Ur. 51. Adomtmeitt»-Zedingungen: Sbonn«m«nt»-Pret» pränumerando: «lerteljährl. SL0 Mk., monatl. l.ioMl., rviicheutltch 28 Psg. fett Inj Hau». Einzelne Nummer b Psg. Sonnlag«- ?! ummer mit illustrirter Sonnlag«- Beilage»Dte Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: SL0 Mark pro Quartal. Eingelragen tn der Post-Zeil ung«- PreiSllfte für ISS? unter»r. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrige Autland S Marl pro Monat. Erschemf täglich nutzer»onlng«. Nevlinev VolksblÄlk. Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. 14. Iichrg. Die Insertions- Gebühr beträgt für die sechsgespaltene Kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg.. für verein«- und BerfainmlungS-Anzeigen. sowie Arbeitsmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müsfen bis 4 Uhr nachmittags in der Erpedition abgegeben werden. Die Erpedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bis 3 Uhr vormittags geöffnet. Fernsprecher: Nml I, Nr. ISOS. Telegramm- Adresse: „Soiialdeinostrai Berlin". �edalUion; SW. 19, Aeuly-Straß- 2. Dienstag» den 2. Marz 1897. SLpedltton: SW. 19, Ueuty-Straße 3. Miptovifche BUtffttMngen. Die Rede, die der Kaiser letzthin bei dem Festessen des Proviuzial-Laudtages der Provinz Brandenburg hielt, enthielt neben den Angriffen auf unsere Partei ailch eigenthüm- liche historische Rückblicke auf die Gründung des Deutschen ilteiches. Die bezüglichen Stellen der Rede sind wieder ein Beispiel, wie verschieden historische Ereignisse und seien sie eben erst geschehen, in verschiedenen Köpfen sich verschieden ivicdcrspiegeln. Nach der Ausfassung des Kaisers ist die Gründung des Dentschen Reichs das a n s sch l i e ß lich e Werk Wilhelm I. Wilhelni II. zttfolge war Wilhelm I. ein Staatsmann, der weitsichtig und vorausberechnend die Gründung des Reichs längst ins Auge faßte und um deswillen bereits ailfangs der sechziger Jahre die neue Heeresorganisation wider den Willen der Volksvertreter durchsetzte. Ganz anders sah Wilhelms II. verstorbener Vater, Kaiser Friedrich III., die Diiige an, er, der den Werdegang der Er- cignisse ans nächster Nähe veifolgte und selbst eine Rolle in dem Gang derselben spielte. Die Anffaffungeu Friedrichs III. über die Politik seines Vaters Wilhelm I. in den entscheidenden Monaten>fs Jahres 1870 und 1871 sind niedergelegt in dessen TageJ'.»� dessen thcilweise Veröffentlichung seinerzeit so gewaltiges aufsehen erregte und dem Verössentlicher desselben, dein Gehcimrath Geffken, um ein Haar einen Hochvcrrathsprozeß einbrachte, dessen Einleitung Bismarck mit aller ihm zu Gebote stehenden Macht betrieb. Die kaiserliche Rede vom 26. Februar läßt es an der Zeit erscheinen, einmal die Auffaffllngen, die Kaiser Friedrich und sein Sohn, Kaiser Wilhem II., über den Gründer des Reichs, Kaiser Wilhelm I., haben, einander gegenüberzustellen. Die Schlußfolgerungen zu ziehen, bleibt dem Leser überlassen. Die auf Wilhelm I. bezüglichen Sätze der kaiserlichen Rede vom 26. Februar lauten nach den vorliegenden Ver öffentlichnngen: „Das alte Deutsche Reich wurde verso'gt von außen, von seinen Nachbaren, und von innen, durch seine Parteinngen. Der einzige, den, eS gelang, gewissermaßen das Land einnial znfainmen- zufassen, das war der Kaiser Friedrich Barbarossa. Ihm dankt das deutsche Volk»och heute dafür. Seit der Zeit verfiel nnser Vaterland, und eS schien, als ob niemals der Mann kommen svllte, der imstande wäre, dasselbe wieder zusamnienzufügen. Die Vorsehung schuf sich dieses Instrument und suchte sich aus de» .§ vui. den wir als den ersten großen Kaiser des neuen Deutsche» Reiches begrüßen konnten. Wir können ihn verfolgen, >vie er langsam heranreifte von der schweren Zeit der Prüfung bis zu dem Zeitpunkte, ivoer als fertiger Mann, dem Greise»alter nahe, zur Arbeit berufen ivurde, sich jahrelang auf seinen Beruf vorbereitend, die großen Gedanken bereits in seinem Haupte fertig, die es ihm ermöglichen sollten. dasReichwiedererstehen zulassen. Wirsehen, wie er zu er st sein Heer stellt und aus ding- hasten Bauern söhnen seiner Provinzen, sie z u s a in»> e n r e i b t z u einer kräftigen, waffen- glänzenden Schaar; wir sehen, ivie es ihm gelingt, mit dem Heer allmälig eine Vormacht in Deutschland zu werden und Brandenburg- Preußen an die führende Stelle zusetzen. Und als dies erreicht war. kam der Monient, wo er das gesammte Vaterland ausrief und aus dem Schlachtfeld der Gegner Einigung herbeiführte." Was schreibt nun der Vater Wilhelm's II. Tic erste Aeußerung, die das Tagebuch Kaiser Friedrichs über die Auffassung Kaiser Wilhelm's I. bezüglich seines deutschen Berufes enthält, findet sich verzeichnet unter dem 23. August 1370. Dort heißt es: „Den König gesehen, der wieder fester; ich setze es mit Mühe durch, daß das eiser neKreuz auch Nicht- preußen verliehen wird." Unter dem 30. September schreibt Kaiser Friedrich: »Ich rede Se. Majestät auf die Kaiserfrage an, die im An- rücken begriffen;(d. h. sie wurde in Deutschland von den sogen. national gesinnten Parteien aufgeworfen. D. R.); er betrachtet sie als gar nicht in Aussicht stehend; beruft sich auf du Bois-Reymond's Aeußerung, der Imperialismus liege zu Bode», fodaß es in Deutschland künftig nur e i n e n K ö» i g v o» P r e u ß e n. H e r z o g der D e n t s ch e n geben könne. Ich zeige dagegen, daß die drei Könige uns nöthigen, den Supremat durch den Kaiser zu ergreifen, daß die tausendjährige Kaiser- oder Köniaskrone nichls mit deni modernen Imperialismus zu thnn habe, schließlich wird sein Widerspruch schwächer." Sonntag, den 18. Dezember 1870 sollte die Deputation, die der Reichstag nach Versailles gesandt hatte, mit einer Adresse, in der König Wilhelm als Kaiser begrüßt werden sollte, enipfangen iverden. Der König hatte diesem Empfang so wenig Bedeutung beigemessen, daß er ganz erstaunt war, als der Kronprinz ihm sagte, die anwesenden Fürsten und Generale bäten, dem Empfang der Deputation beiwohnen zu dürfen. Der König antwortete: „wenn wirklich jemand von den genannten dabei zu sein L ii st habe. ei nichts dawider haben würde. So erschienen alle, wiewohl der König seine Ueberraschung darüber äußerte, nur Luitpold fehlte, im letzten Augenblick wurden noch die königlichen Adjutanten bestellt." Den 12. Januar schreibt Kaiser Friedrich: «Ich mache den König darauf aiifmerksani. daß Schleinitz über Kaiser und Reich gehört werden müsse; er antwortet, er sähe im Kaiser nur eine Umänderung des Präsidiums deS Bundes und würde s i ch a in l i e b st e n K ö n i g v o n P r e u ß e n, erwählter Kaiser von Deutschland nennen, worin ich eine förmliche Beleidigung der Fürsten wie des Volkes erblicken würd e." Am 17. Januar, am Tage vor der Kaiserproklamirung, schreibt Friedrich: „Die Neichsfarben machen wenig Bedenken, die, wie der König sagl, sindnicht aus dem Straße»schmutz ge- st i e g e u; doch werde er die Kokarde nur nebe» der prenstischeu dulden, er verbat sich die Ziiiniithung, von eiiiem kaiserliche» Heere zu hören, die Marine aber möge kaiserlich genannt wirden. nia» sah, wie schweres ihm wurde, morgen von dem alten Prensteii, a» dein er so festhält, Abschied nchuicii zu innsscu. Als ich aus die Hausgeschichie hinwies, wie wir vom Burggrafen zum Kurfürsten und dann zum König gestiegen seien, wie auch Friedrich I. ein Scheinkönig- tbmn geübt inid dasselbe doch so mächtig geworden, daß uns jetzt die Kaiserwürde zufalle, erwiderte er: Mein Sohn ist mit ganzer Seele bei dem neuen Stand der Dinge, während ich mir nicht ein Haar breit daraus mache und nur zu Preußen halte." Wie neben dem Kaiser auch Bismarck erst geschoben werden mußte, bis auch er seine Einivilligung zu der jetzt geschaffenen Ordnung der Dinge gab, darüber enthalten die Ver- öffentlichungen ans dem Tagebuch ebenfalls sehr interessante Streiflichter. Doch diese Aeußerungeii gehören in diesem Augenblick nicht hierher, sie beiveisen aber auch, daß vor Ans- brnch des Krieges 1370 niemand von den ni a ß g e b e n d e n Personen an das dachte, was das Jahr 1371 brachte. Wil- Helm I. war nicht der Schieber, sondern der Geschobene. politische Aebeefichk. Berlin, 1. März 1897. Die letzte Kaiserrede muß vor ihrer Veröffentlichung sehr redigirt worden sein. Hierüber thcilt die„Berliner Zeitung" folgendes mit: Wie wir von zuverlässiger Seite höre», waren die Worte des Kaisers zum theil weit schärfer, als das Wolff'sche Telegraphen- bureau sie weiterverbreitet hat. In bezng auf die Sozial- d e m o k r a t i e forderte der Kaiser auf, uns von dieser Pest zu befreien, die unser Volk durchseucht.. Wolfs spricht statt dessen nu� von einer„Krankheit". Die Sozial- demokratie, so erklärte der Kaiser mit erhobener Stimme, müsse„ausgerottet werde» bis auf den letzte» Stumpf". Aus dieser kräftigen Wendung wurde im ossiziellen Text ein mattes„muß überwunden werden".„Ich werde mich freuen", sagte der Kaiser,„jedes Mannes Hand in der meinen zu wissen, er sei edel oder unfrei". Aus diesem der Zeit des Feudalismus«iitnouimenen Gegensatz machten die Rc- daktoren„sei er Arbeiter, Fürst oder Herr". Schließlich soll nach derselben Quelle der Kaiser die„braven, tüchtigen Rathgeber" des alten Kaisers nicht als die„Werkzeuge", sondern als die„Handlanger seines erhabene» Wollens" bezeichnet haben.— Vorläufer der letzten Kaiserrede. Die Rede des Kaisers auf dem Abendessen des brandcnburgischcn Provinzial- Landtages war nicht die erste, die der Kaiser gegen die Sozial- demokratie hielt. Ohne auf Vollständigkeit Anspruch zu er- heben, führen wir die folgenden gegen die Sozialdemokratie gerichteten Stellen aus den Reden Kaiser Wilhelm II. an. Kurz vor seinem Regierungsantritte— es war eine seiner ersten öffentlich bekannt gewordenen politischen Aeußernngen— sagte der spätere Kaiser in der bekannten, von dem damals (1887) sich vollster Gnade und höchsten Vertrauens erfreuenden Stöcker arrangirten Waldersee-Versammlung: „Gegenüber in g r u n d st ü r z e n d e n Tendenzen einer a n a r ch i st i s ch e n u n d g l a u b e n s l o s e n Partei ist der wirksamste Schutz von Thron und Altar die Zurücks ü h r u n g der glaubenslosen Menschen zum C h r i st e n t h n in und zur Kirche und daniil zu der Anerkennung der gesetzlichen Autorität und der Liebe zur Monarchie zu suchen. Der christlich-soziale Gedanke ist des- halb mit mehr Nachdruck als bisher zur Geltung zu bringen." In der Thronrede bei Eröffnnng des deutschen Reichs- tags am 25. Juni 1388 sagte der Kaiser: „Ich Halle für geboten, unsere staatliche und gesellschaftliche Entwickelung in den Bahnen der Gesetzlichkeit zu erhalten und allen Bestrebiinzen, welche den Zweck und die Wirkung haben, die staatliche Ordnung zu untergraben, mit F e st i g k e i t entgegen zu treten." In einer Kabinetsordre vom 1. Mai 1889 findet sich der folgende Satz: „Die Lehren der Sozialdemokraten wider- sprechen nicht nur den göttlichen Geboten und der christlichen Sittenlehre, sondern sind in Wirklich- keit unausführbar und in ihren Konsequenzen dem Einzelnen und dem Ganzen gleich verderblich." In derselben befindet sich noch die folgende Stelle: „Die Lehren der Sozialdemokratie sind prak- tisch nicht ausführbar, und wenn sie es wären, würde die Freiheit des Einzelnen bis in seine Häuslichkeit hinein einem unerträglichen Zwange unterworfen. Die angeblichen Ideale der Sozialisten sind durch deren eigene Er- klärung hinreichend gekennzeichnet." In einer Ansprache an die Abordnung der Knappen- vereine im Ruhr-Kohlenrevier am 14. Mai 1889 sagte der Kaiser: „Für mich i st jeder Sozialdemokrat gleich- bedeutend mit Reichs- und VaterlandSfeind." Eine Ansprache der Abordnung der Knappenvereine im Ruhr-Kohlenrevier vom 14. Mai 1839 beantwortete der Kaiser n. a. mit folgenden Worten: „Merke ich, daß sich sozialdemokratischeTend e n z e n in die Bewegung mischen und zu ungesetzlichem Wider- stand anreizen, so würde ich mit un n a ch s i ch tli ch e r Strenge einschreiten und die volle Gewalt, die mir zusteht— lind dieselbe ist«in« große— zur An- wendnng bringe n." Am 7. September 1894 hielt der Kaiser bei einer Gala- tafel in Königsberg i. Pr. eine Tischrede, in der er betonte:„Ich bin der größte Grundbesitzer in unserem Staate", und an die Agrarier die Worte richtete:„Ausgelöscht be- trachte ich alles was geschah". Gegen den Schluß der Rede finden sich die folgenden Sätze: „Eine erhebende Feier hat sich vorgestern vor unseren Augen abgespielt; vor uns steht die Stntne Kaiser Wilhelm I., das Reichsschmert erhoben in der Rechten, das Symbol von Recht und Ordnung. Es mahnt uns alle an andere Pflichten, an den ernsten Kampf wider die Bestrebungen, welch« sich gegen die Grundlage unseres staatlichen und gesellschaftlichen Lebens richten. Nun, mein Herren, an Sie ergeht jetzt mein Ruf:„Ans zum Kampf für Religion, für Sitte«ud Ordnung, gegen Wc Parteien des llinsturzes. Wie der Epheu sich um den knorrigen Eichbaum legt, ihn schiuückt mit seinem Laub und ihn schützt, wenn Stürme seine Krone durchbrausen, so schließt sich der preußische Adel um meiii Hans. Möge er und mit ihm der gesammte Adel deutscher Nation ein leuchtendes Vorbild für die noch zögernden Theile des Volkes werden. Wohlan denn, lassen Sie k n s zusammen in diesen Kamps hineingehen! Vorwärts mit Gott und ehrlos, wer seinen König im Stiche läßt!...—" Vierzehn Tage später sagte der Kaiser in einer Beant- wortung einer Begrüßiingsansprache des Bürgermeisters von Thorn: „Ich erinnere au die Worte, welche ich letzthin i» Königsberg gesprochen habe:„Auf znm Kampf gegen die Umsturz- Parteien!" Nur diejenigen kömien sich meiner königlichen Gnade versichert halten, welche sich voll und ganz als preußische Unter- thanen betiachten. Ich hoffe, daß die Thorner polnischen Mit- bürger sich entsprechend dem, was ich in Königsberg gesagt, ver- halten werden, denn nur dann, wenn mir alle. Mann an Mann geschlossen, wie eine Phalanx zu« f a m m e n st e h c n, ist es möglich, den Kampf mit dem U m st u r z siegreich zu Ende zu führen. Daß die Thorner in dieser Beziehung mit gutem Beispiel vorangehen, wünsche ich von Herzen." Anläßlich der 25 jährigen Wiederkehr des Sedantages wurde am 2. September 1895 im weißen Saale des königl. Schlosses ein Paradcdiner abgehalten, auf dem der Kaiser einen Trink« spruch ausbrachte, der auch folgenden Satz enthielt: „Doch in die hohe große Festfreude schlägt ein Ton hinein, der wahrlich nicht dazu gehört! Eine Rotte von Menschen, nicht Werth, de» Rainen Deutscher zu tragen, wagt es, das deutsche Poll zn schmähen, wagt es, die uns geheiligte Person des allverehrtcn verewigten Kaisers in den Staub zu ziehen. Möge das gesaininteAolk in sich dieKräft finden, diese ii n e r h ö r t e n Ül n g r i f s e zurückzuweisen. Geschieht es nicht, nun denn, so rufe ich Sie, um der hoch- verrätherischen Schaar zu wehren, um einen Kampf zu führen, der uns befreit von solchen Elemente n." Anfangs Dezember 1895 hielt der Kaiser bei dem Offiziers- diner im Kasino der Leib-5kürassiere zu Breslau eine Ansprache, die de» folgenden Satz enthielt: „lind je mehr man sich hinter Schlagworte und Partei- rücksichten zurückzieht, desto fester und sicherer rechne ich auf meine Armee und desto bestimmter hoffe i ch, daß in eine Armee, sei es nach außen oder nach innen, meiner Wünsche und meiner Winke gewärtig sein wird. Daß dem so sei, dafür vertraue ich dem Geiste, der auch in diesem Regiment lebt, und ich greife dabei auf ein Wort zurück, das mein hochseliger Großvater einst sprach, als er in Koblenz nach der s ch w e r e n Zeit von 1848 ans Land stieg und bei dem großen feierlichen Empfange die Osfizierkorps stehen sah, indem er auf sie hiniveisend sagte:«Das sind die Herren, auf die ich mich verlasse." Am 13. Oktober 1895 telegraphirte der Kaiser aus dem Jagdschlosse Hnbertusstock an den Statthalter von Elsaß- Lothringen: „Erfahre soeben aus Zeitungen die Kunde des abscheulichen Mordes an dem Fabrikanten Schwartz in Mülhausen. Ich bitte daher Ew. Durchlaucht in meinem und der Kaiserin Namen, unser innigstes Beileid der unglücklichen Wittwe auszusprechen. Wieder ein Opfer mehr der von den Soziali st en angefachtenRevolutionsbtwegung. Wenn unser Volk sich doch ermannte." Um unsere Darstellllilg vollständig zu machen, wollen wir hierbei auch auf die berühmt gewordenen Knackfus« Bilder verweisen. Geht man die Stinimen der Presse nach den verschiedenen Kaiserrcdcn gegen unsere Partei durch, so gilt auch nach der letzten Kaiserrede das, was der unserer Partei sicherlich nicht freundlich gesinnte Reichstags- Abgeordnete der freisinnigen Vereinigung Dr. Theodor Barth Ende 1895 in seiner«Nation" schrieb: „Thatsache ist. daß in der Bevölkerung die Neigung nicht zu-, sondern abnimmt, sich an einem Kreuzzuge gegen die Sozial- demokratie zu betheiligen." Und als geschichtliche Thatsache wollen wir noch anführen, daß die deutsche Sozialdemokratie, welche 1337, als der jetzige Kaiser seine erste Rede gegen den„Umsturz" hielt, 763 128 Stimmen bei den Reichstags- Wahlen hatte, bei den Wahlen des Jahres 1390 sich mit 1427 293 Stimmen als die st ä r k st e Partei in Deutschland erwies, und 1893 1 786 738 Stimme» auf sich vereinigte. Die n ä ch st e Wahl wird— deß sind wir gewiß— das iveitere Wachsthum unserer Partei bekunden und aller Welt zeigen, daß das deutsche Volk über den„Umsturz" anders denkt als der deutsche Kaiser.