otr. 47 «nttrBaitniiflOrtlaflf 1SL» Das Wiedersehen, Der Spiegel zeigt« ihm im Morgengrauen ein übernächtigtes Gesicht. Die Wangen waren aufgedunsen, grau die Haut. Trübe, umschattet, blickten Augen, deren Farbe nicht ganz bestimmbar schien. Schwankend zwischen braun und blau. Ruth hatte einmal gesagt:-„Am Tag hast du braune Augen, aber abends, ab elf sind sie blau." Da er fich an Ruth erinnerte, an die Freundin von Kindheit an, überkam ihn beides: Scham und Sehnsucht. Rene ritz das Fenster auf. Luft sollte in die zigarettenverrauchte Atmosphäre dringen. Er selbst hielt sein Gesicht in die Morgenkühle, um wach und frisch zu werden. Unten, in der Tiefe, lag di« herbstnebelverhüllte Stadt Breslau. Bon Kirchtürmen, deren Spitzen in grauen Schleiern staken und daher unerkennbar waren, riefe« Glocken zur Frühmesse. Vereinzelt tönten Autosignale und Näderklirren iiber harte?, unnachgiebiges Pflaster- Ein Peitschenschlag, ein„hü" und„ho" klang bis zu ihm hinauf. Doch der Kutscher blieb unsichtbar. An alledem aber merkte Rene, datz die Stadt Breslau erwachte. Undeutlich entsann er sich des vergangenen Abends. Mit seinen Verwandten, die er hier besah, einem verheirateten Vetter, zwei nicht mehr ganz jungen Kusinen, hatte er sich verabredet. Rene wohnte im Hotel. Uebertriebene Inanspruchnahme von Gastfreundschaft liebte er nicht. Eigentlich wutzte er kaum, weshalb er von Berlin hierhergefahrrn war. Innere Unrast trieb ihn ost zu Sinnlosem. Das hatte es schon früher gegeben. Bor Hitler. Zum Beispiel: man sah da zusammen im engen Freundeskreis, plauderte über Reisen und Erlebnisse. Da erwähnte einer das Wort„Bouillabaisse". Sofort fühlt« Rene den scharfen, gewürzten Geschmack dieser an südlichen Meeren so gern gegessenen Fischsuppe auf der Zunge, mit der Nase spürte er förmlich den Duft, der aus dampfender, rotbrauner Flüssigkeit stieg. Er stahl sich aus der Gesellschaft fort, verschwand- Am.nächsten Abend erhielt jeder der Freunde ein Telegramm von Renk. Es kam aus Marseille.„Bouillabaisse überall ausverkauft. Bin melancholisch. Kehre morgen heim. Euer Renk." Oder: er hatte mit Ruth nach dem Theater ein russisches Restaurant aufgesucht.„Medwjed" hietz es. Lag in der Nähe des Wittenberg-Platzes,. Berlin W. Man trank ziemlich viel. Ruth war ein guter Kamerad beim Wein. Plötzlich verspürte sie Lust auf starken Kaffee.„Der Kaftee in Berlin ist schlecht", klagte Ruth.„Nirgends gibt es besseren Kaffee als in Prag. Selbst in Wien hat er mir nicht so geschmeckt."—„Fahren wir nach Prag", schlug Renk vor. Ruth tvar niemals Spielverderber. Zwei Stunden später satzen sie im D-Zug Berlin—Prag. Landeten trn Morgengrauen am Masaryk-Bahnhof. Kamen sich im Juli-Sonnenschein etwas dämlich verkatert vor. Schliefen lange im Hotel, fanden dann die Sache sehr ulkig und blieben noch zwei Tage. Ruth entschuldigte sich telephonisch in ihrer Berliner Redaktion. Sie hatte zum Glück«inen Chefredakteur, der Spatz verstand. Er gab ihr gleich noch zweimal vierundzwanzig Stunden Urlaub. - So ganz selbstlos hatte Renk, er gestand es sich nachher ein, damals die Reise nach Prag 'nicht unternommen. Sondern in der- Hoffnung, Ruth würde mit ihm schlafen. Doch sie verlor nienials ihren Willen. Auch wenn sie getrunken hatte. Sie lachte ihn aus, als er das Ansinnen stellte. Mit hörbarem Ruck verriegelte sie die Tür hinter sich im Hotel. Dabei war Ruth nicht prüde. Hatte schon viel und herzhaft geliebt. Aber Rene war und blieb, wie sie ihn spöttisch nannten im Freundeskreis, Ruths„Kometenschweif". Es gab eben Dinge, die man sich mit Geld nicht erkaufen konnte. Renk chatte immer Geld gehabt. Er wutzte gar nicht, und es war ihm noch heute unvorstellbar, was es heitzt, arm zu sein. Sohn eines berühmten Berliner jüdischen Arztes, hatte man ihn getauft, zwecks späteren„leichteren" Fortkommens. Rene war begabt, aber voller Hemmungen. Bestand zwei Hochschulexamina suma cum laude, ungetvöhnlich jung; erhielt dank väterlicher Beziehungen sofort eine glänzend« Stellung in einem Industrie-Unternehmen. Arbeitete nicht viel, weil ihn diese Arbeit nicht interessierte. Satz lieber über abseitigen wirklichkeitsfernen Büchern. Speicherte erhebliches Matz von Wissen und Gelehrsamkeit in sich auf. Weshalb hätte Renk stch auch um die Wirklichkeit kümmern sollen? Ob Kaiserreich oder Republik, der Vater