Ur. 47. Abonntmrnts-Zrdingungra: klboiinementZ- Preis pränumerando: SHerleljährl. 3,30 Sit, monatl, 1,10 Ml,, wüchcnlltch 28 Psg. frei ins Haut. Einzelne Nummer b Pfg. Eonnlags- Nummer mit illustririer TonnlagS- Beilage„Die Neue Welt" 10 Psg, Post- Abonnement: 3,30 Marl pro Quartal. Eingetragen t» der Post- Zeitung«- Preisliste für 1897 unter Dr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Mona«. 14. Jahrg. Die Instrtions-GMhr beträgt für die fechsgefpaltene»olonel- zeile oder deren Raum«0 Pfg., für Vereins- und Bersammlungs-Anzetgen, sowie Arbetismarll 20 Pfg. Jnferale für die nächste Nummer müssen bis t Uhr nachmittag»«n der Sxpeditio» abgegeben werden. Die Elpedition ist an Wochentagen d>S 1 Uhr abends, Oll Sonn- und Festlagen bis 9 Uhr vormittags geöffnet. Trschrinl täglich ausjer Montag». Devlinev VolkSbl�kt. Fernsprecher:»ml I, Hr. 1608. Telegramm-Adresse: «Sottaldemokrat Berlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Htedaktio»: SW. 19, Meuty-Straße 2. Donnerstag, htM 23. Febrnav 1897. Spedition: SW. 19, Menth-Slraße 3. Aus dev Aevs Schönltedk. Der preußische Justizminister, Herr Schönstedt, hat gewiß scholl des öfteren beobachten können, wie der von ihm zitirte ncupreußische Justizgrundsatz:„Wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe", der einstmals ein altrömischer Komüdienwitz war, in der Praxis aussieht. So ist es sehr lehrreich zn lesen, wie neulich in Lübeck mehrere an«ineni Streik betheiligte Arbeiter abgcurtheilt wurden. Um so zeitgemäßer ist die Erwähnung jenes Vorganges, da demnächst in einer anderen für Kapitalisten„freien" Hansestadt, in Hamblirg, eine Anzahl Streikender sich gleichfalls wegen angeblicher Ordnungswidrig- keiten z>l verautivorten haben. Es ist immer gut für das kämpfende Proletariat zn wissen, was es bei solchen Vor- konlmnissen von Gesetzes wegen zn erwarten hat. In Lübeck hat der Streik ans den Thiel'schen Werken zu zwei Prozessen geführt: zu einer Aicklage wegen gemeinschaftlicher Körperverletzung und Versuchs der Nöthigung gegen eine Anzahl streikender Arbeiter(Kersten und Genossen), die niit Streikbrechern in einen thätlichen Konflikt gerathen waren, und zu einem Bündel von Beleidigungsklagen gegen den Flug- blattversasser Schweizer und den Redakteur des Lübecker„Volks- boten" Friedrich, die beide den Fabrikanten Thiel, Friedrich außerdem eine Anzahl Polizeibeamter und die gesammte Lübecker Polizei beleidigt haben sollten. In dem Prozeß Kersten gingen die Zeugenaussagen über die Schlägerei, wie das bei derartigen Zusammenstößen stets der Fall zu sein pflegt, auseinander. Beide Parteien be- zichtigten sich gegenseitig, angefangen zu haben. Das Gericht nahm indeß die ausschließliche Schuld der Streikenden an und verurtheilte die Angeklagte» zu Gesäugnißstrafen bis zu drei Jahren. Es ist eine recht interessante Thatsache, daß den wegen Anstiftung zu einer Schlägerei und Betheiligung an der- selben am schwersten Vernrtheilten das nämliche Strafmaß zu theil geworden ist, das vor dem Militärgericht über den Lieutenant v. B r ü se w i tz, der einen wehrlosen Zivilisten mir dem Degen zur Strecke gebracht hat, verhängt worden ist. Hier zeigt sich der Rechtsgrundsatz:„Wenn zwei dasselbe thun, ist es nicht dasselbe" von der anderen Seite. Die Vergehungen der beiden Verurtheilten können bei unbefangener Auffassung an Gemeingefährlichkeit und Verwerflichkeit mit einander über Haupt nicht verglichen werden: der eine hat jemand durch geprügelt, der andere hat jemand todtgestochen; und doch er- baltcn sie beide die gleiche Strafe. Es wäre eine interessante Aufgabe für Liebhaber der Kriminal- Statistik, einmal zwei parallele Skalen, nach der Höhe der Strafmaße geordnet, einander gegenüber zu stellen— die eine für die Sozialdemo- kraten, die in Wahrnehmung ihrer staatsbürgerlichen Rechte mit den bestehenden Gesetzen in Konflikt gerathen sind, die andere für Offiziere, Schutzleute, Gendarmen und sonstige Beamte, die ihre Amtsbefugnisse überschritten, und deswegen sowie ivegen Mißhandlung oder gar Tödtnng gewöhnlicher Zivilisten ab genrtheilt wurden. Da würde man so recht augenfällig sehen, wie sehr die Bewerthung jener beiden Arten von Vergehen, wie sie nicht nur von feiten der Militär-, sondern auch von feiten der bürgerlichen Strafgerichte erfolgl, von der Laien auffassung abweicht. Doch der Vergleich mit dem Brüsewitz-Urtheil ist auch sonst noch interessant. Dem Brüscwitz wilrde es bekanntlich als„mildernder Umstand" angerechnet, daß er durch eine nach dem Offiziers-Ehrenkomment als Beleidigung aufzufassende Stuhlberührung gereizt worden sei. Mildernde Umstände ähnlicher Art wurden den Lübecker Streikenden nicht zu- gebilligt, trotzdem— von kleineren Liebenswürdigkeiten der Streikbrecher, wie Schimpfereien und verächtlichein Ausspucken nicht weiter zu reden— vor Gericht nachgewiesen wurde, daß einer der Streikbrecher, ein gewisser Franz Rottan, mit einem Revolver scharf geschossen hat, sodaß einem der Streiker die Kugel an den Ohren vorbeipfiff und er vor Schreck nieder stürzte. Einer der Belastilngszcugen, ein Freund und Kollege des Rottau wohlgemerkt, sagte aus: „Die Streikenden waren etwa 10 Meter entfernt, ali Rottau sch o p und lhaten uns nicht s." Daß dieser Zenge nicht etwa von besonderem Wohlwolle» für die Streikenden beseelt ivar, geht wohl zur Genüge aus der weiter von ihm geinachten Aussage hervor, er habe dem Rottau, als dieser schoß, zugerufen: „Diensch, Du hälft zu hoch. Du triffst ja keine» Menschen." Ter Gerichtshof konnte indeß auch in Rottau's Verhalten keine Gründe zur Strafmilderung finden. Hervorzuheben wäre hier noch, daß Rottau keineswegs gleichfalls unter Anklage ge- stellt worden war wegen der Schießerei, sondern als Belastungs- zeuge gegen die von ihm früher als Zielobjekte benutzten Streiker auftrat. Konnte er sich doch auch mit Genugthuung daraus berufen: „Wegen de? Revolver» bin ich auf dem Kriminalamt und bei den, Sergeanten Maaß in Schwarten gewesen. Das Tragen wurde mir nicht verboten, sondern nur Vorsicht angerathen." Der Rottau erscheint dadurch aber in einer ganz eigen- thümlichen Stellung dem Angeklagte» gegenüber. Sollte »innial Herr v. Stumm oder»in anderer deutscher Carnegie eine Pinkerton-Truppe anwerben wollen, so wird er sich hoffent- lich der werthvollen Kraft Franz Rottau's erinnern. Das System Rottau hat übrigens bei dem Hafenarbeiter-Streik in Hamburg bereits zur Tödtung eines Streikers durch einen rcvolverfnhrenden Streikbrecher geführt. Man darf nunmehr gespannt daraus sein, wte die Hamburger Richter diesen Fall bcurlhcilen werden. Die Verwendung des Revolverhelden Franz Rottau als Belastungszeuge führt uns übrigens noch zu einer anderen Eigenart der Lübecker Streikprozesse. Rottau und seine Kollegen hatten angezeigt, daß sie von den Streikern verhauen worden. Staatsanivaltschaft und Gericht waren der Ansicht, daß ein öffentliches Interesse die Bestrafung der Thäter oerlange. Jemand, dem der vom Minister Schönstedt zitirte Rechtsgrundsatz nicht gegenwärtig ist, könnte sich nun einbilden, daß das öffentliche Interesse eben so gebieterisch auch die Sühne für eine ähnliche einem Streiker angcthane Unbill verlange. Von dielem Ge- dankengange aus hatte denn auch ein Arbeiter Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gemacht, weil er von einem Streik- brecher in den Rinnstein gestoßen worden war. Der Straf- antrag wurde abgelehnt und der Antragsteller auf den Weg der Privatklage verwiesen, weil kein öffentliches Jntereffe vorliege. Der beschwerdeführende Streiker wird sich auch wohl nicht weiter darüber geivundcrt haben, daß nach der Auffassung der nämlichen Staats- anwaltschaft es nothwendig erschien, gegenSchweizer und Friedrich Anklage zu erheben, weil sie nicht einmal thätlich, sonder» nur in gedruckten Worteil den Fabrikanten Thiel beleidigt haben sollten. Herr Thiel brauchte somit nicht selbst zu klagen, er gericth vielmehr wie Franz Rottau in die Lage, in die versetzt zn werden sonst nur Beamte, Schutzleute, Gendarmen u. dgl. alle, in dem er thatsächlich egner als schwurberechtigter den Vorzug haben: daß in einem Partei war, er seinem angeklagten Zeuge gegenüber stand. Der Hauptvorwurf, der gegen Herrn Thiel erhoben worden war, kam darauf hinaus, er habe in seiner Fabrik nicht hinreichend für Leben und Gcsimdheit der Arbeiter gesorgt. Er konnte seilt vollwichtiges Zeugenwort in die Waagschale werfen, daß er das doch gethan. Auch der Sekretär der Berufsgenossen- schast der Eisen- und Stahlindustriellen stand ihm mit seinem Zeugniß zur Seite. Er führte an, es seien in den letzten drei Jahren auf der Thiel'schen Fabrik„nur" je 31, 23 und 40 Unfälle vorgekommen. Diese Zahlen haben denn aüch den Gerichtshof nicht irre gemacht, der Allssage des Herrn Thiel vollen Glauben zu schenken, daß er in seiner Fabrik für Leben und Gesundheit der Arbeiter besten? gesorgt habe. Soivohl der Flugblattverfertiger Schweizer wie der Redakteur Friedrich wurden wegen jener Behauptung verurtheilt. Gegen Friedrich stel aber noch besonder» in» Gewicht, daß er im„Volksboten" die Unparteilichkeit der Polizeibeamten gegenüber Streikenden und Streikbrechern angezweifelt hatte. Die als Zeugen aufgerüfenen Beamten erhärteten mit dem Eide ihre Unparteilichkeit. Der Eid der Beamten wurde auch nicht erschüttert, als zwei Frauen zeligeneidlich erhärteten, der Schutzniann Weber habe zu ihnen gesagt: „Ihr solltet Euch was schämen, Ihr streikenden Luder!" Daß der Gerichtshof den Beaniten mehr Glauben schenkte als den Zeuginnen, wundert uns weiter nicht. Befremdend erscheint aber dennoch, daß der Gerichtshof nicht zu gunsten des Angeklagten das Zugeständniß der Polizeibehörde ans sich wirken ließ, der Schutzmann Baginsky habe zwei Streiker zu Unrecht zur Wache sistirt und eine Frau aufgefordert, gegen die beiden Strasantrag wegen Hansfriedensbruch zu stellen, trotz- dem sie sich dieses Vergehens gar nicht schuldig geniacht hätten. Besonders erschwerend wurde es dem Redakteur Friedrich angerechnet, daß er das Verfahren gerügt hatte, mit dem in der Voruntersuchung des Prozesses Kersten der verhörende Polizei- beamte die Angeklagten zu sogenannten„Geständnissen" ge bracht hatte. Der Gerichtshof fand darin den Vorivurf der Geständniß-Erprcssilng und dieser Vorwurf ließ sich nicht be- weisen. So wurde Friedrich wegen kombinirter Fabrilanten- und Beamtenbeleidigung zu� nicht weniger als einem Jahr Ge- fängniß verurtheilt, während Schweizer, der nur der Fabrikanten- bcleidigung obendrein unter Ailrechnung mildernder Umstände für schlildig befunden wurde, sein Verbrechen mit 3 Monate» Gefängniß büßen soll. Unsere Sache ist es, dieses wie andere Urtheile gleicher Art sorgfältig zu prüfen und dafür zu sorgen, daß es in Arbeiterkreisen richtig gewürdigt wird. polilifche Vrb-i-fichk. Berlin, 24. Februar 18S7. Ter Reichstag lehnte heute zunächst den Antrag auf Zulassung der Strafverfolgung seines Mitgliedes Dr. S i g l einstimmig ab. Sodann erfolgte die Berathung des Etats für das Reichs- Eisenbahnamt. Es waren die alten Beschwerden, die bei dieser Gelegenheit über die verschiedensten, zahlreich vorhandenen Mißstände zum Ausdruck kamen und die auf das deutlichste beweisen, daß die Bahn Verwaltungen dieselben Pfade wandeln, wie die Reichs-Post Verwaltungen, d. h. nur noch ein fiskalisches Interesse verfolgen, gegenüber welchem das Interesse des Publikums wie das der kleinen und mittleren Beamten zurückstehen inüffe. Dies legte in besonders wirksamer Weise, gestützt auf die amtlichen statistischen Be- richte, unsererseits Genoffe Stolle dar, der schonungslos mit dem Reichs-Eisenbahnanit ins Gericht ging. Die Vertheidi- gung des Regierungsvertreters war denn auch mehr eine Ent- schuldigung und Beschönigung, die außer auf der äußersten Rechten im Hause keine Unterstützung fand. Nur Herr von Stumm hatte Gründe und Worte für die Regierung; sie fanden aber treffende Widerlegung ebenso wie die Ans- führungen des Regierungsvertreters durch unseren Genossen Stolle. Dieser wurde in seinen Anklagen sekundirt von den Abgeordneten R ö s i ck e, Dr. P a ch n i ck e und F i s ch b e ck. In vorgerückter Stunde wurde noch der Etat der Ver- waltung der Reichs-Eisenbahnen angeschnitten, dessen weitere Berathung nach einem Eintreten unseres Genossen Bneb für Einführung der Kilometerhefte in den Reichslanden vertagt wurde. Morgen: Schwerinstag. Zur Verhandlung steht der Au- trag der Elsäffer aus Einführung des allgemeinen, direkten und geheimen Wahlrechts zum dortigen Landesparlament. Kreta iu den Parlamente». Am vorigen Montag wurde gleichzeitig in drei Parlamenten: im englischen Unterhans, in der französischen Kammer und in dem deutschen Reichstag über Kreta diskutirt. Im ganzen waren die Erklärungen der Regierungsvertreter überall die nämlichen, was auf eine gewisse Verständigung schließen läßt. Zn ernsthaften Debatten kam es nur in der französischen Kammer; und während im deutschen Reichstag die Sozialdemokraten sich an der Debatte garnicht betheiligten, gingen sie dort auf» schärfste gegen die Regierung vor. Die Verschiedenheit der Haltung unserer Vertreter in den zwei Parlamenten erklärt sich aus den politischen Verhältnissen der beiden Länder. In Frankreich haben die Volksmassen und hat namentlich das liberale Bürgerthum von jeher für die„unter- drückten Nationalitäten" geschwärmt, und zu gunsten der Griechen hat anläßlich der griechischen Expedition nach Kreta ein Wiederaufleben der philhellenischen Strömungen der zwanziger Jahre unseres Jahrhunderts stattgefunden. Das Rtinisterium Meline hat sich dieser Strömung und Volksstinimung entgegengestellt: und unsere Genossen konnten sich der nicht unbegründeten Hoffnung hingeben, das Ministerium durch die kretische Frage zu Fall zn bringen. Wäre das gelungen, so war die internationale Lage allerdings vollkommen verändert. Dann kam aller Voraussicht nach in Frankreich eine Regierung, die eine demokratische und wirklich völkerbefreiende Politik ver- folgte und damit beginnen mußte, die russische Allianz zu zerreißen. Hiermit wäre ein neuer Faktor in da» cliropäische Konzert eingetreten. Es wären nicht mehr blas die zwei Erobererstaaten England und Rußland, die aktiv eingriffen und jede wirklich demokratische und humanitäre Lösung jder türkischen Frage unmöglich machten. Eine radikal-sozialiftische Regierung in Frankreich hätte den Antagonismus zwischen Rußland und England vielleicht erfolgreich im Jntereffe der jetzt da» türkische Reich bildenden Nationalitäten. und Nationalitäts- Bruchstücke benutzen können. Der keineswegs ailssichtslose Plan unserer französischen Genossen ist aber gescheitert — das französische Bürgerthum hat ebenso viel Angst vor einem europäischen Krieg, wie das Bürgerthum anderer Länder. In D e u t s ch l a n d hat man Rußland näher al» in Frankreich und sieht deutlicher den unheinilichen Schatten, den das Zarenreich über die Völker der Balkan-Halbiusel und de» östlichen Mittclmeeres wirft. Biel Sympathie für Griechen- laud ist nicht vorhanden und die Haltung der deutschen Regierung ist eine solche, daß an eilten e r n st h a f t e n An- griff im Reichstag nicht zu denken war. Und zu einer akademischen Besprechung der orientalischen Frage konnte der Zeitpunkt nicht schlechter gewählt werden.— Zur kretensische» Frage liegen heute wieder zahlreiche Meldungen vor. Eine Reihe derselben beziehen sich auf Rüstungen der Türkei. Man scheint sich im Reiche des Sultan ans alle Eventualitäten vorzubereiten. U eberall werden Truppen zusammengezogen. 22 000 Mann sollen in die west- liche Balkanhalbinsel geworfen werden, 50 000 Mann sollen schon an der griechischen Grenze stehen. Änch die bulgarische Grenze wird durch Truppenvcrschiebungen verstärkt. Bulgarien hat der„Ageuce Balcanique" zufolge mit dem Vertreter der Vereinigten Werke Creuzot einen Vertrag über die Lieferung von drei Gebirgsbatterien und 48 Festnngsgeschützen, darunter eine Anzahl von Zwölfzentimeter-Geschützen, zu einem Preise voll iVs Millione» Franks abgeschloffen. Auch Rußland scheint trotz aller Ableugnungen zu rüsten. Aus Jassy, der Hauptstadt der Moldan wird gemeldet: In russisch Unaheiiy, der Grenzstadt gegen Rumänien, herrscht reges«»ililärisches Leben. Die Garnisonen werden lilit»eilen Ge- wehre» versehe» und verstäclt. Deinnächst soll dort ein größerer Truppenkörper aus Bender eintreffen. Aus K a n e a ivird gemeldet: Beim Bombardement blieben 3 Personen todt und 15 wurden verwundet. Unter letzteren besand sich auch eine barmherzig« Schwester. Dagegen bezweifeln die Adinirale der fremden Kriegs« schiffe, daß überhaupt Menschenleben bei der Beschießung gelitten haben. Der Korrespondent des„Eclair" in Kandia hatte eine Unter- reduug mit dem griechischen Kommandanten, in welcher sich dieser bitter beklagte, daß ihm jedes Verbindungsinittel mit Vaffos ab» geschnitten sei. Die„Franks. Ztg." meldet aus K a n e a: Der Regierungspalast steht seit heute früh 5 Uhr in Flamme». Ueber die EntstehungS« Ursache der Feuersbrunst weiß man noch nichts. Aus Athen meldet der Standard: König Georg habe ein Manifest an die Bevölkerung erlassen, worin er diesen bittet, mhig zu bleibe» und auf ihren König zu vertrauen. Demselben Blatte zufolge hat der Sultan den Befehl gegeben, 17 Bataillone zu nlobilisiren. Aus Rom werden wieder Demonstrationen zu gunsten der Kretenser gemeldet.— Chronik der MajestätSbeleidigungS- Prozesse. Eine Be» gnadigung wegen Majestätsbeleidignug ist ein so selienes Ereigniß» daß es sofort registrirt werde» muß. Dl« Strafkammer des Land' Gerichts in Kösli» hatte vor einige» Monaten den Maurer Ernst Eickstädt a»S Zadlkow(Kreis Belgard) wegen Majestätßbeleidigung zu zwei Monalen Festung verurtheilt. Äluf ein Begnadigungsgesuch ist diese Slrafe aus zwei Wochen Festung ermäßigt worden, welche auf der Festung Weichselmünde verbüßt werden soll. Es ist an sich schon eine auffallende Erscheinung, daß ein Arbeiter nicht zu Ge- ftuigniß, sondern zu Festung verurtheilt wird. Wir bemerken ausdrücklich, daß diese Meldung nicht der„Nord- deutschen Allgemeinen Zeitung" entnommen ist, die doch so be- weglich darüber klagte, daß die Zeitungen die Berurtheilunge» wegen Majestätsbeleidigung, nicht aber die Begnadigungen re- gistriren.— » �» Deutsches Reich. — Eine charakteristische Erinnerung! In dem soeben erschienenen sechsten Bande der Lebeuseriuuerinigen Theodor v. Beruhardi's findet sich folgende für hochkonservative Kreise un- gemein bezeichnende Erzählung angemerkt: Am lö. Februar litöö war Ball im königlichen schlösse, zu welchem Bernhardi geladen war. Sehr bald wurde er in ein längeres Gespräch mit Dropsen, Beseler, Sliehle und Alfred Auerswald verwickelt. Letzterer erzählte viel von seinen Erlebnissen aus dem Jahre 1ö4S und besonders von den Szenen, die sich in diesen Prunkräumen, namentlich im Rittersaale, abspielten, als die Verfassung beschworen wurde.„Die Minister", so erzählt Bernhards wörtlich weiter,„zu denen Alfred Auerswald damals gehörte, traten einzeln vor den Thron, um den Eid zu leiste». Die Schlußformel ist, nach unseren Gesetzen:„So wahr mir Gott helfe!"— es steht aber einem jeden frei, nach individueller Ueberzeugung»och hinzuzufügen, was seinen religiösen Anschauungen entfpricht.— Keiner hatte etwas hinzugefügt, bis auf Alfred Auerswald, der die weiteren Worte sprach:„Durch Jesuin Christum zum ewigen Leben!"— und dieser Formel bedienten sich dann später noch einige andere. Arnim-Boitzenbnrg, auch einer der damaligen Minister, kam dann ans Alfred Auerswald zu und fragte, warum er das gethan habe. Auerswald erwiderte, er habe eben den Eid seiner Ueberzeugung gemäß gesprochen und Arnim- Boitzenburg ivar unvorsichtig genug, einzuwenden:„Einen so hohen Eid zuleisten in eine m Falle, iv o man doch nicht rveiß, ob er werde gehalten>v erden können, — das sei doch sehr bedenklich!— Als ob ein Eid nicht eben immer ei» Eid sei!"— Das sind dieselben Herren, die sich über die Zunahme der Meineide ereifern.— Harburg, 23. Februar. Z u m„F a l l Kauffman n". Mit Namensunterschrift veröffentlicht der Redalteur des„Volksblatt für Harburg ec.", Heinrich Kauffmann, in seinem Blatte folgendes: Ueber die mir zu theil gewordene Behandlung im Gefängniß zu Hameln ist seitens meines Rechtsanwalts, des Herrn Suse in Ha»» bürg, bei dem Justizministerium Beschwerde erhoben. Auf diese Beschwerde ist mir durch Herrn Dr. Suse nachfolgende Antwort zu- gestellt: Minister des Innern. Abschrift. Berlin, 17. Februar 1897. Auf Ihre an den Herrn Jiistizminister gerichtete und von diesem mir mitgetheilte Eingabe vom 9. Dezember v.J., betreffend die Behandlung des Redakteurs Kauffmann in den Gefängnisse» zu Stade und Hameln, erwidere ich Ihnen, soweit das letztere in Frage kommt, ergebenst folgendes: 1. Das Verschneide» der Haare und des Bartes ist aus Gründen der Reinlichkeit auch für die Gesängnißgefangenen vorgeschrieben. 2. Bei der Beschäftigung der Gefängnißsträflinge wird die gesetzlich vorgeschriebene Rücksicht auf ihre Fähigkeiten und Ver- hältnissc genommen. Den Redakteur Kauffmann mit schriftlichen Arbeiten für die Verwaltung zu beschästigen, war nicht an- gängig, weil solche Arbeit nicht ausreichend vorhanden war. Ihn durch einen Verlagshändler mit Anserlignng belletristischer und wissenschaftlicher Arbeite» zu beschäftigen, rväre mit der Ordnung in der A'nstalt nicht wohl vereinbar gewesen. Die dem p.p. Kauffmann zugewiesene Arbeit des Flechtens von Stuhlsitzen ist mit Rücksicht auf seine persönlichen Verhältnisse und Fähig- leiten gewählt worden; sie ist reinlich, leicht zu erlernen und erfordert einen großen Kräfte-Aufwand nicht. 3. Die Annahme, daß das Gefängniß in Hameln ein Zucht- hauS sei, ist nicht zutreffend; es werden dort nur zu Gefängniß- strafe Verurtheiltc verwahrt. Im Auftrage(gez.) Haase." Ich sehe mich veranlaßt, auf diesen Bescheid eines königlichen Ministeriums des Innern einige Worte zu erwidern und wähle zu diesem Zweck„meinen persönlichen Verhältnissen und Fähigkeiten entsprechend" den Weg der Oeffentlichkeit. 1.