Uv. 48. Kboimements-Kedingungen: Abonnements- Preis prinumerand»: Bierteljährl. 3L0 Mb, monatb t.tOMb, wöchentlich 28 Pfg- frei WS©Qu». Einzelne Nummer S Psg. Sonntag«- Nummer mit lllustrirter Sonntag«» Beilage»Die Neu- Welt" 10 Psg. Post- Abonnement: SL0 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZeitungS- Preisliste sür 1SS7 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband sür Deutschland und Oesterreich- Ungarn 2 Marl, für da« übrige Autland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Die Inftrtions- Gebühr beträgt sür die sechSgespaltene»oloneb zeile oder deren Raum 40 Psg., sür Berein»- und BersammlungS-Anzeigen, sowie Arbeitsmarlt 20 Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bi« 4 Uhr nachmittag« in der Erpedition abgegeben werden. Di« Erpedilion ist an Wochentagen bi» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 9 Uhr vormittag» geössnet. Erscheint täglich ausser Montag». Verlinev Volksbl�lt. Fernsprecher: A»it I, Nr. 1508. Delegramm- Adresse: «volialdrmolirat Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Redaktion: SW. 19, Meuty-Straße 2. Freitag» den 26. Februar 1897, Spedition: SW. 19, Weuth-Straße 3. Die Ansredlungs-Gesehgebung itnd das Volenthum in V�euszen. Tie übliche Denkschrift über die„Beförderung deutscher Ansiedeluugeu iu deu Provinzen Westpreußen und Posen" ist soeben dem preußischen Landtag zugegangen. Wenn sie auch nichts besonders Auffälliges und Neues berichtet, so bietet sie uns doch eine ganz ivillkonunene Gelegenheit, die bisherigen Erfolge des letzten großen Experimentes der Bismarck'jchen Nationalitätspolitik im Osten wieder einmal festzustellen und mit den ursprünglich gehegten Erwartungen zu vergleichen. Vor reichlich zehn Jahren, welch ein Anfachen der polnisch- deutschen Gegensätze bis zur Siedehitze! Noch zehn weitere Jahre und der heftige Anlanf von 1886 wird seinen vor- läufigen Rnhepnnkt erreicht haben. Wird das herrschende Dentschthnm alsdann mit irgendwelcher Befriedigung auf das Erreichte zurückschanen können? Selbst Herr Delbrück hat das bisher Erzielte vor reichlich einem Jahre als„schlechterdings werthlos" bezeichnet und er that recht daran, obwohl es der neue Kurs gerade damals für richtig hielt, wieder in das alte Bismarck'sche Fahrwasser einzulenken. Freilich, au dem Fehlschlag aller Hoffnungen tragen die schlechten agrarischen Zeiten eine größere Schuld wie die un- glücklichen gesetzlichen Bestimmungen von 1886. Wenn der mitteleuropäische Landbau— und nicht nur dieser— derart darniederliegt, daß man ihn überall, wo es geht, anfzugeben trachtet, wie kann man dann noch von einer neuen mächtigen Kolonisationsbewegnng träumen,die von den allen deutschenKnltur- stätten Westelbiens wieder die ehemals slawischen Gebiete über- flnthen und dem Dentschthnm in unseren Ostmarken zu größerer wirthschaftlich-sozialer Vormacht verhelfen sollte? Bis Ende 1896 hat mau unter den rund zwei Millionen Polen Posens und Westpreußens im ganzen 1975 neue Ansiedelungen, meist von bäuerlichem Umfang, geschaffen. Auf diesen mögen der Kopfzahl nach etwa 10 000 Personen sitzen. 40,9 pCt. der Gutserwerber stammte» jedoch nach der Denkschrift ans den Ansiedlungsprovinzen selber; sie stellen also gar kein neues deutsches Element in deu Ostmarken dar, sie sind höchstens in ihrer konzeutrirteren örtlichen Zusammenfassung in ihrem kräftigeren kommunalen Leben weniger der Aufsaugung durch die polnische Umgebung ausgesetzt. 5000— 6000 neue Deutsche mag man also den beiden Provinzen gewonnen haben. Wie viele mögen ihnen nnterdeß infolge unserer ganzen ökonomischen Ent- wickelung durch Abivanderung verloren gegangen sein? Wie viele Taufende hat unterdeß die polnische Bevölkerung dieser Bezirke durch ihren stärkeren Geburtenzuwachs gewonnen? Der kapitalistische Fortschritt befördert überall das Vordrängen der Arbeiterschichten mit niedrigerer Lebenshaltung: der Czechcn in Böhmen, der Böhmen im sächsischen Erzgebirge, der Italiener in der Schweiz und Südfrankreich, der Ost- prcnßen in Rheinland und Westfalen— ist dieser Prozeß mit hundert Millionen Mark in Ostelbien aufzuheben? Dazu kommt, daß der Westdeutsche wohl über den Ozean zieht, Ostelbien jedoch wie eine Wilduiß fürchtet. Hannover und Schleswig-Holstein versagen bisher jede Zuwanderung. Nur „wenige kleine Bezirke" waren nach der Denkschrift an der Eestellnng der ans dem Westen kommenden Ansiedler bctheiligt: So die niederrheinischeii Kreise Kleve und Rees, die west- fälische» Kreise Marburg, Höxter, sowie Minden, Herford, Viele selb nebst dem angrenzenden Fürstenthum Lippe- Detmold und einige andere. Mehr oder minder zufällig sind offenbar die ersten Verbindungen mit diesen Bezirken entstanden. Dann haben günstige Berichte der Vorangegangenen Verivandte und Bekannte nachgezogen, und daraus hat sich schließlich ein einigermaßen ständiger Zuzug entwickelt. Dagegen sind weitere andere Gebiete Westdenlschlands von dieser Bewegung noch völlig UN berührt... Es steht einem schnellen Erfosge nach dieser Richtung das in der That auffallend starke Mißtrauen der w« st ländischen bäuerlichen Bevölkerung gegen die Existenzbedingungen in den Ländern des deutschen Ostens sowie auch der Umstand entgegen, daß nach der Praxis der Ansiedelungskoinmissio» die Voraussetzung für ei» gedeihliches Fortkomme» des Ansiedlers ein immerhin nicht unerhebliches Vermögen ist, das sorgfältig gehütet und ungern in nicht ganz sicher erscheinender Anlage aufs Spiel gesetzt wird." Doch weiter: die preußische Regierung wollte mit ihrem Hnndertniillionenfonds ursprünglich nur polnische Großgrund- besitze anskaufen und Deutsche darauf ansiedeln. Seit Jahren bestand jedoch die Hälfte aller Erwerbungen aus deutschen Besitzungen und 1896 überwog der An- kauf deutscher Güter. Hier könnte man demnach als unverbesserlicher Optimist höchstens den Erfolg vermuthen, daß deutsche Großgrundbesitzer, die in ihrer bekannten nationalen Gesinnung voriviegcnd polnische Lohnarbeiter ver- wendeten, ersetzt wurden durch deutsche Bauern, die überhaupt keine oder sehr wenig fremde Arbeit brauchen. Dem steht jedoch gegenüber, daß die verkrachten polnischen Grundbesitzer vielfach mit dem guten Geld der Ansiedelungskommission sich anderweit angekauft und alsdann sicherlich zum theil deutsche Besitzer verdrängt haben. Sisyphus wälzte seinen Stein etwa niit dem gleichen Erfolg wie die Ansiedelungskommission. Und was für Güter hat man den ostelbischen Granden polnischen und deutschcnGeblütes abgenommen? Die guteuBetriebe bekam man selbstverständlich nicht freiwillig und zu expropriiren hatte man kein Recht.„Die meisten Güter müssen in herunter- gewirthschaftetem Zustande übernommen werden", beichtet daher unsere Quelle. Dabei sind infolge der unglücklichen Zivangslage der Kommission die Erwerbungskosten viel höhere, als man ursprünglich annahm. 1836 rechnete man 560 M. pro Hektar;„der Gefammt-Durchschnittspreis für sämmtliche bisher von der Ansiedelungskommission erworbenen Liegen- schaften beträgt 606 M. für 1 Hektar"— meldet jetzt nach zehn Jahren der wirthschaftlichen Depression die Denkschrift. Das ist für das Gesammtergebniß ganz wesentlich, denn statt 200 000 Hektar, die man ursprünglich dem Polenthum zu ent- reißen gedachte, spricht man jetzt von 140 000 Hektaren, die zudem zur Hälfte schon den Deutschen gehörten. Was sind Pläne, was sind Entwürfe! Leider müssen die neuen Ansiedler die Jrrthümer der preußischen Regierungen und Parlamente büßen. Sie zahlen infolge der geschilderten Umstände viel zu hohe Renten und ihre Lage scheint meistens eine äußerst gefährdete. Die An- siedelnngskommissio» hat bereits reichlich Renten und Pachten stunden und schließlich ganz erlassen müssen,„um nicht durch das Verlangen ihrer Abzahlung von vornherein eine Belastung zu schaffen, die unter den jetzigen landwirthschaftlichen Ver- Hältnissen unerschwinglich ist". Jnsgesammt betragen bisher diese Erlasse 83 585 M., 5,78 pCt. des Gesammtsolls der Jahre 1886/87 bis 1895/96. Trotzdem scheint ein großer Theil der Ansiedler in beständiger Geldverlegenheit, nur die bessere Ernte des Jahres 1896 hat zuletzt eine schlimmere Zuspitzung der Verhältnisse verhindert: Trotz des geforderten Vermögensnachweises und der fiskalischen Ergänznngsdarlehne nimmt offenbar ein großer Tbeil der An- siedler für die erstmalige Einrichtung seiner Stelle noch in ziemlich erheblichem Maße den privaten Personalkredit, insbesondere das gefährliche Abzahlungsgeschäft bei Maschinen u. dergl. in An- spruch. Bis diese Schulden dann abbezahlt und neben der Reute und dem Unterhalt der Familie baare Ersparnisse ans der Stelle herauszuwirthschafte» sind, befindet sich der An- siedler in einer Art von Krisis, die mit typischer Regelmäßigkeit bei den»eistenKolonien wieder- kehrt und in bezug auf die Gewährung von Stnndnnge» und sonstigen Hilsen mit Wohlwollen, aber vor allein auch ohne Sentimentalität behandelt sein will. Das Tcutschthum hat nach all den mitgetheilten Er- fahrnngen nichts gewonnen, die Ansiedler auf ihren Renten- gütern kommen ans der schleichenden Krisis nicht heraus, ob- wohl sie vor ihrer Zulassung behördlich erst siebenmal durch- werden, um nur wirthschaftlich tüchtige und finanziell eistnngsfähige Elemente zuzulaffen. Den Vortheil hat nur der polnische und d e u t s ch e G r o ß g r n n d- besitz, dem eine abnorm günstige Verkaufsgclcgenheit ge- boten ist. So sind unsere ostelbischen Granden in einzelnen Distrikten große Theile des ganzen„Gntsbezirks"areals zu Ueberpreisen losgeivordcn. Die Ansiedelungskommission hat nämlich nach der Denkschrift(Anlage II) bisher angekauft: Prozente des Areals der Gntsbbezirk« 21,14 12,77 23,94 11.45 10,75 13,25 13,57 10,55 Aehulich wie in Irland hat also lediglich der große Grundbesitz bei dieser Art von Agrargesetzgebung seinen Schnitt gemacht. Einen neuen Wall von deutschen Ansiedelungen hat mau nicht zu bilden vermocht, und ivo Ansätze dazu vor- Händen sind, lockert und unterwühlt ihn die agrarische Krisis und die allgemeine kapitalistische Entwickelung, die beide dem landwirthschaftlichen Osten an deutschen Bewohnern mehr ent ziehen, als alle Millionenfonds ihnen jemals wiederzugeben vermögen. Auch hier ist der Schiffbruch der Bismarck'sche» Polen Politik eine offenliegende, unbestreitbare Thatjache. Kreis Kuesen Mogilno Znin Adelnau Lissa Wreschen Briefen Thorn Dio Fnkerpellolkiott über die fvsnZöstsrlze OvienkPolikik Paris, 23. Februar. Wo es sich um auswärtige Politik bandelt, verliert in Frank- reich das JnUrpellationsrecht seine sonstige Bedentung, namentlich seitdem Hanotaux die auswärtige Politik leitet. Der Grund davon ist zweifacher Natur. Materiell vermag keine Interpellation der Regierung den Willen der Volksvertretung aufzuerlegen, weil Hanotaux und mit ihm die Kammermehrheit durch den Willen des Zaren gebunden ist. Formell ist es unmöglich, von Hanotaux eine Antwort aus die vorgebrachten Beschwerden zu erlangen, weil er in Beantwortung der Interpellationen ein Manuskript verliest, welches stets in allen Stücken vor der Sitzung ver- faßt wird. Dieses Verhältniß, ein wahrer Hohn auf das verfassungsmäßige Jnterpellationsrecht, hat sich noch nie in so grotesk-unerträglicher Weise geltend gemacht, wie bei der Verhandlung über die I n t e r- pellation Cochin-Jaurös betreffend Armenien und Kreta. Die Anklagen der Interpellanten Cochin und Mille- rand(letzlerer sprach an Jaurös Stelle), die um so unwiderleglicher waren, als sie ans den von Hanotaux im„Gelbbuch" veröffentlichten Dokumenten beruhten, blieben unbeantwortet. Dagegen„er- widerte" der Minister breitspurig aus Kritiken, die von den Interpellanten nicht gemacht worden waren. Kritiken natürlich, die sich nicht speziell gegen die sranzösische, sondern gegen die gesainmt-eurvpäische Diplomatie richteten, wie man sie in der letzten Woche in der Press« aller Länder formulirt findet. Dabei hatte Hanotaux überdies den Geschmack, angesichts des Bankrotts der Diplomatie im Orient, angesichts der unzähligen Menschenopfer und der europäische» Kriegsgefahr, welche direkt oder indirekt aufs Konto der Diplomalie zu setzen sind, gerade die Verdienste der Diplomatie um die„Pazisikation" der Türkei zu verherrlichen!... Insbesondere enthielt das ministerielle Manuskript kein Wort der Erwiderung aus die beweiskräftigen Ausführungen Millerand's über den doininirenden Einsluß Rußlands auf die französische Orientpolitik. Der sozialistische Redner, der in diesem Falle freilich nur die Ideen der gemäßigteren, des minder konsequenten Theiles der französischen Sozialisten vertrat, begann mit der Erklärung, daß er„nichts gegen da» Prinzip" des franko-rnssischen Einvernehmens einzuwenden hätte:„Wir kennen unsere Pflicht und sind bereit, jede Allianz zu akzeptiren, welche Frankreich zu stärken geeignet ist... Wir könne» uns aber nicht bc- gnügen mit de» Trinksprüchen, die ans offiziellen Banketten zwischen den Chefs der beiden Staaten ausgetauscht worden sind". � Sodann verwies Millerand aus die Enttäuschung, die sich selbst in den bürgerlichen Kreisen in bezug auf die russische Freundschaft Lust macht, und beschuldigte Hanotaux aus grund seines eigenen„Gelb- buches", stets im Schlepptau Rußlands gegangen zu sein, und das trotz der Vorstellungen des französischen Gesandten in Konstant!- nopel, der von Ansang an für wirksame Zwangsmaßregeln gegen den Sultan eingetreten war. In vorsichtige», aber klaren Worten kennzeichnete ferner der sozialistische Redner das Doppel- spiel 3i u ß l a n d s, dessen Bestreben, sich gleichzeitig der s r a n z ö s i s ch e n. u n d der deutsche» Unterstützung zu bedienen, um desto sicherer beide rivalisircnden Mächte an sich zu fesseln und seinen eigenen Zivccken dienstbar zu machen. „Ich verlange nun von unserer Regiermig, daß sie ebenfalls, wenn unsere Interessen das gebiete», eine selbständige Politik verfolge, mag diese auch in gewissen Punkten von derjenigen unseres Ver- bündele» abweichen...." Das einzige Ergebniß der Interpellation ist Hanotaux' Ver- sprechen, daß Kreta nie mehr unter die direkte Herr- schaft des Sultans zurückkehren solle. Diese kategorische Erklärung steht zwar im Widerspruch mit der von Hanotaux wieder einmal kräftig betonten Nothivendigkeit der Ausrechterhaltnng der „Integrität der Türkei". Sie muß aber offenbar ernst gcnonimen werden, da ja Hanotaux«ine derartige Erklärung unmöglich ohne vorheriges Einverständniß mit seinem Petersburger Oberherrn hätte abgebe» können. Audererseils hat die Regierung infolge des Vertrauensvotums der Kammer freie Hand bekommen, falls eine gewaltsame Aktion gegen Griechenland nolhwendig iverden sollte. Mit der über- wältigende» Mehrheit von 413 gegen 33 Stimmen billigte die Kammer auch die bezüglichen Drohungen Hanotaux! Der energische Protest des Genossen I a ur ö S, der auf die BerfaflungSbestiminung hinwies, wonach zu einer Kriegserklärung — und eine gewaltsame Aktion gegxn Griechenland wäre ja wohl eine Kriegserklärung— das Votum der beiden Kammern erforder« lich ist, hatte nichts geholfen. Und das Schiveigen der Regierung läßt noch deutlicher ihren Entschluß erkennen, die Drohungen gegen Griechenland eventuell wahr zu machen. Die Radikale» stimmten mit wenigen Ausnahmen sür die Re- gierung, und zivar, wie L ö o n Bourgeois vor der Abstimmung erklärte, erstens ivegen der von ihr übernommenen Verpflichtung, auf die Autonomie Kreta's hinzuarbeiten, zweitens wegen der von Hanotaux„erhofften" energischen Aktion gegen den Sultan zum Zwecke der Verwirklichung von Reformen, und schließlich„aus Palriotismus". Der ivnhre Grund des Verhalten? der Radikalen liegt freilich darin, daß sie im großen ganzen keine andere aus- wältige Politik habe» als die Opportunisten. Wie der politisch aufgeweckte Theil der Pariser Bevölkerung über das gestrige Kammervotum denkt, zeigt die unmittelbar nach der Kammersitzung staltgehabte imposante V o l k s k u n d- g e b u n g gegen die Regierung und die Kammer- Mehrheit. Nicht weniger als zehntausend Menschen, da» runter zahlreiche Proletarier, antwortete» auf den Ruf des„Aktions- Ausschusses zu gunsten Griechenlands", der ans den Vertretern der smdenlischen Organisationen aller Richtungen zusammengesetzt ist. Das Gefühl der erniedrigen- den Rolle, die Frankreich im Orient gespielt hat und noch spielt,— ein Gefühl, welches im stillen von allen politisch denkenden Franzosen gelheilt wird,— hat die entgegengesetzten Parteirichtungen zu einem gemeinsamen Protest geeinigt. In der Protestverfammlung sprachen nach einander nicht nur katholisch- antisemitische und sozialistische, radikale und monarchistische Studenten. sondern auch sozialistische, monarchistische, sozialistisch-radikale und „nationalistisch- sozialistische" Abgeordnete. Bezeichnenderweise protestirten auch letztere gegen die russische Politik Hanotaux' im Orient. Und aus der Milte der Versammlung erschallte wieder- holt neben den Rufen:„Hoch Griechenland! Nieder mit Hanotaux!" auch der vor einigen Monaten undenkbare Ruf:„Nieder mit Rußland!"— und das, ohne den leisesten Protest hervorzurufe»... Die Massenversammlung ve» lief, trotz ihrer buntscheckigen Zusammensetzung, in imposanter Ruhe. wie jede echte Volkskundgebung. Durch Akklamation wurde eine Protestresolution gegen die griechenfeindliche Politik der Regierung angenommen und man ging auseinander unter dem im Maffenchor abgesungenen Stichwort:„Bespucket Hanotaux! Bespucket Hanotaux! Bespucket ihn!"— Ordnungsretter Barthon hatte eine wahre Armee von Polizisten und Gendarmen zu Fuß und zu Pferde aufgeboten. Es gelang ihm jedoch nicht, Unruhen hervorzurufen. Die Versammelten hielten auch aus der Straße musterhafte Disziplin. politische Mrdrelkchk. Berlin, 26. Febrile» IM. Aus dem Reichstage. Die heutige Debatte über die Zustände in den Reichslanden nahm denselben Verlauf, wie die Debatten über den gleichen Gegenstand in früheren Jahren. Im Hause besteht eine große Mehrheit, welche sich aus allen Parteien, mit Ausnahme der beiden konservativen Gruppen, zusammensetzt, die mit der Diktaturwirthschaft in den Reichs- landen aufräumen will. Es liegen in dieser Beziehung die unzweideutigsten Beschlüsse des Parlamentes vor und auch' on den verschiedensten Aeußerungen der maßgebendsten Partei- suhrer fehlt es nicht. Dieser Stellung der Reichstags-Mehrheit gegenüber hat sich nun die Regierung bisher stets strikte ablehnend verhalten. Diese ablehnende Haltung hat den heute vorliegenden Antrag auf allgemeine Einführung allgemeiner, direkter Wahlen für den Landesausschuß in den Reichslauden gezeitigt. Begründet wurde derselbe vom Abgeordneten C o l b u s, der in schneidiger Weise von dem ebenfalls in den Reichslanden gewählten Abgeordneten Preist unterstützt wurde. Die Redner entrollten ein trauriges Bild der Verhältnisse in den Reichs- landen, wie dieselben in den 26 Jahren preußischer Verwaltung sich entwickelt haben; besonders wurde die Zusammensetzung des Landes-Ausschusses als eine wahre Karrikatur einer Volksvertretung gekennzeichnet. Der Regierungsvertreter wollte natürlich die Berechtigung der vorgebrachten Klagen nach keiner Richtung gelten lassen. Nach diesem Redner ist in Elsaß- Lothringen alles in schönster Ordnung und auch die Zusammensetzung des Landesausschnsses vertheid igte der Herr mit der wunderbaren Behauptung: der Landesausschuß müsse doch im Laude besser beurtheilt werden, wie hier im Reichstage, sonst wurden nlcht immer dieselben Herren wieder gewählt werden. Charakteristisch für die Art, wie in den Reichslanden regiert wird, war die Erklärung des Regierungskommissars, daß bei der Anstellung der Bürgermeister man besonders darauf sehe, daß sie durch die Schule der Armee gegangen seien. In einer trefflichen Rede trat unser Genosse B u e b dem Regierungsvertreter entgegen und für den Antrag auf Ein- führung eines neuen Wahlrechts ein. Auch Dr.Lieber vom Zentrum, Leuzmann und Rickert erklärten sich für den Antrag. Der nationalliberale Marquardsen nahm dagegen Stellung g e g e n das Wahlrecht, erklärte sich aber namens seiiier Partei dafür, daß auch in den Reichslanden endlich das Reichsgesetz eingeführt werde. Ganz ablehnend verhielten sich die Konservativen, in deren Namen Graf Stolberg eine entsprechende Erklärung abgab. Bei der sofort vorgenommenen zweiten Lesung wurden die einzelnen Paragraphen mit großer Mehrheit an- genommen. Leider ist bei der ablehnenden Haltung der Ne- giernng nicht die geringste Aussicht, daß der Antrag Gesetz wird. Morgen mittags 1 Uhr Tagesordnung: Etat der Reichs- Eisenbahnen und des Reichsanits des Innern(Arbeiter» Ver- sicherung),Lohnbeschlagnahme-Gesttz und Gesetz über die Zwangs- Versteigerungen.