blieb der berühmte Arzt. Es gab noch andere Leute mit Rang und Namen in der Familie, die zu den besten, angesehensten der Berliner Bourgeoisie zählten. Das Vermögen wuchs ohne Zutun. So wutzte Rene trotz Wissen und Gelehrsamkeit eigentlich nie recht, was in der Welt dort drautzen, in der Menschen ungeschützt von Namen. Familie, Tradition und Vermögen lebten, vorging. Mitunter hörte er es von seiner Freundin Ruth. Ruth war ein selfmade-Mädchen. Rene hatte sie kennen gelernt, da war Ruth zwölf Jahre glt. Sie spielten zusammen am Strand einer kleinen Nordsee-Insel, schlossen Freundschaft und gelobten sich kindlich-pathetisch, diese Freundschaft fürs Leben zu halten. Dann aber waren sie doch viele Jahre, auseinandergekom- men. Als sie sich wiedersahen, sagten die Leute zu Renk bereits„Herr Doktor", und Ruth war Redakteurin in einer grotzen Berliner Zeitung. Für ihre Arbeit interessierte er sich nicht. Sie war ihm, wie er sagte, zu sehr auf den„Tag gestellt". Aber er ging gern mit Ruth aus und trank. Wenn er trank, bergatz Renk alle Hemmungen und Komplexe, die seiner Uebersen- stbilität und seiner Uebernervosität entsprangen. Beides aber— das Uehersensible und Ueberner- vöse— kam daher(nur wutzte er es nicht), datz er. im Leben niemals auf sich selbst gestellt gewesen war. Sondern immer'zu Haus gelebt hatte, ein verzogenes Muttersöhnchen. Es waren da noch zwei Geschwister: ein Bruder und«ine Schwester,«eutzerft lebenstüchtig, tummelten sich beide in zeitgemätzen Berufen. Der Bruder Bo« Vlle« Lenski Kaufmann, die Schwester Sekretärin. Nur Renk sah auf dem Elfenbeinturm,, trieb dort Philosophie und sah auf die anderen herab. Im Grund« auch auf Ruth. Ruth hatte ihm unverständlich«„plebejische" Neigungen. So gehörte sie einer sozialistischen Partei an. Sa las sie Bücher, die Renk verachtete. Es schien ihm— dem Elfenbeinturm-Philosophen absurd und lächerlich, datz es Menschen gab, die allen Ernstes behaupteten, das historische Geschehen liehe sich materialistisch erklären. Hochmütig lehnte er solche Weltanschauung ab. Stritt darüber oft heftig mit Ruth. Warf ihr einmal im hitzigen Eifer eine Schale mit Pfirsichen an den Kopf. Ruth fand das sehr komisch, nahm es ihm weiter nicht übel. Wie sie den ganzen Renk nicht so ernst nahm- Auch traf sie sich nur mit ihm, falls sie gerade nichts Besseres vorhatte. Behandelte ihn dann als Studienobjekt. Als teils komisches, teils bemitleidenAvertes Produkt einer bestimmten bürgerlichen Schicht. Im Grunde wutzte Renk nichts von ihrem Leben: Dennoch hielt sie das Band der Kinderfreundschaft. Wenn auch Ruth über ihre, eigene Sentimentalität mitunter spottete. Dann kam Hitler. Einige Tage darauf telephonierte Renk Ruth an. Niemand meldete sich. Ruth war fort. Später erfuhr er, sie hatte fliehen müssen. Jetzt lebte sie in Prag. Prag? Renk dachte an ihre gemeinsame sorglose Reise. Ob Ruth sich wohl manchmal daran erinnerte, wenn sie jetzt durch Prag ging? Nicht mehr ein heiterer Gast in dieser schönen ewigen Stadt, sondern Emigrantin. Flüchtling, hier Schutz und Asyl suchend? Renk blieb kn Berlin. Zwar verlor er die Stellung.(Es nützte nichts, datz sie ihn als Kind getauft hatten. Nach der Raffe ginge es, sagten die neuen Herren, nicht nach der Religion.) Aber das Geld nahm ihm keiner-, Ma« stand ja, trotz Mord und Barbarei, auf dem Standpunkt des Privateigentums. Dieses Geld jedoch war festgelegt, man bekam es nicht heraus. Man hätte fortgehen könne», gewih. An solch einem Elfenbeinturm-Philosophen lag den Nazis nichts. Doch ohne Geld. Das Geld wär« dageblieben. Wie aber konnte man, den Banalitäten des Lebens spottend, die armselige Wirklichkeit tief verachtend, abstrafte Philosophie treiben— ohne Geld? Auherdem— man war so verwöhnt. Man liebte westeuropäischen Komfort. westeuropäisches Klima, man liebte die gewohnte Umgebung, das gewohnte Behagen. Lieber steckte man eS ein,- als Deklassierter, alS zweifelhaftes Individuum zu gelten. Wenn nur im äuheren Lebensstil alles beim alten blieb l Und es gab ja so nette, gefällige Trostmittel: Radio, Geselligkeit, die jetzt wieder im engbe- grenzten, ghettohast-abgeschlossenen Kreis betrieben wurde. Geselligkeit„unter sich". Und noch ein Trostspender war vorhanden: Alkohol l Schämte man sich seiner eigenen Kleinmütigkeit, und diese Scham fühlte nicht nur Renk, sondern viele