Nv. 50. Abonntmeitts- Bedingungen: Abonnenient«-Pret» pränumerando: ÜZrerteliShrl. SL0 Ml., monatl. l.lOMI., wöchentlich 28 Pfg. frei Inj Haus. Sittjelne Nummer 5 Pfg. Sonntags- Nummer mit tllustrirter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 33Ö Marl pro Quartal. Eingetragen tn der Post- ZeitungS- Preisliste fiir 1097 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für daS übrige Ausland S Mark pro Monat. Erscheint täglich ausirr Wonlng». Verltner VolKsblakt. 14. Jahrg. Die Insertions-Aebllhr beträgt für die sechSgefpallene kolonel- zetle oder deren Raum so Pfg., für verein»- und verfammlungS-Anzeige», sowie ArbeilSmartt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittag» in der Erpedttio» abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtage» bis S Uhr oormillag» geöffnet. Zerusprrcher! Snrl I, Nr. lSOS. Tslegramm- Adresse: ,,Soi>aldeiiiokr«t Berlin". Dentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschtands. Redaktion: SW. 19, Meuly-Straße 2. Sonntag, den 28. Fedrnar 1807'. Spedition: SW. 19, Ueufy-Slr.che 3. AltoWemellts-EiilladNg. Ai» 1. März eröffnen wir ein neues Abonnement auf den ,.Vor»oärks" tuit der illustrirten Sonutags-Beilage „Die ueile Welt". Die Aeiidernngen, die wir seit dem 1. Januar eingeführt haben, erfreuen sich des lebhaftesten Beifalls unseres Leserkreises. Unsere Literarische«. Nolkswirthschaftliche Rundschau tverden allgemein als bedeutungsvolle Bereicherllug des In- Halts ullseres Blattes angesehen. Dilrch unsere ttuterhaltuugs-Bcilage ist dem Unterhaltungsbedürsnih unserer Leser und Leserinneil in reichstem Mäste Rechnung getragen worden. Den im Febrnar von uns veröffentlichten Theil des aus gezeichneten Romans dvv Uehke von Peter Rosegger liefern wir neu eintretenden Abonnenten auf Wunsch nach. Für Berlin nehmen sämmtliche Zeitnngsspediteure sowie unsere Expedition, Benthstr. 3, Bestellungen entgegen zum monatlichen Preise von- I Mark I« Pfennige frei ins Hans. Für austerhalb nehmen sänimtliche Postanstalten Abonne ments zilin Preise von I,tv M. für den Monat März entgegen.(Eingetragen in der Post-Zeitungsliste für 1897 unter Nummer 7437.) Redaktion u. Expedition des„Vorwärts". Z)ttkviotism»ts uud Votjttlikiit. Zwei schöne Worte das,— Worte, welche zu Zeiten das Herz hoch schlageil ließen und edles Denken und Fühlen er- weckte». Der französische Bauer, der vor hundertnndfünf Jahren unter die Fahne eilte, um daS Vaterland der Revo lntion gegen die fremden Bundesgenossen des landes verrätherischen Königs zu vertheidigen, war stolz auf den Namen Patriot; und wenn er sang: Alourlr pour la patriv, G est le sort le plus beau le plus digne d'envia Fnr's Baterland zu sterben, Ist das schönste und erhabenste Laos, dann bedeutete ihm das Vaterland, für das er sein Blut zu vergießen bereit war, die Abschaffung der Leibcigensche die politische Gleichberechtigilng, die Befreiung von Druck und Elend. Die schönen Ideale haben sich nicht erfüllt, wenigstens nicht in der Hauptsache, allem dem»Patriot", der dem Vater- land im Liede' das Leben anbot, war es ernst mit der Vaterlands- liebe, in der sich all sein Hoffen und Streben zusammen- drängte— lind Millionen haben aus dem Altar des Vater- landeS ihr Blut hingegeben— als Patrioten. Wer steht nicht bewundernd vor solchem Patriotismus? Und Loyalität! Das Wort, welches eigentlich Ge setzlichkeit, Gesetzcslicbe heißt, spielte zuerst eine geschichtliche Rolle in der englische n Revolution. Die Stuarts, jenes Geschlecht, das sich für ewige Zeiten von Gott auf den Thron Englands berufen glaubte, ivar durch englisches Volks- und Landesgesetz des Thrones für verlustig erklärt worden. Jene Herren kümmerten sich jedoch nicht um das Volks- und Landcsgesetz; sie ivollten die Verfassung umstürzell und ihr vmotlctes Regiment, sanunt allem alten und faulen Plunder mit Feuer und Sdiivert wieder aufrichten. In jenen Zeiten des Kampfes der bürgerlichen Gesetzlich- keit gegen die gesctz- und vaterlandslosen Unisturz- bcstrebunge» des englischen Gottesgnadenthums bekam das Wort Loyalität einen ebenso guten Klang, wie ein Jahr- hundert später das Wort Patriotismus. Wie dieser be- deutete es die Errungenschaften der Revolution, Freiheit und Fortschritt. Es ist deshalb sehr un- glücklich, wenn ein konservatives Blatt lins jetzt, wo man den hundertsten Geburtstag des vorletzten Königs von Preußen und ersten deutschen Kaisers zu einem nationalen Festtag erheben will,— die Loyalität und den Patriotismus der Eng- ländcr vorhält, bei deneil es ein volles Jahrhundert lang Sitte g-ioesen sei, jeden, der dem konstitutionellen Monarchen seine Huldigung verweigerte, als nnpatriotisch und unloyal. gesellschaftlich zu ächten. Ganz richtig ist das zwar nicht; denn es war doch nur ein kleiner Theil des englischen Volkes, freilich ein sehr einflußreicher, bei dem diese Sitte vorherrschte; und es fällt uns auch sicher- lich nicht ein, diese Sitte vertheidigen zu wollen. Thatsache ist aber, daß sich damals in der Loyalität und dem Patriotis- "ins, roh und intolerant wie diese Gefühle sich äußerten, die Liebe zur Freiheit, die Hingebung an die -ll.e v o l u t i o n ausdrückte, welche das Land von dem elenden Pfaffe»-. Junker- und Polizeiregiment der Stuarts erlöst hatte. Wie steht es dagegen heute mit der Loyalität und dem Patriotis»ins, die M den hilndertsten Geburtstag des vor- vorigen Beherrschers von Preußen und Deutschland angerufen lieber die Feier selbst und deren geschichtliche und politische Berechtigung wollen wir uns hier nicht des näheren auslassen. Die Persönlichkeit des zu Feiernden gehört der Geschichte an. Es ist bekannt, ivelche Rolle der„Prinz von Preußen" ini Jahre 1848 gespielt hat und wie damals der Volkszorn, besonders nach den Vorfällen des 13. März, sich gerade gegen ihn richtete. Aus der Geschichte wissen wir, daß der Prinz von Preußen 1849 in Baden gegen die Ver- theidiger der Reichsverfassung kämpfte, und daß infolge dieser Kämpfe Dutzende, die in idealer Begeisterung für die deutsche Freiheit und Einheit gesochten, als Rebellen stand- rechtlich erschossen wurden. Wir wissen, durch wcld)' seltsame Verwickelung der Dinge der Priuz-Regent in einen Gegensatz zu der herrschsüchtigen, in die Befugnisse des Mouarcheil ein- greifenden Junkerkliqne vor seiner Thronbesteigung kam. Wir wissen, daß unter König Wilhelm durch die Armeercorganisation der preußische Verfassungskonflikt ausbrach. Es ist bekannt und aus einer Reihe von verbürgteil Aellßerungen des Fürsten Bismarck, sowie aus den Anfzeich- nnngen des verstorbenen Kaisers Friedrich in seinem Tagebuch geht dies unzweifelhaft hervor, daß Kaiser Wilhelm erst nach und»ach dem Gedanken der Reichsgründung näher gebracht wurde. Was das Reich dein arbeitenden Volke gebracht hat, wissen wir alle. Die Bismarck'sche Politik mit dem Kulturkampf, dem Sozialistengesetz und der Aera Stieber- Krüger, daneben das Linsengericht der Sozialreform, dessen geringe Wirknngeil aber de» Arbeitern durch ungezählte Verfolgilngen und Maß- regeliingeu bei Wahrnehmung ihrer berechtigten Interessen vergällt wird. Also das ist das geschichtliche Bild der Persönlichkeit des Monarchen, dessen hundertster Geburtstag als nationaler Fest- tag begangen ivcrden soll. Und nun betrachten ivir uns die Loyalität und den Patrio- tismus, an welche für die geplante Feier appellirt wird. Worte sind nichts— und je schöner die Worte, desto mehr werden sie nußbrancht. Was Worte bedeuten, sieht man erst, ivenn man sich die Leute betrachtet, ivelche die Worte im Mund führen. Wer sind sie, welche sich für diese„Natioualfeier" im Namen der Loyalität und des Patriotismus so besonders engagiren? Wenn wir von den Behörden absehen, deren politisches Pro- gramm, so schwankend und zickzackmäßig es sein mag, doch gewiß kein steiheitliches und kein fortschrittliches ist, so sind es in erster Linie die r e a k t i o n ä r st e n, der Freiheit und dem Fortschritt feindlichsten Elemente in Deutsch- land. Geschäftspolitiker, jeden Augenblick bereit, die Monarchie ohne Brotvertheuerung der Republik mit dem Antrag Kanitz zu opfern; Mammonsdiener, die von zwei Geldsacks-Republiken: Frankreich und den Vereinigten Staaten das Recht der Falsch- münzerei erbetteln;„treue Bassallen", die, tvenn ihre Jnter- essen in Frage kamen, noch nie angestanden sind, gegen ihren Souverän frech zu konspirire». Von keiner Partei oder Parteigruppe, die einen irgend- wie volksthümlichen Charakter hat, weder von dem Zentrum, noch von den verschiedenen freisinnigen und bürgerlich-demo- kratischen Fraktionen, noch endlich von der Sozialdemokratie ist der Gedanke der Hundertjahrfeier ausgegangen oder wird er besonders befürwortet. Ein Umstand, der für sich allein genügt, um das Nichtzutreffende des Titels: National feier zu zeigen, denn die genannten Parteien und Fraktionen ver- treten die weitaus größere Hälfte des deutschen Volkes. Daß diejenigen, welche bei der Reichsgründung des Winters 1870/71, unbekümmert um die nationalen Interessen und ohne Rücksicht emf dieselben ihre Rechnung gesunde» haben, ein Gedächtnißscst feiern, das siuden wir natürlich, und wir sind die letzten, ihnen das zu verargen. Nur sollen sie nicht verlangen, daß auch die mitmachen, denen die Reichsgründung in ihren Folgen auch viel Uebles gebracht hat. Und das verlangen die Parteien, die sich an die Spitze der Agitation für die Hundertjahr-Feier gestellt habe». Sie fordern es nicht naiv, nicht aus unbewußter Rücksichtslosigkeit, sondern in der berechneten Absicht, die Majorität des deutschen Volkes vor ihre» eigenen: den Reaktiv nskarren zu spannen. Im Laufe des Winters schrieb uns ein Freund, der Ge- legenheit hat, einen Blick in den Hexenkessel der junkerlich- reaktionären Vorder- und Hintermänner zu werfen: „Warnen Sie die Partei vor den Iben des März! Die Jden kommen in diesem Jahr einige Tage später— ain 22. März statt am 16. Desto größer der Schlag, der geplant wird. Das Sedan- Jubiläum war nur ein kleiner Vorgeschmack!" Wir wußten, daß unser Gewährsmann recht hatte. Die denunziatorisch-hetzerische Sprache der meisten auf die Zentenar- (Hundertjahr-) Feier bezüglichen Preßkundgebungen sind unmög- lich mißzuverstehen. Und wenn heute schon Sozialdemokraten, die ihre von der landläufigen abweichende Meinung über die Reichsgründung aussprechen, von der Redner- biihne herab verhaftet werden, so können wir uns un- efahr vorstellen, was die reaktionäre Preßmente, die nr die Hundertjahr-Feier am hitzigsten arbeitet, im Schild führt und über uns verhängen möchte, wenn es ihr gelänge, den Sinn des Volkes zu ver- wirren, ihre freihcitsfeindlichen Ziele in Forderunge» der Loyalität und des Patriotismus umzufälschen, und jeden, der nicht einstimmt, zu einem Vaterlandsverräther zu stempeln. Ein Fest der Loyalität und des Patriotismus das heißt in dem Munde dieser unsauberen und rückständigen Organe eine Orgie der Servilität, des Strebcrthnms, der Rohheit und der Unterdrücknngssucht. Sehen wir doch, welche Hoffnungen diese reaktionäre Presse bereits aus der Tischrede, die der deutsche Kaiser vor- gestern auf dem Fest des Brandenburger Provinzial-Land- tages gehalten, geschöpft hat. Ja, wir warnen vor den Jden des März! Hinter der loyal- patriotischen Preß-Rcklame für die Hnndertjahr-Feier verbirgt sich eine neue Hätz gegen die Sozialdemokratie, gegen die Preßfreiheit und gegen das allgemeine Wahlrecht. Eine Ver- schwörung der sämmtlichen Parteien des U m st u r z e s von oben. Mögen die Genossen anf der Hut sein vor D e» u n- z i a t i o n e n! Auf Diajestätsbeleidigungen wird förmlich ge- lauert. Jedes unüberlegte Wort kann zu einer schweren An- klage benutzt werden. Die dentschc Sozialdemokratie aber wird die unter dem Deckmantel der Loyalität und des Patriotismus geplanten Attentate anf die heilig st en Rechte des Volke zu vereiteln wissen. Nieder mit d e in Umsturz und den Umstürzlern! polikische Aebcvstchk. Berlin, 27. Febrnar 1db7. Tie Kaiserrede auf dem Abschiedsdiner des Branden- bnrgischen Provinzial-Landtages konnten ivir gestern nur in dem letzten, freilich für unsere Leser interessantesten Thcile und auch nicht in der ganzen Auflage des Blattes zum Abdruck bringen. Die Rede ist so bedeutsam für die ganze Denkweise des Kaisers, daß wir sie nach dem Texte des„Reichs-Anzeiger" vollinhaltlich wiedergebe». Nach einer Huldignngsansprache des Oberpräsidenten Dr. v. Achenbach ergriff der Kaiser zu folgendem Trinksprnch das Wort: In herrlichein, bilderreichen Schwung hat soeben der Herr Oberpräsident in Ihrem Namen Ihre Huldigung mir entgegen- gebracht, und kann ich nur von ganzem Herzen und tiefgcrührt dafür danken. Ich komme eben ans der alten niärkischen Haide, wo ich um- rauscht war von den alten märkischen Kiesern und Eichen, zu ihrem lebendigen Ebenbild, zu den märkischen Männern, und ich srene mich, wieder ein paar Stunden unter Ihnen zubringen zu können; denn der Verkehr mit den Söhnen der Mark ist für mich stets wie ein neubelebender Trank. Was die märkischen Eid)en und Kiesern mir vorgerauscht haben, das hat in sinniger Weise soeben der Herr Oberpräsidenl erwähnt. Mit hohem Rechte haben Sie speziell meines hochseligen Herrn Großvaters erwähnt, mein lieber Achenbach. Unser heutiges Fest, wie auch die ganze Zeit, stehen sie doch schon unter dem aufgehenden Frühroth deS au- brechenden Morgens, des hundertjährigen Geburtstages dieses hohen Herrn. Da wird der Blick eines jeden von Ihnen zurnckschweiscn in die Vergangenheit. Denken wir zurück in der Geschichte: Was ist das alte Deutsche Reich gewesen! Wie haben so oft einzelne Theile desselben gestrebt und gearbeitet zusammenzukommen zu einem einzigen Ganzen, um theilS für das große Ganze ersprießlich zu wirken, lheils um den Schuh des gesammten Staats gegen äußere Eingriffe zu ermöglichen. Es ist nicht gegangen: Das alte Deutsche Reich wurde verfolgt von außen, von seinen Nachbarn und von innen durch seine Parteinngen. Der einzige, dem es gelang, gewissermaßen das Land einmal zu- sammenznfasscn, das war der Kaiser Friedrich Barbarossa. Ihm dankt das deutsche Volk noch heute dafür. Seit der Zeit verfiel unser Vaterland, und es schien, als ob niemals der Mann kommen sollte, der im stände wäre, dasselbe wieder zusammenznsüge». Die Vorsehung schuf sich dieses Instrument und suchte sich aus den Herrn, den wir als den e r st e n großen Kaiser des neuen Deutschen Reiches begrüßen konnten. Wir können ihn ver- solgen, wie er langsam heranreiste von der schweren Zeit der Prüfung bis zu dem Zeitpunkt, wo er als fertiger Mann, dem Greisenalter nahe, zur Arbeit berufen wurde, sich Jahre lang auf seinen Beruf vorbereitend, die großcn Gedanken bereits in seinem Haupte fertig, die e S ihm er- möglichen sollten, das Reich wieder e r st e h e n zu lassen. Wir sehen, wie er zuerst sein Heer stellt aus den ding- haften Bauernsöhnen seiner Provinzen, sie znsauunenreiht zu einer kräftigen, waffenglänzenden Schaar; wir sehen, wie es ihm gelingt, mit dem Heer allmülig eine Vormacht in Deutschland zu werden und Brandenburg-Preußen an die führende Stelle zu sehen. Und als dies erreicht war, kam der Moment, wo er da-Z gesammte Vaterland aufrief und auf Gegner Einigung herbeiführte. Meine hohe Herr im Mittelalter er wäre heilig gesprochen, aus allen Ländern wären hingezogen, um än s einen Gebeinen Gebete zu verrichten. Gott fei Dank, das ist auch heute noch so! Seines Grabes Thür steht offen, alltäglich wandern die treuen Unlertha�.en dahin und führen ihre Kinder hin, Fremde gehen hin, um sich des Anblicks dieses Herr- lichen Greises und seiner Standbilder zu erfreuen. Wir aber, meine Herren, werden besonders stolz sein auf diesen en Mann, diesen großen Herrn, da er ein Sohn der Mark war. Daß Gott sich einen Marler ausgesucht hat, das muß etwas besonderes bedeuten, und ich hoffe, daß es der Mark vorhehalten sein wird, auch fernerhin für des Reiches Wohl zu sorgen. Zusammen- gefügt wie eins ist das Hohenzoller'sche Haus und die Mark, und aus der Mark stammen und in der Mark wurzeln die Fäden unserer Kraft und unseres Wirkens. So lauge der märkische Bauer noch zu uns steht und wir dessen gewiß sein können, daß die Mark unsere» dem Schlachtfeld der Herren, wenn der gelebt hätte, und P i l g e r z ti g e Shbeil«»tgegenkommt und UN- hilft, wird kein Hohenzoller an seiner Äufgabe verzweifeln. Sckiver genug ist sie, und schwer wird sie ihm geuiachl: Ich meine eine Aufgabe für uns alle, mögen wir fem, wer und wo wir wollen. Z» dieser Aufgabe ruft uns das Andenken n» Kaiser Wilhelm den Großen, und in dieser wollen wir uns um ihn, un> sein Andenken schaaren, wie die Spanier einst um den alten Cid. Diese Ausgabe, die uns allen aufgebürdet wird, die wir ihm gegenüber verpflichtet sind zu übernehmen, ist der Kamp gegen d e n N in st n r z»> i t a I l e n M i t t e l n, die uns zu Gebote stehen. Diejenige Partei, die es wagt, die staat- l i ch e n Grundlagen anzugreisen, die gegen die Jieligion s l ch erhebt und selbst nicht vor derPerson des allerhöchsten Herrn Halt macht, ,»usi überwiiiideu werde». Ich werde mich freuen, jedes Mannes Hand in der nieinen zu wissen, sei er Arbeiter, Fürst oder Herr— wenn mir nur geholfen wird i» diesem Gefechte! Und das Gefecht können wir nur siegreich durchführe», wenn wir uns immerdar des Mannes erinnern, dem wir unser Vaterland, das Deutsche Reich verdanken, in dessen Näh« durch Gottes Fügung so mancher brave, tüchtige Rathgeber ivar, der die Ehre hatte, seine Gedanken ausführen zu dürfen, die aber alle Werkzeuge seines erhabenen Möllens waren, erfüllt von dem Geiste dieses erhabenen Kaisers. Dann werden wir richtig wirken und im Kampfe nichl nachlassen, um unser Land von d i e s e r K r a n k h e i l z u b e f r e i e n, d i e n i ch t n u r unser Volk durchseucht, sondern auch das Familien' leben, vor allen Dingen aber das heilig st e, was wir Deutsche lennen, die Stellung der Frau zu er- schütter n trachtet. Co hoffe ich ineine Märker um mich zu sehen, wenn sich die Flammenzeichen enthüllen, und in diesem Sinne rufe ich: Die Mark, die Märker. Hurrah! Hurrah! Hurrah!— Im preußische« Abgeordnetenhause setzten die Agrarier heute bei der Berathnng des Etats der landwirthschastlichen Verwaltung ihre geivohnten Klagen fort. Wenn man aber den Ton, den die Herren in diesem Jahre anschlagen, mit dem der Vorjahre vergleicht, so muß man zu der Ueberzeugung kommen, daß sie entweder selbst die Undurchfnhrbarkeit eines großen Theils ihrer Forderungen eingesehen haben, oder aber— was wahrscheinlicher ist—, daß sie die Gewißheit erlangt haben, die Regierung werde»iber kurz oder lang ihnen in noch höherem Maße zu Hilfe kommen, als bisher. Die Hanptrnfcr im Streit waren heute die Abgg. Gra Kanitz, v. Plötz und v. Kardorff, die sich alle drei über die Stellung des Bundes der Land- wirthe zum Antrag Kanitz äußerten. Graf Kanitz führte ans, er habe selbst seinen Freunden gerathen, seinen Antrag nicht wieder einzubringen, weil das Endergebniß doch dasselbe wäre, wie im Vorjahre; aber der Antrag werde noch eine Rolle spielen, wenn nicht schon im nächsten Jahre im Reichstage, so doch sicher bei den nächsten Reichstags-Wahlen, »nd v. Plötz betonte, der Bund der Landwirthe werde den Antrag nicht eher bei seite werfen, als bis die Regierung etwas Besseres gefunden habe. Hierbei passirte dem Redner ein kleines Unglück, er bezeichnete den Bund der Landwirthe als einen politischen Verein, der aus die Wahlen Einfluß ans- üben wolle, im Gegensatz zu der deutschen Landwirthschasts- Gesellschaft, die sich nicht mit Politik befaßt. Bisher haben die Herren vom Bunde der Landwirthe sich bekanntlich stets dagegen verwahrt, daß ihr Verein als ein politischer betrachtet wird; ob wohl jetzt nach diesem Zugeständniß ihres Oberhauptes die Bestimmung des§ 18 des preußischen Vereins- yesetzes auch auf den Bund der Landwirthe Anwendung finden wird? Abg. v. K a r d o r f f erblickte in dem Antrag Kanitz sogar ein System, daS nach Ablauf der Handelsverträge an die Stelle des Zollsystems treten soll. Natürlich verbreitete er sich auch des längeren über sein Lieblingsthema, die Währungsfrage, ohne aber etwas Neues vorzubringe». Neu war höchstens seine Entdeckung, daß der hypernationale Professor Weber in Heidelberg Sozialist sei. Einen breiten Raum in der Debatte nahmen die Erörte- rungen über das Börsengesetz ein, bei welcher Gelegenheit die Abgg. R i ck e r t und G o t h e i n für die Interessen des Kausinannsstandes eintraten; namentlich der letztere sagte den Agrariern manche bittere Wahrheit. Den geschmacklosen Ver- gleich des Antrags Kanitz mit dem ehernen Lohngesetz hätte erI sich«freilich ersparen können, denn was soll es heißen, daß es den Agrariern mit dem Antrag Kanitz ebenso gehen würde, wie es den Sozial- demokraten mit dem ehernen Lohngesetz gegange» sei, das sie schließlich zum alten Eisen geworfen hätten? Ist es Herrn Gothein nicht bekannt, daß ein wissenschaftlicher Lehrsatz, auch wenn er sich nicht als richtig erweist, etwas ganz anderes ist, als ein zu selbstsüchtigen jZwecken� eingebrachter Antrag? Im übrigen bot die Debatte nichts Bemerkenswerthes. Die Berathung wird erst in einigen Tagen fortgesetzt. Am Montag stehen kleinere Vorlagen und die Interpellationen be- treffend den Zoll auf Quebrachoholz und betreffend die Hand- werker-Vorlage auf der Tagesordnung.— Etwas Wahlstatistik. In der Provinz Branden- bürg waren am Ib. Juni 1393 956 519 Wahlberechtigte. giltige Stimmen wurden 691 146 abgegeben, hiervon waren 183,467 deusch« konservativ, 20 992 freikonservativ, 13 236 nationalliberal, also 217 745 waren sogenannte Kartell- stimmen, rechnet man noch die 47 084 antisemitische dazu, so erhält man 264 829 sogenannte reichstreue Stimmen, ja wenn man selbst die 18 757 für die Freisinnige Vereinigung und die 4915 für das Zentrum abgegebenen Stimmen hinzurechnet, so ergiebt dies erst 288 501 Stimmen, also nicht viel mehr als zwei Fünftel der in der Provinz abgegebenen Stimmen. diesen stehen gegenüber 278 974, also fast ebenso viele sozialdemokratische Stimmen. Außerdem wurden 119 836 Stimmen für die freisinnige Volkspartei abgegeben. Lehrreiche Zahlen!— Anläßlich der Brüsewiq- Debatte im Reichstag brachten wir in Nr. 4L vom IS. Februar d. I». eine Notiz, zu der unS das Generalkomniando des ersten Armeekorps«ine Be- richligung sendet, in der eS heißt: Die Angabe, daß der Oberst und Kommandeur des 33. In« fanterie-Regiments Putzki seinerzeit bei dem Vorfall, betreffend die Tödtung eines Hausknechts, betheiligt gewesen sei, ist unrichtig. Der betreffende Lieutenant Putzki ist nach seiner Veruriheilung nie wieder in die Armee zurückgelre'en und längst verstorben. Oberst Putzki in Gumbinnen steht in keinem Zusammenhang mit dem Magdeburger Vorfall. Die kreteusische Frage ist seit gestern eher verwirrter als klarer geworden. Aus Athen wird telegraphirt: Bis jetzt ist hier noch keiirerlei Kollektiv-Note der Mächte über- geben worden. AuS der hier vorherrfcheiiden Eilmmung geht hervor, die Autonomie Kreta s werde als«ine unaniiehmbaresLSsung angesehen, die nicht geeignet wäre, der Insel den Frieden zu geben, wo die Anwesenheit türkischer Truppen ein Element beständiger Unruhen bilden würde. Da die Türkei mit starken Truppenziisaminenziehungen an der Grenze vorgehe, sei Griechenland entschlossen, die nolh» wendigen Maßnahmen zu ergreifen, um jedem Angriff« vorzubeugen. LS Teputirte der Mehrheit kündigen eine Bersaminlung an, in welcher ein Beschluß gefaßt werden soll, bei ver Regierung vorstellig zu werden, daß dieselbe auf der Politik des Widerstandes beharre. Die Ausschiffung von Lebensmitteln nimmt in Plalania mit Er- laubniß der Admirale, die sich nach Suva begeben haben, ihren Ansang. In Kanea äscherten Türken das Regierungsgebände deshalb ein, um die von Bero.vitsch Pascha zurückgelassenen kompromiltirenden Schriften zu vernichten. Aus Kreta selbst liegen folgende Mittheilungen vor: In der Stadt herrscht Ruhe. Ein Theil der Kriegsschiffe be- giebt sich in die Sudabai. Die Kämpfe im Innern Kretas dauern fort. Von dein Gouverneiir bewaffnele Türken, welche aus der Stadt Kandia gezogen waren, um einige stralegische Punkte zu besetzen, kamen zu einem Zusammenstoß mit Christen. Letzter« erlitten dabei schwere Verluste. Die Befehlehaber der im Hafen angekommenen Kriegsschiffe haben bei dem Gouverneur gegen die Verletzung des Waffenstillstandes Einspruch erhoben. »Daily News" meldet aus Kanea von gestern: Die Lage wird zunehmend kritisch. Außer den türkischen Truppen sind 6000 kampffähige Mohamedaner in der Stadl; diese sind sämmtlich schwer bewaffnet und durchziehen die Straßen unter Gewehr. Gegen dieses Element einer möglichen Gefahr sind seitens der Mächte weniger als LOO Mann gestellt. Ter„Eclair" meldet anS Kanea: Der griechische Dampfer „Thesens", der drei griechische Teputirre an Boro Halle, wurde von englischen Torpedobooten angehalten und nach der Suda- Bai ge- bracht. Die„Köln, Ztg." erhält ein Telegramm aus Kandia, wonach das Innere der Insel überall, mit Ausnahme des Bezirks Sefino, von griechischen Truppen besetzt sei. Die Insel sei durch zahlreiche Banden unter dem Befehl eines griechischen Artillerieosstziers eingeschloffen. Die Lage der mohamedanischen Bevölkerung sei traurig. Vor Kandia liegen drei Kriegsschiffe. In der Stadt ist es heute ruhig. Gestern fand ein Borpostengefecht statt. Aus K o n st a ii t i n o p e l liegen folgende Meldungen vor: Die„Köln. Ztg." meldet aus Konstantinopel: Tie Mobilmachungs- arbeiten der Armee werden energischer betrieben. In zehn Tagen hofft man, in Macedonicii eine Trnppeiimacht von 150 000 Mann haben zu können, denen 30 000 folgen sollen. Gegen Bulgarien sollen 80 000 und gegen Serbien 30 000 Mann Anfstelluiig nehmen. Die Sendungen von Geschützen, Mansergewehren und Munition nach Adrianopel dauern fort. Es ist beschlossen worden, die Einberufung und Einstellung der Rekruten des Jahrganges 1697 früher als sonst durchzuführen. Nach einer Meldung aus Janiua sind lOOOO Mann griechischer Truppen in Arla zusammengezogen. Die„Franks. Zig" berichtet aus Konstantiiiopel: Der Minister des Aeußern Tewfik Pascha, erklärte mehreren Diplomaten, der Sultan werde in 2—3 Tagen ein Jrade erlassen, durch welches Kreta Autonomie gewährt wird. Die türkischen Blätter veröffent- lichen noch immer Bulletins über türkische Rüstungen. Allein in eingeweihlen Kreisen wird erklärt, daß dieselben stark übertrieben und nur zur Beruhigung des Publikums bestimmt seien. Ueber die letzte Sitzung des ungarischen Ab- geordneten Hauses liegt folgende Meldung vor: Ministerpräsident Baron Bauffy beantwortete eine Interpellation des Abgeordneten Koffuth in betreff der Lage aus Kreta. Er erklärte zunächst die Befürchtung Kossuth's für unbegründet, daß auch Oesterreich-Ungarn infolge der kretensischen Berhältnisse in einen Krieg verwickelt werden würde. Er sei zwar weit davon entfernt, die Lage auf der Balkan-Halbinsel und besonders aus Kreta zu unterschätzen, er müsse jedoch erklären: die ganz entschieden be- stehenden friedlichen Absichten sämmtlicher Mächte seien offenkundig geworden und es könne demzufolge von einer Kriegsgefahr keine Rede lein. Des weiteren erklärte der Ministerpräsideiit, das Bestreben der Großmächte sei darauf gerichtet, daß der Konflikt unter allen Umständen beseitigt und aus Kreta eine Organisation geschaffen werde, welche die vollkommene Herstellung von Ordnung und Sicherheit ermögliche. Im Lause der Verhaiidliingen seien die Großmächte zu der einhelligen Uebereinkuust gelaugt, eine Annexion Kreia's durch Griechenland unter keinen Umständen zu gestalten. Die Insel müsse auch künstighin unter der Souveränität des Sultans verbleiben, bei Sicherung einer entsprechenden Autonomie. Jnsolge dieses einhelligen Entschlusses der Mächte sei auch zu hoffen, daß Griechenland seine Truppen von Kreta zurückziehen werde. Die Großmächte seien übrigen? ein- inüthia entschlossen. falls Griechenland sich weigern sollte, dem Wunsche der Großmächte zu entsprechen, solche Mittel anzu- wenden, welche vermöge ihres zwingenden Charakters Griechenland hierzu uöthigen werden. Die Großmächte seien in dieser Frage in voller Uebereinstimniuiig und seien geneigt, zur Durchführung dieser Vereinbariiiigeii auch Zwangsmittel anzuwenden. Ter Interpellant und das Haus nahinen die Antwort des Ministers zur Kiiuittiiß. Chronik der MajestiiiSbeleidigungö-Prozesse> Der Majeftäts- beleidigiiug war in der Sitzung der Zweiten Sttaftammer des Land- gerichlS Braunschweig unter Ausschluß der Oeffenllichkeit Gustav Kleinert in Bevern beschuldigt. Der Angeklagte halte zu Bevern in der Timmermann'schen Gastwirthschast den Prinzen Albrccht beleidigt. In Rücksicht darauf, daß er schon wegen des gleichen Vergehens bestrast worden ist, wurde aus 1 Jahr Sesäiignih erkannt. »» * Deutsches Reich. Alteuahr. 