BUNTE WELT Mr. 32 Unterhaltungsbeilage Die Ureinwohner Australiens wehren mußten, blieb der Australier von solchen Kämpfen verschont. Außerdem stand ihm teine überlegene Rasse gegenüber, an der er seine Gewandtheit und Stärke hätte messen können. Die Schärfung des Verstandes, die bei den europäischen Rassen Lebensnotwendigkeit war, brauchte sich beim Australier nicht zu entwickeln. Ferner gab es in Astralien keine Tiere, die sich zähmen ließen; das war ein anderer fehlender Faktor bei der Entwicklung. Das Klima und das durch die Fülle oder den Mangel an Wild und Fischen bedingte Nomadenleben verhinderte die Entwicklung einer Baukunst. Alles was der Ureinwohner in seinem Eingeborenenzustand braucht, ist ein Mia- mia, ein aus Zweigen verfertigter zeitweiliger Wind- und Sonnenschutz. Wo Not die Mutter der Erfindung war, hat der Australneger keine geringe Findigkeit bewiesen, und die Sorge um seine tägliche Nahrung hat seinen Verstand in ganz eigenartiger Weise geschärft. 1935 dung dafür wurde mir von einem südaustrali schen Eingeborenen beschrieben. Längsseits vieler Wasserläufe gibt es Lagunen. Das sind ges wöhnlich Teile des alten Flußbettes, die bei Hochwasser gefüllt sind und, wenn der Fluß seinen normalen Wasserstand erreicht, von ihm abgetrennt werden. Enten und andere Wasservögel sammeln sich auf diesen Lagunen. Die Eingeborenen verfertigen ein rohes Netz aus zäher faseriger Baumrinde und spannen es zwischen Bäume am Flußufer. In der Nähe dieses Nezes und zwischen dem Netz und der Lagune verstecken sich mehrere Eingeborene; andere nähern sich der Lagune von der ents gegengesetzten Seite und scheuchen die Enten auf, die dann dem Fluß zu fliegen. Bumerangs wer den geschleudert, kreisen wie Habichte über den Enten und drängen sie nach unten. Einige verfangen sich in den Netzen und werden leichte Beute der Jäger. Eine andere Fangweise ist ebenso eigenartig. Der Eingeborene befestigt einen buschigen Zweig oder einen Grasklumpen auf seinem Kopf, geht ins Wasser und läßt sich nur Augen und Nasenlöcher über dem dahintreiben. Sobald er den Vogel Aus einem Artikel von R. B. Davison, Auckland( Neuseeland), in" The Empire Neview", London Von den wenig bekannten Menschenrassen| spielte. Während letztere sich gegen gefährliche kennt man die Ureinwohner Australiens am Tiere Bären, Bisons, Löwen und Hyänen allerwenigsten. Das ist hauptsächlich darauf zu rückzuführen, daß sie weder von Natur aus noch auf Grund ihrer Ueberlieferung friegerisch veranlagt sind, und daß sie sich vor den immer weiter ins Land geschobenen Ansiedlungen der Weißen still zurückgezogen haben. Die Maori, die Zulu, die roten Indianer, sie alle haben sich mutig gegen den Einfall in ihre Länder gewehrt und den Eindringlingen wenigstens die Anerkennung des Rechts, im eigenen Lande zu leben, abgerungen. Der Australneger dagegen hat einfach das Feld geräumt. Abgesehen von einer bloßen Handvoll sind die Ureinwohner aus allen Staaten mit Ausnahme von Westaustralien, Nordaustralien, Zentralaustralien und Queens land verschwunden. Insgesamt gibt es wahr scheinlich noch 70.000 bis 80.000. Die tasmanischen Schwarzen, die eine noch primitivere Rasse als die Ureinwohner des Festlandes darstellen, sind völlig ausgestorben. Man bemüht sich jetzt, die Vernichtung der Eingeborenenbevölkerung aufzuhalten, und Regierungsund Missionsstationen lassen es sich angelegen und der Wurfstock zum Schleudern von Speeren, Einige seiner Waffen, wie der Bumerang sein, die Belange der Ureinwohner zu schüßen. sind wohlbekannt. Der Bumerang ist am besten erreicht hat, packt er ihn an den Beinen, zieht Noch vor verhältnismäßig furzer Zeit hielt in seiner Halbmondform bekannt, flach auf der ihn unter Wasser, dreht ihm den Hals um und man die australischen Eingeborenen für den einen Seite, leicht gewölbt auf der andern und läßt ihn treiben, während er sich einem andern geistig und körperlich tiefſtstehenden Menschentyp. mit einem länglich gezogenen Drall versehen. Opfer zuwendet. Das feßt er so lange fort, bis Diese Ansicht hat man jetzt aufgegeben, und Infolge dieses Dralls kehrt der geschleuderte er eine genügende Anzahl getötet hat, und zwar die Entwicklungsmöglichkeiten dieses Menschen- Bumerang nach zwei- oder dreimaligem Krei- ohne die anderen Vögel zu beunruhigen. schlags rücken in den Vordergrund. Nur zu be- sen in der Luft wieder zu Füßen des Schleu- Es ist eine seltsame Tatsache- die augens reitwillig hat man geglaubt, die