BUNTE WELT Nr. 52 Unterhaltungsbeilage Die Schlacht bei Weihnachten Von Walter Paul Kirsch Bei Müllers fonnten sich die Weihnachten| Herzenskind den Tschako auf das Lockenhaupt und gürtete ihm den. Säbel um. Und endlich rief sie: ..Nun aufs Pferd, Schatz!". immer noch sehen lassen. Denn es gab Fisch uno Fleisch und Mehlspeisen in allen Variationen, dann gute Weine und was die Hauptsache ift!- Geschenke. Schon viele Wochen vorher fragte Frau Müller ihr Söhnchen: ..Hat mein Bubi schon dem Christkindl geschrieben?" Und das Bubi: ..Ja, ja Mutti." Folgsam hing sich Hansi das Gewehr um und stieg in den Sattel seines Streitrosses. Freis lich, die einen Beinchen zitterten dabei ein wenig, aber die Händchen umkrampften die Bügel und so konnte es losgehen:„ Hüo!".. Noch immer brannten die bunten Kerzen auf dem Baum, der mit seinen Silberfäden und Engelshaaren einen erhebenden, märchen..Und was wünscht sich denn mein Herzens haft schönen Anblick bot, und sie brannten und find?" ..Oh, so viel!- Mutti!" " Und war mein Hanfibub auch immer brac hat er Muttchen nie geärgert und Vatchen nie böse gemacht?" ..Ich war immer soooo brab!". rief Bubi und dann begann er seine diversen Wünsche aufzuzählen. Muttchen nickte. ..Das und jenes wird mein Herzenskind schon friegen, ja, natürlich auch ein schönes Hutschpferd. ja, ja... gewiß, mein Lieb Ting, auch einen Säbel." ,, Mutti", rief Bubi energisch... aber das Christkind soll auch ein Gewehr bringen! Nicht vergessen!" ,, Nein, nein", lächelte die Muter ,,, es wird nicht vergessen, mein Söhnchen, mein goldiges." Der Vater Hansis, der das muß gesagt werden! während des großen Weltbrandes 1914 bis 1918 als Etappenleutnant sich durch geschlagen hatte, war sehr stolz auf die Wünsch seines Söhnchens und er versprach, sie soweit als möglich zu erfüllen. " Gott er soll alles haben!" Und wirklich, als der Weihnachtsabend anbrach und im großen Zimmer bei Müllers die mächtige Tanne, geschmückt mit tausenderli Sachen aus Glas und Zuder, stand, umstrahlt vom hehren Lichte viele bunter Kerzen, da lag für Hansi der Säbel auf dem Tisch, daneben das Gewehr, ein Tschafo, eine Garnitur Binnoh! eine fleine Kanone stand bei dem allen, das dunkle Rohr drohend auf einen weißgekleideten Engel gerichtet, der von einem Aste hing. soldaten und Natürlich gab es auch noch andere Geschenke. Zum Beispiel hatte sich Tante Olga mit einem netten Buch für Jungen eingestellt, und Onfel Eduard mit einem riesigen Matadorbaufasten doch Hansis Interesse war ander wärts. Das erste, was er in Besiz nahm, war das Schaukelpferd, das neben dem Tisch seinen Plaz hatte. Dann ergriff er das Gewehr und Freude blitzte in seinen flaren Jungenaugen, als er es prüfte. OH! Ein Gewehr! Er zitterte ein wenig, als er es in Anschlag brachte und da sagte Vatchen: Nimm es fester in die Hand; wie ein richtiger Soldat sonst geht es Tos und mach: humm." Währenddessen stülpte die Mutter ihrem brannten... indes irgendwo im Hause ein Lieb aufschwang, sanft, einschmeichelnd, dana wieder aufjubelnd, aufrüttelnd, und es war das Lied von der stillen, heiligen Nacht. Herr Müller: Sturm!" ,, Hurra!" freischte Hansi, seinem Rosse die Sporen in die Weichen schlagend. " ,, Gewehr zur Hand!" der Vater. Feuer!" Bumm!" machte der Bub. Bumm!" ..Balt! Absiben! Aufs Pferd! Galopp! Vorwärts! Sturmangriff, los:" Hansi:„ Hurra!!!" Unheilige Nacht Der Mond spazierte boch am Himmelszelt und fand sich einfam in der weiten Welt. Die alte Erde stak im Nebelflor, Voll Neugier schaut der Mond durchs Wolfentor. Da unten sprach ein Führer, lichtumflossen. Ein alter Mann ward' ,, auf der Flucht" erschossen. 