Nr. 53. Kbomuuuut»-Kedlngusge»: vbonnement»»Pret« pränumerando: Vterleljährl. SL0 Ml., monatl. 1,10 Mr., ivöchextltch LS Pfg. frei WZ Hau». Einzelne Nummer K Pfg. Sonnlag»- Nummer mit illustrtrter Sonntag»- Betlage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3,30 Mark pro Quartal. Eingetragen tn der Post- Zettung»- Prei»Ilst- für 1897 unter Hr. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich- Ungarn L Marl, für da» übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Kit Inftrtions- Vdiiihr beträgt für die sechsgespaltene kolonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., für Beretn»- und BersammlungS-Auzeigen, sowie ArbettSmarlt 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bi» 4 Uhr nachmittag« tn der Expedtti«, abgegeben werde». Die Erpedilio» Ist an Wochentagen bt» 7 Uhr abends, an Sonn- und Festtagen bt» 9 Uhr vormittag« geöffnet. «rscheiul täglich«uher»»»lag». Vevlinev Volksbl�tt. Arrnfprecher: Mint l, Hr. ISvS. Telegramm- Adresse: „S»li»ldrm»kr,l»erlw". Dentralorgan der sozialdemokratischen Kartei Deutschlands. ZtediifUio»; SW. 13, A-uly-Slr.lß- S. Expedition: SW. 19, Wenth-Strnße 3; Die ovienkttlilÄze IsvKge«nd die SoztoldetnoKvAtie.*) Von ff. ff a u t s k y. Tic Etliebuitg Krela's hat die Orientfrage i» de» Vordergrund des europäischeu Interesses gestellt. Auch a» die Sozialdemokratie tritt die Nothivendigkeit heran, in dieser Frage Stellung zu nehmen, Ulnsomehr, da die augenblickliche Situation eine so ernste, daß jeder falsche Schritt die verhängnißvollsten Folge» nach sich ziehen kau». Wohl ist die Sozialdemokratie»och nirgends soweit, einem Minister des Acußer» seinen Weg uorschreiben zu können und sie ist nicht veraulwortlich für die Handlunge» unlerer Diplomatie. Aber sie ist doch eine Macht, die nicht ignorirt werden darf, und es ist für das Gewicht, das eine Regierung in die Wagschale der internationale» Angelegenheiten zu werfen hat, nicht gleichgiltig, ob sie in Ueberemstimmnng mit ihrer Nation oder im Gegensatz zu ihr handelt. Für die Sozialdc>"okratie ist überdies die orientalische Frage eine Frage von besonderer Bedeutung, eine Frage, die unsere großen Meister stets hervorragend beschäftigt hat, und mit vollem lliecht. Denn i» dem Kampfe um die Türkei handelt es sich nicht blos um die Interessen konkllrrirender Dynasten und Kapitalisten- schichten, sondern auch um die Interessen der europäischen Demo- kratie. Den europäischen Großmächten sind diese letzteren Interessen freilich höchst gleichgiltig. Wir haben noch in keinem Großstaat Europa's eine wirklich demokratische Regierung gehabt, und es sind ganz andere Interessen, als die der Freiheit, welche die Gegensätze unter den Regierungen in de» türkischen Angelegenheiten erzeugten und erzeugen: die Interessen des Kapitals. Die kapitalistische Produktionsweise in Europa hat seit ihren Anfängen eine» großen Theil ihrer Lebenskrast ans dem Verkehr mit dem Orient, das heißt, genauer gesprochen, mit den alten Kultur- ländern Asiens gezogen. Tort fanden die Kapitalisten die reichste Beute, dort die kanfkräfligften Märkte. Der Antheil an der Aus- beutung des Orients war daher seit dem 16. Jahrhundert eines der hervorragendsten KnmpfeSvbjekte der kapitalistischen Nationen. Um die Türkei stritt man sich damals freilich noch nicht. Die Türken waren noch in siegreicher Offensive begriffen. Aber im Lause des 18. Jahrhunderts brach die türkische Macht rasch zu- sammc», da die Türkenherrschast auf Grundlagen ausgebaut war, die jede ökonomische Enlwickelung i» kapitalistischem Ei»»e aus- schlössen, indeß die Nachbarschaft Europas die Türkei ebenso wie Pole» und Rußland vor die Alternative stellte, enltveder einer der artigen Entwickelung die Thore zu öffne» oder unterzugehen. Je schwächer die Türkei wurde, je mehr sie verfiel, desto begehr- licher die Blicke, welche die kapitalistische» Nationen nach ihr warfen. War doch die Türkei das nächste Stück des Orients und sie beherrschte zugleich eine» der Wege, die nach dem übrigen Orient sührte». Dieses letzlere Moment ivurde weitaus das wichtigste, seitdem die Eröffnung des Suezkanals(1869) für den größten Theil des europäische» Handels mit Asien den Weg durch das Mittelmeer vorschrieb. In der Türkei selbst aber ist der bedeutungsvollste Punkt Kon- slantinopel, nicht nur durch seine kommerzielle, sondern mehr noch durch seine strategische Wichtigkeit. Denn der Herr Konstantinopels ist, wen» er über die nöthige Angriffskrast versügt, auch der Herr des östlichen Mittelineerbeckens und damit der Herr des Seeweges nach Ostindien und Ostasien. Aber iver die begehrlichsten Blicke nach der Türkei warf, das war nicht eine der kapitalistischeu Nationen Westeuropa's, sondern Ruht a» d. Für Rußland bedeutet der Besitz Konstantinopels weit mehr, als für jede andere Nation. Von Koustnntinopel aus beherrscht es nicht nur den Weg von Europa nach Asien, es eröffnet sich damit auch eine» neuen Weg nach Europa, einen Weg, der nicht blos zn sricd- lichei» Zwecken praktikabel ist. Konstantinopel,„das war die ent- scheidende Etappe zur russischen Herrschaft über Europa"(Engels die nnsivärtige Politik des russischen Zarenthums,„Neue Zeil"' 1890. S. 147). Die Eroberung Konstantinopels durch Rußland war eine Gefahr für ganz Europa, und die entscheidenden europäischen Großmächte haben sich denn auch in der Regel zusammengefunden, ivenn es galt. Konstantinopel, die Zarenstadl(Zorigrad) vor dem Zaren zu schützen. Hier ist der Punkt, in dem die Interessen der europäischen Mächte in der Orientsrage mit denen der europäischen Demokratie znsauimenfallen. An der Erhaltung der Türkei oder gar an der Ethaltung der Alleinherrschaft des Sultans hat die Demokratie an und für sich kein Interesse, wohl aber ein hohes daran, daß die Macht des Zaren in Europa und über Europa nicht wachse, sondern vielmehr zurückgedrängt iverde, denn Rußland ist der Hort des Absolutismus, der größte und gefährlichste Gegner der europäischen Revolution. Das haben Marx nnd Engels klar«rkannt und daher war neben der Bekänipfung des Kapitalismus die zweite große Lebens- aufgäbe, die sie sich gestellt, die Bekämpfung des Zaren- t h u in s. Diese Aufgabe machte sie zu den thätigsien Freunden jeder revolutionären Bewegung in Rußland selbst— sowohl der polnischen, wie später der sogcno-..nlen nihilistische»~ sie machte sie zu den thätigsien Freunde» jeder außerrussischen Nation, die im Kampfe gegen Rußland lag, sie machte sie zu den entschiedensten Freunden der Türkei, so oft diese von Rußland bedroht war. Die Türkei hat kaum jemals bessere Freunde gehabt, als unsere beiden großen Vorkämpfer. Sie ließen sich weder, wie so viele Mit- glieder der demokratischen Parteien, durch die liberalen Phrasen •) Wir betonten schon mehrfach bei der Besprechung der kretensischen Frage, daß in unserer Partei verschiedene Auf. faffungen der orientalischen Frage vorhanden sind. Um auch den Vertretern einer anderen Anffassnng, als sie bisher i» unserem Blatte vornehmlich zum Ausdruck kam. Gelegenheit zur Anssprache zu aeben. haben wir Genossen Kautsty gebeten. sein« Ansichten über die orientalische Frage darzulegen. Einen Artikel über das gleiche Thema, der in der Auffassung der Frage von der Kautsky's abiveicht. veröffentlichen wir in einer der nächsten Nummern.— läuschen, mit denen Rußland sein Vorgehen gegen die Türkei be- schönigt, noch wurden sie durch die Jntriguen und Jntereffengegen- sähe verwirrt, die unter den Großmächten wirkten und diese so häufig untereinander entzweiten,>vo geeintes Zusammenwirken gegenüber dem gemeinsamen Feind dringend»othwendig gewesen wäre. Indeß war es nicht Vorliebe für das türkische Regime, die Marx und Engels dabei leitete, sondern die Erkenntniß von der Gefährlichkeit des Zarenthums. Das machte sie nicht blind gegen die Mißstände, die an dem Marke des türkischen Reiches zehrten. In dem türkischen Bauern allerdings fanden sie„unbedingt einen der tüchtigsten und sittlichsten Repräsentanten des Bauernthn.ms in Europa", wie Marx in einem Briese sich ausdrückte, der in Genossen Liebknecht's bekannter Broschüre:„Soll Europa kosakisch werden" 1378 abgedruckt ivurde. Aber der Bauer regiert nicht die Türkei; i» den Städten jedoch, namentlich in Konstantinopel, rvird der Türke völlig korumpirt. zwei warme Anhänger, ja Verehrer des türkische» Volkes, welche die türkischen Verhältnisse aus eigener Anschauung kennen gelernt, schreiben:„In allen Ländern sind die Städte die Geburtsstätlen des Lasters, aber in der Türkei ist in dieser Beziehung der Gegensatz zwischen Stadt und Land stärker ausgeprägt als anderswo, vielleicht desivegen, weil die Städte fast ausschließlich griechischen Ursprungs sind und daher die Traditionen der Sittenlosigkeit vom oströmischen Kaiserreich übernommen haben."') Waruni aber haben die Städte der Türkei diese Traditionen übernommen und erhalten? Weil sie über die ökonomische Höhe des byzantinischen Kaiserreichs nicht hinaus konnten, ja eher noch von derselben herabstiegen. Wie im ersten Jahrtausend unserer Zeit- rechnung, so ziehen sie auch heute noch ihre Lebenskrast nicht aus ihrer Industrie, sonder» aus der Plünderung des Bauern durch Handel, Wucher und Steuern. Die industriellen Klasse» sind schwach und gänzlich abhängig von den Kanfleute», Wucherer» und Pascha's, kein kraftvolles industrielles Bürgerthuni, kein kraftvolles industrielles Proletariat, diese beiden mächtigsten Triebkräfte des politischen und ökonomischen Forlschritts in Europa, haben sich entwickelt. Nur insofern haben sich gegenüber dem byzan- tinischen Kaiserreich die Zustände geändert, daß die oberste Herr- schaft im Staate von einer überverfeinerte» an eine Rasse brutaler Barbare» übergegangen ist, die von ihrer Umgebung alle Laster aber keinen der Vorzüge der Zivilisation ausgenommen haben, und daß das byzantische Kaiserreich den letzten Rest antiker Kultur inmitten der allgemeinen Barbarei Europa's von der Völker- ivandernng bis zu den Krcuzzügen bewahrte, indeß das türkische Regime heute den letzten Rest der Barbarei inmitten der kapitalisti- schen Zivilisation Europa's bewahrt. Ten Gipfel der Korruption des städtischen Osmauenthums bildet das Serailregiment, die absolute Herrschaft des Sultans, seiner Odaliskeu, Eunuchen und sonstigen Günstlinge, deren Trägheit und Unwissenheit nur von ihrer Habgier und tückische» Grausamkeit über- troffen wird. Dies Scrailregiment stand und steht jeder Reform, jedem Auf- schwung des türkischen Reichs imWege.an ihni scheitertjederBersuch, de» allgemeinen Verfall zu hemmen, jeder Versuch. Einrichtungen ein- zuführe», die im Stande wären, iene Entwickelung von Staat und Gesellschaft zu modernen Verhältniffen anzubahnen, ohne die die Türkei unrettbar verloren ist. Hier mußte der Hebel angesetzt werden von jedem, der die Türkei vor der russischen Invasion dauernd bewahren wollte. Alle Kriege gegen Rußland mußten ver- geblich bleiben, so lange die Serailwirthschast unangetastet blieb. In diesem Sinne sprach sich auch Marx in dem schon erwähnten Briese vom 4. Februar 1878 aus. Als Hauptgrund der Niederlage der Türken im Kriege von 1877/73 bezeichnete er de» Umstand, daß sie versäumten, eine Revollltion in Kon- st a n t i n o p e l zu machen. So blieb die Inkarnation des alte» Serailregiments � Mahmud Damat— der Schwager des Sultans, der eigentliche Lenker des Krieges, absolut dasselbe, als ob das russische Kabinet direkt de» Krieg gegen sich selbst dirigirt hätte. Die systematische Paralysirung und Kompromittirung der türkischen Armee durch diese» Burschen kann bis ins kleinste Detail nachgewiesen werden. Uebrigcns ist's allbekannt in Konstantinopel, nnd dies erhöht die historische Schuld der Türke». Allerdings, die Türken halten einen Revolutionsversuch gemacht. Tie Regierung des Sultans Abdul Aziz, der trotz der wahnsinnigsten Verschwendung ein unermeßliches Privatvermögc» aufhäufte, die Masse der Staatsdiener aber hungern und die wichtigsten Staats- funktionell unerfüllt ließ— diese elende Regierung, die„selbst für einein Fäulniß übergegangene Welt ein empörendes Schauspiel" bot,") hatte 137S die Türkei zum sinanzielle» Bankrott und an den Rand des politischen Bankrotts geführt. An allen Ecke» und Enden loderte der Ausruhr empor. Rußland führte im Name» der Auf- ständischen die drohendste Sprache, aber das Serailregiment sorgte weder für Reformen noch für Soldaten, sondern trachtete nur nach Genüssen der verächtlichsten Sorte und nach dem Aushäufen von private» Schätzen. In dieser verzweifelten Situation entschlossen sich einige türkische Patrioten zu dem einzigen Schritt, der das in voller Auflösung befindliche Reich retten konnte: zum Staatsstreich. Ge- führt von M i d h a t Pascha bemächtigten sich die Verschworenen der Regierung, beseitigten Abdul Aziz(1. Juni 1876), setzten an seine Stelle Mnrad V., und als dieser nach wenigen Tagen dem Säuferwahnsi»» verfiel, wurde auch er entthront und sein Bruder, Abdul Hamid II. zum Sultan gemacht(81. August). Aber wichtiger als dieser Thronwechsel war die neue parla- mentarische, sehr liberale Verfassung, im wesentlichen ein Werk Midhal Pascha's. der an, 22. Dezember 1876 Großvezir wurde und sie am 23. Dezember verkündete. Das Serailgesindel war wüthend, nicht minder die russische Regierung. Eine resormirte, d. h. lebensfähige Türkei, das durste ») 8. Gl. B. S t. C 1 a i r and C h. A. B r o p h y, A Eesidence in Bulgaria or notes on the resources and the administration of Turkay, London, 1869, S. 230. »') Bamberg, Geschichte der orientalischen Angelegenheit im Zeiträume des Pariser und des Berliner Friedens, Berlin 1892. S. 447. Bamberg ist durchaus kein Gegner der Türkei und hat unter anderem das Netzwerk russischer Jntriguen, das den Krieg von 1877 einleitete, trefflich aufgedeckt. sie nicht dulden. Die neue türkische Verfassung drohte nicht nur die Türkei zu konsolidiren und die aufständischen Christen mit ihr zu versöhnen, sie war angesichts der beginnenden revolutionären Be- wegung in Rußland sogar gefährlich für dessen innere Entwickelung. Ließ sich doch der„Golos" damals einfallen, für Rußland eine Ver-. fassung gleich der türkischen zu fordern, worauf er für zwei Monate unterdrückt wurde. Die neue Verfaffnng mußte in die Lust gesprengt werden, bevor sie Zeit hatte, sich zu befestigen. In einer von ihm selbst verfaßten Staatsschrift(La Durquie, aon passe, son avcnir, Paris 1878) sagte Midhal Pascha darüber: „Diezenigen, welche den Gang der Ereignisse aufmerksam verfolgt hab-n, mußte" bemerken, daß Rußland nichts so sehr fürchtet, als eine wirkliche Verbesserung des Zilstondes der Türkei. Es war des- halb auch immer gegen diejenigen, welche bei verschiedenen Gelegen- heiten neue Reforme» in der Verwaltung des Landes unternahmen, und es ist keine gewagte Behauptung, daß die Pforte, indem sie die Verfassung verkündigte, den Ausbruch des Krieges ge- w i s s e r m a ß e» b e s ch l e u n i g t h a t." Aber Rußland war nicht der einzige Feind der Türkei. Noch ehe es den Krieg erklärt hatte(24. April 1877), war Midhat Pascha durch daffelve Mittel, das ihn erhoben, wieder gestürzt worden/ durch eine Palastintrig"«, an deren Spitze der schon erwähnte Mahmud Damat stand, der Schivagcr des Sultans und der ettt- schiedenste Vertreter der schmutzigsten Sorailherrschast(b. Februar). Das türkische Parlament trat zwar zusammen, am 19. Mai, wurde aber nach zwei Sitzungen aufgelöst, da einige der Ab- geordnete» eine gar zu unbequeme Kritik übten, und kein neues ein- berufen. Diese ganze Episode hatte eines klar bewiesen: es gab in der Türkei keine Klasse, welche die Kraft besaß, eine wirkliche Revolution durchzuführen, sie den widerstrebenden Elementen aufzuzwingen und gegen die Gegner einer Wiedergeburt der Türkei zn ver- theidigen. Die Revolution, die Marx verlangte, konnte im besten Falle dann sich behaupten, wenn die europäischen Mädste sie schützten. Das war auch die Ansicht Midhal's. In der schon erwähnten Staatsschrift erkennt er an, daß die neue Verfassung auf sehr schivaniender Grundlage ruhe, aber Europa konnte dem leicht ab- helfen, wenn es sich den Schutz dieser Verfassung angelegen sein ließe. So leicht ging denn das doch nicht. Wer war denn da? „Europa", daS die türkische Revolution gegen den Zare» nnd den Sultan schützen sollte? Das ivar nicht die europäische Demo- kratie, sonder» die europäische» Regierunge», die Exekutiv- organe der kapitalistischen Interessen. Diese Interessen und die demokratischen Interesse» berührten sich in bezug aus die Türkei nur insofern, als die einen wie die anderen die Fernhaltung der russischen Herrschaft von den türkischen Gebieten forderten. Aber sie fielen keineswegs in allen Punkten zusammen. Die Kapitalisten Englands, Frankreichs, Italiens, Oesterreichs u. s. w. verlangten in ihrer Weise nicht minder nach der Ausbeutung nnd Beherrsd)ung der Türkei wie Rußland. Die Industrie der Türkei, weit entfernt, ihren Sckzutz zu finde», wurde durck) die Konkurrenz des Aus- lands vielmehr völlig verkrüppelt. ES konnte sich nicht nur nicht eine kapitalistische Jndtlstrie von Bedeutung entwickeln, selbst die aus dem Mittelalter überkommenen Industrien, die hier nnd da blühten, wurden zurückgedrängt, manche geradezu vernichtet.„Von 600 Webstühlen, die Skntari im Jahre 1812 zählte, blieben 1821 nur 40 übrig, und von den 2000 Webereien, die Tnruowo im Jahre 1812 besaß, bestanden 1830 nur 200. Seitdeni ist, wie man glaubt, dieser Gewerbszweig(Vaumwollwederei) gänzlich verschwundc». Zur Zeit der Reise Mac Farlanes(1830) war die Seidenmanusaktur ganz verschwunden, selbst die Spinnereien zur Be- reitung der Rohseide waren geschlossen"(Carey, Grundlagen der Sozialwiflenschast, 1863. 1. 402, 403). Noch in anderer Form macht sich das europäische Kapital in der Türkei hilfreich bemerkbar. Hand in Hand mit dem ökonomischen Rückgang, der allgemeine» Verwahrlosung und Verlotterung geht die zunehmende Berschulduug des Reichs, deren Bürde immer drückender auf dem Bauer lastet, der für die Wncherzinsen aufzukommen hat, die der Staat zahlt und dadurch selbst in Wncherhände gerälh. 1834 nahm die Türkei die erste Anleihe auf, >873 war sie bereits mehr als 6000 Millionen Franken schuldig. Von 4000 Millionen, die sie nominell ausgenommen, waren nur 2400 wirklich in die Staatskasse bezahlt worden. Der durchschnitt- liche Zinsfuß betrug OVj pCt.! Der Staatsbankrolt vom Oktober 1873 hat nur vorübergehende Linderung' geschaffen. Nimmt man zu dem Allen hinzu, daß gerade die besten Freunde der Türkei mit Rußland darin wetteiferten, ihr ein Stück nach dem ander» abzureißen— England nahm für seine guten Dienste »ach dem Siege von 1377/78 Cypern, später Egypten; Oesterreich marschirte in Bosnien und die Herzegowina ei», Frankreich annek- tirte Tunis— dann wird man begreifen, daß von seitc» „Europa's" die Stcvolution, die nothwendig ist, die Türkei zu retten, ebensowenig kommen kann, wie von feiten der türkischen Be- völkernng selbst. Das Schicksal der Türkei ist besiegelt: zivischen den russische» Zarismus und den europäischen Kapitalismus gepreßt, wird sie von beiden unfehlbar zermalmt. Man mag das Schicksal tragisch finden. man mag es bedauern, aber man muß damit rechnen. Man braucht nicht die abstrakte Möglichkeit zu leugnen, die Türkei zu reformiren. Die reale Möglichkeit fehlt. Diese Uumöglichkeit ist die Signatur der heutigen Krisis im Orient. Die Dinge in der Türkei sind in den letzten z,vanzig Jahren in keiner Beziehung besser, in vieler schlechter geworden. Das- Serailregiment ist korrupter und unfähiger, die wirthschastlich« Zerrüttung von Staat nnd Volk ärger als je. Alle Elemente, von denen man 1876 noch eine Gesundung der Verhältnisse hatte erwarten können, find verschwunden; heute wird man ver- gebens in der Türkei nach einem Midhat Pascha suche». Ein- Ausstand folgt dem andern, die Anarchie ist der herrschende Zustand! geworden. In seinem schon erwähnten Artikel über die„aus- wältige Politik des russischen Zareuthums" sagt Engels, in den Kriegen mit Rußland sei die Türkei durch ihre Unordnung erhalt«» worden.