BUNTE WELT Nr. 7 Unterhaltungsbeilage In der Matratzengruft Zum achtzigsten Todestag Heinrich Heines am 17. Feber Das bekannteste Bild so beginnt Bruno Wille eine kurze Biographie Heines zeigt diesen Dichter im Profil, wie er, durch sein Leiden vergeistigt, den sinnenden Kopf auf die Hand stützt. Das Bild stammt aus der Zeit der..Matraßengruft", in die Heine durch sein lähmendes Nervenleiden biele Jahre gezwungen war. Daß uns nur die eine Seite des Gesichts gezeigt wird, hängt vielleicht mit der Tatsache zusammen, daß die andere Gesichtshälfte gelähmt war. Der Stranke hat seufzend darüber gescherzt:„ Ich fann nur auf einer Seite, nur mit einem Auge weinen, ich bin nur noch ein halber Mann. Nur meine linte Seite tann noch gefallen. O Frauen, werde ich in Zukunft nur Anspruch auf die Hälfte eures Herzens haben?" Im Mai 1848 war Heine zum letzten Male ausgegangen. Wie wehmütig sein Bericht: ..Nur mit Mühe schleppte ich mich bis zum Louvre( dem großen Pariser Museum), und ich brach fast zusammen, als ich in den erhabenen Saal trat, wo die hochgebenedeite Göttin der Schönheit, Unsere liebe Frau von Milo, auf ihrem Postamente steht. Zu ihren Füßen lag ich lange, und ich weinte so hefs tig, daß sich dessen ein Stein erbarmen mußte. Auch schaute die Göttin mitleidig auf mich herab, doch zugleich so trostlos, als wollte sie sagen: Siehst du denn nicht, daß ich keine Arme habe und also nicht helfen fann?" Wenige Wochen später, am 7. Juni, schrieb Heine an seinen Verleger Campe: ..Seit acht Tagen bin ich ganz und gar gelähmt, so daß ich nur im Lehnstuhl und auf dem Bette sein kann; meine Beine wie Baumwolle, und werde wie ein Kind ge= tragen. Die schrecklichsten Krämpfe. Auch meine rechte Hand fängt an zu sterben, und Gott weiß, ob ich Ihnen noch schreiben kann, Diftieren peinigend wegen der gelähmten Kinnladen. Meine Blindheit ist noch mein geringstes Uebel." Voll verstehender und mitfühlender Bewunderung schreibt Franz Mehring in seiner Heine- Biographie über das qualvolle und doch an dichterischen Schöpfungen so reiche Leben des kranken Heine: ..Acht Jahre hat der Dichter dann noch in seiner Matraßengruft ausgedauert, mit einem Heldenmut, der zwar nicht die bodenlose Nichtswürdigkeit seiner Verleumder zu entwaffnen vermocht hat, aber jedem, der die Tragit menschlichen Lebens zu empfinden vermag, selbst das Wort der Bewunderung auf den Lippen ersterben läßt. Es ist schlechthin ohne Beispiel in der Weltliteratur, daß ein Dichter in einem Alter, wo auch großen Poeten schon die Schöpferkraft zu bersiegen beginnt, unter den fürchterlichsten Leiden mit voller Heiterkeit der Seele weiter zu schaffen und Werke zu vollenden gewußt hat, die an reifer Fülle und Schönheit fast noch alles übertreffen, was ihm in seinen gesundesten Jahren gelungen war." die nachfolgende Schilderung der Mühen Mehrings Heine- Biographie ist auch des dichterischen Schaffens des langsam Dahinsiechenden, die Heines Sekretär Karl Hillebrand gab, entnommen: ..Heines Gehör war geschwächt, feine Augen geschlossen, und nur mit Mühe konnte der abgemagerte Finger die müden Augenlider hinaufschieben, wenn der Poet etwas zu sehen verlangte. Die Beine gelähmt, der ganze Körper zusammengeschrumpft, so ward er alle Morgen von Weiberhand er konnte keine männliche Bedienung vertragen auf den Sessel gehoben, während das Bett gemacht wurde. Nicht das geringste Geräusch fonnte er erdulden! Seine Leiden waren so heftig, daß er, um nur etwas Ruhe, meist nur vier Stunden Schlafes zu er= langen, Morphium in drei verschiedenen Gestalten nehmen mußte. In seinen schlaflofen Nächten dichtete Heine dann wohl seine wunderbarsten Lieder. Den ganzen Romanzero" hat er mir diktiert. Das Gedicht war jedesmal ganz fertig am Morgen. Dann aber gings an ein Feilen, das stundenlang währte." 