mangelnde kul- derers zurück. Dieser Bumerang ist nicht zum scheinlich dem vor dem Eindringen der Weißen turelle Entwicklung ihrer geringen geistigen Auf- Töten bestimmt. Dazu verwendet man schwerere herrschenden Nahrungsüberfluß zuzuschreiben ist fassungsgabe zuschreiben zu dürfen. Untersuchun Bumerangs der verschiedensten Formen, die, daß die Eingeborenen den Ackerbau nicht eins gen haben jedoch ergeben, daß diese Ansicht nicht nicht zum Werfer zurückkehren. Der wiederkeh- mal in seiner rohesten Form kennen. Sie mahlen zutrifft. Ein unter Weißen aufgewachsener und rende Bumerang dient hauptsächlich als Spiel- die Samen gewisser Gräser und bereiten Kuchen erzogener Australneger eignet sich sehr schnell zeug und Sportgerät. Eine interessante Verwen- daraus, haben aber nie daran gedacht, bie Kenntnisse an. Er kann in demselben Maße wie ein weißes Kind herangebildet werden. Ich wohnte einmal einem Vortrage bei, den ein reinraffiger australischer Ureinwohner hielt. Sein Englisch war korrekt und gewandt und seine Sprache außergewöhnlich bilderreich- außer gewöhnlich nicht etiva im Vergleich mit der seiner Rassengenossen, sondern im Vergleich mit der Durchschnittssprache weißer Redner. Manche Eingeborene meistern sehr leicht klassische Musik und spielen mit beträchtlicher Fertigkeit; andere werden tüchtige Mechaniker und Mathematiker. Es mag der Einwand erhoben werden, daß dies Launen der Natur seien, da nur sehr wenige Eingeborene eine solch hohe Stufe erreichen. Diese Behauptung trifft aber nicht zu, denn nur wenigen wird die Möglichkeit geboten, und von diesen wenigen weist ein hoher Prozentsaz große geistige Fähigkeiten auf. Was ist denn nun die Ursache des kulturellen Tiefstandes des im primitiven Zustande lebenden Ureinwohners? Ein Blick auf die natürlichen Verhältnisse, unter denen er gelebt hat, gibt uns die Antwort. Seinem Kampf ums Dasein fehlte vieles, was in der Geschichte z. B. der europäischen Rassen eine entscheidende Rolle Konjunktur Von Karl Karlsen Hochöfen, trotzig an der Ruhr, eingehüllt in Glut und Rauch, haben mächtig Konjunktur, spenden Stahl aus ihrem Bauch Stahl für Bomben, Panzerplatten, „ Schuß für Heimat und Kultur", für Kanonen und Granaten, Stahliverk Krupp hat Konjunktur. Konjunktur herrscht in Kasernen, Brausen hört man in der Luft, denn die Jungens müssen lernen, Wie man Städte macht zur Gruft. Bunächst hört man Friedensworte, hernach sprechen die Kanonen. Durch des Krieges Todespforte hezt man wieder Millionen. nun Wasser Samen auszufäen und sich auf diese Weise eine Ernte zu verschaffen. Sie glaubten, das Gras wachse als Folge der Zaubereien, die sie auszuüben pflegten. Im Fischfang ist der australische Einge borene ein Meister. An seichten Stellen vieler Flüsse und Meeresbuchten kann man die Nebers reste von aus Steinen zusammengebauten Fischbecken sehen. Die Fische wurden dort hineinges trieben und dann mit Speeren getötet. Die Eingeborenen haben auch die verschiedensten Muschelhafen, Nezze, Harpunen und Fischfallen erfunden. Obwohl die australischen Eingeborenen in gesonderten Stämmen leben, die sich so sehr voneinander unterscheiden, daß oft eine Unterhaltung unmöglich ist, weil die Dialekte einan der so unähnlich sind, gibt es selten Stammes fehden. Sie sind eben nicht kriegerisch veranlagt. Die zuweilen entstehenden Kämpfe sind Strafs expeditionen als Folge der Verlegung irgend welcher Stammesgejeze oder Heiratsvorschrif ten. Bricht ein richtiger Krieg aus, so wird er nach überlieferten Regeln geführt, ähnlich wie ein Zweikampf. Sobald der Zweck erreicht ist. — 2— Wird der Kampf abgebrochen, und beide Par» teien lassen es dabei bewenden. Die Missionen haben'in der letzten Zeit festgestellt, datz der australische Eingeborene eine Zukunft hat, wenn man ihm dazu die Möglichkeiten bietet. Die Erfahrung hat schon bewiesen, daß er einen ausgezeichneten Viehhalter abgibt, und unter verständnisvoller Anleitung wird man ihn auch für den Ackerbau gewinnen können. Er ist ein heiterer Mensch mit einem ausgeprägten Sinn für Humor, und denjenigen gegenüber, die sich ihm als Freund erweisen und ihn zu verstehen suchen, zeigt er große Anhänglichkeit. bewußt zu leben. München, Berlin. Die Jahre an den Akademien, wohl notwendig, waren dennoch keine reine Freude gewesen. Zu eigenwillig erschien den Herren Professoren dieses Talent. Sie verkannten«s keineswegs. Aber sie wußten nicht, was damit anfangen. Sie hatten dort, die Münchener