BUNTE WELT Nr. 46 Unterhaltungsbeilage Vereitelte Torpedierung Der dänische Steuermann Christian Petersen erzählt im Kopenhagener ,, Socialdemokraten": An einem Herbsttage 1917 stampfte ein dänischer Frachtendampfer, voll beladen mit spanischem Metallerz, nachdem er Portugals Küste entlang gefahren war, nach Norden.. ein richtiger Fang für ein deutsches U- Boot. Steife Brise von Nord und feindlich bewegte See fosteten verdammt viel Kohle. Die Ret tungsboote waren ausgeschwungen und gut berproviantiert, die Mannschaft ordentlich kriegstrainiert und der Kapitän ein Vorbild von Kaltblütigkeit, ein Westjüte von Esbjerg. Die Maschine stöhnte und pruſtete, es ging nur langsam vorwärts, bloß 20 Seemeilen in einer Woche. Das Leuchtfeuer von St. Vinant tauchte am Horizont( in der Kimmung) auf, alle 30 Sekunden warf es seinen Schein über die krause Wasserfläche. Eine rabenschwarze Nacht war hereingebrochen, in der man schon den Steven am Ende des Schiffes mehr ahnte als sah. Der Vizesteuermann hatte die Wache und ein sicherer Mann saß im Auslug. Um 10 Uhr, furz vor der Ablösung am Ruder, wurde das Schiff plößlich von einem fräftigen Scheinwerfer angestrahlt. Das Licht fegte über das Wasser, ruhte dann einen Augenblick auf den dänischen Farben, die an den Seiten des Dampfers angemalt waren, beleuchtete dann den Namen vorn und den Danebrog( die dänische Fahne), die Tag und Nacht auf dem Hinterteil des Schiffes wehte. Darauf wurde der Scheinwerfer gelöscht und die Lichtsignale begannen. Die Fragen waren fast immer die selben: Welches Schiff, woher, wohin, was für Ladung? Nachdem alles beantwortet worden war, wurden alle Lichter auf dem anderen Schiff gelöscht, der Vizesteuermann gab Ruder und wies die Maschine zu äußerster Kraft an, denn er hielt den Frager für ein deutsches U- Boot und hielt es für das beste, rasch fortzukommen. Jetzt kam der Kapitän heraus, ließ sich berichten, was geschehen war. Bevor aber noch ein Entschluß gefaßt war, was weiter zu tun, begannen die Lichtsignale wieder. ,, Haltet Euch zwei Strich weiter westlich und fahrt 20 Quadratmeilen aus, es besteht Minengefahr auf Eurem bisher gefahrenen Kurs" blitte es in Morsezeichen. ,, Frag ihn mal, was er für ein Landsmann ist", sagte der nicht morsekundige Kapitän ,, und das soll er uns dann auch vormachen". Als Antwort wird ein scharfes Licht aufgesetzt und ein hoher, scharfer Bug mit dem aufgemalten ,, E 72" fommt hervor, dann erscheinen drei Schornsteine auf einem langen Rumpf und die britische Flagge, der Union Jack, weht achter( hinten). Sag ihm Dank", befiehlt der Kapitän, der noch brummt, daß ,, Er" nicht wie die Deutschen die Flagge versteckt. ..Fahr scharf Backbord, NW- W und achte auf das Log( den Tiefenmesser)." Als der Kurs schon gesezt ist, signalisiert der Destroyer( Berstörer) uns noch, daß ein deutsches U- Boot in der Gegend von Quessant sehr aggressiv operiert. Ein Erlebnis aus dem Weltkrieg 1937 Nachdem die 20 Meilen ausgefahren| brummte: ,, Verdammt, was für eine Spionage waren, richteten wir den Kurs wieder auf den diese Teufel haben!"- ,, Habt Ihr nicht etwas Kanal zu. Der Wind flaute ab und unser alter gutes dänisches Roggenbrot", fragte der UTramp tam wieder in seine Höchstfahrt, neun| Bootmann. Der Alte sah darin eine Chance, Knoben. Zeit zu gewinnen und Ja, Ihr könnt wohl ein paar Stück haben", antwortete er.