27. Februar. Amtliches Wahlergebnis Bei der heute im sechsten Landtags-Wahlbezirk des Regierungsbezirkes Koblenz stattgehablen Landtags-Ersatzwahl erhielt Redakteur Dr. Marcour tZentru m) 177 Sliminen. Ein Gegenkandidat war nicht anfgestelll, Dr. Marcour ist somit gewählt.— Dreöden, 26. Februar.(Eig. B-r.) Nachdem vor kurzer der polnische studentische B-rein Letharcha an der hiesigen technischen Hochschule um deswillen aufgelöst wurde. weil er sich nicht an Kaisers GeburtSlagsseier betheiligle, hat der Senat der Hochschule aus demselben Grunde die„russisch-lilerarikch- wiffenschaftliche Bereinigung" aufgelöst. Am Brett der Hochschul« ist als Grund der Auslösung augeführt:„weil die Bereiinguiig ohne ge- uügeude Entschuldigung vom KommerS zur Nachfeier des Geburls- lages des deutschen Kaisers fernblieb".— Ob denn auf diese Weise den Studenten die Liebe zu Kaiser und Vaterland beigebrachl wird?— Leipzig, 25. Februar.(Eig. 83«.) Die preußische Staats- retterei des Rektors der Berliner Universität macht bereits im Sachseulaude Schule. Der Uiiiversttälsrichter, wie der Rektor der Leipziger Universität verboten— natürlich ohne Angabe der Gründe einen Vortrag des stuck, zur. Pudor über das Ende des Hamburger hafeuarbeilerstreikes in der volkswirthschastlichen Abtheilung der Finkenschast. Das ist die vielbesungene und noch mehr angetoaftete akademische Freiheit! In Berlin allerdings würde man sich, da hier in der Sludenteiiscvaft doch eine etwas frischere Luft weht, bei dieser strikten Miindtodtmachlliig nicht beruhigen, allein Leipzig liegt nnn einmal im schönen Sachsen, dem klassischen Lande des krassesten Rückschritts und da wird man höchstens ein Dank- und Loblied singen, daß der Staat wieder einmal gerettet ist.— — Der antiseniitische sächsische LandtagS-Ab- geordnet« Schubert legte sein Mandat, wie aus Dresden gemeldet wird, nieder.-- — Di« weimarische Regierung kündigte den Lotterievertrag m i t S a ch s« n zum 1. Januar 1898. Da» mit ist die Frage der Errichtung einer eigenen Lotterie der thürin- gischen Staaten ihrer Lösung näher gerückt. Es kommt füglich aufs gleiche hinaus, ob der königlich sächsische oder der großherzoglich sächsisch- weimarische Lotterieteusel herum» geht, wenn damit nicht eine Looßvermehrung verbunden wäre.— Hamburg» 17. Februar.(Eig. Ber.) Die konservative Partei will bekanntlich im Reichstage einen Schutzzoll auf frische Heringe und Sprotten und die Erhöhung des Schutzzolles aus gesalzene Heringe von 3 Mark auf 10 Mark beantragen. Dagegen nahm am Freitag Abend in Hamburg eine Versammlung von etwa 200 Vertretern der Fischerei-Interessenten, Fischränchern, Importeuren u. f. w. entschieden Stellung. Sämintliche Redner machten darauf aufmerksani, daß nicht nur die in der Bersammliiiig vertretenen Jiileressenten hart dadurch getroffen würden, wenn der konservative Autraa Gesetz würde, sondern daß vor allein die Konsumenten getroffen würden, und zwar hier der klein« Mann, der der hauptsächlichste Konsument dieser Fischsorten sei. Im Jahre 1895 seien 1393 000 Tonnen gesalzene Heringe von England, Schweden, Norwegen u. s. w. importirt worden; salls der Zoll, wie beabsichiigt, erhöhl würde, hätten die deutschen Konsumenten zirka 10 000 000 M. Schutzzoll mehr zu tragen und der deutschen Fischerei würde dadurch in keiner Weise aufgeholfen, denn die iniporlirten Heringe würde die deutsche Fischerei niemals liefern können. Die Hamburger Handelskammer ließ durch ihren Sekretär Tr Gülschow der Versammlung mittheilen, daß sie ebensalls gegen den konservativen Antrag Stellung genommen habe. Da? gleiche hat das Allonaer Kommerzkollegium und die Lübecker Handelskammer gclhan. Die Versammelten nahmeil schließlich einstimmig folgende Resolution an:„Die Versammlung vo» Fischerei- Interessenten spricht sich energisch gegen ieden Zoll aus Fische aller Art im allgemeinen sowie aus frisch« Heringe und Sprotten»nd Zollerhöhung aus gesalzene Heringe im speziellen aus. Sie verwirft denselben als schwer schädigend für unsere Volks- ernährung und bestreitet, daß durch den Zoll der deutschen Fischerei irgend ein Vortheil entstehen kann. Die Versammlung erklärt einen solchen Zoll als den Ruin der zahlreichen Fisch-Mariiiiranstallen, Fischräuchereien und HeringShandlungen Nordwest-Deutschlands und bittet einen hohen Reichstag, die ans einen Zoll für Fische ab- zielenden Anträge abzulehnen. Einer kaiserlichen Regierung gegen- über spricht die Versammlung das Verlraneu auS, daß dieselbe der- artige, das Gemeinwohl schädigende Anträge bekämpfen wird." Es wurde schließlich beschlossen, eine rege Agitation gegen den kon- servativen Antrag in die Wege zu leite».— — Zur Haartracht der Gefangenen in Hessen. Für das Mainzer Gefängniß, ebenso sür die übrigen Gefängnisse und das Zuchthaus zu Marienschloß hat niinniehr das Ministerini)! entgegen den seitherigen Bestimmungen über die Haar- und Bart- tracht folgende Verfügung erlassen:„Die Gefangenen, mit Ausnahme der Zuchthaussträfliuge und derjenigen Gefängnißsträflinge, die sich nicht in deni Besitz der bürgerlichen Ehrenrechte befinden, dürfen zu ,» einer Umänderung der Haar- und Barttracht nur aus Gründen der Reinlichkeit und Schädlichkeit angehalten werden. Sechs Wochen vor der zu erwartenden Beendigung der Strafzeit kann den Ge- fangenen, die nicht in weitere Slrashaft von mehr als einmonatlicher Dauer oder in ein Arbeitshans zu verbringen sind, auf ihr Ver- langen Befreiung von de» die Veränderung der Haar» und Bart- tracht betreffenden Vorschriften gewährt werden." Immerhin ein Fortschritt in der Behandlung der Gefangenen. — Für Dr. PeterS treten eine Reihe rechtsstehender Blätter. darunter am eifrigsten die„Staatsbürger Zeitung" ein. Man will wohl den so tief im Ansehen des deutschen Volkes gesunkenen Peters um den geringen Rest seines Ansehens bringen.— Frankreich. Paris, 28. Februar. In der heutigen Kammersitzung standen mehrere Arbeitervorlagen aus der Tagesordnung, welche die unentgeltliche Stellenvermitlelung betrafen und von den Deputirten Coutant(Soz.), Mesureur(Rad.) und George? Bcrry (kons.) eingebracht waren. Der Abgeordnet« der Rechten, Gras de Bernis, beantragte die Verweisung an die Kommission, da die Kammer nicht vollzählig und infolgedessen nicht beschlußfähig sei. Er wurde unter hestigem Tumult aus der äußersten Linken von den Sozialisten Jourde, Gronssier und Carnaud bekämpft, welch letzterer nicht mit Unrecht erklärte, daß man nicht den Sozialisten Mangel an Eiser hinsichtlich des Besuchs der Sitzungen vorwerfen könne. Wenn die Slelleiivermiltekungssrage Herrn de BerniS nicht interessire, so sei dies doch bei Redner und seinen Freunden«in anderer Fall. (Beifall auf der äußersten Linken. Protest aus der Rechten. Herr de Bernis, der besonders heftig protestirt, wird vom Präsidenten Jsambert zur Ordnung mit Einschreiben in den Bericht gerufen, weshalb Lärm auf der Rechten.) Die Kammer verwarf mit 465 gegen 19 Siimmeii die Verweisung an die Kommission und trat in die Generaldebatte über die Vorlagen ein. Sozialist Eontant ergriff zunächst das Wort und erklärte, daß die privaten Stellen- vermilteliings-Bureaus Diebstahl an den Arbeitern seien. Als er einige näher bezeichnete, wandte der Präsident ein, daß Redner aus der Tribüne keine Anschuldigungen gegen Personen vorbringen dürfe, die sich nicht verlheidigen könnten. Contant erwiderte, er Halle es sür seine Pflicht, diese Bureaus öffeiillich zu brandmarken, die die reinsten Diebeshöhlen seien.-- PariS, 26. Februar. In der Kammer wurde die Debatte über die Interpellation B a i lla n t, betr. die Maßnahmen gegen» über der Arbeitslosigkeit, sortgesetzt. Nachdem noch niedrere Sozialisten gesprochen und reichhaltiges Material über diesen Gegenstand beigebracht, ergriff der Minister B o u ch e r das Wort, um die Welt durch Weisheiten, wie die Industrie stehe in hoher Blüthe und die Arbeitslosigkeit sei eine sozialistische Erfindung u. s. w. zu bereichern. Die herrschenden Parteien halten es eilig, eine Debatte zum Schluß zu bringen, bei der sie so unangenehme Wahrheiten zu hören bekomme», und so drückten sie einen Antrag auf Schluß der Debatte durch. Der Antrag unserer Genossen, eine Kommission von Gewerkschaftsmitgliedern und von Abgeordneten einzusetzen, welche Erhebungen über den Umfang der Arbeitslosigkeit anstellen soll, wurde abgelehnt. Dagegen wurde die Regierung aufgefordert. einen„offiziellen Bericht" über diesen Gegenstand abzu- fassen.— Wie solche ausfallen, weiß man ja auch in Deutschland. — Mordspatrioten von drüben. Die Abstimmung über die Interpellation Guesde, betreffend die Ausweisung Bebel's und Bueb's vom französischen Boden, die gegen 73 Stimmen zu ginisten der Regierung ausfiel, giebt der„Petite Rcpublique" Gelegenheit. daS seig« Verhalten eine« französischen Mordspatrioten im Jahr» 1S71 in Srtunnung zu bringen. ES heißt dort: „Daß sich nur 73 Stimmen fanden, welche die Ausweisung eines ManueS. der im Jahre 1871«S wagte, bei Gefahr jahrelanger Gefängnißstrafe zu gewärtigen, gegen die Annexion von Elsaß- Lothringen zu protestiren, wundert unS nicht von Leuten, deren Bäter schon im Angesicht des niedergetretenen Vaterlandes bereit waren, den Sieger zu umschmeicheln und mit ihm ge- meinsame Sache zu machen gegen das Volk von Paris. Die einzige Sorge der Eigenthümer, so heißt ei weiter, war nur dir um ihre Häuser. Typisch dafür ist«in Brief. den d«r Marquis de Chanaleilles, der sein« eigen« lieb« Person in Sicherheit gebracht hatte, an seinen Hausverwalter in Pari? schrieb, als die Kapitulation der Hauptstadl nahe bevorstand. Dort hieß es: „Sollte Paris kapituliren müssen und die Preußen dort einziehen, so gehen Sie sofort zu seiner.! Hoheit. dem Großherzog von Sachsen. Weimar, den meine Frau, die Marquis«, bei ihrem Aufenthalt in Deutsch- land bei der Herzogin von Orleans kennen zu lernen die Ehre hatte, und bitten ihn, in unserm PalaiS Wohnung zu nehmen oder einen General seines GesolgeS dort einzulogiren. Sie stellen ihm dann all« unsere großen Appartements, überhaupt das ganze Hotel zu sein« Verfügung und thuen alle?, waS Sie können, seinen Ausenthalt in unserem Haus« zu einem angenehmen zu machen."— Schwede«. Stockholm, 27. Februar. Die zweit» Kammer hat heute mit III gegen 96 Stimmen die Herabsetzun ab es Zolles auf ungeräuch»rteu Speck von»0 aus 10 Oer» genehmigt. Da die erste Kammer beschlossen hatte, diesen Zoll bei dem bis- heriflcn Satze zn belassen, wird die Angelegeuhelk durch eine ge» ai e i n s ch a s t l i ch e A b st i m m u n g beider Kammern zur Eni- scheidung gelangen.— Ruftsnnd. Petersburg, 27. Februar. Der Minister des Innern hat den Einzelverkanj derZeitunge»„Grashdanin" und„Swjet" oerboten.— Bulgarien. Sofia, 27. Februar. Der F i n a n z m i n i st e r hat der Eobrauje«inen Gesetzentwurf vorgelegt, durch welchen die Negierung ermächtigt wird, behufs Bezahlung der geplanten Eisen- bahn- und Hafenarbeiten'Schatzbonds bis zum Betrage von 20 Millionen auszugeben. Wahrscheinlich soll das Geld für Rüstungszivecke verwendet werden und nur die Furcht vor Reklamationen einiger Großmächte und der Türkei hat du oben milgetheilte Begründung der Anleihe veranlaßt.— Amerika. Rew-Dork, Mitte Februar.(Eig. Ber.) Die beiden auf Be- treibe» des Matrosen-BerbandeZ im Bundeskongreß eingebrachten Vorlagen aus Aenderung des SchifffahrtSgesetzes, die in der vorigen Session vom Repräsentantenhaus angenommen, aber vom Senat liegen gelassen worden waren, sind, wie schon mit- gethcilt, in letzterem zwar wieder aufgetaucht, aber von der be- treffenden Kommission mit Abänderungsantragen versehen worden, welche das bestehende Gesetz gar noch verschlechterten und u. a. die vor zwei Jahre» abgeschaffte Prügelstrase wieder einschmuggeln sollten. Diese Amendements wurden indessen abgelehnt, aber seitdem kam die Angelegenheit nicht mehr zur Vorlage. Auch in de»„Populistenstaaten" behandelt man die Forderungen der Arbeiter mit derselben Mißachtung. Unser Partei- Organ in Sheboygan, Wisconsin, druckte kürzlich das Schreiben eines Genossen ab, welcher von dort nach Kolorado übersiedelt war, wo er Be- schästigung zu finden hofft«, aber nicht gleich kand und die unfreiwillig« Mußezeit dazu benutzte, die Sitzungen der Legislatur zu besuchen.(Das Unterhaus derselben besteht in seiner großen Ma- jorität auö Populisten, während dieselbe im Senat aus ihnen und den Silberdemokraten gebildet wird.) Er faßte sein« Beobachtungen dahin zusammen, daß die Arbeitervorlagen, so wie sie vorkommen, abgeschlachtet werde» und daß die„Pops" sich dabei besonders bcrvorthun. Das Gewerkschaftsblatt„Jndustrial Advocate" in Denver schreibt, daß Arbeitervorlagen mit Spott und Verachtung behandelt werde». So stimmte das Unterhaus eine vorlag« zur Negulinuig der Kinderarbeit nach kurzer Debatte nieder. Ali an demselben Tage eine ziveite von den Arbeiter-Organisationen geforderte Maßnahm« aufgerufen wurde, prolestirte einer der„Volks- Vertreter" gegen Vergeudung der Zeit mit einer solchen Vorlage und beantragte ihre sofortige Ablehnung, die denn auch beschloffe» wurde. Und das sind die„natürlichen Bundesgenossen" der Ar- beiter, alS welche sie immer noch selbst von«ineiu(freilich immer dümmer werdenden) Theil unserer eigenen Genossen un Westen betrachtet werden!— Siehe auch Korrespondenzen in der 2. Beilage. Z�avlatnenksrisrfjes. Im Hcrrenhause ist die nächste Plenarsitzung auf de» 20. Marz anberaumt worden. Auf der Tagesordnung sollen stehen Petitionen, Eisenbahn-Rechenschastsberichte und der vom Abgeord- nctenhanse herübergekommene Gesetzentwurs betreffend einige jagd- rechtliche Bestimmungen. Sollte noch weiteres Berathungsmaterial sich bis dahin ansammeln, so würde bereits am 19. März eine Plenarsitzung angesetzt werden.— Der„alte Leßuer", einer der Gründer des Kommiinisten- bnndes und eines der Opfer des Kölner Kommunistenprozesses, der manchem unserer Genossen vom Kölner Parteitag und vom Londoner Jiilernationalen Kongreß persönlich bekannt, feierte am 27. Februar in L o» d o n seine» 72. Geburtstag und das d0 jährige Jubiläum seiner Mitgliedschaft im dortigen Kommunistischen Arbeiterbildnngs« verein. Möge er die rüstige Kraft, die ihm trotz so mancher U»- bilden des Schicksals geblieben ist, noch lange behalten— zum Wohl der Partei! Ein herzlicher Glückwunsch ihm aus Deutschland! Bei der Schulvorstaudowahl in dem hannöverschen Dorfe Achim bei Bremen wurden dt« Parteigenossen B e h r und Becker mit 1öS und 108 Stimmen und als Ersatzmann der Parteigenosse 3t a v e n s einstimmig gewählt. Znr Maifeier haben die Leipziger Parteigenossen schon jetzt bestimmte Stellung genommen. Es ist jedem Genoffen, der ohne Gefahr und Schaden für seine Existenz den 1. Mai durch Arbeilsruhe begehen kann, zur Pflicht gemacht worden, auch wirklich am 1. Mai zu feiern und nicht erst abendS diesen Tag feierlich zu begehen. DaS Fest-Arrangement ist dasselbe wie in früheren Jahre». Vormittags ist große Versaminlung in der Festhalle in Stötteritz; den Gewerkschaften steht es frei, sich vorher branchenweise in Lokalen der inneren Stadt zusammenzufinden. Für abends sind Versa»»»- lunge» in de» einzelne» Stadttheilen in Aussicht genommen, wo neben einem Referat auch Konzert und GesaiigsvortrSge geboten werden sollen. Todtenliste der Partei. Einer der ältesten Parteigenosse» in Erfurt, der Genosse Thomas Kühn, ist am Freitag ge- storben. Er war bereits in den sechziger Jahren Mitglied des All- gemeinen Deutschen Arbeitervereins und später langjähriges Mitglied der Preßkommission der„Thüringer Tribüne". BiS zu seinem Tode nahm er rege» Antheil an der Partei. Ehre seinem Andenken! Polizeiliches, Gerichtliche» te. — Wegen Beleidigung der Danziger Richter wurde in Halle a. S. der frühere verantwortliche Redakteur des„Volksblattes", Genosse Brandt, vom Schöffengericht zu 1ö0 M. Geldstrafe oder 80 Tagen Gefangniß verurtheilt. — Zu 80 M. Geldstrafe wurde vom Schöffengericht in Frankfurt a. O Genosse S ch ö p f l i n verurtheilt, weil er den Bnchdruckereibesitzer H. Richter in Fürstenwalde durch einen Artikel beleidigt haben soll, worin u. a. die Lehrlingsverhältnisse dieser Bnchdruckerei krilisirt ivaren. Die Beweisaufnahme ergab, daß in dem Richter'schen Geschäft bei 8 und 9 Gehilsen 9—11 Lehrlinge beschäftigt sind und daß die Lehrlinge sehr oft bis nachts 12 Uhr arbeiten müssen, für welche Uebcrslunden sie pro Stunde ganze 10 Pf. Entschädigung bekommen. Genosse Schöpflin wird gegen das Urlheil des Schöffengerichts Berufung einlegen. Llebev die ITage in Hamburg schreibt unser Korrespondent: Seitdem in den letzten Tagen das Eis immer mehr und mehr geschwunden ist, ist wieder«ine Anzahl Ardeiter i» den verschiedensten Betrieben dcS Hasens eingestellt worden. Bor allem sind Ewerführer und Schauerleute in Beschäsligung getreten; den letzteren wird freilich durch die Ge- maßregelten der andere» Sektionen des Hafenarbeiter- Verbandes, der«» es eine recht große Menge giebt, arge Konkurrenz bereitet. Durch eine» bedauernswerthell Jrrihum ist es sogar gekommen, daß G.maßregelte anderer Branchen, welche Korn- Akkordarbeit (Schaneriiiaiinsarbeil) übernommen haben, billiger arbeiten, alz die alten Korn-Akkordarbeiter. Hoffentlich wird dieser Uebelstand in der nächste» Zeit wieder geHobe» werden. Recht schlecht sieht es»och immer mit den früheren Arbeitern am Staalsqnni aus, und zwar liegt das zum größten Theile einzig und allein an der Qnai-Verwaltung, deren Verhalten die aller- schälfste Rüg« verdient. Odn ohl zur Zeit an j e d e m Morgen zu Beginn der Arbeil schon etwa 300 Hilfsarbeiter zur Bewältigung der jetzt massenhaft vorhandenen Arbeit herangezogen werden muffen. läßt man sich nicht herbei, dafür ebenso viel feste Arbeiter wieder einzustellen, trotzdem von den alten festen Arbeitern sich nach einer Aeußerung des Senators O'Swald wieder über 800 Mann zu dem niedrigste» Lohnsatz von 3,30 M. pro Tag gemeldet haben. Daß die schon früh morgens herangezogenen 300„Hilfs- arbeiter" in der That keine unvorhergesehene Arbeit verrichten müssen, für die sonst die Hilfsarbeiter angenommen werden, tzeht daraus hervor, daß die Leute in der angegebenen Anzahl an tedem Morgen bestimmt genommen und außerdem nach der Frühstücks- pause noch etwa Lv0— 600 nun wirklicher Hilfsarbeiter angeworben werden. Es ist in der That unerhört, daß die staatliche Quai- Verwaltung die Privatunternehmer an Härte gegen die am Ausstand betheiliglen Leute übertrifft. Die Senalekommission hat außer zu Mittwoch je vier Ewer- führerbaase und Ewerführer, noch auf Dienstag fünf Speicher- arbeiter und fünf Unternehmer aus dem Speichereibetriebe zu einer gemeinschaftlichen Sitzung zwecks Prüfung der Arbeitsverhältnisse in den genannten Arbeitsbetrieben ein- geladen. Beide Parteien sollen gehört werden und dann will die Kommission auf grund des beigebrachten Material? ihre Beschlüsse fasse», die für alle Kategorien der Hafenarbeiter zu gleicher Zeit, nämlich in etwa 14 Tagen veröffentlicht werden solle». In Streiksachen ist bis jetzt von Hamburger und Altonaer Strafgerichten auf IV Jahre, 5 Monate und 4 Wochen Gefängniß und auf 2999 Mk. Geldstrafe oder 37« Tage Haft erkannt worden. Außerdem erließ die Polizeibehörde gegen Streikende Strafmandate im Gesamrntbetrage von 1178 M. oder 312 Tagen Haft. Freisprechungen sind bisher nur 24 ergangen, während 133 Sachen ver- handelt find und 172 Sachen noch schweben. Für die Ha mbttrger Hafenarbeiter gingeil bei der Berliner Gewerkschaftskommission folgende Beiträge ein: Durch August».so. Arbeiter von ff. d, Schlick, 10. Rate t>,u. Schlosseret 0. Nachtigall, 7. Rate 0,80. Sin Hosbewohner von Ftdtctnstr. 7 I,—. Möbel- tischleret von«ebr.«eUler, 6. Rate io,oo. Btlderrahmen- Fabrtl von Brückner, S.Rate 8,70. Sesammelt b. Yrttze, 7. Rate sauber«tnem Student u. Mautbetn) S,«o. Schraubensabrt: T. T. Stärke, BlumenNrabe smtt einer Ausnahme) 18,8». Buch- druckeret R. Straub, il.Rat« g.20. Tischleret v Steinbock. Sewerbehos,». R.«,60. Liste 6887 ikowalskt 13,«6. Tischleret Bulow,»rtnimfirabe 6.0S. List« 6678 Btld- Hauer WteSner 8,70. Rothe Buchbinder a. d.»rünstrab«, 7. Rate«,80. Tischleret Schröpp u. Ritter, Admtralstr., 10. Rat«»,io. Naunvnstr. 68 6,78. Stetnbildhauer Kaiser Wilhelm-Denkmal 9,—. Zwei Mann von B.». B. Spandau i.—. Tapejtrer Wilhelmstr. es 3,—. Liste 6814 Sraveur« d. Neretter It.sa. Tischleret Hampel, Palltsadenstr. t8 1,88. Personal der Schriltgteberei Em» Murlch, lt. Rate>7,60. Schrisigieberet u. Messtnglintensabrik H. Berthold tsreiw. Samml.), 18. Rat» 48,90. vtldhauer v. Techau 8.60. Tischleret A. Schulz. Fruchtstr. 69 12,80, Liste 6799 51 Lohse 18,26. Liste 6982 A. Löhs- 2,16. Tischleret VON ASrlich 7,—. Aus Liften durch Fr. Thtelk«, darunter 4269 durch Vogel 4,90. List» 4860 Lange u. Sutzett, Franlfurter Allee 8,86. Liste 4888 10,60 Brauer von Pahenhoser. Liste 6160 Lacktrer und Vergolder I. S. Plast 11,40. 6788 Tischleret von Kaste 6,16. 6786 6,—. 6786 Möbitfabitk von Sroschku«, Hollmann- ftrabe t,?0. 6727 dtto tl,76. 6760 18,86. 6788 8,10. AuS dem Reiche de» Herrn von Thielen 2886, 4270, 4688, 44, 46, 6llS, 5989, 6160, 6166, 8178, 6173, 76, 76, 6228, 6714, 6788, 29, SO, 49, 48, 44. 8t, 48, 7060, 671 l, 18, 6987 zusammen 820,16. Liften 4860, 67. 78 von Bogel 4,60. Tischleret«tebltng 8,66. Liften 64, 8667, 68, «402, 6901, 2, 3, 4, 6, 6, 7, 8, g, 10, II, l8. l8„ IS, 17 von der chirurgischen Branche durch H.>01,46. Buchdruckeret Mier u. Slasmann In Rirdors 7,60. Mttglteder de» deutschen Buchdruckerverbände» tm„Vorwärti", ig Rate 18,60. Windige Ecke, für einen schaalen Landwehrtovp 8,26. Ueberschub vom zehnien Sttstungisest de» Zentraloerbande« deutscher Brauer(Resti 26.50. Slorddeutsche Buchdruckeret, Saal 8 und 4, 9. Rat« 89,80. Zentralrath Krtppahle 2,1 o. Personal der Buchdruckeret Ullstein u. So., Ii. Rate 10,10. Arbeiter von Schuster u. Bär, 9. Rate 98,20.«tnige Arbeiter VON Siemen» u. Halste, 18. Rate 9,60. Tischlerei latow,«ndreasftr. 81, 6,80. 4 Zimmerer vom gtmmermetfter Kresse. rbetter von A. B. durch Fieber 8,46. Liste 6866, 68, 64, 99, 98, 97, 8400 Wäschebranche durch SlanowSkn 14.80. Maschinen- Arbeiter von A. Ztet- low 1,60. Liste 6814 Werkstatt der Firma Drechsler, Wrangel- strabe 4- 18.60. Liste 6866 i,80. Liste 6969 6,60. Freie«er- -intgung der«auflcute 7,10. Aus dem Wahlkreis Schwetdnttz-Strtegau t. Schi. Achtgroschen-Renlter« 6,—. Listen durch Jacob 62l4,«216, 6966, 6969, 6978, 6974, «970,«976,«977 sdarunter Tchäster u. Walker, Lindenstrabe 44,96) 49,76. Lifte SS8I d. Jakob t,60. Liste 2298 d. Haveritler, Schtrmmacher s.to. Liste«418,«4t9». Wustrow>4,25. Liste 6761, 6747 d. Link, Maler 4,40. List« 6817 d. Herm. Darow, Braueret-Htlssarbeiter 8.60. Drechileret von Brandenburg, Wtlhelmstrabe s,—. Amertkantlche Auttton bei Bauer, Etsenbahnftr. 7 Lifte»?7« d. Kaiser 2,60. Liste«42, A-herei von Wehl u.«o. d. Scherl 10,85. Liste 9660 8,—. Lifte 6072 d. Paul Müller, Sräseftrabe 7,06. Schwahn 3,—. Liste 6606 d. Köhnke, Stell- macher 1,—.«emtschte«esangveretne des Arbeiter-SängerbundeS mit Musik- oerein Hoffnung- Osten, Amerikanische Anltton bei der Herrenpartte 8,io. Freie Bereinigung der Ztvtlberussmustker Berlins u. Umgegend, i. Rate 18,7«. Ästen' 6067, 6775, 6776 d. Ktstenmacher Tschernia 8,26. Maskenball»esangveretn .Hoffnung"- Kolberger Salon d. StöckermaSke 6,80. Listen v. E, Ernst 4019, 6640, 89, 4711, 6671, 6693, 48, 48, 6615, 6, 8, I, 6691, 79, 80, 32, 80, 29, 5677, 4990, 4608, 97, 94, 8676 sdarunter A. E. 18., Saal 28, Schlosser 22,10. A. s.<8. 18,—. 51.(i.. 16,85. A. E.(8. 86,10. Seestraß- 6,96. S. u. H.. Slblh. 24, 29,60. Maschinenfabrik M. Haffe u. To. 16,30, dito 18,26) in Summa 275,66. H. 1,60. Listen 6064, 6107, 5068 d. Tchonhetm 5,76. Listen 6768, 84, 6284, 6782. 6781, 6286 v. John, Niederfchönweide-Johanntslhal. 84,76. Liste 6888, Hennig, Ristaurateur. 1,90.