3wet alte Gecken gingen noch spazieren; Zwei blonde Mädchen ließen sich verführen. In einem Nachtlokal rann Seft in Strömen, Ein armer Mann mußt sich das Leben nehmen. Auf eine Stadt im Osten fielen Bomben: Die Leichen häuften sich zu Hekatomben. Ein Unter- Ausschuß, der dies fühnen wollte, Der wußte nicht recht, was er machen sollte, Und er beschloß, um dieses aufzuhellen, Sich einen Unter- Unterausschuß zu bestellen. Ein Kindlein ward in einem Stall gefunden, Doch starb's an Hunger schon nach wenigen Stunden. Die junge Mutter mit vergrämten Mienen, Schloß flugs man hinter schwedische Gardinen. In einem Schober Stroh, der plöhlich brannte, Verkohlten fünfzehn Mann, die niemand kannte. Ein Lump entrann den Fängen des Gerichts. Die Gaslaternen strahlten in das Nichts. Da schlug der Mond vor Schreck die Türe zu Und lästerte nicht mehr die Himmelsruh. Er freute sich, daß er so unbewobat Und von dem menschlichen Gezücht verfchont.. Martin Grill. 1937 Er schrie es so gellend, daß sich die Mutter, die eben dabei war, das Abendessen zu richten, die Ohren zuhielt. ..Leonhard bu mußt mun endlich auf. hören", wendete sie sich an den Mann. ,, Schau dir das Kind an... es hat schon hochrote Wangen... und dieser Wirbel." " ,, Laß ihn doch", ward ihr zur Antwort. Er ist ja unser strammer Soldat, unser Genes ral, und was du hier mitmachst, weißt du, dak ist die Schlacht bei Weihnachten, hehehe... hehehehe..." Lachend gab Batchen weitere Kommandos. Und Hansi schrie weiter sein gellendes Surral. und er schrie und schrie bis er tatsächlich einen Feind" sah. Minka. Das Kätzchen stand auf der Schwelle unb alvinferte mit seinen fröhlichen Aeuglein hin über zu dem hellen Baum. Ihr seidiges Fell schimmerte weiß, wie das Haar der Engel auf der Tanne, während das rote Büngelchen, mit dem sie sich ums Mäulchen fuhr, und das Kleine, dunkle Näschen irgendwie an Buderwerk er innerten. ,, Miau... miau...", sagte es, fein Schweifchen vergnügt emporrichtend. Miau". Das Kind sprang von seinem Schaukel pferd. , Hurra, der Feind! Vati, der Feind!" Jetzt schlich es geduct, den gezogenen Säbel in der fleinen Faust, den Tschako schief auf dem blonden Kopf, vorwärts. Minka machte einen Buckel und rieb sich leise schmirrend die Seiten am Türstock. Hansi hob den Säbel er sah den Feind vor sich und war bereit, zu kämpfen. ,, Hurra!" überbot er alles bisher Da gewesene. Hurra!" Das war der Mutter denn doch zu viel. ,, Schrei nicht so, Kind!" Doch der Vater winfte ihr lächelnd: ,, Laß ihn doch." ,, Und die Nachbarn? Bedenkst du nicht, was die Leute sagen werden, wenn wir solchen Speke tafel haben?" ,, Uns gehen die Leute nichts an", erwiderte Herr Müller. ,, Und dann: Ist denn nicht Freu denabend, Frau?" In diesem Augenblick fiel der fleine, blizende Säbel, schwerer, als es der Junge wollte, auf den fleinen, schwachknöchigen Kapen kopf nieder. Die Eltern schrieen auf. " Gott im Himmel!" Bub!" ,, Aaaah!" machte Hansi und schaute mit seinen großen, Karen Kinderaugen, in denen ießt eine Frage aufsprang, auf das hingestreckte, im letzten Todeskampf zuckende Käbchen nieder. Stille. Große Stille, in der der Bub stand, bom Grauen gepackt, ahnend die Nähe des Todes. ..läng!" entfiel der Säbel seines Bänden. Jetzt wendete sich der Kleine den Eltern 2zu, die stumm und düster bald auf ihn, bald auf sich niederbeugend und das Kind an sich drückend. das tote Kätzchen schauten. ,, Du hast deinen Liebling tot gemacht und das hättest du nicht tun sollen." ,, Minka.", sagte er leise, sonst nichts. Nur ,, Minka...", dabei lösten sich zwei große Tränen aus seinen Augen. Muttchen überlegte: soll sie hingehen uno dem Kind eine Strafe diftieren? Oder soll sie es trösten mein Gott, es schaut sie so verdattert an! Endlich hatte sie sich entschlossen. ,, Was hast du denn da getan!?" sagte sie. Josef Wechsberg: | " ,, Ja, belohne ihn vielleicht noch dafür!" fuhr der Vater dazwischen. Lösch' lieber die Lichter aus, Frau, sie brennen schon zu tief." Und dann drehte er sich der toten Maße zu: ., Schöne Bescherung am Weihnachtsabend." Bei den Nachbarleuten