„Das Verschneide» der Haare und des Bartes ist aus Gründen der Reinlichkeit für die Gesängnißgefangenen vorgeschrieben."— Ich bezweifle nicht, daß diese Gründe sich auch in dem Reglement des Hamelcr Gefängnisses befinden, damit ist aber noch durchaus nicht bewiesen, daß sie stichhaltig sind. Schon der Umstand, daß in dem nahe gelegenen und größere» Gefängniß zn Hannover ei» Verschneiden des Haares und ein Abrasiren des Bartes nicht stattsindct, daß, wenn ich nicht irre, dieser Gebrauch überhaupt nur in zwei deutschen Gesängnissen herrscht, beweist zur genüge die Haltlosigkeit dieses Grundes. Das Ver- schneiden des Haares und das Abrasiren des Bartes war früher ei» Bestandtheil der Gefängniß st r a f e. Dem Gefangenen sollte dar- gethan werden, daß er aus der Gesellschaft der anständigen Menschen ausgestoßen sei. Er wurde durch diese Behandlung, de» barbarische» Zu- ständen früherer Zeiten entsprechend, g e b r a n d nr a r k t und b e- schimpft. Da das Gefängniß in Hameln ein sehr altes ist, so halte ich es für wahrscheinlich, daß das Verschneiden des Haares und Abrasiren des Bartes aus früherer Zeit übernommen worden ist und daß lediglich die„Gründe" für diesen Gebrauch andere geworden sind. Allerdings ist man in der Wahl der Gründe recht unglücklich gewesen, und ich würde es für richtiger halten, wenn das königliche Ministerium des Innern frei und offen erklärte: das zwangsweise Verschneiden des Haares und Abrasiren des Bartes wird in allen uns unterstellten Gesängnissen von dem heutigen Tage an abgeschafft.! 2. Was die mir zuertheilte Beschäftigung in Hameln: das Flechten von Stuhlsitzen, anbetrifft, so muß ich wirklich gestehe». daß ,ch meine Fähigkeiten bis jetzt durchaus verkannt habe. Während meines ganzen Lebens habe ich ausschließlich Kopfarbeit verrichtet und es thut mir fast leid, daß die mir innewohnende Fähigkeit zum Stuhlsitzflechten bei»neiner Erziehung so ganz vernachlässigt worden ist. Ebenso neu ist es mir, daß die persönliche» Verhältnisse der Redakteure oder Lehrer sie zun, Etuhlsiyflechten besonders geeignet machen. Oder ist das Etuhlsttzflechten darum der geistigen Thätigkeit gleich, verthig zu rechneu,»veil es„reinlich",„leicht zu erlernen" ist und„keinen großen Kräfteaufwand" erfordert? Die geistige Arbeil, die der Lehrer oder Redakteur zu verrichten hat, wird durch diese drei Prädikate nicht charaklerisirt. Ob die geistige Arbeit im Ministerium des Innern anders geartet ist, vermag ich nicht zu beurtheilen. Ferner vermag ich nicht einzusehen, warum die Anfertigung von wissenschaftlichen und belletristischen Arbeiten mit der Gefängniß. orduung in Hameln nicht zn vereinbaren ist. Der Herr Gefängniß- direktor ist für die Beurtheilung dieser Frage unzrveiselhakt die kom- petenteste Persönlichkeit. Dieser Herr aber hat mir ausdrücklich »nitgetheilt, daß er das Gesuch, mich mit wissenschaftlichen und belletristischen Arbeiten zu beschäftigen, befürworten»volle. Endlich»vill ich noch bemerken, daß für»neine Arbeitskraft pro Tag 2 M. geboten»vurde, während für die von mir geflochtene» Etnhlsitze die Gesängnißverivaltung wahrscheinlich nur SO— 60 Pf. pro Tag— vielleicht auch»veniger— bekommen hat. Ich könnte noch verschiedenes anführen, glaube aber schon iin vorstehende» zur genüge dargethan zu haben, daß die als für die mir zu theil gelvordene Behandlung maßgebend angegebenen Gründe keineswegs einivandsfrei sind. A»f den Unterschied z, vischen politischen Gefangenen und gemeinen Verbrechern oder aus die Be- Handlung de, Duellanten brauch, ich hier nicht einzugehen.— — Nach de», Fall Kaufmann ein Fall Thiel. Bei seinein letzte» Aiffenthalt in der Preßsünder-Beivabranstalt hat man Kollegen Thiel, gleichfalls Redakteur des„Volksblatts für Har- bürg jc.", das Flechten von Rohrstühlen nicht anvertraut. Ob er trotz seiirer respektablen Körperlänge in den Verdacht geralhen ist, nur einen minder großen Kräfleausivand ertragen zn können, bleibt dahingestellt. Das„Volksblatt" berichtet: Nach seiner Entlassung aus dem hiesigen Gefängniß am Sonnabend Abend hat Genosse Thiel die Redaktionsarbeit heute »vieder übernommen. Envähneuswerth scheint uns die Thntsache, daß Thiel in» Gefängniß zunächst mit Wergznpsen beschäftigt »vnrde, obivohl feine Arbeitskrast sofort zur An- fertig»» ng schriftlicher Arbeiten nichtpolitischen Charakters vom Verlag des„Volksblatt" gekauft worden»var. Erst für die letzten zwei- einhalb Tage seiner Haft»vurde dem iu Jsolirhast befindlichen Preßfünder Schreibmaterial eingehändigt. Man siebt, die „schärfere Tonart" gegen sozialdemokratische Redakteure wird ganz allgeinein praklizirt. Stuhlflechten, Wergzupfen, Bürstenniachen, Kaffeebohnenlesen, alle? kann das sozialdemokratische Schreibvolk, zu allem zeigt sich bei ihm die natürliche Veranlagung. Dem„Zukunstsstaat"»vird es an Leuten, so in jeglicher Hantiruiig geschickt sind, nicht fehlen. Wir sind doch recht vielseitige Menschen!— — Mit der Reform der Polizei im Reichslande ist jetzt der Ansang gemacht ivorde». Seit dem 3. d. M. haben die Polizeipräsidenten des Reichslandes da? Recht, die für die prenßi- scheu Polizeidircktoren und Präsideuten vor kurzem eingeführt« neue Dienst- und Gala- Uniform, mit«nlsprechenden Abänderungen zu tragen. Andere Reformen der Polizei scheinen freilich den wieder- geivonnenen Brüdern dringender.— — In der Kolonialdebatte des vorigen JahreS bezog sich der Abgeordnete Bebel gegen den Asrikahelde» Peters auf einen Brief des englische» Bischofs T ucker. Das Vorhandensein eines„derartigen" Briefes»vnrde von verschiedene» Seiten, insbesondere von Peters selbst auf das entschiedenste bestritten. Demgegenüber ist nun die»»nbeziveifelbare Thalsache festzustellen, daß der Tucker-Brics»virklich vorhanden ist und sich augenblicklich i» den D i s z i p l i» a r a k t c n des Peters befindet, die Im Aus- >v ä r t i g e n Amte ausbewahrt»verde».— Oesterreich. — W a h l r e s u l t a t e. Die bisher bekannt geivordenen Wahlmänncrivahle» in Böhmen sind zum überiviegend größten Theile sozialdemokratisch ausgefallen. Ans Aussig»vird geineldet: Bei der Wahl der fünften Kurie »vurde» hier sämintliche sozialistische Wahlniänner mit erdriickender Majorität geivählt; abgegeben wurde» 8921 Stimmen, davon e»t- fielen 2886 ans sozialistische Wahlmänner. Auch in den Land- gemeinden siegte» die Sozialisten. Auch in Mähren»vurde» in viele» Orten Sozialdemokraten geivählt. Bei den Wahlmännerivahlen i» P o l n i s ch- O st r a u »vnrdeii 26 sozialistische und 2 christlich-soziale Wahlinänner geivählt. Bei den Wahlen in M ü r z z u f ch l a g, Steiermark, siegten die 7 sozialdemokratischen Kandidaten mit 184 Stimmen gegen die Christlich-Sozialen, ans»velche 96 Stimmen entfiele». Für de» Eifer der Wahle» in Wien spricht schon der Um- stand, daß 11000 Wahlretlamationen stattgefunden haben. Die Wahl in Wien findet Dienstag, den 9. März, von 6 Uhr morgens bis 8 Uhr abends statt. Das Wahlresullat soll erst an» folgenden Tage festgestellt»verde». Jntereffanl ist, daß die radikal-czechische Partei der Omladiniste» sich aus Anlaß der Wahle» gespallen hat; die Mehrheit der Partei beschloß, den sozialdemokratischen Kandidaten keinerlei Opposition z» mache». Hierauf traun die der Bourgeoisie angehörenden Führer aus dein Parteiverbande al»S.— — D r. Emil Kaler ist gestorben. I» außerordentlicher Roth ausgewachsen, schloß er sich»och in ganz jungen Jahre». bald nach Beginn der österreichischen Arbeiterbeivegung, dieser an. Sein reiches Wissen, seine außerordentliche Rede- begabnng»md seine große Bedürfiiißlosigkeit schafften ihn» bald eine führende Stellung in der Partei, die freilich»»»folge der zahlreichen Spaltungen innerhalb der österreichischen Partei »vährend ihrer ersten Jahre»»»d wegen der schiveren Ver- »riheilunge», deren Opfer Kaler»vurde. nach außen nicht sehr zun» Ausdruck kam. Eine jahrelange Einzelhaft und die großen Stuf- reguugen, die die Konflikte z,vlschen Sozialdemokraten und Anarchisten ihm bereitete», hallen sch»vere Erschütterungen seines Nervenzustandes zur Folge. Er mußte sich von» politischen Leben zurückziehen, ging»ach der Schiveiz. wo er mit»»sere» Genossen vom„Sozial- demokral" viel verkehrte und die treffliche Schrift über Weiliing verfaßte, die in der„Sozialdemokratischen Bibliothek" erschien. Ge- »offen ermöglichten ihm, seine durch die politische Thätigkeit unter- brochenen Studie» an der Universilät Basel zu vollende»; dort machte er mit einer Arbeit über die Philosophie des Utilitarisim»s seineu Doktor. Von hier ging er, uin philosophische Arbeiten zu beende», nach Berlin, ein Auslveisungsdekret Puttkainere vertrieb ihn aber. Immer deutlicher hatten seine Freunde mit Schmerz die FortentivickeUlng vom Sozialismus bei Kaler sestgestellt. Nach Oesterreich zurückgekehrt, zwange» ihn Nahrungs- sorgen, bei einem bürgerlichen Blatte in Reichenberg Stellung zu nehmen. Der offene Bruch mit der Partei»var vollzogen, später nahm die österreichische Regierung das Dekret, durch das er aus Wien ausgeiviesen, vnrde, zurück; er»vnrde Redakteur der„Deutschen Zeilung" zn Wien. Als diese ins antisemitische Lager abschwenkte, wurde er Redakteur d«S„Tiroler Tageblatt". In letzter Zeit verschlimmerte sich sein Nervenleiden und gestern hat er Selbstmord verübt. Ein großes, aber auch»in krankhaft angelegtes Talent hat sich so selbst vernichtet.— Belgien. Briissel, 24. Februar. Der„Penple", unser belgisches Partei- Organ, bringt einen mit„Belgischer WilsonismuS" überschriebene» Artikel,»velcher schivere Anklagen gegen den Bautenmiuister enthält, der in Genieinschast mit andere» Ministern und höherstehenden Personen 7 Millionen au» industriellen Unternehinungen heraus- geschlagen habe.— Liittich, 24. Februar. In einer Versammlung der Lütticher Progresflsten hielt der Senator Janson, Präsident der Brüsseler Radikalen, eine Ansprache, in welcher er sich energisch für folgende soziale Reformen aussprach: Minin, allohn, Alkohol- Monopol, Monopol der Ve»sichcrll»gs-Gesellschaften»c. Redner billigte das aus der Arbeit entstehende Eigenlhuinsrecht, bestreitet jedoch dte Gesetzlichkeit der Testamente zu gnnfien entsernter Venvandter. Spanien. — ZurFolt»rungder„Anarchisten". Aus Madrid »vird der„Franlsurter Zeilung" telegraphirt: Der„Jmparcial" er- hält au» London die Meldung, daß im englischen Parlame»»t eine Interpellation bezüglich der Tortur in Barcelona erfolgt. Kein hiesiges Blatt stellt genannte Torttir in Abrede.— — Zu den Schwierigkeiten auf Kuba und den Philippinen hat die spanische Regierung ein schiveres Biindel von Sorgen, die ihr die inneren Verhältnisse bereiten. Ein Karlisten- aufstand scheint sich nun trotz aller Dementis»och hinzugesellen zu sollen. An8 Pari» meldet eine Depesche der„Voss. Ztg.": Die hiesige Regierung wurde von der spanischen darauf aus- merksam gemacht, daß in Pari»«in mit reichlichen Geldinuteln versehener KarlistenauSschuß wirkt, der Waffen kaust und militärische Gliederungen vorbereitet. Hier war dies völlig un- bemerkt geblieben. Die giegierung hat nunmehr dem Ausschuß unter AuswetsungSandrohung bedeutet, daß er fein« Thätigkeit einstelle», müsse. Die Karlisien bereiten daraushin ihre Ueber- siedeliing yach Belgien vor, wo sie ihre Waffenkäuse fortzusetzen gedenken. — Verl„sie auf Kuba. Den, offiziöse» Organe der spanischen Regienmg, der„Epoca" zufolge waren die Verluste in Kuba ans seile», der Spanier bis Ende 1896: Todte 13 862, daninter 650 Osfiziere; Verwundete 8072, darunter 441 Offiziere; aus seilt,» der Ausständischen: Todte 13 303: Verwundete 3563.— Rußland. AnS Bjalystok(in Westrußland) erhalten wir die solgende Miltheilung von, 21.(9.) Februar: Aon hier sind„ach Petersburg vier Fabrikanten geladen zur Betheilig, iiig a» dein bei dem Departeinent des Handels ,»»»d der Manufaktur, en einbernfenen Arbeitgeberkongreß für Beralhung der Noruiirung des Arbeitstages. Man»liinmt an. daß dies mit dem letzten Petersburger Streik in Zusammenhang steht. Im Dezeinber des verfloffenen Jahres haben 120 hiesige Ar- beiter dem Minister des Innern ein gemeinsames Gesuch uu» Aus- Hebung der Steuer auf jüdisches Fleisch(„Korobobscbnz-»bor") eingereicht, welches mit den geringen Einkünften der Arbeiter»notivirt wurde, wobei auch darauf hingewiesen wurde, daß diese Sieuer nicht für die iin Gesetze vorgesehene Bestiunnuiig, näinlich für die jüdischen Schulen verausgabt wird. Obivohl das Einreichen von kollektiven Gesuchen an Behörden durch daS russische Gesetz verboten ist, wurden alle Unterzeichner dieser Petition von der Polizei i» sehr höflicher Form einem Verhör unterzogen. Man fragte sie. was sie eigentlich wollen-- die vollständige Abschaffung der Steuer auf jüdisches Fleisch oder nur eine Neu- regnlirung der Erhebung und Verausgabung derselben; die Arbeiter, welche während dieses VerhörS mit ihrer Meinung am wenigste» zurückhielten, wurden allerdings verhastet.— Amerika. Washington, 23. Februar. Im Repräsentantenhaus ist eine geuieinsame Resolution eingebracht, welche den Präsidenten ermächtigt, den ainerik.nüschen Kriegsschiffen den Befehl zu einer Beschießung der kubanischen Küstenstädte z» geben für den Fall, daß die jetzt gefangen gehaltenen amerikanischen Staats- bürger nicht freigelassen würde».— MeichskAA. 184. Sitzung vom 24. Februar 1397. 1 U h r. Am Tische des Bundesralhs: v. Boetticher, Thielen, der Präsident des Reichs-Eisenbahnamts Schulz. Entsprechend dem Antrage der Geschäflsordiiung-kommisston »vird die Genehmigung zur Strafversolgung des Abg. S i g l wegen Beleidigung abgelehnt. Darauf wird die zweite Berathung des ReichshaushaltS- Etats für 1397/93 fortgesetzt beim Etat des R e i ch S-E i s en b ah»- a m t s. Hierzu liegt ein Antrag der Abgg. P a ch n i ck e(frs. Vg.) und Genosse» vor: „Den Herrn Reichskanzler zu ersuchen, dahin zu wirken: I. Daß unter thuulichster Ermäßigung der Tarifsätze eine Vereinfachung des Tarisspstems für den Personenverkehr staltfindet; 2. daß unter Aufhebung des Freigepäcks eine Ermäßigung und Vereinfachung des Gepäcktarifs eintritt." Nach einer Debatte über die Zollabfertigung an den russischen Grenzstationen»md über das Defizit der südbadischen strategischen Bahn erhält das Wort Abg. Pachnickc(frs. Vg.): Unser Antrag will das Reich mir an seine Pflichten erinnern bezüglich der Verbilltgung der Eisenbahn- tarife. Daß diese Pflichten vorhanden sind, beiueist die Verfassung, die daS Eiseiibahnivesen der Aussicht des Reiches unterstellt, d,e Verwaltung aller Eisenbahnen als enihetlliches Netz vorschreibt und auf eine Herabsetzung der Tarife hinweist. We»ln»vir Privat- bah»»«»» hätten,»müde schärfer vorgegangen werden gegen die Ueberfüllimg der Koupees auf der Stadtbahn u. s. w. Der preußische Finanzminister verlröstete bezüglich der Tarifreforn, früher auf ein« günstigere Finanzlage. Jetzt, wo die Finanzen günstig sind, werden wir auf eine sernere Zukunft vertröstet, bis die Gütertarife reformirt sein werden und eine Steigerung de< Ver- kehrs sich zeigt. Präsident deZ Reichs-Eisenbahnamts Schulz: Schon 1890/91 »vurden z>vischen den Bundes- Regierungen Verhandlungen über eine Reform der Bersonentarife gepflogen; die Reforn»»nußte»vegen der damaligen ungünstige» Finanz- tage zurückgestellt werden. Wir glauben, daß Erinäßigunge» in, Güterverkehr dringender sind als im Personenverkehr; Fracht- ermäßigung im Interesse unserer Prod»»ktio»i werden von der Land- »virthschaft und Industrie mit recht gefordert, und die einzelnen Eisenbahn-Verwaltungen, in erster Linie die preußische, habe», auch Tariserinäßigungen vorgenommen. Wir sind Jahre hindurch stolz darauf geivesen, für die»»nbemitteltei» Volkskassen die billigsten Satze z» haben, die überhaupt existirten. Der Personenverkehr der deutschen Eisenbahnen hat sich auch bei den bisherigen Tarifsätzen erheblich ge- steigert. Von 1380/31 bis 1895/96 ist die Zahl der Tonnenkilometer ans den deutschen Eisenbahnen im ganzen um 97 pEt., i», Personen- verkehr uin 115 pEt. gestiegen. Dieser Zuwachs ist umso bemerkens- werlher, als die Vergrößerung des deutschen Eisenbahnnetzes seit einer Reihe von Jahren hauptsächlich in den Nebenbahnen sich voll- zogen hat. Die Zahl der Elsenbahnfahrten ist seit 1334/85 von 6 auf II auf jede», Einwohner gestiegen. Es ist an sich schon schwierig, in de», Tariseinrichtungen sür den Personen- verkehr in Deutschland«ine Uebereinstimmung herbeizuführni. Die Hauptschivierigkeit liegt darin, daß Süddeutschland die vierte Wagenklafse nicht kennt und kein Freigepäck giebl. Ueber eine Vereinfachung des Gepäcktariss ließ« sich vielleicht eine Ueberei». stimnmiig erziele», aber die vierte Wagenklasse»verden die süddeutschen Verwaltniige» schwerlich annehmen. In Preuße» haben aber im letzten Jahre nicht»veniger als 36 pEt. aller Reisenden sich der 4. Wagenklasse bedient, i>» Sachsen 21 pEt. Der frühere Minister Maybach hatte in Aussicht genommen, den Einheitssatz der vierten Klasse auf die dritte zn überlragen. Das»vürde aber für die preußischen Staatsbahnen allein einen Einnahme-Aussall von rund 35 Millionen bedeutet habe». Ich nehme an, daß die preußische Etaats-Eiselibah»- verivaUnng de» gegemvärtige» Zeitpunkt zu einer Wiederaufnahme der Refori», nicht geeignet hält. Es scheint mir also von den» A»- trag kein günstiger Ersolg zu erivarten zu sei». Abg. Stolle(Soz.): In bezng aus die Eisenbahiinnsälle ist eine Besserung auch nicht um ei», Jota eingetreten. Nach der Statistik des Reichs-Etsenbahuamts ist in, Laufe des letzte» Jahres eine so große Anzahl von Leuten gelödtet worden und«ine„och größere verletzt worden, daß man die Verluste schon mit denen einer ganz guten Schlacht vergleichen kann. Es sind im Ganzen 2500 Persoiie», auf den deutschen Eisenbahnen gelödtet oder verletzt worden. Eine groß« Zahl von Enlgleisungen hätte nicht vorkommen dürfen bei der»löthigen Betriebssicherheit, wenn der Unterba», und Oberbau der Eisenbahnen gut wäre. Auch durch falsche Signalisirnngen sind Unfälle herbeigesübrt worden, allein aus de» preußischen Eisenbahnen sind dadurch 29 Zusammen- stoße verursacht worden. Da kann man nicht sagen, daß eine sicher- heit auf den deutschen Eisenbahnen vorhanden ist. S�hr viele Stationen sind nicht niit Blocksignalen versehe». Welcher Umstand bindert aber die preußische Elseubahnverwaltung. v,«»öthige», Vorstchtsmaßregel» herzustell«»? Etiva der Wunsch. Ueberschüs'e sür die Verwaltung herauszubringen? Man geht von einem ganz falschen Grundsatz aus, wenn man die Elsenbahnen blos für ei» Institut hält, dazu bestimmt, de», Staatssäckel zu siille». Unfälle werden auch veranlaßt durch die viel zu lange ArbeilSzeit der Beamten. Für viele Beamte ist die Arbeitszeit 13— 14, 14—15 und theil, ueife sogar über 16 Stunden lang, für dies« schwer« Arbeit jedenfalls viel zu viel. Das ist die Fürsorge für das Wohl der Arbeiter vnd Angestellten deS Staats bei Anstalten, welche Miificv. anstalten sein sollten l DU länger« Arbeitszeit kommt hauptsächlich bei dem den Zug begleitenden Personal vor, während andere Leute, die keiner Gefahr anegesetzt sind, eine kürzere Arbeitszeit haben. Wenn derartige Zustände heule noch stattfinden, so ist es die Pflicht des Reichstages, dahin zu wirke», dag menschliche Zustände in den Staatsbetrieben geschaffen werden. Sehen wir uns die Eisenbahn- Einnahmen daraus hin an, ob der Staat mehr Beamten hätte anstellen können, um die einzelnen nicht zu sehr in An- sprach zu nehmen, so finden wir, daß von 183ö/L6 bis jetzt der Ueberschuß um 147 Millionen gestiegen ist. Es wäre also sehr wohl möglich, die Arbeiter und Beamten in eine bessere Lage zu bringen. Die Einnahmen aus dem Eisenbabnverkehr sind so enorm gestiegen wie in keinem anderen Betriebe. Wie kommt es nun, daß der Eisenbahnstaatsbetrieb, der doch eine Musteranstalt sein soll, so traurige Zustände in bezug auf Sicherheit zu verzeichnen hat. In der Industrie komme» nicht so viel Unglücksfälle vor wie im Eisen- bahnbetriebe. Durch Einführung der D-Züge bat man für diel, und II. Klasse ja die größten Bequemlichkeiten geschaffen, für die III. und IV. Klasse aber, die die große» Einnahmen eingebracht haben, sür die armen Leute geschieht nichts, und die IV. Wagen- klasse gleicht heute noch einem Viehwagen wie vor 10 Jahren. Nach Art. 43 der Reichsverfassung bat die Reichs- Eisenbahn- Verwaltung für die Sicherheit des Verkehrs auf den deutschen Eisen- bahnen zu sorgen. Ueberall wird aber geklagt, daß es an Betriebs- Material fehlt. Für die Landwirthschaft find nicht genügend Wagen vorhanden zur Beförderung der Rüben, im Kohlenrevier fehlt es an Wagen zur Beförderung der Kohlen. Das Reichs- Eisenbahnaml sollte, gestützt auf die Verfassung,« die Eisenbahnen anhalten, demnächst neues Betriebsmaterial anzuschaffen. Wie kommt es, daß eine Stadt wie Leipzig mit 400 000 Einwohnern so stief- mütterlich mit Wagen versehen ist in bezng auf den Verkehr nach Preußen? Bei de» Anschlüssen kämpfen zivei Eisen- bahudirektionen derartig gegen einander, daß mqn oftmals glaubt, sich in einem feindlichen Lande zu befinden.(Zustimmung bei den Sozialdemokraten.) Wie engherzig die Eisenbahnverwaltungen sich gegen einander abschließen, beweist das Verfahren i» Leipzig, während der Berliner Gewerbe-Ansstellnng. Die Frage der Tarifermäßigung ist hier schon wiederholt an- geregt worden; der Verein„Zonentarif" hat nachgewiesen, daß die Herabsetzung des Personentarifs den Verkehr nicht vermindern, sondern erhöhe» würde, wie auch das Vorbild anderer Staaten be� weist. Nach der Verfassung sollen auf allen deutschen Eisenbahnen übereinstimmende Ncalements eingeführt werde», um eine Gleich- Mäßigkeit und Herabsetzung der Tarife zu erzielen; davon haben tvir sehr wenig gehört. Die Herabsetzung des Gütertarifs ist nicht nur für die Landwirthschaft erforderlich, sondern in viel höherein Grade für die Industrie; unsere Industrien beschweren sich darüber, daß ihre Waaren verthenert werden durch die hohen Frachtsätze für den Transport vom Jnlande bis zum Meere. Man bezeichnet es doch sonst als eine nationale Ausgabe, die inländische Produktion zu schützen. Die Personenlarif-Bestimmungen in Deutschland sind nicht nur ver- schieden, es sind die reinen Konglomerate. Alle Tarifermäßigunaen kommen bis jetzt nur den Wohlhabenden zu gute. Die weniger Be> mittclten, die sich eine Arbeitsgelegenheit suchen wollen, müssen aber auch eine billige Fahrgelegenheit sür den Fern- verkehr haben. Billige Tarife haben bisher immer noch zu einer Hebung des Handels und Verkehrs beigetragen und die Verwaltung sollte daran denken, daß sie auch die Interessen des arbeitenden Volkes wahrzunehmen hat.