Kr. 304. Mittwoch, den 31. Dezember 1890. Jahrg. Hrgan für die Interessen der Arbeiter. Das„Berliner Bolksblatt" (Enigeiragcn m der PostzeitungSprelSlilte für 1890 unter Nr. 892, V. Namtrag.) iltttnr»r««,t,and. tag ich durch die Expedition, für Deutschland und Oesterreich-Ungarn S Mark, für das ubngc Ausland 3 Mark pro Monat. Jnsertionsgebnhr beträgt für die 5 gespaltene Pelitzeile oder deren Raum 40 Pf., für Vereins- und VeriammlunaZ. Anzeigen 20 Pf. Inserate werden bis 4 Uhr Nachmittags in der Expedition, Berlm 8W., Beutbitrabe 3, sowie von allen Annoncen-Bureaur, ohne Erhöhung des Preises, angenommen. Die Expedition ist an Wochentagen bis 1 Uhr Mittags und von 3—7 Uhr Nachmittags, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr Vormittags geöffnet. -, Fernsprecher: Amt VI.|lr. 410b.«- Nevaktion: VoukMvatzo 3.— Expedition: Venthikentze 3. AboililemeM-Eiltllldliilg. Mit dem 1. Januar eröffnen wir ein neues Abonnement auf unser Blatt. Das ,,Serliner Nolksblatt" ist auf dem sozialdemo- kratischen Parteitag in Halle zum offiziell«» Grgan der deutschen Sozialdemokratie erklärt worden. Vom 1. Januar ab wird unser Blatt den Titel Uormarts Vevliirev VoMsMokk führen. Tendenz und Inhalt des Blattes ergeben sich aus seinem offiziellen Charakter. * In unserem Feuilleton wird vom l. Januar an der neueste, preisgekrönte Roman des Norwegers Arn« Varborg „Ket Moma" in trefflicher Uebersetzung erscheinen. Wir freuen uns, ein so vorzügliches Werk unseren Lesern bieten zu können. Der„Uorwärto" erscheint täglich Morgens außer nach Sonn- und Festtagen. Abonnementspreis für Berlin monatlich 1 Miirk 18 Pseiinige frei i:'g S««S, Wöchentlich S8 Pfennige. Unsere Poftabonnenten bitten wir, das Abonnement früh- zeitig aufzugeben, damit keine Verzögerung in der Bestellung eintritt. Der Preis beträgt durch die Post bezogen 3,30 MK für das Guartal. Bei Bestellungen bitten wir besonders, auf den neuen Titel zu achten und bemerken, daß unser Blatt in der post-Zritungs- Prrislist« pro 1891 unter Ur. 6469 eingetragen ist. Zu recht zahlreichem Abonnement ladet ein Die Redaktion und Expedition des „Krrliurr Pollisblatt" Skizze»» zur Splzulfrc»ge. IN. DerZweck derSchule ist dieEe Ziehung des Volks— und zwar eine solche Erziehung, welche den möglichst hohen Grad von Bildung und Wissen allen Bürgern des Staats in gleichem Maße zugänglich macht. Bis zu einem gewissen Alter der Schüler haben alle Schulen gemeinsam zu sein. Feuittetoll. Nachdruck vcrboten.I [24 Kothenlmrger Tage. Roman aus der Zeit des großen Bauernkrieges von 1523. Von Wilhelm Bios. »Ja, solch' Fürnehmen war nicht weise/ meinte nun auch Riemenschneider. „Stiirinlanfen ohne Bresche, bei einem solchen Schloß — habt Ihr je schon solch Narrenwerk gesehen?" fnhrHerr Florian fort.„Und hätten sie nicht sollen harren, bis ich zurück konnte reiten mit dem Rothenbnrger Geschütz? Das wird an die Blauern anklopfen, daß sie einfallen; aber wenn sie»her! her!" schreien, so thut das noch lange nicht wie die Posaunen von Jericho." Znm!" wart ytimcniajnciuti"... Die Kistenfcger und die Seckellcerer vom Gau mögen -'--■ �» sagte Herr Snift gegen wohl über V p vt.«» vv<»»vv•»»»»»» I c£1 die vierhundert, in den Gräben und Schanzen, und so sie verwundet sind, müssen sie umkricchen� und �seufzen, biv sie f r""V V'V............ stch gutlich gcthan haben in den Pfaffcnkellern," sagte Herr �iarian,„dcriveilen meine Schwarzen in ganzem Ernst gegen das Schloß anrennen mußten. Droben liegen sie, ivohl über und so sie Agnes vctiuintvtt j V/[> v ♦»...»».— y— elend sterben, die besten Männer ans Franken." � Er schlug sich mit der Faust vor die Stirn „So fjab' ich's nicht gewußt, Herr Ritter!" Er aber ließ sie rauh an:.„, »So mischet Euch nicht in Dinge, so Euch nicht au- Kleinkind erbewahr- Anstalten, Kindergärten— bis jetzt mit verschwindenden Aus- nahmen nur für die Wohlhabenden vorhanden,— und die Bolksschu le im engeren Sinne des Worts haben die gesammte Jugend des Staats aufzunehmen und eine Grundlage zu bilden, ans der die sogenannten höhereu B i l d u n g s a u st a l t e n, sowie die B e r u f s s ch u l e u sich aufbauen, in denen die heranwachsende Bevölkerung sich, je nach den Fähigkeiten und Neigungen der Jndi- viduen, für einen bestimmten Beruf vorzubereiten hat. Auch diese Schulen müssen Allen gleich zugänglich sein, wobei nicht außer Acht zu lassen ist, daß der Besuch der höheren Bildungsanftalten den Besuch der Berufs- schulen keineswegs ausschließen darf— oder umgekehrt. Auch zur Ausübung der praktischen Berufe ist eine allge- meine höhere Bildung nothivendig. Es muß festgehalten werden, daß der praktische Beruf nicht Zweck, sondern Mittel ist, um das Wohl der Einzelmenschen und der Gesammtheit möglichst zn fördern. Nicht Fachmänner und Berusssklaven, sondern Menschen zn erziehen, ist die Aufgabe der Schule. Damit dieser Zweck erreicht werde, hat die Schule dem Kind und der erivachseneren Jugend weit mehr Für- sorge und Zeit z» widmen, als es jetzt selbst seitens der „höhereil" und höchsten Schulen für die„höheren" Klassen geschieht. Die geistige, sittliche und körperliche Erziehung— und hier kommen wir zu dem zweiten großen Ziel echter Schulreform— kann, wie jeder Pädagoge weiß, nicht in 5, 6 oder 7 Stunden des Tages bewirkt werden. Und jeder erfahrene Pädagoge weiß auch, daß, von verschivindenden Ausnahmen abgesehen, das Haus („die F a m i l i e") außer Stand ist, die Mängel und Unzulänglichkeiten der heutigen Schulerziehnng zu ergänzen. Alts dieser absolut feststehenden Thatsache ergiebt sich mit zwingender Logik die Forderung: die Schule muß das Kind und die erwachsenere Jugend den Tag über so lange in der Hand— unter ihrer Leitung, Pflege und Aufsicht— behalten, daß die Erfüllung des Schul- und Erziehungszweckes jedem einzelnen Zögling gegenüber nach Möglichkeit ge- währleistet wird. Die Vorbereitungsarbeiten für die eigentlichen Schulstunden müssen in der Schule, unter Aufsicht der Lehrer vorgenommen werden; und das Gleiche gilt von den Spielen, die Hand in Hand mit einem genügenden Turnunterricht— jetzt ist er jämmerlich nitgenngeud— das wichtigste körperliche Erziehungsmittel werden müssen. Hierdurch fällt der Unfug der„häuslichen Arbeiten" von selbst weg, und das Ideal F i ch t e' s, die gesammte stehen. So Ihr hübsch im Franengemach wollt sitzen und spinnen oder die Laute schlagen, geht's an; wenn aber erst die Weibsleute toll werden, so werden's die Mannsbilder auch. Denn ohne Eure Tollheit wären sie nicht abermals gegen das Schloß angerannt, ohne Hoffnung, sclbigeS zu ge- Winnen/ „Es war nicht weit davon", wandte Agnes ein, während ihr die Thränen unanfhaltsam Hervordrachen. „Meint Ihr?" sprach Herr Florian.„Ihr werdet mir wohl noch ein Kollegium über die Kriegskunst halten müssen und ich noch für Euch die Kunkel drehen; dann ist die verkehrte Welt fertig. Sparet Eure Thränen und gehabt Euch wohl; Weiber brauchts nicht für Florian Geyers schwarze Herrschaar!" Mit wuchtigen Schritten ging er von dannen. „Er ist im Zorn," sagte Riemenschncider besänftigend „verkennet ihn nicht. Die Besten seiner Schwarzen, sie sind todt. Er ist gut und edel; leicht braust er auf, aber er vergibt auch leicht. Seine Schivarzen, sie sind sein Stolz; verstehet seineu Zorn!" Aber das verlassene und verstoßene Mädchen, dem ein tiefes Weh durchs Herz schnitt, als es sich so rauh abge- wiesen sah, konnte sich nicht beruhigen. Agnes ivarf sich auf ihr Bett; ihr war, als möchte sie die Welt nicht mehr sehen. Der Gra ms ch atzer Wald. Im Thuruigemach des Schlosses derer von Grumbach saßen Agnes von Badell und Barbara von Grumbach in lebhaftem Gespräch bei einander. Auf den verständigen Rath des alten Riemenschncider hatte Grumbach die schöne Base nach der sicheren Burg seiner Väter gebracht, damit Jugend in der Schule zur Wehrhaftigkeit zu er- ziehen, wird verwirklicht. Eine vernünftige körperliche Erziehung der Jugend schafft dem Vaterland— so lange mit der Möglichkeit von Kriegen gerechnet»Verden muß, weit bessere Ver- t h e i d i g e r, als das heutige M i l i t ä r s y st e m e s v e r m a g, das die körperliche Erziehung e r st in einem Alter beginnt, wo nur noch relativ geringe Resultate zn erlangen sind. Jeder Turnlehrer wird uns beipflichten, wenn wir sagen, daß, wer das Turnen und Marschiren gut lernen und für das Ertragen von Strapazen geeignet werden soll, in der Jugend beginnen muß. Und was der Erwachsene theils gar nicht niehr zn lernen vermag, theils nur mit körperlichen und geistigen Qualen lernt,— man denke an die Folter der Kaserne und des Exerzierplatzes— das wird von der Jugend spielend erlernt— spielend in des Wortes zwiefacher Bedeutung. Wer aber mit uns in Bezug auf die Aufgabe der Schule übereinstimmt, der muß auch der Forderung zu- stimmen, daß die Schule Tags über für alle leiblichen Bedürfnisse der Zöglinge, also namentlich für zweck- mäßige Ernährung und Bekleidung derselben zn sorgen hat. Wenn sprichwörtlich ein voller it. ch nicht gern stndirt, so kann ein leerer Bauch erst r nicht studiren,— und daß ein Kind, welches vor Kälte zitternd in die Schule kommt, in durchnäßten Kleidern und Schuhen stundenlang dasitzt, nicht ordentlich lernen kann, das liegt auf der Hand. Mit all diesen Fragen hat die preußische Schulreform- Kommission sich nicht beschäftigt. Die wichtigste Frage, die sie zu erledigen hatte, jedoch nicht erledigt hat, war die sehr neben- sächliche Frage, ob„der deutsche Aufsatz" das Fun- dament der Bildung in den höheren Schulen sein solle oder nicht. Richtiger ausgedrückt lautet die Frage so: soll die Muttersprache, oder sollen fremde Sprachen das Fundament der Schulbildung sein? So gestellt, läßt die Frage für jeden denkenden Menschen— scheint es uns— nur eine Antwort zu: natürlich die Muttersprache. In den„höheren" Schulen ist bis jetzt das Lateinisch und Griechisch in erste r Linie und mit solcher Aus- schlteßlichkeit gepflegt worden, daß die Schüler die d e u t s ch e G r a m m a t i k erst aus der g r i e ch i- scheu und l a t e i n i s ch e n G r a m m a t i k lernen, und deutschen Stil m e i st gar nicht. Das ist ein wahrhaft unsinniger Lehrplan, dem»vir es verdanken, daß unter allen uns bekannten Kulturvölkern das deutsche das- jenige ist, dessen„gebildete" Bevölkerung sich am s ch l e ch t e st e n in der Muttersprache a s z u- sie sich erhole von den Anstrengungen und Aufregungen der letzten Tage, entrückt dem Getümmel des Krieges. Seine HanSsrau war bei ihren Eltern; da war Agnes seiner Schwester doppelt willkommen ans dem einsamen Schloß. Es war kein interessanterer Gegensatz zu erschauen, als diese beiden Mädchen. Agnes ernst und stattlich, voll Würde und Hoheit, mit stolz getragenem blonden Haupt; Bärbchen, wie man die Schwester des wilden Grumbach nannte, leicht beweglich, etivas unstüt in ihrem Wesen und sonst innner keck und flink hüpfend, tänzelnd und singend, als sei sie aufgelegt zn irgend einer Schelmerei. Heut war sie manchmal nachdenklich; der Ernst der Zeit wirkte auch ans sie ein. „Was ist Dir?" sprach Agnes sanft,„Du bist nicht so fröhlich wie sonst." Bärbchen seufzte und sah scheu in Agnesens Augen; dann schlug sie den Blick nieder. Diese beiden Mädchen liebten denselben stolzen und edlen Mann; Keine wußte es von der Andern. Das Burgfräulein von Grumbach aber sprach: „Ach, diese bösen Zeiten!" „Ich dächte, Du möchtest davon wenig verspüren. Wenn es schief geht mit der Sache des Volkes, Dein Bruder wird sich zn helfen wissen. Seine Familie aber, sie ist angesehen, reich nnb mächtig in Frauken. Leichtlich mag Dir eine Zuflucht auf ihre» Schlösser» offen stehen, auch bn den Hutten, denen Du doch verivandt bist. Aber ich——-—!" Sie sah ernst vor sich hin. „Du magst glauben, daß auch ich Ursach habe, recht bang zu sein," sagte Bärbchen. £ r öd' e n versteht. Der deutsche„Gelehrtenstil" ist be- stigt, und mit Recht— der Zögling eines deutschen mnasiums und einer deutschen Universität braucht, nachdem er die„höhere" und„Hochschule" ver- ui( f e n— wenn er Stiltalent besitzt— in der Regel > a h r e, ehe er erträglich Deutsch reden und schreiben kann-> l;nd die Meisten lernen es ihr Leben lang über- .upt nicht. In dieser Beziehung sind die Engländer, l'.merikaner und Franzosen„uns weit über". Ja der deutsche Lehrer in England, Frankreich und Amerika ist Anfangs geradezu verblüfft über die Leichtig- keit, Sicherheit und Korrektheit, mit der, im Gegensatz zu deutschen Schülern, die Kinder und jungen Leute sich in ihrer Muttersprache ausdrücken. Also die Muttersprache soll das Fundament sein, auf welches der Unterricht in den fremden Kultursprachen, zu denen Lateinisch und Griechisch allerdings mitgehören, sich zu stützen hat. Wer die Gramniatik semer Muttersprache kennt, gründlich kennt, hat den Schlüssel für alle übrigen Sprachen und erlernt sie ohne viel Mühe. Die fremden Kultursprachen dürfen aber dabei nicht vernachlässigt werden,— die Kultur ist international und jede streng„nationale", ö. h. die Muttersprache und heimische Literatur und Geschichte ausschließlich pflegende Erziehung ist engherzig, chauvinistisch, reaktionär. Mit den noch untergeordneteren Nebenfragen, bei denen die preußische Schulkommission sich aufgehalten hat, be- fassen wir uns nicht. Wir wollen blos feststellen, daß die Schule, um ihren Zweck zu erreichen, eine eminent soziale, ja sozia« l i h i s ch e Einrichtung ist, und daß die Erfüllung des Schulzwecks das Prinzip der Gleichheit zur u lentbehrlichen Voraussetzung hat. Der heutige Klassenstaat will die allgemeine gleiche lgleich— das sei, um Mißdeutungen vorzubeugen, sofort bemerkt— unter Wahrung der Individualität des Schülers)— er will die allgemeine, gleiche Bildung und Erziehung nicht, und er kann sie nicht wollen, weil sie mit seiner Existenz als Klassenstaat nicht vereinbar ist, weil sie den Klassenstaat zerstören würde. Erst im s o z i a l i st i s ch e n Staat kann die Schule das werden, was sie sein soll, und ihre Aufgabe der all- gemeinen Volkserziehung lösen. Der heutige Klassenstaat ist, wie wir in unserem letzten Artikel darlegten, auf dem Gebiete der Schulreform ebenso unfähig, wie auf dem der Sozialreform. Er ver- schwendet seine Anstrengungen an Nebenfragen und scheut zurück vor der Hauptsrage. Er will blos häßliche Auswüchse beseitigen, die Zustände und Einrichtungen, oene>! die Auswüchse entstammen, jedoch beibehalten tud kräftigen. Damit ist jede Refonuarbeit von vorn- hereiu zur Unfruchtbarkeit verurtheilt. cknd indem der Klassenstaat diese seine Unfähigkeit, de' großen Zeitproblemen gerecht zu werden, handgreiflich undet, hat er sein eigenes Todesurtheil g e i p r o ch e n.*) Doliktstho Tteberstckk. Berlin, den 80. Dezember. Der heurige Winter macht die schlimmsten Befürch- tiuifiM wahr, welche sein frühzeitiges Eintreffen wach- gerufen hatte. Seit Wochen herrscht eine nngewöhnlichc Killte, und der ohnehin weitverbreitete Nothstand ist dadurch wesentlich verschärft und ausgedehnt, und für Millionen von Menschen mit schwerstem Ungemach und mit schmerzhaftesten Qualen verbunden worden. Aus London und Paris laufen herzzerreißende Berichte ein und bei uns in Berlin istzes *) Die einzelnen Abtheilungen, in welche die Schillfrage zerfällt, werde- in einer Reih» von— zwangslos einander folgenden— selbi ständigen Artikeln behandelt werden. R. d. V. B „Was Du sagst!" rief Agnes.„Das möcht' ich auch wissen!" „Du sollst es wissen/ stieß Bärbchen gepreßt hervor. „Aber kannst Du auch schweigen? Denn wir Frauen wissen ja selber am besten, daß wir gern ausplaudern, was wir nicht ollen!" „Ich bin, wie Dn weißt, in manchem nicht, wie andere Weiber/ sagte AgneS, die Lippe etwas spöttisch auswerfend. „I ch kann schweigen/ Bärbchen war etwas betroffen von dem entschiedenen Ton in dem dies gesprochen ward. Dann aber sprach sie: „Ich vertraue Dir und will Dir mein Herz erschließen, auf daß Dn mein Geheimniß erfährst und als Freundin mir mein Leid tragen hilfst/ „So sprich!" „Du magst wissen/ fuhr Bärbchen fort,«daß ich mit dem neuen Geiste nichts zu thun haben will." Sie blickte Agnes etwas ängstlich an. Aber diese schwieg. dch Hab' nur auch nie denken können, daß solch eine Zeit konnte kommen, da sie den Edelmann zum gemeinen Mann machen wollen. Denn ich möchte nie etwas Anderes sein, als eine von Grumbach; ich will aus meiner Burg sitzen, zur Jagd reiten, die Laute schlagen und köstliche Ge- wänder und reichen Schnrnck haben. Das Bürgervolk ist nicht unseres Gleichen, die wir edlem Blut entsprossen sind; -Äevatter Schneider und Handschuhmacher sind von der Vors ung aus einen anderen Platz gestellt, denn wir." „ ön redest, wie Du es einmal verstehest/ rief Agnas dazwi'chen..., „Mag sein/ sprach Bäbchen,„aber so bin ich geboren und erzogen. Da träumt' ich denn auch imnier von einem stolzen und schönen Rittersmann, glänzend unter den Männern, der sollte mein Gemahl sein, ein Held beim Durni r und in der Schlacht, stattlich einherreitend auf fliirig'rn Riß, mit wehendem Helmbusch/ „Und Dn hast das Bild Deiner Träume wohl noch nicht gefunden?" spottete Agnes. Da sah Bärbchen ernst auf und sagte mit Nachdruck: „Doch, ich Hab' es gefunden!" nicht besser, wenn auch das Elend— gerade durch die Härte der Witterung— ans der Oeffentlichkeit gedrängt wird. Und überall, wo der Winter in gleicher Unbarmherzigkeit auftritt— und ans allen europäischen Staaten laufen ähnliche Nachrichten ein— überall, in jeder Stadt, in jedem Dorf— sind die Leiden der armen und arbeitenden Klassen jetzt aufs Aenßersie gesteigert. Mögen die Behörde n der Aufgaben eingedenk sein, die ihnen durch diesen strengen Winter erwachsen sind!