Mr. 46. Aboimemtnt»-Kedingungen: Abonnements- Preis pränumerando: «ierteljährl. 330 Mb. wonatl. I.ioMb. wöcheutltch 2S Pfg. frei in« Hau«. Einzeln« Nummer S Pfg. Sonntag»- Nummer mit tlluftrtrter Sonntag«- Beilage„Die Neue Welt" lv Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zeitung«- Preisliste für lSS7 unter Lr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrs. Die Inftrtions- Gebühr beträgt für die fechZgefpaltene ttolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg.. für verein»- und Perfammlungs-Anzeigen, sowie Arbettsmartt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bi« 1 Uhr abend«, an Sonn- und Festtagen bi« 2 Uhr vormittag« geöffnet. Erscheint täglich auger WaaLag». i Vevlinev Volksblakk. Fernsprecher: Nmk I, Nr. ISOS, Telegramm-Adresse: «VozialdemoKrak Berlin". Zentvalovgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Fiedaklion: 8V. 19. Weuiy-Slraße 2. Mittwoch, de» 34. Februar J89'7. Expedition: LV. 19, Wenth-Straße 3. Vekrachknngen übev den Hnnrbuegev SkeeiK. ii. Äir sind nicht der Meinung, daß eS möglich sein wird, alle nnnberlegten Streiks zu verhindern, aber wir halten es für verfehlt, wenn der gesanimte Apparat der politisch und gewerkschaftlich organisirten Arbeiterschaft jedesmal zu gunsten einer Bewegung in Funktion tritt, unbekümmert um deren Entstehling lind unbekümmert um die Chancen, welche sie in bezng ans Erfolg hat. Die Solidarität ist eine sehr schöne Sache, aber sie fast ausschließlich nur gegenüber solchen zu üben, die selbst sie grundsätzlich nieidcu, indem sie trotz aller Gelegenheit und Anffordernng den Organisationen ferne bleiben, das scheint uns eine verfehlte Taklik- Unter keinen Umständen soll aber der bisherige Zustand weiter bleiben, daß die Unorganisirten die Situation schaffen und die Organisirten dann die Folgen und Koste» zn tragen haben. Um solche Möglichkeiten in Zukunft zn vermeiden, müffen wir es eben darauf ankommen und gegebenen Falls einmal eine unvor- bereitet ausbrechende Bewegung von vornherein ins Wasser fallen lassen. Das wird für die in Frage kommenden Massen die Folge haben, daß sie den Werth der Organisation schätzen lehren. Aber damit nicht genug, daß wir in Zukunft nicht mehr unbe- sehen jeden Ausstand als Sache der allgemeinen Arbeiterschaft be- handeln, wir niüssen auch bezüglich des Abschlusses von Streiks:c. lernen. Es nützt nichts, Streiks weiter zu führen, wenn die Erkenntniß, daß ein Erfolg nicht mehr zn erzielen ist, sich all- gemein aufgedrängt hat. Gewiß ist das Sache des Urtheils und der eine urtheilt so, der andere anders. Aber es kommt doch auf die Gründe an, welche man für sein Urtheil hat. Wenn wir z. B. in den meisten Aufrufen für Streiks der Phrase be- gegnen:„die Streikenden werden siegen, w e n n genügende �Unterstützung eingeht. Arbeiter, Genossen, sorgt deshalb für /Ilnniliott n. s. ro.", so müssen wir allerdings sagen, daß ein solcher Grund uns eher als alles andere nur nicht als Siegeschance erscheint. Mit wenn— bau n ist in solchen Fragen garnichts auznsangen und sie sollten bei ciner ernsten Benrtheiluug ausscheiden. Leider aber spielen sie in unserer Streikbewegung eine große Rolle. Sehr zum Nach- theile dieser Bewegung selbst, denn wirthschastliche Erscheinungen wollen nüchtern beurtheilt werden. Wer aber mit w e n n— denn operirt, der begiebt sich in das Gebiet der ungreifbaren Möglichkeiten. Alle Menschen können hundert Jahre alt werden, wenn sie nicht vorher sterben. So geht es auch gewissen Streik- Phantasten. Nach ihnen würde kein Streik verloren gehen— wann die Unterstützungen nicht ausgingen und wenn es keine Streikbrecher gäbe. Nun ist aber der Brunnen, aus dem die Arbeiter schöpfen können, leider nicht so tief, daß er nicht ausgeschöpft werden kann, und leider ist die industrielle Reservearmee eine sehr reale Thatsache uzid aus ihr werden sich immer Streikbrecher finden. Es ist eine große Täuschung, deren sich Arbeiter hingeben, wenn sie sich für unersetzlich halten. Wenn die Kapitalisten bereit und im stände sind, die noth- wendigen Opfer daran zu setzen, dann werden sie mit der Zeit auch immer Ersatz finde». Es hat sich dies auch jetzt wieder beim Hamburger Streik gezeigt, wo mit der Einstellung der Binnenschifffahrt Arbeiter frei wurden, welche sich als Ersatz für die angeblich unersetzbaren Ewerführer sehr wohl eignete». Es hat nicht an Stimmen gefehlt, tvelche rechtzeitig ans diesen Ersatz aufmerksaui machten, aber sie wurden nicht genügend beachtet. Wir meinen, daß das sehr zn unrecht geschah und daß es vernünftiger gewesen wäre, damals unter Würdigung dieser Ersatzmöglichkeit und unter Akzeptirung des Angebotes eines Hafen inspektors und der Intervention des Senats Frieden zu jchtieße». Auch wir sind der Anfielst, die jetzt ein leitendes Gcwerk- schaftsblatt ausspricht, daß in der Zusage des Hafeninspektors eine kleine Errungcnschast zu erblicken ist, aber das war sie doch damals, als sie zuerst angeboten wurde, auch schon und die Aussicht mehr zn erlangen war längst geschwunden. Warum hat man also nicht damals Frieden geschloffen und sich dazu erst bequemt, als man beim Zustande vollständiger Er- schöpfung, des Weiß-Blntens augelangt war? Die halbe Million, die seit jenen Tagen, wo der Streik für jeden Einsichtigen bereits verloren war, noch an diese ver- lorene Sache dran gewendet ivorden ist, hätte den Rheder», zu gelegener Zeit später verwendet, sehr unbequem werden können, lvahrend sie jetzt ohne Erfolg und fast ohne Schaden für die Rheder ausgegeben worden ist. Gewiß kann man einwerfen, daß die Streikenden die Be- endigung des Streiks abgelehnt haben. Aber, aufrichtig ge- standen, was konnte denn diese Ablehnung bedeuten, wenn die maßgebenden Kreise erklärt hätten, die weitere Fortsetzung dcS Kampfes unter den gegebenen Verhältnissen se, eine zwecklose Kraftvergeudung und dafür die moralische Verantwortung zu übernehmen sei man nicht im stände? Glaubt jemand, eine solche Erklärung hätte nicht gewirkt? Gewiß hätten einzelne Hitzköpfe über Verrath geschrien, aber das thnn sie jetzt auch. Rechtzeitig Frieden zu schließen, ist eine Kunst, die wir anch erst lerne» müssen; dabei dürfen uns Vorwürfe und An- schuldigungen nicht abhalten, gegebenen Falles energisch durch- zugreifen. Wir sind also der Meinung, daß der Ausstand in Ham- bürg weit über den Zeitpunkt hinaus hingehalten worden ist, wo auf einen Erfolg noch zu rechnen war, und wir halten dies für einen großen taktischen Fehler. Wir werden von dieser unserer Ansicht auch nicht abgc- bracht dadurch, daß sie an anderer Stelle nicht getheilt wird. So finden wir in dem bereits erwähnten Gewerkjchaftsblatt die Ansicht ausgesprochen, daß:„uni auf Erfolg rechnen zu können, der Streik noch 4—5 Wochen hätte andauern müssen." Wir gestehen, daß wir diese Auffassung für grundfalsch halten. Das zitirte Blatt giebt auch nicht mit einer Silbe an, worauf sich denn seine Annahme stützt, daß in 4—5 Wochen die Rheder zur Nachgiebigkeit geneigt gewesen sein würden. Im Gegentheil, in demselben Artikel ist zu lesen: Die„Unternehmer vermochten bei der gegenwärtigen Geschäftslage den dringendsten Anforderungen zu genügen", und weiter wird dort zugegeben, daß mau mit den Binnenschiffern die Ewerführer zn ersetzen in der Lage i. Worauf stützt sich nun die Hoffn 4—5 Wochen dies anders sein nnd den Rheder» der Ersatz gewesen fei. Worauf stützt sich nun die rung, daß in nicht mehr zur Verfügnng stehen würde? Wir sind der Meinung, daß das Gegentheil zutrifft, daß für die Rheder der kritische Zeitpunkt längst überschritten war, und daß sich mit jeder weiteren Woche die Arbeitsverhältnisse für sie gebessert nnd die Aussichten für die Streikenden ver- schlechtert hätten. Wir halten die beweislose Aufstellung von Sätzen wie dem zitirten, auch um deswillen für taktisch falsch, weil dadurch nur zu leicht Unmuth nnd Verwirrung in den Reihen der Arbeiter hervorgerufen werden kann. Wenn es richtig wäre,>vas das erwähnte Blatt schreibt, so wäre der Hamburger Streik nicht an der Reservearmee der Arbeiter, sondern an der Geldsrage gescheitert. Eine halbe Million Mar! mehr nnd die 4—5 Wochen wären aus- gehalten worden und der Erfolg war gesichert. Also mehr Geld und die Arbeiter brauchten nicht x-cksr peoeavi zn sagen. Wenn diese Annahme richtig wäre, drängt sich da nicht von selbst die Frage auf, ob denn wirklich falle finanzielle» Reserven erschöpft waren und ob es nicht möglich gewesen wäre, die halbe Million, an der der Sieg hing, noch zu be- schaffen? Wir gestehen, daß wir an diese Möglichkeit glauben, aber wir bestreiten die Richtigkeit der Voraussetzungen. Hätte es sich in Hamburg nur um eine Geldsrage gehandelt und hing das Schicksal des Streiks wirklich davon ab, ob die Arbeiter noch 4—5 Wochen ihre Unterstützung erhielten, dann durfte der Streik nicht aufgegeben werden und wir stehe» nicht an, die Behauptung aufzustellen, daß dann noch Reserven zu erschließen waren, die in Verbindung mit dem Ergebniß der Sammlungen ausgereicht hätten, den Bedarf der 4 bis 5 Wochen zu decken. Wäre die Voraussetzung richtig, dann müßte man zugeben, daß wirklich nicht alles geschehen ist, was angesichts des großen Objektes, um das sich der Kamps drehte, hätte geschehen können. Was liegt dann aber näher, als daß ein Gefühl des Unmuthes bei den Unterlegenen und deren Mitkämpfern zurückbleiben muß darüber, daß sie auf die sichere Frucht des Sieges verzichten mußten, weil man die letzten nvthwendigen Mittel nicht daran zu wenden wagte! Dieses Gefühl des Unmuthes zn erwecken, es wäre nicht nur gefährlich, sondern auch im höchsten Grade thöricht und besonders für jede zukünftige Aktion von den verderblichsten Folgen. Nichts ist gefährlicher, als sich über die eigene Kraft zu täuschen. Eine solche Täuschung ist es aber, wenn in bezng auf den Hamburger Streik noch die Meinung vorhanden ist, die Unternehmer hätten durch die sortgesetzte Verweigerung der Arbeit zur Nachgiebigkeit gezwungen werden können. Diese Ansicht fnßt eben nur auf jener bereits gekenn- zeichneten Operation mit wenn, dann und von dieser Phantasterei sollen wir uns befreien, indem wir lerne», mit den nüchternen Thatsachen zu rechnen. Der Hamburger Streik ist der gewaltigste gewerkschaftliche Kamps, den wir bisher in Deutschland durchgekämpft haben. Derselbe hat Riesenopfer gekostet. Diese Opfer sind aber nicht umsonst gebracht, wenn die Arbeiterschaft daraus die Lehre zieht, daß die erste und unerläßlichste Voraussetzung für den Erfolg der Gewerkschaftskäinpfe die Organisation ist. In der Organisation aber muß die kühle, wohl überlegte und den ge- aebenen Verhältnissen Rechnung tragende Erwägung den Aus- schlag geben. Gewiß ist auch die Begeisterung ein niächtiger Faktor, aber dieselbe wird um so weniger fehlen, je mehr Klugheit und Ueberlegung unser Banner führen. polikische Aebvvstchk. Berlin. 23. Februar 1897. Ans dem Neichstage. Die heutigen Verhandlunge» waren in ihren» ersten Theile ohne jedes weitere Interesse. Die Frage, wie das Deutsche Reich seine Schulden zahlen will— um diese handelte es sich— ist auf absehbare Zeit von ganz uiltergeordneter Bedeutung, denn vorläufig häufen »vir noch Schulden auf Schulden, während es niit dem Abzahlen lange noch gute Wege hat. Deshalb bctheiligten sich unsere Genosse» an der Debatte über diese„Doktorfrage" auch gar nicht. Die Vorlage betreffend Abänderung des Gesetzes über die Lohnbeschlaguahme»vurde fast ohne Debatte erledigt, nachdem ein Antrag, welcher den von Genossen Stadthagcn i>» der ersten Lesung vorgebrachten Bedenken Rechnung trägt, angenomnien wurde. Die Frage der Uilterstützung der hilfsbedürftigen Kriegs» theilnchmer, welche keinen Anspruch aus Pension haben, be« schäftigt den Reichstag schon seit Jahren. Wiederholt sind An- träge angen.»nmen worden, diesen Veteranen entgegenzukommen, iinmer aber sind dieselben ain passiven Widerstand der Re- gieruugen gescheitert. Heute endlich hat sich der Reichs-Schatz- sekretär Posadowski zu der Zusage bcqueint, daß ein Nachtragsetat eingebracht»verden soll, der diese Frage regelt. Der Reichs- tag nahm fast einstimmig eine Resolution au, in der aus- gesprochen»vird, daß den hilfsbedürftigen Kricgstheilnehmcrn aus den überschüssigen und bisher aufgesparten Zinsen deS Jnvalideufonds eine jährliche Unterstützung von 120 M.— gewährt»verde. Den Standpunkt unserer Partei legte Genosse v. V o l l m a r in kurzen Worten dar. Morgen, mittags 1 Uhr, nächste Sitzung.— Das preußische AbgeordneteuhanS nahm heute zunächst ohne Debatle in dritter Lesung die Gesetzentivürfe betr. die Er- ganz un g einiger jagdrechtlicher Be st immun gen nnd betr. die R e ch t s v e r h ä l t n i s s« der Auktionatoren i n O st s r i e s l an d und H a r I i n g e r l a n d a n. Die hierauf folgende Berathung des Etats der B a u v e r iv a l t u n g bot wenig Bemerkenswerthes. Zu erwähnen ist nur, daß bei dieser Gelegen- heit die Petilion der Stadt Berlin um Aushebung der Baupolizei- gebühren sowie ähnliche Petitionen aus Potsdam und Wiebbaden durch Uebergang zur Tagesordnung erledigt wurden. In der nächsten Sitzung, die erst am Freitag stattfindet, beginnt die Be- rathung deS l a n d w i r t h s ch a f t l i ch e n Etat?.— Am 24. Februar, ist der 49. Geburtstag der Februarrevolution. Am 22. Februar 1843 begannen in Paris die Straßenkundgebungei» gegen das korrupte Re- giment des„Bnrgerkönigs" Louis Philippe; den 23. kam eS zn ernsthaslem Kampf und am 24. zum Siege des Volkes: Verjagung des Königs und Proklamirung der Republik ans grund des allgemeinen Stimmrechts. In Deutschland»var die sogenannte„M ä r z r e v o l u t i o n" der Nachhall der Er« eignisse in Paris. Die dnnokratische Begeisterung des Bürgerthums ver« schivand in Frankreich, sobald da? Proletariat mit seinen Forderungen hervortrat. Und als gar die französischen Arbeiter in der furchtbaren I u n i s ch l a ch t das ihnen ver- »veigertc Recht mit den Waffen in der Hand zu erstreiten suchten, da»var es mit der bürgerlichen Demokratie und dem bürgerlichen Liberalismus vorbei. In Frankreich wurde Bouaparte, in Deutschland— 13 Jahre später— Bismarck, das Ideal der Bourgeoisie. Die schmutzigen und blutigen Orgien des Kapitalismus nannten und nennen sich Gesellschaftsrettnng; nnd heute ist die Bourgeoisie, die vor 49 Jahren noch für die Freiheit und die höchsten Güter der Menschheit schivärmte, im Schlamm des Servilismus und des lvüstcsten Materialisinns versunken. Die Trägerin der Kultur aber und des demokratischen Ge- daukens ist die Arbeiterklasse geivorden, die, allen An- feiudungen zum Trotz, ihre geschichtliche Aufgabe erfüllen nnd ihr Programm siegreich verivirklichen wird.— Nebcr den Untergang der„Elbe"»vird nachlrnglich folgendes bekannt: In der letzten Sitzung des denlschcn Nrnilischen Vereint machte Geheimrath Donner Mitlheilniig Über den Untergang der „Elbe", welche die Schuld des Steuermanns nnd Ausguckmauii? der „Crathie",die mit der„Elbe" zusammenstieß, nnzweiselhaft erweisen. Ge- Heimrath Donner erhielt von dem Koroner in Lnssex, der die Untersuchung leitete, eine briefliche Aiittheiluiig, daß der Matrose, der damals am Ander der„Crathie" stand, sich in Amerika auf- hält. Da er sich außer Schußlinie befinde, so habe er die volle Wahrheit eingestanden. Danach haben der Steuermann und Ausguckmauii ihre Posten verlassen und sich in die Kabine begeben, s o d a ß beim Z u s a m»» e u st o ß der„Elbe" die„Crathie" führerlos gewesen ist.— Die gestrige Sitzung der französischen Kammer ist weit ruhiger verlause», als man erwartet halte; und wie aus dem heute von uns veröfsentlichteu Telegraium erhellt, hat die Regierung mit großer Mehrheit eine ihre Politik billigende Tagesordnung erhalten. Es ist das die Folge der allgemein herrschenden Furcht vor einem Krieg, dessen Umsaug. Verlaus und Ende niemand berechnen kann. Diese Furcht ist auch in den Kreisen der radikalen Demokratie vor« Händen, die sonst gerne in GesählSpolitik macht. Und daß ei» Sturz der Regierung im jetzigen Moment unübersehbare Folge» ge« habt hätte, das war wohl jedem klar. Die Darlegungen des Herrn Hauotaux, Minister deS Aeußeren, lassen erkennen, daß die französische Regierung mit dem englischen Vorschlag: Kreta unter dem Protektorat der Großmächte eine antonome Verwaltung zu geben, welche formell die Oberherrlichkeit des Sultans bestehen läßt, einverstanden ist. So hätte also England, da? eine kolossale Flotte im Mittelmeer versammelt hat — größer als die aller übrigen Mächte zusammen— gegenwärtig die führende Rolle— im Mittelmeer. Freilich, die türkische und sogar die kretensische Frage reicht weit über das Mittelmeer hinanS; und jeden Augenblick kann dir Lage sich wieder verschiebe».— Das Bombardement deS vorigen Sonntag waren bloß— Schreckschüsse.— Die letzte Sozialistendebatte in der französischen Kammer ist dem Reichskrakehler im Sachsenwald besonders unan» genehm, weil sie die Legende von der valerlaudslosen Sozial» demokratie zerstört hat. In seinem ohnmächtigen Grimm thut er als ob es für die deutsche Sozialdemokratie sehr fatal wäre, daß ihre Haltung vor und während dem Krieg von 1370/71 öffentlich beleuchtet worden sei. Im Gegentheil! Die deutsche Sozial- demokratie ist stolz auf ihre Haltung gegenüber jenem barbgrischen Diplomaten» und Tynastenkrieg. Sie war damals schon iveit patriotischer als der Man», der vor 1870 bereit war, deutsches Gebiet an Napoleon zu verschachern, und den» vor kurzen» von der deutschen N e i ch s r e g i e r u n g amtlich das Brandmal des L a n d e s v e r r a t h e s aus die Slirne ge> drückt»vorde» ist.— Internationale Pestkonfercuz. In der am 22. d. Mts. abgehaltenen Plenarsitzung war eine Mittheilung der englischen Tele- gation eingegangen, daß die Licgiernng von Großbritannien beschlossen habe, für dieses Jahr die Pilgerfahrten von Indien nach Mekka vollständig zu verhindern. Jede Delegation legte die Ansichten ihrer Regierung dar. Die Konferenz stimnile einem Beschlußantrag in dem Sinne zi», daß die- jenigen Mächte,»velche»nuselmanische Bevölkerung in ihren Gebieten haben, darauf eingehen, für dieses Jahr Maßregeln zu treffen, um die Pilgerfahrten ans den betreffenden Ländern mit allen Mittel» zu verhindern oder so weihrvie möglich zu beschränken.— Die Situation auf Kreta hat sich nicht zuungunsten der Kre- tenser geändert. Die Erklärungen der leitenden Minister im fran- zösischen und englischen Parlamente garantiren ihnen schon die fast vollständige Selbständigkeit von der Türkei, die Selbstverwaltung und in vielen Fragen das freie Bestimmungsrecht, nur die Oberhoheit des Sultan sollen sie sich auf einige Zeit noch gefallen lassen. Wir glauben, daß die Situation für die Kretenser noch bedeutend günstiger ist, denn die nun von der Insel Kreta mit diplomatischen Noten und auch mit Schreckschüssen von der Insel nicht mehr zu vertreibenden griechischen Truppen werden wahrscheinlich die Bereinigung Kretas mit Griechenland erzwingen. Frankreich, England und Italien werden sich einer solchen Lösung nicht widersetzen und Rußland kann sich seines Renommees im Orient wegen auch nicht auf die Dauer für den Sultan und gegen die Wünsche der Kretenser erklären, so wird Deutschland wohl allein zurückbleiben, daß die An- wendung der Geivalt zum Zivecke der Erhaltung der türkischen Geivalt über ein nichttürkisches Volk fordern»vird. Aber Deutschland»vird nicht im Interesse des Sultans sich von den anderen Großinächten isolire» lassen. An Kaiser Wilhelm haben die in Paris lebenden Türken eine Dank- depesche folgenden Jllhalts gerichtet:„Die türkische Kolome in Paris, tief gerührt von der Sympathie und Gunst, die Seine Kaiserliche Majestät für die Türken bei den kretischen Ereignissen zi» beweisen geruht hat, legt an den Stufen seines erhabenen Thrones ihre Gefühle der Anerkennung und Dank- barkeit ehrerbietigst nieder/— Die„Nordd. Allg. Ztg." giebt diese Depesche in französischem Text ohne Bemerkung wieder. Erhebend muß es für die deutschen Staatsbürger nicht wirken, daß wir in diesem Konflikte nur auf türkische Syni- pathien zu rechnen haben. Wie sicher sich das kleine Griechen- land gegenüber den» europäischen Kongreß fühlt, geht aus der folgenden Depesche aus Athen hervor: Wie eL heißt, hätte der Minister des Aeußern Skuzes de» Gesandten der Mächte erlärt, eine Wiederholung des Vorfalles von Kanea»vürde Griechenland zun» Abbruch der diplomatischen Beziehungen veranlassen. Der türkische Gesandle Asfiin Bcy hätte seinerseits der griechischen Re- gier»lng mit derselbe» Maßregel gedroht, indem er die Zurückberufung der griechischen Truppen verlangte. Ueber die Situation auf Kreta wird ans Kanea telegraphirt: Die Konsuln von England, Italien und Rußland haben sich»ach Kadano begeben,>vo die Aufständischen 2000 Muselmanen belagern. Die Aufständischen lehnten es indessen ab, die Belagerung auf- zuheben und die Verproviantirung zu gestatten. Den Konsuln ist es uubenominen, die Frauen und Kinder der Muselmauen emzuschiffen,»velche nach Kanea gebracht»verde»». Die Aufständischen feuerten gegen kleine türkische Boote. Ein österreichisches Panzer- schiff und drei österreichische Torpedoboote sind in Kanea ein- getroffen. Während des Bombardements durchschlug eine russische Granate die Mauer einer Kirche, eine andere Granate fiel in der Euba» Bai in der Nähe eines englischen Dampfers nieder. Das Landen von Lebensmitteln und Muilition für die griechischen Truppen soll nun von den Kriegsschiffen verhindert werden. Die„Köln. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Die türkischen Truppen an der griechische»» Grenze von Makedonien betragen 6 Divisionen in einer Stärke von 32 000 Mann„,it zivöls Regimentern Kavallerie und 24 Batterien. Die Truppen stehen unter dem Befehle des bisherigen Gouverneurs von Aleppo, Edhen» Pascha. Nach zuverlässigen Angaben aus Athen stehen den türkischen Truppen an der griechischen Grenze bis- her 4000 Mann griechische Soldaten gegenüber, serner die au- gekündigte Verstärkung von 5000 Mann, so daß in 14 Tagen höchstens 9000 griechische Soldaten an der makedonischen Grenze sich be- finde», denen S türkische Divisionen gegenüberstehen. Von allen Seite», zieht die Türkei Truppen zusammen. Das Charakteristische an der Situation ist die Stellung des Dreibundes. Italien und Deutschland stehen in der wichtigsten Frage der auswärtigen Politik direkt gegen- einander. *** Dentsches Reich. — Zur Margarinegesetzmacherei schreibt die„Voss Zig.": Prof. Soxhlet, der Erfinder des bisher für die latente Färbung der Margarine einpsohlcnen Phenolphtalein, vertheidigt seinen Vorschlag gegen den des Reichs-Gesundheitsamts, die Margarine durch Beimifchuug von Dimethylamidoazobenzol, zu deutsch„Buttergelb", erkennbar zu mache»», ein Vorschlag, der allerdings daS Gegentheil des im vorigen Jahre von dein Reichstage beschlossene» Verbots der Färbung der Margarine bedeutet. Im Gegensatz zu den früheren, die Natur- färbe der Margarine nicht verändernden Mitteln, färbt nämlich das neue, der sogeuannte Azofarbstoff die Margarine intensiv gelb, so daß die Versuchung, Margarine für Butter zu verkaufen, noch größer und die Täuschung des Käufers erleichtert wird. Wird die so gefärbte Margarine mit Miueralsäure, Schwefelsäure, Salzsäure vermischt, so erhält sie eine Rolhfärbnng, die als Erkennungsiuittel dienen soll. Der Azofarbstoff ist aber»och leichter ausivaschbar als das Phenolphtalein, aber nicht in Sodalöfung, sondern in ver- dünnter Säure, weil die Trennung der sauren Flüssigkeit von den» Fett noch leichter und vollständiger erfolgt, als die der Sodalösung. Die Ausscheidung deS Farbstoffes erfordert aber in beiden Fällen besonder» Maschinen. Die M»»rgari»e wird in beiden Fällen i» Rohfett zurückverivandelt»nd dieses muß dann erst»vieder durch Zusatz von Milch zu Margarine verarbeitet»verde», so daß der prallische Nutzen dieser Operation als sehr fragivürdig erscheint.