und die Berliner Akademiker, chre festgelegre Art, Welt, Menschen und Dinge zu sehen. Noch unbeeinflußt von den französischen Impressionisten, noch nicht erregt von Gau« goin und Van Gogh, malten sie sauber, bieder, fest, in selbstzufriedener Harmonie. Das Leben war schön, und die Herren Profefforen hatten ein gutes Gehalt und vor sich ein pensionsgesichertes Alter. Da erregte man sich nicht um Sachen, die außerhalb dieser eigenen gesicherten Welt geschahen. So entstanden ihre idyllischen Landschaften, ihre satten und festen Porträts reicher bayrischer Bauern, von Frauen und Männern der Münchener Bourgeoisie. Stellt« einer von ihnen nicht ganz bekleidete Mädchen aus, so kam er sich sehr kühn und fortschrittlich vor. Außerdem geschah dies selten. Man blieb im allgemeinen den satten Bauern und dem festen Fleisch der Münchener Frauen treu. Was also sollte da mit diesem Karl Ernst Landholzer geschehen? Schon sein Acußeres. Das blonde Haar und die blauen Augen hatte er wie die friesischen Geschwister. Den Blick, ruhig, sicher und kühn, gewohnt über eine Landschaft zu blicken, deren unendliche Weite kein Berg behinderte. Ein Blick, der den Horizont absuchte nach der Ewigkeit. DaS Gesicht schmal, fast hager. Straffe Züge, dichte Brauen. Der Körper hochaufgeschosien, dünn, sehnig, federnd. Er ging gern mit offenem Hemd und weichen Kragen— die steifen Hatzte er— eine Tabakspfeife, wenn nicht im Mundwinkel, so doch zumindest in der Tasche. Und was er malte! Bon der Stratze las er seine Typen auf, Hatzte den offiziellen Modell- Markt. Lumpensammler, Bettlerinnen, betrunkene Proletarier, wie man sie um die Jahrhundertwende noch oft auf dem Pflaster der groben Städte sah. Fuhr er in die Umgebung und kam mit Skizzen zurück, so stellte sich nachher heraus, datz Landholzer sich um die schöngeschmückten Großbauern nicht gekümmert hatte. Da gab es hochschwangere Mädchen,' wie sie unter der Last ihres Leibes schwerste Arbeit verrichten mutzten. Müde, ausgehungerte Tagelöhner, die hinter ihren Kartoffelschüsseln satzen, den Blick stumpf und ausgehöhlt von Not. Und die Landschaft rings herum war nicht friedlich und" idyllisch. Landholzer sah sie mit anderen Augen als seine Lehrer. Er sah alles so, wie es in Wirklichkeit war. Und davor erschraken die meisten. Froh war man in München und in Berlin^ als der Unbequeme seine Studien, die hauptsächlich technische gewesen waren, auf der Akademie beendet hatte. Von nun an gab es auch keine Stipendien mehr. Jetzt muhte sich Landholzer allein durchschlagen. Er war mehr als bescheiden. Nämlich völlig anspruchslos. Ein Atelier, ein leerer Raum, ein paar Decken, ein paar Töpfe und ein Spirituskocher genügten ihm. Autzerdem natürlich brauchte er Material zum Arbeiten. Papier, Leinwand, Farben, Stifte. Aufgestapelt an den Wänden standen hohe Mappen mit Skizzen und Zeichnungen, auch eine Reihe von Bildern war da. Nur einen Menschen nannte Landholzer seinen Freund. Ganz anders als er. Süddeutsch, dunkelhaarig, geschmeidig. Ein Typ, der den Frauen gefiel. Bildhauer war er, verkehrte in den sogenannten „besten Kreisen". Die Freundschaft zwischen diesen beiden blieb vielen unverständlich wegen ihrer Gegensätzlichkeit. Dennoch bestand sie. Nur gelang es dem Geschmeidigen nicht, den anderen 9————9——999—•9————————————— Maler Landholz fällt auf Skizze von Hilde Busch Karl Ernst Landholzer war an der nordfriesischen Küste geboren worden, als sechstes Kind eines Bauern in den Marschen. Die Erträgnisse des Gehöfts reichten nur spärlich für die zahlreiche Familie. Später konnte sich Karl Ernst Landholzer, von den vielen Eindrücken seines Lebens abgelenkt, nur noch undeutlich an' die ersten Kindheitsjahre erinnern. Alles verwischte sich vor dem inneren Bild. Blondes Haar der Mutter und Geschwister— sie hatten dieselbe Farbe von Haar und Augen— weihe Dünen, duftendes Heidekraut und fern am Horizont— das Meer. Mit den grauen trüben Wellen des Herbstes und des Winters, mit den leuchtend-blaugrünen, hochaufzischenden, glit« zernd-weihe Schaumkronen tragenden des Frühlings und des Sommers. Das wutzte Landholzer noch genau: oft war er an heihen Tagen allein durch die Heide gelaufen, durch die Dünen bis zum Strand. Dort hatte er gebadet, in der kühlen salzigen Flut, sich danach nackt in den weihen Sand gelegt, ost schlafend, manchmal träumend. Bon einer noch ungewissen, noch unvorstellbaren Zukunft. Den wolkenlosen Nordsee-Himmel über sich, das unentwegte