BUNTE WELT Nr. 31 Fritz Rosenfeld: Unterhaltungsbeilage Letzter Auftritt 1937 Gegen Ende der Spielzeit war das Theater| dienter Ehre und davon, daß er nur ein kleiner, einziges Mal, wird er vor der Nampe stehen gewöhnlich halbleer; die Sensationen waren vorüber, die Schauspieler erschöpft, das Publikum müde. Die Billeteure gähnten in den Gängen, die Garderobefrauen betvachten im Halbschlummer die wenigen Mäntel und Hüte, die wie vereinsamte Vogelscheuchen über das Stoppelfeld der Kleiderhaken gespensterien. Und alle, die auf der Bühne, die im Zuschauerraum, die hinter den Kulissen, die in den Korridoren fahen wie Kranke, die den Arzt erivarten, auf die Uhr. Heute jedoch waren Parkett und Ränge dicht gefüllt, obgleich es ein heißer, staubiger, drückender Juni- Tag war. Das Theater strahlte im Glanz eines Premierenabends, Direktor und Regisseur waren im Frad, in den Künstlerlogen drängte sich das ganze, in dieser Vorstellung nicht beschäftigte Personal, und die Plazanweiser, die Mädchen vom Büffet und die Frauen von den Garderoben preßten ihre Najen gegen die gläsernen Gudlöcher der Saaltüren. Albin Ritter, der dem Theater fast drei Jahrzehnte angehört hatte, feierte seinen Abschied. Als er ins Theater kam, wurde er bom Direktor und den Kollegen empfangen. Man führte ihn in seine Garderobe, als wollte man ihm einen Weg weisen, den er noch nie gegan= gen war. Auf seinem Schminktisch ftanden Vasen mit Blumen, große Rosensträuße, neben denen die vergilbten Lorbeerkränze an den Wänden noch grauer und dämmerhafter aus sahen, als sie waren. Der Direktor hielt eine Rede, er bemühte sich, scherzhaft zu sprechen, aber alle wußten, er dachte nur an eines: Wenn im Leben eines Schauspielers der lebte Vorhang fällt, dann ist es, als ob einen Soldaten in der Schlacht die Kugel trifft. Sein Leben ist zu Ende. Albin Ritter hatte gelächelt und geschwiegen. Was sollte er auch sagen? Er war heute in dieses Haus gekommen, wie dreißig Jahre lang fast jeden Abend, um zu spielen. Spielen wollte er, spielen, und dann bescheidener Diener der hohen Herrin Kunst gewesen, dachte er: nun beginnt der letzte Att. Und wenn dann der Vorhang finkt, trennt er dich für ewig von der Welt, in der du wurzelst und von der Luft, in der allein du atmen kannst. Es war eine lange Pause, in Ritters Garderobe wurde eine Champagnerflasche geöffnet und viele Leute tamen, die Ritter die Hand schüttelten. Er sah sie an und dankte ihnen, aber es wußte ihre Namen nicht und eigentlich auch nicht, was sie von ihm wollten. Seit wann gratuliert man den Toten, daß fie gestorben sind? Im Foyer flangen unterdessen dle Limonadegläser und die Stimmen schrillten durch einander wie auf einer Straße, die von einer schweren, bleigrauen Wolfe überdacht wird. Er iſt alt, hieß es, er iſt müde, es ist Zeit, daß er abtritt. Dreißig Jahre wer will dreißig Jahre denselben Komödianten ſehen? Wir kennen seine Stimme, er mag sie verstellen wie immer, wir wissen, wie er gehen und welche Gebärden er machen wird, wenn er die Bühne dreißig Jahre lang! betritt und fein Lachen, wie langweilig, der dritte Att begann. Dann gellten die Glocken durch das Haus, wartete auf seinen Auftritt. Noch einmal, ein Albin Ritter stand in den Kulissen und und eingelernte Worte sprechen, dann wird der Vorhang finfen, das Licht erlöschen, er wird nach Hause gehen, morgen wird der Theaterdiener die Blumen und Geschenke bringen und in den Zeitungen werden ein paar Zeilen über ihn stehen dieselben Phraſen, die er heute hunderimal gehört hat. Die Kränze werden in Staub zerfallen, die Zeitungsblätter vergilben, vielleicht kommt ab und zu noch ein Brief von einer Provinsbühne, ob er nicht ein Gastspiel geben möchte, es wäre eine große Ehre für das Theater. Dann werden die Leute auf der Straße vor den Plakaten