— D ie Kreta- Debatte der französischen Kammer hat eine hochbedeutsame Thatsache ans Licht gebracht— eine Thatsache von bei weitem größerer Wichtigkeit als die ganze Kreta-Frage: nämlich einen Umschwung der öffent- lichcn Meinung mit bezug auf die russische Allianz. Unsere Genossen wandten sich am Piontag mit äußerster Schärfe gegen die Allianz, die nichts anderes sei, als die Unterordnung Frankreichs unter Rußland. Und dieser Kritik wagte niemand in der Kammer zu widersprechen. Die Linke stimmte leidenschaftlich zn und die Rechte ließ in schweigender Scham die Anklagen und Peitschenhiebe über sich ergehen. In Frankreich sängt man an zu begreifen, daß die Allianz mit Rußland zu theuer erkauft ist, daß das Festhalten au der russischen Allianz Frankreich seine Ehre und seine Stellung unter den Kulturvölkern kosten würde. Und diese Erkenntuiß, die durch das Verhalten Rußlands in der orientalischen Frage von Tag zu Tag in weitere Kreise getragen wird,— siehe unfern heutigen Brief aus Paris— ist der Beginn einer neuen politischen Kon- st e l l a t i o n in Europa. Die Gefahren der gegenwärtigen Lage entspringen in erster Linie der Dienstbarkeit, in welche Frankreich von Ruß- land gcrathen ist. Von dem Augenblick an, wo Frankreich sich von Rußland lostrennt und seine Macht in die Wag- schaale der Freiheit und der Kultur wirft, verliert die orienta- tische Frage ihren drohenden Charakter und wird eine Lösung lim Juteresse der Völker möglich. Die internationale Flottenkanouade des vorigen Montag scheint den betheiligten Mächten keine sonderliche Freude zu machen, was nicht zum verwundern(st. Denn für Ernst war daS Feuerwerk doch zu spaßig und für Spaß zu ernst— ganz Abgesehen von der moralischen Verwerflichkeit, ans Leute schießen zu lassen, die nur das lhun, wozu sie viele Monate lang systematisch durch das Thun und Nichtthnn der schießenden Mächte aufgemuntert worden sind. Doch lassen wir daS. Genug, zwischen England und Deutschland ist ein edeler Wettstreit entbrannt, wer zuerst geschossen hat. Wir wissen nicht, welcher von beiden Großmächten die Palme der Schneidigkeir gebührt— bemerken wollen wir blas, daß, wenn in englischen Blätter» jetzt Deutschland einer animosen Schroffheit gegen Griechenland beschuldigt ist, dies doch ein Vorwurf ist, der sich Serade in englischem Munde recht schlecht ausnimmt. War cS doch ingland, das unter dem liberalen Lord P a l m e r st o n zu Anfang der bOer Jahre Kriegsschiffe in den Pyraus schickte, die sofort die Kanonen ans das königliche Schloß richteten und Schloß und Stadl zusammenzuschießen drohte», wenn nicht— eine gewisse Geldsumme als Entschädigung an einen unter englischem Schutze stehenden Kaufmann, dem von griechischen Unterthanen irgend eine Unbill zu- gefügt worden war, binnen K Stunden bezahlt würde. Das war die berühmte Don Pacssico-Affäre. ob deren Lord Palmerston seinerzeit von dem entzückten England in den Himmel erhoben und Cromwell an die Seite gestellt wurde. Und damals handelte eS sich doch wahrhaftig nur um eine Bagatelle, vergliche» mit der gegenwärtige» Lage; und die von der deutschen Regierung vorgeschlagene Blokade des Pyräus war doch noch himmelweit entfernt von einem Bombardement. Nicht daß wir den Blokadevorschlag der deutschen Regierung billigten; wir glauben,— und diese Ansicht wird sogar von dem konservativen und sehr loyalen«Reichsboten" getheill— die deutsche Regierung hätte besser gethan, sich weniger in den Vordergrund zu drängen, und die diplomatische Haltung mit den thatsächlichen Machtverhältnissen etwas mehr in Harmonie zu bringen.— Die kretenfifche Frage scheint sich zu klären, soweit es sich um die Ansichten der Diplomaten dreht. Diese sollen wieder einmal vollständig einig sein. Es wäre aber thöricht, diese Einigkeit auf dem Papier, woraus die diploma- tischen Noten geschrieben wären, zu uberschätzen. Wer gläubig offiziösen Kundgebungen gegenüber ist, hat ja nie Anlaß ge- habt an der Einigkeit der Diplomatie in Sachen Kreta's zu zweifeln. Wie aber diese Einigkeit aussieht, zeigt der Wider- streit zwischen den Mächten, zeigt vor allem der Gegensatz in der Haltung Englands und des Deutschen Reichs. Den„Times" zufolge hat Kaiser Wilhelm abermals«in Telegramm an den Sultan gerichtet, in welchem er diesem er» neut seine freundschaftliche Unterstützung zusichert. Dagegen erklärte der erste Lord der Admiralität Goschen, daß eS nunmehr unmöglich sei, zu glauben, daß Kreta jemals unter die direkte Herrschaft der Türkei zurückkehren würde. Der Pariser„Matin" und die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" melden fast übereinstimmend: Zwischen de« Großmächten ist über die Art eines Vorgehens in der kretischen Frage ein vollständiges Einvernehmen erzielt. Die Zustimmung Frankreich? soll freilich noch ausstehen. Die Groß- mächte werden heule Griechenland von ihren» Beschluß i» Kennlniß setzen, Kreta's Autonomie unter türkischer Souveränität zu sichern, es auch gleichzeirig auffordern, unverzüglich seine Truppen von Kreta zurückzuziehen und auf eine Mobilmachung zu verzichten. Die Botschafter in Koustantinopel werden der Pforte die Absicht der Mächte, die Pazifikation der Insel namens der Türkei durchzuführen, anzeigen. Auch die Psorte soll aufgefordert»verde», ihre Rüstungen gegen Griechenland einzustellen. Man hofft, Grieche»»- land»verde sich den» Wunsche der Mächte fügen. Im Falle der Weigerung Griechenlands soll der Piräus, der Hafen der griechischen Hauptstadt blokirt»verde». Nach einer Meldung deS„Reuter'schen Bureaus" aus Athen erklären aber der König Georgias und die griechische Regierung, sie könnten von der bereits getroffenen Entscheidung nicht zurück- treten; sie»vürde», darin vom gesaminien Grieche»ila»d unterftützt. „Daily Chronicle" meldet, der österreichische Finanz- minister sei geneigt, den Posten eines Gouverneurs in Kreta zn übernehmen, sobald die Insel von den Mächten für autonom erklärt werde. Wenn es sich bei vorstehender Meldung um niehr als eine Kombination handelt, kann natürlich nicht der österreichische Finanzminister Bilinski, sondern nur der„gemeiitsame" Finauzminister Oesterreich- Ungarns Herr v. Kallay gemeint sein, der als ausgezeichneter Kenner des Orients gilt»lnd seit Jahren der oberste Chef der Verivaltimg der von Oesterreich okkupirten türkischen Pro- vinzen Bosnien und Hcrzogewina ist. Ter Sultan verläßt sich natürlich nicht auf das ihm nn- zuverlässig erscheinende Europa, es sollen alle Vor- bereit nngen für einen Vormarsch auf Athen getroffen sein, ein Ultimatum an die griechische Regierung, durch das die Zurückziehung der Truppen von Kreta gefordert ivird, soll beabsichtigt sein. Unterdessen schiebt Griechenland möglichst viele Truppen an die türkische Grenze. In Makedonien, einer der türtischen Greuzproviuzen, tauchen griechische Jnsuraenteuschaaren auf. Auch sonst werden ans der Balka»»halbinsel mit ficber- haftem Eiser Vorbereitungen für den Kriegsfall getroffen. In der rumänischen Deputirtenkammer erklärte der Kriegsminister, daß die vier rumänischen Armeekorps vollständig ausgerüstet seiei», daß die Befestigungen sich im ans- gezeichneten Zustai»de befänden und daß der Bertheidigungs- stand binnen kurzem vollständig sein»verde. In der bulgarischen Kammer versicherte der Ministerpräsident, daß Bulgarien über die Mittel verfüge, um seine Interessen stets rechtzeitig»vahnuiteljmen. Aus K a n e a liegen folgende Mittheilungen vor: Die Konsul,» haben mit den Geschivader-Chefs eine Berathnng gehabt»lud beschlossen, die Sndabai, soivie das zivischen Akrotiri, Halepa i'nd Kauca gelegene Thal unter den Schutz der Mächte zn stellen. Die Geschivader-Cdefs haben eine Proklamation unter- zeichnet, in»velcher die Okkupation angekündigt ivird; diese Proklamalion»verde» die Geschivader-Chess niorgt» vertheile» lasse». Die Flaggen der Mächte habe» nur in Euba gehißt»verde» könne»; sie anderivärls zu hissen, ist unmöglich. Da die Christen im Distrikt Selino sich init den» freien Abzüge der eingeschlossenen Muselmannen, soivie der Frauen und Kinder derselben einverstanden erklärt haben, sind italienische und russische Schiffe abgegangen, um sie an Bord zu nehmen. Stach einer Meldung- der„Times" vom gestrigen Tage aus Kanea verursacht die bedrohliche Lage der Mohamedaner in Kmrdano den Konsuln dauernd Besorgniß. Drei Kriegsschiffe,»velche i» der letzten Nacht von 5kaiiea abgegangei» seien, überbrächte» den Führsrn der Belagerer von Kandano ein Schreiben, in»velchem die un- behelligte Ueberführung der Belagerten nach dem nächsten Punkte der Küste verlangt ivird. Die Mohaiiiedaner in Kandia haben sich unter Hinlveis auf die stattgehablen Metzeleien an die Botschafter gewendet, um den Schutz derselben zu erbitten. Nach amtlichen griechischen Angaben betrugen die Verluste der Türken in den letzten Kämpfen kWV Todte, Verwundele und Ver- mißte und 104 Gefangene. Oberst Vassos war persönlich dein Feuer auegesetzt; in seiner unmittelbaren Nähe wurde ein Offizier getödlet. Aus Kanea wird ferner telegraphirt, daß bei dem Bom- bardement auch zwei Christen getödlet wurden. Das Fort Kandano, in welches 5000 Türke» eingeschlossen sind,»vird von de» Auf- ständischen hart bedrängt. Die türkische» Notabeln in Retimo lassen durch die Vizekousul» nach Kanea telegraphiren, daß sie bereit seien, die Vereinigung mit Griechenland alijuiiehmen. da eine Fortdauer des jetzige» Ziistaiides»»»möglich sei. Ebenso haben die Türken von Kandia das Verlangen ausgesprochen, mit Griechenland vereinigt zu werden. Ein von Kreta»ach Griechenland geflohener Jnsurgentenführer namens Janni Papavafoti soll am 20. d. M. mit einem griechischen Schiff bei Sherisonissa an der kretischen Küste gelandet sein und 500 griechische Soldaten, große Vorräthe an Munition und Waffen und drei Geschütze ausgeschifft haben. Auch italienische Freiivillige sollen nach Kanea abgereist sein. Schon seit einigen Tagen waren in Kanea Gerüchte verbreitet über Brandlegungen,»velche von feiten der Mohamedaner beabsichtigt waren, weil diese»vegen Nichterfüllung ihres Verlangens, Waffen zu eihaltei», erbittert feien. An, 23. d. M. brach schon Feuer in der Nähe deS RegierungsgebäudeS aus, welches rechtzeitig entdeckt und gelöscht»vurde. Am 24. d. M. brach sodann plötzlich am Re- gierungsgebäude selbst an vier Stellen zugleich, darunter nebey dem Zimmer des Kommandeurs der die Wache bildenden italienischen SchlffsmannschaftS- Abtheilung ein Brand aus,, velcher das Ge- bände vollständig einäschert«. All« Archive und Depositen wurden vernichtet. *•• Deutsches Reich. — Ueber das Schicksal des preußischenVereins- gesetzes entwickelt sich in der Presse eine Diskussion. Zum tbeil »vird die Ansicht entivickelt, daß die gegenwärtige Landtagssessio» nicht mehr Gelegenheit fi»»den»vird, den Entwurf eines neuen preußischen Vereinsgesetzes kennen zu lernen. Die„Norddeutsche Allgemeine Zeitung" betheuert, daß die Absicht fortbestehe, den» Landtage die angekündigte Vorlage zu machen. Bei der Zusammen- setzung des preußischen Ministeriums und der beiden Hänser des Landtages kann es uns sehr gleichgillig sein, ob man uns mit den» allen oder init einein neuen Vereinsgesetz zu drangsaliren versucht. Helfen thun diese Miltelchen doch unseren Gegnern nicht, und wir richten uns bekanntlich mit„unheimlichem" Geschicke auf alle Maß- nahmen unserer Gegner ein.— — Zu§7 der Novelle, umUnfallversicherung s- Gesetz«. Die Verschlechterungen, welche in§ 7 der Novelle an dem bestehenden Zustand vorgenommen werden sollen und welche im„Vorivärts" Nr. 44 unter„Parlamentarisches" ge- rügt sind, entstammen wörtlich dem schon im März des Jahres 18S3 in kraft getretenen Statut der Krankenkasse der Firm aKrupp in Essen. Hier hat die vorbereitende Gesetzgebungsarbeit des Bundesraths respeklive des Reichsamts des Inner» einfach von den Privatunternehmer» abgeschrieben.§ 6 des Statuts für die Krankenkasse der Gußstahl- fabrik der Firma Fried. Krupp zu Essen lautet: Der Vorstand kau» an stelle der Krankenunterstützung der ßß 4 und b freie Kur und Berpflegung im Krankenhause ge- währen, und ,>var: I. Für diejenigen Mitglieder, welche verheirathet sind ode eine eigene Haushaltung haben oder Mitglieder der Haushaltung ihrer Fmnilieii sind, mit.�ihrer Zustimmung; unabhängig von derselben aber dann,»venu die Art der Krankheit Anforderungen an die Behandlung oder Verpflegung stellt,»velche» in der Familie des Erkrankten nicht genügt»verde» kann, oder wenn die Krankheit eine ansteckende ist, oder»venn der Erkrankte»viederholt den im Kassenstatut enthaltenen Vor- schriflen über die Krankmeldulig, das Verhalten der Kranken und die KasseXaufsichl zmvidergehandelt hat, oder wenn dessen Zustand oder Verhalten eine forlgesetzte Beobachtung erfordert; 2. für sonstige Erkrankte unbedingt. — Die„Berliner Cor r." schreibt: „In der Str. 4S des„Vorwärts" vom 23. d. M. findet sich unter der Spitzmarke„Zum neuesten sozialpolitischen Kurs" eine Notiz, in welcher aus de», Umstände, daß der Unterstaatssekretär Lohmann die Sitzung der Kommission für Arbeiterstatistil am 20. dk. nicht geleitet hat, der Schluß gezogen wird, derselbe sei von den Ver- Handlungen„serngehalle» ivorden". Hierzu ist zu bemerken, daß der Unterstaatssekretär Lohmann von der Leitung der letzten Koinmissionsberathungen ans den» Grunde abgesehen hat, iveil in der erivähnlen Sitzung den einzigen Gegen- stand der Tagesordnung die Feststellung des von der Kommission an de» Herr» Reichskanzler zu erstattenden Berichts über die Er- gebnisse der Untersuchung bezüglich der Arbeitsverhältnisse in der Kleider- und Wäschekonfektion bildete und»veil Herr Lohmann es für ricktiger erachtet-, daß diese Verhandlungen von demjenigen ge- leitet»vürde»,»velcher bei der Beschlußfassung der Komlnission über die Ergebnisse der Untersuchung, also bei den Verhandlungen, die die Unterlage für den Bericht gebildet habe», den Vorsitz geführt hatte. Diesen letzleren Verhandlungen hatte bekanntlich Herr Lohmann wegen auderiveiter dringender Dienslgeschäfte fernbleiben müssen. Der Direktor im ReichSnmt des Innern, Dr. v. Woedtke,»velcher in Vertretung des UnlerstaatSsekrelärs Lohmann die letzleren Berathungen geleitet hatte, überiiahn» infolge dessen auch de» Vorsitz in der Sitzung vom 20. d. Mts. und gab der Kommission bei Beginn der Ver- haildlungen über die Gründe, aus'»velche» der Unlerstaalssekretär Lohmann den Vorsitz nicht sichre, die vorstehende Aufklärung." Merkivürdig ist jedenfalls, daß der für die sozialpolitische Gesetzgebung interessirteste Beamte des preußischen HandeliministeriuinS bei den abschließenden»md»vichtigsten Sitzungen der Reichs-Kom- missio» über die Regelung der Verhältnisse in der Kleider- und Wäschekonfektion gefehlt hat.— — Die Bäckerei-Verordnung des BundeSraths Senatsprästdent G r o s ch u f f beim Kammergericht in Berlin legt in der„Deutscheu Jurist.- Zeitung" die Gründe dar, die das Kammergerichl am 8. d. M. zur Auerkeunuug der Rechtsgiltigkeit der Buudesraths-Verorduung über den Betrieb in Bäckereien»»nd Konditoreien vom 4. März 1835 geführt habe». Er»veist darauf hi», daß die Frage, ob der Bäckereibetrieb zu den Geiverben gehöre, in denen„durch übermäßige Dauer der Arbeitszeit die Gesundheit der Arbeiter gefährdet»verde", nach dem Gesetz nickt der richter- lichen Nachprüfung unterliege. Es bleibe nur die Frag« übrig, ob der Bundesralh bei Erlaß der Bekanutmochuug sick innerhalb der ihm durch§ 120ö der Gewerbe-Ordnung gezogenen Grenze» ge« hallen hat; ob derselbe also nur„Dauer, Beginn und Ende der zu- lässigen täglichen Arbeitszeit und der zu gewährenden Pausen" vor- geschrieben»md die zur Durchführung erforderliche» Anordnungen erlassen, oder ob er bei Erlaß der Vorschriften die ihm ein- geräumte» Befugnisse überschritten hat. Es sei in dieser Richtung behauptet»vorden, daß die Bestimmung, wo- ivonach zwischen je zwei Arbeitsschichten den» Gehilfen eine un- unterbrochene Ruhe von mindestens ö Stunden geivährt werden müsse, unzulässig»väre. Diese Behauptung sei jedoch nicht hallbar. Wenn der Bundesrath über Dauer, Beginn und Ende der Arbeits- zeit und die zu gewährenden Pausen zu befinde» habe, so folg« daraus. daß er nicht nur die Arbeitsschichten, sondern auch die dazwischen liegende Ruhezeit bestimine» könne. Auch die Anordnung des Aushangs einer Kalendertafel und eineS Wortlautes der Bekanntmachung sei augenscheinlich nur zur Kontrolle der über die Arbeitszeit getroffenen Anordnungen bestimmt und sei deshalb an sich zulässig gewesen. Die N o t h iv e n d i g k e i t und Zweck- Mäßigkeit dieser Maßregeln aber habe das Gericht nicht zu prüfen.— Aus diesen Gründen habe das Kammergericht durch Urtheil vom 8. Februar d. I. die RechlSgiltigkeit der Buudesraths- Verorduung aiierkeinie» müssen. — Z w i st i g k e i t e n in» national-s ozialen Lager Die„Post", der wir die Berantivortung für die Meldung überlassen' müssen, schreibt: In der Redaktion der„Zeit" sind in nächster Zeit einschneidende Veränderungen zu erivarteu. Redakteur Ober- iviuder hat seine Stellung gekündigt und»vird seinen Wirkungskreis demnächst verlassen; Pfarrer Nau»na»n beabsichtigt, die Zeitung dann selbständig zu leiten. Assessor v. Verlach»vird voraussichtlich seinem Kollegen Oberivinder bald folgen. Neu tingelreteu ist in die Redaktion des national-sozialen Blattes Redakteur Damaschke, früher Lehrer in Berlin, dann eine Zeit lang Leiter der von Pros. Lehmann-Hohenberg-Kiel herausgegebenen„Deutschen BolkSflunme. — Für die Ent,vicklu»g der Arbeiterschutz- Gesetzgebung in der Schweiz tritt die„Kreuz- Ztg." «in, gegen die kleinste Verbefferung auf diesen» Gebiete in Deutsch- land wendet sich berserkerhaft das gleicht Blatt. Die„Kreuz-Ztg." läßt sich aus der Schweiz schreiben, daß die Untersuchung alle Klage» über die ver, ninderte Konkurrenzfähigkeit der schweizerischen Industrie auf der gauzeu Linie alS unberechtigt ergeben habe. Wörtlich schreibt das Blatt: Insbesondere wird dargethau, daß mffer ans der Mitte der 70er Jahre datirendes Fabrikgesetz keines zun» Schaden der Großindustriellen sei. So stünden»»amentlich die vorge- schriebenen Schutzeinrichtungen den wohlverstmtdenen Interesse» derselben nicht im Wege. Die Ve>sicherungSprä«ie» für Haftpflicht und Unfallenlschävigungen kamen den Fabrikanten in de» Jadren 1833 und 1834 auf je 2 200 000 Fr», zu stehen, während die Gesammtsumme der JahreZIöhne der Fabrikarbeiter jährlich sich auf 170 Mill. Fr», belaufen. Man dürfe überhaupt behaupten, die schiveizerische Haftpflicht sei im allgemeinen keine schwerere Last als die entsprechenden Verpflichtungen auSläitdischer Fabrikanten. AlS Folge de? N o r m a l- A r b e i t s t a g e S. der »amentlich ei» Et«»» deS Anstoßes»var, wird geltend gemacht, daß, wo die Quantität einen Ausfall erlitt, dl« Qualität der Produktion durch die Verkürzung der Arbeitszeit verbessert»vird." Morgen»vird die gute„Kreuz-Zeituiig"»vieder gegen den Maximal-ArbeitStag der Bäcker und den Achtuhr-Ladenfthluß mit dem Brustton der Ueberzeugung»vettern!— — Die Stellung des Königs von Sachsen zum Boykott durch Militär und Militärvereine. I» einer Zuschrift des Ministeriums des Innern an die Militärvercine in Meerane findet sich folgende Stelle: „Seine Majestät haben daran zu erinnern, daß für Maßnahme», welche im Interesse der militärischen Disziplin als»»oth- »vendig angesehen werden, auch bei den königlich fächllschen Militärvereinen auf Berständniß und auf«ine gewisse Mitlwrkuni, gerechnet»verde» muß, daß es also den Tendenzen des königlich sächsischen Militärvereins> Bundes entspricht, wenn lonigUch sächsische Mtlitärvereine in Lokalen, welch e unter Militärverbot gestellt find, mindestens kor- porativ nicht verkehren, endlich auch daran zu erinnern, daß die Beamten des Bundes sowie behördliche Organe, wenn sie diese» Standpunkt vertreten, lediglich ihrer Pflicht Es handelt sich um den bekannten Ausschluß der Meeraner Militärvereine aus dem Bunde, der erfolgte, weil diese Vereine»n einem de» Arbeitern offen stehenden Saale ein Vergnügen abhielten. Die in dem zitirten Absatz euthaltene Stellungnahme de» KomgS war vorauszusehe».— Oberhohndorf(Sachsen), 24. Februar.(E'g.««.) Der hiesige Konsumverein ist nach einem Beschluß bei Gemeinderalhs mit einer Umsatzsteuer von 2 pC«. belastet worden. Hiergegen de- abstchtigtea die Mitglieder in eine, versammlun» ,« prolestireu. Diese wurde jedoch verboten, da die»Gefahr einer Störung der öffentliche» Ordnung" vorläge und die„Genossen" die Gelegen- heit wahrnehmen würden,„aufreizende" Reden zu halten.— Riedcrhahlau, 24. Februar.(Gig. Bericht.) Der hiesige Gemeuideralh wählte zum sechsten M a l den Bergarbeiter Knoll von hier zum Gemeindevorstand. Denselben hat die Aufsichts- behörde nunmehr fünfmal abgelehnt. Für den Fall einer nochmaligen Ablehnung ist man entschlossen, ihn wiederzuwählen. Der Fall zeigt klar, wie dringend nothwendig sich die Autonomie der Gemeinden macht.— — MilitSrboykott. Das Kommando des 33. i» Dessau negeuden Regiments untersagte, wie das„Berl. Tagebl." meldet. den Mannschaften den Besuch der Gastwirthschaft„Zur guten Quelle" in Köthen. Dort tagte jüngst eine sozialdemokratische Ver- fammlung.