der daheimgebliebenen Elfenbeinturm- Philosophen,-Dichter und-Schriftsteller, emp« — 2— fanden sie, so griff man zur Flasche. Ersoff Lkel in Wein und Kognak. Vergab— berauscht— wie erbärmlich man geworden war, weil man kampflos vor dem Peiniger zu Kreuze kroch. Daher auch die Unrast. Reisen, trinken, trinken, reisen. Das zweite natürlich nur im Inland, im groben deutschen Reich. Fahrten über die Grenzen erregten Verdacht, auch hätte man sich einschränken müssen, da Devisen knapp bewilligt wurden. Und er konnte ja alles dieser Rene, nur nicht— sich einschränken. Jetzt also BreSlau. Wieder so eine sinnlose Reise. Was ging ihn dieser Vetter an, der noch mit Ach und Krach Geschäfte machte? Geschäfte, von denen Rens nichts verstand, und für die er sich nicht interessierte. Also gestern abends hatte er sich mit den Verwandten treffen wollen. Nach dem Abendessen. Rens war allein nachtmahlen gegangen. In irgendein Beisel. Das liebte er. Altväterisch die Aufmachung, holzvertäfelte Wände, gescheuerte Tische, dennoch peinlich sauber, ein Kellner, Faktotum und leise vom Alter gefaltet. Rene atz. Trank auch natürlich. Nicht mehr in friedlicher Beschaulichkeit. Wie früher. Wie mit Ruth- Sondern jetzt hastig, die Hände zitterten, in den Augen, die nicht mehr blau wurden, flackerte es. Je mehr er trank, desto länger dauerte es, bis jener kurze Zustand des Rausches eintrat, in dem er sich allen Widrigkeiten kraftvoll überlegen fühlte. Der Organismus war schon allzu sehr an Ausschweifungen gewöhnt. Einer setzte sich an seinen Tisch. Klein, dicklich, mit breiten, roten Händen und schütterem, fahlen Blondhaar. Sagte„Heil Hitler". Schien in Rene nicht die„feindliche" Rasse zu erkennen. Rene, das Ducken gewöhnt, murmelte schüchtern Unverständliches. Der andere besteUte I Rheinwein. Forderte Rens auf, mit ihm zu trinken. Rens Hatzte Weitzlveine. Liebte spiegelnde Burgunder, samtenen Bordeaux. Fürchtete sich jedoch vor dem Blonden, Schütteren. Trank mit. Sagte auch„Heil Hitler", obwohl er fühlte, wie es ihm dabei eisig über den Rücken kroch. Der andere klopfte nach ungezählten Gläsern Rene gönnerhaft auf die Schulter.„Ra, was können Sie schon sein. Sächsischer Zigarrenreisender, he, hab ich's getroffen?" Rene zuckte zusammen. Zwang sich zu lächeln. Er hätte gern gerufen:„Ich habe ein Buch über Psychoanalyse geschrieben, und sogar Freud hat es gelobt, Sie unverschämter Idiot!" Doch sagte er nur:«.Sie sind ein Menschenkenner, mein Herr. In der Tat. Meine Mutter war Sächsin. Doch reise ich in Zigaretten. Nicht Zigarren."„Na also", der andere rülpste behaglich,„Rübenmüller versteht sich auf Leute. Schwere Zeiten. Trinken wir noch einen" Rens bergatz die Verabredung. Betrank,sich sinnlos in dem Breslauer Beisel. Rübemüller brachte ihn schlietzlich ins Hotel, besten Name er von Rens mit Mühe erkundet hatte.„Diese Tabakreisenden vertragen auch gar nichts", dachte er ärgerlich in der fröstelnden Nacht. Nach Renss Ablieferung fühlte er sich noch immer oho und ungeschtvächt. Folgte mit„Heil Hitler"-Gebrüll dem dunklen Lockruf einer Hure. Die Morgenkühle hat Rens ernüchtert. Fort ist der Rausch, das Hochgefühl. Nachlässig leert er die Taschen, um sich auSzuzieheu, schlafen zu gehen. Gestern hatte er noch ein paar Hunderter. Heute, der Rest:, drei Zwanzig-Markscheine, ein sehr zusammengeknüllter Zehnmark-Schein. Es durchzuckte Rens plötzlich: zehn Mark darf man mitnehmen nach Prag. Mehr ist nicht erlaubt. Nie wurden der geduckte Rens es wagen, gegen. das Erlaubte zu verstohen. Die drei Pierre: Fabrik im Herbst Wenn am Morgen, noch im Dämmerscheine, Sech die Gaffen hastig schnell beleben, sind die Menschen, wie an unsichtbarer Leine, Sich in ihren Arbeitskreis begeben. Scheinen sie, im Sorgrnmeer begraben, Dtenschen, die nur fremden Willen haben,,. Aus den grauen Häusern, alt, zerschliffen, Eilen sie durch regenfeuchte Gaffen, Sorgenlose ruhen in den Kiffen, Früher Morgen hetzt die breiten Maffen, Magisch, düster stehen die Fabriken, Gierig, sprungbereit, die Armen zu erdrücken.. Hinter blinden Scheiben stockt das Leben, Die Maschinen fiebereifrig jagen, Nur die Schwindsucht können sie euch geben. Doch den Herren Gold zum Golde tragen, Dunkle Wolken malen Grau in Grau, Die Fabrik trutzt wie ein Zuchthausbau l Tausend Griffe morden tausend Seelen, Und du greifst mit