BUNTE WELT Nr. 14 Guido Reit: Unterhaltungsbeilage Gesang über den Wellen Ez ist Abend. Die Sonne ist gesunken. Auf der Straße, die am See vorüberführt, herrscht Ruhe. Kein Kutscher treibt Pferde an, die vor hochbeladene Getreidefuhren gespannt sind, feine Autohupe gellt auf, kein Wanderlied ertönt. Am Rand einer Wiese, die sich nördlich vom See ausbreitet, steht ein Wagen. Er unterscheidet sich in nichts von solchen, die von wan derndem Volk verwendet werden, das heute da, morgen dort sein Belt aufschlägt und unterm blauen oder sternbesäten Himmel ebenso zu Hause ist, wie der ehrsame Bürger unter dem schüßenden Dach des von ihm bewohnten Hauses. Unweit vom Wagen steht ein Pferd und starrt in das Dunkel. Es betwegt sich nicht, es hält den Stopf halb gesenkt und gleicht eher einer Statue als einem lebenden Wesen. Ueber die Wagen deichsel ist Wäsche gehängt. Sie bewegt sich ganz leicht, wenn ein lauer Wind vom See her über die Wiese streicht, dann in der dahinter gelegenen Waldung durch Aeste und Aestchen schaufelt und schließlich langsam über die Felder streicht, die sich hinter dem Wäldchen unendlich weit fortzusezen scheinen. Aus den vier Wagenfenstern fällt mattes Licht und zeichnet ſpärliche Flecken auf die Wiese. Vor dem Wagen liegt ein Mädchen im Gras. E3 starrt in das Sternenmeer, das sich über ihm wölbt. Die Hände sind unter dem Kopf verschränkt, die bloßen Füße überschlagen. Wenn bom See her wieder ein frischer Wind weht, fost er das Haar des Mädchens und weht ihm eine Locke in die Stirn. Das Mädchen versucht dann, diese fortzublafen, gibt die Bemühungen aber auf, wenn es sieht, daß sie fruchtlos find, und starrt wieder zu den Sternen empor. Nach einiger Zeit wird die Tür des Wagens geöffnet. Ein Mann von ungefähr fünfzig Jahren steht im Schein einer Lampe... Willst du nicht schlafen gehn?" fragt er dann aufs Geratewohi in die Dunkelheit und fährt, als er feine Antwort erhält, fort: Mutter hat sich schon nieders gelegt. Und Senta auch." Als er noch immer bergebens auf Antwort wartet, setzt er nach einer Weile hinzu: Run?" Da erhebt sich das Mädchen.., Ich will noch baden." Der Mann verschwindet wieder, murmelt etwas vor sich hin und schließt die Tür. Das Mädchen geht jetzt zum See hin. Mir leichten Schritten überquert es die Straße, ebenso das Stoppelfeld, das zwischen dieser und dem See liegt, und läßt sich am Ufer nieder. Das Himmelszelt spiegelt sich in dem fast unbewegten tiefblauen See. Dann und wann gluckst es weit draußen, es bilden sich Ringe, die größer und damit ungenauer werden, bis sie ganz verschwinden. Das Mädchen blickt über den See. Endlos scheint er, endlos und einsam. Nur ganz weit draußen ist ein dunkler Punkt zu sehen. Ein Fischerboot? Ein Wächter? und Wäsche ab und taucht Sekunden später im See anter. Pustend erscheint es, weit vom Ufer weg, wieder an der Oberfläche. Ein geschictes Wenden und die Schwimmerin läßt sich vom Basser treiben. Wie wunderschön das ist! Tiefe Nacht ringsum; weit und breit kein Mensch; drüben am Horizont die weißen Bergspitzen, die wie Silber aus dem Dunkel der Nacht glänzen; und der Körper badet im spiegelklaren Wasser des Sees. Immer so berweilen können! denkt das Mädchen. Immer dieses Gefühl des Geborgens seins haben! Immer ohne jeden Kummer sein, nicht an das Morgen und Ülebermorgen denken müssen, an die Sorgen, die damit verbunden sind, an die Demütigungen, die jeder dieser Tage bringen wird und muß, an den ewigen Streit zwischen Vater und Mutter, die sich gegenseitig vorwerfen, an dem Elend schuld zu sein, in dem sie alle leben! Ohne es zu wollen, ist das Mädchen wieder am Ufer. Es steigt aus dem See, breitet das Kleid aus und legt sich hin. Wie warm der Nachtwind ist! Das Mädchen schließt die Augen... Die Erde ringsum lebt. Es fummt da und sirpt bort, es raunt da und bewegt sich dort. Der Wind fäuselt eine Melodie. Ist sie fremd, habe ich sie nie gehört? fragt sich das Mädchen. Es versucht, in das Säufeln des Windes einzustimmen, die