Nr. 56. Abonnemtnts Kedingungen: Abonnements-Prel» pränumerando: «ierteljährl. SL0 Mb. monatb I.IOMI., wöchentlich 28 Pfg. frei in» Hau». Einzelne Nummer 5 Pfg. EonntagZ- Rummer mit illuftrirter Sonntag»- Beilage.Tie Neue Well" 10 Pfg. Post- Abonnement: 3.30 Mark pro Quartal. Eingetragen in der Post- Zettung»- Preisliste für 1397 unter Nr. 7437. Unter Kreuzband für Teutschland und Oesterreich-Ungarn 2 Marl, für da» übrig« Ausland 3 Marl pro Monat. 14. Jahrg. Erschrini lüglich»»Her«lonlng». Devlinev Volksblalk. Die Insertions- Gebühr beträgt für die sschsgespaltene«olonel- zetle oder deren Raum 40 Pfg., für Pereins- und Persammlungs-Anzeigen, sowie ArbettsmarN 20 Pfg. Inserate für die nächste Nummer müssen bis 4 Uhr nachmittags in der Erpedttion abgegeben werden. Tie Expedition ist an Wochentagen bis 7 Uhr abends. an Sonn- und Festtagen bis 2 Uhr vormittags geöffnet. Zernsprecher: Amt I, Nr. 1003. Telegramm-Adresse: „SolialdemoKrat Berlin". Zentralorgan der sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Y-daktio»: 8V. 19, Ueuth-Ktraße 2. Spedition: SW. 19, Uenth-Straße 3. Die Desievung und dee Volksmille in Jlolien. Von Professor Enrico Ferri. Rom, Ende Februar. III. Das Verhalten der Regierung, ivelches ich bis hierher ge- schildert habe, ist an sich der Beweis, daß der Volkswille in Italien nach Emanzipation strebt. Da ich hier nicht alle die tausend kleinen täglichen Vor- konimnisse aufzählen kann, welche Symptome der erwachenden Volksseele sind, beschränke ich mich darauf, Ihnen die charakte- ristischsten Vorgänge anzugeben, die überall in der politischen Welt den größten Eindruck gemacht haben. Ungeachtet der ökonomischen Krise, die durch das un- erbittliche Gesetz der sozialen Capillarität(Aufsaugung) aus den viel zahlreicheren Schichten der Bauern und Arbeitern zn den weniger zahlreichen, aber bcwlißteren Schichten des Kleinbürgerthums, der Kaufleute, der kleinen Bauern, der Professionistcu:c. aussteigt, koilnte die sozialistische Partei nach ihrem Nationalen Kongreß in Florenz(im Juli 1896) hunderttausend Franks zur Gründung eines sozialistischen Blattes sammeln. Am 25. Dezember ist die erste Nummer erschienen, �.vauti! — was sich so ziemlich niit dem deutschen Wort„Vorwärts" deckt— heißt das neue Blatt, das von einem der Wissenschaft- lichsten und fähigsten Sozialisten unseres Landes, dem Advokaten Leonida Bissolati, geleitet wird mit Hilfe mehrerer junger Männer, die in dem Blatt die ganze Kraft ihrer Begeisterung für die neue Idee zum Ausdruck briugeii. Von Zeit zu Zeit werden Artikel veröffentlicht, die von den hervorragendsten Gelehrten Italiens unterzeichnet sind, wie z. B. L o m b r o s o und Gualrelmo F e r r e r o, oder von berühmten Schriftstellern, wie De A m i c i s und Corratino, oder von kämpfenden Sozialisten, wie Bar- dato, Turati, Treves, Labriola k. Und auch ich helfe natürlich mit. Außerdem schreiben für das Blatt junge Schriftsteller, Nationalökonomen, Juristen, Polemiker, die in ihrer Gesammtheit unserer Zeitung einen bedeutenden geistigen Schwung geben, trotz der Schwierigkeiten, mit denen der Journalismus in einer Stadt wie Rom zu kämpfen hat. Die Auflage des„Avant i" beläust sich auf 46 600, und währeild meiner Propaganda-Tour,— die auch zum Zweck hatte,. Geld für unser Journal zu sammeln— habe ich beobachtet, daß man die Zeitung jeden Tag mit dem größten Interesse erwartet, selbst in den kleinen Städten und in den abgelegensten Dörfern. Dies ist gewiß eines der beredtesten Zeichen von dem Er wachen des Volksbewußtseins und Volkswillens und kann gegenwärtig nur dazu beitragen, die Regierung in ihrer re- aktionären und defensiven Haltung zu bestärken. Tie einzige Thatsache schon, daß unsere Leser die Be- wegung des internationaleil Sozialismus kenneu lernen, indem sie die Partei- und sozialen Nachrichten aus allen Kultur- ländern lesen, Nachrichten, welche die Bourgeoisprcsse beinahe immer unterdrückl oder nur ganz ungenau und entstellt riSider- giebt— das allein ist für die Volkserziehuilg von einem großen Werth. Ein Bciveis dafür sind vielleicht die Streiks, welche in den letzten Wochen unter den Arbeitern mehrerer Städte aus- gebrochen sind, und auf welche die bewundernswerthe Haltung der Hamburger Streikenden von Einfluß war. Ueber diesen Streik selbst gab der„Avanti" täglich Nachricht und eine Sub- skriptiou für die Hamburger hat sehr gute Resultate geliefert. Einige Kilometer von Rom entfernt, in Civita Vecchia, haben wir seit einigen Wochen einen Hafenarbeiter- S t r e i k, der ausgezeichnet verläuft, trotzdem die Polizei es niit allen Rütteln zn verhindern flicht, daß wir Sozialisten hingehen und für Disziplin sorgen. Dem sozialistischen Abgeordneten Gen offen Andrea Costa war es kaum luüglich, zu den Ausständigen zu koninien, denen er zn einer Verständigung rieth. Der Versuch scheiterte an der Be- geisternng und Entschlosseuheit der Streikenden, die sich vor dem Trotz der„Herren" nicht beugen wollten. Es sind aber nicht blos die Arbeiter, ivelche in Bewegung sind. Wir haben seit einiger Zeit eine lebhafte Bewegung unter den Stndenten fast aller 22 Universitäten Italiens. Wenn in früheren Jahren hier und da die studentischen Bewegungen weniger ernster Natur waren, so handelt es sich dieses Mal um die Frage der Freiheit der Presse und des Unterrichts. Unser gegenwärtiger Unterrichtsminister Professor Giauturco, von der Universität von Neapel, ist trotz seiner sehr liberalen wissenschaftlichen Ansänge auf dem Gebiete des juridischen Sozialismus, der jetzt unter den jungen Juristen stark Mode ist, das verwöhnte Kind der reaktionären Partei geworden. Vergangenes Jahr leitete er. einen Prozeß gegen Professor Pantaleoni ein, weil dieser sich in einem von der Presse veröffentlichten Brief über unsere Zeitungen in bezug auf deren Stellung zur Kolonialpolitik sehr scharf und unverblümt gegen die Einmischung des Königs ausgesprochen hatte. Pantaleoni ist kein Sozialist, er ist sogar nicht einmal radikal; in Italien aber sind viele Konservative, besonders in den nördlichen Provinzen, Gegner der Kolonial- Politik und verhehlen ihre Unzilsriedenheit mit der Politik des Königs nicht, so daß, wenn es auf diesem Wege weiter geht, die italienische Republik vielleicht von den Konservativen ge- macht wird, die in ihren Zeitungen offen erklären, daß die Monarchie nur dann zu erhalten sei, wenn sie die Interessen des Landes, d. h. der herrschenden Klassen, pflichtmäßig fördere. In Italien haben die Professoren der Universität bis jetzt eine Freiheit gehabt, wie sie eines zivilisirten Landes würdig ist; sie sind vielleicht die Einzigen im Land, die von der Regierung ganz unabhängig sind. Mir selbst hatte man wegen meiner Zugehörigkeit zur sozialistischen Partei den staatlichen Lehrstuhl für Strafrccht an der Universität Pisa genommen, jedoch wider das Gesetz; und ich hätte ihn vor zwei Jahren wieder haben können, zog es aber vor, Privat- -Dozent zu bleiben. Der gegen den Professor Pantaleoni eingeleitete Prozeß —» den man aber nicht ivagte weiter zu führen,— war der erste Akt der ministeriellen Reaktion gegen die Universitätsfreiheit, und hat seitdem verschiedene andere nach sich gezogen. Das akademische Jahr der Universität Rom wurde vorigen November durch Professor Labriola, unseren Genossen, eröffnet, der in Gegenwart des Ministers Gianturco von der Freiheit der Wissenschaft und des Unterrichts sprach und auf den Fall des Professors Pantaleoni hinwies, um das Vorgehen der Regie- rung in durchaus korrekten Ausdrücken zu kennzeichnen. Die Studenten klatschten dem Professor Beifall und zischten den Minister ans, der sich hierfür rächte, indem er dem Pro- fessor Labriola eine Disziplinarverwaruuug gab. Dies hat natürlich dem Minister Gianturco die Sym- pathien der Reaktionäre eingetragen, dagegen auf der anderen Seite den Haß der Studenten, befonders der sozialistischen, die auf unserell Universitäteil sehr zahlreich sind. Vor ungefähr 4 Wochen besuchte Minister Gianturco die Universität Bologna; die Studenten der beiden Parteien be- schloffen, ihn ohne jede Manifestation, weder für, noch gegen, zu empfangen. Allein bei der Ankunft des Ministers, der von den Spitzen der städtischen Behörden feierlich empfangen wurde, brach die Rechtgläubigkeit gewisser monarchisch gesinnter Studenten in Beifallklatschen aus, was selbstverständlich das Pfeifen der sozialistischen und republikanischen Studenten hervorrief. Als der Minister in der Universität angekommen war, verlaugte er, als einzige Antwort, Gendarmen und Soldaten, welche die Demonstration der Studenten gewaltsam unterdrücken sollten. Das Unerhörte dieser Thatsache hat auf fast allen Uni- versitäten Italiens Kundgebungen der Solidarität mit den Studenten von Bologna veranlaßt; besonders hier in Rom hat die Bewegung der Studenten zum Schutz der Freiheit der Wissenschaft zu den unsinnigsten Gewaltakten von feiten des Unterrichtsministers selbst geführt. Auf seinen Befehl drangen die Gendarmen in die Universitätssäle ein und erfrechten sich, die Professoren zum Halten der Vorlesungen nöthigeil zu wollen; und nachher machten sie in allen Straßen Jagd ailf die Studenten, die bis in Kaffeehäuser, wo sie Schutz suchten, verfolgt wurden. Das brutale und abgeschmackte Verhalten unserer Polizei hat die Empörung selbst der politisch rechtgläubigsten Bürger hervorgerufen und die unsinnig hohen Disziplinarstrafen, welche von den Behörden einigen Studenten zuerkannt wurden, weil diese die„Rädelsführer" nicht nannten, hat das Maß der Entrüstung voll gemacht. Die Universität Rom ist jetzt geschlossen, ebenso die Universitäten Neapel, Palermo, Macerata, Messina u. a. Aehnliche mehr oder weniger geräuschvolle Studenten- Bewegungen hat man früher schon öfters gehabt; die jetzige Bewegung aber hat eine viel ernstere Bedeutung, weil der sozialistische Geist in ihr ist und die Ideen der Denk- und Lehrfreiheit. Und das ist der Grund, warum man sich mit dieser Be- wegung— was ganz ohne Vorgang ist— sogar im Schooße des Ministeriums beschäftigt hat. Man fühlt, daß hier nur das Symptom eines kollektiven Seelenzustandes vorliegt— ein Rückschlag des menschlichen Bewußtseins, das sich jeder Unterdrückung gegenüber fester und fester bekundet. Ein weiteres Zeichen des erwachenden Volksbewußtseins haben wir in, Januar gehabt, nämlich zwei politische Wahlen, nöthig geworden durch den Tod zweier Abgeordneten, von denen einer Minister unter Crispi war. In diesen beiden Wahlkreisen, in denen bisher fast mit Einstimmigkeit Konservative gewählt worden waren, wurden dieses Mal zahlreiche Stimmen zu gunsten der sozialistischen Kandidaten abgegeben. In einem der beiden Wahlkreise ist sogar der Sozialist, ein Schriftsetzer, in die Stichwahl gekommen und hatte in derselben, bei 3666 Abstimmenden, nur 366 Stimmen weniger als der Gegner. Wenn man vom Morgen auf den Abend schließen kann, so giebt es sehr beredte Zeichen, aus denen sich schließen läßt, daß der Volkswille dem Handeln der Regierung gegenüber nicht mehr theilnahmslos ist und sich gegen eine Politik auf- zulehnen beginnt, die unser Land in eine ökonomische Krise gestürzt hat, durch welche das allgemeine moralische und soziale Unbehagen am Ende des neunzehnten Jahrhunderts noch verdoppelt wird. Und welches werden die Wirkungen dieses Erwachens des Volkswillens bei den bevorstehenden Wahlen sein? Die nächste Vertretung des Landes, durch das reaktionäre Wahlgesetz und durch Manöver aller Art verstümmelt und gefälscht im Sinne der Regierung, wird so zienilich die- selbe sein, die sie bisher gewesen ist. Es wäre kindisch zu hoffen, daß die neue Kammer seflr verschieden von der früheren sein wird. Die weitaus meisten der Abgeordneten, die wieder Kandi- daturen angenommen haben, mußten sich für regierungsfreund- lich erklären, um von der Regierung, deren Vorzimmer sie jetzt füllen, unterstützt zu werden, und geben dadurch ein bemitleidcns- werthes Schauspiel von politischem und moralischem Ser- vilismus. So wird es kommen, daß die Strömungen theilweiser Opposition sich nur in dem Konglomerat der Bourgeoisparteien der äußersten Linken und in der äußersten Rechten zeigen werden, und auch erst nach den Wahlen. Ich glaube, daß einige Abgeordnete, die offen bei der Partei Crispi geblieben sind, fallen werden, es sind dies aber nur unbedeutende Persönlichkeiten. Einige Ueberraschungen werden indeß vermuthlich nicht ausbleiben. Was die volksthümlichen Parteien betrifft, so glaube ich, daß die ministerielle äußerste Linke, die Cavallotti folgt, sich nicht vermehren wird, wenn sie nicht gar ihre Mitglieder zu- sammenschmelzen sieht, deren Zahl überhaupt nicht viel mehr als ein Dutzend beträgt. Die regierungsfeindlichen Radikalen— einige zwanzig— werden wieder auf ihre alte Zahl kommen; sie verdanken ihre Wahl überall ihren persönlichen Eigenschaften und dem Charakter ihrer Wahlkreise. Als Rückschlag einer Bewegung des öffentlichen Volks- gewissens- werden wir wahrscheinlich einige republikanische Abgeordnete haben, höchstens 3—4, die schon in der Kammer waren. Von dem Dutzend sozialistischer Abgeordneten, glaube ich, werden einige nicht wiedergewählt, die sozialistische Fraktion wird aber wohl auf 16—13 steigen, vorausgesetzt, daß die Maßregelungen der Polizei und der Regierung nicht alles Maß übersteigen, wie uns übrigens schon angekündigt wird. Rudini hat in öffentlicher Senatssitzung erklärt, daß das Programm dieser Wahlen sein wird:„Die Befreiung der Regierung von den extremen Parteien", d. h. also in erster Linie von dem Sozialismus, der nun einmal— das muß immer und immer wieder betont werden— der Alp aller Regierungen der Gegenwart, der monarchischen und republikanischen, geworden ist und all' ihr Handeln bestimmt. Sicher ist, daß unsere Partei einen großen Stimmen- zuwachs zu verzeichnen haben wird; und das ist mehr als der Erfolg von Kandidaten, welcher häufig von Zufälligkeiten abhängt. Und alle diejenigen, welche an der Bildung des Volks- gewissens und Volksbewußtseins, mit eineni Wort an der Er- ziehung des Volkes arbeiten, so daß es in die Lage kommt, der Regierung, als dem„weltlichen Arm" der herrschenden Klassen seine Macht fühlbar zu machen— alle diese werden in der durch nichts aufzuhaltenden Ausbreitung des Sozialismus das bedeutsamste und hoffnungsvollste Symptom unseres politischen Lebens erblicken. Von dev InvondennevfifKvvunüS� Vonelle. Aus dem umfangreichen Entwurf eines Jnvalidenversicherungs'- Gesetzes theilen wir zunächst die Vorschläge über die Voraussetzungen zur Erlangung der Invaliden- und Altersrente und für die Rück« erstattung von Beiträgen mit. Voraussetzungen für den Bezug der Invaliden- renke. Nach dem bestehenden Gesetz und nach der Novelle', müssen zwei Bedingungen erfüllt sein, um einen Anspruch auf Jnvalideureute geltend machen zu können. Es muß nämlich der Versicherte eine Wartezeit hindurch geklebt haben und serner muß er dauernd erwerbsunfähig geworden sei». Es ist aber die Warlezeit, die nach dem geltenden Gesetz 235 Klebewochen umfaßt. in der Novelle auf 200 Wochen herabgesetzt. Ferner ist der Begriff der Erwerbsunfähigkeit nach der Novelle ein anderer, als nach dem bestehenden Gesetz. Dauernde Erwcrbsuufähigkeit liegt weder nach dem Gesetz noch nach der Novelle schon dann vor, wenn der Versicherte nach dem gewöhn- lichen Sprachgebrauch erwerbsunfähig ist. Wann Hilfsbedürsligkeit vorliegt, ist außerordentlich schwer zu definiren. Darüber sind indeß jetzt ziemlich alle halbwegs verständigen Leute einig geworden, daß die Definition des bestehenden Gesetzes eine völlig ungereimte ist und zu vielen Härten, Unbilligkeiten und Verbitterungen fuhren muß. Die Begriffsbestimmung der Erwerbsunfähigkeit lautete in den ersten Grundzügen des Gesetzes folgendermaßen: „Dauernd erwerbsunfähig ist derjenige, welcher infolge seines körperlichen oder geistigen Zustandes weder im stände ist, die ge- wöhnlichen Arbeiten, welche seine bisherige Berufsthätigkeit mit sich bringt, regelmäßig zu verrichten, noch durch andere seineu Kräften, Fähigkeiten und der vorhandenen Arbeitsgelegenheit entsprechende Arbeiten den Mindestbetrag der Invalidenrente zu erwerben." Diese Definition berücksichtigte also die frühere Berufsthätigkeit. war aber völlig unzulänglich hinsichtlich der Bestimmung des Grades der verbliebenen Erwerbssähigkeit. Aehnlich lautete s 7 des dem Reichstag im Jahre 1339 vorgelegten Entwurfs:„Als erwerbs- unfähig gilt derjenige, welcher infolge seines körperlichen oder geistigen Zustandes nicht im stände ist, durch die gewohnlichen Arbeiten, welche seine bisherige Berufsthätigkeit mit sich bringt oder durch andere seinen Kräften und Fähigkeiten entsprechende Ar- iten den Mindestbetrag der Invalidenrente zu erwerben." Die Sucht,möglichst selten die Erlangung einer Invalidenrente eintreten zu lassen und die Rücksicht aufl�uc. jämmerlich niedrigen Löhne der Landarbeiter zeitigte bcn Entschluß des Reichstages, auf die mit der Erwerbsfähigkeit in keinem Zusammenhange stehenden„ortsüblichen Tagelöhne" Rücksicht zu nehmen und die Zlrt des bisherigen Berufes außer Auge zu lassein Eriverbsunfähigkeit im Sinne des Jnvaliditätsgesetzes liegt nach dem jetzigen Gesetze daher erst dann vor, wen» der Versicherte„infolge seines körperlichen oder geistigen Znstandes nicht mehr im stände ist, durch eine seinen Kräslcn undFähigkeiten entsprechende Lohnarbeit mindestens einen Betrag zu verdiene», welcher gleichkommt der Summe: eines Sechstels des Durchschnittslohnsatzes, nach welchem für ihn während der letzten 5 Beitragsjahre gerechnet Beiträge entrichtet worden find,(der„durchschnittliche Lohnsatz" soll künftighin fortfallen, er beträgt, zur Zeit für Lohnklasse I 300, für Lohnklasse II V00, sür Lohnklasse III 720, für Lohnklasse IV 960 Mark) und eines Sechstels des 300 fachen Betrages des nach H 8 des Kranken- versicherungs- Gesetzes ortsüblichen Tagelohnes für gewöhnliche Arbeiter des letzten Beschäftigungsortes, in welchem er nicht lediglich vorübergehend beschäftigt gewesen ist." � Der ortsübliche Tagelohn im Sinne des Krankenversicherungs- Gesetzes ist bekanntlich ei» außerordentlich verschiedener, mehr oder weniger willkürlicher. Den höchsten ortsüblichen Tagelohn für männliche Arbeiter vermag Helgoland mit 3,23 Mark aufzuweisen. Für weibliche Arbeiter beträgt er ebenda nur 1,73 M. Altona, Lehe, Geestemünde, Bremerhafen, Hamburg weisen einen ortsüblichen Tagelohn für männliche Arbeiter von 3 M., für weibliche von 2 M., Bremen einen solchen von 3, bezw. sür weibliche Arbeiter von 1.75 Pf. auf. In Berlin beträgt der ortsübliche Tagdlohn 2,70 M. für männliche, 1,30 M. für weibliche Arbeiter. In Ostelbicn und Niederbayern, ist der ortsübliche Tagelohn— wiewohl der Werth der Naturalbezüge nicht nach deren Handelswerth, sondern nach dem weit höheren Werth angerechnet ist, den die Naturalien sür den Arbeiter selbst haben sollen— außerordentlich niedrig. So beträgt der ortsübliche Tagelohn für männliche, beziehentlich weib- liche Arbeiter: für den Kreis Allenstein 1,20 M. bez. 60 Pf., Kreis Pr.-Eylau 1,20 M. bez. 90 Pf., für die Städte Creuzburg, Pr.-Eylau, Passenheim, Sensburg, Schleppe, Rosenberg, sür'die Kreise Brieg, Namslau, Freystadt und Jauer I M. für männliche, 60 Pf. für weibliche Arbeiter. Frankenstein weist nur 90 Pf. bezw. für weibliche Arbeiter 63 Pf. auf, der Kreis Guhrau für männliche Arbeiter 1 M., für weibliche 30 Ps. Kreis Nimptsch und Kreis Cosel(mit Ausnahme der Stadt Cosel) glänzt mit einem ortsüblichen Tagelohn von 90Pf.sür männliche, 60 Pf. für weibliche Arbeiter. Der Kreis Militsch kennt gar einen ortsüblichen Tagelohn von 83 Pf. für männliche und 30 Pf. für weibliche Arbeiter. Nicht ganz so schlimm steht es mit den ortsüblichen Tagelöhnen für Niederbayern. Für Passau z. B. beträgt er 1,30 M., beziehungsweise 1,20 M.. für Viechtach, Wegscheid, Wolfstein 1,20 M., beziehnngsiveise 90 Pf. Gerade diese Verschiedenartigkeit der ortsüblichen Tagelöhne wurde zu gunsten der wunderlichen Begriffsbestimmung der Erwersunfähigkeit seltsamerweise seinerzeit ins Feld geführt. Mit recht verläßt der Entwurf endlich den zur Ermittelung der Erwerbs- Unfähigkeit völlig ungangbaren Weg des bestehenden Ge- setzes. Hat sich doch mehr und mehr die Ueberzeugung in den Kreisen der Versicherten Bahn gebrochen, daß gerade die Begriffsbestimmung des Gesetzes dahin führe, thatsächlich Erwerbs- unfähtge zu rechtlich Erwerbsfähigen zu stempeln. Die Recht- sprechung, insbesondere die der am tiefsten in der Achtung des recht- suchenden Publikums stehenden Schiedsgerichte in Schlesien und Ost« und Westpreußen, hat diese Ueberzeugung immer mehr vertieft. Der Entwurf will als erwerbsunfähig denjenigen erachtet wissen, dessen„Erwerbsfähigkeit infolge von Alter, Krank- heit oder anderen Gebrechen dauernd auf weniger als ein Drittel �herabgesetzt ist".