— Das Geschimpfe der Innlcerpr'essc über den Anfruf unseres Parteivorstandes betreffend die„Agitation ans dem Land" dauert fort und nimmt zu— zwar nicht an Weisheit und Verstand, aber doch an Rohheit und Albernheit. Wenn wir so einen Junker in„Gesellschaft" sehen, wie er geleckt und geschniegelt herumstolzirt, und dann dieses pöbelhafte und erzdumme Geschimpfe lesen, so werden ,vir unwillkürlich an das Cnstine'sche Wort von den Russen erinnert:„Kratzt man den Russen, so kommt der Tartare znm Vorschein"— kratzt man diese Junker, so kommt ein von Bildung völlig emanzipirter hanebüchener Halbwilder zum Vorschein. Hätte der Aufruf unseres Vorstandes keine andere Folge, als die: das niedrige Niveau unseres Junkerthums, das sich zur Regierung Deutschlands berufen glaubt, der Welt gezeigt zu haben, so hätte er schon etwas sehr Verdienstvolles beivirkt. Bei dieser nur znfälligen 'folge hat es jedoch nicht sein Bewenden, und ans die Gefahr in, die Herren Landjunker ganz rabiat zn machen, wollen wir ihnen verrathen, daß der Kreuzzug zur B e s r e i n n g des ländlichen Proletariats in den weitesten Parteikreise», und sogar über dieselben hinanS, mit wahrem Jubel aufgenommen worden ist. Und wir Sozialdemokraten pflegen nichts anzukündigen, was wir nicht auch thun. Das sollten unsere Feinde nach- gerade gelernt haben.— Bei der gestern im 5. Wahlbezirke des Wahlkreises Boch um- Gelse nkirchen an Stelle des Frhrn. von Schorlemer-Alst stattgehabten Urichstags- Ersatzwahl erlangte keiner der Kandidaten eine absolute Majorität. Es erhielten: Müllensiefen(natlib.) 16 100, Vattmann(Zentrum) 15 900, Lenzmann(Demokrat) 1900 und Lehmann(Soz.) 8100 Stimmen. Zwischen den bei- den ersten findet demnach eine Stichwahl statt. Seit dem 20. Februar sind die Stimmen sämmtlicher Parteien zurückgegangen, die der Nationalliberalen um über 2500, die der Zentrumspartei um fast 6000, die der Demokraten um über 300 und die der Sozialdemokraten um 288. Das Ergebniß der Wahl kann als ein höchst erfreuliches be- zeichnet werden; gegenüber dem gewaltigen Rückgange der nationallibcralen und ultramontanen Stimmen darf unser Wahlergebniß ein Erfolg genannt werden. Bei dieser Wahl hat es sich um eine Kraftprobe zwischen Zentrum und Sozialdemokratie gehandelt. Die Kraftprobe ist nach imscrem Wunsche ausgefallen, denn das Zentrum hat mehr als einundzwanzig Mal so viele Stimmen verloren wie wir. Während von je 1000 abgegebenen Stimmen am 20. Februar 431 auf den ultramontanen Kandidaten fielen, konnten die Zentrumsleute jetzt nur noch 379 auf ihren Kandidaten vereinigen. Ganz anders bei den Sozialdemokraten. Sie hatten von je 1000 abgegebenen Stimmen am 20. Februar 164 und gestern 193. Während das Zentrum 5 pCt. verlor, gewannen wir 3 pCt. der abgegebenen Stimmen. Wir sind begierig, wie die Zentrnnisorgane dieses Resultat in einen Erfolg verwandeln werden.— Von Schüsse» i»r Frieden meldeten wir jüngst, jetzt liegen ans Ulm über die traurige Erschießung eines Sol- daten durch eine Patrouille folgende nähere Angaben vor: Zwei Soldaten der 5. Kompagnie des 6. württembergischen Filfantcricregiments hatten neulich Abend Erlanbniß, im Stadttheater als Statisten zu fungiren. Nach der Borstellung begaben sie sich, statt wie befohlen in die Kaserne zurück, in verschiedene Wirthschasten, n. a. auch nach Neu- Ulm,>vo sie um Uhr Morgens von einer aus 2 Mann bestehenden Patrouille deS 12. bayerischen Infanterie- Regiments angehalten und um die Urlaubskarten befragt wurden. Da sie keine hatten, entstand ein Wortstreit, und der Patrouillenftthrer, ein preilßischer Gefreiter, erklärte sie für verhaftet. Dem fügte sich der eine, der andere jedoch sprang davon. Der Gefreite gab nach dreimaligem Halt- „Ei," meiiitc Agnes,„wenn dem so ist, dann magst Du aber auch keine Ursach haben, bekümmert zu sein." „Höre mich erst an/ sagte die Andere.„Der Ritter, den ich liebe, ist ganz To, wie ich mir ihn geträumt habe; er ist großmüthig, edel und tapfer und feine Heldengestalt mag woht ein Mädchenherz in Flammen setzen. Aber sein Herz hat ihn zum Volke geführt; er ist bei denen, die für des gemeinen Mannes Freiheit kämpfen und wider die Edel- leute in Waffen stehen." „Das ist nicht gar selten heute/ sagte Agnes;„viel edelgeboreue Männer sind von dem neuen Geist erfüllet worden und sind bereit, Gut und Blut dran zu geben für die evangelische Freiheit." „Mag sein," sprach Bärbchen.„Aber ich hätte meinen Liebsten gern bei den Rittern und Herren gesehen, lieber i n dem Schlosse ob Würzburg, als v o r demselben." Agnes schaute auf; Bärbchen aber fuhr fort: „Trotz alledem lieb' ich ihn und werde nicht von ihm lassen; aber nun weißt dn, warum ich niit Angst lind Zagen harre, wie der große Kampf enden mag." „Und liebt er Dich auch so?" frug Agnes gespannt. „Gewiß", meinte Bärbchen,„er ist ja mein Verlobter nnd hat mir sein feierlich Wort gegeben, wie ich ihm das meine." „Und willst Dn mir sernen Namen sagen?" Agnes war bleich geworden. „Du wirst ja schiveigen," sagte Bärbchen unbefangen; „es ist der Ritter Florian Geyer von Geyersberg; sein väterlich Schloß, das sie ausgebrannt haben, steht zu Giebel- statt. Wir kennen uns von Jugeiid auf— doch, was mag Dir sein?" „Nichts weiter", stöhnte Agnes,„ein plötzlich Beklemmen, das ich öfter verspüre". „Aber Dil wirst schweigen?" „Bei Gott 1" .„Gegen Jedermann!" „Bis zum Grab!" entgegnete Agnes mühsam, dann er- hob sie sich: „Ich muß an die Luft; mir wird so schiviU". „So geh'", meinte Bärbchen etwas verwundert. rufen Feuer auf den ziehenden und traf ihn aus einet Entfernung von etivs 20 Meter in d�n Rücken. Der Ge« kroffeue stürzte lautlos nieder und wurde auch von dc� herbeigekommenen Patrouille liegen gelassen, bis die aufgc- schreckten Umwohner zu den Fenstern heran? ihre Entrüstung kundgaben. In de» Flur des nächsten Hauses verbracht. starb der Verwundete nach 10 Minuten; die Kugel hatti oeii Unterleib durchschlagen und war beim Nabel wieder herausgedrungen. Um 5 Uhr Morgens wurde die Leiche inS bayerische Garnisonlazareth abgeholt. Der Getödtete hieß Nägele und war der Sohn eines Handwerkers aus Biberach; er stand im zweiten Dienst jähr nnd hatte sich bis jetzt gut geführt. Der traurige Fall wird natürlich allgemein besprochen. Hoffentlich nützt dies. Wenn die ruhigen Boilrgcois auch zw fürchten beginnen werden, daß so ein Schuß im Frieden sie einmal treffen könnte, werden sie sich schon bemühen, daß dem gefährlichen— Sport ein Ende gemacht wird.— Kein Tag ohne neue Proben des geistigen Kampfes der Ultramontanen gegen uns. In ihrer gestrigen Nummer veröffentlicht die„Kölnische Volkszeitung-"� em Schreiben des Bischofs von Mainz über die s o z-i al e Bewegung. Wir entnehmen demselben folgende be- merkenswerthe Stellen: „Wenn die Gottlosigkeit und Unsittlichkeit in unserer Bevölkerung sich verbreitet, so sind die wirthschastlichen und pol»- i tischen Fragen unwiderbringlich vergiftet. Wen« dagegen christlicher Sinn und christliche Sitte dein Volke bewahrt wird, so werden die wirthschastlichen und politischen Fragen sich be- sriedigend lösen lassen."■ „Die Frage, i ie sich die katholischen Männer und die s Geistlichen zu Versammlungen verhalten sollen, welche sozial« I demokratische Führer in den katholischen Gemeinden abHalt«», kann mir nach den lokalen Verhältnissen entschieden werden. 1 Am besten ist es sicherlich, wenn solche Versammlungen ganz j verhindert werden können, und es ist Pflicht katholischer l Männer, ihnen unter keinen Umständen ein Lokal zu; überlassen. Wenn verständige und energische Männer an den Versammlungen Theil nehmen wollen, um Unwahrheiten oder Aufreizungen entgegenzutreten, so ist dieses gewiß sehr lobensiverth, doch bedarf es großer Mäßigung, um Streitig- leiten zu vermeiden. Die sozialistischen Redner bewegen sich zumeist in oberflächlichen Phrasen, welche unschwer durch richtige Belehrung und Auiklärung zurückgewiesen werden. „In der gegenwärtigen Bewegung kommt alles darauf an, die Arbeiter von dem Wabn zu befreien, daß ihren Standes- Interessen durch die anti-religiösen und revolutionären Be- strebungen irgend welcher Gewinn erwachse. Sie müssen die Ueberzeugvng erlangen, daß die religiös gesinnten und konser- vativen Männer für ihre Interessen die wärmsten Sympathien haben. Dieses muß insbesondere bei Wahlen thatsächlich da- durch sich erproben, daß man den Vorschlägen braver und tüchtiger Arbeiter freundlich entgegenkommt und alles vermeidet, was sie gegen die Wohlhabenden aufregen könnte, vielmehr alles geschieht, was sie versöhnen kann. In wie weit die Herren Pfarrer in diesem Sinne Einfluß üben können, hängt von den Verhältnissen ab. Gewiß aber werden sie sich stets vor Augen halten, daß sie die Seelsorger aller ihrer Pfarrkindcr sind, daß sie allen Ständen gleich nahe stehen, und daß ihre heiligste Angelegenheit die Beivahrung des Friedens sein muß." Von der falschen Geschichtsauffassung, welche Ursache nitd Wirkung verwechselt, wollen wir ganz absehen, ebenso von dem spezifisch Christlichen der btschöflichen Ansichten. Wir wollen uns nur die„geistigen Waffen" näher besehen. Als solche wird wärmsten� das Saalverweigern empfohlen. Das ist wohl daS richtigste Mittel, um den Arbeitern zu beweisen, daß die religiös gesinnten und kon- servativen Männer für ihre Interessen die wärmsten Sym- pathien haben. Jammerschade, daß die Sache nicht wahr ist, daß die konservativen und religiös gesinnten Grundbesitzer nnd Fabrik nntrrnehmer um kein Haar weniger die Arbeiter ausbeuten, wie ihre freisinnigen Berufsgenossen. Jammerschade, daß in dem erzkatholischen Belgien das Proletariat elender ist, als nur sonst irgendwo, und ebenso ist es in Polen, in Spanien. Hat der Herr Bischof nie etwas von der Ausbeutung durch die industriellen Klöster in Belgien und Frankreich, nie etwas von dem Bauernlegen durch die österreichischen Klöster gehört? Nun der Herr Bischof mag voqzeben davon nichts zu wissen, die sozialistischen Agitatoren wissen hiervon und werden den Herren Pfarrern die Widerlegung dieser Be- „Vergiß nicht, in einer Stunde wolle» wir ausreiten zur Reiherbeize". „Ich werde mich rüsten," sprach Agnes und stieg zu ihrer Kammer empor; dort sank sie auf einen Stuhl und starrte vor sich hin. „Also darum," flüsterte sie trostlos. Bärbchen hatte ihr kopfschüttelnd nachgesehen. „Die hat einen schlimmen Tag/ meinte sie;„daS Aus- reiten wird ihr gut thun". So gab sie den Befehl, Alles zur Jagd fertig zu machen, nnd binnen Kurzem stiegen die beiden Fräulein zum Burghos hinab, wo man ihrer harrte. Es war einer der letzten Maientage, voll Sonnengluth nnd Frühlingshauch. Gleich als ob die Natur hätte weit- eifern wollen mit der feurigen Bewegung, die durch die leidende Menschheit ging, so war es auch draußen viel heißer, als man sonst um diese Jahreszeit gewohnt war. Der alte Bnrgvogt, der den Ausritt beaufsichtigen sollte, sah etwas mürrisch drein. Weiß Gott," brummte er in seinen Bart,„ich war' lieber zwischen unseren kühlen Biirgmauern geblieben bei einer Kanne alten Weines, statt hinauszureiten und zu jagen bei der Hitze." Zwei Jäger kamen heran, jeder mit einem Falken aus der Faust. Die zur Jagd abgerichteten Raubvögel trugen Hauben auf dem Kops, die tief über die Augen der Thiere herabgezogen ivaren; so verhielten sie sich ganz ruhig, nur ab und zu schlugen sie mit den Flügeln. „Da mag leicht ein Gewitter aufziehen", meinte der eine Jäger, der den Burgvogt verstanden. Der Bnrgvogt, ein treuer aber grober Mann, murmelte einen Fluch zwischen den Zähnen, in dem das Wort „Weibsvolk" vorkam, aber er verstllmmte sofort, denn soeben traten Bärbchen und Agnes in den Burghof. Bärbchen freute sich kindlich auf die Jagd; sie ritt sehr gern aus. Agnesens Antlitz war bleich nnd ihre Augen funkelten schier unheimlich; als sie die Jäger sah, kaM Leben in die marmornen Züge. Wie eine wilde Lustigkeit sprach es ans ihr; doch es war ihr nicht Ernst damit. (Fortsetzung folgt.) Häuptlingen-r schon unnioglich niochen. Daß der Herr Lychof seine Anschauungen durch die Wahlen erproben lassen möchte, ist auffallend, nun, es ivird wohl nicht so lange dauern und er kann seine blauen Wunder bei den Wahlen erleben. Man solle die Arbeiter gegen die Wohl- habenden nicht aufregen, diese Aufforderung entspricht ganz dein Geiste der Kirche, welche trotz aller Ahlenguung treu und fest zu den Besitzenden jhcilt. Ucbrigens bedarf es wahrlich keiner künstlichen Aufregung gegen die Besitzenden; dafür sorgen diese selbst schon hinreichend. Wir sind nicht �enttänscht durch den Hirtenbrief des Mainzer Bischofs. Wir haben nie etivas voil den geistigen Waffen unserer Gegner gehalten. Hätte der Mainzer Bischof die Schriften seines Vorgängers, des gcist- imd kenntnisreichen Ketteler, gelesen, so würde er nicht so klag- liche Mittelchen zu unserer Bekämpfung empfehlen. Er hätte erfahren, daß man zuerst den Sozialisinus kennen muß, bc- vor man sich an seine Bekämpfung heranwagen darf. Wenn die katholische Kirche keine andere» Gegner uns entgegenstellen kann als den Mainzer Bischof uiid seine Geistes- brüder, so erleichtert sie uns in ganz nnerwarteter Weise unseren Kampf.— Die Grürtnikatio» der Zlostbeamten führe zum KoziiUisuul», fürchtet Herr v. Stephan, er sucht dieselbe deshalb zu untergraben, durch alle möglichen Verfolgungen seine Untergebenen von der Organisation abzuhalten. Vor- erst hätte er wenig Veranlassnng dazu, wenigstens wird die „Zeitschrift des Verbandes deutscher Postassistcnten" so lamm- fromm redigirt, daß Herr Stephan und Herr Engen Richter ganz unbesorgt sein können. Das Motto der Zeitschrift kautet: „Das Wort sei frei, das Herze treu, Einig und gleich, treu Kaiser und Reich." Von freien Worten haben wir in diesem Blatte noch nichts gefunden, desto mehr von niedriger Liebe- dien er ei. Um die Existenz deS Vereins zu sichern, um eine Garantie für die Knechtsseligkeit zu geben, wird der Sozialismus in der dümmsten Weise angegriffen, so in der in Nummer G des Blattes abgedruckten Rede des Berbandsvorsitzenden, die gelegentlich der Feier des Stiftungs- festes des Bczirksvereins Berlin am 8. November ds. Js. gehalten wurde. Dasselbe enthält folgende Stelle: „Die Führer der Sozialdemolratie haben eS ja jüngst in die Welt posaunt:„Wir Eostaldemolraten wollen keine Reli- gio», kein Vaterland, kein Gesetz, keine Autorität und last not least keine Arbeit. Fort, sage» sie, mit den Begriffen, die so lange gang und gebe waren; wir Sozialdemokraten brauchen keinen Gott, keinen Landesherrn; kein Gesetz soll den Einzelnen verpflichten, keine obrigkeitliche Gewalt anerkannt werden.— Also die Religion und das Vaterland wolle» die Führer der Sozialdemokrarie dem deutschen Volke rauben. Sie alle sind jetzt dabei, das deutsche Volk zu entchrisllichen und zu ent- nationalisiren, sie haben sich verbunden, in de», Volke den Glauben und das Vewuptfein der Zusammengehörigkeit zu er- tödten. Und wie denken wir über Religion und Vaterland? Wir wollen uns die von den Vätern überkommene Religion nicht uehmen lassen. Die Religion ist etivas Göttliches, für den Menschen in seiner Unvollkommenheit Rolhivendiges, Unentbehrliches, an dein er sich wieder ausrichtet, wenn er gefallen, das ihm den festen Halt ivieder giebt, wenn die Stürnie des Lebens ihn geknickt. Dieses Göttliche hat der Mensch nicht aus sich selbst, andere Menschen haben es ihm auch nicht gegeben; Gott hat es ihm tief in die Seele gepflanzt und mit unauslöschlichen Lettern ins Herz gegraben." Nun dieser Kamps mit„geistigen" Waffen steht auf derselben niedrigen Stufe wie der unserer andere» Gegner. Es wird ei» Sozialismus konstruirt nach den Wünschen dieses Herrn und dieser wird dann widerlegt. Was der Herr Postsekretär unter Sozialismus versteht, kann fei», ebenso seine Widerlegung. Wir gebet ... uns d o"_• q i••■, uv»| u i&Lir geben die Stelle wieder, um die Gefährlichkeit des Herrn zu charakterisiren. Wir verstehen wohl die schwierige Situation von Staatsbeamten zu würdigen, die sich zur Verfechtung ihrer ökonomischen Interessen organisiren. Aber die unwürdige, lakaienhafte Weise, sich nach oben einzuschmeicheln und Die- jenigen zu beschimpfen, welche bisher einzig und allein die Interessen der Postbeamte» vertreten haben, wird sicherlich viele Berufskollegen de? Herrn Redners mit Ekel er- füllen.