if To Demokratisches Wochenblatt. No. 6. Organ der deutschen Volkspartei. Leipzig, den 8. Februar. 1868. Das Blatt erscheint jeden Sonnabend. Abonnementspreis vierteljährlich bei allen deutschen Postanstalten sowie hier am Plage einschließlich Bringerlohn 12½ Ngr.; einzelne Nummern 1 Ngr. Abonnements für Leipzig nehmen entgegen die Herren M. Dolge am Markt, n C. Reichert Hainstraße 27, G. Hofmann Brühl 40, C. Dehler Neumarkt 6, G. Richter Peterssteinweg 7, Leipziger Consumverein Universitätsnstraße und die Expedition d. Blattes C. W. Vollrath Windmühlenstr. 14. Für Dresden Filialexpedition F. W. Grellmann Wallstraße 10. 10 Da die Nr. 2 des demokratischen Wochenblattes" ganz, und die Nr. 3 und 4 beinahe vergriffen sind, bitten wir Diejenigen unsrer Freunde, die im Besitz mehrerer Eremplare dieser Nummern, namentlich der Nr. 2 find, dieselben an die Erpedition zu schicken, damit wir in Stand gesetzt werden, wenigstens die Nachbestellungen eder Post vollständig auszuführen. Die Expedition d. dem. W. rig Jnbalt: Politische Uebersicht. Berlin. Polens. Eine Volksversammlung in Die Wiederherstellung Prinz Carneval, Gedicht von Albert Russische politische Flüchtlinge. Aus Amerika. Traeger. Vermischtes. Politische Uebersicht. Für uns das bedeutendste Ereigniß der Woche ist die Wä hlerversammlung, welche am 30. Jan. im zweiten Berliner Wahlbezirk statt hatte. Wir bringen weiter unten einen ausführlichen Bericht über diefelbe. Die große Wichtigkeit der Rundgebung liegt darin, daß die politisch gebildetste und ein flußreichste Wählerschaft Preußens den Bruch mit dem Scheinkonstitutionalismus vollzogen und dem Preußischen Abgeordnetenhaus aus Anlaß der Nothstandsfrage ein unwiderrufliches Mißtrauensvotum ertheilt hat, das auch die Fort schrittspartei mit trifft! Denn auch die Fort schrittspartei hat nichts zu Gunsten der nothleidenden Ostpreußen gethan, und sogar auf den Versuch, etwas zu thun, verzichtet. Da hilft die Ausrede nichts, man wäre ja doch in der Minorität geblieben. Hier gilt das Sprichwort: Mitgegangen, mitgefangen. Minoritäten, die nicht den Muth selbstständigen Borgehne haben, sprechen sich das Recht der Gristenz ab.") Mit Bezug auf die Rede Jacoby's haben wir vorläufig zweierlei zu bemerken. Erstens scheint sie uns den Gegensaß zwischen Fortschrittspartei und Bolkspartei, das ist Demokratie, nicht genug hervorzuheben. Und ferner können wir dem Redner nicht beistimmen, wenn er die„ Niederlage" der PreuBiſchen Demokratie vorwiegend dem Mangel an Treue den eignen Grundsägen gegenüber" zuschreibt. Abgesehen davon, daß nicht die Preußische Demokratie", die ja leider noch nicht als selbstständige Bartei" aufgetreten ist, sondern blos jener tonfuſe Parteibrei genannt„ Fortschrittspartei" eine Niederlage sche Reichstag in Wien zur Milderung des Rothstandes 10 Millionen Als vor 4 Jahren in Ungarn Mißwachs war, votirte der deutBerufs, der seine bungernden Bürger der Privatwohlthätigkeit überläßt! erlitten hat, müssen wir doch die abgefallenen" Mitglieder der Fortschrittspartei" gegen den gemachten Vorwurf in Schuß nehmen. So weit diese Partei bewußte Grundsäße hat, verfolgt fie die Klaffenzwecke der Bourgeoise. Die Bour geoisie aber, so liberal" fie dem Adel, der Bureaukratie, dem Militarismus gegenüber sein mag, ist ihrem innersten Wesen noch überall reaktionär dem Barletariat, dem Bolk gegenüber. Wie sie in Frankreich aus Furcht vor den Arbeitern sich der verhaßten Diktatur Bonaparte's in die Arme warf, so in Preußen aus Furcht vor den demokratischen Maffen der Diktatur Bismarc's. Graf Bismarck beurtheilte die liberale Bourgeoisie von vornherein sehr richtig, indem er kurz nach seinem Eintritt in das Ministerium die Aeußerung that: Mit den Fortschrittlern werde ich leicht fertig werden, denn sie fürchten die Revolution mehr als sie mich hassen!" Die wenigen Mitglieder der Fortschrittspartei", auf welche dieses Wort keine Anwendung findet, sind eben bloß irrhümlicher Weise in die„ Fortschrittspartei" hineingerathen. " Mit 254 gegen 113 Stimmen hat das Preußische Abgeordnetenhaus die Zahlung der 25 Mill. Thlr. an die.entseßten" Fürsten von Hannover und Nassau bewilligt. Das Ganze war bloß eine jener in Preußen üblichen konstitutionellen Spiegelfechtereien, sintemalen die Regierung das Geld schon gegeben hatte. Bei diesem Anlaß enthüllte sich so recht deutlich die Verwirrung in den Köpfen der Preußischen Fortschrittspartei. Welch' wunderliches Sammelsurium von demokratischen Kraftphrasen und offiziösem Annexions- und Loyali. tätsdusel in den Reden der Waldeck, Löwe, Schulze, Ziegler u. f. f.! Kein Zweifel, vom demokratischen Gesichtspunkt aus ist gegen die Absezung der Fürsten nicht das Geringste einzuwenden, wohl aber sehr viel dagegen, daß sie von einem andren mäch tigeren und absoluten Fürsten im Interesse einer freiheitsfeind lichen Bolitik abgesetzt worden sind. Doch was ereifern wir uns? Wir haben es ja bloß mit Seiner Majestät des Königs von Preußen loyaler Oppofition zu thun. Graf Bismard hatte die schwierige Aufgabe, einen Aft der Revolution von Oben zu vertheidigen, ohne sich mit dem legitimistischen Gewissen des Königs in allzu schroffen Widerspruch zu verwickeln, und er löste sie herzlich schlecht nach dem Zeugniß von Freund und Feind. Unter anderen passirte ihm der unglückliche lapsus linguae( ein Ausgleiten der Zunge"), daß er die nun, die Beschlagnahme der Hannoverschen und Nassauischen Lande als Expropriation im Interesse Preußens ( sich korrigirend, fügte er und Deutschlands" hinzu) bezeichnete. Also einen Fürsten vom Thron jagen, heißt Expropriation". Die Entschädigung ist der Willkühr der Verjager anheimge stellt. Wir danken für das Wort und werden es uns merfen. " Nach Briefen aus Berlin, hätte Graf Bismarck wegen der Hannoverschen Legion" in Paris Anfragen gemacht. ( Siehe unter: Vermischtes). " Während die Bismard'sche Schöpfung den Weg geht, welchen solche Schöpfungen gehen müssen, nimmt Herr von Beust con amore feine„ Revanche für Königsgräß." Jeder Schritt rückwärts für Preußen ist ein Schritt vorwärts für Desterreich; und der österreichische Premier hat es augenscheinlich darauf abgesehen, seinen Norddeutschen Nebenbuhler systematisch durch die Thatsachen zu perfifliren. Das parlamenta rische Regiment eingeführt, die Presse befreit, das Vereinsrecht hergestellt, die Armee dem Reichstag untergeordnet, die Art an das Concordat gelegt kein Wunder, daß preußische Blätter sich seufzend ,, Freiheit wie in Desterreich" wünschen. Die Süddeutschen rüsten zu den Wahlen für das Zollparlament. Nur nicht in Württemberg, wo die Volkspartei, welche die Mehrheit des Volks vertritt, bekanntlich die Wahlenthaltung beschlossen hat, so daß nur jämmerliche Minori tätswahlen zu Stand fommen können. Wenn aber auch dieser Beschluß in Belgien, Baden und Hessen- Darmstadt von der Demokratie mißbilligt wird, so ist doch auch hier die überwältigende Mehrheit der Einwohner entschieden gegen die von den Gothaern gepredigte Erweitrung" des Zollparlaments in ein Vollparlament" und will von