stehen und sagen: Der alte Ritter, erinnert ihr euch noch? Lebt denn der noch immer? Der Inspizient gibt das Zeichen. Albin Nitter rührt sich nicht. Der Inspizieni ſieht den Regisseur an, dieser geht zu Ritter, schiebt ihn auf die Bühne, wie einen Anfänger, der Lampenfieber hat und sich im letzten Augenblick drücken möchte. Ritter geht auf die Bühne, wie ein aufgezogener Automat. Er weiß nicht wohin er geht, und er weiß auch nicht, wozu. Das Stück, das gespielt wird, und die Nolle, die er darstellt, hat er längst vergessen. Er sieht sich um. Dort steht Hugo Kalmer und funkelt ihn mit grimmigen Augen an. Weil er gestern ter dafür, daß Kalmer ein so miserabler Spiebeim Stat wieder verloren hat? Was kann RitTer ist? Und dort sitzt die Walser, sie macht ein Gesicht, als hätte sie eben wieder Strach mit ihrem Liebhaber gehabt, der ihr nie soviel Geld Laßt uns stark sein! geben kann, wie sie braucht. Warum sieht sie ( An die Exilierten) Last in unserm Unglück uns nicht zag vergehn, vielmehr unfrer Pflichten uns bewußt sein. Wenn wir über unsern Sorgenwall hinwegsehn, wird, was wir verloren, kein Berluſt ſein, Laßt und unser Mühen jenen schenken, die bedrängt im Land verblieben find, die fich fürchten müssen, laut zu denken, die ind geistige Exil getrieben find. Fühlt, was wir den Unbeugfamen schulden, die im Dickicht der Gefahren find; die bie bittre Dual- bes Kerkers dulden, beren Opfer in die leeren Jahre rinnt. Nach dem zweiten Aft gab es eine Feier auf offener Bühne. Die Theaterdiener schleppten Kränze herbei mit großen Schleifen in den Farben des Landes und den Farben der Stadt, die Blumen türmten sich zu Bergen, zwischen ihnen Tagen Pakete, Beinflaschen, ein Korb mit Früchten ja, in dreißig Jahren wirbt man sich manchen Freund, den man nicht kennt, und Wollt die Namen derer ind Bewußtsein manchen Bewunderer, der an einem Tag wie j diesem mit ein paar Blumen schweigend sein die Gemeinheit kalt in ihren Krallen hält; ,, Danke!" fagen will. Ein Orkan des Beifalls brauste durch das Haus, als der Direktor seine Rede beendet hatte. Albert Ritter hörte eigentlich nicht, was der Direttor sagte. Nur einzelne Wortfehen drangen an sein Ohr ,,, unvergessen“ und„ wohlverdiente Ruhe", und ,, bielleicht tros alledem eine Wiederkehr auf diese Bretter, weil unerfehlich". Dann sprach auch Ritter. Die Sätze formten sich in seinem Mund, er hatte sich ja zurecht gelegt, was er sagen mußte, um die andren nicht zu enttäuschen und zu verletzen. Aber während er von Dank sprach und Mührung und unverhämmern, die der lekten Nacht entgegendämmern, eh ihr Haupt vom Henkerbeil gefällt. Laßt uns all das Ruchlofe verbuchen und die Schande, die's zu tilgen gilt. Helfen wir den Weg aus dem Inferno suchen und die Zeit der Prüfung bleibt nicht unerfüllt. Ueber Gräbern und Verließen wird es lichten, keiner wird der Helle jenes Tages entgehn. Dieser große Tag wird unerbittlich sichten laßt uns stark sein, daß wir dann bestehn! Walter Horn11111g. ihn, Ritter, den Alten an, als wäre er ihr Retter? Er blidt sich um, die Augen der Souffleuse funkeln ihn an, die ihm in fieberhafter Erres gung immer wieder und wieder die ersten Worte feines Textes vorsagt. Er hört sie nicht, er will fie nicht hören, er hat sobiel zu sagen in dieser Stunde, daß ihm keine Zeit bleibt, die albers nen Säße nachzusprechen, die aus dem Kasten fommen. Hugo Kalmer sieht die Walser an, vielleicht ahnt er, was in Bitter vorgeht, vielleicht will er auch nur zeigen, wie geistesgegenwärtig er ist er spielt weiter. Da tritt Ritter zu ihm und schreit ihn an. Er ballt die Fäuste und brüllt: ..Was treibt ihr denn da?, schreit er. ,, Barum verstellt ihr euch?" Kalmer schweigt, der Nes giffeur, der Inspizient, die Bühnenarbeiter ſtars ren regungslos auf die Bühne, das Publikum wird