— Hamburg, 25. Februar,(ffiig. Ber.) Die Hamburger Bürger- schalt nahm vor einiger Zeit, wie mitgctheilt. einen Autrag der Linken auf Einführung der Stichwahl«» bei de» Wahle» zur Bürger- schaft an, jedoch bedurfte der Antrag, da die erforderliche Zweidrittel- Maiorilät bei der Abstimmung nicht erzielt war, einer zweiten Lesung. Diese fand gestern Abend statt, derselben ging eine größere Debatte vor- ans, an der>>ch u. a. auch der Vertreter von Ochsenivärder und Ober- fackelaut des Reichs-Fackelvcreins von 1883, Dr. Seurmler, betheiligte. Seine Ausführungen riefen schallende Heilerkeil auf allen Seiten hervor. Er verstieg sich nämlich, in seinem Eifer den Sozialismus abzu- schlachten, dazu, seine ablehnende Stellung zu dem Autrage damit zn rechtfertigen, daß nach Annahme des Antrages zu befürchten sei. daß das geistige Niveau der Bürgerschaft auf das Niveau des deutschen Reichstages, wo nicht ein einziger Abgeordneter über de» Hamburger Streik sachgemäße Auskunft hätte geben löuuen, sinken lönnte. Das wirkte auf die gesammle Bürgerschaft, die ihr geistiges Niveau. das sich zur Genüge darin dokumentirte, daß in der Bürgerschaft nicht ein Wort über den Hamburger Interessen doch auf das dringendste angehenden Hafenarbeiter- Ausstand gesprochen wurde, zu lennen scheint, so komisch, daß sie in lautes Lachen ausbrach. Trotzdem wurde aber der in erster Lesung angenommene Antrag schließlich mit 73 gegen 63 Stimme» abgelehnt. Es bleibt also beim allen, was diesmal für unsere Partei nicht gauz ungünstig s>.in durste.— Frankreich. In der Kammer interpellirte am 24. d. M. der Genosse V a i l l l a n t die Regierung, welche Maßnahmen sie zu nehmen ge- denke gegenüber der immer größere Dimensionen annehmenden Arbeitslosigkeit. Nachdem er die Interpellation in aus- gezeichneter Siede begründet, nahmen noch das Wort die Sozialisten Ehauviäre und Eharpentier. Sännuiliche drei Redner, die ein reiches Zahlenmaterial zur Verfügung hatten, riefen selbst bei den Gegnern einen sichtlichen Eindruck hervor. Italien. Rom, 25. Februar. Wie die„Agenzia Stefani" auS Sansibar meldet, bat der Kommandant des„Sorreulino". nachdem er fest- geslcllt hatte, welcher Volksstamm in der Nähe von Mogadischu die Hauptschuld an der Niedermetzelung der Expedition Cccchi trage, die Dörfer desselben zerstört und die Bewohner zerstreut oderzu Gefangenen gemacht. So trägt man Kultur nach Afrika.— Spam«». Madrid, 24. Februar.(„Franks. Ztg.") Ein Theil der Presse erörtert heule die Älngelegenheit der Tortur in Barcelona. In einem Leitartikel des„Heraldo", betitelt„Gerechtigkeit ohne Grausamkeit" wird gesagt, der„Heraldo" habe aus Patriotismus bisher geschwiege»; angesichts der Enthüllungen eines ausländischen Blattes und der englischen Interpellation müsse jedoch die An» gelegenheit öffentlich besprochen werden. Das Blatt nimmt an. daß die gerügten Mißhandlungen thatsächlich vorgekommen sind, und sagt, die öffentliche Meinung sei gegen solche Schandthaten empört und das o b e r st e Kriegsgericht Hab««ine Untersuchung ein- geleitet behufs exemplarischer Bestrafung der Schuldigen.— Griechenland. — Die Z i v i l l i st e Georgs von Griechenland. Es dürste nicht allgemein bekannt sein, daß England, Frankreich und Rußland jährlich 80 000 M. zur Zivilliste des Königs von Griechenland beitrage». Diese Zahlung ist seit 1863, wo die Zivil liste des Königs sestgesetzt wurde, ersolgt.— Asien. — Ueber die Stellung Japans und Rußlands in Korea macht der„Siegieruitgsbole". das Amtsblatt der russischen Regierung, Mittheiiuugen, wohl aus Anlaß der neuen russischen Uebergriffe gegen den König von Korea, der lange Zeit in riissischer Gefangenschaft gehalten wurde. Das osfiziell« Blatt schreibt über das Abkomme» zwischen Rußland und Japan über Korea: Dasselbe ist durch die Lage in Korea nach dem chinesisch- japanische» Kriege veranlaßt worden und berührt die Unabhängigkeit Koreas in keiner Weise, weder nach außen»och im Innern. Rußland und Japan erkläre» sich i» dieser Uebereinkunst bereit, den König von Korea bei der Herstellung der Ordnung und bei der Einführung einer einheimischen Heeres- und Polizeiorgauisatio» zu unterstützen und ihm zu helfen, die Elals der Aus« gaben und Einnahme» mit einander in Einklang zu bringen. Beide Staaten sind bereit, nöthigenfalls ausländische Anleihen zu garantiren, um die Bildung einer Armee und Polizei zn er- möglichen, damit zur Ausrechterhaltung der Ordnung in. Inner» nicht die Hilfe des Auslandes nothwendig wird. Ei» beigefügtes, bereits am 14. Mai lbSS vom russische» Generalkonsul Wäber und dem japani- scheu diplomalische» Vertreter Komura i» Söul ausgefertigtes Memo» randum besagt, daß beide Mächte die Rücklchr de? Königs von Korea in den Palast seiner eigenen Entscheidung überlassen, daß sie ihm dieselbe aber in freundschaftlicher Weise anrathen werden, sobald jede Möglichkeit einer Gefahr ausgeschlossen erscheint. Japan wird gestattet, 200 Gendarmen zum Schutze seiner Tel« grnphenlinien und drei WachtkommandoS zum Schutze der japanische» Niederlassungen bei Söul, Fusan und Gensa» zu halten, während Rußland gleich starke Kommandos wie Japan zum Schutze der russischen Gesandlschaft und Konsulate halte» darf. Nach vollständiger Wiederherstellung der Ordnung verpflichten sich die Vertragsmächte zur Zurückziehung ihrer Truppe». Soweit es nothwendig ist in Hinblick auf die Er> leichterung der Verbindung, bebält Japan die Ver> waltniig der gegenwärtig in seinem Besitze befindlichen Telegraph«,» linie. Rußland wird eine Telegraphenlinie von Söul»ach seiner Grenze herstellen. Korea wird gestaltet, dieselbe anzukaufen, sobald es über die nölhigen Mittel verfügt. Etwaige Mißverständnisse der beiden vertragschließenden Regierungen über Bestimmungen dieser Konvention sind von den Beriretern beider Mächte in friedlicher Weise beizulegen.— Amerika. New-Uork, 25. Februar.(„Franks. Ztg.") Die Stimmung gegen Spanien wird wegen der Hinrichlung des amerikanischen Bürgers Dr. Ruiz gereizter. Das Senatskomitee für answäriige Angelegen- heilen verlangte einstimmia die Freilassung von Eanguillys. Weitere Beschlüsse sind in Vorbereilung.- Aeichsksgs 186 Sitzung vom 25. Februar 1397. 1 Uhr. Am Tische des Bundesraths zu Anfang der Sitzung: der Ver. treter der elsaß-loibringischen Regierung. Geheimrath H a l l e y. Ans der Tagesordnung V'M zunächst die erste Bnathung des von den elsaß-loihringischen Abgg- C albus und Genosse» b«. antragte» Gesetzentwurfes wegen N e u r e g e l u n g d» r W a h I e n lum LandeSauSschvsst von Elsaß-Lothringen. Danach sollen die Wahlen durch direktes, allgemeines und geheimes Wahlrecht erfolgen; auf je 30 000 Einwohner soll ei» Abgeordneter gewählt werden. Abg. Winterer(Elsässer) weist darauf hin, daß für de» Landesausschuß drei verschiedene Wahlsysteme bestehe»; dabei kommen nur zum geringsten Theile die Wähler selbst zur Meinnngs- äußerung. Die Bezirkslage z. B., die auf neun Jahre gewählt sind, entsenden ihre Delegirten, ohne mit den Wählern Fühlung zu nehmen. Eine solche Ausnahmegesetzgebung könne ans die Dauer nichl ausrecht erhalten werden. Abg. Preist(Elsasser): Vor zwei Jahren hat der Reichstag unseren Antrag wegen des Diklaturparagraphen angenommen. Hier verlangen wir abermals die Aufhebung einer seit 25 Jahren bestehenden Ausnahmegesetzgebung. Bei den verbündeten Regierungen haben wir aber kein Glück gehabt; sie haben die Beschlüsse des Reichstages abgelehnt. Der elsaß-lolhrinaische Landesausschuß hat keineswegs die Bedeutung, die ihm entsprechend der Stellung der anderen Landtage in den Einzelstaate» zukommen müßte; er fühlt sich eben nicht als ei» Ausfluß des Volkswillens und ist deshalb geistig und moralisch niedergedrückt. Der Landesausschuß ist eine last- und kraftlos« Versammlung von Männern, welche das Gefühl ihrer Ohnmacht und Bedeutungslosigkeit auf Schritt und Tritt niederdrückt und lähmt. Besser wäre es gewesen. Elsaß-Lothriugen von Anfang an«in lebens- kräsliges Parlament zu gebe», wo man sich offen ausspreche» konnte, so daß kein Mißtrauen hätte aufkommen könne». Der Statthalter Fürst Hohenlohe- Langenburg hat kürzlich eine Rede gehalten, die peinliches Aussehen erregt hat; er tadelte die sogenannte„übel- gesinnte" einheimische Presse und drohte mit schärferen Bestimmungen aus grund des Dtktaiurparagraphen, der eigentlich»ur gegen vie Ausländer zur Anwendung gebracht werden soll. Der Statthalter erklärte, daß er von der Diklatnr Gebrauch machen wolle, nicht um die Freiheil zu unterdrücke», sondern um Land und Leute vor U»- heil zu bewahren. Dieses patriarchalische Berhällniß paßt uns jetzt nicht mehr; wir sind kein« politischen Kinder mehr. Geheimrath Halley: Die bentige Verhandlung dreht sich um einen Initiativantrag, zu dem Stellung zu nehme» weder die ver- bündele» Regierungen noch die Landesverwaltung von Elsaß- Lothringen bisher Anlaß gehabt haben. Unrichtig ist der Vorwurf, daß der Landesausschuß ein Beamten- oder Rentnerparlainent sei. Im Landesausschuß sitzen 3 Beamte, 1 Landgerichtsrath, 1 Kreis- direklor und 1 Regierungsasiessor, und 3 ehemalige Beamte, 18 Guts- und Grundbesitzer, 6 Fabrikanten, 3 Aerzle, 5 Notare, 2 Mühlenbesitzer, 2 Weinhändler, außerdem Ziegeleibesitzer, Branererbesitzer, Bankiers, Pfarrer und 8 Rentner. Bon diese» sind aber 3 ehemalige Notare, 2 ehemalige Apolheker. 2 ehemalige Gutsbesitzer und 1 ehemaliger Rechtsanwalt. Es sind im Landesausschuß weniger Rentner vorhanden, als in alle» übrigen Parlamenten. Unbegründet ist auch die Behauptung, daß der Landesausschuß im Lande unpopulär sei.(Abg. Bneb: Sehr richtig!) Herr Bueb wird dafür keinen Beiveis erbringen könne»; diese Behauptung ist schon 1895 vo» dem Slaalssekrelär von Pntt- kamer hier ividerlegt worden. Die Herren, welche deutsch« Hoch- schulen besucht und den deutschen Mililärdienst durchgemacht habe», sind die versöhnlichen, und ich habe mit besonderer Vorliebe diejenigen ivliiglirder des Gemeinderaths zu Bürgermeistern vor- geschlagen, die im deulscheu Heere gedient habe».(Heiterkeil.) Die Allnralesse und die Disziplin des Militärdienstes zeigte sich bei ihnen auch bald in der Leitung der Genieinden. Daß ein Theil unserer Jugend immer noch»ine starke oppositionelle Richtung hat, hängt damit znsammtn, daß ihr in den Familien des Landes eine Abneigung gegen das Deutsch- thmn eingeflößt wird.(Lachen links. Ruf bei den Sozialdemo- traten: In der Schule!) Aber so ganz tragisch ist das nicht zu nehme», das ertragen wir alle Tage. Bezüglich der Rede des Statt- Halters verweise ich auf die Erklärung des Slaatssekretärs im Landesausschuß, daß die Statthalterschast auf das äußerste bestrebt sei» wird, die Auwendung des Diktalnrparagraphen möglichst zn vermeiden. Und wenn der Herr Statthalter zu besonderen Maßregeln genöihigt sein würde, so würde das davon ab> hängen, wie die Mahnungen des Herrn Statthalters von der Presse befolgt werden.(Lachen links.) Ich glaube, unbefangener, als der Herr Stalthalter sich über dl« Press« ausgedrückt hat, ist es garnichl möglich. Abg. Bucb(Soz.): Die Reden des Statlhallers nnd des Staats- sekretärs im Landesausschuß und des Regiernngsvertreters hier zeigen uns, daß nicht rechtliche Grilndsätze für Elsaß-Lothringen maßgebend sein sollen, sonder» daß das Strebe» dahingeht, unter güuslige» Umständen und»nter den gegebenen Bedingungen Gnade für das elsaß-lothringische Volk walte» zu lasse». Das Voll soll unter einem Gnadensystem stehen, aber eS hat, nachdem es zn», Deutschen Sieich gekomme» ist und seine Pflichte» erfüllt Hai, Rechte zu forder», wie sie jedem Staatsbürger zustehen. Ihm einen Theil dieser Rechle zu geben, beziveckt der Antrag der elsässische» Fraktion. Das elsässische Wahlsystem ist daraus zugeschnitten, der preußischen Regiernng der Reichslande(Zivischenruf rechts) ja, ich sage der preußischen Regierung— unter dem Deckmantel einer wi.klichen Poiksverlrelung eine vollständig ergebene, nach ihrer Pseife tanzende Körperschaft zu schasse».(Sehr richtig! bei den Sozialdemokral«».) Um dies« nicht als abhängig erscheine» zu lassen, weist man darauf hin, daß Ehrenbürgermeifter darin sitzen. Von einer Unabhängigkeit der Bürgermeister kann doch n»r dann die Rede sein, wenn die Gemeinden i» Elsaß-Lothringen das Recht hätte», ihre Bürgermeister selbst zu wählen; die Regierung hat aber bezüglich der Bürgermeister das Ernennungerecht, und wie sie davon Gebrauch macht, kann man sich denken, wenn man die eben von dem Negierungskommissar proklamirle» Grundsätze in betrachl zieht. Es werden eben diejenigen zu Bürgermeistern bevorzugt, die durch die Schule der deutschen Armee und Universität gegangen sind. Wer sich i» andere» Traditionen gefällt, der wird dieses Jveat nicht an» erkennen. Mit ehemaligen Unteroffizieren hat man keine besonders glänzenden Erfahrungen gemacht. Der Regierungsvertreier meinte, wenn Unzufriedenheit im Lande mit dem Landesausschuß bestände, wie käme es den», daß immer die Mitglieder desselben wiedergewählt würden. Das ist sehr leicht zu erklären. Bei de» Wahlen zu den Gemeinderäthe», die berechtigt sind, die Mitglieder des Landeßausschusses zu wähle», spiele» Fragen vo» untergeordneler lokaler Natur die Hauptrolle; dieser Umstand allein sollte dazu führe», eine Aeuderung des Wahlsystems herbei- zuführen. Jede öffentliche Theilnahme am politische» Leben wird soviel wie möglich hintan gehalten. Die Wiederwahl der Mit- glieder des Landesausschusses liegt eben in dem Wahlsystem. Die Bürgermeister oder Sreiedirekloren müssen sich eben zur Wahl stellen und es werden nnr diejenigen zur Wahl gestellt, die der Regierung angenehm sind. Die elsaß- lothringische Regierung gestattet uns bei de», Wahlen zu den Gcmeindevertretungen keine politische Agitation. Mir»vurde in» vorigen Sommer die Besprechung der politischen Seite der neuen Gemeinderathswahlen in einer Versammlung von der Regiernng direkt»ntersagt. Das Vertrauen der Bevölkerung bringt die Mit- glieder des Landesausschusses nickt immer wieder in diese Körper- schaft hinein. Das sind nicht Männer, die frei und offen ihre Meinung sagen. Wie wenig der Landesausschuß im Boll de- liebt ist, ergiebt sich schon ans seinen Leistungen. Einzelnes hat er allerdings gethan für die Landivirthschaft. Hält« er eine andere Znsammensetzung, so hätte er auch aus andern Gebiete» etwas erreicht. Bis jetzt hat er sich nicht dazu entschlossen, ein« Vermögenssteuer einzuführen. Jetzt sind nur die Interessen der Be- sitzenden im Landesausschuß vertreten. Eine Abänderung des Wahl- rechts liegt auch im Interesse der Regierung selbst. Bis jetzt kann der Wille des Volkes»m LaadeSansschuß nicht zum Ausdruck kommen. Wenn die Jugend so patriotisch ist, wie der Kommissar meint, warum dann diese Ausnahmegesetze? Bei uns»vird die Presse geknebelt. Selbst unsere radikalsten Organe sind so zahm, daß sie nach oben hin nicht die richtige Schärfe»eigen und der Statthalter hat gar keine Ursache, sich über unsere Presse zu beschweren. Hat man nicht auch gegen unseren.Bolksfreund' Vorwürfe erhoben, dt» Niel wiesen sind? Man macht eS den Elsässer»»um Vorwurf. daß in einzelnen Familien noch französisch gesprochen wird. Die Kenntniß der französischen Sprache sollte man nicht hindern, sondern fördern. Sie befördert das Fortkommen der junge» Leute namentlich im kanfinännischen Leben. Aus dieser Kenntniß eine Franzosensreundlichkeit herleiten zu wollen, ist absurd. Im Landes- ausschuß sitzen Personen, die gesetzlich nicht das Recht habe», dort zu sei». Im vergangenen Jahre haben die Wahlen für die Ge- meinderäthe stattgefunden, es sind aber noch 4 Vertreter von Städten da, die auS den früheren Gemeinderaths-Wahlcn hervorgegangen sind. Nach dem Gesetz und de» Koininenlaren erlischt das Mandat mit dem Ab- lauf der Wahlperiode. Sollte keine Aenderung eintreten, so behalte ich mir eine Interpellation vor. ES liegt im eigenen Interesse Deutsch- lands und der elsässische» Bevölkerung, den bestehenden Zuständen ei» Ende zu machen. Die politische Versumpflheit ist nicht die Schuld des Volkes, sonder» der Regierung. So lange diese Zn- stände fortdauern, ist an eine Germanisirung von Elsaß-Lothringen nicht zu denke».. � Geheimer Oberregierungsrath Halley: Die neue Gemeinde- Ordnung befreit die Gemeinderälhe von der Bevormundung der Be- Hörde» und giebt ihnen das Vorschlagsrecht für die Besetzung der Bürgermeisterstellen.(Lachen links.) Der Bürgermeister istzn drei Vierteln Staatsbeamter, da müssen die Behörde» mitreden. Elsaß-Lothringen hat »och niemals eine so freie Gemeinde- Ordnung gehabt wie jetzt. Die Presse in Elsaß-Lothringen ist nicht geknebelt. Die Zahl der politischen Blätter hat sich erheblich vermehrt.(Zurufe: Inhalt!) Die Sprache der Presse ist von Jahr zu Jahr freier und un- umwundener geworden; das wird von der elsässische» Presse und auch von der ausländische» Presse anerkannt, nur hier im Reichstag nicht. Die Tonart der Presse wird als geradezu provozirend be- zeichnet; auch daS„Berliner Tageblatt" hat das anerkannt. Man hat in Frankreich gesagt, daß man dort nicht dasselbe sagen dürfe. Also kann es mit der Unfreiheit der Presse nicht schlecht bestellt sei». Abg. Lieber(Z.) bedauert, daß der Beschluß des Reichstages wegen Beseitjguug des Tiktaturparagraphe» nicht vom Bundesrathe angenommen worden sei; dadurch könne man den altdeutschen Volks- stamm nicht wieder versöhnen. Auf den Namen eines Parlaments kann der Landesausschuß keinen Anspruch erheben. Deshalb stimmen wir dem Antrage der Elsässer zu. Die Unzufriedenheit muß ja wachsen, wenn der Landesausschuß nicht verändert wird durch ein besseres Wahlrecht. Abg. Lenzmann(frs. Vp.) erklärt sich namens der Linken für de» Antrag. Wer noch Gegner desselben gewesen sein sollte, muß durch die Erllärung des Vertreters der elsaß-lothringische» Re- zierung von dessen Noihwendigkeit überzeugt worden sein.(Sehr richtig'! links.) Wir wünschen den Anschluß der Reichslaude an Deutschland. Die jetzige Politik hat das nicht erreicht, sie hat Bankrott gemacht, nnd wir wünschen nichl. daß etwa Elsaß- Lothringen erst mürbe gemacht wird. Wir verlangen Gerechtigkeit, damit die geg-nwärüge Generation sich an Deulschland anschließt. Deshalb wünschen wir eine richtige Landesvcrtretuug. Abg. p. Marquardscn(»all.): Ich bin nicht geneigt, daS Wahlsystem für den Landesausschuß für ein Meisterstück zu halten, daS nicht der Verbesserung fähig wäre. Bei der Verbesserung mit- zuivirken sind wir bereit, aber diesen Sprung inS Dunkle können wir nicht mitmachen. Abg. Rickert(srs. Vg.): Wir wünschen, daß die Annäherung an Deulschland schneller geschieht, deshalb wollen wir den Elsaß- Lothringer» Gleichberechtigung gewähren und stimme» für den Antrag. Abg. Graf Ttolberg(k): Daß eine falsche Politik getrieben ist und wir umkehre» müssen, kann ich nicht anerkennen. Wir. sehen keinerlei Veranlassung, mit dem Landesausschuß ein Experiment ku machen. Abg. Bneb(Soz.): Wenn ein Preßgesetz für Elsaß-Lothringen erlassen werden soll, und dieser Noihwendigkeit kann man sich ja schließlich nicht entziehen, dann muß das von Reichs wegen geschehen und nicht mit Hilfe des Landesausschusses. Hätten wir statt der preußischen Beamten süddeutsche Beamte, dann würden wir»vahr- scheiuttch sehr viel weiter sein. Daher auch der Widerspruch bei den preußische» Konservative», die die hochbezahlte» Stellen für sich und ihre Söhne in Anspruch nehmen.(Sehr richtig! links.) Abg. Werner(Neforinp.) stimmt für de» Antrag. Damit schließt die Diskussion. Das Schlußwort alS Antragsteller hat Abg. Colbus: Ein Wahlsystem wie in Elsaß-Lothringen besteht in keinem europäischen Staat und würde in kemem deutschen Einzelsiaat geduldet werden. Damit ist die erste Lesimg beendet. Es folgt sofort die zweite Berathung des vorgelegten Gesetzenlwurks. Gegen die Stimmen der Konservativen und Nationalliberalen wird derselbe ohne Debatte genehmigt. Gegen die Stimmen der Konservativen wird darauf ein Ver- taguiigsantrag angenommen, so daß der Antrag wegen Beseitigung der Zollkredite für Getreide und Mühlensabrikate nicht mehr zur' Verhandlung kommt. Schluß 4'/« Uhr. Rächst- Sitzung Freitag 1 Uhr.(Etat der Reichs-Elsenbahnen nnd des Reichs-Verflchcrungsamtes; dritte Lesung betr. die Beschlagnahme deS DienstlohneS und betr. die Konvertirung; zweite Berathung deS Gesetzentwurfs betr. die und des Entwurfes einer Vruudbuch- ZivangSversteigerimg Ordnung.) $«« Bundesrath ertheilt« in seiner heutigen Sitzung dem Nachtragsantrag Preuße»?, betr. die Ausführung de? Börsen« gesetzes vom 22. Juni 1896 seine Zustimmung.— Die Budgetkommission hatte heute die Berathung der Post- dampfer-SubventionS-Vorlagen auf die Tagesordnung gesetzt. Sie lehnte eS jedoch ab, in eine materielle Besprechung dieses Entwurfes vorläufig etnzntreten.