BUNTE WELT Nr. 30 Unterhaltungsbeilage 1937 Das traurige Ende Thomas Bubbles ( Schluß.) Er verließ die Bachtstube mit dem Gefühl, verschiedene Schläge mit stumpfen Gegenständen vor den Kopf erhalten zu haben; so benommen war er. Er setzte sich im Hyde Park auf eine Bank und zählte seine Barschaft. Sie reichte hin, zwei Tage das Leben zu fristen. Aber was dann? Er war natürlich entschlossen, seinen Beruf denn er war Berufsmörder wieder aufzunehmen und sich auf gewohnte Ari durchs Leben zu schlagen. Und zwar follte das nächste Objekt seiner Betätigung die unberehelichte Miz Stepson fein, sowohl weil er die Topographie seines ehemaligen Hauses auswendig tannte, also nicht wochenlange Borbereitungen nötig hatte, als auch weil sein verlegtes Rechtsgefühl gebieterisch Sühne für den an ihm verübten Raub heischte. Indessen würden doch einige Tage verstreichen müſſen, bis er sich, ohne aufzufallen, wieder in jener Gegend zeigen konnte. Er erhob sich und wendete seine Schritte nach Baker Street, wo, in der ehemaligen Wohnung des feligen Sherlock Holmes, die all britische Sektion der PMI( Professional Murderers' International League) ihr Büro 1 donhm, und in diesem Fall bedauern wir, auf 1 So erfuhr Lom Bubble, daß es ihm nach diesen Scherz nicht eingehen und mit seinem Lage der Dinge nie möglich sein werde, jemats Autor keine Verbindung haben zu können, sei wieder eine geordnete Existenz aufzubauen. fie auch noch so angenehm. Oder der Name ist Ohne regelrechte polizeiliche Anmeldung echt, und dann, Herr, äh, Bubble, haben Sie die ihm ja verivehrt war feine bürgerliche kein Recht, hier zu erscheinen, da Sie, wie amt- Existenz. Der Gram über dieses grauenhafte lich feststeht, seit acht Tagen ähverschie Schicksal zerfraß ihn. Er irrte die ganze Nacht den find." Er wandte sich zu einem der Kell- durch die Straßen Londons, und immer tiefer ner:..William, geleiten Sie den Herrn zur bohrte sich in ihn das Bewußtsein der KataAusgangstür. Meine Hochachtung, sehr erge- strophe ein, die da so elementar auf ihn niederbener Diener, adieu, mein Herr." The fich Tom gestürzt war. Als der Tag anbrach, war er deſſen versah, stand er auf der Straße. dem Jerjinn nahe. Er stand dort nicht lange. Als ordnungsliebender und sein Fachgebiet ausgenommen- gefegestreuer Bürger ging er schnurstrada zur nächsten Polizeijtation und meldete den Borfall. Offenbar war das Verhalten des Hoteldirektors absolut diffamierend und verletzte Bubbles bürgerliche Rechte, zu denen auch die Freiheit gehörte, in einem dem Publikum offenstehenden Hotel gegen Bezahlung ein Bimmer zu mieten. Indessen, der Bescheid, der ihm auteil wurde, traf ihn wie ein Donnerschlag: man bedeutete ihm in nadien Borten, daß der Direfior vollkommen im Recht fei, da er, Zom Bubble, hingerichtet und mithin nichteristierend fei. Er sah keinen Ausweg aus der Situation. Immerhin hatte sein umdüsterter Berstand noch soviel Klarheit, daß er ihm sagte, man müsse, um überhaupt eine Lösung finden zu können, zunächst einmal materiell egiftieren. Er begab sich deshalb gegen zehn Uhr früh aufs Büro der PMIL, um seine Unterstüßung abzuheben. Aber dort harrie seiner eine neue, die entſcheidende und schrecklichste Enttäuschung. Der junge Beamte, offenbar eine hoffnungslos bürokratische Seele, teilte ihm in dürren Worten mit, daß keinerlei Unterstübung in Frage komme. Tom Bubble fei am 11. Mai aus den Listen der Liga gestrichen worden; hatte. Er schilderte dem Beamten seinen Ballet Der Beamte erklärte ihm, daß sich, auch die allbritische Sektion hatte es auf dem Dienstbollkommen befizloser Berufsmörder, feit zwan zig Jahren Mitglied der Internationalen Liga ( sein Mitgliedsbuch, das die regelmäßige Abführung der Beiträge bestätigen konnte, war leider in die Hände der Polizei gefallen), bittet auf