abgestorbnen Händen, Von den tausend Griffen darf nicht einer fehlen, Tag um Tag— wie wird das einmal enden? Hoffnungslos verschleichen deine Stunden, Jeder Tag schlägt neue, schwere Wunden Einmal, Freunde, werden die Fabriken, Die uns heute klaftertief begraben, Die uns heute sklavisch Niederdrücken, Blut von uns in ihren Adern haben, Dann wird der Maschinen fieberheitzes Singen Uns die Botschaft der Befreiung bringen! Zwanzig-Markscheine langen für das Reise- Billett BreSlau—Prag—Berlin. Einen Patz hat er bei sich. Ohne Patz geht er nicht einmal auf die Stratze. Es ist ein guter alter Patz. Nichts an- und nichts unterstrichen. Kein Judenpatz, keine Legitimation, di« ihn als zweitrangigen Bürger dieses Staates hinstellt. Aus den Rocktaschen fallen noch ein paar Silberstücke. Grotz- artig, man kann Ruth sogar seine Ankunft drahten. Rens geht zum Hotelportier, der sucht ihm die Züge aus. Rens telegraphiert. Ist glücklich. Das Telegramm ist gar kein Telegramm. Ist«in Brief, ein Sehnsuchtsschrei.„Sehr er- wartungsvoll. Dein Rens." Rens hat Ruth zweieinhalb Jahre nicht gesehen. Sie kommen ihm vor wie hundert.——:— • Da steht Ruth. Sie erscheint ihm grötzer, schlanker. Sonst unverändert. Nein, doch verändert. Wieso, warum, das läht. sich vom Coups-Fenster ans nicht sagen. Ruth sieht blatz aus und versucht zu lächeln. Rens, weil ihm nichts Besseres einfällt:„Entschuldig«, datz ich unrasiert bin. Aber in Breslau, haben die Friseure Synntqgs, geschloffen. Im übrigen,.ich besitze nur zehn Mark. Aber vielleicht kann ich etwas auftreiben. Es sind einige Leute äüs Berlin hier, die ich gut kenne." Jeht lacht Ruch. Spöttisch, hart.„Mein lieber Junge, da wirst du wohl kein Glück haben. Bei mir nicht und bei den anderen nicht. In der Emigration lätzt sich kein Geld machen. Uns geht's allen verflucht dreckig." Sie spricht sehr unumwunden, denkt Rens. Hat sie das früher auch getan? Möglich, doch erinnere ich Mich nicht. Drautzen fällt kalter Herbstregen. Neben dem Bahnhof ist«in Cafs.„Gehen wir da.hinein", sagt Ruth. Ihr ist scheutzlich zumute. Irgendwie hat sie es dunkel geahnt, als das Telegramm kam. Hat sich nicht gefreut. Hat ge- wutzt, es wird nicht erquicklich werden, dieses Wiedersehen mit einem von früher, mit einem» der dageblieben ist und sich kampflos gefügt hat. Was ihr sofort auffällt. Renss krankhafte Aufgedunsenheit. Sie rührt in dem TeeglaS.„Trinkst du viel?"—„Ziemlich."—„Warum?" Seine Hände flattern nervös. Er zieht die Brauen zusammen.„Mein Gott, ist doch alles unerfreulich. Da trinkt man eben. Wir trinken alle."—„Wer ist das— wir?" Rens nennt Namen. Namen, die in Ruths Erinnerung«inen guten Klang haben. Der eine davon ist Ber- faffer wesentlicher Bücher, der ander« hat eine schöne Dichtung geschaffen. Sie trinken jetzt? „Warum arbeiten sie nicht?"—„Sie können nicht. Man lätzt sie nicht schreiben, was sie wollen."—„Warum gehen sie dann nicht fort? Es sind doch viele fortgegangen."—„Ja, wer kein Geld hatte. Oder drautzen eine Zukunft. Aber wer hat die schon von uns? Niemand heitzt uns willkommen. Arbeiten dürfen wir drinnen und drautzen nicht. Also trinken wir."—„Es ist entsetzlich", denkt Ruth.„Was geht mich dieser aufgeschwemmte Trunkenbold, dieser hohle Schwätzer noch an?" Rens fühlt alles, was Ruth durch den Kopf schiebt. Es macht ihn nervös. Er versucht,-das Gespräch vom Aktuellen abzulenken. Ins zu sehr Private. Renommiert mit Frauengeschichten.„Jetzt wird er auch noch ekelhaft." Rens zieht Photographien aus der Brieftasche.„Die da ist Arierin", es soll stolz klingen.„So gedemütrgt, so sklavisch sind sie schon, datz sie sich noch was drauf einbilden, pfui Deibel", brüsk stötzt Ruth die Bilder zurück. Mit gesenftem Kopf steckt sie Rens wieder in di« Brieftasche. Einen Augenblick Stille.„Komisch, du siehst gar nicht und doch wieder ganz anders aus. So ernst- Ich fürchte mich fast vor dir." Ruth pretzt die Lippen zusammen. Rur dem nichts sagen. Bon allem, was man durchgemacht hat. Vom Kampf um das Notwendigste, der jeden Tag neu auSgefochten wird. Nichts erzählen vom Heimweh und den quälenden Träumen in der Nacht. In denen einen immer wieder verfolgt, was man erlebte, bevor der sichere Boden vvn Prag erreicht war. Die Zeit in der Dresdner SA-Kaferne... Dem da nichts sagen. „Ich habe mich so auf dich gefteut, Ruth." Ts klingt flehend. Ruth mustert nochmals Renss Gesicht.