„Dies ist dann anzunehmen", sagt der Entwurf,„>vcnn der Versicherte nicht mehr im stände ist, durch eine seinen Fähigkeiten und Kräften entsprechende Lohnarbeit, die ihm unter billiger Berücksichtigung seiner Vorbildung und seiner bisherigen Brrufslhätigkeit zugemnthet werden kann, ein Drittel des- jenigen zu erwerben,>vas körperlich und geistig gesunde Lohn- arbeiter derselben Art durch Arbeit zu verdienen pflegen." Diese Begriffsbestimmung hat einen Vorzug vor der zetzige», falls allein verständige Richter über die Erwerbsunfähig- teil zu urtheilen hätte». Die Motive gehen von dieser Voraus- setzung aus. Selbst wen» diese Voraussetzung zutreffen würde, er- scheint aber auch die Begriffsbestimmung des Entwurfes noch verfehlt. Sie trägt weder dem Sprachgebrauch noch der im ge- wöhnlichen Leben, ja nicht einmal der in der Armenpflege Herr- schenden Praxis hinreichend Rechnung. Die sozialdemokratischen Vertreter haben im Parlament und sonst mit Recht betont, daß auf den früheren Beruf und aus die infolge der ver- minderten Erwerbssähigkeit geringere Konkurrenzfähigkeit auf dem Arbeitsmarkte Rücksicht genommen werden müsse. Das thut die Begriffsbestimmung des Entwurfes nicht in hinreichender Weise. Sie verstößt gegen das Sprach-, Billigkeits- und Rechtsgefühl ins- besondere da, wo es sich um von Krautjunkern oder Kartoffel- baronen schlecht bezahlte Arbeiter handelt. Erwerbsunfähigkeit liegt nicht erst dann vor, wenn jeniand nur Vs dessen verdiene» kann, was er voraussichtlich als Gesunder verdienen würde, wenn er Arbeitsgelegenheit hätte. Selbst der von den konservativen Urplötzen vorgelegte Jnvaliditäts-Gesetzentwurf hat endlich sich der von de» Sozialdemokraten bereits im Jahre 1889 verfochtenen Ansicht etwas genähert, daß Erwerbsunfähigkeit unbedingt dann vorliegt, wenn zemand nicht mehr im stände ist, die Hälfte dessen zu verdienen, was er während der letzten 3 Jahre verdient hatte: auch der kon» servative Antrag will bei 3V pCt. verminderter Erwerbsfähigkeil Erwerbsunfähigkeit angenommen wissen. Zweifellos würde aber bei den mit so niedrigen Löhnen, wie 30 Pf. bis 1 M. gelohnten Arbeitern auch diese Begriffsbestimmung nicht genügen. Es ist unbillig, ungerecht, mensche»unwürdig,u»d selbst mit der heutigen Praxis vernünftiger Armenpflege— selbstverständlich gehört hierhin nicht die ostelbische— nicht in Einklang zu bringen, jemanden, der jährlich noch nicht 80—160 M. zu verdienen im stände ist, nicht für erwerbsunfähig zu erachten. Es dürfte erforderlich sein, neben der Begriffs- bestimmung:„erwerbsunfähig ist, wer infolge von Alter, Krankheit, Schwäche u. dergl. nicht mehr die Hälfte des in den drei letzte» Jahren von ihn» verdienten Arbeitslohns zu enverben im stände ist", noch festzusetzen, daß als enverbsunfähig auch der zu erachten ist, der einen Lohn von 300 M. jährlich zu erwerben außer stände ist. Eine derartige Bestimmung ist insbesondere de» jammervoll niedrigen Löhnen gegenüber erforderlich, für die Groß- grundbesttzer sich Arbeitskräfte durch wucherliche Ausbeutung der Nothlage der Landarbeiter kaufen. Nach dem bestehenden Gesetz erhält Invalidenrente auch der- jenige nicht dauernd er>verbs»»nfähige Versicherte, welcher»vähreud eines Jahres, zum Beispiel infolge von Krankheit, ununter- krochen erwerbsunfähig geivesen ist. sür die weitere Dauer seiner Erwerbsunfähigkeit. Es ist hällfig mit Recht, und zwar nicht nur von sozialdemokratischer Seite, betont, daß der Zeitrauin von einem Jahre ein bei weitem zu langer ist. Es ist durchaus erforderlich, daß die Wartezeit für den Anspruch aus Rente so gekürzt»vird, daß der Anspruch auf Rente sür vorübergehende Erwerbsunfähigkeit mit dem Ablauf der gesetzlichen Uuterstützungsdauer seitens der Krankenkassen, also mit Ablauf der 13. Woche, beginnt. Leider will der Entwurf die Wartezeit von 32 Wochen nur auf 26 Wochen herabsetzen. Er»vill nach den Motiven nicht auf 13 Wochen heruntergehen,»veil im Grundsatz die Fürsorge für die ersten 26 Wochen der Erwerbsunfähigkeit zu den Ausgaben der Krankenkasse gehören und man einer statutarischen Eriveiterung der gesetzlichen Unterstützungsdauer seitens der Krankenkassen dadurch entgegenwirken»vürde, daß man sür den in betracht kounnenden Zeilraum die gesetzliche Unterstützungspflicht eines anderen Ver- sicherungsträgers vorschreibt. Diese Gründe sind nichts weniger als zutreffend, so lange die gesetzliche Minimal-Fürsorgepflicht der Krankenkaflen nur die ersten 13 Wochen umfaßt. Sie sind umso weniger zutreffend, als eine statutarische Ausdehnung der Krankenversicherungspflicht über 13 Wochen hinaus heute verhältniß- mäßig selten ist, aber gerade durch die Vorschrift, daß eine Jnva- lidenrente von der 13. Woche ab zu zahlen ist. außerordentlich gefördert werden»vürde. Bei Berechnung der Wartezeit wird nach dem bestehenden Gesetz die Militärzeit und die Zeit be- scheinigter mindestens 1 Woche dauernder mit Eriverbsunfähigkeit verknüpfter Krankheit als Beitragszeit gerechnet,»vicivohl Beiträge in dieser Zeil nicht gezahlt sind. Die Novelle»vill auch z e i t>v e i s e Eriverbsunfähigkeit nach sich ziehende Krankheit in gleicher Weise behandeln. Ferner soll die an eine Krankheit sich anschließende Genesungszeit und Wochenbett bis 6 Wochen der Krank- heit gleich geachtet»verde». Sind dies ziveifelslose kleine Besserungen des bestehenden Zu- standes, so bringt§ 11 die»nil der Unsallnovelle übereinstiininende Verböserung, daß der Zlnspruch ganz oder theiliveise abgelehnt »verde»» kann,»venn der Versicherte sich die Eriverbsunfähigkeit bei Begehung eines Verbrechens oder eines vorsätzlichen Vergehens zu- gezogen hat, und zivar selbst dann, wenn eine Bestrafung nicht statt- gefunden hat. Diese Bereicherung der Strafarten. Strasmöglichkeit und Strafgerichte ist für das sozialpolitische Empfinden der herrschenden Klasse bezeichnend. Voraussetzungei» für die Erlangung der Altersrente. Die heutigen Voraussetzungen sind: Zurücklegung I. des 70. Lebensjahres, 2. einer Wartezeit von 1410 Beitragsivochen. Die Novelle schlägt eine Herabsetzung der Wartezeit auf 1200 Wochen vor. Auch bei Festsetzung der Vorbedingungen sür die Erlangung der Altersrente»vähreud der Uebergangszeit ist die Novelle bemüht, e»nige Härte»», die in der Praxis sich herausgestellt haben, zu beseitigen, so insbesondere den Nachweis für die vorgesetzliche Zeit zu erleichtern. Die R ü ck e r st a t t u n g von Beiträgen a» weibliche Personen, ivelcke die Ehe eingehen, ist etivas erleichtert, es sollen fortan 200 Beitragsivochen(bislang 233) genügen. Auch ist»mter billiger Berücksichtigung des Flitterwoche»- Zuftandes die Frist zur Geltend- machung des Rückerstattungs-Anspruches von drei auf sechs Monate in der Novell« erhöht._ Politische Aebevstcht. Berlin. 6. März 1897. Zum Prozeh Auer und Genoffeu. Montag und Dienstag findet vor der landgerichtlichen Strafkammer neuer- liche Verhandlung gegen Auer und Genossen»vegen Ueber- trctung des preußischen Vereinsgesctzes statt. Es handelt sich um jenen Prozeß,»velcher eine Folge des Köller'schen Coup Segen die Berliner Partei-Organisation war. Die erste Ver- andlung fand im Mai v. I. statt und endete mit der Ver- urtheilung von 15 Angeklagten zu Geldstrafen und mit Be- stätigung der Auflösung des Parteivorstandes sowie?>er- schiedener Wahlvereine. Die Verurtheilung erfolgte, weil der Gerichtshof als erwiesen annahm: 1. daß der Parleivorftand einen politischen Verein bilde; 2.»veil die Wahlvereins- Vorstände überschüssige Gelder aus Vereiusbelträgen an die Vertrauensinäuner abgeführt hätten. daß die Vertrauensmänner, die ihrerseits die aus allen mögliche» Quellen ihnen zugeflossene» Parteigelder theiliveise an de» Partei- vorstand abzuliefern pflegten, nur die Mittelsmänner, die Deck- adressen für die Adresse des Parteivorstandes gebildet hätten, »vomit der Nachweis für die Verbindung des Parteivorstandes mit den Wahlvereiiicn gegeben sei. Auf erhobene Revision hin hat das Reichsgericht das Urtheil erster Instanz kassirt und die Sache zur neuerliche»» Verhandlung zrirückverwiesei», wobei bemerkt sein mag, daß das Reichsgericht die rechtlichen Gründe der Vorinstanz akzeptirte und mlr wegen des Zweifels der Feststellung der Voraussetzungen des§ 8 des Vereinsgesetzes, nämlich ob die Parteileitung politische Gegenstände in Versamm- l u n g e n erörtert hat, obige Entscheidung fällte. Möge»» auch andere politische Partenn und Vereine sich in den Maschen des Vereinsgcsetzes gefange»», dasielbe absichtlich oder unabsichtlich übertreten haben— für sie hat das keine »veiteren Folgen. Zwar nieinte der Herr Staatsanwalt Schweigger, daß es sich um keinen politischen Prozeß handle und daß die Staatsanwaltschaft streng objektiv beflissen sei, dem Gesetze Nachachtung zu verschassen; sie»verde gegen andere Parteien ebenso einschreiten, wenn sie in die Lage komme, sich amtlich mit der Frage zn beschäftigen. Daß die Staatsanwaltschaft bis heute noch nicht in diese Lage gekominen ist, liegt natürlich nur an dem mangelhaften Beweismaterial. Wir sind heute.in der Lage, dasselbe noch weiter zu ergänzen. Es handelt sich im vorliegenden Falle um die deutsche Kolonialgesells ch a f t. Selbstverständlich gehören ihr nur wahre Patrioten, echte Kämpen im Kampfe gegen den Umsturz an,— Leute die gewiß nicht säumen werden, nach der letzten Rede ihres kaiserlichen Herrn ihre Hand in die seine zu legen und den Rütli-Schw»»r zu leisten: Kampf gegen den Umsturz mit allen Mitteln. Diese Kolol»ialgesellschaft verfolgt zweifellos politische Z>v e ck e. So hat der Vorstand am S. Dezember v. I. einen modifizirten Antrag der Abtheilung Koblenz über die Förderung der Schulen in den deutschen Kolonien angenommen und in dieser Angelegenheit eine Petition an den Reichskanzler gerichtet mit der Bitte: „sich die Förderung der Schulen in unseren Kolonien noch mehr als bisher angelegen sein zu lasten, und zwar in der Weise, daß allen i» den Kolonien bereits bestehenden»vie noch zu er« richtenden Schulen unbeschadet ihrer besonderen Eigenart und Selbständigkeit auf grund eines im Einvernehmen mit den deutschen Missionen aufznstelleilden Lehrplanes auf ihren Antrag ein Regier ui'gszuschllß gegeben werde." Ferner hielt am 26. Januar der„Ausschuß" eine Sitzung ab mit der Tagesordnung: „Die dem Reichstage zugegangene Denkschrift über daS südwestafrikanische Schutzgebiet." Es ist also zweifellos, daß die Kolonialgesellschaft ein politischer Verein ist, dieser Verein steht aber mit anderen Vereinen in Verbindung. Letztere Thatsache wird treffend illustrirt durch folgendes Schriftstück, das uns heute zufällig in die Hand fiel. Es lautet: Vorläufiger Bericht. Bericht über die Sitzung des Ausschusses vom 9. Februar 1897, abgehalten in den GeschastSräumen der Gesellschaft, Pots« damerstr. 22». Herzog Joh. Albrecht zu Mecklenburg eröffnet die Sitzung um 3 Uhr. Amvesend sind vom Präsidium die Herren: Geheimer Rath Simon, Staats»,»nister v. Hofninnn. v. Arnim-Muskau. Vom Ausschuß: Chr. v. Bornhaupt. Ob-rpostrath Krätke, Konsul Echivabe, Fabrikbesitzer Supf, Konsul Vossen. Vom Bureau: Redakteur Meinecke. Tagesordnung: 1. Zuwahl zum Ausschuß. 2. Feststellung einer Eingabe an den Reich?- kau zier betr. die beiden konzessionirten Englischen Gesellschaften im südwestasrita» nischen Schutzgebiet. 8. Geschäftliches. ä) Schreiben der Abtheilung Bernburg. Nach Erledigung der übrigen Punkte heißt es dann weiter: Zn Punkt 3(1. Es wurde ein Schreiben der Abtheilung Bernburg ver- lesen, in welchem sie den Ausschuß ersucht, in der Abtheilnng Bernbnrg einen die wirthschastlichen Erfolge in den ver- \ schiedenen Kolonien behandelnden Vortrag auf Kosten der 'ü Zentrale zu veranstalten. Es»vurde im Hinblick auf die in J dein Schreiben dargelegten Verhältmsje beschlossen, diesem � Wunsche zu entsprechen und an die Abtheihing Bernburg das Ersuchen zu richte», dem Ausschuß über de» Teruiin des zu haltenden Vortrages Mittheilung zu machen. Schluß der Sitzung 6 Uhr. von Bor»Haupt, Generalsekretär. Die Bezeichnung der Korrespondenz als„geheiin" beweist, daß man sich der Uebertretung des Vereinsgesetzes sehr wohl bewußt war. Als der Herr Staatsanivalt Schiveigger im Prozeß Hintze und Genossen über den Genossen Fischer sich äußerte, daß der- selbe, der selbst Mitglied des gesetzgebenden Körpers sei, in schnöder Weise das Gesetz gebrochen und noch andere Leute dazu verleitet habe, da ahnte»vohl der Herr Staatsanivalt kaum, in welch für- nehiner Gesellschaft der angebliche Gesetzesverächter Fischer sich befand und noch befindet. Wir werden nun erleben, daß die Kolonialgesellschast»vegen Vergehens gegen das Vereinsgesetz aufgelöst und die Leiter unter Anklage gestellt werden. Oder auch nicht. In der Aera Schönstedt und seiner Devise„wenn z>vei dasselbe thun ist es doch nicht dasselbe"»vird der Kolonialgesellschaft sicherlich nichts Menschliches passiren. Treffend keunzeichilete Genosse Auer das Verfahren, als er in seiner Vertheidigungs- rede bemerkte, daß der s 8 des Vereinsgesetzes von jeher»üchts anderes gewesen sei als ein Mittel, Oppositionsparteien damit zu drangsaliren. Eine Zentenarvorlage. Wie die„Nordd. Allg. Ztg." meldet, ist dein Reichstag ein Gesetzentwurf zugegangen, dem der Bundesrath einmüthig zugestimmt hat,„betreffend die Vor- Arbeiten für die Errichtung einer Gedmkhalle zu Ehren der im Feldzuge 1870/71 gefallenen oder schwer verwundeten deutsche» Krieger." Es Haubelt sich hierbei wohl um ein Seitenstück zu dem auch vom Reichstage bewilligten'Denkmal für Kaiser Wilhelm I. Vielleicht hofft man bei dieser Gelegenheit die Regulirung des Schloßplatzes, die dem Berliner Magistrat schon viel Kops- zerbrechen geinacht hat, zn erreichen. Wird dazu aber im Reichstage das Geld zu haben sein?— Das preußische Abgeordnetenhaus erledigte heute endlich den Etat der landivirthschaftlichen Verivaltung. Aus der Debatte, die sich»n lauter Einzelheilen verlor, ist nur erivähnenswerth, daß Abg v. Mendel-Steinsels(k) beim Kapitel„Thierärztliche Hochschulen und Vetcrinärwesen" sür»virksamere Bekämpfung der Rothlaufseuche der Schiveine die Einführung der obligatorischen Jnrpsung erregte. Seitens der Regierung»vurde erividert, daß Preußen beiin Bundesrath eine Abänderung der sß 30 a und 43 des Reichs-Seuchengesetzes beantragt habe und daß in de» .nächsten Etat ein Posten sür ein Thierhygiene-Jnstitut eingestellt »verde. Die Untersuchungen über einen wirksamen Impfstoff seien noch nicht abgeschlossen, auch sei der Ansteckungsstoff der Maul- und Klauenseuche bisher noch nicht gefunden. J>n weiteren Verlauf der Debatte betonte der La>id»virthschails- minister Freiherr v. Hammerstein die Nothwendigkeil einer Vermehrung und einer Gehaltsaufbesserung der beamteten Thierärzte. Bei der Berathung des Extraordinariunis suchte Herr Diebe- r i ch Hahn wieder einmal durch Allklugheit die Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, indem er bei der Forderung von 130 000 M. zur Geivährung einer Beihilfe an die Meliorations-Genossenschaft der Geeste-Niederung zur Fortführung und Beendigung der Melioration gegen die Regierung heftige, durchaus unbegründete Vorivürfe erhob. Er wurde aber vo» dem Minister, der ihm eine völlige Unkenutniß der thatsächlichen Verdältuisse uachivies, glänzend abgeführt, und »venu er trotz dieser Niederlage noch einmal das Wort ergriff, um sich unter allgemeinen» Gelächter des Hauses gleichsain als den einzig Sachverständigen zu präsentiren, so beiveist das nichts weiter, als daß er von dem Werth seiner eigenen theuren Persönlichkeit so. durch- drungen ist, daß ihm darüber die Fähigkeit, sachlich zu debattire». völlig abgeht. Nach Erledigung des Etats der landivirthschaftlichen Ver- »valtung wurde noch der Etat der D o»n ä n e n v e r»v a l t u n g»n Angriff genommen,»vobei»viederum eine billigere Verpachtung der Domänen zu gunste» der armen Agrarier und zun» Nachltheil der Steuerzahler angeregt»vurde.— Die Debatte wurde unmittelbar vor dem Titel„Bernsteinmonopol" bis auf Montag vertagt. Ein Zitat. Die„Nation" veröffentlicht unter dem Titel „Aus unserem Zitatenschatz. Prinz Albert zur Charakteristik Friedrich Wilhelms IV." das folgende: .„Die Rede des Königs(bei Eröffnung des Vereinigten Land- tages)»st eine merkivürdige Probe der Beredsamkeit, die zu« Herzen dringt, aber den Verstand unbefriedigt läßt. Stellt man sich an die Stelle eines kalt kritisirenden Publikums, so wird einem flau zu Mulhe. Welche Verwirrung der Be- griffe und welche Kühnheit, aus dem Stegreif, als König, in einem solche» Moment und in solcher Länge alle die entsetzlichsten, schwierigsten Punkte zu berühren nicht nur, sondern Knall und Fall abzuthnn, Gott zi»m Zeugen aufzurnsen, zu versprechen. drohen, schivören u. f. f. Er läßt sich von Gleichnissen versuhrm, die seiner Phantasie zusagen, die er nur soweit ausführt, als sie zu seinem Krame paffen und die oft die wahre Lage der Dinge gar nicht wiedergeben, aber,»veil sie geistreich sind,»hn befriedigen, es macht eine scharfe Argumentation unmöglich. Dann läuft er noch Gefahr, daß er subjektive Gefühle u»d A»- sichten als Beweggründe seiner Handlungen nimmt, und nicht nur danach handelt, sondern auch verlangt, daß, da diese Gefühle und Ansichten ihm heilig und theuer sind, sie es nun auch alle» anderen sein sollen, die nicht im geringsten dadurch berührt sind. Dahin gehören die Pietätsgefühle gegen Friedrich Wilhelm lll., die nur der Sohn fühlen kann, oder die aus geiviffen Lieblingsstudien und Gedanke» für ihn entsprungenen Lieblingsgrundsätze. Tlio lifo of H. R. I. f the Prince-Consort, by Theodore Martin, London 1876.[Das Leben Sr. K. H. des Prinz-Geinahls, von Theodor Marlin. London 1376.j Entnommen einem Aufsatze von F. Heinr. Gefflen.„Prinz Albert" in der deutschen Rund- schau 1877, Xl. Band. S. 94. Das Urtheil der Geschichte über Friedrich Wilhelm HI. hat trotz aller Bemühungen seines SohneS sich nicht ge- ändert.— Der Dreibund wird in dem gestern mitgetheilten Wahl« Programm des italienischen Ministerprästdeuten Rudi«» nicht erwähnt. Diese Nichterwähnung ist das wichtigste in dem ganzen Programm, das, soweit es etwas sagt, nichts sagt— oder, was dasse�he ist: Gemeinplätze. Sie hat nach den früheren Aeußerungen Rudini's nichts Unerwartetes, bildet aber eine köstliche Satire auf die jetzt modische Phrase vom„einigen Europa". Natürlich will Italien, falls es zur Vertheilung des türkischen Fells kommt, seinen Theil abhaben, und da will die Regierung sich die Hände nicht binden.— Die Komödie um Kreta dauert fort. Diese Komödie ist aber ein Trauerspiel, denn während„ganz Europa" sich vor aller Welt von dem griechischen Zwerg Nasenstüber geben und Nasen sich drehen läßt, sind Tausende im Inneren er Insel allen Schrecknissen des künstlich genährten Bürger- riegs ausgesetzt und wird durch dieses geschäftige Nichts- thun der Diplomatie die Gefahr eines europäischen Kriegs mit jeder Minute vergrößert Wenn der Hehler nach dem Sprichwort schlechter ist als der Stehler, dann haftet an der europäischen Diplomatie eine schwerere Blutschuld als an den Halbwilden, die aus Kreta sengen, brennen und morden. Aus Athen wird telegraphirt: In offiziellen Kreiseiz wird behauptet, Rußland und Deutsch- land würden nach Ablauf der Griechenland gesetzten Frist auf sofortige Ergreifung von Zwangsmaßregeln dringen, während die übrigen Mächte sich ablehnend verhalten werden. Infolge der unzureichenden Bloclirung der Südküfte Kreta's sind durch die griechische Königsyacht„Sphakteria" und andere Schiffe Lebensmittel dort gelandet worden, ohne daß ein Da- zwischentretsn erfolgte. Die Vorräthe werden durch griechische Soldaten über die Berge den Truppen zugeführt. Die letztere» sind nunmehr für drei Monate verproviantirt. Aus Konstantinopel wird gemeldet: Infolge der mehrfach verbreiteten Behauptung, daß die türkische Flotte nicht aktionsfähig sei, verfaßte der Marine- minister Hassan Pascha eine Eingabe, in der er erklärt, daß der Zustand der Flotte ein guter und die Türkei jeder Seemacht zweiten Ranges gewachsen sei. Diese Eingabe sollte von allen Vizeadmiralen unterzeichnet werden, jedoch weigerten sich zwei derselben, dies zu thun. Infolge dieses Zwischenfalls erklärte der Marincminister in einer zweiten Eingabe an den Sultan, er sei persönlich bereit, das Kommando des Geschwaders zu über- nehmen. Hier verlautet, die Antwort der Pforte aus die Kollektivnote der Mächte werde Ausklärungen darüber verlangen, wie die Kreta zu verleihende Autonomie beschaffen sein soll. Die Konsuln Oesterreichs, Rußlands und Serbiens in Resküb haben an die Botschafter in Konstantin opel telegraphirt, daß die Haltung der türkischen Truppen die Ergreifung von Sicherheits maßregeln nothwendig mache. Aus London werden fortwährend Sympathiekund gedungen für Griechenland gemeldet. Den Kolonialpolitiker» hinter den Spiegel. Aus Paris wird telegraphirt: Paris, 6. März. In einem gestern Abend gehaltenen Vor trage über die Erforschung des Nigergcbietes pries Lieutenant Hourse die Verdienste des deutschen Afrikaforschers Barth, der ein wahrer Bürger der Menschheit gewesen sei und dessen Namen man in den von ihm durchzogenen Ländern nur anzurufen brauche, um alsbald Schutz zu genießen. Barth hat die Neger wie Menschen behandelt. Und es ist ihm kein Haar gekrümmt worden. Mit den gleichen Grund- sätzen durchquerte der Engländer L i v i n g st o n e Afrika zum ersten Male— und überall fand er freundliche Aufnahme. Erst seit die Kolonialbestien kamen: die Stanley, Peters, Leist, Schröder und Konsorten sind die Neger mißtrauisch und handeln gegen die Europäer nicht mehr wie Wilde und Heiden, sondern wie— Europäer und Christen.— Samoa. Deutschland, Großbritannien und die Vereinigten Staate» habe» William Chambers aus Alabama zum Oberrichter aus Samoa gewählt. Chambers war einer der Komniissare der Ver einigten Staaten bei der Regelung der Grundbesitzverhältnisse auf Samoa.