4784 HEINRICH HEIME 1936 In der Matraßengruft hatte der schon sterbende Dichter sein leptes großes Liebeserlebnis. " mann Wendel sprechen Zwar liebte er wir lassen jetzt Hers Armes Lamm" Mathilde, die ,, engelsüße noch immer sein Person", deren Stimme tönender Balsam für seine wunde Seele war, und die auf Erden schutzlos zurückzulassen den schlimmsten seiner Abschiedsschmerzen ausmachte. Aber wenn ihn ein ganzer Chor von parfümierten Erinnerungen" mit Kastagnetten- und Bimbelflang umsprang, erwachte bisweilen der Wunsch in ihm, noch einmal beseligt um Frauenhuld zu werben. Die Erfüllung fam vier Monde vor seinem Ende, da sich eines Tags man wußte nicht recht, woher Elise Krieniz, oder wie sie sich nannte: Cas milla Selden, etwas abenteuerlichen Sinnes an seinem Schmerzenslager einfand und bes glückt aufgenommen wurde. In späteren Jahren berichtete sie mit eitler Selbstgefäls ligkeit von ihren Beziehungen zu Heine und noch später hatte sie als brave und bürgers liche Ehefrau eines Oberlehrers in Rouen eine zimperliche Scheu davor, durch ihr bes rühmtes Verhältnis ins Gerede der Leute zu kommen, aber dem sterbenden Dichter bedeutete das Wesen mit dem ,, schwäbischen Gelbveigleinsgesicht" die letzte Blume seines trübseligen Herbstes. In den..Florentinis schen Nächten" hatte er sich einst als verträumten Knaben geschildert, der in ein totes Steinbild verliebt ist; jetzt in der Matraßengruft liebte er, ein Toter, eine lebendige Frau mit einer Leidenschaft, die durch den Zwang der Not eine Seelenliebe bleiben mußte. Doch als der Tod, der weiße Schnees mann im unendlichen Nebel", ganz dicht an seinem Lager stand, galten des Dichters letzte Wünsche nicht der Frau und nicht der Freundin, sondern der großen Aufgabe seis nes Lebens, durch das geschriebene Wort seine Gedanken geltend zu machen: seine ers faltenden Lippen noch riefen nach Papier und Bleistift. Beides wurde ihm gereicht. aber der Stift entfiel der Hand; einige Stunden später stand das Herz still; am 17. Feber 1856. Drei Tage danach trug man ihn, ohne Kadosch und ohne Messe, aber im Beisein einiger der berühmtesten fran zösischen Dichter, zu Grabe, nach seinem leb ten Willen auf dem Friedhof der Vorstadt. Montmartre, unter deren Bevölkerung er sein liebstes Leben gelebt hatte. So ruhte sein Leib nicht, wie er ges träumt, unter deutschen Linden oder südlichen Palmen, sondern mitten im Brodeln der Weltstadt Paris. Sein Geist aber be= gann, wie er scherzend vorausgesagt, über der Erde zu spuken, nicht in furchtbar unglücklich deutscher Weise, sondern als eins gallisch heiteres Gespenst! Aus Heines politischer Dichtung Hymnus Ich bin das Schwert, ich bin die Flamme. Ich habe euch erleuchtet in der Dunkelheit, und als die Schlacht begann, focht ich voran in der ersten Reihe. Rund um mich her liegen die Leichen meiner Freunde, aber wir haben gesiegt. Wir haben gefiegt, aber rund umher die Leichen meiner Freunde. In die jauchzenden Triumphgesänge tönen die Choräle der Totenfeier. Wir haben aber weder Zeit zur Freude noch zur Trauer. Aufs neue erklingen die Drommeten, es gilt neuen Kampf Ich bin das Schivert, ich bin die Flamme. Aus der ,, Harzreise" Jezzo, da ich ausgewachsen, Viel gelesen, viel gereist, Schwillt mein Herz, und ganz von Herzen Glaub ich an den heil'gen Geist. Dieser tat die größten Wunder, Und viel größ're tut er noch; Er zerbrach die Zwingherrnburgen Und zerbrach des Knechtes Joch. Alte Todeswunden heilt er, Und erneut das alte Recht; Alle Menschen, gleichgeboren, Sind ein abliges Geschlecht. Er verscheucht die bösen Nebel Und das dunkle Hirngespinst, Das