„Was hast du dir gedacht, als du herkamst?"— Rens sieht Ruth verblüfft an.„Gedacht? Nichts. Nur— mit dir zusammen sein. Plaudern. Trinken."—„So. Das ist alles?" —„Ja. was sonst? Wir haben uns doch lange nicht gesehen." Jetzt fühlt er sich beflissen zu fra- gen:„Wie geht eS dir? Wie lebst du?"—„Nun, so gerade eben."—„Was schreibst du?"—• „Verschiedenes. Nicht immer das, was ich möchte. Man mutz leben."— Rens fühlt sich obenauf. „Na also, warum tust du dq, so hochmütig. Mutzt ja auch Kompromiffe schliehen."—„Müssen wir alle. Kommt nur drauf an, zu welchem Zweck«. Pu just es für das Freffen und Saufen, für deine Bequemlichkeit, ich—", Ruth brach ab, eS war ja so ekelhaft, dem da etwas auseinandersetzen zu wollen, was er doch nie verstand. „Treibst du noch„philosophische" Studien?" lenkte sie ab.—„Natürlich. Für mich."—„Immer noch auf dem Elfenbeinturm?"—„Weil du meine Arbeit nicht verstehst, brauchst du sie nicht herabzusetzen." Er war froh, endlich einmal den Gekränkten spielen zu dürfen. Ruth lachte hell.„Armer Nutzknacker, armer Waschlappen. Armer steckengebliebenrr Elfenbeinturm- BGeschäfte mit Ehrlichkeit Von J. Behrendt Rolly Webb ist der ehrlichste Mann der niedergegangen zu sein, die Betwohner hatten Welt. Außerdem, Rolly Webb ist ein lebender ihn aufgefangen und trugen ihn nun glückstrahBetveis für die Behauptung, die ich schon immer lend zu Rolly Webb. bertreten habe: auch heute noch, in unseren so verschrienen Zeiten, kann man von der Ehrlich-| Rathaus hin zum Hotel, gut zehn Minuten lang, feit leben. Beweis: Rolly Webb. Er machte das so: er futschierte in seinem vornehmen Auto Gott allein weiß, wo er es her hatte in einem gemütlichen Städtchen des Mittelwestens, sagen wir Babbisville, herum und stieg im ersten Hotel der Stadt ab. Da lebte er ein paar Tage, aß sehr viel, trant auch etwas, und dann erschien im„ Babbisville Herald" folgende fettgedruckte Anzeige: Gestern in Park Avenue 20 Dollar- Note verloren. Rolly Webb. Nichts weiter, nichts von Belohnung und so. Rolly glaubte eben an die Ehrlichkeit der Menschen. Richtig! Am nächsten Tage kommt der ehrliche Finder zum ehrlichen Rolly, präsentiert ihm die 20- Dollar- Note und schaut Rolly fragend an. Rolly freut sich wie ein Kind, seine treuen blauen Augen strahlen Herzlichkeit. Seine Doppelfinne schwabbeln vor Aufregung, und er zieht seine Brieftasche, holt 50 Dollar heraus, drückt sie dem Finder in die Hand und ruft: Dann „ Sie sind ein ehrlicher Mann!" schlägt er ihm auf die Schulter, als gelte es, einem Champion eitas Ordentliches zu zeigen, und der beschenkte Finder zieht glückstrahlend, wenn auch mit etwas schiefer Schulter ab. Es vergingen nicht zwei Stunden, und ganz Babbisville wußte, daß Rolly der Mann aus dem Märchenland war, der für 20 Dollar 50 gab. Und ganz Babbisville wartete weiteres ab. Das weitere ließ ettwa eine Woche auf sich warten, dann erschien wieder ein Inserat im Babbisville Herald": 50 Dollar verloren. Rolly Webb. Auf der ganzen Welt sind noch nie, so Tange sie steht, so viele 50- Dollar- Noten ge= funden worden wie in Babbesville. Ein Geldscheinregen schien über der glücklichen Stadt Philosoph." Jetzt durfte er sogar beleidigt sein. Erzürnt mit Recht. Ruth steckte die Hände in die Manteltaschen. Amüsierte sich köstlich über den da. Nun hatte sie doch wenigstens ihren Spaß. " Er rückte unruhig hin und her. ,, Um ausgelacht zu werden, brauchte ich nicht zu dir zu kommen." Ruth blitzte ihn an. ,, Wolltest du bemitleidet sein?" ,, Für uns ist es auch nicht leicht." So haut doch ab." René zuckte die Achseln. Ruth, ironisch- sanft. Ich bemitleide euch ja, ihr armen reichen Juden. Die ihr auf euren Geldsäcken sitzt und euch das Haupt mit Asche bestreut. Pfui Deibel, sagte sie wieder, pfui Deibel." René sah sich scheu um.., Sprich nicht so laut. Vielleicht sitzt am Nebentisch ein Mann von der Gestapo. Ich hab auch gehört, man wird gleich am Bahnhof photographiert bei der Ankunft. An der Grenze haben sie mich durchsucht bis aufs Hemd." ,, Wer? Die Tschechen?" ,, Nein, die haben mir später ihr Beileid ausgesprochen. Die anderen." ,, Bedank dich bei ihnen. Im übrigen, bist du furchtfam?" - ,, Man muß vorsichtig sein. Man kann doch nie wissen. Neulich war jemand in Prag und wurde nach der Rückkehr gleich zur Gestapo gebracht und verhört." | Eine Schlange von Menschen zog sich vom und jedes Glied der Schlange hatte 50 Dollar bei sich. Strahlend empfing Rolly den ersten, der ihm das verlorene Geld brachte: „ Ha, Sie Braver, Sie Ehrlicher, wie glücklich ich bin, Sie kennengelernt zu haben!", und Rolly steckte die Note ein. Der Bringer wartete.