— Chronik der Majestätsbcleidigungö-Prozefse. Der Weber P. von Gera wurde amvorletzten Freitag wegen angeblicher Majestäts dcleidigung verhaftet und in das Untersuchnngsgesängniß abgeführt. Nach vieriägiger Hast entließ man ihn wieder, wahrscheinlich weil Anklage nicht erhoben werden soll. Als Belastungszeuge fungirte in der Voruntersuchung der frühere Restaurateur und Gelegenheits- machet Pannier, der vor»ngefähr vier Wochen einem Biertisch- Gespräch beigewohnt hat, an dem auch der Verhaftete theil genommen. Vor dem Untersuchungsrichter erklärte Pannier, in dem Angeschuldigten erkenne er nicht denjenigen wieder, der besagte Majestätsbeleidigung begangen.— »* Deutsches Reich. — U eber das Schicksal der Militär st rafprozeß- Novelle schreiben anscheinend offiziös die«Verl. Pollt. Nachr.": Entgegen den pessimistischen Ansichten über die Lage des Militärstrafprozesses soll in Bundesrathskreisen die be stimmte Zuversicht auf eine baldige befriedigende Lösung dieser lange hinausgezogenen Angelegenheit vorherrschen, und zwar nach Verlauf der ersten Lesung in den Ausschüssen der genannten Körperschaft, nach der die zweite Lesung nur wenig Sitzungen beanspruchen dürfte; alsdann würde die Vorlage an den Reichstag gelangen. In diesem dürfte allerdings die An- gelegenheit erst im Winter 1897/93 zur Erledigung gelangen, da angeblich die parlamentarische Saison um Pfingsten zu Ende gehen wird. Mit seinen Versprechungen im Reichstage hat Fürst Hohenlohe entschieden Pech.— — Der Zentralverein zur Hebung der deutschen Fluß- und Kanalschifffahrt hatte Freilag Abend im Reichstagsgebäude seine ordentliche Hauptversammlung. Die Herr- schaften waren natürlich mit den Wirkungen des neuen Binnen- schifffahrts- Gesetzes sehr zufrieden. Den einzigen Mißton brachte Dr. Landgraf-Frankfurt a. M. in die Versammlung mit seiner An regung, Schiedsgerichte für berufliche Streitigkeiten der Schiffer ein- zuführen.— — Eine Anzahl braver Pastoren veröffentlicht in der—„Post" eine Erklärung gegen alle christlich-, evangelisch- und national-sozialen Bestrebungen. Der Aufruf schließt mit folgendem Satz: Es ist nöthig, fest zu bleiben und nicht müde zu werden, sich selbst und anderen zu bezeugen, daß die evangelische Kirche Gott nur gefällt und dem nächsten nur dient, wenn sie das Evangelium rein und von weltliche» Dingen unvermischt verkündigt. Pastor Schall's Thätigkeit wird durch diesen Bannstrahl nicht getroffen. Das Eintreten für deutschkonservative und agrarische Interessen verwehren die unterschriebenen Pastoren ihren Amts- genossen nicht, solche Vermischung des Evangeliums mit welllichen Dingen mißfällt wohl Gott nicht. Auch diese Erklärung ist ein werthvolles Aktenstück für die Geschichte des Klassenkampfes unserer Tage.— — Nationalsozial. Herr Max Lorenz in höchsteigener Person erklärt zu den neuen Flottenplänen mit NamenS- Unterschrift in der heutigen Nummer der„Zeit": Die liberale Presse macht mobil gegen solches Unterrnehmen. Die konservativen Morgenblätler schweigen noch. Wir er- klären uns von vornherein im Prinzip milder kaiserlichen Flottenpolitik einverstanden. Wie glücklich wird Hollmann sein über dies» außerordentliche Verstärkung seiner Position.- — Der Landrath des Sprottauer Kreises, v. Klitzing, erläßt folgende nachahmenswerthe Bekanntmachung: Die Äbsendung der Mitlheilungen über die Veranlagung zur Einkommen- und Vermögenssteuer hat begonnen. Diejeingen Zen- Jiteu, welche nach ihrer Anficht zu hoch zur Steuer veranlagt sind. warne ich auch in diesem Jahre wieder davor, sich von Privat- fikretären. Winkelkonsulenten und dergleichen für theures Geld bogenlange Berusungsschreiben anfertigen zu lassen. Wer sich nicht ßraut, allein oder mit Hilfe seines Gemeindevorstandes»ine»in- h gehaltene Berufung schriftlich einzureichen, der bemühe sich zu mir aus» Landrathsamt oder, fall» ich nicht zugegen sein sollte, aufs Steuerbureau im Landrathsamts-Gebäude und gebe seine Berufung daselbst zu Protokoll. Aus diese Weise wird er sicherer und billiger zu seinem Rechte kommen, als durch Inanspruchnahme von Winkelkonsulenten. Das wäre ganz schön, wenn die Bevölkerung das Zutrauen zu enlgegenkommender Behandlung bei den Behörden allgemein hätten.— — W e l ch e U m st ä n d e mit Herrn Stumm gemacht werden, ersieht man aus der Mittheilung der„Kölnischen Zeitung", daß der evangelische Oberkirchenrath zunächst noch einmal den Versuch niachen wird, in Sachen des Freiherrn v. Stumm wider die Mehrzahl der evangelischen Geistlichen der Synode Saarbrücken eine gütliche Verständigung und Beilegung zu er- reichen. Der Wirkliche Oberkonsistorialrath Propst v. d. Goltz ist dazu ausersehen, sich demnächst an die Saar zu begeben, um in seiner Eigenschaft als Vizepräsident des evangelischen Ober-Kirchen- raths an Ort und Stelle mit den Betheiligten die„Sühne" zu ver- suchen. Sollte dieser Versuch gelingen, so würde die höchste Be- Hörde der preußischen Ländeskirche der Verpflichtung überhoben sein, zu der Beschwerde des Freiherrn v. Stumm über die bekannte Ent- scheidung des rheinische» Konsistoriums einen förmlichen Beschluß zu erlassen, mit dem vielleicht keine Partei so recht zufrieden wäre. Die Sache des scharf machenden Freiherrn scheint recht schlicht zu stehen.— Dresden, 6. März.(Eig. Ber.) Darf ein konser- vativer Reichstags-Kandidat und Agitator in einem politischen Prozeß über einen Sozialdemo- kraten zu Gericht sitzen? Eine Entscheidung über diese eigenartige Frage wurde heute vor dem Dresdener Landgericht pro- vozirt. Genosse Arno Reichard sollte sich vor der 4. Strafkammer wegen Privatbeleidigung zweier Fabrikbesitzer(Biesold und Locke) in Meißen verantworten. Er hat in einer Versammlung die Zustände in der Fabrik jener Herren scharf kritistrt, und nun nimmt sich die Staatsanwaltschaft der Kläger im so- genannten öffentlichen Juteresse an, und die Sache kommt vors Landgericht— weil mit Rücksicht auf die„vorbestrafte Persönlichkeit des Beschuldigten" und seine„planmäßige Verhetzung der Metallindustriellen" eine hohe Bestrafung in Erwartung stünde. In der heutigen Verhandlung lehnte Reichard den Landrichter Rose»Hägen als befangen ab. Rosenhagen ist beider 1893 er Wahl in dem 4. sächsischen Reichstags-Wahlkreis, in dem Reichard schon seit 6 Jahren öffentlich thätig ist, als Kandidat ausgestellt gewesen. Reichard ist ihm damals in öffentlichen Wahlversammlungen heftig entgegengetreten. Er geht nun von der Ansicht aus, daß Landrichter Rosenhagen gegen ihn befangen sein müsse. Er wende sich mit seiner Ablehnung nicht gegen de» politischen Gegner, sondern gegen de» konservativen Agitator, der Recht spricht, obwohl er als Gesetzgeber mit fungiren will, weil er bei Wahlen zu gesetzgebenden!törperschasten kandidirt. Diese Ablehnung wurde abgewiesen. Reichard erhob dagegen sofort Beschwerde. Er stellte noch Beweisanträge, die dahin gingen: Handelskammer-Sekretär Schulze soll aussagen, daß die Beleidigten in der Dresdener Handels- und Gewerbekammer allgemein als inkoulante Geschäftsleute gelten. Die Gefängnißordnung und die Verhaltungsvorschriften der Gefangenen in sächsischen Gefängnissen solle» im Vergleich zu der rigorosen Arbeits- ordnung von Biesold u. Locke darthun, daß die sächsischen Gefäng- nisse ein„Paradies" gegen die Nähmaschinenfabrik der Beleidigten sind, wie es Reichard behauptet hat. Der Staatsanivalt hielt diese Anträge für be- achtlich, ebenso das Gericht, und die Verhandlung wurde vertagt.— Meiiiingen, 6. März.(Privatdepesche des„Vorwärts".) Der Landtag von Sachsen-Meiningen hat soeben das Gemeindegesetz gegen die Stimme des Genossen Wehder angenommen. Künftighin werden auf grund ihrer Steuerleistungen die Reichen in den Städten bis 19 Stimmen, und auf dem Lande in fast unbeschränkter Zahl auf sich vereinen können, indem für je lö M. eine Stimme gerechnet wurde. Die Wahl von Sozialdemokraten in den Stadtvertretnngen kann künftighin als ausgeschlossen gellen. Jetzt haben wir Vertreter i» Saalfeld, Pößneck, Sonnebcrg, Salzungen und in vielen Landorten. Der Regiernngsvertreter gab die beabsichtigte Fernhaltung unserer Parteigenossen von de» Wahlen unumwunden zu.— Aus Lich wird der„Mitteldeutschen Sonntags-Zeitung" ge- schrieben: Eine Anzahl hiesiger Kleingrundbesitzer hat der zweiten hessischen Kammer eine Petition zugehe» lassen, in welcher um„ge- setzliche Maßnahnren gegen die Ausdehnung des Fürstlich Solms- Hohensolms-Lichschen Waldes in hiesiger Gemarkung" gebeten wird. — Das ist wieder ein trefflicher Beleg für die Unsinnigkeit des Wortes von der„Interessengemeinschaft der kleinen und großen Bauern". Diese„großen Bauern" ä la Fürst von Lich sitzen den Kleinen wie ein Dorn im Fleische. Die Großen in der Landwirth- schast sind genau so gut die natürlichen Feinde der kleinen Bauer», ivie die Großindustriellen die natürlichen Feinde der Handwerker sind. Beide untergraben die Existenz der Kleinen. Sie haben das Bestreben, immer größer, immer reicher zu werden; das können sie natürlich nur auf Kosten der Kleinen. Eine Interessengemeinschaft zwischen Kleinen und Großen kann es nicht geben und giebt es nicht.— Oesterreich. — Von der Wahlbewegung. Ueber unsere Wahlaus- sichten in Böhmen schreibt die liberale„N. Fr. Pr.": Bei den Wahlmännerwahlen i» der fünften Kurie in Komotau erhielten die Deutsch-Nationalen sämmtliche 24 Stimmen. Die Sozialdemokraten hoffen trotzdem ans den S>eg, wenn die fortschrill- lichen Wahlmänner am 12. d. M. für sie stimmen. Von den 13 Abgeordneten der fünften Kurie, welche Böhmen zu wählen hat, entfallen 11 auf czechische und 7 aus deutsche Bezirke. Die Juugczechen haben i» sämmtlichen 11 Bezirken Kandidaten ausgestellt. Die zwei Bezirke Smichow- Kladno und Pilsen geben sie jedoch nach dem Ausfallen der Wahlmännerwahle» mit ziemlicher Sicherheit an die Sozial- Demokraten verloren. Die Chancen im Bezirke Jnngbunzlau, wo Hermann Janda kandidirt. sind ungewiß. Es dürfte dort nur auf eine geringe Anzahl von Stimmen ankomme». In den sieben deutschen Bezirken daben die deutschen Parteien nur sechs Kandidaten aufgestellt. In Eger ist von deutscher Seite bisher kein Kandidat nomiuirt worden. Sicher verloren für die Deutschen ist der Bezirk Leiimeritz, in welche»» Krzepek gegen den Sozialdemokraten Echrammel kandidirt. Letzterer hat die Majorität der Wahlmänner für sich. Ziemlich günstig stehen dagegen die Chancen für die Deutsch- Fortschrittlichen in den Bezirken Trautenau und Mies. Der Bezirk Reichenberg, wo die Deutsch-Forlschrittlichen geineinsam mit den Deutsch-Volklichen den bisherigen Abgeordneten Kiudermann kan- didiren, ist sehr gefährdet. Hier dürfte der Sozialdemokrat Hanich durchdringen. Im 1. Bnkowinaer-Wahlkreise gaben 819 Wahlmänner ihre Stimmen ab, auf unsere» Kandidaten entfielen 89. Wie wenig die Liberalen bei den Wahlen der V. Kurie bedeuten, geht aus der folgenden Meldung hervor: Die ani 6. März von der liberalen Partei einberufene Wählerversammlung des ersten Wahlkreises in Wien, fünfte Kurie, war von mehr als 2999 Personen besucht. Der liberale Kandidal Frauen- berger wurde ruhig angehört. Nach einer längeren Diskussion wurde bei der Abstimmung der sozialdemokratische Kandidat Reumann ein- hellig akzeptirt.— Die Christlich-Sozialen in Wien arbeiten mit allen Mitteln der Wahlbeeinflussung. Sie erregen Skandale, Krawalle, scheuen vor nichts zurück,»m ihr Ziel zu erreichen. Charakteristisch für die Wahlmanöver dieser Partei ist die folgende Meldung aus Wien, die sich die„Norddeutsche Allgem. Zeitung" telegraphiren läßt: EineDeputation von christlich-sozialen Wählern verlangte von, Statt- Halter für Nieder-Oesterreich für den 9. März, den Wahltag der S. Kurie. zur Aufrechterhaltung der Ordnung ein Militäraufgebot auf der Straße, welche Forderung der Statthalter mit der Erklärung ab- lehnte.»S sollten mit größter Vorsicht Vorkehrungen getroffen wer- den, um die Freiheit der Wahl zu wahren. Ungartt. Budapest, S. März. Die liberale Partei deS siebeuten Bezirks beschloß in einer heute Abend stattgehabten Versammlung, Morzsanje. der sein Mandat als Abgeordneter niedergelegt hatte, wiederum als Kandidaten aufzustellen.— �. Wahrscheinlich sind die liberalen Wähler des Herrn Morzsanze ebenso viel werth, wie ihr korrupter Abgeordneter.— Frankreich. Paris, S. März. In der Kammer beantragte der Sozialist Charpentier unter Befürwortung der Dringlichkeit, �in jedem Departement eine Untersuchungs-Kommission zur Prüfung der Arbeiterverhält nisse einzusetzen. Die Kammer verwarf die Dringlichkeit aus Wunsch des Handelsministers mit 399 gegen 17S Stimmen und nahm dann die Diskussion über die Stellen- vermittelungs-Bureaus wieder auf. Der erste Artikel dieser Vorlage lautet dahin, daß die Arbeiterplacirungs- bureaus ohne Entschädigung innerhalb fünf Jahren zu beseitigen sind. Der Abg. C o n t a n t brachte eine Gegenvorlage ei», welche dre so- forjige Aufhebung verlangt. Behalte man sie bei, so hieße dies dre Traditionen des Kaiserreichs fortsetze», welches es für nothwendig erachtete, die produktive Demokratie unter das Auge der Polizei zu stellen. Deshalb verlangten die Arbeiter die Beseitigung dieser Polizei- Offizinen. Die Arbeitervereine seien bereit zur unentgelt- lichen Placirung der Arbeiter. An der Kammer sei es. ihre rechtmäßigen Forderungen zu erfüllen. Berichterstatter Berry bekämpfte die Gegenvorlage und erklärte, wenn man die Bureaus sofort aufhebe, gebe man den Arbeitervereinen das Monopol, die Arbeiter zu placire». Sozialist Faberot wunderte sich, daß man die sofortige Beseitigung verweigere. Die Stellenvermittler hätten niemals aufgehört, die Gesetze zu verletzen, und in ihren Bureaus seien stets finstere Umtriebe geboren worden. Habe man nicht m den letzten Jahren Bomben platzen sehen, die aus der Polizei- präfeklur fabrizirt worden seien?(Ausrufe.) Präsident Briffon fordert Redner auf, keine derartige Sprache zu führen, denn er könne solche Anklagen nicht dulden.(Lärm auf der äußersten Linken.) — Das Gericht von Albi verurtheilte am 2. Januar in« folge der Unruhen, die am 29. November gelegentlich der Volks- Versammlung des Genossen Jaurös in Carmaux stattfanden, den früheren Maire von Carmaux, Calvignac, zu S Tagen Gesängniß wegen Verletzung verschiedener Personen, so besonders des Administrators der Arbeiter- Glashütte Aucoutarier, ferner zu 19 Tagen Gesängniß wegen Ver- letzung eines anderen Administrators der Arbeiter-Glashütte und zu lö Tagen wegen Verletzung dreier Arbeiter. Am Mittwoch beschäftigte sich das Appellgericht von Toulouse mit der von Calvignac eingelegten Berufung und fällte gestern sein Urtheil dahin, daß es den frühere» Urtheilsspruch bestättgle. Infolge dessen muß Genosse Calvignac, der am 27. Juni 1392 bereits zu 49 Tagen Gesängniß wegen Beleidigung des derzeitigen Bürgermeisters von Carmaux verurlheilt worden war, seine verschiedenen Strafen nun- mehr absitzen.— England. London, S.März.(Eig. Ber.) In Halifax ist. wie wir schon telegraphisch meldeten, der Liberale gewählt worden. Gegen 1895 sind die liberalen Stimmen um S79 gestiegen, die der I. L. P. um 1818 gefallen. Die Wahlbetheiligung Ivar außerordentlich stark, mehr als 99 pCt. der eingeschriebenen Wähler. Der Rückgang der sozialistischen Stimmen ist zweifelsohne darauf zurückzuführen, daß man zu einseilig sich aus die Politik des „Zerschmetteriis der Liberalen" verbissen hat. Bei einer Uebermacht der Konservativen im Parlament, wie England sie nie zuvor gesehen, war es nicht zu erwarten, daß die Masse der Wähler diese Politik mitmachen würden. Natürlich muß man den englischen Liberalismus nicht mit dem des Festlandes verwechseln, Billson's Programm war ökonomisch und politisch sehr radikal.— Spanien. — Die Regierung hat die in dem Amnestie-Erlaß vom 18. April 1895 den Deserteuren gesetzte Gestellungsfrist bis zum 39. Juni dieses Jahres verlängert.— Rustland. — Die Ordnung herrscht in Petersburg. Die im „Vorwärts" seinerzeit gemeldeten Verhaftungen, welche in St. Peters- bürg im Dezeinber 1695 stattfanden, endeten mit Verurtheilungen der folgenden Personen: Zur Verschickung nach Ost-Sibirien auf 5 Jahr wurde der Stu- dent des Technologischen Instituts Peter Saporoschetz ver- urtheilt. Zur Verschickung nach Ost-Sibirien auf 3 Jahr: Rechtsanwalt Wladimir Uljanow, Maschinen« Ingenieur Gljeb K r s ch i s ch a n o w s k y, der ehemalige Student Ju ly Zeder- bäum, Maschinen- Ingenieur WassilyStarkow, Student des Technologischen Instituts Anatoly Wanjeew. Privat- arzt Jakob Ljachowsky und der Beamte P a n t e l e y Lepeschinsky. Zur Verschickung nach Gouvernement Archangelsk auf 3 Jahre: Maschinen-Jngenieur Alexander Maltschenke, Bibliothekarin Elisabeth Akrinsky, Privailehrerin Wiera Säbel jen, Maschinen-Jngenieur Eugen Bogatiren, Student der Univer- silät Pawel Romanenke und die Arbeiter N i k o l a j Iwanow und Wassily Schelgnnow. Zur Verschickung nach dem Gouvernement Wologda auf 3 Jahre wurde der Student des Technologischen Instituts Malischewsky verurlheilt. Folgende Personen wurden unter besondere Polizei- Aufsicht gestellt: Student des Technologischen Instituts Mark S ch a t und die Arbeiter Boris Sinowjew, Peter Karamischew, Iwan Jakowlew und Iwan Ba« buschkin.—_ Erklärung. Ein Mitarbeiter der„Neuen Zeit'' schreibt für deren letzte Nummer unter dem Titel:„Vor dreißig Jahren" eine Ehrenrettung oder richtiger Verherrlichung des Herrn von Schweitzer, dessen Haltung, besonders in den kritischen Jahren 1365, 1866 und 1867 durchaus „korrekt" gewesen sei; der„das Richtige getroffen und mit einer in ihrer Art meisterhaften Geschicklichkeit die junge Bewegung geleitet" habe u. s. w. Ueber die Nolle des Herrn von Schweitzer will ich mich jetzt nicht auslassen. Was der Mitarbeiter der„Neuen Zeit" persönlich von einer Person hält, das ist seine Sache. Ich bestreite ihm nicht das Recht, seinen Helden zu loben, aber er thue es nicht auf Kosten anderer. So schiebt er mir den Unsinn unter, ich habe„eine kommunistische Propaganda- Gesellschaft" er- strebt— im Gegensatz zu Schweitzer, der eine„politische Partei" gewollt habe. Das ist, so weit ich in Frage bin, eine Legende, für die auch nicht der leiseste Anhalt vorliegt. Gerade ich wollte„eine politische„Partei" und bekänipfle Schweitzer, weil er diesem Ziel entgegenarbeitete. Und die„Internationale Arbeiterassoziation", die ich, als Rahmen der deutschen Arbeiterbewegung, an stelle des Allgemeinen deutschen Arbeitervereins zu setzen wünschte, war doch wohl keine„kommunistische Propaganda- Gefell- schast". Uebrigens hat Schweitzer mir wiederholt vor- geworfen, daß ich aus der Sozialdemokratie„eine politische Partei" machen wolle. Und noch eins. Wenn der Herr Mitarbeiter der„Neuen Zeit" von Marx sagt, er habe vier Jahre nach dem bekannten Bruch mit Schweitzer„willig die Energie und Thatkraft Schweitzer's anerkannt", so ist das wörtlich wahr. Die Wahrheit bedarf aber der Ergänzung, daß Marx bis zu seinem Tode über den Charakter und daS Handeln des Herrn v. Schweitzer genau derselben Meinung war. wie zur Zeit deS Bruchs, und daß \ c§ ihm nie eingefallen ist, zu glauben, er sei damals„über Schweitzer's Absichten unzutreffend"— wohl durch mich?— „berichtet worden". B e r l i n. den 6. März 1897. W. Liebknecht. VsvIsttnenkÄvtfches. Die Ul»fallvcrsichernngs-Not>eNe»-Ko»»»issiou gelangte in chree gestrigen Berathung bis zum Z S8. Die Absti»i»>»»g über die wichtigsten Anträge, insbesondere darüber, ob ju der ersten Festsetzung der Rente Zl''beitcr und Arbeitervertreter hinzugezogen werden solle», i»urd? ausgesetzt. Wir werden nach der Abstimmung, die am Dienstag stattfinden soll, über die wichtigeren Anträge und Beschlüsse in Zniommenhang berichten. Handelsgesctzbnchs-Kouimissio». Die Berathung beginnt am Sonnabend beim dritten Buch,„ H a n d e l s g e s ch ä s t e" betreffend. Der Z 336 wird angefochten, um dasjenige Geschäft, das nur für einen der beiden Theile ein Handelsgeschäft ist, nicht dem Handelsgesetzbuch, sondern dem Bürgerlichen Gesetzbuch zu unter- fielleii. Der Antrag hat einen agrarischen Charakler. Er will die Ostelbier von den„Chikanen der Kausleute" befreien, die angeblich beim Einkauf und Verkauf von Produkten und Gebranchsartikeln angewendet werden sollen. Der Antrag wird abgelehnt und die Vorlage angenommen. Der Z 337 setzt fest, daß in Ansehung und Wirkung von Handlungen und Unterlassungen ans die im Handelsverkehr gellenden Gewohnheilen und Ge- brauche Rücksicht zu nehmen ist. Hinzugefügt wird, daß hier nur K a il f l e u t e in betracht kommen.— Der§ 339 wird gestrichen, ebenso die ßZ 3cl0— 343, wodurch die Bestimmungen des B.-G.-B.— die der Regiernngs-Entwurf in bezng auf Vertrags strafen. Vorausklage des Bürgen, schriftliche Bürgschaft, Schuld: versprechen und Schrüdanerkenntniß, Zinsforderungen beseitigen will— für alle derartigen Geschäfte wieder zur Älnweudnng kommen.— tz 344 legt die Höhe der gesetzlichen Zinsen mit Einschluß der Verzugszinsen bei Handelsgeschäften auf b pCt x. a. fest. Beantragt werden 4 pCt. wie im B.-G.-B. Der Paragraph wird gestrichen sS5 345-353 :3 handelt werden an sich um die und somit bleibt es bei 4 pCt.— Die genommen, der H 354 wird gestrichen. unverzügliche Beantwortung von Geschästsanträgeu. Das Bürgerliche Gesetzbuch tritt mit denßluoch strengeren Be stimmungen an die Stelle des gestrichene» Z 354.