BUNTE WELT Nr. 20 Unterhaltungsbeilage Das Pseudonym Eberhardt Maurer, dessen etivas anspruchsvoller Vorname weder zu seinem Exterieur noch zu seiner Lebenshaltung paßte, stand ziemlich ratlos mitten in seinem Leben. Er war Schrift steller von Beruf und, wie er meinte, auch von Berufung. Er lebte in einem billigen Kabinett, vier Treppen hoch und er zitterte jedesmal, ob er den monatlichen Zins aufbringen werde fönnen. Es war ihm selbst rätselhaft, wieso es im mer wieder ging. Und er hungerte und fror, in Atem gehalten durch die Hoffnung auf seinen endlichen Erfolg. Es war schon richtig, daß ihm hie und da Bekannte zur Jause einluden, oder ihm ein paar Zigaretten schenften. Zum Verziveifeln war also kein Grund. Mußten doch sogar Bankdirektoren flüchten, Kokotten ihren Schmuck versteigern lassen, Staufleute Krida anmelden und angesehene Familien Personal abbauen. Es war eben eine grausame Zeit und Eberhardt war nicht der Mensch, sich mit ihr in eine nublose Kontroverse einzulassen. Er war 30 Jahre alt und hatte den Krieg mitge macht, seine Kindheit war ihm so zwischen den Fingern durchgelaufen, er hatte brav gelernt, seine Eltern hatten ihn aufs Gymnasium und die Universität geschickt. Nach dem Tode seines Va ters hatte er das Studium aufgeben und seine Mutter und sich selbst durch aller hand Gelegenheitsarbeiten erhalten müssen. Dann war die gute Frau gestorben und der Sohn hatte unter vielen Tränen Wohnung und Möbel verkauft und von dem Erlös zwei Jahre etwas forgloser gelebt. Eberhardt Maurer war ein hübscher, stiller Mensch, er gefiel den Frauen und manches Abenteuer fiel ihm in den Schoß. Aber durch Unterernährung und Nebergeistigkeit war er nicht sehr anspruchsvoll, er war gerne allein, bis ihn dann eben zuiveilen eine große Ratlosigkeit überfiel. So geschah es an einem fühlen Septembertage, daß er gegen sieben Uhr abends mitten in feinem kleinen Kabinett stand, den Kopf etwas borgestredt und lauschte. Und dieses Lauschen vertiefte sich, er spürte ein Bucken im Hirn und Herz, sein Atem ging schiver und er bemühte sich, ihn unhörbar zu machen. Und plöglich war er da: der Ge1936 danke, der große Wurf, die Geburt des Werkes.| mand vor ihm dieses aktuelle Thema verarbeitet Und dann schrieb er, schrieb, schrieb. Das Fie- hatte, aber natürlich: die Prominenten waren ber des Schaffens jagte in ihm, als ginge es fenil, es fiel ihnen einfach nichts mehr ein, und auf Leben und Tod: Das dauerte drei Nächte die Jungen... die schossen über das Ziel hin und drei Tage. Er wußte später nicht mehr, aus, gebärdeten sich modern- unverständlich oder hatte er geschlafen, gegessen, geatmet in dieser erschlafften, plötzlich blasiert durch den nahen Zeit? Dann hielt er sein Werk in Händen. Ein Erfolg. Aber er, Eberhardt Maurer, hatte es Buch, viele, viele Seiten start, gut geschrieben zustandegebracht. Er hatte das Bugstück, das troy Hast, flar im Aufbau, dramatisch, suggestiv. Kassenstück, das Sanierungsstück für die Theater geschrieben. Dieses Bewußtsein war schön, schöner als ein guter Braten, ein warmer Ueberrock, ein weiches Bett. Es war eine Gesellschaftssatire, Komödie in drei Aften, ein Thema von heute, überraschend, packend. Die Zeit war eingefangen, ihre Groteste, ihre Tragik, das Publikum mußte das Stück mit Begeisterung aufnehmen, ein Stück, in dem sich seine eigene Not mit seinem eigenen Lachen kreuzte. Maurer war ganz überzeugt, nach dem dritten Vorhang würde die Menge einfach rasen. Nicht der geringste Zweifel irritierte ihn. Er begriff nur nicht, daß noch nieUnd wieder Ist's Mall Aber ungeahnte Schivierigkeiten türmten sich. Der Weg zu Direktor und Verleger war gepflastert mit Demütigungen, Grobheiten, Warten, Indiskretionen, Hohn, Abweisung und verächtlichen Blicken. Diese Menschen, von denen augenblicklich sein Glück abhing, waren alle entweder krank oder verreist, im Badezimmer oder bei einer Konferenz, noch zu Bett oder bei einem Interurbangespräch. Eberhardt Maurer umschloß sein