mitgetheilte noch mannigfach ergänzen: Das Belastungsmaterial gegen die Heintze'schen Eheleute war von dem Kriminalkommissar HerrBraun gleich nach der Festnahme derVerdächtigen im Herbst 1887 in so umfangreicher Weise gesammelt worden, daß der mit der Untersuchung beauftragte Landgerichtsrath Herr Hollmann von der Schuld des Ehemannes H. fest überzeugt war und die Er« Hebung der Anklage, wenigstens gegen den H., für sicher hielt. Um so mehr war man überrascht, als die Erhebung mangels ausreichenden Beweismaterials nicht erfolgte. Als dann die Akten der Kriminalpolizei wieder zugestellt wurden, gab Herr Kommissar Braun offen und freimüthig die Erklärung ab, daß er nach etwaigen anderen Personen, die den Mord vollführt hätten, nicht zu suchenbrauche, denn Niemand anders als dieHeintze- schen Eheleute seien nach seiner Ueberzeugung dieThäter. Heinye, einer der gefährlichsten Zuhälter, ist nun nach seiner Freilassung aus Denunziation seiner eigenen Ehefrau bereits zweimal unter den- selben Verdachtsmomenten wieder verhastet worden, mußte aber jedesmal wieder entlassen werden, nachdem sich herausgestellt hatte, daß die Denunziation der Ehefrau aus Rache wegen Mißhand- lung erfolgt war. Herr Kommissar Braun wußte aber sehr gut, daß diesen Denunziationen der Ehefrau etwas Wahres zu Grunde Weihnachtsbaum, und auf weißgedecktem Tische lagen Liebes- gaben für ihn und seine Familie! Und als er endlich seiner Bewegung Herr geworden und fragen konnte: Woher? Da warf sich weinend sein Weib an seine Brust, und unter Thränen lächelnd sprach sie: „DaS ist der Dank der Genossen, die Dich nicht ver- gessen! Sie haben Dir diese Weihnachtssreude bereitet, uü> Dich zu entschädigen für das, was Du gelitten für das, mo- für Du gestritten, für die gemeinsame große Sache! Auch uns haben sie nicht vergessen, sie ließen uns nicht untergehen, denn ohne ihre Hilfe wären wir verloren gewesen." Afw mit der Hand wies sie hin auf den Christbaum, dessen zwei sich kreuzende rosig schimmernde Fähnlein schmücktcü mit den leuchtenden Inschriften:„Solidarität— Humanität\" Und traumverloren haftete sein Blick fest an diesen Worten. Solidarität! Humanität! O, jetzt hatte er den Sinn dieser Wörter recht erfaßt, jetzt wußte er sie recht zu deuten! Und wieder klang ihm der Abschiedsgrnß des GefäUg' niß-Beamten ins Ohr: Fröhliche Weihnachten!„ Ja, das waren fröhliche Weihnachten! So war flfly Wunsch thatsächlich in Erfüllung gegangen durch Solidarität, Humanität, diese Alles besiegenden Waffen des Proletariat-' Und der Weihnachtsfrieden senkte sich vorübergehend auch auf diese arme, glückliche Familie! Vergangenheit und Zukunft, sie traten für kurze Z«» zurück vor der so schönen Gcgenivart; allerdings nur!" kurze Zeit, denn dem Proletarier erblüht selten nur, u»° dann auch nur ein kurzes Glück. lind so legte sich sehr bald wieder auch hier der NM' thau der Erinnerung auf die junge, kaum entfaltete Glücks- blume, dieselbe mit seinem Gifte zerstörend. Unvergessi" blieben die Leiden der Vergangenheit,— unvergessen auch die Pflichten der Zukunft! tag, und in aller Stille operirte der gewandte Kriminalist nach den verschiedensten Richtungen weiter. In dieser schweren und aufreibenden Thatigkeit stand dem imermiidlichen Beamten die Unterstützung des Kriminal- Inspektors Herne von Mcerscheidt- Hüllessem zur Seite, der gleichfalls nie die Hoffnung aufgegeben hatte, die Mörder des Braun zn ermitteln. Es ist eine bekannte krimi- nalistischeErfahrung. daß, falls bei einem Morde mehr wie cinePerson thalig gewesen, die Thäter, und sei es erst nach vielen Jahren, doch ermittelt werden, und auf diese Erfahrung stützten sich beide Bc- anite, und ihre Zlusdmier gicbt auch die Hoffnung, daß es in den Mordaffären Rösc, Meißner und Wende gleichfalls doch noch ge- lingen werde, die Thäter zur Rechenschaft zu ziehen. Die LolenlKimmifftow von Lriedenou macht nachstehend diejenigen Wirthe bekannt, welche ihre Säle den Arbeitern zu allen Versammlungen unentgeltlich zur Verfügung stellen: I.Kur- Haus(Spreniberg), Rhemstraße; 2. Frenkel's Gesellschaftshaus, Rheinstrahe 8. Das„Berliner Volksblatt" liegt bei folgenden Wirthen aus: l. Kurhaus(Spremberg); 2. Frenkel's Gesellschaftshaus; 3. Restaurant Kühne, Lautersir. 1; 4. Restaurant Gordan, Lanterstraßen- und Schmargendorferstrahen- Ecke b. Restaurant Schlüter, Rheinstr. I. Konfiskation! Das soeben erst im Verlage von I. H. W. Dietz in Stuttgart erschienene Sozialdemokra- tische Liederbuch, herausgegeben von Max Kegel, wurde auf Beschluß des Königliche» AmisgerichtS I., Abth. 84, vom 20. Dezember er., heute in unserer Expedition beschlagnahmt. Jnkriininirt sind:„P r o l e t a r i e r l i e d" und„?lrbeiter« Feldgeschre i".— Eine ebensolche Konfiskation fand in der Berliner Arbeitcr-Buchhandlung von R. Baginski, Dresdenerstraße 52/53, City-Passage, statt. Es wurden 06 Exemplare be- ichlagnahmt.— Außerdem ivird uns gemeldet, daß in der Buch- Handlung von Max Artelt, Georgenkirchsiraße 65, ebenfalls eine Konfiskation stattfand. Es wurden gefunden ung beschlagnahmt: t. sozialdemokratisches Liederbuch von Max Kegel, 2. 6 sozialdemokratische Liederbücher, 12. Auflage, London 1889.— Bei dem Spediteur C. Marzahn wurde ebenfalls gehaussucht. jZrllr-Aliianre-Tffeatev. Schla g auf Schlag. Posse mit Gesang in 4 Akten von L. Hermann und Franz Wallner, mit Benutzung eines französischen Stoffes. Ein toller Blödsinn ist es, den die Verfasser dieser Novität des Bellc-Alliance-Theaters zurechtgebrant haben. Wechselseitige Ohrfeigen gaben dem Ding meent er, sei doch human!" Ach wat, komm mal» rin Du olle Nulpe, Dir werde ick Moritzen kennen lernen"—»n däbei kriegt sie ihn hier oben an'n Rock zu fassen un zieht ihn rin.„Wat wollen die Beeden, det sind wohl Deine Saufkumpaue? meent sie, wobei sie uf uns zeigt. K... lachte un jing die Treppe runner; er meente, det ihm der Appetit»f den Nordhäuser verfangen wäre, ick jing aber mit rin, indem ick mir als Familienvater des»ich jefallen lassen konnte von wcjen die Mächenskueipen. Als ick rin bin, schlägt Frau V. die Dhiere zu, det det jauze Haus zittert un jeht in die Küche. B. un ick, ivir kicken uns an un ick saje: Menschenskind, Du scheinst aber derbe verheirathet zu sind, ick will man wieder jehn.„Ick jehe mit," sagt er leise,„die Olle is jiftig un det is ja'ne bekannte Jeschichte, ivenn die Weiber waschen, müssen die Männer Leine ziehn." Wir wollen jerade wieder jehn, da kommt Frau B. noch wieder rausjestürmt wie'ne Furie.„Hierjeblieben! un ver- anworte Dir, Du oller Kribbensetzer!" schreit sie ihren Mann an. Dabei hält sie ihm so'n Paar uafsesim injeseeste Hand-Mauschetten vor die Oojen un suchelt damit hin un her. Du insamigter Ehebedrieger, wat steht hier? Wat Du mit die Menscher ver- prassen dhust, det schreibst Du noch uff de Manschette? Hier steht: Zeche Marie 9 M. un Zeche Else 8 M. 50 Pf.? Wo sind die Frauensleite?— Mein damaliger Freund, der stammelt wat zurechte und kriegt vor lauter Angst nischt raus. Ick aber saje: Frau B. sage ick, im jeht mir'n Seesensieder uff, Ihr Mann is unschuldig. Wat? schreit Sie, Sie ivollen den schlechten Kerl noch in'n Schutz nehmen? Nn dabei haut sie ihn mit die nassen Manschetten immerzu rechts un links um die Ohren. Det konnte ick uu»ich länger mit ansehen, ick fasse ihr so an den Arm un erkläre ihr, det det keene Wirthshauszechen sind, sondern Kohlen- zechen, die Marie nn Else Heeßen un die Preise selten für 1000 Stück Preßkohlen un det ick dabei war, als B. sich die Notiz machte, als der Kohlen-Fritze ihm in der Kneipe die Offerten machte, die er sich uf die Manschette notirte, weil er jerade sein Notizbuch»ich bei sich hatte. Aber Frau B. hört jarnich nach hin in der Rage un mit cemnal wendet sie sich jejen mir un fuhrwerkt mir mit die Näjel int Jesicht rin un reißt mir in'n Bart, det ick en balbarischen Schmerz hatte un ihr so an den Hals jreifen muß, um ihr abzuwehren.„Willem!" ruft sie,„det leidst Du, det Deine Frau in Deiner cijenen Au- ,„_______,____________„,,„„. Wesenheit jemißhandelt wird?" Mit ceneni Male kricze ick ooch den Namen und um sie herum baut sich die dürftige, zum Theil schon von hinten so'n Paar Fausthiebe in't Jesichte und die kann » f.,__.,»-,< i.....•..... f./____ I- f.r.o... c\r..'.* f �- i-■'''"'■••— geschmacklose Handlung auf, wenn überhaupt von einer solchen gesprochen werden kann. Ein verrückter Millionär auf der Jagd nach einem Weibe, nicht um zu heirathen, diese nach ihm bez>v. seine» Millionen, um zu heirathen; ein nervöser Zahnarzt und ein versemachender Provisor sind die Hauptfiguren des Stückes. An der Darstellung ist nichts auszusetze»; ihr ist wohl einzig und allein der gespendete Beifall zugedacht gewesen. Dvlizrilimcht. Ain 28. d. M. Morgens versuchte ein Dienst Man» in seiner Wohnung in der Chausseestraße sich die Puls aber der linken Hand zu durchschneiden, so daß er nach der Charitee gebracht werden mußte.— Nachmittags siel ein Mann vor dem Schlesischen Bahnhos beim Putzen einer Gaslaterne am Haupteingaug von der Leiter und erlitt eine Verletzung des Rück- grats.— Zu derselben Zeit stürzte ein Mann im Hause Koppen- straße S1 von der Treppe und zog sich dadurch anscheinend so schwere Verletzungen zu, daß seine Ueberführung nach dem Krankenhause am Friedrichshain erforderlich wurde.— Im Laufe des Tages fanden acht kleinere Brände statt. mir blos der Anjellagte B. jejeben haben, denn die Frau stand so vor mir un ausjenommen uns drei Personen war keeucr drin. Ick hatte mir noch»ich mal richtig besonnen, da hatten sie mir ooch schon uf'n Korridor rausjestoßen und die Dhiere zuje- macht. Mir kann cener Zucker versprechen, wenn ick mir wieder als Friedensstifter mang Eheleute jebrauchen lasse.