Grund der Sabungen um vorübergehende Unterstüßung. Der Beamte, ein noch junger Mensch, versprach, die Sache beschleunigt zu bearbeiten und bat ihn um seine Adresse. Tom Bubble nannte wenn das Hotel ihn aufgenommen hätte, sowie fo binnen weniger Stunden dieselbe Sachlage ergeben hätte, da bei der Kontrolle des Hotels die kontrollierenden Beamten den Befiber ohne hin darauf aufmerksam gemacht hätten, daß sein Gaft keinesfalls geduldet werden könne, weil er infolge Totſeins nicht meldefähig sei. weg über die internationale Zentrale offiziell fämtlichen Landesfettionen mitgeteilt. Tom Bubble war nicht mehr. Er zeigte ihm, um seine Worte zu unterstreichen, den Nachruf im Ver bandsorgan. Er war einer unserer Besten“, hieß ez da, und werden wir ihm stets ein ehrendes Andenken bewahren. Er ruhe in Frieden." " Tom Bubble schivieg einen Augenblic zornerfüllt. Dann faßte er sich und fragte mit ein einfaches Hotel, das in ſeinen Streifen guten Um Mitternacht gleichgültiger Stimme:„ Benn Sie mit ſchon Ruf hatte. Der Beamte notierte sich's und ver sprach, am nächsten Morgen anzurufen. Nachdem er in einem Automaten einen fleinen Imbiß genommen hatte, begab sich Bubble ins Hotel, um ein Zimmer zu belegen. Glücklicherweise war gerade Saison auf dem Kontinent, so daß das Haus nicht, wie sonst meiftens, von Berufskollegen überfüllt war. Er wählte ein freundlich aussehendes Edzimmer, das allerdings teurer war, als er es sich seiaugenblicklichen Finansen nach leisten durfte; indessen würde er ja morgen seine Vereinsunterstüßung erhalten, die, wie er wußte, nicht niedrig war. nen Dann begab er sich ins Parterre, um sich ins Gästebuch einzutragen. Raum hatte er indessen mit seiner markanten Handschrift seinen Namen eingeschrieben, da eniriß ihm der Portier das Buch. Er winkte aufgeregt den Diret tor herbei, der stilvoll und würdig durchs Bestibil schritt, und zeigte ihm die Eintragung. Der Direktor, ohne daß auch nur ein Schatten der Erregung über sein gentleman life? Gesicht lief, machte eine Meine Berbeugung vor Tom Bubble und sagte in halblautem Pianderion: ,, Leider, mein sehr berehrter Herr, ist für Sie fein Bimmer frei, Sie verstehen: entweder ist der von Ihnen angegebene Name ein · äh— sehr extravagantes, hm, PſeuDunkel tönt bie Mitternacht, bie fich durch die Bäume schwingt und ihr Atem wehet facht, wenn fie diese Welt umschlingt. Alle Werke schweigen nun bis der Tag fie neu entfacht; wie die Toten schweigend ruhn fie im Dunkel dieser Nacht. Kleiner wird der dunkle Stern, ber die Menschenwelt umschließt. Wie ist doch das Licht so fern, das durch alle Räume fließt. Wie ist doch die Erde klein und der Mensch ihr ärmster Sohn; wüßt er um fein ärmlich Sein, längst wär' er der Welt enfloh'n... Und er schrie laut und wild, boch er schläft und träumet stiff. Nur das Mondlicht tropfet mild, wie wenns filbern regnen will. Doch ein Schein glüht schon von fern, ba bie Sterne zitternd gehn: Erbe, Erde, Neiner Stern, bald wirst Du im Lichte ftehn! Martin Grill fein Geld geben, haben Sie nicht wenigstens einen alten Strid zur Hand?" Der Sekretär ging zu einem Wandschrank und stocherte darin herum. Schließlich brachte er ettva zivei Meter Wäscheleine zum Vorschein. Er zerrte ein paarmal prüfend daran, dann überreichte er fie Bubble mit der Bemerkung: ., Sie ist noch ganz gut; damit können Sie, wenn Sie sie nicht am Tatort hinterlassen, noch ein Dutzend Geschäfte erledigen." Er beschaute sie noch einmal genau, dann setzte er hinzu: ..Natürlich, der hat ja immer mir nagelnene Werkzeuge berivandt; es war eine Marotte von ihm. Sie stammt nämlich von" Er stußte und murmelte verlegen etwas unverständliches. Tom Bubble erkannte mit Rührung die Leine, die er am Tage vor seiner Verhaftung für den Bantier Hardshrub bereitgelegt hatte. Tränen traten