„ Aber für jeden von uns 22 Mann eines" kam es hers über. Indes fanden sich nur 18 Brote an Bord, kommen Sie mal mit Ihren Papieren herwovon die Deutschen 12 bekamen. Und nun über!" klang es vom U- Boot. Der VizesteuerNachmittags, bei stillem Wetter, fam Frankreichs westlichste Spike, Quessant, in Sicht. Alles sah noch friedlich aus. Nach Passie rung der Landesspipe kamen zwei bewaffnete Trawler in Sicht. Sie kreuzten das Fahrwasser, als ob sie durch ein Seif verbunden wären. Als der eine Trawler den Bug des Dänen in mann und zwei Mann wurden in der Jolle drei Meilen Entfernung passierte, hinübergeschickt. Der Chef sah die Papiere durch wandte er sich plötzlich gewaltig seitwärts und einige Se- und rief zum Alten hinüber: ,, Ja, entschuldigen funden darauf zerschellte er in tausende Split- schon, aber da läßt sich leider nichts machen, ter. Der dänische Ausguckmann sah einen Pfahl wir müssen Euch versenken! Macht Eure Boote flar und wegen des schönen Roggenbrots wol im Wasser, der fam und verschwand also ein U- Boot- Periskop. Der andere Trawler kam len wir Euch noch 20 Minuten Zeit geben". sofort zu Hilfe, aber da war nichts mehr zu weniger war der Kapitän gereizt. Die Leute Das war ungewöhnlich human, nichtsdestos sprangen nach seinem Befehl in die Rettungser selbst blieb ruhig auf der Brücke stehen, zündete die Pfeife an und schielte hins über zu dem U- Boot, während die Kanonens mündung ständig auf ihn gerichtet war. Kaum waren die Rettungsboote am Steuerbord freigeschlagen, da tauchte das U- Boot. Der Alte wurde bedenklich und kommandierte auch den einen ließ er bei sich und dann gab er volle Rest der Leute noch in die Rettungsboote. Nur Maschinenkraft.„ Hart Backbord", kommanglitt der Tramp über die Stelle, wo das U Boot untergetaucht war aber es geschah nichts, das Boot blieb unten. tun. Alle und alles war in tausende Teile zerrissen. Der dänische Kapitän gab Order, Kurs zu halten in der öligen Fahrspur des U- Boots sicher in dem Gedanken, die Gelegenheit auszunutzen, um es zu rammen. Der andere Trawler setzte plötzlich Fahrt auf und steuerte gerade auf Land zu. wahrscheinlich nach irgendeiner telegraphischen Order. Schon war er fast außer Sicht, als der dänische Ausluger das Peristop eine Schiffslänge hinter sich und fast im Kielwasser des Dänen beobachtete. Gleich darauf tauchte der Rumpf des U- Bootes auf und in unglaublicher Schnelligkeit war seine Revolverkanone aufgerichtet und gegen den Dänen hinübergeschwungen. In kurzem Abstand von Backbord nahm sein Chef das Sprachrohr und in unverfälschtem Westjütisch rief er:„ Stopt Maschine, haltet gleiche Richtung!" ,, Bum Satan", sagte der Alte, aber er gehorchte, es gab keine Wahl. Na", sagte der U- Boot- Chef ,,, Ihr kommt von Huelva und sollt mit Erz nach Newcastle das wird wohl stimmen?" Der Alte zögerte erst, mußte es aber schließlich doch zugeben, wobei er noch Krieg Ein Blik schlug ein und das Haus stand in hellen Flammen. Am Himmel wuchs ein roter Schein. Und über Hilflosigkeit brach die Nacht zu Der Mensch stand stumm fammen. und sah nichts als den flammenden Schein. Und er lief aus Angst vor dem Dunkel in's brennende Haus hinein. boote, dierte er dem Mann am Steuer und langsam Gleich darauf kam die Erklärung. Im Nordosten erschien eine mächtige Rauchfahne am Horizont und bald darauf brauste die schlanke Gestalt eines Zerstörers mit 30 Knoten Fahrt heran, mit schwingenden Kanonen und Tors pedos, mit besetztem Auslug und dem Willen, alles Deutsche zu vernichten. Als er dem Dänen hart gegenüberlag, drehte er scharf bei, stellte die Maschinen ab und lag neben dem Dänen still, aber noch gewaltig rollend in seinem eigenen Schraubenwasser. Er fragte, ob sie vor furzem oder gerade jezt U- Boote gesehen häts ten. ,, O ja, danke schön", antwortete der dänische Kapitän. ,, Wo war das und wo ist es nun?", fragte der Engländer. ,, Da", sagte der Däne, nach unten ins Wasser zeigend. Vers dammt", klang es zurück ,,, aber nun rasch fort!", war