BUNTE WELT Nr. 52 Grete Livius: Unterhaltungsbeilage Ernös Tagebuch Aufzeichnungen eines Dreijährigen Beitungsmeldung: Vor| Fabrit fertig bin, komm ich zu dir. So gegen fünf, ja? Und bitte, zieh den nilgrünen Py an, mit dem tiefen Rückenausschnitt."- Bapa hat den Hörer aufgelegt. Ich blättere weiter in meinem Bilderbuch. I wo, ich hab gar nichts verstanden. Alter Knacker, denke ich, als Papa das Zimmer verläßt, nicht ohne mir vorher einen väterlichen Kuß auf die Stirn zu drücken. Das bei setzt ihm die Jlonka Hörner auf nach Strich und Faden. Bözsi hat es neulich in meiner Gegenwart unserer Köchin Marischka erzählt. Die Bözsi aber wiederum ist mit dem Stubenmädeinigen Tagen wurde auf die chirurgische Klinik in Debrezin ein Dreijähriger eingeliefert, der nach dem Befund des leitenden Arztes als abnormal entwickelt und überreif bezeichnet wird. Ein operativer Eingriff ist nötig, um das Kind wieder zum Kind zu machen. Der ausgebildete Schädel unterscheidet sich kaum von dem eines Erwachsenen, ihm entsprechen auch die geistigen Fähigkeiten und Interessen, was sich namentlich im Instinktleben des Knaben äußert und erschütternde Grotesken zeitigt. Mezökövesd, den 3. Dezember 1935. Fast ein Jahr führe ich nun dieses Tagebuch. Meine Mutter schenkte es mir zum letzten Weihnachtsfest. Ich bin jetzt drei Jahre und zwei Monate alt. Ich muß gestehen, daß mich die Welt bisher sehr enttäuscht hat. Allzuviel habe ich mich zivar noch nicht in der Fremde getummelt, aber das, was sich in meiner nächsten Umgebung abspielt, rechtfertigt meine pessimistische Einstellung zum Leben. Da ist die Ehe meiner Eltern. Wirklich, ein unerfreuliches Kapitel. Jeder geht seine Wege. Papa hat unzählige Freundinnen, Mama ebensoviele Flirts. Beide können sich absolut nicht daran gewöhnen, daß ich bereits erwachsen bin;( ebenso wie Bözsi, mein Kindermädchen, die übrigens bemerkenswert schöne Beine hat. Bei jeder passenden und unpassenden Gelegenheit kneife ich sie in die Waden.) Bözsi ruft immer: ,, Wo biste denn, Kleiner, tomm doch her!" Dabei stehe ich in meiner ganzen Größe vor dieser Person. Vergebens suche ich ihr flar zu machen, sie solle auf gleich und gleich mit mir verkehren und die läppische Redeweise unterlassen. Es gelingt mir nicht. Und wie gesagt, bei Papa und Mama ist es dasselbe. Zum Beispiel: ich size nach Tisch im Klubsessel und rauche meine Zigarette, die ich mir jeden Tag aufs neue schiver erkämpfe. Mama hat sich in ihr Boudoir zurückgezogen zu einem Nickerchen. Diesen Augenblick benutzt Papa, um Trotzdem! Ein Jahr versinkt im Strom der Zeit Ein Jahr ertrinkt in Not und Leid, Am fernen Himmel blüht kein Licht, Trotzdem! Ist unser Weg auch weit, Endlos, Genossen, ist er nicht! Ein Jahr entflieht von Not umgellt, Der Hunger zieht durch seine Welt, Ihn stillt kein freundlich fattes Wort, Und doch: Was war, zerbricht, zerfällt, Was kommt, wirkt in die Zukunft fort! Der Glocken Ruf wird Hammerschlag! Wer Leben schuf, erfüllt den Tag! Ein neues Jahr! Wir treten ein Wenn Ihr nur wollt, wird Sarkophag Dies Jahr für alle Feinde sein! E. D. chen der Ilonka befreundet. Ja, ja, in so einer Kleinen Stadt wie Mezökövesd, spricht sich eben alles leicht herum. Und Mama? Kein Haar ist diese Dame mit seiner Freundin Ilonka zu telephonieren. besser. Meine Eltern sind einander würdig. Ilonka ist Schauspielerin am Stadttheater. Mama zählt bereits achtunddreißig Jahre, ihr Groß. dick und wenig reizvoll. Ich verstehe Papas Geschmack nicht. Was Frauen anlangt, sind wir sehr verschieden. Papa ist aber in seine Ilonka schwer verschossen. ,, Täubchen", sagte er gestern wieder zu ihr, nachdem er vorher an der Tür gehorcht hatte, 05 Mama schon schnarcht, „ Täubchen, du sollst das Diamanten- Kollier haben. Wieviel kostet es denn?"