Manuskript mit fieberfeuchten Händen. Sein Werk war ja so aktuell, daß jeden Tag ein andrer dieselbe Idee haben konnte. Und dann? Wenn ihm einer zu vorfam? Was dann? So gehetzt von seiner eigenen Machtlosigkeit sah und hörte er nicht, ivas um ihn vorging, bis eines Tages ein Geschehen seine Aufmerksamkeit auf sich Tenfte. Ein junger Mensch ver übte auf sensationelle Weise Selbstmord, er stürzte sich mitten in der Stadt vont Dache des neuerbauten Hochhauses in die Tiefe. Hunderte von. Menschen umstanden die Leiche und auch als sie längst abtransportiert war, besahen sie noch lange den blutbefleckten Platz und diskutierten lebhaft. Es handelte sich um den zwanzigjährigen Stu denten der Medizin, Otto Teich, der keine Angehöri gen besaß und in dessen starrer Hand man einen zerknitterten Abschiedsbrief fand mit den Worten: Vielleicht finde ich im Tode, was mir das Leben vorenthielt." be Die Abendblätter mächtigten sich des Falles, brachten Bild und LebensTauf des Selbstmörders und seine legten Zeilen im Fak fimile. Der Fall brachte die ganze Stadt in Aufruhr. 2Ein leises Staunen regte sich in Eberhardt| beit, der Autopark vor dem Theater war Maurer, vermischt mit ungegorenem Protest. unübersehbar, aus den Logen leuchteten ,, Merkwürdig", dachte er ,,, bor wenigen Stun- Toiletten, hier und dort klang Lachen auf. den noch war Otto Teich völlig unbekannt und Dann wurde es still und der Vorhang nun, weil er tot ist, ist er mit einem Schlage berühmt. Und diese zwei Worte ,,, tot" und ,, berühmt" ließen ihn nicht mehr los. " ,, Gewiß", finnierte er weiter ,,, gewiß wird es mir einmal ebenso ergehen. Erst nach meinem Tode werde ich berühmt sein. Und weiter: ,, Wie wäre es...? Könnte ich dem Schicksal nicht unter die Arme greifen?... Nein!... Ich bni kein Betrüger... fein Hochstapler, aber, wer kann mir verbieten...? Wenn ich mir nun das Pseudonym Otto Teich wähle?" Er kaufte sich eine Zeitung und studierte Otto Teichs Gesicht und die Schriftzüge des Abschiedsbriefes. Und dann schrieb er folgenden Brief. ..Sehr geehrter Herr Direktor! Wenn Sie diese Zeilen erhalten, bin ich nicht mehr am Leben. Ich seze voraus, daß Sie Herz genug besißen, um den Brief eines Toten mit Ehrfurcht und Interesse zu lesen und ein Vermächtnis aus ihm zu empfangen. Dieses Vermächtnis ist mein Wert. Da viele schöpferische Menschen erst nach ihrem Tode berühmt werden, will ich dies Hindernis des Lebens an sich für meine Person aus dem Wege räumen. Da mein Wert aktuell ist, habe ich feine Zeit zu versäumen. Ich scheide mit der Zuversicht, die Literatur bereichert und der Menschheit etwas gegeben zu haben. Empfangen Sie meinen Dank und die letzten Grüße, die ich in diesem Leben zu versenden habe. Hochachtungsvoll Otto Teich." Er trug den Brief auf die Post. In der Früh würde der Brief in den Händen des Direktors sein. Er atmete tief auf und schlief zum ersten Male seit langer Zeit tief und ruhig. Was nun kam, konnte Eberhardt bequem aus den Zeitungen verfolgen. Seinen Brief fand er dort neben Otto Teichs Bild wieder. Sein Trick war gelungen, man identifizierte ihn mit dem Selbstmörder. Ich bin tot!" lächelte er. .. rauschte auf. Eberhardt hatte einen Stehplatz. Er empfand sich selbst und die Tatsache, daß dies sein Stück war, als so unwirklich, daß er bei nahe an seinen eigenen Tod zu glauben be= gann. Und dann umbrandete ihn Beifall. Es war Sensation, Erfolg, Triumph! Er taumelte nach Hause. Nur einen Moment allein sein! Nur einen Moment in Ruhe nachdenken fönnen. Er stand in seinem Kabinett, er tastete mit der Hand über den Tisch, an dem er sein Werk geschrieben hatte, er hatte Schwindel. Morgen konnte er sein Inkognito lüften. Mor. gen? Warum nicht schon heute? Heute schon konnte er berühmt sein. Aber, ihm war so sonderbar. Etwas stimmte da nicht. Na ch dem Tode sollte er doch erst.. I Aber, er lebte doch!... Und Otto Teich?... Ja, der war tot. Aber was ging ihn Otto Teich an?! Und doch!... Aber an dem Erfolg hatte dieser