33 UnterOaltungdWilage 1935 Bei Frau Kinderessen Autorisierte Uebersetzung aus dem Tschechischen von Ida Steinschneider Jungens, wißt ihr noch, wie großartig es war auf den Transporten zu Kriegsbeginn? Vir hatten er wie die Könige! Speziell die Marschkompagnien, die über Kolin und Böhmisch Trübau nach Galizien gingen. Kruzitürken! Also— zuerst wurden wir in Prag aus de« Straßen traktiert, wir kriegten Brüt, Sa- lami, Leberwürste, Apfelsinen, Zigaretten; auch Schrchkreme. Einmal geh ich über den Pokik. Hält mich da ein älterer Herr im Zylinder an. „Herr Soldat, möchten Sie ein GlaS Bier?" „Meinetwegen", sag ich. Er ließ Frau und Kinder auf der Straße warten und wir gingen zum„Schtvan" in den Bierschank. „Diesem Krieger hier ein Glas Pilsner vom Faß. Oder lieber gleich zwei!" bestellt« der Herr und zog einen Handschuh aus. Ich leerte die Gläser auf einen Zug, um ihm Freude zu machen. Er zahlte aus der Brieftasche, bot mir Trabukos an und reichte mir zum Abschied die Hand. „Lasten Sie fich's gut gehen und kommen Sie gesund zurück!" In einem Reustädter Kaffeehaus hab ich einen ähnlichen Spaß erlebt. ES war schon fast neun, und nach den Kasernen auf dem Pohokelec ist's weit. Ich will rasch meinen Mantel übertoerfen. Springt doch ein Herr mit'ner Brill«, der beim Kartenspiel gekiebitzt hatte, herzu und hilft mir hinein. Ich sträube mich, er aber sagt: „Sie ziehen in den Krieg, und da ist eS unsere heilig« Pflicht... das wär ja noch schöner.. l" Ich bedanke mich und will Weggehen. Er darauf: „Warten Sie, Herr Soldat," und zieht Papiergeld heraus, er hatte es lose in der Tasche, und drückt mir«inen Fünfer in die Hand. Bon nichts und wieder nichts. Gott weiß, was auf einmal in die Leute gefahren war. Wir fuhren vom Franz-Josefsbahnhof ab. Damen reichten Milchkaffee, Senuneln. Enunentaler. Und eine Menschenmenge war da! Schöne Fräuleins verteilten Zigaretten, Kipfeln, Tee. Immer trat eine der andern aus die Fersen und fie hörten nicht auf zu fragen, ob wir nichts brauchten. Auch Blumen haben sie verteilt. Juchhul Gab's da zu effen! Kruzitürken! Wir waren beinah froh, als sich der Zug in Bewegung setzte. Mir brummte der Schädel. Die Jungens sangen:„Kde domov müj", und riefen„Na zdäaar!" *) Aus dem Novellenband„Abende auf dem Strohsack" Soldaten erzählen ihre Kriegserlebniffe. Wir nähern uns Böhm. Brod, schauen aus den Wagen— um Jesu Christi willen! Menschen wie die Ameisen. Kaum hält der Zug, da stürzen fie schon auf uns los mit Körben und. Ranzen. Gesegnetes Land, heißesten Dank! Fräuleins in Spitzenschürzen trugen Zigaretten, Tee, Buttermilch, Zuckerzeug und Lebkuchen aus. Bauernfrauen gingen weinend von Wagen zu Wagen, fragten nach Bekannten, kein« a?er kam mit leeren Händen. Ich legte meine Mühe am Ende des Wagens hin und lief zum Brunnen, um mir den Kopf abzukühlen. Wie ich zurückkomme, ist die Mühe voll von feinsten Dalken. Kruzi! Eine Bäuerin war mit einem Tra^lmch hennngegangen, und wo fie ein« Tasche oder einen offenen Behälter fand, einerlei, ob es eine Schale oder eine Mütze war, legte fie Dalken hinein. Mein Mützenboden war ganz durchgefettet. Der Herr Lehrer verteilte Rauchtabak, die Schulkinder Ansichtskarten von Böhm. Brod — schon frankiert. Gute Leute bewirteten uns in Polikany und erst recht in Kolin. Rur versteckten sich die Jungens dort schon in den Winkeln des Viehwagens— sie konnten nicht mehr. Wußten auch nicht, wohin etwas tun. Mund, Magen, Taschen, alles war voll... Man verschob uns auf ein Nebengeleise. Die Damen hatten beim Magazin Zelte errichtet wie auf einem Jahrmarkt. Wir sollten mit Unmengen von Würsteln, Salami, Leberwürsten, Preßwurst und einem Kessel Gulasch aufräumen. Der Stadtrat hatte vier Faß Bier aufmarschieren lassen. Kruzitürken. Di« Jungens von unserer Marschkompanie