uns Lieb' und Lust verleidet, Tag und Nacht uns angegrinst. Tausend Ritter, wohlgewappnet, Hat der heil'ge Geist erwählt, Seinen Willen zu erfüllen; Und er hat sie mutbeseelt. Ihre teuren Scherter blizen, Ihre guten Banner wehn! Ei, du möchtest wohl, mein Kindchen, Solche stolze Ritter sehn? Nun, so schau mich an, mein Kindchen, Küsse mich, und schaue dreist; Denn ich selber bin ein solcher Ritter von dem heil'gen Geist. Lazarus Laß die heil'gen Parabolen, Laß die frommen Hypothesen Suche die verdammten Fragen Ohne Umschtveif uns zu lösen. Warum schleppt sich blutend, elend, Unter Kreuzlast der Gerechte, Während glücklich als ein Sieger Trabt auf hohem Roß der Schlechte? Woran liegt die Schuld? Ist etwa Unser Herr nicht ganz allmächtig? Oder treibt er selbst den Unfug? Ach, das wäre niederträchtig! Also fragen wir beständig, Bis man uns mit einer Handvoll Erde endlich stopft die Mäuler Aber ist das eine Antwort? Weltlauf hat man viel, so wird man bald Noch viel mehr dazu bekommen. Wer nur wenig hat, dem wird Auch das Wenige genommen. Die Macht der Idee von Hella Rohm zurechtgebogenen Scheinwelt, von der aus fie das Leben in Verzerrung sehen, bis sich endlich ihre Künstlichkeit und Unwahrhaftigkeit ein deutig offenbart. Ein mir bekannter Schüler Coués, jenes| im psysischen Erleben dasselbe ist, suchen oft Apothekers aus Nanch, der behauptete, man mals Zuflucht in einer nach eigenen Wünschen habe Leben und Wohlbefinden in der Hand, indem man es sich täglich von neuem suggeriere, pflegte zu sagen, der Gedanke sei es, der die Welf regiert und er persönlich habe durch sein Denken immer noch das der anderen dorthin birigiert, wo er es haben wollte. Man fann der Methode Coué gegenüberstehen, wie man Man kann auf die Unvollkommenheit unserer Gesellschaft auch anders reagieren. Man fann erkennen, wo sie brüchig, wo verbessewill, kann sie gelten laffen oder als naive Tech- rungsbedürftig ist und sich einschalten in den nik ablehnen, sicher ist, daß die Macht und Kraft des Gedankens eine ungeheure ist, daß sie das Leben des Einzelnen zu gestalten und zu bernichten und das Wohl und Wehe der Völfer zu bestimmen vermag. Wie ich die Welt sehe, so ist sie für mich, wie ich mir meine Stellung zu den anderen denke, ist sie, Krieg, Frieden, Stillstand, Rück- und Fortschritt sind aus Menschenhirn geborene, von den anderen aufgenommene oder übergangene Gedanken, einflußreicher selbst als materielles Haben, als reale Tatsachen, die ja meist nur unabänder lich sind, solange man sie dafür hält. Es wäre schwerer Irrtum, daraus zu schlieBen, man solle, man könne von Illusionen leben, die Wirklichkeit nach seinen Wünschen zurechtbiegen, sie anders sehen, als sie ist. Man würde bald das Mißverhältnis fühlen, das zwischen ber realen Welt und dem eine Scheinwelt aufbauenden, eigenen Erleben besteht. Trotzdem ist dies eine allgemeine Gepflogenheit. Men schen, die mit oder ohne Grund glauben, das Leben fei ihnen etwas schuldig geblieben, was großen Stromkreis derjenigen, die an ihrem Umbau interessiert sind. Gleiches Streben, gleiches Ziel mit anderen gehört zu den be= glückendsten Möglichkeiten des menschlichen Geld zu haben sind. Daß dies nicht leere, zur Lebens, sehr viel mehr als alle Dinge, die für Entwertung von Geld und Gut bestimmte Rebensarten sind, geht aus den in dieser Hinsicht durchaus versöhnlichen Tatsachen hervor. Denn ohne die Bedeutung materieller Werte zu unter schäßen, muß man feststellen, daß Glücksgefühl und Reichtum keinesfalls in irgendeinem Zusammenhang miteinander stehen. Es ist ein tröstlicher Gedanke, daß innere Harmonie und Zufriedenheit nicht das Ergebnis äußerer Zufälligkeiten, sondern der eigenen Einstellung