«rpedttton d.„Handels-Angestellieu"" 6,—. Ein Blitzschwabe I,—. Eesangverein der Kupftrschnnede bei einer Seburtilagsseier l.66. Geburtstag»- Ueberschub 9. i., Onkel Julius und Andere 1,50. Hartha t. S. durch. H. Bater 38,—. Berliner Tischler und Lacktrer in Bredow bei Stettin 18,—. Beffelstr. 2l, 12. Rate 10,46. Achim bei Bremen durch C. Br.«0,—. Ehrte, Kasstrer, 5. Rate, Maskenball Rauchklub Veronika 5,06. Amerikanische Auktion bei Matern, Müllerstrabe, 8,—. Grüiliveretn in Bern 82,63. Solinger„Freie Presse" durch A. Z. 60,—. Zentralverein der Böttcher tn Stablurt 9,60. Holzbearbettungssadrik Bergstr. 87, 8. Maie«,—. Berichtigung. In Sir. 41 vom 17. Februar mub es hetben: Lifte 5805 16,1«, 5lrbeiter der Teppichsabril«oeder. Zn Nr. 88 vom l«. Februar hetbt es: Stege» a, N. von den Benossen 88,60. Weitere Beiträge nimmt das Berliner Gewerkschaftsbureau (R. Millarg, Berlin 8., Annenstr. 16, vorn part.) in der Zeit von 0—1 Uhr Pormittags und 6—8 Uhr abends entgegen. Gewevkfchttfttiches. Rchtung, Glaser Berlins und Umgegend! Da in unserer Branche jetzt eine bedeutende ArbeilStostgtetl herrscht, machen wir die Kollegen aus die Versammlung aufmerkfai», die Montag, den 1. Marz, abends 8'/- Uhr, in den Arutinhalle», Kommandanten- nraße 20, tagt und wo über die Ursachen der Arbeilstosigkeil und wie diese zu beseitigen sind, gesprochen werden wird. Wir ersuche» alle Kollegen, auch die Arbeitslosen, in dieser Ver- sainmluug zu erscheinen. Weiter ersuchen wir die Kollegen, die noch »in Besitz von Marken und Listen aus der Lohnbewegiing sind, in dieser Versaminlung bestimmt abzurechne», da wir sonst die Restanten öffentlich namhaft machen müßte». Ferner ersuchen wir, über die Billets von unserem Vergnügen abzurechnen, damit auch dies« Ab- rechnnng fertig gestellt werben kann. Die Vertraliensmänntr. Die HauSdieuer, ZPacker, Kutscher und die Angestellten der Verkchrsanstalten Berlins werbe» ersucht, Mittwoch den 8. März, abends 9 Uhr in den Arminhallen znr Versammlung des ZeutralverbandeS zahlreiche erscheinen, wo sehr wichtige Punkte erörtert werden sollen. Der Bevollmächtigte: Carl Beuschk», Melchiorftr. 15. Die Maler, Lacktrer und Anstreicher Brandenburgs be- schloffen am 21. d. M. auf ihrem Provinzjaltag zu Ebers- w a 1 d e, daß das nächste Ziel der Agitation sowie einer eventuellen Lohnbewegung auf Eiusühriing einer in allen Städte» der Provinz gleichmäßigen zehnstündigen Arbeitszeit, sowie auf Festsetzung eines den örtlichen Verhältnissen angepaßten, jedoch nicht unter 35 Pf. pro Stunde belragende» Lohnes gerichtet sein müsse. Ferner soll dahin gestrebt werben, daß die Gehilse» nicht mehr, wie es nament- lich in kleineren Städten noch oft üblich ist, vom Meister Kost und Logis erhalte». I» Folge der Tbätigkeit der AgitationS-Komnussiotl sind sechs neue Filialen der Vereiniguug der Maler«. in der Provinz Brandenburg entstanden. Der Textilarbeiter- Streik bei der Firma Beer u. Co. in L i e g n i tz dauert unverändert fort. Alle Berhandlnngen, die von den Ausständigen eingeleitet wurde», sind resultallos verlausen, da die Firma nur dann Zugeständnisse machen will, wenn vorher die Arbeit wieder aufgenommen worden ist. Dieser Vorschlag wurde von den Streitende» abgelehnt. Eine öffentliche Textilarbeiter- Versammlung vom 15. Februar, die von 900—1000 Personen besucht war, erklärte sich mit dem Vorgehen der Arbeiter ber Firma Beer u. Eo. vollständig einverstanden und versprach, die Streikenden so lange zu unterstützen, bis sie ihre Forderungen durchgeführt haben. Wir ersuchen nun die Arbeiterschaft Deutschlands, uns in diesem Kampfe ebenfalls zu unterstützen und vor allen Dingen den Zuzug streng zu vermeiden. Geldsendungen sind an den Gaftwirth W. Gruszinsky, zum Goldenen Frieden in Liegnitz. Briefe und sonstige Sendungen a» R. B o t h e in Liegnitz, Boltoftr. 15, zu adressiren. Das Slreikkomtte«. Die Former der Maschinenfabrik von Lande? in München bestuden sich seit mehreren Wochen im Ausstand. Die Betriebsleitung sucht fremde Kräfte heranzuziehen. Von Böhmen zugereiste Former haben sofort die Arbeit niedergelegt, nachdem sie über die Ursachen des Ausftandes informirt worden ivaren. Nun» mehr bemüht sich die Firma Landes, Former ans Schlesien� Polen, Rußland(hauptsächlich Warschau), sowie aus Italien(speziell Florenz) heranzuziehen. Unsere Partei- Organe für diese Länder werde» auf die Thätigkeit der Agenten der Firma Landes aufmerksam gemacht und gebeten, von vor- stehendem Notiz zu nehmen. Martin Segitz. Nürnberg, Ver- tranensmann der Metallarbeiter Deutschlands. Ju WcißeufclS ist der Stand der Dinge unverändert. Die Fabrikanten M.Seiler und W. Hitzschke haben noch nicht nachgegeben, im Streik stehen aber nur noch 40 Personen, da die übrigen untergebracht sind. Der Verein deutscher Schuhmacher hat jetzt in W-ißenfels über 1300 Mitglieder, darunter auch viele Ar- betterinnen. Aus vielseitigen Wunsch von Kaffenmitgliedern wird mit dem I. März ein« Zuschußkasse inS Lebe» treten, welche gegen einen Wochenbeitrag von 1l) oder 20 Pf. den Erwerbsunfähigen eine Unterstützung gewähren soll. Znr Kräftigung der Organisatlon und znr Sicherung der errungenen Stellung wird in jeder Fabrik «tn Ausschuß und eine Vertrauensperson ernannt. In Elbers-ld haben die Tischlermeister in einer Ber- sammlung die Forderung deS Neunstundentages einstimmig ab- gelehnt; über die übrigen Forderungen soll sich jeder Meister mit seinen Gesellen selber auseinander setzen. Heute Sonntag werden die Ge- sellen zu dieser Antwort der Meister Stellung nehmen. In Barmen, wo die Meister ebenfalls nicht bewilligen wollen, haben die Arbeiter fast sänuntlich gekündigt. 160 Arbeitern sind die Forderungen be- retls bewilligt. Eine neue wunderbare Blüthe ist dem Boden deS sächsischen Versammlungsrechts" entsprossen. In Mylau wollte eine Bauhandwerk er-Versammlung eine Lohnkommission wählen, die den Unternehmern die Forderungen der Arbeiter unterbreiten sollte. Da gab der überwachende Polizeibeamte Sävber« l i ch bekannt, die Amtshauplmannschafl in Plauen habe verordnet. daß Lohn- und dergl. Kommisstonen nicht in öffentlichen Bersamm» lungen gewählt werde» dürsten. Als der Referent F r e h s e aus Zwickan dann auf de» Amtshauptmann v. Pohlenz zu sprechen kam und dabei hervorhob, daß seit der Niederlage dieses Herrn bei der ReichStagSwahl im Kreise Plauen ein besonders scharfer Wind wehe, wurde dem Redner das Wort entzogen. Gegen diese Maßregel ist vom Referenten Beschwerve eingelegt worden. Selbstverständlich geht«S weder de» Amtshauptmann noch die Lokalpolizei etwas an, wo die Arbeiter ihre Lohnkommission wählen. Die Wahl von Lohnkommissionen ist»in Bestandtheil des Koalitionsrechts. Die Schriftgießer Offenbachs haben ihren Tarif mit geringe? Abänderung von drei Schriftgießereien bewilligt bekommen. Die Hauptforderungen: Neunstundentag, Bezahlung der Feierlage, daS verlangte Minimum des gewissen Geldes, vierzehutägige Abrechnung und Bezahlung der Ueberstunden, sind bewilligt. Nur betreffs der Höhe des Lolalzuschlages haben die Gehilfen etwas nachlassen inüfsen. Auch in Stuttgart werden die Schriftgießer ihre Tarifbewegung bald siegreich abschließen können. Ju Brüssel habe» die beim Bau der elektrischen Bahn- l i n i e n beschäftigten Erdarbeiter, Maurer, Pflasterer und so weiter am Donnerstag die Arbeit eingestellt, weil die Ge- sellschaft ihnen ohne vorherige Kündigung der bisher üblichen Tarif: zuinuthete, für geringeren Lohn zu arbeiten. Der„Peuple" glaubt, daß der Streik größeren Umfang annehmen werde. AuS England. Die hiesigen deutschen und sonstigen aus« ländischen Glasarbeiter, denen der Eintritt in die eng» lischen Trabes-Unions erschwert ist, haben, wie der„Fachgenoffe" mitlbeilt, in Glasgow einen„Verein ausländischer Glasarbeiter Schottlands" gegründet, deffen Mitglied jeder in Schottland be- ziehentlich England Arbeit nehmende Glasarbeiter— nicht englischer Nattonalität— werden kann. Der Verein bezweckt die Wahrung der Interessen der Mitglieder im Arbeitsverhältniß und Unterstützung in Krankh»itS- und Sterbefällen u. s. w. Aus New Castle meldet das Wolff'sche Bureau: Nach einer usammenkuuft der Vertreter der Angestellte» mit dem General- lrektor der N o r d- O st- E i s e n b a h n empfahl der Sekretär der Vereinigung der Angestellten die Wiederaufnahme der Arbeit, da die Gesellschaft versprochen habe, die Forderungen der Angestellten »ach Wiederaufnahme der Arbeit in Erwägung zu ziehen. Die Angestellte» haben dem Rath ihres Sekretär» zugestimmt; der AuS- stand ist demnach beendet. Ltukevttehmev-Verbttnde. I» Amerika geht man den Unteruehmer-TrnstS zu Ltlbe� Diese sind wegen ihrer schamlosen Ausplünderung des Publikums so verhaßt, daß der Kampf gegen sie bereits ein zugkräftiges Wahl« agitatiousniUtel geworden ist. Die Demokraten haben sich seiner bei den vorjährigen Wahlen mit Erfolg bedient. Um bei der künftigen Präsideuleuwahl, die im Jahre 1900 vor fich geht, nicht abgesägt zu werden, deginnen jetzt dt« Republikaner, sich ebenfalls als Segner der Trusts zu geriren. Di« Trusts werden also von beiden Seiten ins Feuer genommen. Am Sl. Januar hielt bereits im Bundes« kongreß«in Senator eine Rede gegen sie. In Wisconsin gab, wie die„Kölnische Zeitung" mittheilt, der General- anmalt deS Staates in einer gegen ein» Trustgesell« ((hast anhängig gemachten Klage«i» Gutachten ab, worin er sogt, der Staat habe Körperschaften Rechte und Ver- günstlgungen unter der Bedingting gewährt, daß sie sie zum Vor» theil. nicht zum Schaden des Volkes benützen möchten. Wenn aber solche Rechte betrügerisch erwirkt würden, un> als Mittel einer gewaltigen Gesellschaft zu dienen, die Preise nothwendiger Bedarfs- gegenstände willkürlich festzusetzen und den ganzen Verkauf zu be- herrschen, dann sollte dem Volke«in Mittel dagegen zu Gebore stehen. Dieses sei, daß ber Freibrief der Gesellschaft für verwirkt erklärt werde. Er schlägt serner ein« Straf« bis zu»00 Dollar für jeden Fall vor, wo»in« Verletzung der Handelsgesetz« durch die Trusts ,>achgewies«n werden könne. Im Staate Minnesota ist am 19. Januar eine Vorlage eingebracht worden, worin ver« langt wird, daß Körperschaften, die die ihnen verliehenen Ver- günstigungen mißbrauche», ihren Freibrief verlieren und, wenn nicht »n Staate ansässig, vom Geschäitsbelrieb im Staate ausgeschloffen sei» sollen. Die Leiter solcher Trusts werden überdies mit welo» strafen bis»u 5000 Dollars und mit Gefängniß bis zu fünf Jahren bedroht. Im Staat« Georgia ist bereits«in ähnliches Gesetz angenommen und vom Gouverneur unterzeichnet«orden. Danach kann jedermann, der sich in diesem Staat di.cch einen Trust geschädigt sieht, gegen diesen«ine Schade»»- ersatz-Klag« anhängig machen. Wie Zeitungen anS Georgia berichten, haben sich infolge dieses Gesetzes all« Trusts, die im Staat« bestanden, anfgelöst und den Händlern, die Waaren von ihnen bezogen, die Mittheilung gemacht, datz die abgeschlossenen Verträge durch dt« Anlitrustgesetze ungültig gemacht worden und demnach als erloschen zu betrachten seien. Am wenigsten AuS« sichten auf die wirtliche Beseitigung der aus dem Trustsysten, herausgewachsenen Uedelständ« bestehen im Staate New-Pork. fleiv-Nork ist der Sitz vieler der mächtigsten von den 25 amerikanischen Trusts, dt« natürlich ketn.A�ittel unbenutzt lassen, um die gegen sie gerichtet« Gesetzgebung�",, vereitel», oder, wenn.tue solch« wirklich erfolgen sollt«, l. Durchführung zu v-rhütan. In dies,»«emühunaen sind sie bisher noch sie»?«rsUgreich qi- bliebe.«. Sozwles. Die Prämieutarifc der Bangewerks-BernfSgenossenschafteu sind seit 1. Januar beträchtlich erhöht worden. Die Erhöhungen betreffen die Hainburgische, Nordöstliche. Schlesisch- Posensche. Hannoversche. Thüringische, Hessen-Nassauische. Rheinisch-Westfälische und Südwestliche Baugewerks- Berufsgenossenschaft. Das Reichs- Verficherungsaint sieht die Ursache für die Nothwendigkeit dieser Erhöhung der von den Unternehmern zu zahlenden Beiträge in der Kleinheit der Berufsgenossenschaften und glaubt, bei größeren An- stalte» würden sich die Schäden inehr ausgleichen. Als Beispiel geben wir hier die neuen Tarifzahlen der Nordöstlichen Baugewerks- Berufsgeuossenschaft in Berlin. Die Unternehmer haben von den zeweils gezahlten Löhnen zu entrichten für: Stubenbohner. Tapezirer, Tapeteuklebcr, Ofensetzer 2 pCt.; Architekten, Baumeister, Glaser, Ataler, Anstreicher 3.s pCt.; Asphaltirer, Steinsetzer, Bauklempner, Bauschlosser, Bautischler 5 pCt.: Steinmetzen, Kunstbildhauer, Stuckatenre, Gipswaarenarbeiter, Gas- und Wasseraulagen-Arbeiter pCt.; Schiffsbau, Schiffsmaler, Maurer. Putzer Ti pCt.; Zimmerer, Blitzableiter-Arbeiter. Fuhrwesen 8>/s pCt.; Mühlen- bauer, Brunnenmacher ü'/a p®t.; Sand-, Kies-, Lehm», Thon- gräberei, Kalkbrenner, Ziegelei-Arbeiter, Dachdecker, Steinbruch- arbeiter 10l/z pCt.; bei Abbruch von Gebäude», Aufräumung von Brandstätten, Steinsprengnng mit Pulver, Dynamit rc. 12 pCt. Durch einen iutcressante» Grund stützt das sächst- sche Ministerium seinen ablehnenden Entscheid auf das Gesuch der Arbeiter R eichen bachs im Voigtlande, dort zwangsweise ein Gewerbegericht zu schaffen. Die Neichen- dacher Verhältnisse machten eine derartige Maßnahme nicht erforder- lich, da insbesondere in der Textilindustrie durch Einführung von Fabrikordnungen und durch den verbreiteten Ausschluß des K ü n d i g u n g s r e ch t S schon der Anlaß zu viele» gewerb- lichen Streitigkeiten beseitigt sei. Als seinerzeit unser Genosse Bebel im Reichstage bei der Berathuug der Gewerbe- Ordnnngs- Novelle die Aufhebung der Kündigungsfristen vorschlug, wußte die Unternehmer- und Regierungspresse nicht genug sentimentale Be< trachtungen anzustelle» über den Schaden, den die Aufhebung der Kündigungsfristen für die Arbeiter haben würde. Jetzt komint ei» hohes Ministerium, und noch dazu ein sächsisches, und bestätigt, daß durch Ausschluß des Kündigungsrechts der Anlaß zu vielen Streitigkeiten beseitigt wird. Im übrigen bleibt in dein industriellen Neichenbach natürlich noch genug Stoff zu Differenzen, um die Forde- rung nach Schaffung eines Gewerbegerichts als gerechtfertigt erscheinen zu lassen. Den Mühlenbesitzeru an der Mutha in Anhalt war bisher behördlich gestaltet, an ltS Sonntagen im Jahre arbeiten zu lassen. Wider diese Weitherzigkeit der Behörde brachte das sozial- demokratische„Volksblatt für Anhalt" einen Artikel aus der Feder des Müllerverbands- Vorsitzenden Käppler, dem Reichstags- Kandidaten des Kreises, und das hatte wenigstens den Erfolg, daß die Sonntagsarbeit in de» Mühlen jetzt„nur" noch an 26 Sonntagen zugelassen wird. Beiin Leipziger Getvcrbegericht ivurden im Jahre 1836 ins- gesammt 2349 Klagen erhoben und zwar 312 von Unternehmern und 2537 von Arbeiter». Von 2260 beklagten Unternehmern gehörten 979 dem Handwerk, 609 der Industrie, 296 dein Schankgewerbe, 222 dem Handel, 93 den» Transportgewerbe und der Rest ver- schiedenen anderen Berufen an. Von den Klagen»vurden durch gerichtlichen Vergleich 1719 gleich 39,9 pCt., durch richterliches und Bersäumnißurtheil 193 gleich 6,63 pCt.. durch Klagezurückuahme und außergerichtlichen Vergleich 430, ferner dadurch, daß sich die Parteien, ohne eine»» Antrag zu stellen, wieder entfernten oder zum Termin nicht erschienen, 490 erledigt. In 2 bis 4 Tagen»vnrden 99,3 pCt., in einer bis höchstens zwei Wochen 9,16 pCt. der Klagen beendet. Als E i n i g n n g s a m t»vurde das Gericht von den Buchdruckern zur Beilegung der Tarisstreitigkeiten angerufen. Der Ausschuß des Gewerbegerichts hat an die Stadtgemeinde Leipzig ein Gutachten gerichtet, des Inhalts, daß bei Vergebung städtischer Arbeite» nur Leipziger Arbeiter beschäftigt und den Unternehmern die Zahlung eines Mindestlohns zur Pflicht gemacht»verden soll. Die Eiufnhr Breme»«S betrug im vorigen Jahre 3 236 248 Tonnen(a 20 Zentner) im Werthe von 820 472 143 M., das sind 113 767 Tonnen und 14 166 042 M. mehr als im Jahre 1393. Aus dem Deutschen Reiche kamen Waaren im Werthe von 234,3 Mill. Mark, ans dem übrigen Europa für 113,3 Mill. Mark, aus den Bereinigen Staaten für 240,2, aus dem übrigen Amerika für 81,9, aus Asien für 30,1, aus Australien für 24,4 und aus Asrika für 13,2 Mill. Mark. Von den Hauptartikeln des bremischen Handels wurden eingeführt: Getreide 307 474 Tonnen, Baumwolle 223 779, Meis 187 632. Petrolenm 114 352, Schafwolle 69 324, Tabak 43 707 Tonnen. I» Zürich wurde der Stadtrath, auf Veranlassung der sozial- demokratischen Fraktion im Großen Stadträth, mit der Prüfung der Frage beauftragt, ob die von der Gemeinde beschästigten Tage- I ö h n e r nach einjähriger Dienstzeit nicht als st ä d t i s ch e An- g e st e l l t e zu behandeln feien. Großbetrieb in» Braugewerbe. Die Dreher' scheu Brauereien in Oesterreich haben in der Sndperiode vom 13. Ok- tober 1833 bis 1. Oktober 1896 insgesammt 1 264 l43>/s Hektoliter Bier erzeugt. Daran sind belheiligt das Brauhaus in Schwechal nnt 783 366l/z Hektoliter, das Brauhaus in S t e i n b r u ch- P e st niit 373 291, das Brauhaus in T r i e st mit 34 360 und das Brau- haus in M i ch o l u p in Böhmen mit 30 928 Hektolitern. Die lange Arbeitszeit in russischen Fabriken doku- lnentirt ein amtlicher Bericht, der vom Finanzministerium geheim für die Fabrikinspektoren herausgegeben ivorden ist. Wir geben daraus einige Daten über die längste und über die kürzeste Arbeitszeit(aus- schließlich Frühstücks- und Mittagspause) im Moskauer Gouverne- inent. I» je 4 Fabriken wird 10, lOVz und 11 Stunden gearbeitet. In allen anderen Fabriken ist eine mehr als llstündige Arbeitszeit üblich und zwar dehnt sie sich in den meisten Fabriken aus 14 Stunden aus. In einigen Fabriken ist die illrbeitszeil noch länger»md zwar wird in 1 Fabrik 14>/a Stunden gearbeitet, in 13 Fabriken 13 Stunden, in 6 Fabriken 16 Stunden, in 1 Fabrik Wh Stunden und in 3 Fabriken 17 Stunden. Eine neue Aktion gegen die Vvefle. Aus Halle wird uns vom 27. Februar geschrieben: Heute be- gann vor der Strafkammer des hiesigen Landgerichts ein Prozeß, dessen Ausgang für die gesammt« Presse von hoher Wichtigkeit ist. Die hier das erste Mal") auftauchende Streitfrage ist die, ob auch ein anderer als der mit Verantwortung zeichnende Redakteur als ver- antwortlicher Redakteur strafrechtlich belangt werden kann. Bisher hat die Anklagebehörde in Preßdelikten zunächst nur immer den Redakteur verantwortlich gemacht, der als Berantivorllicher zeichnete. Nach einer kürzlich ergangenen Entscheidung des Reichsgerichts soll es aber bei der Verantwortung nicht mehr ankomme»,»ver sich als verantwortlicher Redakteur bezeichnet, sondern auf die Feststellung, wer der verantwort- liche Redakteur ist. Es»vird den Staatsainvälten schwer fallen und unserer Meinung nach ist es fast unmöglich, die Verfasser- schaft bestimmter Artikel nachzuweisen. Im vorliegenden Falle hat man es versucht. Angeklagt ist der Redakteur Friedrich Adolf Thiele von hier, vorbestraft wegen Vergehens und Uebertretung, be- gangen durch die Presse sowie gegen das Vereinsgesetz, und der frühere verantwortliche Redakteur des sozialdemokratischen Partei- Orgaus„VoIksblatt", August Mannigel von hier.vorbestraft wegenUeber- trelung und Majestätsbeleidigung, begangen durch die Presse. Beide »verde» beschuldigt, durch acht in der Zeit vom 3. bis 30. September *) Hierin irrt unser Kmrespondent. Der Versuch, der jetzt in Halle»viederholt»vird, ist siitm des öfteren gemacht worden, so erst im letzten Prozeß gegen den?„Sozialist".>vo Herr Landauer neben dem verantwortlichen Redakteur auf die Anklagebank mit gesetzt, allerdings aber freigesprochen wurde. R. d.„V." Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Ins vorigen Jahres erschienene Artikel des„Volksblattes" in Beziehung auf die Direktoren der Hildebrandt'schen Mühlenwerke in Böllberg bei Halle, Friedrich Kaumann und Justus Hildebrandt, nicht erweis- lich wahre Thalsachen behauptet zu haben, die geeignet sein sollen, die Genaniiten verächtlich zu machen. Und zwar ist Redakteur Thiele, der die in Frage kommenden Nummern nicht unter- zeichnet hat, als der»virklich verantwortliche Redakteur an- geklagt, während Mannigel, der die Nummern als Verantwortlicher unterzeichnet hat und die Verantwortung übernimmt, dem Thäter (Thiele) zur Begehung der Vergehen durch die That wifsent- lich Beihilfe geleistet haben soll, indem er mit Kcnntniß des In- Halts der inkriininirten Artikel unter die acht herangezogenen Nummern seinen Namen gesetzt haben soll. Der Anklage liegt folgendes zu gründe. Im August v. I.»vurde in einer sozialdemokratischen Parteiversammlung infolge der Maß- regelung eines Arbeiters und auf grund des ablehnenden Ver- Haltens der Mühlendirektion gegen die Durchführung der Sonntags- ruhe für die in der Mühle beschäftigten Arbeiter gegen die sogen. Böllberger Mühle, eine der größten Mühlen in der Provinz Sachsen, der Boykott verhängt und zwar dergestalt, daß denjenigen Bäckern,»velche forthin noch Mehl ans der Böllberger Mühle beziehen, der Konsum entzogen wurde. Dieser Boykott wurde be- sonders durch das„Volksblatt", dessen verantwortlicher Redakteur damals Mannigel»var, verbreitet. Einige Tage nach Verhängung des Boykotts erklärte sich eine Anzahl Bäcker günstig für den Boykott, worauf die bürgerliche Presse gegen den Boykott zu Felde zog. Hierauf folgten seitens des„Volksblatts" eine ganze Reihe Artikel, die sich auf die Einrichtung und Geschäftsführung der Böllberger Mühle bezogen. Der Angeklagte Mannigel ist wegen der öffentlichen Aufforderung zum Boykott von» hiesigen Schöffengericht dreimal zn dem höchst zulässigen Straf- maß von je sechs Wochen Hast vertheilt worden,»veil er als ver- antwortlicher Redakteur des„Volksblatts" durch mehrere Notizen groben Unfug verübt haben soll. Er hat gegen die drei Urlheile Berufung eingelegt und sind jene Sachen nun mit der heutigen Angelegenheit verbunden. Der Direktor Hildebrandt ist seit 1. Juli 1890, und Direktor Kaumann seit I. Juli 1896 Leiter der Böllberger Mühle. Beide haben Strafantrag gestellt. Die Anklagebehörde nimmt an, daß nicht Mannigel, der die in Frage kommenden Nummern unter- zeichnet hat, sondern Redakteur Thiele der„ivirkliche" und daher verantwortliche Redakteur ist, und versucht dieses aus folgenden Ermittelungen nachzuweisen. Seit 1887 bis 1894 ist Thiele etwa zwanzigmal wegen Vergehe» und Uebertretungen, begangen durch die Presse, bestraft, also»vährend dieser Zeit Redakteur gewesen. Seit Dezember 1394 wohne er in Halle und sei fortgesetzt in der Redaktion des„Volksblattes" thätig. Er sei vielfach als Leiter in Boykott-Versammlungen aufgetreten und bei Haussuchungen sowie Beschlagnahme» in der Redaktion des„Volksblattes" angetroffen worden,»vo er sich als Redakteur gerirte und erklärte, über die dortigen Räume das Verfügungs- recht zn haben,»vährend Mannigel nicht angetroffen»vurde. Btehrere Polizeisergeanten sollen bei der Erledigung von amtliche» Aufträgen ebenfalls in der Redaktion nur immer Thiele aiigelroffen haben. Bei Beschlagnahmungen vo» Manuskripten sii»d mehrere von Thiele's Hand herrührend vorgefunde» ivorden nnd es soll vo» 2 Setzern des„Volksbl." bestätigt worden sein, daß Thiele sür jede Nummer schreibe. Weiter»vird Thiele's Verantwortlichkeit noch daraus gefolgert, daß er sich über sein Verhältniß zum„Volks- blatt" in einem Artikel„Ueber die unliebsame Einrichtung der zeichnenden Redakteure" dahin ausgesprochen habe, daß nicht Feigheit der andere» Redakteure, sondern die Praxis der Gerichte an den» System der zeichnenden Redakteure schuld sei. Er habe fast 7 Jahre verantivortlich gezeichnet und»vährend dieser Zeit sehr viel Geld- nnd Freiheitsstrafen erlitten. Ferner soll sich Thiele in einer Beschiverde bei dem Oberstaalsanwalt wegen der Beschlagnahme des „Volksblatts" als„Redakteur des Volksblatts" bezeichnet haben. Ans mehrere» solchen, für die Verfasserschaft der inkriininirten Notizen durchaus belanglose» Anhaltspunkten»vill die Staatsanwaltschaft den Beiveis konstruire», daß Thiel« der„eigentliche" verantivortliche Rebakteur und damit der»virkliche Thäter ist. Wie uns soeben aus Halle mitgetheilt wird,»vurde Genosse Thiele freigesprochen und Genosse M a n i g e l zu eine»» Jahr Gesängniß verurtheilt. Gegen Thiele hatte der Staatsanwalt 2 Jahre Gesängniß und sofortige Verhaftung beantragt. Teilung. DaS Züchtig,»ugsrecht deS Lehrherrn hatte der Tischler- meister Grolhe nach Feststellung des Schöffengerichts in so erheblicher Weise überschritte», daß er»vegen Körperverletzung mittels eines gefährlichen Werkzeuges, jedoch unter Zubilligung mildernder Um- stände zu 30 M. Geldstrafe verurtheilt wurde. Der Meister, welcher den Lehrling nur geohrseigt haben will, legte Berufung ei». Vor der Strafkammer sagte der Lehrling aus, der Meister habe ihn, ärgerlich über eine von» Lehrling verpfuschte Arbeit, mit der Gallerie eines Spindes über den Kopf geschlagen, so daß gleich ein Stück derselben davon flog. Dann habe ihn der Meister derart geohrfeigt und herumgestoßen, daß er gegen die scharfen Kante» von aufgestellten Brettern und gegen die Hobelbank gefallen sei,»vobei er sich verschiedene Verletzungen zugezogen habe. Ein ärztliches Attest stellt fest, daß der Lehrling drei Tage nach dem Vorfall neben kleinen Verletzungen der Haut eine größere Anschwellung auf der Stirn, sowie geschwollene rothbraun gefärbte Augenlider aufwies und daß dieser Befund auf erhebliche Verletzungen schließen lasse. Der Lehrling»vill außerdem fast täglich mit Leisten und was den» Meister sonst in die Hände fiel, arg geprügelt ivorden sein. Der Angeklagte bleibt dabei, daß er dem Lehrling nur einige Ohr- feigen gegeben habe, nnd dieser von selber gestolpert und gefalle» sei und sich dabei verletzt habe. Die Strafkam, ner bestätigte das erste Urtheil, hielt aber die Gallerie.»vomit der Meister schlug, nicht für ein gefährliches Werkzeug, und nur einfache Körperverletzung sür vorliegend. An die Rücksicht des Pnblikuiiis appellirte gestern der Vorsitzende der 133. Abtheiiung des Schöffengerichts. I» einer Strafsache wegen Körperverletzung sollte der Ge- schädigte als Zeuge vernommen werden. Der Ver- theidiger stellte dessen Glaubwürdigkeit in Frage und fragte ihn deshalb, ob er vorbestraft sei. Der Zeilge»var trotz aller Vor- Haltungen nicht zu bewegen, diese Frage zu beantworten; er er- klärte, daß es ihn schwer schädigen könne, wenn er in dieser Be- ziehung die Wahrheit sagen»nässe. Schließlich wollte er sich dazu verstehen,»venn vorher das Publikum entfernt»verde. Der Vor- sitzende erwiderte, daß er nicht berechtigt sei, die Oeffentlichkeit auszuschließen, aber er stelle dem Publikum anHeim, den Saal auf »venige Minuten zu verlassen. Diesem Wink»vurde allseitig Folge geleistet. Polizist und Strafienhändler.