Nr. 55. Aboimements• Kedinzungea: Abonnements-Prel« pränumerando: iSierleljährl. 3L0 Ml., monatl. wöchentlich 28 Pfg. frei in? Haus. Einzelne Nummer 5 Psg. Sonntags» Nummer mit tllustrtrter Sonntags- Beilage„Die Neue Welt" 10 Pfg. Post- Zlbonnement: 8,30 Marl pro Quartal. Eingetragen in der Post- ZettungS- Preisliste für 1897 unter Er. 7437. Unter Kreuzband für Deutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für das übrige Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Di« Insertiins- Gebühr beträgt sür die sechsgelpaltene«olonel- zeile oder deren Raum 40 Pfg., sür Vereins- und Versammlungs-Anzsigen. sowie Arbetlsmarll SO Psg. Inserate sür die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Expedition abgegeben werden. Die Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends. an Sonn- und Festlagen MS 9 Uhr vormittag« geössnet. Erschein! täglich nutzer Monleg«. Devlinev VolksblÄkk. Zentralorgan der sozialdemokratischen Uartei Deutschlands. Fernsprecher:»ml l, Er. 1308. Telegramm-Adresse: ,,»o,i«ldrm»str»t Verlin". Hledaktion: 8V. 19, ZZeuth-Straße 2. Sommvend. den 6. Marz 1897. Spedition: SW. 19, Meuth-Straße 3. Sin Gedenkkng für dns Volk. Zwanzig Jahre sind heut verflossen, seit einer der edelsten Menschen, einer der tapfersten Kämpfer für des Volkes Recht und Freiheit aus dem Leben geschieden ist. Am 6. März 1877 starb zu Königsberg i. Pr., seiner Vaterstadt, der Altmeister der deutschen Demokratie, unser Parteigenosse Johann Jacob y. In unvergänglichen Zügen ist sein Name in die Tafeln der Geschichte eingetragen. Er hat in Preußen die Freiheits- arbeit und den Freiheitskampf organisirt, und mit Stolz können wir uns aus das Zeugniß Franz Ziegler's, eines weiter- festen Demokraten, berufen, der im Jahre 1870 aussprach: „Als wir alle noch in politischer Finstcrniß lebten, trat Johann Jacoby aus dem Dunkel hervor, fertig, klar, glänzend, kühn', und ward der Schöpfer des politischen Lebens in Preußen." Die politische Thätigkeit-Johann Jacoby's begann mit der Veröffentlichung der im Jahre 1841 erschienenen, einen überwältigenden Eindruck machenden Schrift„Vier Fragen, beantivortet von einem Ostpreußen". Die Schrift forderte die Erfüllung des Versprechens, welches Friedrich Wilhelm III. in der Verordnung vom 22. Mai 1815 gegeben hatte— eine„Reprä- sentalion des Volkes". An diese Zusage hatte der Provinzial- Landtag zuKönigsberg im Jahre 1840 bei derHuldigutig Friedrich Wilhelm IV. erinnerte, hatte sich jedoch keiner zustimmenden Antwort zu erfreuen. An die Ablehnung des Königs knüpften sich lange Berathungen des Provinzial- Landtages. Da, mitten in die schwächlichen Verhandlungen hinein, kam die das Volk zum Kampfe aufrufende Schrift Jacoby's, welche die vier Fragen:„Was wünschen die Stände? Was berechtigte sie? Welcher Bescheid ward ihnen? Was bleibt ihnen zu thun übrig?" dahin beantwortete:„Das, was sie(die Stände) bisher als Gunst erbeten, nunmehr als erwiesenes Recht in Anspruch zu nehmen". Die Schrift wurde in Preußen konfiszirt, von dem Bundestag verboten und dem Verfasser ein allerdings in zweiter Instanz mit Freisprechung-pudigk'der Prozeß gemacht. Damals, am 19. Januar 1843 bewahrheitete sich das Wort des Müller's von Sanssouci:„Es giebt noch Richter in Berlin". Das Berliner Kammer- gericht trotzte mit seinem Richterspruch der wilden Reaktion Rochow'schcn Angedenkens. Jacoby aber schwieg nicht still. Als die Provinziallandtage sich zu keiner That aufraffen konnten, da erschienen zwei neue Schriften:„Preußen im Jahr 1845" und:„Das königliche Wort Friedrich Wilhelms III.", in denen die alte Forderung erneut wurde. Wieder gab es eine Anklage und wieder sprach das Kammergericht frei, nach- dem die erste Instanz auf 21/a Jahre Festung erkannt hatte. Es kam das Jahr 1848 heran und drängte Johann Jacoby aus der stillen Studierstube in die Arena des öffent- lichen Kampfes. Er wurde in das Vorparlament und von diesem in den Fünfziger-Ausschnß gewählt.— Dann berief Berlin ihn in die Nationalversammlung. Schon damals war Johann Jacoby Sozialist und durchdrungen von der Nothwendigkeit internationaler Organisation. Zeugniß hierfür giebt die Rede vom 5. Juni 1848 vor seinen Berliner Wählern, in welcher er sich als„Revolutionär und Republikaner" bekannte, und die als der klassische Aus- druck seiner Erkenntniß gelten kann, daß einzig der Sieg des sozialdemokratischen Prinzips dem Volke Brot und Freiheit zu bringen vermag. Seine Forderungen faßte er in folgen- den Sätzen zusammen:„So lange die innere sittliche Gewähr der politischen Freiheit fehlt— zumal beim plötz- lichen Uebergang aus dem absoluten ins konstitutionelle Staats- leben.—" Jacoby hatte vorher ausgesprochen, daß der fürst- lichen Souveränctät gegenüber die des Volkes durch die Revolution zur Geltung gelangt sei—„können äußere Schutzmittel nicht entbehrt werden.— Welcher Art diese sein müsse n, lehrt die Geschichte. Sie zeigt uns, daß es vornehm- lich zwei Handhaben sind, deren herrschsüchtige Fürsten sich zum Umsturz volksthümlicher Verfassungen bedienen: des— zu blindem Gehorsam abgerichteten stehenden Heeres und— der Furcht der Besitzenden vor den Besitzlosen!" Jacoby fordert daher:„Errichtung einer zweckmäßig organisirten Bürgerwehr— und Gerechtigkeit, volle Gerechtigkeit gegen die arbeitende- Klasse!" Die Rede schließt:„Bei all' unserem politischen Sinnen und Trachten— eins lassen Sie uns fest im Auge behalten: die staatliche Freiheit ist nicht der höchste, nicht letzter Zweck; — sie soll uns nur den Weg bahnen zur Lösung einer höhereu — der gesellschaftlichen— Aufgabe, nur als Mittel dienen zur Erhebung und Veredlung des Menschen, zu dem— auf sittlicher Freiheit begründeten Wohlergehen aller! Dies Ziel— nicht dnrch ein einzelnes Volk, und wäre es noch so mächtig— nur durch das verständnißinnige brüderliche Zusammenwirken der Völker ist es erreichbar!"-- So dachte und sprach Johann Jacoby schon»im Jahre 1848, und deshalb dürfen wir ihn mit freudigem Stolz den Unseren nennen. In voller Klarheit bekennt sich unser Vorkänipfer zu dem sozialdemokratischen Prinzip auch in seiner großen Rede vom 30. Januar 1868:„Das Ziel der deutschen Volkspartei", worin er der Bourgeoisie mahnend zurief:„Discite justitiam moniti!" und mit der Forderung, den demokratischen Grundsatz der Rechtsgleichheit Aller ebenmäßig auf den Gebieten des politischen, sozialen und nationalen Lebens zur vollen Geltung zu bringen, als Ziel einer wahren Voltspartei«den Friedens- und Freiheitsbund! der Völker Europa's" bezeichnete. Und am 20. Januar 1370 sagt Jacoby in seinem Vortrage,„Das Ziel der Arbeiter- bewegung":„Wie ist— ohne Beschränkung der Arbeitsfreiheit und ohne Beeinträchtigung des durch die Großproduktion gewonnenen Knltnrfortschritts— eine gleichmäßige, dem Jnter- esse Aller entsprechende Vertheilung des Volkseinkommens zu erzielen?" Die Antwort lautet:„Es giebt nur ein Mittel, das zum Ziele führt: Abschaffung des Lohnsystems und Er- satz desselben durch genossenschaftliche Arbeit." In dieser Rede fordert Jacoby auch unter anderem:„Abkürzung der Arbeitszeit und Festsetzung eines Normal-Arbeitstages."„Ver- bot der Kinderarbeit und Gleichhaltung des Lohnes sür Frauen- und Männerarbeit." Verlassen von der bürger- lichen Demokratie, die es ihm nicht vergessen konnte, daß er die Sclbstentmannnng des Liberalismus im Jahre 1866 nicht mit- machte, und die den unbequemen Mahner und unversöhnlichen Gegner Bismarck's aus dem Parlament entfernt haben wollte, fand Jacoby einzig bei der Arbeiterklasse Verständniß für seine unentwegte Arbeit für die Befreiung des Volkes. Innerlich schon längst von dem alle Grundsätze wahrer De- niokratie verleugnenden Liberalisnius getrennt, grundsätzlicher Gegner des kapitalistischen Wirlhschaftssystems, zielbewußter Vorkämpfer des um seine Befreiung ringenden Proletariats, wurde Jacoby von der Bourgeoisie bei Seite geschoben, um Anhängern des durch die Blut- und Eisenpolitik Bismarck's gekenn- zeichneten Regiernngssystems Platz zu machen. Vergeblich hatte Jacoby gegen den 66er Krieg und seine Früchte, gegen die Spaltung Deutschlands, gegen die Entwickelung des Militärstaats und dessen Gefahren für die innere Freiheit protestirt; die flammenden Worte, die er den siegestrunkenen Gegnern ins Angesicht schleuderte, verhallten ungehört in dem chauvinistischen Taumel, der damals das Bürgerthum beherrschte, und der seinen Gipfelpunkt erreichte in der Annexion von Elsaß-Lothringen, gegen die Jacoby in mannhaften Worten den Standpunkt des Selbstbestimmungsrechte� der Völker geltend machte— eine Handlung, die ihn beka'..ermaßen ans die stu..g Lützel:'führte. Als Awöt Jäher später Bebel und Liebknecht in einem Tendenzprozesse, deren er selber so oft ausgesetzt war, zu langer Festungsstrafe verurtheilt waren, da hielt es Jacoby nicht länger, er trat öffentlich der in ihren Führern verfolgten Partei bei und bc- kündete damit vor aller Welt seinen Abscheu vor den Maß- regeln, welchen die Sozialdemokratie ausgesetzt war. Das Charakterbild des großen Tobten würde unvollständig bleiben, wenn wir nicht der Episode gedenken würden, die sich im November 1848 im Schlosse zu Potsdam zugetragen hat. Das Mimsterium Brandenburg war zur Staatsrettung berufen worden. Die Nationalversammlung hatte eine Deputation an den König gesandt, wdlche unter sehr drastischen Bewegungen der Zeichen der Ungnade und des Miß- fallens empfangen wurde. Bezeichnend für den der Majorität der Deputation innewohnenden Mannesstolz vor Königsthronen ist übrigens die Thatsache, daß, auf Anregung des Führers der Deputation, des Abg. v. Unruh, die Herren nach der Audienz beschlossen, von den Formen des Empfangs kein Wort verlautbaren zu lassen, lieber den Verlauf der Audienz lassen wir ein geschichtliches Dokument reden, welches am 3. November 1348 an den Straßenecken Berlins angeschlagen wurde: „Das ist immer das Unglück der Könige gewesen, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen." Ter König hat die mit Ueberreichung der bereits bekannten Adresse von der Nationalversammlung beauftragte Deputation enipfangen. Nach Verlesung derselben faltete derKönig die Adresse zusammen und wandte sich mit kurzer Verbeugung zum Fort- gehen. Als nun der Präsident Unruh das Wort zu ergreifen zauderte, trat der Abgeordnete Jacoby vor und sprach dem, der Deputation in der Adresse ausdrücklich er- theilten Austrage zufolge die Worte: „Majestät! Wir sind nicht bloS hierher gesandt, um eine Adresse zu überreichen, sondern auch, um Ew. Majestät mündlich über die wahre Lage deS Landes Auskunft zu geben. Gestatten Ew. Majestät daher—" Hier unterbrach der König mit dem Worte: „Nein!" Jacoby entgegnete: „Das ist immer das Unglück der Könige gewesen, daß sie die Wahrheit nicht hören wollen." Der König entfernte sich. Der Abgeordnete Jacoby hat sich hierdurch den Dank des gesammten Vaterlandes verdient. Möge er und seine Freunde in diesem hochwichtigen Augenblick nicht nachlassen, die in Wien wie in Berlin bedrohte Sache des Volkes und der Wahrheit zu vertreten, dann werden alle ihm mit Gut und Blut zur Seite stehen, um endlich eine von Fürstenlaune un- abhängige Grundlage der Volkssreiheit und des Volksglücks zn erlangen. Berlin, den 3. November 1848. Der demokratische Klub. Der demokratische Klub vom Jahre 1848 ist ver- schwunden. An seiner Stelle kämpft die jugcndstarke Sozialdemokratie für„Volkssreiheit und Volksglück" und erinnert sich heute in treuem Gedenken des großen Todten, deffen stolze und wahre Worte gleich einem Flaminenzeichen an, Firmament stehen, die Völker des Erdkreises begeisternd und zum Kamps an- spornend. Nicht prunkende Denkmäler hat die in der Sozialdemokratie politisch organisirte Arbeiterklasse zu ver- geben, aber in den Herzen von Millionen von Arbeitern unauslöschlich eingegraben ist die Liebe, Dankbarkeit und Ver- ehrung für Johann Jacoby, dessen Sterbetag das Proletariat mit dem Gelübde feiert, ihm nachzustreben und die geistigen Schätze, die er uns hinterlassen, zu benutzen zur Herbeiführung des von ihm gesteckten Zieles. Am 1. Aiai 1805 geboren, ist Johann Jacoby heut vor zwanzig Jahren dem Volke, für das allein er gelebt, gekämpft und gelitten hat, entrissen worden. Er hat das Banner, nnter dem die Kämpfe des Völkerfrühlings geführt wurden, ent- rollt— sein Geist, seine Werke werden immer leben. So lange das Herz des Volkes sür Freiheit und Recht erglüht, wird sein Name unvergessen sein. Mit Erz und Marmor ehrt man Königsleichen, Ehrt der Tyrann den vielgetreuen Knecht. Das Volk verschmäht die viel mißbrauchten Zeichen ffnr seine Männer sind sie ihm zu schlecht. Dem, der siir's Volk voll Mannesmuth gelitten, �Der seinen Klagen eine Stimme lieh, Der für des Volkes gutes Recht gestritten, Wird reich'rer Lohn— das Volk vergißt ihn nie. Sei gegrüßt Un st erblicher! polikischc Xlcbcvstchk. Berlin, 5. März 1897. Im prenstischen Abgeordneteuhause wurde heute die vor acht Tagen abgebrochene Berathnng des Etats der land- wirthschaftlichen Verwaltung beim Titel„Gehalt des Ministers" sortgesetzt. Die Debatte drehte sich aber weniger um land- wirthschaftliche als �nrn Mrhe Apogv. He-.vrtoder Landwirth« schalt in"»Line»» ovcr nur sehr eutsernre..-. Jils.-.»,>»-!:- hange stehen. So brachte der Abg. R i ck e r t(frs. Vg.) die bekannten Verfolgungen des Bauernbundes Nord- oft durch den Landrath v. Puttkamer zur Sprache und wies darauf hin, daß der mit seiner Köuigstreue so prahlende Bund der Landwirthe sogar gegen den Träger der Krone versteckte Angriffe gerichtet habe. Die Vcrtheidigung des Landraths v. Puttkamer übernahm Abg. v. H e y d e- b r e k(k.), der den Bauernverein Nordost agitatorischer und aufreizender Reden in einer Versammlung in Stolp beschuldigte und das Verhalten des Bundes der Landwirthe in Schutz nahm. Ebenso versuchte Abg. Hahn für den Bund eine Lanze zu brechen. Er bestritt, daß jemals ein Agrarier geäußert habe, er würde ins Lager der Sozialdemokratie übergehen; es sei nur gesagt worden, wenn die jetzigen Zustände so blieben, so könnte es vorkommen, daß im Lande der eine oder der andere„rabiate Geselle" Sozial- demokrat werden könnte. Thatsächlich aber gebe es keine Partei, die so königstreu, so loyal, so monarchisch und so abhold allein Demagogenthum sei, wie der Bund der Landwirthe. Die ebenfalls in der Presse bereits erörterten unberechtigten Angriffe der pommerschen Landwirthschaftskammer und des Abg. Graf Schwerin-Löwitz gegen die Stettiner Getreidebörse geißelte Abg. B r ö m e l(sreis. Vg.), der an den Minister die Bitte richtete, er möge die Landwirthschaftskammer zur Zurück- nähme ihrer Beschuldigung veranlassen. Frhr. v. Hammer- st e i n erwiderte, daß der Handelsminister zur Zeit die An- Selegenheit untersuche, daß er aber einschreiten werde, falls sich elastendes Material ergeben würde. Hatte sich die Debatte bisher noch einigermaßen in fach- lichen Grenzen gehalten, so verlief sie sich nun auf rein pcrsöu- lichc Gebiete. Das unfreiwillige Verdienst, die Veranlassung dazu gegeben zu haben, daß sich die Sitzung zu einer so stür- mischen gestaltete, wie sie sonst im Abgeordnetenhanse nicht üblich ist, gebührt dem Abg. Hahn, der, statt über den land- wirthschaftlichen Etat zu sprechen, zunächst eine kleine anti- semitische Hetzrede und sodann eine größere Rede gegen die Sozialdemokratie hielt, in der er sich freilich, seiner Gewohnheit entsprechend, nur in Phrasen erging, während von selbständigen Gedanken in seiner ganzen Rede nichts zu entdecken ist. Seine Worte wären im Hause wahrscheinlich unbeachtet geblieben, wenn er nicht am Schluß seiner Rede den freisinnigen Parteien das monarchische Gefühl abgesprochen und dadurch den Zorn derselben erregt hätte. Abg. G o t h e i n verbat sich in tiefster Entrüstung, daß irgend jemand es wage, ihm oder seinen Freunden das � monarchische Gefühl abzusprechen und ebenso erklärte Abg. Ehlers es für unter seiner Würde, dem Abg. Hahn auf derartige Beleidigungen etwas zu erwidern. Selbst der einstmalige Demokrat V i r ch o w hielt es für angebracht, seine nwnarchische Gesinnung als über jedem Zweifel erhaben hinzustellen. Damit haben die Freisinnigen das, woran freilich längst niemand mehr zweifelt, daß sie nämlich mit ihrer ganzen Vergangenheit gebrochen haben und daß sie, d'. ehe- maligen Revolutionäre, sich der Thaten ihrer Vorfahren schämen, endlich einmal offen ausgesprochen. Nach einer mehr persönlichen Auseinandersetzung zwischen den Abgg. Virchow und Hahn, wobei letzterer nicht schlecht abschnitt, wurde endlich das Gehalt des Ministers de- willigt und nach Erledigung einiger unwichtiger Kapitel die Debatte auf morgen vertag� Sie„uferlosen Zslotteupläne", von denen seit geraumer Zeit die Rede war, haben in der gestern stattgehabten Sitzung der Budgetkommission des Reichstags Fleisch und Blut erhalten. Ser Staatssekretär für die Marine präsentirte und vertheidigte einen Flottencrgänzuugsplan, nach dem für die nächsten fünf Jahre nicht weniger als rund 293 Millionen Mark einmaliger Ausgaben gefordert werden. Dazu kommen noch die Unterhaltungs- und Ergänzungs- kosten für die vorhandene Flotte, Ausgaben, die sich jährlich ebenfalls auf eine erkleckliche Zahl von Millionen erstrecke», und eine entsprechende Erhöhung des ordentlichen Marinetats in dem Maße, wie die fertig gestellten Schiffe in Dienst genommen werden im Gefolge haben. Die Eröffnungen des Staatssekretärs der Marine riefen in der Kommission eine lebhafte Erregung hervor und veranlaßten die Kom- Mission, die Berathung des Marine-«Etats einstweilen auszusetzen. Näheres findet der Leser in dem Bericht über die Sitzung der Kommission. Nahezu 200 Millionen M. für neue Geschütze stehen in Aussicht und dazu kommen 300 Mill. für Ergänzungs- bezw. Erweiterungsbauten für die Marine, das ist eine halbe Milliarde Mark, nm die wieder der Volks- beutet in den nächsten Jahren erleichtert werden soll. Die Tobten reiten schnell.— Ein Krieg zwischen Griechenland«nd der Türkei erscheint heute nicht mehr so univahrscheinlich, wie in den letzten Tagen. Aus Athen wird gemeldet: Heute Nacht wurde ein Minifterrath abgehalten, der bis 1 Uhr dauerte. Wie verlautet, wurden wichtige Beschlüsse gefaßt, unter anderen Maßnahmen betreffend die wahrscheinliche Aktion der griechischen Flotte an der makedonischen Küste. Der Wachldienst in den Städten wird der Gendarmerie und dem Depotbataillon übergeben. Die Panzerschiffe„Spetzay" und„Psara" gehen heute früh mit versiegelten Ordres ab. Der Bestimmungsort wird streng geheim gehalten. Die Einschließung von Kaudano wird immer enger. Die.Aufständischen halten die Stadt von allen Seiten umzingelt. Der griechische Vizekonsul erklärte den Admiräten, daß er unter den Bedingungen, welch« ihm dieselben gestellt, eine Intervention zu gnnsten Kandanos nicht unternehmen könne. Die Admiräle halten deshalb heute Vormittag eine Be- sprechung ab. Die Zollbehörde in Kanea erhielt den Befehl, die Einfuhr von Explosivstoffen dringend zu verhindern. Das amtliche Blatt veröffentlichte gestern eine Verordnung, durch ivelche die Reserven der Jahrgänge 1891, 1890, 1889 und 1883 inner- halb dreier Tage einberufen werden. Dem von der„Berlingske Tidende" nach Athen entsandte» Be- richterstatter gegenüber hat sich, wie das Blatt meldet, der König Georg in folgender Weise ausgesprochen: die Nation vermöge die aufreibende Erregung, welche die ununterbrochenen Revolutionen ans Kreta hervorriefen, nicht zu ertragen. Die griechischen Finanzen seien außer stände, die kretischen Flüchtlinge, deren Griechenland gegenwärtig 17 000 beherberge, zu unterhalten; nichts gedeihe in Griechenland, solange diese Frage nicht endgiltig gelöst sei. Auto- nomie sei für Kreta undenkbar, weil die Kreter solche verwerfen würden. Eine Zurückberufung der griechischen Truppen von Kreta würde das Signal zu neuen, größere» Metzeleien sein wegen des ungeheuren Fanatismus bei der mnselmanischen Bevölkerung, die sich von sechs Großmächten unterstützt sehe. Die Großmächte ließe» auf die christlichen Kreter, die sich nur gegen türkischen Angriff vertheidigten, lchießen. Deutlich sei es gewesen, daß die Schiffe der Mächte diesen Angriff unterstützten, denn die Schiffe der Machte hätten die stegreichen Kreter, die für ihre Freiheit und für das Kreuz kämpften, in dem Augenblick beschossen, als die Türken sich zurück. ziehen mußten. Der„Figaro" veröffentlicht ein Interview mit Delyannis, welcher erklärte, Griechenland werde seine Truppen aus Kreta nicht � � uüw« ilvy v«*4 d.»' �ulvnouii«: der Insel zus-ieden. Ein Plebiszit durch das Volk ivürde das Resultat ergeben, daß Griechenland es vorziehe, eher von der Land- karte zu verschwinden, als daß es in der kretensischen Frage zurück- weiche. Ans London wird telegraphirt: Etwa hundert Mitglieder des Unterhauses, darunter einige frühere Minister, sandten dem Könige Georg eine Depesche, in welcher sie stch anerkennend über die der Zivilisation auf Kreta erwiesenen Dienste aussprechen und ihren Wünschen für das Wohlergehen Griechenlands Ausdruck geben. Aus Kanea meldet der Telegraph: Die Kämpfe dauern in der Nachbarschaft aller Knstenstädte an. Die Aufständischen machten in der Nacht zum 3. d. M. den Versuch, die Telegraphendrähte bei Suva durchzuschneiden. Die Schiffe der Großmächte gebrauchten die Scheinwerfer und die Admirale ermächtigten die türkischen Forts, Feuer z» gebe». Die Alisständischen zogen sich hierauf zurück. Nach einem Telegramm der„Times" aus Kanea vom 4. März erhielten die Begs aus Sitia die Nachricht, daß eine große Zahl von Mohamedanern in den Sitia benachbarten Dörfern getödtet ivorden sei. Der„Köln. Ztg." wird aus Kanea gemeldet: Die Führer der Aufständischen bei Selino ließen die Aufforderung der Befehls- Haber der fremden Schiffe, zu einer Besprechung an die Küste zil kommen, unbeantwortet. Die Muselmanen sind noch eingeschloffen und haben sich verschanzt. Englische und italienische Soldaten brachten 14 verhaftete Saptiehs nach Smyrna.— Der Athener Korrespondent desselben Blattes versichert, an eine Zurückberufung der Truppen sei nicht zu denken und zu einem all» gemeinen Aufstaude in Makedonien seien alle Vorbereitungen ge- troffen. Der Aufstand komme sofort zum Ausbruch, sobald Europa energische Maßnahme» treffe. Europa müsse stch zu energischem ziel- bewußten Handeln entschließen. Aus Konstanlinopek wird gemeldet: Der am 3. März abgehaltene Minifterrath soll sich dahin ent- schieden haben, ein« ausweichende Antwort ans die Note der Mächte zu geben. Es verlaute, daß die Pforte im Prinzip die Autonomie für Kreta annehme, es aber ablehne, Einzelheiten über dieselbe zu erörtern, bevor die griechischen Truppen die Insel nicht geräumt haben. Der„Standard" meldet aus Konstantinopel, zehntausend dort ansässige Griechen beabsichtigten nach polizeilichen Angaben, Unruhe» anzustiften. Vom N'ldiz-Kiosk seien Befehle ertheilt, außergewöhnliche Vorsichtsmaßregeln zu treffen. Die Truppentransporte verzögern sich infolge von Stockungen, welche aus der Verbindungslinie mit Saloniki wegen deren mangel- hafler Leistungsfähigkeit fortdauernd auftreten. Die Bahn hat seit dem 24. Februar nur 10 Militärzüge zu befördern vermocht. Wichtiger als alle diese Meldungen ist die Thatsache, daß die Mächte sich über ein Vorgehen gegen Griechenland nicht einigen können und Griechenland somit in vollster Ruhe dem Ablauf der ihm gestellten Frist von sechs Tagen entgehen- sehen kann. Die Antrittsrede Mae Kinleh's, die wir unter den Telegrammen der letzten Nummer in ihren wesentlichen Ab- sätzen wiedergegeben haben, ist ein Meisterstück von Popularitäts- hascherei. Die beiden Hauptpunkte des Programms seines Gegners, das Eintreten für den Bimetallismus und den Kampf gegen die Trusts erwähnte er in sehr sympathischer, fast direkt befürwortender Weise, obgleich er sich wohl hüten wird, dementsprechend zu handeln. Wichtiger als diese Redewendungen ist die Ankündigung, daß der Prä- sident den Kongreß zu einer außerordentlichen Sitzung zu Be- rathungen über die Tarifrevision einberufen habe. Diese Berathungen können von größter Bedeutung für oas Wirthschastsgetricbe der ganzen Kulturwelt werden.— Chronik der MajestatSbeleidigungS- Prozeffe. Wegen Mojestälsbeleidigung wurde in Braunschweig vor einigen Tagen der Kaufmann Paul Niemann verhaftet. Seine eingelegte Beschwerde gegen die Verhaftung ist durch Beschluß der zweiten Strafkammer, im Hinblick ans den bestehenden Fluchtverdacht wegen der Höhe der event. zn erwartenden Strafe verworfen worden. R. bleibt sonach in Untersuchungshaft.— � Deutsches Reich. — Die Frommen und die Kaiserrede. Das Haupt- organ der bayerischen Zentrumspartei, die„Augsburger Postzettung" schreibt: „Auf eine andere Wendung im offiziellen Text muffen wir schließlich noch besonders aufmerksam machen. Im vorletzten Absatz der Rede, wo von der Sozialdemokratie gesprochen wird, lautet ein Passus:„Diejenige Partei, die es wagt, die staatlichen Grund- lagen anzugreifen, die gegen die Religion sich erhebt und selbst nicht vor der Person des Allerhöchsten Herrn Halt macht, muß überwunden werden." Nach de», offiziellen Sprachgebrauch ist mit der„Person des Allerhöchsten Herrn" der Monarch ge- meint. Wenn dies auch in der Kaiserrede so gemeint war, wie es den Anschein hat. dann müssen wir ganz entschieden Wider- sprnch dagegen erheben, daß bei der Korrektur der kaiserlichen Rede diese peinliche Stellung der Person des Monarchen über Gott und die Religion keine Aenderung erfahren hat."— — Konservatives. Auf der am 7. März zu Dresden stattfindende»„konservativen Versammlung" werden Frhr.v.Mauleuffel über„Tie konservative Partei", Graf Limburg- Slirum über „Sozialpolitik und Sozialdemokratie", Abg. Felisch über„Tie Organisation des Handwerks" und Frhr. v. Erffa über„Wirthschaftliche Fragen" sprechen. Wir hoffen, daß wir auch Limburg-Stirum's Rede überleberi werde».