Rauschen des Meeres im Ohr, die Luft erfüllt von den schweren, sühen und'herben Gerüchen der See. Von Muscheln, Tang, Strandgras und wilder Bienen Honig. So lag der Knabe, bis ihn Hunger heimtrieb. Es gab meist nur Kartoffeln mit Salz, verdünnte Milch— die gute wurde in der Stadt verkauft— ab und zu einen Fisch, selten Fleisch. Karl wusste nicht, wie es kam. Doch mitunter packte ihn unbezwingbare Lust, erste Eindrücke, die ihn fesselten, mit kleinen, schnell hingeworfenen Bleistiftstrichen skizzenhaft festzuhalten. Zum Beispiel die Mutter, wenn sie des Sonntags in die Kirch« ging. Im weit sich spannenden bunten Bauernrock, den friesischen Kranz aus gestickten farbigen Bändern auf den blonden Zöpfen. Oder wenn sie zusammen bei Tisch atzen. Vater, Mutter und die acht Geschwister. Schweigsam das karge Mahl verzehrend. Der Vater, die Stirn immer sorgengefaltet. Die Kinder still aus Schüchternheit, die Mutter verschlossen, herb und früh welkend. Einen müden Zug um den Mund. Sie sahen alle Wohl, was der Knabe tat, wenn er, als erster fertig mit dem Essen, sich vom Tisch fortstahl, Bleistift und Papier holte, anfing, unbeholfen zu zeichnen. Sie lachten ihn aus, halb ärgerlich, halb gutmütig, schalten ihn auch mitunter, dah er sich von der Arbeit im Haus, in Feld und Garten drücke. Herumstrolche, Himmel, Dünen und See mehr liebend als geregeltes Tätigsein. Einen Träumer nannten sie ihn.. Der Knabe wutzte darauf nichts zu erwidern. Er senkte den Kopf. Dann erwischte ihn de^Lehrer eines Tages, als er gerade dabei war, dessen Porträt höchst eigenwillig auf dem Deckel des für andere Zwecke bestimmten Schulheftes zu entwerfen. Der Lehrer wutzte nicht recht, ob er lachen oder schimpfen sollte. Schliesslich tat er beides nicht. Sondern zog nur die Brauen zusammen, sagte:, „So, so", ging wieder hinter sein Katheder, das Heft aber nahm er mit. Ein paar Tag« darauf wurde der Bauer Landholzer von dem Lehrer schriftlich aufgefordert, er solle zu ihm kommen. Es sei wegen Karl Ernst. Landholzer warf über den Rand des Briefes hinweg einen misstrauischen Blick auf seinen Sohn. Was mochte der schon wieder auSgefressen haben? Umständlich machte sich Landholzer für den feierlichen Besuch zurecht. Ging ins Dorf, klopfte bei dem Schulmeister an die Tür, trat mit lauerndem Blick unter der breiten Bauernstirn, ins Zimmer. „Nichts für ungut, lieber Landholzer", sagte der Lehrer und bot dem Gast Platz an. „Aber ich mutz mit Ihnen reden. Es ist, wie ich ja schon schrieb, wegen Karl Ernst, Ich glaube nämlich bestimmt, datz der Junge ungeheuer begabt ist. Da sollte man helfen. Sehen Sie mal." Und er hielt dem Bauern daS Schreibheft hin. Landholzer wutzte sofort: das war Karl Ernsts Werk. Kindlich, unfertig, dilettantisch. Von Technik keine Spur. Von Können nicht die Rede. Und dennoch war das Ganze lebendig, eindrucksvoll, auf besondere Art schon heut« charakteristisch. Wie der Lehrer dort wiedergegeben war: mit gefalteter Stirn, das Gesicht in die Hand gestützt, den Mund kritisch verzogen. Das war nicht nur dieser Lehrer. Das war mehr. Das war die Quintessenz aller Schulmeister DaS war schlechthin der Lehrer. Nun schmunzelten sie beide. Dann zuckte Landholzer die Achseln.„Ich kann nichts tun, ich bin arm. Das wissen Sie ja. Karl war das sechste, danach sind noch drei Kinder gekommen. Es reicht kaum für Essen und Kleidung." Der Lehrer meint«: „Ich will mit dem Gemeindevorsteher sprechen. Der kennt den Bürgermeister aus der Kreisstadt. Und dieser hat wiederum seine Leute an der Hand. Vielleicht kann man etwas für Karl Ernst erreichen. Ein Stipendium oder so, wenn er im nächsten Jahr aus der Schule kommt."— „Falls Ihnen das gelingt, ich will dem Jungen keine Schwierigkeiten machen. Der Hof wird sowieso nicht alle neun ernähren. Lieber wär's mir, Karl Ernst lernte ein ordentliches Handwerk. Aber schlietzlich, ich versteh' nichts davon." Der Lehrer sah dem Bauern beim Fortgehen nach, wie er ausschritt, kräftig, matzvoll, den dicken hölzernen Stock in der Hand. Der Gemeindevorsteher sprach mit dem Bürgermeister. Der Bürgermeister setzte seine „Beziehungen" in Bewegung. Der Lokalstolz in ihm war geweckt. Vielleicht, man konnte es nicht wissen, ging man auf diese Weise ein in die Unsterblichkeit. Als Karl Ernst mit der Dorfschule fertig war, sorgten bekannte und unbekannt« Gönner dafür, datz er sich in der Stadt weiterbilden durfte, danach gewährte man ihm ein Stipendium für fünf Jahre, dazu bestimmt, Münchener und Berliner Kunstakademien zu absolvieren. Es waren schöne Zeiten. Damals. Maler Landholzer erinnert sich ihrer noch ganz genau. Bon jenem Tage an, als er das nordfriesische Bauerngehöst für immer verlieh, begann er aus seiner Ungeselligkeit zu ziehen.