— Criunernngen. Am 11. August 1870 hatte der Kronprinz, spatere Kaiser Friedrich in dem damaligen Hauptquartier der drittenArmee in dem VogcsendorfPeterskast eine Unterredung mit �Gustav Freytag, dem bekannten Dichter, seinem Vertrauten. Er setzte ihm auseinander, wie er sich die Gestaltung der Ver- bältnisse Deutschlands nach dem Krieg dachte, und daß seineni Wunsche nach die Kaiserkrone für die Hohenzollern aus dem Kriege hervorgehen müsse. Gustav Freytag erhob die folgen- den Einwendungen: „Ueber die politische Zweckmäßigkeit eines neuen Kaiserlhums Deutschland mögen andere nrtheilen, mir, als einem persönlich verpflichteten Mann giebt große Huld vielleicht ein Recht zu sagen, daß mir noch eine ganz andere Rücksicht die Kaiseridee unlieb macht. Ihre Durchführung bedroht das Geschlecht der Hohen- zollern mit einer Anhäufung derselben Gefahren, durch welche wehr als eine erlauchte Heroenfannlie zum Unglück ihres Volkes an Kraft und Tüchtigkeil verloren hat. Was unterscheidet die Hohenzollern, die, als Menschen betrachtet, keiueswegs immer be- deurender und kräftiger gewesen sind als ihre Standesgenossen, von anderen Königen, die, wie sie, in sicherem Erbe stehen? Doch zumeist der Umstand, daß sie um ihrer Selbsterhaltung willen und zur Mehrung ihrer Macht genöthigt waren, den Vortheil der deutschen Nation gegen das Hausinteresse anderer erlauchter Familien zu vertreten. Jeder große Fortschritt ist durch sie in den Zeiten errungen, wo diese Rothn-endigkeit ihr Lebe»»nd ihre Thäligkeit beherrschte. Die Gefahren ihrer erhabenen Stellung, die Abgeschlossenheit vom Volke, das leere Schangepränge, das Be< harren in einem verhältuißmäßig engen Kreise von Zlnschauuuge», die Besetzung ihrer Tage mit ainuuthigen Nichtigkeiten, das alles ist in diesen zwei Jahrhunderten scharfer Arbeit für sie wenig gefährlich gewesen. Eine gewisse spartanische Einfachheit und Strenge hat Beamtenthuni, Heer und Volk in Zucht gehalten. Die neue Kaiserwürde wird das schnell ändern. Die deutsche Kaiserkrone hat zur Voraussetzung nicht nur die achtungs- volle Bewahrung der regierenden Häuser, durch deren Genehmigung sie jetzt gewonnen werden soll, sondern auch eine unablässige Repräsentation de» Fürsten gegenüber. Aller Glanz der Majestät, die Staatsaktion bei vornehmen Besuchen, die Hofämter, die Schneiderarbeit in Kostüme und Dekorationen werden zunehmen und, wenn sie erst einmal eingeführt sind, immer größere Wichtigkeit beanspruchen. Der einfache blaue Rock der Hohenzollern wird zu- letzt nur noch als alterthümliche Erinnerung hervorgeholt werden. Das Selbstgefühl aller Fürsten wird sich steigern; aber ebenso sehr das Selbstgefühl des Adels, der ganze fast überwundene jiram alter, nicht mehr zeitgemäßen Ansprüche wird sich schnell mehre». Ueberall wird das fühlbar werden, auch im Beamtenthuni und im Heere. Die Zahl der vornehme» Herren, ivelche in der Armee hohe Kommandos nicht wegen erprobter Tüchtigkeit, sondern wegen ihrer Geburt erhalten, ist schon gerade groß genug, eine Mehrung solcher Befehlshaber, von deren Urtheil Schicksal und Lebe» unserer wackeren Soldaten abhängen soll, wird zum Nachtheil werden. Bei der schnellen Steigerung des Wohlstandes ist es schon jetzt sehr schwer, in den OffizierLkasinos die alle Zucht und Einfachheit zu erhallen, sür die Zukunft wird das nur möglich, wenn unsere Fürsten selbst unablässig ein gutes Beispiel der Einfachheit geben und de» Regimentern die Gelegenheit nicht gewähre», in vornehmer Kameradschaft Geld auszugeben. Und wie im Heer und Zivildienst, so wird auch im Volke ein höfisches und serviles Wesen sich einschleichen, das unserer alten preußischen Loyalität nicht eigen war. In Zeiten de? Gedeihens werden die Deutschen wohl solchen Uebelstand ertragen können, wenn er auch vielen Einzelnen die Energie und Tüchtigkeit vermindert. Aber jede Einseitigkeit ruft auch ihren Gegensatz hervor und durch unser Jahrhundert geht eine starke demokratische Unterströmung. Wird einmal durch große Unfälle und ein Mißregiment im Volke die Unzufriedenheit verbreitet, dann drohen auch de» altheimischen regierende» Familien größere Gefahren. Schon jetzt sind unsere Fürsten in der Lage, gleich Schauspielern'auf der Bühne zwischen Blumensträußen und lautem Beisallsklatschen begeisterter Zuschauer dahinzuwandeln, während in der Versenkung die vernichtenden Dämonen lauern u. s. w. Gustav Freytag:„Der Kronprinz— die deutsche Kaiserkrone." Leipzig. S. Hirzel 1889. p. 23-26. Unmittelbar nach der Kaiserproklamation in Versailles schildert Kaiser Wilhelm I. der Kaiserin eingehend die Feier, indem er, w,e in der Festschrift zur Zentenarfeier von Professor Onkett mitgetheilt ist, mit folgenden Worten beginnt: Eben kehre ich vom Schlosse nach v o l l b r a ch t e m K a i s e r- a k t zurück! Ich kann Dir nicht sagen, i» welcher morose n Emotion ich in diesen letzten Tagen war, theils wegen der hohen Verantwortung, die ich»uu zu übernehmen habe, theils und v o r allein über den Schmerz, den preußischen Titel verdrängt zu sehen! In einer Konserenz gestern mit Fritz, Bismarck und Schleinitz war ich zuletzt so moros, daß ich draus und dran war, zurückzutreten und Fritz alles zu übertragen. Das preußische Abgeordnetenhaus überwies heute zunächst nach kurzer Debatte den Antrag Knebel, betreffend gesetzliche Regelung des Pensions- und ReliktenversorgungsivesenS der Ge- meindebeamten der Rheiuprovinz, an die Gemei»bekommission und wandte sich sodann der Besprechung der Interpellation v. D c t t e n und Genoffen, betreffend die Einführung eines Zolles auf Quebrachoholz, zu. Nachdem der Interpellant mit den üblichen agrarischen Phrasen seine Juterpellation begründet hatte, erklärte der Handelsminister Brefeld, daß die Regierung sich zur Einführung eines Zolles aufQuebrachoholz nicht entschließen könne; ob die Landwirthschaft von einer solchen Maßregel Vortheile habe, sei fraglich, dagegen stehe fest, daß die Industrie hierdurch in hohem Maße geschädigt wird. Alle großen Gerbereien seien auf die Ver- Windung von Präparaten und Extrakte» eingerichtet, die nach den bestehenden Handelsverträge» zollfrei sind. Die Einführung eines Quebrachozolles sei also anch mit de» Handelsverträgen nicht vereinbar; wie sich die Regierung nach Ablauf der Handelsverträge zu dieser ' Frage stellen werde, ließe sich heute noch nicht sagen. Die Beantwortnng des zweiten Theils der Juterpellation, der die Regierung anfragt, mit welchen Mitteln sie die Eichenschäl- Waldungen vor dem durch die zollfreie Einfuhr von Quebrachoholz drohenden Untergang bewahren wolle, übernahm der Ober- Landes- forstmeister Donner. Derselbe betonte, daß die Regierung eine Verringerung des Areals ihrer Schälivaldunge» beabsichtige, um die Preise der Privatbetriebe zu heben; es sei ferner nicht aus- geschlossen, daß der Staat verwahrloste Schälivaldungen ankaufe; auch werde der Arineebidarf an Leder nach wie vor durch mit Lohe gegerbtes Leder gedeckt werden, da sich dies als besonders haltbar erwiesen habe. Im Sinne der Interpellanten sprachen sich unter mehr oder minder heftigen Angriffen auf die Handelsverträge die Abgg. Glatt- seit er(Z.), Frhr. v. Erffa(k), der die Regierung aufforderte, endlich mit der jetzigen Wirthschaftspolitik zu brechen, Dasbach(Z.), S t ö tz e l(Z), Knebel(natl.), P l e ß(Z.) und Graf K a n i tz(k.), der die Gelegenheit benutzte, um einen versteckten Angriff gegen den ihm verhaßten natürlich nicht anwesenden Staatssekretär Freiherrn v. Marschall zu richte» und zugleich eine Probe seiner eigenen Be- scheidenheit abzulegen. Er ersuchte den Handelsminister. dem Frhr». v Marschall und dem Grafen Posadowsky mitzutheilen, daß man sich zur Einführung ein«? Zolles auf Quebracho nur mit Italien und Oesterreich ins Einv-ruehnien zu setzen brauche. Im übrigen solle die Regierung, wen» sie wieder einmal Handelsverträge abschließe, ihn. den Grafen Kanltz, init der Abfassung derselben betrauen, denn dann würde es nicht vorkomme», daß ein Minister später sein Bedauern über die Handelsverträge ausdrückt.— Die Antwort des Handels- mmisters war nicht gerade schneidig, wenn er auch, mit einer ge- wissen Heftigkeit die Regierung gegen die Vorwürfe des Grasen Kunitz in Schutz zu nehmen suchte.— Gegen einen Zoll auf Quebracho sprachen nur die Abg. Möller(natl.), Dr. Langer- bans(frs. Vp.), B r ö in e l(frs. Vg.) und v. E y n e r n, der im Namen der Nationalliberalen die nicht gerade überraschende Er- klärung abgab, daß sie in der Beurtheilung der Wirkungen der Handelsverträge getheilter Ansicht sind. Morgen steht außer kleineren Vorlagen die Interpellation Fetisch betreffend die Handwerker-Vorlage auf der Tagesordnung.— Einen soziitldemokratischen Minister(Regierungsrath) hat nun einer der wichtigsten schweizerischen Kantone. Eine Privatdepesche aus Zürich meldet uns: Der Kandidat der Sozialdemokraten für den erledigten Sitz des Regiernngsraths Genosse Ernst, Stadtrath i» Winterthur, ist bei der gestrige» Stichwahl mit 3S837 Stimme» gegen den liberalen Kandidaten Haab gewählt worden. In der Arbeiter- bevölkernng des ganzen Kantons herrscht die größte Begeisterung. Die krctensische Frage ist trotz der so viel gerühmten Einigkeit der Großmächte heute noch nicht geklärter. Das Ultimatum an Griechenland ist noch immer nicht überreicht, die Instruktionen der diplomatischen Vertreter in Athen sollen so sehr von einander abweichen, daß eine Einigung über den Wortlaut des gemeinsamen Ultimatums der Großmächte noch nicht erzielt werden konnte. In diesen kleinen Hemmnissen der gemeinsamen Aktion gegen Griechenland scheint Methode zn liege». Ueber die Lage auf Kreta liegen folgende Meldungen vor. In der Stadt Kandia und der Uingebung ist die türkische Be- völkerung von einer Hungersnoth bedroht. Dw Insurgenten treffe» Vorbereitungen zum Bombardement der Stadt Aerapetra. Den frenide» Kriegsschiffen gelang es, an einigen Punkten die Mohainedaner vor den Gransanikeilen der Christen zu retten. Wo dies infolge der Entfernung von der Küste nicht angängig ist, sind die Moslems der Rache der christlichen Aufständischen ausgesetzt, die durch die Anwesenheit griechischer Truppen auf der Insel zu unmenschlichen Greueln ejminthigt werden. Wie aus Kanea von Sonntag Nachmittag 2 Uhr 40 Min. gemeldet wird, hat vor Herakleio» ein neuer Kampf zwischen Türke» und Ansständische». welch' letztere von dem Führer Korakas befehligt waren, stattgefunden. Die Christen wurden zurück- geschlagen, die Türken behaupteten ihre Stellungen.— Vo» Nach- mittag 3 Uhr 40 Min. wird ans Kanea gemeldet: In Malaxa, oberhalb Tsikalaria sind Türken von den Christen eingeschlossen und leiden seit mehrere» Tagen Mangel an Lebensmitteln. Als heute die Türken unter Bedeckung von NizamS Kanea verließe», um de» Eingeschlossenen Lebensmiltel zu bringen, enlspan» sich ei» Kampf. in dem einige Türke» und Nizarns getödtet wurden. Eine türkische Fregalte gab ans die Aufständischen zwei Kanonen- schüsse ab, stellte aber ans Befehl der frenide» Schiffe das' Feuer ein. Die Türken mußten sich mit den Lebensmitteln zurückziehe».— Die Ortschaften Tsikalaria und Neroknrn sind von Baschiboznks in Brand gesteckt worden. Ans Kandia wird der „Köln. Ztg." telegraphirt, daß die Lage immer trauriger werde. Die Hungersnoth unter der Bevölkernng werde infolge gänzlichen Mangels an Nahrungsmitteln in den nächsten Tagen nllge.'.ncin sein und schwere Folge» haben. Katastrophen dürften unvermeidlich sein.— Anch in Rethymo sei ei» Fortschritt zu gunsteii des An- schlnffes an Griechenland bemerkbar. Christen und Türken erhoffe.» eine schnelle Lösung. Zahlreiche andere Meldungen beziehen sich ans die von den Türken energisch betriebenen Rüstungen und auf die großen Truppenverschiebnngen an die griechische Grenze.— Herr NhodcS, der afrikanische Bismarck, sucht, nachdem erlange geflunkert, geleugnet, verdreht und gelogen, schließlich sich aber doch in dem Netz seiner Lüge» verstrickt halte, die Unter- snchungskoininissio» durch de» Hinweis auf eine geheiinnißvolle „fremde Macht", die er jedoch nicht nenne» könne, deren Zwecke er aber patriotisch habe vereiteln müfsen, von der Fährte abzulenken. Die„fremde Macht" ist natürlich Deutschland, das er schließ- lich auch direkt»anule. Herr Rhades rechnet bei diesem von uns schon voriges Jahr vorausgesagten Theaterkoup auf die Wirkung, die das bekannte Telegramm des deutschen Kaisers in England hervorgebracht hat»nd hervorbringe» mußte. Er weiß so gut wie wir, daß er eine Unwahrheit sagt. Der„Vorwärts" ist das einzige Blatt, das seinerzeit jenes Telegramm wegen seiner un- glücklichen Fassung, die mit Nothwendigkeit Mißverständnisse hervor- rufe» mußte, krilisirte. Wir sind auch davon nnterrichtet. daß deutsche K o l o» i a l a b e n t e u r e r, die mit Beziehungen zur„höchsten Stelle" reuonnnirte», thatsächlich von deutsch-afrikani- scher„Weltpolilik" gefaselt haben, allein Herr Rhades ist ein viel zn geriebener Bursche, als daß er sich des Blödsinnige, i und absolut Unmöglichen solcher Prahlhansereien nicht voll bewußt iväre. Er flunkert also auch mit dieser Ausrede und stellt sich durch sie ans das Niveau seiner englischen Deteklives, welche die Schnapsphantasien des famosen Tynan(Nr. 1) sür ernst nahmen. Uebrigens hat die jämmerliche, alles andere nur nicht heldenhafte Nolle, welche Herr Rhades vor der Uniersnchiittgslommission spielt, fein Prestige i» England zerstört. Die Welt ist wieder ein- mal um einen„großen Mann" äriner.— »» » Tentsches Reich. — Zur Diäte» frage bringt die„Köln. Volksztg." folgende statistische Uebersicht. I» Europa zahlen nur Deutschland, Spanien und England keine Diäten a» die Parlaments-Abgeordneten. Die höchsten Diäten werden in Frankreich gegeben, das seinen Ab- geordnete» jährlich 9000 Fr. zahlt>md freie Fahrt 1. Klasse aus de» Bahnen gewährt. Ungarn gewährt 4000 M. jährlich, ferner etwa 800 Gulden sür Mielhe, ein billiges Abonnernentsbillet ans de» Staatslinien. Die Niederlande geben den Mitgliedern der Zweiten Kammer 2000 Gulden jährlich und Vergütung der Reisefpese». Griechenland zahlt trotz seiner Finauznöthe 1400 M. für eine ordentliche Session und 890 M. sür eine außerordentliche. In Schweden erhallen die Unterhansmitgliedcr 1330 M. für die Session. Für jede» Tag, an dem ein Mitglied unentschutdigt fehlt, werden 1l M. abgezogen. Es wird außerdem Reisekartenvergütmig gewährt. Belgien zahlt den Abgeordnete» eine Entschädigung vo» jährlich 4000 Fr., daneben haben sie freie Fahrt in erster Wagenklasse zwischen ihrem jeweiligen Wohnorle und Brüssel. Keine Diäten beziehen die aus der höchsten Zensiten-Klasse hervorgehenden Mit- glieder des Senates. Das empfinden, wie es scheint, die durch die neue Berfaffung geschaffenen Provinziäl- Senatoren, welche ohne Rücksicht auf den Stener-Zensus in der Gesanimtzahl von 26 durch die Provinziäl- Räthe ernannt werden, einigermaßen unangenehm,»md niit Rücksicht auf diese nicht nothwendig reichen Mitglieder des Oberhauses genehmigte neulich der Senat einen vom Herzog d'Ursel eingebrachten Gesetzentwurf, nach welchem auch die Senatoren fortan 4000 Frks. jährliche Diäten erhalte» sollen. Dieser Gesetzesantrag ist noch nicht an das Ab- geordnetenhaus gelangt, trifft übrigens in Anbetracht der glänzenden Vermögenslage sänimtlicher Senatoren ans vielfachen Widerspruch in der Presse und in de» parlamentarischen Kreisen. Die anderen Staaten gewähren nur Tagegelder: Rumänien 20 M., Freifahrt- karten und Freiposte»; Oesterreich 10 Gulden für jeden eingehaltenen Sitznngstag und Reisespesen; Bulgarien und die Schweiz 16 M. pro Tag und Freifahrt; Preuße» 15 M. pro Tag; Portugal, das früher feste Enlschädigungen gab, läßt die Kommnnen täglich 15 M. an die bedürftigen Abgeordneten zahlen und gewährt freie Fahrt: Sachse» gewährt seine» Kannner-Abgeordneten 12 M.; Baden ebenfalls 12 M., Hessen 9 M., aber nur den nicht in Darm« sladt ansässige» Abgeordneten, außerdem Reisespesen; Bayern zahlt den Nicht-Mnncheneru>0 M. und giebt freie Fahrt auf allen bayerischen Slaatsbahnen in der ersten Wagenklaffe; Württemberg 9,50 M. und die Reisekosten; Sachsen-Kobnrg-Golha zahlt 6 M. täglich den in Gotha ansässigen und 10 M. den auswärtigen Mit- gliedern, ein Freibillet in der zweiten Eisenbahnklasse und 8 M. sür verschiedene Auslagen; Dänemark zahlt nur 6,75 M. Diäten und die Reisespesen, räumt aber dafür einen Freisitz im Theater ein; Norwegen gewährt dagegen nicht nur 13,50 M. Diäten und Reisespesen(Billet und II Mark für den Reisetag), sondern in Krankheitsfällen freie ärztliche Behandlung, Arzneien, Bnder, Massage und freie— Zahnoperatton. Die deutschen Reichstags-Abgeordnele» haben Freifahrt zwischen Berlin und dem Wohnort. Die Parlaments-Abgeordneten Englands und Spaniens genießen nicht einmal diese Vergünstigung. Die Ausgaben für unsere» Reichstag belaufen sich auf nur 658 190 M.. dagegen er- fordert das französische Parlament rund 9V, Millionen Mark (Senat 3 630 000, Deputirtenkammer 5 885 562 M). In England kostet die Landesvertretung 2 085120 M.(Oberhaus 911260 M., Unterhans: Personalbedarf 180 000 M.. Realbedarf 993 360 M). In Deutschland muß man allerdings noch die Landtage der Einzel- slaateu in Rechnung ziehen.— — Dem früheren nationalliberalen Abgeordneten, Landgerichts-Rath Kuleinann, giebt die Nat.- Liber. Korresp." den Laufpaß. Hat ihn auch verdient, tritt er doch anch sür sozialpolitische Forderung«» ei».— — Die Voruntersuchung gegen den Kriminal- k o rn m i s s a r v. Tausch ist in den letzten Tagen der vergangenen Woche abgeschlossen und das umfangreiche Aktenmaterial der Staatsanwaltschaft zur Stellung ihrer Anträge übersandl worden. Die Ausarbeitung der Anklageschrift hat Oberstaatsanwalt Drescher. wie früher bereits angekündigt, dem Staatsanwalt Eger übertragen. Diese Anordnung schien schon deshalb geboten, weil die Machinationen des Kriminalkommissars v. Tausch, der(»ach ß 153 G.-V.-G.) auch als Hilfsbeamter der Staatsanwaltschaft anzusehen ist, zum theil auch gegen den Oberstaatsanwalt selbst gerichtet waren. Bei dem Umfange des Bemeis- Materials ist es natürlich nicht ausgeschlossen, daß die Staats- anwaltschaft(in Gemäßheit des§ 195 St.-P.-O) noch insoweit eine Ergänzung der Voruntersuchung beantragen wird, als die Ver- nehmung des einen oder anderen Zeugen noch erforderlich erscheint, indcß dürfte dadurch das Verfahre» nicht wesentlich verzögert werden, wenn nicht etwa der Angeschuldigte nach Mittheilnng der Anklage- schrist»och weitläufige Beweiserhebungen beantragt. Geschieht dres nicht, so würde die Hauptverhandlung gegen Tausch, Lützow in der nach Ostern(13. April) beginnenden Schwurgerichtsperiode stattfinden können.— Branuschweig. Die braunschweigische Rechtspartei(Welsen) hat in einer stark besuchten Versaunnlnng beschlossen, nachdem die„Altbraunschweigische Volkszeitung" wegen Bankrotts des Besitzers zu bestehen ausgehört hak, vom 1. März ein neues Blatt herauszugebe», dessen Redakteur der Hauptmann a. D. Frei- Herr Konrad v. Girseriald werden soll.— —« s i n d e- O r d>i n n g. Das bayerisch« Staats- m i n ist e r i u m des Inner» hat den Entwurf von gesinderecht- liehe» Bestimmunge» auf grund des bürgerliche» Gesetzbuchs aus- gearbeitet und verlangt nunmehr Gutachten hierüber von den Verivaltungsbehörden. Wieder eine hervorragende That der bayerischen Liegiermig. Sie arbeitet am Ende des 19. Jahrhunderts einen Entwurf gesinde- rechtlicher Bestimmungen aus. Sollen die Entrechtung und die Degradation der Dienstboten zu Proletariern zweiter Klasse, das Prügelrecht der Dienstherrschaften n»d andere schöne Dinge durch die „Gestnde-Ordnung" in alle Ewigkeit garantirt bleiben?— — Zum Prozeß Bauer schreibt die„Heilb. Ztg.": Am 4. Februar fand in Stuttgart das Kriegsgericht über den Lieutenant Rabe statt, welcher de» Musketier Bauer III von Neckarsulm in Verzweiflung und Tod getrieben hat. Es ist grg«» ihn dir Entfernung aus dem Heere beantragt worden. Das Urtheil wird erst bekannt gegeben, wenn es die königliche Bestätigung gesunden hat. Der Feld- webel Jls höfer ist am II. Februar aus dem Armee- verband entlassen worden, nachdem ihm in Rücksicht auf seine fr ii Heren Dienstleistungen der Zivit» Versorgungsschein eingehändigt»vorden ist.