doch nicht teil!... Oder doch?... Gegen Morgen jagte sich Eberhardt Maueine Kugel ins Herz. Er war sofort tot. War es der wochenlange Hunger, war es eine Nervenüberreizung oder war es die schreckliche Korrektheit des Enterbten, einen unvers dienten Vorteil nicht ertragen zu können? rer Eberhardt Maurer war tot. Aber, lebte Otto Teich etwa noch? Die Rechnung war in Ordnung. Sie war mit Null aufgegangen. g. h. Der Traum eines Kaisers Von Manfred Amon Als der Imperator Diokletian sich müde von der Macht und von Rom zurückzog, erinnerte er sich seiner Knabenträume. Er war der erste Dalmatiner, der es in der Welt zu Macht und Ruhm gebracht hatte. Sein Vater war ein fleiner Beamter in Salona gewesen. Als Knabe hatte er es geliebt, zu der sechs Kilometer südlich von Salona liegenden Bucht zu laufen, um dort angesichts des Meeres seine Träume zu spinnen. Dort, in dieser Bucht, baute sich der weltmüde gewordene Heimkehrer ein Haus. Allerdings ein Haus groß und prächtig wie das römische Imperium. Er türmte seine Mauern aus einem Material, das sich weitaus dauerhafter erwies als der Baustoff, aus dem man das Imperium zusammengefügt hatte. Denn während die Stürme der Weltgeschichte das Römerreich in winzige Stäubchen zerblasen haben, steht der Reisende, der heute nach Split kommt, noch immer staunend vor den gewaltigen Resten des Diokletianpalastes. Im Jahre 350 nach Christi begann der Heimgekehrte das chen an der Donau die Gewinnung des weißen Werk. Er selbst beaufsichtigte in den SteinbrüGranits, den er als Baustoff für die Mauern feines Schlosses gewählt hatte. Das Innere des Palastes machten Gänge, Bögen und Säulen aus weißem Marmor hell, kühl und märchenhaft schön. So wie er es geivollt, verlebte der einst Mächtige seine Tage in dem Traumpalast am Adriameer. Bis ihn im Jahre 313 der allermächtigste Imperator aus seiner Heimat fortrief. Das römische Reich hat das Erbe des Diokletian flug und in seinem Sinne zu nutzen verstanden. Nach ihm wohnten bis zum Verfall des Imperiums alle Imperatoren, die ihre Macht verloren hatten, mit ihren Familien in dem Palast am Meer. Das Römerreich zerfiel und über Europa stampften die Hufe der Pferde wandernder Völker. Die Avaren famen und zerstörten Salona. Die geängstigten Bewohner der Stadt flohen auf die Inseln des Adriatischen Meeres, Zur Zeit des Papstes Johann, der auch ein Dalmatiner war, drangen die Kroaten bis an das Meer vor. Sie vertrieben die räuberischen Avaren und setzten sich in Salona fest. Als die Kunde von der Befreiung der Heimat durch die Kroaten zu den Flüchtlingen auf den Inseln Sie fanden ihre Stadt Salona von den Avaren drang, kehrten diese auf das Festland zurück. verwüstet und das Gebiet von den Kroaten beunterirdischen Räumen des weitläufigen Diokle setzt. Darum siedelten sich sich in den ober- und tianpalastes an. So entstand eine neue Stadt, Asphaltanos nannte man die merkwürdige Siedlung. Aus Asphaltanos wurde dann Spalato. Die Kroaten waren ein Bauernvolt, die Dalmatiner Stadtbewohner. Auf der Grundlage dieser natürlichen Arbeitsteilung wurde es den alten und den neuen Bewohnern dieses dalmati nischen Landstriches leicht, sich zu verständigen. Sie schlossen miteinander einen förmlichen Vertrag über die Regelung der Agrarverhältnisse. Im Jahre 643 trat eine neue Wendung in der Geschichte dieses Gebietes ein. Und wieder war es Rom, das entscheidend in das Schicksal der Menschen in dem gesegneten Erdenwinkel einWenn einer den Krieg lobt, dann ist er ihr Mann, griff. Der Papst entsandte den Bischof Johandoch außerdem sind sie Bazifisten. Sie fingen Tenor, wie auch Baß und Sopran und züchten Ehrenwörter in Kisten. Ja- Sager die lieben Nächsten, die immer nur nicken! Denen geht es nie an den Kragen, die zu allem ja uud amen sagen. Jeder Tag brachte Neues. Biographische Stizzen erschienen, aus spärlichem Material bauten findige Journalisten ein Schicksal, Psychoanalytiker hielten Vorträge über Teich und seine Flucht vor dem