— Sodann ging die Kom- Mission zur Berathung des Vorftandsantrages bezüglich Baues eines P r ä s i d i a l h a u s e s an der Ecke Sommerstraße und Reichstags- ufer über und nahm de« Antrag Lieber an, den Reichskanzler auf- zusordern, einen NachtragSelat für 1897/98 vorzulegen, in welchem für Grunderwerb und Proiektbearbeitnng für den Bau eines Präsidial- gebäudes sowie als erste Rate»00 000 M. gefordert werdeu. Staatssekretär Gras Posadowsky hatte in Aussicht gestellt, sich beim Reichs- kanzler für diesen Antrag verwenden zu wollen. I» der Uufallgesetz-RoveNe-Kommissio» zeigten die Debatten i« de» beiden letzten Sitzungen auch Noch-Anhängern der Berufs- aenossenschafts-Orgauisalion abermals, welch' Hinderniß gegen fast jede Besserung diese Art der Organisation ist. Zunächst Haudelle eS sich um den bis nach Berathung der Organisation zurück- gestellten Antrag unserer Genossen, den unfallversicherungS- Pflichtigen Betriebe» gleich zu erachten den Reichs-, Staat?- und Koinmunaldienst sowie Anstalten und Veranstaltungen zu religiöse», wohlihätigen oder gemeinnützigen Zwecken, zu Zwecken der Kunst, der Wissenschaft, der Gesundheitspflege und der Leibes- Übung. Dadurch würde z. B. die Beschäftigung in den Bureaus als Hausdiener, Portier, die Bedienung an Heiz- und Be- leuchtungs-Anlagen, Polizei- und Sicherheilsdienst, dl« Beschäftigung als Kranken- und Jrrenhauswärter, in Bade- und Wasch-Änstalten. in Laboratorien, in Bildhauer-Werkstätten, in Anstalten für Sport- betrieb(in Rennställen, Ruder- und Segelklubs, in Reitbahnen), bei Theatern und anderen Knust- und wissenschaftlichen Anstalten, in zoologischen Gärten und dergleichen, desgleichen als Feuerwehr. Glöckner, Todtengräber u. s. w. unfallversicherungspflichlig. Bon keiner Seite wurde die Zweckmäßigkeit und theiliveise Roth» wendigkeit dieser Ausdehnung der Bersicherung in Abrede gestellt. Es konnte auch nicht geleugnet werden, daß die von unsere» Genossen für diese Berficherung vorgeschlagene territoriale Gestaltung durchführbar sei. Aber— es würde die bemfsgenossen- schastliche Organisation gefährdet werden, deshalb wurden diese Anträge unserer Genosse» Grillenberger, Molkenbuhr, Stadthagen abgelehnt.— Es ivurde dann zu einem zurückgestelltcn Antrag des Abg. Röstck« zurückaek-brt. Nach demselben soll d« vorstand der Genossensck' �«stimmte Eeschäjt« be« olbefen Geschäftsführern übertragen dürfen. Gegen die Strmmen uiiferer Genosfeu wurde dieser Antrag an- genommen. A»§ 41 des Entwurfs. der die Befugnisse der Arbeitervertreter regelt, knüpfte sich eine fast beide Sitzungen aus- füllende Debatte. Das Zentrum will de» Arbeitern eine größere Mitwirkung dadurch einräumen, daß die Arbeiter auch bei der Bestimmung des Heilverfahrens und bei der ersten Fest- stellung der Rente mitwirken sollen. Unsere Genossen wollen eine Mitwirkung der Arbeiter auch bei der Ernennung der Ver- traueusärzte und der Wahl einer Kommission zur Beaussichtigung der Unfallvethütungs.Vorschrifteu. Der Gedanke, daß der Arbeiter ein lebendes Wesen und nicht eine Nummer in trockenen Berufs- genossenschafteu sei» soll, die schemalisch behandelt wird, will, wie es scheint, den Konservativen, Reichsparteilern und National- liberalen absolut nicht in den Kops. Sie protestirtcn lebhaft gegen die Anträge. Von freisinniger Seite wird wenigstens eine Mitwirkung vor der ersten Feststellung der Rente zugestanden werde». Unsere Genossen beantragen ferner zu 8 41, daß das Erforderniß, daß der Arbeiiervertreter in dem uufallversicheruugspflichtigen Betriebe be- schäfligt sein und während der ganzen Wahlzeit bleiben muß, wegsalle. Auch dieser Antrag fand wenig Gegenliebe. Würde seine Annahme doch die Entfernung eines von Arbeitern gewählten Vertreters durch Entlassung aus der Arbeit unmöglich machen. Die Abstimmung über§ 41 wurde vorab ausgesetzt. Die nächste Sitzung findet heute um 10 Uhr statt. Vordem beantragten die Abgg. v. S t u m m und Paaschs, am Sonnabend, Montag, Dienstag und Mittwoch Pause» zu machen. Grillen berger beantragte Ablehnung dieses An- drages. Zur Begründung führte er an, daß eine der Stumm'schen Reden ihm Muße gelassen habe, die Aenderunge» im Gewerbe- Unfallgesetz noch einmal schnell durchzulesen. Da habe er sich noch- mals davon überzeugt, daß so unendlich viel Neuerungen»och zur Berathnng ständen, daß der Aussall der Sitzungstage die Berathung zweifellos außerordentlich aufschiebe» würde. Er, ebenso wje Molkenbuhr und Stadthagen, seien trotz der vielen Hindernisse, die gerade ihren An- trägen bereitet werden, zu Sitzungen auch an diesen Tagen bereit. Ein sachlicher Grund zum..Schwänzen" liege durchaus nicht vor. Die Kommission beschloß jedoch, an den genannten Tagen die Sitzungen ausfalle» zn lassen.— Karneval steht vor der Thür. Kommisstons- Bcrathuug des Entwurfs ciueö Handels- Gesetzbuchs. 8(Konkurrenz-Klausel.) Die Sozialdemokraten beantragen„Aufhebung der Klausel überhaupt" eventuell „eine Beschrankung nur auf die Zeitdauer von»inciu Jahre vom Tage des Austritts a». Im Anschluß daran soll nur der Eintritt in ein Geschäft gleicher Art(Brauche) oder die Begründung eines solchen innerhalb einer Entfernung von einem Kilometer von der Be- triebsstätte des vertragsschließenden Geschäftsinhabers versagt werden. Eine Konventionalstrafe darf die Hälfte des Jahresgehalts nicht überschreiten. Für die Dauer der Beschränkung ist dein Handlungs- gehilfen die Hälfte seines Jahresgehalts weiter zu zahlen." Die Nationalliberalen beantragen„eine Beschränkung der Konkurrenz- klausel auf eine Zeitdauer von 8 Jahren. Ein Handlungsgehilfe, der weniger als 3000 M.Jahresgehalt bezieht, untersteht nicht der Ronkurrenz- klausel. Für die Dauer der Beschränkung ist dem Handlungs- gehilfen die Hälfte seines bisherige» Gehalts weiterzuzahlen." Auch der Abg. Gamp beantragt einige unwesentliche Erleichterungen; er will aber gleichfalls eine Zeitdauer von längstens 3 Jahre» fest- legen.— Die Regierung führt aus, daß sie sich Abhilfe zu schaffen bemüht hat in all den Fällen, wo die Praxis diese drin- end erheischte; das sollte man nicht unterschätze». Man abe die Minderjährigen ausgenommen, die Verbindlichkeit der Handlungsgehilfe» sei eingeschränkt worden, ,»?»» die Beschränkung nach Zeit, Ort und Gegenstand die Billigkeit über- schreiten. Für die Rechtsprechung sei dies wesentlich. Der Schutz des Schwachen sei das Prinzip geivesen, welches die Regierung führte, aber auch der kleine Kaufmann gehöre zu den wirth- schaftlich Schwachen. Wenn die Gehaltsgrenze von 3000 M. angenommen würde, so wäre das ein Schutz des Groß- kaufnianns gegenüber dem kleine». Mehr als Drei- viertel aller Gehilfen bezögen unter 3000 M. Gehalt. damit wäre die Konkurrenzklausel dem kaufmännischen Mittelstand gegenüber aufgehoben; unter solchen Aussichten sei am Ende die vollständige Aufhebung der Klausel noch besser.— Die Entschädigung in der Form der Gehaltszahlung für die Dauer der Beschränkung sei ebenfalls für den wirthschaftlich Schwachen eine unerträgliche Last, der Großkaufmann und Fabrikant dagegen könne die Entschädigung leicht zahlen.— Ein Vertreter des Zentrums stellt sich ans die Seite der Regierung; nur einige kleine Ein- schränkungen werden geivünscht, z. B. soll nur„mibbräuchliche Ver- werthung der im Betriebe des Prinzipals erlangten Kenntuisse sür den Handlungsgehilfe» verbindlich sein". Einem anderen Zentrums- mitgliede geht dies Zugeständniß noch viel zu iveit.— Von freisinniger Seite ivird dargelegt, daß die Konkurrenzklausel nicht zu entbehren sei. Nur einer mißbräuchlichen Anwendung sei vorzubeugen. Begrüßt wird der Ausschluß der Minderjährigen, auch könne die Zeildauer der Klausel bestimmt werden.— Das Zentrum legt sofort Protest dagegen ein, als wenn es mit dem Ausschluß der Minderjährigen einverstanden sei. Das Entgegengesetzte sei der Fall.— Singer weist das energisch zurück; er hält gerade diesen Punkt für das Beste an der Regierungsvorlage. Was die Konkurrenzklausel an sich betrifft, so sei damit das alte Banncrrecht wieder eingeführt. Die Klausel sei eine Verbeugung vor dem Großkapital. Der Redner wendet sich dann noch sehr scharf gegen den Regierungsvertreter, der die kleinen Kauf- leute als wirthschaftlich Schwache bezeichnet, die zn schützen seien; in der Praxis würde von den kleinen Kaufleute» die Konkurrenz- klausel sehr selten angewendet. Was die Zeitbeschränkung betrifft, so seien drei Jahre— auch bei Reisenden— als durchaus genügeuder Schutz für de» Prinzipal anzusehe». Der§ 73 ivird hierauf in der Regierungsvorlage angenommen mit dem Zusatz, daß die lionkurrenzklausel über drei Jahre nicht ausgedehnt werden darf. § 74 wird unverändert angenonnne» und hieraus die Berathung ab- gebrochen. Zum Antrage des Zeutriims auf Aufhebung des I e s uit en g e s e yes wird der„Lib. Korr." zufolge folgender A b ä n d e r u n g s a n t r a g eingebracht werde», für den sich schon früher die Abgg. v. Bennigsen(iiatl.), Rickert(frs. Vg.) und Graf Limburg- Stirum(I.) erklärt haben:„Die Angehörigen des Ordens der Gesellschaft Jesu oder der ihm verwandten Orden oder ordensähnlichen Kongregationen können, wenn sie Ausländer sind, aus dem Bundesgebiet ausgewiesen werden; wenn sie Inländer sind, kann ihnen der'Aufenthalt in bestimmten Bezirken oder Orten versagt oder angewiesen werden." Gegen diesen Antrag dürsten außer dem Zentrum, der sozial- demokratischen Fraktion, de» Polen und Elsafferu die meisten Mit- glieder der freisinnigen und süddeutschen Aolkspartei, somit die Majorität des Reichstags, stinnnen. Ans der Schweiz. Der Verein der deutschen Sozialisten in Zürich hatte im vergangenen Jahre eine Ein- »ahme von 2540,84 Franken. Die Ausgabe betrug 2322,08 Franken, darunter befanden sich III M. Nnterstützung sür durchreisende Ge- nosse» und 135 Franken sür die Hamburger Hasenarbeiter. Ver- sammlungen wurden 22 abgehalten. Feste 5. Zahlende Mitglieder hat der Verein 154. Einen schweren Verlust erlitt die Organisation durch den Tod des Genossen E m i l B e ck, der am 22. Juli v. I. in Zürich starb. An seiner Beerdigung nahmen trotz des schlechten Welters gegen 300 Genossen theil. 16 Vereinsfahnen wurden im Zuge getragen. Seit vielen Jahren war es fast ausschließlich Aufgabe der deutsche» Organisationen in der Schweiz, unbemittelte politische Flüchtlinge oder sonst Gemaßregelte zu u n t e r st ü tz e n, und in einzelnen Jahren w»rden ziemlich hohe Summen für diesen Zweck verausgabt. Diese Unterftützungen wurden nicht nur an Deutsche, sondern auch an Oesterreicher. Italiener ,c. verabreicht. sobald sie den"iibeit«rorga»isat,onen ihres Landes an- ' Verantwortlicher Redakte"nfT Jacobe») in Berlin. Für den In gehört hatten. In der im Juni v. I. abgehaltenen Konferenz der deutschen Sozialisten erhielt der Landesausschuß den Auftrag, mit den Zentralkomitees der schweizerischen Arbeiterschaft in Verbindung zu trete», um dieselben zu diesen Unterstützungen heranzuziehen. Dies war von Erfolg. Am 17. Januar einigten sich auf einer Konferenz in Zürich das Bundeskomitee des Schweizerischen Gewerkschafts- bundes, der geschäftsleitende Ausschuß der Schweizerischen sozial- demokratischen Partei, das Zentralkomitee des Schweizerischen Grütlivereius und der Landesausschuß der deutschen Sozialisten in der Schweiz dahin, daß, um den einzelnen Organisationen keine neuen Lasten aufzubürden, olljährlich an sämmtlichen März- feiern in der Schweiz Kollekten zu gunsten der poli- tischen Flüchtlinge v-ranftaltet werden sollen. Die Hand- habnng und Kontrolle der Unterstützungen wurden wie bisher dem Landcsausschuß der deutscheu Sozialisten überlassen. Derselbe hat alljährlich den betheiligten Organisationen genaue Rechenschast ab- zulegen. Alle Gelder für diese" Zweck sind an C. G r o ch e in Zürich I, Neumarkl 5, zu senden. Nationalrath E. W u l l s ch l e g e r wird am 1. Juli Basel verlassen, um in Luzer» das Amt des Sekretärs des schweizerische» Grütliv-reins anzutreten. Voraussichtlich wird er aber nach Basel, wo sein Weggehen von den Parteigenossen schwer empfunden wird, wieder priickkehren, da man mit dem Plan umgeht, de» Sitz des Zentralkomitee's des schweizerischen Grütlivereius nach Basel zu ver- legen. Polizeiliches, Gerichtliches»c. —(U Halle a. S. wurden die Redakteure Solomon und Ad. Thiele vom Untersuchungsrichter wegen der Majestäts- beleidigung vernommen, die im Leitartikel der beschlagnahinle» Nummer des„ V o k ks b la t ts für Halle" vom 14. Februar enthalten sein soll. Der verantwortliche Redakteur Salomo» be- stritt das Vorhandensein einer Beleidigung, da der Artikel nur Zitate aus längst erschienenen und unbeanstandeten Schriften ent- halte, und Redakteur Thiele prntestirte dagegen, daß er als Be- schuldigter vernommen werde. Der Artikel ist eine Zusammen- stellung historischer Aussprüche des Kaisers Wilhelm 1.— Der Schuhfc>rikaut Seiler in Weißenfels hat das„Volksblatt" wegen Nichtaufnahme einer Berichtigung verklagt. Die Berichtigung ist nicht ausgenommen worden, weil die Unterschrift des Einsenders fehlte. Da in der Verhandlung vor dem Schöffengericht am Mitt- n> och Herr Seiler das Gegentheil nicht beweisen konnte, wurde die Sache vertagt. — Ein fataler Druckfehler wird dem„ V o l k s b l a t t für Harburg" möglicherweise einen Prozeß wegen Beleidigung des vieiningischen Landtages'inbringen. Gegen den Redakteur Thiel, den Verleger Weniger und den Drucker Weber ist deshalb Untersuchung eingeleitet. Außerdem schwebt gegen Redakteur Thiel ein Prozeß wegen Beleidigung des Offizierkorps der Garnison Mülhausen im Elsaß._ Getvevksrkzsfklirsxes. Die vielen Ausstände der letzten Zeit, ssowie der Ham- b n rger Hafen arbeiterstreik sollen, wie ein bürgerlicher Berichterstatter mittheilt, in einer großen Berliner Unternehmer- Organisation den Plan zur Reise gebracht habe», zur Bekämpfung der Ausstände einen losen„Arbeitgeber"-Verband über g a n> Berlin nach den« Muster des Hamburgers zu gründen. Man habe sich auch hier, wie bei vielen anderen Maßnahmen der letzten Zeit, die Arbeiter zum Muster geiiommen und erkannt, daß dieser Weg der einzige richtige sei. Auf welcher Basis jener Verband ausgebaut werde» soll,»in den Gesetzen zu eutsprechett, solle erst be- rathen werden. I» nächster Zeit würden vorläufig nur im engeren Rahmen Einladungen zur Berathung an hervorragende Arbeitgeber ergehen. Daß den Häuptlingen des Vereins Berliner Metallindustriellen, um de», es sich höchstwahrscheinlich hierbei handelt, der Ausgang des Hamburger Streiks derart zu Kopfe gestiegen ist, daß sie vermeinen, in einer allgemeine» Unternehmer-Organisation den archimedeischen Punkt gesunden zu habe», von dem aus sie die proletarische Welt ans den Angeln hebe» können, das kann man schon glauben. Und ebenso wenig ist daran zu zweisel», daß ein all- gemeiner Unternehmer- Verband nach dem Muster des Hamburgers auch in Berlin zu stände kommen könnte, Die Stumm'sche Richtung, zu der die Kühnemänner lediglich reffvrtiren, irrt sich aber, wenn sie vermeint, die Arbeiterbewegung durch die Organisation des Unternehmerthums todlmachen zu können. Die Arbeiterbewegung wird allenfalls ihre Taktik ändern, wen» das die Umstände nothwendig mache», aber sie wird unbeirrt ihren Weg fortsetzen zum Ziel der politischen und wirlhschastlichen Er- lösung, und sie wird um so eher den Sieg erringen, je brutaler das Unternehmerthum die Arbeiter zu knechten sucht. Die Stunun und Kühnemänner siud nicht die Retter, sondern die Todtengräber der alten Gesellschaft. Ten Vorstände» nud Agitations- Kommissionen der Zeutral-Vcrbände hiermit zur Nachricht, daß sich in N a u e n bei Berlin eine Kommission gebildet hat, deren Aufgabe es ist, der Gewerkschaftsbewegung in Nauen die Wege zu ebnen resp. die Agitation sür dieselbe einzuleiten. Die Kommission richtet daher an die Zcntral-Vorstände und Agitations-Kommissione» der Geiverk- schasts-Organisationen das Ersuch-», ihre Adressen sowie Material zuzusenden, und zwar an Alb. M ü l l e n st ä t t, Nauen bei Berlin, Jüdenkirchhoff 19. Eine Konferenz der Manrer der Provinz Brandenburg ist von der brandenburgischeir Agilationskommission der Maurer aus den 10. und 20. April nach Berlin einberufen. Die vorläufige Tagesordnung lautet: I. Bericht der Agitationskommission; 2. Situationsbericht der Delegirten; 3. Agitation und Streiks; 4. Die neue Unfallversicherungs- Novelle; 5. Die Aufdeckung der Mißstände im Baugewerbe; 6, Neuwahl der Agitationskommission. In Weisteufels sind die in den Schuhfabriken von Blasig und Albrecht neu entstandenen Differenzen durch Vermittlung des Genossen Simon, des Vorsitzenden des Ausschuffes des Vereins deutscher Schuhmacher, wenigstens sür jetzt, beigelegt. Herr Blasig hat die Kündigungen zurückgenommen. drei Zwicker habe» aus Wiedereinstelluug verzichtet und Herr Albrecht hat den von neuem ausgehängten alten Lohntarif wieder eingezogen, da er sich über- zeugen ließ, daß der vereinbarte neue Tarif nicht ohne weiteres einseilig umgeworsen werden kann, sondern daß er ihn erst kün- digen und also mindestens 14 Tage den neuen Lohntarif weiter be- zahlen muß. In Zwickau beschloß eine stark besuchte Arbeiterversammlung nach Restraten der Genossin Ottilie Baader aus Berlin über „Arbeiter- und Arbeiterinnenschutz" und des Genossen Louis Eckstein aus Zwickan die Gründung eines Gewerkschasts- k a r t e l l s. Die Schuhmacher Offeubachs sind in eine Lohnbewegung eingetreten und bitten die auswärtigen Fachgenossen, dies zu be- achten. Aus Hartlepool in England wird telegraphirt: Die An- gestellten der N o r d o st b a h n haben den allgemeinen Aus- stand beschlossen. Soziales. Heber die traurige» Verhältuisse, unter denen die Hand. weder in Nowawes seit längerer Zeit und in immer schlimmerem Maße zu leiden habe», hat ein Berliner Journalist a» Ort und Stelle Erkundigungen eingezogen, als deren Resultat er das folgende in der„Volks-Zeitung" mittheilt: Noch niemals hat die alljährlich mit Beginn der kalten Jahres- zeit in Nowawes eintretende Roth einen so hohen Grad erreicht, wie in diesem Winter. Die Hand web erei geht, � wie dies auch anderorts der Fall ist, in Nowawes vollständig zurück, seitdem dort im Jahre 1880 eine große Fabrik errichtet worden ist, wo die mechanische Weberei betrieben wird. -ratentheil verantwortlich: Th. Glocke w Berlin. Druck und Verlag von Nun geben zwar die Meister selbst zu, daß durch die Maschinen ein gleichnräßigeres Gewebe gewonnen wird. DieHandweberei aber hat den Vorzug, daß sie selbst aus den« schlechtesten Material, das zu verarbeiten die Maschinen garnicht im staube sind, noch brauchbare Stoffe her- stelle» kann. Um so trauriger ist es daher, daß von den ungefähr Tausend in Novawes vorhandenen Webstühlen augenblicklich nicht weniger als 800 unbesetzt sind. Was aber diejenigen Weber, die wirklich»och Arbeit haben, verdienen, ist kaum glaublich. Für 2l/t Ellen breite Sommerivaare, wie sie jetzt augenblicklich in Nowawes angefertigt wird, zahlt der Fabrikant sür das Meter einen Lohn von— fünf Pfennigen. Arbeitet nun der Weber vom frühen Morgen bis zun« späten Abend und helfen Frau und Kinder fleißig dabei niit, so kann er an einenr Tage bis zu 40 Metern Gewebe herstellen und erreicht sonnt im günstigsten Falle unter Bei- hilse von Frau und Kindern einen täglichen Verdienst von— 2 M. Mit dieser geringe» Sunnue würde sich nun, wenn auch kärglich genug, in, Nolhfalle wenigstens»och austonunen lassen, wenn sie der Weber nur ganz für sich und feine Familie verwenden könnte. Das ist aber keineswegs der Fall. Denn der arme Weber muß von diese», spärlichen Verdienst noch so viele Unko st en be st reiten, daß das Durchschniltsniaß der Wochenlöhne eines Webers � in Nowawes augenblicklich nicht mehr als— 4, 6 und 7 M. beträgt. Die Meister, d. h. also alle selbständigen kleinen Hand- weder, müssen nicht nur für die Unterhaltung der Webstühle n»d der ganzen übrigen Einrichtung ohue irgend welche Beihilfe der Fabrikanten selbst sorgen, sondern sie inüssen auch noch die erheblichen Kosten sür den Waarentransport, der per Achse be- wirkt wird, aus ihrer eigenen Tasche bezahle». Die Weber-Jnnung von Nowawes besitzt 7 große Transportwagen, die zweinial wöchentlich die fertigen Gewebe»ach Berlin bringen und an die Fabrikanten abliefern. Die Pferde für diese Wagen, von denen augenblicklich nur 3 in Betrieb sind, stellt ein Fuhrherr, der sür die dreispännige Fuhre 32, für die zwei- spännige 24 und sür die einspännige 14 Mark erhält. Außerdem sind für den Wagenmeister, der den Transport begleitet, jedesmal 14 M. und für den Zahlmeister, der allwöchentlich nach Berlin fährt, die Löhne holt und sie auszahlt, 7,50 M. zu zahle». Dazu kommen noch über 8M. Kosten sür Ein- und Ausladen der Waare», sowie für die Bewachung der Wagen während der Dauer der Ladezeit. Endlich ist noch zu bemerke», daß die Last sehr schwer wiegt, und daher auf jeden Wagen höchstens 120 bis 130 Stück geladen werde» können, von denen jedes einzelne einen Lohnwerth von nur 2,50 bis 4 M. hat. Man kann sich hier- »ach vorstellen, was den, Weber von dem kärgliche» Lohne für sich und die Seinen zu», Lebensunterhalte übrig bleibt. Das schliminste ist aber, daß die weitaus»leisten Handweber gegenwärtig überhaupt nichts mehr zu t h u» haben, ihre Webstühle aber vollkonnnen still stehen, trotzden, viele Meister es bereits vorgezogen haben, in der großen niechanischen Fabrik von Pilsch zu arbeiten und zwar, um eine» auskömniliche» Lohn zn erziele», unler Beihilfe der Frau. Infolge dessen sind dann jedoch die K i n d e r in den »leisten Fällen den ganzen Tag über sich selbst überlassen und verwildern vollständig, auf welche Thatsache dann auch die Vertreter der Weber-Innung von Nowawes de» Regierungs- Präsidenten Graf Hue de Grais hingewiesen haben, als er sich vor kurzem an Ort und Stelle von dem herrschenden Nolhstande per- sönlich überzeugte. Bei diesen überaus traurigen Verhältnissen iväre es allerdings dringend wünschenswerth» sagt der Verfasser dieses Berichts, daß die Regierung die Bitte der Haildweber, ihnen Arbeit für das M i l i t ä r zu übertragen, recht bald in Erfüllung gehen ließ«. In Sau Remo in Italien, dessen Gemeindevertretung sozial- demokratisch ist, wurde die regelmäßige Speisung der Schul- linder auf Kosten des Gemeinwesens deschloffen. Die Speisungen begannen am 12. Februar._ Dez»efrfzett und letzke Auchvichken. Hamburg, 25. Februar.