— Vors. Ja, das ist immer eine heikle Sache!" Während Frau B. mit einer Geldstrafe von zehn Mark da von kommt, soll der Ehemann B. wegen seines hinterlistige» Verhaltens 40 M. zahlen. Na, meint er auf dem Korridor zu seiner Ehefrau,„wenn det human is, denn huste ick uf die janze Humanität 1" forderte in ihrem Schlußwort die Ainvesenden auf, sich immer fester um das Banner der Solidarität zu schaaren, um so dein Kapital geschlossen entgegen zu treten. Sodann wurde die Gründung elncs Arbeitsnachweises beschlossen. Die Arbeitgeber sollen in Kenntniß gesetzt werden, daß sich derselbe vom I.Januar ab beim Kollegen Aug. Jnstnger, Krautstr. 48, befindet. Unter Verschiedenem unterzogen die Kollegen Wiegand und Stahn die Werkstatt von Heinrich Keller einer scharfen Kritik, weil derselbe für einen Artikel zweierlei Löhne bezahlt, dies nennt der Herr Sommer- und Wiuterlöhne. Im Winter, wo in unserer Branche flaue Geschästszeiteintrilt, da gestattet er seinen Arbeitern, daß stevoll arbeiten können, ja er ist sogar so human, wenn sich die Arbeiter eine Lohnreduzinmg von 15—20 pCt. gefallen lassen, sie auch dann 15—18 Stunden arbeiten zu lassen, und diese Winterlöhne dauern vom I. Januar bis zum 1. Juli. Doch noch nicht genug damit; Herr Keller hat es jetzt auch ein paar mal vergessen, Sommer- löhne einzuführen, aber mit mathematischer Sicherheit gedachte derselbe der Winterlöhne, und so ist denn der Lohn bei dieser Firma so heruntergekommen, daß die Arbeiter bei angestrengtester Thütigkeit höchstens 12—15 M. verdienen. Kraft unserer Orga- »isation wollen wir dem Herrn seine Neujahrsfrcude etwas ver- salzen, ihm ein ganz energisches Halt entgegenrufen und die beiden Kollegen, welche da arbeiten, über Wasser halten, resp. ihnen andere Arbeit verschaffen, wenn eS zur'Arbeitseinstellung kommen sollte. Da die Grundsätze des Herrn Keller auch aus- wärts schon bekannt sind, so haben wir Zuzug nicht zu befürchten. Da weiter nichts vorlag, schloß der Vorsitzende die Versammlung. Eine Uersammlnng de» Fachureeina für Schlosser und Maschinenbau- Arbeiter Berlins und Umgegend fand am 22. Dezember statt. Da der Referent zum ersten Punkt nicht er- schienen, ging»um zum Verschiedenen über. Vom Vorsitzenden wurde zunächst nochmals aus daS Wcihnachtsvergnügen aus- Gevtckks Jeikung. Inm Dereins- nnd Versammlungsrecht hat das Kammer- gericht durch Urtheil vom 13. November 1800 entschieden:„Daß der Unternehmer einer Versammlung derselben persönlich bei- wohnen, oder dieselbe persönlich eröffnen müsse, schreibt das Gefetz nicht vor. Durch die vorschristmäßige Anzeige der Ver- sammlung seitens des Unternehmers ist sowohl der durch den§ 1 der Verordnung vom II. März 1850 geboteneu Anzeigepflicht, wie auch dem legislatorischen Zwecke dieses Gebotes vollständig genügt."— Tie Entscheidung wurde getroffen unter Aufhebung von Strafurtheilen, welche gegen Dr. Müller- Glogau und Gast- wirth Pätzold-Mühlrädlitz ergangen waren, weil in der letzten Wahlbewegung für den Reichstag an Stelle des verhinderten Ober- Landesgerichtsraths Schmieder, welcher eine Versammlung bei der Polizei angemeldet halte, Dr. Müller aus Glogau als. Redner aufgetreten war. Durch das Urtheil des Kammergerichts Fragebogen Eure Lohn- und Arbeitsverhältnisse ia Eure aän.e ww-d auch der Regierungspräsident von Liegnitz, Prinz Handjery, wirthschaftliche Lage, in der Ihr Euch besindet uns Aar und in seiner bezüglichen Rechtsauffassung korrigirt....—................ j«r......... o."" Soziale Aebevstchf. Warnung, Klempner! Kollegen! Es werden seit kurzer Zeit sogenannte Fremdzettel oder Entlassungsscheine von den Klempnerineistern und Fabrikanten beim Austritt aus dem Ar beitsverhältniß mitgegeben. Ter Schein ist von grüner Farbe, trägt die Aufschrift„Verband deutscher Klempner-Jnnungen", darüber ein Monogramm mit Scheere und Kolben. Ich warne hiermit Jedermann, einen solchen Schein vorzuzeigen, da ein solcher Schein vermuthlich mit Kennzeichen versehen ist. Ich er- suche alle Diejenigen, welche im Besitz eines oder mehrerer solcher Scheine sich befinden, mir dieselben sofort zuzustellen, damit wir die Scheine untersuchen nnd ev. eine Gesetzesübertretung nach- weisen können. Ferner mache ich die Klempner Berlins und solche, welche sich im Umkreise von 20 Kilometer um Berlin befinden, aufmerksam, daß die Statistik, welche vom Verein der Klempner Berlins und Umgegend herausgegeben ist, am 1. Januar 1891 geschlossen wird. Kollegen! Wollen wir mit Ernst daran gehen, unsere Lage zu verbessern, so müssen wir in erster Linie die Mängel und Schäden unseres Gewerks auf- decken und schriftlich vor uns haben. Bedenkt wohl, daß es sich darum handelt, wahrheitsgetreu, ganz ungeschminkt auf diesen ... �*„M«» 4).. t....».,. � OY.. 1./>-0...■. f. St Y4... 1.* 2_ /tn.....__.... ..«'Der Mensch niufi stumm« find uu wenn wirklich mal Zwischen een paar olle Fremde wat mang kommt, denn soll so "»er»ich jlcich nach'» Staatsanwalt rufen, det der andere noch k».? Fest uf die Vcrbrecherbanke muß. Wer det human nndet, derf sich zu meine Fremde nief� me�r rechnen."— Der Ter ihm fu.vjp Töpfermeister, jetzige Rentier B. sah seilie neben ihm I die fw Anklageraume stehende, ihn um Kopfeslänge überragende Ehe- ha! --- v..------ c:— k nf,«- mir einlief, deutlich zu machen, damit, wenn einmal die Klempner Lohn forderimgen stellen, diese Statistik eine Waffe in unsercr Sand werde, welche wir zeder Zeit handhaben können im Kampfe gegen lmsere Gegner. Wohl sind wir schon durch den reichen Ertraa der Fragebogen, welche wir einbekommen haben, erfreut, aber Bache vielmehr etwas kürzer»lache». Sie und Ihre Ehefrau Und der gemeinschaftlichen Mißhandlung des Schneiders M. Angeklagt, Sie, Herr B., geben Sie den Inhalt Me z»?— A ii g e k l a g t e r B.: Von vorne rin_____ Allens, wat meine Frau gcdhau haben soll, uf mir, det bin ick mr als humaner Ehemann schnldig.— Vors.: Das ist keine Antwort auf meine Frage; Ihre Frau ivird sich außerdem UUbst vertbejdjgx,, können. Haben Sie dem Schneider M. ver- Ichicdeue Fausischläge ins Gesicht verseht? Ja oder»ein?— .» g e k l.: Wie kann der Mann jejen meine Frau thatsächlich wer'»? Jz hnnicm?— Vors.: Mit Ihnen bin ich fertig, Evan B., was haben Sie auf die Anklage zu erwidern?— Aug ekl.: Wer sich mang Eheleite sticht, der muß jewärtig sind, er in die Klemme ieräth; wo kann so'n Jamnierlappen zu den Satan im Leibe habe?— er in die Klemme jeräth; weinen Mann sajen, det ick je mehr Ihr agitirt, je größerer Vortheil erwächst Euch selber! Mit Gruß P. Selchow. Adresse: Ritterstraße 123 bei Stramm, ober Schleiermacher straße 10. Daselbst sind jeder Zeit Fragebogen zu haben. An dir Schmiedr Dcnifrstlnitd«! Kollegen! Der Parten tag zu Halle erkannte nicht allein die Nothwendigkeit und Br recht, gung der gewerkschaftliche» Organisation ausdrücklich an, sondern es wurde auch jeder Genosse aufgefordert, thatkräftig für dieselbe einzutreten. Gleichzeitig wurde die zentralisirte Form der Organisation im Allgemeinen als die beste anerkannt. Außerdem wurde auch von den gewerkschaftlichen Vertretern aus der kürzlich in Berlin stnttgefundenen Konferenz derselben die fachgewerbliche Zentralorganisation als zur Zeit die nothwendigste erklärt. vielleicht Tel von Speziell fordere ich alle bestehenden ' wenn sie die obigen Beschlüsse der Vereinigung der Schmiede weinen SDlcinu fciicn, bßt tcr oen<©01011 uun tzj. 3 icberreden un jondetten mit ruf. Als B. den Schlüssel -Herrie!. ordhiere steckt, wird er mit'n mal janz blaß nn sagt: frhon i,„'„ e Ctte's schon oben." Un richtig, die Dhiere wird die Kiten nu"erl 11< gemacht un in die Füllung steht Frau B..... als von oben bis»nlen mit'« Paar Oogen ankickt, Bitnfn,.«'.ie'h" durch im durchbohren will.„Na Du oller triebe""lche Mächenskneipe hast Tu Dir wieder runi- ? bejrüßt ihn die liebende Jattin.„Aber Aujuste, Am 17. Dezember fand eine Versammlung des Fach- Vereins der in der Wirkerbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen statt, in welcher Fräulein Baader über Gewerkschasts- oraamsation referirte und für ihre sachlichen und treffende» Aus- führungen lebhaften Beifall erntete. In der Diskussion sprachen die Kollegen Hübsch und Janz im Sinne der Reserentin. Sie .-- V v..... u---- u"---- 1 merksam gemächt und seitens des Vcrgnügungskomitces noch die Aufforderung an die Kollegen gerichtet, an der Ausschmückung des Weihnachtsbaumes am 3. Feiertag Vormittag zu helfen. Eine Frage, wann unser Stiftungsfest abgehalten wird, wurde dahin beantwortet, daß dasselbe am 2. Mai bei Lips statt- findet. Kollege Briese machte, da der Vorstand die Spedition der„Metallarbeiter- Zeitung" ihm übertragen hat, nochmals auf das Zlbonnemeut ans dieselbe aufmerksam. Vom Kollegen Stropp wurde die Ausschließung des Kollegen Neumann ver- langt. Der Kassirer theilte aber mit, daß derselbe jetzt schon nicht mehr Mitglied des Vereins sei. Die christliche Herberge Hierselbst ivurde scharf krttisirt. Die Behandlung der Reisenden seitens des Hausvaters gab zu Klagen Anlaß. Der Kassirer vom Norden ist zur Empfangnahme von Beiträgen Sonntags, Vormittag von 11 bis 12 Uhr, bei Nürnberg, Anklamerstr. 