— Ans Meiningen. 4. März. lEig. Ber.) Der politische Mollnsk. genannt Freisinn, zeigt sich wieder einmal in seiner ganzen Glorie im Meininger Landtage anläßlich der Berathung des viel- genannten erzreaktionäreu Genieindeordnnngs-Entivttrfs. Mußte es füglich angenehm überraschen, mit welchem Nachdruck die Freisinnigen i» Salzungen und Sonneberg, speziell in letzterer Stadl, gegen die Bestimmungen betr. das Mehrstimnienrecht sich ins Zeug legten, so läßt sich das heute doch nur dahin erklären, daß diese Leute dabei eben nichts r i s k i r t e n. Sie umgaben sich mit eiipem freiheitlichen Mäntelchen und versuchten der„Welt" die Ueberzeugung beizu- bringen, daß es noch Demokraten giebt in Thüringen. Bei Lichte besehen sind sie aber auch danach; Tbalsachen beweisen. Im Land- tage hat nämlich der Führer der Freisinnigen, Amtsgerichtsrath Thomas den Antrag eingebracht,„den Artikel 178 des Gemeinde- ordnimgs-Entivurs-(der je nach ber Höhe der gezahlten Einkommen- steuer das Mehrstimmenrecht bis aus 20 Stimmen festsetzt) nur auf dem Lande einzuführen, für die Städte aber das seitherige Verfahren(E i nstimmenrecht bei geheimer direkter Wahl) bestehen zu lassen. Bis dahin wäre es ja ganz„gut". Nun aber kommt der Pferdefuß, indem der Antrag fortfährt:„Für de» Fall aber, baß der Landtag beschließen sollte, diese Ausnahmestellung der Städte zu beseitigen, dann die höchstzulässige Stimmenzahl für die Städte statt aus 20 auf 10 Stimmen festzusetzen." Wie zahm doch diese Herren sind. Abgesehen von der Prinzipienlosigkeit, ivelche aus dem ersten Theile des Antrages spricht, indem man dem Lande das verrottete, unmoralische, auf Besitz und Einkommen sich stützende M e h rstinimenrecht bedingungslos aushalfen ivill, ist auch der letzte Theil des Antrags ein Nonsens, eine Albernheit. Spricht ans ihm schon zur genüge die Willfährigkeit, der„liberalen" meininger Re- gierung in ihrem reaktionäre» Bestreben soweit als möglich entgegen- zukommen, so hat der Antrag, in der Praxis angewaudt, auch durchaus keine Bedeutung. Dies lehrt am besten das einschlägige Material, welches seitens der Regierung anläßlich der Beralhnng des frag- lichen Gesetzentwiirfs geliefert worden ist. Danach werden beispiels- in Kt.'-iskotd von 1806 Personen 949 sein, welche»ur je eine Stimme abzugeben vermögen, wahreno vre verbletbenden 857 Per- sonen 2920 Stimmen werden abgeben können; ivürde der freisinnige Antrag durchgehen, so würde das in Saalfeld den Mehrstimmen- berechtigten ganze zwölf Stimmen entziehen! Es ständen in dieser Stadt also anstatt 949 Personen mit ebeufovielen Stimmen 857 Personen mit 2908 Stimmen gegenüber! In der Residenz Meiningen, wo 1012 Personen nur je eine Stimme abgebe» würden, stehen diesen 1S30 Mehrstimmenberechtigten gegenüber, welche nach dem Regierungsenlwurfe 6246 Stimmen abzugeben in der Lage sich befänden. Durch den freisinnigen Eventualantrag aber würden dieser Wählerkatcgorie ganze 75 Stimmen verloren gehen; den 1012Arbeiterstiminen würden alsoöt71 anstatt 8246 Stimmen gegenüberstehen. Die ganze Ueberflüssigkeit und Zwecklosigkeit des freisinnigen Eventualantrages aber beweisen die einschlägigen Zahlen für die Stadt Themar, denn dort würde durch Annahme deffelben de» Mehrstimmenberechtigten sage und schreibe eine ganze Stimme ent- zogen werden!— Und mit solchen Albernheiten glaubt man das „demokratische Prestige" retten und den Arbeiter» Sand in die Augen streuen zu könne»!— Es ist übrigens heut« nicht mehr daran zu zweifeln, daß auch der oben erwähnte reaktionäre§ 17 des Gemeinde- Ordnungs-Entwurfs vom Landtage angenommen wird, wenn auch nur mit der, wie vorstehend geschildert, absolut bedeutungslosen Ein- schränkung der Höchststimmenzahl von 20 auf 10. Der Verhunzung des Gemeinde-Wahlrechts aber wird in kurzer Zeit die Verhunzung des L a n d t a gs- W a h l r e ch t s folgen. Od„man" damit die sprichwörtliche Roth der Bewohner des Thüringer Waldes wohl als beseitigt ansehen wird?— — Der württembergische Landtag hat in seiner Er- öffnungssitzung auch über mehrere Petitionen betr. Abschaffung bezw. Abänderung des S» b m i s s i o n s w e s e n s berathen. Die Kom- Mission(Berichterstalter Abg. v. Luz) erkennt an, daß das Submissions- wesen Mißstände aufzeige, aber auch eine Aenderung erwecke Bedenken. Die Einführung der Submission habe einerseits bezweckt, die Be- Hörden von dem Verbackt der Willkür zn hefreien, anderseits die Bildung angemessener Preise herbeizuführen. Es werde bei Ab- schaffung namentlich ein bedeutender Mehraufwand entstehen. Be- achtenswerth sei dagegen der Wunsch, daß kleinere Arbeiten ohne Submission vergeben werden. Auch bezeichnet es der Berichterstatter als zweckentsprechend, wenn das Bieten nach Prozenten aufhört und der Submittent in das Verzeichniß der Arbeitsleistungen seine Preise tinsetzt. Die Kommission beantragt, die beiden Petitionen der Regierung zur Erwägung hinüberzugeben. Abg. KloßlSoziald em okra t) beantragt thunlichste Berück- sichtigung. Er führte nach der„Franks. Ztg." aus: Durch die Sub- Mission und die Herabdrückung der Angebole werden auck die Löhne und die Lebenshaltung der Arbeiter herabgesetzt. Eine bessere Zahlung der Handwerker und Arbeiter werde deren Kaufkraft heben. Von den Submittenten müsse verlangt werden, daß sie den orts- üblichen Tagelohn zahlen und die übliche Arbeitszeit inne- halten. Der Abgeordnete bespricht die Ucbelftände des Sub- missionswesens. Bei besonders billigen Angeboten würden oft Nachforderungen erhoben. Das Submisstonswesen sei wahrscheinlich entstanden durch das Eingreifen des Kapitals in das Gewerbeleben und gediehen in der Schwindelperiode. Der Staat solle mit gutem Beispiel vorangehen. In seinen weiteren Ausführungen legt der Redner dar, daß das beste die Annahme des Mittelpreises wäre. Die Anträge der Kommission wurdez, zum Beschluß erhoben. Nach Mittheilung des Präsidenten der Kammer ist die Session mit Vorlagen überlastet und eine lange Dauer der BeralhungSperiode zu erwarten.— St. Ludwig, 4. März.(Eig. Ber.) DaS Vaterland ist wieder einmal gerettet und die Marseillaise aus dem Elsaß durch Gerichts- beschluß verbannt. Vor der Strafkammer Mülhausen wurden gestern sieben Personen aus dem benachbarten Ncudors wegen Absingens der Marseillaise zu ziemlich schweren Geld-«nd Gefängnißstrafen verurlheill. Zwei der Missethäter erhielten je 6 Wochen Gesänguiß, fünf weitere Angeklagte— ausschließlich Frauen und Mädchen— wurden mit je 50 M. Geldstrafe gebüßt. Die Verurtheilten be- streiten aber, daß sie die französische Marseillaise gesungen habe». Sie erklären, sie hätten„I2n avant conscrits, sur le charnp de bataüle, ü kaut tuer lennemi" gesungen, ein sehr harmloses Re- krutenlied. Der anzeigende Gendarm aber will die„Marseillaise" gehört habe» und so erfolgte die Verurtheilung wegen Ausstoßens ans- rührischer Rufe. Oesterreich. — Die ReichSraths-Wahlen haben gestern in der fünften Kurie begonnen. Bios in den beiden Wahlkreisen der Bukowina wurde gestern gewählt, die Wahlen waren indirekt und für unsere Genossen ein Erfolg ausgeschlossen. Gewählt wurden die beiden von den Behörden unterstützten Kandidaten, der Jung- ruthene Ober-Landesgerichtsrath Winnicki und der Rumäne Dr. Popovici. Weit größeres Interesse als die Wahl in der Bukowina beansprucht die am Montag stattfindende Wahl in Trieft. Dort wird in der Kurie des allgemeinen Wahlrechts direkt gewählt, starke nationale Gegensätze sind vorbanden, die Sozialdemokratie auch sckon mehr vorgeschritten wie in der Bukowina. Der Kandidat unserer Partei, der auf eine ansehnliche Minorität rechne» darf, ist der Buch- drucker Carlo Ucekar. Von höchstemJuteresse wird die Wahl am nächsten Dienstag sein. Niederösterreich. Salzburg, Käruthen, Mähren und Schlesien wählen an diesem Tage. Am Mittwoch findet die Wahl in Krain, Görz und Jftrien statt, am Donnerstag in Oberösterrcich und Galizie». Freilag finden die Wahlen in der fünfte» lrurie ihren Abschluß durch die Wahlen in Steiermark, Tirol, Vorarlberg, Böhmen und Galizien.— Ungarn. Budapest, 5. März. In der heutigen Sitzung des Abgeordneten- Hauses theilte der Präsi ent mit, daß der Abgeordnete Morzsanyi sein Mandat uiede> gelegt habe. Der würdige Parlamentarier ist bekanntlich in der bösen Korruplionsgeschichle. über die wir gestern kurz berichteten, arg verwickelt.— Schwei». — Unsere Genossen in» T e s s i n(italienische Schweiz) wollen nächsten Sonntag zum ersten Male selbständig in den Wahl- kämpf treten. Im Wahlaufrufe der Arbeiterunion wird folgendes Programm für die Wahl des Kantonsrathes entwickelt: Gründung einer Hilfskasse für Alte und Invalide. Unentgeltlichkeit der Lehr- mittel, Verbesserung der Stellung der Lehrer. Obligatorische Jnventarisatiou im Todessall. Gleiche und strikte Anwendung der Progression bei den Steuern im Sinne der Belastung der große» Kapitalisten. Einführung einer Seitenerbschafts- und einer Luxus- steuer. Steuerfreies Existenzminimum von 1200 Fr. Rückkauf der Bahnen durch den Staat. Auch das Recht aus Arbeit, beziehungs- weise auf Existenz wird wieder gefordert.— Frankreich. Paris, 4. März. D e p u t i r t e n k a m m e r. Bei der Ber- Handlung über die Giltigkeit der Wahl des Abbe Gayraud als Deputirten für Brest hielt der Deputirte Louis Hemon eine Rede, in welcher er ausführte, daß der Klerus die Republik als einen Nothbehelf hinnehme, und in welcher er die Ge- fahren und Uebergriffe des Klerikalismus kennzeichnete. Die Kammer beschloß mit 310 gegen 131 Stimmen den öffentlichen Anschlag dieser Rede in alle» Gemeinden Frankreichs. Das Haus entschied sich darauf mit 353 gegen 121 Stimmen für die Veranstaltung einer Erhebung über die in Rede stehende Wahl, um zu prüfen, welche Rolle der Klerus dabei gespielt Hat.— Belgien. Repräsentantenkammer. De Brocaueville richtete gestern eine Anfrage an den Minister des Auswärtigen über die Stellung der Regierung angesichts der Möglichkeit des Abschlusses dauernder Schiedsgerichts-Berträge mit fremden Mächten; ferner interpellirte Genosse D e v i s über die Antwort der R-gU-ia-.E auf At T. n l a d u n g der Schweizer Re- gierung. an der internationalen Konferenz zum Schutze der industriellen Arbeiten theilznuehmen. Der Minister des Auswärtigen de Favereau erwiderte, Belgien könne sich von keiner Frage fernhalte», welche die Bewahrung deS riedeus bezweckt; er könne versichern, daß in keinem Lande wärmere ertheidiger der Schiedsgerichtssragen existiren, als in Belgien; indessen glaube er, der Minister, nicht, daß der Augenblick zur Errichtung eines ständigen Schiedsgericht?- Hofes bereits gekommen sei. Die belgische Regierung sei geneigt, der schiedsrichterlichen Regelung der mit anderen Nationen abzuschließenden Handelsverträge zuzustimmen und die be- treffende Klausel aufzunehmen. Dagegen werde die Regierung die Initiative zur Organifirung eines permanenten internationalen Friedenshofes nicht ergreife», weil sie die Wirksamkeit dieser vor- geschlagene» Institution für illusorisch halten müsse.— Genosse Denis führte zu seiner Interpellation aus: Die Schweiz habe begriffen, daß, da die Berliner Konferenz praktische Erfolge nicht gezeitigt habe, der Versuch einer internationalen Verftändi- gung von neuem gemacht werden müsse. Die Entwickelung der europäischen Exportländer sei eine so rapide gewesen, daß die Nothwendigkeit der internationalen Regelung der Arbeitszeit, der Frauen- und Kinderarbeit sich immer mehr auf- dränge. Die Brüsseler Ausstellung dieses Jahres biete eine vortreffliche Gelegenheit, die Industriestaaten zu einer Konferenz nach Brüssel einzuladen Der Minister ant- »wriele ausweichend, daß er«ine iEinladung seitens der Schweiz bis jetzt noch nicht erhalten habe. Er stehe einer inter- nationalen Regelung des Arbeiterschutzes sehr sympathisch gegenüber, diese sei jedoch sehr schwer herbeizuführen. Die Repjä sentantenkammer nahm in ihrer heutigen Sitzung einstinimig eine Tagesordnung an, welche unter Billigung der bezüglichen Regierungserklärungen dem Wunsche Ausdruck giebt, daß die Begleichung internationaler Konflikte einem Schiedsgerichts- Verfahren anvertraut würde und daß zu diesem Zwecke ein permanentes Schiedsgericht gebildet werde.— Brüssel, 5. März. Im Senat wurde heute Nachmittag die Abschaffung der Spielbanken beschloffen. Nur den Badeorten Spaa und Ostende soll auch fernerhin das Privilegium erhalten bleiben, Spielbanken zu unterhalten. England. London, 3. März.(Eig. Ber.) Gestern hatte das Parlament in beiden Häusern seine Debatte über Kreta. Von Bedeutung war indeß nur die Erklärung Salisbury's im Haus der Lords, die bei möglichster Rücksichtnahme auf die Empfindlichkeiten der Festlands- mächte und der Erklärung, am Konzert der Mächte festhalten zu «vollen, im ganzen den Griechen wohlivollend lautete. Die Oppo- sition trat natürlich sehr viel entschiedener für die Griechen ein. Herr Harcourt kritisirte im Haus der Gemeinen mit großer Bered- samkeil die Halbheit der von den Mächten vorgeschlagenen Lösung und widerlegte in glücklicher Weise die lächerliche Redensart von dem„Rechlsbruck". den Griechenland durch seine Aktion in Kreta begangen haben soll. Aber zu einer isolirten Aktion Englands rieth auch er nicht. Und so die meisten anderen Redner der Liberalen. Der in sozialpolitischen Dingen sehr radikale Abgeordnete Haldaue erklärte sich sogar rund heraus für die Politik Salisbury's und zog sich damit vom„Daily Chronicle" den Vorivurs zu, seine Rede habe„die Stimme eines Andern"— nämlich des vom„Chronicle" verworfenen Rosebery— zum Ausdruck gebracht. Wie die große Mehrheit der Redner rechts und links sprach jedoch auch Haldane den Wunsch und die Ueberzeugung aus, daß das Ende der Affäre die Vereinigung Krela's mit Griechenland sein werde. In diesem Punkte erinnerte die gestrige Debatte an die besten Traditionen dc? englischen Parlamentarismus, und was man auch den englisckcn Konservativen vorwerfen kann, so viel demokratische» Geist haben sie doch eingesogen, daß, nachdem der eivige Jude des Sultans, Assmear Bartlett. sich für die Aufrechterhaltung von dessen Oberhoheit übcrKreta ins Zeug gelegt, ein Redner der Partei erklären lounte, die Per- |onen, b« auf feiner Seite des HauseS die Ansichten des Herrn Bartlett theilte», halten bequem in einer Droschke Platz. Für eine neue heilige Allianz, wie sie poetisch veranlagten Gemüthern in Deutschland Herzenswunsch zu sein scheint, ist England noch immer nicht reif. Soweit es in diesem kreteusischen Handel der Politik der Festlandsmächte auch nachgegeben hat, eines darf jeder Engländer doch von sich sagen: als ein Volk Europa's sich erhob, um sein heiligstes Recht, sein nationales Selbstbewußtsein, zu erkämpfen, war es England, das ihm Ellbogenraum sicherte, indem es den Antrag aus Blockirung Kreta's verwarf. Und als das stammverwandte Griechenland den Kretensern zu Hilfe kam, war es nicht England, das eine Strafexpedition gegen solch durchaus in der Natur der Verhältnisse begründetes Vorgehen in Vorschlag brachte. Wann wird der Tag kommen, wo Deutsdsiaud als Großmacht seine Stimme für Rechte der Völker in die Waagschale wirft?— London, 5. März. Die Antwort der belgischen Regierung auf den Antrag Lord Salisbury's, die Entscheidung über die Affaire Ben Tillet's einem Schiedsgerichte zu übertragen, ist gestern ein- gelaufen. Die belgische Regierung erklärt sich bereit, eine schieds- richterliche Intervention anzunehmen.— London, 5. März. Das Unterhaus nahm die erste Lesung der von Ritchie beantragte» Bill an, durch welche die Einfuhr von in Gefängnissen angefertigten Gegenständen verboten wird.— — Bei der letzten Ersatzwahl in Halifax(Eng- land) erlag bekanntlsch der sozialistische Kandidat Tom Mann. Wie uns heute geschrieben wird, haben die bekannten englischen Gewerkschaftsführer und„Arbcitervertreter* Wilson, Leslie, Johnson und andere gegen ihren Klasiengenosien und Gewerkschastskollege» für den liberalen Bourgeoiskandidaten agitirt! Das ist aller- dings ein starkes Stück und führt hoffentlich zu einem gesunden Rückschlag gegen solche„Arbeitervertreter".— — Wie die englische Regierung sich ihrer Bürger — auch wenn sie Sozialdemokraten sind— annimmt, dafür liefert die Affäre Ben T i l l e t einen recht drastischen Beweis. Die belgische Regierung hatte bekanntlich Ben Tille t, als er zwecks Abhaltung einer Hasenarbeiter-Verfammlung nach Antwerpen gekommen war, verhaften und ausweisen laffen. Dabei wurde Ben Till et ins Gefängniß gebracht und dort in ungebührlicher Weise behandelt. Er wurde gezwungen, ein Bad zu nehmen, wodurch er sich eine Brustfellentzündung zuzog. Ben Till et hat nun durch seine Regierung von der belgischen eine Entschädigung von 25(XX) Franken fordern lassen. Die belgische Regierung verweigerte die Zahlung. Nach mehrfachem Notenwechsel hat die englische Regierung dem belgischen Aus- wärtigen Amte erklärt,„daß, wenn die Regierung des Königs der Belgier nicht die Nothwendigkeit begreift, den gerechten Forderungen des Londoner Kabinets gerecht zu werden, die englische Regierung entschloffen ist, die Frage einem internationalen Schieds- g e r i ch t e zu unterbreiten." Italien. Rom, 5. März. Die heute veröffentlichte Erklärung des Mi nisterpräsidenten Rudini an die Wähler, welche daS Wahlprogramm der Regierung bildet, erörtert zu- nächst die afrikanische Frage und weist die beiden extremen Wünsche zurück, nämlich die vollständige Unterwerfung Abeffyniens auf der einen, oder die gänzliche Aufgabe der afrika- nischen Besitzungen auf der anderen Seite, mit Einschluß der Küstenplätze Assab und Massauah, die niemand Italien streitig mache und die leicht zu vertheidigen seien. Die Erklärung behandelt sodann die auswärtige Politik und führt aus. daß die blutigen Ereignisse im Orient Italien daran erinnerten, daß feine höchsten Interessen und sehr nahe gerückte Gefahren es ihm zur Pflicht machten, alle feine Kräfte für den Augenblick aufzusparen, in welchem sich die Probleme löse» müßte». welche ganz Europa beschäftigten, und von denen auch die Zukunft und die Größe des Vaterlandes abhängen könnten. Die italienische Regierung sei frei von Begehrlichkeit und Ehrgeiz und sei über- zeugt, daß nur die Einigkeit unter den Mächten der zivilisirten Welt einen Krieg ersparen könnte, dessen Grenzen und Folgen schwer zu ermessen seien. Sie habe sich stets bemüht und bemühe sich auch serner, in offenem und loyalem Sinne jeden Anlaß zu Meinungsverschiedenheiten und Zwistigkeiten zu beseitigen, welche den Frieden stören könnten. Alsdann verbreitet sich die Kundgebung über die Fragen der Finanzverwaltung und des Schatzes. Es wird gezeigt, daß die Finanzlage und die wirth- schaftliche Lage in günstiger Entwickelung begriffen seien und die Neuordnung des Notenumlaufs bald eine vollendete That- fache sein werde. Das Gleichgewicht des Staatshaushalts sei er- reicht. Der wirthschaftliche und finanzielle Aufschwung, der die höchste Nothwendigkeit für das Land bilde, sei untrennbar von einer besonnenen und friedlichen auswärtigen Politik, von einer Afrikapolitik ohne Abenteuer, ohne Bergeudnngen und ohne Thorheiten. Ferner wird auf Reformen zur Hebung der Produktion des Landes hingewiesen; es wird alsdann aus- sührlich die Frage der Verwaltungsreform besprochen und werden die hier erforderlichen Maßnahmen angeführt, darunter an erster Stelle die Einführung eines verbesserten Wahlverfahrens bei den Wahlen zu den Ber- waltungskörperschaften. Diese Reform erklärt Rudini für besonders dringend und an der Spitze des Programms stehend. WaS schließlich die soziale Frage angehe, so erklärt die Kund- gebung, die Regierung habe die dringende Pflicht, die auf den Schutz der Arbeit und gegen die unvermeidlichen, durch Alter, Krankheit und Unfälle entstehen- den Uebel gerichteten Einrichtungen zu fördern. Die italienischen Wähler werden sich hoffentlich durch die schönen Worte des Marques« Rudini nicht abhalten lassen. Männer ihres Vertrauens zu wählen, die dem Ministerium Rudini Opposition machen und für die Zukunft des Landes sicherere Garantien geben als ministerielle Versprechungen.— Varlamentavifches. Der BnndeSrath hat in seiner gestrigen Sitzung die Zu» stimmung ertheilt den Vorlagen: betreffend die Abänderung einiger Bestimmungen der Betriebsordnung für die Haupteisenbahnen, der Normen für den Bau und die Ausrüstung der Haupteisenbahnen, sowie der Bahnordnung für die Nebeneisenbahne». betreffend die Revision des internationalen Uebereinkommens über den Eisenbahn- Frachtverkehr, und betreffend die Bestimmungen über die Be- schäftigung von Arbeiterinnen auf Stein- kohlen-Bergwerken, Zink- und B l«i e rz- B e r g- werken und auf Kokereien im Regier» ngs- bezirk Oppeln, schließlich der Vorlage betreffend eine ander- weitige Abgrenzung der Schiedsgerichts-Bezirke der Privatbahn» Berufsgenosseuschaft mit der Maßgabe, daß der Termin auf den l. April dieses Jahres verlegt wird. Von dem Geschäftsbericht des Reichs-Verstcheruugsamts für daS Jahr lS9L wurde Kenntniß ge» nommen und über Eingaben verhandelt. Die übrigen Beschlüsse haben wir in unserer letzten Nummer schon milgetheilt.— Bndgetsitznng. Die gestrige Sitzung der Budgetkommisfion nahm einen nicht erwarteten Verlauf. Statt einer Berathuug des Marine-Elals kam es zu einer Verhandlung über die künstige Ent- Wickelung der Flotte, die durch das Eingreifen des Staatssekretärs der Marine, Hollmann, und der von ihm entwickelten Zukunfts- Pläne zu einer Vertagung der Beralhung führte. Die Sitzung begann mit einem einleitenden Referat des Abg. Lieber, der zum Schlüsse seiner Rede sich Auskunft erbat über die Gründe, die dazu geführt, daß im Laufe des Januar dieses Jahres die drei großen Panzerschiffe„König Wilhelm",„Kaiser" und„Deutschland" aus der Reihe der Panzerschiffe aus und in die der Kreuzer ein» rangirt wurde». Während der Rede des Abg. Lieber war ein Expose der Marineverivaltung vertheilt worden, das bereits bei flüchtigem Durchblick eine lebhaste Erregung in der Kommission hervorrief und den Abgeordneten Richter ver- aulaßte, nach Schluß der Lieber'schen Rede die Vertagung der Verhandlungen zu verlangen, um Zeit zu haben, die eben herein- geschneite Denkschrift studiren zu können, die offenbar eine Reihe nicht angenehmer Ueberraschungen enthalte. Nach kurzer Be- rathung entschied sich die Kommission, zunächst die Erläuterungen des Staatssekretärs der Marine anzuhören, der sich bereit erklärte, Aufklärung zu gewähren. Herr Hollmann, der außerordentlich leb- Haft und zeitweilig mit an ihm ungewohnter Entschiedenheit sprach, begann mit der Erklärung, er wolle der Kommission reine» Wein einschenken: Die eben verlheilte Schrift habe nur den Zweck, die Mitglieder der Kommission über die nächsten Pläne der Marineverwaltung zu informiren; er wolle zeigen, wohin der Kurs gehe, und daß es sich nicht um uferlose Flottenpläne handele— eine Charakterisirung des Strebens der Marine- Verwaltung, das ihr sehr viele Unannehmlichkeiten bereitet habe—, sondern daß, was jetzt gefordert werde, im gründe nicht über das hinausgehe, was die Denischrist über die Entwickelung der Marine im Jahre 1873 als Ziel vorgesehen habe. In seinen weiteren Ausführungen geht der Staatssekretär das zur Vertheilung gebrachte Expos« Position für Position durch, um zu zeigen. daß die Entwickelung der Marine, reformirt durch die nolhwendigen Umgestaltungen, welche die Rüstungen zur See seit 1873 erfahren Härten, die Ergänzungen haben müsse, die in dem Expose gefordert würden. Nach dieser Darstellung fehlen außer den im Bau be- ariffenen Schiffen 5 Panzerschiffe, lv Kreuzer, 2 Stanonenboote, 5 Avisos und 22 Torpedosahrzeuge. Auf zwei im früheren Plan vorgesehene Monitors und zwei schwimmende Batterien wird ver- zichtet, weil dieselben durch die Schiffstcchnik überholt seien. Ein Theil der Schisse, so führte der Staatssekretär weiter aus, sei in einem Zustand, daß er in einem Kampf gegen andere Schiffe nicht mehr auskommen könne und nothwendig unterliegen müsse. Es seien darunter Schiffe, die bis 70V Mann Besatzung hätten; diese seien also in einem solchen Kainpse dem Untergang preis- gegeben. Je kleiner aber die Zahl der Schiffe, die man besitze, sei, desto nothwendiger sei ein einheitlicher Charakter derselben. Die ganze Welt wisse, daß eine Anzahl der deutschen Panzer als Schlacht- schiffe nicht mehr taugten, man brauche deshalb dringend Ersatz. Die Marine müsse darauf gefaßt sein, nicht blos die Küsten zu ver- thcidigen, sondern auch auf offenem Meer zu kämpfen, und sie wolle und werde kämpfen, möchten die Schiffe sein wie sie wollten; aber ihr Verlangen sei, möglichst gute, allen Anforderungen entsprechende Schiffe zu besitzen. Im weiteren ergeht sich der Staatssekretär über die Unzu- länglichkeit der Flotte im Falle eines Krieges und über die Wirkungen, die dieses für das Reich haben werde. Er verweist dabei namentlich auf Frankreich und Rußland und auf die Roth- wendigkeit, hinter diesen nicht zurückzubleiben. Auch in Rücksicht auf die beschäftigten Arbeiter sei nothwendig, regelmäßige Bewilligungen zu erhalten, damit die Arbeiter nicht das eine Jahr überbeschäfligt seien und das andere entlassen werden müßten. Die allgemeine Lage gebiete, daß Deutschland seine Flotte auf der Höhe erhalte. Nach dem Expos« würden sich die Forderungen für die nächsten fünf Jahre von 1837/93—1901/1902 auf rund 293 Millionen Mark belausen, einschließlich der Armirungskosten, und zwar- sollen nach dem vorliegenden Plan gefordert werden an Baukosten für 1897/93 62 165 000 M.. für 1898/99 59 070 000 M., für 1899/1900 56 240 000 M.. für 1900/1901 60 510 000 M.. für 1901/1902 55 012 000 M. Nach der Rede des Staatssekretärs schlug der Vorsitzende eine Frühstückspause vor, statt dieser beantragte der Abg. Lieber die Vertagung der Sitzung. Die Kommission müsse Gelegenheit haben, das übergebene Material zu studiren. auch wolle er wiffe», ob der Reichskanzler und der Slaatssekretär des Reichsschatzamts Kenntniß von diesen Plänen besäßen; wichtig sei ferner, eine lieber- ficht zu haben über die Ausdehnung der Küsten und die Größe der stehenden Heere, die für die verschiedenen rivalisirenden Staaten in betracht kämen. Abgeordneter Hammach er schließt sich sämmtlichen Anträgen des Abgeordneten Lieber an, erwünscht weiter Uebergabe der verschiedenen Marinedenkschristen an die Mitglieder der Kommission. Abg. Richter spricht sich in dem- selben Sinne wie die Vorredner aus, er wünscht ferner zu wissen, wie hoch sich die ordentlichen?lusgaben des Marine-Etats stellten, nachdem die geforderten Schiffsbauten fertig gestellt wären. Schließ- lich beschließt die Kommission, die Berathung des Marine-Etats bis zum Eingang des geforderten Materials auszusetzen und in der Sitzung am Sonnabend das der Kommission überwiesene Schulden- tilgungsgesetz zu berathen. Handelsgesctzbuch-Kommission. Die Berathung wird fort- gesetzt mit§ 241. Die Z§ 241 bis 251 werden mit unwesentlichen redaktionelle» Aenderungen angenommen. Bei§ 252 entspinnt sich eine lebhafte Debatte. In dem Paragraphen wird nach der Regierungs- vorläge verlangt, daß in den Geschäftsberichten angegeben werde» soll, nach ivelcheu Grundsätzen die Werthe in der Bilanz angesetzt und die Abschreibungen vorgenommen sind. Gegen die Regierungs-Vorlage sprechen sich mehrere Eingaben ganz entschieden aus. Diese er- weiterle Oeffentltchkeit soll angeblich die inländische und besonders die ausländische Konkurrenz in den Stand setzen, Einblicke und Kenntniffe von dem jedesmal in Frage stehenden Betrieb zu er- langen, die für die Gesellschaft gefährlich werden könnten. Auch auf den Stand der Aktien sei eine solche Oeffentlichkeit nicht ohne Ein- fluß. Von den Nationalliberalen wird daher die Streichung be- antragt. Da die Regierung— wahrscheinlich dem Druck der Interessenten nachgebend— ihren Standpunkt preisgiebt, wird dem Antrag entsprochen und die ominöse Stelle des Entwurfs abgelehnt. — Die ZK 253-262 werden angenommen. Dem tz 263 wird als zweiter Absatz hinzugefügt: Handelt es sich um einen Beschluß, durch welchen über das Gesetz oder den Gesellschafts-Vertrag hinaus Rücklagen oder Abschreibungen bewirkt oder den Beamten oder Arbeitern Zuwendungen gemacht werden sollen, so kann derselbe nur angefochten werden, wenn die An- theile der anfechtenden Aktionäre zusammen mindestens den 20. Theil des Grundkapitals erreichen. Hieraus werden die ZZ 264—282 mit kleinen, mehr redaktionellen Aenderungen angenommen. Ebenso die KZ 233— 299. Im 5. Titel will Bassermann die Nichtigkeitsklage eines Gesellschafters oder eines Mitgliedes des Vorstandes oder des Anfsichtsraths beseitigen. Er beantragt entsprechende Aenderung der Uebcrschrift und Streichung der die Berechtigung der Nichtigkeitsklage des Einzelnen fest- legenden ZZ 300— 302. Die Bassermann'schen Anträge werden ab- §elehnt und die ZZ 300—302 der Regierungsvorlage angenommen.