(W. T. B.) Auf dem von der Kalkutta-Linie übernommenen jetzigen Packetfahrt-Danipser„Eastilio". der heute abgehen sollte, fand eine Explosion des SchiebekastenS der Danipfmafchine statt. Der Maschinist wurde von dem aus- strömenden Dampf schwer, drei Heizer leicht verletzt. Frankfurt a. M., 25. Februar.(W. T. B) Das Feuer in dem Gcschäftshause von Wronker ist dadurch entstände», daß de, de», Aushängen von zwei Bogenlampen Funken des vorzeitig ein- gestellten elektrischen Stromes in Gardinenstoffe fielen. Der In- stallaleur wurde in Haft geuomnien. Verletzungen sind außer der bereits gemeldeten nicht vorgekomnien. Frankfurt a. M., 25. Februar.(B. H.) Das Feuer, welches. wie geineldet, in dem Wronker'schen Waaren hause ausgebrochen war und einen bedeutenden Umfang angenommen hatte, ist jetzt gelöscht. Die Feuerwehr ist nur noch zum Theil an den rauchende» Trümmern in Thätigkeit. Am stärkste» ist, abgesehen von dem ge- nannten Hause, welches bis auf die Grund», auern abgebrannt ist, das Haus Zeil 20 in Mitleidenschaft gezogen; das letztere ist in seinen, oberen Stockwerke vollständig ausgebrannt. Karlsruhe, 25. Februar.(W. T. B.) Der Goetheforscher Michael Bernays ist heute Nachmittag gestorben. Loudv», 25. Februar.(W. T. B.) Oberhaus. Salisbury ver- liest ein gester» Abend an die vereinigten Mächte abgesandtes Tele- gram»,, durch welches die Regierungen in Kenntniß gesetzt werde», daß die englische Regierung folgende Darlegung der Politik zu machen sich vorgenouimen habe: Erstens daß die Errichtung einer adininistrativen Autonomie in Kreta ihrer Ansicht»ach die»othwendige Bedingung für die Be- endigung der internationalen Besetzung der Insel sei; zweitens daß unter dieser Bedingung die Insel nach ihrer Meinung ein Theil des türkischen Reiches bleiben solle; drittens, daß sowohl die Türken als die Griechen durch die Mächte von diesem Ent- schloß in Kenntniß gesetzt werde» sollen; viertens, daß falls die Türkei oder Griechenland, wenn es gefordert werde, sich weigern sollten, ihre Land- und Eeestreitkräste aus der Insel zurückzuziehen, die Mächte ihren Beschluß durch Anwendung von Gewalt de» sich in dieser Weise weigernde» Staaten gegenüber zur Geltung bringen sollten. Lord Salisbury fuhr fort, es folge daraus bezüglich der Türkei sicher nicht, daß deren Truppen sofort aus Kreta zurückgezogen werden sollten, doch sei es klar, daß die Zurückziehung der Truppen eine„othwendige Bedingung der Autonomie sei. Die Zurückziehung der griechischen Truppen»verde, denke er, zu einem früheren Zeilpunkte gefordert werden. Londou, 25. Februar.(W. T. B) Nach einer Meldung ver« schiedener Blätter hätte das gegenwärtig in Aldcrshot garnison'rende I.Bataillon des Suffolk- Regiments plötzlich Befehl erhalten,»ach Sudafrika zu gehe». London, 25. Februar.(W. T. B.) Die Maschinensührer der North Eastern Railway haben in einer Versammlung in Gateshead beschlossen, sännntlich um Mitternacht die Arbeit niederzulegen. Viele Kohlengruben und Gießereien in, Bezirk von Newcastle sind infolge des Ausstandes gezwungen, ihren Betrieb einzustellen. Ehristiania, 25. Februar.(W. T. B.) Das Storlhing ge- nehinigle einftimmig ohne Debalte die Errichtung einer Proseffur sür Nansen an der hiesigen Universität. Petersburg, 25. Februar.(W. T. B.) Authentisch verlaulet: »Durchdrungen von der Ueberzeugung, daß nur durch ei» festes, ziel- bewußtes Vorgehe» der Großmächte an? der revolutionären Bewegung auf Kreta ein Umsichgreifen derselben. ans andere Gebietstheile der Türkei und damit«in« Gelahrdimg des uropäische» Friedens vernneden werden kann. hat Rußland es sür nothwendig erachtet, Griechenland durch seinen Gesandten in Athen auffordern zu lnffen, seine Flotte und die gesammle aus Kreta be- findliche Truppenmachl innerhalb dreier Tage zuruckzuberusen. Sollte Griechenland sich den Vorschlägen Rußlands, welches sich mit Deutschland und Frankreich eins weiß,„»zuganglich zeigen, so ist Rußland entschloffen, die Konseqnenzen anS diesem den Frieden Europas in höchsten, Maße bedrohenden Widerstände Griechenlands zu ziehen.______ vtar Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltungsblatt. 81.48. 14. mm. KeilM des„Ämiiits" Kerlilltt WlllsdlM. Fttii°g. 2ß. mm 1897. Die Uage in LZmnfcuvg. Unser Korrespondent berichtet: Die zur Prüfung der Arbeits Verhältnisse im Hafen niedergesetzte Senatskommission beendete, wie bereits mitgetheilt. Mittwoch Nachmittag ihre Erhebungen über die Verhältnisse im Slauereibetriebe. Die Delegirtcn der Stauer und Schauerleute wurden mit dem Bescheide entlassen, daß die Senats- kommifsion das durch die viertägigen Erhebungen gesammelte Ma- terial dnrchberathen, nach 2 bis 3 Woche» die Kommissionen der Arbeiter und Unternehmer wieder einberufen und ihnen die gefaßten Schlüsse des Senats mittheilen werde. Inzwischen sollen die Er- Hebungen über die Verhältnisse in den anderen Branche» fortgesetzt werden. Ein greifbares Resultat ist also durch die Berathung noch nicht erreicht. Den Importeuren englischer Kohlen wurde» am Mittwoch von der Kommisston der schwarzen Schauerleute die Forderung der letz- tere», wie sie der„Vorwärts" am Dienstag dieser Woche mittheille, nnterbreitct. Die Importeure wollen über die Forderungen be- rathen und ihre Antwort dem Obmann der Arbeiter, C. Schipp- in a n n, brieflich mittheilen. Die Arbeiter sind der Ansicht, daß es wegen Anerkennung des Lohntarifs, der übrigens schon vom 15. Juli 1S96 bis zum Streik galt, noch harte Känipse mit den Importeuren geben wird._ Vonttnunsles. Stadtverordneten Versammlung. Oeff e» t l i ch e Sitzung vom Donnerstag, 25. Februar, nachmittags 5 Uhr. In den Ausschuß zur Vorberathnng des Entwurfs einer neuen Banpolizei-Ordnnug sind auch die Mitglieder Stadtvv. Wernau und W i l k e delegirt. Auf Vorschlag des Vorstehers Dr. Laugerhans wird zuerst und eventuell allein die erste Berathung des Entwurfs eines B e r- träges mit der Großen und mit der Neuen Berliner Pferdebahn- Gefellschaft über U m w a« d l n n g des Pferdebahn- Betriebes in einen elektroniotorischen Betrieb vorgenommen. Es ist ein Antrag eingegangon, die Vorlage einem Ausschüsse von 15 Mitgliedern zu überweisen. Dladtv. S i n g e r: Die Vorlage ist für die gesammte Bürger- schafl und für die Stadt von weittragendem Interesse, und daß der Gegenstand an die Spitze unserer heutigen Verhandlungen kommen soll, ist wohl auch ein Ausdruck dafür. Die Vorlage ist größten» theils das Produkt der Thätigkeit einer gemischten Deputation, welche sich jahrelang darum bemüht hat, in der Sache das Nichtige zu finden. Wir haben es hier mit einer Gesellschaft zu thun, deren Thätigkeit bei dieser Gelegenheit gewürdigt werden muß, und mit einer Vorlage, um die sich ein— ich will nicht sagen unlauterer Wettbewerb geltend gemacht hat. Der langjährige Zeitungskrieg zwischen der Pferdebahn- Gesellschaft, der Eleklrizitäts- Gesellschaft, Siemens u. Halske und noch anderen läßt uns kühl; allen diese» Bewerbern ist der Wunsch gemeinsam, möglichst viel Geld heraus- zuschlagen, die städtischen Straßen und Plätze iin kapitalistischen Interesse auszubeuten und die Bürgerschaft die Zeche bezahlen zu lassen. Wenn die Stadt das Interesse der Bürgerschaft richtig wahren wollte, müßte sie nach unserer Ansicht den Nutzen der An- lagen auf städtischen Straßen und Plätzen für die Gesammtheit in Anspruch nehmen und sich nicht mit dem Brosamen einer Abgabe begnügen. Wir haben wiederholt diesen Standpunkt klargelegt j wir haben stets abgemahnt, diese Gesellschaft mit Ver- tragsverlängerungen zu bedenken, und wie richtig wir daran thaten, sehen wir jetzt, wo die Stadt nicht mehr Herr ihrer Straßen und Plätze ist, sondern sich Bedingungen auferlegen lassen muß, welche im großen und ganzen weit mehr der Gesellschaft als der Stadt zu Nutzen kommen. Die thatsächlich vorhandene Zwangslage ist verschuldet durch die falsche seither ge- triebene Kommunalpolitik. Seil Jahrzehnten hat Berlin die Hanptverkehrswcge einer privaten Aktiengesellschaft ausgeliefert, und das hat auch die Folge, daß Berlin in der Ausbildung seiner Verkehrsmittel weit überflügelt ist durch kleinere Städte. Man kann sich des Gefühls der Beschämung nicht erwehren, wenn man sieht, ivie Mittelstädte sich längst im Besitz elektrischer Bahnen befinden, und a» die Sterilität denkt, mit der die Gesellschaft die Wünsche der Berliner Bevölkerung, auch die bescheidensten, jahraus, jahrein ignorirt hat. Aber die Stadt ist eben gebunden, die Gesellschaft hat sich das Monopol gesichert. Diese Thatsachen müssen ins Gedächtniß gerufen werden, wenn auch geschehenes nicht zu ändern ist. Es würde heute noch nicht zu spät sein, das zu schaffen, was ich als d»r Gemeinde dienlich bezeichnet habe; aber wir haben jetzt vor uns die Gesellschaft, welche einfach auf ihrem Schein besteht, die sich garnicht nach einer Veränderung reißt, die ruhig mit ihren Pferden bis 1911 durch die Siraßen bummeln will und dabei ein sehr gutes Ge> schäst macht; andererseits haben wir es mit einer Ver- ivaltnngsmehrheit zu thun, welche einen Verlrag schließen will, dessen Wirkung die Förderung rein kapitalistischer Interessen be- deutet. Hier entspinnt sich ein Kampf gegen das Großkapital; hier kämpfen die Nichtaktionäre gegen die Aktionäre.(Unruhe und: Sehr wahr!) Sie werden ja davon nicht betroffen, denn ich habe zn der Ehrenhaftigkeit der Kollegen, welche Aktionäre sind oder in Beziehungen zu der Gesellschaft stehen, das Vertrauen, daß sie sich an unseren Verhandlungen und Beschlüssen nicht betheiligen werden. (Sehr gut!) Geschäftlich vom Standpunkt der Kapitalisten ist eS nicht »nklng. daß sie bemüht sind, statt der 3'/» prozentigen Reichspapiere sich ein 15pCt. Dividende bringendes Papier hinzulegen. ES könnte auch heute die Sache befriedigend gelöst werden, wenn die Stadt- Verwaltung prinzipiell anerkennen wollte: was auf den Straßen und Plätzen getrieben wird, hat der Allgemeinheit zu gute zu kommen. Da bestehende Verträge nicht beseitigt werden können und die Lösung derselben an der grandiosen Unverfrorenheit der Gesellschaft gescheitert ist, welche die Kleinigkeit von 25 Millionen dafür gefordert hat, würde man zwar die Gesellschaft gewähren lassen müssen, aber doch die Einführung des elektrischen Betriebes erreichen können. Kommt aus den Verhandlungen nichts heraus, so wird die Pferdebahn mit ihren Koalirten in ihrem eigenen Interesse zum elektrischen Betriebe übergehen müssen.(Sehr gut!) Der elektrische Betrieb ist 30 bis 40 pCt. billiger als der mit Pferden, und dies in Verbindung mit dem Druck der öffentlichen Meinung würde bei festem Auftreten der Stadtverwaltung die Gesellschast einfach zu dieser Umwandelung zwingen. Wenn dann die Kon- knrrenzlinien ebenfalls nur elektrisch betrieben werden und zwar entweder durch die Stadt oder allenfalls durch die Stadt oder allen- falls durch leistungsfähige Gesellschaften, dann ist Aussicht vor- Händen, daß die Stadt von 1911 an sich nicht mehr im Joch der Pferdebahn-Gesellschast befindet. So verzweifelt ist also die Lage nicht; aber da unsere grundsätzlichen Anschaunngen bei der Ver- sanimlung nicht und jedenfalls beim Magistrat nicht durchdringen werden, müssen wir an die Vorlage selbst herantreten. Die Einführung des elektrischen Betriebes ist auch für uns eine sehr dringende Angelegenheil; der Pferdebahnbetrieb ist auch hygienisch von Nachtheil, und so würden auch wir selbst für die 3 Jahre bis 1319 in den Vertrag eintrete», wenn gewisse Voraussetzungen erfüllt werden. Ueber das System ist ja der Kamps noch nicht zum Abschluß gekommen; noch streitet man über unterirdische Stromzusührung und Akkumulatoren. Die oberirdische Zuleitung mit ihren Drähten verschönert nicht gerade das Straßeubild, aber in ästhetischer Hmsichl hat man auch nicht zu weit zu gehen. Bei großen Theilen unserer Stadt tritt diese Rücksicht in- den Hintergrund zurück. Dagegen scheint mir ein sehr glücklicher Beschluß mit der Anschauung zu brechen, als ob wir die unterirdische Leitung in Berlin einführen wollen; auch die Eingabe von Slemens u. Lalske kann mich nicht zu anderer Ansicht bringen. Ich erinnere nur an die Schwierigkeiten, welche wir hier im Frühjahr und Sommer 1896 bei der Anlage der betreffenden Linien erlebt haben. Die tragikomischen Schicksale, welche das System der Pferdebahn- gesellschast bis in die letzten Tage gehabt hat, haben uns anderer- seits wohl allen den Appetit daran verdorben. Diejenigen Strecken, welche nach der Meinung der höheren Instanzen, gegen welche Berlin ja ohnmächtig ist, nicht oberirdisch betrieben werden können, müßten dann mit Akkumulatoren betrieben werden. Erfrenlich ist die Konzession des Einheitstarifs und einiger kleiner anderer Fortschritte. Bezüglich der Abgabe muß daran festgehalten werden, daß eine Gewinnbetheiligung der Stadt eintritt auch neben der Abgabe von der Brutto-Einnahme. Bis jetzt will ja die Gesellschaft darauf nicht eingehen; aber wenn die Herren 12 pCt. Dividende vertheilt haben von dem jetzigen Kapital und 6 pCt. vorweg genommen haben von dem neu zu investirenden Kapital, so ist eine bescheidenere Forderung nicht zu denken als die Betheiligung der Stadt mit der Hälfte an dem überschießenden Gewinn.(Zustimmung und Lachen.) Der Ausschuß hätte es also nicht als seine Aufgabe zu betrachten, die Vorlage zu gnnsten der Gesellschaft, sondern im Interesse der Gewinnung besserer Bedingungen für die Smdt abzuändern.(Sehr richtig!) Ganz nebenbei wird der Gesellschaft in dem Vertrag ein neuer Geschäfts- betrieb eröffnet, der ganz ungeheure Ausdehnung annehmen kann, nämlich der Güterverkehr. Das ist eine Vergrößerung der Konzession, ein zunächst vollkommen unschätzbares Werthobjekt(Zuruf: Besteht ja schon!) und dieser Umstand erhöhl die Berechtigung der Forderung der Gewinnbetheiligung über die Abgabe von der Brullo-Einnahme hinaus. Wenn wir aber schließlich für den Antrag stimmen sollen, muß der Gesellschaft die Fürsorge für ihre A n g e st e l l t e n auferlegt werden.(Sehr richtig!) Berlin darf sich nicht für 23 Jahre des Rechts begeben, auf die Verhältnisse der Angestellten dieser Gesellschast, an der Berlin so stark betheiligt ist, ein- zuwirken. Berlin hat Vortheile aus der Bethciligung und darf sich daher dieser Verpflichtung nicht entziehen. Es handelt sich„m 4309 Personen und mehr, die den allerschwersten, anfreibendsten. einen die Gesundheit sehr rasch schädigenden Dienst haben. Doppell nöthig wird das bei der Um- wandlnng in den elektrischen Betrieb, sür die Angestellten wird da- durch noch eine erhebliche Anspannung ihrer Arbeitskraft und Er- höhung ihrer Arbeitsleistung herbeigeführt. Ihre jetzt 12,/s bis 13 Stunden währende Arbeitszeit muß herabgemindert werden. Tie echt kapitalistisch in der Wolle gefärbte Anschauung der Gesellschaft ist charakteristisch: die P s e r d e haben nur eine tägliche Arbeits- zeit von drei Stunden.(Heiterkeit!) Sie finden das in dem Geschäftsbericht der Gesellschast für 1896. Die Gesellschaft rühmt sich der Wohlsahrtseinrichtungen sür ihre Leute; darunter befindet sich auch ein Posten von 4000 Mark für Verlrelnngskosten bei Erholungsurlaub, welcher erst bei dreijähriger Dienstzeit gewährt wird; für Ruhepausen 266 erholungsbedürftiger Pferde in Heinersdorf hat sie sicher weit mehr geopfert.(Be- wegung.) Die Gesellschast hat einen Brntlo-Ueberschnß von acht Millionen, sie vertheilt vier Viillionen Dividende; sür Wohlfahrlszwecke, Unterstützungen, Zuschüsse zu Krankengeldern und dergleichen werden in Summa für 4319 Personen 179 000 M. ausgegeben. Andere Wohlsahrtseinrichtungen sind sür Direktion und Anssichtsrath bestimmt(Große Heiterkeit); an Tantiemen vor Vertheilnng der Dividende sür Direktion und Be- amten wird 180 500 M. gezahlt; der Anssichtsrath erhält 128 000 Mark; da er ans sechs Personen besteht, kommen auf jeden über 20 000 M., eine Summe, welche als Nebeneiunahme auch einem nn- besoldeten Stadtrath ganz gut zu stalten kommen mag.(Stürmische Heiterkeit.) Es muß eine Kontrolle eingesetzt werden durch den Magistrat zur Wahrung der Interessen des Personals; es muß Sitz« gelegcnheit geschaffen werden für die Kutscher. Eine Pensionskasse sür die Angestellten muß eingerichtet werden. Der angesammelte Unterstützungsfonds von 600 000 Mark kann uns nicht imponiren; wir haben hier dafür zu sorgen, daß die Gesellschast eine Pensions- lasse einrichtet, in der die Arbeiter nicht auf Almosen angewiesen sind, sondern einen Rechtsanspruch haben.(Sehr richtig!) Sehr merkwürdige Dinge erfährt nian darüber. Ein Angestellter der Pserde- bahn wollte gegen den schiedsgerichtlichen Spruch Rekurs einlege»; es wurde ihm aber nahegelegt, erst noch eine Eingabe an die Gesell- schaft zu machen und den Bescheid abzuwarten, es könnte ihm sonst schade» sür den Fall, daß er weiter bei der Gesellschaft bleiben wolle. Er that das und versäumte in gutem Glauben die Rekurs- frist und hatte dann auch bei der Gesellschaft keinen Erfolg. Da müssen wir um so mehr verlangen, daß die Gesellschaft verpflichtet wird, ein gewisses Maß der Fürsorge ihren Angestellten zn widmen und zwar muß diese Verpflichtung unter die Kontrolle des Magistrats gestellt werden.(Zustimmung.) Ich würde mich freuen, wenn es möglich ist, eine» Antrag auf dieser Basis zn stände zu bringen; aber für einen Vertrag, der die elementarsten Pflichten der sozialen Fürsorge außer acht läßt, werden wir nicht stimmen, dann lassen wir lieber den Vertrag ablaufen und übernehmen die Bahn 1911 im Interesse der Gesammtheit.