„Der unverwüstliche geineine Soldat, der Sohn des im- verwüstlichen türkischen Bauern, fand dann durch diese Unordnung Gelegenheit, das wieder gut zu machen, was die korrumpirte» Paschas verdarben"(S. 133). In ähnlicher Weise kann man sagen, daß die Macht des Sultans nur noch durch den Aufstand erHaften wird, dadurch. daß seine chrisilichcn und uiohauiedanischen Uuter- tdaneu sich gegenseitig die Kehle» abschneiden und sich dadurch in Schach halteiu D ie Anarchie ist so heillos geworden daß die Mächte sich wieder cinuial geeinigt haben, um der Türkei Resormen oiis- zuzmiugc»— freilich bei weitem nicht so weitgehend, als ehedem Midhat geplant. Aber alle ihre Bemühungen sind vergeblich. Ter Widerstand des Scrailregimeuls ist nicht zu brechen, denn hinter diesem Regiment steht— die russische Diplomatie. Diese Siluation ist leine ungewöhnliche. Ei« hat sich bereits Mehr fach in der Geschichte der Türkei ereignet. Aber eines ist neu dabei: Der Zar tritt ans nicht llos als der Schützer des Serail- regiin enls. sondern auch als der wärmste Bertheidiger der Integrität der Türkei. So überraschend diese Wandlung ist, sie ist nichts weniger als unbegreiflich, und sie beweist nur, daß die russische Dlploninlie nicht nur frei ist von allen Grundsätzen, sonder» auä? von jeder Schablonen- baftigkeit, und daß ihre Traditionen sie nicht hindern, stets die Dinge so zu sehn, ,vie sie sind. So hat sie denn auch gar früh herausgefunden, das, die Dinge seit dem letzten rnssisch-türkischen Krieg sich gewaltig verändert haben. Rußland durfte nie wagen, offen ans Konstantinopel zu marschiren; es hätte dadurch sofort säinmtliche Mächte Enropa's tzegen sich vereinigt. Es maskirte sein Vordringe» durch die Schaffung neuer Staate» auf türkische»» Territorium, die angeblich türkische, thatsächlich russische Vasallen waren, nnd es übte über diese Staaten hinaus seinen Einfluß, indem es die religiöse und nationale Idee in seine Dienste nahm nnd als der Schützer sämmt- licher orthodoxen Christen und sämvitlicher Slave» austrat. Wie Napoleon III. und Bismarck benutzte der Zar die ivirllich vorhan- denen Bedürfnisse unfreier Völker»neb Selbständigkeit und nationalem Zusammenschluß als Mittel zur Förderung seiner Pläne, und spannte die Revolution vor den Wage» des Absolutismus. Sei! dem russisch-lürkischen Krieg ist das etwas gefährlich geworden, denn gerade er gab den größte» Anstoß zur Enlivickelnng nicht nur des Kapitalismus, sonder» auch revolutionärer Klassen»nd Be- wegungen in Rußland selbst, nnd die Machthaber dieses Reiches hüten sich heute ebenso sehr wie die Deut>Ä>lands und Trankreichs, ohne Roth den Umsturz zu fördern oder gar selbst zu praktiziren. Die Rolle des Zaren als Befreier unterdrückter Bölkerschaste» ist aber nicht nur gefährlich für den russischen Absolutismus, sie ist wirkungslos außerhalb Rußlands geworden. Friedrich Engels, von dem man sicher nicht behaupten kann, daß er die russische Gefahr unterschätzte, hat das bereits I8S0 beobachtet. Er sagt in seinem schon mehrfach erwähnten Artikel:„Ueberhaupt zeigt sich seit 1873 erst recht, wie sehr die Position der russischen Diplomatie sich verschlechtert hat, seitdem die Völker sich mehr nnd rnedr erlauben mitzusprechen, und das mit Erfolg. Sogar auf der Baikauhalbinsel, dem Gebiet, wo Rußland ex professo völkerbefreiend auftritt, will nichts mehr gelingen. Die Ruuränen haben, zum Dank dafür, daß sie den Russen vor Pleivna den Sieg ermöglicht, ihr Stück Bessnrabien rvieder abtreten müssen»nd werden sich schwerlich durch Zukunstsversprechnngen aus Siebenbürgen und das Banal ködern lassen. Die Bulgaren habe» die zarische Art der Befreiung infolge der ihnen ins Land gesandten zarischen Agenten herzlich satt bekomme»; nur die Serben und die Griechen— beide weil sie außerhalb der direkte» Schußlinie auf Konstantinopel liegen— sind noch nicht kopfscheu gemacht. Die österreichische» Slaven, die der Zar von der deuischen Unterdrückung zu befreien sich berufen fühlte, haben seitdem wenigstens im zis- leithanischen Reichstheil die Herrschast selbst ausgeübt. Die Phrase v o n d e r B ü l k e r b e f r e i u n g durch den allmächtigen Zar hat ausgespielt, sie kann höchstens noch ans Kreta und Armenien angewendet werden." Nach den Erfahrungen der letzten Zeit dürften auch Armenier und Kretenser von Bäterchen au der Newa nicht mehr allzu viel erwarten. Die Staaten, die als thatsächliche Vasalle» Rußlands dessen Herrschast aus der Balkanhalbinsel verbreiten sollte», haben bald das russische Joch noch schwerer gefunden als das türkische und haben sich beeilt, es abzuschütteln. Sie haben aber dabei auch bewiesen, daß sie mehr Lebenskrast und mehr Widerstandskrast gegenüber Rußland besitzen, als die Türkei. Das merkt Rußland i» Rumänien, welches sofort nach dem Kriege eine selbständige Politik gegenüber Rußland einschlug und sich an Oesterreich an- lehnte; das merkte es bald i» Bulgarien, welches schon 1883 es wagte, sich gegen Nußland auszulehnen und den zwei russischen Generalen K a u l b a r s nnd S o b o l e w, die Bulgarien im zari- sch en Sinne regieren sollten, den Lauspaß zu geben. Dagegen fanden die zarische Diplomatie und das türkische Serailregiment sich leicht zusammen, und je länger je mehr verlv, dies es nicht nur jede Lust, sondern auch jede Kraft zu einer selbst. ständigen Politik. Es»mßte sich»m so enger an Rußland anlehnen, je mehr dieses die einzige Macht wurde, die nicht auf Reformen, das heißt vor allem auf Beschränkung der Habsucht und Willkür des Serailregiments drängte. Bald mußte sich die russische Diplomatie darüber klar geworden sein, daß, so lange Rußland nicht Konstantinopel direkt besetze» konnte, so lange es ans der Balkanhalbinsel nicht direkt, sondern nur durch Vasallen herrschen konnte, zu dieser Rolle nicht mehr die kleine», von ihm selbst geschaffenen Staaten tanglich waren, sondern nur noch die Pforte selbst. War aber der Sulla» des Zaren er- gebenster Vasall, dann war jeder Angriff ans dessen Besitzungen eine Beeinträchtigung Rußlands selbst, die um so unangenehmer empfunden wurde, wenn dadurch einer der ungetreuen Vasallen, die sich vom russischen Regime losgesagt, gestärkt wurde. So ver- wandelte sich Rußland in den Schützer der Jniegrität der Türkei; es bereitete seinen Weg nach Konstantinopel nicht mehr im Namen der Revolution, sondern der Legitimität vor. Den ersten und dentlichsle» Beweis seiner gänzlich veränderten Politik gab es, als die Revolution in Ostriimelie» losbrach und zur Bereinigung dieses Landes mit Bulgarien sührte(tLgS). Im Frieden von San Stefano hatte Rußland ein Bulgarien schaffe» wollen, das weit größer nzgr, als das später vom Berliner Kongreß begründete Bulgarien und Ostrumelien zusammengenommen. Es war ein Schritt zur Verwirklichung dieser seiner Absicht, der sich 1885 vollzog, nnd doch gab es keine Macht, die so energisch dagegen protestirte, im Namen der Integrität der Türkei, wie Rußland. Die Türkei selbst beruhigte sich, nur Rußland nicht. Das zeigte deutlich, wo seit dem großen Umschwung, der dem rnssisch-türkischen Krieg folgte, die wirklichen Hindernisse Rußlands aus der Balkanhalbinsel zu suchen sind. Völlig im Einklang mit der veränderten Haltung Liußlands Bulgarien gegenüber steht seine veränderte Haltung gegenüber allen anderen Bestrebungen, einzelnen Völkerlheilen der Türkei zur Autonomie oder zur Loslösung vom Reiche zur verHelsen. Es hat darauf verzichtet, als Befreier oder mindestens als Schutzherr der Armenier zu gelten. Ein autonomes Armenien könnte ihm allerdings unbequemer werden als das von den türkischen Paschas verwalteie und verwüstete; nun hat es auch den Kretensern und Grieche» alle jene Hoffnungen genommen, die diese ans früheren Traditionen schöpfen mochten. Wie gegenüber Bulgarien, so tritt Griechenland gegenüber keine Macht so entschieden als Schützer her Integrität der Türkei auf. wie Rußland. Kein Wunder, daß der alte Gladstone meint, er verstehe Ruß- land nicht mehr. Freilich, wer Rußlands Worte ernst nimmt, wer ehedom glaubte, es verfechte wirklich die Freiheit der geknechteleu Balkanvölker, und heute glaubt, es verfechte wirklich die Jntegriläl der Türkei, dem muß Rußlands Wandlung unverständlich bleibe». Thatsächlich sind Rußlands Ziele dieselben geblieben; es hat nach wie vor seine Augen auf Konstantinopel gerichtet, wenn auch in mancher Beziehung der Werth Konfianlinopels für Rußland ein anderer geworden sein mag. Aber die BerHälimsse haben sich geändert nnd damit haben die Mittel gewechselt, die es verwendet. Nicht mehr alS der Berlheidiger der Christen und Slaven, sondern -al» der Bertheibiger des Padischah selbst nistet es sich im osmani scheu Reiche ein. Aber Rußland herrscht heule nicht nur in der Türkei, es herrscht in Europa, so daß dieses sich völlig unfähig erweist, ihm seine Beute zu entreißen. Den» die„Vereinigten Staaten von Europa" sind unier sich tief gespalten, dank ihrer famosen Diplomatie nnd dem Drängen ebenso kurzsichtiger wie profithnngriger Kapitalistencliqnen, die immer wieder neue Gegensätze zwischen den Nationen schaffen, statt die alle» auszuheben. So ging England nach Egypten und verfeindete sich dadurch mit Frankreich. Tunis wurde zum Zankapfel zwischen Frankreich und Italien; Oesterreichs Einmarsch in Bosnien nnd seine Sln> kündigilng des Vormarsches nach Soloniki machte es aus den» natür- liche» Verbündeten zum Konkurrenten der Balkanstaalen»nd ver- schuldete, daß Serbien nicht gleich Bulgarien vom russischen Einfluß sich befreite. Und der Bntsch im Transvaal führte zur Entfremdung zwischen Deutschland und England. Aber alle diese Differenzen überragt an Tiefe nnd Bedeutung der Gegensatz zwischen Deutschland nnd Frankreich wegen Elsaß- Lothringens, und er ist es vor allem, der Richlands heulige Größe ermöglicht hat. Er führte zu dem Wettkriechen der»vest- lichen Großmächte vor der Knute, das einzig nnd allein Rußland zu gute gekommen ist. Dank diesem Wettlricchen hat Japan China nur niedergcrvorsen, damit dieses als leichte Beute Rußland in den Schoß falle, nnd dieses felbe Wett- kriechen fördert Rußlands Vorherrschaft in Konstantinopel. Es scheint jedoch, nachdem eine zeillarg die französische Republik Tentschlond den Rang abgelnusen, daß die türkischen Wirren Teutschland zum brauchbaren Werkzeug der russischen Pläne machen. Frankreich als MiUelmeerstaal kann dem Ruin der Türkei nnd der Festsitzung des russischen Ge- sandle» im Uildiz Kiosk doch nicht so gleichmüthig zusehe», nnd es kann schon gor nicht sich zu romantischer Begeiste- rnng für den legitimen Sultan anffchwinge». Es ist nicht unmög- lich, daß an den Gestaden von Kreta die russisch-sranzösische Allianz noch. Schiffbruch leidet. Das sind die wesentlichsten Charakterzüge der heutigen Situation. Sie ist nicht einfach, aber wir haben uns auch nicht den Kopf zu zerbrechen, wie aus ihr heranszukomnien, denn wir haben sie nicht geschaffen und wir verfügen nicht über die Regierunge». Aber begreifen müssen wir die Siluation nnd wir müssen uns hüten, direkt oder indirekt, durch unser Reden oder durch unser Schweigen zu Mitschuldigen der Regierungen zu werden. Wir hatten nie Ursache, für das Sultansregiment zu schwärmen. iiibcr so lange der einzige widerstandsfähige Gegner des Zaren ans der Balkanhalbinsel die Türkei war, war es begreiflich, daß wir uns für sie als das kleinere Uebel entschieden. Heute liegt die Sache anders- Heute haben sich die schönen Seelen, Sultan und Zar, gefunden, und es wäre der verhängnißvollste Fehler, de» wir begehen lönnten, wenn wir aus traditionellen Gründen heule noch für ein iltegüne eintreten würden, das so verkommen ist, daß es an Verworfenheit seinesgleichen sucht, das nur»och von Gnaden des geschworenen Feindes der Demokratie existirt und ihm völlig er- gebe» ist. Der Kampf gegen den Zaren in der Türkei wird heute am wirksamsten geführt durch Siärlung der christlichen Balkanstaaten. Gelänge daneben die Revolution in Ikoustantinopel, der Sturz des Serailregtinenls, so hätte das die segensreichsten Folgen. Aber es sind alle Vorbedingungen verschwunden, die den Sieg einer solchen Rerolntio» wahrscheinlich, ja auch nur möglich gemacht hallen. Auf keinen Fall habe» wir heute mehr zn surchle», wenn wir für die!1!cchle der Völker eintreten, die der Sultan beherrscht oder vielmehr gegen einander hetzt, daß wir, ohne es zu wollen, die Sache des russischen Despotismus fördern. Tie beide» Despoten des Ostens stehen heute in demselben Läger. Die Demokratie Europas muß geschloffen im entgegen- gesetzten stehen! politische Mebeichcht. Berlin, 3. März 1697. Tie letzte Kaiserrrde hat zwar nach einer Seite hin in Friedrichsruhe verschnupft—„Handlanger" hat der„treue Vasall" sicher nie sein wollen—, allein nach einer anderen Seite hin ist sie Wasser auf die Mühle. Der„Umsturz" muß ausgerottet werden; allein mit Worten ist das nicht gethan. Dazu gehören starke Maßregeln, nnd zur Aus- sührung der starke» Maßregel» starke Manne r. Diese sind aber jetzt nicht in der Umgebung des Kaisers. Ergo müssen sie wo anders hergeholt werden. Wo? sagt die Redaktion der„Hamburger Neuesten Nachrichten", die heut einen langen Leitartikel zu gunsten einer neuen Umsturzvorlage bringt. Warum hat der treue Vasall nicht gleich gerathen, das neue Sozialistengesetz dem Reichstag am 22. Marz vorzulegen, — als würdigste Hundertjahrseier des ersten Hohenzollernkaijers. Der bezeichnende Schlußpassns des Artikels lautet: „Wir vermögen die Gründe für die bisherige Nichteiubringung eines solchen Gesetzes nach allem Vorangegangenen auf dem Ge- biete politischer vder juristischer Erwägungen nicht mehr zu finde», sondern müssen solche persönlicher Natur annehmen und uns die Frage vorlege», ob diejenigen, die z»lrAiis|ühru»gdestmserliche»Wille»s«ach Maßgabe der Verfassung berufe» sind, sich durch Einbringung eines Spezialgesetzes dem Zorn oder der Nacks u cht der Sozialdemokratie auszusetzen glauben und dies zu vermeiden wünschen? Wäre das der Fall, so müßten wir sagen: die F u r ch t ist e i» s ch l e ch t e r R a t h g e b e r, wer sich f ü r ch t e t, g e h ö r t n i ch t auf«inen verantwortlichen P o st e n an die Spitze des Staates, nnd der Monarch sollte ans die fernere Mitwirkung solcher„angst- licher" Männer an der Staalsregicrung lieber verzichten, wenn er, wie er selbst sagt, fechten will." Die armen, ängstlichen Männer!— Von einem Ohrciizriigen bei der Kaiserrede auf dem Provinziallandtage erfährt die„Freisinnige Zeitung", daß i n d e r T h a t der Kaiser von der„Pest der Sozialdemokratie" gesprochen hat, die„ausgerottet" werden müßte„bis auf de» letzten Stnmpf". Er werde sich freuen, jedes Mannes Eand in der seinen zu wissen,„er sei edel oder unfrei". b der Kaiser die Untergebenen seines Großvaters„Handlanger" oder„Werkzeuge" genannt hat, hat dagegen der Gewährsmann der „Freif. Ztg." nicht genau zu hören vermocht.— Tie Ausrottung der Sozialdemokratie betitelt sich ein Artikel des einflußreichen Zentrumsblattes„Kölnische Volkö-Zeitung". Wenn auch so manches in demselben ausgeführte nicht zutreffend ist, so ist er doch so charakteristisch für die Wirkung der kaiserlichen Rede auf die größte Partei im deutschen Reichstage, daß wir den Artikel— von dem einleitenden Satze abgesehen— vollinhaltlich wiedergeben wollen: Uns wäre es freilich sympathischer, die FeierlichteUe» würden mit Kampfrufen gegen die Sozialdemokratie nicht verquickt, schon weil die anti-nationale Gesinnung der Sozialdemokratie und ihr Haß gegen Kaiser Wilhelm. I. doch nur eine verhältniß- mäßig»ebensächliche Bedeutung hat nnd mit patriotischer Be- geisterung und Schwärmerei für de» ersten Kaiser die soziale Frage nicht zu lösen ist. Aber der Gouvernementalismus geberdet sich doch von Zeit zu Zeit so, als ob er sich von einem schwungvolle» Ausrufe des Kaisers große Wirkungen verspräche; und da kann man denn nicht umhin, ihm einige nüchterne Erwägungen entgegen- zustellen. Bor allein wollen wir uns doch erinnern, daß der Kaiser schon wiederholt zum Kampfe gegen den Umsturz aufgerufen und die Sozialdemokratie in den schärfsten Worten veruriheilt hat. Aber außer einer Anzahl Zeitungsartikel, wie jetzt wieder, hat daS keinerlei Wirkung gehabt, und wir glauben nicht, daß die Blätter ernst genommen sein wollen, die sich anstellen, als erwarteten sie diesmal, das Volk werde sich nunmehr„ermannen." Das Aus- bleiben der Wirkung ist auch ganz natürlich. Weiß doch kein Mensch anzugeben, was denn nun eigentlich geschehen soll. Der Kaiser selbst hat nie angedeutet, wie er darüber denkt. Seine Kommentatoren in der Presse kommen über die Empfehlung uo» allerlei schon einmal mit negativem Erfolge erprobten Polizeimittelchen nicht hinaus, nur daß sie in begeisterten Worte» den„Zusammenschluß aller staalserhaltenden Elemente" an- preisen. Dieser Zusammenschluß ist aber nichts als eine hohle Redensart. Diese„Elemente" können und werden sich eben niemals„zusammenschließen", und wenn sie es thäten, wäre es auch nicht der Untergang der Sozialdemokratie, denn dann wüßten sie auch noch nicht, wie sie dem Feinde bei- kommen sollten; höchstens ständen ihnen wieder die alten Polizei- stückchen und Chikanen zur Versügung, die der Sozialdemokratie mehr uutzen als schaden. Ob der Kaiser diesmal neue gesetzgeberische Kampfesiuittel hat ankündigen oder»ur die Sammlung der den Sozialdemokraten abgeneigten Elemente aufs neue hat empfehlen wollen, darüber ist sich die kampsbereite Presse nicht klar. Im allgemeinen neigt sie der letzteren Auffassung zu. Ganz bedeutend täuscht sie sich aber in der Ansicht, der Sozialdemokratie sei ein gewaltiger Schreck in die Glieder gefahren. Die Sozialdemokraten hegen höchstens die Be- sorgniß, die Gerichte möchten in nächster Zeit wieder besonders viel Geld- und Gefänguißstrafen über ihre Zeitungen»nd Redner verhängen, nicht aber, daß man der Partei als solcher etwas Nennenswerlhes anhaben könne. Wir hallen es für verfehlt, der Sozialdemokratie auf dem Wege des Patriotismus und des nationalen Empfindens bei- kommen zu wollen. Wenn Vaterlandslosigkeit und Mangel an nationalem Sinn ihr Wesen berührte», so möchte es allenfalls an- gehen. Aber diese sind nur zufällige Nebenerscheinungen der deutschen Sozialdemokratie, weil die Deuischen eben das Volk der Denker und zu abstrakten Theorien geneigt sind. Die Sozialdemokratie ist eine internationale Erscheinung, sie ist in andern Ländern stellenweise noch gefährlicher als bei nns, dort darum aber doch noch patriotisch, ja oft sogar sanatisch national. Auch bei uns ist eS in Wirklich- keit mit der mangelnden Vaterlandsliebe nicht immer so schlimm. Die vaterlandslosen internalionalen Phrasen werden von den Führern und der Presse verbraucht, aber die Masse der Partei- zugehörigen fühlt nnd denkt ganz anders, wenn sie es gegenüber der herrschenden Parteityrannei auch nicht offen bekundet. Die soziale Frage ist in erster Linie eine wirthschaftliche und religiöse Frage, und nur von diesem Punkte aus ist die Sozial- demokratie wirksam anzugreisen. Hätten wir keine wirthschastlichen und sozialen Mißstände, wir hätten nimmermehr eine Sozial- demokratie. Darum bleibt immer das alte Rezept: Sozialreform. Für den besten Weg zu einer gesunden und nolhwendigen Sozial- reform halten wir die Organisations- und Koalitionsfreiheit der Arbeiter. Dan» mögen Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich ver« ständigen über die Arbeiter-Forderungen, oder, wo das nicht ge- lingt, im gesetzlichen Kampfe darum ringen. Das Ergebuiß wird nach unserer Ueberzeugung zwar kein idealer, aber für beide Theile erträglicher Zustand sein, nnd an einem erträglichen Zustande wird die Sozialdemokratie nolhwendig zu gründe gehen. Es liegen überhaupt schon genug Anzeichen dafür vor, daß die utopistische Sozialdemokratie mit ihren Zukunftsslaats-Träumen ihren Höhe- punkc überschritten hat und der„possibilistischen" Sozialdemokratie der Geiverkschastsbewegung mehr und mehr das Feld räume» muß. Tie Gewerkfchaftsbcwegnng wird schließlich auch bei der reinen Reforni-Bewegnng landen. Diese Anzeichen sollte man mehr beachten. Statt dessen gelten heutzutage die Thorheiteu eines Sozialpolitikers wie des Frhrn. u. Stumm für die höchste Weisheit. Da kann man sich denn nicht wundern, wenn man mit der Sozialdemokratie trotz aller Aufrufe nicht fertig wird.— Wie ei» sächsisches Amtsblatt über die j n n g st e Kaiserrede urlheilt.„Sachsens Elbgau-Presse", das Amts- Watt für eine Anzahl Dresdener Bororte, schreibt: „Wenn«in Kaiser, dem eine große Machtfülle zu Gebote steht, die Partei des Umsturzes als würdige Gegnerin betrachtet, so wird das gewöhnliche Volk sich veranlaßt sehen, geradezu mit Staunen und Ehrfurcht von der Macht des Umsturzes zu sprechen." So urtheilt ei» Mann, der an des Kaisers Wort sonst glaubt, der vom Kaiser sagt, daß er„nichts Höheres kennt als das Streben, Deutschlands Wohlfahrt zu fördern!" Wenn den der Zweifel packt, ob die Rede den erwünschten Erfolg zeitigt und wenn er diesem Zweisel offen Ausdruck giebt, wie ist es dann erst mit der Masse bestellt, die zusammenstehen soll„in diesem Gefechte"!?...— Ten» Präsidenten des Reichstages soll eine Amts- Wohnung gegeben werden. Darüber sind die National- liberalen ganz aus dem Häuschen— zumal der jetzige Präsident keiner der ihrigen, nicht ß einmal Mitglied einer anderen„reichstreuen" Partei ist. Sie spotten: Der Reichstag wolle durch Errichtung eines Baues für den Präsidenten seinem„sinkenden Ansehen" auf- helfe». Aber sinkt denn das Ansehen des Reichs- tags? Wir dächten, das Gegentheil sei der Fall. Wir sind wahrhaftig keine Bewunderer des Reichstags, allein das steht � doch fest, er hat wenigstens aufgehört, die verächtliche Jasage- Maschine zu sein, die er zur Zelt der nationalliberalen Herr- lichkeit war. Daß dieses wachsende Selbstgefühl des Reichstags der nationalliberalen Partei, die an Servilität selbst die Kon- servativen übertrifft, nicht sehr angenehm ist, begreift sich übrigens um so eher, als dieses Wachsthum des Selbstgefühls und des Ansehens gleichen Schritt gehalten hat mit dem Niedergang des Nationalliberalismus. Das beste an der Sache aber ist, daß die nationalliberalen Vorstandsmitglieder des Reichstags, v. Bennigsen und Pieschel, den Antrag mit unter- schrieben haben.— Die parlamentarische Untersuchung über den Raub- z u g»ach Transvaal hat wieder eine sehr interessante Thatsache ans Licht gebracht. Herr Rhades, der sich immer als kühner und idealer Großpolitiker aufspielt, der England ein Riesenreich in Afrika gründen will, ist in Wirklichkeit ein gauz gemeiner Geldspekulaut, für den die Politik nur ein Mittel zum Geldverdienen ist— wie beiläufig auch für andere Leute. In der gestrige» Ausschußsitzung spielte sich folgende Szene ab: Labouchöre— das bekannte liberale Parlamentsmitglied und Redakleur der„Truth"— richtete die Frage an Rhades, ob bei seinem Interesse an der Charlered Company seine eigene Tasche betheiligt sei. Hicks-Beach— der Vorsitzende— erhob gegen diese Frage Labonchsre's Einspruch. Labouchöre bestand jedoch aus derselben, was zu einer Erörterung führte, die damit endete, daß die O e s f e n t l i ch l e i t der Verhandlung auf zwanzig Minuten ausgeschlossen wurde. Bei Wiederansiiahme der Oeffentlichkeit richiele Labouchsre a» Rhodes die Frage, wieviel Aktie» der Gesellschaft er vor dem Einfall Jameson's besessen hätte. Rhodes antwortete, er glaube 40-50 000 Aktien. Labouchsre fragte weiter. ob, wenn der Einfall gelungen wäre, der Werth der Aklie» ge- stiege» fein würde. Rhodes erwiderte lächelnd:„Nein. ich glaube nicht!" Labonchöre fuhr fort zu fragen, dies wäre also nicht einer der Zwecke Rhades' bei dessen Fördern»» des Aufstandes gewesen. Rhodes entgegnete:„Oh, gewiß nicht!" So der telegraphische Bericht. Welche Komödie! Die„40—50 000 Aktien"— auf 10 000 kommt es dein Mann nicht an!