49, zu treffen. Der Verein der Kurbelstepperinne», Ktepper rte. ete. hielt am 17. Dezember seine Mitgliederversammlung ab. Kollege Burisch gab zunächfl über das am 1. Januar in Kraft tretende Invaliden- nnd Altersversicherungs-Gesetz die uothwendigen Auf- klärirngen. Er meinte, daß dasselbe in seiner vorliegenden Form nicht dem entspreche, was wir für nothwendig für den aller« dürftigsten Lebensunterhalt halten. Nachdem ein Antrag, Ver- trauenslente zu wählen, abgelehnt war, wurde beschlossen, einen Arbeitsnachweis einzurichten und drei Personen gewählt(Anders, Ziegenhagen und Burisch III), welche die nöthigen Vorarbeiten besorgen. Ferner wurde bekannt gemacht, das am Montag, den 16. Februar, der Wiener Maskenball im„Deutschen Hos", Luckanerstraße, stattfindet; hierzu wurde ein Vergnügungskomitee von fünf Personen gewählt. Die nächste Versammlung findet Sonnabend, den 10. Januar, bei Bolzmann statt; wahrscheinlich Vortrag von Herrn Pens, Slusgabe der Statuten und Quittungs- bncher mit Märkenausgabe, der Billets u. s. w. Nachher findet eine gesellige Unterhaltung mit Tanz statt. Achtung!! Srohe öffentlichi Versammlung für Männer und Frauen am Tonuersiag, di» 25. Tezember(l, Feiertag), Nachmittag» 4% Uhr, in der „Neuen Well"(Hasenhaide). Achtung! Zilifchnhardoiter. Wrobe Sffentliche Versammlung sämmt- sicher m der Fttzschuhbranche beschäsliglcn Arbeiter und Arbetterlnnen am Tonnerslag, den es. Tezember(i. Feiertag), Abend! 7 Uhr, bei Feuerstein, Alle Jalobstr. 75. SttU N»r»i»Ig»»a der H»»-Arbrit«r Berlin». Auierordentltch« aeneralversammlung am Sonnabend, den»7. Dezember, Vorm. Ii Uhr, in Säiesfer'» Salon, Jnselstr. lo. tzierciuigung der?r«ch»>er Deutschland«(Ortsvenvaltung Berlin 1 bi» 7). Am i. Feiertag, Abend» 7 Uhr, im oberen Saale der dUalweilstchen Bierhallen,«ominandanienstr. 77—7»: Gesellige Zusammenkunsl, Humoristisch» Vorträge, W-ihnacht»b-scheeru»g und nachher Tanz. Zur Beschemmg wurden die«ollegen, sowie ihre Damen, ersucht, möglichst ein kleine» Geschen! mttzu- bringen. Jeder wer ein solche» mtibringr, erhält bei der Bescheerung auch ein». Verein p»r zval>r»»g der Interesse» der Schuhmacher. Weihnacht!- vergnügen am 2. Feiertag« in May'S Fsstfälen, Beulhstr. 20.(Näheret flehe Annonze.) Verein»Iiemaliger Schüler der»8. vemeindefchul» Kerlin. Donnerstag. 7 Uhr, im SesellschaftShau»„Ostend", Rüdertdorlerstrabe 4», UntcrhallungSabeno und gegensetttge WeihnachtSbescheernna. Versammlung de» So, iaidc,!, akratische» Agitatlono- Verein« Sassau» am Sonnlag, de» 25. Dezember, Vormittag» II Uhr, Marlannen- »r. 31 bei Doberstei». Gäste haben Zutrilt, Eharlotteudiirg. Den Mitglieder» der freien Dissidenten- Gemeinde znr Nachricht, daß am 25. Dezember, ini lleine» Saale(VtSmarshöhe), Nach- niiltag» a Uhr, eine gemüthliche Unlsrhallnng mit Familien(Tanz) flau- sindst. Lese- u»d Kiokutlrlllub„Wahrheit". Die nächste Schling findet am Moittag, den 20. Dezember flait. Die h-nltge Sitzung fällt au». Achtung! Vrech«l«rl Am Z. F-ieriag, Vormittag« 10 Uhr, im oberen Saake bei Graiweil,»oiiiinandantenslrahe 77—7», findet eine öffentliche Ver- sainmfung aller Drechsler statt. Da in derselben vle Abrechnung be» Stock- arbetter-streit« gegeben wird, ist e» Pfltchi aller Kollegen, zu erscheinen. 6Si?äAe äUrrtt+Urft«*11�.— �—- ?.■ frentel'S GefellfchaflSba starb»l?»r-Vrrriu Kerttna uud klmgegeud. 1 77 rt tt rn I\ fx S...... /rx___. r.___ m in Orfchel'S Salon, Sebastians, r. so. Knchurreiu der itorrntr. Sonnabend den 27. Dezember, Vormittag» 10 Uhr, Gr. Versammlung in Teigmiiller"» Saal, Alle Jafobstr.»8a. Verein zur plstege freireligiöse» Srbcn«. Sonntag, den 28. d. NU»., Vormittag» io% Uhr, Veulhstraße 22, 1 Treppe: Vortrag de» Herrn Waldeck Manafse:„Zl-usahröbetrachlungen."..............' frei. Montag, den 20. d. Alt»., Weihnachtsfeier.(Virloofung, Tanz._________________ ,.—,—--»>>» glieder und Gäste zahlen 23 Pf. Enlres und werden gebeten, fleln« Gegenstände znr«erloosung mitzubringen. »er Arbeitonachwelo der Klavierarbeiter bestttbei stch Naungnstr. 78, im Restaurant Winzer. Die Ndreffen-Au»gabe findet an Wochentagen Abend« ....„---------......... c an Mitglieder, Bibliothef Sonn- ....—...— w.iw wn u— 0% Uhr geöffnet. Lese- und Diolintirlttnb«. Donnerstag.„Freiheit", Abend» o Uhr, Nannunslr. 88 bei Zubeil. Wäsie haben Zutritt.—„R e a l i« m u»" Abend» 8% Uhr, bei Wuttfe, Friedrlchsv-rgersir. 2t.— Verein„Vollbild ung"(Aiänncr und Frauen) Abends o Uhr, im Nesiaurani btürnberg, Schönhauser Allee 28.— Lefe- und DiSfutirllub der Bäcker„Wach Auf", Nachmltlag» r, Uhr, tu der Gr. Frantfurterftr. 80,„Franffurter Bler- hatten".„Wahrheit, Marfuästr. 81.—„Natur", Abend« 8% Uhr, Kalferstr. t, bei Hoffmanii.—„Auf tlärung". Abend» 8 Uhr, in Hetndorss Restaurant, Langeftr. 70. Gäste willkommen.—„International e",«l. AndreaSstr. 10 bei Oelzc, Sitzung. Gäste haben Zutritt. .........W. lHutmacher), Ltnienstrahe Nr. 73 bei' Roth.— Gesangverein E d e i w e t tz", Mctchlorstrasie Nr. 15 bei Sfehmann.— Gesangverein„fficho 2", All« Schönhauferstraste Nr. 42 bei Reimann.— wrfangverctil„Frühliiigölufi", FloNweil- sttahe 5 bei Varlei».— Männcrchor„Dl, Urban", Anneiistrabe s bei Protz.— Mänuergesangvercin„Bora r", Admiralftr. 88 bei Bülow.— Gesangverein„ß 0 1« b f u m t", Blumenstr. 54 bei Wuttfe.— Gesangverein ä and in Hand", Skalitz?>ilr. 442 bei Greife»-.— Gesangveref»„Dorf- l» ck i e i n" Deuisch-Willmerbdorf, Bertinerstr. 40 bei Picisch.— Gesaug- uerein de»„Ti sch lerv e rbande»" in Sieglitz, Restaurant Hildedranv.-- G-sangv-r-i»„H a r m 0 n i e" Tempelhof, Restaurant Wcfenberg.— Gesang- verein„W e t tz 0 R 0 f e", Reinickendorf, Residenz- und Hglländerstratzen- Ecke bei Coro.— Arbeiier-Gesairavirein„M oraenrof h", Rummelsbnrg, Gölhestratze 2 bei Ztonrath.— Gesangverein„Freundschaft" Abend» 0 Uhr, bei Oewaid Berliner, Brunnenflr. llt.— Gesangverei» Grevel- s ch l u tz" tagt nicht Mittwoch, sondern Donnerstag.— Musik- und wefaagoerein„FirniitaS", Adaibertstr. 8 bei Schneider. ötsnug-i«»»»- und geseUige Verein«. Donnerstag. Gesang- verein„Freundschaft", Abend» 2 Uhr bei Oswald Berliner, Brunnen- siratz?!— Gesang- 11. Musikverein„F i r m i t n s". Abend» 0 Uhr bei Schneider, Adaibertstr. 8.— Statklub„Rückwärts", Abend» 8% Uhr, im Restaurant Boberle, Pallisadenstr. 47. L ii b c ck'schcr Turnverein, Männer> Abtheilung. Abend! 8—1» Uhr, Tiisadeihstr. 57—88, itönigstädi. Gymnafiuui. Geselliger Verein„Regfna", Sitzung mit Damen, Abend» 8% Uhr, in den Luifenstädt. Bierhallen, Alle Jafobstr. 89.— Gefelliger«lud„B lau- e i l ch->1". Abend» 0 Uhr bei Stehmann, Melchiorstr. 18.- Vfropfenverein „saribbi nfl1*, Ab-udZ 8'' Uhr bei 91. Siigel, Miill-r- und Antonstraßen-Sckc. -�VergnuaungSv-rein..Tapric f. Abends 9 Uhr, Sitzung mit Xninen im �aJtörienoab, Badstr. 3s— 36, Saal i Tr.— Vergnügungsverein„B e i l- Ol f 11 0»Z 1 1 h V? tl 1 f tttvt � vt n v» A A t Ar a Tf�*. i'' il~: Ii 4'*'»X Uhr, Sitzung mit Tamen bei Lülow, Admiralftrahc zs. Käste willkommen.— Verein ehemaliger Schüler der 98.(Lemetndeschule, Abends ® Uhr. tm«esellschaftShause„Ostend", Nüdersdorferstr. es.— Privat- theater-Sefellschast„H o f f n u n g", Abends 8% Uhr, im Klubhaus, Ohmgasse i. «äste willromine».- Verein ehemaliger S ch ü l- r der-s. Gemeinde- fchule. Sitzung. Abends 9% Uhr, bei Saeger, Grüner Weg-9. Gäste willkommen.— Tambourverein„Iungfernkranz", Weidenweg Ii. Rauchklub„Dezimal- Waage", Abends o Uhr bei Jnsinger,«raulS- strabe«».— RauchNub„Kern spitze", Abends Ssj Uhr bei A.Bvhl, RüderS- dorserftr. 8.- Rauchklub„l! o l l e g i a", AbendS o Uhr, Etalitzerstr. Nr.-S, TeMllaiion Boger.-„H u m o r i st i s ch° P s e i s e n b r ü d e r". Abends 9 Uhr, in Rolltg's Salon, Neue Friedrichstr. 43-44.- Rauchklub„Vorwärts", Abends 9 Uhr, bei Tempel, BreSlauerstr. 97. SprechTeml. ®le Redaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soivelt Raum dasür abzu» sehen ist, dem Publikum zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Bersügung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identifizirt zu werden. AndicVorstände, Vergnüguugs-Komitees und Mitglieder der Geiverkschaften, Vereine zc. In Anbetracht der letzten Vorkommnisse zwischen Theil- nehuiern des Hilfskassen- Kongresses lind dem Pächter des Eta- bli'ssemeutZ„Ma>/s Festsäleu" hat die Berliner Lokalkommission sich veranlaßt gemhlt, die Angelegenheit genau zu untersuchen und ist zu der Neberzcugung gelangt, daß die Handlungsweise des Herrn May den Arbeitern gegenüber in keiner Weise zu entschuldigen ist. Die Kommission ist der Meinung, daß dieses Lokal von den Arbeitern gemieden werden müßte, bis ein neuer Oekonom an die Stelle des Herrn May getreten, sie hält es aber, in Anbetracht der schwierigen Lage, in der sich einige Vereine durch einen sofortigen Boykott befinden würden, für geboten, die Vergnügungen bis Ende dieses Jahres noch ab- zuhalten, es könnte ja jeder Besitzer eines Billets dennoch bei dem Vergnügen wachen was er wollte. Gleichzeitig spricht die Kom- Mission ihr Bedanern darüber aus, daß verschiedene Vorstände, Komitees, sowie auch Referenten, die Liste nicht in Betracht ziehen, sonder» sich nach den Aenßerungen der Herren Wirthe richten, welche ihnen vorspiegeln, es sei keine Kommission bei ihnen gewesen, sie geben ja ihre Säle zu allen Versammlungen her rc., so unter Andern Herr Seefeldt, Grenadierstraße, der die Koni- Mission hinausgeworfen, der seinen Gehilfen, die sich einer Organisation anschlössen, sofort entlassen würde; ebenfalls Herr d'Heureuse, Besitzer von„Ostend", Rüdersdorferstraße, giebt in seinem Saal durch Plakate bekannt, daß derselbe zu allen Versammlungen zu haben ist. Ter Vorsitzende des Gastwirthsvereins, Herr Feuerstein, macht gegen die Kellner Ausnahmegesetze und giebt ihnen den Saal nicht mehr zu Ver sammlungen:c. Wir wollen die bekannten Genossen nicht an den Pranger stellen, die immer noch so einseitig vorgehen, machen aber darauf aufmerksam, daß dies entschieden verkehrt ist, weil nian das so mühselig Errungene dadurch auch sehr leicht wieder ver- lieren kann, und wie es dann wird, überlassen wir unseren Ge- »ossen zu beurtheilen. Die Kommission. I. A.: Otto Heindorf. Wilh. Werner. Aug. Jnsinger. dev Medslktiem. Quittung. Durch Genosse A. Neuniann ans Sammelliste Nr. 479 vom Gesangverein Nord 10,15 M. für die Ausgesperrten Gasarbeilcr erhalten zu haben bescheinigt. Die Kommission. I. A.: Hermann Hallwas. In der lebten Quittung des Parteivorstandes in Nr. 293 unseres Blattes befindet sich ein Druckfehler. Es muß daselbst in der 11. Zeile nicht heißen L. F. Berlin 50 Mk., sondern L. T. Berlin 50 Mk. Qeffeutliche Aufforderung. Herr Tamm, welcher an meine Frau 2,15 Mk. abgeliefert hat, wird gebeten, da ich seine Adresse nicht kenne, anzugeben, zu welchem Zweck das Geld gesammelt worden ist. Julius Wernau, Zionskirchplatz 2, III. QerlineB« � r bei ter■ ßuchhandlung ß B a g i n s k i Qresdener-Str. 52/53 jfVty-Passage:["est-Geschenke D Katalog über ca 760 emps.Schrist. grati« franko. i Mar» Kapttal I.geb.10,00 Z�ANeine'L sämmk.Werke geb.s. • I MErdgefchichto geb. 6,90 Ja�CalTalU'ä fämr.Ul. Werke 7; yalhafrottnk geb. 5,00 n lechtoanwalt im Hause 19,00 Absen s Werke s Bde. geb.