unruhig. Der Direktor in seiner Loge rückt den Sessel. Soll er aufstehen, hinter die Bühne gehen, die Vorstellung abbrechen lassen? Nitter steht vor dem Souffleurlajten. Die Souffleuse ringt die Hände. Immer noch wies derholt sie mechanisch die ersten Worte, die Ritter sprechen soll. ,, Ich will nicht mehr, hören Sie, ich will nicht mehr", fährt Ritter sie ant. Dann hebt er den Kopf, sieht über den grauen Kasten und die Reihe der Lampen Hinveg die dunflen Köpfe im dunklen Raum. Und ihr?" schreit er. Worauf wartet ihr noch? Habt ihr nicht die Kränze und Blumen gefehen? Habt ihr nicht die Grabreden gehört? Das Begräbnis ist 36.0 mm 38 139 au Ende, geht doch nach Hause! Unvergessen?| Lüge! Uebermorgen wißt ihr nicht mehr, wer ich war. Ich bin tot, tot, es ist eine Lüge, daß ich noch lebe, daß ich noch hier stehe, ich liege unter den Kränzen dort irgendwo zwischen den Kulissen..." Leistungen der holländischen Arbeiterbewegung ,, Het Volk" die In der Nähe des Amfterdamer Hauptbahnhofs steht ein mächtiges Gebäude. ,, Het Volt" Der Direktor ist hinter die Bühne geeilt, Die Augen gehn uns über! Aus einer Jugendheim. Ein drittes Haus steht in Norder gibt dem Vorhangzieher ein Zeichen, aber Werkstatt klingt luftiges Sämmern: es ist die holland, in Havelte. Dann gibt es noch dieser starrt mit gläsernen Augen auf Ritter. eigene Schmiede und Schloſſerei, die da in Be- eine Reihe von Lagerpläben, die alle ebenfalls Ihr da unten", sagt Ritter, du dort, und Sie trieb ist. Sie hat immer zu tun. Denn zu Paas- das Eigentum der Stiftung„ Für Sonne und dort hinten, ihr denkt doch alle nur: Gut, daß heubel gehört viel mehr als die Gebäude, die Freiheit" find. Sonne und Freiheit" der alte Komödiant verschwindet, wir haben ihn bis jebt genannt find. Hinter den Büschen steht holländische Jugend hat erkannt, daß man um satt. Seine Stimme ist wie rostiges Eisen, seine ein schmudes Haus: das ist ein Meterhof, der sie kämpfen, für sie arbeiten muß. Ihr Werk Knie zittern ja schon, er soll Plaz machen für das Unternehmen mit Milch, Eiern und Fleisch ist beispielgebend. die Jüngeren. Ja, ja, ich mache Plak, ich lebe versorgt. Hier ist ein Musterstall eingerichtet, ja nicht mehr. Ihr habt ja mein Begräbnis ge- ben die Bauern aus der ganzen Umgebung sehen. Ich habe nie gelebt, ich bin nie ich selbst immer wieder studieren. Das Vieh hat weite getvesen, ihr habt mich durch tausend Berwand- Wiesenflächen zur Verfügung. Um einen stillen lungen gehegt, wißt ihr denn um die Qual der Weiher gruppiert sich ein leiner NaturschutzNächte, in denen man wacht, um sich umzugießen part, hinter dem Hauptgebäude ist ein großes in einen anderen, wißt ihr denn um die furcht- Freilichttheater, dahinter rauscht der Wald. Am bare Marter, von hundert Gesichtern verfolgt Waldrand steht ein winziges Häuschen, still zu werden, die alle das eigene sind und einem und verträumt wie ein Feenschlößchen. Das hadoch nicht gehören, zu fliehen, immer und ewig ben Arbeiterjungen für eine totfranke Begrünzu fliehen und nicht eine Stunde ruhig atmen derin der holländischen Arbeiterjugendbewegung zu dürfen, in dem Gefühl: das bist du, du gebaut: Tine Stovelaar hat hier das lehte Jahr selbst, nun hast du dich gefunden, halte dich fest, ihres jungen Lebens berbracht.- So finden sonst beginnt die Jagd von neuem?" wir ununterbrochen die Beugnisse einer rührenLangsam spricht M Ritter, seine Stimme den Kameradschaft und einer überwältigenden stodt oft, seine Arme sind ausgebreitet, seine Zatkraft und Opferbereitschaft: dies alles ist Finger gekrümmt wie im Krampf. Die Zu- das Wert der Jugend selbst. Freilich haben auch schauer flammern sich an die Armlehnen fest, die Partei und die Gewerkschaften ein wenig als fürchteten sie, von den Worten weggefegt geholfen, vor allem aber hat die Jugend ihre zu werden, die von der Bühne über sie hinströ- Pflicht getan. Erst in der letzten Beit gab es men wie glühende Lava über ausgedörrtes auch eine Kleine staatliche Zutvendung. Ein Land. Die Kollegen sehen einander an und noch viel größeres Haus als auf dem Paasheufchweigen. zen. Die Bühnenarbeiter bliden zu Bo- bericht in Blaricum zwiſchen Suizen und Hilden. In einer Loge im zweiten Rang flattert berjum. es iſt D e e n t h u i 3“, das Haus ein schnelles, furzes, girrendes Geräusch auf.