Melodie, die es zu hören vermeint, aufzunehmen. Doch es wird eine andere. Leise summt sie das Mädchen vor sich hin. Erst einmal, dann noch einmal. Aus dem Summen wird Gesang. Es ist fein ganzes Lied, das erklingt. Das Mädchen fingt und fummt, seine Stimmune senft sich und schwillt an in einer alten, ſentimentalen Weiſe. Haben wir uns heut gesehn? War's vor einem ganzen Jahr? selbst vergessen, wo es war. Lang vergangen sind die Stunden. Unfre Zukunft fenn ich nicht. - bleibt allein noch dein Gesicht. Alles geht einmal vorüber, alles ist einmal vorbei. Morgen wirst du weiter wandern, irgendwo hast du ein Ziel! - doch es war nicht viel. Wie die Jugend langsam schwindet, schwindet die Erinnerung. du und ich, wir waren jung. Alles geht einmal vorüber, alles ist einmal vorbei. Das Mädchen summt den Refrain noch einmal. Es hat weder die Ruderschläge am See gehört, noch hat es vernommen, daß ummittelbar vor ihm ein Boot ans Ufer gleitet. Eine Männerstimme reißt es jäh aus seinen Träumen. Schon zu Ende?" Das Mädchen fährt erschrocken auf. ..Fürchten Sie sich nicht, ich bin weder ein Das Mädchen rutscht bis ans Ulfer und Dieb, noch ein Mörder. Ich bin ein harmloser läßt die Beine ins Wasser gleiten. Lange sikt Nachtwandler, den die Schönheit dieses Sees es so. Dann richtet es sich jäh auf, streift Kleid nicht schlafen läßt, obzwar ich schon lang ins 1937 Bett gehörte. Ebenso wie Sie", sett der Spres her nach ein paar Augenbliden hinzu. Das Mädchen ist so erschrocken, daß es den Mann anstarrt und nicht imstande ist, ein Bort zu sagen, auch dann nicht, als der Mann ganz nahe vor ihm steht und wieder zu sprechen beginnt. Wollen Sie fich nicht anziehn?.Die Luft wird langsam fühl. Sie werden sich ers fälten." Das Mädchen faßt nach der Wäsche, die neben ihm liegt, immer noch den Mann worklos anstarrend. Dieser dreht sich jeht um, geht zu seinem Boot zurück und beschäftigt sich dort mit den Rudern. Einige Augenblide später kommt er zu dem Mädchen zurück, das jetzt vor ihm steht und sich das feuchte Haar aus der Stirn streicht. Er faßt es bei der Hand, fezt fich und zicht das Mädchen zu sich herab. ..Ich will Ihnen Ihren Abend am See nicht rauben. Wir können ihn doch zusammen ges nießen." Dann fißen die beiden Menschen lange Zeit schweigend nebeneinander. 1 Bis der Mann wieder zu sprechen beginnt. Es war wie ein Märchen. Der Kahn treibt draußen am See, ziemlich weit von hier. Und plöblich ist es mir, als hörte ich Gesang. Ich glaubte mich zu täuschen. Ich zog die Ruder ein und lauschtelich zu hören. Ich sehe die Ruder ein und ver ja, Gesang. Er war deutfuche, die Richtung zu halten der Gesang ist zu hören, doch niemand ist zu sehen, bis ich fast am Ufer bin. Dann sehe ich Sie. Wollen Sie das Lied nicht noch einmal ſingen?“ Das Mädchen sieht den Mann an. Die großen, dunklen Augen gleiten prüfend über ihn. Dann erst folgen die Worte.„ Ich kenne das Lied nicht ganz. Nur ein paar Zeilen. Die Melodie weiß ich." ,, Dann müssen wir uns einen Tegt dazu machen." Das Mädchen lacht. Wenn das so eins fach wäre!" ..Einfach ist es nicht, gewiß. Aber mit etwas gutem Willen geht's schon. Wollen wir's berfuchen?" Nein. Mir genügen die Zeilen, die ich fenne." Wieder schweigen die beiden Menschen Tange Zeit. Der Maun legt sich zurück. Er fchaut hinauf in die Sterne, doch gleiten seine Blide immer wieder zu dem Mädchen hinüber. ,, Wir könnten jetzt sehr gescheite Reden halten, fönnten unter dem wunderbaren Nachtbimmel philosophieren, wir könnten auch Dummheiten schwätzen. Statt dessen sitzen wir da und sind stumm." Nach langen Minuten spricht das Mädchen; seine Worte sind eine Antwort auf die vorangegangenen Säße des Mannes und sie sind zugleich viel mehr. Ich könnte nicht gescheit reden. Und was philosophieren heißt, weiß ich überhaupt nicht. Ich weiß mur, daß es eine Landstraße gibt und Bauernhöfe, in die m betteln geht, und Dorfpläbe, auf denen man dann und wann am Abend singt. Dummheiten habe ich früher einmal geſchwäßt. Das ift lange