ihm in die Augen. Liebevoll widelte er den Strid zusammen und steďte ihn in die Tasche. Er beging feinen Mord mehr. Oder vielmehr: einen einzigen nur noch. Er hing sich in der selben Nacht an einer der spisen Eisen= zaden auf, die das Gefängnistor abschlossen. Ob der Grund zu dieser Tat in einem nach träglichen Schuld- und Neuegefühl lag( was allerdings unwahrscheinlich ist) oder in der Angst vor dem Verhungern oder aber in geia Vores Twats and m doe dat nadig ftiger Verwirrung, hervorgerufen durch den Busammenbruch seiner Vorstellung von der Weltordnung, werden wir nie erfahren. Die PMIL, durch den aufsehenerregenden Selbstmord Bubbles aufgestört, ergriff allerdings Sanktionen gegen den Schuldigen: der allzu bürokratische Sekretär wurde entlassen. Wogegen der Henker vom Justizministerium nur einen amtlichen Verweis wegen seinerzeitiger schlecht ausgeführter Hinrichtung erhielt, freilich unter Androhung friſtloſer Entlaſſung, falls ihm solches ein zweitesmal passiere. Aber keine dieser Sanktionen konnte Tom Bubble, das tragische Opfer bürokratischer Pedanterie, wieder ins Leben zurüðrufen. Mar Barth. Die Kunst des Ausruhens Wir fennen eine ganze Reihe großer Män ner, die unermüdlich in der Arbeit waren, die aber ebenso plöblich, wie sie sich in die Arbeit ftürzten, sich zu entspannen vermochten und aus einem furzen Augenblick der Ruhe neu ge stärkt an die Arbeit zurückkehrten. Napoleon 8. B. fonnte in jeder Situation einschlafen und erwachte nach ganz kurzer Zeit mit neuen Kräften. Diese Kunst des Ausruhens müssen gerade die Großstadtmenschen von heute lernen, an deren Kraft, Ausdauer und Nerven so hohe werden. Je mehr man Anforderungen efter muß man ſich ausruhen arbeitet, um so fönnen. Dafür ist ein neues Wort gefunden worden. Es heißt Relaxation. Ebenso wichtig wie für die Arbeit ist diese Kunst auch für Schönheit und Jugend. Denn woher kommen die Runzeln? Vom Zusammenziehen des Gesichts. Wodurch altert der Körper? Durch Ermüdung und Selbstvergiftung. Eine Viertelstunde ,, Ke= laration" scheidet alle diese Gifte aus. Muß man das Ausruhen wirklich lernen? Kinder und Tiere können es. Aber die Ertvachsenen mit ihren fünstlichen Gewohnheiten haben hebt sich erst auf die Zehen, breitet die Arme,| förper nach vorn fallen. Ein paarmal diese so wie zum Fliegen, atmet tief und läßt dann zu- einfache Uebung und das Lächeln kommt erst den Kopf, die Schultern, den ganzen Ober- wieder! MTP Leistungen der holländischen Arbeiterbewegung In der holländischen Arbeiterbewegung| nem Wert. Im Gesellschaftsraum wird auch mufind große, flingende Worte nicht sehr beliebt, fiziert: es steht ein Flügel da und andere Inumso größeren Wert aber legt man auf po- ftrumente sind zur Hand. Alles atmet die fitive Leistung. Was da dem ausländischen Be- sprichwörtliche holländische Sauberkeit und Geobachter sichtbar wird, nötigt ihm Bewunderung ruhsamkeit. Wir waren bei unserem Aufentund Neid ab und wohl auch den Willen, den halt in Troelstra- Oord versucht, einen lang= Holländern nachzustreben. dauernden Sißstreik" durchzuführen. Im Hauptgebäude befindet sich auch das Arbeitszimmer Troelstras, das man hier In Beekbergen, einem kleinen Ort in der genau nachgebildet und mit der Einrichtung aus Nähe Apeldoorns, befindet sich Troelstra Troelstras wirklichem Arbeitszimmer ausgestotDord", die Bildungsstätte der holländischen tet hat. Alles ist so, wie es von dem großen Arbeiterbewegung. Inmitten großer Waldbe- Alten verlassen wurde: die Notizen auf dem stände auf welligem Land ist eine weite Fläche Schreibtisch und der Kalender, die Zigarre und Troelstra- Oord Troelstra- Heim es vergessen. Relaxation iſt keine Faulheit und gerodet. Auf ihr erhebt sich ein Gebäude, das Keine Bummelei. Aktive Menſchen, die keine ein hoher Zurm ziert. Jedermann