- der Gemeinschaft. Ein typisches holländisches miemand weiß, ob eine Frau lacht oder der Fuß eines Stuhles vom Teppich auf den stetnernen Boden geglitten ist. Albin Ritter sieht nicht mehr die Menschen im Saal und nicht mehr die verzweifelte Frau im Souffleurkasten. Er sieht nur die Lichier an der Rampe, die noch nie so grell waren, wie an diesem Abend, boshafte blizende Punkte, die ins Auge beißen, höhnische rote und grüne Teufel, die ihm zublinzeln. Er schließt die Augen, aber die Lampen sind noch immer da, fie fressen sich durch seine Lieder, sie tanzen, er muß sie zertrümmern, damit sie endlich schweigen, er muß sie zerstampfen, damit sie nicht mehr schmerzen. Er macht einen Schritt nach born, seine Hände greifen in den leeren Raum, als wollten sie in dieser Stunde alle die Augenblide zurückholen, die er hier gestanden ist, stolz, umjubelt, ein Sieger. Doch der Raum vor seinen Händen ist nicht mehr leer, seine Finger stoßen gegen eine weiche Wand, die ihm entgegenwellt und sich wieder von ihm entfernt. Und als er die Augen aufschlägt, blickt er auf schmutzigbraune, geflicte, mit verwehten Farbspuren gesprenkelte Leinwand der Vorhang ist gefallen. Der Direktor spricht draußen ein paar Worte, aber das hört Albin Ritter nicht mehr. Sessel flappern, Füße scharren, Stimmen, ge= dämpft, flüsternd, geistern durch den Saal, an den Garderoben reichen die Frauen stumm die Hüte und Spazierstöcke über die Barriere und über den Boden wehen die bunten Bettel wie windzernagte Blätter im Herbst. ,, Es war seine lebte Verwandlung, nun muß er nicht mehr vor sich selber fliehen", sagte leise ein junges Mädchen, als es das Theater berließ. ,, Herzschlag", sagte der Arzt, der sich über Albin Nitter beugte. so ist am Tage in großer Schrift am Giebel zu lesen und nachts künden Leuchtbuchstaben, daß hier ,, Het Volt" ist. Wir sind im Gebäude der„ Arbeiderspers". Es handelt sich hier zweifellos um die größte sozialistische Druckerei der Welt und eine der modernst eingerichteten Druckereien überhaupt. Das Unternehmen ist der gemeinsame Besitz von Partei und Gewerkschaften. Aus kleinen Anfängen wuchs es empor. Heute ist es eines der getvaltigsten Druderei Unternehmen Hollands und es wächst noch immer. Fünf Stockwerke ist das Haus hoch. Es beherbergt die Druderei, die Verlagsanstalt, die Buchhandlung, die Redaktion und die Ver= waltung des Blattes ,, Het Volk", das heute eine Auflage von 200.000 hat. Die Räume find luftig und sonnig. Fast alle sind miteinander durch eine Rohrvostanlage verbunden. Zum Zwecke der Regelung der Luftfeuchtigkeit und der Temperatur, aber auch des Luftzugez gibi es eine zentral kontrollierte Anlage. Durch den Die große Rotationspresse in ,, Het Volk" Drud auf einen Knopf fann man fich jederzeit überzeugen, wie groß die Luftfeuchtigkeit, die Temperatur und die Stärke des Luftzugs, ettva im Zim mer 123 ist. Große Aufzüge befördern das Material aus einem Stockwerk in das andere. Hier steht die größte Ro tationspresse Europas: sie ist zwanzig Meter lang, man fann sechsundneunzig Seiten auf ein= mal mit ihr drukfen.