„ Aus dir wird nie etwas, wenn du dich so absonderst. Du brauchst Menschen, die sich für dich interessieren, dich einladen, dafür sorgen, daß deine Bilder ausgestellt und last, not least- getauft werden." Karl Ernst Landholzer schüttelte sich. Er haßte die Leute, mit denen der Freund umherzog. Auch die Frauen dieser Gesellschaftsschicht. In München war er an ein frisches derbes Mädchen ge= raten. Eine Kellnerin. Jetzt hatte er die Zenzi nach Berlin kommen lassen. Nun lebte fie vorläufig bei ihm. Der Süddeutsche erzählte nicht ohne Humor von diesem menschenscheuen Talent. Schließlich bewog er einen Bankier und dessen Frau, mit ihm in Landholzers Atelier zu gehen. Der Bankier sah die Bilder, Zeichnungen und Stizzen, empfand sie als unheimlich, wenn auch sehr originell. Immerhin erklärte er sich bereit, für ihre Ausstellung in einem großen Berliner Kunstsalon zu sorgen. Die Ausstellung hatte mehr als schlechten Erfolg. Sie wurde zum Ereignis. Die Kritiker linksgerichteter, liberaler Beitungen und Beitschriften erklärten Landholzer für den genialsten Maler seiner Zeit. Die rechts beschimpften ihn. Fanden seine Art, die Dinge zu sehen ,,, unanständig"," unästhetisch". Majestät, der es sich nicht hatte nehmen lassen, höchstderoselbst die Ausstellung des friesischen Malers Karl Ernst Landholzer zu besichtigen, war außerordentlich indigniert. Wünschte, wie er es laut in seinen Gazetten verkünden ließ, der artigem nicht wieder zu begegnen". Der Maler Landholzer, als er es las, lachte laut und böse. Nahm die Zenzi und die Bilder, fuhr gerades wegs nach Paris. Man hieß ihn dort, wenn man den Künstler auch nicht recht verstand, sehr willkommen. Mit echter gallischer Höflichkeit. nicht mehr. Majestät war fort, hackte, noch immer Deutschlands reichster Mann, irgendwo in Muße Holz und empfing viel Besuche. Doch neue Feinde erwuchsen dem Aufrechten. Sie tamen aus dem Lager Kleinbürgerlicher Unzufriedenheit. Jene, die Stunt machen müssen, foste es was es wolle, begannen, gegen ihn zu fläffen. Da war der„ Christus mit Gasmaste". -„ Gotteslästerung" aeterten sie, solange, bis ein ordentliches preußisches Gericht gegen LandHolzer Anklage erhob. Und ein ebenso ordentlicher preußisch- republikanischer Richter sprach den Maler frei. Bekannte offen, der„ Christus mit Gasmaske" sei ein großes Kunstwert, und die ethische Absicht des Künstlers könne jeder mühelos feststellen, der das Bild ohne Voreingenommenheit betrachte. Die Staatsanwaltschaft war jedoch anderer Ansicht. Legte Berufung ein. Der Prozeß ging durch alle Instanzen. Inzwischen kamen die Kleinbürger, die Kläffer aus Dummheit, in Deutschland zur Macht. Ihr Führer hieß Hitler. Adolf Hitler. Und wieder berließ der Maler Karl Ernst Landholzer das Reich. Trieb sich in der Welt umher. Schrieb Ansichtskarten an die Zenzi. Schöne, bunte. Dem Geschmeidigen schrieb er nicht mehr. Der hatte, allzugeschmeidig, sich mit den Kläffern angebiedert. Neugier, zu sehen, was die Kleinbürger aus Deutschland gemacht hatten, ließ Landholzer nach zwei Jahren von neuem zurückkehren. Er war nun schon fast sehr grau an den Schläfen, aber die Augen blickten fühner und jünger denn je. Das Gesicht hatte enge straffe Falten. Braungebrannt von den vielen Winden aller Meere. In Darmstadt, einer süddeutschen Stadt, geschah es, daß man den Maler Karl Ernst Landholzer festnahm und verhaftete.„ Nun ja", dachte er gleichmütig ,,, sie werden ihn mir nicht verziehen haben, den„ Christus mit Gas maske". Ueberall wird ein Steckbrief gegen mich vorhanden sein. So etwas flappt ja bei ihnen immer. Organisation, Pünktlichkeit." Und er bereitete sich auf sein Verhör vor. " Ueberall in der Welt gab es Motive für den Maler Karl Ernst Landholzer. Ueberall brachte er Menschen und Landschaft so auf die Leinwand, wie er sie sah. Unbarmherzig, unerbittlich, wenn auch nicht ohne Liebe und diese wiederum war eine Sentimentalität, weil Der Beamte stand da, den Paß des Malers Satire, Ironie und Wiz ihr tiefere Bedeutung in den Händen. Etwas verlegen. Sie sind ge- ,, Wie Sie sehen." gaben. Bis zum Ausbruch des Krieges blieb borener Deutscher?" Landholzer den alten Motiven treu: Kreaturen, m. Viel gereist, viel