— des Herrn Rhodes repräsentiren jetzt— nominell— die Kleinigkeit von 400— SOV(XX)— sagen wir 500 000— und das wird langen— Pfund Sterling, das heißt 10 Millionen Mark. Wäre der Einfall ge- lungen, so wäre möglicherweise, so lange die Zukunft noch unsicher, kein Steigen der Aktien erfolgt; sobald aber, wenn das Gelingen feststand, hätten die Aktien kolossal steigen müssen; und R h o d e s, der im amerikanischen Stil spekulirt, hätte sich um hunderte von Millionen bereichert. Also ordinärer Prozent-Patriot— nur in kolossalem Maßstab.- Tas„Ultimatum" der Mächte au Griecheuland ist, wie wir schon gestern meldeten, überreicht. Es hat folgenden Wortlaut: »Ans Befehl meiner Regierung bringe ich zur Kenntniß Euerer Exzellenz, daß die Großmächte beabsichtigen, die Ver- haltungslinie festzustellen, welche bestimmt ist, einer Lage ein Ende zn machen, der vorzubeugen nicht von ihnen abhing, deren Verlängerung aber danach angethan sein würde, den Frieden Europa's zu gefährden. Die Mächte haben sich über die beiden folgenden Punkte geeinigt: Erstens, Kreta könnte auf keinen Fall unter den gegenwärtigen Umständen von Griechenland annektirt werden. Zweitens, angesichts der durch die Türkei herbeigeführten Verzögerung in der Anwendung der mit ihr vereinbarten Reformen sind die Mächte entschlösse», unter voller Aufrechterhaltung der Integrität des ottomanischeu Reiches Kreta mit einem voll st ändig durchgeführte»Selb st ver waltungs- System a u s z u st a t t e n, welches bestimmt ist, der Insel eine besondere Regierung unter der hohen Suzeränetät des Sultans zu sichern. Die Verwirklichung dieser Absichten würde nach Ansicht der Mächte nur zu erreichen sein durch die Zurückziehung der griechischen Schiffe und Truppen aus Kreta. Die Mächte erwarten zuversichtlich von der Weisheit der griechischen Regierung die Eni- schließuug, daß sie nicht auf einem den Beschlüssen der Mächte zuwiderlaufenden Wege verharren wolle. Die Gesandten verhehlen nicht, daß ihre Jnstruklionen ihnen vorschreiben, der griechischen Regierung im voraus mitzutheilen, daß im Falle einer Weigerung die Mächte unwiderruflich entschlossen sind, vor keinem Zwangsmittel zurückzuschrecken, wen» nach Ablauf einer Frist von sechs Tagen die Zurück- rufung der griechischen Truppen und Schiffe aus Kreta nicht erfolgt ist." Ans Athen wird telegraphirt: Heute soll ein außerordentlicher Ministerrath unter dem Vorsitz des Königs abgehalten werden, um über die Kollektivnote zu berathen. Das Gerücht von der bevorstehenden Abdankung des Königs zirkulirt wiederum sehr lebhaft. Die Schwierigkeiten der griechischen Regimmg scheinen nicht klein zu sein, denn eine Ministerkrisis scheint sich jetzt schon zu entwickeln. Der Kriegsminister ist schon zurück- getreten. England ist eifrig bemüht, Griechenland die Annahme der Vorschläge der Mächte möglichst zu erleichtern. In der gestrigen Sitzung des Unterhauses erklärte Minister Balsonr: Wen» England sich von dem europäische» Konzert gelrennt hätte, so würden seine Bemühiinge» für die be- drückten Unterthanen der Türkei nutzlos gewesen sein. Die Griechen allein wären außer stände gewesen, Kreta zu befreien. Unter Autonomie, erklärte Balsonr weiter, verstehe er eine Regierungsform, welche die Einmischung der Türkei in die kretensischen Angelegen» heiten ausschließt. Die Regierung erkenne an, daß es von Wichtigkeit sei, die türkischen Truppen, solange solche auf Kreta verbleiben, unter europäischer KontroUezu erhallen. Die Einverleibung ikreta's in Griechenland würde die Gefahr der Aufwiegelung anderer Nationalitäten in der Türkei hervorgerufen haben. Die Grieche» könnten sich beglückwünschen, daß infolge ihrer Bestrebungen Kreta Autonomie erlangt habe. Da dies erzielt sei, sollten die Griechen es für ihre Pflicht halten, sich aus Kreta zurückzuziehen. Aus Konstantinopel liegt folgende Depesche vor: Die türkische Regierung erinnert in einer Note an die Mächte daran, daß nach dem Pariser Vertrag von 1826 die Mächte sich verpflichtet haben, die Integrität der Türkei aufrecht zu erhalten. Sie würde nunmehr alles daransetzen, daß die griechischen Truppen aus Kreta zurückgezogen werden. Griechen und Türken rüsten vorläufig energisch weiter, als ob die Großmächte nicht versprochen hätte», jede Störung des Friedens im Orient eventuell mit Gewalt zu verhindern. Uebrigens werden auch von einzelnen Großmächten und von den kleinen Balkanstaaten eifrig Vorbereitungen für den Kriegsfall getroffen, so meldet eine Depesche aus London: Seit einige» Tagen herrscht im Arsenal von Portsmouth eine fieberhafte Thätigleit. 2000 Arbeiter sind Tag und Nacht damit beschäftigt, die zwei größten Kreuzer der Well in Dienst zu stellen. Aus K a n e a liegen folgende Meldungen vor: Nach bestimmten Berichte» haben die englischen, französischen und russischen Matrosen nicht aus die meuternden Gendarmen geschossen. Letztere haben außer auf den tödtlich verwundeten Suleiman-Bey auch auf ihren provisorischen Befehlshaber, den englischen Mazor Bor, sowie auf italienische und montenegrinische Offiziere gefeuert. Alle Patrouillen der europäischen Besatzungen wurden verstärkt. Die Mörder Euleiman-Bey's wurden an Bord des englischen Kriegsschiffes„Barfleur" gebracht. Dem.Standard" geht ans Kauea von vorgestern die Meldung zu, daß der ganze für die Neubildung der Gendarmerie aufge- stellte Plan als mißglückt zu betrachten sei. Sämmtliche für die neu eingerichtete Gendarmerie angeworbenen Christen hätten sich mit Ausnahme von zweien auf der Stelle den Insurgenten an- geschlossen. Mac Kinley, Präsident der Vereinigten Staaten. Gestern und vorgestern hat der„demokratische" Präsident der Vereinigten Staaten C l e v e l a n d noch bedeutsame Re- gierungshandlungen vollzogen, er hat von der spanischen Regierung die völlige Begnadigung eines aus Kuba zum Tode verurtheilten amerikanischen Bürgers erzwungen, obwohl der Generalkommandirende auf Kuba, General Weyler, für diesen Fall mit seiner Demission gedroht hat, er hat dem vom Repräsentantenhaus und Senat angenommenen Einwanderungsgesetze seine Bestätigung versagt, und morgen tritt er als einfacher Bürger in das Privatleben zurück und der im vorigen Jahre erwählte Präsident, der Führer der „republikanischen" Partei, Mac Kinley tritt an seine Stelle. Allzu groß wird der Systemwechsel nicht sein, denn Cleveland hat schon lange nicht mehr nach dem Wunsch seiner Partei regiert und sich vor allem in der Währungsfrage von allen Extravaganzen ferngehalten. Während die Demokraten, an ihrer Spitze ihr Kandidat Bryan, die ausschweifendsten Projekte der Silberbolde befürworteten, wird Mac Kinley sich zwar zu den Plänen der Bimetallisten freundlich stellen, aber jeder Versuch einer weiteren Verschlechterung der amerikanischen Währung wird an seinem Widerstande scheitern. Diese Polttik ist ihm al« Vertreter deS industriellen Großkapitals der Ver- einigten Staaten, das an der Stetigkeit der Währung sverhält« nisse aufs höchste interessirt ist, vorgeschrieben. Er wird sich als stets dienstbereiter Angestellter der Großindustriellen fühlen; die Riesen-Jndustrieverbäude der Union, die Trusts, können sicher sein, daß er alles daran setzen wird, ihre Eut- Wickelung nicht zu stören, hat er doch den berufsmäßigen Ver- treter der Trusts vor den Gerichten, den Rechtsanwalt Cooks, als höchsten Jnstizbeamten in sein Kabinet berufen. Für die Handelsverbindungen mit den Vereinigten Staaten bedeutet der Regierungsantritt Mac Kinlcy's trübe Aussichten, sein Streben wird auf die Erhöhung der Einfuhrzölle gerichtet sein, sein Ideal ist, die indu- striellen Bedürfnisse der Vereinigten Staaten durch diese selbst decken zu lassen. Freie Hand den amerikanischen Fabri- kanten, Erschwerung der fremden Konkurrenz. Was dieser Inhalt des wirthschaftlichen Programms Mac Kinley's für den amerikanischen Arbeiter und Konsumenten bedeutet, welche Rückwirkung eine solche Wirthschaftspolitik für die nach Amerika importirenden Staaten, vor allem für Deutschland, hat, ist von uns schon des öfteren erörtert worden. Auch in der auswärtigen Politik bedeutet der Amtsautritt des neuen Präsidenten eine Verschärfung der Lage. Mac Kinley ist einer der schroffsten Vertreter einer panamerikanischen Politik, deren Ideal die Verhinderung jeder Einmischung der europäischen Staaten in amerikanische Verhältnisse, die Ver- drängung Europas ans seinen amerikanischen Besitzungen und die Schaffung eines gesammtamerikanischen Wirthschaflsgebietes, mit Abschließnng gegen Europa und Monopotisirung des Konsums von Mittel- und Südamerika für die nordamerikanische Produktion ist. Spanien muß sich beeilen, koste es, was es mag, aus Kuba Ordnung zu schaffen, sonst könnte Herr Mac Kinley sich versucht fühlen, dort den Spaniern unangenehm zu werden. So stellt sich der Amtsantritt Mac Kinley's tr'tz aller Schwierigkeiten im alten Europa als ein auch für uns hoch- bedeutsames Ereigniß dar.— Chronik der Majcstiitsbclcidignngs- Prozesse. Redakteur Vierheilig vom„Nürnberger Anzeiger", der wegen Beleidigung des Prinzregenten in Untersuchung war, ist außer Verfolgung gesetzt worden, die Konfiskalion der betreffenden Nummer wurde aber ausrecht erhalten.— *** Deutsches Reich. —„Das bessere Theil der Tapferkeit ist Vorsicht" sagt Fallstaff. und der Pastor und Reichstags-Abgeordneter Schall denkt ebenso. I» einer langen Erklärung lehnt er es ab, sich mit dem nalional-sozialen Redalleur von Gerlach in einer Ver- saminlmig über seine Haltung im Reichstage anläßlich der Debatte über den sozialdemolratischeu Achtstundentag auseinanderzusetzen. Der Respekt der Wähler vor dem snkanb terrible der deutsch- konservative» Reichstagsfraklion wird hierdurch kaum steigen.— — Professor Adolf Wagner. Wie die„Zeit" be- richtet, ist kürzlich eine Deputation rheinischer Großindustrieller bei dem Kuliusminister gewesen, um ihm Vo�slelluuge» über das Aufireten Professor Adolf Wagner's in Bochum zu machen. Es ist sicherlich aus Anlaß dieser Meldung nicht ohne Julercsse, zu erfahren, daß, wie die„Wissensch. Korr." mittheilt, die Belheiiiguug � einiger Universitätslehrer an sozialpolitischen Vorgängen in der letzten Zeit zu wiederholten Malen ein scharfes Vorgehen seitens der Uulerrichtsverivallung zur Folge gehabt hat und daß die Unterrichtsverivaltuug sich in diesen Fällen nur an Beschlüsse ge- hallen hat, welche das Resultat einer Ministerkonfercnz sind, in der diese Frage eingehend erörtert wurde und gelegentlich welcher, wie es scheint, energische Maßregeln vereinbart wurden.— Kiel, 2. März.(Eig. Ber.) Etwas vom preußischen Vereinsgefetz. Daß unser heutiges Vereinsgesctz vom II. März 1820 der Zeit nicht mehr entspricht, wird selbst von allen bürger- lichen Parteien wenn auch nicht durch Worte, so doch durch die That eingestanden; durch die That insofern, als sich die bürger- lichen Parteien in ihren Organisationen so gut wie gar nicht um die veralteten vereinsgefetz- lichen Bestimmungen lümmern. Diese Behauptung kann man jederzeit durch eine Reihe von Thalsachen begründen. So zum Beispiel besteht eine Verbindung sämmtlicher ört- lichen Organisationen der nationalliberalen Partei der Provinz Schleswig-Holstein. Obwohl dieses nach den vereinsgesetzlichen Bestimmungen verboten ist, findet sich doch kein Staatsanwalt, welcher unsere biederen National- liberalen vor das Forum der heilige» Justitia ziehen würde. Ebenso, verhält es sich mit der sozial-wissenschaftlichen Bereinigung in Kiel. Dieser Klub, worin namentlich die Herren Professoren und andere Gelehrte domiiiire», kann ungehindert Frauen als Mitglieder auf- nehmen, trotzdem er sich mit öffentlichen Angelegenheiten— die Er- Lrteruiig des Bürgerlichen Gesetzbuches ist wohl eine öffentliche Angelegenheit— beschäftigt. Wir sind gewiß die letzten, welche irgend etivaS gegen diese Bethätignng der Vereine einzuwenden habe», ja mehr, wir als Sozialdemokralen sind ent- schieden gegen jedwede Beschränkung im Vereinswesen, aber wir können dennoch nicht umhin, die ittrt und Weise der Anwendung des Gesetzes näher zu charakterifireu. Würde man gegen die sozialistische» Verbindungen ebenso verfahren als gegen die bürger- lichen Organisationen, so könnte man ja nur mit unserer Polizei und Staatsanwaltschaft zufrieden sein, aber dem ist nicht so. So wurde im vorigen Jahr der hierorts bestehende Diskutir- und Lesezirkel„Freiheil" deshalb polizeilich geschloffen, weil Frauen als Mitglieder aufgenommen worden waren. Obwohl nun der Verein genau in demselben theoretischen Sinne mit der Erörterung der einzelnen Fragen versuhr, wie dies sozial-wissenschasUiche Vereinigung, wurde dennoch öffentlich Klage gegen die Leiter sowohl alS auch gegen die belheiligten Frauen erhoben und fand heute die Verhandlung vor der hiesigen Strafkammer statt. Das Urtheil lautete für die Genossen Stegmann, Ad. Geuze» und Alfred Genzen aus je 20 M., für die Genvssiiiiien Kluß und Urbach aus je 12 M. In idealer Konkurrenz hiermit standen zwei Beleidignngs- jachen. Der Vorsitzende des Diskutir- und Lesezirkel„Frei- beit" mar seinerzeit vor den Kriminalkommissar Klein- schmidt geladen, bei welcher Gelegenheit er mit brennender Zigarre und Kopsbedeckung in das Bureauzimmer eingetreten sein soll. Hierdurch und durch sein Verhalten im allgemeinen soll er den Krüninalkonimissar beleidigt haben. Das Gericht ver- nrtheilte A. Stegmann wegen Beleidigung des Kriminalkommissars Kleinschmidt zu vierzehn Tagen»nd I. Stegmann wegen des- selben Vergehens zn acht Tagen Gefängniß. Natürlich ist die Ehre des Kriminalkommiffars dadurch gerettet.— Es hätte nur noch gefehlt, daß das Gericht auch auf Schließung des Vereins erkannt hätte, dann wäre doch auch der Staat vor den drohenden Gefahren des Umsturzes bewahrt worden. Die Handhabung des Vereiusgesetzes ist, wie dieses Beispiel zeigt, äußerst charakteristisch und sollten sich die Gesetzgeber doch endlich veranlaßt fühlen, mit diesen veralteten Bestimmungen, welche der Willkür der Polizei Thür und Thor öffnet, tabula rasa zu machen.— Oldenburg, 3. März. Die Schulvorlage wurde heute in einer dem Standpunkte der Regierung entsprechenden Fassung vom Oldenburger Landtage in zweiter Lesung einstimmig an- g e n o m in e n. Die Liberalen haben sich also aus Furcht vor dem drohenden Konflikt löblich uiiterworsen. Sie sindj überall gleich, die Liberalen. Nur in der Sozialdemokratie ist noch Prinzipien treue uud Wider- standskraft.— — Schon wieder ein Zeugniß-ZwangSverfahren. Die Redakteur« de»„Nürnberger Anzeigers, Ruppel und vterhellig. wurden in Sachen einer Soldatenmißhandluiig im Leib-Jnfaiiterie- regiment zn München, worüber das Blatt berichtet hatte, als Zeugen veriiommeii. Die Eidesleistung wurde von ihnen verweigert.— Mainz, 2. März.(Eig. Bericht.) Die von der hiesigen Staats- anwaltschalt gegen den Redakteur der„Mainzer Bolks-Zeilung" Dr. Eduard David und den Verleger Ludwig Jost wegen des in der„Neuen Welt" erschienenen Artikels„Der Nazarener" eingeleitete Untersuchung wegen Gotteslästerung ist nunmehr eingestellt worden.— Oesterreich. — Wahlbeweg u n g. Mit den elendesten und insamsten Verleumdungen arbeitel die christlich-soziale Partei in Oesterreich gegen die Sozialdemokratie. Es ist ein Wahlkampf in Wien, wie er nicht schärfer in Amerika gedacht werden kann. Ob dieser Kampf mit schmutzigen Mitteln nicht zuletzt den Sozial- deniokraten, die sich trotz aller Anwürfe rein von solch elenden Machenschaften zu halten verstehen, zu gute kommen wird, wird der 9. März lehren, an dem die Wähler der V. Kurie in Niederösterreich zur Wahlurne schreiten. Morgen beginnt die eigentliche Wahl in der B u k o w i n a, der Grenzprovinz gegen Nußland und Rumänien, wo wir zwar in den letzten Jahren sehr erhebliche Fortschritte gemacht haben, aber natürlich auf einen Sieg nicht rechnen können. Doch der erste Abgeordnete ist bereits gewählt! Wer ist der Mann. den das Vertrauen des Volkes als Ersten zum Abgeordneten erkoren hat? Niemand anders als der würdige Abt Leo T r e u i n f e l s, den der erste Wahlkörper des Tiroler Großgrundbesitzes zum Abgeordneten wählte. Herr Treuinfels erhielt 6, sage sechs Stimmen; sein Gegenkandidat, der Abt Mariacher, blieb mit fünf Stimmen in der Minorität. Es ist kein Witz, nein, blutige Wahrheit; der Wille von sechs Menschen sendet Herrn Treuinfels als vollberechtigten Abgeordneten ins Parlament. Aber auch welche Wähler! Die elf Menschen, denen die„Wahl" eines Abgeordneten zusteht, sind vier Aebte, vier Pröbste, ein Erzpriester, ein Prior lind der Landes« komlhur des Deutschen Ordens: wahrhastig, eine erlesene Gesell- schaft. Natürlich bemüht man die gottesfürchtigen Herren nicht zur Urne wie den anderen Wählerpöbel: sie schicken ihren Stimm- zettel einfach ein, und wenn alle elf angelangt sind, ist die„Wahl" beendet. Ans Galizien kommen Nachrichten, die das Unglaubliche wahr machen: Soviel Ungesetzlichkeiten, Gewaltthaten, soviel Korruption die letzten galizischen Landtagswahlen an den Tag ge- fördert haben, den Schlachzizen will es gelingen, all das bei den jetzigen llieichsrnlhswahlen noch zn überbieten. Den Bauern und Arbeiter» wird ihr Wahlrecht einfach mit Gewalt geraubt. Wenn sie sich am bestiinmlen Tage vor dem Wahllokal versammeln, finden sie keinen Einlaß. Vor der Thür stehen Gendarmen, die sie mit Gewalt zurücktreiben. Während die zur Wahl berufenen Wähler draußen wehklagen und nach ihrem Rechte schreien, gehl im Wahllokal die Wahlhandlung vor sich, der Pfarrer, Gutsverwalter und die übrigen Honoratioren geben ihre Stimmzettel ab. Die Wahlmäimer des Regiernugs-Kaiididateii sind gewählt. Und dieser ganz unerhörte, allen Gesetzen hobnsprecheiide Vorgang vollzieht sich im Namen und im Auftrage des Wahlkommissars, des staatlichen Funktionärs bei der Wahl.— — D r. E m i l K a l e r. Einer unserer ausländischen Korre- spondenten schreibt: In der„Franks. Ztg." widmet ihr Wiener Korrespondent, Herr Dr. Kanner, dem unglücklichen früheren Ge- nossen Kaler einen Nekrolog, der in mehrfacher Beziehung that- sächliche Unrichtigkeiten enthält, die zum theil zugleich zur Schmähung der Sozialdemokratie dienen sollen. So ist meines Wissens im- richtig, daß Kaler etwa 2 Jahre im Gefängniß gesessen hat. Soweit meine Kenntniß reicht, waren seine zwei längsten Freiheilsstrafen drei Monate in Wien und 13 Monate im Zuchthaus Karlau bei Graz; eine Anzahl weiterer Strafen waren nach Tagen bemessen. Falsch ist alles, was Herr Dr. Kanner über die Grazer Strafe sagt. Schreiber dieses war selbst einer der vier Zeugen in dem Anfangs 1879 gegen Kaler geführten Prozesse wegen angeblicher Majestätsbeleidigung. Der Anlaß dazu war unmittelbar ein Vortrag„Sozialpolitische Rundschau" in einer Versainniliina eines politischen Vereins. Kaler behandelte allmonatlich dieses Thema mit vollendeter Meister- schaft. INach der Okkupation von Bosnien und der Herzegowina durch Oesterreich, wozu bekanntlich AndrassyvomBerlinerKongreßdasMandat mitgebracht hatte, behandelte Kaler diese kriegerischen Vorgänge und ihre Folgen für Oesterreich sowie für die iiiternationaleii Be- ziehuugen. Kaler führte die ganze Episode auf eine Person zurück, die unverantwortlich fei. Da versaffungsgemäß nur der Kaiser unverantwortlich sei. so wurde Kaler wegen Majestäts- beleidigiiiig angeklagt. Die vier Zeugen, die alltäglich mit Kaler verkehrten und ihn als ihren Lehrer und Führer hochverehrten, hatten unter der unverantwortlichen Person Bismarck verstanden, der ja der Urheber des Berliner Kongresses und wenn nicht der Erfinder, so doch der Begünstiger der Okkiipation der beiden genannten Länder durch Oesterreich war. Kaler, bei den Herrschenden tödtlich verhaßt, war wohl schon vor der Gerichtsverbandliiiig verurtheilt, ja es soll aus Wien die Weisung zur Erhebung der Anklage erfolgt sein. Es nutzte ihm deshalb die gewiffenhafle Aussage der Zeugen nichts, auch seine eigene Vertheidignng nicht, so wenig wie die durch den Advokaten Dr. v. Kosjek. Er wurde zu 13 Monaten Zuchthaus verurtheilt; während er bei 12 Monaten im Landesgerichts- Gefängniß hätte bleiben können, mußte er nun bei 13 Monaten ins Zuchthaus, wo er schrecklich litt und duldete. Während seiner Hast dachte jeder Grazer Genosse täglich und stündlich au ihn, der Genosse Brau» zum„Kärtuer Keller" besuchte ihn, so oft es möglich war, und auf seinen Eullassniigstag hin, ein Sonnabend im März 1880, wurde alles zu seinem würdigen Empfange vorbereitet. Um 6 Uhr morgens sollte er entlassen werden, er wurde aber, um den Eiiipfang zu vereiteln, morgens 4 Uhr in die Kälte hlnausaestoßen, so daß er halb erfroren zu dem genannten Genossen Braun kam. Am Sonntag darauf fand z» seiner Begrüßung in der„österreichische» Freiheil" ein großes Arbeilersest statt, zu dem aus allen Theilen Steiermarks Delegirte erschienen. Das Volk war also nicht nndankbar, es hatte den wirtlich geliebten Genossen würdig empfangen und geehrt. Und auch Kaler selbst war herzlich erfreut von den Kund» gebnngen, so erfreut, daß er schon bald nach Beginn des Festes infolge der ungeivohiiten Ausregung und der zerrütteten Nerven ohnmächtig zusamnienbrach und mit Droschke in ein benachbartes Hotel gebracht werden mußte. Wenn in den nächsten Tagen darauf Kaler sich in sein Zimmer eingeschlossen hielt uud niemanden zu sich ließ, so konnte man darin die entfetzlichen Folgen der unschuldig erlittenen Zuchthausstrafe erkennen: es war Menschenscheu und Verfolgungswahn. Der Ohnmachlsaiifall Kaler's bei seinem Euipfangssest hatte einen schreienden Wuthausbruch der empörten tausend Ar- beiter hervorgerufen:„Sie haben ihn gemordet, schlagt sie dafür todt, die Hunde(nämlich die anwesenden Polizisten) u. s. w. Männern traten die Thränen in die Augen. Die Frauen weinten. Unschuldig war die Strafe, weil nach den eigenen Worten Katers er nicht den Kaiser mit seinen Worten gemeint halte, sondern den sehr mächtigen und einflußreicheii Erzherzog Albrecht. Inwieweit diese Auffaffung richtig war, weiß auch Herr Dr. Kanner. Den Dank des Volkes hat Kaler in reichem und schönem Maße erfahren und auch die aus eine oder zwei Notizen beschränkten „gemeinen Beschinipfungeii" der Wiener„Arbeiter-Zeitmig" reduziren sich auf eine sehr milde Kritik und«ine Abwehr gegen die„Deutsche Zeitung", an der Kaler untarbeilete und in der er die Sozial- demokratie angriff. Nein, Herr Dr. Kanner, die österreichische Arbeiterschaft und nicht minder die deutsche Sozialdemokratie, letztere während der schlimnien Zeit des Sozialistengesetzes, haben an Kaler menschlich schön und brav gehandelt und ihm auch in ihren Organen würdige Nachrufe gewidmet.