1935 9tr. 39 KnterftaftmiQtf&eilao* ciUc/»o« s.-s. Wir stellen vor: Marseille, lateinisch Mas« filia, griechisch Massalia, 600 vor Christi von den griechischen Phokäern gegründet, an welche rnan sich noch heute gerne erinnert, wie zahl« reiche Geschäftsfirmen verraten, die sich mit dem schmückenden Beiwort„PhocLenne" versehen. Obwohl 2583 Jahre alt, beinahe eine Millionenstadt und zweitgrößte Stadt Frankreichs, wie die vielen Wahlplakate bei den Gemeindewahlen mit Stolz vermerken, besitzt Marseille immer noch keine öfientliche Kanalisationsanlage. Oder bester gesagt, eine zu öffentliche, denn aus den Häusern fließt das Spülicht in besondere Rinnen, die längst der Gehsteige laufen. Eine fürsorgliche Stadtverwaltung öffnet dann verschiedene Wasserhähne, und auf diese zwar einfach«, aber doch wohl etwas kulturwidrige Weise fließt — mit Verlaub— der Dreck durch unzählige Rinnsale dem Meere zu. Man pflegt sich dann zu wundern, daß der Hafen und sogar die elegante Plage am Ausgang der großen Promenadenstraße des Prado gar so schmutzig find. UebrigenS macht auch die Kehrichtabfuhr kein« große Sorgen. Des Abends tragen die Hausfrauen alles, war sich während des Tages in der Küche an Abfällen ansammelt, auf die Straße und schichten e? zu hübschen Häufchen. Wahrscheinlich könnten sich die zahlreichen Katzen sonst nur schwer ernähren. So aber hocken auf jedem dieser Kehrichthaufen drei oder vier Katzen und wühlen mit Behagen zwischen den Konservenbüchsen, Fisch-, Fleisch- und Gemüseabfällen und sonsfigem Mist herum und finden ihren Lebensunterhalt. Zuweilen beginnen sie, nm die besteren Brocken zu streiten und das gibt daun ein schauerliches Nachtkonzett. Früh räumen von der Sadt dazu angestellte Männer den Abfall von den Straßen weg und werfen ihn in? Meer. Manchmal lehnt aber diese» die edle Gabe ab Und wirft sie ans Ufer zurück, wo sie dann bis zum nächsten Mistral liegen bleibt. So wird der Mistral trotz seinem boshaften Ungestüm doch noch zum Wohltäter der Stadt. Am alten Hafen steht die Mairie, da? Rathau». Unweit davon sind die neuen Kais, wo die großen Dampfer landen. Da gibt e» natürlich viele Matrosen und diese bedürfen nach langen Seefahrten einiger Vergnügungen.' Sie pflegen auch Geld zu haben, wenn sie abheuern, und so ist« durchaus in Ordnung, daß sich das„Ber- gnügungsviertel" Marseilles in dieser Gegend befindet. Dem Fremden sei es>»ber nicht empfohlen, etwa in die hinter dem Rathaus gelegene Rue de la Reynarde und in die angrenzenden Seitengassen zu gehen. Er meint, als harmloser .Spaziergänger durch die diversen AuSli 4 und Ther 6 und„& la lune, first claß House" unbemerkt hindurchguschlüpfen, aber er wird sich schwer irren. Eine beleibte Madame wird ihn am Arm ergreifen und ihm zunächst gut zureden, er möge doch die belle? fille» besuchen kommen, die sich angeblich im Hause verbergen. Glaubt er etwa, die ergangene Einladung höflich ablehnen zu dürfen, so wird er bald eine? Besseren belehrt werden. Man wird ihn einfach packen und mit Gewalt ins Haus zu ziehen versuchen. Schüttelt er dann ebenso energisch die auf Gastfreundschaft so erpichte Werberin ab, so wird ihm eine Flut von Schimpfworten die notwendigen Begriffe von den Pflichten beibringen, die er als Eindringling hier auf sich genommen hat. Gellngt es ihm dann trotz aller Widerstände, sich den Weg weiterzubahnen, so wird er nur zu bald merken, daß er von der Szylla zur Cha- rhbdis entwich. Und wehe ihm, wenn er etwa einen Hut auf dem Kopf oder eine Brille vor den Augen trägt! Man wird ihm diese Attribute' einfach wegnehmen und froh kann er sich schätzen, wenn er gegen ein Lösegeld von einer oder zwei Zigaretten von dannen gehen darf. Jede gewaltsame Zurückholung des geraubten Eigentum» wird mindesten? mit.sal boche", aber auch mit erhÄ>encn Stühlen und drohend geschwungenen leeren Flaschen beantwortet. Das zarte Geschlecht ist also zumindest hier gar nicht besonder» zart und das einzige, was übrig bleibt, ist schnellster Rückzug. Polizei ist natürlich nirgend» zu sehen und wer sich in-die Höhle des Löwen wagt, möge sehen, wie er wieder herauS- kommt. In zoologischen Gärten pflegen aller«! ding» wenigstens Warnungstafeln zu sein und Genosse Henri Tasso, Deputt-Maire von Marseille, könnte die Fremden in der Umgebung seines Rathauses in ähnlicher