— Die reaktionäre Presse aller Cchattirungen verbreitet mit emsigem Fleiß die Lüge, Liebknecht habe auf dem H a l l e' s ch e n Kongreß gesagt:„Wir Sozialdemo- traten m ü s s e n B a u e r n f a u g treiben." Als das natioualliberale Schreckenskind, Dr. Sattler, kurz nach dem Kongreß in einer Rede zu Hannover das Märchen zuerst auftischte, erklärte ihm Liebknecht mehr deutlich als parlamentarisch, er— der nationalliberale Herr Doktor— habe„«J» verschämt gelogen," was der national- liberale Herr Doktor auch lammfromm einsteckte. Natürlich hindert das die Sattler'sche Sippe nicht, uuverschärnt weiter zu lügen. Was für andere„geistige" Massen hat sie denn? In Wirklichkeit sagte Liebknecht: die reaktionären Parteien treiben Bauernfang; wir müssen die Bauern vor diesen Bauernfängern retten." Also genau das Gegentheil. „Tribut au Oesterreich" iicunt der Ex- Reichskanzler ne Ermäßigung des G e t r e i d e z o l l s, die durch n Handelsvertrag mit Oesterreich stipulirt werden soll. im, Tribut an Oesterreich ist imiiier nicht so schlimm s eine L a n d a b t r e t n n g a u F r a u k r e i ch, zu der iirft Bismarck sich im Jahre 18GÜ verpflichtet hatte, um e„wohlwollende Neutralität" Frankreichs, d. h. seine (Heime Unterst ü tz u u g für den langer Hand e p l a n t e n Krieg mit Oesterreich zn erkaufen. Jit werden uns mit dieser, leider nicht genug bekannten pisode der Bismarck'schen Staatskunst demnächst ein- al näher beschäftigen— und zwar uns anlehnend an das nviß unverdächtige Quelleuwcrk des Herr» Prof. S y b e l. ud gelegentlich werden wir uns mich noch anderen, gleich inlichcn Episoden aus der Laufbahn dieses„großen Staats- amies" zuiveuden. Apropos, derselbe hat neuerdiilgS ivieder verschiedene zeflügclte Worte" geliefert, die theils von einer gewissen ielbsterkenntiliß, theils von einer wunderbaren Jndisserenz für Sahrheit zeugen. Der Herr Exkanzler hatte Besuch ans Elsaß- othringen— waS für soilderbare Kantonisten mögen das ewescn sein?— und äußerte sich dabei nach dem Bericht, en einer der Theilnehmer in den„Straßburger Neuesten Nachrichten" veröffentlicht hat, wie folgt: „Es fei von jeher sein Verlaitge» gewesen, Strasburg für sein Stammland Teutschland wieder zn gewinnen. Und später sei eS sein Bestreben gewesen, die Ecke von Weißenbnrg zu erringen, die sich wie ein Stachel ins deutsche Fleisch schob, wo der Gefllerhut stand, vor dein Deutschland seine Referenz machen mußte. Nachdem das Werk mit Gottes Hilfe gelungen, hätte er onl liebsten eine chinesische Mauer auf dem Rücke» der Vogesen erWkuen mögen, damit die Ueberwucherung des Franzosenthums dem auskeimenden dentschsn Vaterlands- aesühl nicht hinderlich würde; er Haffe die Franzosen als solche nicht und gestehe ihnen manche guten Nationaleigen- schaften zn, aber ihre Nachbarschaft halte er für gefährlich. Wenn wir von ihnen so weit entfernt wären wie die Franzosen von den Russen, dann wäre er überzeugt, würden Tenlschland und Frankreich die besten Freunde werden. Älus diese» Gründen habe er auch den Paßzwang eingeführt, in der Voraussehung, daß die Beziehungen zwischen Frankreich und Elsaß-Lothringen nach und nach wie welke Zweige-absterben würden, wenn dem ständigen Verkehre der Lebensnerv unter- bunden würde. Ter Fürst knüpfte die Mahnung daran, in dem Streben, das Dentschrhnm in dem schönen Elsaß weiterznver- pflanzen, fortzufahren, den» wir im Elsaß seien die besten Schrauben, die den zerbrochenen alten Kaiserstnhl wieder zu- saniinenfügen könnten. Bei dem Frühstück bedauerte der Fürst, wie weiter be- richtet wird, seine„jetzige Thatenlosigkeit". Als man darauf erwiderte, daß damit seine Gesundheit mehr geschont werde, meinte er,„er sei eine alte R a k e k e u k i st e, die ungeöffnet und verschlossen ihren Berus verfehle und zn Grunde gehe."— Tie Raketenkiste ist gut. Solche überflüssige und ge- fährliche Möbel hat man möglichst weit weg ans der Nähe zivilisirter Menschen zn schaffen— etwa nach Friedrichs- ruhe, wo sie kein Unheil anrichten kann. Ein zweiter Bericht über den Empfang der Dcpntirtcu befindet sich in der„Straßburger Post"; hiernach hätte sich der Exkanzler einem der Herren von der Deputation gegen- über überaus sympathisch für die Franzosen ans- gesprochen und gesagt:„Er habe mit Frauzosen in einem so freiindschaftlichen Verkehr gestanden, wie er ihn kaum je in Deutschland habe unterhalten können, und er habe stets gute Beziehungen zu Frankreich gewünscht, um so mehr,„da Deutschland uno Frankreich vereint eine unwider- stehliche Macht bilden." Und mit diesem Bericht, dessen Treue verbürgt wird, vergleiche der Leser den Bericht der„Neuesten Nachrichten" und die T h a t c n des Fürsten. Es giebt das ein treues Bild der von der„narioiialeii" Presse so reklamenhaft herausgestrichenen„Wahrhaftigkeit" des großen Staats- mannes. Doch, lassen wir die alte Raketenkiste,— sieflst glücklicherweise„besorgt und aufgehoben".— Ter Streik der schottischen Eisenbahn Keawte» dauert fort. Die Aussräudigen rechnen mit Bestimmtheit aus Sieg.—' Dieser Tage hat ein Utas dvZ- Zaren angeordnet, daß das Inkrafttreten des neuen Ktrafgeseffes für Finnland bis zur vollständigen Beeudiguug der vom Zaren a'.'.geord' ncten Durchsicht desselben verschoben werden soll. Diese „Durchsicht" zielt natürlich darauf ab, gewisse, mit den Verwaltungs-Grundsätzen des russischen Reiches in Wider- spruch stehende Artikel des neuen finnischen Strafkodcx zn beseitigen oder mindestens abzuändern. Kein einziges nn- abhängiges Blatt Finnlands hat den kaiserlichen, nn Amts- blatt des Großherzogthums, dem„Frnlands Allmänna Tidning", veröffentlichten Erlaß abgedruckt, was sonst selbst- verständlich bei keiner Publikation dieser Art unterlassen wird, und selbst die in ihrer Stellung minder freien Zeitungen haben sich auf die Verzeichnung des Erlasses mit wenigen Worten beschränkt. An dem betreffenden Tage wurde in sämmtlichen finnischen Blättern angekündigt, daß die Theater zum Zeichen der Trauer geschlossen bleiben, und die Pastoren wurden durch Aufrufe an sehr auf- fälligen Stellen der Blätter aufgefordert, Reden über den Text:„Finstcrniß umhüllt das Volk" zu halten. Außerdem brachten die Journale auf der ersten Seite schwarz nmräitderte kaufmännische Anzeigen von Trauerstoffen, welche, wie dabei bemerkt wurde, sich anläß- lieh des diesmaligen Weihnachtsfestcs zu symbolischen Gc- schenken eignen. Diese Vorgänge sind»nn, wie man der „Polit. Korr." aus Petersburg meldet, in den russischen Ne- gierungSkreisen sehr übel vermerkt worden und die russischen Blätter vergleichen die Kimdgebnugcn der Finnländer mit den Erscheinungen, welche im 5königrclch Polen im Jahre 1863 vor dem Ausbruche des Anfstandcs zn Tage traten. Die Sprache, welche die genannte Presse über das Verhalten der Finnländer führe, sei eine so gereizte, daß die- selbe allein schon die Verschärfung der zwischen Finnland und Rußland bestehenden Gegensätze unausbleiblich zur Wirkung haben müsse. Man scheint in Rußland die Finnländer' zur Verzweiflung treiben zn wollen, um sie sodann als Hoch- verräther und Revolutionäre niederkartätschen zu können. Die Niederträchtigkeit der russischen Politik scheint in Finn- land ähnliche Orgien feiern zu wollen, als in den Ostsee- Provinzen, Polen und der Ukraine. Der russische DcSpotis- mus, der auf diesem Wege seine Herrschaft sich zu sichern vermeint, zimmert so seinen Sarg. Je größere Volkökreise mit gesättigter Unzufriedenheit erfüllt werden, desto rascher kommt der Bankerott des russischen Zarismus.— Im Orient beginnen die rnfstschen Mühleretc» von Neuem, so läßt sich die„Kölnische Zeitung" ans Belgrad telegraphiren, daß in Scmcndria viele Waffen ausgeschifft worden, die nicht als solche deklarirt waren; ebenso seien in Kladow, wo sich kein Waffcndcpot befindet, mehrere zehn- tausend Gewehre abgesetzt. Rußland scheint jetzt Serbien zum Stützpunkt seiner den Frieden Europas in Frage stellenden Orientpolitik zu machen und findet dabei seitens her serbischen Regiernngskreise die nachdrücklichste Unter- stütznng. Gleichzeitig mit der Depesche der„Kölnischen Zeitung" langt hier folgendes Telegramm ein: Ter serbische Kriegsminister ordnete die Vertheilnng von PeabodmGc- wehren an das zweite Aufgebot der Miliz an. Man scheint sich also gewaltig rüsten zu wollen und macht Vorbereitungen, als wenn demnächst ein Krieg ausbrechen sollte. Richten sich diese Rüstungen auch gegen Oesterreich und die Türkei, so gelten sie doch in erster Linie dem kleinen Bulgarien, dessen friedliche und erfreuliche Entwickelnng den Russen ein Dorn im Auge ist. Wie trefflich sich das seine Unabhängigkeit entschieden vertretende Völkchen zn regieren versteht, geht aus den Budgetziffern hervor. Man telegraphirt hierüber: Das bulgarische Budget schließt mit einem Ueberschnß von 1 995 872 Frks. ab, um 9 888 750 Franks besser, als im Vorjahre. Im Budget des Krieg?, mmsterimns sind 4 Millionen weniger als im Vorjahre ausgesetzt. Hoffentlich gehen die Wünsche des Zaren nicht in Er- füllung und wird es den Gurko's verwehrt, russische Kultur nach den, Balkan zn tragen.— Streik tu Kampa, das ist die letzte Nachricht, die ans der wcltabgelcgencn Insel im Stillen Ozean eintrifft. Wir lesen hierüber:„Die Insulaner, welche bisher gegen das selbst für die„Großstadt" Apia doch immerhin auskömm- lichc Entgelt von 1 Dollar, gleich 4 Mark pro Tag das Ans- und Abladen der Schiffe und sonstige Hafenarbeiten zu besorgen pflegten, verlangen jetzt 1 Dollar 60 Cent gleich 6 Mark. Ihre Forderung war freilich beim Abgang des Postdampfers noch nicht bewilligt worden und dürfte auch schwerlich bewilligt werden, da„Schwarzbeine" unter der dunkclsarbigen Bevölkerung der Gruppe bekanntlich keine Seltenheit sind." Die armen Bourgeois, jetzt regt sich auch die Begehr- lichkeit der Wilden! Immer unbequemer wird die Mehr- werth-Aneignung, immer ungefügiger werden die Arbeiter, ja selbst die doch ganz unzweifelhaft zur Knechtschaft ge- borenen Wilden! Kein Ort mehr ans dem ganzen Erden- runde, wo ein satter Bürger sich ruhig aufs Ohr legen kann, ohne fürchten zu müssen, daß die Arbeiter an Streiks, denken. Der Streik hat die Reise um die Welt beendet. In Europa, in Amerika, in Australien, in China, und nun auch in Samoa wird gestreikt. Ja, die Welt kann nicht mehr lange bestehen.— ',' tteuestc Nachrichten. Aus Bochum geht uns eine Privatdcpcsche zu, welche das Wahlresultat für unS noch bedeutend günstiger erscheinen läßt. Dasselbe lautet: Bei gleicher Wahlbetheiligung wie Februar!— Voraussichtliches Resultat: Lehmann(Sozialist) 10 100, Mühlensivcn(natl.) 18 500, Vattmann(Zentrum) 17 500, Lenzmann{deutschst.) 1300 Stimme».— Als designirtcr Nachfolger deS aus dem Amte geschiedenen sächsischen Ministers des Innern und des königlichen Hauses, v. N o st i tz- W a l l w i tz, bezeichnet die„Dresdener Zeitung" den sächsischen Gesandten in Berlin, Gras von Hohenthal. Gras v. Hohenthal wird ein würdiger Nachfolger des abtretenden Nostitz-Wallwitz. Alle Wnnderthaten der sächsischen Justiz fanden in ihm zwar keinen geschickten aber einen alles beschönigenden Vertreter im Reichstage. Andere Ver- dienste dieses Herrn find nnS unbekannt. Ein Telegamm des„New- Jork- Herald" besagt, der Kampf zwischen den Unionstrnppen und den Indianern bei Porcupine Crock sei ein sehr blutiger gewesen. Von den Amerikanern seien 75 gctödtct oder verwundet, aus Seiten der Indianer hätten 110 Krieger und 250 Frauen und Kinder das Leben eingebüßt. Von den Bewohnern des indianischen Lagers seien nur sechs Kinder am Leben ge- blieben. Novbr. 19. 20. 24. 28. 28. 28. Dezkw 11. 13. 14. 15, 16. 18, 18. 18, Unterm«neue« Kurs". Tuttlingen. Schuhmacher Echmid wegen Polizei-Be- lekdigung 20 M. Geldstrafe ev. 4 Tage Haft. Triberg. Dr. R ü d t wegen Beamtenbeleidigung 100 M. Geldstrafe und Kosten. Aönigsderg i. pr. Reserve-Unterofsizier Fritz Lexnt wegen Verbreitung eines— übrigens sonst nicht unter Verfolgung gestellten— Flugblattes bei Ablauf des So- zialistengesetzes in der Kaserne kriegsgerichtlich zu sech» Jahren Gefängnis} und Entfernung aus dem Heere. Ahlau. Zigarrensortirer Paul Graf 8 M. Geldbuße, tv. 1 Tag Hast wegen Vergehens gegen daS Vereinsgesetz (Erheben eines Eintrittsgeldes bei einer Versammlung). Münster i. M. Genosse B ö s e n r o t h wegen Verkaufs des Festgedichts znm l. Mai ohne polizeiliche Erlaubniß: L Tage Hast; Genossen H a a s e und H a r t m a n n wegen unbefugten Ankleben? von.VersammlungSplakaten 10 M., ev. 2 Tage Haft. Leipzig. Die gegen Genosse Fritz Krüger auS Rix- dorf vom Landgericht Guben ausgesprochene Vernrtheilung zu 6 Monaten Aefängniß wegen Verächtlichmachung der christlichen Kirche wird vom Reichsgericht bestätigt. Koran. Sechs Arbeiter wurden wegen Versuchs der Ge- fangenenbesreinng Widerstandes gegen die Gtaatsge- walt zu 2 Jahren 6'/« Monaten Gefängniß vernrtheilt. (Anläßlich des Begräbnisses des sozialdemokratischen Reichstags-Kandidaten Schwager forderte die Polizei zur Räumung des Friedhofes auf; darüber kam es zum Tumult und infolge dessen zu obiger Verurtheilnng.) Gber-Namstadt bei Darmstadt. Wegen Tellersaminlung wurden zwei Genossen zu je 5.10 M. Geldstrafe vernrtheilt. Frankfurt a. M. Redakteur G- Hoch von der„Frks. Volksstinnne" von der Anklage der Majestätsbeleidigung freigesprochen. Staatsanwalts- Antrag: 8 Monate Gefängniß. Düffeldorf. Redakteur Grimpe und Genosse Voß von der„Düsseldorfer Arb.-Ztg." wegen Fabrikanten- Beleidigung vom Schöffengericht zn 2 Monaten Gefängniß vernrtheilt, wurden von der Strafkammer Düsseldorf frei» gesprochen. Stettin. Maurer Heidenreich wegen Verbreitung einer VcrsainntlungS-Anzeige. auf der die Drnckfirma fehlte, 10 Mark Geldbuße, event. 2 Tage Gefängniß. Die Mitangeklagten Genossen Pieper, Parlow und Herbert wurden freigesprochen. Erfurt. Der Vorsitzende der Kommission der ausgesperrt� Schuhmacher wegen Bürgermeister-Beleidigung zu 1 Monat Gefängniß. Erfurt. Redakteur Schulze von der, thüringer Tribüne" 80 Mark Geldstrafe wegen grölen Unfug?. (In der„Thür. Tribüne" stand die Ausso-oerung„Kaust keine Schuhe von den Erfurter Fabrikant�.") Königsberg i. p. Redakteur«Butzbach wegen Schmähung von StaatLeinrichtungen und Beleidigung der Bayerischen Militärverwaltung 8 Wochen Gefängniß. Tezbr. 18, 19 Gotha. Genosse Bock, Redakteur des„Schuhmacher- Fachblatts", 20 Mk. Geldbuße, weil er im„Schuhm.-Fach- blatt" zur Sammlung für die streikenden Schuhmacher aus- gefordert. Magdeburg. Im großen Gewerkschafts-Prozeß wurden verurtheilt: 2 Genossen zu je 14 Tagen Gefäugniß, 3 zu je 150 M. und 80 zu je 100 M. Geldstrafe, insgesammt also 1 Monat Gefäugniß und 3450 M. Geldstrafe. Außer- dem wurden 11 Vereine geschlossen. Köln. 6 Sozialdemokraten aus Kalk wurden von der An- klage freigesprochen, ohne polizeiliche Erlaubniß eine Versammlung unter freiem Himmel veranstaltet zu haben. Sie hatten nämlich am Begräbniß eines Genossen Theil genommen, wobei einer einen Kranz mit ein paar Worten der Widmung niederlegte. Uerde». Redakteur Watermann von der„Nordd. Volksstimme" wegen Beamtenbeleidigung und Verächtlich- machung von Staatseinrichtungen 8 Wochen Gefäugniß. Der Staatsanwalt hatte 5 Monate Gefängniß und gegen die Mitangeklagten, aber freigesprochenen Drucker und Ver- leger je 400 3)1. Geldstrafe beantragt. Erfurt. Redakteur Schulze von der„Thür. Tribüne" wegen Beleidigung der Direktion der Gewehrfabrik zu 4 Monaten Gefängniß. Grlsenkirchrn. Bergarbeiter V r o d a m wegen Be- leidignng einer Zechenverwaltung 6 Wochen Gefängniß. K traf« erfolgungen wurden eingeleitet: Wegen M ajestäts- b eleidigung gegen die Genossen R. Salomon ans Wriezen, Stabernak, Mißling und Schmidt aus Berlin, weil sie in einer Versammlung zu Wuschewier bei einem Hoch auf den Kaiser sitzen geblieben, das der Gutsbesitzer von Oppen am Schluß seiner Rede ausgebracht hatte. Wegen Beschimpfung der christlichen Kirche gegen Redakteur G r i m p e von der Elberfelder„Fr. Presse" und Genosse G. Niederauer- Schuhmacher in Berlin. Wegen Aufreizung zu Gewalt- t h ä t i g k e i t gegen die Genossen Schulze in Königsberg und H. P e e tz, Klavierarbeiter in Berlin. Gegen die Streik- kom Mission der Erfurter Schuhmacher hat der dortige Staatsanwalt die Anklage auf Erpressung er- hoben, weil dieselbe die Streikbrecher aufgefordert har, die als Darlehen empfangenen Unlerstützungs- Beträge zurück- zuzahlen oder Zahlungsbefehl zu gewartigen. Verschiedene Privatbeleidig ungs-Proz esse sind eingeleitet: gegen den Redakteur des„GastwirthSgehilfen", Genossen L. Ebert� den Redakteur der„Nordd. Volks-Zeitung", Genossen I. Stengeies! der Oberbürgermeister Brink von Ossenbach hat gegen unsere Offeubacher, Mannheimer, Elsasser und Hessischen Parteiorgane Strafantrag gestellt, weil sie in ihren Berichten über einen Gemeinde-Ochsen- Verkauf seinen Stellvertreter im Armen- hause beleidigt haben sollen. Theater. R.ttwoch, den 31. D e z b r. )pe>»Hans. Doktor und Apotheker. Zum Schluß: Wiener Walzer. Sr.iiifpielhmls. Was Ihr wollt. Los?!! g-Theater. Auf der Höhe des Jahrhunderts. !?eeii ner Theater. Goldfische. *)».. theo Theater. Di? Kinder der - MUenz. rich-Mithrlinstädt. Theater. Gondoliere. Ma iner» Theater. Lilli. Kesie em-Thrat«r. Der Kampf ums Dasein. ria- Theater. Die sieben Raben. »llianee- Theater. Schlag auf schlag. l>ljle> d-Theater. Die sieben Raben Thomas- Theater. Der Soldaten. freund. ASot ih Ernst- Theater. Unsere T on Juans. Kaaf nann'o Narivtö. Große Spezialitäten-Vorstellung. The, ter der ZirichshaUen. Große i pezialitäten-Vorstellung. Co«>ri»ia. Große Spezialitäten- �"zrstellung. G'. Kichter's Uariötö. Große pezialitäten-V crftellung. krgaeten. Große Spezialitäten- Vorstellung. Englischer Garten. DweUion: C. Andress, Alexanderstraße 27c. Clara Conrad, Lieder- und Walzer- sünaerin. .nenny koimann, Kostüm-Soubrette. ftüaj Menzel, Gesangskomiker. Mr.