— — Zur Reform des Landtags-Wahl rechts in Hessen sind von der Zentruinsfraktion in der Zweiten Kammer die folgenden zwei Anträge wieder eingebracht worden: 1. Antrag der ZIbgeordneten Wasserburg und Genossen, die Einführung direkter Wahlen zum Landtag betreffend. Die Unter- zeichneten beantragen: die Regierung zu ersuchen, der Kammer»och in dieser Session eine Vorlage zugehen zu lassen, wodurch für die Wahlen zum Landtage das direkte Wahlrecht eingeführt wirb.— Wasserburg. Dr. Schmitt. Dr. Frenay. Horn. Frhr. v. Koth. Pennrich. 2. Antrag der Abgeordneten Schmitt und Genossen, den Erlaß einer Vorlage über Wablvorschrtsten betreffend. Die Unter- zeichneten beantrage»: die Regierung zu ersuchen, der Kanimer noch in dieser Session eine Vorlage zugehen zu lassen, wodurch bei allen Wahlen(Gemeinde-, Kreis- und Landvertretung) I. die Verpflichtung der Wahlberechtigten zur Abgabe ihrer Stirn in e n ausgesprochen und 2. alle Beschränkungen des Wahlrechtes wegen Nichtheranziehung zur S teuer» zahlung, namentlich auch der noch im Haushalte der Eltern befindlichen Haussöhne beseitigt werben; 3.«ine gleichmäßigere Vertheilung aller Wahlkreise ans das ganze Land und damit eine gerechtere Vertretung der größeren Städte herbeigeführt, endlich 4. die Gehet ni Haltung der Stimmabgabe durch Einführung amtlicher Wahlkouverts gesichert wird. Gleichzeitig wird an die Regierung da? Ersuchen gerichtet, der Frage der P r o p o r t i o n a l v e r t r e t u n g näher zu treten und eventuell auch dieserhalb der Kammer Vorlag« zu macheu.(Folgen die Unterschristen.) Oesterreich. — Die Wahlbewegung hat ihren Höhepunkt erreicht. Obgleich— von Stichwahlen ganz abgesehen— die letzte Wahl erst am 24. März stattfinden wird, so dürfte sich doch schon in den nächsten Tagen eine rückläufige Bewegung der jetzt noch hochgehenden Wogen der Wahlbewegung bemerkbar machen, denn am 4. März beginnen die Wahlen der Kurie des allgemeinen Wahl- rechts. Dieser Wahltag wird freilich wenig interessantes bieten, finden doch an diesem Tage blos in der Buko- wina Wahlen statt, am 8. März wählt in Trieft die„fünfte Kurie. Der Hauptwahltag für die österreichische Sozialdemokratie ist der 9. März. An diesem Tage wählt Wien und Niederösterreich, Salz- bürg, Kärnthen, Mähren und Schlesien. Am 10. März wird in Krain, Görz und Jstrien, am 11. März in Galizien und Ober« österreich gewählt. Der 12. März ist für die allgemeine Wahlkurie der letzte Wahltag, an diesem Tage treUu die Wähler vo» Steiermark. Tirol, Vorarlberg, Böhmen und Dalmatien an die Wahlurne. Die Wahl in den Landgemeinden in Bödme», wo im Reichenberger Kreise Dr. Viktor Adler Aussicht hat. ge- wählt zu werden, finden am 17. März statt..° � Nach den Ergebnissen der Wahlmännerwahlen in Bödmen scheinen, abgesehen von Adler, Verkauf in F al ken au- Eger. H a n n i ch in der allgemeinen Kurie des Reichenberger Wahlkreise,. Vrätny in Pilsen und Mährisch. Schönberg Eduard Rieger als gewählt gelten z» können. Ueber die Haltung der Behörden gegenüber der Wahtbeweguna in Galizien veröffentlichten sozialfftische und nichtsozialinische Blätter die haarsträubendsten Dinge, die man unht glauben könnte, wenn nicht in dem Paschalik Badeni, wie Galizien treffend be- zeichnet wird, bei jeder Wahl ähnlich« Dinge vorkommen würden. Mau zählt jetzt schon die von der Gendarmerie Ermordeten und Verwundeten, die zwangsweise von der Wahl ferngehaltenen nnd führt die unerhörtesle» Wahlmihbrünch« an. Trotzdcni dürften aber die Wahle» auch in Galizie» nicht ganz nach de» Wünschen Badeni's vor sich gehen.— Trient, I. Marz. Ein hiesiges Blatt nieldet aus Wien die Verhaftung eines r n s s i s ch e n I o n r n a l i st e n. Derselbe beabsichtigte, in Galizien nnd Ungar» tS e h e i m k o m i t e e s behufs panslavistischer Propaganda zu bilden.— Schtveiz. Bern, 28. Februar. Der Entwurf des Bundes' g e s e tz e s, betreffend Errichtung einer Eidgenössischen EtaatSbant mit B a>» k n o t e n in o n o p o l ivurde in der Volksabstuninung mit zirka 240000 gegen 100 000 Stimmen verworfen. Die Kapitalisten und Föderalisten werden über diesen theuer erkauften Sieg jubeln.— Frankreich. Paris» 1. März. In Troyes wurde gestern Abend ein Fest- wähl zu Ehren des Exministers Bourgeois abgehalten. Der letzlere wandte sich in einer heftigen Rede gegen die Regierung nnd äußerte sich namentlich über deren ablehnendes Verhaitcn allen Reformen gegenüber sehr erbittert. Als nach dem Festmahl von einem klerikalen Abgeordneten der Exminister in der Zirkushalle den An- wesenden vorgestellt wurde und dieser einen Vortrag halten wollte, erhob sich lautes Pfeifen und Zischen, sodaß die Versammlung wegen des wachsende» Tumultes aufgelöst werden mußte.— Paris, 28. Februar. Die Untersuchung, welche auf den An- trag der Sozialisten betreffs der Wahl des neuen Deputirten Rigand eingeleitet werden sollte, fand den Beifall der Kammer nicht und wurde gestern mit 288 gegen 228 Stimmen verworfen und mit 278 gegen 107 Stimme» die Giltigkeit dieser Wahl erklärt.— Paris, 27. Februar.(Eig. Bcr.) Jaurbs gegen die russische Allianz. Die französischen Sozialisten beobachteten von jehev' dem französisch-rusischen Einvernehme» gegenüber theils eine mißtrauische, theils eine offen feindliche Haltung. Vertreter der letztere» sind neben den Blanquisten und Allemaniste» unsere Genossen von der sozialdemokratischen Arbeiterpartei. Seit- dem G u« s d e die„Petite Republiqne" leitet, kommt in diesem Blatte die schärfere Tonart mit aller Deutlichkeit zum Ausdruck. Die diplomatische Entwickelung der letzten Woche», die greifbar hervor- getretene Unterordnung Frankreichs unter die Interessen des Zaren- reiches � im Orient hat aber auch die bis dahin schwankenden Sozialisten umgestimmt. Einen weiteren höchst bezeichnende» Beweis dafür liefert der heutig« Artikel von Jean Jaurös, erschienen in der sozialistisch-radikalen„Lauterne".'*) Jaurös bat— wie aus dem Artikel hervorgeht, offenbar von einem ehemaligen Minister— die„Wahrheit" über den wirklich existirenden sranto-russischen Vertrag erfahren. Danach hat sich Frankreich verpflichtet, mit Waffengewalt Rußland beizustehen, fall? dieses angegriffen würde. Daser- regt nun angesichts der gegenwärtigen Weltlage die stärksten Bs- furchtnngen bei den französischen Politikern,„die seit einigen Jahren sich am Staatsrnder ablösten". Jauros geht aber weiter. Er leitet aus jeuer Vertragsklausel die N o t h iv e n d t g k e i t ab, mit Rußland ganz zu brechen. Zum ersten Mal wird diese Forderung in Frankreich so kategorisch aufgestellt. Die weseiillichsten Ausführungen des Artikels mögen wegen ihrer hohen Wichtigkeit wörtlich augeführt werden:„Mag Rußland infolge von stets möglichen Erschütterungen gegen Konstantinopel marschire», mag es in einen Konflikt mit irgend einer Macht, mit England oder Oesterreich gerathen, und mag es vorschützen können, daß es angegriffen sei,— dann ist Frankreich verpflichtet, seine Soldaten zur Unterstützung des Zaren zu schicken. Oh, ich »veiß wohl, daß wir durch eine gegensertige Klausel gegen einen An- griff seitens Deutschlands gesichert sind. Aber Rußland weiß genau, daß Deutschland, bestrebt vor allem, seine Eroberung von 1870 zu befestigen nnd seinen kommerziellen Einfloß in der ganzen Welt auszudehnen, keinen Wunsch hegt, uns anzugwise» Uebrigens beseitigt Rußland, indem es uns nach Kiel führte und auf jede mögliche Weise eine Annäherung zwischen unsere» Regierenden und Wilhelm II. anzubahnen sucht, jede unmittelbare Gefahr eines Konflikts zwischen uns und dem deutschen Kaiser. Rußland bietet uns also eine Garantie für einen hypothetischen Fall, der nicht ein- treffen wird, während wir Rußland ein« Garantie für einen hypothetischen Fall bieten, der morgen zur Wirklichkeit werden kann. Ah, Herr Hanotaux zeigte einige Keckheit, als er neulich(die Kreta- Debatte ist gemeint) uns an die Bertheidigung unserer eigenen Herde erinnerte: es handelt sich viel- mehr um die Vergrößerung des fernen Herdes„Väterchens"... Ist Rußland morgen angegriffen oder läßt es sich angreife» (von Jaurös unterstrichen), erhebt es im Orient Ansprüche, durch welche es andere Völker gegen sich aufbringt, dann wird Frankreich gezwungen sein, entweder seine Unterschrist zu verleugnen, welche feine Regierungsmänner ohne seine Zustimmung verpfändet haben, oder seine Armee in die Abenteuer der russischen Politik zu stürzen. „Ich habe es kaum nöthig zu sagen, daß unsere Wahl gethan ist: wir erachten nicht, daß Frankreich durch die Negierenden, die es nicht befragt haben, ge- banden ist. DaS republikanische Frankreich kann sich nur selber binden... „Alle klarblickenden Köpfe befürchten für das kommende Früh- jähr die schwersten Gefahren, und wir wissen nur eins: Frankreich wird in dieser Finsteruiß an einer Kette vorwärts geschleppt, welche es an die Politik des Zaren fesselt. So daß wir durch eine ge- Heime, aber formelle Klausel verurtheilt sind, morgen in den Krieg zu ziehen, nicht um uns zu vertheidigen, nicht um die Inte- grität unseres Vaterlandes wiederherzustellen, nicht um in der Ferne zum Schutze der Schwachen, zur Befreiung der Unterdrückten beizu- tragen, sondern um im Orient die Geschäfte des Zaren zu besorgen. „Wir werden nicht aufhören, in der Presse und auf der Tribüne, vor dem Parlament und vor dem Lande diese Gefahr zu denunziren: sie kann tödtlich sei». An Frankreich liegt es, sich vor- zubereiten und rechtzeitig seine Kette zu brechen." JauröS sagt mit recht, daß Hanotaux sich wegen der eingangs erwähnte» Klausel hartnäckig geweigert habe, die Bestimmungen des iranko-russischen Vertrages bekannt zu machen. Und doch ist jene tlausel das Mini m u m dessen, was überhaupt i» einem Allianz- vertrag zwischen gleichberechtigten Mächten enthalten fein kann. Ist nun aber der abgeschlossene Bertrag trotzdem für Frankreich em« „Kette" und eine„tödtliche Gefahr", so deshalb, weil— und dieser Schluß, ans welchen Jaurös' Ausführungen im Grunde hinaus- laufen, wird sich immer weiteren Kreisen aufdringen müssen — eine Tlllianz zwischen Frankreich und Rußland überhaupt unmöglich ist. Denn die Interessen des letzteren liegen ausschließlich im nahen und fernen Orient, wo Frankreich entweder nichts zu suche» hat oder, insofern der Schutz der türkische» Christen in betracht kommt, moralische, der Zarcnpolitik entgegengesetzie Interessen hat, während umgekehrt Frankreichs nationales Haupt- interesse inbezug auf Elsaß-Lolhringen»iußland nicht nur nichts an- geht, sondern direkt gegen seine Politik mit ihrem frauzosisch. deutschen Doppelgesicht gerichtet ist. A»S diese» realen Verhältnissen erklärt es sich, daß die angeblich„natürliche" Allianz bei der ersten halbcrnsten Vorprobe in ihren Grundlagen erschüttert wird.— — Unsere Pariser Korrespondenz über die Glashütte von Aldi wird durch die folgende, leider vcr- spätet eingetroffene Mittheilung auS Paris ergänzt: Die„Berliner Zeitung" hat sich übrigens nicht mit dem Wieder- *) Beiläufig bemerkt; haben es JauröS und Millerand leider vorgezogen, in diesem halbsozialistischen oder halbbürgerliche» Blatte zu schreiben als in der von Guesde geleiteten„Pettte Röpublique". In ihrer Mitarbeiterschaft an der„Lanterne" sind sie übrigens selbst- verständlich vollkommen unabhängig. kauen der abgestandenen und kalt gestellten Verleumdungen der französischen Bourgeoispresse und der entlassenen Anarchisten begnügt. Sie fügt noch ans eigenem srisch Hinz», daß „die Gewinnantheile der als Kapitnlgcber betheiligten Ar- beiter> Verbände eine genügende Arbeitslohn- Zahlung nicht zulassen". Die Wahrheit.ist, daß von„Gewinnantheilen" überhaupt noch nicht die Rede sein kann, da ja die erste Flaschenlieferung(ein Waggon mit 10 000 Flaschen) erst am 10. Februar 1897 effekluirl wurde. Zudem regeln die Statuten der Glashütte die Gewinnvertheilnng wie folgt: Vom Reingewinn ist zunächst ei» Abzug von 20 pCt., der bis auf 30 pCt. erhöht werden kann. für den Reservefonds zu machen. Vom Rest des Gewinnes entfallen sodann 40 pCt. auf die Glasarbeiter behufs Bildung einer Altersversorgungs-, Kranken- und Arbeitslosen- Kasse nnd 60 pCt. auf die Dividende der Aktionäre. Die Dividenden solle» aber nur formal, um dem Gesetze zu genügen, zur Ber- theilnng kommen. In Wirklichkeit schreiben die Statuten deren Verwendung für einen der g e s a m m t e n Arbeiterklasse zu gute kommenden Zweck vor, welch letzterer alljährlich von der Generalversammlung der Aktionäre, d. i. der belheiligte» Arbeiterorganisationen, zu bestimmen ist. Wie es uiit der Gewinnsucht der„Kapitalgeber" bestellt ist, erhellt noch aus der Thatsache, daß zwei Pariser sozialistische Konsum- genossenschasteii, der„Egalitaire" und der„Avenir de Plaisance", die bereits mit größeren Summen an der Glashütte betbciligt sind, vor wenigen Wochen zur Beschleunigung der Betriebseröffnung der- selben 63 000 bezw. 63 000 Fr. zinscnlos vorgeschossen haben. Der „Avenir de Plaisance" wurde deshalb von einem k a p i t a l i st i- f ch e» Gendsseuschaftsmitglied beim Pariser Zivilgericht verklagt und muß nun kraft des Urtheils des kapitalistische» Gerichts eine Liquidation über sich ergehen lassen, um sich sodann auf neuen Grundlagen, ohne zinswüthige Kapitalisten, zu reorgani- streu. Die„Berliner Zeitimg" hat also entweder keine blasse Ahnung von dem Gegenstand ihres mit„Slktenstücken" gespickten Leit- artikels, oder aber sie hat ihn einfach wider besseres Wissen zu- sammenge— dichtet. — Nach den Erklärungen Arton's vor dem Schwur- aerlcht hat die Gerichtsbehörde beschlossen, eine neue Unter- fu ch n»(£ der Panama-Angelegenheit zu eröffnen, die gestern vsnziell begann, aber erst nach Fastnacht fortgesetzt wird. Untersuchungsrichter Le Poittevin wurde hiermit beauftragt und ver- hörte gestern Arto», der ihm aus der Conciergerit vorgeführt wurde. Gegen 6 Uhr kehrte der Angeklagte dorthin zurück und trug sein traditionelles Lächeln zur Schau, welches noch räthselhafler zu sein schien, als bisher. Auf was sich das Verhör bezog, ist nicht bekannt. Doch soll der Untersuchungsrlchler in th» gedrungen sein. seine Erklärungen vor dem Schwurgericht noch näher zu präzisire», womit«s Arton nicht gerade eilig gehabt habe» soll. Er hat naturgemäß ein Interesse, die Untersuchung in die Länge zu ziehen, da dies ihm gestattet, seine Gefängnißsirafe in der Concicrgerie zu verbüße», wo er verschiedene kleine Vorlhetle genießt, die ihm anderswo nicht zu theil werden. Herr Le Poittevin steht nun vor der schweren Aufgabe, die umfangreichen Akten des Panoma zu studiren, die ihm von seine» Vorgängern und in erster Linie von dem Untersuchungsrichter Frauqucville überkommen sind. Da derselbe einer der hervorragendsten Pariser Richter ist, hofft man, er werde dem aalglatten Arton an» beste» gegenübertrelen können.— AuS Aldi wird gemeldet, daß der sozialistische Verwalter der Glasfabrik zu 300 Franks Geldbuße und Zahluiig der Koste» ver- urtheilt worden ist wegen gesetzwidriger Entlassung von vier Ar- beiter». Dieselbe» werden jetzt auch gegen das sozialistische Syndikat gerichtlich vorgehen, da ihre Entlassung auf einen Druck des Syndikats zurückzuführen ist. Was dieses Urtheil zu bedeuten hat, haben unsere Pariser Korrespondenzen in der Sonntagsnummer und in der heutige» Nummer gezeigt.— — Die Gewaltherrschaft liegt im Wesen des M il i t ari s- in u s und sie ist international, wie der MitilarisninS selbst. So lesen wir heute in französischen Blättern, daß vorige Woche i» Konstantine(Algerlen) ein Soldat, der sich an einem Korporal ver- griffen hat, kriegsrechtllch erschossen worden ist, und daß sich im Mililärgefängniß zu Konstantine noch zehn zum Tode ver- urlheilte Soldaten befindk.. Und wohlgemerkt: französische Soldaten, nicht Soldaten der Fremdenlegion, deren Lebe» ja be- kannllich nicht zählt. Unsere Genossen werden die Angelegenheit vor die französische Kamnier bringen.— Niederlande. Amsterdam, 23. Februar.(„Franks. Ztg.") Der von der Re- gieruna der zweiten Kannner vorgelegte„Gesetzentwurf betreffs einer Versicherung gegen die Folgen von Unfällen in bestimmten Betrieben" verdient schon deshalb Beachtung, weil er hier zu Lande der erste Versuch einer obligatorischen Versicherungs-Gesetzgebung »ach deutschem Muster ist. Auch bisher gab es schon Be- stimmuugen, durch die der Arbeitgeber zur Zahlung von Eni- scb.ädiguugen an die in seinem Betrieve verunglückte» Arbeiter ver- pflichtet sein sollte. Die betreffenden Paragraphen waren aber nicht nur unzureichend, sondern auch unklar, und lang- wierige Prozesse bildeten fast die Regel. Nunmehr nimmt der Staat die Angelegenheit in die Hand. Die Auswahl der Betriebs- arten, welche vorläufig der Versicherung unterstellt werden sollen, ist eine im ganzen glückliche. Neben den mit mechanischen Kräften arbeitenden Unternehmungen und den Baugeschäften ist auch nie Schifffahrt einbezogen und ein« weitere Ausdehnung ist für den Fall einer erfolgreichen Wirksamkeit des Gesetzes in Aussicht ge- nommen. Die Versicherung gilt nur für Personen mit«iueni Ein- kommen von 1200 fl. und darunter. Trunkenheit ist der einzige tall, in dem keine Prämie ausgezahlt wird; hat der Unfall aber de» od zur Folge, so erhalten die Angehörige» trotzdem Entschädigung. Die Maximalreiite beträgt% des durchschnittlichen TagelohueS. Die Kosten der Versicherung fallen ausschließlich den Uttternehmern zur Last und die Arbeiter haben in keiner Weise etwas beizu- tragen. Von der Bildung von Berussgenosseuschaflen hat man Abstand genommen. Die ganz« Organisation wird mit den Postämter» verbunden, welche die Renten am Wohnort des Empfangsberechtigten auszuzahle» haben. Der Mittelpunkt der Ber- ivaltung liegt bei einer in Amsterdam zu errichtenden Reichs-Ver- sicherungsbank, die neben den rein verwaltungsmäßigen auch statistisch- wissenschaftliche Verpflichtungen überniinmt. Von fachmännischer Seite wird übrigens diesem Entwurf bei aller Anerkennung seiner Vorzüge der Vorwurf gemacht, daß er auf ein späteres Zusanimenarbeiten mit einer ebenfalls in Vorbereitung be- findlichen Juvaliditätsgesetzgebnng zu wenig Rücksicht nehme, und damit dieselbe» Unzulänglichkeiten ermögliche, wie sie in Deutschland infolge der nicht genügenden Einheitlichkeit der Verstcherungsgesctz- gebung sich leider bemerkbar gemacht haben."— Italien. Rom, Ende Februar.