hielten sich tapfer. Sie habens bewältigt. Sie zwangen sich. Sie aßen Birnen, tranken Bier hinterdrein, unterschrieben Ansichtskarten, riefen „Ra zdäärl" Di« Waggons sahen aus wie Blumenwagen. So«ine Betvirtung, soviel Ehre— es kam einen fast das Flennen an. Daß man s» für nichts und wieder nichts hinaus muß... Meine Mütze war mit Memphiszigaretten gefüllt, meine Taschen ebenso, in der Weste stak eine Gänsekeule, der Brotsack war voll, der Tornister vollgepfropft. Aepfel und Rüste steckte ich in di« Bluse und ließ sie in die Unterhosen hinunterkollern. Man hatte wirklich nicht mehr, wohin etwas tun. Ich lief zum Lokomotivführer. Das war so ein Glatzkopf. Ich kletterte auf die Maschine. „Herr Maschinenführer, rnöchten Sie nichl Fleisch, Brot, Birnen oder vielleicht einen schönen Apfel?" Er schüttelte den Kopf, sprechen konnte er nicht— er hatte den Mund boll. Er sagt« also nichts und hob nur den Deckel der Truhe auf. Ich sah, sie war bis zum Rand voll. „Also vielleicht der Herr Heizer?" Der schlug das Türchen des KeffelS zu, haute die Schaufel hin, wischte sich mit der schwarzen Hand das fettriefenbe Kinn ab und nahm den Deckel seiner Truhe ab. Auch di« boll. Ich springe ab, erwische den Korporal. „Franzl, hättest du nicht Lust auf einen Bissen Gulasch oder ein paar Birnen?..." Er holt« mit der Hand aus wie ein Besessener.„Machst du dir einen guten Tag aus mir, oder bxrs? Ich hau dir eine herunter Ich ging zu meinem Waggon zurück und mir war traurig zumut. Warum, weiß ich nicht. Ich erinnere mich nur, daß mir wieder meine Faninka, mein Goldmädel, einfiel, ich hätte am liebsten geweint wie ein Wickelkind. Die JungenS sangen: „Koolin, Koolin, schönes Städtchen, Hab in der Schenk« dort ein Mädchen, Mein herzlie—iebes Rannerl, Schenkt roten Wein ins Kannerl—" Ein Fräulein in rosa Kleid und weiße» Schuhen hopfte herzu und fragte errötend, als fie nicht bis fünf zählen könnte: „Was möchtet ihr Soldaten gern?" Ruda Vkelük leistete sich einen Witz! „Fräuleinchen— na denn— Donnerwetter nochmal!— Gurkensalat!" Sie lachte und trippelte davon, als ging« sie auf Stecknadeln. Meiner Seel! Eine halbe Stunde spät«? schleppten die Mägdlein fünf Butten Gurkensalat an. Wir schlugen uns darum, schöpften in die Schalen. Pfeffer war daran, Obers, alles wie es sich gehört. Das war ein guter Gedanke gewesen« Bielen hat der Gurkensalat wieder auf di« Bein« geholfen. Die Jungens lagen auf den» Boden des Wagens, mit Bäuchen wie die Trommeln, ächzend und stöhnend, und fie—» mit Vergeben... Die Gurken brachten di« Schmerzen mit großer Gewalt zum Ausbruch... Es war auch höchste Zeit. Wir fuhr«» aus Kolin ab, und kaum hatten wir ein paar Zigaretten geraucht, da hielten wir schon in Pardubitz. Hier warteten wieder eine Meng« Menschen auf den Zug, Frauen, Fräuleins,«in« Gruppe von Bäuerinnen in Kopftüchern, in den Händen Körbe mit Selchwaren, Kipfeln, Buchteln. Eine Bäuerin hat Krapfen verteilt«—» daran erinnere ich mich genau. Und in Chötzen wieder— in Wildenschwert— Trübau— Prerau— Olrnütz... Kruzitürken! Gab's da zu essen! Wo sind die Zeiten! Svakkcek, der Streckenmeister zwischen Pardubitz und Moravany, Hat mir nach Galizien einen langen Brief geschrieben, daß er eS mit seiner Mutter»och nie im Leben so gut — 2— gehabt hätte. Jeden Tag Braten und alles im! Ueberflutz. Wächter, Frauen und Kinder gingen die Strecke ab— jeder, versteht sich, auf eigene Faus, und sammelten in Säcken Obst, Fleischstücke, Knödel, Knochen usw. ein. Das Aerar kümmerte sich nicht darum, dah soviel gespendet wurde, es wurde trotzdem noch Menage gekocht, weil das so vorgeschrieben ist. Ob jemand fich Essen holte oder nicht, war einerlei. Befehl ist Befehl. Gekocht mutzte werden. Den Burschen hält' ich gern gesehen, und wär'S ein Frehsack gewesen wie der