(Beifall bei den Sozialdemokraten.) Präsident Schulz: Der Vorredner liebt es, die Zustände aus den deutschen Eisenbahnen möglichst schwarz zu malen. Er hat die Sicherheit des Betriebes als ungünstig bezeichnet. Wer aber den Verhältnissen nähersteht» weiß, daß Hunderte von Millionen von den deutschen Eisenbahnverwaltungen ausgegeben werden zur Erhöhung der Sicherheit des Betriebes. Die Zahl der Entgleisungen und Zusammenstöße hat in 3 Perioden zn je S Jahren ganz erheblich abgenommen. Auf 1000 Millionen Axen-Kilometer entfiele» von 1831/62—1885/30 44 Entgleisungen, in den folgenden 5 Jahren 40, in der letzten Periode 34 Entgleisungen. Zusammenstöße fanden statt in der ersten Periode 30, in der zweiten 25, in der letzten 21. Auch die Sicherheit der Reisenden in Deutschland ist keineswegs eine geringere als in anderen Ländern. Von 1385/90—1824/95 kamen auf 100 Millionen Reisende in Deutschland 1,0, in Oester- reich 2,4, in England 2,7, in Frankreich 3,5 Unfälle. Ich gebe nicht allzuviel auf diese statistischen Daten, aber sie beweisen doch, daß wir mindestens nicht ungünstiger stehen als andere Staaten. Der Vorredner verlangte, daß die deutsche Reichseisenbahn-Verwaltnng hinwirk« auf eine bessere Ausrüstung der deutschen Eisenbahnen mit Betriebsmaterial. Es ist nicht zu verhindern, daß im Herbst, wenn der Verkehr sich hänst, ein gewisser Wagenmangel entsteht, es würde aber unwirthfchastlich sein, wenn nian soviel Wagen beschaffte, wie es nothwendig wäre, um während dieser paar Wochen den Verkehr absolut zu bewältigen. Im ober- schlesischen Revier stehen schon jetzt doppelt so viel Wagen müßig, als gebraucht werden. Die deutschen Eisenbahnen gehe» in an- erkennenswerther Weise mit der Beschaffung des Betriebsmaterials vor. 1890/97 wurde das Betriebsmaterial der Reichs-Eisenbahuen um 2.8, das der preußischen Staatsbahnen um 4.5, das der württem- bergischen um 0.0, das der badisch«» um 5,9 pCt. vermehrt. Wie wenig es die deutschen Eisenbahnen an Sorgfalt für ihre Arbeiter und Angestellten fehlen lassen, beweist der Umstand, daß in den letzten 10 Jahren die Zahl der Beamten und Arbeiter um 30 pCt. erhöht worden sind und daß die Besoldungen um 49 pCt. ge- stiegen sind. Abg. v. Stumm(Rp.): Das Reichs-Eisenbahnamt ist durch- ans nicht in der Lage, in der Weise einzuwirken auf die Eisenbahn- Verwaltungen, wie Herr Stolle das wünscht, trotz aller Verfassungsartikel. Ter Präsident des Reichs-Eisendahn-Amtes hat vollständig recht, daß die Vermehrung des Belriebsmaterials eine recht erhebliche gewesen ist. Daß trotzdem im Herbst zur Zeit der Ernte ein Wagenmangel eintritt ist gar nicht zu vernieiden. Ich möchte beinahe sagen, daß des Guten schon zn viel geschehen ist; ein"/h deS Jahres ist ein großer Theil der Wagen leer. Jm Winter frieren die Kanäle und Flußläufe zu, und dann sollen die Eisenbahnen den Theil des Verkehrs bewältigen, der sonst auf dem Wasserwege sich bewegt. Der Artikel 45 der Verfassung über die Tarife ist längst überholt. In bezng auf das Personal, die Arbeitszeit u. f. w. kann das Reichs-Eisenbahnamt den Verwaltungen keine Vorschriften machen. Es wird vielfach Arbeits- und Dienstzeit verwechselt. Die Dienstzeit ist manchmal sehr lang, aber die eigentliche Arbeit während derselben nicht sehr erheblich. Daß die deutschen Eisenbahnen am sichersten fahre», ist jedermann bekannt. Die preußischen Slaatsbahnen haben ein sehr verwickeltes Tarissystem, aber wenn die Privatbahnen bei- behalten wären, dann hätte man noch viel verwickellere Tarife. (Sehr richtig! rechts.) Bezüglich der Tarifermäßigungen sollte man vorsichtig sei», damit die Ueberschüsse nicht verschwinden, die doch auch ihre guten Seiten haben, indem sie Steuern er- sparen. Tarifermäßignnge» sind vielfach nicht aus finanziellen, sondern aus wirthschastlichen Gründen vom Landes-Eisenbahnrath verivorfen worden und nicht von der Finanzvcrwaltung. Der Staffeltarif ist eine Streitsrage, die so generell eigentlich nicht auf- gestellt werden kann. Jeder Ausnahmetarif ist eigentlich ei» Staffel- tarif wenn man die sich gleichbleibende Expeditionsgebühr dabei in Rechnung stellt. Wir hatten die billigsten P-rsonentarife in Europa und wenn Oesterreich-Ungarn uns etwas überholt hat so sind das Ausnahmevcrhälluiffe. Die Erleichterung des' Reifens führt schließlich dahin, daß die Leute sich w die groben Städte zusammendrängen und man auf dem Lande keine Arbeiter mehr findet.(Sehr richtig k rechts.) Wenn die Lente sich an die Genüsse der großen Städte gewöhnt haben, so wird ihnen das Land zu langweilig. Inzwischen ist-in Zusatzantrag des Abg. Rösick« zu dnn Antrag Pachntck» eingegangen, welcher folgende Nummer 3 hmzu- fügen will: ». daß unter Berücksichtigung der durch die Gütertajfife der Nachbarländer geschaffenen Konkurrenzverhältmff««in« Reform der preußischen Gütertarife erfolgt, welch« sich den Selbstkosten der Eisenbahnen mehr als bisher nähert. Abg. Rösicke(b. k. F.): Das Reichs-Eisenbahnamt entbehrt noch der Stellung, welche wir ihm wünschen, aber das kann uns nicht hindern, unsere Wünsche inbezug auf die Eisenbahntarise hier vorzu- tragen. Die Steigerung des Eisenbahnverkehrs trotz der mangelhaften Tarife beweist nicht, daß die Steigerung nicht noch eine größere ge- worden wäre bei Rücksichtnahme auf die Bedürfrnsse des Verkehrs. (Sehr richtig! links.) Die Vereinfachung des Tarifs ist etwas, aber wesentlicher ist die Ermäßigung der Tarife, die lediglich durch die mangelnde Konkurrenz infolge der Verstaatlichung verhindert wird. Da wir überall im Reiche nach möglichster Einheitlichkeit strebe». so sollte man sie auch ans den Eisenbahn-Verkehr ausdehne». Wen» man eine Personentarif-Reform schafft, kann man die erste Klasse ruhig abschaffen, denn dieselbe ist sehr schwach besetzt und zwei Drittel der damit fahrenden Personen bezahlen nichts, denn e? sind entweder Reichtags-Abgeordneie oder Beamte der Eisenbahne». Durch die Eisenbahn- Fahrpreise sollte der Staat als Unternehmer nicht die Freizügigkeit der Arbeiter beschränken. Die rechte Seite des Hauses strebt nach einer Ermäßigung der Gütertarife. Die Jnter- esscnten werden manchmal einer Tarifermäßignng widersprechen; aber das Reichs- Eisenbahnamt hat die allgemeinen Interessen zu wahren. Um jeden Zweifel daran zu beseitigen, daß auch wir eine Ermäßigung der Gütertarife wünschen, habe ich einen Zusatzantrag eingebracht. Ferner möchte ich die Reichs-Eisen- bahnverwaltung bitten, eine ähnliche Statistik über die Arbeitszeit der Angestellten zu geben, wie sie seitens der preußischen Verwaltung gegeben ist. Das Reichs-Eisenbahnamt sollte an die übrigen deutsche» Eiseiibahnverwaltiingen das gleiche Ersuchen richten. I» alle» staatliche» Betriebsstätten sind 033 000 Personen gegen Unfall ver- sichert; nach ihren Verhältnissen könne» wir die Arbeiterverhältnisse im allgemeinen beurtheilen. Abg. Graf Udo Ttolbcvg(k.): Als das Reichs-Eisenbahnamt errichtet ivurde, lauerte dahinter das Reichs-Eisenbahnprojekt. Das letztere ist gescheitert und die Einzelstaalen haben die in ihre» Ge- bieten liegenden Eisenbahnen erworben. Der Schwerpunkt liegt heute in den Einzelslaaten. Herr Pachnicke hat die Stagnation der Tarife in Preußen auf die Verstaatlichung zurückgeführt. Ich halte die Berstaat- lichung für«in großes Glück; ohne dieselbe hätten wir wahrscheinlich viel mehr zu klagen.(Sehr richtig! rechtS.) Ter Differenzialtarif förderte das Wachsthum der großen Städte und die Verstaatlichung hat zum Glück den Differenzialtarifen die Spitze abgebrochen. Gegenüber den Klagen wegen Ueberfüllung der Wage» für den Stadtbahn- oder Vorortverkehr muß ich feststellen, daß man hier in Berlin um die Hälfte, mindestens um ein Drittel biNiger fährt als sonst. Bei so niedrige» Tarife» kann man kenie außerordentliche Bequemlichkeit mehr verlangen. In bezug auf die Personentarife kann ich mich den Ausführungen des Herrn v. Slunim anschließen. Die Gütertarife bedürfen einer Reform, damit die inländische Produktion geschützt wird. Sachlich stimme ich dem Zusatzantrage des Herrn Rösicke zu. aber ich halte es nicht für ziveckmäßig, einen so wichtigen Antrag im letzten Angenblick vorzubringen, üllle diese Fragen gehören in die Eiuzellandtage. Abg. Fischbeck(frs. Bp.): Alle diese Dinge gehören sehr wohl vor den Reichstag, weil die Reichsverfassung darüber Bestimmungen trifft und weil das Reich selbst auch Eisenbahne» verivaltet. 1891 scheiterte die Reform der Personentarifs an der ungünstigen Finanz- läge, weil nian rein formalistisch argnmentirte: heute nehmen wir soviel ei», bei Ermäßigung wird ein Ausfall a» Einnahme» einlrelc». Man vergaß ganz, daß dabei auch eine Steigerung des Verkehrs und bei Vereinfachung des Tarifs auch Ersparnisse im Betrieb eintrelen. Für die Verstaatlichung hat maii hnnptsäch- lich volkswirthschaftliche Gründe geltend gemacht, aber davon ist beute keine Rede mehr; das Finanzinteresse wird immer in den Vordergrund gedrängt. Die Verbillignng der Personentarife ist ebenso nothwendig wie die der Gütertaris«; bezüglich des Güter- verkehrs ist aber auch eine Erleichterung des Stückgütertarifs noth- wendig. Die andern deutschen Staatsbahnverwaltungen sind uns voransHekommen, und wir wollen hoffen, daß wir bald wieder an der Spitze marschiren. Nachdem Abg. Hug(Z.) auf die von ihm angeregte Frage nochmals ciiigegaiigen war, erklärt Abg. Stolle(Soz.): Ich habe die Zustände nicht schwarz ge- malt, sondern nur so geschildert, wie sie sind; ich liebe es, die Dinge beim rechten Namen zu nennen. Was unsere Arbeiterverhältniffe belriffl, so will ich nicht untersuchen, ob der Präsident des Reichs- Eisenbahnainls über die Zustände in Preußen unterrichtet ist. Ich nehme an, daß er den Verhältnissen fernsteht. Ein- Vergleich mit Frankreich und anderen Ländern ist nicht zutreffend, weil die Zustände dort ganz andere sind und keine Staats- bahne» existiren. Herr von Stumm macht einen Unterschied zwischen der Dienstzeit und der Arbeitszeit und meint, die wirkliche Arbeitszeit sei viel kürzer. Was soll aber der Weichensteller in der Zeit anfangen, während welcher er nicht Weichen stellt; was soll der Lokomotivführer thun, wen» er auf Zivischenstationen liegen bleiben muß, ohne doch wirkliche Riehe zu finden? Die Sicherheit hängt doch davon ad, daß der Lokomotivführer eine wirklich genügende Ruhe findet. Die Beamten müssen also auf ihrem Posten sein, auch wenn sie nichts zu thun habe», wehe ihnen, wenn die Kontrolleure sie da nicht finden! Sie sind also 10 Stunden in Dienst, das ist auch eine lOstüiidige Arbeitszeit. Eine Ermäßigung unserer Personen- tarise, die wirklich ein Konglomerat von Bestimmungen bilden, kann sehr wohl durchgeführt werden, wenn die Eisenbahnverwaltungen nur wollten und nicht immer auf Neberschüsse bedacht ivären. Präsident Schulz: Ueber die Dienstzeit und längste Arbeitszeit der Äahnbeamten sind schon im Jahre 1875 aUgemeine Grundsätze aufgestellt, speziellere Vorschriften hat die preußische Eisenbahn- Verwaltung erlassen. Man würde fehlgehen, wenn man die Eisenbahn- Dienstzeit aller Beamte» schablonenmäßig messen würde. Man muß nach den Anforderungen, die der Dienst an den Einzelnen stellt, genau unterscheiden. Es giebt drei Kategorien. Zur ersten gehören diejenigen Beamten, in deren Dienst nennenswerlhe Unter- drechungen nicht stattfinden. Zur zweiten Klasse solche, deren Arbeits- zeit durch Pausen unterbrochen ist, und zur dritten diejenigen, die während ihrer nominellen Dienstzeit ausgiebige Ruhepausen habe». Weichensteller und andere Beamte auf frequentirten Stationen, Telegraphisten u. s. w. sollen auf den preußischen Staatsbahnen nicht länger als acht Stunden thätig sein. Für die dritte Kategorie erscheint mir eine tägliche Dien st zeit von 14 bis 10 Stunden nicht zuviel. Ein Bahnbeamter einer Neben- bahn, ans der vielleicht vier Züge verkehren, hat durchaus nicht lOstündige Arbeitszeit. Er hat nur gegenwärtig zu sein. wenn die Züge vorüberfahren, und täglich einmal die Strecke zu begehen; er ist meist in der Lage, nebenbei feine kleine Wirthschaft zu versehen. Die Verwaltung wird es an einer Fürsorge sür den Handel auch ferner nicht fehlen lassen. Die vom Abg. Rösicke gewünschte Statistik werde ich gern veranstalten. Wenn Herr v. Stumm meint, daß Artikel 45 der Reichsverfassung sich nicht auf die Kontrolle bezieht und daß die Personentarife davon auSgeschloffen sind, so muß ich dem widersprechen.« Der Antrag Pachnicke wird gegen die Stimmen der Konservativen. sowie eines Theiles des Zentrums und der Nationalliberalen an- genominen; der Zusatzantrag Rösicke wird ebenfalls angenommen gegen die Stimmen des Zentrums und einiger Konservativen. Der Etat des Reichs-Eisenbahnamts wird genehmigt. Es folgt der Etat der R e i ch s- E i s e n b a h n e n. Nachdem bei den Einnahme» der Berichterstatter Pachnicke über die Verhand- lmigen in der Kommission einige Miltheilungen gemacht hatte, führt Abg. Bueb(Soz.) aus, daß die vielfach begehrte Einführung der Kilometerbefte. gegen welche sich die Eisenbahnverwaltung sträubt. keinen Ausfall, sondern eine Steigerung der Einnahmen mit sich bringen würde, wie dies sich in Baden herausgestellt habe. Geh. Ober-Regierungsrath Wackerzapp: Ten Vortheil von den Kilomelerhesten hat die begüterte Klasse der Bevölkerung, die Arbeiterklasse wird davon wenig Gebrauch machen können, denn der Preis eines Heftes beträgt 25 Mark. Die Kllometerhesl« bringen Erschwerungen sür den Abfertigungs- und«ontrolldienst. Darauf wird«in««rtagungsantrag angenommen. Auf Anregung des Vizepräsidenten Schmidt-Elberfeld beschließt das Haus, den von alle» Fraktionen unterzeichneten Antrag d«S Gesanimtvorstandes wegen Errichtung eines PräsidialhauseS ohne weitere Debatte der Budgetkommission zu überweisen. Schluß 5>/, Uhr. Nächste Sitzung Donnerstag! Uhr. (Antrag der Elsässer wegen der Neuregelung der Wahlen zum Landesausfchuß, und Antrag deS Grafen Schwerin wegen der Zollkredite.__ Aus dem Reichstage wird uns mitgetheill, daß in den Plenarberathungen ein« Pauf« von vier Tagen eintreten soll, weil es an Matertal sür die Plenarverhandlunge» fehlt und die Kom- Missionen Zeit erhalten sollen, ihre Berathungen mehr als bisher zu fördern. In der heutigen Sitzung werden Initiativanträge ver- handelt. Morgen sollen einige kleinere Gesetze in dritter Lesung er- ledigt und dann di« Plenarsitzungen big zum 4. März vertagt werden.— Kommisfionsbcrathung deS Entwurfs eiues Handels- Gesetzbuchs. Der erste Theil de»§ 02 lautet l„Wird der Handlungsgehilfe durch unverschuldetes Unglück an der Leistung der Dienste verhindert, so behält er seinen Anspruch auf Gehalt und Unterhalt, jedoch nicht über die Dauer von sechs Wochen hinauS." Alle Abäuderungs-Anträge werden abgelehnt. Der zweite Theil. der besagt, daß Handlungsgehilfen sich den Betrag anrechnen lassen müssen, den sie im Behindernngsfalle auS einer auf grund gesetz- licher Verpflichtung bestehenden Kranken- oder Unfallversicherung erhalten, wird von der Kommission gestrichen. Man hofft, bis zur zweiten Lesung eine bessere Fassung zu finden, die den Wünschen der Handlungsgehilsen mehr entspricht. Zu§ 63 wird beantragt, das Gehalt am 15. und am Schluß zu zahle»; der Antrag wird abgelehnt und dafür gesetzt: Die Zahlung des GehaltS hat spätestens am Schlüsse eines jeden Monats zu erfolge». Hierauf erfolgt unveränderte Annahme der ßß 04, 05, 00, 07 und 08. Im letzteren Paragraphen wurde beantragt, daß Anshilfs- arbeiler eine Kündigungsfrist auch dann haben sollen, wenn das Dienstverhältniß über die Zeit von einem Monat fortgesetzt wird. Es bleibt bei der Vorlage, die da? Kündigungsrecht erst bei einem Dienstverhältniß«intreten läßt, das über drei Monate hinaus fortgesetzt wird. In§ 70 wird eingefügt, daß auch dann der Gehilfe(Gehilfin) ohne Kündigung das Geschäft verlassen kann, wenn sich der Prinzipal „unsittliche Z u m u t h u n g en" zu schulden kommen läßt. § 71 wird ohne Veränderung angenommen.— ß 72 handelt vom Zeugniß. Beantragt wird, daß der Handlungsgehilse ein solches bereits nach erfolgter Kündigung beanspruchen darf. Angeführt wird, daß sich solches von selbst verstehe nach dem ß 030 des B.-G.-B. Ebenso daß die nöthige Zeit zur Auf- snchuiig eines neuen Dienstverhältnisses gewährt werden müsse. (§ 629 des B-G.-B). Alle Anträge werden abgelehnt, ebenso ein Antrag, daß die Zengnisse mit keinerlei Merk- »lalen versehen sein dürfen." Die Regierung führt auS, eine derartige Bestimmung träfe auf die Verdältniffe im Handelsgewerbe nicht zn; sollt« es dennoch geschehen, so sei der betreffende nach dem Bürgerlichen Gesetzbuch schadenersatzpflichtig. Die Verhandlungen werden hierauf abgebrochen. Der Autrag Hompesch wegen Aufhebung deS Jesuiten- gcsetzeS, welcher gestern Abend den Reichstags- Mitglieder» zu- gegauge» ist, hat folgeudeii Wortlaut: Der Reichstag wolle beschließe»: dem nachsteheuden Gesetzentwurf die versassungsmäßige Zustimmung zu ertheilen: Gesetz, betreffend die Anshebuiig des Gesetzes über de» Orden der Gesellschaft Jesu vom 4. Juli 1872(Reichs- Gesetzblatt von 1872 S. 253).§ 1. Das Gesetz, betleffend den Orden der Gesellschaft Jesu, vom 4. Juli 1372(Reichs- Gesetzblatt S. 253) wird aufgehoben. Z 2. Die zur Ausführung und zur Sicherftellung des Vollzugs des im 8 1 genannten Gesetzes erlassene» Anordnungen verlieren ihre Gilligkeit.§ 3. Das gegenwärtige Gesetz tritt mit dem Tage seiner Verkündigung in kraft. Unterzeichiiet ist der Antrag Hompesch von sämmtlichen Mit« gliedern der Zenlrnmsfraktion, auch von de» deutsch-hannoverschen Hospitanten derselben, sowie von den Mitgliedern der polnischen Reichslags-Fraklun n»d von den Elsässer». Mehr als zwei volle Jahre hat der Bnndesrath den Beschluß des Reichstags, daß das Jesuitengesetz aufzuheben fei, liegen lasse», und auch die vor acht Monaten erfolgte Interpellation hat die„Erwägungen" im Bundes- ralh nicht zu beschlennigen vermocht.— Eine Ergänzung deS PreffgesetzeS ist im Reichstage durch eine Petition des Vorstandes des Vereins deutscher Zeitungs- verleger beantragt worden mit Rücksicht auf die»eueren Urheil«, in denen ausgesprochen wird, daß die Verjähr iingsfrist nicht vom Beginn der Verbreitung eines Preßerzeugnisses an lause, sonder» erst vom letzte» Verbreitungsakte derechnet werden könne. Unter diesen Umständen, so wird in der Petition ausgeführt, könne eine Ver- jährung überhaupt niemals eintreten, so lange noch an dem Be« zuge eines Buches im Publikum ein Interesse vorhanden sei, und könnte beispielSiveise der Verkäufer jedes Buches wie Schiller's „Räuber" jederzeit bestrast werden, wenn man darin einen strafbare» Inhalt entdeckt. Di« PetilionSkommission will die Petition dem Reichstage zur Erwägung überweisen. Der Vertreter deS Reichs- Justizamtö in der Kommission erklärte eS als nicht sür seine Aufgabe, sich für die eine oder andere der seitens der Gerichte vertretenen Rechts- austchten ausjiisprechen. Ebensowenig sei er in der Lage mit- zutheilen, ob seitens der verbündeten Regierungen das Bedürfniß einer Ergänzung des Preßgesetzes im Sinn« der Petenten anerkannt »verde. Nur daraus wolle er aufmerksam machen, daß nach der mit- gelhellten Rechtsprechung der Gerichte die Frag« weit mehr für die Preßerzeugnisse in Buchform von Bedeutung zu sei» scheine, alS für die periodische Presse. Ein« Jnunngsinterpellatio» im Abgeordn«t«nhause. Der Abg. Fetisch hat, unterstützt von der konservativen Fraktion. im Abgeordnetenhaus« folgende Interpellation eingebracht: Die königliche Staatsregiening hat am 8. August 1896 im„Deutschen Reichs- und Staats- Anzeiger" einen Gesetzentwurf, betreffend Organisation des Handwerks, veröffentlicht, welcher die Zustiminung deS organifirten Handwerks erfahren hat und von welchem man an- »ehnien durfte, daß derselbe durch den Bundesralh baldigst dem Reichstage zngehen würde. Da eine solche Vorlage bis jetzt nicht erfolgt ist, so richten wir an die königliche Staatsregiernng die An- frage: ob eine Vorlage, welche den am 3. August 1890 veröffent- lichten Entwurf alS Grundlage hat, noch heut den Ansichten der tönialichen Staatsregierung entspricht und demnächst dem Reichstage zugehen wird?