ist geneigt, an ihn adressierte Post. Wir wenden uns dem linken Gebäude zu. Hier sind wiederum Zimmer untergebracht, an dem oberen Ende des Hauses be= findet sich die Bücherei. Durch gotische Fenster fällt Licht herein, die Räu me sind von den fähigsten Innenarchitekten ausgestattet. Bis zu den kleinsten Einzelheiten wurde Wert auf fünstlerische Wirkung und Stileinheit gelegt. Minute zu verlieren haben, die gegen Zorn, das Gebäude für eine Kirche zu halten. Aber Wunder, daß man hier mit solchem Eifer Ternt: hier regt der Raum zum Bleiben an. Merger, Understand, Unpünktlichkeit und all die es ist eben Troelstra- Oord, der Schulungs- Vollends überwältigend aber ist der Anblick des anderen Küremeniffe des täglichen Lebens du und Erholungsplatz der holländigen fer Ar- Vortragsraumes im rechten GeKämpfen haben, brauchen dieſe Entspannung. beiterschaft, benannt nach dem Begründer der bände. Es ist schlechtweg das Innere einer KaWer nicht den ganzen Tag ruhig und ausgeruht holländischen Arbeiterbewegung, Troelstra, des- pelle, nur ist anstelle des Altars ein Vortragsfein tann, sollte es wenigstens ein paar Minufen Name wohl feinem Sozialisten in der ten täglich sein. Also, wie macht man das? ganzen Welt fremd ist. Rechts und links Eine Methode ist diese: Flach auf den vom Hauptgebäude find, auf kiesbestreuten Rüden legen, aufs Wett oder dem Divan, Kopf Wegen erreichbar, die an Blumenbeeten vorbeiauch horizontal, alle Muskeln entspannen, und führen, zwei langgestreckte Gebäude gruppiert, nun genau kontrollieren, ob auch leine mehr ge- die zur Anlage gehören.( Und eben jekt melframpft ist. Dazu gehört zuerst biel Uebung det ,, Het Volt", das Troelstra- Dord erweitert und Geduld, aber später ist es ganz leicht. wird. Ein neues Objekt ist bereits im RohWährend dieser Entspannung macht man sich bau fertig.) Das hohe Mittelgebäude ganz, ganz ſchtver, atmet tief, hebt die Arme und beherbergt einen großen Gesellschaftsraum, des läßt sie schwer. seitlich niederfallen, dann auch weiteren eine große Anzahl Einzel- und Dopdie Beine. Zuerst hindert daran die instinktive pelbettzimmer, alle luftig und sonnig und mit Busammenziehung der Muskeln, aber dann geht modernsten hygienischen Einrichtungen versees doch. Auch den Kopf hebt man und läßt ihn hen. Der große Gesellschaftsraum, in dem die weich zurüdfallen, was am allerſchwerſten ist. Hörer oder Pfleglinge- im Winter ist TroelSo, und ſtetz im Bewußtsein der Schwere, läßt stra- Oord Schule, im Sommer Erholungsheim es ſich leicht einſchlafen. das Essen einnehmen, ist von wunderbarer Eine andere Entspannungsübung besteht im architektonischer Schönheit. Durch breite FenAusreden, das sowohl im Liegen wie auch im ster in den Seitenhallen flutet das Licht herein, Stehen geschehen kann. Auch das beruhigt sehr an den Säulen, welche die Dede tragen und schnell! Wie eine Kaße sich reden und tüchtig gleichzeitig die Seitenhallen von der Hauptgähnen! Auch das ist Uebungssache. Oder man halle trennen, hängen Originale der besten holschüttelt sich ganz durch wie ein Hund, der aus ländischen Graphiker, rings um die Haupthalle dem Wasser kommt, so, als ob man feine Kno- ziehen sich oben farbige Glasornamente, die then hätte. Personen, Typen und Ereignisse aus der holUnd wenn man nur ein paar Minuten Beit ländischen Arbeiterbewegung darstellen. Jedes hat, stellt man sich ans offene Fenster, loder, dieser Glasbilder ist ein Kunsiivert von erlesepult aufgerichtet und eine verschiebbare und verkleidete Wandtafel und unten sißen auf den Klappseffeln nicht Gläubige, sondern Lernende. Farbige Glasfenster, geziert mit symbolischen Gestalten aus den einzelnen Berufen, füllen hohe, gotische Bogen aus, die gerippte Holz= dede bildet ein gotisches Gewölbe. Eme Täfelung aus edelstem Holz zieht sich an der unte= ren Wand entlang, weiche Teppiche dämpfen den Schall der Tritte. Hier gibt es Stille und Andacht so sollten alle sozialistischenn Schulen ausgestaltet werden können: sie sollen die Möglichkeit, ja, den Zwang zu innerer Sammlung geben und dem sozialistischen Wort die entspre hende Weihe.