— Im§ 303 willLenzmann die Mitglieder desVorstandes, desAufsichts- raths oder der Liquidatoren, die mit Gefängniß und mit Geldstrafe bis zu 20 000 M. bestraft werden können, falls sie zum Nachlheil der Gesellschaft handeln,„bei Annahme mildernder Umstände" nur mit Geldstrafe belegen. Der Antrag Lenzmann wird angenommen. Die ZZ 304—307, 309—325 werden ohne Veränderung akzeptirt und dem§ 308 folgende Fassung gegeben: Wer sich besondere Vortheile dafür gewähren oder versprechen läßt, daß er bei einer Abstimmung in der Generalversammlung in einem gewissen Sinne stimme oder sich der Abstimmung enthalte oder an der Beschlußfassung nicht theil nehme, wird u. s. w. wie.in der Vorlage.— Sodann weiter: Die gleiche Strafe trifft denjenigen, welcher besondere Vor- theile dasür gewährt oder verspricht, daß ein Aktionär bei einer Abstimmung in der Generalversammlung in einem gewissen Sinne stimmt oder sich der Abstimmung enthalte oder an der Beschluß- fassung nicht theil nehme. Hierauf wird die Verhandlung abgebrochen. Die Uufallgesetz- Novellen- Kommission tagte gestern von 10 Uhr morgens bis gegen 5 Uhr. Der wichtige Z 50, der die Zu- sammensetzung und das Verfahren des Schiedsgerichts regelt, ge- langte zu eingehender Diskusston. Entgegen der Vorlage beantragten unsere Genossen die Auswahl der Beisitzer nicht dem Belieben des Vor- sitzenden zu überlassen, sondern eine Berufung nv cheiner fest« bestimmten(alphabetischen) Reihenfolge stattfinden zu lassen. sowie die Zahl der Schiedsgerichts- Beisitzer von je zwei Arbeitgebern und Arbeitnehmern auf je 3 zu erhöhen, um eine Beschlußfassung in einer Zusammensetzung des Gerichts mit nur drei Richtern zu verhindern. Dem Grundgedanken einer bestimmten Reihenfolge wurde zugestimmt, die Vermehrung der Beisitzerzahl jedoch lebhast bekämpft. Unter Ablehnung der von unseren Genoffen gestellte» Anträge gelangte schließlich folgender vom Abg. Rösicke eingebrachter, vom Abg. Hitze amendirter, Zusatz zur Annahme:„Bei Beginn eines jeden Geschäftsjahres bezeichnet der Vorsitzende diejenigen am Ort des Schiedsgerichts oder in dessen näherer Umgebung wohnhaften Beisitzer aus der Klasse der Arbeitgeber und der Versicherten, welche bei etwaigem Ausbleiben der geladenen Beisitzer aushilfsweise zu den Sitzungen herangezogen werden sollen. Im übrigen werden die Bei- sitzer getrennt nach Arbeitgebern und Arbeitnehmern in der Regel in einer durch das Reichs- Berstcherungsamt im voraus festgesetzte» Reihenfolge zu den Sitzungen zugezogen. Will der Vorsitzende aus besonderen Gründen von dieser Reihenfolge ab- weichen, so sind die hierfür maßgebenden Gründe altenmäßig zu machen. Dasselbe gilt hinsichtlich der Hilfsbeisitzer. Gegen die Abweichung von der Reihenfolge ist Beschwerde zulässig; dieselbe hat jedoch keine aufhebende Wirkung." Absatz 1 des Z 50 wurde im übrigen unverändert angenommen. Die Absätze 2 und 3 wurden unter Ablehnung einer Erhöhung der Zahl der Beisitzer gestaltet wie folgt:„Das Schiedsgericht entscheidet in der Besetzung von einem Vorsitzenden, sowie zwei Arbeitgebern und zwei Arbeit- nehmern als Beisitzer», ist jedoch schon beschlußfähig, wenn außer dem Vorsitzenden ein Arbeitgeber und ein Arbeitnehmer mitwirken. Wen» drei Beisitzer erschienen sind, so wirkt einer der Beisitzer aus der doppelt besetzten Kategorie nicht mit, und zwar scheidet der dem Dienstalter oder bei gleichem Dienstalter dem Lebensalter nach jüngere aus, sosern derselbe nicht zum Bericht- erstatter ernannt ist." Das Verfahren regelt das be- stehende Gesetz in Uebereinstimmnng mit der Novelle in der Weise, daß das Gesetz nur bestimmt, die Ent- scheidnngen des Schiedsgerichts müssen nach Stimmenmehrheit erfolgen, im übrigen die Regelung des Verfahrens aber einer kaiser- lichen Verordnung überläßt, die uuter Zustimmung des Bundesraths zu erlassen ist. Als solche ist eine 27 Paragraphen umfassende Ver- ordnung vom 2. November 1335 ergangen. Unsere Genossen regten für die zweite Lesung die Hineinarbeitung dieser Verordnung in.das Gesetz an. Für diese Lesung beantragten sie Aufnahme von Be- stimmungen nach 3 Richtungen: Zur Abkürzung der Ver- schleppung des Verfahrens durch Schiedsgericht begehrten sie die Aufnahme folgender Bestimmung:„Die Urtheile des Schiedsgerichts sind s p ä t e st e n s innerhalb drei Wochen nach ihrer Verkündung den Parteien zuzustellen. Dieser Antrag wurde mit 13 gegen 9 Stimmen angenommen. Ferner verlangten sie, daß der Arbeiter' in Bestellung eines Bevollmächtigten unbehindert sein müsse. Sie begründeten diesen Antrag unter Hinweis darauf, daß in einigen Fällen Schiedsgerichte, wie anerkannt werden müsse, im Gegensatz zur Praxis deS Reichs- Versicherungsamts, Vertreter aus Arbeiterkreisen, ja selbst Abgeordnete zurückgewiesen hätten, z.B. den Abgeordneten Löwen- stein in Nürnberg, den Abg. Schmidt(Frankfurt) in Mainz. Bestünde eine Arbeiterorganisation, wie sie die Sozialdemokraten stets aber vergeblich verlangt haben, so könnten in ähnlicher Weise, wie dies die Berufsgenossenschasten mit ihren bezahlten Vertretern thun, ständige Vertreter für die Arbeiter bestellt werden. Da dies nun einmal unmöglich, so müßte mindestens den Arbeitern bei Auswahl ihrer Vertreter freie Hand gelassen worden. Dem wurde entgegnet, daß unleugbar die angeführten Fälle nicht zu billigen seien. Es � seien das aber sehr vereinzelte Fälle. Auf der anderen Seite müsse es den Schiedsgerichten freistehen, Winkelkonsulenten, die in unsach- gemäßer oder frivoler Art Arbeiter vertreten, zurückzuweisen. Von unseren Genossen wurde erwidert, sie hätten gegen solche Aus- schließung nichts einzuwenden. Es müsse aber dem vorgebengt werden, daß Arbeiter, Berufsgenossen des Verletzten, Mit» glieder der Kasse oder der Gewerkschaft, welcher der Verletzte angehört, und Nicht-Winkelkonsulenten durch irgend einen Schieds- gerichts-Vorsitzenden zurückgewiesen wurden. Die gegen die Zurück- weifung zulässige Beschwerde schütze den Arbeiter, dessen Prozeß inzwischen entschieden werde, nicht. Der abändernde Bescheid käme ja naturgemäß erst nach getroffener Entscheidung. Die ungeheure Macht der Berufsgenossenschaften, welche auch darin liegt, daß diese stets von ihrem die Vertretung geschäftsmäßig betreibenden Kommis(einem Assessor a. D. oder dergl.) vertreten werden, mache es für den Fall der Ablehnung ihres Antrages durchaus erforderlich, wenigstens in zweiter Lesung einem Antrage zuzustimmen, der verhindert, daß andere als un- zuverlässige Winkelkonsulenten zurückgewiefen werden dürften. Nachdem von verschiedenen Seiten dem Grundgedanken solchen Antrages zugestimmt war, wurde der Antrag unserer Genossen gegen ihre Stimmen abgelehnt. Das gleiche Schicksal erfuhr ein Antrag von ihnen, der bestimmte Grundsätze für das Verfahren gesetzlich festlegen wollte. Zum Ver- fahre» waren vom Abg. Müller(Waldeck) 2 Anträge gestellt, für die auch unsere Genossen stimmten. Der erste will festsetzen, daß dem Schiedsgerichte eingereichte Zlttesturkunden u.s.w. auf Antrag auch dem Verletzten mitgetheilt werden müssen. Dieser Antrag gelangte zur An- nahine. Ein Antrag desselben Abgeordneten, dem Verletzten unter allen Umständen für den Fall seines persönlichen Erscheinens die durch das Erscheinen entstandenen Unkosten zu ersetzen, wurde abgelehnt. Abg. Hitze stellte den Antrag, daß, falls ein Vertrauensarztattest dem Schiedsgericht eingereicht oder«in solcher Arzt vom Schiedsgericht ver- nonnnen ist, auch auf Antrag des Verletzten ein von diesem zu bezeichnender Arzt vernommen werden müsse. Nach einem ver- geblichen Versuch des Abg. v. Stumm, diesen Antrag zu ver- schlechter», wird er mit 14 gegen 9 Stimmen angenommen. Die Novelle schlägt zu Z 50 nun vor:„Das Schiedsgericht ist befugt, den Betheiligten solche Kosten des Verfahrens zur Last zu legen, welche durch unbegründete Anträge derselben veranlaßt worden sind"(!). Unsere Genossen sowie die Abgg. Rösicke und Müller bear ragten die Streichung dieser exorbitanten Neuerung. Der Abg. v. S umm sucht diese Neuerung durch das Amendement zu retten, statt„unbegründete"„frivole" zu setzen. Sein Rettungs- versuch mißlang. Gegen 7 Stimmen wird der chikanöse neue Vor- schlag abgelehnt. Die Vorlage trifft in Z 50 endlich zur Beseitigung von entstandenen Streitigkeiten die Bestimmung, daß die Entschädigung, welche der Vorsitzende für Abhaltung von Termine» außerhalb des Schiedsgerichts zu beanspruchen hat. als eine im Gesetz verbotene Vergütung seitens der Genossenschaft nicht zu erachten sei. Auf Antrag des Abg. Rösicke beschließt die Kommission im entgegengesetzten Sinne. Seitens des Abg. v. Langen ist zu K 50 ein neuer Absatz beantragt, durch de» es ermöglicht werden soll, die Sekretäre, Kanzlisten und sonstigen Hilfskräfte der Schiedsgerichte auf Antrag der Berufsgenossen- s ch a f t e n nach näherer Bestimmung der Landesregierung mit den Rechten und Pflichten von Staats- oder Kommunalbeamten zu bekleiden. Der Antrag, dessen Tragweite, soweit sie klar ist, den Berussgenossenschaften neue Macht, den Kommunen neue Lasten aufzulegen und ihr Selbstverwaltnngsrecht zu bedrohen geeignet ist, wird abgelehnt.— Die nächste Sitzung findet heute um 10 Uhr statt._ Rsrkei-AachVichten» I» den Gemcinderath deS Dorfes Gaarden bei Kiel wnrden die Parteigenossen S e e g e n und K r u l l mit 496 und 497 Stimmen als Vertreter der 3. Klasse gewählt. Die Gegner er- hielten 235»nd 242 Stimmen. Bei der Wahl im März 1895, wo in der 3. Klasse nur ein Mitglied zu wählen war, erhielt der Sozialdemokrat 331 und der von den Ordnungsparteien aufgestellte Kandidat 229 Stimmen. Innerhalb zweier Jahre hat also unsere Partei einen Stimmenzuwachs von 165 Stimmen zu verzeichnen. Zur Maifeier. In Magdeburg ist am Bormittag des 1. Mai eine Versammlung, falls nicht ein Ausflug gemacht werde» kann; und abends werden Versammlungen in vier Stadttheilen ab« gehalten. Den Gewerkschaften ist anheimgestellt, soweit es in ihren Kräften steht, für möglichst umfangreiche Arbeitsruhe zu sorgen. Die Parteigenossen, die am l. Mai»»bedingt die Arbeit nicht ruhen lassen können, werden ersucht, einen Theil ihres Arbeitslohnes an die Partei abzuführe»._ GewevkMZAfklichvs. Berlin und Umgebung. Achtung, Schirmmachcr! Die Schirmmacher der Schirm fabrik von Isidor Busse, Beuthstr. 6, haben wegen Kürzung der ohnehin schon niedrigen Löhne die Arbeit niedergelegt. Wir bitte» die Kollegen, davon Notiz zu nehmen und sich an unseren Arbeitsnachweis zu wenden. Der Vorstand. Deutsches Reich. Der deutsche Hafenarbeiter-Verband ist nun glücklich auch als„politischer Verein" erklärt, und zwar vom Laudrathsamt des hanuöverschen Kreises L e h e. Die in Lehe bestehende Filiale des deutschen Hafenarbeiter-Verbandes suchte um Genehmigung zur Ab Haltung eines Balles nach, worauf das Landrathsamt erklärte, die Erlaubniß könne nicht gegeben werden, da der Verband politisch sei und an seinen Veranstaltungen deshalb„Frauenspersonen, deren Betheiligung bei der Abhaltung eines Balles begriffsmäßig vor- auszusetzen' sei. nicht theilnehmeu dürften. Gegen diese Verfügung wird Beschwerde geführt werden. Die Warnung vor Zuzug ist wieder einmal von einem richt, diesmal dem Schöffengericht in K ö l n, als„grober Unfug" erklärt worden. Der Redakteur Michels von der„Rheinischen Zeitung" wurde wegen zwei solcher Mittheilungen über Streiks zu Geldstrafe verurtheilt. Gegen das Urlheil wird selbstverständlich Berufung eingelegt. In Lübeck dauert der Streik bei Karl Thiel u.Söhne fort. Die ausständigen Arbeiter hatten wieder mit der Firma ver- bandelt, da diese aber aus ihrem bisherigen Standpunkt beharrt, be> schloffen die Arbeiter in einer Versammlung mit allen gegen acht Stimmen, den Streik fortzusetzen. Die organisirten Schuhmacher Neubrandenburgs inMecklen- burg-Strelitz wollen am 10. März eine Lohnbewegung beginnen und bitten deshalb die auswärtigen Fachgenossen um Vermeidung des Zuzugs. In Düsseldorf haben die am Bau der stehenden Rheinbrücke beschäftigten Zimmerer die Arbeit eingestellt, weil die Brücken- ban-Gesellschaft Zimmerer aus Frankfurt a. M. engagirt hatte, denen sie einen nni 50 Pf. höheren Lohnsatz gewährte, während den alten Arbeitern, die vorher diese Lohnaufbesserung verlangt hatte», nichts bewilligt worden ist. Aus Dortmund berichtet die„Rheinisch-Westfälffche Arbeiter- Zeitung": Daß die Polizei Arbeiter, die sich an gewerkschaftlicher Agitation betheiligen, ihren Prinzipalen anzeigt und dadurch Maß- regclnnge» hervorruft, wird von ihr meist in Abrede gestellt, eine dahingehende Behauptung von ihr sogar als Beleidigung, d. h. als ehrenkränkend, zuweilen strafrechtlich verfolgt. Am letzten Freitag wurden hier zwei Malergehilfen auf der Straße als der Absicht(!), gewerkschaftliche Flugblätter anzukleben, ver- »dächtig verhaftet. Aus der Wache wurde ihnen bedeutet, es werde dafür gesorgt werden, daß sie vom folgenden Tage ab„streiken" könnte».(Die Herren von der Polizei verdammen doch sonst das Streiken!) Thatsächlich wurden sie denn auch, als sie sich nach acht- zehn Stunden später(!) erfolgter Freilassung an der Arbeitsstelle wieder einfanden, sofort wieder weggeschickt. Der Unternehmer er- klärte, von der Polizei über die Sache iuformirt zu sein und„für solche Leute" Arbeit nicht zn haben. Aus Leipzig wird uns geschrieben: Bei einem Gespräch über die Folgen des Streiks der Arbeiter der hiesigen Scheffel' scheu Buchbinderei sagte ein Buchbinder zu zwei Arbeiterinnen der Firma: Wenn Sie nicht den Streikbrecher gemacht hätte», dann wären wir vielleicht alle bei der Arbeit. Obgleich die Mädchen in dieser Aeuße- rung selbst keine Ehrverletzung oder eine Aufforderung zur Be- theilignug am Streik erblickten, verurtheilte das Schöffengericht den Angeklagten wegen Vergehens gegen§ 153 der Gewerbe-Ordnung zu fünf Tagen Gefängniß. Der Amtsamvalt hatte sich eines Antrages enthalten. Die Schriftgiester Offenbachs haben ihren Tarif nun in allen Geschäften bewilligt bekommen und damit den Neunstundentag sowie eine Lohnerhöhung von 8— IDpCt. erreicht. In Würzbnrg haben die Maler, Lackirer und A n- streiche! den Meistern einen neuen Tarif vorgelegt. RnSlant». Der schweizerische Schnhmacherverbaud hatte im zweiten Halbjahr 1896 aus 14 Sektionen 670 Fr. Einnahmen. Die Wunder- Unterstützung erforderte 240 Fr. Das Vermögen betrug Ende 1396 636 Fr. Die streikenden Gasarbeiter von Brüssel haben- noch keinen einzigen Streikbrecher zu verzeichnen, jedoch ist es der Direktion gelungen, nothdürftigen Ersatz zu finden, durch den die Arbeit nur mangelhaft beivälligt wird. Ei» Herold-Telegramm meldet, daß die Streikenden aus der sozialistischen Arbeiter-Vereinskasse eine tägliche Unterstützung von 3 Franks pro Kopf erhalten. Ans England wird uns geschrieben: Der Streik der Eisen- b a h n- A» g e st e ll t e» im Nord-Osten ist für den Moment beigelegt. Nachdem die Direktion der North- Eastern Railway sich bereit erklärt hatte, auf die gerichtliche Verfolgung der ohne Kün- digung Ausgetretenen zu verzichten, hat am letzten Freitag der Vor- sitzende der Union der Eisenbahner die Streikende» zur Wieder- aufnähme der Arbeit aufgefordert, und dieser Aufforderung ist auch prompt Folge geleistet worden. Der Verlust, den die acht Tage Ausstand der Gesellschaft verursacht haben. soll sich auf 40 000 Pfund Sterling(300 000 M.) belausen. Bemerkeuswerth an der Abmachung zwischen der Direktion und terrn Harsord von der Eisenbahuarbeiter-Uniou ist die rückhaltlose nerkennung der Union als Sachwalterin der Interessen der An- gestellten. Zu Nutz und Fromme» deutscher Unternehmer folge hier der betreffende Passus:...„ „Um jeder Gefahr eines Mißverständnisses zu begegnen. konstatirt die Gesellschaft, daß sie es zu ihrer Praxis macht, i» Konferenzen zwischen der Direktion oder anderen Beamte» der Gesellschaft und de», Arbeitspersonal über jegliche Art wichtiger Fragen einzuwilligen, so daß die An- gestellten in der Lage sind, über jeden weiteren Punkt der aus- gestellte» Programme zu verhandeln. Zusatz hierzu: Zu einer Zusanimenkunft mit den Direktoren ist Freitag, der 12. März, disponibel." Die Abmachung ist unterzeichnet von dem leitenden Direktor der Bahngesellschaft. G i b b, und den, Unionsvertreter Harsord. Sie ist vom Gros der Ausständische» mit Befriedigung aufgenommen worden, nur auf einigen Nebenplätzen weigerte man sich,»hr sofort Folge zu leisten. Zwischen den Unternehmern in, Schiffban-Gewerbe und der Gewerkschaft der vereinigten Maschinenbauer wird noch geplänkelt. Das Komitee der ersteren hat an den Vorstand der Gewerlschaft ein Schreiben gerichtet, in welchem es sich zu einer Konferenz behufs Schlichtung der obwaltenden Streitfragen bereit erklärt, aber zur Bedingung stellt, daß die zur Zeit ausständige» Mitglieder der Gewerkschaft bis zum 12. März an die Arbeit zurückkehren und bis zur Beendigung der Verhandlungen von jedem Versuch der Aenderung der bestehende» Betriebsordnungen abstehen. Würde darauf nicht eingegangen, so sähen sich die vereinigten Unternehmer gezwungen allen bei ihnen beschäftigte» Mitgliedern der Gewerkschaft zu kündigen Der Vorstand der Gewerkschaft hat darauf geantwortet er sei bereit, das Schreiben der Unternehmer„in ernsthafte Erwägung zu ziehen", sobald er auf einen, am 3. Februar in Sachen derFrrma Armstrong abgesandten Brief Antwort erhalten habe. Da die Unternehmer in ihre», Schreiben den Fall Armstrong mit aufgeführt hatten, ist kaum anzunehmen, daß sie darauf eingehen werden, ihn besonders zu behandeln. Nichtsdestoweniger dürste der Brief ihnen etwas unbeqneni sein, denn bei einem Kampf, der gegebenenfalls 40 000 Arbeiter direkt und niehr als hunderttausend indirekt in Mitleidenschaft ziehen würde, kommt es sehr darauf an, sich keinen Verstoß gegen die Regeln geschäftsmäßigen Ver- fahrens zu schulden kommen zu lassen. Mindestens mußte das Unternehmerschreiben angeben, daß und warum es jenen Fall nicht noch vorher besonders beHandel» wolle. Damit, daß es den be- treffenden Brief stillschweigend ignorirt, setzt es sich mindestens formell ins Unrecht. Die Beschwerden der Unternehmer gegen die Gewerkschaft, be- ziehentlich gegen deren Mitglieder richte» sich u. a. dagegen, daß dieselbe» auf den Wersten in Sunderland, den Hartlepools, am Clyde, in Belfast und Barrow„willkürlich die Ueberzeitarbeit be schränkt" oder ausgesetzt haben. Es ist dies unzweifelhaft der wichtigste Punkt des Streiks, denn es handelt sich nicht um gelegentliche Unterbrechungen der Ueberzeitarbeit, sondern um einen Kampf gegen das ganze System des Ueberzeitarbeitens. Immer stärker bricht sich die Ueber- zeugnng Bahn, daß selbst bei höherer Bezahlung der Ueberzeitarbeit wie sie im Maschinenbau-Gewerbe herrscht, diese, wo sie sich ein- bürgert, den Vortheil des begrenzten regulären Arbeitstages gänzlich zu»ichte macht. Und so wird seit längerer Zeit darauf hingewirkt, mit dem ganzen System zu brechen und den vor einem Menschen- alter erkämpften Neunstundentag, der aus vielen- Werke» ganz außer Gebrauch gekommen ist, endlich einmal wieder zur Wahrheit zu machen. Es ist dies der„neue Kurs" im Reiche der vereinigten Maschinenbauer, und wenn in anderen Punkten die Beschwerden der Unter- nehmer eine gewisse Berechtigung haben, in diesem sind die Ar- beiter, wen» nicht formell, so doch sachlich im Recht. Ganz ab- gesehen von der möglichen Ausdehnung des Streiks oder Ausschlusses, ist er wegen dieses Punktes von der größten Bedeutung. Soziales. Nach einer Statistik der Vuchdruck-Maschinenmeister gab es in Berlin im November v. I. 405 Buchdruckereien. Aus 228 derselben liegen Angaben über die Lohn- und Arbeitsverhältnisse der Maschinenmeister vor, während 177 Betriebe sich nicht an den Erhebungen betbeiligten. In den ersterwähnten 223 Druckereien arbeiten 533 Maschinenmeister an 996 ein- achen Maschinen; 95 Doppel- resp. Ziveifarbemnaschinen werden von 69 Maschinenmeistern versehen und an 102 Rotationsmaschinen sind 60 Maschinenmeister thälig. Im Durchschnitt komme» auf 5 Maschinenmeister 9 Maschinen. In 13 Großbetriebe» mit mehr als 14 Maschinen haben durchschnittlich Maschinenmeister 4 Maschinen zu bediene». Dagegen muß in den kleineren Druckereien im Durchschnitt je ein Maschinenmeister Maschine» versehe». Nebenbei sind»och eine große Zahl von Tiegeldruck- und Bostonmaschinen zu bedienen. In einem Betriebe mit 5 Maschine», und in 9 Betrieben mit je 4 Maschinen mußte je ein Maschinenmeister die Arbeit versehen. Jn23Betriebenniitje3Maschinen war je ein Maschinenmeister angestellt. Selbst i» ganz großen Be- trieben hat mitunter ein Maschinenmeister 2 und mehr Maschinen zu versehe». Es wird unter andern, ein Betrieb aufgeführt, der bei 16 Maschinen nur 3, zwei andere, die bei je 19 Maschinen 14 resp. 10, und 2, die bei je 20 Maschinen nur 9 resp. 8 Maschinenmeister beschäftigen. Erst in den allergrößten Betrieben ist das Verhältniß günstiger. Ei» Vetrieb mit 34 Maschinen hat 24, ein anderer mit 47 Maschinen 43, ein dritter mit 48 Maschinen 44 Maschinen- nieister. Ein Betrieb mit 54 Maschinen weist auch 54 Maschinen- meister auf. 3 Kleinbetriebe mit je 2 und einer mit 3 Maschinen hatten ebenfalls sür jede Maschine einen Maschinenmeister, in einem anderen waren an 2 Maschinen sogar 3 Maschinenmeister beschäftigt. Die Arbeilszeit ist in 161 Betrieben sowohl sür die 442 Maschinen- meister(66 pEi.) wie auch sür das Hilfspersonal eine neunstündige; von den im Tarif vorgesehene» Ausnahmen für die Maschinenmeister wird in diesen Betrieben kein Gebrauch gemacht. 