die Antwort ,,, ich werde Euch ein Stück in den Kanal hineinbegleiten". " Des Deutschen Unterwassersignale hatten den Lärm der 18.000 Pferdestärken des Bers störers aufgenommen. Das war die einzige Ers Klärung für sein plötzliches Verschwinden. Nach vier Stunden ließ der Zerstörer seine Sirene aufheulen, schwang sich herum und jagte mit boller Geschwindigkeit nach Südwest zurüc Eine halbe Stunde hörte man ein paar Kas Der Mensch schrie auf und wurde vom Feuer nonenschüsse aus der Richtung, in der er vers Das Feuer verloschund war vergessen. gefressen. Kube. schwunden war. Aber ob das Treffer waren, wußte nur er selbst. Der erste Steuermann fam herauf und löste auf der Brücke ab. Na das ist ja noch gut abgegangen. Da sind wir noch billig davongekommen!" Der Alte stand und stopfte die Pfeife, drehte den Kopf zum Steuermann und antwortete:„Was, billig nennst Du das? Und was ist mit unserem herrlichen Roggenbrot?" (bn.) Moderne japanische Sagen Ki No war ein grober Gelehrter, und sein Hauptfach war die Literatur. Er liebte die Literatur so sehr, daß er, wenn er keine anderen Zuhörer hatte, sogar seinen Haustieren Vorlesungen über die Literatur hielt. Dabei sparte er nicht an lateinischen Zitaten. Hohe Bildung färbt ab, und so fanden sein Hund und seine Katze eine gemeinsame Sprache, um sich über ihre geistigen Interessen zu unterhalten. Ich bin eine Dichterin von Gottes Gnaden, sagte di« Katze: Wenn ich nachts auf dem Dache wandle und dem Monde in die verliebten Augen schaue, rezitiere ich meine beiden lyrischen Gedichte. Miau, sage ich, und gibt es denn einen vollkommeneren Reim dazu, als das zweite Miau? In diesem Miau liegt die ganze Poesie der Mainacht, das hat die ganze Katzenwelt anerkannt. Poeta naSeitur, non fit.') Ich bin aber ein geborener Kritiker, warst der Hund ein: und jeder sieht es, datz meine Schnauze überall dort ist, wo etwas zu riechen, ich wollte ja sagen: wo etwas zu analysieren und zu kritisieren ist. Wenn z. B. nachts. ein Dieb ins Haus schleicht, ist es nicht meines Amtes, festzustellen, ob er ein geschickter Verbrecher ist. Ich rieche eS nur, daß er ein schlechter Dichter ist, und beginne ihn mit meinem Wauwau so scharf zu kritisieren, datz er die Flucht ergreift. Oder wenn ich jemanden ins Bein beiße, so nur um dem Betreffenden einzuprägen: Vita brevis, ars longa.'*) Als der Hund und die Katze sich trennten, beneideten sie sich gegenseitig. Die Katze wollte gerne ein Kritiker werden und versteckte sich abends im Flur des Hauses. Es kamen Gäste zu Ki No, und die Katze sagte so böse, wie sie es nur konnte: Miau! Niemand beachtete sie, und sie war beleidigt. Währenddessen lag der Hund ausgestreckt auf dem Dache und versuchte, ein lyrisches Gedicht zu schaffen. Es gelang ihm nichts, vielleicht, weil der Mond noch nicht aufgestiegen war. Da dazu auf dem Dach« kein Zweibeiniger zu sehen war, dem man die Hose zerreiben könnt«, langweilte sich der Hund. Als der Mond endlich herausgekommen war, kritisiert« ihn der Hund mit einem scharfen Wauwau.» Kenko war ein armer Schlucker. Als er in Tokio hörte, datz man in Nagasaki die Arbeit seiner Hände brauchen könnte, beschloß er, dorthin zu Futz zu wandern. Es war ein heißer Sommertag, und der ermüdete Kenko schwitzte und war durstig. Da lief ihm ein gesatteltes englisches Rennpferd entgegen. Wohin des Wegs? fragte das Pferd und blieb neben Kenko stehen. Nach Nagasaki, um Arbeit zu suchen, antwortete Kenko. Ich habe aber in Tokio zu tun, warf das Pferd ein: Schade, sonst hätte ich dich gerne mitgenommen. *) Ein Dichter wird geboren, nicht gemacht. '*) Das Leben ist kurz, die Kunst aber bauert lang«. Dann fahre ich nach Tokio zurück, sagte nach kurzer Ueberlegung Kenko. AIS er aber auf dem Pferde sab, gab er ihm scharfe Sporen und zwang eS, die Richtung nach Nagasaki einzuschlagen.