im Ausland gewesen." zu zeigen, wie sie leiden. Eitelkeit der Men schen bloßzustellen, sie ihres lächerlichen Tands au berauben, sie preiszugeben Hohn, Spott und Verachtung. Der Krieg bot ihm neue Aufgaben. Er malte ihn nicht heldisch, keine„, SchlachtenSchinken". Er malte Soldaten, im Stacheldraht hängend, mit verstümmelten Gliedern. Er malte Kranke, die nach Wasser schrien. Und größtes Aufsehen erregte sein Christus- Bild, das den Gefreuzigten darstellte mit der Gasmaske. Jahre darauf kehrte Landholzer nach Deutschland zurück. Gab die Zenzi in München ab, die draußen in der Fremde unter Heimweh gelitten hatte, nach Weißwürsten und bayrischem Bier. Fuhr selbst, immer noch wie früher, im weichen Hemd, den Kragen halboffen, die Tabakpfeife, wenn nicht zumindest im Mund so doch in der Tasche, an die nordfriesische Küste. Das Gehöft der Kindheit gehörte Fremden. Die Eltern waren tot. Auch der Lehrer. Die Geschwister irgendwo verstreut, niemand konnte etwas von ihnen sagen. Der Maler Landholzer bummelte durch die Heide, die gerade zu blühen anfing. Strich bedächtig durch Dünen und Strandgras. Ging zum Meer. Badete, schlief, träumte. Das dunkle Rauschen im Ohr. Dem Duft von Muscheln, Quallen und Seetang, seltsam süß und herb zugleich, dem Geruch wilder Bienen Honig zitternd, gierig nachspürend. Darauf reiste er weiter nach Berlin. Er war nun schon sehr berühmt. Doch noch immer heiß umstritten. Majestät konnte allerdings jetzt nichts mehr gegen ihn unternehmen. Majestät gab es " ,, Das bringt mein Beruf so mit sich." ,, So." ,, Darf ich übrigens erfahren, weshalb man mich festgenommen hat?" Der Beamte zögerte. Schließlich:„ Ich- ich weiß es auch nicht. Der Zugkontrollor kam zu dem Bahnpolizisten, sagte, in einem Abteil fäße ein Die sonderbare Welt... Prozeßverfahren gegen Tiere waren im Mittelalter feine Seltenheit. Der längste und fostspieligste Tierprozeß wurde in St- Julien in Frankreich abgehalten: Er bestand in einer formellen Anklage der Bürgerschaft gegen eine bes stimmte Art von Insekten, die durch Gerichtsbeschluß aus der Stadt verbannt werden sollten. Das„ Verfahren", das kostspielige Rechtsgutachten der Juristen, Prozessionen und andere Beremonien mit sich brachte, dauerte volle zweiundzwanzig Jahre. * In der Sommerwärme DYNAMI Mann, er könne nicht recht sagen, warum. Aber er sei ihm aufgefallen. Er sähe so anders aus als die Leute hierzulande. So besonders. Ich soll mich doch einmal näher mit ihm befassen." Des Beamte gab sich einen Ruck. ,, Entschuldigen Sie, mein Herr, aber das liegt an den Zeiten. Wis müssen sehr achtgeben. Das sind unsere Vor schriften. Bitte, hier ist Ihr Paß. Sie sind frei Gute Reise." Und er empfahl sich mit kleiner förmlicher Verneigung. Bandholzer lächelte, steckte den Baß in die Tasche, setzte sich auf den nächsten Zug. Fuhr weiter durch das Land. Aufmerkſam um sich schauend. Und begriff, als er die Menschen ringsumher betrachtete, mit ihren angstvoll scheu verschlossenen Mienen, mit ihren zusam mengepreßten Lippen, die selten lächelten, mik ihren Augen, die sich abwandten, Teilnahms losigkeit heuchelnd, warum er dem Kontrollog des süddeutschen D- Zuges als fremdartiges unh verdächtiges Individuum aufgefallen war. Die Woche hat nicht überall auf der Welk fieben Tage. Sowohl in Rußland als auch in China wird heute allgemein die Fünftagewoche einge halten, und da diese beiden Länder zusammen über sechshundert Millionen Einwohner haben, tann man sagen, daß die siebentägige Woche nur für zwei Drittel der Menschheit Geltung hat. Das Niesen gilt überall und zu allen Zeis ten als ein ganz besonderer Vorgang. Die früt hen Christen befreuzigten sich, wenn sie nieser mußten, im Mittelalter war es allgemein üb lich, sich sofort wieder für einige Stunden zi Bett zu legen, wenn man beim Aufstehen ge# niest hatte, im heutigen Turkestan gilt Niesen als Zeichen der Wahrheitsliebe, in gewisser Teilen von Schottland wird es als Zeichen von viele Naturvölker Das einzige zivilisierte Land, dessen Bevölkerung sich während des letzten Jahrhunderts auf die Hälfte vermindert hat, ist Irland. Die große Hungersnot des Jahres 1846 gab den Anstoß zu einer Auswanderungsbewegung, die seither ständig angehalten hat. Während alle anderen Länder einen Bevölkerungszuwachs zu Weisheit angesehen, und berzeichnen hatten, sank die Einwohnerzahl| fürchten, daß dem Niesenden die Seele abhans Irlands allmählich von über 8,300.000 auf den kommt, woraus sich