— — DerZentralvorstand der nationalliberalen Partei tritt nächste» Sonntag in Berlin zu einer Besprechung zu- fammen.— _ Die„Deutsche Tageszeitung", das Hauptorgan des Bundes der Landwirthe, versendet soebr» ihre» Geschäfts- b e r i ch t für das Betriebsjahr 1893. Im Geschäftsjahre 1894/9S hatte das Unternehmen eine»» Verlust von IS0 199, K2 M. zu verzeichnen. Für 1893 rechnet der Verlag«inen Ueberschuß von 28 738 24 Mark heraus. Davon sind 10 738,24 Mark von» Verlust des erste» Geschästsjahres abgeschrieben»vorden. Die Auflage des Blattes»vird mit 32 140 Exemplaren an- aeaeben. Die Einnahmen stellten sich auf 433 734,29 M., von denen SSI 656,68 M. Anzeigenerträg» waren. Bezeichnend ist, daß die „Tageszeitung" sich auch Provisionen für die Anzeigen berechnete, die sie für das Wochenblatt„B»>»d der Landivirthe" und den Bnndeskalendcr vermittelte. Allsgegeben>v»irden; Für Papier, Satz und Druck 287 103.40 M., für Bsnvaltmkg. Redaktion, Expedition, Generalunkosten 421 342,41 M. Der Bericht schreibt de» Allsschlvung des Unternehmers dein Umstände zu, daß die Tageszeit den „ V o l k s b l a t t ch a r a k t e r" in» letzten Jahre abgestreift hat»nid sich jetzt hauptsächlich an die verwöhilteren Leser ans den gebildeten Ständen wendet. Hält der Aufschwung an, dann soll erst der bisherige Verlust gedeckt»verde». Ist dies geschehen, dann»vird ein Ableger der„Deutsche» Tageszeitung" für die kleinste» ländliche», Besitzer gegründet. An eine Dividende für die Aktionäre ist also»och auf lauge hinaus nicht zu denken. Wenn diese Herreu sich nur so lange gedulden! Schon im ablaufenen Jahre schickten einige von ihuei» ihre„Gewinnantheilscheine" an den Borstand und wollten Dividende» habe»; nnd für 10 190 M. sind noch Einzahlungen rückständig. Das Verlagsrecht des Blattes ist unter de» Aktiven»»it 12ö 000 Mark angegeben; 172223 M. beträgt der Werth der Effekten und Koupons, 19350,20 M. das Guthaben bei Bankiers, 58 394,53 M. die ausstehenden Forde- rungen. Mit dem Verlust aus dem Jahre 1895. der ebenfalls als Akiivuin gebucht ist, macht das so ungesähr 500 000 M., d. h. das Aktleukapital. — Zur Charakteristik des Herrn Mohr veröffent- licht„Die Zeit" folgendes: Als iin vorigen Jahre der Reichstag sich mit der Margarinefrage beschäftig»-, kamen viele Margarinehändler nach Berlin, mn auf die Reichstags- Abgeordneten eiuzu- »virkeu. Auf diese Reisen fällt durch folgendes, den» Reichstags- Präsidium zugegaugeue, den Akten des Reichstags einverleibte Rundschreiben des Herrn A. L. M o h r ein bezeichnendes Licht: „Höflichst bezugnehmend auf»nein heutiges Rundschreiben, bitte den Herren, die»ach Berlin reisen, zu sage», daß sie keinesfalls sagen dürfen, daß ich die Veranlassung zu ihrer Reise gegeben. Sobald man in dem Reichstag oder in der Regierung erfährt, daß ich dahinter stecke, sagt»na», es sei nur Jiiteressenpolitik der Margarine-Fabrikanteu. Wegen der Kosten bemerke, daß ich auf Wunsch das Eisenbahu-Blllet ver- güle: Verpflegung n. s.>v. n»uß jeder aus eigme» Mitteln tragen. Hochachtend A. L. Mohr." Das nennt mau offen und ehrlich! So handelt ein deutscher Mai»»! Der Ansicht sind ja auch die liberale» Stadtverordneten und die nalioualliberalen Wahlinänner Altoua's, die Herrn Mohr einmal übers andere ihres Vertrauens versichern.— Torgau. Zur R e i ch s t a g s w a h l. Die soeben vom Landrald bekannt gegebene Eintheilung der Wahlbezirke des Kreises Torgau»vcist eine seltsame Eigenthümlichkeit auf. Es giebt in dem Kreise 84 ländliche und 7 städtische Wahlbezirke, von den letztere» einfalle» 3 ails die Stadt Torgau, je einer auf Belgern, Dommitzsch, Prettin und Schildau. Von den 84 ländlichen Wahl- bezirken ist nur für»inen einzigen, nämlich für Arzberg mit Kalheivitz ei» Gasthof als Wahllokal ausersehen worden. Für die 83 anderen Wahlbezirke sind als Wahllokal bestimmt »vorden in 17 Fällen die Schule, in 51 Fällen die Wohnung des Wahl- beziv. Geineinde-Borstehers, und in den letzten 15 Fällen das Rittergut, die Domäne, das Schloß oder das Erbrichtergut. Unter den Wahlvorstehern und deren Stellvertreter» nebmeu nebe» den Gemeindevorstehern, Rittergutspnchtern und Gutsbesitzern die Pfarrer de» breitesten Ral»m ein. Nicht weniger als 13 dieser Herren sind zu Wahlvorstehern beziv. Stellvertretern ernannt worden.— Auch das gehört mit zu den„kleinen Mittel»",»»»»ter deren Schutz ordnungsparteiliche Wahlen»vachsen und gedeihen.— — Sehr merkwürdig! Wie das in Planen erscheinende „Amtsblatt"»nittheilr, hat die sächsische Militärverivaltmig vor einiger Zeit an solche Fabrikanten von Musikinstriimeiite»,»velche für Lieferungen zu mililärischen Zivecken zugelassen siiid, eine Verfügung erlasse»,, nach der sie sich verpflichlen müssen, bei 3000 M. Buße de» bei der Jnstruuienlenlieferung betheiligteu Militär- beamteu keine Geschenke in Gestalt von Geld, Briefinarkc», Wein, Bier, Zlgarre»». dergl. zu macheu. Die Vorgeschichte dieser seit- saine», Maßregel läßt sich leider nur errathen. Jiitereffant wäre es, sie genau zu kennen.— — U»r 700 Mark handelt es sich bei dein Bankerott der „altbraunschiveigischen Volkszeitnng". Viel muß daS Welsenthnm seinen Anhängern nicht werlh sein, wenn sie wegen einer solchen Lappali» eines ihrer Blätter eingehen lassen.— — Der Landtag vonReuß j. L. ist zum 8. März ei»- berufen. Ob ihn» eine Novelle zum Beremsgesetz zugehen»vird, steht noch nicht fest.— München, 22. Februar.(Eig. Ber.) Nachdem durch die rüh- rige Agitation der Bauerubündler dein Zentrum der Bode» bei den oberbayerischen Bauern»»»iner mehr abgegraben»vird, ist Herr Dr. Datier, dem Führer der Zentrumsfraktion im bayerischen Landtage, au> vergangenen Sonntage ausgezogen, un» dem ober- bayerischen Bauernbunde in einer Versaiiimluiig zenlralpatriotischer Bereinsbauer» in Straußdorf bei Grafing den Garaus zu mache». Allein er hatte die Rechnung ohne die Bauerubündler gemacht, die die unglaubliche„Frechheit" hatte», diese echt christliche Vereins-Ver- sammlung durch ihre Anivesenheit zu entweihen. Da Herr Dr. D a l l e r sich weigerte, den Bauernbündlern das Wort zu erlheil«», so be- halfen sich diese mit Zwischenrufen, die sie bei den Ausführungen der einzelnen Zentrumsredner reichlich einwarfen, obgleich ihnen Herr Dr. Datier»viederholt mit Amvendnug seines Hausrechts gedroht halte. Die Vernichtung des Bauernbundes ist also Herrn Dr. D a l l e r vorläufig nicht gelungen, dagegen»vird er vielleicht die Ueberzeugung geivonnen haben, daß mit der alten Taktik, den Gegner»nundlodt zu machen, der verlorene Einfluß deS Zentrums auf die Bauern nicht wieder herzustellen ist.— Straßbnrg i. E., 23. Februar. In der heutigen Sitzung des LandesansschusseS stellte Sraatssekretär von Puttkamer die Vorlage eines Gesetzentwurfs in Aussicht, durch welchen an stelle der alten französischen Bestimmungen«in dem deutschen R e i ch s- P r e ß g e s e tz« analoge» Preß- g e s e tz als Landesgesetz ,»lr Einführung gelangen werde, welches aber der Regierung gewisse Besugniff» gegen die auswärtig» Presse verleihe»» soll. Oesterreich. — Der Niedergang des Liberalismus ist nicht besser zu illustriren, als durch die Thatsache, daß sie, die früher alle niederösterreichische» Wahlkreise besetzt halten, jetzt in Wien blos im ersten Wahlbezirke Kandidaten auszustellen wagen, und selbst diese Mandate»verden ihnen ernstlich bestritten.— Frankreich. PariS, 22. Februar. Der Senat hat ohne Debatte die Vor- läge betreffend Errichtung vierter Bataillone bei den Jnfa>»teri«-Regimeul«rn angenommen. Nun kann die Militärschraube von Deutschland aus wieder »veiter gedreht werde», die erste Ankündigung betreffend die Er- höhllug des Effekiivbestaudes der Armee bei der Vorlage deS nächsten Quinquenniums ist ja schon erfolgt.— Paris, 2l. Februar.(Eig. Ber.) Die gestrige Kammersitzung, in»velcher die Z>» t e r p e l l a t i o n des Genossen Jules Gliesde über Bebtl's und Bueb'S AuSiv eisung ver- handelt»vurde, gestaltete sich zu einer scharfen Abrechnung niil den patriotischen Verleumdungei», die diesseits und jenseits der Vogesen gegen die Eozialdentokratie erhoben»verde».— Guesde haue es leicht, den Nachweis zu liefern, daß die brutale Maßregel Barthou's einzig gegen die s o z, a l i st i s ch« Parteistellung der Ausgeivieseuen gerichtet»var und den herrschenden Gewallen in Deutsch. land beivußt oder unbewußt Schergendienste leisten sollte. Auf grnnd der bekannten historischen Dokumente über das Verhalten der delltschen Sozialdemokratie«nd speziell Bebel's n»d Lieb- knecht's in der etsaß-lothringischen Frag« zeigt« Guesde, daß die Aus- Weisung weder vom französischen noch vom republikanischen Stand- punkt» au» gerechtsertigt»verden könne. Und alZ Barthou in seiner dem Tone nach schneidigen, dem Jithalte nach aber an?- iveichenden Antivort dennoch, der Taktik der französischen Bourgeoisparteien treu, die deutschen Sozial- demokrate» für Musterpatrioten erklärte, um so der Austveisung ein französisch- patriotisches Mäulelchen � umzuhängen.— machte Guesde der Ausbeulung der patriotischen Phrase gegen den internationalen Sozialismus ein Ende, indem er folgende Erklärung abgab:„Sie haben versucht, einen Unterschied zu machen zwischen den deutschen Sozialisten, die Deutsche seien, und den sranzösischei» Sozialiste», die Ihne» vielleicht nicht genug Fran- zosen seien. Wir akzeptirei» diese Unterscheidung nicht. Die sranzösischei» Sozialisten sind Franzosen, wie die deutschen Sozialisten Deutsche sind. Was»vir mit diesen unterschrieben haben, ist kein Vertrag des gegenseitigen Ver- rathes gegenüber unseren respektivcn Va ter- ländern, sonder» ein Solidaritätsvertrag für die Befreiung aller Vaterländer in«intm regenerirten und freien Menschen t hu m." Barthou hatte sich ferner hinter die Lille r Vorgänge zu verkriechen gesucht, uin die Ausiveisung als eine vorbeugende Maßnahme zur Aufrechterhaltung der Ordnung darzustellen. Er zog sich dadurch die Ausdecktiiig der»Vahren Motive der chauvinist»- sche» Hotz in Lille, Wahagnies und Billy-Moutigny zu.„Sie haben den Lolhrillgern des Vogesen-Departements den Schimpf angethan", apostrophirte Guesde den unvorsichtigen Minister,„sie für sähig zu halten, Bueb, de» Erivählten ihrer etsässischen Brüder, auszupselse». Sie haben ihnen den Schimpf angelhan zu glauben, daß sie dort das W a h l>» an ö v e r von Lille wiederholen würden! Denn dieser angebliche Ausbruch des Liller Patriotismus »var nichts als ein Manöver, als eine schändliche Ausbeulung des Patriolismus zu einem elenden politische» Zlveck seitens einer im Sterben liegenden Partei, die sich an das Vaterland ankla>»n»ert, niu ihre Mogeleien zu verhüllen und ihre uuwiderrusliche Nieder- läge wenigstens hinauszuschieben." Auf Guesde's vernichtende Replik blieb Herr Barthou die Nnt- »vorl schuldig. Der patriotische Minister halle übrigens da? Miß- geschick, durch Genossen Gabriel Tcville daran erinnert zn»verde», daß sein, des patriotischen Ministers eigener Bruder sich den» Militärdienst durch die Flucht ins Ausland entzogen hatte... Es»var ein« überaus stürmische Sitzung,»vie sie selbst in der französische» Kammer nur selten vorkommt. Kein Wunder, auf beide» Seiten»vurde gekäinpst für und wider die chauvinistische Legende,»velche in den letzten Jahren die perfideste und stels fort gebrauchte Waffe der französischen Bourgeoisie gegen den Sozialismus bildet. Vom gestrigen Tage an aber»vird cS den Bourgeois-Demagogen unmöglich sein, diese Waffe anders als wider besseres Wisse», als in beivußler Verlogenheit zu schivingen. Wie überivältigend der Eindruck der zivei Reden Guesde's auf die feindliche Rauimermehrheit»var, trotzde»» diese durch fort- »vährendes Gepolter und Geschrei und selbst durch Klopfe» mit den Pultveckeln die Stiuune des sozialistische» Redners zu ersticke» suchte,— zeigt der Umstand, daß Barthon uuter seinen Getreue» keinen Ab- geordneten fand, der es gewagt hätte, eille Vertrauensformel zu apportiren. Die Regierung mußte sich mit der einfachen Tages- ordnuug begnüge», die freilich mit 357 gegen 39 Stimmen angenommen »vurde. Ein Theil der sozialistischen Radikalen stimmte gegen die Neg>e»uiig,der„a»stä>idige"— kleinere Theil der bürgerliche» Radikalen, darunter Löoi» Bourgeois, enthielt sich der Abstimmung. Der Abstimmu>»g enthielt sich ebenfalls diejenige Gruppe,»velche von den Pariser Korrespondeute» der deulschen Bourgeoisblätler für„Sozialisten" geHalle»»verde», UM gelegentlich de»— Patriotisuius der französischen Sozialisten(ohne Gänsefüßchen) hervorheben zu können. Es ist die Gruppe der ehemaligen B o u l a ,» g i st e>», die sich selber„nationale Sozia- listen"»ennen. Diese Abgeordneten, die in der Zucker- Prämien- Debatte gegen die ausländischen Arbeiter gedonnert hatten, protestirle» ailch gegen die Entlarvung des patriotischen Schwindels durch Guesde und beantragle» ihrerseits eine Taaes- ordnnng,»velche nur das Bedauern ausdrückte, daß die Besil- Bueb-Versainmlung nicht im Voraus verboten ward- n »v ä r e. Die Bourgeoisblätter bedauern die gestrige Sitzung, sie nennen dieselbe„lamsntabls, xönibls"»e.— ein werlhvolles Ein- geständniß,»vie sehr Guesde's Worte der Bourgeoisie weh« getha» habe«.— Spanie«. — Di« Folterungen der Anarchisten und die spanische Regierung. DaS illustrirte„Wiener Extrablatt" hatte den auch von u>ls veröffentlichten Bericht der„Franks. Ztg." über die Folterungen der Anarchisten übernommen. Hierauf sandte der spanische Botschafter an das Blatt eine hoch- irabende, aber inhaltlose Berichtigung, in der mit Rücksicht auf die freiheitliche(!!) Verfassung Ui»d die Untersuchnngsgefaiigene» gesetzlich zugesicherten Garantien alles bestritten»vurde. Diese Berichtigung »st zivar von einer Exzellenz und einem MarquiS unterschriebe», aber doch von einem mit den Verhältnissen nicht bekannten oder einem sich dum»»» stellenden verfaßt, denn auS der Berichtigung geht hervor, daß es dem Berichtiger unbekannt»var, daß die Gerichts» koinödie»nter dein Belagerliiigszustande und von einem Ausnahme« gerichte ausgesührt»vurde. Es bleibt bei der Darstellung der„Frank- surter Zeitung".— Norwegen. Chriftianin, 22. Febniar. Das OdelSthing«ahn» heute mit 42 gegen 41 Stiinuiei»(gegen die Stimmen der Rechten und der Gemäßigten) eine» Gesetzeiitivurf an. nach ivelchem Arbeitgeber in it Geldstrafe oder Gefängniß bestraft werden, welche versuchen, durch E n t a s s u n g, durch D r o h»» n g mit der Entlassung oder dem Verlust de? A r- beitsverdiensteS, durch Gewährung, Verweigerung oder Versprechen von Vortheilen, oder durch lügenhafte, offenbar unbegründete Vor- spiegelungen ökonomischer Natur, in das poli- tische Austreten ihrer Untergebenen oder deren außerhalb der Arbeitszeit erfolgende Theilnahme am fach- lichen oder politischen Verein sieben einzugreifen oder in dieser Hinsicht einen Einstich ausz»>üben. Ebenso»verden diejenigen bestrast,»velche durch Bestimmrlngen in den Arbeits- verlräge» oder Arbeitsordnuilgen einen derartigen Einfluß auszuüben versuchen. Ein Glück für König Stumm, daß er im Deutschen Reiche»»nd nicht in Norivege» lebt, dort käine er ja nie aus dein Gefängniß heraus.— Asien. — Die Russen in Korea. Nach einer Meldling der „Times" aus Shanghai von» 22. d. M. haben wegen großer in Söul herrschender Erregung und»veil der König das russische Ge- sandlschaslshotel verlasse» habe, drei russisch» Kriegsschiffe in Chemulpo achtzig Mann mit einem Geschütz nach Söul ab« gesandt.— Afrika. — Der englische Kolonialkrieg an der Suin ea- küste. Aus London»vird telegraphirt: Der Admiralilätsrath Goschen erklärte mehrere» Abgeordnete». dir Expedition gegen Benin sei vollständig gelungen. Di« Stadt wurde am 18. er. nach heftigem Kampfe eiligen«inien,»vobei 17 Europäer theils verivundet, theilS getödtet wurden. ES gelang indeß nicht, den König emzusangen.— Auierita. Rew-Bork, 23. Februar. Einer Drahliueldung de«„New-Aork- Herald" aus Havannah zufolge hat der dortige amerikanische Konsul Lee uin seine Entlassung gebeten wegen der Er- sjolglosigkeit seiner Bemühung«'- zu gunstendcr a»n e r i k a n i s ch en Gefangenen in Kuba. Er hatte die Ermächtigung nachgesucht, die Freilassung der gefangen gehaltenen Amerikaner, u. a. die deS Dr. kuiz, z». verlangen. Dieselbe»st ihn» nicht bewilligt«ord»,». Di» spanischen Kriegsschiff» sind seit Sonntag im Hasen von Havannas, versammelt, was als ein be- Merknisnnnlhes Anzeichen betrachtet werde. In Havannah ist das Gerücht verbreitet, die Aufsländischen hätten die Stadt Bayaino eingenommen.— � Kuba. Zwischen der spanische» Regierung und den kubanischen Jnsltrgentcn finden thatsächlich Aerhandlnngen statt, und zwar scheint die amerikanische Regierung die Vermittlerrolle übernommen zuhaben. Jedenfalls wird von amtlich« amerikanischer Seite«in gütliches Abkommen, das die Autonomie der Insel sichert, befür- wortet und begünstigt. Man weijj ja dort, daß die Perle der An- tillen dem Sternenbanner als Sckmuct nicht entgehen kann. Gewiß ist, daß seil Wochen aus der Insel keine militärischen Operationen mehr stattfinden. Rio de Janeiro, 23. Februar. Aus der Provinz Vahia wird gemeldet, daß zwischen neuntausend Anhänger des neuen Propheten und den Regierungstruppen ein blutiger Zusammenstoß staltfand. 700 Anhänger des Propheten blieben auf dem Schlachtfelde. Bon Rio de Janeiro sind 2 Bataillone dahin abgegangen. NeuhskNA. 183. S i h u n g v o m 23. Februar 1897. 1 U h r. Am Tische des Bundesralhs: von Boetticher, Graf Pofadowsky. Auf der Tagesordnung steht zunächst die erste Berathung des Geseheutivurses wegen Verwendung überschüssiger 3! eichsei nn ahmen aus dem Etatsjahre 1397/33 z u r S ch i l d e n t i l g u n g. Die Ueberweisungen, soweit sie die Matrikularbeiträge über- steige», sollen zur Hälfte zur Verminderung der Reichsschuld durch Herabsetzung des Anleihesolls verwendet werden. Uebersteigen 1893/1990 die Matrikularbeiträge die Ueberweisungen zuzüglich der 1897/93 getilgten Summen, so bleibt ein eutsprecheuder Betrag der Matrikularbeiträge nnerhoben. Slaalssekretär Graf Posadoivsky: Wenngleich das Reich nie mals auf sein Recht verzichten kann, die Bundesstaaten zu Matri knlarbeiträgcn heranzuziehen, so verharre» die Bundesstaaten bei ihrem Verlange», daß sie»undestens für eine befristete Zeit nicht über einen gewisse» Betrag hinaus herangezogen werden. Das ist nothwendig sür eine konstante Finanzverwaltung. Zur Zeit werden alljährlich 490 bis 399 Millionen für Ueberweisungen und Matrikularbeiträge hin- und hergeschoben. Dadurch sind die Reichsfinanzen so verwirrt worden, daß es nur wenigen Auguren möglich ist, dieselbe» klar zu erfasse».(Sehr wahr! rechts.) Die Francken.stein'sche Klausel wollte die Einzelstaaten a» den Einnahmen des Reiches theilnehmen lassen, wollte aber auch dem Reichstag ein starkes Budgetrecht erhalten. Die verbündete» Regierungen sind aber der Meinung, daß dieses Budgetrecht des Reichstages klarer und einfacher erreicht werden kann. Theoretisch hat der Reichstag das Recht, die Ausgaben zu verweigern, praktisch wird er sich aber auf einen geringen Brnchtheil der Ausgaben be schränken, namentlich soweit nicht rechtliche Verpflichtungen vor- liegen. Würde die Franckenstein'sche Klausel auf eine Steuer be- schränkt, die deni Reiche überlassen würde in der Höhe der Matrikular- bcitrSge, vielleicht sür einen Zeilraum von 5 oder 3 Jahren, so würde das Budgetrecht des Reichstages nicht berührt. Steuern kann der Reichstag ablehnen, er wird aber dringende Aus- gaben nicht deswegen ablehnen, weil zur Deckung neue Steuer» erforderlich sind. Der Reichstag � hat Proben seiner Kraft bezüglich der Ablehnung neuer Steuern ab gelegt, und sein Nachfolger wird wohl nicht schwächlicher sei». Die Ueberweisungspolitik mit wachsenden Reichsschulden kann nicht fortgeführt werden, weil die Ausgaben sür die Verthei- dignng zu Wasser und zu Lande, für die Sozialpolitik und sür die Kolonien sich steigern. Die Ausgaben sür die Landesvertheidigung sind von 1835 bis 1395 von 3,99 auf 13,41 M. auf de» Kopf, also um etwas mehr als 59 pCt. gestiegen. Tie Einnahmen des!>!eichcs sind nicht in diesem Maße gestiegen. Die Bundesstaaten befinden sich i», rechtlichen Besitze der Ueberweisungen: zwischen diesem Recht und dem Recht des Reichstages, die Matrikularbeiträge zu erhöhen, muß eine Diagonale gefunden werden. Das ist in der Vorlage versucht. Die halben Ueberschüsse sollen zur Schuldentilgung verwendet werden. Ich bitte das Haus, die Vorlage einer wohlwollenden Prüfung zu unterziehen. Abg. Richter(frf. Vp.): DaS vom Reichstage im vorigen Jahre beschlossene Gesetz hat seinen Zweck, die Schuldenvermehrung zu hindern, erreicht. Die Bundesregierungen sollen nicht definitiv auf die Ueberweisungen verzichten, sondern nur unter der Bedingung, daß bei erhöhten Malrikularbeiträgen in zwei Jahren das Reich wieder den Vorschuß zurückzahlen soll. Das ist die automatische Regelung des Prinzips, daß die Matrikularbeiträge nicht höher sein sollen als die Ueberweisungen. Theoretisch hat der Schatzsekretär auch einen anderen Automaten, gewissermaßen zur Ansicht, vorgelegt, der auch ans die reinliche Scheidung hinauskommt. Das heißt: alles, was a» Zölle» und Steuern mehr aufkommt, wird auf Heer und Marine verwendet, während jetzt die Gelder auf Kultur- ausgaben verwendet werden können. Die Festsetzung von Matrikularbeiträge» ist die Beschränkung des Budgelsrechts des Reichstags, der Zwang zu neue» indirekten Steuern. Mit dem§ 2 ist das Gesetz für mich nicht annehmbar, dieser birgt eine größere Gefahr als Z 1 Vortheil. Man kann auch ohne Gesetz dasselbe erreichen. Die Annahme der Vorlage würde nur das zwei- mal abgelehnte Automalen-Gesetz wieder ins Leben rufen. Abg. von Leipziger(k.): Das Verhältniß, welches die Vorlage schasst, würde nur ein vorübergehendes sein. Die Einzelheiten können der Kommission überlassen werden. Vor dem Automaten des§ 2 haben wir keine Furcht. Abg. Lieber(Z.): Der Schatzsekretär führt« die Steigerung der Ausgaben sür Sozialpolitik an. Diese haben wir aber schon honorirt; denn dafür haben wir die BranntweinverbrauchS-Abgabe bewilligt. Seit 7 Jahren haben wir 799 Millionen Mark Branntwein- steuer(»»genommen und nur 75 Millionen für dieJuvalidenversicherung verausgabt. Die Vorlage ist ein Schritt weiter aus dem im vorigen Jahre betretenen Wege der Schuldentilgung, der jedenfalls weniger Be- denken hat als der andere Weg, den der Schatzsekretär angedeutet hat. Die Vorlage vermeidet den Automaten: wir regeln die Sache von Jahr zu Jahr und setzen neben jedes Etatsgesetz statt des Anleihe- gesetzes alljährlich ein Schuldentilgungs-Gesetz. Die Bundesstaalen haben ein Recht, gesichert zu sein gegen ein zu hohes Anschwellen der Matrikularbeiträge, damit nichl das Reich seine Schulden tilgt auf Kosten der Einzelstaalen. Die Verloppelung zweier Elatsjahre hat ihre Bedenken. Jedenfalls find wir der Meinung, daß wir mit indirekten Steuern soweit gekommen find, daß wir sehr schwer darüber hinausgehen werden. Ihre«ndgiltig« Stellungnahme be- halten sich meine Freunde vor. Abg. Pausche(natl.): Das Einnahme- Bewilligungsrecht der Matrikularbeiträge ist eine schlechte Giundlage für die Finanz- Verwaltung; denn es bedeutet eine Inanspruchnahme der Taschen anderer. Deshalb muß man die Beiträge so niedrig wie möglich halte» im Interesse der Einzelstaaten, denen man die indirekten Steuern entzogen hat.