— Ohne Debatte werden angenommen die ZZ 355—411. Sodann werden alle Ab- schnitte des Handels- Gesetzbuchs bis Schluß ohne Veränderung er- ledigt. Ans Anfrage erklärt die Regierung, daß ein Verlagsrecht für den deutschen Buchhandel in Vorbereitung sei, das thnnlichst die Wünsche und Usancen des Buchhandels berücksichtigen werde. Für das E i n f ü h r n u g s g e s e tz beantragen die Sozial- demokraten, den 6. Abschnitt, Handlungsgehilfen und Handlungs- lehrlinge treffend, bereits am 1. Januar 1898 in kraft zu setzen. Der Antrag wird für die zweite Lesung zurückgestellt; es besteht einige Wahrscheinlichkeit auf Annahme dieses Antrages.— Betreffs der Konkurrenzklausel wird beantragt, diese auch ans die Betriebs- leiter, die der Gewerbe> Ordnung unterstellt sind, auszudehnen,.— das sei ein Gebot der Pflicht, da die genannte Kategorie von Be- nmten zc. jetzt gänzlich schutzlos dastehe. Auch dieser Antrag wird bis zur zweiten Lesung zurückgestellt.— Sodann werden noch einige Aendernngen im tz 90d des Genossenschaftsgesetzes angenommen' Die Sozialdemokraten künden für die zweite Lesung die Ein- bringnng einer sttesolntion an, in welcher die Regierung auf- gefordert werden soll, die Frage der Errichtung von kaufmännischen Schiedsgerichten und Handelsinfpektorcn zu regeln. Hierauf wird die erste Lesung des Handelsgesetzbuchs und des Einsührnngsgesetzes beendet. Die zweite Lesung wird voraussichtlich in ca. 10 Tagen statt- sinden. Bei der Biirgcrausschuffwahl der 3. Klasse in Ladenburg in Baden wurden zum ersten Mal die sozialdemokratischen Kandi- daten gewählt, und zwar mit 120 Stimmen, während die vereinigten Gegner nur 60—70 Stimmen erhielten. Ter Gcncralrath der Sozialdemokratische» Federation Englands beschloß, das Verbot jeglicher industrieller Thätigkeit für Kinder unter 16(?) Jahren anzustreben. Zu dem Zwecke der Agitation für diese Forderung sollen in allen größeren Städten Versammlungen abgehalten werden. Todtenliste der Partei. In Lübeck ist der Zimmerniann Karl Meyer, langjähriges Mitglied der Partei sowohl wie der Zimmerer-Organisation, ans dem Leben geschieden. Er hat auch in den schlimmsten Zeiten im Vordertreffen gestanden, in Wort und That unermüdlich und selbstlos die Interessen der Arbeiter vertreten und das seinige dazu beigetragen, daß die Sozialdemokratie in Lübeck zu der heutigen Bedeutung gelangte. Ehre seinem Andenken! Polizeiliches, Gerichtliches er. — Wegen Beleidigung des Werkmeisters S t e i n e r t von der Firma Ewers u. Co. in Lübeck wurde von dem dortigen Schöffen- gericht der Parteigenosse Friedrich als verantwortlicher Redakteur des„Lübecker Volksboten" zu drei Wochen Gesang n iß ver- urtheilt. Der Vertreter des Privatklägers hatte auf eine geringe G e l d st r a f e plädirt. Mit den früher gegen ihn erkannten Strafen hat nun der Parteigenosse Friedrich insgesammt 1 Jahr 6 Wochen Gefängniß zu verbüßen. — Das Breslauer Landgericht als Berufungsinstanz er- kannte in der Anklage wider die Genossen Geiser, Kühnel und Frau Kay ser, die durch Beranstallung einer geselligen Ziv sanimenkunft eine nicht angemeldete Versammlung abgehalten nud dadurch das Vereinsgesetz übertreten haben sollten, vom Schöffengericht aber freigesprochen worden waren, ebenfalls auf Fm- sprechung. Ebenso in dem Prozeß gegen de» Parteigenossen Redakteur Zahn, der grobe» Unfug dadurch begangen haben sollte, daß er die Resolution einer Berliner Gewerkschaflsdelegirten- Versammlung i» der„Volksmacht" veröffentlichte, des Inhalts, man solle die streikenden Hamburger Hafenarbeiter unlerstützen und den Zuzug nach Haniburg fernhalteii. Weiter sprach das Landgericht Frau Geiser, die wegen Beleidigung des Polizeikommissars Leder zu 50 M. Geldstrafe verurtheilt war, kostenlos frei. — In Frankenhaiisen verbot die Polizei die Abhaltung einer Volksversammlung, wo der Parteigenosse Manfred Witlich aus Leipzig über die materialistischeGeschichtsauffassiing sprechen sollte. Das Landrathsamt wies die Beschwerde hierüber mit der Begründung ab. es sei bestimmt zu erwarten, daß der Referent das gewählte Thema im Sinne des Klassenkampfes und zum Zweck einer systematischen Agitation behandeln werde, weshalb man mit der Polizeiverwaltung dahin übereinstimme, daß es sich hier um eine Versammlung handle, die„zur Förderung von Verbrüderungen mit den im Sinne tz 8 der Verordnung vom 23. Mai 1856 bezeichneten Zwecken bestimmt" fei. Gegen diesen landräthlichen Entscheid wurde sofort telegraphisch beim Ministerium Beschwerde geführt, damit die Versammlung noch zur bestimmten Stunde abgehalten werden könne. Das Ministerium forderte aber schriftlichen Bericht, dieser ging sofort ab, und das Resultat war, daß das Ministerium das Verbot aufhob, sodaß die Versammlung noch zu dem bestimmten Zeitpunkte abgehalten werden konnte. Der in dem landräthlichen Entscheid erwähnte tz 8 lautet: „Arbeitervereine und Verbrüderungen, welche politische, sozialistische oder kommunistische Zwecke verfolgen, werden andurch als ordnuiigs- widrig verboten."_ Berlin und Umgebung. Tie Maler und Laefirer der Proviuz Brandenburg er- klärten auf ihrem kürzlich in Eberswalve abgehaltenen Pro- vinzialtag, bei eventuellen Lohnkämpfen unter allen Umständen folgende Forderungen stellen zu wollen: 1. Einführung eines Minimallohnes, den örtlichen Verhältnissen angepaßt; 2. Verkürzung der Arbeitszeit 3. Abschaffung der Kündigungsfrist und des Kost- und Logis- Verhältnisses bei den Meistern; 4. Einführung eines Arbeits- Nachweises.— Lohnbewegungen waren im vergangenen Jahre in Berlin und K o t t b u s zu verzeichnen. Die in Berlin ist für die Arbeiter erfolgreich gewesen, die in K o t t b u s hat wegen des große» Zuzugs, namentlich von Berlin und Dresden, zu un- gunsten der Arbeiter geendet. Deutsches Reich. Aufruf an alle Gcwcrbegerichte und Kartelle! Eine für größere Arbeiterkreise nicht unwichtige Schutzfrage wird vom preußischen Gewerbeminister soeben erwogen und untersucht und vermuthlich ebenso von den Regierungen der übrigen deutschen Staaten erwogen, auch wenn dort noch nichts in die Oeffentlichkeit gedrungen ist. Es handelt sich um die schon 1390/91 vom Reichstag in tz 154, Abs. 3 der Gewerbe-Ordnnng grundsätzlich beschlossene Ausdehnung des Arbeiterschutzes auf Werkstätten mit Motoren, die nachträglich durch Artikel 9 des Arbeiterschutz- gesetzes vom 1. Juni 1391 wieder vom Erlaß einer kaiserlichen Ver ordnung abhängig gemacht worden ist. Mit dieser Verordnung hat man nunmehr sechs Jahr gewartet und jetzt, wo endlich amtlich einige vorbereitende Schritte' für den Erlaß gelhan werden, geschieht dies so, daß die Gesammtheit der Arbeiter keine Gelegenheit zur Meinungsäußerung bekommt und daß schon im Vorstadium ver- sucht wird, die Ausführungsverordnung durch Einfügung zahl: reicher Ailsnahmen zu einer Abschwächung des Reichstags-Beschlusses zu machen. Es handelt sich im wesentlichen darum, zu bewirken, daß die Vorschriften, betreffend jugendliche Arbeiter von 13— 16 Jahren und der gesetzliche Sechs- bezw. Zehnstundentag für dieselben unbeschränkl auch für Werkstätten mit Motoren, also die Kleiiiindnstrie, eingeführt ivird. Einstweilen können in solchen Betrieben noch Kinder bereits vom 12. Lebensjahr ab beschäftigt werden, und der preußische Minister giebt in seiner hier in Frankfurt bekannt gewordenen Anfrage sehr deutlich zu verstehen, daß er„Erschwerungen des Handwerksbetriebs ferngehalten" wünscht, daß die„Existenzbedingungen besonders des kleinen Handwerkerstandes jede zulässige Berücksichtigung erfahren" sollen und daß kleineren Anlagen mit Motoren„eine das Maß des tz 135(Verbot der Beschäftigung vor vollendeter Schulpflicht, Sechs. und Zehnslundentag und Verbot der Nachtarbeit) der öeiverbe Ordnung überschreitende Beschästigungsdauer der jugendlichen Arbeiter dann gestattet werden solle, wenn nach ärztlichem Zengniß die körperliche Entwickelnng des Arbeiters die beabsichtigte Beschäftigung ohne Gefahr für die Gesundheit zulasse". Nun gilt eS aber gerade, bei diesem Anlaß Bresche iu die nn- glanbliche Lehrlingszüchterei zu legen, welche vorzugsweise in der Kleiiiindnstrie herrscht und die z. B. für Schlossereien, welche ja auch zum theil schon in Großstädten mit Kleinmotoren arbeiten, soeben wieder amtlich durch die Jahresberichte der bayerischen Ge iverbe-Jnspektoreu für 1896 bestätigt wird. Wir richten deshalb an die Genossen, welche Beisitzer an deutschen Gewerbegerichten sind, die dringende Aufforderung. wenn sie von oben herab über die Sache nicht befragt werden, von unten herauf unter Berufung auf Paragraph 70, Absatz 3 des Gewerbegerichts-Gesctzes den Antrag an ihre Stadt- behörde zu stellen, daß ihr Gewerbegericht über die Ausdehnung des Arbeiterschutzes auf die Kleinindustrie gehört wird bezw. Stellung zur Sache nimmt, und ebenso bitten wir die Vorsitzenden und Vertrauensmänner der örtlichen Gewerkschafts-Kartelle und Kommissionen, die Angelegenheit, so weit ihre Organisationsform ihnen dies erlaubt, zur Besprechung zu bringen. ES gilt, für die Arbeiter der Kleinindustrie etwas zu er kämpfen! Redaktion der„Volksstimme" in Frankfurt a. M. Tie Graveure, Ziseleure uud verwandte BcrufSacnosseu beschlossen bekanntlich auf ihrem zweiten Kongreß, einen Zentral- verband für Deutschland zu gründe». Derselbe hat, wie im„Vorwärts" schon niitgetheilt wurde, am 1. Februar seine Thätigkeit begonnen. Beilrittserkläruugen sind unter Angabe von Name, Stand, Wohnung, Alter und Geburtsort beim 1. Verbands- Vorsitzenden Ernst Brückner, Graveur, Berlin, Mariannen- platz 5, Hof 2 Treppen, oder beim 1. Kassirer Karl S i w e r t. Bcrlin-Nixdorf, Hobrechtsir. 4 IV., anzumelden. An solchen Orlen, wo eine Zahlstelle oder ein Bevollmächtigter des Verbandes ist, kann der Beilritt dort bewirkt werden. Das ausführliche Protokoll über die Verhandlungen des II. Kongresses ist gegen Einsendung von 20 Pf. in Briefmarken durch Grihl in Berlin-Rixdorf, Hobrechtstr. 4 III., zu beziehen. Den Ortsgruppen ist zu empfehlen, die Broschüre partienweise zu beziehen. Arbeiterblätter werden um Abdruck gebeten. GcwerkschaftS- Abrcchuuugeu. Deutscher Holz- arbeiter-Verband. 3. Quartal 1896. Mitgliederzahl 40 222. Zuwachs gegen das 2. Quartal: 682. Zahlstellen: 432. Zu- wachs: 15. Kassenbestand vom 2. Quartal: Zahlstellen: 27 573,25 M., Hanptkasse 97 019,20 M., zusammen 124 392,45 M. Einnahme: 76 896,68 M. Ausgaben: 41 678,43 M., darunter: Reise- Unterstützung: 5339,39 M., Gemaßregelten- Unterstützung: 363,10 M. An Saldo pro 4. Quartal verbleiben: 159 810,70 M. De» orgauisirten Tischler» in Elberfeld- Barmen ist vom Hauptvorstand des Holzarbeiter- Verbandes die zur Führung des Streiks nölhige finanzielle Unterstützung jetzt bewilligt. Die Unter- nehiner haben einige Zugeständniffe gemacht, die Hauptsorderung, den Neunstundentag, wollen sie jedoch nicht bewilligen. Ter Vorstand des christliche» Gewerkvercins der Berg- leutc hat bekanntlich den Zechenverwaltungen in einer vom LI. Februar datirten Eingabe die Lohnforderung von 10 pCt. vor- gelegt. Die Eingabe enthalt in übersichtlicher Anordnung ziffern- mäßige Nachweise über die von den Zechen in den letzten Jahren vertheilten G e iv i n n e. Das nothwendige Einkommen eines Berg- inanns, der eine Familie zu ernähren hat, wird in der Eingabe auf monatlich 123 M. berechnet, während im Ruhrgebiet die Hauer- löhne im dritten Quartal 1396 monatlich nur 97,75 M., die Schichtlöhne gar nur 69.25 M. betrugen. Die„Deutsche Berg- und Hüttenarbeiter-Zeitung" bemerkt dazu:„Also auch wenn eine Verbesjerung des Lohnes um 10 pCt. erfolgt, dann haben die Verdienste noch lange nicht den Stand erreicht, den der Vorstand des Gewerkvereins für erforderlich hält, um einer Familie damit ein anständiges Leben zu gewähren. Uebrigeiitz ist der berechnete Familieulohn, besonders was Mielhe und Steuer anlangt, viel zu niedrig gegriffen. Wir werden nun sehen, wie die Zechen sich dieser sehr bescheidenen Forderung gegenüber verhalten werden." In Bochum legten die K e s s e l f ü h r e r des st ä d t i s ch e n Gas- und Wasserwerkes die Arbeil nieder, weil ihnen der geforderte höhere Lohn nicht bewilligt worden ist. Für die Weistenfelser Schuhmacher sind beim Kassirer Hugo Kirchner von der Charlottenburger Gewerkschaflskominission 110,05 M. und aus Limbach i. S. 23 M. Unterstützung ein- gegangen, was auf besonderen Wunsch hiermit quiltirt wird. Wirkung der öffentliche» Kritik. Der„Vorwärts" konnte schon oft von den Erfolgen der Metallarbeire r-B e w e g u g g in Dresden- Neu st adt berichten. Kürzlich wurden wieder in einer nach lausenden zählenden Versammlung die Zustände in den „Vereinigten Eschenbach'scheu Werken" iu Dresden und Radeberg krilisirt. Es ist dies eine Fabrik für Blechwaaren, die für die Aktiv- näre nur 20 pCt. Dividende abwarf, während es den Arbeiter» sehr schlecht geht. Es ivurden iu der Versammlung hauptsächlich fauitäre Mißstände der Fabrik kritisirt. So dürfen in den Löthsälen, wo die Temperatur nicht selten aus 30—40 Grad Celsius steigt und die Luft von brennenden und Sänredünsten geschwängert ist. die Klempner mit Rücksicht auf die in der Nähe wohnenden Offiziere die Fenster nicht öffnen, obwohl in den Sälen keine Ventilation vorhanden ist, ja sogar die Dunströhren der eingebauten Aborte ein- münden. Die Versammlung wurde bekannt gegeben und schon vor ihrem Statlfinden trafen die Fabrikanten Aeuderungen in den Lohnverhältnissen. Jetzt müssen nun auf behördliche Veranlassung Ventilatoren gebaut und die Mißstände abgestellt werden. Die In- Haber anderer Betriebe beginnen nun auch Aeuderungen zu treffen. Die Metalliudustriellen schnansen, die Arbeiter erkennen die Krilik dankbar au, sie organisireu sich. Seit Beginn dieser Bewegung hat die Mitgliederzahl des deutschen Metallarbeiter-Verbandes in diesem Bezirk sich verfünffacht. Ter Redakteur der„Teutscheu Metallarbeiter-Zeituug", Genosse I. Scher m in Nürnberg, wurde wegen Veröffent- lichung eines Artikels, worin der Kesselfabrikant Gutsche in Crimmitschau beleidigt sein soll, vom Schöffengericht in Crimmitschau zu 150 M. Geldstrafe oder 30 Tagen Haft und zu den üblichen Nebenstrafen verurtheilt. I» Qffenbach und Qberrad haben die S ch u h f a b r i k a n t e n auf die Lohnforderungen der Gehilsen ablehnend geantwortet. Ucber den Streik in der Spinnerei in Erlangen ist mit- zutheilen: Am Donnerstag wurde zwischen den Arbeitern uud Arbeiterinnen und der Direktion abermals verhandelt, und zwar im Beisein des Vorsitzenden des Gewerbegerichts, dem Bürgermeister Fränger. Leider ließ sich die Direktion zu einer Einigung nicht herbei. Sie will unbedingt nach dem alten Lohntaris nicht mehr be- zahlen. Der Streik dauert deshalb unverändert fort. Die Textil- arbeiter Deutschlands werden ersucht, den Zuzug streng fernzuhalien und den Ausständig:» auch sonst thatkräflig zur Seile zu stehen. Briefe u. s. w. sind zu richten an I. M o r g e n e i e r in Erlangen, Waldstraße 23. Ausland. Aus London wird der„Köln. Ztg." berichtet: Am Donnerstag fand eine Besprechung der Unternehmer und der Vertreter der Arbeiter der M a s ch i n e n b a u- A n st a l t e n der N o r d o st k ü st e in Newcastle insbesondere über die Lohnfrage statt; die Ver- lreler der Arbeiter von Tyue, Sunderland und Hartlepool ver- warfen den Ausgleichsvorschlag der Unternehmer. Der Schiefcrarbeitcr- Ansstaud in Nord- WalcS ist in ein neues Stadium getreten. Lord P e n r h y n hat sich endlich breitschlagen lassen, den Arbeitern einen halben Schritt entgegen- zukommen. Er besteht nicht mehr darauf, daß der Stenograph»nd der Dolmetscher der proponirten Konserenz aus den Reihen seiner � Leute genommen werden, sondern will nur, daß man sich vor der Konferenz über ihre Personen ver- ständige. Darauf sind die Slrbeiter eingegangen und haben ans ihrer Mitte drei Vertreter gewählt, die die Verhandlungen wieder aufnehmen sollen. Die Versammlung, wo dies geschah, trug einen fast weihevollen Charakter, wie er dem religiösen Geist der dortigen Bevölkerung entspricht. Neben Gewerkschaftlern und Sozialisten waren es auch fast nur religiöse Sektirer, welche zu den Uuterstützniigen für die Ausgesperrten Nenneiisiverthes beigesteuert haben. MnkevnehnretHDevlmnve. Ein Syndikat von Posaineuteufabrikanten» die im Besitz der iieuersiludenen Eiuzel-Perlhäkelmaschine System Ledreux sind, bat sich im sächsischen Erzgebirge gebildet. Es hat seinen Sitz in B u ch h o l z; gegründet ist es von 21 Fabrikanten der Städte Anuabcrg, Buchholz uud Schetbenberg. Die Zahl der von diesen Fabrikanten beschäftigten Maschinen betrügt 97. Alleiniger Zweck des Syndikats ist, wie die Zeilschrift „Industrie" mittheilt, die Posamenten-Jndustrie„durch gegenseitigen Schutz und Wahrung der Interessen zu heben und jedem Mitglied zur Aufgabe zu stellen, durch Vertrauen wieder Vertrauen zu wecken". Eine Genossenschaft der östcrrcichisch-ungarischeu Zucker- fabriken, das Seilenstück zum deutschen Rohzucker-Syndikat, hat sich am 20. Februar in Prag konstituirt. Bis jetzt gehören der Ver« einiaung 46 Fabriken an. Wegen dieser geringen Betheiligung wurde beschlossen, daß die Genoffenschaft ihre Thätigkeit betreffs Regelung der Produktion und Verkaufs deS Produkts erst dann be- ginnen soll, wenn«ine spätere Generalversammlung den Vorstand hierzu ermächtigt. Depeflikzen und lehke Aschvichten. Görz» 6. März.(B. H.) Heute Vorniittag gegen 8 Uhr ist hier ein starker Erdstoß verspürt worden. Es herrscht hier ein heftiger Siroco. Budapest, 6. März.(B. H.) Die Abgeordneten Horansky und Kossuth haben heute im Abgeordnetenhause die Interpellation wegen der Kretafrage eingebracht. Banffy wird dieselbe erst im Laufe der nächsten Woche beantworten. Paris, 6. März.(W. T. B.) Deputirtenkammer. Michelin (radikal) brachte einen Antrag ein, welcher die Trennung von Staat und Kirche bezweckt. Der Jnstizminister Darlan bekämpfte die Dringlichkeit, welche mit 323 gegen 152 Stimmen abgelehnt wurde.— Rouanet(Sozialist) richtete eine Jnterpellaton an die Regierung über die Maßregeln welche die Regierung zu treffen gedenke, um den Geldvergeudungen vorzubeugen, wie sie bei den Südbahneu vorgekommen seien; der Redner klagte ferner darüber, daß man den Wucher mit Petroleum uud die Getreidewucherer, sowie verschiedene in Liquidation befindliche finanzielle Gesellschaften nicht gerichtlich verfolgte; zn tadeln sei es, daß mehr als 150 Mitglieder des Parlaments verschiedenen finanziellen Gesellschaften angehören. Der Jnstizminister erwiderte, die von Rouanet erwähnten Angelegenheiten seien Gegenstand ver- schiedener gerichtlicher Erhebungen gewesen. Die Justiz ver- folge ihren Lauf.(Beifall.) Die Berathung wurde geschlossen. Rouanet brachte eine Tagesordnung ein, in welcher die Regierung aufgefordert wird, dem Gesetze Achtnug zu verschaffen und darüber Erhebungen anzustellen, wen die Verantwortlichkeit treffe. Ter.Ministerpräsident lehnte diese Tagesordnung ab. die die Regieruiig der Schwäche zn beschuldigen scheine und hob mit Entschiedenheit hervor, die Regierung habe ihre volle Pflicht gethan und Energie bewiesen. Mehrere Redner sprachen nuter lebhafter Erregung der Kammer zu gunsten der Tagesordnung Rouanel's, welche indessen mit 294 gegen 235 Stimmen abgelehnt wurde. Sodann wurde mit 291 gegen 180 Stimmen eine Tagesordnung, welche der Regierung Vertrauen ausspricht, ange- noinuien. Athen, 6. Mäxz.(B. H.) Der Marineminister soll, wie ver- lautet, beabsichtigen, seine Demission zu uehnien. Athen, 6. März.(Meldung der„Agence Havas".) Die eng- lischen Kriegsschiffe.Rodney" und„Camperdown", der französische Kreuzer„Chanzy" sowie ein russisches Panzerschiff sind mit 500 Marinesoldalen von Kanea nach Selino in See gegangen. Athen, 6. März.(Meldung der„Agence Havas.") Nach einer hier eingegangeueii Depesche aus Arla ist ein türkisches Trans- portschiff, welches in Salagora an der Käste von Epirns Lebensmittel für die türkischen Truppen gelandet hatte, auf dem Rückwege aufgelaufen. Das Schiff ist sehr schwer beschädigt worden; es wird als verloren betrachtet. Kanea, 6. Marz.�(Meldung der„Agence Havas".) Anläßlich der Vestrafuug der türkischen Gendarmen, welche sich am 2. dieses Monats empört hatten. entstand ein Konflikt zwischen dem Zivilgouverueur Ismail Bey. dem englischen Major Bor. zrovisorischem Bcjehlshaber der Gendarmerie und dem eugli- 'chen Konsul über die Freilassung des Gendarmerie- Unter- ossiziers Ramaday, früheren Kavaffen des englischen Konsulats nud Führers der jüngsten Rebellion unter den Gendarmen. Der Gouverneur hatte einen Verbannnngsbefehl gegen Ramadqy erlassen. Major Bor führte indessen die Untersuchung allein. erklärte Ramaday für nichtschuldig und setzte ihn in Freiheit. Der Gouverneur bestand auf der Ausweisung; es wird eine neue gerichtliche Erhebung vorgenomnien werden. Auf erneuten Befehl des Majors Bor wurden 17 verhaftete Gendarmen heute früh iu Freiheit geseht und ihnen die Waffen zurückgegeben. BeranUvortlicher Aedatieur: August Jacobey in Berlin. Kür den Jnseratentheil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verlag von Max Boving in Berlin. Hierzu» Beilage« u. Uuterhaliungsblatt Hr. 56. liMtpg. 