dem Anschluß an Preußen aus guten Gründen nichts wissen. " Aus Württemberg schreibt die demokratische Correspondenz etwas kleinlaut:„ Die Entscheidung in der Frage des Wehrgefeß es ist noch in der legten Minute anders ausgefallen, als es bis zur legten Minute erwartet und gehofft wurde. Das Wehrgesez ist nicht abgelehnt, eine kurze Präsenzzeit nicht angenommen, das Privilegium der einjährigen Freiwilligen nicht beseitigt, nur die zweijährige Präsenz ist gerettet und die bei loyaler Ausführung wichtige Bestimmung aufgenommen, daß tüchtige Jugendwehrmänner mit feche Monat entlassen werden müssen. So ist denn im Bereiche der Hohenzollern durchweg Geſeß geworden, was im Reiche der Hohenzollern seit lange und für ewig als Lebensbedingung gilt. Eine große Hoffnung geht damit zu Grabe. Die Hoffnung war, es werde hier in Schwaben ein Loch gemacht werden in die militärische Verpreußung d. h. Berpestung Süddeutschlands, und dieses Loch wäre tödtlich gewesen für alles Großpreußenthum; der Entschluß eines deutschen Volksstammes, troß alledem und alledem nicht in die Berderbensbahn des Militarismus einzulenfen, vielmehr grade jest um so ernster den Bürgerstaat zu gründen, wäre fonitatirt worden, und wenn es in Württemberg mit dem Bolkeheer, mit dem Frei heer gehen mußte hundert gegen eins: selbst in Baden hätte das Eindruck gemacht. Das mit ist's vorbei, für jeßt vorbei; die Volkspartei hat nur eins retten können: die zweijährige Präsenzzeit; die dankt das Land der Volkspartei, und dankt's ihr hoffentlich durch die That." Matthy, berüchtigt durch sein, an dem Demokraten Fickler, seinem Freund, ausgeübtes Polizeidienertalent, lange Jahre hindurch einer der thätigsten Agenten des Großpreußen 42 thums, ist in Baden gestorben, Bluntschli lebt noch; und fann vielleicht einen zweiten Sonderbund begraben sehen. Mittlerweile gährt es mehr und mehr in Frankreich. Der unterirdische Kampf" nähert sich immer drohender der Oberfläche; und die Debatten des geseßgebenden Körpers"( so benamset, weil er gleich dem preußischen Abgeordnetenhaus keine Gefeße zu geben, sondern bloß zu den Ukasen der Regierung Ja! zu sagen hat) über das Preßgesez bilden, ihrer revolutionären Heftigkeit einen Abglanz der revolutionären Volksstimmung. Dieses Preßgesetz ist drakonisch. Ruinirende Gelds und schwere Freiheitsstrafen für das ge= ringste Vergehen", aber immerhin wenigstens ein Geseß. Und so unerträglich sind die jeßigen Preßzustände, daß viele, sich für freifinnig haltende Zeitungsschreiber sogar dieses Gesetz als eine Erlösung aus der unberechenbaren Willkührherrschaft preißen! " In dem Wahlkreis Lille hat der Regierungskandidat mit großer Mehrheit den Oppofitionskandidaten geschlagen. Das Triumphgeschrei der Anhänger des Kaisers über diesen Wahlfieg, der einzig und allein dem durch die Beamten und Pfaffen ausgeübten Druck, und der geschickten Zusammenlegung des Wahlbezirks( in der Stadt Lille blieb der Regierungskandidat in der Minderheit) zu verdanken ist, beweist besser, als hundert Leitartikel es vermöchten, wie wadlich und wurmstichig der Thron des Decembermanns ist. Aus dem konstitutionellen Musterstaat England nichts als Nachrichten von neuen Verhaftungen, neuen Fenierstreichen, neuen Preßverfolgungen, neuen Bankrouterklärungen des dortigen Lü gen- Barlamentarismus. Doch halt! Eine hätten wir fast vergeffen: ein in London entdecktes Komplot" gegen das Leben des Königs von Preußen, Ex ungue leonem. Wer erriethe da nicht gleich die Hand des genialen Stieber, der, schon berühmt durch seine Thätigkeit unter den schlesischen Webern und im Kölner ,, Kommunisten prozeß" und durch sein Märtyrerthum im Eichhoff'schen Prozeß, sich vor zwei Jahren durch seine bei der Neugeburt" Deutschlands, gemeinschaftlich mit Braß, Bauer, Bucher und anderen Ehrenmännern, geleisteten Hebammendienste die Unsterblichkeit und die Wiederanstellung erworben hat? " Seit anderthalb Jahren spielt auf der Insel Kandia eine in Petersburg verfaßte Komödie, betitelt der Kretische Aufstand". Das Ding ist nachgerade langweilig geworden, und es freut uns deßhalb melden zu können, daß die legten Nachrichten aus Konstantinopel( und diese heidnischen Türken haben den civilifirten Christen die Kunst des Lügens noch nicht abgelernt) den Schluß der Vorstellung anzeigen gerade nachdem ein griechisches Telegramm einige hundert Türken in einer erschrecklichen Mezelei( auf dem Papier) vom Leben zum Tod befördert hatte. Die russischen Intriguen sind damit allerdings feineswegs zu Ende. Erfahren wir doch aus glaubwürdiger Quelle von Wien, daß aus Rumänien, wo der russische Statthalter aus dem Haus Hohenzollern dem Namen nach herrscht, meh rere Tausend Bewaffnete in das Bulgarische Gebiet eingefallen seien. Aber so lange das übrige Europa ruhig bleibt, haben derlei Vorgänge nicht viel auf sich; und sollte es einmal zu einem ernstlichen Ausbruch fommen, nun, dann bietet Polen den Türken und Desterreichern eine prächtige Gelegenheit, den Spieß umzudrehen, und ihn den Russen und deren Bun desgenossen tief in die Flante zu stoßen. Man sagt, Graf Bismard habe die Gefahr, die ihm von dieser Seite droht, begriffen, und fürzlich Versuche gemacht, die polnische Emi gration für die preußisch- russischen Pläne zu gewinnen. Aber wir glauben das nicht, und zwar aus dem einfachen Grund, weil wir Graf Bismark für zu geschickt halten, um mit so aussichtslosen Erperimenten seine Zeit zu verlieren. In Desterreich ist die Gefahr, welche der dortigen Arbeiterbewegung durch Bismarck'sche Agenten drohte glücklich beseitigt worden. Die Arbeiter haben begriffen, daß Sozia= lismus und Demokratie untrennbare Begriffe sind, und daß es selbst mörderisches Beginnen wäre, wollten sie den politischen Umgestaltungsprozeß, der sich jest in Desterreich vollzieht, durch einen perfrühten Kampf gegen das Bürgerthum stören. Als Beleg theilen wir den Schluß eines Vortrags mit, den Herr Heinrich Oberwinder am 26. Jan. im Wiener Arbeiterbildungsvereine über ,, Lasalle's Leben und Wirken" hielt: ..Die hiesigen Berhältnisse sind zum Theile anders, als in Norddeutschland. Hier hat ein Theil der Breffe, wie z. B. die Vorstadt zeitung, das Tageblatt und die Morgenpost Ihre Bestrebungen in anerkennenswerther Weise unpartheiisch besprochen. Hier dürfen Sie vom Bürgerthume erwarten, daß es Ihnen nicht feindlich gegenübertritt. Es würde seine eigenen Interessen verfennen, wenn es anders handelte. Man denke an die Umtriebe des großen Nachbarstaates( Preußens). Man erinnere sich daran, daß an der socialen Frage die civilifirten Staaten des Alterthume gescheitert sind und eine Beute der Barbaren wurden. Auch die neuere Geschichte stellt uns warnende Beispiele ver Augen. In Frankreich wurden im Juni 1848 die Socia listen, welche, so sehr auch die lügnerischen Zeitungen bemüht waren das Gegentheil zu behaupten, nichts anderes wollten, als den Staat vor der Anarchie bewahren und dem Volke seine Freiheit sichern, auf grausame und verrätherische Weise niedergeworfen. Die Folge war, daß mit den Socialisten auch die