-Pause. Papa schien die Spucke wegzubleiben. Dann:„ FünfSchließlich:„ Gut, Ilonfachen, gut. Du bekommst tausend Bengö? Hm." Papa atmete schwer. es zu Weihnachten, mein süßer Schneck, mein Buzikam. Ob ich allein zu Hause bin? Aber ja. Nur der Kleine sizzt in einem Eckchen und sieht sich sein Bilderbuch an. Ach wo, der hört nicht Hin. Und wenn, was versteht so ein dreijähriger Schlingel davon. Pugifam, wenn ich in der Liebhaber jedoch nur einundzwanzig. Er ist Student an der landwirtschaftlichen Hochschule und hofft, durch Mama später mal einen Posten in unserer Fabrik zu erhalten. Papa besitzt nämlich eine der größten Fabriken Ungarns. Sie produziert landwirtschaftliche Maschinen. Der Student Emmerich schläft nur aus Berechnung mit meiner Mama. Arme Mama! Manchmal tut sie mir direkt leid, und ich würde gern freundjetzt schon das Bild vor mir, wie sie mich empört schaftlich mit ihr darüber reden. Aber ich sehe verhaut. Na, sie wird ja sehen, was sie von dem Lümmel hat. Jedenfalls Emmerich stellt der Bözsi genau so nach wie Papa; auch wenn ich dabei bin, lassen sie sich gar nicht stören. Sie denken eben, ich merk's nicht. Haben die' ne Ahnung. Außerdem Teide ich Qualen der Eifers 1 1935 sucht. Ich selbst liebe Bözsi und kenne ihren Körs per besser als alle anderen. Zieht sie sich doch jeden Abend unbefangen vor mir aus! Ach, diese ganze Komödie der bürgerlichen Liebe, Ehe und Moral. Wenn ich denie, daß das immer so weiter gehen soll. Und rings um mich, in unserem Freundes, Verivandten und Bekanntenkreis sieht es nicht anders aus. 6. Dezember. Gestern nachmittags waren wir bei Pros feffor Fekete, dem berühmten Psychiater und Chirurgen, zum fife o'clock tea. Der Professor ist ein sehr sympathischer Mann, eine Frau ist eine Ziege. Man sagt aber, sie habe sehr viel Geld gehabt und dadurch ihrem Mann die Gründung von allerlei Laboratorien und einer Klinik zu Forschungszwecken ermöglicht. Pros feffor Fekete interessiert sich sehr für mich und unterhält sich stets lange mit mir, wo wir uns auch begegnen. Mit seiner Frau kann ich mich nicht unterhalten. Sie ist zu dumm und redet von nichts anderem als vom Kochen, Kindern und Kleidern. Pinkepite muß sie wirklich genug mitgebracht haben. Die ganze Einrichtung hat natürlich ein Innenarchitekt besorgt. Möbel, Teppiche, Bilder, Porzellan, Vasen, Silber, alles äußerst stilvoll zusammengestellt. In jedem Raum Blumen Panzen. Unsere Villa wirkt dagegen, sowohl innen wie außen, direkt powlig. Allerdings bei der Bewirtung geht es durchs aus nicht so verschwenderisch zu. Wir geben älteren und besseren Kognak zum Tee, und Papas Zigaretten ziehe ich ebenfalls denen des Herrn Professors vor.( Er selbst raucht aber im stillen Kämmerlein höchstwahrscheinlich die gleiche gute Sorte wie Papa.) " oder ge= Es ist zum Lachen: mir wollten sie zuerst gewürzlose Säuglingskost" vorsetzen. Ich mußte findisch zu schreien beginnen, ehe man mir Tee mit einem ordentlichen Schuß Rum sers vierte. Wenn ich nicht energisch protestiert hätte, wäre ich von einer alten Tante, einer entsetzlich vertrockneten Jungfer, an die Brust bielmehr das, was sie so dafür ausgab nommen worden. Als sich endlich alle vollgestopft hatten mit Sandwiches, Pralinés und Lifören, begannen fie ,, Konversation" zu machen. Sie erzählten von ihren Reisen und Erlebnissen. Die Frau Professor sagte, sie verbringe das Frühjahr immer in Aegypten. Im vorigen Jahr sei sie in Florida gewesen, aber da habe es ihr nicht besonders gefallen. Im Sie weile am liebsten in ihren Gärten und übrigen sei sie für ein stilles, bescheidenes Leben. Treibhäusern. Kunststück, dachte ich, wenn man gekommen ist. gerade aus Amerika oder aus Afrika zurückIch sah mir die ganze Gesellschaft der Reihe nach an. Sie waren alle rund und wohlgenährt. Die Schauspielerin Jlenka, die auch da war, hatte den größten Buien von allen Frauen. Wenn sie Mamas Blicken begegnete, lächelte fie stets zuckersüß. Sicher aber sagte die eine von 2 | der anderen innerlich:„ Du Aas!" Am unter- aber viel Milch, Butter und Eier. Da brauchen Dem Jahr, das ging... 10 Dem brachte es Krieg und jenem feinen Frieden, dich macht es arbeitslos, mich müd und krank, und Wen'gen nur der Freuden waren wen'ge nur beschieden das Jahr war viel zu lang, sten Tischende saß der Student Emmerich. Er Sie doch mit Ihrer Familie nicht zu hungern. fraß wie ein Scheunendrescher und redete so gut Der Bauer lachte böse auf.