Weise schützen. Doch vielleicht entspringt da? exzentrische Gehaben jener Mädchen der uuverwüstkichen Vitalität, die den Franzosen und vor allem den Südfranzosen eigen ist. Jede Bewegung atmet hier Freude am Dasein, Freude am Leben. Und vermessen wäre es wahrscheinlich, hier von eineri ungenügenden Population zu sprechen, denn die Menge der Kinder aller Lebensalter, die sich besonders in den Skatzen und auf den Kai? der Vorstädte tummeln, würde einen sogleich Lügen strafen. Di« Menschen sind freundlich und hilfsbereit, zwar lärmend, aber nicht streitfüchlig. Da» sieht man am besten bei ihren Spielen oder eigentlich besser bei dem Spiel, dem man hier mit Leib und Seel« ergeben ist. Eine Art Kugelspiel ist es und je mehr mittun, desto interessanter wird e». Eine keine Metallkugel wird irgendwohin auf die Skatze oder auf einen Platz geworfen. Für die Mitspieler gill eS nun, eine größere Meffingkugel möglichst in die Nähe dieser keinen Kugel zu placieren. Jeder Spieler hat zwei solcher größeren Kugeln, die hohl gegossen und außen mit verschiedenartigen Rillen, verziert sind. Diese zwei Kugeln eröffnen ihm theoretisch die Chance, die Kugeln der Gegner wegzuschleudern und die eigene möglichst nahe an das ersehnte Ziel zu bringen. Da das Spiel auf jedem Gelände gespielt wird, da? auch fast ständig wechselt, so ergeben sich hier für die Geschicklichkeit der Spieler die mannigfachsten Aufgaben. Es gilt zu berechnen, wann und wo die geschleuderte Kugel stehen bleibt, ob sie wicht einen Keinen Abhang hinuntorrollt, man muß die Laufbahn nach den Unebenheiten des Bodens abzukchätzen verstehen und viele? andere mehr. Zu jeder Tages«, besonders aber Abendstunde sieht man an allen Ecken Gruppen solcher Spie« ler, di« von einer Menge von Zuschauern um« ringt werden, welche in fachmännischer Weise die einzelnen Würfe beurteilen. Aber obwohl täglich Zehn« und Hunderttausende solcher Par« tien gespielt werden, habe ich nirgends einen Streit gesehen oder gehört. Es wird viel gelacht und auch gehänselt, wenn«in Spieler mit ern« ster Miene die Kugel wägt und, wie er glaubt, treffsicher schleudert, während sie zwei oder drei Meter weiterrollt, als sie sollte; aber gestritten wird nicht. Wozu auch? Bald wird die nächste Partie beginnen und da kann man sein Mitzge« schick verbessern. Man will sich amüsieren, will spielen, aber nicht Krach machen und sich da» Leben vergällen- Man arbeitet auch, gewiß, weil «» notwendig ist; aber die Arbeit zum eigent« lichen Sinn de? Lebens zu erheben, wie e» etwa die Deutschen tun, das fällt offensichtlich keinem ein. Und ebenso wenig wkd man nach dem Krieg um deS Kriege? oder irgendwelcher kriegerischer Lorbeeren willen rufen. Man will leben und sich der Lebens fteueu. Eine prinütive Philosophie^ gewiß. Aber sagt, ob eS nicht die richtige und einzig taugliche ist? Ueberhaupt diese Franzosen! Einem von Dinter Rosenberg und Streicher erzogenen Ger« manen mutz sich Herz und Magen im Leibe um« drehen. WaS man hier an allen Ecken und Ende» an verbreiteter.Rassenschande" trifft, das ist einfach gar nicht auszudenken. Am Abend schä« kern die weißen Mädchen ganz unv«rftoren mit kohlschwarzen kräuselhaarigen Negern und man achtet am Brunnen vor dem Tore gar nicht auf die Raffe, sondern offenbar auf andere Eigenschaften. Und kein gestrenger Sittenwächter kommt, um dieser schwarzen Schmach mit Reit« peitsche und anderen Utensilien der höheren Zivi« lisation ein Ende zu bereiten. Wie denn auch sogar Neger und Araber al» Straßenbahnschaff« ner und sonstige Amtsorgane tättg sind und in der obrigkeitlichen Uniform einherstolziere«. Heute sah ich sogar, daß in einem ob Marseille gelegnen Fort ein Zuave statuengleich den Wachtdienst versah. Die heiligsten Güter der Nation werden solcherart dem Winderraffigen ausgeliefert. Das ist offenbar ein Werk All« judaS, das die Franzosen vernichten soll. Aber sie merkens noch nicht und scheinen sich im Ge« gentell ganz wohl dabei zu fühlen. UebrigenS dark man aber fragen, wie eS eigentlich die Deutschen mit ihren schwarzen Bürgern zu halten gedächten, di« sie in den so beiß ersehnten Kolonien gewännen? Wahlschein« sich würden sie durch ihre Zugehörigkeit zum Deutschen Reich auch rassisch geadelt, wie vordem die„Polacken" und die Japaner. Von dem starken politischen