Ködl, der imstande gewesen wäre, noch ein halb Kilo Fleisch, fette Suppe, Knödel, Kraut und Erbsen in sich hin- «inzustopfen... Nur Kaffee holten sich die Jungens für den Durst. Unter anderm fand der Svatiöek auf der Strecke eine gebratene Ente, sie war nur ganz wenig angebissen. Alle möglichen Dinge lasen die Leute auf, Bajonette, Gewehre, Mäntel, Stiefel; ein vollge- packtcr Tornister fiel aus dem Wagen, Sack- undpack— Riemen, Sattel, Brotsäcke... Was ärarisch war, lieferten sie in der Station ab. Bald war ein Waggon voll, der wurde nach Wien geführt. Was etzbar und sauber war, atzen sie selbst auf und beteilten die Bekannten damit. Verunreinigtes und Abfälle warf man den Schweinen vor. Drei Schweine hat der Svarkcck damit aufgemästet. Kostenlos! Kruzi I... Ich hatte ein Mordsglück. Ich wurde in Galizien im Oktober 1814 verwundet und nach Böhmen abtransportiert. IN der Reichenberger Bürgerschule, da war uns wohl. Jungens. Dorthin kam mich auch meine Mutter besuchen und meine Fanny, das Goldmädel. Nach ungefähr vierzehn Tagen wurden dreitzig Mann unter uns ansgewählt, in ein Auto gepackt, und fort gings, bergauf. Ich Weitz nicht mehr, wie der Ort hieb, es war dort eine riesige Tuchfabrik mit drei Schornsteinen... Kurz und gut, der Herr Fabrikant, ein Millionär, hatte auf eigene Kosten ein Spital für einhundertundzwanzig Mann und zehn Offiziere eingerichtet, was ja ganz nett von ihm war... Kruzitürken! Jungens! War das ein Spital! Wir wurden in das Beamtenhaus gelegt. Di« Zimmer waren prachtvoll mit Geldtapeten austapeziert, selbst im Korridor hingen goldene Luster, elektrische Aufzüge gabs, Teppiche, Zentralheizung. Als Pflegerinnen hatten sich dir Beamtenfrauen angezogen, die gnädig Frau Oberdirektör, die gnädige Frau Oberkassier, die gnädige Frau Sekretär und lie gnädig« Frau Prokurist, lauter schöne, feinfrisierte Frauenzimmer in weihen Doktorkitteln. Sie liehen sich auch mit uns photographieren. Der Fabrikant und. seine Frau sahen in der Mitte. Man hat es uns später in einer Wiener Zeitschrift abgedrucktge zeigt. Schade um aste die Pracht für uns. Die jungen'Leute wollten durchaus"nach Reichenberg zurück. Wir waren wie auf einer Kirchweih. Früh morgens Kaffee mit Obers, Kipfel, Gugelhupf. Kaum ist der letzte Bissen verschluckt, wird schon wieder Schinken, aufgetragen t- Gulasch, Paprika, Sakdinen, Sülze. Die Fabrikantenfrau, eine korpulente Dame, ging seidenrauschend durch die Zimmer. Sie schaute zu, wie wir atzen, und freut« sich sehr, wenn es uns schmeckte. In einemfort sagte «Kinder— essen, essen! Was ischt noch gefällig? Das— oder— das? Also, Kinder — essen— nur essen I" Darum nannten wir sie„Frau Kinderesten". Nach dem Gabelfrühstück gingen wir ein bitzchen im Garten spazieren, rauchten, plauschten miteinander— und schon wurde wieder zum Essen geläutet. Kruzitürken! Also— Jungens!— zuerst kam Suppe mit Gänseklein. Tag für Tag. Dann trugen Dienstmädchen und Kammerjungfern Rehbraten, Entenbraten,I Lungenbraten, Geflügel, Schüsseln mit Knödeln auf, dazu Saucen mit spanischem Wein, CHaudean mit Biskoten für di« schwerer Maroden, gedünstete Dr. Jensen sah mit seinem Freund Helmer beisammen. Beide tranken eine Flasche Wein und plauderten. Es war noch nicht spät. So gegen 10 Uhr. Trotzdem lag eine Stille über dem Hause und über der Strotze, die den Gedanken aufkommcn lieh, es sei Mitternacht. In dem Wohnzimmer des Arztes, das sehr merkwürdig eingerichtet war— modern« Möbel, jedoch alte kostbare Teppiche auf dem Futzboden, alte Stiche an den Wänden— herrschte vielleicht gerade durch diese wunderliche Stilmischung eine gennitliche Atmosphäre.