„ Ich muß alles verwie gar nicht. Wahrscheinlich war er froh, daß faufen, Butter, Eier, Fleisch und Milch. Für die Das Jahr war grau, Mama ihm die Einladung verschafft hatte, und Kinder bleibt nichts. Kaum ein Tropfen Milch. war eins der vielen grauen Jahre, daß er sich mal wieder ordentlich satt essen und es wird mir obendrein sehr schlecht bezahlt. die nun so lange schon an uns vorüberziehn, fomite. Er blidte gar nicht vom Teller Hoch. Mir schien, als ob dieje Seute mehr Grunto aum wir trauern ihm nicht nach an seiner Wahre, Mama betrachtete ihn manchmal zärtlich- Stöhnen hätten als jene neulich beim Professor und lassen klaglos es ins Nichts entfliehn, dies graue Jahr... traurig. Er hat schönes schwarzes Haar, das Fekete. Papa setzte seine würdigste Miene auf: muß man ihm lassen. Mama wird schon grau an, Ja, ja, das macht alles die Wirtschaftskrise." den Schläfen und macht sich bereits etwas über- lächerlich! Ich weiß ganz genau, woher die Not trieben auf jung. Sie nimmt entschieden zu viel bei uns in Ungarn fommit. Es liegt nur an der Rouge. Bözsi nimmt niemals Rouge, auch tei- ungerechten Bodenverteilung. Ein paar Großnen Buder. Sie hat eine Haut wie ein Pfirsich. grundbesitzer haben alles, und die Masse der Als sie nicht mehr wußten, wovon sie reden Bauern hat nichts. Ich glaube, Papa weiß das follten, begann einer von der ,, Krise' zu spre- auch. Doch er hütet sich wohl, es zu sagen. Und Mama braucht das natürlich nicht zu chen. Nun klagten alle und sagten, wie sie sich Mama einschränken müßten und wie schwer sie es hät wissen. Dafür ist sie ja eine ,, mondäne" Dame. ten. Ich hielt es nicht mehr aus. Ich fragte: Bum Kozen! ,, Wenn es euch so schlecht geht, wie könnt ihr da immerfort reisen und Gesellschaften geben und so schöne Kleider tragen und so vielen Schmuck?" Bei dem Wort Schmuck sah ich Ilonka fest an, denn sie hatte das neue Diamantenkollier von Bapa um, es flimmerte, daß einem die Augen Die Leute lachten mich alle aus. Ilonka nahm mich auf ihren Schoß sie duf= tete penetrant nach Moschus und erklärte weh taten. mir: ,, Das verstehst du noch nicht, du süßer Range. dazu bist du noch zu flein." In der aber Tat, das verstehe ich wirklich noch nicht, sicher wird es dann auch viele Erwachsene geben, die das nicht verstehen können. Zuletzt langweilte ich mich schauderhaft. So was von Dummheit und Borniertheit auf einem Haufen. Ohne Kognat hätte ich es nicht bis zum Schluß ausgehalten. Papa und Mama merkten gar nicht, daß ich mich aus Verzweiflung regelrecht be= trant. Sie waren zu sehr mit ihren Flirts beschäftigt. 9. Dezember. Ein sonderbares Erlebnis! Ich muß es eintragen. Gestern früh schneite es, und Papa und Mama beschlossen, mit mir einen Autoausflug zu machen. Papa ließ den Chauffeur zu Hause und steuerte selbst. Natürlich tam, was ich erwartet hatte. Nämlich eine Banne. Mitten auf der Landstraße konnten wir nicht weiter. Papa hob den Deckel vom Kühler hoch. Suchte und suchte. Doch er fand den Fehler nicht. ,, Laß mich mal nachsehen, Papa", meinte ich. Papa lachte. ,, Was verstehst du schon davon, du Dreikäsehoch." Ich zuckte die Achseln. ,, Na dann nich." Dabei wußte ich genau, woran es lag. Die Zündkerzen hatten sich ein bißchen gelockert. Der Schlosser, den Papa dann aus dem nächsten Dorf holte, bestätigte es. 18. Dezember. Heute habe ich mir was Schönes eingebrockt. Ich bin noch ganz aufgeregt. Ich schreibe mitten in der Nacht. Bözsi schläft tief und merki nicht, daß ich die Nachttischlampe angezündet habe. Also: des morgens kommt Papa zu mir ins Zimmer, gutgelaunt, wie immer, wenn er am Abend vorher bei Ilonka war und sagt: Du kannst mich heute in die Fabrik begleiten. Je früher du den Betrieb kennen lernst, der dir später gehören wird, um so besser." Ich hatte nichts dagegen. Ich freute mich sogar. Ich intereffiere mich außerordentlich für Maschinen. Wir gingen gegen zehn Uhr in die Fabrit und traten einen Rundgang an, begleitet vom ersten Direktor und dem Oberingenieur. Die Maschinen gefielen mir sehr, aber die Menschen, die sie bedienten, gefielen mir gar nicht. Sie waren so blaß und betrachteten mich finster. Auch redete man allerlei hinter unserem Rücken, was ich leider nicht verstehen konnte. Aber ich fühlte instinktiv: es war nichts Gutes. Nachher fand eine Konferenz statt, an der dies graue Jahr... Du hast gehofft, es würde besser werden, mit jedem Tag, der kam, mit jeder Nacht, die floh. Du wünschtest dir ein bessres Los auf Erden, und vielen andern ging es ebenso. Doch blieb das Grau . Jetzt steht ihr ratlos da, was soll man sagen? Das Jammern hat am Ende keinen Zwed, die Worte ändern nichts und nichts das