( Sie ist überbeschäftigt.) Auf einem Taufenden Band werden die Druckplatten zu den Zylindern gebracht, die Zurichtung der Platten und ihre Kühlung sind automatisch. Diese Rotationsmaschine ist imstande, stündlich 216.000 achtfeitige Tagesblätter zu produzieren. Eine eigene Mischier anstalt mit sechs Apparaturen kommi dem Bilderbedarf der Presse restlos nach. Alle Drude reien der holländi 38 199 3 schen Arbeiterbewegung, ob es sich um solche der Gewerkschaften, der Partei oder der Kulturorganisationen handelt, werden in der Arbeiterspers hergestellt, von der es auch noch einige Zweigunternehmungen in der Provinz gibt. Im ganzen zählt sie 850 Beschäftigte, sie ist also ein richtiges Großunternehmen. Het Bolt" erscheint zweimal im Tage. Sein Amsterdamer Redaktionsstab zählt mehr als 30 Mann, die Redaktion ist mit den modernsten technischen Hilfsmitteln( Radio und automatischer Fernschreiber) ausgestattet. Hier sieht man, was die Konzentration der Kraft vermag! Karl Kern. Fluch wird Segen, Segen Fluch Diese Welt ist voll von Widersprüchen, das weiß jeder Mensch, der sich troß der überall emporbrandenden Wogen faschistischer VolksverKreisen der Betrüger( 1) bes reite bekannt war, daß sie fürchterliche Schmerzen her borriefen..." bare Anklage an diese Ordnung bedeuten. Medizinische Forscher versuchen oft unter Einfaz ihres Lebens jeden Krankheitserreger aufzu= spüren, für alle organischen Leiden der Menschheit Heilmittel zu finden, und dann verzichten Es ist traurig und für alle Menschen bes die Menschen freiwillig auf das foftbare Gut schämend, daß solche Dinge geschehen, es ist be der. Gesundheit, weil dieſe an techniſchen und schämender, daß sie aus Not geschehen, wo doch wissenschaftlichen Leiſtungen, aber an sozialer die Welt so reich an Lebensgütern ist, und es ist Gerechtigkeit so arme Welt es nicht vermag, das Beschämendste, daß die bürgerlichen Zeiihnen das nötige Stück Brot zu geben. Und so tungen, die täglich die an diesen Dingen schulvollständig ist die Umkehr aller Werte, so groß dige Gesellschaftsordnung verteidigen, die huns die Not der Menschen, daß nach dem Bericht der gernden Opfer als„ Betrüger“ bezeichnen dür Beitung fen, während fie selbst und ihre faschistischen „... die Einspritungen fort- Freunde doch die wirklich Schuldigen an diesen gesezt wurden, obgleich in den menschenunwürdigen Zuständen find! M. G. USA amüsiert sich Amerikanische Parties von heute Nicht alle Amerikaner sind in diesem Jahre| Beispiele geben über die Art, wie man sich zu bebung seinen fühlen Kopf und seine Urteils: nach Europa gefahren, sei es zur Coronation, fei Zeit hier zu amüsieren pflegt. traft bewahrt hat. Allen sind die furchtbarsten es zur Pariser Weltausstellung. Es sind noch Am verhältnismäßig harmlosesten ist noch Beispiele geläufig: Durch fein ausgeflügelte eine ganze Menge hiergeblieben, darunter auch Mrs. Elsa Marwell, deren Vermögen es ihr Zuchtmethoden zicht man ein hochwertiges recht viele von den oberen Zehntausend, und erlaubt, das Leben als ein einziges Fest zu bea Schlachtvieh heran, das man dann, um die da nun einmal Sommer ist und auch die USA trachten. Vor kurzem lub fie ihre Freunde, ims Preise Hochzuhalten, zu Düngemitteln ver- seit neuestem so etwas wie eine Season" ten- merhin einige hundert, zu einem Bauernfest ins arbeitet. In der Agrartvirtschaft finden die mo- nen, ist man eifrigst bemüht, die Zeit so ange- Waldorf- Astoria- Hotel, dessen Geſellſchaftss dernsten Bewirtschaftungsformen Eingang, doch nehm wie nur möglich zu vertreiben. Dieses Be- räume sie in veritable Scheunen und Ställe der erzielte Mehrertrag an Getreide, an Kaf- mühen um das Vertreiben der Zeit ist natürlich umbauen ließ. Den Höhepunkt bildete eine fee, an Kautschut oder an Hopfen wird vernich nur eine Angelegenheit der Reichen. Aber für Kuhdas Geheimnis ist bis heute nicht ges tet. Die biologischen Forscher bemühen sich die Armen ist es sehr nüßlich, einmal einen Blid lüftet- die statt Milch Champagner gab. nachzuweisen, wieviel