1. Kllkßt Uoksles» Tie Parteigenosse» dcS dritten Wahlkreises nnd deren Frauen lade ich nochmals an dieser Stelle zu regem Besuch der deut(Sonntag) Abend 6 Uhr in den.Arminhallen" stattfindenden Versammlung mit anschließendem geselligen Beisammensein ein. Genosse Georg Wagner wird über„Streiflichter aus der Evolntions-Theorie" spreche». Die Vertraucnsperson. Unsere bekannteren Parteigenossen merdc» seit kurzer Zeit tmederZ besonders eifrig von jenen angenehmen Gestalten verfolgt. welche der Volksmund drastisch mit dem alten preußische» Acht- groscheustück in enge Beziehung bringt. Auf dem Wege zur Arbeits- statte, in Versammlungen und namentlich auf Ausgängen, die abends zu besorgen sind, schleichen die uuerbeteue»„Schutzgeister" hinter ehreuhasteu Leuten her und beschnüffeln ihre Spur bis in die Hausflure hinein. Sei daher jeder Parteigenosse auf der Hut. Die Lust ist rein zu halten. Vor allen Dinge» hüte sich ein jeder vor unüberlegten Aeußerungen! Nachdem das gegenwärtige Pcklridungö- Regulativ für die Berliner W a i s e»- V e r>v a l t u» g ungesähr LS Jahre un- verändert beobachtet worden ist, hat sich die Nothwendigkeit heraus- gestellt, dasselbe einer Durchsicht zu unterwerfen, um in der Aus- staltung der Kinder, welche der Waisenpflege der Stadt Berlin anheimfallen, nicht hinter den nolhwendigen Lebensbedürfnissen zurückzubleiben. Eine Prüfung dessen, was in dieser Beziehung nothweudig ist. hat zur Ausstellung einer neuen Belleidungs- Ordnung für die Berliner Waisenpflege geführt. Die Aendernngen gegenüber dem bisherigen Regulativ betreffen hauptsächlich folgende Punkte: I. Statt lediglich baumwollener Strümpfe werden baumwollene u n d wollene Strümpfe eingeführt; 2. für die Knaben in Rummelsburg sollen n) statt alle drei Jahre, alle zwei Jahre eine Mütze, b) statt jährlich zwei Hemden, drei Hemde» gegeben werden; in der ganzen Waisenpflege wird der Gebrauch vo» Zahn- bürsten eingeführt; 4. bei der Konfirmation erhalten die Knaben nicht wie bisher Schuhe, sondern Stiefel, statt der Mützen Hüte. serner Handschuhe. Halstücher und Kleiderbürsten; S. für die Mädchen wird der Gebrauch vo» Beinkleider» ein- geführt.— Die Gesammt- Mehrausgaben, welche sich aus der veränderlen Belleidungs- Ordnung ergeben. betrage» nach einer Kalknlalurberechnnng für die Walsenanstalt Zlummelsbnrg, das Depot i» Berlin und die Kostpflcge 11 182,35 M.. ferner für das Erzichungshans in Lichtenberg 900 M.. zusammen 12 082,35 M. Der Magistrat hat bei der Stadtverordueteu-Bersammluilg die Ge- nehmigung dieser neuen Bekleidungs-Orduung für die Waisenver- waltung nachgesucht. Könnte bei dieser Gelegenheit nicht gleich noch einige Schritte iveiter gegangen und eine Kleiderordnung eingeführt werden, durch welche die Waisenkinder sich in ihrer Tracht möglichst wenig von anderen Kindern unterscheiden? Wozu die niederdrückende. knechtende Unisormirnng der Armen? I» Sachen der studentische» Ehrengerichte sollte eine neue Versammlung einberufen lverden; dieselbe wurde jedoch nicht ge- nehmigt. Ter Senat hat seine Ansicht dahin geäußert,„die Herren müßten die Fortführung der Idee einige Semester ruhen laffc», bis sich die Gemüther beruhigt hätten; dann könnte sie von anderen Führern unter milderen Bedingungen und milderen Forderungen lvieder aufgenommen werden." Wie von anderer Seite gemeldet wird, ist es ausschließlich die Furcht vor der Sozialdemo- kratie, welche zur Auflösung des Komitees und zur Niederhaltuug des„au sich löblichen Strebeus" geführt hat. Lieber den kultur- widrigen Duellmord als die jtulturbewegung der Sozialdemokratie. Eine solche Anschauung ist zeitgemäß, wird aber an dem Fort- schreiten des Sozialismus unter der studircnden Jugend nichts ändern! Zum Kampfe gegen die Sozialdemokratie. Der Kaiser hat. wie eine hiesige Korrespondenz»uttheilt, dem Wunsche Ausdruck gegeben,„daß den Bestrebungen des ch r i st l i ch e n Zeit- s ch r i f t e»- B e r e i» s zu Berlin, der sich die Aufgabe gestellt hat, durch Einsührung billiger Schriften dem Einflüsse der staatsfeindlichen, insbesondere der sozialdemokratische» Presse entgegenzuwirken, die thnnlichste Förderung seitens der staat- licheu wie k o m»> u n a l e u Behörden zu Theil werden möge." Wider die Sozialdemokratie ist bekanntlich kein Kraut ge- wachse». Am allerungeeignelsten zu unserer Bekämpfung sind aber nach bisheriger Erfahrung christliche Vereine, da die Bevölkerungs- schichten, auf deren„Rettung" es ankommen soll, gegen nichts mehr Mißtrauen hegen, als gegen die unter staatlichem Schutze arbeitende religiöse Orthodoxie. Dies ist aber für loyale Seelen unter der freisinnigen Stadlverordneten-Mehrheit gewiß kein Hinderniß, aber- uials auch für den armen christlichen Zeitschristeu-Vcrein die Hergabe von kommunalen Steuergroschen zu verlangen. Abschlägig beschiedcu hat das Polizeipräsidium eine Eingabe des Vereins Berliner Musiker, in der das Verlangen ausgesprochen wurde, den Polizei-Unterbeamten das gewerbsmäßige Musizieren zu untersagen. In der Antwort wird ausdrücklich betont, daß das Polizeipräsidium gegen diesen„Nebenerwerb" seiner Beamten, so- rveil deren dienstliche Obliegenheiten hiervon unberührt bleiben, nichts einzuwenden hat. Die Polizeiverorduung, betreffend Anbringung von Firmen- schildern an Ladeugeschäftc». ist nunmehr ausdrücklich auch auf Gastwirlhschaften ausgedehnt worden. Vom Polizeipräsidium ist die Anweisung ergangen, daß sämmtliche Gaftwirlhe in Berlin vor ihren Geschäftslokalen sichtbar Vor- und Zunamen des Inhabers des Etablissements anbringe» müssen. Hunderttausend lluterschrifte» soll die Petition gegen die Versrommungsverordnung bisher gefunden haben. Huugerlöhne fiir Kinderarbeit. Gegenwärtig behelligt man das Publikum mit den Reklamen eines hiesigen Blätlchens, dessen Chefredakteur als tragikomischer Held in Prügelaffären zuweilen eine beueideuswerthe Rolle spielte. Die Reklamen werden in ae- schlvssenen Konverts versandt. Dieser Tage stellte sich vor einer Gemeindeschule im Süden der Stadl ein Mann auf nnd fragte die Kinder, ob sie sich Geld verdienen wollten. Sie sollten die Reklame- zettel des Blattes doppelt falzen und in Konverts stecken. Für diese Arbeil gäbe es pro 1000 Konverts 25 Pf.; Abholen und Einliesern der Arbeit eingerechnet. Bei angestreugtem Arbeiten verdiente ein Mädchen, daß seine paar freien Stunden auf diese Weise geopfert hatte, baare fünfzig Reichspfennige in einer Woche! TaS Polizeipräsidium hat der„Staatsb.- Ztg." zufolge die beiden Petitionen des„Schutzverbandes Deutscher Radfahrer", be- treffend Preisgabe der Nordseite der Straße„Unter den Linden" und Zulassung des Zweiradverkehrs zur Nachtzeit in allen Straßen Berlins, abgelehnt. Bei der Zivil-Peufiouskaffe, früher Niederwallstr. 39, jetzt Jnvalidenstr. 52 am Hamburger Bahnhof, sind bisher die Pensionen bis zum Jahresbetrage von 800 M. und die Wittweugelder bis zum Jahresbetrage von 400 M. bereits an den beiden letzten Werktagen des Monats vor dem Fälligkeitstermin gezahlt worden. Nach einem Erlaß des Finanzministers vom 28. Februar ist diese Vergünstigung der„N. A. Z." zufolge auf die Pensionen bis znm Jahresbetrage von"1200 M. und auf die Wittweugelder bis zum Jahresbetrage von 300 M. ausgedehnt. Im Berliuer Aquarium ist jetzt im zweiten Bassin als Seltenheit ein aus dem hohen Norden stammender Alk ausgestellt. Dieser Vogel von der Größe einer Ente und i» seinem schwarz und weißen Federkleid und seinen ganz hinten eingelenkten Füßen an die bekannten Lummen erinnernd, erweist sich als der vollendetste Taucher, der zuweilen eine Viertelstunde lang mit Flügel und Beinen rudernd in allen möglichen Richtungen unterm Wasserspiegel dahin- gleitet, kleine Fische und Fischbrocken aufschnappt n. f. w.. er fesselt Ks Dmiilts" dadurch die Besucher um so mehr, als sie vor der Waffermasse stehen und somit die reizenden, höchst eigenartigen Bewegungen des Taucherkünstlers von der Seite her verfolgen können. Im Zirkus Busch wird die Pantomime„Nach Sibirien" am Dienstag zum 75. Male aufgeführt. Ter Zirkus Renz veranstaltet am heutigen Sonntag wieder zwei Vorstellungen und zwar nachmittags 4 Uhr und abends 7�2 Uhr. Die erste«, welche zu ermäßigten Preisen stattfindet und zu der jeder Beiucher ein Kind frei einführen darf, bringt die„Lustigen Blätter", die Abendvorstellung„Aus der Mappe eines Riesengebirgsphantasten". Ju der Urania in der Taubenstraße wird die ganze Woche hindurch der neue Vortrag„Der Kampf um den Nordpol" gegeben. — Das Repertoir der Urania in der Jnvalideustraße lautet: Sonntag und Freitag: Dr. Bnyard. Japan I und II. Montag: Dr. Schwahn, Bilder aus dem Weltall. Dienstag: Dr. Naß, Moderne Küche. Mittwoch: Dr. Spieß, Flüssige Luft. Donnerstag: G. Witt. Bau des Weltsystems. Sonnabend: Prof. Dr. Müller, Geuossenschaftsleben bei Thieren und Pflanzen. Im Passage-Panoptikum sind die Sauioaner wieder ein- gekehrt. Unter allen fremden Völkerschaften, welche die Direktion dieses Instituts eingeführt hat, sind die Bewohner der polyncsischen Inselgruppe wohl am meisten vom Berliuer Publikum beachtet worden. Ihre harmonisch entivickelteu, kräftigen Körperformen, ihre zum theil auch»ach europäischen Begriffen schönen Gesichtszüge, sowie die natürliche Grazie, die ihnen eigen, haben seinerzeit nicht allein die Bewunderung von Laien gefunden, sondern sind auch in wissenschaftlichen und Künstlerkreisen Gegenstand des Studiums ge- ivksen. Die 32 Mädchen nnd die drei Männer dieser Gruppe haben sich in letzter Zeit in Rußland auf- geHallen und sind von dort, trotz des strengen, für sie ungewohnten Klimas sämmtlich gesund zurückgekehrt. Ja, mehr noch, sie habe» einen ihnen hoffentlich ivillkommenen Zuwachs er- hallen; ein glücklicher Bater verkünd'et nämlich, daß ihm vor drei Woche» ein draller Junge geboren worden ist. Ueber die Gebräuche und Sitten der Samoaner habe» wir bei ihrem ersten Erscheinen berichtet, sodaß für heute dieser Hinweis genügen wird, um unsere Leser auf die interessanten„Gegeufüßler" aufmerksam zu machen. Ei» Röntgen-Kabinck wird die Berliner medizinische Universi- täts-Klinik, welche unter Leitung des Professors Senator steht, au- läßlich der Verlegung der Klinik von der Dorotheeu- nach der Luisen- straße erhalten. Die Leitung des Röutgen-Kabinets ist dem Professor C. Grunuach übertragen worden. Z» den« Diebstahl im Hoheuzollern-Museum weiß ein Bericht- erstatter zu melden, daß die Polizei einen der gestohlenen Ringe aus- findig gemacht habe, welcher, mehrfach verschenkt, endlich in die Hände eines jungen Mädchens gekommen sei. Die Polizei soll den Thätern aus der Spur sein. Herr v. Metzsch- Tchilbach. Die„Volks- Zeitung" schreibt: „Nachdem die Herreu Normann-Schumaun und Giugold Slärck den Staub der Millionenstadt von ihren Füßen geschüttelt, scheint nun auch der ehemalige Redakteur eines hiesigen Blattes, Herr v. Mctzsch- Schilbach, unter dem Motto:„ich sei, gewährt mir die Bitte..." die Anker gelichtet zu haben; wenigstens ist letzter' Tage ein an ihn adressirter Privalbrief von der Reichspost als un- bestellbar an den Absender zurückgegeben worden. Der Herr „Baron", ein ehemaliger sächsischer Osfizier, soll zu den- jenigen Redakteuren gehört haben, welche der politischen Polizei gern Gesälligkeitsdieuste leisteten. Er war in der Straf- fache gegen den Kriminal-„Kommiffar" von Tausch von dem Unter- suchuugsrichtcr wiederholt vernommen ivorden, weil man annahm, daß Herr v. Metzjch durch den genannten„Kommissar" zu gewissen Plänen benutzt worden sei. Inwieweit sich die Annahme bestätigt hat, entzieht sich unserer Kenntniß, jedenfalls aber läßt die Abreise des Herrn v. M. in Verbindung mit der Thatsache, daß er vergessen hat, seine neue Adresse zu hinterlassen, darauf schließen, daß er der Hauptverhandlung gegen Herrn v. Tausch nicht gern beiwohnen möchte. Daß gerade die Hauptbelastungszeugen gegen Tausch jetzt Fersengeld geben, wird gewissen Leuten sehr gelegen kommen; woher jene das Reisegeld nehmen, darüber schweigt des Sängers Höflichkeit." Mit Begin» des Touimcrsahrplaus der Eisenbahnen dürfte voraussichtlich der neue Zcntral-Bahnhos Gesundbrunnen für den Gesammlvcrkehr zur' Eröffnung gelangen. Mit diesem Tage werden auch die Züge der Stettiuer Bahn über Bahnhof Gesundbrunnen geleilet, aus welchem— als Vollbahnhof— sämmtliche Vorort- und Fernzüge der Stettiuer und Nordbahn halten werden. Der neue Bahnhof hat sowohl für den Fern-, den Vorort- als auch fiir den Stadtverkehr abgesonderte Bahnsteige, welche von der Badstraße aus zu betreten sind. Mit der Eröffnung des Zeutral-Bahnhofes geht die alte Strecke der Stettiuer Bahn, zwischen Stettiner- und Grünlhalerstraße ein und alsdann dürfte mit der Regulirung der Grünthalerstraße begonnen werden können.> Ein Ehcdrama hat sich am Sonnabend Morgen gegen 3 Uhr am Cnvry-User hinter der Hecknmnn'schen Fabrik abgespielt. Der 41 Jahre alte, in der Görlitzerstr. 38 beim Schuhmacher Drusche wohnhaste Zimmermann Otto Pritschow sprang dort gemeinsam mit seiner 33 Jahre alten, bei ihrer Mutler in der Ackerstr. 188 lebenden Frau Mari« geb. Wilcke in den Landwehrkanal. Der Mann wurde gerettet und in das städtische Krankenhaus am Urban gebracht, Frau Pritschow dagegen ertrank. Dem Drama liegen Vorgänge zu gründe, die im einzelnen noch nicht aufgeklärt sind.— Pritschow wohnte mit seiner Frau früher in der Lausitzer Straße, mußte aber die Wohnung räumen, weil die Frau mit der Sittenpolizei in Konflikt geralhen war. Anfangs der neunziger Jahre trennten sich die Eheleute. Pritschow wohnte seitdem an verschiedenen Stellen. Seine Frau zog zu ihrer Mutter. Pritschöna der einen Stelzfuß hat und in der Regel auch Krücken benutzt, ging am Montag ans seiner Wohnung mit dem Bemerken weg, sein Wirth möge nur seine Krücken, wenn sich jemand darum melden sollte, für 5 M. verkaufe». Er ist in die Wohnung nicht zurückgekehrt und hat auch nichts mehr von sich hören lassen. Wo er sich bis gestern Morgen aufgehalten hat und wie er mit seiner Frau wieder zusammengekommen ist, weiß man noch nicht. Wie nachträglich gemeldet wird, ist die Frau, mit der Pritschow gemeinsam den Tod im Landwehrkanal suchte, nicht seine Ehefrau, sondern die Frau des Schlossers Adolf Hesse aus der Falckeu- steinstraße, die, wie berichtet wurde, seit Montag Nachmittag verschivundeu war. Die Liebesgeschichte ist nicht blos deshalb sonderbar, weil Pritschow ein Krüppel ist, der von der städtischen Armenverivaltung monatlich IS M. Unterstützung erhielt, sondern auch aus dem Grunde, weil Frau Hesse mit ihrem als fleißig und ordentlich bekannten Manne in glücklicher Ehe lebte, aus der drei Kinder hervorgegangen sind, von denen der älteste Sohn bereits 19 Jahre alt ist. Häuslicher Unfriede» hat den 54 Jahre alten Arbeiter Paul Herzberg aus der Mühleustraße veranlaßt. Hand an sich zu legen. Nachdem ihn seine Frau vor einigen Tagen verlassen hatte, kam Herzberg nicht mehr zum Vorschein. Gestern, Sonnabend, Morgen um 9 Uhr ließ der Hauswirth die Wohnung durch einen Schlosser öffnen und man fand den Insassen als Leiche am Fensterkreuz hängen. Einer jener Unholde, welche Kinder zu unsittlichen Zwecken mißbrauchen, unternahm am Freitag Nachmittag 5 Uhr einen An- griff auf das sechsjährige Töchlerchen eines im Hanse Swinemllnder- straße 77 wohnenden Böttchers. Der Mensch versuchte das Attentat aus dem Treppenpodest des Hauses, doch entfernte er sich, als das Mädchen ängstlich wurde und nach seinen Eltern rief. Der Alten- tälcr wird beschrieben als ein nobel gekleideter Mann mit grau- melirtem Schnurrbart. Er trug einen hellen Ueberzieher, schwarz- gestreiste Hosen und einen steifen schwarzen Hut. � Somteg, 7. Miilj 1897. Die gerichtliche nnd»ledizinische Besichtigung der Leichen der bei dem Abbruch des Wasserthurmes aus dem Gelände der Gewerbe-Ausstellung getödteten Arbeiter Rabus und Pitzke wird am nächsten Dienstag stattfinden. Eine Obduktion der Leichen ist nicht beabsichtigt. Im Anschluß an die Leichenbesichtigung wird der ersuchte Richter vom Amtsgericht II eine Besichtigung der beiden Unglücks- stätten vornehmen, von deren Ausfall es abhängen wird, ob die beiden Unfälle ein strafrechtliches Einschreiten erforderlich machen. Erschösse» wurde der frühere Schlossermeister Budde aus Berlin auf der Paukower Feldmark ausgefunden. Der Unglückliche war zurückgekommen und seit längerer Zeit völlig erwerbslos. Zu der vorgestrigeu Mittheiluug über den Konflikt, den ein Gastwirth mit einem Miether in der Elbingerstraße gehabt, erklärt der Wirth in einer an uns gerichteten Zuschrift, daß er sich im Kampfe mit seinem Gegner in der Nothwehr befunden habe; der Miether sei zuerst mit einem Messer und dann mit zwei spitzen, Feilen auf ihn eingedrungen. Von Sachbeschädigung könne kein � Rede sein, auch nicht davon, daß Nachbarsleule den Miether be-; freien mußten, der Mann sei vielmehr losgelassen worden, nachdem: die Gefahr vorüber gewesen. Abermals ein Kind verbrüht. An einer Verbrühung ist der 3 Jahre alte Sohn Karl des Tischlers Nlbrecht aus der Dnncker- straße 72 gestorben. Der Knabe siel vorgestern, als seine Mutter sich auf einen Augenblick von ihm abgewandt hatte, in einen Kessel mit siedendem Wasser und zog sich furchtbare Verletzungen zu, denen er am folgenden Morgen erlag. Ei» fingirter Tclbstmord. Freitag Nachmittag beging der frühere Staliousgehilfe Max M. auf dem Hausflur des von seinem Schwager bewohnten Hauses der Lettestraße zum Schein einen Selbstmordversuch, indem er aus einem kleinen Revolver einen Schuß abgab und sich zur Erde warf, als ob er getroffen sei. Nach seinem eigenen Geständniß hatte er gar nicht die Absicht, sich zu tödten, er fingirte vielmehr den Selbstmordversuch, um seinen Schwager, der ihm kurz vorher eine Gelduuterstützung abgeschlagen hatte, zu erschrecken und seinen Wünschen geneigt zu machen.-Infolge dieses Vorfalls hatte sich eine sehr große Menschenmenge in der Lettestraße angesammelt._ Ans bei» Nachbarorte». Die Lokalkomniissio» vo» Reinickendorf giebt bekannt, daß das Lokal von Böttcher, Seepark, Marktstr. 1/2, zu Versamm- lunge» zu haben ist. Dies Lokal ist das einzige, welches der Arbeiterschaft zur Verfügung steht; die Parteigenossen werden daher ersucht, dasselbe bei Ausflügen zu berücksichtigen. Das Lokal von Robert Duchateau, Amendestr. 1, wird zu Arbeiter-Versamm- lungen nicht mehr hergegeben, ist also gesperrt. Die Lokal- kommifsion. Britz. Am Montag, den 8. März, abends V*9 Uhr, findet im Lokale von Dorn, Bürgerstr. 4, eine Versammlung des Volksbildnngs- Vereins für Britz und Umgegend statt, in welcher Genosse Eber- Hardt über das Thema„Kapital und Slrbeit" einen Vortrag halten wird. Eine Debatte über die Zcntenarfeier hat nun auch die Lichtenberger Gemein de-Vertretung gehabt. Ju ihrer letzten Sitzung beantragte der Gemeinde-Vorsteher Ziethen, sich offiziell an der Feier der Vereine zu betheiligen und 300 M. für Festschriften� und für zwei Musikkorps zu bewilligen. Das eine soll bei dem vom Gemeinde- Vorstand veranstalteten„Festessen"(ä Kouvert 3 M.) musiziren nnd das andere den Zug der Vereine begleiten. Das zweite Musilkorps stellt das Alexauder-Regiment dem Krieger- verein für ISO Mark. Gemeinde- Vertreter Otto G e n s l e r erklärte, der Hergabe der Mittel nicht zu- zustimmen, wenn er auch gegen die Betheiligung an der Feier nichts habe. Nach seiner Meinung müßten solche Feste aus P r i v a t m i t t e l n gefeiert werden. Die Gemeindekaffe wäre nicht dazu da, sie zu ermöglichen. Auch sei ein sehr großer Prozentsatz der G e m e i n d e m i t g I i e d e r n i ch t d a m i t; einverstanden. Herr Gensler hatte jedoch alle übrigen Redner gegen sich, und so wurde denn der Antrag angenommen. Außerdem beschloß man aus den Antrag des Vertreters Koch, die Insassen des Armenhauses mal besonders gut zu speisen. Als Kuriosnm sei noch niitgetheilt, daß von„den Vereinen" auf dem Wilhelmsplatz eine ans d e in S a ch s e u iv a I d e st a m m e n d e K a i s e r e i ch e ge- pflanzt werden wird, die dann Pfarrer Kuntze einsegnen soll. Wie nieisterhaft eö die Bnrcantratic in Preußen versteht- nicht allein die Arbeiterschaft polizeilich zu maßregeln, sondern auch dem Philisterium vor den Kopf zu stoßen, darüber giebt eine durch die Presse gehende Miltheilung aus der Umgegend Berlins Auskunft, in der es heißt:„Große Erregung herrscht seit einiger Zeil in! den zusammen einen Amtsbezirk bildenden Vorortgemeinden Nieder- Schön weide, Johannisthal, Adlershof nnd Glienicke. Der Amtsvorsteher Rittmeister a. D. v. Oppen- Adlershof versagt dort mämlich seit kurzem fast allen Vereinen und W i r t h e n an den Sonnabenden grundsätzlich die Genehmigung zum Abhalten von Tanzvergnügungen, Ab endtt schen, W u r st e s s e n und ähnlichen fest- licheu Veranstaltungen. Ja, nicht einmal die Freiwillige Feuerwehr von Nieder- Schönwcide ist von diesem Verbot ausgeschlossen. Denn vor ungefähr 14 Tagen wollten die Mitglieder derselben an einem Sonnabend eine mit Tanz verbundene kleine Festlichkeit veranstalten, die Erlaubniß hierzu wurde ihnen jedoch vom Amtsvorsteher v. Oppen verweigert. Und erst nachdem die Mitglieder am Tage vor dem für die Festlichkeit bestimmten Sonnabend in einer zu diesem Zivecke anberaumten Sitzung einstimmig be- schloffen hatten, sämmtlich aus der Wehr auszutreten, falls der Amtsvorsteher bei seiner Weigerung beharren würde, er- klärte sich dieser zur Ertheilung der Erlaubniß bereit. Das Merk- würdigste an der ganzen Sache ist aber, daß den Krieger- vereinen an den Sonnabenden die Abhaltung von F e st l i ch- leiten aller Art vom Amtsvorsteher stets erlaubt wird!" Das bis jetzt ordnungstreue Publikum wird aus einfache Weise zu beruhigen sein. Man erschwere den sozialdemokratischen Vereinen nach wie vor die Abhaltung von Vergnügungen, lege aber dafür den übrigen Vereinen keinen Stein mehr in de» Weg. Dann wird eitel Wohlgefallen sich kundgeben in allen wohldenkenden Kreisen! Und mau bedarf der Gutgesinnten doch heute mehr wie je im Kampfe gegen die Pest des Umsturzes. Deinen Gläubiger» durchgebrannt ist der 43 Jahre alte Grabsteinfabrikant Fritz Hacke, der in der Hermannstraße Nr. 193 zu Nixdorf wohnte und seine Werkstatt mit einem zweiten Verkaufs- geschäfte in der Hasenhaide 1 hatte. Hacke hat es verstanden, sein« besten Freunde mit zusammen etwa 10 000 M. hineinzulegen. Mit einer leere» Champagnerflasche niedergeschlagen und schwer verletzt wurde durch seine betrunkenen Knechte in dem benach- barten Hohen- Schönhausen der Gärtnercibesitzer Hirschfeld. Die Knechte Algener und Bugemühl waren, einem hiesigen Blatte zufolge, mit einer Fuhre nach Berlin geschickt worden, für deren prompte Besorgung ihnen eine besondere Belohnung in der Höhe von fünf Mark von Hirschfeld ver- sprochen worden war. Beide kehrten schwer betrunken von Berlin zurück; in Rücksicht auf ihren Znstand verweigerte Hirschfeld ihnen die sofortige Aushändigung des versprochenen Betrages. Di« rohen Burschen schlichen infolge dessen dem Gärtner, der sich in den Stall begab, nach und schlugen ihn dort meuchlings nieder. Der' Zustand des an Kopf, Stirn nnd Gesicht entsetzlich Zugerichteten gilt für sehr bedenklich. Algener und Bugemühl flohen nach voll- brachter Heldemhat; sie wurden aber von Orlsgendarmen aus der Chaussee ergriffen und verhaftet. MhvÄkev. UI>«at«v- W»ch«»chro»>Ii. Opernhaus. Eonntag, den 7. Mörz Mittags: Matinee. Abends:„Die Afrikanerin". Nelutco: Herr Dh. Reichmann aus Wien a. W. Anfang 7 Uhr. Montag, s.:„Das Heimchen am Herd". Anfang t> Uhr. Dienstag, a.: s. Sinfonie der tgl. Kapelle. Anfang 7# Uhr. 12 Uhr: Oeffsntliche Hauptprobe. Mittwoch, 10.: Tannhäufcr. Wolfram: Herr Th. Reich- man» a.