Klagen, der Pfarrer sagt: was euch bestimmt ist, müßi ihr tragen. Auch nächstes Jahr? Noch manches Jahr...? Schert euch nicht drum, wie schnell kann sich das Ganze ändern, der Nacht folgt Licht, dem Grau das Morgenrot, es zuckt bedenklich an der Rede Rändern, wer gestern siegte, fühlt sich heut bedroht. Steht nur zusammen! laßt den Mut nicht sinken, mit Einigkeit trott man dem stärksten Feind, wir wollen dieses Glas der Freundschaft" trinfen, Auch nächstes Jahr. und alle, die da kommen, fest sei das Wollen, unser Denken kühn und frei, ihr Brüder, denen man das Menschenrecht wir wissen euch im Geist dabei! was du erleben wirst!" genommen, Katja. 20. Dezember. ich auch teilnehmen durfte. Allerdings mußte ich hier das Gelöbnis: bleiben wir vereint! mich wie gewöhnlich in eine Ecke seßen. Das ist nun mal mein Schicksal. Trotzdem paßte ich gut auf und ließ mir kein Wort entgehen. Um den Konferenztisch saßen alle Direktoren und Ingenicure der Fabrik. In der Mitte thronte Papa. Später flopfte es an die Tür, und zwei ältere Arbeiter traten herein. Sie trugen ihre Müßen in der Hand. Sie sagten Papa, fie müßten mindestens zwei Filler Lohnzulage pro Stunde haben. Sonst könnten sie nicht existieren. Papa jammerte. Das wäre unmöglich, das sei sein Ruin. Die Männer mit den Müßen in der Hand preßten die Lippen zusammen. Aber ihre Blide Naseweisheit, jest ist Schluß damit. Paß auf, schienen mir sehr verächtlich. Auch ich sah verInzwischen fiel immer mehr Schnee. Mama ächtlich auf Papa. Wie kann ein Mann nur so fror schrecklich, troß ihrem dicen Belz. Wie jammern, sich so drehen und winden. Schließlich empfindlich doch solch ein berzärteltes weibliches fetzten die Arbeiter mit Mühe und Not einen Wesen ist. Eine Bauersfrau, die vorbeikam, die Filler Lohnzulage pro Stunde durch. Da packte Kiepe auf dem Rücken und die Hände unbe- mich die Wut. Ich sprang auf, ging geradewegs handschuht, bot uns an, in ihrem Hause zu war- auf Papa zu und schrie empört: Papa, ich ten, bis das Auto wieder in Ordnung sei. Wir finde dein Benehmen äußerst schäbig. Ein Filler, liefen eine halbe Stunde, bis wir dort waren. Das ist zu wenig. Sieh doch, diese Männer! 2ie In dem Haus, eigentlich eine Hütte, gab es nur blaß und verhungert sie sind. Wenn du der dicken einen Raum. Da war alles drin: Kinder, Ilonka ein Diamanten- Kollier für 5000 Pengö Schweine, Ziegen, Hühner, Hunde und Katzen. Kinder zählte ich allein zehn Stück. ,, Wie lustig ist es hier", rief Mama und Klatschte in die Hände. Ich hätte sie verprügeln mögen. Doch ich schwieg und dachte mir mein Teil. Wie kann man nur so oberflächlich urteilen. Ein Blick ge= nügte, und ich erkannte sofort, daß den Bewohnern dieser elenden Hütte gar nicht luftig zu Mute war. Richtig. Der Bauer begann Papa bald sein Herz auszuschütten. Er flagte über die schlechten Zeiten. Mama meinte:„ Sie haben " Schenken kannst, dann kannst du auch den Arbeitern zwei Filler Lohnzulage geben. Jetzt weiß ich, warum die Leute so schlecht aussehen und warum sie so finster sind. Nein, damit du's nut weißt: ich will die Fabrik einmal nicht haben." Da aber hagelte es schon von rechts und links tüchtige Ohrfeigen. Papa nahm mich beim Kragen, schleppte mich in sein Privatkontor und brüllte, während er mir die Hosen herunterzog und den blanken Hintern versohlte: Du früh reifer Aff, jetzt habe ich aber genug von deiner " Es ist kurz vor Weihnachten, und darum fann ich wohl bezeichnenderweise sagen: eine schöne Bescherung! Denn jetzt weiß ich bereits, was ich erleben werde. Gleich nach Neujahr soll mich Professor Fekete operieren. Ich habe an der Tür gelauscht, als er bei Papa war. Der Professor fagte, ich sei einer seiner interessantesten Fälle. ( Herzlichen Glückwunsch.) Seine Diagnose lautet: Ernö ist physisch und psychisch überentwickelt, besonders die Bildung des Schädels hat Dimensionen ins Anormal- Enorme. Dem entsprechen seine Veranlagungen und Gelüste, seine Fähigkeiten und die sexuelle Reife.( Wenn das Bösfi wüßte, ob sie dann so ruhig mit mir in einem Zimmer schliefe?) ,, Aber", sagte der Profeffor dann wörtlich, ich habe es mir genau gemerkt ,,, das alles wäre ja noch nicht so schlimm. Doch Ernös größte Abnormalität ist seine geradezu peinlich- kritische Beobachtungsgabe. Diese aber muß jedem Erwachsenen unserer Gesell - 3 schaftsschicht auf die Nerven gehen." Papa war, ren. Wenn ich doch an diesen Zuständen nichts bon Fefetes Diagnose begeistert. Kein Wun- ändern kann, will ich sie lieber erst gar nicht der...