—_ D«r LandeSvorstantz der Sozialdemokratie Badens fordert in einer Bekan»t»iachu»g die Parteigenossen auf, baldigst Kandi- baten zu den bevorstehenden Erneuerungswahlen zum Landtag auf- zustellen. Die Kandidaten unterliegen noch der Bestätigung der Landesversammlung, die zu Ostern in Offen bürg abgehalten ivird. Bei den GewerbegerichtS- Wahle« in Gelder» in der Rheinprovinz wurden die sozialdemokratischen Kandidaten gewählt. Ebenso in Dresden, wo, wie uns telegraphiri wird, die Liste unserer Parteigenossen die große Mehrheit der Stimmen auf sich vereinigt. Einen unerwartet großen Erfolg errangen die Partei- genossen in Göppingen in Württemberg. Es wurde» 910 un» veränderte Glimnizettel der Gewerkschaften abgegeben, während die Hirsch- Dnnckerianer und der katholische Arbeiterverein zusammen mit 220 Stimmen vorlieb nehmen mußten. Auch in der Klasse der Unternehmer gelang es in Göppingen, zwei Gozialdemokrale» durchzubringen. Bei den Wahlen zum Gewerbegericht in Frankfurt a. M. erhielt in der Klaff« der Arbeitervertreter di« sozialdemokratische Sifle 4094 Stimme». Die Liste des katholischen Arbeitervereins brachte es nur auf 406. I» der Unternehnierklasse wurden unsere Kandidaten gleichfalls gewählt und zwar nnl 429 Stimmen. Die Innungen hatten keine Kandidaten aufgestellt. Die 66 Beisttzer des Frankfurter Geiverbegerichts gehören nun sämmtlich unserer Partei an. Vou der Agitation. Genosse S ch ö p f l i n aus Frankfurt a. O. hielt in Anhalt eine Anzahl von Bersammlungen ab, u. a. in Nienburg, Bernburg, Hoym, Koswig, Raguh», Pölnitz und Dessau. Sämmtliche Bersammlungen verliefe» ohne jedes störende Borkommniß und erfreuten sich besonders in den kleine» Orte» eines sehr guten Besuches. Im Anschluß an diese Tour wird Genosse Schöpflin noch im Regierungsbezirk Merseburg eine Anzahl Versamm- hinge» abhalten. Reichstagsabgeordneter B r ü h n e sprach in A s ch e r s l e b e n, T h a l e und Quedlinburg über die Thätigkeit des Reichstages. Die Versammlungen waren gut besucht, und sollen den Anfang der Agitation für die nächste Reichstagswahl bilden. Die Parteigenossen sind der festen Ueberzeugung, daß der Wahlkreis bei der nächsten Wahl von uns zurückeroberl werden wird. Todtcnlistc der Partei. Zu einer erhebende» Tranerfeier gestaltete sich das Begräbniß unseres verstorbenen Genossen Kossuth Burkhardl, langjährigen Vertrauensmannes von Glauchau. Das Tranergefolge zählte ca. 2000 Personen, darunter der Reichs- tags-Abgeordnete des Wahlkreises Zwickau- Krimmitschau Genosse Stolle. Zahlreiche Beweise der Theilnahme waren den Hinter- bliebenen zugegangen, darunter ein herrliches Palmengewiude seitens des Reichstags-Abgeordneten des Wahlkreises Glanchau-Meerane Genossen Auer. Ans vielen Orten Sachsens waren die Genossen zahlreich vertreten, insbesondere aus Zwickau. Krimmitschau. Waiden- bürg und Leipzig. Die Genossen werden dem unvergeßlichen Mit- kämpfcr, der alle die Schläge des Sozialistengesetzes mit durchkostet hat, dauernd ein ehrendes Andenken bewahren. Die Sozialdemokratie in Anne n in Westfalen hat einen schweren Verlust erlitten durch den Tod des langjährigen Partei- genossen H e r m a n n S i e k, der auf dem Krnpp'schen Stahlwerk beim Nachsehen der Ringschmierung am elektrischen Motor von den im Gange befindlichen Riemen erfaßt und mit dem Kopfe auf die Riemengabel geschleudert wurde, wobei er sofort todt blieb. Siek war ein überzeugtes, opferbereites Mitglied unserer Partei und ebenso ein tüchtiges Mitglied des Metallarbeiter-Verbandes, dem er seit seiner Gründung angehörte. Ehre seinem Andenken! Polizeiliches, Gerichtliches tc. — Das Reichsgericht verwarf die Revision, die der Partei- genösse C o o r s in Erfurt, verantwortlicher Redakteur der „Thüringer Tribüne" und des„Nordhäuser Volksblatts", und der Arbeiter Münch in S a n g e r h a u s e n gegen das Erkenntniß des Erfurter Landgerichts eingelegt hatten. wonach Coors wegen Be- leidigung eines Ossiziers zu einer Geldstrafe, Münch als Urheber der betreffenden Mittheilung zu 3 Monaten Gefängniß verurtheilt ist. — Die Breslau er„Volksmacht" hat einen Aufruf des Zentral- Streikkomitees i» Hamburg veröffentlicht, worin vor Zuzug gewarnt wurde. Eine Stelle darin lautete:„Wollt Ihr zu Verräthern an Enern Hamburger Brüdern werden?" Der Redakteur Zahn und der Unterzeichner des Aufrufs, Schippmann aus Älltona, hatten sich deshalb vor dem Schöffengericht in Breslau wegen Verrusserklärung und groben Unfugs zu verantworten. Das Gericht sprach beide von der Anklage des groben Unfugs frei, ver- urtheilte sie aber wegen Verrufserklärung zu je 14 Tagen Gefängniß. Beantragt waren 4 Wochen. — Wege» Beleidigung eines Lehrers in Lehesten wurde der Parteigenosse Türke als verantwortlicher Redakteur des„Saal- selber Volksblatts" beziehentlich des„Thüringer Volksfreunds" vom Schöffengericht in Saalseld zu 60 Mark Geldstrafe verurtheilt. — Die„Fränkische Tagespost" hat im Bericht über eine Sitzung der Nürnberger Gewerkschaftsvorstände mitgetheilt, daß dort beschlossen wurde, die Arbeiter sollten für die Hamburger Streikenden 50 Pf. pro Mann und Woche steuern. In dem Bericht ist alles peinlich vermieden, was als Aufforderung zu einer Samm- hing ausgelegt werden könnte, die in dem„freien" Bayern bekannt- lich von behördlicher Genehmigung abhängig ist. Dennoch erhielt der Redakteur Gärtner vom Amtsgericht in Fürth einen Straf- beseht über 20M. und sein Einspruch dagegen wurde von: Schöffengericht verworfen. Er wird nun Berufung einlegen. Der Nürnberger Staatsanwalt hatte an dem Bericht keinen Anstoß genominen. GemevkfchÄftlithes. Achtung, Tapczircr Verlius! In der Werlstatt von I. C. P f a f s, Zeughosstraße 3, sind Lohndifferenze» ausgebrochen. Zuzug ist fernzuhalten. Sämmtliche 34 Kollegen, darunter ein Theil älterer, die seit langen Jahre» dort beschäftigt sind, haben sich solidarisch erklärt. Der Fachverein der Tapezirer Berlins. De» Mitglieder» des VerbaudeS aller iui Handels-«nd Tranöportgewcrbe beschäftigte» Hilfsarbeiter in Berlin zur Nachricht, daß Montag, den 1. März,«ine große Versammlung in den Arminhallen. Kommandantenstr. 20, abends 9 Uhr, ab- gehalten wird, wo R e i ch s t a g s- A b g e o r d n e t e r Molken- b u h r über die Novelle zum U n f a l l v e r s i ch e r u n g s- Gesetz spricht. Da Gäste Zutritt haben, bitten wir die Kollegen, rege für diese Versammlung zu agitiren und die Inserate in der Sonntagsnummer zu beachten. Der Ausstand der Marmorarbciter in S a a l b u r g ist so gut wie beigelegt. Nachdem im Laufe der letzten Tage einige der Ausgesperrten wankelmüthig wurden, beschlossen die übrigen, den Streik zu beende». Die Direktion sicherte ihnen gelegentliche Wieder- einstellung zu, mit Ausnahme der fünf„Rädelsführer". Achtung, Fcilcuhaucr! Die Firma Rudolph Krafft, Feilenfabrik in Hamburg-Eilbeck, beabsichtigt eine Herab- setzung des Akkordtarifs um 10 pCt. eintreten zu lassen. Der Ge- schästsführer gab am 22. Februar bekannt, daß vom l. April an für die Bahnfeilen die 10 pCt. Ausschlag, welche bisher bezahlt wurden, in Wegfall kommen. Zuzug ist fernzuhalten. R. Klein, Vertrauensmann der Feilenhauer Deutschlands. Tic Hamburger Steinsetzer uud BerufSgenosseu haben am letzte» Sonntag in einer äußerst stark(von ca. 500 Mann) besuchten Versammlung eittstimmig beschlossen, den anfangs Januar wegen der Witterungsverhältnisse vorläufig beendigten Streik wieder aufzu- nehmen, und zwar soll die erste Unterstützung schon am Sonnabend ausgezahlt werden. Einen Vermitteluugsantrag zwecks Anbahnung von Verhandlungen haben die koalirten Unternehmer abgelehnt. Sie erklärten, erst nach Wiederaufnahme der Arbeit mit denjenigen Steinsetzern unterhandeln zu wollen, die bei Unternehmern arbeiten." Ein beträchtlicher Theil der Steinsetzer wird nämlich vom Tiefbau-Amt in eigener Regie und von der Verwaltung der Straßen- bahn beschäftigt. Man hofft, daß die Weiterführung des Streiks sich um so leichter gestalten wird, als sofort nach Eintritt milderen Welters nahezu ein Viertel der Ausständigen zu den neuen Be- dinauuaen in Arbeit gebracht werden könne. Und da Arbeit genügend vorhanden ist, so würden auch die dem Bunde der Steinsetzermeister jc. angehörigen Unternehmer wohl oder übel in einigen Wochen nach- geben müssen. Für die dringend nöthigste Unterstützung in den nächsten Wochen sei gesorgt� Die Hamburger Steinsetzer begannen bereits im Juni vorigen Jahres den Streik, der sich am 16. September zum Generalstreik ge- staltete. Sie verzichteten am 26. November zu gunsten der Hasen- arbeiter auf Unterstützung»nd führten den Kamps bis Anfang Januar ohne Unterstützung fort, wo das Frostivetter dem Kampf ein vorläufiges Ende machte. Es wird nun dringend darum gebeten, den Zuzug von Stein- setzeru und Rammer» nach Hamburg fernzuhalten. Gleichzeitig werden die Berliner Genossen noch darauf aufmerksam gemacht, daß Sonntag, den 28. Februar, mittags 12 Uhr. in Keller's Fest- fäleu, Koppenstraße 29, eine Matinee zu gunsten der Hamburger Steinsetzer und Berussgenosseu abgehalten wird. Näheres wird noch durch Inserat im„Vorwärts" bekannt gegeben._ Verantwortlicher Redakteur: August Jaeobey in Berlin. Für den Inj Auf dem Blechwalzwerk von G r i l l o F u n k e u. K o. in Schalke in Westfalen streiken die Arbeiterinnen. Sie fordern Lohnerhöhung. Ueber die Stellung der HandlnngSgehilfen in Frankfurt a. M. zum H a n v e l s- G e s e tz b u ch ist noch ergänzend mitzutheileu, daß in der schon erwähnten Resolution noch verlangt wird, die rechtliche Stellung der Geschäftsdiener, Aus- lä n fer. Packer u. s. w. dahin festzulegen, daß diese Arbeiter in keinem Falle den Gesinde-Ordnunge», sondern der Gewerbe-Ordnung unterstehen. I» Dresden- Pieschen legten in dem Ofengeschäft von Robert Heidrich sämmtliche Töpfer die Arbeit nieder, u. a. weil sie die Materialien unentgeltlich transportiren sollten. Der ge- nannte Unternehmer wird wahrscheinlich auswärts Ersatzkräjle suchen, da die Töpfer Dresdens fast sämmtlich der Organisation angehören. Zuzug ist fernzuhalten. Aus Amsterdam wurde am Mittwoch telegraphirt: Eine von Tausenden besuchte Versammlung des Bundes der Diamant- arbeiter beschlob die Ablehnung des Ultimatums des Juwelier- bundes. Die Aussperrung wird für heute erwartet. Soziales. Ans Bergarbeiterkreisen wird uns geschrieben: Die Seil- fahrt auf d e n G r u b e n ist eine weil gefährlichere Sache, als man seither angenommen hat. Schon wieder macht eine Notiz über ein bei der Seilfahrt auf der Grube Karsten im oberschlesischen Bergreviere Beuthen entstandenes Unglück, das 14 Bergleute schwer getroffen har, die Runde durch die Blätter. Und noch nicht lange ist es her, daß über ein gleiches Unglück geschrieben wurde. das sich bei der Seilfahrt auf Zeche Ludwig in Westfalen zutrug, wo 2 Mann leichte. 8 erheb- liche und 3 schwere Verletzungen erlitten. Auf letztgenannter Zeche war der mit 15 Mann besetzte Förderkorb über Tage mit Wucht unter die Seilscheibe(welche oberhalb des Schachtes liegt) gezogen worden; auf„Karsten" ist der Förderkorb mil 27 Mann unten auf die Schachtsohle aufgestoßen. In letzterem Falle sieht man die Ur- fache in einer Unvorsichtigkeit des Maschinenwärters; in ersterem Falle hi-b es, ein noch nicht aufgeklärter Umstand sei die Ursache ge- wesen. Aber weder die Unvorsichtigkeit deZ Maschinisten, noch«in un- bekannter Umstand sind die wahren Ursachen dieser neuerdings häufiger auftretenden Unglücke. Der Bergrath Starke vom Berg- revier Süd-Dortmund, gewiß ein einwandssreier Kenner, sieht nach seinen Ausführungen im 1895er Berginspektoren-Bericht die Gefahr bei der Seilfahrt darin, daß die Seilfahrt vom Maschinenwärter am Schlüsse seiner Schicht, wenn er also abgespannt ist. abgehalten werden muß. Ferner auch darin, daß nur ein Maschinenwärter die Seilfahrt abhält. Bergrath Starke tritt der landläufigen unbewiesenen Behauptung, daß zwei Maschinisten sich gegenseitig stören würden, entschieden entgegen und bestreitet, daß es bei der jetzigen Manier dem Maschinisten möglich sei, mit der der großen Gefahr entsprechenden Frische und Vorsicht diejSeilfahrt zu leisten. Die Bergrevier-Beamten haben unter anderem auch die Aufgabe, Bergpolizei-Verord nungen anzuregen und vorzubereiten. Wielangewirdesnunnochdauern, oder wieviel Seilfahrt-Katastrophen müssen sich noch er- eignen, bis man an niaßgebender Stelle der Bergbehörden den gewiß ernsten und auf Er- fahrung beruhenden Ansichten des Bergrevier- beamten Starke Gehör schenkt und die Seilfahrt- Ordnung dahin ergänzt?„Unvorsichtigkeit",„unaufgeklärte Umstände" oder„unglückliche Zufälle" können doch nicht bis in alle Ewigkeit als Entschuldigung gellen! Wir sind doch keine unwissenden Kinder, die man mit Märchen abspeist. Genosse Möller hat in seiner am 12. Januar d. I. gehaltenen Reichstagsrede über die ILSÜer Berginspektoren- Berichte die An- schauung des Bergraths Starke über die Seilfahrt als die richtige besonders hervorgehoben und darauf hingewiesen, daß Unglücksfälle durch Reißen des Seiles nicht so sehr zu befürchten seien, als vielmehr durch die Art und Weise der Abwartung der Maschine, wobei er die betreffs etwaigerSchadhastigkeit des Seils jetzt streng geübte Kontrolle als eine doppelt verfehlte hinstellte. Trotzdem sind die Unglücke durch Seilbruch äußerst selten. Wann wird nun einmal die Führung der Maschine während der MannschastS- förderung eben solchen vorbeugenden bergpolizeilichen Verordnungen unterworfen werden, wie das Förderseil? Werden wir auch hier wieder erleben, daß die Wünsche der Arbeiter jähre- lang unerfüllt bleiben? Ueber ein neues Grubeuungliick wurde am Mittwoch tele- graphirl: In der Braunkohlengrnbe bei dem Dorfe Schönow, Kreis Oststernberg, in der Nahe der Posenschen Grenze, wurden achtBergarbeiter verschüttet; obgleich alsbald Reltungs- arbeiten in großem Maßstabe unternommen wurden, war bis gestern Nachmittag keiner der Verunglückten, die alle Familienväter sind, geborgen. Man nimmt an, daß Grubenwasser, welches dort häufig in bedeutenden Mengen auftritt, die Schutzvorrichtungen be- schädigt hat, und daß dadurch das Unglück verursacht worden ist. Die neunstündige Arbeitszeit soll, wie es heißt, in der kgl. Z e n t r a l w e r k st ä t t e in M ü nch e n am 1. März unter Bei- beHaltung des bisherigen Tagelohns eingeführt werden. Aus Heffen. Wegen der ablehnenden Entscheidung der groß- herzogliche» Regierung, betreffend Einführung eines e i n h e i t- l i ch e n Ladenschlusses an Sonntagen in der Pro- vinz Rhein Hessen, hatten die in Mainz wohnhaften hessischen Landtags-Abgeordneten Dr. David, Haas, Dr. Frennay und Dr. S ch m i d t, sowie der Ausschuß des Vereins Mainzer K a n f l e u te am 17. Februar«ine Besprechung. Es wurde be- schloffen, an die zweite Kanimer eine Protesteingabe zu richten. Außerdem einigten sich die Abgeordnete», einen dringlichen Antrag einzubringen dahingehend, daß in ganz Rheinhessen in allen Städten der Ladenschluß gleichmäßig um 1 Uhr nachmittags er- folgen soll.__ Veesammlunüvn. Reichstags- Abgeordneter Ahlwardt sprach am Dienstag zum ersten Mal nach seiner Rückkehr in einer öffentlichen Ver- sammlung in der Tonhalle, Friedrichftraße, über seine Er- lebnisse und Erfolge in Amerika sowie über die ihm jetzt in Deutschland bevorstehenden Aufgaben. Trotz der Erhöhung des bei Ahlwardt üblichen Eintrittsgeldes von 20 auf 30 Pf. hatten sich doch weit über 1000 Personen eingefunden, die den Vortragenden mit Jubel empfingen und seine drastischen Ausführungen mit Heiter- keit und Beifall, theilweise sogar mit förmlichen Lachsalben ent- gegennahmen.— Meine fast heimliche Abreife von Deutschland, be- richtete Ahlwardt, war ein Produkt des damals unter den antisemitischen Richtungen herrschende» Kampfes, aus dem die Juden den meisten Nutzen zogen, und der mir die Frage nahe legte. ob ich den mir von allen Seiten hingeworfenen Fehdehandschuh aufnehmen oder vorerst zurücktreten soll«, bis sich die Meinungen geklärt hatten. Dabei reizte mich auch der Gedanke, in Amerika eine AnUjemitenbewegung in großem Stile einzuleiten,»vie es mir(!!!) mit großem Erfolge in Oesterreich gelungen war. Meine Vorstellungen über die amerikanischen Verhältnisse entsprachen aber nicht der Wirklichkeit; ich suchte ein freies und fand ein dermaßeii geknechtetes Volk, daß dieKnechlschaft in Deutschland noch golden ist. Das Gesindel ist einfach den ausgewanderten Bauern nachgezogen(Hesterkeit). Nach schweren Kämpfen und Entbehrungen habe ich nicht nur ,n verschiedene» Städten Antiseinitenklubs gegründet, sondern dieselben auch zu einer„Amerikanisch-antisemitischen Partei" verschmolzen und derselben ei» Partei-Orgau in deutscher und englischer Sprache ge- schaffen. Selbst auf Samoa ist durch meine Anregung ein«nti- semitenverei» ins Lebe» gerufen.(Heiterkeit.) Lediglich meiner Agitalion ist es zu danken, daß das Einwaiiderlingsgesetz die Tatentheil verantwortlich:»h. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von j Bestimmung anfgeiiommen bat, daß jeder Einwanderer ivenigstens seine Landessprache lesen und schreiben muß, wodurch den russischen und polnischen Juden die Ein- Wanderung erschwert oder unmöglich gemacht wird.(Bravo.) Warum ich so lange drüben blieb? Nun, man ließ mich nicht fort. Man hatte sich verschworen, mich zu ermorden, überfielen mich und nöthiglen mich so, vom Revolver Gebrauch zu machen, bei dessen Anblick das feige Judenpack auseinanderstob. Ich wurde zwar wegen Tragens von verbotenen Waffen unter Anklage gestellt, strengte aber auch Klage wegen Miß- Handlung und Uebersall gegen die gekausten Subjekte an, was zur Folge hatte, daß ich i» Zeugen hast ge« nommen und nur gegen eine von einem Gesinnungs- genossen hinterlegte Bürgschaft von 500 Mark freigelaffen wurde. Die Verhandlungen zogen sich dreiviertel Jahr in die Länge, bis endlich die Akten verschwunden waren. Erst in den letzte» acht Tagen vor meiner Rückkehr ist durch ein Konsortiuni, welches die Sicherstellung des neuen Partei-Organs übernahm, »leine durch die Setzerkosten entstandene drückende Schuld getilgt. Ueber seine nunmehrige Ausgabe spricht sich Ahlwardt dahin aus, daß ein großer Theil Gesiiniungsgenoffen seine dauernde An- Wesenheit in Deutschland für nöthig erachtet hätte». Was könne man auch gegen ihn wohl auszusetzen haben?(Große Heiterkeit.) Es sei am letzten Sonnlage von Vertretern der verschiedene» antisemitischen Richtungen eine„Allgemeine a» t i s e i» i t> s ch e Vereinigung" gegründet worden, in deren Dienst er stehe. Man werde ihn und seine Familie erhalten, aber auch vollständig über seine Arbeitstrast verfügen. Früher hätten seine Gegner Lüge und Verleumdung gegen ihn geschleudert, heule suche man ihn lächerlich zu machen, was jedoch den Krummnasigen und Krumm- beinigen nicht gelingen würde.(Tosender Beifall und Hochrufe) Ter Streik iu der Fahrradfabrik„Sturnivogel" in Halensee wurde am Dienstag in einer Metallarbeiter-Versainm- hing in Charlottenburg besprochen. Wie der Referent B a r o>v s k i ausführte, haben die Arbeiter der Fabrik, 40 an der Zahl, vor einigen Wochen nach eingeholler Zustimmung des Chefs einen Arbeiterausschuß eingesetzt und durch denselben Regelung der Arbeitszeit, Abschaffung der Strafgelder, sowie mancher sonstiger Mißstände beantragt. Als nun am Freitag einer der Ausschuß- Mitglieder plötzlich entlassen wurde, hielten die übrige» Arbeiter dies für eine Maßregelung und nahmen an, daß auch andere dem Chef unliebsame Arbeiter bald ihre Eullassung zu erwarieu hätten. Sie zogen es daher vor. iiisgesaimnl die Arbeit niederzulegen, um nicht, ivie es den Anschein hat, erst ihre Nachfolger anlernen zu müsse», um dann entlassen zu werden. Die Streikenden verlangen Wiedereinstellung aller Ausständige» einschließlich des gemaßregelten Kollegen, sowie die Abschaffung verschiedener Mißstände. Die Firma weigert sich dessen und haben die stattgehabten Berhandlunge» bis jetzt keinen Erfolg gehabt. Durch Annoncen hat die Fabrik 10 Arbeiter herangezogen, die jedoch für die Arbeit schwerlich geeignet sein dürften. Von den Ausständigen, die alle organisirt sind, haben bereits 8—12 anderweitig Arbeit gefunden. Nach Schluß der Diskussion beauftragte die Versammlung die Ortsverwalluug des Verbandes, nochmals mit der Firma in Unterhandlung zu treten und den Ver- such einer Einigung zu machen. Rixdorf. Ueber die Gleichberechtigung der Frau sprach hier am 23. Februar Genosse Liebknecht in einer großen, besonders von Frauen zahlreich besuchten Volksversammlung. Etwa 2000 Personen hatten sich in den„Viktoria-Sälen", dem Ver- sannnlungslokal, eingesunden. Redner behandelte das Thema, das er sich gesetzt halte, von allen denkbaren Gesichtspunkten aus. Er gab seiner Freude darüber Ausdruck, daß auch die Frauen und Mädchen R i x d o r fs zu dem Entschluß gekommen seien. eine» Bildungsvereinzu schaffen. Es sei ihre Pflicht, sich darüber zu unterrichten, was sie zur Wahrung ihrer Interessen zu thun hätte». Mit größter Aufmerksamkeit folgten die Anwesende» dem seffelnde», hochinteressanten Vortrage. Unter lebhaftem Beifall schloß Redner seine Aus- sührunge» init den Worten, daß er und sein« Freund« den Frauen und Mädchen R i r d o r s s bei dem«delen Zwecke, den sie mit der beabsichtigten Schaffung eines Bildnngsvereins verfolgten, gern hilf- reich zur Seite stehen würden.— Gegen die Stimme des Redakteurs T a m a s ch l e von der„Zeit" erklärte sich die Versammlung i» einer Resolution mit dem Vortrage einverstanden. Sie beschloß serner mit allen zu Gebote stehenden Mitteln dafür einzutreten, daß die Frauen dieselben Rechte wie die Männer erlangten. Nach einem warmen Aufruf der Genossin Fahrenwald, eine Kommission mit den ersorderlichen Vorarbeiten zurGründung eines„Frauen- und Mädchenbildungsvereins für Rixdorf" zu betrauen, beschloß die Versammlung in diesem Sinne. Zu dem gedachte» Zwecke wurden sechs Frauen gewählt, die in etwa vier Woche» in iin er neuen Volksversammlung Bericht erstatten werde». Zum 3. Punkte der Tagesordnung. Diskussion über den Vortrag, ergriff zunächst Herr Ta wasch ke daS Wort. Er versuchte es, eine Ausführung Lie bknecht's, deren Sinn er nicht verstanden hatte, vom „Standpunkte der materialistischen Geschichtsauffassung aus zu widerlegen. Im übrigen ritt er aus dem alten Einwand« herum, daß die Arbeiter in ihren Bildlings- und anderen Vereinen nur „Parteiwissenschast" pflegten. Er erhob Anspruch daraus. daß auch andere Leute, wie.abgestempelte Marxisten. gehört würden, besonders aber National-«oziale. Mit Freuden wäre er für einen Bildungsverein, der kein „Anhängsel der Partei-Organisation" sei. Sehr viel zu gute thal er sich auf die Theilnahme der National-Sozialen an der Arbeiter- bewegung, wobei er sich auf den Hamburger Streik bezog. In glänzender, ironisch gewürzter Erwiderung wies L i e b k» e ch l unter stürmischem Beifall die Jrrthümer des Herrn T a m a s ch k e zurück. Auch machte er ihn darauf aufmerksam, daß den Arbeitern jeder willkounnen sei, der ihnen Wissenschaft biete. Die Herren vom national-sozialen Verein sollten„ur kommen. Allerdings würden»e bald einsehen, daß für ihre Halbheiten bei de» Arbeitern k-»»e Gegenliebe vorhanden sei.— Liebknecht und Genossi» Fahren- wald betonten dann auch ganz energisch, daß der Frauen-Bilduugs- verein schon wegen des Vereinsgesetzes jede Politik von nch fern- halte» müsse.