«ö. Anfang 7 Uhr. Donnerstag. II.: Undine. Freitag, 12.: Mignon. Sonnabend, Ig.: Die Meistersinger von Nürnberg Stolzing: Herr Emil Götze, Sans Sachs: Herr Th. Reichmann als Meiste. Ansang o!f Uhr. Sonntag, i«.: änsel und Sretel. Bajazzi. Anfang? Uhr. Montag, lö.: Undiue.— Schau- spielhaus. Sonntag, 7. März:„ISI2". Montag, 8.:„Der Revisor". Dienstag, 9.: Wefchlofssn. Mittwoch, 10.: Die Journalisten. Donnerstag, II.: Ein EommernachtStraum. Freitag, 12.: Maria Stuart. Anfang 7 Uhr. Sonnabend, is.: Der Bibliothekar. Sonntag, lt.: Doktor Klaus. Montag is.: Was Ihr wollt. Dienstag, ls.: Zum l. Male: Die Athcnerin.— Neues königliches Operntheatcr(Kroll). Sonntag, 7. März: „Die Grille". Sonntag,>4. März:„Bafantafena".— Im Deutschen Theater ist der Spielplan für diese Woche wie folgt festgestellt: Sonntag Abend„Der Sohn des Kalifen": Montag„Die versunkene Blocke": Dienstag„Ter Sohn des Kalifen": Mittwoch, zum so. Male:„Moritttri"; Donnerstag„Der Sohn des Kalifen"; Freitag und Sonnabend„Die versunkene Blocke": nächsten Sonntag Abend„Ter Sohn des Kalifen": Montag, is. März:„Die versunkene Blocke". Nachmittags- Borstellungen stnd heute, Sonntag,„Die Jüdin von Toledo", nächsten Sonntag„Hamlet".— Frau Hedwig Ntemann verlängert ihr Gastspiel im Lesstn g- Theater noch um einen Abend. Sie wird somit noch an vier Abenden spielen, und zwar heute Sonntag, in OSkar BlumenthalS„Ein Tropfen Gift": Dienstag in„Die Geschwister" und„Monst-ur Alphonse": Mittwoch t» „Ein Tropfen Bist" und Donnerstag al« Abschiedsvorstellung in„Madame Sans- Gene". Montag wird im Lessing-Theater„Das Glück im Winkel" gegeben, Freitag, Eonnabend und nächsten Sonntag kommt die Novität„Der Herr Abbe" in Bcr- btndung mit KadelburgS Schivank„In Zivil" zur Austübrung. Als Nachmittags- voistellung gelangt heute Sonntag Sudermann's„Ehre" mit Herrn Löwen- feld als Bast, nächsten Sonntag„Komiesse Buckerl" zur Aufführung.— Das Berliner Theater giebt folgenden Spielplan aus: Montag wird„Uriel Acosta" mit Herrn Sonimerstorff" und Frau Behner: am Dienstag, Donnerstag und nächsten Sonntag Abend„Renaissance": Mittwoch »Kaiser Heinrich"; Freitag(26. Abonnements- Borstellung)„Faust" mit Herrn Sommerstorff, Frau Gestner und Herrn Pohl: Sonnabend„Der Pfarrer von Ktrchseld" gegeben. Nachmittags- Borstellungen sind diese» Sonntag:„König Heinrich", nächste» Sonrtag:„Die Jungsrau von Orleans".— Der Spielplan des Neuen Theaters wird auch in der nächsten Woche von„Marcelle" be- herrscht. Sonntag. M. d. M., nachm., findet eine Aufführung von Ohnets „Hüttenbesitzer" zu halben Preisen statt.— Im Schill er-Theater kommt heute Sonntag, nachm.,„Wilhelm Tell" zur Aufführung, in der Abendvorstellung geht Shakespeares„Der Widerspenstigen Zähmung" in Szene. Wiederholungen von RvseggerS Schauspiel„Am Tage des Berichts" finde» Montag, Dienstag, Mittwoch und Donnerstag statt. Freitag wird zum ersten Male Carlos Reulings neue« vieraktiges Schauspiel„Die gerechte Welt" gegeben. Sonnabend wird dies- Borstellung wiederholt. Im Bürgersaale des Ralhhauses ist heute„Fritz Reuter-Abend".— Heute, Sonntag. Nachmittag findet im Thalia-Theater eine Wiederholung von„Trilby" statt. Abend« geht zum ss. Make„Frau Lieutenant" in Szene.— Im Ostend-Tbeater gelangt heute und Montag„Berlin wie eS weint und lacht" zur Aufführung. Nachmittags geh? zum letzten Male„Der Walzerköntg" in Szene. Am Dienstag tritt Direktor Karl Weist zum ersten Male in der Rolle de§ Stübecke in„Zu hoch hinaus" auf, das mit neuen KoupletS versehen ist.— Das Theater des W estens bringt heute Abend die voraussichtlich letzte Sonntagsausführmng des Schwanks„Die berühmte Frau" mir Gustav Kadelburg als Gast. Nachmittag« geht das Moser'sche Lustspiel„Unsere Frauen" in der bekannten Besetzung der Hauptrollen in Szene. Anr Montag werden ebenfalls mit Herrn Kadelburg als Bast die Einakter„Eine vollkommene Frau" und„Der Zigeuner" wiederholt. Diesen Stücken geht die Bluette„Dir wie mir" voraus.— Im Belle- Alltance-Theater bleibt„Trilby" auf dem Spielplan. Teilung. Die Verhandlung des Strafprozesses gegen die wegen des „Attentats" gegen den Polizeihauptmann Krause Angeklagten wird in der am 29. d. M. unter Vorsitz des Laudgerichts-Direktors Rieck beginnenden Schwnrgerichtsperiode statlfinden. Der unschuldige Slmtsdiencr. Wegen Annahme von Ge- schenken für dtcustlichs Handlungen hatte sich gestern der frühere Amtsdieuer von Weißensee, Wilhelm Lippert, vor der I. Strafkammer am Landgericht II zu verantworten. Lipp er t ist im vorigen Jahre entlassen worden. Nach seiner Entlassung er- zählten sich die Ortsbewohner, daß er stets eine offene Hand gehabt habe. Von allen diese» Nachreden nahm aber nur ein Fall greifbare Gestalt an. Der Hauseigenlhümer Suhl fühlte sich dadurch beschwert, daß sein Nachbar unmittelbar neben seinem, Suhl's Hause, eine Dnnggrube angelegt hatte, so daß das Flindament des Hauses ander betreffenden Steve verjaucht wurde. Alle seine Bemühungen, den Nachbar zur Verlegung der Dnnggrube zu zu zwingen, schlugen fehl. Da wandte sich Suhl schließlich an Lippert, der sich am Orte eines große» Einflusses erfrente; er stellte demselben 20 Mark in Aussicht, wenn die Grube beseitigt würde und � es dauerte auch nicht lange, so zwang die Ortspolizei den Nachbar, seine Düngergrube zu verlegen. Suhl hat darauf dem Lippert gelegent- lich eines Händedruckes ein Zehninarkstück in die Hand gedrückt. Lippert bestritt, das Geld erhalten zu haben, Suhl dagegen blieb zwar dabei, wollte aber mit der Sprache nicht recht heraus. Er gab an, daß er dem Lippert zwar die 10 M. in die Hand gedrückt, daß er aber nicht wisse, ob jener das Goldstück eingesteckt oder ob dasselbe zur Erde gefallen sei. Die Feststellung des Vorsitzenden ergab zunächst, daß Lippert nur vom Aintsvorstcher angestellt, vom Landralh oder Kreisausschuß aber nicht bestätigt war. Mangels einer solchen Be- stätigung ist»ach einer Entscheidung des Neichsgerichls die Beamten- Qualität nicht vorhanden. Es niußte daher schon aus dieseui Grunde auf Freisprechung erkannt werden, ganz abgesehen davon, daß auch die Aussage des einzige» Belastungszengen zu einer Verurtheilung nicht ausreichte. Gebildete Frauenpriigler. Wegen Mißhandlung und Be- leidigung seiner Zimmervermielherin war gestern der Gerichts- refercudar K a n t o r o w i c z vor der 133. Abtheilung des Amts- gerichts 1 unter Anklage gestellt. Am IS. Januar beschwerte sich die Mitangeklagte, Zimmervermietherin Krämer, über das Ver- halten des Herrn Referendars, dessen moralischer Lebenswandel bei einer in derselben Wohnung wohnenden Dame häufig Anstoß er- regte. Vor allen Dingen verbat sich die Wirthin die ferneren Damenbesuche. Hierüber kani es zuni Streite und die Parteien lösten das gegenseitige Vertragsverhällniß ans der Stelle. Am nächsten Tage erschien der Referendar noch einmal, um sich zurückgelasse ne Bücher abzuholen. Bei dieser Gelegenheit kam es wieder zilm Wortw echsel und Frau Krämer niußte von ihrem Hausrechte Gebrauch m ache». Der Skandal setzte sich aus dem Treppenflur fort und hierbei berührte die Angeklagte ganz unabsichtlich den Referendar mit dem Stubenbesen. Kantorowicz hielt aber diesen Stoß für eine Beleidigung und erwiderte dieselbe mit einer äußerst kräftigen Ohr- feige. Jedenfalls konstatirte ein Arzt noch nach mehreren Stunde», daß die Wange und das Ohr der Mitangeklagten stark geschwollen waren. Während der Staatsanwalt wegen Hausfriedensbruches und lhätlicher Beleidigung 150 M. beantragte, weil man von einem Referendar, der bereits 4 Jahre im Staatsdienste sei. mehr Gesetzes- künde verlangen könne, erkannte der Gerichtshof gegen Kantorowicz auf SO M. Geldstrafe. Frau Krämer wurde von der Anklage der Beleidigung freigesprochen. Beleidigte Berliner Schutzleute. Eine unvorsichtige Aeuße- rung in der Schankwirlhschasl hat dem Hausdiener August Niegut eine Anklage wegen Beleidigung der Berliner Sckutzmaiinschast zu- gezogen. Das Schöffengericht hatte den Angeschuldigten frei- gesprochen, der Staatsanwall dagegen Berufung eingelegt, worauf die Sache gestgru vor der neunten Strafkammer des Land- gerichts I verhandelt wurde. Am 12. November v. I. fand die Beerdigung des Hofpredigers Froimnel statt, aus welcher Ver- aiilaffung die Umgegend der Garnisonkirche sür einige Zeit gesperrt war. Der Angeklagte, welcher in den Diensten des Kaufmanns Lindenberg steht, hatte mit seinem Fuhrwerk einen bedeutenden Umweg machen müssen. Hierüber erregt, erzählte er seinen Mit- bedienstete», die er in der Schankwirthschaft traf, daß die Schutz- lenle ihn nicht hatten durchlassen wollen. Er fügte hinzu: „Wenn die Schw.... einen Fisch umsonst haben wollen, dann wissen sie die Firma Lindeuberg zu finden, aber daß sie dafür mal gefällig sind, das komnit nicht vor." Diese Aeußeruug hörte auch ein anivesender Aufseher der Straßenreinigung. Er erstattete Anzeige. Schon in der ersten Instanz war sür erwiesen erachtet worden, daß thatsächlich einige Schutzleute des betreffenden Reviers einen Fisch geschenkt bekommen hatten, wenn sie sich anschickten, ihn nach abgeschlossenem Kauf zu bezahle». Das erwähnte Schimpfwort hatten verschiedene Zeugen nicht gehört. Im gestrigen Termine beantragte der Staatsanwalt eine Geldstrafe von SO M., während der Vertheidiger, Rechtsanwalt Morris, für Aufrechthaltung des ersten Urlheils eintrat. Der Gerichtshof erblickte in der Behauptung der angenommenen Schenkung nichts Beleidigendes, hielt dagegen für erwiesen, daß der Angeklagte das erwähnte Schimpiwort gebraucht hatte und ver- »rtheilte ihn dieserhalb zu 30 M. Geldstrafe. Sozittles. Ergebnisse der Unfall-, solvie der Jnvaliditäts- und Altersversicherung. Zum Zivecke der Durchführung der U n f a l l- Versicherung bestanden im Jahre 1890 insgesamint 112 Bern f s g e n o s s e n s ch a f t e n, darunter 04 gewerbliche mit 435 137 Betrieben und S 409 218 versicherten Peisonen und 48 land- und forstwirthschaftliche mit 4 813 L72 Betrieben und 12 239 415 versicherten Personen. Dazu kommen noch 145 Reichs- und Staats- und 255 Provinzial- und Kommunal- Ansführungsbehörden mit zusammen 030 335 versicherten Personen, so daß am Schlnfle des Jahres 1895 über 18 Millionen Personen gegen Unfall versichert waren. Hinzu treten noch die bei den 13 VeistcherirngSanftallen der Bange werks-Berufs- g e n o s s e»n s ch a f t e n und der T i e f b a u- B e r u f s � e n o ssen- s chaft versicherten Personen. I» der Gesamintzahl, die auch alle versicherten landwirthschaftlichen Unternehmer sowie die landwirth- schaftlich im Nebenberuf beschäftiglcn Personen umfaßt, dürften eine bis anderthalb Millionen solcher Personen doppelt erscheinen, die gleichzeitig in gewerblichen und landwirthschaftlichen Betrieben be- schäftigt und versichert sind. Die Zahl der angemeldete» Unfälle betrug nach der vorläufigen Ermittelung 350423, die der entschädigten Unfälle 80 520. Die verausgabten E n t s ch ä d i- gnngen(Renten) betrugen 57 847 078 M. gegen 50125 782 M. im Jahre 1395. Entschädigungen(Renten ic.) wurden im Jabre 1890 gezahlt oder angeiviesen an 829 380 Verletzte, 32 707 Wittwen Eelödteler, 00 ISO Kinder Gctödteter, 2173 Aszendenten Gctödteter; daneben erhielten serner SOSO Ehefrauen, 19 243 Kinder und 205 Aszendenten als Augehörige von Verletzten, welche in Krankenhäusern »»lergebracht waren, die gesetzliche» Unlerstützungen, so daß im Berichtsjahre zusammen 452 953 Personen der Unfallversicherung theilhaftig geworden sind. Ueber die Jnvaliditäts- und Altersversicherung ist folgendes zu berichten: Vom 1. Januar 1891 bis Ende 1890 wurde» im ganzen 510 820 Renten, und zwar 221115 Invaliden- und 295 705 Altersrenten, anerkannt. Davon kommen auf die 31 Ver- sicherniigsanstalten 200 010 Invaliden- und 290 140 Altersrenten, auf die 9 Kaffeneinrichtungcn 15 099 Invaliden- und 5505 Altersrente». Im Jahre 1890 bezogen rund 220 800 Personen Altersrente und 179 500 Personen Invalidenrente, also rund 400 300 Personen über- Haupt Rente. Da sich unter diesen rund 800 Personen befinden, deren Altersrente im Laufe des Jabres in Invalidenrente umgewandelt wurde, und diese Personen deshalb vorstehend doppelt gezählt sind, so stellt sich die wirkliche Zahl der Rentenempfänger des Jabres 13S0 auf rund 399 500 Personen, an welche insgesammt 48,4 Millionen Mark, und zwar an Altersrenten rund 27,4 Millionen Mark, an Invalidenrenten 21 Millionen Mark gezahlt sind. De» von den Veisicheriingsanstalten seit dem 1. Januar I8S1 festgesetzten Renten entspricht überschläglich ein Deckungskapilal von rund 252,7 Millionen Mark, und mit Einschluß der au den Reservefonds abzuführenden Beträge in Höhe von rund 50,5 Millionen Mark ein Kapital von rund 303,2 Millionen. Die Einnahme aus Beiträgen belief sich sür die Veisicheruiigsanstalten nach Abzug der gesammten Verivallungs- kosten i. I. 1891 auf rund 85,2 Millionen Mark. 1892 84 Millionen Mark. 1893 85,2 Millionen Mark. 1894 87,8 Millioi»» Mark. 1895 89,8 Millionen Mark, 1890 95,4 Millionen Mark. Wie man„wohlthut". Auf der Zech-„Vollmond" in Werne, der reichen Harpener Bergbau-Aktiengesellschaft gebörig, ist seit Januar ein interessanter Rechnungsabschluß der Unterstützungs- kaffe ausgehängt. Danach wurden im Jahre 1890 an Unterstützung 3039,74 M. ausgezahlt. Unter den Einnahmen befindet sich ein Posten von 3202,80 M. für„Gestrichene Kohlen". Die Unterstützung ist also nahezu vollständig aus dem der Belegschaft entgangenen Arbeitsverdienst bestritten worden. Ueber die Pariser Weltausstelllings-Arbeite» und deren Einfluß auf die Milderung der Arbeitslosigkeit lieferte einiges Material die neuliche Arbeitslosigkeils-Debatte. Der Handels- minister erklärte nach Befragung des Generalkommiffars der Ansstellulig und der Großunternehmer der öffentlichen Ar- beilen, daß die Zahl der beschäftigten Arbeiter selbst zur Zeit der intensivsten Arbeit noch 5000 bis 0000 betragen werde. Er warnte deshalb eindringlich die Provinzarbeiter vor einem Zuströmen nach Paris in Hoffnung auf die Ausstellungsarbeiten. Für die ausländischen Arbeiter gilt diese Warnung im doppelte» Grade, indem der Minister in den den Unternehmern auserlegten Pflichthestcn. sich das Recht vor- behalten hat, die Maximalzahl der bei jeder Arbeitsart zu ver- wendende» Ausländer zu bestimmen. Es giebt nur einige wenige Arbeiter, bei denen diese Bestimmung keine Anwendung finden dürfte: bei den Mosaikarbeiten, die im allgemeinen von Aus- ländern ausgeführt werden, bei den Steinplatten- Bepflafierungs-, den Stnckatur- und den sonstigen Ueberzugarbeiten. Es komnit ferner in belracht, daß der Stand des f r a»- zösischen Arbeits niarktes(Angaben des Arbeilsaintes für Januar) im allgemeinen gedrückter ist, als in der gleichen Periode des Vorjahres. Von den befragten 420 Gewerkschaften mit 115 500 Mitgliedern erachten 9 pCt. der Gewerkschaften mit 13 pCt. der Mitglieder die Arbeitsgelegenheit für reichlicher als im Januar 1390, 50 pCt. mit 47 pCt. sür stationär, 35 pCt. mit 40 pCt. für geringer.— Speziell in der B a n i n d n st r i e ist die Arbeitslosigkeit ausgedehnter als im Vorjahre, was zum theil auf das regnerische Wetter zurückgeführt wird. Bei den Steinmetzen, Stein- Hauern, Maurern und Malern zählt man nicht weniger als 2/i Arbeitslose, bei de» Zimmerlenlen und Tischlern l/s. Wie groß bereits die Zahl der Arbeitsangebote für die kommenden Ansstellnngsarbeiten ist, konnte der Handelsminister nicht angeben, weil diese Angebote an die Privatunternehmer ge- richtet werden. Bei der Administration haben sich f ü r w e n i g e r als fünfzig Angestellten Posten bereits mehrere tausend Bewerber gemeldet und deren Zahl wächst noch immer täglich an. Die Lohnverhältnisse werden durch das Ausstellungs- gesetz unberührt bleiben. Es schreibt blos verschwommen die Durchführung von„humanen Arbeitsbedingungen" vor. Einige Fingerzeige liesern hierüber die an der Ausstellung von 1889 gezahlten Preise(entnommen der Enquete des Arbeits- amtes über„Lohn und Arbeitszeit in der französischen Industrie", Band I.). Erdarbeiter verdienten damals durchschnitt- lich pro TagS Fr.(4 M), Tischler 7>/s Fr.(0 M.). Zimmerlenle 7>/. und 8 Fr.(0,40 M.). Maurer 0 Fr. 00 Centimes(5,23 M.) beim Bau einer Ausstellungsbahn und 7>/, Fr.(0 M.) bei sonstige» Maurerarbeiten, keramische Arbeiten 0 Franks 55 Ce»times(5,24 M.). Die angegebenen Löhne wären, um den Wochenverdienst heraus- zurechne», mit sechs zu multipliziren. Das Allsstelluiigsgesetz schreibt nämlich einen wöchentlichen Ruhetag sür sämmtliche Ar- heiter vor. Briefkasten der Redaktion. Die juristische Sprechstunde findet Montags, Dienstag?, Freitags und Sonnabends, abends von 7—8 Uhr statt. Ii P. K. Den von uns angekündigten Artikel über„Kreta und die Sozialdemokratie" werden wir in unserer Dienstag- Nummer ver- öffentliche». N. Z. SO. Admiral v. d. Goltz ist, soweit wir wissen, zur Disposition gestellt. Der Rang eines Admirals hat mit der Zugehörigkeit zur kaiser lichen Fanlilie nichts zu thim. M. G. 112. Derartige Mittel für Förderung des Bart- und Haar- Wuchses erweisen stch immer als erfolgreich für den Geldbeutel ihres Er- filiders. Den Käufern nützen sie garnichts. A. W. Senden Sie die Frage noch einmal ein. WitterniigSiibersicht von» 6. März 1897. Wetter-Prognose für Souutag, de» 7. März 1897. Nachis etwas kälter, am Tage mild, theils heiler, theils nebelig bei schwachen nordöstlichen Winde»; keine erheblichen Niederschläge. Berliner Wetterb ureau. Lrts-Ärankenkllsse sür das Bierbrauer-Gmerbt zu Berlin. Dienstag- 1«. März, abends 8 Uhr, Vevei'sl-Verssmmluvy der Vertreter der Herren Arbeit- geber«. Arbeitnehmer in H i r t e's Fcstsälen, Elisabethkirchstraste 14. (Nähe Acker- u. Jnvalidenstraste.) Tages-Ordnuilg: 1. Bericht der Revisionskommission pro 1896. Z.Entlastung desRendanten. 3. Entlastung des Vorstandes. 4. Ver- schiedenes. 41/10 Um pünktliches Erscheinen ersucht Der Borstand der Orts- Krankenlaffe für das Bierbrauer-Gewerbe zu Berlin.- Otto Wolf, Vorsitzender. Orts-Krankenkasse der Möbelpolirer. General- Sonntag, ll.März, nachm. 2 Uhr, bei S ch eere, Blumenstraste 38. Tagesordnung: 1. Jahresbericht des Rendanten. 2. Bericht des Vorstandes. 3. Bericht des Rechnungsausschuffes. 4. Anträge. 5, Verschiedenes. 146/12 Berlin, 7. März 1337. _ Der Borstand. Kranzbindepei0£et6Äf Vereins kränze mit Widmung in bester Ausftihrung zu billigsten Preisen. 17Sb Allen Freunden und Bekannten die traurige Nachricht, daß mein lieber, unvergeßlicher Mann, unser Vater, der Kistcnmacher Johann Pommer, am Freitag Abend 9 Uhr, gestorben ist. Die Beerdigung findet am Dienstag, den 9. d. M., nachmittags 4 Uhr, von der Leichenhalle des Emniaus-KirchhofS statt. Die tieftrauernde Wittwe Ida Sommer nebst fünf Kindern. Httbaild der BBbinder k. Den Mitgliedern hiermit die traurige Nachricht, daß unser Kollege, der Buch- bindcr 2S/12 Richard Klettke am Donnerstag, vormittags 10 Uhr, an der Lungenschwindsucht verstorben ist. Die Beerdigung findet heute Sonn- tag, nachm. 4 Uhr, vour Trauerhause Neu-Weißensee, Straßburgerstraße 29, aus statt. Um recht zahlreiche Be- theiligung bittet Der Borstand. KüpemvICi Freunden, Genossen und Kollegen die traurige Nachricht, daß der Partei- genösse 203/14 Otto Dommasch, am Freitag, den 5. März, gestorben ist. Die Beerdigung findet Montag, nach- mittags 5 Uhr, vom Trauerhause, Grünauerstr. 2, aus statt. Um rege Betheiligung ersucht Der Bertrauensmann. Carl Nieke. Möbeleinrichtung, gebraucht u. neu, billigst Reichenbergerstr. 