„Und da sagt man noch, dah die alten Junggesellen ein wenig benei- denstvertes Dasein führen", scherzte Helmer. „Könntest du angenehmer leben als jetzt? Du hast eine schöne Wohnung, eine für die heutig« Zeit ausgezeichnete Praxis,>md deine angegraut« Wirtschafterin betreut dich rührend. Sie verfügt über alle guten Eigenschaften einer Ehefrau, ohne dich mit deren schlechten, wie Eifersucht, Launenhaftigkeit und Verschwendungssucht, behelligen zu dürfen. Nur ein Versuch, und du hättest das Recht, sie zu entlasten. Aber den braucht man bei der netten Frau Hollmann niemals zu befürchten." Der Wein floh schwer und dunkelrot in die mattgeschliffenen Schalen. Helmer zündete sich«ine Zigarette, Dr. Jensen eine Zigarre an. Einige Minuten rauchten beide schweigend. Plötzlich sagt« der Arzt:„Und ich wünschte doch, es wäre alles anders gekommen. Damals—: mit Ellinor." Helmer sah überrascht auf. Der Arzt griff zum Glase. Dann, naö^em er getrunken und gleich darauf vorsichtig die Asche der Zigarre abgestreift hatte, fuhr er fort:„Autzerdem ist dies« Liebesgeschichte mit meinem einzigen „okkulten.Erlebnis" verknüpft. So etwas ver- gitzt man natürlich nie. Du brauchst gar.nicht im voraus spöttisch zu lachen, lieber Freund. Dazu hättest du höchstens hinterher Grund.., Ich lernte Ellinor kennen zu jener Zeit, als du vorübergehend in England lebtest. Sie war ein junges Mädchen, etwas heftig modern, mit Eton-Schnitt und kühnen Ideen über die Selbständigkeit und Unabhängigkeit der Frau. Als ich ihr begegnete, war sie gerade aus sehr guter Familie durchgebrannt und verdiente sich ihr Brot als Stenotypistin.. Nebenbei interessierte sie sich jedoch für tausend Dinge. Ellinor liebte zum Beispiel glühend Variete und Zirkus, dann wieder beschäftigte sie sich monatelang mit Philosophie und Musik. Schließlich schwärmte sie trotz einem betont zur Schau getragenen Realismus für okkulte Dinge. Doch gerade in ihrer. Unausgeglichenheit liebte ich die Einundzwanzigjährige. Im Grunde war sie ein fleitziger, tapferer Mensch, der sich unerschrocken in alle Aepfel, Birnen, Kirschen für den Stuhlgang, alles, wie es sich gehört, zum Schlutz Torten, Salate, Käse, Obst, Kaffee. Zigaretten und Zigarren hatte ein jeder soviel, datz er nicht wutzte, was damit. Nach dem Mittagmahl schliefen wir. Das viele Essen strengte an. Zur Jause wollte keiner aufstehen. Der Kaffee wurde kalt. Um 6 Uhr kam das Abendessen mit Supp», Braten und Mehlspeise— und gelegentlich gab es noch mehr— bersten konnte man wie«ine Eichel! In der Nacht mutzten all« Fenster offen sein, sonst hätte es keiner in diesen Salons ausgehalten... (Schlutz folgt.) Fährnisse des Lebens stürzte. Heimlich hegte ich die Hoffnung, Ellinors Sturm- und Drangperiode würde eines Tages beendet sein: und dann wollte ich sie schlicht und höchst bürgerlich bitten, meine Frau zu werden. Ich Weitz nicht, ob Ellinor mich jemals wirklich geliebt hat. Nun, ich liebte sie. Wir sahen uns nicht allzu häufig. Sie hatte ihre Arbeit, ich meine Praxis. Es lag Wohl an dem Altersunterschied, wenn Ellinor immer ein wenig respektvoll-scheue Verschloffenheit bewahrte. Auch in den zärtlichsten Augenblicken. Ich brauche es dir ja nicht zu verheimlichen, datz ich zwanzig Jahre älter war als sie. Ein Jahr verbrachte ich mit Ellinor in ungetrübtem Glück. Es ist immer nur die Jugend, Helmer, die uns in einen Rausch steigern, uns ein Uebermatz an Lebensgefühl zu geben vermag. Damals be- fchlotz ich, Ellinor zu fragen, ob sie mich jetzt, nach diesem„Probejahr", heiraten wolle. Es war Spätsommer wie heut« auch. Und ein ähnlicher Tag: milde, eine leichte Herbstahnung in der Lust. Im Ueberschwang meines Empfindens beschloß ich, Ellinor anzurufen und sie zu bitten, ihr« Verabredung abzusagen und sich mit mir zu treffen. In dieser Sekunde betrat der letzte Patient das Sprechzimmer. Ein dunkler Herr, ungefähr Mitte Dreitzig, gut gekleidet, etwas zu gut, eine leise Spür zu elegant, um wahrhaft vornehm zu wirken. Immerhin— ein passabel aussehender Mann.. Besonders die Augen hatten etwas Faszinierendes. Sie blickten in unentwegter Traurigkeit, auch wenn der Mund lächelte. Der Fremde stellte sich vor. Der Name ist ja gleichgültig. Dann berichtete er von seinen Beschwerden. Er leide an einem Katarrh, was für ihn berufiich sehr hinderlich sei.