§ 2 ist unglücklich formulirt, aber für ein Jahr wird man sich wohl an den richtig verstandene» Inhalt des Gedankens halten können. Staatssekretär Graf PosabowSky: DaS Recht der Einzelstaaten auf Ueberiveisnngen soll nicht verkoppelt werden mit einem Ge. legenheiisgesetz über die Schuldentilgung. Ich denke, daß auch über den vorliegende» Gesetzentwurf eine Einigung mit dem Reichslage möglich sein wird. Für die Ausgaben der sozialen Gesetzgebung habe ich»jcht auf neue Steuern hingewiesen. Abg. Richter(srs. Vp.) führt ans, daß das Zentrum eine Schwenkung vollzieht, daß es sich auf den abschüssigen Weg zum Automaten und zur Preisgebung der Franckensteiu'schen Klausel begiebt. Die Vorlage wird der Bndgelkommission überwiesen. ES folgt die zweite Berathung des Gesetzentwurfs wegen Ubäuderuna desGesetzes betreffend dieBeschlag. nähme des Arbeits- oder Dienstlohnes und der Zivilprozeß-Ordnung. Eine freie Kommission hat Abänderungsanträge vorbereitet, welche den ehelichen Verwandten ein Vorrecht vor den unehelichen bei AtimentationSansprüchen gewähren sollen. Nachdem Abg. Bassermann(natl.) diese Anträge befürwortet und auch Abg. Lenzmanu ihnen zugestimmt hatte, wird die Vorlage mit diesen Anträgen angenommen. Es folgt die Fortsetzung der zweiten Berathung des Reichs- haushalts-Erats und zwar des Etats des Reichs- Invaliden so nds. Hierzu liegt«in Antrag der Abgg. v. Leipziger und Ge- Nossen(k.) vor: Die verbündeten Regierungen zu ersuchen: I. um Vorlage einer weitere» Ergänzung oder eines Nachtrages zum Entwürfe des Reichshaushalls- EtatS für das Etatsjahr 1397/98, durch welche: 1. die Ausgaben aus dem Reichs- Jnvalidensonds um je die Hälfte desjenigen Betrags erhöht werden, welcher in den Grenzen der Zinsen des für die Sicherstellung der gesetzlichen Ver- wendungszwecke des Fonds entbehrlichen Aktivbestandes nach der letzten Bilanz vom 39. Juni 1394 vom 1. April 1395 ab noch rechnerisch verfügbar ist, 2. den Einnahmcbetrag entsprechend zu berichtigen; II. im Entwürfe des Lieichshaushalts-Etats sür das Eiatsjahr 1398/99 die Beträge dieses Nachtragsetals um den Betrag zu erhöhen, der auf grimd der am 39, Juni 1897 auf« zustellenden Bilanz des Reichs-Jnvalidenfonds in den Grenzen der Zinsen des nicht belegten Aktivkapitals etwa noch weiter sich als nacbhallig verfügbar herausstellen wird. Die Budgetkommission beantragt, die Einnahmen um 969 999 Mark zu erhöhen und die Zuschüsse zum Dispositionsfonds des Kaisers entsprechend zu erhöhen zur Gewährung der Unterstützung der dauernd eriverbsunfähig gewordenen Kriegstheilnehmer. Berichterstatter v Giiltlingen weist darauf hin, daß statt der aiigeuoimiieiien 15 999 KriegslheUnehmer deren 23 999 unlerstützungs- bedürftig waren. Abg. Müller-Fulda(Z.) weist darauf hin, daß über 7999 unter- stütznugsbedürstige Krieger vorhanden sind, deren Ansprüche ebenso berechtigt sind wie diejenigen der 15 999, welche Unterstützungen erhalten haben. Man sollte sie der Absicht des Reichstages gemäß unterstützen, zumal die Gelder dafür verfügbar sind. Es märe des Deulschen Reiches unwürdig, wenn wir die Leute abweisen wollten, weil angeblich die Mittel nicht vorhanden sind. Es wäre bedaner- lich, wenn wir in diesem Jahre, wo wir die Centenarfeier begehen, noch nicht das durchgeführt hätten, was im Jubiläumsjahre be- willigt worden ist. Abg. v. Leipziger(k.): Obgleich ich den Veteranen gegenüber denselben Standpunkl einnehme, wie der Vorredner, so habe ich es doch sür richtiger gehalten, die Resolution vorzulegen. Wir werden schließlich dahin kommen müssen, die erwerbsunfähigen Kriegstheilnehmer nicht auf den Reichs-Jnvalidensonds, sondern auf andere Fonds zu verweisen und den Jnvalidensonds sür die In- validen zu reserviren. Staatssekretär Graf PosadoivSfy: Ich muß die verbündeten Regierungen dagegen verwahren, haß sie an den Zinsen des Reichs- Jnvalidensonds hätten Ersparungen machen oder die Zinsen zu anderen Zwecken verwenden wollen. Wenn die Resolution angenomme» wird, so werden die verbündeten Regie- rungen nichts einzuivenden haben dagegen, daß die ganze» Zinsen eingestellt werden. Aber daran wird nicht z» denken sein, daß wir auf dem Wege fortfahren, daß wir jedem Kriegstheilnehmer, der als erwerbsunsähia bezeichnet wird, eine Rente festsetzen. Seit der letzten Statistik hat sich die Zahl dieser Personen schon wieder um 27 pCt vermehrt. Die Fiststellung eines neuen Vertheilungsmaßstabes ist nicht nothwendig. Ein Nachtrags-Etal wird dem Hause vorgelegt werden. Abg. Graf Oriola(natl.): Die Invaliden sollen nicht ge schädigt werden. Die Kricgsverwaltmig-hat aber alle Ursache, die Kriegstheilnehmer der Armenpflege nicht anheimiallen zu lassen; und wenn sür 15 999 etwas geschehen ist, so müssen wir sür die anderen bisher nicht Berücksichtigten ebenfalls etwas thun. Für diejenigen, die den Zivilversorgungsschein nicht benutzen, niuß auch etwas geschehen. Ich wünsche, daß wir zu einer Resolution kommen, die den und nichl den Antrag v. Leipziger. Gefühl gegeben werden, daß das wenn sie invalide sind. Generallieuleuanl v. Viebahn: Es ist der Kriegsverwaltung keineswegs unbekannt gewesen, daß die Zeitungen behaupten, daß die Witlwen und Waisen der französischen Kriegsthellnehmcr höhere Pensionen erhalten als die der deutschen. Ich habe einen Artikel einer Zeitung hier; wenn es wahr wäre, wäre es bedauerlich. Aber die Ermittelungen in Elsaß- Lothringen haben ergeben, daß der Inhalt des Artikels unrichtig ist. Die Pensionen der Willwen und Waisen sind viel niedriger für die Hinterbliebeiien französischer Osfiziere. ebenso stellt es sich bezüglich der HinUrbliebenen der Gemeinen. Die Mililärverivaltung verschließl sich nicht der Einsicht, daß die Bezüge der Militär- wittwen nicht mehr ausreichen, und man wird sich überlegen müsse», wie man am besten helfen kann. Aber es wird wohl weniger aus gesetzgeberischem Wege als im Wege der Unterstützung bei Be dürfligleit vorgegangen werden müssen. Der Antrag des Herrn v. Leipziger ist dem Beschluß der Kommisston vorzuziehen. Abg. v. Vollmar(Soz): Die Stellungnahme der Regierung ist nicht recht verständlich. Di« Leute müssen zu lange warten, und die Berathung«» dauern zu lange. Bis heute haben wir immer gehört, daß die Regierung sich verwahren wolle gegen die Art des Vorgehens des Reichstages. Wir waren also der Meinung, die Regierung wolle die Gelder zurückbebalten für andere Zwecke und nicht für die Invaliden. Ich muß bezweifeln, daß die Leute im Lande der heutigen Erklärung des Staatssekretärs so viel Glaube» beimessen, wie wir es aus parlamentarischer Rücksicht zu thun pflegen. Die Bedenken der Re gierungen finde ich nach jeder Richtung hin unbegreiflich. Ich bin ferner der Ansicht, daß man Ausgaben erhöhen kann, wie es schon so oft geschehen ist.(Oho! rechts.) Für mich ist die Sache sehr einfach gegeben. Das Geld ist da, ist ausdrücklich sür diesen Zweck bestimmt, während andererseits die Roth der Leute und ihr« Dürsligkeit ebenfalls eine gegebene ist. Ich kann noch viel mehr Fälle anführen, als der Abg. Müller- Fulda angeführt hat, und zwar aus meinen Ersahrnngeii im bayrischen Landtag. Redner führt einige Fälle an. Da begreise ich nicht, wie die Regierung, anch nur für«inen Augenblick, diese Stellung einnehmen konnte. Der Jnvaliden sonds ist ein Besitzchum derJiivaliden.in erster Linie wohl derjenigen Invaliden, die im Kriege verwundet worden sind, dann aber auch sür die übrigen Kriegstheilnehmer. Man hat seiner zeit viel von Patriotismus gesprochen, und bei den Feftseiern 1395/96 hat man die Invaliden nicht g«>i»g veihimmeln können. Ader ist ihnen damit gedient'i Es wäre bester, man würde von ihren Thaten weniger schwatzen und sie mehr berück- sichtigen. Wenn das durchgedl. was wir wünschen, so ist es noch immer sehr wenig. 129 M. sind für«inen absolut Erwerbs- uusähigen nicht sebr viel; inimerhin ist es wenigslens etwas, und sind wir bei früheren Gelegenheiten und auch in der Kommission dafür eingetreten. Ich wäre dafür, daß der Antrag ganz unverändert an- genommen würde. Sollte indeß die Weisheit anderer Parteien anders beschließen, so werde ich für denjenigen Antrag stimmen, der am meisten die Interessen der Invaliden vertritt. Abg. Lieber(Z.): Nachdem mau die Kriegstheilnehmer im Jubeljahre an dem Jnvalidensonds hat theilnehmen lassen, will es mir nicht richtig erscheinen, sie bei nüchterner Stimmung wieder davon auszuschließen. Das Zentrum beantragt eine Resolution, welche einen Nachtragsetat fordert, um die ersparten und die verfüg- baren Zinsen sür die Unterstützung zu verwenden. Abg. Hammacher(natl.): Die von dem Abg. Lieber vor- gelegte Resolution hat einige Borziig« vor dem Antrag« des Herrn v. Leipziger. Slaalssekretär Graf PokadowSky: Wenn man in einer Frage einig»st. hat«S keinen Zweck mehr, staatsrechtliche Erörterungen zn machen. Kommissionsbeschluß erfüllt De» Soldaten muß das Vaterland sür sie sorgt, Für den Antrag der Budgetkommission stimmen nur die Sozial- demokraten. Der Antrag Lieber wird nahezu einstimmig an» genommen. �.,, Die Ausgaben des Reichs-Jnvalidensonds werden genehmigt. Schluß 6 Uhr. Nächste Sitzung Mittwoch 1 Uhr.(Etat der Neichs-Eisenbahnen, Petitionen; Etat des Reichsamts des Innern: Reichs-Versicherungsamt.)_ Kommissionsberathung deS Entwurfs eines Handels- gcsetzbuchs. Der§ 58, welcher feststellt, wer Handlungsgehilse ist, wird nach der Regierungsvorlage angenommen. Die von verschiedenen Seiten beantragte nähere Prazisirung der zulässigen Dienstleistungen der Handlungsgehilfen wird abgelehnt; ebenso der Antrag, den Z 58 des H.-G.-B. auch auf diejenigen Handlungsgehilfe» auszudehnen, die in nicht rein kaufmännischen Geschäften thätig sind. Abgelehnt werden serner die Anträge, die Thätigkeit der Reisenden außerhalb ihrer Reisezeit genauer fest- zustellen.— Der sozialdemokratische Antrag, die Arbeilizeit der Handlungsgehilfen dürfe täglich 19 Stunden nicht überschreiten und nicht in der Zeit von abends 8 Uhr bis morgenS 6 Uhr liegen, ivird ebenfalls abgelehnt, ebenso der Eventualantrag, auf die weiblichen Handlungsgehilfen die Bestimmung der G.-O. über die Beschäftigung von Arbeiterinnen(11-Stiinde»tag) anzuwenden; Gründe dagegen waren billig wie Brombeeren. Seitens der Regierung wurde übrigens zugegeben, daß eine Regelung wünfchenswerth sei, aber diese könne nur durch ei» besonderes Gesetz erfolgen. Es bleibt demnach bei der schrankenlosen Ausbeutung, bis—„das besondere Gesetz" kommt. Der§ 61, welcher hygienische Vorrichtungen bestimmt, die der Prinzipal in seinen Geschäftsräumen zu treffen hat, wird mit einer kleinen Verbesserung angenommen, daß darunter auch die Arbeits- zeit zu fallen habe. Der sozialdemokratische Antrag, den Haiidliingsgehllfen S> tz» g elegenheit zu geivähren, wird von Herrn von Gültlingen nicht gerade bekämpft, aber als ein Schönheitsfehler bezeichnet, während die Zentrumsleute überhaupt von einem solche» Antrag nichts wisse» wollten. Die beiden großen sozialreformerischen Parteien, Zentrum und Konservative, vereinigten sich denn auch, wodurch der Antrag gegen die Stimmen der Nationalliberalen, Freisinnigen und Sozialdemokraten mit 19 gegen 19 Stiinmen zu Fall gebracht wurde.— Es wird also weiter„gestanden". Beil» ß 62, der nach den Anträgen den Handlungsgehilfen nicht»ur bei nur bei unverschuldetem Unglück, sondern auch wegen m i l i t ä r i s che» Dienstleistungen den Gehalt aus 6 Wochen sichern will, meint der konservative Abg. Himburg, es geschähe schon zuviel für die Handels-Angestellten, ma» solle es bei der Negicriiiigsvorlage bewenden lasse»; dieser Ansicht schloß sich auch die Majorität an. Seitens der Regierung u. a. wurde übrigens be- merkt, daß das Bürgerliche Gesetzbuch sür derartige Fälle bereits Vorsorge treffe. Damit ivurde die Sitzung abgebrochen. Vstvkei-Aschvichtirn. Eine Fricdhoföaffärc, die an die vom Sommer 1385 er- innert, hat sich in Frankfurt a. M. am vorigen Sonntag bei der Beerdigung der Parteigenossin Frau Trompeter abgespielt. Als die zirka 2999 Leidtragenden, worunter sich zahlreiche Frauen befanden, am Grabe angekoinmen wäre», wurde ihnen schon der bei einer Trauerseier nichts weniger als angenehme Anblick, daß zwei Polizeibeamte auf der aufgeivorfenen Erde des Grabes Posta gefaßt hatten. Der Polizeikommissar v. Dossow halte es für nicht unpassend geHallen, sich dort in Gemeinschaft eines Schutzmanns aufzustelleii. Wie der Sarg am Grabe angelangt war, stimmte der Arbeiter-Mustkverein einen Trauermarsch an und hierauf sangen einige Vereine des Sängerbundes Lassalia einen Chor. Nachdem der Leichenkommissar das ihm bei Beerdi- gliiigeu ohne Geistlichen vorgeschriebene Gebet verrichtet hatte, trat zunächst Herr Martin, der Vater der Verstorbenen, an das Grab und gab seinei» Kinde mit schmerzbewegten Worten den Scheide- grnß, indem er«ine Blume auf den Sarg warf; das gleiche thaten. jedoch ohne ein Wort zu sprechen, Genosse Trompeter, der Gatte der Verstorbene», und dessen Sohn, sowie ein Bruder und eine Schwester derselben. Bis dahin war alles ruhig verlaufen, sagt die„Franks. Volks- stimme", deren Bericht wir hierbei folgen. Der Polizeikommissar stand stramm ans seinem Hügel, aber er hatte gegen niemand etwas davon bemerkt, daß nicht g e- s p r o ch e n werden sollte, und machte auch keine Ein- Wendling, als Herr Martin seine Widmung sprach. Unsere Ge- »ossen, welche Kränze von den Organisationen niederzulegen hatten, verständigten sich schon vorher über die Neihenfolge und wollten dabei, ivie das seit einigen Jahren st eis geschah, nur die übliche k u r z e W i d>» u n g sprechen. Es trat nun zunächst der stellvertretende Verlrauensiiiann, Genosse Habicht, vor mir dem Kranze für die Gesammtpartei. Aber kaum hatte er die Worte begonnen:„Im Namen der Sozial—", da rief der Polizeikommissar im schneidigsten Tone dem Schutzmanne zu:„Stellen Sie den Mann fest!" Sofort sprang der Schutzmann Zabel auf den Genossen zu, so daß dieser bei dem Anprall beinahe in das Grab gefallen wäre, und suchte ihn sorlzuziehen. Habicht erklärte, daß er ruhig mit- gehen werde, er habe aber auch nichts dagegen, wenn man ihn schließen ivolle. Es läßt sich denken, daß nun eine große Aufregung unter der ilinstehende» Menge entftand, die sich auch in entsprechenden Aeußc- rungen Luft machte. Von einigen Genossen wurde aber bemerkt, daß der erste„Pfut"-R»s in unmittelbarer Nähe eines unter der Menge beftndlichen Lockspitzels fiel. Sofort erklärte nun der Polizeikommissar die„Versammlung" sür aufgelöst und forderte die Menge aus, auseinander zu gehen, worauf er einem Schutzmann« befahl, aus die Uhr zu sehen. Während dessen wurden vecschiedeiie Kränze stillschweigend niedergelegt. Außer von dem Sozialdemokratischen Verein, den verschiedenen Organisationen und dem Personal der„Volksstimme" waren auch von auswärts mehrere Kränze gespendet worden, so von Höchst. Hanau und ein besonders schöner von Hause», sämmllich mit rothe» Schleifen und entsprechen- den Inschriften. Sckio» als die ersten Worte bei Kommissars er- schallte», kam plötzlich eine größer« Anzahl Schutzleute zum Vor- schein, welche vorher hinter den Cypressen aus dem Friedhose o e r- steckt war. Dies« drängten nun die Menge vom Platze, wobei einige auch die Säbel halb an? der Scheid« zogen. Jedoch halten offenbar nicht alle Gefallen an dem Vorgehen. Da verschiedene Genossen und Genossinnen, die zn weit hinten stände», ihre Kränze nicht mehr niederlegen konnten, bat Genosse Wilhelm Schmidt de» gleichfalls anwesenden Polizeikommissar Szagiiiin, man möge doch auch diese Kränze noch an daS Grab bringen lassen. Der Beamle erklärte, daß er hier nichl zn befehlen habe, rief aber den gerade vom Grabe kommenden Kommissar von Dossow an und Schmidt trug nun diesem sein Anliegen vor. Der Beamle aber gab darauf kein Gehör, sondern zappelte förmlich mit Armen und Beinen, während er rief:„Ich habe befohlen, den Platz augenblicklich zu verlassen!" Die Menge entfernte sich nun, wobei«s einige Schutzleute nicht imterlassen koii»ten, etwas zu drängeln; doch kamen ernstere Zwischenfälle nicht weiter vor. Zur selben Zeit ging auf dem Israelitischen Friedhofe die Beerdigung des demokratischen Stadtverordneten Bonn vor sich. Dort durften eine größere Anzahl Reden gehalten werden. Es ist nichts bekannt geworden, daß dort Polizei, noch dazu direkt am Grabe, zugegen gewesen wäre. Den Arbeitern Frankfurts a. M. dagegen ist es nicht ein- mal mehr gestattet, ohne polizeiliche Erlaubniß einem liebe» Ver» storbenen einen Kranz inS Grab mitzugeben im Namen der Partei, der der Verstorbene angehört, und wenn es den- noch geschieht, so tritt an einer Stätte, die allen Völkern etwaS Heiliges ist, der polizeiliche Apparat geräuschvoll tn Altion, stört di» Fei», und wenn die ta ihren Gefühlen dadurch tief verletzte» Leidtragende» ihrer Entrüstung unwillkürlich Ausdruck geben, so werden sie von der Polizei auseinander gejagt. Das erfordert die„Ordnung" des modernen deutschen Staats- Wesens! Eine schöne Ordnung, die es sogar am Grabe nicht ver- schinäht, ivie der Jude Shylock auf ihren Schein zu bestehen. Daß solche Störungen von sozialdemokratischen Begräbnissen über- Haupt möglich sind, zeigt, wie unglaublich grob der Grad von Rücksichtslosigkeit ist, den sich die herrschenden Klassen gegen die klassenbewußten Arbeiter gestatte». Und zwar ganz ohne Roth ge- stalten, denn was verschlägt es dem modernen, vor Waffen starrenden Staate, wie Sozialdemokraten ihre Tobte» begraben? Es ist freilich das Berhängniß der Macht, daß sie den, der sie hat, blind macht. Zur Maifeier haben die B r e s l a u e r Parteigenossen be> schlössen, daß die Vcrlraucnspersonen zum 1. Mai Versammlungen einberufen und zuin darauffolgenden Sonulag einen Spaziergang veranstalten sollen. Als Vertrauensinann für Breslau wurde in derselben Vcrsninmlnng, die dies beschloß, Genosse Bruhns geivählt. AlS Rcichötagö- Kandidat für Delitzsch-Bitterseld- E i l e ii b u r g ist am Sountag in Bitterfeld von einer Versainmlting der Vertrauensmänner dieses Kreises der Genosse A. Weiß m a n n ans Halle nusgestelll worden, nachdem der bisherige Kandidat. Genosse A I b r e ch t aus Halle, die Kandidatur sür de» zweiten anhaltischen Kreis Bernbnrg angenoininen hat. Polizeiliches, Gerichtliche»:c. Genosse Hcrniann Schulze in Dresden. Redakteur an der„Sächsischen Arbeiler-Zcilnug". halte eine von dein Vazar- Inhaber S t e i n c in a»» eingesandte Berichtigung nicht aus- geuominen. weil die Zuschrift den Rahmen einer Berichtigung über- schritt. Er hatte sich deshalb vor'm Schössengerichl wegen Ueber- trelilug des ts 11 des Preßgesetzes zu verantivorle». Das Urlheil lautete ans Freisprechung. Es konntc die Frage aufgeworsen werden, so führte der Amtsrichter ans, ob Schulze nicht die Pflicht hatte, den Antragsteller der Berichtigung von der Nichtausnahine z» benachrichtigen. Wenigstens inachc ein Koinmentar im Stenglein dies einem Redakteur zur Pflicht. Jndeß, das Gericht könnte dem nicht beipflichten, eS hat dies nur als eine Privatansicht des Koni- incntalors betrachtet. Die DÄge in Hnntbueg. Unser Hamburger Korrespondent schreibt: In der Nähe der Kaffeehalle Nr. 11 am Petersenquai(Hamburg- Nilierika-Linie) gcriethen am Dienstag Morgen vor 9 Uhr einige bisher Streikende mit früheren„Arbeitsivilligen" infolge des provo- zirenden Austretens der letzteren i» Streit. Dabei zog einer der Streikbrecher einen Revolver und gab zivei Schüsse aus den Arbeiter Ebsen ab, der von einem Schuß in den Oberschenkel getroffen zlisaminenstürzte. Ebsen wurde zuerst»ach seiner Wohnung und dann nach dein Krankenhause geschafft. Der Revolverheld wurde von Polizeibeamten in Haft genoniinen. Der Mörder des'Arbeiters Buddrus auf Wilhelinsburg, der Streikbrecher Hans L e in ck e, ist nicht, wie zuerst gemeldet wurde, gegen eine von der Firma Hirschberg gestellte Kaution von SOCK) M., sondern ganz ohne Kantio» aus der Haft entlassen worden, obivoht ein Verfahren wegen Todtschlags»och gegen ihn schwebt. Heute fand wiederiim eine Sitzung der Senatskommission mit de» Vertretern der Stauer und Schanerlente statt. Zum Abschluß käme» die Berathungen auch heute noch nicht.— Die Lohnkommission der schwarzen Schaiierleute wird morge», Mittwoch, eine Sitzung mit den Kohlen-Jniporteuren habe» und diesen die am Sonntag seftgestellten Fordernngen der schwarzen Schauerlente nnlerbreiten. Die weißen Schanerlente haben jetzt zum größten Theile den bekannten Revers unterschrieben, die schwarzen Schanerlente weigerten sich dessen auch heute wieder ciitschieden, wurden aber trotzdem an Bord der Kohlenschiffe zum Löschen geschickt, Gemevkfchcolfklirhcs. An die Mitglieder deS Fachvcreins der Klempner in Berlin. Die Gcneralversainmlnng am 17. Februar hat beschlossen, den Verein bis z»m 1. März aufzulösen. Die Mitglieder, welche gewillt sind, sich auch ferner gewerkschaftlich zn organisiren, wollen bis dahin ihre Beiträge an de» Verein entrichten. Es liegt dies im Interesse der Mitglieder, weil dadurch die Aufnahme in den Deutschen Verband uneiilgeltlich geschieht Ferner bitten wir die- jeiiigeii Mitglieder, welche noch Verpflichtungen oder Forderungen an den obigen Verein haben, ihren Verpflichtungen bis dahin nach- zukommen oder die berechtigten Forderungen geltend zu machen. I. A.: Die L i q u i d a t i o n s- K o in»i i s s i o». Arno Winter. Boeckhstr. 11. Das grosihcrzoglich badischc Statistische Bureau in Karls- ruhe versendet zur Zeil an die Vorstände der G e w e r k- f ch n f t e n Zirkulare, worin es»m Auskunft darüber ersucht, ob iiil Lause der Jahre 1895 und 1896 im Großherzogthum Baden Lokalorganisationen beziehentlich Zahlstelle» der betreffenden Ge- werkschaften ins Leben getrete» sind. Von derselben amtlichen Stelle ans wurden bereits im Jahre 1394 Erhebungen über die Zahl und Stärke der gewerblichen Vereinigunge» und Arbeiter- organisationen in Baden vorgenommen, deren Resultat dem Zirkular in einem Sonderabdruck beigelegt ist. Achtung, Holzarbeiter Deutschlands l Es wird gebeten, den Zuzug nach den Werlstätte» von Springer u. R e e t s in W e i ß e n s e e bei Berlin zu unterlassen. Deutscher Holzarbeiter- Verband, Ortsverwaltung Weißensee. In Magdeburg ist der Streik der Hafenarbeiter bei- gelegt. Er hatte folgende Ursache. Die Slrveiter sollten eines Tages nach Feierabend noch zwei Waggon Salpeter verladen. Sie waren ermüdet und weigerte» sich, die Arbeit zn verrichte», die erst nachts 11 Uhr beendet sein konnte. Darauf ivurde den Arbeitern an- gekündigt: Wer nach Hause geht, kann sich als entlassen de- trachten. Und einmülhig hörten die Arbeiter ans; nieinand außer den Vorarbeitern blieb auf dein Hafen. Andern Tags wurde ein ltlufschlag von 75 Pf. pro Waggon versprochen, was die erbitterten Arbeiter ablehnten. Die Drohung nun, daß alle älteren Arbeiter entlassen werden sollten, veranlaßte die Streikenden, erst recht znsaininenzilhalten, und die anderen Arbeiter- kategorien, wie z. V. die Stopper, die das unterbrochene Laden des Salpeters fortsetze» sollten, erklärten sich mit den streikenden Käme- raden solidarisch. Die Hafenverwaltung machte da»» die Kon- zession, für das Laden eines Waggons Salpeter 1 M. mehr und zwar 4 M. zu zahlen, welchen Vorschlag der Hafenarbeiter Görlitz, der über die Verhandlungen in einer Ver- saniinlung der Streikenden berichtete, den Arbeitern zur Annahme empfahl. Tie Versammlung hatte nicht übel Lust, den Vergleich abzulehnen; als jedoch linser Genoffe, Reichstags-Abgeordneter Albert Schmidt die Streikenden, die fast gar nicht organisirt sind, ermahnte, das Sichere dem Un- gewissen vorzuziehen, und nachdem ein Vertreter der Hafenverwaltung die Zusicherung gegeben hatte, daß die Versprechungen gehalten werden würden, wurde eine Kommission von 5 Personen gewählt, die sofort die gemachte» Vorschläge zu berathen hatte. Diese empfahl der Versammlung den Vorschlag der Hafenverwaltung zn akzeptiren, Montag früh die Arbeit wieder aufznnehme», ferner eine dreigliedrige Kommission zu beaustragen, mit dem Magistrat so bald als möglich in Verbindung zu trete» zwecks Regelung der Arbeitsverhältnisse im städtischen Hafen; ferner erklärte sich die Kommission im Prinzip sür Abschaffung des Akkordsysteins und Einführnng des Lohnsystems»nd gab der Er- ivartuilg Ausdruck, daß die Hafenverwaltung keine Maßregelungen vornehmen iverde. Die Versammlung der Streikenden nahi» diese Vorschläge der Kottunission einstimmig an. Die dreigliedrige Kommission wird am Sonntag mit der Hafenverwaltung verhandeln. Aus Weisteufels. In der B lasig'schen Schuhfabrik sind wieder 3 Zivickmaschinen eingeführt worden, worauf die bereits gemeldete Kündigung von 12 Zwickern zurückzuführen ist. Von der Kündigung sind hauptsächlich Zwicker betroffen, die in der Zentral- nnd der Fabrikkommission lhätig waren. Genoffe S i in o n aus Erfurt, der Vorsitzende des Ausschusses des Verbandes denlscher Schuhmacher, hat am Montag mit Herrn Blasig über Zurücknahme der Kündigung verhandelt. Herr Blasig erklärte, sich erst am Tage danach entscheiden zu wollen. Am Montag Abend war nämlich eine Sitzung des Fabrikantenvereins. In der A l b r e ch t'schen Fabrik sind die gemachten Zn- geständnisse in Beziehung aus die Zwickerlöhne wieder zurück- gezogen worden, und in der B a r n u y'schen Fabrik wurden die vereinbarten Preise für die Fournituren(Zuthaten) erhöht. In diesen Fabriken sind deshalb neue Differenzen entstanden. Ins- besondere in der Albrecht'schen Fabrik droht ein neuer Streik, und zivar der geschädigten Zwicker. Genosse Simon wird aber überall. wo Differcnze» eintreten, diese durch Vermittlung mit den Kom- Missionen niid Fabrikanten zu beheben suchen. Der General- streik ist vorigen Sonnabend ,n einer Versammlung für beendet erklärt worden. 