(Eig Ber.) In Rom nehmen in diesen Tagen die öffentliche Aufmerksamkeit einerseits die Versuche zur Wiederbelebung des stark in Verfall gerathenen römischen Karnevals. andererseits die Straßendemonstrationen zu gunsten Griechenlands and drittens die Arbeitseinstellung des Fleischergewerbes in Anspruch. Diese Arbeitseinstellung nimmt ohne Zweifel den größten Theil de? öffentliche» Interesses in Anspruch, da sie die Haupt- stadt mit der Entziehung der Fleischkost bedroht, und dies gerade in einem solchen Augenblick, in welchem die römische Bevölkerung sich durch vermehrten Fleischgenuß auf die Fastenzeit vorzubereiten gewohnt ist. Die Ursache des Fleischer- streiks, der nicht von den Gesellen, sondern von den Meistern i»S Werk gesetzt wird, liegt in dem Umstand, daß die Pferdeschlächtereien den Fleischern eine immer steigende Konkurrenz mache», da sich i»S- besondere die Gasthöfe und Restanrationen immer mehr deS Pferde- fleifchcS bedienen. daS ste natürlich nicht unter seinem Namen auf ihre Speisenkarten setzen. Die Fletscher verlangen deshalb«in verbot de» Schlachtens der Pferd» und haben darüber mit den städtischen nnd Regierungsbehörden verhandelt. Da diese VerHand« lnngen bis jetzt erfolglos geblieben sind, ist der Streik ausgebrochen. Die Vertheiviger der Pferdeschlächtereien behaupten, daß das Pferde- fleisch wegen seines geringeren Preises sich zum Nahrungsmittel der ärmeren Volksklassen eigne; doch wird von anderer Seite entgegnet, daß gerade diese Klassen sich des Pferdefleisches nicht bedienen, sondern, wenn sie anderes Fleisch nicht erlangen können, eine vege- tabilische Kost vorziehen; sodaß das Pferdefleisch in Wirklichkeit nur den Spekulanten diene, die es als Rindfleisch verkaufen oder verarbeiten wolle». Die städtischen Behörden habe», um den Wirkungen des Streiks zu begegnen, zwölf öffentliche Verkanssstellen für Fleisch er- richtet; aber diese Veranstaltung dürfte für eine Bevölkerung von 430 000 Menschen schwerlich ausreichen. Ein ähnlicher Meisterstreik ist gleichzeitig in Mailand ausgebrochen, wo die Erhöhung der städtischen Schlachtsteuer den Anlaß gegeben hat. Was die Straßen- demonslrationen zu gunsten der griechischen Invasion auf Kreta an- langt, so sind sie natürlich gegen das Einschreiten der Flotten- abtheilungen der Großmächte gerichtet nnd endigen in der Regel mit Beifallskundgebungen vor der griechischen Gesandtschaft und mit Versuchen zn feindseligen Kundgebungen vor der türkischen Botschast, die von der Polizei verhindert werden. Spanien. — Spanische Wirthschaft auf Kuba. Nicht bloZ die Vereinigten Staaten reklamiren wegen ihrer auf Kuba eingekerkerten Angehörigen, sondern auch England und Frankreich. Die Regie- ruvgen der beide» letzteren Staaten haben, wie man dem„Temps" meldet. Roten an die spanische Regierung gerichtet; sie beklagen sich über die Berhaftnng ihrer Landsleute und über die langsam« Unter- suchung. Es handelt sich um zwei Engländer und zwei Franzosen; von den letzteren ist einer schon vierzehn Monate im Gefängniß und weder dem französischen Generalkonsul in Havana noch der französischen Botschaft in Madrid ist es gelungen, seinen Prozeß zu beschleunigen.— Ans Havana werden dem„R.-A. Herald" Einzelheiten über den Tod des Dr. Ruiz gemeldet. Danach wurde derselbe thatsächlich im Gefängniß gefoltert und durch einen Schlag auf den Kopf getödlet. Als er todt war, brachte man seiner Frau einen Feldstuhl zurück, den sie ihm halte schenke» dürfen, und als sie den Stuhl untersuchte, fand sie an einer Stelle rührende Abschiedsworte an Frau und Kinder eingeritzt, dabei auch die Mittheilung, daß man ihn tödten werde. Der Stuhl befindet sich im amerikanischen Generalkonsulat, wo er vor den Spaniern sicher ist. Der Generalkonsul Lee verlangt neuer- dings energische Schritte oder seine Abberufung; er erklärte in einer Depesche an den Staatssekretär Olney, er wolle und könne es nicht auf weiter« Ermordungen ankommen lassen. I» Amerika machen diese Thatsachen großes Aussehe», von der Regierung aber, die nächste Woche zurücktritt, wird nichts Entscheidendes mehr geschehen. Inzwischen rüsten sich die Machthaber in Havana und setzen die Stadt in Bertheidigungsznstand.— Asien. Bolohama, l. März. Die japanische Regierung beschloß die Annahme der Goldwährung bei einem Werth- verhältniß von Gold zu Silber von 62»/» zn 1. Die im Umlauf be- findlichen Eilber-Uen sollen allmälig eingezogen werden. Die kleinsten Goldmünzen sollen 3 Den(annähernd 11 M.) betragen. Die Vorlage soll im Oktober eingebracht werde».— Einige VveMimmen zur letzten Vnifevvede. Ei» endloser Leitartikel des orthodoxen Pastorenblatles „R e i ch S b o t e" schließt mit den folgende» Aussührungen: „Die Sozialdemokratie ist die äußerste Konsequenz der autoritäts- losen, naturalistischen Weltanschauung— und angesichts dieser Kon- seanenze» sind ja wohl manche Kreise deS sogenannten liberalen gebildeten Bürgerthums erschrocken, so daß sie ansangen, zn begreifen, daß die naturalistische Weltanschammg zum Unheil führt und«S„mit ihr nicht geht", aber ste sind noch weit entfernt davon, zu erkennen, daß das Heil allein in der chnstlichen Weltanschauung liegt; sie haben nur ihren früheren Eifer für den Naturalismus abgekühlt und sich einer prinzipielle», über alle Wahr- heit achfelzuckenden Indolenz»nd Gleichgiltigkeit ergeben, die es der Sozialdemokratie und den ihr verwandle» nihilistischen und pessi- mistische» Bestrebungen ermöglicht, erst recht das Volksleben zu über- flulhen, die Nietzsche'schepesstmistischePhilosophie wird immer mehr zur TageSphilosophie des gebildete» Bürgerthums, welche geeignet ist, die letzte sittliche Grundlage der Gesellschaft bis auf de» Unterschied von gut»nd böse zu zerstören. Diese prinzipielle Gleichgiltigkeit als Niederschlag der naluralistischen Weltanschauung mit dem Hinsinken alles und jedes Idealismus, und der einseitigen Pflege der materielle» Interesse», an welcher der vorige Ruf bei Kaisers zum Kamps gegen den Umsturz wie in einem Wollsack verpuffte, macht der Sozialdemokratie die Agitation mit ihren Zukniiftsphanlasien so leicht. Und wo dieses Bürger- ihm» dem Kaiser für diesen Kampf näher tritt, da geschieht's auch nur von den materiellen Gesichtspunkten aus; an die prinzipielle» Wurzeln will man nicht rühren, weil man sich da selbst getroffen fühlt und kein gnteS Gewissen hat. Wenn der Kampf aber blas vom Gesichtspunkte der materiellen Interessen aus- geführt wird, dann gestaltet er sich zum Klassenkampf und gerade daS wünscht die Sozialdemokratie, weil ste weiß, daß sie dann im Vortheil ist. Will man also den Umsturz wirksam bekämpfen, so muß man ihn a» der Wurzel angreise»; muß die KampfeSstellung zwischen Arbeiter und Arbeitgeber in gesetzliche auf dem Prinzip der Soli- darität ruhende Bahnen lenken und im übrigen die naturalistische Weltanschauung in allen ihren Erscheinungen bekämpfen. Dann aber muß man auch der vaterlandslosen Umsturzpartei mit aller Entschiedenheit der staatlichen Mittel entgegentreten in dem Bewußt- sein, daß die Macht des Böse» nicht mir Streicheln zu überwinden ist und daß der Obrigkeit die Macht und Gewalt gegeben ist. Recht und Gerechtigkeit zu üben auf Erden. Eine Partei, welche all« Versuche de? Baterlandes, die Lage der Arbeiter zu verbessern, wie mit Hohn und Spott durch Weiter- pflege der Umsturzbestrebungen, durch Bekämpfung der vaterländi- scheu Geschichte und ihrer großen Männer und Verherrlichung aller Revolutionäre der Welt beantwortet, hat jeden Anspruch auf Rücksichtnahme und gleiche Behandlung mit anderen Parteien ver- wirkt. Die Anerkennung einer revolutionären Partei enthält auch thalsächlich eine Anerkennung der Revolution.— Das dem„R-ichsboten" geistesverwandte„Volk" des Hof- Predigers a. D. Stöcker schließt seine Betrachtungen über die Kaiser« rede folgendermaßen: „Mit einer Parole der Wiedergewinnung deS Volkes für de» himmlischen Herrn wäre schon viel gethan. Wer Gott giedt, was Gottes ist, der gicbt auch dem Kaiser, was des Kaisers ist. Scheiden würden sich die Geister und es würde der große Endkampf gegen die goldene Internationale, die oben und unten herrscht, die durch Singer die„Ausgebeuteten", durch Rothschild, Bleichröder und Konsorten die„Ausbeuter" an demselben Strange hält, entbrennen. Mit einem Schlage würde dann unser Kaiser auch zum geistigen Herzog aller Deutschen werden, und wenn einmal an stelle der hergebrachten Militärvermehrungs-Parole bei einer Neuwahl der Schlachtruf erschallte: Für Christenthum und Deutsch- thum, für alle ehrliche Arbeit in Stadt und Land, gegen den un- christlichen Mammonismus,— dann bekäme die Regierung eine so kompakte, gewallige Mehrheit, wie sie ste noch nie erlebt. Dann würde auch der Ansturm der Sozialdemokratie, die 1871 erst 2 pCt. 1803 aber 23 pCt. aller abgegebenen Stimmen um« faßte, in seiner Wucht gebrochen sein. Ein solcher Weg ist gang- barer, als der neulich auf' dem Diner bei Exzelleiiz Miquel vorgeschlagene: das jetzige Wahlrecht abzuschaffen und an stelle des gegenwärtigen Reichstages ei» Koiisorltum von Abgeordneten fder Einzellandtagc zu setzen. Durch einen Kampf gegen die Sozial- demokraten wird man die Sozialdemokratie nicht au? der Welt bringen, wohl aber durch einen Kampf gegen die Sozialdemokratie auch die Sozialdemokrat«».".— 5köi'.ig Stumm'3„P o st" beendet ihre Außsührungen mit folgendem Abfnye: Der Mahnruf von Sednn im Jahre I39S hat mir eine vor> nbergehende Wirkung gehabt. Der Alltagshader, der Parteigeist überwucherten in kurzein vollständig, und auch der Ruf nach Samm- Iiing der staatserhaltendcn Elemente zum Kampfe gegen den Um- stürz wurde unter dem kleinlichen Gezänk« und Getriebe des Tages erstickt. Findet der kaiserliche Mahnruf jetzt in den deutschen Herzen starken und dauernden Widerhall, dann ist die Hoffnung vorhanden, daß die Zentenarseier einen Markstein auf dem Wege zur Ueber Windung des inneren Feindes bildet. Aber auch nur dann!— Die ebenso würdevolle als antisemilische„Staatsbürger- Zeitung" schreibt: Programmatisch nannten wir die Rede für die Hundertjahr' Feier des Geburtstages Kaiser Wilhelin's des Großen. Und sie ist es. Denn sie hat uns gezeigt, in welchem Sinne wir die Feier zu begehen haben. Hallen wir fest an den heiligste» Idealen unseres Aolkes fest am deutschen Glauben, fest an deutscher Treue, fest an deutscher Ehre, fest an der Ehrung der deutschen Frau, an der Heiligkeit unseres Familienlebens, dann haben wir es recht erfaßt. Das ist der Boden, auf dem der gute Samen gedeiht: der Liebe und --.reue zu unserem Christenthum, wie unserem Deutschlhum, zu Kaiser und Reich.— Die„Köln. Volks-Ztg." schreibt: Man darf an Trinksprüche, welche beim festlichen Mahle ausgebracht werden, gewiß nicht den strengen Maßstab anlegen, wie an Kundgebungen, welche bei sonstigen osstziellen Gelegenheiten stattfinden. Aber auch bei ge- bührender Würdigung dieses Umstandes und bei vollster Anerkennung der großen Verehrung des gegenwärtig regierenden Kaisers für Kaiser Wilhelm I. wird mau doch angesichts jenes Trinkspruches den Ausdruck des Befremdens nicht zurückhalten könne». Wir sagen das in aller Ehrerbietung, aber offen heraus. Die absolut einzigartige Stellung, die Kaiser Wilhelm II. seinem Großvater in der gesammten deutschen Geschichte anweist, würde nnter allen Umständen der Sanktion durch die Zeit bedürfe», durch eine erheblich längere Zeit, als seit dem Tode Wilhelm's I. verflossen ist. Geradezu verblüfft aber waren wir durch den Satz über Friedrich Barbarossa. Die Geschichte zeichnet von diesem Staufer doch ein anderes Bild als die Kyffhäuser.Sage, die zudem nur durch ein Mißverständniß von Friedrich II: auf ihn übergegangen ist. Sie sieht in ihm einen gewalligen Mann mit schweren Fehlern, dem es durchaus nicht gelungen ist,„gewissermaßen einmal das Land zusammenzufassen", der vielmehr, großentheils durch eigenen Despotismus und Starrsinn, schwere innere Kämpfe durchzumachen hatte, schwere Niederlagen erlitt und ohne seine» tragischen Tod vielleicht ein sehr bedenkliches Andenke» hinter- lassen haben würde. Die mittelalterliche Kaiserreihe hat doch wahr- lieh größere, edlere und auch glücklichere Figuren aufzuweisen, z. B. Otto I. und Heinrich de» Heiligen. So verniögen wir denn in dem Hinweis auf Barbarossa durchaus kein Kompliment für Wilhelm I. zu erblicken.... ... Der Trinkspruch klingt ans in«inen neuen Aufruf zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie. So sehr wir es begreiflich finden, daß Kaiser Wilhelm II. durch die völlig ablehnende Stellung der Sozialdemokratie gegenüber Zder Zentenarseier erregt ist, so wenig vermögen wir uns von einem derartigen Kampfesrufe zu ver- sprechen. Die Sozialdemokratie ist eine sehr ernste Erscheinung; sie wurzelt zum nicht geringsten Theile in schweren Mißständen unseres politischen und soziale» Lebens, die sich in allen modernen Kulturländern zeigen. Es bedarf ausdauernder ernster Arbeit, um diese Mißstände zu beseitigen, und wir glauben nicht, daß die Be- geisterung, welche eine Jubelfeier erzeugt, die Stimmung ist, aus der heraus der Kampf gegen die Sozialdemokratie zu einem guten Ende geführt werden kann.— Die„Volks-Zeitung" schreibt:...Und da kommen wir immer wieder ans unsere Forderung zurück, daß man eine gesunde, durch- greifende, die Hebung des„vierten Standes" mit aller Energie in Angriff nehmende Sozialpolitik betreibe. Eine solche Politik, die zugleich die demokratischen Grundsätze von der Gleich- berechtigung aller Staatsbürger zur vollen Geltung bringt, wird die Klagen und Beschwerden der Sozialdemokratie am ehesten zum Schweigen bringe». So lange aber beispielsweise noch in Preußen ein Dreiklassen-Wahlsystem besteht, das die Arbeiter in ihrem Wahl- recht aufs schwerste benachtheiligt; so lange das Koalitiousrecht der Arbeiter aus thalsächlichen wirthschastlichen Gründen zum großen Theil nur auf dem Papier steht; so lange eine übermäßige Arbeitszeit bei Hunderttausenden von Arbeitern das Familienleben untergräbt; so lange die Frau als industrielle Arbeiterin noch nicht genügend geschützt wird, so daß ihr die ordnungsgemäße Erfüllung ihrer Pflichten als Gattin und Mutter vielfach ganz unmöglich ist und ihr dadurch eine unwürdige Stellung angewiesen wird; so lange die sogenannten besseren Stände den unbemittelten Klassen vielfach noch die schlimmsten Beispiele geben in der oft beklagten Ver- letzung gesetzlicher, sittlicher und sozialer Pflichten— so lange wird die Sozialdemokratie, die gegen alle diese Mißstände zu Felde zieht, fortgesetzt Zuläuser haben. So lange wird jedes andere Mittel, das nicht praktisch bessernd in die Verhältnisse des rauhen Lebens eingreift, sich als fruchtlos erweisen. Eine konsequente, die Begehrlichkeit der Agrarier und die Anmaßung des Junkerthums ignorirende Sozialpolitik; eine wahrhast demo- kralische Politik, die die Idee des Rechtsstaats nach Menschen- Möglichkeit— unvollkommen wird ja alles Menschenwerk bleiben— zur Wahrheit macht, eine solche Politik, das ist der wahre Cid, um den sich alle diejenigen schanre» werden, die der Meinnng sind, daß unter den politischen Verhältnissen, wie wir sie jetzt haben— wo junkerlich-agrarische und klerikale Interessen alles parlamentarische und öffentliche Leben vorherrschend beeinflussen— die Sozialdemo- lratie leider nur gewinne», nicht aber verliere» kann. Vttelamenketvifches. Die Rcichötagsbaukommissiou hat gestern unter dem Vorsitz des Staatssekretärs Dr. v. Bötticher den Bericht der Reichstags- bauverwaltung über den gegenwärtigen Stand der Bauarbeiten entgegengenommen und beschlossen, die am Bau gemachten Er- fparnisse von 400 000 SN. für Anschaffung von Gebrauchsgegenständen für den Reichstag zu verwenden. Es wird beabsichtigt, namentlich dem Kunstgewerbe durch Ertheilung von Aufträgen auf Bronzegege»- stände, Taselgcräth, Gobelins zc. Gelegenheit zu aeben, besonders schöne Arbeiten zu liefern, die dann 1900 als willkommene Bereicherung der Ausstellung des deutschen Kunstgewerbes in Paris dienen könnten. Für die innere Ansschmücknng des Reichstages mit Gemälden. Statue», Glasmalereien, Teppichen u. s. w. sollen vom I.April 1898 an jährlich 100 000 M. in. den Etat eingesetzt werden, bis nach etwa 8—8 Jahren die Arbeiten vollendet sind. Für die Abwickelung der schwebenden Arbeiten soll die Reichstags- Baukonimission in Funktion bleiben, während die Beschlußfassung und Vergebung neuer Zlrbeite» dem Präsidinm des Reichstages vorbehalten bleibt. Die etatsmäßige Verrechnung der hierzu»othwcndigen Summen und der Abschluß von Verträgen, sowie die Vertretung Dritten gegenüber soll beim Reichsamt des Innern bleiben, weil der Reichstagspräsidcnt staatsrechtlich den Reichsfiskus nicht verlritt. Schließlich wurde der Vertrag, wonach der leitende Architekt Wallot die Aussicht über die künstlerische Ausschmückung führt, bis zum 1. April 1893 verlängert. Zu unserem Bericht anS der l e tz t e n S i tz n n g der B u d g e t k o m>» i s s i o n in der Nunimcr vom Sonnabend, werden wir darauf ansmerksam gemacht, daß der Kriegsminister v. Goßler nicht davon sprach, daß er gerne auf die Fouragegelder verzichten würde, wenn die v. Bollmar angeregte Erhöhung der Pferdegelder angenommen würde. Natürlich hat unser Genosse v. Vollmar eine solche Erhöhung nicht angeregt und der Herr Kriegsminister hat nur gemeint, er würde das eine gerne thu», wen» Vollmar das andere beantragte. Dazu hat aber unser Genosse keine Neigung, weil er der Ansicht ist, daß die finanzielle Lage der Generale eine derartige ist, daß sie wohl im stände sind, sich ihre Pferde ohne tveitere Beihilfe zu kaufen z�svkei-Ltachvirhtett. Wegeu des cigeuartigeu Verhaltens der Polizei bei der Beerdigung der Frau Trompeter in Frankfurt a. M. haben sich unsere dortigen Parteigenossen mit einer Eingabe an die städtischen Behörden geivandt, um dieselben zu veranlassen, daß sie ihr Hausrecht auf den Friedhöfen der Polizei gegenüber wahren. Bon der Agitation. Am 20. Februar hielt Genosse Bebel in Ebers walde eine zweite Versammlung ab, die ebenfalls überfüllt war. Es waren viele Gegner anwesend, darunter auch wieder der Opponent aus der früheren Versammlung, der freisinnige Rechtsanwalt S a» d b e r g. Dieser und ein Brauereidirektor G r o ß m a n», der eine vermittelnde Stellung zwischen Sozial- demokralie und Freisinnigen einnahm, betheiligten sich auch an der Diskussion. Von unserer Seite sprach noch ein Genosse, der infolge seiner Betheiligung an der ersten Versammlung von der kgl. Eisen« bahnwerkstätte gemaßregelt ivorden ivar. Die Versammlung nahm einen für unsere Sache ausgezeichneten Verlaus; sie währte von abends>/i8 Uhr bis>/zI2 Uhr nnd wurde mit einem begeistert auf- genommenen Hoch auf die Sozialdemokratie geschlossen. Der Sozialdemokratische Verein in Kiel beauftragte eine Kommission, die zur Errichtung einer Arbeiter-Lesehalle nöthigen Schritte einzuleiten. I» San Francisco ist ein Parteiorgan in englischer Sprache unter dem Namen„The New Charter" herausgegeben worden, das zunächst in zwanglosen monatlichen oder halbmonatlichen Ans- gaben erscheinen soll, bis die Bethcilignng die regelmäßige wöchent- liche Herausgabe gestattet. Polizeiliches, Gerichtliches k. — Die„ V o I k s st i m m e" in Burgstädt i. S. brachte am 23. Oktober v. I. einen Artikel, worin die That des Lieutenants Brüsewitz besprochen und mehrere Preßstimmen wieder gegeben waren, unter anderen auch eine Acußerung der» a t i o n a l l i b e- ralen„Rhein isch-Westsälischen Zeitnng", des Inhalts, daß der Brüsewitz' sche Fall nicht der einzige seiner Art sei und daß, wenn den Offizieren nicht das Bewußtsein beigebracht werde, daß sie dem Gesetze zu gehorchen hätten, den Bürgern nichts übrig bleiben würde, als sich� mit Revclvern zu bewaffnen, um sich gegen Angriffe wehren zu lönnen. Wegen dieser Notiz verurtheilte das Landgericht Chemnitz am 18. De- zembcr de» verantwortlichen Redakteur der„Volksstimme", Genosse» Fröhlich, wegen Beleidigung des sächsische» Offizierskorps zu vier Monaten Gesängniß.s Dieses Urtheil focht Fröhlich in der Revision an, die vor dem III. Strafsenat des Reichs- gerichts am 1. März verhandelt wurde. Darin war gerügt: Beschränkung der Vertheidigung durch Ablehnung von Beweis« anträgen, die dahin gingen nachzuweise», daß mehrfach Offiziere mit der Waffe gegen Bürger vorgegangen seien und sich unter den Offizieren ein falscher Ehrbegriff eingebürgert habe; dann falsche Auslegung des§ 185 des Straf-Gesetzbuchs, da durch das Urtheil der Begriff der Kollektivbeleidigung verkannt worden sei, und die Nichtzubilligung des Schutzes des Z 193 des Str.