— Dii«em«rk. Kopenhagen, 3. Mär». Der Ackerbauniinist« Sehested hat beute, Mittwoch, dem Landsthing eine Gesetzesvorlage betreffs Bekämpfung der Tuberkulös« biimHornvieh unter- Die Vovlnge setzt den jährliche» Sinatsbeitrag zur Unter- sttttzung derjenigen Viehzüchter und Viehzüchtervereine. welche iil ihren Viehbeständen die Tuberkulinprnbe anzuwenden wünsöieii. ans 100 000 Kronen fest. Bei Hornvieh, welches aus dem Auslände eingeführt wird. ist aus Veranstaltung oer Vetcrinärpolizei spätestens am fünften Tage»ach der Ankunft des Thieres an dein Bestimmungsort die Tuberkulinprobe >n Anwendung zu bringe»! die Probe kann für Thiere. welche spätestens am dritten Tage»ach der Einfuhr abgeschlachtet werden, wegfallen. Molkereigenossenschaften dürfe» nur dann Milch, Bulter- milch und Rahm ansliesern, wenn genannte Produkte bis zu 70 Grad Röanmur erwärmt gewesen sind; der Aclerbaunünistcr kann von dieser Ziegel dispeusiren, wenn die ausgelieferte Milch für Käse- sabrikation bestimmt ist. Die Einfuhr von Milch, Buttermilch»nd Rahm aus dein Ausland ist nur gestaltet, wen» es dargetha» ist, daß die eingeführten Produkte bis wenigstens 70 Grad Rvaumur erwärmt gewesen sind.— — Der sozialdemokratische Entwurf eines Landarbeiter- Ansiedel ungsgesetzes m Dänemark lautet: 1. Es wird in jedem Amt eine Konnnission niedergesetzt, die bei der Errichtung von Justmannsbetriebe» mitzuwirken und die- selben später zu beaussichligen hat. Der Landwirthschaftsminister wählt ein Mitglied, die beide» andere», von denen eins ein Jnstmann sein soll, werden von sämmtlichcn Landarbeitern und Jnstleute» des Amtes gewählt, die zum Folkelhing wählbar sind.(Die Regierung will die Wahl dieser beiden Mitglieder durch den konservativen Amtsralh.) Sie werden sür 0 Jahre gewählt; jedes zweite Jahr scheidet ei» Mitglied aus. Sie erhallen 6 Krone» Tagegeld und Reisespesen. 2. Um„Land" zu bekommen sind folgende Bedingungen nöthig: ») Heimathsrecht; b) das Alter von mindestens 2E> Jahren und höchstens 50 Jahren; dock sind Ausnahmen statthast;<•) bürgerliche Ehrenhasligkeit; tl) Freiheit von nicht zurückerstatteter Arnienuntcrstntzung; k) smnjährige Thäligkeit als Landarbeiter inkl. der Militärdienstzeit, k) Attest zweier glanbivürdiger Männer über Fleiß, Nüchternheit-, und Sparsamkeit, sodaß man annehmen kann, daß er sich dazu eignet, einen solchen Betrieb zu übernehmen. g) im Gegensatz zur Regierung, welche Anzahlung von>/!> des Werthes, und des Koniaiissionsvorschlages, der Vm des Werlhes fordert, schlägt die Sozialdemokratie vor. daß er nur nachweise» muß, die Zinsen für J/2 Jahr zu besitzen, denn ein Arbeiter kann keine 800, auch keine 400 Kr. ans den Tisch legen. 3. Die Ntegiernng schlägt Ansiedlungen von 3—4 Fuder Land vor, der Ausschuß S'/e— 5 Fuder; beide nehmen einen Werth von 4000 Kr. an, die Sozialdemokratie 4—8 Fuder im Werlhe von 8000 Kr. Die Ansiedelungen niüsse» so gelegen sein, daß die Be- bauer sich gemeinsame Zugkraft anschaffen sowie möglichst aus- gedehnten gemeinschaftlichen Betrieb einführen können. 4. Ferner wird das Erpropriationsrecht verlangt, ivenn kein geeigneter Boden zu habe» ist. k>. Der Landarbeiter stellt durch den Gemeinderath Antrag an die Amtskommission um Ueberlassmig einer Ansiedelung. Der Gemcinderalh attestirt die hinreichende Beschaffenheit der Baulich- leiten. Der Gemeinderath darf nicht(wie im Rcgierungsvorschlag) die Förderung eines Antrages verweigern. Gemeinderath und Anilskommission haben aus gute Beschafseuheit der Wege zu sehen. Die Amtskommissio» geht die Anträge durch und wählt die qualisizirtesten nach der Summe aus, die in diesem Finanzjahr zur Verfügung des Amtes steht. Für Errichtung von Gebäude», Inventar zc. kann»ach Vorschlag des ganzen Ausschiisses Vorschuß gestattet werden. 6. Der Staat giebt eine Nnleihefninme, die dem Werth des ganzen Jiistmaunbelriebes entspricht. Die Anleihe ist unkündbar und nicht zu ainortisiren, so lange die Zlnsiedelung gemäß der Be- stimnuing bewirthschastet wird. Der Ansiedler zahlt jährlich 2 pCt. Abgabe.(Also von 8000 Kr. 120 Kr. pro Jahr.) 7. Es giebt hier im Lande etwa 81 000 Fuder Pfarrhossland. Daher schlägt die Sozialdemokratie vor: Sämmtliches Psarrhofs- land wird innerhalb fünf Jahren«ingezogen mit Ansnahin« von soviel Land, daß jeder Pfarrhof einen entsprechenden Garten behält. Es werden an die Pfarrämter als Eut- schädigung sür das Land jährlich 3 pCt. seines Expropriations- werthes bezahlt. Das so eingezogene Land wird a» Landarbeiter übertragen, die die in dem Gesetz genannten Bedingungen erfülle», nach einein vom Landwirthschaftsminister und de» Amtskoimnissionen ausgearbeiteten Plan. DaS Land wird den Landarbeiter» mit dem Recht übertragen, Genossenschaftsbetrieb nach den für die Genossen- schaslsbetriebe geltenden Regeitz einzuführen. Wen» dieser Betrieb eingeführt wird, gewährt der Staat eine unkündbare und nicht zu amortisirende, aber mit 2 pCt. verzinsliche Anleihe zur Anschaffung des nothigen Betriebsmaterials. 8. Die Ausgaben des Staates betragen(Anleihe und Renten- verlnst) iin ersten Jahr bis 6 155 000 Kr., im zweiten Jahr bis 8 310 000 Kr., im dritten Jahr bis 8 485 000 Kr., im vierten Jahr bis 6 620 000 Kr. und im sünften Jahr bis 8 775 000 Kr. Alsdann wird die jährlich aufzmvendende Summe 775 000 Kr. Dazu kommt noch der Reiitenverlust sür das Kapital zu Be- schaffilng des Betriebsmaterials. Dieses würde etwa 50 000 Kr. für das gesammte Pfarrhossland betragen. Wenn hierzu noch die Verivaltungskosten gerechnet werden, kommen wir auf hoch 1 Million Kr.(für das Militär giebt der dänische Staat alljährlich 18 Millionen aus.) Mit dieser einen Million könnten für 13 000— 20 000 Landarbeiter erträgliche Ver- Hältnisse geschaffen werden. 0. Tie Ansiedelung ist übertragbar, wenn der Uebernehmer in die Verpfiichtungeii des bisherigen Inhabers eintritt. Im Falle des Todes können Söhne, Töchter, Schwiegersöhne n. s. w. oder deren Kinder die Ansiedelung übernehmen, falls sie unbestrast sind, keine Armetz-U»t«rsttitz»ng genoffen haben, die nicht zurückbezahlt wurde, und sich Zeugniß über Fleiß, Nüchternheit und Sparsamkeit ver- schaffen können. Dieser Antrag und der Ausschußbericht, über den wir in der Sonntagsiiununer(unter Korrespondenzen: Kopenhagen) berichtet haben, steht gcgenivärtig im Folkelhing zur ziveiten Berathung. lieber die Verhandlungen wird uns geschrieben: Zuerst erhielt der Wortführer der Mehrzahl des Ausschusses Pederse» das Wort. Er bedauerte, daß Jensen namens der Sozial- deniokratie zum Schluß einen so umfangreichen Aendernngsvorschlag gestellt habe. Im übrigen befürwortete er die Beschlüsse der Ausschußmehrheit. Nach ihm erhielt als Vertreter der s o; i a l d e m o k r a t i- s ch e n Fraktion der Abg. I e» f e» das Wort: Er ivandte sich zuerst gegen Pedersen, der noch im Dezember vorigen Jahres für die Errichtung von Ansiedelungen zu drei Kühen gewesen sei und uu» seine Meinung so geändert habe. Alsdann besürworlete er in langer Rede die oben mitgetheilten Anträge der Sozialdemokratie. Seine» Antrag habe er absichtlich erst so spät gestellt. Er fürchtete durch ein zu frühes Dazwischentreten zn hindern, daß über- Haupt etwas geschaffen würde. Erst als der Mehrheitsbeschluß und auch die Aendeningsvorschläge der Opposition vorlagen, konnte er mit seinem Antrag ohne Gefahr koniinen. Sein Antrag soll nur zeige», wie sich die Sozialdemokratie die praktische Lösung dieser Frage denkt. Die Arbeit der Wisiedeliliigskoninussio» war unbrauchbar»nd der Enlrvnrf der Regierung ebenfalls zu reaktionär, der Parlanientsansschuß hat Brauchbareres geleistet. Der Hanptiniter- schied zwischen seinem Antrag utzd dein Mehrheitsbeschluß des Aus« schusses sei solgender: dieser wolle kleine selbständige Besitzer schaffen, nach seinem Antrag wird das Land Staatseigenthn in; aber die Bebauer könnten auskömmliche Verhältnisse haben. Für den Ansiedler ist es gleich, ob er Besitzer oder nur Bebaner des Landes ist, wenn auf ihm nur nicht so große Ver- pflichtuiigeu ruhen. Wenn der Ansiedler hauptsächlich auf Außen- arbeit angewiesen ist, wird er seinen Hos vernachlässigen; aber wenn dieser ihm allein fein gutes Auskommen sichern kann, wird er ihn heben und fördern. Im übrigen wies Jensen aus die Bortheile der Beriverthnng des Pfarrhoflandes und des Genoffenschaftsbetriebes Beramwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Ins hin. Die Mehrzahl will nur 5000 Landarbciterheime schaffen, wir aber 15 000—20 000. aus denen eine Jugend hervorgehen wird, die dem Laude zum Nutzen und zur Förderung sein wird. Erwähnung verdienen noch die Reden der Vertreter der Rechten Graf Reventloiv und Gutsbesitzer Christiansen, die daran festhalten, daß durch das Gesetz seßhafte Arbeiter für den Großgrundbesitz geschaffen werden müßte». D e r L a n d w i r t h s ch a f t s m i n i st e r meinte, daß die An- träge der Ausschubmehrheit annehmbar seien, nur sei die Herab- setzung der Anzahlnng bedenklich. Daher müßte man anfangs nur wenige in das neugeschaffene„Dorado" hineinlassen, bis man erst Erfahrungen gesammelt hätte. Für die Expropriation könne er nicht eintreten, ebenso wenig für die von der Minderheit verlangte Größe der Ansiedelunge».— Nach längerer weiterer Debatte wurde zur Abstimmung ge- schritten. Der Vorschlag der Alisschiißinehrheit wurde angenommen. Der Antrag der Sozialdemokratie wurde mit 82 gegen II Slimmen, worunter 2 Radikale, abgelehnt. Der Antrag der radikalen Minder- heil wurde mit 49 gegen 23 Stimmen abgelehnt; dagegen wurde der Antrag auf Gewährung des Exproprialionsrechts mit 53 gegen 17 Sliinmcn nngeiionimen. Bramsen's Antrag auf Erhöhung der Anznhlnngssnmme auf 800 Kr. wurde mit allen gegen 8 Stimmen verworfen.— Spanien. — Die Schwierigkeiten, in denen sich die spanische Regierung befindet, mehren sich von Tag zu Tag. Dem Madrider Blatte..Jmparcial" zufolge verlangte General Polavicja für die Philippinen Verstärkungen in der Höhe von 20 000 Mann. Die Regierung antivortete, es sei unmöglich, diesem Wunsche nach- znkonnnen, weil hier Gefahr drohe von Seiten der Karlisten, deren Erhebling nahe bevorstehe.— Bei der GcwcrbcgerichtSwahl in dem sächsischen Bezirk L i ni b a ch wurden in der Klasse der Arbeitervertreter die sozial- demokratischen Kandidaten mit 362 Slimmen gegen 54 Stimmen der Gegner gewählt. Die Parteigeuvsse» werden geinarnt vor einem Kaufman» Emil W i e d e ni a ii n. Der betreffende versucht unter falsche» Angaben in der Partei und Gewerkschaft Unterstützmigen zu er- langen. Besonders beruft er sich auf seine politische Thäligkeit in Falkenstein i. B. und giebt an, in der Freien Vereinigung der Kaujlcute in Stuttgart sich rege betheiligt zu haben. Diese Angaben sind unrichtig. Warnung! Der Handelsmann und frühere Bademeister Fritz H e i I m a n n- L e u l e r i h ist mit Hinterlassung zahl- reicher Schulden ans Dresden verschwunden. Leuleritz war Mitglied des sozialdemokratischen Vereins Dresden-A. und hat diesen Umstand benutzt, zahlreiche Parteigenossen um Geld zu betrügen. Leutcritz, der sich gern als wohlunterrichtet in Partei-Augelegenheilen aufspielt, soll nach der Schweiz geflüchtet sein. Mögen sich die Ge- »offen vor dem Schwindler in Acht nehmen. Todtcnliste der Partei. In Nürnberg ist der Pinsel- niacher Peter Schabdach, langjähriges Mitglied des Wahl- Vereins, aus dem Leben geschieden. Polizeiliches» Gerichtliches tc. — In Breslau wurde der Parteigenoffe Gerhard, früherer verantwortlicher Redakteur der„Volksmacht", zn 1 Monat Ge- fängniß vernrtheill, weil er durch Veröffentlichiing des Berichts über eine Formerverfaninilung, wo die Gewerbe-Jnspektore» kritisirt worden waren, den Gewerbe-Jnspcktor K n o l I beleidigt haben soll. — Das Landgericht in Gera verprtheilte am 3. Dezember v. I. die Konditoren Pietschmann und Kuppke, sowie die Arbeiter Rädel und Schüler und die Arbeiterin Leistner, auf grund ihrer Zeugen- aussagen in de» Prozessen Steinert wider die„ R e u ß i s ch e Tribüne" wegen fahrlässigen Falscheides zu Gesängnißstrafe. Das llicichsgericht hat jetzt das vcrurtheilende Erkenmniß aufgehoben und die Sache zu nochmaliger Verhandlung an die Vortnstanz zurück- verwiese». Gemerkschaf kliches. Berlin und Umgebung. Achtung, Bauarbeiter! Hiermit werden alle diejenigen, welche noch im Besitze von Diäterial sind, welches sie von dem ver- storbenen Kollegen Paul Schröder empfangen haben, aufgefordert, fo schnell wie möglich dasselbe an den Unterzeichneten oder am Sonntag, den 7. d. M., in der Versammlung Jnselstr. 10 abzuliefern. Die Loh n ko m Mission. F. A. Karl Deredder, Falcken- steinstraße 17, v. 3 Tr. Achtung, Glasschleifer! Der Streik in der Glasschleiferei von D i t l in a n n. Brandenburgstr. 8, ist ausgehoben. Der B e- a u f t r a g t e. Tie Schneider sprachen sich in einer Versammlung am Diens- tag Abend sür die Versicher ungspslicht der Haus- industriellen ans, soweit diese nicht ein Einkommen von mehr als 2000 M. erreichen. Ter Streik in der Kiichenmöbel- Fabrik von Reetz in W e i ß e n s e e ist mit theilweiseni Erfolg der Arbeiter beendet. Bei Schrieger werden die Unterhandlungen voraussichtlich ebenfalls zu glliiste« der Arbeiter zn Ende geführt werden. Deutsches Reich. lieber de« gi'iustigr» Ausfall der Lohnbewegung der Maurer und Z i m IN e r e r L ü b e ck s, worüber im„Vorwärts" schon berichtet wulde, theilt die„Bieckleuburgische Volksztg." näheres mit. Danach wurde zwischen den Lohnkommissioneii der Maurer und Zimmerer einerseits und der Innung der Bauhütte sowie dem Bunde der Maurer- und Zimmermeister anderseits folgendes ver- einbart: Vom I. April an ist die Arbeitszeit 8>/s stündig und um 6 Uhr wird Feierabend gemacht; der bisherige Lohn wird nicht gekürzt; vom 1. März an fällt die Vesperpause aus und dafür wird die Mittagspause auf 2 Stunden verlängert. Bisher war die Arbeitszeil zehnstündig und der Feierabend trat um 7 Uhr ein. Die Arbeiter forderten den Neunstundentag unter Bei- beHaltung des bisherigen Lohnes, haben also etwas nachgegeben, aber dafür einen Erfolg ohne Streik«rriingen, was um so mehr be- deuten will, als die Unternehmer gütliche Vereinbarungen in der Regel besser einhalten, als Zugeständnisse, die ihnen im Wege des Streiks abgetrotzt wurden. Tie Lohuherabsetzuug, die den Feilenhauern in der Fabrik von A. K r a f s t in H a m b u r g- E i l b e ck auf 1. April angekündigt war, ist z u r ü ck g e n o m m e n wordem Große Opferwilligkeit hat gegenüber ansivärtigen Streiks der letzte» Zeit auch die Arbeiterschaft Magdeburgs bewiesen. Die Summen, die allein die Expedition der„Volksstimnie" an Streikende hat absenden können, betragen insgesanimt 25 900 M. Davon bekamen die Hamburger Hafenarbeiter 24 300 M.. das streikende Personal des Thiel'schen Emaillirwerks in Lübeck 200 M. und die Weißenfelser Schuhmacher 900 M. In Rudolstadt i. Th. wurde am Sonntag im Lokal zur Guten Quelle eine von den Buchdruckern arrangirie Versamm- lung abgehalten, wo der Redakteur des Fachblatles„Correspondent", Buchdrucker Rexhänser aus Leipzig, über das Thema sprach: „Die Lage der Arbeiter". Am selbe» Tage traf beim Wirlh der Guten Quelle ein vom 27. Februar datirtes Schreiben ein, ivorin das G a r n i s o n- K o m m a n d o dem Wirth mittheilte,„daß es heute den Unterosfiziereii und Mannschaften der Garniso» den Besuch Ihres Restaurants bis auf weiteres verboten hat". Das„Saalselder Volksblatt" schreibt hierzu:„Es ist doch wirklich wunderbar, welch' feudalen Abscheu die Militärverwaltung bezeigt, wenn Arbeiter zu einer Besprechung in einem Lokale sich zusamiuenfinden. Es wäre thatsächlich wünschenswerth, daß man andererseits denselben Ab- scheu auch gegenüber den Sleuergroschen der Arbeiter hätte." natentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlui. Tnul und Verlag von I« Reha» in Obersranken kündigten in der B u n t w e b e r e i von A. H o f m a n n alle Weber bis ans vier alte Leute, weil der Geschäftsinhaber die ohnehin niedrigen Löhne noch herabsetzte. Die Textilarbeiter werden dringend ersucht, den Zuzug nach Erlangen z n unterlassen. Am 24. Februar legten dort die Fleyerinnen und Streckerinnen die Arbeit ivegen einer bedeutenden Herabsetzung des Lohnes nieder. Als sie nicht zur Arbeit zurückkehrten, wurden am 26. Februar alle Arbeiter und Arbeiteriunen, die weiter gearbeitet hatten, ausgesperrt. Das Gewerbegericht suchte zu vermitteln. In der öffentlichen Textilarbeiter- Versammlung am 28. Februar lehnten aber die Fleyerinnen seinen Einigungsvorschlag ab, weil sie durch denselben nichts gewännen, sondern auch noch Schaden hätten. Näheres durch Emil Weil in Erlangen, Nürnbergerstr. 65. Das Streiks k o ni i t e e. In Spcier haben 14 B r a u e r e i- A rb e i t e r der Bier- brauerei- Gesellschaft S chwartz die Arbeit niedergelegt, weil wieder ein Kamerad wegen„agitatorischer Umtriebe im Geschäft" entlassen worden war. Ausland. Französische Streiks im Januar 18S7. Nach den Mit- theilunge» des Arbeitsamts sind im Januar 16 Streiks und 3 Aus- sperrungen vorgekommen. Die bei 15 Streiks ermittelte Zahl der Streikenden beläusl sich auf 998. Im Jnnilnr vorigen Jahres zählte ma» dagegen 39 Streiks mit 2675 Streikenden. Die durch- fchnittliche Streikzahl für denselbe» Monat in den vier letzten Jahren betrug ebenfalls 39. Die Ursachen der 18 Streiks im Januar 1397 waren: in 6 Fällen Forderung einer Lohnerhöhuug. i» 2 Fälle» Widerstand gegen Lohnherabsetzung, in I Fall Forderung der Vereinheitlichung des Tarifs in der Tüllindustrie von Pas-de>Calais, in 3 Fällen Beschwerden gegen die Arbeitsordnung, in 2 Fällen Forderung der Entlassung des Direktors bezw. auch von zwei aus- ländifchen Arbeitern und in einem Fall Widerstand gegen Ein- sührung des Stücklohnes.— Von den beendeten 16 Streiks ver- liefen 3 erfolgreich, 4 endeten mit einem Ausgleich und 9 mit einer Niederlage. Die drei Aussperrungen sind ganz eigenartiger Natur. Sie wurden von einem Gerbereibesitzer und den Bäckermeistern von zwei Städten verhängt nicht wegen irgendwelcher Arbeiter- sordernngen, sondern um die Erhöhung der Gemeiudesteiier beziehentlich die Anwendung der gesetzlichen Brottaxe rückgängig zn machen. Der Gerber erreichte nach 4 Tagen einen Ausgleich, die Bäcker unterlagen in einem Falle, der Ausgang der zweiten Bäcker- Aussperrung ist unbekannt. Brüsseler Gasarbeiterstreik. Gendarmerie. Polizei, ja selbst Truppen sind ausgeboten worden, um die Gasanstalten vor etwaigen Angriffen der Streikende» zu sicher». Daß der Streik wirkt, sieht man an der traurigen Beleuchtung Brüssels. Nur ein Theil der Gaslaterne» wird augezündet und der private Konsum von Gas ist aufs möglichste beschränkt. Die wenigen angeivorbenen Streik- brecher sind außer stände, die schwere Arbeit der alten, geübten Arbeiter richtig auszuführen. Unkernehmev�Vevbiinde. Auf deu Berein Lübecker Möbclfabrikanteu nnd ver- wandter Holzbcarbcituugs- Betriebe paßt das Wort: Die Heuchelei ist der Tribut, den das Laster der Tugend zollt. Er sagt in Z 1 seiner Satzungen:„Keineswegs beabsichtigt der Verein durch eine gemeinsamen Bestrebungen die Interessen der Arbeitnehmer zu be« einträchtigen", in§ 8 aber heißt es nicht nur, daß die streikenden oder ausgesperrten Arbeiter der dem Verein angehörenden Fabrikanten vor Beendigung des Streiks oder der Aussperrung von keinem Vereinsmitglied eingestellt werden dürfen, sondern jedes Mitglied wird auch verpflichtet, keinen Arbeiter in Arbeit zu nehmen, der nicht eine Bescheinigung seines letzten Prinzipals vorgelegt hat, des Inhalts, daß er von diesem ordnungsmäßig entlassen worden ist. Das nennt der genannte Fabrikantenverein, die Interessen der Arbeiter nicht beeinträchtigen!— Zum Schluß der Satzungen heißt es:„Im übrigen sind in allen in diese» Statuten nicht bezeichnete» Fällen die Statuten sowie der Schieds- spruch des Arbeilgeberverbandes zu Lübeck maßgebend." Diese Stelle ist insofern von besonderem Interesse, als das Amtsblatt von Lübeck sich erst kürzlich noch gedrungen fühlte, zu bestreiten, daß der Lübecker Arbeitgeberverband, der nach dein Hamburger Muster errichtet ist, zu stände gekommen sei. Die Bichkommissionäre in Hamburg- Altona beschlossen, eine Schweine-Engrosschlächterei aus Aktien zu gründen, Sozietfrs. Als arbeitsscheue Leute werde» von den Wo.lsührern der „höheren" Gesellschastsklassen gewohnheitsmäßig die Arbeiter be- zeichnet, die von Ort zu Ort wandern müssen, um sich ihr Brot zu suchen, das sie daheim nicht mehr fanden. Jetzt müssen selbst sächsische Amtsblätter zugeben, daß die sogenannle Bagabondage ihre Haiiptquelle im Arbeitsmangel hat, daß sie mit diesem zu- oder abnimmt. Ein Amtsblatt nach dem andern druckt folgende Noliz ab: „Ter stetige Rückgang der Bagabondage in Sachsen ist ein er» freuliches Zeichen für die erhebliche und anhallende Besserung unserer loirthschaftlichen Verhältnisse. Daß von Jahr zu Jahr eine ver- mehrte Arbeitsgelegenheit geboten wird. ersieht man ans dem Rückgange der Frequenz der Herbergen. In den 57 sächsischen Herbergen zur Heimath haben im Jahre 1893 »och 417 307, 1894 338 299, 1895 207 084 und 1896 nur 184 216 Durchreisende ein Nachtquartier iiachgesuckt und solches erhallen." — Na also, fragt unser Bnrgstädler Bruderorga», die„Volks- stimme", warum geht es denn jetzt mit dem Bekenntniß, daß nicht Arbeiis scheu, sondern mangelnde Arbeitsgelegenheit Vngabouden groß zieht? Nur immer hübsch der Wahrheit die Ehre!— Deztesttzen und lehke ZTachviihken. Rom, 3. März.(Meldung der„Agenzia Stefani".) Dem Ver- nehmen nach wird morgen das Dekret veröffeiulicht, durch welches die Kammer ausgelöst wird und die Neuwahlen auf den 21. März, die Slichivahlen auf den 23. März festgesetzt werden. Konstautinopcl, 3. März.(Wien. Telegr.-C.