56 Personen sind noch ausgesperrt, beziehentlich zu unterstützen. AuS Mülhausen i. E. berichtet die„Frankfurter Zeitung": Im Geschäftsgang der T« x t i l i n d n st r> e ist eine kleine Besserung eingelrete». Während einiger Monate wurde jeden Sonnabend der Betrieb in Spinnereien und Webereien eingestellt. Jetzt ist das nur mehr jeden zweite» Sonnabend der Fall. Am 29. Februar hat eine Versaminluug der in belracht kommenden Arbeiter folgende Erklärung beschlossen:„Die Versammlung erklärt es sür eine nnabweiellche Folge der auf dem Grundsatz der freie» Konkurrenz und der Ausbeutung des Lohnarbeiters alifgebaute» kapitalistischen Produklionsiveise, daß von Zeit zn Zeit sogenannte Krisen, Störungen im Arbeilsbetrieb eintrele». Indem die Versammlung als letztes Ziel der auf die Be- sreiung der Arbeiterklasse gerichteten Bestrebungen die Beseitigung dieser unheilvollen Prodiiktionsweise betrachtet, richtet sie zunächst an die Textilindustriellen von Mülhausen das Ersuchen, der Frage der Zlrbeitszeitverkürzung im Sinne der Einführung des Zehn- st u n d e n t a g e s näher zu treten. Sie fordert vor allein eine anderlhalbstündige Mittagspause für die Arbeiter sännntlicher Fabriken." AuS Brasilien. Die in St. Paulo erscheinende deutsche Zeitung„Germania" giebt in einer ihrer letzten Nummern den Inhalt eines Flugblattes dortiger st r e i k e n d e r H u t in a ch e r wieder. Die Arbeiter hatten die'Arbeit bei dein Fabrikanten L-chritzineyer eingestellt, weil dieser einer an ihn gesandten Kommission, die um bessere Arbeitsbedingnngc» bat, sagte:„Ihr müßt Euch daran gewöhne», weniger zu esse»! Ich bedauere, daß ich nicht mehr in einer Zeit lebe, wo mein Vater mit der Peitsche in der Faust seinen Arbeitern vorschrieb, was sie zu thun halte»." Dieser brasilianische Fabrikant wird gut thu», nach Deutschland auszuwander». Hier wäre ihm eine glänzende politische Zukunft sicher._ VerpLttnmlunZen. Tic für dcu 2. Wahlkreis für gestern Abend in Jühlke's Lokal, Denneivitzstraße, einberufene Versammlung verfiel der Auflösung. Gleich nach Eröffnung forderte der überwachende Beamte die Entfernung einiger anivesenden Frauen. Der Vorsitzende bemerkt, daß solches das Vereinsgesetz nicht vorschreibe, worauf der Beamte bedeutet, daß die Versainmlung den Charakter einer Wahlvereins«, nicht aber den einer öffentlichen trage. Als der Vorsitzende reagirle, daß er alsdann die Frauen ausschließen müsse, trotzdem das Gesetz dies nicht fordere, löste der Ueberwachende die Versammlung auf. Bcrbaudstag der in Buchbindereien, der Papier-»nd Lcdcrgalanteriewaaren-Jndustric beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen z u Halle a. S. ZweiterVerhandlungs- t a g. Vormittagssitzung vom 22. Februar. S a i l e r» Berlin spricht über den 2. Punkt der Tagesordnung: Lohnbewegung. Er wendet sich ebenfalls gegen das Verhalte» des Verbandsvorstandes. Der Hauplerfolg in Berlin sei vorwiegend� der von Ritomsly und anderen Kollegen betriebene» Werkstuben-Agitation zu verdanke». Die Bezahlung der Feiertage sei dadurch von den Nnternehmern umgangen worden, daß maii schon vielfach die Arbeiter nur auf Stundenlohn einstellt. Der Tarif wird voraus- sichtlich zu glnisten der Arbeiter ausschlagen und sich durchführe» lasse». Die gegentheilige Auffassung vieler auswärtigen Kollegen über die Berliner Bewegung beruhe»»r auf Unkenntniß der Ver- Hältnisse. I ö h l e r- Stuttgart vertheidigt de» Verbandsvorstand gegen die in, Laufe der Debatte von Berliner und anderen Rednern erhobene» Vorwürfe. Der Vorstand habe stets mit den einzelnen Orlen Fühlung unterhalten nnd sei auch genügend unterrichtet ge- wese», aber es war Vorsicht erforderlich um einem Mißerfolg vorzubeugen. Denn der Vorstand war sich über den Ausgang der Bewegiiiig völlig klar. Die Minimallöhne müssen nach den ort- lichen Verhältnisse» geregelt werden. In Stuttgart habe man den günstige» Zeilpnnkt erfaßt und dadurch den Erfolg erzielt. Die Tarif- frage sei wegen der Regelnag der Stückarbeit für den Vorstand als eine offene behandelt worden, iveil auch hier Vorsicht geboten ist. Schmidt- Mannheim schilderte die Schwierigkeiten der Agitation i» den Mittelstädte», besonders in Süddeutschland, infolge der ge- drückten Verhältnisse, woraus sich der Zuzug»ach Berlin erkläre. Grimm- Hamburg erklärt die hohen Forderungen der Hamburger mit der gesteigerten Lebenshaltung der Bevölkerung. Ferner wünschl Redner, daß die in den Vergolderschulsn ausgebildeten Kollegen angehalten werden sollen, die Minimallöhne zu fordern. Schuhmacher nnd Jahn- Berlin sind der Meinung, daß man in der Zeitung die rechtzeitige Aufklärung über Kon- junktliren der Beweguiig unterlasse» habe. Die Lederarbeiter habe man auch nicht genügend berücksichtigt. Eine von Härder- Hannover gestellte Resoliltion, in allen Orten, wo eine bisherige Lohnbewegung unmöglich war, eine entsprechende Erhöhung der Löhne und Verkürzung der Arbeitszeit anzustrebe»; serner alle Werkstätte»- Streiks möglichst zu vermeiden, wird einstimmig an- genomineii. Auf Antrag der Revisoren wird dem Kassirer, dem Vorstand und Ausschuß Entlastung ertheilt, worauf die Sitzung ans Nachmittag vertagt wird. Nachniittags-Sitznng. Es erfolgt nunmehr die Berathung der Anträge betr. event. Abänderung des Statuts. Ein Antrag des VerbandsvorstandeS, den Z la entsprechend den§ 152 der Reichs- Geiverbe-Ordnung abzuändern, wird ohne Debatte einstimniig an- genommen. Eine sehr ansgedehnte Diskussion, an der sich fast säinmt- liche Delegirte betheiligen, entspinnt sich über die verschiedenen An- träge wegen Erhöhung, beziehungsweise Herabsetznng der bisherige» Beiträge. Die Mehrheit war der Meinung, daß man, um Mittel für eine Lohnbeivegiing zu haben, einen den Verhältnissen entsprechenden Beitrag erhebe» müsse. Andererseits wurde gerade ei» niederer Beilrag als geeignetes Mittel gehalten, der Organisation Mitglieder ziiznführeii, denn jedenfalls könne ei» erfolgreicher Kanipf nur mit«incr starken Organisalio» geführt werden. Die traurigen Lohnverhältnisse in einzelnen Branchen ivie in der Provinz lassen hohe Beiträge nicht zu. Mittel sür den Lohnkanipf werden fast nur von Organisirten und durch Sainmluuge» aufgebracht. Dagegen wurde gellend gemacht, daß in Zukunft große Opfer erforderlich seien. Die Mehrzabl der Berliner Delegirte» ist für niedere Beiträge, bezw, 25 und 19 Pf. pro Woche, während die sächsischen und Stuttgarter Vertreter für möglichst Hobe Beiträge eintreten, mit Ausnahme der Chemnitzer Delegirte». FrauK ä h I e r- Hainburg plädirt für 39 resp. 15Pf. Die nunmehr erfolgte namentliche Abstimmung ergiebt die Aiinahme des Antrags: für n» ä n n l i ch e Mitglieder pro Woche 35 Pf. mit 14 gegen 12 Stimmen bei 2 Stimnienthaltungen nnd 15 Pf. für weibliche Mitglieder mit 18 gegen 9 Stimme» mit 1 Stimmenthaltung. Ei» Antrag Hannover, betr. die klassenweise Einführung von Beiträgen wurde einstimniig abgelehnt. Die Erhebung einer Exlrasteuer, vom Berbandsvorstand in der Weise beantragt,„ivie sie dem momentanen Bedarf angeniessen ist" wird, unter Ablehnung der übrigen diesbezügliche» Anträge, mit 17 gegen 11 Stimmen a n g e n o m ni e n. Ein anderer Antrag Hannover:„Der Verband ist in Gaue getheilt" zu streiche», wird nach längerer Diskussion mit großer Mehrheit abgelehnt. Dagegen ein anderer, von H a r d e n in längeren Ausführungen begründeter Antrag betreffend die Errichtung von Zahlstellen rc. an Orten, wo keine Mitglied- schaften bestehen, in einer von P f ü tz e- Leipzig gestellten Fassung, angenommen. Eine längere Diskussion zeitigen einige Anträge betreffend die Gaueinlheilung. Nachdem der Antrag Allenburg von B u ch w a l d zurückgezogen, gelangt der Antrag des Verbandsvorstandes zu Abs. 2 und 3 des Z 17 mit einiger Abänderung und einem von H a r d e n gestellten Zusatz, zur itlnnahine, wodurch die weiteren Anträge erledigt waren. Gegen gt/s Uhr abends werden die Verhandlungen auf Dienstag vertagt, um wahrscheinlich an diesem Tage beendet zu werden. Eine austerordentliche Geucralversammluug der Arbeiter- BildungSschnle, die sehr gilt besucht war. fand am letzten Montag in den Armliihalle» statt. Es handelte sich um die Stellungnahme der Mitglieder zn den neuen Unternehmuugeii des Vorstandes»nd Beschlußfassung darüber. Ter Vorsitzende, Genosse Heinrich S ch n I z gab in seinem einleitenden Referat zunächst die Gründe a», die deu Vorstand überhaupt zn den neuen Unternehmnnge» veranlaßt hätten. Einmal müsse die Schule stets fortschreiten und sich ausbauen, andererseits hätten bestimmte Uinstände neue Maßnahmen erfordert. Die Verivaltung der Schule sei eine so ausgedehnte und schivierige geworden, daß die Arbeilskrasl einer Person dadurch völlig in Anspruch genommen werde. Um dieser Person aber eine entsprechende Vergülnng dafür zahle» zil können, habe sich die Eröffnung neuer Hilfsquellen nölhig gemacht. Durch die Einrichtung der Lesehalle habe man dagegen da- Ausehe» der Schule heben wollen. Die neuen Unlernehinungen führlen sich ganz gut ein und wenn auch die Lesehalle vorläufig»och mangelhaft besucht werde, so sei dies nur auf ungenügende Bekannt- machung zurückzuführe». Es habe aber zu Konflikten zwischen dem von der Generalversammlung gewähllen und daher veranl- wortliche» Vorstand und den von den einzelnen Schulklaffen ge- wählte» unverantwortlichen Schnlkommissionen geführt, sodaß der Vorstand in seiner Thätigkeit gehemmt wurde; er sei im Zweifel, ob er noch die Mehrzahl der Mitglieder hinler sich habe. Um hierüber Klarheit herbeizuführen, sei die heutige Generalversa»»»- lung einberufen worden. Die folgende Debatte war eine sehr lebhafte. Mücke stellte den Antrag, die Lesehallen wieder ein- gehen zn lassen, während von S t r a» n i g dem gegenüber verlangt ivurde, die Lesehallen de» ganze» Tag zu öffnen. K a l e n und Lehmann unterstützen den Antrag M ü ck c, erklären sich im übrigen aber mit der Geschäftsführung des Vorstandes ein- verstanden. Nach langer, theilweise sehr erregter Diskussion ivurde» beide Anträge abgelehnt; dagegen wurde mit allen gegen 7 Stimmen die Leitung der Schule durch den jetzige» Vorstand gebilligt und letzterer nufgesordert, die neuen Unternehmungen thatkräslig zur Durchführung zn bringen. Depeflltzen und letzte Lluchvichken. München, 23. Februar.(W. T. B.) Das Landgericht München II verurtheilte wegen des in der Nacht vom 26. zuur 27. Oktober in Steinhöring(Amtsgerichtsbezirk Ebersberg) statt- gehabten Haberfeldtreibends 3 Angeklagte zu Gefängnißstrafe» von 1 bis 1� Jahre» und 45 Angeklagte zu Gesängnißstraseu von I bis 3 Monaten. Wien, 23. Februar.(W. T. B.) Di»„Neue Freie Presse" meldet aus Athen aus sicherster Quelle, daß die Gesandten der Großmächte die Zurückziehung der griechischen Truppen aus Kreta binnen 24 Stunden verlangen. London, 23. Februar.(W. T. B.) Nach einer Depesche aus Suuderland steht der Eisenbahn-Büterverkehr in Sunderland insolge des Ausstandes fast gänzlich still. Falls die Direktoren der Nordost- Bahn i» der heute stattfindendeu Versammlung die Bedinguiigen der Arbeiter nicht aniiehmen, werden die bei dem Personenverkehr beschäftigten Gepäckträger morgen die Arbeit einstelle». Die Lokomotivführer des NorddistrikleS haben sich bereit erklärt, sich dem Ausstand anzuschließen. London, 23. Februar.(W. T. B.) Unterhaus. Der Parla- ments-Untersekretär des Aeußer» Curzon erklärt, die Regierung wffse nicht, wer das Signal zur Beschießuiig der Aufständischen auf Kreta gegebe» habe. Das Verfahren sei zivischen de» Geschwader-Chefs vereinbart worden; vermuthlich habe der älteste Offizier, der italienische Admiral, das Zeichen gegeben. London, 23. Februar.(W. T. B.) Die bevorstehende Ent» sendttiig einer besonderen Mission an König Menelik unter der Führung Rodd's, zeiligen Sekretärs bei der englischen diplomatischen Vertretung in Cairo, wird amtllich gemeldet. Mehrere Offiziere, »»ter ihnen Oberst Wingate n»d Lord Edward Cecil, der Sohn Lord Salisbury's, werden Rodd begleiten. Rodd wird eine» eigen» händigen Brief der Königin an Menelik überbringen. London, 23. Februar.(W. T. B.) Der heutigen Sitzung des parlamentarische» Untersuchungs- Ausschusses betreffend Jamesous Einfall in Transvaal wohnte» der Prinz von Wales, Dr. Jameson und Dr. Harris bei. Der Prinz von Wales reichte beim Eintritt Rhades die Hand. Das Verhör Rhades' ivurde durch Campbell- Baniiermaun, Ellis und Burlo» fortgesetzt. Rhodes verwies auf di« Analogie zwischen dem Einfalle Jameson's und der Invasion auf Kreta.„Der Unterschied besteht darin", äußerte Rhodes,„daß das Volk von Johannesburg Ihre Lands- leute waren, während es die Kreter nicht sind. Sie haben volle Sympathie sür die Kreter, aber keine Sympathie für Ihre Landslenle." Labouchere unterbrach Rhades mit der Bemerkung:„Giebt es ans Kreta auch Goldmine» und wurde deshalb zur Ordnung gerufen. Auf fernere Fragen verschiedener Mitglieder des Ausschusses erwiderte Rhodes, die gegenwärtige Lage in Transvaal könne nicht fortdailern. eine Aenderuug müsse eintrete». Die neue Bevölkerung würde sich verdoppeln »nd verdreifachen, während die alte Bevölkerung der Burghers sich vermindere, da sie theilweise nach Rhodesia ziehe. Er, Rhodes, habe nicht die Umwandlung der holländischen Republik in eine englische gewünscht.„Ich wünschte eine Union, dadurch allein wurde mein Borgehen geleitet." Rhodes stellte dann in Abrede, daß die Erhebung in Johannesbnrg von ihm ins Werk gesetzt sei, die Wahrheit sei, daß Johannesburg ihn i» die Erhebung gelrieben habe. Das Volk im Rand habe die der englischen Rasse eigene Empfindung getheilt, daß»s a» de» Regierung theilnehmen müsse, wenn es die meiste» Stenern zahle. Das fernere Verhör brachte technische Einzelfrage», welche wenig Interesse boten. Athen, 23. Februar.(W. T. B.) Nach einer Depesche aus Cerigo halten englische Schiffe diese Insel eng uiuschlosse». Auch haben englische Schiffe gester» vor Platania, woselbst sich das Haupt- quartier des Obersten Vassos befindet, demonstrirt. Ferner wird be- richtet, daß Kasteli in Brand stehe. Athen, 23. Februar.(W. T. B.) Die Ankunft italienischer Studenten, welche als Freiwillige nach Kreta gehe», gab zu einer Kundgebung Anlaß; eine zahlreiche Menschenmenge durchzog die Straßen unler den Rufen:„Es lebe Griechenland!"„Es lebe Italien!"„Es lebe Kreta!" Bombay, 23. Februar.(W. T. B) Di« Sterblichkeits-AuS- weise der letzten 6 Tage zeigen«ine deutliche Abnahme der Epidemie gegen die letzten Wochen. Kalkutta, 23. Februar.(W. T. B) Unter den Personen, welche auf den Nothbauten im Rewa-Etaate beschäftigt sind, ist die Cholera ausgebrochen. In zwei Tage» sind 169 Todesfälle vor- gekommen. Die Behörden ergreifen energische Maßregel», um die Verbreitung der Epidemie nach Allahabad soivie nach de» Zentral- Provinzen zu verhindern. Verantwortlicher Nedatteur: Augiist�acobetz in Berlin. Sür den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke w Berlin. Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu S Betlogen u. lluterhaltnngsblat«. iit.i6. agaDtpu). 1. Keilllge des„Amillts" Kerliiler Wülsdlatt. Ftbr�r m. Dev Essen ev Meinerds�VvozvZZ Huidev Srhvödev nnt» Genossen im ÄViedeeoufnohme-Verfohren. /Jnla�e 3tnil /lTjgß im August 1895 die Bergleute Ludwig Schröder und Genosse» vom Schwurgericht z» Essen a. d. Ruhr wegen wissentlichen Meineids zu langjährigen Zuchihausstrafen vernrtheilt wurde». Die Bernrlheilung erregle zur Zeit allgemeines Aufsehen, da die Zengenanssagen in jener Schwur- gerichls- Verhandlung sehr widersprechend waren. Bekannt- lich Handelle es sich um eine im Juni 1895 zu Baukau bei Herne in Westfalen statlgesundene Bergarbeiter- Ver- sannnlung, die vom Gewerkverei» christlicher Bergarbeiter berufen war. In dieser Versaininlnug war auch Ludwig Schröder nebst einer Anzahl anderer zur Sozialdemokratie gehörenden Bergarbeiter erschienen. Als Schröder sich zum Wort meldete, wurde er von dem Vorsitzende», Bergarbeiter Brust(AI teil esse»), aus dem Saale geiviesen. Dieser Aufforderung soll Schröder nicht so- fort nachgekommen sein. er wurde deshalb von de», die Bersauimlung überwachenden Gendarm Munter zun, sofortigen Verlassen des Saales ausgefordert. Schröder leistete dieser Zluf- sorderung unverzüglich Folge. Er begab sich an den am Ausgange des Saales stehenden Kassenlisch. um sich sei» Ein- trittsgeld lviedergeben zu lassen. In diesem Augenblick trat jedoch Münter, so hat dieser in der erwähnten Schwurgerichts- Verhandlung bekundet, dicht an Schröder heran und forderte ihn in energischer Weise zum Verlassen des Saales auf. Schröder dagegen hat in einem aus Anlaß dieses Vorganges gegen den Redakteur Margraf vor der Essener Straskammer statlgesundcnen Be- lcidignngs- Prozeß beschworen, daß Gendarm Münter ihn zwei- nial niedergestoßen habe. Dasselbe bekundeten noch einige andere Genossen Schröder's. Da diese Zeugen sich mit den Aus- sagen Münler's und denen einiger dem Gewerkverein christlicher Bergarbeiter augehörenden Mitglieder im Widerspruch befanden, so erfolgt« wegen Verdachts des iviffentlichen Meineides ihre Ver- Haftung nnd einige Wochen später ihre oben mitgetheille Ver- urthcilnng. Der«ertheidiger der Verurtheilte», Rechtsanwalt Dr. Viktor Niemeyer-Effen, bekannt als Berlheidiger Mellage's in j_ I_ 1_ 1_ 1- 1— * s£> 7 b 9 fUten dem Aachener Alexianer-Prozeß, hat nun das Wiederaufnahme- Verfahre» beantragt.„Es dürfte notorisch sein," so heißt es in der sehr nmsangreichen Begründung des Wieder- aufnahmt- Verfahrens,„daß das bezeichnete Urlheil des Schwurgerichts von weiten, mit dem Sachverhalt und dem Verhandlnngsgang sorgfältig vertrauten juristischen und nicht- juristischen Kreise» aller politischen Richtungen für einen verhänguiß- vollen Fehlspruch gehalten wird, für einen Fehlspruch, der auf politische Boreingenommeuheil der Geschworenen gegen � die Ver- urtheilten zurückgeführt wird." Ter Berlheidiger führt des weiteren aus:„Münter selbst mußte schließlich eidlich zugeben, daß er so nahe a» Schröder hart und energisch herangetreten sei, daß er ihn möglicherweise mit dem Körper berührt habe, ivährend er die eine Hand am Säbelgriff, die andere geballt gehalten hätte. Demgegenüber haben andere Zeugen derjenigen Gruppe, welche ein Stoßen Münler's in Abrede stellen, be- kündet, daß Münter„mit de» Armen gestikulirt habe". Angesichts dieses Ergebnisses der Beweisaufnahme mußte mindestens aus dem Gesichtspunkt des„non liguet" die Freisprechung erfolgen und jedenfalls muß angesichts dieser Sachlage das geringste neue Moment oder Beweismittel zu gunste» der Angeklagten geeignet er- scheinen, die Freisprechung herdeizusühren, oder doch in Anwendung des §I63Sl.-G..B. eine geringere Bestrafung herbeizuführen. Dabei ist davon auszugehen, daß die Annahme, es müsse auf der einen oder anderen Seite ein Meineid geschworen sein, durchaus ungerechtfertigt ist. Erfahrungsmäßig gehört eine völlig gleichmäßige Darstellung von Vorgängen, die im Wirlhshaus oder auf der Straße beobachtet sind, geradezu zu den Seltenheiten trotz gleicher Beobachtungsuähe und Beobachtungsmöglichkeit der Zeuge». Das dem Auge eingeprägte Bild ist von unzählige» Zufällig- leiten, von Stimmungen, Fähigkeiten u. s. w. beeinflußt. Das ursprüngliche Bild verwirrt sich durch Schilderunge» und Besprechungen des Vorfalles; das Gehörte und Wiedererzählte mischt sich mit dem Thatbestande des Beobachteten und so entstehen Schilderungen, die scheinbar mit dem guten Glauben der Schildernde unvereinbar sind, von deren Wahrheit die Schildernden aber trotzdem fest überzeugt sind. Der Vertheidiger weist nun auf das Urtheil der zweiten Straskammer des Landgerichts Köln vom 19. Juni 1896 gegen den Redakteur Hosrichter wegen Be- leidigung des Gendarm Münter hin. In diesem Urtheil heißt es, „daß ein vollkommenes non licznot schon bezüglich des objektiven Thatbeitandes des fraglichen Vorkommnisses vorliege und daß keine Veranlassung vorhanden sei, einzelne Zeugen der Verletzung der Eidespflicht zu verdächtigen, daß viel- mehr die Widersprüche der Zeugen durch die Sachlage erklärlich seien. Es wird ferner ans das Zeugniß des der christlich- sozialen Gruppe zugehörenden Zeugen Keuenhof Hingewiese». Dieser, der jeden Stoß Münler's in Abrede stellt, hat bekundet: Schröder sei auf den Rücken gefallen, während dessen Parteigenossen be- kündeten, Schröder sei ans die vorgestreckte» Hände gefallen. Der Berlheidiger behauptet ferner, daß die Geschworenen dem Urtheil gegen Margraf ausschlaggebende Bedeutung beigemessen haben. Dies ist nicht nur höchstwahrscheinlich, sonder» durch Mittheilunge» der Geschworeue», wie eventuell unter Beweis gestellt werde» kann, unmittelbar bekannt geworden. Das dem Kölner Urlheil zu gründe liegende Versahren hat auch ergeben, daß die beide» Zeugen- Gruppen, von denen die eine das Hinwerfen behauptet, die andere dies be- streitet, sich keineswegs nach politischer Parteistellung sondern. KS werden folgende neue Zeugen benannt, welche das von den Ver- urtheilten Beschivorene bekunde» werden: l. Maurer Johann Gerlach(Castrop bei Essen), 2. Anton Breker(Pourbsen bei Neheim), 3. Musketier Hermann Kerlinski(Köln), 4. Bergmann Joseph Eisenkämper(Herne), 5. Bergmann Wilh. Tschentschel (Herne), 6. Bergmann Friedrich Nagel(Hiltrop), 7. Schneider Ernst Obrt(Bruch), 8. Bergmann Carl Küfer(Herne). Hierzu bemerke ich: Die Verurtheilten wurden unmittelbar»ach der Verhandlung, in welcher sie den Meineid geschivoren haben sollen, verhaftet. Sie hatten keinerlei Möglichkeit, ihre Eullaslungsbewcise selbst zu sammeln. Unniiltelbar nach der Schwur- gerichls-Verhaudlnng und im Laufe der seildem verflossene» Zeit sind die vorbenannten Augenzeugen des fragliche» Vorfalls ermittelt; es ist dabei auf Feststellung ihrer absolute» Integrität und ihre Nicht- Zugehörigkeit zur Partei der Verurtheilten Werth gelegt worden. Be- stäligen diese Zeugen eidlich das von den Angeklagten Beschworene, so wird dasGewichtdes an sich schon sehr schivachenBelastnngsuiaterials»och er- heblich vermindert. Es mutz zum mindesten dem iltichter zweifel- Haft werden, wie es dein Kölner Gerichtshof zweiselhast geworden ist, ob nicht die von den Vernrtheilt«» gegebene Darstellung die richtige ist. Das wesentlichste Belastungsmaterial, ivelches auch dem erwähnten Urtheil gegen Margraf zu gründe lag, bildete das eidliche Zeugniß des Gendarmen Münter, ivelcher ab- geleugnet hat, daß er dem Schröder einen Stoß gegeben habe. Es soll nicht behauptet werden, daß dieser Zeuge einen wissentlichen oder fahrlässigen Falscheid geleistet hat. ES mag immerhin möglich sein, daß dieser Zeuge, dem in einem späteren Urlheil dokumeulirt ist, er sei ein nervös erregter Mann, sich des Maßes seines Einschreitens später nicht mehr bewußt gewesen ist. Es wird aber unter Beweis gestellt, daß das Zeugniß Münler's— selbst bei der Annahme, er habe sein Zeugniß nach bestem Wissen nnd Gewisse» abgegeben, und habe es auch bei sorgfältigster Prüfung subjektiv nicht anders abgeben könne»— dennoch objektiv keinen Glaube» verdient, weil dem Zeugen die Fähigkeit fehlt, Vor- fäll« i» der Ausübung seines Amtes, bei denen er selbst betheiligt ist, objektiv richtig zu beobachten und in der Erinnerung festzuhalten. Der Vertheidiger beruft sich a) auf ein Urlheil der Straskammer zu Bochum gegen den Redakteur Karten- beig vom 24. Juli 1895, b) auf ein Urlheil der Strafkammer zu Dortmund gegen den lliedakteur Dr. Lütgenan vom 7. Oktober 1895. In beiden Fällen waren die Angeklagten der Beleidigung des Gendarm Munter beschuldigt ivcgeu Mitlheiluug von mehrfachen groben Exzessen des Münter in Ausübung seines Amtes. In beiden Fällen längnete Münter eidlich die an der Zahl nicht unerheblichen Exzesse ab, ivelche von zahlreichen Zeugen be- stätigt wurden. In beiden Fällen erfolgte Freisprechung mit der Begründung, daß Münler's Angaben objektiv unzuverlässig und die übrigen Zeugen glaubwürdig seien.