her. Damals wußte ich auch noch, daß es etwas anderes als Landstraßen gibt. Genau fann ich mich nicht mehr erinnern, ich war zu jung. Seither. Das Mädchen schweigt und blidt hinaus auf den See. Der Mann hat sich aufgerichtet. Unberwandt starrt er die Fremde an. Das Mädchen beginnt wieder zu sprechen. ,, Auch Landstraßen find schön. Auch Dorfpläße mit uralten Kastanienbäumen, einer Bank rund um den Stamm und mit alten Leuten darauf find schön, wenn man sie so sehen kann wie Sie zum Beispiel. Wenn man sie so sieht wie ich, ist das alles sehr traurig." Plößlich fährt sich die Sprechende mit der Hand über die Stirn. ,, Verzeihen Sie, ich schwäße. Ich verderbe Ihnen den schönen Abend?" Ein Versuch, zu lächeln, spielt um den schmalen Mund. fort?" Das Mädchen steht auf. Auch der Mann erhebt sich. Bleiben Sie da. Warum wollen Sie ., Gehn wir ein venig?" Sie beginnen um den See zu wandern. „ Sie leben sicher in einer großen Stadt?" fragt das Mädchen nach einer langen Weile. Ja", anitvortet der Mann. ,, Aber einen großen Teil des Jahres bin ich hier. Ich liebe den See und das Arbeiten fällt mir hier leichter als irgendtvo sonst", sett er erklärend hinzu. ,, Wie schön Sie es haben!" Sie find eine große Strede von ihrem ursprünglichen Lagerplatz entfernt. Die Zeit ist weit fortgeschritten. Im Often beginnt es grau zu werden. ,, Wie schön Sie es haben!" sagt das Mädchen noch einmal und seht dann hinzu:„ Und was Sie alles ertvartet! Ich aber Der Satz bricht jäh ab. Das Mädchen neigt den Kopf. Das Haar hängt wirr herab. ,, haber Wieder bleibt es bei diesen Worten. Der Mann stört seine Begleiterin nicht. Er geht neben ihr her und wundert sich über die zarten Hände und über das fluge Geficht dieses Kindes der Landstraße. . ,, Ich aber", beginnt das Mädchen twieder ,,, ich habe nichts zu ertvarten. Ich weiß genau, was lommen wird. Ich fürchte mich nicht mehr babor, weil ich mich damit abgefunben habe. Für mich gibt es weder ein Vortvärts, noch ein Zurüd... Wenn ich früher die Autos an mir vorbeifahren fah, beneidete ich die Frauen, die in ihnen saßen. Ich wünschte mir, nur einmal mit einer zu tauſchen? Heute Ich sehe nichts mehr rings um mich. Früher hatte ich Sehnsucht nach allem Schönen. Ich Tonnte stundenlang vor einem Denkmal stehn, es anstarren und versuchen, es zu verstehen. Heute? Ich gehe am Schönsten blind vorüber. Nur die Abende gehören mir. Sie und ihre Schönheit... Das Mädchen schweigt. Minuten bergehen. Plötzlich wirft es den Kopf zurück, streicht mit einer haftigen Betvegung das Haar aus dem Geficht und fieht den Mann an seiner Seite berwirrt an. Warum erzähle ich Ihnen das? . Warum?... Ich glaube, daß Sie gut find. Ich glaube, daß ich Ihnen alles sagen fönnte. Bon Ihnen strömt ettvas aus, das wie GeborBensein anmutet. Wenn ich morgen, wenn ich 2Hinterhäuser- Romanze das aber ift der Blick aus meiner Kammer. Getünchte Wände... drängende Gespenster Reihauf reihab das Einmaleins der Fenster Der ganze Großstadt- Hinterhäuſer- Jammer. Hie da gewasch'ne Wäsche, schon berußte. Quer übern Schmalhof prüft des Nachbars Auge, Wie's um mein Tagwerk stehe, ob's ihm tauge, Db ich was tat, was er bisher nicht wußte. isher night Es ist bequem für ihn, so aus der Nähe Zu schauen, wie ich komme, wie ich gehe. Bescheid'nes Schauspiel, so genügt's ihm doch. und wenn mein Fenster ich mit schnellem Griffe Verschließe, bringen eines Tanglieds Pfiffe Noch zu mir, einen halben Ton zu hoch. Erwien, Ein paar Sekunden starrt Tanja vor sich hin. Dann fintt sie zusammen, liegt am Boden und weint. Der Mann läßt sich neben ihr nieder. Langsam streicht er über ihr Haar. Nach einer Weile richtet sich Tanja auf. Wortlos starrt fie auf den See. Minute um Minute berrinnt. Dann wendet sie sich dem Manne zu. Ein müdes Lächeln liegt auf ihren 3ügen. ,, Und wie heißt du?" fragt sie. ..Herbert." " Gute Nacht, Herbert", sagte sie ,,, gute Nacht! Bisher träumte ich mir nur den Mann, den ich unendlich lieb haben könnte. Jezt kenne ich ihn. Sie füßt