<,60 8 I» Lichtstrahlen der Poesie 8,60 Cngrls Umwälzung geb. 9,76 orwartssoz(Sedtcht-S.gebs.oo o>ia>d.Fam>lie»-i?il»l.gb.9,60 chrrnirchewoky, Was thun? c &Ä1SÄ r JugendschriftJildBrböcliBr etc s--------- �Gedichte gb. 4.40-------------------~" Aerivegh 1« den billigsten Preisen. Unseren Kollegen und Mitarbeiter M» Olseft* bringen zu seinem Wiegenfeste ein dreimal donnerndes Hoch!! Seine Kollegen im Vorstande des Vereins der Former. 2429 Unserem Genossen M. Kiringer u. H. Met« zu ihrem morgigen Wiegen- este ein donnerndes Hoch! 2487 ehr(ere) Licht(er) vom Leseklub. R. P. H. T. N. E. P. • Unserem Freunde und Genossen, Hrn. G. Küchner, zu seinem 26. Wiegenseste ein donnerndes Hoch, daß die ganze Zossenerstraße wackelt!„Sull hei sick woll wat marken latten." 2489 Unserem Genossen Wilh. Jagnow zu seinem heutigen Geburtstage ein drei Mal donnerndes Hoch. Wilhelm, merkst Du was? Dein Freund A> W. 2490 Ein Opfer Naporra's. Der Genosse Witkowsky wird am 3. Weihnachtsfeiertag, Mittags 12 Uhr, aus Plötzensee(woselbst er nahezu vier Jahre gelitten hat) wieder der Freiheit übergeben. Genossen, welche gewillt sind, ihn abzuholen, mögen sich dort zur be- stimmten Zeit einfinde». 2473 Allen Freunden u. Genossen empfehle zu den Feiertagen mein Lokal, Schönhauser All»» 88. Für die besten Unterhaltungen, Konzert und Tanz ist Sorge getragen. Halte den Gewerkschaften auch bei vorkommenden Vergnügungen meinstn Saal bestens empfohlen. 2471 fi. Nürnberg, Allen Freunden u. Genossen empfehle mein Weiß- v. 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Der Vorsitzende des Vereins hat sich durch seine Bestrebungen auf dem Gebiete der Gefangenen- beschäftigung einen Namen erworben, aber mit der zweiten Größe, die sofort bei jeder Erwerbsbeschäftigung in die Erschei- nung tritt, hat er entweder gar nicht oder unrichtig gerechnet. Darum ivar durch seine Bemühungen die Blumenmacherei im Gefängniß am Plötzcnsee entwickelt als die Privatindustrie in Berlin über diese unerträgliche Konkurrenz klagte und Ein- schränkung der Gefangenenarbeit in dieser Branche verlangte. Als sich dann derselbe Herr einmal in rllckblickenden Betrachtungen erging über den Zusammenhang der Verbrechen und der Lebens- »iiltelpreise, da erregte er das höchste Mißfallen der Herren Agrarier, die damals am Nuder ivaren und von dem bekannten Zuchthausdirektor Strosser mußte sich dieser Herr eine der kon- susesten Reden gefallen lassen, an welchen Herr Strosser immer sehr reich war. Außerdem hat der mehrenvahnte Herr auch seine Thätigkcil dem Verein zur Besserung entlassener Straigefangener zu- gewendet; gewiß ein schönes Bestreben; aber wie es mit allen solchen Bestrebungen heutzutage steht, der verehrte Herr so wenig, wie seine Kollegen in diesem Verein scheinen sich über die volksivirth- schaftliche Seite der Sache klar geworden zu sein. Man scheint sich nicht darum zu kümmern, ob diese Arbeiter, die nmn der Gesellschaft wieder zurückgeben will, nun auch als Arbeiter be- handelt werden, oder ob nicht vielmehr ihnen Arbeit zugemuthet wird unter Verhältnissen, die ihnen vielleicht schwerer und drückender erscheinen müssen, als der Ausenthalt im Gefängniß. Wir lassen hier die Mittheilungen eines Mannes folgen, der die Wohlthat des Vereins zur Besserung entlassener Straf gefangener genossen hat und dessen Mittheilungen auch den Ei» druck vollster Glaubwürdigkeit machen. Ich schicke voraus— so schreibt uns der Betreffende, da viele Hunderte von Leuten, ivelche— verschuldet oder unver schuldet— in ähnliche Verhältnisse gerathen waren, dieselbe» Erfahrungen wie ich gemacht haben.— Nach verbüßter Strafe aus Plötzensee entlassen erhielt ich beini Abgang vom Pastor Jung einen Brief an besagten Verein mit auf den Weg. Ta sich meine Familie(Fran und Eltern), von mir losgesagt hatten so würde ich mit den paar Mark Arbeitsverdienst, die ich in Plötzensee erhalten, kaum etwaö haben ansangen können; außer dem hatte ich seit nenn Monaten kein Arbeitszeugniß; ich war daher bereit, jede Arbeit anzunehmen, damit ich nur wieder einen Arbeitsschein vorweisen konnte. Im Vereinslokal, Nene Friedrich- straße, erhielt ich den Bescheid, daß ich Arbeit in Zossen erhalten würde, in einer Zementsabrik als Schlosser.(Ich bin nämlich Schlosser.) Mittag Ve2 Uhr hatte ich mich auf dem Anhalter Bahnhof einzufinden und bekam vorher noch eine Marke zur Volksküche. Uni die angegebene Zeit war einer der beiden Buchhalter am Bahnhof, löste Billets für mich und einig» Schicksalgenossen und händigte uns die Fahrscheine ein, als wir in, Waggon "siuf der Fabrik angekommen, erhielt ich keine Arbeit als Schlosser, es hieß, es sei keine Stelle frei; wollte ich nicht wieder "ach Berlin zurück auf eigene Kosten und die vom Verein aus- gelegten 70 Pfennig Fahrgeld zurückzahlen, so mußte ich mich bequemen. Steint z» karren mit einein Anfangslohnc von IG Pf. Pro Stunde. Tritt Regenwetter ein, so daß nicht im Freien gearbeitet werden kann, dann können Sie sich ivohl denken, wie viel verdient wird. Hat jemand kein Geld, wen» er anfängt. zu arbeiten, so sieht er sich gezwnugcn, Vorschuß lu nehmen, welcher von den Meistern in Blechmarken gezahlt wird, die nur der Fabrikwirth wieder in Zahlung nimmt. Was wan dort für das sauer verdiente Geld snr Maare bekommt, ist leicht vorzustellen, denn der Wirth weiß ganz genau, daß der Arbeiter, welcher Marken in Zahlung giebt, gezivungen ist, bei WM zu verkehren; ebenso wissen die Meister und der Herr Direktor um diese Zustände, die sehr geeignet sind, eine möglichst bohe Pacht voin jedesmaligen Wirth zu erhalten. Außerdem ist für die unbemittelten Arbeiter in der Art gesorgt, daß einige Baracke», denn Häuser kann man's nicht nennen, zu Schlafstellen �»gerichtet sind für je 10—20 Mann. Lager: Strohsack und wollene Decke. Mobiliar: Ofen ohne Feuerung, Preis für die Benutzung 2 Pf. pro Tag, ivelche ani Zahltag nebst dem erhaltenen Vorschuß und Krankengeld in Abzizg gebracht, verde». So kann benn Jemand nach halbmonatlicher Arbeit, es ist im Monat nur zwei Mal Lohnzahlung, in die Lage kommen, nur 1 bis 2 M., vielleicht noch weniger, ausbezahlt zu erhaltei,. Nach v Woche» erhielt ich Stellung in der Werkstatt, uqd zugleich I» Vf.. bann nach abermals 14 Tagen 20 Pf. Stundenlohn. Es hatte sich auch ein anderer Arbeiter nieiner angeiiommen, mir etwas Geld geborgt und da ich noch ziemlich anständig in Kleidung ging. lonnle ich mir eine Schlafstelle miethen. Als ich mit meiner Familie mich ausgesöhnt hatte und wieder nach Berlin kam, konnte ich nun ein letztes Arbeitszeugniß vorweise» und erhielt nunmehr auch anderweit Arbeit. Die Ausbeutung solcher Unglückliche» wird auch von anderen Unternehmern betriebe», z. B. von Schachtmeister» bei Erd- arbeiten, bei der Anlage von Rieselfeldern, beim Bahnbau u. s. w.. wohin die Leute vom Verein verschickt iverden. Solch' entlassener Strafgefangener muß ja zufrieden sein, wenn er überhaupt Arbeit Erhält; daß es gerade nicht das Verdienst des Vereins ist, iven» (o ein Unglücklicher sich ans solchen, Sumpf iviedrr empor arbeitet, wird wohl Jeder zugeben müssen. Tie Unteriiehmer delfe» wahrlich nicht aus Nächstenliebe, sondern»m billige Arbeiter zu haben und um hohen Gewinn zu erzielen. �sill ein Mann unter solchen Verhältnissen nicht arbeite», dann wird er als arbeitsscheu oder unverbesserlich aiisgeichrieen. den Berichten steht viel zu lesen, was für Mittel dem herein zugewiesen werden, wieviel Arbeit vergebe ist�ind der- biel�qt- �beT# nicht zu verwundern, wenn Viele, die feli.ft. Unterstützung kenne» gelernt haben. Andere ivarne» und •-- rucksällig werde», ja schließlich sich sogar im Gefängniß der eben nicht notorisch - Gerichtsvollzieher Bra uer halte von der Angeklagten I M 20 Pf. Gerichtskosten einzutreiben. Als er erschien, erklärte Frau Dobritz ihm, daß ihr Sohn bereits nach Berlhr gegangen sei, um das Geld in seinem Bureau abzuliesern, weitere Baarmittel habe sie angenblicklich nicht im Hause. Ter Beamte pfändete darauf einen Schrank und dazu war er berechtigt, denn die Angabe der Frau konnte eine Ausrede sein. Am folgenden Tage erhielt Frau Dobritz eine Gebührenrechnung über 60 Pf. ivegen der Pfä» dnng. Sie beeilte sich, diesen Betrag umgehend per Post anweisung eiuzuseiiden und nahm nun das Gerichtssiegel vom Schranke ab, in der Meinung, daß sie hierzu berechtigt sei. Aber sie wurde anfs höchste erschreckt, als Tags darauf wieder der Gerichtsvollzieher erschien und diesmal sogar einen Wagen mitbrachte. Er erklärte den Schrank abholen zu ivolle», da Fran Dobritz versäumt habe, die fünf Pfennige Bestellgeld der Postanweisung beizusügen. Fran Dobritz hatte sich aus Nukenntuisi damit begnügt, die 60 Pf. PfändungSgcbühren einfack srankirl abzusenden. Jetzt wurden ihr durch das Verhalten des- GerichtsvollziehtrS--immer neue Kosten auferlegt, sie hielt es für bösivillig und gerieth mit dem Beamten in einen Wortwechsel, wobei sie dann zilgestandeiicrmaße» die erwähnte beleidigende Aeußerung gethan. Die Angeklagte bchauptetc aber, daß der Beamte sie vorher beschimpst und mit dem Zuchthanse bedroht habe, weil sie das Siegel abgenommen. Anfangs bestritt dies der Zeuge, ans näheres Eingehen des Ver- theidigers, Rechtsanwalts Dr. Bonk, gab er aber die Möglichkeit zu, daß er vorher eine verletzende Aeußerung gebraucht habe, obgleich er sich dieses Ilmstandes nicht zu entsinnen vermöge. Auch habe er nicht mit dem Zuchthanse, sondern ivegen des Arrest- bruches nur mit dem Gefängniß gedroht.