[ober st ein, Malabarist. Mc. Lean Brothers, Zlmerikan. Reaer-Excentric. Tob«. WIMmo, musikalische Clowns. Ansaug Wochentags 3 Uhr. Sonntags 5l/i! 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Auer, Katzbachstr. 9 1, Berlin SW., gelangen zu lassen, denn verschiedene der angeführten Fälle kamen erst aus der Tagcspresse zu unserer Kenntniß. Mit sozialdemokratischem Gruß Der Varteioorstand. Kerichtignng. In unserem Artikel„Die Nothlage der Kohlenindnstrie" ist die voraussichtliche Dividende des Ärenberger Bergwerks pro 1890 fälschlich mit 35 pCt. angegeben. Das Bergwerk wird aber 70 pEt.— schreibe siebzig pCt.— des Aktienkapitals als Jahrcsausbeute pro 1890 vertheilen. In den beiden Vorjahren betrug die Dividende nur 30 resp. 15 pCt. Bei dieser Gelegenheit vervollständigen wir unsere Liste her Erträgnisse jener Kohlengesellfchaften, welche mit Ende Dezember ihr Geschäftsjahr schließen. Es werden voraussichtlich vertheilen: pro 1890 gegen 1889 Bochumer Bergwerk C Borussia„ Concordia„ Courl„ Gelscnkirchen.„ Hugo bei Buer„ Nordstern„ 6 pCt. 10.. pCt. 1888 0 pCt. 0„ 12 12 12—15 12 6 7 4 3 6 8Vx 12/3 Oeffentliche Versammlung für Männer u. Kranen des Lese°l%lubs„IICaH Marx" Donnerstag, br» 1, Januar, tu der Kockthrancrei(Tempelhof. Kerg). Tages-Ordnung: 1. Vortrag dcS Genossen Th. Metzner über:„Was hat uns das alte Jahr gebracht und was wird uns das neue Jahr bringen?" 2. Dis- knssion. 3. Verschiedenes.— Nachdem gemüllilichos Beisammensein mit Tanz. 2569 Der Vorstand. Große öffentliche Versammlung fnr Frauen n. Männer �4* am I. Januar(Neujahr), Abends 7 Uhr, in Lehmann s Salon, Schwedter-Strasse No. 23. Tages-Ordnung: Z ortrag des Herrn Türk über: Oer Einberufer Hexenprotesse". •ufert Paul§ 2566 e i t m a n n. Soeben erschien: 2572 Die Bestrebungen der Sozialdemokratie beleuchtet vom Irrsinn Engen Richter's. Von K ii r t Falk.— 25 Pfennige. Gedenkblatt zur Arbeiterbewegung des Jahres 1890. M. 1. In mehrere» Farben gedruckt. Größe 50:63. Wiederverkäufer erhalten höh. Rabatt. Louis Abel, Sebastianstr. 29. 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Mh- imH llitjifirioeltt Vi Flasche 1 ,50. Franz Beyer, Prinzessinnenstraße 15.[2508 Filiale: Elisabeth- User 47. Spiegel nnd ip Polstenvaarcn. eigener Gr. Lager, bill. Preise. Fabrik. Emil Heyn, Brunnenstraße 28, Hof parterre. Theilzahlung nach llebereinknnst. Achtimg, Maurer! Alle Kollegen, welche noch im Besitz statistischer Fragebogen über Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Berliner Maurer sind, dieselben noch nicht aus« gefüllt und abgegeben haben, werden ausgefordert, dies sofort zu thun; mit dem 31. Dezember 1890 ist Schluß. Wir fordern alle Kollegen auf, bis spätestens den 2. Januar 1891 alle ausgegebenen Fragebogen an die Ver- trauensleute der Berliner Maurer ein- zusenden. 2570 Vlnurrr Kerlins, fhut hieri» Eure Schuldigkeit! Karl Weisse, Tegelerstraße 27, 3 Tr. Wilh. Gerkc, Straßburgerstr. 38, 2 Tr. Ernst Hanisch, Nostizstr. 40, H. 4 Tr. Fehler- hatte Teppiche in selten schönen Mustern von 4 M. an. 8. Iluger, Oranienstrassc 48. 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Korrespondenzen und Parteinachrichten. t Kerliu. Soeben gelangte die erste Nummer der„Gazeta uodotnicza"(ArbeiterrZeituug) zur Ausgabc� Bestellungen sind i' richten an die Expedition dieses Blattes, Berlin SW. 19, Beuth- RWste 2, 4 Tr. links. Sie kostet durch die Post bezogen viertel- Mrlich 90 Psg., bei den Spediteuren und Kolporteuren kann das �att auch pro Monat um den Preis von 30 Pf. bezogen werden. Unter Kreuzband bezogen kostet das Blatt bei der Erpedition, �.19, Beuthstraße 2, 4Tr. links, bestellt. 1 M. 30 Pf.»iertcl- nhrlich für Deutschland und Oesterreich, 1 M. 60 Pf. für das übrige Ausland. Den Aufruf der Redaktion des Blattes an die polnischen Arbeiter lassen wir hier soloen: *«Infolge des Beschlusses des im Oltober l. I. stattgefundenen Parteitages der sozialdemokratischen Partei Deutschlands zu Halle und infolge eines schon längst enipfundenen Bedürfnisses wird oieses Blatt gegründet. Dasselbe wird die Interessen der zahl- Wichsten und nieistunterdrückten Klasse der Nation, der Arbeiter, oertreten. .«Während alle Klassen der polnischen Gesellschaft eigene Zei- Ulngen besitzen, findet der polnische Arbeiter allein kein Blatt, t0elches ihn in seiner Mutterssprache vcrtheidigt, welches seine Be- Ichwerden öffentlich zum Ausdruck bringt und ihm sein Menschen- »cht-robern hilft. „Schon seit Jahrzehnten organissren sich die Arbeiter fast der sanzen Kulturirelt und führen sowohl auf ökonomischem wie auch ?"> politischem Gebiete den Kampf mit den sie ausbeutenden Ge- �Uchaftsklasseii. Jeder Tag bringt ihnen neue Siege. Bon °en polnischen Arbeitern haben»nsere Brüder in Leinberg milängst eine sozialdemokratische Arbeiterpartei konstitrurt, in Mrschau feierten Tausende von Arbeitern den Arbeiterfeiertag .1. Mai. Cs ist hohe Zeit, daß auch die polnische» «.c., er unter preußischer Herrschaft in die Reihen des kämpfenden urbeueiiden Volkes eintreten. v«Arbeiter! Die„Gazeta Eobotnicza"(Arbeiter-Zeitung) ist »» Organ, welches wir zur Vertheidigung Eurer Interessen Lege» Kapitalisten, Adel und Geistlichkeit gründen. .»Das.Programui, das wir unseren Bestrebungen zu Grunde jaen, ist' das Vrogramm der sozialdeinokratischen Arbeiter Meiffn-eilrr(Rheinland). Eine interessante Ausschließung aus einem Kriegerverein hat vor Kurzem hier stattgefunden, die- selbe betraf unseren Genossen Wilhelm Otten von hier. Derselbe erkundigte sich beim Vorstande des Vereins um die Ursachen der Ausschließung, da in dein Schreiben des Vorstandes an unseren Genossen nur die Ausschließung, aber nicht die Gründe derselben mitgetheilt, raren. Merkwürdiger Weise beantwortete nicht der Vorstand, sondern die Polizeiverivaltung den Brief und zwar folgenderinaßen: „P o l i z e i v e r w a l t u n g L a n g e r w e h e, 16. 12. 90. An den Hausirer W i l h. Otten, Weißivciler. Auf Ihre an den Borstand des Kriegcrvereins zu Weiß- weiter gestellte Anfrage vom 12. d. M. betreffend den den Grund Ihrer Erballotage aus diesem Verein, dienen Ihnen zur?tachricht: Ter§ 1 der Statuten genannten Vereins verlangt von seinen Mitgliedern die Pflege der Liebe zil Kaiser und Reich. Da Sie nun durch Ihre sozialdeniolralischen Agita- tlonen weder die Liebe zu unseren Kaiser pflegen und dessen Bestrebungen sogar zuwider handeln, habe ich auf Grund des§ 8.1. c. dem Vorstande aufgetragen, Ihre Exballotage vorzunehinen. Die Polizei-Verivaltung. * Bechers. Es ist doch erstaunlich, wie viel Zeit unsere Behörden habe»! Sie besorgen nicht nur die Geschäfte von Vereinen privater Natur, sie dienen denselben auch als Schreiber. Wir sind begierig, was die BundeSrathsvertreter antworten können, ivenn dieser inter- essante Fall von llebcreifer der Behörden wieder im Reichs- tage zur Sprache gebracht werden sollte. Köln. Tie gegnerischen Zeitungen im Rheinland berichten freudig, daß unsere Parteiversammlungen zum Zweck der Wahl der Telegirten für den Provinzialkongreß schlecht besucht sind. Die Thatsache ist richtig; falsch ist es aber, daraus Schlüsse ziehen z» wollen auf das abnehmende Interesse der Arbeiter an den Angelegenheiten unserer Partei. Die Gründe des schlechten VersainmlungSbcsnches sind ganz wo anders zu suchen: Erstens iii den schlechten Erwerbsvcrhältninen, zweitens in dem Umstände, daß z, vischen Weihnachten und Neujahr die Arbeiter selbst in äi仫iSW'SiNKKBWKS Dies wissen die Bourgeoisblätter so gut wie -— Iii--—— CYi. M ,-w-._ ■o'Ue haben. Dieses Programm, .-»en, bezweckt die„ � om g Ulung, die Freiheit. Gleichheit und Gerechtigkeit für Alle. ? das Progranu», dem die klassenbeivußten Arbeiter aller Kultur- j '»nder folaen. ,. Prograiui», das wir weiter llnten zum Abdruck .»Nzen, beziveckl die Aushebung aller Unterdrückung und Aus- gaben'sich ergeben. folgen. �isFipi s cff1•' Unglückliche politische Verhältnisse verhiudertei, belms Verbreitung der sozialistischen Ideen uiitcr Euch in den Unkte r" Ländern. Tie uatioiiale und religiöse Unterdrückung ab. n.."» Aufmerksamkeit von der ökonomischen Unterdrückung Wen« besitzenden Klassen suchten niit allen Mitteln dem vor- dix baß das arbeitende Volk, welches ireit mehr als durch �idel" Unterdrückung unter der ökonomischen Ausbeutung - Zur Erkenntniß seiner Klassenlage gelangte. ab.(Ti:—■----.. "ben«. besitzenden Klassen suchten mit allen Mitteln dem vor «en, dag das arbeitende Volk, weli tloiiale Unterdrückung unter der J.ar Erkeiintniß seiner Klassenlage ' 5 endlich begriffen habt, daß geringer Lohn und vertch � Behandlung Euer ganz besonderes Erbtheil sei, ivan liinda"ahntausendc von Euch»ach anderen Gegenden Deutsch- -'n bar Hoffnung, bessere Lebensbedingungeii zu Voittttiunerles. ZltadtverordnetrN'Uer'saniiulung. Außerordentliche Sitzung vom Dien st ag, den SO. Dezember. Der Vorstehe, Stadtv. Dr. Stryck, eröffnet die Sitzung nach SV- Uhr. Er gedenkt in warmen Worten der großen Ver- dienste des verstorvoncii Edrenbärgers der Stadl, Heinrich Schliemann, sowie des Hinscheideus des Stadtv. Grabö und des früheren Stadtv. Reimann. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist der bekannte Antrag dnueruden ärztlichen Ueberwachung des Gesiindheitszustaiides der Gemeindeschüler zu beweisen. Tie� vorhandenen Organe reichen Gesundheitspflege in der Schule. Auch in den Verwaltungs- berichten des Wtagistrats suche man vergeblich danach. Nur»» «tiaisenhause seien solche Untersuchungeu angestellt worden. Blit , der Politik habe der Antrag natürlich nichts zu thun. Der Zweck Die>- rnv.'•*** foiiilTat � r VJUlAl f'------ �eitern Al»>pf Schuller an Schulter mit den deutschen . gif.- Achten und Siege mit ihnen zu feiern. i .'üsten« erwarten, daß Ihr in diescm Vorhaben uns nach "eten wordi und sür die Verbreituiig dieses Blattes ein- «iie» o,.— fit(f,r'terelfen z» vertheidigen,< Hr ein?. erringe», ist-s g-gr JtIUCZ.U»I» u pgy l�cnuic(Cl VltP ywvvvatniy................. yvimyw.» eine menschenwürdige Eii>leuz ö Wir tragen darin eine Hobe Verantwortung. Natür- _._ O- oi*. ßr Iii• � i /y......... w... n r i...*. f1 or.. i..t....._... HWMZWZE MMWWSM- so fn« Unterstutzt, ciitig leset und verbreitet. Thut Ihr dieses, � an nns nicht fehlen. � Hoch die Agitation sür Arbeiterrecht und Freiheit!" lBlot«1*" dem Aujrus» und dem Parteiprograinm enthält das in n. f." Leitartikel:„Was wollen die Sozialc-emokrate»?" der Zi«�Mulnrer Weise die Ziele uisserer Partei darlegt. Eine �toti-»..f'b�n Titel führt:„Wie geht es den Arbeitern?" enthält Uni) y" über tue Auswanderung der Landarbeiter, über Streiks . uge der Bergarbeiter. Weiter enthält unser jüngstes fteii»• polemische Notizen gegen die polnische Bourgeois- 'ioc otneit Bericht über die letzten Verhandlungen des Reichs- Ä, rootin Bebel'-» Rede übersetzt ist, endllch Rotizeii zur »»tpewegung. Hoffentlich stndet uuser neuer Mitkämpfer viele und tüchtige .""b arbeilet er kräjlig mit an der Emauzipalion stier poluischeu Br.,der.» s.jt.U"s-rer besten Wünsche und der thatkrästigsten Uuterstützimg l-v sei" boutsche» Genossen kann unser polnisches Bruderorgan K Apolda. Der llebcreifer der Behörden treibt auch in ii»,"'uigeii schöne Blllthe». Tie niedrigen, sich durch Gesetzes- Iis �'l'ui.ß auczeichiieiibeii Beamten suchen uoa> mehr zu leisten, . i>le böberen. Zur Jllustrirung dieser Verhältnisse können wir .b'« höheren. Zur Jllustrirung dieser... aus hiesiger Gegend einen Fall mitlheilen. Wir hallen in -'s l l e l st e d t, einem drei Stunden von hier entfernten Markt- t.yjstn mit 900 Einwohner», eine Bersaminlung einberufen. Die- i, Ze konnte nicht stattfinden, da dem Einberuser folgendes Schrift- « zugestellt wurde: Infolge Ihrer hierher gelangten Anmeldung„Abhaltung ecner Votlsversauimlung betr." wird Ihnen hiermit kund gegeben, daß hierzu die Erlaubniß nicht ertheill wird, da eine Gefahr sür die össeutliche Ordnung zu be- fürchte» steht. Buttelstedt, den 14. Dezember 1890. An Ter Gemeiudevorstaud Herrn Fr. Franz, Weise. hier. ein Zu bemerken ist dazu, daß dem Herrn Weise das Recht, �4i� st' �bl'ch�'"�cücn, gar nicht zusteht. Beschwerde wird Staat und der Stadt hierbei möglich wären. Zur Lösung der verantwortungsvollen Ausgabe der Stadt auf dicsem Gebiete sei die Errichtung eines Gesuudheitcrathes, oder wenn man so- weit noch nicht gehen wolle, die Ausdehnung der Kompetenz der bisherigen Organe nothwendig. Gerade für die Armen, die nichts besäßen, als ihre Arbeitskrast, sei diese Sorge erforderlich. Als einen der schwersten Uebelstäude empfände ja auch der Magistrat die Ueberfüllung der Schulräume. Die Schulräume müssen hygienisch untersucht werden. Stellten sich Fehler heran?, so würde geiviß gern Jeder die Mittel be- willige», sie zu beseitigen. Klagen kamen aus den Gemeinde- schule». In einer Schule sei die Luftheizung so mangelhast, daß der Ruß ivie Schnee niedergefallen sei. Trotz aller Gesuche sei keine Abhilfe getroffen worden. Redner ist bereit, den Nainen der betreyeiideu Genieindeschnle zu nennen, wenn ihm vom Magistratstisch die Versicherung gegeben wird, daß der Lehrer, von tem die Mittheilung au. geht, nicht von der Be förderung ausgeschlossen werde. Gewiß sei die Unter- snchung schwierig. Gewiß trage an den Krankheiten der Genieiudeschaler ihre schlechte Ernährnng die Hauptschuld, und auch da werde an die Gemeinde die Frage herantrete», ob sie hier nicht eingreisen solle. Paris gebe nur für tu gieuische Unter- suchungen in der Schule ISO 000 Fr., Wien ebensails eine be- deutende Summe, Berlin leider gar nichts aus. Redner bittet feine» Antrag anzunehmen. Stadtv. Langcrhans beantragt in Erwägung, daß dringliche Gründe iür den Antrag jetzt nicht vorliege» und die Wohlfahrtspolizei besser im Ganzen als stückweise zu ordnen ist, Uebergniig zur Tagesordnung. Sadtv. S p i n o l a beantragt einfachen Uebergang zur Tagesordnung. Sladlschulrath Bertram erklärt, daß die Schulverwaltnng Rathschläge von jeder Seite gern entgegennimint. Eine besondere Veranlassung zu diesem Antrage läge gerade jetzt nicht vor..Denn die Gesnndhcitszustände seien gerade in diesem Winter sehr günstige in den Schulen. Es sei schon sehr viel gethan für die Verbesserung der Schulen. Tie Räume seien groß und lustig; die Luit in der Sckule besser als in den Privat, vohnungen. Zur hygienischen Untersuchung seien Aerzte nicht erforderlich, die könuten Lehrer und Verwaltungsbeamle ebenso gut besorgen. Es bestehe allerdings die Bestimmung, daß die Lehrer über die Vor- gange in der Schule nach außen hin nichts mitzntheilen hätten. Man dürfe nicht aus der Schule plaudern. Beschwerden würde» zuständigen Orts gewissenhaft gew" und erledigt. Tie Kosten ''-e formelle für Anstellung von Schulärzten würden jährlich wenigste> 100 000 M. betrage». Die einmalige Untersuchung aller Schulkind- ivürde wenigstens 30 000 M. kosten. Eine wesentlic' Förderung des Gesundheitszustandes in den Schulen sei hierdw nicht zu erivarten. Tie Knaben und Mädchen der Berliner nieindeschule sähen im Allgemeinen sehr gesund aus. Die ineindeschulen würden auch nicht nur von armen Kinder sondern von Kindern aus allen Kreisen der Bevölkerung besuch Stadtv. S p i n o l a begründet seinen Antrag auf Uebergan zur einfachen Tagesordnung. Die 1100 Aerzte Berlins würdc nicht ausreichen, um die Untersuchung aller Kinder auszusühre Schließlich käme man»och zur Behandlung kranker Gemeind schüler auf Kosten der Gemeinde. Zudem schwebten gerade jetz Verhandlimgen ernster Natur(Schulkouserenz) über diesen Gegc stand zwischen Stadt und Staat. Stadtv. Langerhans widerspricht dem Antrag ans Ueb gang zur einfachen Tagesordnung. Die Angelegenheit sei wichüj genug, um ausführlich erörtert und dann unter Annahme ein- molivirteil Tagesordnung z. Z. zurückgewiesen zu werden. Stadtv. Stadthagen widerlegt die Ausführungen Spinol- und Bertrams. Ten Namen deS Lehrers werde er nicht nennc nachdem die Zusicherung vom Magistratstische ausgeblieben' Wenn Sie de» Uebergang zur cinsacheu oder motivirten Tage ordnung annehmen, wundern Sie sich dann nicht, wenn 4 Bevölkerung sagt: lieber diese Herren gehen auch wir zur Taxe ordnung über.