126 Maschinen- meister(19 pCt.) in 14 Betrieben hatten' jede dritte Woche eine» 'reien Tag. 4 Maschinenmeister in 3 Belrieben bekamen jede Woche drei reie Stunden. In einige» Fällen war die Arbeitszeit noch anders. � edoch tarifmäßig geregelt, so daß insgesanimt 594 Maschinenmeister (90 pCt. der gemeldeten) in 183 Betrieben eine tarijmäßige, dagegen 58 in 33 Betrieben eine nicht dem Tarif entsprechende Arbeitszeit haben. Ueberzeit- Arbeit kommt mehr oder weniger in 110 Betrieben vor. Die Wochenlöhne betrugen bei 257 Maschinenmeistern unter 30 M., 103 Maschinenmeister erhielten 30 M. und 302 Über 30 M. Lehrlinge waren 289 vorhanden. so daß durchschnittlich auf 2,3 Gehilsen ein Lehrling kommt. In den Großbetrieben ist das Verhältniß der Lehrlingszahl zur Zahl der Gehilfe» wie 4: 15, in den übrigen wie 4:7. In den in dieser Statistik nicht einbegriffene» 177 Betrieben gab es bei 135 Maschinenmeistern 38 Lehrlinge, ein Verhältniß wie 4: 6. Von den insgesanimt in Berlin arbeitenden Maschinenmeistern gehören 524 dem Verband deutscher Buchdrucker an, und von diesen wieder 300 dem Verein Berliner Buchdruck-Maschinenmeister. A» die literarische Zentralstelle für Berichterstattung über Arbeitsnachweis, die in der Redaktion der„Sozialen Praxis" mit den, 1. Januar eingerichtet worden ist, haben bis jetzt 37 öffentliche Arbeitsnachweise ihren Anschluß erklärt, darunter einer außerhalb des Deutschen Reiches: der Verein für Arbeitsvermittlung in Wien. Für den Monat Februar werde» in der genannten Zeitschrist die Ergebnisse von 31 Arbeitsnachweisen veröffentlicht, von denen 25 vergleichbare Daten zeigen. Danach hat im Vergleich zun, Februar vorigen Jahres der Andrang der Arbeitslosen zu den Arbeitsnachweisen an 16 Orten ab genommen, nämlich in Posen, Hamburg, Dessau, Gera, Essen, Köln, Wiesbaden, Darm- ladt, Freiburg i. B., Karlsruhe, Mannheini, Kannstadt, Eßlingen, zeilbronn, Nürnberg, Wien, und nur in 9 Orten zugenommen Berlin, Rixdorf, Elberfeld, Düsseldorf, Straßburg i. Elsaß, Psorz- heim, Stuttgart. Fürth, München. Auf den Rückgang der SeemanuShener in Hamburg ist während des Ansitandes wiederholt hingewiesen worden. Jetzt bringt das Hamburger„Fremdenblatt" uuter Benutzung früherer Berichte des Seeamtes folgende Tabelle der durchschnittlichen Während die Jahre 1831—1891 eine Steigerung der Heuer auf- weisen, tritt von da ab ein Rückschlag ein, der im Jahre 1896 'einen Tiesstand erreichte. Diese Erscheinung sucht das geuaunie Blatt durch die Behauptung zu erklären, daß in den letzten Jahren ein Rückgang des Handels eingetreten sei; das Blatt versucht damit die Lohndrückerei der Rheder zu rechtfertigen. Unser Hamburger Parteiorgan weist aber»ach. daß diese Annahme vollkommen unrichtig ist. ,Ter Verkehr stellte sich im Hamburger Hafen wie folgt: Ä n g e k o in m e n mit Ladung Jahr Schiffe Register-Tons 1891 7337 5 306 338 1892 7146 5 200 175 1893 7316 5 438 375 1894 7455 5 808 882 Diese Zahlen sind de», stati Abgegangen mit Ladung Schiffe Register-Tons 6208 4 172 314 6003 3 937 581 6290 4 086 107 6599 4 314 339 'tischen Jahrbuch sür das Deutsche Reich entnommen; die noch fehlenden beiden Jahre werden Zweifel los ebenfalls eine erbebliche Steigerung des Verkehrs ergeben haben. Der Rückgang im Jahre 1392 ist durch das Auftreten der Cholera erklärlich. Die in Hamburg gezahlten Heuer stehen auch zurück hinter den in anderen deutschen Seestädten gezahlten. So betrug im Jahre 1895 die Monatsheuer in Bremen 54,42 M., in Hannöver- s ch e n und oldenburgischen Seehäfen 60.66 M. und in Geestemünde 65,14 M. Es ist also mit Bestimmtheit anzunehmen, daß die Hamburger Rheder durch Zahlung niedrigerer Heuern eine Herabsetzung der Frachtsätze herbeizuführen suchten, um die Konkurrenz der übrigen Seehäfen erfolgreich zu bekämpfen. Die Arbeiter die Kosten des Konkurrenzkampfes tragen zulassen, entspricht ja ganz der allgemein üblichen Kapitalistenmoral. Die Zahl der Konkurse im volkswirthschaftlichen Sinne, d. h. der Fälle wirthschaftlichen Zusammenbruchs, hat sich im D e u t s ch e n Reiche im Jahre 1396 gegenüber dem Jahre 1395 etwas verringert. Im Jahre 1896 brachen 6764 Konkurse, d. i. 13,06 auf 100 000 Einwoher aus; im Jahre 1895 waren es 7111— 13,73 auf 100 000 Einwohner. Von den im Jahre 1396 ausgebrochenen 6764 Konkursen betrafen: physische Personen über- Haupt 5833, darunter weibliche 646, Nachlässe 592, Handels- gesellschaften 266, Genossenschaften 33, andere Gemeinschulduer 40. Das hessische Ministerium hat das von den Mainzer Stadtverordnete» beschlossene Statut des Arbeitsamtes ge- nehmigt. Tie Bürgermeisterei beabsichtigt, das Arbeitsamt am 1. April zu eröffnen. Die Stuttgarter Bäckermeister sind mit ihrem Prozeß hereingefallen. Die Bäckergenossenschaft hatte bekanntlich de» Bäcker- meister Reichert veranlaßt, die von der Polizei vorgeschriebeneu Arbeilstafeln aus der Backstube zu entfernen, um ein gerichtliches Urtheil über die Rechtsgiltigkeil der Bundesrathsverordnung herbeizuführen. Die Polizei übermittelte Reichert ein Strafmandat von 20 M., wogegen er richterliche Entscheidung beantragte. Nach wieder- Holter Vertagung hat das Gericht nun den Bäckermeister verurtheilt. Arbeiterrisiko. Bei einem Kanalbau in K a n n st a t t in Württemberg stürzte eine Seitenwand ein und begrub zwei Arbeiter, die nach einigen Stunden als Leichen ans Tageslicht befördert wurden. Die übrigen Arbeiter konnten sich noch rechtzeitig retten. Tie Ergebnisse der Berufs-Statistik vom S. Juni l.8SS, die bisher blos für einzelne Orte und Landeslheilc bekannt waren und von denen blos vorläufige Ausstellungen sür das Reich publizirt waren, werden jetzt veröffentlicht. Der erste Band„Berufs-Statistik für das Reich I. Theil" liegt vor. 13 weitere Bände sollen folge». In dem rheinisch- westfälischen Verband evangelischer Arbeitervereine vollzieht sich ein Kurswechsel. Die Nauinann'sche „Zeit" berichtet darüber: „Seit der Wahl des neuen Vorsitzenden, Fabrikant Franken in Schalke, wird damit begonnen, die sozialpolitischen Erörterungen, die gerade in den rheinisch- westfälischen Vereinen niemals sehr bedeutend waren, nun völlig beiseite zu schieben und nur noch eine der inneren Mission verwandte Wohlfahrtspflege übrig zu lassen. Am 17. Februar erschien ein Aufruf des rheinisch- westsälische» Verbandsvorslandes zur Gründung einer Anstalt für alle und kranke Arbeiter, ähnlich wie es die an sich vortrefflichen Anstallen von Pfarrer Arndt in Volmarstein bereits bieten. Diese» Ausruf begleitet die„Kommission für Schriftleitung" mit eine», Zusatz, der folgende längst bekannte Wendungen enthält: unfruchtbare Verhandlungen sozialistischer Theorie, uferlose Doktrinen, kathedersozialistische Neigungen! Es soll also von den Evangelischen Arbeitervereinen von nun an heißen: Ueber allen Wipfeln ist Ruh, in allen Wipfeln spürest du keinen Hauch! Demgegenüber ist es erfreulich, daß in Nr. 51 des„Volk" von offenbar sehr sachkundiger Seite(wir vermuthen Pfarrer Lic. Weber in M.-Gladbach) ein energischer Protest gegen diesen Versuch der langsamen Tödtung der Evangelischen Arbeitervereine erhoben wird. Einerseits wird die praktische Zwecklosigkeit des Gedankens dargethan, daß ei» Verband von mehr als 20 000 Mitgliedern ein Haus für seine Mitglieder baut, und andererseits wird das Projekt des Herrn Franken deshalb abgelehnt, weil es die Evangelffchen Arbeiter- vereine von ihre» eigenthümlichen sozialen Aufgaben ablenken würde. Wir stehen unsererseits ganz auf dem Standpunkte des Protestes und erwarte», daß die mittel- und süddeutschen Verbände bestimmt er- klären: wir lassen uns unsere Evangelischen Arbeitervereine nicht zu bloßen Wohlfadrtsvereinen mache», denn dann sind sie überflüssig. Sozialpolitische Bildung, genossenschaftliche Praxis und christlich- vaierländische Gesinnung sind das Fundament dieser Vereine, und es darf nicht geschehen, daß sie im Interesse einseitiger Fabrikanten- wünsche geändert werden." Die„Zeit" wird vermuthlich das Gegentheil ihrer Erwartung erleben. Die evangelischen Arbeitervereine sind gerade zu dem Zweck gegründet worden, um unter der Flagge des sogenannten christliche» Sozialismus die Arbeiter von den eigentlichen sozialen Aufgaben abzuziehen, wozu die energische Vertheidigung der Arbeiterinteressen gegen das Unternehmerthum in erster Linie gehört. Deshalb wurden sie von den Unternehmer» und de» Regierungen begünstigt. Nachdem Pfarrer Naumann aber den Sozialismus ernst genommen wissen will und die national-soziale Bewegung in die evan- gelischen Arbeitervereine hineintrug, müssen diese Organisationen die Gunst der herrschende» Kreise natürlich einbüßen, wenn sie„eigentlich soziale Aufgaben" weiter erörtern wollen, und da nur die wenigsten evangelischen Arbeitervereine die Kourage haben werden, sich vom Schürzenband der herrschenden Kreise loszumachen, so wird die sozialpolitische Tendenz der evangelischen Arbeitervereine mehr und mehr verblassen und die Frömmelei die Hauptsache werben. Eine andere Wirkung auf diese Vereinigungen konnte, nach unserer Ansicht, die Gründung der national-sozialen Partei auch nicht wohl haben._ Depefllzett trnfc letzte Ll�cheiktzlen. Hamburg, 5. März.(W. T. B.) Wie der„Hambnrgischen Börsenhalle" gemeldet wird, ist der bei Newquay gesunkene Dampfer der zur Rhederei von Robert M. Sloman u. Co. gehörige Dampfer „Syrakus»". Die gesammte aus 30 Mann unter den, Befehle des Kapitän Rehden stehende Besatzung ist derselben Meldung zufolge mit dem Schiffe zu gründe gegangen. Köln, 5. März.(B. H.) Hier wurde eine 43jährige Fra» mit einen, zu ihr in intime» Beziehungen stehenden Bautechniker ver- haftet und zwar unter dem Verdachte, ihren Ehemann mittelst Gfft getödtet zu habe». Budapest, 5. März.(B. H.) Der Neffe dei Honvedministers Fyervary hat sich �uzs bisher noch nicht bekannten Gründl» in Leutschau erschossen. London, 5. März.(W. T. B.) Unterhaus. Bei der Er- örteruug des Marine-Etats erklärte Goschen in Widerlegung von Ausstellunge», England habe seine Flotte schnell vermehrt und sei i» verhältnißmäßig kurzer Zeit um 50 pCt. gesteigert; es könne die Flotte so schnell, als es»öthig sei, bemannen, an aktiven Seemannschaften besitze England 100 000. an Reserve 25 000 und an Pensionären 10 000 Man»; außerdem könne es im Nolhfalle eine bedeutende Anzahl von Seemannschaften von außerhalb heranziehe». Was die Zahl der Schiffe und die Schiffsklassen anlange, habe England, falls morgen der Krieg erklärt würde, im Verhältniß zu den zwei großen Seemächten eine bedeutende Ueberlegenhett. Kein ausländisches Geschwader könne a» Geschwindigkeit mit dem Kanal- und Mittelmeergeschwader konkurriren. Falls die russische Flotte nach dem Mittelmeer komme, habe England sein Gibraltar- und Kanalgeschwader und außerdem sein Mulelineer- geschwader. England behaupte den Vorrang in der Raschheit der Erbauung von Schiffen; es sei keine Gefahr, daß es an Zahl, Ge- schwindigkeit und Stärke seiner Schiffe hinter der Flottenmacht anderer Nationen zurückbleibe.. Athen, 5. März.(Meldung der„Agence Havas.) Die beiden letzten Jahrgänge der Reserve werden nunmehr auch einberufen werden. Verantwortlicher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnseraternheil verantwortlich: Dh. Glocke in Berli». Druck und Verlag von Max Bading in Berlin. Hierzu 2 Beilagen. 9t. 55. Ii. Jahrgang. 1. DtÜM VmmtutNÄlrs. Die Verkchrs-Teputatio» hat in ihrer letzten Sitzung be> schlössen, die Verhandlungen mit der Firma Siemens u. Halske über den Weiterbetrieb ihrer Linien, ebenso wie die Verhandlungen über die Umwandlung des Pscrdebahnbetriebs auf der Linie der Char- lottenburger Straßenbahn in einen elektromotorischen Betrieb zu ver- tagen, bis der zur Zeil der Stadtverordneten-Versammlung vorliegende Uiuwaudlungsvertrag der Linien der Große» Berliner Pferde- Eisenbahn-Gesellschaft und der Neuen Pferdebahn-Gesellschaft seine Erledigung gesunde» hat. Ferner wurde beschloflen, nicht die zahl- reichen, von den Unternehmern eingereichte» Projekte zum Älnsgangspunkte zu nehmen, sondern diese Projekte lediglich als Material zu benutzen bei der Feststellung, welche Linien man schaffen solle, um den Verkehrsbedürfnisse» Rechnung zu tragen. Erst nach Herstellung eines Planes dieser Linien soll in die Erörterung eingetreten werden, wann und unter welchen Bedingungen die Zustimmung zur Ausführung und zum Betriebe der neuen Linie» zu erlheilen sei. Diejenigen Unter- nehmer, die eine Verbindung mit den Vororten verfolge», sollen sich zunächst niit den Inhabern der Linien, auf welchen der Vororls« verkehr in die Stadt hineingeführt werden solle,«inigen. Zu Mitgliedern dcS Etats-Ausschusses der Stadt- verordnelen-Versammlung sind gewählt worden die Stadtverordneten Bruns. Friederici, Heilmann, Dr. Langerhans, George, Dr. Gersten- berg, Liebenow, Mommsen, Wallach, Kalisch, Dr. Preuß, Louis Sachs. Michelet, Borgman», Goldschmidt. Den Vorsitz wird der Stadt- verordnete Dr Langerhans führen, dessen Stellvertreter ist Stadt- verordneten-Vorsteher Michelet. Bekanntlich wird ein Umbau des hiesigen kgl. Opern- Hauses beabsichtigt, um die Feuersicherheit desselben zu erweitern. Zu dem Umbau ist eine K30 Quadratmeter große Fläche Straßen- landes erforderlich, welches die Intendantur der kgl. Schauspiele von der Stadl kostenfrei erbeten hat. Außerdem soll die jetzige Stallstraöe tassirt werden und an deren Stelle eine grade Linie von der Eberlsbrücke bis zur Uuioersilätsstraße angelegt werden. Hierfür will der Fiskus die erforderliche Landfläche hergeben. Die gegenwärtig am Kupfergraben befindliche Büchsenmacherei soll von der Stadt beseitigt werden, ohne jedoch an den Fiskus eine Entschädigung zu zahlen. Dagegen soll sich die Stadt verpflichten, zur Erbauung von zwei Brücken, deren eine über den Kupferzraben nach der Spitze der Museumsinsel zu, wo das Denkmal für 5?aiser Friedrich III. errichtet werde» soll, die zweite von der Spitze der Insel über die Spree»ach dem Monbijou- garten führen soll, eine» Beitrag von 200 000 beziehungsweise 300 000 M. zu zahlen, jedoch unter der Bedingung, daß der Staat von der Spreebrücke an eine Verbindungsstraße bis zur Oranienburgerstraße kostenfrei für die Stadtgemeinde Berlin anlegt. Die seitens des Staats an die Stadtgemeinde abzutretende» Flächen betragen 4113 Quadratmeter, die theilweise mit Gebäuden besetzt sind, während die Stadtgemeinde lediglich Straßenland von 0143 Quadratmeter abtreten soll. Das Magistratskollegium hat dieses Projekt genehmigt und wird dasselbe der Stadtverordneten- Versammlung zur Zustimmung unterbreite». In ihrer geheimen Sitzung am Donnerstag hat die Stadt- v e r o r d n e t e n- V e r s a m m l u n g die Versetzung des Direktors Benecke von der Sophienschule, des Ober-Stadtsekretärs Heufelder I und des Gemeindeschul-Rektors Griese in den Ruhestand genehmigt. Ferner hat sich die Versammlung mit der Anstellung des praktischen Arztes und Turnlehrers Dr. Lnckow als Oberturnwart, des Bibliothekars Dr. Buchholtz auf Lebenszeit und des Magistrats- sekretärs Engel I als Oekonomie» Inspektor bei der Jrrenanstall Herzberge einverstanden erklärt. ZTolmlss. Der Großbetrieb im Berliner Droschken- Fuhrwesen nimmt immer mehr überhand. Angaben über das Droschken- Fuhrwesen sind im Berliner„Statist. Jahrbuch" jetzt bis 1834 veröffentlicht. Bergleicht man die Zahlen von 1894 etwa mit denen von 1884, so ergiebt sich, daß selbst für diesen kurzen Zeitraum die Verdrängung der kleinen Betriebe durch die großen schon recht merklich ist. Ende 1894(in Klammern die Zahlen für Ende 1834) gab es in Berlin 4062(1745) Droschken 1. Klasse, 2461(2448) Droschken 2. Klasse, 155(153) Gepäckdroschken, zusammen 6678 (4346) Droschken, die in Händen von zusammen 2430(1365) Be- sitzern waren. Unter den Besitzern waren: I. 1589(1319) mit je 1 Droschke, II. 665(500) mit je 2—5 Droschken, III. 103(87) mit je 6-10, IV. 60(32) mit je 11-15, V. 33(11) mit je 16—20. VI. 20(12) mit je 21-30, VII. 20(4) mit je über 30 Droschken. Von 1384—34 haben also die D r o s ch k e n um 2332 oder rund 54 pCt. zugenommen.(Doch kam diese Zunahme fast nur auf die Droschke» I. Klasse, deren Zahl sich in 10 Jahren mehr als verdoppelt hat.) Dagegen haben die B e s i tz e r zugenommen: im ganzen um nur 525 oder rund 27 pCt.; speziell in Gruppe I um 270 oder 20 pCt.. II um 165 oder 33 pCt., III— VII zusammen um 90 Besitzer oder 62 pCt. Zugenommen haben auch die kleinen Besitzer(mit nur I Droschke), aber sie haben viel weniger zugenommen als die mittleren und diese wieder viel weniger als die großen Besitzer. Das ist aber gleichbedeutend mit einer Zurückdrängung der mittleren und noch mehr der kleinen Betriebe durch die großen. Wie sehr sich das Verhältniß zwischen den kleinen, mittleren und großen Betrieben von 1884 bis 1894 verschoben hat, lehren die folgenden Zahlen: �Ende 1894(in Klammern die Zahlen für Ende 1334) waren unter je 1000 Besitzern 633(671) mit je 1 Droschke, 267 (254) mit je 2—5 Droschken, 95(75) mit mehr Droschken. Diese Wandlung ist in der Hauptsache eine Folge der modernen w i r t h- s ch a f t l i ch e n E n t w i ck e l u n g, die auch auf diesem Gebiete zu einer immer weiter gehenden Verdrängung des Kleinbetriebes durch den Großbetrieb führen muß. Der kleine Droschkenbesttzer ist der steigenden Konkurrenz, die ihm aus der Vermehrung, Verbesserung und Verbilliguug anderer Verkehrsmittel(Omnibus, Pferdebahn. Stadtbahn) entsteht. sowie den mancherlei anderen Erwerbs- ersckwerungen(Wirthschastskrise, Futternoth. Verlust von Pferden) natürlich viel weniger gewachsen, als der große Besitzer, der über Kapital verfügt. Er verschwindet jedoch, wenn er schließlich das Feld räumen muß, nicht immer gänzlich von der Bildfläche. Auch wenn er leinen eigenen Wagen mehr hat, kann er nach wie vor den Bock besteigen, aber freilich nur als Lohnsklave eines anderen Besitzers. Ein hiesiger Berichterstatter behauptet, daß sich an dem Festzuge zur„Centenarfeier" nun doch Arbeiter betheiligen werden. Und zwar wird, als einziger allerdings, der Verein der Brauerei- Arbeiter genannt, der von den Direktoren gelegentlich des 1894er Bierboykotts gegründet worden ist. um ein„besseres Verhältniß" herzustellen. Ob diese Nachricht wirklich zutrifft, vermögen wir nicht zu sagen. Das Heiligste des Deutschen. Wie sehr im Reiche der Gottesfurcht und frommen Sitte der Bourgeoisie dieFrau zum Schacher- artikel geworden ist, dafür gicbt das Treiben einer Charlottenburger Handlung mit lebendiger Meiischenfleischwaare eine» abermaligen, in seiner Ungeuirtheit fast verblüffend wirkenden Beleg. Jn Provinzblältern findet sich zur Zeit folgende ständige wiederkehrende Annonce: Heirath. 280 reiche Partien und Prospekte sende umsonst. Schriftliche An- gelegenheiten Journal Charloltenburg(Berlin). Wer sich schriftlich an diese Adresse wendet, erhält einen Prospekt, der wie folgt be- ginnt: Große Damen-Auswahl aus allen Ständen und allen Konfessionen! Strengste Diskretion! Adresse: Paul Pflaum, Charloltenburg Knesebeckstr. 95. Berlin-Charlolten- bmg. Datum des Poststempels. Abtheilung für Heiralhsgesuche.— Mr iw„vmiirls" Des weiteren wird dann in dem Prospekt mitgetheilt. daß den Reflektanten nach Erlegung von 14 M. Geschäftsunkosten sofort„die neueste Damenauswahl" zugestellt werde!!! Geldheirathen, ob mit ob ohne Hilse von Verknpplern, sind in der modern-bürgerlichen Welt die regelmäßige, selbstverständliche Erscheinung. Wer etwa höhere Ansichten über die Ehe hegt, läuft Gesahr, als Thor verspottet, oder, was unter Umständen noch schlimmer, als Umstürzler verdächtigt zu werden. Antipathie gegen die Berliner Luft? Der zur Nachfolger- schaft du Bois-Reymond's bestimmte Hofrath von Kries soll jetzt definitiv den Ruf an die hiesige Universität abgelehnt haben. Das Opfer an Menschenleben und Gesundheit, das vorgestern im Treptower Park der Profitwuth gebracht werden mußte, lehrt abermals, mit welcher Rücksichtslosigkeit und Leichtfertigkeit man sich hier über die selbstverständlichen sozialen Pflichten hinweggesetzt hat. Vor mehreren Wochen schon ging die von uns unter Widerspruch aufgenoininene Mittheilnng durch die Presse, daß die Sanitätswache im Treptower Park unnütz geworden und daher eingezogen sei. Das Unglück vom Donnerstag hat gelehrt, wie frivol die aufgestellte Behauptung war; und wohl nicht ohne Be- rechligung macht sich jetzt in den Kreisen der Arbeiter die Meinung geltend, daß lediglich die Angst, Geld zu Zwecken der Humanität opfern zu müssen, die Schuldigen von ihrer Menschen- pflicht abgehalten hat. Mit recht wird von anderer Seite angesiihrt, daß eine ständige Hilfsbereitschaft jetzt noch nothwendiger ist als zur Zeit der Ausstellung selbst, denn derartige halsbrecherische Leistungen, wie das Abbrechen des Eisengerippes des Wasserthurmes, werden in der Ausstellungszeit kaum von Arbeitern verlangt worden sein. Wie es möglich ist, daß eine mit acht Menschen belastete Platlforni durch einen Windstoß in die Tiefe gestürzt werden kann, wird die Untersuchung lehren müssen; jedenfalls beweist der Unfall, dem bis jetzt zwei Menschenleben zum Opfer gefallen sind, daß nian es bei den Abbruchsarbeiten an den erforderlichen Vorsichtsmaßregeln hat fehlen lassen. Daß aber erst von den zum theil recht weit entfernten Berliner Unfallstationen ärztliche Hilse herbeigeholt werden mußte, ist höchst bedauerlich. Jetzt werden vielleicht, wenn nicht anders durch Zwang, die nölhigen Vorsichts- maßregeln getroffen werden, aber die getödteten Arbeiter kann keine Macht der Erde wieder zum Leben erwecken, und die verunglückten Arbeiter bleiben krank, vielleicht ihr Leben lang. Ein hiesiges Blatt meint, daß, abgesehen von dem Walten des Strafrichters, darauf Bedacht genommen wird, daß für die Hinterbliebenen auskömmlich gesorgt wird und die Verletzten möglichst ausreichend entschädigt werden. Wie jetzt vorläufig festgestellt ist, hat die Schnee-Abfnhr der Stadt Berlin in diesem Winter über die dafür etatsmäßig fest- gesetzte Summe 864000 M. gekostet. In Charlottenburg hat der „Charl. Ztg." zufolge die Stadtverordneten-Versaminlung für Schnee- Absuhr 37 000 M. nachträglich zu bewilligen. Eine Gedenkfeier für den Philosophen Jakob Böhme be- absichtigt die Co« enius-Gesellschaft am 4. April d. I. Mllllerstr. 12 zu begehen, wer halb sich der Vorsitzende der Gesellschaft an den Magistrat mit der Bitte wandte, ihm zur Festfeier den Festsaal des Rathhauses zu überlassen. Der Magistrat will diesem Gesuche nachgeben und wird die Genehmigung der Stadtverordneten-Ver- sammlung nachsuchen. Der Fernsprech-Verkehr mit Randers, Aalborg und FrederikS- bavn ist eröffnet worden. Die Gebühr für ein gewöhnliches Ge- spräch bis zur Dauer von 3 Minuten beträgt im Verkehr mit den neu zugelassenen Orlen 2,50 M. Eine Untersuchung des Sehvermögens der Eisenbahn- Bediensteten rücksichtlich der Sehschärfe und des Farben-Unler- scheidungs-Verinögens hat der Minister der öffentlichen Arbeiten wiederum anordnen lassen. Mit der durch die Bahnärzte vorzu- nehmende» Untersuchung aus Farbenblindheit soll auch eine Prüfung des Hörvermögens des im äußeren Eisenbahnbetriebe beschäftigten Personals verbunden werden. Die königl. Eisenbahndirektion Berlin ersucht die Jnspektionsvorstände ihres Bezirks, die Ergebnisse dieser Wiederholungspriifungen binnen sechs Monaten zu den Personalakten der betreffenden Beamten einzureichen. Uebcrreicher Kindersegeu. Dem Moldenhaner'schen Ehepaare Hierselbst, Köpnickerstr. 1 wohnhaft, sind vorgestern Drillinge und zwar drei Mädchen geboren worden. In der Familie ist bittere Roth. Ein umfangreiches Schadenfcster brach gestern gegen Mittag in der Verbandstoff-Fabrik von Kahnemann, Spandanerstr. 3j4, aus. Die Feuerwehr hatte bis nach I Uhr zu thun, bis der Brand völlig gelöscht war, durch welchen die dritte Etage des Hauses fast voll- ständig verzehrt wurde. Die übrigen Stockwerke haben nur durch das Wasser gelitten. Der Betrieb der Verbandstoff-Fabrik erleidet daher keinerlei Unterbrechung. Einen Unfall erlitt nach dem„B. T," Professor Mommsen Donnerstag Abend um 7 Uhr durch einen Radfahrer, der den greisen Gelehrten, als dieser an der Ecke der Berliner« und Marchstraße in Charlottenburg den Fahrdamm überschritt, umfuhr. Geheimralh Mommsen kani zu Fall, erhob sich jedoch bald und anscheinend un- verletzt. Er bestieg einen Pierdebahnwagen und fuhr nach seiner in der Marchstr. 3 belegenen Wohnung. Der Radfahrer wurde als der Dreher Emil B. ans Charloltenburg festgestellt. Vom Kutscherbock ist der Fnhrherr Ed. Schmier ans der Slettinerstraße gestern Mittag derart gefährlich abgestürzt, daß er an den Folgen der erlittenen Verletzungen bereits abends im Krankenhause starb.* Aufgeklärt ist jetzt das Verschwinden des Kassirers Fels von der hiesigen Orts-Krankenkasse der Schuhmacher, an der seinerzeit allerhand Vermuthungen geknüpft wurden. Wie der Droschkenkutscher Christian Böttcher, den man auch durch ein Verbrechen beseitigt glaubte, so ist auch Fels als Leiche im Wasser wieder gefunden worden. Der 53 Jahre alle Mann hatte anfangs November v. I. mehrere hundert Mark für seine Kasse eingezogen und machte sich am 7. Novbr., nachdem er in seiner Wohnung beim Schuh» machenneister Langner in der Borsigstr. 2 zu Mittag gegessen hatte. um 2 Uhr Nachmittags auf den Weg zum Geschäslslokal der Kasse in der Prenzlauerstr. l8, um das Geld abzuliefern. Er traf aber weder an der Geschäftsstelle ein, noch kehrte er nach Hause zurück. Alle Nachforschungen nach seinem Verbleib hatten keine» Erfolg. Gestern, Freitag, Nachmittag endlich landete man seine Leiche an der Lichtensteinbrücke in der Nähe des Zoologischen Gartens aus dem Laudwehrkanal. Eine Kontrolle der Geschäftsführung des Kassirers halte ergeben, daß diese durchaus in Ordnung war. Es fehlten nur die Beiträge, die Fels zuletzt eingesammelt und an die Kasse abzuliefern im Begriffe gestanden hatte. Dieses Geld ist nun bei der Leiche gefunden worden. Von einem Verbrechen kann hiernach keine Rede mehr sein. Fels war schon früher nervenleidend; man beließ ihn aber in seiner Stellung, weil er die Geschäfte stets ordentlich führte und weil man glaubte, daß das Leiden vorüber- gehen werde. Vielleicht ist der bedauernswerthe Mann in einem plötzlichen heftigen Anfalle ins Wasser gegangen. Tie That eines Wahnsinnigen. Am Donnerstag Abend stach auf der Walerloobrücke der 24 jährige Arbeiter Herrmann D. an- scheinend in einem Anfall von Geistesstörung ohne jede Veranlaffng auf die ihm völlig unbekannte Frau Clara Jacob, geb. Görner, ein und verletzte sie erheblich am rechten Oberschenkel. Nach Anlegung eines Nothverbandes auf der Wache des 41. Polizeireviers wurde sie nach der Sanilätswache in der Alexandrinenstraße und von dort »ach ihrer Wohnung gebracht. Auf der Polizeiwache ist Donnerstag Abend eine Fran ge- storben, deren Persönlichkeit nian nicht feststellen konnte. Ein Schutz- mann hatte sie betrunken auf der Straße aufgesuiiden und sie ans Smabtiid, K. Mittz 1897. die Wache in der Langestr. 