„Bilden Sie sich nur nicht ein, daß Sie das Recht haben, jemanden» das Handeln auf der Straße zu verbieten; höchstens»vegiveisen könne» Sie den Hmidler für einen Augenblick, wenn er de» Verkehr hindert, nicht aber ihm das Wiederkommen verbieten, da Sie nicht wissen können, wie sich der Verkehr in der nächsten Minute entivickelt," diese Be- lehrung gab der Vorsitzende der 133. Abtheilung des Amtsgerichts I., Assessor Dr. Göppert dem Schutzmann Hoppe in einer Verhandlung, in»velcher sich der Handelsinann Manzen»vege» Beleidigung zu veranlworten hatte. Manzen»var von Hoppe angezeigt ivorden, daß er der Aufforderung des Beamten, sich zu entferne»», nicht nachgekommen sei; er hatte ein Strafmandat erhalten, Widerspruch erhoben und war voin Schöffengericht frei- gesprochen»vorden, weil der Schutzmann Hoppe zugeben»nnßte, daß Manzen der Aufforderung,»ven>> auch nur langsam, nachge- kommen»var. Nach dem Terinine äußerte der Angeklagte beim Verlassen des Gerichtssaales zu Hoppe:„Jetzt sind Sie mit Ihren Unwahrheiten doch nicht dnrchgekommen!" Durch diese Aeußerung fühlte sich der Schutzmann Hoppe umsoinehr ratentbeil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von! beleidigt, als er— unerklärlicher Weise � die Aeußerunz aus seine Aussage vor Gericht bezog und annahm, daß ihn» Verletzung der Eidespflicht vorgeivorfen»verden sollte. Daran hatte jedoch der Angeklagte nicht gedacht, sonder» nur die Anzeige gemeint; halte er doch gerade infolge der Aussage des Beamten seine Freisprechung erzielt. Der Staatsanwalt hielt eine Beleidigung für enviesei», da de», Beamten der Vorwurf gemacht »vorden sei, er habe eine falsche Anzeige erstattet. Der Staatsanwalt beantragte deshalb 30 M. Geldstrafe und Publikation des Urtheils. Der Gerichtshof erkannte jedoch auf Freisprechung. Wie der Vorsitzende zur Begründung aussührte, entsprach der Inhalt der betreffenden Anzeige nicht der Wahrheit, »vie gerichtlich festgestellt wurde. Die zu unrecht erfolgte Anzeige »var eine große Belästigung des Angeklagten, er handelte daher in Wahrnehmung berechtigter Interessen und hat auch nicht in» Ans- druck die zulässigen Grenzen überschrilten. Tic in Berlin erscheinende„Heiraths-Zeitung"»vnrde, auf rosa Papier gedruckt, einer Wittwe in Dresden zugesandt, noch ehe der Mann derselben beerdigt»var. Auf den» Blatte befand sich noch ein deutlich erkennbarer Stempeldruck:„Aus Kondolenz- bezeigung." Die Wittwe fühlte sich mit Recht durch eine derartige Zusendung verletzt, und die Polizei belegte den Redakteur des Blattes, Friedrich Podszus,»vegen grobe» Unfugs nüt vier Wochen Haft. Diese Strafe»vurde vom Schöffengericht heute bestätigt. Dasselbe erblickte gleichfalls in der Zusendung, die,»vie Podszus angab, ohne sein Wissen geschehen sei, eine» groben Verstoß gegen Anstand und Sitte,»vohl geeignet, Aergerniß zu erregen.und zu belästigen. Ein Abgrund sittlicher Berlvorfcnheit that sich gestern in einer Verhandlung auf,»velche vor der zweite» Strafkammer des Landgerichts I stattfand. Die 36jährige Schneiderin Marie D a ß e l, »velche aus der Untersuchungshaft vorgeführt»vurde, sollte sich der schweren Kuppelei schuldig gemacht haben. Sieben Mädchen in» Alter von 13 bis 14 Jahren»varen als Zeugen geladen. Es waren zumeist jugendliche Händlerinnen,»velche zur Nachtzeit Zündhölzer, Blumen oder dergl. in den Lokalen der Friedrichstadt feilhalten. Ihre Gesichtszüge trugen bereits den Stempel des Lasters, eines der 14jährigen Kinder ist bereits»vegen Verdachtes der Kuppelei in Unter- suchungshaft gewesen. Wie ans der Urtheilsverkündigung hervorging— die Verhandlung selbst fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt— »var die Angeklagte sür überführt erachtet ivorden, daß sie in zwei Fällen Mädchen unter 14 Jahren mit ihren männlichen Begleitern Unterkunft gewährt hatte. Zu ihren gunsten sei aber angenoinmen worden, daß sie von dem»vahren Alter der Mädchen keine Kenntniß gehabt hatte und deshalb sei nicht nach dem Antrage des Staats- anwalts auf 3 Jahre Zuchthaus, sondern nur auf 2 Jahre Ge- fängniß erkannt»vorden. Die Sittlichkeit der Kinder,»velche nachts auf Handel ausgehen, wird bekanntlich gehoben»verde»», und zivar von Polizeiivege», indem ein entsprechendes Hansirverbot erlassen werden soll. Vielleicht thut auch die Kirche ihr Theil, sodaß der entsetzte und entrüstete Bürger sich bald»vieder schlafen legen kann. Der Bürgermeister Plaschke aus Strausberg, welcher sich seit Anfang November in Untersuchungshast befindet, stand unter der Beschuldigung, sich in mindestens drei Fällen an einen, Mädchen »nter 14 Jahren schiver vergangen zu haben, vor der ersten Straf- kaminer am Landgericht II. Die Vertheidiger des Angeklagten, die Rechtsanwälte Dr. Seil o und Dr. S ch w i n d t, hatte» außer den geladenen Zeugen der Anklage noch eine Menge anderer gestellt, so daß gegen 40 Zeugen zur Stelle»varen. Die Verhandlung fand unter Ausschluß der Oeffentlichkeit statt. Nach»viederhergestellter Oeffent- lichkeit verkündete der Vorsitzende, Landgerichts- Direktor Gertz. daß das Urtheil auf Freisprechung laute. Die Hauptzeugiii, das verletzte Mädchen, habe zwar in den meisten Punkten die Wahrheit gesagt, denn dies sei durch andere Aussage» bestätigt, in einzelnen Punkten sei sie aber doch von der Wahrheit abgewichen. Immerhin liege eine hohe Wahrscheinlichkeit vor, daß die Angaben des Mädchens richtig seien, aber diese Wahrscheinlichkeit genüge nicht zur Vernrtheilung, weshalb die Freisprechung erfolgen mußte. In der Gemeindesöbule zu AdlerShof pflegen die Lehrer ihr Züchligungsrecht an den Kindern»vährend der besseren Jahreszeit zun» theil bei offenen Fenstern auszuüben, so daß das Geschrei der Gezüchtigten weit und breit im Orte zu hören ist. So war es auch am 16. Septeniber vorigen Jahres, als die verehelichte Arbeiter Auguste Z u f e l d e geb. Lehm zufällig der Schule gegenüber stand. Wieder ertönte längere Zeit hindurch jämmerliches Kindergeschret aus der Schule und zivar aus derjenigen Klasse, in welcher der Lehrer Zerner unterrichtete. Nach längerem Zuhören rief Frau Zufelde hinüber:„Jetzt ist aber genug gehauen, wissen Sie nicht, daß es einen Thierschutzverein giebt?" Die in ihrer Nähe stehenden Frauen riethen ihr, still zu sein, Frau Zufelde rief jedoch gering- schätzig:„Der kann mir gar nichts!" Wegen dieses recht harmlosen Vorfalles erhielt die Frau eine Anklage wegen Erregung ruhesiörkndei» Lärmes und öffentlicher Beleidigung des Lehrers. Von dem ersten Theil der Anklage, der Lärm. erregung,»vurde die Angeklagte von» Köpnicker Schöffengericht frei- gesprochen,»veil als erwiesen angeiiommeii werden»nußte, daß der Unterricht dadurch nicht gestört»vorden sei, da der züchtigende Lehrer selbst dann nichts gehört hatte und erst durch seineu Kollegen aus der anderen Klasse aufmerksam gemacht ivorden war. I» den Worten:„Der kann mir gar nichts!" wurde ein Ausdruck der Mißachtung gefunden, der mit drei Mark Geldstrafe zu sühnen sei. Trotz der geringen Strafe legte die Angeklagte Berufung ei»,»veil sie sich zu unrecht bestraft fühlte. Heute fand vor der dritten Slrafkammer am Landgericht II. eine erneute Beweisaufnahme statt, welche aber in den Augen des Gerichtshofes die Feststellung des ersten Richters, daß die Angeklagte in der That die inkriininirte Behauptung gemacht habe, nicht zu erschüttern ver» mochte. Der Vertheidiger, Rechtsanwalt Herzfeld, suchte aus grund verschiedener Zeugenaussagen aus dem beleidigten Lehrer die Bestätigung herauszuholen, daß er von seinem Züchtigungs- rechte einen sehr häusigen und sehr energischen Gebrauch mache und deshalb schon»viederholt in Konflikte gerathen sei; der Lehrer wich aber mit der Antivort aus, daß er sich darauf beschränke, zu erklären, daß alles, was gegen ihn au- hängig gemacht»vurde, auf dem Di-ziplinarcvege erledigt ivorden sei, jede»vettere Auskunft lehne er ab. Der Vertheidiger bestritt das Vorliegen einer Beleidigung und bat um Freisprechung, der Gerichts- Hof hielt aber für erwiesen, daß die inkriminirte Aeußerung gefallen und daß dieselbe«ine Beleidigung enthalte. Die Berufung»vurde daher verworfen. Aus Dresde»»»vird uns vom gestrigen Tage berichtet: V e r« haftet wurde der bekannte Antisemit Glöß. Er ist schon im vorigen Jahr wegen Beleidigung des Millionärs Baruch Haller rechtskräftig zn zwei Monate» Gesängniß verurtheilt. Seine Parteifreund« hatte» ein Gnadengesuch gemacht, das aber ab- gelehnt wurde. Glöß hat sich schon im Januar zum Strafanlritt stellen solle». Dem ist er nicht gefolgt, daher die Ver- Haftung.— Der antiseinitische Redakteur Kühn von der „Deutschen Wacht" stand heute wegen Beleidigung des Fährenbesitzers Hausschild in Schandau vor dem Schöffengericht. Es hat in der„D. W." vor längerer Zeit ein Artikel gestanden, in dem die Verhältnisse der Elbfähre bei Schandau als schlechte scharf kritisirt wurden. Der Besitzer Hausschild fühlte sich beleidigt und strengte Klage aus s 187 an. Kühn»vurde kostenlos freigesprochen. Das Urtheil wurde damit begründet, daß der betreffende Artikel absolute Beleidigungen nicht enthalt«. Depefrfien und letzte Llslchvrchten. Frankfurt a. M., 27. Februar.(B. H) Aus Budapest »vird der„Franks. Ztg." berichtet: Die uiigarll che Schlafwagen- gesellschaft hat den Betrieb des Unternehmens»n Bell eingesteUt, wodurch 600 Arbeiter brotlos ivurden.. Verona, 27. Februar.(B. H.) Bei einein Brande,»velcher im hiesige» Dvine ausbrach,»vurden alle darin enthaltenen unersetzlicheii Kunftgegeustände vernichtet.____ »tax Babing in Berlin. Hierzu 3 Beilagen u. Unterhalluiigsbla» Nr. 50. 14. 1. KtilM iiß JotBärls" Ktlliiitl lolbM Dev AvbeiksttÄlrhtvrvts dev Bevsinev Vraueveien. . � Bie�boylott deZ Jahres 1S94 endete bekanntlich damit, daß sich die boykottirten Brauereien verpflichteten, die durch Beschluß vom 15. Mai 1894 ausgesperrten 20 pCt. sämmt- licher Arbeiler wieder einzustelle» und ferner einen von Unternehmer» und Arbeitern gemeinsam geleiteten Arbeits- Nachweis ins Leben z» rufen. Dieser Beschluß ist damals ausgeführt und der Arbeitsnachweis gegründet worden. Er be- findet sich Dresdenerstr. 97. Die Organisation dieser Arbeits- Nachweis- Stelle ist den Lesern ja durch die damalige Bekanntmachung nn„Vorivärls" bekannt. Der Arbeitsnachweis untersteht einem aus vier Unternehmern und vier Arbeitern bestehenden Kuratorium, in dem ein Obmann de» Vorsitz führt, der weder Arbeitgeber noch Unternehmer sein darf. Das Kuratorium hat in diese Stelle den Borsitzenden der Jnvaliditäts- und Altersversicherungs-Anstalt Berlin, Dr. Freund, geivhhlt, der nun für die beiden Jahre 1895 und 1890 während der der Arbeitsnachweis funktionirt, den Geschäftsbericht erstattet. Wir wollen die Hauptzahlen dieses Berichts hier wieder- geben. Das Gesannntresultnt für die Jahre 1895 und 1896 war folgendes: Branche Brauer..... Böttcher.... Gelernte Arbeiter. Ungelernte Arbeiter Fahrpersonal. �. Eingeschrieben 1010 325 742 4753 1037 fest 298 37 151 846 377 Eingestellt vorübergehend 1425 85 108 631 128 Auf Prozentsatz eingestellt 606 7867 1709 2372 606 Unter den»auf Prozentsatz eingestellten" sind diejenigen zu ver stehen, welche mit Umgehung des Arbeitsnachweises von den Brauereien direkt eingestellt werde» dürfen. Brauereien, die unter 20 Arbeiler beschäftige», dürfen danach jährlich fünf Arbeiter direkt einstellen; für die größeren Brauereien ist der Prozent satz etivas kleiner Seitens der betheiligten Brauerei-Arbeiter wird aber bekanntlich darüber geklagt, daß es hiermit nicht so streng genommen wird und in manchen Brauereien viel mehr Arbeiter nach Gunst ausgesucht und eingestellt werden, als es nach dem statutarischen Prozenlverhältniß zulässig iväre. Wie traurig die Arbeiterverhältuiffe auch im Brauereibelriebe sind, zeigt schon die obige kleine Tabelle. 7867 mal wandten sich Arbeitsuchende a» den Arbeitsnachweis, aber nur 4031 mal war dieser in der Lage, Stellen nachzuweisen. Und zwar handelte es sich dahei nur um 1709 feste Stellungen, während in 2372 Fällen ''ur AuShilfsstellen»achgewiesen werden konnten. Da in den obigen Zahlen der„Eingeschriebenen" die wiederholt stellenlos gewordenen doppelt oder mehrfach gezählt sind, je nachdem sie sich in den zwei Jahren er», zwei oder mehr Mal haben einschreiben lassen, so ist leider nicht zu ersehen, wieviel Personen sich insgesammt an den Arbeitsnachweis gewandt haben und wieviel von diesen im Lause der Berichtsperiode überhaupt ohne Arbeit geblieben sind.— I», übrigen ist der erstattete Bericht sehr ausführlich. In einer Reihe kleiner Tabellen sind namentlich die Einzelheiten der,-Versammlung ist»uinnehr das Projekt für die all, eilig angestrebte Verbreiterung der Potsdamer- st r a ß e auf der Strecke von, Potsdamer Platz bis Lützowslraße zur Beschlußfassung zugegangen. Wie wir früher bereits mitgetheilt haben, soll nach diesem Projekte der Fahrdamm auf der ganzen Strecke eine Breite von durchgehend 15 Meter erhalten. und zwar unter Zugrundelegiiug einer Gesammtstreckenbreite von 23.5 Meter vom Platz bis zur Brücke und von 24,5 Meter auf der Strecke von der Brücke bis zur Lützowstraße. Es ivürde hiernach für die Bürgersteige auf der erstgedachte,, Strecke eine Breite von je 4,25 Meter und auf der zweiten Strecke eine solche von je 4,75 M. verbleibe». Durch die Ausführung dieses Projektes werde» der Stadtgemeinde nur unbedeutende Kosten erwachsen, da. wie ebenfalls schon berichtet, die Große Berliner Pserde-Eisenbahn- Aktiengesellschaft auf gr>i»d der ihr seinerzeit bei Anlegung der �lerdeeiseabahn in der Potsdamerstraße gestellten Bedingnngen ver- Prozent übersteige._ Pokslles. Zur Lokalliste. Das Lokal von Zöls, Köpnickerstr. 62, ist für die Arbeiterschaft zu Versammlunge» zu haben. Die Lokalkommission. I. A.: Oskar Mahle. März-Tichter-Feier. Die Arbeiter-Bildungsschule macht heute bekannt, daß sie am Sonnabend, den 20. März in den Räumen der Brauerei Friedrichshai» eine März-Dichter-Feier veranstalten will. Wie man uns mittheilt, soll die Feier eine Ehrung der vor- märzlichen Dichter Heine, Prutz, Herwegh, Freiligrath u. a. sein. Da wieder wie bei den sonstige» künstlerischen Veranstaltungen der Schule hervorragende Mitivirkende für die künstlerische Ausführung des Programms gewonnen sind, so steht den Berliner Arbeitern allem Anschein nach wieder ein genußreicher Abend bevor. Alles nähere wird durch Plakate und Annonce später noch bekannt gegeben._ Der Berliner Lehrerberei» hat in seiner letzten Sitzung am vergangenen Freitag de» erfreulichen Beweis geliefert, daß er sich den großen, bewegenden Fragen der Zeit gegenüber nicht verschließt. andern sogar an ihrer Lösung an seinem Theile initzuarbeiten bestrebt ist. Zur Verhandlung stand die Frage der „Unentgeltlichkeit der Lehr- und Lernmittel an den Volksschulen", über die der Berliner Gemeindeschullehrer Fechner ein vorzügliches Referat, das sich besonders durch Sachlichkeit und klare, übersichtliche Gliederung aus- zeichnete, erstattete. Einleitend betonte der Redner, daß die Frage durchaus keine politische sei und daß daher die Argumentation jener Lente, die Lehrmittelfreiheit mit dem Hinweis ans die entsprechende ozialdemokratische Forderung für»»iansführbar halten, durchaus alsch sei. Im Jahre 1848 hätten schon die Lehrer-Provinzialvereine, 1869 der fortschrittliche Abgeordnete Waldeck, 1391 der Verein Waldeck und 1393 auch die sozialdemokratischen Vereine die Lehr- mittelfreiheit erlangte. Nordamerika, Frankreich, Hamburg und die Schweiz hätten sie entweder schon vollständig oder doch theilweise eingeführt. An der Hand zahlreicher statistischer Daten wies der Redner »ach, wie wirthschastliche Gründe, nämlich die traurige materielle Lage der breitesten Volksschichten, die Lehrmittelfreiheit erforderten und zwar nicht als Wohlthat, die in unserer Zeit nicht mehr angebracht sei, sondern als ei» Stück sozialer Gerechtigkeit. Ferner verlangten sie schulpädagogische Gründe. Jetzt vergehe eine lange Zeit, oft Monate, ehe sämmtliche Kinder die Lehr- und Lernmittel besäßen, auch sei das Material ein sehr ungleichmäßiges. Beides werde in Zukunft vermieden iverden. Von hoher erziehlicher Bedeutung sei serner, daß die Kinder nicht mehr wie heute vor der ganzen Klasse die Bedürftigkeit ihrer Eltern zugestehen müssen oder sich vielleicht durch Lügen vor diesem Zugeständnisse hinwegzudrücke» brauchen. Zum Schluß weift der Referent mehrere der gegen die Lehrmittelfreiheit erhobenen Einwände zurück. Wenn man sage, sie sühre nothgedrungen auch zur sozialdemokratischen Forderung der Ernährung und Beköstigung, so müsse er gestehe», daß beides für ihn nichts Ungeheuerliches sei. Daß die Lehrer durch die Erringung der Lehrmittelfreiheit einen Theil der sozialen Frage lösen, glaube er zwar nicht, da diese auf so leichte Weise nicht gelöst werden könne. Andererseits sei die Lehrmittelfreiheit aber soviel werth, daß die Lehrerschaft sie voll und ganz befürworte» könne. In der Diskussion waren die meiste» Redner mit dem Referenten wenigstens im Prinzip einverstanden. Nur ei» Redner befürchtete dadurch eine Steigerung der„Begehrlichkeit der Massen", welche hohe sozialpolitische Weisheit allgemein belächelt ivurde. Unter Ablehnung aller pbrigen Anträge wurde zum Schluß folgende vom Referenten vorgeschlagene Resolution mit großer Majorität angenommen:„Die ungünstige wirthschastliche Lage weiter Schichten der Bevölkerung drängt dazu, die geschicht liche Entwickelung des Schulwesens in der Richtung fort- zusetze», daß die durch die Versassung gewährleistete U» entgeltlichkeit des öffentlichen Unterrichts über die Aus Hebung des Schulgeldes hinaus fortgeführt und durch die kostenlose Abgabe der Lehrmittel(Bücher- und Schreibmaterialien) ergänzt wird. Aus volks- und schulpädagogischen Gründen erklärt sich der Berliner Lehrerverein für die unentgeltliche Lieferung der Lehrmittel an alle Schüler der Volksschule ohne Einschränkung und erwartet, daß bei der Answahl und Einführung der Lehr> n»ittel der Lehrerschaft eine geordnete Mitwirkung eingeräumt wird. Er hofft, daß die Schulverwaltung der Hauptstadt wie seiner Zeit bei Aushebung des Schulgeldes so auch hier auf dem Gebiete der Lehrmittelfreiheit thalkräftig vorangehen wird." Wenn unsere Genossen im Rothe» Hause über kurz oder laug ihren Antrag an Lehrmittelfreiheit wiederholen, so werden sie sicherlich diese unzwei deutige Stellungnahme der berufensten Körperschaft, des Berliner Lehrervereins, in gebührender Weise berücksichtige». Mit dem Jainmer der Haltekinder beschäftigten sich am Freitag die Gemeinde-Waisenrälhe in einer auch von Damen gnt besuchte» Sitzung. Ueber die Verhandlungen berichtet ei» hiesiges Blatt:„Die Erfahrungen sind im allgemeinen keine günstigen ge> wese». Es wurden vor allem folgende Forderungen aufgestellt De» Waisenräthen muß die bisher mangelnde Mitwirkung bei der Ertheilung der Konzession zum Alisnehme» von Haltekindern gewährt werden. Jedes Haltekind bedarf einer eigenen Lagerstätte. In den Familien, die Haltekinder aufgenommen habe», dürfen mit Einschluß der eigenen nie mehr als zwei Kinder unter drei Jahren sein. Die soziale» und gesundheitlichen Verhältnisse jder betreffenden Familien müssen gute und geregelte sein. De» Pflegemüttern sind entsprechende hygienische Anweisungen zu geben. Als wünschenswerth wurde es außerdem bezeichnet, daß für die Beaufsichtigung der Haltekinder unter Umstände» auch die Armenärzte mit herangezogen werden Geklagt wurde über die Schwierigkeit, die es in den Fällen, ,vo die Mutter das Pflegegeld selbst zahlt, de» Waisenräthen bereitet, Kinder aus ungeeignete» Pflegestellen zu bringen. Trotz mancher Mängel wurde im Allgemeinen aber doch anerkannt, daß in Berlin den Pflegemüttern der Vorwurf der„Engelmacherei" nicht zu machen sei, daß viele Pflegemütter im Gegeulheil mit wahrer Liebe sich der Haltekinder anuehmen, wen» auch bei den meiste» der Gewinn die Veranlassiuig zur Aufnahme gewesen ist." Der Jammer, de» auch diese sorgfältig abgewogene Darstellung erkennen läßt, tritt ins rechte Licht nach einer vor gut Jahressrist vom Privatdozenten Dr. Neumann gegebenen Mittheilung, wonach in, er>len Lebensjahr nicht weniger als 42 pCt. unehelicher und 23 pCt. eye>!-ber Haltekinder in iBerlin zu gründe gehen. Von etwa 3500 Haltekinder» ivaren 1395 die meisten für 15—18 M. einige sogar nur für 6 M. untergebracht. Wie es bisher mit der „Sorge um das Wohlergehen" dieser unglücklichen Geschöpfe bestellt war, mag ans dein Umstände entnomme» werden, daß die Kontrolle von— Schutzleuten ausgeübt wurde! Die bürgerliche Philanthropie wird an diesen Zuständen weuig bessern können; Wandel kann erst geschafft werde», ivenn es der Arbeiterschaft gelungen ist, sich im Kampf mit den Kapitalisten und de» Organe» des Kapitalistenstaates bessere Lebensbedingungen zu erringen. Vo» dein erzieherischen und veredelnden Streben»lancher akademischer Nereu«e gieb» eine„Berichtigung" ein Beispiel, die wir in der Berliner Hochschnlen-Zeitung„Faktotum" finden: Gegen die Ausführnttgen des Herrn Dr. A. G. in der vorigen Nummer dieses Blattes verwahrt sich der A. T.- V.„Arminia" auf das entschiedenste. Wenn letzterer auch davon Abstand nimmt, in kleinlicher Weise Geldstrafen für den Nichtbesuch der Vereins- Veranstaltungen vo» seinen Mitgliedern zu erheben, so sind dieselben doch moralisch und nach den Satzungen des A. T.- V.„Arminia" zu einem durchaus regelmäßigen Besuch der Vereinsabende ver- pflichtet. Der A. T-V.„Arminia" ist streng korporativ gestaltet und wird es daher nie dulden, daß sich seine Mitglieder den geselligen Veranstaltungen des Vereins(in jeder Woche ein Spiel- abend und eine Kneipe) entziehe». Der A. T.- V.„Arminia" I. A.: Otto Mendt, cauä. rer. techn., Vorsitzender des A. T.-V. „Arminia". Der teutsche Jüngling, der nicht mindestens einmal in der Woche spielt und kneipt, wird in Verruf gethan. Auf zum Kampf für Ordnung, Religion und Sitte! Bon Angestellten der Berliner Packetfahrt wird uns ge- chrieben: Die an und für sich schon nicht knapp bemessene Arbeits- zeit der Angestellten wird in einigen Bureaus dadurch noch ver- !ä»gert, daß die Briefträger bei der letzten Tour noch die„Berliner Wohnungszeitniig" zu bestellen habe». Während früher diese Tour 'elten über 3 Uhr abends danerte, hat jetzt jeder Briefträger eine halbe bis eine ganze Stunde länger zu thun. Trotzdem nun die Arbeitszeit gegen früher verlängert worden ist, was nebenbei be- merkt, von den davon Betroffenen um so unangenehmer empfunden wird, weil diese„Wohnungszeitung" nur in einigen Bureaus bestellt wird, verlaiitet doch nichts von einer Bezahlung dieser Ueberstunden. Daß aber auch die Privatkorrespondenz unter Umständen darunter zu leiden hat, versteht sich ivohl von selbst. Denn nlan kann es schließlich selbst einem Briefträger der Packetfahrt nicht verdenken, wen» er sich abends um 9 oder'/alO Uhr darauf besinnt, daß ja morgen auch»och ein Tag ist, an dem gearbeitet werden kann. Wie die Dummheit Kirche» baut. Dieser Tage fand, wie die„Volks-Zlg." zu melden weiß, zur Erinnerung an den kürzlich verstorbenen preußischen Hofprediger Froinniel in einem hiesigen evangelischen Vereine eine Gedächtnißfeier statt, in welcher der Oberkonststorialrath gieicherdt aus Posen die Gedächtnißred» hielt. Darin kommt folgende Stelle vor:„Er(Frommel) folgte einem Ruf nach Barmen, das sür ihn eine Hoch- schule geworden ist. Es ivar aber ein überaus schönes Verhältniß zwischen ihm und seiner Gemeinde. Barmen hatte damals etwa 3000 Seelen; als es auf 20—25 000 anwuchs, wollte Frommel zivei Kirchen bauen lassen, die Bauern wollten aber nicht recht mit dem Gelde rausrücken. Da ging die Sage, es spuke im Pfarrhaus.„Ja, ja," sagte Frommel, als er das hörte,„mir ist Euer aller Pfarrer Bartels erschienen!" Den Leuten wollten schier die Haare zu Berge stehe».„Was hat er denn gesagt?" fragten sie Frommel.„Nun, schämt Euch was, hat er gesagt, Ihr wollt nicht zivei Kirchen bauen sür 25 000 Seelen?" In derselben Stunde hatte Frommel 50 000 Thaler zum Bau von zwei neuen Kirchen in Händen!" Vielleicht bewilligen die liberale» Stadtverordneten, denen man ja auch durch patriotische» Spuk erfolgreich einige hunderttausend Mark abknöpfen kann, nach ähnlichem Rezept hinfort die bisher beanstandeten Kirchenbaugelder. Der Frühling ist in Berlin eingszogen; gestern Nachmittag gab die erste A m s e l im Kastanienwäldcheii ein entzückendes Solo- konzert. Ob zu Ehren des Herrn Miquel Exzellenz, der gerade zum Fenster hinaus sah, das wissen wir nicht. Er schaute sehr nach- denklich darein; als aber sein Blick auf die zahlreiche Zuhörerschaft des gefiederten Heldentenors fiel, zuckte plötzlich ei» befriedigtes Lächeln über das Gesicht des malkontenten Automaten-Vaters. Was bedeutet dieses Lächeln? Werden wir demnächst mit einer Amsel- st euer beglückt werden? Oder noch besser mit einer all- gen, einen Singvogelstener? Wenn Jeder und Jede, die Singvögel im Zimmer halte», 10 M. das Jahr, Jeder und Jede, die im Freie» einem Singvogel zuhören, 10 Pf. zu zahlen haben, dann käme schon Geld genug sür ein paar Gespensterschiffe zu- sammen. Doch— man soll mit dem Feuer nicht spielen. Also still!