„Darf ich mich erkundigen, was für eine Tätigkeit Sie ausüben?" ftagte ich auS rein medizinischem Interesse.„Ich bin Hellseher", antwortete mein neuer Patient höflich.„Ich halte Vorträge. Die Erkältung hindert mich am Sprechen." Richtig, der Name war mir von Anfang an bekannt vorgekommen. Ich untersuchte Hals, Rachen und Kehlkopf des angeblich Kranken. Es war kaum mehr als eine leichte Reizung festzustellen. Ich versicherte, die Sache würde sehr schnell in Ordnung sein- Der Hellseher schien äußerst erfreut darüber, und während ich ihm ein Rezept schrieb, begann er sich mit mir zu unterhalten. Plötzlich erbleichte mein Gegenüber.„Herr Doktor", rief er und strich sich, als ob er sichtlich erschüttert sei, über die Stirn.„Nein, ich werde es Ihnen nicht sagen", ftüsterte er fast,„es ist zu schrecklich.«—„Was ist denn?" rief ich, nun eben- fälls erregt,«was ist denn los?"- Der Mann Das Erlebnis des Dr. Jensen Von Ellen Lenski fah mich unaufhörlich an, mit seinen großen, faszinierenden Augen.„ Herr Doktor, ich will es Ihnen sagen. Die Frau, die Sie lieben, betrügt Sie. In diesem Augenblick sitt sie in ihrem Zimmer und erwartet einen Menschen, dem ihr Herz gehört. Sie sind es jedoch nicht. Wenn Sie sofort zu ihr gehen, jezt, auf der Stelle, wird Ihnen die Situation, die Sie vorfinden werden, alles bestätigen." Ich stürzte aus dem Haus. Meine spöttischen Ansichten über allen irrationalen Hokuspokus hatte ich vollkommen vergessen. Ein Auto brachte mich in wenigen Minuten vor Ellinors Haustür. Ellinor öffnete mir selbst. Sie trug ihr festliches Kleid. Schwarze Spitzen. Sie waren ein Geschenk von mir. Ellinor wich zurück, als sie mich erblickte. Wie vor einem Ge fpenft.„ Du?" Mehr konnte sie nicht sagen. Ich drängte sie ins Zimmer. Der fleine Raum war sanft und matt beleuchtet. Der Tisch gedeckt. Für zwei Personen. Ich warf meinen Hut irgendwohin.„ Ich bleibe hier, bis deine Freun din kommt. Leg noch ein Gedeck auf." " Ellinor stand starr. Lange schwiegen wir beide. Dann sagte sie.„ Ich weiß nicht, woher du es erfahren hast. Aber es ist wahr. Ich betrüge dich." Sie begann zu weinen. Ich liebe den anderen so sehr. Doch dich wollte ich nicht fränken. Ich wollte dich auch nicht verlieren, weil du es sicher besser mit mir meinst als er. Der andere ist ein Frauenjäger, ein Abenteurer, er wird mich bald verlassen." ,, Wer ist er denn was ist er denn?" fragte ich jeẞt. Ellinor nannte zögernd seinen Namen. Fügte dann hinzu: ,, Er gibt sich als Hellseher aus. Aber was für ein Unsinn. Ich habe längst gemerkt, daß er Komödie spielt. Ein geschickter Artist ist er, weiter nichts. Und mich will er mitnehmen, ich soll ihn begleiten auf feinen„ Tourneen". Ich habe ihm gesagt, ich tue es nicht, ich bleib bei dir. Er weiß, wie wir stehen. Aber er sagte, er würde uns ausein anderbringen." Ich hielt es für überflüssig, Ellinor über den geschicktesten Trick ihres Artisten aufzuflären. Ich ging bald fort, und wir haben uns niemals mehr wiedergesehen." 