Interesse, da» allenthalben herrscht, zeugen die Anschlagtafeln und die Mauern der verschiedensten Gebäude. Noch sieben zahlreiche Plakate, welche auf die Gemeindewahlen vom Mai und auf die Natio« nalfeier am 14. Juli Bezug nehmen. Die Links« Parteien beherrschen offenbar daS Feld und besonders die SAID, die Sozialistische Pattei Frankreichs, welche di« Mehrheit in Marseill« 2Innehat und den Bürgermeister stellt, hat an-| um selbstvergessen in der Brandung mit den scheinend propagandistisch ausgezeichnet gear- Moules am Hafen zum Vergnügen die verirrten beitet. Fischlein zu fangen oder, wenn er seine zwei Messingboules zur Hand nimmt, um fie luftig 17 Allerdings hat sich die nationalistische Welle etwas merkwürdige Propagandamethoden erzwungen. Da wirbt Henri Tasso, der sozialistische Bürgermeister, auf einem Riesenplafat für seine Liste und unterschreibt sich mit„ Le député- maire", aber auch mit Präsident des Ausschusses für die Handelsmarine, Erster Vizepräsident der Handels- und Gewerbekammer, Chevalier der Ehrenlegion und Inhaber des Kriegsfreuzes". Er wendet sich an die Republikaner, an die Demokraten, an die Sozialisten und„ an meine Freunde". Die Wahlpropaganda selbst ging unter dem Motto:„ Für Marseille, für Frankreich, für den Sozialismus und für die Demokratie" vor sich; ebenso dankt nun auch Henri Tasso nach gewonnener Wahlschlacht den Wählern für ihr Vertrauen und verspricht für Marseille, für die Republik und den Sozialismus zu wirken. gegeneinander flingen zu lassen. Denn Politik iſt nicht um ihrer selbst willen da, sondern deshalb, um den Menschen zu helfen. Und das ist es, was die, die sie machen, leider nur zu oft vergessen. Abenteuer im Kalifornien- Expreß Im eleganten Pullmann- Car des Kalifors lichstem Lächeln und fragte:„ Kann ich Ihnen nien- Expreßzuges, der nach Los Angeles fährt, vielleicht in irgendeiner Weise behilflich jaß eine junge, schöne Dame, die neben sich ein fein?" Aber bevor er noch an sie hers Magazin liegen hatte. Es war offenbar kein anfommen fonnte, züdte sie auf ihn den ReBufall, daß diese Zeitschrift recht demonstrativ bolber und kommandierte:„ Ganz ruhig blethierher gelegt worden war, denn das Titelblatt ben. Hinseßen." Dann stand sie auf und warf zeigte das Bild des berühmten Filmstars Clara auch ihre Armbänder hinaus. Mit den Worten: Bell, und die schöne Reisende wollie auf diese So, jezt bin ich alles los," fant sie wie er unauffällige" Weise wohl die anderen Passa- schöpft auf ihren Sit und saß eine Zeitlang wie giere unterrichten, mit wem sie die Ehre hatten, erstarrt da. Nur den Revolver hielt sie schußdie Fahrt zu machen. Es war nämlich nicht zu bereit in der Hand. Ein entseßliches Schweigen verkennen, daß der abgebildete Filmstar und herrschte in dem Raum. Die Herren fürchteten, die Besizerin des Magazins eine und dieselbe daß in jedem Augenblick der Wahnsinn in vers Berson waren. Die zwei Herren, die in dem stärkter Form ausbrechen könnte, und wußten Doch auch die Kommunisten find nicht Abteil faßen, hatten bereits von dem Tatbes nicht, was sie tun sollten, denn die Notbremse müßig. Ihre Plakate wenden sich gegen die stand Kenntnis genommen und überboten sich befand sich an der Seite, mo die Wahnsinnige Defrete Lavals, gegen die übrigens auch ge in Liebenswürdigkeiten, denn sie schästen sich fab, so daß sie nicht in Tätigkeit gesetzt werden meinsam im Namen der Volksfront protestiert glücklich, die Bekanntschaft der berühmten konnte. und zu Manifestationen aufgerufen wird, wo Stünstlerin zu machen. Die im allgemeinen recht Plötzlich lächelte die geistesfranke Künst gemeinsam sozialistische und kommunistische Red- langweilige Fahrt durch das eintönige Land lerin leise vor sich hin, und die Herren hätten ner sprechen. In einem Plakat danken sie den verlief in angeregtester Weise, denn die schöne gern gehofft, daß der Anfall vorüber sei, da Wählern, daß sie von 12.000 auf 17.000 Stim- Schauspielerin erwies fich als eine geistreiche das Lächeln der schönen Frau durchaus nicht men gestiegen und damit zur drittstärksten Par- und interessante Gesellschafterin, die vorzüglich geiftestrant aussahaber sie erinnerten fich, tei Marseilles geworden seien. zu plaudern verstand. Sie sparte nicht mit tem gelesen zu haben, daß die gefährlichsten Wahnperamentvollen Handbewegungen