-B.) Die gestern überreichte KoUeklivuote der Mächte erklärt, daß die Mächte, von dein Wunsche beseelt, die Integrität der Türkei zu erhalten, die Wiederherstellung der Ordnung in Kreta beschlossen haben. Indem die Mächte erklären, daß infolge der Verzögerung die Ausführung des vorjährigen Arraiigenients nicht niehr de» Ver- hältniffe» entspreche. haben sich dieselben in der Ansicht geeinigt, daß K:eta die Autonomie gewährt werden müsse. Gleichzeitig wird die an Griechenland gerichtete Somination angezeigt. Athen, 3. Februar.(W. T. B.) Di« Blätter sprechen einstimmig für eine Politik des Widerstandes ans. Die halbamtliche„Proca" sagt:„Wir sehen»icht ein, wes»' halb ein griechisch-türkischer Krieg den Frieden Europas bedrohen würde. Wir verlangen von Europa»nr Gerechtigkeit nnd machen im Boraus darauf aufnicrksam, daß im Falle einer neuen Ungerechtigkeit gegen den Hellenismus, der Friede unmöglich sein würde."______ Rar Babing in Berlin. Hierzu 1 Beilage u. Unterhaltnvgsblatt Nr. SS. u.mm. DeilM des„Amllck" Kerliner AldsbIM N-Mri>»g.t.Wri l8S7. Die Nusdehttttttg dev MvNnken� vvvfichovttng nufdiv ÄZausinduPtvie« Am 21. Dezember vorigen Jahres faßte die Berliner Gewerbe- deputation einen sozialpolitisch bedeutsamen Beschluß. Sie schlug dein Magistrat und der Stadtverordneten- Versammlung vor, die Krankenversicherungspflicht auf die Berliner Hausindustriellen und Haudlungsgehilsen, sowie ans alle Personen, die in Koinmunalbetrieben und im Kommunaldieufte Berlins beschäftigt sind, auszudehnen. Der einstimmig gefaßte Beschluß der Geiverbedeputatio», die bekanntlich aus Magistralsinitgliedern, Stadtverordneten und Bürgerdeputirten besteht, wird, nach Mittheilungen zu schließen, die den belheiligte» Unternehmer» geworden sind, in den nächsten Tagen in dem Stadt- verordneten-Kollegium zur Verhandlung kommen. Gegen die Versicherungspflicht der Hausindustriellen wende» sich die interessirten Unterchmer mit besonderer Energie, allen voran die reichen Unternehmer der Berliner Konfektion. Freilich, in den Versammlunge» der Interessenten wurde betont, daß man sich nicht gegen die Versicherung an sich wende, sondern nur gegen die Ausführung derselbe», wie sie in einer eingehenden Begründung der Gcwerbedeputation vorgeschlagen ist. In der Praxis lause» iudeß die Vorschläge der Unternehmer darauf hinaus, sich von den Verpflichtungen der Versicherung möglichst zu drücke». Denn was heißt es anders, wenn Herr Manheimer sich in einer Ver- sanuutung der Danieninäntel- Konfektionäre dahin resumirt:„Eine Zwangsversicherung für die Heimarbeiter halte ich für wüuschens- Werth.... Eine Zwangsversicherung der Hausindustriellen mit einem Einkommen von unter 1S00 M. halle ich für schädlich und ruinös." Tie vielumstrittene Frage Heimarbeiter oder Hausindustrieller ist es doch, welche zu der beabsichtigten Maßnahme drängt. Die ge- trennte Behandlung beider Schichten, oder besser ausgedrückt beider Begriffe, denn rvirthschasllich genommen, ist es eine gleiche Schicht, hat bisher zu einem Wirrwarr geführt, der in der Begründung der Gewerbedepntation des Magistrats treffend beleuchtet wird. Ursprünglich hatte das Krankenversicherungs-Gesetz nur die- jeuige» Arbeiter dem Aersicherungszwange unterstellt, welche in der Betriebsstätte ihres Arbeitgebers beschäftigt wurde». Durch die Novelle vom 10. April 1892 wurden indessen auch die von Gewerbetreibende» außerhalb ihrer Betriebsstätten beschäftigten Arbeiter, die sogenannten „Heimarbeiter", sdem gesetzlichen Vcrsicheruugszwange unterstellt. Damit wurde bei den sehr verschiedenartigen Umständen, nuter denen eine Person für einen Gewerbetreibenden außerhalb seiner Betriebs- stätte thätig sei» kann, eine große Zahl von Streitsülle» darüber geschaffen, ob eine solche Person als Heimarbeiter oder Hausindustrieller anzusehen und deshalb versicherungspflichtig sei oder nicht. Hierbei standen sich ziemlich unvermittelte Anschauungen gegen- über. Das Ober-Verwaltungsgericht z. B. hebt in einer Enischei- dung als besonderes Merkmal der Hausindustriellen ihre persönliche Unabhängigkeit dem Arbeitgeber gegenüber und ihre größere Freiheit in der Gestaltung des Arbeitsverhältnisses hervor. Bei dieser Auffassung werde» zahlreiche außerhalb der Betriebs- werkstätte des Arbeitgebers für ihn thätige Personen als Haus- industrielle angesehen. Von anderer Seite wird dagegen mehr Ge- wicht auf den Entwickelungsgang der Hausindustriellen gelegt,' und die Erwägung, daß dieselben meist ursprünglich Werkstattarbeiter wareu und daß sie auch nach ihrem Ausscheiden aus der Werkstatt in ihre» wirthschafllichen Verhältnissen den Arbeitern näher stehen als den selbständigen Gewerbetreibenden, führte dann dazu, i» ihnen Heimarbeiter zu sehen. Noch ein Moment der schlimmen Wirkungen für die so lästige Streitfrage über„Heimarbeiter" oder„Haus- industrie" wird in dem Bericht der Gewerbedeputation aufgeführt. Die zahlreichen Ansprüche, die die Armendirektion gegen die Krankenkassen geltend niacht, werden im Streitfälle von den Verioaltungsgerichten entschieden und von diesen ist der hiesige Bezirksausschuß sehr geneigt, zu gunsten der Versicherungspflicht zu entscheiden und demgemäß die Kasse» zur Zahlung der Unterstützung zu verurtheilen. Wenn dann aber dieKasse» nach einer solchen Entscheidung vom Arbeitgeber der unterstütztenPersonBeiträge einziehe» wollen, stoßen sie in der Regel auf Widerstand und sind dann zur Verfolgung ihrer Ansprüche— nach einer Vorentscheidung der Gewerbe- deputation— aus de» ordentliche» Rechtsweg angewiesen. Auf diesem Instanzenwege ist aber mehr Neigung vorhanden, die Ver- sicheruugspfiicht zu verneinen. So kommt es, daß die Kasse» häufig in derselben Sache vom Verwaltnngsgerichte verurtheilt werde», Unterstützungen zu gewähre», vom ordentlichen Gerichte aber mit ihrem Ansprüche auf Beiträge abgewiesen iverdeu. Um diesen Wirrwarr zu beseitigen und damit einer großen Kategorie lheilwcise unter den erbärmlichsten Verhällniffen lebender Arbeiter der Krankenversicherung zuzuführen, ist die Aus- dehnung der Krankenversicherung auf die gesaunnte Haus- industrie in dem von dem Krankenversicherungs-Gesetz zugelassenen vollen Umfang eine dringende Nothwendigkeit. Soweit geht die Gewerbedepntation iudeß nicht; sie will nur diejenigen Hausindustriellen versicherungspflichtig machen, die nach § 7 des Gewcrbesteuer-Gesetzes vom 24. Juni 1891 von der Gewerbe- steuer befreit sind, die also tvcniger als 1M0 M. Einkommen aus ihrem Gewerbe beziehen. Mag diese Maßnahme aus technischen Gründe» zur besseren Kontrolle der Krankeuversicherungspflichtigen gerecht- fertigt erscheinen, aus ivirlhschastlichen Gründen ist sie entschiede» zu verwerfen. Das Netto-Einkommen der gedachten Personen stellt sich bedeutend geringer und wurde die Bestimmung in der Form angenommen, so werden andererseits die leistungsfähigere» Hausindustriellen von der Beitragspflicht entbunden und dadurch die Krankeukasse» nicht unwesentlich geschädigt. Wen» aus technische» Gründen nicht angängig erscheint, die Grenze auf 2i)(X) M. zu erhöben, so sollte man in Erwägung ziehen, ob die Haus- industrie nicht ohne Rücksicht auf das Einkommen der einzelnen Hausindustriellen im vollen Umfange der Versichernugspflicht zu unterstellen sei. Schon der Grund spricht dafür, daß die bctheiligle» Unternehmer planen, keine versicherungspflichtigen Haus- arbeiter zu beschäftigen. Eine bemerkenswerthe Bestimmung in dem Entwurf des Ortsstatuts will als Arbeitgeber der Hausindustriellen, die selbst wieder versicherungspflichtige Personen beschäftigen, de» Geschäftsinhaber, für dessen Betrieb dieselbe» arbeiten, ansehen. Eine sehr klare, eingehende Begründung erläutert die sachgemäße Durchführung dieser Bestimmung. Daß die Unternehmer der Hausindustrie, die bisher noch gar keine Laste» der sozialpolitischen Gesetzgebung getragen haben, selbst gegen diese winzige» Verpflichtungen sich wehre», läßt stch denken; ihre Einwendungen bedürfe» aber kaum einer ernsthaslen Erwägung, weil mit der Durchführung der vorgeschlagenen Bestimmungen nur eine selbstverständliche soziale Pflicht übernommen wird. Die Dage in Hamburg Unser Korrespondent schreibt: Die s ch w a r z e» S ch a u e r- l e u l e haben Dienstag Abend in einer stark besuchten Versammlung beschlossen, den Revers auch so, wie er am Montag auf Vorschlag der Senalskommissio» abgeändert und wie er in der gestrigen Nummer des„Vorwärts" abgedruckt ist. unter keinen Um- ständen zu unterschreiben. Der Beschluß wu rde ein- stimmig gefaßt und auch nicht ein einziger Redner sprach für den Vorschlag der Senatskommissio». Alle waren der Ansicht, daß die Jmpocteure es sich völlig genügen lassen könnten, wenn die Arbeiter ihr Ehrenwort gebe» würde», während der Dauer der Verhandlungen mit der Scnatskomniission in einen partiellen Streik nicht einzulreten. Die Arbeiter würden ihr Wort halten, und zwar ohne den lllevcrs unterschrieben zu haben. Die Arbeiter halten es für eine Entwürdigung, wenn man an sie die Zumuthung stellt, daß sie schriftlich bescheinigen sollen, billiger arbeiten zu wollen, als sie es vor dem Streik nöthig hatten. Es genüge, daß billiger ge- arbeitet werden müßte, bis die Verhältnisse durch die Senatsver- Handlungen geregelt sind. Der Beschluß der Versammlung ist Mitt- woch Vormittag der Senatskommission unterbreitet worden. Eine Aeußerung derselben liegt bis jetzt noch nicht vor, bei der Bedeutung der Sache wird die Senatskommission aber wohl Stellung dazu nehmen. Eingestellt wurden die schwarzen Schauerleute an» Mittwoch Morgen, soweit Arbeit vorhanden war, ausnahmslos. Vor Schluß des Blattes wird uns telegraphisch gemeldet, daß die S e n a t s k o m in i s s i o n zur Schlichtung der Differenzen zwischen den schwarzen Schau erleuten und den Kohlen- Importeuren aus den ö. März eine gemeinsame Sitzung von Vertretern der beiden Parteien anberaumt und die Kohlen-Jmporteure gebeten hat, bis zum Schluß dieser Sitzung auf der Unterzeichnung des Reverses nicht zu b e st e h e n._ UMales. Zur Lokalliste. Die Säle imGrandHotel Alexander« platz sind zu Versammlungen frei. Ten Vereinen u. s. w. steht bei Veranstaltungen von Vergnügen u. s. w. nichts mehr im Wege. Die Lokalkoinmission. I. A.: Osk. Mahle. Sozialdemokratischer Verein„Vorwärts" Berlin. Die Mitglieder werden auf das am 8. März stattfindende Stiftungsfest anfmerksant gemacht und gebeten, sich vorher mit Eintrittskarten zu versehen, da Abendkasse nicht stattfindet. In folgenden Lokalen (Zahlstellen) werden jederzeit neue Mitglieder aufgenommen und sind Billets zum Siiftnngsfeste zu haben: P. A n d e r s, Buttmann- straße 17. Otto Bachgänger, Swinemünderstraße 96. H. Borchert, Hussitenslrabe 18. M. F a b er. Stephan- straße 11. W. Gieshoit, Boyeustr. 40. F. Gleinert, Müllerstr. 7a. H a f e r l a n d t, Bellermannstr. 87. Heising, Schulstr. 114. G. He rr m«im, Putbuserstr. 45. Hilgen- seid, Bergstr. 69. Köhler, Kalviustr. 11. Klietmann, Brunnenstr. 162. Lietzke, Schwedterstr. 33. Pfarr, Putlitz- straße(Ecke Salzwedlerstraße). R a m l o w, Schönhauser Allee 135. Raschle, Hochftr. 32. Rens er, Beuffelstr. 24. R o s i n, Ruppinerstr. 42. E. Schmidt, Tresckowstr. 24. Schmidt, Küslinerstr. 2. T a u s ch e l, Grenzstr. 4. Neber die Bewegung der Bevölkerung Berlins im Jahre 188« theilt das Berliner„Statistische Amt" als vor- läufiges Ergebn iß folgendes mit.(Wir sügen zur Ver- gleichung die endgilligen Zahlen von 1895 in Klammern bei«) Geboren wurden 25 694(24 969) männliche, 24 357(23 837) weibliche, zusammen 59 651(48 396) Kinder, darunter 7642(7972) außereheliche, und zwar lebend 43 319(47 154), darunter 7229(6795) außereheliche, t o d t 1741(1652), darunter 422(367) außereheliche. Es starben(ohne Todtgeborene) 16 218(17 779) männliche, 14 369(15 357) weibliche, zu- sainnieii 39 578(33 627) Personen. Hiervon waren 19 952 (11731) Kinder unter 1 Jahr, darunter 2525(2695) außereheliche. Der U e b e r s ch u ß der Geborenen über die Ge- storbenen betrug 17 732(13 527). Als zugezogen wurden 121 997(119 328) männliche, 97 883(99 654) weibliche, zusammen 218 989(299 982) Personen, als fortgezogen 99 992(85 453) männliche, 75 951(74 975) weibliche, zusammen 166 943(169 428) Personen gemeldet. Zu den Fortzügen ist für verinuthlich unterlassene Meldungen ein Zuschlag von 32 491(31 199) zu machen, sodaß die wirkliche Zahl der Fortgezogenen mit insgesauimt 199 434(191 523) anzunehmen ist. Dann betrug der Ueberschuß der Zugezogenen überdie Fortgezogenen 19 548(9454). Der Bevölkerungszuwachs durch Geburten- und Wanderungsüberschuß stellte sich auf 37 289 (22 931). Die fortgeschriebene Bevölkerung wurde für Ende 1895 mit 1 678 697 angenommen, muß also— nach Addition deZ Zuwachses von 1896— für Ende 1896 mit 1715 977 angenommen werden. Die mittlere Bevölkerungszahl berechnet sich für 1396(beziehungsweise 1895) auf 1 695 726 (1669 995). Im Vergleich zu dieser Zahl wareu: die Lebendgeborenen 23,49(28,39) pro Mille, die Todtgeborenen 1,93 (9,99), die Geborenen überhaupt 29,52(29,38), die Gestorbenen (ohne Todtgeborene) 18,93(29,25), der Geburtenüberschuß 19,46(8,14), die Zugezogenen 129,14(121,99), die Fortgezogenen einschließlich Zuschlag 117,61(115,31), der Wanderungsüberschuß 11,53(5,69) und der Bevölkerungszuwachs 21,99(13,33) pro Mille. Die be- trächtliche Erhöhung des Bevölkerungszuwachses ist in erster Linie der durch stärkeren Zuzug bewirkten Erhöhung des Wanderungs- Überschusses zu danken, in zweiter Linie der Erhöhung des Geburten- Überschusses, die aber viel mehr durch einen Rückgang der Sterbe- ziffer als durch die nur ganz unbedeutende Zunahme der Geburten- zifser zu stände gekommen ist. Tie Uebcrfüllnug der städtischeu Krankeuhänser, die noch in den vorjährigen Berichten der Krankenhaus-Deputatioii mit den genauen Zahlen der wegen Platzmangel Abgewiesenen belegt wurde, wird in den neueste» Berichten(über 1895/96) kaum berührt. (Stur im Bericht über das Krankenhaus am Urban wird ganz neben- bei erwähnt, daß infolge bedeutender Zunahme der Scharlach- Erkrankungen die Anstalt„zeilweise dem Andränge nicht genügen konnte".) In dein besonderen Nachwort, das die Deputation ihren Einzelberichten über die drei Anstalleu(Friedrichshain, Moabit, Urban) beigegeben hat, wird sogar erklärt, daß zur Eröffnung der Hilfs- krankenstation(im früheren Frautu-Siechenhaus, Gilschinerslr.), die die drei Hauptanstalten entlasten soll, 1895/96 noch kein Bedürsniß vorgelegen habe. Trotzdem ist kaum aiizunehmen, daß der Platzmangel in den städtischen Krankenhäusern im Berichtsjahr weniger fühlbar gewesen sei. Die Zahl der im Durchschnitt pro Tag Verpflegten ist nämlich von 1894/95 zu 1895/96 noch weiter ge- stiegen, in der Anstalt am Friedrichshain von 639 auf 663, in Moabit von 618 auf 631, am Urban von 541 auf 533, zusammen von 1798 auf 1882. In dieser Zeit hat aber keine Vermehrung der Bettenzahl stattgesunden.(Der Erweiterungsbau der Anstalt Moabit mit 192 Bette» wurde erst in 1896/97 in Benutzung genommen.) Inzwischen hat man sich damit zu helfen versucht, baß man die Ausnahme von Vorortbewohnerii erschwert. Die Kiankenhaus-Deputation begründet diese Maßregel mit der nolhwendigen Rücksicht auf die in Berlin ortsangehörigen Kranken. Fragt sich nur, wieviele von den in die Berliner Kraukenhäuser ein- gelieferten Vorortbewohnerii in Berlin in Arbeil gestanden haben und hier krank geworden oder verunglückt sind. Wenigstens diesen Aufnahniesuchenden sollte man bedingungslos denselben, zwar nicht rechtlich, aber moralisch be- gründeten Anspruch ans Ausnahme zubilligen, wie den in Berlin ortsangehörigen Kranken. Die öffentlichen Krankenhäuser werden ja doch vorwiegend von Arbeitern aufgesucht. Für diese kommt es aber nicht darauf an, wo sie wohnen und Steuern zahlen, sondern wo sie arbeiten. Sie tragen mit ihrer Arbeit, mit dem Schweiße, den sie hier lassen, mehr zum Wohlstände der Stadt Berlin bei, als wenn sie hier nur Steuern zahlten. Ei» Verein Freie Volksbühne soll wiederum ins Leben gerufen werden. Wie uns mitgetheilc wird, gedenken einige Freunde einer solchen Vereinigung im Lause der nächsten Woche einer öffentlichen Versammlung dahin gehende Vorschläge zu unterbreiten. Die seinerzeit über die Freie Volksbühne verhängte Zensur hat Veranlassung gegeben, bei den neuen Vorschlägen für ein Statut den Begriff des Vereins strenger zu fassen. um der Behörde das Einspruchsrecht zu entziehe». Zu den patriotischen Schulfeiern, die für den März in Aus- ficht stehen, ist ein urtheil des Elberselder Landgerichts vom 6. August v. I. bemerkenswerth, durch welches ein Vater, dessen Kind die Schulfeier zu Kaisers Geburtstag nicht besucht hatte, gerichtlich bestraft wurde. Durch das Schöffengericht war Frei- sprechung erfolgt. Das Landgericht aber ließ sich in seinem Urtheil folgendermaßen aus: „Der Vorderrichter legt den Begriff der Lehrstuuden, deren regelmäßiger Besuch durch die Kabinetsordre vom 14. Mai 1395 angeordnet ist, zu eng aus. Wenn bei einer Schulfeier, wie solche zu Kaisers Geburtstag abgehalten wird, eine Ansprache an die Kinder statifindet und die letzteren ihre Leistungen auf dem Gebiete des Unterrichts(Gesang, Vorträge oder Spiele) zeigen, so kann es nicht dem geringsten Zweifel unterliegen, daß diese Feier einen Theil der unterrichllichen und erziehlichen Ausgaben der Schule bildet. Eine solche Feier hat für das schulpflichtige Kind den vollen Werth einer Lehrstunde, denn sie trägt zur Lösung der Ausgabe bei, welche der Schulunterricht durch Er- weckung und Stärkung des vaterländischen Gefühls lösen soll.— Der Angeklagte, dessen Kind ohne Entschuldigung am 27. Januar 1896 die Schule versäumte, ist gemäß der angeführten Kabinets- ordre und des Z 13 des Gesetzes vom 23. April 1883 zu bestrafen." Dies ist der nackte politische Gewissenszwaug. Die Kinder sollen i» der Schule sich nicht nur Kenntnisse aneignen, es sollen ihnen auch gewiffe politische Gesinnungen bei« gebracht iverdeu,— eventuell auch zwangsweise und gegen die Ueberzeugunge» der Eltern. Es mag sein, daß sich hier- gegen nichts thun läßt, wenn es in den regulären Unterrichtsstunden geschieht. Findet aber aus bestimmter Veranlassung eine Feier statt, wo die Kinder zur Ehre der Gefeierten Hymnen singen und für ihn beten müssen, dann handelt es sich nicht um Erweiterung der Kenntnisse, auch nicht um erzieherische, auf die Kinder einwirkende Thätigkeit,— s ondern um von den K i n d e r n ausgehende scheinbar freie Bethätigung von Begeisterung und Liebe für die gefeierte Person. Wer aber die Aeußerung solcher Gefühle verlangt, ohne� daß die entsprechenden Gefühle vorhanden wären, hat zu besürchten, daß die letzteren durch Heuchelei ersetzt werden. Ob es zudem gerade Patriotismus ist, was in den solchermaßen behandelten jungen Leuten heranreift, oder ob es andere Empfindungen sind, das zu untersuchen, ivolle» wir denen überlassen, die an der Palriotenzüchtung ei» größeres Interesse haben, als wir. Die Allgemeine Berliner Omnibus- Gesellschaft hat vor- gestern ihre Generalversammlung abgehalten. Die intensive Aus- »utzung der Arbeitskräfte hat die stattliche Dividende von 12 pCt. für das verflossene Geschäftsjahr ermöglicht. In der Versammlung ivurde darauf hingewiesen, die Verwaltung möge bei Zeiten Vor- sorge treffen, damit sie nicht durch die Einführung des elektrischen Betriebes bei de» Pferdebahn- Gesellschaften überrascht iverde. Die Einführung des 19-Pfg.- Tarifs bei diesen Gesellschaften iverde die Gesellschaft zweifellos schädige» und es dürfte vielleicht an- gebracht sein, nur 19- und 5 Pf.-Strecke» einzuführen. Von der Direktion wurde demgegenüber ausgeführt, daß an eine Ein- führ ung von 5 Pfennig-Strecken nicht zu denken sei, daß aber zu der Einführung des 19 P s e n n i g- T a r i f s geschritten werden müsse, der ja bereits auf sieben Linien in kraft sei. Eine klassische Autwort ward einein Aktionär zu theil, der eine neue Linie nach Moabit wünschle. Ihm wurde gesagt, che die Verwaltung sich dazu herbeilasse, für die Einführung einer neuen Linie 159 999 M. aufzuwenden, sei eine vorsichtige Prüfung vorzu- nehmen, ob eine Reulabilität zu erwarten sei oder nicht, denn die Gesellschaft s e i n i ch t zum B erg n ü g en d er Ein w ohn er da, sondern um Geld zu verdienen. Von einem Aktionär wurde darauf hingewiesen, daß der von der Direktion bei der Führung der Debatten angeschlagene brüske Ton nicht der Würde der Gesellschaft entspreche. Ob dieser Aktionär mit seiner Meinung nicht im Jrrthum ist, vermögen wir nicht zu entscheiden. Im übrigen scheint es, als ob die Berliner Verkehrsgesellschasten sich verschworen hätten, für die sozialdemokratischen Anträge aus Uebernahine der Verkehrs- einrichtunge» in städtische Regie eifrig im Publikum Propaganda zn machen. Die schroffe und nachdrückliche Betonung der vorn Unternehmerstandpunkt aus ja unzweifelhaft richtigen Ansicht, daß das Publikum nur dazu da sei, um von den Verkehrsgesellschaften geschröpft zu iverdeu, legt zur Evidenz die Nothwendigkeit der Be- seitigung dieser Gesellschaften dar. Der Betrieb auf der elektrischen Straßenbahn Dönhoffplatz— Ritterstraße, Schlesisches Thor und Reichenbergerstraße mit unter- irdischer Stromznführung ist heute früh nach fünfwöchentlicher Rube wieder aufgenoinnien worden. Wie lange die Sache danern wird, läßt sich nicht bestimnien. Ausgewiesc» wurde vorn hiesigen Polizeipräsidium der öfter- reichische Staatsangehörige Schuhmacher Johannes Ostier, welcher seit sechs Jahren in Preußen und seit fünf Jahren hier in Berlin lebt. Ostier, der verheirathet und Vater von zwei Kindern ist, lebt in durchaus geregelten Verhältnissen und ist niemals vorbestraft worden, bis er sich eine Gefängnißstrafe von drei Wochen zuzog. iveil er bei einem Streik einem Kollegen, der sich an dem Aus- stände nicht belheiligc» wollte, das Wort„Streikbrecher" zugerufen halte. Die Strafe hat der Mann verbüßt. Nunmehr trifft ihn als zweite, ungleich härtere Strafe, die polizeiliche Aufforderung, binnen vier Wochen das preußische Staatsgebiet zu verlassen. Die Existenz, die sich Ostier durch redliche, sechszährige Arbeit hier geschaffen, ist also mit einem Schlage zerstört.