— Wenn ich schon im Sattel bin, wirst du wohl mir gehorchen, und nicht ich dir, fügte er noch hinzu. Auch in Nagasaki war Kenko von keinem Glück begünstigt und war gezwungen, nach Tokio zurückzukehren. Wiederum zu Futz, und wiederum war eS ein heiber Sommertag. Da lief dem ermüdeten und hungrigen Kenko«in Esel entgegen. Wohin des Wegs? fragte der Esel und blieb bei Kenko stehen. Nach Tokio, zu meiner Familie, antwortete ihm Kenko. Ich muh aber dringend nach Nagasaki, warf der Esel ein: Schade, sonst hätte ich dich gerne mitgenommen. Ich kann auch gerne zurück nach Nagasaki, sagte Kenko, ohne sich lange zu überlegen, und sprang auf den Rücken des Esels. Wie er aber auch nicht schimpfte und um sich schlug, vermochte er den Esel nicht zu zwingen, den Weg nach Tokio einzuschlagen, Nach Tokio will ich und nicht zurück nach Nagasaki, schrie er den Esel an: Esel du! • Nein du, antwortete ihm der Esel, warf Kenko ab und trabte weiter nach Nagasaki. Ein« Wanze ging auf dem Bettrand spazieren und begegnete einem Floh, der da oben sah und in die weite Welt schaute. Der Floh war ein Kavalier und begrübt« die Wanze ehrerbietig. Ich wollte schon lange die Ehre haben, sagte der Floh, meine Kampfgenossin zu begrüben, die so tapfer gegen jene Parasiten kämpft, die sich Menschen nennen. Ich habe schon mehrfach beobachten können, wie Sie sicher und geschickt das Bein eines schlafenden Menschen hiuaufklettern, um seine grobe Zeh« anzugreifen. Der undankbare Mens sucht Sie mit allen möglichen, untauglichen Mitteln zu vernichten, obwohl er Ihnen zum gröhten Dank verpflichtet ist. Hätte er denn den KriegStank erfunden, wenn er nicht das Herauf- und Herunterklettern einer Wanze von seinem Körper beobachtet hätte? Ach, schweigen Sie von diesen undankbaren Geschöpfen! warf nun die Wanze ein: Denn auch Ihnen, Herr Floh, hat der Mensch seine Kriegskunst zu verdanken. Wie ich so sah, wie Sie sich aus einem Versteck in die Luft hinaufschwingen, wie Sie den Menschen dann mit Ihrem Giftschuh angreifen, um wiederum durch die Luft sich in Sicherheit zu bringen, da sagte ich mir: die Menschen haben den mutigen Flöhen ihre Giftgasflugzeuge abgeguckt l Das Volk, das im nächsten Kriege den' Sieg durch die Bombenflugzeuge erreichen wird, müht« Ihnen, Herr Floh, ein Denkmal stellen. Da mischte sich ins Gespräch der beiden eine Laus ein, die so langsam vorbeigekrochen war, dab sie die fremde Unterhaltung belauschen konnte.— Ihr Prahler, sagte sie: Nicht Tapferkeit, sondern nur Feigheit zwingt Euch auf Eure Weise die Flucht zu ergreifen, sobald der Mensch sich zur Wehr setzt. Tapfer sind nur wir, die Läufe, denn als der Mensch meine geliebte Schwester zerdriickte, sah sie mutig dem Tode in die Augen und opferte ihr Blut aus der Stelle. Die Laus sagte es und kroch langsam weiter. Als sie schon weit genug gekrochen war, schaukelten der Floh und' die Wanze mit den Köpfen und sagten verächtlich: Die LauS! Die LauS! (Von Prof. HahaM, Nagasaki, gesammelt, von M. S., Prag, nacherzählt.) Ein weiblicher Sherlock Holmes Aus dem Amerikanischen von Philipp Zimmerer Kellogg Durland war sehr enttäuscht: er hatte sich sein« Ehe mit der reizenden Sylvia Morrell ganz anders vorgestellt. Die Beiden waren in einem eleganten Hotel der Rocky Mountains bekannt geworden, wo Sylvia ihre wohlverdienten Ferien genoh. Kellogg hatte sich über beide Ohren in sie verliebt und sie einige Wochen darauf geheiratet.