- Troelstra- Oord wurde gebaut und wird erhalten von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Hollands und den Geiverkschaften. Besonders die Erholungsaktionen tverden von den Gewerkschaften finanziert. Ez wird Wert darauf gelegt, daß insbesondere die Frauen vollkommen der Ruhe pflegen können. Zehntausende schon sind von Troelstra- Dord ge= stärkt und erholt nachhause gegangen. Man hätte Troelstra kein schöneres Denkmal bauen können als dieses Werk, das im Namen des großen Toten dem sozialistischen Leben ge= weiht ist. 2015 30 50 50 8.58 at sid Voor Zon en Vryheid". ,, Für Sonne und Freiheit“, eine Stiftung der AJC.( Arbeiders- Jeugd- Centrale), feiert in diesen Tagen ihr fünfzehnjähriges Bestehen. Vor fünfzehn Jahren hat sich die Notwendigkeit ergeben, für die aufstrebende Bewegung der Arbei terjugend Lager und Erholungspläße zu sichern. Mit der Beschaffung und Verwaltung dieser Pläße wurde die Stiftung beauf= tragt, deren Be= gründer und er= folgreichster Mitarbeiter der jetaige Parteivorfitzende Koo 3 Vorrint war und ist. Die hol= ländische Arbei terjugend hatte damals keinerlei Hilfsmittel zur Verfügung. Ganz aus cigener Kraft, gestützt auf die vorbildliche Opferwilligkeit ihrer Mitglieder, ertvarb fie zunächst in der hol= Het Meenthuis- Muzen -3Loe, der Räuber dei letzten zehn Jahren, da man Paasheuvel nicht ſah, verändert hat. Dort rechts steht ein großes, burgähnliches Gebäude: das ist das Sein Körper war Kraft, gepaart mit einer Haus des Verwalters. Dahinter unter Bäumen wilden, schauerlichen Schönheit, die seine Heiund Seden ein kleines Märchenschloß: das ha- mat verriet: Südostland in Europa. Ja, cin ben die Jugendlichen ihrem Koos Vorrint ge- Bärentreiber brachte ihn und seinen Bruder vor baut, während er einmal im Ausland war. Nun Jahren von Bulgarien in unser waldreiches wohnt er hier, wenn er ausruhen will. Auf Grenzland. Ferienheim., Meentuis" ländischen Heide bei Vierhouten ein großes Gelände, den sogenannten Pa as he u be l, den Osterhügel, der einstmals eine heidnische Opferstätte war. Zunächst kampierte man hier in Zelten. Dann aber bauten junge Hände das erste Heim der holländischen Arbeiterjugend auf dem Hügel, bauten sie es mit Liebe und Begeisterung in die düster- schöne Landschaft hinein. Und es war ganz ihr Werk:„ Jeder Stein ist ein Traum von uns" so singt Margot Vos, die begabte Dichterin der holländischen Arbeiterjugendbewegung über den Paasheuvel. Von dem Balkon des Heims sieht man weit über die holländische Heide, die ein duftender Traum ist, wenn sie blüht. Und man sieht, wie sie sich in Wenigen bekannt aber interessant Ein abgehauener Baum berliert, wenn alle Feuchtigkeit ausgetrocknet ist, zirka 50 Prozent seines Gewichtes. Die größten Fleischesser sind die Neusee länder, die 1934 durchschnittlich pro Kopf 244 Pfund 122 Kilogramm Fleisch aßen. Mehr als 50 Prozent der Bevölkerung der Erde sind, nach den Angaben der Sachverständigen, Analphabeten. zent. 1 einer fast unabsehbar weiten Fläche werken biele Dutzende junger Menschen mit Schaufeln, Krampen und Fördertvagen: die Heide wird planiert für die großen Zeltstädte, die einige male im Jahr, besonders aber zu Pfingsten beim traditionellen Pinksterfest vor das Hauptgebäude gestellt werden. Es ist eine Art Arbeitsdienst: arbeitslose Mitglieder der Organisation besorgen gegen ein Taggeld und die Verpflegung den Ausbau des Geländes. Auf dem Hügel links ſteht ein Gebäude, das man früher nicht sah: das ist„ Het Rode Valken