12 gebracht. Hier starb sie, wie berichtet wird, am Herzschlage. Festgestellt ist die Persönlichkeit des Mannes, der sich, wie wir gestern mitlheilten, in der Haide bei Tegel erschossen hat. Es ist der 61jährige Anstreicher Emil Hermann, der von seiner Frau getrennt bei dem Schuhmachernieister Giewald in der Choriner« straße 69 wohnte. Hermann, der auf einem Bau in der Ziegel- straße verunglückt war, zeigte seit längerer Zeit Lebensüberdruß. Straßensperrung. Wegen Anschüttung der Rampen für die im Zuge der Schönebergerstraße erbaute Hilssbrücke wird das Schöneberger Ufer längs des Dienstgebäudes der kgl. Eisenbahndirektion vom 3. d. M. ab bis auf weiteres für Fuhrwerke und Reiter ge- sperrt. Die in der Schönebergerstraße und am Schöneberger Ufer ge- legenen Einfahrten zum Potsdamer Güterbahnhof werden durch die Sperrung nicht berührt. Bon der Staatsanwaltschaft beschlagnahmt worden ist die Leiche der 60 Jahre alten Handarbeiterin Agnes Lange aus der Nostizstr. 2. Die Hauswirthin Frau Fritsch hörte, als sie die Treppe hinausging, ihre im zweiten Stock wohnende Mietherin, die bisher nicht krank gewesen war, stöhnen und holte einen Arzt. Als dieser kam, war die Kranke schon todt. Die Todesursache konnte der Arzt nicht feststellen. Als Leiche wiedergefunden wurde vorgestern im Kanal zu Char- lottenburg der 54 Jahre alte Schneider Dienegolt Skalen aus der Kolbergerstr. 25, der dort eine Art Einsiedlerleben führte und seit dem 21. Dezember v. I. verschwunden war. Ans den Nachbarorten. Die Parteigenossen von Steglitz werden vom I. April an die Verbreitung des„Vorwärts" in eigene Regie übernehmen. Die Parteigenossen Fricdrichsbergs und der angrenzenden Ortschaften werden hiermit nochmals auf die morgen, Sonntag, vor« mittags II1/, Uhr, im Lokale von Spitzig, Frankfurter Allee 193, statt- findende Parteiversammlung aufmerksam gemacht. Moderne Sozialrrform in einer staatliche« Fabrik. Die Direktion der königlichen Munitionsfabrik in Spandau, in der zirka 4000 Arbeiter und Arbeiterinnen beschäftigt sind, hat im Herbst v. I. versuchsweise feste Tagelöhne für die verschiedenen Gattungen des Arbeitspersonals eingeführt. Der Mindestlohn der Arbeiterinnen betrug danach 2 M., der Arbeiter und Handwerker 3,50 bezw. 5,50 M. täglich. Bei dieser Art der Löhnung ist aber gegen früher, wo Akkordarbeit bestand, eine erhebliche Minder- Produktion konstatirt worden. Nunmehr hat, der„National- Zeitung" zufolge, die Direktion der Fabrik durch Anschlag bekannt gemacht, daß am 1. April wieder das alte Lohnsystem, d i e Bezahlung je nach der Leistung, eingeführt wird.— Uu- verhüllt bestätigt diese Mittheilung die alte Wahrheit, daß in staats- kapitalistischen wie in privatkapitalistischen Betrieben gleichermaßen die Sorge um den Profit das A und O ist. Wie entsetzlich wäre es gewesen, wenn die Arbeiterschaft der königlichen Fabriken sich auf die Dauer hätte weniger anstrengen brauchen, als es bislang unter der Herrlichkeit der Akkordlöhnung der Fall war! Der Eingemcindungsansschnß der Vororte hat gleichsam a!? Erwiderung aus den Beschluß des Provinzial-Landtags, der sich für Verleihung des Stadlrechts aussprach, an das Abgeordnetenhaus eine Petition gerichtet des Inhalts:„Das Haus der Abgeordnete» wolle an die königliche Staatsregierung die Bitte richten, die Eingemeindung der Ortschaften Charlottenburg mit Westend, Kolonie Grunewald, Deutsch-Wilmersdors, Schmargendorf, Schöneberg, Friedenau, Tempelhof(einschließlich des Garnison- Uedungsplatzes und der Haseuhaide), Rixdorf, Britz, Treptow. Stralau, Rnmmelsburg-Boxhagen. Lichtenberg-Friedrichsberg, Weißen- see, Neu-Weißeusee, Reinickendorf und Pankow, in Aussicht zu nehmen, demnächst die mit Berlin schwebenden Verhandlungen zum Abschluß zu bringen und dem Landtage der preußischen Monarchie schon in der nächsten Session eine dahingehende Vorlage zu unter- breiten." Ueber eine wunderliche Behandlung'der Lehrer in Ren- Weißensec berichtet die„Päd. Ztg.". Danach ist auf Veranlassung deS dortigen Rektors, dem es nicht paßt, daß die Lehrer während der Unterrichtszeit einen bestiinniten stillen Ort aufsuchen, eine Re- gierungs-Verfügung erlassen worden, in der für alle Lehrer ohne Ausnahme angeordnet wurde, daß jeder nicht nur seinen Hauptlehrer von einem Verlassen der Klasse Miltheilung zu machen, sondern außerdem in jedem Falle in seinem Lehrbericht zu vermerken habe, wann und wie lange eine Abwesenheit in der Klasse stattgefunden habe. Das Regicrnnasschreiben wurde den Lehrern vorgelesen, ohne daß ihnen gestattet wurde, selbst einen Einblick in das Schriftstück zu thnn. Als einige Herren darum nachsuchten, wurde es ihnen ausdrücklich verweigert. Be- merkenswerlh ist, daß allen Herren Anstandslosigkeit und Mangel an Selbstzucht in der Verfügung vorgeworfen wurde, obwohl der Rektor durch genaue Beobachtungen festgestellt hatte, daß eine Reihe von Rollegen niemals den verfehmtcn Ort durch ihr Erscheinen aus- gezeichnet hatten. Uebrigens darf nicht unerwähnt bleiben, daß in besonders dringenden Fällen es erlaubt ist, statt der persönlichen Ahmeldung beim Hanptlehrer einen Schüler(Schülerin?) dazu zu verwenden. Daß die Anordnungen auf das genaueste befolgt werden, dafür leistet, wie die Fachzeitung bemerkt, die Person des Rektors, der zugleich Lolalschulinspektor ist, mehr als genügende Bürgschaft. Ans Storkow wird berichtet: Ein recht begehrcnswerther Posten scheint die frei gewordene Bürgermeisterstelle unseres etwa 2500 Einwohner zählenden Kreisftädtchens zu sein. Die Zahl der Bewerber beträgt nicht weniger als 102, und es befiiiden sich darunter: 1 Oberbürgermeister, 14 Bürgermeister, 1 Oberst- lieutenaut, 2 Hauptleute, 3 andere Offiziere, 2 Zahlmeister, 1 Polizei-Jnspektor, 2 Polizeikommissare, 2 Rechtsanwallsbureau- Vorsteher. 2— Studenten, 2 Landwirthe, 1 Mühlenbesitzer. 1 Registrator, 1 wiffeuschastlicher Lehrer, 1 Stadtrath und endlich auch 1— Schriftsteller. Verschwunden ist der elfjährige Schüler Karl Krüger auS Weißensee. Sein« dort in der Lehderstr. 15 wohnenden Eltern halten ihn vor 14 Tagen nach Berlin geschickt- er hat jedoch die ihm angegebenen Adressen nicht aufgesucht und ist ebensowenig nach der elterlichen Wohnung zurückgekehrt. Der Verschwundene trug einen schwarzen Ueberzieher, eine» braunen Jaqnetanzug und eine schwarze Krimmermütze. Nunst und Tvistcnschafk. Es wird imnicr ein schweres Unterfangen bleiben, einen Ah» schnitt der biblischen Legende aus die heutige Bühne zu bringen. Wie man es auch anfassen möge, die Frommen im Land: wird man stets verletzen; ihnen wird das Wagnis als Prosauation erscheinen; und die anderen werden verlangen, daß die Neudichlung von modernem Empfindnngsgehalt beseelt sei. Sie werden ans Byrou'S Mysterium vom Kain oder weuigsteus auf die Kunst des MalerZ Uhde hinweisen, der seinen erbarmungsreicheu Christus unter Bauern und Tage'öhiiern unserer Tage erscheinen läßt. An solchem Maß gemessen sinkt der Werth von Adolf W i l b r a n d t' s dramatischer Dichtung„Hairan", die am Dounerstag im Berliner Tbeater zum ersten Male aufgeführt wurde, tief herab. Hairan ist Gelehrtendichlnng im übel«rufenen Worlsinn. Ans der langen Reihe jener literar-küustlerisch/a Ar« beite», zu denen die Pariser ueu-katholischen Romantiker den ersten Anstoß gaben, wird Hairan unbemerkt verschwinden. Das Drama ist nur ein Beweis nlehr, daß selbst so er« fnljvci'e literarische Kenner, wie Wilbrandt, der modischen Strömung, der Chniiimiiüruiig der Kunst ihr Opfer darbringen. In lehrhaften Bildern, die nicht viel über konventionelle Be» grisse hinausgehen, wird die neuauftauchende christliche Kultur, deren Wortführer der Syrer Haira» ist, der vermodernden hellenischen Kultur gegenübergestellt. Schade nur, daß nicht Hairan der Kämpfer, sondern Haira». der Verküuder. Held des Dramas ist. Der Kampf ist das Lebenselement des Dramas, und als Hairan auf die Bühne kommt, da hat er schon seinen Gott nnd Valcr gefunden, da ist er schon der fertige Prophet. Wie er es geworden, wie er der antiken Herrenkultur seine Botschaft von der Erlösung des gemeinen Mannes entgegenstellen mußte, davon ivird nichts in Wilbrandt's Dichtung verkündet; und gerade hier hätte moderne Erkenntniß, hätte moderne plychologische Vertiefung einsetzen können. In Antiochia feiern sie die Dionysien. Bon Hairans seit- sanier Erscheinung wird Lysilla, die Tochter des Philosophen Diagoras, wie von Schauern ergriffen. Hairan wandert die Berge, und von jähem Entschluß getrieben, folgt »hm Lysilla. mit dem Thyrsosstab in der Hand und dlvnysischer Freude voll. Aber Hairan muß rein bleiben. wenn er sein Opfer vollbringen soll. Er weist die frühlings- tolle lysilla von sich und auch den satanischen Versucher, der ihm der Bergwildniß naht, leiht er kein Ohr. Rasch ist Hairan, dem Heilige», das Volk von Antiochien zugesallen. Er heilt den brest- hasten Flavius und bekehrt Lysilla, die im heidnischen Trotz und weil ihre Liebe von Hairan verschmäht war, sich dem ersten Besten an den Hals geworfen hatte. Lysilla wird neuen Geistes voll, als Hairan erklärt, niemand solle richtet» über sie.»nd sie netzt die Füße Hairan's mit ihren Thränen. Diese seelische Uebermacht Hairan's weckt die Nebenbuhlerschaft— ein triviales Motiv. das auch den unsrommen Mann verletzen kann. Karkinos, der Lysilla labt, nennt Hairan einen Gaukler, den Oberpriester der Kybele einen Lästerer der Götter und genau ivie in der biblischen Legende entscheidet der Stalthalter.(Ans dem Pilatus wird ein Rusinus.) Er giebt den Machthaber» nach; noch siegt Fayphon, der Ober- Priester, über Hairan und das Volk von Antiochien, das Hairan vorher mit Jubel eingeholt hatte, ruft jetzt: steinigt ihn! und Hairan wird gesteinigt.— Auch in diesem Abschluß verspürt man nichts vom Hauch der großen Tragödie; ein leeres Schaustück wird dargestellt. Sommerstorff spielte den Hairan mit wohlfrisirtem Christuskopj und edlem Anstand; dadurch wurde die platte Poesie Wilbrandt's noch süßlicher. Auch Frau G e ß n e r übersüßte die Lysilla. Nach dem zweiten Akte konnte Direktor Prasch im Namen des schwerkranken Dichters sür beifällige Aufnahme danken, dann verflüchtigte sich die Theilnahme des Publikums; man hörte sogar vereinzelt zischen, eine große Seltenheit bei dem Publikum eines würdigen Familientheaters. — Im Lessing-Theater gab man am Donnerstag„Ein Tropfen Gift" von Oskar B l u m e n t h a l. Auf den Inhalt des Stückes einzugehe», erübrigt sich. Das Stück war ja auch die Nebensache, Hauptsache war, daß Frau Niemann- Raabe auftrat. Um es rund heraus zu sagen, wir halten die Besetzung der Haupt- rolle mit Frau Niemann für einen Mißgriff. Vor einem Jahrzehnt dürfte die Schauspielerin in dieser Rolle der jungen, geistreiche» Frau, die„mit allen Männern macht, was sie will", wohl noch gewirkt haben, heute gehört zu diesem Glauben eine sehr große Phantasie. Würde man nicht aus deni Theaterzettel ersehen, daß sie die Frau von Erwin von Weidegg ist, dann würde man sie für dessen Mutter halten. Besonders unangenehm wirkte das stolze, wenn auch be- absichtigte Pathos des ersten Aktes Man spürte die Absicht z» sehr. Im dritten Akte, wo die Ehre ihres Vaters von dem Makel reingewaschen wird, konnte man sich mit ihrer Rolle aussöhnen und ihrem Können Anerkennung zollen. Von den anderen Schauspielern füllte» Herr Max Löweufeld nnd Carl Waldow ihre Rollen am besten aus. Die übrigen reichten nicht über das Niveau des Mittelmäßigen.— März-Dichter-Feier. Wie wir schon neulich mitlheilten, ver- anstaltet die Arbeiter-Bildungsschule am Sonnabend, den 20. März, im großen Saale der Brauerei Friedrichshain eine März-Dichter- Feier, die eine künstlerische Ehrung der vormärzlichen Dichter, vor allem Heine's, Herwegh's und Freiligrath's bedeuten soll. Die Feier wird wieder einen ähnlichen Charakter tragen wie die bis- herjgen Dichter-Abende. In einem einleitenden Vortrag wird „Die Bedeutung der Märzdichter für die Litera- tur und für das Volk" dargelegt werden. Der Schrift- steller Manfred Wittich aus Leipzig, als vorzüglicher Literaturkenner bestens bekannt, hat diesen Theil des Programms übernommen. Von besonderer Bedeutung für diesen Abend sind die Rezitationen aus den Werken der März-Dichter und es ist daher wohl mit Freude zu begrüßen, daß der als warmherziger Dichter wie als feinsinniger Rezitator gleich bekannte Schrift. ftcller Otto E r n st aus Hamburg dafür gewonnen ist. Bei der Ausführung der musikalischen Programm- Nummern (Kompositionen von Dichtungen der März. Dichter) werden die Herren Max Dietrich(Bariton), Herr Wolde marSacks (Klavierbegleitung), Herr E. Hamann(Orgel) und der Männer- chor„Liedeslust" unter Leitung seines Dirigenten S u ch s d o r f betheiligt sein. Hoffentlich wird der Besuch dieser künstlerischen Veranstaltung seitens der Berliner Arbeiterschaft dem des Goethe- AbendS entsprechen. Billets sind in den Zahlstellen der Schulen (siehe morgige Annonce) sowie in den mit Plakaten belegten Handlungen zu haben. Im Friedrich> Wilhelmstädtischeu Theater geht das Gastspiel des Herrn Pander am Dienstag zu Ende. Im Schiller- Theater wird morgen, Sonntag, Nachmittag 3 Uhr „Wilhelm Tell" gegeben; abends geht Shakespeare s Lustspiel„Der Wider- spenstigen Zähmung" in Szene. Rofcggers Volksschauspiel„Am Tage des Gerichts" kommt heute zur Wiederholung.— Im Bürgersaalc des Rathhauses wird Sonntag, den 7. März, ein„Reuter-Abend" veranstaltet. Als nächste VolkSvorstellnng unter Regie von Julius Türk wird am nächsten Sonntag, den 7. März, im Belle-Alliance-Theater„Die Jungfrau von Orleans" ausgeführt. Die Titelrolle spielt Martha Frey als Gast; die Sorel: Therese Freyburg als Gast; König: Richard Jürgas; Burgund: Wilh. Ruff; Lionel: Henri. Schulz als Gast; Dunois: Herr Frey; Talbot: Julius Türk._ Sozwle VvchtsMege. Fiir reisende Geschäftsleute ist eine Entscheidung des Ober» Verwaltungsgerichts von Bedeutung, die dessen 2. Senat am 3. März gefällt hat. Der Viehkommissionär Outzen aus Tonder» besuchte häufig de» Markt in Husum und hatte dann stets sein Absteigequartier im Gasthof eines gewiffen Möller, der ihm auch öfter seine Stallungen zu», Unterbringen von Vieh zur Verfügung stellte. Vor dein Stalle und im Gaftspeisezimmer schloß Outzen gewöhnlich die Verkaufsgeschäfte ab, auch beschäftigte er im Gasthause zeitweilig einen Schreiber. Der Magistrat von Husum' zog ihn ivege» dieser Umstände für das Steuerjahr 1335/96 zur Steuer heran, indem er sich darauf berief, daß Outze» in Husum eine Betriebsstätte habe. Mit seinem Einspruch wurde O. zurückgewiesen, beim Bezirksausschuß hatte er jedoch mit seiner Klage auf Freistellung vo» der Forensal- steuer Erfolg und das Ober-Berwaltungsgericht hat jetzt die Revision des Magistrats znrückgewieseu und ebenfalls auf völlige Freistellung von der Steuer in Husum erkannt. Es wäre nicht an- zunehmen, daß O. eine Betriebsstätte i», Sinne des Gesetzes i» Husum besitze, denn es fehle ihm dort jeder, ihm allein zur Ber- sligung stehender örtlicher Mittelpunkt. Das Gast-Speisezimmer des Gasthofes könne als solcher nicht betrachtet werden und die Ställe des Gastwirths habe O. nur als Gast benutzt; der Wirlh habe die Verfügung darüber behalten. Die Beschästigung des Schreibers ändere an der Rechtslage nichts. Gerichts-Seikung. Ein äufferst umständlicher ErpreffungSprozest nahm aestern fast die ganze Sitzung der dritten Slraskammer des Landgerichts I in Anspruch Der Fabrikant Sp. sollte sich im Jahre 1895 des «iilantcren Verkehrs mit jungen Mädchen unter vierzehn Jahren schuldig gemacht haben. Er erhielt zu damaliger Zeit eine Menge Drohbriefe von unbekannier Hand. Es wurde ihm fort- während das Zuchthaus i» Aussicht gestellt, der Schreiber, welcher sich als„Roiher" bezeichnete, erklärte, daß er eine Schilderung der strafbaren Handlunge» des Adressaten im „Vorwärts" veröffentlichen würde, wenn der Ueberbringer— in der Regel ein Dienstmann— nicht inindestens 560 Mark zurückbringe. Der Fabrikant Sp. opferte lhatsächlich verschiedene hundert Mark, der Erpresser war aber unersättlich und ein Brief folgte dem anderen, alle mit demselben Inhalt. Um endlich Ruhe z» bekomnien, wandte sich Sp. an die Kriminalpolizei. Die Folge war, daß allerdings auf die Erpresser gefahndet, aber auch, daß Sp. wegen Sittlichkeitsverbrecheiis unter Anklage gestellt und Ende 1395 vom Landgericht I dieserhalb zu zehn Monaten Gefängniß verurtheilt wurde. Inzwischen glaubte die Polizei auch, die Erpresser ermittelt zu haben. Die 13jnhrige Frida Klein war eben- falls in dem Prozeß gegen Sp. verwickelt gewesen. Da ihre Elter», der Militärinvalide Jakob Klein und deffen Ehefrau Marie Klein zu anderen Personen verdächtige Aeußerungen hatten fallen laffc», woraus zu schließen war, daß sie Kennlniß von dem sträflichen Verkehr ihrer Tochter mit dem Fabrikanten Sp. hatten, so wurde aiigenoiiiiiien, daß sie zu der Erpressergcsellschafl gehörten. Am Abende des 23. Dezember vorigen Jahres wurde eine dritte Person, der Buchdrucker E r n st M i e r s, iinrer eigenthümlichen Umstände» in Hast genommen. Der Dienstmann Driesener gehörte zu den- jenigcn Personen, die einmal von einem fremden Herrn aus der Straße den Auftrag erhallen hatte», eine» Brie! zum Fabrikanten Sp. zu bringen und auf Antwort zu warten. Dem Adressaten war es darum zu thun, den Absender zu ermitteln, er übergab dem Dienst- mann ein leeres Brieskouvert mit der Weisung, es dorthin zu bringe», wo der Auftraggeber den Bescheid in Eiypfang nehmen wollte. Er, Sp., folgte dann dem Dienstmann unbemerkt. Das Versahren hatte aber in mehreren Fällen keinen Erfolg, der Auftraggeber mußte wohl Verdacht geschöpft haben. Der Dienst- man» wurde aber auf Sp.'s Beraulassung dem Kriminal- koinmissar Dam», vorgeführt, der sich de» sreniden Herrn beschreibe» ließ und dem Dienstmanii eine gute Belohnung versprach, wenn er denselben ermittelte und festnehme» ließ. Am Abende des 23. Dezember 1396 wurde Driesener in der Nähe der Knrsürstenbrücke von einem Herrn angeredet, in welchem er den Gesuchten sofort wiedererkannte. Derselbe fragte ihn, warum er ihm damals keine Rückaiitworl gebracht. Driesener er- widerte, daß dies ja nicht möglich gewesen sei, worauf der Herr ihm 26 Pfennige schenkte und sich die Burgstraße entlang entfernte. Driesener sleckie seine rothe Mütze unter den Rock nnd folgte ihm »nbeinerkt, rim sich durch die Verhaflung eine Belohnung zu ver- dienen. Der Herr merkte aber boch, daß er verfolgt wurde und fing darauf an zu laufe». Es begann eine tolle Ingo von einer Straße durch die andere. An der Mnhlendammbrücke wurde der Verfolgte von einem Schutzmann gestellt nnd zur Haft gebracht. Seine Persönlichkeit wurde als die des Buchdrnckers Ernst Mi ers festgestellt, der nun gestern nebst den Klein'sche» Eheleiiteii unter der Anklage der vollendeten und versiichien Erpressung vor Gericht stand. Die drei Angeklagten, vo» denen Miers vom lltechtSanwalt Salomo», das Klein'sche Ehe- paar vom Rechtsanwalt Dr. Halle verlheidigt wurde», bestritten mit aller Enlichredenheit ihre Schuld. Sie wollten sich zum ersten Male gesehe» habe», als sie sich im Vorverfahren gegenübergestellt worden seien. Miers leugnete»ül dem Auftraggeber identisch zu sei», es müsse bei ihm«ine Personenverrvechselnng vorgekommen sein. Au dem fraglichen Abende habe er sich allerdings auf der Straße in einen Laufschritt versetzt, aber nur, um noch vor Thores- schluß seine Wohnung zu erreichen, davon, daß er verfolgt werde, habe er keine Ahnung gehabt. Der Zeuge Driesener blieb dabei, daß er sich nicht irre, die übrigen Belastungszeuge» waren r» ihre» Aussage» weniger bestimmt. Nach dem Gutachten des Schreib» Sachverständigen liege die größte Wahrscheinlichkeit vor, daß der Angeklagte Miers der Schreiber iämmtlicher erpresserischen Briefe sei. Staatsanwalt Kanzow dielt eineu'Beiveis gegen da? Klein'sche Ehepaar nicht erbracht und beantragte gegen dieses die Freisprechung. Ten Aiigeklagleii Miers dielt er aber für überfnhri, er beantragte gegen ihn ne»ii Monate Gefängniß»nd ziveijäkrigen Ehrverlust. Der Vertheidiger des Miers führte ans, daß das Belastungsmaleriai gegen denselben keineswegs ausreichend sei. Der Gerichishof war ebenfalls zu der Ueberzeugung gelangt, daß der Angeklagte Miers keinesivegs genügend belastet sei, um ihn verurtbeilen zu können, es wurde» daher alle drei Angeklagten freigesprochen. Da unser Blatt in der Verhandlung gestreift worden ist, wollen wir kurz des selbstverständlichen Brauchs erwähnen, daß Mil- theillingen von allgemeinem Interesse, die der Presse nicht von ständigen Mitarbeiter» zugehen, bei uns, wie in jedem anständigen Blalte, nur erst nach sorgfältiger Prüfung auf ihre Richtigkeil hin Anfnahnie finde». Vielfach ist im Publikum noch die Meinung verbreitet, daß eine Zeitung ohne weileres das Instrument sei, um irgend eine Angelegenheil, fei es auch zu unlanieren Zivecken, der Ocsfentlichkeit preiszugeben. Der Hanplangeklagte i» diesen, Prozeß. Ernst Miers, war früher Metteur an unserem Blatte und mußte vor etwa 3 Jahre» plötzlich entlassen werden. Daß diese Person im Ernst garnicht daran gedacht hätte, sich wieder ans»»serer Redaktion sehen zu lassen, braucht wohl nicht erst gesagt zu werde». DaS Bild der Frau Cohn. Ein Rechtsstreit um die Aehn- lichkeit schwebt gegenwärtig beim Landgericht I. Die Rentnerin Frau Cohn hatte bei der Porträlmalerin F. aus G. ihr lebens- großes Bild bestellt, das inil dem Rahme» zwei Meter hoch werde» und 660 M. kosten sollte. Als die Künstlerin das Bild ablieferte, ivare» die Kinder der Bestellerin zugegen. Entzückt riefen sie wie aus einem Munde:„Mama. Mama, wie schön bist Du getroffen!" Älnderer Ansicht aber ist Frau Cohn. Sie behauptete, das Bild sei ihr nicht ähnlich, und verweigerte die Zahlung. Die Künstlerin verklagte nun die Frau Cohn und am Dienstag wurde vor Gericht ver- handelt. Der Gerichishof konnte zu keiner Entscheidung kommen, da Frau Cohn das Bild nicht mitgebracht hatte, und gab ihr auf, zu einem neuen Termin mit dem Bilde nnd in derselben Tracht zu erscheinen, in der sie sich halte malen lassen. Darob gerieih Frqu Cohn etwas in Verlegenheit, da dieses Kostüm sich wohl für einen großen Ball, aber nicht zum Erscheinen vor Gericht eignet. Der Gerichtshof milderte darauf sein Verlangen dahin, daß die Beklagte nur ein möglichst ähnliches Gewand anlegen solle. Auch beschloß er, den Professor Max Koner als Sachverständigen zu laden. Einen betrübenden Abschluß einer unglücklichen Ehe bildete die Verhandlung, welche gestern vor dem Schwnrgericdl des Land- gerichts l. stattfand. Der Restauraleur Emil Schadewald heirathete im Jahre 1330 die unverehelichte Rabes. Er zweifelte an der Treue seiner Ehefrau und infolgedessen gestaltete sich das Zusammenleben höchst unglücklich. Schadewald mißhandelte seine Ehefrau nnd als er im Jahre 1895 mit einem Revolver in der Hand sie zu erschießen drohte, erstattete sie Anzeige und trennte sich von ihre»' Manne. Gleichzeitig strengte sie die Scheidungsklage an. Das Gericht verurtheilte ihren Ehemann. monatlich 50 M. Unterhaltungsgelder bis zur Beendigung des Prozeffes an sie zu zahlen. Da Schadewald dieser Verpflichtnng nicht nachkam, so ließ feine Ehefrau ihn pfände». Der Gerichtsvollzieher fand nicht genügende Pfandobjekte. vor, woraus Frau Schadewald ihre» Mann de» Offenbamngseid leisten ließ. Bei diesem Eid soll Schadewald eine Ulincr Dogge im Werlhe von 100 Mark nicht mit angegeben habe». Inzwischen war gegen ihn die Anklage wegen der Bedrohung mit dem Revolver erHobe» worden. In dieser Sache soll Schadeivald auf einen der Belastungszeugen, de» Maurer Wehlig, eingewirkl haben, eine falsche Aussage zu machen. Schadewald wurde wegen Berdachls des Meineides und der Anstiftung dazu in Haft genoinnlen und gestern dem Schwur- aerichk vorgeführt. Der Vertheidiger Rechtsanwalt Dr. Schivindt hatte sden vielen Belastungszeugen ein ebenso umfang. reiches Eiitlastungsniaterial gegenüber gestellt. Die Verhandlung kam indessen nicht über die Vernehmung des Angeklagten heraus. Derselbe benahm sich in einer so sonderbaren Weise und führte so verworren« Redensarten, daß man an seinem Verstände zweifelte. Der Gesängnißarzt Dr. Menger begnt- achtete auch, daß der Angeklagte lhatsächlich geistesgestört sei und an Wahnvorstellungen leide. Sanitätsrath Dr. Miltenzweig erklärte ebenfalls, daß der Angeklagte nicht verhandlungsfähig sei. Der Gerichtshof beschloß darauf, das Verfahren gegen den An- geklagten einzustellen und denselben, da er nicht geineingesährlich sei, auf freien Fuß zu setzen. Ei» Fleischbeschauamts- Vorsteher-Stellvertreter wurde gegen die Siadtgemeinde klagbar, ihm vom Tage seiuer Entlassung. 