und zeigte finnigen auf den Laien oft einen völlig ges dabei zahlreiche prächtige Brillantringe, mit funden, harmlosen Eindruck machen. denen ihre Finger reich geschmückt waren und entzückende Lächeln hatte aber die Folge, daß die von den Herzen gebührend bewundert wur- die beiden Herren von dem schmerzlichen Mits den. Um den Hals trug sie eine herrliche Pers leid mit der unglücklichen Frau erfüllt wurden lentette, die von einem der Mitreisenden auf und der Aeltere dem Jüngeren durch die Zähne 40.000 Dollar geschäßt wurde. Ein entzücken- flüsterte:„ Ein furchtbarer Jammer, eine so des Lächeln aus den schönen Augen der Künfts schöne Frau!" Jept wandte sich die Künstlerin, lerin dankte ihm, aber ein sehr aufmerksamer die den Revolver weglegte, in ruhigfter und Beobachter hätte auch ein wenig Spott darin liebenswürdigster Weise an den älteren Herrn: sehen können. Die Herren drückten ihr Gr- Seien Sie so liebenswürdig und geben Sie staunen darüber aus, daß die Künstlerin feine mir meine Brillantringe und meine Perlenkette Furcht habe, auf einer Eisenbahnfahrt ein fol- wieder. Alles liegt in Ihrer rechten Rodtasche." ches Vermögen an sich zu tragen, aber der Film Der Angeredete rührte sich nicht, denn nun war star nahm aus der goldenen Tasche einen es ganz klar, daß die Frau verrückt war. Aber Browning und sagte:„ Das ist mein bester die Künstlerin ließ nicht locker. An einer Mauer findet man die lapidare Forderung„ Rocque en prison!", aber offenbar denft die Regierung gar nicht daran, den dührer der Feuerfreuzler einzusperren. Eine andere Aufschrift verkündet Vive les Soviets à bas les deux ans", was offenbar in gewissem Widerspruch zueinander und vor allem gegen die Auffassung Stalins steht. Vielfach sieht man auch das neue Beichen der Volksfront: lints Hammer und Sichel, rechts die drei Pfeile, die anscheinend ohne Befürchtung von den französischen Sozialisten übernommen wurden, und als Syntheſe ein dreizackiger Stern. Der fünfzadige Sowjetstern mit den drei Pfeilen zur Einheit verschmolzen. Den propa gandistischen Vorteil dürften freilich nach den bisherigen Ergebnissen die Kommunisten davontragen. An die Weltgeschichte rühren bier Bronzetafeln, die an zwei Kandelabern in der Cannes bière, Ede Place de la Bourse, wenige Schritte bom alten Hafen, angebracht sind. Ici sont tombés pour la Paix et la Liberté le Roi preux Alexander ler du Jugoslavie ami de Marseille et de la France et le Président Louis Barthou ministre des affaires etrangères 9 oct. 1934 Links oben das Wappen der französischen Republit, rechts jenes des Königreiches Jugoslawien. Nur etwa hundertfünfzig Schritte weit Tonnte fich Alexander auf französischem Boden bewegen.„ Er war nicht lange unser Gast", seufzt bekümmert eine dide Wirtin, die mich auf die Tafeln aufmerksam machte. Wieviel hat gefehlt und ein neues Sarajewo konnte die Welt in Flammen sezen? Doch die Weltgeschichte und Feuerkreuz, Fascismus und Lavalsche Defrete, sie gehen unter im Drang nach dem Leben und im täge lichen Leben selbst. Man diskutiert, man regt fich auf, man wird auch vor einer Demonstration nicht zurückschrecken, aber am glücklichsten wird fich der Fischer fühlen, wenn er seine Netze zum Trodnen ausgebreitet hat und die Angel nimunt, | Schup." Dieses Wollen Sie denn meinen Schmuck bes halten? Sehen Sie nur ganz ruhig nach. Er liegt wirklich in Ihrer Tasche. Und Sie"( mit diesen Worten wandte sie sich an den zweiten Mitreisenden) geben mir, bitte, meine goldene Handtasche, die Sie oben neben Ihrem Taschen. tuch haben." Die Zeit berging wie im Fluge. Die Herren waren in der angenehmsten Stimmung, die durch die Gegenwart einer schönen Frau hervorgerufen wird, und ahnten nicht, daß ihrer noch ein aufregendes Abenteuer harrte. Mitten in einer Erzählung über romantische Jugendschiciale verstummte nämlich die Filmdiva Beide Herren saben mun tatsächlich in plöblich, starrte wie geistesabwesend vor sich ihren Taschen nach und beförderten daraus bin, fprang dann auf und rief:„ Was soll mir Ringe, Armbänder, Perlenkette und Handtasche, dieser Zand!" Mit diesen Worten warf sie ihre die doch vor ihren Augen zum Fenster hinaus prächtige Perlenkette zum Fenster des dahins geflogen waren. Wie erstarrt saßen sie da, als rafenden Expreßauges hinaus. Ihre beiden die Künstlerin