— Der Berliner Ghmuasiallehrer-Berei» hat dem Magistrat eine Petition sür den städtischen Etat wie folgt unterbreitet: 1. da? Gehalt der städtischen höheren Lehrerschaft von Ostern 1897 ab auf dieselbe Höhe zu bringe», welche es von da ab beim Staat hat, und von demselben Zeitpunkte ab das Höchstgehalt in 24 Jahren erreichbar zu machen; 2. die feste Zulage von 900 M. von Ostern 1897 ab derart zu regeln, daß sie de» Oberlehrern der Stadt Berlin immer gleichzeitig mit ihre» Dienstaltersgenossen an königlichen An- stalten ertheilt wird; 3. eine Einrichtung zu treffen, welche auch nach Ostern 1397 die Nachtheile ausgleicht, die aus der Nichtanrechnung des Militärjahres und eines Theiles der Hilsslehrer-Dienstzeit sür die städtische höhere Lehrerschaft hervorgehen. Auch ein Verfrommuilgsstreben. Ueber den Religions- Unterricht jüdischer Kinder ist n. a. folgendes verordnet worden: „Die Leiter der Schulanstalten Berlins, in denen jüdische Kinder ihre» Profanunterricht empfangen, werden Anweisung erhalten, sich von jedem die Schule besuchenden Kinde mosaischer Religion innerhalb des schulpflichtigen A'tcrs einen bescheinigten Nachweis darüber erbringen zu lassen, da'�-nnd von wem dieselben Religions- Unterricht i» ihrem Glauben erhalte». Die Namen derjenigen Kinder, welche ohne solchen Unterricht aufwachse», werden alsdann von dem königlichen Provinzial-Schulkollegium dem könig- lichen Polizeipräsidenten mitgetheilt werde», damit dieser in die Lage kommt, den Vorstand der Synagogengemeinde anzuhalten, die betreffenden Kinder mit ordnungsmäßigem Religionsunterricht in ihrem Glauben zu versorgen und den Nachweis darüber zu er» bringen. Als Nachweis sür die Befähigung zur Erlheilung jüdischen Religionsunterrichts wird die Ablesung einer Prüfung in Religion vor der Kommission des jüdischen Seminars unter Zuziehung eines Vertreters des königlichen Provinzial-Schulkollegiums verlangt und die Zulassung zur Lehrer- und Lehrerinnenprüfung vom vorherigen Bestehen der Religionsprüfung abhängig gemacht werden." Die physikalische Abhandlung eines Berliner Gemeinde- schülers lautet nach der„Päd. Ztg." folgendermaßen:„Das Thermometer.— Das Thermometer ist ein französisches Wort und heißt Thermomesser. Da kam ein Deutscher, der hieß Zelsius und machte 100 Grad Wärme. Dann kam«in Franzose, der hieß Röaumur und machte 80 Grad Kälte. Das ist der einzige Unter- schied. Wenn die Sonne auf die Kugel scheint, so kann sie es vor Hitze nicht aushallen, und das Quecksilber steigt. Im Winter dehnen sich die Eisenbahnschienen niw. ud im Sommer ziehen) sie sich wieder zusannne», oder es ist umgekehrt. Wenn Herr F. das Thermometer ans Fenster hält und ich und Rossow und Wagener müssen beobachten, wie das Quecksilber fällt, dann steigen die anderen auf die Bänke." Tie Besitzer vo» Pribat-Badeanstalte» beabsichtigen, dem- nächst bei dem Magistrat vorstellig zu werde», um wenigstens die Abschaffung der sogenannten I. Klassen-Bäder zu erwirken. Es wird hiesige» Blättern zufolge darauf hingewiesen, daß es nicht die Ab- ficht der Stadtverwaltung sei» könne, den Privatanstalten den Er- werb unnöthig(!) zu erschweren. Wenn der Magistat sich seiner sozialen Pflicht in diesem Punkte bewußt wäre, so müßte die Ant- wort in der Errichtung einiger neuer städtischen Badeanstalten be- stehe». An keinem Orte Deutschlands fordern die Besitzer von Privat-Badeanstalten so unverschämt hohe Preise wie i» Berlin. Zui» beste» der gemeinnützige» Bestrebnnge» der Ver- einigung von Freunden der Astronomie und kosmischen Physik wird Prof. Dr. Wilh. Förster, Direktor der kgl. Sternwarte, eine» Zyklus von vier Vorträgen:„Die Astronomie in Geschichte und wart" an den vier Freitagen de? Monat? März abends 6 Uhr im Saale des Wilhelms- Gymnasiums, Bellevuestraß� 1V. abhalten. Näheres aus Ansrage bei dem Vortragenden und durch Inserate. Im Berliner Aauarium ist die Haifischzucht in letzter Zeit so ergiebig gewesen, dast ina» diese OrdnungSverwandte» der be- rnchtigten„Hyänen des Meeres" in vier gröpere und kleinere Be- Kälter des obere» und untere» Grottenganges verthcilt hat und in de» letzteren nun alle Generationen zn besichtige» find; neben den soeben der länglichviereckigen Eihülle«ntschlnpsten, reichlich finger- langen, saudgelbcn braun getiipfelien Jungen die Hand- und snß- langen, graugelönte», schwarz und weiß gefleckten Jungfische und die dunklen, ziemlich oder vollständig ausgewachsene», sortpflanzungs- fähige» Exemplare, von denen einige ihre Eier in dem große» Bassin des Rundtheils abgelegt hatten. An der Steinwandung einzelner Seewasserbecken bemerkt man jetzt gelbliche graue, flache, zerfasert erscheinende Wassergebilde. die der Laie nicht zu deuten weiß, während der Eingeweihte uns belehrt, daß wir es hier mit Entwickelungsstufen von Seelhiere» zu thun haben. Auch unter den ans Roviguo am Adrialischen Meere angelangten Meeresbewohnern sind die lebhast roth und gelb ge> färbten Korkschwämme und andere vertreten und dabei als neue, hier noch nicht gezeigte Art ein Verivandter des rothen Korallen- schwammes. eine prächtig orangegelbe, reichlich fußlange verzweigte Axinella, die eine Zierde des sogenannten Stilllebenbeckens bildet. Die Borstelluugeit deS Slffe»- Theater» im Passage- Panoptikum finden»och an zwei Tagen statt, so daß die Abschieds- Vorstellung nicht an» heulige» Sonnlag, sonder» erst am Dienstag gegeben wird. Typographia. Wie ans demJnseratentheil ersichtlich, veranstaltet der in Arbeilerkreisen durch seine hervorragenden Leistungen bekannte Verein„Typographia, Gesangverein Berliner Buchdrucker und Schriftgießer"(Dirigent W- Bölk») am Sonntag, de» 14. März er. in L. Keller's Festsäle», Koppenftr. 29. ein Aokalkonzert. Lieder von Abt, Mendelssohn, Schumann, Häser. Beschnitt, Kremser u. a., sowie einige von der Konzertsängerin Frl. Johanna Thiele vor- getragene Kompositionen wechseln sich in dem uns vorliegenden reich- haltige» Programm ab. Wir verfehlen nicht, die Leser unserer Zeitung auf dies Konzert aufmerksam zu machen. Ter Polizeipräsident von Windheim wird im Auftrage des Ministers des Innern am 1. März eine Reise zur Jusormalion über Polizei-Einrichtungen in fremden Großstädte» antreten. Er wird auch während dieser Abwesenheit von seinem ständigen Vertreter, Ober- uud Geheimen Regierungsrath Friedheim vertreten werde». Vielleicht stellt der Polizeipräsident in London einige Betrachtungen über das Verhältniß zwischen Publikum und Polizei hüben und drüben au. Ueber die unerträglichen Zustände, welche durch die Ueber- fülluug der Berliner Krankenhäuser hervorgerufen worden sind, be- richtet man weiter: Am Donnerstag hatte das Kopp'sche Krauken- transport- Institut vom Lehrter Bahnhof aus das Dienstmädchen Anna Schmidt aus Nauen nach einem Kranlenhause zu bringen. Der Wagen fuhr mittags mit der Patientin vom Lehrler Bahnhof ab und bewegte sich dann nach sämmtlichen öffentlichen und Privat-Krankenhäusern, aber vergeblich, so daß die Kranke nach einer vierstündigen Fahrt gegen 7 Uhr abends nach dem Bureau des oben erwähnten Transportinstituts gebracht werden mußte. woselbst die Erschöpfte, dank der Humanität des Kranken- transportwagen- Inhabers vorläufig im Geschäftsraum aufgebettet wurde. Hier lag sie bis gegen 10 Uhr abends und wurde dann aus Veranlassung der Polizei nach dein Asyl für Obdachlose gebracht. Am folgenden Tage konnte sie endlich nach Ueberwindung vieler Schwierigkeiten in der Charitee Ausnahme finden.— Dasselbe Transportinstitut hatte am Freitag eine schwerkranke Frau aus der Pankstr. SS abzuholen. Nachdem der Wagen fämmt- liche größeren Krankenhäuser vergeblich aufgesucht und bei telephonischen Anfrage» in anderen Krankenhäusern bezüglich Anfnahme ablehnender Bescheid kam. mußte die Patientin»ach zweistündigem Umherirren durch Berlin wieder»ach ihrer Wohnung zurückgebracht tverden.— Derartige kleine Unannehmlichkeiten wird jeder nicht auf den Umsturz versessene Staatsbürger gerne ertragen. Weiß er doch, daß die Stadtverwaltung zu wichtigeren Dingen, so ». B. zu der„Nalionalfeier", hansenweise das Geld der Steuerzahler brauchen muß. Tie TauitätSwache, die in Verbindung mit der chirurgischen Poliklinik der Charitee errichtet werden soll, kommt nach dem Hause Luisenstr. 2 und soll zum I. April d. I. eröffnet werden. Der ArbcitöauSschnst der Berliner Gewerbe-Ausstellung beab- sichtigt, dem Polizeipräsidenten v. Windheim 1309 M. als Gratifikation für die die Aufsicht sührenden Beamten bei den Ziehungen der Auestellungslotterie zu überweisen. Weil er nicht in ein Krankenhau» aufgenommen werden konnte, bat der 54 Jahre alte Arbeiter Andrea? Langner aus der Audreasstr. 70 Hand an sich gelegt. Langner>var infolge eines Beinschadens drei Monate lang arbeltiunfähig gewesen und zu Hause ärztlich behandelt worden. Er wurde wieder hergestellt und konnte seiner Arbeit wieder nachgehen, aber nach 13 Tage» trat der Schaden wieder ans und Langner erkrankt» zu gleicher Zeit auch innerlich. Er versuchte nun auf grund eines Scheines seiner Kasse bei mehreren Krankenhäuser», Aufnahme zu erlangen, wurde aber überall wegen Ueberfüllnng abgewiesen, da er nun der Meinung war, daß er nur in einer Anstalt Genesung finden könne, aber an der Aufnahme ganz verzweifelte, so wollte er seiner Familie nicht länger zur Last fallen. Am Mittwoch versuchte er, sich durch einen Sturz aus dem Fenster zu tödten, wurde aber von seinen Angehörigen daran gehindert. Als man ihn am Freitag nach dem Mittagessen»ine» Augenblick unbewacht ließ, benutzt» er die Gelegenheit, sich in der Küche am Ranchfnng zu erhängen. Wiederbelebungsversuche eines Arztes hatten keinen Ersolg. Aus LiebeSgram hat sich da? Dienstmädchen Christine Bräutigam im Hause ihrer Herrschaft, Prenzlauerstr. S7, durch Er- hängen das Leben genonimen. Im St. HedwigS-Krankenhause ist gestern Nachmittag gelegentlich de» Transportes einer Patientin der Führer einer Equipage verunglückt. Die Krank«, eine älter» Dame, welche i» ihrem eigenen Wage» nach dem Krankenhause gebracht worden war, wollte den Hinteren Eingang des Gebäudes benutzen. Kaum hatte die Patientin den Wagen verlasse», als die Pferde plötzlich durch irgend einen Umstand scheute» und sich kurz umdrehten. Der Kutscher flog vom Bock herunter und niit solcher Gewalt gegen die Mauer des Gebäudes, daß er anscheinend innere Verletzungen erlitt und ebenfalls in dem Krankenhaus« verbleiben mußte. Der Tirb, der am S7. v. M. beim Uhrmacher Michaelis i» der Hollmannstr. IS etwa 80 Uhren gestohlen hat. ist in der Person des„Arbeiters" Neuman» in Magdeburg abgefaßt worden. Außer ihm wurden noch zwei Diebsgenossen sestgenoinmen. Gin eigenartiger schwerer Unfall mit anscheinend sehr traurigen Folgen hat sich am Freitag im Hause Oppelnerstr. 27 zugetragen. Dort hatte die Frau des Schlossers M. ihr fünf Monate altes Kind in der Küche auf das Bell gelegt und war mit ihm beschäftigt. Plötzlich sprang an der Küchenlamp«, die über dem Bette hängt, der Zylinder und ein Splitter fiel dein Kinde r» das rechte Auge. Die Mutter eilte mit dein Kleine» in ei» Krankenhaus und mußte hier zu ihre», Schrecken erfahren, daß die Verletzung schwer ist und unter Umstände» zur Erbliiidiliip führen kann. Da ihr schon einmal ein Kind verunglückt ist und ihr Mann gerade den Klei»»» sehr lieb hatte, so bekam sie Angst, fiel mehrmals in Ohnmacht und rief»in über das ander» Mal:„Mein Mann schlägt mich todt." Die unglückliche Mutter ist nickt wieder nach Hause zurückgekehrt. Sie hat ihr dreijähriges Töchlerche» Helen« im Stich gelassen und ist verschwunden. AttS de» Nachbarorten. Marieudorf, Tempelhof! Am Dienstag, den 2. Mär», abends SV» Ubr wird bei Gerlh in Tempelhof ei» Lese-Abeiid des Arbeiter- Bildungsverein» für Mariendors und Umgegend stattfinden. Der Genosse Rosenstock hält daselbst seinen vierten Vortrag. Wir er- suchen die Parteigenossen, recht zahlreich zn erscheinen. Der Vorstand. Ten Parteigenossen von Steglitz und Friedenau zur Nach- richt, daß ain Dieustag, den 2. März, die Generalversammlung des 'Arbeiter-Bildnngevereins stattfindet, in welcher Genosse Schneider über das Thema:„Die Fäuliiiß in der bürgerlichen Gesellschaft", sprechen wird. Darauf findet Neuwahl des gesamiiite» Vorstandes statt. Wir ersuche» die Parteigenossen, wegen der wichtigen Tages- ordnuiig recht zahlreich und pünktlich zu erscheinen; auch Gäste haben Zutritt. Der»louatliche Beitrag beträgt 20 Pf. Die Bertaminlung i!t bei S ch e l l h a s e, Sieglitz, Ahoriistraße lös, abends S'/e Uhr. Der Vor st and. I» der Eingcnicindnngsfrage, die durch den Beschluß de- Provinzial- Landtages, an Schoneberg das Stadtrecht zu verleihen, ivieder in Fluß gekommen ist, hat eine Versammln»? in W i l m e r s- darf folgende Resolution gestellt:„Die heute in Deutsch-Wilmers- dorf tagende, zahlreich besuchte öffentliche Versammlung von Ein- wohner» der hiesigen Gemeiiide erblickt für die mit Berlin im Gemenge liegenden Vororte nur in der Eingemeindung die einzige befriedigende Umgestaltung ihrer konnnunale» Vcr- Hältnisse. Deingeiiiäß ist dahin zu streben, daß bei eintretender Eiiigeniemdung auch die Gemarkung Wilmersdors nicht ausgeschlossen bleibt." Ei» Kasseudiebstahl ist der„Nat.-Ztg." zufolge bei der Luft- schiffer-Abtheilniig in Schöneberg verübt worden. Seit längerer Zeil wird die Kasse der Abtheilungskantine mit der vollen Tages- losuiig zur Nachtzeit ans der Kasernen- Wachtstube unter- gebracht. Als vorgestern Morgen der Verkäufer erschien, u», die zweihundert und etliche Mark enthaltende Kasse abzuholen, war sie verschwunden. Der wachthabende Unter- osfizier hatte sich wegen Müdigkeit auf die Pritsche ge- legt und einen Mann zum Wachen kommandirt. Auch dieser wurde schläfrig und will im Halbschlummer eine Person beinerkt haben, die sich den Kasten inil dem Gelde angeeignet habe und damit eiligst verschwundei, sei. Man vermnthet, daß der Dieb«ine mit den örtlichen Verhältnissen genau vertraute Person ist. Gliiek im Unglück hat das junge Mädchen aus Aliinsmühle bei Teinpli» gehabt, das beim Geiulß eines Milchbrotes eine Nadel verschluckte. Durch einen operative» Eingriff ist die Nadel aus dem Kehldeckel, in de» sie sich festgesetzt hatte, schon wieder enisernt worden. Dabei stellte sich heraus, daß es nicht eine Stecknadel, sondern eine Nähnadel war, die den Unfall noch gefährlicher machte. Das Mädchen hat das Krankenhaus bereits verlasse» und in seine Heimalh zurückkehren können. Theakev. »lieater- zpach«»chr«»il,. Opernhaus. Sonntag, den s». Februar: ..Tannhauser"«Infang 7 Ubr. Montag,>. März:„Die HugenoNen". Anfan 7 Uhr. Dienstag, 2.:„Fldelto". Mittwoch, a.:„Undine". Donnerstag.«.:.Wilhelm Test. Dell: Herr Dh. Reichmann, t. l. Kammersänger au« Wien, a. 9. Anfang 7 Uhr. Freitag, a.:„undine". Sonnabend,„Earmen". Sonntag,?.: „Die Afrikanerin". ReluSco; Herr Dh. Reichmann a. A. Anfang 7 Uhr. Mon- lag. 8.: Das Heimchen am Herd. Anfang 8 Uhr. Dienstag,».: Sinfonie.— Schauspielhaus. Sonntag,»». Februar:„Der Perfchwender". Montag, l. Mär,:„Der Btbliolhelar". Dienstag. 2.:„Wilhelm Dell". Mittwoch, 3.:„lau". Donnerstag, 4.:„vasantafena". Freitag, 6.:„König Heinrich IV." i. Dhetl. Donm abend,«.:„König Heinrich IV." g. Dheil. Sonnlag, 7.! ,.1812". Montag. 8. „Der Revisor". Dienstag, s.: Sefchloffen.— R eue S königliches Operntheater(Kroll). Sonntag. 28. Februar:„Die»rille". Sonnlag. 7. Mär«: „Die Grille",(llrmäbigte Preise.)— Da« Deutsche Dbeater bringt heute, Sonntag Abend die erste Wiederholung de« neuen dramatischen Märchen« von Ludwig Fulda:„Der Sohn de« Kalifen", da« außerdem noch Dienstag, Donnerstag sowie nächstfolgenden Sonntag Abend ,ur Ausführung lomini: Montag wir»„John Gabriel Borkmon»" gegeben, Mittwoch und Sonnabend„Die versuntene»(Ode"; Freitag„Mo.Uuri"; NachmtllagS-iSorstellungen sind heute Sonnlag„Hanncle'S Himmelfahrt" in Verbindung mit„Ohne Liebe", nächsten Sonntag„Die Jüdin von Toledo".— Im Leffing-Dheater beginnt beut« in Goethe'« Schauspiel„Die Geschwister" und dem Drama„Monsieur Alphonse" von Alcrandre Duma« NU, Frau Hedwig Rlemann ihr Gastspiel, das sie Dienstag i» denltlbe» Rollen. Donnerstag al« Hertha in OSlar Blumenlhal'S Schauspiel„Ein Dropsen Gift" und Freitag in der Titelrolle von„Madame SanS-Gene" fortfeßt, um Sonnabend und Sonntag mit zwet Wiederholungen des Schauspiel»„Ei» Dropsen Gift" ihr Gastspiel»u beschlieben. Der Spielplan für die Zwtschentage ist dabin festgeseh«, dast am Montag„Meerlcuchten" und am Mittwoch„Da« Glück im Winket" gegeben wird. AI« RachmittaaS-vorftellung gelangt heute Sonnlag„Der ProbepfeN" mit Frl. Tetschy al« Gast in der Molle der Hortcnse von Walnad und nächsten Sonnrag„Dt- Ehre" mit Herrn Löwenseld als Gras Trost zur Aufführung.— Im Berliner Theater tan» wegen Er- trantuna voo Frl. Hetne„Der Gymnastaldtritlor", welches Stück sür die nächst» Woche dreimal in Aussicht genommen war, vorläufig nicht gegede» werden. Der Spielplan lautet wie folgt: vionlag„König Heinrich" mit Herrn Sommersrorff und Herrn Krauhned, Dienstag„Kaiser Heinrich".„Renaiffance" gehl heute, Sonntag, Mittwoch und Sonnabend tn Szene. Donnerstag findet die erste Aufführung vo» Hairan", dramatische Dichtung von Adolf Witbrandl. statt, die Freitag<2«. AbonnemenISvorsielluna) und nächsten Sonniag Abend wied-r- holt wird. NachmtttagS-Borstellunaen find: diesen Sonnlag„Die Jungfrau von Orleans", nächste» Sonntag„König Heinrich".—„Affocits" geht lm Rest den,- Thealer Dienstag, 2. März, zum 2«. Male tn«ze»».- Der Spielplan des Neue« Theater« wt d auch tn der nächste» Woche ausschließlich von Sardou'S„Marcelle" d, herrscht.— Im Sch tller-Theater wird heute Nachmittag„Der Millionenbauer", abend«„Der Psarrer von Ktrchseld" gegeben, im Bürgersaale de« Slathhause« ist„Franz Schudert-Adend". Montag gehen noch etninal„Ter Schierling" und Shatespeare'«„Die Komödie der Irrungen" tn Szene. Dienstag wird„Ein Winlermärchen", Donnerstag Slowronncl'S Lustspiel„Eine Palastrevolution" und Mittwoch, Freitag und Sonnabend Rofegaer'S Boll«- schauipiel„Am Tage de» Gericht»" wtederholt. In der Woche daraus wird das«tnallige Familiendrama„Der letzte Tag" von Paul Ltnseman» aleichzetlig mit Jorda»'« Lustspiel„Durchs Ohr" wieder aufgenomme».— Im Thalta-Theaier werden bei der so. Aufführung von„Frau Lieutenaiil" Dienstag, 2. März, in allen Rollen dieselben Darsteller beschasilgi sein, dle seil der erste» Auffuhrung ununterbrochen auf dem Posten gestanden haben. Für Sonntag Nachmtltag ist eine Wiederholung de» Schaufptel»„Tnlbg" angesetzt.- Die burleSle Revue„Gin stdeler Abend" geht im Zentral-Theater heute Sonntag, nachmittag« und abend» in Szene. Montag ist dt««». Aufführung de« Zugstüds.— Da» Slüd„TrUby" bleibt im B«llc» A ll ian c e- T h e a te r bis aus weitere« auf dem Spielplan. Montag, l. März, sindet bereit» die 2S. Ausführung Iiatt.— Im Friedrich Wilhelm städtischen Thealer wird heul, Abend„Hetnrich Hein-" mit Herrn Pander vom Thalia-Dheater tn Ham- bürg al« Hühneraugenoperateur u»v Lottertekolletteur Hirsch wtederholt.— Im Ateranderplatz-Theater geht heut, Nachmittag 4 Uhr zum ersteu Male „Frau Holle", Zaubennärchen mit Gesang und Tanz in s Bildern von Eugen Prüden», in Szene.— Im Apvllo-Theater wird dle spanisch« Tänzerin Eommencila auch im nächsten Monat aufirettn.— Im Bolkt-Thealer er- lebt von„Stufe zu Stufe" am Montag schon seine 2s. Vorstellung; heute ist um 7 Uhr Ansang._ Soziale VvchtsMege. Das vielfach übliche„Aussetzen der Arbeit", führt ost die Belheiligte» vor das Gewerbeyericht. Auch eine Klage des Sementarbeilers L. gegen die Firma Echmid u. Konip. hatte darin ren Grund. L. hatte mehrere Tage„ausgesetzt", jedoch nur unter der Bedi»gu»g. daß er bald weüer arbeiten dürfe. Arn dritten Tage, einem Eo»»abe»d, wurde er jedoch entlassen. Er verlangte nun die drei Tage entschädigt, indem er gellend machte, sich mit Rücksicht auf die voraussichtliche Weiterbeschäftigung nicht nach anderer Arbeit»»igesehen zu haben. Der Vertreter der Be- klagten betonte, die Küildiguiigöfrist sei ansgeschlosse» gewesen und die Entlassung wäre die Folge des Jrrthums eines Komptoristen. Die Kammer III des Gewerbegerichti verurtheille die Beklagte jedoch. dem Kläger 15 M. zu zahlen. Trotz des Kündigungsausschlusses habe dieser ein Anrecht auf die Entschädigung, weil er infolge jener Bedingung, alsbald wieder in de» Betried eintreten zu können, sich der Firma Eckintd u. Komp. drei Tage lang zur Berfügnng �e- halten habe. Wenn wirklich die Entlassung aus ein Versehen im ttomptoir zurückzusühren wäre, dann könnt« doch der Arbeiter darunter nicht leiden._ Vevmifchkes vom Wage. — Die Flüsse Werra und Fulda führen Hochwasser. I» Hannöversch Minden zeigt der Pegel 3,69 rn über Null. Ter Verkehr auf der Landstraße ist theilweise unterbrochen.— ~ Aus Eifersucht»rsckoß i» Ron hausen bei Marburg«in Arbeiter sein« Frau und seinen Schwager. Dann kehrte er die Waffe gegen sich, verwundete sich aber nur leicht am Kinn.— — Zu einem formlosen Klumpen verbrannt ist in Bayreuth «in löjähriges Mädchen. Es wollte sich in volle», vallstaat noch eiiimal im Spiegel besehen, bei dieser Gelegenheit muß die Lampe explodirt sei» und das Unglück war fertig.— — Der deutsche Dampfer„Gera", der im Kanal von I s ch i a (Insel bei Neapel) aus Tuffselsen aufgefahren ist, muß entladen tverden.— — Die Schwestern Barrison, die im Etablissemeilt Ronacher in Wie» engagirl waren, wurden plötzlich entlassen. Die Wiener „Ledeivelt" ist außer sich.— — In Budapest wurde Juwelier Haas ermordet, sein Geschäft theilweise ausgeraubt.— — Für die P o p» la r i t S t T o l st o i'S in Rußland legt folgendes, von de» rlissischen Blättern erzählte Eeschicktchen Zengniß ab: Tolstoi weilt gegeinvärtig in Petersburg. Am Tage der Gründungsfeier der Pelersburger Universität trafen einige hrnidert Slndenten den Grafen Tolsivt ans der Wasstli-Ostrowstraße an. Die Jugend erkannte sofort den greisen Dichter und bereitete ihm eine eiilhusiastische Ovation; man küßt« ihm die Hände, den Saum des Kleides und hätte ihn beinahe im Triumph durch die Straße getragen, lvenn Tolstoi dagegen nicht protestirt hälie.— Da war der Alte wieder eiinnal vernünftiger als die Junge».— — In Kischinew(Rußland) wurde» zwei Bäueriilnen am helllichten Tag von Wölfen zerrissen. Man fand von den Frauen nur einige Haarbüschel und euiige Fetzen ihrer Kleidung vor. Eingelaufene Druckschriften. ..Ztrchi» für f-ilal»«esebg-bun«„»> tztutiK»,". Da» Februarheft dieser nunmehr im zehnten Jahrgang erscheinenden von Dr. Hetnrich B-aun heran«. gegebenen geuschrist(Berlin, Earl Hepmann'« Verlag) hat solgenden Inhalt: Abhandlungen: Hasenardeiier und Seeleule tn Homburg vor dem Streik >824—27. Von Prof. Dr. Ferdinand Tönnic« tn Hamburg.— Dte Hetmardett und ihre geplante Negetung tn Oesterreich, von Dr. Stephan Bauer, Privat- dozent tn Brunn.— Wortlaut de« Erlaffe» de« österreichischen Handel«- mtntsterium« zur Regelung der Heimardett.— Sesetzgedung: Oesterreich:»eietz, betreffend dt« Einführung vo»«ewerbegerichlen und dt« G-rtchlSbarkeit tn Streiligteilen au« bei» gewerbliche» Ardeil«., Lehr- und Lohnperhäilntff«. von Dr. Rudolf Pollad, Privatdozenl tn Wien.— Wortlaut de» Sisetzei vom 2? November isos, betreffend die Einführung von Gewerbegertchlen u. f. w.— MtSeellen: Di« Hanpiergebniff« der deutschen B.'rufSzählung vom>4. Juni isss. vo» Prof. Dr. Ernst Mischler tn Graz.— Die Thäligletl der ArveltSavlbellung iLabour Departement) tin englischen Handeisininlsterium. Bon A. L Bowle q, M. A. in London.— Literatur: Sombart, Prof. Werner. SozialtSmu« und soziale Bewegung im t». Jahrhundert. Besprochen von Dr. Eonrad Zch,»idt in Berlin.— Bücher, Karl, Arbeil und Rqihiiiti«. Besprochen von Dr Paul Barth in Leipjig. Von der..Zleue» Zeit"(Stuttgart, I. H. W. Dtetz' Verlag) ist ioede» da« 22. Heft de« 1». Jahrgang« erschienen. Au« dein Inhalt heben wir hervor: Die Junler und vi- Wahlen— Die Grenzen der materialtstischeu Gesch�chl«- auffaffung. von E. Belforl-Bar.— Kreta, von Eduard Bernsteln.— Der Slrelt der DiamanlarbeNer in Hanau, von Gustav Hoch. Hanau.— Literarische Rundschau.— Notizen: Mehl und Brot. Europäisch.' AuSwandecung nach den Bereinigten Staaten;von Nordamerika.— Feullleio»: Arm« Leute, von vol««lai» Pru«. Buiorisirle Uebersetzung von P. SiyczynSlt. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet MontagS, Dienstag», Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Kuiisttritiker. Die Krasser'schen Gedichte sind zwar sehr didaktisch, aber doch an poetischen Werth den anderen mindestens gleich, an Ae- dankeninoalt entschiadcn weit überlegen. W. L. G.<£. Breslau. Wir haben Ihren Brles an die betr. Organisation abgegeben. H.«och. Wir können auf Versammlungen nur in ganz besonders dringenden Fällen redaktionell aufmerksam machen. 91. L. In Berlin leben Sie auher Gütergemeiilschast.(f. H. Der Mann ist zur Zahlung der Stenern als Hausbaltungsvorsland verpflichtet. Pfän- düng ist bei Nichtzahlung zulässig. Rechtsmittel dagegen sind ersolglos. B. 2. 53. Zahlen. Für den Fall der Klage würden Sie verurtheilt werden. Rummelsburg i. P. 1. 288 Marlen sind erforderlich. 2. Bei der unteren Berwaltungsbehärde(dort also beim Landrath) ist der Antrag zu stellen, die Arbeitgeber zum Nachileben der zu wenig geNebten Marken zu veranlaffm.(C. C.<£. 2. Wir empfehlen prinzipiell keine Aerzte. — Siegert. 1. Für die entgeltliche Aufnahiiie von Schlassiellenleuten gelten für Berlin folgeiche Vorschriften: 1. Der Schlasraum muß mindestens ie 3 Quadratmeter Bodcnfiächc und sc 10 Kubikmeter Lustraui» sür den Kopf enthalten. 2. Für jeden erwachsenen über 14 Jahre alten Schlafgast muß eine besondere Lagerstätte bereit sein, die mindestens aus einem Stroh- sad, einem Strohkopfkissen und einer wollenen Decke besieht. 3. Wer Schlaf- leute aufnimmt, muh innerhalb einer Woche nach Ausnahme deS Schlafgastes auf dem Polizeibureau eine Anzeige über die Größe u. f. w. der Wohnung abgeben. Ein Formular hierzu erhält er unentgeltlich von der Polizei. Alsdann erhält er eine Bescheinigung darüber, ob die Schlasräume vorschriftsmäßig sind. Die Bescheinigung muß der Benntethcr aufbewahren. 4. Personen, welche in den letzten b Jahren wegen Verbrechens oder Ber- aeheus gegen die Sittlichkeit oder wegen Uebertretung sittenpolizetlicher Vorschriften bestraft find oder unter Polizeiaufsicht stehen, kann das Halten voll Schlafleuten untersagt werden, wenn ste den Anmeldungsvorschriften über Schlafleute zuwider gehandelt haben. 2. Sprechen Sie tveacn des weiteren gelegentlich in der Sprechstunde vor.— I.«östcr-Saiwerie. Das Amtsgericht hat mit Recht dte Klage abgewiesen. Es wäre nur Be- schwerde und Klage im Lenvaltungsstrelt-Bcriahren gegen die Verfügung des Landraths zulässig. Dieselbe wäre auSüchtSlos, wen» die Mutter unter- stützungsbedürftig ist._ Witter, itiqSnbersicht vom 27. Februar 1897. Weilet Prognose für Sonntag, den 28. Februar 18V7. Kühler, zeltiveise aufklarend, vorwiegend noch trübe»lit ge- ringe» Niederschlägen und ziemlich frische» westlichen Winde». Berliner Wetterbureau. Folgende z>ttvkeifpeditionett nehmen Abonnements auf den ..Vimviivls"» Freie Stundet», Jacob und Postillon entgegen: Hei-Hi» vler-ter Wahlkreis O.; Robert WengelS, Fruchtstr. 