(Beifall.) Stadlv. I a c o b i: Wenn die Aktionär« die Aktien sl pari hätten, hätte Herr Singer recht; aber die meisten Aktionäre haben sie zu 300 erworben(Widerspruch) und haben nur S1� höchstens 4 pCt. davon. Auch rentirt nicht jede Pferdebahn, das sehen wir selbst in Berlin. Die Uebernahme auf die Stadt ist ja ganz un- thunlich. Mit der„Herrschaft" über die Straße ist es auch nicht weit her; seit dem Klcinbahngesetz hat der Ausdruck nur die Bedeutung einer Redewendung. Die Vorlage scheint mir aus- gezeichnet und ich kann sie nur empsehlen. Mit der ober- irdischen Leitung allein kommen wir ja leider nicht durch. Der Zehnpfennig-Tarif wird auch von mir begrüßt, nachdem auch sämmtliche Vororte hineinbczogen werden sollen. Das System be- treffend stimme ich mit Singer vollständig übcrei». An die Er- Höhung der Länge der Mitbenutzung der Geleise durch andere Gesellschaften resp. Unternehmer über 400 Meter hinaus ist gar nicht zu denken; hier haben die Vertreter der Gesellschast einfach Nein gesagt, und mit recht, denn das kann sie bei ihrem hineingesteckten Kapital und bei ihren sonstigen Opfern nicht. Die von Singer gewünschte Penstonskafse hat die Gesellschaft längst errichten wollen, aber der Magistrat muß doch für die Rechts- nachfolge irgend welche Garantien geben. Nicht blos die Gesell- schaft, auch die Stadt bat das größte Interesse, daß der Vertrag schnell zu stände komnit; bringen Sie also keine Erschwerungen in die Vorlage! Stadlv. D i» s e: Wir werden doch wohl nicht so mit Hurrah den Vertrag gutheißen können, sondern müssen ihn recht gründlich und recht kaltblütig prüfen, nachdem die Verkehrsdeputation sich l3/4»Jahre bereits mit der Sache gequält hat. Die Anlage neuer Bahnen lehnt die Pferdebahn seit 1893 konsequent ab; dadurch ist besonders die Entrüstung der Bürgerschaft entstanden. In diesem Punkte wird wenigstens theilweise Wandel geschaffen werden. Schaffung von Sitzgelegenheit ist bei elektrischen» Betriebe unausführbar. Die Pensionskasse könnte ja Berlin 1911 ohne weiteres übernehmen, wenn die Gesellschaft sie eingerichtet hätte; die jetzige Gepflogenheit der Gesellschaft darf nicht aufrecht erhalten werden. Die Heizung bat leider in der Vcrkehrsdeputation nicht Annahme gefunden; auch in diesem Punkte niüffen die Bemühungen fortgesetzt werden. Im Punkte der Abgabe der Sommerivagen und der Mitbenutzung der Geleise ist die Gesellschaft deni Magistrat durchaus ungenügend entgegengekommen; auch hier müssen wir alle Anstrengungen machen, um besseres sür Berlin herauszuschlagen. Faktisch hat die Gesellschast schon seit zehn Jahren das Monopol; mit nur 400 Metern Mit- benutzung ist über die Weidendammer Brücke, über das Rosenthaler Tbor. über den Alexanderplatz mit einer Koukurrenzlinie hinauszugehen unmöglich. Nachdem man die Gesellschaft von dieser Seite kennen gelernt hat, muß die Vertretung der Bürgerschaft energisch auf die Erhöhung dieser Streckenlänge dringen. Es sind mindestens 8 bis 9 Linien im Innern der Stadt noch nöthig und ohne die Erhöhung ans etwa 650 Meter unausführbar. Die Gesellschaft wird sich nicht besinnen, schließlich daraus einzugehen. Ein Antrag auf Schluß wird abgelehnt. Stadlv. R o s« n o w ist sehr entrüstet über den Schlußantrag; man solle doch der Angelegenheit die gebührende Beachtung schenken, wenn es auch eine halbe Stunde länger dauere. I» der Sache selbst ist er für den Entivurf, nur daß er sür den Akkumulatoren- betrieb und für ein größeres Mitbenutzungsrecht eintritt, da die Anlage neuer Velkehrsmittel nicht behindert werden dürfe. Den Zehnpfennigtarif hält er für im wesentlichen schon bestehend, die Gesellschast könne also mit dieser Konzession nicht besonderen Staat machen. Sladtv. Hugo Sachs: Zerschellt der Vertrag, so wird die Gesellschaft sich sicher selbst zur Einführimg des elektrischen Be- triebes mit Oberleitung entschließen. Für die Hingabe der Kon- zessionsverlängernng muß daher auch die Ausdehnung des Ülkkumnlatorenbelriebcs gewonnen werden. Das Mitbenutzungs- recht muß die Betheiligung von Konkurrenz- Gesell- schaften ermöglichen, die Ablehnung bezüglicher VerHand- lungen durch den Magistrat hat unsere Situation verschlimmert. Aus den Gütertarif muß sich Berlin einen Einfluß sichern. Ein erneuter Schlußautrag wird jetzt a n g e n o m m e n. Die Vorlage geht an einen Ausschuß von 15 Mitgliedern. Der Vor- shrnd ernennt den Ausschuß sofort; demselben gehören auch Stadtvv. Singer und V o g t h e r r an. Betreffs der Anstellung technischer Lehrerinnen bei den G e m e i n d e s ch u l e n hatte der Magistrat beantragt, daß etiva 20 technische Lehrerinnen von den vorhandenen 528 mit der Pflichlstnndenzahl 24 pensionsfähig und mit einem Gehalt von 1200 M. angestellt werden sollen. Der mit der Vorberathnng betraute Ausschuß hat beschlossen, der Versammlung folgende Be- schlußfassnng zu empfehlen: 1. Vis zur desiiiitive» Anstellung der jetzt im Dienst befindlichen technischen Lehrerinnen werden neue Annahmen nicht vorgenommen. 2. Vorerst ist eine Anzahl von 30 technischen Lehrerinnen mit der Pflichtstundenzahl 24 an Gemeindeschnlen pensionsfähig und mit dem Gehalt von 1200 M. jährlich anzustellen. Die Anstellung er- folgt nach der Präsentation der Gewählten bei der Versammlung. welche auch über die Zulässigkeit des betr. Lebensalters beschließt. 3. Die Altersgrenze der zur definitiven Anstellung gelangenden, jetzt im Amte befindlichen technischen Lehrerinnen wird ans 45 Jahre festgesetzt.(Zur Zeit sind nur 112 technisch« Lehrerinnen unter 30 Jahre alt.) 4. Diejenigen technischen Lehrerinnen, welche hiernach wegen zu hohen Lebensalters nicht definitiv angestellt werden können, erhalten bei Ein- tritt der Dienslunfähigkeit ein Jahrgeld, welches in jedem Fall« von den Gemeindebehörden festzusetzen ist. 5. Die Pensions- berechtignng der zur Anstellung gelangenden technischen Lehrerinnen rechnet vom Tage der kontraktlichen Annahme. 6. Das Gehalt der definitiv angestellte» Lehrerinnen»vird auf 1200 M., in je drei Jahren um 100 M. steigend bis zur Höhe von 1600 M., festgesetzt. Ferner hat der Ausschuß noch empfohlen: 1. An Klassen, welche 50 Schülerinnen enthalten, sind zwei Lehrerinnen in den Handarbeitsstunden zn beschästigen, analog der Bestimmung des Unterrichtsministers über das Mädchenschnlwesen vom 31. Mai 1894, wonach in den höheren Mädchenschulen schon bei mehr als 20 Schülerinnen zwei Lehrerinnen unterrichten sollen. 2. Es werden für stimmbegabte technische Lehrerinnen seitens der Stadt Kurse eingerichtet, in welchen die- selben die Fähigkeit erwerben können, den Gesangunterricht in den zivei untersten Gesangklassen zu«rtheilen. Referent ist der Stadtv. Singer. Stadtschulralh Bertram hofft, daß der Magistrat die Aus- schußanträge annehmen wird; Nr. 5 werde wahrscheinlich vom Provinzial- Schulkolleginm beanstandet werden. Der Resolution 1 solle die Versammlung nicht zustimmen. Nach kurzer weilerer Debatte wird der Ausschußvorschlag an- genommen. Gegen die N u m e r i r u n g d e r F a h r r ä d e r, für welche die Versammlung am 29. Oktober 1396 sich einem Antrag Schivnlbe g mäß ausgesprochen hatte, erklärt sich der Magistrat, nachdem auch der Polizeipräsident diese Ein- richtnng sür ziveckentsprechcnd nicht hat erachten können. Der Magistrat meint, daß die Radfahrer, da sie selbst bei Zusammen- stoßen gefährdet sind, mit der Zeit immer mehr den Rücksichten auf das Publikum Rechnung tragen»verden und letzteres sich an den Fahr- rad-Äerkehr immer mehr gewöhnen wird. Auf dem Grundbesitz der Julius B ö tz o w' scheu Erben zwischen der G r e i f s>v a 1 d e r st r a ß e und der Straße A IN Fr i e d r i ch s- Hain bezw. dem Verlornen Weg sollen 3 neue Straßen angelegt werden. Mit der Festsetzung von Fluchtlinien für diese Straßen la, 2a und 3a Abthl. XIII1 des Bebannngsplans erklärt sich die Versammlung einverstanden. Für die große allgemeine G a r t e n b a u- A u S st e l lu n g (28. April bis 9. Mai er. im Treptower Park) werden 3000 M. zn städtischen Ehrenpreisen und unentg eltliche Wasser- liefe r u n g bis zum tarifmäßigen Werth« von 1000 M. bewilligt. Schluß gegen 9 Uhr. Lirösles. Sichtung, S Wahlkreis. In der Versammlung, welche am Sonntag abends 6>/i Uhr beim Genossen Zubeil, Lindenstr. 106, stattfindet, wird Genosse Waldeck Manasse über„Der Kamps ums Dasein" sprechen. Rege Betheiligung ist erwünscht._ Von den städtische» Heimstätten für Genesende ist Blanken- bürg für genesende Frauen, Heinersdors sür genesende Männer, Blankenfelde für brustkranke Frauen, Malchow für brustkranke Männer. 1895/96(bezw. 1394/95) wurden aufgenommen: in Blankenburg 605(578), Heinersdors 599(504), Blankenfelde 268 (192), Malchow 683(674), zusammen 2155(1943), davon auf eigene oder der Angehörigen Kosten 41(49), aus Kosten von Krankenkassen 1324(1136), von Berufsgenossenschaften oder Alters- Versichernngs« anstalten 13(18), auf Kosten des hiesigen oder auswärtiger Armen- verbände 582(501), von Stiftungen oder Vereinen 87(61), kostenfrei (ans dem Freistellenfonds) 108(186). Der alljährlich durch den Stadt» hanshalt-Etat bewilligte Betrag von 8000 M. für Freistellen iiinßt» 1 894�95 infolge starken Andranges umriind lb00M. überschritten werden, während 1895/26 rund 1300 Mark— der Bericht sagt nicht wes» halb— gespart wurden. Im Durchschnitt waren 1895/96(bezw. 1894/95) pro Tag zu verpflegen: in Blankenburg 41(40), in Heinersdorf 37(32). in Blankenfelde 36(27). Malchow 73(73). zusammen 187(172). Die Berichte der Aerzte ergeben, daß bei den Verpflegten, falls sie hinreichend lange in den Heimstätten blieben, meist eine merkliche, vielfach sogar bedeutende Besserung mit erheblichen Gewichtszunahmen eintrat, auch bei solchen, die schwere Krankheiten durchgemacht hatten und bei der Aufnahme sehr elend gewesen waren. Leider scheiden aber viele schon in der ersten oder zweiten Woche wieder ans. Sie werden theils wieder entlassen. weil sie noch zu krank find, sodaß sie noch nicht für die Heimstälten geeignet sind, oder weil die Kassen nicht zahlen wollen, oder auch wegen Verstoß gegen die Hansordnung u. f. w.; theilZ gehen sie freiwillig wegen häuslicher Verhältnisse, um ihre Arbeit wieder auszunehmen n. s. w. Der Bericht über Blankenburg klagt, daß selbst Wöchuerinuen(die meist mit ihren Kindern zu« lammen aufgenommen werde») mehrfach durch häusliche Verhältnisse gezwungen wurden, den Aufenthalt vorzeitig obzukiirzeu. Von 34 Wochueriuueu verließen 5 Blankenburg schon in der 1. Woche, und auch für die anderen 29 betrug der durchschnittliche Aufenthalt nur rund 22 Tage. Hierzu sagt der Bericht: für gesunde Wöchnerinnen eine allerdings reichliche Zeil; diese Wöchnerinneu aber waren zum großen Theil elende, schwächliche Frauen oder durch Blutungen im Wochenbett oder durch harte Arbeit und Noth, in den ärmlichsten Verhältnissen lebend, äußerst heruntergekommen." In den Berichten über Blankenfelde und Malchow wird gleichfalls hervorgehoden.daß häusliche Verhältnisse. Einstellung der Zahlungen seitens der Kassen u. s. w. häufig zu einem frühzeitigen Abbruch der Kur uöthigeu; daß viele Pfleglinge überhaupt nicht in der Lage seien, sich längere Zeit jeder Arbeil zu enthalte», daß sie daher, sobald sie sich einigermaßen wieder arbeitsfähig fühle», ihre Arbeil wieder aufnehme», theilß aus wirklicher Noth, theils aus Fnrcht, durch zu langes Ferubleibe» eine alle feste Arbeitsstelle zu verlieren. Unter diese» Umständen ist es nicht zu verwunder», daß z. B. in Malchow mehrfach Pfleglinge sich zum zweiten Male ein- fanden, die schon früher hier Besserung gesucht und gesunden hatten, „bei denen dann aber, wie leider meist zu erwarten steht, unter Arbeit und Sorgen wieder Verschlimmerung der Krankheit ei»- getreten war". � 3»r Gcwerbchygieue. Das Polizeipräsidium tbeilt mit: Ge- »näß§§ 120 a und ff. der Gewerbe-Ordnung sind die Gewerbe- Unternehmer verpflichtet, die Arbeilsräume, Betriebseinrichtungen, Maschinen und Gerälhschaften so einzurichten und zu unterhalten, daß die Zlrbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit geschützt sind, wie es die Natur des Betriebes gestattet. Insbesondere ist für genügendes Licht, ausreichenden Luftraum und Luftwechsel, Beseitigung des bei dem Betriebe entstehenden Staubes, der dabei entwickelten Dünste und Gase, sowie der dabei entstehende» Abfälle Sorge zu tragen. Ebenso sind diejenigen Vorrichtungen herzustellen, welche zum Schutze der Arbeiter gegen gefährliche Berührungen mit Maschinen oder Maschinentheilen oder gegen andere in der Natur der Betriebs- statte oder des Betriebes liegende Gefahren, namentlich auch gegen die Gefahren, welche aus Fabrikbränden erwachsen können, erforder- lich sind. In Anlagen, deren Betrieb es mit sich bringt, daß die Arbeiter sich umkleiden und nach der Arbeit sich reinigen, müssen ausreichende, nach Geschlechtern getrennte Ankleide- und Waschräume vor- Hunden sein. Die Bedürsnißanstalten müssen so eingerichtet sein, daß sie für die Zahl der Arbeiter ausreichen, daß den Anforderungen der Ge- suudheitspflege entsprochen wird und daß ihre Benutzung ohne Ver- letzung von Sitte und Anstand erfolgen kann. Diesen Forderungen des Gesetzes ist in vielen. namentlich älteren, ge»verbliche» Anlagen noch»licht hinreichend Rechnung ge tragen. DaS Polizeipräsidium, welchem die Pflicht ob-' liegt, aus die Durchführung der gesetzlichen Bestimmungen hin zu arbeiten und namentlich dafür zu sorge», daß die oben an- geführten Forderungen in neu zu errichtenden Aulagen berücksichtigt »verden, bringt deshalb die bezüglichen Bestimmungen auf diesem Wege in Erinnerung. Da nachträgliche bauliche Aenderungen in schon im Betriebe be- siudliche» gewerbliche» Anlagen in der Regel unliebsame Betriebs- störnngen und eine» größeren Kostenausivand verursachen, so liegt eS im Interesse der Gewerbe-Unternehmer, de» gesetzlichen Forderungen von vornherein Rechnung zu tragen. Diejenige» Geiverbe-Unter- uehmer, welche über das Maß dieser nicht genügend unterrichtet sind, seien darauf hiugeiviesen. daß die zuständigen Geiverbe- Anfsichtsbeamten bereitwillig eingehende Auskunft geben. Zu diesen» Zivcck, soivie zur Auökuiistertheilung über andere die Geiverbe-Aussicht oder die Dampfkeffel-Prüfuug detreffende An- gelegenheiten sind die Beamten der I. Geiverbe- Inspektion i» den Diensträume» Zimmer 138 des königliche» Polizeipräsidiums, der II. Geiverbe- Inspektion Georgenkirchplatz 21, der III. Gewerbe- Inspektion Linlstr. 22 am Dienstag und Freitag jeder Woche von Ill'/e bis l'/2 Uhr bestimmt anwesend. Fortbildungskurse für Hebammen. Der Polizeipräsident giebt bekannt: Unter Leitung des köuigl. Bezirksphysikus, Sanitäts- rath Dr. Nichter, werden im Polizeipräsidium wöchentlich ziveimal in den Abendstunden FortbiIdl»»gSk»>rse für Hebammen mit praktischen Uebungen abgehalten. Da der Preis des Unterrichts sich nicht höher stellt als 1 Mark für den Monat und die Praxis der Hebammen durch Theilnahme au den Kursen nicht unterbrochen»vird, so empfehle ich namentlich ältere» und»venig beschäftigten Hebammen dringend, sich zu be- theiligen. Meldungen sind zu richten an Herrn Bezirksphysikus, Sanilätsrath Dr. Richter. Lolhringerstr. b6,»velcher auch über de» Beginn, die Dauer und die Termine der Kurse Auskunft ertheilt. Nachweisbar Unbemittelte erhalte» kostenlosen Unterricht. Der Be- lheiligung auswärtige� Hebammen steht nichts im Wege. Die Berliner Hotels, besonders jene,»velche an den Bahnhöfen liegen,»verden, der„Germ." zufolge, seil den letzten Woche»» in einer bisher noch nicht gekannten strengen Weise von der Polizei kontrollirt. Ihr Augenmerk richtet sich in erster Linie auf die Reinlichkeit der Betten. Aber auch noch in a»»derer Weise»verde» die Hotels jetzt streng übenvacht, nämlich in Beziehung ihrer Be- »utzung als Absteigequartier für Dirnen und andere Personen, die „stundeuiveise" ein Zimmer suchen. Und das nennt mau„Ramsch"! Wie dem„Konfektionär" von anscheinend gut unterrichteter Seite mitgetheill»vird, hat die Firma A. Wertheim in» letzten Jahre einen Umsatz von 31 Millionen Mark erzielt,»vas gegen das Vorjahr ein Mehr von 9 Millionen Mark bedeutet. Es soll indessen in Berlin noch bedeutendere Detail- geschäfte geben,»velche noch»veit größere Umsatzziffer» erzielen. Und gegen solche riesenhafte EnUvicklung»vollen die armseligen Zünstler den Staat mobil machen! Die neueste Erfindung zur Förderung der Pflege von Knust und Literatur sind— Hemden mit Papiereinsatz in siebe» losen Blättern übereinander, vo»»velche»»»an täglich eins abreißt, sodaß»»an alle Tage eine reine»veiße Brustflache hat. Der Erfinder dieser praktische», Tracht druckt jetzt auf die Rückseite der einzelnen Blätter eine höchst spannende Novelle in Fortsetzungen. Hat„un der Träger eines solchen Hemdes einmal mit den» Lesen der Geschichte begonnen, so kann er oft nicht bis zum nächsten Tage auf die heiß ersehnte Fortsetzung»varten, sondern reißt die Blätter herunter, bevor es sonst„ölhig sein»vürde,»vodurch sich der Ver- brauch dieser Heindeneinsätze so steigert, daß der Patentinhaber den an ihn gestellten Ansprüchen kaum mehr genügen kann. Herr Hermann Abraham erklärt in einer an uns gerichteten Zuschrift, daß die Volksernährung mit dem Schlächter Hallier in Dassmv, der gleich dem Schlächter Jhde in Grewesinnhle verhaftet worden ist, nichts zu thun habe; sie hätte an dem Schlächter Jhde schon genug. Zum Schuhe gegen Rowdies. Ein hiesiger bekannter Universitätsprofeflor, der im vorigen Jahre durch eine Heraus- sorderung zum Zweikampf behelligt wurde, aber den Kartellträger gebührend zurückwies, hat der„Berl. Wissensch. Corr." zusosge eine gedruckte Karte mit folgender Jirschrist an seiner Wohuungslhür be- festigen lassen:„Für Kartellträger ist hier kein Eingang,(s 203 des Reichs-StrafgesetzbuchS.)" Patrioten. Zu Ausschreitungen kam es gestern Mittag an der Schloßbrücke und auf d-n» Platze vor dem Zeughause zwischen der Polizei und dem Janhagel, der die aufziehende Wache zu be- gleiten pflegt. Vor dem Zeughaus« rotteten sich etwa fünfzig Per- sonen zusammen, die in drei Gliedern Arm in Arm der Wache vorausmarschirten, und die von einem anderen, der takischlagend vorausging, zum Johlen veranlaßt»vlirden. Um den» wüsten Lärm ein Ende zu machen, sahen sich die dort stehenden Schutzleute ver- anlaßt, den Taktschläger festzunehmen und nach der Polizeiivache in der Obenvallstr. 26a zu bringen. Die Menge begleitete»mter fort- gesetztem Lärmen und Schreien die Beamten bis zu dem Hause der Wache. Vier der Hanptschreier mußten schließlich festgenommen und ihre Persönlichkeit festgestellt werde». Die Ruhestörer waren wie ge- »vöhnlich Bursche» in» Älter von 18-20 Jahren. Die Stufenbahn in der Gewerbc-AnSstellnng soll ein hiesiger Unternehmer gekauft haben, der sie in Wilhelminenhof an der Ober- spree aufstelle» will. Stuf einen Durchgänger von ansivSrts wird augenblicklich auch in Berlin gefahndet. Es handelt sich um einen aus Breslau gebürtige». 24 Jahre alten Buchhalter Alfred Müller, der, wie hier- her gemeldet»vird, in Sora» 10 000 M. unterschlage» hat und gestern von dort durchgebrannt ist. Ter Säbel. Polizeilich»vird gemeldet: MS der Kutscher Wilhelm W. in der Bnchholzerstraße zur Berbüßung einer zwei- lägigen Haststrafe durch einen Schntzniann aus der Wohnung ab- geholt werden sollte, bedrohte er diesen und setzte ihm und einen» anderen zur Hilfe herbeieilenden Schutzmann derartigen Widerstand entgegen, daß die Beamten ihn erst überwältigen ko>»nten, nachdem sie ihn, mit dem Seitengewehr mehrere Hiebe über Arme und Hände beigebracht hatten. W.»vurde nur leicht verletzt. Ein anscheinend geisteskranker nnbekannter Mann»vurde in der vorgestrigen Nacht am Alexanderplatz ausgefnnden und, da er über heftige Schmerzen klagte, nach der Unfallstation X. geschafft. Hier begann der Kranke derartig zn toben, daß seine Ueberführung nach der Charitee mittels Krankenwagens erforderlich erschien. Um den Transport jedoch zu ermöglichen, mußte der Patient an Händen und Beinen gefesselt»verde». Unterschlagnngen in der Höhe von ISO 000 M. soll der „National-Zeitung" zufolge der Gefchästssührer eines der größte» Textilwaarenhäuser der Königstadt begangen haben. Der betreffende lebte alif großem Fuße, unterschlug, un» seinen nobel» Passionen fröhnen z» können, mehrfach bedeutendere Jnkasst und suchte dann durch falsche Buchtinge» seine Betrügereien zu verdecken, was ihm auch gelang, bis sie durch eine» Zufall ans Licht kamen. Im Thiergarten todt aufgefunden»vurde heute Donnerstag Morgen gegen 3 Uhr ein junger Mann von 20—23 Jahren in der Nähe des Goethedenkmals. Ein Parkwächter sah ihn auf einer Bank an einem Spazierwege hinter dein Denkmal sitzen und glaubte. daß er scblafe,»veil der Kopf auf der Nückenlehne hintenüberhing. Als derj Wächter jedoch den jungen Mann wecken wollte, nahm er »vahr, daß er einen Tobten vor sich hatte. Ein Bnbenstreich ist in den letzten Tagen in dem Hause Neue Königstr. 13 verübt»vorden. Dortselbst wurden a» zivei Tagen hintereinander Katzen aufgefunden, welche durch einen nichtswürdigen Buben in ein Theerfaß getaucht worden waren.»velches aus de»» Hofe des Grundstückes steht. Es»var unmöglich, die armen Thiere von der klebende» Masse zu säubern, man mußte vielmehr, um sie von ihrer Qual zu befreie». die Katzen tödten. Auf die Ermittelung des rohen Thierquälers ist eine Belohnung vo» LO M. ausgesetzt»vorde». Ein schwerer Unfall hat sich au» Mittlvoch, nachmittags»nn ll'/2 Uhr auf dem Grundstück der Allgemeinen Elektrizitäts-Gesell- schast am Schiffbauerdamni zugetragen. Dort stürzte der 27 Jahre alle Arbeiter Hermann Bartz alls der Pücklerstr. 13 von einen» ein- gemauerten Kessel, auf dem er zn thun hatte, 8 Meier tief herab und zog sich eine Quetschung der Wirbelsäule zu. Schwer verletzt mußte er in ei», Krankenhaus gebracht werden. Unglücksfälle im Straßenverkehr. Mittwoch, vormittags, gegen 9 Uhr ging das Pferd eines von dem Postillon Oskar Krug geführte» Postlvagens auf dem Kltrfllrstendamm durch und rannte »>it solcher Heftigkeit gegen das Geländer der Cornelinsbrücke, daß dieses in einer Länge von 8 Metern ditrchbrochen und das Gefährt zertrümmert>vi»rde.— Nachmittags gerieth vor dein Hanse Unter den Linden 2S die Frau Bürgermeister Frieda Anker, geb. Jahn, aus Landsberg a. d. W. unter die Räder einer Fahrpreisanzeiger- Droschke und erlitt anscheinend innere Verletzungen.— Vor den» Hause Brunnenstr. 16»vurde der einen Kinderivagen vor sich her- schiebende 66 Jahre alte Arbeiter Heinrich Klei» durch einen Arbeits- »vagen, dessen Führer angetrunken war, überfahren und an» Kopf und an den Hände» erheblich verletzt, sodaß seine Ueberführung in die Charitee erforderlich»mirde. Ans de» Nachbarorten. Die Parteispedition für Wilmersdorf befindet sich bei Kübeler, Sigmaringerstr. 