ihn... Und ehe der Mann noch begreift, was geschieht, hat sich Tanja aufgerichtet. Mit raschen, leichten Schritten eilt sie über das Stoppelfeld und über die Landstraße zum in einem Jahr an diesen Abend zurüddenken agen, dessen Tür Sekunden später ins Schloß werde, an die Reinheit dieser Stunde, dann Da steht der Mann plöblich vor der Sprechenden. Ich will nichts hören. Nur deinen Namen." Mit großen Augen blickt ihn das Mädchen an. Meinen?" ,, Deinen Namen." „ Tanja." fällt.. . lich vom See leer. Kein Wagen, kein Pferd ist Am nächsten Vormittag ist die Wiese nörd paar Meter von Pferdehufen zusammengetrezu sehen. Nur ein fleiner Haufen Asche und ein tenes Gras geben Zeugnis dafür, daß in der bergangenen Nacht hier fahrendes Volk ge= Tagert hat, fie fünden aber nicht davon, daß sich ,, Du wirst mit mir gehn, Tanja, Du ge- in eben dieser Nacht das Schicksal eines Mädhörst nicht auf die Landstraße, nicht auf Dorfchens vollzogen hat. pläge und nicht in Dorfwirtshäuſer oder auf Bauernhöfe. Glaube nicht, daß du mit mir ein Leben in Saus und Braus führen kannſt. Auch Bekämpfen Sie ihre mein Leben ist hart, aber es ist immer noch ein Quentchen besser als deins." Tanja ficht ihn mit großen Augen an. Ihre Händ: beben. Ich foll?" versucht sie dann zu sprechen. Es bleibt aber nur beim Versuch. Tränen quillen aus ihren Augen. Plötzlich faßt sie die Hand des Mannes, um sie an die Lippen zu ziehen. ,, Tanja, dumme, fleine Tanja." Herzogin Natalie von Oldenburg Eine österreichische Sozialistin, die, hoch betagt, in Stille und Zurüdgezogenheit lebt, schreibt uns: In Brogyan in Ungarn ist kürzlich im Alter von 82 Jahren Herzogin von Oldenburg gestorben. An ihren Tod knüpfen fich allerlei Gerüchte, so unter andern auch das, sie habe die letzten vierzig Jahre ihres Lebens in einem grauen Turm zugebracht. Herzogin Natalie, die warmfühlende und mitleidsvolle Frau, vierzig Jahre in einem Turm! Nein! Wer immer diese Information gegeben hat, sie ist unrichtig! Ich lernte diese Frau in meinem zehnten Lebensjahre kennen und konnte sie nie vergessen. Wenn auch mein Leben ein ganz anderes war, so interessierte ich mich doch immer für die Frau, die mir in meiner Jugend, wie eine Lichtgestalt erschien. Ein Engel an Schönheit und Güte. So wie ich jetzt von ihr schreibe, sche ich sie vor dem Schlosse Alt- Erlaa vor mir: Im hellen, geblumten Reitkleid, das Pferd besteigend und mir zu rufend, ihre Rückkehr abzuwarten. Sie beschenkte mich, wie hunderte andere auch. Auch mit Büchern. Sie beschäftigte meine Mutter, als diese arbeitslos war. Sie war damals eine sehr junge Frau und fuhr im Park ihres Schlosses oft selbst Frühlings- Müdigkeit Seit man von den fleinsten Lebensstoffen, den Vitaminen, Kenntnis hat und immer mehr solcher Nahrungs- Inhalte entdeckt, ja selbst herstellt, weiß man, daß zum Beispiel die Sitte der Gründonnerstag- Suppe aus fiebenerlei oder neunerlei Kräutern durchaus kein Aberglaube ist, ebensowenig wie das Bestreuen der fertigen Suppe mit Suppenkräutern( Petersilie, Schnitteines ihrer Kinder. 1879 übersiedelte ich mit meiner Mutter nach Wien und ich hörte jahrelang nichts mehr von der Herzogin. Durch meine Tätigkeit, auch die schriftſtelleriſche, und verſchie= dene Zufälligkeiten, kam ich Ende der neunziger Jahre wieder mit ihr in Beziehung. Sie besuchte damals mit einer auch mir bekannten Dame eine Versammlung, die eine Solidaritätskundgebung für die streikenden Bergarbeiter von Mährisch= Ostrau war. Unter dem Motto: Schwarze Damen" leisteten beide ihren Unterstützungsbeitrag für den Streiffonds. Damals aber soll sie nach dem Brünner Tagesboten" schon weltab= gewandt in dem grauen Turm gelebt haben! Daß das nicht stimmt, beweisen noch andere Tatsachen. Aus dem Jahre 1906 besige ich drei Briefe von ihr. Doch vorher noch eine Sache, die von ihrer geistigen Einstellung und von ihrem Verhalten zu den Arbeitern Klarheit gibt. Neben ihrem Schlosse in Alt- Erlaa hatte sie schon zu Lebzeiten ihres Mannes ein Spital eingerichtet, in