— Bemerkt sei noch, daß Ostier politisch niemals hervorgetreten ist. Die Aussichten siir die Erhaltung deS Botanischen Gartens als Park sollen nach der Versicherung einer Lokal- korrespondenz i» der letzten Zeit wesentlich günstiger geworden sein. Man soll sogar beabsichtige». daS Projekt einer Bebauung deS Gartens auf drei Seiten in einer Tiefe von je 199 Metern fallen zu lassen, dagegen werde aber an den inaßgebende» Stellen erwogen, ob nicht eines oder das andere der verschiedene» während der nächsten Jahre zu errichtende» öffentlichen Gebäude(Kunstakademie ,c.) auf dein Terrain des jetzigen Botanischen Gartens seinen Platz er- hallen könnte. Die Erwägungen sollen, wie verlautet, auch die Ursache dafür bilden, daß bisher für die Verlegung des Botanischen Gartens noch keine Nachlragsforderung an das Abgeordnetenhaus gelangt ist, und daß die Angelegenheit aller Voraussicht nach über- Haupt erst in der nächsten Session vor den Landtag kommen wird, infolgedessen auch i»it den Verlegungsarbeiten vor dem nächsten Jahre nicht wird begonnen werden können. Die Wärmehallcn haben für diesen Winter ihre Pforten bereits am Montag, 1. März, geschlossen. Die Hallen waren bis zum Schluß ziemlich gefüllt. Vom Fleischermeister Jhde. Wie großes Gewicht die Staats- anwallschasl aus die vielerörterte Angelegenheit des Fleischermstr. Jhde aus Grevesmühlen legt, der für die„Volksernährung" der verflossenen Berliner Gewerbe-Ausstellung tuberkulöses Fleisch geliefert hat, geht daraus hervor, daß sich Jhde demnächst vor dem Schwurgericht in' Güstrow zu verantworte» habe» wird. Es gehört, wie die„Allg. Fl. Ztg." hervorhebt, zu den Seltenheiten, daß Verstöße gegen das Nahrnngsmittelgesetz vor das Schwurgericht komme»; es handelt sich in diesem Falle aber um ei» Vergehen gegen die ßZ 12 und 13 des Nahrungsmittelgesetzes, welche bestimmen, daß aus Zuchthaus- strafe bis zu 19 Jahren erkannt werden kann, wenn jemand Nahruugs- und Genußmitlel verkaust, von denen ihm bekannt ist, daß der Genuß die menschliche Gesundheit zu zerstören ge- eignet ist. Von der Getverbc'Ausstellung. Nahezu 199 999 M. sind, wie die„Verl. Ausst.-Zig." hört, injolge des letzten Rundschreibens au die Gurantiefoudszcichner eiugegaugen. Die Differeuzeu zwischen dem Arbeitsausschuß»ud den Ausstellinigsarchiteite» sollen, wie eS heißt, in einer beide Thcil« besriedigendeu Weise beseitigt werde».— Das Chemiegebäude ist völlig geräumt und der Gartenbau-Aus- ftelluug zur Benutzung übergeben worden.— Die Langsinger pfuschen den Abbruchsarbeitern in Treptow arg ins Handwerk� Selbst was niet- und nagelfest ist, wird von ihnen gestohlen. So haben sie in den letzte» Tagen einen ganzen Drahtzaun entwendet. Die Angelegenheit in der Akademische» Lesehalle, die einen Konflikt zwischen dem Rektor und dem studentischen Direktorium herbeiführte, wird, wie man berichtet, anscheinend im Sande ver- laufe». Auf die Eingabe, die die Einberufung einer gemeinsame» Sitzung des Kuratoriums und des Direktoriums wünschte, ist bisher keine Antwort eingegangen; hingegen hat sich der Rektor durch schriftliche Abstimmung eine Genehmigung für die Entfernung der beiden sozialistischen Blätter ans der Lesehalle ertheilen lassen. Vor- läufig hält es das Direktorium daher für angebracht, die neuen Nummern nicht auszulegen. Bisher hat sich die Annahme, daß ei» disziplinares Einschreiten gegen die Mitglieder des Direktoriums beabstchligt werde, nicht bestätigt; der Rektor ist vielmehr»euerdiugs in den nillndlichen Unterredungen mit dem Vorsitzenden überhaupt nicht mehr aus die Sache zurückgekommeu. Eine Anzahl Kanzlistcn theilen uns zu dem gestern von uns zur Hilssarbeilerfrage gebrachte» Artikel mit, Herr Oberbürgermeister Helle habe dem Deputrrten der Kanzlisten erklärt, daß er beabstchtige, für dieselben i» Krankheitsfällen Diäten zu bewilligen und nach 10 jähriger Thätigkeit bei eintretender Arbeitsunfähigkeit ihnen ein Jahrgeld zu erwirken. A» das Pcrsoual der Ludwig Löwc'sche» Fabrik in Marti, lickrnfeldc? Die Ardeiter der Fabrik von Ludwig Löwe. welche an, 29. Juni löSZ an de», bei Eternecker in W e i ß e» s e c abgehaltenen© o m i» e r s e st der genannten Fabrik theilgenomme», »ud den Mechaniker Paul K o s ch e ,» a» n in der Zeit von 7l/i bis 9 Uhr abends gesehen oder gesprochen habe», werde» ge- beten, s o f o r t ihre Adresse an Georg Warsönke, Rixdorf, Zrethenstr. 19, I. einzusenden. � Tie tvoruutersuchnug wegeu des„MordauschlagS" gegen den Polizei- Obersten Krause ist, wie ein Lokalberichterstatter meldet, nunmehr abgeschlossen. Den Angeschuldigte» und ihrem Rechtsbeistand ist die Anklageschrift bereits zugegangen. Die Anklage lautet gegen den Mechaniker Paul Koscheinan» auf versuchten Mord, gegen den Tapezirer Westphal und seine Frau, sowie gegen Weber auf Beihilfe zum Mordversuche und gegen die Grünkramhändlerin Frau Josefine Gürtler auf Begünstigung. Gegen Frau Gürtler ist außer- dem wegen Majestätsbeleidigung Anklage erhoben worden; die soll w,e berichtet wird, durch Aeuherungeu gegen. Kinder begangen sein, die in ihrem Geschäfte Einkäufe machten. Die Auklageschrist umfaßt 20 Bogen. Die Hauptverhandluug wird voransstchtlich im nächste» Monat stattfinden und zwar wahrscheinlich in dem großen Schwurgerichssaale, da in der Voruntersuchung schon LOBelastnugS- zeuge» vernommen worden sind und nun von der Vertheidignug noch eine Reihe von Entlastungszeugen vorgeschlagen worden sind. So der Berichterstatter, dessen Angabe» wir natürlich nicht ko»< trolliren könne». Wie aus der dieser Notiz voransteheude» Auf- forderung ersichtlich, sind die Freunde des Hauptangeklngten mit Eiser bemüht, Material für einen Alibibeweis herbeizuschafse». Möge diese Mühe von Erfolg gekrönt sein. Das Konzerthanö in der Leipzigerstraße ist einem hiestgeu Blatte zufolge von Frau Medding, der Inhaberin des Elablistemenls. an den Direktor Hoffman», den Leiter der Norddeutschen©änger, vom 1. Juli ab auf zehn Jahre verpachtet worden. Ob damit auch die Stellung des Konzerlhauses in der die Arbeiterschaft inler- essirende» Lokalfrage sich ändern wird, mag dahingestellt bleiben. J», Apollo-Theater erregen gegenwärtig die aus dem Februar- Programm hinübergenommene» Nummer» das meiste Interesse. Die Grazie der spanischen Tänzerin Carmencita und die Lorrisons, die vor de» allmälig berüchtigt gewordenen Barrisons entschiede» den Vorzug besseren Geschmacks voraus habe», fesseln ebenso sehr, wie die lebenden Photographien, die der Kinetograph gegenwartig in neuer Ausgabe vorführt. Erwähnung verdienen von diversen Neuheiten der drollige Kinder» Festzug, die Dar- stellung des Zauber« Kunststücks, bei de», eine Dame verschwindet, sowie die phvtographische Vorführung der Sennorita Carmerita, die dem Kincetograpbenmanne eine Separatvorstellung gegeben hat. Minder angenehm wirken die faden Vorträge der Soubrette Fritzi Ferry; die Dame scheint eine neue Illustration zu der alten Behauptung bilde» zu wollen, daß die Knuste, die einer französischen Sängerin Anmuth verleihen, ins Deutsche übertragen, geschmacklos erscheinen. Anerkeunenswerthes leisteten die Brüder Hugosset als Reckt um er, sowie Herr Spadoni als Joiigleur. Eine verblüffende Vielseitigkeit entwickelten die»uistkalischen ClownS Bibb und Bobb. Der Radfahrerklub Alleinauia vo» t8SS bittet unS zu konstatiren. daß er nicht mit dem Klub identisch sei, der am 16. Februar d. I. das von uns am 25. Februar besprochene patriotische Zotenreißerfest abgehalten hat. Der Neubau des pathologische» Instituts auf de», Gelände der Charitee hat mit großen Schwierigkeiten zu kämpse». Es wird ein vollständiger Pfahlbau. Der Baugrund am Alexander- ufer ist außerordentlich schlecht, weil hier früher der alle Schön- hauser Kanal durchlief. Die Baufläche beträgt ungefähr 400 Quadrat- ineter. Durch ei» gewaltiges Schadenfeuer ist Dienstag Abend die Kesselschmiede der Borsig'schen Fabrik in Moabit eingeäschert worden. Die Kesselschmiede bestand aus einem isolirte», etwa 30 Meter lange», 20 Meter Uesen und 10 Meter hohe» Ge- bände aus Fachwerk. Rechts und links vo» demselben, in Entfernungen von etwa 10 Meter» schließen sich die andere» Fabrikgebäude an. Gegen 10�/« Uhr war in dem linke» Flügel der Schmiede ein Brand entstanden, welcher sich mit ungeheurer Schnelligkeit über das ganz« Gebäude ausdehnte, das beim Eintreffen der Löschinannschaflen schon bis zum Dache i» Flammen stand. Die Situation war eine außerordentlich gefährliche, da bei dem herrschende» Wind« Flngfener enlstand, wodurch auch die übrigen Fabrikgebäude stark geschädigt wurden, so daß sich die Feucrwehr hauptsächlich auf de» Schutz dieser letzleren Ge- bände beschränken mußte. Die günstige Lage des brennenden Gebäudes, welches dicht an der Spree steht, gestattete der Feuer- wehr«inen Angriff von alle» Seite». Mit sechs Rohren wurde denn auch energisch Wasser gegebe», daß bereits kurz nach 12 Uhr „Feuer aus" gemeldet werden tonnte. Die endgillige» Ablöschungs- und Aufräumungsarbeiten zogen sich bis gestern Morgen gegen 5 Uhr hin. Der Jabrikbetrieb»rleidet durch den Brand keine Störung. I» der Friedrichstraste ist gestem Nachmittag gegen ö Uhr eine Dame, i» der man eine Gastwirlhsfrau aus der Gräfestraße vermuthet, plötzlich todt zusammengebrochen. Eiue Blutvergiftung hat sich der Garderobenhändler M, Neue Königstr. 7S, zugezogen. Bor einigen Tage» trat M. des Morgens beim Ausstehen mit dem rechten Fuß auf eine am Bode» liegende Stecknadel, durch welche er eine leichte Rißwunde in der Haut erhielt. Der Garderobenhändler beachtete die geringfügige Wunde nicht, bis schließlich der Fuß und das ganze Bein stark an- schwollen. Ein sofort hinzugerusener Arzt konstalirte eine hochgradige Blutvergiftung, welche die soforlige Unterbringung des Patienten nn jüdischen Krankenhaus« erforderlich machte. DaS Leiden war jedoch bereits zu weit vorgeschritten, so daß eine Amputation des rechten Beines»othwendig wurde. Ei» schwerer Unfall ereignete sich gestern Morgen in der Parquetsußboden- Fabrik von Badmener, Zimmerstr. 49. Bei», Transport von Bretter» fiel dem Tischlergesellen Stabkuhl, der seit etwa 40 Jahren in der Fabrik thätig ist,«in Brett aus den Kops, so daß der Mann schwere Verletzungen erlitt und nach der Unfall- statio» geschafft werden mußte. Zn dem Selbstmord des Zigarrenhändlers Stnbbe in der Friedrichslr. 129, über den wir in Nr. öl berlchtelen, wird»ns mit- geiheilt, daß St. auch Mündelgelder in Höhe von 12 000 M., die er zn verwalten hatte, angegriffen habe. Die drei mutterlose» Waise» V. i» der Linienslr. 120 sind durch den Fall plötzlich in die bitterste Nolhlage gebracht worden. Nach einer der liiefigc» Kriminalpolizei zugegangenen Meldung ist der in Philatelisten-Kreisen sehr bekannte Briefmarken- Händler Decker in Hannover von dort flüchtig geworden. D. galt für Deutschland als die bedenlendsle Autorilät im Briefmarken- wese». Es sind nunmehr gegen D. Beschuldigungen vorgebracht, daß er bei den Prüflinge» echte Marken gegen Falsifikate vortauschl und letztere den Austraggeber» zurückgeschickt habe. Die Verdachts- gründe, welche gegen D. vorliegen, sind außerordentlich schwere. Plötzliche Todesfälle. Am Dienstag Mittag wurde der Kafstrer Ludwig Hornung in der Wohnung des Posamentiers Müller, Reichenbergersir. 60, wo er Gelder«inkasflreu wollte, vo» einem Schlaganfall betroffen. Auf ärztliche Anordnung wurde er in das Krankenhans a», Urban gebracht.— Nachmittags starb plötzlich auf der Straße vor dem Hause Nordhasen 4 der Bahnarbeiter Ernst Bernert an einem Herzschlage.— Gegen 9 Uhr abends wurde auf dem Fernbahnsteig des Bahnhofs Friedrichstraße ein bis jetzt un- bekannt gebliebener, ungefähr 35 Jahre alter Arbeiter vom Schlage getroffen und starb auf der Stell». Die Leiche wurde nach dem Schauhause gebracht. Unglücksfälle im Strastenberkehr. Nachmittags wurde der 67 Jahre alle Diener August Lyceon vor dem Hanse Unter den Linde» 5 durch ein« Kutsche überfahren und am rechte» Oberschenkel schwer verletzt. Gr wurde in die Universitätsklinik gebracht. Ferner gerieth Abends in der Alexanderstraße vor dem Eingange II des Polizei-Dlenstgebäudes die 4Zjührige verehelichte Maurer Charlotte Kabel unter die Räder eines vorschriflswidrig nach links ausweichen- den Postpacketwagens und erlitt außer einer Verletzung an der Stirn eine schwere Quelschung des rechte» Unterschenkels. Sie er- hielt ans der Unfallstation eine» Verband.— Bei», Verlassen eines Schlächterladens in der Eisenbahnstraße fiel Abends die 43 Jahre alte Witlwe Charlolte Scheel ohnmächtig hin und zog sich durch den Fall einen Schädelbruch zu. Schwerverletzt wurde sie nach dem Krankenhause Bethanien gebracht. Aus den Nachbarorteu. Wen,, der Arbeiter alt wird. Die bekannte Seidenfirma A. Heese in der Leivzigerstraße, deren Inhaber der jüngst ver- slordene Kommerzieurath Heese war, besitzt in Steglitz ausgedehnte Ländereien und Baukomplexe. Bei ihr war seil 20 Jahren der nunmehr 55 Jahre alte Gärtner Stucker angestellt. Dieser Mann. der Kriegsveteran ist und seine besten Kräfte im Dienste des Ge- schästs aufgeopfert hat, ist im vorigen Monat von den Erben des verstorbene» Heese aus seiner Stellung entlasse» worden, angeblich, weil der Betrieb der Gärtnerei und der Landwirthschaft eingestellt werden soll. In Steglitz, wo dieser Fall i» alle» Kreise» böses Blut gemacht hat, heißt es jedoch, daß bereits ein Nachfolger des für seine Dienste zu alt gewordene» Mannes gefunden ivorden sei. Ans die Vorstellung des Gärtners, ihn doch nicht mitten im Winter aus die Straße zn setzen und ihn, eventuell eine kleine Pension zu bewillige», wurde ihm von den Heefe'schen Erbe» be- beutet, daß er die Dienstwohnung zum Kündigungstermin unbedingt zu räumen habe,«ine Pension könne er nicht erhallen, man wolle ihm aber„bei guter Führung" das Gehalt bis Ende März gnädigst gewähren. Ter Fall, der abermals deutlich dem Arbeiter die Pflicht einprägt, sich gegen jede Ausbeutung zu oraanistre», ist auch im sozialisteufeindlichen Kriegerverei» von Steglitz abfällig besprochen ivorde», und das dortige Lokalblättche» frägt wie vor den Kopf ge- schlagen, was einem solchen Vorgange gegenüber alle patriotischen Erinnerungsfeier» und Verehrungen der Belerane» für«inen Werth hätten? Ein Fami'liendrama hat sich am Sonntag in de», Dorf S e e b n r g bei Spandau abgespielt. Der Gastwirlh Heinrich war mit seinem llljährigen Sohne in Streit gerathen, wobei es zwischen beide» zu ThällichkeiUn tani. Bald daraus ging der Sohn in seine Kaminer und schoß sich mit eine», Tesching eine Kugel in den Kopf. Wenige Stunden später trat infolge der Verletzung sein Tod ein. Umfangreiche Diebstähle an Flcischwaareu sind vorgestern Abend i» Charlotlenburg entdeckt worden. Festgenommen wurden drei Schlächter als Diebe»nd Hehler und ein Ehepaar, das der Beihilfe verdächtig ist. Der Schlächtermeister Höhne, Schlüterstr. 3, ist der Bestvhlene; er ist u», 10 000 M. geschädigt. Nachdel» au» I. März, wie aus Spandau gemeldet wird, ein vo» Hamburg slromauswärts gekommener Schleppdampfer das noch ziemlich starke Eis auf den Havelseen durchbrochen hat, gilt die Schiffsahrt auf der Strecke Berlm-Hamburg jetzt für eröffnet. Sozwle AerhtspPleige. Wiederholte Truukenheit während der Arbeitszeit erklärt die Kammer VII für einen Grund zur fosortigen Entlassung, ohne ihre» Grad dabei zu berücksichtigen. Diese Praxis beruht ans der Er- »väguna. daß, wer öster betrunken sei. sich einem„lüderlichen Lebens- wandet" hingebe. Lüderlicher Lebenswandel ist einer der im s 193 der Gewerbe-Ordnung aufgesührlen Enllassnngsgründe. Eine beharrliche Weigerunß, die au? dem Arbeitsverträge entstebenden Verpflichtungen zu erfüllen und somit einen gesetzliche» Entlassungsgrnnd, erblickt das Gewerbcgericht schon in dem zwei« maligen Zuspätkommen. Ist diese Auslegung der entsprechenden gesetzlichen Bestimmung nicht zn hart? Ter Vorsteher der Filial-Expcditiou des„Berliner Tageblattes" in Moabit machte es sich zur Aufgabe, die „Zeilungssrauen" zu verfolgen, um zu kontrolliren. ob sie auch die erhaltenen Zeitungen sofort expedirte». Ans einem solchen Sireisziige„stellte" er die Botin K., als sie mit den Zeitungen ihre auf der Tour gelegene Wohnung aussuchte. Sie wurde sofort entlassen. Frau K. klagte beim Gewerbe- gericht auf Gewährung einer Lohnentschädiguna wegen un- berechtigter Entlassung und machte gellend, sie hätte nur in der, Wohnung schnell ein dringendes Bedürfniß befriedigen wolle», wozu'sich ihr bei de» Kunden, lauter„Herrschaften", nicht die Gelegenheit geboten hätte. Der Gerichtshof war im Gegensatz zum Vertreter des Masse der Meinung, daß die Entlassung«n- berechtigt märe, wenn die Behauptung der Frau zuträfe. Mangels emes anderen Beweismittels erlegte der Gerichtshof der Klägerin den Eid auf, daß sie wirklich nur die fragliche Absicht ge> habt hätte, und sprach für den Fall der Leistung des Eides die Verurtheilung der Firma Rudolf Mosse zur Zahlung von 6 M. aus. Der Streit um die Karre. � Die Firma Ravens Söhne besitzt eine Karre in ihrem großen Geschäft,.die sowohl von den Arbeitern wie auch von den Handlungsgehilse» zum Fortschaffen von Eisen- waaren benutzt wird. Die Arbeiter habe» im allgemeinen die An- Weisung erhallen, den jungen Kaufleuten sofort die Karre auszu- lieser», wenn sie sie gebrauchen. Der Arbeiter D.. dem davon nichts bekannt war, gerieth nun eines Tages mit einem Handlungs- gehilsen wegen der Karre in Streit. Er sollte sie ihn, schleunigst abgeben, ließ sich aber in seiner Arbeit, dem Fvrtkarren von Wirthschastsgegenstände», nicht stören. Als nun der junge Kaufmann nach der beladen«» Karre griff, stieß ihn D. zur Seite, gegen die Wand. Die Folgen hiervon waren: Beschwerde beim Vorgesetzten, Entlaffung deS Arbeiters und Klage auf Lohn- entschädignng beim Gewerbegericht. Die Kammer vH unter dem Borsitz des Assessors Unger verurlheilte die Beklagte zur Zahlung von 30 M. Gründe: Keiner der Eutlassnngsgründe des 8 123 der Gewerbe-Ordnung lasse sich hier anwenden. Wenn Kläger auch den jungen Mann an die Wand gedrückt Hab«, so sei«S doch kein« Thätlichkeit im Sinne des§ 123 Nummer 8, denn der einfache Handlungsgehilfe sei n i ch t d e r B o r g« s e tz t e des Hansdieners, ivenn er nicht dazu ausdrücklich ernannt sei. Ter Anspruch ciucr Wittwc auf Nnfallreute ist dann aus- geschlossen, wen» die Ede erst nach dem Unfälle des ManneS ge« schlössen wurde. Diese Bestimmung des Z 6 Nr. 2a des Unfall- versichernngs-Gesetzes erfuhr durch den Rechtsstreit der Wittwe Weber gegen die Nordöstliche Eisen- und Stahl- Berufsgenoffenschaft eine recht kritische Beleuchtung. Der � Metallarbeiter Weber halte im Jahre 1336„beim Beiriebe" einen Schädelbruch erlitten, der äußerlich gut verheilte und anscheinend auch keinerlei störende Folgen hinterließ. Weber sühlle sich ganz gesund und arbeitele In de» nächste» Jahren so Uichtiz, wie er es vorher ge- wöhnl geivesen war. Im Jahre 1891 heirathete es die jetzige Klägerin, immer»och vollkommen gesund. Einige Jahre darauf zeigte» sich dann bei ihm Merkmale einer Gehunkrankhcit. die schließlich seine Unterbringung i» einer Irrenanstalt nothwendig machte, wo er 1396 verstarb. Die Aerzle stelllen fest, daß»n- zweiselhast die Erkrankung und der Tod Folgen jenes Betriebs» Unfalles vom Jahre 1386 seien. Den Kindern des Ver- storbenen, wovon zwei von der Klägerin geboren wurden, wurde nun eine Unsallrente zugebilligt, der Wiltwe jedoch nicht. Und zwar stützle sich die Genossenschaft auf die angeführte Bestimmung. Frau Weber legte vergeblich Berufung ein und wandte sich dann an das Reichs-Versicherungsamt. Ihr Vertreter verwies auf das eigenartige deS Falles und machte gellend, es habe durch die fragliche Gesetzes- bestimmung nur die Erschleichung von Renten durch Arglist ver- hindert werden solle». An eine Erschleichung könne hier aber auch nicht im entserntesten gedacht werden. Die Frau habe ja den Man» geheiralhet, als er vollkommen gesund gewesen sei und noch niemand hätte befürchten können, daß sich einst Folgen des Jahre zurückliegenden Unfalles zeigen würden.— Der erste Senat deS Rekursgerichts wies die Klägerin aber dennoch ab. Geh. Jiegicrnngs- ralh Dr. Sarrazin bemerkte zur Begründung, die Entstehungs- geschichte des Z 6 spreche dafür, daß der Gesetzgeber i» jedem Falle die Entschädigung der Witlwe» abgelehnt wissen wollte, die ihre Gatten erst»ach de» verhänguißvollen Unfälle» heiralhete». Ein gegentheiliger Antrag sei sogar abgelehnt ivorde». Gleichgiltig sc, auch, daß die Folgen des Unfalles erst nach der Verehelichnng in die Erscheinung getreten sind, dein, der Gesetzgeber habe stets, wenn er die Anspruchsrechte aus Betriebsunfälle» erwähnte, dai d c n Unfall bringende Ereigniß selbst ins Auge gefaßt. Unfähigkeit zur Fortsetzung der Arbeit ist einer der gesetz- lichen Entlassungsgründe. Darüber, was alles eine solche Unfähig- keit sei, war man sich a»> Gewerbegericht nach einigen Widersprüchen einig geworden. So rechneten auch alle Kammern des Gerichts schließlich sinnlose Trunkenheit dazu. Im Laufe der Zeit war es zur einheitlichen und ständigen Praxis geworden. in der Unfähigkeit zur Forlsetzung der Arbeit nur für ihre eigene Dauer«Ine» Entlassungsgrund zu sehen. Erkrankte Arbeiter, die während ihrer Arbeitsunfähigkeit nicht entlassen wurde», haben danach das Recht, beim Eintrrtt ihrer Arbeits f ä h i g k e i t ihre Wiedereinstellung zu fordern oder eine vierzehntägige Lohuenlschädignna; vorausgesetzt natürlich, daß die Kündigungssrist nicht ausgeschlossen ist. Ein sinnlos Betrunkener darf selbstverständlich nach solcher Praxis wegen dieser hochgradigsten Trunkenheit nur so lange entlassen werden, als sie dauert und ihn zur Arbeit unfähig macht. Daran hat die Kammer VI auch noch in ihrer letzten Sitzung festgehalten. Ter Kammer VII dagegen scheint eS nicht zu gefallen, daß Einheitlichkeit in die Praxis des Gewerbegerichls kommt. Sie hat, einen Tag nach der erwähnten Eitzuntz der Kammer VI, in Sache» zweier Omnibnsangestellten die Meinung vertrete», daß Arbeiter bei Unfähigkeit zur Forlsetzung der Arbeit innerhalb acht Tagen entlasse» werden könnte». Im fraglichen Falle handelte es sich um Trunken- heit. Die Kläger waren erst zwei Tage nach der'.Unfähig- keit zur Arbeit' entlassen worden. Auf eindringliches Zurede» deS Vorsitzenden Unger, der sich auf jene Rechtsauschannng berief, nahmen die Kläger ihre Klagen zurück.