„ Nun, mein Lieber, wünschen Sie noch etwas von mir?" r?"" Die Belohnung!" Welche Belohnung, davon stand doch nichts in der Zeitung!" Immer treuer strahlen die blauen Rolly- Webb- Augen.„ Sie sind ein braver, ehrlicher Mann, aber nun habe ich leider keine Zeit mehr für Sie!" Die gewaltige Pranke Rollys hatte den Mann schon durch die Hintertüre hinausbefördert. Der nächste kam. Er wurde sein Geld ebenso schnell los. Auch der übernächste. Und so fort. Wenn einer Krach machen wollte, meinte Rolly vergnügt:„ Aber was denn, schämen Sie sich denn nicht... weil Sie mir meinen verlorenen Schein bringen?! Und der Mann mußte das Geld, das er ja gefunden hatte, Rolly dalassen, der den Verlust doch angezeigt hat. Der Stuhl, der antiken Wert bekam 120U 9 und Ras, der Berg Ein Kapitel äthiopischer Grammatik die Kette nicht ab. Es spricht sehr für Rollys Von 2 Uhr mittags bis 7 Uhr abends ris Ras, der Fürst, psychologisches Verständnis, daß er richtig berechnete, daß keiner der Hereingefallenen den anderen die Blamage mitteilen würde; jeder gönnte dem anderen denselben Hereinfall, und hielt den Mund. Und Rolly hielt 9450 Dollar in seiner Hand, abends, Punkt 7 Uhr. Etwa um Mitternacht fletterte ein Mann mit verbissenem Gesicht und entsicherter Pistole über die Fassade in das Zimmer von Rolly Webb. Dieser war aber schon in seinem vornehmen Auto in das genau 250 Kilometer entfernte Rabbisville getragen worden, wo er im ersten Hotel der Stadt abstieg. Und da behaupte noch einer, daß man von der Ehrlichkeit nicht leben kann; sicher wenig stens von der Ehrlichkeit der anderen. " Ras Sehoum, der Negustreue, und Ras Gugsa, der Abtrünnige, sind Heerführer, der Raz Daschan aber ist ein Berg von annähernd Mont Blanc- Größe zwischen Adua und dem Tiana- See. Es gibt noch sehr viele Berge und Heerführer, die auf den Vornamen Ras hören, was außerdem noch ,, Höhepunkt eines Festes". Gipfel und Häuptling bedeutet. Das Wort ist uns dazu aus allen europäischen Sprachen her vertraut, denn wir sprechen seit einigen Jahren besonders oft von„ Rasse". Diese ist gemeins samen Ursprungs mit dem abessinischen Heers führer-, bezw. Berggipfel- und FesteshöhepunktRas, und die Wurzel geht auf das altsemitische Rosch oder Rausch zurück, das im Arabischen als Original- Ras fortlebt und gleichermaßen Kopf bedeutet. Einerseits brachten die Semiten den Ras nach Aethiopien, andererseits die Araber nach Spanien. Im Französischen des Mittels alters, zuerst in Südfrankreich, wird das bes deutungsvolle Wörtchen zuerst von den Mauren übernommen, bürgert sich schnell ein, veränderk etwas die Bedeutung„ Kopf"," Gipfel" und wird schließlich das, was heute„ Rasse" iſt. Ruth beugte sich vor, sah René gerade ins Gesicht. ,, Mein Junge, dann zeig dich nicht mit mir. Sondern fahr schnell nach Hause, mit dem nächsten Zug. Was über mich im Wölfischen Beobachter" gestanden hat, war nicht von Pappe. Ich bin ja gewissermaßen stolz darauf. Aber für dich könnt's unangenehm werden. Ich tu auch hier so allerlei..." René zuckte zusammen. Ist das wahr?" Seine Stimme erstarb in Flüstern... Ich Was ebenfalls faum bekannt ist: Addis habe nichts gelesen." ,, So? Wundert mich. Abeb.. trägt annähernd denselben Namen wie Sonst alle Bekannten."- ,, Dann allerdings." die erste jüdische Großstadt Tel- Avib in Paläs Renés Hände zitterten. Ich geh lieber gleich. ftina, Abeba heißt Blume, beziv. Frühling, Nein, begleite mich nicht zum Bahnhof. Ist besser Addis Abeba also nicht nur Neue Blume" so. Ober, können Sie mir fünf Mark in Kronen sondern auch„ Neuer Frühling". Der Stammt wechseln? Danke. Bitte zwei Kognats." Er trant sie beide allein. Drückte Ruth die Hand. Vielleicht treffen wir uns mal an einem neutralen Ort. Später. War leichtsinnig von mir, in dieses Emigrantennest zu kommen." Er stand auf. Verschwand, den kleinen Koffer unterm Arm, nicht sehr sicheren Schrittes. Ruth sah auf die Uhr. Es war halb zwölf. Schade. Schade? Nein, um den nicht. Sollte er nur zu Hitler fahren. Sollte er nur den Rest von