( Nur die Arbeiter in der Fabrit schienen verstehen und durchschauen. Das Leben, wie es fich über meine ,, peinlich- fritische Beobachtungs- jetzt ist, gefällt mir sowieso schon lange nicht gabe" gefreut zu haben.) mehr. Vielleicht gefällt es mir wieder besser als Na, meinetwegen. Sollen sie mich operie-| dummes und unwissendes Kind... 0000000 Besuch im bosnischen Städtchen Von Božo Lovrić. Nicht weit vom Rathaus steht der Stall, wo Kühe und Schafe im Sommer gemolfen iverden. Das brüllt und blökt den ganzen Tag. Dazwischen flingt es in gleichmäßigem Takt: Ticki, tacki, ticki, tacki. Das ist die robuste Popenfrau Mara, die mit dem Mörser fräftig in den Kupfertessel stampft. Buderpläßchen macht sie zum Fest des Hauspatrons. Sie wird nicht müde dabei, Gott bewahre, das i sie gewohnt! Einen vollen Schlauch Wein hat sie diesmal aus dem Keller geholt. Ganz rot ist ihr Gesicht vor Anstrengung, wie ein Truthahn, wenn er sich aufplustert. Aber das Herz geht unbeirrt seinen Gang und schlägt ruhig an wie eine Glocke Was macht ihr das schon aus, wenn sie eben einen Braten verzehrt hat, wie ihn der Selige Selim Beg in seinem Leben nicht. zu essen bekommen hat, als er noch die Kopfsteuer im bosnischen Lande einzog! Vom Rathaus stehen alle Fenster weit offen. Die Frühlingssonne scheint munter in die geräumige Stube und gießt ihr weiches Licht über den Fußboden aus. Der Bürgermeister und die Seinen fißen und spekulieren gerade über den bevorstehenden Besuch der tschechischen Musiker in ihrem Städtchen. ,, Wie nennen sie sich doch?" ,, Quartett!" fann man eventuell noch einen ganzen Ochsen braten, und das übrige ist leicht zu beschaffen. Aber der Tag wartet nicht. Er fließt dahin, wie ein Gießbach, der den Abhang herunterstürzt. Der Abend ist da. Die tschechischen Musifanten haben ihr Programm heruntergespielt, Mozart, Beethoven, Dvořák. ,, Was sind das für Namen?" Der Bürgermeister ist ein bißchen ärgerlich. Er streckt den Hals aus, als hätte er eine schwere anstrengende Arbeit zu verrichten ,, du meine Güte zu Ende sein!" wann wird das Er ist schläfrig, die Augen fallen ihm fast zu, aber der Beifall ist wie Donnergebraus. Er springt auf, dehnt seine Glieder, flatscht ebenfalls laut in die Hände und denkt sich erleichtert: ,, Zu Ende..." Er geleitet die Gäste, damit sie sich nicht im Dunkeln verlaufen. Einige fünfzig Schritt, und fie find schon an Ort und Stelle. Der Marktplatz ist ganz mit Buchsbaum und Fahnen ausstaffiert. Lampions schaukeln an Seilen. Effen, Trinken, Lärm alles ist da. Die Tische sind aneinandergeschoben. Sie bilden einen geschlossenen Kreis. In der Mitte hängen die fetten Braten am Spieß über dem Kohlenfeuer. ,, Na, schön,„ Quartett", aber wieviel Neben dem Feuer sitzt eine Zigeunerkapelle. Die mögen es wohl sein?" ,, Was denkst du?" ., Ja, nun.. ,, Ein tschechisches Quartett..." Musik dröhnt, daß die Erde erzittert. Die Burschen jodeln und liebäugeln mit den Musikantinnen, die nur auf ein Zeichen des Bürgermeisters warten, dann geht der Tanz los. Ein farbiges Bild entfaltet sich wie ein Schtvarm ,, Dummer Kerl, das weiß ich selbst. Aber von bunten Schmetterlingen. Rote und blaue wieviel es sind, will ich wissen." Seide, dazu die leuchtenden Augen wie glühende ,, Das ist nicht leicht zu erraten, solange Kohlen. fie noch nicht da sind." ,, Ob es zwanzig find?" ,, Mehr wohl kaum..." " ,, Es sollen aber mehr sein! Better Toscho soll sein Lebtag dran denken, daß er sie beherbergt hat! Sag den Stadtsoldaten, sie follen alle Stühle und Tische, die im Ort find, vor dem Rathaus aufstellen. Wir werden den ganzen Marktplatz mit Brettern einzäunen, paßzt mal auf, dann haben wir einen Saal, wie ihn selbst eine Stadt wie Prag nicht aufzuweisen hat!... Und nun los. Wir wollen ihnen entgegengehen." Auf dem Bahnhof wehen die Fahnen. Es ist ein Geschrei und Durcheinander, als wäre Markttag. Es ist an Mitternacht. Der Mond neigt sich. als wollte er die Schatten, die ums Feuer huschen, genauer betrachten Die Gäste sind vergnügter Stimmung, wie beim Hochzeitsschmaus. Der Wein hat