welchem mittellose Leute unentgeltlich aufge= nommen wurden. Arzt und Medikamente wurden von ihr bezahlt. Auch in ihrem ungarischen Dorfe Brogyan erhielt sie ein Spital. Einmal hatte sie im Spital zu Alt- Erlaa einen Arbeiter aufge= nommen, der wegen Majestätsbeleidigung verfolgt wurde. Damals wandte sie sich an Doktor Viktor Adler, er möge fie besuchen. Sie erbat von ihm Rat, wie man den Arbeiter fortbringen könne, um ihn vor der Strafe zu schüßen. Nach dem Umsturz übernahm sie vorübergehend das Protektorat über den von Dr. S. Weiß ge -3Der Herrschaftskutscher Der Zufall gibt mir ein sonderbares BüchTein in die Hand.„ Kurze Fahrinstruktion für Herrschaftstutscher in 22 Fragen und Antworten" ist sein Titel. Sein Verfasser nennt auf dem Titelblatt nicht seinen vollen Namen, nur dessen Anfangsbuchstaben und seinen Rang: Graf von S. T. Nicht vor Jahrhunderten, ſondern erst vor nicht einmal ganz vierzig Jahren im Jahre 1898 ist das Büchlein erschienen. In Wien. K Kinder der Gegenwart tvissen kaum, was ein Herrschaftskutscher war. Selbst die aus der Vorkriegszeit übriggebliebenen Menschen haben den Herrschaftskutscher, der in ihrer Jugend zum Alltag nicht nur des städtiſchen, ſondern auch lauch und vergessenen anderen) ein solcher Aberglaube oder nur eine Würzung ist. Desgleichen dient die vorbildliche französische Sitte, auf den Tisch getrocknet oder frisch eine Anzahl Gesundheitsträuter zur Beimengung zu Suppe und Soß zu servieren, der„ Tisanes“, nur einer Gewürzvermehrung. Es handelt sich in all die sen Fällen um Anwendung von Erfahrungen, besonders zu Beginn des Frühjahrs, dem über an Vitaminen berarmten Körper zu Hilfe zu kommen. Ueber den Winter fehlten die frischen Gemüje, zu denen auch die Kartoffeln gehören. Der Ton ruht auf frisch. Alle Gemüse verlieren durch Lagerung und also ohne Wirkung der infra- und ultraroten Strahlen des Sonnenlichtes binnen türzester Zeit- Karfiol in einer Woche den größten Teil des Vitamingehaltes. Das gilt auch von Orangen und ihren Verwandten, am wenig sten von Zitronen und Aepfeln. Weil aber von den genannten Lebensstoffen die kleinsten Men= gen genügen, um, regelmäßig dem Körper zuge= führt, ihre Wirkung zu entfalten, deshalb ist die Sitte der Gründonnerstag- Suppe durchaus kein Aberglaube. Der Mangel des Sonnenlichtes im Winter verursacht aber auch das Fehlen einer anderen Wirkung der genannten Strahlen, der auf das Provitamin Ergosterin auch der Haut. Aber und das ist bei unseren teueren Obstund Gemüsepreisen das wichtigste nicht allein aus Gemüsen und Obst zieht der Körper die ihm Tebensnötigen Vitamine verschiedener Art, sondern das antiforbutische C- Vitamin, mit das wichtigste, auch aus allen Gattungen Zuder, wozu natürlich die Saccharine und Buderine und dergleichen nicht gehören( weil sie mit Buder und Gefundheit nichts zu tun haben), wie der Dozent an der Deutschen Universität, Dr. Siegwart Hermann, schon vor Jahren in der Zeitschrift für Biochemie nachgewiesen hat. Gerade im Frühjahr ist also ein zusätzlicher Verbrauch dort im Düfter der Fabrik, nach Sonnenschein, an Buder von großer Wichtigkeit, denn die und darf schwikend, fluchend und die Fänfte früher allgemein berbreitete törperliche und feelische Menschheitsgeißel Storbut hat auch Vorformen, zu denen eben die Frühlingsmüdigkeit endlich, endlich wieder glücklich sein! gehört. E. R.-T. gründeten Verein Säuglingsmilch berteilung". Sie wurde deshalb, wie sie mir schrieb, vielangegriffen und auch mit antisemitischen Pöbeleien bedacht. Die politische Tätigkeit, die mich immer mehr in Anspruch nahm, brachte es mit sich, daß manche persönliche Beziehung gelockert, ja ganz aufgegeben wurde, daß ich manchen Menschen, der mir lieb war, faſt aus den Augen berlor. Auch Natalie von Oldenburg. Aber wenn ich in die Nähe von Alt- Erlaa kam, suchte ich das Schloß auf, um in dem herrlichen Park in Erinnerungen zu schtvelgen. Schon 1920, als ich zuletzt in Erlaa war, gehörte das Schloß nicht mehr ihr. Aber nie