— Nach einem Hoch aus de» projeltirlen Verein schloß die imposante Versammlung. Lichtenberg. An, 16. d.M. hielt der hiesige Arbeiter-Bildungs- verein im Lotale des Herrn G i r s ch eine Versammlung ab. Herr Dr. Wey! hielt einen Vortrag über:„Die Heilkraft des Wassers." Die nächste Versammlung des Vereins findet am 16. März Dors- ftraße 2 statt._ Vcpvschea und letzte Llnch eichten. Wie», 24. Februar.(W. T. B) Das„Fremdenblatt" erfährt aus Pelersburg, daß eine Zirkulardepesche Rußlands ergangen sei, die auf Grundlage der Erhaltung des staatliche» Verbandes zwischen Kreta uud der Türkei, sowie der Erhaltung des türkischen Reiches überhaupt eine Euunziation der Mächte betreffend eine Autonomie Kreta's zum Gegenstände hat. Der Anschluß der Kabinette an diese Auffassung würde als Grund- läge und Vorbedingung für die strikte Aufforderung an Griechen» land dienen. Di« griechischen Truppen von Kreta zurückzuziehen und der Aktion der Mächte das Feld zu überlaffen. London, 24. Februar.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Heute begann hier die internationale Konferenz der Hasenarbeiler und Seeleute. Von deutschen Vertreten, sind anwesend Kellermann als Vertreter der Hamburger Hafenarbeiter. Störmer als Vertreter der Hamburger Seeleute, und Schmalfeldt als Vertreter der Hafen- arbeiter Bremens. London, 24. Februar.(W- T. B.) Der Ailsstand unter den Angeftellle» der Nordostbahn nimmt zu; der Passagierverkehr ,st theilweise, der Güterverkehr zwischen Newcastle und Hartlepool gänzlich eingestellt.„. �_.. Rom, 24. Februar.(W. T. B.) Nach der„Oprniono" werde» die politischen Wahle» am 21. März staltfinden._. >!ar Bading in Berlin. Hierzu l Beilage u. Uuterhaltuugsdlatt. lt. 47. 14. ZchMz. Itilnjt dts Jotuätfs" KttUn lollielilatt. i™* 25. Miitt 1897, Die Uage in Hnmbnvg. Unser Korrespondent berichtete am Mittwoch: Von den weißen Schauerlenten— Stückgutarbeitern, Salpelerarbeitern und Korn- Akkordarbeitern— haben jetzt etwa 3500 Mann de» von den Stauern aufgestellten Revers unterschrieben, ferner etwa 700 Mann ans de» anderen Hafenarbeiterbranche». Von den Kohlen-?Iktord- arbeitern hat auch heute Morgen nicht ein Mann de» Revers unter- schrieben. Für sie hat ja die Unterschrist auch weitaus mehr Be- deutung, als für die weißen Schauerleute, denn sie würden sich durch Unterschreibung des Reverses zu einer 14tägigen Kündigung verpflichten. Die für Mittwoch festgesetzt gewesene Sitzung der Lohnkonnnisflon der schwarzen Schauerleute mit den Jmporlenreu wird erst am Donnerstag abgehalten. Die Senatskommission hat heute ihre Be- rathungen über die Verhältnisse des Stauerbelriebes beendet. Die vom Senat auf grund der Ermittelungen gefaßten Beschlüsse sollen in vierzehn Tagen publizirl werden. Die Zeiitral-Ttreikkommissio» der Hafeuarbciter Ham- burgS bestätigt hierdurch, daß ihr von den Gewerkschasten Jenas durch P. Schöps wieder 50 M. zugesandt worden sind. »» * Für die Hamburger Hafenarbeiter gingen bei der berliner Gewerkschaftskommission folgende Beiträge ein: Neberschuß vom WeihnachlSvergnüge» der vergnügten Eck- ro,—. Sch., « Rate I,—. Rudettlub, 7. Rate 8.75. I. u. W. B.. lleberschuß vom Eiccher Mastendall am» Febr. iss? Annenstr. lo. b. A. Härtung 10,60 Personal der Puchdruckerei O. u.»,40. Bon den Brauern d. Preuß auf Lifte 4498, Krieg 19,42. 4494, Tröger 7,90. 4500, Conrad 9,30. 6310, Kuteg 17,10. 6818 16,90, von Krieg. GeburlZtaaZseier Rügeuerslr. 12 6,60. ZIrbeiter von(Bebt. Bergas 6,30. 15 Kollegen der Tischleret Schaub». Franz, Fetlneriir. 2a 7,06. Tischleret Bsnuo Hecht- Audrcaihos 32. 7. Rate 4,70. Fräserei Wolgast u. Hoch. Andreashos, 10. Rat- 9,-. Liste 7143, Deutsche Warte 11,66. Eoldleisteufadrit von Epiesecke. Dresdenerslr. 39. Ii. Rai« 11,—. Mehrere Rottenarbeiler Norddeutsche Gumiui- fobtif, Tempclhoser Ufer, 3. Rate 8,80. Tischleret Wille, Wrangelslr. 136, 9. Rate 3,60. Buchbinderei vo» M. Babing, 12. Rate 10,—. Personal der Buch druckeret v. W. E>-ve. II. Rate 6,30. Rauchllub Grüne Elche, Ueberschub vom Maslenball II,—. Ctocksabrtl Heims u. Evhn, Reichenbergerilr. 113a, s. Rats 7,60. LandtagSseßer v. W. Moser 9,—. Personal der Buchdrnckerei von Liebhett u. TbUsseu, II. Rate 6,40. Eleinbildhauer der Firma Schleicher, 12. State d. lebendig gcivordene Seelrabben im Aquarium 3,—. Mechanische Werlsiatt von R. Klüger, II. Rate 17,—. Tischlerei Becker, Oranienstraße, II. Rate 13,20. Liste 6992, ScherlowSki 4,06. Echneideinühle Emil Krohne ldarunter Tischleret Hart trumpf 2,—), 9. Rat- 6,20. Pianofortesabril v. Jaschinslt 9,—. Liste 3482. Duchow 6,10. Sänimtllche Möbelpoltrer vo» Zelder Ii. Plaleu, Könlgsberger- suaße, u. Rate 14,—. Buchdrucker SIralauerftr. 66, n. Rote 2,25. Schncide- milhle A. Haberer. Antlamerstr. 33 außer einem Bandsägenschneider,».Rate 6,90. Tischlcriverlsiatl von Schuster, Michaelbrücke I, 6. Rate 8,10. Tischlerei von Gustav Stein 6,75. Mübenfadril Sebastiansir. 14, 6. Rate d. R. is,7o. fiion- leuchlerfabrit Dette u. Eo., 10. Rate 9,65. Die Eleinbildhauer vom Play Z-idler 20,60. Tischlerei Eroßlreul 3,45. Pianofortesabril H. Schul,. «lumenstraße 70 u.oo. Zielbewußte Arbeiter der GasglUDlichtfabril, Elsasserstr. 29, 7. Rate 3chd. Tischlerei Franz Tietze, Königsbergerstr. 29 5,-. Liste *437, Tischlerei v. Zietlow. Koppenftraße(darunter luftige Gesell, ch. 3.20) 14,20 O.«., Rixdorf 2,—. Tischlerei S»b, Palltsadenftr. 76, 9. Raie 7,86. Amerilanische Aultion b. Fr. Ließle 9.40. Rolhläppchen l,—. Tischlerei Lindemann, 7. Rate 8.76. Gürtler bei Moserl, II. Rate 1,66. Tischleret Bölerl, Besselftr. 14, 4,20. Milttäreffelten-Arbeiter 4,06. Personal der Buchdruckeret von Feister, 10. Rate 4,95. Personal der Unton-Druckeret, II. Rate 6,76. Tischlerei Baule, Krautstr. 62, 8,96. Tischleret W. Voigt, Weberstr. 3, 10. Rate 6,90. Personal der Buchdruckcret Julius Sittenfeld, IZ. Rate 64,26. Möbeltischlerei von Bieger, Melchiorsir. 23, 9,20. Buchholz, Oranienstraße, 6,70. M. W. 82 Buchdrucker, 7. Rate 16,66. Johannes S., II. Rat« 86,45. Maslenball Gesangverein Lorbeerzivetg Jägerhau» d. Frau Müller«,—. Schraubenfabril von Stelzner, Köpnickerstr. 110, 12,76. Stammgäste bei Breul-Rirdorf, Rosenstraße, 4,60. Ptanomechantl-Fabrir von G. Wtesener, 10. Rai« 9,66. List« 6993 Eleinbildhauer v.«aiser Wilheim-Denlmal 9,60. Lifte 6996, 97, 6268, 6267, 6994, 6266 SIeintndustrie-Arbeiter Berlins durch Blästng 17,96. Rotte au» der Oranienstraße, 12 Rate«,—. Tischlerei von Fr. Berndt, Krautstr. 39, 6,96. Buch- u. Steindruckeret H.$. Hermann, 8. Rate •6,06. Buchdruckeret Krebs, Charlottenburg 6,60. Eteltrolechntsche Fabrtl Rosen- thalerftr. 26, 13. Rate»,—. Sparllub„Ist ja alle» da" von Dalles, Extra- sammlung 4,16. Buchdruckerei Paß u. Sarleb, 9. Rat« 10,10. Bruder Heinrich 4,66. Möbelfabrik von Bach u. Copig, obere Werkstatt, 11. Rate 9.10. Liste 6674, »983 Schlosseret Blume 7,20. Tischleret Bellenbaum, Waldemarstr. 12, 22,—. Melallschmuck-Fabrtk von A. Fries, 9. Rate 4,70. Listen von W. Börner 2793, 4281, 6229, 6270, 6271, 6272 17,10. Dreppengeländer-Fabrik vo» Lütgens u. Bruns 9,—. Tischleret Bormann, Zofsenerftr. 10, auber der unleren Werkstatt, 9. Rate 8.60. Personal der Buchdruckeret E. S. Mittler u. Sohn, 11. Rate 63,76. Bau- tischleret O. Kaiser, Palltsadenpr. II, 6. Rate 6,60. Maschtnenfadrtl Beltng u. Lübke, 12. Rate 4,10. Organtsirte Posamenttrer, 6. Rat« 7,10. Liste 3990 durch A. Rautenberg 9,80. Bautischlerei Wolfs, Reichenbergerftr. 47, 12. R. 7,76. Liste 6096 Zuschneider.von E. Schreiber mit einer Ausnahme 2,60. Liste 6994, 6996 Täschner d. Düsterwaldt 9,96. Möbelfabrik A. Squth, Gr. Frankfurterftr. 125, 6. Rate 11,20. Textilarbetler Köpenickerstraße 7,66. Tischleret Wufterbarlh«. Söhn, Alte Jalob- straße 182, 9. Rate 7,66. Werlabiheilung der Buchdiuckerei Max Babing. 12. Rate 11,—. II. Rate der Buchdruckerei Otto v. Holten 22,10. Tischlerei Osten, «runnenst r. 122. 4,60. Liste 5965, 64 durch Nerrc, Parquetbodenleger, 18,90. Bon den Brauereiarbeitern de? Münchener Brauhauses d. Schüler»4,90. Stockarbeiter Grünstraße. 10. Rat« 6,06. Würzburg, von den Handschuhmachern 19,60. Arbeiter- BlldungSverein Jüdenbach i. Thür. 20,—. Lödersburg bei Staßfurt, von einigen Bergleuten 8,03.«ewerlschaftslartell Potsdam d. B. 26,—. Gewerkschaftslarlell Fürstenwalde 20,—. von den Fürflenwalder Genossen 10,—. Köpenick. Masken- ball d. H. und M. 9,90. Unverbesserliche Rotte der Brauerei Pichelsdorf bei Spandau, 7. Rate 20,40. Französtschestr. 18 bei S. Sch., 8. Rate 6,60. Fratferet von Wagner u. Dünnebetl mit Budiler, Ii. Rate 6.40. Bon den Töpfern Vellens 6i,40. Genosse» au» der Urania, Taubenstraße, 9. Rate 18,60. Drechslerei Wege- leben, Andreasstr. 22, 6 Kollegen, 3,06. Bergdrick, Kallberge Rüdersdorf 30,76. Hoch die Solidarität aus Slabfurt, 7. Rate 7,90. Lederfabrtl von Eick u. Straffer (Gerberei), Bierprozente, 10. Rate 9,60. A. Kleineri, Schöneberg, Hohensriedberg- flraße, 8,60. Aschertleben. Listen 39, 46 26,—. Tischlerei Wegeleben, Kl. Marlus- ftraße, 2,60. Personal d. Echriftgießerei Gronau, 11. Rate 6,26. Die Jnh-iber von Sammellisten für die Hasenarbeiter werde» ersucht, die in ihren Händen befindlichen Listen unverzüglich ab- ,«liefern, da in den nächsten Tagen die ausstehenden Nummern ver- öffentlicht werden. Weitere Beiträge nimmt das Berliner Gewerlschaftsburean (91. M i l l a r g. Berlin 8., Annenstr. 16, vor» part.) in der Zeit von 9—1 Uhr vormittag» und«—8 Uhr abends entgegen. Hevv n. MnkhnZius�Ludom. Unter großem Andränge des Publikums fand gestern vor dem Schösfengericht unter dem Vorsitz des Amlsgerichtsralhs Haack ein Beleidigungsprozeß statt, in welchem interessante Einzelheiten zur Sprache kamen. Kläger war der Nittergntsbesitzer, ehemaliger Chef- redakleur der„Kreuz-Zeitung" v. N a t h u s i n s- L u d o m, Be- klagler der Premierlirutenant a. D. Haas. Rechlsbeistand des Klägers war Rechtsanwalt L- Wolf, während dem Beklagten die Rechisanwälle Justizrath Munckel und Schachtel II. zur Seite standen. Der Thatbcstand läßt sich in Kürze solgendermaße» zusammenfassen: Der Sohn des Klägers ist Premierlieulenant im Pastwalker Kürassier- Regiment. Derselbe heirathete im Früh- jähre 1895 die Tochter ernes sogenannten„Millionenbauers", des Rentners Karl Löper zu Lichtenberg. Wen» der Schwiegervater auch daraus vorbereitet war, daß er tief in seinen Geldbeutel greifen müsse, um de» Schmiegersoh» von Schulden zu befreien, so kamen die Gläubiger nach der Hochzeit aber doch i» solcher Menge und mit so hohen Forderung«», daß Löper sich außer Stande sah, den au ihn gestellten Ansprüche» zu genüge». Er beauftragte seinen Freuiid, de» Beklagte», die Schulden zu regulire». Herr Haas sah bald ei», daß der Premierlieuteuant v. Nathusius in arger Weise bewuchert worden war. Außerdem fand er aber auch, daß viele der in Umlauf ge- setzten Wechsel nicht nur den Namen des Lieutenants v. Nathusius sonder» auch die Unterschrift des Klägers trugen, so daß auch der letztere für Zahlung auszukommen halte. Der Beklagte trat mit viele» Gläubigern in Verbindung, einige derselbe», wie besonders die Kameraden des Schuldners, wurde» voll befriedigt, den anderen Gläubigern bot der Beklagte S3'/Z bis 50 pCt. Bei diese» Verhandlungen soll der Beklagt- sich in höchst abfälliger Weise über den Kläger und dessen Verhalten ansgesproche» haben, er soll ihn als einen Schwindler. Urkundensälscher und Hochstapler bezeichnet haben, der im Gefängnisse oder durch Selbstmord enden werde. Dem Kläger wurden diese ehrenkränkenden Behauptungen hinterbracht und darauf strengte derselbe die Beleidigungsklage an. Der Beklagte bestritt, daß di« inkriminirten Aeußerungen in der Form und dem Sinne gefallen seien, wie der Kläger es angebt. Vor der Hochzeil hätten die Herren v. Naihusins(Vater und Sohn) eine e i d« s- jtattliche Versicherung über die Höhe der vorhandenen Schulden an Herrn Löper abgegeben. Diese Aufstellung habe nicht der Wahrheit entsprochen. Einer der Gläubiger sei sogar mit einer Forderung in Höhe von 300 000 M. hervor- getreten, die für die Heiraths- Vcrnnttelung des Lieutenants v. Nathusius mit Fräulein Löper entstanden sei; Herr Löper hätte ei» Rothschild sei» müssen, um alle Gläubiger be- friedige» zu können. Richtig sei es, daß er. der Beklagte, einigen Gläubigern gesagt habe, daß der Kläger, wenn der Inhalt eines Artikels in der„V o s s i s ch e n Zeit» n g" wahr sei, wegen Ur- kundeufälschnng und anderer Vergehen in Anklagezustand versetzt werden wurde. Er müsse ferner ausrecht halten, daß der Beklagte in unverantwortlicher Weise mit dem Vermögen des Herrn Löper und dessen Bruders, eines alten Junggesellen, dessen Millionen Frau v. Nalhustus ebenfalls beerben werde, um- gegangen sei.— Die erste Zeugin, eine Frau G n h l, bekundete, daß sie an den Lieutenant v. Nalhusins«ine Wechselsorderung von 41 000 M. hatle. Sie habe sich zu dem Beklagten begebe», um ihre Forderung geltend zu machen. Dieser habe ihr anstatt der 41 000 M. nur 13 000 M. geboten. Als sie dies Anerbieten entschieden zurück- wies, habe der Beklagte ihr zugeredet, die 13 000 M. ruhig zu nehme», denn Herr v. Nathusius se». sei ein n o t o r i s ch e r Schwindler, der sich wohl eine Kugel vor den Kopf schieße» würde. In weniger bestimmter Weise äußerten sich die übrigen Belastungszengeu. Der Kläger führte ans. daß er die Schuldenlast nach bestem Wissen und G e lv i s s e n ans- gestellt habe. Wenn später ein nicht aufgesührter Wechsel vo» 300 000 M. zum Vorschein gekommen sei, so sei dies ei» Papier ge- wesen, für tvelches er keine Valuta erhallen habe und welches er vernichtet glaubte.— Zeuge v. Nathusius jnn. giebt an, daß er jetzt Lieutenant zur gieserve sei. Auch er bekundet, daß für den fraglichen Wechsel Valuta nicht gezahlt wurde.— Der Rechtsbeistand des Beklagte» führt noch andere Wechsel ans, welche vo» dem Kläger ver- schwiegen sein solle». Es sind dies Wechsel über größere Beträge, welche, über insgesammt aus 31 000 M. lautend, für 4500 M. von den Gläubigern herausgegeben wurden. Der Kläger weist aus dem Verzeichnisse nach, daß er diese Wechsel zusammengefaßt und nicht den Noininalwerth derselben, sonder» de» Werth angegeben habe, der voraussichtlich dafür gezahlt werden müßte. Es seien Wechsel, welche zur Deckung für Provisionsforderung für zu vermittelnde Geldbeschaffung gegeben worden seien. Eine Frau Probst ans Dresden ist vom Privatkläger mehrfach als Vermittlerin zur Beschaffung von Darlehn benutzt worden. Die Verlheidiguiig legte dem Gerichtshofe ein Schreiben des Herr» v. Nathusius seil, an Frau Probst vor. Der Schreiber erzählt darin von der reichen Partie, die sei» Sohn in nächster Zeit eingehen ivcrde. Die Braut habe noch einen alten Erbonkel, eine» über 70 Jahre alte» Jnnggesellen, der bereits zu ihren gunsten ein Testament gemacht habe. Die Braut werde 6 bis 7 Millionen vo» ihm erben. Die Zeugin Probst giebt zu, daß sie diesen Brief einem Kapitalisten gezeigt habe, in» ihn zur Hergabe von Geld für den Privatkläger zu bewegen. Der Zeuge Löper giebt zu, daß er zunächst sich bereit erklärt habe, die ans 222 000 Mark angegebene Schuldenlast seines Schwiegersohnes zu tilgen, da er angenommeii habe, daß die Gläubiger sich mit etwa 80 000 M. befriedigen lassen würden; als er aber gesehen habe, daß es eine Schraube ohne Ende wurde, habe er die Zahlunze» für seine» Schwiegersohn eingestellt. Jetzt t h u e er für ihn g a r n i ch t s mehr. Der Privalbcklagte hat gegen den Kläger Widerklage erhoben, weil dieser über ihn zu anderen Personen beleidigende Aeußerungen gethan haben soll. Die Zeuge», auf welche sich der Widerkläger beruft, lassen ihn iin Stich, nur die Zeugin Probst beknndete, daß der Kläger v. N. den Widerkläger beschiinpst habe. Während der Vertreter des Klägers die Bestrafniia des Be- klagten beantragte, führte der Vertheidiger ans, daß der Beweis der Wahrheit i» allen Punkten erbracht sei. Jedenfalls sei dargetha», daß Herr v. Nathusius weit über die Grenzen des Erlaubte» hinaus- gegangen sei, wenn seine Handlungsweise vielleicht auch dem Straf- richter nicht eine genügende Handhabe zum Einschreiten gäbe. Justizrath Munckel beantragte die Freisprechung des Be- klagten, tveil derselbe als Beauftragter des Herrn Loeper in Wahr- nehmung berechtigter Interessen gehandelt habe. Der Borsitzende verkündete das Urtheil dahin, daß der Beklagte, Lieutenant a. D. Haas, der Beleidigung in einem Falle schuldig und deshalb mit 30 Mark Geldstrafe, der Widerbeklagte der Beleidiguiig ebenfalls schuldig und mit 100 Mark Geldstrafe zn belege» sei. Die Kosten seien zu einem Viertel dem Beklagte», zu d r e i Vierteln dem Widerbeklagten auferlegt worden. Dem Beklagten sei der Schutz des tz 193 Str.-G.-B. zwar zugesprochen worden, aber in einem Falle sei er in seiner Behauptung betreffs des Herrn v. Nathusius zu weit gegangen und habe sich einer einfachen Beleidigung schuldig gemacht. Das Gericht nehme nicht an, daß der Kläger sich einer strafbaren Handlung schuldig gemacht habe. Er habe sich jedenfalls im guten Glauben be» fnnden. Nach dem Ergebuiß der Beweisausnahnie müsse aber a u ch d e m Beklagten nicht verargt werden, wenn er das Verhalten des Klägers v. Nathusius so gekennzeichnet habe, wie es geschehen sei. Dies sei bei der Abmessung der Strafe berücksichtigt worden. Die Beleidigung, deren der Kläger sich schuldig gemacht, müsse strenger angesehen werden, weil der Widerkläger«ine Persönlichkeit sei. die voll- ständig rein dasteht. UoKales. Städtische Arnicnpflege. Die„osfellt"— d. h. nicht in Anstallen(Obdach, Waisen-, Arbeitshaus, Hospitäler», Kranke»-, Irrenhäusern) ausgeübte— Armenpflege hat 1895/96 wiederum a n Ausdehnung z n g e n o m m« n. Laufende Monats-Unter- st ü tz u n g e n wurden 1895/96(in Klammern für 1894/95) gezahlt: an Almoscnempfänger 4 142 286(3 869 949) Mark in 305 522 (289 580) Portionen, im Durckischnilt pro Monat 25 460(24132) Portionen zu durch schnitt!. 13,56(13,36) Mark; für Pflegekinder — d. h. Halbwaisen, die bei der Muller gelassen werden— 676 704 (655 225) Mark in 107 228(104 097) Portlonen, im Durchschnitt pro Monat 3936(8675) Portionen zu durchschnittl. 6,31(6,29) Mark. Auf je 10 000 Zivileinwohner(mittlere Bevölkerungszahl, berichtigt nach der letzte» Zählung) kamen pro Monat 209(1894/95: 202, serner 1893/94: 193, 1892/93: 188. 1891/92: 178, 1890/91: 172) Portionen Almosen- und Pflegegeld. Der Bericht der Armendirektion für 1893j96 bringt zum ersten Male auch die P e r s o n e n z a b l der Almosenempfänger und Pflegekinder. Diese muß— da viele Unterstützte erst im Laufe des Jahres eingetreten oder vor Ablauf des Jahres ausgetreten sind, also im Jahre weniger als 12 Monals.Portionen erhalten habe»— noch größer als die Portionenzahl sein. Im ganzen wurden 1395/96 23 814 verschiedene Almosenempfänger und 11113 verschiedene Pflegekinder laufend unterstützt, und es erhielt im Jahre der Almosenempfänger durchschnittlich 143,76 M.. das Pflegekind durchschnittlich 60,89 M. Bon den im März 1396(beziv. 1895) in den Listen geführten 26 069(24 903) Almosenenipsängcrn werde» die persönlichen Verhältnisse miigetheilt. 19 341(13 529) waren weiblich, darunter 15 005(14 511) Willwe». Männlich waren 6728(6374), darunter 55(51) frühere Beamte u. f. w.. 58(46) Küiiftler. Gelehrte u. s. w., 340(285) Handeltreibende, 2670(2868) Gewerbetreibende, 3471(8010) Handwerker, 134(114) ohne Berufsangabe. Bei den Angaben über Alter, Ursache der Bedürftigkeit ic. wird leider, wie immer, das Geschlecht nicht unterschiede». Unter 50 Jahre alt waren nur 3138(2987) Personen. 