— Derartige Widersprüche in der Rechtsprechung des Gewerbegerichts werden solange vor- kommen, bis die Vorsitzenden nicht mehr alle paar Monate wechseln. Unfall bei», Zurechtmachen deS eigenen Werkzeuges. Der Arbeiter Klapprolh verletzte sich mit seine», Beil, als er es ,» der eigenen Behausung zu schleifen versuchte,»nn es am� nächsten Tage zu benutzen. Er sollte eine versicherungspflichtige Wege-Arbeit be- ginnen, bei der er sein eigenes Werkzeug zu verwenden verpflichtet war. Die Berufsgenossenschast lehnt« eS ab, ihm die beantragte Unfallreute zn gewähren. Das Schiedsgericht sprach sie ihm jedoch zu. Es führte aus, die Schärfung des Beils sei in der Absicht vorgenommen worden, versicherte Wege-Arbeiten auszu- führen, und darum sei sie als eine Betriebsverrichtung anzusehen. Zum Betriebe seien alle Arbeiten zu rechnen, die ihm unmittelbar oder auch nur»liltelbar zu gute kämen. Das R e i ch s- V e r- s i ch e r u„ g ß a m t stellte aber de» ablehnenden Bescheid der Berufs- genossenschajt auf deren Rekurs wieder her und führte aus: Da? Zurechtmachen und Repariren des einem Arbeiter gehörigen Arbeits« geräthes liegt im allgemeinen i» der Sphäre der privaten Interessen des Arbeiters und stellt selbst dann keine„Thätigkeit beim Betriebe" dar, wenn das Werkzeug demnächst bei einer Betriebsarbeit verwendet werde» soll. Somit ist auch der Renteuanspruch des Klägers unbegründet. Bei einer Reise, die der Landwirth Nowak unternommen hatte, um Ackerland anzukaufen, verunglückte er. In der Meinung, einen Belriebsunsall erlitten zu haben, wandte sich Nowak an die land- wirthschaslkiche Berufsgenossenschast um eine Unfallrente. Sein An- trag wurde jedoch abgelehnt und die Berufung und der Rekurs hatten auch keinen Erfolg. Das Reichs-Versicherungsamt war mit dem Schiedsgericht der Meinung, daß die Steife nicht im landwirthschaftliche» Interesse, sonder» in einer VermöaenSangelegenheit untern ommen sei,„nd daß deshalb der Unfall nicht als ent- schädigungspflichtig angesehen werden könne. Gevidjfcs Auf versuchten Mord lautete die Anklage, die gestern vor dem Schwurgericht hiesigen Landgerichts I gegen den 27iährigen Echneidcrgeselle» Paul Wilhelm zur Verhandlung kam. Der mit höchster Sorgfalt gekleidet« und frisirte Angeklagte macht keineswegs den Eindruck eines Wülherichs, und doch hat er gegen dasselbe Mädchen, mit welchem er„ging", und gegen welches er am 30. Aligust 1396 einen Mordversuch gemacht hat, schon einmal eine,, Revolveranschlag ausgeführt, der ihm eine Gefängnißstrase eintrug. Im Jahre 1839 fing er i»it der unverehelichte» Amalie Mattan, mit der er in demselben Hause wohnte,«m Verhältniß an. Später entzweiten sich die junge» Leute, Wilhelm suchte indeß die Malta» zu bewege», sich mit ihm wieder zu ver« söhnen; als sie dies entschieden ablehnte, zog er plötzlich«uien Revolver aus der Tasche und schoß aus das Mädchen. Der Schutz drang ihr in die rechte Schläfe, und es ist ein Wunder, daß sie mit dem Leben davongekommen ist. Der Angellagle ,n wegen dieser That zu anderthalb Jahren Gekängniß ver,rrlyeur worden und hat feine Strafe im Gefäugniß zu Posen verbutzr. Jlus dem Gefängniß heraus richtete er zwei Briese an d>e Mattan, die inzwischen einen anderen Verehrer gefunden Halle, var sie m» Verzeihung und gratulirte ihr zum Geburtstag«, �m August 1895 verließ er die Posener Strafanstalt und kehrte nach Berlin zurück, um hier als Geselle bei seinem Bater"> Arbeit zn treten. Er suchte sich dem Mädchen wieder zu„ah«», wag ihm auch gelang, bis dann wieder eiue Enlzweiung emtrar. Am 30. Aligust v I. überfiel er die Mattan und versetzte ihr einen Stich in den Hals. Das Mädchen hatte-ine große klaffende Wunde am Halse, welche von dem Arzt Dr. Krakau zunächst verbunden wurde. Dann wurde die Verwundete tuS Krankeuhans gebracht, wo sie vier Wochen lang behandelt wurde. Auch diesmal ist der Mord« ai'fall ohne schlimme Folgen verlausen.~ Wilhelm hatte sich nun wegen versuchten Mordes zu verantworte». Der Vertheidiger. Rechtsanwalt A e h» e l t führte i» längerer Rede aus, daß es nicht unmöglich erscheine, daß der An» geklagte bei der That sich im Zustande epidemischer Dämmerung befunden habe. Jedenfalls habe er nicht mit Ueberlegnug ge« bandelt. Er sei von dunklen Gewallen getrieben worden und ver- diene deshalb Mitleid, d. h. die Zubilligung mildernder Umstände.— Die Geschworeneu sprachen de» Angeklagten des versuchten Mordes schuldig. Der Staatsanwalt beantragte mit Rücksicht auf die Schwere des Verbrechens und ans die Thatsache, daß der Angeklagte zweimal dasselbe Verbrechen an derselbe» Person versucht hat, wenn letztere auch keine Sympathie verdiene, eine Zuchthaus- strafe von 8 Jahren. Der Vertheidiger beantragte das niedrigste zulässige Strafmaß von drei Jahren Zuchthaus. Der Angeklagte selbst bat um milde Strafe und gab die Versicherung ab, daß er für immer von der Mattan lasie» wolle und nie mehr auf der An- klagebank erscheinen werde.— Das Urlheil lautete auf fünf Jahre Zuchthaus.— Ter Angeklagte erklärte, die Strafe antreten zu wollen. Nach dem Gesetz, betreffend die Verletzung der Dienst- dstichte» des Gesindes von 1854, kann Gesinde, das„hartnäckigen Uiigehorsam oder Widerspenstigkeit" gegen die Bekehle der Herrschaft zeigt, oder ohne gesetzmäßige Ursache den Dienst verläßt, nnf Antrag der Herrschaft zu Geldstrasen bis zu 15 M. oder zu Gesängniß ver- nrtheilt werde». Auf grund dieser Bestimmung wurde das Dienst- «tädchen Olschessky verurtheilt. Das Mädchen war mit seiner „Herrin", einer Lehrersfrau, weg«» der Verrichtung mehrerer, ihr ai fgetragenen Arbeilen in Streit geraihe» und hatte sich durch die Vorwürfe der Frau verleiten lassen, nach dieser zu fasse». Die„Herrin" antwortete dami>, daß sie ihr mit dem Waschbecken«ins versetzte und sie blnlig schlug. Ter Lehrer kam dazu und versetzte dem Mädchen noch eine Ohrfeige. Dann aber spielte er den Samariter und behandelte die übrigens nicht gefährliche Wunde. Der Bater der Verletzten nahm sie demnächst aus dem Dienst, was die„Herr- schafi" veranlaßte, den im ß l des genannten Gesetzes vorgeschrie- denen Klageantrag zu stellk». Die Strafkammer nahm in Ueberein- stimmniig mit dem Schöffengericht a», daß die Ohrfeige als„ge- linde Züchtigung" erlaubt gewesen sei und daß auch der Schlag init dem Becken das Verlasse» des Dienstes nicht recht- scrlige, weil sich die Frau Lehrerin i» der Rothwebr befnnden habe. In der lllevisio» gegen das landgentzitliche Urtheil machte der Vater der Angellagten u. a. auch gellend, daß er die Tochter ans dem Dienst hätte s ortnehmen kinnen, da er ihr wohl die gesetz- lich erforderliche Erlaudniß für das erste Jahr gegeben habe, tvclches sie bei de», Lehrer diente, nicht aber für die Ver- längernng des Dienstes, die inzwischen eingetreten sei. Ter Elrafsenat des Kammergerichts. der sich in seiner letzten Sitzung mit der Sache beschäftigte, ließ aber keinen der Einwände der Revision gelten. Er verwarf die Revision mit der Begründung, daß§ 1 des Gesetzes vom 24. April 1854 ohne Rechlsirrthum angewandt sei und daß,»venu auch die ans drück- I i ch e Genehinigung des Vaters zur Berlängerung des Dienstes über das erste Jahr hinaus fehle, doch ans der l h a t s ä ch- l i ch e n Verlängerung ans ein stillschweigendes Ein- verständniß zu schließen sei. Ein solches genüge aber. Der Verband zur Bekämpfung des milantcren Wettbewerbes hat am Dienstag seinen ersten Prozeß vor dem lkammergericht gewonnen. Der Möbclhändler I. hatte in den Zeitungen angezeigt, daß er in der König- und in der Gneisenau- straße je 200 vollständige Wohnungseinrichlungeil zu verkaufen habe und dieser Ankündigung allerlei reklamehafle Uebertreibungen hin- zugefügt. Der Verband strengte infolge dessen gegen I. ans zivilgcrichtlichem Wege die Klage wegen Unterlassung dieser Anzeigen au. Das Landgericht entschied in erster Instanz, daß dem I. dies durch einen vorläufigen Gerichtsbeschluß unlcrsagt werden würbe, falls der Verband sich zur Stellung einer Kaution von 2000 M. zur elwaigen Schadlos- hallung des I. bereit erklärt. Daraus ging der Verband nicht ein, sonder» appellirte an das Kammergericht, dessen neunter Zivilsenat gestern den I. zur Unterlassung der fraglichen Anzeige und zur Zahlung der Kosten verurtheilt hat. Der Verband hat schon eine ganze Anzahl solcher Prozesse, die jetzt bei der Berufungsinstanz schweben, in der ersten Instanz mit Erfolg durchgeführt. Im Mordprozcß gegen die Hebamme Schmidt anS Lehe, über den wir am Dienstag berichteten, wurde vom Schwnrgerichl tu Verden gestern Nachmittag das Urtheil gesprochen. Die Ange- klagte wurde des Mordes und Mordversuches schuldig befnnden und zum Tode, außerdem zu zwölf Jahren Zuchthaus, dauerndem Ehr- verlnst und Tragimg der Kosten verurtheilt. Der Staatsanwalt hatte die Todesstrafe, 15 Jahre Zuchthaus und zehnjährigen Ehr- Verlust beantragt. Die Verurtheille hat bei Beginn der gestrigen Sitzung beide Mordlhateu eingestanden, sie leugnete jedoch ihre Schuld betreffs der übrigen und nicht unter Anklage gestellten Fälle._ Soziales. Zum Nothstaud der Weber in N o>v a w» s wird uns ge- schrieben: Schon vor zwei Jahre» sandte die Regierung einen Vertreter, der die Lage der hiesigen Hausweber untersuchen sollte. Damals konnten noch einige Fabrikanten behaupten, der Lohn eines Webermeisters betrage wöchentlich 6—8 Mark und darüber. Heute giebt es Webermeister, die nicht einmal 4 Mark wöchentlich verdienen. Was hat mau aber gegen diesen bejammernswerthe» Zustand bisher gethan? Die Gemeinde ist zur Linderung der Roth unfähig, da es ihr an Mitteln fehlt. Von den Steuern muß ohnehin«in Drittel für Armenuntersliitzimg verwandt werden. Geld ist aber überhaupt von der Gemeinde schwer zu bekouimen. außer es Handell sich um„drinaende"Aiigelege»heilen,da greift unser Gemeiudevorstnnd in den Säckel und giebt z. B. 200 M.; doch nicht zur Beseitigung des Nolhstandcs, sondern für«inen Fest- zng zur Ceiilenarfeier. Also von der Seite ist nichts zu hoffen, eS bleibt nur noch der Staat, der Helsen iöiiuie. Zu diesem hat nun auch die hiesige Weber- Innung ihre Zuflucht genommen. Nebenbei sei bemerkt, daß derjenige, der Mitglied dieser Innung werden will, 80 M. zu zahlen hat, billiger kann es nicht gemacht werde», um in dieses Eldorado zu gelangen. Am 22. Februar hatte nach alteni Brauch die Innung ihr Quartal. Zur Berathung stand ein Antrag, die Innung möge die Regierung ersuchen, in Nowawes Fabriken z» errichten, um aus eigene Rechnung Webewaareu herzustellen. Dieser Antrag wurde nach eingehender Debatte abgelehnt mit der Motivirnng: darauf ginge die Regierung doch nicht ein. Da- gegen wurde ein Antrag angenomnien, die Regierung zu ersuchen, in Nowawes Mililärtuch anfertigen zu lassen. Es scheint nun sehr fraglich, ob auf diesem Wege die erhoffte Wirkung erreicht werden wird. Was die Weber in Nowawes ver- langen, würden die Hausweber an anderen Orten gleichfalls bean- spruchen. Dann aber dürsten die großen Tuchliefernngen für den einzelnen sehr klein werden und der Versuch, auf diesem Wege eine rückständige Produktionsweise zu erhalten, müßte ebenfalls miß- glücken. In verschiedenen Blättern wird es nun so dargestellt, als ob die seil einigen Jahren hier bestehende mechanische Weberei an dem herrschenden Elend Schuld trüge. Jeder Unbefangene muß aber «inseheii daß gerade diese Fabrik, trotz ihrer niederen Löhne, für den Ort in diesem Winter ein Vorthetl war, indem mancher Arbeitslose Beschäflignng erhielt. Sollten noch einige Fabriken hier«tablirt werden, dann hat das letzte Etündlein der HauSweber geschlagen. Diese inüffen dann als Arbeiter in die Fabrik gehen. Geben sie dadurch di« ohnehin fragwürdige Selbständigkeit auf. so kommen sie jedoch and-rseilS in die Lage, in Verbindung mit den übrigen Arbeitern der Webereien«ine Befferung der Lohnverhältniffe und damit ihres eigenen Verdienstes herbeizusühren. was sie jetzt eben nicht können. Arbeiter-Risiko. Auf dem Brückenbergschacht in Zwickau verunglückte der 22jährige Lehrhauer Gustav Schulz aus Miilsen Et. Micheln dadurch tödtlich. daß er von einem abrollenden Hunt erfaßt und»wischen Schachtwand und Hunt derart gequetscht wurde, daß er einen Schädel- und Wirbelbruch erlitt. Auf dem gleichen Werke erlitt der Fördermann Fuchs aus Zwickau durch hereinbrechende Kohlen« und Gesteinsmasse» lebensgefährliche Ver- letzungen. Aus dem Sleinkohlenwerk in Hänichen sind im vorigen Jahre 38 Unfälle vorgekommen, davon 2 mit tödtlichem Ausgang._ VersAmmlungem Der Arbritcrvertreter-Verein hielt am Dienstag Abend bei Buske seine Monatsversammlung ab. DcrVorfltzende Simanowski theilt mit, daß die Petition des Vereins zur Novelle des Unfall- versichernngs-Gesetzes dem Reichstag in 450 Exemplaren zugegangen ist. Nachdem nunmehr auch das Jnvaliditäts- nnd Alters- versickmuigs-Gesetz die Beratbungen des Bundesraths passirt hat nnd an den Reichstag gegangen ist, soll die zur Durchberathung einer auf dies Gesetz bezüglicheii Pelrtion gewählte Kommission sofort zusammentreten und eine für die Interessen der Arbeiter bei dieser Novelle eintretende Petition dann baldmöglichst gedruckt werden.— Sodann wird mitgelheiit, daß die Schlächlereibetriebe, die bisher der Nahrungsmittel-Jiidustrie zugehörten, zu einer eigenen Fleischerei« Berulsgenossenschast zusammengefaßt worden sind. Es ist dies die 65. gewerbliche Berufsgenossenschast; dieselbe hat sieben Schiedsgerichte errichtet, davon eins in Berlin.— Ferner wird berichtet über die Errichtung einer Sanitälswache in Verbindung mit der Charitee und einer Unfallabtheilung zu 50 Velten in der- selben Anstalt. Der„Vorwärts" hat hierüber das Nähere bereits mitgetheill. Es wurde darauf hingewiesen und gerügt, daß die ver- »nglückte» Arbeiter in dieser Unsallabtheilung nun ebenfalls als Objekte des Sludiuins dienen werden. Gutheit macht darauf aufmerksam, daß den Vertrauensärzten der Berufs- genoffcnschaften der regelmäßige Besuch der Verunglückten erlaubt sei» soll, den Acrzten der Kassen aber nicht, trotzdem diese doch die erste» 13 Wochen zu zahlen haben. Auch weist er auf folgende Verschlechterung hin: Infolge der starken mediko-mechanischen Behandlung, der Bäder, Massage:c. tritt oft eine scheinbare Besserung ei» und die Verunglückten werde» als gc> hellt entlassen. Kommt das Leiden dann später wieder zum Vor- schein, dann ist es beim heutigen Stande der Dinge verhältnißmäßig leicht, von autoritativen Aerzlen ein Obergntachten zu bekommen, daß die Krankheit noch weiter besteht. Sind die Kranken dagegen in der neuen Unsallabtheilung schon von den Professoren behandelt worden nnd ist die erwähnte scheinbare, später wieder verschwindende Besserung eingetreten, dann wird es schwer sein, ein Obergntachten zu bekommen, das der Bescheinigung jener Autoritäten widerspricht. Auch die Krankenkassen haben unter dieser Verschlimmerung alter Unfallschäden sehr zu leiden, weil sich die Arbeiter viellach krank melden, ohne zu sagen oder selbst zu wissen, daß es sich um eine Nachwirkung des Unfalls handelt. Freilich schädigen sie sich dadurch selbst, daß sie sich nicht an die Bernss- geiiossenfchast mit einem Renteiiaiispruch wenden.— B u ch h o l z rügt das Verhalten vieler Arbeiter, die aus Anstalten wie Neu- Rahnsdorf nnd sonstigen Krankenhäuser» hänsig heftige Klagen an die Vereine oder Zeitungen schicken. Komme man dann aber hin, um zu recherchiren und sollen diejenigen, welche die Klagen vorgebracht haben, ihre Behauptnnaen auch persönlich ver- treten, dann will niemand etwas gesehen haben und die Recherchiren- den sind der Anstallsleitung gegenüber die Blamirteii.— Die Ver- sammlnng beschließt dann norti, daß der Vorstand di« Charitee- direktion um eine Besnchserlaubniß der neuen Unsallabtheilung für den Arbeitervertreter-Verein ersuchen soll. I» einer Schneider- nnd Nähcrinncn-Versammlnug, die am Dienstag in den Arminhallen statlfand, sprach T i m m über die beabsichtige Ansdehnung der Krankenversicherung aus dieHausindustiellen.(Vergleiche unseren heutigen Artikel. Die Redaklion.) In der Diskussion wies Ad. Schulz aus den Widerspruch hin, der darin liege, daß da? Gcwerbegerichls-Gesetz die Hausiiidustriellen mit einen» Jahreseinkoniiiicn bis zu 2000 M. als Arbeiler betrachte, während das vorliegende Ortsstatnl schon bei 1500 M. die Ver- sicherungspflicht aushären lasse. Außer diesem Redner sprachen noch Zander»nd Witte, dann wurde folgende Resolution angenommen: Die Versammlung erkennt in der Ausdehnung der Kranken- Versicherung aus alle Hausindustriellen eine dringende soziale Nothwendigieit. Gegenüber der von detheiligten Unternehmern de- kündeten Absicht, die nach der Vorlage des Ortssiatuls ver- sicherungspflichtige» Hausindustriellen, die unter 1500 Mark Jahreseiiikommen haben und gewerbestenerfrei sind, nicht z» beschästigen, ist die Versammlpng der Ansicht, daß, um diesem Bestreben entgegen zu treten, die Grenze des die Ver- sicherungspflicht bcgriindeiiden Jahreseinkommens aus»lindestens 2000 M. erhöht werden muß, sofern es nicht als zweckmäßig erscheint, die Heranziehung der Hausiiidusirie in dem volle», vom Gesetz zugelasjenen Umfang durchznsühren. Vor allem aber er- wartet die Versammlung die strikte Dnrchsührnntz des Artikel III Abs. 4 der Vorlage des Orlsstatuts,»vonach dem Unternehmer die Lasten der Versicherung auferlegt werden. Der Holzarbeiter- Verband hatte in seiner Aeneralversamw- lung am Dienstag Abend die Wahl eines ständigen Arbeits- Vermittlers zu vollziehen, die an stelle des ans diesem Amt aus- geschiedenen Mitgliedes Wiedemain» nothwendig wurde. Nach längerer Debatte, die über die vorgeschlagenen Kandidat«» für diesen Posten gepflogen»vurde, erhielt bei der Abstimmung das Mitglied M a a ß von den abgegebenen Stimmen die große Majorität. Bei der Ersatzwahl zweier Borstandswitglieder wurde Lenz zn»> Schrislftthrer und P l a s s e zum Beisitzer gewählt. In den Ausschuß delegirte die Versamnilnng das MUglied En Ic Ilfeld. Wie der Bevollmächljgte Glocke bekannt gab, haben für dies Frühjahr 24 Slädte mit zirka 13 000 Arbeitern eine Lodnbewegimg angemeldet. In den meisten Fällen handelt es flch bei den aiigenieldelen Streiks um eine Verkürzung der Arbeitszeit. Die hiesige OrlsverwaUnng wünscht aber, daß vom Vorstand bei den Zahlnellen dahin gewirkt wird, bei den Forderungen die Beseitigung der Ueberstuiideiiarbeil zu verlangen. Redner weist darauf hin, daß gegenwärtig in der Provinz bedeutende Fabriken in der Holzindustrie eiilstehen, die bei Ausnutzung einer langen Arbeitszeit und niedrige» Löhnen den Berliner Arbeitern schwere Konkurrenz machen. Es ist deshalb nothwendig. daß die Organisation mit diesen Kollegen Fühlnng sucht. I» der Diskussion theilte Millarg mit, daß auch den Berliner Tischlern»viederum Kämpfe bevorstehe», da die Berliner Tischlerinnung in ihrer letzlen Sitzung beschlossen hat, die Arbeitszeit zu verlängern, um de» alten Zustand vor dem Streik herzustellen- Der Orlsverwallung wurde anheimgegeben, wenn sie es für zweckmäßig dält, eine Konferenz der Zahlstellen in Brandenburg einzuberufen- Damit schloß die überaus gut besuchte Versammlung. Im Textilarbcitcr-Verbaud Filiale I»vurde nach einem Vortrage des Genossen Kotzkecim der Kassenbericht erstattet. Danach betrug die Einnahme im IV. Quartal 1896 inkl. Bestand 585,23 M.. die Ausgaben 438,26 M. Die Richtigkeit»vird von den llievisoren bestätigt. Für die streikenden Textilarbeiter in L i e g n i tz»ver den 20 M. beivilligt; bestätigt wurde, daß dem Kollegen Schmidt 267,93 M. übergeben sind. Zinn 1. Mai soll«in Ausfing nach Johannisthal unlernonunen»verde». Zentraltierein deutscher Giirtuer. Dem gestrigen Bericht über die Berhandlnnge» der General-Versamniluiig»st folgendes nachzutragen: Der Verband erhält den Namen„Deutsche Gärtner- Bereinigung". Die Beiträge an die Generalkommisston sollen,»vie bisher, anS der Zentralkasse entnommen»verde»,. Dem Geschäfts- führer»vird Decharge erlheilt. Das Statut, welches eine längere lebhafte Debatte hervorruft,»vird in der Vorlage mit einigen Ae»der»lngei> angenommen. Als 1. Vorsitzender des Ha»,ptvorsta»des »vird Müller und als Geschäftsführer Holm wiedergeivählt. Nach einer Ansprache Müller'», in welcher derselbe de« Tele« girten rege Agitation für unsere Bewegung ans Herz legt, erfolgte Schluß der General-VersammUlng. Wilmersdorf. In einer öffentlichen Versammlung hielt am Sonntag Nachmittag Reichstags- Abgeordneter Fritz Zubeil eine» trefflichen Vortrag über den Militär- und Marine- Etat vor dem Reichstage. Die begeistert aufgenommenen Ausführungen des Referenten gipfelten darin, daß niemand im stände sei, dem sieg- reichen Vordringe» der Sozialdemokratie eine» Damm entgegenzn- setzen. Unter Verschiedenem»vurden die hygienischen Berhälliiisse in der hiesigen Geme»ndeschule kritistrt und gelangte eine Resolution zur Annahme, welche den Gemeindevorstand auffordert, für»n- entgeltliche Bade- Einrichtungen oder Badegelegenheiten der Ge- meindeschüler Sorge zu tragen. Zum Schluß»vurde der gutbesuchten Versammlung noch eine Beschiverde des Genossen Klingenberg unter- breitet,»vonach derselbe im» 10 Uhr abends sei» Lokal zu schließen habe, um den bei ihm verkehrende» Arbeitern angeblich„Gelegen- heit zu gebe», sich mehr ihrer Familie zu»vidmeu". Pankow. In einer öffentlichen Versammlung der Maurer von Pankow, Nieder- Echönhausen, Weißensee und Heinersdorf. »velche in Pa„ko>v in» Saale des Herr» Störr tagte,»vurde de- schlösse», in, Jahre 1897 nicht unter 55 Pf. Minimal- Stundenlohn und nicht über 9 Stunde» pro Tag zu arbeiten. Diese Beschlüsse sollen sofort in kraft treten. Auf allen Bauten, auf welche» diese Forderung nicht beivilligt wird. solle die Arbeit eingestellt»verden. Als Kominissionsinitglied»vurde Kollege Pohl aus Nieder- Schön- hause» gewählt. In Rieder-Schönhaus«» tagte an» 28. Februar eine Lffent- liche Zimmcrerversammlling, in der Fischer« Berlin in einem beisällig ansaenommene» Vortrage über die Aufgaben der Zimmerer in diesem Jahre sprach. Redner befürivortete einen engen Zu- saniiiienschluh mit Berlin, dainit auch die drei für Pankoiv»iiid Schönhanse» in betracht kommenden Arbeilgeber die Forderung der Zimmerer einhalten»»üssen. In der Diskussion»vurde» verschiedene Mißstände zur Sprache gebracht nnd die Mitglieder ersucht, sämint- liche Vorkommnisse dem BertrauenSman» G u st. M i t t e l m e y e r, Pankoiv, Kaiser Friedrichstr. 