habe ich vergessen, wie Natalie von Oldenburg auf mich gewirkt hat, als Sie mir wie ein Engel vom Himmel erschien. Lieblich und gütig. Sie tat unendlich viel für die Armen und Notleidenden. Sie ging selber in die Wohnungen der Bittsteller und wenn es sich um Kranke handelte, schickte sie ihren Arzt; sie faufte Medikamente, wie sie Kleider, Schuhe und Bücher faufte. In einem Brief vom Jahre 1910 schrieb sie mir über das Leid, das ihr der Tod ihres Mannes und ihrer jungen Tochter gebracht hatte: Die bittersten Enttäuschungen meines Lebens habe ich durchaus nicht durch die Armen erlitten, sondern seit dem Tode meines edlen Mannes von Leuten aus meinen eigenen Kreisen, Gebildeten und Halbgebildeten, die nicht einmal die Entschuldigung der drückenden Not, des erbarmungslosen Daſeinskampfes für sich hatien. In einem ihrer letzten Briefe heißt es: Untertauchend ( Beim Wiedereintritt in die Arbeit zu fingen.) 19 des ländlichen Straßenbildes gehörte, bergeſſen. Der, Herrschaftskutscher ist der Technik zum Opfer gefallen. Den Herrschaftskutscher hat der Herrschaftschauffeur" abgelöst, der freilich etwas ganz anderes ist als der Herrschaftsfutscher es war auch dann, wenn er im Dienste derselben Geſellſchaftsschichten ſteht, denen auch sein Vorgänger diente. Nicht nur dess halb, weil das Auto etwas ganz anderes iſt als der Wagen, sondern auch deshalb, weil die Zei ten ganz anders geworden sind und das Zeits alter der Herrschaftskutscher der Vergangenheit angehört. Darum iſt dieſes kleine Büchlein von kulturhistorischem und soziologischem Intereſſe - und vielleicht auch für Forscher der Verfaſ fungstunde, die den seelischen Grundlagen und Wirkungen verschiedener Verfassungsformen nachspüren, nicht ohne Nutzen. Dies beweist schon die Einleitung des in das Dunkel Büchleins.„ Ein herrschaftlicher Kutscher heißt es da- soll nicht vergessen, daß die Tracht, welche sein Herr ihm gibt und vors schreibt, die Librée", ihm ebenso auszeichnet, wie den Soldaten die Uniform, und ihn vor allen anderen Leuten, die eita auf dem Bock fizen und fahren, unterscheidet. Er soll sich vor Augen halten, daß ein herrschaftlicher Diener felbst ein Herr ist.“ Untertauchen in das Dunkel will ich wieder, we des Abends tausend Birnen glühen, Eifenarme, Räder lechzend nach mir gieren in das Meer der langentbehrten Mühen, und will alles Leib und meinen Kummer wieder in das Dröhnen der Maschinen schreien; will im Zorne über dieses Jammerdasein, Gift und Galle so wie eh'mals fpeien. und hab' wieder Sehnsucht nach des Frühlings Blüten, ballend Hans sne if er. Ich komme nur noch felten hieher( Alt- Erlaa), weil ich das teure Leben hier nicht mehr er schwingen kann, andererseits weil es mir eine Qual ist, an einem Orte zu leben, wo mich so grenzenloses Elend umgibt, dem zu steuern ich doch nicht die Mittel habe. In solchen Industriegegenden ist ja alles wie ein Tropfen ins Meer." Natalie von Oldenburg! Sie war eine geborene Freiin von Friesenhof und Herzog Elimar von Oldenburg heiratete sie gegen den Willen des regierenden Großherzogs. In Oesterreich fand sich kein Pfarrer, der getvagt hätte, die Liebenden zu trauen. Der Großherzog von Oldenburg schickte seinen Geheimsekretär herum, um gegen die Trauung zu hetzen. In dem ungarischen Dorf Bergahely fand 1876 die ebangelische Trauung statt. Die Antwort des Großherzogs erfolgt prompt: Die Apanage wurde vorläufig suspendiert. Zwei Kinder wurden geboren, die in den Matriken als Oldenburger eingetragen wurden. In einem Brief aus dem Jahre 1878, den Herzog Elimar an den Reichsfanzler Bismarck schrieb, heißt es, daß ihn Graf Taaffe, der österreichische Ministerpräsident, verständigt habe, daß er infolge der Reklamation des Oldenburgischen Großherzogs den niederösterreichischen Statthalter beauftragt habe, in den Matriken der Wiener evangelischen Gemeinde A T, bei den in Alt- Erlaa geborenen Oldenburgischen Kindern das dem Taufnamen vorangesetzte Work..Hoheit" zu streichen und sie unter dem Namen ihrer