-G.B. (Wahrnehmung berechtigter Interessen.) Ober-Landesgerichtsrath Z weigert, als Vertreter der Reichsamvaltschaft, beantragte Ver- werfuug der Revision, da in dem Urtheil ein Rechtsirrthnm nicht enthalten sei. In dem Artikel sei das ganze deutsche Offizier- korps beleidigt worden und da das sächsische Offizierskorps nur ein Theil des deutschen sei, so sei auch dieses beleidigt worden. Daß der Angeklagte auch die Absicht gehabt hätte, die Offiziere des engeren Vaterlands zu beleidigen, sei unzweifelhaft fest- «stellt ivorden. Die Nichtzuerkennung des Schutzes der tz 193 des it.-G.-B. sei höchstens ein Rechtsirrthum zu gunsten des Angeklagten und deshalb unbeachtlich. Wie uns telegraphisch gemeldet wird, hat das Reichsgericht die Revision verworsen. GviverKfrizsaftlMzes». Dcr Verband der Bauarbeiter(Zahlstelle Berlin) fordert seine Berufsgenossen auf, eifriger als bisher die Bestrebungen des Verbandes zu unterstützen. Bei der überaus traurigen Lage dieser Arbeiterkategorie wäre es zu wünsche», daß diese Mahnung auf recht fruchtbaren Boden fiele, damit die Organisation um so wirksamer die Interessen der Mitglieder vertreten kann. Achtung, Handlungsgehilfeu» Kansleute! Heute, Dienstag, den 2. März, abends 9 Uhr. wird in Brandenburg an der Havel, in Winkel'? Salon, Hauptstr. 34, eine große öffentliche Versammlung abgehalten. Die Tages- ordnnng lautet: 1. Der Achluhr-Ladenschluß und die Handlungs- gehilsen. Referent Kollege A u g u st H i ntz e aus Berlin. 2. Dis« knssion. 3. Verschiedenes. Die Versammlung ist die erste in Brandenburg und durch Verbreitung von Handzetteln in den Ge- schästen und durch Inserate i» den Brandenburger Zeitungen bekannt gemacht. Es sind brieflich dazu eingeladen die Abgeordneten von Bredow und K r o p a t s ch e ck. Auch ein« Anzahl Berliner Kollegen betheiligen sich a» dieser Versamm- lnng. Denjenigen unserer Freiinde, die noch theil nehmen wollen, theile ich mit. daß der Zug benutzt wird, der am Dienstag, abends 8 Uhr 5 Minuten, vom Potsdamer Bahnhof abgeht. Später Kommende können mit dem Zug 7 Uhr 30 Minuten fahren. Die Rückreise erfolgt um 12'/« Uhr nachts. Um Betheiligung ersucht Hermann Vesser, Vertrauensmann der Handlungs- gehilsen Berlins. Den Berliner Mitgliedern des dentsche» Metallarbeiter- Verbandes zur Nachricht, daß das Bureau Fischerstr. 22, von jetzt ab von 10—2 und 4—3 Uhr täglich außer Sonntags geöffnet ist. Alle Znschrifte» sind zu richten an: Friedrich Schlegel iu Berlin C., Fischerstr. 22. Die Ortsverwaltung. In der Kistcnfabrik von M. Findeisen in Berlin, Stralauerstraße, find die K i st e n a r b e i t e r mit Ausnahme eines Kollegen und des Kreissägenschneiders entlassen worden, weil sie sich Abzügen widersetzten. Vor Zuzug wird gewarnt. Kommission der Berliner Kistenniacher. Tie Stuckatcurc Magdeburgs haben ihren Prinzipalen eine» neuen Lohntaris vorgelegt, der am 29. März in kraft treten soll. Sie ersuchen deshalb die auswärtigen Kollegen allerorts, den Zuzug nach Magdeburg zu vermeiden, solange die Verhandlungen noch schweben. Tic Hamburger Steinsetzer und Berufsgenossen habe» i» ihreni Streik bereits einen Erfolg zu verzeichnen. Nachdem die Unternehmer, besonders die dem Arbeitgeberverband angehöre», es abgelehnt hatten, mit dem Verbände der Steinsetzer in Berhaud- lnnge» zu treten, wandte sich die Lohnkommission schriftlich an die einzelnen Unternehmer. Von diesen hat jetzt einer die sämmtlichen Forderungen der Arbeiter bewilligt. In betrncht kommen: 1. Lohn für Steinsetzer in der Stadt 50 Pfennige pro Stunde; für Ramnier 45 Pfennige(früher 48 bezw. 42 Pfennige); 2. außer- halb der Stadt 55 resp. 50 Pf. und Erstattung des Fähr- oder Fahr- gelbes(früher Lohn wie in der Stadt und kein Fahrgeld); 3. Rege- lung der Geschirrsrage. d. h. die Unternehmer sollen das Handwerkszeug aus ihre Kosten liefer», während eS bisher die Arbeiter beschaffen mußten; 4. Streikbrecher dürfen nicht auf Bauten beschäftigt werden, wo Verbandsmitglieder arbeiten; 5. die Arbeitskräfte sind vom Arbeits- nachmeiS der Arbeiter zu entnehmen; 8. Maßregelungen treten nicht ein. Ursprünglich handelte es sich nur um die Mehrsorderung für Ar- beiter außerhalb der Stadl und auch diese wollten die Arbeiter noch so weit ermäßigen, daß sie von jeder festen Formulirung Abstand nahmen und eine Vereinbarung von Fall zu Fall zugestanden. Auch das lehnten die Unternehmer ab. Allerdings wußten sie, daß ihnen die Arbeiter früher oder später init der Regelung der Geschirr- frage kommen würden. Wenn die milde Witterung anhält, werden sich die anderen Unternehmer gleichfalls znr Bewilligung bequemen müssen. Der Zuzug ist streng sernzuhallen. Adresse für etwaige Sendungen oder Zuschriften: Chr. Wiese, Hamburg, Niedern- straße 50. Auf zahlreichen Zeche» deS Ruhr-KohlenrevierS über« reichten am Montag die Arbeiter, gemäß den Bochumer Beschlüssen des christlichen Bergarbeiter-Verbandes, verschiedene Forderungen; insbesondere wird eine 10 prozentige Lohnerhöhung verlangt. In Breslau war eine öffentliche Versammlung der Schneider und Schneiderinnen aufgelöst worden, als die Referentin Frau G r e if e n b e r g aus Berlin die Lebenshaltung eines armen Arbeiters mit der sorgfältigen Pflege verglichen halte, die einein Luxnspferde oder einem Schoßhündchen zu theil wird. Die gegen die Auslösung der Versammlung erhobene Beschwerde ist letzt vom Polizeipräsidenten Dr. Bienko mit der Begründung znrückgewiesi» worden, der überwachende Polizeibeamte habe recht gehandelt, da die Rednerin gegen tz 130 des Strafgesetzbuches verstoße» habe; es sei deshalb gegen sie das Strafverfahren eingeleitet. In der er- wähnten Aeußerung erblickt also das Breslauer Polizeipräsidinm eine Aufreizung verschiedener Gesellschaftsklassen zu Gewaltthätig- leiten; wenn das aber zuträfe, dann müßte schleunigst die Bibel rn Preußen verboten werden, denn darin wird die Rücksichtslosigkeit des Reichen gegen den Armen noch i» viel kräftigerer Weife kririnrt, als es Frau Greifenberg gethan hat. der natürlich nichts serner ge- legen hat, als zu Gewalllhätigkeiten aufzureizen. Worauf es ihr bei ihrer ganzen Agitationstour ankam, das war, die Arbeilerinne» für den A n s ch l n ß an d i e O r g a n i s a t i o n zu gewinnen, die gerade in der Konsektionsindustrie besonders'löthig ist. Gegen die Jiinnngsnotielle. namentlich gegen die Bestim- munge», die die Thätigkeit der Gewerbegerichte lahmlegen würden, protestirte in Leipzig eine öffentliche Arbeiterversammlung, in dem durch eine Resolution erklärt wurde, daß durch die Jnnungs- Schiedsgerichte nicht die Gewähr für eine objektive Würdigung der Streitsragen gegeben und deren schnelle Erledigung durch die Zu- läfsigkeit der Berufung gegen jedes Urtheil der Jnnungs- Schieds- gerichte unmöglich fei. I« Wiesbaden war auf Sonntag, den 17. Januar, vor- mittags 10 Uhr,«ine öffentliche Versammlung der Sattler und Tapezirer einberufen. Als der Einberuser nach dem Lokal kam, um die Versammlung zu eröffnen, erklärte ihm der Polizeikommiffar, daß dieselbe wegen der Sonntagsrube nicht ab- gehalten werden dürfe, anderenfalls werde er sie auflösen. Der Beamte berief sich dabei auf die im September v. I. erlassene Polizeiverordnnng. Der Einjberufer half sich jedoch damit, daß er die Versammlung eröffnete und alsbald um eine Stunde vertagte; als die Stunde um und dadurch der Verordnung über die Sonntags- ruhe Genüge geschehen war, nahm die Versammlung ihren Forlgang. Nach acht Tagen bekam der Einbernfer einen auf 10 M. lautenden SIrasbefehl wegen Störung der Sonntagsruhe; ferner erhielten Strasbesehle über je 5 M. die Mitglieder der Agrtations- kommifsion in Main,, in deren Auftrag die Wiesbadener Versamm- lung einberufen worden ist. Sämmtliche Empfänger der Strasbesehle beantragten richterliche Entscheidung, die den Erfolg hatte, daß das Schöffengericht in Wiesbaden, auf Antrag des Amtsanwalts selbst, die Angeklagten kostenlos freisprach. Das Gericht hat in der Eröffnung der Versammlung keine Störung der Sonntagsruhe finden können, da alsbald die Vertagung ausgesprochen wurde. Iu Strasburg i. E. sind 193 Steinbauer ausgesperrt. Die Unterhandlungen mit der Unternehmer- Organisation verliefen resultatlos. Iu Vriissel ist der Streik der beim Bau der elektrischen Bahn beschäftigten Arbeiter bereits zu gunsten derselben beendet. Die von der Direktio» angekündigte Lohnreduktion unterbleibt. Sozittles. Tie Rentnbilitiit deS Heuer- nnd«chlafbasettweseuS in Hamburg, dessen Schattenseiten erst kürzlich aus dem Nautlsche» Vereinstage scharf gekennzeichnet wurden, geht aus einer, das An» und Abmnsternngsgeschäft betreffenden Statistik hervor. Hamburg besitzt 295 Segelschiffe mit 3390 Mann nnd 339 Seedampfschiffe mit 12 236 Mann, zusammen also 853 Schiffe mit 15 626 Mann. Hierzu kommen noch 153 Finkenwerder Hochseesischerei-Fahrzeuge mit zirka 474 Mann. An- und abgemustert wurden auf dem Hamburger Seemannsamt 1896 insgesammt 4071 Schiffe mit 76 831 Mann, das Seemannsamt verrechnete in Ein- nnd Ausgabe 13 242 633,14 M. Von den 76 831 Mann haben die Hälfte, also 33 415 Mann, an- gemustert, die Dnrchschnittsheuer für Matrosen betrug 50,25 M. Heuergebühr mußte ein Matrose im Durchschnitt 6 M. dem Heuer« baas zahlen, mithin beträgt die auf diese Weise den Heuerbaasen baar gezahlte Summe 232490 Mark. Würde in Hamburg das An- nnd Abmusterungsgeschäst durch de» Staat geschehen, er käme dabei gut auf die Koste», selbst wenn die H-uergebühr aus ein Viertel vermindert würde, und würde damit gleichzeitig«inen der größten Krebsschäden der Seestädte beseitigen. Der auswärtige Handel der Schweiz war wie in anderen Ländern 1396 ebenfalls bedeutender als 1895. Die Einfuhr betrug 992,99(1895: 915,85), die Ausfuhr 633,23(663,36) Millionen Franken. Depesägen und lehke Vuchvichken. Trieft, 1. März.(B. H) Wegen Verweigerung eines Darlehens hat gestern der 60 jährige Klavierlehrer Turiboll ans seinen Neffen, den Professor Puschi am hiesige» Allerthnms- museum, zwei Revolverschüsse abgefeuert und sich dann selbst ge- tödtet..,. Rotterdam, I. März.(W. T. B.) Das Gericht nahm heute in dem Komploir der„Allgemeinen Prämien-Rentenbank. Linden- Kompagnie", eine Haussuchung vor; der Inhaber Davy Blitz, welcher ausschließlich mit dem Auslande arbeitete, wurde ver- haftet. � London, I. März.(B. H.) Aus Kanea wird den„Daily News" gemeldet, daß in der Nähe von Herakleio» 25 000 Mnsel- mannen ohne alle Lebensmittel sich aufhalten. London, 1. März.(W. T. B.) Unterhans. Parlaments- Untersekretär Curzo» erklärte: Seit der Besetzung Kanea's durch die Großmächte haben keine türkischen Truppen einen Ausfall aus der Stadt gemacht, daher seien auch keine dahin zurückgekehrt. Sodann erklärte der Parlaments- Untersekrelär, daß keine türkische» Transportschiffe mit Truppensendungen durch englische Kriegsschiffe eskortirl wurde». Di« Lage der in Kandano und Selino eingeschlossenen Garnisonen se« höchst kritisch. Ein Geschwader von 4 Schiffe» der vereinigten Floite sei nach den Küstenstädten entsandt worden, wo sich Garnisonen eingeschlossen befinden; gleichzeitig sei eine internationale Eskorte zur Erleichterung des Entsatzes derselben abgegangen. Schisse des„Geschwaders" seien nach Selino gegangen. habe sich auch das britische Kriegsschiff„Seoul" dahin begeben Ueberdies habe Oberst Vassos den Admiralen versprochen, einen griechischen Offizier abzusenden, um die Zlusständischen j» bewegen, den Garnisonen freien Abzug zu gestatten... m„..... London, 1. März. Unterhaus.(W. T. B.) Iu' weiteren Verlan fe der Sitzung theille der Parlaments-Unlersekretär 5es Aenßerii l�urzon Mit, nach einem Berichte des englischen Konsuls habe am 20. �eoruat der König von Korea die russische Gesandtschaft in Soul verlasscii und sich nach seinem Palast begeben. Man glaubte,»aß eine An» zahl koreanischer Truppen einen von russischen OlsiZ'eren abgehaltenen Jnstruktionskursus durchmachen; ein solches Vorgehen scheine nicht mit der von Rußland im Jahre 1386 gegebenen Znsichernng vereinbar zu sein, die eine Garantie war, daß Rußland künftig kein koreanisches Ge» biet in Besitz nehmen werde. Das Abkonunen erklare aO das Ziel der beide» vertragschließenden Parteien die Entfernung der fremde» Truppen aus Korea, wobei, wie der gesainmte Text ergebe, die von Rußland und Japan bisher bei ihren Gesandlschasten ,n Söu! unterhaltenen Wachen gemeint seien._ Verantwortlicher illedalteur;«lugus» Jacobe» in Verlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke m Berlin. Druck und Verlag von Map Bading in Berlin. Hierzu I Beilage u. Unterhaltiingsblatt Nr. A. 14. Jahrgang. Keillige iw Jornüiff Krlim MM 1897. Die Usrge in Hambueg. Unser Korrespondent schrieb ain Montag: Dem Obmann der schwarzen Schauerleute(Kohlenverlader), Cl. Schipp- m a n n, ist ein Schreiben des Vereins der Importeure englischer Kohlen zugestellt worden, worin diese auf Unterzeichnung des Re- verses dringe». Dem Schreiben war ein Revers beigefügt, der außer den schon bekannten Bestimmungen— den Streikbrechern Friedfertigkeit zu geloben und sich zu l4tägigcr Kündigung zu ver- pflichten— noch de» von den Importeuren ausgestellten Lohntaris ent- hielt, wonach die Arbeiter jährlich etwa 130—120 M. weniger verdienen würden, als vor dem Streik. Falls die schwarzen Schauerleute den so erweiterte» Revers nicht unterschreiben wollen, soll am Dienstag, den 2. März, keiner wieder eingestellt werden. Trotz dieses Ulli- matums hat bis Montag Mittag nicht ein Mann unterschrieben, und es fragt sich, ob die Importeure es am Dienstag Morgen angesichts dieser Einmüthigleit der Arbeiter auss äußerste ankommen lasse» werden. Die Korn» Akkordarbeiter haben die beste Aussicht, sich mit den Stauern über die Lohnbedingungen zu einigen, wie in einer am Sonnlag Nachmittag abgehaltenen Versammlung mit- getheilt wurde. Außer über die Lage der Speicherarbeiter und Ewer- f ü h r e r nahm am Montag die S r n a t s k o m m i s s i o n auch Erhebungen über die Arbeitsverhältnisse der S ch i f f s m a l e r vor. Die GroßeArbeiter-Krankenkasse beabsichtigt, gegen die Hamburger Polizeibehörde einen Zivil prozeß auf eine größere Entschädigungssumme anzustrengen, weil eine ganze Anzahl rhrer Mitglieder bei den Exzessen am 6. und 8. Februar am Schaar- markt von Beamten der Polizeibehörde an ihrer Gesundheit arg geschädigt worden sind. Da in einer großen Anzahl von Fällen nachgewiesen werden kann, daß absolut unschuldige Leute, die nichts anders waren, als harmlose Passanten, von«inherstürmenden Schutzleuten mit der blanken Waffe verletzt worden sind, ist der Prozeß nicht ganz aussichtslos._ Kongreß der lolmlorganisirte» Kandels- Hilfsarbeiter in Leipzig. Der Kongreß trat am Sonntag, den 28. Februar in„Stadt Hannover", Seeburgstraße, zusammen. Vertreten waren 13 Dele- girre von II Städten. Außerdem war vertreten A l b o l d t- Berlin, Vertrauensmann der lokalorganisirten Handels- Hilfsarbeiter, Pölitz und K r ä k» r Revisoren. Röste, Vertreter der Gcneral- kommisston der Gewerkschaften Deutschlands, und L i p i u s l i für die Handelsangestellten Leipzigs. Der Vertrauensmann für Deutschland A l b o l d t- Berlin er- stattet« für die Zeit von» 13. Mai 1898 bis zum 31. Janliar 1697 Bericht über die Kassenbeivegung. Danach»vor ain 13. Mai 1896 ei» Bestand von 8b4,30 M. vorhanden, zu dem 1232,21 M. ver- «innahmt»vurden, so daß sich die Gesammteinnahme auf 2089,21 M. belänft. Dem standen a» Ausgaben gegenüber für Agitation 227.80 M., Kongreßprolokolle 337,20 M., Utensilien, Bücher, Stempel und Statuten 194,22 M., Beiträge an die General- kommisston 72 M.. Kongreßdelegation und Drucksachen 417,40 M., Abonnement für„Handels- Hilfsarbeiter" 38.22 M., für Porto, Drucksachen»». s.»v. 247,49 M., zusammen also 1907,19 M. Es verblieb somit ein Kaffenbestand von 182,32 M. Die zum Handels- Hilfsarbeiter» Verband übergetretenen Anhänger der Lokal- organisation haben biS jetzt, trotz Aufforderung vom Ver- trauensmann. unterlasse», die vom Vertrauensmann entnommenen Listen, Marken und Kongreßprotokolle im Betrage von 1218.32 Mark abzuliefern. Die Revisoren bestätigten die Richtigkeit des Kassenberichts und beantragten, mit allen Mitteln dies« Außen- stände beizntreiben, da sie vom Vertrauensmann enlnominen, auch an diese» abzuliefer,» sind. Hopf- Frankfurt referirle über die Frage: Wie haben»vir unsere fernere Taktik nach Durchbrechung der Halberstädter Beschlüsse zu führen. Wie bekannt, fand zu Pfingsten 1896 in Halberstadt ein Kongreß der Handels-Hilfsarbeiter statt, ans dem beschlossen wurde. die Lokalorganisation mit dem Vertrauensmänner- System beizubehalten. Im Gegensatz hierzu kain zu Weihnachten in Altenburg die Minderheit des Halber- städter Kongresses zusammen und beschloß die Gründung eincs Zenlralverbandei der Handels-Hilfsarbeiter für Deutschland. Die Folg« war. daß in den einzelne» Orten und in der Presse die Meinniigen aufeinanderplatzen, welche Organisation die vortheil- bafleste sei. Hops berührte alle die in diesen» Streit anfgeivorsenen Punkte. In der Debatte vertraten Kamp, Pölitz, Rein(Berlin) und E r d m a n n- Königsberg den Standpunkt, daß das Vorgehen der Anhänger des Zentralverbandes ein illoyales sei, wandten sich aber dagegen, daß der jetzt den» Berliner Verbände aller im Handels- und Transportgewerbe beschäftigten Arbeiter gehörende„Handels- Hilfsarbeiter" in de» Besitz aller lokalorganisirten Kollegen Deutsch- lands übergehen soll. A l b o l d t- Berlin wies einige Angriffe, die ihn» wegen seines schroffen Auftretens gemacht wurde»», zurück. R ö s k e- Hamburg war der Meinung, daß die Berliner auch durch zu schroffes Auftreten zu einer Spaltung Veranlassung gegebe» habe» und»vünscht, daß eine Verständigung zwischen beide» Orga- nisationsformen stattfinde, da durch die Zersplitterung eine Besse- rung der Arbeits- und Lohnverhältnisse»»»cht herbeigeführt werde. Die Debatte hatte noch folgende Resolutionen gezeitigt. „Unterzeichnele beantragen: l. Alle verlesene Restanten haben alle enipfaugenen Exeinplar« des„Handels-Hilfsarbeiter" an den Vertraneusmann für Deutschland zu bezahlen. 