(Die Beschreibung jener schönen Sommertag« kann man in Sylvia- Roman„Abenteuer im Hotel" nachlesen.) „Nicht wahr, Liebster, du hast mich um meiner selbst willen genommen?" sragt« Sylvia errötend auf der Hochzeitsreise.„Wie meinst du, Kleines?" fragt« Kellogg erstaunt.„Nun ja, ich bin doch die Sylvia Morrell, die.... weibt du denn nicht?" Kollegg schüttelte ahnungslos den Kopf. Er war auch Schriftsteller, aber einer von der Sorte, die nächtelang über Stil, Form, Realismus und Surrealismus debattieren. Sylvia aber war eine fingerfertige Fabrikantin von Detektivromanen und Kurzgeschichten, die einen treuen Leserkreis besaß und fette Schecks von ihrem Verleger einkaffiert«. Kellogg las keine Detektivgeschichten und so fiel der erste Schatten auf das junge Eheglück, weil Sylvia ihrem Gatten erst die Kinder ihrer Muse vorstellen mußte. AIS das junge Paar wieder in die Stadt zurückgekehrt war und begann, in.Gesellschaft zu gehen, wurde Sylvia gleich beim Eintritt in irgend einem Salon von ihren Verehrern beiderlei Geschlechtes umringt, während Kellogg verlasien herumstand und noch froh sein mußte. daß man ihn nicht mit„Herr Morrell", dem Mädchennamen seiner Frau ansprach. Endlich wurde ihm die Sache zu bunt, und er ließ Sylvia allein ausgehen, während er zu Hause blieb und zu arbeiten versuchte. KelloggS.Charakter begann aber ernstlich Schaden zu leiden, als Sylvia die Arbeit an ihrem neuen Roman aufnahm und von 8 bis 1 Uhr vormittags für ihn unsichtbar blieb., Kellogg verfiel in seine Junggesellengewohnhei« ien und aß wiederum täglich in seinem Klub. Einmal traf er sich mit einem alten Schulkollegen Bill Wilkie und war sehr erstaunt, als Sylvia ihn zu Hause mit der Frag« begrüßte: „Also bei Wilkies ist ein kleiner Jung« angekommen? Wie wird er heißen?" Kellogg sah sie entgeistert an und sagte dann:„Bill, nach seinem Vater. Aber woher weißt du das schon? Da- Kind ist doch erst«inen halben Tag alt."— „Nichts einfacher als das. Du rauchst doch nie Zigarren. Heute aber riechst du nach einer sehr feinen und teueren. Ich kann mir denken, daß du eS Bill nicht abschlagen konntest, sie anzunehmen. Alle deine Freunde sind verheiratet und da du neulich erzK^test, daß bei Wilkies waS Kleines in Aussicht ist, so war es nicht schwer, zu erraten, daß du mit Bill daS freudige Ereignis gefeiert hast." Verdutzt fragte Kellogg:„Und woher weißt du, daß eS«in Jung« ist?"— „Oh, ich kenne Bill genau genug, um zu wissen, daß er die Geburt einer Tochter nicht gefeiert hätte." Die nächste Probe ihres Spürsinns gab 3 tun: Verschwinden! Nie ist es Sylvia gelungen, die Spur ihres Mannes zu finden! sich auch ihr hübsches Köpfchen anstrengte, um zu ergründen, warum Kellogg sie verlassen dieses Rätsel hat sie nie gelöst! Kellogg gelang es, nach einer Insel im Keiner ihrer Romanhelden war imstande. Mittelmeer zu entkommen und dort in einer die Wirklichkeit zu übertrumpfen. So sehr sie Künstlerkolonie unter falschem Namen zu leben. Sylvia, als sie von einer Vorlesung im Damen-| wollte etwas viel Einfacheres und Harmloseres flub heimkehrte und gleich fragte:„ Wer hat im Ländermatch gesiegt?" ,,, Arizona gegen Ve nezuela", antwortete Kellogg verblüfft. Erst einige Stunden später fiel ihm ein, daß Sylvia bemerkt haben mußte, daß er das Radio auf eine andere Station eingestellt hatte, als bei ihrem Fortgehen und daß es noch warm war. Sie wußte also, daß er Radio gehört hatte, an= statt zu arbeiten. Er kam sich vor wie ein er= tappter Schuljunge. Wie wütend war er aber Zucker- eine Zucker- eine bittersüße Angelegenheit erst, als Sylvia einige Tage später holdselig lächelnd aus ihrem Studio hervorkam, um zu fragen: Wie war es am Golfplay?" Seine Gummisohlen hatten nämlich im Badezimmer Sandspuren hinterlassen. " Sylvia lebte so