zu Welt und Leben sind. Sehr häufig sehen wir, daß nicht die Menschen, die es unserer Meinung ihrer Situation nach sein müßten, die lebensbejahendsten sind, sondern andere, welche mühsam jede Kruste Brot erjagen müssen. Nicht die anscheinend Belasteten, Be Wenn du aber gar nichts hast, Ach, so lasse dich begraben Denn ein Recht zum Leben, Lump. Haben nur, die etwas haben. Enfant perdu Berlorene Posten in dem Freiheitskriege Hielt ich seit dreißig Jahren treulich aus. Ich kämpfte ohne Hoffnung, daß ich siege, Ich wußte, nie fomm' ich gesund nach Haus. Ich wachte Tag und Nacht ich konnt' nicht schlafen, Wie in dem Lagerzelt der Freunde Schar ( Auch hielt das laute Schnarchen dieser Braven Mich wach, wenn ich ein bißchen schlummrig war.) In jenen Nächten hat Langweil' ergriffen Mich oft, auch Furcht nichts) ( nur Narren fürchten Sie zu verscheuchen, hab ich dann gepfiffen Die frechen Reime eines Spottgedichts. Ja, wachsam stand ich, das Gewehr im Arme, Und nahte irgendein verdächt'ger Gauch, So schoß ich gut und jagt' ihm eine warme, Brühwarme Kugel in den schnöden Bauch. Mitunter freilich mocht' es sich ereignen, Daß solch ein schlechter Gauch gleichfalls sehr gut 8u schießen wußteach, ich fann's nicht Teugnen, Die Wunden flaffen es verströmt mein Blut. Ein Posten ist vakant! Die Wunden flaffen Der eine fällt, die andern rücken nach Doch fall' ich unbesiegt, und meine Waffen, Sind nicht gebrochen. Nur mein Herze brach. ladenen flagen über die Nichtigkeit des Daseins im allgemeinen und die Leere ihres Lebens im besonderen, fühlen sich vom Schicksal schlecht bes handelt, sondern oft gerade jene, die uns sorgs los, reich und unabhängig scheinen. Stets beis nahe, wenn jemand ein schweres Los anscheis nend spielend trägt, gehört er zu jenen, die, von einer Idee getragen, diese höher stellen, als sich selbst. Sie arbeiten an der Verwirklichung eines Zieles, setzen sich für eine Sache ein, die ihnen mehr gilt als Hunger, Kälte oder Wohls behagen, sie vergessen in dem Glauben an ihre Aufgabe, in dem Beitrag, den sie zu ihrer Erfüllung leisten, an die eigenen Bedürfnisse und Wünsche. Und auf diesen Beitrag kommt es an; sei er noch so winzig, noch so unbedeutend, denn er Sände in den Schoß legt. Eine ungeheure Kluft auf den Messias hofft und im übrigen die scheidet von dem bloßen Wunderglauben, der besteht zwischen dem, der auf die Realisation eines Wunschtraums, die er im übrigen andes ren überläßt, einfach wartet und dem anderen, der sich mit verantwortlich fühlt an der Annäherung an das gemeinsame Ziel. Er aners kennt damit die Pflicht, beizutragen nach seis nem Können, feine Kraft und seine Fähigkei ten in den Dienst der Sache zu stellen, die er vertritt. Das Gefühl, nicht nur Spielball zu sein in des Schicksals willkürlicher Hand, sondern teilzuhaben am Weltgeschehen, sei es auch im fleinsten Maße, gibt allein jene Sicherheit, jenes Bewußtsein, nicht überflüssig zu sein, das die Grundlage zu allem Glück bildet. Menschen, die in gegenseitiger Verbundenheit an der Gesstaltung des Kommenden beteiligt sind, tragen — 8 eine Kraftquelle in sich, so verschwenderisch, das; andere nicht begreifen, woher sie den Mut, den Antrieb, die Widerstandsfähigkeit beziehen, mit der sie Schwierigkeiten überwinden, unter denen jene zusammenbrechen würden. So er« steht aus dem Hunger, der Not dumpfer Keller, aus den Qualen der Konzentrationslager, aus der Einsamkeit der Verbannung eine Armee der Wehrhaftigkeit für menschliche Befreiung, menschliche Beglückung. Naturwissenschaftliche Kurzberichte DaS giftige Tausendblatt In vielen Flüssen und Seen ist das„Tau- serckblatt"«ine häufige Erscheinung unter den auf dem Grunde der Gewässer wurzelnden