Freiheit unterdrückt wurde, und seit 16 Jahren wird sie Frankreich von Louis Bonaparte geraubt, der es nun durch unnüße Kriege an den Rand des Abgrundes geführt hat. Das Bürgerthum in Desterreich muß, wenn es den Ausbau seiner Berfassung im freiheitlichen Sinne bewirken will, sich mit Ihnen vereinigen und Ihre Sache zu der seinigen machen. Da zur Förderung Ihrer socialen Interessen zunächst die Beseitigung des Konkordates und die Erlangung der unum schränkten Preßfreiheit eine Nothwendigkeit sind, so wird auch das liberale Ministerium, wenn es auf den Bahnen des Fort schritte weiter schreitet, in Ihnen einen fräftigen Bundesgenossen haben; ja, ich glaube, die Arbeiter würden in diesem Falle das Ministerium gegen eine allenfalls drohende reaktionäre Staatsstreichspolitik zu vertheidigen wissen. Ihre nächste Aufgabe, meine Herren! wird nun dahin gehen müssen Ihre socialen Bestrebungen auch auf die übrigen Länder des Kaiserstaates auszudehnen. Indem Sie überall die Ideen der wahren Humanität und der Freiheit verbreiten, werden Sie zugleich den reaktionären Strömungen in den Brovinzen entgegenarbeiten. So fann also Desterreich in dem Auftreten der socialistischen Arbeiterbewegung nur das Herannahen einer wirklich besseren Zeit und eine neue Bürgschaft für die fortschreitende Entwickelung des allgemeinen Staatewobles begrüßen." Der Beifall, mit dem diese Worte aufgenommen wurden, beweis't, daß sie den nach Tausenden zählenden Zuhörern aus der Seele gesprochen waren. Eine Volksversammlung in Berlin. Am 30. Januar d. J. sprach Johann Jacoby in einer Bersammlung von 2500 Wählern. Wir lassen die wich tigsten Stellen seiner Rede folgen: 43 Faktisch ruht( in Preußen) alle Macht ausschließlich in der Hand der Regierung, von der Regierung hängt Alles ab, der Regierungswille allein ist entscheidend in allen Dingen. Wollen wir anders aufrichtig sein, so müssen wir dem eben ausgesprochenen Sape den zweiten hinzufügen: Die Volkspartei in Preußen, jedes politischen Einflusses baar, ist zur Zeit durchaus obnmächtig, die staatlichen Zustände umzugestalten. sa alat bin install Und was folgt daraus? Etwa, daß wir mit verschränkten Armen dem weiteren Verlaufe zuschauen? Eine solche abwartende Politik was wäre sie anders als die Selbstvernichtung, der moralische Tod der Partei?! Nein! Der Schluß, den wir daraus ziehen, lautet anders: Die Partei muß belehrt durch die traurige Erfahrung der legten Jabre ihre Kraftanspannung verdoppeln, muß aber zugleich überlegen, welchen Weg fie einzuschlagen babe, um besseren Erfolg zu erzielen, als bisher. Zwei Ursachen find es, denen vor Allem das Mißlingen aller bisberigen Freiheitsbestrebungen zuzuschreiben ist, nämlich Mangel an Entschiedenheit im Kampfe mit den Gegnern. Treue den eigenen Grundsäßen gegenüber, Mangel an Rechtsgleichbeit Alter ist der Grundgedanke der Demokratie. Wie hat sich die Partei zu diesem Grundfaze in politischen, sozialen und nationalen Fragen zu verhalten? Auf politischem Gebiet folgt aus diesem Gleichheitsprinzip die gleiche Berechtigung jedes einzelnen Bürgers auf Theilnahme am Staatsleben. Eine naturgemäße Forderung ist darum, daß über alle das Geschick des Landes betreffende Angelegenheiten unter Mitwirkung aller Bürger entschieden wird. Die Einzelberrschaft steht hierzu in offenem Gegensaß, die parlamentarische Regierung erfüllt sie nur dem Schein nach die unbedingte Selbstregierung des Volkes wird ihr allein gerecht. Was nüßen einem Bolke Preßfreiheit, Vereins- und Versammlungsrecht was alle konſtitutionellen Rechte und Freiheiten, wenn ein Einzelner die Macht hat, nach Gutbefinden über Krieg und Frieden zu entscheiden, wenn es ihm freisteht, Freiheiten insgesammt außer Kraft zu seßen? So lange nicht in auf Grund dieser Entscheidung jene Rechte und allen Angelegenheiten des Staats der Gesammtwille zur vollen, unbeschränkten Geltung kommt, ist das Volk nicht Herr des eigenen Geschicks, nicht herr über sich selbst. Wie aber ist das Ziel zu erreichen? Woher kommt es, daß bisher alle Versuche, dem Volkswillen die gebührende Geltung zu verschaffen, so kläglich gescheitert sind? Sagen wir es gerade heraus! Der Grund liegt einfach darin, daß bisher ein wirklicher, einmüthiger Volkswille gar nicht vorhanden war. Zur Eristenz eines starken Volkswillens bedarf es einer gleich mäßigen politischen Bildung, und diese seßt wieder eine gewisse Gleichmäßigkeit in der wirthschaftlichen und gesellschaftlichen Lebensstellung der verschiedenen Volksklassen voraus. Mit anderen Worten: Politische und soziale Reform fordern und bedingen sich gegenseitig. Ohne Theilnahme des Arbeiterstandes keine dauernde Besserung der politischen Zustände, und ohne Aenderung der politischen Zustände keine wirthschaftliche Besserung des Arbeiterstandes! Hieraus folgt, daß die demokratische Partei aufhören muß, eine bloße politische Partei zu sein. Somit kommen wir zur Anwendung des demokratischen Gleichheitsprinzips auf dem Gebiet des sozialen Lebens. Hier findet es seinen Ausdruck in dem Anspruch Aller auf Theilnahme am allgemeinen Wohlstand. Es genügt nicht, daß wir wirken, daß Andere der gleichen Freiheit, des gleichen Glückes theilhaft selber frei und glücklich sind, zu unserem Glück gehört auch, dahin zu werden. Jeder für Alle, das ist Menschenpflicht;- Alle für Jeden das ist Menschenrecht. Zwei Wege hat man empfohlen zur Abschaffung des sozialen Uebels: Selbsthülfe und Staatshülfe. Beide haben das gleiche Ziel: Beredelung des Menschen. Weit entfernt, einander auszuschließen, unterſtüßen und ergänzen fie fich gegenseitig. Die Staatshülfe ist erforderlich, damit dem besiglosen Arbeiter die Anwendung der Selbsthülfe möglich werde. Doch soll durch dauernde Staatsbülfe nicht etwa ein neuer privilegirter Stand geschaffen werden. Wir verlangen im Gegentheil Aufhebung aller Gesetzesbestimmungen und Einrichtungen, die bei der Produktion wie bei der Berthei= lung materieller Güter den einen Bürger vor dem anderen bevors zugen. Der Arbeiter soll die gleiche Freiheit genießen, wie jeder an dere Bürger, die Fesseln und Hemmnisse sollen entfernt werden, die ihn abhalten, seine Arbeitskraft, das einzige Kapital, das er befißt, nach Möglichkeit zu verwerthen. Es nüßt dem Gemeinwesen nichts, wenn der Reichthum steigt und die Menschen sinken! Dem Rechte jedes Gliedes der Gesellschaft nicht blos auf nackte Gristenz, sondern auf ein menschenwürdiges Dasein- entspricht die Verpflichtung der Gesammtheit dem Einzelnen hierzu Beistand zu 44 leisten. Dieser bumane Grundsatz ist nicht etwa die Erfindung einer modernen sozialistischen Schule, schon das Allgemeine Landrecht erkennt eine solche Pflicht des Staates ausdrücklich an. Es sagt: Thl. II. 19 Tit.§. 1. Dem Staate kommt es zu, für die Ernährung und Verpflegung derjenigen Bürger zu sorgen, die sich ihren Unterhalt nicht selbst verschaffen und denselben auch von anderen Privatpersonen, welche nach besonderen Geseßen dazu verpflichtet sind, nicht erhalten können." §. 