sang man soeben: Friede den Menschen auf Erden. Der Weihnachtsbuddha Ein eleganter, aperitivgelaunter Franzose tritt ein. Er sucht ein Weihnachtsgeschent, so wie wir alle. ,, Un petit rienh, sagt er, aber es muß etwas Echtes sein, original Ceylon..." Diplomatische Verwicklungen sind unausa bleiblich. Die Singhalesen schreien, der Amerifaner schreit, der Franzose steht ratlos inmits ten des Trubels, am Horizont touchen die Helme zweier englischer Polizisten auf.. Während um mich ein polyglottes Stimm getirr tobt, trete ich näher, um einen Blick auf den Buddha zu werfen, den Buddha, der , Glück" bringt... Wo sah ich nur schon der= gleichen? Etwas daran kommt mir so bekannt vor. Ich nehme ihn in die Hand, wende ihn langsam um. " Am Boden sind einige unmerklich kleine Zeichen. Ich muß erst ein Vergrößerungsglas suchen, und auf dem Ladentisch herumstöbern, während um mich der Lärm immer lauter wird, Beschimpfungen gewechselt werden und alles den Und wie ich jetzt die Lupe über den fleiner Buddha halte, lese ich in winzigen, aber deutlich erkennbaren Buchstaben: ,, Made in Czechoslovakia". In den letzten Tagen der Weihnachtswoche| girl", innig in ihn eingehängt mit einem Anschein einer beginnenden Rauferei macht. 1929 hatte sich sogar die Victoria- Street in Wort das typische Hochzeitsreisepaar. Colombo verändert. Aus der immer lebhaften und lauten Geschäftsstraße war eine Weltausstellung im kleinen geworden, die malaiischen, singhalesischen, arabischen, burgischen, maurtschen, chinesischen und indischen Händler überboten einander in grotesken Superlativen und die an und für sich überladenen Auslagen waren noch glänzender arrangiert als sonst. " " Es war ja eine ganz verständliche Hausse. Draußen, im Hafen, lagen zwei Dampfer und morgen abends wird man auf beiden den Weihnachtsabend feiern. Auf dem Porthos mit der Réveillon, bei der ,, dinde roti" und dem Jazz- und auf dem Président Madison" werden sich die Deutschamerikaner ein Bäumchen anzünden. Alle werden schenken und beschenkt werden, allerdings in singhalesischem Stil, denn man ist ja auf Ceylon; mit kleinen Ebenholzelefanten, japanischen Elfenbeinarbei ten und Mondsteinen. Ich stehe in einem der Läden, die eher Museen als Geschäften gleichen, und lasse die Herrlichkeiten des Orients an mir vorbeidefilieren; indische Teppiche, ein prachtvolles ana mitisches Armband, chinesisches Porzellan. Auf der 5. Avenue ist die Auswahl nicht größer; aber leider kommt man mit mitteleuropäischen Baluten in Ceylon nicht weit. Da haben es die beiden Amerikaner neben mir besser; er mit Harold Lloyd- Brille, Pathé- Baby und riesigen Sniderbodern, sie das dugendschöne Sweet " Rast in Bethlehem Zu Bethlehem in der Herbergsenge lagerte wanderndes Volk beisammen, Kinder und Greise im Gedränge faßen an des Herdfeuers Flammen. Abseits fanerte still ein Alter; unberührt vom leiernden Beten sprach er leise für sich die Pfalter, trieb Zwiesprach mit dem Wort des Propheten. Er kam von Edon, wollte zum Meere, auch er sollte sich zählen lassen; die Schultern zog herab die Schwere der Jahre und endlosen Straßen. Wie auf den Märkten war das Schwätzen ringsum. Man sprach von schlimmen Zeiten, den harten Lasten und Gesetzen, von Seuchen, Kriegs- und anderen Leiden. Indessen hockten in den Türmen der heil'gen Tempel die Schriftgelehrten, stritten in Eifer, flehten in Zürnen zn Jehova, dem Vielbegehrten: ,, Herr, genug sind wir geschlagen, ver ngt und an das Leid gekettet! Nach langem Hin und Her entscheidet er sich für einen kleinen Buddha. Einen Buddha, der nicht lacht, was eine Seltenheit bedeutet und Glück bringt, wie der singhalesische Verfäufer erklärt. Denn ein chinesischer oder japanischer Buddha lächelt und nur in Kandy auf Ceylon macht man solche Buddhas wie den hier. Alles wäre gut gewesen, wenit der Ames rikaner den Mund gehalten hätte. Aber