Verstand vertrinken. Nur fein bürgerliches Mitleid, Um den da, um alle seines Schlages, war es nicht schade. des Frühlings( auf Abessinisch) ist identisch mit dem Stamm des Frühling( auf Hebräisch) A- b- b, beztv. A- v- b. Während aus ähnlichen Gründen die Kaiserin Bauodita mit der semis tischen Judith stammesgleich ist, zwar nicht im ethnologischen, aber im ethymologischen Sinne. Auch das fruchtbare Sanskrit hat Abessi nien nicht mit seinen Einflüssen verschont, ebens sowenig wie die Umgangssprache frei ist von Wörtern, die die Bantuneger, die Haussa, die Fulbe und andere Schwarze mitgebracht haben. Siffana heißt das Pferdes koment aus dens Sanstrit, ebenso wie die abessinischen Pferde vom nahen Assen h.c importiert wurden. Verwunderlicher scheint schon, daß seit altersher nicht nur ein dem italienischen„ Bora" oder dem füdslawischen" Bura" ähnliches Wort für Sturm gebräuchlich ist, sondern auch einen Jefun", in dem Kenner das chinesische Taifun" begrüßen, das tatsächlich über ganz Asien hin bekannt ist und im heutigen Persisch ganz ähnlich lautet. " Das erste Gift scheinen die Abessinier aus Bentralafrika her geliefe.: bekommen zu haben, benn sie nennen es so, wie die Pygmäenstämme ber Affa und Watwa es bezeichnen. Pfeil und Bogen dürften den Haussa- Negern entlehnt sein, für Schwert" gibt es ein halbes Dutzend Worte, eines davon aus dem Arabischen. Unbekannt ist, daß der Luft- Pavillon von Kaiser Theodor I. bei Gondar auf den in anderem Busammenhang geläufigen Namen Alhambra" hört; er ist, im Gegensatz zu dem spanischen Balast, längst zerfallen, da er aus etwas Holz und viel Stroh, aber nicht anderem bestand. Die magere abessinische Poesie, soweit sie niedergeschrieben ist, fennt nicht nur den Versfuß, sondern sogar die Alliterationen des germanischen Stabreimes, was ein Zufall sein kann und feineswegs. auf die rassische Verwandtschaft der Dantali- Leute mit den Isländern hinzudeuten braucht. Bezeichnend ist es aber dafür, daß man sich in Ostafrika aus so ziemlich allen gebräuchlichen Sprachen und Kulturen etwas zusammengeholt hat, was heute zum Abessinischen geworden ist. J. B. Heiteres Selbstbetrachtung. Forscher( der von Kannibalen gefangen worden ist):., Sonderbar in Europa ist man nun der berühmte Forscher, und hier eine Portion." Das kommt davon. ,, Herr Meier", sagte der junge Mann feierlich,..Ihre Tochter hat mir eben versprochen, mich zu heiraten." Meiers Züge drücken Mitleid aus. Das ist aber Ihre eigene Schuld", meinte er milde ,,, was anderes konnten Sie erwarten, wenn Sie dauernd hier zu Besuch kommen?" Schwierige Therapie... Herr Doktor, halten Sie meinen Rheumatismus für gefährlich?" ,, Gefährlich nicht, aber ich warne Sie trotzdem, Ihr frantes Bein auf die leichte Achsel zu nehmen." Vorteilhafter für sie. ,, Bist du denn nicht mehr mit der Emma verlobt?" ,, Nein, fie wollte mich nicht haben." Na, so was; hast bu ihr denn nicht von deinem reichen Onkel erzählt?"..Ja... leider... jetzt wird sie meine Tante." P Geographie. Also, mein Kind, die Antipoden gehen zu Bett, wenn wir aufstehen." Ist Papa auch Antipode?" Zeichen der Zeit.., Stellen Sie sich vor: Jch Habe eine Heiratsanzeige aufgegeben, und wiffen Sie, wer sich als erste gemeldet hat?" Nun?" ,, Meine eigene Braut!" Der Floh. Ein Mann mit Hund und ein Mann ohne Hund stehen in der gerammelt vollBestopften Straßenbahn.- Sagt der ohne Hund: Sie, Herr, rufen Sie mal ihren Hund weg. Ich spüre schon, wie mir ein Floh am Bein hoch friecht! Sagt der mit Hund: Komm her, Schnauzi, der Herr hat Flöhe!" Aus der Mädchenschule. Wie heißt die Teidende Form von., Ich füsse"? ,, Ich küsse Ridht!" 4" Kindermund. Der fleine Rolf sitzt da und denkt nach. ,, Was überlegst du denn so eifrig?" fragt ihn Mutti. Ja", sagt er, nicht wahr, wenn man sich schämt, wird man rot?" Gewiß", nickt Mutti. Rolfchen denkt wieder nach. Dann fragt er: ,, Und warum, möcht ich wissen, schämt sich Onkel Hermann immer bloß mit der Nase?" Empfindlich. Ein Arzt wird zu einer ältlichen Dame gerufen. ,, Nein, gute Frau, wo fehlt's denn?" Die Dame war über diese Anrede sehr erbost und sagte:„ Ich bin die Gattin des berühmten Tenors."