Nest". Und da wir Luft verspüren, uns das alles anzusehen, gehn wir unseren holländischen Führern nach. ( Schluß folgt.) Die Limousinenkrankheit In der Zeitschrift für ärztliche Fortbildung macht Dr. A. Szakall ſehr bemerkenswerte Ausführungen über Kohlenoghd- Vergiftungen. Das war eine weite Reise. Spuren des Hungers, der Demütigung, des Heimwehs ftanden in den Lichtern der jungen Hunde. Auf ihren Leibern schwärten Wunden, Folgen unzähliger Peitschenhiebe ihres Herrn, dem die Liebe zum Tier unbekannt. Traurige Gestalten, zum Erbarmen, lagen sie am Wegrand, wenn ihr Herr den Bären tanzend durch das Dorf schlug. Das Geschäft ging schlecht. Viele Dörfer schlossen die Fenster und Türen, um dem ge= quälten Bären nicht zuschauen zu müssen, den jede aufrechte Drehung, die den Tanz darstellen sollte, schmerzte. Sie warfen große Stücke Brot gegen das Tier, damit es seinen sichtlichen Hunger stille und gaben dem Mann, der so grob, nichts. Eines Tages fam der Bärentreiber in das einzige Gasthaus im Dorf, dessen Befizer zugleich Fleischer war, und bat, nachdem er ge= geffen und getrunken, der Wirt möchte Loc und seinen Bruder zur Begleichung der Zeche in Empfang nehmen. Der überlegte eine Zeitlang, prüfte fachmännisch die Muskulatur der beiden zottigen Fremden, und erklärte sich mit diesem Tauiche einverstanden. Der Bärentreiber zog wieder gen Südost, die beiden Hunde blieben im Grenzwalddorf. Ruhe, Ordnung und ständig gefüllte Schüsseln strafften die Körper, heilten die Schwären. In einer Herbstnacht ſtanden beide zitternd hinter ihrem Hüttenzaun. Der rauhe Wind Todte sie, ihr Instinkt verhieß ihnen Er= füllung triebhafter Sehnsucht. Leib an Leib gedrängt durchbrachen beide das Hindernis und ftürzten frei und ungebunden in die singende Herbstnacht hinein der Witterung folgend. Das war eine schwarze Nacht! Eine wilde Beißerei brachte sie den beiden, nicht die begehrte Hündin. Mit höchster Kraftanstrengung ſebie Loc über die zwei Meter hohen Blanken Bauern, der wie wild in den balgenden Knäuel schlug. Ermüdung, Schtvindelgefühl und Brechreiz zeigen sich nicht selten bei längerem Fahren im Loe wurde seit dieser Nacht Einzelgänger. geschlossenen Kraftwagen. Durch Untersuchun- Sein Leben wurde Haß bis zur Raserei. Wenn gen wurde festgestellt( Kaiser- Wilhelm- Institut ſein Herr abends vergaß, ihm die schwere für Arbeitsphysiologie etc.), daß diese Erschei- Stette anzulegen, dann strich er durch das Dorf mungen die Folge einer leichten Kohlenoghdgas- wie seine Urahnen, die Wölfe. Speichel troff Die meisten Autos werden in USA herge- bergiftung sind. Dieſes Blutgift ist ein Be- aus seinem Rachen, peitschend schlug die Rute standteil der Motor- Abgase und kann, besonders um die Flanken. Langgestreckt, den Kopf erho stellt, und var 77 Prozent. Danach kommt bei älteren Wagen, leicht ins Innere gelangen. ben, witterte er warmes Leben, um so zu England mit 8 Prozent, Deutschland mit 5 Nach einer zirka einstündigen Fahrt können im vernichten. Prozent, Frankreich und Kanada mit je 3 Pro- geschlossenen Kraftwagen bis zu 150 und 200 Ob seine schwere Jugendzeit ihn so vers In der Sahara beträgt die Tiefe der Kubikzentimeter Kohlenorhd pro Kubikmeter bildete? Der Hunger, die Peitsche, die endlose Sandschicht 8 bis 10 Meter. Die Menschen auf Luft entstehen. Bei Fahrern und Schaffnern Wanderung? Das Todesröcheln seines Bruders dem Lande leben durchschnittlich fünf Jahre nahme des Blutes an Kohlenoryd feſtgeſtellt. von Omnibussen wurde eine beträchtliche Bu- in jener glückverheißenden Herbstnacht? Niemand wußte es. Loe war ja nur ein länger als die Stadtbewohner. Durch dieses werden akute wie chronische Schä- Hund ohne Verstand, ohne Seelenleben. digungen im Organismus hervorgerufen. Die Kohlenoxydvergiftung bewirkt eine Blutarmutlicher