obzivar ihn niemand gefragt hat, ruft er dem Franzosen zu: ,, Das soll echt Ceylon sein? Solche Buddhas bekommen sie in jeder WoolworthFiliale für Cents! Kommt aus Philadelphia und ist amerikanische Ware!" Die Wirkung dieser Worte ist verblüffend. Der Franzose legt den Buddha hin, als wäre er Gift, dreht sich um und will geben. Aber dem Singhalesen entgeht ein gutes Geschäft; also stürzt er hinaus, ruft ein paar gutturale Laute und im Nu ist der ganze Laden voll schwarzer Gentleman, die den Amerikaner nicht sehr freundlich firieren. Worauf der USAMann, der doch aus dem Land Dempseys und Baers ist, laut und deutlich verkündet, daß das Ganze Schwindel sei und der Buddha aus Amerika. Und er stellt sich in Bofitur. Sieh unsre Not, fich, wir verzagen! Schick den Messias, der uns rettet!" Auf allen Zungen lag dies Flehen, das wie ein Wind in Zweigen wühlte, indes im Stalle unter Wehen Marie die Stunde kommen fühlte. Der Josef stand bedrückt daneben, ein Esel spitte just die Ohren, da wurde zum Märtyrerleben ein Mensch in diese Welt geboren. Die Hirten nur, in stillem Walten gewohnt, mit Wolfen, Mond und Sternen vertrautes Nachtgespräch zu halten, bernahmen Klang aus Himmelsfernen. Es lösten sich die starren Gebärden im Glanz der zauberischen Helle; fie brachen auf mit ihren Herden und nahten gläubig fich der Schwelle. Die Mär ging nun von Mund zu Munde, Messias sei jetzt endlich kommen. Auch in die Herberg drang die Kunde, der Alte sprach zum Kreis der Frommen: ,, Mit jedem Kinde wird getragen die Gnabe Gottes auf die Erden! Verlogene Namen Es ist leichter, einem Menschen zu zeigen daß er irrt, als ihn in den Besitz der Wahrbeit zu setzen. John Lode Der Bleistift enthält kein Blei.( Er enthält Graphit, eine der Erscheinungsformen der Noble.) Ein Meerschweinchen ist kein Schweinchen und lebt nicht im Meer.( Es ist ein Nagetier und lebt an der Westküste Südamerikas.) Neufilber enthält kein Silber.( Es besteht aus einer Legierung von Kupfer, Nickel und Bint.) Reispapier wird nicht aus Reis gemacht. ( Man macht es aus Pech oder Holzbrei.) Fischbein ist kein Bein.( Es ist eine elasti sche Substanz aus dem Maule des Wals.) Sodatwasser hat nichts mit Soda zu tun. ( Es ist Wasser mit Kohlensäure.) Panamahüte werden nicht in Panama erzeugt.( Sondern in Ecuador.) Die Hudsonbai ist keine Bai.( Sondern ein Binnensee.) Aus dem Buche: Robert L. NibIe h: ,, unglaublich, aber wahr." Das Buch der Unwahrscheinlich feiten. Mit über 100 Darstellungen, Tabellen und Beichnungen. Saturn- Verlag, Wien. Daß wir dem Kind in uns entsagen, das macht uns zu versprengten Herden. Die Liebe friert in dürft'gen Fehen, die Stumpfen find der Mächt'gen Heere, Gewalt regiert mit den Gesetzen und. Schrei nach Güte hallt ins Leere. Gott hatte uns zu nah gesehen, er fand uns hart und eigenfüchtig den Weg zur ird'schen Herrschsucht gehen, da machte er uns Klein und flüchtig! Das Heil, auf das wir kindlich harren, wird nur in unfrer Brust geboren. So find wir unsrer Sehnsucht Narren und bleiben ewig arme Toren". So sprach der Alte, in die ferne und hochgewölbte Nacht gewendet. In Fülle funkelten die Sterne, bas Land lag still und lichtgeblendet. Die andern faßen stumm verdroffen ob diefer Worte ihres Alten, der müb die Augen schon geschloffen, um einen langen Schlaf zu halten... 3. 