— Ter Präsident fragte de» Zeuge», weshalb er denn keine Zlnzeige wegen dieses Vergehens erstattet habe. Ter Gefragte erividerte, daß er dann jeden Tag Anzeigen zu erstatten haben würde. Ter Präsident meinte daraus:„Nun, Sie haben ja doch wegen der Beleidigung venmizirt." Das Urtheil lautete ans Freisprechung der Fran Tobritz, da angenommen wurde, sie habe eine ihr zugesügte Beleidigung nur auf der Stelle erwidert. In der llrlhcilsbegründnng bezeichnete der Voriitzende das Verhalten deS HilfS-Gerichtsvollziehers Brauner als„chikanös". Zlm die Leiden und Freuden eines Chambregarnistett handelte es sich in einer Privatklage, welche gester» das hiesige Schöffengericht beschäftigte. Angeklagt ivaren zwei junge Damen, die Geschwister Bianca und lliccha N., welche in elegantester Toilette vor dem Gerichtshofe erschienen, um sich gegen den Vor- wurf zu vertheidigen, dem Chambreganisten ihrer Eltern, dem Konsularsekrelär v. S. einen beleidigenden Brief geschrieben z» haben. Tie Verhandlung bestand zuineist in der Verlesung von Briefen, ivelche allerdina? lange und inhaltsreiche Geschichten er- zählten. Da beklagt sich Herr v. S. in mehrere» Briefen darüber, daß bei seiner Rachhausekunft um 12 Uhr Nachts das Bett nicht abgeilommen und die Wasserflasche nicht gefüllt gewesen sei; bald hatte er kein Licht, bald kein Streichholz, kurz der arme Chanibregarnist kam schließlich zu der Ueberzcugung, daß seine Wirthslente, resp. bereu Töchter, welchen die Ausräumung seines Zimmers oblag, mit Absicht ihre Pflichten gegen ihm gröblich ver- nachlässigten. Die Verstimmung, die offenbar zwischen den Parteien herrschte, wurde dadurch noch wesentlich vergrößert und es brach eine offene Fehde aus, die damit endete, daß Herr v. S. seinem Wirth schriftlich verbot, in seiner Gegenwart das von ihm abgemiethete Zimmer wieder zu betreten. Der Briefwechsel giebt dann Knude davon, daß die Gereiztheit ans beiden Seiten immer mehr zunahm. Da schreibt Herr von S. dem Vermiether. daß er es sich verbitte» müsse, daß gerade zur Zeit der Mittagsruhe vor seiner Zeit so laut gebrüllt und gesungen werde, und als auch das nichts half und Herr v. S. endlich seine Sachen zusammen packte, um die Stätte des Schreckens und Aergers zu verlassen, ließ er seinem Wirthe noch ein Souvenir in Gestalt eines Briefes zurück, der dem alten Herrn gerade keine Annehm- lichkeiten bereitete. Der Herr Chambregarnist offenbarte dem Einpfänger nämlich, daß er für das Dienstmädchen Auguste einem der Fräulein Töchter ein Zehnmarkstück eingehändigt. Auguste aber glaubwürdig versichert habe, daß sie nnr vier Mark für ihre treue» Dienste empfangen habe. Herr v. L. drückte seine Meinung dahin aus, daß man ein solches Verfahren „Unterschlagung" nenne»nd sich event. der Staatsanwalt damit zu beschäftigen haben werde. Das war der letzte Scheidegruß, mit welchem der junge Mann das ungastliche Haus verließ. Er sollte aber noch keine Ruhe haben, denn nun wurde er mit anonymen Schreiben belästigt und ein solches bildete die Vera»- lassung zur Privatklage. Das Schreiben zeigte sich zwar in rosen- rolher Färbung, enthielt aber die schwärzesten Anschuldigungen und Sottisen gegen Herrn v. S., welcher sortgesetzt als„edler Lord",„edler Menschensreund" und dergl. angeredet und in Strichen gezeichnet wurde, daß kein anständiger Hund mehr ein Stück Fleisch ans seiner Hand nehmen würde. Herr v. S. glaubte die Handschrift als die der beiden Schwestern wieder- zuerkennen»nd da das Gutachten des Schreibsachverständigen dieser Verinnthnng nicht entgegenstand, so ivurden sie eingeladen, vor Gericht Rechenschaft über diese stilistische Leistung abzulegen. Sir verwahrten sich gegen den Vorivurf mit großer Energie, wobei die jüngere besonders eifrig daS Wort führte und sogar die Widerklage erhob, da sie der Ansicht war, daß der Herr Chainbregarnist in seiner Briefkollcktion ihrer weiblichen Ehre zu nahe getreten sei, indem er ihren Reinlichkeits- und Ordnungs- sinn angezweifelt habe. Leider konnte das Maß der Schuld auf beiden Seiten noch nicht endgillig festgestellt werden, oa die Ver« Handlung doch noch die Möglichkeit offen ließ, daß dieses seltsame Kapitel aus Albcrti's Komplimentirbuch von einem nahen Ver- wandten der beiden Damen geschrieben sein könnte. Es sollen deshalb nach dieser Richtung hin noch Erhebungen angestellt werden. Der Schuhmacheemeister Reiher war vom Schöffen- Gerichte wegen Unterschlagung zu einer vierzehntägigen Gefängniß- strafe verurtheilt worden. Auf die von ihm eingelegte Berufung ivurde die Sache gestern vor der zweiten Instanz verhanoelt. Bor zwei Jahren war der Angeklagte mit einem Mädchen ver- lobt, welches ihm nach und nach hundert Mark mit der Weisung übergab, das Geld auf die Sparkasse zu thun. Dies geschah auch seitens des Angeklagten. Als der Hochzeitstermin in Aussicht genommen mar, war es an der Zeit, daß der damals noch als Geselle arbeitende Angeklagte sich einen eigenen Herd gründete. Er hob zu diesem Zwecke das bei der Sparkasse angelegte Geld wieder ab und verausgabte es für die GcschaftSeinrichlilNg. Unver- mlitheter Weise ging das Berlöbuiß in die Brüche und der Vater der Braut verlangte energisch die Herausgabe des aus den Namen seiner Tochter lautenden Sparkassenbums. Reiher half sich zu- nächst mit Ausflüchten, mußte dann aber zugeben, daß er das Geld bereits abgehoben habe. Nach der Aussage seiner früheren Braut»nd deren Vaters ist der Angeklagte hierzu nicht berechtigt geivesen und konnte sich auch nicht dazu berechtigt halten. Auf oen letzten Punkt legte der Vertheidiger, Rechtsanwalt Dr. Morrie, in der zweiten Instanz den Schwerpunkt der Ver- theidigung. Er versuchte den Nachweis zu führen, daß das Äerhältniß zivischen den Verlobten und deren beider seifigen Verwandten ein so liches gewesen sei, daß der konnte, alle von ihm zum Zwecke der Gründung eines Hänshalts gethanen Schritte würden die Zustimmung seiner Braut Durch die Beweisaufnahme ivnrde festgestellt, daß die >a»dlen der Braut monatelang die Gastfreundschaft der Eltern des Angeklagten in Anspruch genommen hatten und daß der Bruder der Braut wiederholt seine Stiefel ohne Entgelt bei dem Angeklagten hatte ausbessern lassen. Der Letztere behauptete sogar, daß er seinem damaligen Schwager in spe auch mehrsach mit Geld unterstützt hatte, ivas von diesem aber insofern be- stritten wurde, als er erklärte, sich eines solchen Umstandes nicht entsinne» zu können. Ter Gerichtshof gelangte ebenso wie der Vorderrichter zu der Ncberzeugung, daß der An- geklagte sich wohl der Rechtswidrigkeil seines Thuns bewußt ge- geivesen, da er sonst von Anfang an die Wahrheit gesagt und keine ANSflüchte gemacht haben würde.— Die Berufung wurde deshalb verworfen.— Bei dem Plaivoyers des Vertheidigers kam es übrigens zwischen diesem»nd dem Vorsitzenden zu einer etwas lebhasten Anseinandersetzung. Der Vorsitzende unterbrach den Vertheidiger, weil dieser es als erwiesen hinstellte, daß der Zeuge von dein Angeklagten a»ch mit baarein Geld unterstützt worden ei. Der Verlheidiger erklärte, daß er dem Vorsitzenden das Recht absprechen müsse, ihn zu unterbrechen, woraus der Vorsitzende erwiderte, daß ihm dies Recht jeder Zeit zukomme, wenn der Vertheidiger entstellte Thatsachen einem Plaidoyer vorbringe. Der Verlheidiger beharrte dennoch auf seinem Standpunkte, woraus der Staatsanwalt dem Gcrichlshose anheimstellte, den Vertheidiger wegen Ungebühr in Ordnungsstrafe zu nehmen. Der Gerichtshof nähin aber davon Abstand, da angenommen wurde, daß der Vertheidiger in der Erregung gehandelt hätte und in dem Bestreben, die Rechte 'eines Klienten wahrzunehmen. »rrcovcen uno oeren veider- inniges und freundschaft- Angeklagte wohl annehmen Zwecke der Gründuna eines NevImmttUunjeu. Eine Dalsisver jaminlnng mit Hindernifir» tagte am vergangene» Sonntag Nachniiltag in B i e s e n th al. Genosse Gerisch sollte dort über den„Kamps gegen die Sozial- demokratie" sprechen. Doch mußte» erst viele Formalitäten er- ledigt werden, ehe der Überwachende Herr Bürgermeister das Tagen der Versammlung gestaltete. Zunächst mußte ein 2 Meter breiter Mittel- und ein ebenso breiter Qucrgang hergestellt werden. Dann erregte eine ins Freie führende Thür, die, weil undicht, von dem Wirthe in lödlicher Absicht mit einem Teppich verhängt worden war, das Mißtrauen des Sladtgewaltigen. Der Teppich mußte iveg. denn wie leicht konnten dahinter irgend welche schreck- liche Dinge verborgen sein. Als freilich der Herr Bürgermeister später geruhten, gerade vor dieser Thüre Platz zu nehmen, mußte er die Wirkung seiner Anordnung recht unangenehm verspüren. Nun sollte die Versammlung beginnen, der Herr Bürgermeister erklärte dies jedoch snr»nzillässig, weil Bewaffnete entweder den Saat verlassen, oder amvesend jedoch seien, die fccven Waffen entfernt werden müßten. In feierlicher Weise wurden_ die beanstandeten„Waffen", die Krückstöcke r' e,v® r e' f e' dem