2. Da der Ver- trauensmann die Marken und die Protokolle bezahlt hat. sind die empfangene» Marken und Protokolle entiveder zurückzugeben oder an den Verlrauensmann für Deutschland zu bezahlen. 3. Die Quartalsbeiträge sind von allen Orten für so lange zu bezahle», als dieselben nicht der nengegründeten Zentralorganisatio» angehört haben. Falls dem ilicht Folge gegebe» wird, beaustragen»vir die ortllchei» Geiverkschastskartelle, sich mit unseren» gerechten Ansprüche zu befassen und deinselben Gellung zu verschaffen." „Die heul« in Leipzig tagende Berufskonferen, proteftirt ganz «ntschleden gegen die vom Altenburger Kongreß beschlossene Ueber- Weisung der Ueberschüffe von, Berliner Privatpost-Streik an den neuen Verband und erklärt sich niit der in Berlin beschlossenen dies- bezüglichen Resolution«iiiverstaiiden." Vorstehende Resolutionen»vurden einstimmig angeuo»»,»,«»». Des»veiteren fand«ine Resolution Annahme, in»velcher die Beschlüsse der Altenburger Konferenz, als zu Unrecht bestehend. nicht anerkannt werden. Der„Handels-Hilfsarbeiter" soll bis auf weiteres Eigenthum der Berliner Organisation bleibe». Beschwerden gegen de» Vertrauensmann und die Redaktion, Berusungen gegen die Entscheidungen des Ausschusses können dem nächsten Berusskongreß unterbreitet»verden. Ueber die Abhaltung des nächsten Kongresses hat der Vertrauensmann im Frühjahr 1898 eine Urabstimmung der Orte vornehmen zu lassen." Als Ort. der den Ausschuß wählen soll,»vurde Frankfurt a. M. gewählt. Rußerden» wurde die rege Agitation für die Achtuhr- Ladenschluß-Frage. Unfallnovelle, Jnvaliditäts-Novelle und Handels- sbsetzbuch-Entwurf, soiveit sie die Hilssarbeiter treffen, angeregt. Uokales. Die Leichenfeier der Genossin Gabron ain Sonntag ge- staltete sich z» einer imposante» Kundgebung, die erkennen ließ, welcher Sniupathi« die Verstorbene sich»» Parleikreisen erfreute. Eliva 200 Männer und Frauen ivaren auf dein freireligiösen Fried- Hof als Leidtragende erschienen. Gesangverein Maiglöckchen leitete mit dem Liebe:„Zum Reich der Gräber" die Feier ein, »vorauf Genosse Gutheit einige beherzigende Worte an die Anwesenden richtete, in denen er das Leben der Verstorbenen, die trotz ihres hohen Alters unentivegt sich für die sozialdemokratische Arbeiterschaft nütz- lich machte, schilderte. Ihr nachzueifern sei Pflicht der Lebende». Die»vürdige Feier erreichte ihren Abschluß durch Absingen des Liedes„Mutterherz" seitens des obengenannte» Gesangvereins. Ruf die Marx- Gcdächtnißfeicr,»velche von» Leseklub Karl Marx am 13. März in» Feenpalast veranstaltet wird, weise»»vir unsere Leser nochmals hin. Die Feier»vird von einem in jeder Beziehung würdigen und ansprechenden Programm getragen werden. Die Direktorc»« und Aktionäre der Großen Berliner Pferdrbahn-Gesellschaft haben gestern in der von ihnen abge- halte»?» Generalversammlung einmal gehörig ihr Herz ausgeschüttet. Nachdem die Dividende auf 12 pCt. festgesetzt»var, sprach Herr R o s e n st o ck der Direktion unter lebhaften» Beifall der Versa»»»»»- lnng seine hohe Anerkennung dafür aus, daß sie den» Magistrat gegen- über dieJnteressen derGesellschaft in so energischer Weisevertreten habe. Die Konzessionsdauer müsse verlängert»verden. Herr Kleefeld spricht des längeren über die„»viderwärtige Antipathie gegen die Pferdebahi»". Herr Heppner veriveist ans die ungeheure» Opfer, »velche die Pserdebah» um des lieben Friedens Willen ans sich ge- nomnien. Sehr energisch sprach, nach den»„Berliner Tageblatt", ein Regiernngsrath v. K ü h l e ,v e i n seine Meinung aus: Wenn schon der Zehnpfennigtaris der Gesellschaft in den ersten Jahren schivere Opfer auferlegen und der Akkmnulatoren- betrieb ungeheuere Summen verschlingen werde, so könne man uin so»veniger noch härtere Bedingnngen. wie das Geleis-Mitbenutzungs- recht über 400 Meter hinaus fordern. Das letztere bedeute den Verlust aller Vortheile, welche die Pferdebahn in» letzten Viertel- jahrhundert errungen. Einer derartigen Bedingung könne die Ge- sellschast niemals zustimmen.(Lebhafter Beifall.) In allen anderen Städten zwinge man— uin einen einheitlichen Betrieb zu erhalten— die Unternehmer zur Fusion, nur in Berlin rufe man»vunderbarerweise nach Konkurrenz, nach einer Vielheit von Unternehmern. Die Stadt werde sicherlich nicht besser fahren, wen» sie einer Reihe von Elektrizitäts-Gesellschaften Linien konzcssionire, welche diese mit hohem Geivinne ausbauen und dann verkaufen, ohne sich darum zu kümmern,»vie der Käufer, der die von jenen vereinbarten rigorosen Bedingungen erfüllen muß, mit der Stadt und dem Publikum fertig »verde. Hoffentlich»verde noch ein modus vivendi gefunden;»venu nicht, dann werde die Gesellschaft bis zum Jahre 1911 ruhig n»it den Pferden»veiter fahren. Die Ge- sellschast sehne sich keinesivegs nach den» elektri- schen Betriebe, der für sie eiue Neuanfbringung von 22 bis 30 Millionen Mark bedeute! Man brauche das schöne Pserdebah»geschäst nicht so ohne»veiteres zun» alten Eise», zu werfe»! Die Magistratskommission,»velche die Verkehrsverhältnisse der Großstädte studirte, habe erklärt, daß Berlin sich seiner Verkehrs- einrichtungen nicht zu schämen brauche. Eine Verkehrs-Gesellschaft sei aber k e i n W o h l t h ä t i g k e i t s i n st i t u t." Leider ist keine Aussicht vorhanden, daß die Drohung des geschäftskundige» Regier»l»gsraths v. Kühleivein znr Wahrheit geniacht»verve. Besser als durch solchen Hochnntth kann für de» sozialdemokratischen An- trag, die Pferdebahn in städtischer Regie zu verivalten, garnicht Propaganda gemacht»verden. Die Anleiheschuld der Stadt Berlin ist für das neue Etats- jähr auf 292 303 792 M. zu berechnen. Davon solle» in» Laufe des Etatsjahres 8 724 383 M. getilgt»verden, so daß die Anleihe- schuld in» März 1398 286 224 432 M. betragen»vird. Daran»verde» lheilnehmen: Die städtische» Werke mit 214 623 863 M. und die Stadlhanptkasse mit 71 900 284 M. Zl» den Anleihezinsen und Tilgungsraten hat die Stadlhauptkasse nur 3 967 121 M. bei- zutrage», so daß.»venn man unberücksichtigt läßt, daß die städtische» Werke 4 270 801 M. Ueberschuß liefern, bei einer Bevölkerung von 1716 108 Einwohnern am C. Januar 1897, ans den Kopf derselbe» von jener zur Verzinsung und Verzinsung der Kämmereischuld er- forderliche» Summe 2,31 M. entfallen. Die Entwürfe der Etats der städtischen Werke schließen mit einer Gesammtsuinme von 69 283 860 Mark ab; hierzu der Betrag des Stadthanshalts-Etats von 88110 431 M., so daß sich eine Gesammlsninme von 127 699 341 M. ergiebt. Tie Folterungen i» Barcelona. Wir erhalten folgende Zu- schrist zur Veröffentlichung: „Am Sonnabend erhielt ich aus Barcelona einen an»nich als Herausgeber der Schrist„Die Justizgreuel von Barcelona" ge- richteten Brief eines aus der Festung Montjuich internirten Deulschen, durch»velche» der Anarchistenprozeß in ganz besondere Beleuchtung gerückt wird. Dieser Brief wird in der am Mittivoch Abend 8 Uhr in Keller's großen» Saal stattfindenden Protest- V e r s a n»»n l u n g verlesen»verde»»; es»vird dann über die nölhigen Schritte zur Befreiung dieses Gefangenen gesprochen »verde». In dieser Versammlung»verden voraussichtlich Redner verschiedener Richtungen das Wort nehmen. Hochachtungsvoll W i l h e l in S p o h r, 0., Frankfurter Allee 102. Ruuididibnm! Die Veröffentlichung des Programms der militärisch-dynastischen Natioualfeier hat die unentivegt liberale» Blätter wieder«nnual mit Trübsal erfüllt. In» Programm ist ganz naturgemäß von kaun» etivas anderem die Rede als von in Parade stehende» Truppe», von Fahnen, Standarten, Tambours,»velche zum Gebet locken(!). Trompetern, Generalsuperintendenten, Kanonen- schüssen und Glockengeläute.„Das Bläserkorps spielt eine» Choral. Die komniandirten Truppen defilire» vor dem Kaiser. Schluß der teier." Angesichts solchen soldatische» Glanzes sollten die einfachen sadelstrüiupfler. selbst»ven» sie das Vergnügen haben, Ritter eines Adlerordens vierter Klasse zu sei», sich hübsch bescheiden lernen. Die Erinnerung an eine andere Enlhüllungsseier. nämlich die des Forkenbeckens, sollte die Unentivegten auch zu der Ueberzeugnug ge- bracht habe», daß es für Wadelstrümpfler das beste ist, sich i» ge- messener Entfernung von solchen Feiern zu halten. Aber die braven Leute sind ja schwer zu belehren. Verbot des Komitees zur Einsetzung studentischer Ehre»- gerichte. Rektor und Senat der Technischen Hochschule haben am Sonnabend folgenden Beschluß veröffentlicht:„Auf grund des§ 30 der Vorschriften für die Studirenden»vird der an der königlichen Technische» Hochschule bestehende Verein„Komitee zur Errichtung eines ständigen allgemeinen Ehrengerichts an der königlichen Tech- nische» Hochschule zu Berlin" ungeachtet seines an sick, löbliche» Bestrebens verboten, beziv. den Herren Studirenden die Theilnahnie an dein Vereine untersagt,»veil durch das persönliche Verhallen seiner Mitglieder die Disziplin an der Hochschule gefährdet ist." Das verbotene Komitee sollte sich bekanntlich»nit der Eindänunung der Duellprügeleien befassen. Auch ein Stück Prügelpädagogik. Nachträglich erhalten »vir von einem Schreiben Kenntniß, das ein hiesiger Eimvohner auf eine Beschiverde über Mißhandlungen, denen sein Kind in der Geineindeschule ausgesetzt war, kürzlich von der städtischen Schul- deputatio» erhalten hat. Das Schreiben lautet:„Wir können es nicht billigen, daß Kinder in der Schule von einein als Weih- »achtsmann verkleideten Lehrer, dem sie als unartig oder saut von der Klassenlehrerin bezeichnet worden sind, mit der Ruthe geschlagen»verde» und bedauern daher, daß dies a», 19. Dezeniber 1896 mit Ihrer Tochter Elise in der fünsten Gemeindeschule geschehen ist.' Wir haben dies auch dein Be- treffende»» bemerkbar gemacht. Wenn dabei das Gesicht und der Hals Ihrer Tochter getroffen worden sind, so ist dies »ach den angestellten Erörterungen durchaus unabsichtlich geschehe» und»vird von dem betreffenden Lehrer selbst lebhaft bedauert. Die spöttischen Aeußerungen, welche nach Ihrer Eingabe die Klassen- lchrerin Fräulein Gnädig und der Rektor Patzke gethan haben sollen, »verde»» von diesen in Abrede gestellt." Die Forsche,»nit der der wunderliche Pädagoge aus � Mädchen(!) losgeprügelt hat,»vird in folgendem ärztlichen Attest veranschaulicht: Herr X. kam heute mit seiner Tochter Elise zu mir, uin folgende Spure» einer Züchtigung, angeblich von einer Ruthe herrührend, am Gesicht des Kindes sich bescheinigen zu lassen: Auf Wange und Hals befinden sich zivei größere und ein kleinerer stark gerötheter S t r i e in e n von ei» bis acht Zentimeter Länge. Ferner sind bei dem Mädchen Marie R. auf der rechten Wange und Hals zahlreiche rothe, theil-. »veise mit einer B l u t k r u st e bedeckte Striemen oberhalb des rechten Auges»achzuiveisen. Aus dem Anwaltstaude ausgcschlosseu»vurde der Rechts« anivalt Dr. Alfred Ballien. Gegen seine» Bruder, Rechtsanwalt Edmund Ballien erkannte der Ehrenrath auf einen Veriveis und 300 M. Geldstrafe. Die„lllbendpost" schreibt über die Angelegenheit: I» dem ehrengerichtlichen Verfahren spielte» geschäftliche Differenzen zivischen den beiden Brüdern, die mit einander assoziirt ivaren, eine große Rolle. Zur Charakteristik Alfred Ballien's, der schon in dem Heinze-Prozeß durch sein merkwürdiges Auftreten Aussehen erregte. dient folgender Vorfall, der auch in den» ehrengerichtlichen Verfahren eine Rolle spielte. Ballien hatte einein seiner Klienten einen Rath ertheilt, in dessen Befolgung der Staatsanivalt einen Verstoß gegen das Strafgesetzbuch zu finden glaubte. Auf der Anklagebank berief sich der Mann auf das Zengniß seines Anwalts; dieser»vurde vor- geladen, und seine Aussage hatte die Freisprechung des Angeklagten znr Folge. Herr Ballien, der als Amvalt nicht gut Zeugcngebühren fordern kann, hatte doch das Gefühl, daß er für den ihn» erivachsencn Zeitverlust wohl ein geivisses Aequivalent von dem Freigesprockenen beanspruchen dürfe. Er»vandte sich iin Anivaltzimmer an einen sehr bekannten Vertheidiger mit der Frage, ob er es nicht für angemessen hielt,»venn er, Ballien, unter sothanen Umständen 20—100 M. dem Klienten berechnete. Der Kollege, der die Frage für einen Scherz hielt, antwortete, 20 M. würde er nicht für zu viel halten, und Herr Ballien liquidirte richtig 20 M., die er denn auch von dem dank- baren Freigesprochenen bekam. Um die Errichtung einer höhere» Schule im Bellcvue- und Hansa- Viertel hatte» vor kurzen, die Interessenten der dortigen Gegend«ine Petition an den Magistrat gerichtet. Auf diese Petition ist»unniehr der Bescheid eingegangen, daß dem Gesuch nicht Folge gegeben werden könne, weil der Magistrat»veitere höhere Schulen vor der Hand überhaupt nicht zu errichten beabsichtige. Ter Polizeispitzel Giugold-Stärk hat seinen früheren Helden- thaten eine neue, de» vorangegangenen würdige folgen lassen. Nicht nach England, wie er hatte verbreiten lassen, war der Vertrauens- »nann des Herrn von Tausch gegangen; er hatte sich vielmehr in Begleitung seiner Frau nach den, heimathlichen Oesterreich geivandt. Dort ist er eines Tages verschwunden und hat die Gattin von allen Mitteln entblößt im Stich gelassen. Unter großen Entbehrungen hat die Aennste Berlin»vieder erreicht. Von dein sauberen Herrn Gemahl fehlt jede Spur. Eine neue Nachto»nnib»iS-Linie für die Strecke Oranienplatz- Leipzigerstraße-Kriminalgericht-Moabit soll zum Sommer eingerichtet, »verde»». Ueber einen Toldatenselbstmord-Versuch in Gegenwart des Kaisers weiß die„Welt an» Montag" zu berichten:„Der Selbstmord eines Soldaten zur Zeit, als der Kaiser seine Spazier- fahrt im Thiergarten»nachte, erregte gestern Nachmittag,»vie»»ns »nitgetheilt»vird, bedeutendes Aufsehen. In der Nähe des großen Sterns im Thiergarten erschoß sich ein Soldat in einer Droschke in den» Augenblick, als der Kaiser vorüber fuhr. Da die anwesenden Schutzleute sofort den Wagen umringten, ist es fraglich, ob der Kaiser den Vorfall bemerkt hat. Jedenfalls läßt die Ausführnng� des Selbstmordes daraus schließen, daß der Soldat die Auf- »nerlsainkeit des Kaisers auf sich lenken wollte, damit dieser nach den Ursachen der That forschen möge." Zu dem aus- fälligen Selbstmord vor den Augen des Kaisers erfahren »vir, daß es sich um einen Einjährig- Freiivilligen eines hiesigen Garde-Regiments zu Fuß handelt. Der Mann»vurde von zivei Schutzleuten mit einer Droschke in das Garnisonlazareth I in der Scharnhorststraße gebracht und lebt heute noch.. Der Einjährige heißt Bortief und dient bei der 2. Kompagnie des 4. Garderegiments zn Fuß. Er»var ohne Erlaub», iß in bürger- licher Kleidung ausgegangen»ind sollte,»vie die Blätter»neiden, eine exemplarische Strafe zn erivarten habe». Na, so was! Die„Krenz-Zeitnng" enthält folgende Briefkasten- notiz:„Herrn v. R. in B. Ueber das Kostüm-Ballfest im königlichen Schlosse einen eigenen Bericht zu bringe», sahen»vir uns außer stände, da unser Gesuch um eine Zufchauerkarte von» Ober-Hos- marschall-Amt mit der Begründung abgelehnt»vorden ist, daß für Zeichner und Berichterstatter nicht genügend Platz vorhanden sei. Wenn Sie auf de» Bericht des„Bcrl. Tagebl." hinweisen, dessen Autor von einer„Loge des weißen Saales" aus„stilndcnlang" zu- geschaut hat, so wissen»vir nicht,»veshalb gerade für ihn eine Aus- »ahme gemacht»vorden ist."— Einfach scheußlich! Josef Kainz vom Deutschen Theater ist soeben, wie da? „Kl. Journal" hört, als Nachfolger Mitterivurzer's an das Wiener Burglheater engagirt»vorden. Direktor Burckhardt war gestern in Berlin und hat den Vertrag abgeschlossen, der Herrn Kainz vom Herbst 1899 an für das Burglheater verpflichtet. Die letzte»» Ueberreste der vorjährige» Geiverbe-Ausstellung sind an» Sonnabend unter den Hammer gekominen. Es»varen dies die Unisorinei», Mäntel und Marschaustäbe,»velche die Beamten der. Ausstellung getragen hatte». Die Versteigerung, an welcher fast ausschließlich Trödler theiluahmen, hatte einen günstigen Erfolg. Ein Posten ehemals grauer Uniforme»,»vie sie die Ausseher trugen, »vurde beispielsiveise»nlt 130 M. losgeschlagen. Alt-iverlin. Die gegenivärtig kleinsten Häuser Berlins werden im nächsten Monat zum Abriß gelangen. Es sind dies die beiden noch aus den» vorigen Jahrhundert stammenden Gebäude Gollnoiv-' straße 13 und 14. Die Häuser haben bis zur Dachfirst«ine Höhe von ca. 7 Meter und sind ziveistöckig eingerichtet. Es waren dies Wirlhschaftsgebäude eines großen Bauerngutes, welches sich über die Gollnoivstraße bis zur Landsbergerstraße erstreckte. Zu eine»» lärmvollen Auftritt kain es am Sonntag Abend vor Beginn der Vorstellung im Volks-Theater. Zivei, natürlich den „besseren Ständen" angehörige junge Leute, suchten sich durch über- lautes Sprechen und Lachen hervorzilthun und belästigten das an- weseude Publik»»», besonders die Damen durch allerhand ungebür- liche Zurufe. Zur Ruh« veriviesen, antivorteten sie in äußerst»in- verschämter Weise und zeigten sich immer renitenter. Schließlich riß den Aussichtsbeamte» die Geduld, sie holten polizeiliche Hilfe und ließen die Spektakelmacher zur Wache bringen. Aus dem Korridor fingen beide mit der Garderobenfrau»och einmal Krakehl an. Ei» Mordversuch ist gestern an einem Knaben verübt worden. Früh um 2 Uhr machte ein junger, bis jetzt unermittelt gebliebener Mensch in» Hansflur des Hauses Rheinsbergerstr. 29 den Versuch, den 13jährige,l Knaben Richard»ielblock, Demminerstr. 