— In der Schrvurgerichts- Verhandlung ist von der Anklagebehörde der augebliche Meineid der Verurtheilten zurückgeführt worden auf die politische Partei- stelluug der Verurtheilten. Es ist von der Slnklagebehörd« zur Begründung der Anklage geltend gemacht morden, daß das sozialdemokratische Organ hes lliuhr-Gebiets de» Meineid der Parteigenossen als erlaubt hingestellt und daß die Ver- urtheilten, offen von dieser politische» Ansicht beseelt, den Meineid geleistet hätten. Es ist sehr wahrscheinlich, daß diese von den Ge- schworcne» als Thatsache hingenommene Behauptung der lllnklage« behörde wesentlich zu dem Fchlspruch der Geschworenen geführt hat. Ich benenne: a) den Redakteur Dr. Lütgenan zu Dortmund als Zeuge» dafür, daß das von der Anklagebehörde als sozialdemo« kralisches Organ bezeichnetes Blatt ein vor Jahren vorübergehend erschienenes anarchistische Blatt war, daß die gesammte sozialdemo- kratische Presse, insbesondere auch das sozialdemokratische Organ des Ruhrgebiets, die„lliheinisch-Westsälische Arbeiter-Zeitnug", die Auslassungen jenes anarchistische» Blattes ans's heftigste bekämpft u»d stets den Meineid als verabschenungswürdiges Verbrechen gekennzeichnet hat. Ich benenne b) den Bergmann Hein- rich Bartels in Marten als Zeugen, daß gerade der Verurlheille Schröder in der Presse und in den Ver- sammlnugen den Meineid als ei» gemeines Verbreche» be- zeichnet hat. Sind diese Thatsachen richtig, so fällt das Argument der Auklagebehörde, das Argument, welches die Geschworenen offenbar akzeptirt haben." Diesem Aulrage des Rechtsauwalts Dr. Niemerzer ist insofern bereits statlgegebe» worden, als, wie bereits mitgetheilt, am ver- gangene» Sonnabend in dem zu Baukau bei Herne belegenen Sichlerinann'jchen Saale ein Lokalterini» staltgesnnden hat. Es hatten sich zu demselben eingefunden der Gerichtshof, der über das Wiederaufnahme- Verfahren zu beschließen hat, bestehend ans Landgerichlsdirektor Jerusalem, Landrichter Hillcnkamp und Gerichtsassessor Fuchs. Die königlich- Staats« anwaltschaft war durch de» Staatsanwalt Mantell, die Beschuldigten durch Rechtsanwalt Dr. Victor Niemeyer vertrete». Außerdem waren die acht genannten neuen, sowie eine Anzahl Zeugen geladen, die schon in der Schwurgerichts-Verhandlung im August 1395 ver» nomine» wäre». Der Sichtermann'sche Saal, de» ivir den Leser» nach dem Entwurs einer Handzeichnung vorführen, ist ein alleinstehendes,' leichtes Fachiverkgebäude, dessen Thür nn- mittelbar ins Freie führt. Sämmtliche Zeugen mußte» im Saale die Stellen ihres Sitzes bezw. Standes einnehmen, die sie zur Zeit des Vorfalles i»»e halten. Gendarm Münter ist auf dem Table«» nicht mitaufgeführt. Dies ist höchstwahrscheinlich deshalb unterblieben, weil Munter au jenem verhängnißvollen Ver- sannulungStage keinen festen Platz im Saale hatte. AuS der vor- läufigen im Saale vorgenoniinenen Vernehiuung ging her» vor, daß sämmtliche Zeugen bei dein Vorfall anwesend waren.— Nach beendigter Lokalbcsichtigung begab sich der Gerichtshof in die gegenüberliegende Wirthschaft von Sichter- mann, wo in nichtöffentlicher Sitzung die Zeugen vernommen wurden. Staatsauivalt und Vertheidiger dursten dieser Sitzung nicht beiwohne». Der Gerichtshof wird nun in den nächsten 14 Tagen zu beschließen habe», ob auf grund der neuen Zeugen» Vernehmungen u. s. w. das Wiederausnahme- Verfahren anzu» ordnen ist. MvchenfchÄfksbevirfzk dev Vevlittvv GewrvKfchK�ts� Mottttttiffion. Soeben ist der Rechenschaftsbericht der Berliner Gemerlschnsls- kommisfion über die Zeit vom 1. Juli bis S1. Dezember 1896 erschienen. Der Bericht enthält Angaben über die öffentlichen Ver- fammlungen der Delegirten. die Znsammensehnng der Komniissto» und Betheiligung der Delegirten, die Lohnbeivegnngen, Statistik der Streiks und Aussperrungen im Jahre 1396, Gewerbegerichiswahl, über das Gewerkschaflsbureau und die Abrechnung über die Ein- nahmen und Ausgabe» der Kommission. Äln öffentliche» Delegirten- Versammlungen sind in der Berichtszeil sechs abgehalten. Ueber die Zusammensetzung der Konnnission und der Betheili- anng an deren Sitzungen ist dem Bericht zu entnehmen, daß zur Zeil 84 Gewerbe durch 92 Deputirte in der Konnnission vertreten sind. Der durchschnittliche Besuch ist gegen die Vorjahre gestiegen. Durchschnittlich waren 85 Delegirle anwesend. In dem Abschnitt über die L o h n b e w e g u n g e n der Berichts- zeit wird wiederum ans die im Solde des Unternehnierthnms stehende Fach- und Tagespresse hingewiesen, die im Verdrehen, Ver- Hetzen und Verunglimpfen der im Kampf um bessere Arbeits- bedingungen stehenden Gciverkschaften und ihrer Führer das Menscheninögliche geleistet hat. Namentlich wird auf die lügenhaften Spezialberichle der„Post" Hingewiese».— Im allgemeinen wird konstatirt, daß sich die Lohnbewegungen der zweiten Hälfte des Jahres 1896, soweit es sich nicht»in Aus- sperruugen handelte, hauptsächlich auf Beibehaltung oder Erzielung der neunstündigen Arbeitszeit, prozentuale Lohnerhöhungen oder auf die Einführung fester Lohutarife richteten. Das Baugewerbe hatte in dieser Zeit andauernde Werkstattstreiks und Bausperren zu verzeichnen bei den Firme», welche die im Frühjahr bewilligten Forderungen wieder rückgängig machen wollten. Aehnlich lag es in der Holz- industrie. Die Arbeiter dieser Industrie richteten ihr Augenmerk zum größten Theil auf die Durchführung und Erhaltung der 52stün- digen Arbeitszeit. Im graphischen Gewerbe und der Papier- Industrie wurde gleichfalls die neunstündige Arbeitszeit und die Einführung von Lohntarifeu gefordert. Auch in der Metallindustrie wurde um den Neunslundentag nicht ohne Erfolge einzelner Branchen gekämpfl. Im einzelnen wird berichtet über die Streik- und Lohn- bewegunge» der Maurer, Putzer, Zimmerer, Dachdecker, Stuckaleure, Maler, Holzarbeiter, Musikinstrumenten- Arbeiter, Möbelpolirer, Bilderrahmenmacher, der an Holzbearbeitungsmaschinen Beschästigten, dcrSiellmachcr, Metallarbeiter, Lackirer, Sattler, Treibriemen-Arbeiter, Lederarbeiter, Weißgerber, Kvnfeklionsarbeiicr, Mützenmacher, Buchbinder, Lithographen, Buchdrnckerei-Hilssarbeiter, Tabakarbeiter. Taxameter- Droschkenkutscher, der Privatpost- Angestellten und Gas- anstalts-Arbeiter.>5 Streiks verliefen für die Arbeiter günstig, 3 mit theilweisem Erfolg, 3 endeten mit einem Vergleich vor dem Gewerbegericht, 3 resultatlos(d. h. es blieb bei den bisherigen Ver- Hältnissen), 3 ungünstig. Allei» für Streiks gingen durch die Hände der Gewerkschafts- kommission 223 483,64 M. Außerdem noch an Listenaeldern 22 163 M., zusammen über 250 000 Mark! Für de» Hamburger Hasen- arbeiter-Streik waren davon bestimmt 150 7Ö0 M. 3S Pf. Sonst sind au großen Summen noch zu nennen 9466 M. für die Musikinstrnmenlen-Arbeiter und für die streikenden Lithographen und Steindrucker 36 322 M. Ans den Umfang der Arbeit, welche dem Gewerkschastsbnrean bei der Sammlung für den Hamburger Streik zufiel, läßt sich ein Schluß ziehe», wenn man feststellt, daß aus dem Bureau 7609 Doppel-Quittungen für die Hafenarbeiter ausgestellt wurden, bis zur Beendigung des Streiks 962 Postsendungen in Empfang genommen und 411 Postanweisungen nach Hamburg ge< sandt wurden. Endlich wird in dem Bericht des günstigen Ausgangs der letzten Berliner Gewcrbegerichts-Wahlcn gedacht. Eine Reihe von Tabelle» beigefügt über die Inanspruchnahme des Gewerschafls- bureauS zur Ausknnftsertheilung. Man erfährt darin die Branche und das Geschlecht der Auskunflsuchenden, sowie die Gegenstände, über die Äluskunft verlangt wurde. Seinen Höhe- punkt erreichte die Thätigkeit des Bureaus bei dem Hafenarbeiter- streik. Während des Streiks der Lithographen machte sich an sechs Tagen in der bekannten Massenklage auf Entschädigung für die nicht innegehaltene Kündigungsfrist eine Vertretung der ans- ständigen Lithographen seitens des Gewerkschastsbnreaus erforderlich. Das Bureau wurtw 1896 zu all den oben angesührte» Zwecken von zirka 9009 Personen frcqnenlirt. Man kann dem Genossen Millarg, der den Bericht bearbeitet hat, die Anerkennung nicht versagen, daß er dabei mit großem Fleiß zu Werke gegangen ist und daß die veröffentlichten Thatsache» und Zahlen nach den verschiedenste» Richtungen hin ein großes sozial- politisches Interesse bieten. Schließlich verweisen wir noch auf folgende Tabelle, die eine interessante Zusammenstellung sämmtlicher Berliner Streiks und Lohnbewegungen des Jahres 1396 enthält. R b r e ch II u u g über Streiks II II d L o h It b e w e g II II g e II in Berlin im Jahre 1806 (soweit dieselbe» an die Kommission eingesendet wurden). Beruf oder B r a n ch es Maurer Putzer. Zimmerer.... Dachdecker.... Stuckaleure... Maler..... Holzarbeiter... Musikinstrumenten- Arbeiter... Möbelpolirer... Bilderrahmenmacher Dauer der Bewegung D a t n m bis Anzahl der Betheiligteu vom An maschin. Beschäftigte, Stellmacher.... Metallarbeiter").. Lackirer..... Sattler......\ (bei Scholz Nachf.)/ Treibriemen-Arbeiter. Lederarbeiter.... Weißgerber.... Konsektionsarbeiter. Miitzenmacher.,. Buchbinder...-. Lithographen.... Biichdruckerei-Hilfsarb.\ und-Arbeiterinnen.< Tabakarbeiter... Taxameter« Dcoschkeii-I kutscher...../ Privatpost-Angestellle. Gasanstalts-Arbeiter. erstreckt sich über das ganze Jahr 1396 19. 3. 96 1. 6. 36 16. i. 96 1. 3. 96 29. 4. 96 5. 8. 96 1. 2. 96 1. 4. 96 19. 2. 96 22. 9. 96 19. 2. 96 16. 3. 96 4. 7. 96 8. 19. 96 19. 9. 9C 22. 4. 96� 25. 4. 96 15. 4. 36 21. 9. 96 39. 6. 96 8. 3. 96 1. 10. 96 25. 2. 96 30. 3. 96 16. 3. 96 1. 9. 95 11. ß. 96 3. 8. 96 26. 11. 95 10. 2. 96 4. 7. 96 22. 9. 96 19. 10. 96 8. 6. 96 14. 4. 96 25. 12. 95 4. 6, 96 24. 10. 96 30. 3. 98 21. 1. 15. 4. 1. 9. 96 7. 1. 96 21. 2. 98 30. 7. 90 8. 10. 96 23. 11, 96 4. 7. 90 14. 7. 96 8. 1. 96 21. 6. 96 15. 11. 96 7408 L Citri, 7426 2 1743 2000 260 700 800 11428 2287 400 73 920 400 3925 898 37 47 142 87 12 23 605 30 0/0 192 207 835 233 640 357 269 80 700/o 237 170 Einnahme Mark Ausgabe Mark Verlauf der Bewegung 73 357,53 20 975,45 35 734,91 1 721,65 4 308,20 | 11 051,80 40 412,- 51 271,54 8 254,10 153,- 9 912,04 2 007,19 164 616,- 1 220,85 6 074,81 2 457,68 3 464,80 6 893,94 73 378,23 7 029,21 9 312,63 90419,22 7 358,10 8 096,04 860,35 3 606,47 2 205,93 8464,85 6 696,80 günstig günstig günstig nur in einig. De- schüft, gcr. Erslg günstig günstig günstig ungünstig günstig günstig günstig theilweiS mit Erfolg theil weis mit Erfolg endigte mit Vergleich ungünstig resultatlos günstig günstig endigte mit Vergleich günstig günstig ungünstig günstig günstig resultatlos resultatlos Vergleich v. d. cj'~ s nein nein. 1 300; si 23i nein! nein nein 4000 nein nein 1500 1000 nein 50 43 100 nein 500 2510 197 431 1700 nein 500 nein 300 500 Bemerkungen Der Streik wurde auS den Mitteln der eigenen Gewerkschaft geführt. DerStreik wurde a. d.Miilelu der eigenen Gewerksch. geführt. Uebersch. 7329,03 M. DerStreik wurde a. d. Mitteln der eigenen Gewerksch. geführt. Uebersch. 5474,73 M. Der Ueberschuß blieb bei der Gewerk- schaft. Der Ueberschuß verblieb der Gewerk- schaft. Der Ueberschuß verblieb der Gewerk- schuft. Der Streik wurde aus den Mitteln der eigenen Gewerkschaft geführt. Ueberschuß 800 M. zur Deckniig der Schuld an die Gewerksch.«Koiiimission. Der Ueberschuß verblieb der Gewerk- schaft. Der Ueberschuß verblieb der Gewerk- schaft. Der Streik wurde mit den eigenen Mitteln der Gewerkschaft geführt. Der Ueberschuß blieb in der Gewerk- schalt. Den Ueberschuß, 80 M., erhielten die streikenden Treibriemeuarbeiter. Den Ueberschuß, 8,65 M., erhielt die Gewerkschafts-Kommission. Uebersch. v. 197,14 M. erhielt d. Gewerksch.- Komm. z. Deckung d. Schuld d. Lohgerber. Den Ueberschuß von 57,86 M. erhielt die Gewerkschasts-Kommisston. Gegenwärtig sind noch 7V Personen ausgesperrt. Ten Ueberschuß von 8,65 M. erhielt die Geiverkschafrs Kommission. Den Ueberschuß, 267,32 M., erhielt die Lohukominission zum Fonds. Der Ueberschuß verblieb in der Gewerk- schuft. Der Ueberschuß von 153,16 M. verblieb der Gewerkschaft. Den Ueberschuß von 21,38 M. erhielt die Gewerkschafts-Kommission. *) Ausgabe: Bürstenmacher 485 M., Tischler 15457 M.. Parquetbodeiileger 3300 M., Drechsler 2300 M.. Zuschuß zum Etrei� der Musikilistrilmeiiteii-Arbeiter 6491 M., Kosten für Abivehrstreiks 4156 M., Auswärtige Streiks 1900 M, Streikfonds 3600 M. **) Former 430, Maschiueubauer 54, Schloffer und Schmiede 60, Gürtler und Drücker 39, Fabrik Härtung 123, Schnitt« und Staiizenbauer 195, Hufeiseiifabrik Leonhardt u. Ko. 35, Fahon- und Schraubendreher 939. Klempner 1400, Mechaniker 600 Personen. Die Abrechnungen der Glaser, Hut macher, Schuhmacher, Fen st erputzer stehen noch ans. Vammunsles. Ter Antrag der Gcwcrbedepntation auf Ausdehunng der Krankenverficherniig durch Ortsstatut auf Hausindustrielle, Hand- luiigsgehilsen und-Lehrlinge, sowie auf die in Gemeiudediensteu beschäftigten Personeil wird in allernächster Zeit den Magistrat voraussichtlich in einer außerordentlichen Sitzung beschäftigen. Berichterstatter ist Stadtrath Dr. Weigert. Die Gewerbedepiitaliou zählt zu de» versichernden auch die große Gruppe der»ver- schämten Haiisindustriellen". Dazu gehören nach Meinung der Geiverbedcpiitation„meist weibliche Personen, die auf eine gewerbliche Thätigkeit eigentlich nicht angewiesen stud, vielmehr als Frauen oder Töchter von Beamten oder Gewerbetreibenden auch ohne bezahlte Arbeit auskommen könnten, die aber zur Befriedigung persönlicher Bedürfiiisse oder auch zur Vermehrung des an sich wenigsteiis ansreicheildeu Familieiieiiikoiiuiieiis nebenbei eine ge- werbliche Thätigkeit, z. B. auf dem Gebiete der sogenannten weib« lichen Handarbeiten entfalten." Ueber den Umfang dies» Gruppe und über ihre näheren Verhältnisse, so bemerkt die Gewerbedeputation, läßt sich wenig Sicheres behaupten, da die Natur dieses— zuweilen als„verschämt" bezeichneten— Gewerbebetriebes für eingehende Er- Mittelungen keine Handhabe bietet. ES kann durchaus nichts schaden, wenn die Beamtenfrauen, welche den ordentlichen Arbeileriiincn durch Unterbietuug«ine Schmutzkonknrrenz bereiten, ebenfalls zur Krankenversicherung herangezogen werden. Entweder lernen diese meistentheils mehr ver- nagelten als verschämten Armen, die vielfach für die gröberen HauS- arbeiten ein Dienstmädchen halten, sich alz Arbeiterinnen füblen, oder sie verzichten auf die Helferdienste, die sie bisher den Kon- fektionären bei ihren Lohdrückereien leisteten. Berliner StadthauShaltS- Etat. Der Stadthaushalts- Etat für Berlin pro 1897/93, wie er nunmehr gemäß ß 66 der Städte- Ordiiuug vom 22. Februar er. bis einschließlich 1. März cr. in den Vormittagsstunden von 10—1 Uhr auf dem Berlinischen Rathhause 1 Treppe im Finauzbureau, Zimmer 36, zur Einsicht für die hiesigen Einwohner auSliegt, schließt in der Einnahme und Autgab» mit 33 445 559 M. ab. Die Sttimne verlheilt sich auf die eiiizelnen Kapitel wie folgt: �,. Eulnahmen Ausgaben M. M. I. Käinmerei.......... 708 210 115 133 2. Städtische Werke........ 6 152 570 1 881 ,60 3. Steuern........... 50015880 540 100 4. Kapital und Schulden...... 14 034 372 18 536 895 5. Unterricht.......... 2 568 849 16 895 513 6. Arnienivesen......... 1 171 590 10 636 721 7. Kranken- sowie Gesundheitspflege und Heimstälteu für Genesende... 1 667 301 5 903 833 6. Park- und Gartenanlagen.... 14 585 725 530 9. Bauwesen.......... 5 970 341 13 474 238 10. Verwaltniigskosteit....... 614 817 8 745 980 11. Polizeiwese»......... 724 000 6 004 263 12. Straßenbeleuchtung, Reiniznng uiu Besprengung........ 190 270 2 916 200 13. Verschiedene Einnahmen u. Ausgaben 3 712 774 2 060 374 Summa.. 83 445 559 88 445 559 Die größten Einnahmeu weist das Sleuerkapilel auf mit 50 015 880 M., denen nur eine Ausgabe von 549 100 M. entgegensteht. Die Ueberschüsse der städtischen Werke, soweit dieselben der Sladt-Hauptkasse zu gute kommen, sind in Kapitel 2 enthalten. Der Etat pro 1896/97 schließt ab in Einnahme und Ausgabe mit 87 839 324 M., der Etat pro 1897/93 ist daher um 606 235 M. höher.— Die Etalsvorlage wird am nächsten Sonntag der Stadt- verordiieteu-Bersammlung zugehen, so daß dieselbe über den Etats« entwurs am Tonnerstag, den 4. März cr. in Berathung trete» kann. IfokÄles. Auf die geschmackvolle Vergnickiing von Patriotismus und Zotenreißerei, die in patriotischen Kreisen nichts seltenes ist, haben wir schon mehrfach hingewiesen, so unter anderem vor Jahresfrist bei der gelegentlichen Beschreibung eines Kriegervereiiisfestcs. Be- sonders drastisch ist in dieser Beziehung der Inhalt einer Fest- zeituug, die zu einer Feierlichkeit, welche ein vornehmer Radfahrer- klub am 16. Februar beging, herausgegeben wurde. Die erste Text« feite der Festschrift enthält eine»„Kaiserhymnus", der beweist, daß sein Dichter im Punkt Ergebenheit entschieden den Nckord erreicht hat. Die erste Strophe des Hymnus lautet: SIll Heil Dir großer Held Es ehrt die Radlerwelt Dich alleroris. Kaiser voll Herrlichkeit, Machst uns die Herzen weit Du kennst das Rad der Zeit, Fördrer des Sports. So geht«s weiter bis zur Schlußstrophe: Der Allemania Liebe ist stets Dir nah, Wird Dir zu theil. Drum Brüder hier im Saal, Greift alle zum Pokal: Wilhelm, dem Ideal, Doiinernd All Heil. Derart geht e? in überquellendem Patriotismus noch diverse Seiten weiter, bis ein humoristisch sein sollender Theil der Festzeitung sich allmälig mit Zoten füllt, deren Ursprung dem Ziihälterlhuin alle Ehre machen würde. Besonders zeigt sich die gemeine Gesinnung der dichtenden Radeljüiiglinge darin, daß sie sich als Objekt ihrer Laszivitäten, deren Inhalt selbstverständlich garnicht anzudeuten ist, außer den Prostituirten, wesentlich ihre„Kolleginnen", die rad- fahrenden Damen erkoren haben. Die Festzeitung läßt aus den gtittersinn dieser Sorte Patrioten Schlüsse ziehen, von denen die Herrschasten, welche den Sozialdemokraten bei jeder Ge- lcgenheit den Wauwau der freien Liebe vor die Füße werfen, nicht besonders erbaut sein werden. Sie fühlen sich zu schwach. An dem Festzuge am 22� März nehmen bekanntlich auch die Innungen theil. Selbstverständlich wohl nur die Meister, da die Hurrahpatrioten an der deutlichen Absage, welche ihnen kürzlich von den Bäckergesellen erlheilt worden ist, wohl ein für alle Mal genug haben werden. Die Zeitungen bringen jetzt eine lange Aufzählung der Innungen und ihrer im Zuge milzuführeiiden Zuiiftembleme, und darin erwähnen ste auch des folgenden bedauerlichen Umstandes:„Die Klempner würden gern auch ihre kostbaren Harnische mitführen, doch ist, wie der ver- treter der Jiinung gestern erklären mußte, zur Zeit kein Meister mehr vorhanden, der die Last dieser Harnische zu tragen vermag." Den Jnnungsbrüdern geht es mit den Harnischen wie mit der modernen Produktionsweise. Auch dies« zu ertragen sind zu schwach und ihr Marasmus wird sie bald völlig im Eturmhauch der neuen Zeit zusammenknicken laffen. Zur Ceutenarfeier. Die„Germania" berichtet, daß Pro- fessor Haus Meyer an der königl. Akademie der Künste in Berlin zum 22. März einen Zeituiigs-Jllustrations-Entwurf zu einem Bild» zur Verherrlichung Kaiser Wilhelms I. geliefert hat, der ein lebhaftes Schütteln des Kopses hervorrufen dürste. Im Hintergrund de? Bildes erhebt sich das geplante Denkmal für den verstorbenen Kaiser, wie es in Berlin errichtet werden soll. Als eine Geschmacklosigkeit bezeichnet es das Blatt, daß von dieser Reiterfigur in ungemessene Fernen Strahlen ausgehen, die scheinbar die ganze Welt ersülleu sollen. Die„Nordd. Allg. Ztg." will aus Anlaß der Wilhelmsfeier eine Aenderung des MünzgesetzeS herbeiführen. Das offiziöse Mädchen für Alles schlägt die Prägung einer Kaiser Wilhelm-Gedenkmünze vor. Das deutsche Müuzgesetz gestaltet nicht die Prägung von Gedenkmünzen. Die„Nordd. Allg. Ztg." bringt deshalb allen Ernstes in Anregung, dem Gesetz eine Ziisahbestimmung durch eine Novelle hinzuzufügen des Inhalts:„Die Prägung von Gedenk- inüiizeii von besonderer Gestalt und Aufschrift kann durch Beschluß des Buudesralhs angeordnet oder zugelassen werden." Für die Feier des 100. GeburtSiages Wilhelms I. in Charlotteiiburg fordert der dortige Magistrat von den Stadtverordneten die Be- ivilligung von 85 000 M., davon sollen 25 400 M. als Beitrag zu der bei der goldenen Hochzeit 1878 errichteten Wilhelm-Anguna- Stiftung verwendet werden, 3600 M. für Ausschmückung der Schulen und Vertheilung von Festschristen und 45 000 M. zur Ausschmückung der Berliner und Spandauer Straße. Ein drastisches Urtheii über die Berliner Veranstaltungen fällt der volksparteilicke Abgeordnete Dr. Conrad in einer an die„Berl. Ref." gerichteten Zuschrift:„Die geplanten Festlichkeiten zu Ehren Wilhelms I. anläßlich der Jabr- Huiidert-Feier seiner Geburt beweisen, daß die offiziellen Vergnügung?- Kommissäre des preußisch- deutschen Reiches keinen Funken von Phantasie und Geschmack besitzen, was uns bei dem herrsckenden Traditions- Stumpfsinn und Militarismus» Göheiidienft allerdings nicht überrascht. Im Hintergründe dieser ganzen Veranstaltung thront in der ganzen Heirlichkeil seiner Heuchelmaske eben wiederum der ewig siegreiche deutsche Philister, der nie sürchterlicher ist, als wenn er Huldigungssaxen im großen Stile macht. Das Spektakel- stück wird aber geradezu zur beleidigenden Posse, wenn man bedenkt, daß der solchermaßen Gefeierte in der That einer der schlichlesten, ehrbarsten undj bescheidensten Fürsten gewesen, denen je die Sonne außerordentlichen Glückes auf dem Throne gelächelt, ohne daß der also Angelächelte darüber seinen gesunden Menschenverstand verloren." Kircheiizwaitg zur WilhelmSfeicr. Hinsichtlich der Zentenar« feier für Kaiser Wilhelm I. in sämmllichen dem Minister der Unterrichts- ic. Angelegenheilen unterstellten Schicken, Unterricht?