von den wichtigsten Er- in die Welt des Nichtstuns zu werfen. Was S bem Kinde zugeführt werden müssen, und Chemiker und andere Spezialisten des Massenmordes fors gen dafür, daß in einem künftigen Kriege die also großgezogenen Menschen möglichst schnell und sicher getötet werden. Von großen Völkern verlangt man Pflege der Wissenschaft und schöpferische Arbeit, aber man verbietet ihren einzelnen Gliedern, über gesellschaftliche Dinge selbständig nachzudenken. Die Pioniere der Luft bemühen sich, in immer kürzeren Zeitspannen Kontinente und Meere zu überbrüden, doch den Arbeitern in den faschistischen Staaten Zijgen, und Grühlen Tauben flogen herum, Schiveine grunzten unter „ funnh“. furzum, es war fon mit dem Fest der Gattin eines Strumpfs Palm Beach eröffnete dagegen seine Sais warenfabrikanten aus Chicago. Diese Vere anstaltung trug den Namen„ In einem enga rationen 30.000 Dollar, weil die Verrücktheit lischen Gasthaus" und kostete allein an Dekos der Gastgeberin darin bestand, sämtliche Blubrauchte, aus England zu beziehen. men, die sie zur Ausschmüdung der Räume eine weiß jeber Engländer. Auch die Amerikaner haben ihre Parties, jedoch von einem ganz anderen Stil. Voraussichtlich wird jeder Europäer, der zufällig zu einer folchen Parth geladen wird, zunächst die Hände vor dem Kopf zusammenschlagen und glauben, geraten. In diesem Sommer geht es ganz beer sei unter eine Bande von völlig Verrüdten fonders toll her, es ist geradezu Mode geoder Badeort an der Küste oder in den Roch worden, sei es daheim, sei es in einem Kur Mountains, Freunde und Bekannte zu einer Parih einzuladen. Dabei kommt es- und Aber diese hohe Summe ift eine Ausnahme. eben dies der„ dernier cri"- weniger darauf Im allgemeinen wetteifert man darin, möglichst Was erwünscht ist, ist gleichzeitig gefürchan, viel Geld auszugeben, als das Arrangement billige Parties zu geben, die dafür„ geist mit einer besonders netten Idee auszustatten. reich", Es hat sich da ein ganz neues Gewerbe von Sinne, find. Die Siegerin der Saison ist jungen, sonst arbeitslosen Leuten gebildet, die zweifellos Mrs. Magwell, die auf die geniale von den Damen der Park Avenue oder der Idee der Come as you were= when= the autobus- called"-Pariy kam. Das sieht so aus: großen Palmbeach- Villen hübsche Honorare da- Die Gastgeberin mietet einen Autobus, der die für einzuſtecken, daß fie für ein geplantes Som- Gäste vom Hauſe abholt. Sie müſſen ſich vers Je verrückter, desto besser bezahlt. Was auf welcher Kleidung sie sich befinden, das Haus merfest eine noch nie dagewesene Idee liefern. pflichten, ganz gleich in welchem Zustand oder diesem Gebiete hier seit kurzem geleistet wird, spottet fast jeder Beschreibung, immerhin wollen au verlaſſen und den Autobuz zu beſteigen. Das wir versuchen, dem_europäischen Leſer ein paar ist im Intereſſe der Kriegsvorbereitung die Freizügigkeit fast ganz genommen worden. tet, was gelobt wird, wird auch verdammt. Wer am meisten von Gerechtigkeit spricht, bereitet den Krieg vor. Was ein Segen war, wird zum Fluch. Da brachte dieser Tage eine bürgerliche Zeitung eine unscheinbare Notiz: ..... Seit längerer Zeit wurden in Wiener Krankenhäusern Patienten mit Erſcheinungen schwerer Phlegmone( einer zur Eiterung führenden Entzündung der Weichteile) beobachtet, deren Ursache man sich nicht erklären fonnte. Schließlich wurde festgestellt, daß diese Leute sich Petroleumeinspritzungen beigebracht hatten, um sich seitens der Kranlenkassen die Krankengelder auszahlen zu Tassen. Die Wirkungen der Einspritzungen waren zum Teil so stark, daß die Heilungsdauer oft ein Jahr beanspruchte... Einer der Angeklagten hatte seine ganze Familie mit Petroleumeinspritzungen versehen.:." So weit ist es also glücklich gekommen: Was einst in geistig gesünderer Zeit