3Dachauer Kiesgrubenkolonne Den Pickel und die Schaufel geschultert, zieh'n wir aus. Wir graben, schaufeln, hacken mit frummgebeugtem Nacken den harten Kies heraus. Du braune Heideerde, du Kiesgrund, rauh und kalt. Fühl unsre Pulse klopfen, den bitt'ren Schtveiß vertropfen, sich unsre Faust verkrallt. Der Posten brüllt herüber; die Sonne brennt brutal. Die Hände sind zerschunden, Blut perlt aus vielen Wunden wann endet diese Qual? Der Wald steht fühl da drüben verschwiegen dunkler Wald. Kam'rad, ich seh dich schauern, du siehst den Tod dort lauern, du hörst den Schuß, der knallt... Du horchst nach den Signalen, das Herz voll Bitterkeit. Mußt hacken, schaufeln, graben und langen Atem haben die Freiheit ist noch weit. Doch einmal wird geblasen ein laut und scharf Signal! Da gilt's: Sprung aus dem Graben und harte Fäuste haben der Tag wird zum Fanal! Heraus! Heraus! Marschieren! Ein Schrei erfüllt die Welt. Dann sind wir armen Schächer das graue Heer der Rächer und unser Wehel gellt... Das Wunder Von Emmy Klein 8. K. Bei einem gesellschaftlichen Anlasse lenkte, bis ans Monatsende auf den Tisch bringen eine Besucherin das Gespräch auf ein sehr um- werde. ftrittenes Gebiet. „ Noch heute geschehen Wunder und Beichen," rief sie efstatisch.„ Durch Hunderte von Beispielen fönnte ich euch das beweisen." Aber ehe sie nur einen Beweis erbringen fonnte, bildete sich schon eine Gruppe für und eine gegen, und dazwischen standen die Zweifler, um den Mund ein spöttisches Lächeln, aber ihrer Sache doch nicht so ganz sicher. Im darauffolgenden Redestreit wurden die Gläubigen glänzend widerlegt und alle Wunder und Zeichen erwiesen sich als sehr natürliche Erscheinungen. Bei diesem Wortgeplänkel erinnerte ich mich plötzlich eines Erlebnisses, das mir völlig entfallen war. Hätte die Hiße des Gefechtes nicht zum Abblasen gemahnt, hätte ich es noch befanntgegeben. Es war in den ersten Jahren unserer Che. Wir lebten in ziemlich dürftigen Verhältnissen, oft wußte man kaum, wo ein und aus. So auch damals, als ich mir wieder mal fast den Kopf zerbrach, womit ich am nächsten Tag ein paar fällige Nachnahmen einlösen könne und was ich Ich saß am Tisch. Reihte Zahlen an Zahlen auf meinem Notizblock. Aber die Rechnung wollte nie stimmen. In meiner Verzweiflung begann ich mit dem Bleistift zu spielen. Drehte ihn hin und her, bis er meinen Fingern entglitt und in die offen vor mir liegende Aktenmappe meines Gatten rollte. Ich suchte den Ausreißer zwischen den Akten, aber ich konnte und konnte ihn nicht finden. Da begann ich die einzelnen Aftenfaszifel herauszunehmen, aber der Bleistift schien spur los verschwunden. Auch nachdem ich das letzte Mäppchen herausgelegt hatte, ließ sich der Bleistift noch nicht finden und doch hatte ich gesehen, wie er hineinrollte. Kopfschüttelnd nahm ich die Mappe vom Tisch, drehte sie um, und-... Ich traute meinen Augen kaum. Aus der Tasche rollte ein Bleistift und ein funkelndes, neues Zwanzigfrankenstück. Ein unerwarteter Bierter Ich bückte mich, nahm das Geldstück auf und überzeugte mich von der Wirklichkeit. Fragend sah ich auf das blinkende Ding in meiner Hand. Es war ein richtiges Goldstüď. Mein Herz pochte wie verrückt ob der freudigen Ueberraschung. Ich drehte das Zwanzigfrankenstüd hin und her und überlegte. Aber ich konnte mirs nicht erklären, wie es in die Aftenmappe hineinfam. Ich legte es weg und griff doch fast im selben Moment wieder danach, um mich nochmals aut überzeugen, daß es ein richtiges Goldstück sei. Ja, das Goldvögelchen war nun mal da, aber woher es gekommen, das blieb mir ein Rätsel. Ich riet hin und her, ohne auf eine glaubwür dige Erklärung zu kommen. Schon war ich nahe daran, mich zu fragen: ,, Geschehen denn wirklich noch Wunder und Zeis chen", da meldete sich auch schon wieder der Vers stand. Ich nahm mir vor, das Geldstück nicht an zurühren, ehe ich mit meinem Manne über den merkwürdigen Fund gesprochen. Vielleicht flärte sich die Sache doch noch auf. Dem Manne ging es wie mir. Er konnte sich auch nicht erklären, wie das Geldstück in feine Mappe gekommen. Trotz allem Hin und Her konnte er des Rätsels Lösung nicht finden. ,, Auf alle Fälle gehört es nicht uns", ents schied er.