- und Erziehuiigsaiistalten der Monarchie hat der Herr Minister folgendes bestiminl:„Die Schüler und Schülerinnen sind rechtzeitig auf die am 21 März d. I. slatlfindende kirchliche Feier hinzuweisen und aufzufordern, dem Gottesdienste an diesem Tage beizuwohnen. Soweit«S nach den örllicheii Vcr- hältniffen sich ermöglichen läßt, stud die Schüler ic. tu geineinsamem Zuge in die Kirchen zu führen. Die Schulfeier um 22. März ist in derselben Weise vorzunehmen, wie die regelmäßige Feier de» Geburtstages Seiner Majestät des regierenden Kaisers und Königs und der hervorragenden Be- dentung des Tages entsprechend auszugestalten. Am 23. März ist der Unterricht gleichfall» auszusetzen, damit Lehrer und Schüler Gelegenheit erhalten, sich an Volksbelustigungen und volksthümlichen Festen zu belheiligen. Erwünscht ist es, daß auch von der Schule selbst Ausflüge, Turnspiele, Aufsührungen u. dergl. veranstaltet werden." Das Wort„Volksbelustigungen" dürfte sehr euphemistisch auf- zufassen sein; sollten die Festlichkeiten, welche von Kriegervereincn ec. am Schlußtage der vorgeschriebenen 72stnndigen Jubelfeier veranstaltet werde», sich in diese Bezeichnung einschließen solle», so werden manche Eltern, die das Treiben bei derartigen Vergnügungen kenne», sich weislich hüten, ihre Kinder daran theilnehmen zu lassen. Doch das beiseite. Unaufgeklärt ist, wie der Kultus- minister sich eliva die Betheiligung der Schüler und Schülerinnen an dem Gottesdienst vorstellt, der am Sonntag den 21. März zur höheren Ehre Kaiser Wilhelm» des Großen stattfinden soX Am Sonntag ist keine Schule und irgend ein Zwang daher wohl rechtlich kaum durchzuführen. Dies hat auch der Berliner Magistrat erkannt. Er rechnete mit der starke» Gegnerschaft, die namentlich in Berliner Arbeiterkreisen sowohl dem Nationalseste, als auch der Kirche gegenüber vorhanden ist und beschränkte sich daher darauf, rein platonisch den Kirchenbesuch am ersten Verherrlichungstage zu empsehlen. Kathvlifchc Polizeifrömiiiigkeit. Die„Germania" schreibt: Das Passiren lebender Neklamefigure» in unseren Straßen kann mitunter als grober Unfug aufgefaßt werden, der zur sofortige» Sistiruug der„wandelnden Reklame" führt. So wurde gestern Abend am Alexanderplatz ein Harlekin festgenommen, der fiir ein Masken-Verleihgeschäft in der Laudsbergerstraße Zettel verlheilte, nnd durch sein Aenßeres eine größere Ansammlung von Menschen verursachte. Gelegentlich dieses Vorfalles wolle» wir auch auf die Geschmacklosigkeit sehr vieler Maskenball-Besucher hinweisen, die in mitunter recht gewagten Kostümen die hcllerleuchteten Straßen be- treten und ein nicht gewöhnliches Aussehen erregen. Auch das ist dann unter de» Rahmen des groben Unfugs zu stellen und wohl bisher nur von der duldenden Schonung der Behörden übersehen worden.— Was sagt zu dieser katholische» Polizeifrömmigkeil die „Kölnische Volkszeitung", in deren Nachbarschaft man sich auch jetzt wieder nach srohgemnther Rheiuläuderweise in aller Oeffentlichkeit zum lustigen Karneval rüstet? Ter Kampf»u» de» Nordpol lautet der Titel des Aus- stattungsstückcs, das heute Abend in der Urania in der Tauben- straße zum ersten Male ausgeführt wird. Von den vielen Expeditionen, die zur Erforschung der unbekannten Polarländer aus- gerüstet wurden, werden, wie die gestern vor einem geladenen Publikum statlgefuudene Generalprobe zeigte, vornehmlich einige wesentliche Momente der zweiten deutschen und der österreichisch- ungarischen Expedition vorgeführt. Die deutschen ZSL!) ausgesandlen Schiffe Germania und Hansa sollten die Ostküste von Grön» laud erforschen und an ihr»ach Norden vordringe». Die Germania, die unter 77 Grad nördlicher Breit« durch die Eiemassen zum Um- kehr gezwungen wurde, entdeckte unter 75 Grad eine tief ins Laud reichende Meeresbucht, den Franz-Josephs-Fjord; die Hansa dagegen gcrieth ins Eis und wurde von den EiLmasscn zer- drückt. Ihre Besatzung, 13 Mann, konnte sich auf eine Eisscholle retten, auf der sie 200 Tage nach Süden trieben, woraus es ihnen gelang, i» ihre» Boote» die grönländische Küste zu erreichen. Die österreichische Expedition, die 1372 ans dein Dampfer „T e g e t t h o s s" nach Norden ging, suchte die nordöstliche Durch- fahrt, wollte also an der Nordküste Asiens entlang durch die Behringsstraße nach den ostasiatischen Gewässern fahren und über Indien und durch den Suezkanal zurückkehre», was später dein Schweden Norden skjöld gelang. Der„Tegelthoff" gerieth leider sehr früh ins Eis, aus dem er nicht mehr loskam; das Schis trieb mit dem Eise nach Storden, wo eine Inselgruppe, Franz- I osephs-Land, entdeckt wurde. Schließlich mußte das Schis verlaffen und die Rückreise auf Schlitten und Booten angetreten werden, die nach vielen Gefahren und Strapazen glücklich beendet wurde. Die einzelnen Szenen, die in der Urania vorgeführt werden, geben ein recht anschauliches Bild von den unwirthlichen Polar- gegenden und den landschaftlichen Reizen, die sie bieten. Julius P a y e r, ein Führer der österreichischen Expedition, der ein talent- voller Maler ist, hat in entgegenkommendster Weise bei der Her- stellung der Dekorationen mitgewirkt, so daß möglichste Natur- wahrhelt in ihnen erreicht ist. Beetnlrächligt wird ihre Wirkung nur durch den Kontrast mit lebenden Menschen, die Herr Direktor Meyer auf die Schaubühne bringt; denn nebe» diesen erscheinen die Eismassen doch sehr pygmäenhaft, wodurch die Illusion merklich ge- stört wird. Solche Effekthascherei, wie das Abfeuern eines Gewehres, wodurch«in Eisbär erlegt sein soll, wirkt einfach lächerlich und würde besser unterbleiben. Wenig enlgegeukommend für die Aufführung in der Urania zeigte sich N a n s e n; deshalb mußte davon Abstand genommen , oerden. bedeutendere Einzelheiten ans seiner Reise vorzuführen. Der kühne Norweger ließ sein Schiff bekanntlich absichtlich im Eise fest- frieren, weil er der Meinung war, daß es mit dem Eise über den Pol nach der Ostküste von Grönland getrieben werden müßte. Seine Verinulhung über das Bestehen einer solche» Eisströmung hat sich bestätigt, so daß das Näthsel des Pols gelöst, die Frage, ob dort ein unbekanntes Land cxistirt, verneint ist. Von dieser letzten, ergebnißreichen Forschungsreise wurden nur die bekannteren Momente, der Hafen auf Spitzbergen, in den Nanseu's Schiff, die Fram, bei ihrer Rückkehr einlief, und die Triumphsahrt der Frai» au der norwegischen Küste entlang, in schönen Wandelbildern vor- gesührt. Gauuerthilm«ud Vcrfrommuugöstrcbeu. Zu dem großen Briltanteudiebstahl in der Leipzigerstraße bemerkt die„Rat.-Ztg." recht treffend: Ohne die Verordnungen bezüglich der Sonntagsruhe wäre der Einbruch in dieser Weise unmöglich gewesen. Di« Zeilen, in denen die Ladenbesitzer Schutz gegen Einbruch in schwere» eisernen Fensterverschlüsse», in Gewölben und selbstthätigen Alarmsignalen suchten, sind längst vorüber. Vor etwa IS Jahre» ging man hier dazu über, in einigermaßen belebten Straßen die Sicherheit darin zu suchen, daß man die Straßenpassanlen zu Sicherheitswächtern machte. Man folgte dem zuerst von Amerika gegebenen Beispiel, schloß einfach die Ladenthür zu, ließ die Schaufenster offen, ohne den Inhalt zu entfernen, und ließ die Flammen im Laden brennen. So konnte jeder Vorübergehende hineinsehen und jede auffallende Bewegung im Laden beobachten. Das war der denkbar einfachste und docb erfolgreichste Schutz, auf den man verfallen konnte. Taufende von Geschäftsleuten habe» diese Neuerung sich zu eigen gemacht. Sie ist jetzt die allgemeine Regel. Der Zwang, die Vorhänge herab- zulassen, hat für die Nacht zum Montag diese vorzügliche Ein- richtnng nun unmöglich gemacht. Die Einbrecher kehren sich eben an die Vorschriften über die Sonntagsruhe nicht. Sie mögen in der Stille ans recht lange Tauer der Verordnung angestoßen haben. An diese indirekte Folge der Vorschrift, die Berlin den Anschein innerer Einkehr geben soll, hat man wahrscheinlich nicht gedacht, als der Sünde vorgebeugt werden sollte, die der Vorübergehende auf sich lud, wenn"er am Sonntag ein schön aufgeputztes Schaufenster be- trachtete. Nun, inmitten des ProleststurmeS, der sich gegen die Sonntagsverordnung erhoben, wird man im Ministerium des Innern wohl auch dem neuesten Zuge Aufmerksamkeit nicht versagen dürfen. der sich in dem Bilde jetzt noch nachträglich zeigt. Es ist charakle- ristisch, daß die Gilde der Einbrecher schnell ersaßt hat, wie ihnen jetzt die Ausübung ihres Geschäftsbetriebes erleichtert worden ist. ZiinftlcrischeS anS Gastwirthskreise». Eine bekannte Schöneberger Brauerei verkauft jetzt ihr Bier auch in Syphons, in denen sich das Getränk wochenlang frisch und wohlschmeckend erhält. Dies paßt den Gasiwirthetz nicht. In einer Versammlung, welche sie dieser Tage abgehalten haben, forderten sie von der Brauerei, daß sie den Gast- und Schankwirthen die Syphons zur Abgabe an ihre Kunden überlaffen. Die Gast- und Schankwirthe seien die berechtigten Zwischenhändler und dazu berufen, das von der Brauerei erzeugte Bier im Publikum zu verbreiten. Falls die Brauerei diesen Wünschen nicht stattgeben will, drohen die Wirthe mit weiteren Maßregeln. Wir glauben nicht, daß die Protestier viel Erfolg niit ihrem Streben haben werden. Das Publikum wird sich wenig um ihre an sich gewiß oft recht kritische Lage kümmern. Schankbetricb in Berlin. Am Schlaffe des Jahres 1896 waren i» Berlin vorhanden: IIS Ausschankstellen für Selterwaffer mit Ausschluß aller anderen Getränke. 3074 Kleinhandlungen mit Branntwein oder Spiritus(Kaufläden) nnd zwar 79 mehr als im Vorjahre. 417 Gastwirthschaften, davon 181 für wohlhabendere, 236 für weniger wohlhabende Stände, im ganzen 36 mehr als im Vorjahre; 943l Schankwirthschaften, davon 274 für Wein, 7bS7 für Bier(363 mehr als im Vorjahre), davon 963 für wohlhabenderes und 6S94 für weniger wohlhabendes Publikum berechnet. Ferner 57 Ausschankstellen ausschließlich für Kaffee, Thee und Chokolade; 327, die außer Kaffee K. auch Bier ausschänken dürfen: 211 Kon- ditoreien, deren Zahl sich gegen das Vorjahr um 20 vermehrt hat. 555 Brennerei-(Branntwein-) Schänken, 61 weniger als im Vor- jähr«. Von den 9431 Schankiuirthjchaften waren 1591 nicht zum Spirituosenschank berechtigt, ihre Zahl ist um 240 gegen das Vor- jähr zurückgegangen. Riualdo Rinaldini. Wie die„Verl. Pr." mittheilt, hat ein Arbeiter aus der Beruauerstraße seinen Sohn„Rinaldo Rinaldini" taufen lassen. Wir glauben nicht, daß diese Mittheilung ans Wahr- heit beruht, da die Standesbeamten, die im Westfälischen vor einiger Zeit sogar den Namen„Emma" ans den Index setzten, weil er nicht im Kalender stehe, für gewöhnlich derart phantastische Namen gar nicht aufnehmen. Der Arbeiter hätte auch just so ge- schmncklos gehandelt, wie die patriotische Dame, von der die Blätter vor einiger Zeit berichteten, daß sie ihr am 2. September 1870 geborenes Kind mit dem holdseligen Namen„Sedan" belegt halte. SluSstelluligS-Kalseniammer. In dem Konkursverfahren über daS Vermögen der Stehbierhallen der Berliner Gewerbe-Ansstellung, eingetragene Genossenschast mit beschränkter Haftung, fand gestern die Prüfung der angemeldeten Forderungen statt. Bei derselben be- richtete der Vermalter Fischer über die Lage der Sache und be- zifferte die Älktiva auf 340 M. Diese dürsten kaum die Kosten des Verfahrens decken. ReklainenhafteS von den Unfall stationen. Bon der Lei der Unfallstationen erzählt die„'Aerzte-Korrespondenz" folgendes Stückchen:„Einzelne an den Unfallstationen beschäftigte Aerzte hatten es abgelehnt, den Reportern politischer Tageszeitungen Auskunst über etwa vorgekommene Unfälle, die in den Stationen zur Be- Handlung kamen, zu geben. Daß damit dem Reklamebedürfniß des Herrn Schlesinger ein schlechter Dienst erwiesen war, ist klar; flugs richtete also das Kuratorium der Unfallstationen an die dirigirenden Aerzte eine Zuschrift. In derselben heißt es gerade mit bezng auf den„Lokal. Anzeiger", dessen Reporter und Wohnung im Schriftstück genau angegeben ist, etwa wie folgt: Da derselbe(der „Lokal-Anzeiger") der Sache der Unfallstationen seine Unterstützung an- gedeihen lasse, so müsse man sich dagegen erleniulich zeigen nnd demselben über interessante Vorkommnisse Mitiheilungen machen. Das könnte entweder i» der Weise geschehen, daß dem Reporter tclephonisch durch den Arzt, die Schwester oder den Wärter die Einzelheiten de» Falles niitgetheikl würden, oder der Reporter könnte auch per Telephon zu einem Besuch aufgefordert und ihm dann mündlich von dem Thatbestand Keuntniß gegeben werden. Unterschrieben war der Ukas vom Kuratorium der Uufallstaliouen. Man sieht daraus, wie vielseitig die Aufgaben eines Unfall- stations-Arztes sind; sie haben die Unfälle nicht nur zu kuriren, sondern auch zu telcphonircn, damit der Rellame-Apparat in gutem Gange bleibt. Was haben diese Arbeiten mit dem Beruf des Arztes zu thun? Durch derartige plumpe Mittel kann das Vertrauen in die Tüchtigkeit der Unfallstationen nur erschüttert werden. Eine entwürdigende Reklame betreibt wieder die Strohhut- Fabrik von A. Barthold in der Lindenstr. 73; entwürdigend sowohl für das Geschäft wie für den lebendigen Reklamegegenstand. Im Schaufenster ist nämlich ein junges Mädchen ausgestellt, das in der gewiß nicht besonders erträglichen Temperatur an einer Maschine Hüte zusammennähen muß. Auf der Straße sammelt sich bald allerhand Publikum an, das hicht müde wird, die Arbeiterin z» be- obachten und mehr oder minder geistreiche Bemerkmigen über sie {allen zu lassen. Schon vor längerer Zeit beging die Firma dieselbe Ungehörigkeit: als die Presse damals ihren Tadel über die Schau- stelliuig des Mädchens aussprach, bequemte der Geschäftsinhaber sich, deren wohlgemeinten Rath zu folgen. Jetzt scheint der Mann die Mahnungen vergessen zu haben. Ncber das patriarchalische Veuehmeu eines Malermeisters erhallen wir von der Fitiale Moabit der Vereinigung der deutschen Maler, Lackirer, Anstreicher ic. folgende Mittheilung: Der Maler- meister Slicge, Müllerstraße 15, bestellte am 13. d. M. einige Malergehilfen, die bei ihm um Arbeit aufragten, zum Montag za sich, sie möchten sich an diesem Tage mit ihrem Arbeitszeug am Bau einsinden. Nachdem die Arbeiter zur rechten Zeil gekommen wäre», theilte Herr Stiege ihnen nach längerem Warten mit, daß er bereits am Sonnlag alles besetzt hätte. Natürlich waren die Arbeiter nicht sehr erbaut von dieser Abserligung und einer äußert«, daß sich am Gewerbegericht das weitere finden werde. Dies schien Herrn Stiege wenig zu imponiren, denn er warf dem Gehilse» brüsk die Worte zu:„Sie wollen mich wo anders sprechen? Mit dem G u m m i s ch l a u ch können Sie ein paar über den Kopf kriegen, Sie Och, e!» In der Woche vom 1. bis 6. März findet die Zurücklieserung sämmtlicher aus der„königlichen Bibliothek" eutliehenen Bücher statt. Alle, welche solche Bücher in Händen haben, werden aufgefordert, sie in den Geschästsstunden(9 bis 3 Uhr) zurück«- liefern. Die Zurücknahme der Bücher erfolgt nach alphabetischer Ordnung der Namen der Enileiher: von A bis H am Montag nnd Dienstag, von I bis R am Mittwoch und Donnerstag, von L bis Z am Freitag und Sonnabend. Der Diebstahl im Hohcnzollcrn-Museum hat trotz der eifrigsten Thätigkeit der Kriminalpolizei noch keine Ausklärnug ge- snnden. Nachsragen in hiesigen und auswärtigen Pfandleihen ic. erwiesen sich als erfolglos. Es ist nicht unmöglich, daß die Diebe bereits vor VerÜbung des Einbruches einen Abnehmer für die zu ftehleuden Objekte gehabt haben; aber wenn dieS auch nicht'der Fall gewesen ist, so konnten die Einbrecher durch den Umstand, daß die Polizei erst drei Tage nach erfolgler That den Diebstahl bekannt gab, noch überreichlich Zeit zur Veräußerung der Raritäten ge- Winnen. Eine Actherexplosio» ist gestern früh 6 Uhr durch den IS Jahre alten Schmied Ernst Echöurock auf dem Grundstück Joachimstr. IIa herbeigeführt worden. Dort wird eine Lampe mit Gasäther unterhalten, um auf dem Hofe beim Beschlagen von Pferden helleS Licht zu haben. Diese wollte Schönrock füllen, löschte aber die Flamme nicht aus, sondern goß aus einem Ballon die Flüssigkeit auf die Lampe. Der Inhalt explodirte unter heftigem Knall und Sckönrock wurde namentlich an den Beinen so schwer verbrannt, daß er sofort nach einem Krankenhaus gebracht werde» mußte., Der Säbel. Eine Schlägerei, bei welcher der Säbel eine Rolle spielte, fand in der vergangenen Nacht an der Ecke der Pultkamer- und der Friedrichstraße zwischen dem Hausdiener Karl M a i und zwei Seesoldaten statt. Mai wurde durch Säbelhiebe am Kopfe erheblich verletzt. Ihm wurde auf der Unfallstation I ein Verband angelegt. Entsetzlich verbrüht wurde daS dreieinhalbjährige Töchterchen des in der Neue» Königstrab« wohnenden Heilgehilfen Stadenow. DaS Dienstmädchen war beauftragt, für die Klein« Badewasfer zu« recht zu machen und goß zunächst kochendes Wasser in die am Erd- boden stehende Wanne, während das Kind in der Küche spielte. Dasselbe kam dabei jedenfalls der Wanne zu nahe, und stürzte in dieselbe hinein. Wiewohl die unglückliche Kleine sofort aus dein Wasser herausgezogen wurde, hatte sie doch bereits furchtbare Brand- wunden erlitten. Alle ärztlichen Bemühungen, das Kind am Leben zu erhalten, erwiesen sich als erfolglos; dasselbe verstarb gestern nach vierundzwanzigstündigem Leiden. Gift genommen hat gestern, Dienstag Nachmittag das 16 Jahre alte Dienstmädchen Elise Ueckert, weil sie als Mischerin eines Liebestranks offenkundig bekannt geworden war. Die Ueckert war seit Anfang Dezember vorigen Jahres bei der Rechnungs- räthin R. am Zionskirchplatz Nr. 11 im Dienst und wurde zugleich bei dem Sohne ihrer Herrschaft, dem Groß- destillatenr R. in der Kastanien- Allee Nr. 47 als Kindermädchen verwandt. Hier war sie mit dem Hansdiener ein Liebesverhältniß eingegangen. Um ihren Geliebten für immer an sich zu fesseln, hatte sich das junge Mädchen einen Liebestrank bereitet und diesen in einer Flasche dem Dienstmädchen des Großdestillateurs übergeben, um ihn dein Hausdiener in den Kaffee zu mischen. DaS Mädchen hatte diesen Auftrag nicht erfüllt, vielmehr seiner Herrschaft Kennlniß von dem eigenthümlichen Verlangen der Ueckert gegeben. Als nun diese mit der jungen Frau R. in Uneinigkeit gerathen war, wurde der Rechnungsräthtn von dem Verhalten des jungen Mädchens und auch von dem Vorhandensein des Licbestranks Kenntniß gegeben. Das führte am gestrigen Morgen zu Vorwürfen gegen die Ueckert, die dann bald zum Einholen forlgeschickt wurde. Als sie nach l'/2 Stunden »och nicht zurückgekehrt war, suchte man nach ihr, und eine Frau F. fand sie in einer Ecke des Hausbodens in schwerkrankem Znstande vor. Eine Flasche mit Schwefelsäure, von der sie ge- trunken hatte, stand bei ihr. Ein sofort hinzugezogener Arzt gab ein Gegengift, worauf die Kranke in bedenklichem Zustand in einem Kopp'schen Wagen nach der Charitee gebracht wurde. Die Leiche eines juuac» Mädchens im Alter von etwa 20 Jahren ist am Montag Vormittag um 10 Uhr am Alexander- Ufer aus der Spree gelandet worden. Die Persönlichkeit ist bisher unbekannt geblieben, da sich keine AnSweispapiere vorgefunden haben. Die Wäsche ist mit dem Mono- grainni I. M. gezeichnet. In den Ohren deS Mädchens befanden sich Ohrringe mit rothen Steinen, die mit Perlen umgeben sind. Die Leiche war mit einem grauen Mantel und mit einem schwarzen Rock bekleidet und ohne Kopfbedeckung. Spuren von Gewaltanwendung sind an der Tobten nicht wahrgenommen worden. Zeuge gesucht. Der Arbeiter, der am Sonnabend den 26. Sep- tember v. I., abends gegen 7 Uhr, mit zwei Zimmerlenten, die ihr Handwerkszeug trugen, von der Badstraße bis zur Wienerstraße ge- gangen ist, wird gebeten, sich bei Hensche, Gölhestr. 71, Charlotten- bürg, zu melden. Etwa erwachsende Unkosten werden gern zurück- erstattet. Ruf zwei jugendliche Durchbrenner fahndete seit Montag die hiesige Kriminalpolizei. Es sind der 13 jährige Handlnngs» lehrling Max Cynke, ein Sohn des Hanseigenthnmers H. anS der Mttllerstraße, und der 16 Jahre alte Sohn Fritz des Oberinspektors Bodike ans der Birkenstr. 12. Der erster« war in dem Getreidegeschäft' von Treitel, Oranienburgerstr. 27, beschäftigt und hatte bei den Knuden die Summe von 4300 M. eingezogen. Damit ist er ver- schwnnden. Fritz B. besucht noch die Schule und ist am Montag Nachmittag plötzlich verschwunden. Er hat seinem Vater Werth- papiere im Betrage von ca. 6000 M. entwendet. Der plötzliche Tod de? Kansmaiins Otto Eger, des Inhabers eine» Koloniatwaareiigeschäfts an der Möckern- nnd Hagelsberger- straßenccke, erregt, wie daS„B. T." schreibt, infolge der seltsamen, ihn begleitenden Umstände großes Aufsehen. Gestern früh gegen drei Uhr nlarmirte Eger, ein noch unvcrheiratheter junger Mann, die Hausbewohner mit dem Ruf, daß Einbrecher im Hause seien. Die Hausbewohner durchsuchten mit Hilfe der Polizei und des Wächters das Haus, fanden aber niemanden, weshalb man annahm, die Spitzbuben hätten sich durch den Keller, dessen Thür offen stand. eiiisernt. Merkwürdigerweise betheiligle sich Eger nicht an der Durchsnchnng, sondern blieb im Bett und weigerte sich aufzustehen mit dem Bemerken, daß die Räuber ihm nach dem Leben trachteten, Um 6 Uhr morgens beim Oeffnen des Geschäfts wurde Eger von dem Geschäftspersonal vermißt. Nach längerem Suchen wurde er im Keller zwischen Fässern versteckt todt vorgefunden. Die Polizei beschlagnahmte die Leiche und ließ sie zur Feststellung der Todes- Ursache nach dem Obdnktionshause schaffen. Das Geschäft wurde polizeilich geschlossen und der Vater des Verstorbenen von dem Vorfall benachrichtigt. Nach anderer Nachricht soll Eger trunksüchtig gewesen sein und am Delirium gelitten haben. Zwei größere Brände hatte in der vergangenen Nacht die Feuerwehr zu löschen. Gegen Mitternacht brannte in der Roß- straße 3 das Schirmlager der Fabrik von Remack n. Silber. Gegen 2 Uhr früh stand der Dachstnhl des Hauses Alte Jakob» straße 36 in hellen Flamme». In beiden Fällen mußte die Feuer- wehr längere Zeit Wasser geben, bevor es gelang, der Flammen Herr zu werden._ Gevirhks Ter grobe Nnfngsparagraph scheint den Staatsanwälten trotz des Erlasses, in dem sich der Justizminister gegen die bekannte Auslegung ausspricht, immer noch Gegenstand eifriger Beschäftigung zu sein. Ein Hoch auf die internationale revolutionäre Sozial« demokratie, welches der Buchdrucker Ernst am Schlüsse einer öffentlichen Versammlung ausgebracht hat, hat diesem eine Anklage wegen groben Unfugs zugezogen. Der Angeklagte bestritt, diesen Ausdruck gebraucht zu haben und berief sich auf den Abgeordneten Wilhelm Liebknecht zum Beweise dafür, daß ein so formulirtes Hoch in der fraglichen Versammlung nicht ausgebracht worden sei. Abgeordneter Lirbknecht bekundete denn auch, daß, wenn die» geschehen wäre, es ihm wahrscheinlich nicht entgaiigen wäre. Der überwachende Polizeilieutenant erklärte dagegen, daß der An- geklagte allerdings das Hoch in der obigen Form ausgebracht und es den Anschein erweckt habe, als ob es ihm gewissermaßen unwill- knrlich entschlüpft sei. Diese Ansicht griff Rechtsanwalt Freuden- lhal auf, nm auSzusühren, daß es sich hier um einen ganz mecha- Nischen, ohne besonder« strafbare Absicht gethanen Ausruf handle, mithin die Freisprechung erfolgen müsse. Der Gerichtshof schloß sich dieser Ausführung an und erkannte auf Freisprechung. Zu drei Tagen Gcfäugniß ist der Schneidermeister Julius Meister vor kurzem verurtheilt worden, weil er seinen Arbeitern zwar die Beiträge zur Krankenkasse abgezogen, das Geld aber ent- gegen den Bestimmungen deS§ 82 b des Kranken-Bersicheriings- gesetzes für sich verwendet Halle. Es ist dies der erste Fall, in welchem ein derartiger Unternehmer zu Gesängniß verurtheilt wurde. Bisher kamen die Herren stets mit Geldstrafe davon. Prozeß gegen Rechtsanwalt Köhler. Vor der IV. Straf- kanuner des Landgerichts I fand heute die erneute Verhandlung gegen den Rechtsanwalt Ludwig Köhler statt, welcher am 30. Juni vor. Js. der Unterschlagung und Untreue für schuldig befunden und zu einer Gesängnißstrafe von drei Monaten verurtheilt wurde. Das Reichsgericht hatte das Urtheil aus formalen Gründen ausgehoben und die Sache zur nochmaligen Verhandlung an die Vor- instanz zurückverwiesen. Den Vorsitz fährte wiederum Landgerichts- direklor Denso, die Anklagebehörde vertrat Staatsanwalt Kleine, der Angeschuldigte wurde von den Rechtsanwälten Just zrath Kleinholz und Arnold Goldstcin verlheidigt. Der Sachverhalt, x.