mit reizender Verlegenheit Mitreisenden sprangen entsegt auf und wollten fagte: Verzeihen Sie mir den Scherz, den ich zu ihr eilen, aber der Revolver, den sie immer mir mit Ihnen gemacht habe. Ich bin weder noch drohend in der Hand hielt, scheuchte sie verrückt, wie Sie fürchteten, noch bin ich der zurüd. Dann schien sich eine wahre Raserei Filmstar Clara Bell, dem ich mir sehr ähnlich der Künstlerin zu bemächtigen. Sie riß die fehe. Die Ninge und Perlenketten sind keine Ringe von ihren Fingern und warf sie gleich- Kostbarkeiten, sondern Bühnenschmuck und falls zum Fenster hinaus, die goldene Hands Künstlerrequisiten. Ich bin nämlich eine tasche nahm denselben Weg, und schließlich nahm die Künstlerin ihre Armbänder und wollte fie auch hinauswerfen. Aber sie zögerte einen Augenblick und sah die beiden Herren an, die in Todesangst dasaßen, denn sie waren fest davon überzeugt, daß die bedauernswerte fünftlerin geistestrant geworden sei. Während der Jüngere von ihnen wie gelähmt dasaß und sich nicht bewegen fonnte, machte der Weltere einen Versuch, ihr die gefährliche Waffe wegaunehmen. Er näherte sich ihr mit dem freund Bauberfünftlerin, und Sie"( mit diesen Worten wandte sie sich wieder zu dem älteren Herrn) sind der große Manager Richardson. Ich kenne Sie selbstverständlich sehr gut. Es ist mir aber bisher noch niemals gelungen, in Ihrem Bureau bis zu Ihnen vorzubringen. Ich durfte im Vorzimmer wie hundert andere meine Adresse einschreiben. Da erfuhr ich, daß Sie in diesem Zuge nach Hollywood fahren, und mein Plan war gemacht. Erst wollte ich Ihre Aufmerksamkeit als berühmter Filmstar CI — s Ewige Kreise Eine Filmtragödie in Pressenotizen „Tagesschau":„Die Fantasie-Film lud gestern die Presse zu den Aufnahmen ihres neuen Grohfilms„Stürme der Liebe" ins Atelier. In einer gigantischen Dekoration, die den Tanzsaal eines Luxushotels darstellte, wurde eine grosse Eifersuchtsszene zwischen Mia Magnesia und DolorcS Santuzza gedreht. Man gewann den Eindruck, dass diesmal nicht nach der alten Schablone gearbeitet wird, dass bei diesem Film Männer mit Ehrgeiz und neuen Einfällen am Werk sind, die neue Wege einschlagen wollen; und so ist-ein Film im Entstehen, der aus dem Rahmen der Serienproduktion fällt und eine Standardleistung unserer Filmindustrie zu werden verspricht..." „Illustrierte W o ch e n p o st":„In einer Aufnahmepause besuchten wir Mia Magnesia in ihrer Garderobe. ES macht mir besondere Freude, erklärte die Diva, unter der Regie Kurt HanS Walters arbeiten zu dürfen, eines Regisseurs, der alle ausgetretenen Wege weidet. Hier habe ich endlich die künstlerische Aufgabe gefunden, nach der ich mich seit Jahren sehnte.- Richt eine Attrappe spielen, eine Marionette, sondern«inen Menschen aus Fleisch und Blut. Ich habe die ewiggleichen Schablonenrollen feit, langem satt. Diesmal hoffe ich, dem Publikum beweisen zu können, dass ich nicht nur ein elegantes Abendkleid zu tragen, sondern auch ein Menschenschicksal zu gestalten verstehe..." s »D i e Zeitscha u": Dolores Santuzza war seit ihrem ersten grossen Erfolg in„Die Räuberin" als Vamp abgestempelt. Man hat sich lange gewünscht, sie auch in einer anderen Rolle zu sehen, denn man ahnte, sie kann viel mehr...Diesmal werden wir sie endlich in einer anderen Rolle sehen und erleben. Ihre Verehrer werden erstaunt sein: sie hat nicht mir ihre Haarfarbe verändert, sie ist rin anderes Geschöpf geworden; nicht mehr die blutdürstige Männervernichtcrin— ein Dämon, der schicksalhaft Unheil bringen muss und selbst daran zugrimde geht...' Endlich die langirrhoffte grosse, entscheidende Aufgabe..." „Die Metropole":„Herr Horst Knudsen, der Liebling der Damen, schüttete unserem Vertreter sein Herz aus. Ach, sagte er, ich habe eS satt, immer nur den lächelnden Herzensbezwinger zu spielen. Sie ahnen gar Nicht, wie unS die Serienproduktion künstlerisch schadet— das Publikum wird imserer auch all» Suschnell überdrüssig, wenn wir uns immer in der gleichen Rolle zeigen... Diesmal..." Und dann wird der Film„Stürme der Liebe" aufgeführt. Und es schreibt die „TageSschau":„Wieder einmal L'anzbarS und Luxushotels— das Abgegrif« srndste, Banalste, daS der Filmregisseur zeigen kann. Wieder die alte Schablone. Ein Film, ohne Ehrgeiz und ohne Einfälle. Wann wird die Filmindustrie endlich