Gewächsen. Es hat fein gefiederte Blätter und unscheinbare, ährenförmige Blütenstände aus kleinen gelblichen Blüten. Ein deutscherArzt hat nun die merkwürdige Entdeckung gemacht, daß dieses bisher unbeachtet gebliebene, scheinbar harmlose Pflänzchen unter Umständen Kran- heitserscheinungen Hervorrufen kann. In den Duisburger Strandbädern in der Wedau zeigte sich, wie Dr. Teuscher in der „Umschau^ berichtet, bei einer großen Zahl von Badenden ein hartnäckiger Nesselausschlag auf der Haut. Bei Springern und Tauchern traten heftig« Katarrhe auf: starker Schnupfen, quälender Husten mit schwerer Atemnot und Beklemmungen. Er suchte im Wasser nach den Ursachen dieser Erscheinung und fand, daß gerade in dem Jahre das Tausendblatt in großen Mengen aufgetreten war, begünstigt durch ein sehr warmes Frühjahrswetter. Durch Impfungen mit Extrakten verschiedener Wasserpflanzen konnte er sich davon überzeugen, daß gerade diese Pflanze die Krankheitsursache darstellt. Es gelang ihm, durch Impfen mit Tausendblatt- Extrakt gegen die Reizwirkung der Pflanze un- empftndlich zu machen, zu desenfibilisieren. Es handelt sich hier nämlich um eine Ueberempfind- lichkeit des Organismus gegen bestimmte Reizstoffe, eine sogenannte Allergie, eine ähnliche Erscheinung also, wie sie etwa das bekannte Heufieber darstellt. Eine Wachstums-Paste Es hat berechtigtes Aufsehen in der wissenschaftlichen Welt hervorgerufen, als vor einigen Jahren die Entdeckung gemacht wurde, daß es pflanzliche Wuchsstoffe gibt, vergleichbar den Hormonen tierischer Organismen. Die erste Beobachtung dieser Art war die, daß Getreidekeimlinge, denen man die Spitze abgeschnitten hatte, ihr Wachstum zwar einstellten, es aber wieder aufnahmen, wenn man die abgeschnittene Spitze wieder aufsetzte. Man konnte feftstellen, daß das Wachstum durch«inert chemischen Stoff bedingt ist, der in der Spitze gebildet wird. Auch die Krümmungen von Pflanzen unter dem Einfluß von Licht und Schwerkraft erfolgen nur bei Anwesenheit des betreffenden Stoffes. Es gelang, den Wuchsstoff aus Keimpslänzchen zu gewinnen. Später ergab sich die intereffante Tatsache, daß rin Stoff gleicher, bei Pflanzen Wachstum auslösender Wirkung, auch im menschlichen Harn vorkommt und au? ihm gewonnen werden kann. Etwa zwei Stunden nach der Hauptmahlzeit ist er in der größten Menge im Harn enthalten. Man kennt heute nicht nur seine chemische Zusammensetzung genau, sondern man hat auch noch eine ganze Anzahl anderer Stoffe gefunden, die bestimmte Wachstumswirkungen bei Pflanzen auslösen. Nun bringt eine chemische Fabrik in Magdeburg ei' Präparat heraus, das zu Versuchszwecken in kleinen Mengen sogar kostenlos abgegeben wird und das einen solchen Wuchsstoff in Pastenform darstellt. Dieses Präparat hat die Wirkung, das Steck- Von E. Aldt linge sich leichter und schneller bewurzeln, als es für gewöhnlich geschieht. Es gibt eine Reihe von Pfanzen, die man ausschließlich durch Stecklinge vermehrt. In vielen Fällen macht eine solche Stecklingszucht große Schwierigkeiten, wenn die Bewurzelung nur schwer von statten geht. Diesem Uebelstande soll durch di« AiNveir- dung des neuartigen Präparates abgeholfen werden. Biologische Altersbestimmung Ein neues Verfahren, auf biologischem Wege das Alter von Menschen und Tieren zu bestimmen, stammt von Professor Abderhalden. Ss ist lange bekannt, daß jede Tierart ihr spezifisches Eiweiß besitzt. Ja noch mehr: auch das Eiweiß in den Zellen verschiedener Organe desselben Körpers ist in seinem Aufbau offenbar nicht völlig gleich. Wenn eS bei dem höchst komplizierten Bau des Eiweißmoleküls heute auch noch nicht möglich ist, zu sagen, worauf der Unterschied beruht, so ist er doch