verflucht und gefürchtet war, wird den vom Elend der Arbeitslosigkeit bedrohten Menschen zum ersehnten Zustand. In hunderten Fällen wurde der Segen zum Fluch, hier sollte der Fluch zum Segen werden: Das wahnsinnige Durcheinander hat seinen Höhepunkt erreicht.. Man braucht nicht lange nachzudenken, um zu erkennen, daß solche Geschehnisse eine furch Sommernacht Als die Geige flang in der Sommernacht und ein Vogel sang nah im Hag und dein Kopf an meiner Schulter lag, hast vor Glück du leis geweint und Teis gelacht. Lange ist es her, und die Sommernacht. bringt dich mir nicht mehr... Geigenklang und vom nahen Park des Vogels Sang und mein Herz, das ohne Hoffnung hofft und wacht. Mar Barth. ſelbſtverſtändliaj, im amerikaniſcen = eine solche Parth auch nur mit ſeinen beſten ist nicht immer sehr angenehm, und man kanıt Freunden veranstalten, da es passieren fann, daß die Damen und Herren ohne Kragen, ohne Schuhe, dafür aber im Morgenrod und Pyjama erscheinen. Bei einem dieser Art Art Feite in Hollywood kam es sogar zu einem ziemlichen Standal, da eine Filmschauspielerin das Pech hatte, von dem Autobus abgeholt zu werden, be= vor sie sich zurechtgemacht hatte. Ungeschminkt sah sie um einige Jahrzehnte älter aus, es gab viele schadenfrohe Blide, einige Ohrfeigen und Tränen sowie einen gebrochenen Filmkontrakt. Ein anderer Einfall ist der, Feste von gestern" zu geben. Gestern das ist unges fähr 1920 Man zieht sich entsprechende Kleider an, die Jazzband spielt die Schlager der damaligen Zeit, man führt alte Filme von Chaplin und Pola Negri vor, veranstaltet ein Charleston- Wettanzen und serviert die alko holischen Geiränke nur in der Küche bei vers 42226 B *** 39 576.300 as lo saios n - 4Copyright P. I. B. Box 6 Copenhagen mun den Hafen von Triest zum größten Myrrhenhafen der Welt ausbauen. Die Wärmeabgabe des menschlichen Körpers beträgt je Stunde: für einen Mann, im Bett liegend, 60 Kg. Kalorien, stehend 66 Kg., lebhaft gehend 180 und bei höchster Anstrengung 660 g. Unmittelbar nach dem Essen ist die Wärmeabgabe bis zu 40 Prozent höher, bei Frauen jedoch um 10 Prozent niedriger. wwww Schach ins Volk SCHACHAUFGABE Nr. 351. Von Josef Hyna, Hostomitz a. B. ( Original). Schw.: Keб, Dal, Ta6, g3, Lb1, h8, S8, h1, Bb, c7, e4, g5.( 12) 8 7 6 Δ 16 3 21 fgh 8 6 13 2 Adamson schlägt zu Suntelten Fenstern in Tee- oder Kaffeetassen als Erinnerung an die Prohibition. Man veranstaltet Rodrennen durch den Central Park, Gymnastik- Parties, wo den Gästen eine Turnlehrerin vorgesetzt, die sich mit ihnen auf den Dachgarten begibt und zwei Stunden übt, bis sie erschöpft zusammenbrechen, worauf man sie durch Masseure wieder zu fich bringt. Man beranſtaltet Diners, wo die Hausfrau zwar alles Nötige einkauft, jeder Gast aber nach Können und Geschmad seine eigene Mahlzeit in der Küche zubereiten muß. Lanny Roß, ein Radio- Star, gab eine Radio- Parth, bei der jeder Gast vor das Mikrophon zu treten hatte. Das, was sie sagten oder fangen, wurde auf Platten aufgenommen und bei der nächsten Barth vorgeführt. Das sind ungefähr so die Vergnügungen, twie sie zur Beit in New York in Mode find. Immer verrüdter benimmt man sich auf den Festen, und wenn über eine solche Parth am nächsten Tag nicht mindestens fünf der großen Beitungen eine Spalte bringen, so zählt man nicht zu den Großen des Landes, und der junge Mann, der die Idee für diese Parth lieferte, kann sich nach einem neuen Job" umsehen. G. S. Appell an sich selbst Nur nicht verzagt! Nur nicht geklagt! Wenn dir die schönsten Wünsche versagt, Wenn du von tausend Nöten geplagt. Frisch, den Kampf aufs Neue gewagt! In ständigem Wechsel das Leben kreist Und ständig zu neuen Ufern es weist. Was heute in Nacht und in Kälte vereist Schon morgen in strahlender Sonne gleißt. Drum halte sie Hoffnung mit