3 erfaß. -3Joseph Roth: Der Zauberer Vor langen Jahren nannten sich die Zauberkünstler einfach Bauberer, mit der glets chen naw metaphysischen Selbstverständlichkeit, mit der die echten Zauberer heute noch in den Märchen auftreten. Damals erschien mir auch der Unterschied zwischen einem Kunststück, dessen Mechanismus nur geheim blieb, und einem echten Wunder, das ebensowenig erklärt werden fonnte, äußerst gering. Und das natürliche Bemühen meiner Vernunft, das Geheimnis der Zauberei zu erraten, begleitete eine scheue unerklärliche Angst, ich könnte es eines Tages wirklich. Also ging ich in die Vorstellungen, die jedes Jahr pünktlich um dieselbe Zeit ein so genannter Zauberer veranstaltete, mit einem Herzen, in dem sich grenzenlose Neugier mit zurückhaltendem Respekt mischte. Denn mehr noch als die Furcht, der enthüllte Mechanismus würde mir das Leben um ein paar Grade fälter erscheinen lassen, schreckte mich das wahnwißige Grauen, das sich jenseits der Enthüllungen im Bereiche der Erkenntnis abspielte und die Strafe, die notwendig einen Menschen treffen mußte, sobald er einen Zauberer ertappt hatte. Es war mir, als könnte man zwar jedes Kunststück rationalistisch erklären, dürfe es aber keinesmetaphysische niederließ. Es war ohne Zweifel ein Page weiblichen Geschlechts, fleine Brüste aus glattem Metall mit winzigen Kuppeln zierten den Oberförper seines geflochtenen Panzers. Zwischen der kriegerischen Assoziation, die der Anblick des Panzers wachrief und der zweifellos weiblichen Anmut, die er deckte, bestand die reizvolle Spannung, die zwischen Blut und Liebe vorhanden sein mag. Während der Zauberer mitten in der furchtbaren Schwärze seiner Nacht bunte Schlangen fliegen hieß und weiße Tauben, aus seinem Mund feurige Zungen entließ und aus irisierenden zischenden Gefäßen hauchleichte Bällchen aus einem opalenen Material, glaubte ich natürlich, ihn genau zu beobachten. Aber obwohl ich jede Kleinste seiner Wunderhandlungen im Gedächtnis behalten konnte, sah ich doch, wie ich heute schon weiß, auf die Bühne nur mit den Augen, aber auf die Treppe, wo das Mädchen saß, mit der Seele. Damals freilich wußte ich noch nicht, daß der Zauber eines achtzehnjährigen Pagen wun derbarer ist, als das Wunder eines Zauberers. Vielleicht ahnte ich es nur einmal im Laufe des Joan: Abends. Das geschah, als der Alte anfing, mit feinem filbernen Kegelhut Bonbons herzustellen. Das Mädchen hatte nämlich auf nichts anderes gewartet, als auf dem Augenblick, in dem es anfangen sollte, durch die Reihen des Parketts zu gehen und das Zuckerwerk unter den Zuschaus ern zu verteilen. Sie erhob sich, sie begann unter uns zu wandeln, wie ein Mensch aus Fleisch und Blut. Ein leiser Duft von Maiglöckchen erhob sich im Saal. Der Page kam an mir vorbei. Ich streckte die Hand aus. Er schenkte mir zwei Bonbons, die ich nicht aß, sondern in der Tasche berbarg. Dann war die Vorstellung zu Ende, und ich ging nach Hause, um wieder ein ganzes Jahr zu warten auf den Zauberer, wie ich damals glaubte, auf das Mädchen, wie ich heute weiß. Es kam jedes Jahr wieder, bis ich alt wurde, die Bauberer ausstarben und ihr Erbe gewöhnlichen Zauberfünstlern hinterließen. Seit damals habe ich viele Magier gesehen, die bei grellem Scheinwerfer auftreten und äußerst foms plizierte Wunder vollbringen. Aber sie machten feinen Eindruck auf mich, ich warte nicht sehnfüchtig auf sie von Jahr zu Jahr und wahrs scheinlich bin ich auch ungläubig geworden. wens. Denn einem Manne, der die melapide dan Der abergläubische Schuster Welt auch nur mit erklärbaren Phänomenen zu zeigen imftande war, standen sicherlich auch metaphysische Kräfte jenseits der Region zu Gebote, in der sich seine Kunststücke abspielten. Also geartet war ich um iene Zeit, in der ich regelmäßig jedes Jahr den Zauberer besuchte. | ( Aberglaube und Beruf) Der Aberglaube ist der Dummheit liebstes| der eines Vertreters. In diesen Kreisen ist es Kind. Im Nachfolgenden soll nicht etwa der eine ausgemachte Sache, daß dem Betreffenden unzähligen alt- und allbekannten Symbole des das Glück nicht hold sein kann, wenn er einen Aberglaubens, wie es Glüdsschweinchen, Rauch- benützten Fahrschein der Elektrischen bei sich fangkehrer, Hufeisen und der vierblättrige Klee trägt. ist, Erwähnung getan, sondern fast unbekannte abergläubische Sitten und Handlungen der verschiedenen Berufsarten aufgezeigt werden. Wenn