Räuber geworden. Mops, Forterrier, Aber Loe war seit jener Zeit ein fürchter im Körper, die das Zentralnervensystem mit Schläfrigkeit, Kopfschmerzen etc. beantwortet. Spitz und Dackel, alle Rassen seines Geſchlechies, Mancher Autounfall dürfte also auf eine solche biß er tot, wenn er sie erwiſchte. Vergiftung zurückzuführen sein und bei der Hühner, Gänse, Kaninchen, ia selbst Ziechronischen Vergiftung der Autobusfahrer und gen, zeugten mit ihren aufgeriſſenen Leibern schaffner können Störungen in der Blutbil- von der finnlosen Zerstörungsivut Loes. dung, Ernährung und im Nervensystem auftre= Sein Herr wagte nicht, Loe darob zu züch ten. Also auch eine der vielen Berufsgefahren. tigen. Der lag nach solcher Mordnacht tagelang R. Imit fiebrigem Blid auf seinem Plab, rührte In Mexiko dienen die Einnahmen aus der Staatslotterie zur Erhaltung der Kranken-, Waisen, Blinden- und Armenhäuser. Das männliche Herz wiegt 270 bis 350 Gramm, das weibliche 220 bis 300 Gramm. Giftige Schlangen sind nicht immer da durch unschädlich gemacht, daß man ihnen die Giftzähne entfernt. Gewisse. Arten haben eine Reihe fleiner Reserve- Giftzähne, die einer nach dem andern in Tätigkeit treten, sobald die vorderen ausfallen. R. 1 D 3) -4Copyright P. L. B. Box 6 Copenhag Wenn es eine Verordnung gäbe, die den reichen Leuten befiehlt: einen Monat lang ihre sämtlichen Speisen in einem Automaten oder Buffet einzunehmen so wäre diese Lektion sehr instruttiv, aber erfolglos. Wahrscheinlich würden die Automaten- und Buffetbesiyer zu Maßnahmen greifen und die hungernden jungen Leute würden um ihre Speisereste kommen. Die reichen Leute lassen sich nicht gerne den Appetit verderben. Und noch weniger gern teilen fie ihr Mittagessen mit einem Hungernden. Dies besorgen diejenigen, die noch heute sich in einem Automaten ein Mittagessen kaufen fönnen, aber vielleicht schon morgen oder übermorgen auch gezivungen sind, ihr Essen zu erbetteln. Denn zwischen diesen beiden Kates gorien besteht nur eine sehr dünne Scheidewand, die von einem Kündigung oder Entlassungss brief mit Leichtigkeit durchbrochen wird. Hans Wegrath. Schach Ins Volk SCHACHAUFGABE Nr. 350. Von Franz Tepper. Karlsbad. ( Original) Schwarz: Kd5. Tc2. Lf8. Sd7. e5. Be6. d4. d6. 13.( 9). 8 a b c d e f g h Adamsons kostbare Pflanze tein Freffen an, war weder für Schelt, noch für Noseworte empfänglich. So wie dieses Leben war sein Sterben. Ein wilder, fchmerzvoller Tob. Im Hofraum freifte er fundenlang mit schaumbededtem Rathen um feine eigene Achfe. Heulte, daß es den Dörflern durch Mark und Bein ging- und schlug endlich in fich zuſammen. Im Grenzwaldorf hat nichts die Gemü ter mehr erregt, als das schmerzbolle Sterben jenes fremden Hundes mit dem fremden Nas men, jenes Bulgarenhundes Loe", den verfagte Liebe zum Stäuber gemacht. Jos. Egerer. Im Automaten 76 90 2 gh 9 5 2 verfolgte mit seinen Augen so ausdauernd die Bifen, die sie in den Mund schob, daß sie aus dem Blick den Vorwurf nahm: Iß doch nicht alles auf! Ich bin auch hungrig! Ich möchte Diefem vermeintlichen auch etwas essen! Vorwurf fonnte sie nicht standhalten: fie ließ das Effen und ging. Der Mann warf einen dankbaren Blick auf fie, griff blizschnell nach Es war einer dem Essen und verschlang es... von den vielen jungen Menschen, die tagelang Weiß: K15. Db7. Tc3. ft. Lbl. d8. Sc4. g6. Bb& nichts Warmes in ihren Magen bekommen und, vom Hunger getrieben, in die Automaten gehen und auf Speisereste warten: die ,, trone der Schöpfung“ wartet auf Speisereſte wie ein bettelnder Hund! Seitdem fann das Mädchen nicht mehr in einen Automaten gehen. Vor ein paar Tagen traf auch ich diesen Mann in einem Automaten. Er war wahr scheinlich nicht identisch mit dem anderen jungen Mann, dem meine Bekannte ihr Mittag- aber er schien der effen zurüdgelaſſen hatte, gleiche. b4. d2. 