Erfolg, hohe kulturelle Würdenträger gaben Gutachten ab, es gab Interviews mit Teichs Hausfrau, seiner Hausmeisterin; der Direktor, der das Stück ange nommen hatte, ließ sich interviewen über seine ersten Eindrücke, seine zweiten Eindrücke, seine Befeßungsabsichten, den Aufführungstermin, Sie existieren in ganzen Gliquen, die Bearbeitung, die eventuelle Bertonung, man durchstöberte Teichs Nachlaß, fand aber nur Stripten und Notizbücher, man suchte, ob zwischen den Zeilen nicht ein Dramenentwurf zu finden wäre; andere Theaterdirektoren wollten an der Sache auch fett werden. Die ganze Stadt, die Theaterwelt, das Publikum, die Presse, alles wartete fieberhaft auf die Uraufführung. Die Geschäftswelt verflocht das Wort„ Otto Teichs Bühnenwert" in ihre Reflame, großzügige Sammlungen für Teichs Grabstein wurden eingeleitet, Heiratsannoncen bedienten sich etwa der Chiffre„ Charakter( am liebsten reden sie drumherum). à la Otto Teich". Filmproduzenten bestürmten Bei diesen Neunmal- Gescheiten, den Direktor um das Recht der Verfilmung, hat jede Sache noch ehe sie eine Ahnung von Inhalt und Wert des Stückes hatten. Und Eberhardt Die lachen und weinen je nach dem Wind, Maurer ließ lächelnd all dies an sich vorüber- diese Leute, die immer konform mit dir find. rauschen. Sie sind wie Butter bei Sonnenschein, man falle nach Möglichkeit nicht auf fie rein! Der Tag der Uraufführung wurde mit Pomp begangen. Es war ein gesellschaftliches Ereignis. Schneider und Friseure hatten ArHent' reden sie klug und morgen dumm, zwei Seiten. Petra. nes von Ravenna als Metropoliten von Dal matien nach Asphalatos. Der Bischof bekehrte und taufte die Kroaten Dalmatiens und gestaltete das Mausoleum des Diokletan zur Kathedrale um. Aus Salona holte er die Gebeine des heiligen Dujam und weihte ihm die neue Kirche. Heute noch beten die Bürger von Split in der vom Metropoliten Johannes errichteten Kathedrale zum heiligen Dujam. Da die Kroaten nun Christen geworden waren, bestand für die alten Dalmatiner fein Hindernis mehr, sich ihnen zu nähern. Es fielen die Schranken zwischen den beiden Völkern und die Kroaten begannen mun an der Westseite des Difletianpalastes zu sie= deln. Und im Jahre 650 wird die Stadt, die das alte Salona jetzt rasch überflügelte und seine 3 Zum Troste gesprochen Frühling im Bewilligungsverfahren Wieder lassen Weiden ihre zart begrünten Zweige Neber buntgewürfelte Gasthaustische hangen. Wieder gehen Menschen, wie verklärt von später Sonne, Neber Wiesen, die sich in den Frühling dehnen. Eine Frau lacht in den Abenddämmer, Daß ein Fink verträumt das Köpfchen wendet, Und ein junger Hafe, staunend ob des nie gehörten Klanges, Seine Nase von den saft'gen Kräutern hebt. Herz, mein Herz! Wieder ist's ein Neubeginnen. Herz, mein Herz! Must doch hoffen können, Soll das Leid der Zeit Nicht deine Kammern sprengen. Julius Mader. Stelle als Hauptstadt des Landes einnahm, zum erstenmal in seiner Geschichte Split genannt. Wechselvoll, wie das Schicksal des ganzen Küstenstriches, war auch das Geschick der Stadt in und um den Difletianpalast. In bunter Folge wurde sie von byzantinischen, fränkischen, venetianischen, kroatischen, ungora- kroatischen und bosnischen Herren beherrscht. Dann fiel sie wieder in die Hände der Venetianer. Von diesen fam sie an Oesterreich, das sich ihres Besizes nicht lange freuen durfte. Denn bald darauf legte Napoleon seine Hand auf das Gebiet der sogenannten illyrischen Provinzen. Dieses turzlebige Gebilde unterstand, wohl nicht dem Buch staben nach, aber tatsächlich, der französischen Oberhoheit. Jedenfalls stand es unter französischer Verwaltung. Als Napoleon seinen Cäsarentraum ausgeträumt hatte, wurden Dalmatien und Split wieder österreichisch. Und österreichisch sind sie geblieben, bis sich nach dem Zerfall der Doppelmonarchie der südslawische Nationalrat bildete. Von Karel Poláček " Auch vor dem Gebäude des Landesamtes| Schimmel gedeiht. Der Frühling pocht an eine ist ein Baum aufgeblüht. Gewiß wird es viele Tür; feine Antwort. Der Frühling drückt die geben, welche diese Botschaft gleichgültig auf Klinke nieder; es ist geschlossen. Der Frühling nehmen. Ein Baum aufgeblüht, was liegt schon schleicht zu einer andern Tür; da ist eine Tafel daran; daß es vor dem Landesamt geschah, ist mit der Aufschrift: Eingang nebenan. Der auch kein Ereignis. Gut, mir fam jedoch in die Frühling geht nebenan; öffnet Teife; sem Zusammenhang ein phantastischer Gedanke.