1. Mai 1833 bis vorläufig 3l. Dezember 1896, sein Gehalt im Gesammtbetrage von 3066 Mark zu zahlen. Das Landgericht I Berlin hat den Kläger indessen kostenpflichtig abgewiesen. Derselbe gründete seinen Anspruch darauf. daß er städtische Beamtenqualität besitze. Das Gericht hat in- dessen diese Behauptung für unbegründet erachtet. Nach § 56 Nr. 6 der Städte-Ordnung vom 30. Mai 1853 sind die Ge- nreindebeamten vom Magistrat anzustellen, nachdem die Stadt- verordneten hierüber vernommen worden sind. Im vorliegenden Falle sei nun eine derartige Anstellung nicht erfolgt, vielmehr sei Kläger lediglich vo», Kuratorium des städtischen Vieh- und Schlachthofes zum ziveiteir Vorsteher- Stellvertreter deS Fleischschau- Amtes gewählt worden. Auch sein Engage- me»t sei nur auf Widerruf erfolgt und müsse dieser Widerruf erfolge». sobald das königliche Polizei- Präsidium seine Zlistiininung zur Annahme zurücknähme. Es sei mit der Natur des Beamten-Verhältnisses nicht vereinbar, daß durch bloße polizeiliche Verfügungen einem Beamle» die Qualifikation zur Ausübung seines Amtes abgesprochen rnerde» könnte. Schließlich sei Kläger nur als Sachverständiger zu betrachten, er sei dahcr lediglich durch Dienstvertrag in ein privairechlliches Dienstverhältniß zur Stadt getreten. DaS Krebitiren von Getränken eine Förderung der Völlerei. Ei» Verfahre» aus Konjessionsentziehung war gegen den Gastivirlh Kohn eingeleitet worden, weil die Räumlichkeiten seines Gailhofs nicht den polizeilichen Anforderungen enlsprachen und er nicht die erforderlrÄ>e Zuverlässigkeit besitze» sollte. In letzterer Hin- sicht warf ihm die Polizei vor, zweimal wegen Ueber- lrelung der Polizeistunde bestraft zu sei». Kreisausschuß und Bezirksausschuß entzogen ihm denn auch die Konzession. Der Bezirksausschuß sprach jedoch ausdrücklich irr seinem Urtheil aus, daß wegen der Räumlichkeiten Kohn kein Vorwurf mehr zir mache» sei, und daß auch die ziveimalige Uebertretnng der Polizeistunde die Entziehung der Konzession nicht rechlserlige. Für allein aus- schlaggebe nd erachte das Gericht den neuen Einivand der Polizei, es wäre daraus aus eine Förderung der Völlerei irr der Zilkunst zu schließen, daß Kohn entgegen einer Polizeiverordnung an lä»d- liche Arbeiter und ländliches Gesinde Spirituosen aus Borg verab- reicht habe, in einzelne» Fällen bis zu 15 M.— Kohn legte beim Ober-Verwaltungsgericht Revision ein und machte geltend, es sei ein Mangel des Versahrens, daß der Borderrichter die Nachprüfung jedes einzelnen Borg- falles unterlassen habe. Es sei so zum Beispiel nicht festgestellt worden, in welcher Zeit den einzelnen Arbeitern sür 15 Mark geborgt worden sei. Die näheren Feststellungen würden dann ergeben, daß nicht auf eine Förderung der Völlerei zu schließen wäre. Auch sei der neue Vorwurf erst während der niündlichen Verhandlung vor dem Bezirksgericht gemacht worden und ihm sei infolge dessen seine gründliche Widerlegung unmöglich gewesen. Der III. Senat des Ober-Verwaltungsgerichtes verwarf indesse» die Revision am 4. März mit der Begründung, daß er einen Rechts irr I hum oder einen wesentlichen Mangel des Versahrens nicht entdecken könne. Ueber die Ansbeuttttigspraktiken, die der Musikmeister Görner an seinen Lehrlingen übt, haben wir am 25. Februar unter Gerichtszeitung berichtet. Dieser Tage hat das Amtsgericht in der Zivilklage, welche die Väter zweier bei Görner beschäftigten Lehrlinge auf Aushebung des Lehrkontrakts anstrengten, entschieden. und zwar wunderlicher Weise dahin. daß die Klage a b- zuweisen sei. Mithin ist die sür die Gesundheit und Sittlichkeit der junge» Leute in hohem Grade gefährliche Geschäfts- praxis dem Mnflkuieister nach wie vor gestattet, trotzdem ein Militärkapellmeister die Ausbildung der Lehrlinge als durchaus un- genügend bezeichnet und der Kmsphysikris über den Zustand der den Lehrlingen zugewiesenen Schlaf» und Wohnräume ein geradezu vernichtendes Urlheil gefällt hatte. Die Kläger wollen die An- gelegenkeit weiter verfolgen; es soll ihnen geglückt sein, eine Fülle von neuem Material herbeizuschaffen, das namentlich in sittlicher Be- ziehung belastend ist. Iii der Beleidigungsklage gegen den Schneidermeister S ch ö n s e e, über welche wir gestern berichtet haben, lauiete das Urlheil nicht, wie wir irrlhümlich mittheilten, aus 500 M.. sondern auf 100 M. Geldstrafe. Diese Strafe hatte auch der Staatsanwalt beantragt. Ei» Mann polnischer Abknnft, deffen Taufschein aus Krüger lanlet, hatte seinen Name» einmal Krygier, also polnisch geschrieben. Die Behörde ging daraufhin auf grund der Kabinelsordre vom 15. April 1322 gegen ihn vor. Darin heißt es. daß ohne landesherrliche Erlaubniß»iemand seinen Namen ändern dürfe. Krüger wurde von, Schöffengericht freigesprochen, von der Straskainmer aber z» 150 Mark eventuell 4 Woche» Haft verurtheilt. Das Landgericht war der Meinung, der festgestellte eine Fall genüge zur Strafbarkeit nnd einer unlauteren Absicht bedür>e es nicht. Krüger legte Revision ein und machte geltend, sein Vater habe sich auch schon Krygier geschrieben und der Pfarrer sei beim Ausstellen des Taufscheins vielleicht nicht ganz korrekt verfahren. Der Strafsenat des Kaiinirergerichls hob ain 4. März die landgerichtliche Entscheidung auf»nd wies die Sache in die Vorinstanz zu anderweiter Entscheidung zurück. Zur Begrün- dung führte der Vorsitzende aus, für die Slrnsbarkeit der Namen- änderung sei wesentlich bestimmend, ob die Absicht vorliege oder vor- gelegen habe, den andern Namen dauernd zu führe» oder die neue Schreibart dauernd anzuivende». Wenn einmal gelegent- lich ein deutscher Name polnisch geschrieben werde, dann sei das noch nicht strafbar. Einer jener landläufigen ErPrcssungS-Prozesse. welche die moderne Justiz, wie sie sich seit dem Emporstreben der Arbeiter- bewegung im Klaffe, istaale entwickelt hat. so scharf charakterisiren. kam vorgestern vor dem Reichsgericht zum endgiltigen Austrag. Bon, Landgericht Leipzig war am 12. Januar der Buchbinder Emil Rudolf Ludwig Kloth wegen versuchter Erpreffniig zu 10 Tagen Gefängniß verurtheilt worden. Im Sommer v. I. war in de» meisten größeren Städten unter den Buchbindern eine Bewegung im Gange, welche auf Abkürzung der Arbeitszeil und tarifmäßige Festsetzung der Löhne für die einzelnen Arbeite» abzielte. In Leipzig hatte sich zu diesem Zwecke eine Lohnkommission gebildet, zu deren Vorsitzenden der Angeklagte gewählt worden war. Die von den Gehilfen gestcllien Bedingungen wurden diesen von der Schessel'fchen Buchbinderei bewilligt, nicht aber auch den Arbeiterinnen. Da nun der Inhaber dieser Buchbinderei mit Ruck- ficht auf diese von ihm getroffene Entscheidung die Wieder- einstellung einer Anzahl von Arbeiter» verweigerte, so schrieb Kloth am 27. September 1336 an ihn im Auftrage der Lohnkommission einen Brief, in welchem er für de» Fall, daß jene Arbeiler nicht wieder eingestellt würden, mit der Berhängung der Sperre drohte. DaS Gericht erblickle hierin die Androhung eines UebelS zur Erreichung eines rechtswidrige»(!) Vermögensvortheils für die ausgesperrten Arbeiter, die einen Anspruch auf Wiedereinstelluug nicht gehabt kälten.— Die Revision des Angeklagten, welche diese Ausführungen als auf Rechtsirrthrmr beruhend hinzustellen suchte, wurde vom Reichsgericht verworfen. VevlÄtnmlungvn. Gine gut besuchte Versammlung der Allgemeinen Arbeiter und Arbeiterinnen tagte am 1. März in Henke's Salm Genosse Pens reserirte über das Thema:„Die wahre Selbsthilfe der Ar- beiter". Zur Diskussion sprachen S ch ü l e r. Bitkau, Schicke und Schmidt. Frau D m o ch und G u b e l a gingen des näheren auf die Zustände in der Konfektionsindustrie und auf die Verhält- nisse in der Belvetfabrit ein. Der Verband der Graveure. Ciseleure«. hielt am 2. März sein» regelmäßige Versammlung ab, i» der Herr Damaschke über „Bodenbesitzreform" einen Vortrag hielt. In der Diskussion betonen sämmtliche Redner die Nolhwendigkeit der Vergescllschaftlichung der Produktionsmittel, um die arbeitende Klasse zu befreien. Eine öffentliche Versammlung der in der Kartonbranche Beschäftigten, die am 3. März im„Englischen Garten" stallfand, besprach die Mißstände, die in verschiedenen Werkstätten herrschen. Die Arbeiter und Arbeiterinnen der in betrncht kommenden Werk- stuben waren hierzu ausdrücklich eingeladen. Greifenberg leitete die Diskussion durch Darlegung der abzustellenden Zustände in den einzelnen Betrieben ein. So würden bei Böhme, Luisen- Ufer, die gesetzlich festgelegten Pausen seitens der Arbeiterinnen nicht innegehalten, weiter fehle ei» Umkleide- und Garderoben- räum, eine Waschgelegenheit; einen Napf zum Platz reinigen. um die Arbeilen vorschriftsmäßig sauber herzustellen, müssen sich die Arbeiterinnen selbst mitdringen. Charakteristisch für' die Lohn- Verhältnisse sei die Thatsache, daß der Arbeit ausgebende Kollege (Werksührer) es während seiner 28 jährigen Thätigkeit bei Böhm auf 22 M. Wochenloh» gebracht habe, außerdem werde verschiedener- seits über grobe Behandlung geklagt. BeiKrester herrsche immer noch eine Arbeitszeit von über 9 Stunden. Bei Heinersdorf werde 9 Stunden gearbeitet, doch die Löhne seien sehr gedrückt, desgleichen bei Päckel, hier sei über grobe Behandlung ebenfalls zu klagen. Bei Erdmann werde zehn Stunden gearbeitet, und da über Vj 9 Uhr hinaus gearbeitet werden dürfe, müßten die Arbeiterinnen in der flotten Zeit des Morgens vor 7 Uhr beginnen. Bei Guttmann u. Meyer wurde seit November versucht, die neunstündige Arbeitszeit einzuführen, der Fabrikant versprach, nach Neujahr dieser Forderung stattzugeben, bisher fei jedoch noch nichts derartiges erfolgt. Eigenartige Bor kommnisse lägen von der Firma I a k o b s o h n vor: In Kürze feiere der Fabrikant, der nebenbei zum Millionär geworden sei, sein 2S jähriges Jubiläum; unverständlicher Weise hätte» sich die dort Beschäitigten zu bedeutsamen Sammlungen ver- anlaßt gesehen, um ein werthvolles Geschenk zu stiften. Meister und Komptoirpersonal hätten 19 M. und darüber gezeichnet, lvährend die Arbeiter resp. Arbeiterinnen 4 M. und darüber zeichneten. Bei dem über 200 Personen betragenden Personal käme die stattliche Summe von zirka IS00 M. zusammen. Um alle Fühlung mit der Allgemeinheit zu hintertreiben, habe das Komptoir personal einen Vergnügnngsverein gegründet, in den wohl das sämmtliche Arbeitspersonal eintreten soll. Angesichts solcher Zu stände wäre es dringend nothwendig, zu deren Abänderung in die geplante Bewegung einzutreten. doch die schwache Betheiligung der Jnteressirten mache diesen Schritt gegenwärtig noch nicht angängig. In der Diskussion wurden die Ausführungen Greifenberg's verschiedenerseits bestätigt, doch wurden auch Stimmen laut, die zwar positiv nichts widerlegten, doch für den„guten" Chef auf mildernde Unistände plädirten. Zum Schluß wurde» die Ver- sammelten verpflichtet, überall für Benutzung des Arbeitsnachweises zu agitiren, desgleichen für Anschluß an die Organisation, außerdem wurde eifrigere Beiheiligung an den Werkstuben-Besprechungen für dringend nothwendig erachtet und jeder Fabrik anheimgegeben, zu der alle 14 Tage bei Deter, Holzmarktstr. 3, stattfindenden Sitzung Vertretung zu entsenden. Diesen Verhandlungen voran ging ein mit regem Beifall aufgenommener Vortrag der Genossin Mesch über: Die Stellung und Werthschätzung der Frau. Maurer. Am 3. März fand eine Baudeputirten- Sitzung der Maurer statt, die über die Frage zu verhandeln hatte: Ist die jetzige Bauthätigkeit geeignet, unsere Forderungen hochzuhalten? Die Kommission berichtete, daß auf 14 Bauten die Kollege» die E orderung auf Erhöhung des Lohnes auf db Pf. pro Stunde oder inführuug der neunstündigen Arbeitszeit gestellt haben und überall ist die Forderung bewilligt worden. Außerdem sind die Kollege» noch auf einer Reihe von Bauten vorgegangen, jedoch ist hiervon der Kommission über den Erfolg nichts gemeldet worden. Dieser günstige Verlauf ist aus die Einmüthigkeit der Kollege» besagter Bauten zurückzuführen. Hinzu kommt noch, daß das Unternehmco thum genau weiß, was wir wollen, und wird ein ernsthafter Widerstand uns fast nirgends entgegengestellt. Darum sei z» empfehlen, daß die Kollegen auf den Baute» recht einmüthig vor- gehen mögen. Jedoch der Kommission sei möglichst vorher Kenntniß davon zu geben. Die Frage, sind unsere Forderungen hochzuhalten, sei darum zu bejahen. Die Deputirten stimmte» dem zu. Beim Bericht von de» Bauten wurden recht traurig« Mißstände entrollt. So wird über große Schinderei und brutale Behandlung geklagt. Pfuscharbeit und 25 bis 30 Minuten Ueberarbeit herrscht auf dem Bau Brunsch, Warschauerstraße. Chausseeftr. 53 werde» 3—4 Ueberstunden täglich und Sonntags gearbeitet. Mit einer An- regung zur strikten Durchführung der Kontrollkarte wurde die Sitzung geschlossen. Tie Parquetbodenlcgcr wählten in ihrer letzten Versammlung Kollegen N er re in die Werkstätten- Kontrollkommission. Die Kollegen von Rosenfeld u. Ko. weigern sich, den Tarif zur Durchführung zu bringen. Weitere Mißstände verschiedener Firmen werden der Kommission überwiesen. Eine äußerst stark besuchte öffentliche Pntzcrdersammluna tagte am Mittwoch Abend im Lokal Königsbank, in der Dietrich den Bericht der Kontrollkommission über„Die stattgefundene Aufnahme der Arbeitsverhältnisse im Putzer g e w e r b e" erstattete. Er bemerkt eingangs, daß die augenblickliche Agitation unter de» Putzern nicht als Anfang einer neuen Lohnbewegung zu gelten habe, vielmehr handle eSsich um Erhaltung der bereits früher behaup- teten Position. Nach der statistischen Ausstellung der Konu Mission arbeiten bisher auf 93 Bauten Berlins und der Umgegend 569 Innen- und 573 Fagadenputzer. zusammen also 1142 Putzer. Seitdem dürften weitere 50 in Arbeit getreten sein, sodaß die Zahl von 1200 Arbeitenden erreicht wäre. Weitere 90 Bauten müssen in den kommenden vierzehn Tage» mit Putzern belegt werden, sodaß mit Abzug der bis dann fertig gestellte» Mitte März über 150 Bauten im Angriff sind. Gleichzeitig habe die Enquete die Behauptung, daß über 2000 Putzer ihr Domizil in Berlin habe», widerlegt, indem sich deren Zahl auf höchstens 1850 bis 1900 beläuft. Weiter habe die Umfrage ergeben, daß allein auf 10 Bauten bisher die Pntzarbeilen an sogenannte Putzmeister, darunter zwei verkrachte Bauspekulanten, vergeben sind. Von diesen haben nur zwei. Scharf und L a n g n i ck. die Arbeiter gegen Unfall versichert, wogegen aber letzterer keine Rüstung liefert. Redner ersucht dringend, in Rücksicht auf die unendlich vielen Prozesse am Gewerbegeiicht in dieser Hinsicht die größtmöglichste Vorsicht ob- walten zu lassen, wollen die Putzer nicht, daß sie die Zeche bezahlen. Unter dem Minimallohn von 7 M. gearbeitet wurde auf 4 und die Auskunft auf 2 Bauten von Fa?adenputzer» verweigert. Auf das unfreiwillige Feiern der Putzer eingehend, stellt Redner fest, daß pro- zentual jeder lö Wochen pro Jahr aussetzen müsse, somit— aus- geschlossen Krankheits- und Regentage— der Jahresverdienst 1556 M., der durchschnittliche Tagelohn 4,80 M. betrage. Angesichts der über- anstrengenden Thätigkeit der Putzer gebe solch Exempel gewiß ,u denken und mehr denn je sei es drumm nothwendig, daß bisher Errungene festzuhalten und zu vertheidigen. Im Namen der Kommission schlägt Redner folgende Resolution vor:„Die heute am 3 März im Lokal„Königsbank' tagende öffentliche Versamm- lung der Putzer Berlins und Umgegend beschließt: In Erwägung, daß in diesem Frühjahr einzelne Unternehmer versuchen, den Tarif zu durchbrechen, auch thatsächlich schon mehrere Kolonnen der Putzer unter dem festgelegten Lohnsatz arbeiten, beauftragt die heutige Versammlung die Kommission, mit allen ihr zu Gebote stehenden Mittel» die betreffenden Kollegen zum Widerstande zu bewegen, um einem weiieren Sinken der Minimalpreise vorzubeugen. In weiterer Erwägung, daß nur durch ein geschlossenes und einmüthiges Zusammenstehen der Kollegen die bisher errungenen Positionen behauptet und gefestigt werden können, auch zur vollständigen Durchführung des Tarifs neue Kämpfe un- ausbleiblich erscheinen, verpflichtet sich jeder in Berlin und Um- gegend arbeitende Putzer, vom Montag, den 15. März, ab bis auf weiteres pro Arbeitswoche 25 Pf. zum Streikfonds der Putzer zu zahlen, welche durch Marken auf dazu auszustellenden Karten zwecks Ausweises zu quittiren sind. Die Diskussion ergab, daß nicht nur seitens der Schwindelfirmen, sondern auch seitens sogenannter reeller und renommirter Firmen Abzüge ge- macht, ja sogar am Lohntage gar nicht ausgezahlt wurde. Gleich- falls wurden diverse Bauten namhaft gemacht, auf denen unter dem Tarif geputzt wird. Ein Antrag, pro Woche 50 Pf. zu steuern, wurde abgelehnt, die Resolution gegen drci Slimmen angenommen. Anschließend wird darauf verwiesen, daß Kollegen, die nur drei Tage pro Woche arbeiteten, von der Zahlung des Beitrages ent- blinden, hingegen die mit vier Tagen Arbeit zahlungspflichlig sind. Der vorhandene Kassenbestand der Kommission beträgt 4400 M. Das Resultat über die statigefundene Abstimmung betr. Einführung eines Arbeitsnachweises unterbreitete Bogel. Er bedeutet, daß dies noch sehr lückenhaft. Bis zum Abend waren eingelaufen 798 Erklärungen, und zwar 421 für und 349 gegen den Nachweis. 23 Stimmen seien nngiltig, 510 stehen noch aus. Während der Versammlung waren noch 91 Stimmen ab- gegeben, die an vorstehendem Resultat nichts ändern. Das endgillige Ergebniß wird am Sonntag in der Mitgliederversaminlirng der Organisation der Putzer publizirt werden. Charlottcubnrg. Am 23. Februar tagte in Bismarckshöhe eine öffentliche Bauarbeiter-Versamnilung. Hier erstaitete der Delegirte der Charlottenburger Bauarbeiter M. R e i m a n n Bericht über de» 4. öffentlichen Kongreß. Der Beifall der Anwesenden bewies, wie sehr dieselben mit de» Be� schlüsselt des Kongresses einverstanden sind. In der Diskussion wurde von verschiedenen Kollegen die Frauenarbeit in Süddeutsch land einer scharfen Kritik unterzogen. Mehrere Redner brachten noch Uebelstände auf den Bauten vor. Hierauf wurde die Ver- sammlung geschlossen. Arbeiter- KUdnngslchnl». Sonnabend Abend von«— ZX Uhr! Süd» stich u l e, Watdemarslr. u: Nationalökonomie(Allgemeine Uebersicht der ver- ichtcdcncn Wirthichaftistufen. Entwickelung der bürgerlichen theoretischen Naiionalöronomte. Die Marx'sche Werth- und Mehrwerth-Lehre) Herr Dr. Eonrad Schmidt.— Nord-Schule, Brunnen-Strahe 26; Natur- Erkenntnis. Antike und moderne Nalurbeirachtung. Problem der Weitbildnng im Alierthum. Griechische Weisheit und biblische Ueberlteferung. Di- Entthronung der Erde au« ihrer bevorzugten Stellung im Wellenall. Mechanistische Auslassung und expeltmentelle Forschung. Die Etnrethung des Menschen in das Naturganze sLamark-Darwins. Das Seelenprodlem. Atomtsmus und Mater taitsinuS. Grenzen der Natur-Erkennluißl. Herr Dr. E. Joel. Jli» KelehaUc der Arbeiter Bildung» schule, Drunncnstr. SS, ist wachen- tags von«— o Uhr, Sonntags von 4—»Uhr, unentgeltlich für jedermann aeössnet. Die w e s ch ü f I s st c l l c der Schule ie., Brunnenftrabe 2». die den Vereins vorständen zur«ermtttelung von Vorträgen wissenschaftlichen Eharalters zur Verfügung sieht, ist ebensall« von 6-» Uhr nachmittags geöffnet. Arbeiter-z>>>»«»rl>u»d Berltns und Umgegend. Vorsttzeuder Ad. Neuman», «aseivalkerstr. Z. All- Aenderungen im Veretuslalender stud zu richten an Friedrich R o r t» m, Manteufselstr. 4», v. 2 Dr. Arbeiter- Pa>>ch«rb»»b Kerlin» und Zlmgesenb. Aenderungen im Verewstaiender sind zu richten an Hermann Braunschweig, Dresdener- stratze so, 2. Hof, 4 Dr. K»»d der g-feliigen Arbeiterverein« Kerlin« und Umeegend. Alle Zufchrisle». den Bund betreffend, sind ,u richten a» P. Gent. L. Dresdener strabe 107/8. Freireligiöse«emeinbe. Sonntag, den 7. März IS07, vormittag»» Uhr. Rosenthalerstr. 38; Versammlung. Freireligiöse Vorlesung. Um U Uhr vorm. ebendaselbst: Vortrag deS Herr» Dr. Bruno Wille:„garmonle." «tschter-Kerein. Heule Abend sjj Uhr, Melchtorstr. IS:«erfammlung. Bortrag des Herrn Dr. Wollhelm. Damen haben Zutritt. Woabiter ZUtnrheUverrin. Sonntag, den 7. März, abend»« Uhr, bei Schulz«, Retnilkcndorferstr.«a. Bortrag und Dtslusston. zperg»üg»»goo,rein„Eintracht'. Sonntag, den 7. März, nachmittag» 6% Uhr; Gesellige» Beisammensein im Klubhau»„Nord-Ost", Gr. Franlsurler- straße so. Eheaterverein„Uata-Eoto". Heute Abend: Maskenball in Schnetder'S Gesellschaftssälen, Belforterstr. 16. Arbeiter- Kil»uv«»»erei« Schöneberg. Montag, den». März, abends « Uhr, bei Obst, Arunewaldstr. iio: Versammlung. Vortrag deS Reichstags- Abgeordneten Peus über„Revolutton einst und jetzt". Konditoren. Sonntag, den 7. März, nachmittag» sjj Uhr, bei Babtel, Roienthalerstr. 67: Versammlung, i. Vortrag über eine Million Bagabunden. s. Delegtrtenwahl zum Verband»tage. Keriiner Arbeitervertreter- Kerein tagt leben Dienstag nach dem ersten im Monat bei B ü» k e, Grenadierstr. 38, abend» Uhr. Unentgeltlicher Rath wird erthetlt: Im Uorbrn Kerlin»: Für Unfall-, Invalidität»- und Alter»-Verstche- rung, abend» von 7—0 Uhr: W. Buchhol», Hussttenftraße 36, v. 3 Dr. A. D a e h n e, Temmlnerstr.««, v. 3 Dr. K. G u t h e t t, Wtesenstr. 200, von s-o Uhr abend». F. Ptelchel, Sartenftr. ss, v. 2 Dr. S. Stmanowsli, Gartenstr. 7», Portal 2, 2 Tr. M. S t u h l m a n n, Oderbergerstr. S?, 4 Dr., von s-o Uhr abend«. R. Tamm, SuMienstraße». von«— s Uhr abends. A.« 0 t g t, WtefenstraKe 4l— 42. E. Warnst, Kolbergerftra«'« 7, von 6 7 Uhr abends.— Nur für JnvaltditätS- und Altersversicherung: F. B l u»> e, Strelitzerstr. ss. P. R e t m a n n, Bellermannstr.««. F. Trapp, Schulflr. so, von 7— s Uhr abend«. Im Kord. Esten! Nur für JnvaltditätS- und Altersversicherung: W. Mo HS, Schönhauser Allee 02. In, Osten: Nur für Jnvaltdiläl»- unv AlterSverstcherung: T.Bader, Gr. Fraulfurterstr. 34. v. 4 Dr. In, Kiib- Osten: Für Unfall», Jnvaltdität»- und Altersversicherung: S ch a l t h 0 s f, Michaellirchstr. IB. Im Kiiden: Für Unfall-, JnvaltditätS- und Altersversicherung: F.« t ü g e l- mater, Grtmmstraße 39.— Nur für Juvaltdiläts- und AlterSverstcherung: P. Killer, Eainphausenstr. S. Bin»iib-Mesten: Nur für Unfallversicherung: G. S ä n i l, SolmSstr. 44. m N«rb-M-st«„i Nur für Unfallverstcherung: I. Krause. Wilsnacker- praße IS. R. Stephan, Lefstngstr. 34. Im Ienttum: Nur für llnfallverstcheruna: E. Löffler, Klosterstr.«I. Bei fämmtlichen vorgenannte» Personen, bei denen hier''~'" gegeben, ist dieselbe Wdchenlags von 7—» Uhr. leine Sprechzeit an- Vermischtes oom Msge. Vg. Die L e p r a ist jetzt nach einer soeben von den RegierilNgs- Präsidenten erlassenen Verfügung unter diejenigen ansteckenden Krankheiten aufgenomnien worden, bei denen die Gefahr einer Uebertragung durch die Schulen vorliegt. Es finden dahei! alle in der Ministerialanweisung vom 14. Juli 1884 betr. die Verhütung der Ueberlragung ansteckender Krankheiten durch die Schulen enthaltenen Vorschriften jetzt auch aus die an Alls- sah leidenden Schulkinder Anwendung, mit der Maßgabe jedoch, daß mit Rücksicht auf die lange Dauer und die anscheinende Unheilbarkeit der Krankheit den E l t e r» durch die Q r t s p o l i z e i- behörden die Verpflichtung aufzuerlegen ist, für den Unterricht der Kinder in anderer geeigneter WeiseSorge zutragen.— Eine zweite Polizei-Berordnung der Regierungspräsidenten betrifft die Anzeigepflicht über den Ausbruch der Lepra. In dieserVerordnung heißt es: Jeder aufAilssatz(Lepra)ver- dächtige Krankheitsfall ist bei der Ortspolizeibehörde(städtische Polizeivirwallung, Amtsvorsteher) unverzüglich zur Anzeige zu bringen. Hierzu sind die Familienhäupter, Haus- und Gastivirthe, die Medizinalpersonen, Geistlichen»nd Lehrer bezüglich der zu ihrer Kenntniß gelangenden Fälle verpflichtet. Die Nichlbefolgung dieser Aorschriften zieht Geldstrafen bis zum Betrage von 60 M., im Un- vermögensfalle entsprechende Haft nach sich.— —„Norddeutsche Allgemeine" Weisheit.„Was da als„soziale Gesinnung" angepriesen wird, ist nichts als ein ganz unklarer und irreführender Ausdruck für eine Berabsolutirung der humanitären Idee, welche in der eudämonistischen Fassung, die sich im achtzehnten Jahrhundert und in noch stärkerem Maße durch Karl Marx und seine Jünger erhallen hat. begrifflich identifizirt worden ist mit der Idee des Kommunismus, der Güter- gleichheit."— Berlin. Von einer vergessenen„Größe". Bei Lepke wurden einige Gemälde verauktionirt, die von dem verstorbenen Maler Gustav Graes stammten. Für das große Galleriebild �Wikingcr'S Ende", das seinerzeit 10000 M. gekostet hatte, wurden 600 M. bezahlt, die beiden Allegorien auf Kaiser Wilhelm I. und Kaiser Friedrich III. waren für 420 M. zu haben.—. — In der Garnisonkirche zu H«nnover wurde ein Lauter. als er beim Abendläuten unter einer schwingenden Glocke durch- kriechen wollte, von der Glocke am Hinterkops getroffen. Er stürzte in die Tiefe und war sofort todt.— — Im Buchener Walde bei Hamburg wurden drei Männer verhaftet, die längere Zeit hindurch die dortigen Eisenbahnen be- raubt hatten. Im Gehölze wurde ein bedeutendes Lager ge- stohlener Gegenstände in einem höhlenartigen Versteck aufgefunden.— — In M a r x I o h(Kreis Mülheim a. d. Ruhr) legte sich ein Bergmann eine Dynamitpatrone auf die Brust und zündete sie an. Er wurde ganz in Stücke gerissen. Der Mann hatte wegen der Kostgänger seit längerer Zeit Zank und Streit mit seiner Frau gehabt.— — Transportdirektor Winkler, der wegen des Löbauer Eisenbahnzusammenstoßes zu 2 Monaten Gefängniß ver- urlheilt wurde, tritt am 1. Juni in den Ruhestand. Winkler war ständiger Begleiter der Königs- und der Kaiser-Sonderzüge.— — Der Bildungsdrang im Volke. Die naturwissen- schaftlichen Fächer der volkslhümlichen Universitätsvorträge in Wien sind so besucht, daß die betreffenden Hörsäle die Zahl der Hörer kaum mehr zu fassen vermögen. Zu dem Kursus über elek- irische Beleuchtung und Kraftübertragung mußte bereits ein Parallel- kurs eingerichtet iverden. — Unter sich. Dr. Theodor Wähner ist Wiener Gemeinde- rath, antisemitischer Stadtrath und Herausgeber der„Deutschen Zeitimg" in Wie n. Welcher Ton in dem Blatte des Dr. Wähner berrscht, ist aus nachstehender in der antisemitischen„Ostdeutschen Rundschau" vom 22. Februar 1897 publizirten Eutgegnung eines von ihm attaklrten antisemitischen Genossen zu beurtheilen. Da heißt es wörtlich: Nur den Herrn Dr. Wähner möchte ich höflich ersuchen, mir nicht gar zu unverschämt mit der„Hundspeitsche" vor der Nase herumzufuchteln, weil mich das im Schreiben stört. Auch kalkulire ich, daß ich eines Tages die Geduld verlieren könnte und es für diesen Herrn dann nicht gut wäre, wenn ich eine Hundspeitsche im Griffbereiche fände, denn ich würde kaum der Versuchung widerstehen. ihn übers Knie zu legen und sein eigenes Sitzleder damit grün und blau zu färben. Im übrigen habe ich gerade jetzt keine Zeit, auf die Einzelheiten des gegen mich gerichteten Gekläffes zu horchen, bin daher leider ge- zwlmgen, mich an das türkische Sprichivort zu halten:„Uet haviar — kjarawan getscher" auf deutsch:„Der Hund bellt— die Karawane zieht weiter." Karl Horn. — Bor den schwedischen Gerichten schwebt gegenwärtig ein sensationeller Mordprozeß. Der Marinclieutenant E. v. Taube beschuldigt seine Mutler. die Kammerherrin v. Taube, ihren Mann vergiftet zu haben.