50-60 Jahre 3959(3792), 60-70 Jahre 9645(9299), 70-80 Jahre 7816(7614), über 80 Jahre 1511(1311). Die höchsten Altersklassen überwiegen,— nicht etwa, weil Armuth gesund macht und alt werden läßt, sondern weil die städtische Armenpflege vorwiegend erst da helfend eingreift, wo die Hilfsbedürstigkeit auf hohes Alter zurückgeführt werden kann. Für jüngere Leute hat man eben auch hier ineist die Ant« wort:„Wer jung und kräftig ist, kann arbeiten, und wer arbeiten will, der findet auch Arbeit." Es wurden unterstützt wegen hohe» Alters 14 731(14 051), wegen andauernder Krankheit oder Siechlhums 7323(7244), wegen nicht zureichender oder mangelnder EriverbSfähigkeit 3460(3608). Außer dem laufenden Almosen- und Pflegegeld wurden»och gezahlt 677 863(693 364) M. Extra- Unterstützung in 82 415(82 323) Portionen, im Durchschnitt pro Monat 6363(6361) Portionen, wovon 1565(1357) aus Almosenempfänger, 622(626) auf Pflegekinder, 4631(4873) auf„nur vorübergehend Hilfsbcdiirstige" kamen. Im ganzen wurden von den Armenkommissionen an Unterstützungen(Almosen-, Pflegegeld, Extra- Unterstützung) gezahlt 5 496 353(5 223 537) M. Die gesammten Ausgaben der Armendirektion für den ihr zustehenden Theil der Armenpflege stellten sich auf 7 496 998(7 245 379) M., die Ausgaben für das gesammte städtische Arnienweseii(inkl. geschlossene Armen- pflege) aus 14 462 739(13 997 039) M. Zur Fräße der Berliner Uufallstationc» schreibt uns die Neuner-Komimssio» der Berliner Krankenkasse»: Wir haben die von Kassenmitgliedern vorgebrachten Klagen über die Unsallstationen sorgfältig geprüft; wir suchte» aus den Berichte», welche uns zu- gänglich waren, ei» möglichst unparteiisches Urtheil über die Unfall- statione» zu gewinnen. Wir haben, da wir als Laien uns ein sachgemäßes Urtheil über ärztliche Leistungen nicht anmaßen konnte» und ivollten. die hervorragendsten Chirurgen unserer Hauptstadt, darunter die sännntlichen Leiter der chirurgischen Abtheilmigen unserer großen Krankenhäuser um ihre Meinung ge- bete», weil zn ihnen viele der Verletzten gebracht tverden, welche in de» Unfallstationen die erste Hilfe erhalten haben. Ueberall erhielten wir eine ungünstige Auslunft. Nur das Reichs-Versicherungsamt ist warm für die Unfallstationen eingetreten. Es empfiehlt dieselben in einem Erlaß vom 9. Januar 1896 als Vorbilder anderen Berilssgenossenschnften, da diejenige Berufsgenossenschasts-Sektion, deren Leiter die Unfallstationen ins Lebe» gerufen haben, »ämlich die Sektion VI der Brauerei-Berufsgenossenschast, im Jahre 1894 mit Hilfe der Unfallstationen von 581 Schwer» verletzten 531, d. h. 91,39 p C t. innerhalb der ersten 13 Wochen vollkommen wieder hergestellt habe. Wir haben nach eingehender Prüfung diese Zahlenangaben sofort für falsch erklärt. Jetzt lesen wir in der„Medizinischen Reform" vom 30. Januar 1897, daß der Vorsitzende und der Geschäftsführer dieser Genossenschaslssektion, welche doch allein dem Reichs-Ver- sicherungsamte diese Zahlen geliefert habe» könne», keinen Austand nahmen, vor Gericht zu erklären, daß diese Zahlen falsch und von ihnen nicht dem Reichs-Versicherungsamle gegeben seien. Ja, nach derselben Quelle sollen sie sogar hinzugefügt haben, daß es ein« unerhörte Dreistigkeit gewesen wäre, wen» sie sich gestattet hätten, diese Zahlen dem Reichs-Versicherungsamte einzureichen. Da der Präsident des Reichs-Versicherungsainles, bisher das Wort noch nicht ergriffen hat, können die Zahlen seines Erlasses für uns keine Beweiskraft haben, zninal wir durch sorgfältig« Erklindigungen festgestellt habe», daß die Berichte der Presse über die Unfallstatioiie» auch sonst viele Unrichtigkeilen enthalten; daß die dirigirenden Acrzte wohl selbst kaum glauben, an Wissen und Können de» Chirurgen unserer großen Krankenhäuser überlegen zn sein, und daß ihre Assistente», welche während der meiste» Stunden den Dienst selbständig versehe», ganz junge uuerfahrene Aerzte oder Studenten der Medizin sind. Es ist gut, daß diese Angelegenheit jetzt wieder zur Sprache kommt, wo die Novelle zum Unfall- verflcherilngs-Gesetze dem Reichstage zur Berathung vorliegt. Denn die Geschichte der Berliner Unfallstationen bietet ein lehrreiches Bei- spiel, ivelcher Mißbrauch mit diesem Gesetze getrieben wurde, in wie rücksichtsloser Weise Genossenschaftsvorstände mit den Knochen der in ihren Betrieben verunglückten Arbeiter wirthschaften konnten! Wie kamen die Unsallstationen z» stände? Der Geschäftsführer einer Genossenschastsseklion setzt sich in Verbiudnng mit den ihm befreundeten Vorständen einiger Benifsgenossenschafte» und sucht sich einige, ineist jüngere und unbeschäftigte, aber wohlhabende Aerzle. Diese bekommen zwar kein Gehalt, aber den imponirenden Titel„dirigirender Arzt". Sie richte» sich aus eigene» Mitteln Privatklinikcu und Polikliniken ein, welche sie auf ihre Kosten erhalte» müssen. Die einzige Unterstützung des Kuratoriums besteht darin, daß man ihnen durch Reklame Kundschaft anzuwerben sucht. Dies gelingt aber nur mangelhaft; denn das Pnblikum ist gewarnt und mißtrauisch. Da findet man endlich den rettenden Ausweg in dem 8 760 des Krankenversicherungs-Gesetzes. Dieser giebt den Beriifsgenossenschaften das Recht, den Verletzten schon innerhalb der ersten 13 Woche» in eigene Behandlung zu nehmen. Man macht von diesem Rechte den rücksichtslosesten Gebrauch; man zwingt in allen Betrieben, bei denen man mitzureden hat, den Arbeiter, bei Verletzungen»ur die Hilfe der Unfallstationen ans- znsuchen. So gelang es, die Unfallstationen zu füllen. Und der Arbeiter, der bei einer lebensgefährlichen Verletzung nicht mehr in einem unserer großen ivohleingerichteten Krankenhäuser sich dars bringen lassen, sondern in eine dieser privaten Unfallstatioiie» kommt, die in engen Hofgebänden untergebracht sind? Nun, bisher m»l ß l e er sich fügen; gegen den Wille» der Berussgenossenschasten gab es keine Berufung. Jetzt endlich ist Hoffnung, daß diesem Treiben Schranken gesetzt werde»! Der Z 5o der Novelle bestimmt, daß die Landesbehörde den Berussgeiiosseiischaften für ihren Bereich das Recht entziehen kann, den Verletzten in eigene Behandlung zu nehme», sobald sein« Krankenkasse für ihn getiügend gesorgt hat. Wird dieser Paragraph angenommen, dann erhält der verletzte Arbeiter, ivelcher sich nicht willenlos von einem Genossenschaftsvorstande ver- schicken lassen will, das Recht, die Hilfe der Laudesbchörde anzu- rufen. Die an den Berliner Unfallstalionen interessirten Berufs» genosscnschaftcn wären dann z. B. oft gezwungen, der Landes- behörde den Beweis zu liefern, daß die Arbeiter in die Unfall- station in der Wilhelmstraße oder am Mariannen- Ufer gebracht werden müssen, weil die Behandlung in der königlichen Klinik nicht die Garantie biete, daß ein Knochenbruch in wenigen Wochen dort ebenso„radikal, ebenso gut mit Vermeidung langwieriger Ver« krüppelnng" geheilt werden kann. Wohl mit Recht fürchten sie, daß sie diesen Beweis nicht immer in überzeugender Weise werden führe» können; daß ihre für die Arbeiterschaft nnheil- volle T h ä t i g ke i t nach Ann ahme dieses P a r a» g r a p h e n lahm gelegt wird. Deshalb setzen sie auch jetzt alle Hebel in Be» wegung, um diesen ihnen verhaßten Z5o zu be» s e i t i g c n. Hoffen wir im Interesse der gesanirnten Arbeiterschaft, daß diese Maulwurssarbeit i h n e n n i ch l g e l i n g e n m ö g e! Uns will scheinen, daß die Neuner-Koinmission mit dieser Zuschrift/ die sich gegen unsern Artikel in Nr. 89 d. Bl. richten soll, zum erheblichen Theil offene Thüren einrennt. Daß wir für die im § 6c der Novelle znui Unfall-Bersicheruiigsgesetz den Krankenkassen zugesicherten Rechte eintreten, brauchen wir wohl nachträglich nicht be- sonders zu versichern; gerade unser Artikel wandte sich durchaus gegen ein Hcilungsmouopol der Unfallstationen. Wir sind aber objektiv genug, die Notbweiidigkeit von Jiistitiitionen anzuerkenncn, welche es den verunglückten Arbeitern ermöglichen, schnell zu einer sachgemäßen Hilfe zn kommen. Von dieser Einsicht werden wir uns schwerlich abbringen lassen; am allerwenigsten aber durch den Lärm, den neuerdings eine Klique von Aerzten anschlägt, die gar zu gern gesehen hätten, wenn die Berliner Arbeiterschaft sich verleiten ließe. ihren Privatinteressen Vorspanndicnste zu leisten. Fiir die geplante Rbthcilnng für Unfallverletzte und die Sanilätswache bei der Charilee in Berlin ist folgende Bestim- niung getroffen worden:„Damit die Berussgenossenschaflen die Möglichkeit habe», fortlaufend Kenntniß von dem Stande des Heil» Verfahrens bei ihren Verletzten zu erhalten, sollen an mehreren Tagen der Woche bestimmte Stunden angegeben werden, wo die Vertrauensärzte der Berufsgenossenschafte» die behandelnden Aerzte bei den Krankenbesuchen begleiten können. Auf diese Weise sollen die Vertrauensärzle Gelegenheit erhalten, de» Gang des Heilverfahrens selbst zu beobachten, dem Wechsel der Verbände beizuivohne» ic. Die Abtheilung wird aus öl) Betten be- stehen und nicht nur mit den erforderliche» chirurgischen In- strumenten, sonder» auch mit den Apparaten für das mediko- mechanische Heilverfahren ausgestattet werden." Im gründe könnten mit demselben Rechte, das die Bernfsgenossenschaften für ihre so- genannten Vertrauensärzte beanspruchen, auch die Krankenkassen auf eine von ihren Aerzten geübte Beaufsichtigung der Kranken dringen. Zur Stadtbauraths-Wahl. Der Ausschuß zur Vorberathung der Wahl eines Sladlbanrathes für den Tiefbau— an stelle des in den Ruhestand tretenden Geh. Banraths Dr. Hobrecht— beschloß in seiner am Dienstag Abend stattgehabten Sitzung, der Stadt- verordneten-Versammlung in erster Linie de» Sladtbaurath Genzmer- Halle a. S., in zweiter den Baninspektor Baltzer von der königl. Eisenbahn-Direktion Berlin als Kandidaten für den vakanten Posten in Vorschlag zu bringen. Akademische Freiheit in Preuße». Wie berichtet wird, ist in Universitälskreisen das Gerücht verbreitet, daß gegen das Direk- torimn der Akademischen Lesehalle disziplinarisch vorgegangen werden soll. Uebcr Kaiser Wilhelm II. lesen wir im„Hamburgischen Kor- respondenten": Ei» Lieblingspholograph von Monarchen ist der Londoner Mr. Rüssel, der sich rühmen darf, fast alle gekrönten Häupter Enropa's vor seinem Objekliv gehabt zu haben. Mr. Rassel demerkt, daß der deutsche Kaiser beim Photographiren heroische Stellungen vorzieht, während die anderen Potentaten sich des denkbar simpelste» Bourgeois- Auftretens befleißigen und mit Vorliebe mit— einem Regenschirm vor das Objektiv treten. Das Polizei-Präsidiui» theilt mit: Zur Behebung ent- standencr Zweifel hat das Polizei-Präsidium angeordnet, daß die Droschken- Fuhrherren und deren Vertreter dieNachweisnngs- Listen über Personal und Betriedsmaterial, deren Führung ihnen nach dem Droschkenreglement obliegt, stets auf dem laufende» zu erhalten habe», also die Eintragungen sofort bewirke» müssen, nachdem die Droschke in den Betrieb gesetzt worden oder aus dem- selben zurückgekehrt ist. Die öffentliche Zl n k ü n d i g u n g von G e h e i m in i t t e l n. welche dazu bestimmt sind, zur Verhütung oder Heilung thierischer Krankheilen zu dienen, ist verboten. Uebertretnngen dieser neuer- dingS erlaffenen Polizeiverordnung werden, falls nicht nach den all- gemeinen Strafgesetzen eine härtere Strafe eintritt, mit Geldstrafen vis zu 60 M. oder verhältnißmäßiger Haft geahndet. Die städtische Baudeputation hielt gestern unter Vorsitz des Stadtraths Voigt eine Sitzung ab, in>velcher beschlossen wurde, dem Projekte der Umgestaltung des Potsdamer Platzes znzn- stimmen. Bei diesem Projekte sollen unter Beseitignng des großen Jnselperrons die Bürgersteige in den Platz hinein vorgeschoben »verden. Eine Theilung des Platzes soll durch zwei schmale, im Zuge der Königgrätzerstraße anzulegende Jnselperrons erfolgen, zwischen denen der Verkehr von der Leipzigerstraße nach der Potsdamer- und Bellevuestraße sich in einer einfachen Kurve be- wegen kann. Die Leiche des Droschkenkutschers Böttcher, welche, wie bereits gemeldet, im Schiffsahrtskanal anfgefniiden wurde, zeigt keinerlei Verletznngen, die auf einen etwaigen gewaltsamen Tod, herbei- geführt durch dritte Personen, schließen lassen könnten. Da bei dem Tobten auch die von ihm mitgeführten Werthsachen gefunden wurden, so werden hiermit alle seinerzeit an das Verschwinden des B. ge- knüpften Mnlhmaßnngen hinfällig. Der Komponist und Professor der Hochschule für Musik, Waldemar Bargiel, ist gestern, 63 Jahre alt, hier gestorben. Neber das schwere Braudunglück, das sich am Dienstag Abend in der achten Stunde in dem Hanse Laudsbergerstraße 92 ereignet hat, wird berichtet: Im genannten Hanse haben im vierten Stock die Arbeiter Viet'sche» Ehelente eine Dachwohnung inne. Abends gegen S Uhr verließ Frau V. für kurze Zeit ihre Behausung, um einige Einkänfe zu machen: inzwischen verblieben die beide» Kinder, zwei Knaben, Richard fünf Jahre und Karl sechs Monate alt, allein zurück. Der Säugling lag in der Wiege, während der ältere Knabe ruhig am Tische saß und spielte. Als kurze Zeit darauf Herr V. von der Arbeit nach Hanse kam und die Thür öffnete, schlug ihm dichter Qualm und eine Feucrgarbe entgegen. Richard V., der an der Thür stand, rief dem Vaier zu:„Karl brennt, ich kann nichts dafür!"— Der bestürzte Vater brachte zunächst den älteren Knaben in Sicherheit, da er bis zu der lichterloh brennenden Wiege nicht mehr vor- dringen konnte. Inzwischen war, da die Flamme» bereits zum Dache hinausschlugen, von Straßcnpassanten die Feuerwehr alarmirt, welche nach kurzer Zeit zur Stelle war. Der Säugling kvnnte aber nicht mehr gerettet werde», da der kleine kiörper bereits total ver- bräunt war, das Feuer selbst konnte mit einer Rohrleitung gelöscht werden. Bezüglich der Entstehung des Brandes giebt der fünfjährige Knabe an, daß ihm beim Spielen die Lampe vom Tisch gefallen wäre und zunächst die Wiege des kleinen Bruders in Brand gesetzt habe; das Feuer hat sich dann mit großer Geschwindigkeit verbreitet und den größten Theil der nicht versicherten Wohnungseinrichtung vernichtet. Bei dem Brande gingen auch dem V. gehörige Werth- papiere in Höhe von 1000 M. zu gründe, welche zum theil aus eigeneil Ersparnissen, zum theil ans einer Erbschaft von seinem Bruder herrührten. Ausgerückt. Eine unangenehme Ueberraschung wurde dem Restaurateur B. in der Brüderstraße beim Erivachen am frühe» Morgen. Seine Frau war in Begleitung ihrer Töchter von 16 und 3 Jahren ausgerückt— unter dem Schutze des Versicheruugsbeamte» I. der 27 Jahre zählt. Als Reisegeld halte sie die Geschäftskasse und Werthpapiere im Betrage von 12 000 Mark, die gcsainmlen Er- fparnisse des fleißige» Gatten mitgenommen. Der Versichernngsbenmle halte ein Verhältniß mit der 16jährigen Tochter angeknüpft, welches die Mutter begünstigte; der Vater aber hatte dem jungen Manne das Haus verboten, weil er erfahren hatte, daß I. noch Beziehungen zu einer Kellnerin unterhalten haben soll, und er nicht gern sah, wie Mutter und Tochter dem„Verlobten" fort- während Geld zusteckten. Falsche Zweimarkstücke mit der Jahresjahl 1SS3 und dem Münzzeichen A sind gegenwärtig in Umlauf. Ei« Opfer des Denkinalsbaneö. Verstorben ist gestern im Krankenhause Friedrichshain der am 21. d. M. durch Ausgleiten einer Leiter vom National-Denkmal au der Schloßfreiheit abgestürzte 22 Jahre alle, nnverheirathete Zimmermann Albert Ewald. Er Halle nicht nur beide Beine gebrochen, sondern eS sind auch innere Theile, namentlich die Nieren, schwer verletzt. Massendiebstähle au Frühstücköbeutelu habe» gestern früh in der Lonisenstadt diesseits des Kanals stattgefunden. Allem Au- scheine nach muß sich eine ganze Gesellschaft zu diesen Diebstähle» verbunden haben, den» sie sind in sämmtlichen Häusern fast überall zwischen 6>/2 und N/« Uhr morgens ausgeführt worden. Vollstäudig wiederhergestellt worden sind zwei Personen, an deren Auskommen man fmerzeit kaum noch denken konnte. Der Laternenputzer Christians ans der Dragonerstraße, der am 30. Januar abends beim Reinigen einer Laterne auf der Kronprinzenbrücke in- folge Bruches einer Sproß« von der Leiter aus das Brückeuaeländer und von hier in die Spree hinabfiel, ist gestern als geheilt aus dem Krankenhause entlassen worden, desgleichen der Kaufmann Willy Bartsch aus der Dnnkerstraße, der sich am Id. d. M. nach einem Zerwürfniß mit seinen Eltern in einer Droschke zu erschießen ver- suchte und am Kopfe schwer verletzte. Zu dem großen Koffcrdiebstahl, über den wir vor einiger eit berichteten, erfahren wir, daß es der Charlottenburger riminalpolizei gelungen ist, auch den zweiten Dieb in der Person des Handlungsgehilfen Otto festzunehmen. Dieser war, als sein Diebesgenosse Schmidt am Zoologischen Garten ergriffen wurde. entkomme» und hielt sich seitdem bei feiner Braut, der 26 jährigen ohanna Wasmund in der Kaiserin Augusta-Allee Nr. 83 auf. Die riminalpolizei erfuhr das und verhaftete den Dieb auS der Wohnung herailS. Unglücksfälle im Straßenperkchr. An der Ecke der Rosen- thaler- und Weinmeisterstraße wurde vormittags der ISjährige Arbeitsbursche Martin Sliefke durch eine Anzcigerdroschke über- fahren und an den Unterschenkeln so erheblich verletzt, daß seine Ueberführung in das St. Hedwigs-Krankenhaus erforderlich wurde. — In der Mittagsstunde fiel der SZjährige Schuhmacher Theodor Sturzebecher an der Ecke der Manteuffel- und Reichenbergerstraße während der Fahrt aus einer Droschke und verletzte sich an der Stirn und an der Hand. Er erhiell auf der Unfallstation III einen Verband und konnte dann seine Wohnung aussuchen.— Dienstag Nacht ging das Pferd eines der Brauerei Pichels- dorf gehörigen Wagens, der vor dem Hanse lllammler- straße 32 ohne Aufsicht stand, durch und raste die Straße in der Richtung auf die Brunnenstraße hinab. In der Brunnenstraße lief das Pferd auf dem an der Humboldthain- Seite gelegenen Bürgersteig entlang, bis es vor dem Hause 99 hin« stürzte. Der Wagen wurde stark beschädigt, außerdem ist ein ziem- lich starker Banm umgerissen und zwei Straßenlaternen beschädigt worden. Personen sind nicht verletzt worden. Die Schuld an dem Vorfall trifft den Kutscher, der das Pserd ohne Aussicht gelassen hatte.— Dienstag gegen 5 Uhr entstand vor dem Hause Invaliden- straße 164 am Krenzungspnnkte mit der Brunnen- und Veteranen- straße dadurch eine einslündige Verkehrsstörung, daß ein mit nassem Pferdednng beladener Älrbeitswage» zusammenbrach und die Ladung auf die Pferdebahnschienen siel. Es sammelten sich S2 Wage» der Linie Rosenthaler Thor— Moabit, Schönhauser Allee— Nollendorf- platz, Hasenhaide— Müllerstraße und Ackerstraße— Schlesischer Bahnhos an und es entstand ein Auflauf von etwa 300 Personen. Aus de» Nachbarorte». Ju Nen-Weißcusee steht Albrechtshof in der Paristraße, in Alt- Weißenses die Seelerrasse(Wiltwe Rothe) der Arbeiterschaft zur Verfügung. Die Lokalkommisston. Mit der Frage der Verleihung des StadtrechtS an Schöneberg beschäfngte sich gester» der brandenburgische Provinzial- landtag des langen und breiten. Von der Eingemeindung in Berlin wollte niemand etwas wissen. Es wnrde gellend gemacht, daß durch diese Maßnahme die Steuerkraft der Provinz zu ungünstig beein- flußt werde, und dann wies ein Redner, der Landesdirektor Freiherr v. Manteuffel, dunkel auf die Gefahren hin, die aus der Eingemeindung erwachsen könnten.„Ein noch größeres Anwachse» Berlins", so meinte der Landesdireklor, würde ich für ein soziales Uebel halten. Dagegen ist es gut, wenn ein Gürtel von potenten Gemeinden um Berlin herumliegt. Das giebt eine gewisse Sicherheit gegenüber sozialen Gefahren. Die Ver- leihung des Stadtrechtes wird demnach diese Gefahren hintanhalten, und dieses Hintanhalten der Eingemeindung liegt auch im Jnter- esse der Provinz." Die Idee, daß durch geometrische Kunststücke die soziale Gefahr aufgehalten werden kann, erinnerte an gewisse Wahlpraktiken des verflossenen Pullkamer und sollte palcntirt werden. Die Abstimmung ergab die einstimmige Annahme des KommissionsantrageS, daß der Provinzial-Landtag sich damit einverstanden erkläre, daß der Gemeinde Schöneberg die A n n a h m e der Slädte-Ordnung ihrem Antrage gemäß gestattet '.verde. Vom Walten der Bureaukratie. Der Vorort Lichten- berg hat die diplomatischen Beziehungen zu Berlin abgebrochen! Und das um zwanzig Reichspsennige t Anlaß zu dieser Aktion gab eine zwischen Berlin und Lichtenberg wegen einer„Unterstütznngs- kosten-Einziehungssache" entstandene Differenz. Es handelt sich»m die Wiedereinziehung der von einer Gemeinde für Kur und Ver- pflegnng verausgabten Kosten durch diejenige Gemeinde, nach welcher der Unterstützte später verzogen ist. Die Sachen beruhen affo ans Gegenseiligkeii. Letzthin hatte der Berliner Magistrat von dem eingezogenen Kostenbeträge, den er nach Lichtenberg sandte, das Postanweisungsporto mit 20 Pfennig in Abzug gebracht, weil dies nicht von dem Zahlungspflichtigen hatte eingezogen werden können. Darob in Lichtenberg Entrüstung und ein geharnischtes Kanzleischreibe» mit einer'Abschrift des Ministerial- erlasses vom 13. Juli v. I. In Berlin ist man der Ansicht, daß jener Erlaß, der vorschreibt, daß jede Gemeinde ihre Porlo-Anslagen selbst zu tragen hat, sich nur auf die Korrespondenz beziehe, nicht aber auf die Uebersendnng von Geldern, die im Austrage einer fremden Gemeinde ohnehin kostenlos eingezogen worden sind. Das Ende vom Liebe war, daß der Genieindevorstand von Lichtenberg dem Berliner Magistrat unter Vorrechnung der viele» Berliner Ein- ziehnngssachcn, die er zu besorgen habe, erklärte, daß er vom 1. k. Mts. ab für Berlin daS Einziehnngsverfahren einstellen werde, was der Berliner Magistrat mit einer Schlußabrechnung über die bei ihm schwebenden Lichtenberger Sachen erividerte. Damit sind die frenndnachbarliche» Beziehungen zwischen Berlin und Lichtenberg abgebrochen. Berlin ist ruhig. Eine Mascru-Epidcmic ist in Tegel ausgebrochen, und zwar in so hestiger Weise, daß für den Umfang des Gemeindebezirks die Anzeigepflichl angeordnet ist. Soziale NetlztsNflege. Tuberkulose und Betriebsunfall. Der Arbeiter Kaubing hatte eine Verletzung der Brust erlitten und deshalb eine Unfall- rente beansprucht. Die zuständige Berufsgenoss-nschaft wies ih» jedoch ab, nachdem ihr zwei Arzte bestätigt hatten, daß die Ver- letzung vollständig verheilt sei, K. aber schon zwei Jahre früher einen Blutstnrz gehabt habe und jetzt über Magen- schmerz«» klage. Eine Frage»ach dem Zusammenhang zwischen dem Unfall und dem Magenleiden hatte der eine Gutachter ver- neint. Ter Kläger legte gegen den Bescheid der Bernssgenossen- schaft die Berufung ein, indessen hatte er auch diesmal keine» Er- folg zu verzeichnen. Nunmehr wandte er sich an das Reichs-Ver- sichernngsamt. Bevor dies in der Sache verhandeln konnte, verstarb Kaubing. Statt seiner führte dann die Wittwe und die Kinder den Prozeß weiter, sowohl als Erben wie als Hinterbliebene.— Das Reknrsgerichl holte schließlich noch ein Obergulachten des Professors Dr. Fürbringer ein. Dieser ließ sich folgendermaßen aus: Nach den vorliegenden Gutachten und der Krankheitsgeschichte des Verstorbenen sei anzunehmen, daß er schon lange vor dem Unfälle am Magen ge- litten habe und daß die erwähnte Blutung eine Magenblutnng gewesen sei. R. habe aber auch die Schwindsucht gehabt, und zwar sei er ebenfalls bereits vor dem Unfälle tuberkulös gewesen. Man habe es hier mit einer Kombination von Lungentuberkulose und Magenkrebs zu thun. Der prozentuale Antheil beider Krankheiten am Tode K.'s lasse sich nicht feststellen; es dürste aber die Annahme zutreffen, daß dem Krebs die größere Hälfte zukomme, aber auch die Lungenschwindsucht allein würde über kurz oder lang zum Tode geführt haben. Höchst wahrscheinlich sei das tuberkulöse Leiden durch den Unfall in eine gewisse Bewegung gebracht worden. Es habe demnach mit aller Wahrscheinlichkeit der Unfall, insofern die Schwindsucht am Tode K.'s betheiligt gewesen sein müsse, auch den Tod b e- s ch l e u n i g t.