| jemand brüllt: Zumachen es zieht!" Was geschähe, wenn der Frühling samt allen Der Frühling erschrickt und geht zur nächs Begleiterscheinungen an die Bewilligung irgend sten Tür; dort fnurrt ihn jemand an: eines Amies gebunden wäre? Wenn Trauben- Was fommen Sie damit zu uns? Ein firsche, Flieder, Forsythia und Kastanie nach Stockwerk höher." Der Frühling steigt ein Gutdünten eines Amtes erblühten? Wenn dem Stockwerk höher. Er öffnet eine Tür; jemand zuständigen Amte hier unterbreitet werden fnurrt; er öffnet eine zweite; jemand bellt; müßte, ob die Wiesen grünen dürfen? Wenn jemand fährt ihn an; ein Fräulein quietscht auf; dem zuständigen Amte doriselbst das Murmeln und der Frühling steht wieder auf dem Flur. der Bäche und der Gesang der Vögel zwecks Der Frühling erfährt, daß der zuständige BeAeußerung abzutreten wäre? Wenn die Sonne amte nächste Woche zwischen elf und zwölf im Bewilligungsverfahren zu scheinen begänne? empfängt. Der Frühling gelangt in das Eine Wie würden unter solchen Umständen die lachen- reichungsprotokoll und befindet sich unvermutet den Wiesen gedeihen, die, wie aus Schulauf- im amtlichen Verfahren. gaben bekannt ist, bunten Teppichen gleichen? Wir werden von keinem bestimmten Amte sprechen, sondern leihen uns von dem alten, liebenswürdigen Dickens die unbestimmte, nebelhafte Existenz des Verzögerungsamtes. Dieses Verzögerungsamt wäre natürlich in viele Referate eingeteilt. Einige Sektionsräte hätten das Veredelungsverfahren der Frühlingswiesen im Referat, auf denen in ihrem Sinne Dotterblumen, Gänseblümchen, Löwenzahn und Troll blume erblühten. Unter der Aufsicht eines andern Konzeptsbeamten würde der Frühlingswind, auch Zephir genannt, wehen. Die Nach tigallen schütteten die Perlen aus ihren Kehlchen unter persönlicher Verantwortung eines Ministerialfommissärs in entsprechender Gehaltsstufe. Das Verzögerungsamt hätte natürlich eine umfangreiche Kartothet, wo in stren ger Ordnung alles gesammelt wäre, was den Frühlingsbetrieb betrifft. Interessenten fänden hier alles, was blüht, singt, tanzt und leuchtet. Jede Kreatur lobte den Herrn unter dem Schuße des Verzögerungsamtes. Welches Verfahren wäre einzuschlagen, was den obgenannten Frühling anbelangt? Die Wer immer über Split geherrscht hat, blasse, unschuldige Eristenz des Frühlings bedrückte ihm seine Spuren auf. Wer durch die träte das Gebäude des Verzögerungsamtes, Stadt wanderf, begegnet ihnen auf Schritt und scheu zivar, aber fest entschlossen, sein Recht zu Tritt. Man fann Zigaretten faufen in einem erlangen und ausgerüstet mit den entsprechenTabakladen, dessen Eingang von römischen Säu- den Belegen. Der Frühling würde sich vor len flankiert wird. Auch neben dem Altar des allem an den Portier mit der Bitte um Ausheiligen Dujam, den der Metropolit Johannes kunft wenden. Der Portier würde einige Hocherrichtet hat, stehen noch die prachtvollen Säu- mütige Worte brummen und mit dem Daumen Yen, die Diokletian dazu bestimmte, sein Mauso- über die Schulter zeigen. Der Frühling schritte leum zu stützen. Neben dem Eingang in die über den Hof, über die Pawlaische, an vielen Kathedrale blickt eine ägyptische Sphing, die ein Nischen und unfreundlischen Winkeln vorbei und römischer Eroberer, vielleicht Cäsar, vielleicht über viele Stufen. Denn das Verzögerungsamt Mare Anton, vielleicht Octavianus Augustus, ist mit allen seinen Frühlingsreferaten in einem einst aus ihrer Heimat entführte, auf einen griesgrämigen und runzeligen Gebäude untervenetianischen