bei einem Schuster die Ahle zu Boden fällt und steden bleibt, bedeutet dies guten Geschäftsgang. Reißt dagegen der Knieriemen, dann gibt es Bank und Hader geschäftlich und privat. Der Schneider ist untröstlich, wenn ihm ein Knopf am 3wirnfaden wieder aufgeh: Dann, so glaubt mancher von dieser Gilde, wird die Arbeit verdorben und es werden Aufträge wieder zurückgenommen. Die Schausteller und Marktfahrer Hüten sich, mit einem Fuß aus dem Bett zu steigen. Nicht nur mit dem linken, auch mit dem rechten Bein darf man es nicht. Man muß, vornehmlich an den Tagen, wo Jahrmarkt oder sonst ein großes Geschäft in Sicht ist, mit beiden Füßen gleichzeitig aus dem Bett steigen. Es war zweifellos kein gewöhnlicher Bauberkünstler, wie man sie heute in jedem Varieté sehen kann. Seine Zaubereien waren vielleicht äußerst einfach, aber mit so viel Aplomb vor gebracht, dermaßen eingebaut in eine überfinn liche Szenerie, daß schon jede Bewegung seiner Hände, jeder Schritt, den seine Füße mit borfichtiger Gravität zurüdlegten, eine doppelte, dreifache, mystische Bedeutung zu haben schienen. Seine reale, leibliche Existenz war also nur die äußere Hülle seiner unbekannten, eigentlichen. Die Bühne war finster und schwarz drapiert, von einer dichten, greifbaren Finsternis erfüllt, gleichsam von dem Element Finsternis. Die Rampe war übersät von zahllosen, jedenfalls unzählbaren, sehr grellen Lichtern, offenen Gasflämmchen, deren zarte Spizen bläulich züngelten, fleine betwegliche Dolche aus blauem Feuer, in der Mitte nur unterbrochen von einer dreistufigen, schwarz ausgelegten Treppe, die, obwohl sie doch offenbar den Zweck hatte, eine Verbindung zwischen der Bühne und dem Zuschauer- Alle Bühnenangehörigen, an erster Stelle raum herzustellen, wahrscheinlich kein Mensch die Autoren und der Direktor, vermeiden es aus dem Publikum freiwillig betreten hätte. Der j ängstlich, im Theater zu pfeifen und achten Vorhang ging nicht in die Höhe wie bei gewöhnlichen Vorstellungen, sondern teilte sich schnell und plötzlich wie eine Wolke, die der Wind in der Mitte zerreißt. Und schon stand auch im Innern der schwarzen Nacht der Zauberer, in weiße Gewänder gekleidet, einen filbernen Zuckerhut auf dem Kopf, mit einem langen weißen Bart. Wie der weiße Durchmesser der Finsternis ragte er in ihrer Mitte bis zur Decke. Dreimal schlug er mit einem silbernen Stab auf dem Boden. Dieser öffnete sich, und es entstieg ihm eine schmale Gestalt, ein filberner Page mit blonden Locken. Was von nun an auf der Bühne geschah, war ziemlich gleichgültig. Denn während ich noch glaubte, mich interessiere der Zauberer, war ich ausschließlich mit dem Pagen beschäftigt, der feine Zeit berlor, sondern sofort die drei Stufen hinunterging und sich bescheiden auf der letzten strenge darauf, daß dies auch von anderen nicht geschieht. Das würde nämlich einen Durchfall des Stückes bedeuten und ist vom ausgepfiffen werden" abgeleitet. Früher wurde am Freitag feine Premiere angesetzt. Der bekannte ehemalige Theaterdirektor Gabor Steiner machte dem Aberglauben zum Trotz einmal das Gegenteil. Dieses Wagnis machte sich sehr gut bezahlt. Es wurde ein Bombenerfolg und unzählige Ensuite- Aufführungen bewiesen, daß der Aberglaube Mumpit sei. Wie wirkte sich aber nun dieser Beweis aus? Seit jener Zeit werden die Premieren besonders gern an Freitagen angesetzt. Mit und ohne Erfolg. Der Freitag aber bleibt jest weiter Glückstag wie der Aberglaube es evig bleiben wird. Sehr abergläubisch sind gewöhnlich Men schen, die einem Beruf nachgehen, der von der Gunst des Wetters oder sonstwie vom Zufali abhängt. Ein solcher Beruf ist zum Teil auch Kellner wieder achten darauf, daß niemand mit Papier den Tisch abwischt. Das verdirbt das Geschäft. Dieselbe Geschäftsstörung fürchtet wieder der Ausflugswirt, wenn jemand im ges fchloffenen Lokal einen Regenschirm