feststellbar. Nun hat es sich gezeigt, daß sogar ein Unterschied besteht im Eiweitzmolekul alter und junger Individuen derselben Art. Die sogenannte„Abderhaldensche Abbaureaktion" besteht darin, daß man Versuchstieren bestimmtes Eiweiß einspritzt. DaS Blut der Versuchstiere erlangt dadurch die Fähigkeit, das betreffende Eitveitz abzubauen. Wenn man einige Zeit später Blut Äer sogar Harn der Tiere mit Eiweiß der betreffenden Art zusammenbringt, so kann man feststellen, daß das Eiweiß bedeutend schneller abgebaut wird, als durch Blut oder Harn von Tieren, die nicht vorbehandelt waren. Diese Abbaureaktion erwies sich als äußerst exakt, daß sie nicht nur artspezifisch, sondern sogar organspezifisch ist. ES ergeben sich also Unterschiede hinsichtlich der Schnelligkeit des Reaktionsablaufes, je nachdem, aus welchem Körperorgan das zur Vorbehandlung verwendete Eiweiß stammte. Und nun sand Abderhalden auch noch, daß Unterschiede im Reaktionsablauf bestehen, je nachdem, ob das Eiweiß von einem jungen oder von einem alten Individuum derselben Art stammt. Auch verschiedene Altersgruppen des Menschen ergeben entsprechende Unterschiede. Es müsse» sich also wohl mit zunehmendem Alter Strukturveränderungen im Bau deS Eiweißmoleküls«übspielen und es scheint, so, als beruhe das Altern unseres Körpers mit allen seinen tausend Erscheinungsformen nicht nur auf dern Altern unserer Körperzellen, sondern letzten Endes au e Altcrsber« Änderungen der Eiweißmoleküle in unseren Zellen. See-Igel-Eier und Menschendlut Was wir für gewöhnlich als Blutarmut oder Anämie bezeichnen, beruht auf einer Verminderung der Zahl der roten Blutkörperchen, respektive ihres physiologisch wichtigsten Bestandteiles, des roten Blutfarbstoffes. Sie ist eine häufige und meist vorübergehende Erscheinung. Es gibt aber eine besonders schwere, zum Tode führende Fort» der Blutarmut, die perniziöse Anämie, bei der die Zahl der Blutkörperchen dadurch ständig stark herabgcmindert wird, daß aus unbekannten Gründer, eine fortgesetzte Zerstörung derselben stattfindet, der di« Neubildung, obtpohl sie gleichzeitig beträchtlich gesteigert ist, nicht" nachkommen kann. Es hat sich nun gezeigt, daß es neben diesen Veränderungen an den Blutkörperchen noch zur Bildung eines noch nicht näher tbekanntm Stoffes im Serum des kranken Blutes kommt, von dem man ! bisher überhaupt nichts wußte und von dessen Anwesenheit man auf eigentümliche Weife Kenntnis erhielt. Zwei italienische Forscher studierten dl« Wirkung des BlqteS von kranken Menschen auf die Entwicklung von Seeigeleiern. Man ist nämlich seit einiger Zeit darauf aufmerksam geworden, daß Menschenblut verschiedene Einflüsse auf andere Organismen haben kann, daß z. B. da- Blut von Menschen, die an einer Blutvergiftung leiden, auf Pflanzen giftig wirkt. Seeigeleier, deren Entwicklung man direkt unter dem Mikroskop sehr schön verfolgen kann, erschienen als ein sehr geeignetes Objekt für derartige Untersuchungen. Es zeigte sich nun, daß das Serum von Kranken, welche an der perniziösen Anämie litten, einen starken Einfluß auf die Entwicklung der Eier hat, und zwar im Sinne einer Beschleunigung der ersten und einer Hemmung der späteren Entwicklungsstadien. Die Hemmungswirkung geht der Schtvere der Krankheit parallel. Das geht so weit, daß Schwankungen im Verlauf der Krankheit sich am Einfluß des Blutes aus dieEntwicklung der Eier deutlich verfolgen lassen. Daß es sich wirklich um eine bestimmte Substanz im Serum handelt,■ geht daraus hervor, daß es gelingt, dieselbe mittels Aluminiumhydroxyd zu binden und sie auf dies« Weise dem Blüte zu entziehen, das dann sein« Wirkung auf die Eier verliert. Kleine Geschichten Gelehrige Robben, arme Robben