der Brauch erklärent 4,200.000, also ziemlich genau auf die Hälfte. I dürfte,„ Helf Gott!" zu sagen. Als Jimmy Gordon zuerst das Rascheln Yon Seide vernahm, drehte er sich im Bett um Und glaubte geträumt zu haben. Ja, er muhte träumen, lächerlich, etwas anderes anzunehmen. Wie konnte ein weibliches Wesen nach Mitternacht sein Zimmer betreten. Unsinn. Nachdem sich Jimmy dar gesagt hatte, seufzte er tief, legte die Kissen zurecht und versuchte, seinen angenehmen Traum fortzusetzen. Einen Augenblick lang herrschte Stille, dann erklang wieder dieses aufregende, geheimnisvolle Rasteln. Jimmy setzte sich im Bett auf, entzündete das elektrische Licht und starrte verwundert. Am andern Ende des Zimmers erblickte er ein großes, schlankes, in"ein Hermelincape gehülltes Mädchen. Ohne Zeichen von Bestürzung oder Verlegenheit stand sie da und betrachtete spöttisch Jimmy. Er blickte ganz verdutzt drein und konnte sich die Situation nicht erklären. Nach einigen Augenblicken brach da? Mädchen das verlegen« Schweigen. »Ich hatte nicht die Absicht, Sie aufzuwecken," sprach sie mit etwas heiserer Stimme. »Es tut mir leid. Schlafen Sie nur ruhig wieder ein,.ich könnte es mir nie verzeihen. Sie Ihres Schlummers beraubt zu haben." »Um Himmels willen." rief Jimmy aus, -„wer zum Teufel sind Sie und was wollen Sie hier?" Das Mädchen lachte spöttisch: „Wer ich bin?" murmelte sie.^Soll ich sagen:«in ergebene-, aber nicht gewalttätiges Mitglied der Unterwelt. Unsere Ziele sind die gleichen, aber in Situationen wie dieser benehme ich mich taktvoll. Ich finde das weniger mühsam. „Eine Einbrecherin!" stöhnte Jimmy. Sie noch immer ungläubig anstarrend, sprang er aus dem Bett.„Eine Einbrecherin, die kaltblütig Nach Mitternacht in das Schlafzimmer eines Mannes kommt— oh. Sie verblüffen mich", murmelte er hilflos. „Ich verblüffe immer alle," erwiderte das Mädchen kühl.„Sehen Sie, ich betreibe dieses Einbruchsgeschäft von einem neuen Standpunkt aus. Ich habe mir ein modernes Verfahren ausgedacht und bin noch nie erwischt worden!" „Aber diesmal ist es der Fall," murmelte Jimmy grimmig.„Bei der Tat ertappt. Was sollte mich daran hindern, Sie der Polizei zu übergeben?" „Ihre Gattin und Ihr Ruf," erwiderte das Mädchen sanft. „Gattin, Ruf?" wiederholte Jimmys „So ist es. Ich habe mich in letzter Zeit genau über Ihre Familie erkundigt. Sie haben «ine nicht hübsche Frau, die eifersüchtig veranlagt-ist. Augenblicklich befindet sie sich in Cornwall bei ihrer Mutter und Sie haben Ihre Dienerschaft beurlaubt. Jetzt sagen Sie mir aufrichtig: Würde Ur» Frau Ihnen glauben, wenn Sie erzählen. Sie haben ein Mädchen in Ihrem Zimmer erwischt, da»«inbrechen wollte? Ein Mädchen, überdies noch im Pyjama!" Mit nachlässiger Gebärde warf sie den Mantel ab und enthüllte eine tadellose Gestalt in einem wunderbaren seidenen Pyjama. „Ist meine Arbeitsmethode nicht schlau?" fragt« sie keck.„Ich meine, wer würde glauben, das» ein junger, schöner Mädchen in dar Zimmer einer Mannes, bloß mit einem Pyjama bekleidet, einbricht? Der Gedanke ist albern. Die einzig mögliche Erklärung wäre— falls Sie so unvernünftig wären, es der Oeffentlichkeit bekanntzugeben—, daß Ihre Frau verreist ist und Sie Zerstreuung brauchen, nicht wahr? Gestatten Sie also, dast ich mir die Gegenstände aussuche, für die ich Verwendung habe, oder wollen Sie die Gefahr aus sich nehmen, die Polizei herbeizurufen. Denken Sie an mein Pyjama— es könnte beim Scheidungsgericht ungünstig in die Waagschale fallen, glauben Sie nicht?" „Es könnte leicht möglich sein" murmelte Jimmy.„Aber fürchten Sie sich nicht, allein ynd in dieser Bekleidung in das Schlafzimmer eines Mannes zu kommen?" Wieder reizte ihn ihr spöttisches Gekicher. Chinesische Schwanenritter Wie weiland Lohengrin und andere Helden unserer mittelalterlichen Sagen sich von einem schneeweißen Schwan im Nachen über» ■ Wasser ziehen ließen, so lassen sich auf dem Jangtsekiang die chinesischen Waffergärtner von ihren weißen Peking-Enten zu Markte fahren. Am Ufer der großen Ströme und zahlreichen Kanäle Chinas wohnen tausende von Familien auf Schiffen, die sogar schwimmende Gärten auf Flößen haben. Zur Verwertung der Abfälle werden große Entenherden schalten. Die Ente ist in China das Hausschwein des armen und des reichen Mannes, das ihn zugleich mst frischen Eiern versorgt. Am Markttag spannt der findige Chinese seine Entenherde reihenweise in leichte, schwimmende Bambusgestelle ein. Nun wird die Dschunke