— — London. Nach einer bei Lloyds eingegangenen Depesche aus N e w q u a y(Grafschaft Cornwall) ist ein Dampfer in der Nähe von Neivqiiay gescheitert; nur die Masten sind über dem Wasser sichtbar. Man befürchtet, daß die Mannschaft ertrunken ist und man glaubt, der Dampfer sei der„Syrakus" aus — Der Amtsarzt zu D o l n a- T ü z l a(Bosnien) ist eine Frau. Med. Dr. Krajewska. Jütigst hielt sie in Krakau einen Vortrag und erzählte von den Erfahrungen, die sie in Bosnien gemacht. Dabei kam sie auch ans die Honorare zu sprechen, die sie erhalte. Von armen Personen bekomme sie gar nichts, von besser siluirten bisweilen Aepfel und Nüsse; reiche Leute zahlen— jedoch blos für die erste Visite.— — Achtung, hier kann man die Zunge brechen! Das Arihriticin, ein neues Desinfektionsmittel, heißt mit seinem wissenschaftlichen Namen: „Monohydrophenoläthyldiäthylendiaminamidoacetonitril".— Briefkasten der Redakkwn. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstags, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. I. G., Königftrastc. Sie sind schon aus der richiigen Fährte. Der giiie Freund in Clevesand, den die„D e u t s ch c W a r t e" in ihrem Unier- halwiigsblait vom b. Marz zu Worte kommen läßt, lebt thatsächlich in Berlin. Beweis: Wir haben das Geschjchtchcn schon am 28. Noveinber ge- bracht und haben keinen Korrespondenten in Cleveland. Kottbus. Milreis werden an deutschen Börsen nicht gehandelt. Wir können Ihre Anfrage nicht beantworten. Wenden Sie sich an eine solide große Bank und Sie werden dann nicht übervorihcilt werden. « Sie sich an Dr. B. Borchari, Wilmersdorf. Kaiscr-Allee 112. WitternngSiiberffcht vom 5. Marz 18V7. Stationen. Sivineinünde Hamburg. Berlin.. Wiesbaden. München. Wien... Haparanda. Petersburg. Cork... Aderdeen.. Paris... L'S r». 8 3« Im bb Ii s§ iü s KZii-ck CR N SJ £ 8 4» Ol Sei 8 3 K lettcr 5=85 £§ii i-e© w§a 752 748 752 750 754 757 764 760 744 736 750 SSO S SO SW O NW NO O NW WNW 4 2 2 1 4 1 2 2 5 3 3 wolkig bedeckt Schnee Regen wolkig wollenlos halb bedeckt bedeckt wolkig wolkig wolkig 2 4 2 5 1 1 -21 -3 8 2 3 Wetter-Prognose für Sonnabend, de» 6. März WS7. Zeitweise heiter, vielfach wolkig mit geringen Niederschlägen und frischen westliche» Winde»; Temperatur wenig verändert. Berliner Wetterbureau. Verband der in Buchbindereien, der Papier- und Leder-Galanteriewaaren-Jndustrie beschäft. Arbeiter und Arbeiterinnen Deutschlands. (Mitgliedschaft Berlin.) Montag. 8. März, abends 8V2 Uhr, in Feucrstein's oberem Saal. Alte Jakobstr. 73: Mitglieder- Versammlung. Tagesordnung: 1. Berichterstattung vom Berbandstag. 2. Mit- gliedschaftsangelegenbeiten und Verschiedenes. 2z/g Um zahlreiches und pünktliches Erscheinen ersucht dringend Der Vorstand. Tonnabend, den 13. März 1897: Feier des X. Stiftungsfestes in Cohn's Festsälen, Sentit. 20-21, unter gütiger Mitwirkung des berühmten„Berliner Ulk-Dri«" und der turnerischen Vereinigung„Feste Riege". Die Konzert- und Ballmusik wird von den Mitgliedern der ,.Fr. Vereinigung der Zivil- und Berussmusiker" unter Leitung des Herrn R. Bühle ausgeführt. Nach dem Konzert: GvoKvv Vall. Herren, welche am Xanze theilnehmen. zahlen 3« Pf. nach. Anfang SV., Uhr.— Programme am Eingang gratis. ZW- Eintrittskarten k 25 Pf. sind in sämmtliche» Zahlstellen, im Bureau, Annensir. 50 kGeschäftSsMndcn 6-1 und 6-6). Am Festaben!» nur in der Zahlstelle Restaurant zur„Reuen Post", Beuthstr. 21, sowie bei den Kommisstonsiniigliedern zu haben. 25/10 Um zahlreiche Beiheiligung der Kollegen und Kolleginnen ersucht Die Vergnügungs-Kommission. Ä«t' bcu Inhalt der Inserate übernimmt die Redaktion dem Publikum gegenüber keinerlei Verantwortung. TtzvAtev. Sonnabend, den 6. März. Opernhaus. Carmen. DchansPielhauS. König Heinrich IV. Deutsches. Die versunkene Glocke. Berliner. Renaissance. Lessing. Ein Tropfen Gift. ReueS. Marcelle. Ostend. Zu hoch hinaus. Westen. Die berühmte Frau. Rachm.: Wilhelm Tell. Residenz. Associes. Linden. Indigo und die vierzig Räuber. Thalia. Frau Lieutenant. Echiller. Am Tage des Gerichts. Zentral. Ein fideler Abend. Volkö. Von Stufe zu Stufe. Friedrich- Wilhelmstädtisches. Heinrich Heine. Alexandcrplaii. Endlich aNein. Eine Partie Klabbrias. Passage-Panoptikum. Affentheater. Apollo. Spezialitäten. Belle-Alltonte-Theater Volks-Vorftellung unter Regie von.FliHn« Türk. Sonntag, den 7. März, nachm. 3 Uhr: Gastspiel der Damen Martha Frey und Therese Freyburg; der Herren Heinrich Schulz und Wilhelm Rufs. Zum ersten Male:� Die zungsrau von LrieanS. Romantische Tragödie von Fr. Schiller. Johanna: Martha Frey. Agnes Sorel: Therese Freyburg. König: Richard Jürgas. Dunois: Heinrich Frey. Burgund: Wilhelm Ruff. Lionel: Heinrich Schulz. Talbot: Julius Türk. Die Kostüme, Requisiten, Waffen sind aus den kunstgeiverblichen Werk- stätten von P. Hildebrand. Eintrittskarten ä 60 Pf. sind, in den bekannten Geschäften zu haben. Scktllvv�T hvAkev Sonnabend, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Sonntag, nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends 8 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. zriedrich Wilhelmst. Aieater. Sonnabend nachm. 4 Uhr zu kleinen Preisen(Kinder-Vorstellung): Frau Holle. Zaubermärchen mit Gesang und Tanz in sechs Bildern von E. Prudens. Abends 8 Uhr und die folgenden Tage: Gastspiel des Herrn Carl Pander vom Thalia- Theater in Hamburg. 8yt Uhr: Heinrich Heine. Lustspiel in drei Akten von A. Mels. Hühneraugen- Operateur und Lotterie- Kollekteur Hirsch: Carl Pander a. G.— Vor- her 8 Uhr: Eine Taste Thee. Lustspiel in 1 Akt nach dem Französischen von W. Drost. Sonntag nachm. 4 Uhr: Klassiker- Vorstellung zu kleinen(Abonnements)- Preisen: Der Trompeter von Säkkingen. Romantisches Schau- spiel mit Gesang in 3 Akten(7 Btl- dem) von Emil Hildebrandt und Julius Keller. In Vorbeiwng: Moderne Jung- srauen. Berliner Poffe mit Gesang in 3 Allen von Alfred Schmasow und R. Niwil. Musik von Albert Wicher. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestellgebühr an der Theater- lasse zu haben. Außerdem im Jn- validendank, Unter den Linden 24, bei Paul Nomeick, Leipzigerstraße 6, und Julius Lengenfeld, Markgrafenstr. 50. Sonnabend nachmitt. 4 Uhr: En- scmble-Gastspiel der kleinen Hänsel und Gretel-Darsteller Geschw. S e i tz: Hänsel u. Gretel. Märchenspiel mit Gesang und Tanz in 5 Bildem. Abends 8 Uhr: Einmaliges Gastspiel des Gebrüder Herrenfeld'schcn Buda- pester Posten- Theaters. Endlich allein u. Eine Partie Klabbrias. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zu kleinen Preisen: Kinder-Vorstellung. Frau Holle, Zaubermärchen mit Gesang Ü. Tanz in 6 Bildern von E. Prudens. Abends 8 Uhr und die folgenden Tage: Eine pikante Ehe. Berliner Posse mit Gesang und Tanz in vier Akten von E. Prudens. Billets sind ohne Vorbestellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater- kasse zu haben. Vormittags ll—1 Uhr und abends von Vz7 Uhr an._ Circus Renz Karlstrasse. (Jubiläums-Saison 1896/97.) Sonnabend, den 6. März 1897 Abends TV, Uhr: Grande Soiree equeslre. Durchschlagender Erfolg. Novität! Ans der Mappe eines Außerdem die heworrag. Nummern des Repertoirs. 4 arabische Vollblut- Schimmelhengste, als Fahnenpferde dreff. und vorges. v. Dir. Fr. Renz. El Bolero, spanische hohe Schule, geritten von 6 Damen u. 6 Herren. Mr. Gaberel mit dem Schulpserde Albarac. 16 Tpring-Akrobatcn. Sonntag, den 7. März 1897: L gpos«r Vorstellnngen 8 Nachm. 4 Uhr(ermäßigte Preise und 1 Kind unt. 10 Jahren frei): L-nstlge Blatter! Gr. elektrisches Ballet. Abends 7c/z Uhr: Aus der Mappe eines Riesengebirgs- Phantasten. Ispan!» Taoben-Straaae VI«Uli», Ko. 48-49. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 10 Uhr vorm. ab. Eintritt S0 Pf. Wistenschaftl. Theater abends 8 Uhr. StflM'llttlrtrtl» Jnvalidenstr. 57/62 -Vit lUniUkil. Lehrter Stadtbahnhof. Täglich von 7l/z Uhr abends ab SV Pf. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Erperi- menten u. gr. Lichtbildem ausgestattet. Näheres die Tagcsanschläge. Passage- Panopticurn. Vom 6. März ab: Mädchen ans Samoa. Castan's■■ Panopticurn. Pygmäen ie kleinste» Die beiden indischen_ die kleinsten Menschen der Welt! Damen-Wettschwimmen. Münz- u. Kaiser Wilhelmstr.-Ecke ■Wlakler'u grosies Anatomisches Museum Freitag von 2 Uhr ab: Damentag. _ Entree 50 Pf. 126M Ostend-Theater. Gr. Frankfurterstt. 132. Dir. C. Weist. Sonnabend: Zu hoch hinaus! Bolksstück in 4 Allen von M. Günther. Anfang 8 Uhr. Sonntag nachmittags 3 Uhr: Zum letzten Male: Der Walzerkönig. Abends 71/3 Uhr: Berlin, wie es weint und lacht._ Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz. Abends 1/28 Uhr: Zum 29. Male: Ein fideler Abend. Morgen Sonnabend: Zum 30. Male: Ein fideler Abend. Thalia-Theater. (vormals! Adolph Ernst- Theater). „Frau Lieutenant." Baudeville in drei Akten von Paul Ferrier und Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirschel. Musik von G. Serpette und V. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Sonntag, nachm. 3 Uhr: Trilby. 13 115c« Bahnhof Börse. Sonnabend, den 6. März 1897, Abends 7V. Uhr: Gr. Gala-Uorstellung. Nach Sibirien. Außerdem: Dir. Busch als Schul- reiter auf dem ostpreuhifchen Hengst Thucydides. 4 Fuchshcngste als Thurmspringer, dreff. u. vorges. v. Dir. Busch. Adjunkt, ostpr. Hengst, ger. v. Mme. Maria Dore. Der groste u. der kleine Ungar. Mr. Goleman m. sein, dreff. Hunden und Katzen. Broth. Lilly, Elite-Akro- baten. Spezialitäten ersten Ranges. Vorzügl. Klowns. Morgen: 8 Yorstellnngen. Nachm. 4 Uhr(1 Kind unter zehn Jahren frei): Zscheus.- Abends 71/2 Uhr: Nach Sibirien. Freitag, den 12. März: Wohl- thätigkeits-Borstellung zu« besten der Kriegerverbände. UM- Der Ertrag gelangt am Zentenartage zur Bertheilung an be- dürftige Invaliden. vopemclc (Klein's Hotel). Heute, Sonnabend, den 6. März: Stettlael' Sänger (Mcysel. Pictro, Britton, Steidl, Krone, Röhl und Schräder). Anfang 8 Uhr. Kassenöffnung«V, Uhr. Entree SV Pf.- Logensitz 75 Pf. Großartiges, neues Programm! Sonntag: KonzerthauS Sanssouci. Feen- Palast,„ Direktion Winkler& Fröbel. Heute Sonnabend mm VnvatfestlMett geschlossen! Sonntag und die nächsten Tage: Große Kunstler-Norstellung. Neues Programm. Beplmei1 Possen-Theater HUnzstrasse 17. (Eingang Königsgrabeu.) Direktion: Joseph Aschinger und Leonhardy HaSkel. Allabendlich Punkt V-IO Uhr: Xovltüt! Novität! Barnch und Sohn. lieue Specialitäten! Anfang der Vorstellung 8 Uhr. Kaffenerössnung 7 Uhr. Entree 90 Pf. Die Direktion. Alcamr Varl�tö-Theater I. Hannes. Dresdenerstr. 52 53(Citu-Paffage) Annenstraste 42/43. Geschwister Gottlieb. Prof. Roberts. Wendlni. Anfang: Sonnt. 6 Uhr, Wochent. 8 Uhr Freikarten in der Woche giltig. Entree 30 Pf. Die Direktion. Gonoortiia Variete-Theater Brnnnenstr. 154. Täglich: Orosse Theater- und 8pcaialitiiten-\TorstelIang. Das beste Programm d. Nordens. Neu! Troupe Richardt(IHerr, 1 Dame, 1 Kind) Akrobaten. Neu! Kathi Richter, Tyrolicnne. Neu hcmg and Utile Adolfi, Tanzdncttisten. Reu! Ein geplagterDtchter. Posse. Anfang Wochentags 7>/z Uhr. Sonntags 6 Uhr. Umtausch- Billets haben Giltigkeit. Apollo-Theater. Durchschlagender Erfolg des März-Programms! 5 8i8tm Lorrison Masrsry, Aggy, Fanny. Clssy u.Netty am Strande v Trouville Carmencita Der vollkommenste und beste VinekogrÄph mit dem Sensationsbilde: äs Endlich allein!»1 Kasseneröffnung 6V2 Uhr. Ans. 7'/, Uhr. Welt- Restaurant Variete- nnd Spezialitäten- Theater. Dresdenerstraste 97. Novität! Novität! Novität! Das tanzende Berlin. Im vorderen Saal täglich: KUnstler-Frel-Konzert. Anfang: 1 Entree: Wochent. 7Vj Uhr. I Wochentags 20 Pf. Sonntags 6 Uhr. s Sonntags 30 Pf. Möbel-Einrichwng, neue bestellte Arbeit, bill. verk. Admiralstr. 8, vorn 1 Tr. links. Achtung! Kartonarbeiter. Allen Freunden und Kollegen die traurige Nachricht, daß unser Kollege Franz Haass am 3. d. M. nach langem, schwerem Leiden sanft entschlafen ist. Die Beerdigung findet am Sonntag, den 7. März, von der Halle der Markus-Gemeinde in Wilhclmsbcrg um 2 Uhr statt. 158b Um rege Bethcilignng bitten Die Kollegen von Ed. Jacobsohn. Berband der BHbinder it. Den Mitgliedern zur Nachricht, daß unser Kollege, der Kartonarbeiter Prall? Muss am Mittwoch, den 3. d. Mts., ver- starben ist.— Die Beerdigung findet morgen, Sonntag, nachmittags 2 Uhr, von der Leichenhalle der'Markus- Gemeinde in Wilhelmsbcrg statt. Um zahlreiche Betheiligung bittet 25/11 Der Borstand. Ersatz für Tafelbutter, feinste Hargarine, pro Pfund 65 Pf. Krumpelt, Magdeburgerhalle Stand 110, Zinimerhalle Stand 196. Möbel- Kauf gelegenheit, passendste Gelegenheit für Brautleute. In meinem Möbellpeichcr, Neue König- straße 59, und Möbel- Magazin, Gneisenaustraste 15, sollen viele Wohnungseinrichtungen, verliehen ge- weicne und neue Möbel zu jedem an- nehmbaren Presse verkauft werden. Besonders zu empfehlen ist der große Vorrath verliehen gewesener Möbel, welche fast neu sind und zum halben Preise abgegeben werden. Durch große Gclegenheitseinkäuie ist es mir mög- lich, schon ganze Wirthschaften für 100, 300 Mark abzugeben. Ebenfalls hochfeine, herrschaftliche Einrichtungen von 500 bis 5000 Mark, Theilzahlung gestattet. Beamten ohne Anzahlung. Kleiderspind 15 Mark, Kommoden, Küchenspind 12, Stühle 2 Mark, Nuß- baum-Kleiderspinden, Berticows 36 M., Muschelspinden 35, Bettstellen mit Matratzen 18, Sophas 18, Säulen- spinden, hochelegant, Trumeaux mit Säulen und Krystallglas 60, Büffets in allen Größen, Herrcnschreibtisch, Damenschreibtische, Schreibsekretär 30, Garnituren 60 Mark, Paneelsophas, Bücherspinden, Frisirtoilctten, Chaise- longues, Salongarnituren, Portieren, Steppdecken. Tischdecken, Gardinen, Fenster 6 Mark. Vollständig aus- gestatteter, dekorirter Salon, Speise- zimmer und englisches Schlafzimmer stets zur Ansicht. Gekaufte Möbel können 3 Monate kostenfrei lagern, werden durch eigene Gespanne trans- portirt, auch nach außerhalb. Achtung! Achtung! Empfehle allen Kollegen und Gc- nassen meine Restauration 11708* Zur Metallarbeiter-Börse. Vereins-Zimmer mit Piano bis 40 Personen zu vergeben. Achtungsvoll: W. Hansen, Restaur., Danzigerstr. 93. Heute und jeden folgenden Sonn- abend großes 1156L* Älachte-Kest. Frische Blut-, Thüringer- u. Leber- wurst bester Qualität zu mäßigen Preisen. Gleichzeitig emvfehle mein gut eingerichtetes Fremden-Logis, sowie Saal nebst Bereinszimmer und Kegelbahn zur gefl. Benutzung. F. Wilke, Andreasstrasse 86. Schulz' Festsäle, vorm. Paster Nene Könlg-8trasse 7. Jeden Donnerstag: 892L* Bamen-Kr&nzchen. Jeden Sonntag: — Groster Ball.— Vereinszimmer. Saal für Versamm- lungen frei. Ed. Schulz. Gastwirth. Nenester Schlager von Siegwart Genthes In iKaufmanni/ariete! als Sultan der Türkei. Unsinn!! ist es, viel Geld für Hüte auszugeben, man erhält auch zu billigen Preisen gute und elegante Sachen z. B.: von M. an Knaben-Filzhüte 1,— Herren-Filzhüte 1,50 Cylinderhüte 4,— Haarfilzhüte 4,80 Einsegnnngshüte 1.— Chapeaux olaques, Reise-, Loden- u. J agd- hüte enorm billig im Einzelverkauf bei „, Waldemarstr- 44, . rechts im Kbmptoir. Kein l.adcn. Nur moderne* Waaren in grosser Auswahl._ irnold& Eggert, Konfirmandenhnte Stück 1 M. verkauft aus der Fabrik im Komptoir Barnimatraase 4—5. Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Sonntag, den 7. März, vormittags 11 Uhr, im Lokale des Herrn ituske, Grenadierstraste 33: Branchen-Versammlung der Einsetzer. Tagesordnung: Besprechung über dvs Bertrauensmännersystem. Verlegung des Lokals. 87/3 Zahlreiches Erscheinen erwartet Der Obmann. kcliv. der Musikinstrumenten-Arbeiter. Mitglieder- Versammlung am' Montag, den S. März 1897, abends S'/z Uhr, im Lokal deS Herrn 4. Benhe, Naunynftraste Nr. 27. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen tüeerg Wagjner über:„Die Presse und die Sozialdemokratie.- 2. Diskussion. 3. Vereinsangelegenheiten. Ausnahme neuer Mitglieder.— Um zahlreichen Besuch bittet 142/3 Her Verstand. Verband der Möbelpolirer. Montag, den 8. März, abends 8V2 Uhr, im Lokale Swinemünder- ftrahc 35(neue Nr. 42): 146/11 DSff" Versam mlung."Wff Tagesordnung: I. Vortrag des Kollegen Bündel über:„Adam und Eva." 2. Diskussion. 3. Wahl. 4. Verschiedenes. Der Vorstand. Yerem der Maschinisten, Heizer und Berufsgen. Berlins und Umgegend. Sonntag, den 7. März, nachmittags 5 Uhr, Oranien- Strasse 51: WtT VersÄmmlung.-WZ Tages-Ordnung: 1. Bortrag deS Herrn Ingenieur ÜSehmldtsdorir über: Elektrische Glühlampen und deren Fabrikation. 2. Verschiedenes. 3. Ausnahme neuer Mitglieder._[138/10]_ Der Vorstand. WW Kistenmacher.-WE Montag, den 8. März, abends 8y, Nhr, in den„Arminhallen", Komniandantenstraste 20: Mitgliecflep» Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die Streitigkeiten in den Werkstellen. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Verlegung des Arbeitsnachweises. 94/7 Sonntag, den 14. März, nachmittags 5 Ithr, Annenstr. 16: Versantmlung mit Damen. Nachher: Tanz. SosliUöfUtoltr. stmin jotmärtö". ' Dienstag, den 9. März, abends 8�2 Uhr: WtF' Mitglieder-Versammlung"MK in den»Viktoria-Sälen", Hermannstraste Nr. 49—50. Tages-Ordnung: 232/10 1. Vortrag des Herrn Bamasehhe über:„Grund- und Boden- reforni tm Interesse des Gemeinwesen." 2. Diskussion. 3. Abrechnung von der„Urania" sowie vom Weihnachtsvergnügen. 4. Vereinsangelegcnhciten und Verschiedenes. WS" Gäste willkommen."WE Um besonders zahl- rMitg reiches Erscheinen der Mitglieder ersucht Der Vorstand. Achtung! Wedding. Achtung! Sonntag, den 7. März, abends 6 Uhr, im Lokale des Herrn Sehnhee, Rcinickendorferstr. 2 a(Wedding-Plast): Vertrag des praktischetl Naturheilktttldigm Herrn Müiier. Diskussion.— Fragekasten. 154h Hierauf: Gemüthliches Beisammensein. Eintritt frei._ Per Boabltcr yatnrhcllvereln. Fachverein der Klempner Berlins nnd Umgegend. Da die Aufnahme unserer Mitglieder in den Deutschen Metallarbeiter- Verband nur aus dem Zentral-Bnreau. Fischerstr. 22, vollzogen werden kann, so bitten wir die Mitglieder, ihr Buch mit genauer Angabe chrcr Wohnung bei Stramm. Ritterftr. 123, abzugeben: von da»vird das weitere besorgt. Die Kommission tagt Sonntag, abends 6 Uhr, bei Stramm. 89/9_ A. Winter. Belle-Allianee-Theater. Yoiks-Yorstellung unter Regie von Julius Türk. Morgen, Sonntag, den 7. März, nachmittags 3 Uhr: Zum ersten Male: 230/0 Die Jungfrau von Orleans. Für Gewerkschaften habe passende Räume zu Herbergszwecken und Vereinszimmer im Zentrum der Stadt zu vergeben. Offerten unter „Vereinszimmer" nimmt d. Erp, entg. Schießbude, gutgeh., m. Platz, Woche 50 M., verk. lof. Mariannenplay 13, Lk. ichtig für Brautleute! Eine wenig gebrauchte Wohnungs- einrichtung, nuyb„ ist billig zn ver- raufen bei dnllna Apelt, Skalitzerstr. 6._ Achtuns! Achtung;! Künstliche Zähne von 3 M. an, Theilz. wüchentl. 1 M., wird abgeholt. Zahnziehen, Zahnreiuigen, Nervtödten bei Bestellung umsonst. ßllfhol Lausitzerplatz 2, Elsasser- UUthCl, fit. 12, Steglitzerstr. 71 1. AommerpaletotS, Anzüge, Hosen, � Goldwaaren spottbillig Pfandleihe Neanderftraße 6._ fi|9etteit, Steppdecken, Wäsche, Gar- dinen, Portieren, Teppiche, Re- gulatoren, Remontoiruhren, Granat- Annbänder spottbillig in der Pfand- leihe Neanderstrafte 6._ Möbel unter Garantie guter Arbeit. Theil- Zahlung gestattet. 11548* Frz. Müller, Alte Jakobstr. 65. Freundl. Hofwohnungen von 12 bis 16 M. Swiiiemündcrfir. 51/52. Wohnungen von 3, 2 u. 1 Stube, Küche u. Zubehör, Pferdeställe u. Re- misen, Lagerkellcr bill. z. verni. Frank- furler Allee 10/I6a. Nahe a. Bahnhof. Schläfst. Venn. Binasch, Tresckom straße 54, v 4 Tr. 160b Mövl. Zimm. f. 2 H. bill., od. möbl. afst. f. 2 Herren. Frau Stechcrt, Schläfst. W�WWMWWD Manteuffelstr. 5, v. 2 Tr. r. 152b Bogelbauer, gebrauchte, Eichkatze mit Bauer, Waldvögel sehr billig. Zigarrenhandluug Sorauerstr. 6. Herren- tl A � billiger und mttC wie Knaben- � � � überall i. Fabriklager t». Klletmaun, Mariannenstr.33 pt.. kein Lade». Müssen u. Eravatten enorm billig. Mödel, Spiegel und Polsteriaaren Reelle Waare nt 0 üV ,e m * Ganze Wolinniigs- Einrichtungen in Nussbaum u. Mahag. — zu soliden Preisen. Uhrmacher-Lehrling verlangt Sdiarnow, cSSfik Schneiderin empfiehlt sich zur bill. Anfert. von Kleidern, sowie jeder Art Wäiche. Frau Stechert, Mantenffcl- straße 5, v. 2 Tr. r. l5lb Tücht. Gesellen für engl. Taillen u. Jaguettes sind. b. höh. Lohn dauemde Arbeit. Tietzner, Krauscnstr. 69. Farbigmacbcr u. Vcrsilb. a. Leisten verl. Rirdorf, Berlinerstr. 89. lüllb 36 Korbmacher sofort auf Kngelkörbe verlangt. 1616_ Zimmer. Blumensir. 37. gÖP" Belegerinncn werden lverl. Hugo Naucke u. Co., Fichtestr. 3. Veralilwortticher Redakteur: August Jacobey in Berlin. Für den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Babing in Berlin. Nr. SS.« Ukriui. 2. ötüllgt dkS Dtllim M\*M. e.püti 1897. t> o Ui ö iu i v t ft frli aftlirlie Bit ttdfrhkru. Nationaler Klassencharakter des Hamburger Streiks; zur Charakteristik der Hamburger Hafcuarbcitcr-Verhältuisse bei zunehmendem kapitalistische» Betriebe; die technische Eut- Wickelung der Schifffahrt ohne Nutzen für die bethciligteu Arbeiter; technischer Fortschritt und englische Gewcrkvereine; ei» englisches Kartcllprojekt. Hamburger Streik. Der große Hamburger Streik, dessen gewaltig aufrüttelnde Beivegung in den Streitigkeiten einzelner Hafen- arbeilergruppen mit ihren„Arbeitgebern" noch gegenivärtig nach- zittert, hat die ganze Situation in Deutschland grell beleuchtet. Er hat die Begeisterung und den Opfermuth der deutschen Arbeiter, ebenso irne die feudal herrschsüchtige Koalition des Unternehmer- thums und die Alliance der Iiegierung mit den kapitalistischen Interessen in großen unauslöschlichen Zügen der Erinnerung des Volkes eingeprägt. In dem anscheinend blos lokalen Ausstand stießen die großen Klassengegensätze, durch welche die?! a t i o u zerklüftet ist, in hartem Anprall auseinander. Nicht die unmittelbar betroffenen Hamburger Iiheder-Kapitalisten, sondern der H a in d n r g- 9l t t o n ä e r A r b e i l g e b e r- V e r b a n d, der iiir Jahre 1890 gegenüber der geplanten Maidemonstration als Arbeitcrlrutz gegründet worden, hat die Taktik und den Ton be- stimmt. Und dieser Verband suhlte sich und bandelte als der Ver- lrcter der g e s a m m t e n Kapitalistenklasse. Sein Ziel war die Demüthigung und gewerkschaftliche Schwächung nicht allein der Hamburger, sondern der gesammten deutschen Arbeiterschast. „Zum kommenden Frühjahr"— wir führen die Worte des durchaus bürgerlich gesinnten Herausgebers der„Sozialen Praxis" an— „standen namentlich L o h n e r h ö h n n g s- F o r d e r n n g e n in der Mctalliudnstrie, im Maschinenbau, Schiffbau u. s. w. bevor. Die Industriellen aller Branchen hatten, da der Streik eiiitzial vorhanden war. ein Interesse daran, durch möglichst lange Dauer desselben die 5triegs kosten der Streikenden zu erhöhen, durch die nolhwendig werdenden Darlehen u. s. w. d i e Kraft aller Gewerkschaften in ganz Deutschland zu schwächen ii n d für die n ä ch st e Z e i t k a m p f u n f ä h i g zumachen." Kein Ausstand in Deutschland hat so wie dieser die Jnteressensolidarität des Kapitals gegenüber der Arbeiterschast zum klaren Ausdruck gebracht. —— Lage der Hafenarbeiter. Der Verlauf des Streiks und die aus ihm für die deutsche Arbeiterschaft sich er- gebende allgemeine Lehre, sich wirksamer zu organisiren und die Lohnbewegung einer strafferen gewerkschaftlichen Disziplin zu unter- werfen, ist in unserer Presse ausführlich erörtert worden. Wenn wir an dieser Stelle auf den großen Kampf noch einmal zurück- kommen, so geschieht es, um über die w i r t h s ch a s t l i ch e n Ver- h ä l t n i s s e der Hamburger Hafenarbeiter, wie sich die- selben bei der fortschreitenden k a p i t a l i st i s ch e n Eut- Wickelung des Schifffahrtswesens gestaliet haben, einiges Detail, das uniniltelbar auf weitere dem Zlrbciteriuteresse naheliegende Erwägungen allgemeiner Art hinüberfährt, nachziilragen. Professor Tönnies, einer der Unterzeichner des bürgerlichen?l»frufs zu giinsten der Streilendeii. veröffentlicht in dem neuesten Hefte von Braun's„Archiv für soziale Gesetzgebung und Statistik" eine höchst lehrreiche, durchgehends ans nnaiifechlbarcs Material gegründete Studie über die„Hafenarbeiter nudSeelente in Hamburg vor dein Streik 1896/97". Vor allem werden die verschiedenen Gruppen der Hafen- arbeiter in ihrer besonderen?lrbeitslhätigkeit, ihrer Anzahl, ihren Lohn- und Arbeitszeitverhältnissen klar geschildert und so der kapitalistische Mythus von ihrem Wohlbesinden gründlich zerstört. Vielleicht noch interessanter als diese eingehende Darstellung des Thatbestandes sind die Streiflichter, die der Verfasser dabei überall auf den E n t w i ck e l u n g s g a n g dieser Verhältnisse, auf die Einwirkung des immer k a p i t a l i st i s ch e r werdenden Betriebes fallen läßt. Die zwölf Arbeiterkategorien, die Tönnies aufzählt, lassen sich in drei große Gruppen zerlegai, in eine Gruppe, die irgendwie Verladungsarbeiten und was damit zusammenhängt leistet, eine zweite, welche mit Aufbesserung und Reinigung