29, Scheidt. Docko�-Jcnnslzrv. Köpenick. Den Mitgliedern des Tozialdemck» kratischcnArbeitervcreins zurNach- richt, daß unser Mitglied, der Arbeiter Otto Dommasch, Freitag, den 5. d. M., an der Prole- tarier-Krankhcit verstorben ist. Die Be- erdigung findet Montag, den 8. März, nachmittags ö Uhr, vom Trauerhause, Grünauerstr. 2, aus statt. 7/3 Der Borftand. MF" Kränze."ML Guirlanden empfiehlt 1146L* F. Jacobitz, KoMilAr. 46. Carl Bocky Kranz binderet, Königsbergersir. 20. Vereinstränze mit Widmung m bester Ausführung zu billigsten Preisen. Kranze, Schleifen, Guirlanden. Blumen empfiehlt den Parteigenossen A. Xinitz, Gärtner, XO.. Fricdenstr. 68. 11470» Speisekartoffeln, beste Dabei sche, Zentner 2 30 frei ins HauS. Becker, Rammlerstr. 27, Kartoffel- Großhdlg. 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Nachm. 3 Uhr: Der Walzerkönig. Montag: Berlin wie es weint und lacht. Westen. Die berühmte Frau. Nachm. 3 Uhr: Unsere Frauen. Montag: Dir wie mir oder dem Herrn ein Glas Wasser. Eine vollkommene Frau. Der Zigeuner. Residenz. Associös. Montag: Dieselbe Vorstellung. Linden. Indigo und die vierzig Räuber. Nachm. 3 Uhr: Der Mikado, oder: Ein Tag in Titipu. Montag: Indigo und die vierzig Räuber. Thalia. Frau Lieutenant. Nachm. 3 Uhr: Trilby. Montag: Frau Lieutenant. Schiller. Der Widerspänstigen Zäh- mung. Nachm. 3 Uhr: Wilhelm Tell. Montag: Am Tage des Gerichts. Zentral. Ein fideler Abend. Montag: Dieselbe Vorstellung. Volks. Von Stufe zu Stufe. Montag: Dieselbe Vorstellung. Friedrich> Wil(«lmstädtisches. Heinrich Heine. Nachm. 3 Uhr: Der Trompeter von Säkkingcn. Montag: Heinrich Heine. Alexanderplah. Eine pikante Ehe. Nachm. 4 Uhr: Frau Holle. Montag: Eine pikante Ehe. Passage-Panoptiknm. Affentheater. Apollo. Spezialitäten. Sckillov�Theakvv (Wallnei'-TkQutei»). onntag, nachmittags 3 Uhr: Wilhelm Tell. Abends 8 Uhr: Der Widerspenstigen Zähmung. Montag, abends 8 Uhr: Am Tage des Gerichts. Belle-ANance-Theater Volks-Vorstcllung unter Regie von.luHnai Türke Sonntag, den 7. März, nachm. 3 Uhr: Gastspiel der Damen Martha Frei) und Therese Freyburg; der Herren Heinrich Schulz und Wilhelm Ruff. Zum ersten Male: Die%m\m uöii Lelms. Romantische Tragödie von Fr.' Johanna: Martha Frey. chiller. Agnes Sorel: Therese Freyburg. König: Richard JurgaS. Dunois: Heinrich Frey. Burgund: Wilhelm Rufs. Lionel: Heinrich Schulz. Talbot Julius Türk. Die Kostüme, Requisiten, Waffen sind ans den kunstgewerblichen Werk statten von P. Hildebrand. Eintrittskarten ä<30 Pf. sind in den betonnteu Geschästcn zu haben. AlMderVlatz-Heater. Sonntag, nachm. 4 Uhr, zum letzten Male: Frau Holle, Zaubermärchen mit Gesang u. Tanz in S Bilden: von Eugen Prudens. Abends 8 Uhr: Letzte Sonntags Vorstellung der Berliner Posse: Eine pikante Ehe. Posse mit Gesang und Tanz in vier Akten von E. Prudens Montag zum vorletzten, Dienstag zum letzten Male: Eine pikante Ehe Mittwoch: Erstes Gastspiel des Herrn KarlPander vom Thalia-Theater in Hamburg:»Heinrich Heine« Hühneraugenoperateur und Lotte' Kollekteur Hirsch: Karl Pander a. G Billets sind ohne Vorbestellgebühr schon drei Tage vorher an der Theater lasse zu haben. Vormittags 11—1 Uhr und abends von Vjk Uhr an. zriedrich Wühelmst. Theater. Sonntag nachm. 4 Uhr: Zu kleinen (Abonnements)-Preisen: Ter Trom- peter von Säkkingen. Romantisches Schauspiel in 3 Atten(7 Bildern) von Emil Hildebrandt und Julius Keller. Abends 8 Uhr: Letztes Sonntags- Gastspiel des Herrn Karl Pander vom Thalia- Theater in Hamburg. S3/i Uhr: Heinrich Heine. Hühneraugenoperateur u. Lotterie-Kolletteur Hirsch: Karl Pander a. G. Vorher 8 Uhr: Eine Tasse Thee. Lust- spiel in einem Att nach dem französischen von W. Drost. Montag, abends 8 Uhr: Vorletztes Gastsvtel des Herrn Karl Pander vom Thalia-Theater tn Hamburg. 8% Uhr „Heinrich Heine". Vorher 8 Uhr Eine Tasse Thee. In Vorbereitung: Moderne Jung srauen. Berliner Posse mit Gesang in 3 Akten von Alfred Schmasow und R. Niwil. Musik von Albert Wicher. Billets sind schon drei Tage vorher ohne Vorbestellgebühr an der Theater- lasse zu haben. Ausserdem im In- validendank, Unter den Linden 24, bei aul Romeick, Leipzigerstrasse 8. und lius Lengenfeld, Markgrasenstt. b0. Central-Theater. Alte Jakobstr. 30. Dir. Rich. Schultz Abends V28 Uhr: Zum 31. Male: «111 Mltt WM Morgen Montag: Zum 32. M Ein fideler Abend._ Male: Kanarienhähne «igner Zucht, billig, grosse Auswah ,1666 Wache.Veisenaufti. 115. Ostend-Theater. Gr. Frankfurterstr.132. Dir. C. Weiss. Heute und Montag: Berlin, wie es weint und lacht. Anfang 7r/z Uhr. Heute, nachmittags 3 Uhr: Zum letzten Male: Der Walzerkönig. Halbe Preise. Dienstag: Wiederanstreten v. Carl Weiss. Zu hoch hinaas. Mit neuen Gesangseinlagen._ Thalia-Theater. (vormalö Adolph Ernst-Theater) Nachmittags 3 Uhr bei ermässigten Preisen: Trilby. Drama in 5 Alten nach dem Roman des George du Maurier von Georg Okonkowsky. Abends 71/2 Uhr: »Frau Lieutenant.« Vaudeville in drei Akten von Paul Fcrrier und Antony Mars. Deutsch von Hermann Hirsch el. Musik von G. Scrpctte und V. Roger. Morgen und folgende Tage:„Frau Lieutenant." Apollo-?Iieater. Durchschlagender Erfolg des März-Programms 5 8!8tm Lorrison Maggy, Aggy, Fanny, Clssv u.Xetty am Strande v. Trouville Carmencita Der vollkommenste und beste Vinekogrsph mit dem Sensationsvilde: ■3 Fndllch allein! W> Kasseneröffnung 6 Uhr. Ans. 7>/z Uhr. Konzerthaus Sanssouci, Kottboser Strasse 4a. Heute, sowie jeden Sonntag und Donnerstag: Stettliier Sänger (Meysel, Pietro. Britton, Steidl- Krone, Röhl und Schräder). Ansang 7 Uhr. Entree 50 Ps. Großartiges Sonntags-Programm. Zum Schluss: Mampa's Konservatorium für Musike. Ensemble v. Meysel. Montag: Viktoria-Brauerei. Ans. 8 Uhr. Vorverkaufbillets gilttg. U. A.: Mampe's Konservatorium. Dienstag: Böhmisches Brauhans. Mitttvoch: Moabiter Stadttheater. C'■_ i' «cus >*2 Iii-*ru ITrania Tauben- Strasse urania,«io. 48 4S. Naturkundliche Ausstellung täglich geöffnet von 16 Uhr vorm. ab. Eintritt 50 Pf. Wissenschastl. Theater abends 8Uhr. hos. Täglich von 71/2 Uhr abends ab 50 Ps. Im Theater- Saale täglich 8 Uhr abends Vorträge, mit Expcri- menten u. gr. Lichtbildern ausgestattet. Näheres die Tagesanschläge. 2 Bahnhof Börse. Sonntag, den 7. März 1807 2 gr. Norstellungen Nachmittags 4 Uhr: (1 Kind unter 16 Jahren frei): Zscheus, das Waldmdcheli Schwimmende Elefanten, schwimmende Pferde mit Rettern. Abends 7r/z Uhr: Nach Sibirien. Ausserdem in beiden Vor stellungen die besten Schul- und Frei- heitspserde; Auftteten der hervor- ragcndsten Reitwnstlerinnen u. Reit- künstler. Spezialitäten 1. Rang" Vorzügl. Klowns. Morgen: Nach Sibirien. Cetttenar-Feier Freitag, den 12. 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Miinnev!"WW WM- Frauen! Dienstag, den S. März, abends 8Vz Uhr, im„Kolberger Salon", Kolbergerstraße Nr. 23: Volks-Bersammluug. Tages-Ordnung: 1. Die Kauchfeswcise der Organe der Scharfmacher und des Krumm- stabs gegen die Kirchenaustritts-Bewegung. Referent Waldeck Mauasse. .2. Freie Dislussion. 1036 AM" Die Herren Redakteure der„Post" und„Germania", sowie die : Herren Prediger der umliegenden Kirchen und Synagogen sind brieflich hierzu eingeladen. I. A.: Ad. HolTiuann. Austrittserklärungen sind bei folgenden Kommissionsmitgliedcrn zu haben und werden auf Wunsch ausgefüllt: A d. H o s s m a n n, Blumen- strafle 14; F. Buckow, Münchebergerstrafle 10; H. Jans ch, Weiden- � weg 17; E. L i n d c m a n n, Morigstr. l>; G. Bohne, Brunncnstr. 141. Sozialdemokratischer Wahlverein für den 4. Derl. Reichstags-Wahlkreis(Osten). Dienstag, de» i». März 18Ä7. abendS 8 Uhr, bei Herrn»»«>,«> lUönigSbank). Graste Frankfurtcrstraste ll.7! Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Dupont. 2. Diskussion. Gäste haben Zutritt. 242/14 3. Verschiedenes. Neue Mitglieder werden aufgenomnien. ldei' Voi'»»tiind. Sozialdemokrat. Verein„Vorwärts" Berlin. Dienstag, den 9. März, abends 8V'> Uhr. in Schnelder'N i-icscIIscliaf'tMlians, Belsorterstr. 15: Mitglieder-Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Die heiligsten Güter der Deutschen. Referent Genosse Georg Wagner. 2. Diskussion. 3. Vcrcinsangclegenheiten und Verschiedenes. 274/16 Gäste haben Zutritt. Neue Mitglieder werden aufgenommen. Zahlreichen Besuch erwartet Der Vorstand. Achtung! Genossen u. Genossinnen! WM" Oeffentliche-MV SoMli>moItrltt.varttivtrslltn>tl!uiig für den Kreis Riedervarnim am Sonntag, den 7. März, vormittags 11� Uhr, bei Herrn Karl Spitzig in krisärjedsderg, Frankfurter Allee Nr. 193. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des ReichstagS-Abgeordneten Arthap Stadthagen über: Die politische Lage. 2. Diskussion. 3. Aufstellung eines Reichstags- Kandidaten. 4. Wahl von zwei Mitgliedern zur Preflkommission.[222/16 Entrce 10 Pf. Der Vertraaensnmnn. Rummelsburg! Stralau! Dienstag, den 9. März. abdS. 8 Uhr. bei PiatkoniSkh, Hauptstr. 83: WM Versammlung des Sozialdemokratischen Vereins. Tages-Ordnung: 1. Vortrag. 2. Die Verwendung öffentlicher Mittel durch die Rummels- burger Gemeindevertretung betr. Eentenarfcier. 3. Die Tendenz bei der letzten WeihnachtSbescheerung am hiesigen Ort. 4. Vercinsangelegenheiten. Gäste sind willkommen. Zahlreiches Erscheinen erwartet 8/ö Der Vorstand. VsvsKMMlttNg des deutschen Schneider- und Schneidkrinneu-Uerbandts am Dienstag, de« 9. Marz abends 8� Uhr in Joels Festsälc», Andrcasstr. 21. Tagesordnung: 1. Die Frauenarbeit in der Industrie. Refe- rentin: Martha Rohrlack. 2. Diskussion. 162/S Um zahlreiches Erscheinen ersuchen Die Bevollmächtigten. Verein deutscher Schuhmacher. VersÄmmlungetr SUT" am Slontag, den 8. d. Jlts., abends 8Va lThp."7DL Zahlstelle I bei Feind, Weinstr. 11: Vortrag. Zahlstelle II bei GrUndcl, Brunnenstr. 188: Vortrag des Herrn Dr. Joel über die Eroberung des Nordpols. Zahlstelle III bei Cohn. Beuthstr. 20: Vortrag des Kollegen Diener über Freimaurerthum. Zahlstelle IX bei Roll, Adalbertsir. 21. Um zahlreiche Betheiligung bitten. 186/11 Die Bevollmächtigten. Abrechnung der Zohvbemegung der AMer Mchler) in der Zeit vom 26. Juni 18S6 bis 23. Februar 1897. Ausgabe. Inserate........ Drucksachen....... Entschädigung sürZeitversäum- nihanKommissionsmitglicder Fahrgelder zc....... Porto und Schreibmaterial. An die Gewerkschaftskommission An die Kontrollkommission der Einsetzer im Holzarbeiter- Verband lautVersanimlungs- beschluß 4341b Für die Kommission: G. Lehmann. Obige Abrechnung geprüft, richtig besimden, Baarbestand gesehen. Die Revisoren: H. S ch m i d t. H. G i'e r s b e r g. R.Ferdinand. Einnahme. Für verkaufte Marken üöOPs.*) 365,50 Von den organistrten Einsetzem Berlins........ 27,50 Sechs Tellersammlungen.. 41,15 *) 7 Marken sind vernichtet. 12 Marken stehen noch auS bei Krause. 77,80 57,85 20,— 2,55 9,95 20.- 246,- 434,15 ZW� Maurer!'"Mg Grotze öffentliche Versammlung der Maurer Vevlins nnd Amgegend em Mittwoch» dm 1l). Mörz, alienhs 8 Uhr, rn Lskale Sanssouci, Kottbuserstr. 4. Tagesordnung: 1. Bericht der Lohnkommission über die gegenwärtige Situation in unserem Gewerbe. 2. Diskussion. 3. Wie führen wir mit Erfolg die Quittnngskarte ein? 4. Gewerkschaftliches. 133/10* DWl- Kollegen sorgt für guten Besuch! NB. An allen Wenden, wo öffentliche Versammlungen stattfinden, wird das Bureau um 7 Uhr geschlossen. Die Loffttkommissio». Yolks-Hochschule Humboldt-Akademie. Morgen, Montag und folgende Abende S3/,— S3/,, Epöffhung der 5 volksthümlichen Vortragsreihen der I.ehp«tlitte Kliiiigistadt für März- April, im Königitädttschen Realgymnasium,. NO, Elisabethstr. 57/58. Alle Borträge dieser Woche sind ftir Männer und Frauen frei. Programm gratis im Bureau, Th. Fröhlich� Buchhandlung, Landsbergerflr. 32._ Deutscher Holzarbeiter-Verband. Zahlstelle Berlin. Montag, den 8. März, abends 8 Uhr: Bezirks- Versammlungen. Süd-Osten bei Rantenberg, Oranicnstr. 180: Referent; Kollege Tost. Die Wcrkstellen von Brelhsler, Reichenbergerstraste III, und Xaehbar, Ranuynstr. 56, sind Hierzu eingeladen. Westen und Südwesten beiznben.«�»�-100. Referent: Kollege Rnn�e. Wedding und Gesundbrunnen Referent; Th. Glocke. Rosenthaler und Schönhauser Vorstadt in BUrschers Salon. Schönhauser Allee: Referent: B. Pötasch. Moabit im Lokale Stromstraste 28: Referent: Kollege Ahrens. Friedrichsberg bciHelnecke, Friedrich Karlstr. 11: Reserent: Kollege lO'etsehniann. FriedriChSfelde bei Herrn Karl Schnlz, Prinzen-Allee 6 i Referent: Kollege Kuschke. In vorstehenden Versammlungen ist die Tagesordnung: Welllje Lehreil zieheil lvir illls beiilHambllrgttZtreik? Osten und Hord-Osten bei Thid, asa: Tagesordnung: Vortrag über: Glaube und Vernunft. Reserent: Ad. Hoföuann. Vranchen-Nersammlung der Drechsler am Dienstag, den 9. März. abendS 8 llhr. im Englischen Garten. Alexanderstraste 27e. Tagesordnung: 1. Vortrag über: Was lehrt uns der Hamburger Hafcnarbciter-Streik? 2. Die Lohnbewegung der Baudrechsler in diesem Jahre. 3. Verschiedenes. Das Erscheinen sämmtlicher Kollegen, insbesondere der Vaudrechsler ist dringend nothwendig. Die Kollegen des Herrn A. Äileke, Pallisaden- straste 55, sind besonders eingeladen. 87/9 In �Ilcn Versaiiiinlungcn haben Gäste Zutritt und werden nenc Mitglieder aufgenommen. Zur Beachtung! Diejenigen Mitglieder, welche Bücher aus unserer Bibliothek geliehen haben, werden ersucht, dieselben baldigst zurückzugeben, da eine Vervollständigung und Neuordnung der Bibliothek stattfinden soll. Vilduugsverew„Mehr Licht" iSonntag. 7. März, abds. Ö'/j Ihr, Alexanderstr. 27c: VevkÄttttttlung. Vortrag des Genoffen IValdeck Manasse über: natürlich zu." Diskussion Darauf: Geseiiiges Beisammensein und Tanz. Gäste stetS willkouimen. Es geht alles 56,6 Verbililii Her i» lllls Holzplätzm beschästigteil Arbeiter DeutsijliM. Ortsverwaltung Berlin I. Mosttag. den 8. März, abends s'/z Uhr, bei F. Wilkc. Andreasstr. 26: Versammlung. Tages-Ordnung: 1. Vortrag dcS Herrn Dr. Wehl über Hypnotismus und Suggestion. 2. Diskussion. 3. Wahl der Delegirten zur Generalversammlung. 4. Gewer!- schastliches. Der Vorstand. XL. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung werden die Kollegen ersucht, zahlreich und pünktlich zu erscheinen._ 82 8 Achtung! Vorband derSattlornJapeziror. Den Mitgliedern der Filiale Berlin I zur Keuntniß, dass unser Ver- sammlungslokal von der Alten Jakobstr. 85 nach dem Englischen Garten, Alexanderstr. 27c, verlegt worden ist. Die erste Versammlung findet am IS. März dort statt. 157/1 Die Brtsverwaltung. Wim miii iofcrtirbcitcL Dienstag, den 9. März. abendS S'/a llhr, im Lokale des Her den 9. März, abends 8'/. llhr, im Lokale des Herrn Brochnow, Sebastlanstrafte 39: ** aV 1 1* t»»„> Große öffentlilhe Versamiiiluiig. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Genossen Theodor Bctzncr über:„Die Lohnkämpfe der jüngsten Zeit und ihre Lehre fiir die Arbeiterschaft." 2. Wie verbessern wir unsere Lage? 3. Verschiedenes. Wegen der Wichtigkeit der Tagesordnung bitten wir die Kollegen, recht zahlreich zu erscheinen; auch sind Lederarbeiter herzlich willkommen. 156/20_ Die Loh»- und Agitations-Kominission. Achtung! Stuckateure! Montag, de» 8. März, abends 8 llhr, bei Baske, Grenadierstr. 33: Fachverems-Versammlnng. Tages-Ordnung: 1. Vortrag des Herrn I. Sonntag über: Der Kamps nms Dasein und der Klassenkampf. 2. Wahl eines Hilsslassirers für das Potsdamer Viertel. 3. Gewerkschaftliches. Ersuche die Kollegen recht zahlreich zu erscheinen, da unter Gewerk- schaftlichem wichtiges zu besprechen ist._ Der Vorstand. Achtung, INeiSsarheiierl Sämmtl. Weitzardeiter Kerl ms u. Umgegend werden zu der am Sonntag, den 11. d. M., bei Krüger. Seidelftr. 30, vonn. 10 Uhr, stattfindenden„Morgensprache" hiermit eingeladen. Zahlreiches Erscheinen erwartet 173, _ I. A: Carl Daschütt. Charlottenburg, Schlohstr. 36. >/S � Achtung, Pchmenten-Arbeiterinnen nnb Arbeiter! Montag, den 8. März, abends 8 Uhr, Neue Roststr. 3(Englischer Hos): Gro�e öffentliche Verfammlung. Tages-Ordnung: 1. Bericht über die eingelaufenen Fragebogen. 2. Anträge der Agitationskonunission. 3. Abrechnung vom Reservefonds und Agitationskommission. 4. Die Maifrage. Zahlreiches Erscheinen ist nothwendig. 153/5 In: Auftrage der Agitationskommission: E. Drews. *«'! 4. MMiiltis(Süd-Ost). AA»«! lloveert- Usus LauLLOuei. Sonnabend, den 13. März: Lnosses Win±BP»Fesim Arrangirt von den Parteigenossen des 4. Wahlkreises(Süd-Ost), unter Mitwirkung der Gesangvereine ist. Urban und I.lederlust, sowie Austreten des Gesangs-Hnmoristen Herrn Desterelch. 1000 Hark Belohnung. Aufgeführt vom Gesangverein 8t. Trban. Programm 25 Pf. Grosser Ball. Tanz 50 Pf. Die Yertrauenspersonen. 99 Am Sonnabend, den 13. März, feiert der Gesangverein s66/l d.«.-S.-«.) seinen diesjährigen.ZV1L. Q. S Ii. IX JJ Q. 1 1 im„Englischen Garten", Alexanderstr. 27c und ladet Freunde und Bekannte hierzu ergebcnst ein. Nach der Demaskirung: Fest-Zugf, ausgeführt von den Mitgliedern des Vereins. Billets find im Vereinslokal bei ÄÄ. Spät. Weinstr. 28, und bei den Mitgliedem zu haben._ Das Komitee. BeriinerNaturheilvereinVorwärts Dienstag, den 9. März, abends 8'I, Uhr, bei llokmaim, Alexanderstr. 27c: V�rsammlnng. Vortrag bes prilkt. Naturbeilkilkdigtu Herrn Grundmann Über: ElnBlilkittdiisImtettiits Menscht» Gäste willkommen. (mit Demonstrationen). 182b Eintritt 10 Ps. A III. Dichter-Abeub (März Dichter) arrangirt vom | Verein der Kunstfreunde(Schöneberg)| 1 am 13. Uärs, abends präz. 8l/2 Uhr,■ 1«■,»_ TW-Nmmi. H Max Mörschers Salon, Schönhauser Allee S8. Saal zu Versammlungen und Fest- lichkeiten. Einige Sonnabende im Februar und März noch frei. 9822* Jeden Sonntag Tanz. Achtung! Parteigenossen Kerlins! Achtung! Sonnabend, den 13. März, abends 8 Uhr. im Jeen-Ualast. Mrgstraße: HS Harx-Gedächtniss-Feier S- veranstaltet vom Leseklub Karl Marx unter gefl. Mitwirkung der Konzettsängcrin Frl. Gertrud Rieh(Alt) und des Herrn Paul Friedrichs(Bariton) sowie der Arbeiter-Gesangvcreine:„Kreuzberger Harmonie*.„Froh' Hoffnung",„Grüne Gichc".„Zukunft". Dirigent: Herr Dillenberger. Musik von Zivil-Berusömusilern. Dirigent: Herr Georg Schonrrt. Feffrede: Genosse?sel.— Prolog: Genosse Wiukler.— Großer Kall. Stillet SO Pf. Tan® SO Pf. Das Comltif: Lankow. Bülowstr. 21 pt.; Schüler, Mtttenwaldcrstr. 43III. Achtung! teilte! Achtung! Englischer Garten. Alexanderstr. 27 c. 1166S* Sonnabend, 24. April, Sonnabend, 1. Mai, Sonntag, 2. Mai, W Säle frei. llbreclil's Salon, Memelerstr. 67. 99328* Vergebe meinen Saal auch Sonn- tags an Vereine und Gesellschaften. Sonnabende noch frei. Schmargendorf „Tanssonci" Rnhlaerstr. 30. A. Malitz. Vereinen und Gesellschaften bestens einpfohlen.* Jeden Sonntag: Grosser Ball. Warnung! Bei Beginn der Frühjahrs-Saison ist es wiederum nvthig, das geehrte Publikum darauf aufmerksam zu machen, sich nicht durch marktschreierische Reklame bekannter Herren- und Knaben-Garderobcn-Geschäste irre führen zu laffen. Trotz des„Gesetzes wider der�unlauteren Wettbewerb", liest man doch in allen Dtadtgegendcn, besonders aber im„Südosten" nach wie vor Ankündigungen von„Ausverläusen", die den Anschein erwecken sollen, als würde die Waare sast verschenkt. Jedoch ist es eine seststehende Thatsache, dah diese Anzeigen der sogenannten„Massen-Ausverkäusc wegen Aufgabe des Geschäftes zc." nur aus T ä u s ch u n g d e s Publikums berechnet sind und lediglich den Zweck ver- folaen unter allen Umständen" Käufer anzulocken. Und leider finden sich auch immer wieder- Leute, die auf derartige schwindclhaste Anpreisungen hineinfallen, um allerdings nach kurzer Zeit die trübe Erfahrung zu machen, dasi sie die nur aus Ramschwaare bestehenden Gegenstände mit dem so„fabelhaft billig" erscheinenden Schleuderpreis, noch viel zu thcuer bezahlt haben. Wer sich aber vor Schaden hüten will und! au, wirklich reelle Bedienung Anspruch macht, meide solche Reklame- und A u s v e r kau s- G e sch ä f t c und. besorg- seine Einkäufe bei soliden Firmen; die Preise sind auch hier im eigenen Interesse so billig wie nur irgend möglich giuUlt. �„uten Ruf meines Hauses,— eine Folge der gewissenhasten Bedienung meiner weitverbreiteten Kundschaft— darf auch ich getrost mein Geschäft zu den besttenommirtesten der Herren- und Knabett-Garderoben-Branche am'hiesigen Platze zählen. Die Besichtigung meines rc ich s o r t i rt c n Lagers in fertigen Anzügen, Palelots, Mänteln-c. ist auch Nichttäusern gem gcstattct und besonders ient nacki Einaana der Neuheiten für die Frühjahrs- und S o m m e r s a i f o n sehr zu empfehlen. Einige der recht geschmackvollen Muster und in meinen 5 groben Schaufenstern ausgestellt. Die Preise sind si r e n a f est an jedem Gegenstand deutlich in Zahlen vermerkt und in anbetracht der vorzüglichen Qualität der Stoffe und besseren Ausführung billiger als wie sie die soaenannten Neklanieaeschäfte zu bieten im stände sind. Anfertigungen nach M a a H werden in eigener Werkstatt und in kürzester Zeit, wenn nothig schon innerhalb 12 Stunden ausgeführt; für t a d e l- > o l e n S i v der Kleidungsstücke leiste ich Garantie. Zivccks ungcnirter Anprobe sind A n k l e i d e- K a b i n e t s vorhanden. Ich habe das Bcwugtfein, auch den verwöhntesten Ansprüchen in jeder Weise genügen zu können und richte daher an das geehrte Publikum das Ersuchen, bevor es seinen Bedarf anderweitig deckt, sich von der Wahrheit meiner Offerte zu überzeugen Hochachlungsvoll: ~-—-- w � SO., Köpnickerstrasse 121, ©ckc Michaelkirchstrafic. iubltlum das Ersuchen, bevor eö leinen Beoar, anoerweirig oear, sily von ocr«zugrgr» meiner«jpene zu noerzcu Carl Zobel, MMN- und UabkN-MudtN. Telephou. Verantwortlicher Redakteur: August Iacobcy in Berlin. Für den Jnseratentdeil verantwortlich: Th. Glocke in Berlin. Druck und Verla« von Max Bahing in Berlin. 