allen die Zunge gelöst. und läßt sich dröhnend also vernehmen: Da schlägt der Bürgermeister auf den Tisch Willkommen, Brüder Tschechen! Schönen Dant, daß ihr unser gedacht habt. Es lohnt schon, daß ihr gekommen seid. Zwar der Weg ist weit zu uns, aber wenn ihr die ganze Welt umfahrt, einen Bürgermeister wie Vetter Toscho, genannt Prepečenac, findet ihr nimmer. Und solche Truthähne, Enten und Hühner habt Ihr Euer Lebtag noch nicht gegessen. Ich füttere sie auch mit Mais und Weizenkorn! Eßt und Der Schnellzug faucht heran. Ein ohren- trinkt, was die Stehle hält! Und wenn ihr dreist betäubender Ruf aus einer Kehle: ein ganzes Jahr hier sauft meinen Keller werdet ihr nicht leer trinken! Ich habe drei ment könnte ich darin unterbringen, so breit und mächtige Fässer voll Wein. Ein ganzes Regitief sind sie. Von den übrigen Fässern, Bot tichen und anderen Gefäßen gar nicht zu reden! Von dem scharfen Branntwein hab ich allein so viel wie Taufwasser! Alles ist im Ueberfluß da- nur ihr seid zu wenig! Musiziert habt ihr wader, aber unsere Zigeuner verstehens ihr wader, aber unsere Zigeuner berstehens beffer! Ich will euch damit nicht betrüben, Gott ,, Hurra! Unsere tschechischen Brüder!" Das Quartett steigt aus. Vier verfrorene fchwarze Gestalten. Allgemeines Staunen, daß es nicht mehr sind... Der Bürgermeister wackelt vielfagend mit dem Kopf, aber sagt tein Wort. Sicher werden die übrigen mit dem nächsten Zug kommen... Hauptsache, daß alles vorbereitet ist. Bis Abend Meine Herren dies Glas leeren wir bis zum Boden. behüte, aber ich sage euch das, damit ihr wißt, ich verstehe auch was vom Geigenspiel! Thr macht nicht genug Geräusch- das ist es! Euer Spiel ist so dünn, so geziert und zaghaft und jammernd im Ton, wie die Bulgarenlieder! Da, seht euch unsern Janosch an, wenn der den Bogen anfeßt, springt mir das Herz in der Brust! Nein, ich will euch nicht tadeln. Ihr versteht auch etwas von eurer Kunst. Brabe Kerle seid ihr, aber ihr seid zu wenig! Ein andermal wenn ihr wiederkommt, müßt the mehr sein. Es können ruhig auch Gesellen mit drunter sein Gesellen sind auch Menschen! Paßt mal auf, wie unserem Janosch die Augen übergehen werden, wenn er euch zählt! Habt ihr mich verstanden, Brüder Tschechen? Nein, laßt euch nicht unterkriegen, betrügt ihn meinets wegen nach Strich und Faden, daß seine ganze Sippschaft sich im Grabe herumdreht! Ich ber stehe was! Ihr müßt euch auch mal belehren laffen!... Und spart mir nur nicht zu sehr. Schafft euch ruhig noch zwei, drei Bauten an, für die Kosten werden wir schon aufkommen. Wir sind ja Brüder! Živio!" Man feierte sie und ließ sie hochleben bis in den Morgen hinein. Janosch platten alle Saiten bis auf eine, die dünnste, und mit der rührte er den Bürgermeister zu Tränen. Ime mer wieder mußte er die Musikanten vom Tschechischen Quartett" umarmen und an sein Herz drücken. Er hätte sein väterliches Haus niederreißen mögen nur ihnen zu Gefallen! Alles wollte er ihnen schenken: Hunderttronens noten, Pferde und kostbare goldbeschlagene Flinten Sie sollten selbst sagen, was fie sich wünschten! Alles war ihm recht. Nur über eins fam er nicht hinweg: daß sie so wenig waren Vierzig müßtet ihr sein! Dann spannten wiz ,, Vier Leutchen! Schämen sollt ihr euch! die Wagen an und führen durch Dörfer und Städte bis nach Belgrad! Von dort könnt ihr dann leicht die Donau runter fahren nach Bus dapest und Wien....!" ( Berechtigte Uebersetzung aus dem Serbes froatischen von W. H. Lann.) 4Das Wiedersehen Von Ernst Robert " Der Mann zog sich, soweit das möglich in der Schule. Nachher hab ich's ihnen gezeigt. Heiliges Kruzifig." Der Professor bersuchte der Szene ein Ende zu machen. Er sagte in strengem Ton, als habe er wieder seinen unbegabtesten Schüler vor sich:„ Seßen, Rödel. Genug der Worte. Jetzt muß noch der Schüler Berthold Weber kommen. Dann sind wir vollzählig." Doch der Schüler Berthold Weber kam nicht. Die ganze Klasse hatte sich versammelt.