28», bei de» Ettern wohnhaft, zu erdrosseln. Der Knabe»vnrde jedoch von dem Milchhändler Gustav Schuch»och rechtzeitig auf- gefunden und ins Leben zurückgerufen. Als der Knabe Richard Kielblock»vieder ins Leben zurückgerusen war. gab er an, daß, als er früh daS Haus betrete», ein fremder Mann, den er näher beschrieben, von der Treppe gekommen sei, ihln die Kehle zugedrückt und ihn» dann die Schnur. an welcher seine Fausthandschuhe befestigt»vare», um den Hals geschlungen habe, worauf er die Besinnung verlor. Der Knabe glaubt, daß der fremde die That ans Rache verübt habe, weil er ihn schon im Dezember einmal morgens habe von der Treppe herablommen sehen und ihm damals drohte, daß er der Hauswirthm oder dem Hans- eigenthnmer davon MUtheilnng machen wolle, daß der Mann in dem Hause wahrscheinlich über» lichtigte. Der Mann ist entwischt, aber der Knabe hat eine vollständige Personenbcschreibung von ihm inachen können. Es wird nicht berichtet, was der arme Knabe schon in so früher Stunde in dem Hanse zu thun hatte, aber wir gehen ivohl nicht fehl, wenn wir annehmen, daß das dem Tode glücklich entronnene Kind Slustrcigerdicnste leistete, um seinen Eltern mit einigen Groschen im Hanshalt bcizuspringen. Brände. Ans einer recht gefährlichen Lage mußte am Sonntag früh Z'/e Uhr der stuä. meä. Born, der Friedrichstraße 140 im zweiten Stock des rechten Seitenflügels wohnt, durch die Feuerwehr befreit iverden. In seinem Wohnzimmer war, wahrscheinlich infolge Fahrlässigkeit, Feuer ausgekommen und wurde von dem Wohnnngs- Inhaber, der jedenfalls sehr fest geschlafen hat, erst bemerkt, als der ganze Inhalt des Zimmers in Flammen stand. Der Student wußte sich in dem erste» Schreck nicht anders zu retten, als daß er aus dem Fenster kletterte, sich hier festhielt und aus die Ankunft der auf sei» Hilferufen sofort alarinirten Feuerwehr wartete. Glücklicherweise ver- ließen ihn die Kräfte nicht, sodaß er von der Feuerwehr mit den Hakenleitern noch rechtzeitig herabgeholt werden konnte. Der Brand wurde ohne Schwierigkeit aus seinen Ursprungsort beschränkt. Zu nachbarlicher Löschhilfe mußte abends gegen 8 Uhr nach Charlotten- bürg ausgerückt werde». wo auf dem Grundstück Lutherstr. S2 ein großer Dachboden- und Dachstuhlbrand ausgebrochen war. Der Hanptherd befand sich im Dachgeschoß des Vorderhauses, von wo aus die Flammen aber auch schon auf die Dachgeschosse der beiden Seitengebäude Verbreitung gesunden hatten. Hier gelang es, den Brand bald zum Stehen zu dringen, während es zu seiner Bewälli- gilng im Vorderhanse noch einer längeren Arbeit bedurfte. Zur Lösch- arbeit wurden von der Orts-Feuerwehr 4 Rohre, von der Berliner 2 Rohre benutzt, auch die Charlottenburger mechanische Leiter wurde aufgestellt. Die Aufräuinungsarbeiten wurde» der Orts- Feuerwehr überlassen. Vou einem Zuhälter wurde in der Nacht zum Sonntag der 29 jährige Bankier Herum»» Stechow aus der Grauustr. 12 überfallen. St. hatte auf denr Heinrwege von einer Geburtstagsfeier seine Frau mit Bekannten vorausgehen lassen. A» der Ecke der Putbuser- und der Lortzingstraße überfiel ihn plötzlich ein Zuhälter und bearbeitete ihn ohne weiteres mit den» Messer. Der Uebersallene wurde so schwer verletzt, daß ein Schutzmann ihn in ei» Kranken- Haus bringen mußte. Einen Schädelbruch hat sich Sonntag Abend um 10 Uhr der Feuerwehrmann Zahn beim Turne» zugezogen, indem er bei einer außerdienstliche» Uebung vom Querbaum herabfiel. Der Verunglückte mußte in ein Krankenhaus gebracht werden. Rrbeiter-SanitätS-Kommission. Berichtigend wird uns zu der Beschreibung der Wohnung Barnimstr. 23 mitgelheilt, daß die Wohnung früher schon länger als ein Jahr vermiethet gewesen sei. Selbstmordversuch eine«« jungen Mädchens. Letzte Nacht sprang die 20 jährige»»verehelichte Ella W. aus dem Fensler der im ersten Stock eines Hauses in der Prinzessinnenstraße 23 gelegenen Wohnung ihrer Mutter anf den Hof hinab und erlitt außer innere» Verletzungen Knocheubrüche an beiden Beinen. Wegen eines FamilienztvifteS hat der 44 Jahre alte Händler Friedrich Riege ans der Kotlbnserstr. 4 Hand an sich gelegt. Verhaftet wurde dem„B. T." zufolge der Zivischenmeister B. aus der Stralsunderstraße, der einige fünfzig Arbeiterinneu de- schästigt, wegen Hehlerei. B., der ein großes Haus führt, sich mehrere Dienstboten hält und in Hermsdorf an der Nordbahn eine Villa bewohnt, stand in dem Verdacht, mehreren Hansdienern einer hiesigen Wäsche- Engrosfirma Stoffe abgenommen zu haben. Bei einer Haussuchung wurde ein ganzes Waarenlager an Wäsche u. s.w. vorgesunden und in mehreren Droschken nach dem Alexanderplatz geschafft. Der Schaden, den die Firma erlitten hat, wird aus mehr als 30000 Mark geschätzt. Eine Stevolvcrgcschichte. In der Tieckstraße suchte der Büffetier Rudolf Krüger mit dem Kutscher Willy Roqnctte und dem Handlungsgehilfen Franz Richter ohne jede Veranlassimg Streit, bedrohte sie mit einein Revolver und gab, als diese ihn zurückiviesen auf sie eine» Schuß ab, durch den beide an den Köpfen leicht verletzt ivurden. Der rohe Bursche suchte zu entfliehen, wurde jedoch durch »inen Schutzmann verhaftet. In der Straße„Am Zirkus" fand in der Nacht zum Montag«ine große Schlägerei statt, bei der vier Personen durch Messerstiche an Köpfen und Händen verletzt wurden. Bei einer ziveiten, an der Ecke der Putbuser- und Lortzingstraße entstandenen Schlägerei wurden mehrere Arbeiter durch Messerstiche verletzt. Erschossen hat sich am Sonntag um die Mittagszeil der Zigarrenhändler und königl. Stempelvcrlheiler Stubbe ans der Fnedrichstr. 129 in der Kaiser Friedrichstraße zu Charlottenburg. Stubbe. der verheirathet ist, kam vor etwa anderthalb Jahren von Hamburg hierher und begründete ein Zigarren- Import- und Versandtgeschäft. Es scheint, daß seine geschäftliche» Hoffnungen sich nicht erfüllt haben. Aus de» Nachbarorten. Die Lokalkommissio» von Tt.-Wilmersdorf fordert die Parteigenossen anf, sich streng nach der Lokalliste zu richte». Außer Lehmann's Seeschlößchen, Kaiser-Allee, und Klingen- berg's Volksgarten, Berlinerftraße, stehen der dortigen Arbeiterschaft weitere Lokale nicht zur Verfügung. . �Bekanntlich ist die Errichtung eincS Gewerbegerichts für die Gemeinde Wilmersdorf«ud Halcnsec mit der Begründung von den dortigen Gemeindevorstände» abgewiesen worden, es liege kein Bedürfniß vor. Da nun in den beiden Ortschaften seit Jahren eine rege Bauthätigkeit herrscht und der nnvermeidlichc Bau- schwindel mit seineu schwere» Schädigungen der betheiliglen Arbeiter üppig in Blüthe steht, so ersucht Genosse Otto N e r r e, Pfalz- burgerstr. 67, Hof park., alle die Arbeiter, welche eine Schädigimg an Arbeitslöhnen«. infolge ihrer gewerbliche» Thätigkeit innerhalb der Gemeinde Wilmersdorf und dem dazu gehörigen Halensee er- litten haben oder erleiden, Mittheilungen an seine Adresse gelangen zu lasse». Nerre will das Material als Beweis, daß die Errichtung eines Gewerbegerichtes am Orte Bedürfniß ist, dem Gemeindevorstand übermitteln. Der Kaffenraub anf der Kasernenwachtstnbe der Militär- Luflschifferabtheilung zu Schöneberg, der in einigen Zeitungen in Zweifel gezogen wurde, ist thatsächlich vorgekommen, allerdings nicht in der vergangenen Woche, sondern in der Nacht vom 8. zum 9. Januar. Der Wachthabende—«in Gefreiter, nicht ein Unter- offizier— ist mit drei Tagen Mittelarrest bestraft worden, der Posten dagegen, der im Halbschlununer war, als die Kantinenkasse geraubt wurde, mit 21 Tage» strengen Arrestes, von denen er jetzt noch acht zu verbüßen hat. Ei» erheblicher Miinzendiebstahl ist in der heutigen Nacht i» Charlottenburg verübt worden. Einem in der Pestalozzistraße lvohnhaften Bankbeamten wurde der Hauptbestandtheil seiner Münzensammlung in, Werths von über 1000 M. entwendet. GevithtzS-Iettuttg. Die Ehre armer Mädchen steht eben so hoch, wie diejenige �brer reiche» Verwandten",>»it diesen Worten leitete der Vorsitzende der 130 Abtheilung des AuitSgerichlS I, AmtSgerichtSrath Brestel, die Verkündigung deS gegen die noch zieuilich jugendliche» Kauf- lente Cohn und Marcus wegen Beleidigung gefällte» Urtheils ein Die beiden Angeklagte» hatten eines Abends zwei von der Arbeit nach Lause gehende junge Mädchen aus dem Arbeiterstand- auf der Straße mit aufdringlichen Redensarten belästigt,»hne.i Konfekt angeboten u. s. w. Als die beiden Mädchen sich das ver- Halen, verhöhnten die beiden Helden sie damit, daß sie nicht einmal Handschuhe anhätten, und Cohn rief aus eine weitere Abweisung seitens des eine» jungen Mädchens:„Wenn Sie jetzt noch ein Wort sagen, haue ich Ihnen Eine herunter." Marcus meinte daraus istit nicht mißzuverstehender Andeutung:„Konim' nur, die wollen sich doch nur ein warmes Abendbrot verdienen." Beide Angeklagte wollen sich bei den„Scherzen" nichts„gedacht" haben, ihr Benehmen habe doch absolut nichts Beleidigendes gehabt. Nur mit Rücksicht auf die Jugend und bisherige Unbescholtenheit der Angeklagten sah der Gerichtshof von einer Freiheitsstrafe ab und erkannte aus je 100 M. Geld st rase und Publikation. Eine Messerstecherei mit tödtlichem Rusgange beschäftigte gestern das Schwurgericht an> Landgericht I, welches unter Vorsitz des Landgerichtsdirektors W e i m a n n eine neue Tagung begann. Die auf Körperverletzung mit tödllichei» Erfolge lautende Anklage richtete sich gegen den 24 jährigen Schlosser Hugo S« s e m i h l. Dieser war in der Nacht voni 13. zum 14. Dez. mit einen, jungen Mädchen zum Tanzvergnügen gewesen und begleitete seine Partnerin bis zu ihrem Hanse Angern, ünderslr. 11. Beide plauderten vor der Thür noch ein Weilchen, wurden aber durch drei Männer nnt Redensarten häßlicher Art belästigt. Die drei standen auf der gegenüber- liegenden Seite der Straße, waren anscheinend mich im Begriff, Abschied von einander zu nehmen und machten sich ein Vergnüge» daraus, das Pärchen mit unanständigen Ausdrücken zu bombardiren. Schließlich wurde es dem Angeklagten zu viel: er ließ seine Begleiterin ins Haus hinein und ging dann auf die andere Seite der Straße, um die drei zu frage», was sie eigentlich von ihm wollten. Man machte ihn darauf aufmerksam, daß der Man», der die beleidigende» Worte gebraucht, etwas angetrunken sei und daß er ruhig seines Weges ziehen»nd bedenken solle, daß er allein dreien Personen gegenüber doch den kürzeren ziehen würde. Suseniihl ging denn auch und stellte sich abermals vor der Thür des Hauses Nr. 11 auf. Die drei folgten ihn, bald und der Fensterputzer Roberl Wilhelm, der in demselben Hause wohnte, fragte ihn, ob er denn überhaupt dort wohne, widrigenfalls er sich entfernen möchte. Darüber gerieth der Angeklagte in eine nn- beschreibliche Wulh, er zog plötzlich ein Messer ans der Tasche und hieb wie toll um sich. Der Arbeiter Adolf B ü h r i g erhielt hierbei einen furchtbaren Messerstich, der sich von der Haupt- schlagader hinter dem rechte» Ohr um die Kinnlade herum bis auf den Brustwirbelknochcn ausdehnt. Bührig war in wenige» Minuten eine Leiche. Wie der gerichtliche Sachverständige Medizinalrath Dr. Long bekundet», ist der Tod«ine Folge von Verblutung gewesen. Die Geschworenen sprachen den Angeklagten schuldig, bewilligten ihn» aber mildernde Umstände. Der Staats- anwalt beantragte drei Jahre, der Gerichtshof erkannte auf zwei Jahre Gefängniß. Der Landrichter Kanoldt am Landgericht II. welcher erst im vorigen Jahre von Außerhalb nach Berlin berufen wurde, ist soeben als Hilfsarbeiter an das Kamniergericht berufen worden. Vier Giftmorde und ztvci Giftinordversuche werden einer Frau zur Last gelegt, die sich gester» vor dem Schwurgericht in Verde» a. d. A. zu verantworten hatte. Die in dritter Ehe ver- heirathete Angellagte Johanna Schmidt, geb. Günther, zu Lehe ist von Beruf Hebamine. Ihre dritte Ehe ging die Angeklagte im Jahre 139« mit dem Fuhrmann Schmidt i» Lehe ein. Die Ehe- lente wohnten im Hause des alten Vaters des Schmidt, des Rentiers Nikolaus Schmidt, der an stelle der Miethe von seineui Sohne freie Beköstigung erhalten sollte. Es kam aber bald zu Zivistigkeiten zwischen dem alten Schmidt und seine» Kinder», so daß elfterer dieselbe» aufforderte, auszuziehen. Hierzu kam eS aber nicht, sondern es wurde die Zahlung eines Miethszinses vereinbart. Kurze Zeit nach diesem Streitfall, am 9. Mai 1896, kam der alte Schmidt mittags nach Hause, wurde ader uichlzum Esse» gerufen, so daß er beim Warten einschlief. Erst geraume Zeit später wurde er von seiner Schwiegertochter, der Angeklagten, geweckt, die ihm sagte, daß sie geglaubt habe, er wäre nicht zu Hause, und daß sie daher allein gegessen habe. Schmidt scn. erhielt dann«ine Biersuppe vor- gesetzt, die, wie er angiebl, eine» widerliche» Geschmack hatte. Dasselbe war der Fall bei dein folgenden Gericht Butler- kartoffel». Er hatte kaum einige Bissen genoffen, als ihn ei» Uebelbefinden übersiel, in Kehle und Magen stellte sich ei» 'heftiges Brennen ein. Er mußte sich übergeben und litt»och mehrere Stunde» an starkem Durchfall und Leibschinerze». Am folgenden Tage, eiuem Sonntag, lehrte er abends heil» und erhielt von feiner Schwiegertochter einen bereits bereitstehenden Topf Kaffee vorgesetzt. Als er deiiselben an die Lippe» setzte, empfandjer wiederum einen scharfen brennenden Geschmack. Schmidt übergab nun das Getränk einem Freunde, welcher es von dem Apotheker untersuchen ließ. Dieser fand in dem Kaffee bedeutende Mengen von Sublimat. Die hierauf eingeleitete Untersuchung veranlaßle, auch einige Nachforschungen nach dem Vorleben der Angeklagte» anzustellen. Und da ergab sich die überraschende Thatfache, baß ihre beiden ersten Ehemänner, der Gärtner Kraflczyk und der Kapellmeister Eckard unter ähnliche» Umständen plötzlich verschieden waren. Die Anklagebehörde hat nunmehr auch wegen des Falles Kraflczyk Anklage ivegen vollbrachten Mordes erhoben. Sie irimuit an, daß die Angeklagte die grausige That begaiigen habe, um ihren zweite» Mann, de» Kapellmeister Eckard in Osnabrück, Heirathen zu könne». Aber auch dieser ist nach kurzer Ehe plötzlich an den Folgen einer Karbolsänre-Vergiftung gestorben. Die Angeklagte giebt zwar an, daß ihr Man» sich vergriffen und statt HoffniannStropfeii Karbolsäure genommen habe. Wegen dieses Falles hat infolge mangeln- der Beweise keine Anklage erhoben werden können, jedoch ivird auch er Gegenstand eingehender Beweiserhebungen im Laufe der voraus- sichtlich drei Tage währenden Verhandlungen sein. Aber noch mehrere rälhselhafte plötzliche Todesfälle i» ihrer nächsten Umgebung begleiten die Lebensbahn der Angeklagten. Zunächst ist ihre eigene Mutler im Jahre 1894 unter eigenthumlichen Umstände» plötzlich gestorben und während ihres Aufenthaltes i» Osnabrück— in der zweiten Ehe— starb im Wochenbett eine Frau Rogge, die die Augeklagte als Hebamme behandelte, plötzlich au Quecksilbervergiftung. Beide Todesfälle sind unaufgeklärt geblieben, werden aber ebenfalls in der Verhandlung zur Sprache gelangen. Es sind im ganzen 67 Zeugen geladen. Vevpatnntliingen. Bäcker. Eine von ungefähr S0N Personen besuchte öffentliche Bäcker-Versannnlung tagte am 23. u M., bei Niest, Weberstr. 17, um Stellung zu dein am 22. und 28. April in Gera stattfindende» deutschen Bäckerkougreß zu nehme». Von de» Anhänger» der lokalen Richtung lag eine gegen die Beschickung des Kongresses sich richtende Resolution vor, die vou Barth begründet wurde. In ziemlich drei- stündiger erregter Debatte, an der von den Fachvereiulern sich serner Schneider, Fischer. Most. Dally und Klang betheiligten. kam es zu Auseinandersetzungen»lit den Anhängern der Mitglied- schaft des Verbandes, welche für die Beschickung durch mindestens vier Delegirte eintraten. Sandhofs, Höpsner, Rückwaldt und Brieskorn sprachen von dieser Organisation. Von den Gegnern der Kongreßbeschickung wurde gellend gemacht, daß dieser Kugreß nicht in» stände sei, zur Erhaltung des Maximal- Arbeitstages etwas beizutragen, da ihn» voraussichtlich das imposante Gepräge einer Massenkundgebung fehlen werde, wie solche z. B. in Berlin mehrfach stattgefunden hätten. Die Besürworter des Kongresses erklärten, ei» jeder Kongreß garantire einen Fortschritt im Befreiungskämpfe und dieser Kongreß werde Keffer beschickt sei» als alle seine Vorgänger. Eine Blamage würde es sein, wenn die größte Stadt Deutschlands anf diesem Kongreß nicht vertreten wäre und der Kostenpunkt komme nicht in betracht. Schlüter sprach vermittelnd und stellte den Antrag, einen Delegirten zum Kongreß zu entsenden mit der Weisung, nur den Punkt„Bäckerei-Arbeiterschutz und seine Gegner" mit zu verhandeln und dann den Kongreß wieder zu ver- lassen. Nachdem ein Antrag auf Schluß der Debatte angenommen worden war, kam nian zur Abstiulnrnng. Die Resolutlon fand nicvl die Majorität. Bei dem Autrag Schlüter kam es nach zwei- waliger vergeblicher Abstimmung zur Stinnnenauszählnug, wobei sich eine Ablehnung dieses Antrages nnt 109 gegen lii»S Stimmen ergab. Ein großer Theil enthielt sich der Abstimmungen gänzlich, während ein anderer Theil schon vorher weggegangen war. Die Delegirtenwahlen finden in der nächsten Versammlung statt. Ein„Deutsch-Kartcll" ist die neueste Erscheinung ans poliii- schem Gebiet. Es wurde ani Sonntag in einer in den Germania- sälen abgehaltenen Versammlung gegründet, und zwar nach dem Vorschlags des Heransgebers der„Deutschen Zeitung", Dr. Friedrich Lange. Ausgehend von der Erkenntniß, daß weder die konservative noch die natioualliberale Partei im stände ist, bei den Reichstags- wählen jede für sich ausschlaggebende Erfolge zu erringen, tritt Dr. Lange für ein Zusammengehen beider Parteien bei den Wahlen, wie überhaupt für eine dauernde Vereinigung derselben ein. Da aber der selbstsüchiige Fraktionsgeist einem solchen Ausgleich hindernd im Wege stehe, so wendet sich Dr. Lange nicht an die Abgeordnete», sondern an das„national gesinnte, von denischem Geiste beseelte" Volk, bei dem er ein geneigtes Ohr für seinen Vorschlag zu finden hofft. Als dritte im Bunde ist die„deutsch- sozial« Reformparlei" ausersehen,„eine neue und manchem unbequeme Nummer, aber die deuischest« Partei von allen." Das Denisch-Karlell soll natürlich in erster Linie gegen die Sozialdemokratie und das Judenthnm ausmarschiren, und gegebenen Falles auch gegen die vom römischen Geist erfüllte Zentrnmspartei den Kampf aufnehmen. Obwohl Dr. Lange manche Bedenken gegen das allgemeine gleiche Wahlrecht hat, ist er doch so gütig, dasselbe als verfassungsmäßige Grundlage des Deutschen Reiches anzn- erkenne», und zwar, weil Bismarck es dem deutschen Volke gegeben und mancherlei Anfeindnngen gegenüber erhalten hat. Der VerHerr- lichung des Kaisers und Bismarcks gab man zu Beginn der Versamm- lnng durch Absendimg von Huldigungstelegraininen Ausdruck. Von den etiva 300 Anwesenden sollen nach Angabe Dr. Lange's 50—60 ans den verschiedensten deutschen Städten, zum theil aus iveiter Entscrnnug gekommen sein. Es traten u. a. Redner ans Gera, Greiz, Reichenbach und Köln auf. Da nur solche Personen zur Vcr- sammlung zugelassen wurde», die sich vorher durch Unicrschrisl n>it de» in mehreren Leitartikeln der.Denlschen Zeitung" niedergelegten An- schauungen des Dr. Lange einverstanden erklärt hatten, so machte sich natürlich ein Widerspruch gegen deffen Vorschlag nicht geltend. Außer andere» Rednern trat auch ein Mitglied des deutsch- konservativen Parteiraihs für das Kartell ein. Ein Kriegervereinler aus Kotlbus las in derben Worten den MärkerN den Text, iveil sie sich trotz der ihnen in der letzten Kaiserrede bewiesenen Huld nur in so geringer Zahl zu diesem nationalen Werk eingefunden hätten. Ein anti- semitischer Buchbindermeister bekundete, daß der Haß gegen die Jude» sein Lebenselement sei. Er machte der konservative» Partei den Vorwurf.daßsiediesenHahnichl genug geschürt habe. Ei» anderer Redner erklärte die Nationalliberale» für zu jndenfreundlich und wollt« den Antisemitismus in erster Linie durch das Kartell vertreten wissen. Ein Hanplmann a. D. hätte an stelle des Kartells lieber eine neue dentschnationale Partei gründen mögen zum Kampfe gegen die finstere» Mächte des Umsturzes: Sozialdemokraten, Römlinge und Jesuiten. Daß man die Sozialdemokratie in Berlin nicht mehr besiegen könne, schien den meisten Rednern klar, jedoch hofft man, in der Provinz eine» günstigen Bode» für die neue Kartcllbewegung zu finden. Schließlich wnrden die Lange'schen Vor- schlüge angenommen, die„Deutsche Zeitung" zum Organ und Dr. Lange zum Vorsitzenden des„Deutsch-Kartells" ernannt. Die „Deutsche Zeitung" auf die Beine zu bringen, scheint wohl über- hanpl der Hauptzweck des ganzen Rummels zu sei». Fachvcrci» der Stnckatenrc Vcrlius nnd Nnige-ond. In der leider sehr schivach besuchlen Versammlung vom 22. Monats wurde die Debatte über„Dir Praxis der Gewerbegerichte" fort- gesetzt nnd speziell der Paragraph 124 einer eingehenden Besprechung unterzogen. ZU» J-r-lmll.»er zcrl>»it,».KU»«>»»«schnI»,«runn-nftr. e». ist woch-n- lag« von<— e Uhr, Sonniags von»—«Uhr, unenlgellllch für i«dir»>an» g»ülf»»l Tie SeschUftsNelle drr Schule Brunnenftra«? ss, die den verein«- vorfläiiden zur Bermlllclung von Borlrägen wlffenschaflllchen«haratter««ur Verfügung ficht, ist«bmfall« von»-» Uhr nachmlllag« geöffnet. Arb«if«r-Si>»gert»»>d Berlin» und Umgegend, vorsthendec itd. Neuman», Paleivalkerfir.». Alle Aenderungen im«eretngralender find zu rlchie» an Friedrich K° r t u m, Manicuffelstr.»», v. s Tr. Arbeiter• Ilauchrrbnnd Kerlln««nd«lmgegend.