9i.56. U. IahrWj. 2. Sfüajc ilcs Amiilts" Krim UcksM Smm,?. Pin 1897. Vevpnmmlungen. Tie Orientwirren sollten— den Anzeigen zufolge— am Freilag in einer Versammlung der National- Sozialeu besprochen »verde». Der als Referent auftretende Verleger der„Zeit". Herr Boussuet. berührte aber dies Thema nur so nebenbei. Er hielt eine ebenso weitschweifige wie langweilige Rede über die national- chauvinistischen Bestrebungen seiner Partei und wiederholte im großen und ganzen das, was Pfarrer Naumann bereits am Mitt- woch in der Bebel-Versammlung über die von Deutschland einzu- schlagende auswärtige Politik gesagt hatte. In allen Tonarten pries er den Krieg als ein knlturförderndcs Ereigniß und zog unter anderem auch die Bibel zur Begründung seiner Ansichten heran. Selbst das Urbild der Liebe»nd des Friedens, der Nazarener. mußte herhalten, um des Referenten Anschauung über die Unvermeidlichkeit der Völkerkriege zu„beweisen". Was der Redner gelegentlich über die Sozialdemokratie sagte, ließ erkennen, daß sein Urtheil durch Kenntuiß des Wesens derselben allerdings nicht getrübt ist. Da er vornehmlich gegen Herrn v. Egidh polemifirte, so trat ihm dieser in längerer Rede entgegen und auch die weitere Debatte gestaltete sich hauptsächlich zu einer Auseinander- setzung zwischen Egidyanern und Nanmannianern. Von feiten der letzteren verstiegen sich die Herren K l u m! e r und Lorenz in ihrem Eifer so weit, daß schließlich Herr Damaschke sich ver- anlaßt sah, seine Freunde in einigen Punkten zn dcsavoniren und gegen Herrn v. Egidy, dessen scharfe Trennung von der Naumann- scheu Richtung auch er betonte, einen versöhnlicheren Ton an- zuschlagen. Die Glaser hielten am Montag den l. März eine öffentlich� Versammlung in den„Arminhallen" mit folgender Tagesordnung ab:„Die Arbeitslosigkeit in unserer Branche und wie schränke» wir dieselbe ein?" Die meisten Redner sprachen sich dahin aus, daß die Akkordarbeit- zum theil schuld wäre an derselbe», indem durch dieselbe der Arbeiter seine Kräfte maßlos anspanne, die Arbeit schneller beende und dadurch weniger Leute beschäftigt werden. Kollege Starke ermahnt hierauf die Kollegen, Akkordarbeit und Uebcrstunden möglichst einzuschränken, und den Arbeitsnachweis in der Ritlerstr. 12'd bei Stramm mehr als bisher zu benutzen. Kollege Krause wird als Gewerkscbaftsdelegirter gewählt. I» Sachen der Streikabrechnung beschließt die Versammlung: Die Forderung der Glaser a» den Kollegen Scheiver dem Vertrauensmann Kollegen Starke zu überweisen, damit derselbe gegen den p. Scheiper vorgehe. Rixdorf. Die regelmäßige Versammlung der hiesigen Zahl- stelle des Verbandes der Möbelpolirer Berlins und Umgegend tagte am L d. M. bei Bock, Knesebeckstrabe 118. Kollege Weber hielt einen intereffanten Vortrag über den Werth der Statistik. 3. Punkt: Wahlen halte folgendes Resultat: Bevollmächtigter G a d e, Kassirer Klitzke, Beisitzer Schmoldt. Unter Verschiedenem ersuchte Kollege Fischer, die Anwesenden möchten(soweit es noch nicht geschehen) auf den„Vorwärts" abbonniren, sowie für denselben agi- lire» und nicht etwa, wie es manchmal geschieht, noch gegnerische Blätter unterstützen. Zum Schluß forderte Kollege Weber die Kollegen auf, tüchtig für den Verband zu agitire». Steglitz. Der hiesige Arbeiter-Bildungsvcrein hielt am 2. d. M. seine Generalversammlung ab. Nach einem Vortrag des Genossen Schneider erfolgte der Kaffenbericht, demzufolge eine Ausgabe von 161,10 M. einer Einnahme von 167.40 M. gegenüber steht.— Zum I. Vorsitzenden wird der Genosse S u d e r o w, zum 2. Vor- sitzenden Kunkel, zu Kassirern K r e n t s ch und D e r i n g, zu Schriftführern Spiegel und D i e r i» g gewählt. Das Mit- glied S ch w e r i ck e wurde aus dem Verein ansgeschlossen. Bekannt- gegeben wurde, daß vom 1. April an die Verbreitung des „Vorwärts" in Parteispedition übergeht. Bernsen, ein im Bau- fach verunglückter Genosse, wird die Verbreitung übernehmen. Zu uuscrem Bericht über die P r o t e st v e r s a m m l u n g heißt es u. a., daß Herr Weisheit ein Mißtrauensvotum gegen die sozialdemokratische Fraktion beantragt habe. Herr Weisheit stellt dies in einer Zuschrift an uns als Jrrthum dar: Ein anderer Versammlungsbesucher habe, als er seine Aussührungen machte, den Zwischenruf:„Mißtrauensvotum" gethan. Ztrt>«it«r- Sildtt»o«s>I,»Ie. Sonnlag, vormittag» von Uhr, ad- wechselnd FortschrNletursus in Naitonalölonomte und Redeübung im Lokal der Nordschule, Brunnenstr. 25. Monlag Abend kein Uuterricht. »>» L-srhaU- der Arbeiter-Kildu»»« schule, Brunnenstr. 25, ist Wochen» lag« von 6— g Ul/V, Somnag» von 4—9 Uhr, uneiNgeltltch für jedermann geöffnet. Die S e s chäs l S sl et l e der Schule N., Brunnenstrade as, die den Beretn»» vorständen zur Bermiltetung von Borträgen wtssenschaftltchen Sharakter» zur Beifügung steht, ist ebenfall» von 6- 9 Uhr nachmittags geöffnet. Zledeiter-Siingerd»»» Berlin» und Umgegend. Borslhender Ad. Neumann, Paseivallerslr. s. Alle Aenderunge» lm Beretnslalender sind zu richte» an Friedrich ttorlu m, Manleufselfir.«9, v. 2 Dr. Arbeiter- Pancherbnod Kerli»« und iimgegeiU». Aenderunge» im «ereinstaiender sind zu richten an Hermann Brau»schweig, Dresdener« straße so, 2. Hof, 4 Dr. Kund der gesellige» Zlrbetterverein« Serlin«»nd Zinigegeod. AB» Auschrisle», den Bund delreffend, sind zu richten an P. Sent, L. DreSdewer- straße 107/8. zierband der in Kolibcarbeiinng»- Fabriken»nd auf Oalzplitche» b-sbiaftigt-n Arbeiter v-»tschla»d». Orlsverwaltung Berlin I. Montag, de» 8. März, abend» Uhr, bei F. Wille, Andreasftr. 28: Mttalieder-Bersammtung. Die anugllcdit werden ersucht, zahlreich und püntlltch zu erscheinen. Koaniod. zierein für voikstlinmliche Wissenschaft. Heute Abent» 6 Uhr, Restaurant Hageinann, Schönhauser Allee 4: Unt«! haliungiabend für Mibglteder: Bortrag über Hypnottsmus mit Erperinienten. Dtenftag, abends 8'/« Uhr, bei Hensel, Brunnenstr. l?»: Bor trag des Herrn Neugebauer:„staut stche Philosophie." Diskusston. Gäste willlommen. Kamnritrrbnr!»« für Arbeiter»nd Arbeiterinnen. Montag, den 8. Mar,, abends 8Z Uhr. in Cohn's Feftsälen. B-uthsiraße 2a: Bartrag de« Herrn Dr. Christeller über:„Transport ertraiiller und verunglückter Personen." Nachher: G-selliges Betsammensein. Kerein der Waschinisten, Ael,«r«nd s-rufggenojsen Berlin« und Umgegend. Heut-, nachmittags 5 Uhr, im Lokale Oranienstrasje 5i: Ber- sammlung. Bortrag über:„Etellrische Glühlampen." perein deutscher Schuhmacher. Montag, den 8. d. MIs., ab«nds 8z Uhr, Zahlstelle I bei Feindt, Weinstr. U; Zahlstelle 2 bei Gründer, Brunnenstr. 188. 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III Kaufhaus Grüner Weg 31, reu« Andreaspiata. hont Rückficht auf meine große auswärtige Kundschaft«. Vielseitigkeit meines Lagers vermag ich nur in kleiner Schrift die von mir gebotene große ! Auswahl zu bringen—. bitte deshalb den freundlichen gtfev, mein ausführliches Inserat aufmerksam zu verfolgen, sowie meine Preise der von mir genau beschriebenen Qualitäten mit den jeht alls«mei» üblichen Auonahmepreifen zu vergleichen. Troy zahlreichster Anfeindungen, die sich in neuerer Zeit wieder geltend machen, werde ich nicht ermüden, nach wie ' vor verbessernd«. verbilligend auf den Markt sämintlicher von mir offerirten Artikel zu wirken. teilüiit fiir W HMM durlh GmiltiMme, Von dem Anspruch Nltf Etttschttdlguttg"" bitte den uusgiebigsten Gebrauch zu machen. DHU' Bei etwaiger Unzufriedenheit ist weiter kein Wort zn verlieren nöthig, sondern nur Vorlegung oder Einsendung des Reclamationsscheines.— Jede Neclamation ist mir willkommen und wird über jedes Erwarten des Käufers zur größten Zu- friedenheit erledigt.— Es sind innerhalb der letzten 4 Jahre über SSOv Kerlamationen zur größten Jnfriedenheik aller Reclamanten von mir erledigt worden, wovon sich jeder Besucher durch kaufmännisch geführte Bücher überzeugen kann— Die mit einem* bezeichneten Artikel sind ausnahmsweise theils mit Factiszuthaten in der Einlage hergestellt, da sie sonst ihren Zweck— sehr leicht zu sein— nicht erfüllen. Die An- schauung, daß eine Spaneinlage zwischen Sohle und Brandsohle minderwerthig sei, ist eine irrige.— Die Spaneinlage ist um mehr als da? 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Nach dsn Erhebungen, die das großhcrzoglich badische Statistische Bureau in Karlsruhe im Jabre 1894 in Baden vorgenommen hat, wurde» folgende Daten sestgestellt: A r b e i t e r- B i l d u» g s v e r e i n e gab es 56 mit insgesamint 6042 Mitgliedern. Sie gehören meist dem Verbände(nalional- liberaler) badischer Arbeiter- Bildungsvereine an. Die Eiiiiiahinen dieser Vereine betrugen im Jahre 1894: 41 483 M., die Ausgaben 87 249 M., das Gesaininlvcriuögen am Ende des Jahres: 107 386 M. Die höchste Mitgliederzahl, 432, hat der Verein in Mannheim, der außer einer Sparkasse und einer Medizinalkasse, noch eine Ve- gräbniß- und Kraukenkasse besitzt, die dem Z 75 des Kr.-V.-G. entspricht. Die Gewerkschaften waren mit 139 Lokalorganisationen. beziehentlich Filialen der Zentralverbände und insgesammt 5829 Mitgliedern vertreten. Davon kamen auf die Metallarbeiter 17 Vereine und 1467 Mitgl. Bildhauer 2 Vereine und 53 Mitgl. Böttcher 2 Vereine 57 Mitgl. Brauer 5 Vereine 261 Mitgl. Buclibinder 5 Vereine 114 Mitgl. Buchdrucker 6 Vereine 547 Mitgl. Dachdecker 2 Vereine 34 Mitgl. Fabrik-, Land- nud gewerbliche Hilss- arbeitet 1 Verein 50 Mitgl. Former 1 Verein 86 Mitgl. Glasarbeiter 1 Verein 43 Mitgl. Glasergescllen 7 Vereine 162 Mitgl. Handliings- gehilfen 1 Verein 50 Mitgl. Handschuhmacher 1 Verein 30 Mitgl Holzarbeiter 14 Vereine 627 Mitgl. Hutmacher 4 Vereine 125 Mitgl Klipferschiniede 2 Vereine 43 Mitgl. Lederarbeiter 3 Vereine 171 Mitgl. Lithographen und Steindrucker 4 Vereine 111 Mitgl. Maler u. Lackirer 6 Vereine 142 Mitgl. Maurer 4 Vereine 132 Mitgl. Mühlenarbeiter 2 Vereine 55 Mitgl. Porzellanarbeiter 2 Vereine 69 Mitgl. Sattler 2 Vereine 40 Mitgl. Schneider u. Schneiderinnen 10 Vereine 284 Mitgl. Schuhmacher 11 Vereine 333 Mitgl. Steinarbeiter 3 Vereine, 136 Mitgl. Tabakarbeiter 9 Vereine, 301 Mitgl. Tapezirer 1 Verein 27 Mitgl. Textilarbeiter 1 Verein. 40 Mitgl. Töpfer 4 Vereine, 79 Mitgl. Zimmerer 6 Vereine, 160 Mitgl. Der Sitz der Organisationen beziehentlich der Zahl« stellen beschränkte sich auf 34 Städte; in Mannheim bestanden 22 Vereine mit 1429 Mitgl. der verschiedenen Berufe, in Karlsruhe 19 Vereine mit 1065 Mitgl. Der wöchentliche Beitrag disserirle zwischen 10 und 25 Pf. Höhere Beiträge bezahlen: die Hand- schnhmacher 35 Pf., die Bildhauer 50 Pf., die Hutmacher 30 Pf., die Buchdrucker 110 Pf. pro Woche. Ueber die Einnahmen und Ausgaben, sowie auch über das Vermögen der einzelnen Ver- ivaltungsstellen sind leider keine Angaben gemacht. Die H irsch-Dnnker'schen Geiverkvereine sind in 39 Städten durch 55 Ortsvereine und insgesammt 2325 Mitglieder vertreten. Die niedrigste Mitgliederzahl hat der Ortsverein in Sexau auszuweisen, dem im ganzen 5 Bauhandwerker an- gehören. Die höchste Mitgliederzahl— 536— hat Mann- heiiit, Karlsruhe ist mit 156 Mitgliedern betheiligt. Das größte Kontingent der Mitglieder stellen die Zigarrenarbeiter 666; die Mitglieder rekrutiren sich fast ausschließlich aus den Slintsbezirken Schwetzingen und Heidelberg. Nur folgende Berufe gehören den einzelnen Orlsvereinen an: Bauhandwerker 167, Fabrik- und Handarbeiter 607, Maschinenbau- und Metallarbeiter 332, Schuhmacher und Lederarbeiter 121, Schneider 152, Klempner und Metallarbeiter 80, Töpfer 23, Schreiner 155, graphische Berufe und Maler 17, Zigarrenarbeiter 666. Die Beiträge belausen sich durchwegs auf 10 Pf. pro Woche. � Evangelische Arbeitervereine wurden 1 8 mit ins- gesammt 2611 Mitgliedern gezählt. Das Vermögen dieser Ver- eine betrug Ende 1894: 12 972 M. Katholische Arbeiter« vereine waren 1894 in 24 Städte» 25 vorhanden, die nach den Angaben der Vorstände insgesammt 4176 Mitglieder und ein Vermögen von 16 819 M. aufzuweisen halten. Katholische Gesellen- und L e h r I i n g s v e r e i n e waren 56 mit 7176 Mitgliedern vorhanden; deren Gesammt- vermögen, abzüglich 61 835 M. Schulden, betrug 149 510 M. Die verhältuißmäßig hohe Mitgliederzahl dieser Vereine, von denen viele in den fünfziger und sechziger Jahren gegründet wurden, dürfte wohl weniger auf die religiöse und politische Stellung, die diese Vereine anscheinend einnehmen, zurückzuführen sein; vielmehr ist die An- nähme berechtigt, daß die Mitglieder durch die verschiedenen Ein- richtungen, wie Sparkassen, Krankenkassen ec. an die Vereine gefesselt werden, zumal der Mitgliedsbeitrag sehr niedrig ist und zwischen 1.2 und 4,3 M. pro Jahr schwankt. Diese Vereine haben sich der Gunst der besitzenden Klasse zu erfreuen. So z. B. hatten die katholischen Gesellenvereine bei einer Einnahme von 16 574 M. aus Mitgliederbeiträgen und Eintrittsgeldern, an freiwilligen Beiträgen der Ehrenmitglieder, Geschenken und Vermächtnissen sowie aus Vereinsveraiistaltuiigen eine Einnahme von 17 577 M., die katholi- scheu Arbeitervereine bei 6770 M. Mitgliedsbeiträgen und Eintritts- geldern an freiwilligen Beiträgen u. s. w. 4043 M., die evangeli- scheu Arbeitervereine 6482 M. beziehentlich 4758 M. Außer den 29 badischen Bezirksvereinen des Deutschen Werkineister-Berbandes. deren Mitgliederzahl 1074 beträgt und die nach Angabe des Zentralvorstandes ein Vermögen von 2942 M. besitzen, werden in der Zusammenstellung unter dem Titel: „S onstige Arbeiterorganisatione n" noch 22 Vereine mit insgesammt 1956 Mitgliedern und einem Vermögen von 16 690 M. genannt. Die Tendenz dieser Vereine ist mit Aus- nähme von dreien, welche dem Verband nichtsozialdemokratischer Arbeiter in Mannheim angehören. nicht recht ersichtlich. Aus den Ausgabeposten ist zu schließen, daß sich diese Vereine in der Haupt- fache mit dem Unterstüyungswesen befassen. Auch betreffs der Unternehmer- Vereinigungen liefert die Statistik interessantes Material. Bestätigte In- nungen gab' es 28 mit 908 Mitgliedern; sie hatten ein Gcsammtvermögen von 13 809 Mark. Darunter befand sich die Friseur- und Perrückenmacher-Jnnung der Stadt Freiburg, die nur 7 Mitglieder zählt. Für die so oft gerühmten Wohlfahrts- einrichtungen(Lehrlings- und Ges�llenwesen, Fachschulen jc.) hatten 22 Innungen nicht einen Pfennig bezahlt. Wanderunterstützung an Gesellen und Gehilfen wurde ebenfalls nur von 11 Jnniiiigen ge- leistet. F�reie gewerbliche Genossenschaften, darunter 22 Bäckergenossenschaften mit 579 Mitgliedern und 26 250 M. Vermögen und 7 Fleischergenossenschasten mit 255 Mitgliedern und 63 127 M. Vermögen, waren 35 mit insgesamint 1029 Mitgliedern und 130 803 Mark Vermögen vorhanden. Neben diese» Innungen. Genossenschaften und Handiverkervereinen— letztere weisen nur eine minimale Mitgliederzahl auf— seien noch erwähnt die sogenannten Gewerbevereine, die in allein Städten Badens vertheilt und durch Unterverbände und den Landesverband zusnnimengeschlassen sind. Nach den Angaben der einzelnen Vereine, deren Mitgliederzahl seit dem Jahre 1885(wo sie 5753 betrug) beständig zugenommen hat, sind im Jahre 1894 32 Vereine mit 8850 Mitgliedern, darunter 6651 Geiverbelreibende gezählt worden. Die Vereine, die im Jahre 1894 aus Mitglieder- bciträgen und Eintrittsgelder» eine Einnahme von 32 097 M., außerdem an Zuschüssen des Staates und der Geineinden, sowie sonstigen Zuwendungen 6279 M. zu verzeichnen hatten, verjügen über ein Gesammtvermögen von 425 603 M. UikevAvifches. (?, Sucher, Seminardirektor i. N.: Vier Denkfehler der heutigen zivilisirten Menschheit, eine Denk- schrist, den Lehrern des Volkes gewidmet. Krems; 1897. Der Titel dieses kleinen Schristchens verrälh bereits, weß Geistes Kind sie ist. Wäre diese Broschüre ein Zeichen dafür, daß es in breitere» Schichten der österreichischen Lehrerschaft, die doch sicherlich ebenso wie die deutsche zum hitzigsten Hurrahpatriotismus und zur loyalsten Gedankenlosigkeit von Staats wegen erzogen wird, zu gähren beginnt, so wäre sie trotz ihrer Wunderlichkeiten mit Freuden zu begrüßen. Dafür, daß die Gedaiikengnhrnng, trotz aller trübe» Blasen, die sie im Anfang wirft, zu rascher Klärung kommen kann, ist durch die sozialistische Presse und Literatur genügend vor- gesorgt. Die Sacher'sche Broschüre zeigt freilich leider ein»och h ö ch st p r i ni i t i v e S Gährungsstadiuin. Naiver und unbeholfener als in diese» Blätter» ist die utopistische Sinnesart, die alle sozialen Gc- brechen aus„Denkfehler»" der Menschheit erklären und durch schul- meisterliche Unterweisung im richtige» Denken turiren möchte, selten wohl aufgetreten. Die Weltgeschichte muß sich infolge ihres mangelnden Verstandes schlimme Zensuren gefallen lasse».„Wir haben uns ge- wöhnt," schreibt der Seminardirellor,„die Denkkraft unserer Vorfahren im Mittelalter mit Geriiigschätziing oder Mitleid zu beurtheilen, und es ist ja auch richtig, sie machte» g a r st i g e Denkfehler(!): sie verbraunten ihre tüchtigsten Denker als Ketzer, ihre klügsten Frauen als Hexen(?); aber wie gering ist dieser Jammer in, Verhältniß zu dem furchtbaren Elend und der Massenarmuth, welche unsere heutigen De iiksehler(!) verursacht haben und noch verursachen werden." Der Denkfehler der schlechtunterrichteteu Menschheit, von der in Luther'scher Manier an die besser unternchtete appellirt werden niuß, liegt»un, diesem Nachweis sind die Blätter gewidmet, in dem„ G e- danken, das Eigenthum müsse von selb st wachsen (Zins tragen)." Merkwürdig, wie nur die Menschheit auf eine so verdrehte Vorstellung hat kommen können, und noch merkwürdiger, daß ein Theil derselben und zwar zufällig gerade der, dessen Eigenthum durch Zins und Gewinn heute thatsächlich wächst, den„Denkfehler", der darin liegt, absolut nicht begreifen will! Sollte das wirklich nur vom Denken herkommen? Sollte, ein allerdings etivas despektirlicher Gedanke, nicht am Ende die Gesellschaft oder vielmehr die herrschenden Klassen, die ihr immer das Gepräge aufdrücken, im groben- und ganzen sehr klar und richtig, wenn auch sehr egoistisch interessirt gedacht haben, so daß nicht sie, sondern der Herr Seminardirektor selbst, indem er gegen nicht vorhandene Denkfehler zu Felde zieht, de» größten Denkfehler macht? Die Vermuthung ist doch nicht ohne weiteres von der Hand zu weisen. Wie so oft bei dieser Art utopistischer Gesellschaftskritik, wird die„Naturwissenschaft" zu Hilfe gerufen. Unter freundlicher Mit- Wirkung einiger kräftiger Begriffsverivechselnngen wird der Nachweis erbracht, daß„das Gesetz der Erhaltung der Energie auch für das Gebiet menschlicher Wissenschaft gilt", weil(!) die „Energie-Nnsgabe" bei der Produktion sich im„Werth" des erzeugten Produktes„wiederfinde". Dem Verfasser schwebt bei dieser kühnen Naturphilosophie offenbar das Marx'sche Werthgesetz vor. Er hat aber, da dieses Werthgesetz ihm als Beweismittel für die logische Unvernunft von Gewinn und Zins dienen soll, offenbar nicht die entfernteste Ahnung, daß gerade das Werthgesetz die Voraussetzung der Mchrwerthbilduug, somit also auch des Geivinnes und Zinse?, die der Verfasser durch dieses Werthgesetz„widerlegen" will, darstellt. Zwei Kapitel in dieser„ökonomischen" Schrift betiteln sich: „Die Zeit" und„Der Raum". Der harmlose Leser, der sich bei der Lektüre vor metaphysische» Fragen entschieden sicher glaubte, braucht aber nicht zu erschrecken.„Die Zeit", das bedeutet hier die Leihfrist des Zinskapitals,„der Raum" bedeutet unsere simple Mutter Erde, die ihren grundbesitzenden Menschenkindern ein Monopol und mit ihm die Annehmlichkeit des Grundrente oder des Bodenzinses sichert. Das Ideal des Verfassers, der sich sehr bezeichnend als glühenden Verehrer des Bodenreformers Flürscheim zu erkennen giebt, nimmt es an Unklarheit mit allem, was wir sonst in diesem Schriftchen treffen— und das will viel sagen— reichlich auf. Es soll nämlich „Staatshandel" eingerichtet werden. Sozialisnius ist nicht mehr nölhig. Der Staat pumpt jedem Produzenten, was er an Pro- duktionsmitteln braucht, zahlt ihm den„richtigen Preis"«nd„liefert ihm die gewünschten Güter". Uebrigens hat die mit so argen Denkfehlern behastete Menschheit in nächster Zeit noch weitere Aufklärungen zu erwarten. Herr Sacher kündet bereits ein neues Werk:„Die Gesellschaftskunde als Naturwissenschaft" an._ C. S. Eingelanfene Druckschriften. Sozialistische Monatoheste. Da? Februarheft enthält folgenbe Belträhe: A. v. Elm: Lehren des Hamburger Streits.— Hennann Thurow: Benoit Malon.— G. F. Steffen: Marx' Einleitung zu feiner Werththeorie. Einige kritische Bemerkungen.— Sperans: Banquter-Syinb oliSmus.— Dr. Johannes Menztnger: Dle Selchichisschreibung der Judenfrage.— Wilhelm Bölsche: Die sozialen Grundlagen der modernen Dichtung.— Max Pfund: Nabrikanten- sorgen.— Dr. B. Krttschewstg: Aus Auguste Blanqui'S Leben.— Rundschau: Wissenschaft, Kunst, Bücher, Revuen.— Das Heft enthält ein Porträt von Benoit Malon. Zier ioziatistische Student. Das Februarhsft enthält: Caiilina, Korporation und Siudentcnehre.— Karl Henrlsll, Der KorpSbursch.— Pietro Wazzantini. Die Studenten-Unruhen In Italien.— Arthur Jacob i, A»S den Reichslanden. — Rundschau: Bon den Hochschulen.— Akademische Dagessragen.— Presse. 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