84, und Heineina, in, Signiaringersir. 86, »ind empfiehlt außq-- den»„Vorwärts" säinmtliche Broschüren der Parteiliieratur. In H a l e n s e e befindet sich die Spedition bei Ernst Hö»ticke, Westsalischeslr. 40. Die Parteigenossen von Wilmersdorf und Umgebung »verde» auf die am Sonntag Nachmittag 1 Uhr im Lokal von Klingenberg, Berlinerstr. 40, stutlfindende Versammlung aufmerksam gemacht, in der Reichstaas-Abgeordneter Zu b eil über die Militär- und Marinevorlage im Reichstag sprechen»vird. Durch den Eintritt deS ThauwcttcrS sind in den Vororten Berlins ganz unbeschreibliche Zustände hervorgerufen. Eine Schnee- deseitigung existirt in den meisten Ortschaften nicht, vielmehr bleibe» fast allenthalben die Schneemassen auf den vielfach ungepflasterten Straßen liege»,»vodurch der Erdboden aufgeweicht w»rd, sodaß einzelne Straßenzüge in Weißenfee. Friedrichsberg ie. vollkoinme» unpassirbar sind. I» Steglitz hatten sich Mittivoch in der Albrechl- straße derartige Wassermassen angesammelt, daß der Verkehr sechs Stunden hindurch vollständig unterbrochen war und selbst die elektrische Straßenbahn ihre Fahrten einstellen mußte. Ein schwerer Unglücksfall, bei dem ei» Menschenleben zu beklagen ist und zivei dabei belheiligte Personen nur mit knapper Roth den» Tode entgingen, hat sich heule früh auf der Oberspree i» der Nähe des Reiherhorstes bei Karlshorst ereignet. Der achtzehn- jährige Sohn des mit seinem Fahrzeug in» Numnielsburger See liegende» Frachtschiffers Neuinann aus Maltsch ruderte in der nennten Stunde in Gemeinschaft mit z»vei gleichaltrigen Schiffer- knechten»ach dem genannte» Horst, um daselbst Möve» zu fangen. Unterwegs»vurde jedoch ihr Kahn von einen» Windstoß erfaßt und uingeivorfe».»vodurch alle drei Insassen ins Wasser fiele»; die beiden Schiffer,»velche gute Echivimmer sind, konnten sich noch mit knapper Roth retten,»vährend der junge Neuinann seinen Tod in den Wellen fand. Einen Selbstmordversuch auf der Polizeiivache in Spandau machte am Dienstag gleich nach seiner Verhaftung ein junges Mädchen Namens Hedivig Schmidt aus Berlin. Sie»var bei einer Streife der Polizeideamteu in der Nähe des Personenbahnhofes be- troffen und unter harlnackige», Widerstand arretirl»vorden. Nach ihrer Einlieferung verschluckte sie den Phosphor von einer Anzahl Zündhölzer, die sie bei sich führte, und brach unter Merkmalen der Aergislimg zilsammen. Die alsbald angestelllen Wiederbelebungs- versuche waren von Erfolg begleitet. Kunst und Mist-npchnfk. Im Schiller- Theater wird Sonntag nachmittags„Der Millionenbauer" gegeben. Sonntag abends geht zu», letzten Mal „Der Pfarrer von Kirchfeld" in Szene. Heule findet die erste Auf- führung von„Am Tage des Gerichts", Volksschauspiel in 4 Akte» von Rosegger statt.— Der„Schubert-Abend", den das Schiller- Theater vor einigen Wochen im Bürgersaale des Rathhauses ver- anstaltet hat, wird Sonntag, den 28. d. M. wiederholt. Für das morgen im Ostend-Theater zun, ersten Male i» Szene gehende Volksftück„Zu hoch hinaus" von Maria Günther. ist Herr Kallenbach, ein Stesse des früheren bekannten Theater- direktors Eallenbach, verpflichtet worden. Ludwig Fulda'S neues dramatisches Märchen„Der Sohn des Kalifen", das am Sonnabend im Deutschen Theater zur ersten Auf- sührung gelangt, weist in den Hauptrollen folgende Besetzung auf: Mohamed Alhadi, Kalif von Bagdad. Hermann Müller; Prinz Assad, sein Sohn, Josef Kainz; Schehriar, Vezier, Oskar Sauer; Selniira, sein« Schwester. Nina Sanvow; Mustapha, Begleiter deS Prinzen, Guido Thielscher; Kairain, Aufseher der Sklaven, Ferdinand Gregori; Morgiane, eine Sklavin, Agnes Sornia; Amine. Gisela Schneider; Selpn. Dnban, Aerzte, Hans Fischer, Max Reinhardt; ein Derivisch, Emanuel Reicher; Hassan, Jussuff, Bürger,.Paul Pauli, Hans Waßmann: Daruma, Dienerin, Elise Hosmann. Soziale Rechtspflege. An einem sehr heißen Tage war der Ziegelarbeiter B r a n-r »»anbei plötzlich verstorben, als er sich auf dem Wege vo» einem sogenannten Trockenstadel nach einer in der Nähe liegenden Lehn»- grübe befand. Er hatte von 12 bis IV2 Uhr mittags in den» nach den Seiten offene»», verhältnißmäßig luftigen Räume gearbeitet und »vollte nun in der Grube sein Tageiverk fortsetze». Der Tod erfolgte kaum fünfzig Meter von den» Stadel. Die Hinter- bliebenen B r a u n» a»» d e l' s machten Ansprüche auf Unfall- rente geltend, indem sie sich darauf beriefen, daß ihr Erblasser infolge seiner Thätigkeit in der großen Hitze dem Tode verfallen sei. Sie machten dafür die besonderen Betriebsverhältirisse der Ziegelei verandvorllich. Die Kläger wurden aber in allen S»»stanzen abgewiesen. Das Reichs-Versicherungsamt begründete das rtheil folgendermaßen: Nach dem vorliegenden ärztlichen Gntachten sei der Tod»»ter Ei»,vi,ku>»g der hohen Luftteniperatnr infolge einer Hirn- oder Hirnhautbluitliig eingetreten. Sonnt sei eriviesei», daßB.anfdirArbeltsstätte und»vährend derArbeitsverrichtllngen infolge der herrschende» Hitze seinen Tod gefunden habe. Gleichivohl habe einBe- triebsunfall im Sinne desU»fallverstcheru»gsgesetzes nicht angenoinme» »verde»» können. Denn wenn auch der örtliche und zeitliche Zu- saininenhang mit dein Betriebe ohne Ziveifel sei, so fehle doch der innere ursächliche Znsammenhang zivische» den Betriebsgefahren und dem Tode. Unter geivisse» Umständen könne ja allerdings auch der schädliche Einfluß der Hitze auf den Arbeiter als Belriebsunfall angesehen»verde»». Dies aber doch»»»»r dann, wenn die Betriebs- Verhältnisse diese Einivirkung mit veranlassen,»ve»N»»»»» Beispiel die inigünstige Lage oder Beschaffenheit der BetriebSsialte nnd die eigenthümliche» Anforderungen der Betriebslhäligkeit dabei mitwirken. «Betfung. Die gewaltige Pnlvcrexploston, die am 30. November v. I. in dein Hanse Alexanderstr. 70 sich ereignete, glücklicherweise aber ein Opfer an Menschenleben nicht gefordert hat, beschäftigte gester» die 4. Strafkammer hiesigen Landsgerichts I. Angeklagt waren der Inhaber der Drogneiihandluiig von P. Ncuma»», Nachf., Dr. phll. Albert Krug, dessen Komniis Wilhelm Schlicht und dessen Hausdiener T r e s p. Die Anklage lautete auf fahrlässige Körper- Verletzung, fahrlässige Verursachung einer Explosion und Verstoß gegen die Beslinimnngen der Polizeiverordnung von» 19. Oktober 1393. Nach dieser Verordnnng ist jeder, der»nit Pulver handeln»vill, verpflichtet, der Polizei Anzeige davon zu erstatten. Es ist verboten, Pulver in Keuerräliiiien zn lagern, vielmehr darf solches nur auf Dachränmen anfbeivahrt»verde,». Dr. Krug lieferte für de» Feuer, verker Maffoiv dessen Bedarf an Pulver,»velches er geivöhnlich in den Originalfässern sofort an Maffoiv abzuliefern pflegte. Bei der letzteren derartigen Lieferung hat er»vohl»in Quantum von etwa fünf Pfund übrig behalten und dieses lagerte im Keller in einem Sack, der in dem verschlosseiien Originalfaß anfbeivahrt»vurde. Am 30. Noveniber um die Mittagszeit»vurde der Angeklagte Schlicht von seinein Chef beauftragt, Blanholz-Extrakt aus dem Lagerkeller herauf- zuholen. Schlicht suchte i» Gemeinschaft»nit Tresp tu de»» durch zahlreiche Fenster erlenchleten Keller nach dein verlanglen Stoff und leichlstiiniger Weise suchte zunächst der junge Tresp den Raum durch das A»»zuudeii eines Streichholzes»»ehr zu erhelle» und der»veit ältere Schlicht folgte diesem Beispiel: auch er zündete— obgleich das Belrelen des Kellers mit Licht streng verboten»var— ein Streichholz an, leuchlele damit umher und warf es da»»»veg. Plötzlich rief TreSp:„Herr Gott, hier brei»»t es!", beide liefe» davon, in demselben Augenblick erfolgte aber auch unter aeivaltlgeu» Knall eine Explosiv», die großes Unheil anrichtete. Die hölzerne Kellerlhür wurde total zertrümmert und auf die Straße hinaus geschleudert,«ine der dicken Wände des uralten Hauses barst auseinander und brachte das Haus in sch»vere Gefahr, große Schaufenster platzten und die GlaSsplitter»vurden»veit auf die Straße hinaus geschleudert»»»»d auch in den in» Hanse belegenen Laden wurden arge Zerstörungei» hervorgerufen. De,» Hausdiener TreSp»var eS ge- lunge», das Freie zu ge, Vinnen. Schlicht aber fand keinen Mlsiveg mehr aus dem Keller und mußte erst von der Feuerwehr durch das Keller- fenster gerettet»verde»». Er hatte schivere Brandwnnden im Gesicht und an den Hände» davongetragen und hat 7 Wochen in» Kranken- hause zubringen müffen; Tresp ist gleichfalls durch die Flamme» an den Händen venvundet»vorden und drei Woche» krank ge»vesen. Beide sind jetzt»vieder hergestellt. Der Pferdebahn- schaffner Ahrens, der gerade zur Zeil des Unfalls»nit seinem Wagen anf den» Alexanderplatze in der Nähe hielt,»vurde durch herausgeschleuderte Glassplitter am Auge so stark verletzt, daß er sofort eine Unfallstation aufsnchei» niußte. Ein zufällig am Hausi; vorübergeheuder Zuschneider wurde durch de» Lustdruck bis aiif den Fahrdamin geschleudert,»vo er mit blutenden» Munde und mit Blut- erg»iß aus den Ohre» besinnungslos liegen blieb. Der angerichtete Schaden ist ein sehr großer; die Beschädigungeu a» dem Hanse sind anf 8000 M. geschätzt»Vörden, der sonstige Schaden ist auf über 40 000 M. zn veranschlagen. Das HauS hat gestützt»verde» müffe», un»»veiteres Unheil abzuwenden. Der An- geklagte Dr. Krug entschuldigte sich damit, daß er die betreffende Polizeiverordiiung fälschlich dahin verstanden habe, daß nur eine Lagerung von über 10 Psllnd verboten sei. Im übrige» bestritt er jede Schuld an dein Unfall, da für die Benutzung im Keller, der übrigens um die Mittagszeit vollständig hell geivesen sei, eine besondere Lampe in Bereitschaft gestanden habe uud ein Anschlag an der Kellerthür das Betreten des Kellers mit Licht aus- drücklich verbot. Die Angeklagten Schlicht und Tresp vern,ochlen 'Auskunst über die eigentliche Entstehung der Explosion nicht zu gebe».— SlaatSamvalt S ch»v e i g e r erklärte es für ein »vahreS Wunder, daß die drei Augeklagte» überhaupt noch lebend auf der Anklagebank erscheinen können. Bei allen dreien liege eine grobe Fahrlässigkiit vor. die am schiversten dem Angeklagten Dr. Krug zur Last zn legen sei,»veil er der Polizeiverordnung znivider überhaupt das Pulver in den» Kellerrauine aufbewahrt habe. Da die Oeffentlichkeit im höchsten Maße gegen eine so leicht- fertige Gefährduiig geschützt»verde» müsse, beantrage er gegen Dr. Krug einen Monat Gefänaniß, gegen die beiden Angellagten je 100 M. Geldstrafe.— Rechtsanwalt Dr. Cello beantragte für den ersten Angeklagten mir eine Geldstrafe, Rechtsanwalt U ck e r n» a»» n für Tresp die Freisprechung.— Der Gerichts- hos sprach Schlicht und Tresp frei,»veil er nicht festzu- stellen vennochte, durch ivessen»veggeivorfenes Streichholz»»» eigent- lich die Explosion verursacht»vorden ist. Dr. Krug»vurde»vegcu Ueberlretuug der Polizeiverordnung zu20M., wegen der fahrlässigen Körperverletzung«, zu 600 M. Geldstrafe event. 60 Tage»» Gefängniß und 2 Tagen Haft verurtheilt. Die„Dentsche Tageszeitnng" hat gegen da? Urtheil in dem Prozesse wegen Beleidigung des Auswärtigen Amtes Revision em- gelegt. Eine Rixdorfer Gendarmen- Affäre der Gericht. Die Geiidarme», K a m e n z und Peters waren von dem Hansivmh Ziinn, ermeister Jahnke eines Abends herbeigeholt worden, als duS Ardeiter-Ehepaar Wachner Möbel,»velche vom Hauswirth retinirt waren, wegschaffen, vollte. Bei dieser Affäre soll sich nm» nach der Darstellung der Angeklagte» folgendes abgespielt haben: Der Gendarin habe,»vie Frau M. a,»giebt, den Man» a» der Gurgel gepackt, sie sei hinzugekommen, habe de» Beamten ersucht,»hrei» Mann in Ruhe zu lassen, darauf sei K. auf sie losgegangen, habe sie an die Gurgel gepackt und an die Thür gestoßen. Sie fei zu Boden gefallen, habe die Krämpfe bekommen und dann in diesem Zustande 3 Stunden auf dem Flur gelegen. Später habe man sie zu Bett gebracht und sie sei dann infolg« der ausgestandenen Angst «'nb des Schrecks 8 Tage lang krank gewesen.— Am 13. Juli erstattete Frau SS. gegen ktamenz eine An« zeige bei der Staatsanivaltschaft II, in welcher sie den Vorfall schilderte in der oben angegebenen Weise, und dann noch anführte, auch die Tochter sei von K. thcitlich angegriffen worden. Die Gendarmen erklärten diese Darstellung für unrichtig und darauf tvurde gegen Frau Wachner Slnklage wegen wissentlich falscher Anschuldigung erhoben, in der gestern vor der erste» Strafkammer des Landgerichts II Termin anstand. Während der Hausivirth nebst den Gendarmen von Mihhandlungen nichts zu be- künden Wichten, führte ein anderer Zeuge. Handelsmann Jahnke ans: Nachdem daS Spind abgesetzt war, habe tiamenz den Ehemann W. vor die Brust gestoßen, nachdem dieser den Gendarm aufgefordert hatte, seine Wohnung zu verlassen. Frau W. habe nun den Beamten ersucht, ihren Mann in Ruhe zu laise», darauf habe der Gendarm einen Griff nach dem Halse der Frau gethan und diese sei darauf zu Boden und in Krämpfe gefallen. Er bade dann die Frau in die Stube tragen wollen, der Gendarm habe ihm jedoch den Eintritt ver- wehrt, und Frau W. sei dann noch längere Zeit auf dem Flur liegen geblieben.— Der Gerichtshof ge- langte zu der Ueberzeugnug, daß der Gendarm Kamenz sich bei jeiiem Borfall korrekt benommen. Die Angeklagte wurde zu drei Monaten G e f ä n g n i ß verurtheilt.— Stach Berlasfen des Gerichtssaales wurde die unglückliche Frau auf dem Korridor des Gerichts von heftigen Weiukrämpfen befallen und konnte erst nach längerer Zeit das Gerichtsgebäude verlassen. Nackte Frauetigcstaltc» erschienen dieser Tage vor dem Richterstuhl der bliuden Göttin Gerechtigkeit, domizilirt in Etras- bürg in der Uckermark. Ganz kürzlich hat selbst der preußische Jnstizminister Schönstedt die ihm unterstellten Auklagebehörben auf das Irrige hiugewieseu. den groben Unfngsparagrapheu zu einem Mädchen für alles zu degradireu, das auch solchen, zu Strafe bringen solle, die nichts Strafbares gctban haben. Und schon wieder sind wir in der Lage, über ein preußisches Urlheil in Sachen„grober Unfug" zu berichten, das selbst die sächsische Liechtsprechung in den Schatten stellt. Das Schöffengericht zuSirasburg in der Uckermark, besetzt durch den Slmtsgerichtsrath Mohr, den Zimmer- meister Schmidt und den Gutsbesitzer Dr. Köhn, hat aus Antrag de» als Amisanwalt sungirendeu Bürgermeisters Merk den Schuhmacher« gesellen Vick wegen„groben Unfugs" zu 3 M., zahlbar an den königlich preußischen Fiskus, im Unvermögensfalle zu einem Tage Hast— und zur Tragung der Kosten verurtheilt. Welch schwere» Ver- brechen hat Biel begangen? Er hat die Sittlichkeit des ehrbaren Laudstäbtchenö Strasburg in der Uckermark anfS höchste gefährdet. Und wodurch? vick war sündhaft genug, daS trelsliche Witzblatt„Wahrer Jakob" für sich und andere durch die Post gegen Entgelt zu beziehen. Das ist noch kein grober Unsug. Aber der Jnkulpat hat ein Exemplar des „Wahren Jakob" durch seinen 12 jährigen Sticssohn und einen Freund desselben den anderen Abonnenten abtragen lassen. Aller« dings auch das ist noch kein grober Unfug. Slber der gefährliche Staatsbürger hat, wie das Urtheil ausführt,„den Knaben die Druckschristen ohne Hülle übergeben".„Die Knaben haben", sagt das Urtheil,„daher von dem Inhalt Kenutniß nehmen können und sie haben auch öfter wenigstens die an den Außen- feiten befindlichen Bilder, darunter nackte Frauengestalten, be- sehen." Daß aber solcher Anblick verderblich auf den Geist der Kinder einwirken, die Zwecke der Schulzucht vereiteln muh und daß namentlich bei den Erziehern der Kinder solche Einwirkung auf letztere Anstoß zu erregen geeignet ist, liegt— meint das Urtheil— aus der Hand. Der Angeklagte— meint das Urtheil— hat also Schulkindern sozialdemolratische Schriften mit unsittlichen Abbildungen zugänglich gemacht, mitbin— groben Unfug verübt. Es ist selbstverständlich gegen dieS Urtheil Berufung eingelegt. Sollte die Göttin Gerechtigkeit schließlich selbst in letzter Instanz beim Kammergericht mit dieser neuesten Ansicht durch- dringen, daß der Anblick„nackter Frauengestalten"„verderblich auf den Geist der Kinder einwirke" u. s. w., so werden sich die Konsequenzen der Anschauung dieser prüden Göttin nicht absehen lassen. Es wird dann für die Berliner Behörden nothwendig sein, schleunigst dahin zn wirken, daß die„nackten Franengestalten", die in Berlin öffent- lich erblickt werden tönnen, verhüllt werden, sobald ein Schnlkind angelaufen kommt. Aber damit wäre der Uckermärker Göttin Ge- rechtigkeit— geht sie selbst- denn auch immer bekleidet?— noch Wir haben die Nummer des„Wahre» " Oktober ISSö), die den Anlaß zu der Bernrtheilung bot, vor uns. Wer sind die„nackten Fraueugestalten", die„unsittlichen Abbildungen"? Diese unsittliche Abbildung ist ein trefftich-fatirisches Bild über das Urtyell des Paris. Der moderne Paris ist der Reichskanzler Hohen- lohe, in der Siechten den Apfel, in der Linken den Entwurf des Mililär-Strafgesetzbnchs haltend. Neben ihm sieht man eine Anzahl Paiizerschisf-Modelle. Vor Hohenlohe stehen die drei inkrtminirien nackten Frauengestalten. Und wer sind diese? Die bärtigen Slbgeordneten Lieber, Bennigsen und K a n i tz. Kanitz sucht durch die Töne einer Harmonika der„noth- leidenden Landwirthschaft", Lieber durch die Töne einer vo» ihm gespielten Guitarr«„Regierungsmusik" und v. Bennigsen durch einen schivungvollen Kastagneltentauz das Urtheil des Sieicds- kanzler-Paris für gestalten", die sollen. Drum, Kinder, sich zu gewinnen.____. die den Geist der uckermärkischen Schulkinder hallet Das sind di«„nackten Frauen- ..... verderben fern Such von den Konser. vativen, vom Zenlrnm und von den Nationallideralen. Es wirken auf KindeSgemuth verwirrend diese„nackten Franengestalten". Das Tanzrccht im Polizeistaat. Unter welchen Umständen der Tanz bei Gelegenheit einer Hochzeit al»„öffent- liche Taiizlustbartett" zu erachten ist, hat das Kannner« gericht vor kurzem z» erörtern gehabt. Ein Gastwirth in der Pro. vinz Schleswig» Holstein hatte a» zwei Tagen eine grüne und eine silberne Hochzeit abhalten lasse»; bei diesen Gelegenheiten ist auch getanzt worden und«r sollte deshalb zwei Polizeiverordnungen über- treten haben, nach welchen zu jed-r öffentlichen.Tanziustbarkeit eine schriftliche Erlaubniß der Ortspolizetbehörde gehört„und alle Tanzlnstbarkeiten, welche in öffentlichen Lokale» statlfinde», von dem Inhaber des Lokals mindestens 24 Stunden vor Beginn liche Lustbarkeiten" im Sinne jener Verordnung nicht aufzufassen sei. Der Umstand, daß bei einer Vereinigung von Menschen getanzt wird, reiche nicht auS, um eine solche Zusa»»»eiiku»ft speziell als „Tauzl'tstbarkeit" zu bezeichnen; hierzu sei vielmehr uubedlugt ersorderlich, daß daS Tanzen den Hauptzweck des Zusammen« seins bilde, eine Hochzeit aber ein Familienfest sei, bei Nebenzweck o welchem daS Tanze» nur als untergeordneter Nebenziveck a»fz»fass«>t als eine rechtssei. Diese Auffassung hat das_ � irrthümliche bezeichnet und ausgeführt: Eine„Tanzlustbarkeil" beziv. eine den„Tanzmusiken" oder„Bällen" ähnliche Lustbarkeit sei ein Tanz auch dann, wenn er de» Nebenziveck einer Hockizeit oder einer anderen Festlichkeit bildet. Das Kammergericht ist aber zur Freisprechung gekomme», well eS die Hochzeiis- Taiizlustbarkeiten nicht alS öffentliche angesehen hat. da sie sich auf die Gastgeber, die Familien« Mitglieder und die zur Hochzeit ausdrücklich geladenen Gäste be« ~"il wähl auslange nicht genüge geleistet. W Jakob"(Nr. 267 vom 13. schränkten nnd das Lokal während jener Tanzlustbarkeiten schließlich den vorgenaunten Personen zugänglich war. Da» Kainmer» gericht hat aber auch der weiter obeii gedachten Bestimmung,„daß alle Tattzlustdnrkeilen, welche in öffentlichen Lokalen stattfinden, der Polizeibehörde vorher angezeigt sein müssen", die RechtSgiltigkeit abgesprochen. Wenn die Polizei- Verordnung unier„öffentlichen Lokelen" auch solche verslande» wissen wolle, welche ihrer eigentlichen Bestimmung nach dem öffentlichen Berkehr die»«», auch wenn und so lange ste lediglich einem fest geschlossen«» Perkonenkreise zur V«r- fngnng stehen, so sei«ine solche BestWmung nicht rechts verbindlich, weil ste in keiner der BMunnuiigen des ß 3 der Lerordnnng über die Poliztiverwaltnng vom 20. September 1367 ihre gesetzliche Grundlage habe.