(Große Unruhe.)' Ueder den Antrag aus Uebergang zur Tagesordnung i namentlich abgestimmt. Niit Ja stimmen: Beelitz, Bergm Bösche, Borstell, Bulle, Tcgiueyer, Francke, Fürst, Gehrke, Gerstenberg, Heger, Haß, Heilborn, Heilmann, Heller, Herin Jordan, Kleefeld, Li wann, Liebermann, Loebel, Lucae, L' Mentel, Michelet, Mießner, Namslau, Naß, Nicolai, Reiche Reiß, Rößler, Salge, Schein, Schweger, Siebmann, Sp' Stryck, Steigert, Wieck und Winckler. Der Antrag wird mit 41 Ja gegen 53 Nein abgelc Nimmehr ivird nach einer längeren Geschäftsordnunt in welcher die Ctadtvv, Singer und Stadthager schästsordnungsmäßige Zulässigkeit der folgenden Verha bestritten, in die Verhandlung des Antrages Langerhan motivirte Tagesordnung eingetreten. Stadtv. Langerhans hält dafür, daß dringliche Gr ür den Antrag nicht vorhanden sind, der außerdem viel zu n gehend sei. Sein berechtigter Kern könne erst später bei Regelung der gesamurten Wohlfahrtspolizei erfüllt werden. Ein Schlußantrag wird angenommen. Zur Geschäftsordnung machen Stadtvv. Stadt und Singer darauf aufmerksam, daß eine Debatte Antrag Laugerhans gar nicht stattgefunden hat. Außerd. langt Stadtv. Singer als Mitautragsteller das Schlußw Ter Vorsteher verweigert dem Stadtv. Singer das t wort. Das Schlnßivort komme höchstens dem Stadtv. Lanj zu, der auf das Schlnßivort verzichte. Stadtv. Singer findet, daß es einen etwas komisch druck macht, wenn der Stadtv. Laiigerhaus auf das Sch zu einem Antrage verzichtet, den er nicht gestellt hat.< lvänsckienswerth, wenn die Geschäftsordnnng etwas weni persönlichen Empfindungen gehandhabt würde. Der Vorsteher bestreitet das letztere., Stadtv. Friedemann ist gleichfalls der � Stadtv. Singer das Schlußwort gebühre.' � Auch Stadtv. Meyer I erkennt die gung an. Die Debatte endet damit, daß Stadtv. Singer das wort erhält. Stadtv. Singer behält sich vor, gelegentlich aus zusetzen, welche Ansprüche eine Minorität auf eine Fährung der Geschäftsordnung erhebt. Der Antrag L> aus motivirte Tagesordnung ivolle den Pelz waschen, naß zu machen. Der Antrag Stadthagen sei durchaus er zeige den Weg zur Besserung der Verhältnisse, f verordnete Laugerhans habe in eine ruhige Debatte t standpuukt getragen mit dem bekannte» flammende gegen die Beschränkung der„Bürgerfreiheit" durch de, mns. Stelle man doch einmal fest,>vie der geruhmi heitSzustand der Schulkinder wirklich beschaffen ist. 9 fürchte man sich. Wäre freilich der Antrag vi< gliede der sreisinnigen Majorität gestellt J wäre er aufgenommen woroen, uuv er t posaunt worden sein als ei» weiterer B-- v geheuren Fürsorge der liberalen Majorität für c völkerung. Wozu habe» wir denn eine Deputat,- öffentliche Gesundheitsivesen? Monatelang kommt w sannncn. Hier liegt eine große und schöne Ausgabe begreifen aber den Geist nicht, welcher jetzt die Meuse.. zieht.(Unruhe.) Die Stelle, vor der Sie in Ehrs' sterben gewohnt sind, der deutsche Kaiser, hat in- Schulreden ein Wort gesagt, das Sie sich znrRich sollten.(Lachen.) Er sagte:„Man muß heute b die Hand nehme», wozu die Gesellschajt sonst in gezivungen werden würde." Dieses Dort teugt ligen sozialen Berständniß, von einem richtiger« es die liberale Majorität dieser Versammlung Unruhe.) Ich habe zu dem Bürgerfinn selbst die das Vertrauen, daß sie den'Antrag einer Komm- wird.(Große Unruhe.) Vorsteher Stadtv. Stryck: Der Stadtveen lcidigt sortgesetzt die Versammlung; ich tust Ordmn'g. Tie Debatte wird geschlossen. Persönlich meint Stadtv. Stadthagen Meyer I habe gemeint, er(Redner) habe die seiner Rede ermüdet. Herr Meyer solle doch> nicht so übel denken. Die Sckluunnerzeit sei, in der der Herr keinen Uebersluß von Mangel. lungen zu begehen in der Lage sei. In namentlicher Abscinunung wird motivirte Tagesordnung mit 74 ge. uonunen. Der Antrag S t a d t h a g e n ist damit Es folgt die Berichterstattung über di Ankauf eines Grundstückes in der S t e p h Gemeindeschule. Ter Ausschuß eiupfichlt d stnckes sür den Preis von 1000 Mark Ferner ersucht er, über den Ankauf eines Griu liraße(hier kostet die Quadratrnhe 800 s bald eine Vorlage zugehen zu lassen. Stadtv. P r e tz e l bittet d'.n ersten antrages abzulehnen. Vor ei-. igen Jahr mit 6u M. für die Quadratruthe verkauf Die Versamuilung genehmigt den Ai. Eine Reihe Vorlagen wird von der F In Sacken der Vergebung des öfst beantragt Magistrat zur Vorberathuug m eingegangenen Gebote der Zuschlag zu erth einer gemischten Deputation. de- 14 % Venu»"» ftWief"'' _ uj i e t ist wider die Versainnilung K'- i.rkluritng seiner Wahl zum Stadtverordneten . der Privatier Hichn Häuser gleichfalls wegen Giltigkeits- ' de üchthl de- Oberlehrers Müller zum Stadtverordneten >.r geworden � rs wird b ichf n dem Stadtv. Meyer I die Vertretung c Versamvllung?u überlassen. Damii ist die Tag Ordnung erschöpft.' Schind H'- Uor. � &» folgt eine nicht öffentliche Sitzung. Z70sKQl05». Kirche n»d Koziatdemollratic. Dem Kampfe gegen die »zialdenwkratie mit„ge igen" Waffen hat sich bekanntermaßen ich ein Kampf mit„gel ichen" Waffen beigesellt. Die Herren Kastoren, fffarrer und wie dte wackeren Kämpen der geistlichen Armee sonst noch titnlirt werde» mögen, ziehen mit Wort und Schrift � gegen die Sozialdemokratie zu Felde und nehmen dabei den Mund womöglich noch voller— von Schmähungen, als die Ritter der en. So läßt zur Jahreswende z. B. der �.Evangrlifch-Klrchliche Anzeiger", der von dein streitbaren Prediger Hülle im Aas trage des evangelischen Vereins heraus- . en und rediglrt wird, als Neujahrsgriiff einen Unkenruf er- schaüea. welcher das S-er.iältniß der Kirche zur Sozialdemokratie i eruandlicher Weises beleuchtet. So wird t» der Neu- 'ch/csbet'.achtung unter anderem gesagt:„... Denn die Nöthe dieser ffeit sind so g.ojj und schwer, wie sie nur je dal Volk Gottes bedrängt haben, Furchtbar thun sich )ie Mächte des Abg.anlec auf, die alles Geordnete und Ge- «eiligte in fiaatltqcii, irchlichen und gesellschaftlichen Verhält- illen umzustürzen drohen. Frecher als je erhebt der Unglaube aas Haupt, oer nicht- will gelten lassen, als was man mit den d.-ndv.» betasten, mit irdisc en Sinnen wahrnehme» kann. Die zä.- Gier na> sinnliche. Lesricdigung und dem vollkommenen aus dieser Erdi wendet die Herzen ab von der Hoffnung die zukünftige Welt. Dreiste Bolksverführer reißen die ver- ndeten Massen sich nach und streuen die Saat der Empörung «uset Volk der Kirche und ihrer Verkündigung zu ent- »den ist ihr erstes und dringendes Geschäft. Unzuiriedenheit weltlichen Sinn, Unglauben und Auflehnung wider die .nche Wahrheit hat es wohl immer gegeben und mit fcrten Feinden der ihr anvertrauten Heilswahrheit ie Kirche Christi von je zu streiten gehabt, seitdem ihr gött- cr seinen Jüngern, als er von ihnen zu scheiden im war, gesagt hat:„Die Welt wird sich freuen, ihr aber traurig sein." Aber eine Erscheinung wie die Sozial- .atie dicker Tage hat an Furchtbarkeil und zerstörender .mg in keinem der früüeren Zeitalter ihres Gleichen. Wie ommt ihr zu Hilfe! Gerade die großen Fortschritte, die «re Znt in aller wil'.!, schaftlichen Thätigkeit erreicht hat, die jsauuultwg gewaltiger Arbeitcrmassen an einzelnen Mittel- der G.i.'ercrjeiiJUug, die Erleichterung der Gedanken- �HV' Ng durch die v(»■!>, die Verbesserung der Transport- . llcs das erhöhl die Gefahr. Eine auf falsche Wege w Wissenschaft, die das Himmlische verschmäht und sich an üsche unUalnniert, schwächt die Lkraft, den verderblichen a.ru entgege, i c�eten. So viele bemühen sich, Träume «dis ben Paradiesen auszumalen und durch haltlose Phan- iea d,e Kopse der Menschen zu verwirren, weil ihnen der e und die Hoffnung auf die ewigen Güter des zukünftigen verloren gegangen ist. Von der furchtbaren Macht der weiß dies Geschlecht nichts; sie bringt man nicht in An- wenn man seine Kartenhäuser baut. Man glaubt, die ich... VerhäUmhe bessern zu können, ohne die Menschen wn; man sucht den Menschen äußere Befriedigung zu ohne sie anzuleiten, den Frieden der Seele zu suchen." darau vernr der Sozialdemokratie ein- zu erkennbar die eigene berechnet ächen und r•.i>£amc!.:.a:io„wn, die nur >.gen Christen eine Gänsehaut� zu eillofen Schrecken vor 5 verbirgt sich nur WW or derselben, die Erkenntniß von der Macht der . rauschen Ideen, so c von dem steten Wachsthuin der mwkratie, verbirgt sich nur zu deutlich das Bewußtsein dem Wachsthum der Sozialdemokratie gleichen Schritt : Verminderung der kirchlichen Macht und des Ein- ■x C t ichkeit. Und alle Slnstrengnngen, die erlittene an ca. a und! änilnß wieder zu gewinnen oder auch llere Einbuße zu r rhindern, werden vergebliche sein, te' et die„geiu en Waffen", mit denen die Kirche ffrmokraii? zu drknu.n en gedenkt, so ist leicht ersichtlich, ; E.'»''T7:w.-itit nicht gefährlich zu werden ver- ' dcr-„ge.ogene". r'k.uljahrsbelrachtung des„E. K. A." Xnlich weiter: ff Da».PvongSges.a. zen dieSozialdemokratie ist im ver- . 5« weg- ü m. Um so eifriger gilt es, ihr mit >v■ a zu wii ehsn. Der Staat hat ein großartiges 0;.".s eizgebnna.«,«g, nnen, tun den arbeitenden Klassen Kaiynärden,( e s lädigungin Unglücksfällen, Unter- i. den Jahren der astr aeitsunsähigkeit und ves Alters zu raffen. Jed-r ernste Christ wird diesem Werke den sten Segen wünschen: aber das Ziel, die Unzufriedenen »er bestehenden stcaaung ansz.>söhnen, kann allein .) staalliä e Mo'- gel» gar nicht oder nur in be- 'nkt»m baaüe errzicht wcroen. Der Anlaß zum Neiv H'>! ge.' a die in besserer Lage Befindlichen wird o iciben, und die wilde Begier wird sich wie. i: vor. de». Verführern aufhetzen lassen er WohKyaten und Erleichterungen, die der spei-.dta vermag. Gründliche Abhilfe findet in der inneren Umstimmung der Gemüther. , scheu wüsten in den vorhandenen Lebens- n wieder Gottes Gesetz und Willen erkennen ff« u.iisscn die ei cene Pflicht und Verantwortlich- igen« Schuld uno Sünde ins Auge zu fassen an- vden, statt immer nur ihr eigenes Recht und :uch, dagegen Zauderer Leute Unrecht und BoS- ie Ungerechtigkeit der vorhandenen Ordnungen Eine solche lli tstimnnnig kann nur die Kirche irch die Predigt des Evangelinms. Und diese »ttlich der Berns und das Amt der Kirchs. Die lg der Botschaft von der gekreuzigten Liebe, sie mg es. tndem sie den Geist brüderlicher Liebe zu jt üuD Bedrängten in der Nachfolge Christi pflegt t. das Band christlicher Gemeinschaft zwischen d Niederen zu stärken und zu festigen, die Ver- in dt» Gen»! iM-i zu lindern und dem ifen des Geistes trotziger Widerspenstigkeit zn - kau» die Kircl- praktisch eingreifen in die w- der Gegenwart, und in diesem e auch von Jahr zu Jahr mit ge- tSruck ihr Werk treiben. Aber sie muß sich ivr Angen halte», daß die Kirche Christi Kn welllicher Zwecke und nicht berufen ist, tische Fragen von sich aus zu lösen oder der Klaffen und Parteien um Hab und t und Herrschaft sich einzumischen. Dazu en' göttlichen Herrn den Auftrag nicht er- Ire s e in diesem Sinne praktisch werden, rr b e sres dahingeben: die Ablenkung der i. ischen Tingen und die Erziehung für ............ wirken, wie ihr der Austrag „emokratie in ihrem Siegeslaufe hält die W«tt Wvihunchtvbrfcheeruugs-Cpilog. In einer hiesigen Zeitung lesen wir die folgende geschäftliche Notiz:„Am Weih- lachts-Heiligeuabend sah man vor dem Hanse Friedrichsir. 244 eine recht interessante Szene. Ter Inhaber der dekauuten Firma „Der seine Reisner" beschenkte 25 arme Knaben im Alter von 4 bis 10 Jahren mit schönen Winterpaletots, warmen Mützen, hierzu eine Trompete und Fahne mit den: Bilde unseres Kaisers. Gegen bSa Uhr sah man die kleine Truppe mit deren Angehörigen in heiterster Feststimmnng unter Trompctenschall abziehen. Da? heitere BUS erregte noch lange in der Friedrichstraße die Auf- merksawkeit des PnblikmnS." Fromme Blätter vom Schlage des Stöcker'schen„Volk" und des„Reichsboten" werden sich gar gewaltig darüber entrüsten, daß hier„ein echt christliches Fest" durch Ausbeutung zn geschäftlichen� Zwecken„entweiht" wird. Wenn man naher zusieht, findet man freilich, daß sich der„seine Reisner" von den anderen Ver- anstaltcrn von Weihnachtsbeschcerungen für arme Kinder kaum unterscheidet. Der„feine Reisner" thut's im Interesse seines Ge- schästes, der„fromme Stöcker" und Konsorten thun es im Interesse der Kirche und ihrer Partei. Der einzige Unterschied ist, daß der ,scine Reisner" so ehrlich ist, seinewahreAbsichtdurchVerösfentlichung der obigen Rcilameuotiz vor aller Well einzugestehen, während die anderen„Menschenfreunde" die Ansprachen, Danksagungen lind Velobignngeit während deS Beschecrnngsaktes in christlicher Teinüth über sich ergehen lassen. Und damit zmn Schluß die Reklamcnotiz nicht fehle,— auch darin thun sie es dem„feinen Reisner" gleich— bringt die bürgerliche Presse am ander» Tage zur Erbauung für angenvcrdrel?ende Betbrüder und Klatschleuten spaltenlange Berichte über die„interessanten Szenen", das „heitere Bild," die„heiterste Feststimmnng" u. s. w.— ganz wie der„feine Reisner". Wenn solche Reihnachtsbescheerungen für arme Kinder von der Bourgeoisie ausgehen, so kann man sicher sein, daß sie nicht um der armen Kinder, sondern nur um der„Geber" willen veranstaltet werden. Tos verräth schon die äußere Form, in welcher sich diese Schaustellungen abspielen. Im Verein „Bismarck", Ivo Stöcker übrigens eine unglanblich kindische „Festrede" hielt, wurden die armen Kinder nummenlweise an ihre Plätze geführt, während die begleitenden Mütter in barschem Tone zurückgewiesen und in einem Winkel des Saales geschoben wurden, von wo ans sie während des ganzen Aktes stehend zu- sehen durften. Vor ihnen standen drei Reihen Stühle, ans denen fein gekleidete Frauen, Mädchen und Kinder Platz genommen haben, um für ihr beigesteuertes Geld ein Vergnügen zu genießen, das wegen seiner Seltenheit auf die Bourgeoisie noch einigen Eindruck macht. Wenn die „Verl. Börsen-Zeitnng" wieder einmal gegen eine unserer Be- trachtungen über die Weihnachtsbescheernngen zu poleinisiren gedenkt, dann wird sie gut thun, sich vorher eine solche Komödie einmal selbst mitanzusehen. Nebenbei könnte ihr eine Aus- srischung ihrer Verstandeskräfte nichts schaden. Das scharfsinnige Blatt hat aus unserer Betrachtung die Behauptung herausgelesen, die Weihnachtsbeschcerungen für Arme seien ins Leben ge- gerufen worden, um als Kampsmittel gegen die Sozial- demokratie zu dienen. Selbstverständlich weiß jedes Kind, daß die Beschccrungcn für Arme länger bestehen, als die Sozialdemo- kratie und ursprünglich auch aus wirklichem Wohlthätigkeitsfinn hervorgegangen sind. Tie Ausbeutung dieser Sitte zn Agitationszivecken ist erst der neuesten Zeit vorbehalten geblieben und ist vielleicht noch nie so nnverhüllt hervorgetreten, wie gerade in diesem Jahre. Es wird ja jetzt so manches„reformirt", lim zur Bekämpfung der Sozialdemokratie zu dienen. Warum sollten da die Weihnachtsbescheernngen zurückbleiben? Vielleicht geht man im nächsten Jahre noch einen. Schritt weiter und läßt, um die„Ausmerksamkeit des Publikums" zu erregen, die„interessanten Szenen" und„heiteren Bilder" sich direkt auf der Straße ab- spielen,— ganz wie der„feine Reisner." Aus der Kerliner Geschichte de« Jahres 1890. II. Der Monat Juni begann rauh und kalt und rief vielfach die Sehnsucht nach geheizten Oesen wach. Auch dieser Monat hatte sein Familiendrama, mit welchem er sich einführte: am I. wurde die, Zimmerstraße LS wohnhafte Waschfrau Schulz von ihrer eigenen Tochter durch einen Beilhieb über den Kopf ver- letzt. Auch ein gewaltiger Brand wüthete am ersten Tage des Monats und äscherte das Kgl. Proviantmagazin in der Alexander- straße ein.— Eine weitere Blutthat ereignete sich am 8. Juni in der Namitinsiraße, wo der Schlosser Demsky den Metall- schlciser HUdebrand durch einen Messerstich in den Hals tödtcte. Der Unhold wurde später zu 6 Jahren Zuchthaus vcrurtheilt. — Ein an die Abrnzzen erinnernder Raubanfall wurde am 9. an einem Pferdebahnschaffner ausgeübt: zwei Strolche sprangen in der Nähe des städtischen Krankenhauses auf das Trittbrett des Wagens und suchten dem Schaffner die Geldtasche zn entreißen, >vnS ihnen jedoch nicht gelang.— Tie große Pulverexplosion, welche am 13. in der Pulverfabrik zu Spandau stattfand, alarnnrte auch die nördlichen und nordwestlichen Stadttheile Berlins und machte sich durch heftige Erschütterungen der Häuser bemerkbar.— Am 14. Juni brach das Gebäude der neuen Reparatur- Werkstatt am Bahnhof Stralali-Rnminelsburg plötzlich zusammen, ohne glücklicher Weise Unfälle für Menschen zu verursachen.— Am 16. Juni hatte die Lokalchronik wiederum einen Mord- und Selbstmord zu verzeichnen: in dem Hause Weinbergsweg 7 tödtete der Kaufmann Neyser seine Geliebte, die Iran Feierabend, und erschoß sich dann selbst.— Am 17. Juni sollte das Schauspiel einer partiellen S o n n e n f i n st e r n i ß vor sich gehen. Frau Sonne verhüllte sich aber verschämt durch Wolkenschleier und Dunstvorhänge.— Am 21. Juni waren die Geschworenen ain Landgericht II wieder einmal in der Lage, ein Todesurtheil aus- sprechen zu müssen und zwar über den Raubmörder Klan sin, welcher die cheverlassene Henriette Baneß und deren 75 jährige Mntter am 14. September 1889 hingemordet hatte. Am 14. Juli, dem ersten Tage einer neuen Woche, fand in Strafgesängniß zu Plötzensee die Hinrichtung des Raubmörders Dienftknechts Kunisch durch den Scharsrichter Rcindel statt.