fefter Hand, Gib sie nicht auf, selbst am Höllenrand! Dann findest du wieder fichern Stand, Daun trittst du wieder auf festes Land. M. Böhm: Wieviel Tiere gibt es? Ueber die Zahl der Tierarten unterrichtet heute ein Riesenwerk der deutschen Akademie der Wissenschaften, das seit 1898 erscheint und eine umfassende Uebersicht aller bekannten Tierformen geben will. Obgleich bisher rund 1000 Bogen erschienen sind, werden mindestens noch 28.300 Drudbogen erforderlich sein, um alle bekannten Tierarten zu beschreiben. Dies würde bei dem bisherigen Erscheinungstempo an nähernd noch 750 Jahre dauern. Der Berliner Zoologe, Prof. Richard Heffe, legte in einem Gesamtbericht eine Zusammenstellung der Tierarten vor, wonach es 700.000 bis 1 Million Arien gibt. Die Uebersicht, be= sonders großer Gruppen, wie der Insekten, Schneden usw., ist außerordentlich schwierig, so schäßt ein hervorragender Gelehrter die Bahl der Insettenarten auf 750.000, ein anderer auf nur" 500.000. Bei Säugetieren schwanken die Angaben zwischen 18.000 und 5000 Arten, bei Vögeln zwischen 28.000 und 12.000. Genauer lassen sich kleinere Gruppen abschäben. Es hat fich ergeben, daß die Insekten nach ihrer Artenzahl drei Viertel des Tierreiches ausmachen, schon die Zahl der Käferarten allein ist eitva so groß vie diejenige aller Nichtinsekten zusammen, Allerlei Interessantes abcdefgh Welß: Kc5, De3, Tc6, 16. Le7, 13, Sb8, e1, Bb5, c4, ( 10) Matt in 2 Zügen! Lösungen sind bis längstens 14 Tage nach Erscheinen der Aufgabe an den Leiter dieser Spalte einzusenden. Beutel Wilhelm. Arnsdorf b. Tetschen; Walter Lösungszug zu Nr. 348: Sh4-15! Richtige Lösungen sandten nachfolgende Ge nossen ein: Schöpka Josef, Komotau; Tepper Franz, Karlsbad; Schöffel Anton, Schöbritz; Hyna Josef, Hostomitz; Dinnebier Emil, Tetschen; Ludwig. Steinwitz Hans, König Anton, sämtlich Kwitkau: Jarschel Rudolf, Komotau; Geißler Josef, Alt- Serbitz; Bretschneider Otto, Drakowa: Havel Franz, Modlan; Berger Jos., Klein- Augezd: Ulbert Rudolf, Prosetitz; Habl Erwin, Freundl Anton, Chimiak Teo, Lohmüller Hans, Tyle Vladimir, Holfeld Otto, Schindler Robert, sämtlich Nestersitz. Partie Nr. 132. Gespielt im Damenweltmeisterturnier am Semmering als 14. Turnierpartie. Weiß: Vera Menčik. Schwarz: S. Graf, 1. c2- c4 2. Sb1- c3 3. d2- d4 4. Sg1- f3 5. e2-3 6. Lil- d3 7. 0-0 8. e3- e4! 9. Sc3Xet 10. Ld3xe4 Damengambit. e7- e6 d7-15 Sg8-16 Sb8- d7 c7- c6 Lf8- e7 0-0 1 d5xe4 Sf6xe4 Sd7-16 11. Le4-2. Der Läufer nimmt hier eine starke Stellung ein und beherrscht in der Folge die schw. Königsstellung. Die Entwicklung des Autos bis zu seiner heutigen Form war sehr umständlich. Mehr als 16? 100.000 einzelne Gedankengänge mußten im Laufe der Zeit patentiert werden, bis man das technische Wunderwerk von heute fertig hatte. In Virginia in USA ist der größte Bergwerksiunnel der Welt mit einer Gesamtlänge von 18.6 Meilen vollendet worden. Er führt unter sechs Ortschaften hindurch. Die pharmazeutische und kosmetische Industrie Europas hat einen verhältnismäßig großen Bedarf an Myrrhe, die fast ausschließlich aus Abessinien fommt. Die Italiener wollen 11.12. d4Xc5 13. Lcl- e3 14. Le3- d2! c6- c5 Dd8- a5 Le7xc5 Da5- c7 15. Ld2- c3 der zweite im Bunde. 15. 16. Dd1- e2 Lc5- e7 b7- b6 17. Sf3- g5! Ein Fehler wäre der Tausch 17.3 18. De2-13 19. Df3- h3 g7- g6 Lc8- b7 h7- h5! Wenn Schwarz Sh5 spielt, so folgt DXh5 mit Matt! 20. Tal- d1! Ein sehr starker Zug, dessen Wirkung erst im nächsten Zug sichtlich wird. 20. Sf6- g4 Jetzt geht DXh5 nicht wegen DXh2+! 21. Td1- d7! 1 Schwarz gibt auf, da nun das Matt oder Figurenverlust unabwendbar ist. -0Dies eine Probe der Spielstärke von Fräulein Menčik( ČSR.). welche ihren Weltmeisterintitel glänzend verteidigte, indem sie gegen Fräulein Graf( Österreich) mit 11: 4% Punkten gewann.