69, zu melde». Zul>,>t»r-Ki>,>»»rl>»>»d Bevit»» und Umgegeud. Bsvgsender Ad. Sleuman». Pale,valle»!>v. s. Alle Aendevungen Im veretnSlalender sind tu eichte» a» Friedrich »» o r I u>», Manlensfelftr. t», v.« Tr. Ardrtter- N»>icherd,,»d<«»»,,» und Zluiaegend. Aeiideruiiaen Im Beieintlaiender sind zu richieu an Hermann B r a u n l ch w e t g, Dresdener- strabe 80, e. Hot, 4?r. Knud der o«s«»ige» Zirb«iteru»r«>>»» Aerliu«»»> zi>»o«se»d. All« Znschrislen, den Bund deireffeud, sind t» richten an P. Gent, L. Dresdener- straße 107/8. Zivd«i»«r-K»ldu»ig»schnle. Donnerftaq Abend s Uhr biSivxUhri Südost- schule, Waldemarftr. u: Rede-Uebung(Die wichltasten technischen»rundsätze für die Kunst des Sfseniltchen Redens. Sehr« vom Aufbau eines BorlrageS). Herr Heinrich Schulz.— Nordschul«. Brunnenstr. 85: ffltfchlchte(Alle(Seschtchte. sirzen.«ntsiehung der Religionen. Orientalische Völker. Griechen und Römer). Herr Dr.<&. Pinn. fi»£«rabe 57: Vortrag des Herrn Joh. Sassendach: „Die Verfassung des Deutschen Reiches." zi«r«i» für Körper, und Unturlieilllnnde. Heute Abend eK Uhr, Adnuralstraßs i«a: Vortrag des Herrn Grundmann über:„stinderlrantheitcn, deren Gnlstehung und naturgemäße Behandlung." K«rii»«r?l,rat«rver«ii>. Sitzung jeden I. und s. Montag t»» Monat bei Linie, Iüdenstraße so. tz. März: Maskenball ts. Ins.). S5. April: Borstellung det Keller, Koppenstraße._ Briefkasten der Redaktion. O. L. Heckel, Prinzcsstnnenstr. 1/2 IV- Fr.. Tapezirer. Beachten Sie die betr. Mittheilung im lokal«» Theil unseres Blattes, Ei» Abonnent. Die von Ihnen gemachten Anregungen wurden schon im September 1894 berüctsichtigt, heute sie zu wiederholen, liegt besonderer Anlag nicht vor. Schuh. Der Wirth müßte auf Exmission klagen,— W. 100. a. Wenn er etwa 20 000 M, Jahresumsatz hat, d. Nein, o. Der Bcfannte ist im Recht,— R. S. 100. Geringe törperliche Fehler,— Westend. Ja. A.B. Sie können die Fordemng Ihre« Schuldners durch das Anitsgericht sich zur Einziehung überweisen lassen, sobald ein vollstreckbares Urtheil aus Zahlung gegen Ihren Schuldner vorliegt.— A. R. Sie sind im Recht.' WiiternngSiibcrsicht von, 3. März 180?. Weiter-Prognos« für Doltnerstag» de»« 4. März 180?. Ein wenig wärmer, zeitiveise ansklärend, vonviegenb trübe mit Niederschlägen und ziemlich frischen westlichen Winden. Berliner Wetterb nreau. Achtung! Genossen n. Genossinnen! mr Oeffentlicho SozialdmoMt.VatttimsWMlM!g für de» Kreis Riederbarnim am Sonntag, den 7. März, vormittags 11% Uhr, bei Herrn Karl Svchigu Frankfurter Allee 193. Tages-Ordnung: 1. Bortrag des Reichstags-Abgevrdneten Artliar StaeKhagen über: Die politische Lage. 2. Diskusston. 3. Ansstellung eines NeichstagS- ttaudldaten, 4. Wahl von zwei Mitgliedern zur Preßkonlmisflon-[222/16 Entree 10 Ps.___ Per Vci-traucntiniaiui. All die Töpfer Kerlins und Umgegend. Kollegen! Laut Beschluß der öffentlichen Versammlung vom 25. Februar wurden die Kollegen aufgefordert, auf jedem Bau einen Vertrauensmann zu ernennen, welcher alle Vorkommnisse auf demselben der Kommisston alle Sonnabend K l o st e r st r, 101 zu unterbreiten und für Abführung der Beiträge zn sorgen hat. Diese Thätigkeit der Vertrauensleute ist für die Förderung unscrer Aufgaben von größter Wichtigkeit und haben wir hin- sichtlich dessen den Wunsch, daß die Kollegen von jedem Bau„gleichr.el »velcher Richtung« sie angehören, selbst wenn ste nicht organistrt sind, im eigensten Interesse dem eifrigst nachkommen!— Gleichzeitig geben wir den Kollegen bekannt, daß am Freitag, den 5, März, Abends 6 Uhr, im Arbeitsnachweis. Klosterftr. 101, bei Moll, eine Vvi-tK-aavnsinilaavi'-iSItAaatr stattfindet, in welcher die Absichten und Wünsche der Kollegen durch die Vertrauensleute zum AuSdniil gebracht werden sollen. 193/12 Nochmals ersuchen wir die Gesainmtheit, sich nicht durch die avteh- «ende Haltung einzelner Kollege» von ihrer Pflicht abgalten zu lasse... Die Kvumussion. Für den Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei _ Verantwortung. Ttzeakev. Don«er st ag, den 4. M ä r z. Opernhaus. Wilhelm Teil. Schauspielhaus. Sufaiitafeiia. Deutsches. Der Sohn des Khalisett Berliner. Hairan. Lessing. Ein Tropfen Gift. Neues. Morcclle Ostend. Zu hoch hinaus. Westen. Die berühmte Frau. Residenz. Assodss. Linden. Indigo und die vierzig Räuber. Thalia. Frau Lieutenant. Schiller. Am Tage drö Gerichts. Zentral. Ein fideler Abend. Volks. Bon Stufe zu Stufe. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Heinrich Heine. Alcxanderplah. Eine pikante Ehe. Passagc-Paiioptikum. Affentheater. Apollo. Spezialitäten. Deke-Alliante-Theater Volks-Vorftellnug unter Regie von.siiktn» Tilrk, Sonntag, den 7. März, nachm. 3 Uhr: Gastspiel der Damen Martha Freh und Therese Freyburg; der Herren Heinrich Schulz und Wilhelm Rnff. Zum ersten Male:I Die zungsrall m Lelms. Romantische Tragödie von Fr. Schiller. Johanna: Martha Frey. AgneS Sorcl; Therese Freyburg. König: Richard Jlirgas. Dunois: Heinrich Frey. Burgund: Wilhelm Rufs. Lionel: Heinrich Schulz. Talbot: Julius Türk. Die Kostüme, Requisiten, Waffen sind aus den kunstgelverblichett Werk- statten von P. Hildebrand. Eintrittskarten ä 00 Pf. sind in den bekannten Geschäften zu haben. Osteud-Theater. Gr. Frankfurterstr. 132. Dir.«.Weih. Heute und folgende Tage: Zu hoch hinaus! Volksstück in 4 Akten von M. Güncher. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Der Walzerkönig. Thalia-Theater. (vormals Adolph Ernst-Theater). „Frau Lieutenant.« Vaudeville in drei Akten von Paul Ferrier und Antony Mars. Deutsch voll Hermann Hirsche!. Musik vvil G. Serpette und V. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Sonntag, nachm. 3 Uhr: Trilby. Sckillvv- T tzvatov Donnerstag, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Freitag, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Alep&wW-Tiptei:. Kleine Preise. Anfang 8 Uhr. Heute und die folgenden Tage: Eine pikante Ehe. Berliner Poffe mit Gesang und Tanz in 4 Akten von E. Prudens. Bons, auch die zu anderen Stücken ausgegeben sind, behalten ihreGiltigkeit. Sonnabend, den g. März 18S7: Einmaliges Gastspiel des Gebrüder Herrenfeld'schcn Budapcster Poffcn- Theaters. Eine Partie Klabbrias und Endlich allein. Sonnabend nachm. 4 Uhr: Auf allgemeines Berlailgen: Gastspiel der kleinen Hänsel und Gretel-Darsteller Geschw. S e i tz: Hänsel u. Gretel. Zaubermärchen m.Gesang in 5 Bildern. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Kinder-Vorstellung. Frau Holle. Zaubermärchen mit Gesang u. Tanz in 6 Bildern von E. Prudens. Billets sind ohne Vorbestellgebühr schon drei Tage vorher alt der Theater- lasse zu haben. Vormittags 11—1 Uhr und abends von Vs7 Uhr an. Friedrich WilheliH. Theater. Heut und die folgenden Tage: Gast- spiel des Herrn vom Thalia-Theater tu Hamburg. WU Uhr: Heinrich Heine. Hühner- augen-Operateur u. Lotterie-KolleNeur Hirsch: Carl Pander a. G.- Vor- her 8 Uhr: Eine Tafle Thee. Lust- spiel in 1 Akt nach dem Französischen von W. Drosr. . Sonnabend nachm. 4 Uhr(Kinder- Vorstellung): Frau Holle. Zauber- Märchen mit Gesang und Tanz in sechs Bildern von E. Pnldens. Sonntag nachm. 4 Uhr: Klassiker- Vorstellung zu kleinen(Abonnements)- Preisen: Der Trompeter von Säkkingen. Romantisches Schau- spiel mit Gesaug in 3 Akten(7 Bil- dem) von Emil Hildebrandt und Julius Keller. In Vorbeituug: Moderne Jung- frauen. Berliner Posse mit Gestwg in 3 Akten von Alfred Schniasow und R. Nivel. Musik von Albert Wicher. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestcllgebühr an der Theater- lasse zu haben. Außerdem im In- validendank, Unter den Linden 24, bei Paul Romeick, Leipzigerstraße«>, und Julius Lengenfeld, Markgrasenstr. l><). Uolks- Theater �34 Reichenbcrgcrstr. 34, PferdcbahnstationKottbuserThor. Jeden Abend 8 Uhr, Sonntags 7 Uhr: M Stllse zu Stufe. Cetttral-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. Abends V-8 Uhr: Zum 28. Male: Ein lideler Abend. Morgen Freitag: Zum 29. Male: Ein fideler Abend. Mitti' Possen-Theater| MUnsEstrasse 17. (Eingang Königsgraben.) Direktion: Joseph Aschingrr und Leonhardy Haskel. Allabendlich Punkt V-IO Uhr: 1 Xovität! Xovitüt! I Baruch und Sohn.j kieue Specialitäten! Ansang der Vorstellung 8 Uhr. Kasseneröffnung 7 Uhr. Entrce 30 Pf. Die Direktion. lZonoonjia Variete-Theater Brnnnenstr. 154. Täglich: Groose Theater- und Spezialitäten- Vorstellung:. Das beste Programm d. Nordens. Reu! Tro u p e R i ch a r d t(1 Herr, 1 Dame, 1 Kind) Akrobaten. Neu! Kathi Richter, Tyrolienne. Neu I-ong antl little Adolfi, Tanzdnettisten. Neu! Ein geplagter Dichter. Posse. Anfang Wochentags 7>/z Uhr. Sonntags 0 Uhr. Umtausch- Billets haben Giltigkeit. Circus Renz Karlstrasse. (Jubiläums-Saison 1896/97.) Donnerstag, den 4. März 1897, Abends 71/2 Uhr: Elite-Vorstellung Durchschlagender Erfolg. Aus der Mappe eines Außerdem die hervorrag. Nummern des Nepertoirs. 4 arabische Voll- blut-Schimmelhengfte. als Fahnen- Pferde dressirt und vorgeführt v. Dir. Fr. Renz. Mazud und Athar- guel, arabische Hengste, dressirt und vorgeführt von Herrn Hugo Herzog. (juadrills ä la cour. geritten von 8 Damen und 8 Herren. Freitag, 5. März 1897, abends TV» Uhr: Aus der Mappe eines Riesengebirgs-Phantastcn. Bahnhof Btfrse. Donnerstag, den 4. März 1897, Abends 71/, Uhr: Das Tagesgespräch von Berlin: Nach Sibirie»t. Außerdem: Convcrsano II, drcss. u. ger. v. Herrn Foottit-Vurghardt. Fauler Zauber, arab. Hengst, geritten von Mlle. Eugenie. 4 Fuchshengste als Thurmspringer, dress. u. vorges. vom Dir Busch. Austreten der her- vorragendsten Reitkünülerinncn und Reitkünstler. Mr. Goleman m. sein. dressirteu Hunden und Kapell. Spezialitäten 1. Ranges. Vorzügl. Klownö. Morgen: Nach Sibirien. HM- An den Tagen der Zentenar- seier, 22. und 23. März, stehen den II P 9 n i a Tauben- Strasse Ulallla, Ufo. 48-4». Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt 59 Pf. Wissenschastl. Theater abends 8 Uhr. �lPLUkUUftpAnvalidenstr. 57/82 All lIlUi Ulli Lehrter Stadtbahnhof. Täglich von 7�/2 Uhr abends ab 59 Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Experi- menten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge. ftmopticiini. Vom ' 6. März ab: 32 Mädchen aus Samoa. Castan's■■ Panopticum. Pygmäen >ie kleinsten Die beiden indische»_ die kleinsten Menscheil der Welt! Damen-Wettschwimmeu. Apollo-Theater. Fr/edrtchstr.S18. Dir. J.Glück. Neue Debüts! Carmencita Five Sisters Lorrison Der Kinetograph mit vullständ.„neuer« Bilder-Serie und dem Sensationsbildc: W> Bndlich allein! Bi Kasseneröffnung 6V2 Uhr. Ans. 7i/z Uhr. Koircerthaos Sanssouci, Kottbuser Strasse 4a. Heute, sowie jeden Donnerstag und Sonntag: Stettiner Sänger (Meysel, Pietro. Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder). Anfang 8 Uhr. Entrec 59 Pf. Vorverkauf 49 Pf. Neues Programm! Zum Schluß: «subp»'» Konservatorium für Mnsjke. Ensvmble v. Meysel. Freitag: Biktoria-Brauerel. Sonnabend: Köpenick„Klein's Hotel«. Vchtuni;! Achtung! Künstliche Zähne von 3 M. an, Theilz. lvöchcntl. 1 M., wird abgeholt. Zahnziehen, Zahnrcinigcn, Nervtödten bei Bcstcllilng umsonst. Jnhabeni desMilitär-Bc'rdicnstkreuzcs und den Rittern des Eisernen Kreuzes 1. Klasse Plätze im Cirkus kostenfrei WUrthf»! billig. Ostbahn-Gebäude zur Versügung._ WCOQgl«ni«üstriner Platz.» küimlrnl Lanfitzerplatz 2, Elsasser- UUtaCl, str. 12, Steglitzcrstr. 71 1. Der Krieg auf Kreta! Xenester Sehlager von Siegwart Genthes in IKaufmanrVarietei als Sultan der Türkei. 1. Wahlkreis. IM- Freitag, den 5. d. Mts., abends 8V2 Uhr, im großen Saale des„Branden- bnrger Hauses«, Mohreustr. 47, Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Orientwirren — Friedensbewegung vom national- sozialen Standpunkt. Referent: H. Bousset(Verleger der„Zeit"). 2. Freie Diskussion. 3. Verschiedenes. Freunde und Gegner, Männer und Frauen sind eingeladen. 264/20 Ter Einbcrufer: Fr. Weinhausen. Todes- Anzeige. Nach 27jähriger glücklicher Ehe ent- riß am 1. März, morgens IIV2 Uhr, der Tod uns unsere herzensgute Gattin und Mutter 1104b Wilhcliulne Beilke, tief beweint von ihren Hinterbliebenen. Ferd. Beilke, Tischler, nebst Kindern. Die Beerdigung findet Donnerstag, d. 4. d. M., nachm. 8-/2 Uhr, von Trist- straße 2 aus nach dem Nazareth-Kirch- hos, Dalldorscr Chaussee statt._ Erkläre Frau Stcvin für ehrlich und rechtschaffen. sl4lb Frau Schulze, Lortzingstr. 13. Ehrenerklärung. Die Verleumdungen und schweren Beleidigungen, die ich gegen Frau Louise N a d r 0 w s k i, Schönlein- straße 17, ausgesprochen habe, beruhen auf Unwahrheit. Ich erkläre dieselbe für eine ehrenhafte u. anständige Frau, nehme alles zurück und bedauere es gesagt zu haben. Frau Rothmann, Schönleinstr. 17. 129b F«i,-Palast.„Ä Direktion Winkler& Frttbel. Sehen! Das Staunen! Durchweg neue brillante IM" Riesengrosse-MG März- Programme Sensatious- 20 Nummern. Neu! Soubrette auf dem Zwcirad. Ansang 71/2 Uhr, Sonntags 7 Uhr. Elitree 30 Pf. bis 1 Mark 90 Pf. Alcazar V arl£t£-Theater I. Ranges. Dresdenerstr. 52/53(Citn-Passage) Annenstraste 42/43. Geschwister Gottlieb. Prof. Roberts. Wendini. Anfang: Sonnt. 8 Uhr, Wochent. 8 Uhr Freikarten in der Woche giltig. Entree 39 Pf. Die Direktion. Welt-Restaurant V arl6t€- und Spezialitäten- Theater. Dresdenerstrastc 97. Novität! Novität! Novität! Das taazeiliie Berli». Im vorderen Saal täglich: Ktinstler-Rrel-Ronzert. Anknua: I(futtcc• Wochent. 7Vj Uhr. Wochentags 20 Pf. Sonntags 0 Uhr.| Sonntags 30 Pf. Jul. Wernau'5 Festsäle, Schwedterstr. 23 24 3 Vereinszimmer, gut eingerichtet, von 80—11)0 Personen fassend, 2 verdeckte Kegelbahnen noch einige Tage in der Woche zu vergeben. 10330* Telephon-Amt III, Nr. 2440. Achtung! Achtung! Empsehle alle» Kollegen und Ge- nassen meine Restauration 1170C* Zur Metallarbeiter-Börse. Vereins-Zimmer mit Piano bis 40 Persouen zu vergeben. Achtungsvoll: W. Hansen, Restaur., Danzigerstr. 93. iSmpfehle allen Freunden u. Bekannten v nieinWelss-, Balrlschbler- und gr. Speisegeschäft. Reichhaltiges Frühstück von 30 Pf., Mittag mit Bier 50 Pf. sowie Abendtisch a la carte von 30 Pf. an. 2 Vereinszimmer mit Klavier für 20—50 Personen.* R. Stramm, Rest., Ritt erstr. 123. R. Scheere, Sr» Gr. Vereinszimmer frei Dienstags und Freitags. Gr. Kinderbettslelle, fast neu, z. verk. Kalutza, Sorauerstr. 18, H. IV. sllöb MüljlknSraße 8. nahe Oberbamn, sind zum 1.?lpril freundliche, billige Wobunugen von 2 und 1 Sttibe nebst Küche und Zu- behör, z. vermiethen. Ter Verwalter. In unseren 9801,* 34 Schankstätien verzapfen wir vom 31. v. M. ab_•,.-., 4|i0 Liter Bockbier feinster Oualitat für 10 Pf. I.agerbier nach wie vor 1 � Ltl*« 3 PfC|a 15 halbe Literflaschen). 1 20 kleine Weissen j Je � Kantinen und Werkstätten höchste Rabattsätze je nach Uebereinkunft. ff P s■■ c p c. GERMANIA——— Frankfurter Allee 53. VuchhÄNdlung Vovwiirts Berlin 8«., Beutlistraße S. C—— V7V-- u Soeben ist erschienen: Zit KlllldhabNg des Ntttiss- md Nttsmmliiligrkihts im Königreich Kuchseu. Auf Grund des Thatsachen- Materials dargestellt von A. Bebel. I6S S. S». Preis Mt. 1. Porto 10 Pfg. Da die Schrift zur weitesten Verbreitung in Partei- m kreisen bestimmt ist, haben wir auch eine Agitatious- Ausgabe herstellen lassen, die wir den Genossen bei Partienbezug zum Preise von 30 Pfg. liefern können. Der Vorwärts schreibt über diese neueste Schrift Bebels: Die nicht ganz reallionären Zettungen, welche noch nicht zu allen Gesetzesauslegungen, wenn sich ihre Schärfe gegen die Sozialdemorralte richtet. Ja und Amen sagen, haben seit Jahren über die mehr als eigenthümliche Handhabung des sächsischen Vereins- und Versammlungs- rechts berichtet. Es war ein großes Verdienst, all' das Material zusammenzustellen und es der weitesten Oeffentlichteit vorzulegen. Es aiebt nicht leicht ein interessanteres und lehrreicheres Buch als das hier angezeigte für den, der sich über den Stand der politischen Freiheit im Deutschen Reiche unterrichten will. Dem fleißig gesammelten Material über die Handhabung des sächsischen Vereinsrechtes sind eine Einleitung und Schlußbemerkungen aus der Feder Bebels betgegeben. Wir wünschen der Schrift zahlreiche Leser, vor allem im Kreise unserer Gegner. Vielleicht steigt doch einem oder dem anderen die Schamrolye ins Gesicht. Herr v. Metzsch freilich wird diese Schrift wohl nicht mit einem Gefühle der Befriedigung aus der Hand legen. Nies SlhützechaTLillitilstr.Z, empffehlt seine Söle, 560 Personen fassend. Neu eröffnet: Xatur garten. Sitzplätze für 300 Pers. Sonnabende im April, Mai, Juni, Füll k. noch frei. Feuerstein's Festsüle. Alte Jakobstraste 75; Simabtud, k. Marz: Wiener Maskenball des Berliner Theatervereins. DM- Der Reinertrag ist für emen guten Zweck bestimmt."*6 Karten bei den Mitgliedern und im Lokal,_ Ans. 8V2 Uh1'- T liglich: W a r m e 1 rühstäck zur Auswahl, A£cht 'Müncliener << � A�BÜrgerhräu U vV' P''sener, hiesiges k AiV�e11- u. dunkl. Lagerbier ftyr.; WciNsbier. Rohtabak Größte Auswahl! Billigste Preise! Gitter Brand! Vorzügliche Qualität! Sämmtliche'VS Fabrikations-Utensilien. (Neue Formen, sehr gr. Ausw. a 1,49 M.) Man verlange Preis- Verzeichniß. 10S8L« Heinrich Franck, Nr. 185, Brunneuftr. Nr. 185. knkiM Empsehle alle Sorten Tabake in guter Auswahl zu bekannten billigsten Preisen. M. Herholz, Brunnenstn*. 188. CrT Möbel-Aus verkauf wegen Unizugs des Möbelspeichers Rosen- Ihalerstr. IZ. Um»le ganz dedeutenden Transport-Unlosten zu ersparen, verlause ich meln gesammles Waarenlager zujedem annehmbaren Preise. Zum Umzüge u. für Branlleule ist somtl Selegenheil gegeben, ganze Ausstallungen, sowie einzelne Slücke ganz besonder« billig einzulausen. Esstehen vieleetnsache, mittlere u hocheleganle Ein- rlchiungen am Lager, welche evenl. an Fremde-e.unler toulanlesien Bedingungen verliehen werde». Berlielxn gewesene u. gedrauchie Möbel zu halben Preisen. Z.B: Kleide rsvlnden 1 5,22,20-100, Kommoden 10— zo M. Kuchenspinden l«— 75, Elühle 2— l2,Bellslellenm.Sprungsedermalrah«n 18,23,30, 30—100, Trumeaux 30,«0— wo. Bussels,llnderbureaur, eleganie echl Nubb.-Damenschrelbttsche*0,»0—100 Mk. lSarnituren 50, 7», 105—350, Spiegel tn allen lSrößen und Arien, Frigr-Toiletten, Sopha« 1», 23, 3« Mt.-e. Eig. Tapezier- u. Teloral.-Wertslatt, vier grobe Möbel- Lagerräume. Einrichtungen auch aus Theilzahlung, Beamlen ohne Anzahlung. Eelaüsle Möbel können belieb. Zeil stehen bleiben u. werd. durch eig. Gespanne sauber lranSporl irt u. t. der Wohnung, ausgestelll. Künstliche Zähne. F. Steffens. Rosenthalerstr. 61, 2 Tr. »s Theilzahlung pr. Woche 1 M. Rover verkauft billig, Trisrstr. 47, Komtoir Nutzholzhandlung. 112b Ar 36 Mark feinste Anzüge nach Maaß. Für 30 M. ff. Somiiier-Paletot nach Maaß. Für 8—12 M. feinste Hosen nach Maaß. Gehrock-Anzüge zu billigsten Preisen. Groß-Stofflager. 1135L» Krausenstr. 14, 1, kein Laden. Fertige Bellen, ggg Xopstttsen, mit gereinigten neuen Federn, von l!i zu. an, fertige z«trtt», Bettwäsche, Matratzen jeder tzlrl, Ziepp-.Schlas-, Beildecke» u. Polster- Bellstelle» emps. billigst das als streng reell betannle,>«70 gegr. Spez.-Äesch. S. Pollack, lstranlenstr bl, a.Morltzpl. Brockhaus, Meyer's Lexikon sowie andere neuere u. ältere werthvolle Bücher jed. Wtsseilsch. beleiht u. kaust Zlntiauarigt kochftr. 59. Arbeitsiillllkt. Achtung: Holzarbeiter! Der Streik bei!8 t e 1 n e r, Bliimenstraste 38 und K u n c r t, Wilhelmstraste 196 dauert fort. Wg sernhillttll! In der Werlstatt von Voss, Blischingstr. 26 sind die Forde- rungen bewilligt. Die Ortsvennaltung d. delltschen Holzarbeiterverbandes lBerlin). Achtung! Achtung! Ktnckatenre! Zusug nach Ragdebnrg Ist streng fernzuhalten! Der Vertraueusmann der Stuckatrure: Carl Daschütt, Charloltenburg, Schloßstr. 33. s173/7 »Sdel-Vei-iisiil Xöpnielcel'Stl'. 1S4. Hof part. und 1 Treppe im Fabrikgebäude, wo- selbst auch eigene Tapezienverkslatt. Daselbst bietet sich passendste Gelegen- heit, geschmackvolle und solide Möbel zu erftaimlich billigen Preisen zu er- werben. Wir machen keine kostspielige Reklame, sind daher in der Lage, besser und billiger zu � liesern als unsere Konkurrenz. Ganze Einrichtungen, mit Stube u. Küche begiiinciid, garantirt echt Niißbaum, 300 M. Ge- laufte Möbel können nach Wunsch kostenfrei lagern. Geöffnet von 8—8, Tonntags von 7—10 und 12—2 Uhr. Liesening franko. AommerpaletotS, Anzüge, Hosen, � Goldwaaren spottbillig Pfandleihe Neanderstraße 6. AJetteu, Steppdecken, Wäsche, Gar- dinen, Porttören, Teppiche, Re- gulatoren, Remontoiruhren, Granat- Armbänder spottbillig in der Pfand- leihe Reauderstraste 6. Achtung! Kollegen der an Holzbearbeilungs- Maschinen beschäfttgren Arbeiter. In der Werkstatr von Carl Müller, Schönhauser Allee 181, haben die Kollegen wegen Differenzen die Arbeit niedergelegt. Zuzug fernhalten. 82 7 Ter Vertraueusmann. Versilberer auf Barockkanten werden verlangt bei l�b _ Neumann. Sennia n. Co. Persekter Caril- und Ttrsilg- Dnlck-Meisitr mit längerer Praxis per sofort bei gutem Gehalt nach Rnstland zu eiigagiren gesucht., 1-�b Offerten mit Zeugniß-Kopien mib I,. 1, an die Expedition d. Bl. famseUs auf gute Dauienjacketts, welche eingearbeitet sind, zum Preise von 3. 3.29. 3,59 bis 3.75 9»., sowie 25 Pf. Pserdebahnvergüti- gung per Stück, werden sofort verlangt für die geräumigen hellen Betriebs-Werkstätten von M. Holz& Co.. Markgrasenstr. 43/44 am Gendarmen-Markt Berankivortlichtr Redakteur: August Jarobey in«erliu. Für den Inseratentheil veraulivorllich: Th.«locke in Berlin. Druck und Verlag von Max lvadiug i» Berlin.