intensiv das Leben ihres neuesten Romanhelden nach, der ein zweiter Sherlock Holmes war, daß sie immerzu Kellogg triumphierend mit Feststellungen überraschte, wie der, daß er doch nicht immer nur kalt dusche, sondern auch oft warm bade, weil die Seife plötzlich so klein geworden sei. Sie wußte, wann er telephoniert, gelesen, auf der Schreibmaschine geschrieben, einen Brief auf die Post getragen hatte. Sie wußte, wann er Wein trank oder eine neue Zigarettenschachtel ange gänzt hatte. Kellogg litt fürchterlich unter dieser Spionage. Gewiß, er war verheiratet und hatte keine Geheimnisse, aber Sylvia war taktlos genug. sich ihrer Kombinationsgabe zu rühmen und brachte ihn zur Verzweiflung. Jetzt begann Kellogg Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Er nahm sich in Acht wie ein verfolgter Verbrecher. Er schloß sich stundenlang im Badezimmer ein, um einen Fleck aus seinem Anzug zu entfernen. Er untersuchte seine Taschen sorgfältig nach Restaurantrechnungen, Kassenscheinen, Theaterkarten. Peinlichste Ordnung herrschte auf seinem Schreibtisch, denn Sylvia sollte seine Lektüre nicht kontrollieren. Er be= schränkte sich auf die notwendigsten Mitteilungen und verheimlichte die harmlosesten Beschäf= tigungen. ., Oh Gott, ich werde wahnsinnig!" sagte er sich oft. Schließlich ließ er sich dazu herbei, die Romane seiner Frau zu lesen, um hinter ihre Schliche zu kommen. Die Verbrecher in Sylvias Geschichten arbeiteten alle erstklassig. Tadellos ausgedacht", mußte man immer wieder sagen. Aber diese superflugen Gentleman ließen doch irgend eine Spur zurück, die dem Detektiv die Enthüllung ermöglichste. Das Gift konnte nachgewiesen werden, die tödliche Kugel trug irgend ein charakte= ristisches Merkmal, das Alibi wies doch irgend eine Lücke auf. Kellogg wurde von einer merkwürdigen Leidenschaft gepackt: er wollte die Intriguen in den Romanen seiner Frau verbessern, mit einem Worte: Sherlock Holmes besiegen. Er fand, daß seine Frau zu kompliziert arbeite. In der Einfachheit zeigt sich der Meister! Immer mehr verrannte er sich in den Gedanken. Seine Nerven waren aufs äußerste angespannt. So war es begreiflich, daß ihn die Lust packte, Sylvia einen ganz leichten Stoß zu geben, als sie sich eines Abends nach der Arbeit aus dem Fenster lehnte, um frische Luft zu schöpfen. Wer hätte nachher sagen können, wie es geschah? Sie hat aus Uebermüdung das Gleich gewicht verloren und ist vom vierten Stock au die Straße gestürzt das wäre die Erklärung für den Unglücksfall gewesen. Aber im letzten Augenblick gewann Kelloggs besseres Selbst die Oberhand. Nein er war fein Mörder, nur ein überreizter Ehemann. Er Von Martin Grill Ueber die Felder und Weiden streichen die| stirb! und es gilt nur für die Armen, nicht für Herbstnebel. Immer häufiger treibt der raube die Nutznießer dieser Ordnung. Wind kühle Regenschauer über das Land und läßt den gezwungenermaßen im Freien Arbeitenden den Aufenthalt in geheizten Räumen als Todkendes Ziel erscheinen. Einzig die Felder mit Wintergetreide stehen in frisches Grün gekleidet, gleichsam als Voranzeige des noch so fernen Frühlings. Die spannenlangen Triebe bieten schon den jungen Rebhühnern guten Unterschlupf, die nun Wiesen und Felder als ihnen gleich gehörende Domäne betrachten. Erschreckt flattern sie auf, wenn auf den Nachbarfeldern Gruppen von Frauen zu arbeiten be| ginnen. Sie ernten die 3 uderrübe; es ist die letzte Ernte des Jahres. tampagne, die für wenige Wochen in den Mit dieser Ernte beginnt die ZuckerZentren der Verarbeitung und des Anbaues der Zuckerrübe ein geschäftiges Leben erzeugt. Die Rübenernte ist vielleicht eine der schwersten Feldarbeiten, aber es ist