« er in der früheren Verhandlung für festgestellt erachtet war. ist fn Kürze folgender: Der Inhaber des Hotels zum deutschen Offizictveteiit, Albert Duukelberg, befand sich im Jahre 1392 in Zahlungsschwierigkeiten. Er wandte sich an den Angeklagten mit dem Auftrage, eine Ver- einbarung mit seinen Gläubigern herbeizuführen. Die Bemühungen waren erfolglos, weil, wie der Aiigcklagle behauptet, Dunkelberg seine Verhältnisse nicht der Wahrheit gemäß gcschilvcit hatte. Dadurch war der«ngellagt» mit der Stiesmutter bc? Schult»,«rS, der Wittwo Dunlelberg, bekannt worden. Diese wandte sich im Jahre 1332 an den Angeklagten mit der Bitte, ihr «ine dritte Hypothek zu besorgen, da ihr eine solche in Höhe von 13 000 M. gekündigt worden war. Der Angeklagte versprach es und wandte sich an den ihm befreundeten Dr. Aßinann, dem er die Hypothek gegen einen Zinssatz von 6 pCt. anbot. Dr. Aßmann er- klärte, daß er niemals einen so hohen Zinsfuß, der am Wucher grenze, nehme. Er habe keine Nejgl,„g� so»jel Geld für eine Hypothek flüssig zu machen. Der Augeklagte ließ indessen mit Drängen nicht nach, er schilderte die Darlehnssucherin wie das zu beleihende Haus in de» glänzendsten Farbe», bis Dr. Aßmann sich endlich bereit finde» ließ, eine Hypothet von 12 000 M. zu SpCt. zu bewilligen. Da die gekündigte Hypolhek nur 10 000 Mark betrug, so hatte Frau Dnnkelberg einen Nebcrschuß von 2000 Mark. Nun hatte der An- geklagte aber ans Gebühren und Auslagen eine Forderung von 1200 Mark an Frau Dunckelberg. Wie er behauptete, hat er sich in Nebereinstimmnng mit Frau Dunkelberg aus den überschießenden 2000 Mark befriedigt. Nach etwa anderthalb Jahren kam Frau Dunckelberg zum Dr. Aßmann mit der Bitte, ihr noch ein weiteres Darlehe» von 1000 Mark zu gebe». Dr. Aßmann weigerte sich entschieden, indem er darauf hinwies, daß sei» früheres Darlehen schon gefährdet sei. Nun erwiderte Frau Dnnkelberg mit einem eigenthümlichen Lächeln:„Nun, Herr Doktor, bei dein früheren Geschäft sind Sie doch gewiß nicht zu kurz gekomme»!" Dr. Aßmann bat sich eine Erklärung aus und nun erzählte die Frau, daß der Rechtsanwalt Möhler ihr ein Prozent Damno — 1200 M. von dem Kapital in Abzug gebracht habe mit der Be- merkung,„daß der Geldgeber es nicht anders thue". Dr. Aßmann war empört, er eilte zum Angeklagten und stellte ihn zur Rede. Dieser bestritt zunächst, daß die Behauptung der Frau Dunkel- berg auf Wahrheit beruhe. Erst nach langen, Dräugen bequemte der Angeklagte sich zu einer schriftlichen Aeuße- ruug, er blieb bei der Behauptung, daß er der Frau Dunkel- berg von den, Abzug seiner eigenen Forderung Kenntniß gegebe» habe. Diese Behauptung wurde in der erste» Berhandlung von der Zeugin Dunkelberg eidlich bestritten, das Ergebniß der übrigen Beweisaufnahme fiel ebenfalls z» Ungunsten des Angeklagten aus, dessen Verurtheilung fdaraus erfolgen mußte. Im gestrigen erneuten Termine wiederholte der Angeklagte seine Versicherung, daß er völlig unschuldig sei. Die einzige Unvorsichtigkeit, die er begangen habe, sei darin zu finden, daß er dem Zeugen Dr. Aßmann nicht sofort gesagt habe, er werde der Frau Dnnkelberg gleich den Betrag von dem Gelde abziehen, dem sie ihm schuldig sei. Es sei entschieden unwahr, daß er der Frau Dunkel- berg gegenüber behauptet habe, der Dr. Aßmann verlange 1 pCt. Damno. Zunächst wurde der Zeuge Dr. Aßmann vernommen. Er be- tonte, daß die Anzeige von ihn» nicht ausgegangen sei und gab im übrigen seine Aussage im Sinne der Anklage ab. Stuch die ziveite K eugin, die Frau Dunkelberg, blieb bei der belastenden Aussage, die e»in vorigen Termins abgegeben. Der Angeklagte hat mehrers Zeugen laden lassen, welche be- künden, daß er nach Abivickelung des Hypothekengeschäfts mit �rau Dnnkelberg davon gesprochen habe, daß er bei dieser Gelegenheit zu seinem Guthaben von 1200 M. gekommen sei. Der Gerichtshof ziveifelte nicht daran, daß die Forderung von 1200 M.. die der Angeklagte gegen die Zeugin Dunkelberg geltend machte, berechtigt sei. Die letztere»vurde somit durch das Verhalte» nicht geschädigt und es liege»veder ein Betrug noch eine Untreue vor. Aber auch eine gegen Dr. Aßmnnn gerichtete Unterschlagung lasse sich aus subjektiven Gründen nicht feststellen und der An- geklagte müsse freigesprochen>v erden. Ueber die moralische Seite des Verhaltens des Angeklagten habe der Gerichts- Hof nicht zu besinden. Skoch etwas vom Zlmtöborstchcr Hofmann. Der Treptower Gemeindevorsteher hatte,»vie erinnerlich sein dürfte, seinerzeit von den» Arbeilsausschusse der Berliner Gewerbe-Ausstellung für die an zivei Stellen des Sees veranstalteten Konzerte eine Lustbarkeitssteuer von 1003 M. verlangt. Auf die vom Rechtsanwalt Sachs ein- gelegte Beschn'erde hatte der Kreisansschuß des Kreises Teltow Herr» Hofmann mit diesen» Anspruch abgeiviesen,»veil angenommen»vurde, daß bei den Leistungen der betreffenden Kapellen ein höheres Kunst- inleresse vorliege. Der Gemeindevorstand zu Treptow hatte Be- rufung bei dem Bezirksansschuß zu Potsdam eingelegt und letzterer hatte den königl. Professor Dr. B l u n» n e r, Bor- sitzende» der»nusikalischen Sektion der königl. Akademie der Künste, um ein Gutachten ersucht. Professor Dr. Blumner hat begutachtet, daß er den Leistungen der deutschen Militär- kapellen in» allgemeinen einen künstlerischen Werth in bezug auf Präzision und 5iorreklheit der Ausfühnnig zuerkannt und daß nicht blos in Würdigung der musikalischen Leistungen, sondern in ge- wissein Maße auch vom Standpunkte des empfangenden Publikums man solchen Konzerten ein höheres künstlerisches Interesse nicht ab- sprechen kann und unrecht thun»vürde, sie auf eine Stufe mit geivöhnlichen öffentlichen Lustbarkeiten zu stellen. Aus grund dieses Gutachtens hat der Gemeindevorstand zu Treptow seine Berufung zurückgenommen, so daß der Arbeitsansschuß die bereits eingezogene Lustbarkeits-Steuer wieder zurückerhält. Aus Hamburg»vird uns unterm 23. d. Mls. geschrieben: Wegen Bestechung, Zolldefratlde, resp.»vegen Verleitung zur Zolldefraude und passiver Beamtenbestechnng wurden heute von der 3. Slraskammer des hiesigen Landgerichts der Oberländer Schiffer Plal zu 3 Monaten Gefängniß,' 1320 M. Strafe ui»d zum Ersatz des W e r t h e s der defrandirten Waare(Gerste) in Höhe von 2316 M. und der bisher unbescholtene Zollausseher Otto Laplace zu 2 Jahren Zuchthaus, 5 Jahre» Ehrverlust, 1600 M. Geldstrafe und zun» Ersatz eines Theiles des Werthes der desratidirlen Waare in Höhe von 236 M. verurtheilt. Laplace, von dessen Unschuld der größte Theil seiner Kollegen überzeugt ist, betheuerte bis zum letzten Augenblicke seine Unschuld. Sein Vertheidiger, der aus dem Hannoverschen Spielerprozeß bekannte Rechtsanivalt Dr. R. L. Oppenheimer, wird, da ihn» von anderen Zollbeamten neues Material zuin Beweise der Schuldlosigkeit des Laplace übergeben ist. noch in diesen Tagen Revision gegen das Urtheil einlegen und außer- dem Wiederausnahine des Verfahrens beantragen. Aus Miiuche»»»vird uns berichtet: Der Vertheidiger des wegen Raubmordes zum Tode verurthcilten Maurers Joh. Berchlold setzt eine Belohnung von 3000 Mark für denjenigen ans, der durch den Nachweis über den Verbleib der entwendeten Werth- papiere oder durch andere unansechlbare Thatsacheu die Vertheidigung in den Stand setzt, die Schuldlosigkeit Berchtold's an dein Ableben der am 15. Februar 1836 im Hause Nr. 33 an der Karlftraße todt aufgefundenen Frauen zu beweisen. Vor dem Landgericht München II begann am Montag der (dritte) Prozeß gegen 43 Haberer wegen des Treibens, das in der Nacht von» 26. auf de» 27. Oktober 1835 bei Steinhöring�statt« fand.— Im Habererprozeß wurde gestern»nsgesannut auf 21 Jahre Gefängniß erkannt. Die höchste Strafe lautete auf 13 Monate, die niedrigste auf eine» Monat Gefängniß; die Untersuchungshast»vurde meist in Anrechnung gebracht. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstags, Freitags und Sonnabends. abendS von 7-8 Uhr statt. W. Sch. 1. Hartnäckige Weigerung der ehelichen Pflicht ist Ehe- scheidungsgrund. Nawrgemäß ist die Beweisführung schwierig. 2. Ihnen steht das Erziehungsrecht zu.— R.®. 20. Loynbefchlagnahme ist wegen Alimenten für die Ehefrau und die ehelichen Kinder, nicht aber wegen Alimenten für außereheliche Kinder zulässig.— R. O. 50. Fragen Sie direkt bei einem Spediteur an.— Lottmani». DaS Bormundfchastsgericht lann gerichtliche Erbrcgulirung verlangen. Dies schließt selbstredend nicht aus, daß das übrig gebliebene Geld für Sie und Ihre Kinder verwendet werden darf.— Wilhelm Schwabe. Nein. Das Recht haben Sie nicht. Es steht Ihnen aber frei, Ihren bezüglichen Wunsch der Ersatzkouliuission gegenüber auszusprechen.— 2 W. 101. Weder Selbstmord noch Selbst- Mordversuch sind strafbar.— P. D. 25. Das Zeugniß können Sic ver- weigern, weil Sie der Thetlnahme der That verdächtig sind.—n a n n, Jägerstr. 70, II.— fSchönc- berg: Wilhelm B ä u m l e r, Belzigerstr. 59, Seitenflügel pari.— Johannisthal-Kleder-ScbUnerveide: Otto John, Johannisthal, Friedrichstr. 57. Annahmestelle: Nieder-Schöneweide: Karl Weber, Zigarrengeschäft. Außerdem ist sämnltliche Parteiliteratur, sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für de»„Borivärts« entgegen genommen. Abrechnung vom BerlislerGlisanMItslilllkitkr-Mtik wil U. Mobtr bis 15. Nomuber 1896. SoMidemokraMer Mahlverein für den 3. Beriiiler Reichstags- Mahiüreis. WU" Versammlung"MZ Tonnerstag, 25. Februar, nbeuds K'Z llhr, in Ntöhriug's Tal an« Donnerstag, 25. Februar, abends 8ll- Adiniralstr. IS Um zahlreiches Erscheinen ersucht Talon 240/12 Der Borstand Charlottenburg. tiitliilir Voll!sversa»lmlll»g ain Donnerstag, 25. Februar, abends 8 Uhr, in lllsiuaroksböbe, Wilmersdorferstr. 39. Tagesordmma: Militär- und Marine-Etat. Referent Reichstags-Abgeord- neter Hoffma»«>Che»nuitz. Diskussion und Verschiedenes. 203/11»er Vertrauensmann. l'oisfvr'Z Einnahme. Ausgabe. Auf Sammellisten.... Von der Berliner GeWerk- schafts- Kommission durch Millarg...... Vom Verband der Gas-Ar- beiter........ Für Tellersammlungen.. Sonstige Einnahme.... Gesammteinnahine j2205�S3 Jt 1156 842 100 106 1- 55 Für Streikunterstützung.. Entschädigung der Streif- kvmmission, Eptraunter- stützungen u. Agitation Schreib- Material, Bureau- kosten, Utensilien, Fahr- gelder, Porti..... Drucksachen, Annoncen.. Rechtsanwalts-Gebühren und Gerichtskostcn..... An die Gewerkschafts- Kom- Mission....... Gesammtausgabe[2205j93 Für die Kominission der Gasanstaltsarbeiter: Renaek. Für die Gewerkschaftskonimission:) G. Winkler. K. Millarg. 166 An die Mitglieder der Orts-ßlllnl!knl!>ilse der Klempiler. Kollegen! Morgen, Doniierftag, de» 25. Februar, abends 8 Uhr, findet bekanntlich laut Bekaimtmachiing des Vorstandes eine Neuwahl für die von der Aufsichtsbehörde stir ungiltig erklärten Delegirten-Mandate statt. Es ist den» noch hinzuzufügen, daß präzise 9 Uhr die Saalthüren geschlossen werden. Wer also beabsichtigt, seine Stimme abzugeben, hat sich vor 3 Uhr bei Cohn, Beuthslr. 30, 1 Dr., einzufinden. Da auf der von den Anhängern der freien Arztwahl und der Zentrali- sation aufgestellte» Kandidatenliste noch einige Mandate frei sind, werden diejenigen Kollegen, welche gewillt sind, ein solches anzunehmen, aufgefordert, ihre Adresse nebst Buchnummer bis heute Abend an den Unterzeichneten gelangen zu lassen. Niemand vergesse sein Mitgliedsbuch. 83/8 I. A.l dldger, Rixdorf, Hermannstr. 35. Festslilcn. 142/1 MllslltWmmkntkn Mettkr. Sonnabend, 27. Februar 1897, in«Scbnegelsberg's Fest« Hasenhaide 21: U Großer Wiener Maskenball arrangirt vom Fachvereiii der Musikinstrumenteli-Arbeiter. iw Anfang SVj Uhr. Billcts h 50 Pf, sind bei den Borstandsinitgliedem und im Verkehrs- lokal, Naunynstr. 78, zu haben. Donnerstag, den 25. Februar, abends G l'hr, im Lokale Pff" K ö n i g s b n n k, Große Frankfurterstr. 117, DHP Oeffentliche Persammlnng. Tages-Ordnung:(133/10 1. Die Gestaltung unserer Arbeitsverhältnisse in diesem Frühjahr,„auf grund angestellter Erliebungcn!"— Welche Schlüsse ziehen wir daraus? Detlersani inliing findet nicht statt. Die Pflicht der Selbsterhaltung erfordert das Erscheinen jedes Kollege», welcher ernstlich bestrebt ist, die wahrhaft skandalösen Zustände unseres Be- ruses beseitigen zu Helsen!_ Ter Bertranciismann. Mtitiij)! Tapezrrer. Miing! Donnerstag, den 25. Februar, abends 8>/z Uhr, im Lokale des Herr» Griindel, Bruiineil- Sträße Nr. 188 (am Nosenthaler Thor): Geffenkliisze Vevsnmmlttna. Tages-Ordnuug: 1. Vortrag des Genossen Dh. Metzner. 2. Diskussion. 3. Gewerk- schastlichcs. 177/3 Zahlreiches Erscheinen erwartet_ Der Bevollmächtigte. Beglililbigte Absltrist. 143. B. 1189. 16 In der Privatklagesache des Schneiders Johannes Timm hier, Privatklägers, gegen: 1. p. p. 2. de, evangeliich, ven Schneider Friedrich Stul- gies, geboren am 8. August 1371 zu Kletn-Aschtrawisken, evange- lisch, vcrheirathet, 3. den Schneider Wilhelm Muzick, geboren am 20. Mai 1864 zu Lipschinöken, evangeliich, ver- heirathet, Angeklagte, »vegen Beleidigung, hat das königliche Schöffengericht I zu Berlin, Abtheilung 143, in seiner Sitzung von» 14. Januar lt>37 für Recht erkannt: Die Angeklagten»Verden wegen Be- leidigung kostenpflichtig: Angeklagter zu 1: v. p. Angeklagter zu 2 uns 3 mit einer Geldstrafe von je 5— fünf— Mark, im Stichtbeittcibungsfalle mit je 1— einem— Tage Ge- sängniß, bestraft und dem PrivatNäger die Er- »nächtigung zugesprochen, den erkennenden Theil dieses Uttheils hin- sichtlich des Angeklagten zu 2 und 3 einmal in»„Borivärts" und der „Fachzeitung der Schneidcrinnung" auf Kosten der Angeklagten zu 2 und 3 zu veröffentlichen. gez. von Krosigk. Die Richttgkeit der extraktweisen Abschrist der Uttheilssonnel wird be- glaubigt und die Vollstreckbarkeit des Urtheils bescheinigt. Berlin, den 16. Februar 1337. (Stempel.) (Name unleserlich.) Gerichtsschreiber des königlichen Anitsgc Abtheilung' 143. Todesanieelge. An» 22, Februar, mittags 1 Uhr, entschlief sanft nach lange»» Leiden an der Proletarierstankheit meine liebe Frau nnd Mutter 3b Marie Bigotte. Uli» siille Theilnahme bittet Fritz Bigotte nebst3 nnmünd.Kindern. Die Beerdigung findet Donnerstag, 25. Febr., nachm. 5Uhr, vonderLeichen- Halle des Einmaus-Kirchhofs aus statt. fazkvki'Lin der Stellmacher Iterlins und Umgegend seinen Mitgliedern zur Nachricht, daß unser langjähriges, trcueS Mitglied Karl Reider am 20. d. M. im Krankenhaus Am Friedrichshain im 32. Lebensjahre an der Proletarier- krankheit gestorben ist. 153/8 Die Beerdigung findet am Mittwoch, den 24. d. M., nachnr. V»* Uhr von der Leichenhalle Zionökirchhof(Weißen- see) aus statt. HB. Um recht zahlreiche Betheiligung am Begräbniß bittet Der Borstaud. Nachruf. Den Mitgliedern des Vereins Berliner Schirii»niacher die traurige Nachricht, daß unser Kollege der Schirmmacher Dermann WuMe am Dienstag, d. 16., früh 5»/, Uhr, entschlafen ist. Wir verlieren in ihm ein treues und bcwährtes Mitglied; da er Gründer und Redakteur uns.Fachzeitschrist war. Alle Kollegen und Bekannten werden ihn» ein ehrendes An- denken bewahren. 14b Vor«!» vorl. SchinnBiaober. UIIIMWUMZIWMUMWZUMI UUUWNZ Feder Freund guter ttvmane abonntre auf Wöchentlich erscheint ein reich illnstrirkes Heft zu 10 Pfennig. c----- Feder Tolporteur, jeder Veitungespediteur und jede Such- handlmlg nimmt iZcstellungen entgegen; ebenso der Verlag: Buchhandlung Vorwärts Berlin SW., iSeuthflr. 2. EMaiEUä U Atting! Weifjarbeiter! Sämintliche Wcißarbeiter Berlins und Uurgegend werden zu der ain Sonntag, den 28. d. M., bei Krüger, Seidelstr. 30, vor- mittags 10 Uhr, siattfindcnden Morgcnspracbe VUi hiermit eingeladen.— Zahlreiches Erscheinen erwartet 173/6 Carl Daschütt, Charlottenburg, Schloßstr. 3«._ Danksagung.[156 Für die große Bcthciligung uud Kranzspende bei der Beerdigung unseres unvergeßlichen Sohnes, Bruders und Schivagers Hermann Pluntke sagen »vir alle», besoiidcrs d. Verein Sanges- treue und den» Verein Berl. Schirm- »»acher, sowie allen seinen Freunden«. Bekannten imfern herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebene». Danksagung. Für die herzliche Theilnahme bei der Beerdigung meines lieben Sohnes sagen wir unfern innigste» Dank. 12b Fainilie Rost». Volkshochschule. Numboldt-Akademie. Eröffnimg der 4. Lehrstätte im Königstädtische» Realgymnafinm, NO.. Elisabethstr. 57/68, Montag, den 8. März, abends 83/< Uhr. 5 Volks- thümliche Bortragsreisen aus Natur- und Geisteöiviffenschaft. Aus- führliche Prograinmc gratis im Bureau, Th. Fröhlich's Äuchhandlg., Landsbergerstr. 32._ Herren it. Damen »verde» ausgenommen im Gesang- Verein„Jugcndlust"(gemischter Chor). Ucbungsstnnde jeden Mittwoch von 9— U Uhr bei Bolxiuaun, Lichten- bcrgerstr. 16._ 6b "Bröckhaus, Meyer s Lexikon sowie andere neuere». ältere »verthvolle Bücher jcd.Winensch. beleiht u. kaust Antiquariat Kochstr. 56. Masken- Garderobe. Grobe Auswahl, bill. Preise, Vereine Preisermäßigung. 3370b Gedatus. Marlgrafenstr. 9. Maskengarderobe zu den billigsten Preisen empfiehlt Stenzel, Kottbuser- dämm 8, sriihcr Dresdenerstraße. 7b SämnitlichesPolstermaterial, Seiler- und Bürstemvaaren, Rohr- u. Kokus- deckcn, Stuhlflechtrohr und Scheuer- rohr, Rohrllopfer und Bettsackrohr empfiehlt zu billigsten Preisen A. Malchow, Adatbertstr. 6, r. pari., nahe dem Kottbuser Thor. 3377b Ersatz für Tafelbutter feinste Margarine pro Pfund 65 Pf. Krumpelt, Magdeburgerhalle, Stand 110; tägl. frisches Genoffeufchaftsbrot. "Rnlinit v. 2 M. ev. Theilz. 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Pohlmeter._ Arbeitsmarkt Ächtung! »♦T ♦ Die Kolsegen der Wcrlstatt von Si t e 1 n e r, Bluuicustraße 38, haben wegen Lohndifferenzen und die Kollegen der Werlstatt Knnert, Wilhelmstraße 100, wegen Lohndifferenzen nnd»uircgelmäßiger Ar- beitszeit die Arbeit eingestellt. 81/13 Wlg strnhllltcn! Die Ortsverwaltung d. deutschen Hol»«rbeiterverbandeS(Berlin). Düchtige Kuttstschmiede werden für dauenide Beschäsiigung gesucht. Persönliche Meldungen mit Zeugniffen Dienstag und Mitttvoch zlvischcil 11». 1 Uhr im„Grüne» Bauin", Krausenstr. 56. Bcrfilbcrer Verl. C. NutHeuberg. Junge Mädchen zu leichter Hand- arbeit Verl. Boitze, ZionSkirchplatz 3, II. Veranuvortlicher Redakteur: Angnst Jaeobey in Berlin. Für de», Inserat-, itheil veraulwortlich: Th. Glock« in Berlii». Druck uud Verlag von SSiar«odiug in Verl»»». »t. 46. u.mm. 2. Keilllße des Dmarts" Kerlmer Wldsdllltt. Uittmch. 2t. Fedlmr 1837. NufNsche GefÄngttisse. Ueber das russische Gefängnißwesen sprach am Montag Abend in der Deutschen Gesellschaft für öffentliche Gesundheilspflege der Chefarzt des Moabiter Untersuchungsgefängnisses. Medizinalrath Dr. Menger. Dieser Gelehrte hat im vergangenen Sommer eine sehr vergnügliche Reise durch Rußland gemacht, die ihn nach St. Petersburg, Moskau, Kiew, zur großen allrussischen Ausstellung in Rishni• Nowgorod und nach Odessa, der Geburtsstadt des Vortragenden, führte. Er beabsichtigte, auf dieser Reise das russische Gefängnißwesen zu studiren, halte zu diesem Ziveck gute Empfehlungen von der deutschen Regierung mitbekommen,— und das Resultat? Er ist i» Rußland gründlich eingeseift worden. Man hat ihn in Rußland äußerst liebenswürdig aufgenommen, ei» hoher russischer Regierungs- beamler wurde ihm zur Verfügung gestellt, um ihm alles zu zeigen (was man zu zeigen für gut fand) und er ist nun von de» russischen Gefängnissen entzückt, begeistert, enthusiasmirt! Er ist nicht der erste und wird nicht der letzie sein, dem man in Rußland die Potemkin'schen Dörfer europäischer Aiich-Kultur vorgaukelt. Dem Professor Virchow ist es vor einer Reihe von Jahre» nicht besser gegauge». Zuerst gab er die Daten aus dem russischen amtlichen„Bericht über die Haupt- und Gefänguißverwaltung" über die sibirischen Gefängnisse und Verbann lenkolonien. Er nahm alles für baare Münze, und erklärte, daß sich aus diesem günstigen Zustand der Dinge i» Sibirien eine Nutzanwendung ziehen lasse für die Ein- sührung der Deportation Deutscher nach deutsche» Strafkolonien. In Petersburg bat er, das schlechteste und das beste Ge- fängnist, sowie das politische Gesang»iß Schlüssel- bürg sehen zu dürse». Trotz seiner Empfehlungen, trotz der Verwendung des ihm beigegebenen russischen Beamten wurde ihm Schlüsselburg nicht gezeigt. Warum wohl nicht? — Wir entsinnen uns dabei eines Vorganges, der sich gelegentlich des vor einigen Jahre» in St. Petersburg abgehaltenen Jnlernatio- nalen Kongresses für Gefängnißwesen ereignete, oder richtiger gesagt, nicht ereignete. Einige Mitglieder dieses Kongresses legten es durch allerlei Gesetzesverletzuuge» darauf an, verhaftet zu werde», um so die russischen Gefängniffe wirklich in ihrer Eigenart kennen zu lernen. Die Regierung mußte jedoch den Braten gerochen habe», und so hatte die Petersburger Polizei den strengen Befehl, die ausländischeu Theilnehmer jenes Kongresses unter keinen Umständen zu verhaften, sondern sie thu» z» lassen, wozu sie Lust hätten. Als das schlechteste und älteste Gesängniß zeigte man Herrn Menger da? aus der Zeit der Kaiserin Katharina stammende„Lithauische Schloß", das auf Herrn Medizinalrath Menger den Ein- druck eines zwar nicht modernen, aber doch modernisirlen, sehr sauberen Gefängnisses machte; sogar elektrische Be- lenchtung hatte es! Als bestes wurde ihm das „St. Petersburger Einzelzell- und Strafgesäuginß" vorgeführt. Ein modernes sternförmiges Gesängniß, Zentralheizung, elektrische Beleuchtung, Ventilation, Waterklosets, geräumige, praktisch eingerichtete Zellen, sorgfältige ärztliche Pflege, vorzügliches Brot, täglich 200 bis 2S0 Gramm Rindfleisch, Kwas, das russische Nationalgetränk, nach Beliebe»; aus dem Arbeitsverdienst können die Gefangenen Thee, Zitrone», Zucker, Butter k. beziehen! O. möchte Herr Dr. Menger doch seinen ganze» Einfluß auf- bieten, auch da? Moabiter Untersuchungsgefängniß so traulich und behaglich zu gestalten!— Geschlagen wird in russischen Gefängnissen niemals, so berichtete Herr Menger über das, was ihm in Petersburg erzählt worden war. Soll eine Ausnahme gemacht werden, so haben die Verwaltungen der sibirischen und sonstigen Gefängnisse in jedem einzelnen Fall den Justizminister um die Genehmigung zu ersuchen. Wer lacht da?