— Auf grund dieses Gutachtens hob das Reichs- V e r s i ch e r u n g s a m t die Vorentscheidung auf uud ver- urth eilte die Bernfsgenoffenschaft zur Rintengewährnng. Die Mitwirkung des Lungenleidens beim Ableben Kanbing's und die Einwirkung deS Unfalles auf das Lungenleide», die Professor Für- bringer annehme, genügten, die Entschädigungspflicht der Beklagten zu begründen._ GevrchkS"Leitung. Wegen Uebertretuug einer Polizeiverorduuug und Erregung ruhestörenden Lärms war der Klempner v. Dorp vom Schöffen- gericht zu 24 Tagen Haft vernrtheilt worden. Er hatte— nach Aussage eines Schutzmannes— in der Nähe der Kottbuser Brücke mit mehreren Kollegen auf der Granitbahn des Bürgersteiges ge- standen, war der Aufforderung zum Weitergehen nicht ge- folgt und soll auch bei seiner Arretirung Lärm gemacht haben, v. Dorp behauptet, ohne Veranlassung sistirt worden zu sein und will namentlich nicht gelärmt haben. Die Bernfnngs- kainmer nahm jedoch den vom ersten Richter festgestellten That- bestand als richtig an. Die Strafe schien aber selbst dem Ktaals- anwalt für die geringfügigen Uebertretungen zu hoch. Er be- antragte eine Geldstrafe von 1ö M.; der Gerichtshof erkannte dem- gemäß. Wegen wiederholter Uuterschlagunge» zum Schaden der Kirchenkasse von St. Georgen standen gestern der frühere Kassirer, jetzige Kaufmann, Karl Friedrich Emil H e i n z e und der Buchhalter Eduard L a t t e y vor der I. Strafkammer des Landgerichts I(Vorsitzender Landgerichts-Dircktor R i e ck). Beide waren schon früher in Gemeinschaft mit dem Kirchhofswärter G r u h n angeklagt worden und die damalige Beschuldigung beruhte auf Geständnissen, die Gruhn dem ersten Prediger von St. Georgen, Superindent a. D. Wegner abgelegt hatte. Ju dem damaligen Verfahren wurde den Behauptungen Gruhn's seitens des Gerichtshofes kein Glaube beigemessen und die Folge war, daß nur©nihil zu zwei Monaten Gefängniß vernrtheilt wurde, da- gegen die Freisprechung der beiden jetzigen Angeklagten erfolgte. Letztere wurden ans ihren Stellungen bei der Kirchen-Rendantur entlassen, während Gruhn inzwischen trotz seiner Ver- u r t h e i I u n g wieder Beschäftigung als Kirchhofsarbeiter gesunde» hat. Nun sind nachträglich noch eine Reihe von angeblichen Slrafthaten der beiden Angeklagten zur Anzeige gebracht worden, welche zur Erhebung der zetzigen Anklage geführt haben. Nach längerer Verhandlung hielt es der Gerichtshof für geboten, die Frage zu prüfen, ob die Angeklagten als B e a in t e anzusehen und deshalb vor das Schwurgericht zu verweisen seien. Dies würde der Fall sein, wenn die Kassenorganisation in St. Georgen eine statutarische Ordnung darstellen würde, welche nach§ 46 der Synodal-Ordnung einer»Zustimmung der Kreis- und Provinzial« Synode und einer Genehmigung des Konsistoriums bedürfte. Weder Superintendent Wegner, noch Kassenrendant Schulz, noch einige als Zeugen anwesende ehemalige Mitglieder der Gemeindevertretttiig vermochten mit Bestimmtheit an- zugeben, ob dieser Instanzenweg beschritten worden und ob eine ausdrückliche Genehmigung der Neuordnung ergangen sei. Die Rechtsanwälte Dr. Lubszynski und Dr. S ch w i n d t bestritten die Beamteneigenschast der Angeklagten schon aus dem Grunde, weil sie auf dreimonatliche Kündigung angestellt und vom Gemeinde- Kirchenrath einfach entlassen worden seien, was bei einem Beamten unmöglich wäre.— Der Gerichtshof beschloß nach längerer Be- ralhung, die Sache zu vertagen und zunächst vom Konststorinm eine amtliche Auskunft darüber einzuholen, ob im Jahre 1889 oder 1830 seitens der Kirchengemeinde- Behörde eine statutarische Ordnung er- lassen ist und diese die Genehmigung des Konsistoriums in Gemäß- heit des s 46 der Synodal-Ordnung vom 10. September 1873 er- halten hat. Grobe Beschimpfungen einer städtischen Lehrerin hatten einen umfangreichen Proze» veranlaßt, dessen Verhandlung gestern einen ganzen Sitzungstag des hiesigen Schöffengerichts in Anspruch nahin. Bei der großen Anzahl der vorgeladenen Zengeu mußte der kleine Schwurgerichlssaal als Folie für die Verhandlung dienen. Die auf fortgesetzte Beleidigung und Körperverletzung lautende 'Anklage richtete sich gegen die Hauseigenthümerin Wittwe W e n st e l, welche durch Rechtsanwalt W r o n k e r ver- lheidigt wnrde, während der als Nebenklägerin zugelassenen städtischen Lehrerin Frl. Zimmermann der Nechlsanwalt Holz zur Seite stand.'Es handelte sich um eine Hausklatscherei m aller- bedenklichstem Umfange, deren leidender Mittelpunkt das im Hanse der Angeklagten Nene Königstr. 4 wohnende Frl. Zimmermann war. Diese ist der Gegenstand häßlicher Anfeindungen im Hanse geworden und hat Beschimpfungen und Belästigungen der mannig- sachsten Art anszuhalten gehabt. Eine ihrer Gegnerinnen ist schon in einem anderen Strafverfahren zu einer empfind» lichen Strafe vernrtheilt worden. Der Aerger und die Pein, denen sie in jenem Hanse ausgesetzt war, hörten aber nicht auf, sondern wurden schließlich unerträglich. Ihre Haupt- gegnerin war die Hauswirlhin, die sie bei jeder paffenden und unpassende« Gelegenheit in nngeheuerlicher Weise beleidigte und beschimpfte. Die Sachlage ist um so eigenartiger, als der Vater der Nebenklägerin aus dem Nachlaß des verstorbenen Ehemannes der Angeklagten Weustel ein Legat erhallen hat und die An« geklagte nun zu ungezählten Malen jedermann mittheilte. daß die Fainilie Zimmermann„ihr"(der Angeklagten) Geld verzehre. Tie vielen nicht wiederzugebenden Schimpfworte, die die Angeklagte für die Nebenklägerin stets bereit hatte, führten schließlich sogar zu einer groben Ausschreitung. Bei einer unbedeuteuden Gelegenheit stieß die Angeklagte ihre Gegnerin so heftig vor die Brust, daß sie diese Treppe hinabfiel und sich blutig schlug. Sie verschmähte es auch nicht, nach der Schuldeputalion zu laufen, Frl. Z. dort anzuschivärzen und ihre Entlassung ans dem Schuldienste zu fordern, da st« dem Alkoholismns zuneige und zur Kindererziehung unfähig sei. Die Ergebnisse der Verhandlung, wobei die Gegensätze oft heftig auseinanderplatzteu, brachten den Gerichtshof zu der Ueberzengung von der Schuld der An- geklagten. Diese wnrde zu drei Monaten und vierzehn Tagen Ge- säugiiiß vernrtheilt. Der JnuungS-Musikmeister Görner in Charlottenburg hält neben 2 bis 4 Gehiffen 40 bis 50 Lehrlinge, deren Aus— bildnng ganz nach dem Herzen eines echten Zunftmeisters betrieben wird. In dem Lehrverlrage ist wenig von den Pflichten des Lehrherrn, destomehr dagegen von de» Pflichten des Lehrlings resp. der Eltern desselben die Rede. Diese müffen erstens ein stattliches Lehrgeld zahlen, ferner die für den Lehrling gezahlten Krankenkaffengelder erstatten, für stets saubere Wäsche und Kleidung, insbesondere für ein:» tadel- losen schwarzen Anzug und Zylniderhut Sorge tragen, lieber- schreitet der Lehrling einen ihm gewährten Urlaub, so haben dessen Eltern für jeden versäumten Tag 3 M., für einen Sonn« oder Feiertag sogar 9 M. an den Meister zu zahlen. Das Züchtigungs- recht sichert sich Herr Görner ausdrücklich durch eine Vertragsklausel, ebenso das Recht, den Lehrling nicht nur zu allen Mnsikgeschäften, sondern auch zu allen häuslichen Arbeiten heranznziehcn. Zwei der Herrn Görner anvertrauten Lehrlinge zogen»S uor, zn ihren Vätern zurückzukehren, und dies» klagen nun beim Amts- gericht zu Charlottenburg auf A u f h e bn» g d e I Lehrvertrages. Sie machten in dem am Montag ab- gehaltenen Termin geltend, daß bei Fortsetzung des«ehr- Verhältnisses nicht nur die Ausbildung, sondern auch die Gesundheit und Sittlichkeit der Lehrlinge gefährdet sei. Kapellmeister Frees» vom Garde-Füsilier-Regiment bezeichnet in einem Gutachten die Ausbildung der von ihm geprnsten jungen Leute als durchaus ungenügend, wahrend der Each» verständige, Kapellmeister M t y d« r vom KonzerthauS, dieselbe für hinreichend hält. Er meint, daß vier, ja sogar zwei Gehilfen im stand« wären, 40-ö0 Lehrlinge sachgemäß auszubilden. In-in.m früheren Termin war zeugeneidlich festgestellt worden, daß die jungen Leute im Sommer oft de» SouiiabendS von 8 Uhr nach« mittags bis 11 Uhr nachts in den Zelten zu musizircn hätte»; am Sonutag um 4 Uhr morgent wüßten sie jchvn wieder ein Frühkonzert aufführen. Da die Zwischenzeit nicht hinreiche, um»ach Hause zu gehen, so suchten sie theils im Kellner- ziiunier Unterkunft, theils brächten sie die Nachtstunden im Thiergarten zu. Nach Beendigung des Frühkonzerls müßten sie den Weg nach Westend antreten, um daselbst von nach- mittags 3 Uhr bis abends 11 Uhr aufzuspiele». Auf die Frage, ob bei einer derartigen Anstrengung noch genügend Zeit zur Ausbildung bleibe, antwortete der Sachverständige Meyder: Wenn die jungen Leute nicht lungenkrank sind, dann ist das für sie eine ganz gute Uebung. Ein Attest des Kreis- P h y s i k u s bezeichnet die von Herrn Görner den Lehr- liugen zugewiesenen Wohn» und Schlafräume als in hygienischer Beziehung unzulänglich. Dieselben seien äußerst unsauber und wäre» trotz niedriger Außentemperatur nicht geheizt. Durch die offenen Thüren drang von dem durch Katzen verunreinigten Treppeuflur ein widriger Geruch. In einem Räume, der für S Betten ausreicht, standen deren 8, und zwar je 2 übereinander. In einer gleichfalls als Schlafraum benutzten Küche war der Wasser- leitungshahn entfernt, das Becken benutzten die Lehrlinge als Be- dürfuißanstalt, die Umgebung desselben war durchnäßt und ver- breitete üble Ausdünstungen. Ueber die Beschaffenheit des vom Lehrherrn gelieferte» Essens klagen die jungen Leute gleichfalls. Einer der Lehrlinge, der schon beim Antritt der Lehrzeit des Klavier- fpielens kundig war, wurde von Herrn Görner ohne jede Aussicht als Klavierspieler in Kneipen geschickt. Hierin erblickt der Baler eine Gefährdung der Sittlichkeit seines Sohnes. Ein Urlheil wurde in diesem Termin noch nicht gesällt. Ter Ortövorstchcr Wittstock ans Schönebeck hatte sich gestern mit noch vier Angeklagten aus derselben Ortschaft vor der zweiten Slrafkamiuer des Landgerichts II wegen falscher Abgabe einer eidesstattlichen Versicherung resp. Meineid zu verantworten. Gegen den einen der Angeklagte», den Müller Stöcker, wurde außerdem noch wegen Verleitung zum Meineid verhandelt. Der Tbatbestand, welcher die fünf angesehensten Bürger unseres Nachbar ortcs auf die Anklagebank brachte, liegt schon drei Jahre zurück und beruht auf Streitigkeiten, welche Slöcker, der in Schönebeck eine Mühle gepachtet, mit einem gute» Nachbar hatte. St. führte damals gegen jenen eine Privatklage wegen Beschädigung resp. Ver Wüstung von Wieseulaiid und erhielt von den übrigen vier Aw geklagten die eidesstattliche Bestätigung seiner Behauptung. Nachdem zene Angelegenheit längst erledigt, wurde aus grund einer Denunziation gegen die fünf Personen, wie oben genannt, vorgegangen. Zu der gestrigen Verhandlung waren einige zwanzig Zeugen geladen, unter diesen auch ei» gerichtlicher Sachverständiger, welcher durch seine Aussagen die Angeklagten erheblich belastete. Der Vertheidiger der letzteren, Rechtsanwalt Salonion, verwarf jedoch die Aussagen des Sachverständigen, weil derselbe bereits seit ILA) als Rentier in Berlin lebe und von der Landwirthschaft infolgedessen wohl nicht mehr viel verstehen dürfte, außerdem habe der Sachverständige das erivähnte Wiesengrundstllck nur ein einziges Mal, und zwar ein halbes Jahr, nachdem die Verwüstung stattgefunden, gesehe». Nach zirka sechsstündiger Verhandlung beantragte der Staatsanwalt gegen den Ortsvorfteher und die drei Mitangeklagten je vier Wochen, gegen den Mühlenbesitzer Stöcker vier Monate Gefäugniß. Der Gerichtshof konnte jedoch die Ueberzeugung von der Schuld der Angeklagten nicht erlangen und sprach sie sSmmllich frei. Ter bekannte Spitzel Frhr. v. Liitzow hat nun durch seine» Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. L u b s z y» s k t gegen den früheren Direktor der königlichen Schauspiele Herr» v. S l r a n tz die Ver- leumduugsklage angestrengt, lieber die militärische Laufbahn des Herr» v. L. hatte seinerzeit das„Kl. I." einen Artikel gebracht, der Gegenstand einer Privatklage de? Herrn v. Lützow wurde. Letzterer zog die Klage zurück, da im Laufe der Verhandlung mit- getheilt wurde, daß der Inhalt des Artikels auf Angaben des Herrn v. Etrautz beruhte. Nunmehr richtet sich die Privatklage gegen diesen. Frau Margarethe Schmidt, Deutsch- Wilmersdorf, Wil- helmsau 29, theilr uns zu dem Gerichtsbericht über die Schöneberger Kirchhossaffär« mit, daß nicht sie, sondern ein Fräulein Emma Schmidt in der Berufuuasverhandlung verurtheilt worden sei. Frau Schmidt in der Berufungsverhändlung verurtheilt worden sei. Margarethe Schmidt ist freigesprochen worden. Vevsammsungem VerbandStag der in Buchbindereien, der Papier- und Lcdcrgalanterirwaaren-Industrie beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen zu Halle a. S. Dritter Perhandlungs- tag. Bormittagssitzung vom 23. Februar. Die Verhandlungen be- ginnen mit der Fortsetzung über die Berathung der Abänderungen des Verbandsstaluts, Abschnitt VHI, betreffend die§§ 20— 23. Als erster Redner tritt S a i l e r- Berlin für Belassung der gegenivärtige» Fassung des Statuts ein, da nach seiner Meinung jeder behördlichen Beschränkung genügend vorgebeugt ist, was auch vom Verbaudsvorsitzendeu Dietrich- Stuttgart bestätigt wird. Pfütze- Leipzig, Schmidt- Mannheim unterstützen in ihren Ausführungen diese Ansicht, während M e h r m a n n und H a r d e n- Hannover für entsprechende Abänderung eintreten, um gegen jedes polizeiliche Einschreiten geschützt zu sein. Die Abstimmung ergiebt Annahme eines Antrages, den§ 20 in seiner jetzigen Faffung zu belassen. I» gleickem Sinne werden hierauf die Abäuderungscmträge zu den§§ 21—23 des Verbandsvorstandes ang enommen, welche anstatt„Mitgliedschaften"„Bevollmächligten lauten und zugleich dem Verbandsvorstande das Recht einräumt, die auf auf ein Jahr erfolgte Ernennung jederzeit zurückzunehmen; de» einzelnen Orten wird das Recht, für lokale Zwecke Gelder auszu bringe», eingeräumt. Ueber Abschnitt VI des Statuts, die Ver- waltung des Verbandes betreffend, wird ein zu Z 11 vom Lr-riiand gestellter Abänderungsantrag: statt„Mitgliedschaft"„Mit glieder" zu setzen, angenommen. Ein Autrag, den Vor- s i tz e» d e n und K a s s ir e r des Verbandes nur auf de» Verbands tagen zu wähle», gelangt nahezu einstimmig zur Annahme mit der Bestimmung, daß die Wahlperiode des Gesammt Vorstandes von einem Verbandstage bis zum nächst folgenden dauert. Zwei Abänderuiigsaiilräge zu den ZZ 12 und 14, zugleich mit dem Ve' bandsvorstand ZIevisore» und den Vorsitzende» des Ausschusses auf dem V e r b a n d s t a g e zu wählen; Absatz des tz 14 �u streiche» wurde ohne Diskussion a u g e n o m m e n. Eine längere eingehende Diskussion zeitigte der Abschnitt IX des Statuts, die U r a b st i m m r n g betreffend. Die Berliner Delegirte» 9 j nach de» gestern gemachten Ersahrungen bei der Ab- Itimmung über die Beitragsleistung übereiiiftimmend dafür, daß neben der Urabstimmung auch die Velbandstage regelmäßig stattfinde». die übrigen Redner sind in ihrer übergroßen Mehrheit ebenfalls für beide Einrichtungen, da die Urabstimmung ein gutes Erziehungsmittel zur Besprechung und Förderung der Verbands- angelegeuheiten sei, während der Verbandetag die Theilnahme der Gesammlheit weniger in Anspruch nehme. Ein Autrag K l o t h Leipzig, den Verbaudstag regelmäßig alle 3 Jahre, die Urabstimmung je nach Bedarf stattfinden zu lassen, wenn eine solche Verbands vorstand und Ausschuß für nolhwendig erachten oder von einem Viertel der Mitglieder gefordert wird, wird nach längerer Diskussion, bei namentlicher Abstimmung mit 16 gegen 11 Stimmen (eine Slimmenihaltuna) abgelehnt, desgleichen ein Antrag Schmidt- Berlin, statt 200, 100 Mitglieder wählen je einen Delegirten. Zu tz 2ö werden zwei Anträge— Hannover, betr. Abänderung desselben,«ach kurzer Diskussion angenommen, wodurch die übrigen Anträge erledigt sind. Ein weiterer Antrag Hannover um Abänderung des tz 26, anstatt 3 Monate, 6 Wochen für Bekanntmachung der gestellten Anträge vor Einberufung des«erbandstages; die Einberufung hat mindestens 4 anstatt 7 Wochen zu geschehen. zu bestimmen. ge. langt ebenfalls. bei Ablehnung der übrigen Anträge. zur Annahme. Zu tz 27 gelangt ei» Antrag der Siebener» Kommission, welcher- eine Einschränkung der übermäßigen Anfragestelluug bezweckt, liebst einem Autrag Hannover, daß Anträge des Verbandsvorstaudes mindesten» S Wochen vor der Ad- stimmung zu veröffentlichen seien, ebenfalls zur Annahme. In' gleichem Sinne werden eine Anzahl Abänderungsanträge zu§ 23 durch Annahme eines Antrags des Verbandsvorstandes, wonach alle gestellten Anträge in den Mitgliederversammlungen be- rathen werden solle», bevor dieselben zur Abstimmung gelangen, a b- gelehnt. Gleichfalls abgelehnt werden mehrere Anträge zu Z2g, durch Annahme des vom Verbandsvorstand gestellten Slntrages, daß Verbandsvorstand und Ausschuß in außerordentlich dringenden Fällen berechtigt sind, einen Verbandstag einzuberufen. Eine recht ebhafte und eingehende Diskussion verursachten eine Anzahl Abänderungsanträge zu tz 30, welche die Zahl der Delegirten auf mehr als 200 Mitglieder ic. einschränken wollen. S ch m i d t, Schulz und Sailer-Berlin, erklären sich nach den bei der Abstimmung über Erhöhung der Beiträge gemachten Erfahrungen, für de» Antrag des Verbau dsvor st an des, das heißt die jetzige Fassung des Statuts: je 1 Delegirter auf 200 Mitglieder, der auch, nachdem sich einige süddeutsche Delegirte dagegen erklärt, mit großer Mehrheit angenommen wird. Ein Antrag Harder-Hannover zu tz 11: Die Wahlperiode des Verbands- Vorstandes»nd des Ausschusses dauert von dem letzten bis zum nächsten Verbandstag, wird mit einem Zusatzantrag von K l o t h- Leipzig: sofern nicht eine Urabstimmung anders bestimmt, wird eben- falls angenommen. Ueber die Unterstützungssrage entspinnt sich eine längere interessante Diskussion, an der sich mehrere Delegirte detheiligen. S a i l e r- Berlin ist gegen jede Erhöhung und Er- leichterung der Unterstützung, weil die Mitgliedschaft Berlin wie schon bisher, eine um so größere Anzahl von Arbeitslosen habe» und der Mißbrauch der Unterstützung sich noch steigern werde. Frau Greife nberg- Berlin ist ebenfalls gegen jede Erhöhung, da eine große Anzahl Arbeiterinnen freiwillig auf jede Unterstützung verzichtet habe, was man von männlichen Mitgliedern nicht immer sagen könne. Da einige Delegirte sich für die gestellten Anträge um Erhöbung er- kläre», sieht der Verbandsvorsitzende Dietrich sich veranlaßt, die Summen, welche im letzten Quartal sich allein aus 3438 M. als Unterstützung beliefen, mitzutheilen. K l o t h- Leipzig erklärt, daß mau dort keine Steigerung der Unterstützungen zu verzeichnen habe, aber ebensowenig für eine Erhöhung sei. Jahn-Berlin erachtet es den Lokalorganisalioue» gegenüber nicht für angebracht, eine Er- höhung eintreten zu lassen, weil diese mehr Kampfesorgauisatiouen sein wollen. Es gelangte schließlich der Antrag des Verbands- v o r st a n d e s für Beibehaltung der jetzige» Höhe der Unterstützung zur Annahme. Desgleichen ein Antrag des Verbands- vor st an des, den Rechtsschutz betreffend, wonach sich Recht- suchende nicht mehr an den Zentralvorstand, sondern an de» betreffenden Gau Vorsitzen den zu wenden habe». Hierauf erfolgt die Mittagspause. Bei Beginn der N a ch m i t t a g s- S i tz u n g wird, nach längerer Diskussion, ei» Antrag: Die Diäten auf 10 M. zu er- höhen, mit geringer Mehrheit abgelehnt, dafür werde» S M. pro Tag bewilligt. Der Zentral-Arbeits nach weis in Berlin, der sich nicht bewährt, wird entsprechend einem Antrag des Verbandsvorstandes, ausgehoben, unter Ablehnung eines Antrages: in Stuttgart eine» Arbeitsnachweis einzurichten. Dafür sollen entsprechend mit den Zahlstellen Arbeitsnachweise eingerichtet werden. Ueber die von Frankfurt a. M. beantragte Ausnahme einer eingehende» B e r u f s st a t i st i k entspinnt sich eine längere Diskussion. Schließlich gelangt ein Antrag Schuhmacher- Berlin zur Annahme, wonach bei Erhebungen im Beruf, der Unterschied zwischen Werkstube»- und Heimarbeit besonders hervorgehoben werden soll. Nunmehr erfolgt die Berathung über die P r e s s«. Nebst einer Anzahl audererVerbesserungsaiiträgeüberde»JuhaItder„Buchbi»der-Zeitung", war von zweiBerlinerMitgliedern beantragt, Redaktion und Verlag der Zeitung nach Berlin zu verlege». Bei dieser Debatte, au der sich nach einander Frey- Stuttgart, Pfütze« Leipzig, S a i l e r, BitomSky, Schmidt, Jahn und Frau G r e i s e u b e r g- Berlin, Frau Kühler- Hamburg und eine Anzahl zumeist süd- deutscher Delegirten betheiligen, zeigte sich wieder eine gewisse Ab Neigung gegen die Berliner, die aber von diese» selbst zerstreut wurde. Der Redakteur und Verbaudsvorsitzeude Dietrich vertheidigt sich in längerer Rede gegen die gegen ihn auch schon früher erhobenen Angriffe, die er als ungerechtfertigt bezeichnet. Würde er nicht so sehr mit Arbeit überhäuft sei», dann könnte er auch besseres schaffen. Aber es liege auch an den Mitgliedern selbst, durch Beiträge fürs Organ den Inhalt zu verbesser». Wolle man ihn nicht mehr wählen oder von seinem Posten be freien, so habe er keineswegs etwas dagegen. Ob aber in Berlin die Zeitung besser werde, sei eme andere Frage. Was für die Arbeiterin»«» in Zukunft gethan werden kann, wird geschehu. Schließlich gelangte, unter Ablehnung aller übrigen Anträge, eine Resolution K I o I h- Leipzig zur Annahme: Jede Um- änderung des Inhalts dem Vorstand und Ausschuß zu überlassen und geeignete Mittel für bessere Arbeiten zur Versüguug zu stellen. Ter Sitz des Verbandes und die Redaktion der Zeitung ver bleiben wie bisher in Stuttgart. Das Gehalt des Re dakteurs wird von 1800 aus 2000 M. erhöhl; dasjenige des K a s s i r e r s bei namentlicher Abstimmung mil 14 gegen 12 Stimmen bei zwei Enthaltungen auf 1600 M. augenomme». Als Verba»ds-Vor- sitzender und giedakleur wird nunmehr Dietrich einstimmig wiedergewählt; desgleichen der bisherige Kassirer Haueisen. Als Sitz des Ausschusses wird H a» n o v e r bestimmt und Härder, einem Beschlüsse gemäß, zum Vorsitzenden ernannt. Die Beisitzer des Berbandsvorstandes erhalten für ihre Mühewaltung insgesammt 120 M. Eulschädigung pro Jahr. Das abgeänderte Statut tritt am I. April d. I. in kraft. Vor Schluß der Verhandlungen wendet sich Dietrich gegen die von Frau Kähler empfohlene Unterfiützung einer von der Generalkommission vorzunehmenden S t a t i st i k. aus den bei „Berufsstatiftik" schon angegebenen Gründen, worauf dieses Gesuch abgelehnt wird. Das Protokoll der Verhandlungen wird als Beilage in der „Buchbinder-Ztg." veröffentlicht. Mit dem Wunsch für ferneres Gedeihen und einem kräftigen dreifachen Hoch, in welches die Dele- girlen begeistert einstimmen, wird vom Vorsitzende» abends 10 Uhr der Verbaudstag geschlossen. Zu der Auflösung der Versammlung im zweiten Wahl- kreis schreibt uns noch ein Vorstandsmitglied des Vereins: Der Vorsitzende eröffnete die Versammlung und war im Begriff, die Tagesordnung zu verkünden, als der überwachende Polizei-Lieuleiiaut die Entfernung der beide» anwesenden„Frauenspersonen" verlangte. Der Vorsitzend« kam dieser Aufforderung sofort nach, da der Polizei« Lieutenant dieselbe auf gruud der polizeilichen Anmeldung als erue nicht öffentliche bezeichnete. Der Vorsitzende erwiderte, daß das Ver- sammlungsgesetz»ur Versammlungen kenne und von ihnen nur ver- lauge, daß sie 24 Stunden vorher angemeldet werden. Gleich nach dieser Erwiderung erfolgte die Auflösung, sowie die Aufforderung, sofort den Saal zu räume». In zirka 3 Minuten hatte sich diese ganze Sache abgespielt. Beschwerde wird felbstverständlich sofort eingelegt.