Die Zivilisation der Eskimos, die uian sich bei uns gewöhnlich als Halbwilde vorstellt, drückt sich unter anderem nicht nur in ihren Hunden, sondern auch in den Robben als einer Art ihrer Haustiere aus. Die gezähmte Robb« dient den Eskimos nämlich bei der Jagd auf—- Robben. Die»Eskimos bringen solche gezähmt« Robben an die Fischfangplätze und dort ziehen die zahmen Robben durch ihre lustigen Schrei« ihre Brüder und Schwestern aus dem Ozean an, die nicht zögern, den Ruf ihres Kameraden zn beantworten. Leider enden diese ihr herzlichen Ergießungen in" den-Netzen, die sorgfältig, listig und hinterhältig unter dem Wasser auSgcspannt sind. Ganz rasch werden diese Netze mit den Robben«ingezogen und die armen Tiere, mitleidlos getötet, zieren dann die Speisekammer unserer Artsgenüffen aus den Polargcgenden, Der Schädel Cromwell- Karl II. hat bei seiner Thronbesteigung befohlen, die Leiche Cronüvells auszugraben und den Schädel auf. die Spitze der Westminster- Abtei zu setzen. Bon dort ist der Schädel nach einigen Tagen spurlos verschwunden. Nach, einigen Jahrhunderten stellte es sich heraus, dah es einige Schädel gab, die Cromwell gehött haben sollen. Jetzt ist nach Berichten medizinischer Zeitschriften fast mit Sicherheit festgestellt worden, daß der echte Schädel Cromwells sich im Besitz des Kanonikus Wilkinson befindet. ES sind noch einig« Haare enthalten, di. zweifellos echt find. Außerdem finden sich Spuren der berühmten Warze des eimlischen Diktators. Jnter- rssant ist, daß ein Anthropologe, der den Schädel gemessen hat, ohne von dem Streit, über seinen Besitzer zu wissen, erklärt hat," daß der Träger des Kopfes bedeutend, aber sicherlich wahnsinnig gewesen" sei. 4 Adamson kocht sein Besen selber Amerikana New Mark, Ende Jänner. Ium„Oeffentlichen Dummkopf Nr. 1" ist vom Gericht in Kansas City der bankrott« Kaufmann N. Storiell erklärt worden. Der New Aorker Music-Hall-Manager Kennet Tilden hat einem Reporter erklärt, datz er die besten Geschäfte mit den als Sängerinnen auftretenden Witwen’ Hingerichteter Verbrecher Wachen könnte. Der SchönheitSfpezialist Featherhead aus New Jersey behauptet, daß Bauchreden das 'beste Mittel ist, um ein schönes Gesicht zu bekommen. Beim Bundesrat von Georgia ist ein Ge- letzeSvorschlag eingegangen, in dem gefordert wird, daß die Neger sich nicht mehr nach berühmten amerikanischen Bürgern benennen dürfen. ES gibt.in den USA. allein 6000 Neger Wit dem Namen George Washington. Der Multimillionär McCormick aus Chi- koga besitzt 865 AutoS, von denen er jeden Tag tm Jähre eia anderes benutzt. Jetzt wird er sich daS 866. Auto kaufen, da dieses Jahr ein Schaltjahr ist. Für einen eigenhändigen Liebesbrief von Kreta Garbo an den verstorbenen Regisseur Stiller' wurden auf der New Marker Autographenbörse 2850 Dollar verlangt und bezahlt. Nachher ergab sich, daß der Brief eine Fälschung darstellte. In San Francisko hat sich ein Verein gebildet, dem nur junge Mädchen angehören dürfen, die genau die Körpermatze der BenuS von Milo haben. Er zählt bis jetzt 18 Mitglieder. Raffael Hercules Hippolyt Bernard Smith, Farmer aus Blandington, Ohio, hat gegen seinen Nachbarn Josuah Smith einen PlagiatS- prozetz angestrengt, weil Josuah Smith seinem birtten Sohn ebenfalls die Bornamen Raffael Hercules Hippolyt Bernard gegeben hat. Nach einer Washingtoner Statistik haben sich im letzten Jahre 1220 junge und alte Männer in den USA. aus unglücklicher Liebe stu Filmschauspielerinnen daS Leben genommen. Mickey-Mouse-Festspiele will die Gemeinde Harlington veranstalten, in der der Grotzvater der Erfinder der Mickey-Mouse, Disney, geboren wurde. Das Brillenmuseum deS pensionierten Colonels Lincoln Derwey in Boston