der Schiffe be- schäftigt ist. woran als dritte Schicht sich die Flußmaschiiiisteit und eigentliche» Seeleute anschließe». Zur e r st e n Kategorie gehören vor allem die Schauer- l e u t e(8000 Mann), die das Laden und Löschen der aus- und ein- laufenden Schiffe zu besorgen haben; sie bildeten das! Rückgrat des ganzen Streiks; ferner die E w e r f ü h r e r(rund 2000), welche die Güter in Kähnen(sogenannten Ewern oder Schuten) von den Schiffen abholen und hinbringen; die O u a i- A r b e i t e r (1800 feste, 7—800 Hilfsarbeiter), die an den theils staatlichen, »Heils der Hamburg-Amerika-Linie gehörigen Q n a i s ch u p p e n Schiffe und Eisenbahnwaggons verfrachten; die Kohlen-, die Getreide- und die Speicherarbeiter(diese an 1800); endlich zum theil auch noch die B a g g e r- und Balla st arbeiter (rund 500). Die zweite Gruppe setzt sich zusammen ans den E ch i f f s r e i n i g e r n(etwa 400), ein paar hundert Schiffs- inalern und etwa 400 Kesselreinigern, der schlecht- gestellteste Schicht, die für ihre bei 40 Grad Reaumur im Kessel selbst zu leistende Arbeit zwei Mark Tagclohn erhält und dabei oft 48 Stunde» hintereiiiander arbeiten muß. Was die Besetzung der dritten Gruppe angeht, so beläuft sich die Zahl der auf Fluß-, Bugsirdampfeni K. angestellten Maschinisten gegenwärtig auf 400, die eigentliche Seemaunschast der Hamburger Flotte(die Monatshcner für Matrosen ist während des letzten Jahrfünfts auf 50� M. gesunken), zählte dagegen schon im Jahre 1890: 13 000 Mann. Lohn- und Arbeitsverhältnisse sind in diesen hier in kurzem Ueberblick zusammengefaßten Gruppen natürlich mannigfach verschieden. Der Raum verbietet leider eine ausführliche Reproduktion der von Tönnies gesammelten Angaben. Zur allgemeinen Charakteristik genügt es, auf die Schauerleute und Ewerführer, diese großen und im Streik am meisten hervorgetretenen?lrbeiler- gruppen, hinzuweisen. Die Schauerleute sind meist im Tag- lohn beschäftigt, ihre Arbeit ist außerordentlich unregelmäßig, auch die sogenannten„festen" Arbeiter unter ihnen haben vor den„losen" nur den Vorzug voraus, daß der Stauer, mit dem sie abgeschlossen haben, ihnen die Zusicherung giebt, sie in Jahresfrist immer arbeilen zn lassen, so oft Arbeitsgelegenheit vorhanden. Die Arbeit erfordert gewaltige Muskelleistungen, dabei gilt aber der zwölssiündige Arbeitstag von 16—16, nur durch eine halbstündige Frühstücks- und «ine anderthalbstündige Mittagspause unterbrochen. Der Taglohn »st seit 7 Jahren 4,20 M..?tachtarbeit wird höher mit 5,40 M. bezahlt. Tie Arbeitsweif« ist im höchsten Maße aufreibend, da sehr häufig die Stachtarbeil, die ohne Unterbrechung von 7 Uhr abends bis 4 Uhr morgens dauert, sich an die um 6 Uhr endigende Tages- arbeit anreiht. Recht oft wird dann nach durchgearbeiteter Nacht um 6 Uhr morgens wieder von neuem begonnen. Bei dieser mörderischen und ganz unregelmäßigen Arbeit erzielen die Schauerleute freilich auch einen, das gewöhnliche Arbeitereiiikouiiiien übersteigende» Jahresverdienst von etwa 1100 Mar� Doch gilt der nur für„feste" Schauerleute. die„losen", deren Zahl mehr als noch einmal so groß ist. bringen es auf höchstens 900 M. Akkordarbeit findet nur unter den Korn- und unter den Kohlcnverladenden(den sogenannten„schwarzen") Schanerleuten statt, die bei enormer Arbeitsleistung dann aber auch im Durchschnitt etwa 1500 M. im Jahre verdienen mögen. Doch gehören nur etwa ein Fünftel aller Schauerleute zu dieser bevor- zugten Gruppe. Bei den Ewer führern, deren Arbeit gleichfalls sehr mühsam, besteht durchgehends Tagelohn; der Lohnsatz ist seit 1888 4 M., also um eine Kleinigkeit niedriger als der der gewöhn- lichen Schauerleute. Die richtige Beleuchtung erfahren diese Angaben erst, wenn man sie mit den früheren in Hamburg herrschenden Verhältnissen vergleicht. Die Ewerführer freilich haben in dem Zeitraum seit 1872 eine kleine Lohnaufbesserung erhalten, da der bis zum Jahre 1388 übliche Tagelohn von 3,60 M. damals auf 4M. heraufgesetzt wurde. Aber der Vortheil verschwindet gegenüber der Lebensmittel- Ver- theuecung, welche der in diesem Jahre erfolgte Zollanschluß Hain- bnrgs an das Deutsche isteich zur Folge hatte, nud den steigenden Preisen der von der Cholerazeit her berüchtigten Hamburger Arbeiterwohnungen. Auch hat die Arbeit ihren alten mehr Hand- werksmäßigen Charakter verloren, der Eigenthümer des Ewerkahnes, der früher selbst mit zugriff. ist zum bloßen profilhungrigen Zwischen- Unternehmer geworden. Die Ailsbeutung iiimmt härtere und rück- sichtslosere Formen an. Bei den Schauerleuten sprechen alle Zlnzeichen mit vollster Deutlichkeit dafür, daß„ihre ökonomische Lage sich in hohem Maße verschlechtert haben m u ß". Der für sie bestehende Tagelohn von 4,20 M. ist trotz aller Lebensmittel- und Wohnungstheuerüng seit dem Jahre 1873 überhaupt nicht erhöht worden! Wohl aber hat dieser Betrieb, bei welchem sich in der Gestalt des die Schauerleute anwerbenden Stauers gleichfalls ein profithungrigerZwischenmiteriiehmerherausbildete.imZusanimeuhange mit der kapitalistischen Entivickelnng der Schisffahrt immer schärfere Ansprüche an die beschäftigten Arbeitskräfte gestellt. „Vor zwanzig Jahren", sagt Tönnies,„ging die Slrbeit noch ruhiger und„gemüthlicher", die Dampfwinde(beim Verladen) war noch nicht die Siegel, man rechnete, daß ein Schiff eine Woche zum Verladen brauche, jetzt, obgleich die Schiffe sehr viel größer, muß es oft in drei Tagen geschehen, zuweilen darf Löschen und Laden zusammen nicht viel länger dauern. Die Sl n f o r d e r u n g e n an die I n t e n s i v i t ä t der Arbeit n e h m e n fortwährend z n." Sllso der nominelle Tagelohn ist ans seinen alten Stand geblieben, während die thatsächliche Verausgabung von Arbeitskraft ebenso wie der Preis der nolhweiidigen Bedürfnisse gestiegen sind. Mehr oder weniger ähnlich liegen die Verhältnisse auch in den übrigen Branchen der Hafenarbeit und im seemännischen Berufe. „Man gewährt", so faßt Tönnies das Resultat seiner eingehenden Untersuchungen zusammen,„daß sehr mannigfache Zustände über das ganze Heer der Hafenarbeiter verbreitet sind. Gemeinsam i st aber beinahe der gesammten Menge, daß der Druck des Unternehmerthums durch den Druck eines Z w i s ch e n- U n t e r n e h in e r t h u m s oder gleich- artig wirkenden V e r m i t t e l u n g s w e s e n s erhöht w i r d; g m e i n s a m, d a ß e i n e B e s s e r u n g d e r L e b e n s- und'Arbeitsverhältnisse während der letzten Jahrzehnte nirgends stattgefnnden hat, wohl aber in weitem Umfang eine Verschlechterun g." Stach dringender als eine vielfach allerdings auch dringend nolh- wendige Besserung der Löhne sei vor allein dieRegelniig der Arbeitszeit, die ans die Löhne günstig zurückwirken und auch die furchtbar hohe Unfallziffer verringern muß. -- Technischer Fortschritt im S ch i f f s w e s e n. Die gewaltige kapitalistische Ent Wickelung der Schiff- f a h r t hat hier, wo sie auf eine garuichl oder ganz ungenügend organi« sirte Arbeiterschast traf, die Lage derselben Jahrzehnte hindurch also in keiner Weise gehoben, vielmehr sie wesentlich noch herabgedrückt. Die Technik hat ausschließlich für die Schiffsbesitzer, die Ex- und Importeure und ihren Kundenkreis gearbeitet, die Arbeiter waren von allen Früchten ausgeschlossen. I» dem Jahres- berichte einer Hamburger Firma finden wir einen zahlenmäßigen Vergleich des eisten regulären Ozeandampfers vom Jahre 1840 mit einem der besten modernen Schnelldampfer; danach hat sich der Kohlenverbranch, auf die Tonne der beförderten Ladung berechnet, fast um die Hälfte vermind.ert. 1340 wurden für jede Tonne der besörderten Ladung auf der Reife 2,4 Tons Kohlen, 1396 nur 1,23 Tons verbrannt. Die Minderung der Produktionskosten, die zeitweise natürlich die Profite des Rhederkapitals anschwellte, führte auf die Dauer zu einer außerordentlichen Ermäßigung der Frachttarife. Nach den Berechnungen der Hain- burger Handelskammer sind zum Beispiel die Transportkosten für 1000 Kilo Weizen von New-Aork nach Liverpool, die in der Periode 1873—75 im Durchschnitt 30,68 M..be- trugen, in der Periode 1891—1894 auf durchschnittlich 8,10 M., annähernd den vierten Theil des früheren Preises, herabgegangen. „Die Ersparung an Transportkosten, sagt der oben zitirte Jahres- bericht. beträgt mithin in den letzten Jahren bei Seetransport zirka 50—72 pCt. Auch hier sollte es leicht sein, wie bei der Fabrikation und d e in T u n n e rb a u, einen b e- trächtlichen Theil der ersparten 50— 72 pCt. an höhere Arbeitslöhne zu wende n." Die Entwickelung treibt rastlos weiter: Nicht nur. daß die Segler von den Dampf- schiffen verdrängt werden, die Methode des Dampfschiffbaues selbst unterliegt fortwährender Umwälzung-„Ersparniß an Kohlen und Ersparniß an Beniannung im Verhältniß zu immer vergrößertem Ladungsraum: das sind die Leitmotive dieser Revolution." Es sollte leicht sein, einen Theil der ersparten Prozente an höhere Arbeitslöhne zn wenden! Leicht? Aber nicht den Unter- nehmern! Wenn die Arbeiter die Stackenschläge, welche die technische Umwälzuiig ihnen versetzt, pariren, wenn sie weiter von dieser Umwälzung, die immer höhere Anforderungen an die Anspannung ihrer Arbeitskräfte stellt, einen auch nur bescheidenen Nutzen für sich herausschlagen wollen, dann müssen sie zu hart- näckigstem Kampf sich in gewerkschaftlicher Organisationsform zusammenschließen. Die Sozialdemokratie hat stets auf der Seite des technischen Fortschritts gestanden und jede Anflehnuna gegen diesen nothwendigen Entwickelungsgang der freien Konkurrenz- wirthschaft als thörichte Ulopisterei, ja als reaktionär von sich ge- wiesen, ist sie doch der Ueberzeugung, daß eben diese geivaltige Entfaltung der produktive» Kräfte der endlichen Sozialisirung der Gesellschaft aufs wirksamste die Wege ebnet. Aber über unsere Stellung zu dem technischen Forlschritt können nicht allein die Ziikiinftserivagungen entscheiden. Es fragt sich, was die Arbeiterschaft in der Gegenwart von ihnen zu er- warten hat, ob sie machtlos allen diesen Umwälzungen gegenüber steht, oder ob Möglichkeiten vorhanden sind, S ch u tz w e h r e n aufznrichte», ja innerhalb gewisser Grenzen den technischen Fortschritt als Mittel für die Hebung der Arbeiter läge auch im Rahmen des Lohnsystems zu ge- brauchen? —— Technischer Fortschritt und englische Ge- w e r k v e r e i n e. Di« Geschichte der englischen Gewerk- schaften ist in dieser Beziehung ebenso lehrreich als ermiithigend. Siduey und Beatrice Webb. die ausgezeichneten Kenner der eng- lischen Arbeiterbewegung, haben in einem der letzten Hefte des „Archiv" hierüber interessante Mittheiluugen gemacht. Der grund- sätzliche Widerspruch der Gewerkoereine gegen die Einführung von Maschinen ist in der zweiten Hälfte dieses Jahrhunderts vollständig verstummt. Dagegen sehen sie' heute sehr scharf aus die Arbeits- b e d i n g u n g e n, die mit der Einführung neuer Maschinen ver« bunden sind, und suchen mit aller Energie die V e r ä n d e- r u n g e n der Lohntabelle, die der neue Arbeits- modus nothwendig macht, ihren Jntereffen anzupassen. Mit anderen Worten: Sie akzeptiren überall den lechnischen Fort- schritt, aber sie wachen eifersüchtig darüber, daß derselbe ihre realen Lohnverhältnisse nicht verschlechtert, vielmehr nach Möglichkeit hebt. uweilen artet dieses Bestreben sogar in direkten Widersinn aus. o, wenn der Anspruch gestellt wird— in dem Webd'schcn Artikel sind als Beispiel die Streitigkeiten in der Schuh- und Stiefel- sabrikation angeführt— daß der ganze ans neu eingeführten Maschinen fließende Gewinn den Arbeitern als Lohn zugerechnet werde. Abgesehen davon, daß dann der den Unternehmer zur Einführung verbesserter Methoden treibende Profit, mithin auch der technische Fortschritt selbst aufhören müßte, würde durch eine solche Monopolisirung des durch die Technik erzielten Mehrproduktes der Preis der fertigen Artikel künstlich hochgehalten, das Publikum vom Nutzen ausgeschlossen und eine privilegirte Arbeiteraristokratie herangezüchtct werden. Natürlich sind solche Forderungen nur Knriosa, ohne tiefere Bedeutung. Das, was verlangt werden in u ß und vielfach wirklich durchgesetzt wurde, ist, daß bei maschineller Umänderung nicht nur der wöchentliche Verdienst des Arbeiters nicht leiden darf, sondern daß auch, sobald durch schneller gehende Ma- schiuerie etwa die Mühe und Anstrengung der Arbeit vermehrt wird, diese Vermehrung durch L o h n z u l a g e n zn konipensiren ist. Der Stückarbeiter sollte eine entsprechende, dem früheren Arbeitsverdienst angepaßte Lohnliste, der Zeitarbeiter den gewohnten Schutz gegen das Hinaustreiben über die normale Ge- schivindigkeit erwarten dürfen. Dazu kommen dann noch je nach Gelegenheit die Forderungen einer Lohnerhöhung, durch welche der Arbeiter selbst an der Steigerung seiner Produktivität innerhalb gewisser Grenzen partizipirt. Die Verhältnisse in der Baummoll- spinnerei z. B. sind typisch für diese Taktik. Die zielbewußte Lohnpolitik der Gewerkschaften greift dabei, das ist ein anderer interessanter Zug, sehr energisch in die eigenste Machtsphäre des Unternehmers ein. In der Baum- Wollspinnerei haben sich die Verhältnisse so verkehrt, daß die Gewerk- schaften geradezu als Träger des technischen Fortschrittes aus- treten und die zurückgebliebenen Unternehmer zu maschiiiellen Verbesserungen antreiben. Denn wenn die Maschinerie langsamer geht und der Arbeiter daher pro Tag entsprechend weniger herstellt, verlangen die Gewerkschasten entsprechend höheren Stücklohn. Statt sich gegen die Einführung neuer Maschinen zu wehren, legen so die Baumwollspinner den nachhinkeiideii Arbeitgebern selbst Strafgelder auf! Was würde König Stumm zu einer solchen„Diktatur" sagen'i 1 -- Englisches Kartellprojekt. Wenn ein Bericht des„Haiidelsuiuseum" über neue englische Karlellbestrebungen den Thalsachen entspricht, dann sind sogar Aussichten vorhanden, daß der große englische K o h I e n t r n st, der gegenwärtig in den Anfang-stadien seiner Borbereitniig steckt, eine Form erhalten wird, die den sonst spezifisch kapitalistischen Charakter solcher Ver« einigungen beträchtlich einschränkt. Die Preisfestsetzungen und Produktionsbestimmungen, die von den unverfälscht kapitalistischen Unternehmerverbändiii durchgesetzt werden, sind selbstverständlich nur ein Mittel, um die betreffenden Kapitalisten selbst vor den gcfürchteten Wirkungen unbeschränkter Konkurrenz zu sichern und die Profite in die Höhe zn treiben. In- sofern sie den Gewinn erhöhen, wirken sie ähnlich, wie die Neuein- sührung verbesserter Produktionsmethodeii. Es wäre in der That nur konsequent, iveun die Gewerkvereine, wie aus den technischen Verbesserungen, so auch aus dieser neuen Form kapitalistischer Ent- Wickelung für sich einen Vortheil herauszuschlagen suchen. Die Sozialdemokratie erblickt in den straff zentralisirten Verbänden der Großindustrie das kapitalistische Gebilde, welches der Aneiaiiung durch die Gesellschaft heut schon am weitesten entgegen- gereist ist. Aber die Vergesellschaftung kann erst das spätere Ziel sein, fürs erste kommt es darauf an, daß die Arbeiter sich�der Ueber« macht der neuen Kolosse erwehren und womöglich eine kräftige Ein« Wirkung auf die Bewegungen derselben sich erkämpfen. Bereits im Herbste 1893 während des großen englischen Kohlen- streiks tauchten in dieser Branche eigenartige Kartellpläne auf, in welchen den vorzüglich organisirten 5liohleiiarbeiterii, mit denen als Machlfaktor gerechnet werden mußte, relativ weitgehende Kon- zessionen gemacht wurden. Der gegenwärtig betriebene Plan geht znnächst von den mit gleitender Lohnskala arbeitenden Bezirken von Südwales und Monmouthshire ans. Die sog. gleitende Lohnskala, seil längerer Zeit unter den englischen Arbeitern entschieden un- populär, stellt eine festgeregelte Verbindung zwischen dem Markt« preis des fertigen Produktes und dem Lohnsatz her, so daß zum Beispiel mit steigenden Kohleiipreifen die Kohlen- gräberlöhne über einen gewissen Mindestlohnsatz hinaus nach einem kontraktmäßig festgesetzten Verhältniß steigen, bei weichenden Preisen aber auch entsprechend fallen. Die Arbeiter sind so an der Waarenpreisgestaltung des offenen Marktes un- mittelbar aufs lebhafteste interessirt. Das neue Trustprojekl nun rechnet mit diesem Faktor, es basirt ans einem Zusammenwirken der Unternehmer und Arbeiter, dahingehend, daß die Kohlenpreise durch den geplanten Trust auf einer Höhe gehalten werden sollen, die den Unternehmern einen Gewinn und den Arbeitern Löhne g a r a n t i r t, die unter einen gewisse» Mindest- loh n sah nicht heruntergehen können. Die Unsicher- heit einer gleitenden Lohnskala soll so durch Einschränkung der freien Konkurrenz und feste Preisregnlirung innerhalb gewisser Grenzen überwunden werden. Für einen Bruch der von dem Trust festzusetzenden Koblenpreissätze und Prvdnktionsbestiinmungeii sind hohe Konventionalstrasen vorgesehen. Gegen die Grubenbesitzer, welche die Strafzahlung etwa verweigern, sollen die Arbeiter mit Streiks vorgehen. Nach dem Bericht hat das Projekt, das sich zu einem über ganz England reichenden Kohlentrust leicht aZswachfen könnte, günstige Chancen. Die Arbeiter sollen geneigt sein, durch Androhung von Ausständen die etwa renitenten Grubenbesitzer selbst in die Vereinigung hineiiizuzivingen. Es mag sein, daß trotz alledem der Verwirklichung des Planes. dem viele Unternehmer bereits zngestimint haben, sich in der ersten Zeit noch unvorhergesehene Hindernisse entgegenstellen. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben. Die hier erst n»r in ver- hüllter, kaum merkbarer Weise angedeutete Tendenz, die entwickeltsten Produktionssormen des modernen Kapitals, die Trusts, wie so manche anderen Institutionen der bürgerlich-kapitalistischen Gesellschaft lim« zugestalten im Sinne der vorwärts marschirenden Arb�terschast, wird nicht zu nnterdriicken sein. Die Verhältnisse treiben und drängen und bereiten überall Bildungen vor, die über die Sphäre der enge» kapitalistischen Koniurrenzwirthschast weit in eine freiere Zukunft hinansweisen. S. jtßi'Utid-sOi* <7t$U-V yH+it I entsche Schuh- F abrik Erfurt liefert Schuliwaaren en gros& en detail in eleganter und solider Ausführung. Weiler Berlins! Die Fabrikate der ausgesperrten 1 2 rfj ii l)m ml) er in Grfurt werden jedt, außer in den bekannten ilerkaufsstcllcn, in � den eigenen Niederlagen öklisanikumtrazze 9899 und Rosenthalerstrasse 63 64 verkauft. Weitere Filiale» in Deutschland: München. Sendlingcrstrasze 10. troln a. Rh.. Eigclstein 00. „ Dachauerslraße 83. Bremen. Faulenstraße 75. Landsbergerstraße 7. Hannover, Klagcsmarkt 7». Frankfurt a. M., Liebfrauen- Hamburg. Wexstraße 8a. bcrg 20. Leipzig, Zeiherstraße 37. Düsseldorf, BiSmarckstraße gl. Brannschmeig. Höhe 4. Jeder Käufer, der eimn Versuch macht, wird mit dein gelieferten Fabrikat, das jeder Konkmreug die Spitze bietet, in Preis und Qualität zu- I friedengcstellt.— Unser cheschäftsgrniidsah ist: Geringer Ver- dienst, rascher Umsah.— Jedem nnscrcr Freunde kann die j Waare bestens enipfohleu werden. Iknin�iixtiefvi von M. 3,50, Heprensstlefel von M. 5,75. fiHT* Ju der Bellealliance-Ttrafte bitte genau j auf Nummer TL z» achten. Für die Gefchäftsleitung: Wilh. Bock. Robert Scheere, Restaurant>, S a n g e r h e i in O. Blninen Strafte 38. Telephon: Amt VII Rr. 3760. Arbeitsnachweis der Mübelpolircr, Brauer, Brauerei-Hilfsarbeitcr u. f. w. vir. BereinSzimmer noch an mehreren Tagen zu vergeben. Franz. Billard. Gr. Frühstücks-, Mittags- nnd Abendtisch. Jeden Sonntag'. Musikalische Soiree._* Berliner Schneider Akademie System Kuhn. früh. Rothe!« Schloss, jetzt Berlin W., L,eipzlgerstr. 117/118, Hohenzollernhans. Comfortabelste Einrichtung. Gründlichste Ausbildung in der Herren-, Humen- und Wttscne- 8chneiderel. Massige Honorare. Neue Kurse am 1. u. 15. jeden Monats. Lehrbücher zum Selbstunterricht. Schnittmuster. Stellennachweis. Prospekte gratis. _ Confirniatlons- Stoffe für Knaben und Mädchen in grosser Answahl! relXitfrühjahrskollektioninHerren-u Damenstoffen versenden wir auf Wunsch sofort franco. Fürunsere sehr beliebten Spezialitäten„Koland Cheviot" (zu Herrenanzügen),„Brnnhllde"(Hauskleiderstofie) brauchen wir. der starken Nachfrage wegen, ca. 8—10 Tage Lieferzeit u. bitten daher um rechtzeitige Bestellnng. Alle Aufträge von 20 Mk. an und Muster stets franco. Carl H. Klippstein A Co., Hühlhansen 1. Thür. 11. Weberei und Versand-Geschüft.| Schuh-Fabrik Malier: Alfred Frankel, Mling b. Sien. eigene Geschäfte.* Filialen in Berlin: N. Friedrichstr. 133a, 8U.Friedrichstr.21I, W. Potsdamerstr. 35, S. Oranienstr. 101, W&T Fedes psiao ob Arbeits- oder Luxusstiefel: an der Weiden- dammer Brücke. am Hallejchen Thor. Ecke Lützowstraße. zwischen Moritz- und Oranien- Platz. Vorziigliche Paßform. 72 Mark. Gute solide Waare x.csT Direct von Aachen! weltberühmt durch elegante u. reelle Tuche, versenden wir zu— anerkannt niedrigen Preisen— Herren- Anzug- und Paletotstoffe vom einfachsten bis zum elegantesten. Vorzügliche Mustefauswahl franco an Jedermann! Zahllose Empfehlungen aus allen Kreisen beweisen unsere Keellität!* BAmmmm«! Ptana.Sni uns. bekannte Spezialität, kosten 000-LRßU ß! 3Vz Met. schwarz, blau od. braun zu aflUIIU|fUI UIIÜ«IUI,einemge(lieR An | Anerkennungsschreiben u.Machbestellnngentägl.! Wilkes& Cle, Tuchindnstrle, Aachen Mo. A. 78. Bitten genau zu adressiren Hackescher Markt 4, j D n II II II �adldahllhof Elke Neue ProuleMe. U» s?l U lI II ,Mse". Nach beendeter Inventur gelangen nunmehr grofte Lagerbestände meiner Teppiche! Gardine«! Steppdecken! Fertige Wäsche! Leinenwaaren! zu ganz aussergewohnlich billigen Preisen zum AM- Husverkaufl Was bringt Mampes Flaschenpost? Der Flaschenpost wurde nachstehender Brief entnommen: y&W' lOjaMicar 189]/. didfUflC/! M /fyfalßt+iy /tflL piren, Goldwaren Crosse Auswahl! H. Zimmermann IF Billige Preise. �« r."ir."?; aoo. Herreu-Hüle 65 Pf. Bessere Hüte, enorm billig, verkaust aus der Fabrik im Koiuptoir ! K tt r n i m- S t r a h r 4/3, i Kaftanien-Allee 101. Sonntags geöisuet. Zleell nnd diliig kaust man in der Norddeutschen Schuh- sabrik von IV. HitKchke, gegründet 1372, Skaliherftr. 13, Ecke Adniirulslrane, am.üottbnscr Thor. » Jede Uhr rcpariren und reinigen � kostet bei mir unter tSf/ZTZ] Garantie d. Gutgchens y&T nur 1 Mark 50 Pf. außer Bruch, Ilcine Ncparaturen billiger. Großes Lager neuer und gebrauchter Taschenuhren, Reg»- latorcn und Wecker, alle Arten Ketten, sowie Brillen u. Pincenez. » Carl Enx, Uhrmacher,� 35 Chaufsee- Strasse 35. Künstliche Zähtte. F. Steffeus, Ziosenthalcrstr. Ol, 2 Tr. »s Theilzahluiig pr. Woche I M. k.snolinsei?e! macht die Haut zart». geschmeidig. 1 Stück Lauoliiiseife und ein reines Handtuch liefere ich s. lOPf.p. Woche. Ha»''tuch-Berleih-Jnsi. L. Figuer, Neue.Köiiigstr. 17. FcrnüircckrAmt�VT�� Musikinstruments aller Art. Bortheilhasteste Bezugsguelle. Garantie. Jllustr. Pracht-Katalog 112 Seilen portofrei. G.§chubert& Co. Berlin 8W.. Benthstr. 17. 1 (Kein Laden.) 982L� Alburn-u l.edei'Mgi'ön-Fsbi'ik Oskar Gundau, Är"»«. Ecke Adalbertstrnßc. Großes Lager aller Arten Lederwaarrn und Schinncksachen zu billigsten Preisen In Sa»iiu?oder Leder Mark ingrößtcrAuswahl M m MM seiuste Anzüge nachMaaß. Für 30 M. fj. Sommcr-Palctot nachMaaß. Für 8— 12 M. seinsle Hosen nach Maaß. Gehrock-Anzüge zu billigsten Preisen. Groß-Stofflnger. llgbL' Xi'SliLenLfi'. 14. 1. kein fallen. Herrenhiite in neuesten Formen und Farben Engl. Haarhüte 4,- M. Sinsegnuiigshüte 1,- H. verlaust wieder einzeln zu bc- kcmut billigen Preisen NIOL» Grüner ikScg 3 1. Etage. Pateutamtlich gcschütit ist kvska's UbenS'Liixir. Dieser wvhlschuicckciide, den Appetit anregende u. die Verdauung befördernde Tafel-Liqueur ist tuiö Slrautcvu und Sämereien genau nach Vorschrift des im Alter von III Jahren ver- storbenen Försters Ehr. KoSta zubereitet. Magenleidenden sehr zu euipsehlcn. Preis pr. Litcrilascye 1,50 M. extl.* Groft-Destillatio» Berlin C. Lettau& Keil, S ophienstr. 13, anderNosenthalerstr. Mnschelmöbel, pottbi». vcrlaii'lich Rosenthalerstr. 4, III l., Bildhauer. Verehrte Damen! Sie kaufen bei mir die neuesten und elegantesten KüHjaHrsfacgilgHliliiieil, peryiite, PerWt: Biiilder, LlHleier, Tiille, k«rz Alles zmn Vii LIVB oRli'ldl v Q zur Garnirung gehört. Federn JuUQrUiälJl eise waschen, kräuseln 35 Pf., ▼ �— DM" nur kräuseln 10 Pf.-WS Paul I anina Kommandantenstr. 77/79, raui Lenige, Laden 3, Industrie-Geb. Emsegnungs- Anzüge H in blau u. schwarz Kamnigarn u, Cheviot zu sehr billigen, aber festen Preise»] Julius Liudenbaum, Gr. Frankfurterstr. 139. Feste Preise. Spezialität: Anfertigung nach Maaft. 1% machen wir unsere Herren- Parthie WO■ hin? Zum alten ww Freund auf Pichelswerder. Achtung! O. J. Engelke, Nene Jakobstrafte 36, echten alten Nordhäuser Liter M. 1,—,'/»L.M.O.bO. « extra alte Waare„„ 1,10,„„ 0,7,0 Hlelnverkanl von lO Pfg. an. EinseanungS-Anzüge I in blau, schwarz, Cheviot-, Satin-, Kammgarn- ic. feinsten Stoffen v. 19—30 M. Streng reelle Bcdiennng, auch n. Maaß i. eleg. Ausf. l L Worraann, Mdentrslr. I Spiegel und Polsterwaaren m Coiiipl.WohnangselnHchtun�en * Reelle Waare, empfiehlt Franz Tutzauer, Schleuniger Räumungs-Ausverkanf. Die noch vorhandenen Waaren aus der M. Pinkus&(lo.'schen Konkursmasse Wilsnackcrstraste 48 bestehend in fertiger Herren- und Knabcn-Garderobe. Konfir- manden- und schwarzen Herren-Anzügen, modernen Stoffen und Stoffresten zu Anzügen, PaletotS und Hose» sollen schleunigst geräumt werden.* Sämmtliche Waaren werden bis zum Schluß des Ausverkaufs ZU Daxpreisen abgegeben. Nera,l�i'.tlichei. Redakteur: August Jacoben m Berlin. Für den Juseratentheil veraiitivortlich: Th.«Llode i» Berlin. Druck und Verlag von Max«adiug i» Berlin.