30, Hof I.— 84».: Fritz Thiel, Skalitzerstr. 3b v. pari.— Sechster Wahlkreis(Moabit); Karl Anders, Salzwedeler- straße 7, pari, im Laden.— Weddiuc und Oranlenbnrser Torstadt: Emil Stolz«nburg, Wiesenstr. 14.— vesemdhraiinen: Wilh. Gaßmann, Grünthalerstr. 64.— Kosenthaler Vorstadt; Gustav R o s e n t h a l, Granseerstr- 6.—»ehttnhanser Vorstadt: Karl Mars, Kastanien-Allee vö/SS.- Cbarlottenbarc: Gustav Scharnberg, Pestalozzistr. 34, Ouergeb. pari.— Deutsch-Wilmers- dorf; Frau K übler, Sigmaringerpr. 34 und Frau Heinemann, Sigmaringersir. 35.(Hier ist auch die.Brandeuburgisch« Volls-Zeitimg" zu erhalten.)— Kixdork: Ostermann, Jägerstr. 70, II— SchUne- ber*: Wilhelm Bäumler. Belzigerstr. öS. Seitenflügel pari.- Johannlsthal-Nleder-Schaneweide: Otto John, Johannisthal, Friedrichstr. b?. Annahmestelle: Rieder-Schöneweide: Karl Weber, Zigarrengeschäst. Außerdem ist sämmtliche Parietltterawr, sowie alle wissenschaftlichen Werke dort zu haben. Auch werde« Inserate für de«»BorwärtA» entgegen genommen._______' Lese- ll. Diskutirklnb„Süden:1 Dienstag, den 2. März, abends 8Vi Uhr. im Lokale de» Herr» «wald,«chönletnstr. 0, Versammlanc. 100/7 Gäste können«tngeführi werden. Der vorstand. Zeiltral-Kmkell- u. Sterbe- .Assc der Tischler!t. Ocvtlichc� Verwaltung Berlin I'. Mitgliederversammlung am Montag, den I. März. abends 8V2 Uhr, Bei Gründel, Brunnenstrake 188. Tagesordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Wehl über:„Das Simulantenthum in den Kranlenkaffen". 2. Diskussion. 3. Verschiedene Kassenangelegenheitcn. Das Erscheinen aller Mitglieder ist nothwendig. 183/7 Die Ortsberwaltung. Tiil'ltinev und Koffer- Arbeiter. Dienstag, den 3. März: Venssrnmßimg Bei Sinti n. Komp.. Alte Jakobstr. 83. Tages-Ordnung: 1. Antrag der Filialen Breslau und Hannover. 2. Stellungnahme zur Neuwahl des Hauptkassirers soivie dcS Zentralvorsisenden. 3. Ver- schiedenes. lö»/19 Alhtllilg! Vereille! Achtuitg! Lnjrllael>vi> Gavten, Alexanderstr. 27 c. 116CS* 3. Osterfeiertag, Sonnabend, 24. April, Sonntag, 25. April, Sonnabd., 1. Mai sk Siilt frei. ÜiiZitrereiii sucht Corneitisten Dienstag Abends Uhr bei Bam», Wrangelstr. 11. 109b Bferestchagin-Ausstellung 1 Altes Reiclistags-Gebüude 4 Lclpzlgrerstr. 4. Napoleon 1. in Rnssland 1812. Photographien vom Türkischen Kriege. Geöfln. v. 10 vorm. b. 9 Uhr ab. Louis Keiler s Festsäle Koppcnstr. 29 Grösttes und schönstes Etablissement der Residenz. 8871!* Heute Sonntag, den 23. Februar: .4h>ichleas-8olrüe der Norddeutschen Zanger P. Bicgler. W. Wolfs. W.«ischosf. H. Nudolpbu, A. Hohenberg und P. Wagener« sowie .4hschleda-Kon»ert b. Renen Berl.Konzert-Vrchesters Dirigent: R. Tietz. Nachdem: Grosser Ball. Anfang S'/a Uhr. Entree 30 Pf. Äctien- Brauerei Friedriclisliain. Heute Sonntag: Bergter- Konzert."HW Eintritt 20 Pf. Programm unentg. Im Nebenfaal: Jamtlien- Kränzchen. Tägncb.KyS L Warme«.(> I rühsttick/� zur y AS Auswahl. , p.yJJ/Tlönolitner yvl ��/�ürg.rb rän l>\vV™,Mner' hiesiges . u. dunkl. Lagerbier rS-—— f- Wcissbler. Berndt's Vürsteistube A'o. 7. ltlolkeniiiarkt o. 7. Emps. mein VereinSzimmer m. Piano Reftanration-Deftillation krank- hcitshalber billig zu verkaufen. Zu erfragen bei Röhl,---- Gninewaldstrahe 118. Geseliscliaftshaus Swinemündcrstr.43(alte Nr. 33) seden Sonntag: Ball u. Theater-Borstelluiig. Empfehle ineine Sal«(250 u. 700 Personen fassend) sowie Bereinszimmer zu Festlichkeiten und Versammlungen. Hühner. vosliinvi» Hrrf CünlinerstrasaeS(Webbing), Grövter u. schönster Saal im Norden Elegante Beleuchtung. Gute Küche. MW- Zwei Kegelbahnen.'V6 Zu allen Versammlungen u. f. w. an Vereine zu vergeben. Jeden Sonntag: Grosser Ball. Nähere Auskunft ertheilt» Prl� Schröder, Wiesenstt. 30. C. MilbrMrsFestsäle7 . Müllcrstraste 7.»b Achtnng! Achtung! , Da plötzlich zn Sonnabend, den 8. Marz, mein grober, eleganter Saal stet geworden ist,{„ empfehle ich den- Mben. Jeden Sonntag: Grosier Ball, große«allmustt. Gleichzeitig empfehle m«tn eleg.«»reiu-timmrr. Todes- Anzeige. Am 28. Februar, vormittags 9 Uhr, entschlief sanft an der Proletarier- krankheit unser lieber Mann, Sohn und Bruder, der Maurer Gskar Wienert. Beerdigung am Sonntag, den 28. Februar, nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle der Zions- Gemeinde in Weibeniee. Um stille Theilnahme bitten 90b _ Die Hinterbliebenen. Allen Freunden und Verwandten, speziell seinen Mitarbeitern und den Inhabern der Firma Dünhälter und Schülzel den herzlichsten Dank für die vielen Beweise des Beileids bei der Beerdigung unsere» unvergeblichen Juliu» Einicte, Tischler. 83b Die trauernden Hinterbliebenen. Danksagung. Allen Freunden, Bekannten und Genossen für die reiche Kranzspende und zahlreiche Betheiligung bei der Beerdigung meines Mannes, unseres Vaters b4b Johann Döring unfern herzlichsten Dank. Die trauernden Hinterbliebenen. Carl Kock, Kranzbinderei, Königsbergerstr. 20.* Vereinskränze mit Widmung in bester Ausführung zu billigsten Preisen. Kranze, Zchlelsen, ytuirlandeu. Blumen empfiehlt den Parteigenossen A. Xiintz, Gärtner, SlO., Friedenstr. 68, 11471!' Hierdurch nehme ich die dem Mo- schinenbauer Carl Rcysig zu Berlin, Prinz Eugen�rabc 17, zugc- fügten Beleidigungen mit Bedauern zurück und erkläre, dab ich dieselben, sowie die dem Herrn Reysig zugc- fügten Körperverletzungen nur aus Ucbereilung verübt habe. 10?b Cranz Bree, Fennstr. 30. t a r TV o r k s L.LöwenthalÄ, Busik-Instr.-Fabrlk, 121 Reiohenbergerstr., SO. Anerkannt billigste Bezugsquelle. Zithern. Meine Preise stellen sich um fast die Hälfte billiger wie irgend eirl anderes Musik- Haus zu bieten im Stande ist. Wien. Med. M. 7,— bessere mit Mechanik„11,25 Polisander„ 10,80 do. mit Mechanik„ 14,— ,32 u.36sait, voll. Ton„ 8,50 [Polisand. Neus. 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Achtung Holzarbeittr Berlins In den Werkstätten von Springer, Langhansstrasse, und Reetz, Gustav Adolfstrabe in Weissense« ist wegen Abzugs die Sperre verhängt worden. Wir ersuchen den Zuzug semzuhalten. Die Ortsverwaltung 87/2 deutschen Holzarbeiter Zahlstelle Weistensee des f. Tüchtiger SSattenstreicher wird verlangt. Adressen unter W. S an die Expedition. 44b Durchaus tüchtiger Werkführer sucht Berlitier f-eder- Treib- rlemcnfabrlk bei hohem Lohn. 39b Offerten mit Angabe von bisheriger Thntigkcit mit. B. L. Erp, d.„Vorw." Lehrmädclien Reimann, Brenierstr. 52. Ein Kreissägenschnetder findet dauernde Beschäftigung 114b A. Werlmeister, Schmidstr. 8a. Galvanoplastitcsr und Stereotypeur. der selbständig arbeitm kann, gegen hohen Lohn gesucht Oranienstr. 181. Photogr. Atelier._ 566 Tüchtige Schriftmaler verlangt MatthieS, Wilhelmftr. 130. Für eine Spemlit. Velonpetlaterntn, wird ein tüchtiger Werkineijter gegen gute Bezahlung gt�Ucht� da«ur auf eine erste«rast re« flektirt wird, werden nur Offerten von solchen Versänlichteitcn er« bete«, welche schon einem Fabrik- geschäft mit Erfolg vorgestanden haben. Offert, snb B.«594b »eschäst mit Erfolg vorgestanden laben. Offert, snb B.«594b au Haasensteln& Vogler A.-G., Frankfurt a. M. 102/2 j Berstlderer verlangt.'Mß Goldleistenfabrik Lottumstr. 5. Ceubte Arbeiterinuen auf Wasch-Kostüme für billigen und Mittelgenre finde» Beschäftigung bei Löb«. Oertelt, Mohrenstr. 42. sSSb IL Wahlkreis. SoMemkraMer Wahloertl«. . � � Montag, den I. März, abends«V2 Uhr. im Lokale des Herrn Edimi-d Kiihlckc, Dennewihstrahe Nr. 13 Pf CeMtliche Pnsammlii«»."Um Tages-Ordnung:(238/9 1 Bortrag deö Stadto. F r i tz Z u b e i l-„Borgänge in der städtischen > Verwaltung.« 2. Dtslussivw ) Jedermann hat Zutritt. , Durch polizeiliche Auflösung wurde die Abhaltung unserer letzten Ber- sammlung verhindert, deshalb wird diese Versammlung nach demselben Lokale mit derselben Tagesordnung wiederum einberufen. Um regen Besuch bittet_ Der Vorstand. 3. TVahlKveis. Sonntag, den S8. Februar 18«7. abends«V- Uhr. bei Znbeil, Linden-Straste 106; (Deffenfl. HetTammlttna. Tages-Ordnung: Bortrag des Genossen �»Idvvk Nachdem: Geselliges Beisammensein.- Eintritt 10 Pf. 211/4 Um regen Besuch ersucht Die Vertrauensperson. 3. Wahlkreis. MMvoob, beu 3. März, abds. 8 Uhr, in LallSSOllc!, Kottbuserstr. 4a: V olks Versammlung. Tages-Ordnung: Bortrag des NcichStags-Abgcordncten A. Bebel über: Die Mivven im Ovieni�. Diskussion. Um zahlreiches Erscheinen ersucht [213/6* Die Vertrauensperson. Nrotestversammwng der gesammten Arbeiterschaft Derlins am Mittwoch, den 3. März 1697, abends 8V- Uhr, in ifllft's großem Saal, iowiiflt. 29. Tagesordnung: Die Greuelthaten in Barcelona. Referenten aller Parteirtchtungen werden sprechen. Arbeiter, Genossen, beweist bei dieser Gelegenheit, daß uns kein Prinzip und keine Taktik trennt, um gegen den gemeinsamen Feind, die internatio- nale Reaktion, Sturiu zu laufen. Die Vertrauensnmnner der Partei sowie die Bertrauenspersonen der Frauen sind hiermit besonders eingeladen. Die Rcichstagsfrattion ist brieflich eingeladen. 91b_ Der Einberufer: Kertschcr. Arbritmertretkr-Uml» Ifiltn. IW VevsÄmmlung-TU am Dienstag. S. März, abends 8V2 Uhr, bei Baske, Grenadiersir. 33. Tages-Ordnung: 53/8 1. Bericht aus den Auttlichen Nachrichten, Rekurs- und Revisions- Entscheidungen. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. 99/8 Der Vorstand. NB. Ausgabe der an den Reichstag gesandten Petitionen zur Ab- anderung des Unfallversicherungs-Gesctzes. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin). Dienstag, den S. März, abends 8 Uhr. bei Beller, Koppenstraste: Außerordentliche LeneraMfersanBHHluiicf. Tages-Ordnung: 1. Wahl eines Arbeitsvermittlers. Wahl eines ersten Schriftführers und eines Mitgliedes zum Auöschufl. 2. Die hier dieses Frühjahr angekündigten auswärtigen Streiks in unserer Branche. Ilm Pünktliches und vollzähliges Erscheinen ersucht 87/1 Bie Ortsverwaltnng. Lille Mitgliedsbuch ist der Antritt nicht gestnttet. Oeffentliche Schneider- und Näherinnen-Versaminiung am Dienstag, den 2. Mörz 1897, abends S'/a Uhr, in den Arminhallen. Kommaudantenstr. SO. Tagesordnung: 1. Die beabsichtigte Ausdehnung der Krankenversicherung durch Orts- stahlt auf die Berliner Hausindustrie, die Anträge der Gewerbedeputation des Magistrates und unsere Stellung hierzu. Referent: Kollege I. Timm. 2. Diskussion. Die Berfammlung ist von wichtiger Bedeutung für die Kollegen und Kolleginnn aller Branchen. Wir fordern deshalb auf, zahlreich in der Versammlung zu erscheinen. 164/4 Die Agitationskommisfion __ der Schneider und Schneiderinnen Berlins. Große öffentliche UeOmmInng der Lügler, Stepper und Zuschneider Berlins und Umgegend an» Hontag, den 1. März, abends S'/i Uhr, In Ranten- berg's Festsülen, Oranlenstr. 180. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Voigt. 2. Diskusston. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen ersucht[456]_ Der Einberufer. Zentralverband der Handels-, Transport- und Verkehrsarbeiter Deutschlands (Vcrwaltangsstelle Berlin). Mittwoch, den 3. März ct., abends Va® Uhr: WNlalieder-VevfelMtttlg. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Waldeck-Manaffe. 2. Diskussion. 3. Wahl einer Sektionsleitung stlr Hausdiener u. Packer. 4. Verbandöangelegenheiten. Zu recht zahlreichem Besuch ladet ein Der Bevollmächtigte. Voranzeige. Sonntag, den 21. März:«rosses Familienfest in„Cohn S Festsälen-, Bcuthstr. 20. 67/4 Eröffnung der Bibliothek am 6. März._ D. O. Uerband aller im Na»drl-a.Transpattgemerbe beschäfligtea Msardciter. Am Montag, den 1. März 1897, abends 8l/i Uhr, in dem Lokal Arminhatten, Kommandantenftrafte Nr. SV: (ßvoBii Vevlcntnnlnng. TageS-Ordnung: 1 Die Novelle zum Unfallversicherungs-Gesetz. Referent:---------- Abgeordneter Molkenbuhr. 2. Diskussion. 3. Verbandsangelegenheiten. Da die Tagesordnung eine der wichtigsten ist, ersuchen wir die Kollegen, recht zahlreich zu erscheinen. Hausdiener, Packer, Rollkutscher, Möbel- trausportarbeiter, Kellerärbeiter, Fensterputzer, Getreideträger sind als Gäste willkommen.. 85/14 Der Vorstand. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobcy in SnÄnldeninllrnt. Verein..VnwSrte" Berlin. Sonnabend, den 0. März, im Feen- Falast, Burgstr. SS: 1 Stiftungs-Fest. Konzert, Gesangs- und andere Borträge. Lebende Bilder. 274/14 Die Musik wird von der„Freien Bereinigung der Zivil-Bemfsmusiker" unter Leitung des Hern: Behnseld ausgeführt. Nach dem Konzert: fanz.-tWZ Billets i\ 20, Pf sind in allen Zahlstellen zu haben sowie bei den Borstandsmitgliedem. Neu ist errichtet eine Zahlstelle beim Genossen Otto Bachgänger, Swinemünderstr. 96.__ Der Vorstand. «« 4. Wahlkreis Md-Oß). Concert- Haus Sanssouci. Sonnabend, den 13. März: Grosses Wi nter- Fest. Arrangirt von den Parteigenossen des 4. Wahlkreises(Süd-Ost), unter Mitwirkung der Gesangvereine 8t. Urban und liledcrlnst, sowie Auftreten des Gesangs-Hunioristen Herrn Destereieb. lOOO Mark Belohnung. Ausgeführt vom Gesangverein 8t. Urban. Programm 25 Pf. Grosser Ball. Tanz 50 Pf. _ Die Vertranenspersonen. Bildungsverein„Mehr Licht" Sonntag, 28. 1 ebrnar, abds. 0, Uhr, Alexander str. 27c: ___(Großer Saal)_ MF' VevlÄmttrlung. Vortrag:„Das Problem der menschlichen Willensfreiheit". Referent: Herr Dr. JoOI. Diskussion. Darauf: 56/4 Geselliges Beisammensein und Tanz. Gäste stets willkommen. Typographla Gesangverein Berliner Bnchdrncker u. Sehriftgiesser (Dirigent: W. B ö 1 k e.) Sonntag, den 14. März 1897, in Keller s Festsälen, Koppeustr. ÄS: Grosses Vokal-Konzert unter gutigerlMitwirkung der Konzertsängerin Frl. Johanna Thiele. 536 Anfang präzise 6 Uhr. Entree im Vorverkauf 30 Pf., an der Kasse 50 Pf., Kinder 15 Pf. Vorverkauf-Billets sind auf der Verwaltung des Vereins Berliner Buchdrucker und Schriftgiester, Ritterstr. 88, II, in der Musikalienhandlung von Richard Kau», Grüner Weg 17, im Sehersaal des „Vorwärts", bei Herrn Nettermann, Bandelstr. 45, bei Herrn Siewert, Gräsestr. 69/70, Freitags im UebuugSlokal des Vereins(Eohn's Festsäle), sowie in allen mit Plakaten belegten Verkaufsstelle» zu haben. Nach dem Konzert: KBclöl» Herren, welche daran theilnehmen. zahle» 50 Pf. nach. Das Rauchen vor und während des Konzerts sowie das Re- serdiren der Plöhe ist nicht gestattet. Der Vorstand. Freireligiöse Gemeinde. Sonnabend, den 6. März, in Keller's Festsaal, Koppeustr. 29: Grosser Wiener Maskenball. Anfang SVj Uhr. Eintritt 50 P f. für Mitglieder und deren Freunde. Billets sind zu haben bei den Komiteemitgliedern: Auerbach. Wald- straße 50, Hof II., Bohne fr., Brunnenstr. 141, Hof II., Bnkow, Münche- bergerstraße 10, Seitenfl. I., Ehristeus. Mühlenstr. 59a, II., Jaenicke, Krautstr. 55, H. I., Kottlow, Rpkestr. 17, Querg. III., Modrach, Rammler- straße 17, v. II., sowie in allen bekannten Billetverkaufsstellen. 62/1 Das Komitee. Arbeiter- Bildongsschnle. Vorläufige Anzeige. Sonnabend, den 20. März er. in den Eäumen der„Brauerei Friedrichshain": März- Dichter- Feier. (Heine-Herwegh-Freiligrath u. a.) Alles nähere ist aus den Plakaten und späteren Annoncen zu ersehen. 6/12 Der Torstand. Achtung! Achtung! L a ck i r e r! Dienstag, den 2. März d. I., abends 8>/z Uhr, bei Schöning, Köpnickerstr. 68, Hof geradezu: Vtrsilmiilluilg kt Male. Tageö-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn Dr. Joel über die Entdeckung des Nordpols. 2. Diskussion. 3. Verschiedenes. Zahlreiches Erscheinen erivünscht. Gäste willkommen. 124/15 Aldreedt's Salon, Memelerstr. 07. 9932IÜ* Vergebe meinen Saal auch Sonn- tags an Vereine und Gesellschaften. Sonnabende noch frei. Vereinsz. frei Sinieonstr. 23, Flick. kbtling! ftminom'! Achtung! Mittwoch, den 3. März 1897, abends 8 Uhr: Vier gr. öffentl. Nersammiuilgen für Gesundbrunnen, Wedding und Moabit: in der„Norddeutschen Brauerei", Chausseestr. 58, für Nordosten und Osten: in den„Fortuna-Sälen", Strausbergerstr. 3, für Südosten und Süden: in„Henke's Salon", Naunynstr. 27, für Weste» und Schöneberg: im Lokale„Königshof", Bülowstr. 37. Tages-Ordnung: 257/7 1. Rechte und Pflichten der Berliner Zimmerer mit besonderer Be- rücksichtigung der vorjährigen Lohnbewegung. 2. Diskussion und Verschiedenes. Referenten: Theodor Fischer, Ernst Obst, Hermann Kube, Hermann Knüpfer. Die L,ohukoiuiuission. Achtung! Achtung! Fabrik-, gewerbl. Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen Berlins. Montag, 1. März. abds. 8 Uhr, im„Marienbad", Badstr. 3!>/3k: ÜF Große öffenMe Versammlung.% Tages-Ordnung: 1. Vortrag der Genossin Frau Emma Ihrer über:„Großindustrie und Arbeiterrechte". 2. Diskussion. 3. Atißstände in der Chokoladenfabrik von Hildebrand u. Sohn, Pankstr. 18. 4. Verschiedenes. Pflicht aller Fabrik-, Hilfsarbeiter und Arbeiterinnen ist es, in dieser Versammlung zu erscheinen. Ter Einberufer: 64/5 Fmil Schumann, Weiter und Weiterinnen! Montag, den 1. März, abends 8 Uhr, bei Henke, Naunynstr. 27: Große öffentliche Versammlung Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Reichstags-Abgeordneten Pens über:„Die wahren Selbsthilfen der Arbeiter". 2. Diskussion. 3. Verschiedenes- Der wichtigen Tagesordnung halber ist es Pflicht aller Arbeiter und Arbeiterinnen, zu erscheinen. Zur Deckung der Unkosten, ftndet Tellersammlung statt. Der Bcrtraueus»'.ann 18/6 für allg. Ardeiter und Arbeiterinnen aller Branchen. DaliiiilndilikiüeiHrknI'.tnIlllsse für Berlin u. Umgegend(Aingeschr. Hilsskasse 118). Den Mitgliedern zur Kennttiiß. paß der II. Nachttag zum Statut be- tteffs Reduzirung der Beiträge geifachngt ist. Demnach bettagen die Monaifsbciträge vom 1. März 1897 ab in der i. Klaffe 2,20 Marl, II.„ 1,30 Das AM" Extrasteuer>vird nicht mehr erhoben."Wg Kassenlokal befindet sich Gipsstraße 16 und ist geöffnet ftfÄ Mrti-fmiTffrt':» r. Ilfty gens 9 Uhr bis nachmittazz 5 Uhr. ... kas!?r»n von mor- 261/7 von 8-10 Uhr in Die Hilfskassirer kaf�.ren jeden Sonnabend Abend folgenden Lokalen: Aordcn: Swinemünderstraße 26 bei G eike. Dsten: sstüdorsdorserstr. 8 bei Böhl. SUd-Osifccn: Waldemarstr. 61 bei R 0 l l. SUd-W esten: Mittenwalderslr. 43 bei Briese. Westen: Blumenthalstr. 5 bei B e h r e n d. ZToab.lt: Thurmstr. 84 bei H 0 l z b ä ch e r. Wcdtiing: Kolbergerstr. 23 bei Rabe. Cent',.,,,,,: Gipsstratze 16 bei B l a u r 0 ck. Chrirlottenburg: Wallstraße 96 bei Beyer. In Ripdorf Friedrichöbcrg und Pankow wird jeden Sonnabend nach dem 1. und l.\ irden Monats von 8—10 Uhr in folgenden Lokalen lassitt: itizdorf: Bergstr. 162 bei Thomas. I'rlcdrlchsberg: Wartcnbergstr. 67 bei Lange. JVnnkow: Schönholzer- u. Wollankstraßen-Ecke bei Gauert. Der:Barftaud. I A. Heinrich Hetzke, Vorsitzender. Fests r* n Armin-Halle n 10920« — Restaurant u. Oarten.— Vereinszlnuner. bevorstehenden Saison empfehlen wir unsere gesammten Räume ng von Sommerfesten u. s. w. Gebr. Mlelitz. Verband der Graveure und Ciseleure ete. Filiale Berlin. Dienstag, den 2. März, abends 8V2 Uhr, in den Oranienhallen, Oranienstr. 51 HW" Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Geschäftliches. 2. Bortrag über«Bodenbesitzreform". 3. Diskussion. 4. Verschiedenes. 74/13 Gäste willkommen. Zahlreichen Besuch erwartet Der vorstand. Achtung! Kürschner. Achtung! Große öffentliche Versammlung aller in der Kürschnerbranche beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen an» Montag, den 1. Miirz, abends S'/j Uhr, im Alten SchUtzcnhause, Unienstrasse 5. Tages-Ordnung: 1 Vorttag des Genossen Pütsch über:„Die Bedeutung des Acht- stundentages". 2. Ist cö möglich, den Tarif in der Mützenbranche durchzu- führen? 3. Stellungnahme zum Aufruf der Londoner Kollegen betreffs eines iutemationalen Kongresses. 4. Verschiedenes.- Um zahlreiches Er- scheinen ersuchen 93/6_ Die VertraueuSpersone». Zehlendorf. Sonntag, den 28. Februar 1897, nachmittags 2 Uhr, bei Dohrmann, Machnowerstr. 40: Oeffentl. Zimmerer-KersnutmUmg. s-.--Tt MV« c � Ol rfy 257/9 Referent: Ernst Obst, Schöneberg. Der Elnberufer. Charlottenhurg! Sonntag, den S8. Januar, nachmittags S Uhr. im Lokale„Bismarckshöhe", Wilmersdorfer-Straste 3«: Grosse iJffenüiode Bauarbeiter- Versammlung. Tages-Ordnung:.30/7 ' 1. Bericht vom 4. öffentlichen Bauarbeiter-Kongreß. 2. Diskuspon. «. Verschicdene��� Bauarbeiter, zu erscheinen. Der Einberufer. Atheistische Gesellschatt z. Charlottenhurg Dienstag, den 2. März. abendS 8 Uhr: Große öffentliche Versammlung in BismarckshUhe. Wilniersdorferstr. 39. Tages-Ordnung: Die Greuel der modernen Inquisition im christlichen Spanien. Referent: Paul I.ittin- Berlin. Diskussion. Verschiedenes. 496 Zur Deckung der Unkosten Entree nach Belieben. Z ahlreicheu Besuch ermattet_ Der Vorstand.__ Pankow, Nieder- Schönhausen! Heute, Sonntag, den 28. Februar, nachm. 2 Uhr: Oeffentl. Versammlung der Zimmerer im„Klubhaus Sanssouci", Niedcr-Schönhausen, Lindenstr. 23- Tages-Ordnung:, n Die Aufgaben der Zimmerer im Jahre 1897. Referent: Dh. Fttcher Berlin. Diskussion u. Verschiedenes._ Der Vertrauensmann. 1 den Jnseratenthcil verantwortlich: Th.«locke in Berlin. Druck und«erlag von Max Badiug Rlitdovf. Sonntag, 28. Febr., in b. Viktoria-Sälen, Hermaitllstr.49: Gr. Vokal- u. Instrumental-Konzert i» gunsten der Hamd»rger Hafenarbeiter, veranstaltet vom Zoziialdemvhi'. Verein orvurts' unter gütiger Mitwirkung des Musikvcreins„Echo", dcS Gesangverein? der Buchdrucker und Schriftgicßcr von Rixdorf u. Britz, sowie der Theaten Geiellschast Strezlewic». tO�T' Nach dem Konzert: BALL» Anfang nachmittags 4 Uhr. 2329 Programme i 20 Pf. sind in den mit Plakaten belegten Geschäften zu haben in Berlin. j..». u. mwi. 2. Stilnjc Ks„Pmiick" Dnlim WsM Vovvefpondenzon. Zürich, 2S. Februar.(Eig. Ber.) Tie sozialdemokratische Regleru»gsralh?-Naudidatur Ernst hatte beinahe die demo- kr»tische Partei des Kantons Zürich aus dein Leu» gebracht. Die linksstehende» Elemente i» Zürich rebellirten gegen die rechtsstehende, kapitalsfrelmdliche Parteileitung,' deren Präsident, Nationalrath H e st in dein kleinen ländlich-induftriellen Orte Wald, ohne Ziveifel der plnlokratischen»Nene» Zür. Ztg." näher steht, als der arbeilersrenndliche», gut deinokralischen»Zür. Post". Nun, Herr Hest und seine Genossen haben den richtige» Angenblick sür den Anschlnß an die vorivicgende Strömung innerhalb der dcniokralischen Partei nicht versäumt und ain Montag einer kantonalen Versaininlung i» Zürich eininülhig die Unterstützung des Eozialdeinokralen Ernst empföhle», die ebenso einstimmig beschlossen wurde. Unter diesen Unistäiiden erscheint die Wahl Ernst's zienilich gesichert, immerhin seitens der Demo- traten nicht ans idealer Liebe zu de» Sozialisten, sondern um zu verhindern, dast die Liberalkonservativen die Mehrheit in der tlicgierung erhalten. Große Anstrengungen machen auch die Liberal- K uns ervative» i»> Kanton Zürich, um ihre» Kandidaten Dr. Haab in den Regiernngsrath hineinzubringen. I» der alt- geivohnten demagogischen Weise operire» sie insbesondere den Bauern gegenüber mit dem rothe» Lappen.„Herr Ernst ist Sozialdemokrat". sagen sie in ihrem Wahlansruf,„gehört also derjenigen Partei an, die als ihr letztes Ziel die Verstaatlichung von Grund und Boden, sowie aller Produllionsmittel der Landivirthschaft. des Gewerbes und der Industrie bezeichnet u. s. w." Diese Worte sowie noch andere im Ausruf sind fett gedruckt. Daß der Grund und Boden der Bauern heute meistens schon in den Händen der Kapitalisten ist, welche der liberal-konservativen Partei an- gehören und die Bauer» nicht blos als ihre Zinssklaven ausziehe», sondern auch als Stimmvieh mißbrauche», davon sagen selbst- verständlich die Herren nichts. Dagegen lesen wir in einem demo- kratischen Flugblatt folgende Charakteristik des liberal-konservativen Millionärs und Äldvokaten Dr. Haab: Große Jugendlichkeit (ll2 Jahre alt), Unerfahrenheit, hochnäsig, protzig, Bureankrat, Schwiegersohn eines reichen Fabrikanten, konservative Allüren, unbeliebt bei seine» eigenen Soldaten, grob, Mililärgigerl, noch nichts geleistet ec. Nun dein gegenüber darf der allgemei» hochgeachtete Sozialdemokrat Ernst von sich und seiner Partei sagen: Da sind mir Wilde doch bessere Mensche»!— Die nationalräthliche Kommission sür die Kranke»- und Unfallversicherung tagt seit einiger Zeit in Neuenbürg und es scheint, daß sie ihren Bericht für die März- scssio» der Bundesversaininlung fertig bringt. Ans den über ihre Berhandlnugen erfolgten Veröffentlichunge» ist zu erwähnen, daß in bestimmten Fälle» der durch Unfall Verunglückte de» vollen bis- Herlgen Lohn als Rente erhalten soll. De» föderalistische» Forde- rungeu der welschen Krankenkassen wurde» weitgehende Zugeständnisse gemacht. Bundesralh Hauser soll erklärt haben, wenn für beide Verlicherungen nicht mehr als 5 Millionen Franke» per Jahr er- forderlich seien, so würde diese Summe der Bund auf sein ordent- liches Budget nehme» könne».— Das eidgenössische Alkohol- Monopol ergab im Jahre 1896 einen Ueberschnß von b 622 285 Frauke», 585 385 Franke» mehr als 1895. Die Summe erhalte» die Kantone. Die Gegner der Bundesbank machen in den letzten Tage» vor der Volksabstimmung noch die ver» zweifeltsten Anstrengungen, um durch allerlei Schwindeleien einer skrupellosen Demagogie das Volk irre zu leiten und es zur Ver- werfnng des Bankgesetzes zu bestinnneii. Aber auch desseu Freuude stehen überall auf der Wacht; in der welsche» Schweiz haben unsere Genosse» ein Flugblatt in französischer Sprache herstelle» und in vielen Orten von Haus zu Haus tragen lassen, und serner treten unsere drei welschen Partei-Organe wie die deutscheu energisch sür die Bundesbank ein. Ihr Sieg ist wohl gesichert.— PariS, 2�. Februar.