Löwen. Und manches stolze Wap- gebracht, wo alles Lebendige dahinstecht und nur pen kündet von der längst vergangenen Herrlichkeit adelsstolzer Geschlechter. Es ist darum Die Menschen blicken zum Himmel empor, schütteln dieKöpfe und sinnen: was ist heuer mit dem Frühling los? Im Vorjahre war um diese Zeit schon alles grün. Die grauen Nebel überm Wald segeln wie eine Geisterprozession; auch der Kranichy fliegt in eine andere Gegend; wüst und unfreundlich ist es in Wald und Flur. Inzwis schen ist der Frühling Gegenstand eines eifrigen Verfahrens. Es wird erledigt, abgetreten, mit einer Anmerkung retourniert, aufgeschoben, wieder zwecks Ergänzung und zuständiger Aeußerung retourniert. Am Ende schreibt jemand mit Rotstift Ad acta darauf und von da ab modert der Frühling in der Kellerregistratur. Aber vielleicht ist dpft des Früh= lings eine politische Angee, so day das Verfahren des Verzögerungsamtes an den Beschluß der Koalitionsparteien gebunden ist. Der Frühling gelangt in den zuständigen Ausschuß und alle Exponenten der Koalition haben das Recht, ihr Wort dazu abzugeben. Da beginnen die Vögel zu singen und die Wiesen zu grünen im Rahmen des Arbeitsprogrammes der Par lamentsausschüsse. Falls an dem Einzug des Frühlings bloß die Agrarier interessiert sind, dann steht fest, daß uns der Gesang der Vögel, die grünen Haine, das Murmeln der Bächlein und die liebe Sonne recht teuer werden zu stehen fommen. Schlimmer freilich ist die Sache, wenn die Ankunft des Frühlings mit einem andern Entwurf junttimiert wird, etwa mit der Forderung, den überalterten und wütenden Bürotraten eine Gehaltsaufbesserung zu gewähren. Dann steht fest, daß es heuer überhaupt feinen Frühling geben wird, da das Finanzministerium mit Rücksicht auf den Stand der Staatskasse Einspruch erheben würde. Dann... doch nun genug. Sicher ist, daß vor dem Gebäude des Landesamtes ein Baum erblüht ist. Frenet euch! ( Deutsch von Julius Mader.) kein Wunder, daß sich die 35.000 Einwohner Abenteuer auf Melusa Simmel. Die Bäume rauschten unter der leich dieser einzigartigen Siedlung manchmal etwas überheben und prahlerisch fragen: ,, Was ist das mächtige London gegen die Stadt Split?" Allerdings wird Split immer mehr zu einer modernen Stadt. Man fährt nun auch schon in feinen Straßen schnell und die Zeit der gemächlichen Spaziergänge ist vorbei. Seltener werden auch die singenden Chöre an den Straßen freuzungen, was sehr zu bedauern ist, denn in Split gibt es sehr viele ausgezeichnete Tenöre. Und die Studenten und die Raseure gehen neuerdings lieber ins Kino, statt, wie sie es chedem getan haben, Serenaden zu singen. Von Walter Jelen Im Salon der Lady Falconbrigde plauderten Damen der Londoner Gesellschaft über ihre Reiseerlebnisse. ..Ich verbrachte etliche Augusttage auf der Insel Melusa und wohnte dort in dem kleinen, reizenden Gava- Hotel, das aus mehreren winzigen Pavillons besteht", erzählte Constance Berly, eine schöne, elegante Frau von ungefähr dreißig Jahren. Mein Abenteuer? Hören Sie: Es war am siebzehnten August. Nachts..... Ein wunderbarer Sommerabend war zur Neige Sterne funfelten am fahlblauen gegangen. ten Brise. Nacht in Melusa... Ich schlummerte ein. Mehr als eine halbe Stunde mochte ver gangen sein. Da hörte ich draußen im Garten das Knirschen des Kieses. Leise, verdächtige Schritte, die immer näher kamen. Ich erschraf, hielt den Atem an. Da! Ein falter Schauer läuft über meis nen Rücken. Eine große, männliche Gestalt schwingt sich mit einem Satz faßenhaft auf das Fenster und von da nahezu unhörbar 4ins Zimmer. Das matte, weiße Mondlicht beleuchtet sein Antlitz. Der Mann hat eine Augenmaste. Er trägt eine bäuerliche Kopfbedeckung, bat keine Schuhe an. Er lauscht, das Ohr an die Mauer gepreßt und hört nur meine ruhigen Atemzüge. Mein Herz pocht schnell und wild, vor irrsinniger Erregung. Ich will- aber ich Pann gar nicht schreien! Um Hilfe rufen. Sucht er mein Geld? Meinen Schmuck? Langsam nähert er sich meinem