| der Generaldirektor streng ,,, gebettelt wird nicht. nur drei fehlten noch. Der Fredi Wilram, der Ich bin in ,, Verein gegen Beitelei." In unserem Otto Rödel und der Berthold Weber. Weber Staat geht es allen gut. Sie sind wohl arbeitskonnte nie pünktlich sein", meinte Herr Mini- scheu? Ueberhaupt, was wollen Sie hier?" sterialrat Teichmann ,,, trotzdem er Pastor werden wollte. Ob er es wohl geworden ist? Ich war, noch mehr an die Tür und in sich selbst Statt dessen brachte der Bedell einen Eilboten- Brief. Kopfschüttelnd betrachtete der greise geh doch jeden Sonntag in die Kirche, aber ich zurück. Ich heiße Fredi Wilram. Ich bin der Professor Wiesenleber den Stempel. ,, Gefäng kann mich nicht erinnern, ihn irgendivo auf der Primus." Die anderen starrten ihn an, gren- nisverwaltung." Seit wann wechselt ein ehrKanzel erblickt zu haben."-.. Ich auch nicht". zenlos verwundert. Dem Professor fiel schon würdiger und betagter Professor Briefe mit dem meinte des Ministerialrats Nachbar auf der wieder ein Tröpfchen aus der Nase. Diesmal Gefängnis? ,, Entschuldigt, meine lieben Schü Schulbant, ein dicker. behäbiger Anivalt mit be zum Glück mitten in den Spucknapf. Willer", sagte er selbstvergessen ,,, ich will da nur ginnender Glaze. Im übrigen, lieber Freund, ram", stotterte er schließlich, mein Primus, den Brief lesen." Wiesenleber öffnete das Ku finden Sie nicht, daß es sich auf diesen Bänken was ist Ihnen denn geschehen, daß Sie so bert. Da stand auf dem Briefbogen als Absen scheußlich sitzt? Man ist halt hinausgewachso" Er stockte. Wußte nicht weiter. der, groß, deutlich, kein Irrtum war denkbar sen" Er fog melancholisch an seiner diden Der Primus antwortete. ,, Weiß schon, was Berthold Weber. Der Weber", rief er Importen. Eigentlich hatte der Rechtsanwalt Sie meinen, Herr Professor." Ich bin halt ar- entgeistert ,,, der Weber schreibt mir. Aus dem Scheurecht nichts übrig für Sentimentalitäten. beitslos. Dös ist alles. Schon lange. Abgebaut Gefängnis." Das verbot ihm sein Beruf, der höchstens fal- vor zwei Jahren. Dann sieht man so aus. Ueber sches Pathos gestattete. Aber dies da die Einladung hab ich mich wirklich sehr gefreut. Ich danke Ihnen. Das macht einem doch Freude, nach so vielen Jahren seinen Lehrer und seine Klassentameraden wiederzusehen." Die Befangenheit des Primus Wilram verlor sich. Neugierig musterte er die ehemaligen Mitschüler. Gut schaut ihr aus, habt mehr Glück gehabi als ich. Trokdem ich der Primus war. Komisch, das hat mir später gar nichts genützt. Möcht wissen, was aus dem Rödel geworden ist, der immer der Dümmste war. Wo ist denn der Rödel?" das ging ihm doch an die Nieren. Solch Wiedersehen nach, nein, sagen wir nicht, nach wieviel Jahren, Muß denn gleich jeder wissen, wie alt wir sind? Wen geht das nichts an? Eine Kateridee. Eine ausgesprochene Profefforen Idee. Sah ihrem Klassenlehrer ähnlich, die ehemaligen Schüler zu einer Wiedersehensfeier einzuladen. In die alte Schule, in die alte Klasse, auf die alten Bänke. Aber keiner, bis auf die noch fehlenden Drei, hatte die Einladung abgelehnt. Nun standen sie herum oder saßen zum Spaß, wie der Ministerialrat Teichmann und der Rechtsanwali Scheurecht, auf den Schulbänken. Die meiſten ſtattliche Herren mit schöner Karriere. Bankdirektoren, Aerzte, mehr oder weniger berühmte, arrivierte Schriftsteller, Herren der Induſtrie, Sänger, Schauspieler, ein jeder hatte es verstanden, mit seinem Pfund zu wuchern. Das Resultat waren ansehnliche Bankkonten, gewölbte Leiber und alkoholfreudig getötete Gefichter. Jest trat der Professor Wiesenleber herein und begrüßte die einstigen Rangen mit herzlichem Händeschütteln. ,, Lieber Herr Professor!" ,, Mein lieber Herr Ministerialrat!" Nächstens wird ja mein Sohn in Ihre Klasse fommen." ,, Wirklich, Herr Generaldirektor? Nein, was für eine Freude." Und dem weißhaarigen, schon etwas zittrigen Professor Wiefenleber liefen wiederholt die Tropfen von der Nase in den Bart. Er hatte sie vor Rührung natürlich-vergessen, rechtzeitig abzu wischen. Schließlich sagte irgendeiner in das eisige Schweigen:„ Der Rödel fehlt noch." Und gleichsam pflichtschuldigst:„ Auch der Weber." „ Auch der Weber. Da leg di nieder. Na ja, der fonnt nie zur rechten Zeit kommen." Er wollte noch etwas hinzufügen, aber da öffnete sich die Tür von neuem. Es war nicht angeklopft wor: den. Ein Herr stand da man konnte diesmal nicht sagen, ein Mann. Es war schlechtweg ein Herr. Die Personifikation des Herrn". Wie ihn sich kleine, schlecht bezahlte Ladenmädchen vorstellen, Und wie man sie ihnen im Kino serviert. wohlLackstiefel, helle " ,, Vorlesen, Herr Professor", schrien die eins stigen Schüler mit einem Eifer, den sie früher oft nicht besessen hatten, vorlesen." Und ihr Lehrer las mit lauter, nur manchmal stockender Stimme: ,, Hochverehrter Herr Professor! Meine lieben ehemaligen Mitschüler! Leider ist es mir nicht vergönnt, an der Wiedersehensfeier unserer Klasse teilzunehmen. Ich hatte mich sehr darauf gefreut. Zu gern wollte ich wissen, wie es Euch allen im Leben ergangen und was aus Euch geworden ist. Wie ich Euch kenne, seid Ihr doch gewiß unter und zuverläßliche ie dem Regime treue Staatsbürger gewesen. Denn Ihr wart ja auch ben Lehrern immer gehorsam. Was mich bes trifft, so hatte ich in meiner Jugend die Absicht vielleicht erinnert Ihr Euch noch licher zu werden und Gott zu dienen. Als ich reifer wurde, kam ich zu der Ueberzeugung, daß es besser sei, zuerst den Menschen zu helfen. Dess halb hat mich das System, das wiederum nur Gott dienen will, eingesperrt. Ich ſize zur Zeit in den Schuschnigg- Kerkern und werde voraussichtlich wohl noch eine Weile dort bleiben müssen. Daher entschuldigt mein Fehlen heute. abends " Geists Es herrschte betretenes Schiveigen. Ein Wermutstropfen war in die Feier des WiederDer Herr trug einen Sealpelz bemerkt nicht Seal- Elektrif Bederhandschuhe mit dicken schwarzen Raupen, sehens gefallen. von der spiegelblanken Glaze nahm er einer ebenso spiegelblanken Zylinder, über dem Arm hing ihm ein Bambusstock mit dicer silberner Krücke. ,, Grüß euch Gott, alle miteinander", ries er fröhlich und lachte dazu, als habe er eben den Der Professor fab sich um. Sind all besten Witz gemacht. ,, Was schaut ihr mich so an meine früheren Schüler schon versammelt?" ihr Lausbuben? Ha, ha, ha. Kennt ihr denn Rechtsanwalt Scheurecht hatte die Erinnerung euren guten, alten Rödel nicht mehr, das stadt: überwältigt. Er sprang in der Bank hoch, mit bekannte Faultier? Na ja, bin schließlich erst vor ausgestredtem Finger. Nein, Herr Professor", brei Monaten nach Wien zurückgekommen. Lebe rief er ,,, der Wilram ist noch nicht da. Und der nämlich in Amerika. In Chicago, jawohl. Büch Rödel und der Weber." Seine Stimme flang fenfleisch", er klopfte sich auf die feisten Lenden nach Petzen. Das hatte er einstmals gern getan. alles Büchsenfleisch. Jetzt hab ich mal Sehnsucht Dem Ministerialrat fiel es auch in diesem gekriegt nach Austria. Home, sweet home. Se Augenblick ein, und er streifte Scheurecht finster. heißt doch der Schlager. Well. Kinder, laßt euch Sonderbar", Wiesenleber schüttelte das weiße mal ansehen. Heiliges Kruzifig, daß ist doch der Haupt, Wilram, mein Primus. Mein bester Scheurecht! Manderl, du bist aber did geworden Schüler und unpünktlich!" Die Tür öffnete sich. Ein Mann trat in das Klassenzimmer, die Kleider ärmlich, man hätte tuhig sagen können, zerlumpt"; ohne Handfchuhe, die Hände blaugefroren, obwohl es in Wien schon seit Tagen mehr als sieben Grad Kälte gab. Der Mann nahm sein schäbiges Hütchen ab. Guten Abend", sagte er bescheiden, blieb an der Tür stehen und drehte nervös die berfrorenen Hände. Wer sind Sie?" fragte " Heiteres ,, Ihr Mann spricht immer im Schlafe, Frau Professor? Da müssen Sie doch alle seine ,, Leider nicht, er spricht Geheimnisse wissen!". immer griechisch!" * Wieviel kostet das Bügeln eines An,, Fünf Schils zuges?" fragte ein Schotte. ling!" ,, Dann bügeln Sie mir, bitte, mur die Vorderseite für zweieinhalb Schilling! Ich will mich nämlich photographieren lassen." * Alpinist: Morgen habe ich vor, den Gipfel zu besteigen. Was für Vorbereitungen Hotelier: Bezahlen muß ich da treffen?" Sie Ihre Rechnung im voraus, mein Herr!" " ,, Hast du schon gehört? Freb hat sich eine ..Woher hat Farbenvergiftung zugezogen!" er die denn?" ,, Er hat seine Braut geküßt!" look here, dagegen bin ich der reinste Waisenknabe." Dröhnend schlug er dem Zusammenaudenden auf die Schulter. Redete weiter, sah fich um, entdeckte den Zerlumpten, erkannte ihn trotzdem sofort.„ Wilram, der Primus. Nel möglich. Dös ist ja ha, ha, ha", er lachte noch lauter, so endet man, wenn man als Pri mus angefangen hat. Ich war immer der Dümmste." Listig zudten seine in behagliche Bill:..Ja Fettpolster eingebetteten Aeuglein. Aber nur spielen!" " * Hermine: ,, Lieben Sie gute Musik?" aber Sie können ruhig weiter