12.( 12) Matt in 2 Zügen! Lösungen sind bis längstens 14 Tage nach Erscheinen der Aufgabe an den Leiter dieser Spalte einzusenden. Lösungszug Nr. 347: Se7-45! Richtige Lösungen Bandten nachfolgende Genossen ein: Tepper Franz, Karlsbad: Beutel Wilhelm, Arnsdorf b. Tetschen: Schöffel Anton, Schöbritz: Jarschel Rudolf, Komotau; Dinnebier Emil, Tetschen; Hyna Josef. Hostomitz: Bret schneider Otto. Drakowa: Walter Ludwig. Stein witz Hans. König Anton, sämtliche Kwitkau: Geißler Josef. Alt- Serbitz: Havel Franz, Modlan; Habl Erwin, Tyle Vladimir. Schindler Robert, Freund! Anton, Chimlak Teo. Lohmüller Hans, Holfeld Otto. sämtlich Nestersitz: Berker Josef, Kleinaugead. III. Arbeiter- Olympiade in Antwerpen. An den Schachwettkämpfen in Antwerpen wird sich auch die Schachsparte des Atus beteiligen. Die Mannschaft besteht aus den Genossen lisch. Auch der D. T. T.- Verband entsendet eine Fünfermannschaft bestehend aus Gen. Dr. Rusy. Schöpka, Körbl, Scharoch. Benesch u. Dr. KoMartinek, Sperl. Tous u. Sika. Partie Nr. 131. Eine Angestellte aus Prag erzählte mir bor längerer Zeit die folgende Geschichte: Das Büro, in dem fie arbeitet, liegt in der Nähe des Wenzelsplahes, ihre Wohnung weit am Rande der Stadt. Sie muß also ihr Mittagsmahl in der Stadt, in der Nähe ihres Büros, einnehmen. Als Privatangestellte, die nicht auf Rosen gebettet ist, fuchte sie einen billigen Er stand schon bei einem Tisch und war Automaten auf, deren es dort eine ganze An- tete. Ich brachte mir das Essen und stellte es zahl gibt. Aber das tat fie nicht lange. Sie er- neben ihn, weil dort noch ein fleiner Plak frei zählte mir, daß fie einmal ihr Mittagessen nicht war. Ich begann zu essen; er sah mir zu. Er zu Ende effen konnte, fie mußte fajt das ganze fah auf das Stückchen Fleisch, auf das Brot, Effen auf dem Keller liegen laffen. Nicht dess auf die Gabel und auf meinen Mund. Sein halb, weil das Effen vielleicht nicht gut oder Blid verfolgte getreu meine Kaubetvegungen. Gespielt im Int. Schachturnier zu Jurata. Polen. nicht schmackhaft gewesen wäre; sie aj zwar mir kam die Erzählung in den Sinn, ich berauch lieber etwas besseres als das billige Effen fuchte hart zu sein und nicht weich zu werden; im Automat, aber dazu reichte eben nur das ich hatte selbst Hunger und kein Geld mehr in Einkommen. Sie mußte ihr Eſſen vielmehr der Tasche. Aber als ich bei der Hälfte meines beshalb liegen lassen, weil sich in ihre Nähe Essens angelangt war, wurde ich immer un ein junger Mann gestellt und sie mit stieren ruhiger. Meine Härte schtvand mit GeschwinAugen angeblickt hatte. Aber dieser Blid galt bigkeit und ich machte mir schon selbst Vornicht ihr als Frau. Solche Blide ertragen die twürfe: Du hast dich schon satt gegessen und Frauen in allen Ländern gerne. Der Blick rich- willst noch weiter een? Der hat sicher nichts tete fich auf ihren Mund und auf das Effen. im Magen; wie kannst du sein Essen auch aufDer Mann fah sie an mit einer Erwartung, effen? wie ein hungriger Hund feinen Herrn anschaut, wenn dieser beim Mittagstisch fit, fich labt und ihm nichts gibt. Eine Beile hielt das Mädel diese Blide aus; aber der junge Mann Ich legie Meffer und Gabel nieber, nahm meine Attentasche und ging. Als ich mich einige Schritte entfernt hatte, blidte ich neugierig zurüd: er aß sein Essen, Damengambit. Weiß: Schaechter Schwarz: Wojciechowski, 1. d2- d4 SK8-16 2. c2- c4 3. Sb1- c3 4. Ddl- c2 5. S1-13 6. Lel- 5 Ruhe ist eine gute Eigenschaft. e7- e6 L18- b4 Sb8- c6 مم T18-08 Lb4xc3+ Dds e7 d7- d6 e6-5! e5- e41 St3-12 Der Abtausch auf 16 Weiß entschieden nützlicher gewesenl 7. 82-83 Dc2Xc3 9. 10. L5- h4 53-84? d4- d5 wäre 12. 13. h- h3 14. Lh4Xe7 16. LeTXd6 18. e2Xd3 17. Sd3- et und Weiß gibt auf! Sc6-5 Sexd5t Sd5Xc3 Ses d3+ etxd3+ d3-13+!