— Am 18. ereignete sich ans dem Kunersdorfcr Schießplatz durch das Platzen einer Granate daS schreckliche Unglück, wobei ein Mann getödtet und 7 Mann schwer verwundet wurden.— Tie Mordschronik wurde am 19. durch den geheimnißvollen Mord im Thiergarten bereichert, welchem die Postschaffnersfran Wende zum Opfer siel. Der Fall gehört zu den nicht auf- geklärten.— Ende Juli verschwanv ein altbekanntes Stuck Berliner Sittengeschichte, das„ O r p h e n m" von der Bildfläche; es hatte seine letzten Seufzer ausgehaucht und sein gesammtes Inventar wurde versteigert. Der August schien durch übergroße Hitze die Kälte des Monats Juni wieder wctr machen zu, vollen: Zahlreiche Hitz- schlage beschäftigten Krankenhäuser und Sanitätswachen.— Etner wahren Unglückschronik glich in diesen Tagen der Polizei- bericht, welcher in ununterbrochener Zicihcnfolge tagtäglich neue Hiobsposten brachte.— Das Erschießen eines Menschen durch einen Wachtposten ans dem Uebungsplatz der Pioniere beschäftigte die Bürgerschaft in hohem Grade.— Eine entsetzliche Bluttyat war aus dem Hause Rathenowerstr. 32 zn melden: Der Malermeister Schiller erschlug fast seine 7jährlge Tochter mittelst eines Beiles.— Von der„Aufklärung" am Ende des 19. Jahrhunderts legte der nnglauvliche Vorfall Zeugniß ab, welcher sich am 20. in der 137. Gemeindeschule ereignete. Der „S p u k", welcher dort die Kinder in wilde Flucht trieb, blieb leider nicht vereinzelt.— Kein Sonntag im Monat August ver- ging ohne Unglücksfälle auf dem Wasser, fast keine Woche ohne Parforce-Kunstsrücke der Berliner Spitzbuben. Einer der beben- tendsten Diebstähle war der, welcher am Sonntag, 24. August, Abends, in der vierten Etage des S e d I m e y e r' s ch e n Hauses in der Friedrichstraße verüvt wurde und den Einbrechern eine Betete von>»«yinnn M eintrug.— Am 30. August ereignete sich auf Station F.iedenau ein ernster Eisenbahnunfau, bei welchem der Lokomotivführer sein Leben verlor, während drei Personen schwer verletzt wurden,— Mit einem Toppel- selbstmsrd eines Ltesespaares m vir Reutzeubergerst der Monat ab. I In uunnterbrocheuer Kette forderte der Wassersport im Monei September seine Opfer.— Ein Liebespaar endete wieder� .......... MW|...................... Lokomotive eingetroffenen Dresdener Schnellzuges überfuhr den abschließend« Prellbvck und fuhr mit voller Gewalt ans den Bahnsteig htm* — Am 14. wurde der Gras Kleist verhaftet und seine RowN thäten erregten mit Recht Aussehen und Empörung in weites« Kreisen.— Nach monatelangein Wehklagen über die Fleisch t h e n e r n n g, welche von den Berliner Hansfrauen gesuhl wurden, trafen am 16. September die ersten B a k o n i e r wiedl ans dem Zentral-Biehhof ein. Das Fleisch aber wurde»* biNiger.— Am 19. September ereignete sich das furchtbar Brandunglück im Hause Fried r ich st raße Iff4 welches unter so entsetzlichen Umständen vier junge Menschenle* als Opfer forderte und weiterhin zu so lebhaften Debatten üb> unsere Feuerwehr Veranlassung gab.— Die Selbstmord unter den„Edelste n" lnehrten sich in erschreckender Weist am 18. erschoß sich ein Frhr. V.Schleinitz in einem Hotel, o' 19. folgte ihm der Graf Schau m bürg, welcher sich in der WM nung feiner Geliebten mit einem Revolver erschoß.— Demsnrchtbari Brandunglück in der Friedrichstraße folgte am 21. ein ebenso eib sehliches in der Neuen Ho ch st r. 42, Ivo zehn Personen, d« Theilnehmer an einer fröhlichen Hochzeitsfeier, durch die Expb sion einer Petroleumlampe schwer zu Schaden kamen.— Di* das Revolverattentat des wahnsinnigen Schlossergesellen M» Görisch wurde an demselben Tage der Schlächtermeister Em> R o h r b e ck schwer verletzt, während sich der Attentäter selb! entleibte.— Am 80. September nahm Berlin Abschied vo> Sozialistengesetz. � �„ Der Oktober begann wieder mit dem üblichen Mord-»>' Selbstmordversuch, diesmal im Thiergarten. Gegen diese eptdt mische Selbsiinordsucht waren selbst die Gebetsübungen cc- Heilsarmee, welche diese in der großen„Selbstverleugnung'-' woche" anstellte, erfolglos.— Ein riesiges Feuer, hervorgeruft durch eine Gasexplosion, wüthete am 2. Oktober in dem Ha« Neuer Markt 2 und nahm die ganze Thatkraft der Feuerwehr>» Anspruch.— Am 8. Oktober wurde durch die Polizei wieder est Mord gemeldet. Im Hause Grüner Weg 86 erschoß e» übel berüchtigter Mensch Namens Kuchler seine Geliebte. „Unglückliche Liebe" verursachte am 13. wiederum einen Mor- und Selbstmord, welchen ein Berliner Student und seine Gelieou in einem Charlottenburger Hotel zum Opfer siel.— Einen Schre des Entsetzens verursachte am 17. Oktober die ungeheuerlich Blutthat des Zimmermeisters Wilhelm S ch a a f, welcher sei* Frau und 5 Kinder geradezu abschlachtete. Die Gräuelthat h« 5 Menschenleben gekostet und nur das jüngste Töchterchen ds» Mörders ist seinem Geschick entgangen.— Der Winter gab diesem Monat bereits seine Visitenkarte ab. In der Nacht zt* 21. Oktober setzte es in Berlin das erste Eis und den ersten Schnee.— Am 23. setzte abermals ein dreifacher G i s l m o r d die Stadt in Alarm. Der in der Jahnstraße 1 wohis hafte frühere Oekonom Gast versuchte seine 5 Kinder mit QU! zu tödten und vergiftete sich selbst. Drei der Kinder, sowie d« Vater selbst starben, zwei Kinder wurden gerettet. 4F „T h e a t e r z e n s u r" sorgte am 22. Oktober durch das Verb« der Erstaufführung von Sudermann's„Sodom's Ende" für hinläng lichen Stoff zur öffentlichen Diskussion. Dem Stücke selbst, welch« später freigegeben wurde, that dieser Zwischenfall keinen Abbruch. In den letzten Tagen des Oktobers befand sich Berlin indem Stadium der denkbar größten Aufregung: in alle Welt wurde von h* aus die Kunde getragen, daß es dem Geh. Rath Koch gclun# sei, das Problem der Heilbarkeit der Tuberkulose zu lösen. Bert» wurde mit einem Schlage das Wallfahrtsziel für zahllose Aerz« aus aller Herren Ländern.— Der Monat November schloß rnP einem großen Feuerwerk: am letzten Tage wüthete e« Speicherb r and von ungeheurer Ausdehnung auf beul Grün* stücke der Allgemeinen deutschen Handelsgesellschaft, N«»' Friedrichstr. 47. Die erste Woche des November war vollständia au»i füllt mit den Betrachtungen über die Großthat Robert.. lind seitdem die erste Veröffentlichung desselben über seine E*' deckung in der„D. med. Wochenschr." erschien, strömte eine gauj Armee von Aerzten nach Berlin.— Große Ueberraschung v für Zuchtkaninchen statt.— Am 20. beschlossen die Stadt verordneten, Herrn Prof. Koch zum Ehrenbürger vo' Berlin zn ernennen und denselben zn tveiteren Versuchen d> entsprechenden Räume zur Verfügung zu stellen.— Der Proz« des Grafen Kleist, welcher am 21. November stattfand, ende» mit der Verurtheilung deS wegen so unrühmlicher Thaten Aug« klagten zu 1 Jahr 3 Monaten Gesänguiß.— Am 24. Novemvc begannen im Schwnrgerichts-Saal zu Moabit die Verhandlung« gegen die wegen des Köpnicker Kraivalls Angeklagt* von denen ein Theil mit furchtbar schweren Strafen belegt wurde Die Schlußsitzung am 23. November dauerte bis 4 Uhr Morgen- — In der Nacht zum 27. wurde gegen deil Schankwirth Nagel Grütter Weg 92, durch den Tischlerlehrling Schmidt* Mord- und Beraubungsversuch verübt, der Thäter aber ftr genommen. Der l e tz t e M o n a t im Jahre, welcher sich durch eine«'« versprechende Kälte einführte, war glücklicher Weise auf triiw nalistischem Gebiet: nicht reich an großen Ereignissen.—-« 1. Dezember stand Berlin unter dem Zeichen der Zäh karte, welche die Thatsache enthüllte, daß die Hauptstadt b« deutsch?» Reiches bis aus 1 074 485 Einwohner angewachsen ff — Am 4. Dezember drang abermals die Kunde vou ein* Morde und Selbstmorde ans der Gegend des Wedding 1 die Stadt. Ter in der Straße V wohnende Renti« L i s ch e w s k y hatte sein Dienstmädchen, mit welchem er inti« Beziehungen unterhielt, mittelst eines Hammers erschlagen und F selbst erschossen.— Auf dem Grundstück Schiffbanerdainm Nr. 9 tvüthete am 10. Morgens ein verheerendes S ch a d en f eli e� bei welchem wieder einmal ein Menschenleben zu Grunde g* und drei Personen schwer verletzt wurden.— Am 10. schössen ff Thiergarten zwei Kutscher gegenseitig auf sich. Beide sind ihr* Verletzungen erlegen.— Am 11. entstand die Buden stadl welche noch mehr, als die glänzend erleuchteten Verkaufsläoen d« Berlinern verkündete, daß das Weihnachtsfest nahe.— Die Fei* tage verliefen den Berlinern ruhig und ohne aufregende Ziuisch* fälle. Kurz nach dem Feste verlor die Stadt in der Person d« Dr. H e i n r. S ch l i e m a n n einen ihrer wenigen Ehrenbürg* — Am Jahresschlüsse reiben sich die Kürschner und die Kohlen Händler vergnügt die Hände. Das Thermoineier hat den toll« Einfall, auf 18" Kälte herabzugehe» und die Berliner habeil d* halb eine passende Entschuldlgnng, wenn sie sich in der Sylvest*' nacht etwas zu sehr„einheizen" sollten.- Welche» ist die längste Straße in Kerli«? Die„Voß Ztg.", welche von einem Leser um die Beantwortung der Fral angegangen worden ist. ob die Limenstvoß? länger a'? b Frcedrichstraße sei, giebt hierüber folgend« Auskuust: Die Lim* straße hat mit khreu 272 unmmerirten Grundstücken, einschliebU der Eckhäuser nur eine Lauge von 2200 Metern; die Friedrich straße dagegen init ihren 286 Häusern eine solche von 3040 Meter '|t mithin 840 Meter langer. Die litugste Straße Berlins ist da gegen die Mnllerstraße, denn sie mit ihren nur 257 Grundstücken hat 3040 Meter, ist also 000 Meter länger als die Friedrich strahe. Als zmeitlängsle folgt die Schöichauser Allee mit 3180 Metern, während als vierte(nach der Fricdrichstraße) die Potsdamerstraßc mit 2450 Meter und demnächst erst die Linien straße mit einer minderen Länge von 250 Metern rangirt. zlmfanarcicho Zpve»gavl>ritc» sind vorgestern am Miihlendaml» vorgenommen worden. Unter der Leitung eines Lieutenants legten 2 Unteroffiziere und 20 Mann von der Eisen bahnbrigade die Minen, durch welche die drei Widerlager der beiden alten kleinen Gerinne an den Dammühlen beseitigt werden sollten. Das Einfügen der Bohrlöcher, welche eine Tiefe von 1,25 Meter erforderten, sowie die übrigen Vorarbeiten nahmen die Mannschaften von den ersten Morgenstunden ab in Anspruch. Bald nach 4 Uhr wurde die Brücke durch Polizeiinannschasten und Soldaten abgesperrt und 20 Minuten später erfolgte die Sprengung, für welche Roborit benutzt wurde. In den nächsten Tagen wird eine neue Sprengung vorgenommen werden. Aus Spandan vom vorgestrigen Tage berichtet der„Anj. d. Havel!."; Die grimmige Kälte hat heute den Betrieb in der Geivehrfabrik gestört. Als die Arbeiter sich Morgens in der Fabrik einfanden, wurde ihnen»ntgcthcilt, dap die Maschine nicht in Gang gesetzt werden konnte, weil infolge der Külte der Hessel„eingefroren" war. Für die von Berlin gekommenen Arbeiter waren aus Veranlassung der Direktion der Geivehrfabrik Züge zur Rückfahrt bereit gestellt. Zlir Mrihnachtsfeiev und Kinderbescheernng d e Freien Vereinigung der Zimmerer Berlins fand am 2. Weihnachtötage statt. Die bescheidenen Saalräunilichkeiten des Genossen Wilke in der Hochstraße waren kaum wieder- zuerkennen unter der reichen Dekoration, welche die Zimmerer hatten herstellen lassen; die Wände waren roth drapirt und mit de», mit prachtvollen Nahmen versehenen Bildnissen unserer Vor kämpfer, wie Marx, Lassalle, Hasenclever und vielen anderen ge- schmückt, sowie niil zahlreichen, auf rochen Schildern augebrachten Sinnsprüchen, wie„Proletarier aller Länder, vereinigt Euch!" „Tie Arbeiter sind der Fels, auf welche die Kirche der Zukunft aufgebaut wird!"„Durch Kampf zum Sieg!" u. f. w. versehen Tie Vorträge, Gesänge, Festrede des Vorsitzenden Lchmanu, über Haupt der ganze Verlans des Festes war ein so erhebender, so vom echten sozialdemokratischen Geiste durchweht, wie ihn die Festlichkeiten mancher Fachvereine, trotzdem dieselben dem Banner der modernen Arbeiterbewegung folgen, leider noch oft vermissen lassen. Die Feier war für alle Theilnehmer ein erneuter Im- puls: mit kräftigen Rnderschlägcn mitzuhelfen, daß das Schiff des aufgeklärten Proletariats das Gestade der aufgehenden Sonne erreicht, deren siegreiche Strahlen„Freiheit und Gerechtig keil" verkünden! Dierdnrch den Genossen?ur Nachricht, daß den Arbeitern folgende Lokale»nentgelllich zur Verfügung stehen In Stralau: Die Gräflich Reischach'sche Brauerei. In R n m m e l s b u r g: Rudolf Weigcl, Ball-Salon, Thicrschmidt- straße. In Friedrichsberg: Karl Spitzig, Ball-Salon Frankfurter Allee 104; Rudolf Westpfahl, Schwarzer Adler, Frankfurter Chaussee 33; Rudolf Müller, Kronprinzen- Garten, Frankfurter Chaussee 3. In Lichtenberg: Paul Schwarz, Konzert-Garten, Lichtenberg 7; Hermann Laue, Fürsten Wolfgang, Landsberger Chaussee. Folgende Wirthe verweigern ihre Säle: In F r i e- drichsberg: Susot, Frankfurter Allee 174; Karl Paul, Rummelsburgerstr. 45. In Rummels bürg: Mönch, Cafö Bellevue; Spörer, Berlinerstr. 14. JnFriedrichsfelde: Me-ke, Berlinerstraße; Bartholv, Berlinerstraße; Salzmann, Wilhelmstraße; Maikovsky, Wilhelmstraße. Wir bitten die Ge Nossen genau auf diese Liste zu achte». Friedrichsberg, den 30. Dezember 1690. Nolizeibnicht. Am 29. d. M. Vormittags wurde ein seit längerer Zeit an Geistesstörung leidender Kaufmann in seinem Geschäftszimmer, Ilm 5iönigsgraben, erstickt voraefunden. Der- selbe hat durch Einathmen von Leuchtgas feinem Leben ein Ende gemacht.— Im Laufe des Tages und in der darauf folgenden Nacht fanden 16 Brände statt, von denen 5 durch das Austhauen von Gasleitungen herbeigeführt worden waren. WevMiks-OSeikmrg. D Gin in uberiniithiger Zallne vom Zanne gebrochener streit führte gestern de» Kauiuiaou Arthur Knoblauch unter der Anklage der schweren 5törpk>vcrlctz>uig vor die 89. Abtheilung des Schösseugerichis. Am Abende des 13. September bemühte sich der in der August straße wohnhafte Buchbinder Löwinsohn nach Schluß des Geschäftes von seinem Schaufenster einen Zettel m entfernen, de» er vor einigen Tagen selbst angeklebt hatte. Knoblauch ging in Begleitung seines Freundes, des Registrators Schmidt, vorüber und beim Anblicke Lowinsohns gesiel Knoblauch sich darin, denselben am Rocke von seinem Schaufenster zurück- zuziehen mit der in barschem Tone an ihn gerichteten Frage: „Mann, was machen Sie da V Unterlassen Sie das!" Löwin- söhn erwiderte, daß ihm dies garnichts angehe, worauf Knoblauch ihm ohne Weiteres mit einem Spazier- stock über den Kopf schlug, so daß der Getroffene eine blutende Wunde erhielt. Im Verhandlungstermine erklärte der Angeklagte, er habe geglaubt, Lönnnsohn degehe durch Herab- reißen des Plakats etwas Unerlaubtes und im Jntereffe der öffentlichen Ordnung habe er geglaubt, einschreite» zu müssen Sofort habe Löwinsohn ihm einen so heftigen Stoß gegen die Brust versetzt, daß er ans den Tamm und ihm der Hut vom Kopse flog. Jetzt habe er demselben erst einen Schlag über den Kops gegeben. Diese Darstellung wurde durch die Aussage des Zeug«,, Schmidt uuterslützt, der sich aber einen starken Verweis seitens des Vorsitzenden gefallen lassen mußte, als alle übrigen völlig unparteiischen Zeugen mit Bestimmtheit behaupteten, daß der Angeklagte keineswegs von Löwinsohn ge- stoßen worden sei. Ter Angeklagte hielt die Handlungsweise des Angeklagten für eine besonders rohe, er beantragte einen Monat Gefängniß. Der Gerichtshof erachtete den nur leichten Cpazierftock nicht für ein gefährliches Werkzeug und hielt des- halb eine Geldstrafe von 50 M. für eine ausreichende Sühne. Kantionsschmiiidrleiru drv raffiuirtcste» Art beschäs- tlgteu gestern die 4. Strafkammer des Landgerichts 1 in einer mehrstündigen Verhandlung gegen den Geschäftsreisenden Franz Richard Li nkwitz, welcher des wiederholten und versuchten Betruges angeklagt war. Im Oktober ds. Js. enthielten ver- schiedene hiesige Blätter eine Annonce, wonach zur Leitung einer Filiale, welche eine größere auswärtige Seifenfabrik in Berlin einrichten wolle, eine geeignete Persönlichkeit gesucht wurde, die im Stande sei. eine Kantion von mindestens 1000 M. zu stellen. Von allen Seiten liefe» Bewerbnngen ein. Tie Bewerber erhielten zunächst eine Postkarte, laut welcher sie nusgesordert wurden, sich zwecks näherer Vereiiibarung unt dem Reisenden der Fabrik, dem Angeklagten Linkwitz, in Verbiiidung zu setzen. Ter Letztere schilderte die zu besetzende Stelle mit de» Büusligsten Farben. Tei» Handlungsgehilfen Balzer, der zu de» Bewerbern gehörte, theilte der Angektagle mit, daß die Sei>cii- fabrik zu Eggersdorf bei Strausberg die Filiale in Berlin erdichten wolle und bereits ein Lokal in der Krautstrafte gemiethet habe. Cigenthümer der Fabrik sei der Kaufmann Fieberg, em gegen sein Personal sehr llebensivürdiger Mann. TerLeiterder �nüaleirerde erklärte dieser, daß Balzer engagirt sei. Die Werthpapicre that Fieberg in einen Briefumschlag, de» er mit„Deutsche Bank adressirte, er versicherte de»! Cigenthümer dabei, daß das Packet in verschlossenem Zustande bei der Bank liegen bleiben würde. Balzer sollte nach einiacn Tagen eintreten und er hielt sich viel in der Krautstraße auf, um das neue Feld seiner