die letzte des Jahres und deswegen als letzte Verdienstmöglichkeit geschätzt und erwartet. Nach dem Herausnehmen werden die Rüben geköpft", d. h. die Blätter werden zusammen mit einem Teil des Struns kes abgehauen und dann meist gleich auf Schwerfuhrwerke verladen und in die Fabrik oder zur Bahn geschafft. Die Blätter finden als Futtermittel Verwendung. In der Zuckerfabrik wird nun nach einem langwierigen Arbeitsprozeß aus den Elementen Süßstoff, Kalf und Wasser und mit Hilfe von Wasch- und Schneides maschinen, Pressen, Diffussionsbatterien, Filtern und Verdampfern schließlich der weiße böhmis sche Zucker. Hiße und Kälte, Druck und Vakuum muß er kennenlernen, bis er zu dem geläuterten Endprodukt, der begehrten Handelsware, wird. Die Arbeiter Böhmens sind ein eigenarti ges Volt. Wo im rauch- und geserfüllten Stols len, auf den lehmigen Feldern, in Wasserdampf durchwogten Kesselräumen nichts, aber auch gar nichts mehr von dem zu merken ist, das man ,, Schönheit der Arbeit" nennt, dann dich ten sie dem im Mittelpunkt der Arbeit stehenden Stoff einen neuen Namen und der Arbeit einen neuen Sinn. So wird die Kohle zum Schwarzen Diamanten" und der Zucker zum Weißen Gold." " " Mit Gold hat der Lohn des Arbeiters in der Zuckerkampagne nichts zu tun. Die Frauen auf den Feldern bekommen eine Krone oder neunzig Heller Stundenlohn. In den Sozialinformationen der Prager deutschen Sendung wurde in. August sogar mitgeteilt, daß die Löhne für landwirtschaftliche Saisonarbeiter 95 Heller pro Stunde betragen, für Frauen 65 und für Jugendliche nur 50 Heller. Diese Verdienste genügen nicht, um den teuren Buder kaufen zu können. Die Erntes arbeiterinnen müssen ihre Malzbrühe und fie großzügig den Titel„ Kaffee" verleihen Weit in die graue Landschaft hinein ziehen sich die Felder. Der Zuckerrübenbau ist feine Angelegenheit der Zwergbauern Häusler, es sind große Bodenflächen notwendig, um ihn rationell betreiben zu können, und so sind es mehr als bei anderen Feldfrüchten Lohnarbeiter, die Anbau und Ernte durch führen. In breiter Schwarmlinie gehen die Frauen über das Feld. Unablässig bücken fie sich, ziehen die Rüben aus der Erde, säubern sie flüchtig und werfen fie auf einen Haufen. Schritt für Schritt rücken sie in den Furchen vor, Stunde für Stunde, vom Morgen bis zur Abenddämmerung, mit schmerzendem Rücken und brennender Stirn. Der Regen rieselt erab und verwandelt den Ackerboden in eine zähklebrige Masse, die an den Schuhen, an den Rüben, an den Händen flebt, doch sie gehen weiter, Schritt für Schritt, als folgten sie einem unhörbaren Kommando; es heißt: Arbeite oder bitter trinken! der Auch die Zuckerkapitalisten haben schwere Sorgen. Sie zerbrechen sich Jahr und Tag den Kopf, wie sie die enormen Gewinne ihrer Aktiengesellschaften am besten verschleiern könn ten. Der Zucker wird im Inland um em Viels faches teuerer gehandelt, als die Westmarkt preise betragen. Hohe Dividenden genügen in vielen Fällen nicht, um den Gewinn zu ver= teilen, allzuhohe Dividenden aber könnten aufreizend wirken, so entschloß sich eine Gesellschaft um ein Beispiel anzuführen, wie es gemacht wird ihre Aktien gegen neue umzutauschen. Aber die neuen Aftien lauteten auf den doppelten Wert, der alten. Das Vermögen der Aktionäre hatte sich über Nacht verdoppelt, obne daß sie den Finger gerührt hätten. Dieses Ges Adamson ist hSuslieh schenk wurde aber obendrein noch verzinst, denn auf daS erhöhte Aktienkapital wurde eine rückwirkende Dividend« auSbezahltl In einem anderen Falle wurden aus LOO Kronen durch Aufstempelung 1060 Kronen gemacht. Wer also 10.060 Kronen eingezahlt hatte, war im Handumdrehen um 40.000 Kronen reicher geworden. AuS