andere, neue Wege einschlagen? Dieses am laufenden Band erzeugte, typische Serienprodukt ist wahrhaftig keine Standardleistung unserer Filmindustrie. Es ist an der Zeit, dass..." „Illustrierte Wochenpost":„Mia Magnesia spielt wieder(zum wievielten Male?.) eine niedliche Soubrette. EineÄttrappe, eine Marionette. Kann sie aber auch einen Menschen aus Fleisch und Blut gestalten? Sie sieht in ihrem eleganten Abendkleid reizend aus, jedoch die ewiggleichen Schablonenrollen haben ihre künstlerische Entwicklung gehemmt, und wir bezweifeln, dass jemals." „Sie Zeitschau":„Dolores Santuzza vampt wieder,-in- ihrer altbekannten Ma. nier, durch den Film, eine blutdürstige Man» nerverführerin, wie sie sich etwa der kleine Moritz vorstellt, doch nicht der schicksalhafte Dämon, der dem Verfasser des Films, unserem belvährten Mitarbeiter Ludwig Moser, vorge» schwcbt haben mag. Sie hat ihre Haarfarbe verändert, aber ihre Begabung ist dadurch keineswegs gewachsen. Vielleicht steckt in Fräu. lein Santuzza eine Charakterdarstellerin von Talent; man sollte endlich den Versuch wagen, sie vor eine andere Aufgabe zu stellen— das Publikum nimmt die Verführungskünste dieses Vamps ohnehin nicht mehr ganz ernst.'.." „Die Metrovol e":„Herr Horst Knudsen setzt wieder sein« oftbewährte Routine em.' Er vermag den Zuschauer nicht davon zu überzeugen, dass er wirklich der herzenSbezwin» gende Schwerennöter ist, den er glaubhaft machen soll— die Jahre sind auch an ihm nicht spurlos vorübcrgegangen. Gleichwohl, er wäre immer noch ein brauchbarer Darsteller, wollte er endlich darauf verzichten, vom ersten bis zun, letzten Meter des Films erbarmungslos zu lächeln. Nicht nur der Regisseur, auch'Herr Knudsen hat diesmal wieder eine Chance ui>. genützt gelassen, eine Gelegenheit versäume. Immerhin, wir gebchi die Hoffnung nicht auf. Vielleicht daS nächstemal..." Und fünf Zeilen tiefer: „Die Fantasie-Film ist mit den Borarbet« ten zu.einem neuen Film beschäftigt, der den Titel„Liebesstürme" führen wird. Der Film wird, sowohl waS den Stoff, als auch WaS die Regie und die Besetzung anlangt, sich in gan, neuen Bahnen bewegen und ohne Zweifel nicht nur eine Ucberraschung für das Kinopublikum, sondern auch ein neues Standardwerk unserer heimischen Filmkunst darstellen. Als Regisseur wurde HanS Kurt Walter verpflichtet, für die Hauptrollen wurden Mia Magnesia, Dolores Santuzza und Horst Knudsen gewonnen..." Fritz Rosenfeld. regen und Ihnen dann in einer WahnsinnS- szene meine Kunstfertigkeit zeigen. Nun urteilen Sie, ob ich Sie von meiner Begabung überzeugt habe." Jetzt erst atmeten die beiden Herren auf, denn bis jetzt hatten sie immer noch an irgendeine wahnsinnige Geschichte gedacht. Ter Angeredete fragte lächelnd:„Ob Sie mich überfugt haben? Der Schrecken fitzt mir jetzt noch in den Gliedern. Solch eine Kunst muss aber gebührend belohnt werden." Mit diesen Worten zog er ein Bertrags- sormular aus der Lasche, das er mit seinen, Füllfederhalter ausfüllte, nachdem er erfahren hatte,„wes Nam und Art" seine reizende Reisegefährtin war. So hatte sie mit Mr. Richardson, dem Herrn über zahlreiche VarietLS in den Vereinigten Staaten, einen sehr vorteilhaften Kontrakt abgeschlossen, der die kleine Wahnsinnszene schon lohnte. Zum Schluss bat aber der Manager: Erzählen Sie keinem Menschen, was Sie hier angestcllt haben, denn sonst bin ich auf meinen Reisen vor Wahnsinns, szenen-richt mehr sicher." Und die Künstlerin gelobte es. Vorschläge zum Schutz der Fußgänger gegen Autofahrer ■ Heiteres■ WaS fehlt. Hauswirt:„Nun haben Sie die Wohnung angesehen? Gefällt Sie Ihnen?" — Mieter:„Jawohl, nur vermisse ich unter dem sonstigen Zubehör den Stall."— Hauswirt:„Den Stall? Wozu denn einen Stall?" — Mieter:„Um den Esel unterzubringen, der den hohen Preis zahlt, welchen Sie für die Wohnung verlangen." Konkurrenz. Einem reizenden jungen Mädchen wird bei einer Zirkusvorstellung von-' einens Löwen- ein Stückchen' Zucker aus dem Munde genommen. Grosser Applaus.„DaS kann ich auch," ruft ein junger Mann aus dem Publikum.—„Was? Sie wollen das auch können?" fragt daS Mädchen.—„Freilich," meint der Jüngling,„grad so gut wie der Löwe!" Hundegeschichtr.„Was-Sie auch über dest Geruchsinn Ihres WaldmannS sagen können^,- mein Fips steht ihm in keiner Wcis^. nach. Gestern hatte ich ihn zu Hause gelassen. Nach zwei Stunden entwischte er und fand»och meine Spur. WaS sagen Sie dazu?"