2. Denjenigen, welchen es nur an Mitteln und Gelegenheit, ihren und der Jhrigen Unterhalt selbst zu verdienen, ermangelt, sollen Arbeiten, die ihren Kräften und Fähigkeiten gemäß find, angewiesen werden." §. 6. Der Staat ist berechtigt und verpflichtet, Anstalten zu treffen, wodurch der Nahrungslosigkeit seiner Burger vorgebeugt und der übertriebenen Verschwendung gesteuert werde." Im Interesse jedes Einzelnen wie des Gemeinwohls fordern wir von der Geseßgebung, daß fie fortan die Wagschale zwischen den verschiedenen Gesellschaftsklassen nach Recht und Billigkeit handhabe; wir fordern aber auch, daß sie das Unrecht wieder gut zu machen suche, welches sie selbst durch das frühere Schwanken der Wagschale, durch Begünstigung der herrschenden und vermögenden Klassen, herbeigeführt hat. Insofern das soziale Elend der Gegenwart in der Verkehrtheit wandelbarer menschlicher Einrichtungen, nicht in der nothwendigen Ordnung der Dinge seinen Grund hat, dürfen wir mit Recht vorausseßen, daß auch die Heilung des Uebels nicht außerhalb der menschlichen Macht liegt. Das Ziel ist fern; aber das Leben der Völker ist lang. Zur Berwirklichung der politischen und sozialen Freiheit reicht jedoch die Kraft eines einzelnen Volkes nicht aus: gemeinsame Arbeit, das Zusammenwirken der Völker ist dazu erforderlich. Jedes Bolk, jeder einzelne Volksstamm hat gleichen Anspruch auf Freiheit und Selbstbestimmung. Anerkennung dieses Rechtes ist Bürgschaft des Völkerfriedens, ist das so lang gesuchte und nimmer gefundene politische Gleichgewicht der Staaten". Mißachtung der nationalen Gleichberechtigung, Streben nach Oberherrschaft des einen Volkes über das andere, des einen Volksstammes über den anderen ist Ursache des Völkerkriegs und des nicht minder verderblichen Zustandes permanenter, Kriegs= bereitschaft, unter dessen Druck ganz Europa leidet. Nichts hat der Volkspartei in Preußen mehr zum Schaden gereicht, als ihr unsicher schwankendes Verhalten gegenüber dem Selbstbestimmungsrechte der Schleswig- Holsteiner und anderer deutscher Bun desstämme. Männer, die mit Eifer jahrelang die Rechte des Volkes vertheidigt, saben wir plößlich eine neue Fahne erheben; verleitet durch einen engherzigen Patriotismus" hat ein Theil der Partei für gut befunden, einstweilen den Kampf für Recht und Freiheit einzustellen, um dem Streben nach Ruhm und Herrschaft, nach nationalen Macht- und Gebiets- Erweiterungen Vorschub zu leisten. " " Einheit geht vor Freiheit! Trachtet allererst nach nationaler Macht und Größe, so wird Euch die Freiheit von selbst zufallen!" so lautet die neue Parole. Wir aber treu der alten Fahne halten fest an der Ueberzeugung, daß Zwangs- Einheit eben so wenig eine Vorstufe zur Freiheit", wie Herstellung großer Militärstaaten der Weg zum Rechtsstaate ist. Wir erachten es für ein verkehrtes Treiben, die Einheit und Größe einer Nation durch Freiheitsopfer erkaufen zu wollen: denn nur dem freien Manne steht Baterlandsliebe zu, und nur die auf Freiheit ge= gründete Macht hat Werth und Dauer. Rom wurde groß durch seine Herrschaft über die Bundesgenossen; aber die Freiheit des römischen Bürgers ging dabei zu Grunde und mit ihr auch die römische Größe. Man hat der Fortschrittspartei den Vorwurf gemacht, daß ihre ganze Thätigkeit in nichts Anderem bestehe, als im Verneinen. Verträglichkeit, sagt man, sei der Angelpunkt des konstitutionellen Systems: nur durch Rechnungtragen, durch gegenseitige Zugeständnisse könne man in der Politik Erfolge erzielen. Die Fortschrittspartei aber sei der Regierung überall schroff entgegengetreten, habe verweigert, was die Regierung gefordert, verworfen, was die Regierung vorge= schlagen, bloß weil die Regierung es vorgeschlagen. Wir könnten uns den Vorwurf schon gefallen lassen, wäre er nur besser ver= dient! Allein, man höre die Vertheidigung selbst der entschiedenen Parteimitglieder! Mit einer gewissen Selbstbefriediguug weisen fie darauf hin, daß sie der Regierung gegenüber es nie an der erforderlichen Unterstüßung haben fehlen lassen daß sie die Regierungs- Vorlagen stets sorgsam geprüft, und allemal zugestimmt, so oft auch nur ein Körnlein Gutes darin enthalten, daß sie wiederholt weit vornübergebeugt die Hand zur Versöhnung geboten; gegen nichts verwahren sie sich eifriger, als gegen die Anschuldigung einer grundsäglichen, systematischen Opposition. Diese Vertheidigung offen herausgesagt in unseren Augen ist sie nicht viel besser als eine Selbstanklage der Partei. Wie will man den Gegner bekämpfen, wenn man ihm Vorschub leistet? wie ihn besiegen, wenn man ihm selber die Mittel zum Kampfe entgegenträgt? Wo es sich um ein Entweder- Oder handelt, um Gegensäße, so unversöhnlich wie Herrschaft und Freiheit, Militärstaat und Rechtsstaat, was sollen die Ausgleichungs- und Vermittelungsversuche nüßen? Nicht durch halbe Zugeständnisse und Compromisse, nicht durch Indemnitätsertheilung und Gewähren von Provisorien wird die Frage zum Austrage gebracht, nur durch einen ernsten, mit der ganzen Gluth des Herzens, mit voller Hingebung und Begeisterung geführten Kampf fann der Siegespreis errungen werden. Mag immerhin aus einer grundsäßlichen, systematischen Opposition augenblicklich Nachtheil er wachsen, das Volk muß einsehen lernen, daß für das höchste Gut der Freiheit kein Opfer zu groß ist. Fassen wir das Gesagte in Eins zusammen! Die politischen, sozialen und nationalen Verhältnisse stehen in Wechselwirkung mit einander; sie bedingen nnd ergänzen sich gegenseitig. Die Volkspartei muß den demokratischen Grundsaß der Rechtsgleichheit Aller ebenmäßig auf den Gebieten des politischen, sozialen und nationalen Lebens zur vollen Geltung bringen. Nur so kann sie das Ziel erreichen, das ihr vorgesteckt ist: Den Friedens- und Freiheitsbund der Völker Europas." Nachdem Jacoby seine von den lebhaftesten Beifallsbe dreifache Hoch auf ihn verhallt war, wurde von einem der zeugungen begleitete Rede beendigt hatte, und nachdem das Anwesenden eine Petition an das Abgeordnetenhaus um un terstüßung der nothleidenden Ostpreußen aus dem Staatschatz gestellt. Dagegen beantragte Buchhändler Alexander Jonas: In Erwägung, daß das Abgeordnetenhaus sich unfähig erwiesen, für das Recht und die Wohl fahrt des Staats zu sorgen, geht die Wählerver sammlung, obgleich fie fich fachlich mit ersterem Antrage einverstanden erklärt, zur Tagesordnung über." Herr Jonas sagte zur Begründung seines Antrags: ,, Wenn überhaupt eine Besserung unserer politischen und sozialen Lage eintreten soll, so muß als erstes Zeichen dieser Besserung gelten, daß wir nicht da hoffen, wo alles hoffen vergeblich ist, daß wir nicht unsere Zuversicht dahin richten, woher uns kein Heil mehr kommen kann. Wir haben seit zwei Jahren viel ver loren die verbrieften Rechte der Nation fie find begraben; die natürliche Macht, die ihnen inne wohnt, die trop aller Spötter nicht gebrochen werden konnte, ohne Mithülfe der Volkss vertreter, diese Macht ist dahin; der National- Wohlstand ist tief unterwühlt- aber es ist auf Erden nichts so schlecht, daß es nicht auch' mal Nuzen brächt'", als Resultat dieser Epoche, in welcher die parlamentarischen Ereignisse keine glänzende Rolle gespielt, bat sich mit überwältigender Kraft die Erkenntniß Bahn gebrochen: Parlamente allein thun's nicht mehr!"