Bett. Jetzt plöglich streift sein heißer Atem meine Wangen, ein glühender Kuß trifft meine Lippen ..Bilfe...!" zersprengt mein Schrei die nächtliche Stille. Mit einem durchbohrenden, eigenartigen Blick, der mich zusammenzucken läßt, sieht er mich noch einmal an. Dann murmelt er etwas, das ich nicht verstehe, wendet sich um, springt aus dem Fenster und verschwindet im Dunkel der Nacht. Hunde kläffen im Garten. Verstummen bald. Meinen Schrei scheint niemand gehört zu haben.. Am frühen Morgen, als ich erwachte, fand ich in meinem Zimmer, nahe dem Fenster die fleine, schwarze Augenmaske, die er getragen und wohl bei seiner Flucht verloren batte. Abenteuer in Melusa..." Constance Berley lächelte. R AM Et 86 Sie weiß sich zu helfen 88 Gava- Hotel in Melusa: Keine einzige der Sie hielt einen Augenblick inne, öffnete Damen, die ursprünglich hinfahren wollten, ihr Schlangenledertäschchen. ,, Hier...!" blieb aus, wohl aber kamen viele, die vorher von der Existenz jener fleinen dalmatinischen Sie zeigte den erschauernden Damen die Insel gar nichts gewußt hatten, in eben dieses fleine, schwarze Maste. Hotel.. Interessant! Interessant!" sagten die Damen. Und ein wenig Neid klang aus ihren Stimmen... Da Frauen interessante Erlebnisse, die fie irgendwie berühren, gern weiter erzählen, erfuhren bald viele Damen der Londoner Gesellschaft von dem entzückenden Abenteuer der Constance Berley. Das bedeutete aber übrigens durchaus Teine Geschäftsstörung für das kleine, reizende Naturwissenschaftliche Kurzberichte Von E. Aldt Kropsbehandlung und Kropfverhütung. Die Schweizer medizinische Wochenschrift brachte vor kurzem einen interessanten Bericht eines Schularztes über 15jährige Erfahrun gen in der Kropfbehandlung der Schuljugend der Stadt Bern. Anlaß zum behördlichen Einschreiten gab die außerordentlich starke Verbreitung des Kropfes unter der Jugend. Noch im Sabre 1919 Titten unter den Kindern des 9., Letzten Schuljahres 79% an Kropf, 15% hatten eine vergrößerte Schilddrüse und nur bei 6% sämtlicher Kinder war die Schilddrüse normal entwickelt. Diese starte Verkröpfung" ber Berner Jugend wurde nun systematisch und mit bestem Erfolg bekämpft. Seit 15 Jahren wurden, beginnend zunächst bei der ersten Schulklasse, den Kindern regelmäßig Jodmalz oder ein anderes Jodpräparat verabreicht, in der Weise, daß nach 9 Jahren die gesamte Schuljugend der Stadt Bern mit dem Präparat beteilt wurde. 30.000 Berner Schulkinder wurden auf diese Weise behandelt und standen unter ständiger schulärztlicher Kontrolle. " Der Erfolg war der, daß im Jahre 1934 88% der Kinder normale Schilddrüsen und nur noch 10% einen Kropf batten. Ob dieser Erfolg der Jodbehandlung allein zuzuschreiben ist, läßt sich heute nicht entscheiden. Auffallend Die schwarze Augenmaste, die dem ver wegenen Eindringling gehörte, war Eigentum des unternehmungslustigen Hoteliersohnes Ivo, dem sein Vater damals über den ach so schlechten Geschäftsgang geklagt hatte. Schach- Ecke Geleitet von Wenzel Scharoch. Drakowa Nr. 32, Post Modlan bei Teplitz- Schönau, SCHACHAUFGABE Nr. 281. Van Laszlo Klein, Budapest. ( Int. Problem- Turnier des Atus" ČSR., 1935.) 3. Preis. Schwarz: Kd6, Dh2, Tel, f4, Lb8, c8, Sal, 16, Bb3, e3, e7, h6.( 12) 8 7 6 5 4 3 2 1 a b C de fgh a b 女 C d e fgh 8 9 LAD 5 4 3 21 Weiß: Kh8, Dg3, Tb5, c7, La5, g2, Se5, f8, Be6, f7.( 10) Matt in zwei Zügen! Lösungen sind bis längstens 14 Tage nach Erscheinen der Aufgabe an den Leiter dieser Spalte einzusenden. Lösungszug zu Nr. 278: Da5- d2! nossen ein: Dinnebier Emil, Tetschen; Hyna JoRichtige Lösungen sandten, nachfolgende Gesef, Hostomitz; Beutel Wilhelm, Arnsdorf bei Tetschen; Sturm Heinrich, Brünn; Trepesch Waldemar und Bittner Richard, Kleinaugezd; Richten Karl, Politz; Müller Karl, Krochwitz; Schöffel Anton, Schöbritz; Schindler Robert, Holfeld Otto, Chimiak Teo, Habl Erwin, König Anton. Lohmüller Hans, Freundl Anton, sämtlich Nestersitz; Proch Anton, Predlitz; Lepschi Franz, Kaplitz; Ulbert