—„Sie sollten mal ein Bad nehmen." Nur Wahrheit ist peinlich.„Ich darf dir als Freundin nicht verheimlichen, dass Frau B. überall Lügen über dich erzählt."—„Latz sie nur. Aber wenn sie anfängt, die Wahrheit über mich zu verbreiten, sage es mir gleich, damit ich ihr rechtzeitig den Mund stopfen kann."- Peter Altenberg erzählt in Freundeskreisen, sein Schneider habe ihm gesagt, dass für ihn schwer zu arbeiten sei.„Wieso?", fragten ihn die Freunde,„hast du denn eine so unmögliche Figur?"—„Rein; das nicht, aber ich zahl' nicht." Ter Hund in der Straßenbahn.„Aber! wenn ich volles Fahrgeld für meinen Hund be«- zahlen mutz, dann darf er sich wohl auf einest Sitz legen?"—„Aber natürlich, solange u ihn nicht mit den Füssen berührt." 4Der Fluch der Arbeitslosigkeit Gefichter im Asyl. Die zerlumpten Gestalten drängen und stoßen sich vor dem Tor des Asyls. Sie wollen noch rechtzeitig hineinkommen, um ein Bett in dem Schlafsaal, wo das Uebernachten nichts toftet, zu bekommen. In den anderen Schlafräumen kostet das Bett einen gewissen Betrag. Wenn aber einer zu spät kommt und diesen Betrag nicht hat, dann bleibt ihm nichts anderes übrig, als wegzugehen und sich eine Nacht lang berzweifelt gegen Wind und Kälte zu wehren. Neben diesem Gedränge stehen andere, die noch Geld besiben. Sie brauchen sich nicht so zu beeilen. Für sie gibt es sicher noch einen Schlafplay. Sie brauchen bestimmt nicht die Brücken und Denkmäler von Paris während der Nacht zu besichtigen. Vielleicht, wer weiß, besitzen sie sogar noch Geld für das Nachtessen? ,, Unser täglich Brot gib uns heute!" In großen Lettern steht der Spruch an den Wänden des Speisesaals. Wenn die Obdachlosen von ihrem Teller aufblicken, fällt ihnen der Spruch in die Augen. Er ist ihnen bertraut und sie nehmen ihn bitter ernst. Das Gebet der Obdachlosen denn erinnern wir uns, daß„ beten“ und„ bitten" zusammen hängt ist immer dasselbe: Gib uns unser täglich Brot! Gib uns Wohnung! Gib uns Meidung! Und vor allem: Gib uns Arbeit!" Der Saal ist hell erleuchtet und trotzdem scheinen die Gesichter dunkel. Struppige Haare hängen den meisten bis in den Nacken. Einige Glazen spiegeln das grelle Licht wider. Knor pelige Nasen mit Auswüchsen, aufgebunsene Wangen, glanzlose Augen starren aus den uns rafierten Gesichtern. Manche haben es ſeit Jahren aufgegeben, sich zu rasieren. Graue oder schmutzig- braune Bärte bedecken die zerrissenen Hemden. Andere lassen sich von Zeit zu Zeit, in nicht gerade kleinen Abständen, bei dem AsylCoiffeur zurechtstutzen. " Dieser Coiffeur lebt in einem beständigen Bwiespalt. Ihm ist eine kriecherische Höflichkeit angeboren und in seiner Lehrzeit anerzogen worden. Wie aber," so fragt er sich ,,, fann ich zu solch lumpiger Gesellschaft höflich sein, ohne mich selbst auf ihre Stufe herabzubegeben?" Ueberlassen wir dieses Problem, an dessen Lösung er schon lange angestrengt arbeitet, weiter seinem Scharfsinn. Nicht alle, die an den langen Tischen sizen, sehen gleich zerlumpt aus. Männer, die erst seit kurzem arbeitslos geworden sind, tragen bessere Kleidung und lassen in ihrem Gehaben den Vorjah erkennen, bald wieder aus dieser Gesellschaft herauszukommen. Sie lieben es nicht, sich mit den Obdachlosen abzugeben, die schon jahrelang vom Bettel oder von kleinen, schmugigen Arbeiten leben. Jede Stand hat seinen Stolz, auch der des Ashlleiters. Der geheime Stolz, mit dem mir der Asylleiter einen ehemaligen Advokaten zeigt, der seit einigen Wochen bei den Obdach Tosen schläft, wäre einer psychologischen AbHandlung würdig. Die Schlafräume füllen sich. Die ArbeitsTosen verstauen ihre Bündel in kleinen Blech kästen über dem Bett. Die Bündel enthalten meist Kleidungsstücke, die sie sich bei großer Kälte überſtülpen. Aus dem und jenem Bündel guckt ein Flaschenhals hervor. Ist durchaus Wissen Sie schon? daß in U. S. A. von allen Konserven am lebensnotwendig!" versichert mir ein Besizer meisten Konserven- Hundefutter verlangt wird; grinsend. erst dann kommen Suppen und Milch; Und nimmt noch einen tüchtigen Schluck, bevor das Licht ausgelöscht wird. Hundefpazierenführerin. Viele Arbeitslose in Paris und anderswo versuchen, ihren Lebensunterhalt durch den, Beitungsverkauf zu fristen. Aber