( Lebhafter Beifall.) Diese Erkennt niß darf aber nicht abgeschwächt werden, indem wir durch unsere Hand lungsweise neue Illusionen erwecken. Man wird antworten: Wir müssen unsre Schuldigkeit thun, auch ohne Aussicht auf Erfolg. Ge wiß: was aber ist unsere Schuldigkeit? Man verwechsele nicht die Bersonen! Die Schuldigkeit des Volksvertreters, der mit einem bes stimmten Auftrag ausgerüstet ist, ist es streng nach dem vorgeschriebe nen Weg das unbedingte Festhalten an den Rechten des Volkes, die Wohlfahrt und die Freiheit desselben zu wahren und wenn er kann zu mehren.( Rauschender Beifall). Wir haben keinen Auftrag, wit find die Auftraggeber, in uns ruht der Ursprung jener Rechte und Freis heiten, unsere Schuldigkeit ist nur zu erreichen, wenn nicht durch, trof der Parlamente. Das ist praktische Politik für das Volk, eine Politik, die das Volk treiben darf, weil es nur sich selbst verantwortlich ist und allein die Folge zu tragen hat Wenn dies nun im Allgemeinen von den parlamentarischen Zuständen dieser Tage gilt, wenn wir von un serer Volksvertretung keine Hilfe zu erwarten haben, so tritt in de vorliegenden Fall für die Ablehnung der vorgeschlagenen Petition no ein verstärkendes Motiv hinzu. Meine Herren! eine Provinz des Staas tes hungert in den Schazkammern desselben Staates liegen Millio nen aufgehäuft Millionen sollen an besiegte, in Ueberfluß schwel gende Fürsten gegeben werden( rauschender Beifall), und das Boll soll seine Bolksvertreter erst auffordern, die Millionen für die hungern den Mitbürger flüssig zu machen? Nein meine Herren! wenn es dod möglich sein könnte, wenn die ausgestreckten Arme der Darbenden zu rückgewiesen werden könnten von denen, die sich Vertreter und Abge ordnete des Volkes nennen, lassen Sie sich auch das noch vollenden dert. Aber keine Petition, feine vergeblichen Resolutionen mehr! Täuschen Sie sich nicht selbst, indem Sie glauben, etwas gethan zu haben, wenn Sie die Petition beschließen, die doch nichts änNein, meine Herren, gehen Sie von hier fort mit der Ueberzeugung unserer Hülfslosigkeit, mit der Erkenntniß, daß wir, verlassen, uns nur auf uns selbst verlassen dürfen. Die Früchte der Erkenntniß, deß seien Sie gewiß, werden reifen und uns zum Ziele führen."( Enthusiastischer Beifall.) Jacoby erklärte hierauf, daß es sich seinerseits nicht zieme, weder für den einen, noch den andern Antrag zu spre chen, da er bis jetzt noch Mitglied des Hauses sei. Uebrigens sei ein ähnlicher Antrag bereits in Borbereitung. Aber es gehe im Abgeordnetenhaus etwas langsam.( Gelächter.) Es werde zwar zwischen den Parteien verhandelt, allein die Regierung halte an dem Grundsaß fest, daß der Staatsschatz nur ein Kriegsschaß sei.( Entrüstung.) Nun schritt die Versammlung zur Abstimmung, und der Antrag des Herrn Jonas wurde fast einstimmig( nur etwa 30 waren dagegen) angenommen. Durch dieses, dem preußischen Abgeordnetenhaus ertheilte Mißtrauensvotum hat die Berliner Wählerschaft sich um die Sache Deutschlands und der Demokratie verdient gemacht, und wesentlich zur Ueberbrückung der moralischen Mainlinie beigetragen, die der schwarz- weiße Partikularismus der frü heren ebensowohl wie der jetzigen Kammer- Majorität gezogen hat, und ohne welche die politische Mainlinie nicht möglich gewesen wäre. Russische politische Flüchtlinge in West- Europa. Von S. B. II. 45 Aber was wollen die flüchtigen" Russen? Bis auf, Weiteres müssen wir den Zweck leider als ganz gleichgültig betrachten, zu welchem sich der Afstakoffs, Katkoffs, der Herzen'sche Bugatscheff II., Bakunin, Kauffmann, Schuwaloff, Berg, Her zen, Schedo- Ferotti, Murawieff unter einander zerzausen. Uns gegenüber sind sie Alle ganz einig, wenn man nicht etwa Tschernischewski, zu den Strafarbeitern nach Sibirien geschickt, und Dobroljeboff, im Alter von 26 Jahren gestorben, radikale Gegner Herzen's, abtrennen darf, über die unsere Nachrichten jedoch noch sehr mager sind. Das Streben aller Russen geht dahin, sich für den materiell angenehmeren Westen und Süden der Erde annehmbar zu machen, uns für die Bes fibergreifung durch sie der Flußgebiete des Niemens, der Weich. sel, der Donau und der Türkei mürbe zu schwaßen. Außer diesem haben ihre bärenhaften Purzelbäume feinen anderen 3 wed! Aber in Europa war der floßige Braten längst gerochen worden. In Deutschland, dem Lande der Schlözer, Schlosser, Genz, Harthausen, Fallmerayer, Mary, konnte Herzen nirgends Fleisch fassen; er überhüpfte es; in Frankreich wurde ihm auch nicht recht wohl und in England gar nicht; für die Schweiz zu brummen, lohnte nicht; in Galizien jedoch können die flüchtigen" Russen auf die Zerstücke lung Desterreich's hinweisen, wobei den Italienern dalmatische Küstenländer mit unbestimmter Fortsetzung und wohl auch einige türkische Inseln in Aussicht erscheinen und in Itaund in Jta lien haben sie zweifelsohne deswegen einige findliche und findische Zuhörer gefunden. Die verrannten reaktionären englischen Urquhartisten stellen den Garibaldi geradezu als rus fischen Agenten dar. Dergleichen Behauptungen thut man am besten als verdrehte abzufertigen. Jedoch die letzten Philippiken Garibaldi's gegen die Türken dürften zum Theil auch BakuninHerzen Dolgorukoff Ogareff'sche Inspirationen sein, die nicht einmal das officielle Rußland, dort durch ein Kisseleff ver= treten, den Bruder des noch in Paris lebenden Vaters des berüchtigten Moldau- wallachischen Rodеr( уетавы) zu verdammen braucht. Im großen Ganzen ist der Bär, um mich eines Studentenausdrucks zu bedienen, glänzend abgefahren". Je dreister die Schreibstücke Gortschatoffe den Kabineten gegenüber, desto schärfer hat die ganze große europäische Gesellschaft die Ohren gespißt. Ihr Lunte riechen", ihr ,, oeil américain", ihr ,, smel ling a rat" hat sich sogar auf das Benehmen erstreckt, welches die Mitglieder des Friedensausschusses in Bern, gegen ihre russischen Kollegen einhalten, so daß Herzen in dem franzöfischen Kolokol" zum Flennen schreitet, wobei er zur besonde ren Belustigung der Sachkenner, und gar nicht einmal sehr verdeckt, mit den Kosaken droht. Es wäre lächerliche Einfalt, fich dagegen zu verwahren, daß man etwa die Annäherung des russischen Volkes an das übrige Europa bekämpfen wollte. Mit solchem Gefühlsge= dufel ginge man dem Herzen in die Falle. Seine Zwecke zu verdecken, spielt er als Gegenpart solcher frechen diplomatischen Bretterhelden, wie die Mentschikoffs, Gortschakoffs und Ignatieff's, den unschuldigen armen Lumpen von bufolischer Nei. gung, den die übermüthigen West- Europäer bis hinter Ural und Wolga wegpeitschen wollen. Es giebt vielleicht bodenlose Häringsseelen ich glaube unter ihnen sind einige englische Anhänger des französischen Afterphilosophen Comte, die dahin zielendes Geplapper ernsthaft führen. Aber welchem vernünftigen Menschen kann es denn einfallen, ein ganzes Bolf weg rasiren zu wollen, wie es die Nichts- als Verrufser ( приоворусите) mit den Polen beabsichtigen? Herzen soll doch einmal die Pamphlete, Brochüren, Zeitungen Deutsch lands, Frankreichs, Englands( von Italien spricht er nicht) namentlich angeben, die er als dahin zielende im Allgemeinen erwähnt! Damit will er nur die Aufmerksamkeit von seinem wirklichem Ziele ablenken, grade wie, in andrer Weise allerdinge, ein russischer Agent thut in der vor mir liegender Broschüre: Europa, wird es republikanisch oder kosafisch?