..Ja", sagte achselzuckend der Arzt ,,, das tut mir leid, von dem lebel kann ich Sie nicht befreien." Die sonderbare Welt Behördlich konzeffionierte Götter gab es bis zur Revolution des Jahres 1912 in beträchtlicher Anzahl in Tibet, der Mongolei und Nordchina. Bekanntlich läßt die Religion dieser Länder den Glauben an lebende und zwischen den Menschen wandelnden Götter zu, und so gab es etwa einhundertsechzig Mönche, die für sich göttliche Schach- Ecke Geleitet von Wenzel Scharoch. Drakowa Nr. 32, Post Modlan bei Teplitz- Schönau, SCHACHAUFGABE Nr. 258. Von R. S. Schabunio, Tamboff. Würde in Anspruch nahmen. Jeder von ihnen mußte aber bei einem bestimmten Anut in Pefing eine ordnungsgemäße Konzession erwerben, wos bei ihm zu verstehen gegeben wurde, daß im Falle schlechter Aufführung nicht nur seine Konzession zurückgezogen würde, sondern man ihm auch für immer das Recht der Reinkarnation verweigern werde. Kinderheiraten und vorzeitige Mutterschaft find auf der Welt noch immer vielfach verbreitet. Sogar in den Vereinigten Staaten, die doch feineswegs bon orientalischen Bräuchen beherrscht sind, kommt durchschnittlich alle drei Stunden ein Kind zur Welt, dessen Mutter im Alter zwischen zehn und vierzehn Jahren steht. Viele mittelalterliche Bräuche sind auch heute noch lebendig. So gibt es noch immer Hune derte von Mauern umschlossene Städte, deren Tore bei Nacht versperrt werden; dies ist zum Beispiel in Peiping in China der Fall, einer Stadt mit einer Million und vierhunderttausend Einwohnern. Noch immer gibt es auch zahlreiche Bibliotheken, in denen die Bücher mit Ketten an den Schränken befestigt sind, wie in der Kathes drale von Hereford in England. Zu passiv und Schwarz bekommt ein beque mes Spiel. 2. 3. 4. Lf1- d3 12-14 d7- d5 e7- e6 Es ist schon oft gesagt, daß dieses System dem Weißen nichts einbringt. 4. 5. Sb1- d2 Lf8- d6 Jetzt öffnet sich Schwarz mit besserer AusSchwarz: Ke3, Tc2, f1, La6, c1, Sdi, g1, Bb2, c5, sicht die Linien. Besser war wohl Df3. d3, d7, e2, 16.( 13) a b C d efgh 8 7 9 5 4 3 2 6 9 5. c7- c5 6. c2- c3 c5xd4! 7. c3xd4 Sb8- c6 8. Sg1- h3 Hier war Sf3 besser. 8. Dd8- b6 9. 0-0 Lc8- d7 10. a2- a3 Ta7- c8 11. Sd2- f3 0-0 h7- h6 11. Wenn b4, so SXd4. 12. Sf3- e5 Es drohte Sg5 mit großen Unannehmlichkei Dies führt zu Bauernverlust. Es scheint trotzdem das Beste für Weiß zu sein, denn auf andere Züge geht der Läufer c1 nicht zu entwickeln. ten. 4 2 I a b c d e f g h Weiß: Kg6, Dd6, Th2, La8, Sb3, f4.( 6) Matt in 2 Zügen! Lösungen sind bis längstens 14 Tage nach Erscheinen der Aufgabe an den Leiter dieser Spalte einzusenden. 13. 13. 14. 15. b2- b4 Lc1- b2 Se5xd7 Dd1- g4 Hier sollte Sg4 kommen. 15. 16. Sc6Xd4 Sd4- b5 Sf6xd7 Sb5- c3! Dieser Springer drückt nun stark auf das weiße Spiel. Wie leicht ersichtlich, ist es gefährlich, den Bauern e3 zu nehmen. T11-13 Sd7-16 Db6- d8! Schwarz verteidigt sich kaltblütig. 17. 18. Dg4- h4 19. Tf- g3 20. Dh4Xh6 21. Dh6xf6 22. Kg1- f1 Sf6- e4! Dd8- f6 Se4X16 Es ginge nicht 22. Tel, Sf- e4; 23. Lxe4, Se2+; 24. Kf1, Sxg3+ und Schwarz gewinnt. 22. Ld6- e7 Lösungszug zu Nr. 255: Sd3- e5! Richtige Lösungen sandten nachfolgende Genossen ein: Tepper, Franz, Karlsbad; Dinnebier Emil, Tetschen; Hanisch Anton, Kunnersdorf b. Zwickau; Beutel Wilhelm, Arnsdorf b. Tetschen; Chimiak Teodor, Lohmüller Hans, Habl Erwin, Nestersitz; Schöffel Anton, Schöbritz; Robek Franz und Walter Ludwig, Kwitkau: Kraus führt zur schnelleren Entscheidung. SelbstverGerhard. Turn; Tesař Franz. Suchei; Ulbert Ru- ständlich ist die Partie für Weiß wegen dolf, Proseditz: Triltsch Gustav, Wisterschan: schlechten Turmstellung auf g3 immer verloren. Schubert Josef, Kotschken b. Aussig. T. F., Karlsbad. Wegen Portoersparnis genügt es, die Lösungen 14tägig einzusenden. B. W.. Arnsdorf b. T. Nr. 28 ist korrekt. wird gebracht. D. E., Tetschen. Als unserem Mitarbeiter die vollste Anerkennung( 200. Lösung). PARTIE Nr. 92. Damenbauernspiel. Gespielt im Leningrader Turnier 1929. 23. Sh3-12 Jetzt war Tcl wegen Sa4 auch schlecht. 23. Tc8- c7 24. e3- e4 d5- d4 T18- c8 Weiß befindet sich in großer Zeitnot. 24. 25. 26. Tal- cl Kf1- e1 26. 27. e4- e5 28. Ld3- e4 Sf6-87 Sd7- b6 der Weiß konnte schon aufgeben. Die Partie ist nicht mehr zu retten, denn Bauern- und Figu renstellungen von Weiß sind ungünstig. 28. Sc3Xe4 29. TelXc7 Tc8Xc7 30. Sf2xe4 Le7- h4 31. Lb2xd4 Tc7- c4 32. Se4-16+ Kg8- h8 1. 2. Weiß: Lebedeff. Schwarz: Czach. d2- d4 e2- e3 33. Ld4xb6 a7xb6 Sg8-16 Weiß gibt auf. Anmerkungen von M. M. Bottwinnik.