„ Die Sache wird sich schon irgendwie aufffären." Nach dem Essen nahm er die Aften zur Hand und vertiefte sich in ihr Studium. Plößlich griff er sich an den Kopf: " Nun hab' ich's," rief er.„ Heute morgen fam eine Frau und bat mich um eine Gefälligs feit. Ich verließ dann für einige Minuten das Bimmer. Diese kurze Abwesenheit muß die Frau benützt haben, um in die auf dem Tisch liegende Mappe das Goldstück hineinzuprattizieren. Das Rätsel wäre also gelöst. Leider komme ich aber nicht um eine Anzeige herum, und dann kommt die Frau doch um ihr Goldstück." Am nächsten Morgen fand der Mann seine Ich stand da und staunte. Vermutung bestätigt. Die Frau versicherte zivar Univillkürlich griff ich mir an den Kopf. immer wieder, sie habe sich nur erkenntlich zeigen wollen. An Bestechung habe sie nicht gedacht, Träum' ich, wach' ich?" Sie fam mit einem Verweis und der mildesten Strafe davon. Das Goldstück verfiel dem Fiskus. Sätten wir aber wie andere, noch an Wunder und Zeichen geglaubt und das Goldstück als Himmelsgabe dankbar angenommen, der Fall wäre nicht zur Aufklärung gekommen, und die Märe von der Bestechlichkeit unserer Beamten hätte aufs neue die Runde gemacht. Wäre mir aber an jenem Abend nicht der Bleistift in die Mappe hineingerollt, dann wäre es nachträglich wohl schiver gefallen, das Wunder richtig deuten und die natürliche Erklärung der rätselhaften Erscheinung zu finden. Rückkehr vom Urlaub Ein Büromädel monologistiert: Von Pierre. Wie schnek das ging. Die knappen vierzehn Tage Mir scheint es jeßt, sie waren nur ein Traum Bald geht der Zug. In neu beginnt 2 Wochen gegen 50 Tohnen faum Wie ichön es war Kein Briefetippen Verbleiben grüßend Wie fad das ist 4Wissen Sie schon? daß es Ehen mit Daß in Deutschland zur Zeit 40 Prozent aller Ehen kinderlos find einem Kind 13 Prozent, mit zwei Kindern 20 Prozent und mit drei und mehr Kindern 27 Prozent gibt. bie Plage, 2 Wochen feine Sorgen, ,, Werte Firma Matz ,, Retournieren morgen Ich kenne jeden Satz Bivei ganze Wochen konnt' ich ruhig schlafen, Kein Wecker hat um 6 mich aufgeschreckt; Und mit der Wollust ausgebrochner Sklaven Hab' ich, erwacht, mich nochmals ausgestreckt Die ersten Tage war ich noch beklommen, Wie ein Gespenst ist in der ersten Nacht Der Brief an Wilm und Sohn zu mir Daß sich im vergangenen Winter zu ganz ungewöhnlicher Zeit mitten in Neuhort etwa 50.000 Stare niedergelassen haben, wie sich denken läßt, den Verkehr und die Nachtrube erheblich störten? gekommen, Der seinerzeit mich so in Schweiß gebracht. * Am ziveiten Tag war alles schon berfunten, Die Sonne schien- Die Welt ertrant Und weils umsonst war, bin ich mit Ich war so glücklich * Daß die Maschinen, welche die englische Bostverwaltung für den Aufdruck Kauft nur britische Waren!" verwendet, zum Erstaunen der Oeffentlichkeit, die es erfuhr, in Amerika hergestellt wurden? -> Die sonderbare Welt... der Welt. Dreiunddreißig Jahre bevor Kons Rom war nicht das erste christliche Reich stantin der Große das Christentum zur Staats. Armenien, so daß die Armenier ältere Christen religion erhob, tat dies König Tiridates vont Daß das erste Haus vor etiva 6000 Jahren in Sathara bei Kairo in Aegypten gebaut worden sein soll? % find als die Römer. Daß die spanischen Granden erster Rangstufe das Vorrecht hatten, in Gegenwart des Königs den Hut auf dem Kopf zu behalten? * Daß die neuerdings gemessene größte Mee restiefe nordöstlich von Portorico mit 13.500 Metern festgestellt wurde? Heiteres * Es gibt Fische, die sich vor ihren Feinden in den Magen anderer Fische flüchten. So gibt es eine Fischgattung namens Fierasfer", dia einen andern, größeren Fisch als Bufluchtss stätte benüßt, wenn sie von ihren spezifischen Feinden bedroht ist. Ist der Gegner außer seinem Gastgeber" heraus. Sicht, so schwimmt der Fisch vergnügt