«lenderungen im veretntlaleiider sind zu richlen a» Hermann Braunschwelg. Tretdener- straße 80, l. Hol,« Tr. S»»d der«es«»!-,« Ard«It,ru»r«i»» Kerl»«««nd ilnig,»««». Alle giilchrlslen. den«und belrefsend, sind iu rlchlen an P,»ent, 5.»«»den«»- straße iv?/s. zcrd»l»er-Aild»ng«fchuI».«lensiag Abend von ,-l»x Uhr: Sil»oft Schule Waldcmaritr. u: Tmllch iTi; deulsch« LNeralur in der ,iv-ii»n Hallte de« neunzehnlen Jahrhunderl».—«vi,..«lehr«. j Herr Heinrich Schul«.— Slordschule,«runneifflr. ss: Naiionalolonomie(llebersicht der verschiedenen Wirlhlchafissiufcn-lknlwiltelung der dürgerlichen theoretischen eialtonalSkonomi«. Die Marr'fche Werth- und Mehriverthlehrel Herr Dr.«onrad Schmidt. Zentralverein der Klidhauer. Heute, abend»» Uhr,»ersammlung- (Tagesordnung siehe Inserat.) No»»,o». hierein für vvlkvthümlich» hvilfeufchaft. Dt-nfiag den -. d. M.. abend« 8-/. Uhr bei Hensel, Brunnenstr. 17«: Vorlesung, Di«»usst»n. Saste wtlltommen._ Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde sinbet Montags, Dienstags, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Fräulein Johanna Hanke aus Halle, Fräulein Anna Eggers nnd Herr Domorganist C. Franz werden beim Orgelvortrag in der Marien- liiäie Mittwoch den 3. März, Mittag 12 Uhr mitwirken. Der Eintritt ist frei. Nixdorf. Holzarbeiter. Bericht nicht erhalten. WittcriinßSiibersich« von« 1. März 1807. S t a i i o n e» g e«n |sp K«» o -l I •Q C OJ IJ. a T! *1 �IS) Wetter «£* LZ Ii « Eivineinünde Hamburg. Berlin.. Wiesbaden. München Wien... Haparanda. Petersburg. Cork... Aberdeen.. Paris... 733 733 733 733 760 761 762 762 730 740 736 SO SO SO SO SW S N W NNW SSW SSW » 2 3 1 4 2 2 1 2 3 » heiter wolkig wolkig bedeckt Regen bedeckt wolkenlos Schnee halb bedeckt wolkig Regen I 1 2 3 7 7 -21 -8 4 4 7 Wetter Prog>,»se für Montag, den?- März 1�' Ziemtich trübe und regnerisch bei mäßigen südwestlich«" W wärmerer Nacht und wenig veränderter Tagestemperatnr. Berliner W e t t e rb u r«»". lipon iv Tauben-Strasse UI aillit, Xo. 48—40. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 3« Pf. Wiffenschaftl. Theater abends 8 Uhr. ZtrrnnilirttWiSiAZ hos. Täglich von 7»/, Uhr abends ab 30 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Experimenten u. gr. Lichtbildern auSaestattet. Näheres die TageSanschläge. Passage- panoplicum. Vom ' 6. März ab! Midcben ans Samoa- fyüv de» Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei ._ Verantwortung. Theater. Dienstag, den 2. März. Opernhaus. Fiddio. Schauspielhaus. Wilhelm Stell. Tentsches. Der Sohn des Kalifen. Berliner. Kaiser Heinrich. Lessing. Die Geschwister. Hieraus: Monsieur Alphonse. Neues. Marcelle. Ostend. Zu hoch hinaus. Westen. Die berühmte Frau. Residenz.?ls,ocies. Linden. Indigo und die vierzig Räuber. Dhalia. Frau Lieutenant. Schiller. Ei» Wintcrmärchen. Zentral. Ein sideler Abend. Bolls. Von Stuse zu Stufe. Friedrich- WilhelmstädtischeS. Heinrich Heine. kllcranderplah. Eine pikante Ehe. Passnge-Panoptikum. Affentheater. Slpollo. Spezialitäten. Achtung! Parteigenossen Berlins! Achtting! Solnilldtlid, de» lZ.Miin, abends 8 H&r, im leeil-PiW. Mrgkwße: Aarx-Keääektui88-reier' irovriirFrili-ps- iiNNt ktsnl MaB*X Me-Altiantt-Theater Volks-Porstclluttft unter Regie von.TaHli« Türk Dirigent: Herr Tillenberger.!viu,il von oi°u-«num»«..»»....................... F-Srede: Genosse Pens.— Drolog: Genosse Winkler.— Großer Kall. Uillet SO Pf. Tanz 30 Pf. Da« ComU�: Lankow, Bülowstr. 2l pt.; Schüler, Mittenwalderstr. 43111. 3. Wskttei'ei». Mtvood, den 3. März, abds. 8 Uhr, in 8sll880aoh Kottbuscrftr. 4a: V oll�s vSPsmmDlvmN. V Tages-Orduung: Bortrag des Reichstags-Abgeordneten A. Bebel über: ..Die Mieren int Orient�. Dislussion[213/6« Uw zahlreiches Erscheinen ersucht Die Bertrauensperson. Osteud-Theater. Gr. tzrankfurterstr. 132. Dir.«. Weist. Heute und folgende Tage: Zu hoch hinaus! VolkSsttick in 4 Akten von M. Günther. Ansang 8 Uhr. Sonntag Nachm.: Der Walzer- könig. von Sonntag, den 7. März, nachm. 3 Uhr: Gastspiel der Damen Martha Frey und Therese Freyburg: der Herren Heinrich Schutz und Wilhelm Rufs. Zum eisten Male:� Vit Zungfran von Nleans. Romantische Tragödie von Fr. Schiller Johanna: Martha Frey. Agnes Sorel: Therese Freiburg. König: Richard Jürgas. Dunois: Heinrich Frey. Burgund: Wilhelm Ruff. Lionel: Heinrich Schulz. Talbot: Julius Türk. Die Kostüme, Reauisiten, Waffen sind aus den kunstgewerblichen Werk stätten von P. Hildebrand. Eintrittskarten» 60 Pf. sind in den bekannten Geschäften zu haben Sckillvv�Tlzeakcv (tVallnee-TIieate»). Dienstag, abends 8Uhr: Ein Winter- marchen. Mittwoch, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts._ Thalia Theater. (vormals Adolph Ernst. Theater). »Frau L i e n t c» a n t.« Bandeville in drei Akten von Paul gerrier und Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirschel. Musik von G. Serpette und V. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Sonntag, nachm. 3 Uhr: Trilby. Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. Abends Va8 Uhr: Zum 26. Male: (B* Morgen Mittwoch: Zum 27. Male: Ein sideler Abend.__ Friedrich Mheluisl. Theater. Ansang 8 Uhr. Dienstag, Mittwoch, Donnerstag: Gastspiel des Herrn Cael PanUeevomThalia Theater in Hamburg. S3/. Uhr: Heinrich Heine. Hühneraugen- Operateur und Lotterie- Kollekteur Hirsch: Earl Pander a. G.— Vorher 8 Uhr: Eine Taste Thee. Lust- spiel in 1 Alt nach dem Französtschm von W. Drost. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestellgebühr an der Theater- lasse zu haben. Sluberdein im In- validendank. Unter den Linden 24, bei Paul Nomeick, Leipzigerstrahe 6, und JultuS Lengenfeld, Markgrafcnstr. b0. »>».____ AltWdttM-Zhnter. » l e t n e P r- i s e. Ansang 8 Uhr. Heut und die folgenden Tage: Eine pikante Ehe. Berliner Posse mit Gesang und Tanz in 4 Akten von E. PrudcnS. Bons, auch die zu anderen Stücken ausgegeben sind, behalten ihre GiUigkeit. Sonnabend, den 6. März 1897; Einmaliges Gastspiel des Gebrüder Herrenseld'schc» Budapester Possen- Theater. Eine Partie Klabbrias und Endlich allein. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Kinder-Borstellung. Frau Holle. Zaubermärchen mit Gesang ü. Tanz in 6 Bildern von E. PrudenS. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbcstellgebühr an der Theater- lasse zu haben. Vormittags 11—1 Uhr und abends von HV? Uhr an. Kolks- Theater I 34 Reichenbergerstr. S4. Pserdebahnstation Kottbuser Thor Jeden Abend 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr: Protestversammlimg der gesammtr» Ardkitkrschast Derlirs am Mittwoch, den 3. März 1397, abends 8'/- Uhr, in Keller's großem Saal. Koppeustr. 29. Tagesordnung: Die Greuelthaten in Barcelona. Referenten aller Partetrichtungen werden sprechen. Der Einbcruser: Kei-tsebei'. 916____ Der Einberufet; ttensener. Mtung! Uzcher! Achtung! WM- Öeffeniliche"WW Schneider- und Näherinnen-Versaminlung aller Brauchen der Cchueiderei und Koulektions-zudustrie ZlW" am D t e n st« g, de» 8. Marz I8S7, abends SV- Uhr, in den«rminhalleu.«ommandantenstr. 80. Tagesordnung: 1. Die beabsichtigte Ausdehnung der Krankenversicherung durch Orts- stawt auf die Berliner Hausindustrie, die Anträge der Aewerbedeputation des Magistrates und unsere Stellung hierzu. Referent: Kollege I. Timm. 2. Dislussion. Die Bersammlung ist von wichtiger Bedeutung für die Kolleam und Kolleginnn aller Branchen. Wir sordem deshalb auf, zahlreich tu der Ber- sammlung zu erscheinen. 164/4 Die Agitationskommisston _ der Schneider und Schneiderinnen Berlins. Zentralverein der Kttdljaner. Heute, Dienstag, den 8. März, abends 8>/z Uhr. Aiinenstraste 1K: WU" Bersammlung.' Mittwoch, den 3. März, abends 6 Uhr. im Lokal Kttnlesbank, G roste Frankfnrterstraste 117; Grosse öffentliche Versammlung der Putzer Berlius uud Nmgegeud TageS-Ordnung: 1. Bericht der Kommission über die stattgefundene Aufnahme der Arbeitsverhältnisse in unserem Gewerbe und Borschläge der Kommisston. 2. Bcrkündigung des Resultats über die stattgefundene Abstimmung betr. Einführung des Arbeitsnachweises. Die Kollegen, welche kein Regulativ und Stimmzettel erhielten, erhalten! iican»»».«:,.«- beides in der Versammlung, damit jeder seine Stimme abgeben kann. Heute, Dienstag, ven 8. März, abend» 8 Uhr, bei Keller, ie Kommission. I. A.: Vexel. �«...-, ketitung! Zimmerep! Ächtung! -oniitags 7 Uhr:"Mz I Mittwoch, den 3. Mär» 18i>7. abend» 8 Uhr: Vi« Tills- ji Tlltst. I Um gr. öfffllll. VttsllmmlWW für Gesundbrunnen. Wcdding und Moabit: ~'--- �•" rfr rr..n..„ Böhmisches Brauhaus I.andabergcr Allee. Heute Dienstag: Fastnachts-UIk-Soir�e der Stettiner Sänger tMeysel, Pietro. Britto», Steidl, Krone, Röhl und Schräder). Feen- Palast, s,r�88. Direktion IVlnttler A Frübel. Sehe»! Das Staunen! Durchweg neue brillante RleKongTonne_ März- Programme Sensation»- 20 Nummer». Neu! Soubrette ans dem Zweirad Anfang 7>/» Uhr, Sonntags 7 Uhr. Entrce 30 Pf. bis 1 Mark 50 Pf. Bevlinsi' Pcssen-Thcstec Mllnaistpasse 17. (Eingang Köntgsgraben.) Direktion: Joseph Aschinger und Leonhardy Haskcl. Allabeublich pnnkt>/-!« Uhr: _ Novität! NovitiU! IBaruch und Sohn. Neue Specialitäten 1 Ansang der Vorstellung 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Enttee 30 Ps. Die Direltton. Circus Renz Karlfttraitnc. (InbilänmS- Saison 1896/97.) Dienstag, den 2. März 1897, Abends V/, Uhr: E-ttra-Vorstellllllg. Durchschlagender Erfolg. Aovltttt l Aus der Mappe eineS Riesengtbirgs-Phunttlsitil. Aubcrdem die hervorrag. Nummem dos RcpertoirS. Donner u. DarinS, Rappheiigstc, dreff. u. vorgeführt von Herrn Robert ilienz. Eine Schul- quadrille, geritten von 8 Herren. Hoch- und Weitsprünge über S, 8 und 10 Pferde, anöges. von d. besten Springern der Gesellschaft. Einlache und doppelte Baguettspritng« über Hindemtsse, ausgeführt von 12 Ungarn. Mittwoch, dcn3. März 1897 abends 7'/, Uhr: Eala-V'ofxtellaas. Zu gunstcn der Zentenarfeier. Grostcr patriotischer Festakt. Aus der Mappe eines Riesengebirg» Phantasten in der„Norddeutschen Brauerei", Chausseestr. 58, für Nordosten und Osten: in den„Fortnna-Säten", Strausbergerstr. 3 für Südosten und Süden: in„Henke's Salon", Naunynstr, 27, für Westen und Schöneberg: im Lokale„Königshof", Bülowstr. 37. Tag es-Ordnung: 257/7 1. Rechte und Pflichten der Berliner Zimmerer mit besonderer Berücksichtigung der vorjährigen Lohnbewegung. 2. Dtskussion und Verschiedene». Referenten: Theodor Fischer. Ernst Obst, Hermann Und», Hermann Knüpfet._ Die Li0hnkownwl»«Ion Chemigr aphen 1 Donnerstag, t. März, abends Uhr. b. Zubell,«inbcitstr. 106: 1 Mitglieder-Versammlung. Sl�es�Orbnu�ng:_»7/4 Tagesordnung: 1. Gestattet der Verein seinen Mitgliedern das Umfragen nach Arbeit? 2. Wie ist es zu regulircn, damit es nicht schädigend wirkt? 3. Geschäftliches und Verschiedenes. 21/7 Die Versammlung wird pünktlich eröffnet._ Der Porstand. Deutscher Holzarbeiter-Verband. (Zahlstelle Berlin). g, den 8. März, abends I Uoppenstr. 89: Außerordentliche General-Versammlung. TagessOrdnung: I. Wahl eines ArbeitSvermittlers. Wahl eines ersten Schriftführers und eines Mitgliedes zum Ausschust. 2. Die für dieses Frühjahr w Aussicht ge- nommenen auswärtigen Streiks in unserem Gewerbe. Um Pünktliches und vollzähliges Erscheinen ersucht 87/1 IMe Ortsvcrwaltnna. Lhue MitglieMudi ist der Autritt nicht sestüttet. Mittwoch, den». März, abendS 8 Uhr: NertMktisMnntl-VttsilMtWt«: Siid- töstku: im Lokale des Herrn Baiiteabers, Oranienstr. 180: Folgende Werlstellen sind einzuladen wegen lleberstunden: Seibt, Gitschincrstt. 81; Sokol, Admiralstr. 7; Schub u. Franz, Feilnerstt. 2; Siemens u. Halske, Markgrafenstr. 91; Prumpkr, Holzmarktstt. 21. im Lokale»e» Herrn Osten: irr» Thiels, Fruchtstrafte 36a. t Vortrag des Genossen i Zubcll. 2. Diskussion. 3. Bercinö- angclegenhctten und verschiedenes.- Um Zahlreiches und pünktliches Er- scheinen bittet___ Die Berwaltun«. Frauenkrankheiten, zugleich: Ein Bliit in das Innere der Frau Aortrag vom pratt Nawrheilkundigen Grundmann am Mittwoch. 3. März, abends 8 Uhr, bei Uhlist, Badftraste 19. Der Dortrag wird an einer lebens- grostcn lünstlichen Frau und an zahlreichen Figuren, welche die verschiedenen Frauenleiden veranschaulichen, erklärt. Eintritt 20 Pf. Gäste, nur Frauen, willkommen. Der Bercin für Körper> und Naturheilkunde. Geschäftsstelle: Alexanderstraffe 8. WM» Castan's § Fanopticum. | Ä. Pygmäen die kleinste» | Menschen der Welt! Datnen-Wcttschiviinmcn. Anfang« Uhr. Entree 6V Pf. Vorverkauf 39 Pf. Atel Tailjtrliilzchtll. Tanz frei. Morgen Mittwoch: Moabiter Stadttheater. NeueS Programm! Zum Schluß: Aamp«'» Konservalorium für | Musik. Apollo-Theater. Sriedrichstr.218. Hr. J. Glück. Neue Debüts! Carmencita Five Sisfers Lorrison b w"b ic.m. SensationSbtlde: Hj Endlich allein!__ «asseneröffnung 6'/, Uhr. Ans. 7»/, Uhr. Cl. IRC US I i*.. Balinhor BUrse. Dienstag, den 8. Mär, 1897, , Abends 7,/j Uhr: Greste brillante Berstellimg. Das Tagesgespräch von Berlin: Nach Sibirien. , Außerdem: Dir. Busch als Schul- reiter aus dem englischen Vollbluthenst Favory. Adjunkt, ostpreutz. Hengst, Alcazar VarlötC-Tlienter I. Banees. Dresdeuerstr. 58/33(City-Passage) Aiinenstraste 48/43. Geschwister Gottlieb. Prof. Roherls. Wendini. Ansang: Sonnt. 6 Uhr, Wochent. 8 Uhr Freikarten in der Woche gtltig. Enttee 39 Pf. Die Direktion. Bekanntmachung. Kaufmann's Variete. Das grttsste und beste Projframm v. Berlin. PST* Neu! Reu! Neu! Die preisgekrönten Schönheiten Ceschw. Delwina"/Ä* Castor d'iunaek, Wandlungstänzer. Gebr. Tscherpanov, Sänger-Trio. Sign. Genies,&Ä. '.« Die ver. musik. Klowns. l ger. v. der berühmten Schulreiterin �Mme. Maria Dor6. Die vorzüg- lichsten FreiheitSdreffuren deS Dttck- torS Busch. Auftreten der hervor. ragendslen Reittünstterimicn und Reit- künstler. aar Neu! Bros. Lily. Akrobaten-KiownS. 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Westen und Südwesten: im Lokale des Herrn Xuheil, Linbenstraste 106. IVOalllt* im Lokale Thumstraste 84. Nttwlikiismümtt-Zitzuiig dn WMmchn im Lokale der Herren Blak« A Co., Akt» Jakobstr. 83. Branchen-Versammlung der Parquetbedenleger im Lokal de» Herrn Bablel, Rosenthalerstr. 57. TageS-Ordnung: 1. Ersatzwahl der Werlstatt-Äantrolllommtssion. 2. Die jetzt eingettffenen Mißstände in unserer Branche. 3. Verschiedenes. Um zahlreiches Erscheinen wird ersucht. ___ gy ailtglledsbno.h legltlmlrt."WG__ Wlschkr MetdUaMterGertianii. Vcmaltanesstelle Berlin._ � Bezirks- Versammlungen."WD tRinhanf« Heute, Dienstag, den 8. März, abends 8>/, Uhr, in den .„Viktoriasälen. Hermannstr. 49—59. Tagesordnung: 1. Vortrag deö Kollegen Faber über: Der Staat und die Arbeiter. 2. Diskussion. Gebr. d'Orellb f SSSS? Hody-Marga,"SSÄ1" ' die unübertt .! Reckturuer. dl!'. itOtls, Equilibrist. laONs ROrN, Lonzertsängerin Vr. �ohll. Fub-Antipode. Gehr. Glevas. .Ur. Pattz- d. Kopfstand-Equtllvrfst. sar Neu!-MG Kieling Tronpe, Pantomitsen." | SO. Wik SSf «.BtollV.Sj'a'toä"'/ M->>i Mittwoch Webbms uub Stanienbiiröcr MM: l, den 3. März, abends S'A Uhr, im«ölber, I dlUttÄ'"ÄflSi. � In allen Versammlungen Verbandsangelegenheiten und Verschiedenes. wr Urania-Billets zum 19. April.(Neues Stück.) Gäste I oü"«t— �nnutag, den 7. März, vorm. |»V2«Hr. bei Cohn,«euthstr. 81. findet die Stichwahl der Delegirten Ein Spast in der Schuster Werkstatt."Wß Des grofte» Programms wegen beginnt die Vorstellung präz. 7i/, Uhr. Welt-Bestaurant Vm-iet�- and Hjier.ialltäten- Thcater. TreSdenerstraste 97. Novität! Novität! Novität! Das tanzeube Verlin. fm vorderen Saal täglich: nstler-Prel-Boa-ert. Anfang: I Eutree: Wochent.?V> Uhr. Wochentags 2C T Sonntags 6 Uhr. i Sonntags 30 Pi Ausgabe der iirnnin'«oiut
x».»»�»»...-----,—. willkommen. DM" Aebtnax! Sonntag, den 7. März, vorm. 9'/. Uhr, bei Cohn, BeutHftr. 81, findet die Stichwahl der Delegir"- zur General-Bersammlung in Brannschweig statt. 121/6___ Ple Orts verwaltnag. Achtung- Maurer! Ach« Mittwoch, de» 3. März, abends 8 Uhr, im Lokale des Herrn Baske, Grenadierstr. 33: Oeffentl. Baudeputirteu-Bersammlung. Tages-Ordnung: 1. Ist die fetzige Bauthättgkett geeignet, unsere Forderung hochzuhatten? 2. Bericht der Delegirten. 3. GewerkschastltcheS. K Jeder Bau muß durch einen Delegirten vertreten sein. Aus den wo länger als 9 Stunden gearbeitet und weniger als 6b Ps. Sro Stunde gezahlt wird, find mehrere Kollegen zu beauftragen, zwecks larstellung dieser Mißstände in der Versammlung zu erscheinen. 133/8 Die I.olmkonimlssloa. Altes SWellhails, Licknstr.Z, empfiehlt sein« Attl«, 660 Personen fassend. Neu eröffnet: X»tar»artea. ! Sitzplätze für 300 Pers. Sonnabende im April, Mai, Juni, Juli K noch frei.
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Die Bekanntmachung erfolgt nur durch diese Annonce. 98/13 Der Borstand. Danksagung. Für die zahlreiche Betheiligung beim Begräbnib meines lieben Sohnes und unseres Bruders 126b Richard Oatzke sagen wir allen Freunden und Be- kannten, insbesondere dem„Jnter- effen-Berein der Buchdruckerei-Hilis- arbeiter", dem Gesangverein„Soli- darität", sowie dem Personal der Buchdruckerei I. Sittenfeld unseren herzlichsten Dank. Die Hinterbliebenen. Danksagung. Für die überaus zahlreichen Be- weise herzlicher Theilnahme und die reiche Blumenspende, insbesondere seinen Kollegen und Kolleginnen, so- wie dem Verband der Vergolder, sagen wir unfern herzlichsten Dank.[1246 Die trauernde Wittwe Leuschner nebst Kindem. Für die Theilnahme bei der Be- erdigung meines Mannes, sage ich meinen herzlichsten Danl.[119b Wittwe Gmilie Wienert, ._ Wollinerstr. 66._ Kranzbinderei u. Klnnicn- Robert Mejer, Xo. 2. Rariannenstr. No. 2. 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