mit der Ruderstange abgestoßen, ein besonderer Pfiff, etwas hingeworfene» Futter und die ganze befiederte Entenschar setzt sich schnatternd in Bewegung. Weht eine günstige Brise, so wird selbstverftänd« lich das Bambussegel aufgezogen, ist bei der Heimfahrt stromaufwärts die Strömung zu stark, so hilft die ganze Familie durch kräftiges Rudern mit. aber bei Windstille in ruhigem Ge« wässer läßt sich der Chinese gemächlich von seinen Waffervögeln ziehen. —-•— Pegasus im Bett Mark Twain hat, wie er selber bekannte, fast alle Werke seiner Spätzeit im Bett geschrieben; bequem in den Kiffen aufgerichtet, die große Zigarre im Munde, sprudelte er nur so von Einfällen über, und im Bett fand er die beste Sammlung zum Schaffen. Oesters hat er dieses für den Schlaf bestimmte Möbel als den„Dreifuß der Pythia" gepriesen, auf dem die Poeten die schistsserischen Eingebungen überkommt. Auch noch andere Schriftsteller haben im Bett gedichtet, aber meistens nicht aus freiem Willen, sondern aus harter Notwendigkeit. So ist Walter Scotts beliebtestes Werk „Jvanhoe" im Bett entstanden; der Dichter war damals sehr krank, aber das Jntereffe an der Geschichte hatte ihn so mächttg gepackt, daß er trotz seinen Schmerzen unablässig Wetter arbeitete und die ganze Erzählung zwei Sekretären in die Feder diktierte. Keats schrieb ein« der schönsten und leidenschastlichen Sonette auf seinem Totenbett, und auch der große Erzähler Robert Louis Stevenson hat manche seiner besten Dichtungen im Bett geschrieben. Er war lange leidend und war doch bis in seine letzten „Ich fürchte mich nicht im mindesten," erwiderte sie. „Alle Männer sind stets erschreckt, wenn sie mich in ihrem Schlafzimmer erblicken. Das ist das Schöne daran: die Lage der Dinge cst absolut umgekehrt. Unter anderen Umständen wären sie eyMückt aber so habe ich keinen Grund zur Angst. „Jimmy Gordon trat ihr gegenüber und blickte dem lächelnden Mädchen fest in die Augen. „Es freut mich," sprach er ruhig,„daß Sie keine Angst haben. Weil— ich weiß kaum, wie ich es Ihnen sagen soll— Sie sich geirrt haben. Sie^sind vermutlich in das falsch« Haus eingebrochen. Ich bin nicht verheiratet— eine Taffache, die mich in Anbettacht der Umstände außerordentlich erfreut. Aber was meinen Ruf anbelangt, so war er nie der Rede wert. Ich kann daher ruhig die Polizei verständigen!" Lebensstunden unermüdlich tättg, so sind all« seine späteren Werke auf dem Krankenbett verfaßt worden. Ein in England viel gelesenes Buch„The Road Mender" von Michael Fair- leß ist ebenfalls im Bett entstanden. Der Autorname ist das Pseudonym eines jungen Mädchens, das starb, bevor er noch zwanzig Jahre geworden war; es verfaßte die ganze Geschichte auf dem Krankenlager und vollendete sie kurz vor dem Tode. M Heiteres l Tic Falschheit.„Wie falsch doch die Frauen sind, davon machst du dtt keinen Begriff!"—„Was ist dir denn passiert?"— „Also, ich setzte neulich eine Heiratsannonce in die Zeitung und— was soll ich dir sagen: di« erste Antwort,?ie ich aufmache, ist von meiner Braut!" Bei Neureich-. Neureichs hören Radio. Eben sagt der Sprecher Beethovens Erste Symphonie an.„Die gefällt mir gar nicht," sagt Frau Neureich nach einer Weile.—„Du darfst nicht vergessen, daß es die erste war, die er schrieb," meint Herr Neureich nachsichtig. Ra, warum denn?„Mutti, war ich in der vergangenen Woche brav?"—„Ja, Rudi, sehr brav."—„Hast du Vertrauen zu mir, Mutti?" —„Gewiß, Rudi."—„Warum versteckst du dann die Dtarmelade?" Roch schlimmer.„Meine Frau ist so unzuverlässig wie das Wetter!"—„Da brauchen Sie sich nicht zu beklagen! Meine ist so unzuverlässig wie die Wettervoraussagen!" Die Ahnengalerie.„Na, was sagen Sie zu meiner Ahnengalerie— he, fein?"— „Hären Sie mir auf, wer wird sich schmücken mit fremden Vätern!" Der Tüchttge. Herr Meier, Inhaber der Firma Meier& Schulze, hörte, daß sich ein Betrüger für seinen Inkassanten ausgab und bei den Kunden Außenstände kassierte. Hier tausend Kronen, dort hundert, bei einem dreihundert Kronen, beim anderen fünfhundert... „So ein Kerl!" denkt Herr Meier, läuft zur Polizei, erstattet Anzeige und beschwört den Kmmnissar:„Sehen Sie zu, daß Sie diesen Gauner rasch erwischen!"—„Nur keine Sorge, Herr Meier," meint der Kommissar,„in längstens zwei Tagen sitzt der Mann!"—„Dm Gottes willen!" schreit Weier,„machen Sie keinen Dnsinnl Ich will doch nicht, daß der Mann verhaftet wird, ich will ihn doch an« stellen!" Unglückliche Abende Von L. T. Barnard