die Straßen sind bereits überfüllt mit andern Arbeitslosen, die dieselbe gute Idee gehabt haben, und so wird dieser Verdienst immer kleiner. Auch die anderen„ Berufe" sind überfüllt. Ein Beruf" besteht darin, daß der Arbeitslose sich darauf verlegt, die Kehrichttübel aus den Häusern auf die Straße zu tragen, ein anderer, das Gemüse vom Markt in die Wohnung des Säufers zu bringen. Der originellste Beruf ist aber ohne Zweifel unlängst von einer arbeitslosen Frau erfunden worden. Sie sammelt nämlich die Hunde aus den vornehmen Quartieren von Paris und führt sie gegen Belohnung im Bois de Boulogne spazieren. Nicht nur, daß sie als Hundespazieren führerin ihren Lebensunterhalt verdient! Sie ist auch berühmt geworden, denn die Presses photographen haben sie bei dieser originellen Arbeit abgebildet. Und außerdem, was man ja nicht etwa übersehen soll, hat die Existenz von Luxushündchen plötzlich einen Sinn bekommen. Denn sie ermöglichen es einem Menschen, in dieser besten aller Welten sein Brot zu verdienen... H. Steiner, Schach- Ecke Geleitet von Wenzel Scharoch. Drakowa Nr. 32. Post Modlan bei Teplitz- Schönau, 8 Schachaufgabe Nr. 250. Von Karl Traxler, Wien. ( Sammlung Spielbücher.) Schwarz: Kh5. Ld1, e7, Bd6.( 4) a b c d e f g h 00 8 7 6 6 5. 4 4 3 2 1 a b c d e fgh Weiß: Kh2 Dd4, Ld5, Sf7, h4.( 5) Matt in zwei Zügen! Lösungen sind bis längstens 14 Tage nach Erscheinen der Aufgabe an den Leiter dieser Spalte einzusenden. Lösungszug zu Nr. 247: Tb5- b3! nebenlösig); Dinnebier Emil, Tetschen; Tepper daß es in der Sowjetunion 159 Natio nalitäten gibt; daß auch heute noch jeder zwölfte Todess fall auf Tuberkulose zurückzuführen ist; daß es eine falsche Annahme ist, als ob Eulen das Tageslicht schenen. Sie sind nur Nachtvögel, weil sie in der Dunkelheit auf Beute ausziehen; im übrigen aber lieben sie es sehr, sich am Morgen, ehe sie sich zum Schlaf zurückziehen, eine Weile zu sonnen; daß die Indianer einen langsameren Pulsschlag haben als die Weißen; daß täglich mehr als 15 Millionen Meteore in die Erdatmosphäre eindringen; daß die alten Römer einen großen Rosenbedarf hatten und diese Blumen sogar aus Aegypten einführten. Partie 87. Rosas, Spanien. Gespielt am 17. VI. 1935 im Meisterturnier zu Schwarz: Flohr, ČSR. Weiß: Grob, Schweiz. Holländische Verteidigung. 1. 2. d2- d4 c2- c4 3. g2g3 e7- e6 17-15 Gilt als die stärkste Waffe gegen die holländische Verteidigung. 8. 4. Sb1- c3 5. Lf1- g2 6. e2- e3 7. Sg1- f3 Sg8-16 Lf8- e7 00 d7- d6 Dd8- e8? Die Dame strebt auf die Diagonale g oder h- Linie. Aber vorerst mußte c7- c6 geschehen um den Springer von b5 fernzuhalten. 8. Dd1- e2 9. d4- d5 Sb8- c6 Sc6- d8 De8- d7 10. Sc3- b5 Erzwungen. Es zeigen sich nun die Folgen des Zuges De8. 11. 12. 13. St3- go! e3- e4 e6- e5 h7- h6! h2- h4? Weiß hat alle Brücken hinter sich abgebrochen. Das Opfer ist erzwungen, da sonst Bauer e4 verloren geht. 13. h6xg5 Zu rasch zugegriffen! Es mußte zuerst a7- a6 geschehen, um den gefährlichen Springer bo zu vertreiben. Durch diesen Unterlassungszug gerät nun Schwarz in entscheidenden Nachteil. 14. h4Xg5 15. 12-13 16. g3x14 17. Lg2- h3! 18. Lh3Xg4 19. Lg4Xc8 20. Sf6- g4 15-14 e5X14 Le7-85 Dd7- e7 Ta8Xc8 Sb5X a7 Nun sieht man die Folgen des raschen Schlagens im 13. Zuge von Schwarz. Stände der Springer nach a7- a6 auf c3, so könnte Schwarz mittels Sd8- f7 nebst e5 eine starke Stellung einnehmen. 20. 21. Sa7- b5 22. Kel- di 23. Lc1- d2 24. Ld2- c3 25. Kd1- c2 Tc8- a8 Lg5- h4 Lh4- g3 c7- c5 Sd8-17 Weiß mobilisiert nun alle seine Kräfte zum entscheidenden Stoß! 25. 26. a2- a3 Sf7- h6 Kg8-17 Ein Fluchtversuch des schw. Königs, wird abgeschlagen. 27. Th1- h5 Tf8- h8 28. Tal- hi Th8- e8 29. De2- d3 K17- g8 30. e4- e5!! d6xe5 31. d5- d6 De7- d7 32. Lc3X e5 Th8- h7 33. Sb5- c7! Schwarz gibt auf, denn Richtige Lösungen sandten nachfolgende Genossen ein: Schöffel Franz, Schöbritz; Beutel Wilhelm, Arnsdorf b. Tetschen( Aufgabe Nr. 27 leider nach 1. Sd3- b4+, KXc4, 2. Td1- d4 matt, Franz, Karlsbad; Habl Erwin, Nestersitz; Tesař Franz, Suchei; Ulbert Rudolf, Proseditz; Hyna auf Te8 oder f8 folgt Th5Xh6! verderblich. Eine Josef u. Hyna Franz, Hostomitz; Walter Ludwig glänzende Leistung des jungen Schweizer Meiu. Robek Franz, Kwitkau; Triltsch Gustav, Wi- sters. sterschan. Anmerkungen von L. Burian, Brünn.