Saale getragen. Die durch diese Maßnahmen erregte Versammlung drehte nunmehr den Spieß ,in') �en§crt11 Bürgermeister, der weder Dienstkleidung, noch ein besonderes Abzeichen trug, tun seine Legitima- tiom Nachdem er bestimmt erklärt hatte, die Versammlung über- wachen zu wollen, wurde er zwar vom Vorsitzenden anerkannt, derselbe forderte aber, da noch zwei Beamte in Uniform er- fchiencn waren, den einen Beamten zum Verlasse» des Saales auf. Dieser Anordnung widersprach der Herr Bürgermeister, was den Neserenten veranlagte, das ganze Auf- treten des Herrn Bürgermeisters einer scharfen Kritik zu unterziehen. Das hatte zur Folge, daß derselbe nun- mehr dem Beamten die Weisung ertheilte, daß et bleiben, ober auch gehen könne. Der Wackere, de», die Stadtväter Biesenthals eigens zum Zwecke besserer Repräsentation einen Helm angeschafft hatten, der an diesem Tage die Weihe erfahren sollte, trat nun- mehr m,t sammt seinem nagelneuen Helm den Rückzug an. Seinen Schmerz mögen die Götter ermessen. Hierauf konnte endlich der Referent mit seinem Vortrage beginnen, in dem er ausführte, daß zwar in einigen Tagen wieder die Friedensbotschaft durch das ganze Land verkündet werde, daß aber trotzdem der Kampf Aller gegen Alle die allgemeine Losung fei. Dieser Krieg Aller gegen Alle sei die uothwendige Folge unserer sozialen Zustände, und wer für die Heiligkeit und für die Fortdauer dieser letzteren eintrete,«er- JW'ßd zugleich einen Kampf, in welchem der Schwache dem Starken schonungslos überliefert sei. Thatsächlich seien aber olle Parteien, mit Ausnahme der Sozialdemokratie, mit der gegenwärtigen Gesellschaftsordnung völlig einverstanden, nnd ans diesem Grunde werde auch die Sozialdemokratie von allen Seiten auf das heftigste angefeindet. Also kein Frieden, sondern Kampf auf der ganzen Linie. Nachdem der Referent in eingehender Weise die Entstehung und das Wesen der Sozialdemokratie ge- schildert, sowie zum Schluß der vielfachen Verfolgungen gedacht hatte, aus welche» dieselbe bisher stets siegreich hervorgegangen, forderte er die Anwesenden aus, überall, wo es auch sei und un- bekümmert um alle Anfeindungen die Lehren der Sozialdemokratie zu verkünden. Hierauf wurde die Gründung eines sozialdemo- kratischen Wahloereins für Biesenthal beschlossen und nach einem packenden Schlußwort des Referenten die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschloffen. An» Lefrstlub ,,Karl Marx" veranstaltete am Sonntag Abend auf dem Bock wieder einen Vortrag mit darauf folgendem gemüthlichen Beisammensein. Welcher Beliebtheit sich diese Ver- ammlungen erfreuen, die in letzter Zeit regelmäßig des Sonntags lattfanden, bewies auch diesmal der gute Besuch trotz des heran- nahenden Weihnachtsfestes. Herr Paus sprach über„Die Er- lösung der Menschheit" und führte in seinem sehr ausführlichen Vortrage aus, daß die Erlösung der Menschen nicht durch den „Glauben" an die Lehre der Kirche herbeigeführt werde, sondern durch die Beseitigung der großen Kluft, welche zwischen Reich und Arm besteht. DieseKluft niüffe ausgeglichen werden dadurch, daß das, was heute Macht undReichthum verleiht, das Kapital, nicht Einzeluen fondern der Gesammtheit verliehen wird, dann erst sind Alle gleich und ist der wüste Jnteressenkampf beseitigt, weil dann das Interesse des Einzelnen sich mit de», der Gesammtheit deckt. Dann wird auch das Wort in Erfüllung gehen, welches jetzt wieder von allen Kanzeln verkündet wird: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen! Heute giebt es noch keinen Frieden ans Erden, dagegen aber Hunderttausende, die wegen Arbeitslosigkeit hungern und frieren müssen; für die ist das Weihnachtsfest ein Tag der Wehmnth, des Schreckens nnd des Entsetzens. Darum ist es unsere Pflicht, diese Zustände zu er- kennen und für unser Evangelium zu wirken, welches verwirk- lichungsfähig ist. Dann wird auch eine Zeit kommen, wo der Friede auf Erden eintreten wird, der den Menschen wirkliche Erlösung bringt.— Von einer Diskussion wurde abgesehen, dagegen richtete Ebert einen warmen Apell insbesondere an die arnoesenden Damen, die von Frau Ihrer herausgegebene Zeitung „Die Arbeiterin" durch fleißiges Abonniren krästigst zu unter- stützen. Darauf geselliges Beisammensein wie immer. Der Fachverein der Metallarbeiter in Gas-, Wasser- und Daiiipfariiiaturen hielt am 20. Dezember seine regelmäßige Mitgliederversammlung ab. Herr Th. Metzner hielt einen sehr beifällig aufgenommenen Vortrag über„Die Krisen und deren Ursachen. Ter Redner erörterte das Wesen der Krisen und zeigte, wie ihre Ursachen in der herrschenden Produktionsanarchie liegen. Er wies weiter auf die amerikanische Sperre(Mac Kinkel) Bill) hin, irelchebesondersdieBerlinerKoiisektionsbranchevollständiglahm gelegt habe. Der Arbeiter ist dem Kapitalismus heute völlig unter- ivorfen und er müsse endlich zuder Erkenutniß kommen.daß nnr eine ge- regelte von. der Gesellschaft betriebene Produktion ihm von Vor- lheil ist. Deshalb ist es erforderlich, eine feste Organisation zu bilden, um dem Kapitalismus siegreich entgegentreten zu können. In der Diskussion sprachen die Kollegen Printz, Nierisch, Stange und Fischer. In seinem Schlußwort kam Herr Mehner auf Anregung des Kollegen Printz auf die Frauen- und Kinderarbeit zu sprechen. Auch wurden die Schutz- Vorrichtungen in den Fabriken abfällig kritisirt, weil sie entweder garnicht oder ungenügend vorhanden sind. Dieses Nebel liege jedoch in der Gesetzgebung, denn noch gäbe es kein Arbeiter- schütz- Gesetz. Daher müsse der Arbeiter in Zeiten der Wahlen auch auf politischem Gebiete agitatorisch wirken.— Unter„Verschiedenem" wurden 100 M. für die Ausgesperrten von Hamburg und Umgegend dem Vertrauensmann nach Hamburg geschickt. — Auch wurden in Anbetracht des nahen Weihnachtsfestes dem gemaßregelten Kollegen von Wallmann 80 M., sowie den ans- gesperrtcn Frauen der Velvetfabrik 15 M. als freiwillige Gabe überwiesen, mit dem Wunsche, daß alle Vereinigungen ihr Theil dazu beitragen möchten. Ii» der Freie» Urreinignug der Knnfleui« sprach am 18. d. M. Rechtsanwalt Heine über„Die rechtliche Stellung der Handlungsgehilfen". Ungeachtet der Weih- nachtssaison ivar der Saal(Feuerstein, Alte Jakobstraße) doch recht gut gefüllt. Der intereffante Vortrag gab zu eingehender Aussprache Über die verschiedensten Rechtsfälle Anlaß. Unter „Verschiedenem" wurde das ablehnende Verhalten der freisinnigen Abgeordneten bezüglich der Petition vienvöchentlicher Minimal- Kündigungsfrist in der Petitionskommission kritisirt, wobei Herr N o a, der Referent der f r e i s i n n i g e n V e r s a»i m- lnng bei Lips, sich in scharfer Weise gegen seine eigene Partei- Abgeordneten aussprach. Wenn dieselben so ivenig das Interesse der Handlungsgehilfen im Auge hätten, so dürften sie nicht wieder gewählt werden. Er stimmte sogar mit Herrn Kannegießer darin überein, daß die freisinnigen Handlungsgehilfen ihre Entrüstung darüber in einer großen öffentlichen Versammluiig zum Ausdruck dringen müßten, und daß dieS geschieht, dafür würde er sorgen. Kollege Mieter begrüßte in Herrn Noa einen zukünftigen Genossen, der sich schon dadurch, daß er den Uebelstände» ernst zu Leibe gehen wolle, naturnothwendig in einen Widerspruch mit den freisinnigen Doktrinen gesetzt habe. Nachdem sich noch verschiedene andere Redner hierüber, und über die miserable parteiische Geschäfts- führung in der betreffenden Versammlung bei Lips ausgesprochen, wurde die Versammlung mit einem Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Der Lachverei» der Striudrucker und Lithographen hielt am 18. d. M. seine regelmäßige Versammlung ab. Da der Referent, Herr Tr. Zadel, bei Eröffnung der Versammlung noch nicht erschienen war, wurde zunächst Bericht über die Unter- tützung der Arbeitslosen erstattet. Hierzu machte der Vorsitzende, Kollege Sillier, bekannt, daß von einem Bericht Abstand ge- »ommen werden muß, da die Polizei zu dieser Unterstützung zu- vor eine Statutenänderung verlangt. Es mußte deshalb dieser Punkt zurückgestellt werden, um auf der nächsten Tagesordnung seine Erledigung zu finden. Es war nun der durch geschäftliche Angelegenheiten bis jetzt zurückgehaltene Referent erschienen. Derselbe hielt einen Vortrag über Bakterien und Bakterienkrank- heilen. In klarer verständlicher Weise entledigte sich Redner einer Aufgabe. Reicher Beifall wurde ihm zu Theil. Unter Verschiedenem beleuchtete Kollege Peter das Verhalten seines Prinzipals ihm gegenüber. Der Kollege hatte die Dreislig- keit, den ersten Mai zu feiern. Trotzddem nun gesagt war, daß Derjenige, welcher feiert, durchaus keinen Nachtheil davon haben sollte, mußte er bald darauf aussetzen, angeblich wegen Reparaturen an den Maschinen. Nachdem so ca. 7 Wochen vergangen waren, wurde er wieder angenommen. Jüngst hatte der Kollege aber das Unglück, mit dem einen Arm in die Maschine zu kommen, wodurch die Firma(Kutzner u. Berger Jnh. Lösche) etwas zu bezahlen bekam. Durch das Unglück ist nun die Arbeitskraft des Kollegen sehr beeinträchtigt und trotzdem derselbe dort schon Jahre lange arbeitete ist ihm gekündigt und er zu Weihnachten arbeitslos geworden. Diesen Fall etwas genauer zu untersuchen, wurde eine Kommission von 3 Personen gewählt. Zum Schluß wurde ein Antrag angenommen, die Arbeitslosen zu Weihnachten zu unterstützen.._, Eharlottenbnrg. In der am 21. d. Mts. hier, im Saale Bismarckshöhe, abgehaltenen öffentlichen Versammlung der Maurer sprach Kollege Julius Wernau(Berlin) über den Werth der Statistik. An der Diskussion betheiligten sich die Kollegen Wolter, Bayer iind Schulz. Unter Verschiedenem wurde auf Ankrag des Kollegen Bayer die Deckung der Schulden des unterdrückten Fach- Vereins