Zucker wird also doch Gold, aber nicht für die Arbeiter, die ihn geschaffen haben, sondern für einige hundert reicher Nichtstuer. In der abgelaufenen Kampagne waren die Sorgen d.e Zuckerkapitalisten besonders grost. Da? Ernteergebnis d«S Herbstes 1086 war katastrophal gut. Eine Gegenüberstellung soll das beleuchten. Anbaufläche Durchschnitts- Waqaons in ba. ertraa pro da. au ,100 a 1985/86 156.180 233 865.285 1986/37 154.180 808 475.944 Trotz der verringerten Anbaufläche stieg der Rohzuckerertrag gegen daS Borjahr um 1,556.000 q. Das war für die Produktionsgesellschaften ein reiireS Geschenk. Der Export erfuhr eine beträchtliche Steigerung, die Melasseausfuhr stieg sogar um ein Vielfaches. (Melasse ist ein Nebenprodukt der Zuckererzeugung). Mer die Inlandspreise blieben hoch, trotz der klaren Forderungen von fünfundneun- zig Prozent der Bevölkerung. Ist die Ernte beendet, dann kommen die Nachzügler, die Armen, die das auflesen, was übriggeblieben ist. Aus Rübenblättern wird Futter für die Ziege, aus den Rüben aber wird .Sirup gemacht, der Honig der Armen, der oft den Zucker ersetzen muß. Immer sind es die Brosamen, die ihnen gehören, und dabei find sie eS doch, die den reichen Tisch decken. Wann werden sie sich einmal dazu aufraffen, sich an den Tisch zu setzen, den Mutter Erde für alle bereitet hat?— Dann wird auch die Zucker« rübenkampagne keine bittere Angelegenheit mehr sein und die Frucht ihrer Mühen Freude und Wohlstand der Menschen. Die Frauen in der Mehrheit Schon vor dem Krieg lebten in den meisten Kulturländern mehr Frauen als Männer. Der Weltkrieg hat dieses Mistverhältnis noch vergröbert. Man schätzt, dast auf 1000 Männer durchschnittlich 1060 Frauen kommen. Aber nicht überall gift diese BerhältniSzahl. In Berlin z. B. kommen auf 1000 Männer 1169 Frauen, in landwirtschaftlichen Gebieten ist der Frauenüberschust geringer und reine Industriegebiet« haben manchmal sogar mehr Männer als Frauen. In Bulgarien kommen auf 1000 Männer nur 997 Frauen. In Irland 972, für Indien beträgt die Frauenziffer 948, hingegen kommen in den englischen Kolonien in Asien so. z. B. in Hongkong auf 1000 Männer 740 Frauen. Auch in Australien und Afrika sind die Frauen in der Minderheit. Ebenso in den Bereinigten Staaten von Nordamerika, wo auf 1000 Männer nur 961 Frauen kommen. In Mitteleuropa sind hingegen die Frauen in der Mehrheit. . Die sch-nsten und kleidsamsten Modell« für Strick- und Häkelarbeiten sinken sich in dem beliebten Album Star Handarbeiten. DaS soeben erschienene Heft Rr. 13 ist ganz auf dir Erfordernisse des Winters eingestellt. Blusen, Pullover, sportliche und städtische Kinderkleidung, Wintersportkostüme aller Art, verschiedene Kleinigkeiten, wie Krawatten, Mützen, Sportstrümpfe u. dgl., all das findet sich in reichster Auswahl in diesem Heft. 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Trupschltz; Schöpfen Josef, Komotau; Hy na Josef, Hostomitz; Havel Franz, Modlan: Berger Jo« sef. Klein-Äugend: Ulbert Rudolf, Proset i t z.; Walter Ludwig, Steinwitz Ham, König Anton, sämtlich Kwttkau; Geißler Josef. Alt-Serbitz. Kreisnachrichten. Die für den 14. November geplante Kreis- Schachkonferenz kann an diesem Tage aus technischen Gründen nicht stattfinden. Die Tagung findet am 5. Dezember in Brüx,„Repräsentantenhaus 0, um 9 Uhr früh statt. PARTIE Nr. 141. Gespielt in Alt-Rohlau am 91. Oktober 1987 Bundesmeisterschafts-Damengambit. Weiß: Schwarz:. Klügi, Altrohlau flaUoa, Komotau L 42—<14 <17—<15 2. c2—c4 e7—e6 3. Sbl—c3 SgS—fS 4. Sgl—£3 d5Xc4 5. e2—o4 c7—«6 6. 1,11X04 C5XÜ4 7. DdlXd4 Weiß sollte hier mit dem Springer nehmen, um dem vorzeitigen Da- mentausoh auszuweichen. 7. 8. Sf3X