— Alles in allem nahm Herr Menger ans Petersburg den Eindruck einer humanen und wissenschaftlichen Behandlung der Gefangene» mit. In Moskau gefiel es ihm schon, veniger. Er sah das „TranSport-Gesängniß", t» dem die nach Sibirien Verbannten aus dem ganzen Reich« gesammelt werden. Die Gefangene» waren zu 20. Sv oder 100 in niedrige» Sälen einquartirt, schlecht ernährt, die Hälfte des Kopfes kahl geschoren. um die Knöchel eiserne Ringe und die Füße mit dem Gürtel durch eiserne Ketten verbunden.— In Kiew wurde der Vortragende trotz Verwendung des deutschen Konsulats überhaupt nicht ins Gesängniß hinein gelaffen. In Odessa fand Herr Menger die Ernährung sehr schlecht. Morgens warmes Wasser unter dem Name»„Thee", mittags Grün- korusuppe, abends Grütze, Fleisch nur an einige» Festlagen des Jahres.— Auch sah er in Odessa das Transportschiff. mit dem ein Theil der»ach Sibirien Verbannten(die meisten müsse» den größten Theil der Reise zu Fuß machen) via Suczkanal nach der Gefangeneuinsel Sachalin befördert werden. Das Schiff ist im Innern ein starkes Gesängniß. Zur Seit« des Mittelganges lange Reihen von Zellen. Im ganze» faßt es 600 Gefangene. Eine Militärwache von 30 bis So Mau» be- gleitet den Transport. Die Gefangenen werden täglich Abtheilungs- iveise an Deck geführt. Für den Fall des Ausbruchs einer Revolte bei dieser Gelegenheit hat man ein sehr einfaches Mitlei. Da die Schußwaffen angeblich nicht ansreichen, befindet sich auf der ft'oniinandobrücke ein Hebel, der nur gedreht zu werden braucht, um die Gefangene»- Abtheilung durch kochenden Dampf zu lödte». krobatum si>t. Human und wiffenschaftlich! AnS Köln wird uns geschrieben: Hier ist, wie der„Vorwärts" schon kurz milgetheilt hat, ein dreistöckiger Neubau eingestürzt, wobei fünf Arbeiter mehr oder weniger schwer verletzt wurden; einer von ihnen ist unterdeß g e- st o r b e n. Wie in den meisten Fällen, trägt auch hier die Gewi»»- sucht des Unternehmers Schuld a» dem Unfall. Der Unternehmer ist in diescni Fall zugleich Ziegeleibesitzer, und diese Herren sind bekannt dafür, daß sie zu ihren Baute» alles sonst nicht verkäuf- liche Steinmaterial verwenden. Schon mehrere Tage vor dem Einsturz war zudem der Polier von einem der Verunglückten darauf aufmerksam gemacht worden, daß der mittlere Fensterpfeiler des Erdgeschosses zu schwach sei und mit Zement gemauert werde» müffe; auch hallen schon verschiedene Ausbeffernngen an Fenster- bögen erfolge» müssen. Eine Stunde, nachdem durch de» Polier die unter einem der Bogen befindliche Stütze weggenommen worden war, geschah der Einsturz.— Die hiesige Filiale des deutschen Maurer-Verbandes hatte im vorigen Jahre dem Oberbürgermeister und dem Stadtverordneten- Kollegium «ine Petition unterbreitet, worin unter Hinweis auf die sich immerfort mehrende» Bau- Unfälle und'unter Beifügung eines umfangreiche» von der hiesigen Bautenkontrollkommissio» gesammelte» Materials die Unzulänglichkeit der bestehenden Bau- polizeivorschriften und der zu ihrer Wahrung eingesetzten Behörde dargethau wurde. Namentlich wurde darin die Zusammensetzung der Baupolizei einer Kritik unterzogen; diese Behörde besteht näm- lich aus gedientenszivilversorgungsberechtigten Personen, die diezurAus- Übung ihres verantwortungsvollen Berufes erforderliche Sachkenntniß vermissen lasse». Auf diese Petition wurde die Antwort zu theil, man habe die Nothwendigkeit einer Revision der Baupolizei-Ordnung ein- gesehen und werde die Wünsche der Petenten berücksichtigen. Unter- deß ist ein Jahr vergangen, ohne daß man von einer Revision etwas vernommen hat. Man kann es den Arbeitern«icht verübeln, wenn sie mit dieser Verzögerung, die ihnen Gesundheit und Leben kosten kann, nicht zufrieden sind. Diese Woche haben sich die Maurer in einer zahlreich besuchten Versammlung mit dem jüngsten Einsturz beschäftigt und Anlaß genommen, in einer Resolution ans eine baldige Revision der Baupolizei. Vorschriften und auf eine Aenderung der Baupolizei in dem Sinne zu dringen, daß in diese Behörde fachkundige Bauarbeiter berufen werden. Tie Lage der Kürschner in WeistenfclS. Alljährlich werden auS Sibirien Millionen von grauen Eickhörnchen- Fellen— Feh genannt— eingeführt. Die Fehzurichterei ist eine in Deutsch- iand ohne Konkurrenz dastehende Spezialität der Weißenfelser Kürschner. In dieser Branche arbeiten bei zehn Unternehmern 120 bis 130 Arbeiter und 700—800 Arbeiterinnen, und zwar die letzteren fast ausschließlich, die erstere» etwa zur Hälfte als Haus- i n d u st r i e l l e unter den elendesten Verhältnisse». Während früher die Fehzurichterei ein blühender und auch für die Arbeiter lohnender Erwerbszweig war, kommt gegenwärtig ein Fehzurichter im günstigsten Falle auf ein Jahreseinkommen von 400—S00 M. Die Arbeit beschränkt sich auf die Monate April bis Oktober. Während dieser Zeit wird Sonntags und Wochentags von morgens S bis abends 10, auch 11 Uhr gearbeitet, und müssen Weib und Kinder dem Manne behilflich sein, um das kümmer- licke Einkommen zu verdienen. Die Küche dient neben ihrem eigent- lichen Zweck auch als Werkstatt und Trockenraum für die Felle. Obwohl das Einweichen und Fleischen der Felle, weil dabei im höchste» Grade ekelhafte und gesundheitsschädliche Ausdünstungen entstehen, in bewohnten Räumen polizeilich verboten ist, nehmen doch viele Arbeiter, der Roth gehorchend, diese Verrichtungen in ihrer Wohnung vor. Wohl in keinem Industriezweige ist die Forderung von Betriebswerkstätlen gerechtfertigter, als in diesem, der den Unternehmern einen hübschen Profit abzuwerfen scheint; werden doch jährlich 3—4, ja mitunter b Millionen Fehs verarbeitet, wovon bei manchen Unternehmern in einer Woche deren 20 000 Stück zugerichtet werden. V evsa wntl mt Arn. Mit der Verhaftung unseres Partei-Genossen Barthels endete am Montag eine Versammlung des„freisinnigen Arbeiter- Vereins", welche zu der 160 000 M.-Bewilligung seitens der Majo- rität der freisinnigen Stadtverordneten Stellung nehmen sollte. Der Referent Dr. Moses betonte eingangs seines Vortrages, daß die Freisinnigen durchaus Anhänger der Monarchie seien und daß sie in Wilhelm I. den Mann verehrten, unter dessen Regierung„der Traum unserer Väter" in Eriüllung gegangen sei; aus zwingenden pekuniären und moralischen Gründen aber hätte die Bewilligung von 160 000 M. zu dem Zwecke, einige Straßen Berlins für kurze Zeit zu schmücken, nicht erfolgen dürfen, ivürdiger wäre die Zuweisung dieses Betrages an die Kaiser Wilhelm Augnfta- stistung gewesen. Die sozialdemokratischen Eladlverordnelen haben bei ihrem ablehnenden Verhallen sehr folgerichtig gehandelt und es sei geradezu beschämend, wie sich der Stadtverordnete Cassel dem gegenüber benommen und den Mordspatrioten herausgekehrt habe. Dieser Herr, der erst kürzlich von dem Freiherrn von Mirbach als braver guter Man» geschildert worden sei, hätte jedenfalls keine Veranlassung gehabt, die patrio- tische Lärmtrommel zu schlagen um der Sozialdemokratie eins auszuwischen. In der Diskussion vertrat Genosse Barthels den Standpunkt der sozialdemokrq'ischen Partei, worauf der Stadt- verordnete P e r l s sich in einem gewandten Eiertanz produzirte nud eine dreiviertelstündige Vernichtungsrede gegen die Sozial- dcmokratie hielt. Genosse Rieger diente dem inzwischen verduftete» Herrn recht tüchtig, indem er zum Schluß an die Versammelten appellirte, bei den bevorstehenden Wahlen dafür zu sorgen, daß nicht mehr nur meinungslose Bewilligungsmaschinen in die Stadt- Vertretung kämen. Als hieraus Genosse Barthels ein Zitat Wilhelm I. aus den Märztagen wiedergab, wurde er sofort ver- hastet. Tie HandclSangestcNten hielten am Montag in Martens Saal eine sehr gut besuchte Versammlung ab, wo der Reichstags- Abgeordnete S ch o e n l a u k über das Thema: Die Sozialdemokratie und die Handelspolitik sprach. Der Redner legte an der Hand eines reichhaltigen Zahlen- und Thatsachenmaterials dar, daß, obgleich sich Deutschland in neuerer Zeit aus einem Agrar- zu einem Industrie- und Handelsstaat entwickelt habe, dennoch die Handelspolitik der Regierung mehr auf die Interessen der Agrarier— des im Staate immer noch herrschenden Junker- thums— als auf die Handelsinteressc» bedacht nehme; daß durch die ungeheuere Begünstigung des Militär- und Marinewesens die Entwickelung des Handels ebenso wie die Wohlfahrt des gesammten Volkes in höchstem Maße beeinträchtigt werde, und daß auch die speziellen Interessen der Handelsangestellten in unserer Gesetzgebung nicht in gebührender Weise berücksichtigt würden, wohingegen die Sozialdemokratie der Handelspolitik gegenüber dieselbe Stellung einnehme, wie gegenüber allen anderen sozialen und politischen Fragen: nämlich die Förderung des Wohles der großen Masse des arbeitenden Voltes. Der Redner kennzeichnete schließlich in treffender Weise den Jndifferentismus und den Mangel an sozialer Einsicht des größten Theils der im Handelsgewerbe An- gestellten, die sich immer noch nicht als Arbeiter betrachten wollte», obgleich zwischen ihnen und dem Chef genan derselbe Gegensatz be- stehe, wie zwischen einem Stumm oder Krupp und dessen Arbeitern. Die beste Lehrmeisterin für diese Indifferenten sei die in ihren Reihe» mehr und mehr zunehmende Roth. Schwer sei es allerdings. diesen Indifferenten beizukommen, aber ein erfreulicher Anfang sei gemacht. Die kaufmännische Bewegung könne nur Erfolg haben, wenn sie sich aus den Boden der Sozialdemokratie stelle. Dem mit großem Beifall aufgenommenen Vortroge folgte eine lange, äußerst lebhafte Debatte. Zwei Redner freisinniger Richtung sangen in be- wegten Tönen ein Loblied auf die Hirsch-Dnncker'schen Gewerkvereine, sie bekundeten einen naiven Glauben an die Zukunft dieser Gewerk- vereine und an die Bcdentnng der freisinnige» Partei und brachten die oft gehörten Redensarten von der Unsähigkeit der Sozialdemo- kratie auf dem Gebiet der gewerkschaftlichen, insbesondere der kauf- männischen Bewegung vor. Zur Rechtfertigung der Gewerkvereine führte der eine Redner an, daß dieselben ja zu gunsten des Ham- burger Streiks eine Sympathiekundgebung erlassen hätten. Aber Geld haben sie nicht gegeben, rief man ihm zu. Ja, erwiderte der Vertreter des unentwegten Freisinns, unser Geld brauchen wir zu bessere» Dingen, wie zu Streiks. Genosse S ch oen- l a n k fertigte diese Herren und deren Parleirichtnng in treffender Weise ab. Er sei erstaunt, daß die Gewerkvereine hier noch ein Lebenszeichen von sich geben; in Arbeiterkreisen wären dieselben längst abgelhan. Nachdem noch M a a ß und L i p p m a n n den Standpunkt der Sozialdemokratie vertreten und die„Freie Ver- einignng der Kaufleute" sowie den„Fachverein der Haudlungs- Sehilfinnen" als diejenigen Organisationen, die allein die wahren interessen der Handelsangeslellten vertreten, empfohlen halten. nahm die Versammlung gegen acht Stimmen eine Resolution in diesem Sinne an. Ter Verein Berliner Schneidermeister fiir Damen- Koufcktio» hielt am Montag Abend in Keller's Tunnel, Köpnicker- straße, eine außerordentliche Versammlung ab, um schlüssig zu werden, auf welchem Wege eine endgiltige Regelung der Lieferun gS- und Abrechnungszeit in den Kon- fektionshäusern herbeizuführen sei. Das einleitende Referat hielt Herr Ullrich, der in kurzen Zügen den Streik der Konsektionsarbeiler Revue passiren ließ. Sodann ging Redner auf die seitens der Firmeninhaber erfüllten„Wünsche" der Meister: die Abrechnung und Lohnzahlung für gelieferte Arbeit nicht erst am Montag, sondern bereits am Sonnabend vorzunehme», ein. Augenblicklich sei alleS wieder beim Alten, überhaupt habe sich das gegebene Versprechen der Unternehmer keiner langen Dauer erfreut. Redner fühlt sich beschwert über das Vorgehen der Arbeilerinnen, die immer nur aus sie (die Meister) schlügen. Weiter spricht er sich gegen das von den Arbeiterinnen eingeführte System der Werkstellen- Vertrauenspersonen aus; es seien das Agitatorinnen. Betreffs der Lieferungszeit klagte Redner sehr über die Unkoulanz der Unternehmer, die er zum großen Theil deren Angestellten zu- schob. Ebenso verhalte es sich mit dem Abfertigen der Lieserungs- büchcr. Er schlägt vor, bei den Firmeninhabern vorstellig zu werden und folgende Vorschläge zu machen: die L o h n a n s z a h l u n g muß in allen Geschäften bis spätestens Sonnabend 2 Uhr vor sich gegangen sein. Lieferzeit soll sein: An Wochentagen außer Freitag bis 1 Uhr, des Freitags bis 3, event. 5 Uhr, des Sonnabends soll nicht geliefert, oder aber die Lieferzeit auf das äußerste beschränkt sein. Sämmtliche Bücher müssen behuss Abrechnung bereits am Freitag eingereicht sein. Die Diskussion gestaltete sich zu einer sehr regen. Der Vorsitzende theilte mit, daß man bereits in diesen Punkten mit der Innung der Konfektionsschneider konferirt habe, jedoch deren Beschluß noch ausstehe. Sämmtliche Redner bedeuteten, daß die Forderungen der Arbeiterinnen betr. die Sonn- adend-Auszahliing berechtigte sind. Die Versammlung beschließt gegen die Stimine des Obermeisters Witte, daß der Vorstand in eeigneler Weise nach den gemachten Vorschlägen bei den Kon- ektionären vorstellig werde. Es referirt nunmehr Rechlsanwalt Dr. K l i b a n z k y Über die geplante Krankenversicherung derselbständigenGeiverbetreibenden(Hausindustrielle), er ist der Ansicht, daß die Versicherung ungeheure Schwierigkeiten be- reiten würde gerade in der Mnntelbranche und verweist darauf, daß es fast unmöglich sei, Kontrolle zu üben, da die Versicherten zum §roßen Theil außer dem Hause ihres Anstraggebers beschäftigt sind. tiemand könne weiter wissen, wie viele Hausgenossen an der Arbeit parlizipiren. Im übrigen ist Redner der Meinung, daß die Vorlage des Magistrats mit den gesetzlichen Bestiminungen nicht im Einklang steht; er hofft bestimint auf Ablehnung derselben. Nach längerer Debatte nimmt die Versammlung eine Resolution an. in der sie gegen die peplante Versicherung energisch protestirt, um die Meister vor Schäden zu schützen, welche diesen aus unnöthig ge- zahlien Eintritts- nud Beitragszahlungen erwachsen würden. Letzteres begründet die Resolution damit, daß Arbeiterinnen die angenommene Arbeit zuweilen gar nicht anfangen, oder aber un- fertig zurückbringen. Im Verein der Arbeiter und Arbeiterinnen der Wäsche- brauche referirle am 17. Februar Dr. W e y l über den Werth der Verkürzung der Arbeitszeil. Im Anschluß an eine Debatte über das Lehrlingswesen wurde eine Kommission gewählt, die der Regelung der Lehrlingsfrage näher treten soll. FrirdrichShagcu. Der Allgemeine Arbeiter- Bildungsverein hielt am 13. Februar seine regelmäßige Monalsversammlung ab, in der Genosse Heinrich Schulz iu einem interessanten Vortrag über die deutsche Dichtkunst vor und nach der 48 er Revolution sprach. AdlcrShof. Infolge der Saalverweigernng am hiesigen Ort mußte auch der Arbeiter-Bildungsvcrein am 18. d. M. seine Ver- sainnilnng in Köpenick abhalten. Das Referat hatte Genosse Wagner übernoinuieii, der in seinem beifällig aufgenoinmencn Vortrag eine herbe Kritik an den örtlichen Verhältnissen übte. Arbeiter- Kill»,»o»tchule. Mittwoch Abent> von s— loi; Uhr: Südost schule, Waldemar»,'. 1«: Geschichte lAlle Ecschlchte. Urzeit. Entstehnng der Religionen. Orlentalisibe Völter. Kriechen und Römer). Herr Dr.<1. Pinn.— Nordschule, Bruniienstr.es: Deutsch(Die deutsche Literatur deS neunzehnten JahrhunderlS.— Nussatzlehre). Herr Heinrich Schulz. Ziie Lesehalle der Arbritcr-Kildtt»g«tchi>l«. Brunnenstr. 26, ist wochentags von s— s Udr, Sonntags von i—o Uhr, unentgeltlich für jedermann geöffnet. Die G e s ch ä f t s st e l l e der Schule X., Brunnenstrabe 25, die den Vereins- vorständen zur Vermtttelung von Vorträgen wissenschaftlichen Charalters zur Verfügung steht, ist ebenfalls von o-o Uhr nachmittags geöffnet. Arbeite». Kiinoerdnnd Berlins und Umgegend. Vorsitzender Ad. Neuman», Pasiwallerstr.il. Alle Aenderunge» im Vereinslalender sind zu richte» an Friedrich Kort» m, Manteufselstr.«9, v. 2 Tr. Arbeiter. zi»>>ch«rb»»d gerii»«»»d tlmgegend. Aenderunge» im Vereinskaiender stnd zu richten an Hermann Braun schwelg, Dresdener- strabe«0, 2. Hof, 4 Tr. K»»d der gesellige» Arbeiiervrreitte gerii»»»>»d Umgegend. Alle .stufchrisisn. den Bund velreffend, stnd zu richisu an P. Gent, S. Dresdener- straße 107/8. Zlrrndo'scher Stenographenvrrei» Vierkur. Sitzung heute, abends tzjj Uhr, Blumenstr. lo. Theater- und Nergnügnngovrrei» Helgoland. Sitzung heute, abend» « Uhr, Ackerstr. i»4. Verband dentscher garbiere, Friseur« und Perriiüienmacher(Zweig- verein Berlin,. Versammlung am Donnerstag, den 25. Februar, bei Babiel, Rofenthalerslr. 57._ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstags, Freitags und SonuabcndS, abendö von 7—8 Uhr statt. 300+. Adrefsiren Sie: Ejc. General der Artillerie von Lewiuski, Inhaber des Holsteinischen Feldartitterie-Rcgimcuts Nr. 24, Schwerin i. M. <5. L. Strgli». Der Antrag auf Nückerstattung ist seitens der Wittwe au die Versicherungsanstalt zu richten. Ein Beispiel finden Sie Seite 319, Nr. 83 b des Arbeiterrechts. Zwei Wettende. Der Reichstag wurde am 6. Mai 1893 aufgelöst/ die Neuwahlen fanden am 1ö. Juni 1893 statt. Ei um anerkannt gut a Literflasche Mt. 1,10, 1,60, 3,10 bei Entnahme von 5 Flaschen k Flasche 10 Pf. billiger, Olühwein Fruchtsäfte Ongarwein Fruchtweine Extract ganz vorzüglich, Himbcer-Saft, medizinischen, Liter Nil. 1,20, 5 Liter Ml 5,50» Kirsch-Saft, beste Qualität, Punsch- und Grogk-Extract, Citronen-Saft. k Literflasche Mk. 3,10 Aiiailas- lind Burg.-Punsch, k Literflasche Mk. 1,30, 5 Literflaschen Mk. 0,35, empfehlen und senden einzelne Flasche» durch unsere Gespanne frei Haus, Preislisten gratis. Eugen Neumann& Co. Belle-Alliance-Platz 6», Neue Fried richstr. 81, Oranienftr. 190, Johannisbeer- Wein, Hetdelbeer-Wein, i, Flasche(-/. Liter) 75 Ps 10322� Verkaufsläden: Genthinerstr. 39, Grüner Weg 56, Charlotteuburg: Kaisep-Friedrichstr. 48, Potsdam: Bäckerstr. 7. halt der Inserate die Redaktion dem Pndliknm gegenüber keinerlei _ Verantwortung._ Mr den übernimmt C hoskev. Mittwoch, den 24, Februar. Opernhans. Der Prophet. Schauspielhaus. König Heinrich IV. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Kaiser Heinrich. Lessing. Meerleuchten. Neues. Marcelle. ttnter de» Linden. Indigo und die 40 Räuber. Oftend. Berlin wie es weint und lacht. Weste». Die berühmte Frau. Residenz. Associss. Thalia. Frau Lieutenant. Schiller. Eine Palastrevolution. Zentral. Ein fideler Abend. Volks. Von Stuse zu Stufe. Belte-'Alliance. Trilbh. Parodie. Schloß Greifenstein oder Der Sammetschuh, nebst dem Vorspiel: Znlima, die Türkin. Passage-Panoptiktti». Assentheater. Apollo. Spezialitäten.__ Me-Aiiiai>tt- Theater Volks-Borftellttl«a unter Regie von.JnUrii>> rfirk. Sonntag, de» 28. Februar, nachmittags 3 Uhr: Zum letzten Male: Das Köthllien von Heilbronn. Von Heinrich von Kleist. Käthchen: Wilhelm« Wagner. Wetter v.Strahl: Heinrich Freu. Rheingraf v. Stein: Rich. Jürgas, Theobald: Wilh. Karfiol. «intrittSkart-n a 60 Pf. find in den belannten Zahlstellen zu haben. In Vorbereitung: Die Jungfra» von Orleans. SjftilleiMETzesrtev (wallner-Theater). Mittwoch, abends 8 Uhr: Eine Palastrevolution. Donnerstag, abends 8 Uhr: Der Volksfeind. Central-Theater. Sllte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. Mittwoch, den 24. Februar: Krall Thomas a. G. Abends?>/, Uhr, zum 19. Male: An sideler Abend. Morgen und die folgenden Tage: KIh fldeler Aben Eine pikante Ehe. Berliner Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von Eugen Prudens. Ansang 8 Uhr. Kleine Preise!— Donnerstag, zum ersten Male: Heinrichs& Comp. Lustspiel in 4 Akten von Ottilie Bibus. Freitag und die folgenden Tage: Eine pikante Ehe. Bons, auch die zu anderen Stücken ausgegeben sind, behalten ihre Giltigkeit. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Kinder-Vorstellung. Frau Holle, Zanbermärchon mit Gesang u. Tanz in 6 Bildem von E. Prudens. Btllets stnd ohne Vorbestellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- Wrisse zu haben. Vormittags 11—1 Uhr �nd abends von Vi? Uhr an. Thalia-Theater. (vormals Adolvh Ernst. Theater). „Frau Lieutenant.« Baudeville in drei Akten von Paul Ferrier und Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirschel. Musik von G. Serpette und B. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Sonntag, nachm. 3 Uhr: Trilbh. zriebrich Mlhelmß. Thtllter. Der Trompeter von Säkkingen. Romantisches Schauspiel mit Gesang in 3 Akten(7 Bildem) von E. Hilde- brandt und I. Keller. Anfang 8 Uhr. Donnerstag und Freitag: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung. Frau Holle. Zauber- niärchen mit Gesang und Tanz in 3 Akten von Eugen Prudens. Sonnabend, 27. Febniar, abends 8 Uhr: Erstes Gastspiel des Herrn Carl Pandev vom„Thalia- Theater" in Hamburg. Heinrich Heine. Hühneraugen-Operateur und Lotterie- Kollekteur Hirsch: Carl Pander a. G. Billets stick» schon drei Tage vorher o h»e Vorbestellgebühr an der Theater- lasse zu haben. Außerdem im In- validcndank, Unter den Linden 24, bei Paul Romeick, Leipzigerstraße 6. und Julius Lcngenfeld, Markgrafenftr. 60. Ostend-Theater. Gr. Franksurterstr. 132. Dir. C. Weift. Heute und folgende Tage: Berlin, wie es weint und lacht. Anfang 8 Uhr.— Sonnabend, zum 1. Male: Zn hoch hinaus. Realistisches Volks- stück von Marie Günther-Brauer.— Sonntag, nachm. 3 Uhr: Walzer- könig. Uolks- Theater 34 Reichenbergerstr. 34, Pferdebahnstation Kottbuser Thor. MP" Jeden Abend g Uhr, Sonntags 7 Uhr. Vvtl Stuse zn Stufe. Lumpe-Gastspiel Parodie Theater Oranienstr. 52. Mittwoch, den 24 /2.: Zum 8. Male: Hieblonm OrelfeiiHtein oder „D e r Sa m m e t s ch u h" nebst dem Vorspiel„Z u l i m a, die T ü r k t n". Histor. romant. Rttterschauspiel von Charlotte Birch-Pfeiffer. Graf v. Greifenstein: Joh. Lumpe. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7»/, Uhr. Miiei' Stadt-Theater Alt-Moabit 48. Heute, sowie jeden Mittwoch: vtettinei' Sänger (Meysel, Pietro. Britton, Steidl. Krone, Röhl und Schräder). Aieaes Programm. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.(stehe Plakate). Donnerstag: Konzerthaus Sanssouci. Die nächste Aufführmig von Fiuke's Schelmenstreiche findet mn Freitag, den 26. Febmar, in der Btktoria-Branerei statt. Der diesjährige lemner Säoger- findet am Mittwoch/, 3. Mörz, in den G e s a in m t r ä u m e n der Biktoria-Brauerei statt. -MI flaaniQ Tanben-Strasse Urania, Xo. 48-49. Naturknndliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 50 Pf. WIssenschaftl.Theaterabends8Uhr. «Pill II 1U Ulli Lehrter Stadtbahn- Hof. Täglich von 7Vj Uhr abends ab 50 Pf. Im Theater- Saale täglich 3 Uhr abends Vorträge, mit Espen- menten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge. raeeage- Panopticum. Letzte Woche. Mfii- TlMter Heute drei Vorstellungei» unt b und 7 Uhr. 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Die Direktion. Apollo- Theater. Spaniens berühmteste Tänzerin Das englische Schönheits- Quintett Fünf Lorrisons. Der Kiuetograph mit dem Sensationsbilde LniHich allein! Kassencröffnimg 61/, Uhr. Ans. 7»/, Uhr. Circus Renz Karlstvasse. (Jnbiläums- Saison 1896/97.) Mittwoch, den 24. Februar, abends 7l/j Uhr: Gala-Vorstellung Anssührnng der stets den ungetheiltestenBcifall aller Kreise gefundene» Novität! Ans der Mappe cineS Außerdem die hervorragendsten Nummern des Repcrtoirs: Sechs Trakehner FuchShengstc, dressirt und vorgeführt von Herrn Hugo Herzog. Eine Schulquadrille, ger. von 8 Herren. Auftreten der Schul- reitcrin Frl. Wallst Renz mit dem Schulpferde Eromwell u. d. Steiger Zllep. Neu! Der Clown Pinta mit seiner lebenden Puppe. Gebrüder Clarkounions. Deutschlands groß- artigste Lustturner. Donnerstag, den 25. Febniar 1897, abends 7V, Uhr: Aus der Mappe eineS RiesciigebirgS-Phantalten. Freitag, den 26. Februar 1897: Gr. 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