bei der Redaktion des Vereinsblatts bewilligt und letztere- als bestes Fachorgan empfohlen. Ferner wurden die Zwistigkeiten mit Kollegen Schulz durch seine Belege geregelt. Es wurden dann noch 8 Personen zur Verbreitung der statistischen Frage- bogen gewählt. SzpvSilhsÄÄl. Di- R-dakiion st-lli die B-rnidunn des Sprechsaals. soweit Raum dafür abzu- lieben ist, dein Pablilum zur Besprechung von Zlngelegenbeiten allgemirnen Jiiterefses zur Verlegung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dein Inhalt desselben identisizirt zu werden. Wenn Herr Stachow in seinem Eingesandt vom 18. d. M. sagt, et wisse nicht, was ich wolle und ich gehe um die Sache herum, wie die Katze um den Brei, so wollte ich nur vermeiden, die Friedrichshagener Verhältnisse, die wenig angenehm sind, näher zu berühren, sehe mich aber gezwungen, folgende Klar- stellung der Sache zu geben. Im Frühjahr dieses Jahres wurde hier ein Arbeiter-Bu- dungsverein gegründet, dessen Vorstand fortwährend den Angriffen einzelner Herren ausgesetzt war. Das ging in letzter Zeit soweit, daß der Vorstand in öffentlicher Versammlung des Vereins der Korruption von einem Herrn beschuldigt, gegen den ersten Vor- sitzenden, der das Vertrauen der großen Mehrzahl der Mitglieder besitzt, die gewagtesten Beschuldigungen erhoben wurden, und dann von der Versammlung eine Kommission eingesetzt.wurde, um die Sache zu prüfen. Nicht genug, schlug noch besagter Herr einem weiteren Mitgliede des Vorstandes im Versammlungslokal ins Gesicht. Als ich nun erfuhr, daß Herr Stachow auf Anregung dieses Herrn seine Freunde zu einer Sitzung eingeladen hatte, um über den ersten Vorsitzenden noch einmal zu Gericht zu sitzen, weil dieser in der Versammlung des Barnimer Kreises in Reinickendorf als Delegirter nach Potsdam gewählt war, auch sich berechtigt glaubten, an Stelle des Vorsitzenden einen andern Herrn hinzusenden, ohne sich bei den Parteigenossen auch nur zu erkundigen, wie dieselben darüber denken, so legten ich und mit mir 5 Vorstandsmitglieder unser Amt nieder. In der Generalversammlung inotivirte ich meinen Austritt mit den von Herrn Stachow angeführten Worten, verwahre mich aber entschieden dagegen, daß dieses eine Denunziation war, da keine Ueberivachung anwesend war. Ich bedauere diese Worte, glaube aber nicht, daß der Vertrauensmann berechtigt war, mich wegen eines unbedachten Wortes, das keine Lüge war, derartig in der Oeffentlichkeil zu kennzeichnen. Die Versammlung selber erkannte dieses auch an, schlug mich später als ersten Vorsitzenden vor, und als ich ablehnte, wählte dieselbe den ersten Vorsitzenden mit großer Majorität wieder. Da Herr Stachoiv krank ist, und mir es deshalb nicht möglich ist, mich in einer öffentlichen Versammlung vor den Parteigenossen zu rechtfertigen, so bestreite ich an dieser Stelle ganz entschieden dem Vertrauensmann das Recht, einen Parteigenossen, der stets dabei war, wenn es galt, die Sache der Genossen zu fördern, und dem selbst seine Feinde keine ehrlosen Handlungen nachsagen können, in derartiger Weise in der Oeffentlichkeit zu brandmarken. Ein Urtheil darüber überlasse ich jedem Parteigenossen. 'Achtungsvoll Albert Jastrau, Friedrichshagen, Kurzestr. 18, Berlin. Wahttllij wir scher mit(in GesWe nerfmisten, sini) Vir ich mit dem Pnbliknm direkt in Berbindnng getreten. Stettin. ü. Hartwig Seime& Elaer> '| ist mit Zahlen Berlin N. Berlin SO. Berlin 0. 1 2bcr r®T 24a. Chansseestr. 24a. 8. 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Dahingegen hat das Vergnügungs- Konntee deS„Leseklnb Heine" unsere Billets und Ver- pflichtungen übernommen und haben die Inhaber der bereits gekauften Billets Zutritt zu dem Vergnügen des„Leseklub Heine". 2420 Franz Karow, N o st i z st rape Nr. 14. Leseiciub Hei�e Freie Volksbühne. Für die Mitglieder der 1. Abtheilnng(■•othe Karlen) findet heute Nachmittag präzise 2'/* Uhr im Ostend-Theater, Große Frankfurterstrasie Nr. 130 die 3. Vorstellung statt mit der Aufführung ii 1 1•• v----- u in Volksfeind", Schauspiel in 5 Aufzügen von Henrik Ibsen. Die Aerloosnng der Plätze beginnt l'/a Uhr und wird um möglichst frühzeitiges Erscheinen dringend gebeten. 245;) Der Vorctand. 2421 veranstaltet m» L. Feiertag aul' der Kock-Krauerei mwm; Concert und Ball. HiWl Das Comitee. I. A.: Grube. Lese- u. DiskutirklHls„Hasenclever". 2lm 20. Dezember 1890(2. Weihnachtsfeiertag), im Klublokal„Restaurant zum Zukunftsstaat", Kastanien-Allee 35: Gemiithliches Hei summen seht. Ernste und heitere Vorträge. Gäste, Damen und Herren, ivillkommen. 2101 Der Vorstand. Schnegelberg's Festsäle, Hasenhaide No. 21, Jahnsirassen- Ecke. Freitag, den 26. Dezember(2. Weihnachts-Feiertag), Vormittags 11 Uhr: HÜT Opöss© ülatiaiee veranstaltet vom Gesang- und Musikverein Lirmita»(Mitglied des Arbeiter- Sängerbundes). Ter Reinertrag ist zu einem ivohlrhätigen Zweck bestimmt. Enlree 30 Pfg. Freunde und Genossen ladet ergebenst ein 2400 Oer Vorstand. Dem zeitnngslesenden Publikum zur gefälligen und besonderen Beachtung empfohlen! Die von Mitgliedern des Kranken- Unterstützimg's-Bnudes der Schneider arrangirte Weihnachts-Feäer findet dieses Jahr in Kchmicdri's Festsalen(früher Orpheum), Alts Jakob- straße 32, am 26. Dezember(zweiter Feiertag) statt. Billets sind in den Zahlstellen zu haben. 2120 Die Arrangeure. Die Kreie BemiiWig her Berliiltt ZeitNB�jieiiiteUe n,-Terkänser Publikum die Gewähr kür reelle Bedienung und p r o m st e Zustellung aller 'nschten Zeitungen unv einschlägigen Schriften zusichern zu können. Jeder Einzelne der hier Verzeichneten empfiehlt sich zur f 1 �-- n. aCa......— f f � �..*' r.'f. �—- r � 4 A...—_ �._.• � r"i: � c � M__ 2 pünktlichen Lieferung aller gewünschten Z e l t u n g e« und L i e f e r u n g s- w er ke, sowie auch der g e s a m m t e n A r b e i t e r l i t e r a t u r.' Mit dem Ersuchen um geneigtes Wohlwollen zeichnet hochachtungsvoll B e r l l n, ,m Dezember 1890. 2463 t Der Vorstand. NB- Beschwerden über unpünktliche Zustellung wolle man direkt an den I betr. Kezngv-Sprditeur richten, nicht an dessen Boten. Uerzeichuiss der Mitglieder btr Freien Bereinigung i>er Zeitnngs-Spediteure n.-Verkä'nser. Osten» Theodor Kn tzleb, Straußbergcrstraße 7 a. K u t> l e b II, Straußbergerstraßc 38. Wittwe Leist, Große Frankfurterstraße 39(auch Lesehalle). K. Bohn, Frankfurter Allee 183. Greßmann, Markusstraße 44(Verkaufsstelle Holzmarktstraße, Ecke Jannowiy-Brücke).> G. Flüreke, Am Ostbahnhof 9(Verkaufsstelle Fruchtstraße 77). Süd-Ostens 28. S ch ö n st e i n, Mariannenstraße 48(Verkaufsstelle Skalitzerstr. 123). 28. Schmidt. Pücklerstraße 0(Verkaufsstelle Köpenickerstraße, Ecke Eisenbahnstraße). W. Schäfer, Reicheubergerstraße 72(Verkaufsstelle Sklalitzerstraße 43). Riek, Mariannenstraße 17, auch Verkaufsstelle daselbst. Frau Schwarz, Skalitzerstraße 20(Verkaufsstelle Waldemarstraße 31). G. Schild, Wienerstraße 1, auch Verkauf- und Lesehalle. C. Grimm, Elisabeth-Ufer 30(Verkaufsstelle Oranien-Brücke). K u r tz, Wrangelstraße 73(Verkaufsstelle Oranienstraße 2a). Scholz, Louiscn-Ufer 40. F. Thiel. Reichenbergerstraße 40(Verkaufsstellen Dresdenerstraß« 70 und Wrangelstraße 2.) G. Wolf, Görlitzerstraße 33.. K. Kreideweiß, Oranienstraße 181(Verkaufsstellen Mühlenstraße, an der Eisenbahn-Brücke nnd Schillings-Brücke). I K e t t e r e r, Lausttzerftraße 38. Süden: 6. Merz, Rixdorf, Berlincrstraße 112.(Verkaufsstelle Kottbuserdamm 11.) j C. Beschnitt, Fürstmstraßc 20, Hof 3 Tr. I Süd-Westen: E. Pirch. Gneisenaustraße 7a. im Eingang zur Schule. Liepack, Gilschinerstraße 3..., H. Freienstein. Oranienstraße 116.(Verkaufsstelle Oramen- und) Alte Jakobstraßen-Ecke.) Westen: F S e m m l e r, Dennewitzstraßc 7. Nor d- Westen: F. V o ß, Birkenstraße 59. I WDM--«««W? s. mVWFffg&.m 9 Charlottcnburg. Pirch, Kirchstraße 7. Ache sjsentlilhe Httsmilling faturnflicher Metall-Arbeiter Spandaus als Klempner, Drücker, Gürtler, Schlosser, Mechaniker, Dreher, Maschinenhaucr,. Giesser u. s. w. Am Sonnabend, den 27. Dezember 1890(3. Feiertag), Vormittags IM Uhr, in Dressel's Tanzsaal. T a g c s- O r d n u n g:.... 1. Ter Provinzialtag der Metall-Arbeiter Brandenburgs. Referent: Weber. 2. Diskussion. 3. Wahl von Delegirten zu dem am 28. Dezember stattfindenden Telegirtentag zu Berlin. 4. 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Paul Stumpf, Mainz, Gartenseldstraße 4.[2290 Verlag des„Derliner Uolksblatt" Berlin SW., Beuthstrasse 3. nls zumeist erleichtert ist. wir den'Parteigenossen dabei, daß dieselben ausgedehnteste'Verbreitung Wir versenden an uns unbekannte BestellernurgegenNachnahme we�halbtzs sich empfiehlt, den Bestellungen den Ko st en betrag beizufügen oder rhn per Postanweisung zu übersenden.-MW Vollständige Verlagsverzeichnisse stehen in beliebiger Anzahl gratis und portofrei zur Verfügung. Ksbel, Aug., Der deutsche Bauernkrieg, mit Berücksichtigung der hauptsächlichsten sozialen Bewegungen des Mittelalters..... ■w Die parlamentarische Thätigkcit des deutschen Reichstags und der deutschen Landtage von 1874/76 und die Sozialdemokratie.... — Die Entwickeluug Frankreichs vom 16. bis gegen Ende des 18. Jahrhunderts.... — Das Reichsgesundhcitsnmt und sein Pro- gramm vom sozialistischen Standpunkt be- Achtet............. — Glasten zu Guyot's und Lacroir's„Wahre Gestalt des Christenthums". Nebst Anhang: Ueber die gegenwärtige und künftige Stellung der Frau............. — mcde zum Reichs-Militäretat voin 2. März ...........,.. — Rede zum Reichsetat von 1880..... — Rede über das Unfallverficherungs-Geset; von« -«»kSF:::::::::: Kracke, Milh., Die Verziveiflung im liberalen Lager............. — Der Lassalle-schc Vorschlag...... — Nieder mit den Sozialdemokraten.... Korckheim,§., Zur Erinnerung für die deut- scheu Mordspatrioten, 1806—1807. Mit Ein- leitung von Friedr. Engels.... Chirrti st en- Bewegung, Die. in England. M«t Anlagen: a) Rede I. R. Stephens, ge- halten am 10. Febr. 1839 in Stalevbridge. b) Beschlüsse der Chartisten-Konferenz vom April 1851............ C h r« st e n t h«i in und Sozialismus. Eine religiöse Polemik.......... DruiUr, Gracchus Babeuf und die Ver- schwörung der Gleichen. Aus dem Iran- zösischcn und mit einem Nachwort von E. Bernstein........... Die, ige», 3., Die Religion der Sozialdemokratie. Fünf Kanzelreden......... Die Znkuuft der Sozialdemokratie.... Douai, Ad., ABC des Wissens für dieDcnkcnden Grearins, I. G., Der Kampf des großen und des kleinen Kapitals, oder: Die Schneiderei in London............ —• Eines Arbeiters Widerlegung der national- ökonomischeu Lehren I. St. Mills... Gesellschaf tlichesund Privat- Eigen- t h u m. Ein Beitrag zur Erläuterung des sozialistischen Programms....... ©uijot, Ines und Sigismund Farroir» Die wahre Gestal des Christenthums.... Inroby, Job.. Das Ziel der Arbeiterbewegung KnUr, G., Wilhelm Weitling. Seine Agitation und seine Lehre.......... IrtfiU'gnc, K., Der Materialismus nach den An- schauunge» von Karl Marx...... — Die Entwickelung des Eigenthums... LastaUc, Fcvd., Rede über die Arbeiterfrage. — Offenes Antwortschreiben....... — Arbeiter-Programm......... — Arbeiterlesebuch.......... — Die Wissenschaft und die Arbeiter.,.. Mark 1,60 0,25 0,15 0,10 0,15 0,10 0,15 0,10 0,20 0,10 0,30 0,10 0,25 0,25 0,10 0,25 0,15 0,15 0,15 0,10 0,30 0,10 0,30 0,05 0,40 0,20 0,25 0,10 0,10 0,15 0,25 0,15 Mark Lastalle, Ferd. Kleine Aufsätze: 1. Die sraiizösischen Nationalwerkstätten von 1848. 2. Antwort an Herrn Prof. Rau. 3. Lassalle und die Statistik von W. Wackernagel. 4. Herr W. Wackernagel, der moderne Hero- stratus. 5. Erwiderung auf eine Rezension der Kreuz-Zeitung........... — Ueber Verfassungswesen. Was nun? Macht und Recht............ — Assisenrede vor den Geschworenen zu Düffel- dorf am 3. Mai 1849........ Li-bburcht. Mill,.. Wissen ist Macht und Macht ist Wissen.......... — Zu Schutz und Trutz........ — Ueber die politische Stellung der Sozial- deniokratie........... — Zur Grund und Bodenfrage..... — Hochverrath und Revolution...... 0,25 — Das Briefgeheimniß vor dem deutschen Reichstage............ Mar?, Kart, Enthüllungen über den Kölner Konnnunisten-Prozeß. Mit Einleitung von Friedr. Engels und Dokumenten.. — und Fr. Eiijjel», Das kommunistische Manifest............ Marx vor den Kölner Geschwornen. Prozeß gegen den Ausschuß der rheinischen Demo- traten wegen Aufrufs zum bewaffneten Widerstand. Mit Vorwort von Fr. Engels Most, Jost., Der Kleinbürger und die Sozial- deniokratie............ — Die Pastille am Plötzensee. Blätter aus meinem Gefängniß-Tagebuch...... — Die sozialen Bewegungen im alten Rom und der Cäsarismus........ Protokoll des Dresdener Kongresses 1871. — des Koburger Kongresses 1874..,., — des Wydener Kongresses 1880.,,. — des Kopenhagener Kongresses 1883,,. — des St. Gallener Kongresses 1887.... Rohlrder, Frz.. Die Pariser Kommune vor der Deputirtenkammer in Versailles.... Schulze, der tobte, gegen den lebenden Lassalle Sozialdemokratisches Lesebuch.. Inhalt: Jacoby, Ziel der Arbeiterbewegung. Parteiprogramm; Die zehn Gebote im Reich der Gottesfurcht; Das Lied vom Arode; Demokratie und Sozialismus iin altenGriechenland; Politisch und unpolitisch Belehrendes, Erzählungen, Gedichte, Bio- graphien:c. Sozialdemokratische Bibliothek. Band I u. II gebunden a...... Stamm, A. TH., Blicke auf das Volkselend und die Volkssterblichkeit der deutschen Reichs- Hauptstadt............ Uallma?,©., Waldverwüstung und Ueber- schwemmung........... M-lst. Milh.. Die schlesische Milliarde. Mit einer Einleitung und Biographie Wolff's von Friedr. Engels....... Zeitgeist, Der. Eine Studie über National- ökonomie, Politik, Kunst, Wiffenschast, Ge- rechtigkeit 0,15 0,15 0,25 0,25 0,20 0,10 0,50 0,20 0,25 0,10 0,15 0,30 0,40 0,80 0,30 0,30 0,20 0,20 0,25 0,10 0,25 0,20 3,60 0,05 0,10 0,20 0,15 Srsonderer Keachtung empfohlen! In Verbindung mit unserer Verlags-Buchhandlnng haben wir eine Eentral-Uertrlebostelle für die sozialistische Liierrrt«? aller Länder geschaffen, die die hervorragendsten Schriften auf diesem Gebiete vorräthig hält, bezw. dieselben auf dem schnellsten Wege beschafft. Wir halten dieselbe den Parteige offen bestens empfohlen. n Ich habe keine Filialen und stehe mit ähnlich lautenden Firmen in keinerlei Kezieh eng. Kitte daher genau ans Firma zu achten. Wollen Sie bei Ihren©inkänfeu streng reell bedient sein, so bemnhe» Sie stch z» Ja Baer i IQ Üb»1 TV TS S| Kerlin N., Gesundbrunnen, Kadstraße 18, Ecke der Stettinerstraße, Geschäfts Großer W j M Kleiner Umsatz- lüSnbSl Nutzen. selbst in überraschender Auswahl: Atfl.WWtt-PMM 27-««. Ist«. KlMWNi-Roik-AiiW' 87. 30, 36-40 M. 18, 81, 24. 87-33 M. 6, 7. 8-18 M. � * stärkste Zläharbeit, äußerst billig. W#### MitWen Reizeitde Ktlabev-Mzüge n. Paletots str jeiles Älter 11. 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Sündermann, Skalitzerstr. 122, 2 Tr.— Mitglieder und Freunde der Ge- sellschast ladet zu zahlreichem Besuch ein_. 2370 Der Vorstand# Ostend-Theater jfllülksmterjtr. 1�>. Freitcig, den 26. Dezember 1890(2. Weihnachts-Feiertag), Mittags 12 Uhr: Grosse Matinee zum wohlthätigen Zweck, arrangirt vom Skatklub„Rückwärts�. EröHnung lOVs Uhr. Der Vorstand. Billets a 30 Pf., an der Kasse 50 Pf. Billets sind in den mit Plakaten belegten Handlungen, sowie in den Restaurants Roderke, Pallis adenstr. 47, u nd Spiekermann, Markusstr. 6, zu haben.__ Berliner Sanitäts-Terein. ,Mt«MiM-Mliitt" am Freitag, den 26. Dezember(2. Weilmaclits-Feiertag), Aktien-Brauerei Friedrichshain(früh. Lips) unter gütiger Mitwirkung deS Gesangvereins„Schildhorn"(Dirigent P. Knrz) und des Burghardt'sclien Posaunenchors, sowie der Duettisteu Geschw. Hintsche. MF- Eröffnung des Saales IG a Uhr."#8 zZillets ä 30 pf. sind bei allen Vertrauensmännern und Vorstands- Mitgliedern zu haben. Um recht zahlreichen Besuch bittet 2415 Das Comitee. Schneider s Gesellschaftshaus lBelsortttsKüP 13). Freitag, den 26. Dezember 1890(2. Weihnachts-Feiertag) l Grosse Matinee znm wohlthätigen Zweck arrangirt vom Gesangv.„Myrthenblättcr1, (Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes) unter Leitung seines Dirigenten Herrn Conrad Sehulken, unter gütiger Mitwirkung des Gesangshumoristen Herrn Emil Schleuse, sowie des Tenoristen Herrn C. Schulken, und der Hauskapelle.— AuS besonderer Gefälligkeit Austreten der unübertrefflichen Athleten Herren Ferdinand Arndt, Robert Röpnack, Franz Konrad. Letztere setzen eine Prämie von 1000 Mark aus für diejenigen, welche im Stande sind, ihnen ihre Leistungen nachzumachen. Billets a 25 Pf. sind bei den Mitgliedern Herren O. Schein, Langestraße 8, vorn 4 Tr.; R. Woltersdorf, Kl. Andreasstr. 8, v. 3 Tr.; E. Schleuß, Bnchholtzcrstr. 3, vorn 4 Tr., zu haben. 2413 Großer Sylvester-Kall in Joel's Salon Wer Keller), AMeasßr. LI, arrangirt vom Verband der Zimmerlente Berlins am Mittwoch, den 31. Dezember 1890, unter Mitwirkung des Arbeiter-Gesangvereins„Hoffnung". 12 Uhr: Kaffeepause. Während der Pause Featrede, Vorträge, Ueberraschungen. Hierzu sind alle Zimmerer, Freunde und Gen offen freundlichst ein- geladen. Das Komitee. Billets Herren 50 Pf., Damen 25 Pf., sind zu haben bei H. Ortland, Steglitzerstr. 58; Both, Kurfürstenstr. 75; J.Schmidt, Lausitzerstr. 3; H.Pagst, Reichenbergerstr. 58; W.Schulz, Skalitzerstr. 124, III; H. Weigmann, Fruchtstr. 34a, H. Knüpser, Blnmonstr. 39; Carl Stehr, Stendalerstr. 8, ferner bei den Kassirern der freien Hilfskassen in den mit Plakaten belegten Handlungen. 2326 Verein znr Wahrmig iier Anterep kr Schuhmacher. IM" Weihnachts-Vergmigen am 8. Feiertage in Mag's Festsäie«, Seuth» Straße Uo. 80, beflehend in Tanz und Vorträgen. Festvortrag, gehalten von Herrn Pens. Entree für Herren 50 Pf., für'Damen 25 Pf. Tanzen frei. Anfang 7 Uhr. Zu zahlreichem Besuche ladet alle Kollegen und Genoffen freundlichst ein 2455 Der Vorstand. Billets sind zu haben bei Süßmeier, Kl. Mauerstr. 2; Adamschack, Auguststr. 6a; Mehlberg, Friedrichstr. 243, Hof 2 Tr.; Germer, Wrangel- straße 108, v. 4 Tr.; Niederauer, Lothringerstr. 52, Hof 2 Tr.; Restauration Raabe, Schönholzer- und Ruppinerstraßen-Ecke. Sozialdemokratischer Wahlverein für denjj. Berliner Reichstags-Wahlkreis. Sylvester- Kranzchen am 31. Dezember 1890, im Saale der Brauerei Bötzow am Prenzlauer Thor. Billets Ix 30 Pf. sind zu haben bei Berndt, Hussitenstraße 6, 3 Tr.; Lesser, Lothringerstr. 8; Wittchow, Restaurateur, Elsasserstraße und Kleine Hamburgerstraßen-Ecke; Kuhlmey, Neue Friedrich- und Rosenstraßen-Ecke; Wagner, Neue Königstr. 89; Gumpel, Barnimstr. 42.— Pflicht aller Mitglieder ist es, sich hieran recht rege zu betheiliaen. Ferner werden alle diejenigen, welche bei Verlheilung von Flugblättern helfen wollen, ersucht, sich bei den Vorstandsmitgliedern Emil Frilsche, Jnvalidenstr. 38, Hof 3 Tr.; Fritz Berndt, Hussitenstr. 6, 3Tr.; Lesser, Lothringerstr. 8; Gumpel, Barnimstr. 42, zu melden. 2449 Der Vorstand. Gr. Mtl. WeidMechumlim aller in der Vekleidungsiudustrie beschäftigten Arbeiter u. Arbeiterinnen am Sonnabend(dritter Feiertag), im Lokale de» Herr» Nürnberg, Schönhauser Allee 88. Tages-Ordnun g: 1. Welche Forderungen stellen wir der immer mehr um sich greifenden Konfektionsarbeit gegenüber? 2. Diskussion. 3. Augenblicklicher Stand der Streik-Kontrolkommission. 4. Verschiedenes. 2459 Die Agitations-Kommission. . Verantwortlicher Redakteur:«urt Saake in Berlin. Druck und Verlag von Mar Fading in Berlin SW., Beuthstraße 2.