*)(Eig. Ber.) Ein Gegenwarts- bild aus der kapital! st ischen Verleumdungs- Kampagne gegen die Arbeiterklasse. Lügen haben kurze Beine— dadurch mag eS sich wohl erkläre», daß die kapitalistisch-anarchistische Lüge von der„tyrannischen" Verwaltung der Glashütte in Aldi mehr als zivei Monate gebraucht hat, uni den Weg von Paris nach der Redaktionsstube der„Berliner Z e i t un g"(Nnmmer vom 23. Februar) zurückzulegen. In Paris denkt das verlogenste Bourgeoisblatt nicht mehr an die Ausbeutung jener Luge. Tie„Berk. Ztg." sucht sich eine objektive Miene zu geben, in- dem ne zwei„Schriftstücke" abdruckt. Sie unterschlägt aber im ersten Aktenstück— in der„famosen Arbeitsordnung"— den S ch l u ß a b s a tz, der da lautet:„Gelesen und gebilligt in der Generalversammlung der ehemaligen Glasarbeiter und Gehilfen(similairos) von Carmanx in Aldi. Sitzung vom 2. April 1896." Die Arbeitsordnung wurde also nicht „erlassen", fondern von den betheiligten Arbeitern . selber beschlossen. Das hämische Schmunzeln der„B. Z." ob der„allerliebsten Kautschnkbesiimmnngen" der Arbeitsordnung kehrt sich damit, weil auf einer Unterschlagung des in diesem Zufammeiihange wichtigsten Absatzes beruhend, gegen die ehren- werthe Zeitung selbst. Die Arbeiter von Aldi wußten genau, warum sie sich selber eine so strenge Arbeitsordnung gaben. Die Glashütte war und ist buchstäblich im Kriegszustande, und das von Gnaden des übermächtigen Glaspaschas Resseguier und der ihn mit brutaler Parteilichkeit unterstützenden Regierung. Ein einziger Vecrälher unter den Arbeitern kann dabei der Glashütte ungeheuer schaden. Die Strenge der Arbeitsordnung richtete sich also nicht gegen„Agitatoren" und„Widerspenstige", sondern gegen etwaige Verräther und Stänker, als welche sich denn auch die vier Entlassenen erwiesen habe». Das zweite Aktenstück, die Darstellung der ganzen Angelegen- Heck durch die Entlassenen, dünkt der„Berk. Ztg." so„überaus be- - zeichiwnd", daß sie sich jeder weitereu Betrachtung enthält. Nun, die Betrachtungen schenken wir ihr gern. Dagegen hätte sie schandenhalber unbedingt mindestens andeuten sollen, daß es noch andere Ilktenslücke gicbt, welche die Sache in einem ganz anderen Lichte erscheine» lassen: I. Der Wortlaut des Enllassungsbeschlusses, der in der General- Versammlung der Gewerkschaft vom 12. Dezember 1396 gefaßt wurde:' ��kiißnahme von den unqualisizirbaren Manövern der Bürger Gusgnot Etienne und Guörila Jacques wurde beschlossen was folgt:„In Erwägung, daß die von der Generalversammlnng der Gewerkschaft gefaßten Beschlüsse, welche streng beobachtet werden»»üssen, von genannten Bürgern verletzt worden sind, daß diese sich erlaubt haben, eine Protestationsliste gegen die gefaßten Beschlüsse zu verbreiten; in Erwägung, daß sie kategorisch sich geweigert haben, dem Vor- sitzenden des Verwattnngsralhes, der ihnen eine Arbeitsaussetznug (von 8 Tagen) angekündigt, zu gehorche», indem sie vorgaben, seine Autorität nicht anerkennen zu wollen: in schließlicher Erwägung, daß sie sich bewußt oder unbewußt zu Mitschuldigen der Kapitalisten machen, die in diesem Angenblick den Abschluß unseres Anlehens zu vereiteln suchen, ohne ivelches die Hochöfen nicht in Betrieb gesetzt 'verde,, können— erachten Geiverkschastsvorstand und Verwaltnngsrath, daß es absolut unmöglich ist, eine Fabrik»nter derartigen Verhältnissen in Betrieb zu erhalte», beschließe», daß die Genannte» zu», zweiten Male der Verletzung der Arbeitsordnung sich schuldig gemacht, ') Vor einigen Tagen»-eröfsentlichte die„Berk. Ztg." eine» Leitartikel über die Glashütte von Aldi, dem man die Verleumdungz. abficht und die anarchistische Quelle schon von weitem ansah. Um ein Exempel zu statuiren, sandten wir den Artikel einem unserer Pariser Korrespoiidenten, der uns obigen Bericht übersendet. welche ihre Entlassung vorschreibt, und daß ihr Benehinem ini „Reveil du Verrier"(Glasarbeiter-Tagwacht) gekennzeichnet werden soll, sowie in allen freundlich gesinnten Zeitungen und Organi- sationeu, die sich sür die Arbeiter- Glashütte interessiren. Was die| Bürger Valette und Sirven betrifft, so beschließen Gewerkschafts- vorstand und Verwaltungsrath, daß die gleichen Maßregeln sie treffen sollen am Tage, wo sie sich weigern würde», de» Beschlüssen der Generalversammlung Folge zu leisten. Darauf wurde in namentlicher Abstimmung die Entlassung mit 113 gegen 21 Stimmen bei 16 Enthaltungen beschlossen. II. Die achttägige Aussperrung hatten sich die vier zugezogen durch monatelange Aerleumdungen, von denen ja auch ii» Akten- stück der„Berliner Zeitung" deutliche Spuren enthalten sind, gegen die Ehrenhaftigkeit der Verwallungsinitglieder und durch die„gröbste. bis zur Bedrohung mit Thätlichkeiten gehende Miß- achtnng der Anordnungen der Verwaltimg".(Vergl. den Auszug aus der bezüglichen Erklärung des Verwaltungsniitglieds C h a r- p e n t i e r s, abgedruckt in Nr. 12 des„Vorwärts" vom 15. Januar 1397 unter„Soziales"). III. Selbst der anarchistische Gönner der Entlasseiien, Pellontier, auf den diese sich berufe», mußte die Ungeheuerlich- keit ihrer Rechenschaftsforderungen anerkennen, nachdem er mit der Verivaltung Rücksprache genomnien hatte. Hierüber belehrt uns das Sitznngsprotokoll der Gewerkschafts- Versammlung:„Ich erkenne an", erklärte Pellontier,„daß die von mir erhobene» Be- schuldignngen nicht erhoben worden wären, wenn diese Rücksprache (mit der Verwaltung) früher stattgesunden hätte. In der That, eine Stunde der Diskussion hat genügt, um alle Schwierigkeiten zu heben(will sagen: alle Verleumdungeii als nichtig zu erweise»)-, jetzt erkenue ich an, daß der Verwaltungsrath seine Pflicht erfüllt hat. indem er den Mitgliedern der Gewerkschaft, die von ihm das verlaugt, keine Rechnungen vorlegte, denli das Interesse selb st der Arbeiter-Glashütte st and auf dem Spiel(cur il y allait de l'interet meine de la Verrerie ouvriere.) Ist es nicht in der That bedauernswerth, daß alles, was in einer Versammlung gesagt wird, unter den Gegnern bekannt werden sollte? „Außerdem wurde mir nachgewiesen, daß die errichteten Ge- bäude säniintlich unentbehrlich waren, und daß eine andere Kon- struktionsart. anstatt der Glashütte weniger zu kosten, im Gegentheil, theuerer zu stehen gekommen wäre.." Diese Erklärung ist wohl„bezeichnend" genug. Pellontier muß selber die entlassenen Verleunider, seine früheren anarchistische» Schützlinge, die Giivährsmänner der„Berliner Zeitung", des- avouiren. « Und nun wollen wir zum Schluß die mit Unterschlagnngen und verleumderischen„Aktenstücke»" arbeitende„Berliner Zeitung" noch auf die in der bezeichneten Nummer des„Vorwärts" abgedruckte Erklärung Charpentier's aufinerksam machen. Danach war der Verwallungsrath Mitte Januar trotz alledem und alledem noch immer bereit,„der Generalversammlnng die Wiederanstellnng der Entlassenen vorzuschlagen, falls diese es verlangen und sich ver- pflichten: I. in Zukunft die Autorität des Verivaltungsrathes anzu- erkennen, 2. dem Reglement sich zu fügen und 3. ihre Pflichten wie alle anderen Kameraden zu ersüllen." Meint die„B. Z.", daß ein durchschnittlicher„Gegenwarts"- Unternehmer, von Slunu», den Hamburger Rheder» oder Resseguier schon ganz zu schweigen, sich unter den gleiche» Bedingnngen ebenso versöhnlich zeigen würde, wie die Arbeiler-Verwaltung? Und wie antwortete» die anarchistischen Schützlinge der sranzö- sischen und deutschen Bourgeoispresse ans den versöhnlichen Vor- schlag? Sie haben die Glashütte bei dem Gericht vo» Aldi, das erwiesenermaßen ein blindes und brutales Werkzeug der Regierung und gtessöguier's ist. «»s Schadensersatz verklagt. Die Verräther verlangen die Auszahlung des auf sie fallenden Theiles der Substriptionsgelder, die das französische Proletariat für die ehrlichen Glasarbeiter— und nur für diese— beigesteuert hat... Mit einem Wort, was die„Berl. Ztg." gebracht hat, ist kein „Zukunftsstaat- Bild aus der Gegenwart", sondern ein Gegen- ivartsbild aus der internationale» kapita- listischen Verleumdungs- Kampagne gegen die Älrbeiterklasse. Loudou, 25. Februar. Geschäftsstockung in Lan- cashire; Streit im Eisenschisfban-GewerbeiEise»- bah n erstreik in Newcastle; eine ivichtige Nach- wähl: Liberale und Jndependent Labour Party. Die Hungersnoth in Indien ist nicht ohne ihre Rückwirkung ans die Lage des Arbeitsmarkles in England geblieben. In der Banmwoll- Weberei, insbesondere im nordöstlichen Lancashire(Bnrnley, Nelson w.), wo die sür den indischen Markt bestimmten Artikel her- gestellt werden, liegt das Geschäft völlig darnieder. Eine Fabrik nach der andern steht sich zur unfreiwilligen Ruhe gezwungen. Von den vereinigten Unternehmern ist den Arbeitern vorgeschlagen worden,«ine allgemeine Einschränkung der Produktion eintreten zu lassen, dergestalt, daß nur vier Tage pro Woche gearbeitet wird. Soiveit wären die Arbeiter auch einverstanden, aber die Uiitcrnehmer wollen gleichzeitig eine zehnprozentige Lohnreduktion eintreten lassen, n»d davon wollen die Arbeiter begreiflicherweise nichts wissen. Sie erklären, nicht einsehen zu können, was eine Lohnreduktion zur Besserung der Absatzverhältnisse beitragen könne. In der That würde sie den Kostenpreis des fertigen Produkls nur unmerklich beeinflussen, ihn um kaum i/io Penny pro Jard resp. Meter ermäßigen. Das ist aber eine Differenz, die der Käufer nicht beachtet. Jndeß hat der Vorschlag auf Lohnreduktion wohl nur den Zweck, die Arbeiter zur Arbeitseinstellung zu bewegen, da eine solche das radikalste Mittel der Marktentlastung ist und znaleich bei ihr größere Sicherheit gegeben ist, daß die Fabrikanten sich nicht unter- einander über's Ohr hauen. Einstweilen steht die Frage noch im Stadium der Verhandlung, da aber die Mehrheit der Fabrikanten vo» der Lohnrednklion nicht ablassen wolle», so scheint ein Ausstand fast nnveruieidlich. Feiert Lancashire infolge von Absatzstockung, so entwickelt sich in den großen Eisenschiffbau-Werkstälten an der englischen Nordost- küste ein größerer Ausstand aus der entgegengesetzte» Ursache: das Geschäft geht ungemein flott, aber die Unternehmer gewähren den Arbeitern nickst jene» Antheil an den erhöhten Einnahmen, zu denen diese sich berechtigt halte». Seit langen Woche» finden über diese» Punkt Verhandlungen statt, diefich umsomehr in dieLänge ziehen, als die Arbeiter zwar im ganzen gut organisirt, aber in allerhand Gruppen- organisationen verziveigt sind, die meist gesondert vorgehen. In einzelnen Branchen bestehen ttonkurrenzvereine, die sich ähnlich gegenüberstehen wie die lokal- und die zentral-organisirte» Gewerk- schafte» in Deutschland, und wenn auch darüber Einigkeit herrscht, daß man Lohnerhöhung verlangt, so doch nicht darüber, wie weit man den Unternehmern entgegenkommen soll. So haben sich am Ty»e die Schiffsschmiede. die eine» Sonderfachverein ihrer Branche —„Tbe Associated Shipsmith's"— angehören, mit einer Lohn- erhöhung von 5 pCt. einverstanden erklärt, während die Schiffsschmiede, die Mitglieder des großen vereinigten Maschinenbauer- Vereins sind, aus 7'/« pCt. Lohnerhöhung bestehen und dafür seit dem 22. d. M. in Ausstand getrete» sind. Sie iverden von ihrer Organisation, die im letzten Jahr über 2 Millionen Mark auf die Seite gelegt hat und im ganzen über einen Kassenbestand von 6 Millionen Mark verfügt, unterstützt. Auf Weisung des Distriklsvertreters dieser Gewerkschaft sind die auf den betreffende» Werfte» selbst beschäftigten sonstigen Mitglieder derselben mit ausgetreten, und wenn bis zum 23. Februar den in den Maschinenräumen, Schlossereien ,c. jener Werften be- schäftigten Mitglieder des vereinigte» Maschinenbauerverbandes nicht eine proportionelle Lohnerhöhung(2'/e Mark pro Woche) bewilligt wird, werden auch sie die Arbeit niederlegen. Da iinn noch einige andere Arbeitergruppen streike», so würde damit der Eisenschiffsbau am Tyne so ziemlich ganz lahm gelegt sein und die Unternehmerschast sich wahrscheinlich veranlaßt sehen, ihrerseid- einen allgeineinen Arbeiterausschluß zu verhängen, der dann auch nach dem Clyde(Schottland) hinüberschlagen würde, wo ohnehin schon Differenzen über Lohnfrngen bestehen. Die Sitnatio» ist ziemlich gespannt und wird von der Unternehmerpresse als sehr ernst bezeichnet. Verschiedene große Austräge auf Lieferungen von Roheise», Stahlplatten n. s. w. sind zurückgezogen worden. so daß auch die Hüttenindustrie in Mitleidenschast gezogen wird. Noch werden in der Hauptsache Unterhandlungen gepflogen, es sieht aber fast so aus, als sollten sie sehlschlagen und Englands Schiffsbau- Industrie auf etliche Zeit zum Stillstand gebracht werden. Zu gleicher Zeit wird von der englische» Nordostküste ein Eise»bah»er streik gemeldet, der ebenfalls große Dimensionen annehmen zu wollen scheint. Der äußere Anlaß war verhältniß- mäßig unbedeutend. Ei» paar Wagenschieber der Nordostbahn in Neivcastle, die am letzte» Sonnabend ans fünf Uhr früh bestellt worden waren, um Arbeit sür den Marktdienst zu versehen, traten statt dessen erst um sieben Uhr a», weil, wie sie erklärten, dies die angemessene Zeit für Tagarbcit sei, sür Arbeit aber, die früher beginne, besondere Abmachungen(erhöhter Stundenlohn) getroffen werde» müßten. Wegen der Disziplinwidrigkeit ihres Vor- gehens wurde» sie sofort entlassen, worauf alsbald fast das ganze Hilfspersonal für den Güterverkehr: Speicherarbeiter, Lastträger, Fuhrleute w. austrat. Seitdem hat sich auch daS entsprechende Personal für den Personenverkehr dem Ausstand an- geschlossen, ivährend von allen Zentren des von der Nordostbahn bedienten Distrikts Zustimiinlngsbeschlüsse zu dem Vorgehen der Kollege» in Newcastle einlaufen. In Hull wollte eine Mehrheit der Bahnarbeiter sofort in Ausstand treten, da sie aber nicht das zwei Drittel der Abstimmenden erreichte, mußte die Idee zunächst aufgegeben werden. Die Aufregung ist zienilich groß, während die Gesellschaft ihrerseits gegen diejenigen Arbeiter, die den Dienst ohne Kündigung verlasse» haben, gerichtlich vorzugehe» beabsichtigt. In Newcastle ist der lokale Personen- und Güterverkehr fast ganz ge- sperrt, nur der Schnellzngdienst auf der Hauptlinie kann ungehindert versehen werden. Die schnelle Ausbreitung und Popularität de? Streiks erklärt sich daraus, daß im Dezember daS'Arbeitcrpersonal dieser Bahn mit der Direktion wegen Lohnansbesserungen und Ar- beitszeitverkürzunge» verhandelte, aber nur ganz iviuzige Zugeständ- nisse erlangt hatte. Außerdem mag auch sonst die Atmosphäre i.i Northumberland, Durham und Clveland.'zur Zeit besonders ans Sturm gerichtet sein. Nach de» neuesten Meldungen hat sich Ed. Harford, der General- sekretär des Vereins der Eisenbahnarbeiter, gegen das Vorgehen der Leute in Neivcastle erklärt und hinzugefügt, daß da sie Kündigung»nid vorherige Verständigung mit der Vereinsleitung ausgetreten seien, sie auch auf keine Unterstützung aus der Vereins- kasse zu rechnen hätten. Ob diese Abweisung dem Streik Abbruch thun wird, bleibt abzuwarten. Harsord selbst giebt zu, daß die Zu- geständnisse der Direktion an dje Arbeiter lächerlich geringfügige gewesen seien und daß„selbst der Sixpence, den man ihnen zu- gebilligt, durch Aendernngen im Dienstreglement um fünf Pence wieder verkürzt worden" sei. Aber als verantwortlicher Leiter der Gewerkschaft durfte er sich nicht sür ei» Vorgehen erklären, daß sie gegenüber den ihr feindlichen Eisenbahn-Gesellschaften ins offenbare Unrecht gesetzt hätte. Ganz abgesehen von der formal-rechtlichen Seite der Fma�._ Eine interessante Nachwahl wird nächste Woche in Halifax(Jorkshire) ausgefochten werden. Diese hochindustrielle Stadt war bis zum Jahre 1392 eine Festung des englische» Liberalismus bezw. Radikalismus. Im Jahre 1893 trat bei einer Nachwahl zum erste» Male den Liberale» in derPerson JohnLister's ein Sozialist entgegen und erzielte gegen 4620 liberale»nd 4251 konservative 3028 Stimmen— ein unter den Umstände» sehr ansehnlicher Erfolg. Bei der Hauplwahl 1695 stieg die Stimmenzahl Lister's auf 3818, und außerdem bewirkte der Einfluß der Jndependent Labour Parly, daß einer der Sitze für Halifax(die Stadt wählt zwei Abgeordnete) an die Konservativen fiel. Jetzt hat der 1893 gewählte liberal« Abgeordnete sein Mandat mit der Erklärung niedergelegt, er fühle, daß er als Liberaler alter Schule sür den strammen Radikalismus von Halifax nicht weit genug gehe und einem Mann Platz machen müsse, der demselben besser entspräche. Kaum war die Sache bekannt, als sich sofort im liberalen Lager Stimmen erhoben, daß jetzt die Gelegenheit gekommen sei, den Arbeitern die Hand zu biete», die Partei solle eine» Akt der Versöhnung vollziehen und den Sitz der Arbeiterpartei abtreten. Der liberale Wahlverein von Halifax beschloß jedoch anders; er stellte mit großer Mehrheit den soeben in Bradford unterlegenen Radikale» Billson auf, während die Jndependent Labour Party, da Lister nicht wieder kandidiren will. Toi» Mann aufgestellt hat. Natürlich habe» die Konservativen beziv. Unioniste» ebenfalls ihren Kandidaten anfgestellt, und so wird es einen„dreiseitigen" Kamps abgebe». Daß Tom Mann gewählt wird, ist nicht ivahrscheinlich, aber da er»nziveifelhaft das populärste Mitglied der Jndependent Labour Party ist, so ist es immerhin »löglich, daß er dem liberale» Kandidaten soviel Stimmen abzieht, daß auch der ziveite Sitz von Halifax in konservativen Besitz über- geht. Die Liberalen möchte» das um jede» PreiS vermelden, und ihr �Kandidat Billson hat schon erklärt, daß, wenn er auch sich verpflichtet fühle, für seine Partei de» Sitz zu verlheidige», er sich doch glücklich schätzen würde, einen Vertreter der Arbeiter als Kollege» sür Halifax zu bekommen, und ein anderes einflußreiches Mitglied der Partei l)at i» öffentlicher Versammlung erklärt, er und andere angesehene Mit« glieder der Partei machten sich anheischig, bei der nächsten Wahl mit ihrem ganzen Einfluß dafür einzutrelen, daß der zweite Sitz für Halifax bedingungslos der Arbeiterpartei überlassen würde, nur diesmal möge sie darauf verzichten, einen Kampf einzugehe», der blos dem beiderseitige» Gegner zu gute kommen könne. Daß die I. L. P. auf dies Anerbieten eingehen wird, erscheint mir zweifelhast. Da Herr Billson im Grunde alle ihre praktischen Forderungen auf seinem Programm hat, könnte sie es thun, ohne sich prinzipiell etwas zu vergebe». Aber es widerspricht der ganzen bisherigen Traditio» der Partei, denn so jung die I. L. P. auch ist, hat sie doch schon ihre Traditio», und gerade bei ihrer Jugend wird es viele» ihrer Mitglieder bedenklich erscheinen. eine» offenkundige» Konipromiß einzugehen. Man hat iviederholt iinverhüllt für Konservative gestimmt, um die„heuchlerischen" Liberalen zu werfen.*) Aber das war dann unbeeinflußte Entscheidung oder erschien wenigstens als solche. Hier aber wurde ein Bündniß eingegangen, das nicht verfehle» könnte, auf andere Wahl« kreise niehr oder weniger anreizend zurückzuwirken, und dagegen dürsten sich viele Mitglieder der Jndependent Labour Party sträuben. Es giebt auch eine Sektion in der Partei, die ein Bündniß>nit den vorgeschrittenen Radikalen mit günstigeren Augen ansieht. Beim jetzigen Wahlrecht und den konservativen Neigungen eines großen Theils der englischen Arbeiter sind die Anssichlen auf Wahl- siege überall nur mälige. Auf die Dauer aber kann die Partei ihre Siege nicht darin suchen, liberale Siege zu verhindern. schon weil die Wähler ihr nicht mehr folgen würden. Die Gewerk- vereine, die aktuelle Interessen ihrer Mitglieder wahrzunehmen habe». sind nicht dazu zu haben, sür die zukünftige„Verstaatlichung aller Produktionsmittel" die gegenwärtige» Ansprüche an die Gesetzgebung preiszugeben. In Blackburn, wo i» nächster Zeit ein Sitz frei werden wird, hat die Jndependent Labour Party ihr Mitglied Jos. Burgeß als Kandidaten ausgestellt. Burgeß hat an die Arbeiter- *) So haben erst neulich i»> Bezirk Bridgeto» von Glasgow Mitglieder der Jndependent Labour Parly für de» Konservativen ge- stimmt und dadurch die liberale Mehrheit auf ein Minimum reduzirt. abgeordneten Soin. Woods, John Havelock Wilson und den alten Vroadhurst geschrieben und sie gisragt, ob sie eventuell zu gnnste» seiner Wahl sprechen würden. Broadhurst hat bedingungsweise zugesagt, Sai». Woods hat verlangt, Burgeß solle sich erst erklären, ob er die Politik Keir Hardie's billige(eben die Politik des„Zerschmetteriis" der Liberalen), und Wilson hat grade heraus erklärt, er werde für Burgeh sprechen,„iveun kein Liberaler im Felde sei." Das sind, von John Burns abgesehen, die vorgeschrittensten der Gewerkvereins- Vertreter im Parlament. Ihre Antworten auf der einen Seite, und das Drängen eines Theils der Liberalen auf Zugeständnisse an die Jndependent Labour Party auf der anderen, werfen auf die der- zeitige Gestaltung des englischen Parteilebens ein bezeichnendes Licht, und der Ausgang der Wahl in Halifax kann für dasselbe eine grohe Bedeutung erlangen.— Kopcuhagc», Ende Febrnar. Das Landarbeiter-An- siedet ungsge setz. Nach einer Arbeit von zwei Monaten hat der Folkethingsausschuß sein Gutachten abgegeben. Der Ausschuß hat sich bei Beurtheilung dieser Frage in zwei Theile getheilt. Aus der einen Seile steht die Rechte und fünf Vertreter der Linken, die Minorität wird gebildet von 3 Vertretern der Linken und einem Sozialdemokraten. Die Majoriläl sagt in ihrem Gutachten: Wir finden es wünschenswerth, daß die Anfiedlnngen so groß werden, daß auf ihnen 2 Kühe gehalten werden können, und nian hat daher eine entsprechende Vergrößerung der Anfiedlnngen vorgeschlagen, ohne daß der Werth der Ansiedlnngen 4000 Kr. zu übersteigen braucht. Denn die Hauptsache ist, daß die Anfiedlnngen eine Größe bekommen, daß sie in' ökonomischer Hinsicht zum wirklichen Nutzen für diejenigen werden können, die in ihren Besitz kommen. Die Annahme der Anfiedlungskomnüssion, daß ein tüchtiger Ansiedler seine Besitzung schon wird in die Höhe bringen könne», daß er sich selbst Land für eine zweite Kuh anschaffen könne,„wird nur in Aus- nahmesällen zutreffen". Hiermit hat man sich also der von der Sozialdemokratie von Anfang an verfochtenen Meinung erheblich genähert. Die radikale Minderheit des Ausschusses wird im Plenum Abänderungsanträge einbringen.— St. Petersburg, Ende Februar.(Eig. Ber.) Immer weitere Kreise zieht die russische Arbeiterbewegung. I» einem eben erschienenen Flugblalte mit der Aufschrift„WaS für ein Gesetz betreffs Verkürzung des Arbeitstages uns unsere Fabrikanten schaffen wollen" wird eine ganze Reihe von Streiks der Arbeiter von Moskau und des Moskauer Gouvernements aufgesührt. Die Haupt- forderung in allen diesen Streiks ist die Verkürzung des Arbeits- tages. Ende 1896 war in Moskau ein Streik in der Maschinen- sabrik des„alten Bramley". Die Arbeiter verlangten eine Ver- kürzung des Arbeitstages von Il'/e Stunden ans lOV,. Ter Fabrikant versprach, diese Stunde vom neuen Jahr an nicht mehr zu verlangen, und der Ober-Polizcimeister gab sein Wort, daß der Fabrikant sein Versprechen halten werde. Etwas vorher erlangten die Arbeiter der Maschinenfabrik Dangauer ebenfalls eine Verkürzung des Arbeitstages. Andere Fabrikanten, um weitere Streiks zu vermeiden, kamen den Wünschen der Arbeiter entgegen. Seit unlängst ist die Arbeitszeit in einige» Fabriken(Guschon, Gakenthal«.) verkürzt worden. Zu derselben Zeit ist auch in S e r p n ch o w(Gouvernement Moskau) ein Streik ausgebrochen in der Baumwollen« und Leinen- sabrik von Kanschin; hier forderten die Arbeiter statt einer Arbeitszeit von 12 Stunden«ine solche von II— aber ohne Erfolg. In I w a n o w o- W o s n e s s e n s k erreichten die Arbeiter zweier großer Leinwandfabriken die Einführung zweier Neimstundenschichlen, stall einer solchen von 12 Stunden. Aus L i b a u wird von Streiks unter den Hafenarbeitern berichtet. Am ersten Streik nahmen 200 Mann theil,' die bei zwei Unternehmern arbeiteten. In diesem Falle ist das Verhallen des dortigen Militär- kommandanten nicht uninteressant. Um dem betroffenen Stauer Rabinowitz seine Theilnahme auszudrücke», schickte er demselben seine Soldaten, damit sie die streikenden Arbeiter er- setzen. Die Arbeiter baten den Kommandanten, die Soldaten abzurufen und, da ihrer Bitte kein Gehör geschenkt wurde, so entschlossen sie sich, Gewalt anzuwenden. Es kam zu einer Schlägerei, wobei 3 Arbeiter verhaftet wurden. Bei einigen derselben wurde ein Flugblatt vorgesunden, welches ihre Forderungen an die Stauer enthielt. Der Streik endigte mit einem Siege der Arbeiter, indem der eine Stauer den Lohn steigerte, während der andere von der beabsichtigten Verkürzung des Lohnes Abstand nahm.— Bald nach diesen Vorkommnissen brach am selben Orte noch ein mächtigerer Streik aus. Es nahmen daran zirka 4000 Schauerlente bei 8 Stauern theil. Der Zeitpunkt war sehr günstig gewählt, und schon nach U/e Tagen wurde der Tageloh» um 30—40 Kopeken vergrößert. Aber dieser erhöhte Lohn ließ sich nicht lange ausrecht erhalten. Bald nach Vollendung der dringendsten Arbeiten sank er wieder um 10 Kop. herunter. In seiner Begründung des Budgets für das Jahr 1897 spricht der Finanzminister Witte über die gegenwärtig in Rußland herrschende landivirthschaftliche Krisis,„daß diese nur ein privates Uebel sei,— den Bedingungen des ganzen russischen Reiches gar nicht ent- sprechend", und die schwere Lage und Verschuldung des Adels„muß nicht mit den wirthschaftlichen Interessen des Landes identifizirt wer- den— da es nur die Interessen einer bestimmten Gruppe von Guts- besitzern sind". In demselben Artikel zählt der Minister mit aller Sorgfalt alle die Maßregel» auf, die zum Nutzen der Großindustrie von der Regierung getroffen werden. Eine derartige„Ungerechtigkeit" bc- leidigle einen der größten Gutsbesitzer den Grafen Bobrinsky aufs tiefste. Bei Gelegenheit eines Abendessens, daS zu seiner Ehre vom Petersburger Adel gegeben wurde, prolestirte er in seiner Rede entschieden gegen eine solche Behandlung der Groß- grnudbesitzer.„Wir sind keine„bestimmte Gruppe von Gutsbesitzern", sprach er,„wir find die Repräsentanten der Landwlrthschnft von ganz Rußland, Repräsentanten unserer Interessen, wie auch derjenigen der Bauern und des ganzen Reiches(?). „Wir, die Adeligen, find die Repräsentanten der Interessen des russischen Landes(?), und als solche sind vor allein w i r die Land- leute. Schließen wir also unsere Reihen auf diesem Wege, meine Herren Adeligen! Eine Feudalkaste waren wir niemals, eine ge- schlosseue Arnppe wollen wir nicht sein!" Ans Westrußlaud.