Mutter, also une he lich einzutragen! Man sieht, weiß es = Diesem Standpunkte entspricht vollkommen auch die Antwort, die der Verfasser auf die Frage: Wie hat der Kutscher auf dem Bocke zu figen? gibt: oben bin ich der Herr!" das muß sich in seiner Wie ein Kaiser auf seinem Throne!" Hier deren ein anständiger Diener sich sonst immer ganzen Haltung ausdrücken. Die Bescheidenheit, und überall befleißigen soll, ist hier nicht am Blake." Es ist selbstverständlich, daß die Frage: Wie hat die Fahrt zu beginnen? folgenderweise bes übrigens längst, daß die von Gottes Gnaden" im Interesse ihrer Dynastien auch vor Fälschun gen nicht zurückschredten! Uebrigens hat der Ses fretär der Herzogin Natalie, Friz Lemmermeier, im Jahre 1905 eine ganz interessante Broschüre herausgegeben( Leiden eines deutschen Fürs sten", Berlag Hermann Walter, Berlin), die von Elimar von Oldenburgs Kampf erzählt. Er lämpfte nicht wegen des Litels„ Hoheit", wie er selbst sagte, sondern wegen des Rechtes seiner Frau und seiner Kinder. Wie er über den Reichtum dachte, zeigen seine Aphorismen. Einst machte er seiner Frau ein größeres Geldgeschenk. Dazu schrieb er: ..Dies Geld ist dein und doch nicht dein- dann wirds erst recht dein eigen sein, wenn's Armut Tinderte und Pein." Oder: Geld macht nicht reich, es sei denn reich das Herz zugleich." Er berfaßte Theaterstücke, die auf verschiedenen Bühnen aufgeführt wurden. In Oldenburg war die Aufführung verboten. Die Verfolgungen in Desterreich wegen Führung des Herzogstitels mit dem Prädikat ,, Hoheit" genügten dem Großherzog nicht. Da das Paar öfter in Ungarn im Schloß Broghan wohnte, wandte er sich auch an die ungarische Regierung, damit sie der Herzogin Natalie die Führung des herzoglichen Titels un möglich machen sollte, ebenso den Aufenthalt in Ungarn, das ihre eigentliche Heimat war. Wie schrieb mir Herzogin Natalie, ale fie mir von den Verfolgungen, die sie zu erdulden hatte erzählte?„ Das find die Wurden, die niemals heilen." € -الت Schach- Ecke Geleitet von Wenzel Scharoch. Drakowa Nr. 22, Post Modlan bet Teplitz- Schönau Schachaufgabe Nr. 334. Von C. Mansfield, England. ( II. Preis, La Sett. Enig. 1935.) Schwarz: Kc6. Ta5. Lc5. Sa8. b8. Bb6. Tel.( 7) det gh 8 7 S 3 5 Adamson zieht um auitwortet wurde:„ Die Fahrt hat so zu be ginnen, wie der Stutscher will und nicht wie die Pferde wollen." Die Pferde dürfen freilich erst auf das Aviso des Kutschers angehen und dieses Aviso muß nach dem Ratſchlage des Verfaſſers„ ein Teise anfangendes, allmählich stärker werdendes Ge- ee- e- ah!" sein. Die Peitschenschnur u zugleich auf den Rücken des fauleren Pferdes gelegt werden." e Heidnische Bräuche im heutigen Europa Man sollte es nicht für möglich halten. Und doch: Mitten in Europa, in Marzoll bei Bad Reichenhall in Oberbayern, opfert man in einer Steige ein Huhn. Das Huhn muß aber unbedingt schwarz sein, sonst ist der Zauber nicht wirksam und der Aerger des Gözen könnte herausgefordert werden. Schiveres Unheil würde daraus entstehen. defgh Weiß: Ke6. Df7. Tc2, h6, Ld6. g2. Sc3. e4. Ba4.( 9) Matt in zwei Zügen. Lösungen sind bis längstens 14 Tage nach Erscheinen der Aufgabe an den Leiter dieser Spalte einzusenden. Lösungmur zu Nr. 331: Del- h6! Richtige Lösungen sandten nachfolgende Genossen ein: Hyna Josef. Hostomitz; Schöffel Anton, Schöbritz: Habl Erwin, Schindler Robert. Chimiak Theo, Lohmüller Hans, Holfeld Otto. Freund! Anton. Tyle Vladimir, sämtlich Nestersitz; Tepper Franz. Karlsbad: Richter Karl. Politz a/ E: Pusch Bruno, Krischwitz; Vaniček Franz, Hertine: Nitsch Rosa. Trupschitz; Beutel Wilhelm. Arnsdorf b. Tetschen: Dinnebier Emil, Tetschen: Ulbert Rudolf, Prosetitz; Geißler Josef. Alt- Serbitz; Havel Franz, Modlan: Triltsch Gustav. Wisterschan; Bretschneider Otto, Drakowa; Walter Ludwig. Steinwitz Hans. König Anton, Kwitkau: Berger Josef, Kleinaugezd. Stand der Bezirksmeisterschaft im 6. Bezirk. 1. Rosawitz... 3 Siege 24 Punkte 2. Seldnitz 3. Eulau A... 4. Eulau B 5. Bodenbach & Krochwitz 7. Tetschen. ·•• 21% 2 20 S " ” > 16½ .. 