aufspannt. Chauffeure glauben an einen schlechten Tag, wenn sie ein Mädchen, das sie hoffnungsa los lieben, in ihrem Wagen mitfahren lassen, Auch soll das Liegenlassen der Kappe am Lenka rad Unglück bringen. Obwohl Einbrecher beileibe nicht zu den Berufstätigen gezählt werden dürfen, soll hier trotzdem auch ihr Aberglaube beschrieben werden. Die Herren Schränker verunreinigen immer vor dem Verlassen den Tatort. Sie wähnen sich das durch vor Entdeckung und Verhaftung gefeit. Ein prominenter Wiener Borchampion läht sich von seinem Freunde vor jedem Kampf das Herenkreuz machen. Das„ Hegenkreuz" wird ausgeführt, indem man mit beiden gekreuzigit Beige und Mittelfingern dem Betreffenden über den Kopf streicht. Es gibt Schriftsteller, welche es gerne haben, wenn ihnen ein Manuskript zu Boden fällt. Es wird dann gefallen, so reden sie sich's wenigstens ein. Von den Fußballern ist bekannt, daß sia fast alle irgendein Maskottchen bei sich tragen. Ein Steinchen von irgendwo, aus irgendeinem Anlaß an sich genommen, ein Medaillon oder eine alte Münze. Auf den Rennpläßen suchen die Buchmacher die legalen wie auch die ,, wilden", von irgendeinem Besucher Feuer für ihre Zigaretten zu bekommen. Aber nicht mittels Zündholz oder Feuerzeug, sondern von des Fremden Zigarette selbst. Das soll Glück bringen. Viele alte Spieler glauben auch daran, ja noch mehr sie wähnen dem Feuergebenden das Glück sozusagen wegzus nehmen. Die Zeppelinmannschaft nimmt auf allen ihren Fahrten ein fleines, weißes Räbchen al 4 Schach ins Volk Schachaufgabe Nr. 371. Von Tred Janet. Schwarz: Ke3, La8, c7, Sd5, e6, Bc6, g5, h4,( 8) abcdefgh 8 L 8 7 6 5 Copyright P. I.B. Box 6 Copenhagee 2 1 abe e R h 6 08 Adamson und sein Todfeind Weiß: Kf1, Ta5, h6, Ld6, Sb3, g6, Bd3, e2.( 8) Matt in 2 Zügen! Lösungen sind bis längstens 14 Tage nach Erscheinen der Aufgabe an Wenzel Scharoch, Drakowa 32, Post Modlan, einzusenden. Lösungszug zu Nr. 368: Dh1-131. Richtige Lösungen sandten nachfolgende Genossen ein: Tepper Franz, Karlsbad; Beutel Wilhelm, Arnsdorf bei Tetschen; Nitsch Rosa, Trupschitz; Dinnebier Emil, Tetschen; Schöffel Anton, Schöbritz; Amler Rudolf, Tetschen; Habl Erwin, Lohmüller Hans, Holfeld Otto, Freundl XXXXX Anton, Chimiak Teo, sämtlich Nestersitz; Ulbert Ottomar, Johnsdorf b. Bokau; Rudek Peter, Glückbringerin mit. Ob dies bei der unglüd-| zu einer Schönheit, die wahrhaft vollkommen ist. lichen letzten Fahrt des Hindenburg" unter Man soll dieses Buch nicht flüchtig durchblättern, lassen worden ist?... man muß es studieren:- so wird es in einer Beit, da die Weltgeschichte nur noch Fraßen nach oben speit, zu einem großen geistigen Erlebnis. Es ist fast schon ein Trostbuch zu nennen. Masaryk im Bild Brux: Berger Josef, Klein- Augezd, Schöpka Josef, Komotau; Hyna Josef, Hostomitz; Ulbert Rudolf, Prosetitz, Geißler Josef; Alt- Serbitz; Havel Franz. Modlan: Walter Ludwig, König Anton, Steinwitz Hans, sämtlich Kwitkau. A. R., Tetschen: Dreizüger kannst Du einsenden, werden aber im Schachmitteilungsblatt V. Kreis. Sektionsgründung in Lang- Ugest Der Venein Lang- Ugest der Arbeiter- TurnBesonders stark wirkt ein Bild, aufgenom: veröffentlicht. men drei Jahre vor dem Tod. Stark nicht des Sujets" wegen( es zeigt T. G. Masaryk im Gespräch mit Barthou und Benes), sondern weil hier die geistige Bezeutung dieses außergewöhnlichen Exemplars der raren Gattung Homo fapiens klassisch zum Ausdrud kommt: das Profil zeigt schon die edel- endgiltige Prägung, die Augen sind müde; die Hände, in Brusthöhe erboben, machen eine Geste, von der man nicht weiß, ist sie Abwehr oder Warnung. So sieht der Prophet aus, der seiner Beit entsagt, da sie ihm nichts mehr zu sagen hat. Und besonders erfrischend ein anderes Bild: T. G. M., fißend vor den Enkeln, bläft auf einer Kindertrompete. Diese scherzhafte Moment aufnahme hat eine