(Eig. Ber.) Im Dezember v. I. ist in Rußland die erste Nummer der geheim erscheinenden Zeitschrift in jüdisch-deutscher Mundart unter dem Titel:„Der jüdische Arbeiter. Organ sür die Interessen der jüdischen Arbeiter in Ltußland" herausgegeben worden. Da wir wisse», mit welchem Interesse die westeuropäischen Arbeiter die Enlwickelnng der Arbeiterbewegung in Rußland und den Prozeß des geistigen Erwachens des russischen Proletariats verfolgen, hallen wir es für angebracht, sie mit den Zwecken, welche das neue Organ verfolgt, wie auch mit dem Inhalt der ersten Nummer bekannt zu machen. Wie aus den einleirenden Worten der Redaktion zu ersehen ist, stellt sie sich zur Aufgabe, bei- zutragen zur Vereinigung der zur Zeit ifolirt arbeitenden Gruppen des jüdischen Proletariats(in Rußland) in eine sozialistische Organi- sation und den Moment näherzurücken, in welchem diese Organisation als Bestandtheil eintritt in die allgemein- rusfische Arbeiterpartei, deren Entstehung nur eine Frage der Zeit ist. Um dieses Ziel zu erreichen, stellt sich die Redaktion des„Jüdischen Arbeiters" zur Aufgabe I. das Klassenbewußtsein des jüdischen Proletariats z» ent- wickeln, indem sie unter anderem daraus hinweist, daß gegenwärtig die gewerkschaftliche Organisation die einzige Stelle der Macht- entsallung des Prolelarials ist; 2. die politische» Auf- gaben der russischen Arbeiter überhaupt und der jüdischen insbesondere klarzulegen, wobei besonders betont wird, daß die Beseitigung des Absolutismus und die Eroberung der politischen Freiheit die wichtigste Aufgabe unserer Zeit ist und daß der Zarismus nur unter dem solidarischen Anprall der vereinten Kräfte sämmtlicher Arbeiter Rußlands ohne Unterschied der Nationa- lität, der Konsession und des Landtheiles zusammenbrechen wird; 3. die in den Kämpfen der russischen Arbeiter, wie auch der Arbeiter- schast des westlichen Enropa's gemachten Erfahrungen zu schildern. Der Leitartikel erörtert, welche Vortheile die jüdischen Arbeiter in ihren: Kampfe gegen die Unternehmer errungen haben und wie auf der Grundlage des wirthschaftlichen Kampfes allmälig das politische Bewußtsein in der Arbeiterklasse erstarkt, dabei wird auch beiläufig der Klassencharakter des russischen Staates klargelegt; zum Schlüsse wird darauf hingewiesen, daß der vorgeschrittene Theil de! jüdischen Proletariats, obwohl er den Kampf sür die allgtineiuen politischen Rechte in den Vordergrund stellt, an welchem sämmt- liche in Rußland lebende Arbeiter ein Interesse haben, auch die spezielle Forderung der politischen Gleichberechtigung der Inden nicht außer acht läßt und für nothwendig hält, sie auf seine Fahne zu schreiben, daß aber im Kampfe für die bürgerlichen Rechte die jlldi- scheu lllrbeiter nicht auf die Mitwirkung der jüdischen Bourgeoisie rechnen, obgleich die Ausnahmegesetze gegen die Juden gegen die ganze Nation und nicht gegen ey>« einzelne Klasse derselben gerichtet sind. Weiter folgt ein« Reihe von Korrespondenzen: aus Petersburg(eine gedrängte Darlegung der Thätigleit des„Vereins für die Besreinng der arbeitenden Klasse" und der Arbeiterbewegung in Peterl- bürg in den Jahren 1892—86); aus B i a l y st o k(Streik auf einer Tabaksabrik); aus Wilna(die Lage und der Kampf der Schuh- machcr in dieser Stadt, die bevorstehenden Neuerungen in dem Schuhmachergewerbe, die Schädlichkeit des Akkordlohnes; die nächsten Ausgaben der Schuhmacher); aus MinSk(Schuh. macherstreit); aus Warschau(die Bewegung unter den jüdischen Arbeitern) und aus Wilkowischki, Gouvernement Snvalki(die Lage und der Kampf der Borstenarbeiler vor dm Beginn des Kampfes, die Entstehung der Bewegung unter den Borstenarbeitern, die wichtigsten Episoden des wirthschaftlichen Kampfes, die von den Borstenarbeitern im Kampsc gegen die Unternehmer erzielten Erfolge, die Bedeutung dieser Erfolge sür das Gesammtgebiet der Borstenbearbcitung). Wir wollen bemerken, daß die Korrespondenten in den meisten Fällen sich nicht ans die Darlegung und die Beleuchtung der einzelnen Thatsachen beschränken, sondern daß si>.-»K Drama in 5 Alten nach dem flloma» des George du Maurier von Georg Okonkowsfy. Abends Uhr: „Frau Lieutenant." Vaudeville in drei Akte» von Paul Ferrier und Antony Mars. Deutsch von Hermann Hfrschel. Musik von G. Serpelte und V. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Mich. Schultz. Heute Sonntag, S8. Febrnar, nachmittags um 3 Uhr: Emil Thomas a. G. Zum 23. Male: Ei» fideler Abend. AbendS V'3 Uhr: Zum 24. Male: Ein fideler Abend. Morgen Montag: Zum 25. Male: Ein fideler Abend. Dienstag und folgende Tage: Ein fideler Abend. zriedrilh Wilhelmst. Theater. Beginn der Vorstelluna 8 Uhr. Gastspiel d. Herrn Carl Panüer vom„Thalia Theater" in Ham- vnrg. Uhr: Heinrich Heine. Hühnerauge» Operateur und Lotterie- Kvilekteur H Irsch: Earl Pander a. G. — Vorher 8 tUir: Eine Taste Thec. Lustspiel in t Alt von W. Drost. Montag, Dienstag, Mittwoch: Gastspiel deo Herrn Carl Pander: Heinrich Heine. Vorher: Eine Tafle Thce. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestellgebühr an der Theater- lasse zu haben. Außerdem im In- valideiidank, Unter den Linden 24, bei Paul Nomeick, Leipzigerstraße 0, und Julius Lengenseld, Markgrafenstr. 20. Alexandervlah-Theater. Nachmittags 4 Uhr zu kleinen Preisen: Zum l. Male: Frau Holle. Zaubermärchen mit Gesang und Tanz in sechs Bildern von E. Prudens.— Abends 8 Uhr und die folgenden Tage zu kleinen Preisen: Eine pikante Ehe. Berliner Posse mit Gesang und Tanz in S Bildern von E. Prudens. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestellaebühr an der Theater- lasse zu haben. VoriuittagS 11—1 Uhr und abends von>/,? Uhr an. Urania, Naturkundliche Ausstelluiig täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 30 Pf. Wtssenschaftl. Theater abends 8 Uhr. ÄernwarteN«S'ti.'dÄ.- Hof. Täglich vbn 71/2 Uhr abends ab 30 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Experimenten n. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanlckilägc._ Castasi's Panoptienra. Js, Pyymäen die tleinsten Mettscheu der Welt! Luinpe-Gastspiel Parodie-Theater M- Oranienstr. 32."Mg 0 n n t a g: Zunl letzten Male. Aus stürmisches Verlangen: Enuiin von Falkenstein, die eingeumnerte Nonne Montag, den 1. März:" Zm Amrim-Theater, Dresdenerstr. 55, , 3~ InhniiiiMlliler. 1. Male, Tchinderhannes. Damen-Wcttschwinimeu. Passage Fanopücuni. Vom 6. März ab: Mädchea ans Samoa. Bahnhof Börse. Sonntaa, den 28. Februar 1807: 2 gr. UorsteUlmgen 2 Nachmittags 4 llhr: (1 Kind unter 10 Jahren frei): Zscheus, das WalduOlhen. Schwimmende Elesamen, schwimmende Pferde mit Reitern. Abends 7),, Uhr: Nach Sibirien. Außerdem in beiden Vorstellungen die besten Freiheits- und Schulpferde; die hervorragendsten Reit- künstlerinuen u. Reitlünstler. Speziali- täten 1. Ranges. Vorzügl. Klowns. 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Hertling. und vergaß auch nicht, unter allgemeiner Heiterkeit der Versammlung die famosen Argumente des Abgeordneten Pastor Schall gegen den Antrag anzuführen. sowie ans die sich entgegenstehenden sozialpolitischen Richtungen in der Zentrumspartei hinzuweisen, die der Redner damit erklärt, daß diese Partei ans allen möglichen Jnteressengrnpppen znsammgesetzt ist. verschiedenartige Politik verfolge» muß, um so scheinbar alle» ihren Wählern gerecht zu werden. Lebhafter Beifall folgte de» Ausführungen des Referenten. An der hierauf folgenden Diskussion betheiligte sich außer Frau F a h r e n w a I d, die sich im Sinne des Referats äußerte und mit Entschiedenheit gegen die be- kannten Auslafsmigen der bereits obengenannten Abgeordneten protestirte. Herr Weinhansen von den National-Sozialen. Di. ser Redner gab eingangs seiner Ausführungen ein recht drastisches Urlheil über eine Versammlung in Spandau ab. in der Herr Pastor Schall über dasselbe Thema reserirte und die. ivie der Redner meinte. lebhaft daran erinnerte, daß wir augenblicklich in der Karnevals- zeit leben. Beide Versammlungen verhielte» sich zu einander, wie der ernste Tag zu einer heiteren Nacht. Mit den Ausführungen des Referenten erklärte sich der Redner, der gleichsfalls nicht nur das Recht, sondern die Pflicht des Staates, die Arbeiter vor der Ausbeutung zu schützen, anerkannte, einverstanden, eine gesetzliche Ver- kürznng der Arbeitszeit erachtete auch er für nothwendig und auch für durchführbar. Er hätte es für taktisch richtiger gehalten, die sozialdemo- kratische Fraktion hätte den Zehnstundentag gefordert. Ein solcher Antrag wäre vielleicht von besserem Erfolg gewesen und hätte de» Anschein nach außen hin vermieden, der Antrag sei nur zu Agilalionszweckc» gestellt worden. In seinem kurzen Schlußwort verweist Genosse Fischer daraus, daß es Sache der Gesetzgebung sein müsse, durch geeignete Maßnahmen die Schwierigkeiten, die sich bei einzelnen Betrieben der Einführung des Achtstundentages vor- übergehend entgegenstellen sollten, zu berücksichtigen. Unrichtig sei aber die Aunahine, daß ein Antrag auf einen Zehnstundcntag mehr Erfolg gehabt hätte, indem die Gegner sich ja nicht gegen den Acht- stuudentag, sondern gegen die Festsetzung einer Maximalarbeitszeit überhaupt wendeten, wie die Ablehnung des Antrages Hitze beweist und ihre prinzipielle Stellung mit allerlei nichtssagenden Einwänden zu decken versuchten, wobei irgendwelche thalsächliche Gründe gegen den Achtstundentag gar nicht angeführt wurden. Der Redner macht noch auf die technische industrielle Enlwickelung aus- merksam, die ohne besondere Nachtheile der Industrie die Festlegung des achtstündigen Arbeitstages ermögliche; es sei daher heute nicht mehr die Aufgabe der Sozialdeniokratie, de» Zehnstundentag für den Fabrikbetrieb zu forder», weil dieser nicht blas in 90 pCt. durchgeführt, sondern auch in einer großen Reihe von Betrieben bereits überholt sei. Nachdem Frau Lutz die an- wesenden Frauen»och ausgefordert hatte, de» geiverkjchaftlichen Organisationen beizutrete», um darin gemeinsam mit den Männern sür die Verbesserung der wirthschaftlichen Verhältnisse zu wirken, gelangte folgende Resolution zur Annahme: „Die in Marten's Salon tagende, in der Mehrzahl von Frauen besucht« Versammlung protestirt aus das entschiedenste gegen die AussÜhrnnge» der Abgg. v. Heyl und v. Stumm, daß die Frauen Gegner des Achtstundentages wären und erwarte» von den Ver- treten, der Sozialdemokratie, daß sie immer wieder sür denselben eintreten." Die Berliner Gewertschafts-Kouimission hielt am Freitag eine Delegirtenversammlung ab. Vor Eintritt in die Tages- ordnung bemerkt Timm, obgleich in letzter Zeit nnr die Delegirten per Karte zn den Sitzungen eingeladen werde», sei auch heute ein bürgerlicher Berichterstatter anwesend. Derselbe möge wenigstens einer Anstandspflichl genüge» und sage», durch wen er Kenntniß von der Versammlung habe. Da er keine befriedigende Aus- knnft hierüber geben kann, ist Timm dafür, daß er hinaus- gewiesen werde. Nach kurzer Debatte wird jedoch mit Stimmengleichheit beschlossen, seine Anwesenheit zu dulde». Zn», ersten Punkt der Tagesordnung: Nechenschafts- und Kassenbcrlcht, »ahm M i l l a r g das Wort. Eine Wiedergabe seiner Ausführungen erübrigt sich, da wir schon in Nr. 46 des„Vorwärts" das wesent- lichste ans dem Bericht mitgetheilt haben. Aus dein Kassenbericht ver- dient noch hervorgehoben zu werden, die Zahle» über die gesainmelten Streikgelder, welche die Opferwilligkeit der Berliner Arbeiterschaft erkennen lassen. Demnach sind zn diesem Zwecke im Jahre 1896 aufgebracht worden: für Berliner Streiks 779 053,34 M., für Streiks außerhalb Berlins 186 506,47 M., in Summa 965 559.78 M., es blieben nach Abzug der Streiksausgaben noch weitere 170 564,98 M. für Kämpfe und Agitation in den Kassen der Gewerkschaften Berlins. Am Schluß bemerkte der Redner, manche Lohnbewegungen der letzte» Zeit, namentlich der Hamburger Streik hätten gezeigt, daß man vor Beginn einer Lohnbewegung alle dabei in betracht kommende» Momente sorgfältig erwäge» müsse. Die Gewerkschastskommission werde nicht umhin können, in Zukunft solche Streiks, die als un- überlegte erscheinen, nicht zu bewilligen. De» kleinen Gewerkschafte» sei dringend zu empfehlen, sich mit den verwandten Gruppen ihres Berufs ins Einvernehme» zn setzen, damit es ihnen leichter sei, bei einem Streik den Zuzug fernzuhalten, der doch am ehesten von den ver- wandte» Berufen zu erwarte» sei. Rüther macht einige Ausstellungen an dem gedruckten Rechenschaftsbericht. Weder die Zahl der Streiks, noch die Zahl der daran Betheiligten sei in allen Fällen richtig an- gegeben. Das Gewerkschaftsbureau hätte im Laufe des Jahres und nicht erst im letzten Augenblick das Material für die Ausstellung sammeln solle», dann wäre dieselbe zu verläfsiger gewesen. Die bezüglich des Metallarbeiter- Streiks angegebene» Zahlen der Betheiligte» träfen nicht zn und waren gegen den attsdrücklichen Wunsch des Redners aufgenonnne» worden. Das müsse er sich verbitten. Börner be- mängelt einige Angaben über die Lohnbewegung der Tabakarbeiter. Der Berich, erwecke den Anschein, als hätten die Tabakarbeiter durch die Gewerkschaftskommission Gelder erhalte», von denen sogar noch ein Ueberschuß für ihren Fond geblieben sei. Die Tabakarbeiler hätten die Streikgelder nicht nur in ihren eigenen Reihen aufgebracht, sonder» nachdem der fragliche Ueberschuß zur theilweisen Deckung eines Darlehnsverwandt wurde, hätte die Rechnung sogar mit einem Defizit ab- geschlossen. Fräulein Bi e n bemerkt, daß zu der Lohnbewegung der Buch- druckerei-Hilfsarbeiter die Frauen und Mädchen den Anstoß gegebe» und sich auch in größerer Zahl, als die Männer daran betheiligt hätten. Der Bericht führe gar keine Arbeiterinnen an. Brückner macht an der Abrechnung über den Streik der Leder- und Galanterie- arbeiter gleichfalls einige Ausstellungen. P ö r s ch vermißt sta« tistische Angaben über die Zunahme, welche die Organisationen infolge des wirthschaftlichen Äusschwunges erfahren haben. Die Erfolge des Streiks stelle der Bericht in manchen Fällen zu günstig dar, was nicht im Interesse der Arbeiter liege. Brandes mißt die Schuld au den Ungenauigkeilen des Berichts weniger dem Bearbeiter, als den Berichterstattern zu. L i t f i n meint, die Mängel würden am besten beseitigt, wenn die Kommission ihre Berichte im lllpril und Oktober herausgebe, da auch die Gcwerk- schaftcn für diese» Zeitraum ihr Material sammeln und die Kommission daher bester bedienen könnten. M i l l a r g bemerkt gegenüber den Ausstellungen der einzelnen Redner. er habe die Zahle» so veröffentlicht, wie sie ihm zugestellt wurden. Für etwaige Unrichtigkeiten könne man ihm also nicht die Schuld beimesse». Zu einer Statistik, wie sie Pörsch wünsche, fehle es an Zeit. Das Material würde zuverlässiger sein, wenn die Delegirten veranlassen wollten, daß dem Bureau während der Dauer und a», Schluß einer jeden Lohnbewegung Berichte über dieselbe zugestellt würden. Die vorliegende Statistik sei ja erst der Anfang, sie werde mit der Zeit besser werden. Dem Kassirer wird auf Antrag der Revisoren einstimmig Decharge ertheilt. Es folgt die Besprechung über den Boykott der Privatpost. M i l l a r g und T i in in weisen darauf hin, daß dieser Boykott gar keinen Zweck mehr habe; in Arbeilerkreisen wisse man kaum, daß derselbe formell noch bestehe. Thatsächlich werde er längst nicht mehr beachtet, und es empfehle sich daher, denselben auch formell aufzuheben. Pohlitz ist für Weiter- führung des Boykotts. Wenn eS nichts nutze, so schade es auch nicht. Stach kurzer Debatte wurde die Aufhebung des Boykotts der P r i v a t p o st einstimmig beschlossen. K ö r st e n beantragt namens des Ausschusses, das bisherige Gehalt Millarg's von 120 M. auf 150 M. monatlich zu erhöhen, da der Satz von 120 Mark entschiede» zu gering sei sür den verantwortungsvollen Posten der Geschäfts- und Kassen- führung und die dadurch bedingte Arbeitslast. Das Arbeitsfeld der Gewerkschaftskommission habe sich gegen früher bedeutend ans- gedehnt, weshalb im Juteresse einer prompten Erledigung der Ge- schäste die Anstellung eines zweiten Beamten erwogen werden müsse. Einige Bemerkungen über die Taktik der Kommission hinsichtlich der Sanktionirung von Streiks veranlaßten M a s s i n i zu dem An- trage, es möge diese Angelegenheit in einer besonderen Versammlung mit dem Thema: Was lehren uns die letzten Streiks, eingehend erörtert werden. Von der Frage, wie sich die Kommission zu Streiks und überhaupt zur Gewerkschafts« bewegung stelle, hänge es ab, ob die Anstellung eines zweiten Beamten erforderlich sei. Es wird beschlossen, eine solche Ver- samnilung mit Massini als Referenten über 14 Tage abzuhalten. Die vorgeschlagene Gehaltserhöhung wird einstimmig bewilligt. An stelle des ausgeschiedenen Ausschußmitgliedes Jost wird Timm gewählt. Einem Antrage Timm zufolge wird bestimmt, zu den Versamm- lungen der Delegirten künftig nicht mehr durch Karten, sondern durch eine drei Tage vorher im„Vorwärts" zu erlastende Annonce einzuladen. Es sehlteu die Delegirten der Bauarbeiter, Konditoren, Drechsler, Eisenformer, Glasarbeiter. Händler, Kupferschmiede, Maurer, Musiker, Schriftgießer, Schmiede, Sluckateure, Xylographen, Zinkgießer. XL. Die Delegirten der Geiferkschaftskommission werden ersucht, die jetzt fertig gestellten Rechenschaftsberichte, das Jahr 1896 um- fassend, im Bureau Anninstr. 16 für ihre Gewerkschaften in Empfang zu nehmen. Tie Ziniiiicrer hielten am 21. Februar ihre regelmäßige Bereiiisversamniliing ab. Die Absendung von 200 M. an die Hamburger Hafenarbeiter seitens des Vorstandes wurde von der Ver- sammlung gutgeheißen. Für den Verein ist das Institut„Urania" am 2. und 23. März gemiethet und sind Billels bei den Bezirks- kassirern zu haben. Tie Lcdergalantcrie-Arbeiter waren am 22. d. M. bei R o l l, Adalberistr. 21, versammelt. Kollege H e i n d k e reserirte über den Hamburger Streik und seine Lehren. Die nachfolgende Diskussion war eine sehr rege. Da die ikollcgen von Jafse nicht erschienen waren, so ging man über diese Angelegenheit zur Tages- ordnung über. Die Gold- und Silbcrarbeiter hörten in ihrer Verbands- veisammlung vom 22. Februar einen Vortrag des Genossen tan sen über„Die Presse", der beifällig aufgenommen wurde. odann giebt der Vorsitzende bekannt, daß die Abrechnung von der Matinee«ine Einnahme von 398,20 M. und eine Ausgabe von 202 M, ergebe, so daß ein Bestand von 196,20 M. verblieb. Außer- dem machte er allen denjenigen Kollegen es zur Pflicht, deren Werkstatt zu einer Sitzung eingeladen stvird, auch zahlreich zu er- scheinen. Des weiteren macht er auf den in diesem Jahr statt- findenden Verbandstag aufmerksam und ersucht um Stellung von Anträgen zu demselben. Die Droschkeiikntschcr hielten am 25. d. M. eine öffentliche Versammlung ab, in welcher Genosse Jahn über„Der moderne Rechtsstaat und das Koalitionkrecht" reserirte. Der Vertrauens- mann Schulz berichtete, daß im Berichtsjahre 10 öffentliche Ver- sammluuaen, darunter 4 wegen beantragter Abänderung der HS 115 und 116 des R.-Str.-G.-B., betr. den Verkehr der Straßenbahnen, stattfanden._ Die Einnahme von 1395/96 für den Streikfonds betrug nebst einem Bestand vom Streik im Jahre 1394 von 60 Mark. 1070.51 Mark; die Ausgabe 422.36 Mark, sodaß ein Bestand von 643,15 Mark verbleibt. Für die Petition an den Bundesrath und Reichstag sind 183,75 Mark verausgabt, 89,50 Mark durch Sammlungen ver- einnahmt worden. Ueber den Vorschlag zu einem neuen Ver- tranensmänner-System, wie über den Kassenbericht entspinnt sich nunmehr eine längere Diskussion, au der sich A. Schulz, Zeising, Lütke, Schreiber, Krause, Kuhn und K n i f f e r betheiligen. Das neue Vertrauensmänner-System werde man erst reiflich erwägen und in einer späteren Versammlung mit bestimmten Vorschlägen kommen müssen. Für Prüfung des Kassen- berichts wurden Zeising, A. Schulz und Lütke als Revi- soren ernannt. Die Neuwahl der bisherigen 10 Vertrauensmänner erfolgt in einer späteren Versammlung. Die Töpfer hielten am Donnerstag im Lokal„Königsbank" eine von etwa 150 Personen besuchte öffentliche Versammlung ab. W i l h. H o s f m a n n schilderte in seinem Referat die gegenwärtige ungünstige Lage im Töpfergewerbe und unterbreitete dann der Ver- sammlung das Resultat einer Erhebung. Dieselbe ergiebt, daß zur Zeit in Berlin 253 größere und kleinere Bauten vorhanden sind, auf denen Töpferarbeit in Aussicht steht. Auf diesen Bauten wären etwa 20 700 Stücke zu setzen. Solche Erhebungen sollen jährlich mehrmals vorgenommen werden und sich auch auf die Provinz erstrecken, damit man einen Ueberblick über den Arbeits- markt gewinne. Der Referent legte eine Resolution folgenden In- Halts vor: Die Töpfer Berlins und der Umgegend sind gewillt, dem Lohntarif von 1886 wieder volle Geltung zu verschaffen. Ein be« sonders zu verwaltender Streikfonds ist anzulegen, zu dem jeder arbeitende Kollege pro Woche 50 Pf. beizusteuern hat, was durch Marken quittirt wird. Zur Regelung und Durchsührung dieser Bewegung wird eine Kommission eingesetzt, welche den Streilsond zn verwalten, an- erkannte Mängel im Tarif abzustellen und diesbezügliche Aenderungen der nächsten Versammlung vorzulegen hat. Auf jedem Bau ist ein Bertraliensmann zu ernennen, welcher mit der Kommission in ständiger Verbindung bleiben, die Beiträge der Kollegen einziehen und an die Kommission abliefern soll, welche darüber Buch führen soll, um eine Kontrolle über die Betheiligung an den Sammlungen zu ermöglichen. Der Referent hob hervor, daß es sich bei diesen Vorschlägen nicht um die baldige Jnszenirung eines Streiks handele, auch werde kein« Lohnerhöhung verlaugt, vielmehr sollte nur der Tarif von 1886, der längst nicht mehr innegehalten werde, einer gründlichen Revision unterzogen und demselben allgemeine Geltung verschafft werden. In der Diskussion stimmten Heinr. Hoffmann, Äaudert und Hagen den Vorschlägen des Referenten zu. Hagen hält es für empfehlenswerth, daß die Kommission sich wegen der Tarisrevision mit der Innung und der freien Vereinigung der Töpfermeister in Verbindung setze, event. auch das Einigungs- aint des Gewerbegerichts anrufe. Es wurde gewünscht, in die Koni- Mission Anhänger beider Organisationsformen zu wählen, um ein gemeinsaines und einheitliches Arbeiten zu ermöglichen. Die vor- geschlagenen Mitglieder des Zeutralverbandes lehnten jedoch ab, weil sie— wie Münzapost sagte— ihre Verbandskollegen, die schon die Woche 30 Pf. Beilrag zahlen, nicht noch mit 50 Pf. zum Streiksond belasten wollen. Demgegenüber bemerkte der Vorsitzende Kemnitz, daß die Mitglieder des Lokalvereins nur 5 Pf. weniger zahlen. Die Resolution wurde einstimmig angenommen und Daudert, Rod. Kemnitz und Topf in die Kommissiou gewähtt. Eine öffentliche Tapezirer-Vevsammlnng fand bei ziemlich reger Betheiligung am 25. Februar bei Gründe! statt. Eingangs reserirte Genosse T h. M e tz n e r unter lebhaftem Beifall über Zweck und Nutzen der Gewerkschafts- Organisation. Um einen stärkeren Versammlungsbesuch herbeizuführen, wird eine Kommission von drei Kollegen gewählt, die sich zwecks Gründung einer Filiale im Norden mit der hiesigen Tapezirerorgauisation in Verbindung setzen soll. Bezüglich des erst am Tage vorher ausgebrochenen Streiks bei P s a s s konnte mitgetheilt werden, daß der Chef sich zu einigen Zugeständnissen herbeigelassen habe. Zugesagt wurden 25 pCt. Lohnzuschlag sür Ueberstnnden; die sonst von den Arbeitern ge- rügten Mißstände sollen abgestellt werden. Waren damit auch nicht alle Forderungen der Arbeiter erfüllt, so beschlossen dieselben doch, die Arbeit wieder aufzunehmen. Eine daraus erfolgte nochmalige Vorstellung beim Arbeitgeber hatte zur Folge, daß seitens der Arbeitenden ein Tarif aufgesetzt und dem Chef vorgelegt werden soll. Des weiteren wurde noch über ganz ungebührliches Betragen des Herrn O e l z e l gegen die Gehilsen, mehr noch gegen die Arbeiterinnen, bittere Klage geführt. Arbeiter- iztld»»s«sit>iil«. Sonnlag, vormittags von loZj-w Uhr. abwechselnd FoitschrUtSlursuS IN Nationalökonomie und Redeubung im Lokal der Nordlchule. Brnnnsnstr. es. Montag Abend kein Unterricht. Ki» Letehall« der Arbriter-Kildungsschule, Brunnenftr. ac, ist wochentags von«—» Uhr, Sonntags von«—9 Uhr, unentgeltlich für jedermann geöffnet. Tie Geschäfts tlcllc der Schule X., Brunnenftrahe es. die den Vereins- vorständen zur Vermtttelung von Vorträgen iviffenschastltchen EharakterS zur Verfügung steht, ist ebenfalls von 6- 9 Uhr nachmittags geöffnet. Arbeiter'Kii»i)erb»»d Berlins und llnigegend. Borsthender Ad. Nenmann, Paseivalkerstr. 3. Alle Aenderungen im VereinSkaiender sind zurichten a» Friedrich Itortu m, Mantcustelstr. es, v. 2 Tr. Arbeiter- P»»chrrb»»d Herl,»»>>»d Zl»»oege»d. Aenderungen im VercinSIatender stnd zu richten a» Hermann Braunschwetg, Dresdener- ftraße 80, 3. Hof, i lr. K»»d der gefeliiae» Arbeiterverein» Kerlin»»nd jlmgegend. All« Zufchriften, den Bund belrefsend, sind zn richte» an P. Gent, S. Dresdenerstrabe 107/8. «rohe öffentliche N»rsa»»»Iu»g der Utcihnachtoboum-Kändlrr nnd Händlerinnen Kerli»» und Zlingegrnd am Mittwoch, den 8. März, abends 8� Ulli-, im„Englischen Garten, Aleranderstrahe 370. Tagesordnung: 1 Bericht- erstaltung der Stebener-ikommifston über die eingegangenen Auskünfte der kontgr. Eifenbahn-Verivallung. 2. Der Pachtvertrag der General-Platzpächter Gebrüder Krüger, welche hierzu eingeladen find. 3. Diskussion. Dt« Kommission. A. A.t Müller.„.... «harlottenbnrg. O-st-nlltche Bauarbeiter-Versammlung heute Nachmittag 3 Uhr tm Lokale„Bismarlkshöhe",.(Näheres stehe Inserat.) Aromatischer Klub„iiededgiiich". Heute Nachmittag 8 Uhr: Sitzung Treinmenerstrabe I...., s-rliner»ranken-zlnterstiib»»-»- und Kegräbnihvireiu snr Lrauei, und Mädchen. Sonntag, den 28. Februar!897, nachmittags 6 Uhr, bei Joel, AndreaSstraße 21: Vokal- und Jnttrumental-Konzert und Theater-Vorilellung. Billets sind in den Zahlstellen,(stehe gestrige Nummer, VereinStalender) zu haben.„. Allgemein» FamUien- Kterd.Kast». Heute Zahltag: Ackerftrabe t-s bei Deile und Orauieustraße 33a bei Bulow. Sild»»g«v«r.i»..»lehr zicht". Heute Abend 6� Uhr. Aleranderstr. 370: (Großer Saal) Versammlung. Bortraa:„Da« Problem der menlchlichen Willcussrelhett!" Sieferent Herr Dr. Joel. Diskussion. Daraus: Geselliges Beisammensein.... Vrwat-Kheater«»seUschaft..«riba". Montag, den l. März, abend» 9 Uhr. Sitzung und Probe bei Nowaci, Manteufselstr. b._ itim n u e r k a u» t g u t ä Lit«rflasch« Mk. 1.10. 1.60. S.10 bei Entnahme von K Flaschen i Flasche 10 Pf. billiger, Glühwein F mchtsäfte U ngarwem . aanz vorzüglich, Himbeer Taft, medizinischen, k Stier Mk. 1,20, 6 Liter Mk. 5,50, Kirsch-Taft, beste Qualität, Punsch, und Grogk-Extract, Citro»en-Taft. ä Literstaschc Mk. 2.10 Ananas- und«urg.-Puiisch. � r_ 5 Literstaschc Mk. 1,30,. 5 Literflaschen Mk. 9,25, empfehlen und senden einzelne Flasche» durch uiisere Gespanne frei Haus, Preislisten gratis. Eugen Neumann& Co. Belle-Alliance-Platz Oa, Neue Friedrichstr. 81, Oranienstr. 190, erkaufsläden: Genthinerstr. 29, Grüner Weg 56, F ruchtweine Johannisbeer- Wein, Heidelbeer-Wei», k Flasche(-/. 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