— Krbett»» Kil»un««M,ule.»onnerNag Abend« Uhr bi« wtzUhr! Eüdosl- schule. Watdimarslr. i«: Reds-Uebung tT>- wichttaNen lechnlsche» ErundsShe für die«unft de» öff-nlUchen Reden». Lehr« vom Aufbau eine» vortrage»!. Herr Heinrich Schulz.- Nord schule, Brunnensir.-°!»«schichte(Alle beschichte. Urzeit. Entstehung der Religionen. Ortentalische Böller,«riechen und Römer). Herr Tr. C. Pinn. ?>» S-f-stoU. der Ard»lter-Sildu»,«schul», Brunnenstr. e», ist wachen- tag« von e—» Uvr, Sonntag« von 4-»Uhr, unenlgeltltch fiir jedermann geSsfnel. Tie Besch äst« stelle der Schule Ii.,«tunnenslrabe»S. die den Beretn»- vorständen zur«ermtttelung von Vorträgen wissensch-stlichen Eharatter« zur Berfügung steht, ist»bensall« von S-» Uhr nachmittag« geöffnet. ArbeUer-Hiiuaetduud Berti»« und Umgegend. Borsttzeuder Ad. Neumann, Baseivatlerstr.». Alle«enderungen tin veretn»lal«»d«r find zu rtchte» au Sriedrtch «orium,»lanleusselstr. 4», v., Tr. Zudeiier-»««cherbnud Oer»»« und A-g»«««».«enderunaen im veretnSlaiender find zu richten an Hermann Braunschweta,»reddener- ftraße»0.». Hos. 4 ,r. .«>">»*"»»d,U»r»,r,i««»,r>iu« und»mg, All, Luschrtsi«». den«und betreffend, sin» zu richten au P.»ent. 8. jvrettdener' strahl lOT/i. f«rllne» zlaturheilveriin 2. Heut«, abend» ejs Nhr. im«aale de« Verein« junger«aufleute, B-uihstr-ste 10: Vortrag de« Herrn R.«erltng über: HypnotiSmu« und seine Anwendung in der Heilkunde und in der Erziehung. Mit Experimenten. Arindo's'cher Stenographenverein Zthalanr. Heute, abend» s# Uhr, Dresdenerstr. 46: Unterricht. Merlin fiir Körper- und ztatnrheilkund«. Heut«, abend« S Uhr, Perle- bergerftr. esg Zutritt hat, vorsprechen sollen.— H. S. 58. 1. Garnicht. Ja. 4. Stets, Sie sind einer der Vielen, die leider erst durch vier Klassen: 1. Abkömmlinge, 2. Eltern und' Voreltern, 3. Geschwister und deren Abköminlinge, 4. die übrigen Seitenverwandten des Erblassers. Wenn Personen vorhanden sind, welche in einer früheren Klasse stehen, werden die zu einer späteren Klasse gehörigen nicht Erbe. Gelangen Geschwister zur Erbfolge, so erben sie zu gleichen Thcilen. Erbschaften werden nicht von Amtsweaen regulirt. Um die Regulirung haben fich die Erben selbst zu kümmern. — W. B. Sie müssen den Gläubiger, der hat pfänden lassen, unter Glaubhaftmachung Ihres Eiaenthumsrechts zur Freigabe auffordern, und, falls diese Aufforderung fruchtlos ist, beim Amtsgericht Ilage>tnd einen EiustellungSantrag stellen. die JntervcntionS- Ein Beispiel für solchen Antrag ge i mm_.. m und Klage können wir Ihnen im Raunt des Briefkastens nicht geben. Sie finden ein Beispiel im„Arbeiterrecht" S. 305 u. 306.— A. S. 1. Ja. 2. Nein. 3. Solch Institut leimen wir nicht.— P. K. 100. Die Geschiedene kann bei dem Landgericht beantragen, den Dispens vo»t Ehe- verbot nicht zu ertheilen.— 4001 G. Die in Pfand gegebenen Gegen- stände sind nicht Eigenthum der Gläubiger geworden, Er hat sie Zahlung der Restsumme herauszugeben.— B. 20. Da kein Q Verhältnitz, auch kein gewerbliches Arbeitsvcrhälwiß vorliegt, so kann ohne Da kein Gesinde� Kündigung allmonatlich beiderseits das ArbeitSverhälwiß aufgehobeil werden.— Zeughofstr. 3. Der Kreis Friedebcrg- Arnswalde wählte nach dem Tode seines konfervativen Vertreters Meyer-ArnSwalde im Jahre 1892 den Ahlwardt und zog diesen auch im Jahre 1893 dem Landraths- Kandidaten vor.— Herrn.®., Charlottenburg. Ist sehr zweifelhaft. — Waisenhaus 3. P. Sie scheinen nicht ein evangelisches Waisenhaus, sondern die städtische Waiscnpflege zu meinen. Sprechen Sie gelegentlich zur Klarstellung in der juristischen Sprechstunde vor.— H. B. Die Erben müssen spätestens am 1. April zum 1. Oktober kündigen.— H. 53. Klebe- pflichtig, aber nicht krankeiiocrsicheriingspflichtig sind Sie.— A. Sch 440. Beschwerde ist zulässig, wäre aber kaum von Erfolg begleitet.— S., Rum- melsburg. Beschweren Sie sich beim Reichs-Berstcherungsamt.— Kusel 400. Ja.— S. Pankow, E. 44. Lottman». Nein.— Stafffurt. Zur Klage ist leider nicht zu rathen.- G. Sperl. In der Sache ist leider nichts zu machen. Briefkasten der Expedition. Rothe Gifthütte, Wiirzburg. Fordem Sie die Verlags anstalt auf, daö Buch oder Ihr Geld zu senden. O. M. Wir haben keine Karte erhalten. Wittcr»»gSIibcrs!cht vom 24. Februar 1807. Wctter-Proanose fiir Donnerstag, de» 25. Februar 1897. Nachts etwas kälter, am Tage mild, vielfach heiter, zeitweise wolkig bei mäßigen westlichen Winden; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterb» renn. Folgende Z�avteifpvdMonvn nehmen Abonnements auf den „VorrvÄvks", Freie Stunde«, Jacob»»d Postillo» entgegen: Berlin vierter Wahlkreis O.: Robert Wenzels, Fruchtstr. 30, Hof I.- 8«.: Fritz Thiel, Slalitzcrstr. 3ö v. pari.- Sechster Wahlkreis(Moabit): Karl Anders, Salzwedeler- straße 7, pari, im Laden.— Weddlng und Oranienbnrger Torstadt: Emil Stolzenburg, Wiesenstr. 44.— tüesnndbrimnen: Wilh. Gaßmann, Grünthalerstr. 64.- Bosentbaier Torstadt: Gustav Rosenthal, Wranseerstr. 6.— ScbOnbanser Torstadt: Karl Mars, Kastanien-Allee 95/96.— Charlottenbnrg: Gustav Scharnberg, Pcstalozzistr. 34, Quergeb. pari.— Bentscb-Wiimers- dorf: Frau K übler, Sigmaringerstr. 34 und Frau Heinemann, Sigmaringerstr. 35.(Hier ist auch die„Brandenburgische Volks-Zeitung" zu erhalten.)- Bixdorf: Ostermann, Jägerstr. 70, EL- SchOne- berg: Wilhelm 8 5 um l er, Belzigerstr. 69, Seitenflügel pari.- Johannlsthal-Xieder-SchUneweide: Otto John, Johannisthal, Friedrichstr. 57. Annahmestelle: Rieder-Schöneweide: Karl Weber, Zlgarrengefchäft. Außerdem ist sämmtllche Parteiliteratur, sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Auch werden Inserate für den„Vorwärts" entgegen genommen. imüUUjäU lüllsJlUi Seder Freund guter Romane abonnire auf Wöchenklich erscheint ein reich illustrirles Hest zu 1t) Pfennig. -_—- Jeder Tolporteur, seder Leltungsspedtteur und sede Buchhandlung nimmt Lestellungen entgegen; edenso der Verlag: Buchhandlung Vorwärts Verlin SW., Seuthstr. 2. WSSWSI! Stiie den Inhalt der Inserate -idernimnit die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei __ Verantwortung. WheAkev. Donnerstag, denLS.Februar. Opernhaus. Das Heimchen am Hcerd. Schauspielhaus. Doktor Klaus. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Renaissance. Lessing. Das Glück im Winkel. Neues. Marcelle. Unter den Linden. Indigo und die 40 Räuber. Ostend. Berlin wie es weint und lacht. Westen. Die berühmte Frau. Residenz. Associss. Thalia. Frau Lieutenant. Schiller. Ei» Volksfeind. Zentral. Ein fideler Abend. Volks. Von Stufe zu Stufe. Friedrich- Wilhclmstädtisches. Der Trompeter von Säklingcn. Alexandcrplah. Eine pikante Ehe. Belle-Alliance. Trilby. Parodie. Schloß Greifenstein oder Der Sammetfchuh, nebst dem Vorspiel: Zulima. die Türkin. Passage-Panoptikum. Assentheater. Apollo. Spezialitäten. Belle-Mante-Theater Volks-Vorstellung unter Regie von.Villi«» Tflrk. Sonntag, den 28. Februar, nachmittags 3 Uhr: Zum letzten Male: Das Kiithchell voll Heilbroltlt. Von Heinrich von Kleist. Käthchcn: Wilhelm« Wagner. Wetter v. Strahl: Heinrich Frey. Rheingraf v. Stein: Rich. JürgaS, Theobald: Wilh. Karfiol. Eiutrittskarten k 00 Pf. sind in den bekannten Geschäften zu haben. In Vorbereitung: Die Jungfrau von Orleans. SchillviMEHvakev (Wallncr-Thcator). Donnerstag, abends 8 Uhr: Ein Volksfeind. Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Am Tage deS Gerichts. Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. Donnerstag, den 26. Februar: Knill Thomas a. G. Abends 7V, Uhr, zum 20. Male: Ci« sideler Abend. Morgen und die folgenden Tage: Kln fldoler Abend. Oftend-Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Dir.«. Weist. Vorletzte Aufführung: Berlin, wie es weint und lacht. Ansang 8 Uhr. Friedrich Wilhelmst. Theater. Der Trompeter von Sällkingen. Romantisches Schauspiel mit Gesang in 3 Atten(7 Bildern) von E. Hilde- brandt und I. Keller. Anfang 8 Uhr. Freitag: Dieselbe Vorstellung. Sonnabend, nachmittags 4 Uhr: Auf allgemeines Verlangen: Große Kinder- Vorstellung. Frau Holle. Zauber- märchen mit Gesang und Tanz in 3 Bildern von Eugen Prudens. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestcllgebühr an der Theater- lasse zu haben. Außerdem im In- validendaitk, Unter den Linden 24, bei Paul Nomeick, Leipzigerstraße ö, und Julius Lengenfeld, Markgrafenstr. 50. Alexandervlah-Theater. Heute, Donnerstag, zum 1. Male: Heinrichs& Eomp. Lustspiel in 4 Akten von Ottilie Bibus. Freitag und die folgenden Tage: Eine pikante Ehe. Bons, auch die zu anderen Stücken ausgegeben sind, behalten ihre Giltigkeit. Sonntag, nachni. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Kinder-Vorstellung. Frau Holle. Zaubcrmärchcn mit Gesang u. Tanz in 6 Bildem von E. Prudens. Billets sind ohne Vorbestellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- lasse zu haben. Vormittags 11—1 Uhr und abends von Vi7 Uhr an. Konzerthaus Sanssouci, Kottbnser Strasse 4a. Heute, sowie jeden Donnerstag und Sonntag: Steilines Singer (Mehsel. Pietro. Britton. Steibl. Krone. Röht'und Schräder). Slenes Programm. Anfang 8 Uhr. Entree 50 Pf. Borverkauf 40 Pf.(siehe Plakate). Morgen Freitag: Viktoria-Brauerei. Zum Schluß: Finke's Schel«eOeiche. Der diesjährige SÜUiner Sänger-Ball findet am Mittwoch, 3. März. in den G e s a m ui t r ä u m e n der Viktoria-Brauerei statt. nnOMia Tauben• Strasse uraniM, x«. 48-49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 50 Pf. Wissenschaftl. Theater abends 8 Uhr. QflU'ttMtrtH'O Jnvalidenstr. 57/62 ePtlllKUUllt Lehrter Stadtbahnhof. Täglich von 7:/z Uhr abends ab 50 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Erpen- m enten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesauschlnge. Passage- Panoplicum. Letzte Woche. Affen Theater Heute drei Borstellungen um 5 und 7 Uhr. � Castan's Panopticum. Die beiden indischen_ die kleinsten Menschen der Welt! Damen-Wettschwimmen. Pygmäen sie kleinsten Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). „Frau Lieutenant.» Birudeville in drei Akten von Paul Ferrier und Antony MarS. Deutsch von Hermann Hirschel. Musik von G. Serpettc und B. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Sonntag, nachm. 3 Uhr: Trilby. Uolks- Theater 34 Reichenbergerstr. 34. Pferdebahnstation Kottbuser Thor. AM- Jeden Abend 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.-ML M Stufe zu Stuft. Goncordia Variete-Theater Brnnnenstr. 154. Täglich: Grosse Theater- und 8pexlalitiiten-Vorstellan|;. Das beste Programm d. NordeuS. Neu! Troupe Richardt(IHerr, 1 Dame, 1 Kind) Akrobaten. Reu! Kathi Richter, Tyrolienne. Reu Long and little Adolfi, Tanzduettisten. Reu! Ein geplagterDichter. Posse. Wochentags?>/, Uhr. onntagS 6 Uhr. Unltausch- Billets haben Giltigkeit. Anfang i So Circus Renz Karlstrasse. (Jubiläums- Saison 1890/97.) Donnerstag, den 25. Februar. abends 71/2 Uhr: Elite-Vorstellung Aufführung der stets den ungetheiltesteuBeisall aller«kreise gefundenen Novität! Aus der Mappe eineS RieftugebirB-Psiilutasteu. Außerdem die hervorragendsten Nummem des Nepertoirs: don�on hlpplqne mit 12 Freiheitspserdcn: 1. Der Favorit Donner. 2. Sechs Trakehner Rapphengste(Original- Dressur). 3. Die Spazierfahrt eines Jagdherrn, ausgeführt von 5 Rapp- Hengsten. Sämmtl. Pferde vorgeführt von Herrn Robert Renz. Die doppelte hohe Schule, geritten von den Damen Frl. Wally Renz und Frou Robert Renz. Auftreten der vorzügl. Akrobaten Herren Michelle und Saudro. Der weibliche Clown Miß Lonny sowie der außerordentl. Parterrc-Springer Mr. Espaterro. Freitag, den 26. Februar 1897: Gr. Wohlthäkigkeits- Vorstellung zum Besten der Wittwen und Waise» der Kriegervereins-Ver- bände Berlins. Cmeue 'Busch Bahnhof BUrse. Donnerstag, den 25. Februar, abends 7Vj Uhr: Grande Soirde equeslre. Das Tagesgespräch von Berlin: Nach Sibirien. Außerdem: Thucydides. oslpreuß. Hengst, dressirt und geritten voin Dir. Busch. Grande({aadrille ä Mr. Golema» mit seinen dresstrtcn Hunden und Katzen. Hermanns Eastagna. excentr.-musikal. Clowns. Spezialitäten I.Ranges. Vorzügliche Clowns. Morgen: Räch Sibirien. Berliner Possen-Theater BUnzstrasse 17. (Eingang Köuigsgraben.) Direktion: Joseph Aschinger und Leonhardy Haskel. Allabendlich Punkt V2I9 Uhr: Novität! Novität! Baruch und Sohn. Ausstattungs-Burleske mit Gesang von Max Daun und Leonhardn HaSkel. Bernhard Wilhelmy, der beste Original-Humorist. LeS SollHS, Excentric-Ductt. M. Aschinger. Konzertsängcr. John u. Jams. »mstkal. Clowns. Max Walden. Karrikatur. AdolPhi-SollS, der beliebte Komiker. Ansang der Vorstellung 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Enttee 30 Ps. Die Direktion. AiGsrai' Variete-Theater 1. Randes. Dresdenerstr. 52/53(Cith-Passage) Anuenstr. 42/43. Art. Leiter: Kapcllm. Marti» Stein. Neue Kustler. Nächtliches Abenteuer. Anfang: Sonnt. 6 Uhr, Wochent. 8 Uhr Freikarten in der Woche gilttg. Entree 30 Pf. Die Direktion. Ranftnann'z Varidtd. Königstraße— Kolonnaden. DaS hochkomische Februar-Programm! Ton» Belllnx. Black nnd White. Brothers Atlessy. F.dl Blum. Patty. Geschwister IVEIvert. Helene nnd Eniilon. Geschwister Corelly. Anfang 7V» Uhr. 1 Sonnabend, 27. Febr.: r—- Benefiz für haben�däcsei�a�keine -nartouts Giltigkeit. Lumpe-Gastspiel Parodie Theater Oranieustr. 52. Donnerstag, 25 /2.: Zum 9. Male: Istchloss Greifenstein oder „Der S a m m e t s ch u h" nebst dem Vorspiel„Zulima, die Türkin". Histor. ronmnt. Ritterschauspiel von Charlotte Birch-Pfeisser. Graf v. Greifenstein: Joh. Lumpe. Ans.: Woche 8 Uhr. Sonntags 7�/, Uhr. Feen-Palttst.„Ä Direktion Winkler 4k, FrOhel. PF" Prttzfte 1) Ihr:'«ei Die mit jubelndem Beifall auf- genommene Sensatious-Poffe Eine tolle Macht. Hauptrolle»: Rich. Winkler u. Wilhelm Fröbel. Dazu das einzig allein dastehende unübertreffliche Kunst- Spezialitäten ersten Ranges. Ansang 7:/z Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,50 M. Apollo-Theater. Carmenoita Fünf Lorrisons. La belle OeTernols. Der Kiuetograph. Äasseneröffnung 6V2 Uhr. Ans. 71/2 Uhr. Montag, den 1. März 1897: 10 neue Debüts. Welt-Restaurant YarlOt�-nnd jstpezialltlitcn- Thcnter. Dresdencrstraste 07. Novität! Novität! Novität! Das tuupde Berliu. Im vorderen Saal täglich: Rtinstler-Prel-Honzcrt. Anfang: I Entrcr: Wochent. Tii Uhr. Wochentags 20 Pf. Sonntags 0 Uhr.| Sonntags 30 Pf. Ferd. Ewald's iFi Restaurant H Schönlcinstr. 6. Schönleinstt. 6 M hält sich Freunden und Genossen S hestenö enipsohlen. i KB. Jeden Sonntag von 2 0 Uhr ab: S Vnterhaltunfxs-Haslk. Jul. Wernau'5 Festsäle, Sehwedterstr. 23,24. 3 Bereinsziinmer, gut eingerichtet, von 80—150 Personen fassend, 2 ver- deckte Kegelbahnen noch einige Tage in der Woche zu vergeben. 1033L» TclephowAnit III, Rr. 2440. Sszialdeiuskrtltiflhtr teiu „VomärtS", Bnliu. Todes-Anzeige. Am 23. d. M. verstarb plötzlich am Herzschlage unser Mitglied Mann Döring, Zigarrenarbeiter. Die Beerdigung findet am Freitag, nachm. 3Vz Uhr, von der Leichenhalle der Zionsgemeinde in Weißensee statt. Um rege Betheiliaung bittet 274/13 Der Borstand Todes-Anzeige. Am 23. d. M., nachmittags, ver- starb plötzlich in Ausübung seiner Berufsthätigkeit mein lieber Mann, unser Vater, Schwiegervater u. Groß- vater, der Zigarrenarbeiter dohann DUrlng im 70. Lebensjahre an Herzlähmung. Wir verlieren in dem Dahin- geschiedenen nicht nur unseren Vater, sondern auch unser Vorbild u. unfern Lehrer in polittscher und gewerkschaftlicher Gesinnung. Die Beerdigung findet am Freitag, den 20. d M, nachm. 3'/, Uhr, von der Leichenhalle des Zions-Kirchhokes auö statt. Um rege Betheiligung im Auftrage der Hinterbliebenen bitten Franz Döring. Ruppinerstr. 21 Julius Döring. Frankfurterstr. 32. Rudolf Bergcnroth. Chorinerstr. 71, 21b als Schwiegersohn. Zeutrsl-Kraukeu- u. Sterbt* Kusse kt Aschler ic. Oertliche Verwaltung Berlin H. Den Mitgliedern zur Nachncht, daß unser Mitglied, der Arbeiter Wilhelm Sitnhenranch am Montag, den 22. Febr., im Alter von 37 Jahren an der Proletarier- krankheit verstorben ist.— Die Be- erdigung findet am Donnerstag, den 25. Februar, nachm. 3 Uhr, von der Leichenhalle des Emniaus-Friedhoses statt.. Um zahlreiche Betheiligung bittet 184/12 Die Ortsverwaltung. Gruße ösfeutliche Versammlung am Freitag, den 20. Februar. abends 8»/, Uhr, im großen Saale der„Harmonie". (Heusers Festfile), Jnvalidenstr. 1 a, Ecke der Brunnenstr. Tagesordnung: 1. Freisinnig, sozialdemokratisch oder national- sozial? Referent: Redakteur Adolf Damaschke. 2. Freie Diskussion. 3. Unsere Berliner Arbeit. Der Bertranensmann. 204/18 v. Gerlach._ Genossenschafts- Bnchdrnckerel Molinyen. Sonntag, den 28. März 1897, nachm. 4Va Uhr, im Lokale Karl Eni, aui Wehrwolf: General-Bersammlung. Tagesordnung: 1. Geschäftsbericht pro 189«. 2. Bericht über die statt- gefundene amtliche Revision. 3. Be- schlußfassung über die Venvendung des Gcschästsgewinns. 4. Neuwahl des Vorstandes und des Aufsichts- rathes. 5. Anträge der Mitglieder. 24b Der Aufsichtsrath. XL. Auf§ 22 Abf. 8 des Statuts wird aufmerksam gemacht. Der Schneidergeselle Vr. KUhn aus Erfurt wird in seinem eigenen Interesse ersucht, dringender Familien- Verhältnisse halber umgehend seine Adresse an die Ervedition der „Thüringer Tribüne«, Erfurt, an- geben zu wollen._ Achtung! Vereine! Achtung! „Englischer Karlen" Alexanderstr. 27 c ist besonderer Umstände halber der graste Saal am 27. März(Sonn- abend) frei geworden. l134L� Parieigenosfitmen und Genossen 1 Freitag, den 26. Februar, abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Marlen, Friedrichstr. 236: Große Bolks-Versammlung. Tagesordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Vlschcr über: Die Verhandlungen iin Reichstag, betreffend den Antrag Auer und Genossen über den Achttmndentag. 2. Diskussion. Reichstags-Abgeordneter v. Heyl ist zu dieser Versammlung brieflich eingeladen Um zahlreiches Erscheinen der Frauen ersucht 215/14 Ille Vertranensperson der Frauen. Männer! Achtung! Frauen! Große Bolks- Versammlung heute, Donnerstag, den 25. Februar, abends 8'/- Uhr, im l.onlsensthdtlschen Konzerthans. Alt« Jakobstraste 37. Tagesordnung: Die Schandthaten der spanischen Justiz. Referenten Paul Petersdori und Albert Weisheit. 3376b Die Agitationskommission der Berliner Anarchisten. Droschkenkutscher! Donnerstag, den 25. Februar 1807, abends 0 Uhr. im Englischen Garten, Alexanderstraste 27 c: Große öffentliche Versammlung ßumtlicher Drofchkeukutfcher uud dereu grauen. Tages-Ordnung: 1. Der moderne Rechtsstaat und das Koalitionsrccht. Referent: Genosse Rani Jahn. 2. Berichterstattung der Vertrauensmänner und eventuelle Neuwahl derselben. 3. Diskussion. Alle Kollegen und diejenigen, welche es ehrlich mit der Arbeitersache ineinen und bestrebt sind, an der Verbesserung unserer Lage mitzuarbeiten, werden gebeten, in dieser Versammlung zahlreich zu erscheinen. 52/4_ Tie Vertrauensmänner. I. A.: B.«chnltz. Belle-Allianee-THeater. Yolks-Yorstellung unter Regie von Julius Türk. Sonntag, den 28. Februar, nachmittags 3 Uhr:"ML Zum letzten Male: Das Katlschen von Keilvronn. Gksangottel» Zreie xikdettastl. (Mitglied des Arbeiter-Sängerbundes.) 65/20 Sonnabend, 27. Februar, im Schweizer-Garten: Maskenball. Billets sind bei den Mitgliedern zu haben Bas Comlt£. Neu! Blaue Jacken, Marke Segeltuch 2,40 Mark. Rechanlker-Klttel 2,05 Bark,-Mgj nur in der Fahrlknlederlage Flach 4k Co.. Xeue Jakobstraswe 7. Robert Tcheere � SST" Sonnabend, den 27. Februar: Großer Wiener Mashen-iLu« 38. Ich warne hiermit jeden, meiner Frau auf meinen Namen etwas zu borgen, da ich für nichts auskomme. Richard Mönke. Louisen-Ufer 12. Künstliche Zähne. F. Steffens. Rosenthalerstr. 61, 2 Tr. Theilzahlung pr. Woche 1 M. Achtnnff! Künstliche Zähne von 3 M. au, Theilz. wöcheutl. 1 M., wird abgeholt. Zahnziehen, Zahnreinigen, NervtSbten bei Bestelluna umsonst. Inolkol Lausitzerplatz 2, Elsasser- lUChvl, str. 12, Steglitzerstr. 71 1 Kinpfehle t v mein W allen Freunden u. Bekannten � mein Weiss-, Balrlschhler- und gr. SpolseKcschilft. Reick)- haltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag' mit Bier 50 Pf. sowie Abend tisch k la: carte von 30 Pf. an. 2 Vereinszimmer mit Klavier für 20—50 Personen.* H. Stramm, Rest., Ritterstr. 123. Deutfi Porter Dessert- u. Malzkrastbier 1. Rang. Brauerei Burghalter. Potsdam. gegr. 1736, bes. f. 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Die Ortsverwaltung d. deutschen Holzarbeiterverbandcs sBerlin). Guten Buchstabenschleifer u. Kratzer vcrlangt Reicher, Oranienstr. 21. Geübte Schriftmaler finden dauernde Beickästigung. 18b Otto Grund u. Co., Fischerbrücke 17. 1 vloldarbeiter für Berlin nnd sofort, aber tüchtig. Geyalt 30 90t. per Woche. Arbeits-Rachweis der Goldschmiede DeutschlaudS. Holzmarktftr. 8. 71/13 Einen Bürstenmacher(Bohrer) verlangt A. VIestens, 23b Ackerstraße 132, 5. Hof, 2.it. Arbeiterinnen sürCigaretten-KartonS in und außer dem Hause verlaugt 28b Boltsc. ZionSIirchplatz 9, II Barock- Vergolderinnen werden verlaugt bei Zienrnann, Bennlz.- A 4'n.. SQ., Zeughofstr. 21. 3380t:* 30 Korbmacher aus Kugelkörbe verlaugt 22h Robert Schmidt u. Ko.. Krautftr. 6. T 1 s c hTer auf gekröpfte Bilderrahmen, flotter sauberer Arbeiter, findet dauernde Stellung in Kunsthandlung. Offerten unter Angabe bisheriger Tbätia.eil und Lohnansprüche unter A. K. 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