tiefere Bedeutung: stellt euch einen der selbstherrlichen Machthaber dieser Erbe var bei solchem Tun, der ganze Nymbus bon cäsarischen Kinnladen und dämonischen Haarschöpfen wäre beim Teufel. Klar, was der große alte Knabe da auf der Trompete bläst: den Unterschied zwischen„ Führern" und Führern. und Sport- Union hat den Gen. Willi Příberny mit den Vorarbeiten zwecks Gründung einer Schachsektion betraut. Unter Mithilfe des Obmannes Gen. Fr. Müller und des Kreisschachleiters Gen. Scharoch werden alle Schachgenossen von LangUgest und Umgebung zu einer gründenden Versammlung aufgerufen. Nach der durchgeführten Gründung und einem kurzen Referat des Gen. Scharoch findet ein Simultanspiel an beliebiger Bretteranzahl statt. Die Veranstaltung findet am Sonntag, den 2. Jänner 1938 Gasth. Jásek" um 19 Uhr früh statt. Schachfreunde, welche unserer Bewegung noch ferns im Vereinslokal hen, sind ebenfalls herzlichst eingeladen. Sämtliche Schachbretter, welche zur Verfügung stehen, Der Verlag Orbis in Prag bringt eine neue, erweiterte Auflage des schönen und würdigen Photobandes heraus; erweitert wurde sie um einige Bilder vom toten Masaryt, auch um Bilder von der Trauer seines Voltes, und Karel Tapet hat ein pietätvolles Nachwort geschrieren: aus dem Bilderbuch ist ein Gedenkbuch geworden. Wer die Weltgeschichte gern in Bildern sieht, soll zu dem Band greifen; es sind viele interessante Dokumente darunter; aber sein Wert, scheint uns, liegt ganz anderswo. Er liegt darin, daß die Wandlungen eines Antliges gezeigt werden, dessen Träger aus der Stille der Studierstube zu den Höhen der Macht stieg; der, fein Machtſtreber, aus geistigem Zwang vom rediger der Gewaltlosigkeit zum kraftvollen und, wenn es ſein mußte: zum gewalttätigen Vorfämpfer einer Idee wurde, ohne daß es der Jdee und ohne daß es ihrem Träger geschadet hätte. Eine Aufnahme aus dem Jahr 1918 zeigt den Professor, scheu zurüdgelehnt, wie flüchtend vor der Linse des Photographen; man sieht: er fühlt sich garnicht wohl in seiner neuen Würde. biel lieber stünde er am Katheder als auf der großen Bühne; man sieht: er hat Angst vor der Macht und deshalb wird er fie niemals mißbrauchen. Dann Dußende Bilder vom Staatspräsidenten, meist im Lieblingsanzug, der eine Unter der segensreichen Regierung des alt- nis 5: 5. Das Retourspiel findet erst nach Neujahr merkwürdige Mischung aus Uniform und Bauernfittel ist; schon längst hat er gelernt, die chinesischen Kaisers Shindsung war Wangkuri Macht zu gebrauchen, nein: zu beherrschen: der lange Jahre hindurch erster Minister. Er galt Gesichtsausdrud berrät äußerste geistige Kon- für den besten Diplomaten seiner Zeit und erzentration, ist tiefernst noch im Lächeln; man hielt nach seinem Tode den Beinamen Der könnte ihn hart nennen, wenn nicht die Augen Minister von drei Willen", weil er sich nämlich stets Güte zeigten. Ergreifend die Bilder aus den letzten Jahren: während die Krankheit schon sowohl gerne auf den vergangenen, als auch auf ben starken Körper zerstört, wird das Antlig den gegenwärtigen und sogar auf den gufiinf anirtisch- flar, fajt verflärt, und gelangt gules: tigen Willen seines Herrn berief... Wangkuni Mar er b. mitbringen. II. Kreis. Nestersitz gegen Seldnitz 5: 5 Punkte. Am Sonntag, den 12. Dezember, fand in Nestersitz das Freundschaftstreffen Nestersitz gegen Seldnitz statt. Nach spannendem Kampf trennten sich die Gegner mit dem unentschiedenen Ergebin Seldnitz statt. Großpriesen gegen Nestersitz 7: 3! Am 19. XII. fand. gleichfalls in Nestersitz. das Revanchespiel gegen Großpriesen statt, Auch diesmal gelang es den Gästen, den Sieg zu erringen, trotzdem die Nestersitzer Genossen alles aufboten, um ehrenvoll abzuschneiden. Allerdings spielten bei Großpriesen einige Genossen mit, die aus dem anderen Lager" kamen, und für die Sieger eine bedeutende Verstärkung sind. isui