aus Der Menschenfreund. Gastgeberin:„ Lieber Doktor, alle Gäste haben nun etivas zur allgemeinen Unterhaltung beigetragen; möchten Sie nicht auch etwas tun?" Arzt:„ Sehr gern! Ich verordne, daß die Sängerin einen Monat im Bett bleibt." Das Brautpaar. Er:„ Ich weiß selber, sehr schön bin ich ja nicht... Sie:„ Ach was macht denn das? Wo du doch ohnehin den ganzen Tag im Büro sein wirft..." Der Vergleich. Dichter: Die Ehe ist ein ruhiger Hafen, wo zwei Schiffe des Lebens zuim Licht, fammentreffen." Ehemann: Da muß ich ein Kriegsschiff getroffen haben!" ertrunten Das vergeß' ich nicht -Der Tannenwald mit seinen alten Bäumen, Das ffeine Gasthaus, das so weltentrückt, Wenn man dort aß, geriet man bald ins Träumen Kein Chef, der schimpft und noch die Löhne drückt Wo sind die beiden Wochen mur geblieben? Mir ist direkt, als ob sie jemand nahm, Das Paradies, aus dem wir einst vertrieben, Ich fand es hier. Bis bald das Ende tam Dori fommt der Zug Vor allem jetzt nicht weinen, Es ist vorbei Was ist da schließlich Im Berghotel. Sie:„ Wunderbar, die Aussicht von der Bergspitze auf das Hotel hinunter." Er:„ Ist's dieselbe, die auf den Ansichtskarten zu sehen ist?" Sie: Ja, genau die gleiche." Er: ,, Nun gut, das genügt mir. Ich gehe nicht hinauf." " Herrliche Aussicht. Wimmer sucht eine Wohnung. Die Witwe Wilde hat eine. Die Wohnung liegt dem Bahnhof gegenüber. Sie haben dort eine herrliche Aussicht." „ Worauf?" ,, Auf die Leute, die zu spät zum Bug fommen." " Die Tankstelle. Ein dreijähriger Bub einer amerikanischen Metropole sieht zum erstenmal in seinem Leben einen Säugling an der Mutterbruſt trinken.„ Mutti", ruft er begeistert aus, ..sich doch mal, wie das Baby tankt." * " Ein ungemütliches Gefängnis für politi sche Häftlinge gibt es in Venezuela. Dort wer den Sie Gegner des jeweiligen Regimes in den unterirdischen Räumen des Gefängnisses von Los Castillos untergebracht, wo zweimal im Tag die Flut in die Zellen eindringt und die Gefangenen mehrere Stunden stehend bis zum Hals im Wasser verbringen müssen. Schach- Ecke Geleitet von Wenzel Scharoch, Drakowa Nr. 32, Post Modlan bel Teplitz- Schönau. SCHACHAUFGABE Nr. 246 Von E. E. Westburg Schwarz: Kc2, Tg2, Lh5, Sal, Bg5.( 5) 8 7 6 3 21 a b c d e f g h I a b с d e I g h Weiß: Kd8, Dc4, Te7, f1, Lc3, Ba5.( 6) Matt in zwei Zügen! Lösungen sind bis längstens 14 Tage nach Erscheinen der Aufgabe an den Leiter dieser Spalte einzusenden. Lösungszug zu Nr. 243: Le8- d7! Richtige Lösungen sandten nachfolgende Genossen ein: Schöffel Anton, Schöbritz; Dinnebier Emil, Tetschen; Habl Erwin, Nestersitz; Beutel Wilhelm. Arnsdorf b. Tetschen; Tesař Franz. Robek Franz. Kwitkau; Hyna Josef u. Hyna Suchei; Havel Franz, Hertine; Walter Ludwig u. Franz, Hostomitz; Ulbert Rudolf, Proseditz; Triltsch Gustav, Wisterschan. Arbeitsplan der Schachsektionen für 1936. fundenen Bundesschachsitzung stattgefundenen Bundesschachsitzung wurde folgender Arbeitsturniere müssen unbedingt bis 1. Jänner 1936 beIn der am Samstag, dem 24. August, stattgeplan ausgearbeitet und beschlossen: Die Vereinsendet sein. Einsendung der Turniertabellen an die Bezirksschachleitung und Meldung zur Bezirksserie bis 5. Jänner. Austragung der Bezirksserie bis 17. März. Meldung der Bezirksmeisterschaft an die Kreisschachleitung bis 24. März. Beginn der Kreisserie am 14. April, Endrunde am 26. Mai. Meldung der Rich: Kreismeister bis 1. Juni an die BundesschachSchäbig, leitung. Bundesmeisterschaft findet am 6. und 7. Juli anläßlich des Bundesturmfestes in Komotau statt, „ Berger, sage mir, wie ist der Ofen?" groß-? Der Ofen ist grün!" ,, Brav, wie ist die Und morgen werd' ich im Büro erscheinen: Kreide?" ,, Die Kreide ist weiß!." Tag, Fräulein Krause- Gut erholt? tig. Und wie mein Hut, Meier? ,, Na, Los!" Herr Lehrer!" "