Thätigkeit kennen zu lernen. Hier war allerdings ein kleiner Laden auf den Rainen Fieberg's gemiethet worden, derselbe wurde aber stets ängstlich geschlosscu gehalten und es ivurden dem ueileugagirte» Verwalter mich die Schlüssel verweigert. Jnzivische» hatte Fieberg durch Linkivitz'S Ver Mittelung auch mit anderen Bewerbern angeknüpft und zwei der selben ebenfalls engagirt. Als bei diesen Vereinbarungen die Rede aus die zu stellende Kaution kam, öffnete Fieberg wie zu fällig sein Portefeuille und ließ mehrere preußische Konsols blicken, wodurch das Vertrauen der Bewerber bedeutend erhöht ivurde. Es waren natürlich Balzcr's Werthpapicre, die Fieberg bei der Deulschen Bank niederlegen sollte. Roch in zwei Füllen gelang es, die Bewerber zur Zahlung einer Kaution zu bewege» und wahrscheinlich würde die Zahl der Opfer noch größer geworden sei», ivenn der Schwindel nicht entdeckt worden wäre. Eines Vormittags geriethe» in einer Restauration in der Krautstraße, gegenüber der„Fieberg'schen Filiale", drei Gäste in eine Nuterhaltiing, wobei sich zu ihrer gegenseitigen lledemschung herausstellte, daß sie alle drei als Verivalter für die Filiale engagirt waren. Jetzt sahen sie ein, daß sie betrogen waren Ein Konditor ans einer kleinen ostpreußischen Stadt hatte sogar schleunigst sein dortiges Geschäft verkaust, um die verlockende Stellung antreten zu könne». Fiederg war ein in seinen Vermögens Verhältnissen total herabgelouimcnor Mensch, der schon den Offen barungscid geleistet hatte. Seine Fabrik bei Straußberg bestand aus einem tleinen Schuppen, in dem ein Arbeiter thätig mar. In dem Laden i» der Krautstraße fanden sich nur einige Kisten mit Sei vor. Fieberg ist es gelungen, sich seiner Bestrafung durch die Flucht zu entziehen; der hinter ihm erlassene Steckbrief hat bisher noch keinen Erfolg gehabt. Dagegen versicherte sich die Staats amvaltschast des Reisenden Linkwitz, von dem angenommen wurde, daß er mit seinem Chef gemeinsame Sache gemacht. Der so Beschuldigte bestritt dies im gestrigen Termine entschieden Cr will keine Ahnnug von dem schwindelhasten Treiben seines Prinzipals, der nur selten von Straußberg herübergekommen sei gehabt und ebensowenig von der erschwindelten Beute etwas tx halten haben. Der Staatsanwalt geivan» aus der umfangreichen Bcweisaufiiahme die Uebcrzcugung von der Schuld des Auge klagten in allen Fällen; er beantragte gegen denselben eine drei jährige Gesmignißstrase und fünf Jahre Ehrverlust. Der Ge richtshof hielt nicht für erwiesen, daß der Angeklagte schon beim ersten Engagcniciit gewußt hatte, daß ein Betrag ausgeführt werden solle, in den übrigen Fällen sei ein Zweifel hierüber aber ausgeschlossen. Der Angeklagte sei nur wegen Beihilfe zum vollendeten und versuchte» Betrage zu verurtheile», bei der Gc meingcfährlichkeit deS Kantioiisschwiiidels fei aber auf eine G e fängnißstrafe von einen» Jahr drei Monaten erkannt worden. Soziale Mebevstckzk. D Kollegen, Arbeitet'. Genossen.' Aus den verschiedenen Annonzen im„Berliner Bolksblatt" ist es Euch Allen bekannt, daß die Hilfsarbeiter der Buchdruckcrei von R. Moffe(„Berliner Tageblatt",„Berliner Morgen-Zeitung") wegen Lohndifferenzen die Arbeit einmüthig niederlegten. Die Verhandlungen der Kommission, der an dem Streik betheiligten sowohl, wie die der dazu gewählten Streikkommission sind an dem Starrsinn des ' errn Geschäftsführers, wie des Herrn Mosse selbst, gescheitert. as Gebahren genannter Herren kennzeichnet den Charakter den Arbeitern gegenüber um so mehr, wenn man bedenkt, in welcher Zeit dieser Streik ausbrach. Schon vor einigen Monaten sahen sich dieselben Arbeiter veranlaßt, die Arbeit einzuziellen, jedoch wurde» sie :ch Versprechungen und Vorspiegelungen aller Art dazu de gen, die Arbeit wieder auszunehmen, daraus geht deutlich hervor, daß dies kein frivoler, sondern ein durch die Roth ver- ursachter Streik ist. Drei Wochen vor Weihnachten riß de» Arbeitern die Geduld, sie griffen zum ziveiten Mal zu der Waffe, um sich auf diese Weise die Erfüllung der ihnen gemachten Ver- 'prechiliigon zu erzivingen. Kollegen, Arbeiter. Genossen, gedenkt der Familienväter, bedenkt ferner die Unverheiralheten! Welche Weihnacht dieselben mit ihren Kindern und Angehörigen gehabt haben! Nehmt Euch ihrer an, trägt Alle Euer Scherstein mit bei, um dieselben wenig- tens vor dem Hunger z» schützen. Gedenket der rauhen Jahreszeit, den meisten der Streikenden ist es nicht möglich, ihre» Angehörigen eine warme Stube z» bieten, viel weniger ihnen warme Kleidung zu beschaffen. Was in den Kräften der Buchdrnckerei-Hilisarbeiler und Arbeiterinnen taub, ist geschehen; jedoch ist die Zahl dieser Arbeiter zu klein m Gegensatz zu den Streikenden. Deshalb, Arbeiter aller Branchen, appelliren wir an Euer Solidaritätsgefühl, laßt die Wenigen nicht unterliegen in ihrem gerechten Kampf gegen das Kapital, unterstützt sie auf jede mög- liche Art, stöftt ihnen Muth ein, der schon zu sinken beginnt. Denn Ihr Sieg ist auch der Eure. Etwaige Geldsendungen sind richten an F. Fabrowskp, Schönebcrg bei Berlin, Hauptstr. 87, Qucrg. 2 Tr. Die Streikkominission der Buchöruckerei- Hilfs- ardeiter und Arbeiterinnen Berlins.— Alle arbeiterfreundtichen Blätter werden um Abdruck gebeten. lein PcrfonaiietzraeveliLivuroigerivum»................., öei freier Wohnung ei» Gehalt von monatlich ILO M. beziehen,-niqe verlockenden Aussichten bewogen Balzer, alle Hebel in Bewegung i'1 fetzen, um feinen Mitbewerber» den Rang abzulausen. Link- wltz bestellte ihn zum folgende» Tage wieder, dann werde der "hes von Straußberg herüberkommen. Balzcr stellte sich pnnkllich itn und nachdem er Fieberg kaum die Miltheilung gemacht, daß dr die verlangte Kantion in preußischen Konsols bei fich trage, V«vps»»r,»,luktg»»r. Deutscher Tischierllongrrsz zu Aannover. Am 27. Dezember, Morgens 9 Uhr, trat der Kongreß der deutschen Tischler znsainmen. Ter Vorsitzende des Lolalkomitees, Kolleg« Tambach, eröffnet den Kongreß und heißt die Tele girten aus allen Gauen Deutschlands herzlich ivillkomuien. Den Vorsitz übernimmt nimmehr der Cinberufer Des Kongresses, der Kollege Kloß- Stuttgart. Derselbe giebt eine kurze Uebersieht iiber die dem Kongreß vorliegenden Arbeiten. Tie Hauptfrage bleibe immer wieder die Organisationsfrage. Alle Gesellschasts- klaffen orgauisiren sich, um für sich»iöglicyste Vortheile ans der heutigen Wirthschastsweise herauszuziehen. Tie Großgrundbesitzer vereinigen sich, um die Getreideprcise in die Höhe zu schrauben, die Großindustriellen, um auf die Preise ihrer Produkte einen Einfluß auszuüben.— Rur ivenn der Arbeiter dasselbe thun will, er, der am meisten durch die heutige Wirthschastsweise zur Organisation gezwungen wird, dann hält man dies für eine Unverschämtheit, und man scheut sich auch nicht, dies offen ans- zusprechen. Der Kongreß habe vor allen Dingen auch die Aufgabe, eine möglichst gute Regelung der Streiks herbeizuführen. Trotz- dem schon frühere Kongresse dies gethan hätte», so müßte» doch. angesichts der herrschenden Krise, die Kreise für Angriffsstreik« bedeutend enger gezogen werden. Redner giebt der Hoffnung Ausdruck, der liongreß»löge durch seine Arbeiten die Organi- sation der Tischler forden» und dadurch auch der allgemeinen Arbeiter bnveguug die Wege ebnen. Es wird zur Konstiluirung des Kongresses geschritten. Laut Bericht der Mandats-Prüfungskommisjion sind 68 Tele- girte anwesend, die 91 Orte vertreten. Es werden gewählt: die Kollegen Kloß- Stuttgart und Glocke- Berlin zu Vorsitzenden mit gleiche» Rechten; die KoUegeu V etters- Franlsnrt, Metzger- Karlsruhe, F i n k- Stuttgart, M ü I l e r- Lanterber'g, L i» d n er- Görlitz, Müller- Hain- bürg, Bruns- Berlin, Tambach- Hannover zu Schrift- sührern und die Kollegen Hengs bach-Küln und Dressel- Hamburg zu Führern der Mevnerliste.— Zum zweiten Punkt der Tagesordiluug: Bericht der Zeutral-Streik-Kom- Mission, ergreift der Vorsitzende derselbe», Kloß- Stuttgart, das Wort, um in längere»'Ausführungen die Thätigkeit der Zentral- Streikkommission zu schildern. Vereinnahmt wurden in der Zeit vom 1. November 1888 bis 23. Dezember 1890, ins- gescunuit 41 532 M. 37 Pfg., verausgabt 39 514 M. Ol Pfg. Kassenbestand am 23. Dezember 1800: 1800 M. 87 Pfg. Kollege Kloß schloß seine» ausführlich gehaltenen Bericht mit dem Hin- weis auf die ernste Krise, die im Anzüge ist. In der nächsten Zeit müssen wir uns auf Abwehrstreiks beschränken und unsere Forderungen auf eine bessere Zeit verschieben. Im dritten Punkt der Tagesordnung: Bericht der Delegirten, entrollt sich ein lebhaftes Bild polizeilicher Unterdrückungen. und Maßregelungen aller Art. Willkürliche Auslegung von Ver- einSgesetzen und Saalnbtreibungeii spielen dabei eine beincrkens- merthe lltolle. Den Reigen eröffnet Sachsen, wo es den Arbeitern absolut nnuiöglich ist, sieh eine feste Organisation zu gründen. Dieselben Verhältnisse bestehen im Hcrzogthnmchen Anhalt-Dessau. Hier hat die Polizeibehörde das Recht, jede Vereinigung aus Gründe» öffentlicher Sicherheit zu verbieten. Die öffentliche Sicherheit wird auch nach Ansicht der Slnhaltischen Polizei durch eine Zahlstelle des TischlervcrbandeS oder durch Fachvereine ge- stört und darum müsse» sie verboten werden. Ein ähnliches Bild liefer» die Berichte ans Thüringen, Bayern, Hessen, Schlesien, überall Verfolgungen seitens der Behörde», andere Formen, aber immer wiedcr Verfolgungen. Die einzigen Ansnahmen machen die Behörden Württembergs»nd Badens. Sonntag, Nachmittags 2Vs Uhr, vertagt sich der Kongreß bis 4 Uhr. Es folgt dann die Erörternng des 4. Punktes der Tagesordnung: Organisations- frage. Gin« beschließende Mikglieder- Versammlung des AUgri,»einen pletallarbeiter-Uereius fand am 27. d. M. statt. Kollege Gerisch hielt zunächst einen Vortrag über das Thema: Wie verhalten wir uns in der gegen- wärtigc» Krise? Anknüpfend an das gegenwärtige Fest der Freude, wieS der Referent auf das drohende Zeichen der Krise, unter dem wir jetzt stehen, und auf die üble Zukunft, der wir entgegengehe», hin. Em sogeiianutcr Volksvertreter hat im Reichstage gesagt: Es geht die Arbeiter nichts an, wenn die Kurse steigen. So bezeichnend diese Redensart für die Gedanken jener Leute ist, so könnte man von ihr allenfalls einen Schein der Berechtigniig lassen, wenn man zur Zeit des Geschäfts- rückgaugeS auch sagen»vürdc:„Arbeiter, das geht dich nichts a», wir ertragen jetzt de» Gewiiinausfall, wie wir vorher den hohen Gewinn eingeheimst haben", doch das fällt den Herren nicht im Traum ei». Wiederum stehen wir vor einer solchen Krise, wie sie unter der heutigen Produktionsweise unauk- bleiblich sinb, und, wie die Erfahrung gelehrt hat, mit der steigen- den Entwicklung dieses Systems in immer kürzeren Zwischen- räumen eintreten. Die Zeitdauer der Krisen wird demgegenüber immer länger, während die Zeiten des wirthschastlichen Ausschwungs und der Blüthe von so kurzer Dauer sind, daß, wenn die Arbeiter sich ihrer bewußt werden und sich nun in Bewegung setzen, um von dieser günstigen Lage auch etwas für sich zu erlangen, die günstigste Zeit schon vorüber ist, und da»» trotz erbitterter Kämpfe oft wenig oder nichts zu erringen ist. So auch zetzt. Denn während das verflossene Jahr für die Unternehmer ein so günstiges war, daß die Dividenden eine Höhe erreichte», wie selbst nicht in den Gründerjahre», haben die Arbeiter nichts davon profitirt. Es ist uns als Melallarbeitern nicht einmal gelunge», die größten llebelstände, z. B. die ausgedehnte Nachscierabcud-Arbeit, zu be- seitigen, dem» geschweige denn»a,»haste Erfolge zu erzielen. Wir müssen uns aber eingestehen, daß u»S selbst ein nicht geringer Theil der Schuld trifft. Wenn man sieht, wie wenig Interesse der Gewerkscbastsbewegillig entgegengebracht wird, wie schwach die Bersanimlungen besucht sind, wie infolge dessen Beschlüsse nicht durchgeführt werden, wie viele kometenähnlich auftauchen und auf Nimmerwiedersehen verschwinden, so muß man zu der Erkenntnib gelangen, daß es so nicht mehr weitergehen lann. Man kann bemerken, daß, wo immer etwas neues auslaucht, sei eS nun«in Leseklub, Gesangverein oder«ine sonstige Arbeitervereinigung, man unter den Veranstaltern immer einigc Metallarbeiter finde» wird. So ersreulich dieses auch an sich ist, so sollte man doch nicht vergessen, daß die Gewerkschasts- Organisation unbedingt in erste Linie zu stellen ist. Bei allen Kämpfen, die in letzter Zeit geführt»vordsn sind, haben die Unternehmer ihr Hauptaugenmert auf die Zerstörung der Orga- nisationen gerichtet und man muß zu der Einsicht koinnien. daß eine Organisation äußerst stark sein muß, um solchen Anstürmen trotzen zu können, und wir werden es auch ivohl in den kommen- den Kämpfen erleben, daß eine Reihe schivacher Organisationen hinweggefegt werde». Die Zeil der Krise nun, wo»vir es vollständig vermeiden müssen, in Kämpfe einzutreten und nur darauf bedacht sein müssen, daß wir nicht noch tiefer hinabgedrückt werde»; sie wird dazu dienen müssen, unsere Kräfte zu sammeln und für kommende Kämpfe zn rüsten, damit, wenn die Industrie »vieder neuen Ausschivung nimmt, wir vollständig aerüstet da- tehen und die Zeit nicht ungenützt verstreichen lassen. Alle kleinen Plänkeleien müssen verschwinden. Sie werden meistens noch nach der überlieferten Meinung früherer Zeiten inszenirt, daß man über den Gegner kurzer Hand herfallen muffe, ohne lange zu erwägen. Die Verhältnisse haben sich aber total geändert. Während mau früher nur mit einzelnen Unternehmern zu thun halte, deren Konkurrenten sich oft als schadenfrohe Znschauer dabei verhielten, sehen wir jetzt, daß jeder Kamps sofort zu einem Klassenkampfe wird, daß wir nicht mehr mit einzelnen», sondern mit dem organisirten Kapital N kämpfen haben. Es ist daher doppelte Vorsicht und Ueber- egnng geboten. Wir müssen uns aber a»ich serner vergegen- ivartigen, daß wir auch mit Kollegen zu rechnen haben, die bei Jnszenirung von Streiks etwas fahrlässig iliid ohne die nöthige Kaltblütigkeit zu Werke gehen. Es ist daher Pflicht der Organi- sation. sich Gesetze zu schaffe», die strikte innegehalten werden inüsseii, ivenn sie nicht zu Grunde gehen soll. Der Vorstand des A. M.-V. hat deshalb eine Resolution zn stellen beschlossen, welche lautet: „In der sicheren Voraussicht, daß die herrschende Geschäfts- lrise von den Unternehmern vielfach benutzt werden»vird, um Konflikte mit den Arbeitern herbeizuführen, macht die beschlie- ßende Versammlung alle» Mitgliedern zur Pflicht, bei Arbeits- einstellnngen und dcrgl. mit größter Vorsicht zu verfahren. Unter keine» Umständen dürfen'ArveitseinsleUnugen unteenommen wer- de», ehe der Vorstand resp. die Fachkonimission dieselbe geprüft »nd für gerechtfertigt erklärt. Für Llrbeitsei»stell»»gen, welche ohne die Billigung des Vorstandes resp. der Fachkommission in- 'zenirt werben, haben die Betreffenden die Verantivortung selbst zu tragen." Keine Körperschaft und keine Partei kann ohne Disziplin bestehen, und dies gilt hauptsächlich auch für die Gewerkschasts- beiveaung. Pflicht der Mitglieder ist es nun aber auch, dafür Sorge zu trage», daß die selbstgeschaffenen Gesetze unbedingt respeltirt werden. Dazu ist eS nöthig, daß sie unter den Mitgliedern die weiteste Verbreitung finden, und das kann nur dadurch erreich» werden, daß wir uns regelmäßig an den Bersammlungen be t heiligen und energisch dafür agiliren. Wir dürfen uns nicht verhehlen, daß die Gewerkschastsbewegung seit dem j. Mai sich in rückläufiger Bewegung befindet, und daß wir, wenn wir nicht zu Grunde gehen wollen, uns energisch aufraffe» und in einer Zeit, da alles darnieder liegt, und wir keine Kämpfe unternehmen können, mit unermüdlichem Eifer dieVorbercitlingeu betreibenmüssen. Treten wir daher mit i»e»ein Mnthe in das neue Jahr ein, ividmen ivir uils mit andauernder Hingebung unserer Sacke' damit bald der Ruf erschallen köi»»,: Frischauf zum y Frischauf zum Siege. Tie Diskussion gestaltete sich z» einer lebhasten. D' Redner erklärten sich mit den Aussührungei» des Referent«».. der Fassung der Resolution vollständig einverstanden. Jedoch wurden t..vv i'-Df vT. dü�geu, vap bei ßüufiiüeu vtt Loritand stets 'orher ge,ragt werden müsse. Es werden wohl auch Ausnahmen uattstnden müssen, damit nicht etwa eine Beschränkung der -ersönüchen Freiheit entstehe. Hierauf wurde erwidert, daß die uersönliche Freiheit sehr leicht in Willkür ausarten kann, und laß gerade diese Anerkennung der Ausnahmen uns stets den größten Schaden bereitet; ,vir müssen diese Zeit hauptsächlich i trn Sammeln benutzen. Die Resolution wurde gegen 4 Stimmen angenommen. r-. Unter Verschiedenem beschäftigte die Versammlung sich mit der Arbeitseinstellungen in der Fabrik von Wallmann. Blumen- Itraße 74, deren nähere Umstände den Lesern dieses Blattes aus dem Bericht der öffentlichen Metallarbeiter-Versammlung vom i3. dieses Monats bekannt sein dürften. In dieser Bersammliing war die Angelegenheit dem allgemeinen Metallarbeiter-Verein zur Regelung überwiesen. Es entstand darüber eine erregte Debatte. Während mehrere Kollegen die Ansicht vertraten, daß die i.ollegen von Wallmann korrekt gehandelt hätten und deshalb auf alle Fälle zu unterstützen seien, ivurde von anderer Seite den ollegen der Borivurf gemacht, daß sie leichtfertig zu Werke gc- gangen seien, da aus ähnlichen Gründen eine Menge Arbeits- "nstelluiigen in jetziger Zeit inszeuirt werden könnten. Gegen - Stimmen wurde die Angelegenheit dem Vorstande des Vereins zur Regelung überwiesen. Folgende Resolution wurde dann einstimmig angenommen: ..e:c. Versammlung spricht ihre Entrüstung aus über die in der Arbeiterschutzgesetz- Kommission gefallene Aeuherung, daß rem Fabrikanten das Recht zusteht den Arbeiter nach nein Ermessen zu bestrafen, aus. Sie erklärt es für verwerflich, daß Personen, denen oft genug die Qualifikatioit ?afur abgeht, berechtigt sein sollen, über den Arbeiter ein Urtheil zufallen; sie verlangt für den Arbeiter mindestens das, was das Gesetz jedem Verbrecher zugesteht: Unparteiische Richter!" College Gerisch fordert sodann zur schleunigen Abrechnung mit -N Villeis vom Stiftungsfest an den Kollegen Zalysky, Oranien- straße 187, ans und schloß hierauf die stark besuchte Versammlung. Ulaurer. Eine öffentliche Generalversammlung der Maurer Berlins Mtd Umgegend tagte am 23. Dezember unter Vorsitz des Kollegen Wernau. Vor Eintritt in die Tagesordnung gab der Vor- sitzende Wernau das Ableben des Kollegen und Genossen Sommerfeld bekannt. Die Versammlung ehrte den Todten durch einmüthigcs Erheben von den Plätzen. Wilh. K e r st a n erachte sodann die Angelegenheit Schwenk zur Sprache, welcher ihn beschuldigt hatte, eine Slreikkarte für 15 Mark verkauft zu haben. Schwenk hat die Beleidigung bereits im„Berliner Volksblatt" öffentlich zurückgenommen und Kerstan, sowie die Versammlung sah deshalb von einer gerichtlichen Strafverfolgung S Iwenk's ab. In gleicher grundloser Weise sind auch d Kollegen G r o i h in a n n und Andere verdächtigt worden. € dann ivurde in die Tagesordnung eingetreten. Zunächst sprach Baumeister Keßler über das Thema:„Welche Lehre ziehen wir aus dem letzten Maurerprozesse und wie organisiren wir uns in der Zu- kunft?"