( Leipzig 1866, Verleger, Kasprovicz). In ihr wird das Erregen von Besorgniß vor Rußland dermaßen auf die Spize getrieben, daß Furcht lächerlich erscheinen muß. Somit hätte alsdann der russische Agent seinen 3wed erreicht. Es giebt Russenhaß in Europa, wie Russenliebe. Es ist Russenerkenntniß, die wir brauchen. Als Vertreter einer Art Schaufelerkenntniß muß der Schotte, Herr Mountstuart Grant Duff genannt werden, ein Mitglied des englischen Unterhauses, der die seichten deutschen Schreibereien Herzens wohl nie gelesen hat und die russischen nicht lesen kann, ihn demnach nur nach Hörensagen behandelt, wenn er ihn in seinen politischen Aufsäßen sowohl, wie in Ferienreden vor seinen Wählern einen geschickten Schreiber" nennt. Herr Duff verdammt den russischen Nihilismus", der aber nichts Anderes ist, als was man sonst bei uns Radifalismus nennt. Darin sympathifirt er also mit Herrn Katkoff, dem Redakteur der Moskowskija Wiadomosti". Von dem ,, flüchtigen" Prinzen( daß Knjas nicht unser ,, Pring" ist, weiß Herr Duff vielleicht nicht) Dolgorukoff erzählt er mit wohlwollendem Schmunzeln, er hätte niedlich klar" gesagt, es gäbe zwei Arten von Nihilismus": ,, den Nihilismus derer, die nichts in ihren Taschen, und den Nihilismus derer, die nichts in ihren Köpfen haben." Der Knjas und Duff sagen natürlich nichts von dem Aliquidnuncismus derer, die etwas in den Taschen, und nichts im Kopfe haben. Allerdings ist Herr Duff ein höherer Zeitungsverständiger, ein guter Erläuterer täglicher Leitartikel und pe riodischer Papierdrachen, die von 10 Schillingen bis fünf Pfd. 46 Sterling die Elle fosten. Unter seinen Drafeln find penny- aliners, wie Edmond About, Mar Schlesinger, und Diplomaten des Daily Telegraph. Er ist ein für uns gefährlicher Herold der Russen, da er luftig die Russophobie" verschreit. Viele Lefer werden sich noch des Berliner Krakehlers" von 1848 erinnern, der mit riesenhaft großen Lettern:„ die Russen fom. men, die Russen kommen, die Russen kommen!" druckte, um unsere Aufmerksamkeit von der Weichsel weg dem Rheine zu zulenken. Herr Duff verarbeitet also nur einen alten rus fischen Witz für England, wenn er sein ,, Russ, Russ," hier überall ironisch herumhöfert. Bei Behandlung österreichischer Angelegenheiten fagt er: Ich bin fein Feind von Rußland, aber ich wünsche nicht Rußland weiter nach Westen fort schreiten zu sehen". Bolen giebt er hiermit schon entschie. den auf; mit seinem Geplauder über Kongreßpolen schaufelt er das Ganze, für ihn eine Leiche, nur tiefer in den Sand. Und nach Süden fortschreiten, ja? Wenn ja, so betet er dem Nicolai Turgenieff nach, der in seinem„ Rußland und die Russen", es bejammert, daß ,, la Russie est un pays trop essentiellement méditerranéen( Rußland ist ein Land zu durchgängig mittelländisch)." Damit soll nämlich gesagt sein, daß es zu weit vom mittelländischen Meere liegt. Es ist klar, man muß sich dem viel herumgetriebenen, geschmäßigen und vielschreibenden( roλúdovog xxl modunyopos xal moλuypápoc) Herrn Duff, der Reftor einer schottischen Universität ist, auf eutlice Särmeite nähern( προσελθεῖν εἰς ἐπήκοον) μηδ igm, wenn, wie im vorliegenden Falle nöthig, auf die Finger flopfen( xohákev). Die englischen Staatemänner" lieben Klassische Behandlung; darum, wie man sieht, gebe ich mir dafür Mühe. fällt, und der sich darin ergiebt, ist der russischen Naturan lage durchaus antipathisch." " durchgängig, daß die Handlungen des gewöhnlichen Lebens ſich Der dem Herrn Herzen langweilige" Europäer denkt wohl nicht allminutlich mit der Theorie" in Uebereinstimmung bringen lassen. Der gründlich vermittelnde Europo- Afiati mus der Ruffen mit der tief wissenschaftlichen Grundlage panfla vistischer Brådestination, dreht diese Alltäglichkeit um, wie einen alten Schuh. Zum Beweise, daß man genug von der Schule habe" und unwiderleglich sei, wird dann freuz und quer Goethe angeführt und Heine, Kant und Schiller, mit widerlicher Auf dringlichkeit, in einer Weise, die man in manchen Gegenden Deutschlands mit„ nicht gehauen und nicht gestochen" bezeichnet Allerdings dürfte Herr Herzen arg betroffen sein von de Widerspruch, in dem sich viele ehemalige deutsche politische Flüchtlinge bewegen, die in Genf und London seine slavonisch orientalische offene Tafel anaßen und troden tranfenum so ärger betroffen, als es schwer ist zu sagen, ob sie ihn da mals„ theoretisch" ankneipten und heute praktisch" verleugnen, oder ihn praktisch" beschmaroßten und nun„ theoretisch schuppsen. Er preist den zufünftigen König von Preußen und die zukünftige Königin, obgleich auch sie, wie er denkt, kein goldenes Zeitalter herbeiführen werden. Als Maaßstab für sein Berständniß der Nothwendigkeit ernster Behandlung der Kapital und Arbeitsfrage führen wir genau seine Worte an: Um zu erfahren, auf welchem erzoriginellen Singulari mus russischer Theorie" der praftifirende Pluralismus ruffischer Aneignungefertigkeit beruht, feien an alle und jeden einzelnen Russen die folgenden 3 Fragen gerichtet. Die Saturday- Review" wies neulich, und sehr richtig, darauf hin, daß Zeichen einer Verbindung sichtbar werden zwischen einigen südlichen er spricht in Schottland, meint also englische Arbeitern und Störenfrieden Jsraels auf dem Kontinent, daß Chartismus in Mazzinismus übergeht. Es ist von daher keine Art von Gefahr zu be fürchten, wenn unsere politischen Angelegenheiten hinfür eine entschieden liberale Färbung annehmen. Thun sie das nicht, so möchte ich denjenigen, die es näher angeht, rathen, ohne Zeitverlust die Sturmfignale aufzuziehen." 1. Wollt Ihr Eure Grenzen in Afien weiter ausdeh nen? Ja oder Nein? 2. Wollt Ihr Eure Grenzen in Europa weiter auss dehnen? Ja oder Nein? 3. Wollt Ihr Polen herausgeben? Ja oder Nein? Auf diese Weise schüttelt Europa fich die Epizoen( Läuse, Kräßmilben u. s. w.) der russischen Diplomatie, und Entozoen ( Bandwürmer) der russischen Flüchtlingsschaft ab, theoretisch und praktisch.*) lichen. *) Der Verfaffer dieses Aufsages beabsichtigt den vorstehenden und ähnliche in russischer und französischer Sprache zu veröffent ( Beim zweitlegten Wort des Artikel I ist durch ein Versehen fol *) Пpисоворуекть ift in feinem Wörterbuch zu finden. G des Verfassers eigenes Wortgebilde, nach присовокушить zuſammen gebaut. Die Wiederherstellung Polens. III. ur de br Ar pr ter la erf Ru fei ୧୫ ba τόν G au in St der gen Di ten ton 25 ruf um nif tüd St deri fieb für toa iche lif ten. ichl Fru ber Die Sta Ero tri Bige aus Schon die unaufhörlichen Kriege, Rußlands beweisen, daß Der Held des Genfer Friedenskongresses ist für ihn der sich in die Angelegenheiten aller Mächte fleißig eingemifcht nes stets dem Artikel 3 des Testamente nachgekommen ist und anständige Schweizer Eisenbahn Industrieritter, mit den fran bat. Für die besonders empfohlene Einmischung in die B zösisch- imperialistischen Finanz- Zephyren verkettet, Herr Schmid hältnisse Deutschlands boten die vielfachen Berwandtschaften des lin von Basel. Schaukelnder Gaukler, was Rußland betrifft, geschmäßiger Molinari zu rechnen, genug von seinem Kaliber. Er ist die Berkörperung des englischen höheren Bildungsbreis. 