18% " " 11 " 0 Es ist dies der Stand nach der 4. Runde. Partie Nr. 123. Gespielt im Wettkampf Moskau gegen Ukraine am Auch in der Gegend von Braunau am Inn, hat sich ein alter, heidnischer Brauch erhalten in Gestalt von Getreideopfern. Man wirft das Weiß: Čistjakov. Storn in eigenartige, altertümlich geformte Geerfäße, eine Art Urnen, um es als Opfer darzubringen. Bezüglich des Gebrauchs der Peitsche gibt der Verfasser dem Herrschaftstutscher den Rat, daß er zwischen Hilfe und Strafe genau unter fcheiden soll. Schreckende Pferde find, nach feiner Meinung, imuner das Zeichen eines schlech ten Kutscher3. Hier ist am Rande folgende Bemerkung eines begeisterten Anhängers des Verfaffers zu lesen:„ Bravo! Sehr richtig!" Dies hindert ihn aber nicht, auch Kritik zu üben, wenn es sein muß. An der Stelle, two der Verfasser für das Halten der Pferde das Aviso„ Eest!" empfiehlt, steht folgende Randbemerkung: Warum nicht das alte Prrrrr!" Nun folgen die weiteren Fragen und AntIvorten: Worauf hat der Kutscher beim Fahren - Was ist beim Fahren die Hauptzu achten? fache?, usw., uſtv. Zum Schluß lesen wir folgende handschriftliche Bemerkung des begeisterten, aber auch fritischen Freundes des Verfassers:„ Du tolltest meine Meinung wissen: ich finde das Ganze famos! leider aber faum erreichbar weil in iveit jene Kutscher, die die entsprechende Hand und Verständnis für die Pferde haben, für die übrigen Details faum zu bilden sind und jene, ivelche alles Talent haben- immer Lumpen sind oder werden!" So dachten manche Herrschaften über ihre Untergebenen Arbeitnehmer würden wir heute fagen die, wenn auch in eleganter Livrée gehüllt und würdevoll auf dem Bock faßen, den noch nur auf Lohn angewieſene Arbeiter waren. Dr. J. R. Solche und andere Merkwürdigkeiten fammelte der Münchener Reichsbahn- Oberinspektor Hans Seidlmayer, ein bekannter Heimatforscher, in eienn fünfbändigen Werk über beinahe unbekanntes Brauchtum und uralte Lieder. 8. Brett. Sizilianisch. 1. e2- e4 2. Sg1- e2 3. 2-3 4. Lfl- g2 5. Sb1- c3 6. d2- d3 7. h2- h3 & Lel- e3 9. 0-0 Schwarz: Ratner. c7- c5 07-16 g7 – g 6 L18-7 Sg8Sb8- co 00 Lc8- d7 Ta8- c8? Nicht im Geiste der Position. Richtig wäre Tb8 als Vorbereitung für b5! gewesen. 10. Ddl- d2 11. Le3- h6 12. Lh6XT 13. Kg1- h2 Es drohte LXh3! Dd8- a5 14. Tal- d1 15. Se2— cl 16. 12-14 17. Scl- b3 Sf6- e8 Sc6- d4 Se8x7 Tf8- e8 Sg7- e6 Se6-18 Da5- d8 18. Dd2-12 Weiß führt seinen Plan zur 18. 19. a2Xb3 Sd4Xb3 e7- e6 Dd8-16 Dieses Werk ist eine ganz große Seltenheit, da es nur in fünf Exemplaren erſchienen ist, und war nicht in Drud, sondern mit der Maschine geschrieben. Es enthält 2000 Seiten, dazu einen Registerband von 500 Seiten und 300 Aufnah men des Verfassers von feltsamen Bräuchen und volkskundlichen Dingen. Eine gewaltige, mehr Vertreibung des Springers durch. als zwanzigjährige Arbeit steckt in dieser eigenartigen Schöpfung. Seidlmayer selbst sagt von feinem Werk:„ Ich habe gefunden, daß im Brauchtum drei menschliche Grundmotive fich herausschälen. In der Jugend, da dreht sich alles um die Liebe, im Mannesalter um die Erhaltung des materiellen Besitzes, im Alter um die Furcht vor dem Ungewissen, das der Mensch Sterben und Tod nennt." Das Sammeln solcher alter Bräuche und Eigenarien ist wohl mühsam und beschwerlich, aber es enthüllt ein lebendiges Bild von der Vorstellungswelt früherer Generationen und von Idem Charakter eines Volfes. 20. Tal- el Schwarz verliert deshalb. weil er nicht am Damenflügel initiativ gearbeitet hat. Noch immewäre b5 notwendig gewesen. 21. e4- e5 22. Sc3- e4! 23. 14xe5 24. Se4- d6 d6Xe5 Df6- e7 Te8- d8 17-15 Schwarz hofft nach SXc8. LXc8 die Partie noch zu halten. Besser wäre Le8 gewesen. Der Textzug verhilft Weiß zu einer hübschen Kombination. 25. exf5 en passant! De7xd6 26. 16-17+ Kg8-7 Kg7-16 27. DC2-16+ 28. Tel- e4! Schwarz gibt auf. Der Sieger in dieser Partie ist 17 Jahre al. und ist eine große Hoffnung des Sowjet- Schachs. Eztk ¢{#&+