� Redner hob die Thatsache hervor, daß sich in Sachsen seiner Zeit ein Fachverein der Töpfermeister gebildet habe, welcher sich über ganz Deutschland verbreitete d. h. zentralisirt war, nach Herzenslust Politik trieb und mit anderen Vereinen in Verbindung trat. Da dies ungesetzlich war, so half man sich in Sachsen dadurch, daß man dem Töpferverein Kor lorationsrcchte verlieh, indem nach dem sächsischen Vereins- gefetze solchen Vereinen keine Fesseln angelegt sind. Das preußische Ansgesetz lasse eine andere Hinterthür offen, indem es in dem- selb n heiße, politische Vereine, welche mit einander in Aer- dlndung treten,„können", aber nicht„müssen" angeklagt werden. -aß lediglich Arbeitervereine mit Anklagen bedacht würden, sei ein sonderbarer Zufall. Die Verfolgung der Fachvereine der Arbeiter resultire aus dem Umstände, daß sich die Meinung heraus- g. ildet habe, die ganze Gewerkschaftsbewegung werde von den Fachvereinen geleitet: Alles gehe von den Fachvereinen aus. Thi«sächlich hätten die Fachvereine weit weniger Einfluß auf die Arbeiterbewegung jemals ausgeübt, als selbst in Arbeiterkreisen geglaubt werde. Der Name„Fachverein" habe schließlich eine dera tzige ominöse Bedeutung erhalten, daß er allein hinreichend sei, gewissen Leuten ein Gruseln zu erwecken, so daß er als„rother Lappen" Verwendung fand. Redner verglich die behördliche Ver- folgung der Fachvereine mit der Jagd nach einem Phantom, die an manchen Stellen durchaus nicht ungern gesehen wurde, da sie die Aufmerksamkeit der Behörden in Anspruch nahm und dadurch eine willkommene Gelegenheit geboten wurde. Wichtigeres zu vollführen. Er(Redner) persönlich konnte sich im Allgemeinen nicht besonders für Vereine erwärmen und begeistern unter den herrschenden Vereinsgesetzen. In längeren Ausslihrungen besprach Redner den Verlauf des großen Maurer- Prozesses in Berlin und im Anschlüsse hieran den großen Töpfer- prozes:(Berlin) und den neuesten Gewerkschaftsprozeß in Magde- barg, aus allen diesen die Gefahren des Äereinsgesetzes für Leute, den«, das feine Unterscheidungsvermögen abgehe zwischen dem formellen Rechte und dem allgemeinen Rechtsgefühle demonstirend. Das Urtheil im letzten Maurerprozesse habe zur Genüge be- wiesen, daß die frühere Maurerorganisation gegen alle Angriffe zugeschnitten gewesen sei. Da aber das ergangene Urtheil noch nicht rechtskräftig geworden ist, so sei formell noch kein Vor- schlag zu machen, vielmehr müsse die Organisationsfrage vorlausig noch in der bisherigen Schwebe bleiben. Die Lehren aber, welche aus den Gewerkschaftsprozessen zu ziehen, seien die, daß da, wo ein völlig unparteiische Richterkolleginm die Gesetze auslege, wie es im letzten Maurerprozesse der Fall war, auch unter dem herrschenden Vereinsgesetze sich eine gewerk- schastliche Organisationssorm finden lasse, welche einigermaßen Erfolg verspreche; daß aber ein völlig rechtloser Zustand platz- greife, wenn, wie es im Magdeburger Gewerkschaftsprozeß an- scheinend der Fall war, die Richter nach Zeitungsberichten als fchwerendes Moment in Betracht gezogen hätten, daß die Angeklagten Sozialdemokraten seien. Wenn das Urtheil im Berliner Maurer- Prozesse würde rechtskräftig geworden sein, dann würden die entsprechenden Vorschläge betreffs der zukünftigen Organisation erfolgen. Des Weiteren sprach Grothmann über Einzelheiten aus dem großen Maurerprozesse und wünschte, daß die Berliner Maurerorganisation nach Art der früheren gestaltet werden möge. Ter Punkt Verschiedenes zeitigte die lebhafte Erörterung ver- schiedener Jnteressenfragen(Berlin-Hamburg, Keßler-Frohme:c.). Die Versammlung schloß mit der Einladung des Vorsitzenden zu zahlreichem Besuche der am 8. Januar stattfindenden Bersamm- luug der Freien Vereinigung, da in derselben eine Revision des Statuts vorgenommen und gründliche Musterung gehalten werden soll. Spanbau. Eine öffentliche Versammlung säinu.tlicher Metallarbeiter Spandaus tagte am 27. d. M. unter Vorsitz des Kollegen Selchow in Dressel's Tanzsaal. Ter Referent Kollege e b e r gab in seinem Vortrage ein treffendes Bild der Metall- arbeiter- Bewegung in den letzten 10 Jahren. Redner kam auf die Beschlüsse des Metallarbeiter- Kongresses im Jahre 1884 zu sprechen und beleuchtete das Vorgehen der Polizeibehörden gegen die Fachvereine der Arbeiter. Er besprach die Entstehung des Vertrauensmänner- Systems und die Nothwendigkeit desselben. Das Solidaritätsgefühl müsse gekräftigt und durch Bezirks- Vertrauensmänner die Beschlüsse des letzten Weimarer Kongresses zur Durchführung gebracht werden. Im Anschluß hieran erörterte der Referent die Aufgaben des Proviuzialtages der Provinz Brandenburg, führte die Nothwendigkeit einer Regelung der Reise- Nnterslützung, des Herbergswesens und der Förde- rung und Pflege eine» geregelten'Arbeitsnachweises, ferner die Nothwendigkeit eines Agitationssonds und die Wahl eines Vertrauensmannes den Versammelten vor Augen. Mit dem Wunsche, daß alle Kollegen in S p a n d a n sich als zielbewußte Arbeiter der Organisation anschließen möchten, schloß der Referent seine Ausführungen unter lebhaftem Beifall. In der Diskussion spricht Kollege Grabow sky den Wunsch aus, in nächster Zeit hier zur Gründung einer Herberge zu schreiten. Kollege Becker wurde sodann einstimmig als Delegirter für Spandau gewählt. Unter Verschiedenes wurden von mehreren Kollegen die Spandauer Verhältnisse einer scharfen Kritik unterzogen und die Handlungsweise des Herrn Ludwig sowie die der Spandauer Klempner- und Kupferschmiede- Innung gekennzeichnet. Die Innung hat die elf st ü n d i g e Arbeitszeil und eine neue Werkstatt- Ordnung eingeführt. Zum Schluß führte Kollege Selchow noch an, was für einen hohen Werth es für jeden Kollegen habe, einer Organisation anzugehören. Tie Versammlung ivird mit einem dreimaligen Hoch auf alle klassenbewußten Arbeiter ge- schloffen. Von den anwesenden Kollegen wurden 6,15 M. zur Deckung der Delegationskosten zusammengebracht, eine Summe, welche noch im Laufe des Nachmittags aus 0,45 M. stieg. Grolle öffentliche Perstmtnilxng für Franr» und Uliiiincr am I. Januar(Neujahr), Abends 7 Uhr, in LehmamUs Salon, Schioedlerstr. 23. Vortrag des Herrn Türk über:„Hexenprozefse." In d-r hnmanistitchrn«Srincinde, irommandanlenstr. 79, hält Tonners- tag den I. Januar, zum Neujahrsfest, Vormittags 10% Uhr, Herr Schäfer den Vortrag über: Das ilivig-Menschliche im Wechsel der Zeiten.— Gäste ivill- kommen. Lreircligiöst siemeinde. Nosenthalerftr. 99. Am NeujahrStage, Vormittags lo Uhr; Festvortrag des Herrn Pens. Gäste sehr Ivtllrvmmen. Kereinigung der Drechsler Deutschland»(Orlsverrvaltunge» l— 7). Donnerstag, den 1. Januar, Vormittags 0 Uhr, großes Frühschoppen-Konzert zur Eröffnungsfeier unserer Bibltothek. Um rege Belheiltgung ivird ersucht. Die Ausgabe der Bücher erfolgt jeden Dienstag und Freitag, Abends von s— 9 Uhr, in der Wohnung des Kollegen Neinle, Holzinarltstr. iz, Hof 2 Dr. Tie Blbliothelslomm issio». Groh« öffentliche Zstersauinilnng fiir Frauen»nd Männer am Tonnerstag, den I. Januar, Abends 0 Uhr, in den Zentral-Feslsälen, Oranle». strahe ISO. Tagesordnung: l. Bortrag. 2. Dtsrusston. 3. Verschiedenes. Nach der Versammlung zur Feier des Neujahrstazes geselliges Beisammensein und Tanz.— Genossen und Genossinnen iverdcn zu zahlreichem Besuch et»- geladen. Fachverein der in Duchdruchereien und oerwandten Ketrieben l»- schättigtr» Arbeiter. Mittwoch, de» 31. Dezember, Abends ö Uhr, Alle Jakobstr. 73, in Feuerstcin's groben Saal: Sylvestcrfe.er. Billets hierzu find zn haben im ArbeilsnachiveiS, Dresdenerstr. lio, und beim Kasstrer Georg Krüger, Georgenlirchslr. 25, 1. Quergedände 4 Dr. Um zahlreiches Er- ichelnen Ivird gebeten. Nächste BeretnSversmnmlung slndet am Montag, den 5. Januar, eben daselbst stall. «thische«eseUschast. Donnerstag, den l. Januar, Abends 5 Uhr, Srenadterftr. 21:, bei Seeseidt: Kinberbescheernng und um s Uhr: Festvortrag des Herrn H. PeuS. Nachher gesellige Unterhaltung und Tanz. Gäste, Daine» und Herren willkommen. Arb«it»r-Häng»r-Knnd Berlins und Umgegend. Mittwoch, AbendS, 9 Uhr, Uebungsflunde(Aufnahme von Mitgliedern). Gefangvereln„Unver- '"—~""""-—-(Gemischter ... l art ta s", .,___________________________,... Ohmgafse Nr. 2 el Krebs.— Arbetter-Gefangverein„Vorwärts", Schönhauser Allee 2S bei Nürnberg.— Gesangverein„Ltedesfreihei t", Blumenstr. 38 bei Henke. — Gesangverein„der S r e t n m e y e n", Johannis, tr. n bei Müller.— Gesangverein„Deutsche Eich e", Blumenstr. 40 bei Wenk.— Arbeiter- Gesang- verein„E ch 0", Pankow bei Borchardt, Schnlzestr. 27.— Gesangverein „8 er che", Abends 9 Uhr bet Zimmermann, Vrunnenstr. 119.— Arbeiter gesangverein„Freiheit", Uebungsstunde von» bis 11 Uhr im Restaurant Hämmerle, Bulowstr. 69, pari. vesaug., Dur»- u»d grleilig» Dereiue. Gesangverein„Frisch auf", Abends s�— tojj Uhr bet Haller, Naunynstr. 70.— Gesangverein „P a u s e b e u t e l", Abends 9 Uhr bei Poppe, Lindenstr. 10c.— Gesangverein „H 0 f s n u n g". Moabit, AbendS J£9 Uhr bei Jlges, WilSnackerstr. 63.— Mannergesangvsrein„Sanges treue", Ab-udS g4— 11 Uhr bei Luthe Brüderstr. 20.— Zitherklub„Alpenveilchen", Abends Sg Uhr Kaift straße 2Sb, Ecks Alexanderstraße. Gäste willkommen.— Tambourverein„Ech (Veranügungs-Veretn), Abends 9 Uhr bei Hültrich, Gollnowftr. 9. Lübcck'scher Turnverein: I. LehrlingSabiheilung, Abends von s r- 10 Uhr im Turnsaale des„Königstädr. Gymnas.", Elisabethstr. 67— 53.-- Berliner T n r n g e n 0 s f e n s ch a f t. 8. Männer-Ablh., Abends von gs 1 J gn Uhr. Turnlokal: Mühlenstr. 49— 60. — Verein der„Eoldtner", Abends»g Uhr bei Wutke, Friedrichsberg::' straße 24.— Berein„Kreuzfidel", Sißung mit Damen bet Toberste-. Mariannenstr. si.— Rauch klub„Nordstern" in Friedrichsberg.— Rauä- klnb„Vulkan", Abends 0 Uhr bei Ahmer, Gräfestr. 82.— Ortcntalisel er Rauchklnb, Abends 9 Uhr, bei Hartmann, Manteufselftrabe 71. Gäste p ü- kommen.— Rauchklub„Frisch gewagt", Abends von 9— 11 Uhr, Posenerstr.» bei Rockenborf. So>>ald»n»o liratische ieU- und Diskutiriciub«.„Vorwärts, Abends 8g Uhr Eihung im Lokale des Herr» Röhn, Naunynstr. 83. Gälte haben Zuirill. Neue Mitglieder werden anfgeuomuieu.—„I n r er n a l i 0- nale", Abends s Uhr bei Oelze. Kl. Andreasstr. 19. Gaste haben Zutritt, —„Nord", Abends 8g Uhr, bei Naabe, Nuppinerstr. 46.—„Gleichheit. Abends 8g Uhr, bei Hilgenfeld, Bergstraße so: Gäste haben Zutritt.-- „Emanzipation", Abends 8g Uhr bei Wagner, Neue Königstr. 89. Gäfl« willkommen.—„Kultur", Abends sg Uhr bei Steuer, Weinslr. 22. Spuecktzseicil. Tie Redaktion stellt die Benutzung des Sprechsaals, soweit Raum dafür abzu« gebe» ist, dem Publtlmn zur Besprechung von Angelegenheiten allgemeinen Interesses zur Bersügung; sie verwahrt sich aber gleichzeitig dagegen, mit dem Inhalt desselben identistzirt zu werden. In Nr. 290 des„Berliner Volksblatt" vom Freitag, den 12. Dezeniber in der ersten Beilage befindet sich ein Versamm- lungsbericht des Vereins der Berliner Roll- und Lastfuhrwerks- Kutscher. In demselben werden die Unterzeichneten völlig zn Unrecht angegriffen. In dem Bericht heißt es u. A.:„Herr Boganow-iy glaubt, der schwache Besuch sei lediglich eine Folge der Gegenströmung, ivelche sich durch Gründling eines zweiten Vereins bemerkbar gemacht habe; denn diejenigen Kollegen, zagt", Reftaurant Köpntckerftr. 127 a.— Gesangverein„F r e»> a", Ehor) bet Zemler, Münzftraße 11.— Männer- Gesangverein„Hi Hochstr. 32 a bet WNke.— Gesangverein B r e tz e l s ch l u ß". Oh» welche dem zweiten Verein als Mitglieder angehören, versuchten den Verein„Berliner Roll- und Lastfllhrwerks-Kutscher" dadurch zu schädigen, daß sie nach den Zahlstellen desselben hingingen und oen Verwaltern derselben vorredeten, der Rollkutfcher-Verem existire nicht mehr und für denselben dürfen kerne Beiträge mehr in Empfang genommen werden. Soweit Herr Boganowski, Die Unterzeichneten erklären, daß es noch keinem Mitglieds der freien Vereinigung der Kutscher eingefallen ist, auf eine derartige Weise für unsere Vereinigung Propaganda zu machen. So law Herr Boaanoivsky nicht Beweise dafür erbringt, muß er s•) schon gefallen lassen, daß ivir sagen, er hat eine Lüge 0'?' gesprochen. Des Weiteren sei Herrn Schütte bemerkt, daß ivik es nicht der Muhe für werth halten, uns mit ihm an d cr Stelle zu beschäftigen. Vielmehr ist Herr Schütte und S rv Voganowsky zur nächsten Vereinsversammlilng, welche am Sl nn- tag, den 4. Januar, bei Reyer, Alte Jakobstr. 83, stattfii-et, eingeladen. Die Vorstandsmitglieder der freien Vereinigung Zer Kutscher und im Fuhrwesen beschäftigter Arbeiter Verl;?• E. Brnnsch. M« et ro er. A. Grabowski. H e d t ir Böttcher. DepefÄien. (Ulvlsfs Tetegraptzeu-Kurrau.) Londvi», 30. Dezember. Die Dockarbeiter in Hüll hc Nachmittags die Arbeit eingestellt, weil die Schiffseigner a Nichtvereinler beschäftigen. Die Arbeiter beschlossen, mit A nähme der Schiffe der Wilson-Linie, kein dem Schiffseign Verbände angehöriges Schiff zu betreten. In Earltsle und Dnndee dauert der Streik der Eisenba! Bediensteten noch fort, während derselbe in Aberdeen geschcii ist. Der Verkehr ist beinahe wieder auf den normalen Sta zurückgeführt. dev Medakkion. Bei Anfragen bitten wir die Abomiements-Quiilung beizufügen. Brieflic Antwort wird nicht eriheilt. Ferd. M. Bitte, setzen Sie Ihre MittheillMgen fort, dock beschränken Sie dieselben ausschließlich auf Thatsachen. Die Schlüsse daraus zu ziehen, wird schon von anderer Seite besorgt. (C., Ludwigshnfrn. Angenommen, kommt morgen in das Blatt. Fiir dir kiuogrsprrrtrn Tabaliarbritrr Kambnrgf vom Eisbein-Austrudeln durch Paul 6,20 9)1.; von Andreas B 10 M.; von Lang, Holzmarktstr. 44a 1,00 M.; vom freundlichen Biertisch 2 M.; von 2 Genossen 2 M.: von mir 1 M.; Bestraft 50 Pf.; gesammelt bei einem Geburtstage des Gesangverein de' Schmiede Berlins durch Kaiser 6,20 M. Fr. Zubeil. C-. W. Mitschkr. Kat»l.nchstraße. hat laut Postschein 32,50 M. für die Ausgesperrten abgeschickt. Von Weber 6 M.: Reinke l M.; A. B. 80 Pf.; E. Mäller's Werkstatt, Blücher- straße 35: 6,70 M.; A. F.; 2.50 M.; M. 120: 50 Pf.; Rauch. klub Vorwärts 15 M.; Amerikanische Auktion, Tempelhof, 9 M.; Maricndorf 7 M. G. Sch. Die Bescheinigung des Gerichts über den erfolgten Austritt aus der Kirche genügt für diesen Fall als Legitimation. |U. 67. Ein Ehambregarnist kann, wenn nicht etwas Anderes verabredet ist, nur am 15. zum nächsten 1. kündigen; nicht umgekehrt. __ In 5 Kilo-Postkisten liefert billigst und in bester Qualität @ Landwirth. Verkehrs- Bureau==: « Chroustow .a mm P. Bohdalau via Polna-Böhmen>*%= Preise auf Verlangen gratis. 2250 Solide Bedienung wird ztigesichert. Eigene Zucht. Gbertzrmden nach Maaß. ichmDgeslhellke. Taschentücher Dtzd. von 1,20-10 M. Tischtücher Stück von 0,90— 9 M. Handtücher Dtzd. von 3,00— 20 M. nletts u. Züchen Meter von 40 Pf. bis 2,25 M. 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