9 nachdem die Theilung Bolens die Höfe von Petersburg, Czaren mit den deutschen Fürsten die trefflichste Handhabe Wien Beri Diff ten eing bar gen dann Des Reid laus Reich ein bi lern, Student und Nachbeter von Saturday- Review, Berehrer hatte. Kaiser Alexander L. war ce, der im Jahre 1809 Bre Todtengräber Bolens, Bewunderer der zukünftigen Hohenzol und Preußen in unmittelbare Beziehungen zu einander gefest der europäischen Schmidlins, zu denen die Schulze- Delißsch und ßen abhielt, an dem von Desterreich beabsichtigten Kampfe so wissen wir für unsern Krieg wohl gegen Napoleon sich zu betheiligen, so daß der Krieg in dem von vornherein hoffnungslosen Aufstand Tyrols sich verflüch Nun zurüd wieder von den europäischen schon vermits tete. Im Jahre 1815 aber machte er sich durch die Stiftung telten" Russen zu den europo- asiatischen Bermittelungs- Russen. lands, bei dessen Neugestaltung auf dem Wiener der heiligen Allianz zum thatsächlichen Oberherrn Deuts ,, Der schwankende Dualismus der Deutschen" unser Weiser aus dem Mitternachtslande in dem franzö- jede freiheitliche Regung niederdrückte, wie der im ruffifchen sagt sein Einfluß der maßgebende war. fischen Kolokol-, die da wissen, daß das Leben, der Theo- Solde stehende Fürst Metternich die Polizeigewalt in unserem rie nach," nicht mit den praktischen Sphären zusammen gesammten Vaterlande handhabte, das ist uns Allen mit Blut Congreffe Wie diese heilige dianj I ht 3 11 fe g ut 47 drang? Wir müssen russische Truppen dorthin senden, heißt es Art. 4, und sie dort lassen, bis sie eine Gelegenheit gefunden haben, für immer dort zu bleiben." Nun wohl, sie sind für immer dort geblieben. Mit Stanislaus August stieg thatsächlich die Kaiserin Katharina, stieg Rußland auf dem polnischen Königsthron. Freilich ging es nicht an, die Beute allein zu verschlucken. Preußens Gelüste waren nicht minder groß, Friedrich II. war fein Gegner, der mit sich spielen ließ, und Desterreich beseßte sofort Galizien, um nicht leer auszugehen. So mußte denn Rußland mit seinen beiden Nachbarn theilen, und 1846 erhielt Desterreich noch den lezten Rest des selbstständig gebliebenen Polens, den Freistaat Krakau, da Rußland unfähig war, so lange es seine Macht im Orient brauchte, das revolutionäre Element in Bolen niederzuhalten und man auf diese Weise die Gunst Desterreichs zu erkaufen hoffte, indem man Preußen zugleich einen schweren Schlag versezte. Denn die Vernichtung Krakaus schlug dem Handel Schlesiens noch nicht vernarbte Wunden, welche 1847 fürchterlich in der Noth der schlesischen Weber aufklafften. Der Hungertyphus, welcher unter ihnen in Folge der Einverleibung Krakaus in Desterreich ausbrach, raffte nicht weniger als 40,000 und Thränen in das Gedächtniß eingeschrieben. Die Stürme des Jahres 1848, meit entfernt, den Einfluß Rußlands zu brechen, trieben die deutschen Fürsten nur zu einem engern Anschluß an den zaren, unseren Vater", wie er in dem preußischen Herrenhause genannt wurde. Dank„, unserem Bater" entbrannte der Bruderkrieg des Jahres 1866, der Deutsch land in ähnlicher Weise zerfetzt hat, wie die Kriegspolitik des ersten Napoleon. Der Krieg von 1866 war die Mine, welche Rußland springen ließ, um durch die Erschöpfung Desterreichs seinen Absichten auf Konstantinopel näher zu fommen, wie es mit seinem Golde dem Aufstande Italiens 1859 Leben ein haucht hatte, um Desterreich zu schwächen und zugleich gegen den römischen Katholicismus, welcher das Mark Bolens war, einen Schlag zu führen. Russisches Gold war es auch gewesen, das auf dem Congreß zu Verona Frankreich bewog, die Revolution in Spanien 1823 mit bewaffneter Hand nieder zu werfen. Spanien hatte sich erhoben, um die Constitution von 1812, deren Garantie Rußland in einem besonderen Artikel des allgemeinen Friedensvertrages übernommen hatte, durchzuführen. Die Werkzeuge Rußlande waren die beiden französischen Gesand ten, der bekannte Romantiker Chateaubriand und de la Ferronais. Jeder von ihnen bezog eine russische Pension von 25,000 Frcs. Dafür scheiterte aber auf diesem Congresse der russische Plan einer europäischen Intervention in Amerifa, um die spanischen Colonieen, welche sich während der napoleonischen Kriege für unabhängig erklärt hatten, an Spanien zu rückzubringen und in dessen Gefolge der Freiheit der Vereinigten Zeitung" vom Jahre 1832. Bald nach dem Ende des dama Menschen hin. Daß der jeßige Zustand des russischen Polens keineswegs die Wirkung der durch heldenmüthigen Widerstand aufs Höchste gesteigerten Rachsucht des Siegers ist, sondern lange toraus bedacht war, erhellt aus einem Artikel der offfciellen Moskauer ligen polnischen Aufstandes erklärte das Kabinet von St. Pe tersburg durch das genannte Organ, daß es die Welt lehren würde, wie eine Nation thatsächlich zur Sklaverei herabgedrückt werden kann." Das Blatt fügte hinzu, daß es mit England, welches beschuldigt wird, die polnische Infurrektion von 1831 veranlaßt zu haben, seiner Zeit allein in Calcutta zu Staaten von Nordamerika ein Ende zu machen. Es war derselbe Gedanke, welchen Napoleon III. wieder aufnahm. Man fieht, daß auch diese Idee, wie alle andern, mit denen dieser oft für genial gehaltene Kopf hervorgetreten ist, fremdes Eigenthum har. Wie sein Blan einer gemeinschaftlichen Intervention so lischen Kabinets vor einem Kriege mit den Vereinigten Staa thun haben werde. Seitdem ist Rußland fast bis an die schloß England schnell ein Bündniß mit Nordamerika. Die ärgste Sklaverei gestürzt worden. Wenn Preußen, dessen Bei Frucht der beabsichtigten europäischen Intervention, war die berühmte Botschaft des amerikanischen Präsidenten Monroe, empfohlen wird, Polen germanisirt hat, so begnügt sich Rußdie bekannte Monroe- Doktrine. spiel von der Moskauer Zeitung" 1865 zur Nachahmung land nicht damit, dem erbarmungswerthen Polen mit dem fo erwies sich später Lord Palmerston um so gefälliger gegen Benn Lord Canning die russischen Pläne durchkreuzte, Reste seiner Selbstständigkeit seine Sprache zu nehmen, es nimmt ihm auch seinen Glauben. Die russische Regierung, Reiche. Nichts steht dieser Lösung entgegen. Die Abmachungen des Wiener Vertrags, welche dawider zu sein scheinen, sind null oder thatsächlich abgeschafft." Das Rabinet von St. Petersburg. Russischem Golde scheint fein heißt es in dem Artikel, kann in der That nichts anderes im Staatsmann widerstehen zu fönnen. Gelang Rußland die Auge haben, als das vollständige Aufgehen Bolens in dem Eroberung des Raukasus, fonnte