Erich, Klutschkau; Dreßler Robert, Vlašim( Sanatorium); Witsch Rosa, und Trupschitz Robek Franz Walter Ludwig, Kwitkau; Tesař Franz, Suchei; Eichler Otto, Der Sohn sann auf Abhilfe. Und er hatte sie gefunden! Ein wenig Erregung, das pridelnde Ge- Drakowa. fühl des Abenteuers. Melusa tut alles für das Wohlbefinden seiner Gäste... ist nämlich, daß heute bei den Kindern des ersten Schuljahres, also jenen Kindern, die noch nicht schulpflichtig behandelt worden sind, die aber vielfach bereits prophylaktisch Jodsalg bekommen haben, Vergrößerungen der Schilddrüse viel seltener geworden sind. Neuerdings ist im Kanton Bern die Jodsalzabgabe obligatorisch geworden. Eine wichtige Rolle bei der Kropfverhütung spielt aber auch die Besserung der sozialen Verhältnisse. Der Ernährung und der individuellen Hygiene kommt sicher eine große Bedeutung zu. Interessant und wesentlich ist, daß bezüglich der Kropfverbreitung sich die sozialen Grenzen zu verivischen beginnen. Früher bestand ein deutlicher Unterschied zwischen den einzelnen sozialen Volksschichten. Der intensiven fürsorglichen Pflege sozial schlecht gestellter Kinder dürfte es zu danken sein, daß der Kropf auch da zu verschwinden beginnt, wo eine Jodprophylarge noch nicht zur Anwendung fam. an Eingeweide Noch ein Faktor dürfte möglicherweise mit spielen. Es hat sich nämlich gezeigt, daß eine große Anzahl der Kinder Würmern leidet. Es ist nicht ausgeschlossen, daß Darmstörungen und damit Störungen in der Ernährung, die hieraufzurückzuführen sind, wesentlich mit beitragen zur Förderung der Kropfbildung, ivo eine Anlage vorhanden ist. Es hat sich nämlich gezeigt, daß bei den an Würmern leidenden Kindern Kröpfe perzentuell höher find als sonst. Schulärztliche Aufsicht kann auch hier Schädigungen vermeiden. Aus den Sektionen. Genosse Habl Eine äußerst rege Agitation für das Arbeiterschach betreiben die Genossen im 1. Bezirk. Unter anderen wurden einige Simultanspiele durchgeführt. Genosse Saslik spielte in Kleinpriesen an 12 Brettern und gewann 9 Partien, drei Partien gingen an die Genossen Strache. Krombspielte gegen 14 Partner, er gewann 11 und verholz und Jung verloren. lor drei Partien gegen Neumann, Mrwa und Theißig. Genosse Jung kämpfte an 16 Bretwannen die Genossen: Ziernstein. Neumann, Thei Big. Tröster, Strache und Habl. tern. Resultat: 10 Gewinne, 6 Verluste. Aus dem VI. Kreis. Es geVom 4. bis 10. Mai hielt der Bundesschachtechniker Genosse Schöpka, Komotau, eine VorVortrag hielt Genosse Schöpka in Eger im ,, Volkshaus" ab, an welchem 22 Genossen teilLiebauthal 18 Genossen, in Chodau im Arbeitertragsreise durch das Egerland ab. Den ersten nahmen. In Falkenau erschienen 9 Genossen, in heim 21 Teilnehmer aus den Sektionen Wintersgrün. Potschezau und Chodau. Schwächer war die Teilnahme in Altrohlau, wo 9 Genossen erschienen sind, in Karlsbad nahmen 13 Schachgenossen die Ausführungen des Genossen Schöpka in der ,, Graphia" zur Kenntnis. Den weitaus größten Erfolg haben wir in Liebenstein zu verzeichnen, wo weit über 100 Genossen erschienen sind und Genosse Schöpka länger als 1 Stunde über Komotau und das III. Bundesturnfest sprach. Anschließend gab Gen. ObSchöpka ein Simultanspiel an 28 Brettern. zwar mehr als 50 Schachgenossen an dieser Massenproduktion teilnehmen wollten, waren nicht Gen. Schöpka mehr Schachbretter aufzutreiben. verloren. Eine ganz respektable Leistung, mit gewann 19 Partien, 1 remis. 8 Partien gingen der beide Teile zufrieden sein können. In allen das ,, Bundesfest Komotau" und hielt anschliegenannten Orten sprach Genosse Schöpka über Bend einen theoretischen Vortrag am Demonstraspiel an 10 Brettern, 8 gewonnen, tionsbrett. In Liebauthal gab es ein Simultan2 verloren. Alles in allem kann gesagt werden, daß im VI. Kreis diese Vortragsreise voll ihren Erwartunwar überall eine sehr herzliche und allgemein gen entsprach. Die Aufnahme des Gen. Schöpka wurde der Wunsch laut, bald wieder ähnliche Veranstaltungen durchzuführen.