— Es ist unklug im Polizeistaat, haimiosen Vergnngnngen Schwierigkeiten in de» Weg zu legen. Die Leute, welche vo» solche» Slrasbestimmungen getroffen werden, kommen ja auf diese Weise fast wider Willen zum Nachdenke». Der Vutterhäudlcr Herr Ernst Sommerscld, Alt» Jakob- straße IS, ersucht uns, bekunnt zu geben, daß er mit dem dieser Tage wegen NahrnngSmiltel> Verfälschung verurtheillen Händler gleichen Namens nicht identisch ist. Vevsttknttrlunsen. Die Schrifthauer»«ine Svezialbranche unter den Steinmetzen, welche die Schrift aus Grabsteine» herstellen, hatten im vorigen Jahre den Geschästsinhabern einen Lvhntarif vorgelegt, der von einem Thetl der Geschäfte anerkannt und bezahlt, von anderen da- gegen nicht beachtet wurde. Di« Inhaber von Grabdenkmal- Geschäften haben nun einen Verein gebildet und dieser schlug de» Gehilfen vor, verschiedene Positionen deS Tarifs um ei» ge« geringes herabzusetze». Unter dieser Voraussetzung wollte» sich die BereinSmitglieder verpflichten, den Tarif anzuerkennen. Uni aber der Echundkonkurrenz der nicht dem Verein angehörenden Ge Nach diesem mit großem Beifall aufgenommenen«ortrage erstattet. der Delegirte zur Gewerkschaftskommission. Kollege Truppke, Be- richt über seine Wirksamkeit. Danach stnd mit einigen Ausnahmen die Rixdorfer Gewerkschaften schwach organistrt, was allerdings mit darauf zurückzuführen ist. daß die meisten in Berlin arbeiten tmd dort ihrer Organisation fich anschließen; aber auch die in R i x d o r f Arbeitenden vernachlässigen ihre Pflicht, wie die traurigen Verhältnisse in den dortigen Messtugwerken beweisen. Dort hat sich vo»»00 Arbeitern einer zum Metallarbeiter- Verbände gemeldet. Die Bortheile einer starken Organisation können nicht oft genug hervorgehoben werden. Kollege Truppke wurde als Delegirter auf ein Jahr wiedergewählt und Kollege A b e r g e r als Stellvertreter. ztrt>«tt»e-B»v»»g«r»I». Schul«, Wald«i»arslrahe I»: btirachtuna. Problein der WeUbUdung und btblisch« Ntberlleterung. Di« llntr ffi'tUop Abend» Uhr Naiur-chrkenninl»<« im iV dl« Uhr: Südost nllke und moderne Natur- Allerihum.«Lriechltche WelsheU- der«rde aus ihrer bevor, ugien Stellung in, Welieiiall. M-chauUüsche Äustassang und experimentelle Forschung. Die Slnrelhung des Menschen l» das Naturganze sLamarl- Darwins. Das Seslenprobtem. Aloniijm»? und Mat«rtaliSmus. Srenzen der Natur-Srlenntntd.) Herr Dr.(J. Zost.— Nord-Schule, Brunnenstr. 16: Rede-Uebung(Die wichitosten technische»»rundsähe sür die Kunst de» össenlltchen Redens. Lehre vom Ausbau eines Vortrages.) Herr Heinrich Schul,. Z!« LesthaU» der Art, eit,r-Kiti»>»g« schule. Lrulinenstr. 1s, ist wochin- tag» von«—> Uhr, Sonntag» vo»«—« Uhr, unentgelttich(ilt jedermann geöffnet. Die q> es cha f t s si e i l e der Schule It., Brunnenstrab« 16, di« den Beretn»' vorstand«» zur vermiitelung von Borträgen wissenschaftlichen Dharalter» zur Versägung steht, ist edensall« von s-s Uhr nachmittag» geöffnet. Ztrd»iter-».">>ar>d»»d Berlins und Umgeaend. Borstgender Ad. Sleuinan», Pasewalterfir. a. Alle«endernnge» im vereinStalender stnd zu richte» an Friedrich sto ctun,. Mnnleuffeinr.«9, v. l De. Avl'elter• H>»»ch»r>>»»d Gerlln« und zlmgige»».«enderangen im Vereinskaiendcr stnd zu richte» an Hermann Braunschwetg, Dresdener- straße 60, a. Hos,< Zr. Hirn»»er g»s,llig»n Zird, sterner«!»» 0,rtin« Aulchrtst«», den Bund betreff«!'~" straße io?/s. Ar,«»»'scher Stenographenverein Apollodnnd. Freitags: Unentgelt- ticher Unterricht und Urbimg in der ganz vereinfachte» Arend'sschen Stenographie im Restaurant Kaiser Wilhelmsgarten, Lutzowstr. 8» und Restaurant Zum Schult- heiß, Jnvaiidenstr. 6. AdendS« Uhr. «effeutliche yersammlnna heute, abends Bjj Uhr, im Saal« der Armin- hallen, Kommaudanlenstr. m. Vortrag über"— Völler". Reserem Dr. med.»oette. ____________________ und Mmgegend. Alle »d, stnd zu richten an P.»int, L. Dresdener- «Die Naturheillunde der wilden Briefkasten der Redaktion. MontaaS, Dienstag» onnabends, abendS von 7—8 Uhr statt. e Sprechstunde findet schäsle entgegenzutreten, sollten auch die Gehtlsen i» keinem Falle ' �'- schästtinha Tarif lag e efannuluiig Schrifthaner vor und wurde nach vorhergegangener Distiisstoii an- unier dem Tarif arbeite». Der von einer ans Geschästsinhavern und Gehilfen bestehenden Komiiiisstoit durchberathene Tarif lag t (m Eni"" am Mittwoch ltglischen Garten abgehaltenen Vers lag einer der genomm»», aber der Meisterkommission nahegelegt, sür schlesifchen Granit ein« Erhöhung von 7 auf 3 Pf.! zu bewillig«». Ein» Resolution folgenden Inhalts fand Annahme: Die Schrifthaner Berlins verpflichten sich, den Tarif in allen Geschäften aufrecht zu eryalten. Differenzen stnd der Kom- Mission behufs Regelung bekannt zu geben. Die vereinbarte» Preise sind unter Berufung aus diesen Tarif beim Geirerbegericht ein» klagbar. Aenderungen des Tarifs sind nur nach vorhei gegangener Vereinbarung zwischen beiden Parteien vorzunehme». Hierauf er- folgte die Neuwahl der Kommission, welche auf Meyer, Hönsch, Röhn. Vogt und Vi e m m l e r siel. Es wurde beschlossen, nur auf solchen Plätzen zu arbeilen, die den Tarif durch Unterschrift anerkannt haben. Rixdorf. In der am 14. Februar abgehaltenen öffent- lichen Buchdrucker-Bersammlung hielt Kollege M a s st n i einen Bortrag über:„Die wirthschafllichen Kämpf» der'Arbeiter in den letzten Jahren und welche Lehre» ziehen wir au? denselben?" .......... JBBI. ,, (f. L., Talzburg. Wir danken für die Uebersendung deS Wahl- aufrufrS. Wir niüffen cS der östemichischen Parteipresse überlassen, gegen denselben zu polcinisircn. Gruß. Westend. Die Wiener..Arbelter-Zeitung"(Adresse: Wien IX. Ferstet- wwMbMM' M. DaS Postabonnement Probenummern Arbeiter-Zeitung" e» Briefkasten beantwortet. gaste 6) lostet vtcrteljährltch unter Kreuzband i) M. Das Ist billiger, hierüber glebt Ihnen jede? Postamt AllSkimft. werden Äe aus Verlangen von der Administration der ,. ' tischen Briefkaste Berliner Kranken-UntrrsUitzungJ- nzigerstr. 07, Quergebäude 3 Tr. 15. sächsischen Wahlkreise in den erhalten. Die andere Frage wird im. W ewatk. Wenden Sie sich an den und Bcarilbntßveretn, Frau Ö l nt« t, Dan Bayltcich wurde 1874 und 1S78 vom Reichstag gewählt. Georg SOO. 1. Wenn et danach gefragt wird! ja. 2. Nein. 3. ES ist absolut unindglich vorauszusagen, wie lange ein ErbschastSstreit sich hinziehen kann;„tanchnial wird er durch Tod eines der streitenden Theilc unterbrochen. i. Ja. 5.„Blauer Heinrich" und„Rlimfutsch" sind Spitznamen für delikate MM"'. M Im Beigeschmacks zubereitet werden. em Bräutigam gewährte Kuß ist Mt Gerichte, die tu Staaloveiistonen strafrechtlichc Barnimstraste. Auch der im Hausflur o ketne unzüchtige Handlung. Solcher Haut zu aeden, crwalterS, die Braut w .. Handlung. Solcher Handlung Gele »tithln keine Kuppelei. Also ist die Aufforderung de?' zu cmlttiren, unberechtigt. Einen Kuß in Ehren darf auch kein Berliner Hanspascha wehren.— A. S. Norde«. Sie müssen Steuer zahlen: der Empfang von Uttfalkrente befreit keineswegs vom Steuerzahlen.— F. T. Jahnstraste. Ihrem Sohn steht in dtescin Falle tein Findcrlohn zu, weil baS Finden eines tm Bureau liegen gebliebenen Geldscheins kein Finden eines verlorenen Gegenstandes im Sinne des Gesetzes ist. WittmnigSiibcrsicht vom 25, Februar 1807. «Zetter Prognose für Freitag, den 2«. Februar»887. ziemlich trübe und regnerisch bei frischen süd- Warm, jedoch westlichen Winden. i e r l i n e r W c 1 1 e r b n r e a n. Folgende ZDavteispedikionvn nehmen Abonnements auf den ..VovtVSvks", Freie Stunde«, Jacob und Postillon eMzegen:«erlla vterter �V»Ii1ki-vt» t».: Robert Wengels, Fntchtstr. 30, Hof I.— 80.: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 35 v. pari.— 8vcIiBt«r Walillu-st»(ikloadtt): Karl Anders, Salzmedeler- straße 7, pari, im Laden.— Weeltlt,»e und Opanienbnrgep Top- sta«lt; Emil Stolzeuburg, Wiesrnftr. 14.—«v»iiii»It»piiiii,e>ii: Wilh. G aß in a nn, Wrünthalerstr. 64.— Ikoooiitlialep V«»p»t»St: Gustav Rosenthal, Granseerstr. 6.— SohOnhaaiiep Topstadt: Karl Mars, Kastanien-Allee 85/26.— Chaplottenbapg: Gustav Scharnberg, Pestalozzistr. 34, Ouergeb. pari.— Idvntoolr-�Vlline'P»- dapf: FrauKübler, Stgmartngerftr. 34 und Frau Hein«mann, Sigmariiigerftr. 35.(Hier ist auch die„Brandenburgischc VolkS-Zeitung" zu erhalten.)— Klxdopf: Ostermann, Jägerstr. 70, ll— Kchüno- borg: Wilhelm Bäumler, Belzigerstr. 69, Seitenflügel pari.— JohannUthal-Sfleder-Schttnewelde: Otto John, Johannisthal, tzriedrichstr. 57. Annahmestelle: Nieder-Schöneweide: Karl Weber, Zizarrengeschäft. Außerdem ist simmtliche Parteiliteratur, sowie alle wissenschaftlichen Werl« dort zu haben. Ruch werden Inserate für de»„Borwärts" entgegen genommen.__ Parteigenossinnen und Genossen! Freitag, den 26. Februar, abends 8 Uhr, im Saale des Herrn Marten, Friedrichstr. 236: Grohe Bolks-Versammlung. Tagesordnung: 1.«ortrag des R-ichStazs- Abgeordneten FUoImp übet: Die Ver- -—-—i. den Antrag Auer und Genoffen über Handlungen im Reichstag, betreffend den Achtstundentag. 2. DiSlusston. Reichstags-Abaeordneter v«- Allitung! Ginsetzer. AWng! Große öwitliche Uersomnllmlg am Sonntag, 28. Februar, vormittags 11 Uhr, fchci im Louisenstädtischen Klubhaus, Annenstr. 16 Tages-Ordnung: I. Bericht und Rechnungslegung der Fünfer-Kommissti Wahl von Revisoren zur Prüfung der Kasse. on. 2. Dislusston. 32b Zahlreiche«! Besuch sieht entgegen vi« FUnfop-Kommiaston. ! Uergolder. Oesfentliche Versammlung der Vevgolder und Berufsgenossen am I.März, abends 8 Uhr, bei Grosse, Äuuettstr.I«. Tagesordnung: 1. Die Arbeitsniederlegung bei der Finna N e u m a n n u. Henntg. 2. Jahresbericht und Abrechnung der AgitationSkommission. 3. Neuwahl der AgitationSkonimission. 4. Verschiedenes. 22öj\2 Die AgttationS-Kommisston. ' NB. Die Kollegen der Firma Neumann u. Hennig stnd hiermit besonders eingeladen. Reichstags-tzlbaeordneter i. vv>k ist zu dieser Versammlung brieflich eingeladen. Um zahlreiches Ericheinen der Frauen ersucht ww«_ Ii' Avaurk�«*Wrk11 il 4 tcpson dep Frauen. Keller s Kestlale, Koppetzrilde II Sonntag, den 28. Februar, präzise 12 Uhr mittag»:-MM Gr. Matinöe zu gunsten der seit Juni 1896 im Streik befindlichen Hamburger Kteinfetzer und Berufsgen. °™Ä"" Nerdlind tut Ztklisetztt«ni SttiifäpDjfeii unter gütiger Mitwiriuna des Gesangvereins Norddeutsche Schleife (Dirigent---->----——'-- HÜ faMöfunlsJRj ElsTtäl EMS Jeder Freund guter dlomane adonnire auf Wöchenllich erscheint ein reich illustrirtes Hest zu 10 Pfennig. ...... � 1 Hl O Seder Coiporteur, jeder Leltungsspeditenr und sede Such- Handlung nimmt Sesteüungen entgegen; ebenso der vertag: Buchhandlung Vorwärts Verlin SW., üeuthstr. s. nuRL-n Deutscher Holzarbeiter-Verband. Heute, Sreitag abend» 8'/. Uhr. bei Cohn,«enthftr. 20-21: Sitzung der Ortsverwalwng. 8� � Diejenigen Mitglieder, welche Bücher aus nnserrr Btbltothet geliehen haben, werden ersucht, dieselben baldigst zurUckzugeben. da eine Vervollständigung und Neuordnung der Bibliothek stattftuden soll. Sonntag. Alhtuilg! Wilmersdorf Ulli» llmaeseni». ag, 88. Februar, nachmittags 1 tthr, bei KuiigenbePf, Große öffentl7Ms°VersammI>lNg. Tagesordnung: Der Militär- und Marinc-Stat vor dem Reichstage. R-fereut Retchstags-Abgeordneter Ff«* Zubell. DtSkussion. Die hygienischen Berhäimisse am Orte unter Bettickfichttgung des unentgeltlichen Badens der Schulkinder. LerschtedeneS. 203/12 dop Tertraueiu A»r den Inhalt der Inserate ubernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung._ Thenkev. Freitag, den 26. Februar. Opernhaus. Undine. Schauspielhaus. Die Quitzows. Deutsches. Die Weber. -Berliner. Kaiser Heinrich. Lessing. Der Probepfeil. "ReueS. Marcelle. Unter de» Linden. Indigo und die 40 Räuber. Ostend. Berlin wie es weint und lacht. Westen. Im Trappistenkloster.- Ein Weihnachtsabend.— Jephta's Tochter. Residenz. Associes. Dhalia. Frau Lieutenant. Schiller. Am Tage des Gerichts. Zentral. Ein fidelcr Abend. Volks. Von Stufe zu Swfe. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Der Tronipeter von Säkkingen. Alepa nderplati. Eine pikante Ehe. Belle-Alliauee. Trilby. Parodie. Schloh Greifenstein oder Der Sammetschuh, nebst deui Vorspiel: Zulima, die Türkin. Passage-Panoptikum. Affentheater. Apollo. Spezialitäten. Zeile-Alliante- Theater Nolks-Vorftellu«g unter Regie von.IhHu» Türk. Sonntag, den 28. Februar, nachmittags 3 Uhr: Zum letzten Male: Das Uthllp eou Heilbmn. Von Heinrich von Kleist. Käthchen: Wilhelnia Wagner. Wetter v. Strahl: Heinrich Frey. Rheingraf v. Stein: Rich. Jürgas, Theobald: Wilh. Karfiol. Eintrittskarten a 00 Pf. sind in den bekannten Geschäften zu haben. In Vorbereitung: Die Jungfrau von Orleans. Sckillev-Mtzeakev (iValincr-Theater). Freitag, abends 8 Uhr: Zum ersten Male: Am Dagc des Gerichts. Sonnabend, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. Freitag, de» 8«. Februar I8S7: Knill Thomas a. G. . Abends?»/, Uhr, zum 21. Male: tili fideler Abend. Sonntag, nachmittags 3 Uhr(bei erniäffigten Preisen): Ein sideler Abend.- Abends Vi« Uhr: Ein fideler Abend. Ostend-Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Dir. C. Weift. Zum letzten Male: Berlin, wie es weint und lacht. Anfang 8 Uhr. Morgen: Zum 1. Male: Zu hoch hinaus. Volksstück in 4 Akten von Maria Günther. Novität! Anfang kl Uhr. Sonntag, nachm. 3 Uhr: Auf Ber- langen: Der Walzerkönig. Halbe Kassenpreise.— Abends?(/, Uhr: Zu hoch hinaus. Friehrillj Wilhelmst. Theater. Der Trompeter von Säkkingen. Romantisches Schauspiel niit Gesang in 3 Akten(7 Bildern) von E. Hilde- brandt und I. Keller. Anfang 8 Uhr. Sonnabend, nachm. 4 Uhr: Kinder- Vorstellung. Frau Holle. Zauber- Märchen mit Gesang und Tanz in sechs Bildern von E. Prudcns.— Abends 8 Uhr: Erstes Gastspiel des Herrn Varl I'anilor vom..Thalia- Theater" in Hamburg. Heinrich Heine. Lustspiel in drei Akten von A. M e l s. Hühneraugen- Operateur und Lotterie-Kollektcur Hirsch: Earl Pander a. G.— Sonntag u. Montag: Gastspiel des Herrn Carl Pander. Billets sind schon drei Tage vorher o hne Vorbestcllgebühr an der Theater- kasse zn haben. Austerdeiit im In- validendank, Unter den Linden 24, bei Paul Romeick, Leipzigerstraße 6. und Julius Lengenfeld, Markgrafenstr. 60. Alttillldervlllh-Thtattt. Heute und die folgenden Tage: Eine pikante Ehe. Berliner Posse mit Gesang in 4 Akten von E. Prudens. Anfang 8 Uhr. KleinePreise. Bons, auch die zu anderen Stücken ausgegeben sind, behalten ihre Giltig keit. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Kinder-Vorstellung. Frau Holle, Zaubermärchen mit Gesang u. Tanz in 6 Bildern von E. Prudens. Billets sind ohne Vorbestellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- kasse zu haben. Vormittags 11—1 Uhr und abends von V-7 Uhr an. Bei'linei' Possen-Theater IHUnzstrasse 17. (Eingang Königsgraben.) Direktion: Joseph Aschinger und Leonhardy Haskel. Allabendlich Punkt V-t« Uhr: Iltovltllt? Novität! Baruch und Sohn. Ausstattungs-Burleske mit Gesang von Max Dann und Leonhardy Haskel. Uleoe Speciaiitäten. Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Kasscneröffnwia 7 Uhr. Entree 3« Pf. Die Direktion. Qlntäl Sonnabend, 27. Febr.: /tlOlö! Wegen Privatfestlichkeit IM- geschloffen.-MW ncanla Tanhen-Strasse UlalllB, No. 48-49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt Ö0 Pf. Wissenschaftl. Theater abends 8 Uhr. AmiiliattkNKWS hos. Täglich von 7:/z Uhr abends ab 50 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Experimenten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge. rilnzge- Panopücum. Letzte Woche. Mn- TlMtkl Heilte drei Vorstellungen um 6 und 7 Uhr. iZsstsn's Panoplicum. Pygmäen »ie kleinsten Die beiden indischen_ die kleinsten Menschen der Welt! Dameu-Wettschwimmen. Münz- u. Kaiser Wilhelmstr.-Ecke Winkler's grosses Anatomisches Museum Freitag von 2 Uhr ab: Damentag. Entree 50 Pf. 126sl Uolks- Theater 31 Reicheubergerstr. 31. Pserdebahnstation KottbuserThor. gm- Jeden Abend 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr.-MW Völl Sich zu Stufe. Goncordia Variete-Theater Brunnenstr. 154. Täglich: Grosse Theater- und Spezialitütcn-Vorstclliing;. Das beste Programm d. Nordens. Neu! Troupe Richardt(IHerr, 1 Dame, 1 Kind) Akrobaten. Neu! Kathi Richter, Tyrolienne. Neu hons and little Adolfi, Tanzduettisten. Neu! Ein geplagterDichter. Posse. Anfang Wochentags 7'/, Uhr. Sonntags 6 Uhr. Umtausch- Billets haben Giltigkeit. Hrm Renz n-mI a (Jubiläums-Saison 1896/97.) Freitag, den 26. Februar 1897, abends 71/, Uhr: Gr. Wohlthätigkelts- Vorstellung zum Besten d. Wittwe» u. Waisen der KrtegervereinS-Vrrbände Berlins. Gr. patrlotlseher Festakt, arrangirt vom Dir. Fr. Renz. Bagdad, arab. Vollblut-Schimmel- Hengst, in Freiheit dressirt und vor- geführt vom Dir. Fr. Renz. Früh- lingsreigcn, gentten von 6 Damen. 6 Trakehner Rapphengste, dressirt und vorgeführt von Herrn Hugo Herzog. Austr. des Schulreiters Mr. Gaberel mit dem Schulpferde Albarac. Durchschlagender Erfolg. Novität! Aus der Mappe Novität! eines Riescngebirgs- Phantasten. Sonnabend, den 27. Februar 1897, abends 71/, Uhr: Aus der Mappe eines Rirsengebirgs-Phantasten. Sonntag, den 28. Februar 1897: S Torstell, mipea. Nachmittags 4 Uhr(ermäßigte Preise und 1 Kind unter 10 Jahren frei): Umstlxe Bliltter! Gr. elektrisches Ballet. Abends 7l/, Uhr: Aus der Mappe eines Riesengebirgs- Phantasten. IRCIIS 'Busch Bahnhof BOrse. Freitag, den 26. Februar 1897, abends?V, Uhr: Cr. hmoriWe Vorstellung. Das Tagesgespräch von Berlin: Nach Sibirien. Außerdem: Hamlets Geist, komische Scene des Clowns Mr. Alf. Daniels. 100 ElownS. männliche und wcib- liche. Mr. Golema» mit seinen dressttten Hunden und Katzen. Die musikalische Feuerwehr, kom. Scene d. Hermanos Castagna. Austr. der Clowns Herren BoganowSkh und Mr. Eprillo. 4 arab. Schiniinel- Hengste als Schaukelpferde, dressirt und vorgesührt vom Dir. Busch. Leopard, mecklenb. Bauempferd, dressirt und geritten von Hern» Foottit-Burg- Hardt. Fauler Zauber, arab. Hengst, geritten von Mlle. Eugenie. Morgen: Nach Sibirien. Sonntag: 2 Vorstellnngten. Nachm. 4 Uhr: Zscheus.— Abends 7>/z Uhr: Nach Sibirien Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). »Frau Lieutenant." Vaudeville in drei Atten von Paul Ferrier und Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirschel. Musik von G. Serpette und V. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Sonntag, nachm. 3 Uhr: Trilbh. Aeen-Paiayt, �*"*22. Direktton Winkler& FrOhel. Die mit jubelndem Beifall auf- genommene Sensattons-Posse Eine tolle Macht. Hauptrollen: Rich. Winkler u. Wilhelm Fröbcl. Dazu das einzig allein dastehende unübertteffliche Ieliruar-Vrogramm. Kunst- Spezialitäten ersten Ranges. Anfang 7l/z Uhr, Sonntags 6 Uhr. Entree 30 Pf. bis 1,°0 M. apoIIo-'Hieater. Carmencita FOnf Lorrisons. La belle DeTernois. Der Kinetograpst. Kasseneröffnung O'/z Uhr. Ans. Uhr. Montag, den 1. März 1897: neue Debüts- Viktoria-Brauerei LUtzow- Strasse III 112. DM- Heute-MW sowie leden Freitag u. Montag: Stettins Sänger (Mehsel. Pietro. Britto», Steidl, Krone, Röhl und Schräder). Anfang 8 Uhr. Eutree 50 Pf. Vorverkauf 40 Pf.(stehe Plakate). Zum Schluß: Finke's Schelmenstreiche. DM- Der diesjährige 8tettlner Sänger• Ball findet am Mittwoch, 3. März, in den G e s a m m t r ä u m e n der Viktoria-Brauerei statt. I.nm|ie-6ntZ|)Ie> Parodie-Theater Oranienstr. 52. Freitag, den 26./2.: Zun» letzten Male: Sehloss Greifcnsteln. Sonnabend und Sonntag: Zum letzten Male im Parodie-Theater Auf stürmisches Verlangen: Fi» ml, von Falkenstein, die eingemauerte Nonne. f- Montag, den 1. März:-MW Zul Americiln- Theater, Dresdenerstr. 55, «um Johann Mckler, der Tchinderhannes. I. Male: Kauftnann's Variete. Königstraße— Kolonnaden. Das hochkomische Februar-Programm! Tom Belllne. Black nnd White. Brothers Atlessy. Fdl Blum. Patty. Geschwister D'Elvert. Helene nnd Emllon. Geschwister Corelly. ISP 25 Aite-Nunmern. Anfang 7«/» Uhr. 9). 4!, I Sonnabend, 27. Febr.: Mllj! gm"»enestz für Fdl Blnm. Passe-partouts haben dielen Tag keine Giltigkeit. Welt- Restaurant Variete- nnd Spezialitäten- Theater. Dresdenerstrafte 97. Novität! Novität! Novität! Das tailzeilde Berlin. Im vorderen Saal täglich: Hlinstler-Frel-Honzert. Anfang:|«ntree: Wochent. 7Vi Uhr. Wochentags 20 Pf. Sonntags 6 Uhr.| Sonntags 30 Pf. Alcazar Variete-Theater I. Ranges. Dresdenerstr. 52/53(City-Passage) Annenstr. 42/43. Art. Leiter: Kapell»,. Martin Stein. Neue Küastler. Nächtliches Abenteuer. Anfang: Sonnt. 6 Uhr, Wochent. 8 Uhr Freitarten in der Woche giltig. Entree 30 Pf. Die Direktion. z. Kur garant. rein aus friichen Früchten n. Vorschr. d. Reichs- Ges.-Aintes ä Fl. 1, 2 u. 3 M. exkl. tägl. frische Füllung, ärztl. emps. gegen Gicht. Rheuma, Gallen- u. Blasensteinc. wirkt wohlth. auf Magen u. Darm u. dürfte in keiner Familie fehlen. pm- Verl. Sie ausdrücklich-ML Tröitrsch'oCitronenogft mit Plombenverschl. H. T. in folg. Niederlagen: Drogerie. Hackescher Markt 2, Chaussee- straße 60, Badslraße 28, Schön- hauser Allee 177 o, Gr. Frank- surterstr. 69, Alt-Moabit 122 und Zchurmstr. 77, sowie bei Herrn C. Ritzniann, Kottbuser- straße 19, E. Petzold. 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Die OrtSverwaltung d. deutschen Holzarbeiterverbandes(Berlin). Einen Bürstenmacher(Bohrer) verlangt V. Vlestenz, 23b«ckerstraße 132, 6, Hof, 2 Tr. Tüchtige Farbigmacher auf Ta- petenleisten sofort verlangt 3ib Earl Röhlich, Beuthstr. S. RerantworUicher Redakteur: August Jaeobry i» Berlin. Kür den Juserateutheil verantwortlich: Th. Glocke iu Berlin,»ruck und Verlag von Mar Babing in Berlin.