enthält 5000 verschiedene Brillenmodelle aller Zeiten; Derwey rühmt sich, auch eine genaue Nachbildung deS Edelsteins zu besitzen, durch den Nero den Brand von Rom betrachtet hat. Eine Zigarettenfabrik in Denver(Colorado) schenkt jedem, der 12.000 in ihren Packungen enthaltene Gutscheine vorzuzeigen vermag, ein Auto im Werte von 1200 Dollars. Zwischen Paris und London ist ein wütender Prozeh um einen Kartoffelacker angängig; beide Gemeinden zählen zusammen 060 Einwohner und liegen im Staate Missouri. Der New Marker Büroangestellte JameS O'Reill hat ein Stenographieshstem erfunden, daS etwa 10.000 Kürzungen enthält. Kenner deS SvstemS schreiben schneller, als die geübtesten Redner sprechen können. Zur Erlernung deS Systems sind mindestens 5 Jahre erforderlich. 14 verschiedene Personen in der USA. rühmen sich, dar Gerippe des Columbus zu besitzen. Nachweislich ist aber Columbus nicht in den USA. begraben. Prophezeiung Almanwr: Wir hörten, datz der furchtbare TimeneS, Inmitten auf dem Markte, zu Granada— Mir starrt die Zung' im Munde— den Koran In eines Scheiterhaufens Flammen warft Hassan: Das war ein Vorspiel nur;: dort, wo man Bücher x Verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen. Aus„Almansok" von Heinrich Heine. Schach-Ecke Geleitet von Wenzel Scharoch, Drakowa Nr. 82. Post Modlan bei Teplitz-Schönau. Schachaufgabe Nr. 209. Von Ilja Mikan. Prag. (Sachov? list.) Schwan: Ka5, TO. Lc8. dl. Baß, dS. e5.(7) abcdefgh Weiß: Kal. Dgl. Ldl, K. 8d7. Bb2. c4.(7) Matt in 8 Zügen! Lösungen sind bi» längstens 14 Tage nach Erscheinen der Aufgabe an den Leiter dieser Spalts einzusenden. Lömhksiux SN Nr. 266: DeS—«SS Richtige Lösungen sandten nachfolgende Genossen ein: Tepper Franz. Karlsbad; Proch Anton. Predlits; Schöffel An ton, Schöbritz; Din« nebier Emil, Tetschen; Beutel Wilhelm. Arnsdorf bei Tetschen; Holfeld Otto, Lohmüller Hans, Chimiak Hans, König Rudolf. Habt Erwin, sämtlich Nesters!ts; Chroust Karl. Bilin; Grimmer Emil, Katharinaherg; Sturm Heinrich, Brünn: Hochfelder Hermann, Saas; Wand Ernst, Mendorf; Walter Ludwig und Bobek Frans. Kwitkaut Miidner Karl, TepMts; Kraus Gerhard, Turnx Triltsch Gustav. Wisterschan; Levic Josef. Nie« derieutensdorf; Tesaf Franz, Suchei; Ulbert Rudolf. Proseditz. Vereinsturnier der Rektion Komotau II (Oberdorf)• Verein* meister wurde Gen. Bo»eher Hermann mit 12 Punkten. Es folgen: Sollanek 10 P., Rothe 9Mi P.. Uhlig 8 P.. Eiiner 8 P. Peinelt Jos. und Grimm je 7J? P.. Brichta 6V4 P-. Dörr und Vany- sek je 5*6 P.. Ullrich 3% P-. Peinelt Fra. und Siegert je 2% P. und Seidl mit 2 Punkten. Das Bezirksmeisterschaftsspiel Schönfeld gegen Nestersitz am 2. Feber in Schönfeld endete mit 6:2 Punkten für Nestersitz. Warnsdorf. Vereinsmeister Gen. Pils Anton mit 9 Punkten. Es folgen: Wünsche 8 P. Warzel 5 P., 8krbek 4^ P., Hausner. Pilz Rud. und Jerie je 8^4 P. Dittrich 8 P.. Riedel und Feicht mit je 2*4 Punkten. Partie Nr. 98. (Schottisches Gambit.) Gespielt am schwedischen Schachkongreß 1936» Weiß: Kimmark.— Schwart: Olsson. Vorsichtiger ist 8(6 oder d4—d8. 1. e2—e4 . o7—e5 2. Sgl—f3 Sb8—cfi S. d2-*M «5X0« «. Ltl—c4 L18—c5 5. c2—c3 d4Xc3 6. Le4Xf7f richtiger ist Sbl—c8. Weiß gibt auf. nach e4Xd5 entscheidet c5—c4t und Weiß verliert Dame oder ist mit dem zweiten Zuge matt. 6. Ke8Xf7 7. Ddl—d5t K17—18 8. Dd5Xc5t d7—d6 S. Dc5Xc8 SgS—tS Von nun an ist. Schwarz tonangebend in dieser Partie, jeder Zug ist Drohung. 10. Dc3—e3 Dd8—«7 11. 8dl—-8 8-6—d« Weiß muß auf die Rochade verzichten. 12. Kel—dl Lc8—«6 13. SfS—d« 816—g« 14. DeS—e2 c7—c5 15. Sd4Xe6 Weiß fehlt ein Tempi. 15 De7Xeß 16. Lei—14 TaS—d8 17. a2—a3 Sb4—d3! 18. h2—h3 De6—bSt 19. Kdl—d2 Db3Xb2t 20. Kd2—d3 Sg4—e5t 21. Lf4Xe5 d6X