es in Folge dessen dem un trifft die Verantwortlichkeit Lord Palmerston, dessen fluchwür glüdlichen Polen den Fuß vollends auf dem Nacken fezzen, so dige, landesverrätherische Politik England entmannt und fast aus der Reihe der Großmächte ausgestrichen hat. Nun, in dem Wiener Vertrage von 1815 gewährleisteten sämmtliche Großmächte, Rußland mit eingeschlossen, Polen der Beute wieder abzujagen. Schon auf dem Wiener en Nachweises, wie das Testament Peters des Großen im zerreißen, nachdem ihn Frankreich zerrissen hat? Fragt sich, ob Art. 4 Schritt vor Schritt befolgt worden ist, nachdem die auch der Schluß von Art. 3 des Testaments eine Wahrheit Das unglüdliche Polen! Bedarf es hier eines umständ. seine Selbstständigkeit. Freilich, warum soll ihn Rußland nicht Berfolgung und Unterdrückung der Protestanten, der sogen. werden wird, wie der übrige Inhalt? Danach soll die TheiDiffidenten in Polen,( und auch Preußen) den längstgewünsch lung Polens nur eine vorläufige sein, bis Rußland Zeit und ten Borband geboten, sich in die Angelegenheiten dieses Landes Gelegenheit findet," Preußen und Desterreich ihren Antheil an auch preußische)" Intriguen und Gelder unausgefeßt thätig Congres wurde Preußen genöthigt, den größten fbaren, um Spaltungen unter dem polnischen Adel zu erzeu- Theil seiner polnischen Besißungen an Rußland gen und die Unordnung im Staate zu unterhalten, welche herauszugeben. Diese Thatsache deutet beweisend genug. dann den Vorwand zur ersten und den folgenden Theilungen des Landes boten? Wie Katharina 40,000 Mann in das Reich fandte, um die Königswahl ihres Günstlings Stanis laus August durchzusehen, und russische Soldaten auf dem Reichstage frech unter den Deputirten saßen und auf diese tinhieben, als man auf ihre Entfernung aus dem Saale in die Gegenwart und Zukunft. 48 Aus Amerika. New- York, den 15. Januar 1868. Die lezten Tage haben uns sehr aufregende Nachrichten aus Washington gebracht. Im Repräsentantenhaus wurde ein Gesez eingebracht, welches die gesammte Macht in den südlichen Staaten dem Präsidenten entzieht und auf den Ober befehlshaber der Armee überträgt. Da der Inhaber dieses Postens Grant ist, so glaubt man, daß das Haus durch die Annahme dieses Gesezes ihn im Voraus als den im Novbr. zu wählenden Präsidenten feststelle. Der Senat beschloß am Montag mit überwiegender Mehrheit, daß die vom Präsiden ten im vorigen Jahre verfügte Abseßung Stantons ungesezlich sei; der Beschluß wurde noch denselben Tag an Stanton sowohl als an Grant, den zeitweiligen Inhaber dieses Amtes, mitgetheilt. Was that nun Grant, der so bereitwillig Johnsons Wunsch nachgekommen war, vorläufig Kriegsminister zu spielen? Noch am Samstag hatte er Johnson auf die Frage, was er zu thun gedächte, wenn der Senat Stanton wieder einsetzte, geantwortet: Ich werde entweder meine Entlassung als Kriegsminister nehmen, oder mich durch richterlichen Befehl vertreiben laffen. Dienstag Vormittags um 10 Uhr tritt er aber ganz bereitwillig sein Amt an Stanton ab und benachrichtigt um 12 Uhr den Präsidenten brieflich, daß er in Folge des SenatsBeschlusses aufgehört habe, Kriegsminister zu sein. Johnson ist über Grants Benehmen natürlich höchst entrüstet und hat auch bis jetzt mit Stanton noch keinen Verkehr angeknüpft. Es ist kaum wahrscheinlich, daß er diesen sehr verspäteten Hieb des Senate ganz geduldig hinnehmen werde. Vor einigen Tagen tam hier das Segelschiff Leibniz, von der Firma R. M. Sloman in Hamburg, an, auf welchem wäh rend der Fahrt 105 Passagiere an der Cholera gestorben waren. Ein Arzt war nicht an Bord gewesen, wie dies auf Segelschiffen Regel ist. Die Verpflegung und Sauberkeit läßt auf allen Segelschiffen und im Zwischendeck der Dampfschiffe sehr viel zu wünschen übrig; es ist aber ein offenes Geheimniß, daß keine Zeitung New- Yorks irgend eine Klage aufnimmt, und ich weiß aus sicherer Quelle, daß Agenten des Bremer Lloyds ganz offen mit dieser Thatsache geprahlt haben.. Prinz Carneval. In blanken Waffen starrt die Welt, Ihr täglich Brod ist jetzt das Blei, Doch all das Rasseln übergellt Boll Angst und Schmerz ein jäher Schrei: Er fam, mit dem ihr lang gedroht, Und hält freiwillig sein Gericht, Ihn bannt der Mächtigsten Gebot Auf ein begränztes Schlachtfeld nicht. Durch alles Land folgt er der Spur, Die breiter stets der Hunger trat, Doch ist der Tod ein Schnitter nur, Und seine Ernte Eure Saat: Nicht hat es Euch im Schlaf gestört, Daß hoffnungsloses Elend wacht, Hoch oben habt Ihr nicht gehört Das Röcheln unten tief im Schächt. Nun seht Ihr erst die schwere Zeit, Die längst Euch als zu leicht befand, Nun eilt und übt Barmherzigkeit Und schließt die Kette Hand in hand. Db dem, was Euer Hader schuf, Erhebe sich ein eing'ger Schall, Ein Brudergruß doch welch ein Ruf Ertönt hier nach Prinz Carneval?! Darüber hin der Raben Flug, Fraß witternd, gierigen Geschrei's Wälzt sich der trunf'ne Mastenzug, Und Alles lustig auf Geheiß, Doch die, im Mark des Fiebers Gluth, Sich ungeladen stellten ein, Heißt lustig auch mit frechem Muth Die Sorge und die Seuche sein! Boll Ernst in's hohle Auge blickt Dem Tod des Mannes Angesicht, Am düstern Aschermittwoch schickt Sich eine Narrenfrage nicht; Vorbei die Lust der Mummerei Mit Allem, was in littern gleißt, Wenn Noth von jeder Heuchelei In wildem Zorn die Larve reißt! Dumpf grollt's allüberall und gährt, Daß Muth'ge selbst ein Schauder faßt, Die Stunde, die uns noch gewährt, Im Taumel sei fie nicht verpraßt; Wenn leise nur ein Glöcklein klingt, Bricht die Lawine jäh herein, Sie droht doch was zum Sturz sie bringt, Soll nicht des Narren Schelle sein! Albert Traeger. Vermischtes. Aus der Schweiz ertönt ein gellender preußischer Nothschrei. Die hannöver'schen Flüchtlinge seien plöglich von ihren Führern nach Frankreich geschickt worden, und das bilde ein Gegenstück zu dem kurhessischen Menschen handel belehrt uns eine lithographirte Corresponden die auch dem ,, dem. Wochenblatt" zugesendet ward. Aber ist es denn gewiß, daß die Hannoveraner in Frankreich zu Krieg diensten verwendet werden sollen? Und wenn es wahr wäre und wirklich in Frankreich eine hannover'sche Legion" ausgebildet werden sollte, um bei Gelegenheit an der Spige einer franz sischen Armee ins Welfenland zu marschiren, wäre der Ber gleich mit dem kurhessischen Soldatenverkauf gerechtfertigt Daß Deutsche vom Auslande die Befreiung erwarten können, ist traurig genug aber wer anders trägt die Schuld, al Diejenigen, welche Deutschland mit Hülfe des Auslan des geknechtet und damit natürlich auch unter de Einfluß des Auslandes gebracht haben? Wenn es sich bestätigt, daß die hannover'schen Flücht linge in Frankreich eine militärische Organisation erhalten, o wäre damit allerdings bewiesen, daß die franzöfifche Regi rung ihre Partie ergriffen hat, und es nicht mehr für nöthig erachtet, ihre kriegerischen Absichten zu verhüllen. Berantwortlicher Redacteur: B. Liebknecht. Leipzig. Redaktion: Braustraße 11. } Expedition: Windmühlenstraße 14. Druck und Verlag: C. W. Vollrath. Hierzu eine Beilage. bil